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Das botanische Practicum; Anleitung zum Selbststudium der mikroskopischen Botanik.

Eduard Strasburger · 1884 · Scanned text · Free in the US

266,364 words · about 18 h 39 min to read

Period artwork: Interior of the Bodleian Library, 1845
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About this book

Author
Eduard Strasburger
Language
German
Published
1884
Length
266,364 words · about 18 h 39 min
Sections
2 reader sections
Text
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Rights
Public domain in the United States · PD-US by publication date

 

Contents (2)
  1. Vorwort about 6 min
  2. Einleitung about 18 h 33 min

Continue:

Vorwort

Die grossen Fortschritte, welche unsere Kenntnisse von dem inneren Bau der Organismen in den letzten Decennien gemacht haben, sind vor Allem der mikroskopischen Forschung zu danken. Dem entsprechend wuchs das Verlangen nach guten Mikroskopen, steigerten sich die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit derselben und veranlassten die Optiker, auf eine stetige Vervollkommnung dieses Instruments zu sinnen. — Jeder namhafte Fortschritt auf optischem Gebiete zog seinerseits eine Fülle neuer Leistungen auf den Gebieten der mikroskopischen Forschung nach sich. So griffen seither und greifen noch die Erfolge auf beiden Gebieten in einander. Wir Mikroskopiker fühlen uns aber vor Allem dem Physiker Ernst Abbe verpflichtet, durch dessen rastlose Bestrebungen die jetzige Leistungsfähigkeit unserer Instrumente hauptsächlich erzielt wurde.

Mit der Erweiterung und Vertiefung der mikroskopischen Forschung vervollkommnete sich zugleich die mikroskopische Technik und bildete sich zu einer eigenen Kunstfertigkeit aus, ohne welche ein erspriessliches Arbeiten am Mikroskop nicht mehr möglich ist. — Nicht nur das mikroskopische Sehen will jetzt durch planmässige Uebung erlernt werden, sondern auch die kunstgerechte Zubereitung der zu beobachtenden Gegenstände, da ohne eine solche auch mit dem besten Mikroskop nur noch wenig zu erzielen ist. Das vorliegende Buch stellt sich die Aufgabe, den Anfänger in die mikroskopische Botanik einzuführen und den Fortgeschritteneren in dem Studium derselben zu fördern. Beiden, dem Anfänger wie dem Fortgeschritteneren, soll Gelegenheit gegeben werden, sich nicht nurin derBeobachtung zu üben, sondern auch mit der ganzen modernen mikroskopischen Technik bekannt zu machen. Da die botanische Arbeit am Mikroskop besonders geeignet erscheint den Ausgangspunkt für mikroskopische Studien überhaupt zu bilden, so wird

Iv Vorwort.

dieses Buch nieht allein Demjenigen dienen können, der sich der Botanik zu widmen beabsichtigt, sondern auch allen Denjenigen, deren Beruf ein Vertrautsein mit dem Mikroskop verlangt. Auf das Bedürfniss der Medieiner ist insofern Rücksicht genommen worden, als die Cultur- und Untersuchungs-Methoden der Spaltpilze eingehende Behandlung erfuhren. Gerade diese letztgenannten Untersuchungen verlangen ja, wie nur zu oft vergessen wird, die genaueste Kenntniss der mikroskopischen Technik und können nur von Demjenigen mit Erfolg betrieben werden, der mit den Methoden der neuen Forschung vollkommen vertraut is. — Die mikroskopische Forschung greift jetzt in immer weitere Kreise menschlichen Wissens hinein, so dass eine gewisse Erfahrung auf diesen Gebieten bald zu einer allgemeinen Anforderung der modernen Bildung gehören dürfte. Alles was sich an Naturwissenschaften anlehnt, wird dem Mikroskop dienstpflichtig und die stetig wachsende Anzahl optischer Institute, welche zu immer zugänglicher werdenden Preisen brauchbare Mikroskope liefern, ist wohl das beste Kriterium für die enorme Verbreitung, welche dieses Instrument bereits gefunden hat.

Da der Anfänger im „botanischen Practicum“ meist erscheint, ohne mit dem Gebrauch der optischen Instrumente auch nur oberflächlich vertraut zu sein, so ist auch das vorliegende Buch so gehalten, dass es zu Anfang möglichst wenig voraussetzt und erst allmählich die an den Beobachter zu stellenden Ansprüche steigert. So wird es auch Denjenigen, der ohne fremde Anlei-_ tung in den Gebrauch des Mikroskops eingeführt werden möchte, in den Stand setzen, dieses Ziel zu erreichen. Doch verlangt dieses Buch bereits eine gewisse Bekanntschaft mit den wichtigsten Thatsachen der Botanik, wie sie etwa durch das Hören einer Vorlesung über allgemeine Botanik, oder durch das Studium eines der neueren Handbücher der Botanik zu erreichen ist. Der mit grösseren Lettern gedruckte Theil des Textes ist für den Anfänger bestimmt und so gegliedert, dass er denselben vom Einfacheren zum Zusammengesetzteren leitet und in 34 Pensen mit den wichtigsten der am Mikroskop zu lösenden botanischen Aufgaben vertraut macht. Die Zahl der Pensen wurden auf 34 normirt, der Anzahl practischer Uebungen gemäss, die im Laufe eines Universitäts-Semesters mit Anfängern etwa abzuhalten sind. Dabei wird nieht vorausgesetzt, dass es möglich sei, in den wenigen Stunden, die jede praetische Uebung zu dauern pflegt, die

Vorwort. ; ö v in einem Pensum zusammengestellten Objecte erschöpfend zu studiren, doch wird die verfügbare Zeit meist ausreichen, um den Praeticanten über die wichtigsten Theile der Aufgabe zu orientiren. Ausserdem wird ja die Wahl der Objecte, so weit dieselben frisch untersucht werden müssen, durch die Jahreszeiten eingeschränkt werden. Der Verfasser hat sich übrigens Mühe gegeben, so weit als möglich, solche Pflanzen zu behandeln, deren Entwicklung nicht an eine zu kurze Zeitdauer gebunden ist und auch auf die Anwendung von Alcohol-Material hingewiesen, das den Beobachter von der gegebeneh Jahreszeit fast völlig unabhängig macht.

Der mit kleinen Lettern gedruckte Text ist für den Fortgeschritteneren bestimmt. Es wird erwartet, dass derselbe möglichst viele der behandelten Objeete durcharbeite und mehrere Stunden täglich dieser Arbeit widme. Das vorliegende Buch möchte auf diese Weise den Fortgeschritteneren vor zu rascher Inangriffnahme neuer Probleme und der sich hieraus leicht ergebenden Einseitigkeit schützen. Den klein gedruckten Text gesondert zusammenzustellen, erschien dem Verfasser nicht rathsam, da dieses unliebsame Wiederholungen veranlasst haben würde. Der kleinere Text sehliesst eben meist unmittelbar an den grösseren an und der Fortgeschrittenere wird somit in letzterem die Anknüpfungspunkte für seine specielleren Aufgaben zu suchen haben. Wiederholungen konnten ohnedies bei der gegebenen Gliederung des Stoffes nicht ganz vermieden werden, da eine genaue Kenntniss des ganzen vorausgehenden Textes in jedem einzelnen Falle nicht vorausgesetzt werden durfte.

Auch als Objecte für die specielleren Untersuchungen wurden Pflanzen gewählt, die leicht zu beschaffen sind und eine nicht zu kurze Entwicklungsdauer haben.

Den Gebrauch der Instrumente und die mikroskopische Technik soll der Practicant während des Studiums der einzelnen Objecte erlernen, weshalb die diesbezüglichen Angaben durch den ganzen Text zerstreut sind. Um aber auch das Nachschlagen des Werkes für bestimmte Zwecke zu ermöglichen, entschloss sich der Verfasser den alphabetischen Registern eine möglichst grosse Ausdehnung zu geben. Herr Dr. W. Schimper hier hat die mühsame Arbeit der Anfertigung dieser Register übernommen und hierdurch den Verfasser zu aufrichtigstem Danke verpflichtet. Die Register sind, vier an der Zahl, dem Texte angehängt. Das erste Register enthält die Aufzählung der zur Verwendung kommenden Pflanzen vI Vorwort.

nebst Angaben über den Zustand, in dem sie untersucht werden sollen, eventuell auch über die Zeit, in der das nöthige Material einzulegen oder Aussaaten zu machen sind, welche bestimmte Entwieklungszustände für die Beobachtung zu liefern haben. Mit Hilfe des dem Text vorausgesandten Inhaltsverzeichnisses und dieses Registers wird es dem Lehrenden oder Lernenden leicht werden, frühzeitig das für jedes einzelne Pensum nöthige Material vorzubereiten. Das zweite Register fasst alle auf Instrumente und Utensilien sowie deren Gebrauch bezüglichen Daten zusammen. Das dritte Register giebt eine Aufzählung der Reagentien und Pflanzenstoffe. In dieses Register schaltete der Verfasser Angaben über die Darstellung gewisser Reagentien ein. Einzelne Fälle ausgenommen, wird es übrigens wohl vortheilhafter sein, sich diese Reagentien fertig von einer der empfohlenen Firmen zu beschaffen. In demselben Register fanden auch, der Vollständigkeit wegen, solche Reagentien und Pflanzenstoffe Aufnahme, die ihrer selteneren Anwendung oder unsicheren Nachweisung wegen im Texte unberücksichtigt blieben. Das vierte Register endlich ist ein allgemeines. — Diese vier Register dürften den Gebrauch des Buches auch Demjenigen ermöglichen, der sich zu anderweitigen Zwecken über bestimmte Fragen der mikroskopischen Technik orientiren will. Dieser letzteren ist aber in dem vorliegenden Werke ganz besondere Aufmerksamkeit zugewandt worden und deren - Aufgaben möglichst weit, zum Theil über die augenblicklichen Bedürfnisse des Botanikers hinaus, gefasst worden.

Die erschöpfende Art der Behandlung welche den einzelnen Objeceten zu Theil werden musste, nöthigte dem Verfasser überall selbständige Untersuchungen auf. Nur auf diese Weise war es möglich, alle die Fragen, welche ein mikroskopisches Bild an den Beobachter stellt, innerhalb gewisser Grenzen vorauszusehen und nach Möglichkeit zu beantworten. Da aber der Anfänger das Wesentliche vom Unwesentlichen im mikroskopischen Bilde nicht zu scheiden weiss und auch nach der Deutung des Unwesentlichen frägt, so musste die Schilderung oft in feinere Einzelheiten eingehen als es im Interesse der Uebersichtlichkeit des Textes fast erwünscht schien. Uebrigens ist es oft auch thatsächlich von Nutzen, dass der Beobachter die Einzelheiten im mikroskopischen Bilde, deren Wichtigkeit im Voraus nicht zu ermessen ist, beachten lerne und so seine Beobachtungsgabe schärfe. Solche aus einer eingehenden Schilderung der Objeete erwachsenden Vortheile halfen dem Verfasser über die Bedenken hinweg, welche

Vorwort, VII einer zu grossen Ausdehnung des Textes entgegenstanden. Fast die sämmtlichen Angaben dieses Buches, ungeachtet sie nur in seltenen Fällen sich auf bisher unbekannten Thatsachen beziehen, basiren somit auf Autopsie und auch die sämmtlichen Holzschnitte sind vom Verfasser für dieses Buch neu nach der Natur gezeichnet worden. Am Schlusse eines jeden Pensums finden sich die wich- . tigsten auf die behandelten Gegenstände bezüglichen Werke angeführt, aus welchen die vollständige Literatur zu gewinnen ist und aus welchen der Verfasser selbst Rath und Belehrung schöpfte. Correspondirende Zahlen im Texte weisen auf die genannten Werke hin. |

Der Herr Verleger hat für vollendete Ausstattung des Werkes die grösste Mühe getragen, wofür ihm der Verfasser den verbindlier“ten Dank schuldet.

Bonn, Anfang März 1884.

Eduard Strasburger.

Inhalts-Verzeichniss.

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