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Part 1 of 6 · Büchmann, Georg, Robert-tornow, Walter · Public domain text

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Contents (13)

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[Transcriber's Note/Transkriptionsnotizen: Die Erstausgabe der "Geflügelten Worte" war bereits 1864 erschienen; die vorige (18.) Auflage von 1895 schloss mit dem Kapitel "Citate aus Sagen und Volksmärchen" und hatte "Hannemann! geh' du voran! Du hast die grössten Stiefeln an, (Dass dich das Tier nicht beissen kann)" als letzten Eintrag. Ausführliche Transkriptionsnotizen zu möglicherweise unklaren Textstellen der vorliegenden "vermehrten und verbesserten" 19. Auflage von 1898 haben wir am Ende dieses Textes zusammengestellt.

Schreibweisen des Originals haben wir so weit wie möglich beibehalten; allerdings sind häufige Abkürzungen zur besseren Lesbarkeit hier ohne Leerzeichen belassen (d.h.; z.B.; u.s.w.; u.A.). Wir haben *fett* gesetzten Text mit *Sternsymbolen* dargestellt; dabei wurde das Genitiv-s -- wie im Original -- nicht mit einbezogen: "*Schiller*s"; ~gesperrt~ gesetzten Text haben wir mit ~Tilden~ umgeben und kursiv gesetzten Text mit Unterstrichen; außerdem findet sich #extra fett# gesetzter Text zwischen #Nummernzeichen#.]

Geflügelte Worte

Der Citatenschatz des deutschen Volkes

gesammelt und erläutert

von

Georg Büchmann.

Fortgesetzt von Walter Robert-tornow.

Neunzehnte vermehrte und verbesserte Auflage.

Berlin

Haude & Spener'sche Buchhandlung (F. Weidling)

1898.

DES

DEUTSCHEN KAISERS UND KÖNIGS

VON PREUSSEN

WILHELMS II.

MAJESTÄT

IN TIEFSTER EHRFURCHT

ZUGEEIGNET.

Vorwort

zur neunzehnten Auflage.

Auf Wunsch des verewigten ~Walter Robert-tornow~ habe ich die Herausgabe dieser ersten seinem Ableben folgenden Auflage der "Geflügelten Worte" übernommen. Der verdienstvolle Nachfolger des unvergesslichen ~Georg Büchmann~ sollte das Erscheinen der achtzehnten Auflage des Buches und mit ihr die Drucklegung des hunderttausendsten Exemplares nur um wenige Monate überleben. Alles in der Zwischenzeit von ihm gesammelte und ihm zugegangene Material wurde, soweit es sich als brauchbar erwies, in dieser neuen Auflage verarbeitet. Dasselbe gilt von den zahlreichen späteren Funden und Einsendungen. Es darf getrost behauptet werden, dass auch die vorliegende neunzehnte Auflage des "Büchmann" eine "vermehrte und verbesserte" genannt zu werden verdient, und dass das Buch abermals um einen Schritt derjenigen Vollkommenheit näher gebracht wurde, die für ein solches Werk überhaupt erreichbar ist, und die zu erreichen seit mehr als dreissig Jahren das Bestreben seiner Herausgeber war. Die Freunde des Buches werden sehen, dass eine stattliche Anzahl neuer "geflügelter Worte" hinzugetreten ist, und dass auch sonst zahlreiche Verbesserungen und Berichtigungen älterer Angaben zu verzeichnen sind. Das "Gedenkblatt" wurde durch einen Lebensabriss ~Robert-tornows~, verfasst von Dr. Georg Thouret, erweitert und die "Einleitung" einer gründlichen Umarbeitung unterzogen.

Allen, die durch freundliche Ratschläge und Einsendungen oder Quellennachweise zur Vervollkommnung des Buches beigetragen haben, sei hier herzlichster Dank gesagt! Soweit die Beiträge keine Verwendung gefunden haben, unterliegen sie noch der Prüfung und gelangen, soweit sie brauchbar sind, später zur Benutzung. Ich bitte um gütige freiwillige Mitarbeit auch für die Zukunft. Einsendungen werden durch Vermittlung der Verlagshandlung erbeten.

Möge von der vorliegenden Auflage gesagt werden können, dass sie pietätvoll im Sinne ~Büchmanns~ und ~Robert-tornows~ das Werk fortzuführen und weiterzubilden bestrebt war. Einen weiteren Anspruch erhebt sie nicht.

Berlin.

Konrad Weidling.

Dezember 1897.

Inhalt.

Seite

Gedenkblatt

Georg Büchmann XI Walter Robert-tornow XVI

Einleitung XXII

Geflügelte Worte

I. Aus der Bibel 1 II. Aus Sagen und Volksmärchen 94 III. Aus deutschen Schriftstellern 118 IV. Aus dänischen Schriftstellern 268 V. Aus französischen Schriftstellern 269 VI. Aus englischen Schriftstellern 290 VII. Aus italienischen Schriftstellern 312 VIII. Aus spanischen Schriftstellern 315 IX. Aus russischen Schriftstellern 318 X. Aus griechischen Schriftstellern 320 XI. Aus lateinischen Schriftstellern 365 XII. Aus der Geschichte Hellas 442 Rom 454 Italien 462 Spanien 469 Polen 470 Frankreich 471 Amerika 500 Holland 500 England 502 Deutschland und Österreich 506

Namen-Verzeichnis der Urheber "Geflügelter Worte" 564

Register

Deutsche Sprache 571 Französische Sprache 729 Englische Sprache 734 Italienische Sprache 737 Spanische Sprache 738 Griechische Sprache 739 Lateinische Sprache 744

Gedenkblatt.[1]

*Georg Büchmann* wurde geboren zu Berlin am 4. Januar des Jahres 1822. Er besuchte daselbst das Joachimsthalsche Gymnasium bis zum Jahre 1841, besonders gefördert durch die trefflichen Pädagogen August ~Meineke~ und Ludwig ~Wiese~, und er studierte, ebenfalls in Berlin, anfänglich Theologie, bald aber, angezogen durch ~Boeckh~ und ~Panofka~, klassische Philologie und Archäologie bis zum Jahre 1844.

[Fußnote 1: Das Gedenkblatt für Georg Büchmann schrieb ~Walter Robert-tornow~; den Lebensabriss Robert-tornows verfasste Dr. ~Georg Thouret~.]

Durch die damals noch herrschende Hegelsche Philosophie gewann er früh eine glänzende Dialektik. Die Jugendgenossen wissen von seiner Redegewandtheit und von seinem schlagenden Witz zu berichten; doch trieb er keinen Missbrauch mit diesen Gaben, denn sein bester Freund aus jenen und späteren Tagen schreibt über ihn: "Mit der Freude an seinem Schaffen vereinte er die anspruchsloseste Bescheidenheit. Streng gegen sich selbst, war er liebevoll gegen Andere, anerkennend und voll Wohlwollen. Nur der Lüge und hohlen Phrase, oder der Unduldsamkeit gegenüber konnte er schroff werden."

Nach Absolvierung der Universität nahm ~Büchmann~ in der Nähe von Warschau eine Hauslehrerstelle an, erlernte dort die polnische Sprache und erwarb sich im Oktober 1845 in Erlangen den philosophischen Doktorgrad auf Grund seiner Dissertation "~Über die charakteristischen Differenzen zwischen den germanischen und slawischen Sprachstämmen~". Demnächst ging er nach Paris, befestigte seine Kenntnisse in der französischen Sprache und gab Unterricht an einem dortigen Institut.

Im Jahre 1848 in seine Vaterstadt zurückgekehrt, machte ~Büchmann~ das Lehrerexamen, erledigte das Probejahr am "Collège" und wurde, nachdem er drei Jahre lang an der Saldernschen Realschule zu Brandenburg a. d. Havel unterrichtet hatte, im April 1854 Oberlehrer an der Friedrich-Werderschen Gewerbeschule in Berlin. Hier gehörte er dreiundzwanzig und ein halbes Jahr hindurch zu den geachtetsten Lehrkräften und zählte in der von Professor ~Herrig~ gegründeten "Gesellschaft für neuere Sprachen" zu den Leitsternen.

Hervorragend war Georg ~Büchmanns~ Leichtigkeit in der Aneignung lebender Sprachen. Das Griechische, Hebräische und Lateinische trieb er lediglich in den Jugendjahren (nur dass er letzteres noch in seinen romanischen Abzweigungen, besonders im Provençalischen, eifrig verfolgte), wählte dann das Französische und Englische zu seinem Spezialstudium und Lehrgegenstand und machte sich daneben vertraut mit dem Spanischen, Italienischen, Polnischen, Dänischen und Schwedischen. Die Ergebnisse seiner Forschungen legte er gelegentlich nieder in Schulprogrammen und Zeitschriften. So findet sich in den Programmen der Saldernschen Realschule ausser seiner obenerwähnten Doktordissertation eine Abhandlung "~Über Wort- und Satzfügung im Neuschwedischen~", in dem Jahresbericht für 1858 der Berliner Gewerbeschule ein feinsinniger Essay über ~Longfellow~ und im Herrigschen "Archiv" eine vielbelobte Arbeit "~Beiträge zur englischen Lexikographie~". Ferner hatte er den wesentlichsten Anteil an der Neubearbeitung zur sechzigsten Auflage des ~französischen Wörterbuches von Thibaut~, die er mit ~Wüllenweber~ herausgab.

Auf weitere Kreise suchte Georg ~Büchmann~ zu wirken, als er mit seinem Schulfreunde Ludwig ~Pomtow~ eine Reihe anmutiger "~Märchen~" herausgab, deren einige noch heute in Sammlungen fortleben. Auch hielt er am 22. Januar 1862 im Saale des Berliner Schauspielhauses einen zündenden Vortrag "~Über den Berliner Adresskalender~", worin er seine vielseitige Sprachkenntnis zur Erklärung der üblichsten und der seltsamsten Familiennamen benutzte. Aber das Gebiet seiner eigensten Befähigung ging ihm erst auf, als er die Bekanntschaft zweier Werke machte, in denen Engländer und Franzosen ihren Reichtum an landesüblichen Citaten auszubreiten versuchten.

Diese Bücher führen den Titel: "Handbook of Familiar Quotations" [Chiefly from English Authors (by J. R. P.). A new Edition. London 1853]--und: "L'Esprit des Autres" [par Edouard ~Fournier~. Paris 1855]. Sie regten Georg ~Büchmanns~ launiges Naturell und seinen durch grosse Belesenheit unterstützten Scharfsinn zu Forschungen an über die geistige Scheidemünze aus aller Herren Ländern, welche in Deutschland umläuft. Bald gelang es ihm, seine Vorgänger durch Stofffülle und Zuverlässigkeit weit zu übertreffen.

Zunächst hielt ~Büchmann~ nun im Herrigschen Verein, 1863, einen Vortrag über "gefälschte Citate" und er sprach dann, 1864, im Saale des Berliner Schauspielhauses über "landläufige Citate" im allgemeinen, denen er in bestimmter, erweiterter Auffassung (vrgl. die Einleitung) bei dieser Gelegenheit den seitdem weltbekannten Namen "Geflügelte Worte" gab. In demselben Jahre noch erschien im bescheidenen Umfange von 220 Seiten sein Buch "~Geflügelte Worte. Der Citatenschatz des deutschen Volkes~". Schon aus dem Inhalte dieser ersten Auflage ist ersichtlich, welche weiten, über den engeren Kreis der landläufigen Citate im gewöhnlichen Sinne erheblich hinausgehenden Grenzen ~Büchmann~ dem neuen, von ihm geschaffenen sprachwissenschaftlichen Begriffe des "geflügelten Wortes" zog. In der dreizehnten Auflage, der letzten von ihm herausgegebenen (1882) schrieb er:

"Die ganz willkürlich gewählte Benennung 'Geflügelte Worte', welche ich diesem Buche gab, ist allgültig geworden und über Deutschlands Grenzen hinausgedrungen. Es erschien 1871 in Holland unter dem Titel 'Gevleugelde Woorden' ein klägliches Machwerk, welches mich ausbeutete, ohne dass mein Name darin auch nur erwähnt wurde. Eine sehr erfreuliche, in der Anlage sich eng an mein Buch anschliessende, aber trotzdem selbständige dänische Bearbeitung des Stoffes hat 1878 Oscar ~Arlaud~ in Kopenhagen unter dem Titel 'Bevingede Ord' geliefert und die Citate der dänischen Sprache hinzugefügt. Im Jahre 1881 liess er ein ebenso lobenswertes Supplement erscheinen. Arvid ~Ahnfeld~ gab 1880 in Stockholm eine Citatensammlung unter dem Titel 'Bevingade Ord' heraus, zu welcher die meinige und Oscar ~Arlauds~ benutzt worden sind und welche ausserdem die schwedischen und finnischen Citate bringt".[2]

[Fußnote 2: Italien und Ungarn traten hinzu. "Chi l'ha detto?" des ~Giuseppe Fumagalli~, Mailand 1895 und "Szájrul szájra" (d.h. "von Mund zu Mund") von ~Tóth Béla~, Budapest 1895.]

Selbstverständlich lockte ~Büchmanns~ und seiner Mitarbeiter Bienenfleiss bis in die jüngste Zeit hinein manche litterarische Drohnen herbei, die ihren Plagiaten ein mehr oder minder schäbiges Mäntelchen umhingen, sich Wörter und Namen aus dem Büchmannschen Buchtitel aneigneten und die Ausbeutung so gründlich betrieben, dass sie sogar die Druckfehler mit übernahmen. Einen wesentlichen Abbruch konnten sie indessen dem Werke ~Büchmanns~ nicht thun, weil die gebildeten Kreise des deutschen Volkes eine feine Empfindung in Dingen des litterarischen Anstandes besitzen, und weil ~Büchmanns~ Werk in jeder neuen Auflage für sich selbst sprach.

Ausserdem, dass seine vortreffliche Arbeit den wohlverdienten Anklang in den weitesten Kreisen fand, wurde Georg ~Büchmann~ erfreut durch die Verleihung des Professortitels und des Ordens vom roten Adler.

Es war gut für ihn, dass er nun eine eigene Thätigkeit besass, welche ihn alle Unbilden des Lebens vergessen machte; denn, krankend an den Folgen eines schweren Sturzes, musste er sich im Jahre 1877 in den Ruhestand versetzen lassen. "Alle seine Schüler", so heisst es in dem Programm der Gewerbeschule vom Jahre 1878, "bewahren der anregenden und bildenden Kraft seines Unterrichts und der persönlichen Wärme, die er ihnen entgegentrug, das dankbarste und ehrenvollste Andenken; alle seine Kollegen zollen ihm ihre Hochachtung, viele verehren in ihm dankbar ihr Vorbild und Muster in ihrem amtlichen Wirken".

Fortan lebte Georg ~Büchmann~, gepflegt von seiner Gattin, der bekannten Malerin Helene ~Büchmann~, der wir sein wohlgetroffenes Bildnis verdanken, das in einer Radierung von Hans Meyer unser Buch schmückt, ganz der Ausgestaltung seines Werkes, versenkt in das Studium der Weltlitteratur und angeregt durch einen schliesslich über neunhundert Namen aufweisenden Briefwechsel.[3]

[Fußnote 3: D.h. die überwiegende Zahl dieser Korrespondenten wandte sich ~Einmal~ an Büchmann, einige öfters; ein regerer Gedankenaustausch, wie z.B. mit dem Germanisten Robert ~Hein~, konnte nur mit sehr Wenigen stattfinden.]

Er hatte in der "Einleitung" jeder Auflage um Zusätze und Berichtigungen gebeten, und ein solcher Appell an die Philologie findet in deutschen Herzen immer ein Echo. In der damals von Paul Lindau redigierten "Gegenwart" vom 27. September 1879 sprach Georg ~Büchmann~ in dem Aufsatz "~Sechshundert Korrespondenten~" seinen lebhaften Dank aus für den vielfältigen Nutzen, der seiner Sammlung aus solcher freiwilligen Mitarbeiterschaft erwachsen sei. Gegen Ende dieses Artikels heisst es:

"'Geflügelte Worte' sind vorhanden. Es war meine Pflicht, sie zu sammeln und ihren Quellen nachzuspüren. Die Frage, ob ihre Anwendung nützlich oder schädlich, zu empfehlen oder abzuraten sei, hatte ich mir nicht vorzulegen. Sie sind als eine Ergänzung des deutschen Wortvorrats und Wörterbuches zu betrachten. Das lesende Publikum zollt ihrer Sammlung einen Beifall, der mich erfreut und mich anspornt, die betretene Bahn nach Kräften zu erweitern und noch gangbarer zu machen".

Bald nach dem Erscheinen der dreizehnten Auflage der "Geflügelten Worte", vom Herbst des Jahres 1882 an, sah sich der leidende Autor genötigt, jeder ernsten Thätigkeit zu entsagen. Ein allmähliches Hinschwinden aller Lebenskräfte trat ein, und am 24. Februar 1884 gab ein erlösender Tod ihm die ewige Ruhe.

Sein Name wird unvergessen bleiben, so lange es auf Erden gebildete und gründliche Deutsche giebt.

* * * * *

*Walter Robert-tornow* wurde am 14. Juli 1852 auf Ruhnow in Hinterpommern geboren. Zeit seines Lebens blieb ihm das "Horizontgefühl" seiner Jugend, wie er es nannte, lebendig, und immer von neuem ergriff ihn die Sehnsucht nach den "weissen, reinen" Wolken des pommerschen Himmels, nach den rauschenden Buchenkronen und den hochwipfligen Fichten an den stillen, tiefen Landseen voll Wasserrosen, und nach den in duftigem Schimmer wogenden Getreidefeldern seiner vielverlästerten, hinterpommerschen Heimat. Leider war ihm das köstliche Erbteil des Pommernstammes, die derbe Leibesgesundheit, versagt. Nie empfand er seine körperliche Gebrechlichkeit schmerzlicher als im Jahre 1870.

Während einer Kur auf Helgoland lernte der dreijährige Knabe spielend lesen, d.h. die Kunst, die er später und bis zum letzten Atemzuge als Handwerk betrieb. Die gehaltvolle Bücherei des Vaters, der nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in den Wissenschaften heimisch war, und die gesunde Luft eines wohlhabenden und hochgebildeten Elternhauses begünstigten die geistige Entwicklung des begabten Jünglings. Mit besonderer Vorliebe pflegte gerade er die künstlerischen Traditionen der Familie, der eine Rahel, die Gattin Varnhagens von Ense, und ihr Bruder, der Dichter Ludwig Robert, entsprossen waren. Sein Lehrer in Ruhnow und für immer sein Freund wurde der Philologe Dr. Isler, und die originelle Lebensanschauung dieses ausgezeichneten Mannes, bei dem sich Stoizismus und humorvolle Skepsis wundersam mischten, wirkte nachhaltig auf den Schüler ein. Aus den Epigrammen in ~Robert-tornows~ "Begleitbuch" (Berlin 1888) sprechen verwandte Überzeugungen und Stimmungen.

Im Sommer 1870 bezog unser Freund die Berliner Universität, um philologische und kunsthistorische Vorlesungen zu hören. Am meisten zog ihn zunächst die klassische Philologie an, und er hatte bei gediegenen Kenntnissen und einem angeborenen Spürsinn das Zeug zum Philologen. Zum Abschlusse jahrelanger, aber oft unterbrochener Studien schrieb er eine lateinische Abhandlung "über die symbolische und mythologische Bedeutung der Bienen und des Honigs bei den Alten", liess aber die Arbeit liegen und veröffentlichte sie erst volle achtzehn Jahre später.[4]

[Fußnote 4: De apium mellisque apud veteres significatione et symbolica et mythologica. Berolini 1893. In das philologische Gebiet gehört ausserdem seine Herausgabe der 2. Auflage von Abels "deutschen Personennamen", Berlin 1889.]

Eine Zeit lang zeichnete er neben den Universitätsstudien auf der Berliner Kunstakademie, weil ein der Familie befreundeter Maler Portraitiertalent bei ihm entdeckt haben wollte. Diesen Versuch gab er bald auf; denn Neigung und Talent zogen ihn mächtig zur Poesie. Er übte und verstand die Kunst, Verse aller Art zu schmieden. Schon bei seiner Arbeit über die Bienen übertrug er für sich das 4. Buch von Virgils Georgica in deutsche Jamben, dann machte er sich daran, die Elegieen des Theognis in Reimen nachzudichten; Versuche aus dem Englischen schlossen sich später an, bis ihm zuletzt, am Ende seines Lebens, auf diesem Gebiete ein Meisterwerk gelang: die Übersetzung der "Gedichte des Michelangelo Buonarotti", die erst nach seinem Tode erscheinen konnte (Berlin 1896).

Durch unausgesetzte Beschäftigung mit der deutschen Litteratur erwarb er sich eine aussergewöhnliche Belesenheit. Gute Bücher las er immer wieder und übte sein an sich starkes Gedächtnis durch Auswendiglernen. In Lessings Werken fühlte er sich zu Haus, so dass er getrost die 9. Auflage von Stahrs Biographie des Dichters besorgen konnte. Aber am vertrautesten von allen Dichtern war und blieb ihm Goethe, "sein Tröster, der, aus Sturm und Drang zur Weisheit gekommen, der Menschheit ein Meer von Schönheiten erschuf". Auch Heine gehörte zu seinen Lieblingen, weil ihn dessen Schreibweise bezauberte und sein Schicksal rührte. Gern wandte er die Mahnung dieses Dichters: "Baue dein Hüttchen im Thal!" auf sich selbst an. Schon der Umstand, dass Heine nach den Musikkatalogen der am häufigsten komponierte deutsche Lyriker sein soll, genügte ihm, um ihn zäh gegen alle Angriffe zu verteidigen. Die schöne Schrift "Goethe in Heines Werken" (Berlin 1883) darf als die reifste Frucht seiner liebsten Studien bezeichnet werden.

Unter den deutschen Prosaikern standen die tiefinnerlichen Humoristen seinem Herzen am nächsten. Scherrs "Michel", Kellers "Grüner Heinrich", Vischers "Auch Einer", Roseggers "Waldschulmeister" und Reuters "Stromtid" waren ihm unentbehrliche Bücher, am unentbehrlichsten der grüne Heinrich.

Im Februar 1877 trat ~Robert-tornow~ noch von Pommern aus in nähere Beziehungen zu Büchmann und den "Geflügelten Worten". Damals begann er dem Verfasser Stoff zuzusenden; beide wechselten dann während dreier Jahre in steigendem Einverständnisse Briefe und wurden endlich Freunde, als ~Robert-tornow~ i. J. 1880 mit seinen Eltern nach Berlin übersiedelte.[5] Vier Jahre später starb Büchmann, aber er hatte sein Werk bereits ganz in die Hände des Freundes gelegt. Auch hätte er keinen passenderen Nachfolger finden können. Denn Belesenheit und Gedächtniskraft, Sprachgefühl und Geschmack, Arbeitslust und Musse, alles fand sich zusammen, um diesen für das verantwortungsvolle Amt geschickt zu machen.

[Fußnote 5: In das Haus seines verstorbenen Onkels Ferdinand Robert-tornow Er schilderte das originelle Heim dieses seiner Zeit berühmten Sammlers und Kunstkenners in einer formvollendeten Monographie. Vgl. deutsche Rundschau XVII, Dezember 1890.]

Wie der Ährenleser dem Schnitter, so folgte ~Robert-tornow~ Büchmann nach und sammelte mit demselben Fleisse, den er an seinem Vorgänger neidlos pries. Stillschweigend besserte er das Vorhandene und führte die schon von Büchmann angestrebte chronologische Anordnung des Stoffes innerhalb der einzelnen Kapitel durch. Das reizvolle Kapitel "Geflügelte Worte aus Sagen und Volksmärchen" ist sein Werk; im ganzen buchte er 730 neue Citate und Ausdrücke. Ausserdem arbeitete er ein umfangreiches, durch die Fülle der Schlagwörter nahezu untrügliches Register aus, um die Benutzung des Buches so bequem wie möglich zu machen. Endlich gelang ihm, was dem verdienstvollen Begründer trotz aller Mühe nicht hatte gelingen wollen, nämlich eine feste Definition für den Begriff eines geflügelten Wortes in sprachwissenschaftlichem Sinne, die genau mit Büchmanns Absichten übereinstimmt (s. Einleitung). Genug, er sparte keine Mühe, um das schöne Buch auf der Höhe zu erhalten. Es wurde ein Stück auch seines Lebens und beeinflusste seinen eigenen Stil in Poesie und Prosa. Er dichtete am liebsten und besten in der Epigrammform und verwuchs mit den geliebten "Geflügelten Worten" so innig, dass er in der Todesstunde nur in Citaten sprach.

Wenn bei einem Buche wie diesem der Erfolg als Massstab für seinen Wert gelten darf, so erkannte die gebildete Welt ~Robert-tornows~ Weiterarbeit willig an. Denn während bis zu Büchmanns Tode 13 Auflagen und 57000 Exemplare der "Geflügelten Worte" verbreitet waren, erlebte ~Robert-tornow~ die Freude und gerechte Genugthuung, mit der 18. Auflage das hundertste Tausend zu erreichen.

Seit dem Jahre 1888 lebte er als Bibliothekar des Königlichen Hauses in einem heimlichen und anheimelnden Winkel des alten Hohenzollernschlosses. Gehört Einsamkeit zur Vertiefung und bedeutet Geselligkeit das beste Gegengift gegen Vergrübeln, ist also Abwechselung in Beidem das Beste, so führte er hier ein beneidenswertes Dasein. Hinter diesen gewaltigen Mauern, welche Stille! Hier hauste er wie ein Zauberer im Märchen. Aber wer ihn suchte und zu finden wusste, der traf ihn stets aufgeräumt und immer hilfsbereit. Seine Zelle öffnete sich für alle ehrlichen Seelen. Allen war er da Etwas, gar manchem Viel, jedem aber etwas Besonderes. Er verstand sich auf Menschenschicksale. Denn auch in seinem Herzen hatten Leidenschaften getobt, auch um seine Seele hatten dunkle Gewalten gestritten: er aber hatte sich in selbsterlebten Liedern frei gesungen und sich zum Siege, zum echten Lebenshumor durchgekämpft. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass er dankbar die steigende Anerkennung und Gunst des Hofes empfand und sich über die äusseren Ehrungen, die ihm zu teil wurden, herzlich freute.

Ward es ihm in der Grossstadt zu eng und zu laut, so flüchtete er hinaus in den Frieden der Wälder, oder an die See und nach Helgoland, seiner "Insel der Seligen", oder pilgerte zusammen mit Herman Grimm in die Tiroler Berge. Ein Besuch Pommerns schloss gewöhnlich solche Reisen ab.

Obwohl längst mit dem Gedanken an einen frühen Tod vertraut, suchte und verstand er als echter Lebenskünstler es doch, sein Dasein auszuspinnen, bis ihn der Tod auf Helgoland am 17. September 1895 überraschte.

~Walter Robert-tornow~ wird seinen bescheidenen Platz in der deutschen Litteraturgeschichte erhalten. Eine stets schwankende Gesundheit und übertriebene Selbstkritik beeinträchtigten seine Leistungsfähigkeit. Auch scheute er die Öffentlichkeit je länger je mehr, obwohl er mit gespannter Aufmerksamkeit den Kampf der Geister verfolgte. Er liebte die Arbeit in der Stille, und seine Stärke war die Treue und Sauberkeit im Kleinen, "in tenui labor", und hierin hat er Grosses für die "Geflügelten Worte" geleistet. Durch sie wird die Arbeit seines Lebens Früchte tragen und sein Gedächtnis dauernd fortleben.

Einleitung.

Als Georg ~Büchmann~ im Jahre 1864 zuerst jenen köstlichen Schatz hob, der unter stetiger Vermehrung den Inhalt des vorliegenden Werkes bildet, gab er seiner Sammlung den willkürlich gewählten, dem Homer entlehnten Titel "Geflügelte Worte".

Bis dahin hiess "geflügelte Worte" nur, was es bei Homer heisst, nämlich "schnell von den Lippen des Redenden enteilende, zum Ohre des Hörenden fliegende Worte". Weil ~Büchmann~ jedoch unter diesem Namen einen neuen, von ihm selbst geschaffenen Begriff in die deutsche Sprachwissenschaft einführte, musste er eine möglichst scharfe Erklärung Dessen, was er wollte, zu geben versuchen. Er sagte darüber:

"Die allgemeinen Verständigungsmittel der Menschen sind nicht nur die in ihrer Form fertigen, Jedem zu Gebote stehenden einzelnen Wörter; es haben sich daneben auch im Laufe der Zeit stehende, fertige Formen von Wortzusammenstellungen und Gedanken entwickelt, für welche eine allgemeine Bezeichnung nicht vorhanden ist, und welche je nach ihrer Natur Redensarten, sprichwörtliche Redensarten, Sprüche, Sprichwörter u.s.w. genannt werden. Lässt sich von den meisten dieser Gedankenformen weder die Zeit, in welcher, noch die Umstände, unter welchen sie entstanden sind, angeben, so giebt es doch eine Gruppe derselben, die sich auf einen bestimmten litterarischen oder historischen Ausgangspunkt zurückführen lassen. Diese sind in dem folgenden Büchlein unter dem Titel: "Geflügelte Worte" gesammelt und mit den Attesten ihres oft überraschend versteckten Ursprungs versehen worden; mag der Name "geflügelte Worte" nun richtig gewählt sein oder nicht. So viel über den Gedanken und den Namen des Buchs. Der Ausführung des Gedankens treten namentlich zwei Schwierigkeiten in den Weg; die Schwierigkeit der Abgrenzung des geflügelten Wortes gegen das Sprichwort und die andere, festzustellen, ob ein Wort allgemein genug ist, um den Rang eines geflügelten Wortes beanspruchen zu dürfen. Was die erstere anbetrifft, so entsteht oft die Frage, ob ein Schriftsteller ein schon vorher umlaufendes Wort für seine Zwecke angewendet hat, oder ob er selbst der Schöpfer seines Worts ist. Denn auch die Sprichwörter fallen nicht wie Manna vom Himmel; jedes derselben hat seinen speciellen Autor, seinen ersten Erfinder; viele derselben sind ohne Zweifel Sprüche aus verloren gegangenen oder noch nicht wieder aufgefundenen Schriftstellern. Selten nur ist man so glücklich, von dem Schriftsteller selbst zu erfahren, ob ein Wort, das er anwendet, auf seiner eigenen Mühle gemahlen oder fremde Ware ist. In zweifelhaften Fällen wird hier dem Sammler als Regel gelten dürfen, die erste schriftstellerische Quelle getrost anzumerken und es dann der spätern Forschung zu überweisen, ob das Wort schon in früheren Tagen im Volke verbreitet gewesen ist."

Es mag zunächst auffallend erscheinen, dass ~Büchmann~ in der vorstehenden Erklärung das Wort "Citat" vermeidet. Dies ist kein Zufall. Der engere Begriff des landläufigen Citates in dem allgemein üblichen Sinne der ~bewussten Anführung~ eines fremden Satzes deckte sich nämlich nicht ganz mit dem Inhalte schon der ersten Auflage des Buches. Schon dort sind als geflügelte Worte verzeichnet die bei uns landläufigen ~Anwendungen~ von Aussprüchen und Ausdrücken der Dichter, Denker, Propheten, Redner, Geschichtsschreiber und Mythographen, ~einschliesslich des metaphorischen Gebrauches von Ereignissen und typisch gewordenen Namen~. Mit dem Untertitel "Citatenschatz des deutschen Volkes" wollte ~Büchmann~ sein Werk einführen und wenigstens dem grössten Teile des Inhaltes nach kennzeichnen, soweit er nicht eine Erweiterung des Begriffes "Citat" überhaupt beabsichtigte. Aus begreiflichen Gründen wurde denn auch dieser Untertitel beibehalten, obschon er dem allgemeinen Sprachgebrauche gegenüber zu eng war und mehrfach zu nicht ganz unberechtigten Bedenken strenger Begriffswächter Anlass geboten hat. ~Büchmann~ sagte darüber in einer seiner Vorreden, dass das Buch unter dem alten Titel, unter dem es sich beim Publikum eingeführt hätte, weiter erscheinen müsse, und dass "weder Autor noch Verleger das Werk unter einem anderen, als dem gewohnten Namen, gewissermassen in einer Vermummung dem Publikum vorführen könnten".

~Büchmann~ musste bald erkennen, dass seine erste Erklärung den Inhalt seines Buches nicht erschöpfte, und so brachte er denn in der Einleitung zur achten Auflage vom Jahre 1874 den nachfolgenden kürzeren Versuch:

"In jeder Sprache, so auch in der deutschen, giebt es neben der unendlichen Fülle von Sprichwörtern, Stich-, Kraft- und Schlagworten, deren Urheber gänzlich unbekannt sind, eine verhältnissmässig kleine Zahl solcher Worte, deren Ursprung sich urkundlich belegen lässt. Letztere sind, soweit sie dem deutschen Volke angehören, in diesem Buche unter dem Namen 'Geflügelte Worte' zusammengestellt."

Doch auch diese Erklärung konnte ~Büchmann~ nicht auf die Dauer befriedigen, daher fasste er sich bald ganz kurz und urteilte:

"'Geflügelte Worte' nenne ich solche Worte, welche, von nachweisbaren Verfassern ausgegangen, allgemein bekannt geworden sind und allgemein wie Sprichwörter angewendet werden".

Diese, den Inhalt des Buches ebenfalls nur teilweise deckende Definition behielt ~Büchmann~ bis in die dreizehnte Auflage letzter Hand vom Jahre 1882 bei, indem er annahm, dass sein Buch selbst die beste Definition enthalte.

Erst ~Robert-tornow~ gelang es, eine feste Umgrenzung des Begriffes "geflügeltes Wort" im Sinne ~Büchmanns~ zu finden. Diese, auch heute noch gültige Erklärung lautet:

*"Ein geflügeltes Wort ist ein in weiteren Kreisen des Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber, oder dessen litterarischer Ursprung nachweisbar ist. Immer muss man möglichst bestimmt sagen können: '#da# steht es #zuerst# geschrieben', oder: 'aus #der# Stelle ist es abgeleitet', oder: '#Der# hat es hervorgerufen', #und#: 'es hat sich bei den Gebildeten #eingebürgert#'."*

Diese Begriffsbestimmung umschliesst Alles, was ~Büchmann~ in seiner Sammlung unter dem Namen "Geflügelte Worte" vereinigt hat und steht daher, weil ~Büchmann~ einen neuen Begriff in die deutsche Sprache einführte, ebenso ausserhalb der Kritik, wie die Bezeichnung, die der Finder eines neuen Sternes seiner Entdeckung giebt.

Wenn nun auch hiermit die Definition des "geflügelten Wortes" im sprachwissenschaftlichen Sinne erledigt ist, so darf doch nicht übersehen werden, dass auch ihrer Durchführung zwei erhebliche Schwierigkeiten sich entgegenstellen.

Die erste wurde schon vorhin erwähnt. Sie besteht darin, dass der Begriff des "landläufigen Citates" sich nicht voll mit dem "geflügelten Worte" im Sinne ~Büchmanns~ deckt. Diese, wohl unbewusste Erweiterung, die ~Büchmann~ dem Begriffe "~Citat~" gab, hat mancherlei Missverständnisse, auch von hochgeschätzter Seite zur Folge gehabt. Denn viele "geflügelte Worte" im ~Büchmann~schen Sinne sind längst als "Wörter" in die deutsche Sprache übergegangen und gehören trotzdem in diese Sammlung, weil ihr historischer oder litterarischer Ursprung sich nachweisen lässt. Die zweite Schwierigkeit ist noch grösser, weil sie es nicht mit Einzelnen zu thun hat, sondern mit dem deutschen Sprachgebrauche überhaupt, der sich des Ausdruckes "geflügeltes Wort" nach ~Büchmanns~ Einführung immer mehr und mehr bemächtigte und in dessen Anwendung weit über die Grenzen, die ihm ~Büchmann~ gezogen hatte, im Laufe der Zeit hinausgegangen ist. Der vulgäre Sprachgebrauch versteht unter einem geflügelten Worte jeden Ausspruch, der in allgemeinem Gebrauch als Citat von Mund zu Mund fliegt, gleichgültig ob der historische Urheber oder der litterarische Ursprung nachweisbar ist oder nicht, und gleichgültig auch, ob das Wort schon wirklich ~dauernd~ dem deutschen Sprachschatze einverleibt ist. Diese, durch einen lässigen Sprachgebrauch entstandene Begriffserweiterung veranlasst nun wieder manche Freunde und Leser des Buches in ihm Dinge zu suchen, die in dem, durch ~Büchmann~ geschaffenen sprach~wissenschaftlichen~ Sinne gar nicht hineingehören. Die Herausgeber dieses Buches wissen von der gewaltigen Anzahl von Zuschriften zu berichten, die oft mit den Ausdrücken des lebhaftesten Erstaunens angebliche geflügelte Worte in dem Buche vermissen, ~ohne dass dabei daran gedacht wird, dass ein allgemein bekannter und gebrauchter Ausspruch u.s.w. erst durch den bestimmten Nachweis seines historischen Urhebers oder litterarischen Ursprungs zu einem geflügelten Worte wird~. Nur um Beispiele zu erbringen, die sich leicht ins Hundertfache vermehren liessen, sei hier gesagt, dass Citate wie "Als ich noch im Flügelkleide in die Mädchenschule ging", "honny soit qui mal y pense", "sint ut sunt aut non sint", "sic transit gloria mundi" darum keine geflügelten Worte sind, weil ihr Ursprung bis jetzt noch nicht hat nachgewiesen werden können. Manche bekannten Redensarten und Ausdrücke, die in alten Auflagen des Buches als "geflügelt" standen, sind später wieder in Fortfall gekommen, weil die angegebene Quelle sich nicht als stichhaltig erwies. Sie mögen in den Büchern der Plagiatoren, die sich dieses Ausschusses aus alten ~Büchmann~-Auflagen bemächtigt haben, um den Eindruck grösserer "Reichhaltigkeit" zu machen, nachgelesen werden.

Zum Kennzeichen des geflügelten Wortes gehört neben der Nachweisbarkeit seines Ursprunges und seiner Landläufigkeit auch, dass es ~dauernd~ in den Sprachgebrauch der Gebildeten übergegangen ist. Gerade in dieser Hinsicht muss der Herausgeber doppelt vorsichtig sein, weil die wandelbare Gunst der Menge schon nach wenigen Jahren oft nichts mehr von den Schlagworten weiss, die kurz vorher in aller Munde waren. Und so ist es denn auch kein Zufall, dass in dem vorliegenden Buche die letzten geflügelten Worte nach zeitlicher Ordnung aus dem Jahre 1888 stammen. Bedachtsam muss hier weiter gearbeitet werden, und immer muss man an die Weisung denken, die ~Büchmann~ seinen Nachfolgern hinterliess, dass nämlich die Prüfung, Ordnung und Sichtung des vorhandenen Inhaltes weit wichtiger wäre als die Vermehrung.

Nur als Curiosum sei erwähnt, dass von manchen Lesern verlangt wird, es sollten in das Buch auch solche Citate, insbesondere aus unseren deutschen Klassikern, aufgenommen werden, die zwar noch nicht allgemein gebräuchlich sind, aber doch verdienten, wegen der Tiefe und Schönheit der in ihnen enthaltenen Gedanken zu geflügelten Worten zu werden.

Die Erfordernisse eines "geflügelten Wortes" sind also nach den vorstehenden Darlegungen:

1. dass sein litterarischer Ursprung oder sein historischer Urheber ~nachweisbar~ ist;

2. dass es nicht nur allgemein bekannt ist sondern auch in den Gebrauch der deutschen Sprache überging und allgemein gebraucht oder ~angewendet~ wird;

3. dass diese Anwendung nicht nur eine zeitweilige, sondern eine ~dauernde~ ist, wobei natürlich "Dauer" nicht "Ewigkeit" heissen soll.

Hinsichtlich der ersten Bedingung ist, soweit sie nicht schon früher erläutert wurde, zu bemerken, dass historische Forschungen hier wie anderwärts leicht bis an die Grenze des Mythus führen nach dem Satze, dass "alles Gescheite schon gedacht worden ist".

Wenn wir Homer, Aesop, die Bibel, oder die Edda als Quellen angeben, so schwankt die Beantwortung der Frage, ob das betreffende Wort wirklich da zuerst geschrieben stehe, ganz beträchtlich, ja sie schwankt eigentlich immer, denn Niemand kann sicher wissen, ob nicht etwa mancher aus Goethe viel citierte Spruch seine Form oder seinen Inhalt befreundetem oder anderem Einfluss verdankt. Und dennoch bleibt er ein "geflügeltes Wort" aus Goethes Werken, denn für uns steht er bestimmt da zuerst geschrieben, wenn sich keine ältere Parallelstelle nachweisen lässt. ~Parallelstellen finden aber nur dann Aufnahme, wenn sie für die Genesis oder für die Wandlungen des "geflügelten Wortes" von wesentlicher Bedeutung sind; während Parodien nur dann eingeschaltet werden, wenn deren Urheber erweislich ist.~

Die zweite Bedingung, die Beantwortung der Frage, ob ein Wort so allgemein geworden ist, dass es "geflügelt" genannt zu werden verdient, lässt sich nur durch Beobachtung und Umfrage lösen. Von vornherein muss sich Jeder vor dem Irrtum hüten, als ob ihm und seinen besonderen Kreisen geläufige Worte deswegen allein schon geflügelte Worte seien, und als ob ein ihm nicht geläufiges, vielleicht gar nicht bekanntes Wort deswegen aus der Reihe der geflügelten Worte zu streichen sei.

Obwohl Mancher daran zweifelt, giebt es dabei doch recht untrügliche Proben. Wird nämlich ein Wort von unbelesenen Leuten überhaupt, oder von vielen Gedächtnisschwachen falsch, oder von mehreren Witzigen in übertragener Bedeutung angeführt, dann ist es gewiss ein "geflügeltes"; ist es aber vielen belesenen und gedächtnisfrischen Leuten fremd, dann ist es schwerlich "geflügelt".

Mit blossem Taktgefühl oder ästhetischem Belieben kommt man bei diesem Werke nicht weiter. Der Begriff des geflügelten Wortes zieht dem Sammler strenge Schranken, und es wäre allerdings viel bequemer, dem Buche durch hineingesprengte Citate eigener leichtfertiger Wahl den Anschein grösseren Stoffreichtums zu geben.

Bei der Sorgfalt, mit der die Bearbeitung dieser Sammlung länger als dreissig Jahre hindurch stattgefunden hat, darf gesagt werden, nicht nur, dass die Hauptarbeit gemacht ist, sondern auch, dass es kaum geflügelte Worte in irgendwie erheblicher Anzahl geben wird, die der "Büchmann" nicht verzeichnet. Was aber von bekannten Aussprüchen und Redensarten hier fehlt, ist in seinem Ursprünge noch nicht nachweisbar und darum auch nicht "geflügelt".

Nicht ganz so sicher wird man den vorstehenden Satz umkehren können dahin, dass alle in dieser Sammlung verzeichneten Worte auch ausnahmslos "geflügelt" sind oder wenigstens einmal "geflügelt" waren. Manch ein Wort wird wohl als "blinder Passagier" in dem Schifflein dieses Buches mitschwimmen, ohne sich genügend über seine Landläufigkeit, soweit sie wenigstens für die Gegenwart noch in Frage kommt, ausweisen zu können, oder das mit einem Ursprungsatteste versehen ist, dessen Angaben spätere historische oder litterarische Forschungen als unrichtig erweisen werden. Jeder, der sich ernstlich damit befasst, wird merken, dass es nicht leicht ist, die Klasse der geflügelten Worte aus dem Gesamtschatz aller heimischen und eingewanderten Worte und Wendungen herauszuheben, und er muss einsehen, dass auch dem Erfahrenen bei der Bestimmung eines "geflügelten Wortes" Irrtümer nicht erspart bleiben.

Wenn nun der Sammler geflügelter Worte mit inniger Freude seinen Vorrat überschaut, weil es ihm immer und immer wieder dabei vor die Seele tritt, wie hoch der durchschnittliche Bildungsgrad seines Volkes im Vergleich zu anderen Nationen ist, so ist er doch keineswegs in der glücklichen Lage Desjenigen, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Perlen und Goldkörner, die in reichster Fülle über die deutsche Litteratur zerstreut sind, zusammenzulesen; er hat es im Gegenteil oft genug mit dem Staube der Alltäglichkeit zu thun. Zieht Jenen vielleicht gerade das Ungewöhnliche und Seltene an, so ist er verpflichtet, auf das Gewöhnliche und Gebräuchliche sein Augenmerk zu richten, mag er sich auch oft daran erfreuen können, dass das Gebräuchliche zugleich ein tiefer, schön ausgeprägter Gedanke ist. Nicht der gediegene Inhalt nämlich macht Worte zu geflügelten, sondern der oft zufällige Eindruck auf einen grösseren Kreis von Lesern und mehr noch von Hörern. Die Kanzel, das Theater, das Schulkatheder, die Rednerbühne, der Gesang, die Zeitschrift sind die Vermittler derselben. Daher kommt es, dass die dramatische Litteratur ihrer mehr liefert, als die lyrische oder die epische, und dass aus der lyrischen Poesie mehr solche fliessen, die komponiert worden sind und gesungen werden, als andere. Daher kommt es auch, dass mancher Liebling des Volks und der Musen in diesem Buche unvertreten bleibt, und dass Meisterstücke der Lyrik, ausgezeichnete Romane, überhaupt Werke, die in den seltenen Stunden stiller Weihe die Seele erquicken und deren Publikum stets der einzelne Mensch oder höchstens ein traulich geschlossener enger Kreis ist, eine überaus geringe Ausbeute zu den geflügelten Worten geben. Diese entstehen auf dem Markte des Lebens und im Strudel der Öffentlichkeit.

Viele werden das Werk nur als ~Nachschlagebuch~ wert halten und benutzen, Manche jedoch werden den in ihm behandelten Stoff tiefer fassen als eine Hilfswissenschaft zur Erkenntnis des Seelenlebens der Völker. Diesen, unseren eigentlichen ~Lesern~ kann es nicht darauf ankommen, sich zu merken, wie man richtig zu citieren habe, geschweige auf oberflächliche Vielwisserei; sondern ihre Grundfrage wird lauten: "Welche geistigen Strömungen haben Deutschland im 19. Jahrhundert befruchtet?" "Und was hat Deutschland an die anderen Nationen weitergegeben?" werden sie fragen, wenn sie die ähnlichen Werke für Frankreich, Italien, Ungarn, England, Holland, Dänemark und Schweden vergleichend lesen.

Im 20. Jahrhundert kommen hoffentlich die Deutschen als Spendende mehr und mehr in Betracht. Allmählich erfüllt sich ja ~Friedrichs des Grossen~ Prophezeiung: "Il pourra arriver que notre langue polie et perfectionnée s'étende, en faveur de nos bons écrivains, d'un bout de l'Europe à l'autre. Ces beaux jours de notre littérature ne sont pas encore venus: mais ils s'approchent." Schon sind wir längst nicht mehr nur die Übersetzenden, sondern wir werden auch fleissig übersetzt, und ~Goethes~ "Weltlitteraturepoche" tritt immer lebendiger ans Licht.

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I. Geflügelte Worte aus der Bibel.[6]

Da die Bibel unter allen Büchern der Erde das bekannteste ist, so sind die Sprachen mit volkstümlichen Ausdrücken aus ihr reichlich getränkt. So die deutsche Sprache:

"Der Mensch wird nackt geboren wie Adam, er ist keusch wie Joseph, weise wie Salomo, stark wie Simson, ein gewaltiger Nimrod, der wahre Jakob, ein ungläubiger Thomas; er ist ein langer Laban, ein Riese Goliath, ein Enakskind; er lebt wie im Paradiese, dient dem Mammon und hat Mosen und die Propheten, oder er stimmt, arm wie Lazarus oder ein blinder Tobias, Jeremiaden an, sehnt sich zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens, bekommt eine Hiobspost über die andere und muss Uriasbriefe bestellen, wobei er von Pontius zu Pilatus zu laufen hat. Vielleicht ist er ein Saul unter den Propheten, ein barmherziger Samariter oder ein Pharisäer, der Judasküsse giebt; noch schlimmer, wenn er ein Kainszeichen an der Stirn trägt oder wenn man ihn zur Rotte Korah zählen muss, aber möglicherweise gehört er zu dem unschädlichen Geschlechte der Krethi und Plethi, oder er ist nichts als ein gewöhnlicher Philister. Jedenfalls müssen ihm der Text, die Epistel und die Leviten gelesen werden, damit er den alten Adam ausziehe und er nicht länger wie in Sodom und Gomorrha lebe, in ägyptischer Finsternis und babylonischer Verwirrung. Doch wie dem auch sei, er sehnt sich danach, alt zu werden wie Methusalem, und wenn es mit ihm Matthäi am letzten ist, wird er aufgenommen in Abrahams Schoss."

[Fußnote 6: Aus diesem Kapitel (15. Aufl.) ging des Pfarrers Paul ~Grünberg~ sorgfältige Studie "über den Gebrauch und Missbrauch der Bibel in der deutschen Volks- und Umgangssprache" hervor ("Biblische Redensarten" Henninger, Heilbronn 1888), der wiederum unsere 17. Auflage manchen Aufschluss verdankte.]

Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass "wahrer Jakob", "langer Laban", "von Pontius zu Pilatus" (statt: von Herodes zu Pontius Pilatus) Anlehnungen oder Entstellungen sind.

Neben solchen der Bibel entnommenen Worten, Namen und Redensarten sind eine Menge biblischer Sprüche im Munde des Volkes, die oft zu bequemerem Gebrauch umgestaltet, ja sogar profaniert worden sind.

Es wird in dem Folgenden Luthers Bibelübersetzung citiert,[7] denn diese allein ist seit mehr als drei Jahrhunderten Volksbuch; und so findet man denn auch, weil sie das Volk aus der Bibel citiert, Worte hier eingereiht, die streng genommen nicht biblisch, sondern luthersch, ja sogar manchmal vorluthersch sind. Auch bleibt in diesem Kapitel die Reihenfolge der Bücher so unchronologisch, wie sie uns durch Luther zur Gewohnheit wurde.--

[Fußnote 7: Wo in diesem Buche Luthers Werke ohne weiteren Zusatz citiert werden, ist die Erlanger Ausgabe gemeint.]

* * * * *

Ein wüster Zustand der Verwirrung heisst uns nach

*1. Mose* 1, 2 ein

*Tohuwabohu*

(nach den hebräischen Ausdrücken für "wüste und leer").--

1. Mos. 1, 3 steht:

*Es werde Licht.--*

1. Mos. 1, 12 schliesst:

*Und Gott sahe, dass es gut war.--*

Den Menschen nennen wir nach 1. Mos. 2, 7 einen

*Erdenkloss.--*

Nach 1. Mos. 2, 9 u. 17, wo von dem "Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses" die Rede ist, dessen Früchte der Herr dem ersten Menschenpaar zu geniessen verbietet (s. 3, 2-6), wurden die Worte üblich:

*Vom Baum der Erkenntniss essen*

und:

*Die verbotene Frucht.--*

Nach 1. Mos. 2, 18 citieren wir:

*Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,*

und:

*Mann und Frau sind Eins*

nach 1. Mos. 2, 24: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein Ein Fleisch" (vrgl. Matth. 19, 5).--

Aus 1. Mos. 2, 23, wo Adam von Eva sagt: "Das ist doch Bein von meinen Beinen, und Fleisch von meinem Fleisch", entnehmen wir:

*Fleisch von meinem Fleisch und Bein von meinem Bein.--*

1. Mos. 3, 5 lesen wir das Schlangenwort: "Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist". Die Vulgata giebt: "Eritis sicut Dii". "Und werdet sein wie die Götter". Wir aber citieren die Stelle so, wie sie ~Goethe~ in der Schülerscene des "Faust" anwendet:

*Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.*

Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Die Verwendung bei Goethe dürfte durch ~Agrippa von Nettesheim~ vermittelt sein, der im Anfange seines Werkes "de incertitudine et vanitate omnium scientiarum", Köln 1527, sich dahin äussert, die Wissenschaft erhebe zu Gott nur im Sinne dieses Spruches der Schlange. "Eritis sicut Deus" wurde zum Titel eines die Philosophen, besonders Fr. Th. Vischer, verspottenden Romans erkoren, der 1855 anonym zu Hamburg erschien und dessen fromme Verfasserin Wilhelmine Canz hiess.--

Nach dem Sündenfall heisst es 1. Mos. 3, 7 von Adam und Eva, sie "wurden gewahr, dass sie nackend waren; und flochten Feigenblätter zusammen, und machten ihnen Schürzen". Hiernach ward uns das

*Feigenblatt*

ein bildlicher Ausdruck für "schamhafte Verhüllung".--

1. Mos. 3, 16 spricht Gott zu Eva: "dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein, und

*#Er# soll dein Herr sein".--*

1. Mos. 3, 19 steht:

*Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brod essen,*

und:

*Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.*

Dies citieren wir auch mit Sirach 41, 11 (vrgl. 42, 13 u. Pred. Sal. 12, 7) in der Form:

*Alles, was aus der Erde kommt, muss wieder zur Erde werden.--*

1. Mos. 4, 9 fragt Kain:

*Soll ich meines Bruders Hüter sein?--*

Der Ausdruck

*himmelschreiend*

beruht auf 1. Mos. 4, 10; 18, 20; 19, 13; 2. Mos. 3, 7; 22, 23; Jakobi 5, 4. Die alte Dogmatik hatte hieraus den Begriff der "schreienden Sünden", der "peccata clamantia" gebildet und diese in folgenden Versen aufgezählt:

_Clamitat ad coelum vox sanguinis et Sodomorum, Vox oppressorum, viduae, pretium famulorum._

*Es schreit zum Himmel* _die Stimme des Bluts und der Sodomiter, die Stimme der Unterdrückten, der Witwe, der Arbeiter Lohn._--

Nach 1. Mos. 4, 15: "Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge", reden wir von einem

*Kainszeichen*

in dem fälschlichen Sinne, als stünde geschrieben, dass der Herr sichtbarlich Kain zum Mörder stempelte.--

1. Mos. 5, 24 heisst es von Henoch: "Und dieweil er ein göttlich Leben führte, nahm ihn Gott hinweg

*und ward nicht mehr gesehen".*

Dies Wort ist oft dichterisch als Schlusseffekt verwendet worden.--[8]

[Fußnote 8: Z.B. von ~Wieland~ am Schlusse des "Musarion"; von ~Goethe~ am Schlusse der Ballade "der Fischer"; von ~Schiller~ in der "Braut von Messina", als Manuel dem Chor seine Liebe enthüllt; und von ~Tiedge~ am Schlusse des Gedichtes "Jenny" in Beckers "Taschenb. z. gesell. Vergnüg." Leipzig 1804. S. 259.]

Nach diesem Spruch (oder nach 1. Mos. 6, 9) sagt man auch:

*Ein göttliches Leben führen,*

ohne mehr an Henochs oder Noahs Wandel zu denken, sondern im Märchensinne des Schlaraffenlebens.--

Zur Bezeichnung eines sehr hohen Alters dient

*Methusala,* gewöhnlich: *Methusalem,*

welcher nach 1. Mos. 5, 27 das Alter von 969 Jahren erreichte.--

*Den Weg alles Fleisches gehen*

für "zu Grunde gehen" entnehmen wir wohl aus 1. Mos. 6, 12-13: "Da sahe Gott auf Erden, und siehe, sie war verderbet; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbet auf Erden. Da sprach Gott zu Noah: Alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen, denn die Erde ist voll Frevels von ihnen; und siehe da, ich will sie verderben mit der Erde". Auch 1. Kön. 2, 2: "ich gehe hin den Weg aller Welt", ist zu beachten und Hiob 16, 22 (s. unten).--

1. Mos. 6, 4 steht:

*Berühmte Leute.--*

Nach 1. Mos. 6, 17; 7, 10 u. 17; 9, 11 u. 15; Psalm 29, 10; Weisheit 10, 4; Sirach 40, 27; Matth. 24, 38 u. 39; 2. Petri 2, 5; 3, 6 reden wir mit Luther von einer

*Sündflut*

anstatt von einer Sintflut (Sint-Fluot d. i. grosse Flut), wie die genaueren Gelehrten nun zu schreiben pflegen.--

*Das Ölblatt,*

welches nach 1. Mos. 8, 11 die zweite von Noah ausgesandte Taube heimbrachte, gilt bis heute als Zeichen der Beschwichtigung, der Versöhnung und des Friedens.--

1. Mos. 8, 21 (vrgl. 1. Mos. 6, 5) steht:

*Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.--*

Zur Bezeichnung eines leidenschaftlichen Jägers dient Noahs Enkel

*Nimrod*

nach 1. Mos. 10, 9: "Daher spricht man: Das ist

*ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn*

wie Nimrod".--

*Menschenkind*(er),

kommt 1. Mos. 11, 5 und sonst noch sehr oft in der Bibel vor, namentlich im Hesekiel.--

*Babylonische Verwirrung*

stammt aus 1. Mos. 11, 9: "Daher heisset ihr Name Babel, dass der Herr daselbst verwirret hatte aller Länder Sprache ..."--

*Gnade vor deinen* (meinen) *Augen finden*

beruht auf 1. Mos. 18, 3; 19, 19; 2. Mos. 33, 12. 13. 16. 17.--

1. Mos. 18, 14 (vrgl. Jerem. 32, 27) steht: "Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?" und danach Jerem. 32, 17 "und ist kein Ding vor dir (Herr) unmöglich", was dann bei Luk. 1, 37 (vrgl. Matth. 19, 26; Mark. 10, 27; Luk. 18, 27) also lautet:

*bei Gott ist kein Ding unmöglich.--*

Auf 1. Mos. 19 beruht

*Sodom und Gomorrha,*

eine oft in der Bibel wiederkehrende Bezeichnung lasterhafter Stätten.--

*Mit Blindheit geschlagen werden*

steht 1. Mos. 19, 11; 5. Mos. 28, 28; 2. Kön. 6, 18 und "Weisheit" 19, 16.--

*Zur Salzsäule werden*

heisst uns "vor Entsetzen erstarren" nach 1. Mos. 19, 26 "Und sein (Lot's) Weib sahe hinter sich und ward zur Salzsäule". Der Herr hatte zu Lot und den Seinen gesagt, als die Engel sie fortführten aus dem der Vernichtung anheimfallenden Sodom (17): "Errette deine Seele und siehe nicht hinter dich".--

Nach 1. Mos. 22, 17; 32, 12; 41, 49; Jesaias 10, 22; 1. Kön. 4, 20; Hosea 1, 10; Gebet Asariae 36; Römer 9, 27 und anderen ähnlichen Schriftstellen sagen wir

*Wie Sand am Meer.--*

Aus 1. Mos. 23, 4. 9. 20; 49, 30; 50, 13 kommt uns das Wort:

*Erbbegräbnis.--*

1. Mos. 23, 6 heisst es: "begrabe deinen Todten in unsern ehrlichsten Gräbern", Sirach 38, 16: "bestatte ihn ehrlich zum Grabe" und 2. Macc. 4, 49: "und liessen sie ehrlich zur Erde bestatten". Hieraus bildeten wir das Wort

*ein ehrliches Begräbnis.--*

Nach 1. Mos. 25, 34 nennen wir etwas Wertloses, wofür etwas Wertvolles preisgegeben wird,

*ein Linsengericht;*

denn für ein solches mit Brod verkaufte Esau dem Bruder Jakob seine Erstgeburt (vrgl. Ebr. 12, 16).--

*Gotteshaus*

wird für "Kirche" oder "Tempel" gebraucht nach 1. Mos. 28, 22; Richter 17, 5; Matth. 12, 4. Kühnerweise schrieb Zesen sich diese Erfindung zu [s. unt. a.a.O. bei "Gottestisch"].--

Nach 1. Mos. 31, 20; 2. Sam. 15, 6 sagen wir:

*Einem das Herz stehlen*

und danach:

*Herzensdieb.--*

*Die Kinder Israël*

werden 1. Mos. 32, 32 und auch sonst häufig in der Bibel genannt.--

1. Mos. 33, 9 steht

*Behalt, was du hast,*

was sich Offenbar. Joh. 3, 11 in der Form: "Halt, was du hast" wiederholt, während es ebenda 2, 25 heisst: "(Doch) was ihr habt, das haltet, (bis dass ich komme)".--

Nach 1. Mos. 34, 1 wird ganz willkürlich von Männern auf Freiersfüssen gesagt:

*ausgehen, um die Töchter des Landes zu besehen;*

denn Jakobs und Leas ~Tochter~ Dina, so steht geschrieben, "ging heraus, die Töchter des Landes zu ~sehen~".--

Nach 1. Mos. 37, 27: "Es ist unser Bruder, Fleisch und Blut", nennen wir die nächsten Angehörigen unser

*Fleisch und Blut.--*

1. Mos. 37, 35 steht für "sterben":

*in die Grube fahren,*

ein oft in der Bibel wiederkehrender Ausdruck.--

*Habeat sibi,*

meinetwegen,

oder, wie Luther übersetzt: "Sie hab's ihr", ist aus 1. Mos. 38, 23 entlehnt (vrgl. ~Sueton~: "Julius Cäsar", 1).--

*Keusch wie Joseph*

ist entwickelt aus 1. Mos. 39.--

Pharaos Traum, 1. Mos. 41, von "sieben schönen fetten Kühen", die von "sieben hässlichen und mageren Kühen" gefressen und von "sieben dicken und vollen Ähren", die von "sieben mageren Ähren" verschlungen werden, wird von Joseph dahin gedeutet, dass in ganz Ägyptenland "sieben reiche Jahre" und nach denselben "sieben Jahre teure Zeit" kommen würden. Hiernach sprechen wir von

*Fetten Jahren* und *mageren Jahren.--*

Aus 1. Mos. 41, 43, wo geschrieben steht, dass Pharao vor Joseph her ausrufen liess: "Der ist des Landes Vater" stammt

*Landesvater,*

oder aus Cicero "pr. Sest." 57: "pater patriae", "Vater des Vaterlands".--

*Benjamin*

als Bezeichnung des jüngsten Kindes und Lieblingssohnes beruht auf 1. Mos. 42, 4 und 43, 6 und 14.--

Nach 1. Mos. 44, 4; 1. Sam. 24, 18; 25, 21 und Jerem. 18, 20 sagen wir:

*Gutes mit Bösem vergelten.*

"Arges um Gutes thun" steht Psalm 35, 12; 38, 21 und: "Vergeltet nicht Böses mit Bösem" 1. Petri 3, 9; daher unser:

*Böses mit Bösem vergelten.--*

* * * * *

Nach *2. Mos.* 1, 14: "Und (die Ägypter) machten ihnen (den Kindern Israel) ihr Leben sauer, mit schwerer Arbeit in Thon und Ziegeln und mit allerlei Fröhnen auf dem Felde", sagen wir:

*Einem das Leben sauer machen.--*

Wir sprechen von einem gesegneten Lande,

*darinnen Milch und Honig fliesst*

nach 2. Mos. 3, 8. Der Ausdruck wiederholt sich häufig in der Bibel und ist auch in den klassischen Sprachen bekannt.--[9]

[Fußnote 9: Vrgl. Gualterus ~Robert-tornow~: "De apium mellisque apud veteres significatione et symbolica et mythologica" (Berolini apud Weidmannos, 1893, p. 82-85).--]

*Zeichen und Wunder,*

2. Mos. 7, 3 wiederholt sich ebenfalls oft in der Bibel. Auch im Aelian (2. Jahrh. n. Chr.; "Variae historiae" 12, 57) findet sich der Ausdruck σημεῖα καὶ τέρατα, also in derselben Form, wie im Neuen Testament an vielen Stellen, z.B. Matth. 24, 24.--

*Der Finger Gottes*

beruht zunächst auf 2. Mos. 8, 19, wo die Zauberer, weil Aaron Läuse aus dem Staube entstehen lassen konnte, zu Pharao sprechen: "Das ist Gottes Finger". Luk. 11, 20 spricht Jesus vom Austreiben der Teufel "durch Gottes Finger".--

Wir reden von der

*Ägyptischen Finsternis*

nach 2. Mos. 10, 22: "Da ward eine dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage".--

2. Mos. 14, 17. 18 und Psalm 46, 11 heisst es:

*Ehre einlegen.--*

2. Mos. 15, 10: "Da liessest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie .. "Flavit spiritus tuus et operuit eos mare" ... rief ein viel citiertes Wort hervor. Auf die Vernichtung der gegen England gesandten Riesenflotte Philipps II., der Armada, durch die August- und Septemberstürme d. J. 1588 schlugen nämlich die Holländer in Middleburg eine Dank- und Denkmünze. Die eine Seite trägt mit den Wogen kämpfende Schiffe und die Umschrift: "Flavit Jehovah et dissipati sunt" ("Jehovah" in hebräischen Lettern auf einem Gewölk: vergl. Van Loon "Nederlandsche Historipenningen" 1, 392). Die andere Seite zeigt als Sinnbild des Protestantismus eine auf meerumbrandetem Fels festgegründete Kirche, darunter des Moritz von Nassau Wappenschild und um den Rand die Worte: "Allidor non laedor" ("mag es an mir anprallen, wird es doch an mir abprallen"). Irrtümlich schreibt ~Addison~ ("Spectator" No. 293) eine solche Denkmünze mit der Inschrift: "Afflavit Deus et dissipantur" der Königin Elisabeth von England zu, und ~Schiller~ bringt, nach ~Mercier~ ("Portrait de Philippe second" Amst. 1785. "Précis historique" p. IX), in der Anmerkung zu seinem Gedicht "Die unüberwindliche Flotte" (1786, "Thalia" II, 71) denselben Irrtum nebst der nun durch ihn landläufig gewordenen Änderung der Devise:

*Afflavit Deus et dissipati sunt,*

die er am Schluss des Gedichtes also übersetzt:

"Gott der Allmächt'ge blies, Und die Armada flog nach allen Winden".

Dies lautet in ~Racines~ "Athalie" (1691) 5, 6, 3-4:

"Comme le vent dans l'air dissipe la fumée, La voix du tout-Puissant a chassé cette armée ..."

und in Martin ~Crugots~ "Der Christ in der Einsamkeit" (1756, J. Korn, Breslau): "Der Allmächtige blies und zerstäubete die Unüberwindliche wie Spreu, welche der Wind zerstreuet". Vrgl. "Martin Crugot, der ältere Dichter der unüberwindlichen Flotte Schillers". Urkundlich nachgewiesen von Karl Hermann Manchot (Bremen, C. W. Roussell, 1886. S. 23).--

Auf 2. Mos. 16, 15. 33. 35 (vrgl. Psalm 78, 24; Joh. 6, 31. 49. 58), beruht:

*Manna in der Wüste.--*

Wollen wir bezeichnen, dass sich jemand nach einer äusserlich besseren Lage zurücksehnt, so sagen wir mit Anlehnung an 2. Mos. 16, 3 (vrgl. 4. Mos. 11): "Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben, durch des Herrn Hand, da wir bei den Fleischtöpfen sassen", dass er sich zurücksehnt nach

*den Fleischtöpfen Ägyptens.--*

2. Mos. 21, 24; 3. Mos. 24, 20; 5. Mos. 19, 21; Matthäi 5, 38 steht:

*Auge um Auge, Zahn um Zahn.--*

Die Verehrung des Reichtums und die Sucht nach Metallbesitz bezeichnen wir fälschlich nach 2. Mos. 32 (wo wörtlich 'gegossenes Kalb' steht) mit

*Anbetung des goldenen Kalbes; Tanz ums goldene Kalb;*

denn in der betreffenden Stelle handelt es sich um ein Götzenbild, welches die Israeliten allerdings anbeteten und umtanzten, zu dessen Herstellung sie sich aber ihres goldenen Geschmeides entäussert hatten; auch liefert Ch. ~Beke~ (in "The Idol of Horeb: Evidence that the Golden Image was a Cone and not a Calf", 1871) den Beweis, dass die eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes nicht "Kalb", sondern "Kegel" ist.--

Aus 2. Mos. 23, 6; 5. Mos. 16, 19; 24, 17; 27, 19; 1. Sam. 3, 3; Hiob 34, 12 (vrgl. auch Sprichw. 17, 23; 18, 5; Jes. 10, 2) entnehmen wir:

*das Recht beugen,*

nach Luther, der so übersetzt, gleichviel ob in der Vulgata "declinare", "opprimere", "subvertere" oder "pervertere" steht. Aber es entstand unabhängig von ihm aus den Vulgataworten (5. Mos. 27, 19 vrgl. dazu 24, 17 und Hiob 34, 12): "maledictus, qui pervertit iudicium ..." die Wendung:

*das Recht verdrehen*

Und daraus:

*Rechtsverdreher*

Und:

*Rechtsverdrehung.--*

Nach 2. Mos. 32, 27: "... Gürte ein jeglicher sein Schwert auf seine Lenden ..." sagen wir für "sich kampfbereit machen":

*Seine Lenden mit dem Schwert gürten.--*

2. Mos. 33, 11 steht geschrieben: "Der Herr aber redete mit Mose

*von Angesicht zu Angesicht,*

wie ein Mann mit seinem Freunde redet".--

* * * * *

Auf *3. Mos.* 16 (vrgl. 4. Mos. 7, 16ff.; 15, 24; 28 u. 29) beruht der Ausdruck:

*Sündenbock,*

von welchem Vers 21 und 22 geschrieben steht: "Da soll denn Aaron seine beide Hände auf sein Haupt legen, und bekennen auf ihm alle Missethat der Kinder Israel, und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden; und soll sie dem Bock auf das Haupt legen, und ihn durch einen Mann, der vorhanden ist, in die Wüste laufen lassen: dass also der Bock alle ihre Missethat auf ihm in eine Wildnis trage".--

Aus 3. Mos. 19, 18: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" ("als dich selbst": Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 31; Röm. 13, 9) entsprangen die Worte:

*Nächstenliebe*

und (Gal. 5, 14):

*Liebe deinen Nächsten als dich selbst.--*

3. Mos. 19, 32 lautet: "Vor einem grauen Haupt sollt ihr aufstehen und die Alten ehren"; daher wir sagen:

*Ein graues Haupt ehren.--*

Aus 3. Mos. 19, 36: "Ihr sollt nicht ungleich handeln am Gericht, mit der Elle, mit Gewicht, mit Maas" stammt die Wendung:

*Mit gleicher Elle messen.--*

3. Mos. 20, 4 steht für "gegen Einen nachsichtig sein": dem Menschen

*Durch die Finger sehen.--*

3. Mos. 24, 11-16 (vrgl. Daniel 7, 25) lesen wir von Einem, der "des Herrn Namen lästert" und danach 2. Macc. 13, 6 das Wort:

*Gotteslästerer*

und 2. Macc. 15, 24, wie Matth. 26, 25; Mark. 2, 7; 3, 28; 14, 64; Luk. 5, 21:

*Gotteslästerung.*

Hier giebt der Grundtext:

*Βλασφημία,*

*Blasphemie*,

was bei den Hellenen lediglich "Lästerung" bedeutete.--

3. Mos. Kap. 25 ist überschrieben "Feier- und Jubeljahr", und es wird darin den Kindern Israel befohlen, jedes fünfzigste Jahr mit dem Schall der Posaune (hebräisch: jobel) als ein Erlassjahr anzukündigen, "da jedermann wieder zu dem Seinen kommen soll". Eigentlich müsste es also "Jobeljahr" heissen; aber schon im 6. Jahrh. n. Chr. nennt ~Arator~ ("de actib. Apostol." II, 677) dieses jüdische Festjahr "annus iubilaeus". Wir sagen nun von einer seltenen Wiederholung, sie komme

"alle *Jubeljahr'* mal",

und die katholische Kirche feiert noch heute alle fünfundzwanzig Jahre ein gewinnbringendes Jubel- und Gnadenjahr, welches zuerst Bonifacius VIII. i. J. 1300 für eine hundertjährige Wiederkehr eingesetzt hatte. Die Worte "Jubel, jubeln, jubilieren, Jubelfest, Jubiläum, Jubilar, Jubelgreis ", sind alle davon herzuleiten.--

3. Mos. 26, 6; 1. Macc. 7, 50; 9, 57; 14, 11 steht:

*Friede im Lande.--*

* * * * *

Aus *4, Mos.* 6, 25: "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig" entnehmen wir:

*Sein Angesicht leuchten lassen über Jemandem.--*

4. Mos. 9, 23 heisst es von den Kindern Israel: "Nach des Herrn Munde lagen sie und nach des Herrn Munde zogen sie, dass sie auf des Herrn Hut warteten ..." Dieser Spruch und andere auf den Wachtdienst im Tempel bezügliche Stellen des alten Testamentes (s. 3. Mos. 8, 35; 4. Mos. 9, 19; 1. Chron. 24, 32; Nehemia 12, 45; Sacharja 3, 7) trugen bei zur Bildung des Sektennamens

*Herrnhuter.*

Nämlich der Zimmermann Christian ~David~ aus Mähren begründete im Jahre 1722 auf Berthelsdorf, dem Oberlausitzischen Gut des frommen ~Grafen Zinzendorf~, mit neun Anderen am ~Hutberge~ eine Niederlassung, aus der die "evangelische Brüdergemeinde" hervorwuchs. Er, der Haushofmeister Georg ~Heitz~ und der Magister Christian Gottfried ~Marche~ benannten in des Spenders Abwesenheit den Ort "Herrnhut" und ~David~ schrieb darüber (s. Ersch und Grubers "Encyclopädie" unter "Brüder-Unität"): "Wir gaben diesem Orte nach dem dabei gelegenen ~Hutberge~ den Namen ~Herrnhut~, teils deswegen, weil wir uns immer dabei erinnern sollten, dass der Herr über uns Hüter und Wächter ist, teils um uns täglich zu erinnern, dass wir auch auf der Hut und Wache sein sollen".--

Für Riesenkind, riesig starker Mensch, sagen wir nach 4. Mos. 13, 23. 29. 34 und anderen Stellen des alten Testamentes

*Enakskind.--*

Aus 4. Mos. 14, 34; 5. Mos. 31, 6. 8; Psalm 74, 11 schöpfen wir das Wort

*die Hand abziehen von Einem.--*

Die Bezeichnung eines Haufens wüster Polterer durch

*die Rotte Korah*

ist 4. Mos. 16, 5 entnommen.--

Auf 4. Mos. 31, 26. 27; Josua 22, 8; Eichter 5, 20 beruht:

*Den Raub unter sich teilen.--*

*Dorn im Auge*

ist aus 4. Mos. 33, 55 gebildet, wo es heisst:

"Werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht vertreiben vor eurem Angesicht, so werden euch die, so ihr überbleiben lasset, zu Dornen werden in euren Augen--".--

* * * * *

*5. Mos.* 1, 17 (vrgl. Sprichw. 24, 25; Joh. 7, 24) steht: "Keine Person sollt ihr im Gericht ansehen" und Hiob 34, 19 heisst es von Gott (vrgl. Hiob 13, 10; Maleachi 1, 9; Sir. 35, 16; Matth. 22, 16; Mark. 12, 14; Luk. 20, 21; Apostelg. 10, 34. 35; Röm. 2, 11; 2. Kor. 19, 7; Gal. 2, 6; Ephes. 6, 9; Col. 3, 25; Jak. 2, 1): "Der doch nicht ansieht die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr, denn den Armen". Daher verlangen wir mit 1. Petri 1, 17, man solle richten

*Ohne Ansehen der Person.--*

Nach 5. Mos. 4, 26 sagen wir:

*Himmel und Erde zu Zeugen* (an)*rufen.--*

5. Mos. 4, 29; 6, 15; 10, 12; 26, 16; 30, 2; 30, 6; 30, 10; Josua 22, 5; 23, 14; 1. Kön. 2, 4; 8, 48; 2. Kön. 23, 3. 25; Jerem. 32, 41 steht geschrieben:

*Von ganzem Herzen und von ganzer Seele--*

und 5. Mos. 30, 19 und 31, 28:

*Himmel und Erde zu Zeugen nehmen.--*

Aus 5. Mos. 8, 3 ist:

*Der Mensch lebt nicht vom Brot allein*

entnommen, was wir Matth. 4, 4 und mit Wortumstellung Luk. 4, 4 lesen.--

Für "Einen unbarmherzig strafen" sagen wir:

*Einen steinigen*

nach 5. Mos. 13, 10; 17, 5; 21, 21. 24.--

*Seine milde Hand aufthun*

stammt aus 5. Mos. 15, 11 (vrgl. Psalm 104, 28; 145, 16): "Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand aufthust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande" und Psalm 37, 21: "Der Gerechte ist barmherzig und milde".--

5. Mose 21, 1-9 wird angeordnet, dass da, wo ein Erschlagener liege, dessen Mörder unbekannt sei, die Ältesten der nächsten Stadt über einer jungen Kuh, der der Hals abgehauen ist, ihre Hände waschen und dabei sagen sollen: "Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen, so haben es auch unsere Augen nicht gesehen; sei gnädig deinem Volke Israel, dass du, der Herr, erlöset hast, lege nicht das unschuldige Blut auf dein Volk Israel u.s.w.". Hierauf beruht die uns nach Psalm 26, 6 oder besser Ps. 73, 13 (vrgl. Pilatus bei Matth. 27, 24) geläufige Wendung:

*Ich wasche meine Hände in Unschuld,*

oder:

*Seine Hände in Unschuld waschen.--*

Aus 5. Mos. 22, 26 "Sünde des Todes werth" und 1. Joh. 5, 16. 17 "Sünde zum Tode" stammt das Wort:

*Todsünde.--*

Aus 5. Mos. 24, 1. 3 (vrgl. Matth. 5, 31; 19, 7; Mark. 10, 4; Luk. 16, 18; 1. Kor. 7, 10) stammt der

*Scheidebrief.--*

*Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden*

steht 5. Mos. 25, 4 (vrgl. 1. Kor. 9, 9; 1. Timoth. 5, 18). Noch heute wird in Syrien das im Freien ausgebreitete Getreide gedroschen, indem man mit einem ochsenbespannten hölzernen Stuhlschlitten darüberhinfährt, unter dessen Kufen scharfe Steine befestigt sind.--

5. Mos. 25, 18 findet sich:

*müde und matt.--*

5. Mos. 27, 15-26 steht zwölfmal: "und alles Volk soll sagen: Amen"; Matth. 5, 37: "Eure Rede sei ja, ja ..." und Offenb. Joh. 22, 20: "Ja, ich komme bald, Amen". Daher unser:

*Ja und Amen zu Etwas sagen.--*

Aus 5. Mos. 28, 29, wo dem, der nicht auf des Herrn Stimme hörte, prophezeit wird: "Und wirst tappen im Mittage, wie ein Blinder tappet im Dunkeln", citieren wir:

*im Dunkeln tappen.*

Vrgl. Hiob 5, 14; 12, 25.--

*Vom Scheitel bis zur Sohle*

sagen wir nach 5. Mos. 28, 35; 2. Sam. 14, 25 und Hiob 2, 7, obwohl wir eigentlich "von der Fusssohle an bis auf die Scheitel" citieren müssten.--

Aus 5. Mos. 28, 37 (vrgl. 1. Kön. 9, 7; 2. Chron. 7, 20; Hiob 17, 6; Jerem. 24, 9; Hes. 14, 8) entnehmen wir:

*zum Sprichwort werden*

und:

*zur Fabel werden.--*

Eine Person oder Eigenschaft, die Einem Unehre macht, nennen wir einen

*Schandfleck*

nach 5. Mos. 32, 5: "Sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder", und nach Sir. 20, 26: "Die Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem Menschen" und 47, 21: "... und bringest deiner Ehre einen Schandfleck an".--

*Jemanden wie seinen Augapfel behüten*

ist aus 5. Mos. 32, 10 und Psalm 17, 8. (Sacharja 2, 8: "Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an".)--

*Traubenblut*

für "Wein" finden wir 5. Mos. 32, 14.--

5. Mos. 32, 35 (Röm. 12, 19; Ebr. 10, 30) spricht der Herr:

*Die Rache ist mein.--*

*Mann Gottes*

steht 5. Mos. 33, 1 und sonst noch sechzigmal im alten Testamente.--

* * * * *

*Josua* 1, 14; 8, 3; Richter 3, 29; 18, 2; 20, 17; 1. Chronika 6, 18; 11, 12 finden wir:

*streitbare Männer,*

Josua 17, 1:

*Ein streitbarer Mann.--*

Josua 3, 7 verspricht der Herr, "Josua gross zu machen vor dem ganzen Israel", 4, 14 beginnt: "An dem Tage machte der Herr Josua gross vor dem ganzen Israel", und in der "Historie von der Susanne und Daniel" 64 heisst es: "Und Daniel ward gross vor dem Volk". Daher stammt die unserer jüdischen Bevölkerung geläufige Redensart:

*Gross vor den Leuten.--*

Josua 6, 5. 10. 16. 20; 1. Thess. 4, 16 steht:

*Feldgeschrei.--*

Nach Josua 10, 24; Psalm 74, 3; Ev. Joh. 13, 18 und Ebräer 10, 29 sagen wir:

*Einen mit Füssen treten.--*

Josua 24, 15 steht:

*Ich* (aber) *und mein Haus wollen dem Herrn dienen.--*

Josua 24, 16; 1. Samuelis 14, 45; 2. Sam. 20, 20; Römer 3, 4. 6 und öfters in den paulinischen Briefen lesen wir:

*Das sei ferne!*

vrgl. "Das sei ferne von dir" (1. Mos. 18, 25) und "Das sei ferne von mir" (1. Mos. 40, 7).--

* * * * *

Das *Buch der Richter* 2, 10 (vrgl. 2. Kön. 22, 20; 2. Chronik. 34, 28; 1. Macc. 2, 69 und auch 1. Mos. 25, 8) schenkt uns das Wort:

*zu seinen Vätern versammelt werden.--*

Im Buch der Richter 5, 6 (vrgl. Psalm 125, 5) steht: "... die da auf Pfaden gehen sollten, die wandelten durch

*krumme Wege".--*

Im Buche der Richter 6, 12 und Ruth 5, 6 steht:

(Ein) *streitbarer Held.--*

Als Bezeichnung des Losungswortes für eine Partei gebrauchen wir nach dem Buch der Richter 12, 5. 6:

*Schiboleth.*

Die Gileaditer hatten sich bei einer Furt des Jordans aufgestellt und richteten an jeden Ephraiter, der hinüber wollte, die Frage: "Bist du ein Ephraiter? Wenn er dann antwortete: Nein; so hiessen sie ihn sprechen: Schiboleth; so sprach er: Siboleth und konnte es nicht reden. So griffen sie ihn" u.s.w.--

Löst jemand eine Aufgabe mit fremder Hülfe, so nennen wir das:

*mit fremdem Kalbe pflügen,*

nach dem Vorgange Simsons, dessen Weib die Auflösung eines von ihm aufgegebenen Rätsels seiner Verschwiegenheit entlockt und den Ratenden mitgeteilt hatte, worauf er zu ihnen (nach dem Buche der Richter 14, 18) sprach: "Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflüget, ihr hättet mein Rätsel nicht troffen".--

*Brandfuchs*

wird (nach ~Hase~: "Ideale und Irrtümer", Lpz. 1872, S. 116) der Student im zweiten Semester genannt, weil ihm, dem "Fuchs", dann einige Haare hinter dem Ohre mit einem Fidibus angebrannt wurden, damit er von nun ab ein Brandfuchs im Kampfe gegen die Philister würde, wie (nach dem Buche der Richter 15) Simson gegen die Felder, Gärten und Weinberge der Philister dreihundert Füchse aussendete, von denen je zwei einen Brand zwischen ihren Schwänzen hatten.--

*Philister*

für Nichtstudent, Widersacher des Studententums, soll darauf beruhen, dass, als am Ende des 17. Jahrhunderts[10] bei Händeln in Jena zwischen den Studenten und den Einwohnern der Johannisvorstadt ein Student erschlagen worden war, der Oberpfarrer und Generalsuperintendent Lic. theol. ~Götze~ ihm die Leichenrede über den im Buche der Richter (16) viermal vorkommenden Text gehalten habe:

"*Philister über dir,*

Simson". (vrgl. ~Schmeitzel~ in den "Wöchentlichen Hallischen Anzeigen", 1746 Sp. 177 und E. B. ~Wiedeburg~ "Beschreib. d. Stadt Jena", Jena 1785, S. 155.)

[Fußnote 10: In "Jena und Umgegend, Taschenbuch für Fremde" von H. Ortloff wird jedoch das Jahr 1624 angegeben.]

Hingegen nach ~Oskar Justinus~ ("Schlesische Zeitung" Nr. 520, 1879) haben diejenigen Häuser der ehemaligen Universitätsstadt Helmstädt, welche in irgend einer Beziehung zur Universität standen, Tafeln mit einem Simson, der einem Löwen den Rachen aufreisst. Dies vom Kaiser Maximilian verliehene Siegel hätte zuwege gebracht, dass man alle, welche nicht unter diesem Zeichen standen, also alle Nichtakademiker, mit dem Namen der von Simson bekämpften Philister belegte. Friedrich ~Kluge~ bezweifelt diese Deutung mit Recht in seinem "historischen Wörterbuche der Studentensprache" (K. J. Trübner. Strassburg 1895).--

Dass sich ein Volk erhebt

*wie Ein Mann*

ist ein Wort, das wir dem Buche der Richter 20, 1. 8. 11; Esra 2, 64; 3, 1. 9; 6, 20 und Nehemia 7, 66; 8, 1 entlehnen.--

* * * * *

*1. Samuelis* 1, 15; Psalm 42, 5 und 62, 9 entstammt:

*Sein Herz ausschütten.--*

Nach 1. Samuelis 3, 11 (vrgl. 2. Könige 21, 12): "Wer das hören wird, dem werden seine beiden Ohren gellen" und Jeremias 19, 3: "ich will ein solch Unglück über diese Stätte gehen lassen, dass, wer es hören wird, ihm die Ohren klingen sollen"...sagen wir, dass Einem

*die Ohren gellen* oder *klingen.--*

1. Samuelis 3, 13 (vrgl. Hiob 21, 5; Matth. 6, 16) heisst es von Eli, "dass er wusste, wie seine Kinder sich schändlich hielten, und hätte nicht einmal

*sauer dazu* ge*sehen".--*

Nach 1. Samuelis 5, 9 und 11 sagen wir:

*Einen grossen Rumor machen.--*

Nach 1. Samuelis 9, 2, wo es von Saul heisst: "der war ein junger feiner Mann" sagt man wohl:

*ein feiner junger Mann;*

doch wird darunter nicht mehr, wie dort, ein stattlich gewachsener, sondern ein wohlanständiger Jüngling verstanden und auch spöttisch ein ladenmässig geschniegelter.--

Das von ~Goethe~ am Ende von "Wilhelm Meister's Lehrjahren" angewendete:

*Saul, der Sohn Kis, ging aus, seines Vaters Eselinnen zu suchen und fand ein Königreich*

erklärt sich aus 1. Samuelis, Kap. 9 und 10.--

*Wie kommt Saul unter die Propheten?*

hat folgenden Ursprung. Einer Prophetenschar begegnend und vom Geiste Gottes ergriffen, fing Saul auch an, unter ihnen zu weissagen, und sie sprachen (1. Samuelis 10, 11); "Ist Saul auch unter den Propheten?" und "Daher", heisst es 1. Samuelis 10, 12, "ist das Sprichwort kommen: Ist Saul auch unter den Propheten?" (vrgl. 1. Sam. 19, 24.)--

*Ein Mann nach dem Herzen Gottes*

beruht auf 1. Samuelis 13, 14 und Apostelg. 13, 22.--

1. Samuelis 16, 7 steht geschrieben: "Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an". Hieraus schöpfen wir unser:

*Gott sieht aufs Herz.--*

Nach 1. Samuelis 17 nennen wir einen hochgewachsenen Mann einen

*Goliath* oder einen *Riesen Goliath.--*

Als ein Beispiel inniger Freundesliebe gelten uns

*David und Jonathan*

nach 1. Samuelis 18, 1-7; 19, 1; 20, 17; 23, 18; 2. Samuelis 1, 26; 21, 7 (s. unten: 1. Macc. 10 und 11).--

Nach 1. Samuelis 25, 17. 25; 2. Samuelis 20, 1, wo aber "Mann" steht, sagen wir:

*Ein heilloser Mensch.--*

* * * * *

*2. Samuelis* 8, 13 lesen wir:

*Sich einen Namen machen.--*

Das bekannte Wort:

*Krethi und Plethi,*

d.h. die Kreter (nach anderen die Karer) und Philister, welche die Leibwache des Königs bildeten, steht 2. Samuelis 8, 18; 15, 18; 20, 7. 23; 1. Könige 1, 38. 44; 1. Chronica 19, 17 und es ist uns gleichbedeutend mit "allerlei Pöbel".--

Als nach 2. Samuelis 10, 5 und 1. Chronika 20, 5 der Ammoniterkönig Hanon den abgesendeten Dienern des Königs David hatte die Haare scheren lassen, liess David ihnen sagen: "Bleibet zu Jericho, bis euer Bart gewachsen", woraus jene volkstümliche Abfertigung an einen frühklugen Unbärtigen entstand:

*Gehe nach Jericho und lass dir den Bart wachsen.--*

Nach 2. Samuelis 11, 14 u. 15 nennt man einen Brief, welcher dem Überbringer Unheil bringt:

*Uriasbrief,*

denn David schickte an Joab den Uria mit einem Briefe des Inhalts: "Stellet Uria an den Streit, da er am härtesten ist, und wendet euch hinter ihm ab, dass er erschlagen werde und sterbe". Und also geschah es.--

2. Samuelis 12, 5 steht:

*Kind des Todes,*

1. Sam. 26, 16; Psalm 79, 11; 102, 21: "Kinder des Todes".--

Aus 2. Samuelis 15, 14 stammt:

*Kein Entrinnen.--*

2. Samuelis 16, 7 u. 8 nennt Simei den David einen

*Bluthund;*

und Sirach 34, 27 lautet: "Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht giebt, der ist ein Bluthund".--

2. Samuelis 18, 9 berichtet von Absalom, der auf einem Maultier ritt: "da das Maulthier unter eine grosse dicke Eiche kam, behing sein Haupt an der Eiche und schwebete zwischen Himmel und Erde, aber sein Maulthier lief unter ihm weg". Danach brauchen wir die Wendung:

*zwischen Himmel und Erde schweben.--*

Aus 2. Samuelis 18, 33 und 19, 4 stammt:

*O mein Sohn Absalom!--*

* * * * *

*1. Könige* 2, 2 sagt der sterbende David zu seinem Sohne Salomo:

*sei ein Mann.--*

1. Könige 3, 7 spricht Salomo zu Gott: "... bin ... ein kleiner Knabe, weiss nicht weder meinen Ausgang noch Eingang". Daher sagen wir:

*nicht aus noch ein wissen.--*

Auf 1. Könige 3, 16-28 beruht:

*Salomonisches Urteil.*

Es wird da eine junge Mutter von einer anderen bei Salomo verklagt, sie habe der Schlummernden ihr eigenes im Schlaf erdrücktes Kind untergeschoben und sich deren lebendes genommen, was die Bezichtigte läugnet. Um die Wahrheit herauszubringen, entscheidet der König, das lebendige Kind solle mit dem Schwert in zwei Teile geteilt werden und jeder eine Hälfte zufallen. Die eine willigt darein, die andere aber will dann lieber ganz verzichten, "denn ihr mütterliches Herz entbrannte über ihren Sohn". Da sprach Salomo: "Gebt dieser das Kind lebendig und tötet es nicht; die ist die Mutter."--

*Weise wie Salomo, Weisheit Salomos* oder *Salomonis, salomonische Weisheit*

beruht auf 1. Könige 4, 29. 30. 31. 34; 5, 7. 12; 10, 4. 6. 7. 8. 23. 24; 11, 41; 2. Chronika 1, 10. 11. 12; 9, 3. 5. 6. 7. 22. 23; Luk. 11, 31 und dem Titel des apokryphischen Buches "die Weisheit Salomons an die Tyrannen".--

1. Könige 12, 11 sprechen "die Jungen, die mit ihm aufgewachsen waren" zu Rehabeam, Salomos Sohn, er möge dem um Erleichterung flehenden Volke antworten: "mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ~Ich~ aber will euch

*mit Scorpionen* (d.h. mit Geisseln) *züchtigen".--*

1. Könige 22, 22 und 23 ist die Rede von "einem falschen Geist in aller Propheten Munde" (vrgl. Jesais 9, 15; Jerem. 5, 31; 6, 13; 14, 14; 23, 25 und 26), danach reden wir mit Matth. 7, 15; 24, 11; Mark. 13, 22; 2. Petri 2, 1; 1. Joh. 4, 1; Offenb. 16, 13; 15, 20 und 20, 10 von

*falschen Propheten.--*

* * * * *

Aus *2. Könige* 4, 40 entnehmen wir den Klageruf über schlechtes Essen:

*der Tod im Topf!--*

* * * * *

*1. Chronica* 13, 18 steht:

*Friede sei mit dir.--*

1. Chronica 13, 19 sagen die Fürsten der Philister von David: "wenn er zu seinem Herrn Saul fiele, so möchte es uns unsern Hals kosten"; daher die Wendung:

*es kostet den Hals.--*

1. Chronica 17, 34; Psalm 106, 1; 107, 1; 118, 1. 29; 1. Maccab. 4, 24; Gesang der drei Männer im Feuer, 89, (vrgl. 2. Chronika 7, 3; Psalm 136, 1; Esra 3, 11) steht:

*Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.--*

* * * * *

*Esra* 9, 6 schliesst: "unsere Missethat ist über unser Haupt gewachsen und unsere Schuld ist gross bis in den Himmel". Danach sagen wir:

*Sich Etwas über den Kopf wachsen lassen.--*

* * * * *

Für "Alles was dazu dient, eine leere Stelle auszufüllen", sagen wir:

*Lückenbüsser,*

nach *Nehemia* 4, 7: "da aber Saneballat, und Tobia, und die Araber, und Ammoniter, und Asdoditer höreten, dass die Mauern zu Jerusalem zugemacht waren, und dass sie die Lücken angefangen hatten zu büssen (veraltet für: "ausbessern, flicken"), wurden sie sehr zornig".--

* * * * *

*Im Sack und in der Asche trauern* (oder) *Busse thun*

beruht auf *Esther* 4, 1 und 3 (vrgl. Jes. 58, 5; Jerem. 6, 26; Jona 3, 6; 1. Maccab. 3, 47; Matth. 11, 21; Luk. 10, 13).--

* * * * *

In dem Buche *Hiob* 1, 1 u. 8; 2, 3 (vrgl. 2. Sam. 15, 3; Ps. 25, 21) wird Hiob bezeichnet als

*schlecht* (d. i. schlicht) *und recht.--*

Eine unglückliche Botschaft nennen wir eine

*Hiobspost*

nach Hiob 1, 14. 16. 17 und 18; während

*Arm wie Hiob*

sich auf das ganze Buch oder noch passender auf Hiob 17, 6 stützt: "Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gesetzt".--

*Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobet*

steht Hiob 1, 21.--

Wenn wir bei einem grossen Schrecken sagen, dass uns

*die Haare zu Berge stehen,*

so citieren wir damit Hiob 4, 15: "Und da der Geist vor mir über ging, standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe".

Sir. 27, 15 "gehen" Einem die Haare zu Berge.--

Hiob 8, 9 heisst es:

(Denn) *wir sind von gestern* (her und wissen nichts).--

Aus Hiob 10, 22: "(Ehe denn ich hingehe) in das Land, da es stockdick finster ist ..." schöpfen wir das Wort:

*stockfinster.--*

Aus Hiob 15, 32: "und sein Zweig wird nicht grünen" ist die Redensart:

*auf keinen grünen Zweig kommen*

wahrscheinlich entstanden.--

*Ein leidiger Trost*

sagen wir nach Hiob 16, 2: "Ihr seid allzumal leidige Tröster".--

*Den Weg gehen, den man nicht wiederkommt*

stammt aus Hiob 16, 22: "Aber die bestimmten Jahre sind gekommen und ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde". S. oben: "Den Weg alles Fleisches gehen".--

Nach Hiob 12, 18: "Sie (die Gottlosen) werden sein ... wie Spreu, die der Sturmwind wegführet," sagen wir von etwas Haltlosem, Vergänglichem, es sei

*wie Spreu im Winde.*

Vrgl. Psalm 1, 4 "wie Spreu, die der Wind zerstreuet", Psalm 35, 5 "wie Spreu vor dem Winde", sowie Hosea 13, 3 und Zephanja 2, 2.--

Hiob 21, 23; Tobias 5, 28 (vrgl. 8, 15; 14, 15); Sir. 30, 14 und 2. Macc. 9, 20 lesen wir:

*frisch und gesund.--*

Auf Hiob 25, 3; Psalm 97, 11; 112, 4; Matth. 4, 16 beruht:

*Es geht mir ein Licht auf.--*

Hiob 27, 2 steht:

*So wahr Gott leb*(e)*t.--*

Aus Hiob 27, 6: "... mein Gewissen beisst mich nicht" kam uns das Wort:

*Gewissensbisse.--*

Hiob 29, 10 heisst es: "Da die Stimme der Fürstin sich verkroch und ihre Zunge an ihrem Gaumen klebte"; Ps. 22, 16: "Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben und meine Zunge klebet an meinem Gaumen"; Ps. 137, 6: "Meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich deiner (Jerusalem) nicht gedenke"; Klagelieder 4, 4; "Dem Säuglinge klebt seine Zunge am Gaumen vor Durst" und Hesekiel 3, 26: "Ich will die Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, dass du verstummen sollst". Danach sagen wir:

*Es klebt einem die Zunge am Gaumen*

vor Durst, Schreck, Schwäche oder Angst.--

Hiob 29, 16 steht: "Ich war

*ein Vater der Armen",*

danach wir auch sagen:

*Armenvater.--*

"Man hat mich in Dreck getreten und gleich geachtet dem

*Staub und Asche"*

steht Hiob 30, 19 (vrgl. "Erde und Asche" 1. Mos. 18, 27; Sirach 10, 9; "Erde und Staub" Sir. 17, 31).--

Aus Hiob 31, 17: "Habe ich meinen Bissen allein gegessen und nicht der Waise auch davon gegessen?" 18: "Denn ich habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater ..." oder aus Sirach 4, 10: "Halte dich gegen die Waisen wie ein Vater ..." bildeten wir das Wort:

*Waisenvater.--*

Nach Hiob 36, 26: "Siehe, Gott ist gross und unbekannt" sagt man von einem sich in Werken offenbarenden, sonst unsichtbar bleibenden bedeutenden Geist:

*Der grosse Unbekannte.*

So wurde (nach J. Ebertys "Walter Scott" 1, 143, 318, 322; 2, 42) der anonyme Verfasser des "Waverley" genannt ("The great Unknown") und Lenau singt ("der Hagestolz"):

"Die Schädelpfeif' hat auch geraucht, Als drin das Leben brannte, Als noch der Raucher drein gehaucht, Der grosse Unbekannte".--

Des Herren Worte an das Meer:

*Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hie sollen sich legen deine stolzen Wellen;*

finden sich Hiob 38, 11. Gewöhnlich wird, wie in Schillers "Räubern" (2, 1), verkürzt citiert:

*Bis hierher und nicht weiter!*

~Goethe~ legt die in dem Verse 11 enthaltenen Endworte in der Form: "Werden sich schon legen die stolzen Wellen", der Postmeisterin in "Stella" (1) in den Mund. Die Worte "und nicht weiter" sind sowohl in der von Franzosen und Engländern richtig angeführten Übersetzung:

*Nec plus ultra,*

wie in der Umformung, die wir damit vorgenommen:

*Non plus ultra,*

eine Bezeichnung des höchsten Grades einer Eigenschaft geworden.--

Hiob 39, 30 (vrgl. Habakuk 1, 8) heisst es vom "Adler": "wo ein Aas ist, da ist er", danach wir mit Matth. 24, 28 und Lukas 17, 37 sagen:

*Wo* (aber) *ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.--*

Auf Hiob 42, 3: "... Darum bekenne ich, dass ich habe unweislich geredet, dass mir zu hoch ist und nicht verstehe", oder auf Psalm 139, 6 (vrgl. 131, 1): "Solches Erkenntnis ist mir zu wunderlich und zu hoch, ich kann es nicht begreifen" oder auf den "Sprüchen Salomons" 24, 7: "Weisheit ist dem Narren zu hoch"--beruht das Wort:

*Das ist mir zu hoch.--*

* * * * *

*Psalm* 1, 1: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen; noch tritt auf den Weg der Sünder; noch sitzet, da die Spötter sitzen ..." liefert uns die Worte:

*Sitzen, da die Spötter sitzen,*

oder:

*Auf der Bank der Spötter sitzen.--*

Aus Psalm[11] 2, 1: "Warum toben die Heiden?" mag das Wort

*Heidenlärm*

entstanden sein, was dann für "grosser Lärm" gebraucht ward und in diesem Sinne des Gewaltigen Worte hervorrief wie "Heidengeld", "Heidenprofit", "heidenmässig viel Geld".--

[Fußnote 11: Die folgenden Psaltercitate sind aus Luthers Bibelübersetzung, wie sie ~jetzt~ vorliegt. In seiner ersten Übersetzung von 1524 ("Der Psalter deutsch, nach Art ebräischer Sprache") kommen manche in ganz anderer Form vor. Seine zweite Übersetzung ist von 1531; aber in den späteren Ausgaben wurde noch vieles geändert, so dass der heutige Text erst von 1545 stammt.]

Aus Psalm 2, 11: "Dienet dem Herrn mit Furcht und freuet euch mit Zittern" stammt

*mit Furcht und Zittern,*

was sich Tobias 13, 5; Ephes. 6, 5 und Philipp. 2, 12 wiederholt. Hiob 4, 14 und Ps. 55, 6 steht: "Furcht und Zittern", 1. Kor. 2, 3: "Mit Furcht und grossem Zittern".--

Aus Psalm 4, 4: "Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderlich führet" stammt:

*wunderlicher Heiliger*

und

*Gott führt seine Heiligen wunderlich.--*

Aus Psalm 4, 9 (Vulgata): "in pace in idipsum dormiam et requiescam" entnehmen wir, ohne dass dort vom Tode die Rede ist, unseren Wunsch für einen Verstorbenen:

*Requiescat in pace!*

*Er ruhe in Frieden!*

und wenden ihn auch auf einen Lebenden an, den wir zu den Toten werfen.--

Psalm 7, 10 (vrgl. Psalm 26, 2; Jerem. 11, 20; 17, 10; 20, 12; Offenbar. 2, 23) bringt uns:

*Herzen und Nieren prüfen.--*

Psalm 8, 6 steht:

*Von Gott verlassen sein*

(vrgl. Psalm 22, 2; Matth. 27, 46; Mark. 15, 34).--

*Reden ist Silber*

beruht wohl auf Psalm 12, 2: "Die Rede des Herrn ist lauter, wie durchläutertes Silber" und Sprüche 10, 20: "Der Gerechten Zunge ist köstliches Silber"; aber welcher Weise setzte hinzu: "Schweigen ist Gold"? Der Prediger Salomo 3, 7 sagt nur: "Schweigen, Reden hat seine Zeit". Manche nennen für "Reden ist Silber und Schweigen ist Gold" den Koran als Quelle, bezeichnen aber klüglich nie die Sure, in der es Mohammed offenbart habe.--

*Zum Spott der Leute werden*

sagen wir nach Psalm 22, 7: "Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks".--

*Jugendsünden*

entstand aus Psalm 25, 7: "Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend".--

Es heisst Psalm 34, 20:

*Der Gerechte muss viel leiden,*

und 35, 20:

*Die Stillen im Lande,*

ferner 37, 3:

*Bleibe im Lande und nähre dich redlich.--*

Aus Psalm 39, 3: "Ich bin verstummet und still und schweige der Freuden und muss mein Leid in mich fressen" stammt das Wort:

*Sein Leid in sich fressen.--*

Psalm 41, 9 heisst es: "Sie haben ein

*Bubenstück*

über mich beschlossen: wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen".--

Aus Psalm 42, 2 citieren Dürstende:

*Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser.--*

Den Ausdruck:

*Falsche Zunge* und *falsche Zungen*

lesen wir Psalm 52, 6; 120, 2; Sprüche 6, 17; 12, 19; 26, 28; Micha 6, 12.--

Psalm 73, 19 (s. Gefl. Worte aus der Geschichte: Schill) heisst es:

*Ein Ende mit Schrecken nehmen.--*

Aus Psalm 75, 9 ist der Scherz entwickelt:

*Die Gottlosen kriegen die Neige,*

oder:

*Der Rest ist für die Gottlosen;*

denn der Herr wird dort als ein Schenk dargestellt, der uns aus einem Becher starken Weines tränkt; aber "die Gottlosen" heisst es weiter, "müssen alle trinken und die Hefen aussaufen". Jeremias 25, 15-28 reicht der Herr dem Propheten einen "Becher Weins voll Zorn" zum Ausschenken.--

*Jammerthal,*

(Psalm 84, 7; nach der Vulgata Ps. 83, 7: "vallis lacrymarum") ist längst vor Luther aus dieser Bibelstelle gebildet worden.

~Hugo von Trimberg~ (1260-1309) wendet es in "Dem Renner", Vers 235 und 896 an. (Nach der Erlanger Handschrift, herausg. in Bamberg 1834-36.) In Grimms Wörterbuch sind eine Menge Stellen angegeben, wo es citiert wird.--

Psalm 90, 10 steht:

*Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn's hoch kommt, so sinds achtzig Jahr, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen.*

Hiernach sagen wir, es erreiche Einer

*das Alter des Psalmisten* oder *das Psalmistenalter.--*

Psalm 91, 12 bringt:

*Auf* (den) *Händen tragen,*

was, mit Berufung auf diese Stelle, Matth. 4, 6 und Luk. 4, 11 wiederholen. Es wird von den Engeln gesagt, die dafür sorgen, dass der Fuss des Getragenen nicht an einen Stein stosse; und es bedeutet daher "mit Engelsgüte behandeln".--

Aus Psalm 92, 8: "Die Gottlosen grünen, wie das Gras, und die Übelthäter blühen alle" entnehmen wir:

*Grünen und blühen.*

"Blühen und grünen" soll "Israel" nach Jesaias 27, 6.--

Psalm 94, 15 steht:

(Denn) *Recht muss* (doch) *Recht bleiben.--*

Das nach Psalm 104, 15 "Und dass der Wein erfreue des Menschen Herz" gebildete:

*Der Wein erfreut des Menschen Herz*

ist der Anfang eines Trinkliedes von ~Gleim~ (Sämtl. Werke, hrsg. v. Körte, II, 166), der Ausspruch Bruder Martins in ~Goethes~ "Götz" (1. Akt), ferner der Anfang der Arie Nr. 3 aus dem musikalischen Quodlibet "Der Kapellmeister von Venedig" v. ~Breitenstein~ (Danzig bei "Wedel, ersch. nach Mozarts "Don Juan"), endlich der Anfang eines von Zelter 1795 komponierten Liedes von ~Karl Müchler~ in F. W. A. ~Schmidts~ "Neuem Berlinischen Musenalmanach" (1797, S. 45), das fälschlich J. H. ~Voss~ zugeschrieben und irrig in Fr. v. ~Sonnenbergs~ Gedichte (Rudolst. 1808) aufgenommen wurde, (vrgl. Sprüche Salomons 31, 6. 7; Prediger 10, 19; Sirach 32, 34-35; 40, 20.)--

*Das auserwählte Volk*

werden die Juden genannt nach Psalm 105, 43: "also führte er sein Volk aus mit Freuden und seine Auserwählten mit Wonne" und nach 2. Macc. 5, 19: "Gott hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern die Stätte um des Volkes willen."--

*Vor den Riss treten,*

d.h. "Verluste durch Einsetzung der eigenen Person wieder gut machen", ist ein biblischer Gedanke, s. Psalm 106, 23, Hesekiel 13, 5 und 22, 30. An der ersten Stelle lautet der Ausdruck: "den Riss aufhalten", an der zweiten: "vor die Lücken treten", an der dritten: "wider den Riss stehen".--

*Eine durstige Seele*

steht Psalm 107, 9 und ebenda (vrgl. Baruch 2, 18):

*Eine hungrige Seele.--*

Nach Psalm 107, 42: "... aller Bosheit wird das Maul gestopfet werden" (vrgl. Matth. 22, 34; Titus 1, 11) sagen wir:

*Einem das Maul stopfen.*

"Lügenmäuler verstopfen" steht Psalm 63, 12, "den Mund stopfen" Psalm 40, 10 u. Luk. 11, 53.--

*Augen haben und nicht sehen und Ohren haben und nicht hören*

beruht auf Psalm 115, 5. 6; 135, 16. 17; Jer. 5, 21; Hesek. 12, 2; Weisheit 15, 15.--

Psalm 116, 11 steht:

*Omnis homo mendax,*

Alle Menschen sind Lügner.--

Im Texte von Psalm 127, 2: "Denn seinen Freunden giebt er's schlafend", liegt das Wort:

*Gott giebt's den Seinen im Schlafe,*

oder:

*Dem Gerechten giebt's der Herr im Schlafe.--*

Als Umgestaltung von Psalm 127, 3: "Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn" mag gelten:

*Viel Kinder, viel Segen.--*

Psalm 143, 2: "... gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht" giebt uns das Wort:

*Mit Einem ins Gericht gehen.--*

Psalm 145, 15 und 16 (s. oben 5. Mos. 15, 11) steht das Tischgebet:

*Aller Augen warten auf Dich und Du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust Deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen.--*

* * * * *

Der weise Salomo, der "dreitausend Sprüche redete" (1. Könige 4, 32), und der den Sprichwörtern die allgemeingültige Bezeichnung der

*Weisheit auf der Gasse*

(*Sprüche Salomons* 1, 20: "Die Weisheit klaget draussen, und lässet sich hören auf den Gassen") verschafft hat, wird natürlich oft citiert.--

"Sprüche" 1, 10 lautet:

(Mein Kind,) *wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.--*

"Sprüche" 2, 16 warnt vor "eines andern Weib, und die nicht dein ist, die

*glatte Worte*

giebt".--

"Sprüche" 3, 12 enthält:

*Welchen der Herr liebet, den strafet er,*

was sich Ebräer 12, 6 ähnlich wiederholt (s. auch Offenbar. Joh. 3, 19):

*We*(lche)*n der Herr lieb hat, den züchtigt er.--*

"Sprüche" 4, 24 lesen wir: "Thue von dir den verkehrten Mund und lass das

*Lästermaul*

ferne von dir sein".--

"Sprüche" 5, 4 heisst es im schlimmen, Ebräer 4, 12 und Offenb. Joh. 1, 16 u. 2, 12 im guten Sinne von einer scharfen Rede, sie sei wie

*ein zweischneidig*(es) *Schwert.*

Gedankenlos wird heute dies Wort so citiert, als sei im allgemeinen ein Schwert gemeint, dessen eine Schärfe Heil, dessen andere Unheil bringe.--

"Sprüche" 8, 14 steht: "Mein ist beides

*Rat und That";*

während es Jeremias 32, 19 heisst: "Gross von Rat und mächtig von That".--

*Gestohlenes Wasser schmeckt süss,*

sagen wir nach "Sprüche" 9, 17: "Die verstohlenen Wasser sind süsse" (vrgl. 20, 17) und

*Unrecht Gut gedeiht nicht,*

nach "Sprüche" 10, 2: "Unrecht Gut hilft nicht" (vrgl. Sirach 5, 10; 41, 12 u. unter Kap. X: Sophokles).--

*Dies irae,*

der Tag des Zorns, d.h. des Gerichts Gottes, steht, wie "Sprüche" 11, 4 "dies ultionis" und Hesekiel 7, 19 "dies furoris", in der Vulgata Römer 2, 5 (vrgl. Offenb. 6, 16. 17; 11, 18) und bildet den Anfang des Liedes von ~Thomas von Celano~ (13. Jahrh.), das beim katholischen Traueramte ertönt und in ~Goethes~ "Faust" dem reuigen Gretchen im Dome entgegenbraust.--

"Sprüche" 12, 10 bietet:

*Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes.--*

"Sprüche" 13, 24 steht: "Wer seiner Ruthe schonet, der hasset seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtiget ihn bald", (vrgl. Sirach 30, 1.) Hiernach ist gebildet:

*Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es.--*

"Sprüche" 14, 13: "Nach dem Lachen kommt Trauern, und nach der Freude kommt Leid" und Lukas 6, 25: "... Wehe euch, die ihr hier lachet, denn ihr werdet weinen und heulen" sind die Quellen des Wortes:

*Nach Lachen kommt Weinen.--*

Nach "Sprüche" 16, 9 (Vulgata): "Cor hominis disponit viam suam, sed Domini est dirigere gressus eius", bei ~Luther~: "Des Menschen Herz schläget seinen Weg an, aber der Herr allein giebt, dass er fortgehe" ist gebildet:

*Homo proponit, sed Deus disponit.*

*Der Mensch denkt, Gott lenkt.*

*L'homme propose et Dieu dispose.*

Der lateinische Spruch kommt schon in dem englischen Gedichte W. ~Langlands~ "Piers Ploughmans Vision", (Mitte des 14. Jahrh.) V. 6644 und V. 13,994 vor. An ersterer Stelle heisst es: "Homo proponit, sprach ein Dichter, und Plato hiess er, und Deus disponit sprach er; lass Gott seinen Willen thun".--

*Hochmut kommt vor dem Fall*

ist gebildet nach "Sprüche" 16, 18: "Stolzer Mut kommt vor dem Fall" (vgl. Tobias 4, 14: "Hoffart ... ist ein Anfang alles Verderbens" und Sirach 3, 30: "Hochmut thut nimmer gut und kann nichts denn Arges daraus erwachsen").--

"Sprüche" 19, 17 steht:

*Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn.--*

"Sprüche" 24, 8 lautet: "Wer ihm selbst Schaden thut, den heisst man billig einen

*Erzbösewicht".*

Als solcher wird Maccabäer 15, 3 Nicanor bezeichnet, der aber anderen Schaden zu thun trachtet.--

Aus "Sprüche" 24, 15: "Laure nicht als ein Gottloser, auf das Haus des ~Gerechten~, verstöre ~seine Ruhe~ nicht" mag sich der Ausdruck

*Schlaf des Gerechten*

entwickelt haben (andere leiten ihn her aus 3. Mos. 26, 6; aus Psalm 3, 6, 7; 4, 9; 127, 2; oder aus Sprüche Sal. 3, 24).--

"Sprüche" 24, 29: "Wie man mir thut, so will ich wieder thun", wird verkürzt zu:

*Wie du mir, so ich dir.--*

"Sprüche" 25, 11 bringt uns:

*Güldene Äpfel in silbernen Schalen.--*

"Sprüche 25, 22 steht geschrieben: wer seinem Feinde Gutes thut, wird "Kohlen auf sein Haupt häufen" d.h. er wird dessen Wangen vor Schamröte erglühen machen. Nach dem Apostel Paulus (Röm. 12, 20) citieren wir dies Wort also:

*Feurige Kohlen auf sein* (oder: Jemandes) *Haupt sammeln.--*

Nach "Sprüche" 26, 27: "Wer eine Grube machet, der wird darein fallen" (vrgl. Psalm 7, 16; 9, 16; 57, 7; Predig. Sal. 10, 8; Sirach 27, 29) ist gebildet:

*Wer ändern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.*

Vrgl. ~Hesiod~, (Werke und Tage, Vers 265): "οἷ τ' αὐτῷ κακὰ τεύχει ἀνὴρ ἄλλῳ κακὰ τεύχων" (Der Mann, der einem andern Böses bereitet, bereitet das Böse sich selbst.)--

* * * * *

*Prediger Salomo* 1, 2 und 12, 8 ruft: "Es ist alles ganz eitel", danach wir sagen:

*Alles ist eitel.*

Auch wird der lateinische Text citiert:

*Vanitas vanitatum, et omnia vanitas.--*

1, 7 (vrgl. Sirach 40, 11) heisst es:

*Alle Wasser laufen ins Meer.--*

1, 8: ... "das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt" liess uns das Wort bilden:

*Ein Nimmersatt.--*

1, 9:

*und geschiehet nichts Neues unter der Sonne.--*

3, 1:

*Ein jegliches hat seine Zeit.--*

3, 11:

(Er aber thut) *Alles* (fein) *zu seiner Zeit.--*

3, 12: "Darum merke ich, dass nichts besseres darinnen ist, denn fröhlich sein und ihm

*(sich) gütlich thun*

in seinem Leben".--

3, 13: "Denn ein jeglicher Mensch, der da isset und trinket und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist

*eine Gabe Gottes".--*

5, 18: "... welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt giebt, dass er davon isset und trinket für sein Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit; das ist

*eine Gottes-Gabe".--*

4, 12: "Einer mag überwältigt werden, aber zween mögen widerstehen; denn eine dreifältige Schnur reisst nicht leicht entzwei", daher wohl stammt:

*Doppelt reisst nicht* oder: *Doppelt hält besser.--*

9, 4:

*Ein lebendiger Hund ist besser weder* (d.h. als) *ein toter Löwe.--*

Nach dem Prediger Salomo 10, 15: "Die Arbeit der Narren wird ihnen sauer" und nach Sirach 7, 16: "Ob dirs sauer wird mit deiner Nahrung und Ackerwerk, das lass dich nicht verdriessen" sagen wir:

*Es wird Einem sauer*

und:

*Saure Arbeit.--*

Pred. Sal. 10, 16 bietet:

*Wehe dir Land, dess König ein Kind ist.--*

Aus Pred. 12, 1: "Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: sie gefallen mir nicht", entnehmen wir:

*Das sind Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht.--*

12, 12 steht:

*Viel Büchermachens ist kein Ende.--*

* * * * *

*Das Hohelied Salomons* (1, 15; 4, 1; 5, 12) schenkt uns das Wort:

*Taubenaugen*

und (8, 6):

*Liebe ist stark wie der Tod.--*

* * * * *

Nach *Jesaias* 5, 7: "Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel" (vrgl. Matth. 20, 1 ff.) sprechen wir vom

*Weinberg des Herrn.--*

Jesaias 8, 14 und 1. Petri 2, 8 findet sich:

*Stein des Anstossens* (gewöhnlich: *des Anstosses),*

während Römer 9, 32 und 33 "Stein des Anlaufens" gesagt wird.--

Wenn die christliche Poesie den Fürsten der Finsternis

*Lucifer*

(Lichtbringer)

nennt, so stützt sie sich auf Jesaias 14, 12: "Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!" da die lateinische Bibel für "Morgenstern" "Lucifer" setzt.--

*Der Grund- und Eckstein*

sagen wir von dem Wesentlichen eines Werkes nach Jesaias 28, 16: "... ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein."

(Vrgl. Psalm 118, 22: "Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist zum Eckstein geworden" und Jer. 51, 25-26: "... ich will an dich, du schädlicher Berg ... dass man weder Eckstein noch Grundstein aus dir nehmen könne". S. auch unter den "Gefl. Worten aus der Geschichte": Süvern.)--

Jesaias 34, 8 (u.a.a.O.) steht:

*Der Tag der Rache.--*

Nach Jesaias 38, 1: "... Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben" ... sagen wir für "sein Testament machen":

*Sein Haus bestellen.--*

Wer vergeblich mahnt, den nennen wir einen

*Prediger in der Wüste*

nach Jesaias 40, 3: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste" (vrgl. Jes. 53, 1: "... wer glaubt unserer Predigt?"); nach der Vulgata:

*vox clamantis in deserto,*

was, gedeutet auf Johannes den Täufer, Matth. 3, 3, Mark. 1,3, Luk. 3, 4 und Johannes 1, 23 wiederholt wird. Genau genommen wäre zu übersetzen: "Es ist die Stimme eines Rufenden: In der Wüste (bereitet dem Herrn den Weg, auf dem Gefilde machet eine Bahn unserm Gotte)". Hieraus und aus Jesaias 42, 20: "Man predigt wohl viel, aber sie halten es nicht; man sagt ihnen genug, aber sie wollen es nicht hören" bildete man wohl das Wort:

*Tauben Ohren predigen.--*

Aus Jesaias 48, 4 "und deine Stirn ist ehern" ist entnommen:

*Eherne Stirn,*

oder, wie Lessing (1755 "Miss Sara Sampson" 2, 4) sagt:

*Eiserne Stirn,*

die er auch der "frons ferrea" der Angeberschar bei ~Plinius~ (Panegyricus, 35) verdanken kann.--

In der Vulgata lautet Jesaias 49, 20: "... Angustus est mihi locus, fac spatium mihi, ut habitem".--"Der Raum ist mir zu eng, mach' mir Platz, auf dass ich wohnen kann!" In seinem "Il poeta di teatro" (zuerst ersch. Lond. 1808) II, 14 "la rivoluzione teatrale", 2, singt Filippo ~Pananti~ da Mugello, wohl darauf anspielend:

E donde nascon le rivoluzioni? Dai lumi dei filosofi? dal peso Dell' ingiustizia, delle imposizioni? So che questo si dice; anch' io l'ho inteso. Ma tutto si riduce, al parer mio, Al dire, ~esci di li, ci vo' star io.~

Und woher kommen Revolutionen? Von Philosophenlichtern? Von den Banden Der Ungerechtigkeit, der Steuerfronen? Ich weiss, so sagt man; und ich hab's verstanden. Doch scheint mir alles drauf hinaus zu gehen, Zu sagen: ~pack' dich fort, ich will hier stehen!~

~Giusti~ wiederholte fast buchstäblich die beiden letzten Verse in einem Sonett (1829) mit dem Zusatz: "come dice un poeta da Mugello" "wie's ein Poet Mugellos ausgedrückt". Wir aber citieren die Schlusssentenz in der französischen Fassung des Grafen Saint-Simon ("Catéchisme des industriels". Paris 1823, s. "Oeuvres" Paris 1875. Vol. VIII, p. 53):

*ôte-toi de là, que je m'y mette!-- Ein Himmel, wie ein Sack*

sagen wir nach Jesaias 50, 3: "Ich kleide den Himmel mit Dunkel und mache seine Decke als einen Sack".-- Wer geduldig, still und willig anderen nachgiebt, von dem sagen wir, nach Jesaias 53, 7 und Apostelg. 8, 32, er sei

*wie ein Lamm.--*

Wer da schweigt, wo er reden sollte, von dem sagen wir, er sei

*Ein stummer Hund*

nach Jesaias 56, 10: "Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts: stumme Hunde sind sie, die nicht strafen; sind faul, liegen und schlafen gerne".--

*Kopfhänger* und *Kopfhängerei*

bilden wir nach Jesaias 58, 5: "Sollte das ein Fasten sein, das ich erwählen soll, dass ein Mensch seinem Leibe des Tages über Leid thue oder seinen Kopf hänge wie ein Schilf ...", aus Jeremias 48, 39: "Wie heulen sie! Wie schändlich hängen sie die Köpfe!" und aus Sirach 19, 23: "Derselbige Schalk kann den Kopf hängen und ernstlich sehen und ist doch eitel Betrug".--

Von Leuten, die Böses sinnen, sagen wir, dass sie

*Basiliskeneier ausbrüten*

nach Jesaias 59, 5: "Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinnwebe. Isset man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber, so fährt eine Otter heraus", (vrgl. ~Plinius~: "Basiliskenblick".)--

* * * * *

Nach *Jeremias* 4, 20 und 11, 16 reden wir von einem

*Mordgeschrei,*

nach Jeremias 12, 6 von

*Zeter schreien,*

und nach Amos 3, 9 und Judith 14, 16 von

*Zetergeschrei,*

woraus wir gebildet haben

*Mord und Zeter schreien* und *Zeter Mordio.--*

Das übliche Bild vom

*Lockvogel*

findet sich zuerst bei Jeremias 5, 27: "ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist"; und bei Sirach 11, 81: "Ein falsch Herz ist wie ein Lockvogel auf dem Kloben und lauert, wie er dich fangen möge", (vrgl. auch: Lockspitzel.)--

Jeremias 7, 11: "Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube?" citiert Matth. 21, 13 (vrgl. Luk. 19, 46) in der Form: "Mein Haus soll ein Bethaus heissen. Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht", und wir citieren danach ganz ungenau, wenn wir statt "aus jemandes Hause ..." sagen:

*Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.--*

Jeremias 12, 13 (vrgl. Sirach 11, 11) heisst es von den Gottlosen: "sie lassen es ihnen [= sich] sauer werden, aber sie werden es nicht geniessen", daher wir sagen:

*Es sich* oder *Sich's sauer werden lassen.--*

Auf Jeremias 13, 23: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Parder seine Flecken?" beruht:

*Mohrenwäsche, einen Mohren weiss waschen.*

Die Griechen sagten sprichwörtlich: "Einen Aethiopier abreiben". (S. ~Aesop~, Fab. 13 rec. v. Halm, ~Lucian~ "An den Ungebildeten", 28 und ~Zonaras~ 15, 4.)--

"Gnade und Barmherzigkeit" findet sich sehr oft in der Schrift; aber

*ohne Gnade und Barmherzigkeit,*

wie wir zu sagen pflegen, beruht wohl auf Jeremias 16, 5: "... ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, spricht der Herr, samt meiner Gnade und Barmherzigkeit", wobei dann noch vorschweben mag Psalm 56, 8: "Gott stosse solche Leute ohne alle Gnade hinunter" oder Psalm 59, 14: "Vertilge sie ohne alle Gnade" und 2 Macc. 5, 12: "Und hiess die Kriegsknechte erschlagen ohne alle Barmherzigkeit" oder Ebr. 10, 28: "Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muss sterben ohne Barmherzigkeit".--

Jeremias 26, 23 lesen wir, dass Jojakim des hingerichteten Uria "Leichnam unter dem

*gemeinen Pöbel.*

begraben" liess.--

Jeremias 31, 34 spricht der Herr: "ich will ihnen ihre Missethat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken", danach wir sagen:

*vergeben und vergessen.--*

Jeremias 32, 7-8 steht geschrieben: "Du hast das nächste Freundrecht dazu, ... denn du hast Erbrecht dazu und du bist der Nächste". Daraus stammt das vielcitierte Lieblingswort der Frau Pastorin in Fritz ~Reuters~ "Ut mine Stromtid" (1862-64):

*Ich bin die Nächste dazu.--*

Jeremias 32, 34 steht:

*versiegelt und verbrieft.--*

Nach Jeremias 33, 8: "Er hält weder Treue noch Glauben" sagen wir:

*Treue und Glauben halten.--*

Jeremias 50, 43 (s. Hesekiel 30, 16) heisst es vom Könige zu Babel: "ihm wird so

*angst und bange werden,*

wie einer Frau .......". Nach Sirach 4, 19 sagen wir:

*angst und bange machen,*

("bange und angst" steht 1. Maccab. 13, 2).--

Nach Jeremias 51, 6: "Fliehet aus Babel, damit ein jeglicher seine Seele errette ...", 51, 9: "Wir heilen Babel, aber sie will nicht heil werden ...", 51, 24: "ich will Babel vergelten alle ihre Bosheit, die sie an Zion begangen ..." 51, 25: "Siehe, ich will an Dich, du schädlicher Berg ..." und nach anderen Bibelstellen dient

*Babel*

uns zur Bezeichnung einer sündhaften Grossstadt. Wer bildete danach das für Paris übliche Wort:

*Seinebabel?--*

Aus Jeremias 51, 39 (s. auch 57) entnehmen wir:

*Den ewigen Schlaf schlafen,*

denn es heisst dort: "Ich will sie ... trunken machen, dass sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie nimmermehr aufwachen sollen, spricht der Herr".--

* * * * *

Nach *"Klaglieder Jeremiae"* bilden wir:

*Jeremiade.--*

Aus 2, 11 (vrgl. Baruch 2, 18) entnehmen wir:

*sich die Augen ausweinen.--*

2, 12 (vrgl. Apostelg. 5, 5 und 10; 12, 23) bringt uns die übliche Wendung für "sterben":

*Den Geist aufgeben.--*

3, 41: "Levemus corda nostra cum manibus ad Dominum in coelos" "Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel" scheint die Quelle des

*Sursum corda!*

empor die Herzen!

zu sein, womit der katholische Priester die "Praefatio", den Lobgesang beginnt, welcher den "Canon missae", die Einsegnung des Brotes und Weines, einleitet. Die Gemeinde respondiert dann: "habemus ad Dominum" "wir haben sie zum Herrn (emporgerichtet)". Schon Cyprian, der Kirchenvater (3. Jahrh.), erwähnt diesen Brauch ("De dominica oratione" "Über das Gebet des Herrn", 31).--

* * * * *

*Hesekiel* 3, 19 (vrgl. 33, 9) lautet: "Wo du aber den Gottlosen warnest und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege: so wird er um seiner Sünde willen sterben; aber du hast eine Seele errettet". Daher rührt unser:

*dixi et salvavi animam meam,*

Ich habe gesprochen (d.h. gewarnt) und meine Seele gerettet (d.h. mein Gewissen beruhigt).--

Hesekiel 17, 21 steht:

*In alle Winde zerstreut.--*

Hesekiel 17, 24 u. 21, 26 (vrgl. Sprüche Sal. 29, 23; Xenophon "Anabasis" 6, 3; Luk. 14, 11 u. 18, 14) citieren wir mit Matth. 23, 12 in dieser Form:

*Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet.--*

Hesekiel 33, 14. 16. 19; 45, 9 entnehmen wir:

*Thun was recht und gut ist.--*

* * * * *

Auf Nebucadnezars Traum im *Daniel* 2, 31-34 beruht das Wort:

*Koloss mit* oder *auf thönernen Füssen.--*

Für "Warnungsruf" sagen wir:

*Mene Tekel*

nach Daniel 5, 25. König Belsazer gab ein wüstes Mahl. Plötzlich sah er entsetzt an der hell bestrahlten Wand des Saales entlang sich Finger einer Menschenhand bewegen und die Worte verzeichnen: "Mene, Mene, Tekel, Upharsin". Daniel, zur Deutung dieser rätselhaften Ausdrücke herbeigerufen, las den Untergang des Reiches heraus. Der König starb in der folgenden Nacht. Die in Vers 27 enthaltene Verdolmetschung des Wortes "Tekel": "man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht gefunden", hat der deutschen Sprache die Wendung zugeführt:

*In einer Wage gewogen und zu leicht befunden werden.--*

Daniel 9, 27 (11, 31; 12, 11; 1. Maccab. 1, 57; Matth. 24, 15; Mark. 13, 14) bietet:

*Gräuel der Verwüstung.--*

* * * * *

Auf *Hosea* 8, 7 (vrgl. "ut sementem feceris, ita metes"): "Sie säen Wind und werden Ungewitter einernten", "ventum seminabunt, et turbinem metent" beruht:

*Wer Wind säet, wird Sturm ernten.--*

* * * * *

*Joël* 2, 13 steht: "Zerreisset eure Herzen und nicht eure Kleider" und Psalm 7, 2-3: "Hilf mir ...; dass sie nicht, wie Löwen, meine Seele ... zerreissen ..." Hieraus entstand uns wohl das Wort

*herzzerreissend.--*

* * * * *

Nach *Amos* 5, 7 u. 24; 6, 12 reden wir von

*Recht und Gerechtigkeit.--*

Amos 5, 12 steht: "... ich weiss ..., wie ihr die Gerechten dränget und

*Blutgeld*

nehmet und die Armen ... unterdrücket". Auch werden Matth. 27, 6 mit diesem Wort die dreissig Silberlinge bezeichnet, für die Judas Jesum verriet.--

* * * * *

Nach *Jona* 4, 11 sprach der Herr: "Und mich sollte nicht jammern Ninive's, solcher grossen Stadt, in welcher sind mehr denn hundert und zwanzig tausend Menschen, die

*Nicht wissen* (Unterschied), *was rechts oder links ist,*

dazu auch viele Tiere?"--

* * * * *

*Micha* 7, 3 steht: "die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen "Schaden zu thun, und drehen es, wie sie wollen", und Sirach 19, 22 heisst es vom "Schalk": er "kann die Sache drehen, wie er's haben will". Danach sagen wir:

*Es* oder *Eine Sache drehen, wie man will.--*

* * * * *

*Zephanja* 1, 11 heisst es: "Heulet, die ihr in der Mühle wohnet; denn das ganze

*Krämervolk*

ist dahin und alle, die Geld sammeln sind ausgerottet", woher wohl Adam ~Smith~ den Ausdruck

*nation of shopkeepers*

nahm. Er sagt in seinem Werk "Wealth of Nation" (1775; II, 4; Kap. 7, Part. 3): "Einen grossen Staat gründen zu dem einzigen Zweck ein Volk von Kunden aufzuziehen, mag beim ersten Blick als ein nur für ein Krämervolk geeigneter Plan erscheinen". Und vor ihm, 1766, heisst es in einem Traktat des Dekans von Gloucester, ~Tucker~: "Was von einem Krämer wahr ist, ist auch von einem krambesitzenden Volk wahr".--

* * * * *

Nach *Haggai* 2, 7 (vrgl. 2, 22 u. Ebr. 12, 26), wo der Herr verheisst, er werde "Himmel und Erde und das Meer und das Trockne bewegen", sagen wir:

*Himmel und Erde in Bewegung setzen.--*

* * * * *

Nach *Sacharja* 8, 23; Apost. 10, 28; 21, 39 und 22, 3 wird gesagt:

*Ein jüdischer Mann.--*

* * * * *

Das *Maleachi* 3, 16 und Matth. 23, 5 vorkommende Wort

*Denkzettel*

erklärt sich aus 4. Mos. 15, 38-39, wo der Herr durch Moses den Kindern Israel befiehlt, dass sie "Läpplein an den Fittigen ihrer Kleider" tragen, bei deren Anblick sie an alle Gebote denken sollen (vrgl. das ähnliche "Denkmahl" 5. Mos. 6, 8; 11, 18 und dazu Sprüche 3, 3; 7, 3).--

* * * * *

Aus dem Buche *"Die Weisheit Salomons an die Tyrannen"* 15, 12: "Sie halten auch das menschliche Leben für einen Scherz, und menschlichen Wandel für einen Jahrmarkt" ... entnehmen wir den

*Jahrmarkt des Lebens.--*

* * * * *

Im Buche *Judith* 6, 3 steht:

*sterben und verderben.--*

* * * * *

*Tobias* 2, 9 lesen wir: "Tobias aber fürchtete Gott mehr, denn den König" ..., danach uns Paulus in der Apostelgeschichte 5, 29 die Lehre giebt:

*Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.--*

Ein alter Reimspruch:

*Was du nicht willst, das dir geschieht, Das thu' auch keinem andern nicht,*

oder:

*Was du nicht willst, das man dir thu', Das füg' auch keinem Andern zu,*

ist die Umformung von Tobias 4, 16: "Was du nicht willst, das man dir thue, das thue einem Andern auch nicht", (vrgl. Matth. 7, 12 und Luk. 6, 31.) Man nimmt an, das Buch Tobiae stamme aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, und so könnte man diesen Spruch auch auf den Rabbi ~Hillel~ zurückführen, der von 70 vor bis 10 n. Chr. lebte. Nach dem Talmudtraktat Sabbath (fol. 31 a) hat nämlich dieser Synedrialvorsitzende und Mischnalehrer einst einem Heiden, der ins Judentum aufgenommen werden wollte, gesagt: "Was dir unlieb ist, füge deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz u.s.w." Wir citieren das Wort auch lateinisch nach ~Lampridius~ (51), welcher vom Kaiser ~Alexander Severus~ († 235 n. Chr.) berichtet: "Er rief öfter aus, was er von einigen Juden oder Christen gehört und behalten hatte:

*Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris,*

liess es, wenn er jemanden rügte, durch den Ausrufer ausrufen, und liebte diesen Spruch so, dass er ihn sowohl an seinen Palast wie auch an öffentliche Gebäude anschreiben liess". Doch hätte der Kaiser diese Weisheit auch von den Heiden erfahren können: denn schon im 4. Jahrh. v. Chr. sagte ~Isokrates~ (3, im Nikokles, 61) ἃ πάσχοντες ὑφ' ἑτέρων ὀργίζεσθε, ταῦτα τοῖς ἄλλοις μὴ ποιεῖτε. (Worüber ihr zürnt, wenn ihr es von andern erleidet, das thut den andern nicht.) Der Spruch findet sich ferner im ~Seneka~ (ep. 94) und in der syrischen Redaktion des Buches "von den sieben weisen Meistern" (von Fr. Bäthgen, Lpz. 1879, S. 4), sowie in der arabischen Bearbeitung dieser Erzählung in "1001 Nacht". (Deutsche Ausgabe. Hagen-Habicht, B. 15, S. 117.) u.s.w.--

*Ein guter Gesell*

sagen wir nach Tobias 5, 6.--

"*Der gute Engel*

Jemandes sein" oder "Einem als solcher zur Seite stehen", ist aus Tobias 5, 29 (vrgl. 2. Makk. 15, 23) entlehnt, wo Tobias zur Frau seines Sohnes von diesem spricht: "Ich glaube, dass der gute Engel Gottes ihn geleite".--

Die Worte aus Tobias 6, 3:

*O Herr, er will mich fressen!*

wendet man im gewöhnlichen Leben an, um ein unverstecktes, unhöfliches Gähnen damit zu rügen. Weil man aber gähnt, wo es langweilig ist, so kritisiert man damit auch eine solche Gesellschaft, oder man sagt kurzweg:

*Tobias sechs, Vers drei.--*

* * * * *

*Jesus Sirach* 3, 11 steht:

"*Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,*

aber der Mutter Fluch reisset sie nieder."--

3, 24 lesen wir:

(Und) *was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz;*

und nach 3, 27: "Denn wer sich gern in Gefahr giebt, der verdirbt darinnen" wird citiert:

*Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um.--*

*Wider den Strom schwimmen*

ist entnommen aus Sirach 4, 31: "Strebe nicht wider den Strom" (vrgl. Juvenal 4, 89: "nunquam direxerit brachia contra torrentem").--

Sirach 7, 15 (vrgl. Matth. 6, 7): ... "wenn du betest, so mache nicht viele Worte" ist die Quelle der Redewendungen:

*Viele Worte machen*

und:

*Nicht viele Worte machen.--*

Sirach 7, 40 steht:

*Was du thust,* (so) *bedenke das Ende.*

Ist nach diesem Spruch der lateinische gemacht:

*Quidquid agis, prudenter agas et respice finem,*

Was du beginnest, beginne es klug und bedenke das Ende, der schon im Mittelalter (z.B. in den "Gesta Romanorum", c. 103) citiert wird? Andere mittelalterliche Schriften (Edélestand du Méril, Poésies inédites du moyen-âge, p. 162) berufen sich hinsichtlich dieses Ausspruches auf ~Aesop~ (Fab. 45, bei Halm; vrgl. 45b): ... τῶν ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν, εἶθ' οὕτως αὐτοῖς ἐπιχειρεῖν--"klugen Leuten ziemt es, zunächst das Ende eines Unternehmens ins Auge zu fassen, und es erst dann also ins Werk zu setzen". Ferner ist zu erinnern an V. 27 aus den pseudo-pythagoräischen "goldenen Sprüchen": "βουλεύου δὲ πρὸ ἔργου, ὅπως μὴ μωρὰ πέληται]"--"Überlege vor der That, damit nichts Thörichtes daraus entstehe".

~Hans Sachs~ erzählt in dem 1557 geschriebenen

"Mensch, was du thust, bedenk' das End, Das wird die höchst' Weisheit genennt."

(I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im "Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete: "Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.--

Sirach 9, 24 steht:

*Das Werk lobt den Meister.--*

Auf Sirach 10, 12 "Heute König, morgen tot" beruht

*Heute rot, morgen tot.--*

Aus Sirach 11, 29 stellen wir um:

*Du sollst niemand rühmen vor seinem Ende.*

vrgl. auch: nemo ante mortem beatus.--

Aus Sirach 11, 34 citieren wir:

*Nichts Gutes im Sinne haben.--*

Sirach 13, 1 steht:

*Wer Pech angreift,* (der) *besudelt sich* (damit).--

Aus Sirach 18, 20: "Hilf dir zuvor selber, ehe du andere arzneiest" entsprang:

*Arzt, hilf dir selber!*

Lukas 4, 23 wird es schon als Sprichwort angeführt.--

*Seine Worte auf der Goldwage wägen*

stützt sich auf Sirach 21, 27: "Die unnützen Wäscher plaudern, das nichts zur Sache dienet; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwage" und 28, 29: "Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwage?"

In einem Fragmente des Varro aus der Satire Περίπλους (Buch 2 περὶ φιλοσοφίας) kommt der Ausdruck in der Form "unum quodque verbum statera aeraria pendere" ebenfalls vor. (Ausg. v. Bücheler, No. 419.)--

*Eine sitzen lassen*

sagen wir nach Sirach 22, 4: "Eine vernünftige Tochter kriegt wohl einen Mann, aber eine ungerathene Tochter lässt man sitzen und sie bekümmert ihren Vater".--

Mit ~Bürger~ ("Die Weiber von Weinsberg" Strophe 6) reden wir von

*Weiberlist*

nach Sirach 25, 18: "Es ist keine List über Frauen List".--

*Einem den Rücken bläuen*

entnehmen wir aus Sirach 30, 12: "bläue ihm den Rücken, weil er noch klein ist, auf dass er nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde".--

*Heute mir, morgen dir*

stammt wohl aus Sirach 38, 23: "Gedenke an ihn wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war es an mir, heute ist es an dir".--

*Früh aufstehen*

für "gescheidt sein" sagen wir nach Sirach 39, 5, wo es von dem ~Gelehrten~ und ~Weisen~ heisst: "und denkt, wie er früh aufstehe, den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten".--

*Nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten haben*

citieren wir aus Sirach 41, 3: "O Tod, wie wohl thust du dem Dürftigen, 4: Der da schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten hat!"--

Sirach 41, 26 steht:

*Gut machet Mut.--*

Sirach 42, 4:

*Rechtes Maß und Gewicht halten.--*

Sirach 50, 24:

*Nun danket alle Gott,*

was als der Anfang eines 1644 verfassten Kirchenliedes von Martin ~Rinckhart~ (1585-1649) am bekanntesten ist.--

* * * * *

Nach *Baruch* 2, 25 sagen wir:

*jämmerlich umkommen.--*

* * * * *

*1. Maccabäer* 10, 18 und 11, 30 wird Jonathan, des Mathathias Sohn, in den Briefen der Könige Demetrius und Alexander

*Bruder Jonathan*

angeredet, womit jetzt scherzend die Nordamerikaner bezeichnet werden. Der bibelfeste ~Washington~ nämlich soll nach einem ergebnislosen Kriegsrat, auf seinen Freund ~Jonathan Trumbull~, den Gouverneur von Connecticut zielend, ausgerufen haben: "da müssen wir Bruder Jonathan zu Rate ziehen", und diese Bezeichnung soll dann, sprichwörtlich geworden, auf die Nordamerikaner überhaupt angewandt worden sein. Oder meinte Washington jenen anderen Jonathan, den Sohn Sauls, der (s. oben 2. Sam. 1, 26) von seinem Freunde David "Bruder Jonathan" genannt wird?--

Es giebt Petschafte mit der Inschrift "1. Maccabäer 12, 18" weil daselbst steht:

*Und bitten um Antwort.--*

Aus 2. Maccabäer 3, 38 schöpfen wir das Wort:

*Mit dem Leben davon kommen.--*

2. Maccabäer 4, 11 heißt es vom Hohenpriester Jason: "die guten löblichen Sitten, von den alten Königen geordnet, that er gar ab ...", daher wir sagen:

*Eine löbliche Sitte.--*

2. Maccabäer 7, 28 ist die Quelle des Wortes:

*Aus Nichts hat Gott die Welt erschaffen;*

denn es heisst da: "Siehe an Himmel und Erde, und alles, was darinnen ist: dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht".--

* * * * *

Auf der *Historie von der Susanne und Daniel* beruht der Ausdruck

*Daniel*

für "weiser Richter", welcher durch ~Shakespeares~ "Kaufmann von Venedig" (4, 1) volkstümlich geworden ist. Shylock nennt dort die in Gestalt eines Richters auftretende Porzia einen Daniel, und Graziano wiederholt das Wort, den Shylock verhöhnend.--

* * * * *

Auf *Matthäus* 3, 10 (vrgl. Luk. 3, 9): "Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen ..." beruht:

*die Axt an die Wurzel legen.--*

Matth. 3, 11 (vrgl. Luk. 3, 16) heisst es: "Ich taufe euch mit Wasser zur Busse: der aber nach mir kommt....., der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen". Daher reden wir, jedoch ohne den Sinn festzuhalten, von einer

*Feuertaufe.--*

Aus Matth. 3, 12: "Und er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand; er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer", citiert man:

*Die Spreu vom Weizen sondern.--*

Matth. 3, 17 lesen wir:

*Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;*

(vrgl. Jesaias 42, 1; Matth. 17, 5; Mark, 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petri 1, 17).--

Matth. 4, 10, sowie Luk. 4, 8 steht das Wort Jesu zum Teufel:

*Hebe dich weg von mir, Satan!*

*Apage, Satana!*

(In ähnlicher Weise redet Christus den Petrus an: Matth. 16, 23 und Mark. 8, 33.)--

Matth. 5, 3: "Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι" ("Selig sind die am Geiste Armen") übersetzte Luther: "Selig sind, die da geistlich (veraltet für "geistig") arm sind", woraus wir die Worte gebildet haben:

*arm an Geist,*

*geistesarm* und *Geistesarmut.--*

Matth. 5, 14 spricht Jesus zu den Jüngern: "Ihr seid das Licht der Welt", nach der Vulgata: "Vos estis lux mundi", woraus uns wohl für einen bedeutenden Geist die Bezeichnung "ein

*lumen mundi"*

entsprang. "Lumina civitatis" (Staatsleuchten) nannte ~Cicero~ ("Catil." 3, 10, 24) berühmte Männer.--

*Sein Licht unter den Scheffel stellen*

und

*Sein Licht vor den Leuten leuchten lassen*

stammt aus Matth. 5, 15 und 16: "Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten" u.s.w. (vrgl. Mark. 4, 21; Luk. 8, 16 und 11, 33.)--

*Kein Jota,* oder *nicht ein Jota*

beruht auf Matth. 5, 18. Der griechische Text hat dort statt des Lutherischen "--wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe": "ἰῶτα ἕν--οὐ μὴ παρέλθῃ" (in der Vulgata: "iota unum--non praeteribit" d.h. "~nicht ein Jota~ wird zergehen"). Der ganze Satz (vrgl. Luk. 16, 17) lautet: "Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch Ein Titel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe". Daher auch unser:

*Kein Titel,* oder *Tütel,* oder *Tittel,* oder *Tittelchen.--*

Nach Matth. 5, 26 sagen wir:

*der letzte Heller.--*

Matth. 5, 37 steht:

*Eure Rede aber sei, ja, ja, nein, nein; was drüber ist, das ist vom Übel.--*

Matth. 5, 45: "... er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" giebt uns das Wort:

*Seine Sonne scheinen lassen über Gerechte und Ungerechte.--*

Giebt jemand prahlerisch aller Welt etwas kund, so tadeln wir, dass er es

*ausposaune,*

nach Matth. 6, 2: "Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen".--

*Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut*

lesen wir Matth. 6, 3.--

Matth. 6, 9-13 (vrgl. Luk. 11, 2. 4) steht das

*Vaterunser,* lateinisch: *Paternoster,*

dessen vierte Bitte

*das tägliche Brot*

und dessen siebente Bitte das "Erlöse uns von dem Übel" bietet. Hiernach sagt man im Volke von einem bösen Weibe: "Sie ist aus der siebenten Bitte", oder man nennt sie kurzweg:

*Böse Sieben.*

Nach Andern soll dieser Ausdruck von den sieben Todsünden entlehnt sein. Auch werden an manchen Stellen der heiligen Schrift böse Sieben angeführt. So heisst es:

Sprüche 26, 25: "Denn es sind sieben Gräuel in seinem Herzen"; Matth. 12, 45: "So gehet er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind, denn er selbst" (Luk. 11, 26);--Mark. 16, 9: "Jesus aber, da er auferstanden war frühe am ersten Tage der Sabbather, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte";--Luk. 8, 2: "Maria, die da Magdalena heisset, von welcher waren sieben Teufel ausgefahren".

Andere wiederum leiten "böse Sieben" von einem im 15. Jahrh. erwähnten Kartenspiele, Karnüffel, Karnöffel, Karnuffel oder Karnoffel genannt, her. Darin war die siebente Karte von oben der Teufel, der alle anderen Karten stach. Man nannte diese Karte die "böse Sieben". (Cyriacus ~Spangenberg~ veröffentlichte: "Wider die bösen Sieben ins Teufels Karnöffelspiel". Jena 1562; Eisl. 1562; Frankf. 1562.)--

Aus Matth. 6, 20 schöpfen wir das Wort:

*Schätze sammeln, die weder Motten noch Rost fressen.--*

Matth. 6, 21 (vrgl. Luk. 12, 34) steht geschrieben:

*Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.--*

Der Spruch Matth. 6, 24:

*Niemand kann zween Herrn dienen*

hat in Luk. 16, 13 die Form erhalten: "Kein Hausknecht kann zween Herrn dienen".--

Aus Matth. 6, 24 ist auch:

*Mammon* und *Mammonsdiener*

für "Reichtum" und "Geldmensch" entnommen. Es heisst daselbst: "Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon" (d.h. dem syrischen Gott des Reichtums). Der Mammon wird auch erwähnt Luk. 16, 9. 11. und 13.--

Matth. 6, 27 (vrgl. Luk. 12, 25) lautet: "Wer ist unter euch, der

*seiner Länge ~Eine~ Elle zusetzen*

möge, ob er gleich darum sorget?"--

Matth. 6, 34, lesen wir:

*Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine Plage habe,*

was wir gewöhnlich verkürzen in:

*Jeder Tag hat seine Plage.--*

Matth. 7, 1 (vrgl. Luk. 6, 37) steht:

*Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.--*

Den Ausdruck:

*Splitterrichter*

bilden wir aus Matth. 7, 3-5: "Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" u.s.w. (vrgl. Luk. 6, 41). Doch ist nach Dr. Zunz ("ges. Schrift." III, 294. Berl. 1876) der Priester und Mischnalehrer ~Tarfon~ der wahre Urheber dieses Spruches.--

*Die Perlen vor die Säue werfen*

ist gebildet nach Matth. 7, 6: "Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen".--

*Suchet, so werdet ihr finden*

steht Matth. 7, 7 und Luk. 11, 9 (Sprüche Sal. 2, 4-5 ist wohl die Quelle).--

Aus Matth. 7, 9: "Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brot, der ihm einen Stein biete?" entnehmen wir:

*einen Stein statt Brot geben.--*

Auf Matth. 7, 15: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sie reissende Wölfe" beruht:

*Wölfe in Schafskleidern.--*

Matth. 7, 16 und 20 (vrgl. 12, 33 und Luk. 6, 44) steht:

*an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.*

Ein griechisches Sprichwort (Paroemiogr. Graeci. 1, 252, ed. Leutsch.) ist: ἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρονἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον.--

Matth. 7, 26 lesen wir Jesu Gleichnis von dem "thörichten Manne", der

*Sein Haus auf den Sand bauete,*

so dass Regen und Wind es zu Falle brachten.--

Matth. 8, 12; 13, 42. 50; 22, 13; 24, 51; 25, 30 und Luk. 13, 28 steht, dass in der Hölle, in "der äussersten Finsternis", sein wird

*Heulen und Zähnklappen.--*

Aus Matth. 8, 20 oder aus Lukas 9, 58, wo Jesus von sich spricht: "Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege", entnehmen wir zur Bezeichnung äusserster Armut das Wort:

*Nicht haben, wo man sein Haupt hinlege.--*

Matth. 8, 22, sowie Luk. 9, 60 bietet Jesu Wort:

*Lass die Toten ihre Toten begraben.--*

Matth. 9, 12 und fast ebenso Mark. 2, 17 und Luk. 5, 31 spricht Jesus:

*Die Starken* (d.h. *die Gesunden) bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.--*

Matth. 10, 14 (sowie Mark. 6, 11; Luk. 9, 5 und Apost. 13, 51) bringt uns für "verachtungsvoll von dannen gehen" das Wort:

*Den Staub von den Füssen schütteln.--*

Matth. 10, 16 enthält:

*Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.--*

Nach Matth. 10, 27 und Luk. 12, 3 wird citiert:

*Auf den Dächern (von den Dächern) predigen.--*

Nach Matth. 10, 38 (vrgl. 16, 24; Mark. 8, 34; 10, 21; Luk. 9, 23; 14, 27; Joh. 19, 17) sagen wir von jemandem, der ein Leid zu tragen hat:

*Er trägt sein Kreuz*

und

*Sein Kreuz auf sich nehmen*

und danach:

*Ein Kreuzträger.--*

Matth. 11, 15 findet sich das häufig wiederholte:

*Wer Ohren hat zu hören, der höre.--*

Matth. 11, 28 lesen wir: "Kommet her zu mir alle, die ihr

*mühselig und beladen*

seid, ich will euch erquicken".--

Nach Matth. 11, 30: "... mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht", sagen wir:

*Ein sanftes Joch.--*

Nach Matth. 12, 24. 27, sowie Luk. 11, 15. 18. 19 (vrgl. 9, 34 und Mark. 3, 22) sagt man:

*den Teufel durch Beelzebub austreiben.--*

Matth, 12, 30 und Luk. 11, 23 (vrgl. 9, 50) steht:

*Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.--*

Auf Matth. 12, 31 (vrgl. Mark. 3, 28; Luk. 12, 10; Ebr. 6, 4) beruht:

*Sünde wider den heiligen Geist.--*

Das von ~Luther~ volkstümlich gefasste und deshalb, wie er im "Sendbriefe vom Dolmetschen" vom 8. Sept. 1530 (§ XIV) mitteilt, von ihm zur Übersetzung des Urtextes (ἐκ ... τοῦ περισσεύματος τῆς καρδίας τὸ στόμα λαλεῖ) Matth. 12, 34 (vrgl. Luk. 6, 45) gewählte:

*Wess das Herz voll ist, dess gehet der Mund über,*

lautet wörtlich übersetzt im Französischen:

*De l'abondance du coeur la bouche parle.--*

Matth. 13, 12; 25, 29; Mark. 4, 25; Luk, 8, 18; 19, 26:

*Wer da hat, dem wird gegeben,*

fand seinen französischen Schliff in:

*On ne prête qu'aux riches.--*

Aus Matth. 13, 13 (s. oben Psalm 115, 5) schöpfen wir das Wort:

*Mit sehenden Augen nicht sehen.--*

Matth. 13, 21 sowie Mark. 4, 17 übersetzt Luther "πρόσκαιρος" mit

*wetterwendisch,*

d.h. unbeständig, sich wendend und ändernd wie das Wetter. ~Vor~ Luther lässt es sich in dieser übertragenen Bedeutung nicht nachweisen.--

Nach Matth. 13, 25 citieren wir:

*Unkraut zwischen den Weizen säen.--*

Matth. 13, 57 (s. Mark. 6, 4; Luk. 4, 24; Joh. 4, 44): "Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause", wird gemeiniglich gekürzt in:

*Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.--*

Matth. 15, 11 (vrgl. Mark. 7, 15) enthält:

*Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Menschen nicht.--*

Aus Matth. 15, 27 stammt:

*Brosamen, die von des Herrn Tische fallen.--*

*Brosamen, die von des Reichen Tische fallen*

beruht auf Luk. 16, 21.--

Aus Matth. 16, 3: "Könnet ihr denn nicht auch die Zeichen dieser Zeit urteilen?" ist entlehnt:

*Zeichen der Zeit.--*

Matth. 16, 24 (Mark. 8, 34; Luk. 9, 23) spricht Jesus zu seinen Jüngern: "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst ..." Danach reden wir von:

*sich selbst verleugnen*

und von

*Selbstverleugnung,*

ein Moralbegriff, der noch über den der "Nächstenliebe" (3. Mos. 19, 18; Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 21; Röm. 13, 9; Gal. 5, 14) hinausgeht, weil er schon das "Thut wohl denen, die euch hassen" (Matth. 5, 44; Luk. 6, 27) in sich schliesst, und der seine Wurzel in dem Gebote (2. Mos. 23, 5) hat: "Versäume gerne das Deine um seinet (d.h. des Feindes und Hassers) willen".--

Aus Matth. 17, 4: "Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine", und aus den ähnlichen Stellen Markus 9, 5 und Lukas 9, 33 hat sich der Volksmund die Redensart:

*Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen*

zurechtgelegt.--

Matth. 19, 6 und Markus 10, 9 steht:

*Was* (nun) *Gott zusammengefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden.--*

Matth. 19, 30 (vrgl. Matth. 20, 16; Markus 10, 31 und Luk. 13, 30) bietet:

(Aber viele, die da sind) *die ersten werden die letzten und die letzten werden die ersten sein.--* Auf Matth. 20 (vrgl. Jesaias 5, 7) beruhen die

*Arbeiter im Weinberg.--*

Für "späte Zeit" ist Matth. 20, 6 und 9 entnommen:

*Elfte* (nicht: zwölfte) *Stunde.--*

Matth. 20, 12 steht:

*Des Tages Last und Hitze getragen haben.--*

Matth. 20, 16 und 22, 14 findet sich:

(Denn) *viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.--*

Nach Matth. 22, 11 entschuldigen wir uns, dass wir

*kein hochzeitlich Kleid anhaben.--*

Matth. 22, 21; Markus 12, 17; Luk. 20, 25 liest man:

(So) *gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist.--*

Matth. 23, 3: "Alles nun, was sie (die Schriftgelehrten und Pharisäer) euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und thut es; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht thun. Sie sagen es wohl, und thun es nicht", ist die Quelle unseres

*Haltet Euch an meine Worte und nicht an meine Werke!*

Nach ~Livius~ 7, 32 sagte der Consul Valerius (343 v. Chr.) "facta mea, non dicta vos, milites, sequi volo"--"Soldaten, ich will, dass ihr meinen Thaten, nicht meinen Worten folget".--

Matth. 23, 15 lautet: "Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, dass ihr ~Einen~ Judengenossen machet (ποιῆσαι ἕνα προσήλυτον); und wenn er es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr, denn ihr seyd". Mit Hinzuziehung des griechischen Textes bildete man hieraus das verächtliche Wort:

*Proselytenmacherei.--*

Auf Matth. 23, 23 und Lukas 11, 42: "Dies sollte man thun und jenes nicht lassen" beruht:

*Eines thun und das andere nicht lassen.--*

Von Leuten, die im Nichtigen gewissenhaft und im Wichtigen gewissenlos sind, sagen wir, dass sie

*Mücken seigen* (d.h. durch ein Sieb entfernen) *und Kameele verschlucken,*

wie Jesus nach Matth. 23, 24 zu den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach: "Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seiget und Kameele verschlucket".--

Matth. 23, 27 werden die Schriftgelehrten und Pharisäer Heuchler genannt und

"*Übertünchte Gräber,*

welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats".--

Matth. 24, 2 (vrgl. Mark. 13, 2; Luk. 19, 44; 21, 6) spricht Jesus in Jerusalem: "Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde". Danach sagt man von Dingen und Verhältnissen, die der völligen Zerstörung entgegengehen:

*Es wird kein Stein auf dem andern bleiben.--*

Mit dem Bürger in ~Goethes~ "Faust" (I "vor dem Thore") citieren wir

*Krieg und Kriegsgeschrei*

aus Matth. 24, 6: "Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen ..."--

In Bild und Wort verdanken wir den

*Posaunenengel*

Matth. 24, 31: "Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen ..." (vrgl. Offenb. Joh. 8, 2).--

Auf Matth. 25, 15-28, wo von den "vertraueten Centnern" und deren Verwertung erzählt wird, beruht der Ausdruck:

*Talent.*

Das griechische "*τάλαντον*", in der Vulgata "*talentum*", von ~Luther~ in diesem Kapitel mit "Centner" übersetzt, ist späterhin zu einem allen westeuropäischen Völkern gemeinsamen Ausdrucke für geistige Anlagen geworden (s. im Register "anvertrautes Pfund").--

Auf Matth. 25, 18 und 25 beruht:

*Sein Pfund vergraben*

mit Hinzuziehung des ähnlichen Gleichnisses bei Lukas 19 (s. weiterhin), da hier nur von "Centnern" die Rede ist.--

Matth. 25, 32 u. 33 heisst es von "des Menschen Sohn": "Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird

*die Schafe zu*(seine)*r Rechten* (stellen, und) *die Böcke zur Linken".*

Dies wurde zum beliebten Vergleich guter mit bösen Menschen.--

Auf Matth. 26, wo geschrieben steht, dass die anderen Jünger schlafen, während Judas den Herrn verrät, beruht das Wort:

*Der Verräter schläft nicht;*

und auf Matth. 26, 15: "Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm 30 Silberlinge" der Ausdruck:

*Judaslohn.--*

Wenn wir in bitteren Leiden wünschen:

*Dieser Kelch mag an mir vorübergehen,*

so wenden wir ungenau Worte Christi an, die Matth. 26, 39. 42; Lukas 22, 42; Markus 14, 36 angegeben werden.--

Matth. 26, 10 spricht Jesus von dem Weibe, die köstliches Wasser auf sein Haupt goss: "Sie hat ein gutes Werk an mir gethan". Daher unser Wort:

*Ein gutes Werk an Einem thun.--*

Matth. 26, 41 und Markus 14, 38 lesen wir:

*Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.--*

Matth. 26, 48 u. 49 (vrgl. Luk. 22, 48) heisst es von Judas: "Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich küssen werde, der ist's, den greifet. Und alsobald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüssest seyst du, Rabbi! und küssete ihn". Darauf beruht der Ausdruck:

*Judaskuss,*

und einen

*Judas*

nennen wir danach einen falschen, verräterischen Menschen.--

*Sehen, wo es hinaus will*

sagen wir nach Matth. 26, 58: "Petrus ... setzte sich bey den Knechten, auf dass er sähe, wo es hinaus wollte".--

Matth. 26, 73 sprechen die Umstehenden zu Petro, als er Jesum zum zweiten Male verleugnet hatte: "Wahrlich, du bist

*auch Einer von Denen*

(nämlich: die mit Ihm waren); denn deine Sprache verrät dich". Der Titel von Fr. Th. ~Vischer~'s Buch "Auch Einer" (1879) wurzelt in diesen Worten.--

*Matthäi am letzten sein*

in der Bedeutung: "Seinem Ende oder seinem Verderben nahe sein" beruht auf dem Schlusse des Evangeliums Matthäi: "(bis an der Welt) Ende". "Matthäi am letzten" citiert Luther im "Katechismus" (4. Hauptst. 1. B.).--

* * * * *

Aus *Markus* 1, 7; Luk. 3, 16; Joh. 1, 27 (vrgl. Apost. 13, 25) entnehmen wir die Redeweise:

*Nicht wert sein, einem die Schuhriemen aufzulösen.--*

Nach Mark. 3, 30: "Denn sie sagten: er hat einen unsaubern Geist" citieren wir:

*Unsauberer Geist.*

Von der Macht Jesu über die "unsauberen Geister", oder "den unsauberen Geist", welcher Luk. 4, 33 "unsauberer Teufel" heisst, ist die Rede Matth. 10, 1; Mark. 1, 23-27; 5, 2-9; 9, 25; Luk. 4, 33-35; 8, 29; Mark. 3, 11; vom Ausfahren des "unsauberen Geistes" ausser an einigen der citierten Stellen: Matth. 12, 43 u. Luk. 11, 24.--

*Ihre Zahl ist Legion*

beruht auf Mark. 5, 9, wo der "unsaubere Geist" spricht: "Legion heisse ich, denn unser ist viel" und Luk. 8, 30, wo der Teufel sagt, dass er "Legion" heisse; "denn es waren viel Teufel in ihn gefahren".--

Mark. 6, 26 heisst es vom Herodes "er ward betrübt", weil Herodias ihn um des Täufers Haupt gebeten, "doch um des Eides willen und derer, die am Tische sassen, wollte er sie nicht lassen

*eine Fehlbitte thun".*

Im Text aber steht gerade diese Wendung nicht, so dass wir damit nicht Markus, sondern Luther citieren.--

*Das Scherflein der Witwe*

beruht auf Mark. 12, 42 und Luk. 21, 1-4, wo jedoch von "zwei Scherflein" (= einem Heller) die Rede ist;

*der Glaube macht selig*

auf Mark. 16, 16: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden". ("Wer's glaubt, wird selig", sagt das Volk zu einer wenig glaubwürdigen Erzählung.)--

*Mit Zungen reden*

ist Mark. 16, 17 entnommen; auch kommt es Apostelgeschichte 2, 4; 10, 46; 19, 6 und 1. Korinth. 14 vielmals vor. In den ersten beiden Stellen, wo es "mit neuen" und "mit andern Zungen" lautet, bedeutet es "in fremden Sprachen reden", in den folgenden Stellen ohne Beiwort hat es den Sinn "vom heiligen Geist erfüllt reden".--

* * * * *

Aus *Lukas 1*, 66 citieren wir:

*Was wird* (eigentlich: will) *aus dem Kindlein werden!*

aus Luk. 2, 13:

*Die Menge der himmlischen Heerscharen;*

aus Luk. 2, 52:

*Zunehmen an Alter und Weisheit;*

und aus Luk. 6, 38:

*Gebet, so wird euch gegeben.*

*Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Mass* (wird man in euren Schoss geben: denn eben) *mit dem Mass, da ihr* (mit) *messet, wird man euch wieder messen.*

(vrgl. Matth. 7, 2 u. Mark. 4, 24.)--

Nach Luk. 9, 55: "Welches Geistes Kinder" citiert man:

*Wess Geistes Kind.--*

Luk. 10, 7 und 1. Tim. 5, 18 heisst es:

(Denn) *ein Arbeiter ist seines Lohnes wert,*

während es Matth. 10, 10 "seiner Speise" lautet.--

Das Gleichnis vom

*barmherzigen Samariter,*

Luk. 10, 30-37, schliesst Jesus:

(So) *gehe hin und thue desgleichen.*

Wir reden danach auch von einem

*Samariterdienst.--*

Nach Luk. 10, 34 citieren wir:

*Öl in die Wunden giessen,*

und nach 10, 40 und 41 sprechen wir von der

*geschäftigen Martha.--*

Wenn wir sagen, dass wir

*das bessere Teil erwählt haben,*

so gestalten wir den Ausdruck in Luk. 10, 42 um: "Maria hat das gute Theil erwählet".--

Luk. 10, 42 steht:

*Eins aber ist not.--*

Aus Luk. 12, 19: "Liebe Seele..., habe nun Ruhe" ist abgeleitet:

*Nun hat die liebe Seele Ruh'.--*

Das "Nötige sie, hereinzukommen", Luk. 14, 23, übersetzt die Vulgata mit:

*Compelle intrare.*

In dieser Form wurde es zur Rechtfertigung der gegen die Ketzer angewendeten Gewalt gebraucht und dient noch heute dazu, um die Ausübung irgend eines Zwanges auszudrücken. Viel wird auch citiert das sich unmittelbar an diese Worte anschliessende:

*auf dass mein Haus voll werde.--*

Auf Luk. 15, 11-32 beruht:

*der verlorene Sohn,--*

welcher V. 18 heimzukehren und zum Vater zu sagen beschliesst:

*pater, peccavi*[12]

(Vater, ich habe gesündiget).

[Fußnote 12: So ruft schon der goldgequälte Midas bei ~Ovid~ ("Met." 11, 132) zum Bacchus:

"Da veniam, Lenaee pater; peccavimus . . ."

"Vater Lenaeus, verzeih'; ich habe gesündiget . . ."]

V. 21 führt er diesen Vorsatz aus, worauf der verzeihende Vater

*ein fettes Kalb*

(wörtlich: "ein gemästetes" V. 23) zu Ehren des Wiedergefundenen schlachten lässt.--

Aus Lukas 16, 8 (vrgl. 20, 34): "... die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts..." leiten wir die Worte her:

*Kinder der Welt,* *Weltkind,* *Weltklug* und *Weltklugheit.--*

Lukas 16, 9 und 11 bietet das Wort:

*Ungerechter Mammon.--*

Aus Lukas 16, 19 ist:

*Herrlich und in Freuden leben;*

aus Lukas 16, 20:

*Arm wie Lazarus*

(dessen Name in "Lazareth" und "Lazzaroni" verewigt ist);

aus Lukas 16, 22 und 23:

*In Abrahams Schoss.--*

Lukas 16, 26 sagt Abraham, den Lazarus im Schoss liegend, vom Himmel herab zu dem aus der Hölle emporflehenden Reichen: "... über das Alles ist zwischen uns und euch

*eine grosse Kluft*

befestiget, dass die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren".--

*Moses und die Propheten haben*

dient uns als scherzhafte Hindeutung auf den Geldbesitz der Juden. Luk. 16, 29 sagt nämlich Abraham zu dem aus der Hölle für seine fünf Brüder bittenden Reichen: "Sie haben Moses und die Propheten; lass sie dieselbigen hören". Hieraus ist das Wort entlehnt und dessen falsche Anwendung mag daher rühren, dass "Moos haben" für "Geld haben" damit verquickt wurde.

Das jüdische Wort "Moos" für "Geld" ist der schlecht gesprochene Pluralis eines nur im Junghebräischen der Mischna vorkommenden Wortes, welches im Singularis eine kleine Münze = 1/6 Denar bedeutet (Buxtorf, Lexikon Talmud. S. 1236).--

Auf Grund der Evangelien überhaupt und besonders nach Lukas 18, 10ff. ist uns der

*Pharisäer*

zum Typus der Selbstgerechtigkeit geworden, dessen Gebet Lukas 18, 11:

*Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie andre Leute*

wir solchen Selbstgerechten gern ironisch in den Mund legen; während das Gebet des Zöllners, Lukas 18, 13:

*Gott sei mir Sünder gnädig!*

noch heut mit bescheidenem Ernst aus dem Herzen des Demütigen quillt. Aus demselben Verse citieren wir im Sinne des zerknirscht Insichgehens das Wort:

*an seine Brust schlagen,*

das Nahum 2,8, wie bei den Griechen und Römern, im Sinne der Betrübnis, Luk. 2, 3. 48 in dem der Verwunderung vorkommt.--

Man pflegt einen Menschen, den man bei allen öffentlichen Lustbarkeiten findet:

*Zachäus auf allen Kirchweihen*

zu nennen, weil der kleine Zachäus, der aus Drang, Jesum zu sehen, auf einen Baum steigt, im Evangelium des Tages der Kirchweihung, Luk. 19, 1-10, vorkommt, also regelmässig am Kirchweihtage genannt wird.--

Aus dem Gleichnis Luk. 19, 12-23 "Von vertrauten Pfunden" schöpfen wir die nicht unmittelbar darin enthaltenen Worte:

*anvertrautes Pfund,*

was für "Geistesgaben" angewendet wird (s. oben "Talent"), und:

*Mit seinem Pfunde wuchern.--*

Luk. 19, 40 (s. Habakuk 2, 11) spricht Jesus von den Jüngern:

*Wo diese* (werden) *schweigen,* (so) *werden die Steine schreien.*

In der "Legenda aurea" des ~Jacobus a Voragine~ (2. Hälfte des 13. Jahrh.), Cap. 181 "De sancto Pelagio papa" (S. 833, Graesses Ausg.) wird von Beda Venerabilis († 735) erzählt, er habe sich im hohen Alter, als er blind geworden, führen lassen, und sein Führer habe ihm in einem steinigen Thale vorgeredet, es harre dort eine grosse Menschenmenge seiner Predigt. Am Ende derselben hätten die Steine Amen gerufen. Diese Legende erzählt L. Th. ~Kosegarten~ unter dem Titel: "Das Amen der Steine" ("Legenden", neue Aufl., Berl. 1810, 1. Bd., 1. Bch., XVII), darinnen es heisst:

*Wenn Menschen schweigen, werden Steine schrei'n.--*

Luk. 21, 26 steht:

*Warten der Dinge, die* (da) *kommen sollen.--*

Luk. 21, 35 (vrgl. Hiob 43, 19) spricht Jesus: "wie ein

*Fallstrick*

wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen".--

Luk. 22, 6 (vrgl. Apostelg. 24, 68) steht:

*Ohne Rumor.--*

Aus Luk. 23, 6-12 erklärt sich die Redensart:

*von* Herodes (fälschlich: *Pontius) zu Pilatus schicken* oder *laufen.--*

Das Luk. 23, 16 und 22 enthaltene:

*Züchtigen und loslassen*

ist ein den Handwerkern gewöhnlicher Ausdruck geworden. Der Küfer sagt, er könne züchtigen und loslassen, d.h. zum Wein Wasser zusetzen oder nicht; der Schuhmacher, wenn er Schuhe mit Riemen gemacht hat, er könne sie züchtigen und loslassen, d.h. zubinden und aufbinden u.s.w.--

*Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden!*

steht Lukas 23, 31.--

Lukas 24, 36 und Joh. 30, 19. 21. 26 spricht Jesus:

*Friede sei mit euch!*

*Pax vobiscum!--*

* * * * *

*Johannes* 1, 46 spricht Nathanael zum Philippus:

*Was kann von Nazareth Gutes kommen?--*

Joh. 1, 51 (vrgl. Hesekiel 1, 1, Apostelgesch. 7, 55 und 10, 11) finden wir:

*Den Himmel offen sehen.--*

Joh. 2, 15 (vrgl. Matth. 21, 12; Mark. 11, 15 und Luk. 19, 45) heisst es von Jesus: "... er machte eine Geissel aus Stricken und ~trieb~ sie alle ~zum Tempel hinaus~", nämlich die Viehhändler und Wechsler. Daher

*zum Tempel hinaus treiben*

uns für "unsanft entfernen" üblich wurde.--

*Wie Nikodemus kommen bei der Nacht*

beruht auf Joh. 3, 2 wo erzählt wird, dass der Pharisäer Nikodemus, "ein Oberster unter den Juden", zu Jesu kam "bey der Nacht" (s. auch 7, 50 und 19, 39), der mit ihm redete vom Wege zum ewigen Leben, der Wiedergeburt im Geiste. "Wie mag solches zugehen?" fragt Nikodemus, und (V. 10): "Jesus antwortete und sprach zu ihm:

*Bist Du ein Meister in Israel und weisst das nicht?"--*

Auf Joh. 8, 7, wo Jesus spricht: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie" beruht:

*Den ersten Stein auf jemanden werfen.--*

Nach Joh. 8, 57: "Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahr alt und hast Abraham gesehen?" wurde die Redeweise

*Er hat schon Vater Abraham gesehen*

in den Rheinlanden gebräuchlich für "er ist über fünfzig Jahre alt".--

Joh. 9, 4 steht: "Ich muss wirken die Werke dess, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist;

*es kommt die Nacht, da niemand wirken kann".*

(vrgl. Goethes "Noch ist es Tag" u.s.w.).--

*Was du thust, das thue bald*

spricht Joh. 13, 27 Jesus zu Judas Ischarioth.--

Joh. 18, 38 enthält die Frage des Pilatus:

*Was ist Wahrheit?--*

Der Ausruf des Pilatus, Joh. 19, 5: "Sehet, welch ein Mensch!" ist in lateinischer Form:

Ecce homo!

ein Wort geworden, womit man in der Kunst die Darstellung eines leidenden Christus mit der Dornenkrone bezeichnet.--

Joh. 19, 22 steht des Pilatus Grundsatz:

*Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.--*

Die Worte des auferstandenen Jesu zu Maria aus Joh. 20, 17 lauten in der Vulgata:

*Noli me tangere!*

(Rühre mich nicht an!).--

*Ungläubiger Thomas*

ist aus Joh. 20, 24-29 entwickelt, wo der Jünger Thomas nicht eher an die Auferstehung Jesu glauben mag, als bis er dessen Wunden betastet hat.--

Joh. 21, 23 sagen die anderen Jünger von dem Johannes:

*Dieser Jünger stirbt nicht.--*

* * * * *

Aus der *Apostelgeschichte S. Lucae* 2, 5 und 10, 35 ist entlehnt:

*Allerlei Volk,*

aus 2, 11:

*Juden und Judengenossen;*

aus 2, 12:

*Was will das werden?*

und aus 2, 13:

*voll süssen Weines sein.--*

Apost. 4, 20 steht:

*Non possumus*

"~wir können es ja nicht~ lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehöret haben".

ebenda 4, 32:

*Ein Herz und eine Seele.--*

Nach dem Zauberer Simon (Apost. 8, 9-24), der die Gabe der Mitteilung des Geistes durch Händeauflegen von den Aposteln für Geld erhandeln zu können glaubte, nennen wir Schacher mit geistlichen Ämtern

*Simonie.--*

Apost. 9, 5 und 26, 14 steht der bei den vorchristlichen Griechen und Römern schon übliche[13] Vergleich:

*Wider den Stachel löcken.*

[Fußnote 13: "πρὸς κέντρον λακτίζειν"--Aeschyl. "Agam." 1624; Eurip. "Bakch." 795; s. auch Plaut. "Truc." 4, 2, 55 u. Terent. "Phorm." 1, 2, 28: "contra stimulum calcare".]

"Löcken" ist so viel als "mit den Beinen ausschlagen", und das dem Ausdrucke zu Grunde liegende Bild ist das eines vor den Pflug gespannten Rindes, welches gegen den Stachelstock des Treibers eigensinnig ausschlägt.--

*Aus einem Saulus ein Paulus werden*

oder:

*Seinen Tag von Damaskus erleben*

erläutert sich aus dem Anfange des 9. Kap. der Apostelgeschichte. Apost. 9, 15 spricht der Herr von Saulus: "Dieser ist mir

*ein auserwähltes Rüstzeug".--*

Der Bekehrung des Saulus Apost. 9, 18 ist entlehnt:

*Wie Schuppen von den Augen fallen.--*

Apost. 18, 21 steht geschrieben: "*τοῦ θεοῦ θέλοντος ...*" ("will's Gott ..."), ebenso 1. Kor. 4, 19 ("So der Herr will ..."), Ebr. 6, 3 ("So es Gott anders zulässt ...") und ähnlich Jak. 4, 15 ("So der Herr will ..."). Danach sprechen wir:

"*Will's Gott*" oder: "*So Gott will*".--

Apost. 20, 35 bringt:

*Geben ist seliger denn Nehmen.*

Nach ~Plutarchs~ "Sprüchen von Königen und Feldherren" hat ~Artaxerxes~ gesagt: "Geben ist königlicher denn Nehmen" (τὸ προσθεῖναι τοῦ ἀφελεῖν βασιλικώτερόν ἐστι).--

Wenn wir sagen:

*zu den Füssen eines Lehrers sitzen,*

so citieren wir Paulus, der Apost. 22, 8 berichtet: "Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsen in Cilicien, und erzogen in dieser Stadt, zu den Füssen Gamaliels, gelehret mit allem Fleiss im väterlichen Gesetz ..."--

Apost. 26, 24 enthält:

*Paule, du rasest,*

und:

*Die grosse Kunst macht Dich rasen(d).--*

* * * * *

Aus dem *Römerbrief* citieren wir:

1, 20:

*Also dass sie keine Entschuldigung haben;*

3, 23: "Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder..." wird gewöhnlich so citiert:

*Wir sind Sünder allzumal.--*

5, 5:

*Hoffnung* (aber) *lässt nicht zu Schanden werden.--*

Nach Römer 6, 6, Epheser 4, 22, Kolosser 3, 9, wo "der alte Mensch" gebraucht wird, ist

*der alte Adam*

gebildet, ein Wort, das auf der Anschauung und Sprachweise des Paulus beruht (Römer 5, 14 ff. und 1. Korinth. 15, 45), wonach dem ersten Adam als Urheber der Sünde und des Todes in Christus der zweite Adam als Urheber des Lebens und der Unsterblichkeit gegenübergestellt wird. Das hebräische Wort "Adam" heisst auf deutsch "Mensch". Ist "alter Adam" zuerst von Luther gebraucht worden?

Es kommt im 4. Hauptstück des Katechismus vor; in seiner Predigt am Sonntag Lätare, die andere Predigt; in der 9. Passionspredigt; in der anderen Predigt am Tage der heiligen Dreifaltigkeit; in der Predigt am 16. Sonntag und in der am 19. Sonntag nach der Dreifaltigkeit.--

Nach Römer 7, 18: "... Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen das Gute habe ich nicht" und nach Philipper 2, 13: "Gott ist es, der in euch wirket beides, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen" reden wir vom

*Wollen und Vollbringen.--*

Nach Röm. 7, 22 und Ephes. 3, 16 sagen wir:

*der inwendige Mensch.--*

Röm. 10, 2: "ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand", bietet uns das Wort:

*eifern mit Unverstand.--*

*Heidenblindheit* und *blinder Heide*

stammt aus Röm. 11, 25: "Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei"; und noch deutlicher aus Eph. 4, 17: "So sage ich..., dass ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden ...", 18: "welcher Verstand verfinstert ist und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch ... die Blindheit ihres Herzens".--

Röm. 12, 11 steht:

*Schicket euch in die Zeit;*

auch Eph. 5, 16 und Koloss. 4, 5 lautet es bei Luther ebenso, während Bunsen hier strenger übersetzt: "Kaufet die Zeit aus", d.h. "wendet die Zeit gescheidt an".--

Röm. 12, 15: "Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden" liefert uns die Wendung:

*Sich freuen mit den Fröhlichen.--*

Römer 13, 7 bietet:

*Ehre, dem* (die) *Ehre gebühret.--*

Aus Röm. 14, 22: "... Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in dem, das er annimmt" schöpfen wir:

*Sich kein* (oder ein) *Gewissen aus Etwas machen.--*

* * * * *

Im *1. Korintherbrief* heisst es: 1, 19 (s. Jesaias 29, 14), dass Gott verwerfen will

*Den Verstand der Verständigen*

(s. Schillers "Die Worte des Glaubens" 1798).--

1. Kor. 1, 23 lautet: "Wir aber predigen den gekreuzigten Christum,

*den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Thorheit".*

Dem griechischen Text nach:

*Ἰουδαίοις μὲν σκάνδαλον, Ἕλλησι δὲ μωρίαν.*

Hiernach sagen wir von einem anstössigen Ärgernis, es sei

*Ein Skandal.--*

1. Kor. 3, 8 lautet: "Der aber pflanzet und der da begiesset, ist

*einer wie der andere.*

Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit". Man bezieht aber heute "Es ist einer wie der andere" auf die Schlechtigkeit.--

1. Kor. 3, 10 (vrgl. 15, 10) bietet das demutsvolle

*Von Gottes Gnade(n).*

*Dei gratia,*

was schon im 5. Jahrhundert Kirchenfürsten und vom 6. Jahrhundert an auch weltliche Herrscher im Sinne der Demut vor ihren Titel setzten.

Als Theodolinde (592) nach ihrer zweiten Vermählung zu Monza eine, Johannes dem Täufer geweihte, Basilica bauen liess, legte sie in deren Schatz eine goldene Krone nieder mit der Umschrift: "Agilulf, von Gottes Gnaden König von Italien u.s.w."--

1. Kor. 5, 6 heisst es:

*Euer Ruhm ist nicht fein.--*

Aus 1. Kor. 5, 7 und 8 entnehmen wir

"*den alten Sauerteig*

der Bosheit und Schalkheit", dem der "Süssteig der Lauterkeit und der Wahrheit" gegenübergestellt ist.--

1. Kor. 7, 38 steht:

*Welcher verheiratet, der thut wohl: welcher aber nicht verheiratet, der thut besser;*

1. Kor. 11, 3 und Ephes. 5, 23:

*Der Mann ist des Weibes Haupt;*

1. Kor. 13, 1: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht; so wäre ich

*ein tönend*(es) *Erz oder eine klingende Schelle".--*

Nach 1. Kor. 13, 2 (vrgl. Matth. 17, 20; 21, 21 und Mark. 11, 23) wird citiert:

*Der Glaube versetzt Berge.*

Das "Berge versetzen" stammt aus Hiob 9, 5, vrgl. 14, 18; 18, 4.--

1. Kor. 13, 9 bietet:

(Denn) *unser Wissen ist Stückwerk.--*

Aus 1. Kor. 13, 11: "Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge" ... entsprang der Vers:

*Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant,*

Kinder sind Kinder doch stets, und Kindisches treiben die Kinder; doch welcher Klosterschulmann ihn aus dieser Quelle schöpfte, ist noch eine offene Frage.--

1. Kor. 13, 13:

*Glaube, Hoffnung, Liebe*

wird gewöhnlich in der Form:

*Glaube, Liebe, Hoffnung*

citiert (vrgl. 1. Thessalonicher 1, 3; 5, 8).--

Nach 1. Kor. 14, 9 sagen wir:

*In den Wind reden* (oder *sprechen,* oder *schwatzen).--*

Es heisst 1. Kor. 14, 34:

Mulieres in ecclesiis taceant,

Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeine,

was mit Umänderung in die Einzahl so citiert wird:

*Mulier taceat in ecclesia*

(vrgl. 1. Timoth. 2, 12). Eine Gnome ~Menanders~ (s. Meineke: "Fragm. Com. Graec." 4, 347) lautet schon: Ἱστοὶ γυναικῶν ἔργα, κοὐκ ἐκκλησίαι (Webstühle sind Frauenwerk, Gemeindeversammlungen nicht).--

Nach 1. Kor. 15, 33: "Böse Geschwätze verderben gute Sitten", oder wie ~Bunsen~ übersetzt: "Schlechter Umgang verdirbt (besser: "verderbt") gute Sitten", sagen wir:

*Böse Beispiele verderben gute Sitten,*

(*Φθείρουσιν ἤθη χρήσθ' ὁμιλίαι κακαί*),

~Hausrath~ ("Neutestamentliche Zeitgeschichte", II, S. 398) sagt darüber etwas schulmeisternd:

"So sehr ~Paulus~ die Citate liebte, die aus den griechischen Schriftstellern sind sparsam und bestehen ausschliesslich aus allgemeinen, sprichwörtlich gewordenen Citaten griechischer Dichter. 1. Kor. 15, 33 recitiert Paulus einen iambischen Trimeter aus der "Thaïs" des Menander (Menander, ed. Meineke, S. 75); aber er verfehlt das Versmass und lässt sich einen üblen Hiatus zu Schulden kommen, der nur zu deutlich verrät, wie sein Ohr an den Wohlklang griechischer Prosodie nicht gewöhnt ist. Der Spruch selbst aber: "schlechter Umgang verdirbt gute Sitten", ist ein hellenischer Gemeinplatz, den niemand aus Büchern lernte. Vielmehr hat sich Paulus denselben wohl gelegentlich auf der Strasse aufgelesen, wie den unmittelbar vorhergehenden Satz seines Briefes: "Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot", den er auf dem Sockel der Sandansäule des benachbarten Anchiale gesehen haben dürfte".

vrgl. Weisheit Salomos 4, 12: "Denn die bösen Exempel verführen und verderben einem das Gute".--

1. Kor. 15, 55 lesen wir:

*Tod, wo ist dein Stachel!*

(Hölle, wo ist dein Sieg!)

und 16, 22 nach der Vulgata, wo jedoch "sit anathema" steht:

*Anathema sit* (er sei verflucht)!

Bei Luther heisst es: "Der sei Anathema".--

* * * * *

Der *2. Korintherbrief* bietet 3, 6:

(Denn) *der Buchstabe tötet, aber der Geist machet lebendig;*

daher wir auch, vom eigentlichen Sinne abweichend, sagen:

*Der tote Buchstabe.--*

2. Kor. 9, 7 steht:

*Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.--*

11, 11 und 12, 2 (vrgl. Galater 1, 20) steht:

*Gott weiss es.--*

Aus 2. Kor. 11, 26 (vrgl. Galater 2, 4) citieren wir:

*Falsche Brüder.--*

Mit aus 2. Kor. 12, 2 "derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel" mag der Ausdruck für den höchsten Grad freudiger Erregung herrühren:

*Im siebenten Himmel sein.*

Aber er fliesst auch noch aus anderen Quellen. Abraham Geiger sagt in seiner gekrönten Preisschrift "Was hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen?" (Bonn 1833, S. 65-66): "Die Anzahl der Himmel wurde ihm wohl von den Juden überliefert, und ihre Ansicht von sieben Himmeln, welche durch die verschiedenen Namen, die vom Himmel angegeben sind, herrührt, ging auch auf ihn über". Diese "sieben Himmel" werden im Koran Sure 2, 17, 40, 65, 67, 71 erwähnt, werden Sure 23 "sieben Wege" und Sure 78 "sieben Vesten" genannt, und es wird angenommen, dass in der Nacht Alkadar, vom 23. zum 24. des Monats Rhamadan der Koran durch den Engel Gabriel aus dem siebenten Himmel herabgebracht wurde.--

2 Kor. 12, 7 lautet: "... auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage ...--" Daher sagen wir:

*ein Pfahl im Fleisch.--*

* * * * *

Nach *Galater* 6, 9 (vrgl. 2. Thess. 3, 13): "Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden", sagen wir:

*Nicht müde werden, Gutes zu thun.--*

* * * * *

*Epheser* 4, 23: "Erneuert euch aber im Geist eures Gemüths"; 24: "Und ziehet den neuen Menschen an ..." (vrgl. Colosser 3, 9-10) verdanken wir das Wort:

*Einen neuen Menschen anziehen.--*

Aus Epheser 6, 6: "(Ihr Knechte, seid gehorsam) nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi" stammt

*Augendienerei.--*

Epheser 6, 16 u. 17 entnehmen wir den

*Schild des Glaubens*

und das

*Schwert des Geistes.--*

* * * * *

*Philipper* 2, 14 (vrgl. 1. Petri 4, 9 "ohne Murmeln") lesen wir:

(Thut alles) *ohne Murren* (und ohne Zweifel).--

Philipper 4, 3 schreibt ~Paulus~ von seinen Gehülfen, "welcher Namen sind in dem

*Buch des Lebens".*

Hiermit ist das 2. Mos. 32, 32 erwähnte "Buch" gemeint, in dem der Herr die Gerechten anschreibt und aus dem er die Sünder tilgt (vrgl. Psalm 69, 29; Daniel 12, 1; Luk. 10, 20; Offenb. 3, 5; 13, 8; 17, 8; 20, 12 u. 15; 21, 27). Ebräer 12, 23 spricht mit Bezug auf dieses "Buch" von "der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind", daher uns die Wendung kommt:

*Gut* (oder schlecht) *angeschrieben sein.--*

* * * * *

Nach *1. Thessalonicher* 5, 2 (vrgl. Matth. 24, 42-44; Luk. 12, 39 und 2. Petri 3, 10) soll der Tag des Herrn

*Wie ein Dieb in der Nacht kommen.--*

1. Thess. 5, 21: "Prüfet aber alles, und das Gute behaltet" wird citiert in der Form:

*Prüfet alles, und behaltet das Beste.--*

Auf 1. Thess. 5, 22: "Meidet allen bösen Schein" beruht:

*Den Schein vermeiden.--*

* * * * *

Der *2.* Brief an die *Thessalonicher* enthält 3, 10:

*So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.--*

* * * * *

Im *1.* Briefe an *Timotheus* steht

1, 19:

*am Glauben Schiffbruch erlitten haben;*

5, 6:

*lebendig todt,*

6, 5:

*Schulgezänk(e),*

womit Luther *παραδιατριβαί* übersetzt;

6, 10:

*Geiz ist eine Wurzel alles Übels;*

6, 12 (vrgl. unt. "Goethe": "Dieser ist ein Mensch gewesen" u.s.w.): "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens", wonach wir von

*Glaubenskämpfen*

reden und davon, dass wir

*Einen guten Kampf kämpfen*

oder (nach 2. Tim. 4, 7 s. unter "Dieser ist ein Mensch gewesen ...")

*Einen guten Kampf gekämpft haben.--*

* * * * *

Im Briefe an *Titus* 1, 15 schreibt ~Paulus~:

*Den Reinen ist alles rein.*

(2. Samuelis 22, 27 und Psalm 18, 27 heisst es: "Bei den Reinen bist du rein".)--

* * * * *

*1. Petri* 4, 7 steht: "Das Ende aller Dinge" und Sirach 40, 25 (vrgl. Jes. 62, 11; 49, 6; Jer. 25, 30; Sacharja 9, 10; Matth. 28, 20): "Bis ans Ende der Welt" und Apostelg. 13, 47; "Bis an's Ende der Erde". Hiernach sagen wir mit König Georgs V. von Hannover Proklamation von 1865 aus Anlass des fünfzigjährigen Besitzes von Ostfriesland:

*Bis an's Ende aller Dinge.--*

1. Petri 5, 8 heisst es:

(Der Teufel) *gehet umher wie ein brüllender Löwe,* (und suchet, welchen er verschlinge).--

* * * * *

Nach *2. Petri* 2, 18: "... sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist ..." sagen wir:

*Es ist Nichts dahinter.--*

* * * * *

*1. Johannes* 2, 18; 4, 3; 2. Joh. 7 wird im griechischen Text der Bösewicht

*ὁ ἀντίχριστος,*

der *Antichrist,*

genannt. Luther übersetzt "Widerchrist", doch giebt er Daniel 12 die Überschrift "Vom Antichrist" und Off. Joh. 17: "eine Beschreibung des antichristlichen Reichs".--

1. Joh. 2, 19 steht:

*Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns;*

und 5, 19: *Die* (ganze) *Welt lieget im Argen.--*

* * * * *

*Ebräer* 1, 14 finden wir:

*Dienstbare Geister.--*

Nach Ebräer 4, 12: "... das Wort Gottes ist schärfer denn kein zweischneidig Schwert und durchdringet, bis dass es scheidet ... Mark und Bein" sagen wir:

*Mark und Bein durchdringend.--*

Ebräer 10, 27 lautet: "(so wir muthwillig sündigen ... haben wir ...) ein schreckliches Warten des Gerichts und des

*Feuereifers,*

der die Widerwärtigen verzehren wird".--

Ebräer 12, 4 lautet: "ihr habt noch nicht

*bis aufs Blut*

widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde".--

Aus Ebräer 13, 14 entlehnen wir:

*keine bleibende Stätte* (wörtlich: Stadt) *haben.--*

Und Ebräer 13, 16 lesen wir:

*Wohlzuthun und mitzutheilen* (vergesset nicht).--

* * * * *

*Jacobus* 1, 22-23 steht geschrieben: "Seid ...

*Thäter des Worts*

und nicht Hörer allein ... Denn so jemand ist ein

*Hörer des Worts*

und nicht ein Thäter; der ist gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschauet".--

*Seine Zunge im Zaum halten*

sagen wir nach Jacobus 1, 26: "So aber sich jemand unter euch lässt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz: dess Gottesdienst ist eitel".--

Jakobus 3, 7 lesen wir: "... alle Natur der Thiere und der Vögel und der Schlangen und der

*Meerwunder*

werden gezähmet und sind gezähmet von der menschlichen Natur".--

*Sub reservatione Jacobea,*

das heisst: "unter dem Vorbehalt, wie ihn Jakobus macht", beruht auf Jacobus 4, 15: "So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das thun".--

* * * * *

Weil sich "der Herr" Jesaias 41, 4; 44, 6 und 48, 12 "der Erste und der Letzte" nennt, schreibt ihm die *Offenbarung Johannis* 1, 8 u. 11; 21, 6; 22, 13 das Wort zu: "Ich bin

*das A und das O",*

was sich daraus erklärt, dass A (Alpha) der erste und O (Omega) der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets ist. Heute bedeutet dies soviel wie: "Alles in Allem", "das Wichtigste und Liebste", "Anfang und Ende".--

*Getreu bis in den Tod*

ist entlehnt aus Offenb. 2, 10: "... sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben".--

Offenb. 3, 15-16 lesen wir: "Ich weiss deine Werke, dass du

*weder kalt noch warm*

bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber

*lau*

bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde".--

Offenb. 4, 8, sowie 14, 11 heisst es:

*keine Ruhe Tag und Nacht,*

was in der Form:

*keine Ruh' bei Tag und Nacht*

in ~Moscheroschs~ "Totenheer" (1643) S. 203 der ~Dittmar~schen Ausgabe und ferner in dem ~Daponte~schen Text der Mozartschen Oper "Don Juan" vorkommt.--

Offenb. 5, 1-6 steht:

*ein Buch* (geschrieben inwendig und auswendig, versiegelt) *mit sieben Siegeln,*

was für ein schwer verständliches Buch, wie überhaupt für alles schwer Verständliche angewendet wird.--

Offenb. 6, 1 findet sich: "Und ich hörete der vier Thiere eins sagen, als

*mit einer Donnerstimme:*

komm, und siehe zu".--

Wenn man sagen hört, dass jemand

*auf einem faulen Pferde,*

d.h. auf schlimmen Wegen der Hölle, ertappt worden sei, so ist dies missverständlich gesetzt für: "auf einem fahlen Pferde" von denen, welche die Quelle des Worts nicht kennen. In der Offenb. 6, 8 steht: "Und ich sahe, und siehe, ein fahl Pferd und der darauf sass, dess Name hiess Tod und die Hölle folgte ihm nach".-- Offenb. 14, 13 spricht der Geist zu Johannes von denen, die in dem Herrn sterben: dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn

*ihre Werke folgen ihnen nach.--*

In der Offenbarung Johannis 15, 7 heisst es: "sieben güldene Schalen voll Zorns Gottes", und 16, 1: "giesset aus die Schalen des Zorns Gottes", woraus wir entnommen haben:

*die Schale des Zorns ausgiessen.--*

Aus Offenb. 20, 2-3: "und er griff den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und der Satan, und band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und versiegelte oben darauf, dass er nicht mehr verführen sollte die Heiden, bis dass vollendet würden tausend Jahr; und darnach muss er los werden eine kleine Zeit", so wie aus 20, 7: "Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis" ward entwickelt:

*Der Teufel ist los.--*

* * * * *

Das in den Psalmen und im Habakuk vorkommende Wort "Sela" bezeichnet ein Finale im musikalischen Vortrage und daher sagen wir, wenn wir mit einer Sache glücklich zu Ende kamen:

*Abgemacht! Sela!*

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