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[Titelblatt]
Vorrede an den vernünftigen und christlichen Leser.
Vorrede an den vernünfftigen und Christlichen Leser. == ES trat zu Anfange dieses Jahrs derjenige Bericht aus Servien ans Licht, welchen ich §.2. beygebracht habe. Die wöchentlichen Zeitungen erwehnten auch zu einigen mahlen der Blutsaugers oder Vampirs. Aus der Erzählung stund so viel abzunehmen, daß an den türckischen Grentzen der gemeine Wahn unter dem Volcke im schwange gehe, daß einige abgestorbene Menschen, so albereits begraben worden, des Nachts die Lebendigen beschweren, ihnen die Lufft-Röhre zusammen ziehen und auf der Brust das Bluht aussaugen. Die Umstände zeigen zugleich, daß diejenigen, so über dergleichen Erwürgung und Aussaugung klagen, niemand in sichtbarer Gestalt gesehen, von dem sie dergleichen Ungemach erlitten hätten. Vielmehr lehret die Erfahrung, daß die beängsteten in einer Kranckheit stecken, so den Uhrsachen, wodurch sich ein Stichfluß eräuget, gar ängslich scheinet. Der Anfang des Ubels hat sich von dem Fleische der Hämel oder Schaffe angesponnen. Man komt daher von selbsten auf die Muhtmassung, daß eine ansteckende Seuche, wodurch das Bluht beklemmet und die Phantasey in Unordnung gebracht wird, die Uhrsache solches Ubels sey. Wenn nun das verdickte Geblühte bey Leuten, so ohnedem sich an den häuffigen Gebrauch des Opii gewehnet haben, von aussen keine Ausdünstung und Gemeinschafft mit der Lufft hat, und die Persohnen in solchem Zustande sticken, auch hurtig begraben werden; so läst sich leichtlich begreiffen, warum sie langsam verwesen, und zwar in einem Lande, wo man unter der Erde allerley Es-wahren und Geträncke auf eine lange Zeit vor der Fäulniß und Verwesung verwahren kan. Wenn nun das Geblühte seine ausdehnende Krafft annoch eine gute Zeit behält, weil keine Lufft von aussen hinzukomt und die Schweislöcher albereits in der Kranckheit zugeschlossen gewesen; so kan man leichtlich erachten, daß das leimigte und stockende Bluht nach und nach in eine gelinde Gährung unter der Erde kommen, und sich dadurch mit einer mehrern Flüßigkeit ausbreiten müsse. Diejenige aber, welche in solchen Umständen des Geblühts nicht verstorben sind, sind auch der Verwesung eher fähig, wie sich auch solches in der That also befunden hat. Es giebt an jeden Orten annoch viele überbliebene Reste von alten und fortgepflantzten leeren Meinungen. Unter dieselbe ist ausser Zweifel auch das gemeine Gerüchte zu rechnen, da man in den Gedancken stehet, als ob die verstorbene Leichnahme oder die Seelen derselben aus den Gräbern zurückkämen, und ihren Feinden durch häfftige Erwürgung den Tod zu wege brächten. Es ist dieser Wahn bey Jüden und Christen, bey Griechen und Lateinern, bey Ungarn, Pohlen, Teutschen und andern Völckern seit undencklichen Zeiten her aufbehalten, und als eine himmlische Wahrheit von einem auf den andern fortgebracht. Dieses habe durch unterschiedene Exempel in $.1. 2. 3. 4. 5. dargethan. Man hat nicht gnug gehabt, diese grausamen Erwürgungen den Todten beyzumessen; man hat auch hinzugesetzet, daß einige lebendige die Gestalt der Wölffe annehmen und die andern Menschen erwürgen. Die erste Meinung ist so alt, daß man sie annoch über die Zeit der geschriebenen Bücher hinaussetzen muß. Denn albereits zu den Zeiten Mosis hat man den Leichnahmen und Seelen in den Gräbern sonderbahre Würckungen über die lebendigen zugeschrieben: Und die Dido (a) drohet dem Aeneae, ihrem Geliebten, daß sie ihn, wenn sie gestorben, plagen und verfolgen wolle. Virgilius, der diese Geschichte also erdichtet, hat sich alzeit nach den alten Meinungen der Griechen, so bey dem Homero (b) vorkommen, gerichtet, und seinem Gedichte die Glaubwürdigkeit, so viel möglich war, gegeben. Die andere Meinung von den Wehrwölffen komt albereits bey dem Herodoto vor, welcher fünfhundert Jahr vor der Geburt Christi gelebet hat. Einige haben annoch hinzugefüget, daß die bösen Seelen der Leichnahme und die Teufels den andern todten Leichnahmen schaden können. Die Juden schneiden die vier Zipfel von den Todten-Leibach, damit der gestorbene nicht anfangen solle daran zu käuen und den lebendigen Schaden zu thun: ferner geben sie dem Todten ein scharffes Messer in die Hand, mit den Worten: Wehre dich. Wenn dannenhero dergleichen jämmerliche Mord-Geschichte unter einem Volcke sonderlich bekant sind, so fallen diejenigen, so in der Phantasey verrücket werden, so fort auf dergleichen wunderbare Uhrsachen, um die Seuche aufs kürtzeste nach ihrem Uhrsprunge zu erklähren. Es ist dieses eine gemächliche und leichte Art zu philosophiren. Denn man kan den schweresten Knoten und denen Würckungen, so viel unterschiedenes in sich fassen, und demnach viele Aufmercksamkeit samt vielen Schlüssen nach sich ziehen, mit einem einzigen Hiebe abhelffen. Es kan seyn, daß es solche böse Geister gibt, welche dergleichen Seuchen durch Anwendung natürlicher Mittel hervorbringen. Allein mir deucht, man schliesse alzufreygebig, wenn man aus den Exempeln der heiligen Schrifft, in welchen den Engeln und Geistern die Erweckungen des Sturms, des Erdbebens, der tödtenden Würmer und allerley Kranckheiten zugeschrieben werden, einen algemeinen Satz aufbauen will, daß alle Kranckheiten, alle Stürme, und Erdbebens von den Engeln unmittelbahr gewürcket heissen sollen. Der alte Helmontius unterstund sich, alle Erdbebens den Würckungen der Engel zu zuschreiben, wegen des Exempels bey dem Matth. XXIIX. Allein es haben so wohl die Gottesgelehrten als Naturkündiger diese Meinung, sofern sie für algemein ausgegeben wird, als eine ungegründete Dichtung verworffen. Die Erscheinungen und Würckungen der Engel gehören nicht zum ordentlichen Laufe des Reichs der Natur; sondern zu den ausserordentlichen Bevestigungen des Reichs der Gnaden. Man kan dieses von selbst wahrnehmen, wenn man sich auf die Geschichte der gegründeten göttlichen Lehren und der Regierung GOttes über die Frommen, auch wieder die Feinde derselben, besinnet, wie dieselbe in der heiligen Schrifft verzeichnet stehet. Ich sehe bey der Historie der Vampirs nichts, welches zur Bekräfftigung der göttlichen Wahrheiten, oder Beschützung der Gläubigen insonderheit diensam sey. Es findet sich auch in den beygebrachten Berichten nicht, daß ein gequälter oder die Umstehenden einen Geist gesehen haben. Und ob sie gleich dergleichen erblicket hätten, so stünde es dennoch sehr dahin, ob die Erhaltung des Bluhts in den todten Cörpern und die empfundene Würgung, oder Ertödtung, demselben zuzuschreiben gewesen. Ich habe im hellen Mittage a. 1708. 12. Maji. einen gantzen Cörper nach menschlicher und mir bekanter Gestalt auf einem Garten gesehen, dem ich nahe gekommen bin, willens mit ihm zu reden, bis ich die Hopfenstangen dadurch hervorschimmern gesehen, so da hinter aufgerichtet waren. Der alte achtzigjährige Mann, den ich zu erblicken vermeinte, und dessen der Garte war, war um gleiche Zeit, welches ich gar nicht wußte, gestorben, und zwar an den natürlichsten Uhrsachen. Ich bitte mir demnach von dem geneigten Leser dieses aus, daß er mich zu keinen Beckerianer oder Thomasianer machen wolle, wenn er befindet, daß ich von der Art der Weltweisheit des Thales abgehe, als welcher alles mit Geistern erfüllete, damit er so gleich einige vorrähtig hätte, wenn eine schwere Sache aus dem Reiche der Natur auf das Tapet gebracht wurde. Wie richtig es sonst mit dem gemeinen Wahn von den Vampirs (a) beschaffen sey, läßt sich daher leicht abnehmen, da eine Frau in Servien gebeichtet hat, daß sie von ihren todten Mann, der ein Vampir gewesen, eines Kindes genesen sey. Es werden andere Weiber bey andern Völckern bedauren, daß dieser Wahn nur in den Grentzen des Servien Landes seine Lagerstäte aufgeschlagen. So aber jemand die vorgelegte Geschichte von den Bluhtsaugers (§. 2.) ohne die Beyhülffe der Geister nicht völlig auflösen kan oder will, demselben lasse seine Freyheit zu dencken ungekräncket. Es wird mir erlaubet seyn, daß ich aus dem wenigen Umständen, so mir von dem Vampirs bekant geworden, weiter nichts schliesse, als sich wegen des Zusammenhangs mit andern Erfahrungen und gegründten Wahrheiten will thun lassen. Es wurden mir die Berichte von den Vampirs, so bald sie kund wurden, von einer gar hohen und Fürstlichen Persohn gnädigst zugeschicket, und mir theils erlaubet theils befohlen, mein unterthänigstes Gutachten von den Uhrsachen solcher wunderlichen Würckungen anzuzeigen. Ich habe dem gnädigstem Befehle so fort in tiefstem Respeckte ein unterthänigstes Gnügen gethan. Allein bis daher habe die Herausgebung meiner Gedancken aufs feyerlichste von mir abgelehnet. Ich meinte dazu viele Uhrsachen zu haben. Denn ich hoffte anfänglich, daß man mit der Zeit mehrere Exempel und gleiche Geschichte von mehrern Umständen zu Handen bekommen würde, daraus man viel sicherer etwas gewisses schliessen könte. Nechst diesem war ich begieriger, mich hiedurch von andern belehren zu lassen, als andere zu unterrichten. Es kam auch bald darauf heraus Curieuse und sehr wunderbare Relation, von denen sich neuer Dingen in Servien erzeigenden Blut-saugern oder Vampyrs, aus authentischen Nachrichten mitgetheilet und mit historischen und philosophischen reflexionen begleitet von W. S. G. E. a. 1732. 8. 9. Bogen. Der Verfasser ist ein gelehrter und wohlbelesener Mann, der in der Weltweisheit, Artzney-Wissenschafft und Gottesgelahrheit sich nicht unerfahren bezeiget. Die Schreibart desselben ist munter und mit vielerley Historien ausgeschmücket. Die Meinung desselben fält dahin aus, daß er die Erwürgung und Aufbehaltung des gesunden und klahren Geblühts in den vampirischen Cörpern der Würckung der bösen Geister zuschreibet, so sich lieber an einem als andern Orte aufzuhalten belieben. Jedoch giebt er auch viele Anleitung, wodurch man die Meinung errahten und entdecken kan, welcher der Herr Verfasser zugethan zu seyn scheinet. Ich habe ferner von dieser Materie gelesen die Actenmäßige und umständliche relation von den Vampiren oder Menschensaugern, so a. 1732. 8. zu Leipzig zum Vorschein gekommen. Der Uhrheber der Schrifft hat sich nicht genennet. Die Meinung desselben geht dahin, daß die Luft ein sonderbahrer Geist sey, der sich in das menschliche Beblühte verwandele, und die Wohnung der Seele, wie auch der guten und bösen Geister sey. Dis zu erweisen, beziehet er sich auf die Schrifft-Stellen Gen. IX. 4,5. Iob. XXIV. 12. Lev. XVII. 10,14. woselbst gemeldet wird, daß das Leben des Leibes im (umlauffenden) Bluhte bestehe. Ferner beliebet demselben zu glauben, daß vermittelst des algemeinen Weltgeistes, oder der Luft, die Geister mit einander Unterredung halten können. Den Umgang mit den guten Geistern nennet er sympathiam; den Umgang mit den bösen betitelt er antipathiam. Diesem Luft-Geiste legt der Verfasser einen subtilen Cörper bey, welcher bey der Ausfahrung der Seele und dem Absterben des sichtbahren Leibes seine sympathie oder antipathie fortsetze. Von den abgeschiedenen Luft-Geistern, so in der antipathie stehen, sollen, wie der Verfasser vorgiebt, die Lebendigen unter der Zulassung GOttes ausgesogen werden. Am artigsten scheinet es zu klingen, wenn der besagte Weltweise den Spruch Iob. VI. 4. zum Berweisthum dessen anführet. Hierauf folget eine fernere Ausführung, worin alle Umstände der Vampirs aus diesem erdichteten und Paracelsischen Gründen erklähret werden. Wenn man die Erfahrung, einige richtige Art zu schliessen, und den rechten Wort-Verstand der Bibel gelten läst; so fallen zugleich die Einfälle des besagten Herrn Verfassers über einem Haufen. Daher mit gutem Grunde wieder diese Schrifft ans Licht getreten ist des Herrn Gottlob Heinrich Vogts kurtzes Bedencken von denen Actenmäßigen relationen wegen deren Vampiren oder Menschen- und Vieh-Aussaugern, ingleichen über das davon in Leipzig herausgekommene raisonnement vom Welt-Geiste a. 1732. 8. Leipzig. Man erkennet aus der kurtzen Schrifft, daß der Verfasser in der Artzeney-Kunst wohl erfahren und von guten Geschmack sey. Dieses erhellet auch unter andern daher, daß er den erdichteten Welt-Geist mit sonderbahrer Deutlichkeit aus dem Circul der Weltweisen verbannet hat. Es wird sich Gelegenheit zeigen, in unserer Abhandlung den so beschrienen WeltGeist der Paracelsisten, Böhmisten und Guhtelianer näher zu beleuchten. Der Herr Vogt erkläret die erlittene Bluht-Aussaugung von einem Gifte, welches durch das Essen von einem vergifteten Viehe entstanden und durch den Umgang nachhero von einem angesteckten Menschen auf den andern, der gleicher Säfte gewesen fortgepflantzet worden sey. | Es ist mir ausser dieser Schrift annoch eine andere zu Gesichte gekommen, nemlich PVTONEI besondere Nachricht von den Vampiren, so zu gleicher Zeit an eben dem Orte ans Licht getreten ist. Der Herr Verfasser stehet in den Gedancken, daß die Nachrichten von den hungarischen Bluhtsaugers nicht volständig, noch gehörig eingerichtet seyn angesehen, kein erfahrner Artzt oder Naturkündiger dabey gewesen, auch keiner einen Bluhtsaugenden Geist gesehen habe. Daß man eine genauere und umständlichere Untersuchung in Servien hätte machen können und sollen, ist wohl ausser allen Zweiffel. Ausser diesen sind vermuhtl. annoch einige andere Schriften gleiches Inhalts herausgegeben, welche ich aber bis daher nicht gelesen. Des Eudori Bericht von einigen Schriften, die Vampyren betreffend, ist in einen kurtzen Auszug gebracht in der auserlesenen Theologischen Bibliotheck P. LXII. art. 4. und in den gelehrten Zeitungen dieses 1732ten Jahrs n.50. p. 450. angezeiget worden. Man hat sich schon längst über der künftigen Ausführung dieser Materie, welche der Herr President der Leopoldinischen Geselschaft, der Herr Doctor und Professor I. W. BAIER zu Altorf auf allergnädigstes Ansinnen Ihro Allerdurchlauchtigsten Käyserlichen Majestät übernommen hat, gefreuet. Es wird sich dieser hochberühmte Mann um mehrere Nachrichten und Erfahrungen bemühen und derselben fähig werden, auch dannenhero etwas gründliches der gelehrten Welt vorlegen können. Wenn diese meine Schrift und vorhabende Abhandelung kein gäntzliches Genügen schaffen wird; so wird der geneigte Leser dennoch die Bemühung des Verfassers und die tieffste Ehrfurcht desselben gegen eine hohe Persohn zum besten ausdeuten. Ich empfehle mich demselben und diese geringe Arbeit. |
Gandersheim am 24. Sept. 1732.
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§.1 - Der gemeine Wahn von den Schmacken - Fressen und Bluhtaussaugungen der Verstorbenen.
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§.I
Es ist ein alter und bey dem gemeinen Manne gar bekanter Wahn, daß die verstorbenen Cörper in den Gräbern annoch freßig und bluhtgierig seyn. Auf den umliegenden Dörffern findet sich die Gewohnheit, daß man die Zipfels des Sterbekittels zurückleget oder gar abschneidet. Denn man stehet in der Einbildung, daß der Todte, wenn er dergleichen Zipfel in den Mund bekomme, anfange zu schmacken und zu fressen, mit dem traurigen und schrecklichem Erfolge, daß die Anverwandten einer nach dem andern ausgezehret werden und sterben müssen, so lange solches Fressen oder Schmacken währet. Damit man diesem Ubel zuvorkomme, sind die Einwohner einiger Dorfschaften gewohnt, dem Verstorbenen einen Pflock in dem Hals über der Zunge zu befestigen, damit er die Zunge nach dem Tode nicht regen und seinen Feinden nachhero den Tod anthun könne. Vor einigen Jahren zancketen zwey Bauren in Ackenhausen wegen der Holtzung. Als der eine starb, war dem andern bange, daß er bald ausgezehret werden möchte. Er ging demnach bey zeiten zu dem Leichnam des Verstorbenen, und pflöckte demselben über der Zunge einen länglichtrunden Stock in dem Mund. Es sahe solches aber ein Kind, welches er nicht vermuhtet hatte. Die Sache wurde klagbahr, und wurde der Pflock, an welchem annoch etwas Bluht klebte, an das Hochfürstl. Amt Gandersheim gebracht. Der Thäter gestand solches so fort und führte die algemeine Gewohnheit der Dorf-Leute zu seiner Vertheidigung an. Ich erinnere mich auch, daß vor einigen Jahren auf dem Gottes-Acker vor Alfeld aus dem Grabe ein Schall eines Schmackens und Saugens von einigen, wie man sagte, gehöret worden. Wie solches der Obrigkeit gemeldet wurde, wolte dieselbe nicht vergönnen, daß man die Verstorbene ausgrübe und das Grab öfnete. Es folgete aber darauf keine Sterbens-Noht unter den Anverwandten oder Feinden. Vordem pflegte man dergleichen Cörper auszugraben und denselben einen Pfahl durchs Hertze zu schlagen, damit sich dadurch die Auszehrung und Aussaugung der Hinterbliebenen legen mögte. (a) Samuel Friderich Lauterbach, Prediger zu Frauenstadt in Pohlen, schreibet in seiner Pest-Chronic, so er a. 1710. herausgegeben, von dieser Sache, und schliesset p. 26 also: Man will sagen, als ob dergleichen Ausgraben auch jetzo hie in der Nähe an einem Römischen Orte fürgenommen worden, und hätten sich einige Leichen ganz bluhtig und befressen befunden, denen man die Köpfe abstossen lassen. Der seelige Lutherus meint (b), daß der Satan dergleichen Gereusch anrichte und das Gehör dadurch betriege. Woraus erhellet, daß man schon damahls von dem Schmacken und Saugen, auch Fressen der verstorbenen in den Gräbern ein gemeines Gerüchte in der Welt ausgestreuet habe. Es ist gar mercklich, daß man insgemein zu Pestzeiten dergleichen Gereusch in den Gräbern will gehöret haben.
§.2 - Nachricht von den Bluht-Aussaugers, so zu Meduegia in Servien sich, wie berichtet wird, haben antreffen lassen.
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§.II
Der Actenmäßige Bericht über die Vampirs, so sich zu Meduegia in Servien an der Türckischen Gräntzen sollen befunden haben, lautet von 17ten Ian. 1732. also:
Nachdem die Anzeigung geschehen, daß in dem Dorfe Meduegia in Servien die so genannten Vampirs einige Persohnen durch Aussaugung des Bluhts umgebracht haben sollen; als bin ich auf hohen Befehl eines alhiesigen Hochlöblichen Ober-Commando, um die Sache verständig zu untersuchen, nebst dazu commandirten Herrn Officiers und zwey Unterfeldscherern dahin abgeschicket und habe gegenwärtige inquisition in Beyseyn des der Stallater Heyducken Compagnie Capitain Gorschitz Haduck, Barjactar und ältesten Heyducken des Dorfs folgender massen vorgenommen, welche denn, da sie abgehöret worden, einhellig ausgesagt, daß vor ohngefehr fünf Jahren ein hiesiger Heyduck, nahmens Arnond Parle, sich durch einen Fall von einem Heuwagen den Halß gebrochen. Dieser hatte bey seiner Lebens-Zeit sich öfters verlauten lassen, daß er bey Gossowa in dem Türckischen Servien von einem Vampir geplaget worden sey; Dahero er von der Erde des Grabs eines Vampirs gegessen und sich mit dessen Bluht geschmieret habe, um von der erlittenen Plage entlediget zu werden. In 20. oder 30. Tagen nach seinem Tod-Falle haben sich einige Leute beklaget, daß sie von dem gedachten Arnond Parle geplaget würden, wie denn würcklich 4. Persohnen umgebracht worden. Um nun dieses Ubel einzustellen, haben sie auf Einrahten ihres Hadnucks, welcher schon vorhin bey dergleichen Begebenheiten gewesen, diesen Arnond Parle in beyläuffig 40. Tagen nach seinem Tode ausgegraben, und gefunden, daß er gantz vollkommen und unverweset sey, auch ihm das frische Bluht zu den Augen, Nasen und Ohren herausgeflossen, das Hembd, Ubertuch und Tücher gantz bluhtig gewesen, die alten Nägel an Händen und Füssen samt der Haut abgefallen, und dargegen andere neue gewachsen seyn. Weil sie nun daraus ersehen, daß er ein würcklicher Vampir sey, so haben sie demselben nach ihrer Gewohnheit einen Pfahl durchs Hertz geschlagen, worbey er nen wohlvernehmliches Geächzen gethan, und ein häuffiges Geblühte von sich gelassen. Worauf sie den Cörper noch selbiges Tages gleich zur Aschen verbrant und solche in das Grab geworffen. Ferner sagen obgedachte Leute aus, daß alle diejenige, welche von den Vampirs geplaget und umgebracht worden, ebenfals zu Vampirs werden müssen. Also haben sie die obberührte 4. Persohnen auf gleiche Art exsequirt. Dem fügen sie auch hinzu, daß dieser Arnond Parle nicht allein die Leute, sondern auch das Vieh angegriffen und ihnen das Bluht ausgesauget habe: Weil nun die Leute das Fleisch von solchen Vieh genützet, so zeigte sich aufs neue, daß sich wiederum einige Vampirs alhier befinden, allermassen in einer Zeit von drey Monahten XVII. junge und alte Persohnen mit Tode abgegangen, worunter einige ohne vorhergehabte Kranckheit in 2 oder 3. Tagen gestorben. Dabey meldet der Heyduck Joviza, daß seine Schwiegertochter Stanioicka vor 15. Tagen sich frisch und gesund schlaffen gelegt, um Mitternacht aber mit einem entsetzlichen Geschrey, Furcht und Zittern, aus dem Schlafe aufgefahren, und geklaget, daß sie von einem vor 4. Wochen verstorbenen Heyducken-Sohne, nahmens Milloe, um den Hals gewürget worden sey, worauf sie einen grossen Schmerz auf der Brust empfunden und von Stunde zu Stunde sich schlechter befunden, bis sie endlich den achten Tag gestorben. Hierauf sind wir denselben Nachmittag auf dem Freyt-Hof, um die verdächtigen Gräber eröfnen zu lassen, neben den oft gemeldten Heyducken des Dorfs ausgegangen, die darin befindliche Cörper zu visitiren, wobey nach sämtlicher Secirung sich gezeiget:
1) Ein Weib, nahmens Stana, zwantzig Jahr alt, so vor drey Monahten nach einer dreytägigen Kranckheit ihrer Niederkunft gestorben, und vor ihrem Tode daselbst gesagt, daß sie sich mit dem Bluhte des Vampirs gestrichen hätte, (a) folgendlich sie sich so wohl, als ihr Kind, welches gleich nach der Gebuhrt gestorben und durch eine leichtsinnige Begräbniß von den Hunden bis auf die Helfte verzehret worden, (b) ebenfals Vampirs werden müssen. Sie war gantz volkommen und unverweset (c). Nach Eröfnung des Cörpers zeigete sich in cauitate pectoris eine quantität frisches extravasirtes Geblühte. Die Vasa, als arteriae und venae, nebst den ventriculis cordis waren nicht, wie es sonst gewöhnlich, mit (d)coagulierten Geblühte implicieret, die sämtlichen viscera, als pulmo, hepar, stomachus, lien & intestina waren dabey gantz frisch, wie bey einem gesunden Menschen: Der uterus befand sich gantz groß und externe sehr inflammirt, weil placenta, wie auch die lochia, bey ihr geblieben; dahero selbiger in völliger (e) putredine war. Die Haut an Händen und an Füssen samt den alten Nägeln fiele von sich selbsten herunter (f); herentgegen zeigten sich nebst einer frischen und lebhaften Haut gantz neue Nagel.
2) War ein Weib, nahmens Miliza, beyläufig sechzig Jahr alt, welche nach dreymonahtlicher Kranckheit gestorben, und vor neunzig und etlichen Tagen begraben worden. In der Brust befand sich vieles liquide Geblühte. (g) die anderen viscera waren gleich der vorgemeldeten in einem guten Stande. Es haben sich bey der Secirung die umstehende sämtliche Heyducken über ihren fetten und vollkommenen Leib sehr verwundert, einhellig aussagende, daß sie das Weib von ihrer Jugend auf wol gekennet, und zeit ihres Lebens gantz mager und ausgedort gewesen (h), mit nachdrücklicher Vermeldung, daß sie erst in dem Grabe zu dieser verwundernswürdigen Fettigkeit gelanget sey, auch der Aussage der Leute nach, solle sie jetziger Zeit den Anfang zu vampiren gemacht haben, zumahlen sie das Fleisch von den Schafen, so von den vorhergehenden Vampiren umgebracht worden, gegessen habe. (i)
3) Befande sich ein acht-tägiges Kind, welches neunzig Tage im Grabe gelegen (k), gleichermassen im Vampir-Stande.
4) Wurde eines Heyducken (l) Sohn, Nahmens Milloè, sechzehn Jahr alt ausgegraben, so neun Wochen im Grabe gelegen, und nach einer drey-tägigen Kranckheit gestorben, und gleich den andern Vampirs befunden worden.
5) Ist der Joachim, gleichfals eines Heyducken Sohn, siebenzehn Jahr alt, nach einer drey-tägigen Kranckheit gestorben, nachdem er acht Wochen und vier Tage begraben gelegen, und befand sich bey der Section gleicher Gestalt.
6) Ein Weib, Nahmens Rusche, welche nach einer zehn-tägigen Kranckheit gestorben, und vor sechs Wochen begraben worden, bey welcher auch viel frisches Geblühte nicht allein in der Brust, sondern auch fundo ventriculi gefunden habe, wie sich denn auch ein gleiches bey ihrem Kinde, so achtzehn Tage alt war, und vor fünf Wochen gestorben, gezeiget hat.
7) Nicht weniger befand sich ein Mägdlein von zehen Jahren, welche vor zwey Monahten gestorben, in obangezogenem Zustande, gantz vollkommen und unverweset, und hatte in der Brust vieles frisches Geblühte.
8) Hat man des Hadnucks Weib samt ihrem Kinde ausgraben lassen, welche vor sieben Wochen, ihr Kind aber, so acht Wochen alt, und vor ein und zwantzig Tagen gestorben war, daß so wol die Mutter als das Kind völlig verweset, ob sie wol in gleicher Erden und nechst-gelegenen Gräbern begraben worden. (m)
9) Ein Knecht des hiesigen Heyducken-Corporals, Nahmens Rhade, so drey und zwantzig Jahr alt war, ist in einer dreymonatlichen Kranckheit gestorben, und nach einer fünfwöchentlicher Begräbnis völlig verweset gefunden worden.
10) Des hiesigen Bariacters Weib samt ihrem Kinde, so vor fünf Wochen gestorben, war gleichermassen völlig verweset.
11) Bey dem Stancko, einem Heyducken, so sechszig Jahr alt und vor sechs Wochen gestorben war, habe ich ein häufiges Geblühte, so gleich den andern liquide, in der Brust und Magen gefunden, und der gantze Leib war in oft-benanntem Vampir-Stande.
12) Milloë, ein Heyducke, 25. Jahr alt, so sechs Wochen in der Erde gelegen, fand sich gleichfals in mehr-gemeldetem Vampier-Stande.
13) Stanjoicka, eines Heyducken Weib, zwantzig Jahr alt, ist an einer dreytägigen Kranckheit gestorben und vor achtzehen Tagen begraben worden. Bey der Secirung habe ich gefunde, daß sie in dem Angesicht gantz roht und von lebhafter Farbe war, und, wie obgemeldet, sie von des Heyducken Sohn, Nahmens Milloë, sey um Mitternacht um den Hals gewürget worden, sich auch augenscheinlich gezeiget, (n) daß sie an der rechten Seite unter dem Ohr einen blauen mit Bluht unterloffenen Flecken, eines Fingers lang, gehabt. Bey Eröfnung ihres Sargs flosse eine quantität frisches Geblühts aus der Nasen. Nach der Secirung fande ich, wie schon oft gemeldet, ein rechtes Balsamisches Geblühte, nicht allein in der Höle der Brust, sondern auch in ventriculo cordis. Die sämtliche viscera befunden sich in vollkommenen gesunden und guten statu. Die Unterhaut des gantzen Cörpers, samt den frischen Nageln an Händen und Füssen, waren gleichfalls frisch.
Nach geschehener visitation sind den sämtlichen Vampirs die Köpfe durch dasige Zigeuner herunter geschlagen, (o) und samt den Cörpern verbrannt, die Asche davon in den Fluß Morava geworfen; (p) die verwesete Leiber aber wieder in ihre vorhergehabte Gräber geleget worden. Welches hie samt den mir zugegebenen zwey Unter-Feldscherern bekräftige. Medovegia in Servien. 7. Jan. 1732.
Joh. Flickinger, Regiments-Feldscherer des löbl. Baron-Fürstenbusch. Regiments zu Fuß.
Isaac Siegel, Feldscherer des löbl. Maragl. Regiments.
Joh. Frid. Baumgärtner. (wie der erste)
Darunter hatten sie zwo Officier geschrieben, und dieses mit ihrem Zeugnis bekräfftiget, unter dem dato: Belgrad 26. Jan. 1732.
§.3 - Gleiche Begebenheiten aus Crain, Pohlen und Deutschland.
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§.III
ERASMUS FRANCISCI in den Zusätzen und Anmerckungen über VALVASORIS descriptionem des Ertz-Hertzogthums Crain Tom. III. Lib. XI. fol. 317. sq.
„In dem Marckt Kring in Crain hat sich 1672. dieser abentheurliche Fall begeben, nemlich, daß man einen begrabenen todten Cörper eines Mannes, welcher Georg oder (Guire) Grando geheissen, ausgegraben, und mit besondern Ceremonien denselben den Kopf abgehauen, auf daß man möchte Ruhe für ihm haben.
Nachdem besagter Mann vor 16. Jahren verschieden, und mit gewöhnlichen Leich-Gebräuchen christ-üblich eingeerdiget worden; hat man ihn nach seiner Begräbniß bey der Nacht gesehn umhergehen in diesem Marckt Kring. Und ist er zwar anfänglich dem Pater Georgio einem München St. Pauli des ersten Eremitens erschienen, welcher ihn begraben und die Messe verrichtet hatte. Denn als jetzt-benannter Pater mit des Begrabenen Freunden zu der Wittwen ins Haus gangen, und nach alda eingenommener Mahlzeit, vom Essen aufstehend, wieder heim gehen wollte; sahe er den Verstorbenen hinter der Thür sitzen, und gieng gantz erschrocken davon. Hernach ist dieser Begrabene oft ihrer vielen erschienen bey nächtlicher Weile, da er auf der Gassen hin und wieder gangen, und bald hie und da an die Haus-Thüren geschlagen, und seynd unterschiedliche Leute daüber gestorben; zumahl aus solchen Häusern, da er hat angeklopffet. Denn vor welchem Hause er angeschlagen, daraus ist bald darauf einer mit Tode abgegangen. Er hat auch bey seiner hinterlassenen Wittwen sich eingefunden, und dieselbe würcklich beschlaffen, welche aber, weil sie einen Abscheu vor ihm getragen, endlich zu dem Supan (oder Marckt-Schultzen) Mibo Radetich hingeloffen, auch bey ihm verblieben und gebeten, er wollte ihr doch wider ihren verstorbenen Mann Hülffe verschaffen.
Der Supan bittet deßwegen etliche behertzte Nachbarn zu sich, gibt ihnen zu sauffen und spricht ihnen zu, sie sollen ihm Beystand leisten, daß solchem Ubel möge abgeholffen werden; weil dieser Georg oder (Guire) Grando, allbereit viele Ihrer Nachbarn gefressen hätte, dazu die Wittwe alle Nächte überwältigte und beschlieffe. Worauf sie sich entschlossen, den unruhigen Nachtgänger anzugreiffen, und ihm das Handwerck zu legen. Diesemnach haben sich ihrer 9. aufgemacht, mit zweyen Wind-Lichtern und einem Crucifix, und das Grab geöffnet; Da sie denn deß entdeckten todten Cörpers Angesicht schön roth gefunden, welcher sie auch angelacht, und das Maul aufgethan. Worüber diese streitbahre Gespenst-Bezwinger dermassen erschrocken, daß sie alle mit einander davon geloffen. Solches kränckte den Supan, daß ihrer neune Lebendige mit einem einzigen Todten nicht sollten zu rechte kommen können, sondern für einen blossen Anblick desselben, zu flüchtigen Hasen würden: Derhalben sprach er ihnen zu und frischte sie an, daß sie mit ihm wieder umkehrten zum Grabe, und ihm einen geschärfften Pfahl von Hagedorn durch den Bauch zu schlagen sich bemüheten: welcher Pfahl allemahl wieder zurück geprellt. Indessen hat der Supan gleichsam einen Geistlichen gepræsentiret, das Crucifix dem Todten vors Gesicht gehalten, und ihn also angeredet: Schau du, Strigon! (also werden solche unruhige Todten in Histerreich genannt) hier ist JEsus CHristus! der uns von der Höllen erlöset hat, und für uns gestorben ist! und du Strigon kannst keine Ruhe haben etc. und was dergleichen Worte mehr gewesen, so dieser unzeitiger Exorcist oder Todten-Redner daher gemacht. Indessen seynd dem Gespenst die Zähren aus den Augen hervor gedrungen. Weil aber der Pfahl nicht durch den Leib getrieben werden können; so hat einer zu Mehrenfelß wohnhaffter, Nahmens Micolo Nyena, von weiten angefangen mit einer Hacken den Kopff abzuhacken, aber weil er alzu furchtsam und verzagt damit umgangen, ist ein anderer , der mehr Hertzens gehabt, nehmlich der Stipan Milasich hinzu gesprungen, und hat den Kopf weggehauet. Worauf der Todte ein Geschrey gethan, und sich gewunden, nicht anderst als ob er lebendig wäre, auch das Grab voll gebluhtet. Nach solcher Verrichtung haben die erbare Herren Executores das Grab wieder zugemacht und sich heim verfügt. Von welcher Zeit an das Weib und andere Leute Ruhe für ihm gehabt.
Es ist dieses in Isterreich und daherum gar gemein, daß sie also die Todten, wenn sie nicht ruhen wollen, sondern bey Nacht herumschweiffen und die Leute angreiffen, ausgraben und ihnen einen Pfahl von Dornholtz oder Hagedorn durch den Leib schlagen. Massen dann noch vor wenig Jahren auch in einem unweit von hier liegendem Venetianischen Dorff, wie mir eine gewisse fürnehme Hand zugeschrieben, dergleichen geschehen, daß man dem Todten also einen Pfahl durch den Leib gestossen. Aber wenn die Obrigkeit solches erfähret, werden sie darüber hart gestrafft, und zwar billig: Denn es ist des Teufels Werck, der die Leute also äffet und blendet, und dadurch zu abergläubischen Mitteln bewegt. Hieher dienet die Rede FRANCISCI TORREBLANCÆ Tom. 2. de Magia lib.2.C.26.fol.234. Apparationes & Resurrectiones mortuorum, quas vobis dæmones & magi obtrudunt, non sunt animae, sed spectra et phantasmata, &c. Wiewohl dieses nicht durchgehends auf allerley Erscheinungen zu deuten.“
ACTA ERUDITORUM LATINA a. 1772. Mens. Jan. p. 17. ex P. Gabr. Azaczynsky Historia Natur. curiosa regni Poloniæ Sandomir. 1721. 4. Sectione 2. de cruentatione cadaverum agens mira profert Auctor de mortuis in tumulis adhuc voracibus & vicinos viventes spectrorum modo trucidantibus, a Polonis speciali nomine Vpiers & Vpierzyca appellatis, de quibus quae producit authentica documenta, ulteriorem fortasse disquisitionem merentur. D. Andreas Elias Buchner führt a. 1725. ein Exempel an, daß zwey todte Leichnams des Nachts wiederkommen seynd, und Leute erwürget haben, deswegen aber verbrannt worden. NOVA ACTA ERUDITORUM a. 1732. p. 330.
§.4 - Eine Parallel-Historie aus der Insul Chio.
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§.IV
In der Insul Chio erzehlet man verschiedenes von den Zorzolacas, Burcolaccas, und Nomolacas, welches Cörper seyn sollen, so im Grabe nicht verwesen. Man sagt, daß der Geist währender Zeit, da der Leib nicht verweset, alle Nacht auf der Strassen gienge, an die Thüren schlüge, und jeden bey Nahmen riefe. Diejenigen so da antworten, wie man sagt, sterben in drey oder vier Tagen. Dergleichen Cörper hatte einsmahls funfzig Tage im Grabe schon gelegen, und war dennoch nicht verweset. Man grub ihn wider aus, und der Priester laß Messe drüber. Der Todte hatte kein Zeichen der Verwesung an sich, als daß ihm ein Wurm aus der Nasen ging. Dieses erzehlet aus anderer an ihm geschehenen Berichte der berühmte THEVENOT in dem Buche: Voyage de Levant c.63. p.184. sq. edit. Paris a. 1665.4. Man kan hiebey nachsehen D. IOANNIS MICHAELIS HEINECCII eigentliche und wahrhafftige Abbildung der alten und neuen Griechischen Kirche P.III. c.6. §.33. p.420.
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The end
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