Im Versmaße des Originals übersetzt von Emil Wagner
Inhalt
Sonette:
Editionsrichtlinien: * Gesperrt gedruckte Wörter werden kursiv wiedergegeben. * Das lange s („ſ“) wird zu „s“ transkribiert. *In Original in Antiqua gesetzte Wörter werden in normaler Schrift wiedergegeben.
Einleitung
Man hat es in neuerer Zeit der Mühe werth erachtet, die Papierschnitzel, die auf oder unter dem Schreibtische großer Dichter gefunden wurden, die hingeworfenen geistreichen Bemerkungen eines großen Genius zugleich mit den trivialsten Alltagsäußerungen zu sammeln und solche dem Publicum als ein selbstständiges Werk, das einem gefeierten, unsterblichen Namen auf dem Titel trägt, darzubieten. Für die dankbare Verehrung der Nachwelt sind auch die Splitter, welche unter dem Meißel eines großen Bildners gefallen sind, heilige Reliquien. Wer möchte daher nicht die köstlichen Reliquien von dem Dichter besitzen, der das Evangelium der Poesie für alle Ewigkeiten verkündet hat – von William Shakspeare, dessen Staub da ruht, wo einst seine Wiege gestanden, zu Stratford am Avon, dessen Verklärung uns aus dem bleichen Marmor in den Gewölben der Westminster-Abtey entgegenleuchtet, dessen warmes Herz aber noch immerfort schlägt in den unsterblichen Werken, die nicht England, sondern der ganzen weiten Erde angehören? –
Wenn wir die lyrischen und epischen Gedichte Shakspeare’s hier, nach dem gewöhnlichen, modernen Ausdrucke etwa wie „Shakspeare’s Nachlaß“ betrachten, so geschieht dies mehr mit Bezug auf die merkwürdige literar-historische Erscheinung, daß erst neuere Bemühungen diese Dichtungen dem deutschen Publicum zugänglich gemacht haben, so daß sie gewissermaßen als eine Art von Supplement zu Shakspeare’s Werken erscheinen. Noch sind diese Dichtungen nicht ganz adoptirt, vielleicht aus dem Grunde, weil Schlegel, der unübertreffliche Uebersetzer der Shakspear’schen Dramen, diese nicht zum Gegenstande seiner Uebertragung gemacht; vorzüglich aber wohl deshalb, weil die Kritik, selbst zur Zeit als der Shakspeare-Enthusiasmus in Deutschland in seinem Zenith stand, zu wenig Rücksicht auf diese Poesieen genommen hatte. Und doch sind gerade diese, vorzüglich aber die Sonette, ein nicht genug zu schätzender Beitrag zur Geschichte des inneren und zum Theil des äußeren Lebens unsres unsterblichen Dichters, ganz abgesehen von der hochpoetischen Gedankenfülle, welche durch die oft herbe, spitzfindige Wortverschlingung hindurchblitzt. – Regis hat in seinem Shakspeare-Almanach die Theilnahme des deutschen [Publicums,] besonders für die Sonette durch eine vollständige Uebersetzung derselben und einige sehr fleißig gearbeitete Untersuchungen über das, was die Engländer „Shakspeare’s Gedichte“ nennen, angeregt. Die früher erschienene Uebersetzung von Lachmann war, wegen ihrer unbeholfenen, schweren Ausdrucksweise, nicht im Stande, sich irgend eine Popularität zu gewinnen.
Indem wir es jetzt versucht haben, eine vollständige Uebersetzung sämmtlicher epischen und lyrischen Dichtungen William Shakspeare’s den Lesern zu übergeben, erlauben wir uns, dieselben noch mit einigen, dem Verständnisse vielleicht nicht ganz entbehrlichen Bemerkungen zu begleiten.
Zu den epischen Gedichten müssen wir drei zählen: „Venus und Adonis,“ „Tarquin und Lucretia“ und „der Liebenden Klage,“ wenn auch eine strenge, schulgerechte Würdigung, besonders bei Zuzählung des letzteren Gedichtes zu den epischen, einiges kritisches Bedenken äußern sollte. – Die erste Dichtung „Venus und Adonis,“ aus der frühesten Jugendzeit Shakspeare’s', trägt das Gepräge einer derben, materiellen Sinnlichkeit. Es ist ein brav colorirter Niederländer, auf welchem wir die schaumentstiegene Göttin mit üppig blühendem Fleische und begehrenden, wollüstigen Formen begabt sehen. Es ist, wenn wir’s so nennen dürfen, ein liebenswürdiges Rococo, ein naiver Anachronismus, der uns fast an allen gleichzeitigen Kunstwerken sichtbar wird. Es geht auf dem Olymp zu wie in dem „lustigen alten England“; die Götter sind galant wie ein Stutzer vom Hofe Elisabeth’s, der jungfräulichen Königin; die Göttinnen rauschen an uns vorüber in schwerer Seide und tragen ein hohes Toupée und Schnabelschuhe mit hohen rothen Absätzen. – Wir könnten dieses Gedicht als Folie dem hohen Genius William Shakspeare’s unterlegen. Man sollte große Dichter überhaupt nicht auf der Folie ihrer Zeitgenossen, sondern auf ihrer eignen würdigen. Derselbe Dichter, welcher den Kampf der glühenden, begehrlichen Göttin und des kalten, unerfahrenen Adonis mit so behaglich kecker Sinnlichkeit vorstellen konnte, derselbe ist es auch, welcher später seine Farben von dem zitternden Thau am Blüthenkelche, vom schwimmenden Mondesglanze und der heißen versengenden Tropensonne borgte, um die heiligsten Mysterien der Liebe in idealer Verklärung, und doch so menschlich der Welt zu offenbaren. William Shakspeare dichtete „Venus und Adonis“ und – „Romeo und Julie!“ –
In der Widmung an den Grafen von Southampton, welche unser Dichter seinem Epos: „Tarquin und Lucretia“ voranschickt, nennt er selbst diese Verse „schutzlose Zeilen“ (untutored lines). Der sinnige Leser wird jedoch in diesem Gedicht wie in „der Liebenden Klage,“ welches eigentlich nur ein Bruchstück aus einem größeren Epos ist, seinen Shakspeare, wenn auch nicht auf der Sonnenhöhe seines Genius, wieder erkennen.
Zu den lyrischen Gedichten gehören „der verliebte Pilger“ und die Sonette. Das erste, welches Nathan Drake als Vorläufer der Sonette ansehen will, faßt Vieles in sich, was schwerlich unserem Shakspeare zugeschrieben werden darf, ja es läßt sich überhaupt kaum ermitteln, wie viel darin aus seiner Feder geflossen ist.
Am meisten Beachtung verdienen die Sonette, welche der Dichter ganz aus sich heraus schrieb und die wichtige Capitel aus der Geschichte seines Herzens, wie seiner Conflicte mit der Außenwelt enthalten. Es läßt sich mit vieler Wahrscheinlichkeit, wenn auch nicht mit mathematischer Sicherheit annehmen, daß mit Ausnahme der leicht herauszufindenden Sonette, welche an die Geliebte gerichtet sind, der Dichter zum Gegenstande der übrigen seinen Freund, den Grafen von Southampton, gemacht hat. Die tändelnde, zärtliche Liebessprache darf uns nicht irren, da dieses ganz im Geschmacke der Zeit ist. Es war nichts Ungewöhnliches die Worte Love und Lover (Liebe, Liebhaber) auch von männlichen Freunden und Freundschaften zu gebrauchen, wie dies zum Theile aus Shakspeare selbst, theils aus anderen gleichzeitigen Dichtern und Schriftstellern hervorgeht. So sind die Sonette von 1 bis 126, wovon die ersten 17 besonders die Ehescheu seines jungen Freundes zum Gegenstande haben, an den genannten liebenswürdigen Mäcen des Dichters gerichtet; die übrigen sind augenscheinlich einer Geliebten gewidmet. – Shakspeare legt in den Sonetten an Southampton Alles, was ihn bedrückt, dem Freunde an’s Herz. Die Klagen über den Abstand der Geburt zwischen ihm und dem Grafen, die Dichter-Eifersucht auf die poetischen Rivalen, der Mißmuth über seinen Schauspielerstand (Sonett 111, V. 3 u. 4) erscheinen uns als interessante Selbstbekenntnisse William Shakspeare’s. Will der Leser die Sonette richtig auffassen, so muß er sie nicht sprungweise, sondern vom Anfang bis zu Ende in ihrer Folge lesen. Schon eine erste solche Lesung zeigt, wie Regis richtig bemerkt, daß eine besonnene Redaction sich durch das ganze Buch hindurchzieht.
Die Sonettenform war schon vor Shakspeare in England bekannt. Schon Wyat hatte vor 1540 ziemlich regelmäßige Sonette nach italienischen Mustern producirt. Sidney’s Sonette (1591) nähern sich ziemlich der Petrarkischen Form. 1592 gab Daniel seine „Delia“ mit 57 Sonetten heraus. Spenser hat in seinen „Amoretti“ (etwa 1595) das Sonett ganz abweichend von dem italienischen gebaut. Unmittelbar vor Shakpeare erschienen vom Dichter Drayton (1605) 63 Sonette, unter dem Titel „Idea.“
Shakspeare scheint in den Sonetten den Dichter Daniel zum Prototyp genommen zu haben, da diese genau in demselben Versmaße geschrieben sind (126 u. 145 ausgenommen). Auch die Verschlingungen abstracter Gedanken und die Wiederholungen der Worte, wie sie bei Daniel vorkommen, finden wir ganz und gar in unseren Sonetten wieder. Die dreicouplettige Form scheint für die englische Sprache leichter und einfacher als der Sonettenbau des Petrarca zu sein.
Trotz aller künstlichen Gedankenverschlingungen, Wortspiele, concetti und dergl. mehr ganz im Geschmacke der Schnörkel liebenden Zeit Gehaltenen, sind die Sonette reich an tiefen Ideen und glänzenden Bildern, ganz des Dramatikers Shakspeare würdig. Der Leser muß sich nur nicht durch die hie und da in fast Hegel’scher Schulsprache vorkommenden, wunderbar lautenden und schwer zu entziffernden subtilen und metaphysischen Abstractionen irre machen lassen.
Die energische Kürze und Gedrängtheit der englischen Sprache, gegen die breiter gedehnte deutsche gehalten, bildet eine Hauptschwierigkeit für den hier auf eine streng zugemessene Form beschränkten Uebersetzer. Man könnte die englischen Worte als specifisch schwerer in’s Gewicht fallend betrachten, und doch soll der Uebersetzer, mit einer gleichen Anzahl von Worten oder Sylben die Bilanz zwischen Original und Uebertragung herstellen!
In wie fern uns diese, gewiß nicht ruhmlose Arbeit gelungen ist, überlassen wir dem Urtheile desjenigen Lesers, der auch des Englischen kundig ist, und der sich die Mühe nimmt, das Original mit der Uebersetzung zu vergleichen. Was hie und da auf den ersten Anblick dunkel erscheint, theilt dieses Schicksal mit dem Originale, das den englischen Commentatoren oft eben nicht leicht zu entziffern war. Der Uebersetzer konnte sich’s nicht erlauben, den Dichter, anstatt zu übertragen, zu emendiren und einen leicht verständlichen, mit stylistischer Glätte ausgedrückten Gedanken für die nicht selten subtil gekünstelte dunkele Schreibweise Shakspeare’s unterzuschieben.
Zum Schlusse müssen wir den Leser noch aufmerksam machen, daß die wunderlich sich ausnehmenden Sonette 135 und 136 eigentlich nur Wortspiele auf den Taufnamen des Dichters Will (abgekürzt von William) sind.
Anmerkungen (Wikisource)
Sonett I
Vom schönsten Wesen wünschen Zuwachs wir, Damit der Schönheit Rose bleibe ewig jung, Und wenn der Reifre einstens schied von hier, Sein Erb’ ihm wahre die Erinnerung. Doch du, beschränkt auf deinen Flammenblick, Nährst durch den eignen Brand der Flamme Gluth, Und bringest Noth in üpp’ger Fülle Glück, Du selbst dein eigner Feind in seltner Wuth. Du, der jetzt frischen Schmuck der Welt verleiht, Der einz’ge Herold von des Frühlings Reiz, Begräbst in eigner Knospe Selbstzufriedenheit, Und – zarter Jüngling! – du verschwendst durch Geiz. Der Welt erbarm’ dich, sonst schlingst du hinab, Was ihr gebührt, durch dich und durch dein Grab.
Sonett II
Wenn eine vierzig Winter lange Zeit In deiner Schönheit Feld furcht tiefe Spur, Ist welkes Kraut der Jugend stolzes Kleid, Jetzt hoch bestaunt und dann verachtet nur. Gefragt dann: wo blieb deiner Schönheit Glück, Wo all’ der Schatz aus schöner Tage Traum? Zu sagen: in dem eignen hohlen Blick – Das wäre Schimpf und leeren Ruhmes Schaum. Gebrauch der Schönheit doch ist mehr Ruhm werth, Wenn du einst sagst: – von meinem Sprößling hier Sei Rechnung und Entschuldigung gelehrt – Denn einst gehörte seine Schönheit dir. Das gäbe neues Leben, bist du alt, Und warmes Blut dir, wenn schon deines kalt.
en:Sonnet 2 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/2 hu:2. szonett ru:Сонет 2 (Шекспир/Гербель)
Sonett III
Sieh’ in den Spiegel, sag’ dem Antlitz dann: Zeit ist’s, daß es ein Ebenbild erhält; Daß, wenn es neues Leben nicht gewann, Du um die Mutter nicht betrügst die Welt. Denn wo ist, deren Leib noch ungepflügt Der Gattenliebe Anbau je verschmäht? Und wo der Thor, der das Geschlecht betrügt, Wenn Eigenliebe stolz zu Grabe geht? Du bist der Mutter Spiegel, und wie froh Ruft sie in dir den holden Lenz zurück! Auch du sollst durch des Alters Fenster so, Trotz Runzeln, seh’n der goldnen Jugend Glück. Doch lebst du ohne Angedenken hier. Stirbst du allein, und stirbt dein Bild mit dir.
en:Sonnet 3 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/3 hu:3. szonett ru:Сонет 3 (Шекспир/Гербель)
Sonett IV
Warum, o Anmuth, willst für dich du nur Der Schönheit hold Vermächtniß so verschwenden? Denn Alles leiht und nichts schenkt die Natur, Doch frei ist, dem sie leihet ihre Spenden. Warum mißbrauchst du, schöner Geizhals, doch Die güt’ge Fülle, die dir ist gegeben? Zinsloser Wuchrer, warum brauchst du noch So große Summen, und kannst doch nicht leben? Denn wenn du Handel führst mit dir allein, Wirst um dein süßes Selbst du selbst dich täuschen; Und wenn der Tod tritt in dein Leben ein, Was kann für Erbschaft man von dir dann heischen? Mit dir wird Schönheit ungebraucht begraben, Die, wohlgebraucht, würd’ einen Erben haben.
en:Sonnet 4 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/4 hu:4. szonett ru:Сонет 4 (Шекспир/Гербель)
Sonett V
Die Stunden, die mit holder Kunst das Bild Gezaubert, das gern aller Augen seh’n, Die werden, von Tyrannenhaß erfüllt, Dem selbst die Schönheit rauben, was so schön. Denn rastlos führt den Sommer fort die Zeit Zum bösen Winter, und verdirbt ihn dort. Frost hemmt den Saft, die Schönheit ist beschneit; Nackt ist der Baum, die Blätter schwanden fort. Drum bliebe nicht zurück des Sommers Kraft, Ein flüss’ger Gefangener in Glas gebannt, So wär’ der Schönheit Schönheit selbst entrafft, Sie selbst blieb’ nicht und würde nie genannt. Den Blumen doch, berührt vom Winter kalt, Fehlt nur die Form, und fort lebt ihr Gehalt.
en:Sonnet 5 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/5 hu:5. szonett ru:Сонет 5 (Шекспир/Гербель)
Sonett VI
Drum nehme ja nicht rauher Winter Platz In deinem Sommer, eh’ solch Glas dich hält; Verleihe Einem deinen süßen Schatz Der Schönheit, eh’ dem Selbstmord sie verfällt. Solch ein Gebrauch niemals als Wucher gilt, Der die beglückt, die gern ihn machen seh’n, Und der dir selbst verschafft ein Ebenbild, Ja zehnmal besser, sind’s für eines zehn. Zehnmal du selbst wär’ glücklicher als du, Wenn zehnmal dich ein fünffach Paar herstellt; Was will der Tod dann, winket er dir zu, Da er dich lebend läßt der spätern Welt? Drum keinen Eigensinn! du bist zu schön, Um Tod und Würmern nicht zu widerstehn.
en:Sonnet 6 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/6 hu:6. szonett ru:Сонет 6 (Шекспир/Гербель)
Sonett VII
Sieh’, wenn das Licht im Osten hebt so mild Sein Flammenhaupt, gern niedre Augen weihn Verehrung seinem neuen Zauberbild, Mit Blicken dienend seinem heil’gen Schein. Und wenn’s erstiegen hat des Himmels Höh’n, Dem Jüngling gleich von kühner Heldenart, Verehren doch noch Augen es als schön, Nachstaunend seiner goldnen Pilgerfahrt. Doch wenn sein Wagen müde niederfährt, Und flieht, dem schwachen Alter gleich, der Tag, Sind früher fromme Augen abgekehrt: – Das Ziel des Laufes Niemand schauen mag. So du, dich selber überschreitend schon, Stirbst unbeachtet, bleibt dir nicht ein Sohn.
en:Sonnet 7 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/7 hu:7. szonett ru:Сонет 7 (Шекспир/Гербель)
Sonett VIII
Musik zu hören! Warum macht’s dich traurig? Sanft kriegt mit sanft nicht, Lust an Lust sich hält. Warum liebst du, was dich ergreift so schaurig? Warum suchst du das, was dir nicht gefällt? Wenn holde Tön’, im Einklang sanft und rein Zum Lied vermählt, beleidigen dein Ohr, So schelten sie nur süß dich, daß allein Du schad’st der Rolle, die dir steht bevor. Sieh’, wie die Saiten sanft verschmolzen sind, In wechselseit’gem Anklang jede klingt; Wohl gleichen Vater, Mutter sie und Kind, In jeder jede holde Weisen singt, Die viele zwar, doch eins nur – lehrt der Schein – Dir stets zusingen: Nichts giltst du allein.
Anmerkungen (Wikisource)
en:Sonnet 8 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/8 hu:8. szonett ru:Сонет 8 (Шекспир/Гербель)
Sonett IX
Ist’s Furcht, daß Wittwenaugen um dich leiden, Wenn grausam dich die Einsamkeit behält? – O solltest kinderlos du leider scheiden, Beklagt dich, ein verwittwet Weib, die Welt. Sie wird als deine Wittwe stets beweinen, Daß du nicht ließt ein Bild von dir zurück, Indessen andern Wittwen wohl erscheinen Des Gatten Formen in des Kindes Blick. Sieh’, was Vergeudung in der Welt verschwendet, Tauscht nur den Ort, denn stets genießt’s die Welt; Doch in der Welt zerstörte Schönheit endet, Wenn ungebraucht der Braucher sie behält. Die Liebe Andrer ist dem nie genaht, Der gegen sich wagt solche Mörderthat.
en:Sonnet 9 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/9 hu:9. szonett ru:Сонет 9 (Шекспир/Гербель)
Sonett X
O leugne, daß du Liebe fühlst für Einen, Da für dich selbst du ohne Sorgfalt bist; Dich liebte Mancher, wollt’ es dir nur scheinen; Doch daß du Keinen liebst, zu deutlich ist. Denn so bist du von blut’gem Haß erfüllt, Daß gegen dich Verschwörung du gehst ein, Das schöne Haus zu stürzen, ach! gewillt, Das du zuerst sollt’st wünschen zu erneu’n. O ändre dich, daß ich mich ändern kann! Soll besser wohnen Haß als Liebessinn? Sei, wie dein Aeuß’res, anmuthig fortan, Und Milde gegen dich sei dein Gewinn: Schaff’ dir ein andres Selbst aus Gunst zu mir, Daß Schönheit leb’ in deinem oder dir.
en:Sonnet 10 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/10 hu:10. szonett ru:Сонет 10 (Шекспир/Гербель)
Sonett XI
So schnell du welkst, so schnell wächst du von Neu’m In deinem Sprößling, seit du ihn geboren; Das frische Blut, das jung du wirst verleih’n, Heißt dein’s, wenn du die Jugend auch verloren. Darin lebt Zuwachs, Weisheit, Lieblichkeit, Darohne Alter und thörichter Sinn; Dächt’ Jeder so, wär’s bald aus mit der Zeit, In sechzig Jahren stürb’ die Welt dahin. Die nicht zur Frucht Natur bestimmte hier, Die mögen häßlich, rauh, unfruchtbar enden; Mehr als den Bestbegabten gab sie dir, Drum ihre Fülle schätz’ mit vollen Händen. Sie schnitt zu ihrem Siegel dich, daß leer Dies Bild nicht sterbe, und du abdruckst mehr.
en:Sonnet 11 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/11 hu:11. szonett pl:Sonet 11 (Shakespeare, przekł. Kasprowicz) ru:Сонет 11 (Шекспир/Гербель)
Sonett XII
Zähl’ ich die Uhr, die uns die Zeit verkündet, Seh’ ich, wie in die Nacht der Tag versinkt, Wie schnell des Veilchens Blüthenzeit verschwindet Und auf dem schwarzen Haar das Silber blinkt; Seh’ ich, wie von dem Baum die Blätter flieh’n, Die kaum die Heerde vor der Gluth bewahrt, Wie von dem Herbst gegürtet Sommers Grün Im Grabe ruht mit weißem, strupp’gem Bart; Dann denk’ ich deiner lieblichen Gestalt, Daß durch der Zeit Verwüstung du mußt geh’n, Da Reiz und Huld sich selbst verlassen bald, Schnell sterbend, wie sie andre wachsen seh’n; Und nichts entgeht der Zeit gewalt’ger Kraft, Doch lebt der Sprößling, wenn sie dich fortrafft.
en:Sonnet 12 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/12 hu:12. szonett ru:Сонет 12 (Шекспир/Гербель)
Sonett XIII
O wärest du dein selbst! doch, Lieb, du bist So lange, als du hier dir lebst, nur dein; Drum magst du rüsten dich zu solcher Frist, Und Anderen dein süßes Bild verleih’n. So wird die Schönheit, die zum Lohn du hast, Ganz unbegrenzt sein, und du wirst von Neu’m Du selbst, wenn auch das Alter dich erfaßt, Hüllt deine süße Form den Sprößling ein. Wer läßt verfallen ein so schönes Haus, Dem gute Wirthschaft Ehr’ und Nutzen thut Vor Wintertages wildem Sturmgebraus Und kalten Todes unfruchtbarer Wuth? Du hattest einen Vater, wie du weißt, Mach’, daß es so von deinem Sohn auch heißt.
en:Sonnet 13 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/13 hu:13. szonett ru:Сонет 13 (Шекспир/Гербель)
Sonett XIV
Nicht in den Sternen les’ ich das Geschick, Doch hab’ ich ihre Deutung wohl erkannt; Nicht zwar verkünd’ ich gut und böses Glück, Noth, Theurung und der Jahreszeiten Stand; Auch sag’ ich auf Minuten nicht voraus, Ob Regen, Donner, oder Wind uns trifft; Nicht prophezeih’ ich Heil dem Fürstenhaus, Wie’s oft geschieht, aus ew’ger Sterne Schrift – Dein Auge ist’s, was mir Erkenntniß leiht! In euch, ihr treuen Sterne, les’ ich klar, Wie Treu’ und Schönheit im Verein gedeiht, Wenn dir entsproßt der Enkel frohe Schaar; Wo nicht, so les’ ich in des Himmels Höh’n: Mit dir wird Treu’ und Schönheit untergeh’n.
en:Sonnet 14 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/14 hu:14. szonett ru:Сонет 14 (Шекспир/Случевский)
Sonett XV
Bedenk’ ich es, daß Alles, was da lebt, Nur eine kurze Zeit vollkommen bleibt, Und was in diesen weiten Grenzen schwebt, Der Sterne unerforschter Wille treibt; Schau’ ich den Pflanzen gleich die Menschen an, Gepflegt und bald geknickt von einer Luft, Wie sie, so stolz in jungem Saft, alsdann Vergessenheit umzieht und Grabesduft: – Dann führt des Wechsels ewig neue Fluth Mir vor dein jugendliches schönes Bild, Wo der Verfall kämpft mit der Jahre Wuth, Bis deinen Tag die graue Nacht verhüllt. Doch was die Zeit dir raubt, im Kampf mit ihr Ersetz’ ich gern aus voller Liebe dir.
en:Sonnet 15 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/15 hu:15. szonett ru:Сонет 15 (Шекспир/Гербель)
Sonett XVI
Doch warum kämpfst du nicht in ernstrer Schlacht Mit dieser blutigen Tyrannin Zeit? Und schützest dich vor ihr mit größrer Macht, Als je mein unfruchtbarer Reim dir beut? Du stehest jetzt auf deines Glückes Höh’n, Und manches Mädchens Garten, unbebaut, Wünscht dir zu tragen Blüthen frisch und schön, Mehr ähnlich als der Maler sich getraut. Sie würden dann das Leben dir erneu’n, Das dir an äußerm Reiz, an innerm Werth Kein Pinsel dieser Erde kann verleih’n, Und nicht die Feder, die mir angehört. Du bleibst nur ewig, willst du fort dich geben; Gemalt durch eigne Kunst wirst stets du leben.
Anmerkungen (Wikisource)
en:Sonnet 16 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/16 hu:16. szonett ru:Сонет 16 (Шекспир/Гербель)
Sonett XVII
Wer würde künftig meinem Liede trauen, Wär’ es mit deinem ganzen Werth erfüllt; Jetzt ist es gleich dem Grabmal anzuschauen, Verbirgt dich halb und zeiget halb dein Bild. Könnt’ ich besingen deiner Augen Pracht, Erzählen deine ganze Lieblichkeit, Wohl würde von der Nachwelt ich verlacht, Die solchen Zauber keinem Antlitz leiht. Man traut den altersgelben Liedern kaum, Wie es redsel’gem Alter oft geschieht; Dein wahres Recht hieß’ eines Dichters Traum, Nur neuer Reim von einem alten Lied! Doch wenn ein Kind der Nachwelt du gegeben, Wirst du in ihm und meinem Liede leben.
en:Sonnet 17 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/17 hu:17. szonett ru:Сонет 17 (Шекспир/Гумилёв)
Sonett XIX
Des Löwen Klauen stumpfe, grimme Zeit, Die Erde laß verschlingen ihre Brut, Entwaffne du des Tigers Grausamkeit, Erstick’ den Phönix in des Feuers Gluth. Mag deiner Flucht entsprießen Freud’ und Leid; Die Welt mit Allem, was sie Schönes hat, Verfallen sei sie dir, schnellfüß’ge Zeit, Nur scheue dich vor einer Frevelthat. Beug’ nimmer des Geliebten schönes Haupt, Noch ziehe je des Alters Furchen drauf; Zu trotzen deiner Macht sei ihm erlaubt, Des Schönen Vorbild in der Zeiten Lauf. Doch thu’ dein Schlimmstes, Zeit, trotz deinem Dräu’n Wird ewig jung im Lied mein Liebster sein.
en:Sonnet 19 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/19 hu:19. szonett ru:Сонет 19 (Шекспир/Гербель)
Sonett XX
Ein Frau’ngesicht gemalt von der Natur Hast du, o Meister-Meistrin meiner Lust; Ein zartes Frauenherz, das nie die Spur Von Falschheit kannte, schlägt in deiner Brust; Und hellre Augen ohne falschen Blick, Vergoldend Alles, was sie sich betrachten; Der Farbe Glanz gewähret dir das Glück, Daß Männer nach dir schau’n und Frauen schmachten. O ganz gewiß, wärst du als Frau geboren, Mußt’ nicht für dich selbst die Natur erglühen; Und so warst du durch sie für mich verloren, Da, neidisch mir, zu viel sie dir verliehen. Doch schuf sie dich, den Frauen zu genügen, Sei mein die Liebe, ihnen das Vergnügen.
en:Sonnet 20 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/20 hu:20. szonett ru:Сонет 20 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXI
Mir geht’s nicht so, wie es die Muse macht, Die zum Gedicht gemalte Schönheit treibt, Die von dem Himmel holt des Schmuckes Pracht, Zu ihrer alle Schönheit noch beschreibt; Die stolze Bilder auf einander häuft, Von Erd’ und Meeresperlen, Sonn’ und Mond, Die nach des Maies ersten Blüthen greift, Und was sonst Seltnes unter’m Himmel wohnt: – Treu wie mein Herz doch ist auch mein Gedicht, Drum glaubt mir, mein Geliebter ist so hold, Wie nur ein Mutterkind, wenn auch wohl nicht So schön, wie dort der Himmelskerzen Gold. Mehr sage der, der auf den Ruhm was hält, Ich rühme nicht, denn nicht sing’ ich für Geld.
en:Sonnet 21 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/21 hu:21. szonett ru:Сонет 21 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXII
Mein Spiegel soll nicht sagen, ich sei alt, So lange Jugend sich mit dir vermählt; Doch wenn das Alter dich mit Furchen malt, Dann erst der Tod auch meine Tage zählt. Denn alle Schönheit, die dich jetzt umschwebt, Ist einzig meines Herzens Strahlenschein, Das in dir wohnt, wie deines in mir lebt; – Wie kann ich älter denn als du wohl sein? Darum, Geliebte, sei für dich so treu, Wie ich für mich nicht, nein, für dich nur bin, Dein Herz bewahr’ ich stets mit heil’ger Scheu, Wie ihren Säugling hegt die Pflegerin. Verlange nicht dein Herz, wenn meines bricht; Du gabst mir deins, und ewig lass’ ich’s nicht.
en:Sonnet 22 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/22 hu:22. szonett ru:Сонет 22 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXIV
Mein Auge ist der Maler, der dein Bild Voll Schönheit in des Herzens Tafel gräbt. Mein Körper ist der Rahmen, der’s umhüllt, Durch Perspective wird die Kunst belebt. Es führt der Weg durch meine Brust allein Zu schauen, wo dein treues Bildniß liegt, Das ewig hängt in meines Herzens Schrein, Worin dein Aug’ als Fenster eingefügt. Nun sieh’, wie Aug’ dem Auge schön vergilt; Mein Auge malte dich, deins gab der Brust Ein Fenster, wo der Sonne Strahl dein Bild Belauschet drin, entzückt, voll süßer Lust. Dem Auge doch der tiefre Reiz entflieht, Es malt nur, was es schaut, nicht das Gemüth.
en:Sonnet 24 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/24 hu:24. szonett ru:Сонет 24 (Шекспир/Чайковский)
Sonett XXV
Laß dem, den nie der Sterne Gunst betrogen, Der Ehren und der Titel eiteln Tand; Indeß ich, dem das Schicksal dies entzogen, In stiller Freude lebe unbekannt. Des Fürsten Günstling zeigt sein leeres Glück Nur wie im Sonnenstrahl die Ringelblume, Und in ihm selbst begraben liegt sein Glück, Denn leicht stirbt er durch Zorn in seinem Ruhme. Ein Held, und wenn er noch so ruhmvoll wäre, Nach tausend Siegen einmal nur besiegt, Wird schnell gestrichen aus dem Buch der Ehre, Und was er that, bald durch die Zeit verfliegt. Wohl mir, ich liebe, und nicht unerhört, Ich störe Keinen drin, selbst ungestört.
en:Sonnet 25 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/25 hu:25. szonett ru:Сонет 25 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXVI
Herr meiner Liebe, dem zur Lehnbarkeit Dein hoch Verdienst macht meine Pflicht zu eigen, Geschriebnes Wort hab’ ich dir hier geweiht, Die strenge Pflicht, und nicht den Witz zu zeigen. So große Pflicht, – die freilich nur als klein Mein armer Witz zeigt, dem die Worte fehlen; Doch hoff’ ich drauf, du wirst barmherzig sein, Und nackt ihr nicht des Geistes Schutz verhehlen; Bis mich ein Stern, als meiner Bahn Geleit, Huldvoll bestrahlt mit wundervollem Lichte Und schmücket meiner Liebe Lumpenkleid, Mich werth zu zeigen deinem Angesichte. Dann werd’ ich meine Liebe dir gestehen, Und eher soll dein Auge mich nicht sehen.
en:Sonnet 26 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/26 hu:26. szonett ru:Сонет 26 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXVIII
Wie kann ich wiederkehren doch in Pracht, Da mir des Schlummers nöth’ge Wohlthat fehlt, Wenn Tages Leiden lindert nicht die Nacht, Und Nacht den Tag, die Nacht der Tag stets quält? Und beide, ob sie gleich sich Feinde nennen, Vereinigen zu meiner Qual sich doch, Durch Müh’ der ein’, der andre lehrt mich kennen, Wie ich mich müh’, dir stets entfernter noch. Dem Tag zu Ehren, sag’ ich: du bist schön! Und wenn ihn Wolken schmäh’n, du zierest ihn; Die Gunst der schwarzen Nacht mir zu erfleh’n Sag’ ich: du schmückst sie, wenn nicht Sterne glüh’n. Doch täglich zieht der Tag den Kummer länger, Und nächtlich läßt die Nacht ihn scheinen strenger.
en:Sonnet 28 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/28 hu:28. szonett ru:Сонет 28 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXIX
Wenn außer Gunst bei Menschen und Geschick Ich einsam ganz mein schweres Loos beweine, Und send’ umsonst empor den fleh’nden Blick, Und mir zum Unglück auserkoren scheine; Mißgünstig Jenes frohe Zukunft schau’, Dem Andern seine Freund’ und Reichthum neide, Dem seine Kunst und schönen Körperbau, Und was mir eigen, mir dadurch verleide, Ja, fast verachtungswürdig dann mir werde: – Dann denk’ ich dein, gleich schwebt mein Geist empor, Und, wie die Lerche Morgens von der Erde Emporsteigt, singt er Dank am Himmelsthor. Denn deiner Lieb’ Erinn’rung, werther mir Ist sie als Reichthum und der Krone Zier.
en:Sonnet 29 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/29 hu:29. szonett ru:Сонет 29 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXX
Wenn vor die Schranken meiner stillen Brust Ich fordre die Erinn’rung alter Zeit, Bewein’ ich manchen schmerzlichen Verlust, Dem alten Schmerz wird neue Klag’ geweiht. Dann strömt mein Auge, Thränen ungewöhnt, Um treue Freunde, die der Tod verhüllt, – Mit Thränen wird der Liebe Weh’ verhöhnt – Und heiß beseufz’ ich manch entschwundnes Bild; Dann trag’ ich Leid um längst vergangnes Leid, Und überschaue meines Lebens Qual, Und traur’ um alten Schmerzes Bitterkeit Mit tiefem Gram, wie bei dem ersten Mal. Doch wenn ich dann, mein Freund, zu dir mich wende, Ist mein Verlust, mein Kummer gleich zu Ende.
en:Sonnet 30 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/30 hu:30. szonett ru:Сонет 30 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXXI
Dein Herz ist theuer vieler Menschen Brust, Die, weil ich sie entbehret, todt geglaubt; Dort herrscht die Liebe und der Liebe Lust, Die Freund’ auch, die ich hielt vom Grab geraubt. Wie manche Thrän’, als reine fromme Gabe, Hat treue Liebe nicht entlocket mir Um die, die ich geglaubt im dunkeln Grabe, Die nur verborgen lagen all’ in dir! Ein Grab, wo frühre Liebe lebt, bist du, Das die Trophäen sonst Geliebter zieren, Die all’ ihr Recht auf mich dir sprechen zu: Dein ist, was jenen mußte sonst gebühren. Die Bilder, die ich liebte, sind in dir, Und du (sie alle) hast das All’ von mir.
en:Sonnet 31 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/31 hu:31. szonett ru:Сонет 31 (Шекспир/Случевский)
Sonett XXXII
Erlebst du meiner Tag’ ersehntes Ziel, Wenn mein Gebein mit Staub der Tod vereint, Und dir durch Zufall in die Hände fiel: Dies arme, rohe Lied vom todten Freund, Vergleich’ es mit der Zeiten Weitergang; Obgleich es übertrifft der Andern Singen, Um meine Lieb’ erhalt’ es, nicht um Klang, Der Glücklicheren besser mag gelingen. O dann sei liebend dies von dir gedacht: „Wenn mit der Zeit sein Lied gewachsen wäre, „Schönres als dies hätt’ er an’s Licht gebracht, „Das mit dem Besten hätte gleiche Ehre; „Doch da er starb, und sich die Dichtkunst hob, Spend’ ihrer Schönheit, seiner Lieb’ ich Lob.“
en:Sonnet 32 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/32 hu:32. szonett ru:Сонет 32 (Шекспир/Случевский)
Sonett XXXIII
Wohl manchen schönen Morgen sah ich glüh’n, Mit königlichem Auge Berge grüßen, Küssend mit goldnem Blick der Wiesen Grün, Mit Himmelszauber Gold auf Ströme gießen; Doch bald verhüllten niedre Wolken ihn, In eklem Schleier bergend sein Gesicht, Die der verlornen Welt sein Bild entzieh’n, Bis westwärts schmählich sich verbirgt sein Licht; So schien nur kurzen Morgen mir die Sonne Mit hehrem Strahlenglanze um das Haupt; Doch ach! nicht lange freut’ ich mich der Wonne, Ein nah’ Gewölk hat sie mir jetzt geraubt. Doch tadelt sie darum nicht meine Liebe, Wie Himmelsglanz wird Glanz der Erde trübe.
en:Sonnet 33 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/33 hu:33. szonett ru:Сонет 33 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXXIV
Warum versprachst du solchen schönen Tag, Daß ohne Mantel ich mich fortgewagt, Da Wolken mich ereilten, die mit Schmach Die Schönheit häßlich dir verhüllt in Nacht? Nicht hilft’s, daß du die Wolken jetzt durchbrochen, Und trocknest mir mein sturmgepeitscht Gesicht; Nicht sehr wird solcher Hülfe Ruhm gesprochen, Die Wunden heilet, doch die Unbill nicht. Auch kann mir deine Scham nicht Hülfe geben, Ob du bereust, stets bleibt mir der Verlust; Des Kränkers Reu’ kann nicht den Schaden heben, Da man der Kränkung stets sich bleibt bewußt. Doch wenn du weinst, sind Perlen deine Zähren Und reich, daß böse That verzeih’n sie lehren.
en:Sonnet 34 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/34 hu:34. szonett ru:Сонет 34 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXXV
Bekümmre dich um was du thatst nicht mehr! Die Ros’ hat Dornen, Schmutz die Silberquellen, Verfinst’rung schmäht die Sonn’, und Wolkenheer, Der Sturm die Knospen, die am schönsten schwellen. Jedweder fehlt; und eben hierin ich, Gutheißend deinen Fehl durch Gleichnißschimmer, Mich selbst verderbend, zu entschuld’gen dich, Vertheid’gend selbst mehr als du fehltest immer. Für deine Sinnlichkeit brauch’ ich mein Sinnen (Dein Gegner selbst vertheidigt dich mit Muth), Um gegen mich den Rechtsstreit zu beginnen; Denn Bürgerkrieg führt bei mir Lieb’ und Muth. Daß selber Helfershelfer ich muß sein Dem süßen Dieb, der bitter raubt, was mein.
en:Sonnet 35 (Shakespeare) fr:Sonnets de Shakespeare/35 hu:35. szonett ru:Сонет 35 (Шекспир/Гербель)
Sonett XXXVI
Getrennt laß stets uns sein, ich muß es sagen, Ob unsre Lieb’ auch ungetheilt mag sein; So werde dann die Flecken ich nur tragen, Die Last sei ohne deine Hülfe mein. Es bleibet unser Lieben stets verbunden, Ob schwer auch Trennung unser Leben drückt; Wohl raubt’s der Liebe süßer Freude Stunden, Wenn’s auch das Wesen nimmer ihr entrückt. Ich kann dich nimmer, nimmer anerkennen, Damit dich meine schwere Schuld nicht schmäht, Noch kannst du offen deinen Freund mich nennen, Da deinem Namen Ehre sonst entgeht. Nein, thu’ es nicht, du bist mir also werth, Daß, da du mein, dein Ruhm auch mich mit ehrt.
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The end
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