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Waverley, Massachusetts No.
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Vorwort
Stellung hier und dort eine blos andeutende blieb; zweitens, dass wir es mit einem schwer zu bewältigenden Stoffe zu thun hatten, dass sich die ungleichmässige Behandlung theilw^eise durch Rücksichten, die sich uns immer entschiedener aufdrängten, rechtfertigen lässt, und dass unsere Arbeit, indem sie als die erste ihrer Art — nämlich als der erste Versuch, die verschiedenen Zweige der Heilpädagogik zusammenfassend zu behandeln und dieselben wie zu einander, so zu der Medicin, der allgemeinen Pädagogik, den Wohlthätigkeitsbestrebungen, überhaupt aber zu den socialen Heilaufgaben in ein bestimmtes Verhältniss zu setzen — Nachsicht beanspruchen darf, jedenfalls für anderweitige Arbeiten auf demselben Gebiete und in verwandter Richtung nicht nur Material, sondern auch Anhalt- u»d Gesichtspunkte bietet. Wir glauben uns also, trotz der Mangelhaftigkeit unseres Buches — die gar nicht bedauerlich wäre, wenn unsere Auffassungen und Erörterungen sofort und in ausreichendem Maasse eine Kritik positiver Art fänden , also zu Berichtigungen und Ergänzungen Veranlassung gäben — ohne „Unbescheidenheit" sagen zu dürfen, dass unsere Arbeit zu den überflüssigen und belanglosen nicht gehört, sondern sich verwerthen lässt und Aussicht auf Verwerthung hat, sofern sich das Interesse, für welches wir arbeiten, kräftiger entwickelt und weiter ausdehnt, als es bisher der Fall gewesen ist.
Einen Vorwurf, der uns von Kritikern des ersten Bandes gemacht wurde, können und wollen wir nur mit einigen Worten berücksichtigen: Er betrifft die Schwerfälligkeit der Schreibart, die der Wirkung des Buchs Eintrag thun soll und deren Grund theils in der Anwendung einer unpopulären Schulsprache, theils in den langen und künstlichen, den „Alten nachgerühmten" Perioden gefunden wird. Uns hat aber einer-
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VII seits die Absicht, „künstliche" Perioden zu bauen, sowie die, eine gegebene oder entlehnte Schulsprache anzuwenden, sehr fern gelegen, während wir anderntheils gestehen müssen, die jetzt modische Schreibart, die sich durch kurze, kaum miteinander verknüpfte Sätze characterisirt, weder „deutsch", noch schön, noch für eine consequente Erörterung vortheilhaft finden zu können. Wir wollten und wollen daher die Mode nicht mitmachen — welches Mitmachen uns an sich nicht allzu schwer erscheint — mussten aber zugleich davon ■ absehen, unserer Darstellung die auch bei wissenschaftlichen Erörterungen mögliche schöne Form, von der wir allerdings eine Vorstellung haben, geben zu wollen. Eine solche consequente Formirung verlangt ein besonderes Talent und eine stete Aufmerksamkeit auf die Form; wir hatten aber mit der Sache gerade genug zu thun, und unsere Schreibweise — die übrigens schwerlich in allen Abtheilungen des -Buches gleichmassig gefunden werden dürfte — ist einestheils durch die allmählige Gewöhnung an Ausdrücke und Bezeichnungen, die aus einer bestimmten Denkweise und . der fortgesetzten Beschäftigung mit demselben Gegenstande hervorgegangen sind, anderntheils durch das Bestreben bedingt, den inneren Zusammenhang unserer Ansichten und Urtheile, wo er sich nicht entwickeln Hess, wenigstens anzudeuten. Dabei haben wir jedenfalls die Grenzlinie, welche sich zwischen dem Zuviel und Zuwenig hinzieht und bei dem gutgeschriebenen Buche gleichmässig eingehalten werden muss, in der wünschenswerthen Weise nicht eingehalten und die nöthige Rücksichtnahme auf die Verschiedenartigkeit der Leser und auf das Allen gemeinsame Bedürfniss, sich unmittelbar zurecht zu finden, oft genug versäumt. Indem wir aber hierfür um Entschuldigung zu bitten haben, können wir doch auch nicht
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umhin zu bemerken , dass uns an allzu bequemen Lesern , die sich durch Schwierigkeiten der bezeichneten Art abschrecken lassen, an sich nicht allzu viel gelegen sein konnte. Ein gewisses Interesse für den Gegenstand muss jeder Leser mitbringen, und dieses zu erweitern und zu bestimmen, ist unser Buch, wie wir glauben, wohl geeignet, so dass derjenige, der sich die Mühe einer eingehenden Lecture nicht verdriessen lässt, dieselbe schliesslich kaum verschwendet finden wird.
Die grössere Ausdehnung des zweiten Bandes gegenüber dem ersten, ist vorzugsweise dadurch bedingt, dass wir uns zu einer eingehenderen Behandlung des normalen oder allgemeinen Elementarunterrichts, als wir sie anfangs beabsichtigt hatten , gedrängt fühlten. Wir haben wohl von vornherein darauf hingewiesen , dass die allgemeine und die Heilpädagogik ein bestimmtes Verhältniss haben oder gewinnen und festhalten müssen und auch deutlich genug ausgesprochen, dass wir den eigentlichen oder den höheren Werth der heilpädagogischen Bestrebungen und Arbeiten nicht in die unmittelbaren Heil- und Besserungserfolge, sondern in die Resultate setzen , die sich, daraus für die allgemeine Erziehung und die Volks-Gesundheitssorge ergeben. Wir haben demgemäss ferner hervorgehoben, dass die Heilpädagogik einerseits der allgemeinen Pädagogik vorzuarbeiten und ihrem Fortschritte Bahn zu brechen hat, und dass andererseits die Entwickelung und Ausgestaltung ihrer Praxis von der Entwickelung und Ausgestaltung des allgemeinen Erziehungswesens abhängig bleibt, welche Abhängigkeit die Heilpädagogen gerade dann am wenigsten verkennen werden, wenn sie in der That von der Idee der allgemeinen Erziehung oder der Volksschule ausgehen und dieselbe festhalten. Obgleich wir uns aber der Oonsequenzen des hiermit ausgesprochenen Verhältnisses —
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das wir erst im zweiten Bande nach allen Seiten auseinanderzusetzen hatten — von vornherein bewusst waren und daher unter Anderem auch zeitig genug gesagt haben, dass die Mittel der Heilpädagogik nur Modificationen der allgemeinen Erziehungsmittel sein können, so hielten wir es doch für möglich, diesmal aus der Darstellung der heilpädagogischen Praxis überhaupt und der Idiotenerziehung insbesondere das „Bild" der allgemeinen Erziehung, wie wir sie als eine „Nothwendigkeit der Zeit" begreifen und anderswo, von 'den heilpädagogischen Aufgaben mehr oder minder abgesehen, vielfach dargestellt haben, umrissweise entstehen zu lassen. Wir fanden indessen im Fortschritte der Arbeit, dass es für die Orientirung der nicht fachpädagogischen und der fachpädagogischen Leser, für die Umgrenzung der heilpädagogischen Aufgaben und Mittel und für den Zweck: unsern allgemein pädagogischen Standpunkt in einem bestimmten oder besonders motivirten Zusammenhange herauszustellen und geltend zu machen — einen Zweck, der für uns niemals ein untergeordneter werden kann — am gerathensten sei, die Mittel der Gesundenerziehung überhaupt und den Volksschul- Elementarunterricht insbesondere nicht nachträglich und beiläufig, sondern für sich und zusammenhängend, wenn auch kurz, zu characterisiren und dabei überall die Modificationen, welche die Heilpädagogik verlangt, anzugeben. Die Heilpädagogen verschiedener Art erhalten damit eine Zusammenstellung der Mittel, welche allen Zweigen der Heilpädagogik mehr oder minder gemeinsam sind oder — nach unserer Ansicht — sein sollten, während zugleich dem Vorurtheil des pädagogischen Publikums, insbesondere desjenigen, welches sich mit der Heilpädagogik praktisch nicht befasst, dass diese Mittel eben nur den heilpädagogischen Anstalten zukämen, begegnet wird.
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Wenn aus dem eben Gesagten Jemand folgert, dass unser Buch vorzugsweise für Pädagogen bestimmt sei, so weisen wir diese Folgerung keineswegs ab und bemerken nur, dass wir nicht davon abgesehen haben, das pädagogische Interesse auch bei Solchen, die nicht Männer des Fachs sind, zu entwickeln, um so weniger, als wir manchen pädagogischen „Laien" ein freieres und umsichtigeres ürth eil über pädagogische Fragen und Aufgaben zutrauen, wie der Menge der Fachpädagogen, vc^elch^ derartig in die Rücksicht auf vorgeschriebene ünterrichtserfolge und in der Richtung der herrschenden Methodik befangen sind, dass sie sich auf das, was die Erziehung schlechthin zu leisten hat, also auch auf die Bedingtheit der Unterrichtsmittel nicht besinnen können und mögen. — Was die Ärzte insbesondere betrifft, so sind ihnen die physiologischen und pathologischen Thatsachen , welche wir mittheilen , zum grossen Theile nicht neu , und insofern sie es sind, werden doch Auffassung und Darstellung von denjenigen, welche den „exactwissenschaftlichen" Character als Werthmaassstab handhaben, von vorn herein unbefriedigend gefunden werden. Wir müssen also schon zufrieden sein, wenn das Thatsächliche unserer Mittheilungen über Idiotenzustände von den Organen derMedicin, die sich mit dem Gegenstande beschäftigen mögen, überhaupt beachtet wird, und wenn unsere Auffassung der Diätetik, die der bei den Ärzten gewöhnlichen in gewisser Hinsicht oppositionell ist, ausdrücklichen Widerspruch und daran sich knüpfende Erörterungen hervorruft. *) Das pädagogische Interesse können wir
*) Die interessanten , Form und Zuständlichkeit des menschlichen Gehirns betreffenden, auf den Idiotismus stellenweise eingehenden Untersuchungen und Ergebnisse, welche neuerdings der Göttinger Professor, Rudolph Wagner, in den Göttinger Akademie -Schriften veröffentlicht hat, haben
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nur bei einem Bruchtheile des ärztlichen Publikums — bei denjenigen Ärzten, welche als Praktiker schon pädagogische Mittel anwenden, oder als Theoretiker die prophylaktische, also positive und sociale Aufgabe der medicinischen Gesammtpraxis ernsthaft in's Auge gefasst haben — voraussetzen, und nur da, wo es vorauszusetzen ist, zu seiner Entwickelung und Bestimmung beizutragen hoffen. Dagegen dürfen wir in Bezug auf die Pädagogen nicht anstehen auszusprechen, dass unser Buch dazu angethan ist, ihr anthropologisches Wissen zu erweitern, dass sie keinen Grund haben, die Art unserer Darstellung unwissenschafthch zu finden, und dass wir ihnen das anthropologische Interesse zumuthen, ohne deshalb die Anthropologie im engeren Sinne oder gar die Psychologie, wie sie gegenwärtig gelehrt zu werden pflegt und gelehrt werden kann, als die einfache und ausreichende .wissenschaftliche Grundlage der Pädagogik , das bezügliche Wissen als die wesentlichste Vorbedingung des pädagogischen Fortschrittes anzuerkennen. Die Aufgabe der Erziehung muss einestheils von anthropologischen, anderntheils von socialen Gesichtspunkten aus aufgefasst und bestimmt werden, und die letzteren könnten den anthropologischen nur dann untergeordnet werden, wenn der Begriff der Anthropologie möglichst weit gefasst würde. Die socialen Aufgaben der Erziehung aber haben wir in unserm Buche von Anfang bis zu Ende nicht aus den Augen gelassen.
Schliesslich sei auch hier der Vorschlag erwähnt , den
wir nicht mehr berücksichtigen können. Wir finden in ihnen Anschauungen und Annahmen, von denen wir ausgegangen sind^ überraschend bestätigt und unserer Befriedigung hierüber thut es durchaus keinen Eintrag, dass ein Theil der Wagner'schen Ergebnisse dazu angethan scheint, die Meinung von der Fruchtlosigkeit ärztlicher und pädagogischer Arbeit an Idioten zu unterstützen.
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der bekannte Dr. Dürre der „allgemeinen deutschen Lehrerversammlung" gemacht hat, eine besondere Section für die Erziehung der „Viersinnigen und Idioten" einzurichten. Wir würden diesen Vorschlag, der die genügende Zustimmung nicht gefunden zu haben oder wenigstens nicht als „dringlich" anerkannt worden zu sein scheint, dahin erweitern, dass auch die Erziehung der moralisch Entarteten (Verwahrlosten") derselben Section zugewiesen würde, und diese könnte dann einfach — w^enn der Name nicht etwa missliebig ist — als „heilpädagogische Section" bezeichnet werden. Würden auch die Arbeitsschulen und Waisenhäuser in ihr Bereich gezogen, wogegen wir von unserem Standpunkte aus keine Einwendungen zu machen haben, so hätte man eine Section für die Noth- Erziehungsanstalten, welcher unter den sonst noch zu bildenden Sectionen eine überwiegende Bedeutung zukommen würde, während von einer „Zersplitterung der Interessen und Kräfte" — die man zu befürchten behauptet, um die Sectionenbildung abzulehnen — nicht wohl die Rede sein könnte. Wir sehen in der Sectionenbildung einen nothwendigen Fortschritt über die oratorische und vage Behandlung der pädagogischen Fragen -r- bei welcher die Uebereinstimmung und Einigung eine oberflächliche und voreilige bleibt — zu der wirklichen und durchgreifenden Verständigung über die pädagogischen Aufgaben und Mittel, können aber eben deshalb auf die Annahme des Dürre'schen Vorschlages in der nächsten Zeit kaum hoffen. Was die Verständigung der Ärzte und Pädagogen anbetrifft, deren Bedeutung über das nächste praktische Interesse, das heilpädagogische, [weit hinausreicht, so könnte bei der wiederkehrenden Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte ein förderlicher Anfang dazu durch die ausdrücklich veranlasste Theilnahme von Heil-
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pädagogen an der Section für Psychiatrie gemacht werden, weshalb wir die betreffende Einladung und Feststellung wiederholt beantragt haben wollen. — • Die regelmässigen Wanderversammlungen von Interessen- und Fachgenossen sind in Deutschland wie nirgends sonst eingebürgert , wozu theilweise der Mangel der politischen Einheit und das Bedürfniss, in Vertreter Versammlungen der verschiedensten Art zur Einigung über gemeinsame Interessen und zur Organisation eines gemeinsamen Fortschrittes einen Ersatz zu finden , beigetragen hat. Nach unserer Ansicht aber würde das, was die Wanderversämmlungen in der Ausdehnung und Regelmässigkeit, wie wir sie haben, zu leisten vermögen, über den blossen Ersatz der politischen Centralisation , wie über die V ortheile persönlicher Bekanntschaften und Anregungen — die allerdings wichtige Ergänzung des literarischen Verkehrs — weit hinausreichen , und sie müssten einen Factor der Gulturentwicklung, wie ihn in derselben Art kein anderes Volk besitzt, abgeben, wenn sie nur in der That dazu gelangen könnten, die gemeinsamen Bestrebungen und Arbeiten, welche durch sie vertreten sind, zu organisiren. So lange dies nicht der Fall ist, bleibt der Enthusiasmus, den schon das Zusammenkommen als solches erzeugt, ein „schöner" , aber ziemlich fruchtloser , und was speciell für die wissenschaftliche Verständigung durch solche Versammlungen geleistet wird, kommt der literarischen Arbeit und dem literarischen Austausche gegenüber kaum in Betracht. Wir legen aber, wie aus dem Gesagten hervorgeht, auf die Ergänzung dieses Austausches — des Buchwesens — durch das Vereinswesen einen grossen Werth, und sind daher der Hoffnung, dass sich die allgemeinen regelmässigen Versammlungen allmählig zu offenen „Vereinen von umfassender Ausdehnung" fortbil-
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den werden , wozu die Einrichtung von Sectionen der Anfang ist. Als Pädagogen, und zwar als Heilpädagogen, liegen uns die bezeichneten Sectionen am meisten am Herzen, und wir würden uns freuen, wenn unser Buch dazu beitrüge, die in Bezug auf sie schon vorliegenden Vorschläge ausgiebig zu unterstützen.
Wie der praktischen Heilpädagogik durch praktische Vereine eine ausreichend starke Unterlage geschaffen werden könnte — wobei auf das Versicherungswesen nach unserer Meinung Rücksicht zu nehmen wäre — lassen wir vorläufig unerörtert. Auf solche Fragen einzugehen, wird erst dann „angezeigt" sein, wenn die Noth und Nothwendigkeit, um die es sich dabei handelt, allgemeiner anerkannt und gewürdigt sein werden, als es bis jetzt noch der Fall ist. Was Oestreich anbetrifft , so trägt vielleicht der neuerdings hier zur Entscheidung gekommene Process, bei welchem von drei kretinischen Mördern einer als unzurechnungsfähig, der zweite als halb unzurechnungsfähig und der dritte als zurechnungsfähig erklärt wurde, dazu bei, dass sich die „Berufenen" eifriger und ernster als durchweg bisher mit dem Uebel und den Gegenmassregeln, die es verlangt, beschäftigen.
Wien, den 15. August 1862.
Dr. Georgens. Deiiirich Deinhardt.
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The end
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