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Vorlesungen über das Leben des Herrn Jesu ..

Riggenbach, J. , 1818-1890, author · 1858 · Scanned text

235,625 words · about 16 h 30 min to read

Period artwork: Interior of the Bodleian Library, 1845
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About this book

Author
Riggenbach, J. , 1818-1890, author
Language
German
Published
1858
Length
235,625 words · about 16 h 30 min
Sections
4 reader sections
Text
Scanned text, read from page scans by OCR; may contain errors
Rights
Public domain · PD-US by publication date

 

Contents (4)
  1. Front matter about 2 min
  2. Vorwort about 4 min
  3. Inhalt about 15 h 22 min
  4. I about 1 h 3 min

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Front matter

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TI

Vorwort

Ueber die Entſtehung des vorliegenden Buches giebt es ſelber gleich von Anfang an einige Andeutung. Im Winter 18895. folgte ich der Sitte, die bei uns ſchon länger her einheimiſch iſt, indem ich in unſerer Aula vor einer gemiſchten Zuhörer⸗ ſchaft eine Reihe von Vorleſungen hielt. Als mir der Wunſch, dieſelben gedruckt zu ſehen, von manchen Seiten geäußert wurde, war es mir natürlich ein Wink, die Form, in der ſie gehalten wurden, im Ganzen genommen beizubehalten. Ja ſogar einzelne Beziehungen auf Vorkommenheiten, die nur der Zeit und dem Ort angehören, glaubte ich nicht unterdrücken zu ſollen, weil ſie denjenigen Leſern, die meine Zuhörer ge⸗ weſen waren, eine Erinnerung ſind an die gemeinſam durch⸗ lebten Tage, ohne daß ſie doch meines Erachtens für fremde Leſer ſtörend wären.

Aber ganz, wie ſie gehalten wurden, erſcheinen doch die Vorleſungen nicht. Schon darum nicht, weil ſie hier vollſtändig vorliegen, während mich beim mündlichen Vortrag das Zeitmaß nöthigte, manches zu überſchlagen. Aber auch Ueberarbei⸗ tungen und wie ich hoffe Verbeſſerungen hat mehr als ein Abſchnitt erfahren. Beſonders aber glaubte ich auf Eins mein Augenmerk richten zu ſollen: daß ich nämlich mein Buch, ſo

— WI — viel ich vermöchte, für einen Theil der Leſer, die ich ihm wünſche, brauchbarer machte, ohne daß es dadurch für andere ungenießbar würde. Die Vorleſungen gänzlich umzugießen in ein gelehrtes Werk für Theologen, das gieng nicht an; mehr als Ein Grund ſprach dagegen; außer dem ſchon erwähnten beſonders noch dieſer, daß ich nicht weiß, ob und wie ich dazu im Stande geweſen wäre. Aber die jüngern Theologen beſonders durften doch wirklich in dem gedruckten Buch mehr Berückſich— tigung ihrer Bedürfniſſe erwarten, als ich denſelben in den Vorträgen vor einer gemiſchten Zuhörerſchaft widmen konnte. Ihnen ſuchte ich alſo nach Kräften zu dienen, indem ich einige Fragen der Kritik, der Chronologie u. dgl. in einer Anzahl von Anhängen einläßlicher unterſuchte, oder doch auf die Hilfs— mittel verwies, welche den ſelbſtändig Forſchenden weiter führen können.

Daß ich im Uebrigen die weitere Gemeinde der Gebildeten im Auge hatte, nöthigte mich zu dem Beſtreben, nach Möglich— keit die Schulſprache zu meiden. Ich verkenne nicht die Gefahr des Populariſierens, wenn es zur Mode wird; ich weiß den Vortheil einer ſtrengen wiſſenſchaftlichen Terminologie zu ſchätzen; aber die andere Aufgabe, die mir diesmal von der Natur des Unternehmens vorgezeichnet war, iſt an ihrem Orte ebenſo be— rechtigt und vielleicht für die Männer der Wiſſenſchaft ſelber eine nicht unwichtige Rechnungsprobe; ich meine die Aufgabe: ſich der längſt ausgeprägten und auch vielfach abgeſchliffenen Münze einer curſierenden Schulſprache möglichſt zu enthalten, die Gedanken neu in ſich zu bewegen und nach einem allge— mein verſtändlichen Ausdruck zu ſuchen. Iſt es nicht wahr, daß viele unſerer Terminologien oft nichts anderes find, als griechiſche oder lateiniſche Feigenblätter auf die Blöße unſeres Wiſſens? ö

Mit dem Geſagten habe ich wenigſtens das Ziel angedeutet, nach dem ich glaubte ſtreben zu ſollen. Wie nahe ich dem— ſelben gekommen ſei, iſt eine andere Frage, die zu beantworten mir nicht zuſteht. Ich fürchte aber, manchmal eher zu wenig als zu viel populär geworden zu ſein. Außerdem werden mich diejenigen oft nicht leicht verſtehen, denen die Bibel mehr oder weniger fremd iſt. Das rechne ich mir aber kaum zum Vor— wurf, wenn nur etwas in dem Buch iſt, das ſolche Leſer an— zieht fortzuleſen. Mein Wunſch iſt, es möchte für ſie ein An— trieb werden, ſich tiefer in das Buch der Bücher hineinzuleben.

Noch eines bin ich in dieſem Vorwort zu ſagen ſchuldig: ich habe das Citieren der Schriftſteller, deren Werke von mir benutzt worden ſind, nur ſehr ungleichmäßig durchgeführt. Ja ich habe ſie vielleicht, wie es ſo gern geſchieht, häufiger da ge— nannt, wo ich ihnen glaubte widerſprechen zu müſſen, als da, wo ich mit ihnen zuſammenſtimmte. Es wäre mir leid, wenn ich dadurch die Meinung erregte, als wollte ich ihnen den ſchul— digen Dank vorenthalten. Je mehr es aber Männer ſind, die ein Höheres kennen, als nur unter einander Ehre zu geben und zu nehmen, deſto weniger werden ſie dawider haben, daß es ſich für ſolche, die der Wahrheit dienen, nicht um ein Abrechnen der Ehrenbezeugungen handle. Wem es gegeben iſt, durch irgend ein Werk die allgemeine Erkenntniß der Wahrheit zu fördern, der hat ſich eben damit des Anſpruchs begeben, die Wahrheit wie ſein Eigenthum in Beſchlag zu nehmen. Ich

— Xx — rede nicht dem Undank das Wort und nicht dem Prunken mit fremden Schätzen. Aber auch das iſt eine Bezeugung des Dankes, wenn wir uns die Wahrheit, die ein anderer geſagt hat, aneignen, ſofern es nicht im Ehrgeiz geſchieht. Der andere wird dadurch nicht ärmer, ſondern reicher.

Mit den Gegnern des Schriftglaubens ſuchte ich mich ein— mal prinzipiell auseinanderzuſetzen. Durchgängig wider ſie zu ſtreiten hielt ich nicht für angemeſſen. Wo ſie mich auf etwas aufmerkſam machten, das zur Förderung der Erkenntniß ge— reichen konnte; wo fie wirkliche Probleme aufgeſtellt haben; wo ſie wirkliche, nicht bloß gemachte Schwierigkeiten verhandeln — ich hoffe, die Kenner werden es bemerken, daß ich mich ſolchen Anregungen nicht entzog. Ein durchgeführtes Streiten aber iſt unfruchtbar, unerquicklich und unnöthig. Kein Kampf wird durch Gefechte mit jeder einzelnen Schildwache entſchieden. Und überdies haben wir, wo vom Leben des Herrn Jeſu die Rede ſein ſoll, auf anderes und auf einen anderen zu hören, als auf alle und jede Stimmen derjenigen, die oft ſo augen— ſcheinlich weder den Sohn noch den Vater kennen.

Daß die Erkenntniß unſeres Gottes und Heilands durch dieſes Buch gefördert werde, das iſt mein Wunſch und mein Gebet. Der Herr Jeſus aber ſpricht von ſeiner Lehre: So jemand will deß Willen thun, der wird inne werden, ob dieſe Lehre von Gott ſei, oder ob ich von mir ſelber rede.

Nach dieſer Richtſchnur laſſet uns forſchen.

Baſel, im Advent 1857.

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