Read here

Die Bezeichnung «experience» im Werk John Deweys

Udo Ohm · 1999

117,635 words · about 8 h 14 min to read

Period artwork: Interior of the Bodleian Library, 1845
About this edition

Licence: CC BY-NC-ND 4.0 · repository export licence (OAPEN) · Ohm, Udo (1999), Die Bezeichnung «experience» im Werk John Deweys, open access publisher - licensed CC BY-NC-ND 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0)

Text from OAPEN Library and set out for reading on screen; no words of the book are rewritten or summarized. How RedLectern is built

About this book

Author
Udo Ohm
Language
German
Published
1999
Length
117,635 words · about 8 h 14 min
Sections
3 reader sections
Text
Digital text
Rights
CC BY-NC-ND 4.0 · repository export licence (OAPEN)

 

Contents (3)
  1. Front matter about 1 min
  2. Vorwort about 4 min
  3. Inhalt about 8 h 10 min

Continue:

Front matter

Europaische Hochschulschriften

Angelsachsische Sprache und Literatur

Udo Ohm

Vorwort

Die menschliche Sprache muß aber insofern als ein besonderer und einzigartiger Lebensvorgang gedacht werden, als in der sprachlichen Verständigung » Welt« offenbar gemacht wird. Sprachliche Verständigung stellt das, worüber sie stattfindet, vor die sich Verständigenden hin, wie einen Streitgegenstand, der zwischen den Parteien in der Mitte niedergelegt wird.

Hans-Georg Gadamer

Einer Unterscheidung Ricceurs zufolge kennt das Semiotische nur innerlinguistische Beziehungen, während die Semantik sich mit der Beziehung zwischen Sprache und Welt beschäftigt (vgl. Ricoeur 1991, 130). Aus der Perspektive einer solchen Semantik erscheinen Deweys Schriften als Ausdruck stetigen Bemühens, Sprache und Welt vor dem Hintergrund der sich ihm aufdrängenden Fragestellungen je neu zueinander in Beziehung zu setzen. Einer Untersuchung, die sich mit Begriffen, Vorstellungen oder Konzepten jenseits von Sprache beschäftigt, muß diese sich allein im aktuellen Sprachgebrauch zeigende semantische Innovation notwendigerweise entgehen. Die vorliegende Arbeit hingegen betrachtet gerade die Fülle der in den Schriften Deweys hervortretenden unterschiedlichen Sprachformen als ihren Gegenstand.

Historische Semantik beginnt nicht mit einer als bereits vorhanden angenommen Beziehung zwischen Sprache und Welt. Es geht ihr auch nicht darum, eine Beziehung zwischen Sprache und einer immer schon vorhandenen Welt bloß herzustellen. Sie zeigt vielmehr auf, wie Beziehungen zwischen Sprache und Welt durch den Gebrauch von Sprache selbst beständig neu hervorgebracht werden und zwar derart, daß Welt im Gadamerschen Sinne je neu offenbar gemacht wird (vgl. Gadamer 1990, 450). Historische Semantik stellt den sich hierin äußernden Aspekt der Zeitlichkeit menschlichen Handelns für die Analyse des Gebrauchs von Sprache in Rechnung. Ihr Gegenstand sind weder Zeichen und deren Beziehungen untereinander noch überzeitliche Bedeutungen von Sprachformen. Sie untersucht und beschreibt den Vorgang des Bezeichnens, wie er sich im Gebrauch sprachlicher Mittel ereignet.

Die vorliegende Untersuchung beschreibt den Gebrauch sprachlicher Mittel im Fokus der Bezeichnung experience. Sprachtheoretisch knüpft sie an Vorarbeiten zum Phänomen der semantischen Innovation von Ricceur und an Arbeiten zu den Grundlagen einer historischen bzw. explikativen Semantik von

Busse an. Methodisch bedient sie sich der von Peirce angeregten Analogie zwischen den logischen Schlußverfahren und den Stufen des Forschungsprozesses. In einer ersten Annäherung an den Gegenstand wird die Sinngeschichte von experience in der Lexikographie in diachroner und synchroner Perspektive beschrieben. Die Untersuchung des Deweyschen Gebrauchs der Bezeichnung experience basiert auf drei Korpora ausgewählter Schriften aus unterschiedlichen Handlungskontexten und Schaffensperioden. Die Analyse erfolgt in semasiologischer und onomasiologischer Perspektive und zieht im Einzelfall diskursive Kriterien zur Strukturierung des jeweils zugrundeliegenden Korpus heran. Die Beschreibung der Ergebnisse orientiert sich an den leitenden Sprachformen bzw. dominierenden Sinngruppen aus den analysierten Schriften.

Als ich mich vor Jahren für den Terminus experience bei Dewey zu interessieren begann, geschah dies aus dem Bedürfnis heraus, mir Klarheit über einen Begriff zu verschaffen. Ausgangspunkt waren Fragestellungen zum Projektgedanken in der Pädagogik. Die Begriffsklärung ist mir mit den Jahren selber zu einem Projekt und schließlich zu einem Promotionsvorhaben geworden, das zu einem nicht unbeträchtlichen Teil darin bestand, mich von einem Begriffs-Begriff zu verabschieden, um mich von der Analyse des Deweyschen Sprachgebrauchs bereichern lassen zu können. Zum Gelingen dieses Projektes haben viele direkt oder indirekt beigetragen, indem sie mich entweder unterstützt oder mit ihrer Person einfach nur Beispiel für experience gegeben haben.

Am Anfang stand das Projekt 'Dingo', das mir schon aufgrund der großen Zahl seiner Mitgliedern über mehrere Jahre die Möglichkeit bot, individuelle und gemeinschaftliche Entfaltungsprozesse mitzuerleben und zu beobachten. Auf wissenschaftlicher Ebene war für mich das Doktorandenkollogium von Klaus Heipcke von außerordentlicher Wichtigkeit. Hier hat mich über die fachliche Diskussion hinaus vor allem die Erfahrung nachhaltig beeinflußt, daß der Gegenstand einer geistigen Auseinandersetzung nicht vorab im Thema bereits festgelegt werden kann, sondern von den sich zum Streit Versammelnden als gemeinsam zu bewältigende Sache allererst konstituiert werden muß.

Birgit Felmeden verdanke ich den Anstoß, nach der Lehrerausbildung im Bereich des Zweitspracherwerbs zu arbeiten. Unsere Zusammenarbeit in zwei Forschungsprojekten war letztlich der Ausgangspunkt für meine weitere wissenschaftliche Tätigkeit. Die mit der gemeinsamen Arbeit verbundenen Erfahrungen und Ergebnisse sind mir bis heute von großem Nutzen.

Für die Zeit meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und meiner sprachwissenschaftlichen Ausbildung gilt mein Dank insbesondere Herrn Prof. Dr. Manfred Raupach, der immer bereit war mich mit Rat und Tat zu unterstützen. Mein Dank gilt auch den Gutachtern meiner Dissertation: Prof. Dr. Rudolf Messner, Prof. Dr. Hans Petersen und Prof. Dr. Gerd Rohmann. Für ihre tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung der Korpora zur computergestützten Auswertung bin ich Peter Bachmann, Susann Schulz und ganz besonders Guido Ipsen zu Dank verpflichtet. Für seine kritischen Anmerkungen zur Beschreibung der lexikographischen Sinngeschichte danke ich Jeff Phillips. Ronald Meier danke ich für seine Mitarbeit bei der Korrektur des Manuskripts.

Von unschätzbarem Wert für das Gelingen des Promotionsvorhaben war die Unterstützung, die mir durch meinen Doktorvater Hans Petersen zuteil wurde. Als Lehrer hat er mich nie belehrt, sondern mit viel Engagement und Geduld begleitet. Meine sprachwissenschaftliche Entwicklung verdanke ich in wesentlichen Teilen seinen Anstößen und seiner Kritik.

Für ihre Geduld beim Anhören vieler unfertiger, noch kaum durchdachter und vor-läufiger Ideen und für ihr wohlwollendes Interesse an der Sache danke ich Elke Montpellier. Felix Montpellier schließlich hat mich allein durch sein eigenes Beispiel für viele Aspekte des behandelten Gegenstandes überhaupt erst empfänglich gemacht.

The opening of the book is shown; the full text loads in the reader.

Loading the full text…