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Inhalt
Die Urgeſchichte.
Die Schöpfung.
Das Paradies.
Der Sündenfall
Die Folgen des Falles
Adam und Chriſtus. Ä
Mühe und Leid der erſten Aeltern
Die alte Welt von Adam bis Noah .
Die letzten Zeiten vor der Sündfluth
Der Glaube Noah's und der Bau der Arche Die Sündfluth
Der Bund Gottes mit Noah wach Ablauf ber Fluth. Noah und ſeine Söhne nach der Sündfluth Der Babyloniſche Thurmbau
Die Geſchichte der Erzwäter Abraham, Ifaak und Jakob.
XIV.
XV.
XVI.
XVII.
XVIII.
XIX.
IR, XXI.
XXII.
XXIII.
XXIV.
XXV.
XXVI.
XXVII.
XXVIII.
XXIX.
N.
Die Erwählung Abrahams
Abraham als Fremdling im Lande 7
Abraham und Sarah in Aegypten
Abraham und Lot
Abraham rettet den Lot aus hir Benin
Melchiſedek und fein Prieſterthum }
Abrahams Gnadenſtand und die Gerechtigkeit aus Den Slanpen Abrahams Opfer und der Bund des HErrn mit ihm
Die Geburt Ismaels A \ f Die Erneuerung des Bundes mit engen und bie Be ſchneidung
Der HeErr erſcheint dem i im Sin Maire ; Die Fürbitte Abrahams für Lot und für Sodom Die Zerſtörung Sodoms . A 5 Iſaak und Ismael
Abimelech der König von Gert
Die Aufopferung Iſaaks .
Die Aufopferung Iſaaks als Vorbild
XXXI.
XXXII.
XXXIII.
XXXIV.
XXXV.
XXXVI.
XXXVII.
XXXVIII.
XXXIX.
XL.
XLI.
XLII.
XLIII.
NIV.
DV.
XLVI.
XLVII.
XLVIII.
XLIX.
XXVIII
Tod und Begräbniß der Sarah
Elieſers Sendung nach Meſopotamien
Laban, Rebekka und Iſaak
Iſaak und feine ungleichen Söhne .
Eſaus Geringſchätzung feiner Erſtgeburt .
Iſaaks Glaube und Geduld
Jakobs trügeriſches Verfahren zur Erlang des Sign
Eſaus Betrübniß und Zorn
Jakobs Flucht und ſein Traumgeſicht
Die Himmelsleiter
Jakobs Erwachen und ſein Gelübde
Jakob und Laban.
Jakobs Heimkehr .
Jakobs und Eſaus Berfühineng
Der Fall der Dina und der Zorn der Brüder Jakobs Rückkehr nach Bethel. Das Königreich Edom
Joſeph.
Joſephs Träume und der Neid
Joſeph als Vorbild unſeres HErrn Jeſu Chriſti
Joſephs Prüfungen in Aegypten ſeiner Brüder
Joſephs Geduld und ſeine Erhebung aus dem one
Pharaos Träume .
Joſeps Strenge gegen feine Brüder
Joſeph giebt fich ſeinen Brüdern zu erkennen. Joſeph läßt ſeinen Vater nach Aegypten kommen Jakob und ſeine Hausgenoſſen in Aegypten Jakobs Weiſſagung über ſeine Söhne
Joſephs Treue gegen ſeine Brüder.
Jakobs und Joſephs Lebensende.
Regiſter
Die e 25 Erzväter
Seite. 212
218 225 232 238
J.
Die Schöpfung. intel. 13°,
Wie den Propheten des HErrn gegeben ward, im Geiſte die zukünftigen Werke Gottes zu ſchauen, ſo wurde dem Moſes, oder einem der Erzväter, die vor Moſes gelebt haben, durch den hei— ligen Geiſt das Auge geöffnet, um die großen Thaten Gottes in der Vergangenheit zu ſchauen und zu beſchreiben. Wie auch der Mann Gottes geheißen haben mag, durch welchen die Schöpfungs— geſchichte aufgezeichnet worden, ſo viel iſt gewiß: er hat dieſelbe durch Offenbarung empfangen. Gott hat dieſem Seher jene Seine gewaltigen Thaten gezeigt, von denen, da ſie geſchahen, kein Menſch Zeuge war, wie der HErr zu Hiob ſpricht: „wo wareſt du da ich den Grund der, Erde legte?“ Hiob 38, 4.
Dieſe Offenbarung iſt nicht beſtimmt, uns über die Natur⸗ geſchichte im Einzelnen zu unterrichten, denn dieſe zu erforſchen, vermag der Menſch mit ſeinen eigenen Kräften, und dazu bedarf er der Erleuchtung des heiligen Geiſtes nicht. Die Abſicht Gottes iſt vielmehr, uns Seine Macht und Güte und die Rathſchlüſſe Seiner ewigen Weisheit und Liebe zu offenbaren, damit wir Ihn erkennen, fürchten, lieben und Ihm dienen.
Aus der reichen Fülle dieſes Abſchnittes laßt uns nur drei zu unſerer Erbauung dienende Lichtgedanken ſchöpfen. Wir wer⸗ den aufgemuntert zur Anbetung Gottes, wir vernehmen den Nathſchluß Seiner Offenbarung im Menſchenſohne, und wir ſehen ein Unterpfand der künftigen Vollendung Seines Reiches. 5
J. Wir werden zur Anbetung Gottes des allmächtigen Vaters aufgefordert. Wir werden darüber erleuchtet, wem wir für alle Wohlthaten dieſes Lebens zu danken haben. Wir vernehmen, wer uns dieſe Erde als Wohnſtätte bereitet, wer uns mit Nahrung verſorgt, wer uns ſelbſt geſchaffen, erhalten und geſegnet hat. Gott der himmliſche Vater hat das alles gethan. Sein Schöpferwort und Sein Segen iſt heute noch wirkſam wie am erſten Tag. Das alles geſchieht von Seiner Seite „aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne alle unſer Verdienſt und Würdig⸗ keit, wofür wir Ihm zu danken, zu dienen und gehorſam zu ſein ſchuldig ſind.“ Das kleinſte Chriſtenkind, welches den erſten Artikel des Glaubens beten gelernt hat: „ich glaube an Gott den allmäch⸗ tigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erden“, iſt weiſer als die weiſeſten unter den griechiſchen Philoſophen waren, denn dieſe ſuchten zwar Gott zu erkennen, aber es fehlte ihnen dieſes helle Licht, welches uns ſchon von Kindheit an umleuchtet. Sie wußten nicht, daß Er durch Seinen Willen alle Creaturen aus dem Nichts hervorgerufen hat. Sie wußten nicht, daß Er alle Dinge durch Seinen Sohn erſchaffen hat, durch das Wort, das im Anfang war, durch die ewige, weſentliche Weisheit, deren Rede wir in Salomo's Sprüchen (8, 22— 31) wahrnehmen: „Der HErr hat mich gehabt im Anfang Seiner Wege; ehe Er etwas ſchuf, war ich da; da Er die Himmel bereitete, war ich daſelbſt; da Er den Grund der Erde legte, war ich der Werkmeiſter bei Ihm, und hatte meine Luſt täglich und ſpielte vor Ihm allezeit; und ſpielte auf Seinem Erdboden, und meine Luſt war an den Menſchenkindern.“
Die Weiſen der Heidenwelt wußten nicht, woher der Tod und das ganze Heer der Uebel entſtanden iſt, ſie wußten nicht, daß alle Werke Gottes, wie Er ſie gemacht hatte, ſehr gut waren, und daß der Tod durch die Sünde des Geſchöpfes in die Welt gekom⸗ men iſt. Jetzt, da wir Licht über dies alles empfangen haben, ſind wir im Stande, aus den Werken der Schöpfung die ewige Kraft und Majeſtät Gottes zu erkennen, die Spuren Seiner Weisheit und Güte wahrzunehmen und Ihm für alle Seine Wohlthaten die Ehre zu geben, die Ihm gebührt. Die moſaiſche Schöpfungsgeſchichte iſt der Lobgeſang, der in uralter Zeit durch
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Eingebung des heiligen Geiſtes angeſtimmt worden tft, auf Gott den allmächtigen Vater. Dieſem Loblied haben alle die uns vor— angegangenen Geſchlechter der Gerechten ſich angeſchloſſen, und auch wir ſind nun berufen, Amen zu ſagen und in das Hallelujah mit einzuſtimmen. Die vier lebendigen Weſen im Himmel, die das dreimal heilig ſingen, und die vierundzwanzig Aelteſten, die ihre Kronen vor dem Thron Gottes niederlegen, beten Ihn an, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit und ſprechen: „Err, Du biſt würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft, denn Du haſt alle Dinge geſchaffen und durch Deinen Willen haben ſie das Weſen und find geſchaffen.“ Offenb. 4, 9—11.
Dieſe Pflicht der Anbetung und des Dankes fühlt jedes Menſchenherz, die Verkündigung des allmächtigen Vaters und Schöpfers ruft in dem Innern eines jeden Menſchen eine Ant⸗ wort, einen Wiederhall, ein Ja und Amen hervor. Wir kennen Seine Stimme, denn wir ſind Seines Geſchlechtes. Er iſt nicht ferne von uns, denn in Ihm leben, weben und ſind wir; Er iſt uns ſo nahe, daß wir Ihn fühlen und finden können. Apoſtelg. 17, 27. 28. Darum iſt die Unterlaſſung des Dankes, und die VBerſäumniß der Anbetung eine ſo große Sünde. Es iſt die Sünde, womit die Irrwege des Heidenthums angefangen haben. Röm. 1, 18-25. Es iſt die Sünde, die an den Heiden mit Verfinſterung ihres Herzens beſtraft worden iſt; es iſt alſo eine noch ſchwerere Sünde, wenn Chriſten das Gefühl des Dankes gegen Gott unter— drücken und Seine Anbetung verſäumen. Auch bei den Chriſten wird dieſe Verſchließung des Herzens gegen Gott durch zuneh— mende Finſterniß im Geiſte und im Verſtande geſtraft. Nur ſo war es möglich, daß auch unter uns Thoren aufkamen, welche (nicht allein in ihrem Herzen, ſondern mit frechem Munde) ſpre— chen: „es iſt kein Gott.“ Pſalm 14, 1. Die Ungläubigen gebrauchen als einen Vorwand, womit ſie ſich entſchuldigt halten, daß die Werke Gottes in der Natur, wie der Menſch ſie jetzt ge⸗ nauer und vollſtändiger als früher kennt, nicht mit der moſaiſchen Schöpfungsgeſchichte übereinſtimmen. So viel iſt richtig, daß die Schöpfungswerke, wie wir ſie jetzt kennen lernen, größer ſind als wir bei dem früher üblichen Verſtändniß der Schöpfung geschichte der dachten, daß fie weit älter zu ſein ſcheinen, als wir annahmen. Aber damit erſcheint für einen erleuchteten Chriſtenſinn das Werk der Schöpfung nur noch wunderbarer als zuvor, und wir haben nur um ſo reichere Urſache die Allmacht des HErrn zu erkennen und Ihn zu preiſen. Der Grund des Unglaubens in unſerer Zeit liegt nicht in der zunehmenden Kenntniß der natürlichen Dinge, ſondern in der abnehmenden Wärme der Herzen. Durch eine alte gemeinſame, ſchwere Schuld der Chriſten hat das gött⸗ liche Licht im Gewiſſen und die wahre Vernunft bei vielen abge⸗ nommen. Damit iſt aber niemand entſchuldigt.
Werden wir gewürdigt, ein neues Maaß der Erleuchtung und der Geiſtesweihe zu empfangen, dann ſollen wir mit heiliger Freude und aufrichtiger Hingebung unſerer ſelbſt dem allmächtigen Vater danken, Seine herrlichen Eigenſchaften bewundern und Ihn wegen Seiner großen Thaten preiſen und anbeten.
II. Wir werden auf den Rathſchluß der Offenbarung Gottes in dem Menſchenſohne hingewieſen. Die Werke Gottes waren gut von Anfang an, aber ſie waren nicht vollkommen. Er hat Seine Schöpfung auf Erden mit den niederen Creaturen, den Pflanzen und Thieren begonnen, und in dem Menſchen beſchloſſen. Seine Werke ſind nicht beſtimmt, ewig auf derſelben Stufe ſtehen zu bleiben, ſondern nachdem Er ſie geſchaffen hat, führt Er ſie zu höherer Vollkommenheit, wie geſchrieben ſteht: „es iſt noch nicht erſchienen was wir ſein werden.“ 1 Joh. 3, 2. So wurde der Menſch in Unſchuld geſchaffen, er war zur Beherrſchung der Erde und der niederen Creatur berufen und ausgerüſtet. Jene Mor⸗ genſtunde der neugeſchaffenen Menſchheit war lieblich und herr⸗ lich; doch befand ſich der Menſch damals noch nicht auf jener Stufe der Vollendung, welche ihm nach dem ewigen Rathſchluß Gottes zugedacht iſt. Gott ſprach: „Laſſet uns den Menſchen machen, in unſerm Bilde, nach unſerer Aehnlichkeit.“ Allerdings wurde zur Ausführung dieſes Wortes ſogleich der Grund gelegt, und in Adam war ſchon am Tage, da er geſchaffen wurde, Gottes Bild zu erkennen. Aber das Wort des Ewigen reicht noch weiter, es umfaßt die vollkommene Erſcheinung des Ebenbildes Gottes in der Creatur, welche damals noch zukünftig war. Dieſes Wort
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Gottes zeigt an, daß die durch den Fall eingetretene Verdunkelung des Ebenbildes nicht immerfort dauern ſoll. Die Abſicht Gottes bei der Schöpfung war nicht allein, durch Werke, wie ſie ein Künſtler ſchafft, Seine Allmacht und Weisheit zu beweiſen, jondern Er wollte Sich ſelbſt perſönlich, gegenwärtig, innewohnend in Seinem Geſchöpf offenbaren; und das Geſchöpf, in welchem dieſe Offenbarung geſchehen ſoll, iſt nicht die Engelwelt, ſondern der Menſch: „Laſſet uns den Menſchen machen nach unſerm Bilde.“ Im Menſchen ſoll Gott geoffenbaret und geſchaut werden.
Es giebt ein ewiges Abbild des unſichtbaren Vaters, das iſt der eingeborne Sohn, „geboren aus dem Vater vor aller Zeit, geboren, nicht geſchaffen, Gott von Gott, Licht vom Lichte, Eines Weſens mit dem Vater“, der „Abglanz Seiner Herrlichkeit, das Ebenbild Seines Weſens.“ Hebr. 2, 3. Dies iſt das unerſchaf⸗ fene Ebenbild Gottes. Iſt nun der Menſch das erſchaffene, zeitliche und bis dahin noch unvollkommene Ebenbild, ſo muß zwiſchen beiden eine Aehnlichkeit beſtehen, und der ewige Sohn, der in der Herrlichkeit bei dem Vater wohnt, iſt das eigentliche Urbild, nach welchem der erſte Menſch auf Erden geſtaltet wurde. Adam wird ja in der Schrift auch ein Sohn Gottes genannt (Luk. 3, 38) und ein Bild des künftigen, nämlich Chriſti. Röm. 5, 14. Soll nun Gott in der Creatur erſcheinen, ſoll Sein innerſtes Weſen, Seine Liebe und Heiligkeit im Menſchen geoffenbart werden, ſo iſt der Weg, den Gott hiefür ſchon in der Schöpfung bereitet hat, kein anderer als: Vereinigung des ewigen Ebenbildes Gottes mit dem zeitlichen, oder Menſchwerdung des Sohnes Gottes. Dieſer Rathſchluß der ewigen Liebe iſt es, den Gott bereits am ſechsten Tage der Schöpfung mit den Worten verkündigt hat: „Laſſet uns den Menſchen machen, in unſerem Bilde, nach unſerer Aehnlichkeit.“
Der Feind und Verführer des Menſchen, und der von ihm irre geführte Menſch haben gethan, was ſie konnten, um dieſen Rathſchluß der göttlichen Liebe zu vereiteln. Dennoch blieb, ob— gleich alle Menſchen ſich untreu bewieſen, die Treue Gottes feſt und unveränderlich. Der Arge konnte die Ausführung des gött— lichen Planes nicht verhindern, aber das allerdings hat der Feind, und die Sünde des Menſchen, zu bewirken vermocht, daß die Aus— er BARS führung nicht mehr anders als durch Leiden des Todes möglich war. Die göttliche Liebe hat, um ihrem Vorſatz treu zu bleiben und ihr Wort zu erfüllen, in dem Menſch gewordenen Sohne die Bitterkeit des Todes geſchmeckt und den Fluch getragen. So iſt der Menſchenſohn in die Herrlichkeit eingegangen, ſo hat Er es dahingebracht, die menſchliche Natur unſträflich, Gott gefällig und verklärt darzuſtellen, ſo iſt Er in unſerem Fleiſche der wahre himmlische Adam geworden, und jo hat Er das uralte Gotteswort, daß im Menſchen Gottes Bild und Aehnlichkeit erſcheinen ſoll, zur vollen Wahrheit gemacht.
III. Wir ſehen in der Schöpfungsgeſchichte ein Unterpfand der Vollendung des Reiches Gottes. — Wir wiſſen nicht, welcher Art die ſechs Schöpfungstage waren und wie lange ein jeder von ihnen gewährt hat, Tage, von denen die drei erſten verfloſſen, noch ehe Sonne und Mond geſchaffen wurden, Arbeitstage des Allmächtigen, die kein Menſch mit durchlebt, die nur der heilige Seher im Geiſte geſchaut hat. Aber das iſt uns deutlich geoffen⸗ bart, daß die gewaltige Arbeit Gottes nicht mit einemmale zu Stande gebracht, ſondern ſtufenweiſe ihrem Ziele entgegen geführt worden iſt. Davon giebt ja auch die Natur mit den mannig⸗ faltigen Ueberreſten der grauen Vorzeit, die man in der Erde findet, Zeugniß, daß die Bildung der Erde und der Geſchöpfe auf ihr von Stufe zu Stufe fortgeſchritten iſt, und zwar durch die⸗ ſelben Stufen oder Perioden, wie ſie in der Schöpfungsgeſchichte angegeben werden, bis zuletzt der Menſch als die Krone der Schöpfung ins Daſein trat. So iſt der Aufbau dieſer ſichtbaren Welt allmälig zu Stande gekommen, bis das Schöpfungswerk an dem großen Sabbath ſeinen Abſchluß fand. „Alſo vollendete Gott am ſiebenten Tage Seine Werke, und ruhete am ſiebenten Tag von allen Seinen Werken, und ſegnete den ſiebenten Tag und heiligte ihn.“ Anfangs, da die Erde noch wüſte und leer war, bei der Scheidung des Meeres von der Erde, bei Er— ſchaffung der Pflanzen- und Thierwelt, konnten ſelbſt die Engel des Himmels ohne göttliche Offenbarung nicht voraus wiſſen, zu welchem Ziele die Schöpfungsarbeit endlich gelangen würde, nämlich zur Erſcheinung des Ebenbildes Gottes in der Creatur.
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Die Schöpfungsarbeit, mit dem Sabbath an ihrem Schluſſe, bildet ein abgeſchloſſenes und beendigtes Ganzes; ein anderes Weltalter begann, als der Menſch fiel, und als er, aus dem Pa— radieſe verwieſen, ſeine mühevolle Laufbahn antrat. Es iſt das Weltalter voll Mühe und Noth, welches noch nicht zu Ende ge— kommen. Nicht nur der Menſch iſt es, der zu ringen und ſich abzumühen hat, es geht auch eine Arbeit Gottes von Statten, indem Er den Widerſtand der Creatur zu beſiegen, den Rathſchluß des Heils auszuführen und endlich Sein unvergängliches Reich aufzurichten unternommen hat. Ohne Offenbarung, und ohne Glauben hätten wir nur troſtloſe Ausſichten auf eine endloſe Fortdauer des jetzigen Elendes der Menſchheit, bis nach und nach die ganze Erde zu einem ungeheuren Kirchhof voll Gräber gewor— den wäre. Aber nun iſt uns das Licht der göttlichen Offenbarung geſchenkt. Auch dieſer Weltlauf wird zuletzt bei einem herrlichen Ziele ankommen, und auf die Jahrtauſende voll Mühe und Arbeit wird der große Sabbath folgen; „denn es iſt noch eine Ruhe“ — eine Sabbathfeier — „vorhanden dem Volke Gottes.“ Hebr. 4, 9. Der Ewige arbeitet an einer neuen Schöpfung, und dieſe wird endlich vollendet daſtehen, herrlicher als die erſte, wie ge— ſchrieben ſteht: „ſiehe ich ſchaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, daß man der vorigen nicht gedenken wird noch zu Herzen nehmen.“ Jeſaias 65, 17. So lauten die Verheißungen Gottes, und als eine Bürgſchaft für ihre Erfüllung iſt uns die Schöpfungsgeſchichte gegeben. Der ſiebente Tag, an welchem der HErr ruhete von aller Seiner Arbeit, und ſich freuete über alle Seine Werke, denn ſie waren ſehr gut, iſt das Vorbild und Un— terpfand des künftigen Ruhetags. Es kömmt die Zeit der Er— quickung von dem Angeſichte des HErrn, wenn er Seinen Sohn vom Himmel ſenden und das Reich des Friedens aufrichten m’, Dann wird Er ſich über die Vollendung des Erlös agswerkes freuen. „Seine Ruhe wird Ehre ſein“ (Jeſaio 11, 10), und an Seiner Freude und Herrlichkeit wird die Gemeinde der Erſtge— bornen theilnehmen. Dann it Satan gebunden, daß er die Völker auf Erden nicht mehr perfübren kann; die Erde iſt von dem alten Fluch befreit, und die Hülle der Finſterniß, womit jetzt noch die
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Heiden bedeckt find, ift weggenommen. So gewiß als das Schö⸗ pfungswerk ſein Ziel erreicht hat, wird auch das Werk einer neuen Schöpfung zum Abſchluß kommen.
Es iſt eine alte Erwartung, daß dieſes Weltalter in 6000: Jahren ablaufen ſoll, welche den ſechs Tagen der Schöpfung entſprechen. Sie findet ſich bei den Iſraeliten, ſie findet ſich auch bei ſehr alten chriſtlichen Lehrern (3. B. in dem ſogenannten Briefe des Barnabas). Die Schrift ſagt deutlich, daß jener große Sab⸗ bath, welcher dem Menſchengeſchlecht und der Erde verheißen iſt, tauſend Jahre währen ſoll (Offen. 20, 1— 7), und um jo wahr⸗ ſcheinlicher iſt es, daß man auf das ganze Weltalter die Worte anwenden darf: „Tauſend Jahre ſind vor dem HErrn wie ein Tag, und ein Tag wie tauſend Jahre.“ 2 Petr. 3, 8. Von Adams Erſchaffung bis zu Chriſti Geburt ſind vier Jahrtauſende verfloſſen, ſeit Chriſti Geburt andere 1877 Jahre; das fünfte Jahrtauſend iſt alſo ſchon vorbei und von dem ſechsten bei wei⸗ tem der größte Theil. Dadurch werden wir in der tröſtlichen Hoffnung beſtärkt, daß der König des Friedens bald geoffenbart werden ſoll. Der Aufrichtung Seines Reiches geht aber die Er⸗ rettung und Vollendung jener Erſtgebornen voran, die mit Chriſto das Reich antreten ſollen. Offenb. 14, 1—6. Die Vollendung der Erſtlinge iſt das nächſte große Ereigniß, das in der Ausfüh⸗ rung der Rathſchlüſſe Gottes bevorſteht. Wie man am ſechsten Arbeitstag der Woche etwas früher als ſonſt Feierabend macht, und dann die Austheilung des Lohnes ſtattfindet, ſo verkürzt der HErr, für ſeine Gläubigen das ſechste Jahrtauſend und eilet mit Seinem Lohne ihnen entgegen. Unſere Verſammlung zu dem HErrn, wann Er kömmt, wird der Eingang ſein in die Sabbath⸗ ruhe, zu der wir berufen ſind (2 Theſſal. 1, 7; 2, 1); nun gilt es, daß wir mit heiliger Furcht uns in Acht nehmen, damit wir dieſe große Verheißung nicht verſäumen, und unſer keiner dahinten bleibe. Den Kindern Iſrael, als fie aus Aegypten zogen, wurde der Eingang in die Ruhe Canaans verheißen, ſie hörten die Stimme Gottes, ſie folgten ihr eine Zeitlang, aber dann ver⸗ ſtockten ſie ihre Herzen, ſie geriethen in Unglauben, ſie entrüſteten den HErrn und Er ſchwur in Seinem Zorn: „ſie ſollen zu meiner
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Ruhe nicht kommen.“ Dieſe Warnung wurde der Chriſtenheit ſchon im apoſtoliſchen Zeitalter gegeben (Hebr. 3, 7; 4, 11), und die Geſchichte der Kirche hat gezeigt, wie nöthig die Warnung war. Sie gilt in erhöhtem Maaße dem jetzigen Geſchlechte der Chriſten; ſie richtet ſich an das Gewiſſen jedes Einzelnen, denn wenn die Stunde der Entſcheidung kommt, wird kein Bruder den andern erlöſen können, Gott wird das Verborgene der Herzen offenbaren und ein jeder wird ſeine Laſt tragen. „Darum ſehet zu, lieben Brüder, daß nicht jemand unter uns ein arges ungläu⸗ biges Herz habe, das da abtrete von dem lebendigen Gott, ſon— dern ermahnet euch ſelbſt alle Tage, ſo lange es heute heißt, daß nicht jemand unter uns verſtockt werde durch Betrug der Sünde. — Laſſet uns Fleiß thun, einzukommen zu dieſer Ruhe, auf daß nicht jemand falle in dasſelbe Exempel des Unglaubens.“ Hebr. 3, 12. 13; 4, 11.
II. Das Paradies. 1 Moſe 2, on
Wir jehen hier den Menſchen im Paradieſe und im Stande der Unſchuld, und es bieten ſich drei Gegenſtände zur Betrachtung dar: die Güte Gottes, die Würde des Menſchen, und die Vor— bedeutung der zukünftigen Herrlichkeit.
I. Wir erkennen in dem paradieſiſchen Stande des Menſchen das Walten der göttlichen Güte. Ehe der Menſch da war, hat Gott alles für ihn bereitet, nicht bloß was zu ſeiner Erhaltung unentbehrlich war, ſondern auch was ſein Herz erfreuen und ſein Daſein lieblich machen konnte. Nicht die ganze Erde war paradieſiſch, aber im fernen Morgenlande fand ſich eine auserwählte Stätte, ein „Garten der Lieblichkeit“, welchen Gott mit bejonderer Fürſorge gepflanzt und zur Wohnſtätte des Menſchen be— ſtimmt hatte. Wie ein Kind, wenn es auf die Welt kommt, ſchon
De re eine Stätte findet, die ihm die Mutterliebe zurecht gemacht hat, wie die Mutter ſchon vorher für das Kind ſorgt und Anſtalten trifft, ſo hat die göttliche Güte und Weisheit für den Menſchen geſorgt, ehe er noch da war. Zu allen Wohlthaten, welche Adam ſchon vorfand, fügte Gott zuletzt als das köſtlichſte Geſchenk die Gehülfin hinzu, die ihm ähnlich war, die ihm feine Mühe erleich⸗ tern und jede Freude erhöhen ſollte.
Dieſelbe göttliche Weisheit und Güte währt ewig, ſie waltet auch über uns und ſie hat auch für uns Vorſorge getroffen. Denn das Paradies mit den Wohlthaten, die es in ſich ſchloß, iſt nicht ganz verſchwunden. Im Gegentheil, wenn wir Menſchen mit Gott wandelten, ſo würde der Erde an manchen Stellen wenig an dem paradieſiſchen Stande mangeln. Unſere Aeltern haben für uns geſorgt, aber Gott iſt es, der uns die Aeltern geſchenkt, der ihre Herzen mit Liebe erfüllt, der uns durch ſie unzählige Wohlthaten geſchenkt hat. Er giebt vom Himmel fruchtbare Zeiten, Er ſchenkt Geſundheit, Friede und Gedeihen, Er erfüllt unſere Herzen mit Freude. Die Segnungen des Familienlebens, welche Er im Baradieſe begründet hat, dauern fort, und die, welche Ihn fürchten, dürfen auch jetzt einen großen Theil des Glückes genießen, welches der himmliſche Vater dem Menſchen am Anfang zu⸗ gedacht hat.
Als Adam zum erſtenmal ſeine Augen aufthat, als er den Garten Gottes um ſich her, den Himmel und die Himmelslichter über ſich blickte, als er bei jedem Schritt, den er that, inne werden durfte, wie Gott im Voraus an ihn gedacht, und für ihn Sorge getragen hatte, da mußte wohl ſein Herz in Anbetung, Dank und Lobgeſang gegen ſeinen großen Wohlthäter ſich auf⸗ ſchließen. Ebenſo ſoll es bei uns ſein, jo oft wir die uns ums gebenden Wohlthaten Gottes genießen und aus Seinen Segensquellen ſchöpfen. Jeder Schritt unſeres Lebens ſoll von dem Gefühl des Dankes und von Kundgebung der Dankbarkeit gegen Gott begleitet ſein. Wenn wir den Dank vergeſſen, wenn wir die Geſchenke der milden Hand des HErrn hinnehmen ohne zu dem Geber aufzublicken, ſo iſt dies Abſtumpfung des Herzens und anhebende Verfinſterung des Gewiſſens. Anbetung und Dank
SG erwartete Gott auch von den Heiden zur Zeit, da Er ſie ihre eigenen Wege gehen ließ. Wie vielmehr erwartet Er dies von uns, denen nicht allein das Licht der Natur, ſondern das viel hellere Licht der Gnade leuchtet! Denn uns iſt die Liebe Gottes in Jeſu Chriſto noch weit herrlicher als ſelbſt dem Adam im Paradieſe erſchienen. |
II. Wir erkennen in dieſem Abſchnitt des Wortes Gottes die Würde des Menſchen.
Sie beruht auf der Art und Weiſe wie Gott ihn geſchaffen hat. Gott ſprach: „die Waſſer ſollen wimmeln von lebendigen Weſen“ — „die Erde bringe hervor lebendige Thiere“, und es geſchah alſo. Aus jenen Lebenskräften, welche Gott in das Meer und in den Schooß der Erde gelegt hatte, gingen auf den Wink des Ewigen die vernunftloſen Creaturen in ihrer Mannigfaltigkeit hervor. Auch der Menſch iſt von der Erde genommen, und auch in ihm regt ſich und erweiſet ſich das urſprünglich in die Mutter Erde gelegte Leben, aber Gott ließ es nicht dabei, ſondern nach— dem Er den Menſchen aus dem Staub der Erde wunderbarer, künſtlicher und ſchöner als alle andern Geſchöpfe gebildet hatte, hauchte Er ihm den Odem des Lebens ein; das heißt: durch eine ſchöpferiſche That theilte Er ihm ein Leben mit, welches die Thiere nicht haben. Dieß iſt das geiſtliche Leben, Kraft des Willens, um Gott mit freier Hingebung zu dienen, Licht der Vernunft, um Ihn zu erkennen, ein Gewiſſen, um Seine Stimme zu hören, ein fühlendes Herz, um Ihn zu lieben und anzubeten, eine Beſtimmung zur Unſterblichkeit und zur Verklärung aus dem Irdi— ſchen in das Himmliſche. So ward der Menſch eine lebendige Seele im höheren Sinne des Wortes, fähig, daß in ihm, als in einem Abbild die Herrlichkeit des lebendigen Gottes erſcheine.
Wir ſehen die Würde des Menſchen in ſeiner Gemeinſchaft mit Gott. Gott war ihm nicht ferne und unbekannt; Gott iſt Rihm erſchienen, und hat mit ihm geredet. Es war der Vater, der im Sohne erſchien, und durch den heiligen Geiſt zu dem Herzen des Menſchen redete. Denn nie iſt Gott anders als in Seinem Sohne erſchienen, durch den Er auch die Welt gemacht, durch den Er ſich von Anfang den Menſchen geoffenbart hat. Der Menſch
Be kannte feinen Gott und Vater. Er wandelte mit Gott und im Bewußtſein der Gegenwart Gottes. Er lernte die Sprache von Gott, denn, wenn er ſich allein überlaſſen geweſen wäre, ſo würde er nie ſprechen gelernt haben. Gott ſelbſt unterwies und erleuchtete ihn, wie er beten und dem HErrn dienen ſollte. Er ward von Gott unterrichtet, was ſeine Aufgabe und ſeine Pflicht auf Erden ſei, was er thun und was er nicht thun dürfe. Er ſtand in Frieden mit Gott und genoß jenes Glück der Unſchuld, von welchem wir jetzt noch in einer wohlbehüteten Kindheit eine Nachempfindung haben.
Wir ſehen die Würde des Menſchen in der Aufgabe, die er an der Creatur zu erfüllen hatte. Gott verſetzte den Menſchen, den Er außerhalb des Gartens und von dem Staub der gewöhn⸗ lichen Erde gebildet hatte, in den Garten Eden, damit er dieſen bauete und bewahrte. Alſo unter der Pflege des Menſchen ſollte das Paradies noch herrlicher erblühen, unter der Obhut des Men⸗ ſchen ſollte es gegen einen im Hintergrunde lauernden Feind beſchützt werden; denn wo kein Feind und keine Gefahr iſt, da bedarf es auch keines Bewahrers. Der Menſch hatte Macht über die niedere Creatur, denn er hatte Einſicht in ihr inneres Weſen: „wie er allerlei lebendige Thiere nennen würde, ſo ſollten ſie heißen“; er ſah, ſo zu ſagen, den Creaturen ins Herz, und ſie waren ihm unterthan. Jetzt muß der Menſch die Thiere mit Liſt und Gewalt bezwingen, damals führte ſie Gott ihm zu, und ſie folgten dem Menſchen als ihrem Gebieter, Beſchützer und Wohl⸗ thäter. Der Menſch ſollte, indem er in ſeiner rechten Stellung blieb, die ganze ihm untergebene Creatur veredeln und zur Ehre Gottes anwenden. Er ſollte das paradieſiſche Weſen weiter über die Erde verbreiten, er ſollte, als Haupt der irdiſchen Schöpfung und an ihrer Spitze ſtehend, den Schöpfer anbeten und verherrlichen.
Seine Aufgabe war endlich, ſelbſt veredelt und an Gottes Hand auf eine noch höhere Stufe des Daſeins geführt zu werden. Er war unſchuldig, aber er war noch nicht durch Prü— fungen bewährt, und noch nicht in jenen Stand erhoben, wo es keine Gefahr und Verſuchung mehr für die Kinder Gottes geben wird. Er war nicht unter dem Fluch des Todes, es war ihm
BEN EEE noch nicht geſetzt zu Sterben, doch war er noch nicht zur Verklärung des Leibes gelangt. Seinem Körper nach konnte er noch ſterben, er befand ſich noch nicht auf jener Stufe, von der der HErr ſagt: „ſie können hinfort nicht ſterben, denn ſie ſind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil ſie Kinder ſind der Auferſtehung“ Luc. 20, 36. Der Weg, auf dem er ohne Erfahrung des Todes zu dieſer Stufe gelangen und ganz ins himmliſche Weſen verſetzt werden ſollte, ſtand ihm offen. Im Paradieſe befand ſich der Baum des Lebens. Dieſer war nicht vergeblich von Gott dahin gepflanzt, ſondern, wenn der Menſch ſich bewährte, treu und ge— horſam blieb, ſo war ihm die Frucht vom Baume des Lebens, und der Uebergang in den vollen Beſitz der Unſterblichkeit als Beloh— nung vorbehalten. Bis dahin aber befand er ſich noch im Stande der Prüfung und Vorbereitung.
Dieſe Würde des Menſchen iſt ſeitdem mannigfach entſtellt und verdunkelt worden. Dennoch bewundern wir nicht allein die Liebe und Allmacht Gottes, der ihm Anfangs eine ſolche Stelle angewieſen hat, wir bewundern auch die Treue Gottes, der nach unſerem tiefen Fall dieſe ſelige und herrliche Beſtimmung des Menſchen nicht widerrufen, ſondern aufrecht erhalten hat. Wir preiſen die göttliche Liebe, welche uns ſchon jetzt in Chriſto Jeſu zu einem ſeligen Stande erhoben, und welche uns die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit geſchenkt hat. Schon jetzt iſt uns ein neues geiſtliches Leben zu Theil geworden. Wir können mit Gott wandeln durch den Glauben, denn wir haben Seinen Geiſt, den edlen Führer, empfangen. Wir ſind ſchon ausgerüſtet, um auch andern zum Segen zu gereichen, und wir ſehen, wenn wir anders treu bleiben bis ans Ende, dem Tage entgegen, wo wir ganz in das Bild des verklärten Chriſtus umgeſtaltet werden und alſo das ſelige Ziel erreichen ſollen, welches dem Menſchen am Anfang vor⸗ geſteckt war, da er rein und unſchuldig aus der Hand Gottes hervorging.
III. Wir ſehen im Paradieſe eine Vorbedeutung dieſer zu— künftigen Herrlichkeit. Jenes Paradies iſt auf der Erde nicht mehr zu finden. Das Gericht der großen Fluth hat die Geſtalt des Erdbodens verändert, und die Stürme ſind auch über den Garten
Eden ergangen; feine Stätte kennet man nicht mehr. Die vier Ströme, die von dort ausgingen, haben ihren Lauf verändert, wenn gleich ſich ihre Namen erhalten haben. Das alte Paradies iſt vergangen, und es wird nicht wieder ſo, wie es einſt war, her⸗ geſtellt. Zwar wird etwas ähnliches auf der Erde zu Stande kommen im Reich des Friedens, wenn der Fluch von der Erde weggenommen, wenn Satan, der Verführer der Völker, die alte Schlange, gebunden iſt, wenn der Gottloſe nicht mehr da ſein wird und alle Völker dem HErrn dienen, wenn die Weiſſagung des 72ſten Pſalms in Erfüllung geht. Doch iſt es nicht unſer Verlangen, alsdann auf der paradieſiſchen Erde zu wohnen, ſon⸗ dern wir ſehnen uns nach einer beſſern Heimath, wir haben eine größere Verheißung, wie der HErr geſagt hat: „wo ich bin, da ſoll mein Diener auch ſein.“ Joh. 12, 26. Er aber iſt im Him⸗ mel und iſt ganz himmliſch. Er wird zwar über die Erde herrſchen, aber nicht an die Erde gebunden ſein. Darum ſagen wir mit dem Apoſtel: „unſer Bürgerrecht iſt im Himmel, von wo wir auch Jeſum Chriſtum den HErrn als Retter erwarten, welcher unſern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde Sei⸗ nem verklärten Leibe.“ Phil. 3, 20. 21. Das Endziel unſerer Wallfahrt liegt nicht auf der Erde, auch nicht im Reiche der Entſchlafenen, ſondern in jener himmliſchen Stadt, deren Baumeiſter und Schöpfer Gott iſt. Als Johannes ſie ſah, das neue Jeru⸗ ſalem, die Hütte Gottes bei den Menſchen, da zeigte ihm der Engel einen kryſtallnen Strom des lebendigen Waſſers, der von dem Throne Gottes und des Lammes ausging und die Stadt durchſtrömte; Johannes ſah auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die ihre Früchte alle Monate bringen und ihre Blätter dienen zur Heilung der Völker. In dieſer Stadt wohnen die Knechte des HErrn; ſie werden Ihm dienen, und ſehen Sein Angeſicht und Sein Name wird an ihren Stirnen ſein. Offenb. 22, 1—4. Das iſt das himmlische Gegenbild des Para⸗ dieſes, das Paradies auf einer höheren Stufe, wovon jener Garten im Morgenlande nur eine Abſchattung war. Im irdiſchen Para⸗ dieſe war das Geheimniß des Himmelreichs ſchon angedeutet, aber erſt im himmliſchen Jeruſalem wird dies Geheimniß vollendet und geoffenbaret fein. Der Anfang uud das Ende der Wege Gottes ſtehen im Einklang. Er tft das A und das O; was Er am An— fang ſich vorgenommen, wird Er am Ende herrlich hinausführen. In dem himmliſchen Paradieſe, auf das wir warten, wird der zweite Adam, der HErr vom Himmel, Chriſtus zu ſchauen ſein, und an Seiner Seite die vollendete chriſtliche Gemeinde, die Ihm ähnlich iſt und würdig Seine Gehülfin zu ſein, die Mutter aller Lebendigen, die mit Ihm die Herrſchaft über die Werke Gottes theilt.
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The end
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