Mittelniederdeutsches Handwörterbuch (part 4 of 5)
=slupperich,= schlüpfrig.
=slûp-reise,= heimliche Reise.
=slûp-wacht,= heimliche, Schleichwacht.
=slûp-wachter,= heimlicher, Schleichwächter, Häscher.
=slûr-affe,= Schlaraffe (a. d. Hd.).
=sluren,= sw. v. schlottern, los und welk hangen; träge sein.
=slurren,= sw. v. schlurfen, den Boden streifend gehen.
=sluse,= f. Gerät oder Einrichtung zum Einschliessen, bes. der Fische, *gurgustium,* und des Wassers, Schleuse, *exclusa;* daher: *sluse-gelt,* Abgabe für Durchschleusen von Schiffen; *-mêster,* Schleusen-Aufseher; *-strôm, -vlêt,* Wasserlauf ober- oder niederhalb einer Schleuse.
=slût,= n. Schluss, Beschluss.
=slût-ammet,= Schliessamt, officium subcustodie.
=slutel-gelt,= Schliessgeld für Verwahrung von Gefangenen.
=sluten,= st. v. schliessen, zu-, einschliessen; beschliessen, einen Entschluss fassen; umfassen, begreifen; endigen; sich schliessen, sich an einander fügen, passen.
=sluter,= Schliesser, Thorwächter, Gefangenenwärter, Kastellan; auch Oekonom, Schaffner, Kellermeister (im Kloster)? in Dithmarschen eine höhere, obrigkeitliche Person, Kirchspielsvorstand, in Eimbek eine Würde innerhalb des Stadtrates.
=sluterschop,= Amt eines sluters.
=slût=-isern = slotnagel; -rede, Schlussrede, Epilog; -stên = slotstên.
=sluve?= gemeines Weib, *meretrix* (vgl. *slune*).
=sma= = smahe.
=smacht,= m. hoher Grad von Hunger.
=smachten,= sw. v. 1. intr. hungern, vor Hunger vergelten. 2. trans. verhungern lassen.
=smacht-hals,= ein armer Hungerleider.
=smachtich,= hungrig.
=smackachtich,= schmackhaft.
=smacke,= der Sumach, rhus coriaria.
=smacke,= f. 1. eine Art Segel: Gaffelsegel? 2. Schmacke, eine Art Schiffe.
=smacken,= sw. v. schlagen, werfen, *jacere;* intr. schlagen, fallen.
=smacken,= sw. v. 1. schmecken. 2. schmatzen, mit den Lippen (namentl. beim Essen, wie die Schweine thun).
=smacken-boyer,= Bojer (Schiff) mit einem Schmacksegel.
=smadden,= sw. v. schmähen, tadeln, schelten.
=smaden,= sw. v. verschmähen.
=smadenisse= u. =smaddunge, smaginge,= Hohn, Schmähung.
=smahe,= f. = smaheit.
=smaheit,= Schmach, Verachtung.
=smak,= m. u. =smake,= _f.? 1. act. Schmecken, Geniessen; Geschmack als Sinn, *gustus;* auch = Geruch. 2. pass. Geschmack; Geruch, den eine Sache hat,_ sapor, odor.
=smak(e)lik,= schmackhaft.
=smaken,= sw. v. schmecken, kosten; bildl. empfinden, erfahren; intr. einen Geschmack von sich geben; *mi smaket,* mir schmeckt, gefällt.
=smak-segel= = smacke 1.
=smal,= schmal, enge, dünne, schmächtig, schlank; klein, gering; vom Gelde: *smal gelt, smale grossen,* Ggs. *brêt* (breite Gr. sind die Böhmischen).
=smal-bant,= _(Ggs. *buket-bant)* schmal gebundene Tonne; als Mass._
=smal-bant,= kleiner Lachs?
=smale-hans,= Hungerleider.
=smalen,= sw. v. 1. verschmälern, verengern, verkleinern. 2. *up, an,* schmälen, schelten, herabsetzen.
=smalich,= schmählich.
=smalicheit,= Schmählichkeit, Verachtung.
=smal-laken,= Laken von geringer Breite.
=smal-sât,= legumen.
=smal-schene,= (Ggs. grôt-schene) gracilium, Schuster-Instrument.
=smalt,= ältere u. dial. Form für smolt.
=smal-tegede,= der kleine Zehnte, von lebendem Vieh genommen; Ggs. der Korn-, Getreidezehnte.
=smal-towe,= 1. klein. Fischernetz. 2. s. f. W.
=smal-wever,= Weber, der nur schmale Leinwand auf d. *smaltowe* fertigt; fem. -sche.
=smant,= Rahm der Milch, *oxigallum; -emmer,* Eimer für diese.
=smarre,= f. Schmarre.
=smarte= etc., s. *smerte* etc.
=smâ-skin, -schin, -schen, -tzken,= als Pelzwerk zugerichtete, fein gekräuselte Lammfellchen.
=smâschen-voder,= Futter von Schmaschen.
=smât,= f. = smaheit.
=sma-wort,= Schmähwort.
=smê= = smê-, smaheit, Geringschätzung.
=smêchen, smêcher= = smêken, smêker.
=smechtigen,= sw. v. hungern lassen.
=smechtich,= _1. *= smachtich.* 2. *spericus,* d. i. *sphaericus,* schmächtig, dünne?_
=smeckaftich,= schmackhaft.
=smecke-kost,= leckere Mahlzeit, eine Art Gildenausrichtung.
=smecken,= sw. v. 1. intr. Geschmack haben, *sapere; smeckende, sapidus;* Geruch von sich geben, riechen. 2. trans. kosten, schmecken.
=smeckinge,= das Schmecken, Kosten.
=smede,= f. Schmiede; Münzschmiede.
=smede=-ammecht, -gilde, Schmiede-Innung; *-gast,* Kunde eines S.; *-knecht,* 1. *= smede-geselle,* 2. Heupferdchen; *-mêster,* S.-Aelterleute; *-stok, pistillus; -tange, forceps; -touwe,* n. S.-Gerät; *-werk,* S.-Arbeit, -Innung.
=smêdelik= = smêlik.
=smeden,= sw. v. schmieden; *= besmeden,* in eiserne Fesseln schmieden; Geld prägen.
=smêdunge,= Schmähung.
=smêgichliken,= adv. schmähend.
=smêkelik,= schmeichlerisch.
=smêkeler,= Schmeichler.
=smêken (smeiken),= sw. v. schmeicheln, freundlich thun mit jem.
=smêker,= Schmeichler.
=smêkerie, smêkinge,= Schmeichelei.
=smek-mêster,= der die Speisen und Getränke zu schmecken hat, Speisemeister.
=smelen= = smalen.
=smêlicheit,= Schmach.
=smêlik,= schmählich, verächtlich; adv. smêliken.
=smelinge,= Schmälerung.
=smelt,= n. Schmelz, metallisches Glas, frz. émail.
=smelt(e)=-grove, -hutte, Schmelzgrube, -hütte.
=smelten,= st. u. sw. v. schmelzen, sow. trans. als intr.
=smeltich,= liquabilis.
=smênisse,= Schmach.
=smer, smēr,= n. Schmer, Fett; ein Stück desselben v. bestimmter Form, Grösse oder Gewicht?
=smer-ammer,= Eimer für Schmer.
=smê-rede,= Schmährede.
=smeren,= sw. v. schmieren, salben; schminken; fig. bestechen u. prügeln.
=smerer,= Schmierer (Salbenschmierer?)
=smeringe,= Beschmierung.
=smer-hêre,= Verkäufer von Fettwaren.
=smerich,= schmierig, fettig; mit Schmer verfälscht, v. Wachs.
=smerle= u. =smerlink,= Goldammer, amarillus.
=smer-snider,= Fettverkäufer, -händler.
=smerte,= f. Schmerz.
=smerten,= sw. v. schmerzen, weh tun.
=smer-vlome,= (tautol.) Fett.
=smet= = smit.
=smete,= st. m. Schmiss, Schlag.
=smette= = smitte.
=smicke,= der vorderste (ausgeriffelte) Teil einer Peitsche, dann überh. Peitsche.
=smide,= n. 1. geschmiedetes Metall, Schmiedewerk. 2. Geschmeide, Schmuck von Metall.
=smide-lade,= Schmuckkasten.
=smiden,= sw. v. mit Geschmeide versehen, besetzen, zieren.
=smide-schap,= Schmuckschrank.
=smidich,= weich, geschmeidig; fig. gefügig, nachgiebig.
=smidicheit,= Geschmeidigkeit.
=smidigen,= sw. v. geschmeidig machen.
=smiliken?= freundlich?
=smilten= = smelten.
=smit, smet,= fl. *smedes,* Schmied.
=smite,= f. Segelhals der unteren Segel, mittels dessen sie niedergeholt werden.
=smiten,= st. v. schmeissen, werfen; schlagen, stäupen; fig. *unmôt s. up,* abgeneigt werden.
=smitte,= f. (u. m.) angeworfener Schmutzfleck; dann überh. Schmutz, auch im moral. Sinne; in der Weberei der Kleister, womit man den Aufzug, die Scherung, stärkt.
=smittelisse,= _»Gebühr der Leineweber für die Stärke der Scherung«._
=smitten,= sw. v. schmutzen, flecken; das Garn oder die Scherung mit einem Kleister stärken.
=smittinge,= Beschmutzung.
=smit-wech,= Weg zur Schmiede.
=smode= u. =smodich, smodigen= = smidich, smidigen.
=smôk,= _m. Schmauch, Rauch, Qualm; fig. Spur, Kennzeichen, Gerücht._
=smoken,= sw. v. schmauchen, räuchern; durch Rauch ersticken.
=smoker,= Räucherer.
=smokicheit,= Rauch; Hitze, Dürre.
=smolt,= n. Schmalz.
=smolten= = smelten.
=smoren,= sw. v. 1. dämpfen, die Luft benehmen, ersticken, langsam in einem bedeckten Gefässe kochen oder braten; 2. intr. ersticken..
=smôr-pot,= Topf zum Schmoren.
=smoterken= = smotteren?
=smotteren,= schmeicheln, liebkosen.
=smucken,= sw. v. schmiegen; an sich schmiegen, küssen.
=smucken,= sw. v. schön machen, schmücken.
=smuckerne?= schmückend, schmuck.
=smudde-pot,= Schmutztopf.
=smuk,= n. Schmuck, Zierat.
=smuk,= geschmeidig, biegsam; schmuck, schön, zierlich.
=smuke, smoke,= f. Hure.
=smurre,= Striem, Schmarre, Schnitt, Riss.
=smurten,= sw. v. die Luft benehmen, ersticken.
=smuser-, smucer-lachen,= sw. v. lächeln, schmunzeln.
=snabbe,= Schnabel; Schuhschnabel.
=snabben,= sw. v. schnappen.
=snacken,= sw. v. sprechen, reden, bes. viel unnützes: schwatzen.
=snacker,= Schwätzer.
=snackerie,= Geschwätz.
=snak,= m. Gerede, Gewäsch.
=snak,= adj. wortreich, beredt.
=snake,= f. m. Schlange, Ringelnatter.
=snaken-wort,= f. Drachenwurz, -kraut.
=snappe,= der Rotz aus Nase und Mund = snoppe.
=snap-hane,= 1. Wegelagerer zu Pferde, Strassenräuber. 2. eine Münze mit dem Bilde eines Reiters (= 5 o. 6 Stüver, Schillinge).
=snappen,= sw. v. 1. *na,* rasch mit dem Munde, dem Schnabel haschen nach; *na dem ademe, agonia;* trans. erschnappen, greifen, fassen. 2. eilfertig reden. 3. schnellen; *s. laten,* fahren lassen, los lassen.
=snapper,= Schwätzer.
=snapperen,= sw. v. schwatzen.
=snappich,= rotzig.
=snare,= f. (u. =snar,= n.?) Seite einer Harfe etc., fides.
=snare,= _f. (aus älterem *snore?)* des Sohnes Frau, Schwiegertochter, Schnur._
=snaren-spil,= Saitenspiel.
=snar-iseren,= Richteisen, Winkelmass?
=snarken= = snorken.
=snarliken,= adv. schnell (schnurstracks).
=snar-meker,= Bereiter eines Tuches, *snar* genannt?
=snarren,= sw. v. schnarren, ein schnarrendes Geräusch machen; schwatzen, plappern; murren, brummen.
=snarringe,= Lerm, Gekeife.
=snascherie,= Nascherei.
=snat,= m. Streichmass (Ggs. gehäuftes Mass?); *achten uppen snat,* es genau nehmen.
=snât,= m. Grenze, Grenzlinie.
=snât-bôm,= Grenzbaum, in den ein Zeichen *(snât-kruce)* geschnitten wurde.
=snatelen,= sw. v. die (kleinen) Zweige abschneiden, abramescere.
=snateren,= sw. v. schwatzen.
=snât-pâl,= Grenzpfahl.
=snavel,= m. Schnabel, Rüssel; lange, aufgekrümmte Schuhspitze.
=snaven,= sw. v. 1. straucheln, stolpern, stürzen, fallen. 2. fig. irren, verkehrt handeln oder sprechen, in der Rede stecken bleiben.
=snavelen,= sw. v. = snaven 1.
=snavinge,= das Straucheln.
=snê,= m. Schnee.
=snê-aftich, -achtich,= schneeig.
=snebbe= = snibbe.
=snê-berch,= die Alpen.
=snede,= st. m. 1. Schnitt, Einschnitt. 2. Ausschnitt, Gewandschnitt, Kleinverkauf des Tuches. 3. Kleiderschnitt, Mode. 4. Durchsägung von Holz, bes. der Länge nach; gesägtes Bauholz. 5. Formung von Zierziegeln durch Beschneiden vor dem Brand; solcher Stein selbst, gerne collectiv gebraucht. 6. Schneide, Schärfe, auch fig.
=snede,= st. f. 1. Schnitte (Brodes etc.). 2. selten = snede I, 2.
=snêde,= st. f. Grenze, Grenzlinie; ein Grenzzeichen.
=snêde-bôm,= Grenzbaum.
=snede-kôp,= Schnittkauf, Verkauf im einzelnen.
=snede-lôk,= Schnittlauch.
=sneden-stên, -werk,= auch bloss =sneden, gesneden,= n.? geschnittene Ziegelsteine = snede I, 5.
=sneder,= Schnitter.
=snêdich= (u. =snedich?=) = sneidich.
=snegel,= Schnecke.
=snei= = snê.
=snêich,= schneeig.
=sneidich,= listig, schlau, gewandt; adv. sneidigen, sneideliken.
=sneidicheit,= List, Schlauheit, Gewandtheit.
=sneil= m. u. =sneile,= f.? Schnecke.
=snel,= schnell.
=snelheit,= Schnelligkeit.
=snellen,= sw. v. schnell sein, sich beeilen; gew. refl.; snellende, impetuosus.
=snellicheit,= Schnelligkeit.
=snellik= u. =snellich,= schnell, rasch, plötzlich; adv. *snellik(en)* u. snellich(liken).
=snellinge,= rasche Bewegung.
=snel-radich,= der schnell mit dem Rat bei der Hand ist.
=snene?= Grenze (= snede?).
=snepel (sneppel),= ein Fisch, Schnäpel.
=sneppe= = snippe, Schnepfe.
=sneppel,= Schnipfel, Zipfel?
=snere,= Schnürlitze?
=snerink-penninge,= denarii censuales, Zins von verpachteten Grundstücken (oder Wortzins?).
=snêse,= _Baumreis, Schnur, woran etwas gereiht wird; ein Zahlbegriff, 7-20 (namentl. von Fischen, bes. Aalen)._
=snêt,= m. die (gespaltene) Klaue, Hufe des Viehes.
=snêt-bôm= = snêdebôm.
=snêtelen= = snatelen.
=sneteren,= sw. v. 1. = *snateren.* 2. klappern, an einander schlagen, von den Zähnen.
=snêt-stên,= Grenzstein.
=snevel= = snavel.
=sneven,= sw. v. = snaven.
=snê-vlocke,= Schneeflocke.
=snê-water,= Schneewasser.
=snê-wit,= schneeweiss.
=snibbe,= f. Schnabel.
=snicke,= f. ein kleines (Kriegs)schiff.
=snicke-mêster,= Bootsmeister (in Lübeck).
=sniddeken,= sw. v. schnitzen.
=sniddeker,= (Holz-)Schnitzer, Bildner; Tischler.
=snidde-werk,= Schnitzerei, Tischlerarbeit.
=snide,= Schneide, Schärfe.
=snide-blok, -klik,= Block, der zu Dielen zerschnitten wird.
=snide-bret,= Schneidebrett, bes. der Lederarbeiter.
=snide-brôt,= grösseres Brod?
=snide-kô,= Vieh zum Schlachten.
=snide-lade,= Schneidelade zum Häckselschneiden.
=snidel-gelt,= _Schneide-, Schnittgeld (je nach der Art des Schneidens verschieden)._
=snidels,= abgeschnittenes Stück (Tuch).
=sniden,= st. v. 1. schneiden; zerschneiden, zersägen. 2. im einzelnen (zerschnitten) verkaufen. 3. schlachten. 4. schneidend machen, bes. (aus Holz oder anderem Stoffe) schnitzen; gravieren; (Zeug) schlitzen.
=snider,= _jeder der schneidet, daher 1. der Schnitter. 2. Schnitzer; Bildhauer. 3. der Ausschnittwaren-Händler, Gewandschneider. 4. Schneider, Kleidermacher (selten). 5. Graveur._
=snide-schillink= (= snidelgelt?) als Abgabe.
=snide-, snidel-swîn,= Schwein zum Schlachten.
=snide-werk= = sniddewerk.
=snidinge,= messio.
=snien, snigen,= sw. v. schneien.
=snigge,= m. f. Schnecke.
=snig(ge)-, sniggen-hûs,= Schneckenhaus; Muschel.
=snip,= Pips, pituita, pestis pulli.
=snippe (snippel),= m.? Schnepfe.
=snippe,= f.? Schneppe, Schuhschnabel.
=snir-rême,= Schnürriemen.
=snît-gras,= carex (carex acuta?).
=snît-hepe, -heipe,= (krummes) Messer zum Schneiden, Winzermesser.
=snît-isern,= Schneide-Eisen (an Pfählen zur Hinderung des Fischfanges?).
=snitker= u. =snitzer= = sniddeker.
=snitse,= ein Gebäck, Schnitzel.
=snît-, snit-werk= = sniddewerk.
=snoddele?= ein Kleidungsstück.
=snode,= schlecht, gering, erbärmlich, wertlos.
=snodel,= (hängender) Nasenschleim.
=snodeliken,= auf eine elende, erbärmliche Weise.
=snoderen,= sw. v. den Nasenschleim auswerfen, den Schnupfen haben.
=snodicheit,= Elendigkeit, Erbärmlichkeit.
=snoie,= Wickelranke, Schlinge, cirrhus.
=snoien,= sw. v. einem Baume die Zweige abhauen, beschneiden.
=snôk (snokel),= junger Gras-Hecht, überh. Hecht.
=snoppe,= Nasenschleim.
=snoppel-kîl,= (hängender) Nasenschleim.
=snoppen,= sw. v. die Nase schnauben.
=snoppich,= nasenschleimig; verschnupft.
=snôr,= m. =(snôre,= f.) 1. Schnur, Messschnur, Richtschnur; *over den s. houwen,* über das erlaubte Mass hinausgehen. 2. Schnur, Litze, Riemen, als Band und Schmuck, bes. Haarband. 3. Gerät zum Fischfang. 4. Bogensehne.
=snôr=-lîk(e), -recht, _schnurgerade; *-pipe,* Nestelstift, -beschlag; *-rême,* Nestel, Schnürriemen; *-rok,* Rock mit Schnüren._
=snore,= 1. s. *snare, nurus.* 2. Schwägerin? Schwiegermutter?
=snoren,= sw. v. schnüren, zu einer Schnur aneinander reihen; zuschnüren; mit der Schnur messend bestimmen; mit Schnüren versehen, zieren.
=snorken,= sw. v. 1. schnarchen, schnaufen. 2. schnaufen, wie es der Zornige, Hochmütige, Prahler thut.
=snorker,= Prahler.
=snorren,= sw. v. brummen, murren.
=snôtheit, snôtliken= = snodicheit, snodeliken.
=snotte,= m. Nasenschleim.
=snotten= = snuten.
=snouwe,= dumm?
=snouwen,= sw. v. schnauzen, schnappen, das Maul gegen jem. wenden; heftig anfahren.
=snove,= st. m. 1. Witterung, Geruch. 2. Schnupfen = snuve; snovich = snuvich.
=snoven= u. =snubbelen= = snaven.
=snucken,= sw. v. schluchzen.
=snuf,= (û?) = snuve.
=snurren,= sw. v. ein schnarrendes Geräusch machen; Roulette oder Quekebret spielen?
=snûte,= f. Schnauze.
=snût(el)-dôk,= Schnupftuch.
=snuten,= sw. v. schneuzen; das Licht putzen.
=snuterken,= (e)munctorium: Schnupftuch oder Lichtschere.
=snûtlik?= den Mund, die Lippen aufwerfend?
=snutse (snusse)= = snûte.
=snuve,= sw. m. Schleimfluss der Nase, Katarrh, Schnupfen.
=snuve(l)-dôk,= Schnupftuch.
=snuven,= st. v.? 1. schnauben, *susurrare.* 2. die Nase reinigen. 3. schnaubend, mit Geräusch daherfahren.
=snuve-schêre,= Lichtschere.
=snuvich,= mit Schnupfen behaftet; vom Pferde: rotzig.
=sô,= so: 1. demonstr. so sehr, *so grôt ein (ên),* meist *so groten, ein so groten,* ein so grosser; in solcher Weise; ebenso; dann, bes. im Nachsatze. 2. relat. wie, als; wann, wenn; weil; während doch, obgleich; = Relativpronomen. 3. *so dat, so als,* weil; *so vorder,* insofern; *so vort,* bald darauf, gleich nachher. 4. *so we so, so we, we so* und ebenso *mit welk, wanne, war* etc. *= swe, swelk* etc., *quicunque* etc. 5. *so -- so,* so -- wie, wie -- so; bald -- bald; je -- desto.
=sober,= mässig; nüchtern; adv. -like(n).
=soberheit,= Mässigkeit.
=soch,= n. das Saugen, die Saugung; auch was man saugt, Muttermilch, Frauenmilch. Zus.: soch-kalf, -kinder, -vole.
=socke,= Socke, Fusstuch, Filzschuh.
=sockeren,= Kichererbsen, cicer.
=so-dân, -dan, soden,= so gethan, so beschaffen, solch, *talis; sodam, -dem,* Dat. Sg. Mit Artikel sodân ên, so-danen.
=so-danich, -dannich= = sodân.
=sodder,= seit; seitdem (= seder).
=sode, sodde,= st. m. Sud, Sieden; soviel man auf einmal kocht, siedet.
=sôde,= Rase, abgestochene Erd- oder Torfscholle.
=sôde,= das Sotbrennen.
=soge,= Sau, Mutterschwein.
=so-gedân= = sodân.
=sôge-kint,= Säugling.
=sôgen,= sw. v. säugen, die Brust geben; bildl. Freundliches erweisen, mit freundlichen Worten füttern. -- Zuw. = sugen.
=sogen-gelach,= schweinisches, unsauberes Gelage.
=sogen-putte,= Schweinepfütze.
=sogesch,= schweinisch, suinus.
=soke-drunk,= (der einen Trunk sucht) Schmarotzer.
=sokelicheit:= êgene s., Selbstsucht, Eigennutz.
=soken,= sw. v. 1. suchen; trachten nach. 2. besuchen; bes. von Kaufleuten, mit *to* und *af, van,* hin und zurück. 3. untersuchen. 4. feindlich suchen, angreifen. 5. Im rechtl. Sinne: a. besuchen (das Gericht) um Recht zu sprechen oder sich Recht sprechen zu lassen; b. sein Recht suchen, verfolgen (gerichtlich), klagen. 6. *to soken maken,* machen, dass man jem. wieder ansuchen muss, nicht gleich bewilligen.
=soker,= 1. Sucher; Haussucher; der eines andern Gut sucht, angreift, Räuber. 2. Instrument der Chirurgen, Sonde, Sondiernadel; Brunnenhaken; Fleischhaken.
=soke-schult,= Schuld, die man aus Chicane herbeisucht, nicht in der That begründet ist?
=sokinge,= 1. das Suchen, Nachsuchen. 2. = sukinge.
=sol,= n. das kleinste Mass für die Verteilung der Sole am Sode.
=sol,= n. mit stehendem Wasser angefüllte Niederung, Teich.
=solâs,= Trost, Zerstreuung, Vergnügen.
=soldenêr,= seltener =soldate, soldêr,= Söldner, stipendiarius.
=solder, soller,= m. Söller, Boden.
=solderî(g)e, soldî(g)e= u. =soldinge,= Besoldung, Ausgabe für Söldner.
=soldûr,= Lötung (mit Borax, *chrysocolla?*); dazu das Verbum: solduren.
=sole,= f. Salzsole, *salsugo;* überh. Salzwasser.
=sole,= f. Fusssohle; Schuhsohle; Haussohle, Schwellbalken.
=solen,= sw. v. 1. in Schmutz u. Kot umwälzen, schmutzig machen, besudeln. 2. schmutzige Arbeit verrichten, sichs sauer werden lassen.
=solen= = scholen, sollen.
=sole-wide= = salwide.
=solfêren,= sw. v. die Tonleiter singen, solfisare.
=solich (salich),= schmutzig.
=solik, sollik, sollek, solk,= auch mit nachfolg. *ên,* solcher.
=solt, tzolt,= m. n. Sold, Lohn, Gehalt.
=solt,= n. Salz.
=solt,= adj. salzig, gesalzen; *dat solte water,* die See.
=solt=-ampt, _Gewerk der *solters; -berch,* salzhaltiger Berg; *-born,* Solquelle; *-brôk,* solhaltige Niederung; *-broke,* st. m. Vergehen im Salzhandel u. d. Strafe dafür; *-ertze,* Salzerz; *-kane, -prame, -schip,* Schiff zur Ausfuhr, auch zum Verkauf v. Salz; *-keller,* Keller zur Lagerung u. z. Verkauf v. S.; *-kôp,* S.-handel, auch der Preis des S.; *-menger,* S.-händler; *-kote,* S.-siedehütte; *-punder,* S.-wage; *-sêder,* S.-sieder; *-stoter,* der das S. in Tonnen verladet; *-sule,* S.-säule (v. Loth's Weib); *-toln(e),* S.-zoll; *-tunne,* S.-tonne v. bestimmt. Form u. Grösse; *-vat,* S.-fass (Hausgerät); *-vlade,* S.-kuchen; *-vorer,* S.-händler; *-water,* S.-wasser, Lake; *-werk,* Saline._
=solten,= salzig.
=solten,= st. v.? salzen; Part. gesulten.
=solter,= Salzsieder; Salzverkäufer.
=solter= = salter, Psalter.
=soltich,= salzig. Subst. solticheit.
=sotinge,= das Einsalzen.
=soltink,= Byzantin. Goldsolidus; aus russ. solotnik.
=solt-stede= = salstede, sadelstede, Hofstelle.
=solt-wide= = sal-wide.
=sol-vluchtich,= von seinem Grundstück flüchtig?
=sol-water= = sole I.
=som= = sum, irgend einer, etlich.
=som?= der Ankerschmidt soll unter andern schmieden 2 *some* d. h.?
=sôm,= m. Saum, Rand.
=sôm, some,= Last eines Saumtieres; bestimmt. Mass.
=someken,= Demin. zu *sôm,* Zipfel, Franse, Schleppe.
=somelik, summelik,= irgend einer; Plur. einige, manche.
=somer,= ein langer, schlanker, grader Pfahl oder Baum.
=somer (sommer, samer),= m. Sommer; *(des) somers,* im S.
=sômer (sommer, samer)=-bede, -schat, _im Sommer fällige Steuer; *-dach,* Sommer-, d. i. langer Tag; *-dages = somers; -gast, -vare,* Kaufmann, w. den S. über in Nowgorod weilt; *-gesette, -hûs, -love,* S.-haus, -laube, Söller; *-gût, -herink,* im S. gefang. Hering, dän. *sommersild; -kleit,* Kleid für den S.; *-lode (lade), -late, -telge,* Schössling, Spross, wie er in einem Sommer wächst; *-lôn,* Lohn für das S.-Halbjahr; *-makent,* n. Festlichkeit zum Empfang des S.; *-nette,* Zugnetz zur Fischerei während des S.; *-sât,* f. S.-korn; *-tît,* S.-zeit; *-vallich,* Adj. zu *-valge,* f. S.-brache; *-vart,* Reise im S., s. *somergast; -verken,* diesjähriges Ferkel; *-vogel,* Schmetterling._
=somer(e),= 1. Saumtier. 2. u. *somerer,* der ein Saumtier führt. Zss. *somerlechelen,* n. Saumfässchen.
=so-mêr(e),= 1. beinahe, fast, grösstenteils. 2. *somêr -- alse,* sowol -- als. 3. jedesmal?
=someren (sommeren),= sw. v. Sommer werden, sein.
=somerlik,= adj. sommerlich.
=somes,= adv. zum Teil; bisweilen.
=somich, sommich, summich,= irgend einer; Plur. einige.
=sommern= = summeren.
=sommers-nacht,= der Tag Joh. des Täufers.
=sôm-schrîn,= Schrein auf einem Saumtier, Reisekasten.
=sôm-stucke,= Hüftstück des Ochsen.
=som-tît, -tides, -wile, -wilen,= s. sum-.
=sôn,= m. *= sône,* f.
=son-avent,= seltenere Form für sunn-.
=son-dach,= spätere gewöhnl. Form für sunnen-.
=sonder,= sonder, u. Ableit., s. sunder.
=sone,= m. Sohn; Acc. *sone, sonen,* Plur. sone, sones, sonen.
=sône,= f. Sühne: 1. endliche Ausgleichung eines Streites, Aussöhnung, *compositio.* 2. die Genugthuung, die der Beleidiger dem Beleidigten zu leisten hat.
=sôn(e)=-brake, f. Friedensbruch; *-brêf,* Sühnungs-Urkunde, Friedens-Instrument; *-brokich, -vluchtich,* der den Vergleich bricht; *-man,* Plur. *-manne, -lude,* Vermittler oder Zeuge einer Sühne; *-sprake,* Sühne-Beredung.
=soneken,= Söhnchen.
=sônel-dach,= 1. Sühntag. 2. Sonntag (l. sonnel-?).
=sonelik,= einem Sohne gemäss, kindlich.
=sônen,= sw. v. absol. oder s. *mit* oder refl. oder *êne sone s.* (auch refl.), den Streit beilegen, sich aussöhnen, sich vergleichen; *it s.,* eine Sache sühnen u. schlichten; *dat orloch,* Frieden schliessen; *diuve, rôf,* Diebstahl, Raub durch Ersatz sühnen.
=sônerinne,= Sühnerin, Versöhnerin.
=sônes=-dach, Tag des jüngsten Gerichtes; -lude = sônelude.
=sones=-dochter, neptis; -sone, nepos; -wîf, nurus.
=sônlik,= adj. was zur Sühne gehört.
=sope,= st. m. Trunk, Trank.
=sophîr= = saffîr.
=soppe,= sw. f. Suppe, Brühe, flüssige Speise.
=sôr,= trocken, dürre; fig. kraftlos.
=sorch-dênst,= Dienst oder Pflicht der Fürsorge.
=sorch-(h)ertich,= sorgherzig, voll Besorgnis, sorgfältig. Subst. sorcherticheit.
=sorchlik= u. =sorchsam,= Besorgnis erregend, gefährlich.
=sorch-voldich (veldich, -valdich),= _1. sorgend, besorgt um etwas. 2. bedenklich, bedrohlich, gefährlich. Adv._ sorchvoldichliken.
=sorch-voldicheit,= 1. Sorgfalt; Besorgung; Besorgnis. 2. Gefährlichkeit; Gefahr, besorgliches Unternehmen.
=sorch-volt= = sorchvoldich.
=soren,= _sw. v. 1. trocken, dürre, welk machen oder werden lassen. 2. trocken werden, verwelken, absterben._
=sorder,= seductor.
=sorge,= f. Sorge, Fürsorge; Bekümmernis, Angst.
=sorge-last,= Sorgenlast, schwere Sorgen.
=sorgen,= sw. v. sorgen; bekümmert sein.
=sorich-,= s. sorch-.
=sorkot,= st. n. m.? =sorkote, sorkte,= _sw. f. langes Oberkleid mit aufgeschlitzten Ermeln._
=sort,= n.? =sorte,= f. Sorte, Qualität; Sortiment, Partie.
=sorten,= pl. in Bremen ein Ausschuss der verständigsten Bürger, aus den Älterleuten, der Kaufmannschaft und den Ämtern, mit welchen der Rat Sachen von Wichtigkeit überlegte.
=sort(e)-, sorten-werk,= die aussortierten grössten und schönsten Stücke Bernstein.
=sos= u. Ableit., s. *ses,* sechs.
=sosi-, sosoninne= = suseninne.
=sot,= _fl. *sottes,* schwachsinnig, thöricht; Subst. Narr, Thor._
=sôt,= _m. flect. *sodes,* aufwallendes Wasser: 1. Quelle. 2. Ziehbrunnen. 3. Salzborn, *fons salinae,* und der Brunnenschacht, *puteus s.,* in w. die Salzquellen geleitet werden._
=sôt,= n. flect. *sodes,* Gekochtes, Absud, Brühe, jus, brodium.
=sôt,= n. Russ, *fuligo,* ndl. *zoet,* engl. soot.
=sôt=-ammer, Brunnen-Eimer; *-bulle?* B.-schwengel? *-grever, -meker,* B.-gräber, Pumpenmacher; *-mêster,* der erste Beamte der Sülze in Lüneburg; *-rode,* Stange, an w. der Schöpfeimer hängt; *-slenge,* B.-Einfassung; *-stên,* Stein zur Ausmauerung eines Sodes (in e. Badstube); *-stôl,* Gerüst zur Wasserschöpfung (mittels *sôtrode* u. *sôtswengel)* aus einem Flusse; *-swengel,* B.-schwengel; *-vart,* die unterirdische Leitung der Salzquellen in den sôt.
=sote, sute,= süss; milde, angenehm, lieblich; liebenswürdig, freundlich; s. klank, sank, melodia, eufonia.
=sote,= f. Süssigkeit.
=sote-bast,= laureola (daphne mezereum).
=sôtlik, -like(n),= adv. zu sote.
=soten,= sw. v. süss, angenehm machen, versüssen.
=sotheit,= Thorheit.
=sôt-herticheit,= Süssherzigkeit, d. i. Milde, Gunst.
=soticheit,= Süssigkeit, Annehmlichkeit.
=sotternie,= Thorheit, Dummheit, Thun u. Wesen eines *sots;* concr. Posse, possenhaftes Lustspiel.
=soven= u. Ableit., *s. seven,* sieben.
=soven-bôm= = sevenbôm.
=soverrin,= ndl. *sovereyn, supremus balivus* (in Flandern); l. soverein?
=spade,= m. Spaten; *den spaden steken,* durch Einsteckung eines Spatens Land dem Eigentümer wegen Verfalls des Deiches aberkennen; *den s. tên,* durch Herausziehung (von Seiten des E.) Leistung der Deichpflicht geloben oder (v. S. des Gerichts) jenes Erkenntnis rechtskräftig machen.
=spade,= adj. spät; adv. spâd(e), spaden.
=spade-gût, -lant,= eingedeichtes Land.
=spâden,= sw. v. säumen, versäumen.
=spaden,= sw. v. 1. mit dem Spaten arbeiten. 2. nach dem *spadenrecht* für verfallen erklären = vorspaden.
=spadich,= spät.
=spak,= dürre, trocken.
=spake= = spêke.
=spaken,= pl. abgefallene dürre Äste und Zweige.
=spaken,= sw. v. trocken sein oder werden, von Hitze und Trockenheit Risse bekommen.
=spakeren,= sw. v. sprühen; l. sparkeren?
=spak-, spāk-holt,= anbrüchiges Holz, vom Winde gebrochen.
=spal,= n. =spalle?= ein gewisses Mass (etwas über 3 Bremer Scheffel) Landes im Herzogt. Bremen.
=spalden,= st. v. trans. spalten, splittern, auch refl.; intrans. auch: zergehen, sich verteilen (v. Gerüchen).
=spalderen,= sw. v. spalten.
=spaldenêr= = spoldenêr.
=spaldinge,= Spaltung, fig. Uneinigkeit, Zwist.
=spalk,= m. Geschrei, Lerm, wüstes Wesen.
=spalkeren,= sw. v. lermen, toben, laut rufen.
=spalter,= umges. für psalter.
=span,= _n. fl. *spannes,* Gespann, Paar; *span landes* = Hufe?_
=span,= n.? fl. *spannes,* die einander gegenüberstehenden und mit einander verbundenen Dachsparren; Seitenrippe eines Schiffes.
=span,= n. fl. *spannes,* ein hölzernes (gehenkeltes) Gefäss (zuweilen auch von Leder); als Massbestimmung.
=span,= n. fl. *spannes,* Spange, an einem Buche, Kleide etc.
=span= (â?) m.? fl. *spanes,* Holzspan.
=span-ader,= varex, nervus.
=span-bedde,= zusammenlegbares Bettgestell; Tragbette.
=span-dake,= scandularia tecta, sc. culmina.
=spandel= (span-dêl?), n. Gespann?
=spander, spannier,= Mantel nach spanischer Weise? (ad medium corpus).
=spanen,= st. v. locken, verlocken.
=spanen,= sw. v. = spenen.
=spange,= f. Spange zum Hefteln der Kleider; streifenartiger metallener Besatz als Schmuck an Kleidern.
=spanget,= mit Spangen versehen.
=spangen-, span-hoike,= Mantel mit Spangen.
=span-gordel,= Winde zum Spannen der Armbrust.
=span-hake,= Winde zum Spannen der Armbrust, verschieden v. spangordel.
=span-maker,= _der *spanne* (hölzerne Gefässe) macht, Kleinbinder._
=span-nagel,= Deichselnagel, -pflock, der das Vorderteil des Pfluges mit dem Hinterteil verbindet.
=spanne,= f. Spanne, e. Mass.
=spanneken,= Dem. v. *span,* Gefäss.
=spannel-tûch,= Gerätschaft zum Spannen der Armbrust?
=spannen,= st. v. 1. spannen, z. B. Bogen, Armbrust; dehnen, ausrecken. 2. anspannen (Zugtiere vor einen Wagen), anschirren. 3. in Fesseln spannen, fesseln. -- *de bank, dat gericht sp.,* (feierliches) Gericht halten; *ênen râtslach,* e. Beratung halten.
=spannen,= sw. v. heften, festbinden; fig. *nowe, enge sp.,* genau, strenge nehmen, nach dem Wortlaut den Begriff beschränken.
=spannes-wise,= adv. in der Art wie Spangen.
=Spa(n)nigerd,= Spanier.
=span-rême, -sêl,= Riemen, Seil zum Spannen.
=span-stok,= ein Stock (oder eiserner Pflock) zum Spannen = spannagel.
=spans-(spanges-)grôn,= Spanischgrün, d. i. Grünspan.
=sparden= = sporden.
=spare,= sw. m. = spore.
=spare,= f. Sparre, tignus.
=spar-ei,= das erste, gewöhnlich sehr kleine Ei, welches eine Henne legt? vgl. *sporei* in Adelung's WB.
=spare-munt,= Geiziger, Knauser.
=sparen,= sw. v. sparen, hegen; schonen, verschonen; ungebraucht, ungethan lassen, säumen; refl. sich schonen.
=sparen,= sw. v. mit Dachsparren versehen.
=sparer,= Sparer.
=sparge,= m.? spergula arvensis.
=spar-glas,= sparus, Marienglas?
=spar-holt,= Holz zu Sparren.
=sparich,= sparsam, selten.
=sparicheit,= Seltenheit, geringe Menge; Sparsamkeit.
=sparinge,= Sparen, Sparsamkeit.
=spar-kalk,= Gips, aus Gips gebrannter Kalk.
=sparke,= m.? Funke.
=sparken,= sw. v. Funken sprühen, funkeln.
=spar-keste,= f. Sparkiste, -büchse.
=sparlen= = spartelen, zappeln.
=sparlik(en),= adv. spärlich, hie und da.
=sparlink,= s. sperlink.
=spar-matich= = spormatich.
=spartelen= = sportelen.
=sparwer= = sperwer.
=spar-werk= = sperwerk.
=spassêren, spatzêren,= sw. v. spazieren.
=spat,= n. die bekannte Fusskrankheit der Pferde.
=spât,= Spat, blättrig brechendes Gestein; Marienglas.
=spat-holt,= Holz zu Spaten?
=spê, spei,= n.? Hohn, Spott, Beschimpfung; Feindseligkeit; *to speige, uppe spê,* höhnisch (v. *spien,* speien).
=spê, spei,= adj. spöttisch, höhnisch, naseweis; feindselig; schäbig, unansehnlich. Adv. speige.
=spê-bank,= Spottbank.
=specerie= = spisserie.
=specht,= m. Specht.
=specialik,= adv. namentlich, insbesondere.
=specke,= f. ein aus Buschwerk, Erde und Rasen (Soden) durch sumpfige Gegenden aufgeworfener Weg.
=speckels= = spettelesch, aussätzig.
=specken,= _sw. v. 1. spicken, *lardare.* 2. *e. specke,* Dammweg machen; mit Erde bedecken._
=speckinge,= _das Schlagen u. Aufwerfen eines *spekdammes,* der Weg selbst._
=spêde,= spät.
=spedel,= Speichel.
=spê(e)n,= sw. v. spähen; erforschen, erkunden.
=spê(e)r,= Späher, Spion.
=spê-gat,= n. =-gote,= f. Sprützloch, Seitenöffnung der Schiffe, durch welche das Wasser wieder abläuft; vgl. engl. *spigot* und unten =spigat.= Umgedeutetes Fremdwort?
=spêgel, spei(g)el,= m. u. n. 1. Spiegel. 2. Vorbild, Muster, Norm, Warnung; Titel belehrender Bücher.
=spêgel-, spei(g)el=-glas, _Spiegelglas, Glasspiegel; *-hars,* Spiegelharz, Kolophonium; *-vechtent, -vechtinge,* Spiegelfechterei._
=spêgelen, speigelen,= sw. v. spiegeln; *sik s. in,* sich beschauen in; *an,* e. Beispiel, e. Warnehmung nehmen an.
=spêger,= Späher.
=spei, speige; speien; speigel,= s. *spê* etc.
=speigel,= Hohn, Spott.
=speiger,= Spiegel?
=speiheit,= spöttisches Benehmen, Hohn.
=speilik= = spêlik.
=speise, speisse,= f. langer Spiess, Pike, e. Waffe im 16. Jh., bes. der Landsknechte; es gab *hêle* u. halve.
=speit= = spêt.
=spei-vogel, -wort,= s. spê-.
=spek,= n. Speck.
=spek=-bret, _Brett zum Speckschneiden; *-hoker, -snider,* Fettwarenhändler; *-mân,* December; *-natel,* Spicknadel; *-side,* Speckseite; *-swîn,* Mastschwein._
=spêke (speike),= f. Speiche, bes. Radspeiche; Handspeiche.
=spêke,= f. Speichel.
=spêkele,= f. Speichel.
=spêkelen,= sw. v. speicheln, den Speichel auswerfen.
=spel, spēl= = spil.
=spelderen,= pl. abgespaltene Stücke Holz, das nicht als Nutzholz brauchbar ist.
=spele-,= meist =spel-, speel-,= selten =spil=-bal, Spielball; *-bret, -bert,* Spielbrett; *-broder,* unehelicher Bruder; *-dach,* freier Tag, blauer Montag; *-dât,* unvorsätzliche Verwundung beim Spiel; *-gaden = spelhûs; -gânt,* das Lustwandeln, Spielen; *-gelt,* Nadelgeld der Ehefrau; *-grêve,* Musikdirektor; *-hûs,* Spiel-, Tanzhaus, überh. Gemeinde-, Stadthaus; *-kint,* Bastard, spec. der vor der Ehe gezeugte; *-man,* pl. *-lude,* Spielmann, Musikant, Gaukler; *-note,* Spielgenosse, -in, -kamerad; *-penninge, denarii truphales, truphatorii, ludibiles,* e. Art Nadelgeld, w. die Tochter von den Eltern ausser der Mitgift erhielt; *-sone,* unehelicher Sohn; *-vogel,* Vogel, mit w. man spielt; v. Menschen, bes. Kindern: Spielpuppe, Liebling; *-vrouwe, -wîf,* Concubine, Kebsweib; Musikantin, Gauklerin; *-werk,* Spielwerk, bes. musik., Glockenspiel.
=spelen,= sw. v. 1. in lebhafter, freier Thätigkeit sein, z. B. v. den Augen. 2. Scherz treiben, sich vergnügen; *spelen varen, gân,* spazieren gehen. 3. ein Spiel, bes. ein Glücksspiel treiben. 4. musikalisch oder scenisch spielen; dramatisieren. 5. brünstig sein; Euphem. für: die Geschlechtslust stillen.
=speler(e), spelre,= Spieler.
=spêlik,= adj. =spêliken,= adv. höhnisch.
=spelinge,= ludibrium.
=spelling,= die gemeine, gelbe Pflaume.
=spelte,= f. abgespaltenes Stück; Knoblauchszehe; = *rörken, siphunculus* (Kiel, Spule? vgl. rôr).
=spelte,= Spelz, ador.
=spen,= Zwist, Zerwürfnis, Streit.
=spen,= Spanne, palma.
=spên= (gew. *spôn),* m. (Holz) Span.
=spende,= f. Spende, Gabe an die Armen, Almosen.
=spend(e)=-broder, Almosen-Empfänger; *-brôt,* an Arme ausgeteiltes Brot; *-gelt, -pennink,* Almosen in Geld; *-licht,* kleines zu gottesdienstlichem Gebrauche gegebenes Wachslicht; -molder, -molt = 6 spikerschepel.
=spendel= = spenele.
=spenden,= sw. v. spenden, schenken.
=spene,= f. Brustwarze der Säugenden; Muttermilch.
=spenele,= f. Stecknadel, Heftel.
=spenen (spennen),= sw. v. von der Mutterbrust entwöhnen, ablactare.
=spen(e)-verken,= Spanferkel.
=spenge,= knapp, eingeschränkt; mässig im Essen u. Trinken.
=spengen,= sw. v. knapp u. strenge halten, in Schranken halten, kasteien; refl. sich enthalten, bes. der Speise, fasten.
=spenger,= Kasteier, Peiniger.
=spengicheit, spenginge,= Kasteiung, Enthaltsamkeit, abstinentia.
=spenich,= entwöhnt, ablactatus.
=spen-, spens-grôn= = spansgrôn.
=spenkeren,= _sw. v. 1. wegjagen, vertreiben, antreiben zum Laufen. 2. intr. von einem Ort zum andern laufen._
=spenne,= f. Spanne, palma.
=spenne= = spinne, Spinne.
=spennele,= f. = spenele.
=spennen,= sw. v. 1. = *spannen.* 2. = spenen.
=spenne-wobbe= = spinnewobbe.
=spennich,= streitig.
=spense,= _Speise-, Getränkkammer; *spenser,* Ausgeber, Kellermeister (im Stahlhof zu London, engl._ spence, spencer).
=spent-,= s. spende-.
=spen-wêler,= Spinnradmacher?
=sper (spere),= gew. n. Speer; *spere breken, speer steken,* turnieren.
=sper,= n. Gespärre, Sparrwerk (am Hause, sperwagen), tignus.
=sper,= nitrum specular; auch *sperstein;* pulverisiert: sperpulver.
=sper-bôm,= Holzapfelbaum, sorbarius.
=spere-hant,= Speer-, d. h. Manneshand.
=speren,= sw. v. 1. sperren, auseinanderbreiten, *distendere; en hûs, tignare,* den Dachstuhl aufsetzen; *sperde wagen = sperwagen.* 2. versperren, hindern. 3. ghesperet, hastatus.
=speres-ort,= Speerspitze; Speerkraut, ranunculus flammula?
=sperete, sperte,= n. Sparrwerk, Dachstuhl.
=sper-galge,= Wipp- oder Schnellgalgen.
=spergen,= sw. v.: *9 orde gesperget,* 9 Speerspitzen geschäftet?
=sper-glas= = sparglas.
=sper-haftich, sperraftich,= entzweit, uneinig.
=sper-hake,= Sperrhaken, eisernes Instrument der Schmiede, circula.
=speringe,= Hinderung, bes. Beschlagnahme.
=sper-kalk= = sparkalk, Gips.
=sper-kule,= Stoss-, Fischerstange.
=sper-laken,= Tuch, das man ausbreitet, ausspannt (über Tische, Betten, Wagen etc.).
=sperlink,= m. Sperling; *sperlinge,* f.
=sper-rennent,= Speerrennen, d. i. Turnier.
=spersel,= n. = sperete.
=sper-stake,= Speer-, Lanzenschaft; Turnierlanze.
=sper-stekent, -stekinge,= Speerstechen, d. i. Turnier.
=sper-stên,= s. sper.
=sperte= = sperete.
=spertelen= = sportelen.
=sper-venster,= ein Fenster, das sich öffnen lässt, Schlagfenster?
=sper-wagen,= Wagen, über den eine Decke *(sperlaken)* gebreitet ist, eine Art Kutsche, bes. für Frauen und Vornehme.
=sperwer,= Sperber.
=sper-werk= = sperete.
=sper-wessele, -wesselinge,= f. Speerwechsel, Kampf.
=spê-schoitgens,= Schmähreden, scommata, convicia.
=spêse, spêsse= = speise.
=spêt,= n. (m.) Spiess, die Waffe.
=spet,= n. = spit.
=spetâl, spettâl,= n. Pflegehaus für Alte, Kranke, Arme, Siechen-, Leprosenhaus.
=spetâl, spettâl,= m. (selten n.) Aussatz, *lepra;* Schimpfwort auf einen Nichtsnutz.
=spetalecht, spetêlich= = spetalisch.
=spet-brade,= Spiessbraten.
=spetêl(e)re, spetaler, spett-,= 1. der Aussätzige. 2. Vorsteher eines Spitals. 3. Johanniter.
=spetêlesch, spetâlesch, spett-,= aussätzig, leprosus.
=spêten? speten?= sw. v. spiessen.
=speten,= sw. v. graben.
=spêt-isern,= die eiserne Spitze des Spiesses.
=spêt-junge,= Spiessjunge, Diener eines Ritters, Waffenträger.
=spêt-stake,= Spiessschaft.
=spêt-wagen,= Kriegswagen (um Spiesse zu fahern).
=spêtze= = speise.
=spê-, spei-vogel,= Spötter.
=spê-, spei-wort,= schmähendes, naseweises Wort.
=spie= = spê, höhnisch.
=spie, spige,= f. Speichel.
=spien, spigen (spiggen),= st. u. sw. v. speien; bes. vomieren, sich erbrechen.
=spigat,= _Zierat an einem turbanähnlichen Hut: *mit 7 spigaten* (Var. *speegaten) schufern, knôpken mit spigatten;* v. it. *spigato,* sp. *espigado, ouvrage à grains d'orge?* l. *schrufen?* Spangen, Schnallen (s. *schruve)* in Form von *spêgaten* (s. d. W.), d. h. platten Ringen?_
=spige-, spigel-drank,= Vomitiv, Brechmittel.
=spigilie,= Spitzenborte, span. espiguilla.
=spi(g)inge,= Speien, Vomieren.
=spik,= adj. trocken.
=spikenardi, -nard(us), -nardes,= m. *nardus Indica, andropogon nardus; -bêr,* damit gewürztes Bier.
=spiker,= m. Speicher, Lagerhaus (für Korn, Salz etc.); Lagerboden, Vorratskammer.
=spiker,= m. e. Art eiserner Nagel oder Bolzen.
=spiker=-ammet, officium granarii (im Kloster); *-mate,* Spint, Viertel? *-malder, -molder* u. *schepel,* Sp.-malter, -scheffel, bestimmte Masse.
=spiker-bor,= Spieker-, Nagelbohrer.
=spik-glas,= antimonium, Spiessglas.
=spik-herink,= getrockneter Hering.
=spîk-oli,= oleum nardinum.
=spil,= n. fl. *speles,* Spiel, Scherz, Kurzweil, Lust, Vergnügen, Unterhaltung; *ût dem spele gân, bringen,* Ernst aus dem Spiele werden, machen; *wat to spele hebben, wes spil hebben,* als Scherz nehmen; euphem. Beischlaf; e. bestimmtes Spiel, so v. Turnier, Bühnen-, Würfel- und sonstigen Glücksspielen; Wagnis, Unternehmen auf gut Glück, oft v. Aufruhr; Musik, auch die musik. Instrumente u. die Musikanten.
=spil-,= s. *spele-* u. spille-.
=spilde,= adj. verschwenderisch, unnütz.
=spilde,= f.? =spilt,= m.? Verbrauch, Verlust. Nur in der Verbindung: *to spilde,* bes. mit *komen,* umkommen, in Verlust geraten, abhanden kommen.
=spilde-gelt,= Ausgabe oder Einnahme für Kleinigkeiten.
=spildelik,= verschwenderisch.
=spilden, spillen,= sw. v. aufbrauchen, anwenden, bes. zu unnützen Dingen, verschwenden; (auch mit partitiv. Genet.) neben ab fallen lassen, verschütten, ungenutzt, unangewandt lassen.
=spilder,= Verschwender.
=spilderen,= sw. v. zerstreuen.
=spilderen,= adv. zerstreut, einzeln.
=spilderne, spilderen,= adj. verschwenderisch.
=spildicheit,= Verschwendung, Vergeudung.
=spildinge,= Verbrauch, Verlust, Unkosten.
=spile,= f. ein dünner (zugespitzter) Stab, zu verschied. Zwecken, z. B. um daran Fleisch, Würste etc. aufzuhängen, Fische zu spreizen, den Braten zu befestigen, Würste zu schliessen, Abteilungen in Bienenstöcken zu machen etc.
=spilen,= sw. v. 1. zur Trennung der Lagen (in Heringsfässern) *spilen* legen; überh. in Tonnen verpacken? 2. mit *spilen* auseinander sperren, überh. aufsperren, spreizen.
=spil-iseren,= Meissel, Grabstichel u. ä.
=spille,= f. Spindel (als Hauptinstrument weiblicher Thätigkeit); Bezeichnung der weiblichen Erbfolgelinie, überh. des weiblichen Geschlechts; jede Walze, Winde, Welle.
=spil(le)-bôm,= fusarius (evonymus europaeus?).
=spillen= = spilden.
=spillen-dreier,= Spindeldrechsler.
=spil(le)-mâch, -mage,= Verwandter von weiblicher Seite.
=spil(le)-, spillen-side,= die weibliche Seite, Linie.
=spille-stên,= eine Art Formstein.
=spillink= = spellink.
=spil-maker= = spillendreier.
=spilter-naket,= splitternackt.
=spîl-tûn,= Zaun, Befriedigung aus spitzen Pfählen *(spilen)* gemacht.
=spin,= n. Gespinnst? Lohn für Spinnen?
=spinde,= f. u. n. Spinde, Schrank, bes. Speiseschrank.
=spinden= = spenden.
=spinde-vat,= ein Fass, das den Inhalt eines Spints hat.
=spin-halve,= f. die weibliche Seite, Linie.
=spinkel,= Fleck, Sommerspross.
=spinkelich= u. =spinkelt,= fleckig, bunt, buntfarbig gesprenkelt.
=spin-lôn,= Spinnlohn.
=spinne,= Spinne.
=spinnel-side,= die weibliche Linie.
=spinnen-klôt,= m. Spindelring, Wirtel.
=spinnen,= st. v. spinnen.
=spinnen-vient,= sehr feind.
=spinner(e), spinre,= Spinner, bes. Wollspinner; f. spinnersche.
=spinne-wobbe, -webbe,= n. u. =-wef,= m. Spinngewebe.
=spinne-wocke,= sw. m. Spinnrocken, colus.
=spin-rat,= Spinnrad; Zss. spinrade-maker.
=spinsal,= n. Gesponnenes, Gespinst.
=spinsterinne,= Spinnerin.
=spint,= n. das weiche und weisse Holz zwischen dem Kern und der Rinde des Baumes.
=spint,= n. (m.) Spint, ein Hohlmass für Getreide, Mehl etc., Viertelhimpten.
=spint,= n. (u. m.?) = spinde, Schrank.
=spint-,= s. spende-.
=spîr,= n. jede kleine Spitze, bes. Gras- und Kornspitze, *spica, arista;* ein wenig, eine Kleinigkeit.
=spiresch,= Speiersch, eine Art Tuch.
=spîrlink (spirink),= ein kleiner Fisch, cyprinus aphya.
=spîr-swale, -swaleke,= Turm-, Mauerschwalbe.
=spis,= spitz.
=spise,= f. 1. Speise; Proviant. 2. Glockenspeise, Erz, Metall.
=spise=-brôt, _grobes Rockenbrot; *-dreger, dapifer; -gever* (l. *gevern?),* mildtätig; *-kamer,* Speisekammer; *-kaste,* Kasten für Esswaren; *-kôp,* Victualienhandel; *-kost,* Lebensmittel (gewöhnl. Sp.); *-krût,* ein Gewürz: Brotkümmel *(carum carvi)? -lechelen,* Fässchen für Esswaren; *-man,* Pfründner einer Stiftung; *-meister,* Speisemeister, Oekonom einer Stiftung, eines Spitals; *-molde,* Fleischmulde? *-penninge,* pl. Geld zum Unterhalt; *-pôk,* Tranchirmesser; *-rike, dapsilis,* freigebig; *-sak,* Esssack (Reisetasche); *-schap, -spint,* Ess-, Brotschrank; *-schip,* Proviantschiff; *-vat,* Essnapf, -schüssel; *-visk,* gewöhnl. Kochfisch; *-vlêsk,* gewöhnl. Tischfleisch; *-wagen,* Proviantwagen._
=spiselik= = spise-rike.
=spisen,= sw. v. 1. mit Speise versehen: beköstigen; verproviantieren. 2. von Speisen: sättigen, nähren. 3. in der Technik: mehrere Metalle zu einander mischen, legieren.
=spiser,= Speisemeister.
=spisigen,= sw. v. = spisen 1.
=spisse,= f. 1. Spitze. 2. die erste Reihe des Heeres, überh. Schlachtreihe; *de spissen schicken, aciem instruere;* die Schlacht selbst. 3. = speise.
=spissen,= sw. v. 1. intr. spitz werden. 2. trans. spitzen, scharf machen; mit Worten sticheln auf. 3. refl. *up,* die Hoffnung richten auf.
=spisseri(g)e,= _Spezerei, Gewürz; kurze Waren, kleine Krämer-Waren._
=spit,= _n. fl. *spetes,* Bratspiess; Stange, Stock, woran Fleisch, Fische o. a. Waren hängen; *1 spit* Häringe = 30 Stück._
=spît,= n. fl. *spetes,* Spatenstich, soviel man auf einmal mit einem Spaten aufwerfen oder so tief man mit demselben stechen kann; coll. Torfstich auf dem Moore.
=spît,= _m. 1. Verdruss, Hohn, Kränkung; *to spite,* zum Hohne; *mit spite,* höhnisch. 2. als Präp. trotz._
=spiten,= sw. v. m. Dat. verdriessen, ärgern, leid sein.
=spitich,= höhnisch; von Pferden: stössig. Adv. spitigen.
=spitisch,= höhnisch.
=spit-isern= ?
=spîtlik,= höhnisch, verletzend; adv. spîtliken.
=spi(t)tâl= u. Ableit., s. spetâl.
=spitten,= sw. v. graben.
=spitz, spitze, spitzen,= s. spis etc.
=spitz-êser,= spitzzulaufende Tasche?
=spitz-hôt,= Spitzhut; gilt als Zeichen eines hinterlistigen, schmeichlerischen Menschen; daher: Betrüger, Schmeichler, Mantelträger.
=spitz-vunt,= ein spitzfindiger Mensch.
=splete,= st. m. (f.?) Spliss, Riss, Spalte.
=splet-nagel,= welche Art Nägel?
=splet-stên,= lapides fissi.
=splinte, (splente),= f.? Splint, ein (gew. plattes) Eisen, das durch das Loch eines Riegels, einer Lünse etc. gesteckt wird oder als Schlüssel für eine Art Schlösser dient.
=spliten,= st. v. 1. trans. spleissen, auseinander reissen, in Stückchen spalten. 2. intr. sich spalten.
=splittere, splettere,= scissura, spatula, Splitter, Holzscheit.
=splitteren, spletteren,= sw. v. zersplittern, spalten; fig. spalten, trennen, entzweien; auch refl.
=splitterich,= streitig.
=splitteringe,= Zerreissung, Spaltung, Zwietracht.
=spoden,= sw. v. beeilen, fördern; refl. sieh sputen, sich rasch fort machen.
=spodich,= eilig, eifrig. =spodicheit,= Eile.
=spoi(g)e,= f. Umherspritzen, Schaum; Schleuse.
=spoiten,= sw. v. spritzen.
=spôk, spûk,= n. Spuk, und concr. spukhaftes Wesen, Gespenst.
=spôkaftich,= spuk-, gespensterhaft.
=spoken,= sw. v. spuken; Zauberei treiben.
=spôk(e)nisse,= n. Spuk, Gespenst; *ên spokense-lîcham,* ein Scheinkörper, kein wirkl. Leib.
=spokerie,= Spukerei.
=spôkne,= f.? pl.? = spôk.
=spôk-ungehure,= Spuk-Ungeheuer.
=spôl,= Spülwasser, popisma.
=spol, spolen= = spil, spelen, Spiel, spielen.
=spolden,= st. sw. v. *= spalden,* spalten.
=spoldenêr,= inneres (Schulter)stück der Bekleidung Gewappneter, mhd. spaldenier.
=spôl-drank= = spolinge.
=spole,= Spule, Federspule, bes. Weberspule.
=spole-backe,= Saufaus, Saufbruder.
=spolen,= sw. v. spülen.
=spolen,= sw. v. spulen.
=spolinge,= _Spülung; Spülwasser, *popisma;* Spülung *(ablutio)* heisst auch der nicht geweihte Wein, der in der kathol. Kirche auch den Laien im Kelche gereicht wird._
=spolnisse?= anathema; l. speln. = spilden.?
=spôl-rat,= Spulrad.
=spôlte,= f. eine (Wasser)spritze.
=spôl-touwe,= Gerätschaft zum Spulen; Spule, retum.
=spôl-worm,= Spulwurm, lumbricus.
=spôn,= m. (u. f.?) Span, dünne Scheibe Holz, wie sie beim Holzhauen etc. abfallen; platter Löffel, Spatelchen; bildl. etwas nichtiges; *over spôn treden,* über die Schnur, das gesetzliche Mass gehen.
=spôn-bêr,= Bier, das durch (tannene) gekochte Späne, die in Bündelchen in das Bier gelegt werden, gegen Verderbnis geschützt wird.
=sponde,= f. Bettgestell.
=spon(e),= f. n. = *spene,* Saugwarze; die Milch daraus.
=sponeken,= Spänchen.
=sponen= = spenen.
=spon(e)-verken,= Saug-, Milchferkel.
=sponich= = spenich.
=spôn-kede,= Kette mit platten Gliedern?
=spôn-luchte,= Leuchte mit Hornspänen statt des Glases?
=spor,= n. Spur, Fuss-, Wagenspur.
=sporden,= pl. die getrockneten Kehlstücke, Kehlgräten etc. und sonstiger Abfall von den Stockfischen.
=spore,= sw. m. Sporn; fig. Anstoss, Anreizung.
=sporen,= sw. v. spüren, suchen; aufspüren, merken, erfahren.
=spor-hunt,= Spürhund.
=sporkel-mânt,= Februar.
=sporner,= Sporenmacher.
=sportelen,= sw. v. zappeln, *palpitare;* sich sträuben, sich widersetzen; *entwei s.,* mit einander in Streit geraten.
=spôt,= m. n. u. f. guter, glücklicher Fortgang, dann überh. Fortgang, Eile, Beschleunigung; *mit der spôt,* eilig, sogleich.
=spot,= m. n. Spott, Hohn; Scherz, Spass.
=spotlik,= spöttisch; adv. spotliken.
=spot-spigen,= zum Spotte bespeien.
=spottel-kint,= Kind, mit w. man scherzt.
=spotten,= sw. v. spotten; scherzen; trans. verspotten.
=spotter,= Spötter.
=spottich,= spöttisch; spasshaft, lächerlich.
=spottinge,= Verspottung.
=sprake,= f. 1. Sprache, die Fähigkeit zu sprechen. 2. Wortschatz, Sprache eines Volkes; *up de s. dôn,* jem. in ein Land od. zu jem. zur Erlernung einer Sprache schicken. 3. Gespräch, Unterredung, Beredung. 4. Anspruch, Klage.
=sprake-lêrer,= Sprachlehrer.
=sprake-lôs,= 1. der Sprache beraubt, sprachlos. 2. ohne Anspruch auf etwas, frei von Ansprache.
=sprâk-hûs, -kamere,= euphem. Abtritt.
=sprâk-venster,= Sprechfenster im Kloster, Schalter.
=sprank,= m. Sprung; Quell; Muster, Zeichnung im Zeuge; *den s. tobringen,* ein Beweisverfahren bei Klagen wegen Verwundung od. Schadens (Ditmars.).
=spranke= u. =sprankele,= Heuschrecke.
=spranken,= sw. v. funkeln, glänzen.
=sprank-mast,= unvollkommene Eichelmast eines Waldes oder in einem unfruchtbaren Jahre.
=sprank-stucke,= gemustertes, gesprenkeltes, buntes Zeug.
=sprêden, spreiden,= sw. v. spreiten, spreizen, ausbreiten.
=sprêi= = sprên.
=sprek-aftich,= geschwätzig.
=spreke,= f. *= sprake* und sproke.
=spreken,= st. v. sprechen, aussprechen; lauten, bedeuten; *vrede spr.,* Frieden verabreden, schliessen; *ênen dar to spr.,* durch Sprechen wozu bewegen, zureden, überreden; Ggs. *dar af sp. -- spr. up,* Anspruch, Klage erheben gegen jem.; von Schuldverschreibungen: lauten. Refl. (Dat.) *= spr.* (im Volkston); (Acc.) sich besprechen.
=spreker,= Sprecher, Fürsprecher.
=sprekerne,= gesprächig, beredt.
=spreke-venster= = sprâkvenster.
=sprên,= m. Staar.
=sprengel,= m. Weihquast; Sprengel, Bischofsbezirk, soweit von einem Bischofssitz das Weihwasser versandt wird.
=sprengel= u. Dem. =sprengelken,= Heuschrecke.
=sprengen,= sw. v. (springen machen) 1. sprengen, streuen; *sprenget vlêsch,* mit Salz bestreutes, gesalzenes Fleisch; Zeug mit Mustern durchsetzen, bunt machen; spritzen, schiessen; bildl. aussprengen, ausplaudern. 2. ein Pferd springen machen, daher sprengen, galoppieren; dann überh. rasch herankommen.
=sprenger,= Heuschrecke.
=sprenglicht,= mustelinus = sprinkelich.
=spreng-schote,= _m. Sprengschuss (von zu hoch gerichtetem Geschütz)._
=sprenk,= Gespreng, entgegenlaufende Stollen mit ungleicher Sohle, jäher Abschuss? Quell?
=sprenkel,= Dem. =sprenkelken,= Heuschrecke.
=sprenken= = sprengen.
=sprenseke= = sprinze.
=sprêt,= n. Stange oder Baum; bes. eine Segelstange.
=sprêten= = spruten, spriessen.
=sprêt-holt= to der groten bussen:?
=spriddel-docke,= Beisitzerin der Braut auf dem Brautwagen (Ditmarsch.).
=sprik,= n. dürres, leicht zerbrechliches Reis eines Baumes, das abgefallen ist. Dem. sprickelîn.
=sprile= = spîr, (Gras)halm.
=springel-hûs,= Tanzhaus.
=springal,= eine Wurfmaschine, frzs. espringalle.
=springel,= Sommerspross.
=springen,= st. v. springen; tanzen; von der Bewegung der Schachfiguren; entspringen, hervorsprudeln.
=springer,= Springer; auch Name eines Frauenkleidungsstückes.
=sprink,= m. (n.) Quell, Quelle; Springflut.
=sprink-born,= m. Quelle; Quellwasser.
=sprinke,= Heuschrecke.
=sprinkel,= Vogelstrick, Fangschlinge.
=sprinkel,= Fleck im Gesichte, Sommerspross.
=sprink(e)lich, -echt, -echtich, sprinkelt,= gesprenkelt, betupft, fleckig, buntfarbig.
=sprink-grunt,= Ursprung.
=sprink-hane,= Heuschrecke.
=sprink-horn,= euphorbia lathyris.
=sprink-korn,= lathyris, siliquastrum; auch wilder Kürbis, coloquintida.
=sprink-slot,= Federschloss.
=sprink-storm,= Springflut.
=sprink-water,= Quellwasser; Quelle.
=sprink-worm,= Heuschrecke.
=sprink-wort,= Springwurz, euphorbia lathyris.
=sprinze,= f. Sperberweibchen, zur Jagd auf kleinere Vögel gebraucht.
=sprok= u. =sprockel,= _n. dürres, leicht zerbrechliches Reisig, Leseholz._
=sprok,= ein Vogel: hezere (?), sprock, avis.
=sprok-wide,= salix fragilis, Bruch-, Sprockweide.
=sproke,= st. m. 1. Gerede, Erzählung. 2. Spruch, Ausspruch. 3. Sprichwort, Lehre.
=sproke-wort= = sproke 3.
=sprot,= ein kleiner Fisch, geräucherte Sardelle, sarda.
=sprote (sprate),= f. Leitersprosse.
=sprote= u. =sprute,= (Sommer)sprosse, Fleck, lentigo.
=sprotele= u. =sprutele,= Sommersprosse.
=sprotich= u. =sprotelich,= bunt, gesprenkelt, bes. sommerfleckig.
=sprotlink,= Sprössling, Zweig.
=sprunk,= m. 1. Sprung; Tanz. 2. Quelle.
=sprût(e),= Spross, Sprössling.
=spruten,= st. u. sw. v. spriessen; entspriessen, entstammen; resultieren, folgen.
=sprutte,= f. Spritze; Feuerspritze.
=spruwe,= f. e. Geschwulst im Halse; bei Pferden auch an der Köthe: Strahlfäule. Verb. *spruwen,* an dieser Krankheit leiden.
=spuddich,= schmutzig, unansehnlich; adv. spuddigen.
=spûk= = spôk.
=spunde= = sponde.
=spunde, spunne, spunge,= f. Bettstelle.
=spundel-gelt,= Geld für das Verspunden.
=spunden,= sw. v. mit einem *spunt,* Zapfen, verschliessen; in ein Fass schliessen.
=spunder,= der Spünde macht oder der verspundet.
=spunt,= _n. 1. Verschlusszapfen, bes. mitten oben auf dem Fasse; Pflock zur Ausbesserung schadhafter Stellen in Planken oder Balken. 2. Spundloch._
=spunt=-bîl, Beil zum Spunden? *-hol,* Spundloch; *-holt,* Holz zum Spunden oder = *spunt 1; -knôp,* Knopf in Form eines Spundes? *-nagel,* Brettspieker, Dielennagel; *-vlasche,* gespundete Flasche.
=sputh?= ein Mass für Salz (½ Tonne?).
=squille,= wilder Knoblauch, wilde Meerzwiebel.
=sta-bi,= steh beiseite, gieb nach! bildl. für Schlag: ênen s. geven.
=stach,= n. Stag, ein dickes Tau zur Befestigung der Maste und Stengen nach vorne.
=stach-klêdinge,= dünnes Tau (Trensing), welches zur Stärkung um das Stag gewickelt wird?
=stacie, stacien,= f. Station, Standort; in der kirchl. Sprache bes. die Stationen der Kreuztragung Christi u. gewisse Haltestellen bei Processionen u. spec. die Unterbrechung oder Beschliessung dieser durch einen Hauptgottesdienst: stacien stân, de st. holden.
=stackele,= Stachel, Spitze.
=stackel-wegge,= Brod mit scharfen Ecken, Timpenbrod?
=stackit, stacket,= n. Stacket, Zaun von Staken, Latten, Pfählen etc., auch = stak.
=stade,= sw. m. = stadel.
=stade,= n. Gestade, Ufer.
=stade,= f. Gestattung, Unterstützung, Beistand; günstiger Umstand, gute Gelegenheit, Nutzen; *to stade komen,* zur Ruhe kommen; *mit stade(n),* gemächlich.
=stade= = stêde, fest.
=stadegen,= sw. v. = stêdigen.
=stadel,= n. u. m. Stelle, wo man Frucht, Ware etc. aufschüttet, Tenne, Diele, auch wohl Scheune.
=stadelike,= adv. beständig, fortwährend, regelmässig, häufig.
=staden,= sw. v. = steden.
=stades=-bode, städtischer Bote, Läufer; *-sone,* Sühne, welche e. Bürger dem andern zu leisten hat; wegen anderer Zss. s. stat-.
=stadich,= stetig, beständig.
=stadicheit,= Stetigkeit, Festigkeit.
=stadinge,= Ausstattung.
=staf,= m. Pl. *stave, steve,* Stab, bes. zur Stütze beim Gehen, zum Reiten (Steckenpferd); Hirtenstab; Bischofsstab; Fassdaube.
=staf=-dreger, Kirchenbeamter, welcher der hohen Geistlichkeit das Amts-Scepter vorträgt; *-holt,* Daubenholz; *-isern,* Stabeisen; *-slach,* Schlag mit einem Stock; *-swert, sica, gladius bacularis; -wade,* eine Art Fischernetz; *-wort, abrotanum,* Stabwurz.
=staffel(e)= = stavele.
=staffêren,= sw. v. = stoffêren.
=stak,= n. fl. *stackes,* ein quer oder schräg in den Fluss gelegter Damm von Pfahl- und Strauchwerk.
=stake,= _sw. m. Stange, z. B. Zaunstange, Fahnenst., Windlichtstock, Schiebstange der Schiffer; Messrute (8 Ellen); Gefangenblock, Gefängnis; ein Mass für Heu._
=stakel-wegge,= pistillus = =stackelwegge.=
=staken,= sw. v. 1. Pallisaden setzen; Stäbe in eine Flechtwand einsetzen. 2. Garben, Heu etc. mit der Heu-, Korngabel auf- oder abladen. 3. mit einem *staken* schlagen oder stossen, daher treiben, vertreiben. 4. (?) = *stocken,* ins Gefängnis setzen. Refl. sich stechen; vom Pferde: sich etwas in den Fuss treten.
=stake-nette,= eine Art Fischernetz.
=staker,= der Heu, Getreide mit der Heu- oder Korngabel auf- oder abladet.
=stak-holt,= Holz, aus dem man *staken* macht.
=stakit, staket= = stackit.
=stal,= m. Harn (der Pferde).
=stal,= m. (n.) Stall.
=stal, stāl,= m. n. = *stale,* Muster.
=stâl,= m. Stahl, chalybs.
=stāl-blaw,= probemässig blau, v. Tuch.
=stāl-bôk,= Register der geprüften Tuche.
=stal-boldich,= halsstarrig?
=stal-bôm= = stelbôm.
=stal-broder,= Stallbruder, -genosse, *contubernalis;* Genosse, Kamerad.
=stale,= sw. m. jedes Muster, nach dem etwas gemacht wird, Probe jeder Art, eine s. g. Patrone; bes. Probemünze und Zeugmuster, Kleidermuster.
=stale,= 1. Stolle, Bein oder Fuss (einer Kiste etc.). 2. der Grund, worauf ein Deich liegt; überh. Damm.
=stale (stalen?),= Beschäler.
=stale-hof= = stalhof.
=stalen,= sw. v. nach dem Urbilde prüfen und als demselben entsprechend beglaubigen (durch ein angehängtes Bleizeichen).
=stâlen,= sw. v. stählen, schärfen.
=stâlen,= stählern.
=staler,= der Prüfer der Tücher (nach dem stale).
=stāl-gelt,= das Geld, das für das *stalen* der Tücher gezahlt wurde.
=stāl-grone,= probemässig grün, v. Tuch.
=stal-hêre,= Stallherr, Ratsherr, unter dem der Marstall steht.
=stāl-hof,= die bekannte hansische Niederlassung, Factorei, in London (urspr. Halle, zur Prüfung -- *stalen* -- der zu exportierenden Wollenfabrikate?)
=stal-holt?= dünnes Holz zum Zäunen der Wände? (oder = stelholt?)
=stalinge,= adv. heimlich.
=stal-junge,= Stalljunge.
=stalle-, stal-knecht,= Stallknecht.
=stallen,= sw. v. harnen (von Pferden, Eseln).
=stallen,= sw. v. in den Stall (Behausung) bringen, aufstallen; mit Auslassung des Objectes Pferde: sich einquartieren; *stallen vor,* sich vor eine Burg oder Stadt lagern, sie belagern.
=staller,= eine hohe obrigkeitliche Würde bei den Eiderfriesen, stabularius.
=stal-licht,= auf einen Kandelaber oder sonst aufgestelltes Licht.
=stallinge,= Stallung; Stall.
=stal-man,= Stallknecht.
=stâl-menger,= Eisenkrämer.
=stal-mest,= (â?) ein Gerät der Schuster.
=stal-mêster,= Stallmeister.
=stāl-mêster,= der die Aufsicht über das *stalen* der Tücher hat.
=stal-page= u. =-pert,= Stallpferd, *caballus stabulatus,* d. h.? vgl. stelpert.
=stal-revel,= wahrscheinlich: Stäbe zum Holzgewandgerippe eines Stalles.
=stalpen,= stagnare.
=stalt= = gestalt, gestaltet.
=stalt,= Gestalt.
=stalt-, staltenisse,= f. Gestalt, bes. schöne Gestalt; Beschaffenheit.
=stâl-vat,= Fass für oder voll Stahl.
=stal-werder, -warder,= Stallwärter, stabularius.
=stam,= m. Stamm, Baumstamm; Geschlecht, Abstammung.
=stamelen,= sw. v. = stameren.
=stamer= u. =stamerich,= stammelnd, stotternd.
=stamer-buk,= Stotterhans.
=stameren,= sw. v. stammeln, stottern.
=stameringe,= das Stammeln.
=stam-harich,= als Fehler an der Wolle.
=stamme,= sw. m. = stam.
=stammen,= sw. v. einpflanzen?
=stamme-tal,= Grad der Abstammung.
=stammête,= eine Art feineren Tuches.
=stamp,= m.? u. =stampe,= f. Stampfe, Mörser, Stampfmühle.
=stampen,= sw. v. zerstampfen.
=stân,= unr. v. 1. stehen, bestehen, dauern; sich verhalten, sich befinden, sein; Inhalt haben, lauten (v. Briefen); *s. gân,* sich stellen, aufstehen; *s. laten,* anstehen lassen, unterlassen. 2. mit Gen. d. Sache: zugestehen, bezeugen; einstehen für, über sich nehmen. 3. m. Dat. d. Pers.: zustehen, zukommen, gebühren; zu Pfande stehen; zu stehen kommen, kosten. 4. *den slete s.,* die Unkosten bestreiten; *eventûr s.,* auf dem Spiele stehen, = *de vare s.,* Gefahr stehen, riskieren. 5. *s. an,* bestehen in, beruhen auf, ankommen auf; *mede,* übereinstimmen, es halten mit jem., gut oder schlecht stehen bei jem.; *na,* trachten nach; *over,* mit e. Sache beschäftigt sein; *up = s. an,* der Entscheidung jemandes überlassen sein, bestehen oder beharren auf; *vor,* gut stehen für, gelten für, vertreten (v. Ämtern, welche jem. bekleidet).
=stande,= f. Kübel von Holz oder Metall (Zinn), unten breit und oben schmal, Stellfass.
=standel-wort,= Knabenkraut, satirion.
=stander,= m.? = stande.
=standerde,= f.? =stander,= m. Standarte, *vexillum,* frz. estendard.
=stange,= sw. m. f. Stange, bes. Fahnenstange.
=stangen=-kreier, _ein grösseres (dreimastiges) Schiff; *-luchter,* Leuchter auf einer Stange, Processionsleuchter; *-tasche,* Tasche mit eisernem Gestell._
=stangerde, -yerde= = standerde.
=staninge,= das Stehen.
=stank,= m. Geruch: Wohlgeruch; meist: Gestank; bildl. Anstoss, Verdruss; scherzhaft: *des hebbe st. = dank,* resp. undank.
=stânt,= n. u. =stant,= m. 1. das Stehen, der Stand. 2. = *bestant,* Stillstehen der Feindseligkeit, Friede. 3. Bestehen, Beständigkeit.
=stant-(h)aftich, -achtich,= fest, bestehend, standhaft. Sbst. -ticheit.
=stant-genote, stant-, stande-note,= Standgenosse, d. i. Schöffe, Gerichtsbeisitzer.
=stanthart,= m. (frz. *estendard)* Standarte; eine Kopfbedeckung der Weiber?
=stant-vast,= was fest steht, unbeweglich, beständig.
=stant-vasticheit,= Beständigkeit.
=stant-wort= = standelwort.
=stapel,= Heuschrecke.
=stapel,= m. 1. Säule, jeder säulenartige Gegenstand; z. B. Grenzpfahl; der Kirchturm (ohne die Spitze); Wachsstock, Kerze. 2. jede Unterlage, auf der etwas ruht, Block, z. B. Haublock, Amboss; in der Schiffsbaukunst die Unterlage zur Erbauung e. Schiffes. Im bes. ist *st.* auch die Bühne, von der das Urteil des Richters gesprochen wird; daher Gerichtsstätte, Gericht. 3. aufgeschichteter Haufe von Holz oder Waren, Ballen. 4. Verkaufsstelle, Stapelplatz.
=stapel=-gelt, _Geld, w. die Flaminge 1392 zahlten, damit der Hansische Stapel wieder nach Brügge kam; *-gût,* Gut, das auf den *stapel* gebracht werden darf (Ggs. *ventegût),* schichtbare Waren (Tuch); *-hof,* Warenniederlage; *-licht,* grosses Wachslicht_ = tortisie.
=stapelen,= sw. v. 1. die Grenze durch Pfähle etc. bezeichnen. 2. aufstapeln; e. Ware auf den Stapelplatz bringen.
=stapen,= st. v.? = stappen.
=stappe,= sw. m.? Fussstapfe; in Wappen: Schindel.
=stappe,= sw. m. 1. Bein an Hausgerät. 2. ein kleines, hölzernes Gefäss mit einer längern Daube, die als Handhabe dient (für Milch, Butter). 3. Falle, Schlinge.
=stappen,= sw. v. 1. stapfen, schreiten. 2. Part. *stappet,* mit Beinen versehen (von Kisten etc.).
=stappen-maker,= der *stappen* macht, Böttcher.
=star,= n. Staar, die Augenkrankheit; *de oghen stâd to stare,* v. e. Toten: in Starrheit?
=star-blint,= staarblind.
=star(e),= m.? Staar, der Vogel (selten).
=staren= = starren.
=stark,= stark, fest; kräftig, gewaltig; als Titel: *strenuus;* vom Gesicht und Geschmack: scharf.
=stark-armich,= der starke Arme hat.
=starke= = sterke.
=starken= = sterken.
=stark(e)like(n),= adv. fest, kräftig, gewaltig, strenge.
=starkes,= umges. für strackes.
=stark-halset,= der einen starken (steifen) Hals oder Nacken hat, halsstarrig.
=starkheit,= Stärke.
=stark-modich,= willenskräftig.
=stark-mogendicheit,= Tapferkeit, Stärke.
=starkte= = sterkede.
=starling= = sterling.
=starlissen= (scarlissen?) = schorlitze?
=starren,= sw. v. mit starren Augen blicken, stieren.
=starrik= = stark.
=star-steken,= das Stechen des Augenstaares.
=start= = stert.
=starve= = sterve.
=staruste,= Starost, Landeshauptmann in Polen.
=stat,= f. 1. Stelle, Ort; Hofstelle, *up der stat, van stade(n) (steden) an,* auf der Stelle, sogleich; *van steden to steden,* stellenweise, hie und da. 2. Statt, Stelle, die jem. vertritt: an, in -- stat.
=stat,= f. (älterer Gen. Sing. *der stades,* dann *des stades* u. Dat. *deme stade,* spät. Gen. Dat. *der stat,* Plur. *stede,* im 15. Jh. häufig *stedere)* Stadt: *de stad van* oder *to Bremen* etc.; auch Ortschaft, Burg: *van stade (stede) to stade (stede),* von Ort zu Ort, in allen Städten nach der Reihe.
=stat,= n. fl. stades, Gestade, Ufer.
=stât,= m. (u. n.?) aus lat. *status,* fl. *states,* selten *stades,* 1. Stand, Stellung, Ordnung. 2. Zustand, Beschaffenheit; Stand im Leben, im Staate, bes. hohe Stellung, Ehrenstand, Würde, Rang. 3. Pracht, Herrlichkeit, Staat, Prunk.
=stat=-becker, der zünftige Bäcker, *veilbecker* (Ggs. *hûs-, innebecker); -beste,* n. Wohlfahrt der Stadt; *-bôk,* Stadtbuch: Rechtsbuch, Denk- oder Protokollbuch, Erbebuch etc.; *-bove,* Erzschurke der Stadt; *-bulle,* der städtische Gemeindestier; *-dans,* Tanzfest der ganzen Bürgerschaft; *-dêner,* niederer städtischer Beamter; *-dink,* Stadtgericht; *-grave,* m. Stadtgraben; *-holt,* städtischer Wald; *-hunt,* Ggs. *lanthunt,* andrs. *de edele h.; -hûs,* Rathaus; *-kelre, -keller,* Ratswein- oder -bierkeller; *-knape, -knecht = statdêner; -loper,* Stadtbote; *-maget,* Stadtmädchen, Ggs. *dorp-, hovemaget; -mêster,* Bürgermeister; *-mure,* Stadtmauer; *-ordeninge, politia; -piper,* Ratsmusikant; *-plicht,* Bürgerpflicht, jeder der Stadt zu leistende Dienst oder Abgabe; Adj. *-plichtich; -porte,* Stadttor; *-recht,* Rechtssatzung einer Stadt; *-rochtich, -ruchtich,* stadtkundig; *-schriver,* Stadtsecretair; *-upkome,* Stadt-Einkünfte; *-velt,* Stadtfeld, -marke; *-veste,* Stadtverfestung, -acht; *-voget,* Stadtvogt, bes. der Gerichtsvogt u. der Ausreitervogt; *-vorrêder,* Stadtverräter.
=state= (selten) = stât.
=state-dach,= Festtag?
=stat(e)lik,= (â?) stattlich, ansehnlich. Sbst. statlicheit.
=stat-(h)aftich, -heftich,= (â?) statthaft; im Stande seiend, tüchtig, begütert, angesehen, stattlich; adv. *stathaftigen,* gehörig, angemessen? beständig?
=stat-, stāt-holder= = stedeholder.
=stature,= Statur, Wuchs, Gestalt.
=stave, staver= = stove, stover.
=stavel(e), stavile,= Stiefel. *stavelen,* sw. v. stiefeln.
=stavelen= = staven.
=stavelik= = stevelik.
=stavelen-bolte,= intrusula, Instrument der Schuster zum Ausspannen der Stiefel.
=stave-licht,= Windlicht, Fackel.
=staven,= sw. v. 1. *den êt staven,* den Eid buchstäblich, wörtlich vorsagen, den der Schwörende nachzusprechen hat; den Eid abnehmen. 2. m. Acc. der Person: beeidigen. -- *stavedes êdes, mit gestaveden êden sweren,* feierlich schwören.
=stavener, stavere= = stevere.
=staven-wort= = stafwort.
=stech,= n. Steg, *viale, semita:* enger Weg, Fusspfad; schmales Brett als Brücke; *to wege unde stege, to stege u. strate gân,* ausgehen können, nicht bettlägerig, gesund sein; in städt. Testamenten wird regelmässig etwas *to wegen unde stegen* der Stadt vermacht.
=stecken,= 1. sw. v. intrs. stecken. 2. st. v. trs. dialekt. = *steken,* stechen, stecken.
=stedde,= f. = stede; =steddich= = stedich.
=stede,= f. 1. Stelle, Platz; Ortschaft, Hofstelle; *stânder stede,* sofort, auf der Stelle; *uppe (der) stede,* augenblicklich, jetzt; *sodder stede,* seitdem, später; *van steden,* sofort; weg, fort; *an, in -- stede,* anstatt. 2. Stätte, Raum, Erlaubnis; *stede geven,* Platz machen, nachgeben, erlauben; *stede hebben,* stattfinden können; *stede* u. *stunde,* Ort u. Zeit, Gelegenheit; *in steden stân,* zu Statten kommen.
=stêde=, f. Stätigkeit, Festigkeit; Treue.
=stêde,= adj. fest, beständig, treu; *stêde sîn,* bliven, rechtsbeständig, gültig sein; = stedich, stedisch.
=stêde,= adv. fest, beständig; stets, immerwährend: *stêde unde vast, stêde-vast; stêde hen, stêde wech,* in einem fort, fort und fort.
=stede-gelt,= _Stättegeld, Zahlung für die Benutzung einer Stätte, Grundzins; bes. die zu zahlende Abgabe für den Platz beim Verkauf, Schaustellungen etc._
=stede-holder(-holdener),= Statthalter, Vertreter, Vicarius.
=stede-holdinge,= Genehmigung.
=stêdelike(n)=, adv. fest, sicher; fortwährend, häufig.
=stêdelikes,= stets, immer.
=steden,= sw. v. 1. trs. stellen, setzen, befestigen; refl. sich festsetzen, sich stützen, sich verteidigen. 2. gestatten: *ênen in, to, uppe,* jem. zulassen zu, aufnehmen; *to worden,* das Wort gönnen; *van sik,* loslassen, freigeben; *ênem wes (wat),* zugestehen, erlauben, bewilligen. 3. m. Dat. zu statten kommen, passen, nützen.
=stede-pennink= = stedegelt.
=stêde-vast, -wech,= s. stêde.
=stêdes,= stets, immer; *stêdes hen,* stetshin.
=stedes= = stedesch, s. stedisch.
=stedich,= stätisch, von Pferden, die nicht von der Stelle wollen.
=stêdich,= stätig, beständig; adv. stêdigen, stêdichliken.
=stêdicheit,= Festigkeit, Beständigkeit, Sicherheit.
=stêdigen, stêdegen,= sw. v. festsetzen, bestimmen; befestigen, bestätigen.
=stedigen,= sw. v. = steden 3.
=stêdinge,= Bestätigung; Festigkeit, Stütze.
=stedinge,= Einsetzung, Bestallung.
=stedisch,= (von Pferden) stätisch, widerspenstig.
=stêf=-dochter, -kint, -moder (-mome, -mone), -sone, -vadere, Stief-Tochter, -Kind, -Mutter, -Sohn, -Vater.
=stege,= m. u. f. Pferch, bes. für die Schweine.
=stege,= (ê?) f. *gradus,* Stufe, Treppe.
=stêge,= (ê?) steiler Weg, Anhöhe; überh. Weg?
=stêgel,= steil.
=stegele,= f. Tritt zum Übersteigen über einen Zaun; Stufengang, bes. vor Kirchen.
=stegelitze, -lisse,= Stieglitz.
=stegen,= sw. v. Steg bereiten.
=stêger= = steiger.
=stege-, stegel-rêp,= Stegreif, Steigbügel (Steigring).
=stegerêp-amber,= Eimer, am Steigbügel getragen? l. -armborst?
=stegerêp(es)-armborst,= e. Armbrust, die man durch Treten in einen Steigring oder Bügel, vermittelst einer Maschine, *antwerk, krîch,* spannen musste.
=steide= = stêde.
=steiger,= steil; s. dal, declivis.
=steiger, steier,= m. Baugerüst; überh. Gerüst; Stockwerk; in den Fluss gebauter Damm.
=stei(g)eren,= sw. v. steigern, höher machen; verteuern.
=stei(g)eringe= = steiger, m.
=steil,= steil; bildl.: trotzig, hoffärtig, stolz; steile upwart, acclivus.
=steilicheit,= bildl.: Trotz, Hoffart, Stolz.
=steilinge,= jäher, steiler Berg.
=stein,= Stein, u. Abl.: s. *stên* etc.
=steke,= st. m. 1. Stich. 2. stechender Schmerz (Seitenstechen). 3. das Stechen, Turnieren. 4. concr. Stachel. 5. *= stekelade. -- den s. holden,* Stich, Probe halten; *im s. unde lope laten,* im Stich lassen.
=steke-bane,= Stechbahn, Turnierplatz.
=steke-bant,= Eisenband, welches zwei Balken aneinander schient.
=steke-dach,= Stichtag, festgesetzter Tag.
=stek(e)-harnes,= Turnierharnisch.
=stekel,= leicht verletzt, leicht beleidigt.
=stekel=, devexus.
=steke-lade,= eine Art Fischreuse od. -netz.
=stekel-dorn,= Stechdorn.
=stekele= = stekelink.
=stekel-gerêde,= n. Turniergerät.
=steke(l)-helm,= Turnierhelm.
=stekelich,= stechend, verletzend.
=stekelink,= _ein kleiner, stachlichter Fisch, Stichling, Gründling._
=stekel-schip= = stekelvarerschip.
=steke(l)-spel,= m. Stechspiel, d. i. Turnier, wo mit Lanzen nach dem Gegner oder nach einem Kranze oder Ringe gestochen wurde.
=steke(l)-sper,= Turnierspeer.
=steke(l)-tuch=, Turnierrüstung.
=stekel-varer= = stekenitzevarer.
=stekel-wege,= laganum = stackelwegge.
=steke-messet, -mest,= Messer zum Stechen, Dolch.
=steken,= st. v. 1. stechen; ein Pferd spornen; verwunden, verletzen; erstechen; durch einen Halsstich schlachten; turnieren; den Staar stechen; ein Fass anstechen; den Schmelzofen anstechen: *dat sulver s.;* reizen, Begierde erwecken. 2. trans. stecken, festheften; ein dünnes Tau (aus 2 oder 3 Garnen) drehen; hineinthun; festsetzen, bestimmen; zustecken, hinterbringen; intrs. stecken, festhaften; refl. *in,* sich einmischen; *an,* sich in Besitz setzen.
=steken,= sw. v. intrs. stecken.
=steke-nâlde,= Stecknadel.
=stekenitze-, steken-varer,= Schiffer auf dem Stecknitz-Canal.
=steke-pennink,= das Geld, womit man einen besticht.
=stek(e)-pille,= _zerfliessende Sachen, welche Kranken zur Beförderung des Stuhlganges im After beigebracht werden._
=steker,= ein Fisch, pecten.
=steke-recht (stekerecht-dach)= setten, einen Termin zur Verhandlung eines Prozesses und Beibringung der Beweismittel anberaumen.
=steke-rei,= Stechreigen, Turnier.
=steke-rink,= Turnierplatz, Turnier.
=stekerlink= = stekelink.
=steke-tît= = stekedach.
=steke-wîn,= der Wein, der beim Anstich eines neuen Fasses dem Rate gebührt (sonst: der zur Probe mit dem Heber aus dem Fasse gestochene Wein).
=steke-wort,= Stichelrede.
=stel, stēl,= _(aus *stele?)* m. Stiel, Handhabe; Stengel; Ladestock?_
=stel,= n. Gestell, Stockwerk eines Hauses.
=stel-bôm,= Baum, Stange zu Gerüsten, Stellagen.
=stel-brêf= (= bestelbrêf, Bestallungsurkunde?) Kaperbrief, Commissionsbrief, der auslaufenden Kapern erteilt wird.
=stel-dele,= Diele, die zum Gerüste, Gestelle dient.
=stêlen,= sw. v. stählen, verstahlen.
=stêlen,= stählern.
=stelen,= st. v. stehlen; refl. sich heimlich entfernen.
=steler,= Dieb.
=stel-hamer,= grosser Schmiedehammer; Stimmschlüssel, plectrum.
=stel-hol= = stellegat.
=stêliken= = stêdeliken.
=stêlken,= weisse, linnene Hauben (der Laischwestern).
=stelle,= n. Gestell, z. B. des Wagens, Webestuhl, Baugerüst.
=stelle-anet,= Stellente, Lockente.
=stelle-gat,= Mauerloch, in welches der Gerüstbalken gelegt wird.
=stelle-, stel-holt,= n. Holz zu Gerüsten, Dämmen etc.
=stellen,= sw. v. stellen, hinstellen, anstellen; betreiben, machen; m. Dat. nachstellen, Fallen stellen, jagen; *an, to,* anheimstellen; *na,* trachten nach, sein Augenmerk richten auf; *up,* richten, einrichten auf; refl. Stellung nehmen, sich richten; sich anstellen, sich geberden. Prtcp. *gestalt, gestelt,* gestaltet, beschaffen; gerichtet, gestimmt.
=stell-ende= = stelle-anet.
=stelle-stake,= Pfahl zu einem Gerüste.
=stel(le)-wede,= Weidenband zum Gerüste.
=stellinge,= 1. Stellung, Lagerung; Bestellung des Ackers, Düngung etc.; Versetzung des Bieres in Gärung. 2. Stallung, Stall; Gestell, Bühne, bes. Baugerüst, Abteilung desselben, daher Höhenmass (46 Zoll).
=stel-pert,= Pferd, das in die Karrengabel gespannt wird.
=stel-rame,= Gestellrahm der Weber.
=stel-rover,= Dieb und Räuber.
=stelte,= f. Stelze; Stelzschemel der Krüppel.
=steltener, stelter,= gipsaticus, claudus.
=steltnisse= = staltnisse.
=stemme, stemne,= s. stempne.
=stemmen,= sw. v. stimmen, votieren.
=stemmen,= sw. v. steif, fest machen, halten; *sik tohope s.,* sich zusammen drängen.
=stempel,= ein Werkzeug zum Stampfen, Stössel, Mörserkeule; Stampfer, Ladestock der Kanone; Grabstichel, Prägestock, Stempel; ausgeprägtes Bild, Vorbild.
=stempel-mole,= Stampfmühle.
=stempen= u. =stempelen,= sw. v. stampfen, stossen; stossend bilden, Figuren in Metall treiben; stempeln, marken; bildl.: etwas formieren, betreiben, anstiften, ins Werk setzen; absol. etwas böses betreiben, Verrat üben, betrügen.
=stemper,= 1. Stössel, Stampfblock. 2. Betreiber, Anstifter (in bösem Sinne).
=stemperie,= Betreiben, Agitation, Aufwiegelung.
=stemp-isern,= Stempel-, Mark-Eisen.
=stempne (stemne), stemme,= f. u. m. Stimme; Votum.
=stem-rême,= in die Nähte der Beutel, des Schuhzeugs eingenähter schmaler Lederriemen.
=stên,= unr. v. = *stân,* stehen.
=stên,= m. Stein; als Bau-, Mauerstein, oft collect.; als Geschoss, Schandstein, Badestein; Schwelle; Würfel, Brettstein; Blasenstein; Kern der Steinfrüchte; steinernes Haus, Turm, Gefängnis; als Gewicht für Wolle, Flachs (gew. 20 Pfund).
=stên=-bedde, Hünengrab; *-berch,* felsiger Berg, Steinbruch; *-bicke,* Spitzaxt zum Brechen, Zerhauen, Behauen der Steine, zum Schärfen der Mühlsteine; *-bicker,* 1. Steinhauer, 2. = d. f.; *-bit(e), -biter, fundiculus, saxatilis,* Steinbiss, Gründling, Schmerle; *-bodene,* die hölzerne Einfassung des Mühlsteins; *-bore,* Tragbahre zu Steinen; *-breke,* Steinbrech, e. Pflanze; *-breker,* der im *stên-broke,* Steinbruch arbeitet; *-brugge,* 1. steinerne Brücke, 2. Strassenpflaster; *-bruggen,* sw. v. die Strasse pflastern; *-brugger,* Strassenpflasterer; *-budde(n?),* wohl = *stênbodene; -buk, -bok, ibex, capricornus; -busse,* 1. *alabastrum,* steinernes Fläschchen, 2. Geschütz, aus w. Steine geschossen werden; *-but,* Steinbutt, e. Fisch; *-dam,* Steindamm, gepflasterte Strasse; *-decker,* Ziegeldachdecker; *-exe = stênbicke; -gelt,* Geld, w. der Gefangene für den Aufenthalt im Gefängnisse zahlen muss; *-glint,* Einfriedigung v. Stein; *-grant,* Steinkies, -gerölle; *-grove,* Steingrube, -bruch; *-grunt, fundus arenosus; -grûs,* n. Steinbröckel; *-hôp* u. *-hupe,* Steinhaufen; *-houwer,* Steinhauer, Steinmetz; *-hovet,* Steinbollwerk am Wasser, *fundamentum lapideum; -hûs,* massives Haus, auch: festes Haus, Feste; *-kalk,* Steinkalk; *-kamere,* 1. feuerfestes Gemach, auch: Gefängnis, 2. Steinbruch; *-kanne,* Schenkkanne v. Thon; *-klêver, mellilotum,* wilder Klee; *-klippe,* Felsklippe; *-kole,* Steinkohle; *-krôs,* Krug v. Thon; *-kule = stêngrove; -lîm,* Steinkitt; *-march,* Steinmark oder Mondmilch, e. weisse Erde; *-mel,* Mehlabfall zwischen den Mühlsteinen; *-minte, calaminta,* Steinmünze; *-nagel,* eiserner Nagel zu Dachpfannen, -schiefern; *-nette,* mit Steinen beschwertes Fischernetz (eine bes. Art); *-olt,* sehr alt; *-peper, sedum acre,* Steinpfeffer; *-piler,* Pfeiler v. Stein; *-pot,* Topf v. Thon; *-prâm,* Prahm zum Fortschaffen v. Ziegel- u. a. Steinen; *-rose, -ruse, -rudse, -rusche,* f. Fels, Felsabhang; *-rute, capilli veneris; -setter = stênbrugger; -slope,* Schleife zum Transport von Steinen; *-sniden,* den Blasenstein schneiden; *-strate,* gepflasterte Strasse; *-sule,* Säule v. Stein, als Brunnen? *-troch,* Trog v. Stein; *-ule,* Steineule; *-varn, polipodium; -vat,* Gefäss aus Stein, Thon; *-vore,* Steinfuhre, Fahren v. Steinen; *-want,* Wand v. Stein; *-wech,* Strassenpflaster, gepflasterter Weg; *-werk,* stein. Bauwerk, Steinmetz-, Mauer-Arbeit; *-wer(ch)te, -werter, -werker* jeder Stein-Arbeiter, bes. Steinhauer u. Steinmetz, aber auch Ziegler u. Maurer; *-winde,* Winde für Steine; *-worp,* Steinwurf, als Längenmass.
=stênaftich, -achtich,= steinern.
=stendeke,= Dem. zu stande, cadulus.
=stendel-wort,= leporinum u. satirion.
=stender,= m. Pfosten, Pfahl der trägt.
=stender-werk,= Zimmerwerk, Fachwerk.
=stendich,= geständig, zugestehend, einräumend.
=stêne-lôt= = stênen lôt, Geschoss aus Stein.
=stênen,= adj. steinern.
=stênen,= sw. v. mit Steinen bewerfen, steinigen; mit Edelsteinen besetzen, schmücken.
=stenen,= sw. v. stöhnen.
=stêne-wrak,= coll. untaugliche u. zerbrochene Ziegel.
=stengel,= Stengel der Pflanzen.
=stênich,= steinig, steinhart; voll Steine; adv. stênigen.
=stenken,= sw. v. bis zum Übermasse sättigen?
=stênte,= n. Gestein, bes. Edelgestein.
=stêr,= m. Stier.
=sterf-dach,= Todestag; =-drôs,= Pestbeule.
=sterflik,= sterblich; tötlich.
=sterfnisse= u. =sterfte,= f. = sterve.
=sterk= = stark.
=sterke,= f. eine junge Kuh, die noch nicht (oder zum erstenmal) gekalbt hat, ein überjähriges Kalb.
=sterke,= f. u. =sterkede,= f. Stärke; Stärkung.
=sterken,= sw. v. 1. intr. stark werden. 2. tr. stärken, stark machen, befestigen, unterstützen, verstärken. 3. refl. sich stärken, sich erquicken, sich verstärken.
=sterker,= der stark macht, unterstützt.
=sterkheit,= Stärke.
=sterkliken,= adv. stark, kräftig.
=sterknisse,= confortacium.
=sterne,= f. (u. =stern,= n.?) Stirne.
=sterne,= sw. st. m. u. f., =stern,= st. m. Stern; sternartiger Fleck.
=stern(e)=-kiker, Astronom, Astrolog; *-krone,* Sternenkrone; *-schot* u. *-suver,* Sternschnuppe; -wagen, ursa minor.
=sternete,= n. die Gestirne (collect.) und ein Gestirn.
=sterninge,= Gestirn.
=sterre,= sw. m. Stern.
=stert,= m. Schwanz; Hintere; *up den stert houwen,* jem. verhöhnen; *den stert hôch holden, dregen,* sich stolz bezeigen; bildl. das äusserste Ende einer Sache; *fractillus,* Zacke, Zipfel an Gewändern.
=stertelink,= Wolle an den Schwänzen der Schafe.
=stertel-krût,= capsia.
=stert-lôs,= ohne Schwanz.
=stert-rême,= Schwanzriemen.
=stert-wisch,= nepus.
=sterve,= m. f. das Sterben; ansteckende, tötliche Krankheit, Pest, Epidemie.
=sterven,= st. v. sterben; (als trans.) durch Todesfall vererben.
=sterven,= sw. v. sterben machen, töten, ertöten.
=stervent,= n. = sterve.
=sterver,= der Sterbende.
=stervesch,= gefallen, crepiert (vom Vieh).
=stervich,= Tod bringend.
=stervinge,= f. 1. = *sterve.* 2. Ertötung.
=stevel,= m. Stiefel.
=stevelen,= sw. v. stiefeln, Stiefel anziehen.
=stevelen= = stevenen (den Eid).
=steveler= = stevere.
=stevel-gelt,= Geld zu Stiefeln.
=stevelik,= fest, sicher, genau, bestimmt.
=steven,= f. Vorderbalken, Schnabel des Schiffes.
=steven-dach,= festgesetzter Tag, Termin.
=stevene,= f. bestimmter Tag u. Ort zum Erscheinen (vor Gericht, zur Versammlung der Gilde etc.); Versammlung, Verhandlung.
=steven(en),= sw. v. = *staven,* den Eid staben.
=steven(en),= sw. v. einen festen Tag bestimmen zum Erscheinen vor Gericht etc., citieren; anberaumen, fordern.
=stev(en)inge,= Ladung vor Gericht, Citation.
=stevere,= Eidstaber, der den Eid feierlich abnimmt.
=stevich,= fest, beständig.
=stîch,= m. Steig, Fussweg.
=stîch-ledder,= n. Steigleder, die Riemen, an welchen die Steigbügel hängen.
=stîch-leddere,= f. Steig-, Sturmleiter.
=sticht(e),= n. 1. Ordnung, Stiftung, Festsetzung. 2. geistliche Stiftung, Stift, Bistum, Abtei.
=stichtelik,= fest, dauerhaft; erbaulich.
=stichten,= sw. v. 1. stiften, gründen; einsetzen (Beamte); ordnen, einrichten; ins Werk setzen, veranstalten, verursachen, anstiften. 2. bildl. erbauen.
=stichte-note,= Stiftsgenosse, Ministerial des Stiftes, Bistums.
=stichter,= Stifter, Gründer, Schöpfer.
=stichtich,= erbaulich.
=stichticheit,= Festigkeit; Erbauung.
=stichtichlik,= erbaulich, was zur Erbauung dient.
=stichtigen,= sw. v. = stichten.
=stichtiger,= Stifter.
=stichtinge,= 1. Stiftung, Gründung. 2. bildl. Erbauung.
=stichtisch,= zu e. geistl. Stift gehörig.
=sticke,= sw. m. Stecken, spitzer Stab von Holz oder Metall, Griffel, Nadel; in die Erde geschlagener Pfahl, Pranger; Zielpflock, Scheibenstift, daher fig. Ziel, Ende, Punkt; Zünglein in der Wage; ein Mass für Zeug (Elle?), Flachs, Fische etc.
=sticke,= sw. m. = *steke,* Seitenstechen.
=sticke-, sticken-dûster,= stockfinster.
=sticke-lappede scho,= grobe Bauernschuhe.
=stickelik,= stachelig.
=stickelse,= n. Gesticktes, Stickerei (gestickter Schleier).
=sticken,= sw. v. 1. stecken, aufstecken, *figere; schot, pile,* s. *pîlsticker; st. bliven,* stecken bleiben; bildl. festsetzen, bestimmen. 2. sticken, *acu pingere;* refl. sich schmücken, zieren.
=sticken,= sw. v. anzünden, anstecken, entfachen; auch bildlich.
=sticken,= sw. v. ersticken.
=sticker,= Sticker, Bordierer; f. stickersche.
=stickinge,= Gesticktes.
=stidde,= f. = *stede* (im Braunschw.).
=stide,= steif, fest, hart; schwer verdaulich; bildl. trotzig.
=stiden,= sw. v. steif und hart werden; quillen, hoch aufgehen wie ein Teig, Erbsen, Reis u. a.
=stîf,= steif; bildl. fest, unbeugsam, hartnäckig; anhaltend.
=stîfliken,= adv. fest, kräftig.
=stîf-steken,= ästig, knorrig?
=stift,= Stift, kleiner Nagel.
=stift(e), stiften, stiftinge,= s. *stichte* etc.
=stige,= f. (n.) Zahlmass, Zahl von 20 einerlei Art.
=stigen,= st. v. 1. intr. steigen; sich erheben, in die Höhe gehen, im Wert steigen, an Macht zunehmen. 2. tr. besteigen; erstürmen.
=stigen,= sw. v. *stige* (Kornstiege = 20 Garben) machen oder aufstellen.
=sti-hake,= d. i. *stîch-hake,* Steighaken, einbäumige Leiter mit Quersprossen u. einem Haken (für Waldarbeiter zur Besteigung der Bäume).
=stik,= n.? Stich; Punkt, Augenblick? Windstoss?
=stik=-dorne, _Stechdorn; *-harich,* von Pferden: mit weissen Haaren durchsetzt; *-luchter,* Leuchterröhre, welche auf e. Untersatz gesteckt wird; *-modich,* hoffärtig; *-natele, spinter; -sage,* eingriffige Säge mit schmalem Blatt; *-sunich,* kurzsichtig;_ -vat? stickuate edder schottelen.
=stil,= m. fl. *steles,* Stiel.
=stîl(e?),= Pfeiler, Säule.
=stiles,= m. *stilus,* Schreibgriffel; Pfriem, Ahle.
=stil-geswegen,= adv. in der Stille.
=stilheit,= Stille.
=stil(le)-dink, -gerichte,= das heimliche Ding, Gericht (des Femgerichtes).
=stille,= still; *de s. vridach,* Karfreitag; *de s. weke,* die Woche vor Ostern; s. misse = stilnisse 3.
=stillen,= sw. v. 1. intr. still werden, still stehen. 2. trans. still machen, beruhigen, beschwichtigen; befriedigen, bezahlen; beseitigen.
=stillen(is)se,= f. n. = stilnisse.
=stil(le)-stant,= m. Stillstand; Waffenstillstand.
=stillich= u. =stillik,= adj. still, verborgen.
=stillicheit,= Stille.
=stillichliken,= adv. still, heimlich.
=stilliken, stilken,= adv. heimlich, verborgen, unbemerkt.
=stillinge,= Ruhe.
=stil-misse,= f. n. = stilnisse 3.
=stilnisse,= f. n. 1. das Stillen der Kinder, Säugen. 2. Stille, Ruhe, Schweigen. 3. n. (selten f.) derjenige Teil der Messe, der die Consecration und die damit zusammenhängenden Gebete enthält, der vom Priester leise zu flüstern ist.
=stîls,= m. = stiles.
=stîm(e),= m. Lerm, Getöse, Toben.
=stimen,= sw. v. lermen, tosen, toben.
=stimme,= s. stempne.
=stimmen,= sw. v. stimmen, anstimmen; votieren.
=stimpt,= f. bestimmter Tag zu einer Zusammenkunft.
=stinken,= st. v. stinken; trans. durch üblen Geruch belästigen.
=stinkendich,= fetidus.
=stinkendicheit,= fetiditas.
=stint,= m. Stint, gubius.
=stint=-kulderinge, das Laichen der Stinte; *-pâl, -ruse,* Pfahl, Reuse zum Stintfang; *-tît,* Fangzeit des Stintes.
=stip,= n. =stippe,= Punkt, Tupf.
=stipel-touw,= welches Gerät?
=stip-gat,= _n. verschliessbares Loch im Herdpfeiler oder in der Wand neben dem Herde zur Aufbewahrung kleinerer Sachen; Loch im Taubenschlage._
=stippeken, stipken,= ein kleiner Tupf oder Punkt.
=stippen,= sw. v. Tupfe od. Punkte machen; mit der Spitze (des Fingers, Stabes etc.) berühren; eintunken, *intingere;* steppen, sticken.
=stip-werk,= Getüpfeltes, Gesticktes.
=stitze, stitzeke,= f. junge Kuh, die erst einmal gekalbt hat.
=stive,= Adv. zu stîf.
=stivele,= Stütze, bes. hölzerne, z. B. für Erbsen, Weinstöcke etc.
=stivels,= Stärke, Amidam.
=stiven,= sw. v. steif machen, stärken, unterstützen.
=stive-nacket,= steifnackig, halsstarrig.
=stivicheit,= Steifheit, Hartnäckigkeit.
=stivinge,= Steifmachung, Stärkung.
=stockel-knecht,= Büttel, Gefängniswärter.
=stocken,= sw. v. in den Gefangenstock, ins Gefängnis werfen, incippare.
=stocke-nette,= eine Art Stellnetz der Fischer.
=stocker,= Büttel, Henker.
=stockinge,= das Setzen in den Gefangenstock.
=stoderie,= Einfriedigung od. Umzäunung (Weideplatz) für Pferde.
=stof,= _n. m. fl. *stoves,* Staub, bes. Sand, *pulvis,* u. Spreu; Stäubchen; fig. Schmutz, Unbedeutendes._
=stoffame?= Geländer, Brustwehr.
=stoffêren,= sw. v. staffieren, aufzieren, schmücken; den Anschein des Echten geben, fälschen; ins Werk setzen, abkarten.
=stoffêrer,= Hutstaffierer.
=stôf-hûs,= Badehaus, Wirtshaus.
=stof-mel,= Staubmehl.
=stof-regen,= Staubregen.
=stoite,= ein Schenkgefäss. L. toite?
=stok,= m. 1. Stock; Zeichen der Amtsgewalt; Stab zum Losen; Kerbstock; Streichbrett; Weinstock; *de witte stock,* Bettelstab. 2. Baumstumpf. 3. Brunnen, Pumpe. 4. Münzstock. 5. Bienenstock. 6. hoch aufrecht stehender Behälter für Geld, Almosen, Urkunden etc. 7. von Holz aufgerichtetes Ständerwerksgebäude. 8. die hölzerne Strafmaschine, in welche die Füsse der Gefangenen gesteckt wurden, daher: Gefängnis. 9. ein Mass Gerste oder Malzes = 3 Wispel. 10. Elle.
=stok=-arn, Steinadler; *-blint,* ganz blind; *-borge,* Bürge für einen Gefangenen; *-bret? -brêt?* eine Art Kleiderstoff; *-brôt,* langes Brot? *-dele,* eine Art v. Dielen oder Brettern; *-dôt,* völlig tot; *-dreger,* Polizeidiener, beim Wollenweber-Amt der Vermesser; *-gelt, -gulden,* Vergütung, vom Gefangenen dem Stockmeister zu entrichten; *-hûs,* Gefängnis; *-lemede,* Lahmheit, w. nötigt am Stocke zu gehn; *-mêster,* Gefängniswärter; *-naket,* völlig nackt; *-neven = nevenink; -ro(d)de,* grosser Hund; *-visch,* Stockfisch; *-visch-hoker, -wêker,* der Stockfische weicht u. verkauft; *-wort,* Stockwurz, Eibisch.
=stoke-brant,= Brandschürer; Anschürer, bildl. in bösem Sinn.
=stokelen,= Dem. zu stoken, instigare.
=stoken,= sw. v. mit einem stechenden, spitzen Dinge wiederholt stechen, stochern; das Feuer aufstochern und nähren.
=stoken= = stoveken.
=stoker,= Stocher, als Werkzeug zur Pflugreinigung; bildl. ein Stocherer, Anschürer, stimulator.
=stokinge,= Anreizung.
=stōk-isern,= Schüreisen? = stoker?
=stôl,= m. 1. Stuhl, bes. vom Sitz des Rates, Thron des Kaisers, Papstes etc.; *de vrie stôl,* Femgericht. 2. Capital, das auf Zinsen ausgeliehen ist.
=stôl=-broder, _College in einer Behörde, Ratsmitglied; *-dreier,* Stuhldrechsler; *-erve,* Thron-Erbe; *-gank,* Stuhlgang; *-kerke,* Kathedralkirche; *-kussen,* Stuhlkissen; *-laken,* Decke über einen Stuhl; *-lene,* St.-lehne; *-maker,* St.-macher; *-pûst = stôlkussen; -rover,* Capital-, Geldräuber, Wucherer; *-schriver,* öffentl. Schreiber, welcher für Illitteraten Briefe etc. verfasste, Schreibmeister in Schulen; *-vire,* das Fest *cathedra Petri; -werk,* eine Art Kürschner-Arbeit._
=stole,= f. Stola, Binde des Messpriesters.
=stolkeren,= arrogare.
=stolle,= Stollen im Bergwerk.
=stolpe,= Schmalz oder eine andre Fettart?
=stolpe, stolp-stucke,= wahrsch. kleiner Balken, Pfosten.
=stolt,= herrlich, stattlich, ansehnlich, schön; im moral. Sinn: hochgemut, stolz; hochmütig.
=stôlte (stûlte),= n. das Gestühle (in den Kirchen).
=stolt(e)-, stoltichlik(en),= adv. zu stolt.
=stoltern,= arrogare.
=stoltheit,= Stolz, Aufgeblasenheit.
=stoltink,= (stolzer) Held.
=stolt-modicheit,= stolzer Sinn.
=stomelen,= sw. v. verstümmeln.
=stonen,= sw. v. stützen.
=stôp,= m. 1. Becher (ohne Fuss, in Eimerform). 2. ein bestimmtes Mass. -- Dem. stôpken.
=stôp-bêr,= Bier, d. *stôpwise* verkauft wird?
=stope,= f. Stufe, Treppe.
=stoppe,= Stoppel?
=stoppe,= Werg, Hede.
=stoppe,= Köcherdeckel.
=stoppel,= st. m. Stachel; stimulus.
=stoppel,= st. m. Stoppel; *stoppelmeter,* Stoppelmesser, spöttisch für Zehnteinsammler.
=stoppen,= sw. v. 1. stopfen, aus-; zu-, verstopfen. 2. anhalten, hindern.
=stordelinge= = storlinge.
=stor(e),= st. m. Stör.
=store-mân,= herba luminaria.
=storen,= sw. v. stören, hindern.
=store-sleger,= Böttcher, w. Tonnen für Störe fertigt u. zuschlägt?
=store-vanger,= Störfischer; *storevank,* Störfang.
=storinge,= Zerstörung.
=stor-isern,= sagillum fabri.
=storit,= Storax.
=stork,= m. Storch; *storks-nest,* Storchnest.
=storlinge,= Zwietracht, Streit.
=storm,= w. Sturm, Sturmwind, Unwetter; Ungestüm, Getobe; heftiger Angriff; vom Todeskampfe.
=storm(e)=-bok, Mauerbrecher; *-hake,* Geschütz zum Stürmen von Festungen; *-huve,* Schlachthelm; *-klocke,* Sturmglocke, auch Polterer, Tollkopf; *-korf,* Faschine; *-mânt,* Monatssold der Soldaten für einen Sturm; *-regen,* Regensturm; *-tartze, ancile; -we(d)der,* Sturm-, Unwetter; *-wint,* Sturmwind.
=stormen,= sw. v. 1. intr. stark wehen; stürmen, toben, poltern. 2. tr. stürmend angreifen und nehmen.
=stormere,= Stürmer, Polterer, Schreier; Angreifer, Bedränger.
=stormich,= stürmisch; von Menschen: unruhig, polternd.
=storminge,= das Stürmen, Kampf; Erstürmung.
=storte,= f. 1. Stürze, der Ort, wo man die Erde etc. aus dem Karren hinschüttet. 2. Stürzkarre.
=storte-kare,= f. eine Karre mit zwei Rädern, dessen Kasten man beim Abladen hinten niederlässt, dass die Last selbst herausfällt. 2. Wippgalgen?
=storte-kule,= Stürzgrube.
=stortelinge= = storlinge.
=storten,= sw. v. 1. intr. stürzen, fallen; *to hope storten,* zusammenstürzen, an einander geraten; *de stortende suke,* Epilepsie. 2. tr. umstürzen, den Inhalt eines Gefässes ausschütten; Bäume fällen; eine Erbschaft *storten,* d. i. verteilen; in Fülle ein- oder vergiessen; bestürzt machen, erschrecken.
=stortere,= der fällt; der etwas umstürzt, z. B. der Kohlenträger.
=stortinge,= f. 1. Niederstürzen, Niederschlag, Tötung. 2. das Ausstürzen einer Masse, Erbschaft etc.
=stor-vat,= Fass zur Verladung von Stören?
=stossich,= stutzig, widerstrebend.
=stôt,= m. 1. Stoss. 2. Anstoss, Zwist. 3. ein Stück Werks, Arbeit oder Zeit.
=stôt,= f. Einfriedigung, Umzäunung für Pferde (im Freien), Pferdebahn, *equirreum;* dann die in der Einzäunung behaltenen (wilden) Pferde, Haufen Pferde, meist zur Zucht bestimmt, Gestüt, Stuterei.
=stôt,= Halfter, capistrum.
=stôt-degen,= Degen zum Stossen.
=stote-gelt?= L. *storte-gelt,* Lohn der Kohlenträger?
=stotelen,= Werkzeuge zum Stossen? L. *scotelot,* Blei für Geschütze?
=stote-mande,= Seih-korb?
=stoten,= st u. sw. v. 1. trs. stossen; schieben, werfen; hineinstossen, z. B. Waren verladen, Pfähle rammen; Baken setzen; zerstossen, zerstampfen; ein Schiff scheitern machen; rädern; aufstossen, gewaltsam öffnen; vorwärts bringen, ausrichten, abwerfen; *in,* in ein Blasinstrument stossen; *up,* etwas jem. zuschieben, zur Entscheidung überlassen; *vor dat hovet,* Anstoss geben, zur Besinnung bringen. 2. intrs. auf den Grund stossen, scheitern. 3. refl. *an,* Anstoss nehmen; gehindert werden.
=stoter,= m. der Waren in Gefässe stösst, verladet; Stösser, Stämpfel; Name einer kleinen Münze = 2 Stüber.
=stote-ramme,= Ramme, womit man die Pfähle einrammt.
=stoter-bok,= Stammeler.
=stoteren,= sw. v. stottern; *stoterer,* Stotterer.
=stotesch,= stössig.
=stôt-galge,= (eculeus?) Wippgalgen.
=stôt-herde,= Pferdehirt; *-hingest,* Beschäler.
=stotinge,= Anstoss; Zwist.
=stôt-isern= am Pfluge, Wagen: Stössel, Vorstecker, u. Stosseisen?
=stôt-mate,= f. Mass, nach welchem das Getreide in das Gemäss eingestossen, nicht lose aufgeschüttet wird.
=stôt-pedden,= sw. v. mit den Füssen stampfend treten.
=stôt-pert,= n. 1. Pferd, das in einer *stôt* ist, wild umherläuft. 2. Mutterpferd.
=stotter,= stotternd.
=stotzelen,= *pl. eine Art Geschwür* (drose).
=stou-stên,= Mühlenstauwerk von Stein?
=stou(w), stow,= n. Stauung, Hemmung des (fliessenden) Wassers, Wehre, Stauwerk; Ufereinfassung, Kaje.
=stouwen, stowen,= sw. v. 1. trans. urspr. wol: aufhäufen, *acervare, cogere* (z. B. Steine, Torf, Erde, Waren etc.), packen; dann durch Anhäufung von Erde, Holz oder Steinen das Wasser hemmen, abdämmen; überh. hemmen. 2. intr. aufstauen, in die Höhe steigen.
=stouwinge,= Stauung, Abdämmung, inundatio.
=stove (stave),= sw. m. 1. Badestube, Einrichtung zu warmem Baden; heizbares Gemach. Solche Badstuben waren häufig auch Zechstuben, Wirtshäuser manchmal gemeiner Art. 2. überh. Wohnung, Stube.
=stoveken, stoviken,= n. Stübchen, Mass für Flüssigkeiten, bes. Bier.
=stoveken,= (Dem. zu *stof*) Stäubchen.
=stoven,= st. m. = stove.
=stôven,= sw. v. stäuben; vom Staube reinigen; schnell jagen; suchend jagen, aufstöbern.
=stoven,= sw. v. bähen, *fovere;* in der Kochkunst: was erst im Wasser gekocht ist, in einem bedeckten Gefässe mit Butter und Gewürzen gelinde kochen.
=stoven=-bat, warmes Bad; in öffentlichen Bädern oft mit e. Schmaus verbunden: *stovenbade-koste; -budel,* Beutel für Bade-Utensilien; *-delen,* die terrassenförmigen Bänke der B.-St.; *-dor,* Thor einer Badestube, aus Latten? *-gânt,* n. Besuch der Badestube; *-gelt, -lôn,* Badegeld, als Trinkgeld gegeben; *-lach,* Gelage i. d. Badestube; *-maged, ambubagia; -mêre,* Gerede in der Badestube, allgemeines Gerücht; adj. allbekannt; -quast = badequast.
=stover,= m. Bader; *-knecht,* Badergeselle.
=stôver,= m. Spürhund.
=stoveren,= stöbern, wegjagen, jem. Beine machen.
=stove-rok,= m. spöttische Bezeichng. von?
=stovich,= staubig.
=strabunzen,= sw. v. Raubfischerei treiben ohne Schonzeit? vgl. fläm. *strabantie,* Unordnung.
=stracken,= sw. v. strecken.
=strackes,= s. strak.
=strafbar,= strafbar.
=straf-bote,= Verbüssung einer Strafe.
=straffe,= f. 1. Verweis, Tadel. 2. Strafe, Züchtigung.
=straffen,= sw. v. 1. tadeln, schelten. 2. strafen, züchtigen.
=straffer,= 1. Tadler. 2. Bestrafer; spec. Henker, Schinder.
=straffinge= = straffe.
=straflik, straf-werdich,= tadelnswert.
=strak,= fl. *strak* -- u. meist *strack* --, gerade emporgerichtet, steif, straff, stark; bildl. gerade, fest, strenge, ohne Umschweife.
=strak= u. =stra(c)kes,= adv. gerade gestreckt, geradezu; von der Zeit: sofort, ohne weiteres.
=straken,= sw. v. überstreichen, streifen; streicheln, schmeichelnd berühren.
=strakheit,= Straffheit, Stärke.
=strale,= sw. st. f. (m.) Pfeil; Sonnen-, Wetter-, Lichtstral; Stachel der Biene; der pfeilartige Streifen unter dem Fusse des Pferdes.
=strale(n)-gelt, -mark, -pennink, -witte,= Geld mit einem Pfeile bezeichnet = Stralsunder Geld.
=stram,= steif, straff, gespannt.
=stram= = strôm; (â?) Gen. *strames,* adv. strömend, fliessend; *strames-* oder *stramvlêtende,* frei fliessend.
=strampen,= sw. v. mit den Füssen heftig auftreten.
=stram-wunde,= heftig blutende Wunde?
=stranden,= sw. v. stranden, an den Strand treiben.
=stran-(strant-)dôk,= e. Art grobes Tuch.
=strange,= f. = strank 2.
=strank,= _m. fl. *stranges,* 1. Strang, (zusammengedrehter) Strick, z. B. des Henkers; als bestimmtes Mass Landes, Zeuges. 2. ein Strang des Wassers, lang hin gezogen, Meeresarm._
=strankelen,= sw. v. wanken, schwanken. L. scr-?
=strank-oge,= Augenkrankheit des Pferdes.
=strank-side,= Seidenschnur zum Siegelanhängen?
=strant,= m. Strand, Meeresufer.
=strant=-driftich, was die See an den Strand wirft; *-lude, -man,* Strandbewohner; *-rôf, -rover,* Raub, Räuber gestrandeter Güter; *-voget,* Aufseher über den Strand u. das an ihm strandende Gut.
=strate,= f. Strasse; *tor strâtwerts,* strassenwärts.
=strate-lank,= adv. längs der Strasse.
=straten,= sw. v. Strasse machen, pflasteren.
=straten=-bodel, _lermender Gassenjunge; *-hor (-har),* Strassenkot; *-maker,* St.-pflasterer; *-mêre,* allgemeines Gerede; adj. allbekannt; *-rôf* u. *-schinnent,* St.-raub; *-rover* u. *-schinder, -schinner,* St.-räuber; *-ruchtich,* allbekannt; *-veger,* Gassenfeger; *-wech,* allgemeiner Weg._
=strazeborger,= ein Kleiderstoff (aus Strassburg).
=strecke,= st. m. = streke.
=strecke-bên,= der die Gebeine der Menschen ausstreckt, der Tod.
=streckelink,= Landstreicher.
=strecken,= sw. v. 1. trs. ausbreiten, dehnen, verlängern; niederstrecken; d. Schiffskiel legen; Tuch *s.?* 2. intrs. u. refl. ausgedehnt sein, sich erstrecken, reichen. 3. refl. sich recken, sich niederlegen; *an,* Anspruch erheben auf, sich vergreifen an; *jegen,* sich widersetzen; *to,* sich entwickeln zu, von Summen: anschwellen, sich belaufen auf.
=strecke-vôt= = streckebên.
=streckinge,= Ausdehnung u. Gestaltung.
=streckit,= Stacket.
=strede,= st. m. Schritt; als Mass.
=strede-hûs, -stal?= l. *strode,* gestroht, strohgedeckt?
=stref,= straff, gespannt, nicht gelenkig, steif, fest; tüchtig, hartnäckig.
=stref,= n. Strebebogen, -pfeiler, Stütze.
=stregen, strei(g)en,= sw. v. = *stroien,* streuen.
=streke,= st. m. 1. Strich, Streifen, Linie; Strich Weges, Strecke; Strich Landes, Gebiet; Streich, Schlag.
=streken,= sw. v. 1. = *strecken.* 2. den Acker stürzen, mit weitläufigen Furchen pflügen (vom ersten Umpflügen).
=strêken, streiken,= sw. v. glatt streichen (die Haare), kämmen.
=streme,= sw. m. Streifen, Strich; Wundennarbe.
=stremel,= m. langer, schmaler Streifen von Leinewand, Tuch, Papier etc.
=stremsel,= die (aus Kälbermagen) bereitete saure Feuchtigkeit, um Milch zum gerinnen zu bringen (zu *stram*).
=strenge,= sw. m. = strank.
=strenge,= 1. gerade gestreckt, *rigidus.* 2. gestreckt, fest angezogen, straff, enge. 3. hart, herbe, strenge. 4. tapfer, tüchtig, energisch; oft im Titel, strenuus.
=strengelicheit,= Strenge.
=strengelik(en),= heftig, sehr, stark, strenge, ernstlich.
=strengen,= sw. v. (strängen): *strengede ringe,* Ringe aus in einander geschlungenen Strängen, s. g. Allianzringe.
=strengen,= sw. v. (strengen): *sik s. an,* sich an etwas machen, um es zu besitzen oder zu hindern, antasten.
=strengicheit (strenicheit, strenkheit),= Strenge; als Titel.
=strenk,= _st. m. (n.?), fl. *strenges,* 1. Strang, Tau, Seil, Strick. 2. Strom, Flussarm._
=strenlike= = strengelike.
=strente,= f. Pfeife, Röhre; Spritze.
=strenten,= sw. v. spritzen.
=strepelen,= sw. v. streifen, abstreifen, die Haut oder den Bast abziehen.
=streve-katte,= eig. e. *strevende* Katze, daher Name v. Münzen mit steigenden Tieren; *de s. tên, sik strevekatten,* ein Spiel, in w. zwei Spieler kniend ein Tuch mittels je eines an dessen Enden befestigten u. von ihnen im Munde gehaltenen Knebels einander zu entziehen suchten, bildl.: sich zanken u. katzbalgen, bes. v. unverträglichen Eheleuten, im guten Sinne: wetteifern.
=streveliken,= unverzüglich? eiligst?
=strevich,= ausgereckt.
=strevicheit,= das Ausgerecktsein, Starrheit.
=streven,= sw. v. intrs. u. refl. steif oder straff sein oder werden, ragen, sich recken, sich regen, sich sträuben, widerstreben, streiten, kämpfen, ringen, sich abmühen, trachten nach, sich richten oder gestalten nach.
=stricken,= sw. v. knoten, stricken, flechten, schlingen, schnüren, binden; bestricken, verstricken, fangen; stricken, z. B. Strümpfe.
=stricket, -kit,= n. Stacket.
=strickit,= gestricktes (Kopf)tuch der Frauen? auch stricketesdôk.
=strîd-aftich,= s. strîthaftich.
=stridde,= sw. m. Dreifuss, als Untersatz.
=stridden,= sw. v. streiten, kämpfen.
=striddich= = stridich.
=stridelik,= streithaft.
=striden,= st. v. 1. die Beine auseinandersperren, sowol seitwärts als vorwärts, weit ausschreiten, bes. um zu messen. 2. streiten, kämpfen.
=striden,= sw. v. streiten, kämpfen, zanken.
=stride-towe,= Streitgerät; -vorste = strît-vorste.
=strîdich,= zum Streit geneigt, streitsüchtig; im guten Sinne: streitbar.
=stridinge= = strît.
=strif,= adj. = stref.
=strik,= n. u. m. Strick, Schnur, Band, Schlinge; bildl. Nachstellung.
=strîk-,= selten =strike=-benke, _Zugbank der Böttcher; *-bret = strîkholt; -glas,* Glaswalze zum Plätten; *-holt,* Holz zum Abstreichen des gefüllten Masses; *-iseren,* Schabeisen der Gerber; *-leddere,* Leiter v. zwei Bäumen zum Herabgleiten v. Fässern; *-mate,* gestrichenes Mass; *-mure,* steinerne Brustwehr; *-schepel,* der gestrichene, gemeine Scheffel; *-stâl,* Messerschärfer v. Stahl; *-stên,* Probierstein; *-up,* kleines Netz in engen Gewässern; *-were,* f. Brustwehr, Streichwehr der Festung; *-wisch,* Kehrwisch._
=striken,= st. v. 1. intrs. sich in grader Linie leicht fortbewegen, laufen, eilen; gehen, ziehen, wandern; umherstreichen; weggehen, weichen; nachgeben, klein beigeben; *s. gân,* sich davon machen; *dat anker s. laten,* das Anker fallen lassen. 2. trans. schlagen; Taue verfertigen; wischen, streifen; glätten, plätten; schärfen, wetzen; schmieren, aufstreichen; *in lîm s.,* leimen; das Kornmass abstreichen; Tuch und Leinen messen; das Segel einziehen; die Flagge streichen, sich ergeben (auch ohne Obj.).
=striken-, strîk-vul,= ganz bis an den Rand voll, gestrichen voll.
=striker,= Streicher, bes. der (geschworne) Tuchmesser.
=strikersche,= Herumstreicherin?
=strikliken,= adv. nach Art eines Strickes, fest.
=strime,= sw. m. Streifen, Strich; Mal auf der Haut v. Rutenstreichen etc., Schmiss, Streich; Strahl, *de witte s. an dem hemmele,* die Milchstrasse.
=strimele,= Streifen.
=strintze,= (wildes) Mutterpferd.
=strîp-achtich,= streificht.
=stripe,= f. Streifen, bes. am Zeug; Strippe am Stiefel? schmales Stück Ackers.
=stripelechtich,= streificht.
=stripet,= gestreift, bunt; als Fehler im Tuche.
=strippe,= glanga, glandia, d. h.?
=strippe,= ein aus Riemen zusammengewundener Strang; Schleife, Schlinge des Geldbeutels.
=strît,= m. Streit, Kampf; Schlachtreihe; Krieg; Zank, Zwist.
=strît-bar,= -barich, streitbar, bewaffnet; *-degen, -helt,* tapferer Held; *-gerich, -girich,* streitlustig; *-geverde,* Kriegsgerät, -mittel; *-(h)aftich,* kriegerisch, streitsüchtig; *-hamer,* Streit-, Fausthammer; *-lik,* streitbar, kriegerisch; *-liken,* adv. heftig; *-meister = strît-vorste; -sam,* streitliebend; *-schip,* Kriegsschiff; *-scho,* Schlittschuh; *-vli(g)er*, Händelsucher? *-vorste,* Heerführer, Feldhauptmann; *-wagen,* Wagen zur Wagenburg? mit Sensen? *-weldich,* streitgewaltig; *-werk,* Kriegshandwerk; *-winnich,* siegreich.
=strô,= n. Stroh, Strohhalm; Strohkorb, Strohgeflecht als Gebinde für verschiedene Waren: Behältnis, welches mehrere Fastagen enthielt, in denen das Wachs in grossen Stücken lag; bes. auch von Bückingen; *nicht ên stro,* wenig, garnichts.
=stro=-bedde, Bett, Matratze von Stroh; *-belde,* Strohmann, *-scheuche, -bôt,* e. Art Kahn; *-dak,* Strohdach.
=stroden,= sw. v. ein *stroder* sein, rauben, plündern.
=stroder,= 1. Strauchdieb, Buschklepper. 2. der *strôt,* Gebüsch, ausreutet.
=stroderen,= sw. v. *strôt,* Gebüsch: ausreuten?
=stroderie,= Räuberei; coll. Raubhorde.
=strôflink= (l. strôpl.?) = strôphose.
=strogen, stroien,= sw. v. = *strouwen,* streuen.
=stro=-hacker, Häckselschneider, *-halm,* Strohhalm; *-hôt,* Strohhut; als Kopfbedeckung eines Narren.
=stroifen,= sw. v. (aus d. Hd.) = stropen.
=stro=-karte (-karde), auf dem Felde gewachsene Karde; *-kote,* Strohhütte; *-korf,* Strohkorb zum Deichen.
=strôm,= m. Strom; Strömung, bes. Flut- und Ebbestrom; *hôch s.,* Springflut.
=stro-man,= mit Stroh ausgestopfte Puppe.
=stromelink,= ein Fisch: die kleinere Sorte Hering.
=strôm-gank,= Stromlauf.
=strôm-hure,= Stromheuer, Pacht für die Benutzung des (Mühlen)stroms.
=stro-mul,= Strohgrus, -abfall.
=strôm-vlêtende water,= Wasser, das strömend fliesst.
=strop,= m. gedrehter Strick.
=strop-ballie,= Balge, die statt des eisernen Bügels, den ein Eimer hat, einen Stropp hat.
=stropen,= sw. v. trans. abstreifen, abziehen; berauben, plündern; intr. streichen, ziehen, umherstreifen.
=strôp-hose,= strumpfartige Hose.
=stropinge,= Streifräuberei.
=stro-sak,= Strohsack (als Bett); *-sêl,* Strohseil.
=strôt,= m. Gebüsch, Dickicht.
=strote (strotte, strate),= _f. Kehle, Gurgel, Luft- und Speiseröhre._
=stroter,= Kehlabschneider.
=strousse= = struse.
=strouwe,= f. Streu.
=strou(we)=-holt, Bohlen als Decklage, Dielung? *-krût,* 1. Gras etc. zur Bestreuung des Fussbodens, 2. e. Gewürz oder Confect.
=strouwen (stroien, streien),= sw. v. streuen; spec. mit Bildwerken besetzen; bestreuen; zerstreuen; intr. sich zerstreuen (gew. refl.).
=stro-vakele,= Strohfackel; *-wîp, -wisch,* Strohwisch.
=strubbeken,= niedriges Gesträuch, Gestrüpp.
=strûf,= empor starrend, rauh, uneben, nicht glatt, *hirsutus, rugosus;* von Personen: rauh, strenge, kurz angebunden.
=strûfheit,= Rauhheit.
=strûf-werk,= in der Weberei dem *slichten* entgegengesetzt.
=strûk,= m. Staude, Busch; abgebrochener Zweig; coll. Gesträuch, Gebüsch; Strauchwerk.
=strûk-dêf, -han, -hôn, -rover,= Strauchdieb, Buschklepper.
=strukelen,= sw. v. straucheln.
=strulle,= f. Wasserröhre, durch die das Wasser mit Geräusch sprudelt.
=strulle-becken, -tubbeken,= Nachtgeschirr.
=strullen,= mingere.
=strump,= 1. Stumpf, Stummel, verstümmeltes Glied; *it geit em to strumpe,* es geht ihm unglücklich, schlägt übel aus. 2. Halbhose, Hosenstrumpf (gestutzte Hose), Strumpf, Beinling; Armstrumpf, unter weitem Aermel getragen. 3. eine Art Brod.
=strumpen, strumpelen,= sw. v. straucheln, anstossen.
=strunk,= _m. der Stengel eines grösseren Krautes; bildl.: der Strumpf ohne *vôtlink.* Dem._ strunkelken.
=strunkelen,= sw. v. straucheln.
=strunt,= m. Kot, Dreck, merda.
=struppe?= = strump, Stumpf, Stummel.
=strûs,= m. der Vogel Strauss.
=struse,= f. breites, flaches Flussschiff (Weichsel, Düna).
=strus-iseren,= Werkzeug der Wandscherer.
=strûs-vedere,= f. Straussenfeder.
=strutte,= die edleren Eingeweide der Tiere (Herz, Lunge, Leber).
=struve,= eine Art dünnen, krausen Backwerkes: (Zucker)straube.
=struven,= sw. v. refl. sich *strûf* machen, widerstreben, sich sträuben, wehren.
=stubbe,= sw. m. Baumstumpf.
=stubbe,= n. Staub.
=stubben,= sw. v. stäuben, den Staub wegschaffen.
=stucke,= n. Stück, Teil eines Ganzen; im Zählen ein Individuum; Ackerstück, Geldstück, Gewichtstück, Geschütz, Fass (Wein); e. zusammenhängendes Gewebe, v. Leinen, Tuch etc., zuw. v. bestimmter Grösse; *gulden, sulvern s.,* gold-, silberdurchwebtes Zeug; das Bahrtuch; Einzelbestimmung, Artikel; Schelmstreich; überh. Sache, Ding, Umstand, Einzelheit. Dem. stuckeken, stuckelîn.
=stuckelingen,= in Stücken, minutatim.
=stucken,= sw. v. 1. aus Stücken zusammensetzen. 2. in Stücke teilen, zerschneiden.
=stucke-werk,= Stückwerk *(s. arbeiden,* Ggs. *dachwerk);* wahrsch. auch einzelne Ellen Tuch, welche die Schneider u. Privatleute dem Tuchscherer zum Scheren bringen.
=stude,= n. Staudicht, Gesträuch, Gebüsch; *stude unde busk,* abgeholzter u. dann wild aufgeschossener Wald.
=studium,= n. Universität; häufig *dat mêne* (allgemeine) st.
=stûf,= stumpf, d. h. ohne Spitze.
=stûf-mule,= Butzkopf, e. Walfischart.
=stûf-slach,= s. stuveslach.
=stûf-stert,= stumpfschwänzig.
=stûfte,= s. stuvete.
=stu(ge)-horn= u. =stu(ge)-, stuger-kop,= Schröpfkopf.
=stugen,= sw. v. schröpfen, zur Ader lassen.
=stuger,= Aderlasser, Bader.
=stuginge,= Schröpfung, Aderlass.
=stu-isern= = stuge-isern, Schröpfkopfschnepper, Lasseisen.
=stuke,= Stauche, weiter, herabhängender, offener Ermel an Frauengewändern, der den engen umgab; auch Kopfbinde oder Schleier, velum, vitta. gestuket rok, vestis duplices manicas habens.
=stuke,= _f. 1. Baumstumpf. 2. kleiner Haufe, vom Flachse, *sabucia;* bes. vom Torfe (6 Stücke)._
=stukel-bant,= (silbernes) Haarband der Frauen, womit das Haar oder die Haube, das Kopftuch *(stuke)* festgebunden wird.
=stuker,= der den Torf in *stuken* setzt.
=stûk-vetter,= der *stuke* (d. h.?) aufladet.
=stulpe,= f. Stülpe, Hülle; bes. Topfdeckel.
=stulpen,= _sw. v. 1. *up,* e. *stulpe* über etwas legen; *under,* verbergen unter einer solchen. 2. umstürzen, umkehren._
=stulper,= Stülper, Deckel (auf einen Topf).
=stulten, stolten,= sw. v. dick, fest werden, aufhören zu fliessen, gerinnen.
=stum,= stumm; *stumme sunde,* Sodomiterei.
=stumelen,= sw. v. verstümmeln.
=stumen,= sw. v. wüten, =stumich,= wütig.
=stump,= m. Baumstumpf.
=stump,= stumpf, d. h. ohne Schärfe oder Spitze; bildl.: geistig stumpf, dumm, unerfahren.
=stumpel,= m. Stumpf, Stummel, Überbleibsel.
=stumpelen,= sw. v. stumpfen, verstümmeln.
=stumpen,= sw. v. stumpf sein; *stumpet,* stumpf.
=stumpere,= (der irgendwie verstümmelt ist) Schwächling, Elender, *miser;* oft ohne tadelnden Nebenbegriff: unglücklich, armselig.
=stumpheit,= Stumpfheit; stumpfer Sinn.
=stumpliken,= in stumpfer, dummer Weise.
=stump-sinnich,= hebes.
=stunde, stunt,= f. 1. Stunde; bestimmte Zeit, Zeit überh.; *up der, van, tor st.,* sogleich; *van st. to st.,* beständig, immer wieder; *under stunden,* von Zeit zu Zeit, bisweilen. 2. mal; *dusent st.,* tausendmal.
=stunde-glas,= Stundenglas (Wasser- oder Sanduhr); *ein luckich st.,* glücklicher Moment = fortuna.
=stunde-klocke,= Stundenglocke.
=stunden,= sw. v. zaudern, säumen; Zeit u. Frist geben.
=stunde-werk,= Instrument, das die Stunden anzeigt.
=stundinge,= Befristung, Aufschub.
=stunende?= widersetzlich?
=stuns, stuntze,= Kübel, Zuber.
=stunzel-vôt,= (Klumpfuss?) Hinkefuss.
=stupe,= schüttelnder Krankheitsanfall, Convulsion.
=stupe,= f. 1. Säule oder Pfahl, woran ein Verbrecher gebunden wurde, um öffentlich mit Ruten gezüchtigt zu werden. 2. diese Züchtigung.
=stupen,= sw. v. Convulsionen bekommen.
=stupen,= sw. v. stäupen, geisseln.
=stupe-slân, -houwen,= (mit Staupbesen) geisseln.
=stûp=-garde, f. Staupgerte, -besen; *-spel,* Spiel, bei w. es Schläge setzt; -sule = stupe 1.
=stûr,= steif, strenge, ernst; störrig, widerspänstig, lästig; grimmig, wild, zornig, unfreundlich.
=stûr, sture,= n. 1. Steuer, Steuerruder; *over sture,* rückwärts. 2. n. f. bildl. Regierung, Leitung, bes. insofern gewehrt, abgehalten wird: Abhülfe, Gegenwehr, Hinderung; *dat stûr holden, st. dôn,* steuern, wehren. 3. f. Unterstützung, Hülfe; bes. Unterstützung an Geld, Beisteuer; Steuer, Abgabe.
=stûr-bort,= Steuerbord, die rechte Seite des Schiffes.
=stur(e),= blitus: amarantus blitum?
=sture,= sw. m.? Kaulbarsch, perca cernua.
=sturen,= sw. v. 1. steuern, lenken; *gesturet wesen up,* versessen sein auf. 2. schicken, senden (wohin dirigieren). 3. m. Dat. steuern, wehren, hemmen. 4. m. Acc. abwenden, verhüten, abhelfen.
=stûrheit, sturicheit,= Strenge, Festigkeit; Härte, Unfreundlichkeit.
=stûr-hol,= Oeffnung, durch w. das Steuer ins Schiff geht.
=stûr-, sture-lôs,= steuerlos; fig. wild, unbändig.
=stûr-, sture-man,= 1. Steuermann. 2. Anführer, Leiter.
=stûr-rême,= Steuerruder; *-touwe,* Steuergerät, -ruder.
=stût,= st. m. der dicke Teil des Schenkels, Oberschenkel, Steiss.
=stute,= sw. m. schenkelförmiges Weissbrod; später jedes (feinere) Weissbrod.
=stuten-brî,= Milch mit Weissbrod; *-weke,* Flitterwoche.
=stutte,= sw. m.? Stütze, Ständer, w. zur Unterstützung unter oder gegen etwas gesetzt wird; fig. Schützer, Helfer.
=stutte-klinke,= Klinke, womit das aufgeschobene Fenster gestützt wird.
=stutten,= sw. v. stützen, Stützen setzen, absteifen; fig. unterstützen; aufschieben, -stützen.
=stutten-holt,= beim Schiffsbau d. Hölzer, die zur Stütze dienen.
=stuve,= sw. m. Stumpf, Rest, nam. von einem Stück Zeug, oder ein solches, w. nicht die gesetzmässige Länge hat.
=stuvede= = stuvete.
=stuvelen,= sw. v. stumpfen, die Spitze abhauen.
=stuven,= sw. v. abstumpfen, abstutzen, niederhauen, abholzen.
=stuven,= st. v. intr. stieben; bildl.: wie Staub heraus-, auffliegen, umherwirbeln, von raschen Bewegungen; *stuven unde vlêgen,* nach allen Seiten hin zerstreut werden.
=stuver,= Stüber, eine kleine Münze.
=stuver= (?), Steven am Schiffe.
=stuve-slach,= Schlag, der mit einem stumpfen Instrumente geschehen ist.
=stuvete,= n. niedriges Gebüsch, Gestrüpp.
=stû(w), stuwen= = stouw, stouwen.
=su!= Imper. zu *sên* (auch wol *such*).
=su,= Pron. = *sê,* sie.
=sû,= f. Sau, Mutterschwein.
=su-bast= = sotebast.
=subben,= sw. v. beschmutzen, trüben.
=subbich,= schmutzig, trübe.
=sube,= m. u. f. langes, faltiges Kleid, häufig mit Pelzwerk verbrämt oder gefüttert, für Männer u. Frauen, Schaube, Talar.
=suben-knôp,= Knopf an e. Schaube.
=su-borch,= verschnittenes Mutterschwein.
=su-borgen,= sw. v. =su-boten,= sw. v. Mutterschweine verschneiden.
=su-boter,= Schweineschneider.
=subtîl,= fein, zart; scharfsinnig, verschmitzt. Subst. subtîlheit.
=subtîl(e),= vestis sacerdotum, tunicella subdiaconi.
=sucht,= m. Seufzer; tiefer Atemzug.
=sucht,= f. Krankheit; Seuche, Epidemie.
=sucht,= krank.
=sucht-aftich,= kränklich.
=sucht-bedde,= Krankenbett.
=suchten,= sw. v. seufzen, tief Atem holen; *na,* sich sehnen nach.
=suchten-sêk,= von Krankheit siech, bettlägerig.
=suchtinge= = sucht, m.
=suchtich,= 1. seufzend. 2. krank.
=suck= = sulk, solcher.
=sucke, zucke,= f. e. Art Pumpe.
=sucker,= _m. Zucker. Zss.: *-becker,* Zuckersieder; *-candi, -candît, -candigen, succarum de Candia,* Kandis; *-ei: môs van sukkereye,* Mus v. Ei u. Zucker? Salat v. *Cichorium (*ndl. *suikerei,* engl. *succory)? -mânt,* Flittermonat; *-penit, -bannit,* Penitt,_ saccharum penidium.
=sudde,= Sumpf, Kotlache.
=sudder= = seder, seit.
=sude= = sode, eructatio.
=sude-hardik,= Hartungs-Apfel? l. sute? sure?
=sudeler, suteler, sutteler,= Marketender, der die Märkte mit Speisen oder Getränken bezieht, oder die Soldaten mit Ess- und Trinkwaren in den Krieg begleitet (eig. Sudel-, Schmutzkoch?). Sein Zelt: sudeltelt.
=suden,= n. Süden; adv. südlich; *-sît,* Südseite; *-wint,* Südwind; *suden tegen (ten, ton) ôsten, westen,* süd zum osten, westen.
=suder,= _adj. südlich; *-halve, -side,* Südseite; *-wint,* Südwind._
=sudern,= adj. südlich.
=sude-wert, -wart,= südwärts.
=su-distel,= Name für verschiedene Pflanzen: endivia, paliurus, salmenta.
=suel= = sûl; =suele= = suwele; =suen= = suwen.
=suert,= Eber.
=sufel (suffel),= pulmentum, brodium, obsonium.
=suften,= sw. v. = *suchten,* seufzen.
=sugen,= st. v. saugen.
=sugge,= f. = soge.
=su-hêler,= Schweineschneider = suboter.
=su-hût,= Schweinshaut.
=suke,= f. (u. sw. m.?) Seuche, Krankheit; bes. der Schlagfluss, Apoplexie; *de quinende suke,* Schwindsucht.
=sûk-aftich,= mit Seuche behaftet, krank.
=sûk(e)-bedde,= _Siechbett; *binnen s.,* während einer Krankheit._
=suke-dage,= Krankheit.
=sukede, sûkte,= f. Seuche, Krankheit.
=suken,= st. v. = soken.
=suken,= sw. v. krank sein oder werden.
=suke-val,= Krankheitsanfall.
=sûkheit,= Krankheit.
=sukich,= krank.
=sukinge, sokinge,= Bezirk, Gebiet; vgl. anord. *sôkn,* f.
=sul,= m. =sulle,= st. m. Grundbalken der Mauer; Thürschwelle.
=sûl=, f. = *sule,* Säule.
=sul-bast= = sotebast.
=sulchedân,= d. i. *sulk-ghedân,* so beschaffen, solch.
=sule,= f. Säule, Pfeiler, Thürpfosten, Mühlenständer, Brunnenpfahl, Bildsäule, Armbrustschaft, = stupe.
=sule= = suwele.
=sul-exe,= zweischneidige Axt.
=sulf (sullef),= adj. pron. selb, selbst; *he sulve,* er selbst; *de sulve, sulfte, sulfste,* derselbe, *idem; sulve, sulf ander, sevede* etc., selbst mit einem, mit sechs andern etc.; *sines* oder seltener *sîn sulves gût,* sein eigen Gut; *sines sulves werden,* selbständig werden, ein eigenes Geschäft anfangen; *van sik (eme, ere) sulven komen,* die Besinnung verlieren, körperlich herunterkommen; *to sik s. k.,* zur Besinnung kommen, erwachen.
=sulfar= d. i. sulf-var = sulfgraw.
=sulf=-breke = silbreke; -dicht, erdichtet; ersonnen; *-drîsticheit,* Willkür, Eigenwille; *-egge,* Selbsteigner, Bauer und Markgenosse; *-ende,* Sahlleiste, Zettelende an beiden Seiten des Tuchs; *-gerichte,* Selbsthülfe, Gewaltthat; *-graw,* ungefärbt, von natürlicher grauer Farbe (v. Tuch); *-hêre = sulves-hêre; -mêster, rectores salinae* in Lüneburg, Salzpfannenpächter, Salzsiedemeister; *-modich,* eigenwillig, frevelhaft; in gutem Sinne: freiwillig, adv. *-modeliken; -môt,* Eigenwille, -macht; *-mundich,* mündig; *-pandinge,* Pfändung ohne gerichtl. Erlaubnis; *-recht, -richte = sulf-gerichte; -richter,* der sich selbst Hülfe schafft; *-schot, arcus automatus,* e. Schleudermaschine; *-schuldige,* der wirkliche Gläubiger oder Schuldner; *-slagelink, -slegelink, -slegel,* ein kupferner Kessel? *-sokelicheit,* Selbstsucht, Eigennutz; *-stam,* Baumstamm, w. nicht verarbeitet ist; *-standich,* selbständig, freiwillig; *-walt,* von selbst gewachsener, nicht gepflanzter Wald; *-walt, -wolt,* m. f. Selbsthülfe, eigenmächtige Gewaltthat; *-wassen,* von selbst gewachsen (Holz), bildl.: was nur eigenen Trieben folgt oder sich selbst zu etwas aufwirft; ungeschliffen, roh, brutal, trotzig, eigenmächtig; *-welder, -woldener = sulfrichter; -weldich, -woldich,* eigenmächtig, gewaltthätig, ungehorsam, adv. *-woldichliken, -woldelken; -wesent, substantia; -wesentlike, substantialiter; -wille,* Eigenwille, -mächtigkeit; *-willich,* eigenmächtig, freiwillig.
=sulftich,= (der)selbe.
=sul-walt, -wassen= etc., s. sulf-.
=sulk= = solk.
=sulle= = sul.
=sul-rame,= Gestell der Schwellen des Hauses.
=sulre,= Plur. Schwellen; sonst sulle.
=sulte,= f. 1. Saline, Salzquelle, Salzwerk. 2. Sülze; gallertartiger Absud.
=sulte=-beren, eingekochte Birnen; *-gût,* Einkünfte v. e. Saline; *-holt,* Brennholz für die Saline; *-hulpe,* Beiträge der Sülzrentner zur Tilgung der Lüneburger Stadtschuld; *-kôl,* eingemachter Kohl, Kompost; *-kote,* Salzsiedehaus; *-meister,* Salinenpächter; Salzsieder; *-melk, galantina, frigidarium, bilimen; -recht,* Salinenrecht; *-rente = sultegût; -rentener,* Besitzer solcher Einkünfte; *-schriver,* Salinenschreiber; *-spise, frigidaria, salsa, omasum; -vôt,* in Essig oder Salzbrühe eingemachter Schweinefuss, Spottname des Schlachters.
=sulten,= sw. v. sülzen; überh. einmachen.
=sulten-sôt,= Salzquelle.
=sulter,= Sülzer, Salzsieder, in Lüneburg Knecht des sulfmêsters.
=sulven, sulver,= adv. selbst, in eigener Person.
=sulver,= n. Silber.
=sulver=-bede, _f. Geldsteuer; *-berner,* Silber-, Goldschmied; *-gelt,* S.-geld; *-glede,* S.-glätte; *-grove, -kule, argentifodina; -hutte,* S.-schmelzhütte; *-koke,* S.-kuchen, Blicksilber; *-kôp,* S.-kauf, Preis des S.; *-lepel, -schale,* Löffel, Schale aus S.; *-schûm(e) = sulverglede; -smide,* n. *-smuk,* n. *-ware,* f. *-werk,* n. S.-geschmeide, -schmuck, -gerät; *-sundern, calchiton; -vel,* versilbertes Leder?_
=sulverîn, sulveren,= silbern.
=sulves,= adv. selbst; *dar s.,* daselbst; *do s.,* damals, zu dieser Zeit.
=sulves=-dôt, Selbstmord; *-hêre,* auch *ênes, sines sulves hêre,* der selbständig, sein eigener Herr ist, bes. Handwerksmeister, auch: der ungebundene Arbeiter, Herumstreicher oder der Aufrührerische, den Gesetzen Ungehorsame; *-man,* Handwerksmeister.
=sulvich:= de sulvige = de sulve.
=sum, som,= irgend einer; neutr. irgend etwas; Plur. *some, summe,* einige, oft unfl. som, sum.
=sûm-aftich,= säumig, träge.
=sumen,= sw. v. säumen, träge sein.
=sumenisse,= Säumnis, Zögerung.
=sumich= u. =sûmlik,= säumig, träge.
=sumicheit,= Säumigkeit.
=sumintte= (?) vel kattenkrût, nepita.
=summarie,= ein langes, verbortiertes Weiberkleid.
=summe,= meist m. Summe.
=summe (summer, summen),= Beteuerungsformel, entst. aus *sam* oder so mi (helpe); summe got, per Deum!
=summelik= = sum.
=summen,= sw. v. susurrare.
=summen, summêren,= sw. v. zusammenzählen.
=summeren,= n. Getreidemass, Scheffel.
=summes,= adv. zuweilen.
=summich= = sum.
=sump (sumpt),= m. 1. Sumpf. 2. Trog (zum Backen und sonst).
=sum-tides, -tiden, -tît,= zuweilen.
=sum-wile, -wilen, -wiles,= zuweilen.
=sun-avent, -dach,= s. *sunnavent, sunnen-dach. sundages-kint,* Glückskind.
=sunde,= f. Sünde.
=sundelik,= sündlich.
=sundelicheit,= Besonderheit, Ausnahme. L. sunderl.?
=sunden,= sw. v. sündigen.
=sunden,= sw. v. (gesund machen?) segenen? sûnden = sonen?
=sunder,= Sünder.
=sunder= (= sinder), Eisenrost, ferrugo.
=sunder,= adj. besonder.
=sunder,= 1. präp. sonder, ausser, ohne (mit Gen. u. Accus.). 2. adv. conj. ausgenommen, es wäre denn dass, jedoch, aber, sondern.
=sunder-achte,= besondere, geheime Beratung.
=sunder-bar,= besonder.
=sunder(e),= m. =sunderen,= die als Sondereigen aus der Marke ausgeschiedene Waldung.
=sunderen= u. =sundergen, -ges, -gest,= besonders; abgesondert, getrennt; zumal, namentlich.
=sunderen= u. =sundergen,= sw. v. sondern, ab-, aussondern; Vermögen mit Kindern abteilen (m. Acc. d. Person); refl. sich entfernen.
=sunder-gût,= Sondergut, eigenes Vermögen, peculium.
=sunder-holt= = sundere.
=sunder(i)ch,= adj. besonder, einzeln, bestimmt, *singularis, specialis;* sonderbar, absonderlich; querköpfisch; hervorragend, ausgezeichnet.
=sunderingen, -ges,= besonders, sonderlich.
=sunderinne,= Sünderin.
=sunder-klôt,= Klumpen Eisenschlacke, Abgang von Metall, calchiton, scoria.
=sunderlicheit,= Abgesondertheit, Trennung.
=sunderlik, sunderk= = sunderich.
=sunderliken, sunderken, sunderlikes,= besonders, insonderheit; vgl. d. f. W.
=sunderlingen, -ges, -gest,= besonders. *sunderlinges* u. *sunderlikes* werden vor *vrunt* (Freund) auch adject. gebraucht.
=sunderlink,= besonder, ausgezeichnet.
=sunder-lude,= Leibeigene.
=sundern,= präp. adv. conj. = sunder.
=sundern, s.-holt= = sundere.
=sundersche,= Sünderin.
=sunder-stunden,= bisweilen.
=sundert,= Sünder.
=sunder-wilen,= zuweilen; *s. - s.,* bald - bald.
=sundich,= sündig, sündhaft.
=sundicheit,= Gesundheit.
=sundigen,= sw. v. sündigen; fehlen, sich vergehen.
=sune,= f. das Sehen, der Gesichtssinn; *acies,* das Auge, bes. der Augapfel; Gesicht, Anblick.
=sune,= adj. sichtbar, ersichtlich, klar, deutlich; vorauszusehen, zu erwarten, wahrscheinlich, möglich; *dat suneste kêsen,* das wahrscheinl. Beste wählen.
=sune,= Sühne, u. Ableit., s. sone.
=sûn(e)lik,= sichtlich, sichtbar; adv. sunelike(n).
=sunn-avent,= Sonnabend, Samstag.
=sunne,= _f. Sonne; die Zeit eines Tages vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne:_ bi, na der sunnen.
=sunne-stat,= _Sonnenwende; *-wandelinge,* S.-finsternis; *-wervel,* S.-blume._
=sunnelik,= solaris.
=sunnen,= sw. v. sonnen, in der Sonne trocknen.
=sunnen=-blik, _Sonnenstrahl; *-dach,* Sonntag; *-glans,* Sonnenglanz; *-kint = sundages-kint; -klâr,* Bezeichnung des *doctor angelicus Thomas Aquinas; -(backen)koke,* von der Sonne gedörrter Kuhmist; *-krêmer,* Kleinkrämer, Hausierer; *-neddergank,* S.-untergang; *-schîn,* S.-schein; *twischen twên sunnenschinen,* nachts; *-seier,* S.-uhr; *-stade, -stavinge, -stevinge, -wandinge,* S.-wende, *solstitium; -stof,* S.-staub; *-upgank,* S.-aufgang; *-var,* sonnenfarbig, van der S. beleuchtet; *-werve, -wervel,* S.-blume._
=sunst,= sonst, ausserdem.
=sunt,= m. Sund, Meerenge.
=sunt,= f. Gesundheit.
=sunt,= gesund; in gutem, unverletztem Zustande.
=sunt= = sint, seit; *sunddemmale,* seitdem; *suntmâls,* seither.
=sunte= = sanctus, verwächst häufig mit dem Eigennamen, so dass oft *hilge* noch wieder davor tritt.
=sunt-heit,= Gesundheit.
=sunt-hûs,= Sündenhaus, Bordell.
=sunt-korn,= litaspermon, saxifraga.
=sûnt-lik,= sichtbar.
=sunt-lik,= sündlich; adv. suntlike.
=sunt-maker,= Gesundmacher, Heiland.
=sunt-makinge,= Heilung.
=supe,= f., Dem. =supeken,= und =supel= = supent.
=supel-kalf,= Kalb, das noch mit Milch gefüttert wird.
=supen,= st. v. schlürfen, *sorbere;* auch: mit e. Löffel geniessen; überh. trinken, saufen; trans. mit dem Adj. *vul,* betrunken machen.
=supent, supen,= n. was man schlürfend geniesst, Getränk, Suppe, Brühe, Brei, Mus, sorbitium, offa, brodium.
=super,= Säufer.
=supera,= f. =suppere,= f. Dreckstätte, Mistjauche?
=suppe,= f. =suppen,= n. = *supent; in de suppe voren,* jem. in den Sumpf führen, in Verlegenheit und Schaden bringen.
=supunge= = supent.
=sûp-ût,= Saufaus, Trunkenbold.
=sûr,= contrah. aus *suder,* südlich.
=sûr,= sauer (von Geschmack u. Geruch); bildl.: unangenehm, widerwärtig; mühsam, schwer zu bekommen.
=sûr,= n. 1. Essig. 2. Widerwärtigkeit, Bitterkeit, Beschwerde.
=sûr-brôt,= mit Sauerteig gebackenes Brot?
=sûr-brouwer,= Essigbrauer.
=sûr-bulle,= sauertöpfischer Mensch; urspr. Essigkrug?
=sûr-dêch,= Sauerteig.
=sure,= Hitzblatter, Finne; Krätzmilbe.
=sure,= f. Sauerampfer.
=sureke,= f. Sauerampfer.
=sure-ketel,= Kessel, in dem der Sauerteig bereitet wird.
=suren,= sw. v. 1. intrs. sauern; bildl.: widerwärtiges empfinden, mismütig werden. 2. trs. säuern.
=suricheit,= Säure.
=surik,= Holzapfel; -bôm.
=surink,= Sauerampfer.
=sûrlechtich,= säuerlich.
=sûr-melk,= bilimen.
=sûr-mulen,= sw. v. ein saures, unfreundliches Gesicht machen.
=sûr-ogede,= schielend.
=surringe,= Brummen, Murren.
=sûr-sênt,= das mürrische Aussehen.
=sus,= 1. so, also; verstärkt *sus-so; nu sus nu so,* bald auf diese bald auf jene Weise. 2. sonst, auf andere Weise; früher, einst.
=sus,= ein Mass (beim Salzmessen).
=sûs,= m.? Saus (und Braus), Lerm, Aufregung.
=sus=-dân, -danich, -gedân (-chedân); -lik, zsgz. *susk,* so beschaffen, solch; *-her, -lange, -langeher,* so lange, bisher, bis jetzt; *-wor,* sonstwo, anderswo.
=susen,= sw. v. sausen, rauschen.
=suse-ninne, -ninnine-suse,= Wiegenlied, um die Kinder in den Schlaf zu bringen, fescennine.
=susinge,= Sausen.
=su-sulder= = suboter.
=sussen,= sw. v. Kinder in den Schlaf lullen durch leisen Gesang.
=sussent, susses, sust, susten, sustent,= verlängerte Formen zu *sus,* sonst.
=sussinge,= fescennine.
=sussum,= Schweinigel, leichtsinniger Mensch (lat. *sus sum)?* l. sassam?
=sus-te-bat,= um so besser, desto mehr.
=suster,= _Schwester; weibliches Mitglied irgend einer Congregation._
=suster=-dochter, -sone, -kindere, -man, _Tochter, Sohn, Kinder, Mann der Schwester; *-hûs,* Nonnen-, Beginenkloster; *-schap,* Schwesterschaft, Verschwisterung._
=su-stert,= Schweineschwanz.
=sute,= süss, s. sote.
=sût-,= Süd-: *-ende, -lant, -side, wint; sût-lik,* adj. südlich; *sût-landes, -weges, -wert* oder *-wart,* adv. südwärts, südlich; *sût-ôst, -ôsten; -west, -westen, -westenst* (Adj.); *-ôst tegen (ten, ton)* oder -ôsten ôsten; -ôst ton (-ôsten) suden; -sût-ôst, -sût-ôsten; -sût-west, -sût-westen; -west ton (-westen) suden; -west ton (-westen) westen.
=sute-bast= = sotebast.
=su(t)teler= = sudeler.
=suvel,= der Buttergehalt der Milch; der ganze Ertrag der Milchwirtschaft.
=suver,= sauber, rein; völlig.
=suveren,= sw. v. säubern, reinigen; purgieren; moralisch reinigen.
=suveringe,= Säuberung; Purgierung, Purgiermittel.
=suverlicheit,= Zierlichkeit.
=suverlik,= contr. =suver(i)k,= säuberlich, fein, zierlich, schön; bedeutend, ansehnlich; adv. suverlike(n), suverken.
=suver-plotze,= Messer zum Beschneiden der Bäume?
=suwel= = sûl, Säule.
=suwele,= f. Schusterahle, Pfriem, Elze.
=suwel-ort,= Pfriemspitze, -eisen.
=suwen,= nähen.
=suwert= = suert.
=swabben,= sw. v. zappeln (im Wasser, im Dreck etc.).
=swade,= f. Sense.
=swadem,= m. Dunst, Wasserdampf, Brodem.
=swademen,= sw. v. Dunst, Brodem ausströmen; trs. der Einwirkung von Wasserdunst aussetzen.
=swade(n),= s. swat.
=swaden,= sw. v. mit der Sense arbeiten.
=swager,= m. ein jeder, der mit einem andern durch Verheiratung verbunden ist: 1. Schwiegervater. 2. Schwiegersohn. 3. der Mann meiner Frauenschwester, Schwager im neueren Sinn. 4. jeder andere Verschwägerte.
=swageren,= sw. v. Schwager nennen.
=swagerschop,= Verwandtschaft durch Verschwägerung.
=swak,= fl. *swak*- u. *swack*-, schwach, kraftlos, zerbrechlich, biegsam, dünn, gering; adv. swakeliken.
=swaken,= sw. v. 1. intr. schwach sein oder werden; nachlassen, den Mut verlieren. 2. trans. schwach machen, schwächen (auch im geschlechtlichen Sinne); tadeln, herabsetzen.
=swakheit,= Schwäche.
=swak-lovich,= schwachgläubig.
=swal,= Schwall, Wassermenge.
=swalch (swallich),= _1. Schlund, *vorago, charybdis.* 2. Schwelgerei, üppiges Essen. 3. Schwelger, Schlemmer._
=swale,= f., =swalike, swāl(e)ke,= f. Schwalbe.
=swaleken-blome,= chelidonium?
=swaleken-stert,= Schwalbenschwanz; in der Technik: was die dreieckige Form desselben hat.
=swalen-pulver,= n. Medicin aus verbrannten Schwalben.
=swalewe, swalue,= f. = swale.
=swalm,= m.? Qualm, Dunst.
=swalm,= n. Schwarm, Bienenschwarm.
=swam= u. =swamp,= m. Schwamm, Pilz; Badeschwamm.
=swan= = swanne.
=swan(e),= sw. st. m. Schwan.
=swanen,= sw. v. m. Dat. der Person, vorgefühlt, geahnt werden.
=swanen-vlôt,= Schwanenteich?
=swane-wit,= schwanenweiss.
=swanger,= schwanger.
=swank,= schwank, leicht beweglich, fein, zart.
=swank,= m., fl. *swanges,* Üblichkeit, Gebrauch.
=swank,= m., fl. *swankes,* Wendung, in bösem Sinne: Streich; Einfall, Scherz; Narrheit, lächerliche Sitte.
=swankel,= die Stange mit Lappen von Tuch etc., welche die Bäcker zum Reinigen des Ofens gebrauchen?
=swank-rode,= Brunnenschwengel, Wippe, ciconia, tolleno.
=swanne= aus =so wanne,= conj. so oft als, jedesmal wenn, wann irgend; auch mit folg. so, dat.
=swannêr= aus =so wannêr= = swanne.
=swans,= m. Schwanz; Schleppe.
=swansen,= stolzieren, tanzen.
=swar, swor= aus =so war, so wor,= wo oder wohin auch immer, überall wo oder wohin; so oft, wenn, wofern.
=swâr,= schwer, gewichtig; beschwerlich, lästig; schwierig, gefährlich; kummervoll, bedrückt; schwerfällig, unbeholfen; schwanger; widerwillig; *sik swâr maken to,* ungern bewilligen, nicht daran wollen, sich sträuben gegen. -- *sware,* sw. m., im Pl. st., e. Kupfermünze (im Ggs. zu leichterer) v. verschied. Werte: ⅘ oder 1½ Pfennig etc. -- *swares,* Genet. (v. e. Sbst.?) nach dem Gewicht gerechnet: *last swares,* 4000 Pfd.; *punt swares* oder *swâr = schippunt,* 3 Centner.
=swarde,= f. dicke, behaarte Haut, bes. Kopfhaut des Menschen, u. Schweinshaut.
=swarden tow,= Tau von Schweinsleder.
=swaren,= sw. v. m. Dat. schwer werden; beschwerlich werden; m. Acc. beschweren, bekümmern.
=swaren= = sworen.
=swârheit= u. =swaricheit,= Gewicht, Schwere; Schwierigkeit; Beschwerde, Last, Not.
=swaringe,= Beschwerde, Belästigung.
=swark= = swerk.
=swârlik,= adj. schwer, beschwerlich, schmerzlich.
=swârlik, -like, -liken,= adv. auf schwere, beschwerliche Weise; heftig, stark, sehr.
=swâr-modich,= schweres Gemüthes, ernst, melancholisch; *up,* ärgerlich auf jem. Sbst. swârmodicheit.
=swarm,= n.? Bienenschwarm.
=swarmen,= sw. v. schwärmen; ungeordneten Vergnügungen nachgehen; (*in danken),* Gedanken nachhängen, verworrene Vorstellungen nähren.
=swârnisse= = swârheit.
=swart,= _schwarz; abs. schwarzes Tuch; *sw. broder,* Dominikaner; *sw. gelt,* im Ggs. zu *wit,* mit Kupfer versetztes Silbergeld;_ sw. kunst, nigromantia.
=swart-brûn,= teter, fuscus, lividus.
=swarte,= f. = swerte.
=swarte-kunst(ig)er, -kunstenâr,= Schwarzkünstler.
=swarten,= sw. v. nigrescere.
=swartheit, swarticheit,= Schwärze.
=swart-werk,= die grauen Rückenfelle der Eichhörnchen.
=swart-wurt,= Schwarzwurz.
=swarve, swerve,= f. Butterbüchse, -dose.
=swâr-vellich,= schwerfällig, nicht leicht beweglich; *to,* ungeneigt etwas zu thun.
=swat (swade),= n. die Reihe, worin die gepflügte Erde oder das abgemähte Gras und Getreide zu liegen kommt, *sulcus;* als Landmass; Geschwader (Reiter), eig. eine Reihe.
=swavel= = swevel.
=swe, swat= aus =so we, so wat,= _wer (was) immer, jeder der (alles was), wenn jemand (etwas); auch mit folg._ so.
=swê= aus =so wê,= wie immer, wie nur.
=swebbe,= Schwätzer? Feigling?
=swecken,= sw. v. = swaken 2.
=swede,= sw. f. Pflaster, epicauterium, emplastrum, collirium.
=swêdeler= = sweideler.
=sweder= aus =so weder,= welcher auch von beiden; *sw. -- eder,* ob, sei es -- oder; *van swederenthalven,* von beiden Seiten.
=swefel= = swevel.
=sweger-hêre,= Schwiegervater; *swegersche,* Schwägerin; swegerschop = swagerschop.
=sweideler, swêdeler,= m. Tasche, lederner Beutel, Mantelsack, bes. um Speisen u. andere Reisebedürfnisse darin aufzubewahren.
=sweigen,= sw. v. zum Schweigen bringen.
=sweimen,= sw. v. sich schwankend bewegen, flattern, taumeln.
=swein, sweiner= = swên.
=sweke,= st. m. Entweichen, Abfall.
=sweken,= (ê?), sw. v. cedere, locum dare.
=sweken,= sw. v. = *swaken* 1 u. 2.
=swekinge= u. =sweknisse,= Schwächung, Schmälerung.
=swel,= _n., Pl. *swelle,* u. *swele,* m.? Geschwulst, Geschwür; Schwiele._
=swelch= = swalch.
=swel-drôs,= (tautol.) Geschwulst.
=swelen,= sw. v. versengen; dörren, bes. vom Dörren des Grases, Heu machen; langsam ohne Flamme brennen.
=swelen,= lascivire.
=sweler,= Heumacher.
=swelgen (swelligen),= st. v. einschlingen, einschlucken; schwelgen, prassen; *sik vul sw.,* sich voll saufen.
=swelik, swelk= aus =so welik,= welcher irgend, welcher auch immer, jeder welcher; auch *sw. ire* (lat. *eorum)* u. als Ein Wort: *swelkir, swelker,* fl. swelkirs etc.
=swelle,= f. 1. = *sul.* 2. = swel.
=swellen,= st. v. schwellen, an-, aufschwellen; bildl. vom Zorn, Kummer.
=swellen,= sw. v. schwellen machen, inflare.
=swellen,= lascivire.
=swemen,= (ê?) = sweimen.
=swemer,= (ê?), falco lanarius.
=swemmen,= st. v. schwimmen.
=swemmer,= Schwimmer.
=swen= = swanne.
=swên,= st. =swêne,= sw. =swêner,= st. m. Hirt, Knecht, bes. der Schweinehirt.
=swene-stede?= (beim Fischen).
=swenes-werk,= Schwanenwerk, -flaum; l. swones?
=swenge,= Wasserkufe?
=swengel,= m. der (schwingende) Klöppel der Glocke, Schwengel am Brunnen, an der blide.
=swengen,= sw. v. intrs. u. refl. sich schwingen, sich schwenken, sich drehen.
=swengeren,= sw. v. schwängern.
=swenken,= sw. v. *mit,* Schwank, Spiel treiben mit.
=swenne= = swanne.
=swensch, swensche mate,= e. Mass für Salz; vom Namen des Hafens von Brügge, Swen.
=swentse,= Grünfink.
=swepe,= tignale: die unter dem Sparren- und Lattenwerk eines Daches genagelten langen Bretter.
=swepe, sweppe,= f. Peitsche; Dem. *swepeken,* Reitpeitsche.
=swepen-stel,= m. Peitschenstiel.
=swep-nagel,= Nägel zum Befestigen der swepen I.
=swep-, swop-stok,= Peitschenstiel.
=swerdes-klôt, -knôp,= Schwertknauf.
=swerde(s)-slach= = swertslach.
=swerdele,= Schwertelkraut (waterwortel), gladiolus; gele sw., acorus, ireos (iris pseudacorus); swerdelblome, acira, atiria.
=swer,= n., =swere,= m. Schwäre, Geschwür.
=swêre,= f. (n.) Schwere, Beschwerde, Kummer, Leid.
=sweren,= st. v. schwären, eitern; schmerzen, wehthun.
=swêren,= sw. v. beschweren; refl. stärker werden.
=sweren,= st. v. schwören; *sik to hope s.,* sich verschwören; *sw. uppe, wedder,* sich verschw. gegen; *int hûs, ute der stat sw.,* schwören, im Hause zu bleiben, die Stadt zu verlassen.
=swerich,= voller Schwären, ulcerosus.
=sweringe,= das Schwären, exulceratio.
=sweringe,= das Schwören.
=swerk, swark,= n. finsteres, dunkles Gewölk; fig. Leid, Kummer.
=swērken,= n. Dem. zu swer.
=swêrlicheit,= Beschwerlichkeit, Belästigung.
=swêrlik= = swârlik.
=swerm, swermen= = swarm, swarmen.
=swêr-modigen,= schweren, bedrückten Herzens.
=swêrnisse= = swârnisse.
=swer-schot=, Hauptschoss? (Ggs. vor-schot).
=swert= = swart, schwarz.
=swert,= n. Schwert; Bezeichnung des ritterl. Standes, der regierenden und richterl. Gewalt.
=swert=-brêf, geschriebener Schwertsegen als Amulet; *-broder,* Mitglied des S.-ritter-Ordens; *-busse,* S.-scheide? Büchse zu Schwärze? *-dans, -reige,* S.-tanz; *-halve, -side,* männliche, väterliche Linie der Verwandtschaft; *-holder, -mâch,* Verwandter v. männlicher Seite; *-krosse,* Groschen mit den Kurfürstenschwertern; *-mate, -matich kiste,* Kiste, so gross, dass ein S. darin liegen kann; *-scheide,* S.-scheide; *-slach,* S.-schlag, Krieg; *-staf,* Stockdegen; *-veger,* Waffenschmied; *-visch,* entweder *xiphias gladius* oder monodon monoceros.
=swerte,= Schwärze; schwarze Farbe; Wichse.
=swerten,= schwärzen; wichsen.
=swerter,= Schwärzer: Schwarzfärber?
=swêt,= _n. Schweiss; die Schweisskrankheit; *dat rode s.,* Blut._
=swêt-dôk,= _Schweisstuch; *-drope,* Schweisstropfen; *-gat, -hol,* S.-loch, Pore; *-suke, -krankheit,* S.-krankheit, sog. Englischer Schweiss; *-worst, -wurst, presulpa* (Blutwurst?)._
=swet-bedde,= Schwägerschaft?
=swêten,= sw. v. schwitzen, Schweiss (Wasser, Blut, Geld) absondern, von sich geben.
=swêtich,= schweissig.
=swette,= f. 1. Grenze. 2. Nachbarrecht.
=swet(te)-(ge)note,= Grenzgenosse, der mit einem andern eine gemeinschaftliche Grenze hat.
=swetten,= sw. v. grenzen.
=swetz,= m. Geschwätz.
=sweve,= n.? (eiserner) Topfdeckel.
=swevel,= _m. Schwefel; *-berch,* Vulcan; *-sticke,* Schwefelholz._
=swevelich, -echt,= schwefelig.
=sweven,= sw. v. intrs. *volitare,* v. einer Seite zur andern treiben, sich bewegen, schweben, oben hangen, obwalten, in der Schwebe, unentschieden sein.
=swi-, swib-, swic-, swich-boge,= _Schwibbogen, bogenförmiges Gewölbe, Mauerbogen._
=swichtinge, ?= (Teil des Weserkahns).
=swide= = swinde; swider werden, gliscere, intendi.
=swie= aus =so wie,= 1. = swe; 2. = swê.
=swige-ban= (swigende ban), _das Legen des Gottesdienstes, Interdict._
=swigen,= st. v. schweigen; den Gottesdienst einstellen; verschweigen; *ik swige denne,* geschweige denn.
=swigen,= sw. v. 1. zum Schweigen bringen, stillen. 2. schweigen.
=swigent,= n. Stillschweigen; Moratorium für Zahlungsunfähige; = stilnisse.
=swiginge,= das Schweigen.
=swik,= m. Luftzapfen am Fass, das Loch desselben u. der Bohrer zum Bohren des Lochs, spina dolii, spiraculum, terebellum.
=swîk,= Falschheit, List, Betrug.
=swiken,= st. v. weichen, entweichen.
=swil; swillen,= st. v. = swel; swellen.
=swil(e)k,= sw. ere = swelik.
=swillinge= u. =swilnisse,= _Anschwellung (Beule), Geschwulst._
=swîm,= st., =swime,= sw., =swimel,= st. m. Schwindel.
=swîm-= u. =swimel-achtich, swimelich,= schwindlig.
=swimelen,= sw. v. schwindeln, betäubt sein.
=swimelse, swime(l)nisse, swimelinge= = swiminge.
=swimen,= sw. v. m. Dat. d. Pers. schwindlig sein, betäubt werden.
=swime-slach,= Schlag, der Betäubung bewirkt.
=swim(e)-slagen,= sw. v. taumeln, hin u. her schwanken.
=swiminge,= Schwindel, Betäubung.
=swîn,= n. Schwein.
=swîn(e)=-ât, _Schweinefutter; *-bede,* Abgabe für die Eichelmast der Schweine; *-bêre,* Eber; *-botel = swînknuppel? -drank,* Spülicht, Treber als S.-futter; *-drift,* S.-trift, Treiben der Schweine in die Mast; *-driver,* S.-treiber (in der Stadt); *-eckeren-mast,* Eichelmast; *-egel,* S.-igel, *ericius; -herde,* S.-hirte; *-hor,* S.-kot; *-jacht, -jeger,* Jagd, Jäger auf Wildschweine; *-klover,* S.-schlachter; *-knuppel,* Knüttel zum Treiben der S.; *-korne,* S.-schrot; *-kove,* S.-stall; *-lûs, sya* (Finne?); *-maget,* Magd zur Fütterung der S.; *-mân,* November; *-mast,* Eichelmast, auch = *swinebede; -meister = swînherde; -parle,* (Perle) spöttisch = *swinehor; -penninge = swinebede; -schar, s. schar; -schot = swinekove; -schult = swinebede; -snider = suboter; -spêt,* Eberspiess; *-stal = swinekove; -steke* (Pl., zur Jagd)? *-steker = swineklover; -troch,* S.-trog; *-vlêsch,* S.-fleisch._
=swinde,= adj. u. adv. 1. ungestüm, heftig, stark, gross, *vehemens;* geschwind, schnell. 2. von Personen: heftig, aufbrausend; rasch begreifend, listig.
=swindich= = swinde.
=swindicheit,= Klugheit, List; Schwindelei, Betrug.
=swinen,= langsam, träge sein; l. sumen?
=swinen,= vom Schweine, schweinern.
=swines-= in Zss., Schweins-, z. B. *-hovet* etc.
=swinge= f. u. =swinge(l)-bret,= _Bleuel oder Brett, um den Flachs weich zu klopfen._
=swinge-blok,= Schwingblock, Gestell zur Befestigung des zu schwingenden Flachses.
=swingen,= st. v. schwingen, schwingend schütteln oder werfen; spec. Korn, Flachs, Hanf schwingen; intrs. sich schwingen, fliegen.
=swinich= = swinen.
=swirren (?),= st. v. herumschwärmen.
=swît= = swinde.
=swo= aus =so wo,= wie auch, wie immer; obwohl, wenn auch.
=swolgen,= ersticken, schlachten dass das Vieh im Blut erstickt.
=swommel-stede,= natatorium.
=swommen,= sw. v. schwimmen.
=swommer,= Schwimmer.
=swôn,= st. m., =swone,= sw. m.? Schwan.
=swone,= f. = *sone,* Sühne.
=swone-brêf,= Sühne-, Friedensurkunde.
=swonen,= sw. v. sühnen, pacificare.
=swo(p)pe= = swepe.
=swor= aus =so wor,= s. swar.
=sworen,= ein Geschworner, Jurat, Mitglied irgend einer weltlichen oder geistl. Behörde, einer Corporation.
=sworen-kost,= Mahlzeit der Geschwornen.
=sworen-schap,= 1. Verschwörung. 2. das Amt e. Geschwornen. 3. d. Last oder Verpflichtung Geschworner zu sein.
=swormen,= sw. v. *mit,* lärmen, toben? hin und her werfen?
=swul,= m. u. =swuls, swulst,= m. Geschwulst.
=swummen,= sw. v. = swommen.
=swunge,= f. das Schwingen.
T
=tâ,= zäh, festhaltend.
=tâ,= Zehe.
=tabbert,= m. eine Art langen Mantels.
=tabelitte,= Deckel (eines Bechers)?
=tabel-runde, -runne,= f. urspr. die *table ronde* des König Artus; ein Ritterspiel, wobei turniert ward; ein jährliches Festspiel, wobei ein Baum mit z. T. satirischen Bildern u. Reimen auf zeitgenössische Personen und Begebenheiten aufgerichtet ward.
=tabeltûr,= f. Tabulatur, der Inbegriff der technischen Regeln des Meistergesanges; genaue, pedantische Regelmässigkeit.
=tabulât,= Zeltchen, Morselle, frz. tablette.
=tabule,= f. Tabelle.
=tabûre,= Handtrommel, Tambourin.
=tachchen,= bestimmen, einrichten, gestalten. Part. *getacht,* gestaltet, beschaffen, entw. v. diesem W. oder v. einem unbelegten *techen* = mhd. *zechen,* ags. teohhian.
=tachtentich,= achtzig.
=tachter= = to achter.
=tacke,= Ast, Zweig, Zacke; fig. ein tüchtiger Kerl, auch ironisch.
=tacken,= sw. v. berühren, betasten; zwacken.
=tacket,= gezackt.
=tackich,= zackig.
=taf(e)le (taffel),= f. Tafel, jede Platte, z. B. *bleckes, blies;* Glasscheibe, Gemälde, Reliefschnitzwerk, Schreibtafel, Schriftliches auf einer Tafel (zehn Gebote, Tabelle, Taxe, Register, in Bremen Vertrag zw. Rat u. Bürgern); Tisch, bes. der Speisetisch.
=tafel=-bêr, dünnes Tischbier; *-blîg, -missink,* Blei, Messing in Plattenform; *-broder, -note,* Tischgenosse; *-dôk,* Serviette? *-gût,* Domäne; *-helt,* Held im Essen? *-hêren,* die Münzgenossen (in Goslar); *-kanne,* Tischkanne; *-krans, -rink,* e. Art Ring als Untersatz für Schüsseln, frz. *garde-nappe; -laken,* Tischtuch; *-meker, mensator; -rêde,* Tischgerät, -zeug; *-runne = tabelrunde; -schive,* (runder?) Tisch; *-smide,* n. gold. u. silb. Tischgeschirr.
=tafelit,= Tabulet, Behälter, Kasten, wie ihn die Tabuletkrämer, *tafelitter,* haben.
=tafer= = tover, Zuber.
=taflaken= = tafellaken.
=taft,= Taffet; *-budel,* Beutel von Taffet.
=tagel,= Endstück eines Taues.
=tagen= = togen.
=tagge= = tacke, Zacke.
=tâheit,= Zähheit; concr. Knorpel.
=taie,= zäh.
=takel,= n. jede Ausrüstung, so die Waffen des Kriegers, das Ackergerät des Landmanns *(bûw-takel);* bes. Schiffsausrüstung, Tauwerk u. Hebezeug.
=tal,= m., seltener f. 1. Zahl, Anzahl. Bei Angabe der Jahreszahlen: *de minre (weiniger) tal,* d. h. die Einheiten u. Zehner des laufenden Jahrhunderts, während die Hunderte u. Tausende (als selbstverständlich) weggelassen werden. 2. eine Gesamtheit von Einheiten, eine bestimmte Zahl, die bei einigen Gegenständen fixiert wurde. 3. Zählung, Rechnung; Geldwährung.
=.. tal,= in Zsstz. 1. Zahl. 2. ein durch Rechnen (Zählen) gefundenes Verhältnis, Proportion. 3. = -heit, -keit, -schaft.
=talch,= n. Talg; *-lecht,* Talglicht.
=tale,= _f. 1. Rede, Sprache. 2. Sprache vor Gericht, sowohl Anklage wie Verteidigung. 3. die gerichtlich zuerkannte Busse oder Entschädigung für ein verübtes Verbrechen._
=tale- (tales-)man,= _d. i. Sprachmann. 1. Dolmetscher, Wortführer. 2. Benennung eines richterlichen Beamten._
=talen,= sw. v. 1. zählen. 2. erzählen. 3. bezahlen.
=talge, talgen= = tallige, talligen.
=talgen,= sw. v. mit Talg überziehen, z. B. ein Schiff.
=talickes-man,= Sprecher, Dolmetscher.
=talinge,= 1. Besprechung, Verhandlung, Befragung. 2. Bezahlung.
=tallich= = talch.
=tallien,= sw. v. *tallyen an recht,* vor Gericht fordern? l. touwen?
=tallige,= f. (frz. *taille)* Schnitt, Schlitzung an Kleidern.
=talligen,= sw. v. (frz. *tailler)* zerschneiden; von Kleidern: sie durchbrechen und mit Stoffen von anderer Farbe auslegen.
=tallôr,= n. Teller. Dem. talloreken.
=talmasche,= Larve.
=talmen,= sw. v. dummes, unverständiges Zeug schwatzen, tändeln, mani(s)are, lascivire.
=tal-pennink,= Zähl-, Rechenpfennig.
=talteren,= Pl. lang herunterhängende Bänder? (lange Fetzen).
=tam,= zahm, gezähmt.
=tamelik= = temelik.
=tan,= st. m., der Pl. auch sw., Zahn.
=tâne,= Zehe.
=tan-eggede, -eggich,= stumpfzahnig.
=tanen,= sw. v. mit den Zähnen nagen, rodere.
=tange,= f. 1. Zange. 2. *(hûs-)tangen,* die Grundpfähle, auf denen ein Haus ruht; überh. Fundament. 3. Sandrücken zwischen den Mooren und Sümpfen.
=tanger,= kräftig, frisch, munter; beissend, scharf (v. Geschmack); übertr. bissig, mordax.
=tang-isern,= Brechzange, Dietrich.
=ta(n)nêt, -var,= braun (lohbraun).
=tanne-vlêsch,= Zahnfleisch.
=tant,= st. m., fl. *tandes,* der Pl. auch sw., Zahn.
=tant,= m.? fl. *tantes,* Tand, nichtiges, eitles Ding oder Geschwätz.
=tan-tange,= dentarium.
=tanterlant,= Tand, Possen etc.; ein Spiel?
=tant-mêre,= nichtige Rede; =-werk,= nichtiges Thun, Wesen.
=tant-vlêsch,= Zahnfleisch.
=tapen,= sw. v. tappen, umher fühlen; zupfen, reissen.
=tap-hol,= Zapfloch.
=tappe,= m. Zapfen; Stöpsel in einem Fasse, Hahn zum Ausschenken; Flaschenpfropf; Verschluss einer Zapfschleuse; Schildzapfen der Kanone.
=tappe-gelt,= Abgabe für Schankfreiheit.
=tappel-witte,= Zapf- (Weiss) Pfennig = tappegelt.
=tappen,= sw. v. 1. zapfen, Getränke bei Kleinigkeiten im Ausschank verkaufen, verzapfen. 2. *dorch de sluse,* ein Schiff durch die Schleuse bringen.
=tappen,= sw. v. = tapen.
=tappen-pacht, -tins,= Pacht für den Ausschank.
=tapper, tepper,= Getränk-Verzapfer.
=tapper,= tüchtig, gewichtig, energisch, eifrig, tapfer.
=tappinge,= Verzapfung, Ausschank.
=tappêt= = teppêt; =-garn,= Garn zu Teppichen.
=tappiserie,= Wandteppiche.
=tap-sise,= die Abgabe (Accise) für den Ausschank.
=tarant,= m. Scorpion, Tarantel.
=tarantes-veddere, tarrandes-forke,= Gabel mit zwei langen Zinken zum Speisen v. Äpfeln, Birnen etc.
=tarlink= = terlink II.
=tarren= = terren.
=tarras,= 1. n. Erdaufwurf, Wall, Bastei, Bollwerk, »Terrasse«. 2. m.? Trass, Tuffsteinmörtel.
=tarras-, tarris-busse,= f. Wallbüchse, eine Art Festungskanone.
=tartel-duve,= Turteltaube.
=tarten= = darten, lascivire.
=tartze, tarce, tarse (tarche),= f. Tartsche, kleiner, länglich runder Schild, pelta.
=tarwe= = terwe.
=tas,= m.? fl. *tasses,* der Raum zur Seite der Scheunentenne, wohin das geerntete Korn gebracht wird.
=tasche,= f. Tasche.
=taschen=-krosse, Groschen mit dem Stempel *B; -mest,* Taschenmesser; *-slot,* Schloss an der Tasche; *taschen-, tasche-maker,* Täschner.
=taschener,= Täschner.
=tas-hake,= eine Art Schiessgewehr.
=tassake,= meist =tas-hake,= sw. m. ein breites Schwert, w. anstatt des Heftes eine Öffnung in der Klinge zum Fassen hat. Aus d. böhm. *tesak,* slavon. tusak.
=tassêl,= Spange zum Frauenmantel.
=tast,= m. Berührung.
=tas(t)-berner= = sulverberner; vgl. test.
=tasten,= sw. v. unsicher herumfühlen, tastend wornach greifen; fühlen, merken; *na,* trachten nach.
=tastlik,= greifbar.
=tast-men-to,= Taste-nur-zu, Greifzu: habgieriger Erbe (Wortspiel mit testament).
=Tatere,= _Tartar; später: Zigeuner. *Tateren, Taterie, Taterland,* Tartarei._
=tateren,= sw. v. unverständlich sprechen; schnattern (v. Gänsen).
=tavele= = tafele.
=tavende, tavent= = to avende, diesen (d. h. heute oder gestern) Abend.
=taver= = tover, Zuber.
=taverne,= f. Schenke, Wirtshaus; Schmaus, Gastmahl in einer taverne.
=tavernen,= sw. v. die Schenken besuchen, zechen.
=taverner,= Schenkwirt; f. tavernersche.
=te,= 1. Praep. zu; Zss. *inte, tote,* m. Art. *ten, ter.* 2. untrennbares Praefix in Verben (hd. *zer-)* u. Adv. (hd. *zu-),* s. d. Zss. mit to.
=tê, tee,= _sw. st. f. Zehe; fig. das Äusserste, Spitze, Extremität._
=techge, teche, tecghe, teghe,= f. Zeche, Reihenfolge, Ordnung; im Bergbau: eine Gesellschaft von Gewerken und das ihr verliehene Feld, Grube.
=tecke,= Wibbelbohne. =tecke= = teke.
=teden?= sw. v. *= dedingen,* verhandeln?
=teder,= zart, schwach.
=tederheit,= Zartheit, Schwäche.
=teffens,= d. i. *to evens,* zugleich, auf einmal.
=têge,= zäh.
=tegede,= der zehnte; sw. m. Zehnte, eine Abgabe.
=tegeden-haftich= = tegethaftich.
=tegeden,= sw. v. zehnten, den Zehnten einnehmen u. auch den Zehnten bezahlen.
=tegedêre,= Zehntner. 1. der Zehntherr. 2. der Einsammler des Zehnten.
=tegel,= später meist =teigel,= _m. Ziegel, sowohl der Mauerstein als der Dachziegel, oft collectiv; Ziegelwerk, -bau._
=tegel-, teigel=-erde, -lême, _Ziegelthon; *-grûs,* Z.-scherben; *-hêre,* den Ziegeleien vorstehender Ratsherr; *-hof, -hûs,* Ziegelei; *-holt,* Richtscheit des Maurers;_ -knecht, -vent, -sleger, -striker,_ Ziegler; *-kule,* Lehmgrube; *-lade,* Z.-form; *-lader,* Z.-auflader; _-meister, _Z.-meister; *-oven,* Z.-ofen; *-schune,* Trockenscheune für die ungebrannten Z.; *-stên,* Z.-stein; *-torf,* Torf zum Z.-brennen;_ -werk, Z.-arbeit, -fabrik, -bau.
=tegelêre,= Ziegler.
=tegelîn,= adj. von Ziegeln, von Thon.
=tegelrie,= Ziegelei, Ziegelfabrik.
=tegen, tegens,= (aus *tiegen)* adv. u. präp. m. Acc. gegen, gegenüber. Vgl. jegen.
=tegen=-ansprake, Gegenanspruch; *-part,* Gegner, gegnerische Partei; *-spôt,* Widerwärtigkeit, Unglück; *nicht -stânde* m. Gen. trotz, ungeachtet; *-wind,* Gegenwind; *-wordich,* gegenwärtig. Andere Zss. s. unter jegen-.
=tegende,= zehnte.
=tegentheit,= Widerwärtigkeit.
=teget-bank,= _Zehntbank d. h.? *-bar, -haftich,* z.-pflichtig; _-havere, _Z.-hafer; *-hêre = tegedêre 1; -hof, -hove,* Hof, Hufe, wo der Zehnte gesammelt wird; *-hôn,* Z.-huhn; *-kamer,* Kammer, wohin der Zehnte des Bergwerks gebracht wird; *-lant,* z.-pflichtiges Land; _-lude, Z.-pflichtige; *-recht,* Z.-recht; *-schôf,* Z.-garbe; -frîg, z.-frei.
=teide, teider= = tegede, tegedêre.
=tei(g)e,= zäh.
=teigel, teiel, teil= = tegel; teil-lude, Ziegler.
=teigent,= st. m. Zehnte. =tein= = tên, Zein.
=tein,= _zehn, fl. *teine; teine-bint,* e. Art Leinwand; _tein(er)-lei(ge), zehnerlei; *tein-jarich, decennarius; -penninges-knecht,* Beamter, w. den *teinden pennink* erhebt; *-valt, -volt, -valdich, -voldich,* zehnfältig, -fach; *-werve,* zehnmal.
=teinde,= zehnte; *de teinde pennink,* die 10% Erbschaftssteuer, wenn das Erbgut aus der Stadt fährt; Sbst. der Zehnte.
=teinder= = tegedêre.
=teine,= sw. f. Zehe.
=teinge(n)de= = teinde, zehnte.
=tei(n)link,= e. Getreidemass (10. Teil vom Scheffel?).
=teitvri= = tegetvri.
=te-jodute= = tiodute.
=teke,= _f.? Zecke (Waldbock, Holzbock, Hundelaus etc.); Kellerassel._
=têke,= f. Bettzieche.
=têke-mêster,= der die Gemässe zu zeichnen hat, Eichmeister; Wardein.
=têken,= n. Zeichen; Marke, Zettel etc.; Beweis; Anzeichen der Witterung; Wunderzeichen; Zielscheibe.
=têkenen, têken,= sw. v. 1. zeichnen, ein Zeichen worauf drücken. 2. bezeichnen, bestimmen; festsetzen. 3. aufzeichnen, schreiben. 4. ein Zeichen geben.
=têken-isern,= das Eisen zum Zeichnen der Gemässe, Eicheisen.
=têkenisse,= Zeichen, Beweis.
=têkinge,= Zeichnung, Aufzeichnung, Niederschrift.
=tēl, til,= n. Ziel; Ende. (Spätes Wort).
=tēl,= eig. wohl »Bau«, Land, das einer bebaut: als bestimmtes Mass von 12 Scheffeln für Aussendeichsland in Dithmarschen.
=tēl-busse,= Zielbüchse, e. Art Feuergewehr.
=telch,= m. n. Pl. *telge, telgere,* Zweig, Ast.
=telch-holt,= Zweigholz.
=teldellink= = tendelink.
=telden,= sw. v. zelten, im Passgang gehen.
=teldener, telder (teller),= Zelter, Passgänger.
=teldern,= sw. v. im Passgang reiten, den Passgang lehren?
=telen,= sw. v. zielen, das Geschütz richten (erst bei Späteren).
=telen (tellen, teilen),= sw. v. 1. erzeugen, gebären, überh. hervorbringen; intr. entstehen. 2. in landwirtschaftl. Sinne: ein Land ertragsfähig machen, bebauen.
=teler (teller),= 1. Erzeuger, Vater. 2. Bebauer, agricola.
=telerinne= u. =telersche,= Gebärerin, Mutter.
=telge,= sw. m. Zweig, Ast; auch ein Pflänzling, junger Baum, nam. von Eichen.
=telgen,= frondere.
=telgen-bôm,= belaubter Baum.
=telgich,= voll Zweige, ramosus.
=tēlhaftich,= genitivus.
=tēl-hake= = telbusse.
=telich,= ertragsfähig.
=telinge,= Geburt, das Gebären sowol als das Geborne.
=telink,= Halbente.
=telle-,tel-bret,= Zähl-, Zahlbrett (der Wechsler).
=tellen,= _sw. v. 1. zählen, hinzählen, zahlen. 2. zählen, rechnen. 3. erzählen._
=teller,= m. 1. Erzähler. 2. (in der Rechenkunst) Zähler, Ggs. *noͤmer,* Nenner.
=teller, telre= u. =tellôr,= n. (u. m.) Teller.
=teller-brôt,= Brod, das als Teller (zum Zerschneiden der Speisen, auch zum Abwischen der fettigen Hände) dient.
=teller-, tellôr-licken,= sw. v. tellerlecken, d. i. schmarotzen.
=teller-licker,= Schmarotzer, Parasit.
=tellich, tellige= = telch, telge.
=tēl-rôr= = telbusse.
=telt (telde),= n. Zelt, Bude.
=telt,= m.? der Zeltgang eines Pferdes.
=telten?= = telden.
=telt-hare,= _e. zur Herstellung von Zelten, Buden dienende Haardecke; *-laken,* e. solche Decke aus Leinwand oder Tuch._
=têm,= Thema, zu behandelnde Aufgabe.
=temede,= n. = *tôm,* Nachkommenschaft, Geschlecht, Stamm.
=temelicheit,= Ziemlichkeit, geziemendes Wesen, Decenz, Gebühr.
=temelik (temmelik),= gebührend, geziemend, das rechte Mass haltend; adv. temel(i)ken.
=tem(e)link;= junges (zweijähriges) Pferd, Temmel.
=temen, temmen,= sw. v. zähmen, zahm machen, bändigen.
=temen,= st. u. sw. v. geziemen, geziemend sein; unpers. m. Dativ; persönl. constr. (bes. in einem negativen Satze): sich überwinden, übers Herz bringen, es für sich (nicht) geziemend, recht finden.
=temenitze, -nisse,= (slavisch) Gefängnis.
=tem(e)s, temis,= n. =tem(e)se,= _f. Sieb, Haarsieb, Sichtbeutel._
=tem(e)sen,= sw. v. durchsichten, durchseihen.
=temnerer?= Bezähmer.
=tempel,= _m. Tempel; *de vamme temple,* die Ritter des Tempelordens; *t. Machomet,* Moschee; *de hemelsche,* der Himmel; *de hilge,* die Christenheit, christl. Kirche, auch das Kirchengut? *tempel-klûs,* Tempelklause, -zelle._
=tempel-broder,= Tempelherr, -ritter.
=temp(e)lêrer, temp(e)lêr,= _1. Tempelritter. 2. Vorsteher, Aufseher einer Kirche oder kirchlichen Stiftung, namentl. in Geldangelegenheiten._
=temper,= f. Quatember, eine der vier Fastenzeiten des Jahres.
=temperancie,= Mässigung, Masshaltung.
=temperêren, temperen,= sw. v. (im gehörigen Verhältnisse) mischen, *condire;* mässigen, mildern.
=temperinge,= (richtige) Mischung; gemässigtes Klima.
=temptacie,= Versuchung, Anfechtung.
=temptêren,= sw. v. versuchen, anfechten.
=ten= = it en: ten is, was nicht, es ist, war nicht; *ten sî, wêre,* wenn nicht, es sei denn dass.
=ten= = te dem, den; bisw. auch wohl contrah. aus *tegen,* gegen, gen.
=ten,= n. fl. *tenes, tennes,* Zinn.
=tên,= m. Zein (Gerte): Metallstab, Barren (in der Münze); Eisenstange zum Nagelschmieden; hölzerner Pfeilschaft.
=tên,= m. Zehe.
=tên, teen,= st. v. 1. intr. ziehen, sich begeben; sich hinziehen, sich erstrecken; *tên to ênem velde,* im Schachspiel; ein Loos ziehen. 2. trans. ziehen, heraus-, hereinziehen; vorwärts bewegen, vom Zugvieh; treiben, antreiben, nötigen; schleppen, schleifen; zerren, recken (Folter); winden, aufwinden; drehen, einen Schleifstein; ziehend machen, Gräben, Mauern; ziehend Waaren fälschen, z. B. Pelzwerk; producieren, hervorbringen, erzielen, erzeugen *(togen unde boren);* auf-, grossziehen; erziehen (*togen,* wohlerzogen, züchtig); *êne reise tên,* machen. 3. refl. sich zerren, sich streiten. 4. Mit Präpos.: *tên wat, (sik) wes an,* sich in e. Sache berufen, beziehen auf, als seinen Gewährsmann anrufen, appellieren an; *sik tên bi* m. Dat., sich e. Lehre abnehmen aus; *tên in,* Einwendungen machen; *tên wes in = an; tên wat in,* machen zu, verkehren in; *tên overên,* sich einigen; *wat tên to gude,* zu gute rechnen; *sik to hone,* als Hohn aufnehmen, empfinden; *to sik,* sich aneignen, anlocken, heranziehen, gewinnen; *sik tên to,* Anspruch machen auf, sein Recht an einer Sache darthun; *(sik) tên (wes) uppe,* sich beziehen, berufen auf; *tên up nôt,* Notwehr geltend machen; *wen tên van,* abwendig machen, intr. abstehen, weichen.
=tende, tender= = tegede, tegedere.
=tendelink (tindelink),= eine Anzahl von 10 (bes. Fellen).
=tendes, tendest= u. =tenden=, d. i. *to endes.* am Ende, örtlich u. zeitlich, absol. oder m. Dat. oder Acc.
=tene,= st. m., im Pl. auch sw., Zahn; *to den tenen bernen,* ein Brandmal als Strafe für ein Verbrechen auf die Kinnbacken oder auf die Wange brennen.
=têne,= f. Zehe.
=têne,= f. = *tên,* Metallstab? Korb?
=tene-, tenen=-berner, -isern, Brenneisen zum Brandmal auf die Wange; *-bitent, -grinent,* Zähneklappern; *-brêf,* zahnweis ausgeschnittenes Schriftstück, Kerbbrief, *charta indentata; -klapperen,* mit den Zähnen klappern; *-lôs,* zahnlos; *-sêre,* n. Zahnweh; *-slach,* Backenstreich; *-stoker,* Zahnstocher; *-vlêsch,* Zahnfleisch; *-worm,* Zahnwurm, vermeintl. Ursache des Zahnwehs, fig. v. Nagen des Gewissens.
=teneken,= Zähnchen, d. i. kleine gezackte Spitzen, frzs. dentelles.
=tenen, tennen,= zinnern.
=tengen,= sw. v. anfangen, beginnen.
=tengeren,= _sw. v. beissen, bitter *(tanger)* sein (vom Geschmack)._
=tengerich,= von scharfem Geschmack, beissend.
=tenich,= denus.
=tenlink= = teinlink.
=tên-tange,= Zeinzange des Schmiedes.
=tente,= sw. f. Zelt, tentorium.
=tente,= Tinctur?
=tentel-degedinge,= tautologia, vitiosa impetitio (repetitio) eiusdem dictionis.
=tentel-, tendel-market,= Tandelmarkt, wo allerlei Tand verkauft wird.
=tent-lose,= Zehntlöse.
=ten-werk,= Gefässe oder Gerät von Zinn.
=teppen,= sw. v. zupfen, pflücken.
=tepper,= Schankwirt.
=teppêt, teppet (tept),= m. Teppich, Decke zum Überbreiten, Tapete als Wandbekleidung.
=teppetere,= Teppichwirker.
=tep(t)-hunt,= Teppich-, Schosshund?
=têr,= m. gute Beschaffenheit, Gedeihen, Glanz, Ruhm.
=ter= = te der.
=ter-broder,= _Zehrbruder, *conviva; -budel,* Zehrbeutel, Säckel._
=terden,= umgesetzt für treden.
=ter(e),= m.? fl. *teres,* Theer.
=têre,= f. Packen, Ballen.
=têre,= f. Art u. Weise, *indoles; guder, quader têre,* gutartig, bösartig.
=ter(e)-gelt,= Zehrgeld, Reisegeld.
=teren,= sw. v. zehren; verzehren; verthun; Zehrung (Festmahl) halten.
=teren,= sw. v. theeren, mit Theer bestreichen.
=têren,= sw. v. Art u. Weise haben; *sik t.,* Art u. Weise annehmen, sich benehmen, sich geberden.
=terentei= = tirletei.
=terer,= Zehrer, Verzehrer.
=terer,= Theerer. =tere-vat,= Theerbütte.
=tergen,= sw. v. zerren, reizen, necken.
=ter-geselle,= Zehrgeselle, Zechbruder.
=terhaftich= u. =terich,= der viel aufwendet, sumptuosus.
=terich,= theerig.
=têrich,= artig, gediegen, von guter Art.
=têricheit,= Artigkeit, Freundlichkeit.
=teringe,= 1. Zehrung, was man zum Unterhalte nötig hat, Aufwand, Kosten, Auslagen, *sumptus.* 2. Abzehrung, Schwindsucht.
=teringe-bôk,= Ausgabenbuch.
=ter-ketel,= Theerkessel.
=terlen,= sw. v. zerren, reissen.
=terlink,= Kornelkirsche, Dirle (aus d. Slav.).
=têr-, terlink,= m. 1. kleine *têre,* Ballen oder Packen Tuch, als bestimmtes Mass 28-30 Laken. 2. Würfel. 3. eine Art Geschützkugeln, wohl eckig.
=terme, tirm(t),= Grenze; Gebiet.
=termel,= m. Bestimmung, Festsetzung.
=termenige, terminarie,= Wohnung des terminarius.
=termîn,= m. Termin, bes. Gerichts-, Zahltag; Pl. *termine,* (die sich wiederholenden) Krampfanfälle der Kinder, die s. g. Schäuerchen.
=termînre,= Bettelmönch, der in einem bestimmten Bezirke Almosen einsammelnde Mönch, terminarius.
=têr-, ternink= = têrlink.
=terpentîn,= Terpentin; *-olie,* T.-Oel.
=ter-quast,= m. Theerpinsel.
=terras, te(r)ratz= = tarras.
=terren,= sw. v. zanken, streiten.
=ters,= m. das männliche Glied.
=terse,= Landralle, Wiesenknarrer, Wachtelkönig.
=tertel,= zart, zierlich.
=tertel-duve,= Turteltaube.
=tertlik,= zärtlich, fein; adv. terliken.
=ter-tunne,= Theertonne.
=terwe,= Weizen; Adj. terwen.
=têsen,= zupfen, kratzen, pflücken.
=tesping= = esping, Boot.
=test,= m. 1. (irdene) Scherbe. 2. (irdener) Tiegel oder Gefäss zur Aufbewahrung von Feuer oder zum Schmelzen von Metallen; bes. die *testula probatoria;* probehaltiges Silber.
=testamentaries,= Testamentsvollstrecker; Pl. -e.
=testêr,= mhd. *testier,* Kopfbedeckung (des Streitrosses), Sturmhaube.
=teve,= f. Hündin; Schimpfwort für ein gemeines Weib.
=têwe,= f. Zehe.
=tfi,= Interj. des Abscheus.
=th= im Anlaut erscheint dialektisch bis gegen 1300 noch mit dem Lautwert des as. *th* = mndd. *d;* späteres *th* ist bloss graphisch und steht für t.
=tî, tig,= m. (n.) öffentlicher Sammelplatz eines Dorfes, zu ernsten wie zu heitern Zwecken, in der Regel erhöht u. mit einigen Bäumen (Linden) besetzt, an der Seite grosse Steine, die als Bänke dienen.
=tibe?= f. Netz?
=tîch,= f. Aussage, Beschuldigung.
=tichel,= westwärts gebräuchliche Form für tegel (ticheler, tichelhûs, ticheltorf, tichelwerk).
=ticht,= _f. (das Zeihen) Anklage, Beschuldigung, Verdächtigung, Verdacht; *in tichte(n) hebben* oder *holden,* in Verdacht haben; Klage, Anspruch._
=tichte,= n. = *ticht,* Beschuldigung.
=tichten?= sw. v. aussetzen, bestimmen.
=tichtich,= unter *ticht* stehend.
=tide (tîd),= adv. zeitig (stets mit *(ge)nôch,* genug, verbunden). Gen. von tîd?
=tide,= n. f. (aus *getide*) die Zeit der Ebbe und Flut zusammen, bes. die Flutzeit, die Flut selbst; überh. eine Zeit v. 12 Stunden.
=tide,= f. die kanonische Hore.
=tide=-bôk, liber horarum, Gebetbuch für die kanonischen Horen; *-gebet,* Gebet zur kanon. Hora; *-gelt = tîtgelt; -havene,* f. Fluthafen; *-kôp,* Zeitkauf d. h. Kauf von Leibrenten? *-leser,* der die Horen liest; *-lik, -liken, -likes = tîtlik* etc.; *-lose, hermodactilus,* Zeitlose (Crocus? Narcisse? s. Lexer Mhd. Handwörterbuch); *-murrent,* n. spöttisch: das Murmeln der Horen; *-pape,* auf Zeit angestellter Priester? der nur Horen lesen kann? *-pennink = tîtgelt; -fest,* Quatember, Quartalstag.
=tiden,= sw. v. *to, na, -wert,* sich wohin begeben, zu etwas eilen; *in, an,* Gen., nach etwas begehren, hinstreben; *up,* warten, hoffen, sich verlassen auf; *vor,* aufkommen für etwas.
=tidich,= 1. zeitig, zu rechter Zeit. 2. reif; vom Leder: gar gegerbt. 3. frühzeitig. 4. der Jahreszeit gemäss. 5. fig. vom Rat etc.: reiflich.
=tidige(n),= adv. zeitig, zu rechter Zeit.
=tiding(e),= f. Zeitung, Nachricht, Botschaft.
=tidisch,= der Jahreszeit gemäss.
=tie, tige, tigge,= m. = tî.
=tiegen, tiegens,= _Adv. u. Präp. m. Acc. (aus *te jegen;* as. *te gegnes*); s._ tegen.
=tien,= st. v. = tên.
=tien, tiende= = tegen (teine), tegede.
=tien, tigen,= st. u. sw. v. zeihen, Schuld geben, anklagen, im Verdacht haben.
=tieren= aus tiederen = tuderen.
=tigel, tigelêre= = tegel, tegelêre.
=tigen= = tegen, tiegen; tigen-over, gegenüber; *tigen-wordich,* gegenwärtig; etc.
=tike,= Hündin.
=til,= n. = *tel,* Ziel.
=tilbar,= beweglich.
=tîl(e)-bere,= Zeidelbär, Honigbär.
=tile-tappe,= Dilltap, ein plumper, läppischer Mensch.
=tilik= etc. = *tidelik* etc.
=tilitze= u. =tilitzer,= m. Dolchmesser; v. böhm. tulec?
=til-lant= = tilbar lant, Ackerland.
=timber, timmer,= eine bestimte Anzahl von Fellen (40 oder 60).
=timber, timmer,= _n. 1. Bauholz, Baumaterial. 2. Zimmerwerk, von Holz aufgeführtes Bauwerk._
=timber-, timmer=-bank, carpenta; -bîl, _Zimmeraxt; *-holt,* Bauholz; *-knecht,* Zimmergesell; *-lôn,* Z-lohn; *-man,* Z-mann; *-meister,* Z-meister; *-touw, -tûch,* Z-gerät; *-werk,* Z-handwerk._
=timberen, timmeren,= sw. v. von Holz bauen; dann überh. bauen.
=timmeringe,= 1. Holz, das zum Bau gehört. 2. Zimmerung, Bau überh. 3. von Holz aufgeführtes Gebäude, überh. Gebäude.
=timmernisse,= carpentum.
=timmerte,= n. Gezimmer, Bau überh.
=timpe,= sw. m. das in eine Spitze auslaufende Ende eines Dinges, Zipfel, bes. von Kleidungsstücken (Kapuze, auch diese selbst) u. vom Brode.
=timpe-kanne,= _Kanne mit einer spitzen Ausbuchtung zum Einschenken._
=timpet,= mit einem *timpen* versehen.
=tin,= n. fl. *tenes, tinnes,* Zinn.
=tîn, tînde= = tegen (teine), tegede.
=tin-appel,= Apfel, Knauf, wie er auf den Zinnen zu sein pflegt; Thurmknopf; überh. Zinne.
=tindelink= = tendelink.
=tindes-an,= d. i. *to endes an,* schliesslich, zuletzt.
=tine,= f. Butte, Kübel, Zuber; Demin. tineken.
=tinnacht,= zinnicht, mit Zinnen versehen.
=tinne,= f. Zinne, *menia;* Demin. tinnekîn.
=tinne-mecker,= Zinngiesser.
=tinnen,= zinnern, von Zinn.
=tinnen-gewere,= Zinnenwehr, d. i. Ringmauer.
=tins,= m. (n. u. =tinse,= f.?) Pl. *tinse, tinsere,* Zins, d. i. jede Abgabe, die man für die dauernd oder zeitweise gestattete Benutzung eines Gegenstandes an den Eigenthümer zu zahlen hat.
=tins=-aftich, -achtich u. *-plichtich,* zins-, tributpflichtig; *-dach,* Z-zahlungstag; *-gelde, -gever, -man,* Z-pflichtiger, Pächter, Mieter; *-gelt,* Z-geld, auch das Recht des Z-pflichtigen am Gute; *-genote,* Z-genosse; *-gût,* Gut, wovon Z. gezahlt wird; *-hêre,* Z-herr, Verpächter; *-klocke,* Glocke, mit w. die Zinszahlung der Bürger an die Stadt eingeläutet wird; *-korn, -swîn,* Korn, Schwein als Z.; *-sammer,* Z-einforderer; *-schult,* Z-, Rente-, Pachtschuld.
=tinsen,= censuare, censum dare.
=tinsener, tinser,= pensionarius, Pächter, Zinspflichtiger.
=tint,= _m.? Pl. *tinde, tinden,* Zahn oder Zinke (einer Gabel, Harke, eines Kammes u. dgl.)._
=tiodute, te-, to-jodute, jodute= (thiod-ute! Volk heraus!) Ruf zur Hülfeleistung bei einer Vergewaltigung; später ein allgemeiner Weheruf, Zetergeschrei; Hülfegesuch.
=tip-hoike,= sw. m. Frauenmantel mit e. Zipfel oder Schnabel am oberen Ende.
=tip-kanne,= eine Kanne mit einer hervorstehenden Röhre, Schenk-, Giesskanne.
=tire= = têre I. u. II. =tiren= = têren.
=tirletei, tirumtei= (frzs. *tirletaine*), ein halb leinenes, halb wollenes Zeug.
=tis= = it is, es ist.
=tît,= f. (u. m.) Zeit; Zeitraum, Weile; Zeitpunkt, Termin; irdisches Leben (Ggs. Ewigkeit); *mannige tît,* manchmal; *gûd(e) tît,* wohlfeile Zeit, (adv.) zu rechter, nicht zu später Zeit; *alle tît,* allezeit, immer; *einer tît,* zu einer Zeit, einst; *des tides,* zu der Zeit, dann. Plur. *de tide,* die festgesetzten bestimmten Zeiten, nam. zum Gebet, die kanonischen Horen.--*bi tiden,* bei Zeiten, zu gehöriger Zeit; *buten tides,* ausser der Zeit, zur unrechten Zeit; *in tiden,* bisweilen; *mit der tît,* allmählich; *na der tît,* später, nachmals; *(nu) to tiden,* zur Zeit; zu rechter Zeit; *under tiden,* zuweilen; *van tide(n) to tide(n),* mit der Zeit, allmählich; *van der tît,* seitdem.
=tît-dêlinge,= f. *-kortinge,* f. *-vordrîf,* m. Zeitvertreib, Kurzweil; *-gelt, -pennink,* Geld, das zu bestimmten Zeiten (bes. vierteljährlich) zu zahlen ist, z. B. Ladengeld der Handwerker; *-slittinge (slitinge?),* Lebensunterhalt.
=tîtlicheit,= Zeitlichkeit, zeitgemässes Betragen.
=tîtlik,= zeitlich, irdisch, weltlich; zeitgemäss, v. Wetter fruchtbar; rechtzeitig, frühzeitig; v. Beratungen reiflich; adv. tîtliken.
=tîtlikes,= adv. zu seiner Zeit, zu gesetzten, bestimmten Zeiten.
=tîtlink,= eine kleine und zartere Gattung des Stockfisches.
=titte,= m. f. Zitze; Dem. titke.
=tittel,= n.? Tüttel, Pünktchen.
=titten-budel,= Brusttuch der Frauen.
=tô (tû), te,= präp. m. Dat 1. zu; vor Länder- u. Städtenamen, *dat lant to Italien; de stat to Lubeke.* 2. zeitlich: bis zu, lang, über; zu, in; *to jâr,* entw.: im vorigen Jahre, oder: übers Jahr. 3. modal, vielfach wo im Hochd. »bei, mit, in« oder eine andre Präp. gebraucht wird. Häufig mit Subst. zur Bildung des adverbialen Ausdrucks verwandt.
=tô,= adv. 1. räumlich: zu, her (Ggs. *af* u. *van*); die Präp. *to* verstärkend. 2. modal: hinzu; das Über- (oder Unter)mass anzeigend: allzu; häufig nach den Adv. *dâr, hîr* (die übrigens auch fehlen können); vor Adverbien, z. B. to vorgeves.
=tô,= st. f. Hündin.
=to-achten,= (gerichtlich) überweisen.
=toachter= wesen m. Gen., zurück, im Rückstande sein; *dôn,* zurücksetzen, geringschätzig behandeln.
=tobbe (tubbe),= sw. m. Zapfen, e. Art Nägel; ein hölzern. Stift, etwas daran zu hängen.
=tobben,= sw. v. zupfen, locken, zwacken, zerren, sein Spiel haben mit jem., sich abmühen.
=to-bêden,= entbieten, (durch einen Boten) sagen oder befehlen lassen.
=to-behôrde,= f. =-behore,= n. f. Zubehör, was zu einem Dinge gehört.
=to-behoren,= zugehören, angehören; zukommen, gebühren.
=to-behorer,= Zu-, Angehöriger, Verwandter.
=to-behorich,= zugehörig; hörig.
=to-behoricheit,= Zubehör.
=to-behoringe,= Zubehör, Pertinentien; Angehörigkeit, Verwandtschaft.
=to-bekêren,= zuwenden, zu teil werden lassen.
=to-berîs,= n. Sporteln, Gebühren, Einkünfte.
=tobernen,= verbrennen.
=tobersen(?),= sw. v. zerbrechen.
=tobersten,= st. v. intr. bersten, zerbrechen.
=to-beschriven,= st. v. zuschreiben, zuteilen.
=to-bestân,= zuhören, zukommen, gebühren.
=to-betruwen,= zutrauen.
=to-beval,= n. Gefälle, Gebühren, Anrecht.
=to-bevallen,= zufallen, zukommen.
=tobevoren,= adv. = tovoren.
=tobias,= Name eines Fisches, ammodytes tobianus.
=to-binden,= zu-, zusammen binden.
=tobiten,= zerbeissen.
=toblasen,= aufgeblasen (in Hoffart).
=to-blasen,= afflare.
=tobluwen,= st. v. zerbleuen.
=to-boginge,= _(Zubeugen) Nötigung, Antrieb; Zuneigung, Inclination._
=toboken,= zerschlagen, zerstücken (mit e. Hammer).
=to-boren,= gebühren, zustehen.
=to-boren,= (part.) zugeboren, angehörig.
=to-bôrten (-bûrten),= scherzen mit jem.
=to-bote,= Zugabe.
=to-boten,= 1. einen Lappen worauf setzen, flicken, *subunculare.* 2. Feuerung hinzulegen, nachheizen. Subst. to-botinge.
=tobreken,= 1. intr. zerbrechen, bersten, 2. trans. zer-, abbrechen, niederreissen, rädern, zerstören, abnutzen, vereiteln, zu nichte machen; *binnen tobroken sîn,* einen Bruch haben.
=to-bringen,= herzu-, herbeibringen; (den Becher zubringen) zutrinken; melden, ansagen; (Zeugen) beibringen, beweisen; zu Ende bringen, ausführen; (Zeit) zubringen, (Geld) verwenden, durchbringen, verschwenden.
=to-bringer,= _1. Herbeibringer, Anstifter, Urheber. 2. Verschwender._
=to-bringerne,= geneigt zum Verschwenden, verschwenderisch.
=to-bruwen,= st. v. zusammenbrauen; bildl.: anstiften.
=to-bucken,= sich niederbücken auf.
=to-buwen,= hinzubauen, fig. hinzu erzeugen (Nachkommenschaft).
=toch,= _m. Zug, Reise, Kriegszug; Verzug, Aufschub; Art der Bereitung von Tuch und Pelzwerk; aus einer Ware genommene Probe; *grases,* Mass in der Landwirtschaft._
=toch,= n. Hebe-, Windewerkzeug; Zugbrücke; Zugnetz, Ort des Fischzuges, Fischzug; in *ossentoch:* Pflug (ohne Räder?), w. v. Ochsen gezogen wird, oder Deichsel oder Joch?
=tôch,= m. Zeigen, Schau; Zeugniss, Beweis, Lehre.
=tôch,= n. m. Plur. *togere, toge,* Zweig, Ast.
=toch=-brugge, Zugbrücke; *-recht,* Gewohnheit einer Stadt, von einer andern Urteile u. Rechtsbelehrungen zu holen; *-rême,* Zugriem; *-swede,* Zugpflaster.
=tôch-dach,= Zeigetag, Schautag, wo man die Waren (bei Messen) aufstellt.
=tochel-tît,= Umziehezeit.
=tochen,= sw. v. ausziehen, umziehen, seine Wohnung ändern.
=tocken,= sw. v. zupfen, schnell u. hastig oder auch wiederholt reissen; heranholen, locken, verlocken.
=tockeren,= sw. v. zögern; *tockeringe,* Verzögerung.
=to-dammen,= zudämmen; Subst. to-damminge.
=to-danich, -dênich,= zugethan, zugewandt; geneigt.
=to-danicheit,= Geneigtheit, Zustimmung.
=to-dât,= 1. Zuthat, Hinzufügung. 2. Zuthun, Hülfe.
=toddelen,= sw. v. in Zotten, einzelnen kleinen Teilen herabfallen.
=todde-vole,= _sw. m. = *sochvole* (v. einem *todde* = mhd. *tutte, mamma*)? fig. verhätscheltes, Schoss-Kind._
=to-dêdich,= zugethan, gewogen.
=todegen,= s. *dege,* m.
=to-dêl,= n. der (rechtlich zukommende) Anteil.
=to-dêlen,= zuteilen; durch Richterspruch zuerkennen.
=todêlen,= zerteilen, verteilen; zerstreuen; refl. auseinander gehen, sich trennen.
=to-dempmen (?), -dempen,= zudämmen (eig. zudämpfen, ersticken).
=todennen,= zerdehnen.
=to-denken,= hinzu-, ausdenken.
=to-diken,= zu-, eindeichen.
=to-domen,= durch Richterspruch zuerkennen.
=to-dôn,= 1. zuthun, schliessen. 2. zuthun, hinzufügen. Refl. zuthunlich sein, sich anschliessen.
=todôn,= auseinander tun; refl. sich zerstreuen, sich ausbreiten.
=to-dôn(t),= n. Zutun, Hülfe, Unterstützung.
=to-dracht,= zuträglicher, förderlicher Ausspruch?
=to-dragen, -dregen,= intr. 1. zuträglich, förderlich sein. 2. betragen, sich belaufen. -- Trans. herbei-, auftragen, beibringen; refl. sich ereignen.
=to-drager, -dreger,= 1. Zuträger, Neuigkeitskrämer, Ohrenbläser. 2. grosser Wassereimer.
=to-drechtlik,= zuträglich, förderlich.
=to-dregel-kanne, -korf,= Kanne, Korb zum Auftragen von Trank u. Speisen zu Tische.
=to-dreien,= zudrehen, die Kette befestigen (Weberei).
=to-drengen,= refl. sich hinzu-, herandrängen.
=(to-drepen),= zufügen: Prät. *todrep;* l. todref?
=to-driftich,= was aus der See ans Ufer getrieben wird.
=to-drinken,= zutrinken, zutrinkend übergeben.
=to-drinten,= st. v. zu-, aufschwellen.
=to-driven,= zutreiben; bildl. zufügen; wozu nötigen.
=to-drucken,= zudrücken, zumachen.
=tô(e),= Zehe.
=to-en(t)bêden,= durch einen Boten sagen lassen; *to-enbêdinge,* Botschaft.
=to-entholt,= Aufenthalt (zum Schutz).
=to-entstân,= zugestehen.
=to-erbêdinge,= Anerbieten.
=to-êschen,= fordern von jem. (ênem wat).
=to-evenen,= zu-ebenen, ausfüllen (eine Grube).
=to-gader(e), -gadder(e),= zusammen.
=to-gân,= herzugehen, herankommen; zutreten, darangehen, sich an etwas machen; herannahen, zustandekommen, geschehen, sich ereignen; m. Dat. zukommen, zustossen, zufallen.
=togân,= zergehen, auseinander gehen; zu Grunde gehen, zerfallen, vergehen; zu Ende gehen; zu Schaden kommen, umkommen, sein Ende finden.
=to-gânde(s),= sofort.
=to-gank,= Zugang, das Herangehen; Angriff; Zutritt, Eingang, Oeffnung.
=to-gave,= Zugabe, was über das Mass gegeben wird.
=toge,= st. m. die Handlung des Ziehens, Zug; Reise, Gang; Zug im Schachspiel; Zücken des Schwertes etc.; Schluck beim Trinken; Unternehmen; *ên hart toge,* e. schweres Stück (Arbeit, Erlebnis); *sinen toge tên,* seinen Profit machen; Art des Benehmens, bes. Winkelzug, loser Streich, Schelmstück, Tücke; das Aufziehen, Aufwinden; im Bergwerk die Linie, Strecke, welche nebeneinander liegende Zechen bilden?
=tôge-bank,= Zeigebank, d. i. der Ladentisch, auf dem die Ware dem Käufer gezeigt wird.
=to-geboren,= durch Geburt zugehörig.
=to-geboren,= gebühren, zukommen.
=toge-brugge= = tochbrugge.
=tôge-dach= = tôchdach.
=to-gedân,= zugethan, d. i. angehörend, zugewandt.
=to-gedanicheit,= nahe Beziehung, Zusammengehörigkeit.
=togegen= = tojegen.
=to-gehenknisse,= Zubehör, Pertinenzien.
=to-gehôr,= n. u. =-gehoringe,= f. Zubehör.
=togel,= m. Zügel.
=tôgelik,= zeigbar, beweisbar.
=togelike,= adv. zu gleicher Zeit; zu gleichen Teilen, gemeinsam.
=to-gemôs,= Zugemüse, was man zum Fleisch isst.
=togen,= sw. v. ziehen, schleppen; hinziehen, aufschieben; *permutatio tabernarum* (der Krambuden), *quae togen dicitur;* vgl. tochen.
=tôgen,= sw. v. zeigen, weisen, offenbaren, kundtun; spec. vom Zeigen, Ausstellen, zur Schaustellen der Waren; refl. sich zeigen, erscheinen.
=toge-osse,= Zugochse.
=toger,= Zieher; Aufwinder.
=tôger,= 1. Zeigefinger. 2. (Vor)zeiger.
=togen-, togentlik,= züchtig, anständig, geziemlich; adv. togenliken.
=togeren,= sw. v. 1. intr. u. refl. zögern, verziehen. 2. trans. hinhalten, verschieben, warten lassen; anhalten, mit Beschlag belegen.
=toger(h)aftich,= zögernd, saumselig.
=togeringe= u. =togernise,= Zögerung, Auf-, Hinhalten; Beschlagnahme.
=to-geval,= n. Gefallen.
=to-gevelie,= Gefälle, reditus.
=to-geven,= 1. zu-, in den Kauf geben. 2. einräumen, gestatten. 3. nach-, erlassen (eine Schuld etc.), verzeihen.
=to-gewant,= zugewandt (wie *to-gedân*).
=to-gichten,= zuerkennen?
=to-gift= = togave.
=togift,= in vanum.
=togliden,= zergleiten, auseinandergehn.
=toglike= = togelike.
=tognagen,= zernagen.
=to-graven,= zugraben, durch einen Graben absperren.
=tograven,= zergraben, grabend zerstören, durchstechen.
=to-grepe,= st. m. Zugriff, unrechtmässiger Ein- o. Angriff, Räuberei.
=to-gripen,= zugreifen, rauben; etwas angreifen, ans Werk gehen.
=to-gripinge= = togrepe.
=to-grusen, -grosen,= sw. v. zu Grus machen, zerkleinen, zermalmen, zerquetschen; intr. in Stücke gehen, zerbröckeln.
=togunge,= Hinhaltung, Verzug.
=to-hangen,= herunterhangen; bildl.: anhangen.
=tohant= u. =tohandes (-hants, -hantes),= adv. sofort, sogleich, so eben.
=to-hechten,= affigere.
=to-hengen,= appendere.
=to-henger,= Anhänger.
=to-henginge,= Anhängung.
=toher:= wante t., bisher.
=to-herden (harden),= anreizen, antreiben.
=to-herdinge,= Antreiben, Ermahnen.
=to-hissen,= anhetzen; *to-hisser,* Hetzer.
=to-holden,= 1. hinhalten, *porrigere.* 2. m. Dat. o. *mit:* es mit jem. halten, ihn unterstützen; Anteil nehmen.
=to-holder (-helder),= Anhänger, Helfer.
=to-holdunge= = toholt 2.
=to-holt,= _1. Aufenthalt, Schutzort. 2. Anteil nehmen, Unterstützung, Zustimmung._
=to-holtnisse,= 1. Anhang (zu e. Gebäude), Nebengebäude? appendicium. 2. = toholt 2.
=tohope,= zusammen; in vielen Zus. z. B. *-gift,* Zusammengebung (der Brautleute durch den Priester); *-sameninge,* Versammlung; *-sate, -settinge,* Bündnis; *-vôchachtich, conjunctivus;* u. a.
=to-horen,= 1. zu-, anhören. 2. zu-, angehören.
=to-horer,= Zuhörer. =to-horinge,= Zubehör.
=to-houwen,= zurecht hauen, hauend zurichten, z. B. Fleisch.
=tohouwen,= zerhauen, zerschlagen, zerschneiden; techn.: Gewand zur Zierde schlitzen.
=toite= = tôte.
=tojegen(e),= adv. entgegen; gegenüber; zugegen; präp. gegen.
=to-jeger,= Handlanger, Mithelfer.
=to-jodute,= s. tiodute.
=token,= sw. v. spielen, scherzen.
=to-kêr,= m. n. Zukehr, Hinwendung.
=to-kêren,= intr. sich wenden zu, feindlich gegen; trans. hinwenden, richten; zuwenden, zuteil werden lassen; wenden, veranstalten.
=to-kêsen,= st. v. hinzuwählen, erwählen; intr. m. *to:* sich entscheiden für etwas.
=to-kêsinge,= Erwählung.
=to-kiker,= Zuschauer; Aufseher.
=tokleien,= zerkratzen.
=to-klêmen,= zuschmieren, zukleben.
=to-knecht,= Mitknecht.
=toknisteren,= (krachend) zerbrechen.
=to-knopen,= zuknöpfen, verschliessen.
=toknorsen (-knursen)= u. =-knosen,= zerschmettern.
=to-knutten,= annectere.
=to-komelink,= Fremder, advena.
=to-komen,= 1. herzukommen, hingelangen; zu jem. kommen (absichtslos, zum Angriff, zu Hülfe). 2. sich ereignen, geschehen; zustossen, begegnen; zukünftig sein, eintreten (von Dingen, die in Zukunft erst geschehen sollen); bes. das Part. *to-komen(de),* zukünftig. 4. zukommen, gebühren, angehören. 5. auskommen, zurechtkommen, womit ausreichen, keinen Schaden leiden.
=to-komenheit,= Zukunft.
=to-kominge,= Ankunft, Herankunft.
=tokroser,= calcatorius.
=tokrosten,= zerbrechen.
=to-kum(p)st,= f. (m.) 1. Ankunft. 2. Ausgang, Erfolg.
=to-kumpstich,= _zukünftig; *tokumpsticheit,* Herankommen, Ankunft._
=tol, tolle,= die äusserste Spitze eines Zweiges; der Zweig selbst.
=tol,= st. m. Zoll.
=to-laden,= einladen, gerichtlich vorladen.
=to-lage, laginge= (_l. *lecginge?),* 1. Hülfe, Beistand, Geldhülfe; Steuer. 2. Anschuldigung, Bezichtigung._
=to-langen,= zureichen, genügen, zutreffen.
=tol-artich,= m. Zollschilling, -geld; s. ortich.
=tolast,= zuletzt.
=to-last,= ein Weinfass (Stückfass) von verschiedener Grösse (3-6 Ohmen).
=to-lât,= m. =-latinge,= Zulass, Erlaubnis.
=to-laten,= 1. zulassen, geschlossen halten. 2. zulassen, geschehen lassen, erlauben. 3. hingehen lassen, verzeihen.
=tolbar, tolber,= zollpflichtig.
=tol-blok,= Zollkasten.
=toleden,= zerglieden, glied-, stückweise zerteilen, zerlegen.
=to-leger,= n. Zulager, d. h. Geiselschaft *(obstagium)* zu einem andern.
=to-leggen,= 1. hinzulegen, -fügen. 2. angreifen. 3. helfend zugreifen, beistehen. 4. zulegen, Schuld geben, zuschreiben, vorwerfen. 5. anschaffen. 6. zulegen, versperren.
=toleggen,= zerlegen, zerstören.
=to-legger,= Helfer.
=to-legginge,= 1. Zulegung, Zulage, *additamentum.* 2. Hülfe, Beistand; Geldhülfe, Steuer.
=to-leiden,= zuführen, herbeibringen.
=to-leninge,= ein mit einem Pultdach bedeckter Anbau; auch als Wohnung dienend.
=tolike= = togelike.
=to-lipen,= ein schiefes Maul gegen jem. machen.
=tolk, tollik,= Dolmetscher, interpres.
=tol-kaste,= Kasten (Kiste) für das Zollgeld.
=tolken,= sw. v. dolmetschen, übersetzen.
=tolkinge, tolkie,= Dolmetschung, Übersetzung.
=to(l)len= = toln; Verb. = tolnen.
=tollener= u. =toller,= Zollerheber.
=to(l)lent,= m. Zoll.
=tolle-wîn,= verzollbarer, fremder Wein?
=toln, tolen, tollen,= st. m. =tolne, tolle,= sw. m. Zoll; Zollgebäude.
=tolne-, tollen=-bar, zollpflichtig; *-knecht,* Z-beamter; *-kostûm,* Z-geld, engl. *custom; -slach,* Z-barriere; *-vrî,* z-frei.
=tolnen,= sw. v. Zoll bezahlen; v. Waren: zollpflichtig sein, verzollt werden.
=tolner= u. =tolre,= Zollerheber.
=tolnie,= Zollgrenze, das innerhalb derselben liegende Gebiet.
=to-locken,= allicere.
=to-lôp,= m. Zulauf, Zudrang.
=to-lopen,= 1. herzulaufen; überlaufen, übrig sein. 2. zugehn, sich schliessen.
=to-lôven,= einem etwas zutrauen.
=to-lover,= Mitbürge.
=toltern,= (Plur.) Tulten, Lappen, Flicken.
=to-luden,= auf jem. lauten, jem. betreffen, für jem. bestimmt sein (v. Schriftstücken).
=to-luken,= st. v. zuschliessen.
=tol-vrî,= zollfrei, =tol-wîn= = tollewîn.
=tôm,= m. Nachkommenschaft; Geschlecht (= kluft).
=tôm,= m. Zaum, Zügel; auch fig.; *up dem tome holden,* im ungewissen lassen.
=tôm,= m. der Ort, wo der Fischzug geschieht.
=to-mageschop,= zu nahe Verwandtschaft.
=to-maken,= 1. zumachen, schliessen. 2. bereiten, zurüsten, zurecht, fertig machen (bes. häufig refl.). 3. wie das einfache *maken:* Geld vermachen, aussetzen.
=tomale, tomalen,= gänzlich, sehr, gar; zugleich, auf einmal; allzumal, zusammen.
=tomate,= zu pass, recht, bequem.
=tôm- (tomes-)bet,= n. =-be(t)te,= _m. Zaumgebiss, das Eisenwerk am Zügel._
=tomeken,= (Zäumchen) eine Art Fussbekleidung.
=tomen,= sw. v. zäumen, *frenare;* zügeln, zwingen; *in den stert, den ers getomet sîn,* feige sein, Reissaus nehmen.
=tomen,= sw. v. schmücken, zieren.
=tomêr,= desto mehr; *tomêst,* zumeist, hauptsächlich.
=tomerie,= Schmuck.
=to-mēssen,= ein Stück Land völlig bedüngen.
=to-meten,= zumessen; bildl. beimessen, zulegen, Schuld geben.
=tôm-maker= = tômsleger.
=to-môs(e)de= = togemôs.
=tomote,= entgegen.
=tôm-recht,= vom Pferde, das sich zäumen u. lenken lässt; *t. maken,* zähmen, zum Gehorsam bringen.
=tom-scherich= (tûn-, tam-sch.): tomscherige lude sind solche, die sonst *ein-, ên-, êlope* genannt werden, d. h. solche, die ohne Grund- und Güterbesitz sind, keinen festen Wohnsitz haben, in keiner Genossenschaft stehen, aber doch der Botmässigkeit eines Herrn unterworfen sind, der sie auch vertauschen kann.
=tômsel,= _Schmuck; *t. driven,* sich zieren, schmücken, Kleiderpracht treiben._
=tôm-sleger,= Verfertiger von Riemen für Pferdegeschirr.
=tôm-sticker,= Zaumbesticker, -benäher.
=tôn,= m. Zehe.
=tôn,= m. Ton, Weise (in der Musik).
=to-name,= Bei-, Zuname.
=to-namen,= sw. v. Beinamen geben; Part. getonamet.
=to-nêge,= f. =-nêg(el)icheit, -nêginge,= _Zuneigung, Geneigtheit, Hang._
=to-negelen,= zunageln.
=to-nêgen,= zuneigen; refl. bildl.
=to-nemen,= zunehmen, wachsen.
=tonen,= sw. v. zeigen, vorzeigen, vorweisen, vorlegen, bes. häufig vom Vorweisen von Documenten und von Waren; refl. erscheinen.
=toner,= Zeiger, Vorweiser.
=tonichte,= zunichte, ad nihilum.
=to-nigen,= acclinare.
=toninge,= Zeigen, Vorweisen.
=tonne= = tunne.
=Tonnies, Tonniges= = Antonius; sunte T. vûr, das heilige oder wilde Feuer, ignis sacer (erysipelas).
=to-noder,= Zunötiger, Einlader.
=to-nodigen,= aufnötigen, -drängen.
=to-oke,= sw. m. =-okelse,= Zuwachs, Vermehrung.
=to-oken,= adaugere, -ri.
=to-ordêlen,= durch Urteil zusprechen.
=top,= m. Zopf, die Spitze, das höchste Ende einer Sache, Wipfel eines Baumes, einer Pflanze; Spitze des Mastes, des Sackes, bes. Spitze des Kopfes, Schopf, überh. für Kopf; Büschel, Klunker, Troddel; als Mass für Flachs (24 oder 40 Hände voll oder *risten*), *resticulus lini;* Topf; Korb, als Mass v. Rosinen.
=to-palen,= zupfählen, durch e. Pfahlreihe versperren.
=top-busse,= ein Orgelgeschütz?
=topedden,= zertreten.
=to-pêlinge?= Zupfählung, Recht, sein Eigentum mit Pfählen etc. zu umzäumen?
=topere?= (eyn topere of eyn unwert man van undogeden), _l. *torpere,* bäurischer Tölpel; vgl._ torp.
=topersen, -parsen,= zerpressen, zerquetschen.
=top-kastêl,= Mastkorb, summitas mali.
=to-planken,= mit Planken, Brettern, versperren.
=to-platzen,= heftig zufahren.
=to-plichten,= beipflichten; *mit,* es mit jem. halten; in bösem Sinne: zuhalten (eine Frauensperson).
=to-plocken, -pluggen,= mit einem Pflock verstopfen.
=toppeke,= Dem. zu *top,* Büschel.
=toppen,= sw. v. (Tuch, Laken) = rosen?
=toppêren,= sw. v. den *top,* das Haupthaar zurecht machen, toupieren.
=to(p)pêt, topît, toppet,= n. =toppêde, topte,= n. = teppêt.
=toquessen, -quetzen,= zerquetschen.
=toquetteren,= sw. v. zerquetschen, zermalmen.
=to-raden,= zuraten.
=to-rader,= der zurät; fem. to-radersche.
=to-raken,= 1. wohin gelangen. 2. zuscharren.
=to-ramen,= das Ziel erreichten, womit fertig werden.
=torch- (torf-) ortich, -artich,= m. Marktschilling, -geld; nord. torgörtug.
=to-recken,= zureichen, genügen.
=to-rêden,= zubereiten, (zu)rüsten.
=to-rêdinge,= Zurüstung.
=torei?= = tornei.
=to-reisen,= anreizen.
=to-reisinge,= Anreizung.
=toreke,= s. reke.
=to-rêken,= zureichen, genügen.
=torennen,= zerreissen, zerstossen.
=to-rêt,= Zurüstung? Part v. torêden?
=torf,= m. grüner Rasen, bes. insofern er ausgestochen oder ausgeschnitten ist, Rasenstück, *cespes;* Torf, als Brennmaterial; Torfmoor.
=torf-grever, -steker,= cespitator; =-môr,= Torfmoor.
=torf(h)acht, torfachtich,= von Torfes-, Rasenart, *cespiticius;* nur in Verbindung mit *êgen,* unbewegliches Eigentum, liegendes Eigen (sonst *erve* genannt).
=to-richten,= 1. (gerichtlich, von Rechts wegen) zusprechen. 2. zurichten, ausrichten; anfertigen; in Richtigkeit bringen, befriedigen.
=to-riden,= (eilig) zureiten; *to-ridendes,* adv. sofort.
=toriden,= zer-, auseinanderreiten, sich auflösen.
=toringe= = togeringe, Zögerung.
=to-rîs,= n. Einkommen.
=to-risen,= zufallen; torisende orsake, causa formalis.
=toriten,= zerreissen; intr. auseinandergehen, spalten.
=Torke,= sw. m. Türke; *Torkie,* Türkei; *torkîs,* Türkis.
=torn (toren, torne), tarn,= m. Turm; manchmal = Gefängnis.
=torn (torne), tarn,= m. Zorn, Unwille; *dat is mi t.* (Ursache zum Zorn), erregt meinen Unwillen, erzürnt mich; Schaden, Nachteil.
=torn-breker,= effractor, Ausbrecher aus dem Gefängnis.
=torn(e),= zornig, erzürnt.
=tornechtich,= zornig.
=tornei,= m. (u. n.?) Turnier.
=torneien,= sw. v. turnieren, kämpfen.
=torneis-velt,= Turnierfeld.
=torn(e)-man,= Türmer.
=torn(e)-modich,= zornmütig.
=torn(e)-môt,= zorniger Sinn.
=tornen,= sw. v. 1. zürnen, gew. refl. 2. trans. erzürnen, reizen.
=tornen,= sw. v. im Laufe aufhalten, hemmen, ergreifen.
=tornen, turnen,= sw. v. türmen, d. h. in den Turm (Gefängnis) werfen.
=tornêr,= Turnier.
=tornêren,= sw. v. turnieren.
=tornes,= zornig (Gen. v. *torn? = tornesch?*)
=torne-sperer,= Erbauer hölzerner Turmspitzen.
=torn-hoder,= Turmhüter.
=tornich= u. =tornisch,= zornig, voll Unmut; adv. tornigen.
=tornicheit= u. =tornischeit,= Zorn, Jähzorn.
=tornigen,= sw. v. *sik t.,* zornig werden.
=torninge,= Aufhalten, Hemmung.
=tornlicht,= adj. zum Zorne geneigt.
=tornliken,= adv. voll Zorn.
=tornois, tornôs= u. =torensch, torn(e)s,= adj. u. subst. m. eine grobe Silbermünze, *grossus turonensis,* urspr. in Tours geprägt.
=toronnen,= sw. v. zerrinnen.
=to-ropen,= zurufen.
=toropen,= zerraufen.
=torp= = dorp, Dorf.
=tortel-duve,= Turteltaube.
=torticie, tortise, tortse,= f. eine gewundene, gedrehte Kerze, Fackel (von Wachs), bes. bei feierlichen Gelegenheiten gebraucht (aus lat. *torticium*); *tortisien-stake,* der Stock (oder die Handhabe?) ders.; *-voder,* das den Stock umhüllende Wachsgewinde?
=torucken,= zerreissen.
=to-rugen, -ruien,= lermend herbeieilen.
=torugge,= zurück; *gân,* weichen; *stân, treden,* abstehen, zurücktreten; *laten,* unterlassen; *spreken,* Rücksprache halten.
=to-rumen,= hinschaffen? aufräumen?
=to-runen,= zuraunen, einflüstern.
=to-rusten,= zurüsten, ausrüsten.
=to-sage,= 1. Anspruch, Forderung, Klage. 2. Zusage, Versprechen, Zusicherung, Verheissung.
=to-sake,= Anspruch, Klage.
=tosam(e)ne, -samende, -sammene, -sammende, -sampde, -samen,= zusammen; *-kumst,* Zusammenkunft; *komen,* nam.: sich ehelich verbinden; loven, sik sweren, confederare.
=to-sate,= f. Festsetzung, Bestimmung, Verabredung, Bündnis.
=to-schêden,= bestimmen, zuweisen, zusprechen.
=to-scheren,= sw. v. = toschêden.
=toschêten,= zerschiessen.
=to-schêten,= zuschiessen, zuwenden.
=to-schichten,= deputare.
=to-schicken,= zurüsten.
=to-schivelen,= (betrügerisch) zuwenden.
=toscholen,= zer-, wegspülen.
=toschoren,= zerreissen, sow. trans. als intr.
=to-schove,= st. m. Vor-, Zuschub, Unterstützung.
=to-schriven,= durch Zuschrift wissen lassen; schriftlich (Geld) überweisen, gutschreiben, bes. v. Hypotheken oder Grundstücken; beilegen, beimessen. Subst. to-schrivinge.
=toschroten?= versengen; l. toschroien?
=toschuchtern,= verscheuchen, versprengen.
=toschuchterne,= adj. verschüchtert, versprengt.
=toschudden= u. =toschudderen,= erschüttern.
=to-schûf,= n.? = toschove.
=to-schunden,= anreizen (zum Bösen).
=to-schunder,= Anreizer.
=to-schundinge,= Anreizung, Verführung.
=to-schuppen,= (zuwerfen) zusetzen, bedrängen.
=to-schuven,= zuschieben; helfen; zufügen, anthun; ansinnen, vorschlagen.
=to-schuver,= Helfer.
=to-segelen,= versiegeln.
=to-seggen,= 1. ansagen, Anzeige machen. 2. aufkündigen, aufsagen. 3. Anspruch, Klage erheben, Schuld geben. 4. festsetzen, bestimmen; zulassen, erlauben, gestatten. 5. versprechen; e. Zusage machen.
=to-segger,= Ansager.
=to-segginge,= An-, Aufkündigung.
=to-seien,= die Saat bestellen; völlig besäen.
=tosem(m)ene= = tosamene.
=tosen,= sw. v. zausen, zerren.
=to-sên,= zusehen, Acht auf etwas haben.
=to-setten,= 1. zusetzen, hinzufügen. 2. eine Oeffnung zusetzen, ausfüllen. 3. überweisen, zuweisen. 4. in Arbeit stellen, als Gesellen etc. annehmen. 5. zusetzen, einbüssen.
=to-setter,= Hinzufüger (= Fälscher).
=to-settinge,= Zusatz, Zuthat.
=to-sitten,= zusetzen, angreifen.
=to-slach,= 1. das Zuschlagen (von Tonnen etc.). 2. Eindämmung (einer Brake), Einzäunung, Versperrung, Einhegung, spec. ein Teil der Mark, der von derselben getrennt und eingefriedigt wird als Privateigentum. 3. Beschlagnahme. 4. der Handschlag beim Abschluss eines Geschäftes, das Jawort bei Verlobungen.
=to-slân,= 1. schlagend schliessen; versperren; einen Deichbruch stopfen. 2. mit Beschlag belegen. 3. = *in den toslach bringen* (einen Teil der Mark aussondern u. in Privateigentum bringen). 4. durch Handschlag zusichern. 5. intr. wohin verschlagen, hingetrieben werden; einschlagen, glücken.
=toslân,= zerschlagen, in Stücke schlagen, zerstören, durchprügeln.
=to-slapen,= einschlafen.
=to-sleger,= »eine Corporation, deren Gerechtsame hauptsächlich im Einpacken von Waren bestand.«
=to-slepen,= herbeischleppen.
=toslepen,= zerschleifen.
=to-sliken,= st. v. zuschlicken (von einem Graben).
=to-slumpen,= durch glücklichen Zufall zu Teil werden.
=to-sluten,= zuschliessen, versperren.
=tosmelten,= zerschmelzen.
=to-sniden,= zuschneiden.
=tosniden,= zerschneiden.
=to-sôk,= m. =-sokent,= n. =-sokinge,= _f. Besuch, Zulauf._
=to-spannen,= st. v. *mit,* es mit jem. halten.
=tospelkeren,= zersplittern.
=tospliten,= zerspleissen, zerreissen.
=to-sprake,= rechtlicher Anspruch, Klage, Beschwerde.
=to-sprekelik,= freundlich, gefällig, affabilis.
=to-spreken,= 1. zusprechen, anreden, *affari;* besagen, bestimmen, angeben; zureden, Mut machen. 2. Klage, Anspruch, Beschwerde erheben.
=to-sprekinge,= Zuspruch, Trost.
=to-springen,= assilire.
=tospringen,= zerspringen, rissig werden.
=to-sprogelen,= bereifen, mit Reifen beschlagen?
=to-spunden,= zuspünden (ein Fass).
=tost,= Samenkopf von Pflanzen.
=to-stân,= 1. intr. entstehen, herkommen; zu, verschlossen sein. 2. trans. zugestehen, bekennen, anerkennen, verbürgen.
=tostân,= zergehen, aufhören, zu Ende sein, mangeln, gebrechen.
=to-stant,= Beistand.
=to-staven,= (den Eid) zustaben, vereidigen.
=to-steden, -staden,= zugestehen, einräumen, bewilligen, gestatten, zulassen, Eingang gewähren.
=to-steken,= zustecken, schliessen, z. B. e. Brief; v. Tuch: verpacken; Subst. to-stekinge.
=tosteken,= zerstechen.
=to-stemmen,= bestimmen, berechtigen.
=to-stender,= der zu einem steht, Anhänger, Parteigenosse.
=to-stendich= u. =to-stendlik,= zuständig, zugehörend.
=to-sterven,= als Erbschaft zuteil werden.
=to-stoken,= anschüren; anreizen, anstiften.
=to-stoker,= Anschürer, Anstifter.
=to-stoppen,= zustopfen, dicht machen, verstopfen; Subst. to-stoppinge.
=tostoren,= 1. verstören, auseinandertreiben. 2. zerstören, niederreissen.
=tostoringe= u. =tostôrnisse,= Zerstörung, Vernichtung, Zerstreuung.
=tostôrlik,= zerstörbar, vergänglich.
=tostorten,= intr. auseinander fallen.
=tostoten,= zerstossen, zerstören; intr. sich zerstossen, zertrümmert werden.
=to-stoten,= instigare.
=to-strecken,= zustrecken, hinhalten, darreichen.
=to-striken,= beim Fischen mit den Netzen aufs Land gehen.
=tostrouwen, -strewen, -streien,= zerstreuen.
=to-sture,= Zusteuer, Hülfe an Geld.
=to-sturen,= zudirigieren, zusteuern, zuwenden.
=to-stuttinge,= Unterstützung.
=to-sweren,= zuschwören; Part. *to-sworn = râtsworn,* nicht zum sitzenden Rat gehöriger Ratmann.
=to-swillen,= zuschwellen.
=to-tast,= m. u. n. Zugriff, sowol freundlicher Weise: Hülfe, als feindlicher: Angriff.
=to-tasten,= zutasten, zugreifen, zulangen; räuberischer Weise angreifen, *up der straten,* Strassenräuber sein; helfend zugreifen.
=to-taster, -tester,= der mit Hand anlegt, zugreift, Mithelfer, bes. der einen gegebenen Auftrag vollzieht, Testamentsvollstrecker; fem. to-testerinne.
=tote, tot,= (aus *tô-te*) Präp. m. Dat. zu; *tot dat,* bis dass.
=tote, toͤte,= f. Mähre, Stute? Schimpfwort für ein gemeines Weib. Vgl. engl. tit?
=tôte, toite,= f. grosse Kanne, bes. z. Bier.
=to-têkenen, -têken,= zuwenden, bestimmen, vermachen (im Testament); beilegen, zuschreiben.
=to-tellen,= einzeln hinzählen; über die bestimmte Zahl geben.
=to-tên,= 1. intr. herbeiziehen, herzugehen. 2. trans. hinzuziehen; mit einbegreifen, hinzurechnen; eine Schrift anziehen, zum Beweis anführen; jem. wozu bringen, verleiten; etwas verursachen, veranlassen, zufügen, anthun. 3. refl. m. Acc., an sich ziehen, zu sich nehmen; m. Gen., Anspruch erheben auf; zu Herzen nehmen.
=totên,= auseinander ziehen, zerreissen, zerstreuen; *ênes lof unde êre,* verkleinern, zu nichte machen.
=to-tichten,= zuschreiben, zusprechen, addicere.
=to-tiden,= wohin ziehen, seine Zuflucht nehmen; streben, sich sehnen nach.
=to-tiden,= n. u. =to-tidinge,= _das Hinziehen an einen Ort (des Aufenthaltes, Schutzes, Zuflucht wegen); fig. Streben, Neigung, Sehnsucht._
=to-treckelicheit,= Anlockung, Reiz.
=to-treden,= (helfend oder vermittelnd) hinzutreten; bittend anliegen.
=totreden,= zertreten.
=to-truwen,= zutrauen.
=totter,= _Schlachter, Wurstmacher (nndd. *tödder,* Strodtmann Idiot. Osnabr.)._
=tottige,= tutia, s. Ndd. JB. V, 69; vgl. tucian.
=to-tucken,= zuziehen; refl.
=to-tugen=, durch Zeugen oder Eid einem etwas beweisen.
=to-tusken?= l. *-rusken,* zuspringen?
=touwe, tow, tau,= _n. jegliches Gerät oder Werkzeug, Geschirr; Kriegsgerät; Wagen, Fuhrwerk; bes. Webstuhl, Aufzug auf demselben; Schiffsgerät, Tau, Seil. -- Bildl._ en mannes tow, membrum virile.
=touwelik,= rasch, schnell; adv. touweliken.
=touwen,= sw. v. 1. bereiten, fertig, gar machen (Leder, Pelzwerk, Tuch); rüsten, mit Gerät versehen. 2. intr. eilen; unpers. (gut) von Statten gehen, gelingen, glücken; refl. sich beeilen, *van,* sich frei machen, entledigen?
=touwer,= Bereiter, spec. Gerber.
=touwich,= rasch, schnell, expeditus.
=to-val=, _m. 1. Zufall, bes. glücklicher Zufall. 2. Gefälle, Einkünfte. 3. Fall des Wassers, Zufluss. 4. Beistimmung, Approbation, Hülfe. 4. Einfall, Gedanke._
=to-vallen,= 1. fallend sich schliessen. 2. sich ereignen, stattfinden. 3. zufallen (von Einkünften), zuteil werden. 4. *mit ênem,* zustimmen, sich anschliessen u. verbinden, helfen.
=tovallen,= zerfallen, in Stücke gehen.
=to-vallich, -vellich,= zufallend, fällig.
=to-varen,= hinzugehen, herbeikommen.
=tovaren,= intr. zerfahren: zerführt, zerstört werden; sich zerstreuen.
=to-vart,= 1. der Weg zu einem Orte. 2. das Herankommen, Besuch. 3. Zufuhr.
=toven, tuven,= sw. v. 1. intr. warten, zaudern; m. Gen. gewärtig sein; impers. sich hinziehen. 2. trans. aufhalten, so dass etwas oder jem. nicht weiter kann, anhalten, warten lassen, im freundl., wie im feindl. Sinne, im letzteren Falle: hindern, festnehmen, festhalten, verhaften, *arrestare.* -- Refl. wie intr.
=to-venger,= der zu einem hält, Mithelfer, Genosse.
=tove- (tôf-)nisse,= Aufenthalt, Festnehmung.
=tover,= m. Zuber, ein (hölzernes) Gefäss mit zwei (ringförmigen) Ohren oder Handhaben, durch die ein Baum (Stange) gesteckt wird, damit er von zweien getragen werde.
=tôver,= m. Zauberei, *incantatio; -bôk,* Zauberbuch.
=tover-bôm,= Zuberbaum (s. tover).
=to-verdigen,= ausrüsten, fertig machen.
=tover-dreger,= duplicanus, qui duabus partibus favet.
=tôveren,= sw. v. zaubern, incantare.
=tôverer, tôver, tôvener,= _m. Zauberer; Betrüger; fem. *tôversche,* Hexe_.
=tôverie,= Zauberei; Zaubermittel.
=tôverisch= u. =tôverlik,= zauberisch.
=tover-ketel,= Kessel, der einen Zuber Wassers fasst.
=tôvernisse,= Zauberei.
=tôver-wort,= Zauberspruch.
=tovillen,= die Haut abziehen, schinden.
=to-vinden,= von Rechts wegen zuerkennen.
=tovinge,= 1. Warten. 2. Anhalten, Festhalten, Festnahme, Arrestation.
=to-vlêten,= hin-, zufliessen; von Schiffen: hinfahren.
=tovlêten,= zerfliessen, zerschmelzen.
=to-vlien, -vligen,= ordnen, zieren, schmücken, zurecht machen; in schlimmem Sinne: zufügen (Schaden etc.); übel zurichten.
=to-vlote,= Zufluss.
=to-vlucht,= Hineilen, Zuströmen; Zuflucht.
=to-vogen,= (hin)zufügen; zuteilen, bescheren; abordnen, deputieren; intr. u. refl., sich fügen, passen, sich geziemen.
=to-voginge,= 1. Hinzufügung, Abordnung. 2. Zuneigung, Liebe. 3. Fügung, Anstiftung.
=to-vôre,= Zufuhr.
=tovoren (-rens, -rent),= 1. räuml.: *t. komen,* hervortreten, vor Augen kommen, begegnen; vom Vorzuge, Range: an der Spitzt, besonders, vorab; *tovoren hebben,* den Vorzug haben; t. *geven,* den Vorzug einräumen. 2. zeitlich: zuvor, vorher, früher. 3. modal: in besserem Zustande (des Glückes); *t. komen,* vorwärts kommen.
=to-vôren,= zuführen; herbeiholen.
=tovôren,= zerstören; zerstreuen; zu Ende bringen.
=tovôrere,= Zerstörer.
=tovorgeves,= umsonst, ohne Entgelt.
=to-vorholt,= Aufenthalt, Schlupfwinkel.
=to-voringe,= Zufuhr.
=to-vorlât,= Zuverlass; adj. to-vorlatich.
=to-vorordenen,= beiordnen, zuteilen.
=to-vorsicht,= _1. Zuversicht, Hoffnung; *boven t.,* wider Erwarten. 2. Beglaubigung, Beglaubigungsschreiben, Certificat._
=tovorsichts-brêf,= Beglaubigungsschreiben, *literae cautionis* oder respectuales.
=tovrede, -vreden, -vredich (?),= zufrieden, beruhigt.
=to-wart,= heran, entgegen.
=to-was,= m. =-wassinge,= Zuwachs, Zunahme; = to-worp.
=to-wassen,= zuwachsen, zunehmen.
=to-wech,= Zuweg, Pfad, semita.
=towedder(e), -ren,= zuwider, entgegen, feindlich.
=to-wegen,= zuwägen.
=toweien,= zerwehen, durch Sturm zerstören.
=to-weren,= durch eine Wehr einengen oder aufstauen.
=to-werken,= zumachen, bedecken, abschliessen.
=towerken,= zerlegen (vom Wild).
=to-werpen,= zuwerfen; hinzufügen.
=towerpen,= zerwerfen, zerstören, zu Grunde richten.
=to-wesen,= m. Dat. 1. zugehören, zuteil werden. 2. feindlich gegen jem. vorgehen.
=to-wîf,= Neben-, Kebsweib, Concubine.
=to-wisen,= zuweisen, als Anteil bestimmen; ausweisen, besagen.
=to-worden,= zur *wort* (Wurt) machen.
=to-worp,= _m. was das Meer, der Fluss dem Gute hinzuwirft, Alluvion._
=towriven,= zerreiben.
=towrivinge,= Zerreibung, Zerstörung; bildl.: Zerknirschung, contritio.
=towunden,= verwunden.
=to-wunschen,= adoptare.
=trâch,= 1. träge, langsam. 2. *trach?* beschwerlich, mühsam.
=trâcheit,= Trägheit, Langsamkeit.
=trâchlik(en),= adv. träge, langsam.
=trachte,= Betrachtung, Gedanke.
=trachten,= sw. v. betrachten, bedenken, *meditari;* planen, aussinnen, beabsichtigen; *uppe,* nachsinnen über, seine Gedanken richten auf, = *na, to,* streben nach; *jegen, uppe,* feindlich vorgehen gegen.
=trachten= = tragen? langsam sein, säumen.
=tractîf,= Zugpflaster.
=trade,= f. Spur, Geleise; bes. von dem Wege, den das Vieh sich macht, enn es zur Tränke geht.
=trade,= Lehm mit Heu oder Stroh zusammengemischt.
=trade-man,= der (in den *trade-kulen?) trade* bereitet.
=trageliken= = trâchliken.
=tragen,= sw. v. träge, langsam sein, lentescere; trans. langsam verrichten, verlangsamen.
=tragent, traget,= Tragant.
=tragich,= inerticus.
=tragie,= eine Art Confect (aus Zucker u. Specereien), Naschwerk, frz. *dragée,* ital. treggea.
=trāg-welvete,= n. statt *trage = troge-w.;* s. trochwelfte.
=traken= = treken.
=trallie,= f. Gitter.
=trame,= Querstab, Sprosse einer Leiter, Treppe, eines Stuhles.
=tra(m)mête, -mêten, -mêter,= Trompete, trompeten, Trompeter.
=trampen,= sw. v. mit den Füssen stampfen.
=trân (trān?),= m. Thran.
=trân (trān?),= m. =trane,= Thräne, Tropfen.
=tranen,= sw. v. tröpfeln; thränen; weinen.
=tranich,= weinend, nass von Thränen.
=trappe,= sw. v. Trappe, der Vogel, bistardus.
=trappe,= f. Treppe.
=trappen,= sw. v. mit den Füssen laut auftreten.
=trarât,= m. e. Art Tanz.
=tras, tratz,= Feindseligkeit, Trotz; als Interj.: trotz! (m. Dativ).
=tras-, trastliken,= trotziglich, frech.
=trat,= Tritt, Fussspur.
=trate,= f. = troite.
=trâts,= grober Tanztritt.
=trâtsen,= sw. v. (grob, roh) tanzen.
=traven=-bêr, -oͤl, ein Lübeker Bier; *-solt,* von Lübek spediertes Salz (Lüneburger?); *-tonne* (auch *travel-tonne?),* ein Lübeker Tonnenmass?
=trebeler,= Mörser, Gefäss, in dem etwas zerstossen wird.
=trechter,= m. Trichter.
=trecken,= sw. u. st. v. 1. trans. ziehen, führen, schleppen; hinziehen, hinzögern; beziehen (ausdeuten). 2. intr. ziehen, sich wohin begeben, bes. von einem feierlichen Zuge; einen Kriegszug unternehmen.
=tredden,= sw. v. treten, nieder-, zertreten, zerstampfen, tot treten, vernichten.
=tred(d)inge,= das Nieder-, Uebertreten.
=trede,= _st. m. 1. Tritt, Schritt; Tanztritt; Zug im Schachspiel; Auftreten, Gebaren; Stand, Stellung im Leben. 2. concr. Tritt, Stufe; Ausgang des Hauses; Weg._
=treden,= st. v. 1. intr. treten, gehen, schreiten; *her t.,* herankommen, sich nahen; *an, in,* (ein Amt etc.) antreten, übernehmen; *an bekoringe,* in Versuchung fallen; *an,* impers. angehen, betreffen; *jegen,* sich auflehnen, impers. *dat trit j. den avent,* es geht gegen den Abend; *na,* nachstreben; *to,* sich verstehen zu, impers. ablaufen, gereichen; *up,* sich belaufen auf, betreffen; *van,* ab-, zurücktreten, abweichen, abfallen. 2. trans. *den reien,* den Reigen tanzen; *ledder,* Leder (statt zu walken) treten. 3. refl. sich durch Treten verletzen (s. *tret); an,* angehen, betreffen.
=treder,= Bälgentreter, Calcant.
=trede-tover,= Tret-zuber (der Lederarbeiter).
=treffelik,= passend, vorzüglich.
=treifelen, troifelen,= sw. v. beschwindeln, betrügen; *af-t.,* durch schmeichelnde oder klägliche Worte ablocken, erbetteln.
=treifeler,= Betrüger, Gauner, tribulator, trufator.
=treifelie,= Betrügerei (bes. der Bettler).
=treilen, troilen,= sw. v. mit dem *treil* (Zugseil) das Schiff ziehen auf dem s. g. Leinpfade.
=treiler,= der die Schiffe am Seile zieht.
=treile-, treiel-wech,= Leinpfad.
=treite,= f. = troite; treiten = troiten.
=trek,= m. Zug, bes. Kriegszug; feierlicher Umzug, Procession (zu Ehren einer Braut, e. Wöchnerin, e. Täuflings).
=treken,= schaudern, grauen.
=treklik,= anziehend.
=treme= = trame.
=trem(e)se, tremisse,= f. die blaue Kornblume.
=trendele,= Scheibe; flacher Kuchen, Pfannkuchen.
=trendelen,= sw. v. rund umwälzen; mit (Kegel)kugeln spielen, kegeln.
=trendelleke,= êneme (Dat): rundes Becken?
=trendel-market,= tendeta.
=trenden= = trendelen, rotare.
=trênen (trenen?)= = tranen.
=trenser,= Vorschneidemesser, -teller, engl. trencher.
=trent,= subst. m. Rundung, die rings umfassende Linie, Grenze; zeitl. *umme den trent,* so um herum, ungefähr.
=trent,= adj. = trint.
=treppe,= f. Treppe, (Stufen)leiter.
=treppen-dreger,= bildl.: Verleumder, Fuchsschwänzer; vgl. trippentreder.
=trêrerie,= Gaunerei, Gaukelei, Glücksspiel?
=trêresch,= astutus, callidus, versutus.
=trêrink,= falscher Spieler, Betrüger, trufator.
=trese,= st. m. u. f. Schatz und der Ort, wo schätzbares, wertwolles aufbewahrt wird, Archiv.
=trese-kamere,= Schatzkammer; Archiv; Sacristei.
=tresel,= m. Schatzkammer.
=treseler= u. =treserer,= Schatzmeister.
=tresemen,= sw. v. bereichern, schmücken?
=treserie= = tresekamere.
=treserie,= Naschwerk, Confect.
=tresliken= = trasliken.
=tresôr,= m. 1. Schatz; Schatzkammer. 2. Wandgestell für Flaschen, Gläser.
=tresorier= = treseler.
=tret,= m. 1. = *trede.* 2. die Stelle des Pferdehufes, die beim Treten verletzt ist?
=triackel,= Theriak.
=tribok,= eine Belagerungsmaschine.
=tribolt,= Platte, Tonsur?
=tridele,= platicus: = nndd. trile, Scheibe? l. trindele = trendele?
=trimel= = drommel, drummel, Stückchen Land?
=trint,= (kreis-, ei- oder scheibenförmig) rund.
=trimmeken-dans,= ein gravitätischer pantomimischer Tanz.
=trîp,= m. sammetartiges Zeug mit leinener Kette u. sammetartiger Oberfläche von feiner Wolle, tripe de velours.
=tripel,= Tripeltakt, dreigliedriger Takt; ein musikalisches Instrument.
=tripen,= von *trîp* gemacht.
=trippe,= f. Pantoffel mit hölzerner Sohle u. ohne Hackenleder.
=trippe,= vertriebener Landstreicher? Feigling?
=trippen-treder,= Pantoffelträger, Spottname für Feiglinge, die sich zu Hause halten.
=trisanet,= mit Zucker gewürztes Gewürzpulver, tragea, drageta.
=triselen,= sw. v. rollen, kollern.
=trîsse, trîce, trîtze (trîste),= 1. Tau, bes. Hies-, Windetau, spec. die Brassen der Blinden oder der Bugsprietsegel. 2. = trîsseblok, -schive.
=trîsse-, trîtze(n)-blok,= _Windeblock, Blockrolle; *trîtzen-schive,* Windescheibe._
=trîssen, trîtzen,= _sw. v. an Seilen (mittelst des *trîsseblockes*) auf- oder niederziehen, -winden._
=trisôr, tritsôr,= n. = *tresôr,* Schatz u. Behälter für Kostbarkeiten; Gestell mit Flaschen, Gläsern etc., Büffet.
=trite?= grosses Schiff.
=trittel-duve,= Turteltaube.
=trittentei= = tirletei.
=troch,= m. Trog, Mulde.
=troch=-hure, _städtische Abgabe der Fischer; *-mest,* Trogscharre; *-welfte,* n. trogartiges Tonnengewölbe._
=troie, troge, troige,= _f. Jacke, Wamms, zur kriegerischen Ausrüstung gehörend,_ diplois.
=troie,= drei Augen im Würfelspiel, *trinio; troye dûs,* drei u. zwei, ein niedriger Wurf, ist sprichwörtlich.
=troi(e)nisse, trogenitze, tronisse,= eine Art Pelzwerk, (slav.?)
=troifelen, troilen,= s. treifelen, treilen.
=troisch,= adj. *t. wichte,* Gewicht für Edelmetalle, Edelsteine etc., v. der frz. Stadt Troyes.
=troite,= f. Flachsbreche in Form eines unten eingekerbten Buchenklotzes mit gekrümmtem Stiel.
=troiten,= sw. v. mit der *troite* den Flachs brechen.
=troket werk= des Schneiders; vgl. nndd. *trakeln* (e. Art des Festnähens des Futters an das Oberzeug)?
=tromel?= Schwindel? bildl.: Götzendienst?
=trôn,= m. Thron; *in den t. stigen,* vom höchsten Uebermut.
=trôn (tronie),= Angesicht, Gesichtsbildung, frz. trogne.
=tronele?= f. Scheibe.
=tronen,= sw. v. gierig sein, betteln; trs. betrügen, beschwindeln.
=troner,= der durch falsche Vorspiegelungen sich etwas zu erwerben sucht, Schwindler, Betrüger, Gaukler, Bettler.
=tront= = trint.
=trop, troppe,= Tropf, armseliger, dummer Mensch.
=troren,= sw. v. trauern.
=trorich,= traurig; Subst. troricheit.
=tros (trotz),= Trotz; gew. als Interj. m. Dat. trotz! u. in der Verb. to trosse.
=trosi(e)= = tragie, drosie.
=tros-, trotzlik,= trotzig.
=trosse,= f. =tros,= m. Tross, Gepäck.
=trosse, trotze,= f. Tauwerk, das nur einmal aus 2 oder 3 Garnen zusammengedreht ist; Tau, um Schiffe fest zu binden.
=trossêl,= Packen.
=trosse-mate,= von Tauwerk: Dicke einer Trosse; adj. trossenweise geschlagen.
=trossen,= sw. v. trotzen; von einer Burg: *vaste ghetrosset unde vorbolwerket,* hierher?
=trossich, trotzich,= trotzig; Subst. -eit.
=trôst,= m. Gemütsberuhigung, Zuversicht; Trost, Tröstung; thätige Hülfe; pers. Helfer; *bi gudeme trôste,* betrunken, angeheitert.
=trôstel-bêr,= Leichenschmaus (vor oder nach der Beerdigung).
=trôsten,= sw. v. 1. trösten, Zuversicht geben, ermutigen; mit der That helfen. 2. *up,* intrans. seine Zuversicht worauf setzen. 3. refl. mit Gen.: sich worüber (über den Verlust einer Sache, Mislingen einer Hoffnung) beruhigen, sich in etwas finden, sich womit zufrieden geben. 4. *getrôstet sîn* mit Gen.: getrost, unbesorgt sein wegen.
=trôster,= Tröster, Helfer; fem. trôsterin(ne).
=trôstes-wort,= Trosteswurz, consolida major.
=trôstinge,= Tröstung.
=trôstlik,= 1. tröstend, behülflich, Trost, Hülfe bringend. 2. voll guter Zuversicht; adv. *trostliken,* mit getrostem Mute.
=trôst-lôs,= trost-, hülflos.
=trot,= Trotz; *t. bêden,* Trotz bieten; als Interj. mit Dat., trotz! *den trod treden umme ênen,* einen höhnenden Tanz um jem. aufführen? oder ist *trod* = frz. *trot,* Trab (vgl. mhd. *trotarttanz, trotter*)?
=trotticie= = torticie.
=trouwe, trouwen= = truwe, truwen.
=trubbel,= engl. trouble.
=trûffel,= Maurerkelle.
=truggelen,= sw. v. betteln, gaunern.
=truggeler,= Gauner, Bettler.
=truggelie,= Bettelei.
=truggel-sak,= Bettelsack, bildl. für: Mönch.
=truheit= = truweheit.
=trul= (mlat. *trulla*), Gefäss, Mass zum Schenken.
=trulle-broder.= So hiessen die Begarden, welche zu einem besonderen Verein für Krankenpflege u. Totenbestattung zusammengetreten waren (Alexianer, *cellitae*).
=trumme,= f. Trommel; Werbetrommel; alles trommelähnliche Gerät.
=trummel,= f. Trommel.
=trummen-sleger,= Trommelschläger.
=trummit-horn,= Kriegstrommete.
=trummitter,= Trompeter (wie alle Spielleute auch als *gânde* oder *ridende* Boten benutzt).
=trumpe,= f. jedes lärmende, rauschende Instrument; bes. Trommete, Trompete, Posaune; auch Laute, quinterna.
=trumpen,= sw. v. auf der *trumpe* spielen; auf der Laute, *quinternizare;* überh. spielen, musicieren.
=trumpen-sleger,= _der die *trumpe* (Pauke, Trommel, Tamburin, Laute) schlägt._
=trumper= u. =trumpener,= der auf der *trumpe* spielt; Lautenschläger, quinternista.
=trumpit,= Trompete.
=trunt= = trint.
=truren,= sw. v. trauern, traurig sein.
=trurich,= traurig.
=trût,= lieb, traut; verwandt.
=trût,= Geliebter, Geliebte.
=trût-bedde,= Ehebett.
=truten,= sw. v. lieb haben.
=trutinne,= Geliebte.
=truwe, trouwe,= f. 1. Treue, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit (gern im Plur.); *dat stât an* oder *uppe truwe,* das hängt von Treu u. Glauben ab, im Ggs. des rechtlich zu erzwingenden. 2. Treuversprechen, bes. Eheversprechen, Verlobung. 3. das äussere Zeichen der Verlobung, der Ring. -- *entruwen* oder *tru(w)en* als Versicherungspartikel: in Wahrheit, traun!
=truwe,= treu, getreu, zuverlässig, sicher; *to truwer hant liggen,* deponiert sein; *de truwe,* der Beauftragte.
=truwe(h)aftich, trouachtich,= glaubwürdig.
=truwe-, truwen-hander, -hender,= dem etwas zu treuer Hand übergeben ist, der mit einem Vertrauensgeschäfte Beauftragte; Gewährleister, verpflichteter Vollzieher.
=truw(e)heit, truwicheit,= Treue.
=truw(e)like(n),= adv. getreu; trauend, voll Zuversicht.
=truwe-lôs,= treulos, der ein Versprechen nicht hält.
=truwe-lovede, -lofte,= n. Treugelöbnis.
=truwel-schat,= Gabe als Unterpfand der Treue (verschieden von der *morgen-gave*), arra.
=truwen,= sw. v. 1. intr. trauen, vertrauen, Glauben schenken. 2. trans. die Ehe geloben, heiraten (auch refl.). 3. vom Geistlichen: copulieren.
=truwentlik(en)= = truweliken.
=truw(e)-pennink= = truwelschat.
=truweschop,= Treue.
=truwes-hender= = truwehander.
=truwe-vingeren,= n. Trauring.
=truwe-, tru-werdich,= glaubwürdig, zuverlässig.
=truwinge,= Zuversicht.
=tsestich, tseventich,= sechzig, siebzig, vgl. as. antsiƀunta.
=tubbe (tobbe),= sw. m. Kübel, Bütte; Demin. *tubbeken;* daher: *tubbeken-maker,* Kleinböttcher.
=tûch,= _n. Zeug, alles was man braucht, um etwas auszurichten, bes. Handwerksgerät; Kriegszeug, (Armbrustwinde); *reisich t.,* Reiterei; Pferdegerät, Sattelzeug; Bettzeug; Kleidungsstücke; Zeugungsglied._
=tûch,= 1. m. u. n. Zeugnis, Zeugenbeweis; coll. die Gesamtheit der Zeugen. 2. m. der einzelne Zeuge.
=tûchaftich,= von e. Sache: beweisend.
=tûch-bôk= = tugebôk.
=tûch-borstich,= dem *borst* (Gebrechen, Mangel) *wert an getuge,* der ein Zeugnis nicht beizubringen vermag u. das Recht des weiteren Zeugenbeweises verliert.
=tûch-borstinge,= Gebrechen an Zeugenbeweis.
=tûch-man,= Plur. *tûchlude,* Zeuge.
=tûch-, tûchenisse,= Zeugnis, Bezeugung, Beweis.
=tûch-sticker,= Zeugsticker, Lederarbeiter, die das Pferdegeschirr bestickten.
=tucht,= f. 1. Zug, Ziehen; Lauf, Leitung *(watertucht);* Kriegszug? 2. das Ver-, Hinschieben, Aufschub, Verzug, Frist. 3. Zucht, Erziehung. 4. Bildung, Anständigkeit (gew. im Plur.). 5. jugendlicher Anwuchs; was aufgezogen wird, bes. vom Vieh. 6. Art, Geschlecht. 7. Leibzucht, Leibrente.
=tucht= (l. *ticht?*), f. Bezichtigung, Beschuldigung.
=tûcht(?),= m. = *tûch* II, 1.
=tuchten,= sw. v. 1. zeugen, erzeugen, züchten. 2. züchtigen, erziehen, strafen.
=tuchtersche:= toe tuchterschen rechte, Recht der Leibzüchterin, der Witwe? oder ist es Adj. (l. *tuchtesch?*)?
=tuchtich= u. =tuchtichlik,= züchtig, sittsam. Subst. tuchticheit.
=tuchtigen,= sw. v. züchtigen.
=tuchtigen,= sw. v. zum Genusse (einer Leibzucht u. s. w.) berechtigen.
=tuchtinge,= Züchtigung.
=tucht-lêrer,= Zuchtlehrer, Hofmeister.
=tucht-, tuchtelik,= züchtig, sittsam; adv. tuchtliken.
=tucht-mêster,= Zuchtmeister, Erzieher.
=tucht-schole,= Zuchtschule, Erziehungsanstalt.
=tûch-vorer,= Zeugenführer, der die Zeugen producierende Kläger.
=tûch-werdich,= glaubwürdig.
=tucian= = tottige.
=tucken,= sw. v. 1. intr. zucken, zappeln; bildl.: *na,* unruhig streben nach. 2. trans. zücken, rasch ziehen; *sik t. to hone,* als Hohn aufnehmen, empfinden.
=tuder= u. =tudder,= m. Weideseil, Strick, womit man ein Tier auf der Weide anbindet.
=tudern,= sw. v. Vieh an d. *tuder* binden.
=tuder-pâl,= Pfahl, woran man tudert; -touwe = tuder.
=tuffele,= gekürzt aus *pantuffele;* Zss. tuffel(en)-maker.
=tuge,= sw. m. Zeuge.
=tuge,= f. Zeugnis.
=tuge-bôk,= Protokoll über die gerichtlich abgelegten Zeugnisse, Recognitionsbuch.
=tugeken= (Dem. zu *tûch*), Bischen Zeug, Siebensachen.
=tugelik,= fähig zur Zeugnisablegung.
=tugen,= sw. v. 1. schaffen, zeugen, erzeugen. 2. für Geld anschaffen, kaufen. 3. überh. sorgen, dass etwas da ist, besorgen.
=tugen,= sw. v. 1. intr. zeugen, Zeugnis ablegen. 2. trans. bezeugen, mit Zeugen beweisen.
=tugen-vorer= = tûchvorer.
=tuger,= Zeuge.
=tuges-man= (Plur. *-lude*), Zeuge.
=tuge-voringe,= das Vorführen, Producieren von Zeugen.
=tuginge,= Bezeugung.
=tuk,= m. 1. Zug, Ruck; *upm tucke holden,* nicht zur Ruhe kommen lassen? 2. Tücke, versteckte Bosheit, Schelmenstreich.
=tuke-taken,= sw. v. hin- und herziehen, zaudern, zögern?
=tûl,= m. Büschel (Haare), Flocke.
=tulte,= Gefäss, (Bier)krug.
=tumbe,= f. Gruft, Grab; Grabmal.
=tumelen,= sw. v. 1. sich im Kreise drehen, springen, tanzen, von Seiltänzern, Equilibristen etc. 2. taumeln. 3. refl. sich tummeln.
=tumeler,= 1. Seiltänzer, Springer, Equilibrist; fem. *tumelersche.* 2. eine Schleudermaschine; die Kugel, die daraus geschossen wird. 3. e. Goslarer Münze = 3 Pfennig.
=tummel,= m. lermende Bewegung, Getümmel, Lerm.
=tummelen, tummeler= = tumelen, -er.
=tûn,= m. 1. Geflecht aus (Hage)dorn, Weiden oder andern Gesträuchen, bes. als Einfriedigung des Eigentums, Hecke der Gärten. 2. Zaun als Befestigung von Schlössern, Dörfern, Städten etc., auch aus Planken u. Pallisaden. 3. das von einem Zaune umschlossene, Garten, Gehege.
=tûn-bole,= Zaunbohle.
=tunder,= m. Zunder, Zündschwamm.
=tûn-dorn,= Zaundorn.
=tunen,= sw. v. zäunen, einen Zaun machen, überh. Reisig flechten; trans. *den tûn, de want,* aus Geflecht herstellen; *den hof,* einzäunen.
=tuner,= der einen Zaun flicht oder setzt.
=tunete,= n.: *t. unde timmer,* Hof, Garten u. Bau, Haus = Haus u. Hof.
=tunge,= f. Zunge; Sprache; Idiom eines Volkes; Sprachgebiet, Nation; Zunge in der Wage, Schnalle etc.; ein feines Weizenbrot von länglicher Form.
=tunge-, tungen-lôs,= elinguis.
=tungen-kleppel,= der Klöppel der Zunge; bildl.: *sîn t. was gebunden,* d. h. er musste schweigen.
=tungen-schurer,= Instrument zur Reinigung der Zunge.
=tûn-gerde,= f. Zaungerte.
=tûn-holt,= _Zaunholz, Holz zu Zäunen; *-lilge, occa,* Geissblatt?_
=tunne, tonne,= f. Tonne; Seetonne zur Markierung des Fahrwassers.
=tunne-maker,= Tonnenmacher; *-rûm,* n. Tonnenraum (Mass für Schiffe).
=tunnen=-boier, -schip, Schiff zur Auslegung der Seetonnen; *-bor,* Fassbohrer? Spundbohrer? *-gelt,* Schiffszoll für Legung der Seetonnen; *-holt,* Holz zu Tonnen; *-maker = tunne-maker; -visch,* Laberdan, in Tonnen eingesalzener Kabeljau; *-vorer,* Salzfuhrmann? in Lüneburg; *-werk,* Arbeit des Böttchers, verschieden von kîmwerk.
=tûn=-pâl, -rode, -stake, Zaunpfahl, *-stecken; -ride,* f. *samota,* Lab-, Klebkraut; *-schrage,* sw. m. zwei kreuzweis gesetzte Zaunpfähle, ein so hergestellter Zaun; *-stede,* eingehegte Stelle.
=turbit,= radix turbethi.
=ture,= kühn, dreist? hervorragend, trefflich? aus mhd. tiure?
=turen,= sw. v. wehe thun? l. truren?
=turkôs,= Türkis.
=turn,= Turm.
=turner,= Türmer?
=turren,= sw. v. surrend fliegen.
=turse,= das gröbste od. d. Heede v. Hanf.
=turtel-duve,= Turteltaube.
=tus,= interj. um Stille zu gebieten.
=tûsch,= m. =tûsche,= n.? Täuschung, Betrug.
=tuschen= = twischen.
=tûschen,= sw. v. 1. täuschen, betrügen, sein Spiel mit jem. haben. 2. mit Würfeln spielen. 3. tauschen, wechseln.
=tûscher,= Täuscher, Betrüger, der Schelmenstücke treibt; fem. tûschersche.
=tûsche-rede,= Lügenrede.
=tûscherie,= Betrügerei, Täuschung, Schelmenstück.
=tussent,= n. sibilus.
=tute,= f. Horn; alles was hornförmig gestaltet ist.
=tût(e)horn,= Blasehorn.
=tuten,= sw. v. auf dem Horne blasen; *tute-huten,* dass.
=tuttel,= Tüttel, titellus.
=tuven= = toven.
=tw-= steht manchmal für das echt nd. dw.
=twalf, twalfte= = twelf, twelfte.
=twâr, tware(n),= in Wahrheit, wirklich. *immo;* in einschränkendem Sinne: freilich, quidem.
=twê,= s. *twêne* u. twei.
=(twê-) twi-achtich,= entzweit, uneins.
=twê-bak,= Zwieback.
=(twê-) twi-balket hûs,= Haus mit zwei Böden, d. h. Stockwerken.
=(twê-) twi-bote,= doppelte Busse.
=twê-brêt,= von doppelter Breite.
=twêde,= adj. 1. halb? *t. bote,* Ggs. *vulle b.* 2. zwei Drittel; z. B. *de t. man,* ⅔ einer Anzahl Menschen; *de t. pennink,* ⅔ einer Geldsumme.
=twê-dêl:= dat t. _oder im Pl. *de twê dêl,* zwei Drittel einer Menge oder Masse._
=twê-dêlen,= entzweien, teilen.
=(twê-) twi-donicheit,= Zweitönigkeit, d. h. zwiespältige Überlieferung.
=twê-, twei-, twi-drach,= m.? = d. f. W.
=twê-, twei-, twi-dracht (-draft),= f. (m.?) Zwietracht.
=twê-, twi-drachtich, -drechtich (-draftich),= zwieträchtig.
=twê-drachticheit,= Zwietracht.
=twê-, twei-dregen, -dragen,= verschieden, zwieträchtig sein.
=twê-dreget,= zweimal, doppelt gedreht.
=(twê-) twi-gelde,= adv. mit doppelter Bezahlung.
=twegete,= f. = twite.
=(twê-) twi-heldicheit,= Mishelligkeit.
=twê-hellich,= nicht einhellig, mishellig.
=twei= _s. *twêne; twei, twê* steht auch für *entwei,* entzwei. Die Zss. *mit twei* s. unter_ twê-.
=tweien, tweigen= u. =twien, twigen,= sw. v. 1. intr. sich in zwei teilen; bildl.: sich entzweien, Zwist haben; sich scheiden, unterschieden sein, abweichen. 2. trans. scheiden, trennen, in zwei Teile (entzwei) teilen. Refl. sich teilen, sich spalten, entzweien. -- *getweiede brodere* sind Halbbrüder; ên twêd, tweid gras = twêtlink; porcus qui dicitur getwiget swîn?
=twein, tweine= = twên, twêne.
=twêinge, tweiinge, twi(g)inge (twinge)= 1. Zweiung, Teilung. 2. Halbbürtigkeit. 3. Entzweiung, Streit.
=tweistich= = twistich.
=twê-jarich,= zweijährig.
=twê-kluftich,= zwiespältig.
=twê-, twi-kore,= m. zwiespältige Wahl, wodurch zwei zugleich erwählt werden.
=twelaftich,= in zwei Teile gespalten.
=twele,= bifurcalis, bivirgultum; ên twele stake (twelen-stake?), gabelförmiger Stock.
=twele= = dwele, f. Tuch, bes. Handtuch.
=twê-ledich,= bimembris.
=(twê) twei-leggen,= auseinander setzen, schlichten.
=(twê-) twei-legginge,= Auseinandersetzung (Erbteilung).
=twelf, twelef,= flect. *twel(e)ve,* zwölf; *de twelf nachte* oder *de twelf dage* oder bloss *de twelften* sind die zwölf Tage zwischen Weihnachten u. d. h. Dreikönigstag (6. Januar); der Tag Epiphaniae heisst de twelfte.
=twelfachtende avent,= Octave des Dreikönigsfestes.
=twelf-bode,= Apostel.
=twelflinge= (dat tw. ampt im Kloster)?
=twelflink,= _ein Getreidemass, etwa der zwölfte Teil eines Malters?_
=twelf-man-êt,= Volleid, von 12 Eideshelfern geleistet.
=twelf-tal,= duodenarius.
=twelfte,= zwölfte; als Subst. *twelfte,* n.? ein Dutzend; vgl. auch twelf.
=twelfter-dach,= der h. Dreikönigstag.
=twelf-werve,= duodecies.
=twê-licht,= Adj.? =twê-lichten,= Verb.? *in deme twêlichten,* in der Dämmerung.
=twelink,= m. 1. Zwilling. 2. *twêlink?* eine Münze, Zweiling = 2 Schillinge. 3. *twêlink,* s. twêtlink.
=twelke,=, sw. = twelink 1.
=twelke= = dat welke, was.
=(twê-) twi-lôft, -luft, -lucht,= f.? Zwiespalt, Streit.
=(twê-) twi-lopich,= zwiespältig.
=twê-losinge,= dissolutio.
=(twê) twei-, twi-louftich, -loiftich, -luftich, -luchtich,= zwiespältig; *tw. sake,* Streitsache.
=twelt,= Partcp.? von Zwillich?
=twê-lufticheit,= Zwiespalt.
=twelvich,= duodenus.
=(twê-) twi-mannich,= bimaritus.
=twên, twein,= zweimal.
=twêne, tweine,= m. *twô, twû, twâ,* f. *twê, twei,* n. zwei. Gen. *twier, twiger, twigger;* Dat. *twên, twein.* Das Ntr. wird früh auch für d. Masc. u. Fem. gebraucht.
=twenter= = twinter.
=(twê-) twi-part,= Parteiung, Streit, Zwietracht.
=twê-partich,= der beiden Parteien günstig ist; uneinig.
=twerl= = dwerl, Wirbel auf dem Kopfe, Schopf.
=twern, twerne,= st. m. Zwirn, zwiefach gedrehter Faden.
=twernen,= sw. v. zwirnen; twerner, twinator.
=twê-runnen,= pl. eine Art Ziegel oder Dachsteine.
=(twê-) twi-, twei-sak,= mantica, Quersack.
=twê-, twi-schat,= doppelwertig (nam. von Pfandgegenständen).
=twê-, twi-schat, -schatte,= adv. von doppeltem Werte, mit doppelter Bezahlung.
=(twê) twi-schêdinge,= Verschiedenheit.
=(twê-) twi-scheit,= Unterschied, Bestimmung.
=(twê-) twi-schel(e)= u. =sche(l)linge,= Streit, Zwiespalt.
=(twê-) twei-, twi-sche(l)lich,= zwistig, uneinig.
=twê-scherpich,= zweischneidig.
=(twê-) twi-schette,= f. u. =-schettede,= _n. doppelte Wertschätzung oder Zahlung, Doppelzins._
=(twê-) twi-schetten, -schatten,= sw. v. doppelt rechnen oder zahlen, verdoppeln. Subst. twi-schettinge.
=(twê-) twi-schettich,= doppelwertig. Subst. twi-schetticheit.
=twê-, twi-schildich,= gregarius, miles humilis, der nur einen Knappen hat.
=twese= u. =tweseke,= Zwilling.
=tweselink, tweserlink,= st. u. =tweselke,= sw. Zwilling.
=twê-sît,= adv. u. präp. m. Gen., zu beiden Seiten.
=twê-slechtich,= bigenus.
=twê-snider,= zweischneidige Waffe.
=twê-spaldinge= u. =speltricheit,= Zwiespalt.
=(twê-) twi-spaldich, -speldich,= zwiespältig.
=(twê-) twi-spennich,= uneins, in Zwist.
=(twê-) twi-sperich,= zwiespältig, streitig.
=(twê-) twei-, twi-speringe,= Zwiespalt.
=twê-spletterich, -splitterich,= entzwei gesplissen, zwiespältig.
=(twê-) twi-splitteren,= entzwei-, zersplittern.
=(twê-) twi-splitteringe,= Zersplitterung, Entzweiung.
=(twê-) twei-sprake,= f. Zwiegespräch; Entscheidung in einer streitigen Rechtssache.
=(twê-) twei-spreken,= uneins, streitig werden (mit Worten), schelten.
=(twê-) twi-sproke,= st. m. Gerede.
=(twê-) twei-stân,= distare.
=twê-stant,= Zwiespalt, Zwist.
=(twê-) twi-stendich,= zwiespältig, in Streit.
=(twê-) twi-stendicheit,= Zwiespalt.
=(twe-) twi-strît,= Kampf zwischen zweien; überh. Streit.
=twê-tal,= binarius, binitas; -tallich, -talich, binus.
=(twê-) twi-talich, -tallich,= zwiespältig, zankend.
=twêtlink, twê(d)link,= _Name eines Landstückes (= ½ Gras? s. *gras 3*)._
=twê-tungich,= doppelzüngig.
=(twê-) twi-vacht,= zweifach.
=twê-valdich, -voldich, -veldich,= zwiefältig, doppelt.
=twê-valdicheit, -voldicheit,= Zwiefältigkeit, Duplicität.
=twê-valdigen, -voldigen,= sw. v. verdoppeln, verzweifachen.
=twê-valt, -volt, -velt,= zwiefältig, doppelt.
=(twê-) twi-varich,= zweifarbig.
=twê-, twi-vechtigen,= zwiefach machen, *in duplo* ausfertigen.
=twê-, twi-verdich,= zwiespältig, entzweit, streitig.
=twê-, twi-verdicheit,= Zwiespalt, Streit.
=(twê-) twi-vlôt,= Stück Landes oder Sandbank, in einem Flusse sich bildend.
=(twê-) twi-vrost,= zwischen Frost u. Tauen schwankendes Wetter?
=twê-formich,= biformis.
=twê-votich,= bipedalis.
=twê-wagich,= bilibris.
=(twê-) twi-wech,= Weg, der sich gabelt.
=twê-winkelich,= biangularis.
=(twê-) twi-wordich,= der zweierlei redet, doppelzüngig.
=twi-= s. unter twê-.
=twîch,= _n. (f.?) Plur. *twigere, twige,* Zweig; (Hirsch)geweih._
=twicke,= f. Zwicke (jetzt: Quicke), Stiel mit schräg angesetzter Schaufel zum Plaggenhauen.
=twidelik,= gewährend, erhörend.
=twiden,= sw. v. (Partic. auch st.) willfahren, gewähren, bewilligen, erhören.
=twider,= Gewährer, Erhörer.
=twidinge,= Gewährung.
=twie, twige,= zweimal.
=twien, twigen= u. =twiunge, twiginge,= s. tweien, twêinge.
=twier, twiger,= zweimal, doppelt.
=twier-, twiger-hande, -leie,= zweierlei; *-wegene,* zwiefach, nach zwei Seiten.
=twies, twiges,= zweimal.
=twifel, twifelen etc.= = twivel etc.
=twig-= s. twê-.
=twiger-dor,= bifores.
=twigich,= bezweigt, frondosus.
=twil,= Stamm oder Ast, der sich gabelförmig gespalten hat.
=twile= u. =twîlt= = de wile, solange als, während.
=twillen,= sw. v. (sich) gabelförmig spalten.
=twinelen,= adv. zweimal.
=twink(e),= sw. m. u. st. n. Sonnenstäubchen, Luftbläschen im Wein etc.; auch Blinzeln, Augenblick? bildl.: das Geringste.
=twinter,= adj. u. subst. zwei Winter alt, zweijährig, v. Rindern oder Pferden.
=twintich,= zwanzig.
=twisch,= adj. zweifach, verschieden.
=twischen,= adv. u. präp., zwischen.
=twisselinge,= Zwietracht; adj. twisselik.
=twist,= m. Zwist.
=twistelen,= sw. v. die Lippen ein wenig spalten, murmeln.
=twistelik,= in Zwist, zwieträchtig.
=twisten,= sw. v. in Zwiespalt, Streit sein.
=twisteringe,= Zwiespalt, Streit.
=twist-golt= u. =-sulver,= Gold- oder Silberblättchen von gemischter Farbe; aurum, argentum bicolor, mistum, vilius.
=twistich,= zwistig.
=twistinge,= Zwist, Zwiespalt.
=twist-sake,= Streitsache.
=twite,= f. ein schmaler Gang; eine enge Strasse oder Gasse, vicus.
=twivel,= m. Zweifel; das Schwanken zwischen zwei Handlungen, Unentschlossenheit, Säumen, Zögern; das Schwanken zwischen zwei Ansichten, Zwiespalt, Streit, Zweifel.
=twivelaftich, -achtich, -echtich,= _zweifelnd; zweifelhaft; Subst._ -achticheit.
=twivelen,= sw. v. zweifeln; unpers. (mit Dat.) zweifelhaft sein.
=twiveler,= 1. Zweifler, Ungläubiger. 2. eine Art Tuch (zweifarbig, meliert?).
=twive(l)lik= u. =twivelich,= zweifelhaft.
=twivelinge,= das Zweifeln.
=twivel-modich= u. =-sinnich, -sinnet,= zweifelmütig.
=twivel-môt,= _verzweifelnder Sinn; im Verhältnis zu anderen: Treulosigkeit; gegen sich selbst: Unentschlossenheit, Verzagtheit, Verzweiflung._
=twivelsam,= zweifelnd; zweifelhaft.
=twolf, twolfte,= s. *twelf* etc.
=tz= _s. *s. tz* wurde häufig statt eines geschärften *s* oder *ss* geschrieben._
U
=uchte,= f. (früheste) Morgendämmerung, Morgenzeit; dann überh. Dämmerung.
=uchten, ucht-teinde= = ochtum, Viehzehnte.
=uder= = judder, Euter.
=uft(e)= = ofte, oder.
=uk(e)lei,= ein Fisch, cyprinus alburnus.
=ule,= f. 1. Eule. 2. u. *uleke,* Nachtschmetterling. 3. fig. homo stolidus et improbus.
=ulen-klawe,= Eulenkralle; *kreyenfoͤthe unde ulenklawen,* kritzliche Schriftzüge, unverständliche Zeichen und Figuren.
=ulen-vlucht,= Abenddämmerung.
=ulk,= Unheil, Uebel, Plage.
=ulmich,= von Fäulnis *(ulm)* angefressen, cariosus.
=ul-worm= = olworm.
=um-= _vor Lippenlauten = *un;* auch = *unt-, ent-; = -en,* z. B. *umboven = enboven,* darüber._
=umbe,= ältere Form für umme.
=umbodes-man,= Bevollmächtigter, dän. ombudsmand.
=umme (um),= präp. mit Accus., später auch mit Dativ: 1. räumlich: um; fig. *umme hant hebben,* zur Verfügung haben. 2. modal u. causal: um -- willen; *umme minen, sinen willen,* meinet-, seinetwegen; *umme -- willen* mit Gen.; *willen* kann auch fehlen, dann steht *umme* mit dem Gen. allein. 3. Zweck bez., in Betreff. 4. Tausch u. Preis bez., daher auch den Verlust, z. B. *umme den hals komen; umme nicht,* für nichts, umsonst.
=umme,= adv. 1. räumlich: um, herum, umher. 2. zeitlich, *umme sîn,* vergangen sein. 3. modal: *mi is dar wat umme,* mir ist daran gelegen; *umme sîn,* geschehen sein um etwas, verloren sein; *noch umme, wedder umme,* wiederum, ferner; *êns umme,* künftig einmal. *umme dat,* conj. damit, auf dass; weil.
=umme-bebolwerken,= mit einem Bollwerk umgeben.
=umme-bêden,= rings umher entbieten, sagen lassen.
=umme-bedôn,= umfassen, umgeben.
=umme-begraven,= mit Graben umziehen.
=umme-behalven,= umringen.
=umme-belegen,= ringsum belegen, benachbart.
=umme-beliggen,= umlagern, belagern.
=umme-beligginge,= Belagerung.
=umme-bemuren,= mit einer Mauer umgeben.
=umme-besingelen,= mit einer Zingel einfriedigen (umzingeln).
=umme-betunen,= mit einem Zaun umgeben.
=umme-bevallen,= obruere.
=umme-bevesten,= (einen Platz) ringsum befestigen.
=umme-brêf,= Circularschreiben?
=umme-bringen,= 1. anders wohin bringen; wenden, drehen. 2. (auf die andere Seite schaffen) umbringen, vernichten, zerstören; vom Gelde: verthun, verschwenden.
=umme-buten,= wechseln, tauschen.
=umme-butinge,= Vertauschung, Austausch.
=umme-dedingen,= durch Verhandlung umstimmen.
=umme-dêlen,= herumreichen, verteilen.
=umme-denken,= (zurück) bedenken.
=umme-dôn,= 1. umgeben, umringen. 2. bei Seite schaffen, töten. 3. auf die andere Seite, zu einer anderen Meinung bringen, umstimmen; refl. auf die andere Seite treten, abfallen. *ummedân mit,* versehen, ausgestattet.
=umme-dracht,= f. listiger Anschlag, Machination, Schlich, Umschweif.
=umme-dragen,= circumferre.
=umme-draginge,= circumferentia.
=umme-(dreien), -dregen,= girare, evertere.
=umme-drift,= f. Ausfuhr von Schlachtvieh mit Umgehung einer Stadt und ihres Marktes.
=umme-driven,= herumtreiben, -jagen; bildl.: in beständiger Thätigkeit und Unruhe halten; e. Sache drehen, wenden, hintertreiben; intr. sich herumtreiben, vagabundieren.
=umme-eren,= umpflügen, umackern.
=umme-gân,= 1. intr. herumgehen; die Runde machen zur Aufsicht, Collecte, Procession; umlaufen (Rad), sich drehen (Wind), verlaufen (Jahr); wechseln, abwechseln; die Partei wechseln; *ummegânde,* völlig, ganz (Jahr, Harnisch); *u. mit,* sich beschäftigen, sich befassen, verfahren mit, betreiben; *u. konen mit,* sich verstehen auf. 2. trans. umgehen, vermeiden.
=umme-gank,= _1. das Herumgehen, Umzug; Hin- u. Rückgang, Kreislauf; Kreis, Umfang. 2. rings umführender Gang, Kreuzgang. 3. Umgang, Verkehr. 4. das Umgehen, Vermeiden._
=umme-gegerwe,= eine Art weiter Gewänder, Mäntel.
=umme-genger,= die Wache, welche die Runde macht; Almosensammler.
=umme-gerichte,= carnes circumferculares.
=umme-gêten,= durch Giessen (Metallgeschirr) erneuern.
=umme-gnagen,= ambedere, abrodere.
=umme-gord,= incinctus.
=umme-graven,= mit Graben umziehen.
=umme-gre(p)pe,= amplexus.
=umme-gripen,= umarmen.
=umme-hangen, -hengen,= umhängen; ringsum behängen.
=umme-hank,= _m. Um-, Vorhang, Gardine, bes. Bettumhang (Brautlaken)._
=umme-helsen,= umhalsen, küssen.
=umme-hen,= um hin; *-her(e),* ringsum.
=umme-holden,= umringen.
=umme-kapen,= umhergaffen.
=umme-kâr,= m. Umkehr, Wendung.
=umme-kêren,= umwenden, ändern; umkehren, zerstören; intr. zurückkehren, heimwärts gehen.
=umme-kleit,= Mantel.
=umme-komen,= 1. intr. vergehen, verstreichen (von der Zeit); einen Kreislauf machen; umkommen, zu Grunde gehen; aus der Gewohnheit, abkommen. 2. trans. umringen.
=umme-kopen,= umkaufen, d. h. durch Geld etc. auf die andere Seite bringen, bestechen; e. Sache durch Bestechung anders wenden.
=umme-krink,= Umkreis.
=umme-krupen,= obrepere.
=umme-kuselen,= herumwerfen, -schwenken (beim Tanz).
=umme-ladinge,= Umladung von Waren aus einem Fahrzeuge in ein anderes.
=umme-lage,= 1. Einfassung, *circumferentia.* 2. Umzingelung, Ueberfall, Belagerung.
=umme-laken,= mantile.
=um(me)-landes-var(e),= Schiffer oder Kaufmann, w. v. Westen, bes. v. der Südersee, um Jütland nach der Ostsee fährt oder handelt; s. Schäfer, Lüb. Vogt auf Schonen, LXVIII.
=umme-lank,= adj. unmittelbar auf einander folgend?
=umme-lank, -lange, -langes, -langens,= adv. u. präp. rings umher, in der Umgegend; nach Ablauf einer gewissen Zeit, dann u. wann?
=umme lant,= über Land, im Land umher, von Land zu Land.
=umme-lant,= Umgegend.
=umme-leggen,= umlegen; auf eine andere Seite, Stelle, Zeit legen; entsetzen, ausstossen; refl. sich anderswo hin begeben.
=umme-legginge,= Belagerung, Einschliessung.
=umme-leiden,= um etwas herum führen, umgeben, bildl.: herumführen, irreführen, verleiten.
=umme-leidinge,= Verleitung, Verdrehung, Betrug, Arglist.
=umme-liggende,= ringsum belegen, benachbart.
=umme-ligger,= Umwohner.
=umme-link,= _ein Umwohnender, d. i. einer, der im Bezirke eines Hofes wohnt und demselben pflichtig ist._
=ummelink,= adv. = ummelank.
=umme-lôp,= das Umlaufen, *revolutio;* Herumlaufen, Auflauf; concr. Umkreis, Umfang; Umlauf, die Umhänge der Tische etc.; Einfassung.
=umme-lopen,= umlaufen, herumlaufen (als Hausierer); verlaufen (von der Zeit); kahnig, trübe werden?
=umme-loper,= Hausierer; Vagant, Landstreicher.
=umme-lopich,= girovagus.
=umme-maken,= anders machen, ändern.
=umme-meien,= niedermähen.
=umme-meten,= jedem einer Menge sein Teil zumessen.
=umme-muren,= mit einer Mauer umziehen.
=umme-nemen,= umarmen; jur. belangen, bestricken.
=umment,= jemand.
=ummen-trent= = ummetrent.
=umme-packen,= anders verpacken, verladen.
=ummer,= s. iomer.
=umme-riden,= den Umritt halten; trans. umreiten.
=umme-ringen,= umzingeln, einschliessen.
=umme-rink,= Umkreis; der Ring, in dem die Münzen geprägt werden.
=umme-roren,= girare, circumvolvere.
=ummers (ummes?),= immer, immerhin.
=ummer-tô,= immerfort, unausgesetzt.
=umme-sat,= (Umsatz) Tausch.
=umme-sate,= der Umsasse, d. h. der ringsum wohnende, Nachbar.
=umme-scheden,= überschatten.
=umme-schicht,= Wechsel in bestimmter Reihenfolge.
=umme schicht,= adv. abwechselnd, eins ums andere.
=umme-schinen,= st. v. umglänzen, umstrahlen.
=umme-schortelse,= perizoma, Schürze.
=umme-schowen,= den gesellen, den Gesellen der Reihe nach bei den Meistern mit der Anfrage nach Arbeit herumführen.
=umme-schrank,= n. Befriedigung, Umhegung.
=umme-segelen,= einen anderen Segelkurs einschlagen.
=umme-seggen,= der Reihe nach ansagen.
=umme-sên,= circumspicere, zurückblicken, umherschauen, auch refl.
=umme-sende-wîn,= Wein zum Umhersenden, z. B. bei benachbarten Fürsten.
=umme-sete, -setelilnk, -setene= = ummesate.
=umme-setten,= 1. um-, versetzen. 2. übersetzen. 3. vertauschen.
=umme-settinge,= obsidium; Umtausch.
=umme-sichtich,= umsichtig, circumspectus.
=umme-cirkelen,= umzirkeln, ringsum abgrenzen.
=umme-slach,= 1. Umschlag, andere Wendung. 2. Tausch, Wechsel. 3. Umsatz von Waren gegen Geld oder umgekehrt, Geldgeschäfte, Handel; Markt, Messe. 4. concr. was man um eine Sache schlägt, Umschlag (eines Buches, Warenballens etc.).
=umme-slân,= 1. intr. umschlagen, umkippen; Wandel, Veränderung erleiden; sich (seine Meinung) ändern. 2. trans. umschlagen, umhauen; *blade,* blättern; *de trummel,* die Trommel überall umher rühren lassen (z. B. zur Werbung); öffentlich bekannt machen; verkaufen.
=umme-sniden,= im Kreise beschneiden.
=umme-spreken,= jem. durch Sprechen umstimmen; intr. anders als zuvor reden?
=umme-sprekinge,= ambago.
=umme-stân,= herumstehen.
=umme-standich, -stendich,= umständlich, eingehend, weitläuftig.
=umme-standicheit, -stendicheit,= Umständlichkeit, genaue Bestimmung aller Umstände, Weitläuftigkeit; Umstand, genaue Beschaffenheit.
=umme-standinge,= das Herumstehen; circumstantia.
=umme-stant,= m. Umstand, d. h. die (um das Gericht oder den Gerichtsvorstand) herumstehenden Personen.
=umme-steken,= umstechen, stechend umschütten (den Hafer).
=umme-stenders,= die Herumstehenden.
=umme-stickelse,= die Stickerei um etwas.
=umme-stolpen,= umstülpen, umkehren.
=umme-storten,= umfallen; trans. umwerfen.
=umme-strate,= Nebenstrasse, Seitenweg.
=umme-striden,= rings umher bekämpfen.
=umme-sus (-alsus),= adv. umsonst: vergebens; unentgeltlich.
=umme-swengen,= intr. sich drehen, sich schwenken.
=umme-swingen,= trans. umschwingen (beim Tanze); umgeben, umschlingen, umschweben.
=umme-tellen,= der Reihe nach zählen; anders rechnen?
=umme-tên,= 1. trans. *girare, evertere;* um etwas herum gehen, fahren etc.; herumziehen, -kriegen, auf seine Seite bringen; umwerfen. 2. intr. zurückkehren; bildl. Umzug, Umschweife machen.
=umme-toch,= m. =-tucht,= _f.? 1. Umzug, Umgang, z. B. des Rates oder Gerichts zur Besichtigung, Pfändung etc. 2. Umschweif, Winkelzug; *sunder ummetoch,* ohne Verzug._
=umme-toge,= st. m. = ummetoch 2.
=umme-treden,= umtreten, tretend umstürzen.
=umme-trent, um-trent, -trint, -trant= (= umme den trent), adv. u. präp. 1. räumlich: ringsherum. 2. modal: so darum herum, ungefähr (namentl. bei Zahlen).
=umme-triselen,= sich überschlagend, sich drehend fallen, umtaumeln.
=umme-tunen,= umzäunen.
=umme-vallen,= trans. um jem. herum fallen, umzingeln; intrans. umfallen, -stürzen.
=umme-vân, -vangen,= umarmen; einfassen; umhüllen.
=umme-vank,= Umarmung; Kreis, Umfang; *der sunden,* Verstrickung in Sünden.
=umme-varen,= trans. herum-, umfahren.
=umme-vaten,= umfassen.
=umme-vore,= Abweichung von der Heerstrasse, bes. Ausfuhr von Getreide etc. mit Umgehung eines Stapelplatzes.
=umme-voren,= vom rechten Wege abführen, verleiten, täuschen.
=umme-wank,= Umhergehen, Einherschreiten.
=umme-wenden,= abändern, anders wenden; Part. *ummewent,* anderes Sinnes.
=umme-werpen,= 1. trans. herum, nach einer andern Seite werfen; umwerfen; (einen Ritter) vom Pferde werfen = *nedderwerpen;* herumwerfen (beim Tanze). 2. mit ausgelassenem Obj.: (das Pferd) herumwerfen, wenden; (den Wagen) umwerfen. 3. intrans., fig.: anders Sinnes werden?
=umme-wesen,= trans. umgeben.
=umme-windelen,= girare; umme-windelik, giratus.
=umme-wringen,= herumdrehen.
=un-= _(vor Lippenlauten meist *um-* geschrieben), untrennb. Praefix »un-«; über die Bedeutung s. Höfer in der Germania 14, 203._
=un-= = in-, z. B. *unbuten, unwech;* s. en-.
=un-= = unt-, z. B. *unbreken, undelen;* s. ent-.
=un-acht,= f. Verachtung, Vernachlässigung, Niedrigkeit.
=un-achten,= verachten, geringschätzen.
=un-achtlik,= 1. was hoch zu achten ist, unschätzbar. 2. verächtlich, niedrig.
=un-achtsamheit,= Misachtung, Vernachlässigung.
=un-achtsamlike,= adv. unachtsam, gleichgültig.
=un-adel,= adj. nicht von Adel. (? subst.?)
=un-afbroklik= m. Dat., ohne Abbruch, Nachteil für.
=un-aflâtlik,= unvertilgbar.
=un-angesên dat,= ohne Rücksicht darauf dass.
=un-angespraket,= unbelästigt von Rechtsansprüchen.
=un-anname,= nicht angenehm, unbeliebt.
=un-ardich,= von schlechter Beschaffenheit; bösartig, ungesittet; adv. unardichliken.
=un-ardicheit,= Bösartigkeit, Rohheit.
=un-art,= f. Unart, böse Sitte.
=un-artliken,= adv. ungesittet, roh.
=un-barachtich,= nicht Frucht tragend, unfruchtbar.
=un-barm(e)hertich,= unbarmherzig, grimmig, strenge; adv. unbarmhertliken.
=un-barmliken,= adv. unbarmherzig.
=un-bate,= Nachteil, Schaden.
=un-batelik (-betlik),= nicht helfend, nutzlos, schädlich.
=un-beandet,= unausgesprochen, unbesprochen?
=un-beanxtet,= ohne Gefährdung oder Besorgnis.
=un-bebuwet,= ohne Gebäude (v. e. Platze).
=un-bedacht,= 1. unverdächtig. 2. u. *unbedechtich,* unbedachtsam; unbedacht, unüberlegt; adv. unbedechtlike.
=un-bedegen,= ungedeihlich, ohne Segen, erfolglos.
=un-bedeidinget= = unbedinget.
=un-bedêlet,= 1. nicht abgeteilt, der seinen Teil nicht erhalten hat. 2. unteilhaftig, expers.
=un-bedelik,= imprecabilis.
=un-bederve (-darve, -dorve),= untüchtig, schwach, ungeschickt, *improbus; ein unbederve wîf, meretrix; unbederfliken,* unnützer, verkehrter Weise.
=un-bedervicheit,= Untüchtigkeit, Ungeschicklichkeit, improbitas.
=un-bedien,= misglücken, fehlschlagen.
=un-bedinget,= nicht mit Rechtsgründen angegriffen, unangefochten.
=un-bedoret,= nicht genarrt, nicht getäuscht.
=un-bedrêchlik,= probus, benivolus.
=un-bedrogen= edder simpel, entfoldich, simplex.
=un-bedrungen,= freiwillig.
=un-bedwungen,= nicht gezwungen, freiwillig; adv. unbedwungens (modes).
=un-begavet,= unbeschenkt.
=un-begeven,= 1. m. Gen., ohne Verzicht auf. 2. unverheiratet.
=un-begnaget,= unbenagt.
=un-begordelt,= ungegürtet.
=un-begraven,= unbeerdigt, unbestattet.
=un-begrepen,= nicht getadelt, *irreprehensus;* von Zeitangaben: nicht auf einen bestimmten Tag, ungefähr.
=un-begreplik,= adv. über alle Begriffe, überaus.
=un-begripelik,= unfassbar; unbegreiflich gross, unzählig.
=un-behach,= Unbehagen, Misfallen, Zwist.
=un-behalet,= unverbunden, unverstrickt.
=un-behelpelik,= zu nichts helfend, nützend, vergeblich.
=un-behende,= was sich nicht gut handhaben lässt, unförmlich; unpassend, grob, ungeschickt.
=un-behêrt,= unbändig.
=un-beholtlik,= m. Gen. nicht mit einbegriffen.
=un-behôrlik,= ungehörig, ungebührlich; adv. un-behôrliken.
=un-behôrsam,= Ungehorsam (u. adj.).
=un-behôt,= unbehütet unvorsichtig.
=un-behulpen,= nicht behülflich.
=un-behulplik= = unbehelpelik.
=un-behulpsem,= unbehülflich, ungeschickt.
=un-behuset,= nicht mit e. Hause besetzt, v. e. Platze.
=un-bekaut,= ignotus; innubea, innupta; unbekantheit, Unkenntnis.
=un-bekentlik,= unbekannt.
=un-bekindet,= kinderlos.
=un-beklaget,= nicht verklagt, ohne gerichtliche Klage.
=un-bekrodet, -krot,= unbelästigt, unbehindert.
=un-bekronet,= unangefochten, ohne Widerspruch.
=un-bekummeringe,= Behinderung, Beschränkung.
=un-bekummert,= ohne Kummer, unbelastet, frei, ungeschmälert.
=un-bekurret,= ohne Schelten u. Brummen.
=un-beladen=, unbeschwert.
=un-belast, -belastet, -belestet,= unbelastet; unbelästigt.
=un-belettet,= ungehindert.
=un-belevet,= der nichts erlebt hat, unerfahren.
=un-beloget,= ungestempelt.
=un-belônsam,= ohne Lohn, nicht lohnend.
=un-belotet,= ohne zu losen, unverlost.
=un-bemoyet,= unbelästigt, ungeschoren.
=un-benôchte= = ungenôchte.
=un-benodiget,= ungenötigt, ohne Zwang.
=un-benomet,= ungenannt.
=un-bequême,= unpassend, untauglich, unfähig; unbequem, unangenehm. Adv. unbequêmelik(en).
=un-bequêmicheit,= Unfähigkeit; Unzukömmlichkeit; Belästigung, Widerwärtigkeit etc., inconvenientia.
=un-beraden,= unbedachtsam; unversorgt; unverheiratet (v. Frauen).
=un-beredet,= frei von (gerichtlicher) Klage.
=un-bereit,= nicht bereitet, nicht vorhanden.
=un-berichtlik,= der sich nicht *berichten* lässt, hartnäckig in seinen Irrthümern verharrt.
=un-bericht(et),= nicht in Ordnung, ungeordnet; unverständig.
=un-berichtlicheit,= Unverbesserlichkeit.
=un-beropen,= unbescholten.
=un-berovet,= m. Gen. unberaubt.
=un-beruchtet= u. =-beruchtich,= nicht berüchtigt, unbescholten.
=un-beruwet,= unbereut; ohne Reue.
=un-berve= = unbederve.
=un-besat,= nicht mit Beschlag belegt; v. Grundstücken: ohne Bewohner, wüste.
=un-beschaffen,= ohne etwas ausgerichtet zu haben.
=un-beschêden, -bescheiden,= unabgesondert; ohne unterscheidendes Merkmal, nicht zu unterscheiden; übermässig, masslos; unverständig, rücksichtslos, ungebührlich, grob.
=un-beschêdenheit,= 1. Ungebührlichkeit, widerrechtliches, rücksichtsloses Benehmen. 2. Unverstand.
=un-beschêde(n)lik,= ungebührlich.
=un-beschêde(n)like(n),= adv. 1. ohne einen Unterschied zu machen, *indifferenter*. 2. unverständig, auf eine das (richtige) Mass nicht kennende Weise.
=un-beschediget, -beschadiget,= ungeschädigt.
=un-beschêdunge,= Unmass, Unmässigkeit.
=un-beschellik,= irreprehensibilis.
=un-beschempt, -beschimpet,= ohne Schimpf, Mishandelung.
=un-beschêt= = unbeschêdenheit.
=un-beschicket,= nicht passlich gestaltet, unförmlich.
=un-beschoren,= ungeschoren an Haar oder Bart.
=un-beschrîflik,= adj. unbeschreiblich gross.
=un-beschromet,= uneingeschüchtert.
=un-besecht,= unverleumdet.
=un-beseit,= unbesäet.
=un-besêndes,= adv. ohne es zu besehen.
=un-beset= = unbesat.
=un-beseten,= ohne festen Besitz, nicht ansässig.
=un-beslagen,= v. Kalk: ungelöscht?
=un-beslipet,= fig. ungeschliffen.
=un-beslotet,= ohne Schloss (castrum).
=un-besmittet,= unbefleckt, rein.
=un-besocht,= nicht untersucht (visitiert); unaufgefordert, ohne gefragt zu sein; unerfahren, adv. aus Dummheit.
=un-besochtheit,= Unerfahrenheit.
=un-besorget,= 1. nicht versorgt. 2. sorglos, ohne Gefahr befürchten zu müssen; ohne auf die Gefahr aufmerksam gemacht zu sein = unvorwaret.
=un-besperet,= ungehindert.
=un-besperinge,= Hindernislosigkeit, Freiheit.
=un-besproken,= 1. nicht verrufen, unbescholten, gut beleumundet. 2. ohne sich besprochen zu haben.
=un-bestadet,= unausgestattet.
=un-bestapelt,= nicht auf die gemeinsame Warenniederlage gebracht.
=un-bestêde= = unstêde.
=un-bestendich,= unbeständig.
=un-bestraffelik,= unsträflich, untadelhaft.
=un-bestrid(d)et,= unangefochten.
=un-besuchtet,= unbeseufzt, d. h. ohne Widerwillen, ungezwungen?
=un-beswaret,= unbelästigt, unbehelligt.
=un-betalet,= unbezahlt, ohne Lohn.
=un-betalinge,= Nichtbezahlung.
=un-betame,= ungeziemend.
=un-betinset,= nicht mit Zinsen belastet, nicht zinspflichtig.
=un-bevangen,= unverfänglich, ohne Nachteil oder Schaden? = unbegrepen?
=un-bevaret,= ohne Gefahr, gefahrlos.
=un-bevellich,= ungeschickt, unpassend.
=un-bevlecket,= _unbefleckt, unverletzt, in Ehren u. Würden. Subst._ unbevlecketheit.
=un-bevô(l)licheit,= Fühllosigkeit.
=un-bevô(l)lik,= nicht fühlend, gefühllos.
=un-bevreden,= sw. v. beunfrieden, den Frieden brechen.
=un-bevruchtende,= nichts befürchtend, unbesorgt.
=un-bevrundet,= _ohne Freunde, Verwandtschaft, von geringer Herkunft._
=un-bevunden,= unerfahren.
=un-bewane, -bewanelik, -bewanheit,= s. *unbewone* etc.
=un-bewaret,= _unbewacht, unbeschützt; *unbewaredes dinges,* ohne (die Ehre) verwahrt zu haben, ohne Verwahrungsbrief._
=un-bewegelik, -bewechlik,= unbeweglich; unverrückt.
=un-bewegen,= nicht gewogen, feindlich.
=un-beweget,= immotus.
=un-beweret,= nicht bewährt; apocriphus.
=un-bewendet, -went, -want,= übel angewendet, erfolglos, vergeblich, nutzlos.
=un-beweten:= mi u., ohne mein Wissen.
=un-bewiset gût,= Gut, in welches jemand nicht eingewiesen ist.
=un-bewist= = unbewust.
=un-bewollen,= unbefleckt, rein.
=un-bewone, -bewonen, -bewonet,= ungewohnt.
=un-bewonelik,= ungewohnt, ungewöhnlich.
=un-bewonheit,= Ungewohntheit.
=un-bewor(r)en= (-bewuren, -bewaren), ungehindert, frei; *u. sîn mit,* nichts zu schaffen haben mit; meist im jurist. Sinne = *sunder allerleige bewernisse,* unbelastet, ungehindert, frei v. rechtlichem Einspruch etc.; vom Gelde: gut, untadelhaft, gäng und gebe.
=un-beworet= = unbeworen.
=un-bewrecht,= ohne *wrechte,* Zaun, unbezäunt.
=un-bewust,= unbewusst, unbekannt; ahnungslos, unversehens.
=un-bilde,= n. Verkehrtheit, Unrecht, Unbill.
=un-bildelik, -billik,= u. =-bildich, -billich,= ungehörig, unrecht, unbillig. Adv. =un-bildichliken, -bilk(en).=
=un-billicheit,= Unbilligkeit, Ungerechtigkeit.
=un-blide,= nicht fröhlich, traurig.
=un-bôchlic,= vel stede, indeclinabilis.
=un-bodigen,= adv. nicht erbötig, nicht gehorchend.
=un-borlik,= ungebührlich.
=un-brekelik(en), -brokelik(en),= adv. unverbrüchlich.
=un-bundich,= nicht bündig, ungültig.
=un-dân,= nicht gethan; übel ausgeführt; als Adj.: misgestaltet, hässlich; im moral. Sinne: unedel, gemein.
=un-dank,= Undank; Ungeneigtheit, Unwille; *to u. nemen,* übel vermerken, unwillig aufnehmen. -- Gen. adv. *undankes,* ungern, wider Willen, unabsichtlich; *(mines) undankes,* wider (meinen) Willen.
=un-dank,= adj. undankbar; m. Gen. ohne Rücksicht auf, trotz, wider; *undankes modes,* unvorsätzlich, versehentlich.
=un-dankens= = undankes, s. undank.
=un-dankbar,= undankbar.
=un-dankberheit,= Undankbarkeit.
=un-dankname, -nême,= undankbar.
=un-danknamich, -danknêmich,= undankbar; wofür man nicht dankt, unangenehm.
=un-danknamicheit,= Undankbarkeit.
=un-danksamich,= undankbar.
=un-dât,= Unthat, Frevelthat; das *corpus delicti* (z. B. die gestohlene Sache).
=unde (ende, inde),= conj. und; dient zur Verknüpfung von Wörtern u. Sätzen jeder Art; *wer -- unde,* ob -- oder.
=un-dechtich,= uneingedenk.
=un-dechtlik,= unvordenklich.
=un-dêder,= der Unthaten verübt; adj. undêdich.
=un-dege,= Ungedeihen, Nachteil, Verderben.
=un-degelik,= kein Gedeihen habend oder bringend, untüchtig.
=un-dê(l)lik,= unteilbar, atomus; u. tîd, instans.
=un-dêlsam,= individuus, incomputabilis.
=unden(e),= adv. unten.
=un-dên(e)st,= n. Undienstwilligkeit; Schaden, Nachteil.
=un-dêpe, -deipte,= Untiefe, seichte Stelle.
=under,= 1. präp. m. Dat. u. Acc., räuml.: unter, unterhalb; nautisch: auf der (die) Höhe von, angesichts, engl. *off;* v. Rang, Gewalt, Herrschaft, Besitz: unter; zeitl.: bei, binnen, während; in (aus) der Mitte, zwischen; *under (e)n ander(en), under ander,* unter (mit) einander, einander; *wi under uns beiden,* wir beiden zusammen; (adv.) m. Gen.: *u. des,* unterdessen, inzwischen; *u. ênes, êniges, ein,* ununterbrochen, hinter einander, in einer Reihe; *u. dakes,* unter Dach; *u. waters,* unter Wasser. 2. adv. unter, unten, zwischen; *van under up,* von unten her.
=under-,= mit Subst., die ein Amt bezeichnen, gibt den an, der unter einem andern steht, der zweite nach ihm ist, ihn vertritt.
=un-dêr,= Untier.
=under-barm,= Unterhefe (auch bloss *barm; gest,* Oberhefe).
=under-beholden,= im Besitz behalten, zurückbehalten.
=under-berichten,= unterrichten.
=under-beschêdinge,= Bestimmung, Bedingung.
=under-bode,= der eine Botschaft von einem zum andern trägt.
=under-bogen,= unterbiegen, -werfen.
=under-breken,= mit Gewalt wegnehmen oder bezwingen, unterwerfen, unterdrücken.
=under-breker,= Bezwinger.
=under-brekinge,= _Unterdrückung, gewaltsame Hinderung oder Wegnahme._
=under-bringen,= bezwingen, unterjochen.
=under-buwen,= fig. eine Angelegenheit betreiben, damit sie zu festem Abschluss komme.
=under-dak,= Dach, unter das man zum Schutze tritt.
=under-dân,= unterthan, -geben, -worfen.
=under-danich, -dênich= = underdân; unterthänig, ergeben, gehorsam; adv. -lik(en).
=under-danicheit, -dênicheit,= Unterthänigkeit, rechtliche Abhängigkeit; die Gesamtheit der Unterthanen; Ergebenheit, Gehorsam.
=under-danigen,= sw. v. *sik,* sich unterwerfen.
=under-degedingen,= sw. v. durch Verhandlungen schlichten; überh. verhandeln.
=under-degedink,= (Friedens)verhandlung.
=under-denken,= sw. v. erdenken, erfinden.
=under-dôn,= intromittere; _unterwerfen, *subdere; sik u.* mit Gen., sich einer Sache unterwinden, sich anmassen, sie übernehmen._
=under-drucken,= unterdrücken, bezwingen, vernichten.
=under-druckinge,= Unterdrückung, Vergewaltigung.
=under-duken,= untertauchen; refl., sich untertauchen.
=under-dwingen,= unter sich zwingen, unterwerfen.
=under-erdisch,= unterirdisch; *de under-erdischen,* die Zwerge, Gnomen, Elfen.
=under-gân,= 1. unter etwas gehen; bildl. eingehen auf, sich verstehen zu, übernehmen, auf sich nehmen. 2. hemmend entgegentreten, versperren, abschneiden; vermitteln. 3. über jem. kommen, über-, befallen. 4. intr. von einem zum anderen gehen, hin und her gehen.
=under-gank,= Untergang, Verderben.
=under-genger,= Unterhändler, Vermittler.
=under-geven,= sik, 1. sich ergeben. 2. sich gegenseitig etwas geben.
=under-graven,= etwas untergraben, damit es einstürze.
=under-gripinge,= intercapedo.
=under-grunt,= Untergrund, Fundament.
=under-halen,= wegholen, weg-, benehmen.
=under-handelinge,= Unter-, Verhandlung.
=under-hebben,= unter sich haben, in Besitz, Bebauung etc.
=under-hevenisse,= vicissitudo.
=under-hiliken,= unter einander, gegenseitig, heiraten.
=under-holden,= 1. unter sich, nieder halten, in Zwang halten, unterdrücken. 2. festhalten, bei sich behalten (nicht herausgeben); von Personen auch: beherbergen. 3. schützen, beschirmen; bewahren, erhalten. 4. unterhalten, Kost und Nahrung geben.
=under-holdinge= u. =-holt,= Erhaltung, Schutz.
=under-holt,= Unterholz.
=under-horen,= subaudire; verhören, untersuchen.
=under-horich,= gehorsam, unterthänig.
=under-horicheit,= Gehorsam.
=under-huren,= heimlich, ohne Kenntnis des Beteiligten heuern, mieten.
=under-hûs,= Unterhaus: Keller?
=under-kantnisse,= Erkenntnis.
=under-komen,= 1. dazwischen kommen, hemmen, hindern. 2. unterbleiben; untergehen, verkommen. 3. ausser sich kommen, erschrecken, zusammenfahren.
=under-kôp,= Vorwegkauf, Kauf unter der Hand; Makelei, Zwischenhandel.
=under-kopen,= vorwegkaufen.
=under-koper,= Zwischenhändler, Mäkler.
=under-krigen,= überwältigen.
=under-kussen,= refl. sich gegenseitig küssen.
=under-lage,= f. 1. das Unterliegen, Niederlage. 2. Unterlage eines Baues, Fundament; Querholz für die Schusswaffe in der Schiessscharte.
=under-lank, -langes, -langen, -lange,= adv. unter einander, gegenseitig.
=under-lankliken= = underlank.
=under-lât,= 1. Unterlass, Aufhören, Pause; Verzug; mal *(= werve)?* 2. Gelass, unter das man zum Schutze tritt, Scheune.
=under-laten,= 1. unterlassen. 2. auf-, überlassen, -geben.
=under-legen (?),= verschieden, diversus.
=under-licken,= refl. sich gegenseitig lecken.
=under-liggen,= unterliegen.
=under-linge= = underlank; auch adject.
=under-list,= Hinterlist.
=under-lopen,= laufend benehmen, versperren.
=under-machten,= sik, sich anmassen.
=under-mâl,= Mittagsessen, merenda (undern-mâl?)
=under-manebrêf,= Erinnerungsschreiben.
=under-manen,= ermahnen, erinnern.
=under-maten,= sik, sich anmassen, übernehmen, in Gewalt u. Besitz nehmen (nicht immer mit der Nebenbedeutung des Widerrechtlichen); sich vermessen, unternehmen.
=under-mengen,= mischen, vermengen.
=under-mêster,= Unterlehrer.
=under-midde,= mank, twisschen, inter.
=under-middel, -middelich,= intermedius.
=under-minnen,= gegenseitig lieben.
=under-mowe,= enger Aermel unter einem weiteren.
=undern,= Mittag; *underen-brôt,* Mittagsessen.
=under-nemen,= 1. abschneiden, unterbrechen, hemmen. 2. wegnehmen, wegfangen. 3. festsetzen, bestimmen. 4. vernehmen. -- Refl. sich unterwinden; *mit worden,* sich besprechen.
=under-pant,= Unter-, Sicherheitspfand.
=under-proven,= sw. v. erproben, durch Prüfung erkennen.
=under-rede,= Unterredung, Besprechung.
=under-reden,= bereden, besprechen; refl. sich unterreden.
=under-richten,= 1. (strafend) zurechtweisen, Vorstellungen machen. 2. Kunde geben, belehren (m. Dat.)
=under-richter,= Zurechtweiser.
=under-richtinge,= Unterweisung, Auseinandersetzung, Anweisung.
=under-riden,= durch Reiten (Botschaftensenden) hindern oder ausrichten; refl. gegen einander reiten, ein Reitertreffen liefern.
=under-rok,= Leibrock.
=under-rucken,= verrücken, bei Seite schaffen.
=under-sat,= 1. Pfändung? Pfand? 2. eine Speise *(carnes)* (dem Kloster als Zins gegeben).
=under-sate,= Untersasse, Unterthan.
=under-sateschup,= Unterthanenschaft, Unterthänigkeit.
=under-schare,= das untere Ufer?
=under-schêde,= f. Auseinandersetzung, Schlichtung eines Streites.
=under-schêd(e)lik,= _verschieden, unterschiedlich; adv. *-e, -en,* auch: deutlich, genau, bestimmt._
=ûnder-schêden, -scheiden,= 1. unterscheiden, *distinguere.* 2. bestimmen, angeben. 3. richtig beurteilen und entscheiden.
=under-schêden,= unterschieden; verschieden, mancherlei.
=under-schêdenicheit,= Fähigkeit zu unterscheiden, Verstand.
=under-schêdere,= Schiedsrichter.
=under-schêdinge,= 1. Unterschied, Merkmal. 2. Bestimmung, Festsetzung, Bedingung. 3. Urteilskraft.
=under-scheren,= interradere.
=under-schêt, -scheit,= n. Scheidung, Unterbrechung; Unterschied, Verschiedenheit; *mit underschêde,* auf verschiedene Weise, entweder so oder so, nach Wahl; Bestimmung, Bedingung, Vorbehalt; Bescheid, Belehrung, Auskunft; Verständnis, richtige Abwägung einer Sache, gerechtes Urteil.
=under-schêten,= (durch ein *schot* trennen) absondern, trennen, teilen.
=under-schicken,= anstiften, aufhetzen.
=under-schot,= Wand, die einen Raum teilt, intercapedo, mediale.
=under-schriven,= unterschreiben, unterzeichnen.
=under-segelen,= zu nahe segeln an.
=under-seggen,= ansagen, gesprächsweise mitteilen; untersagen, verbieten.
=under-sên,= refl. sich gegenseitig ansehen.
=under-setten,= 1. untersetzen, festsetzen (durch eine Stütze). 2. bildl.: festsetzen, bestimmen, anordnen, anstiften, betreiben.
=under-settinge,= 1. Unterstützung. 2. Anstiften, Veranstaltung. 3. Verpfändung, Unterpfand.
=under-singen,= subcantare, succinere, tenorare.
=under-singer, -senger,= succentor, tenorista.
=under-slach,= trabale, sustentaculum.
=under-slân,= unterschlagen, bei Seite schaffen.
=under-sluten,= verschliessen, versperren.
=under-sniden,= abschneiden; Gewand beim Zuschneiden mit andern Stoffen mischen, bunt zusammensetzen.
=under-socht,= versucht, erfahren.
=under-soken,= unter-, versuchen.
=under-sprake,= Besprechung.
=under-spreken,= 1. mit einander besprechen; refl. in freundl. oder feindl. Wortwechsel kommen, sich besprechen mit. 2. widersprechen.
=under-stân,= 1. unter etwas treten, um es zu übernehmen oder auszuführen, wagen; refl. sich unterwinden, sich erdreisten, wagen. 2. um etwas zu hindern, hemmen; refl. sich widersetzen. 3. verstehen, merken.
=under-standinge,= das Dazwischentreten, Interposition.
=under-stant,= Hülfe, Beistand.
=underste,= Sup. zu *under,* unterste, niedrigste; *dat u., infernus,* Hölle.
=under-stêdigen,= bestätigen.
=under-steken,= 1. drunter stecken. 2. verstecken, vertuschen; durchstechen, heimlich veranstalten.
=under-stekinge,= Unterstecherei, Betrügerei.
=under-stouwen,= unterbringen, worunter aufhäufen, wegstauen.
=under-stunden,= zu Zeiten.
=under-stutte,= Stütze, Unterlage.
=under-stutten,= Stützen untersetzen.
=under-tasten,= untersuchen. Subst. undertastinge.
=un-dêrte,= n. Untier.
=under-tên,= 1. beziehen, (Zeug) füttern. 2. entziehen, wegziehen, beseitigen, unterschlagen, verschweigen.
=under-tiden,= zu Zeiten.
=under-treden,= niedertreten, fig. unterdrücken; intr. herunter treten, -kommen; unterschlüpfen, Unterschlauf suchen?
=under-troie,= Unterjacke.
=under-truwen,= Untertreu halten, sich verloben.
=under-twischen, -tuschen,= unter einander; unterdessen, inzwischen.
=under-vân, -vangen,= hemmend dazwischen treten, hindern, vereiteln, parieren.
=under-varen,= erfahren.
=under-vinden,= 1. untersuchen. 2. befinden (durch Untersuchung), ausfindig machen, erfahren.
=under-vindinge,= Erfahrung.
=under-vôt,= Untersatz, Basis.
=under-vragen,= erfragen, fragen.
=under-wassen,= gegenseitig erwachsen, entstehen.
=under-wassen holt,= Unterholz.
=under-wege(n),= unterwegs; u. laten, übergehen, unterlassen, in Stich lassen.
=under-weldigen,= sik, sich der Gewalt anmassen.
=under-werpen,= unterwerfen, -jochen; refl. sich ergeben.
=under-wilen, -wiles,= zuweilen.
=under-winden (-winnen),= sik (mit Gen., selten *van* oder Acc.) angreifen, erfassen; eine Sache übernehmen, sei es in Güte oder mit Gewalt (sich bemächtigen), mit Recht oder Unrecht.
=under-windinge,= Übernahme, Besitzergreifung.
=underwint (-win),= Übernahme irgend eines Geschäftes.
=under-wisen,= belehren, zurechtweisen; anweisen (befehlen oder verbieten).
=under-wisinge,= Unterweisung, Unterricht.
=under-wiver,= unterirdische Weiber, Elbinnen?
=un-dicht,= undicht, v. Holz: nicht kernig; bildl. unzuverlässig.
=un-dingliken,= nicht dem Dinge (Gericht) gemäss.
=un-dogedelik, -dogelik, -dogentlik,= untauglich, unnütz, tadelnswert, unredlich.
=un-dogende,= nichts taugend.
=un-dogesam,= untauglich.
=un-doget,= Untugend, Laster.
=un-dorvarlik,= unerforschlich.
=un-drachlik (-drachtlik), -drechlik= = undregelik.
=un-drechticheit,= Unfruchtbarkeit.
=un-dregelik, -dragelik,= unerträglich, unausstehlich.
=un-drepliken,= adv. nicht zutreffend, unpassend, verkehrt.
=un-duchtich,= nichts taugend, schlecht.
=un-dudesch, -dûtsch, -dûsch,= undeutsch; unverständlich.
=un-dûflike,= ohne zu stehlen.
=un-duldich,= ungeduldig, unzufrieden, ungehalten.
=undult,= f. Ungeduld, die Unfähigkeit etwas ruhig zu ertragen, Unmut, Mismut.
=un-dupe,= f. Untiefe, Seichtigkeit.
=un-dure,= nicht teuer, wertlos.
=un-durich= = ungedurich.
=un-ê= = unechte, n.
=un-echt(e),= 1. rechtlos. 2. unfrei; gemein, verworfen. 3. unehelich. 4. von Bäumen: *unecht holt,* unfruchtbar, ohne Nutzen, nur zur Feuerung dienlich.
=un-echt(e),= n. Unrecht-, Ungesetzmässigkeit, bes. ungesetzliche (wilde) Ehe, Concubinat.
=un-echteschop= = unechte.
=un-e(d)del(e),= nicht von Adel, von niedriger Herkunft; bildl. niedrig; gemein.
=un-e(d)delheit, -eddelicheit,= niedrige Geburt; bildl. Niedrigkeit, Gemeinheit.
=un-effen= = uneven.
=un-eindracht,= Zwist.
=un-eindrechtich,= zwistig; adv. unêndrachtliken.
=un-eintalinge,= Zwietracht.
=un-ende,= Erfolglosigkeit, Zwecklosigkeit, Verkehrtheit.
=un-endelik, -entlik,= unendlich, zahllos; zu keinem Ende führend, erfolglos, unnütz; säumig, träge; nichtswürdig, frivol.
=un-endich,= nicht zum Ende, Ziele führend, zwecklos; ohne Ende, unendlich; adv. *unendigen,* nicht zu Ende kommend, säumig.
=un-enket,= ungenau.
=un-êns,= adv. uneinig.
=un-ênsen,= refl. sich veruneinigen, sich entzweien.
=un-entlosset,= unentladen, v. Schiffen.
=un-entscheiden,= unentschieden.
=un-entseget, -secht, -sacht,= ohne Fehde angesagt, den Frieden aufgekündigt zu haben; *unentsegedes dinges,* ohne die gerichtliche Verhandlung angesagt zu haben.
=un-entveret, (-vernet),= nicht abhanden gebracht, sicher; ebenso: unentvernelik.
=un-êrbar,= unehrenhaft, gemein, schamlos; adv. unêrberlike.
=un-êrbaricheit,= Unanständigkeit, Schamlosigkeit.
=un-erbuwet,= nicht erbaut, nicht fest (im relig. Sinne).
=un-êre,= Unehre, Schimpf, Schande, Kränkung, Schmach.
=un-êren,= sw. v. nicht ehren; in Schande bringen, beschimpfen; entehren, schänden.
=un-êringe,= Misachtung.
=un-erkentenisse,= Unkenntnis.
=un-êrlik,= nicht die volle bürgerliche Ehre geniessend; unehrenhaft, unanständig, ungebührlich; Unehre bringend, schimpflich; adv. unêrliken.
=un-êrsam,= unehrbar, schimpflich, schändlich.
=un-ersocht,= nicht versucht.
=un-esch,= s. un-nasch.
=un-even,= uneben, rauh; ungleich, ungleichmässig; ungerade; unpassend, unbequem; misfällig; adv. unevene.
=un-evenheit,= fig. Unangemessenheit, Mangelhaftigkeit, Misfälligkeit.
=un-gar,= nicht gar, mangelhaft gekocht; schlecht bereitet (v. Leder).
=un-geachtet,= 1. nicht »in die Hand *geachtet«, s. achten.* 2. misachtet; *ungeachtetheit,* Verachtung.
=un-gebeden,= nicht gebeten, aus freien Stücken.
=un-gebêr(e), -bêrde,= n. übles Gebahren (des Klagens, des Zornes etc.).
=un-gebetert,= ungebessert, unverbessert.
=un-gebichtet,= ohne Beichte.
=un-geblêket,= ungebleicht.
=un-geblotet,= nicht entblösst, unverwüstet.
=un-geboket,= nicht durch Klopfen weich gemacht.
=un-geboren,= niedrig geboren, ignobilis.
=un-geborlik,= ungebührlich.
=un-gebrant,= nicht gebrannt (v. Kalk).
=un-gebrokelik,= unverbrüchlich.
=un-gebroken,= ungebrochen, fest.
=un-gebrudet,= ungeneckt.
=un-gebrûk,= nicht übliches Verfahren, Misbrauch, Unrecht.
=un-gebunden,= ungefesselt.
=un-gebuwet,= nicht beackert.
=un-gedaget,= unverhandelt.
=un-gedân= (= un-dân), hässlich.
=un-gedânte,= f. Ungestalt.
=un-gedechtich,= immemor.
=un-gedelik,= nicht passend.
=un-gedeilet,= ungeteilt, ungetrennt, ganz.
=un-gedelliget,= nicht getilgt, unversehrt (v. Schrift).
=un-gedicht,= nicht erdichtet, ungeheuchelt.
=un-gedie,= Nichtgedeihen, Nachteil, Schaden.
=un-gedôchsam,= nicht fähig zu leiden, ungeduldig.
=un-gedrungen,= nicht gedrängt, freiwillig.
=un-gedrunken,= ohne zu trinken, getrunken zu haben.
=un-gedult= = undult.
=un-gedurich,= 1. nicht dauernd, hinfällig. 2. nicht ertragend, ungeduldig.
=un-gedwagen,= ungewaschen.
=un-gedwungen,= nicht gezwungen, freiwillig.
=un-geendiget,= nicht beendigt, ohne Entscheidung.
=un-geêschet,= ungeheischt, unaufgefordert.
=un-gegeten,= ohne zu essen, gegessen zu haben.
=un-gegort,= incinctus.
=un-gegraven,= inhumatus.
=un-geguiden,= unbezahlt, ohne dass man den Wert bezahlt.
=un-gehangen,= ungehängt.
=un-gehavent,= nicht zubereitet, nicht verarbeitet (v. Leder).
=un-gehêten,= ungeheissen, nicht befohlen.
=un-gehiet,= ungeneckt.
=un-gehindert,= unbehindert.
=un-geholden,= 1. nicht im Zaum gehalten, zügellos. 2. unverpflichtet, unverantwortlich.
=un-geholet,= nicht durchlöchert.
=un-gehopelicheit,= Plötzlichkeit, Unverhofftheit.
=un-gehôrsam,= ungehorsam.
=un-gehôrsam,= m. =-gehôrsamicheit,= f. Ungehorsam.
=un-gehôrt,= nicht gehört; unerhört, bisher unbekannt.
=un-gehovet,= nicht höfisch, unfein.
=un-gehûr(e),= n. Wildheit, Ausschweifung.
=un-(ge)hure,= 1. unfreundlich, unlieblich, unhold; unbändig, ungestüm, wild. 2. von übermässiger (unheimlicher) Grösse u. Gestalt. 3. *de un(ge)huren,* böse Geister (Alp), Unholden.
=un-gehuset,= ohne Behausung.
=un-gejaget laten,= unbelästigt, in Ruhe lassen.
=un-gekornet,= v. Pferd: nur mit Gras, nicht mit Hafer gefüttert?
=un-gekrampet,= mit einer Krampe nicht versehen.
=un-gekrodet, (-gekrudet, -gekrot),= unbelästigt.
=ungel,= n.? Talg, Unschlitt.
=un-gelage, -gelêge,= f. Ungelegenheit, üble Lage.
=un-gelât,= n. Ungestalt, hässliches, unangemessenes Betragen.
=un-gelaten,= unbescheiden, ungebührlich.
=un-gelatenheit,= Unbescheidenheit.
=un-gelder,= Steuererheber, coactor.
=un-gelegen,= ungelegen, unpassend, unbequem.
=un-gelegenheit,= üble Lage.
=un-geleidet,= ohne Geleit.
=un-gelemet,= nicht gelähmt.
=un-gelenke,= habitu incultus.
=un-gelent (= lendet),= unvollendet.
=un-gelêr(e)t,= ununterrichtet, ungelehrt.
=un-gelettet,= ungehindert; ohne Zögerung, unverweilt.
=ungel-grope,= Talgfass.
=un-gelîdsamicheit,= Ungeduld.
=un-(ge)lîk,= 1. ungleich, *impar;* von Personen: zwistig, streitend. 2. ungerecht, unrechtfertig. Adv. *ungelike,* beim Comparat.: unverhältnismässig, ganz bedeutend.
=un-(ge)lîk,= n. =-(ge)like,= f.? Ungleichheit. 2. Unrecht.
=un-gelîkheit,= Ungleichheit, Ungleichmässigkeit.
=un-gelimet,= nicht geleimt.
=un-(ge)limp,= m. =-(ge)limpe,= n. unangemessenes Betragen, Unzuträglichkeit, Schimpf, Schande.
=un-(ge)limp(e)lik,= unangemessen, unziemlich, schmachvoll; adv. un(ge)limpliken.
=un-gelinge,= Mislingen; Mishelligkeit?
=un-(ge)love,= sw. m. 1. Un-, Aberglaube; Heidentum, Ketzerei. 2. Untreue, Verrat, Betrug; Mistrauen, Miscredit.
=un-(ge)love,= adj. ungläubig.
=un-(ge)lovelik, -(ge)lôflik,= 1. unglaublich. 2. untreu, treulos.
=un-(ge)lovelicheit,= Untreue, Treulosigkeit.
=un-(ge)lovesam,= unglaubwürdig. Subst. ungelôfsamheit.
=un-(ge)lovich,= ungläubig, abergläubig; unchristlich, heidnisch, ketzerisch. Subst. un(ge)lovicheit.
=un-(ge)lovisch,= ungläubig. Subst. un(ge)lovescheit.
=un-gelt,= n. eine Zahlung, für die es keinen Rechtsgrund gibt, die man noch über die Verpflichtung (oder den Wert der Ware) hinaus zahlt; dann aber Abgabe jeder Art, bes. Accise; Un-, Nebenkosten.
=un-gelucke,= n. Unglück. Adj. *ungeluckich.* Verb. imprs. ungelucken.
=un-gemak,= Unannehmlichkeit, Leid.
=un-gemak,= unbequem, lästig.
=un-gemant,= ungemahnt, ungefordert.
=un-gemannet,= ohne Mann (Witwe).
=un-gemeine,= nicht *meine* (verbrecherisch), vom Eide.
=un-gemeldet,= nicht gemeldet, verschwiegen.
=un-gemenge,= böse Anstiftung, Aufreibung?
=un-gemête,= unangemessen, unpassend.
=un-gemeten,= unermesslich, unbeschränkt.
=un-gemode,= n. Unwille, Misstimmung.
=un-gemoget, -gemoyet,= ungequält, unbelästigt.
=un-genade,= s. ungnade.
=un-genait,= ungenäht.
=un-(ge)name, -genême,= unangenehm, widerwärtig, verächtlich.
=un-genant,= einer, den man nicht würdigt, seinen Namen auszusprechen: einer aus dem Pöbel; hergelaufener Fremdling.
=un-genêget,= abgeneigt, abhold.
=un-geneselik,= unheilbar.
=un-genklik,= ungangbar.
=un-genôchlik,= was Misfallen erregt, unangenehm.
=un-genôchte (-nûchte),= f. (n.) Unbehagen, Misvergnügen, Unannehmlichkeit.
=un-genodet, -genôt,= ungenötigt, freiwillig; uneingeladen.
=un-genoge= = ungenôchte.
=un-genote,= Ungenosse, der geringeren Standes ist.
=ungent,= Salbe, Schminke, unguentum.
=un-genutte= = unnutte.
=un-geordinêrt,= ungeordnet, ungeregelt.
=un-geovet,= ungeübt; vom Acker: unbebaut.
=un-gepartet,= ungeteilt, unverteilt.
=un-gepiniget,= ungestraft.
=un-geplaget,= nicht geplagt, unbelästigt.
=un-geplanket,= ohne Planken, Bollwerk.
=un-geploget,= ungepflügt.
=un-geprovet,= nicht versucht, unerprobt.
=un-gepundet,= ungewogen, nicht nach Gewicht.
=un-gequesset,= unverletzt.
=un-gequicket= mit dranke, impotus.
=un-gerade,= 1. n. (böser) Zufall, Unfall, Ungefähr; Ungebührlichkeit, Ungehörigkeit. 2. adj. unglücklich.
=un-geraden,= nicht rätlich, unpassend.
=un-gerak,= n. = ungerade.
=un-geraket,= ungehörig, ungebührlich.
=un-gerât,= s. ungerade 1.
=un-gerechtigen,= adv. ungerecht.
=un-gerêde,= n. = ungerade.
=un-gericht,= der ein Verbrechen begeht, missethäterisch.
=un-gerichte,= _n. was nicht recht u. richtig ist, Unrecht, Vergehn, Verbrechen. Friedebruch; *mit richte un u.,* mit aller Gerichtsbarkeit._
=un-gerinket,= nicht mit *rinken* (Schnallen) zugemacht, nicht zugeschnallt.
=un-gerne,= adv. ungerne.
=un-gert,= ungegerbt.
=un-geruchte,= infamia.
=un-gerustich,= unruhig.
=un-geschadet,= unbeschädigt, ohne Schaden.
=un-geschaffet,= unverrichteter Sache.
=un-geschamfêrt,= unversehrt.
=un-geschapen,= nicht erschaffen; misgestaltet, hässlich.
=un-geschattet,= dem kein (Löse)geld auferlegt ist.
=un-geschêden,= unentschieden.
=un-geschepet,= nicht verladen, nicht verschifft.
=un-(ge)schicht,= 1. Unfall, Zufall. 2. Unthat, was nicht geschehen sollte.
=un-geschicket,= was ohne Schick ist, ungeordnet; unmanierlich, unschicklich; *mit,* ungerüstet, nicht versehen mit. Subst. ungeschicketheit.
=un-geschik,= n. Zufall.
=un-geschiklik,= ungeordnet, unpassend; ungesittet.
=un-geschoiet,= ohne Schuhe.
=un-geschoret,= unverletzt, unbelästigt.
=un-geschulden,= ungescholten.
=un-gesecht,= nicht gesagt.
=un-gesedich,= incompositus, ungesittet.
=un-gesegenet,= 1. (ohne den Morgensegen gesprochen zu haben,) eiligst. 2. ohne Segen u. Heil.
=un-(ge)sêriget,= unversehrt.
=un-gesiret, -gesciret, -getziret,= impolitus.
=un-geslipet,= ungeschliffen, roh.
=un-gesmittet,= ohne Flecken.
=un-gesneden,= v. Tuch: noch nicht zu Kleidung zugeschnitten.
=un-gesolten,= nicht gesalzen.
=un-gespannen,= nicht in (Fuss)fesseln gelegt.
=un-gespar(e)t,= nicht gespart, nicht geschont, reichlich; ohne zu säumen; *ungespardes flites,* mit möglichstem Fleiss.
=un-gesproken,= (act.) nicht sprechend, stumm; *mit,* ohne gesprochen zu haben mit.
=un-gestadich,= unbeständig.
=un-(ge)stalt, -gestelt,= übel beschaffen, verunstaltet; unfähig (krank); ungestalt, hässlich.
=un-gestalt,= übles Aussehen, üble Lage.
=un-gestorme,= n. *-gestormicheit,* Sturm, Ungestüm.
=un-gestorven,= nicht gestorben; fig. den Lüsten, der Welt noch nicht abgestorben. Subst. ungestorvenheit.
=un-gestot, -gestoten,= _nicht gestossen, fig. nicht beleidigt; (act.) nicht anstossend._
=un-gestraffet,= nicht getadelt; tadellos.
=un-gestume,= ungestüm, lermend, heftig.
=un-gestûr(e), -gestûrlik,= ungestüm, stürmisch; zügellos, wild.
=un-gestûr(e),= n. Ungestüm, lermende, unziemliche Handlungsweise.
=un-gesumet,= ohne Verzug.
=un-gesundert,= ungetrennt.
=un-gesunt= = unsunt.
=un-getêkent,= nicht gezeichnet; ohne Beizeichen (v. Münzen).
=un-getelt,= nicht gezählt; unzählbar.
=un-getem(m)et,= nicht gezähmt, wild.
=un-getempert,= intemperatus.
=un-geterminêret,= ohne endgültige Feststellung.
=un-getimmeret,= inconditus.
=un-getogen,= ungezogen, zuchtlos, unartig; adv. -like.
=un-getogert,= unverzögert.
=un-getoset,= ungezauset.
=un-getovet,= nicht aufgehalten, frei.
=un-getruwe= u. =-getruwich,= ungetreu, treulos, verräterisch.
=un-getwidet,= nicht erhört; nicht gewährt.
=un-getwi(g)et, -twei(g)et,= 1. ungezweit, von Geschwistern, die volle, nicht halbe, Geschwister sind. 2. ungeteilt, von Gütern.
=un-getwivelt,= unbezweifelt, ohne Zweifel.
=un-geuppet,= ungemahnt, ungeahndet, unberührt.
=un-geutert,= nicht entäussert, nicht abgetreten.
=un-geval, -gevel(le),= n. Unfall, Unglück, Widerwärtigkeit.
=un-gevallen,= n. Misfallen.
=un-(ge)vallich, -vellich,= 1. unglücklich, schwach. 2. was nicht gefällt, hässlich, widerwärtig.
=un-gevallicheit,= Elend.
=un-gevârt,= ungefährdet, frei von der vare, den nachteiligen Folgen der Versäumung der Processregeln.
=un-gevastich,= nicht fest, unsicher.
=un-gêve,= was nicht gegeben werden soll und darf, nicht annehmbar, nichts wert; falsch (vom Gelde); ungesund (von Speisen, bes. Schlachtvieh).
=un-gevêliget,= nicht geschützt, ohne Sicherstellung.
=un-geverde,= n. 1. unpassierbare Stelle, unwegsame Gegend. 2. üble Art des Seins oder Benehmens.
=un-gevêrdet, -gevêret,= ohne Gefahr.
=un-gevêrlik,= adj. ohne Gefährdung, aufrichtig, ehrlich.
=un-gevêrlik(en),= 1. ohne Gefahr, ohne Nachteil. 2. ohne Gefährdung, ohne böse Absicht, ohne Betrug, ehrlich. 3. von ungefähr, zufällig. 4. ungefähr, etwa.
=un-geverwet, -gevarwet,= nicht gefärbt.
=un-gevinslik,= nicht verstellt, echt, ungeheuchelt.
=un-gevlomet,= nicht abgeschuppt (von Fischen).
=un-(ge)vôch= u. =-(ge)voge,= unangemessen, ungehörig; unschicklich, unhöflich, roh, gemein; wild, unmässig. Adv. un(ge)vôchlik, -like, -liken.
=un-(ge)vôch,= _n. m. (f.?) *-(ge)voge,* f. *-gevôchte,* f. Unfug, Unziemlichkeit, unangemessenes Betragen._
=un-gevôcheit,= castrimargia = ungevôch.
=un-gevore,= üble Lebensweise.
=un-gevoret,= ausschweifend.
=un-gewandelt,= 1. unverändert. 2. unverheiratet.
=un-gewapent,= nicht bewaffnet, wehrlos.
=un-gewaret,= 1. = *ungewarnet.* 2. = ungeweret.
=un-gewarnet,= ungewarnt, unbenachrichtigt; ohne sich auf etwas vorbereitet, sich einer Sache versehen zu haben.
=un-gewarschouwet,= ungewarnt.
=un-gewart,= der keine *ware* an der Mark hat, der die Mark nur aus Vergünstigung geniesst.
=un-gewaschen,= illotus.
=un-geweder(e),= n. Unwetter.
=un-gewegen,= nicht gewogen, ungünstig.
=un-geweilet,= nicht zerstäubt, nicht zerstreut?
=un-geweldich,= nicht in seiner Gewalt habend.
=un-gewercht, -gewrocht,= unverarbeitet.
=un-geweret,= nicht gewährt, nicht zugestanden, versagt.
=un-gewert,= ohne Landbesitz (= ungewart?).
=un-gewi(g)et,= nicht geweiht.
=un-gewis,= ungewiss, zweifelhaft; unzuverlässig, unberechenbar.
=un-gewon(e),= ungewohnt; ungewonen, insolescere.
=un-gewonte,= f. Ungewohntheit.
=un-geworen= = unbeworen.
=un-gewrocht= = ungewercht.
=un-gewroken= u. =-gewraket,= ungerochen, unbestraft.
=un-gewunnen,= 1. *lant,* unbestellt. 2. nicht erobert.
=un-(gifte), -gichte,= gesetzwidrige Beschaffenheit.
=un-giftich, -gichtich= = ungêve.
=un-gnade,= Unruhe, Mühsal, Plage; feindliches (widerrechtliches) Benehmen; Ungnade, Ungunst.
=un-gnêdich, -gnadich= u. =-gnêdichlik,= ungnädig, grausam; von Sachen: hart, mühselig.
=un-grîflik,= kein *gerîf* bringend? unvorteilhaft?
=un-grunt,= verkehrter oder ungenügender Beweisgrund.
=un-gruntlik,= unergründlich.
=un-gude,= Ungüte, Hass, Streit.
=un-gunst,= m. f. =-gunste,= _f. das Übelwollen, Misgunst, Hass; Ungnade._
=un-gunstich= u. =-gunstlik,= übelwollend, feindselig.
=un-gût,= böse, schlecht; st. n. Böses, Nachteil. *vor u. nemen,* übelnehmen.
=un-gutich,= hart, grausam. Lies ungudich?
=un-gûtlicheit,= Unfreundlichkeit, Feindschaft.
=un-gûtlik,= unfreundlich, böse; adv. ungûtliken.
=un-haliken= aus unhâl-liken = unhalinge.
=un-halinge, -ges, unhêlinge,= unverhohlen, ohne es zu verbergen, offen.
=unhant= gân = in-, enhant gân, glücken.
=un-hebbelik,= ungeschickt, untauglich.
=un-heil,= n. Unglück, Schaden.
=un-hêmelik,= nicht vertraut, fremd.
=un-hêren,= dehonestare, scandalizare.
=un-hoge (-hage),= (Unfreude,) Zank, Streit.
=un-hogen,= ohne Freude, traurig, betrübt.
=un-holder,= Unhold, Bösewicht.
=un-holt,= abhold, abgeneigt; ungnädig.
=un-holt,= schlechtes, unbrauchbares Holz.
=un-horich,= nicht gehorchend, ungehorsam.
=ûn-hôrlik,= unerhört, ungemein.
=un-hôrsam,= subst. m. Ungehorsam; adj. ungehorsam, widerspänstig; adv. unhôrsamliken.
=un-hôrsamich,= ungehorsam.
=un-hôrsamicheit,= Ungehorsam.
=un-hoveliken= = unhoveschen.
=un-hovesch,= unhöfisch, unfein, roh, grob, unverständig; adv. *unhoveschen, -hovesliken.* Subst. unhovescheit.
=un-hulde, -holde,= f. 1. Ungnade. 2. Unruhe, Verdruss.
=un-hure, -hûrlik= = ungehure.
=un-hulpe= = unvrome, Nachteil.
=un-innich,= unfromm.
=universitête,= sw. f. Universität.
=un-jâr,= böses Jahr, Misjahr.
=un-karch,= freigebig.
=un-kivelik,= incompugnabilis.
=un-klag(h)aftich,= nicht klagend; u. maken, jem. befriedigen.
=un-klâr,= unrein, trübe; verwirrt, in Unordnung; im moral. Sinne: unehrlich, nicht rechtschaffen.
=un-kost,= f. eig. Kosten überher, vermeidliche Kosten; dann überh.: Aufwand, Kosten.
=un-kostel,= nicht kostbar, billig, gewöhnlich.
=un-kostinge,= (unnötiger) Aufwand an Geld.
=un-kostlik,= keinen Aufwand machend, sparsam.
=un-kraft, -kracht,= f. Schwäche, Kraftlosigkeit; als Krankheit des Magens (Diarrhöe?).
=un-kreftich, -krechtich,= schwach, kraftlos; ohnmächtig, besinnungslos.
=un-kristen,= adj. u. subst. nicht christlich, Unchrist, Heide.
=un-kristlik,= adj. nicht der christlichen Moral gemäss.
=un-krût,= n. =-krude,= _n. Unkraut; fig. v. schädlichen Menschen, schlimmen Begierden etc._
=un-kundich,= iners; unkundicheit, inertia.
=un-kunst,= Mangel an Kunst, Ungeschicklichkeit.
=un-kunstich,= ungeschickt, indisciplinatus, rudis.
=un-kunt,= unbekannt.
=un-kûsch= u. =-kûschlik,= der seine sinnlichen Triebe nicht beherrschen kann, unkeusch. Adv. unkûschlik(en).
=un-kûs(c)heit,= Unkeuschheit.
=un-kûschen,= sw. v. unkeusch sein.
=un-kûscher,= der unkeusch lebt, fornicator.
=un-lange, -langes,= nicht lange; vor kurzem.
=un-lant (-landinge, -lanninge),= schlechtes, unbebautes Land.
=un-last,= Last, die man noch überher zu tragen hat.
=un-lât,= n.? schlechtes *gelât,* unhöfliches, grobes Benehmen, Unfug.
=un-lede, -ledde,= _f. (Gen. auch *unledes*) Mangel an freier Zeit, Beschäftigung, Mühe._
=un-ledich, -leddich,= nicht frei, beschäftigt, geschäftig, in Anspruch genommen, mühsam, sorgenvoll.
=un-ledicheit, -leddicheit,= Beschäftigung, die keine freie Zeit übrig lässt, (dringende) Arbeit.
=un-lêf,= n. Unannehmlichkeit, Verdruss.
=un-lêr(e)t,= ungelehrt.
=un-les(e)lik,= unleserlich.
=un-lêve,= f. Lieblosigkeit, Hass.
=un-lidelik (-lîtlik, -liderlîk),= 1. nicht leiden könnend, frei von Leiden, unempfänglich, *impassibilis.* 2. was nicht gelitten, geduldet werden kann oder darf, unleidlich, *intolerabilis.* 3. ungeduldig, *impatiens.* Adv. unlideliken.
=un-lidesamheit,= Ungeduld.
=un-lidich,= impassibilis.
=un-lîk, -limp, -love= u. Abl., s. unge-.
=un-lôchbar= (aus *unlôchenbar*), unleugbar.
=un-lucke,= n. Unglück.
=un-lucken,= sw. v. misglücken, zum Unheil ausschlagen.
=un-luckich,= unglücklich.
=un-ludelik,= unlautlich, unerhört, was sich nicht hören lassen darf.
=un-lukselicheit (-ê-?),= Unglück.
=un-lust,= f. m. 1. als Ggs. zu *lust,* Schmerz, Beschwerde, Mühsal, Bemühung; Müdigkeit, Unlust. 2. *unlûst?* als Ggs. zu alts. *hlust* (Hören): Nichthören, Unaufmerksamkeit, Lerm, überh. jede Friedensstörung.
=un-lustich,= unangenehm, unerfreulich; müde, träge, misvergnügt.
=un-macht,= f. Schwäche, Kraftlosigkeit; Ohnmacht, Bewusstlosigkeit; Machtlosigkeit; Ungültigkeit.
=un-mak,= Ungemach.
=un-maksam,= voll Ungemach. Subst. unmaksamicheit.
=un-man,= Unmensch, schlechter Mensch.
=un-manêrlicheit,= Unmanierlichkeit, Ungesittetheit.
=un-mannich, -mennich,= nicht zahlreich, nicht viel, wenig.
=un-mate,= f. Unmass, Masslosigkeit, ausserordentliche Grösse oder Menge. Adj. *unmatelik,* s. unmâtlik.
=un-mate(n),= adv. ohne Mass, über die Massen.
=un-matich, -mêtich,= unermesslich, übermässig; unmässig, unbescheiden.
=un-mâtlicheit,= Masslosigkeit, Übermässigkeit.
=un-mâtlik,= unmässig gross oder viel. Adv. unmâtliken.
=un-mechten,= sw. v. imperf. m. Dat., ohnmächtig werden.
=un-mechtich,= _ohnmächtig, kraftlos, impotent, ausser Stande. Subst._ unmechticheit.
=un-mechtigen,= kraftlos, unmächtig machen.
=un-meine,= (vom Eide) nicht verbrecherisch, rein.
=un-mêre,= Lüge, lügenhafte Erzählung.
=un-mêre (-mare),= unlieb, unwert, verhasst, verächtlich. Adv. unmêrlike.
=un-merksamicheit,= Unmerklichkeit.
=un-met(e)lik= u. =-metesam= = unmatich.
=un-metende,= ungemessen, immensus.
=un-metenheit,= Unmässigkeit.
=un-milde,= hartherzig, grausam; karg, nicht freigebig.
=un-mildicheit,= Hartherzigkeit, Bosheit.
=un-minlicheit,= Unfreundlichkeit, Unverträglichkeit.
=un-minne,= Feindschaft, Hass, Bosheit; oft auch nur: Zwiespalt.
=un-mins(ch)lik, -mens(ch)lik,= unmenschlich, unnatürlich, überaus roh und grausam; *de u. dôt,* der unerbittliche Tod.
=un-modes,= adv. unmutig, unwillig.
=un-modich,= unmutig, misgestimmt, aufgebracht.
=un-modicheit,= Unmut, Groll, Hass.
=un-mogelik,= unmöglich; unglaublich; unbillig.
=un-mogeliken,= überaus.
=un-mogich,= unvermögend.
=un-moite,= unnötige Mühe, Unruhe, Belästigung (identisch mit *unmote?*).
=un-moltern,= unwirsch?
=un-môt,= m. Misstimmung, Unwille, Zorn, Streit.
=un-mote,= f. Unmusse, Mangel an Zeit, Beschäftigung, Unruhe.
=un-munde,= unmündig.
=un-mundich,= 1. unvernünftig, nicht zurechnungsfähig. 2. unmündig.
=un-nasch (-esche, -exe),= 1. unbrauchbar, schlecht (v. Holz, = *unecht)*. 2. gierig, unersättlich; garstig?
=un-natûrlik,= unnatürlich, wider d. Natur.
=un-nême= = ungename, ingratus.
=un-nôchaftich, -nogaftich,= ungenügend, untauglich.
=un-nôchsam, -nogesam,= der sich nicht genügen lässt, gierig; subst. unnogesamheit.
=un-node,= adv. ungern; as. un-ôđo.
=un-nodich= u. =-nôtlik,= unnötig, überflüssig; auch: van unnoden.
=un-nosel,= nicht schadend, unschuldig; einfach, einfältig, niedrig.
=un-noselheit,= Unschädlichkeit, Unschuld.
=un-nôttorftich,= unnötig, entbehrlich.
=un-nutte,= unnütz, untauglich; bes. mit (unnützen, groben) Worten scheltend. Adv. unnut(te)like, -liken.
=un-nutter,= subst. Nichtsnutz, bes. in Worten.
=un-nuttich= = unnutte.
=un-ordelicheit,= Unordnung, schlechte, ungehörige Beschaffenheit.
=un-ordelik (-ortlik, -orlik),= 1. gegen die gewöhnliche Ordnung, aussergewöhnlich. 2. gegen die richtige Ordnung, ungeordnet. Adv. unordeliken.
=un-ordich= = unordelik.
=un-partielik= u. =-partiesch,= unparteiisch.
=un-pînlik,= impunite.
=un-plege= = unplicht.
=un-plicht,= f. 1. Pflichtverletzung, bes. die Verletzung der Zucht, Unsittlichkeit, Unzucht, Ehebruch, wilde Ehe. 2. wozu man rechtlich nicht verpflichtet ist, *meritum ex congruo;* ausserordentliche Abgabe, dann aber, wie *ungelt,* jede Abgabe, angaria.
=un-plichtegen,= angariare.
=un-plichten,= flogiare, _d. h. die Pflicht verletzen? eine *unplicht* auflegen?_
=un-plichtich= u. =-plichtlik,= _die Pflicht verletzend; von Sachen: ungehörig, unrechtmässig, gesetzwidrig. Adv._ unplichtliken.
=un-plichtsedelik,= ungebräuchlich, ungesetzlich.
=un-prîs,= Schande, Tadel.
=un-profît,= Nachteil, Schaden. Adj. unprofîtlik.
=un-puntlik,= adj. unpünktlich, nicht zur bestimmten Zeit.
=un-pûr,= unrein, schmutzig; auch fig. Subst. unpûrheit.
=un-radich,= der nicht zu Rate hält, verschwenderisch; inconsultus.
=un-râm,= m. Mangel an *râm,* Abweichung vom Ziel (der Absicht), (unbeabsichtigter) Unfall, Zufall.
=un-ramelinges,= ohne es zu wollen, unabsichtlich..
=un-raste,= f. Unruhe, Ruhelosigkeit.
=un-rastelik= u. =-rastich, -restich,= unruhig, ruhelos.
=un-rât,= m. 1.= *ungerade,* unglücklicher Zufall, unbeabsichtigter Schaden. 2. Aufwand zum Überfluss, Verschwendung. 3. Widrigkeit, Unrichtigkeit, Ungebührlichkeit, Nachteil.
=un-rât,= m. feines, lockeres Gebäck, nebula.
=unrâts-wîf,= Weib, das *unrâtsbrôt* feil bietet, nebulatrix.
=un-recht,= adj. 1. einer der Unrecht hat oder im Unrecht ist; *u. sîn,* Unrecht haben; *u. werden,* Unrecht bekommen, verurteilt werden; von Sachen: unrichtig, unwahr. 2. ungerecht (als moral. Eigenschaft), schlecht.
=un-recht,= n. 1. Unrecht, Ungebühr. 2. Geldbusse für geringere Vergehen?
=unrecht-danich,= unrechtmässig.
=un-rechte= u. =-recht(e)liken,= _unrichtig, unrechtlicher Weise._
=un-rechtich,= ungerecht, böse, schlecht.
=un-rechticheit,= ungerechte Gesinnung oder Handlung.
=un-rechtigen,= trs. ungerecht behandeln, Unrecht anthun.
=un-rechtigen= u. =unrecht-mêtigen,= _auf unrechtmässige Weise._
=unrecht-verdich, -verdichlik,= unrechtmässig, ungerecht, unredlich; adv. *unrechtverdichliken;* subst. unrechtverdicheit.
=un-rêde,= adj. unfertig; ungeschickt, unfähig; unbequem.
=un-rede,= _f. Mangel an *rede (ratio),* Sinnlosigkeit, Unvernunft; Unrecht, Ungebühr._
=un-redelicheit,= Unvernunft; Unredlichkeit, Unrecht.
=un-redelik,= 1. der Vernunft entbehrend, unvernünftig; unredlich, betrügerisch. 2. Von Sachen: unvernünftig, ungehörig, ungeziemend (was gegen die *ratio* ist); adv. unredeliken.
=un-redesam,= inenarrabilis.
=un-reine,= nicht rein, schmutzig; unklar, nicht in Ordnung; aussätzig; von der Sprache: unarticuliert, undeutlich; unmoralisch, unkeusch. Adv. unreineliken.
=un-reinecheit,= Unreinheit, Schmutz, bes. auch im moral. Sinne.
=un-reinen= u. =-reinegen,= sw. v. beschmutzen, besudeln, beflecken.
=un-rek(e)lik= u. =-reken,= _adj. wer oder was wider die Ordnung ist._
=un-relik= = unredelik.
=un-replik (-licht),= unbeweglich.
=un-reste= = unruste, -raste.
=un-richtich,= unrichtig, verkehrt; unrechtlich, unehrlich; aufrührerisch; *u. sîn,* Unrecht haben; adv. *unrichtigen,* auf unrechte Weise.
=un-richticheit,= Ungehörigkeit, Unordnung.
=un-rîm,= Ungehörigkeit, Unordnung, Verwirrung.
=un-rimesch,= ungeordnet; bes. einer, dessen Verstand nicht in Ordnung ist.
=un-rôplik,= unwiderruflich.
=un-ro(u)we,= Unruhe; Lärm; Perpendikel an der Uhr; ardelio.
=un-rouwelik, -rouwesam,= unruhig, beunruhigt.
=un-rouwen,= beunruhigen.
=un-rouwich,= unruhig.
=un-rûm,= nicht geräumig, beengt.
=un-rust(e), -rost,= f. Unruhe, Mühe, Beschwerde.
=un-rustich, -rostich,= keine Rast u. Ruhe habend.
=un-rute?= lies unnutte?
=un-ruwich,= nicht bereuend, unbussfertig.
=un-sacht(e),= adj. u. adv. unsanft; mit Schmerzen, unwohl; unbequem, unangenehm.
=unsacht-modich,= immitis.
=un-sadelik,= unersättlich.
=un-sadichlik,= adj. unersättlich.
=un-sage,= der nicht *sage* (zage) ist, unverschämt?
=un-sâlde,= f. Unglück, Unheil, Ungemach (oft personif.).
=un-salich,= unselig, verflucht; heillos, frevelhaft; unglücklich, elend, armselig; adv. unsaligen, unsalichliken.
=un-salicheit,= Verdammnis; Unheil, Unglück.
=un-satsem,= unersättlich, unbefriedigt.
=un-schamel,= schamlos.
=un-schamelheit,= Schamlosigkeit.
=un-schapen,= misgestalt, deformis.
=un-schedelik,= was keinen Schaden thut; präp. m. Dat., unbeschadet; pass. was keinen Schaden gelitten hat, untadelhaft.
=un-schêdenicheit,= Ungetrenntheit.
=un-scheldelik,= irreprehensibilis.
=un-schelik= = unschedelik (aus diesem W. oder v. schele).
=un-scheme,= f. =-schemede=, f. Schamlosigkeit, Schande.
=un-schemel, -schemelik,= nicht schamhaftig, schamlos, unehrerbietig; adv. unschemeliken.
=un-schemeler,= subst. impudicus.
=un-schemelheit, -schemelicheit,= Schamlosigkeit.
=un-scheme-lôs= = unschemel.
=un-schemerne,= der sich nicht schämt, schamlos.
=un-schemich,= schamlos; subst. unschemecheit.
=unschen-golt= = unsegolt.
=un-schicht,= (unglücklicher) Zufall.
=un-schichten,= adv. zufällig; lies van u.?
=unschichtliken,= zufällig.
=un-schicken,= adv. zufällig; lies van u.?
=un-schik,= Zufall; *van unschicke,* zufällig.
=un-schiklicheit,= _Nicht-passlichkeit, Unordnung, Ungebührlichkeit._
=un-schiklik, -schickelk,= unpassend. ungebührlich, unerlaubt.
=un-schîr,= unklar, unlauter.
=un-schuldich,= 1. frei von Schuld, nicht schuldig, *immunis; u. werden,* durch eignen Eid (u. mit Eideshelfern) sich von einer Beschuldigung reinigen. 2. leibeigen *(= vulschuldich?);* adv. unschuldich-, unschuldeliken.
=un-schuldicheit,= Unschuld.
=un-schuldigen,= adv. unschuldig.
=un-schuldinge,= Schuldlosigkeit; *brêf der u.,* Entlastungsdocument.
=un-schuldi(n)ges,= auf unschuldige Weise.
=un-schult,= 1. das Nichtschuldigsein; häufig mit seinem Ggs. *schult* verbunden, um den ganzen Inhalt eines Besitzthums nach seiner negativen und positiven Seite zu bezeichnen; Reinheit von Sünde (im moral. Sinne). 2. Entschuldigung; bes. der die Nichtschuld beweisende Reinigungseid des Beklagten. 3. (*un-* verstärkend?) Schuld, Beschuldigung.
=unse,= unser.
=unse, untze,= Unze, e. Gewicht.
=un-sedelik= u. =-sedich,= ungesittet.
=un-sege,= st. m. der Nichtsieg, Niederlage, Verderben.
=un-segen (?),= sw. v. nicht siegen, den Sieg verlieren.
=un-seggelik,= unsäglich, unaussprechlich.
=unse-, untze-golt,= Golddraht, gezogenes und gesponnenes Gold.
=un-seker,= unsicher; von Personen: unzuverlässig; dem man alles Schlechte zutrauen kann, ehrlos.
=un-sekerheit, -sekerlicheit,= Unsicherheit, Unzuverlässigkeit; gefährdete Lage.
=unsel, unseler,= s. unsener.
=unselt,= n. = unslet.
=unsen-, unssen-avent?= lies *missen-avent,* Tag vor einem Fest, einer Kirchweih?
=un-sêne,= unansehnlich.
=unsener,= kleine Schnellwage, Knippwage, Stangenwage.
=un-sênlik, -seinlik,= unsichtbar.
=un-sêriget,= unverletzt.
=un-sichtich= u. =-sichtichlik,= unsichtbar.
=un-sichtlik,= unsichtbar; adv. unsichtliken.
=unsik, unsek, unsich,= ältere u. dialekt. Form des Dat. u. Acc. von wi.
=un-sin,= Unverstand, Thorheit.
=un-sinnich,= unverständig; rasend, toll; ohne Vernunft; wahnsinnig, geisteskrank.
=un-sinnicheit,= Wahnsinn, insania.
=un-sinnigen,= insanire.
=un-sirich,= nicht zierend, entstellend.
=un-slagen,= ungeschlagen.
=un-slet,= n. Unschlitt, Talg.
=un-slete,= Unkosten.
=un-slicht,= (ungerade,) feindselig, böse.
=un-smakelik,= unschmackhaft.
=un-smidich,= ungeschmeidig, steif, verhärtet; schmutzig; ungeschickt.
=un-smidicheit,= Ungeschmeidigkeit, Verhärtung; Schmutz.
=un-sokelik,= unerforschlich.
=un-sote,= nicht süss, bitter, unangenehm; unfreundlich, wild.
=un-spil,= verderbliches Spiel oder Treiben.
=un-spôt,= Unglück, successus malus.
=un-sparlik,= verschwenderisch.
=un-sprek(e)lik,= unaussprechlich, unzählig.
=un-sprekende,= schweigend.
=un-stadaftich= = unstathaftich.
=un-stade= = unstêde.
=un-stade,= Unkosten? (Kosten, die nicht ständig sind?)
=un-staldicheit,= deformitas.
=un-stalt,= deformis.
=un-stant,= Misstand, Übelstand.
=un-stantaftich,= ohne Bestand, ohne Ausdauer.
=un-stantafticheit,= Unbeständigkeit, Wankelmut.
=un-stat(h)aftich,= nicht in der Lage etwas zu thun, unvermögend.
=un-stêde, -steide,= unstät, unbeständig, wankelhaft; nicht fest, ungültig.
=un-stêde,= _f. Unbeständigkeit, Veränderlichkeit, Wechsel; Wankelmut, Treulosigkeit; Ausschweifung?_
=un-stêdicheit, -steidicheit,= Mangel an Festigkeit, Wankelmut.
=un-stendich,= unbeständig, wankelmütig.
=un-stemmicheit, -stimmicheit,= (mistönender) Lerm, Unruhe.
=un-sterflicheit, -starflicheit,= Unsterblichkeit.
=un-sterflik, -starflik,= unsterblich.
=un-stichtich,= unerbaulich, nicht förderlich.
=un-stichticheit,= unerbauliches Leben.
=un-stille,= unruhig.
=un-stillik,= nicht zu stillen, unersättlich.
=un-stôrlik,= irrefragibilis.
=un-stormich,= impetuosus; unstormelik, impetuose.
=un-straflik, -straffelik, -streflik,= unsträflich, d. i. untadelhaft.
=un-stumich, -stumisch,= ungestüm.
=un-stumicheit,= Ungestüm.
=un-stûr,= frei von Zwang, wild, ungebunden, ungestüm.
=un-stûr(e),= n. f. das Freisein von Leitung, Ungebundenheit, Wildheit, Ungestüm; Unfug, wildes Benehmen.
=un-sturich, -stûrlik= = unstûr.
=un-sturicheit,= Wildheit, ungestümes Benehmen.
=un-suchticheit,= Ungesundheit.
=un-sumich,= nicht säumig.
=un-sune,= unsichtbar; ohne Glanz, trübe, unsauber, unrein, misgestalt.
=un-sûn(e)lik,= unsichtbar.
=un-sunt,= ungesund.
=un-suntheit, -sundicheit,= Ungesundheit, intemperies.
=un-suver,= unsauber, unrein; sündig.
=un-suverheit,= Unsauberkeit; Sündhaftigkeit.
=unt-= = ent-; z. B. *untlanges = entlanges; untegenheit,* Widerwärtigkeit, Misgeschick.
=unt-= = un-; z. B. *untscult,* Unschuld.
=un-tal,= Unzahl, grosse Zahl; unbeschränktes Hieb- und Weiderecht an einem Walde.
=un-tal(e)lik, -tellik, -talhaftich,= nicht zu zählen oder zu sagen.
=un-tam,= wild, ungezähmt.
=un-teinhaftich,= frei vom Zehnten.
=un-temelik (-temmelik),= unziemlich.
=un-temet,= ungezähmt.
=un-temich,= ungeziemend, indecens.
=un-têre,= unartig, guter (Lebens)art zuwider, widerwärtig.
=un-têrich,= unartig, widerwärtig; unappetitlich, unschmackhaft.
=un-têrlik= = untêre.
=unterne?= lies unreine?
=un-ticht,= f. ungegründete Bezichtigung, falsche Anklage.
=un-tidich,= unzeitig; unreif, von Früchten etc., bes. von Fellen und Leder, das nicht gut gar gemacht ist; unpassend, ungehörig; ungünstig; adv. untidigen.
=un-tît,= Unzeit, unpassende Zeit; Last, Beschwerde, importunitas.
=un-tîtlik,= un-, vorzeitig, ungehörig, den Umständen nicht angemessen; adv. untîtliken.
=un-tobroken,= unzerbrochen, unverbrüchlich.
=un-to-danke,= unlieb.
=un-todranglik,= ohne Not, ungedrängt.
=un-togânde,= inaccessibilis.
=un-togelik,= unziemlich; adv. -like.
=un-togen,= ungezogen, unziemlich.
=un-to-gude,= nicht zu gute, d. h. verderblich, schädlich.
=un-tomaket,= nicht zubereitet, v. Acker: unbestellt.
=un-to-mate,= unbequem, unangenehm.
=un-to-pas(se),= unpässlich.
=un-to-reke,= nicht wolbehalten, in schlechter Verfassung.
=un-toslagen,= inconcussus.
=un-to-varen,= adv. ohne Gefahr dabei zu laufen, ungefährdet.
=un-to-vrede(n),= unzufrieden.
=un-to-willen,= nicht nach Willen, unangenehm, misfällig.
=un-trachten,= träge werden, säumen? (ent-trachten?)
=un-trôst,= Mangel an Trost, Not, Schaden.
=un-trôst,= adj. der ohne Trost ist.
=un-trôstlik,= nicht tröstend.
=un-truwe,= Untreue; Unehrlichkeit, Betrug, Schelmstück.
=un-truwe,= untreu, treulos, unehrlich, unwahr; adv. untruweliken.
=un-truwen,= sw. v. untreu werden, abfallen vom Gelöbnis oder Glauben.
=un-truwicheit, -truheit,= Treulosigkeit.
=un-tûch,= Unzeug, nichtswürdiges Zeug, Geschmeiss.
=un-tucht,= f. Unzucht, d. h. Mangel an Zucht, an feinem, anständigem Wesen u. Benehmen, Ungezogenheit, Ungebühr.
=un-tuchtich,= unzüchtig, unanständig.
=un-tuchtichliken, -tucht(e)liken,= adv. unzüchtig.
=untucht-sage,= Nachrede unzüchtigen Wandels.
=un-ture,= nicht teuer, unwert.
=untwink= = ên twink; s. twink.
=un-twivel,= Nicht-Zweifel; *to u.,* sicherlich.
=untze, untzegolt, untzel, untzer,= s. *unse* etc.
=un-uploselk,= inextricabilis.
=un-ûtrodelik,= unausrottbar, unvertilgbar.
=un-ûtsprekliken,= adv. mehr als man sagen kann.
=un-vallich, -vellich= = ungevallich.
=un-varich,= keine Gefahr bereitend.
=un-vaste,= unbeständig, unzuverlässig.
=un-vêlich,= unsicher, bedroht, gefährdet; ungesichert, ohne sicheres Geleit, ohne Geleitsbrief.
=un-vêlicheit,= _Unsicherheit, Sicherheitslosigkeit, Schutzlosigkeit._
=un-verdich,= unfertig; zum Streit: ungerüstet; krank, gebrechlich.
=un-verdinge,= Krankheit.
=un-vêrlik(en),= ungefährdet; m. Gen., unbeschadet; ungefähr, etwa; in der Nähe von.
=un-vlât,= m. f. =-vlêde,= Unreinigkeit, Schmutz; persönl.: gemeiner, roher Mensch; coll.: Gesindel.
=un-vlêder,= unmässiger, schweinischer Mensch.
=un-vlêderie,= Unmässigkeit, bes. im Trinken.
=un-vlêdich,= unschön, hässlich, widerwärtig, schmutzig.
=un-vlêdicheit,= Hässlichheit, Widerwärtigkeit; unsaubere Dinge.
=un-vlêdigen,= sw. v. hässlich, unrein machen.
=un-vlesekende,= nicht simuliert, echt.
=un-vlît,= Unfleiss, Mangel an Sorgfalt.
=un-vôch,= m. u. n. =un-voge,= f. Unangemessenheit, Unfug.
=un-vôch, -voge,= adj. s. un-gevôch.
=un-vôchlik,= adj. unpassend, unangemessen; adv. unvogelken.
=un-voivich?= motu furibundo; lies un-rowich?
=un-vorandert,= von Kaufmannsgütern: nicht in andere Hand übergegangen.
=un-vorantwordet,= unbeantwortet, unerwidert.
=un-vorbedet,= ohne ein Gebet für etwas gesprochen zu haben.
=un-vorbigenklik,= unumgänglich, unvermeidlich.
=un-vorboden, -vorbodens,= unvorgeladener Weise.
=un-vorbodeschoppet,= unbenachrichtigt.
=un-vorbodet,= nicht durch einen Boten angesagt, ungemeldet; nicht vorgefordert oder vorgeladen, unaufgefordert.
=un-vorborgen,= nicht verborgen, wohl bekannt.
=un-vorborget,= nicht geliehen, als Eigentum.
=un-vorbort,= ohne etwas verbrochen zu haben, unschuldig.
=un-vorbrek(e)lik,= unverbrüchlich.
=un-vorbroken,= unverbrüchlich.
=un-vordacht,= unverdächtig.
=un-vordachtes,= ohne Nachdenken, temere.
=un-vordechtich,= ohne Verdacht (activ u. passiv); vorher nicht bedacht.
=un-vordêlelik,= unteilbar.
=un-vordêndes,= unverdienter Weise.
=un-vordenklik,= nicht zu erdenken, überaus gross u. heftig.
=un-vordouwinge,= Mangel an Verdauung.
=un-vordrachlik,= unerträglich.
=un-vordragende,= nicht zu ertragen, übermässig gross.
=un-vordrechlik,= 1. nicht weg zu tragen, unerschöpflich. 2. unerträglich.
=un-vordrêschet,= nicht zum Brachfeld gemacht?
=un-vordrêtlik, -vordroten,= unverdrossen, unermüdlich.
=un-vordrunken,= v. Laken: nicht seebeschädigt, nicht »nass«?
=un-vorduldich,= ungeduldig.
=un-vorduldicheit, -vordult,= Ungeduld.
=un-vorduvet,= nicht gestohlen.
=un-vorgenklik,= indesineus.
=un-vorgeten,= nicht vergessen, im Gedächtnis.
=un-vorgeven,= fest, irremissibilis.
=un-vorglaset= u. =-vorgled(et),= unglasiert (v. Ziegeln).
=un-vorgrepen,= (nicht angegriffen,) fest, sicher.
=un-vorhalet,= unverbunden (zum Ersatz); vom Schaden: ohne Ersatz.
=un-vorhalik= (aus *-vorhalelik*), wovon man sich nicht erholen kann.
=un-vorhinderliken,= ohne Hindernis, ungesäumt.
=un-vorholen,= nicht heimlich, offenbar.
=un-vorhôrlik,= absurdus.
=un-vorhôt, -hodes= u. =-hodens,= ohne sich zu hüten: unversehens, unvermuthet; offen, ohne Scheu.
=un-vorkêrlik,= v. Worten: nicht zu verdrehen, klar, bestimmt?
=un-vorklaget,= manchmal im Sinne von: ohne Klage geführt zu haben, wie unvorklagedes dinges.
=un-vorkleinet,= unverkleinert, unverachtet.
=un-vorkortet,= unverkürzt, ungeschmälert.
=un-vorkundiget,= ohne Klage oder Fehde etc. angekündigt zu haben; ohne weiteres.
=un-vorleg(e)lik,= unwiderleglich, unabweisbar.
=un-vorlegen= = unvorleget 1.
=un-vorleget, -vorlecht,= 1. dem durch richterliches Erkenntnis nicht die Ehre genommen ist, unbescholten; mit Gen. z. B. *siner êre, sines rechtes* (im Vollbesitz der Rechte). 2. nicht bei Seite geschoben oder aufgeschoben.
=un-vorleslik= (= -lesclik?), was nicht zu löschen ist, nicht erlischt (v. Feuer)?
=un-vorloren,= nicht verloren; nicht vergeblich.
=un-vorloselik,= unlöslich, ewig.
=un-vorlovet,= ohne Erlaubnis.
=un-vormakelt,= ohne Makel, fleckenlos.
=un-vormeldet,= nicht angezeigt, nicht verraten.
=un-vormêlt,= unbefleckt.
=un-vormerket,= nicht getadelt, ungeschmäht.
=un-vormeten,= nicht vermessen, nicht prahlerisch.
=un-vormetich,= unermesslich, gewaltig gross.
=un-vorminket,= unverstümmelt, unverletzt.
=un-vormît,= unvermieden, ohne es zu versäumen, stetig, jedesmal.
=un-vormodens= u. =-vormôd(et),= unvermutet, unerwartet.
=un-vormodet,= unermüdet, stetig.
=un-vornemelik,= unverständlich, dunkel.
=un-vornuft,= f. Unvernunft; Tortur; Gewalt.
=un-vornuftich,= unvernünftig, ohne Nachdenken.
=un-vororsaket,= ohne Grund; unschuldig.
=un-vorramendes= u. =-vorraminge,= unvorsätzlich, absichtslos.
=un-vorrechten,= im Rechte kränken.
=un-vorrechtinge,= Rechtskränkung.
=un-vorredet,= durch Rede, Vertrag nicht gebunden, unverpflichtet.
=un-vorrucket,= unveräussert; unverändert; adv. unvorruckliken.
=un-vorsadelik,= unersättlich.
=un-vorsaget,= unverzagt.
=un-vorsat, -set(tet),= nicht versetzt, nicht verpfändet; v. Edelsteinen u. Perlen: nicht gefasst, nicht eingesetzt in ein Geschmeide.
=un-vorschêden, -scheiden,= nicht geteilt.
=un-vorschemet,= _unbeschämt, ohne Schande; unverschämt, ohne Scham._
=un-vorschônt,= ungeschont, ohne Schonung.
=un-vorschreven,= ohne schriftliche Anzeige erhalten zu haben.
=un-vorschricket, -vorschrocken,= unerschrocken.
=un-vorschuldes, -vorschuldiges,= unverschuldet, ohne Schuld.
=un-vorschuld(et),= unverschuldet, ohne Schuld; unvergolten, ohne Dank.
=un-vorschuldich,= unverschuldet; adv. un-vorschuldichliken.
=un-vorseget, -secht,= wogegen keine Einsprache erhoben werden darf; von Personen: unbescholten; von Sachen: unversagt, gewährt; unangefochten, unverbrüchlich.
=un-vorsêndes,= unversehens, plötzlich.
=un-vorsêne, -seine,= adj. nicht vorhergesehen, plötzlich.
=un-vorsênich,= unvorhergesehen, unerwartet.
=un-vorsênicheit,= das Nichtvorhersehen, Unerwartetheit.
=un-vorsênlik, -like, -liken,= unversehens, unabsichtlich, plötzlich, etwa.
=un-vorsêret, -sêriget,= unversehrt.
=un-vorsêrich,= unversehrt.
=un-vorsêringe,= Unversehrtheit.
=un-vorsichtes,= adv. unvorhergesehen, unvermutet.
=un-vorsichtich,= 1. nicht vorhergesehen, unerwartet; unüberlegt. 2. nicht vorhersehend, nicht ahnend; unüberlegend, vorschnell.
=un-vorsichticheit,= Unüberlegtheit, Unvorsichtigkeit.
=un-vorsichtigen, -ges,= unvermutet; unbedacht, ohne Ueberlegung.
=un-vorsichtliken,= unerwartet, plötzlich.
=un-vorslach,= subst. nichts verschlagend, verlorne Mühe.
=un-vorsnellet,= nicht überlistet, unbetrogen.
=un-vorsocht,= ungeprüft, unerfahren.
=un-vorsokelik,= unerforschlich.
=un-vorsolt,= unverschuldet, ohne Schulden.
=un-vorsplittert,= ungetrennt, unvereinzelt.
=un-vorsproken,= unbescholten; durch Rede, Vertrag etc. nicht verpflichtet.
=un-vorstant,= Unverstand.
=un-vorstendel= u. =-stendich,= unverständig.
=un-vorstlik,= einem Fürsten nicht geziemend.
=un-vorstoppet,= unverstopft, offen; fig. unverwehrt, ungehindert.
=un-vorstoret,= unverstört, in gutem Bestande.
=unvorstôrliken,= ungestört, unverbrüchlich.
=un-vorsuft,= unverzagt.
=un-vorsumelik,= nicht saumselig.
=un-vorsumet,= ohne versäumt zu haben oder zu sein, ohne Nachteil für, unbenachteiligt; ungesäumt, ohne Verzug.
=un-vorsunnen,= ohne Besinnung, unverständig.
=un-vorsunnenheit,= Unverstand.
=un-vortellik,= unzählig.
=un-vortichtich,= ohne Verzicht auf ein Recht.
=un-vortogedes= u. =-togendes,= unverzüglich.
=un-vorto(ge)lik,= unverzüglich.
=un-vortogen,= 1. nicht von der Stelle gebracht 2. ungesäumt, ohne Verzug.
=un-vortogert= u. =-vortoget,= nicht hingezogen, unverzögert.
=un-vortrag(e)lik,= ohne träge zu werden, unermüdlich.
=un-vortrede,= herba polygoni.
=un-vorundervindelik,= unergründlich.
=un-vorvalet,= unverblichen; fig. ohne Trug, ungefälscht (oder v. *falen = feilen?*).
=un-vorvaren,= 1. nicht »verfahren«, s. *vorvaren.* 2. unerfahren.
=un-vorvechtlik,= inexpugnabilis.
=un-vorvenklik,= nicht zum Schaden, Nachteil, gereichend.
=un-vorvêr(e)t, -vârt,= uneingeschüchtert, unerschrocken.
=un-vorvlaut,= nicht zur Ohnmacht geneigt; fest, kräftig.
=un-vorvluchtich,= nicht flüchtig, nicht aus der Heimat weggegangen.
=un-vorvolget,= unvorvolgedes dinges, ohne gerichtlich belangt zu sein oder zu haben.
=un-vorwandert,= der nicht (aus seines Meisters Dienst) gewandert ist.
=un-vorwân(d)es,= absichtslos, unvorsätzlich, unversehens; unerwartet, unvermutet.
=un-vorwanet,= unvermutet.
=un-vorwantlik,= unveränderlich.
=un-vorwardes,= ohne voraufgegangene Verwahrung.
=un-vorwaret= (der *êre*), ohne sich an seiner Ehre (durch ein s. g. Verwahrungsschreiben) verwahrt zu haben.
=un-vorwaringes,= ohne sich zu wahren, zu hüten, unachtsam, unversehens; = unvorwarndes.
=un-vorwarndes,= unverwarnt, ohne Verwahrungsbrief.
=un-vorwegen,= was sich nicht bewegen, heben lässt, ungemein schwer; unerschütterlich, unerschrocken.
=un-vorwerdelik,= unvergänglich, unverweslich.
=un-vorwerndes dinges= = unvorwarndes.
=un-vorwert,= unbelästigt, ungehindert.
=un-vorwert,= für unwert geachtet?
=un-vorweten,= vorwurfsfrei.
=un-vorwinlik, -wintlik,= 1. unüberwindlich, unbesiegbar. 2. was nicht zu verwinden ist, unverschmerzlich.
=un-vorwiset= sines rechtes, im Vollgenuss bürgerlicher Rechte.
=un-vorwissenheit,= Unwissenheit.
=un-vorwît(e)lik,= dem man nichts vorwerfen kann, untadelig.
=un-vorwitliket,= unbenachrichtigt.
=un-vorworpen,= unverworfen, d. h. nicht zurückgewiesen.
=un-vorworren,= unbeteiligt, nicht verwickelt in etwas.
=un-vorwracht,= unverarbeitet.
=un-vorwunnen,= unbesiegt; gerichtlich nicht verurteilt.
=un-vorwunt,= unverwundet, unbeschädigt.
=un-vrede,= Unfriede; *to u. sîn* oder *werden,* unzufrieden sein oder werden.
=un-vred(e)lik= leggen, friedlos erklären.
=un-vredesam,= unfriedsam = unwillig.
=un-vro,= unfroh, traurig.
=un-vrodich,= unklug, unverständig.
=un-vrome,= Schaden, Nachteil.
=un-vromelik,= nicht helfend, nicht förderlich.
=un-vrôt, -vrût,= unklug, nicht bei Verstand.
=un-vruchtbar,= unfruchtbar; nichts fruchtend, fruchtlos.
=un-vruchtbaricheit,= Unfruchtbarkeit.
=un-vrund,= Unfreund, Feind.
=un-vruntschap,= _1. Unfreundschaft, Hass, Zwist. 2. Freundlosigkeit._
=un-vullenkomen,= unvollkommen; subst. unvullenkomenheit.
=un-vullik,= nicht zu füllen.
=un-vulwassen,= völlig ausgewachsen (*un-*verstärkend?), insolitae granditatis.
=un-wan= = wan, mangelhaft, von schlechter Beschaffenheit.
=un-wandelken,= unwandelbar.
=un-wandichlik,= unveränderlich.
=un-wanlik, -wantlik= = unwonelik.
=un-wânlik,= ungehofft, unerwartet.
=un-wâr,= subst.: *u. seggen,* die Unwahrheit sagen, lügen.
=un-wâraftich,= unwahr, lügnerisch; adv. unwaraftelik.
=un-warendes,= ohne Acht darauf zu geben, unvermutet, unversehens.
=un-warens= = unwarendes.
=un-wârheit,= Unwahrheit, Lüge.
=un-waringe,= Achtlosigkeit.
=un-waringes,= unvermutet, unversehens.
=un-warlike,= ohne sich zu wahren, unvorsichtig.
=un-warlinges= = unwaringes.
=un-wat,= adj. wo man nicht waten kann, tief; subst. n. tiefe Stelle im Wasser.
=un-wech,= 1. Stelle, wo kein Weg ist. 2. Abweg, schlechter Weg; fig. sittliche Verirrung.
=un-wed(d)er,= n. Unwetter.
=un-wed(d)erkomelik,= irremeabilis.
=un-wegelik,= unbeweglich.
=un-wêger, -weiger,= nicht gewogen, ungünstig; adv. unweigeren.
=un-wegich,= nicht zu betreten oder zu passieren.
=un-weigerhaftich,= ohne sich zu weigern.
=un-welde,= Streit? unrechtmässige Befehdung?
=un-weldich,= 1. m. Gen. keine Gewalt habend, unmächtig. 2. unparteiisch, schwed. *oveldig* (eig. der keine Gewaltthat übt?).
=un-werde,= f. 1. Unwert, Unwürdigkeit, Ungültigkeit. 2. Unwille, Indignation, Geringschätzung.
=un-werde,= adv. indigniert, unwillig; *mi is* oder *wert u.,* ich empfinde Indignation.
=un-werdelike(n), -werdigen, -werdichliken,= unwillig, mit Indignation, ohne Ehrerbietung.
=un-werden,= sw. v. für unwert erachten, verschmähen; unwert machen, Indignation erregen.
=un-werdich,= 1. unwürdig. 2. geringschätzend, unwillig, indigniert; u. sîn, indignari.
=un-werdicheit,= _1. Unwürdigkeit; *in u. holden,* geringschätzen. 2. Indignation, Misachtung, Unwille, Entrüstung._
=un-werdigen= = unwerden, dedignari.
=un-werdinge,= Verachtung, Abscheu.
=un-werhaftich,= nicht befestigt.
=un-werlik,= importunus.
=un-werndes= = unwarendes, unvermutet.
=un-wert,= nicht geachtet, verachtet.
=un-wertlike(n),= unwillig, indignanter.
=un-wertsam, -wersen,= unwirsch, ergrimmt.
=un-wertsamicheit,= Grimm, Erbitterung.
=un-weselik,= ungebührlich (wie es nicht sein soll).
=un-weten,= unbekannt, unbewusst; nicht wissend; unverständig, unbesonnen; adv. *unwetene, -wetens,* ohne Wissen.
=un-wetende,= nicht wissend; unwissend; adv., auch *unwetendes,* ohne es zu wissen.
=un-wetende,= n. das Nichtwissen.
=un-wetenheit= u. =-wetentheit,= _Unwissenheit, Nicht-Kenntnis._
=un-wetich,= unwissend, unkundig.
=un-wetunge,= das Nichtwissen.
=un-wildich, -willich= = unweldich, unparteiisch?
=un-wille,= das Nichtwollen; übler Wille, Verdruss, Ärger, Groll; (thatsächlicher) Streit, Feindseligkeit, Fehde, *discordia; to unwillen nemen,* übelnehmen.
=un-willen,= sw. v. unwillig werden, grollen, streiten.
=un-willen(de)s,= widerwillig.
=un-willich,= 1. unlustig. 2. zwistig; adv. unwillichliken, invite.
=un-willicheit,= Unlustigkeit, Unwilligkeit, Widersetzlichkeit.
=un-willigen,= sw. v. *sik u.,* in Streit geraten, sich veruneinigen.
=un-willinges,= wider Willen.
=un-win(ne)lik, -wintlik,= nicht zu erobern, unüberwindlich.
=un-wint,= heftiger Wind.
=un-wis, -wisse,= ungewiss, unsicher, unzuverlässig.
=un-wîs= u. =-wîslik,= unweise, thöricht, unverständig, leichtsinnig; adv. *unwîslike(n),* auch = to unwise.
=un-wise,= _schlechte Weise, Unsitte, Unfug, Misbrauch; Ungelegenheit; *to u.,* auf schlechte Weise._
=un-wîsheit,= Unverstand, Thorheit.
=un-witlicheit,= das Nichtwissen, Unwissenheit.
=un-witlik,= unwissend; unbewusst, unbekannt; adv. unwitliken.
=un-witschap,= Unwissenheit, Unkenntnis.
=un-wittich,= nicht bei Verstande; einfältig, dumm.
=un-won(e)lik, -wontlik,= ungewohnt; ungewöhnlich.
=un-wonich,= nicht wähnend, nicht ahnend, inopinus.
=un-wort:= u. geven, sich unwillig äussern.
=un-wrakelik,= untadelhaft.
=up, uppe,= präp. mit Dat. u. Acc. 1. räumlich: auf; von der Lage der Ortschaften an einem Flusse, frzs. *sur;*Richtung bez.: *uppe dat norden,* nordwärts. 2. zeitlich: zu, in, auf, nach. 3. modal: Thätigkeit bez. sowol im freundl. als besonders im feindlichen Sinne: zu, über etc.; *up enen pennink,* auch nur einen Pf.; *up ene bone* = gar nichts; bes. häufig wird *uppe* gebraucht nach Verben des Klagens, Streitens, Raubens etc.: wider, gegen etc.; auch die Sache, in Betreff deren man etwas thut, sagt oder spricht, steht mit *up.* -- Zweck bez.: das sich stützen, vertrauen auf bez.: *up mîn êt,* häufige Versicherungsformel; bei Strafe: *up den ketel,* d. h. bei Strafe des Siedens im Kessel (Strafe der Falschmünzer); Annäherung bez.: nahe daran, gegen, bis auf; Art u. Weise bez.: *up franzôs,* französisch.
=up, uppe,= adv. oben, oberhalb; auf, aufwärts, hinauf: *up hôr,* hoher hinauf, weiter zurück; aufgestanden, aufrecht; aufgebrochen, unterwegs; auf, offen; auf, zu Ende, verbraucht; Zweck bez. *up dat,* damit; auch: wenn nur, insofern, weil.
=up (uppe)= de (die, dy) mede (mide, mid), conj., später auch mit folg. *dat,* auf dass, damit.
=up-antworden,= ausliefern, übergeben.
=up-bêden,= aufbieten, öffentlich bekannt machen; bes. ein Pfand, d. h. den Eigenthümer öffentlich zur Einlösung auffordern; refl. sich vor Gericht stellen, sich erbieten.
=up-bêdinge,= Aufbietung, Aufgebot; gerichtliche Auflassung? (resignatio).
=up-bernen,= aufbrennen, anzünden.
=up-binden,= 1. losbinden. 2. zusammen packen; Arbeit einstellen.
=up-blasen,= trans. aufblasen, anfachen; intr. aufschwellen.
=up-blasinge,= Aufgeblasenheit.
=up-blokeren,= aufflackern, aufflammen; subst. upblokeringe.
=up-bogen:= upgeboget, proclivis.
=up-boren,= _1. aufheben, in die Höhe heben; auf sich nehmen, tragen. 2. einnehmen, erheben, von Erbe, Geldern, Zöllen; *ein gût,* Einkünfte aus einem Gute haben._
=up-borer,= Aufheber, Aufrichter; Erheber, Einkassierer.
=up-borgen,= entleihen, auf Borg kaufen.
=up-boringe,= Erhebung von Einkünften, Einnahme.
=up-borliken,= so dass man Einkünfte erhebt.
=up-breken,= 1. intr. anbrechen; aufbrechen, anfangen zu gehen. 2. trans. los-, aufbrechen, eröffnen; bildl.: eine (bereits beendigte) Sache von neuem wieder anfangen. 3. refl. sich los machen, sich erheben.
=up-brên,= aufleuchten, -strahlen.
=up-bringen, -brengen,= in die Höhe bringen; fig. erheben, erhöhen; auf-, grossziehen; herbei-, überbringen; jur.: ein Lehen zurückgeben; aufbringen, einführen (Gesetze, Moden); bei-, zusammenbringen, herbeischaffen (Geld, Mannschaft); vorbringen (Klage, Gründe); hinterbringen, melden.
=up-bringer,= Anbringer, Ankläger.
=up-bringinge= = upsande.
=up-bulgen,= aufwallen.
=up-decken,= eröffnen, vortragen.
=up-dingen,= sik u. vom Richter: das Gericht *(dink)* feierlich eröffnen.
=up-diriken,= mit einem Nach- oder Diebsschlüssel öffnen.
=up-dôn,= 1. aufthun, öffnen; eröffnen, mitteilen. 2. Waren auslegen, Getränk auflegen, anzapfen; den Preis einer verkäuflichen Ware bestimmen (wie *upsteken*). 3. refl. aufstehen gegen.
=up-douwen, -dolgen,= aufthauen.
=up-dovel,= in calceo: obtentulus, obstinaculum.
=up-dracht,= f. 1. aufsteigende Röte im Gesicht. 2. Andacht, Sinnesrichtung. 3. (gerichtliche) Übertragung eines Eigentums.
=up-drachtich,= hochfahrend, stolz.
=up-dragen, -dregen,= 1. trans. auftragen (Speisen), vorsetzen; Waren aus dem Schiff ans Land, auf den Speicher tragen; ein Besitztum einem andern übergeben = *uplaten;* als Auftrag geben, beauftragen mit; einstweilen übergeben, vorschiessen, vorher auslegen. 2. intr. tragen, helfen, nützen.
=up-draginge,= 1. Übergabe. 2. Erhebung, Überhebung?
=up-drengen= u. =-dringen,= hinaufdringen, emporsteigen, hervorkommen.
=up-drinten,= aufschwellen.
=up-driven,= 1. wegtreiben (Beute), wegnehmen. 2. auftreiben, d. i. (aus gesetzlichen Gründen) verwerfen, nicht anerkennen, *refutare;* ungültig machen, cassieren, hindern; verklagen (gerichtlich).
=up-drucken,= auf-, daraufdrücken.
=up-duken,= auftauchen, aufkommen, zum Vorschein kommen.
=up-ebben,= durch die Meeresbewegung empor bringen; auswerfen (von Quellen).
=up-eren,= aufpflügen.
=up-erheven,= refl. aufstehen, sich auflehnen.
=up-erstân,= ent-, erstehen.
=up-êschen,= auffordern, bes. die Thore zu öffnen, zur Übergabe; auffordern zu kommen; aufbieten, publicieren. Subst. upêschinge.
=up-gân,= 1. aufgehen, sich öffnen. 2. aufgehen, emporsteigen.
=up-gank,= 1. das Aufgehen, Sich-öffnen. 2. der Aufgang, das Emporsteigen.
=up-gank-, -genk-, -gengelik,= orientalis, originalis.
=up-gave,= Aufgabe, Hingeben, Verlassen.
=up-gedacht,= vorher erwähnt.
=up-gelât,= Auflassung, Verzicht.
=up-gelt,= Aufgeld, bes. Agio u. Verzuggeld.
=up-genant, -genomet,= vorher genannt.
=up-gereide,= Reitzeug (Sattel u. Zaum).
=up-gericht,= aufrichtig.
=up-geroret,= vorhin berührt, oben erwähnt.
=up-gêten,= aufgiessen, aufschütten.
=up-geven,= 1. auf-, von sich geben; hinauf-, einreichen. 2. jurist.: sein Besitzrecht an einer Sache aufgeben in feierlicher, förmlicher Weise; auch von der Übergabe der verkauften Ware: sik upgeven laten.
=up-gevinge,= Hin-, Ergebung, Übergabe.
=up-gift(e),= f. Zugabe; Aufgeld.
=up-glarpungen,= sich fein machen, aufputzen.
=up-graven,= aufgraben, (e. Graben, e. Grube) auswerfen; ausgraben.
=up-gripen,= aufgreifen, ergreifen, auffangen; bildl. anberaumen, e. Streitsache zur Beilegung aufnehmen.
=up-halen,= 1. auf-, heraufholen; flussaufwärts bringen. 2. verhaften. 3. wiederholen.
=up-hân, -hangen,= aufhängen; bildl.: e. Sache einstweilen ruhen lassen; verschieben.
=up-hangel-dwele,= Handtuch zum Aufhängen.
=up-hebben,= jemanden als Passagier im Schiffe haben.
=up-heldinge,= das Letzte im Fasse, wenn es bereits auf die *heldinge* gelegt ist.
=up-hengen,= aufhängen; höher hängen.
=up-henginge,= expansorium.
=up-hevel= edder brotkorf: l. *uphevel-(korf)?* Korb, etwas aufzuheben? Hängek.?
=up-heven,= 1. auf-, in die Höhe heben. 2. bildl. verrichten, gründen; aber auch: beseitigen, abschaffen. 3. anfangen, anheben. 4. erheben (Geld). Prtcp. Prt. erhaben, hoch; v. Deckeln: gewölbt.
=up-hever,= Anfänger, Begründer.
=up-hevinge,= Erhebung (vom Fall), Trost.
=up-hisen,= aufhissen, in die Höhe ziehen.
=up-holden,= 1. intr. aufhören. 2. trans. emporhalten, bes. die Finger zum Schwur; aufhalten, beherbergen, unterhalten (mit Nahrung etc.); beschützen, erhalten, bewahren; halten (z. B. Wirtshäuser, Schulen etc. als Nahrungszweig); hemmen, hindern; verzögern, fristen; im jurist. Sinne: an-, festhalten, in Beschlag nehmen, arrestieren; refl. sich widersetzen.
=up-holdinge,= 1. Hemmung, Widerstand. 2. Erhaltung, Stütze, *sustentaculum.* 3. Arrestierung.
=up-holt,= 1. Einhalt, Hinderung. 2. Unterstützung, Aufrechterhaltung. 3. Arrestierung.
=up-holt,= Oberholz, Pollholz, Baumäste.
=up-hôr,= _d. i. *up hoer,* höher hinauf, weiter zurück, bei Seite._
=up-horen,= 1. aufhören, ablassen. 2. u. *up-hôrken,* zuhören, aufhorchen.
=up-hôrlek:= nicht u., insedabilis.
=up-houwen,= ab-, niederhauen; aufhauen, öffnen auf gewaltsame Weise.
=up-huden,= aufbewahren.
=up-hupen,= aufhäufen.
=up-isen= ein Gewässer: das Eis aufhauen.
=up-jagen,= aufjagen; Schiffe aufbringen, kapern.
=up-kêren,= ersetzen (Schaden).
=up-klaren,= hell werden; aufstrahlen.
=up-kleiden,= entblössen, entkleiden.
=up-klêven,= ankleben, festheften, anschlagen.
=up-klimmen,= emporklimmen.
=up-klimmer,= der emporsteigt, vorwärts strebt.
=up-kloppen,= aufklopfen (mit dem Finger, Hammer etc.), um zu Anfang einer Versammlung Stille zu gebieten.
=up-kloven,= aufspalten.
=up-kolen,= ab-, aufkühlen durch Begiessung mit kaltem Wasser oder Entblössung von Kleidung; refl. sich erkälten.
=up-kome,= 1. Erhebung, Aufbruch, Auszug (zum Kampfe). 2. Aufkunft, was von einem Gute oder Vermögen einkommt.
=up-komen,= hinauf-, emporkommen, auch bildl.; erwachen, aufstehen; entstehen, entspringen; herkommen, herstammen; einkommen, von Geldern, Renten; aufgeschlossen, geöffnet werden.
=up-komer,= der auf eine Stelle, zum Besitze eines Gutes kommt.
=up-kominge, -komeninge, -komelinge,= _Aufkunft, Einkommen, Einnahme._
=up-kopen,= in grossem zusammen und anderen vorweg kaufen.
=up-korf,= Korb zum Fischfange an einem Wehr.
=up-krempen,= intr. aufkrempen, sich in die Höhe krümmen.
=up-krigen,= erwerben, bekommen.
=up-kulen= = upkolen.
=up-kumst,= f. Einkünfte.
=up-kundinge,= Aufkündigung (des Dienstes).
=up-laden,= auf-, einladen (auf Wagen, Schiff).
=up-lage,= f. Auflage; bildl.: Anschuldigung, was man jem. zur Last legt.
=up-lât,= m. Auflassung, Übertragung eines Eigentums; die Abgabe dafür.
=up-laten,= 1. aufstehen lassen. 2. hinauf (gehen) lassen, aufnehmen. 3. überlassen, übertragen, bes. im jurist. Sinne: auf seine Eigentumsrechte zu Gunsten eines andern verzichten, förmlich und vor Gericht.
=up-later,= der uplet.
=up-latinge,= förmliche Besitzübertragung.
=up-leggen,= 1. auflegen, z. B. Speisen auf den Tisch, die Finger zum Schwur auf die Reliquien etc. 2. noch dazu thun, hinzufügen. 3. ein Schiff in den Winterhafen bringen zur Winterlage, abtakeln. 4. Fundament legen, stiften, gründen. 5. erlegen, bezahlen, ersetzen. 6. auflegen, auftragen, befehlen, veranstalten, festsetzen. 7. sich vornehmen, ausdenken *(percogitare).* 8. auflegen, zur Last legen, beschuldigen. 9. weiter hinauflegen, hinaufrücken, verschieben, fristen. 10. zurücklegen, erübrigen, verdienen. -- Refl. sich auflehnen.
=up-lenden,= refl. sich auflehnen.
=up-lentzen,= aufreizen, anstacheln.
=up-lesen,= herlesen, *recitare;* auflesen, sammeln.
=up-lichten,= auf-, emporheben.
=up-lôp,= m. (u. n.?) u. =-lôft, -lopinge,= Streit, Zwist, der sich erhebt zwischen zweien oder mehreren; Zusammenrottung, Aufstand, Aufruhr.
=up-lopen,= auflaufen; bildl. von widrigen Ereignissen: zustossen; trans. durch (Dagegen-)Laufen öffnen, sprengen, -- refl. sich erheben.
=up-losen,= auflösen, -binden; auch fig.
=up-losinge,= solutio.
=up-luchten,= die Farben wieder aufhellen.
=up-luken,= aufziehen, aufschlagen, öffnen; sich öffnend verschlingen *(haurire);* bildl. deuten, erklären.
=up-maken,= zurecht machen, bereiten (von Speisen).
=up-meten,= Korn messend aufspeichern.
=up-mutzen,= aufputzen, des äusseren Scheines halber ausstaffieren.
=up-name= (u. =-nême?=), f. Einnahme.
=up-nemen,= 1. aufnehmen, -heben (vom Boden etc.). 2. wegnehmen; benehmen. 3. empfangen, annehmen, in Schutz u. Schirm nehmen, in Dienst nehmen; 4. bes. erheben, einnehmen, Gelder, Steuern, Gefälle etc. 5. aufheben, ertappen, überraschen. 6. aufheben, aufhören machen, einstellen. 7. ansetzen, festsetzen, bestimmen, beschliessen. 8. übernehmen. 9. annehmen, vermerken, anerkennen, dafür halten, verstehen.
=up-neminge,= Aufnahme, z. B. *des crûtzes* zur Procession in der Osternacht; (Marien) Himmelfahrt; Erhebung von Abgaben; Bestimmung, Festsetzung.
=up-nestelen,= 1. (die Hose) mittels der Schnürriemen auf-, festbinden; fig. jem. henken. 2. (die Hose) losmachen; fig. jem. züchtigen.
=up-noppen,= (die Wollknötchen aufzupfen,) putzen.
=up-palen= einen Fluss: sperrende Pfähle wieder ausziehen.
=uppe,= s. up; die Zss. *mit uppe-* s. unter up-.
=uppen,= sw. v. 1. vorbringen, verlauten lassen, kundgeben, offenbaren. 2. eine (geendigte) Sache von neuem wieder anfangen, wieder aufrühren.
=upper,= der obere, *upperst,* oberste; bildl.: angesehen, vornehm.
=upper-borger,= vornehmer Bürger, Patrizier.
=upper-hêre,= Oberherr.
=upper-lant,= Land über dem Winde.
=upper-man,= vornehmer Mann; Oberhaupt.
=upper-stunt,= d. i. *up der stunde,* auf der Stelle, jetzt.
=upper-vart,= Auf-, Himmelfahrt.
=uppich,= üppig.
=up-quellinge,= Aufwallung.
=up-quêsen,= aufschwellen, Blasen *(quêsen)* aufwerfen.
=up-rackels,= Werkzeug zum racken, Schmutzhacke.
=up-raden,= mutmassen, vermuten.
=up-ramen,= zielen, ins Auge fassen.
=up-rapen,= aufraffen; an sich reissen, aufkaufen.
=up-recht, -richt,= aufrecht; bildl.: aufrichtig, ehrlich, bieder; von Sachen: vortrefflich; zuverlässig, echt.
=up-recken,= aufrecken, aufrichten.
=up-reigen,= aufreihen, in Reihe, Ordnung stellen.
=up-reisich, -rêsich,= aufsässig, widerspenstig.
=up-rêken, -reiken,= (hinaufreichen), übertragen, -geben.
=up-rekenen,= auf-, berechnen.
=up-rêkinge,= Überlassung, Übergabe.
=up-reppen,= wieder in Bewegung setzen, wieder aufrühren.
=up-respen= = uprispen.
=up-richten,= 1. auf-, in die Höhe richten, erheben; aufstellen; fig. erbauen. 2. einrichten, stiften. 3. ersetzen, entschädigen.
=up-richtich,= aufrecht; zuverlässig, echt, gut.
=up-richtinge,= Errichtung, Stiftung; Ersatz, Entschädigung.
=up-riden,= hinreiten (zu einem Tage).
=up-rinden,= st. v. aufspringen, aufbrechen, reissen, bersten.
=up-risen,= sich erheben; aufbrechen, sich aufmachen; bildl.: entstehen, ausbrechen.
=up-risinge,= Erhebung, Tumult.
=up-rispen,= aufstossen, eructare.
=up-rispinge,= das Aufstossen, eructatio.
=up-riten,= trans. u. intr. aufreissen, wegreissen.
=up-roden,= durch Graben Wurzeln entfernen, ausroden.
=up-rogen,= aufrühren; refl. sich rühren, sich aufrichten.
=up-ro(i)fen, -ropen,= auf-, ausrülpsen. Subst. uprofelinge.
=up-rollen,= aufrollen; v. Kleidung: umschlagen, umkrempen?
=up-rôp,= 1. Aufruf, Erwählung. 2. Widerruf.
=up-ropen,= auf-, herbei-, berufen; widerrufen, rückgängig machen.
=up-ropen,= auf-, herausraufen.
=up-roper,= Widerrufer.
=up-ropinge,= Widerruf.
=up-rôr,= n. m. Aufruhr, Tumult, Revolte.
=up-rorich, -rorisch,= erregt, in Streit, aufrührerisch.
=up-rospen= = uprispen.
=up-rosten= u. =-rosteren, -rusteren,= aufstossen, aufrülpsen.
=up-rotene= melk, episertum. Prtcp. v. up-rêten?
=up-ruchen= = uprucken, aufsteigen; l. upruthen?
=up-rucken,= 1. auf-, in die Hohe richten; aufführen, erheben, erhöhen. 2. (widerrechtlich) einsetzen, etwas neues einführen. 3. weiter rücken, verschieben, verlängern. 4. vorrücken, tadeln.
=up-ruckinge,= Aufschub; Aufhören.
=up-ruden,= e. Graben oder Fluss aufräumen, säubern, auskrauten.
=up-ruffelen= = uproifen. Subst. uprufinge.
=up-rugen,= Tuch mit Karden aufrauhen.
=up(-ruien), -rugen,= aufgeregt werden, lermen.
=up-rumen,= aufräumen, wegschaffen, säubern, auskrauten.
=up-rumer,= Aufräumer (Werkzeug des Hufschmidts).
=up-ruspen= = uprispen.
=up-rutinge,= Aufregung.
=up-sakinge,= (das *saken up* etwas,) Anspruch.
=up-sande,= f. Aufsendung, d. i. Aufkündigung eines Lehns, *resignatio in manum dominantis; upsandes-brêf,* Urkunde darüber.
=up-sat,= n. =sate (-satte?),= f. n. 1. das Auf- oder Einsetzen der Meier etc. auf Gütern. 2. Auflage, Steuer. 3. Anordnung, Festsetzung, Statut. 4. Absicht; Entschluss, Vorhaben, Anschlag, List, Anstiftung; Täuschung, Lüge; Feindseligkeit, Aufruhr.
=up-sate,= der einen Rat gibt, Urheber.
=up-satelik(e),= adv. vorsätzlich, absichtlich.
=up-sater,= Anstifter, Urheber.
=up-satich= u. =-sats,= der *upsate* hat; listig; betrügerisch; aufrührerisch.
=up-schaven,= _durch Schaben bessern (alte Hornscheiben in Laternen)._
=up-schepen,= Ladung aus dem Schiffe (an das Ufer, auf den Kornboden etc.) bringen, ausladen.
=up-schêten,= 1. auf-, in die Höhe werfen (Erde etc.). 2. aufschieben, hinausrücken, verlängern; seine Klage verfolgen, weiter appellieren. Intr. in die Höhe fahren.
=up-schêtinge,= Aufschiebung.
=up-schiringe,= Aufheiterung (des Himmels).
=up-schortelse,= _n. womit man die Kleider aufschürzt, Aufschürzband._
=up-schorten,= verkürzen; Kleider aufbinden, aufschürzen; bildl. aufschieben.
=up-schortinge,= Aufschub.
=up-schot,= Damm (Holz, Erde etc. die aufgeschossen ist).
=up-schote,= Schössling; = upstoke.
=up-schove,= st. m. *-schof,* n. Aufschub.
=up-schriven,= aufschreiben, schriftlich aufsetzen; durch ein Schreiben aufkündigen oder aufschieben, stunden.
=up-schrivinge,= Hinausschiebung auf einen späteren Termin.
=up-schruven,= auf-, festschrauben; durch einen Schraubensatz höher heben.
=up-schudden,= aufschütten.
=up-schuppen,= aufschaufeln, aufhäufen.
=up-schûr,= m.? =-schuringe,= _Nachlass eines Schauers (Krankheit, Ungewitters, Anfeindung), Zwischenruhe, Erholung._
=up-schutten,= in Gewahrsam bringen; = *upschuven,* hinausschieben.
=up-schuven,= hinauf-, zuhauf schieben; fig. auf später verschieben.
=up-sêden,= aufsieden, aufwallen.
=up-sêdinge,= Aufsiedung, Aufwallung.
=up-sêer,= Aufseher.
=up-seggen,= 1. auf-, hersagen, *recitare.* 2. aufsagen, aufkündigen. 3. auf jem. etwas aussagen. 4. auffordern.
=up-sên, -sein,= aufsehen; aufpassen, achtgeben.
=up(-sênde), sînde,= Aufsehen erregend, gewaltig, gross.
=up-senden,= hinauf-, hinsenden; im rechtl. Sinne: verzichten, bes. ein Lehn dem Lehnsherrn wieder zur Verfügung stellen, resignare.
=up-sendinge,= Verzichtleistung, Resignation.
=up-sêner, -sênder,= Aufseher.
=up-sênt, -seint,= n. Aufsicht, Achtgeben.
=up-set, -sette,= n. f. = upsate.
=up-settel-kussen,= Stehküssen?
=up-settels,= n. Kette oder Aufzug (Weberei)?
=up-setten,= 1. aufsetzen; in Stapel setzen; aufbauen. 2. weg-, bei Seite setzen; in Haft nehmen; aufstützen, verschieben; aufgeben. 3. verpfänden. 4. aufsetzen, aufs Spiel setzen, wagen. 5. einsetzen (Meier etc.), annehmen (als Geselle). 6. festsetzen, bestimmen; einrichten, anstellen; auferlegen; anstiften, aufbringen. 7. seinen Sinn worauf setzen, sich entschliessen, die Absicht haben. -- Refl. sich auflehnen, widersetzen.
=up-setter,= der etwas (bes. etwas böses) sich vornimmt und ins Werk setzt, Anstifter, Urheber, Aufrührer.
=up-settinge,= Festsetzung, Bestimmung; das Einsetzen einer neuen Steuer, der Meier etc.
=up-sicht,= Aufsicht, Obacht.
=up-sichtich,= in die Augen fallend, merklich, ansehnlich; v. Personen: vornehm, angesehn. Subst. upsichticheit.
=up-sitten,= sich aufsetzen.
=up-sitter,= der worauf sitzt oder sich setzt.
=up-slach,= m. 1. Aufschlag der Augen, Augenblick. 2. Aufschlag, was von gefällten Pflanzungen wieder ausschlägt, nachwächst. 3. Tischklappe. 4. Aufschub, Zögern; das Aufschieben der Feindseligkeiten, Waffenstillstand. 5. Kosten, Aufwand. 6. Gastgebot, bes. der Verlobungsschmaus. 7. Verlobung. 8. Preissteigerung.
=up-slainge,= Aufschub.
=up-slân,= aufschlagen: 1. gewaltsam öffnen, aufbrechen; alte Schiffstaue zu Werg zerschlagen. 2. festschlagen; durch Schlagen ausbessern (Panzer); anschlagen (e. Schrift), abs. bekannt machen. 3. aufführen, bauen (Deich, Gebäude); gründen, errichten (Hausstand, Schule); aufstapeln, auf den Wagen, den Speicher bringen, zum Verkauf ausstellen (Waren). 4. ge-, verloben (m. pers. Obj. oder *de brût-lacht).* 5. aufschieben, aussetzen (Verhandlung). 6. aufschlagen, hinzurechnen. 7. aufwenden (Geld); abs. Aufwand machen, es hoch her gehn lassen. -- Intr. aufklappen (Fenster); aufgehen, auflodern (Feuer); steigen, zunehmen (Preis).
=up-sliten,= zerstören, vernichten.
=up-slitinge,= Zerstörung.
=up-sluken,= hinunterschlucken, verschlingen.
=up-sluten,= aufschliessen; eröffnen, vernehmen lassen.
=up-sniden,= aufschneiden.
=up-soken,= auf-, hervorsuchen.
=up-spannen,= aufspannen.
=up-sparen,= mit Dachsparren versehen, bedachen.
=up-sperren, -sparren,= aufsperren.
=up-spilen,= aufspreizen, aufsperren.
=up-spliten,= aufspleissen, aufreissen, aufschlitzen.
=up-sporen,= aufspüren.
=up-sprake,= f. 1. Anspruch. 2. Sprache gegen jem., Verleumdung.
=up-sprengen,= (eig. die Pferde springen lassen,) sich erheben, sich wohin aufmachen.
=up-springen,= aufspringen, sich erheben.
=up-spruten,= aufspriessen, wachsen.
=up-stal,= n. Auflauf, Aufstand.
=up-stallen,= aufstehen?
=up-stallink,= Häuptling, afrs. opstalling.
=up-stân,= 1. aufrecht stehen. 2. aufstehen; sich auflehnen; auferstehen. 3. entstehen, erwachsen. Trans. (die Kosten) stehen, tragen.
=up-standel-kussen,= Steh-, Rückenküssen.
=up-stander,= der aufersteht.
=up-standicheit= u. =-stannisse,= Auferstanden-sein, -heit; Auferstehung.
=up-standinge, -staninge,= Aufstehen (vom Schlaf); Auferstehung.
=up-stapelen,= auf einen Haufen legen, auf Lager bringen.
=up-staven,= (Finger) zum Schwur emporhalten oder auflegen.
=up-stekel,= spatula, also etwa Hirschfänger; l. upsteker?
=up-steken,= 1. auf-, beistecken. 2. aufstechen, öffnen; anstechen (ein Fass Wein, Bier etc.) zum Verzapfen. 3. den Preis festsetzen und bestimmen, nach welchem ein Getränk verzapft werden soll.
=up-stellen,= aufstellen, einrichten, einführen; anstellen, begehen, anstiften.
=up-stên?= (mûrstên, dakstên, upstên).
=up-stîch,= Aufsteig, Anhöhe.
=up-stigen,= aufsteigen, sich erheben, emporkommen, entstehen.
=up-stiginge,= ascensus; eructuatio vel singultus; Steigen des Preises.
=up-stippen,= aufstippen, mit dem Finger auftupfen als symbol. Bekräftigung.
=up-stoke,= Strebebaum des Baugerüsts.
=up-stopet= kiste, Kiste mit Füssen? mit gewölbtem Deckel?
=up-storminge,= Angriff.
=up-stôt,= m. Aufstoss, Zwietracht, Uneinigkeit.
=up-stoten,= 1. intr. in Zank, Zwist mit jem. kommen. 2. trans. einstossen, gewaltsam aufbrechen.
=up-stouwen,= aufstauen, anschwellen.
=up-stouwinge,= Aufstauung, Anschwellung.
=up-striden,= im Streite beilegen, schuldgeben.
=up-striken,= aufstreichen, -schmieren, -leimen.
=up-stutten,= aufstützen (e. Schiebfenster).
=up-stutzich= werden, in Zank gerathen.
=up-supen,= ausschlürfen, -trinken.
=up-suveren,= aufsäubern, reinigen.
=up-swellen,= aufschwellen.
=up-tên, -tein,= I. intrans. aufziehen, emporsteigen; einen Zug wohin machen, wohin reisen. II. trans. 1. hinauf, in die Höhe ziehen. 2. aufrichten, bauen. 3. aufziehen u. wägen (auf der Probierwage), Getränke abzapfen oder probieren. -- Vielfach bildl. 1. auf-, grossziehen. 2. erheben (als König etc.). 3. heranziehen, vorbringen, sich auf etwas berufen, Anspruch machen. 4. hinziehen, hinhalten, säumen, verlängern, 5. hervorziehen, beginnen zu thun.
=up-ticht= u. =ave-ticht,= Anspruch u. Verzicht?
=up-tillen,= aufheben, in die Höhe richten.
=up-tins= = tins.
=up-toch,= m. =-toge,= st. m. =-tocht,= f.? 1. Aufzug; bes. Aufgang der Sonne. 2. Verzug, Hinhalten, Säumen.
=up-toger,= Aufzieher, Aufwinder; Zapfer; der Getränke aus einem Fasse zur Besichtigung heraufzieht.
=up-togeren,= hinzögern, aufschieben.
=up-toven,= anhalten, festhalten.
=up-tred(e?),= Auftritt (Brett etc. zum Auftreten), Stufe.
=up-trummitten,= auftrompeten, blasen.
=up-tucken,= heraufziehen; fig. vorbringen; intrans. aufhören, ablassen, anhalten.
=up-val,= was auf etwas fällt, z. B. Früchte auf den Erdboden.
=up-vallen,= begegnen, widerfahren.
=up-vân, -vangen,= auffangen, den weiteren Fortgang hemmen.
=up-varen,= auf-, in die Höhe fahren; aufspringen; auffliegen; flussaufwärts fahren.
=up-vaten,= aufladen.
=up-vlien,= ordnen, zieren, schmücken.
=up-vlodinge, -vloyenge,= Aufflutung.
=up-vloien,= auffluten.
=up-vlucht,= Aufflucht, rasche Steigung.
=up-voden,= auffüttern, grossziehen.
=up-vodinge,= Auffütterung.
=up-vorderen,= aufbieten (Soldaten).
=up-vore,= f. =up-voren,= sw. v. Waren, bes. vom Schiff aus, wohin fahren.
=up-vorstandinge,= Auferstehung.
=up-vragen,= erfragen.
=up-vullen,= auf-, nachfüllen.
=up-vuller,= Amt eines Salinenknechtes (Lüneburg).
=up-vullinge?= l. *up-willinge,* Willensänderung, Widerspruch?
=up-waken,= aufwachen.
=up-warden,= aufwarten.
=up-wart, (-wort, -wordes),= aufwärts.
=up-wassen,= aufwachsen.
=up-water,= hohes Wasser, Flut, bes. Oberwasser, durch Regen entstandenes Hochwasser; fig. Beistand, Vorschub.
=up-wecken,= aufwecken; erregen.
=up-wegen,= emporbewegen, aufheben; wägen.
=up-weigen,= gross wiegen, aufziehen.
=up-wêken,= aufweichen; intrans. auch: aufthauen.
=up-wenden,= aufwenden, Geld auf etwas verwenden.
=up-wenen,= von Jugend an gewöhnen.
=up-werpen,= 1. aufwerfen, herauswerfen. 2. aufschlagen, öffnen (ein Buch). 3. erheben (zum Könige, Fürsten etc.), bes. widerrechtlich gegen einen andern. 4. verwerfen, zurückweisen, bes. Zeugen. -- Refl. sich aufwerfen, sich rühmen, prahlen.
=up-wesselen,= einwechseln.
=up-wicht,= Auf-, Übergewicht.
=up-winden,= aufwinden, aufziehen.
=up-wippen,= in die Höhe schnellen.
=up-wisen,= aufweisen, vorzeigen.
=up-wor-hen= = upwort, aufwärts? l. *up w-h,* aufwärts irgendwohin?
=up-worp,= m. Aufwurf; concr. das Aufgeworfene, Damm.
=up-wurden,= einen Grund (zu e. Bau-, Garten-, Hofplatz) aufhöhen.
=ur-,= s. *or-;* z. B. ur-sale.
=ûr(e),= f. 1. Stunde. 2. Uhr (a. 1531).
=ûr-hane,= *m.* =-hene,= f. =-hôn,= _n. Auerhahn, Birkhuhn._
=uriginâl,= n. = *urinâl,* gläserner Urinbehälter.
=ûr-osse,= Auerochse, *urus, bubalus;* Zss. urossen-horn.
=urs= = ors, Ross.
=urzele (?),= Wagen oder Radgestell zum Verschieben der Gerüstkrähne?
=us, use, usik (usek)= = uns, unse, unsik.
=ût,= präp. 1. aus-, heraus. 2. in Folge. 3. Beweggrund bez.
=ût, ute, uten,= adv. 1. räumlich: aus, heraus; *ute sîn,* draussen, nicht zu Hause, abwesend, verbannt sein (Ggs. *in sîn); al ût,* gerade aus; bildl. von Zinsen: fällig *(de tins môt ût up S. Joh.).* 2. zeitlich: aus, zu Ende; *den krîch ût,* die ganze Zeit des Krieges über (verstärkt *al ût).* 3. ungefähr, drum herum (räuml. u. zeitl.).
=ût-antworden,= ausliefern.
=ût-arbeiden, -arbeidigen,= emoliri, eniti.
=ût-banninge,= Verbannung.
=ût-bêdinge, -beidinge,= Aufbietung, Aufgebot; Angebot, Darreichung; Ausübung, Anwendung?
=ût-bêde?= Aus-(Auf)gebot.
=ût-bêden, -beiden,= 1. entbieten, auffordern heraus zu kommen, aufbieten. 2. ausbieten, öffentlich ausloben; anbieten, darreichen.
=ût-benomen,= eine namentliche Aufnahme machen.
=ût-beraden,= ausberaten, Kinder mit einer Aussteuer abfinden.
=ût-berêden,= fertig, bereit machen; verladen.
=ût-berichten,= aussteuern.
=ût-bernen,= niederbrennen, trans. u. intr.
=ût-bersten,= ausbrechen.
=ût-beschêden, -bescheiden,= ausbedingen; Prtcp. Prt. ausgenommen.
=ût-besluten,= excludere.
=ût-besunderen,= aussondern.
=ût-bewisen,= aus-, beweisen.
=ût-blasen,= herausblasen, aushauchen; ausblasend löschen (Feuer, Licht).
=ût-blinden= = hd. *ûzblicken,* SSpgl. Vorr.
=ût-bloien, -bluien,= efflorescere.
=ût-bliven,= aus-, fern bleiben, zu kommen verziehen.
=ût-bodelen, -bolen,= mit dem *bodele, bole* oder *bôlschat,* Brautschatz, aussteuern.
=ût-boden,= durch einen Boten kommen lassen; auffordern zu kommen.
=ût-bodinge,= Aufbietung.
=ût-bogen,= aus seiner Lage biegen.
=ût-bolen,= ausserhauses auf Liebeswerbung gehen.
=ût-bôlschatten= = ûtbodelen.
=ût-boren,= herausheben; erheben (Gelder, Renten etc.).
=ût-borgen,= durch Bürgschaftsleistung jem. lösen u. befreien, bes. aus der Gefangenschaft. 2. gegen Bürgschaft geben oder lassen.
=ût-bot,= n. Ausgebot, Aufforderung sich (freiwillig oder pflichtmässig) zu stellen.
=ût-brêden,= ausbreiten.
=ût-breken,= 1. intrans. ausbrechen, hervorkommen (plötzlich u. mit Gewalt); fig. kund werden. 2. trans. ausbrechen, ausreissen.
=ût-bringen,= 1. herausbringen, hinausgeleiten; von Münzen: Gehalt haben. 2. herstellen, zu Ende bringen, vollenden. 3. aussprengen, unter die Leute bringen; von Waren: sie verkaufen.
=ût-bringer,= Angeber, Denunciant.
=ût-bringinge,= Herausbringung, Rettung; Vollendung, Ausführung.
=ût-broden,= ausbroden, ausdünsten; subst. ûtbrodinge.
=ût-brôden,= ausbrüten.
=ût-buddelen,= (überschäumen?) ans Tageslicht kommen.
=ût-bulden, -bullen,= (aus-, überschäumen?) an das Tageslicht kommen.
=ût-bulen,= ausbeulen, ausbuchten (silberne Gefässe).
=ût-bundich,= ausbündig, ausgezeichnet, vortrefflich.
=ût-bûr,= auswärtiger, nicht zur Gemeinde gehörender Bürger oder Bauer.
=ût-burink= = ûtbûr.
=ût-buten,= austauschen.
=ût-buwen,= zu Ende bauen; vom Dünger: vollständig benutzen.
=ût-de(ge)dingen,= durch Verhandlung erwirken, ausmachen.
=ût-del(i)gen,= austilgen.
=ût-dênen,= (seine Zeit) völlig zu Ende dienen.
=ût-denken,= ausdenken, ersinnen.
=ût-dingen,= bedingen, durch Verhandlung festsetzen; zu Ende verhandeln; *sik u.,* sich aus der Gefangenschaft durch Festsetzung eines Lösegeldes befreien.
=ût-domen,= ausdunsten, -dampfen.
=ût-dôn,= 1. herausthun, -nehmen. 2. austhun, vernichten, 3. austhun, auskehren, hergeben. 4. austhun gegen Pacht, Zinsen etc., ausleihen, verpachten; überh. (Geld) ausgeben. -- Refl. sich (ruhmredig) vernehmen lassen, prahlen.
=ût-douwen,= verdauen; ausdrücken.
=ût-douwinge,= Verdauung.
=ût-drach,= m. und =-dracht,= _f. Austrag, endgültige Entscheidung einer Streitsache._
=ût-dragen, -dregen,= 1. (hin)austragen; zum Verkauf austragen. 2. etwas ausschwatzen, jem. verleumden. 3. zu Ende bringen, bes. eine Streitsache zu einem endgültigen Ausgang oder Ende bringen, gütlich oder im Rechtswege; endgültig beschliessen. 4. (Schaden) völlig ersetzen.
=ût-draginge= = ûtdrach.
=ût-draven,= davon (aus der Stadt) reiten.
=ût-dreien,= ausdrehen; *sik u.,* sich herauswinden, entschlüpfen.
=ût-drengen,= mit Macht fördern, zum Ziele treiben.
=ût-drenken,= durch Abschneidung des Wassers zur Ergebung nötigen.
=ût-dringen,= hinausdrängen, vertreiben.
=ût-drinken,= austrinken; mit *up* oder Acc. d. Pers., auf Kosten eines Ungehorsamen Geld vertrinken.
=ût-driven,= aus-, hinaustreiben; e. Sache (od. Besitz) nicht anerkennen; beitreiben.
=ût-drogen,= ex(h)alare, verdunsten, austrocknen.
=ût-droginge,= exalatio.
=ût-droten,= durch Drohung ausdrängen, einem etwas beschwerlich machen u. ihn so zum Verzicht nötigen.
=ût-drouwen,= durch Drohung herausnötigen oder jem. befreien.
=ût-drucken,= 1. ausdrücklich nennen oder angeben; gründlich erklären. 2. erzählen.
=ût-duden,= ausdeuten, erklären.
=ût-duken,= auftauchen, zum Vorschein kommen.
=ût-dunen,= aufschwellen, ausdehnen.
=ût-durschen,= herausdreschen; fig. erringen, erlangen.
=ût-dwalen,= irregehen.
=ût-dwingen,= extorquere.
=ute, ute-,= s. ût, ût-.
=ût-echtisch,= fremd (der nicht zur Acht, Genossenschaft gehört).
=utelk= = uterlik.
=uten,= adv. s. ût.
=uten,= sw. v. 1. herausgeben, herauskehren; äussern, *effari.* 2. beweisen, darthun (die Grösse des Vermögens eidlich erhärten). 3. nicht anerkennen, verwerfen.
=ût-enden,= exterminare; ût-endinge, exterminium.
=ûtenen= = uteren.
=ût-entrichten,= bezahlen.
=uter,= Compar. äussere; Superl. *uterst,* äusserste, höchste, letzte, geringfügigste; *de vêr utersten, quatuor novissima,* die vier letzten Dinge; *de uterste wille,* der letzte Wille. Adv. *uterst,* zu äusserst, am äussersten Ende; zuletzt.
=uter,= ausgenommen.
=uter-dîk,= Aussendeich.
=ût-eren,= exarare.
=uteren,= sw. v. 1. hinaustreiben, verjagen, verstossen, *exterminare;* ausmustern, ausscheiden, verwerfen. 2. von sich thun, herauskehren, veräussern (verkaufen), ausgeben. 3. herausfordern, zur Verantwortung ziehen, bes. die Bezahlung einer Schuld verlangen, jem. wegen einer Schuld belangen. 4. äussern, zeigen; mit dem Munde äussern, darthun, beweisen, erklären. -- Refl. 1. sich (äusserlich) öffentlich zeigen. 2. darthun, versichern. 3. mit Gen. sich einer Sache entäussern, sich lossagen von; von etwas nichts wissen wollen; sich versagen, sich enthalten.
=uter-halve,= ausgenommen, es sei denn.
=uteringe,= 1. Befreiung, Reinigung, Losschwören. 2. (Rechts-)Nötigung?
=uterken= = uterliken.
=ût-erkêsen,= er-, auswählen, auserkiesen; belieben, beschliessen.
=uterlik,= äusserlich; offen, nicht versteckt; genau bestimmt, ausdrücklich, ausführlich; gänzlich, äusserst.
=uterliken, uterken,= adv. äusserlich; offen, genau, bestimmt, sehr.
=uter-mate, -maten(e),= über die Massen, ausserordentlich.
=uterst, uterste,= s. uter.
=ût-erwelen,= auserwählen.
=ût-êschen,= die Auslieferung verlangen.
=ût-evenen,= ausebenen, schlichten.
=ût-gan,= 1. intrans. ausgehen, -fahren, -segeln; ausfliessen, -laufen; *sot u.,* für dumm gelten; *de sêle geit em ût,* er stirbt; hinausgehen, abtreten (von e. Amt, e. Beratung); hervorkommen, auftreten (Schauspieler), erscheinen (Buch), ausgegeben, erlassen werden (Urteil, Mandat), in den Verkehr kommen (neue Münze); laufen, ausstehen (Zinsen, Schulden); zu Grunde gehen, vergehen (Deich); zu Ende gehen, ablaufen (Frist), fällig sein (Schuld, Abgabe); m. Gen., sich entäussern, Verzicht leisten; *ênem (rechtes, êre),* verweigern, entziehen. -- Prtcp. *ûtgânde: wech,* offen; *wîf = wandelbar wîf; tît,* Termin; *recht,* Rechtsquelle, Oberhof, höhere, höchste Instanz? Rechtsweg, Process? 2. trans. verweigern, ableugnen; verleugnen, ablegen; nachforschen, aufspüren, nachweisen; pers. überführen.
=ût-gândes,= adv. nachträglich; schliesslich.
=ût-ganginge,= processio.
=ût-gank,= _m. 1. Ausgang (Handlung u. Ort), fig. Ausweg; Erscheinen, Auftreten; als Krankheit: Diarrhoe, Blutfluss. 2. Ver-, Ablauf, Ende. 3. Verzichtleistung._
=ut-gave,= Geldausgabe; Anteil (an Schweinemast), auf welchen stets nur ein Schwein aufgetrieben werden darf.
=ût-geistinge,= Verlust des Geistes, Tod.
=ût-gêten,= aus-, vergiessen; intrans. sich ergiessen, herausfliessen.
=ût-gêtinge,= Vergiessung (v. Thränen, Blut).
=ût-geven,= 1. herausgeben, aushändigen, -liefern, freigeben; ausgeben, zahlen, bezahlen. 2. von sich geben, aussprechen; ein Gesetz geben; angeben, bestimmen. 3. ein Kind aus dem Hause geben, aussteuern, ausberaten. -- Refl. sich zeigen; *vor,* gelten wollen für.
=ût-gift,= f. 1. Herausgabe, Ausfertigung, Ausstellung. 2. Geldausgabe.
=ût-gliden,= elabi; fig. sich aus dem Staube machen.
=ût-gôt? -gote= (m.)*?* Ausguss (v. Regen).
=ût-graven,= effodere, eradicare, exsculpere.
=ût-grunden,= ergründen, erforschen.
=ût-grunder,= Ausgründer, Ausforscher.
=ût-gunnen,= vergönnen mitzunehmen.
=ût-halen,= 1. herausholen, herbeiziehen; Gut herausfordern, Besitzanspruch (eidlich erhärten und) durchsetzen. 2. bildl.: ausforschen. 3. verhöhnen.
=ût-halippen,= schmähen, schelten, schimpfen.
=ût-halteren,= ausschelten.
=ût-harden,= aushalten, ausdauern.
=ût-hêien,= verschneiden, castrieren.
=ût-helligen,= müde machen, bildl.: erschöpfen, aussaugen.
=ût-hêmisch,= ausheimisch: fremd, ausländisch; nicht in der Heimat, abwesend.
=ût-hengen= u. =-hangen,= _aushängen, spec. Waren zum Verkauf._
=ût-hensch,= nicht zur Hanse gehörend.
=ût-her,= seit-, bisher.
=ût-herden,= ausharren.
=ût-hof,= Aussenhof, ein auswärts (nicht unmittelbar beim Hauptgebäude) belegener Hof (eines Klosters), Vorwerk.
=ût-hoken (-haken), -hokeren,= aushökern.
=ût-holden,= 1. behaupten, festhalten; in Vollzug bringen. 2. angeben, besagen, vorschreiben. 3. Zeit etc. aushalten. 4. *van,* abhalten von, hindern an.
=ût-holken,= aushöhlen.
=ût-houwen,= aushauen; e. Hölzung lichten; ausmeisseln.
=ût-hovêren,= aushofieren, am Ende der Herrlichkeit anlangen.
=ût-huren,= ausmieten, jem. aus seiner gemieteten Wohnung vertreiben, dadurch dass man sie selbst mietet.
=ût-huringe,= Vermietung an einen andern.
=ût-husicheit,= Aushäusigkeit, Entfernung von der Heimat.
=utinge,= f. Herausgabe, Herauskehrung.
=ût-jacht,= Verfolgung (der Feinde, Verbrecher etc.) ausserhalb der Stadt.
=ût-jagen,= eine *ûtjacht* machen; verjagen, vertreiben.
=ût-kallen,= herausrufen, -fordern.
=ût-kavelen,= auslosen.
=ût-kennen,= aus andern herauserwählen, auszeichnen.
=ût-kêren,= herauskehren, hinwenden, richten auf.
=ût-kernen,= 1. *enucleare.* 2. auskerben (Urkunden).
=ût-kerven, -karven,= auskerben, -schneiden.
=ût-kêsen=, auswählen.
=ût-kêser,= Auswähler.
=ût-kêsinge,= Erwählung, Wahl.
=ût-klacht,= Klage bei auswärtigen Gerichten.
=ût-kloppen,= ausklopfen; (härtere Gegenstände, z. B. Wachs) bei Kleinigkeiten verkaufen.
=ût-kluven,= stückweise herausnehmen.
=ût-knoken,= den Flachs brechen.
=ût-knudden,= von der Wäsche: mit dem Waschholz rein klopfen?
=ût-knuppen,= ausknospen.
=ût-knutten,= ausknoten, herausknöpfen, -ziehen.
=ût-kogeslude,= (Schieds-) Leute aus benachbarten Kögen, vgl. kôch.
=ût-komen,= 1. entsprossen sein, herstammen. 2. hinaus-, ins Freie kommen; verbannt werden; ins Feld ziehen. 3. davon-, herauskommen (aus Not u. Gefahr). 4. ans Tageslicht kommen, sich zeigen, bekannt werden. 5. von Geldern, Renten etc.: fällig sein u. am Fälligkeitstermin ausbezahlt werden.
=ût-kopen,= heraus-, zurückkaufen; von einer Strafe frei kaufen.
=ût-korten,= an den Tauen das Schiff wieder wegholen.
=ût-kove,= sw. m. Aussenkoben: 1. vom Haupthause abgetrennter Viehschuppen. 2. Aus-, Anbau am Hause.
=ût-kreftigen,= exhaurire.
=ût-kreiêren,= ausrufen, ex-, proclamare.
=ût-krigen,= herausnehmen; erheben (Steuern etc.).
=ût-kubbinge= = ûtkove 2.
=ût-kumpst,= das Herauskommen, Befreiung.
=ût-kundigen,= 1. (öffentlich) verkündigen. 2. auf-, entbieten.
=ût-kundiger,= öffentlicher Ausrufer.
=ût-kundinge,= Auskündigung, Aufgebot.
=ût-laden,= _auswärts, vor ein anderes -- nicht einheimisches -- Forum laden. Subst._ ûtladinge.
=ût-lage,= Auslage = Erker?
=ût-landesch,= ausländisch, fremd.
=ût-langen,= herausnehmen, -reichen; fig. aus dem Gefängniss lassen.
=ût-lank,= adj. der ganzen Länge nach.
=ût-lant,= Aussenland; *ûtlande,* die Marschen u. Inseln in Nordfriesland.
=ût-lapen,= auslecken.
=ût-lasten,= ein Schiff löschen, Waren ausladen.
=ût-laten,= sw. v. Schösslinge treiben, ausschiessen; bildl.: entspringen, entstammen.
=ût-lâten,= st. v. 1. herauslassen, machen dass etwas herausgeht; entlassen. 2. auslassen, übergehen.
=ût-latinge,= Entlassung.
=ût-lêden= = ûtleiden.
=ût-leggen,= 1. auslegen, Waren zum Verkauf aufstellen. 2. auslegen, zahlen, vorschiessen. 3. festsetzen, bestimmen; Gerichtstage etc. anberaumen. 4. auslegen, deuten. 5. ohne Obj.: aussegeln, Schiffe zur Wache etc. ausliegen lassen.
=ût-legger= = ûtligger 1.
=ût-legginge,= Geldausgabe; Deutung, Auslegung.
=ût-leiden,= herausleiten, -führen; abfliessen machen, ableiten.
=ût-lender,= Ausländer, Fremdling.
=ût-lendich= u. =-lendisch,= ausländisch.
=ût-lênen,= ausleihen.
=ût-lêren,= auslernen; auslehren.
=ût-leschen,= auslöschen, dämpfen.
=ût-leselik,= auserlesen.
=ût-lesen,= auslesen, -suchen; Prtcp. Prt. auserlesen, vorzüglich.
=ût-lichten,= herausheben; verdrängen.
=ût-liggen,= ausliegen; von Schiffen, die zur Wacht etc. ausliegen.
=ût-ligger,= 1. Auslieger, d. i. Warteschiff, das Acht zu geben hat, was auf dem Wasser geschieht; derjenige, der auf einem solchen Schiffe Wache hält; bes. von den Seeräubern gesagt. 2. als Teil des Schiffes: das Schegg des Gallions; *ûtliggersmast,* Bugspriet.
=ût-locken,= herauslocken.
=ût-lodderen,= lotterhaftes Geschwätz vollführen.
=ût-lopen,= weg-, entlaufen; in See gehen.
=ût-lose,= eine Art Zins.
=ût-losen -lossen,= 1. auslösen (vom Auswurf des Hustens, einen Gefangenen, Gepfändeten etc.). 2. ein Schiff ausladen, löschen.
=ût-losinge,= Erlösung; Bezahlung der Wirtshausrechnung; analysis.
=ût-lucht,= Erker, bes. der zu ebener Erde.
=ût-luchten,= m. Dat. (ausleuchten) bildl.: mit einer Tracht Prügel aus der Stadt hinausjagen, einem heimleuchten.
=ût-luden,= lauten, besagen.
=ût-luken,= herausziehen.
=ût-luren,= abwarten.
=ût-lût,= Wortlaut.
=ût-maken,= 1. ausrüsten, fertig machen (um ausgesandt zu werden), bes. zum Kriege; auch: anstiften wozu; verkleiden; *sik ûtm.,* sich auf den Weg begeben, sich aufmachen. 2. ausmachen, ausfindig machen. 3. heruntermachen, tadeln.
=ût-makinge,= Ausrüstung, expeditio.
=ût-malen, -mêlen,= ausmalen, schön machen, zieren, schmücken; schildern, schön darstellen; *ovele ûtm.,* hässlich darstellen, heruntermachen.
=ût-malinge= u. =-mêlinge,= 1. Bezeichnung der Grenze mit *mâlstênen.* 2. Ausmalung, concr. etwas Ausgezeichnetes, Ausbund.
=ût-man,= Fremder, der an einer Genossenschaft nicht beteiligt ist; Stadtfremder.
=ût-manen,= Zahlung einfordern, beitreiben.
=ût-mênschuppen,= aus einer Gemeinschaft oder Genossenschaft ausstossen.
=ût-meten,= aus-, zumessen; Kornhandel im kleinen treiben.
=ût-munte,= f. fremde Münze.
=ût-muteren,= refl. sich mit einem feuchten Tuche den Schmutz vom Gesichte wischen? aus-, zu Ende mausern.
=ût-nemen,= 1. herausnehmen; ausweiden; aus der Menge herausgreifen, verhaften. 2. eine Ausnahme machen. 3. (Geld) aufnehmen, erheben. 4. ausnehmen, von der Strafe losmachen (durch einen Eid). 5. herausnehmen (aus Vorräten), anschaffen, besorgen, kaufen, leihen etc. -- Refl. 1. hervorkommen, hervortreten; sich absondern. 2. sich (durch einen Reinigungseid) von einer Anklage befreien. -- Prtcp. Praes. *ûtnemende,* wählerisch; ausgezeichnet. Prtcp. Prt. *ûtgenomen, utenomen,* mit Ausnahme von.
=ût-nemer,= 1. der eine Ausnahme macht. 2. Anschaffer, Besorger, *procurator, dispensator.* 3. der für einen andern, dem er ein Geschäft zur Besorgung übertragen hat, aufkömmt, ihn schadlos hält.
=ût-neminge,= _1. das Herausnehmen; Ausnahme. 2. Ausrede, Ausflucht,_ exceptio.
=ût-nomen,= benennen, bestimmen.
=ût-osen,= ausschöpfen; bildl. wegschaffen.
=ût-part,= Kompanie mit Auswärtigen.
=ût-panden,= durch Pfändung (rente, lôn, gewedde) erheben.
=ût-pêlen,= auspfählen, durch Pfähle abstecken.
=ût-persen (-parsen),= auspressen.
=ût-pinen, -pîn(i)gen,= emoliri, eniti; de-, extorquere.
=ût-pinsen,= ausdenken.
=ût-plamen,= die Schrift auf der Wachstafel durch Glättung tilgen; fig. tilgen, beseitigen.
=ût-plogen,= exarare; wal unde graven durch Graben und Fahren der Erde machen.
=ût-plucken,= excerpere.
=ût-plûsteren,= ausplündern.
=ût-primen,= verdrängen.
=ût-proven,= (Bier) nach Prüfung der Güte auszuführen gestatten; subst. ûtprovinge.
=ût-provende,= gewisse Präbenden, welche nur die beim Gottesdienste anwesenden Geistlichen erhielten.
=ût-puchen,= auspochen, d. i. ausplündern.
=ût-pumpen,= leer pumpen.
=ût-pûsten,= 1. ausblasen, durch Blasen löschen. 2. aushauchen.
=ût-putten,= exhaurire.
=ût-quêlen,= sw. v. ausquillen.
=ût-quiten,= die Zeche für jem. bezahlen.
=ût-raden,= sw. v. ausberaten, aussteuern (ein Kind).
=ût-recken,= ausrecken.
=ût-rêden, -reiden,= 1. bereiten, zahlen. 2. bereiten, fertig machen; ausrüsten, bes. Schiffe, auch ohne Obj. oder refl.
=ût-rêder,= Ausrüster, Ausrheder.
=ût-rêdinge,= 1. Ausrüstung, bes. zur Reise, von Schiffen. 2. Aussteuer.
=ût-reien, -reigen,= ausser der Reihe tanzen, vortanzen; fig. ausschwärmen.
=ût-reise,= Ausreise, Auszug, bes. in den Krieg.
=ût-rêken, -reiken,= herausreichen, ausbezahlen; ausstrecken, ausbreiten.
=ût-richt= = ûtrichtinge, rechtliche Bescheidung.
=ût-richten,= ausrichten: 1. grade machen, zurecht biegen. 2. zurecht machen, zurichten; anstellen, anordnen; (Botschaft) bestellen. 3. bewirken, vollführen, zum Austrag bringen. 4. ausrüsten; ausstatten, aussteuern. 5. bewirten. 6. bezahlen, entrichten. 7. (Schaden) ersetzen, erstatten.
=ût-richtinge,= _1. Art, wie etwas eingerichtet ist, Einrichtung. 2. Zurichtung, Bewirtung; Ausrüstung, Ausstattung (bes. einer Braut). 3. Endurteil, richterliche Bescheidung. 4. Besorgung, Vollführung; Ausführung eines gerichtlichen Befehls, Vollstreckung eines Urteils, Testamentes. 5. Bezahlung. 6. Ausgleich, Entschädigung._
=ût-richter,= Ausrichter, Vollführer; Testamentsvollstrecker; dispensator, procurator.
=ût-richtich,= entscheidend, definitiv.
=ût-riden,= ausreiten; aufbrechen, die Reise antreten; die Dienste eines *ûtriders* versehen.
=ût-rider,= reitender Diener oder Söldner; *der ûtrider voget = de ridende voget, de hovetman der soldere,* Stadthauptmann; *ûtridersche,* Ausreiterin, d. i. Hexe, die auf einer Ofengabel reitet.
=ût-riffen,= bei einzelnen Fäden ausziehen.
=ût-risen,= aus-, herabfallen.
=ût-riten,= ausreissen; vom Wasser: durchbrechen.
=ût-roden (-raden),= ausroden, ausrotten.
=ût-rodinge,= Ausrodung, Ausrottung.
=ût-roffelen,= ausrülpsen, aufgeben.
=ût-ropen,= ausrupfen, -raufen, -reissen.
=ût-ropen,= ausrufen, verkündigen.
=ût-ropinge,= Ausrupfung.
=ût-ropinge,= Ausruf, Verkündigung.
=ût-rospinge,= Ausrülpsen.
=ût-rouwen,= ausruhen.
=ût-rucken,= rasch herausziehen; intrans. ausrücken, -ziehen.
=ût-ruden,= ausreuten; fig. aufräumen mit, vertilgen.
=ût-rumen,= _aus-, wegräumen, säubern; intrans. flüchten, weichen (aus der Stadt)._
=ût-ruminge,= Ausräumung; Wegzug, Flucht.
=ût-rullen,= ausrollen; *up êner tonnen,* schimpfliche Entfernung eines Frevlers aus e. Gelage mittels e. Tonne.
=ût-rusten,= ausrüsten, versehen.
=ût-sammen,= excumulare.
=ût-scharen,= absondern, ausnehmen.
=ût-schatten,= als Schatzung ausschreiben.
=ût-schaven,= eradere.
=ût-schêden, -scheiden,= 1. intrans. weggehen. 2. trans. ausscheiden, vertragsweise oder namentlich ausnehmen.
=ût-schelen,= unterscheiden, absondern, trennen?
=ût-schemen,= sik, die Scham verlieren, schamlos sein.
=ût-schenken,= feierlich auf die Wanderschaft verabschieden (den Handwerksgesellen).
=ût-schepen,= ausschiffen, ausladen; zu Schiff ausführen.
=ût-scheren,= abteilen; absondern; bestimmen, festsetzen; anordnen.
=ût-schêten,= 1. intrans. ausschiessen, ausspriessen; auch refl. 2. trans. ausschiessen, aussondern.
=ût-schicken,= (wieder) in Schick u. Ordnung bringen; bestimmen, festsetzen; aussenden, abordnen.
=ût-schiften,= das Erbe verteilen; durch Erbverteilung abfinden.
=ût-schinen,= effulgere, eminere, emicare, emittere.
=ût-schippen,= beschaffen, liefern.
=ût-schoigen,= ausschuhen, die Schuhe ablegen.
=ût-schot,= _n. 1. was ausschiesst, -spriesst, von Bäumen, Gesträuchen etc. 2. Ausschuss, Auswahl, im guten wie im schlimmen Sinne. 3. ausgeschriebene Steuer._
=ût-schrift (-schricht),= Abschrift, Copie.
=ût-schriven,= 1. abschreiben, copieren; aufschreiben, verzeichnen; ausschreiben, ausstellen. 2. aus (der Liste) streichen; eine Hypothek im Stadterbebuch tilgen. 3. eine Zusammenkunft schriftlich anberaumen.
=ût-schudden,= ausschütten, -schütteln.
=ût-schûf,= das mit besondern Förmlichkeiten vollbrachte Ausschieben und Wegbringen der Brautmitgift vor der Hochzeit (Dithm.).
=ût-schult= (Ggs. *inschult*), das Debet, die Passiva.
=ût-schumen,= despumare.
=ût-segelen,= aussegeln, in See stechen.
=ût-segenen,= ein in der Wunde haftendes Geschoss besprechen.
=ût-seggen,= _1. aussprechen, ohne Rückhalt oder vollständig sagen. 2. aussagen, als Zeuge. 3. (in feierlicher Weise) versprechen, geloben. 4. als Richter einen Ausspruch thun. 5. beim Sprechen ausnehmen; bes. *ût-gesecht,* ausgenommen. 6. ausschliessen, verbannen._
=ût-selinge= (= sellinge?), Verkäufer, extra venditores.
=ût-sellen,= bei Kleinigkeiten verkaufen.
=ût-sên,= 1. aussehen, ausgucken. 2. ersehen. 3. intr. Aussehen haben.
=ût-senden,= aussenden; (Waren) versenden, ausführen; *ordêle ûts.,* Urteile ausgeben, aussprechen; ûtgesand, eliciatus, elictus, eruptus, egestus, unnuͤtte.
=ût-set,= n.? Aussetzung, Aufschub.
=ût-settel-kuven,= n. e. Art der Braukufen.
=ût-setten,= hinaus-, aussetzen: 1. ausladen, löschen (Waren). 2. hinausbauen *(ûtluchte).* 3. zum Verkauf auslegen (Waren). 4. austhun, ausberaten (Kinder). 5. versetzen, verpfänden. 6. jem. durch Bürgschaft von Anspruch befreien. 7. auseinander setzen, vorbringen; in Worten ausdrücken (übersetzen). 8. ausmachen, anstiften, festsetzen, bestimmen. 9. aussetzen, aufschieben. 10. Verdächtigungen aussetzen, verdächtigen.
=ût-setter,= 1. Anordner, Anstifter. 2. Vertreter?
=ût-settinge,= _1. Absetzung, Ausstossung aus e. Collegium. 2. Auseinandersetzung, Vorschlag. 3. Anordnung, Festsetzung. 4. Verpfändung._
=ût-settisch= u. =-settich,= aussätzig.
=ût-settischeit,= Aussatz, lepra.
=ût-sichtelse,= n. was beim Aussichten, Aussieben durch das Sieb gefallen ist.
=ût-sichtinge,= Aussichten, Aussieben.
=ût-sigen,= heraus-, herniederfallen, -laufen.
=ût-sitten,= aussitzen, v. Vögeln: ausbrüten.
=ût-slach,= m. Übergewicht auf der Wage; stater, medietas uncie.
=ût-slach,= n. ein ausserhalb der eingedeichten Marsch liegendes, separat bedeichtes Weideland, später auch Ackerland.
=ût-slacht,= f.? Geldumlage.
=ût-slân,= 1. intrans. herausschlagen (z. B. vom Feuer); beschlagen, schimmelicht werden. 2. trans. aus-, herausschlagen; hinausschlagen, hinaustreiben; in einander Gefaltenes auseinander legen, ausbreiten; auspacken, zum Verkauf auslegen; aus dem Speicher verladen; ausplündern; bestimmen, anweisen (durch gesetzte Zeichen); ausschlagen, abweisen, sich weigern anzunehmen.
=ût-slapen,= ausserhalb des Hauses schlafen, nachts nicht heimkommen.
=ût-slichten,= expolire.
=ût-sliken,= hinaus, davon schleichen.
=ût-sliten,= 1. ausschleissen, bei Kleinigkeiten verkaufen. 2. von Gerichtswegen in Folge gerichtlicher Klage nötigen ein Pfand zu geben?
=ût-sluten,= excludere.
=ût-smachten, -smachtigen, -smechtigen,= aushungern, durch Hunger zur Ergebung nötigen.
=ût-sniden,= ausschneiden, *ûtgesneden sedel, literae indentatae;* im Detail, Ausschnitt verkaufen; entmannen, castrieren.
=ût-snuven,= (die Nase) schneuzen.
=ût-soken,= _trans. aussuchen, -wählen; intrans. auf eine Handelsreise ausfahren, -segeln._
=ût-spannen,= ausspannen (Pferde).
=ût-spêkelen,= den Speichel auswerfen.
=ût-spenden,= ausspenden, zuteilen.
=ût-speren,= aussperren, ausbreiten.
=ût-spigen,= exspuere.
=ût-spisen,= jem. ausserhalb des Hauses speisen, Speise aussenden.
=ût-spisinge,= Bewirtung ausserhalb des Hauses; überh. Bewirtung.
=ût-spliten,= auseinanderspleissen, -reissen.
=ût-sporen (-sparen),= aufspüren, ausspüren.
=ût-sprake,= f. Aussprache, Rede, Aussage; Verkündigung eines *ûtsprokes;* Ausnahme, Ausrede, Ausflucht.
=ût-sprêden, -spreiden,= ausspreiten, -spreizen, -breiten.
=ût-spreken,= 1. aussprechen; *recht etc. ûtspr.,* einen Rechtsausspruch etc. geben, aussagend bestimmen; verkünden, publicieren. 2. mit Worten ausscheiden, ausnehmen, *excipere;* bes. häufig *ûtge-, ûtesproken,* ausgenommen, mit Ausnahme, mit Vorbehalt.
=ût-sprekster,= Aussprecherin, Kundgeberin.
=ût-sprêt,= n. (Ausschuss, Spross) fig. Wirkung, Segen, Nutzen?
=ût-sprêten= = ûtspruten.
=ût-springen,= emergere; v. Bewegungen der Schachfiguren.
=ût-sproke,= st. m. 1. Ausspruch, Rede. 2. richterlicher, bes. schiedsrichterlicher Ausspruch, Entscheidung.
=ût-sprot,= surculus.
=ût-spruten,= st. v. ausspriessen, hervorsprossen; hervor-, aufkommen, entstehen, entstammen.
=ût-sprutinge,= Ausspross.
=ût-sprutten,= germinare.
=ût-spunden,= das Bier in die Fässer füllen u. es aus dem Hause fahren.
=ût-staden, -steden,= extradieren, aus den Händen geben, bes. Menschen, Waren frei ausgehen lassen.
=ût-staken= (d. i. *-stoken?),* herausstochern, aufstöbern, hervorsuchen.
=ût-stân,= 1. als Verkäufer mit Waren ausstehen. 2. als Pfand ausstehen, verpfändet sein; als Schuld ausstehen, unbezahlt sein. 3. trans. *wat ût to stân(d)e hebben mit,* einen (Rechts)streit mit jem. haben. 4. trans. leiden, aushalten; *de koste,* die Kosten tragen; *sîn recht,* richterliche Entscheidung sich gefallen lassen.
=ût-stân(t),= n. 1. das Ausstehen mit Waren zum Verkaufe. 2. ausstehendes Geld; überh. Ansprüche gegen jem.
=ût-stapelen,= abpfählen, durch gesetzte Pfähle abgrenzen.
=ût-steken,= 1. ausstechen; ausmeisseln. 2. durchstechen (z. B. einen Deich). 3. ansetzen, anberaumen. Prtcp. *ûtge-, utesteken,* ausgenommen.
=ût-stel (-stal),= n. Verzögerung, Aufschub.
=ût-stellen,= 1. hinausschieben, verlängern. 2. ausstellen, ausfertigen.
=ût-stellinge= = ûtstel.
=ût-stemmen,= festsetzen, bestimmen.
=ût-sticken,= bestimmen, festsetzen, anberaumen.
=ût-stickinge,= Festsetzung, Anberaumung.
=ût-stoffêren,= ausstaffieren, -rüsten, versehen mit.
=ût-stormen,= erstürmen, expugnare.
=ût-storten,= ausstürzen, vergiessen.
=ût-stortinge,= Vergiessung.
=ût-stoten,= hinausstossen; aus-, verstossen; verbannen; (Butter) in Stich verkaufen, aushökern.
=ût-strecken,= 1. ausstrecken. 2. (Geld) vorstrecken, vorschiessen, auslegen. 3. refl. sich erstrecken.
=ut-streckinge,= Ausdehnung; fig. Erstreckung, Belauf, Betrag.
=ût-striken,= anstreichen, ausmalen, ausweissen.
=ût-stubben,= den Staub ausfegen; bildl. wie Staub wegjagen.
=ût-sturen,= aussenden, von sich thun, aussteuern (ein Kind).
=ût-sturinge,= Aussteuerung, Aussteuer.
=ût-sunderen,= absondern, trennen, ausschliessen; Kinder von sich teilen, aussteuern, ausstatten.
=ut-supen,= absorbere, aussaufen.
=ût-suren,= aussauern, unter Schmerz lange Zeit ertragen.
=ût-swademen,= ausdunsten.
=ût-sweif,= (Ausschweif,) Streifzug.
=ût-swemmen,= emergere.
=ût-tappen,= aus-, verzapfen, ausschenken.
=ût-tasten,= ausgreifen, Hand anlegen (zum Arbeiten); m. Obj. *(dike),* machen, herstellen.
=ût-têkenen,= 1. auszeichnen, mit Abzeichen versehen. 2. auszeichnen, festsetzen, bestimmen.
=ût-tellen,= aus-, hinzählen; (neue Münze) ausgeben.
=ût-tên,= 1. intrans. ausziehen, *egredi;* ins Feld ziehen; wegziehen. 2. trans. aus-, abziehen; herausziehen, *exhaurire;* zu Leistungen heranziehen; ausnehmen, e. Ausnahme machen; auslassen, unterdrücken, verschweigen; *gût,* ein dem Lehnsmann zu Gunsten des Herrn *in contumaciam* aberkanntes Lehn wieder an sich (den Lehnsmann) ziehen; befreien, reinigen (v. Schuld u. Strafe); refl. sich eidlich reinigen von einer Anklage.
=ût-teren,= intrans. aus-, zu Ende zehren, mit seinem Gelde ans Ende kommen.
=ût-toch, -toge,= 1. Auszug, Reise. 2. Ausflucht, Einrede, *exceptio.* 3. Auszug, Excerpt.
=ût-tolken,= aus einer fremden Sprache übersetzen.
=ût-trecken,= 1. intrans. ausziehen, ausreisen. 2. trans. aus-, abziehen; hinausziehen, -führen, -schleppen.
=ût-trede,= Austritt; bildl. Ende.
=ût-treden,= heraus-, hervortreten; fig. ausgehen von, seinen Ursprung haben.
=ût-underwêden,= etwas aus anderem (Dat.) herausgäten.
=ût-vallen,= excidere.
=ût-vallinge= der hâr, alopana.
=ût-varen,= 1. ausziehen, bes. aus einer Wohnung; ausreisen, aussegeln. 2. sein Amt niederlegen.
=ût-vart,= 1. Ausfahrt, Ausgang. 2. Auszug, Weggang; Scheiden der Seele aus dem Leibe. 3. Abgabe bei der Ausfuhr; Abgabe beim Wechsel des Besitztums?
=ût-vaten,= (ausfassen, Deiche) machen, herstellen.
=ût-vechten,= anfechten.
=ût-vegen,= ausfegen, -kehren.
=ût-veigen,= (die in den Acker gebrachte Düngung) ausnutzen? l. *utvrigen* (*edder ghelden,* auslösen oder bezahlen)?
=ût-verdigen,= ausfertigen, abfassen; abfertigen, aussenden, abordnen; ausstatten, ausrüsten.
=ût-verdinge,= Ausfertigung, Ausrüstung.
=ût-vilen,= elimare.
=ût-vilzen,= ausschelten.
=ût-vinden,= (ein Urteil) finden, erkennen.
=ût-vindinge,= Einrede, Einwand.
=ût-firen,= ein Tau etc. schiessen lassen.
=ût-vitallien,= mit Lebensmitteln versehen, verproviantieren.
=ût-vlege,= _st. m. Aufputz, zur Schau stellende Auslegung von Waren._
=ût-vlêgen,= ausfliegen; auch metaphor.
=ût-vlête,= st. m. Ausfluss. L. utvlote?
=ût-vlêten, -vliten,= heraus-, ausfliessen.
=ût-vlien, -vligen,= schmücken, herausputzen; Waren zur Schau ordnen, ausstellen.
=ût-vloien,= ausströmen.
=ût-vlote,= st. m. Ausfluss.
=ût-vlucht,= 1. das Entweichen. 2. Ausflucht, Einrede, Winkelzug.
=ût-vluchtich,= 1. flüchtig = *vorvluchtich.* 2. Ausflüchte, Einreden suchend; *rechtes, des rechten ût.,* sich durch Ausflüchte dem Rechtsgange zu entziehen suchend.
=ût-volgen,= m. Dat. Folge leisten, nachkommen, entsprechend handeln.
=ût-vorderen,= 1. (gerichtlich) eintreiben, verlangen; jem. gerichtlich mahnen. 2. ausrüsten, ausstatten.
=ût-vorderinge,= Mahnung; Ausbietung, provocatio.
=ût-vordriven,= aus Land oder Stadt treiben, verbannen.
=ût-vore,= f. Ausfuhr, Export.
=ût-voren,= hinausführen, -bringen; (Waren) ausführen, exportieren; (Verbrecher) zum Richtplatz bringen; zu Ende führen, vollbringen; weitläuftiger erzählen, auseinandersetzen.
=ût-vorkêsen, -keisen,= auserwählen, bevorzugen. Subst. *ûtvorkeisinge,* Auserwählung.
=ût-vorschamet,= unverschämt, schamlos.
=ût-vorschriven,= steckbrieflich verfolgen.
=ût-vorsêinge,= Vorsehung.
=ût-vorsên,= ausersehen.
=ût-vorsetten,= verpfänden.
=ût-vorvarer,= Ausforscher, Spion.
=ût-vorwelen,= auserwählen; *ûtvorwelt,* auserlesen, ausgezeichnet.
=ût-vragen,= erfragen, erkunden, erforschen, percrepare (!).
=ût-vrechtigen= = ûtvragen, percrepare.
=ût-vreten,= ausfressen; *ên hol* (Loch), vom Krebsschaden.
=ût-vriden= einen dîk, einen Deich als Schutz auslegen, machen.
=ût-vrieden,= roggen ût to vrieden: l. vriende? vorende?
=ût-vundich,= genau bekannt.
=ût-vunt,= _(jur.)? Michelsen, Samml. altdithm. Rechtsquellen S. 115._
=ût-wachte,= Aussen-Wachtposten, Neben-Zollamt.
=ût-wanken,= herausgehen.
=ût-wardunge,= Pflege, Schutz.
=ût-ware,= Abgabe von Fischen?
=ût-wart,= auswärts, heraus, hinweg.
=ût-waschen,= gänzlich rein waschen.
=ût-wasemen,= ex(h)alare; ûtwasminge, exalatio.
=ût-wassen,= auswachsen (vom Korne).
=ût-wech,= Weg der hinausführt.
=ût-wêden,= ausgäten.
=ût-wegen,= 1. auswägen. 2. die besseren, über den Nennwert haltenden Goldstücke auswägen (u. einschmelzen). 3. einzeln bei Gewicht verkaufen.
=ût-weiden,= 1. ausschweifend, üppig leben. 2. eviscerare.
=ût-wei(g)en,= auswehen, ausblasen.
=ût-wendelike,= adv. auswendig.
=ût-wendich,= auswendig, äusserlich; auswärtig.
=ût-wendich,= 1. adv. äusserlich; draussen, von oder nach aussen. 2. präp. (adv.) mit Gen. u. D., ausserhalb.
=ût-wendigen= u. =-wendiges,= äusserlich, auswärts.
=ût-werdes,= auswärts, nach aussen.
=ût-weren,= aus der *gewere,* dem Besitzrecht, entlassen oder setzen.
=ût-werken,= (Truppen) ausrüsten, stellen; refl. sich von e. Anklage oder Strafe auf gesetzlichem Wege befreien.
=ût-werpen,= auswerfen; verschneiden, castrieren (m. Dat.); Fischen die Eingeweide ausnehmen (m. Acc.), daher: mit Fischen zum Verkauf ausstehen; (Geschoss) werfen, verschiessen; fig. ausstossen, abschaffen; *duvele,* austreiben, bannen; refl. sich absondern, sich ausschliessen.
=ût-weser,= Ausgewichener, der ausserhalb seiner Vaterstadt lebt, Verbannter.
=ût-wesselen,= auswechseln; Hörige gegen andere Hörige austauschen.
=ût-wiken,= weichen, die Stadt verlassen.
=ût-wippen,= intrans. Übergewicht haben; trans. Schwereres (gute Münzen) beim Wägen aussondern; bildl. herauswerfen, verdrängen.
=ût-wîs,= n.? Ausweis, Erweis.
=ût-wischen,= abwischen, reinigen.
=ût-wisen,= 1. hinausweisen; verweisen, verbannen; zur Beratung, Urteilsfindung etc. abtreten lassen. 2. ausweisen, zeigen, darthun; öffentlich verkündigen, publicieren; anweisen, designieren.
=ût-wisinge,= _Ausweisung, Verbannung; Ausweis, Nachweis, Zeugnis; Anweisung, Bestimmung; Anweisung auf Lebensunterhalt, Ausstattung, Versorgung._
=ût-witten,= ausweissen, ankalken.
=ût-wokeren,= durch Wucher arm machen.
=ût-woner,= Auswärtiger.
=ût-worp,= Auswurf aus einem Graben, Damm.
=ût-wort, -wordes,= auswärts, nach aussen.
=ût-wortelen,= 1. aus der Wurzel hervorspriessen, her-, entstammen. 2. mit der Wurzel ausrotten.
=ût-wortelinge,= Entwurzelung, völlige Vertilgung.
=ût-worten= = ûtwortelen 1.
=ût-wringen,= ex-, reprimere.
=ût-wriven,= extricare.
=ûtze,= f. Kröte; auch: Frosch.
=uve,= Zäpfchen im Halse, uvula.
=uvel= = ovel, übel.
V F
(v steht gegen Ausgang des Mittelalters auch bisweilen für w.)
=fabele, fabule,= sw. f. erdichtete Erzählung, bes. Tierfabel; Lüge, Märchen.
=fabrike,= sw. f. Bau, Bauhütte oder Baufonds einer Kirche.
=vach,= interj. = wach?
=vacht,= m. (Fang,) Kornertrag, Ernte.
=vacht,= f. Fell mit der Wolle darauf, Vliess. (ndl.)
=vacht,= m. =vachte,= st. f. Gefecht, Kampf, Streit.
=facilêt, facilêtken,= Schnupf-, Taschen-, Wischtuch, it. fazzoletto.
=fackel(e),= f. 1. Fackel. 2. herba britannica, h. paralisis.
=fackeler,= de de fackele drecht efte maket, faculator.
=factor,= pl. *factors,* Handelsfactor, -agent (a. 1454).
=factorie,= Handels-Niederlassung, -Geschäft.
=vadder(e),= sw. m. f. Gevatter und Gevatterin, Taufzeuge; in der Anrede auch: Freund, guter Bekannter, Nachbar.
=vadder-, vadderen=-gelt, -pennink, Gevattergeld, Patengeschenk; *-gank,* Ausgang auf Freundschafts- und Nachbarschaftsvisiten; *-kols,* m. Gevatter(innen)-Gewäsch, unnützes Gerede; *-spel,* Nepotismus; *-stân,* Gevatter stehen.
=vadderen,= Gevatter nennen.
=vadderken,= Dem. Gevatter, Freund (in der Anrede).
=vadderphe= = veddervê?
=vadderscap, -schop,= Gevatter-, Patenschaft.
=vaddersche,= sw. f. Gevatterin.
=vade,= sw. f. Vatersschwester; ihre Kinder: vadensone, -dochter.
=vadem,= st. m. =vademe,= sw. m. 1. eig. das Mass der ausgebreiteten Arme: sechs Fuss, als Mass für Garn, Zeug, Wegelängen, Wassertiefen, Höhen etc.; von Brennholz: ein 6' langer und 6' hoher Haufen Kloben oder Kluftholz. 2. Faden Garns, Schnur, Draht.
=vademen,= trans. das Mass eines Fadens geben, (Holz) in Faden setzen.
=vademe-schêre,= forfex.
=vadem-holt,= in Faden gesetztes Holz, Brennholz.
=vader,= Vater; fig. Urheber, Veranlasser; ehrende Bezeichnung älterer u. geistlicher Personen; Herbergsvater.
=vader=-broder, patruus; -gût, patrimonium; -half, van, _väterlicherseits; *-lant,* Vaterland; *-slachtige,* sw. m. *parricida; -sclachunghe, patricidium; -suster, amita; -unse,* n. Vaterunser._
=vaderlicheit,= patern(al)itas, patricitas; als Titel hoher Geistlichen.
=vaderlik,= väterlich.
=vaderschup,= Vaterschaft.
=vadie= = vagedie, vogedie.
=fadrie,= sw. m. (fries.) = *veddere I, 1; -tôm,* seine Nachkommenschaft.
=vage,= f. = vade.
=vage?= Furche? l. *varge (= vore)?* frs. *furch,* pl. furga.
=vagel, vaget,= s. vogel, voget.
=vagen,= vacht vom Acker ziehen, Frucht ernten.
=fagher= = schone, fyn.
=vak,= n. eig. Umfriedigung, Zaun; *intersticium,* Wand, Mauer; Fach, Stück, Abteilung der Mauer, des Daches, des Hauses, der Scheune *(= tas),* der Tasche (Falte u. durch solche abgetrennte Nebentasche) etc.; überh. Raum, Räumlichkeit.
=vâk,= Schlaf, Schläfrigkeit.
=vake, vaken, vakene,= adv. oft, häufig; Comp. *vaker, vakener,* Sup. *vakest; vake-benomet,* mehrfach erwähnt; *vake-mâls,* oftmals.
=val,= m. (u. n.?) Fall, Sturz; fig. Verderben, Unglück, Abnahme an Macht u. Ansehen, Rückgang im Werte; Todesfall; *im fal ift,* falls; pl. *velle,* Gefälle, Einkünfte.
=valant, volant,= Teufel, Satan. Fem. *valentin(ne),* Teufelin, teuflisches Weib.
=val-bôm,= Schlagbaum.
=valde, valden= = volde, volden.
=valde-mest,= saltrum, cultellus sutoris.
=vale, vāl,= fahl, v. Gras etc.; falb, gelbgrau, bes. v. Pferden; blond, v. Menschenhaar; bleich, blass, vom Gesicht; *val-brûn,* falbicht braun; *den valen pagen striken, leiden, mit dem v. perde plogen,* Schmeichelei, Falschheit, Betrug, Schelmstücke begehen; *up dem v. p. vinden,* jem. darauf ertappen.
=vale= = vole.
=vāl(e)ke,= sw. m. fahles Pferd; bildl. *den v. striken, mit v. plogen,* s. vale.
=valen,= flavescere.
=valeriane, valdriân,= potentilla, amantilla (valeriana officinalis).
=valge,= f. Felgung des Brachfeldes; das gefelgte Brachfeld.
=val-grove,= Fallgrube, auch bildlich.
=vālhaftich,= falbicht, blassgelb.
=vālheit,= flavedo.
=fali(e),= Fehler = feil, afz. faille.
=falie, fallie,= f. = *feile,* frz. faille.
=valk, valch= = valsch; wohl dafür verschrieben.
=valke,= sw. m. Falke; Bild des Edelsten, Liebsten; des menschlichen Leibes: beide sind nach dem Tode unwert; s. Tunnicius, hrsg. v. Hoffmann S. 180.
=valken=-legge, st. f. Falknerei, Falkenhof; *-oge, -sicht,* fig. scharfer, klarer Blick, Augenblitz; *-vlucht,* f. Falkenflug, Ort wo Falken sich aufhalten und gefangen werden; Berechtigung zum Falkenfang.
=valkenêre,= Falkner.
=valkenet, falkenit,= n. Falconet, e. kleines Feldgeschütz.
=vallachtich,= dem Fall nahe, zum Einsturz geneigt, verfallen, ruinosus.
=fallacie,= Rank, List.
=vallander, fallinder,= m. ein eingezäuntes Feld?
=valle,= f. Falle.
=valle-brugge= = vellebrugge.
=vallen,= st. v. 1. fallen, stürzen, v. Menschen auch refl. 2. mit Absicht fallen, sich stürzen, eilig springen. 3. fig. zu Fall kommen: sündigen; einen Process verlieren. 4. entfallen, sinken. 5. zufallen, zuteil werden. 6. plötzlich kommen, vorfallen, sich ereignen; refl. sich fügen, sich treffen. 7. ausfallen, verlaufen, werden. 8. *an, in, up,* verfallen auf, geraten in, seine Zuflucht nehmen zu; *bi,* beifallen, sich verbünden mit; *tegen, wedder,* sich feindlich wenden gegen; *twischen,* vermittelnd dazwischen treten; *vor,* hindernd, fürbittend auftreten. -- *dat vallend(e) ovel, de vallende suke,* Epilepsie.
=fallêren= van, abkommen, abbleiben von, verfehlen.
=vallich,= zu Fall kommend, fallend, labilis.
=vallich,= s. sommer-, wintervallich.
=fallickûn,= Falkaune, e. Art Geschütz.
=valsch, vals,= falsch, nicht richtig, unecht, betrügerisch, unredlich, unwahr, v. Menschen, Mass, Gewicht, Geld, Ware, Arbeit; *v. maken,* fälschen, auch: für falsch, unrichtig erklären; adv. *valschen* und valsch-, valsliken, valselken.
=valsch,= _n. Falschheit, Betrug; falsches Geld, betrügerische Ware._
=valschen,= fälschen.
=valscher(e), valschener,= Fälscher, Betrüger, bes. Münzfälscher.
=valsch(h)eit, valsheit,= _Falschheit, Untreue; Fälschung, Betrügerei; Unwahrheit, Erdichtung._
=vāl-stede= = valt.
=vālt, valt,= m. abgezäunter Platz, bes. Hofplatz, Mistplatz und Viehgehege.
=familie,= f. Haus-, Geschäfts-, Schiffsgenossen (a. 1456).
=(fan) faen,= m. = *fen?* l. feen?
=van,= präp. m. Dat., selten m. Gen. 1. räumlich u. fig. den Ausgang, Ursprung u. die Entfernung, Trennung bez.: von aus, von her, von weg, abseits; *vanander(e),* auseinander. 2. zeitl. den Anfangspunkt bez.: von -- an, seit; die Zeitdauer bez.: während; *van avende,* heut Abend; *van der nacht,* in dieser Nacht, die Nacht hindurch; *van desme jare,* heuer; *van des dat,* seitdem. 3. causal: in Folge von, wegen, aus, durch. 4. den Gegenstand der Thätigheit bez.: betreffs, über. 5. den Genetiv umschreibend, bes. partitiv und zur näheren Bestimmung.
=van,= adv. weg, ab, von; fern, entfernt von; mit Adv.: van dâr, van dan, van hinne(n), van hîr, van na (de prope); dâr van, hîr van, worvan.
=vân (vahen), vangen,= st. v. fassen, greifen, anfassen, ergreifen; fangen, gefangen nehmen; festhalten; *de lucht vân,* Luft schöpfen; *to kampe vân,* zum Zweikampf fordern; *vân to,* sich an etwas machen, unternehmen, beginnen; wider vân, fortfahren; *sik vân,* Anfang nehmen.
=vanaftich:= ablativus is vanaftiger nature.
=vanden (vannen),= sw. v. m. Acc. od. Gen., auf-, besuchen, bes. Kranke; von Gott: tröstend, mahnend etc. heimsuchen.
=vandinge,= Besuch; Heimsuchung; *to unser vrowen dage der v., visitatio Mariae,* 2. Juli.
=van-dôn,= abthun, vernichten? öffnen?
=vane,= sw. m. (f.) 1. Fahne: Kriegsf., Kirchenbanner, Windfahne. 2. unter einem Banner stehende Heeresabteilung.
=vanen=-dreger, -vorere = vanere; -lên = vanlên.
=vanere,= Fahnenträger; fig. Anstifter, Anführer.
=fange?= Schnalle? l. spange?
=vangen,= st. v. s. *vân;* sw. v. (Fische) fangen.
=vangene,= sw. m. der Gefangene. *vangen-bolte, -stok,* Schliessblock, -eisen für Gefangene; *-gelt, -gulden,* Lohn für Einbringung von Gef., von diesen zu zahlen; *-hûs, -kaste, -torn,* Gefängnis.
=vanginge, vangunge,= das Fangen, Gefangennahme, -setzung; *ane v.,* unverfänglich.
=vank,= m. 1. Fang. 2. Kornertrag, Ernte eines Jahres. 3. = bivank.
=vank=-gulden = vangengulden; -stên, Haustein zur Aussenwand (eines Turmes)?
=vanknisse,= Gefangenschaft; Gefängnis; Gefangennahme.
=van-lên,= n. Fahnen-, weltlicher Fürsten Lehen.
=van-slân,= ab-, wegschlagen, abtrennen.
=van-stân,= ab-, entfernt stehn.
=fansên,= Form, Muster, frz. façon.
=fantasi(g)e,= Einbildung, Trugbild; *fantasêren, fantesêren,* verb.
=fantaste,= Schwärmer, eingebildeter Narr; *fantastisch,* adj.
=vantz(e?),= _Allerlei, verschiedene Gegenstände? Lüb. UB. VI, S. 435. Vgl. Ndd. Aesopus, hrs. v. Hoffmann 4,82._
=van-varen,= weg-, zurückfahren.
=van-vart,= Wegreise, Rückfahrt.
=van-werpen,= mit Dat. einem was (durch Wurf) nehmen, entziehen.
=var,= st. m. = varre.
=var,= n. 1. Schiff, Fahrzeug. 2. Ladung, Fracht; auch ein bestimmtes Mass derselben?
=vâr,= n. (u. m.?) = vâre.
=vâr-bedde,= Krankenlager, Sterbebett.
=vâr-dage,= Gefahrtage, Frist in welcher sich eine Sache so oder so entscheiden muss.
=fardêl,= n. Warenballen, Packen.
=var(e),= f. Fahren, Fahrt; Verfahren, Benehmen; Art u. Weise, Gattung.
=var(e),= f. = *varwe,* Farbe; Aussehen.
=vare= = vore, Furche.
=vare?= ein böser Wurm? ein Geschwür? l. *nare* (Narbe)?
=vâr(e),= f. 1. Nachstellung, Hinterlist, Betrug. 2. Gefährdung, Gefahr, Nachteil. 3. Furcht, Angst. 4. jur.: Nachteil, w. den Parteien aus einer Verletzung der Processregeln erwächst, bes. das *gewedde;* das Rechtsverfahren, w. diesen Nachteil herbeiführt. 5. Gefahr der Strafe bei unrichtigen Massen etc.; dem Münzer war eine bestimmte Abweichung von dem vorschriftsmässigen Schrot und Korn erlaubt: *to der v.,* als Remedium, Passiergewicht; daher: *tor vâr,* ungefähr. 6. die Untersuchung und Ueberwachung von Waren, Massen etc., bes. der Münzen auf ihren Gehalt; das Recht dazu. -- *v. dregen,* Gefahr bringen, gefährlich sein; = *hebben,* Gefahr, Furcht ausstehen, befürchten; *sine v. stân,* die Folgen einer That auf sich nehmen; *s. v. sitten,* die *vârdage* in Haft absitzen; *to v. holden,* für gefährlich ansehen; *to v. kêren, nemen, spreken,* zum Nachteil kehren, übel deuten; *ane v., sunder v.,* gefahrlos, ungefährdet, straflos, ohne Rechtsschikane, ohne Hinterlist, ehrlich, aufrichtig.
=varel-tît,= Termin des Wohnungswechsels.
=varen,= st. v. 1. jede Art der Bewegung von e. Ort zum andern: fahren, ziehen, gehen, wandern, reisen, sich begeben; fallen: Erbgut *vert* wohin; *to lande,* heim ziehen; *jagen,* auf die Jagd; *to (goddes) gnaden,* zum jüngsten Gericht; *uppe,* mit Krieg überziehen; *uppe ên gût,* Besitz nehmen von; *up sik sulven,* sich selbständig setzen; von Berufswahl: *to clôstere, to scole, in dênst, in dat here; in jodeschop,* Jude werden; *vor,* passieren, gelten für; *varen laten,* fahren lassen, aufgeben, geschehen lassen. 2. mit Adv. die Art und Weise zu handeln, zu sein: sich aufführen; sich verhalten, verfahren; leben, sich befinden; *ik vôr ovel,* mir ging es schlecht; *wol daraf v.,* sich gut dabei stehn. 3. trans. *ênen wech; herevart; sîn werf,* sein Geschäft besorgen.
=vâren,= sw. v. 1. nachstellen, gefährden, betrügen, schädigen. 2. jur.: *in vâre* bringen, darum strafen. 3. beaufsichtigen, wegen Ordnungswidrigkeit und Straffälligkeit untersuchen, prüfen (bes. v. Münzern und Münzen), eine solche befinden, jem. darauf ertappen, darum rügen, strafen. 4. »befahren«, befürchten, Angst haben vor; bes. refl. m. Gen. oder vor.
=varende,= partic. adj. 1. wandernd, umherziehend; *de v. man, kôpman,* spec. der seefahrende; *v. wîf, meretrix.* 2. beweglich; *have, gût, bona mobilia, supellectilia;* auch Immobilien können *v.* werden, veräusserbar, Ggs. ervegût.
=vare-water:= de mannich v. gesegelt hedden, Fahrwasser, Wasserweg, Kurs? oder *vâre-w.,* gefährliches Wasser?
=vâr(e)-wunde,= gefährliche, tötliche Wunde.
=vâr-gelt,= _Gefahrzins, dessen Zahlungsversäumnis besonderen Nachteil bringt,_ solutio penalis.
=vârheit, vârich= = vârlicheit, vârlik.
=varing(e),= adv. unversehens, plötzlich, bald.
=vârlicheit,= Gefahr, Gefährlichkeit.
=vârlik,= adj. gefährlich, gefahrdrohend.
=vârlôs (-a-?),= unbedacht, unvermutet, rasch, eilig, plötzlich; adv. vârlose(n).
=varn, varen, varne,= Farrenkraut.
=vârnisse,= Gefahr.
=var-note= = vornote.
=vâr-penninge,= pl. 1. Pfennige *to der vâre,* s. vâre 5. 2. = vârgelt.
=varre,= sw. m. Stier, Bulle, bes. e. junger, juvencus.
=vâr-recht,= Criminalgericht über Mord; gerichtliche Untersuchung bei unnatürlichen oder gewaltsamen Todesfällen.
=varsch= = versch, frisch, varschen = verschen.
=vâr-schot= = vârgelt.
=varste,= sw. m. = *verste,* First.
=var-stên,= m. = vorstên.
=vâr-sucht,= gefährliche, tötliche Krankheit.
=vart,= f. 1. Fahrt, Zug, Gang, Reise, spec. Ueber-, Seefahrt; *in vlocke unde verde,* s. *vlocke.* 2. Fährte, Fahrweg, Zugang, spec. Wasserweg, »Fahrt« im Bergwerk, unterirdische horizontale Leitung der Saline. 3. Bewegung, bes. e. eilige; *mit der vart, mit der verde,* plötzlich, sofort, auf der Stelle. 4. Handlungsweise, Verfahren; *in korter vart,* kurz u. bündig. 5. Gelegenheit, Mal; *to desser vart,* diesmal, jetzt.
=vart-bedde,= bajanula, Reisebett, Sänfte.
=var-touwe,= Gerät zum Fahren, Fuhrwerk.
=varwe (varue, varve, varfe),= f. 1. Farbe. 2. Aussehen. 3. Kennzeichen, Abzeichen (auf dem Aermel). -- *gêne v. en holden,* nicht die Probe bestehn, unzuverlässig, untreu sein.
=var-wech,= Fahrweg, bes. die directe, tiefe Wasserstrasse zwischen zwei Häfen.
=varwen, varwer= etc., s. *verwen* etc.
=vâr-wette,= Busse u. Strafe der vâre 4?
=var-wort,= acedula herba = vorwort?
=fasant, phasyân,= Fasan; Zss. vasant-vlêsch.
=vase= = visevase.
=vasel,= m. Zucht, Nachkommenschaft; verächtlich von Menschen: Gezücht, Ausschuss, Pack. In Zss. bez. es zur Zucht bestimmte Tiere, daher auch Magervieh: vasel-bêr, -sugge, -swîn, -verken; -rint, -osse; -wedder.
=vaselen,= sw. v. gedeihen, fruchten.
=vaselerie,= Faselei, Geschwätz.
=vaselich,= fetosus.
=vase-visen= = visevasen.
=vast,= adj. fest, dicht, hart, stark; beständig, sicher, zuverlässig.
=vast-avent= = vastelavent.
=vast-becker,= pistor panis solidioris et communis, _auch *witbecker* genannt._
=vast(e),= adv. fest, stark; gewaltig, recht, gar, sehr; sicher, sicherlich, zuversichtlich; direct, auf der Stelle, rasch, eilig: *v. bi,* sehr nahe bei; *also v. alse,* ebenso wohl als; *v. vele,* sehr viel; *v. wat,* ein gut Teil; in der Titulatur: v. wise, sapientissimus.
=vaste,= st. sw. f. =vastene,= _st. f. das Fasten; die Fastenzeit, spec. von Aschermittwoch bis Ostern._
=vastel-avent,= Fastnacht: der Tag vor Beginn d. grossen Fasten, vor Aschermittwoch; die Zeit von Donnerstag *(luttik v.)* vor Estomihi *(grôt v.)* bis Dienstag (samt Montag: *de leste v.*) nach E.: *manne v. = allemanne vastnacht;* Fastnachtsfeier: v. holden, gân.
=vastel-avenden,= Fastnacht feiern.
=vastelavendes=-avent: de grote, Sonnabend vor Estomihi; *-borch,* das (fahrbare) Bühnengerüst zu Fastnachtspielen; *-dach = vastelavent; -spil,* 1. Fastnachtmummerei; -schauspiel; 2. Narretei, Possen; *-wise,* adv. nach Fastnachtsbrauch, in der Weise wie man F. begeht.
=vastel-avesch:= upt v. = vastelavendeswise.
=vastel-dach,= Fasttag; spec. Freitag.
=vast(e)lik, -like, -liken,= adv. fest, sicher, bestimmt.
=vastel-kost, -spise,= Fastenspeise.
=vasten,= sw. v. fasten.
=vasten-lager,= Einkehr (in ein Kloster) zur Fastenzeit, Beherbergung des Herrn und seines Gefolges, auch die Pflicht, die Unterthanen zur Jagd zu stellen und die Hunde und Pferde des Herrn zu füttern.
=vast-gank, -gink, vasting,= m. Fastnacht, Fastnachtsfeier: *to deme vastghanghe, to vastghinghe; allemanne vasting,* Invocavit; *de grote, lutteke vastingesdach = de g., l. vastelavent.* (anord. *föstugangr,* mhd. *vaschanc,* Fasching, eig. das Kommen, Nahen der Fasten.)
=vastheit, vasticheit,= Festigkeit, Sicherheit; Bestimmtheit, sichere Kunde; Bekräftigung, Sicherung.
=vastinge,= Befestigung, Bekräftigung.
=vastlik,= 1. adj. zu den Fasten gehörend. 2. adv., s. vastelik.
=vast-mode,= st. f. Standhaftigkeit, Unerschütterlichkeit.
=vast-modich,= festgesinnt, standhaft.
=vastnacht= = vastelavent; de olde v., allemanne v., Invocavit.
=vastnisse= = vestnisse.
=vat,= m.? Handgriff, Henkel.
=vat,= n. Fass, Gefäss, Behälter; als bestimmtes Mass; Schüssel, Teller; bildl. v. Menschen: *ein reine vat, der dogeden vat, vat der geilicheit* etc.; *ênem wat int vat beholden, hebben,* jem. etwas gedenken, im guten oder bösen.
=vate-bant,= m. Fassband, -reif.
=vate-binder,= Fassbinder, Böttcher.
=vate-bûr,= n. =-gebûr,= n. Vorrats-, Schatzkammer, Tresor.
=vate-ketel,= _grosser Kessel zur Aufbewahrung einer Flüssigkeit (Ggs. *vulleketel*)?_
=vate-kuven,= n. grosses Braukübel, in w. das fertige Bier gefasst, gethan wird.
=vatel-kanne,= Kanne zur Aufbewahrung von Bier, spec. für das vorabgenommene, zum Verschenken oder zur Pflichtabgabe bestimmte Bier eines Braues.
=vatem?= = vatinge.
=vaten,= sw. v., auch mit st. Part. 1. anfassen, ergreifen; festheften, befestigen; *ên brak,* einen durchbrochenen Deich wieder herstellen; bildl. *(ênen degedingesdach)* festsetzen, *(recht)* formulieren, *(veide, orlige, unwillen)* beilegen, spec. zum vorläufigen Stillstand bringen, sistieren, hindern; *(ên wild levent)* annehmen, führen. 2. *(bêr)* in ein Fass thun, *(tunnen)* füllen; *(stên, holt, mes)* aufladen, *(den wagen)* beladen; v. Tischler- u. Juwelierarbeit: fassen, einlassen, einsetzen, mit e. Rand umziehen; v. Mauer- u. Zimmerarbeit: den Grund legen, daher *v. up,* mauern, setzen auf e. Unterlage; bildl. in sich aufnehmen, erfassen, verstehen.
=vate-sleger,= Verlader, w. die Fässer zuschlägt?
=vatich, vatisch,= vom Biere: in ein Fass gethan, daher: alt, nach dem Fasse schmeckend, riechend.
=vatinge,= f. =vatink,= m.? Kette, z. B. am Wagen; bes. ein Geschmeide: Hals- oder Gürtelkette, -band.
=vatme,= sw. m. = vadem.
=vat-stôl,= e. Küchengerät: Schüsselträger.
=fatzen,= sw. v. necken, zum Besten haben (aus d. Hd.).
=faute,= f. Fehler, Versehen, Mangel, Gebrechen, frz. faute.
=vaute,= Gewölbe, Keller, frz. *voûte,* engl. vault.
=vê,= n. Tier; coll. Vieh.
=vê, vêch,= adj. = veige.
=feber= (fê-?), n. das Fieber.
=vechte,= f. n. *= vachte,* Gefecht etc.
=vecht(e)lik,= adj. in Streit, Schlägerei befindlich; *v. sake,* Schlägerei; adv. vechteliken.
=vechten,= sw. v. =vechtegen,= sw. v. *= vechten,* st. v.
=vechten,= st. v. 1. fechten, streiten, kämpfen, auch mit Worten: zanken, disputieren; *mit danken,* gegen Gedanken ankämpfen; bes. vom gerichtl. Zweikampf. 2. trans. ausfechten, (den sege) erstreiten, erringen; *den êrsten kîf,* bildl. den ersten Versuch machen.
=vechtent,= n. = vechte, vechtinge.
=vechter,= Fechter, Kämpe, Krieger; gewerbsmässiger Freifechter, *athleta;* Raufbold.
=vechte-slach, -streke,= Fechterschlag, -streich; Finte.
=vechtich,= 1. *= vechtelik.* 2. = veftich.
=vechtinge,= Fechten, Kampf, Streit; Gefecht, Schlacht; Zweikampf; Schlägerei, Prügelei.
=vedder(e), veder(e),= I. sw. m. Vetter, jeder Geschlechtsgenosse, spec. 1. Vaterbruder. 2. Brudersohn. 3. ehrende Anrede. II. sw. f. 1. Vaterschwester. 2. Brudertochter.
=vedder(e)ke,= sw. f. *= veddere II.;* bes. = II, 2?
=vedder-, vedderen-kint,= patruelis.
=vede,= sw. m. männliche Rute.
=vêde,= f. = veide. =vêden= = veiden.
=fede, fedde,= f. (fries.) *= vade;* ihre Nachkommenschaft: fede-tôm.
=vedeke,= sw. f. Vaterschwester.
=vedel(e), veddel(e),= f. Fiedel, Geige; *ve(d)del-boge,* Fiedelbogen; *-sak,* Geigenfutteral.
=vedelen, veddelen,= fiedeln, geigen.
=vedelêre, veddeler,= Fiedler, Geiger.
=vedem,= st. m. = vadem.
=vedeme,= ältere Form für *veme; vedeme-swîn,* durch Eckernfrass gemästetes Schwein.
=vedemen,= filare, spinnen, zwirnen; ghevedemet, netus.
=veder(e), vedder(e),= sw. f. 1. Feder; *vederen lesen, deplumare,* fig. feine, mühsame Arbeit verrichten; liebkosen, schmeicheln; *ût den vedderen schudden,* berauben. 2. Flossfeder. 3. Schreibfeder; *in de v. geven, der v. betruwen,* schriftlich aufsetzen; *in der v. laten,* verschweigen, nicht angeben. 4. Sprungfeder, im Schloss etc.
=veder-, vedder=-bedde, lectus plumeus; -busch, crista; -krantz, e. Kopfputz v. Federn? *-lesen,* s. *vedere; -ort* am Messer: Federung? *-pûst,* mit Federn gestopftes Küssen; *-sêle,* das dünne Häutchen im Federkiel; *-spil,* zur Jagd, Beize abgerichteter Vogel; Jagd mit solchem; *-spit,* e. Art Spiess, Waffe; *-vê,* zahmes Geflügel; *-vogel,* gefiederter Vogel; *-want,* mit Federn gestopfte Bettdecke, überh. Bettzeug; *-wisch,* Federwisch zum Abstäuben.
=vederen, vedderen,= befiedern, mit Federn versehen, z. B. Pfeile, Bolzen; gevedert, pennatus.
=vederlik,= Feder, Flügel; lies: vederik?
=vederlik,= väterlich; adv. vederliken.
=vedink?= l. veme-dink?
=fedrie,= *sw. m. (fries.)* = fadrie.
=vê-drift,= f. Viehtrift.
=vefte, vefteine,= s. vifte, vifteine.
=veftich,= funfzig; subst. n. Rosenkranz oder Paternoster, aus 50 Kügelchen bestehend. -- *veftigeste,* der funfzigste.
=vêge= = veige.
=vege=-budel, -sak, was den Beutel leert (Wirtshausname); *-klove* u. *-knovel, -knoufel, -knuffel, sintermale, sintrimala,* ein Instrument der Schwertfeger; *-schat,* e. Steuer, Abgabe; *-vûr, vegen-vûr,* Fegefeuer.
=vegele= = veile, feil.
=vegelse,= n. Fegsel, Kehricht; *im v. liggen mit,* sich balgen, streiten mit?
=vegen,= sw. v. fegen, mit Besen kehren; reinigen, scheuern, putzen *(swert v.);* den Pferdehuf auswirken.
=veh(e)= = vê, Vieh.
=vê-hûs,= Viehhaus, Stall.
=vei= = vê, Vieh. -- =vei= = veige, adj.
=veide,= f. Fehde, Streit, Feindschaft.
=veide-brêf,= Fehdebrief; *-dage,* pl. Zeit des Krieges, = *veide; -plichtich schip, gût,* dessen der Staat zur Kriegsführung bedarf, w. deshalb confisciert werden darf.
=veidelik,= fehdelich, feindlich.
=veiden,= sw. v. Fehde führen; trans. verfolgen, befehden, bekriegen.
=veideschop,= Hass, Feind-, Fehdeschaft.
=feie:= vrow Feie, Fee?
=veige, veie,= vom Schicksal zum Tode bestimmt, dem Tode entgegen gehend; feige, verzagt, erschrocken.
=veige, veie,= sw. f. des Vaters Schwester.
=veigel(e)= = veile, feil.
=feigelen= = feilen, fehlen.
=feil,= m. Fehl, Fehler; Mangel, Gebrechen; das Fehlende, die Differenz; Beschwerde; *sunder, ane f.,* ohne Fehler, unfehlbar, sicherlich.
=feil,= fehler-, mangelhaft, schlecht, trügerisch, unzuverlässig.
=veil-becker,= der nicht abbackt und für den Hausverkauf, sondern auf den Hausier-Verkauf backt (Ggs. *hûs-becker*).
=veil(e),= adj. feil, käuflich; *v. dragen,* zum Verkauf austragen, hausieren mit; *tom veilen kope bringen, veile markede holden,* Waren öffentlich ausbieten; auch v. Ort, wo etwas feil geboten wird: öffentlich, *krôch, taverne, stove, vor dem veilen tappen stân,* v. Bier; *veiler, bet veile, bet veiler,* wohlfeiler; fig. *veile holden,* preisgeben.
=feile,= sw. f. 1. Kopftuch, Schleier, Mantel. 2. ein grobes, schlechtes Gewand. frz. faille.
=veilen,= sw. v. feilhalten, zum Verkauf bieten, überh. Handel treiben mit.
=feilen,= fehlen, fehlgehen, fehlgreifen, sich irren; abs. oder m. Dat.: unzulänglich sein, nicht zutreffen, fehlschlagen, mislingen, trügen, entgehen, abgehen, fehlen; frz. faillir.
=veilich, veilicheit, veiligen,= s. *vêlich* etc.
=veilinge,= das Feilbieten, Feilkauf, Handel, bes. Höker- u. Hausierhandel; die Ware, mit w. man, sie feilbietend, aussteht oder hausiert.
=feilsam,= fehlerhaft, untüchtig?
=veime,= st. f. =veim,= n.? = vême.
=veir,= vier, u. Abl., s. vêr.
=feisân= = foisân.
=feisêren,= censere, curare, reputare, achten, uteren edder rekenen; saeke f., sich Dinge trüglich ausdenken u. fälschlich vorgeben. (Entstellt aus visêren.)
=veist(e),= n. = vêste.
=feit,= n. (f.?) That, Handlung; frz. fait.
=feit,= adj. geschmückt, schön; frz. fait.
=vel,= n. 1. Fell, Haut v. Menschen oder Tieren; *ênem ein (dat, sîn) vel rucken (tên),* s. *rucken.* 2. Schelte, wie *hût: scortum.* 3. Stück, als Mass des Pergaments.
=vēl, vel= = vele, viel.
=fel,= (aus d. Ndl.) gottlos, böse; adv. *vellike,* heftig, sehr.
=vel-brugge,= Fall-, Zugbrücke.
=veldich,= feldig, d. h. eben.
=veldinge,= offenes Feld, Blachfeld.
=vel-dore,= Fallthür, bes. Fallbrett, Fensterluke, worauf die Waren ausgelegt wurden.
=vele,= 1. subst. abs. oder m. Gen.: viel, viele. 2. adj. viel, manch, zahlreich. 3. adv. vor Adj. oder Adv.: gar, sehr; abs.: oft, häufig, vele unde vake, vaken u. vele, vele u. dicke; so vele -- so vele, quanto -- tanto.
=vēl(e)-klaffer,= Verleumder; =-mâls,= oft; *-mêtich, multimodus; -snacker, -spreker,* Schwätzer; *-voldich,* vielfältig; *-vrât,* wer viel isst; vgl. velvrâtz.
=vêl(e),= adj. = veile. =vêlen= = veilen.
=fêle,= sw. f. = feile.
=velen,= sw. v. viel machen.
=vêlen= = veilen, feilhalten.
=velge,= f. (hölzerne) Radfelge.
=velhaftich,= zum Fallen geneigt, morsch.
=vēlheit, velicheit,= Vielheit, Menge.
=vêlich,= sicher, gestützt, ungefährdet, m. Gen. der Person (oder mit *vor)* und Gen. der Sache; *v. dach,* Landfriedenstag, Waffenstillstand; adv. vêligen, vêlichliken.
=vêlich,= _n. = *vêlicheit* 1 u. 2; *schriftlik v.,* Sicherheits-, Geleitsbrief._
=vêlicheit,= _1. Sicherheit, Ungefährdetheit, guter Friede. 2. Sicherheitszusage, sicheres Geleit. 3. Sorglosigkeit, Zuversicht, Vertrauen._
=velichte= = villichte.
=vêligen,= trans. sichern, schützen; sicher stellen, Sicherheit stellen für; sicheres Geleit geben, sicher geleiten u. hinschaffen.
=vêlinge= = veilinge, Feilkauf.
=fêlinge,= das Fehlenlassen woran, Versäumnis.
=velkenêre= = valkenêre.
=velle-brugge= = velbrugge.
=vellege,= sw. f. = velge.
=velle-gilder, -koper,= Fellhändler, auch wohl Gerber.
=vel(le)ken, vellekîn,= kleines Fell; Häutchen.
=vellen,= adj. aus Fell, ledern.
=vellen,= sw. v. fällen, zu Fall bringen, stürzen, niederschlagen, umhauen, töten, erlegen; den Preis, Wert heruntersetzen, mindern, (eine Summe Geldes) ganz oder teilweise erlassen, (Münze) vergröbern; (e. Streitsache) beendigen, entscheiden; (Angeklagte) verurteilen, verdammen.
=vellich,= 1. hinfällig, schwach; spec. m. Gen.: in e. Prozess unterliegend, ihn verlierend; vertragsbrüchig. 2. passend, geschickt, geeignet. Adv. vellichliken.
=vel-lichte,= s. villichte. =vellike,= s. fel.
=vellinge,= st. f. Fällung, Herabsetzung, Minderung des Wertes etc., Verschlechterung, Benachteilung, Schädigung.
=vellinge,= sw. f. = velge.
=vel-na= = vilna.
=velschen,= sw. v. fälschen, betrügen.
=velschener, velscher,= Fälscher, Betrüger, Falschmünzer.
=velscherie, velschinge,= Fälschung, Betrug.
=vels(e),= m. Fels. (Spätes W., vgl. vols.)
=vēlst,= adv. viel, um vieles.
=velstên= = veltstên.
=velt,= n. (freies, offenes) Feld, Ebene, das Freie; Ackerfeld; Bauplatz für eine Bude (in der hansisch. Niederlassung auf Schonen); Kampfplatz, Schlachtfeld: *to velde laden, komen, sik leggen; dat v. (be)holden,* das Feld behaupten, siegen, auch v. der Seeschlacht und sonst bildl.; ebenso bildl.: *to velde bringen,* vorbringen; Feld im Schachspiel, Wappen etc.
=velt-acker,= Acker im freien Felde, Ackerfeld; *-dach,* Tag, Versammlung auf freiem Felde; *-gânde* und *-genge, -ginge, -gange vê,* Vieh, w. vom Hirten ins Feld getrieben wird; auch wohl Ackerpferde; *-gebûr,* Ackersmann; *-geschutte,* Feldgeschütz; *-(ge)venknisse,* Feldsicherheit, Gelöbnis eines Kriegsgefangenen, entweder zu bestimmter Zeit und an bestimmtem Ort sich zu stellen oder nicht mehr gegen den Feind zu dienen; *-gût,* Landgut, -besitz; *-hêre,* Feldherr, Heerführer; *-hôn, ornix,* Feld-, Rebhuhn; *-hoppe, herba perforata, hyppicon, iperum (= hypericum perforatum); -karte,* Feldkarde; *-kerke,* Dorfkirche? Kirche vor der Stadt? *-klocke: einen knepel in der velt-klocken geven,* an den Galgen gehängt werden; *-klôster,* Cistercienser-Kloster; *-kome(n), -komel(e), ciminum, carve, cirtum, serpillum (= carum carvi,* auch *thymus serpyllum?); -konele, serpillum (= thymus serpyllum); -man, campester; -marke (markede),* st. f Feldgebiet v. Dorf oder Stadt; Grenze desselben; *-marschalk,* Feldmarschall (stand unter dem *velt-hêren); -minte, caliacasia (= mentha arvensis?); -monik,* Cistercienser; *-mûs, sorex; -naber,* Besitzer oder Arbeiter eines benachbarten Feldes; *-pert,* Ackerpferd; = *veltstrike; -rede* (aus *velt-trede?), centaurea; -reise,* Spaziergang ins Freie; *-rôf,* Beraubung des Ackerfeldes; *-schêde, -schêdinge,* Feldgrenze; *-sege,* wilde Ziege; *-slachtinge,* Feldschlacht; *-stên,* Feldstein, erratischer Felsblock; *-strike,* sw. m. u. f.?, (noch) frei im Feld umherlaufendes Pferd; *-swîn,* Schwein, welches auf die Weide getrieben wird; *-vlêgende,* zu Felde fliegend, v. zahmem Federvieh; *-vluchtich,* aus der Schlacht flüchtig; *-weges,* n. e. Wegestrecke, Stadium; vgl. vêrendêl.
=Velten,= Valentin, Patron gegen fallende Sucht (Epilepsie), w. daher *sunte Veltens krankheit (sucht)* heisst.
=vel-vrâtz,= mit sw. Pl., Vielfrass, ursus gulo.
=vel-werk,= Felle.
=vê-maget,= Viehmagd.
=veme,= _f. Eichelmast der Schweine; die Abgabe dafür, Mastgeld. Vgl._ vedeme.
=vême, veime,= st. f. Strafe, Verurteilung: *der hogesten v. vorscult hebben;* ausserordentlicher Gerichtshof, bes. zur Sicherung des Landfriedens; *in de v. scriven = vorvêmen, vorlantvreden;* in Westfalen: heimliches Freigericht; zeitweiliges Bündnis zur Sicherung des Landfriedens; überh, Friedensschluss, Bündnis.
=vêm(e)-, veim(e)=-brêf, _Fehmurkunde, spec. Verfehmung, Verurteilung; auch: Bundbrief zur Sicherung des Landfriedens; *-dink,* Fehmgericht; *-nôt(e), -schepen,* Beisitzer des Fehmgerichts; *-wrogich sake,* Vergehen, w. dem Fehmgericht unterliegt._
=ven, vēn,= n.? m.? Sumpfland, Torfmoor.
=vê-nâme,= Raub von Vieh.
=Venedie,= Venedig; davon: Venedier, Venedesch.
=veneken,= n. 1. Fähnlein. 2. Rotte Soldaten, Mannschaft unter einer Fahne.
=vener, venre,= Fähndrich, Fahnenträger; Hauptmann eines Fähnleins Soldaten.
=fenêren (phenêren),= _finanzieren, Geldgeschäfte machen durch Anleihe oder Beleihung. Subst._ fenêringe.
=veng(e)nisse= = vanknisse.
=venie, venje,= f. lat. *venia:* 1. *venies (venie*?) *bidden,* Verzeihung. 2. (fussfälliges) Gebet: an sine v. vallen, treden.
=feni-greek= = fenugrec.
=venîn, vennîn,= n. m. lat. *venenum,* Gift; fig. teuflische Bosheit.
=veninen,= vergiften, giftig machen; giftig sein. Part. venînd = veninich.
=veninich, venînsch,= giftig; fig. boshaft.
=fênix,= m. Phönix.
=venk(e)nisse= = vanknisse.
=venklik= (an)nemen, gefangen nehmen; *v. bringen, setten* etc.
=venlîn, vendlîn, vēn(d)el,= _n. = *veneken* 1 (auch: Schiffsflagge) und 2._
=venne,= f. moorige, marschige Weide; Zss. ven(ne)-lant.
=venne= = vinne, Geschwulst.
=ven(n)ekol, -kôl, -kel, fennikôl, venkol, fenkel,= m. Fenchel, feniculum, marathrum (anethum foeniculum); -krût, -stok, -wortele, -sât; -water.
=vensen= (-ê-?) u. Ableit. = *vinsen* etc.
=venster(e)= = vinstere.
=vent= (u. =vente?),= _m. Knabe, Junge, Bursche; Knecht, Geselle, Genosse, Gehülfe. Dem. *venteke,* sw. m. *ventken,* n._
=vente,= st. f. frz. *vente,* Verkauf: ter v. bringen.
=vent(e)-gût, -ware= (Ggs. *stapelgût),* ward nicht in die hansischen Factoreien gebracht, z. B. Wein, Bier, Korn, Pech, Theer, Holz.
=fenu-grec, -grez,= fenum grecum (trigonella foenum Graecum).
=ver,= st. m. = varre.
=ver= = vrowe, Frau, s. vor.
=ver,= fern; s. vere, verre.
=ver-,= untrennbares Praefix; s. die Zss. mit vor.
=vêr,= fl. *vêre,* vier; *de v. tide, hôchtide,* die v. Hauptkirchenfeste; *de v. pêle,* das Haus; *vêrer hande,* viererlei; *up den vêren,* auf Händen und Füssen.
=fêr,= frz. *fier,* stolz, stattlich, schön.
=vêr-angel,= m. Viereck.
=vêr-bend,= adj. mit vier Banden, Reifen.
=verbene,= morsus diaboli; auch (umgedeutet?) *verbetene* u. verbyre (?).
=vêr-bênich= deir, quadrupes.
=vêr-dagechtich, -dachtich,= quadriduanus; vêr-de(ge)lich vrezen, quartana.
=verde,= _st. f. Gang, Fahrt; Weg, Fährte; Art u. Weise, Benehmen; *in vlocke unde verde,* s. *vlocke.* Vgl._ vart.
=verde,= sw. m. Gefährte, Geselle.
=vêrde,= st. n.? Gefährdung; Hinterlist.
=vêrde,= sw. der vierte; *-half,* viertehalb.
=verde-bôk= (-ê-?), breviarium, bei der Messe benutzt, also Evangeliar? oder eig. Reisebetbuch?
=vêr-dêl, -del,= _n. Viertel, Quart; als bestimmtes Gemässe; *jares,* Quartal._
=verde-lage,= st. f. Abschiedsgeschenk, -trunk.
=vêr-dêlen,= vierteilen.
=verde-mâl,= n. Vesperbrot, Abendessen. (= Fahrt-, letzte Mahlzeit oder vierte, vêrde?)
=vêrden-dêl, -dêlen,= s. *vêrdêl, vêrendêl* u. vêrdêlen, vêrendêlen.
=vêrde-part,= n. *schepes,* Viertel Anteil an e. Schiffe.
=vêrder,= m. der vierte Teil eines Scheffels, der Himten.
=vêrde-vat,= _n. = *vêrder;* in Braunschweig *= 1/40* Scheffel?_
=verdich,= zur Fahrt bereit, zum Streit gerüstet, überh. bereit, fertig, vollkommen, in Ordnung, geschickt.
=verdicheit,= Fertigkeit, Bereitschaft.
=verdigen,= zur Fahrt, Reise fertig machen, zum Streit rüsten; abfertigen, absenden; bereiten, in Stand setzen, herstellen, verfertigen.
=vêrdup,= n. Mass einer ¼ Tonne; aus *vêrde-hôp?* s. *fêrp* bei ten Doornkaat Koolman, WB. der ostfries. Spr.
=vêrdink,= m. *quadrans, ferto,* der vierte Teil 1. einer Gewichtseinheit, z. B. eines Centners, spec. *= ¼* Mark = 2 Unzen = 4 Lot. 2. einer Münzeinheit, bes. einer Mark, daher von verschied. Werte, in Bremen = 8 Grote.
=vêr-dradich,= vierdrähtig, v. Garn, Tau etc.
=vere,= m. Ferge, Fährmann.
=vere,= f. n. Fähre, Ueberfahrt.
=ver(e),= adj. fern, entfernt, weit. Compar. *verere* u. verre.
=ver(e),= adv. 1. räumlich: fern, entfernt, weit; *v. weges,* weither, weit weg; *van v. (veres, verens),* von fern. 2. modal: *it so v. bringen dat,* es so weit bringen dass; *so v. komen dat,* dahin kommen dass; *(al)so v. alse,* in solchem Masse als, insofern, wenn; *vere* vor Adj. u. Adv.: weit, gar, sehr.
=ver(e)-bôt,= Fährboot.
=ver(e)-gat,= n. Fahrloch, Durchlass für Schiffe in einer Palisadenreihe, in einer Brücke.
=vere-gelt,= Fährgeld.
=vêr-egged, -eggich,= viereckig.
=vêreken,= _e. engl. Münze = *¼* Nobel = 20 Pf.; e. Stralsunder M. = *¼* Schilling?_
=ver(e)-lôn,= Fährgeld.
=ver(e)-man,= 1. Fährmann; pl. *verlude.* 2. Fuhrmann? l. vôrman?
=veren,= sw. v. fernen, entfernen.
=veren,= adv. = verne.
=vêren,= sw. v. (gefährden,) in Schrecken setzen.
=vêren,= sw. v. vierteilen.
=vêren-dêl, -del,= n. Viertel; als Gewicht 25 Pfd. oder *¼* Pfd.; ein bestimmtes Gemässe (auch *vêrendel-vat);* ein Landmass = 27 Morgen; Stadt- u. Gau-Viertel; *v. jares, van êner stunde; ein v. weges,* vgl. veltweges.
=vêren-dêlen= = vêrdêlen.
=ver(e)-prâm,= Fährprahm.
=verer,= Fährmann.
=vêrer,= Vierer, Mitglied eines Collegiums von Vieren, z. B. des Vorstandes von Handwerksgesellen-Brüderschaften.
=ver(e)-schat,= m. Fährgeld.
=ver(e)-stat,= Fährstelle.
=ver-êver,= m. Fährever, e. grösseres Fährschiff.
=verheit, verenheit,= Entfernung.
=vêr-horn,= quadrum; -horned, -hornich, quadratus, tetragonus; -hornecheit, quadratura; -horren (l. -hornen), quadrare.
=ferien,= pl. Ferien (in Staatsgeschäften, a. 1491).
=verigen,= entfernen.
=vêringe,= Schrecken.
=vêringe,= Vierung, quaterna, quaternitas.
=vêrink,= m. = vêrlink.
=vêr-jarich, -jârlik,= quadriennis; -jârtît, -jârtidich, quadriennium.
=verjûs,= Saft von unreifen Trauben, ndl. verjuys, _frz. *verjus,* engl._ verjuice.
=verk,= meist =verken (varken),= _n. Ferkel. Zss. *verken-moder,* Zuchtsau; *-snute,* (Schnauze);_ -vlêsch.
=vêr-kant, -kantich,= vierkantig, -eckig; vollkommen, -ständig.
=verkenen,= Ferkel werfen.
=vêr-klêver:= veerkleverbledisch krût, vierblätteriger Klee.
=ver-lang,= allmählich? verlanges = verlinges.
=verlazuis, verlasusaninna,= Interj. als Refrain.
=vêr-ledich,= quadrimembris.
=vêr-leie, -leige,= viererlei.
=verlen,= sw. v. *dat segel,* das Segel beschlagen, aufrollen und zusammenschnüren, engl. *to furl,* frz. ferler.
=verlik= = vederlik.
=vêrlik, vêrlicheit= = vârlik etc.
=verlinges,= adv. fern; *van v.,* von fern.
=vêrlink,= m. ein Viertelpfennig.
=ferme-, fermel-dôk,= m. Kopfbinde zur Bedeckung des gesalbten Firmelkreuzes.
=vermelen, vermelinge= = vermen, verminge.
=fermel-pade, -vadder,= Zeuge bei der Firmelung.
=fermen, vermen,= sw. v. firmeln, confirmare.
=vermin spelen?= = vorminnespelen = vorminnen?
=vêr-mêtich,= quadrimodus.
=ferminge, verminge,= Firmelung.
=vêrndel, vêrndink,= s. vêrendêl, vêrdink.
=verne,= adj. = *ver,* fern.
=vern(e),= adv. 1. räumlich: fern, weit; *v. weges = vere w.; van v. landes komen; it is mi v.,* ich denke nicht daran, bin nicht willens. 2. zeitlich: *v. waren,* weit, lange dauern; *v. tid dages, v. dages,* hoch am Tage. 3. modal: *so v. bringen, komen, (al)so v. alse,* als Verstärkung vor Adj. u. Adv., s. *vere; vernere besibbe,* in entfernterem Grade verwandt.
=vernen,= sw. v. entfernen; jurist.: (Gut) entfremden, in andere Hände bringen.
=verne-wîn,= _Firne-, alter Wein; *ên vernestuͤcke wines,* ein Fass solches Weins._
=vernigen,= sik, sich entfernen.
=verninges, vernlinges= = verlinges.
=fernis (fernlis, vernus),= n.? 1. Firnis. 2. Firnis = Bernstein schlechterer Sorte. Vgl. fornis.
=vernisse,= distantia.
=veronete,= sw. f. als kirchl. Schmuck; lies: -ce? -ke? = veronick, veronig (Veronica i. e. facies Christi in sudario Veronice)?
=vêr-ord, -ordich,= viereckig; -orden, quadrare.
=vêr-pas,= n. Vierpass, ein viereckiger Kasten oder Rahmen, z. B. als Tribüne.
=ferpel, ferpelie,= Trug, Arglist.
=verre, veerre,= adv. = vere 1; van verrens = van veres.
=vers= u. =versch, versche,= n. Vers, Strophe. Zss. vers maken; versch-dichter, -maker, versemekere.
=versch (varsch),= _unfl. auch *vers,* frisch, neu; v. Wasser, Fisch u. Fleisch auch: nicht gesalzen, daher *de versche market* (Ggs. *de solte m.),* auf w. solche Fische verkauft werden; *in (mit) der verschen dât vân (begripen),* in flagranti ertappen; *uppe verscheme vote,* stehenden Fusses, sofort._
=vêr-schare:= de v. spannen = de vêr scharnen sp., die vier Bänke des Tribunals hegen, Gericht halten.
=vers(c)heit, verschicheit, verschlicheit,= Frische.
=verschen,= sw. v. auf-, erfrischen; gesalzene Fische auswässern.
=vêr-schrodich,= quadratisch geschnitten, v. Zeug.
=verse,= f. vitula; verseken, juvenca.
=vêr-seidich,= quadrifidus.
=vers(e)ne,= st. f. =verse,= sw. f. Ferse des Fusses.
=versen-gelt= geven, fliehen.
=versik,= berberis vulgaris.
=versliken,= adv. recenter.
=versne-, versen-penninge= geben die Wendinnen ihrem Herrn bei einer Ehescheidung; ist wohl von Färse, *juvenca,* nicht von Ferse *calx* abzuleiten (Homeyer, SSpgl).
=ver-spete,= pl. eine Waffe? = vederspit?
=verst,= f. Frist, Aufschub.
=verst,= st. m. =verste,= sw. m.? First, Dachspitze, -kante, Giebel.
=versten,= sw. v. fristen, aufschieben.
=verstinge,= Dachung, Dach.
=vêr-stunt,= viermal.
=vêrt, vîrt= = vêrder.
=vêr-tal,= quaternarius; vêr-tel, als Mass, z. B. Landmass.
=vêr-tein(e), -teigen, -tên, -tîn,= vierzehn; *vêrtei(n)-nacht,* vierzehn Tage, die Frist eines halben Monats.
=verten,= st. v.? farzen, pedere, bombisare.
=vêrtich,= vierzig; *de v. dage,* die grossen Fasten.
=ver-tike= = veder-têke, Daunenzieche?
=vertût,= f. Vorzüglichkeit, Güte, lat. virtus.
=vêr-valt, -voldich,= quadruplex; -voldicheit, quadruplicitas; -valden, -volden, quadruplare.
=vêr-formich,= quadriformis.
=vêr-voted, -votich,= vierfüssig.
=verwe = varwe.=
=ver-weges,= s. *vere,* adv.
=vêr-wegich,= quadrivium.
=verwe-lôn,= Bezahlung für Färben.
=verwels,= n. soviel als an Garn oder Zeug auf ein Mal gefärbt wird.
=verwen,= sw. v. färben; auch: bemalen, anstreichen; *verwet gold* (Ggs. fyn g. edder twistg.)?
=verwer(e),= Färber; *verwersche,* f.
=verwerie,= das Färben; das Färberhandwerk; *= verwerhûs,* Färberwerkstatt.
=vêr-werve,= viermal; vêrwerven sesse, 24.
=vêr-winkelich,= quadrangulus, quadrum; -winkelen, quadrangulos facere.
=vêr-woninge-schap,= Schrank mit vier Abteilungen, Fächern.
=vese,= sw. f. =vesen,= st. m. Achel, Spreu (Korn), Hülse, Schale (Knoblauch), Splitter (Flachs, Holz), Wurzelfaser; am Garn, Gewebe: Fasen, Fädchen; Franse, Saum; Bezeichn. des Geringsten: *lîk der vesen achten,* für nichts; *nicht eine(n) v.,* gar nicht(s).
=vese-laken:= van flocken off van schragelingh gemaict, also von Wollabfall.
=vesper,= _f. die vorletzte canonische Stunde (6 Uhr Abends); *-tît,* Vesperzeit._
=vesse-bendel,= Schnürband? (aus d. Hd.)
=vesser= (aus d. Hd.) = veter; -slot, sera catenata.
=vessinge= (aus d. Hd.) = vatinge.
=fest,= n. Fest; *-dach,* Festtag.
=veste= = vast, adj.
=veste,= st. f. 1. Handfeste, Document. 2. Festung, feste Burg, überh. jede Art der Befestigung und Sicherung eines Ortes, daher auch 3. Gefängnis.
=veste,= _f. (aus dän. *fæste).* 1. e. Art der Pachtung von Land durch Kauf auf Lebenszeit. 2. n.? das so gepachtete Land. *veste-brêf,* Contract über solche Pachtung._
=veste,= _st. f. Verfestung, e. weltlicher Bann, *proscriptio.* (Aus_ vêste?)
=vêst(e),= n. (f.) Gericht, Gerichtsbezirk, District, Unterabteilung eines Gaues.
=vestegen,= festigen; refl. sich verbinden, sich verpflichten.
=vestel-môs, -spise= = vastel-m., -sp.
=vesten, vestenen,= sw. v. 1. fest machen, fest heften, *firmare.* 2. befestigen, sichern, *munire.* 3. festigen, bekräftigen, beglaubigen, sancire, stipulari.
=vesten,= sw. v. = vorvesten, proscribere.
=vesten(e),= st. f. = veste I, 2.
=vestenheit,= Befestigung, Bekräftigung, Beglaubigung.
=vesteninge,= 1. Befestigung, Schutzbau, Festung. 2. = vestenheit.
=vestentlik,= adv. fest.
=veste-pennink,= Handgeld, arra.
=festêringe, festinêringe,= Festlichkeit.
=vê-sterve,= f. Viehseuche.
=vêst-genote,= Genosse eines vêstes.
=vêst-hêre,= Vorsteher eines vêstes.
=vestinge= = vesteninge 1. 2.
=vestinge= = veste III.; -missedât, Missethat, w. mit Verfestung geahndet wird.
=vêstink,= n. = *vêst-dink,* das (jährliche) Gericht der vêstgenoten.
=vestlik,= adj. zu den Fasten gehörig.
=vestlik(en),= adv. fest; rechtsverbindlich, unverbrüchlich.
=vestnisse= = vesteninge 1. 2.
=vet= u. =veet= (= vêt), feist, fett, gemästet; fig. voll, reich, gross; de vette ware = vêtgût.
=vet= u. =veth= (= vêt?), Fett, Schmer.
=vet(e)kîn, -ken= u. =vetelîn,= n. Fässchen; fig. schwacher Mensch.
=vetel, vettel,= 1. Band, Nestel, Senkel (der Hose). 2. Fessel, Teil des Pferdefusses.
=vetelen,= binden, fesseln.
=veter,= st. m. Fessel, Band.
=vêt-gût,= n. Fettwaren.
=vethaftich,= fettig, schmierig.
=vetinges-helde,= lose Kette, als Fessel beider Füsse? Ggs. *slothelde,* zum Anschliessen an die Mauer?
=veting-maker,= der *vetinge* verfertigt.
=vetink,= m. =vetinge,= _f.? Bahre, Sänfte; = *vetinge-wagen,* kleiner, leichter Korb-Wagen._
=vetme,= sw. f. = vademe.
=vette,= st. f. =vetticheit,= _Fettigkeit; Korpulenz, Fettheit._
=vette-bûk,= Fett-, Schmerbauch.
=vetten,= sw. v. fett machen; fett werden.
=vetteninge, vettunge,= Fettung, Düngung.
=vetter,= der (auf Wagen) aufladet.
=vever= (vê-?), n. Fieber.
=vê-warte,= Hirte. Lies -warde?
=vî (fyg, fihg, vihe, vie),= n. Sumpf, Brook, Bruch; Sumpfwald; Teich.
=fi!= interj. pfui.
=viant,= _adj. feind, feindselig, feindlich; subst. Feind, Gegner, Widersacher; theol. der Teufel; *-têken,* militärisches Signal; *viande-brêf = veidebrêf; viandes-man, -mensche,* Feind._
=viantlik,= adj. feindlich; adv. viantliken.
=viantschop, viantheit,= Feindschaft, Feindseligkeit, Hass; Streit, Kampf.
=fibel(e),= f. Fibel; *ênem de fibelen* (Var. *fabulen) lesen,* jem. den Text lesen.
=fibeltatie,= Geschwätz, spöttisch für Disputation.
=vicarie, viccarie, vickerie,= vicaria.
=vicaries, viccaries,= vicarius.
=vice-dom, -dum,= vicedominus, Statthalter; Verwalter (der Stiftsgüter), Amtmann.
=vice-plebân,= viceplebanus, Unter-, stellvertretender Pfarrer.
=vicke,= _f. Tasche an Kleidern; Beutel; Zss. *ficken-rême* (Riemen)._
=fick-facker,= ardelio.
=victrile,= Vitriol, Kupferwasser.
=victrilesch= canafas, mit Colcothar oder Eisenroth gefärbtes Segeltuch?
=viddele= = vedele.
=vidderen:= geviddert, volatilis.
=vi(e)= = vê, Vieh.
=viel-rosicke,= Veilröschen, lychnis.
=vient= u. Abl., s. viant.
=vîf,= fünf; fl. *vive,* Gen. *viver; neine vive tellen konen,* v. einem Dummen, Erschrockenen; de tal van viven, quinarius.
=vîf=-bladere, -vingere, pentafilum, quinquefolium (potentilla reptans); -hornich dinck, pentagonus; -jarich, quinquennis; -jârtît, quinquennium; -leie, fünferlei; *-lode, pentafilus; -ort,* n. Fünfeck; *-talich, quinarius, quinqus (quincunx); -vachtet,* fünffach gemacht, ausgestellt (v. e. Urkunde); *-werf, -werve,* fünfmal; *woningeschap,* Schrank mit fünf Abteilungen; -wort, eliborus albus.
=vîflink,= ein Zeug, wahrsch. Fünfkamm.
=vîfte, vifte,= der Fünfte; *-half,* fünftehalb; *vifter-hande, -leie,* fünferlei.
=viftein(e), -tên(e),= funfzehn; -nacht, quindena; vifteinich, quindenus; vifteinde, quindecimus.
=viftich,= funfzig, vgl. *veftich; viftegeste,* der funfzigste.
=fîg, fîgh= = fi, interj.
=vige,= f. Feige; *de vigen wisen,* höhnen.
=vige-bone= = vîkbone.
=vigen=-bôm, ficus, ficulnea; -eter, ficofanta, calumpniator; -hof, ficetum; -korf, Feigenkorb; -vrucht vel -palme, carica; -sap, ficulus.
=vigent= = viant.
=vigilie,= _f. *vigilia,* abendlicher Gottesdienst für Verstorbene, Totenamt; *vigilien-penninge,* Bezahlung dafür._
=vi(g)gole= = viole, Veilchen.
=figure,= f. Bild, Gestalt; Abbild, Sinnbild, Vorbild.
=figûrlik,= figuralis.
=figuren, figurêren,= figurare; figurêren spec.: musikalisch figurieren.
=vîk,= m. 1. Eingeweidewurm der Fische. 2. *ficus morbus,* bes. Hämorrhoiden. 3. Fingergeschwür.
=vîk=-balch, ficosus; -blat, Medizin gegen den *vîk 2: tormentilla erecta? scrophularia nodosa? -bleddere,* f. Feigblatter, Hämorrhoiden; *-bone, lupinum, marsilium; -bule,* f. *-galle,* f. Feiggeschwulst, bes. am Kopfe.
=vil,= 1. = *vele,* viel. 2. = *fel,* gottlos.
=vî-lant,= Brook-, Bruchland; *-lude,* die Einwohner desselben.
=vile,= f. Feile. =vilen,= sw. v. feilen.
=vîl(e)-spôn, -span,= Feilspan.
=vilie, vil(i)ge= = vigilie.