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Mittelniederdeutsches Handwörterbuch (part 1 of 5)

Part 1 of 5 · Lübben, August · Public domain text

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Contents (5)

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Mittelniederdeutsches Handwörterbuch

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Anmerkungen zur Transkription, insbesondere zur Behandlung von Wörtern, die am Zeilenende getrennt wurden, und vorgenommene Änderungen, finden Sie am Ende des Buchs.

WÖRTERBÜCHER.

HERAUSGEGEBEN

VOM

VEREIN FÜR NIEDERDEUTSCHE SPRACHFORSCHUNG.

BAND II.

NORDEN und LEIPZIG.

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG.

1888.

MITTELNIEDERDEUTSCHES

HANDWÖRTERBUCH

VON

AUGUST LÜBBEN.

NACH DEM TODE DES VERFASSERS VOLLENDET VON

CHRISTOPH WALTHER.

NORDEN und LEIPZIG.

DIEDR. SOLTAU'S VERLAG.

1888.

Druck von Diedr. Soltau in Norden.

Vorwort zur ersten Hälfte (A -- nagellôs).

Als das grosse Mittelniederdeutsche Wörterbuch von Schiller und Lübben bereits bald nach seiner Vollendung (1881) vergriffen war, wurde aus den Kreisen des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung der Wunsch laut, vorerst statt einer neuen Ausgabe ein Handwörterbuch ohne Belegstellen zu veröffentlichen, um möglichst rasch dem Mangel abzuhelfen und um auch solchen, denen das sechsbändige Wörterbuch zu teuer sein möchte, das Studium des Mittelniederdeutschen zu erleichtern. Mit derselben Energie, welche Lübben nach Schiller's Tode (4. Aug. 1873) den grössten Teil des Hauptwerkes (vom Artikel gân ab) in verhältnismässig kurzer Zeit vollenden liess, begann und verfolgte er die neue Aufgabe. Es war ihm aber nicht beschieden, den vollständigen Druck seiner Arbeit beschaffen zu können: als das Werk bis zum dreizehnten Bogen gedruckt vorlag, starb er am 15. März 1884. Der zeitige Verleger hat dann auf Wunsch des Vereinsvorstandes die weitere Herausgabe des Werkes mir anvertraut. Im Nachlasse Lübben's fand sich dasselbe, bis zum Schlusse des Buchstabens U ausgearbeitet, vor. Ich habe versucht, die Ausgabe nach den Grundsätzen, wie ich sie aus den ersten zwölf Bögen zu entnehmen vermochte, fortzuführen. Als wichtigste Abweichung vom Hauptwerk stellte sich die Bezeichnung des langen e, einerlei welches Ursprungs, und zwar sowohl in offenen wie geschlossenen Silben, durch ê heraus. Aus dieser Wahl des Zeichens ergab sich mir die Notwendigkeit, tonlanges e in geschlossener Silbe durch ein anderes Merkmal zu unterscheiden: ich habe, nach Nerger's Vorgang in seiner auf diesem Gebiete epochemachenden Grammatik des meklenburgischen Dialektes, ē gewählt. Dieselbe Art der Bezeichnung habe ich einige Male verwandt, um o, ô und ō aus einander zu halten.

Das Handwörterbuch ist im ganzen freilich ein Auszug aus dem grossen Wörterbuche; wer beide vergleicht, wird aber bald erkennen, dass die neue Arbeit vielfältig vermehrt und berichtigt ist. Lübben hat nämlich mit unausgesetztem Fleisse und, wie manche Artikel kundtun, bis zuletzt die Sprachquellen excerpiert und sein Handexemplar des Mittelniederdeutschen Wörterbuches so mit zahlreichen Nachträgen und Verbesserungen versehen. Diese Arbeit ist dem neuen Werke zu gute gekommen. Ich glaubte nicht gegen die dem Meister schuldige Pietät zu verstossen, wenn ich in Bezug auf meine lexikalischen Sammlungen ein gleiches Verfahren und auch dann beobachtete, wann sich dabei für ein bereits aufgenommenes Wort eine Berichtigung, wenigstens nach meiner Ueberzeugung, ergab, da ein etwaiger Irrtum durch Vergleichung eines solchen Artikels mit dem entsprechenden im grossen Wörterbuche auch als mein alleiniges Eigentum erkannt werden muss; und andererseits glaubte ich, im Interesse der mittelniederdeutschen Philologie und im Sinne des verstorbenen Freundes zu handeln, wenn ich nach meinen Kräften mich bestrebte, den gewaltigen lexikalischen Bau, den er aufgeführt hat, zu bauen und zu bessern, wo es mir Not schien. Allerdings hat sich auf diese Weise der Abschluss des ersten Halbbandes weit länger hingezogen, als ursprünglich beabsichtigt war. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, den zweiten im Laufe dieses Jahres rascher fertigzustellen.

HAMBURG, Februar 1885.

Vorwort zur zweiten Hälfte (nagelmâch -- Z).

Die Herausgabe des Mittelniederdeutschen Handwörterbuches hat mehr Zeit erfordert, als ich anfänglich erwartet hatte. Die Nachprüfung der Artikel desselben führte zu erneuter Einsicht der Quellen. Es ergab sich bald, dass aus einigen bereits, aber nicht erschöpfend ausgezogenen, aus anderen Schiller und Lübben teilweise oder gänzlich unzugänglichen, zumal den jüngst veröffentlichten Sprachdenkmälern sich noch manches neue Wort und für die schon verzeichneten oft Gewisseres über Form, Flexion und Bedeutung gewinnen liess. Da der Druck des Buches seinen stetigen Fortgang nehmen musste, so war weder eine vollständige, noch eine gleichmässige Durchsicht und Excerpierung möglich. Gar vieles fand sich erst, wenn es zu spät und der betreffende Artikel bereits durch den Druck abgeschlossen war. Je mehr die Herausgabe vorrückte, desto mehr wuchs die Zahl der Excerpte an. Gute Dienste leisteten, besonders auch durch Zeitersparung, die mit Glossar versehenen Ausgaben. Ausserdem bin ich Herrn Dr. F. Jostes zu Dank verpflichtet für die Hülfe, welche er durch Mitteilung seiner neueren Publicationen und eines von ihm angelegten Glossars zu mehreren noch unedierten Schriften der erbaulichen Litteratur freiwillig leistete. Mittelalterliche Glossen habe ich in etwas grösserer Anzahl aufgenommen, als der Verfasser des Wörterbuchs ursprünglich beabsichtigt hatte. Manchen Nachtrag boten noch Diefenbach's Glossaria latino-germanica; ein ziemlich umfangreiches, durch Interpretation und seltene Ausdrücke ausgezeichnetes deutsch-lateinisches Vocabular des fünfzehnten Jahrhunderts, welches im Besitze der Hamburger Stadtbibliothek ist, habe ich von M an vollständig verwertet.

Die auf diese Weise möglich und nötig gewordenen Zusätze und Veränderungen haben auf Plan und Einrichtung des Wörterbuchs keinen Einfluss geübt; höchstens den, dass ich, um den Band die zu einer bequemen Handhabung unumgängliche Grenze des Umfanges nicht überschreiten zu lassen, auf Raumersparnis bedacht sein musste. Hierzu ward ich auch durch eine anderweitige Vermehrung der Artikel genötigt. Um die Brauchbarkeit des Buches zu steigern, habe ich nämlich häufiger, als der Verfasser, Nebenformen eines Wortes als eigene Artikel, mit Verweisung auf die Hauptform, angesetzt. So suchte ich mir denn Platz zu schaffen dadurch, dass ich Zusammensetzungen desselben Bestimmungswortes entweder zu einem Artikel (diesem ersten Compositionsgliede) oder (mit Berücksichtigung der Grundwörter) zu wenigen Artikeln vereinigte, wo nur der bequemen Auffindbarkeit der Wörter kein Eintrag zu geschehen schien, und dass ich manche bloss im speciellen Niederländischen gangbare, dem eigentlichen Niederdeutschen aber fremde Ausdrücke, welchen Lübben Aufnahme gegönnt hatte, ausschied.

Abweichend vom Grossen Wörterbuche, hat der Verfasser Zusammensetzung eines Wortes durch einen Bindestrich zwischen den Bestandteilen angedeutet, dies jedoch nicht auf die suffixartigen Compositionsglieder dôm, heit, schap, bar, haftich, lîk, sam etc. ausgedehnt und es gleichfalls unterlassen, wenn die Teile durch Contraction oder Assimilation enger verwachsen sind. Bei den Präfixen ist er nicht einheitlich verfahren. Während er die unbetonten (be, ent, er, ge) mit Bindestrich versieht, hat er bei anderen, wie es scheint, diesen nur setzen wollen, wenn sie den Ton haben und in Verbalcompositionen vom Grundworte trennbar sind. Ich habe diese Weise durchzuführen versucht, bin aber nicht selten über die Richtigkeit meiner Entscheidung unsicher geblieben, teils weil dies Gebiet der Grammatik überhaupt noch sehr der Untersuchung bedarf, teils weil sich nicht immer beweisende Textstellen auffinden liessen. Auch wird ein Unterschied nach der Zeit zu machen sein: in der älteren ist die Bindung lockerer, der jüngeren dient losere und festere Verbindung zur Entwickelung verschiedener Bedeutungen. Bei einigen Verbalzusammensetzungen, z. B. mit over und under, galt wohl, wie zum Teil noch heutzutage, Trenn- und Untrennbarkeit ohne Begriffsunterscheidung neben einander.

Die Ordnung der Artikel ist alphabetisch, jedoch mit der Einschränkung, dass die Wörter, welche mit F anlauten, unter V, die mit C und Tz (hd. Z) unter S gebracht sind. Bei in- und auslautendem f ist der Verfasser nicht consequent verfahren, weshalb ich mich berechtigt erachtet habe, hier zur Bequemlichkeit des Publicums für die zweite Hälfte des Werkes die alphabetische Trennung von f und v durchzuführen. Doppelconsonanz im Auslaut hat der Verfasser, der bessern Orthographie des Mittelalters folgend, nicht angewendet, allein bei k, wegen der Schreibung ck, häufig davon eine Ausnahme gemacht, so dass man die Wörter bald unter --ck, bald unter --k zu suchen hat. Ich habe nach Analogie der übrigen Consonanten die Vereinfachung zu k festgehalten und danach die in Betracht kommenden Wörter alphabetisch eingeordnet. Für die Schreibung der auf Medien oder Spiranten ausgehenden Wörter sind, wie schon im Grossen Wörterbuche, die aus der mittelniederdeutschen Grammatik bekannten Auslautsregeln beobachtet worden. Für sc oder sk ist, ausser wo diese Consonantenverbindung in- oder auslautend durch Contraction entstanden war, stets sch gesetzt worden. Richtiger wäre vielleicht gewesen, wenigstens auch mit anlautendem scr eine Ausnahme zu machen. Die Scheidung von g und gh ist gleichfalls nicht versucht worden. Im Inlaut sie zu machen, wäre zur Unterscheidung verschieden lautender Wörter eigentlich notwendig gewesen. Von den Vocalen sind die beiden ô (got. au und o) und die beiden ê, resp. ei (as. ê und io) nicht getrennt, sondern orthographisch gleich behandelt worden.

Bei der Ansetzung der Artikel ist durchweg die allgemein-niederdeutsche Sprachform, wie die Sprache der Hansen oder Osterlinge sie vom dreizehnten bis sechszehnten Jahrhunderte bot, bevorzugt worden. Stand die Wahl zwischen mehreren Formen frei, so ward die am längsten herrschende und am weitesten verbreitete und möglichst eine aus der mittleren Zeit vorangestellt. Dialektische Formen hat der Verfasser meist beigefügt, sind von mir jedoch oft wegen Raumersparung im Hauptartikel ausgelassen worden, wenn ihnen aus dem oben angegebenen Grunde ein eigener Platz in der alphabetischen Reihenfolge zuteil ward. Solche mundartliche Abweichungen, deren Kenntnis aus der mndd. Lautlehre vorausgesetzt werden konnte, wie z. B. wenn û statt ô (mhd. uo), î statt ê (mhd. ie) und a statt o in offener Silbe steht, sind nicht immer verzeichnet worden. Seltenere Nebenformen sind hinter die gewöhnlicheren Formen und in Klammer gesetzt. Steht aber die erste Form eines Artikels in Klammer, so ist diese als gemein-niederdeutsch anzusetzen, nur nicht zu belegen.

In der Bezeichnung der Vokallänge ist Lübben im grossen Wörterbuche dem Vorschlage von Jacob Grimm, Grammatik I³, 252, gefolgt, sich derselben nur in geschlossenen Silben und vor Consonantverbindung in offenen Silben zu bedienen. Im Handwörterbuche ist er für e von dieser Regel abgewichen und hat jedes lange e, auch in offener Silbe, mit Circumflex oder Dach versehen. Darin hat er recht gethan. Es ist zu bedauern, dass er nicht weiter gegangen und dasselbe Verfahren ebenfalls bei den übrigen Vocalen oder mindestens bei a und o angewandt hat. Denn die kurzen und langen Vocale sind im Niederdeutschen, wie noch im modernen, so schon im mittelalterlichen nicht bloss quantitativ, sondern auch qualitativ verschieden. Ich habe ein paar Male auch in offener Silbe die langen Vocale a und o mit Circumflex versehen, um zwei gleichgeschriebene Wörter zu unterscheiden. Und ebenso habe ich bisweilen die Tonlängung in geschlossener Silbe durch ā, ē, ō angedeutet. Zuweilen bin ich unsicher gewesen, ob ich e, ē oder ê ansetzen sollte, und nicht immer mag ich das Richtige getroffen haben. Die Endung el in Fremdwörtern, wie padderel, tassel, fardel etc., habe ich nach des Verfassers Vorgang (s. z. B. kordêl) êl geschrieben, doch ist mir nachträglich wahrscheinlicher geworden, dass man ēl zu schreiben und zu sprechen hat. Ebenso habe ich nach seinem Beispiele die fremdländischen Endungen ie (z. B. olie, passie, familie, vitalie) und îe (z. B. ogelie, paperie, faselerie) nicht geschieden.

Der Verfasser war, wie er mehrfach kundgegeben hat, davon überzeugt, dass die mittelniederdeutsche Sprache keinen Umlaut gekannt habe, mit Ausnahme des von a und â, wo die Schreibung e freilich keinen Zweifel zulässt. Demgemäss ist er sowohl im Grossen, wie im Hand-Wörterbuch verfahren. Schiller war, wie wir durch K. Schröder's Mitteilung in der Germania 19, 120 wissen, entgegengesetzter Ansicht. Obwohl ich gleich Schiller und Schröder der Meinung bin, dass bereits im Mittelniederdeutschen der Umlaut auch andere Vocale ausser a ergriffen hat, so durfte ich doch einmal bei Herausgabe von Lübben's Arbeit diese Meinung nicht zur Geltung kommen lassen, und andererseits liegt die Frage noch gar nicht so spruchreif, dass man für jeden einzelnen Fall sicher den Umlaut zu behaupten oder zu leugnen vermöchte. Ist doch seit nicht gar langer Zeit überall erst die Untersuchung über den Umlaut und andere Fragen der mndd. Lautlehre möglich geworden. Früher hinderte der Mangel an Ausgaben der Sprachquellen, besonders an genauen, gewissenhaften. Es ist das Verdienst von Juristen und Historikern, wie Homeyer, Wehrmann u. a., zuerst die Notwendigkeit getreuer Wiedergabe der handschriftlichen Vorlagen erkannt zu haben. Ihnen sind jüngere Editoren, wie z. B. Hänselmann, Koppmann und überhaupt die Waitz'ische historische Schule gefolgt, so dass in ihren Publicationen jetzt schon ein umfangreiches Material für das Studium der Sprache vorliegt. Auf der Thätigkeit der Philologen ruhte dagegen lange wie ein die Entwickelung hemmender Meltau eine aus unzulänglicher Kenntnis des Mittelniederdeutschen abgezogene Normalorthographie und eine Geringschätzung der Weise, in welcher das Mittelalter selbst meinte am füglichsten die Laute des Niederdeutschen darstellen zu können. Das scheint anders werden zu wollen: es mehren sich die lauteren Textausgaben von guten Handschriften und alten Drucken auch aus der schönwissenschaftlichen Litteratur. Meines Bedünkens kann auf diesem Wege fürs erste nicht leicht zu viel geschehen, selbst wenn der ästhetische Wert oder der geistige Gehalt der Dichtungen nur gering sein sollte. Die Folge würde sein, dass die Erforschung der Lautlehre und Grammatik neuen Aufschwung nehmen kann. Man wird sich betreffs jener die Frage vorlegen müssen, ob wir mit Recht ferner die Consonantzeichen f, gh, y, sc, ssch, z, tz und die Vokalbezeichnungen ø und u̸ (NB. nicht a̸, denn dafür hatte man ein e), ij oder y, die Haken oben oder unter den Vocalen, die Stapelung von Vocalen über einander oder ihre Gesellung auf der Linie neben einander einfach ignorieren dürfen, als wären sie bedeutungslose Variationen oder Schnörkeleien müssiger Kalligraphen, und ob wir nicht vielmehr darin den Ausdruck von Lautschattierungen zu erblicken haben. Mit Hülfe der besseren Handschriften wird man die Bedeutung und die Regel dieser mittelalterlichen Orthographie wohl entdecken können. Dann wird es an der Zeit sein, an die Stelle der hergebrachten, zwar bequemen, aber die Sprache mangelhaft und teilweise unrichtig darstellenden Normalschreibung eine neue zu setzen, welche möglichst der mittelalterlichen Schreibweise anzunähern wäre, so dass man z. B. etwa auf den Circumflex, ausser in grammatischen Untersuchungen, Verzicht leisten dürfte.

Dass die Texte, wie bisher nach der alten, so nach einer solchen lautgemässeren Orthographie ohne Rücksicht auf zeitliche und örtliche und individuelle Dialekteigentümlichkeit dann zurecht gestutzt und uniformiert würden, ist nicht zu wünschen und auch wohl nicht zu erwarten. Hingegen ein Wörterbuch kann ohne solche geregelte Orthographie nicht fertig werden; ohne die jetzt geltende wären auch das Mittelniederdeutsche Wörterbuch und das Mittelniederdeutsche Handwörterbuch wahrscheinlich nicht zu Stande gekommen. Daher war mir auch vorgeschrieben, das letztere Werk in der vom Verfasser eingeschlagenen Bahn zu Ende zu führen. Trotz aller angewandten Mühe mag jedoch die Arbeit hie und da Consequenz und Gleichmässigkeit vermissen lassen, was ich für Lübben mit seiner längeren Krankheit, welche in seinen Tod endete, für mich mit der Schwierigkeit zu entschuldigen bitte, welche mit solcher Aufgabe, das Werk eines Andern herauszugeben und zu vollenden, verknüpft ist.

HAMBURG, August 1888.

*C. H. F. Walther.*

A

=a,= als Buchstabe fem.

=a,= interj. ach!

=â= (aha, ahe), _f. Wasser, Gewässer, Strom, Bach, feuchte Niederung._

=-â,= emphatisch bei Ausrufungen an Partikeln etc. angehängt.

=abbadisse, -dische, abdisse,= Äbtissin.

=abbedie, abdie,= Abtei.

=abbesate= (= ambasiate). Abgesandter.

=abbeteke,= Apotheke; =abbeteker,= Apotheker.

=abbet,= Abt.

=abebôk,= Abecedarium.

=abel,= geschickt, passend, tauglich.

=abêle= (aweele), Pappel (= *alber, populus alba;*) auch glossiert als *abies;* als Pflanze: hippia major s. rubra.

=abelheit,= Geschicklichkeit, Tauglichkeit.

=abelike,= adv. auf geschickte Weise.

=abisse,= f. Abgrund, ἄβυσσος.

=aborge= = ane borge?

=abraham,= (Mantel)sack; (Geld-beutel; Sackgasse).

=abûs,= n. Sache die Befremden, Aufsehen erregt.

=abuwich= u. =anbuwich,= baufällig.

=abuwinge,= ungebautes Land.

=ach,= interj. ach der schande! ach der wedage!

=acht, achte,= _acht; *de achte dach,* die Octave eines Festes; *de achte dage,* die ganze Woche nach einem Feste._

=acht, achte,= f. Acht, Verfestung des Königs; =achtbrêf,= Schreiben, das die Acht öffentlich verkündigt.

=acht, achte,= f. 1. Acht, Aufmerksamkeit, Sorgfalt. 2. Art u. Weise, *ratio.* 3. Ansehen, Achtung. 4. Rang, Stand, Stellung im Leben. 5. die in gleicher Stellung stehenden, Genossenschaft. *mine acht,* Leute meines Ranges u. Standes. 6. Beratung, bes. der Genossenschaft, der Urteilsfinder, Freunde; *acht bidden,* um Beratung (mit Freunden, Rechtsbeiständen) bitten; *an ene achte gân,* sich mit seinen Freunden etc. beraten; concret. die Achtsleute. 7. Beschluss der Genossenschaft, Urteil, Weistum. 8. Gerichtsversammlung, *placitum.* 9. der Bezirk des Gerichtes, der Genossenschaft. 10. Bedenkzeit, Rechtsfrist, *spatium deliberandi;* überh. Frist.

=acht(-, ach-, ac)bar,= ansehnlich, herrlich, bes. als Titelbezeichnung grosser Herren. -- *acbar maken, autenticare,* eine Urkunde als authentisch bezeichnen.

=achtbarheit,= Ansehen; ceremonielle Weise.

=achtbarlik,= ansehnlich, achtungswert; =-liken,= adv. honorabiliter.

=achtede,= der achte. de achtede (oder achte-) dach, _die Octave eines Festes._

=achtegede,= achtzehnte.

=achtehalve,= sieben und ein halb.

=achtelink,= eine kleine Münze, 5½ Pf. (= kortelink).

=achten,= sw. v. 1. rechnen, zählen, die Zahl überschlagen, schätzen, taxieren. 2. berücksichtigen. 3. aufmerksam auf etwas sein, achten, besorgen. 4. beraten. 5. erachten, glauben.

=achtendêl,= Achtel einer Tonne.

=achtentich,= achtzig.

=achter,= m. Abschätzer, Taxierer.

=achter= (achtere) u. =echter,= m. der in der Acht befindliche, proscriptus.

=achter,= präp. mit Dat. u. Acc. 1. hinter; -längs, durch-hin, achter (den) straten, per vias; achter lande, per terram; de achter lande lopet, erraticus; adv. achter landes. 2. zeitlich: nach.

=achter,= adv. 1. hinten; *van achter to,* von hinten her; *achter af,* hinterwärts, zurück. 2. zeitlich: später, nachher. 3. modal: *to achter, a retro; to a. bringen,* zurück (nicht vorwärts) bringen (bildlich); *to a. gân,* zurückgehen (weniger Einnahme, Gewinn etc. haben); mit Gen. verlustig gehen; *to a. komen,* Abnahme erleiden, verlieren; *to a. sîn,* im Rückstande sein, frz. *être en arrière;* mit Gen. oder mit *an:* Forderungen an jemand haben.

=achter,= adj. hinter; Comp. *achter* u. *echter;* Superl. *achterste* u. *echterste*.

=achterbakes,= adv. hinter-rücks.

=achterbliven,= unterbleiben; *a. laten* sein lassen.

=achter-bort,= f. Nachgeburt.

=achterdeken,= subdecanus.

=achterdêl,= Hinterteil; bildlich (Ggs. zu *vordêl*): Nachteil, Schaden.

=achterdenken,= Hintergedanke.

=achterebbe,= die letzte Zeit der Ebbe.

=achtergerede,= Schwanzriemen der Pferde (postela).

=achterhalves,= hinterrücks (von der Hinterseite her).

=achterhode,= f. Nachhut.

=achterhol,= n. After.

=achterholt,= m. u. n. Hinterhalt.

=achterhoren,= verleumdet werden.

=achterklap,= üble Nachrede, Verleumdung.

=achterklappen,= afterreden, verleumden.

=achterklapperie= u. =achterklappinge,= Verleumdung.

=achterklapper,= Verleumder.

=achterkolsen,= verleumden.

=achterkolser,= Verleumder.

=achterkopen,= verleumden.

=achterkoper,= Verleumder.

=achterkosen,= afterreden, verleumden.

=achterkoser,= Verleumder.

=achterkoserie= u. =achterkosinge,= Afterrede, Verleumdung.

=achter-laten,= hinter-, zurücklassen; versäumen, unterlassen, übergehen.

=achterlatenisse= u. =achterlatinge,= Versäumung, Sünde.

=achterlogene,= Verleumdung.

=achtern= u. =echtern,= sw. v. hintansetzen, entfernen; refl. zurückbleiben.

=achterna,= adv. hintennach, hinterher.

=achterpart,= Hinterteil.

=achterport,= Hinterpforte, After.

=achterrât,= späterer Rat.

=achter-rêp,= Hinterseil, Schwanzriemen (postela).

=achter-sele,= Hintersiele, Hinterriemen, *postela;* die schwerste Stelle im (vierspännigen) Zuge. *in de a. komen,* bildl.: zurückkommen, in seiner Nahrung Abnahme leiden.

=achterspil,= Ehebruch.

=achtersprake, -spreke,= Afterrede, Verleumdung.

=achterspreken,= afterreden, verleumden.

=achterspreker,= Verleumder.

=achterstân,= zurückstehen, rückständig sein.

=achterstedich,= rückständig.

=achterstellich,= zurückbleibend; rückständig.

=achterstendich,= rückständig.

=achter-terden,= umgesetzt für: achtertreden, zurücktreten.

=achtertow,= Hintertau (Ggs. vor-tow).

=achter-ût,= hinten-aus.

=achtervlôt,= die letzte Zeit der Flut.

=achtervoget,= Untervogt.

=achtervolgen,= nachfolgen, nachkommen; verfolgen, bes. im jurist. Sinne, eine Sache, Klage etc.; bei versessener Rente den Eigenthümer eines Hauses zum Verkauf treiben.

=achterwaren,= bewahren, beschirmen.

=achterwascher,= Hinterkläffer, Verleumder.

=achterwech,= Rückzug, Rückweg.

=achterwegen= bliven, unterbleiben; *a. laten,* unterlassen.

=achterwert, -wart, -wort,= hinterwärts, zurück.

=achterwort,= üble Nachrede.

=achtesman,= _Plur. *-lude,* der zur Beratung gezogen wird, Teilnehmer einer Acht, Schöffe etc._

=..achtich= und =-echtich,= _Adjectivendung, entw. von *acht* (Art oder Weise) oder_ = (h)aftich.

=achtinge,= f. (Rechnung) 1. Achtung, Aufmerksamkeit. 2. Wertschätzung. 3. Stand.

=achtinge,= Ächtung.

=achtlos= = echtlos.

=achtwort,= s. echtwort.

=acker,= m. auch n. beackertes Land.

=ackeren,= sw. v. ackern, *ackertlant,* Ackerland.

=ackeren,= n. Eichel; Eichelmast. s. auch eckeren.

=ackerenval,= Eichelnfall; Eichelmast.

=ackerkrût,= agrimonia.

=ackerman,= Plur. *-lude,* Ackersmann, Bauer; auch Benennung der Bachstelze, bes. in der Deminutivform: ackermänneken.

=ackermome,= Ackermuhme, d. i. die Frau, die in einer grösseren Wirthschaft auf das Vieh und die Mägde achtet. s. mome.

=ackerpage,= Ackerpferd.

=ackerrecht,= Ackerzins.

=ackertrad,= polygonum aviculare?

=ackervent,= s. vent.

=ackerwerk,= n. concr. alle Ländereien, die mit dem Pfluge bearbeitet werden.

=ackét= (aket), Nachstellung, Hinterlist, insidiae.

=adebar= (und =edebar, edebere=), m. Storch.

=adebars-brôt,= Geranium Robertianum; Iris Pseudacorus.

=adebars-kasber= (Storchkirsche), Ribes nigrum.

=adebars-snavel,= Storchschnabel; Geranium Robertianum.

=adebars-nibbe,= Delphinium consolida u. Geranium cicular.

=adek(e)=, Attich, ebulus.

=adel,= ags. *adul,* Stollen (im Bergbau).

=adel= (âl), m. Geschwulst, Geschwür, bes. Fingergeschwür, panaritium.

=adel= (addel, eddel, iddel), ags. *adele,* zusammengeflossene garstige Feuchtigkeit, Jauche, Mistjauche.

=adel,= m. und n. Abstammung, bes. freie, edle Abstammung; coll. die Adlichen.

=adel-arn,= edler Aar, Adler.

=adelbrêf,= Urkunde, welche den freien Stand eines Menschen bezeugt.

=adelbroder,= echter Bruder.

=adeldôm,= adellicher, freier Stand.

=adelik,= adellich, herrlich, vortrefflich.

=adelkint,= ein Kind von freier Geburt.

=adel-, (addel)pôl,= Mistpfuhl, Mistpfütze.

=adelsone,= ehelicher Sohn, Ggs. kevessone.

=adem,= m. Athem.

=ademen,= athmen.

=ademtocht,= Athemzug.

=ader, adder= (edder), Natter, jede (giftige) Schlange.

=ader(e),= f. 1. Sehne, Flechse des thierischen Leibes, *nervus;* Peitsche aus Sehnen gemacht; Rippe in den Pflanzen. 2. Blutröhre, Ader. 3. Plur. das Innere, Eingeweide, Mutterleib. Vgl. inaderen.

=ader(e),= mhd. *eter,* Staken, Knüppel, woraus man die Zäune macht. s. eder.

=aderen,= sw. v. mit Sehnen (Adern) versehen, den Sattel *aderen,* beziehen und bepolstern; aus Sehnen machen, aderde repe, funes nervicei.

=aderich,= 1. schlangicht, *viperinus.* 2. sehnicht, nervosus.

=aderkouwen, ârkouwen,= wiederkäuen.

=ader, (adder) -slange,= (tautol. Zstzg.) Natter.

=aderstrûk,= Strauch oder Knüppel zu Zäunen.

=ader-tûn,= Zaun aus Adern, Gehegezaun. s. edertûn.

=aderen-, aderlater,= der zur Ader lässt.

=aderensleger,= der zur Ader lässt, Schröpfer, minutor.

=adermonie,= *Agrimonia, Eupatoria.*

=aderwech,= Schlangenweg, Schleichweg.

=aderwort= (Natterwurz), serpentina.

=adich,= Attich.

=admâl= = etmâl.

=a-drotich,= überdrüssig.

=â-ducht= (adoit), _f. Wasserzucht, Abzucht des Wassers, *aquaeductus, canalis* s. auch_ agetucht.

=advenant,= na advenant, nach Verhältnis, frz. à l'advenant.

=advente,= f. Advent, die Adventszeit.

=af,= präp. ab, von, von-herunter.

=af, ave,= adv. ab, herunter, von -- weg. *af (ave) sîn* oder *wesen,* abwesend sein; abgesetzt sein; abgethan, beendigt sein; los, ledig sein; *af hebben,* herunter, weg, abgeschafft haben; *af unde an,* hin und her (räumlich); dann und wann (zeitlich); *af of an,* ja oder nein (modal); *af unde to,* hin und zurück; ab und zu; ja oder nein. -- Häufig = *daraf* (wie *mede = darmede*). Viele Verben werden mit *af* und dem Dativ verbunden, die nicht so sehr als Composita anzusehen sind, als vielmehr nur bezeichnen sollen, dass eine Thätigkeit zum Nachteil und Schaden oder Leidwesen der durch den Dativ angegebenen Person geschah.

=af-asen,= abfressen, bildl. rupfen, um sein Gut bringen (?).

=af-baden,= verlieren, einbüssen? niederlegen (ein Amt)?

=af-bate,= Abnutz, Nebennutz, unrechtmässiger Vorteil.

=af-bede,= Abbitte.

=af-beholden, -halden,= abgewinnen im Wege Rechtens.

=af-beiden,= abwarten.

=af-beraden,= ausberaten, abfinden, (Kinder) aussteuern.

=af-bernen,= abbrennen.

=af-bersten,= abbrechen.

=af-bidden,= ab-, erbitten.

=af-binden,= abbinden, ablegen.

=af-biten,= wegbeissen.

=af-bloten,= ab-blössen, (Holz) weghauen.

=af-bodelen, -bolen,= jem. wegen seiner Ansprüche abfinden (s. bodel, bôl).

=af-boren,= abheben, wegnehmen.

=af-borgen,= gegen Bürgschaft abnehmen.

=af-borst,= Abbruch.

=af-bot,= Abgebot, Abbestellung.

=af-bouwen,= beim Bebauen eines Landes einen andern benachteiligen.

=af-breke,= Abbruch.

=af-breken,= 1. intr. Abbruch erleiden, abnehmen, kleiner werden (auch unpers. mit Dativ). 2. trans. Abbruch thun, wegreissen, benehmen, abziehen (in der Bezahlung). Refl. sich zurückziehen, nicht länger leisten wollen.

=af-breker,= Wegnehmer, Räuber, der (den Armen etc.) Abbruch thut.

=af-brekicheit,= Abbruch, Abgang, (defectuositas).

=af-brekinge,= Benehmung, Beraubung.

=af-brennen,= ab-brennen (der Inf. lautet in guten mnd. Quellen stets *af-bernen*).

=af-bringen,= 1. wegnehmen. 2. verbringen, verschwenden.

=af-bringer,= Verbringer, Verschwender.

=af-brôk,= _Abbruch, Schaden, Nachteil; Mangel (der Zahlung von Zinsen etc.)_

=afbrokich= und =afbroklich,= zum Nachteil gereichend, schädlich.

=af-busemen,= aus dem *buseme* (s. d. W.) nehmen; aus der Zugehörigkeit zur Familie, und, auf Leibeigene bezogen, aus der Hörigkeit entfernen, herausnehmen.

=af-buten,= ab-tauschen.

=af-buwede,= Abbau, Bebauung einer Bergwerksgrube.

=af-dank,= Abdank, Niederlegung einer Stelle, (*afdanken* 1. jem. seines Amtes entlassen. 2. sein Amt niederlegen).

=af-degedingen, -dedingen,= 1. durch gerichtliche Entscheidung oder Vertrag (Verhandlung) von einem gewinnen oder erzwingen. 2. durch Unterhandlung abwehren, durch Abfindung zufrieden stellen. 3. refl. durch Vergleich von Feinden sich losmachen, kapitulieren.

=af-dêl,= Abteil, Anteil am Erbe.

=af-dêlen,= 1. im Wege Rechtens aberkennen. 2. abteilen, als Abfindung zuteilen. 3. verurteilen.

=af-delinge,= Abteilung; Entscheidung (= schedinge).

=af-delligen, -delgen,= vertilgen.

=af-dênen,= durch einen andern Dienst wieder vergelten.

=af-dingen,= am Preise, an der Schuld etc. etwas abziehen; refl. sich durch einen Vertrag (Unterhandlung) frei, los machen, = afdegedingen.

=af-dôn,= entfernen, wegschaffen, aufheben; schlachten, töten: refl. mit Gen. oder *van.* ablassen wovon; *sik afdôn van den live,* Selbstmord begehen.

=af-dorschen,= abdreschen, abprügeln.

=af-dracht,= 1. Entschädigung, Genugthuung. 2. Schaden, Nachteil. 3. besondere, auszeichnende Tracht.

=af-dragen, -dregen,= 1. ab-, wegtragen; entfernen; abwenden. 2. Abtrag machen, Entschädigung leisten, büssen wofür. 3. Abbruch thun.

=af-drechtich,= Abtrag thuend, nocivus.

=af-dreger,= der etwas wegträgt, Ggs. todreger.

=af-drenken,= ertränken.

=af-drepen,= ein Abkommen treffen, sich vergleichen.

=af-dringen,= abdringen, erzwingen; (vom rechten Wege) abbringen.

=af-driven,= abtreiben; wegtreiben, wegnehmen; auch im Wege Rechtens entziehen.

=af-drogen,= 1. abtrocknen. 2. austrocknen, das Wasser ablassen.

=af-drouwen,= 1. durch Drohung nehmen. 2. durch Drohung zum Abzuge bringen.

=af-druppe,= der unterste Teil des Daches, grunda.

=af-dwagen,= abwaschen.

=af-dwingen,= abzwingen, zur Zahlung nötigen.

=afermund= = overmund, Grosssprecherei, vorlauter Mund (*afer, affer* häufig = over).

=aferwinnen,= abgewinnen, benehmen.

=af-eten,= abessen, abfressen.

=affersten= = abfristen, (gebührende) Frist gewähren?

=affe,= Affe. Diese hochd. Form begegnet zuweilen auch mnd.

=affen,= äffen, höhnen, verspotten, gecken.

=affenie= = affenheit, fatuitas.

=af-entlasten,= verstärktes entlasten.

=af-engen,= abzwingen.

=af-eren,= abpflügen, durch Pflügen Land benehmen.

=af-ermanen,= abmahnen, abfordern, exigere.

=af-eschen,= abfordern, Auslieferung, Übergabe etc. verlangen.

=af-evenen,= eben, gerade machen, schlichten.

=affetucht= = avetucht, s. *aducht* u. ageducht.

=af-frien,= wegfreien, weg-heiraten.

=af-gân,= weggehen; aus dem Leben scheiden, sterben; abnehmen (vom Monde etc.); verloren gehen; abgehen, nicht zu Stande kommen; loskommen, sich der Anklage entledigen. -- Mit Gen. (u. Acc.) verlassen, aufgeben, verzichten, sich entäussern. -- Trans. gehend erreichen (auch bildlich: bekommen).

=af-gank,= Abgang, das Abgängig-werden.

=af-gedinge,= Loskaufung eines Unfreien, Freigebung.

=af-gelden,= abkaufen, bezahlen; refl. sich loskaufen.

=af-gnagen,= abnagen.

=af-godesch,= abgöttisch, Abgötter anbetend.

=af-godie= und =af-goderie,= Abgötterei.

=af-got,= Plur. *af-gode,* Abgott; fem, af-godinne.

=af-graven,= weg-graben.

=af-gripen,= weggreifen, gefangen nehmen.

=af-grunt, -grunde= (Genus wechselnd), Abgrund.

=af-grundich,= tief (wie ein Abgrund).

=af-guden,= jem. wegen seiner Ansprüche abfinden.

=af-gunst, -gunsticheit,= Ab-, Misgunst.

=af-hagen,= durch Setzung eines lebendigen Zaunes Land wegnehmen.

=af-halven,= abseits, s. halve.

=af-handelen,= durch Verhandlung bestimmmen, festsetzen.

=af-handelinge,= (endliche) Festsetzung, Abschluss der Unterhandlung.

=af-hansen,= mit harten Worten jem. schelten.

=af-harden, -herden,= abmahnen, Ggs. an-, toherden.

=af-hardich= (Ggs. *vul-hardich*), nicht ausdauernd, überdrüssig.

=af-heimisch,= aus der Heimat abwesend.

=af-heimischeit,= Abwesenheit aus der Heimat.

=af-heldich,= geneigt, abschüssig, proclivis.

=af-heldicheit,= Abhängigkeit, Abschüssigkeit, proclivitas.

=af-henden,= abhanden; *van affhenden bringen,* verloren gehen lassen, beiseite schaffen.

=af-hendich,= nicht vorhanden, nicht anwesend, verloren. *a. maken,* wegnehmen (Privilegien, Bullen etc.). *a. werden,* verloren gehen. Refl. *sik a. maken,* sich entfernen.

=af-hoden,= abweiden.

=af-holden,= im gerichtl. Sinn: abwehren, eine Beschuldigung von sich weisen.

=af-holt,= besonders aus der allgemeinen Holzmark ausgeschiedenes Gehölz; Abgang vom Holz, Fallholz.

=af-horen,= erhorchen.

=afhoste= (afhuste, afhorst, afhoster), Kleinzehnte, *decima minuta;* wahrscheinlich ein Blutzehnte (vom Jungvieh), syn. mit aftegede.

=af-houw,= Abhieb.

=af-houwen,= _abhauen; bes. den Kopf abhauen, hinrichten durch Köpfen; bildl.: einstellen, aufhören mit etwas._

=af-houwer,= ein Schmiedewerkzeug?

=af-huden,= abhäuten.

=af-huren,= abheuern, abmieten.

=af-jagen,= abjagen (Raub, gestohlenes Gut etc.).

=af-jeger,= der geraubtes oder gestohlenes Gut dem Räuber oder Diebe abjagt.

=af-kennen,= sein Amt niederlegen, = af-kesen.

=af-keren,= weg-, abwenden, verhüten.

=af-kerich,= abwendig, nicht geneigt, feindselig.

=af-keringe= (afkerent, afkêr), 1. Abwendung, Abfall. 2. Widerwille, Aversion.

=af-kesen,= (den Dienst) aufsagen, das Amt niederlegen, abdanken; von Bauern: freiwillig abziehen von einem Hofe.

=af-kesinge,= Amtsniederlegung.

=af-kiven,= abstreiten.

=af-klaffen,= durch Schwatzen wegnehmen.

=af-kleien (-kleigen),= abkratzen.

=af-klimmen,= ab-, heruntersteigen.

=af-komen,= intr. abkommen, abgehen (von einem Amte), loskommen (mit Gen.); trans. einholen; ersetzen.

=af-kopen,= abkaufen; von jemand ein Recht, eine Berechtigung kaufen; Rente einlösen (durch Wiederbezahlung des geliehenen Capitals).

=af-korten,= abkürzen, kürzen.

=af-kortinge,= Kürzung, Schmälerung.

=af-kottiseren,= mit einer Quote abfinden.

=af-krigen,= abstreiten.

=af-kriten,= (mit Kreide) bezeichnen, abteilen.

=af-kubbinge,= Anbau (einer Scheune etc.), vgl. ûtkubbinge.

=af-kummern,= durch Beschlagnahme entziehen.

=af-kundigen,= öffentlich bekannt machen (bes. durch Verlesung von der Kanzel).

=af-kundiginge, -kundinge,= öffentliche Bekanntmachung (von der Kanzel); spec. Aufgebot der Brautleute.

=af-lân= = aflaten.

=af-landich,= (vom Winde:) vom Lande her wehend.

=af-langen,= mit ausgestreckten Armen erreichen; überh. erlangen, erreichen, bekommen; mit dem Geiste erreichen = begreifen.

=af-lât,= n. Ablass.

=af-laten,= herunterlassen; das Wasser (eines Teiches) ablassen; heruntersetzen, von einem Hofe, Gute etc.; ablassen (zu thun); abstehen, verzichten.

=af-latinge,= Verzichtleistung.

=af-leden,= abglieden, abtrennen; *dem doden de hant af-leden,* die abgelöste Hand eines Erschlagenen vor Gericht bringen statt des ganzen Körpers.

=af-ledigen,= ledig machen, ablösen.

=af-leger (-lager),= Absteigequartier, Einkehr; Recht der Einkehr und freien Zehrung.

=af-leggen,= 1. niederlegen; bes. Waffen, Gepäck etc., um es Wegelagerern zu überlassen oder auch um einzukehren, daher: Herberge nehmen; *afleggen laten,* aufnehmen, bewirten. 2. bei Seite legen, abstellen, abschaffen, abschlagen, von sich schieben; entlassen, abfertigen. 3. von Schiffen: auf oder in See gehen, abfahren. 4. bezahlen (die Schuld ablegen), befriedigen (durch Bezahlung der Schuld), vergüten. -- Refl. sich einer Ansprache rechtlich entledigen.

=af-legginge,= Bezahlung, Erstattung.

=af-legich, (-leggich),= weigerlich, hinderlich.

=af-lenen,= ableihen.

=af-letich,= ablassend wovon.

=af-leven,= erleben.

=af-lever,= der etwas erlebt.

=af-livich,= a. werden, mit Tode abgehen, sterben.

=af-lopen,= intr. 1. weglaufen. 2. trans. laufend einholen.

=af-losen,= ablösen; von einer Schuld abbezahlen.

=af-losinge,= Ablösung, Aufhebung.

=af-loven,= abgeloben, geloben etwas abzustellen.

=af-luren,= abwarten.

=af-maken,= abmachen, endigen, eine Sache ins reine bringen; in der Kochkunst: schliesslich zubereiten, die letzte Hand anlegen.

=af-malen,= 1. mit einem Mal bezeichnen; den Schweinen ein Mal aufbrennen. 2. abmalen, schildern.

=af-manen,= abmahnen (Geld etc.), einfordern.

=af-meten,= ab-, ermessen.

=af-minnen,= weglieben, d. h. durch Liebe wegnehmen, verführen, vgl. *af-frien*.

=af-morden,= durch Mord benehmen.

=af-name,= Beiname, appellatio ignominiosa.

=af-negen,= abbiegen, vom rechten Wege sich abwenden, declinare.

=af-nemen,= abnehmen; von einer Verpflichtung, Beschuldigung, Ansprache befreien (bes. durch einen Eid); schliessen, urteilen.

=af-neminge,= Benehmung; das Sühnegeld für einen Erschlagenen an dessen Verwandte.

=af-nemer,= der ab-, wegnimmt; der jem. von einer Beschuldigung befreit.

=af-nouwen,= abdrängen, abzwingen.

=af-ogen,= bemerken, erblicken.

=af-ort,= abgelegener Ort.

=af-panden,= ab-pfänden, von jemand ein Pfand nehmen.

=af-persen,= ab-, herauspressen.

=af-radelse,= Rätsel.

=af-raden,= abraten; = *af-verraden,* durch Verrat hingeben, prodere.

=af-rede,= Abrede, Leugnung; *in a. sîn,* leugnen.

=af-rêken,= abreichen (mit Ausstreckung des Armes berühren), erreichen (eig. u. bildl.); herunterreichen.

=af-rekenen, -reken,= abrechnen, kürzen, defalcare.

=af-richten,= 1. durch einen Richterspruch erledigen und entscheiden. 2. durch einen Richterspruch aberkennen, Ggs. *torichten*. 3. entrichten (eine Schuld). 4. hinrichten. 5. abfertigen; abweisen, ausschelten. -- Refl. sich versöhnen.

=af-richtinge,= Entscheidung; Schlichtung.

=af-riden,= reitend erreichen.

=af-rigen,= herfliessen, derivare.

=af-risinge,= Einkünfte, Gefälle (*af-risen,* herunter-, abfallen).

=af-riten,= abreissen.

=af-ronnen,= niederrennen, rennend vom Pferde stechen; refl. sich den Kopf abrennen.

=af-ronnich (-runnich, -rinnich),= weggekommen, entlaufen; *a. werden,* entrinnen.

=af-ropen,= verkündigen, proclamare.

=af-roven,= weg-rauben.

=af-rucken,= wegrücken, wegreissen.

=af-rumen,= den Platz, Ort verlassen, räumen, abziehen.

=af-runstig,= (wegläufig, weglaufend), *a. werden,* entrinnen, sich vor Gericht nicht stellen (*contumax*) ungehorsam sein; *a. maken,* veräussern, in andere Hände bringen.

=af-rute,= abrotanum.

=af-sate,= a. unde upsate, das Ab- und Aufsetzen der Meier.

=af-schaffen,= fortschaffen, entlassen.

=af-schatten,= als Steuer oder Schatzung abnehmen, abpressen.

=af-schedeliken,= abgeschieden (von der Welt).

=af-scheden,= 1. trennen, absondern (Part. afgescheden auch: absonderlich, seltsam). 2. aburteilen; absprechen, aberkennen. 3. verabschieden.

=af-schedinge,= Trennung.

=af-schelken,= zwei Holzteile in einander passen; durch Anstückung verlängern (?).

=af-schêt,= 1. Abscheidung, Abfindung. 2. Abschied, (schliessliche) Verabredung. 3. Vergleich. 4. Bescheid.

=af-scheten,= abschiessen; intr. herabschiessen, herabstürzen, -fallen.

=af-scheven= = af-schuven, ab-, wegschieben.

=af-schillen, -schellen,= abschälen, decorticare.

=af-scholen,= abspülen, durch das Anschlagen des Wassers wegspülen.

=af-schoren,= abreissen.

=af-schrapen,= abschaben, *abradere* (*af-schrapels,* was abgeschabt ist).

=af-schriven,= durch ein Schreiben aufkündigen.

=af-schulen,= im Versteck abwarten.

=af-schumen,= abschäumen, defecare.

=af-schuw,= Abscheu.

=af-schuwelich,= abscheulich.

=af-schuwen,= abschrecken.

=af-schuven,= ab-, wegschieben.

=af-seggen,= 1. entscheiden, ein Urteil etc. aussprechen; und persönlich: verurteilen. 2. absagen, verzichten; den Frieden aufkündigen, *renuntiare. afgesechter vient,* der sich öffentlich als jemandes Feind erklärt hat; *de veide a.,* die Fehde absagen, erklären, dass sie abgethan ist.

=af-sên,= visieren (ein Geschütz zum Abfeuern nach dem Ziel).

=af-settelse,= Nische zum Aufbewahren (vgl. afside).

=af-setten,= 1. ab-, heruntersetzen, auch vom Preise; die Kaufmannsgüter ins Schiff bringen (mittelst eines Krahnes), (gewaltsam) vom Wagen abladen. 2. ablegen, entfernen; absetzen, aus dem Amte entfernen. 3. aussondern, ausstatten (Kinder).

=af-sichten,= absondern (durch Sieben), aus dem Wege räumen (?).

=af-sichtich,= ersichtlich, aus der Ferne sichtbar.

=afside= (gr. ἀψίς, mlat. *absida),* Seitenschiff (der Kirche); halbrunder Anbau an den Chören; dann (mit volkstümlicher Etymologie von *side,* Seite) jeder Seitenraum, auch kleiner Anbau an der Seite des Haupt-Gebäudes.

=af-sin= = af-sinnicheit, Wahnsinn.

=af-sinnich,= von Sinnen, unsinnig.

=af-sinnicheit,= Wahnsinn.

=af-sitten,= 1. sich heruntersetzen. 2. trans. absitzen, sitzend etwas thun.

=af-slach,= _1. Werkzeug eines Schmiedes, Schmiedsstock, *pistillus*. 2. Abnahme, Verminderung; abschlägige Zahlun; Heruntersinken im Preise. 3. abschlägige Antwort._

=af-slân,= 1. abschlagen, erschlagen; schlachten; zurückschlagen, zurücktreiben, niederschlagen; abladen, abwerfen; abziehen, abrechnen, *defalcare;* in Abschlag bezahlen; (in Beschlag nehmen?) 2. intr. einen Weg zur Seite einschlagen; heruntergehen, sinken im Wert; misraten; rückgängig werden.

=af-sliken,= abschleichen, durch Überrumpelung nehmen.

=af-sliten,= 1. abschleissen, abnutzen. 2. niederreissen.

=af-sloten,= durch einen *slôt* (Graben) abgrenzen.

=af-sluten,= 1. abschliessen. 2. das Schloss wieder abnehmen.

=af-smachten,= aushungern, durch Hunger zur Ergebung zwingen.

=af-snede,= Abschnitt (als Teil oder Ende).

=af-sniden,= abschneiden; *ein afgesneden* (d. i. kurzes) Kleid. -- *afgesneden,* von der christlichen Gemeinschaft getrennt, Ungläubiger, Sectirer, Ketzer; so heissen z. B. die Russen de ungelovigen, afgesneden Russen.

=af-snoien (-sneien),= als Schnatbaum bezeichnen. Dazu d. Subst. afgesnoginge.

=af-sogen,= (Kind) entwöhnen.

=af-son(e),= Versöhnung, Genugthuung, Abfindung.

=af-sonen,= versöhnen, abfinden.

=af-spannen,= abspannen, wegnehmen.

=af-spannen,= weglocken, abspänstig machen.

=af-spenen, -sponen,= _(Kind) entwöhnen, von der Mutterbrust (*spene*) entfernen._

=af-spennich= maken, abspänstig machen.

=af-splêt,= abgerissenes Stück, Abspliss.

=af-spliten,= abspleissen, abtrennen.

=af-spreken,= 1. (das Urteil) abgeben, verkünden. 2. lossprechen, freilassen. 3. die Berechtigung in Abrede stellen, bestreiten.

=af-sproke,= m. Urteil, Erkenntnis.

=af-spruten,= absprossen, abstammen.

=af-staken,= s. staken.

=af-stân,= 1. sich herunter stellen, absteigen. 2. abstehen von etwas, abtreten, mit Gen. 3. von etwas oder von jemand sich lossagen, abfallen, mit Gen., seltener mit Dat. (der Person). 4. sein Amt niederlegen.

=af-stant= dôn, Verzicht leisten.

=af-staven (?)= = af-stuven? abhauen.

=af-steken,= _(im Turnier oder Kampfe) vom Pferde stechen; (vom Wagen) herunterwerfen, abladen? -- Refl. sich wegschleichen._

=af-stelen,= refl. sich wegschleichen.

=af-stellen,= 1. wegstellen, entfernen. 2. verweigern.

=af-sterven,= weg-sterben; ab-, aussterben.

=af-sticht,= Verzicht.

=af-stichten,= verzichten, cedieren.

=af-stichtinge,= Verzicht, Verzichtleistung. *a. dôn,* verzichten, aufgeben, verlassen.

=af-stigen,= 1. vom Pferde steigen. 2. trans. durch Ersteigung abgewinnen (Stadt, Festung etc.).

=af-storrich,= verdreht (in Sinn und in Sitten), *distortus,* störrisch. Vgl. *asturich*.

=af-storricheit,= störrisches, abstossendes Wesen, *distortio*.

=af-storten,= ab-, herunterstürzen.

=af-stortinge,= Abstürzung; im Deichwesen: Kamm-, Kappstürzung.

=af-stôt,= schlechte Wolle, die auf dem Streichbaume abgestossen ist; Wollabfall.

=af-stoten,= abstossen.

=af-stoter,= Gesell der Lederarbeiter, welcher das Haar von den Fellen abstösst.

=af-strick,= s. astrick.

=af-stri(c)ken,= benehmen, entziehen; (Pferden) den Zaum etc. abnehmen, abschirren. -- *de hant a.,* die (Eides)-hand benehmen, d. h. jemand durch einen besseren Beweis am Eide hindern.

=af-stroifen,= abstreifen.

=af-sturen,= ablenken.

=af-stuven,= stuf (d. i. stumpf) machen, abhauen.

=af-sunderen,= 1. absondern, ausscheiden; *afgesundert,* von der christlichen Gemeinschaft getrennt = *afgesneden, de affgesunderten* (oder *ungelovigen Russen.*) 2. abfinden.

=af-sweren,= durch Beschwörung von sich abwenden, *expiare;* durch einen Eid (resp. Meineid) abgewinnen; den Eid leisten bei Niederlegung des Amtes. Der neue Rat *swert to,* der alte *af*.

=af-swik= dôn, mit Gen. von etwas lassen, etwas nicht thun wollen, in Stich lassen.

=af-swoninge,= Sühne, Aussöhnung, s. *swone*.

=af-tappen,= abzapfen, abschöpfen.

=af-tegede,= der Schmalzehnte; decima minuta. = afhoste.

=af-tekenen,= bezeichnen, festsetzen.

=af-tên,= _abziehen; wegziehen, abreissen; schmälern (mit Dat. d. S.), *detrahere*. -- Intrans. u. refl. abziehen, weggehen._

=af-ticht,= Verzicht.

=af-tichten,= verzichten.

=af-tichtinge,= Verzichtleistung.

=af-toch,= Abzug; Entfernung.

=af-toppen,= die Spitze (*top*) eines Baumes abhauen.

=af-toven,= abwarten.

=af-trecken,= abziehen; intr. weggehen.

=af-trede,= Zurücktreten, Abfall.

=af-treden,= ab-, zurücktreten; abfallen (mit Dat. d. P.).

=af-treder,= Abtrünniger.

=aftrunnich= = afrunnich, -ronnich.

=af-tugen,= durch Zeugenbeweis nehmen.

=af-tunen,= abzäunen, durch Setzung eines Zaunes Land benehmen.

=af-tuschen,= betrügerisch abnehmen.

=af-vallen,= herunterfallen; ausfallen, einen Ausfall machen; Ggs. *bi-vallen,* keinen Beifall geben, Unrecht geben.

=af-varen,= abziehen, weggehen; trans. *varend* erreichen.

=af-vellich= werden, abfallen; abgängig werden, verloren gehen.

=af-verdigen,= absenden.

=af-veren,= (entfernen), absenden.

=af-verraden,= verräterisch wegnehmen oder entziehen.

=af-villen,= die Haut, das Fell abziehen.

=af-vinden,= durch Urteil und Recht aberkennen.

=af-vlêten,= (ein Gewässer ableiten;) herfliessen, *derivare*.

=af-vlegen,= weg-, fortfliegen.

=af-vlên,= fort-, wegfliehen.

=af-vlomen,= die Vlomen, Schuppen des Fisches wegnehmen, *exsquamare*.

=af-vore,= Aus-, Wegfuhr; Ggs. tovore.

=af-vragen,= von jemand etwas erfragen.

=af-vrêschen,= erforschen, erfragen.

=af-vundicheit,= das Abgefundensein, Berichtigung, Abstellung.

=af-wachten,= abwarten, erwarten.

=af-warden,= abwarten.

=af-waschen,= abwaschen; ab-, wegspülen.

=af-wassen,= abnehmen, decrescere.

=af-wech,= unrechter Weg, das vom Wege abliegende, *invia;* Schlupfwinkel.

=af-wedden,= büssen, Strafe geben wofür.

=af-wegen,= herunter bewegen, abheben.

=af-wegen,= erwägen, bedenken.

=af-weien,= wegwehen.

=af-wenden,= abwenden; refl. abtreten.

=af-wendich,= abwendig; a. maken.

=af-werken,= 1. abhegen, durch ein Gehege etc. trennen. 2. abmachen, abthun.

=af-werpen,= 1. ab-, herunterwerfen. 2. absetzen, des Amtes etc. entsetzen.

=af-wesent= und =afwesinge,= Abwesenheit.

=af-weser,= der Abwesende.

=af-wessel= (= awasel), Cadaver.

=af-wesselen,= durch Tausch von jemand empfangen.

=af-weven,= abweben, fertig weben.

=af-wien,= ab-weihen, der priesterlichen Weihe berauben.

=af-wiken,= abweichen; ab-, bei Seite treten.

=af-willigen,= etwas von jemand mit dessen Bewilligung bekommen.

=af-winnen,= abgewinnen, bes. in gerichtlichem Streite.

=af-wischern,= entgleiten, schnell herunterkommen.

=af-wise,= Abweise, irrige Weise, Thorheit. s. awise.

=af-wisen,= 1. abweisen, zurücktreiben; die Geschwornen zur Beratung abtreten lassen. 2. (durch richterliches Erkenntnis) aus dem Besitz vertreiben. 3. jemandes Klage abweisen. 4. ein Urteil aussprechen.

=af-wisich,= thöricht. s. awise.

=af-wokern,= durch Wucher nehmen.

=af-wreken,= abreissen (= afbreken?)

=a-gank,= Wassergang, -lauf.

=age-ducht,= Wasserzucht, Abzugsgraben. s. a-ducht.

=agen, age,= Ährenspitze, festuca.

=aget-, agetstên,= Bernstein (auch glossiert als *adamas*). Oft mit Achat (Agat) und Magnet verwechselt.

=aget-var,= agatfarbig.

=agnus dei,= geweihtes Anhängsel von Wachs mit dem Bilde eines Lammes; jedes Anhängebildchen.

=a-grunt,= Wassergrund, Flussbett.

=ahelle,= die Pflanze *morsus galline* (Hühnerdarm).

=ai-= s. ei.

=ake-ducht= = ageducht, aducht.

=akeleie, -leige,= Aquilegia vulgaris; akeleigesât, semen aquilegie vel psilium.

=akelter,= rubus.

=aken= (haken), sw. v. gierig nach etwas trachten.

=akenbroder,= Pilger nach Achen.

=Akenvart,= Wallfahrt zur h. Jungfrau nach Achen (in jedem zehnten Jahre eine Hauptwallfahrt).

=aker,= Acher, von Achen.

=aker, akeren,= ein kupferner Koch- oder Waschkessel, caldarium, chaudron.

=akes= (axe), Axt. s. exe.

=akesch,= von Achen.

=aklenter,= rampnus; ageleia, aglei.

=akôr,= Zurüstung zu einem Feste, apparatus (?).

=al (alle),= adj. im Sing. jeder, *alle man, alle minsche,* jedermann; ganz. *al (alle) de werlt, al(le) den dach, al(le) Frankrike.* Plur. alle; -- subst. *al (alle, allent) dat,* alles was. -- Adverbialisch: *unde al,* gänzlich; mit Präp. *in-, mit alle (allen)-, to alle-, int alle-, van alle* gänzlich, durchaus, *omnino; over al,* überall; durchaus, gänzlich.

=al, alle,= adv. ganz, gänzlich, vor Adj. (*al naket, al blôt etc.*) u. Adv. u. Präp. z. B. *al degelike, al sere, al umme, al ût, al dore* (durch und durch) etc. vor Partic. *al lesende,* immerfort lesend, *al schriende (clamando), al bevende (tremendo)* u. a. vor Conj. *al êr* (bevor), *al wante* (bis). -- Als Zeitadv. schon (*jam*) u. immer.

=al (alle, allent),= Conj. -- Concessivsätze bildend: obgleich. Der Satz mit *al* kann vorangehen oder nachfolgen. -- Verstärkt wird *al* durch *ôk* und *wol.* Häufig in der Formel: *al is (isset) dat, al isset ôk dat, al si it* (engl. *al be it*), *al ne si nicht*.

=âl,= contrah. aus *adel,* Schmutz.

=âl (êl),= m. Aal.

=âl,= f. Ahle oder Pfriemen der Lederarbeiter, subula.

=alandesblei,= vielleicht Alandblecke, ein Süsswasserfisch.

=alant,= 1. Name einer Fischart: Alander (*capito, cyprinus jeses.*) 2. Name einer würzhaften Pflanze, *enula (inula helenium, campana).* Darauf abgezogener Wein: *alandeswîn;* und Bier: alandesbêr, alantbêr.

=albaster,= Alabaster.

=albedelle (-dalle, dille, dulle),= d. i. *al mit alle,* ein verstärktes *mit alle,* ganz und gar, insgesamt, funditus.

=alber, alberbôm,= Pappel (Erle).

=al-bere,= Johannisbeere, bes. die schwarze (kakelbere).

=ald-= s. old-.

=al-dages, al-dagelikes,= all-täglich; auch als Adj. aldages-klêt.

=al-deger, alledeger,= gänzlich, völlig. s. deger, degger.

=alder= = aller. _Verstärkung von Adj. (bes. des Superlativs) u. Adv._

=alderman= = olderman.

=al-dink,= adv. gänzlich, durchaus.

=al-dor(e),= durch und durch, gänzlich.

=al-dorgen= = al-dore, durch und durch, durchaus.

=al-dus,= adv. (verstärktes *dus*), also.

=al-dus-dân,= adj. (also-gethan), sothaner, solcher u. aldusdanich.

=al-dusk (-dussik),= adj. solch.

=al-duslange,= adv. bisher, bis jetzt.

=al-duslik,= adj. solch.

=Ale,= Demin. des Namens Adel (Al)heit.

=Aleke (Alke),= Demin. des Namens *Adel-, Alheit;* Name der schnatternden Gans und der schwatzenden Dohle. *âlken-worde, flosculi aniles. -- Aleke (Alleke)* ist auch, wenn auch sehr selten, männlicher Eigenname.

=alenborst= s. armborst.

=âlenen, âlnen,= sw. v. alaunen. *ge-alent ledder,* alaungares Leder.

=ale-vore,= All-fuhre, eine Fuhre, die den ganzen Hausrat enthält, alienatio universitatis.

=Alf (Alf-ken),= Demin. des Namens Adolf.

=alf,= (böser) Geist, Elf.

=alf-dore,= der von den Elben (Elfen) sinnverwirrt geworden ist.

=alf-hof,= Teil einer Kupfer- oder Bleihütte, wo Dinge liegen, die nicht zum Redegut der Hütte gerechnet werden.

=alf-pîl,= eine Augenkrankheit (Elf-pfeil?).

=alf-puste,= eine Augenkrankheit.

=alf-schot,= eine Augenkrankheit (Elf-schuss?)

=alganz, alleganz,= verstärktes *ganz* (wie bei *vele, alle vele,* sehr viele). Adv. al ganzlike.

=algader, allegader,= all-zusammen.

=al-gereide, -gereit,= all-bereit, *jamjam.* s. alrede.

=âlhorn,= _1. Ahorn, *platanus* (Hagebuche). 2. Flieder, Hollunder, *sambucus.* s. auch_ elhorn.

=âl-hort, -hurt,= Flechtwerk zum Fangen der Aale.

=al (alle) jarlikes,= adv. all-jährlich.

=alink (allink, aling, allig),= adj. und adv. ganz, Plur. alle.

=alinkliken,= adv. völliglich.

=âl-kiste,= Aal-kiste, -falle.

=âl-, (alen)korf,= Aalkorb, -reuse, aus Weiden geflochten.

=âl-krût,= Satureja.

=al-langes,= ganz entlang.

=allarm= (ital. *alle arme,* zu den Waffen!) Allarm, Waffenruf; später bloss Lerm, Geschrei und Getöse.

=allate,= Oblate (= abbelate).

=al-ledich= (leidich) unde =al-lôs,= vollkommen ledig und los.

=alleluja,= a. leggen, _das Halleluja (= jeden fröhlichen Gesang, *dat alleluja, gloria in excelsis etc.*) einstellen. Das geschah am Sonnabend vor Septuagesimae und am Sonnabend vor Advent._

=aller- (alder) dinge, alderdink,= _durchaus, gänzlich; spätere Form:_ allerdinges (-gest).

=aller-lîk,= jeder, jeglich.

=aller-malk,= jedermänniglich.

=alles,= _adv. Gen. ganz, gänzlich. *alles bouen,* ganz oben an, Ggs. *alles nedene. alles (als) unde alles,* durchaus._

=allesdinges,= durchaus, ganz.

=all-(al)ên,= all, ganz eins, dasselbe, gleich.

=all-ene (eine, -enen),= adj. einzig, allein. Adv. Conj. obgleich; mit folg. *dat. a. dat,* 1. obgleich. 2. nur dass; mit vorherg. *wat, wat a.,* obgleich.

=allen-enden,= überall (an allen Enden).

=all-ênes, -êns,= ganz gleich.

=all-enegen,= adv. alleinig, ausschliesslich.

=all-ensken,= allmählich, pedetentim.

=all-entel,= adj. und =all-entelen,= adv. alleinzeln, allmählich, nach und nach.

=all-entelken= = all-entelen, adv. nach und nach, allmählich.

=allen-t-halven,= adv. nach allen Seiten, überall, vollständig, s. *halve* (Seite); mit Präp. in-, van-, to-, uppe-allenthalven.

=all-entliken,= adv. 1. allmählich, nach und nach. 2. ganz zu Ende, vollständig (dann aber zu trennen *allent-liken,* als Adv. form zu al = alletliken).

=allentsamen, allensam,= adv. zusammen.

=allerlei, -leige,= jeder Art; auch adj. jeglich.

=aller-mallik, -malk= (= allermanlik), jedermänniglich, jeder.

=aller-slachte= s. slachte.

=aller-wegene,= überall. s. wech.

=allerweges= = allewege, immer, allzeit.

=alles-we,= jeder.

=allet-liken,= adv. vollständig, gänzlich.

=alle-wege, alwege,= adv. immer, jedesmal, allzeit.

=al-lik(e),= _adj. und adv. 1. ganz gleich. 2. durchaus, sehr. 3. gleich, trotzdem, dennoch; meist mit *wol* verbunden; *allikewol,* gleichwol._

=al-lôk,= Name einer Lauchart (Hohllauch?)

=allûn,= Alaun.

=al-luttik,= adv. (klein bei klein), allmählich.

=al-man, alle-man,= jeder; *allemanne vastnacht, -vasting* ist der Sonntag Invocavit.

=al-mank,= dazwischen (von der Zeit, interea temporis).

=al-mechtich,= 1. allmächtig (gew. nachgestellt). 2. bevollmächtigt.

=almese, -misse, alle-misse,= 1. Almosen. 2. kirchliche Stiftung. 3. Scheibe Brot (erst als Teller, Serviette, gebraucht und dann den Armen gegeben); daher *almissenkorf, -vat,* Korb oder Gefäss, worin diese Brotschnitte aufbewahrt wurden; u. *almissenfreter* als Schelte.

=al-mêstich, -meistich,= meistens, grösstenteils.

=almissende= = almese, -misse.

=almutisch= (zu *almutium, kôrhôt,*) Diakonen-mütze etc.

=alne,= 1. Aland, *inula helenium.* 2. Erle (s. *elne*).

=all-nigens, -niges,= adv. ganz neu, so eben.

=alowê (alewede, alwede),= Aloe.

=âl-quabbe,= s. quabbe.

=âl-quast,= _Stange unten mit einem Büschel (*quast*) grüner Reiser, ins Wasser gestellt, um Aale zu fangen._

=alre,= stinkendes Geschwür, anthrax.

=alre, aller,= Erle.

=alrede,= f. Spielraum, Spielplatz. (alreta, walgstat. waligstat, area publica.)

=alrede, -reide= (verlängert *algerede* und verkürzt *alrê,*) all-bereits, schon.

=alredinge= = allerdinge, s.

=alre-kunne= (= allere kunne), jeder Art.

=âl-rêp,= Aal-reif, Werkzeug zum Fangen der Aale (Aalreuse).

=âl-roppe (-ruppe), âl-grop, -grupp,= Quappe.

=alrune,= die Pflanze *mandragora (habens similitudinem hominis,* die Wurzel nemlich), (auch glossiert mit algaricum; bubaquilon).

=alruneken,= kleines Bild des Elfen Alraun, aus der Wurzel der *mandragora* oder der Zaunrübe (*bryonia*) geschnitten.

=als (els),= adv. anders, sonst.

=alsnick= u. =ansnick,= Oelsenig, Thysselinum (Selinum palustre L.) alsnach, baldemonum; ansnik, baldemonia.

=alsen(e),= Wermuth, Absinth.

=also, alse, als,= 1. adv. also, so; *also blint,* so blind wie er war; oft nur gemütlich verstärkend; so, auf diese Art; mit Dat. *deme also dôn,* thun, wie gesagt ist; *deme is also,* es ist so, wie gesagt. -- Corresp. mit einem relat. *also* oder *dat;* häufig hinweisend und erklärend, specificierend: nemlich; einteilend, *als nu -- als nu,* bald -- bald. 2. Conj. rel. wie -- so, *(al)so -- also; sowol -- alse; gelike alse; alse of* (als wenn); *wan alse,* nach einem Comparativ; causal: *also dat,* weil; concessiv: obgleich; zeitlich: als, wann, wenn.

=alsodân, -gedân,= so beschaffen, talis.

=alsodanich= = alsodân.

=al-somêr,= fast, beinahe (s. *somêr*); auch alsomêr alse.

=al-stede,= ganz fest.

=al-stedes,= immer.

=alstrak,= s. astrak.

=al-sulk (-solk, -silk),= solcher.

=al-sus,= also; *umme alsus,* ganz vergeblich, umsonst, s. sus.

=alsusdân, -danich,= so beschaffen.

=alswê = alleswê,= wer immer, jedermann, quicunque.

=alswôr, -wâr, -wo,= wo auch immer, überall.

=alswort,= Schalottenzwiebel, Allium ascalonicum.

=altar, alter= (oltar, olter), n. und m. Altar.

=altar-dôk,= Altartuch, palla.

=altardwele,= dasselbe.

=altar-liste,= Altarborte?

=altar-wapen,= Altardecke, dextrale. (ein vorhang an eim altare).

=altar-wicker,= Altarzauberer, ariolus.

=altar-here,= Unterpriester, der einen Altar zu besorgen hat, altarista.

=altar-horich,= dem Altar zugehörig, zukommend.

=alteges= (= altoges), alles Zuges, in jedem Zuge d. i. stets, durchaus, durch u. durch, gänzlich.

=altenen= (al to enen), immerzu, immerfort.

=altens= = altenen.

=altes= = alteges, altoges.

=alto,= meist nicht das Übermass, sondern ein grosses Mass anzeigend = sehr.

=altohant, -handes,= sogleich, sofort.

=altomale,= allzusammen, gänzlich.

=altôs (alletôs, altons, altes),= adv. gekürzt aus *al-toges,* jedes Zuges, in jedem Zuge, stets, durchaus; *altes als (= altes alles),* in einem fort, durch und durch.

=altvil,= _wahrscheinlich: Schwach-, Blödsinniger, *fatuus* (nicht: Zwitter). Etymologie unsicher._

=alunen,= sw. v. mit Alaun gerben; bildl.: prügeln.

=âl-vanger,= Aalfänger, überh. Fischer.

=âlvank,= Aalfang.

=alve= (lat. *alba),* Messgewand, ein langes, weisses, linnenes, zuweilen seidenes Hemd mit langen, engen Ermeln. mlat. poderis.

=âl-vlêt,= Aalspiess (= âl-elger, fuscina).

=al-wâr, -wârs,= ganz wahr; *al wârs meinen,* ganz sicher glauben.

=al-weldich,= allgewaltig.

=al-weldicheit,= Allmacht.

=âl-, (ale)wer,= Aalwehr; Pfahl- oder Flechtwerk im Flusse zum Aalfang.

=al-willens= und =alwillinges,= adv. absichtlich.

=am, ame,= Hülle, Hülse, Spreu.

=amacht,= Ohnmacht, Schwäche.

=amachtich,= 1. ohnmächtig, gew. *amechtich.* 2. wahrscheinlich auch = *namachtich,* Namen habend, angesehen, z. B. *slecht,* Geschlecht.

=ambacht, -becht, -bocht, -bicht; ammecht, -micht, -met, -mit; am-bet, ambt, amt,= n. 1. in gewerblichem Sinn: Handwerk (zünftiges); das Recht zur Ausübung eines zünftigen Handwerkes; die Handwerkszunft; jede andere Zunft, Geschäftsbetrieb jeder Art. 2. in dienstlichem Sinn: oberste Gewalt an der Stelle eines Landesherrn, Statthalterschaft; oberste Verwaltung der Gerichtsbarkeit, des Heerwesens etc.; Amt, als Verwaltungsbezirk; der pflichtmässige Beruf aller zur Verwaltung gehörenden Personen; jede zur Verwaltung anvertraute Stelle, überh. jeder anvertraute Dienst; als priesterliche Dienstverrichtung Amt, Hochamt, Messe, überh. Sacrament.

=ambacht, ammecht, ampt,= auch concr. Handwerker; Amtsperson (Drost, Amtmann, Vogt etc.)

=ambacht-, ammetachtich,= zunftmässig, zünftig.

=ambachten,= dienen; *sîn recht a.,* vom Kläger: das thun, was das Recht verlangt, sein Recht verfolgen.

(=ambachts)-, amptsbêr,= Zunftgelag.

(=ambachts)-, amptbrêf,= Urkunde über eine Bestallung zum Amtmann.

(=ambachts)-, ampts-, amptbroder,= Mitglied einer Handwerkszunft, Zunftgenosse.

(=ambachts)-, amptsdochter,= Tochter eines Amtsgenossen.

(=ambachts)-, ammetesel,= Esel für den königlichen Dienst.

(=ambacht)-, ammecht-, ammetgût,= _Amtgut, d. h. eine zu dem *ammet* gehörige Hufe._

(=ambachts)-, amptesgewise,= wie es bei einem dienstlich anvertrauten Amt üblich ist. (Ebenso amtmanswise).

(=ambacht)-, ammicht-, ammethof,= _Amt- oder Haupthof, auch *sadelhof* und *meigerhof* genannt,_ curtis principalis.

=(ambacht)-, ammethorich,= zu dem *ammet* gehörig.

=ambachthûs,= Amthaus; Werkstätte, officina.

=(ambacht)-, amptknecht,= 1. Amtsdiener. 2. Handwerksgeselle.

=(ambacht)-, amptkoste,= Zunftgelag, Gilden-, Innungsschmaus.

=ambacht-lên,= ein zum Dienst des Amtmanns gehöriges und ihm lehnweise übertragenes Gut.

=ambacht-, ammecht-, amptman,= 1. im gewerblichen Sinn: Handwerker. 2. in dienstlichem Sinn: oberster Gewalthaber an der Stelle des Landesherren; oberster Befehlshaber einer Heeresabteilung, oberster Gewalthaber innerhalb eines bestimmten Bezirks.

=(ambacht)-, amptmeier,= Bauer auf dem Meierhofe oder Haupthofe des Amtes.

=(ambacht)-, amptschulte,= Amtsschulze, Schulze eines Salhofes.

=(ambacht)-, amptvrowe,= 1. Frau eines Zunftgenossen. 2. Frau eines Amtsschulzen. 3. Nonne, die im Kloster eine der höheren Stellen einnimmt.

=(ambacht)-, ammetwinninge,= Erwerbung des Rechter zur Ausübung eines zünftigen Handwerks.

=ambasiate, ambesait,= Bote, Gesandter, ambasiator.

=ambeleren,= sw. v. aus lat. *ammaylare,* mit Schmelzglas malen, frz. émailler.

=amber, ammer,= m. u. n. Eimer (Gefäss mit einem Henkel), Ggs. *tover,* Zuber, Gefäss mit zwei Henkeln.

=amberch,= sanft ansteigende Anhöhe, clivus.

=ambolt,= s. anebelte.

=ambon (ἄμβων),= Predigtstuhl, Kanzel.

=amborst, -brost, -bost= = armborst.

=amborst= (contrah. aus ademborst?), Engbrüstigkeit.

=amborstich,= engbrüstig, asthmaticus.

=amborsticheit,= Engbrüstigkeit.

=ambort,= Das Beispruchs- oder Retractrecht des nächsten Grenznachbaren, Vorkaufsrecht des Nachbaren auf das angrenzende, *ambordende,* Grundstück.

=ame,= m. = *name,* Beute, Raub.

=am(e),= (Gen. wechselnd) Ahm, Ohm, Tonnenmass für Wein, seltener für Bier.

=ame,= f. Ahme oder Eiche, *pinta, metreta.* 1. das bei der Obrigkeit aufbewahrte Richtmass, nach welchem die Messgefässe geprüft und geeicht werden. 2. das Zeichen, welches der Eichmeister den als richtig befundenen Gefässen aufprägt oder einbrennt.

=amechten,= sw. v. Ohnmacht zeigen, sich den Schein derselben gehen.

=amechtich,= kraft-, machtlos.

=amechticheit,= Ohn-, Unmacht.

=amede,= n. = *ame,* Ahm, Ohm.

=amedom, -dum, -dunk, -lung, amidum,= Kraftmehl, Stärkemehl (aus griech. ἄμυλον).

=amegelt,= Ohm-, Ahmgeld, Abgabe, die der Weinzapfer von jedem Ohm an den Rat zahlt.

=amehûs,= Ohmhaus, in welchem die Tonnen etc. der Böttcher geprüft werden, ob sie das richtige Mass haben.

=amelung,= s. amedom.

=amelte,= Engerling (s. auch emel).

=amen,= Bauchseite des Schweines.

=amen,= sw. v. 1. ahmen, eichen, den Gehalt eines Messgefässes prüfen und durch ein aufgedrücktes Zeichen beglaubigen. 2. füllen (weil die Prüfung durch Füllen geschieht,) vullen, replere, complere.

=amente= (= aemte?), Ameise.

=amepenninge= (= amegelt), Ohm-pfenninge, Weinaccise.

=amer, ameren,= glühende Asche (s. auch emere).

=amer,= der Ahmer, Eichmeister.

=amestech,= Spreuboden, -kammer, -kiste.

=amete= = amede, ame, Ahm, Ohm.

=amete (aemte),= Ameise.

=amie,= Geliebte; Concubine.

=amîs,= Geliebter; Buhler.

=amitte,= f. Gewand; bes. das Kopf- und Schulterkleid des Priesters beim Messelesen, bestehend aus einem weissen, leinenen, länglich viereckigen Tuch, oft kostbar mit Perlen, Geschmeide und Stickerei verziert (aus lat. amictus).

=ammet, amt= und Compos. s. ambacht.

=ammer,= Eimer = amber.

=ammer= (aus *ambra),* Bernstein.

=ammersât,= Ackermass (soviel man mit dem Inhalt eines Eimers besäen kann, vgl. schepelsât).

=ammiral,= Admiral, überh. Anführer.

=ampeln,= sw. v. Hände und Füsse eifrig bewegen, wie Kinder thun, wenn sie etwas haben wollen; daher: eifrig nach etwas trachten.

=an, ane,= _präp. an. Sehr häufig, wo wir jetzt *in* gebrauchen (oder eine andere Präp.), während *in* manchmal steht, wo wir jetzt *an* sagen. -- *It is an deme,* es ist wahr._

=an, ane, anne,= _adv. *af unde an* hin und zurück, hin und her; *an unde af,* zuweilen; *an unde over wesen,* bes. von Zeugen, die bei einer Handlung, Beglaubigung etc. anwesend gewesen sind. -- Zeitlich: in einem fort, hindurch; an andere Partikeln angehängt: *binnen ane, erst an, nergen an, vort an, vorbat an* u. a._

=an-arden,= an-arten, angeboren werden.

=an-bassen,= anbellen (von Hunden).

=an-bêden,= entbieten; anbefehlen; anbieten.

=an-beden,= anbeten (zuweilen auch mit Dativ).

=an-beder,= Anbeter.

=an-begin= (u. =anegin=), m. und n. Anfang.

=an-beginnen,= anfangen.

=an-beginner,= Anheber, Urheber.

=an-bestaden,= anberaumen, festsetzen.

=an-bestedinge,= Errichtung, Institution.

=an-besten,= mit Bast (Bastfasern) annähen; überh. (lose) annähen.

=an-bet,= Imbiss.

=an-biten,= anbeissen; einen Imbiss nehmen, frühstücken.

=an-bleken,= anbellen (die Zähne zeigen), von Hunden.

=an-bot,= Anbietung zum Verkauf; = *anebolt,* Ambos.

=an-boten,= anzünden.

=an-boter,= Anzünder, Einheizer, calefactor.

=an-breder,= der den Dreschern die Garben zum Dreschen ausbreitet?

=an-breken,= anbrechen, öffnen.

=an-bringen,= 1. heranbringen, herbeiführen, zufügen. 2. anzeigen, melden, bes. bei der Obrigkeit, *deferre.* 3. beweisen.

=an-bringer,= Angeber, *delator;* Verleumder, Ohrenbläser.

=an-bringinge,= Angeberei, Verleumdung.

=an-brink= (= amberch), Aufsteig des Berges, clivus.

=an-dach,= die Octave, der achte Tag nach einem Kirchenfeste.

=an-dachtich, -dechtich,= eingedenk, aufmerksam; *a. maken,* woran erinnern. Im religiösen Sinn: *pius, devotus.* Titel geistlicher Personen.

=an-dacht,= _1. das Denken woran, Aufmerksamkeit, *in-, attentio.* 2. Absicht, Vorsatz. 3. Erinnerung. 4. Titel geistlicher Personen._

=an-dacht,= adj. andenkend, eingedenk.

=an-dachticheit, -dechticheit= = andacht.

=an-dachtliken= u. =-dachtichliken,= adv. mit Andacht, intente, attente.

=andagen= = andegen, andedingen.

=ande,= Kränkung.

=an-dechtigen,= adv. mit Andacht.

=an-degedinge, -dedinge,= _Ansprache, gerichtliche Anfechtung, Klage._

=an-degedingen, -dedingen,= _1. gerichtlich angreifen, Anspruch, Beschwerde erheben. 2. durch Verhandlung zur Teilnahme etc. bewegen. Ggs._ umme-dedingen.

=andêl,= n. 1. Anteil. 2. Anzahl.

=anden,= sw. v. 1. andeuten, äussern, zu erkennen geben, *innuo, annuo.* 2. strafen, tadeln.

=an-denkelken,= adv. = andechtliken.

=an-denken,= 1. Andacht üben. 2. an etwas denken, betrachten. Gern im Part. *andenkende sîn* und werden.

=ander,= der zweite; der andere von beiden, *alter; de andere hant,* die linke; von mehreren, ein anderer *alius.* Mit dem Begriff der Verschiedenheit, scheinbar überflüssig; hat den Sinn eines »ausserdem, sonst, auch«. -- Mit Präp. = *einander,* z. B. van ander, under ander, mank ander.

=anderdages,= adv. jüngst, neulich, franz. l'autre jour.

=anderde,= der andere.

=andêrden, andêren= = antwerden, 1. antworten. 2. überantworten, überliefern.

=anderhalf,= anderthalb (1½).

=anderhalve, -half,= die andere Seite; *in a.,* jenseits.

=anderik,= Enterich.

=anders, anderst,= adv. auf andere Weise, sonst, übrigens.

=anderswê,= sonst wer.

=andert= = anders, sonst.

=ander-tere (tire),= anderer Art.

=anderwech, -wegene,= anderswo, *alibi viarum; in anderwech; ein anderwegen,* sonst (örtlich und modal). -- s. wegene.

=anderweges,= abermal, wieder.

=anderweide,= wiederum, zum zweiten male, iterum.

=anderwerve,= abermals, zum zweitenmal.

=anderwerven,= sw. v. abermals thun, iterare.

=an-dingen,= _1. = *anspreken,* in Anspruch nehmen. 2. die Bedingung stellen._

=an-dôn,= anthun, d. i. 1. jem. etwas zufügen, bes. Böses, bezaubern, behexen. 2. anziehen (Kleider).

=andorn,= _das Kraut Andorn, *prassium (Marrubium vulgare. L.)* Auch *ander* u._ andron.

=an-dracht,= Antrag, Bewerbung.

=an-dragen, -dregen,= 1. förderlich sein, helfen. Ggs. *afdragen.* 2. melden, vorbringen, beleumunden, meist in bösem Sinn: anschwärzen, anklagen. 3. anraten, vorschlagen. 4. achten. 5. ansegeln, die Schiffe wohin lenken. s. *dragen.* -- Als Ausdruck der Weber s. indregen.

=an-drapen, -drepen,= intr. zustossen, begegnen; betreffen, angehen, bes. im Partic. -- trans. angreifen, verletzen.

=an-dringen= = indringen, eindringen auf.

=ân(e),= präp. ohne, ausser, ausgenommen, mit Acc., später auch mit Dat., -- mit Gen. in adverbialen Formeln, z. B. ane wetens, ane neringes.

=ân(e),= 1. adv. ohne, frei, ledig von etwas, mit Gen. ausgenommen; -- *nicht allene -- ane ôk,* sondern auch; *ane dat,* nur dass; (mit vollem Satze *ane it si, dat,* es sei denn, dass), *ane of,* ausser wenn; *ane wan,* ausser wann. 2. conj. ausgenommen, nur, doch.

=ane-= wechselt in Zusammensetzungen auch mit an-.

=ane,= in einigen, namentlich partic. Zusammensetzungen = *un,* z. B. *kindere, boren unde aneboren,* geboren und ungeboren; *acker, gebuwet unde anebuwet; anevangen unde anebunden* u. a.

=ane,= m. Ahne, Vorfahr (nicht bloss vom Adel, sondern von jedem Stande).

=ane-belte, -bolt, ambolt,= n. und m. Ambos.

=anebot (anbot),= Ambos.

=anegin,= s. anbegin.

=anematen,= sw. v. refl. sich einer Sache annehmen (ohne dass der Begriff eines unberechtigten Unterfangens damit verbunden sein muss).

=anelank,= adv. unlängst; bald nachher.

=anere,= Vetter? überh. Verwandter?

=an-ernalen,= sich näheren.

=an-erve,= nächster Erbe.

=an-erven,= durch Erbgang an- oder zufallen.

=ane-weten,= Part. mit weggefallener Endung *-de,* unwissend.

=ane-wort,= Unwort, böses Wort; (vgl. *ane-wedder,* Un-, böses Wetter).

=an-gân,= 1. anfangen zu gehen, überh. beginnen, anfangen. 2. trans. hineingehen, bildlich: etwas eingehen (z. B. Bündnis, Vertrag etc.). -- freundlich oder feindlich sich an jemand machen; angehen, betreffen (in diesem Sinne auch mit Dativ).

=an-gank (ane-genk),= 1. das Ansteigende des Berges. 2. Eingang *(introitus);* bildlich: Eintritt. 3. Beginn, Anfang. 4. Angriff (aggressus).

=an-gapen,= angaffen.

=an-gebort,= Verwandtschaft.

=an-gedecht,= eingedenk.

=an-geistinge, -gêstinge,= Inspiration.

=angel,= 1. Stachel (der Biene; die Korngranne; Dornspitze, Zungenspitze der Schlangen etc.), Fischangel. 2. Thürangel (cardo).

=an-gelden,= betreffen, angehen, concernere.

=an-gelegen,= a. wesen, am Herzen liegen, zur Sorge sein.

=an-gelegginge,= An-, Auslage, Kosten, Aufwand?

=an-gelîk,= ähnlich; passend.

=angeln,= sw. v. Angelfischerei treiben; bildlich: worauf lauern, wornach trachten.

=an-gelt,= Schuld, die man zu zahlen hat, als Unterpfand, arrha.

=an-gemelte,= Gemälde.

=angens deige= = agnus dei.

=anger,= m. Grasland, mediamnis.

=anger-wort,= die Pflanze Steinbrech, saxifraga.

=an-gesete,= Besitztum (s. *ansete, gesate* u. gesete).

=an-gesette,= Satzung.

=an-gesicht,= 1. das Sehen, Sicht, *intuitus.* 2. Antlitz.

=an-gêst,= Grenze zwischen Geest und Marsch.

=angest, anxt,= _m. 1. Angst, die ich habe, Furcht, Besorgnis. 2. Angst, die mir gemacht wird, Schrecken, Gefahr, Gefährlichkeit, Einschüchterung._

=angest-aftich, -achtich,= 1. enge, beengt. 2. besorgt, ängstlich.

=angesten, anxten,= sw. v. 1. ängstigen, *anxiare*. 2. in Angst sein.

=angestich,= ängstlich, bange, anxius.

=angesticheit,= Ängstigung, Bedrängnis.

=angestlik,= 1. ängstlich, besorgt. 2. Angst hervorrufend, schrecklich, fürchterlich.

=angest-man,= Henker; Gerichtsdiener, Frohnknecht.

=angest-stede,= Richtstätte.

=angest-voldich,= ängstlich, furchtsam, bange.

=angest-voldicheit,= Bangigkeit.

=angest-vordicheit (anxtwerdicheit,)= Bangigkeit.

=angest-vruchtich,= Gefahr befürchtend, furchtsam.

=an-geten,= an-, begiessen.

=an-geter,= An-, Begiesser.

=an-getinge,= An-, Begiessung.

=an-geven,= 1. aufgeben. 2. angeben, anraten. 3. verleumden.

=an-gevinge,= (böse) Gabe (des Himmels), Ansteckungsstoff?

=an-gissinge,= An-ratung? (s. gissen).

=an-grepe,= Angriff.

=an-grinen,= jemand die Zähne weisen.

=an-gripen,= 1. angreifen. 2. in Besitz nehmen. 3. greifen, ergreifen, bildlich: sich an etwas machen.

=an-gripinge,= (Besitz)-Ergreifung.

=an-hach,= Spott, höhnische Freude.

=an-hahen,= anhängen.

=an-hang,= angehängte Bedingung, Clausel.

=an-hangen,= anhangen, anhängen; Hang, Neigung haben.

=an-haf,= Anheben, Anfang, Beginnen, Vorsatz.

=an-hechten,= an-heften, an-fügen.

=an-helden,= in *helden,* Fesseln halten, in Ketten legen.

=an-herden, -harden,= anspornen, anreizen, antreiben, ermuntern, hortari, incitare.

=an-herder,= Antreiber, Anreizer.

=an-herdinge,= Anreizung.

=an-heven,= anheben, beginnen, anfangen; Inf. *anhevent,* subst.

=an-hever,= Anheber, Anstifter, Gründer.

=an-hitten,= anheizen, heiss machen.

=an-holden,= 1. an-, festhalten. 2. bitten, ansuchen. 3. intrans. bleiben an einem Orte, verharren bei, festhalten an einer Sache.

=an-horen,= zugehören, attinere.

=an-horich,= angehörig.

=an-horn= = alhorn, platanus.

=an-houw,= Anhieb. (*an-houwen,* anhauen).

=anhuchels,= Hohn, Spott.

=anich,= los, frei von etwas, mit Gen.

=aning, anich= (= aling), ganz, vollständig.

=an-kallen,= anreden, sprechen mit jem.

=an-kapen,= angaffen, anstarren.

=anke (ank-smere),= Butter.

=anken,= sw. v. seufzen, stöhnen, gemere.

=an-kame= (friesisch), das Eindringen der Waffe bei einer Verwundung, ingressus.

=an-kennen,= anerkennen.

=anker,= m. und n. Anker; jede ankerartige Verklammerung.

=anker-balke,= Balke, in welchen die Anker eingeschlagen werden.

=an-kêren,= _1. hin-, zuwenden; zukehren, zukommen lassen, zufügen. 2. an-, verwenden. 3. refl. Rücksicht nehmen, beachten._

=ankerholt,= Ankerhalt, Festliegen des Ankers.

=an-kiven,= angreifen.

=an-klagere, -klegere,= 1. der Ankläger. 2. der Beklagte, reus.

=an-kledinge,= Ankleidung; Investitur.

=an-kleve,= das Angeklebtsein, Verbindung.

=an-kliven,= anheften; antasten, angreifen, ergreifen; übertr. beginnen, anfangen.

=an-knofen= (= knopen), anknüpfen.

=an-knuppen,= anknüpfen.

=an-komen,= 1. trans. antreffen, auf etwas stossen, ertappen. 2. intr. zustossen, auf oder an jemand kommen (mit Dativ), wohin kommen. 3. zukommen, gehören, betreffen.

=an-kreijeren,= anschreien.

=an-kreten,= angreifen, bekämpfen.

=an-kumpst= u. =ankunft,= _Ankunft, bildlich: Herkunft, Ursprung; Gelegenheit, Art u. Weise, wie man an eine oder zu einer Sache kommt; bes. in rechtlichem Sinne_ = titulus.

=an-lage,= 1. Hinterhalt, Nachstellung, verdeckter Angriff, *insidiae.* 2. Anliegen, heftiges Bitten.

=an-lagen,= 1. nachstellen, *insidiari,* mit Dat. u. Acc. 2. bittend angehen, dringend bitten.

=an-lager,= Widersacher, hinterlistiger Feind, insidiator.

=an-lagich,= hinterlistig, insidiosus.

=an-laginge,= Nachstellung, Hinterlist, insidiae.

=an-landen, -lenden,= sich am Ufer anlanden, von der Alluvion.

=an-langen,= 1. antasten, angreifen. 2. (gerichtlich) belangen, klagbar werden gegen jemand. 3. verlangen, bitten; auf-, vorfordern. 4. betreffen (mit Dat.). 5. Unpers. es gelangt an mich, kommt mir zu Ohren.

=an-langinge,= 1. Angriff; Klage. 2. Ansuchung, Bitte.

=an-lât,= m. Compromiss.

=an-laten,= refl. mit Gen. sich auf etwas einlassen, unternehmen.

=an-lêgen,= an-, belügen.

=an-leggen,= 1. anlegen. 2. auflegen, anthun. 3. planen, festsetzen. 4. anlegen, anwenden (Geld etc.). 5. angreifen. 6. von Pferden etc.: in den Stall führen. -- Zuweilen verwechselt mit anliggen.

=an-legger,= Anstifter, Urheber.

=an-legginge,= Stiftung; Anlage (Aufwand an Kosten für Bauten etc.); Geldanlage.

=an-liggen,= anliegen, bedrängen (mit Dat.), dringend mit Bitten angehen.

=an-ligger,= Ankläger, actor, accusator.

=an-lopen,= 1. intr. anlaufen, 2. trans. jem. anlaufen, angreifen.

=an-merken,= 1. aufmerksam sein, aufmerksam anhören. 2. bemerken.

=an-moden,= zumuten, Forderung an jem. stellen. Bes. mit Partic. anmoden(de) wesen.

=an-naken,= sich näheren.

=an-name, -neme (angename),= genehm, angenehm, lieb.

=an-namen,= sw. v. 1. annehmen. 2. unternehmen.

=an-namichliken,= dankbar, gratanter.

=an-negest,= zuletzt, novissime.

=anneke-, ankevader, -moder,= Gross-vater, -mutter.

=an-nemen= (oft = einfachem *nemen,*) ergreifen; bes. *(venklik) a.,* verhaften. Refl. über sich nehmen, unternehmen, zu Herzen nehmen.

=an-nemer,= Unternehmer, Urheber.

=an-nemingsbrêf,= Verhaftsbefehl.

=an-oldern,= von den Eltern erblich zufallen (z. B. Land etc.).

=an-part,= n. Anteil; *na a.,* nach Verhältnis, Quote.

=an-raken,= anrühren, antreffen; erreichen; anstiften.

=an-rêden,= anrichten, bereiten.

=an-regen,= s. an-rogen.

=anreisen,= anreizen.

=an-reisinge,= Anreizung.

=an-reken,= anrechnen.

=an-richten,= 1. verfertigen, machen, einrichten, zurichten, *disponere;* Speisen anrichten, die fertig gekochten Speisen auf Schüsseln etc. ordnen und aufsetzen. 2. berichten, die Richtung geben, unterweisen, belehren, dirigere.

=an-richter,= 1. (hölzerner) Löffel. 2. Anstifter, nam. einer bösen That, Übelthäter.

=an-richtich,= thätig, geschäftig, agilis.

=an-richtinge,= 1. Unterweisung, Belehrung. 2. Execution, Vollziehung.

=an-riden,= anreiten, d. h. reitend angreifen.

=an-ropen,= anrufen; schelten.

=an-rogen, -regen,= anrühren, in Bewegung setzen; bildlich: antreiben, auch im Wege Rechtens wozu veranlassen, belangen.

=an-roginge,= Anregung, Betreiben.

=an-roren,= anrühren; bildlich: angehen, betreffen (meist mit Dativ).

=an-ruchte,= böser Ruf.

=an-ruchtich,= berüchtigt, nicht in gutem Rufe stehend.

=an-rumen,= einräumen, gestatten.

=an-sage,= Anspruch, Einspruch.

=an-saken,= Klage führen.

=an-sate,= Einsetzung, fundatio.

=an-saten,= ansetzen.

=an-schar,= seichtes Wasser am Ufer.

=an-schêten,= daran stossen, grenzen.

=an-schîn,= n. 1. Angesicht, Antlitz. 2. Gegenwart, *in a.,* angesichts, gegenüber.

=an-schot,= n. Anschuss, was an Land das Wasser absetzt; anschiessendes Landstück, die an das Gemeindegut etc. anschiessenden oder angrenzenden Zubehörungen; daher: Grenze, Rain, Uferrand, Leinpfad. -- Bildlich: Anstoss, Anflug.

=an-schrage,= Seitenstütze, Strebepfahl.

=an-schrî,= Anschrei.

=an-schunde= = anschundinge.

=an-schunden,= anreizen (zum Bösen).

=an-schundinge,= Anreizung (zum Bösen).

=an-sedel (anesetel),= m. Ansiedelung, habitatio, domicilium.

=an-seggen,= 1. ansagen, melden. 2. von Obrigkeitswegen ansagen, befehlen. 3. beschuldigen. 4. = *in-seggen,* einreden, Einrede, Einspruch thun.

=an-sên,= _1. ansehen, bes. freundlich, gnädig ansehen. 2. in Betracht ziehen, sich kümmern um etwas. Part. *angesên,* adv. in Hin-, Rücksicht auf, angesichts._

=an-sener,= der etwas ansieht, Rücksicht nimmt.

=an-sete,= n. der eigentümliche Besitz eines unbeweglichen Erbes, bes. worauf man sitzt. -- s. auch angesete.

=an-setten,= 1. ansetzen. 2. anordnen, einrichten. 3. einsetzen.

=an-setter,= Anstifter.

=an-settinge,= Einrichtung, Anordnung, constitutio.

=an-sichte,= n. (u. f.) Angesicht, Antlitz.

=an-sichtich,= ansichtig, *a. werden* (mit Acc.) gewahr werden, conspicere.

=an-sichtiger,= der etwas ansichtig wird.

=an-sinnen,= ansinnen, zumuten; gew. im Partic. ansinnen(de).

=an-slach,= 1. Angriff, Einfall. 2. Plan. 3. Anlage eines Wehres.

=an-slân,= 1. anschlagen; einschlagen (z. B. Pfähle durch den Fluss zur Anlegung eines Wehres). 2. bildl. beginnen, anfangen. Intrans. an die Küste schlagen, getrieben werden; gedeihen, wirken, Wirkung äussern.

=an-smekinge,= (Ein)schmeichelei.

=ans-lôk= u. =as-lôk,= eine Varietät von *allium ascalonicum,* Aschlauch, Johannislauch.

=an-sniden,= anschneiden; einschneiden (z. B. Wappen.)

=an-soken,= ersuchen, angehen, bitten.

=an-spannen,= anschnallen.

=an-spechtich= = in-spechtich. a. werden, gewahr werden.

=an-spien,= anspeien; bildl. hohnsprechen.

=an-spisen,= anfangen zu speisen.

=an-sprake,= 1. Ansprache. Zureden. 2. rechtlicher Anspruch. 3. Beschuldigung.

=an-sprakech,= was (rechtlich) angesprochen wird; *a. maken,* etwas beanspruchen.

=an-spraken,= schw. v. Anspruch auf etwas oder gegen jemand erheben.

=an-sprakinge,= An-, Einspruch.

=an-sprekelik,= leutselig, affabilis.

=an-spreken,= _1. anheben zu sprechen. 2. anreden; besuchen, *convenire.* 3. beschuldigen, Anspruch gegen jemand erheben, klagen, *impetere* zum Kampfe ansprechen, herausfordern._

=an-spreker,= der Anspruch erhebt, Kläger.

=an-sprekinge,= Ein-, Zureden.

=an-sprengen (-springen, -sprongen),= anspringen gegen jemand; bildlich: angreifen (bes. mit Worten).

=an-sprunk,= Ansprung, Anfang.

=an-staden= = anstedigen.

=an-stân,= I. intrans. anstehen, fest an etwas sein; anfangen, beginnen, von einem bestimten Termine an laufen (von Zinsen); bevorstehen, zukünftig sein; geziemen, passend sein. II. trans. antreten an jem. oder etwas.

=an-stant,= (Waffen)stillstand.

=an-staren,= mit festem Blicke betrachten.

=an-stedigen,= festsetzen, einrichten, constituere.

=an-stedinge,= Einrichtung, Anordnung.

=an-steken,= 1. anstechen (mit Sporen; anspornen). 2. anbrechen, öffnen. Öfters verwechselt mit ansticken.

=an-stendich,= a. wesen, zustehen, zugehören.

=an-stellen,= anordnen, stiften; refl. sich betragen, sich zeigen; sich stellen, gebärden.

=an-sterven,= durch Erbgang oder Todesfall auf jemand kommen.

=an-sterflik,= was angeerbt *(angestorven)* ist.

=an-stichten,= anstiften.

=an-sticken,= anzünden.

=an-stoker,= Anzünder; bildlich: Anschürer, Anstifter.

=an-storten,= anstürzen, hereinbrechen.

=an-stôt,= Anstoss, heftiger Anfall, impetus.

=an-stoten,= 1. anstossen. 2. anheben (vom Gesange etc.)

=an-striken,= anstreichen.

=ânt (anet),= Plur. *ânte, ânde* u. *ende,* Ente.

=an-tal,= _m. (selten f.) 1. Anzahl. 2. Anteil, Quote, Rate, *portio. na a.,* im Verhältnis, gleichmässig,_ pro portione.

=an-tale,= f. Anrede.

=an-talen,= sw. v. anreden; ansprechen, gerichtlich verklagen, beanspruchen.

=an-talich= = antal.

=an-tast,= Angriff.

=an-tasten,= 1. angreifen (mit der Hand, mit Waffen). 2. ergreifen, übernehmen. Im rechtlichen Sinne: die Hand an oder auf etwas legen, um es in Besitz zu nehmen, wie angripen.

=ânt-drake,= Enterich.

=ânt-ei,= Entenei.

=an-teken= (= -tekenen), anzeichnen, angeben.

=an-têl= = antal.

=an-tên,= 1. anziehen (ein Kleid), *induere.* 2. beibringen, anführen. Refl. 1. sich anziehen, auf sich nehmen, sich annehmen. 2. beanspruchen, als Eigentum in Anspruch nehmen. 3. sich berufen auf.

=an-tengen,= anfangen.

=antêr -- antêr= (= antwêr), entweder -- oder (vgl. antêren = antwerden, -worden).

=ant-hete= (= ent-hete), Versprechen, Gelübde.

=an-tien,= (an-zeihen), Schuld gehen, beschuldigen, bezichtigen; beilegen. (an-tien, -tigen, prodere, indicare, demonstrare).

=antiffe(n),= die Antiphone.

=ant-lât,= Unterlass, ân u.

=antlât,= n. Antlitz, Angesicht; Maske.

=antlâtliken,= von Angesicht zu Angesicht.

=an-toch,= Anspruch; *sunder a.,* ohne deshalb (gerichtlich) belangt zu werden = frei, ungehindert.

=an-togen,= anzeigen, melden.

=an-toginge,= Anzeige.

=an-tonen,= anzeigen; citieren.

=ânt-pôl,= Entenpfuhl, -teich.

=an-trecken,= anziehen; bildlich: auf jem. etwas bringen, ihm Schuld geben.

=an-trede,= Antritt, Schwelle.

=an-treden,= 1. intr. antreten, beginnen. 2. trans. (feindlich) antreten, angreifen; im rechtlichen Sinn: ansprechen, -- betreffen, angehen (mit Dat. u. Acc.)

=an-tucken, -tocken,= rasch und heftig anziehen. Bildlich: 1. heranziehen, an sich ziehen, anlocken. 2. an sich, auf sich reissen, sich einer Sache eifrig annehmen.

=ânt-vlot,= Entengrün, Teichlinse.

=ânt-vogel,= Ente, bes. der Enterich.

=antwêr= = entwêr, entweder.

=antwêr= = antwerde, antworde.

=antwerdes,= adv. in Gegenwart.

=antworde, -wort, -werde, -wert, -warde,= n. 1. Gegenwart; *to antwerde sîn,* gegenwärtig sein. *antworde* oder *in antworde,* in Gegenwart, *coram.* 2. Antwort; im jurist. Sinne: die Gegenrede, Einrede des Beklagten (zuweilen auch fem.).

=ant-worden, -werden, -warden,= sw. v. 1. gegenwärtig machen, *presentare; sik a.* sich persönlich stellen. -- aus-, überliefern. 2. antworten, auf eine Frage, eine Klage; verantwortlich sein, einstellen; entsprechen, gleich sein.

=ant-worder, -werder,= der Beklagte.

=ant-wordesman,= der Beklagte.

=an-val, ane-val, an-geval, -gevel,= 1. Zufall, accidens, casus; bes. böser Zufall, Unfall, überh. was einem zustösst, begegnet, meist im schlimmen Sinne. 2. Angriff (im Kriege). 3. im rechtl. polit. Sinne: Gebührnis, Gefälle, Einkünfte, Einkommen; was einem als Erbschaft zufällt, *devolucio; hereditatis portio,* Erbgut; Erbe oder Loos in der Waldgemeinde; die Exspectanz, Anwartschaft auf ein Erbe, bes. die Nutzung des Lehns durch den Lehnsherrn während der Minderjährigkeit des Belehnten, usus feudi, vacatio.

=an-vallen,= 1. intr. (mit Dat.) zu Teil werden, zufallen, vom Erbgute, *devolvi.* 2. trans. feindlich (gerichtlich) angreifen; freundlich, bittend angehen. 3. *= in-vallen,* einfallen, Einfall haben.

=an-vallich, -vellich,= 1. was anfällt und überrascht, plötzlich. 2. durch Erbschaft anfallend.

=an-vallichliken,= plötzlich.

=an-vangen,= 1. angreifen, anfassen, verhaften; in Besitz nehmen; bes. eine (entwendete) Sache durch Anpackung derselben als die seine ansprechen. 2. Anspruch, Klage erheben (jem. gerichtlich anfassen).

=an-vank,= 1. das Anpacken, der Angriff. 2. die Besitzergreifung, die Ansichnahme einer (entwendeten) Sache als der seinigen, vindicatio.

=an-vanzen,= angreifen.

=an-varen,= losfahren gegen jem., Gewalt gebrauchen, irruere.

=an-varinge,= Gewalt, Gewaltthätigkeit.

=an-vechten,= angreifen.

=an-vechter,= Angreifer.

=an-vechtigen= = anvechten.

=an-vechtinge,= Angriff, bes. des Teufels.

=an-veiden, -veden,= anfehden, angreifen.

=an-venknis,= Angriff.

=an-verden= und =an-verdigen,= _1. angreifen, anfallen, *impetere, invadere.* 2. festnehmen, hindern, arrestieren._

=an-verdinge= und =-verdiginge=, Angriff, Überfall.

=an-vloiten,= anflöten, verhöhnen.

=an-vlôt= = invlôt, Einströmung; bildlich: Einfluss.

=an-vorderen,= etwas von jem. fordern.

=an-vratemen,= anatmen, anhauchen.

=an-vuren,= anzünden, anfeuern, antreiben.

=an-vurich maken,= anzünden, anfeuern.

=an-vurigen,= adv. feurig.

=an-wachtinge,= Anwartschaft.

=anwal,= freier Platz, der zu einem Gehöfte hört?

=anwalt,= Advocat, procurator.

=anwanch= = anvank.

=an-warde, anewarde,= _f. 1. Anwartschaft, Exspectanz auf ein Erbe. 2. Wartung, Pflege?_

=an-warder,= Anwärter.

=an-wardinge,= Anwartschaft, respectus hereditarius.

=an-waringe,= Warnung.

=an-wedden,= in Pfandschaft nehmen. vgl. in-wedden.

=an-weddinge,= Pfandschaft.

=an-weden,= anbinden.

=an-wegen,= besonders betreffen? (von Wichtigkeit sein für?)

=an-weldigen,= kraft des Gesetzes in den Besitz eines Gutes setzen, einweisen -- refl. sich gewaltsam in Besitz setzen, vgl. in-weldigen.

=an-, anewende,= Pflugwendung, das Ackerstück, auf dem man beim Pflügen wendet.

=an-wenden,= zukehren, zufügen.

=an-, anewerden,= 1. Lust zu etwas haben, sein Auge auf etwas werfen, begehren, *concupiscere*. 2. sich gewöhnen an etwas, assuescere.

=an-, anewert,= Lust, Begierde.

=an-werken,= anwirken, anthun, zufügen.

=an-werkinge,= Anwendung (Anthun).

=an-werpen,= anwerfen; eilig anziehen.

=an-werpinge= = in-w., Einwurf, Einwendung.

=an-werven,= _ein *werf,* Geschäft bei jem. ausrichten, ein Anliegen vorbringen._

=an-winden,= an-, aufwinden; refl. mit Gen. sich eines Dinges unterwinden, es an sich nehmen.

=an-winnen,= in Dienst nehmen.

=an-wisen,= _1. mit Fingern auf jem. zeigen. 2. unterweisen, belehren, Rechtsbelehrung geben. 3. einweisen in den Besitz, zuerkennen. (_Ggs. af-wisen).

=an-wiser,= Lehrer; Ratgeber.

=an-, aneworp,= 1. Metallbeschlag an Fenstern, Thüren etc. 2. eine Augenkrankheit.

=an-wuchen,= anschreien.

=an-zwacken,= antasten, anfallen.

=ape,= m. und f. Affe; Narr.

=apeldern,= Ahorn, Alhorn, Acer campestre.

=apen,= sw. v. äffen, zum Besten haben, verspotten.

=apen,= offen. S. open.

=apen-ärseken,= Mespilus germanica.

=apen-blat,= welche Pflanze?

=apen-geter,= _eine Art Kannengiesser; in der Rangordnung der Giesser stehen sie zuletzt; sie machen die kleineren Sachen und die Flickarbeit._

=apen-spil,= Affenspiel, Geckerei.

=aperie,= Äfferei, Thorheit.

=apolle, appolle, -pulle,= eine grosse Kanne, beim Gottesdienst und auch sonst gebräuchlich, aus lat. ampulla.

=apost,= Apostat.

=apostelpert,= scherzhaft = Fuss.

=appel,= m. Apfel. *nicht en a.* = gar nichts.

=appel-blome,= rubiola (ein blom in deme korne).

=appel-bôm,= Apfelbaum.

=appel-drank= (odromellum = idromel), Äpfelwein.

=appel-grat,= malum granatum vel potus granatus.

=appel-grawe,= apfelgrau, spadix, color equi.

=appel-hoke,= Apfelhöker.

=appel-môs,= Apfelmus.

=appel-schelle,= Apfelschale.

=appel-schute,= Apfelschiff.

=âr (are, arn),= f. Ähre.

=arbeiden,= sw. v. 1. intr. Not, Mühe, Beschwerde haben, sich plagen, sich bemühen um etwas. 2. trans. bearbeiten (Garten, Acker), *ên pert,* zum Arbeiten verwenden, strapazieren; *den wech,* reisen *(travailler);* plagen, betreiben.

=arbeidelik,= mühsam, Mühsal verursachend, laboriosus.

=arbeiderne,= zum Arbeiten geneigt, arbeitsam. s. -erne.

=arbeidesman,= Arbeiter.

=arbeit= (Genus wechselnd; selten f.) Mühe, Not, Beschwerde; bes. die Anstrengung Gebärender, Kindesnöte.

=âr-bêr,= (Ähren- oder Erntebier?) eine Art Weizenbier.

=arch, arich,= _schlecht, böse, schlimm (nicht bloss im moral. Sinn); bes. mit dem Begriff des schädlichen, nachteiligen. -- Superl. *argeste, ergeste,* als subst. Schaden, Nachteil._

=archeit (aricheit),= Argheit.

=archelie= s. arkelei.

=arch-gelovich,= arges glaubend, argwöhnisch.

=arch-gunner,= Misgönner, Feind.

=archinge = arginge,= Böses, Ärgernis.

=arch-wân,= Argwohn, Verdacht.

=arch-wânen,= argwöhnen, vermuten.

=arch-wânich,= argwöhnisch; pass. verdächtig, *suspectus. a. holden,* in Verdacht haben.

=arch-willigen,= gegen jem. arges sinnen.

=arch-willinge,= böser Wille.

=arden,= sw. v. arten, geraten, gedeihen.

=ardich,= Art habend, vortrefflich.

=ardicheit,= Vortrefflichkeit.

=ardigen,= sw. v. bebauen.

=ardinge,= Bestellung des Ackers.

=are= = nare, Narbe.

=aren,= pflügen, s. eren.

=arent,= Adler, s. arn.

=argelik,= schlecht.

=argen,= sw. v. beschädigen, Schaden zufügen.

=argeren, ergeren,= sw. v. 1. schlechter machen, verschlechtern, beschädigen. 2. refl. schlechter werden; im sittl. Sinne: sich ärgern, Anstoss woran nehmen.

=argeringe, ergeringe,= 1. Verschlechterung, Beschädigung. 2. Ärgernis, Anstoss.

=argerlik,= Anstoss erregend.

=argueren (arweren),= disputieren, Einwendungen machen.

=arink- (aringe-) pennink?=

=ark,= Bogen Papier.

=arke,= f. 1. bei den Mühlen die Einfassung von Holz, kastenähnliches Gerinne des Wassers. 2. überh. Kasten, Sarg.

=arkel,= 1. Ring, *arculus.* 2. Bogen Papier.

=arkelei,= Artillerie; Schiessmaterial.

=arkener (arkenel), erkener, erker (erkel),= m. (Bogenbau) Erker, Brustwehr, *propugnaculum, menianum;* bes. an der Burg- oder Stadtmauer.

=arm,= m. Arm.

=arm,= arm, mittellos; von geringem Stande (s. *armman),* elend, unglücklich.

=arm-boge,= Armring, -band.

=arm-, amborst, -bost,= n. Armbrust, Bogen zum Pfeilschiessen.

=armborsterer, -bosterer,= Armbrustmacher.

=armborst-winde,= eine Winde, um die Armbrust zu spannen.

=arme-holt,= Armholz, aus dem die Arme des Mühlrades geschnitten werden.

=arme-lit,= Plur. *-leden,* Armschienen.

=armink,= arm, unglücklich, elend.

=arm-jope,= Bekleidung des Armes, als Stück der Rüstung, dextrale.

=arm-kluve,= Armklobe, Armfessel.

=armlike,= ärmlich.

=arm-man,= Mann von geringem Stande; bes. Bezeichnung des (bäuerlichen) Unterthanen, Ggs. here.

=armoden,= sw. v. arm werden.

=armôt, -mode= _(Genus wechselnd), Armut; und concr. die armen Leute._

=arm-schene,= Armschiene (als Bekleidung, Rüstung).

=arm-tuch,= Armbekleidung (Armzeug).

=arm-wapent,= (eiserne) Bekleidung des Armes, dextrale.

=arn,= Ecke, Spitze, äusserster Punkt (holl. erne).

=arn, arne, arnt, arent,= _m. Adler; in Zusammens. (z. B. *dûf-arne* u. a.) das Männchen._

=arne, erne (arn, aren),= f. Ernte. St. Peter in der arne = 1. Aug.

=arnemeiger,= Erntemäher.

=arnen,= sw. v. ernten.

=arnsch,= von Arnheim.

=arone,= Arum maculatum.

=arrasch, -ras, arresch, -res (arsch, ardesch),= eine Art dünnes, wollenes Gewebe, nach dem Fabrikationsorte *Arracium (Arras)* benannt; *arracium, pannus atrebaticus;* jetzt: Rasch.

=arresteren,= sw. v. anhalten, mit Beschlag belegen.

=arresteringe,= Beschlagnahme.

=ars (ers),= m. der Hintere, podex.

=ars-bille,= Hinterbacke.

=ars-pilcher,= Knötlein im Hintern (ars-pillelen).

=ars-wîp.=

=ars-wisch.=

=arste,= Arzt.

=arstedie (arsedie),= Arzenei.

=arstedien (arsedien),= sw. v. die Heilkunst üben, curieren, medicari.

=arstedier,= so heisst der vierte Finger (dar de arsten de wunden mede betastet).

=arsten= = arstedien.

=arstenien= = arstedien.

=arsten-lôn,= Arztlohn.

=art= _(zu *aren, eren),* f. 1. das Pflügen, die Ackerbestellung. 2. das geackerte Land, Land überh. 3. Abstammung, Herkunft, concr. Abkömmling, Kind._

=artelei (attelrie),= Artillerie.

=art-, (ar)haftich,= angebaut, fruchtbar.

=artich,= s. ortich.

=art-land,= Ackerland.

=arve, arven,= s. erve, erven.

=arwêren= (= lat. *arguere),* streiten, disputieren.

=arwete,= Erbse. s. erwete.

=âs,= n. 1. Aas, Fleisch eines gestorbenen Wesens, Leiche. 2. Speise der Tiere = ât.

=asch(e),= m. = *nasch,* Behältnis, Schüssel, Dose u. dgl.

=asche,= f. Asche.

=asche-balge,= Aschbehälter.

=asche-dach,= Aschermittwoch.

=aschel-, (askel)woensdach,= Aschermittwoch.

=aschenbernen,= zu Asche brennen.

=ascher,= ein Küchengerät? (Aschfass? Aschenschaufel?)

=ascher, ascherich,= in oder auf Asche gebacken (Brot), cinericium.

=ascher-, (asker)varwen,= aschfarbig.

=aschonier,= Wein aus der Gascogne.

=ase, asen,= Ort, wo man das Fleisch zum Dörren aufhebt, suspensiva, siccarium.

=asege (asega, asige, asge),= Recht-sprecher, Richter.

=asege- (aziges-, asing-, asege-, asega-, asge-, aes-)bôk,= Richtbuch, Gesetzbuch.

=asen,= sw. v. atzen, speisen. (Jetzt zu *âs 1* = im Schmutze herumwühlen.)

=ask, asch= = nask, nasch, Behältnis, um etwas aufzubewahren, bes. kleine Dose, Schachtel.

=âs-kule,= Aasgrube.

=asle, assel,= f. Achsel.

=asnen (hasnen),= m. Lohn, Miete, Heuer. s. menasle.

=asoe,= Wein aus Auxois in Burgund?

=asse,= f. Achse.

=assute?= s. ossute.

=astinne= = arstinne, Ärztin.

=astrak (alstrak, asterik, astrik, esterik, esterink, afstrik),= n. Estrich, Fussboden, *pavimentum;* bes. aus Fliesen oder Ziegeln; die Fliesen, Steinplatten selbst.

=astraken,= sw. v. den Fussboden mit Fliesen etc. belegen.

=asturich,= (nicht zu steuern oder zu wehren), unlenksam, gewaltsam; von Sachen: gewaltsam genommen.

=asturigen (asturliken),= auf gewaltsame Weise.

=aswik= (= afswik), a. dôn, von etwas lassen, in Stich lassen, nicht thun wollen, heimlich weggehen.

=ât,= n. Speise; bes. Futter für die Schweine, Malztreber etc., silique.

=ât-korn,= Korn (Getreide) zum Essen; Ggs. sât-korn.

=ât-kuven,= Kübel, um das *ât* aufzunehmen.

=âtmen, âtem,= m. Athem; seltenere Form für adem.

=attelas,= Atlas.

=at(te)lask,= von Atlas, atlassen.

=attependium,= d. i. *antependium,* eine Tafel (aus Holz oder Metall, oder auf einen Rahmen gespannte Stickerei), die zum Schmucke des Altars vor die Front desselben gestellt wird.

=aurine,= Erythraea centaurium, Tausendgüldenkraut.

=aust (oust, ouweste, owst),= m. der Augustmonat; Ernte.

=aven,= Ofen, s. oven.

=avenant,= abgek. aus *advenant* Verhältnis.

=avent,= m. 1. Abend. 2. der Tag vor einem (kirchlichen) Feste.

=avent-brûtlacht,= Abendhochzeit.

=avent-danz,= Tanz am Abend.

=avent-eten,= Abendessen.

=avent-gave, -geve,= Gabe, die der Bräutigam der Braut am Hochzeitsabend gibt, sonst: morgengave, dotalia.

=aventlank, -linge, avelinge=, (heute) zu Abend, vespere.

=aver,= s. over.

=aver (avers, averst),= abermals, wiederum.

=averecht?= (in der Weberei).

=awete,= von Agat?

=awise= und =afwise=, _falsche, irrige Weise, Thorheit, Narrheit,_ absonantia, insolentia, mania.

=awisen,= sw. v. Thorheit treiben, insolescere.

=awisich,= gegen die (richtige) Tonweise; *dyssonus, absonus;* thöricht, närrisch, unsinnig, maniacus, vesanus, absurdus.

=awisicheit= = awise.

=awitte,= Verstandeslosigkeit, Dummheit.

B

=babbeler,= m. der rasch und unverständlich spricht, Plapperer.

=bach,= f. Bach (selten; gew. beke).

=bach,= m. lautes Prahlen, Rühmen, Hoffart.

=bach,= m. Rücken (= bak).

=bachminte,= die Pflanze oculus consulis.

=bachstake= (richtiger: *back-stag,)* Plur. die einzelnen, schweren Taue, welche von der Spitze des Mastes (hinter dem Want) heruntergehen.

=bachten (bachter)= = be-achten (be-achter), hinten; als Subst. der Hintere.

=backbord,= an b., links vom Schiffe; überh. links.

=back-harst,= s. pottharst.

=backels,= n. soviel als man zu einer Zeit backt, in den Ofen schiebt.

=backel-touwe,= Bäckergerät.

=backen,= st. (u. sw.) v. backen (Brot; Ziegelsteine).

=backenêl, beckenêl,= eiserne Kopfbedeckung (als Rüstzeug), Helm; als Küchengerät: (kleiner) eiserner Topf?

=backen-krût,= gebackenes Gewürz; Gewürzkuchen, Confect; electuarium.

=back-hûs,= Backhaus.

=back-meister,= der die Leitung des Backwesens hat, der Oberste der Bäcker; Haushalter in einem Hospital.

=back-werk,= das Bäckergewerk, Bäckerinnung; Gebackenes.

=bade-becken,= Bade-, Waschbecken.

=bade-budde,= Badebütte, -wanne.

=bade-budel,= Badebeutel.

=bade-gode,= Taufpathin.

=bade-hôt,= Badehut (-hose?)

=bade-kappe,= Bademantel.

=bade-kuve,= Badewanne.

=bade-lôn,= Geld zum Bade (als Trinkgeld).

=bade-moder,= Hebeamme.

=bade-mome, -momesche, -mone,= Hebeamme.

=bade-quast,= die aus (Birken-) Reisern gebundene Rute, der Laubbüschel, mit welchem der Badende die Scham bedeckte und sich peitschte.

=bade-rôf,= die Decke, dachartiges Gestell, über einer Badewanne; tectura dolei.

=bade-stên,= erwärmter Stein in den Badestuben zum Heissmachen der Badelaken? oder zum Reiben? (badestein edder ryffstein, pumex).

=bade-, badstove (bastove),= Badestube, s. stove.

=bade-, badstover (bastover),= Bader, s. stover.

=bage,= s. boge.

=bagen,= sw. v. *bach* treiben, rühmen, pralen, hoffärtig sein.

=bager,= Ring? (mit einem Edelstein?)

=bageren,= sw. v. pralen.

=baggert (baghard, -ghert, big-hard),= Laienbruder, dem weiblichen *begine* entsprechend.

=baie,= ein Kleiderstoff, Boje (grobes, dichtes Wollenzeug, meist von roter Farbe).

=bak (bach),= m. Rücken; (Hinterbacke, Hintere).

=bak,= n. (hölzernes) Gefäss, Trog, Mulde.

=bake,= f. Speckseite, *perna;* auch = Schinken, podex.

=bake,= f. Stange, oben mit Stroh etc. versehen, um gegebenen Falles rasch in Brand gesteckt werden zu können, Fackel, Feuerzeichen; Leuchtfeuer (für Schiffe); jedes aufgerichtete Zeichen (um die Richtung des Weges zu bezeichnen).

=baken,= sw. v. mit Baken bezeichnen.

=bákeren,= sw. v. gelinde erwärmen; bildlich: warm halten, gut pflegen.

=(bak-), backisern,= Backeisen, d. h. Eisen (eisernes Gerät) zum Backen von Kuchen.

=bak-lôp,= Tritt, Sprung auf den Rücken.

=bak-sone,= Sühne, Vergleich ohne Zuziehung des Gerichtes.

=bak-stert,= Bachstelze (= wak-stert).

=bak-vank,= Rückgriff, Zurückfassen.

=bak-wascher,= der jemand hinter seinem Rücken verleumdet.

=bak-wordesch,= hinterrücks gesprochen.

=bak-wort,= Wort, das man hinter jemandes Rücken spricht.

=bal-,= schlecht; nur in Compositionen.

=bal (bale),= m. 1. Ball, 2. Ballen, die schwielige Rundungen Fuss u. Hand. 3. Ballen (Ware etc.), Bündel. (In dieser Bedeutung gew. bale).

=balch, ballich,= _m. Balg (Umhüllung der Seele, Körper); Blase-balg._

b=alch-penninge,= Geld, das man in den Berghütten zur Unterhaltung der Blasebälge gibt.

=balde,= s. bolde.

=baldeke,= s. boldeke.

=balderen,= sw. v. einen lauten, harten Schall verursachen.

=bale, balen= = bole, bolen.

=bale-munden,= jem. für einen *bale-munt* d. h. für einen schlechten Vormund, und damit aller Vormundschaft für verlustig erklären.

=balge, ballige (balleie),= f. 1. Kufe, Wanne kleinerer Art, bes. für Milch. 2. Vertiefung im Watt, die auch bei Ebbe voll Wasser bleibt und als Fahrwasser dient. 3. überh. Rinnsal, Wasserleitung.

=balget,= noch in der Scheide befindlich (vom Schwert).

=baliun, balliun,= frz. *billon,* geringhaltige Silbermünze; überh. Silber oder Gold, welches nicht den gesetzlichen Feingehalt hat.

=balke,= m. 1. Balken. 2. Korn-, Heuboden, der oberste Boden, die Decke des Zimmers. 3. Wagebalken.

=balken-sluker,= der Balken verschluckt, der Ofen.

=bal-last,= m. und f. unnütze, schlechte Last (um dem Schiffe den nötigen Tiefgang zu geben).

=ballasten,= sw. v. mit Ballast beladen; dann überh. beladen.

=ballaster,= Ballastschieber, der den Ballast in die Schiffe (oder aus den Schiffen) bringt.

=ballik?=

=ballieringe,= Tänzerin (baleeren, tanzen, ballare).

=ballink,= s. banlink.

=ballingêr(e),= eine Art (Kriegs)schiff, *balanerius,* flandr. balengiere.

=bal- (bel)mundich,= der schlechten oder keinen Schutz hat; *b.* ist ein Hausgenosse, der seines Hofrechtes verlustig geworden ist.

=balnier= = ballingere?

=bal-ruse,= Ball-Reuse; eine gewisse Art Fischreuse.

=balsemen,= sw. v. einbalsamieren.

=balsk,= m. (schlechtes Treiben?)

=bal-sturich,= der schwer zu lenken ist, unlenksam, unbändig, aufsässig.

=balt, baltlike,= s. bolt.

=bammeln,= s. bimmeln.

=ban,= m. Gebot unter Strafandrohung, bes. 1. die dem geistlichen oder weltlichen Richter und Bannherrn zustehende Gewalt. 2. die von diesem (bes. dem geistl. Richter) verhängte Strafe. 3. Bann, als Anlegung eines Arrestes oder gerichtlichen Beschlages.

=bane,= f. Bahn, freier Raum (zum Gehen etc.).

=bane,= f. Busse für einen begangenen Mord, bes. der Teil, der der Schwertseite zufällt.

=bane-bote,= Mordbusse.

=bange,= adj. u. adv. bange; als subst. Angst, Beengung.

=bangeraden,= sw. v. in Angst setzen, angere, angustare.

=bangicheit,= Bangigkeit, Angst.

=bank (banke, benke),= f. Bank, bes. die Gerichtsbank. (Das alte Gericht wurde durch vier Bänke gebildet.) -- *dorch (in) de bank,* ohne Unterschied, allesammt, ohne Ausnahme.

=bank-bove,= Bankbube, der gern auf der Wein-, Bierbank sitzt.

=bank-hart,= ausser der Ehe erzeugt, Bankert.

=bank-laken,= Tuch zur Bedeckung der Bank, tapetum scamnila.

=bank-pol,= Bankpfühl, -küssen.

=bank-rese,= der immer auf der Bank liegt, fauler Schlingel.

=bank-werk,= Bankpfühl, stroma.

=banlink,= m. assim. *ballink,* Verbannter.

=ban-mile,= Meile, innerhalb deren es nur dem Berechtigten Geschäfte zu betreiben erlaubt ist (Bereich des Marktschutzes etc.)

=bannen,= st. v. (Partic. auch schw.) 1. in den Bann thun, excommunicieren. 2. durch Fluchformeln herbeirufen (z. B. den Teufel); fluchen überh. 3. bannen, von Seiten des Gerichtes mit Arrest oder Beschlag belegen; verfesten; die Verletzung eines Gesetzes etc. mit Strafe belegen.

=banner(e), bannir,= (Geschl. wechselnd), Banner, Fahne.

=bannere,= m. Banner-, Fahnenträger.

=banner-here,= der ein eignes Banner erheben kann, oder mit fremdem Banner belehnt ist, baro.

=banner-vorer,= Bannerführer, -träger.

=banner-lôp,= Aufzug mit Fahnen.

=bannich,= der im Banne befindlich ist.

=banros= (flandr.), Bannerherr.

=bant,= _m. Band; Strick des Henkers; Tonnenband, Reif; als Kopfbedeckung: *morisch b.,* türkischer Bund, Turban; bildlich: Bund, Bündnis._

=bant-holt,= Holz zu Reifen.

=bant-houwer,= der (Tonnen)reifen haut, verfertigt.

=bant-staken,= Bandstecken (zu Dochten) d. h.?

=bant-stên,= Stein zur Einfassung.

=ban-vorst,= Bannforst, in welchem nur dem Berechtigten zu jagen erlaubt ist.

=ban-wîn,= Wein, der im Einzelverkaufe zu verschenken nur Berechtigten gestattet ist.

=bar,= nackt, bloss.

=barasien= = borrasien.

=barât,= n. Pracht, Herrlichkeit (aus lat. ap-paratus?)

=bar-bênde,= nackt-beinig, barfuss.

=barberer= u. =balberer,= Barbier.

=barch (barg)= und =berch,= m. Scheune ohne Wände, Schutzdach auf Pfosten ruhend.

=barch-gelt,= Berge-geld, -lohn.

=barde,= f. breites Beil.

=barden-helf (-helft),= Stiel einer Barde.

=bardesân,= Partisane.

=bardese,= s. barse.

=bardûn,= Tenor (im Gesang); als musikalisches Instrument (Pardaune, Bourdon).

=bare (bâr),= m. Bär.

=bare, baren,= s. bore, boren.

=bare,= f. Woge, Welle.

=bare= (fries.), Klage vor Gericht.

=bare,= f. das Giesshaus, die Bleischmelze für die Salzpfannen (in der Saline); der Aufseher (überh. der oberste Beamte) heisst: bar(e)mester, magister salinarius.

=barehaft,= schwanger.

=baren= (fries.), sw. v. offenbaren; klagen, verklagen.

=barende,= fruchttragend.

=baren-hût,= Bärenhaut.

=baren-krût,= Bärenklau, Heracleum sphondylium.

=baren-leider,= Bärenführer.

=bareschop,= Geburt.

=bare-sprake,= Anklage, (s. bare).

=barewen,= sw. v. offenbaren, zeigen.

=barie= = bare, bore, Bohrer.

=barille= = berille, brille.

=barillensêer,= der durch ein Wahrsagerglas *(barill, brill)* sieht = kristallenkiker.

=baringe,= s. boringe.

=barkhôn (-hân),= Birkhuhn.

=bar-licht,= Licht auf der Totenbahre oder zur Bestattung gebraucht.

=barm, berm,= m. Hefe, namentl. des Bieres.

=barm,= m., =berme,= f. (in »Deichberme«), Fuss (Sohle) des Deiches, (aufgehäufte Erde).

=barme,= Name eines Fisches, cyprinus barbus.

=barme,= f. Erbarmung.

=barmelik,= Erbarmen erregend, kläglich.

=barmgrunt,= Kopfgrind der Kinder.

=barmheit,= Barmherzigkeit.

=barmhertich,= barmherzig; =barmherticheit,= Barmherzigkeit.

=barmich, bermich = barmelik; barmichliken,= adv.

=barmich,= Barm, Hefe enthaltend.

=barneholt,= s. berneholt.

=barnen,= s. bernen.

=barnstên,= s. bernstên.

=barschinkelt,= mit nackten Beinen.

=barse (basse), bardese,= _f. 1. Barke, kleines Last- oder Kriegsschiff (lang und schnell, *dromo).* -- 2. ein kleines Geschütz, wie man sie auf den Barsen führte._

=bârsen,= sw. v. gebären.

=barsie,= eine Art Helmzier?

=bartiringe=, Tauschvertrag? heimliches Kaufgeschäft? (ital. baratto).

=bartken= (= baretken), Barettchen.

=bartzig= = borczis, bursin.

=barwen,= sw. v. *(= barewen), bâr* werden, sich zeigen.

=bar-vôt (barvet, barft),= barfüssig, überh. nackt.

=bar-votes,= adv. barfuss.

=basch (bask),= _contr. aus *barsch,* stark, kräftig (vom Geschmack)._

=baseler,= s. beseler.

=baselman,= frz. *baise-main,* Kusshand, zierliche Verbeugung.

=baseln,= sw. v. (freq. zu *basen),* unsinnig, kopflos handeln.

=base-, basi-, basment,= n. Säulenfuss, Piedestal.

=basen,= sw. v. unsinnig reden und handeln.

=baske-botter,= viell. frische Butter (bask = vask, varsk).

=basse,= s. barse (bardese).

=bast,= m. 1. Pflanzenbast (zum Binden und Schnüren). 2. übertr. die Haut des Menschen.

=basten= (adj. zu *bast),* bästen.

=basten,= sw. v. mit Bast binden.

=basterich,= stockicht, holzicht (bastartig).

=bastert,= Tau, Seil aus Bast.

=bastert (bostert),= m. 1. unächtes Kind; wilder Zweig. 2. ein süsser, spanischer Wein, *vinum bastardum s. spurium.* 3. eine Art Tuch.

=bastove, -stover= = bade-stove, -stover.

=basune, bassune,= f. Posaune.

=basuner,= Posaunenbläser.

=bat,= n. Bad, oft in übelm Sinne, böses Bad (Unglück).

=bat,= n. Gebot (= bot).

=bat, bet= (adv. zu *gôt),* besser, mehr, weiter; *bet sîn,* angesehener sein; b. mogen, plus valere.

=bate,= f. Vorteil, Gewinn, Zins.

=batelik, batlik,= nützlich, förderlich.

=baten,= sw. v. nützlich, förderlich sein, helfen.

=batensnavel,= die Pflanze italica (italia, katzenwolffzagel).

=bat-spreker,= einer der besser sprechen kann, Rechtsbeistand.

=batzeler (baseler)= = baccalarius, bachelier, ein junger Ritterbürtiger.

=bauet (bouwe), bouwede,= f. Ernte.

=baven,= s. boven.

=be-,= vielfach *bo-* (auch *bu-);* auch abgeschwächt aus bi-.

=-bê,= verkürzt aus *-beke* in Ortsnamen.

=be-achten,= refl. sich (mit andern) beraten, s. acht.

=be-ambachten, -am(p)ten,= ein Amt über etwas haben, verwalten.

=beane,= aus lat. *beanus,* Grobian, Tölpel (scholasticus trivialis, barbarus, banausus etc.)

=be-anen,= zu Herzen nehmen; eine Ahnung, Vermutung über etwas haben.

=be-anxten,= in die Enge, Not, Angst bringen.

=be-arbeiden,= thätig wofür sein, etwas betreiben. Refl. sich womit beschäftigen.

=be-astraken,= pflastern, bedecken mit astrak.

=be-ballasten,= (mit Ballast) beladen.

=be-barmen,= bejammern, Mitleid empfinden.

=be-bêden,= mit einer Abgabe *(bede)* belasten, eine *bede* fordern von jem.

=be-bilden,= mit einem Bilde versehen.

=be-billigen,= billigen, gutheissen.

=be-binden,= verbinden; refl. sich verbinden, ein Bündnis machen. -- *bebundene tît,* Zeit, wo kein Gericht gehalten wird, Gerichtsferien.

=be-bindinge,= Verbindung.

=be-blanken,= s. be-planken.

=be-bloden,= mit Blut bedecken, blutig machen.

=be-bode (-bot),= Ladung durch einen Boten.

=be-boden,= durch Boten zusammenrufen, vorladen, entbieten.

=be-bode (bot) schappen,= benachrichtigen.

=be-bolwerken,= mit einem Bollwerk versehen.

=be-bonen,= mit einem *bone* (Bühne) versehen.

=be-borgen,= durch Bürgen Sicherheit stellen wofür.

=be-bosemen,= 1. die Verwandschaft bestimmen; nachweisen, dass man zu einer Familie gehört. 2. als Eigenmann in Anspruch nehmen, Beweis der Leibeigenschaft gegen jem. erbringen.

=be-brêden,= überbreiten, bedecken.

=be-breken,= ab-brechen, verkürzen.

=be-bremen,= verbrämen.

=be-brêven,= 1. verbriefen. 2. brieflich vorladen.

=be-buwen,= 1. durch einen Bau jemandes Eigentum etc. benachteiligen. 2. mit Heeresmacht einschliessen, belagern.

=beck,= m. Schnabel, Maul.

=beckbere,= Bickbeere, Heidelbeere.

=beckede,= n. soviel der Bäcker auf einmal backt.

=becken,= n. Becken; Schüssel.

=becken-sleger,= Beckenschläger, faber pelvium.

=becken-werchte, -werte, -werke= = becken-sleger.

=beckmuller,= Müller, der zugleich Bäcker ist??

=be-cruzigen,= das Kreuz auf ein Haus stecken, als Kündigung und Anzeige des Hausarrestes.

=be-dacht,= eingedenk.

=be-dacht,= f. Bedenken, Bedenkzeit.

=bedachte,= Prät. zu be-derven.

=be-dachtingen= = bedagedingen, s. bedegedingen.

=be-dachtnisse,= s. bedechtnisse.

=be-dagen,= sw. v. 1. intr. tagen, zu Tage kommen, erscheinen; fällig werden; zu seinen Tagen kommen, alt werden. 2. trans. einen Tag festsetzen; zu einem Tage fordern, vorladen; befristen, gegen Bürgschaft frei geben. -- Part. *bedaget,* von Zinsen und Renten etc., deren Fälligkeitstermin bereits erschienen ist.

=be-daginge,= Fälligkeitstermin.

=be-danken,= 1. danken wofür. 2. zu Dank verpflichten.

=be-dassen?=

=bedde,= n. Bett, bes. Braut-, Ehebett; *dat b. is broken,* eins der Eheleute ist gestorben; *dat b. breken* wird auch von der zur zweiten Ehe schreitenden Witwe (oder Witwer) gesagt.

=bedde-bringe,= die Setzung (des Brautpaares) in das Bett.

=bedde-kleder,= Bettzeug, -gewand.

=bedde-mome,= spöttisch: Concubine.

=bedde-munt,= eine von Leibeignen, die sich verheirateten, oder fleischlich vergiengen, dem Herrn zu zahlende Abgabe.

=bedden,= sw. v. betten, das Bett machen.

=bedde-note, -genote,= Bettgenossin, Ehefrau.

=bedde-rede, -redich,= bettlägerig.

=bedde-rese, -resich, -resk,= bettlägerig.

=bedde-schrage,= Bettgestell.

=bedde-sêk,= bett-siech, d. i. bettlägerig.

=bedde-selm,= die vordere Seitenwand, das vordere Brett der festen in der Wand angebrachten Bettstelle.

=bedde-stede,= Bettstelle.

=bedde-vrouwe,= Bettgenossin.

=bedde-war,= Bettzeug.

=bede,= f. 1. Bitte, Gebet. 2. Abgabe (erst erbeten, dann üblich, zuletzt pflichtmässig geleistet). 3. ein Bitt-, Almosenbrett?

=bede (beide),= n. Gebiet, districtus, jurisdictio.

=bede-bôk,= Gebet-Buch.

=bede-brêf,= Bitt-brief, Empfehlungsschreiben.

=bedechte= = bedochte, bedorfte, s. bedorven.

=bedechtich,= eingedenk.

=be-dechtliken,= im Gedächtnis, memoriter.

=bedecht-, bedachtnisse,= Gedächtnis, Andenken.

=bedeck= (m. u. n.) und =bedeckels,= Decke, Umhüllung.

=be-decken,= mit einer Decke, Umhüllung versehen; verdecken. Bildlich: beschützen.

=be-deckinge,= Verhüllung; bildlich: Verstellung.

=be-dedingen, -dadingen,= s. be-degedingen.

=be-degedinge,= _Verhandlung, *placitatio;* gerichtliche Anklage._

=be-degedingen, -dagedingen, -dachtingen,= 1. verabreden, unterhandeln, *placitare,* durch Unterhandlung festsetzen. 2. durch Vertrag mit einschliessen. 3. auf einen Tag vorladen vor Gericht, anklagen, gerichtlich belangen.

=bédeger, bediger (bidiger),= m. Gebieter, bes. vom Vorgesetzten eines Ordenshauses, -gebietes (Gebietiger).

=bédeken,= n. Gebetlein.

=bede-korn,= Kornabgabe.

=bedel-bret,= Bettel-bret (zum Empfange von Almosen etc. in Kirchen aufgestellt.)

=bedel-dach,= Bettag. Im Plur. bes. die Bet-, Bittwoche, Kreuzwoche, s. cruce-weke.

=be-dêlen,= teilhaftig machen, begaben.

=bédelen,= sw. v. betteln.

=bedeler,= m. 1. Beter. 2. Bitter, Bettler.

=bedel-gelt,= Bettel-, Almosengeld.

=bedelik,= erbittlich, exorabilis.

=bedeliken,= adv. flehentlich, suppliciter.

=bedel-klocke,= Betglocke.

=bedelle= = albedelle, s. o.

=bedel-, bedemisse,= Betmesse (um die göttliche Hülfe anzuflehen).

=bede-los,= frei von *bede,* Abgabe.

=bedelt,= n. (das Erbettelte), das mit dem Klingelbeutel gesammelte Geld; der Klingelbeutel.

=be-delven,= graben (z. B. einen Brunnen etc.).

=bêden,= st. v. 1. bieten, an-, darbieten. 2. gebieten; auch mit Präp. *an, over (bedet over uns,* bes. am Schlusse der Briefe). 3. entbieten, laden. 4. refl. sich erbieten zu etwas.

=beden,= sw. v. beten; häufig refl.

=beden,= sw. v. bähen, vgl. begen.

=bedenk,= n. Bedenken, Erwägung.

=be-denken,= 1. bedenken, erwägen, 2. in Herz und Sinn haben. 3. sich entsinnen. 4. erdenken, aussinnen. 5. in Verdacht haben. 6. jem. mit etwas bedenken d. h. beschenken.

=be-denkinge,= Erwägung, meditatio.

=be-denklich,= mit Bedacht.

=be-dênsthaftich,= dienstfertig.

=be-dênstlik,= dienstbar, familiaris.

=bede-paternoster,= Rosenkranz.

=bêder,= m. Gebieter, Herr.

=beder,= m. Beter.

=bêder,= bieder (erst spätniederd.)

=bederve (bethereve), bedderve, bedarve, berve, birve,= nützlich, tüchtig, gut, rechtschaffen, gew. von Personen, selten von Sachen.

=bederf, -dorf,= n. Bedarf, Nutzung.

=bedervelik,= tüchtig, gut, probus.

=be-derven, -darven, -dorven,= 1. bedürfen, nötig haben. 2. benutzen, gebrauchen -- Prät. auch *bedachte, bedochte* u. bedechte.

=be-derven,= berauben, plündern.

=be-dervicheit, -derfheit,= Tüchtigkeit, Rechtschaffenheit, probitas.

=bede-salich, -selich,= einer, dessen Bitte erhört wird.

=bede-schat,= Abgabe, Zahlung einer bede.

=bede-stock,= Bettelstab.

=bede-tafel,= Almosenbret = bedelbret.

=bede-vart,= Bittgang, Wallfahrt.

=bedi= (mhd. *bêdiu, bediu),* deshalb, weil.

=bedich,= bittend?

=bedichte,= dicht, häufig, heftig, *crebro.* vgl. gedichte.

=be-dichten,= 1. erdichten, erfinden, erdenken. 2. in einem Gedichte verspotten. 3. abfassen, darstellen.

=be-dichtenisse,= Erdichtung, Erfindung.

=be-die,= Gedeihen.

=be-dien, -digen,= gedeihen, gelingen, (gut) ausschlagen; zu etwas gedeihen, werden; trans. zum Gedeihen, Gelingen bringen.

=bédinge,= das Beten.

=be-dingen,= 1. verhandeln, durch Verhandlung festsetzen und bestimmen, *placitare.* 2. protestieren, appellieren.

=be-dinkpalen,= sich verwahren, sichern beim Rechtsprechen vor etwaigen Nachteilen.

=bedinkstadelen,= vor Gericht laden oder stellen.

=bedochte,= Prät. zu be-derven.

=be-dôn,= bedecken; (euphem.) verunreinigen, bes. refl.

=be-doren,= bethören, betrügen.

=be-doveken,= mit Fass-Dauben versehen.

=be-doven,= schw. v. betäuben.

=be-doven,= s. beduven.

=be-dragen,= 1. anklagen (beschmutzen), *velschlik b., calumniare.* 2. mit einer Beschuldigung überführen. 3. ertragen?

=be-drangsaligen,= bedrängen.

=be-drank,= m. Bedrängung.

=be-drêch,= m. Betrug.

=be-drêchlicheit,= Betrüglichkeit.

=be-drêchnisse,= Betrug.

=be-drêchster,= Betrüger(in).

=be-drêgen,= betrügen.

=be-drêginge,= Betrug.

=be-drengen, -drangen,= in Drang und Not bringen.

=be-drenglik,= dringlich, urgens.

=be-dreplik,= bedeutend, belangreich, gross.

=be-drinken,= mit einem Trinkgelage besiegeln.

=be-driten,= bescheissen; bildl. betrügen.

=be-drîf,= n. Thätigkeit, Betreiben, Geschäft.

=be-drive,= thätig.

=be-driven,= betreiben, ausrichten; bewirtschaften (Acker etc.)

=be-driven,= adj. *(= bedrivende),* thätig.

=be-driverne,= der etwas eifrig betreibt, rührig.

=be-dropen,= betropfen.

=be-drovelik,= Betrübnis erregend.

=be-droven,= betrüben.

=be-drovenisse,= Betrübtheit, Schmerz.

=be-drovich,= betrübt.

=be-druck= u. =be-druckheit,= Bedrücktheit, Not, Angst.

=be-drucken,= bedrücken.

=be-druckenisse,= Bedrücktheit, Not.

=be-drunten,= aufgeschwollen, turgidus.

=be-drusemen,= ersticken.

=be-dude,= Deutung.

=be-duden,= bedeuten, deuten, auslegen.

=be-dudenisse,= Deutung, Auslegung.

=be-duder,= Ausleger.

=be-duderen?=

=be-dudinge,= Auslegung.

=be-duken,= eintauchen.

=be-dulden,= gedulden; aufschieben.

=be-dunkeren,= dunkel machen; intrans. dunkel werden.

=be-duren,= refl. beteuern.

=bedurwerken,= sticken, acu pingere.

=be-dusen,= betäuben.

=be-dusinge,= Betäubung.

=(be-duven),= überschüttet, bedeckt werden; bes. im Part. *bedoven, -daven,* (bes.) von Wasser bedeckt.

=be-duvenisse,= Überschüttung, Erstickung.

=be-dwank,= Zwang.

=be-dwelen,= sich verirren.

=be-dwelinge,= Verirrung; Irrtum, Ketzerei.

=be-dwernachten= = over de dwere nacht holden, s. dwernacht.

=be-dwingen,= zwingen, unterwerfen.

=be-dwungeliken,= gezwungener Weise.

=be-ebben,= von der Ebbe überrascht werden, bei der Ebbe zurückbleiben.

=be-eden, -eiden,= beeiden, eidlich geloben; einen Eid worauf leisten.

=be-egenen,= als Eigentum überweisen, vereignen.

=be-enxtigen= = beanxten.

=be-erden,= beerdigen.

=be-ervedelen (-erfdelen),= das Erbteil einziehen, vom Nachlass eines Hörigen.

=be-erven,= einen Erben bestellen, zu Erben einsetzen; vererben; *beervet,* dem Erbgüter zugefallen sind, der etwas als Erbteil erhalten hat.

=be-ervenen= = beerven.

=be-ewigen,= verewigen, auf immer fest machen.

=be-famer,= Schmäher, Lästerer.

=be-gaddern=, sammeln.

=be-gaden= (zu *gade, consors),* verheiraten.

=be-gaden,= 1. bearbeiten, in Stand setzen, ins Werk richten, besorgen, *disponere.* 2. bes. den Acker zur Saat zurecht machen, bestellen.

=be-gadinge,= Bestellung des Ackers.

=be-gân,= 1. trans. begehen, auf-, über-, an etwas hin und her gehen; gehend erreichen, betreffen, überfallen; ins Werk setzen, anfangen, thun; feiern (Feste, bes. Exequien u. Anniversarien). -- *begân sîn,* bestürzt, verlegen, betroffen sein. 2. refl. (mit Gen. oder *von, mit)* sich womit beschäftigen, sich wovon nähren, leben wovon; das Leben führen.

=be-gange,= im Gange seiend, s. begenge.

=be-gapen,= mit offenem Munde begierig und lüstern ansehen, nach etwas trachten.

=be-gasten,= Gäste bei jemand einlegen, einquartieren.

=be-gavelik,= pass. begabt, gelehrig, docilis.

=be-gaven,= beschenken.

=be-gecken,= zum Narren, zum Besten haben.

=be-geckinge,= Verhöhnung.

=be-gedelik,= passend; s. gadelik.

=be-gegenen, -jegenen, -gegen,= sw. v. begegnen; widerfahren.

=begen= sw. v. bähen, feuchtwarme Umschläge machen, befeuchten.

=be-gên= (= be-jehen), gestehen.

=be-genge,= gangbar, im Gange seiend; üblich, gewöhnlich.

=be-gênisse= = begegenisse? was einem begegnet, Schicksal, Unglücksfall?

=be-ger= und =be-gerte,= f. Begierde, Lust, Verlangen.

=be-gerich,= begierig.

=be-geringe,= dringender Wunsch.

=be-genknisse,= Leichenbegängnis; Seelmesse.

=be-gerlicheit,= Begehr, Bitte; (Gemüts)neigung.

=be-gerlik,= was begehrt, gewünscht wird, lieblich. 2. begehrend, dringend.

=be-gerliken,= dringend. b. bidden.

=be-gestigen= = begasten.

=be-geten,= 1. begiessen. 2. beschmieren. 3. eingiessen.

=be-geven,= 1. trans. verlassen, aufgeben (auch mit Gen.); abs. ins Kloster geben; erlassen, von sich geben. 2. intrans. hinschwinden, schwach werden. 3. refl. sich wohin begeben; bes. die Welt verlassen und in ein Kloster gehen; daher *begevene lude,* Mönche und Nonnen; verzichten, verlassen (mit Gen.); sich ergeben; schwach werden, hinschwinden; sich begeben, sich zutragen.

=be-gevinge,= das Verlassen der Welt, der Eintritt in ein Kloster etc.

=be-gichten,= bekennen, zugestehen.

=be-gichter,= Beichtiger, Beichtvater.

=be-gier= = be-gere, gere, Saum, Rand, Besatz?

=be-giften= u. =be-giftigen,= beschenken, dotieren.

=be-giftiger,= Beschenker, Stifter, donator.

=be-giftinge,= Beschenkung.

=be-giftnisse= = begiftinge.

=be-gin, -ginne,= n. Anfang.

=begine,= Begine, Laienschwester.

=begine,= verschnittenes Mutterschwein.

=beginen-konink,= Schweinschneidermeister, der über das *beginen* (verschneiden) gesetzt ist.

=begingin,= Dem. zu *begine,* Beginchen.

=be-ginnen,= st. v. 1. beginnen, anfangen, unternehmen, mit Gen. u. Acc., mit Infin. (mit oder ohne *to).* 2. refl. anfangen.

=be-ginner,= Urheber, Stifter.

=be-ginnisse= = begenge-, begenknisse.

=be-ginsel,= n. Anfang.

=be-gissen,= Vermutung, Verdacht auf jem. haben; *begisset werden,* in Verdacht stehen, verleumdet werden.

=be-glinden,= mit einem *glint* (Geländer, Plankenwerk etc.) versehen.

=be-gnaden,= 1. intr. gnädig sein. 2. trans. begnadigen, beschenken.

=be-gnadinge,= Begnadung, Beschenkung.

=be-gnagen (-knagen),= benagen.

=be-gnedigen,= gnädig gewähren.

=be-gnugich,= zufrieden.

=be-goden= (= be-guden), eine Gabe (Gnade etc.) geben.

=be-gokelen,= Gaukelei treiben, s. be-kochelen.

=be-gorden, -gordelen,= begürten.

=be-gouwen,= überschnellen, überlisten.

=be-graven,= 1. mit Gräben durchziehen; mit Gräben umziehen, umgeben (bes. zum Zweck der Belagerung einer Stadt); Gräben, Wälle, Schanzen aufwerfen. 2. begraben, unter die Erde bringen; bildlich: abmachen, beendigen.

=be-gravenisse,= Begräbnis.

=be-gravinge,= Begräbnis.

=be-grîp, -grêp,= 1. das Ergreifen. 2. Umfang, Gebiet, Bezirk; bildlich: Vertrag. 3. Absicht, Gedanke; Hinterhalt, Betrug. 4. Tadel *(correptio); sunder b.,* ohne getadelt zu werden, rechtmässig, irreprehensibilis.

=be-gripech,= räuberisch, rapax.

=be-gripelik,= 1. im Stande zu ergreifen. 2. wer oder was zu *begrîpen,* tadeln, ist, tadelnswert.

=be-gripen,= 1. ergreifen, fassen, besetzen; ertappen; betreffen. Vielfach bildlich, z. B. *dat stant b.,* Stand halten; *de were b.,* sich zur Wehr setzen, *ene klage b.,* anhängig machen u. a. 2. umfassen, einschliessen, *continere, concludere.* 3. in Gedanken ergreifen, ersinnen, fassen, begreifen. 4. (in Worte) fassen, bestimmen, *concipere.* 5. den Umfang festsetzen, gründen. 6. festhalten, behaupten; *mit sineme ede b.,* eidlich versichern. 7. tadeln, *corripere.* -- Refl. *sik b. mit,* handgemein werden, *congredi; sik b. an,* sich vergreifen, sich halten an jem. Mit Gen. versprechen, sich anheischig machen.

=be-griper,= Tadler, reprehensor.

=be-gripinge,= das Ergreifen, Beschluss; Feststellung; Anordnung, Bestimmung; Gründung.

=be-grîpsam,= begreifend, fähig zu erfassen.

=be-groten,= 1. begrüssen. 2. die Grösse von etwas festsetzen, taxieren, schätzen.

=be-grotinge,= Begrüssung.

=be-guden,= 1. mit Gütern versehen; *be-gudet* begütert. 2. abfinden.

=be-guderen= = beguden.

=be-gudigen= = beguden.

=be-gudinge,= Beschenkung.

=be-gulden,= mit einer Gülte versehen.

=be-gunnen,= vergönnen, bewilligen.

=be-hach,= n. Behagen, Gefallen, Belieben.

=be-hachten= = be-haften. behacht wesen, die Haftpflicht haben, verantwortlich sein.

=be-haften,= in Haft nehmen.

=be-haftunge,= Verhaftung.

=be-hagel,= anmutig, gefällig.

=be-hagen,= mit einer Hecke (einem Hagen) umgeben.

=be-hagen,= gefallen; refl. woran Gefallen finden, sich freuen.

=be-hagen= (= be-hagende), gefallend, behaglich.

=be-hâl,= n. 1. Versteck. 2. Hinterhalt, List; Beeinträchtigung.

=be-halden,= s. beholden.

=be-halen,= 1. einholen, überholen. 2. übervorteilen, betrügen, beeinträchtigen.

=be-halinge,= Übervorteilung, Betrügerei.

=be-halnisse= (= behaldenisse?) Haft.

=be-haltaftich= werden, etwas bekommen.

=be-halven= (zu *halve,* Seite), sw. v. von allen Seiten umgeben, umringen.

=be-halven, -halver,= (zur Seite oder bei Seite gesetzt) ausgenommen, ausser; noch verstärkt durch ûtgesecht.

=be-hande,= bei der Hand, gegenwärtig, nahe; geschickt, fein.

=be-handelen,= einhändigen.

=be-handen,= 1. in die Hände bekommen, habhaft werden. 2. in die Hände liefern. 3. jem. belehnen.

=be-hangen,= hängen bleiben.

=be-hanthaven,= schützen, verteidigen.

=be-hanthaveninge,= Schutz.

=be-hantreken,= in die Hände geben, presentare.

=be-hantstrecken,= durch Handschlag geloben.

=be-hantvesten,= in Verhaft halten.

=be-harden,= s. be-herden.

=be-haten,= Hass hegen, hassen.

=be-hebben,= erreichen, bekommen, sich zu eigen machen.

=be-hechten= u. =be-heften=, einschliessen, fest machen.

=be-hechtunge, -heftunge,= Einschliessung.

=be-heftich,= heftig, gewaltig.

=be-hegelicheit,= Behaglichkeit, Lust, Wolgefallen.

=be-hegelik,= 1. günstig, geneigt, *favorosus.* 2. behaglich, angenehm, lieb; adv. =be-hegeliken,= mit Behagen, gern.

=be-hegen= (= behagen), mit einer Hecke versehen, einhegen.

=be-heilsamen,= das Heil jemandes suchen und befördern; refl. sein eignes Interesse im Auge haben.

=be-heimen,= Heimat geben, ins Haus aufnehmen.

=be-helder,= Inhaber, Besitzer.

=be-helich= = be-hegelich; =be-helicheit= = behegelicheit.

=be-help, -hulp,= m. 1. Hülfe. 2. Vorwand, (Rechts)ausrede.

=be-helpen,= 1. helfen. 2. mit Gen. zu etwas verhelfen, mit der Präp. *van,* befreien von, abhelfen. 3. refl. sich Schutz, Hülfe verschaffen, sich verteidigen, schützen; *sik des schaden b.,* Ersatz des Schadens suchen; seinen Lebensunterhalt suchen, seiner Nahrung nachgehen; sich womit befassen; im rechtl. Sinn: sich eines Behelfs bedienen, Exception machen. -- be-helpen, -holpen, -hulpen sîn = helpen.

=be-helperede= = helpe-, hulperede.

=be-helpich,= behülflich.

=be-helpinge= = behelp.

=be-helplik,= behülflich.

=be-helsen,= umhalsen, umarmen.

=be-heltenisse,= 1. Erhaltung, Wohl, *salus.* 2. Vorbehalt, *reservatio;* auch adv. mit Vorbehalt.

=be-hemelen,= heimisch, vertraut, freundlich machen.

=be-hemel(i)cheit,= Liebmachung, Gefallen.

=be-hemmen,= hindern, festhalten, impedire, retinere.

=be-hende,= 1. von Sachen: fein, geschickt, *subtilis.* 2. von Personen: listig, schlau, gewandt. -- adv. mit Geschick.

=be-hendicheit,= Klugheit, Gewandtheit, List.

=be-hendich(-ec)liken,= mit Geschick.

=be-herbergen,= in eine Herberge bringen; bequartieren, mit Einquartierung belegen.

=be-herden, -harden,= 1. ergreifen, festnehmen. 2. behaupten, sichern. 3. bestärken, stützen. Intr. ausdauern, verharren.

=be-herdinge,= Ausdauer, Beständigkeit.

=be-herdisch,= mit einem Erbzins belastet, emphyteuticus.

=be-heren,= 1. als Herr regieren, beherschen. 2. als Herr beschützen.

=be-hessen,= behetzen, (Jagd ausüben).

=be-hêt, -heit,= Geheiss.

=be-heten,= heissen, verheissen, in Aussicht stellen, drohen.

=be-hilliken, -hilken,= 1. verheiraten. 2. sich verheiraten. 3. erheiraten.

=be-hinderen,= 1. verhinderen. 2. hemmen, festhalten.

=be-hode,= Hut, Achtsamkeit.

=be-hodelik, -hotlik,= behutsam.

=be-hoden, -huden,= _1. mit Vieh beweiden. 2. beschützen, bewahren, 3. be-, verdecken._

=be-hodenisse, -hotnisse,= Beschützung.

=be-hoder,= Behüter; =behodersche= u. =behodester,= Beschützerin.

=be-holde= = beholt, Rettung, Seligkeit.

=be-holdelik, -holtlik,= vorbehältlich.

=be-holden, -halden,= 1. festhalten, in Besitz behalten; abs. (die Pferde festhalten) still halten, 2. behaupten, behalten; aufbewahren, gefangen halten. 3. erhalten, bekommen; überwinden, erobern. 4. erhalten, beschützen; *sik b.,* sich erhalten, sich nähren. -- Im jurist. Sinn: als Verpflichtung behalten, verpflichtet sein; vorbehalten, reservieren (Part. abs. *beholden* mit Gen. *[des], dat,* mit Vorbehalt, ausgenommen); durch Beweis (Eid oder Zeugen) behaupten, beweisen.

=be-holder,= Bewahrer, Beschützer, Heiland.

=be-holdinge,= Erhaltung, Bewahrung.

=be-holt, -halt,= _n. 1. Aufenthalt. 2. Besitz, *detentio;* Gewahrsam, Gefängnis, 3. Behälter, Verschluss; Bereich, Bezirk. 4. Sicherheit, Schutz, Rettung_ = salus.

=be-holten,= beholzen; refl. seine Holznutzung woraus ziehen.

=be-holtenisse,= 1. Versteck, *latibulum.* 2. Vorbehalt.

=be-honen,= verhöhnen.

=be-hônslagen= = behonen.

=be-hôr,= Gebühr; Gehörigkeit.

=be-hôrde,= Gebühr; (u. Gehör, Gehorsam?)

=be-horen,= _1. hören (anhören). 2. verhören, *causam cognoscere.* 3. zugehören, zukommen, gebühren. 4. refl. sich ziemen, sich gehören._

=be-horen, -huren,= (zur Hure machen), vitiare feminam.

=be-hôrhaftich,= hörig.

=be-horich,= 1. zugehörig. 2. gehorsam, folgsam.

=be-horinge,= Hörigkeit.

=be-hôrlik,= 1. zugehörig, 2. gehörig, geziemend.

=be-hôrliken,= rite recteque.

=be-hôrsam,= Gehorsam.

=be-hôrsam,= gehorsam.

=behurt,= s. bohurt.

=be-houwen,= behauen; techn. Ausdruck in der Weberei: vor dem Färben mit einem Eisen ein Merkzeichen in das Tuch schlagen, es zeichnen, Refl. sich durch Verhaue schützen.

=be-hôf,= n. und f. Behuf, Bedürfnis, Notdurft.

=be-hôflicheit= = behôfte.

=be-hôfte,= f. Bedürfnis.

=be-hôfte,= notwendig.

=be-hôftich,= bedürftig.

=be-hoveden,= bewahrheiten, bekräftigen.

=be-hoven,= bedürfen, nötig haben, gew. mit Gen.

=be-hoverne,= bedürftig, indigens.

=be-hovich,= bedürftig.

=be-hovicheit,= Dürftigkeit, egestas.

=be-huchelen,= belachen, verspotten.

=be-huden,= s. behoden.

=be-hudester,= s. behodester.

=be-hulden,= die Huldigung (Huldigungseid) leisten; Part. *be-huldet,* der den Huldigungseid geleistet hat.

=be-hulen=, bejammern.

=be-hulp,= s. behelp.

=be-hulpe= u. =be-hulpen,= behülflich.

=be-hulpelik,= hülfreich, behülflich.

=be-hulpich= = behulpelik.

=be-hulvern,= laut bejammern.

=be-huren,= s. behoren.

=be-husen,= 1. trans. beherbergen. 2. intr. wohnen, sich niederlassen; zu Hause sein, sich in Haushaft halten.

=be-husinge,= Behausung, Wohnung.

=be-jach,= n. Erwerb.

=be-jagen,= 1. jagend verfolgen, 2. erjagen, erwerben. *de nôt b.,* das was nötig ist (Lebensbedürfnisse) besorgen.

=bejaringe,= jahrelanger Besitz.

=be-jârscharen,= sw. v. eine Jahresfrist lang benützen.

=be-jaworden,= sw. v. sein Jawort zu etwas geben, genehmigen.

=be-jegenen= = begegenen.

=be-jenen,= begähnen, den Mund gegen etwas aufsperren.

=bei-beren,= Bick-, Heidelbeeren.

=beide (bêde),= beide; adv. mit nachfolgendem *unde,* sowol -- als auch; *beide* erstreckt sich auch auf drei, ja vier Glieder.

=beidelik= (= weidelik?), spectabilis, edel, vornehm.

=beiden,= warten; mit Gen. oder mit *na* und mit.

=beiderwant (beidelwant),= Tuch von Lein und Wolle.

=beidicheit,= Warten, Verzug.

=beidinge,= (bange) Erwartung.

=beie, bie,= s. bene.

=beien, beigen,= sw. v. bähen.

=beier,= Eber, s. bêr.

=beiern (beigern),= sw. v. die eine Seite der Glocke mit dem Klöppel anschlagen (meist in frequentativer Bewegung), bacillare.

=beigel-, beielwant= = beiderwant.

=be-insegelen,= besiegelen.

=be-isen,= be-eisen, vom Eise reinigen.

=beiten (bêten),= sw. v. mit Falken jagen.

=be-kallen,= 1. besprechen, verabreden. 2. bereden, überreden.

=be-kallinge,= Besprechung, Verabredung.

=be-kans= (= bi kanse, engl. *by chance),* vielleicht, ungefähr.

=bekant,= 1. act. kennend, wissend. *b. wesen (stân),* mit Gen. eingestehen, bekennen. 2. pass, bekannt. -- Im jurist. Sinn: sich (durch eine feste Abgabe, Recognition) als pflichtig, abhängig bekennend.

=be-kantenisse, -kentenisse,= 1. Erkentnis. 2. Kentnis. 3. Bekentnis, Beichte. 4. Zusage, Jawort (eines Mädchens). 5. Recognition (feste Abgabe) als Zeichen der Abhängigkeit; dann überh. Gabe freundlicher Abhängigkeit und Dankbarkeit, Erkentlichkeit. 6. Zeugnis.

=be-kanntnisbrêf,= Urkunde, in der man sich zu einer Schuld etc. bekennt.

=be-kantheit,= Er-, Bekentnis.

=be-kappet,= mit einem Klostergewande *(kappe)* versehen.

=be-kargen,= 1. kargend zusammenbringen. 2. beknausern.

=be-karmen,= bejammern.

=be-karminge,= Bejammerung.

=beke,= f. und m. Bach.

=be-keden,= beketten, mit Ketten versehen.

=bekeler,= fructus oliue vel laurium vel omnium siluestrium arborum. Ndl. *baeckelaer* aus bacca lauri.

=be-kennen,= 1. erkennen, durch Sinn oder Geist wahrnehmen. 2. kennen lernen, erfahren. 3. kennen. 4. erkennen (in biblischem Sinn), *concumbere.* 5. bekennen, eingestehen. 6. anerkennen (einen Herren, die Rechte, den Besitz, eine Schuld etc.)

=be-kenner,= Erkenner, Kenner etc.

=be-kennester= = bekennich.

=be-kennich,= 1. geständig. 2. zum Zugeständnis, zur Anerkennung bereit oder verpflichtet.

=be-kenninge,= 1. Erkentnis, Kentnis. 2. Bekentnis. 3. = bekantenisse.

=be-kentlik,= 1. eingeständig. 2. erkennbar; bekannt.

=be-kentliken,= bekanterweise; öffentlich.

=be-kentnisse,= s. bekantnisse.

=beker,= m. Becher; als bestimtes Mass für flüssige und trockene Dinge.

=be-keren,= _1. anlegen, (Geld) anwenden. 2. bekehren, im theol. Sinn; refl. im medic. Sinn: genesen, besser werden._

=békerer,= Bechermacher.

=beker-gôt,= Begiessung mit dem Inhalt des Bechers.

=beker-maker,= Bechermacher.

=beke-stouwe,= Bachstauung.

=be-kiken,= 1. intr. hineinsehen. 2. trans. begucken, beschauen.

=be-kilen,= mit Keilen befestigen.

=be-kinden,= _1. *bekindet sîn,* Kinder haben. 2. *sik b. mit,* Kinder zeugen._

=be-kiven,= 1. bestreiten, bekämpfen. 2. wofür streiten, erkämpfen. 2. (bekeifen), ausschelten, increpare.

=be-klach,= Klage.

=be-klagen,= 1. beklagen. 2. anklagen. 3. Klage über etwas erheben vor jem. -- Auch refl. in diesem Sinn.

=be-klappen, -klaffen,= anschuldigen, verklagen; anschwärzen.

=be-klapper,= Ankläger, Verleumder.

=be-kleden,= 1. bekleiden. 2. im gerichtl. Sinn: die Bank, den Gerichtsstuhl bekleiden, als Richter fungieren; überh. eine Stelle, ein Amt bekleiden. Bildl.: bemänteln.

=be-kleimen,= beschmieren, bestreichen.

=be-klemmen,= umspannen; einschliessen.

=be-klicken,= mit Schmutz besprützen; bildl.: verleumden.

=be-klickeren= = beklicken.

=be-klivelik,= ansteckend.

=be-kliven,= kleben; ankleben, anhaften; von Bäumen: Wurzel schlagen; vom Feuer: haften bleiben; von Krankheiten: ansteckend sein.

=be-kloken,= überlisten, betrügen.

=be-kluven,= beklauben.

=be-knicken,= durch geknickte, gefällte Bäume einschliessen.

=be-knien,= das Knie, d. h. den Grad der Verwandtschaft rechnen und angeben.

=be-knipen,= kneifen, peinigen.

=be-kochelen,= begaukeln.

=be-kolden,= kalt werden.

=be-kolen,= kühl machen, kühlen.

=be-komen,= 1. intr. bequem sein, passen, (wol oder übel) anschlagen, gereichen; gefallen; werden (wie engl. *become);* begegnen. 2. trans. bekommen (in die Gewalt), erreichen, mit Acc. u. Gen. Refl. zu einer Sache (Person) kommen; sich erholen (schadlos halten).

=be-komte,= das Bequem-sein, Gefallen.

=be-kopen,= 1. einkaufen. 2. bezahlen, büssen. 3. im Kauf betrügen, übervorteilen.

=be-koren= (= be-koderen?) 1. versuchen, in Versuchung führen (beschwatzen). 2. untersuchen, prüfen. 3. ansuchen, bitten (bereden).

=be-koringe,= 1. Versuchung. 2. Ansuchung, Bitte.

=be-kosten,= die Kosten tragen; bes. für den Unterhalt; refl. sich in Kosten setzen, Aufwand machen.

=be-kostigen= = bekosten.

=be-kostinge,= das Tragen der Kosten, (Geld)aufwand.

=be-koveren,= erholen, gewinnen, bekommen = erkoveren.

=be-kreften, -krechten, -krachten,= 1. mit Gewalt nehmen, unterwerfen. 2. (mit Gewalt) schützen.

=be-kreftigen, -krechtigen= = bekreften.

=be-krenken,= krank d. h. schwach machen, schwächen.

=be-krigen,= bekommen.

=be-krimpen= = behouwen? (im Wollengeschäft).

=be-kroden, -kruden,= hindern (durch Ansprache, Klage etc.)

=be-kronen,= Klage führen, conqueri.

=be-krummen,= umfassen, umarmen.

=be-krupen,= bekriechen, zu jem. kriechen; schwängern.

=be-kuderen (-koderen),= beschwatzen, durch Schwatzen bethören.

=be-kumberen, -kummeren,= 1. besetzen (einen Ort), *occupare.* 2. pfänden, mit Arrest, Beschlag belegen, anhalten, festnehmen. 3. *bekumbert sîn,* in Sorge, in Not sein; womit beschäftigt sein. 4. refl. Gemeinschaft, Verkehr haben mit, auch im sexuellen Sinn.

=be-kumberinge,= 1. Besetzung; Belästigung. 2. Beschäftigung.

=be-kumbernisse= = bekummeringe.

=be-kumpen,= refl. Compagnie machen mit jem.

=be-kurren (be-kuren),= bemurren, (heimlich) tadeln.

=be-lach,= s. *be-lech* u. belegenheit.

=be-lachen,= auslachen, verlachen.

=be-laden,= 1. belasten. 2. einladen.

=be-landen,= anlanden.

=be-landnisse,= Abgabe für die Bergung von Strandgut.

=be-langen,= 1. die Hand wornach ausstrecken, an sich bringen; verlangen; in jurist. Sinn: vor Gericht belangen. 2. refl. sich treffen, ereignen.

=belangen= = be-langende, anlangend, betreffend.

=be-langen,= adv. bei weitem; präp. längs, entlang.

=be-lank,= Belang, Bedeutung.

=be-last,= Belästigung; zur Last-legung, Beschimpfung.

=be-lasten,= beauftragen.

=be-lastern,= lästern, schmähen.

=be-lastich,= lästig.

=be-lât,= n. Stelle, Raum, wo man etwas (be)lässt.

=be-laten,= 1. belassen; ver-, zurücklassen. 2. hinterlassen, testamentarisch vermachen.

=be-latingbôk,= Vermächtnisbuch.

=be-latinge,= Vermächtnis.

=belde (belt), bilde (bilt),= n. 1. Bild (Marienbild am Almosenbret, Art Klingelbeutel). 2. Vorbild, Muster.

=belderen= = balderen.

=be-lach, belech,= n. Belagerung; = belegelicheit.

=be-lecherlik,= belachenswert.

=be-lechlik= = be-legelik.

=be-lêden (-leiden),= 1. Leid tragen, betrauern, beklagen. 2. leid machen, verleiden? s. auch beleiden.

=be-legelicheit,= Belegenheit; Plur. Zubehörungen, Pertinenzien.

=be-legelik, -lechlik,= gelegen; passend.

=be-legenheit,= Beschaffenheit.

=be-legenicheit= = belegelicheit.

=be-legen,= gelegen; passend, bequem.

=be-lêgen,= belügen, verleumden.

=be-legeringe= u. =beleger,= Belagerung.

=be-legern,= refl. sich lagern.

=be-legertûch,= Belagerungszeug.

=be-leggen (-legen),= 1. belegen, besetzen. 2. beschlafen. 3. herumlegen. 4. umzingeln, belagern. 5. niederlegen, deponieren (Geld), auf Zinsen legen. 6. ersetzen, entschädigen, bezahlen. 7. überlegen. 8. darlegen, beweisen; *ein ordêl b.,* ein Urteil bestätigen. 9. = *bileggen,* zur Seite setzen, entsetzen; abthun. Refl. sich niederlegen; *bi sinem ede,* eidlich erhärten.

=be-legginge,= _1. Belagerung. 2. Belegung, das Tuch, womit die Tische in den Ratszimmern belegt wurden._

=be-leiden (-lêden),= 1. begleiten. 2. sicheres Geleit geben. 3. verleiten, verführen. 4. leiten, einrichten, regeln.

=be-leiden,= beweisen, überführen (vgl. belien).

=be-leiden= (zu *leiden,* blitzen?) mit Blitzen treffen?

=be-leider,= Begleiter, Führer.

=be-leidigen,= 1. betrauern, beklagen. 2. Leid zufügen.

=be-leidunge,= 1. Führung; bildlich: Methode. 2. Vor-, Verführung?

=be-leitsagen,= führen, geleiten.

=be-lemen,= lähmen, lahm machen.

=be-lemmeren,= hindern, hemmen, occupare, impedire, molestare.

=be-lemmeringe,= Hindernis, Hemmung.

=be-lemmertheide,= Hemmung, Hindernis; Beschäftigung, occupatio.

=be-lenden,= _1. aufhören, enden. 2. = *belanden.* Refl. sich am Ufer anlanden, von der Alluvion._

=be-leren,= belehren.

=be-lerer,= Lehrer.

=be-lesen,= 1. auslesen; bes. ein techn. Ausdruck der Münzer: die schwereren Münzen auslesen. 2. einen Altar: die Messe an einem bestimten Altar lesen.

=be-leser,= des Altars: der die Verpflichtung hat, die Messe an einem bestimten Altar zu lesen.

=be-lesunge,= das Messelesen an einem Altare.

=be-let,= 1. Hindernis, *sunder b.,* ungesäumt; Beschäftigung, *occupatio.* 2. Ende. 3. die äusserste Verteidigungslinie.

=be-letsel,= n. Hindernis.

=be-letten,= hindern, aufhalten; mit Arrest belegen.

=be-lettinge,= Hindernis.

=be-lêfdicheit,= Höflichkeit (das Sich-lieb-machen).

=be-leven,= 1. intr. leben bleiben. 2. trans. erleben.

=be-lêven,= 1. lieb haben. 2. belieben, gutheissen, genehmigen. 3. intr. lieb sein, gefallen. 4. refl. sich lieb machen.

=be-lêver,= Liebhaber.

=be-lêvinge,= das Liebhaben, Gefallen.

=belgen,= sw. v. von dem Balge, der Schale etc. reinigen.

=be-lichtinge,= ein Name für das Fest der Reinigung Mariä (Lichtmesse).

=be-lien,= bekennen, aussagen (vgl. *beleiden);* mit Acc. u. Gen. Refl. *sik b. bi sinem ede,* eidlich erhärten (= sik beleggen).

=be-lien,= belehnen; s. be-ligen.

=be-lîfdingen,= sw. v. jem. ein Leibgedinge geben.

=be-lîftuchten,= sw. v. jem. Leibzucht, Leibgedinge geben.

=be-ligen, -lien,= belehnen; verleihen, zu Lehn geben.

=be-liggen,= 1. intr. liegen; liegen bleiben. 2. trans. belagern (= beleggen).

=be-ligger,= Ballier (Name eines obrigkeitlichen Amtes).

=be-ligginge,= Belagerung (= belegginge).

=be-liginge,= Verleihung, Belehnung.

=be-likenen, -liken,= mit Fug u. Recht zukommen; begleichen.

=be-limpe,= Glimpf habend, angenehm, gefallend.

=be-linigen,= 1. mit Linien beziehen. 2. die Verwandtschaftslinie nachweisen.

=be-listigen,= überlisten.

=belken= = bolken.

=belkere,= eine Art grobes Leinenzeug.

=belle,= Schelle.

=bellen,= sw. v. (die Schelle rühren), laut verkündigen.

=be-locken,= verlocken.

=be-lofte,= Versprechen.

=be-loften,= versprechen.

=be-loftenisse, -lofnisse,= Versprechen.

=be-loien (-logen),= Tücher, die bei der Wardierung gut befunden, mit einem bleiernen Stempel *(loie)* versehen.

=be-lonen,= lohnen; Lohn, Sold geben.

=be-loninge,= Löhnung.

=be-lônlik,= Lohn einbringend.

=be-lôp,= 1. Lauf. 2. Umfang. 3. Belauf, Höhe.

=be-lopen,= 1. belaufen, über etwas laufen; überströmen. 2. überraschen, ertappen, betreffen. 3. früher als ein anderer einnehmen und besetzen.

=be-lôf,= Versprechen; Glaube.

=be-loven,= 1. geloben, versprechen. 2. verloben. 3. glauben. 4. vertrauen, anvertrauen, creditieren.

=belter,= Lederarbeiter (= baltearius?)

=be-luchten,= beleuchten, eig. u. bildl.

=be-luden,= 1. verlauten, *b. laten,* laut werden lassen. 2. tr. über jem. etwas laut werden lassen, ihn verleumden.

=be-luken,= zuziehen, schliessen.

=be-lumen,= beleumunden.

=be-lumet,= Leumund, (üble) Nachrede.

=be-lustelik,= lieblich, anmutig.

=be-lusten,= 1. belustigen, ergötzen. 2. refl. seine Freude an etwas haben. Part. *belustet,* voll Lust u. Anmut.

=be-lustinge,= Behagen, Lust.

=be-lusteren,= behorchen, belauschen.

=be-luten,= beläuten; = beluden.

=be-lutteren,= declarieren; refl. *sik b. mit,* sich auseinandersetzen mit.

=be-maget,= verwandt.

=be-maken,= beschmutzen; vgl. be-dôn.

=be-malven,= einen Heereszug machen gegen jem.

=be-manen,= einfordern, einmahnen, reclamieren.

=be-maninge,= Einforderung.

=be-mannen,= 1. übermannen, überwältigen. 2. mit Mannschaft besetzen. 3. die *manschap,* den Lehnseid verlangen.

=be-mantelen,= bemänteln, verdecken.

=be-mechtigen,= ermächtigen.

=be-meieren (-meigeren),= 1. mit Meiern besetzen; *in meierstad ûtdôn.* 2. als Meier besitzen.

=be-meldinge,= Meldung, Aussage.

=bemesch,= böhmisch, *b. esel,* graues Tuch aus Böhmen; ein böhmischer Groschen.

=be-migen,= bepissen.

=bemoden= = be-moien.

=be-moien, -moigen, -mogen,= jem. Mühe, Arbeit schaffen, quälen.

=be-morgengaven, -morgaven,= mit einer Morgengabe ausstatten.

=be-morwen,= mürbe machen.

=be-muderen,= zu *muder, modder,* Moder werden.

=be-muren,= 1. mit einer Mauer versehen, umgeben. 2. einmauern.

=bên, bein,= n. 1. Knochen. 2. das ganze Geheglied, *to bene binden,* ans Bein binden d. i. für unbedeutend halten; *to bene komen,* auf die Beine, emporkommen.

=be-nachten,= über Nacht bleiben, *b. laten,* eine Nacht über etwas hingehen lassen.

=be-naken,= 1. nahe bringen, einhändigen. 2. refl. sich nähern, mit Gen. sich bemächtigen.

=be-nalen,= 1. nahe bringen, mitteilen; einhändigen. 2. intr. nahe kommen, sich nähern. 3. refl. sich nähern; mit Gen.: sich bemächtigen, bekommen; *to harnsche sik b.,* sich wappnen mit H.

=be-namen,= s. binamen.

=bendel,= n. Binde, schmales Band, Litze, Schnur, fascia.

=bendelt,= mit *bendel* versehen, belitzt, fasciatus.

=bendich,= was sich am Bande führen lässt, zahm.

=bendik?= bendiken Gläser, d. h.?

=bene, beine,= f. Biene.

=be-nêden,= wagen, sich erkühnen.

=be-nedden, -neden, -nedes,= adv. u. präp. unten, unter, unterhalb; eig. u. bildl.

=be-negen, -neien,= benähen, einnähen.

=beneken,= n. Bienchen und Beinchen.

=be-nemelik,= (mit Namen genannt), bestimt.

=be-nemeliken,= namentlich; besonders.

=be-nemen,= 1. mit Acc. d. P. berauben, plündern. 2. mit Dat. d. P. u. Acc. d. S. wegnehmen, entziehen, hindern. 3. mit Dat. d. P. u. Gen. d. S. (oder *van)* entlasten, befreien. 4. refl. sich wegnehmen, sich entfernen.

=be-neminge,= Wegnahme; Entlastung.

=benen,= beinern, von Knochen.

=be-nenen, -neinen,= sw. v. ableugnen.

=bene-net?= ..netz?

=be-nentlich,= mit Namen genannt; nominatim.

=be-nesten,= (ein Nest machen), sich einnisten.

=be-nêten,= geniessen.

=be-neven, -neffens,= adv. u. präp. neben.

=bên-harns,= Beinharnisch.

=bên-hûs,= Beinhaus, carnarium.

=be-niden,= beneiden, misgönnen.

=benît,= ein mit Schnüren etc. besetzter Hut, frz. bonnet.

=benk= = bank.

=benk-houwer,= der die Erde in rohen Klumpen auf die Bank schlägt? (beim Ziegel-, Steinbrennen).

=bennich,= im Banne befindlich.

=be-nôch, -noge,= n. Genüge.

=be-noden,= 1. nötig sein, und nötig haben, bedürfen. 2. nötigen, zwingen.

=be-nodicheide,= Bedrängnis.

=be-nodigen,= nötigen, bedrängen.

=be-nodiger,= Bedränger.

=be-nodinge,= Nötigung, Zwang.

=be-nogen,= 1. genügen (der Schuld), bezahlen. 2. refl. sich begnügen.

=be-nogent,= Genüge.

=be-noginge,= Genüge.

=be-nomachtich,= Namen (guten Ruf) habend.

=be-nome= (= binamen), fürwahr. (?)

=be-nomelik,= benannt.

=be-nomeliken,= 1. namentlich. 2. nemlich.

=be-nomen,= 1. mit Namen nennen. 2. namentlich, d. i. bestimt u. genau angeben. 3. bestimmen, festsetzen.

=benomet,= namhaft, berühmt.

=be- (bi)norden,= nördlich; ebenso beosten, besuden, bewesten etc.

=be-nouwen, -nauwen,= einengen, einschränken, in Not bringen, ängstigen.

=be-nouwinge,= Beengung; Angst.

=bên-rump,= Bienenkorb.

=bên-setich,= am Bein, d. i. Knochen festsitzend.

=bên-span,= Beinspange.

=bên- (bene-, benen-, bener)stok,= Bienenkorb, Beute, alveare.

=bên-suge,= Pflanze. apiaticum; stachys sylvatica.

=bent, bente= = wente, bis.

=bênte,= n. die Gebeine.

=bent-hake,= Bandhake (Werkzeug der Böttcher, um die Reife aufs Fass zu zwängen).

=bent-holt,= Bandholz, wie es die *bentsnidere* gebrauchen.

=bent-kanne,= eine mit Bändern belegte Kanne.

=bent-snider,= Bandschneider; sie verfertigten das Gebinde zu den Tonnen.

=be-nutteln,= (zu *notula)* in Schrift fassen, beurkunden.

=bên-wapen,= Beinharnisch.

=bênwelle,= eine Pflanze, anagallis. symphytum off.

=be-okenamen,= Beinamen, Schimpfnamen geben.

=be-olden,= alt werden.

=be-orden,= 1. im Münzwesen: die Stücke justieren. 2. in der Kirchensprache: regulieren (nach einer Regel ordnen).

=be-ordelen,= über jem. ein Urtel sprechen.

=be-orlêven,= erlauben, gestatten.

=be-orsaken,= verursachen.

=be-pachten,= mit Pacht beschweren.

=be-palen,= mit Pfählen versehen; refl. sich verbarrikadieren, verschanzen.

=be-pinen,= durch Arbeit erwerben.

=be-planken (-blanken),= mit Planken umgeben, vallare.

=be-planten,= bepflanzen.

=be-plichtigen,= zur Pflicht machen.

=be-plucken,= pflücken, rupfen.

=be-poten, -paten,= mit Pflänzlingen besetzen oder bepflanzen.

=be-potunge,= Bepflanzung.

=be-quellern,= refl. sich mit *queller* bedecken.

=be-queme, -quame,= 1. passend, geschickt, tauglich. 2. leutselig, gefällig, fügsam, folgsam. -- conveniens.

=be-queken,= lebendig machen.

=be-quemelik,= passend, schicklich, gefügig.

=be-quemen,= refl. sich passen, sich schicken.

=be-quemicheit, -heit,= 1. passende Gelegenheit. 2. Bequemlichkeit, Behagen. 3. Freundlichkeit.

=be-quinen,= arten, gedeihen, Wurzel schlagen, complexionari, naturari, prosperari.

=bêr (beir),= n. Bier.

=bêr (beier),= m. Eber, Zuchteber.

=be-raden,= 1. begaben, versehen, versorgen. 2. ausstatten, verheiraten (Töchter). 3. refl. sich beraten, überlegen. -- Part. *beraden = beradenes modes* (Ggs. unabsichtlich).

=be-raden= = bereden, bereden, Anklage erheben (fries.)

=be-radinge,= Ausstattung.

=be-raken,= verscharren, bedecken.

=be-raken,= dergestalt einrichten (treffen), dass der Zweck damit erreicht werde. (Vgl. raken).

=be-râm,= m. Festsetzung, Übereinkunft.

=be-ramen,= festsetzen, bestimmen (anberaumen), mit Gen. u. Acc.

=be-raminge,= Festsetzung, Bestimmung.

=be-rasten,= ruhen; *b. laten,* im Besitz nicht stören.

=be-rât,= n. 1. Überlegung, Beratschlagung. 2. Beratungsfrist, Bedenkzeit. 3. Ausberat, Ausstattung, Verheiratung.

=bêr-bank,= Bierbank (Wirtshaus).

=bêr-bant,= Bierband (die Belegung der Tonnen oben und unten mit Reifen, so dass die Mitte frei bleibt, während beim *herinkbant* an vier Stellen drei Reifen um die Tonne gelegt werden.)

=berbolle,= Knospe, Pflanzenauge.

=berbore,= Bahre zum Tragen der Biertonnen?

=berch,= m. Berg; *over b.,* über die Alpen.

=berch-achtich,= bergicht.

=berch-ânt,= Anas tadorna.

=berch-gank,= b. Marie, _das Fest der *visitatio* M. (Luc. 1, 39)._

=berch-geselle,= Bergknappe.

=berch-grôn,= Berggrün, Kupfergrün, chrysocolla.

=berch-snake,= (Bergschlange), Ringelnatter.

=berch-vrede,= Ber(g)fried, d. i. hölzerne Verschanzung, Turm, Bollwerk, befestigtes Haus etc.

=bere,= f. Aussehen, Benehmen, Gebaren (Geberde).

=bere,= ein Mass (= bore?)

=bere,= f. Beere; Birne.

=be-rechten,= 1. mit Rechten versehen. 2. das Recht üben gegen oder für jem. bestrafen oder beschützen. 3. ein *recht* (Eid) leisten, eidlich versichern.

=be-rechtigen,= mit Recht in Anspruch nehmen.

=be-recessen,= einen Rezess machen, beschliessen.

=be-rede, -reide,= bereit, fertig; *berede spise,* gare Kost; berede ritters, velites.

=berede,= n. Bereitschaft; Nähe?

=beredeke, -reideke,= n. Barettchen.

=be-redelike, -reitlike,= bereit; baar (vom Gelde).

=be-rêden,= 1. bereiten, fertig machen; *laken b.,* Tücher rauhen und scheren. 2. bezahlen, entrichten. 3. = *beraden,* ausstatten, verheiraten.

=be-reden,= 1. bereden, darthun, beweisen. 2. versprechen, geloben. Refl. sich verloben.

=be-redenen= = berêden, fertig machen.

=berêdich,= bereit.

=be-rêdicheit,= Bereitschaft.

=be-rêdile (?)= = beredeliken, bereit, pünktlich.

=be-rêdinge,= 1. Bereitung, Zubereitung, Zurüstung. 2. Bezahlung; Zahlungstermin.

=be-regen (?),= anrühren; zustossen.

=beren, baren,= st. u. sw. v. hervorbringen, gebären.

=beren,= schw. v. 1. sich zeigen; sich benehmen, gebaren. 2. sich stellen, so thun, als ob.

=berenbunge,= die Pflanze berula. (beren-tunge?)

=be-rennen,= berennen, überfallen.

=be-renten,= mit jährl. Einkünften versorgen, dotieren.

=beren-schilt,= Schild (Keule?) eines (wilden) Ebers.

=beren-vorke,= Birnengabel.

=bererinne,= Gebärerin.

=be-rêroven,= (einen Toten) berauben.

=be-resten,= rasten; *b. laten,* ruhen lassen.

=berêf (-rîf),= n. Nutzen (= gerîf).

=be-reveln= u. =bereven,= mit Reifen versehen.

=be-reven,= (als adj.) mit Reifen, Bändern etc. belegt.

=bere-wort,= die Pflanze baldemonia.

=bêr-gast,= der Bierkunde (der gewöhnlich von einem sein Bier bezieht).

=bêr-gelt,= 1. Accise vom Bier. 2. Trinkgeld.

=bergen, bargen,= st. u. sw. v. 1. bergen, in Sicherheit bringen. 2. nähren, bes. refl. sich wovon nähren, seinen Lebensunterhalt gewinnen, leben (mit Gen. oder e. Präp.)

=bergete,= n. Gebirge.

=berge-, bergenvarer,= Schiffer, der nach Bergen zu fahren pflegt.

=berginge,= Bergung; Lebensunterhalt.

=berhân,= Fasan (berk-hân).

=bêrich,= dem Bier ergeben.

=berich?= Bezeichnung eines Stück Landes oder einer Hölzung.

=be-richten,= 1. mit Acc.: auf den richtigen Weg (in Richte) bringen; belehren, unterweisen; schlichten, beilegen (e. Streit); büssen *(= beteren)* (von Verbrechen); mit den Sterbe-Sacramenten versehen; ordnen, einrichten, bestellen; ausstatten. 2. mit Gen. d. S. und Dat. oder Acc. d. P. kund thun, unterrichten. 3. refl. sich zurecht machen, rüsten; die Sterbe-Sacramente empfangen; sich helfen; sich vertragen, vergleichen; sich genau erinnern.

=be-richter,= _1. Zurechtweiser, Richter. 2. Lehrer. 3. Ausgleicher._

=be-richteslude,= Schlichter eines Streites, Zeugen dabei.

=be-richtich=, 1. geschäftig, rüstig, fertig *(industrius).* 2. gerüstet, fertig (expeditus).

=be-richtinge,= 1. Verrichtung. 2. Vergleich, Auseinandersetzung. 3. Versehung mit den Sterbesacramenten. 4. Angabe, Auskunft, Bericht.

=be-richtnisse,= Register, Rechenbuch.

=be-riden,= 1. bereiten, *obequitare,* mit Reiterei umgeben. 2. bereisen, besuchen (zu Pferde).

=be-rigen,= mit einem Rick, Geländer versehen. (= bericken).

=be-riken,= reich machen, bereichern.

=berille,= Brille (um 1411).

=be-rimen,= Spottreime auf jem. machen.

=be-rinen,= berühren.

=beringe, baringe,= das Gebären.

=beringe,= _Lust, Gefallen; *appetitus.* (Auch = Hebung, Aufkunft?)_

=be-ringen,= umringen.

=berîs,= Steigerung? *(in b. kamen,* teurer werden).

=be-risen,= aufstehen, sich erheben; bildl. sich belaufen, hoch sein.

=be-rispelik,= tadelnswert.

=be-rispen, -rispeln,= tadeln, strafen.

=be-risper,= Tadler.

=be-rispinge,= Tadel.

=be-riten,= zerreissen.

=bêr-klocke,= Bierglocke (Zeichen, dass der Bierschank im Wirtshause aufhören sollte).

=bêr-kôp,= Biertrunk zur Bestätigung eines Kaufes oder Vertrages.

=bêr-kopeslude,= Leute, Zeugen, die bei einem *bêrkope* zugegen sind.

=bêr-lach,= Biergelage.

=berlaken,= Bierlaken? d. h.?

=berloge,= frzs. berloque.

=berm,= s. barm.

=bêr-man,= Biermann, Krüger, Wirt.

=bermich,= s. barmich.

=bern-achtich,= zum Brennen geeignet. *b. holt,* Brennholz.

=berne,= Bernstein?

=bernehelm,= epiglotum.

=berne- (barne)holt=, Brennholz.

=berne-isern,= Brenneisen.

=berne-kamer,= wahrsch. die Kammer, in welcher Gold u. Silber geschmolzen (Schmelzhütte), oder auch in Gemässe Eich-Zeichen eingebrannt wurden.

=berne-krût,= N. für verschiedene Pflanzen, flamula, apium aquaticum.

=bernen (barnen, burnen),= sw. v. intr. u. tr. brennen; als Münzausdruck: schmelzen, schmelzend läutern. Mit Acc. d. P. auch: durch Brand schädigen.

=bernendich, berndich,= brennend.

=bernentlike,= brennend, heftig.

=berne-prên,= Brennpfrieme, -eisen, igniferrum.

=berner,= Brandstifter.

=berne-torf,= Rasen zum Brennen, Brenntorf.

=berne-water,= gebranntes Wasser.

=berne-wîn,= Branntewein.

=berne-worm,= Brennwurm (= bersel?)

=bernich,= brennend; Adv. bernigen.

=bernichliken,= brennend.

=berninge,= 1. Brand. 2. Material zum Brennen.

=bern-schat= (birn-schat), Brandschatzung.

=bern- (barn)stên,= 1. Bernstein. 2. gebrannter Stein, Backstein.

=bern-stêndreier,= Bernsteindreher d. i. Paternoster-Rosenkranzmacher.

=berntheide,= Inbrunst.

=be-rochten, -rochtigen,= s. beruchten.

=be-roden,= behacken.

=be-roen= (= berojen, beroden), mit Rudern regieren.

=be-roken,= besorgen.

=be-roken,= beräuchern.

=be-rôm,= Ruhm, Pralerei, Arroganz.

=be-romen,= refl. sich berühmen, pralen; präsumieren.

=be-rominge= = berôm, arrogantia.

=be-ropen,= 1. rufen, nennen. 2. ausrufen. 3. berufen, ersuchen. 4. schelten, mit Worten strafen. 5. in (übeln) Ruf bringen. -- Part. berufen, bekannt und verrufen. -- Refl. sich berufen, appellieren, mit Gen. u. Präp.

=be-ropinge,= Berufung, Appellation.

=be-rore,= rührig, alacer.

=be-roren,= 1. rühren. 2. berühren, betasten. 3. bildl.: rühren, bewegen; berühren im Reden, erwähnen.

=be-rorich= = berore.

=be-rôrlik,= 1. berühr-, betastbar. 2. bildl.: rührend, bewegend.

=be-rôrte=, Berührung, Bewegung; Erregung.

=be-roven,= rauben, berauben.

=be-rovinge,= Beraubung.

=bêr-pennink,= Abgabe von Bier.

=bêr-schop,= (Bierschaft) = bêrkopeslude?

=bersel,= eine Art Wurm.

=bersen (birsen),= sw. v. pirschen.

=bersensame,= cardaminium.

=bêr-spunder,= Bierspunder, Bierschröter.

=berste,= f. Gebrechen.

=bersten (barsten, borsten),= st. v. bersten, brechen.

=bêr-stôke?= Bierbrauerei?

=bêr-supent,= Biersuppe.

=bêr-swel,= Ebershals, Kehlbraten vom Eber *(epulum piperatum aprinum,* frzs. poivrade).

=bêr-tapper,= Bierzapfer.

=bertlink,= Kloster-Laienbruder *(homo barbatus* im Ggs. zum geschorenen Mönch).

=be-ruchten, -rochten,= in (bösen) Ruf bringen, verleumden.

=be-ruchtich,= berühmt; berüchtigt.

=be-ruchtigen,= 1. das Gerüchte, Hülfsgeschrei erheben. 2. in (guten oder bösen) Ruf bringen.

=be-ruchtinge,= (böser) Ruf.

=be-rume,= Raum habend, breit (= rume).

=be-rumen,= Raum finden.

=be-rusten,= beruhen, ruhen.

=be-rustern,= rostig werden.

=be-ruwe (-rouwe, -rou),= Betrübnis; Reue.

=be-ruwelicheit,= Reue.

=be-ruwelik,= 1. Ruhe *(ruwe)* gebend. 2. Reue *(rouwe)* gebend.

=be-ruwen (-rouwen),= betrüben, reuen, mit Dat. u. Acc. -- Refl. sich betrüben; Reue, Schmerz fühlen.

=be-ruwenisse,= Betrübnis, Reue.

=be-ruwich,= betrübt; reuig.

=be-ruwinge= = beruwenisse.

=berve?= essbare Frucht?

=berve= = bederve (comis, benignus, benevolus).

=berveliken (berfliken)= = bederveliken.

=berverlink,= eine Art Brot.

=bervicheit= = bedervicheit.

=berwech (-wege)?= (vesica, uterus?)

=berwer,= ein rauher, zottiger Wollenstoff.

=bêr-wisch,= Strohwisch (als Bierzeichen ausgesteckt).

=berwort,= die Pflanze agrimonia.

=ber-wulf,= Wehrwolf.

=be-sachtinge,= Besänftigung.

=be-sacken,= einsacken, in Säcke bringen.

=be-sadigen,= zur Ruhe bringen.

=be-sagen= = beseggen.

=be-saken,= 1. leugnen, in Abrede stellen. 2. (besachen) vor Gericht ziehen, verklagen.

=be-salen,= s. be-solen.

=be-samen,= bei-, zusammen.

=be-samenkumpst,= Zusammenkunft.

=be-sam(m)elen,= versammeln.

=be-samnen,= versammeln.

=be-sampt u. be-sunder,= samt und sonders.

=be-sate,= f. 1. Besitz. 2. das Besetzen (mit Meiern). 3. Arrest, Beschlagnahme.

=be-saten,= _1. zur Ruhe, zum Frieden bringen. 2. mit Beschlag, Arrest belegen._

=be-satigen,= mit Arrest belegen, pfänden.

=be-schacken,= besteuern (l. beschatten?)

=be-schaden,= beschädigen; in Geldstrafe nehmen.

=be-schaffen,= durchsetzen, sinen willen b.

=be-schalken,= betrügen.

=be-schanden,= schänden.

=be-schansen,= mit Schanzen versehen.

=be-scharbar,= zu beweiden, zu betreiben (mit Vieh).

=be-scharen,= (von der Milch:) geronnen, sauer geworden?

=be-schatten,= von jem. Schatzung, Steuer, Contribution fordern.

=be-schatter,= der eine Schatzung eintreibt, exactor.

=be-schattinge,= Schatzung, Besteuerung.

=be-schêdecheit= = beschedenheit.

=be-schedeliken,= 1. auf festgesetzte Weise, unter der Bedingung. 2. bestimmt, genau, deutlich. 3. hauptsächlich, namentlich, nemlich. 4. gebürlich.

=be-schêden, -scheiden,= 1. bestimmen, festsetzen (im Testamente etc. vermachen), entscheiden. 2. ausscheiden, trennen, (gew. *buten beschêden).* 3. refl. sich vereinigen, gegenseitige Bestimmungen treffen.

=be-schêden,= adj. part. 1. festgesetzt, bestimmt. 2. verständig, klug, weise, mässig, *compositus;* bes. ehrendes Beiwort für Ratmänner, Richter etc. 3. *b. dôn,* beim Zutrinken nachtrinken.

=be-schêdenheit,= 1. Einsicht, Weisheit, *dispositio, ratio.* 2. Bedingung, Bestimmung. 3. ehrende Bezeichnung für Ratmänner etc.

=be-schêdich,= bescheiden, mässig.

=be-schedigen,= beschädigen; *de strate b.,* Strassenraub treiben.

=be-schedinge,= Beschädigung (Strassenraub).

=be-schêdinge,= (unterscheidende Bestimmung), Beschaffenheit, Bewandtnis.

=be-scheftich,= 1. geschäftig, rasch, *expeditus, agilis.* 2. pass. was viel Mühe macht, kostbar.

=be-schefticheit,= Geschäftigkeit, expeditio.

=be-schelden,= 1. schelten. 2. beschelten, tadeln. 3. ein Urteil *b.,* d. h. es für unrichtig erklären und Appellation einlegen.

=be-scheldinge,= das Schelten; Appellation.

=be-schelicheit= = beschedelicheit, das Bescheidwissen, Klugheit.

=be-schellen,= abschälen.

=be-schemen,= be-, überschatten.

=be-schemeren,= schattig, dunkel, Abend werden.

=be-schempen,= Schimpf, Spott treiben.

=be-schên,= 1. geschehen. 2. refl. sich ereignen.

=be-schendinge,= Schande, confusio.

=be-schenen, -schenigen,= darthun, beweisen?

=be-schenen= = beschedenen, bestimmt.

=be-schenken,= betrunken machen.

=be-scheper,= Befrachter.

=be-scheren,= 1. be-, abscheren; bildl. betrügen, um das Seinige bringen. 2. eine Wiese vom Vieh beweiden lassen.

=be-scheren,= zuteilen (vom Schicksal, praedestinare).

=be-scherm,= Schutz.

=be-schermen,= beschirmen, beschützen.

=be-schermenisse,= Beschirmung, Schutz.

=be-scherminge,= Beschirmung.

=be-schêt,= m. und n. 1. Unterscheidung, Festsetzung, Bestimmung, *conditio*. 2. rechtliche Entscheidung oder Festsetzung; überh. Fug und Recht. 3. Klugheit, Überlegung. 4. Bescheid, Auskunft.

=be-schêten,= 1. durch Schiessen (eine Waffe) erproben. 2. betäfeln, mit Brettern, Dielen etc. bekleiden, *coassare.* 3. bestreuen.

=be-schetewunge,= Schatten, Finsternis.

=be-schichten,= ausrichten.

=be-schicken,= 1. zu jem. schicken, kommen lassen. 2. in Ordnung bringen. 3. techn. Ausdruck im Münzwesen: Metall zumischen, legieren.

=be-schickinge,= Beordnung, dispositio.

=be-schilmen,= schelm (mucor) ansetzen, schimmelig werden.

=be-schimmelen,= Schimmel ansetzen.

=be-schîn,= Bescheinigung.

=be-schinden,= (enthäuten), 1. martern. 2. betrügen, um das Seinige bringen.

=be-schinen,= bescheinen, durch Augenschein bezeugen.

=be-schinnen,= berauben, ausplündern.

=be-schippen,= gestalten, Beschaffenheit geben (verunstalten).

=be-schirmisse= = beschermenisse.

=be-schiten,= bescheissen; bildl. betrügen.

=be-schiter,= Betrüger.

=be-schonen,= 1. verschonen. 2. entschuldigen. 3. beschützen, bedecken.

=be-schoninge,= Beschönigung, Verdeckung.

=be-schornhere?= (= beschermhere?)

=be-schorpen,= mit Schorf, Kruste überziehen.

=be-schot,= n. Getäfel, *contabulatum;* Planken-, Bretterwand.

=be-schouwelicheit,= Beschaulichkeit.

=be-schouwen,= beschauen.

=be-schouwinge,= Beschauung, Beschaulichkeit.

=be-schoren,= beschaben?

=be-schranken,= mit Schranken versehen.

=be-schreginge,= Jammer, Wehklage.

=be-schrien,= 1. schreien, jammern. 2. beschreien, bejammern. 3. im jurist. Sinn: das Gerücht, Gerüfte, Geschrei erheben gegen jem.

=be-schriven,= 1. schreiben, aufschreiben. 2. verzeichnen. 3. melden, berichten; durch Schrift verhöhnen (literarisch angreifen). 4. durch Ausschreiben einberufen. *en bescreven man,* ein Höriger, der von seinem Herrn auch schriftlich zu verteidigen ist?

=be-schruwen,= Part. zu beschrien.

=be-schudden, -schutten,= 1. aufschüttend bedecken. 2. in Verwahrung, Gewahrsam nehmen, einsperren; mit Beschlag belegen. 3. beschützen, beschirmen.

=be-schuddinge,= Schutz.

=be-schuldich,= schuldig.

=be-schulinge,= Versteck.

=be-schunden,= anraten zu thun; bereden, anreizen.

=be-schûr,= Schutz.

=be-schuren,= 1. bedecken, beschützen. 2. refl. sich bedecken, sich verstecken.

=be-schuringe,= Beschützung, Bedeckung, Beschattung. 2. Entschuldigung, Vorwand.

=be-schut,= 1. Schutz. 2. Vorwand.

=be-schutten,= s. beschudden.

=be-schutteshere,= Schutz-, Schirmherr.

=bese,= f. Binse, juncus.

=be-sêden,= be-sieden (von Salzpfannen).

=be-segelen,= mit Segeln versehen.

=be-segelen,= be-, versiegeln; durch Brief u. Siegel zusichern.

=be-sêgen,= besiegen.

=be-seggen,= 1. aussprechen, verkündigen, behaupten, 2. bereden; *sik b. laten,* sich bereden, überzeugen lassen. 3. anklagen, verklagen; verleumden.

=be-segginge,= Aussage, Entscheidung.

=be-seichen,= be-pissen.

=be-seie,= Besäung, Bestellung (des Ackers etc.)

=be-seien,= besäen; aussäen.

=beseke,= n. Biene.

=beseke,= n. kleine Beere.

=be-selen= = besolen?

=beseler, baseler,= _eine Art langer, spitzer Messer; kurzes Schwert,_ pugio.

=be-selschoppen,= refl. sich vergesellschaften.

=besem, bessem,= 1. Zuchtrute. 2. Kehrbesen.

=besemen, bessemen,= sw. v. fegen.

=besemer, bisemer,= eine Art Schnellwage, Handwage (einfachster Construction) ohne Schalen auf Märkten gebraucht.

=be-sên,= 1. sehen. 2. besehen. 3. einsehen. 4. refl. sich umsehen.

=be-sendeboden,= einen Sendboten wohin schicken.

=be-senden,= zu jem. einen Boten senden, durch Boten kommen lassen, aufbieten; *den dach, de sake b.,* Boten zu einer Versamlung etc. schicken; *den wech b.,* Leute aufbieten zur Besetzung. -- Refl. sich gegenseitig beschicken.

=be-sender,= Beschicker, der zu etwas aufbietet.

=be-sendinge,= Beschickung.

=be-senken,= durch Versenkung sperren.

=be-sênlik,= sichtbar.

=be-serigen,= verletzen, schädigen.

=be-set,= n. 1. Besatzung. 2. das Bestimmte, Ausgesetzte.

=be-seten,= 1. pass. besessen (vom Teufel). 2. act. der einen Sitz hat, ansässig ist; bes. der mit Eigentum angesessen ist.

=be-setten,= 1. besetzen, mit Einwohnern, Mannschaft belegen. 2. mit Beschlag, Arrest belegen. 3. ordnen, festsetzen, bestimmen; *dat testament b.,* testamentieren. 4. ein Urteil *b.,* d. h. gerichtlich beglaubigen. 5. durch ein Unterpfand Sicherheit geben, sich verbürgen. 6. refl. sich setzen, sich wo häuslich niederlassen.

=be-settinge,= 1. Besetzung (mit Meiern), *occupatio*. 2. Beschlagnahme, Arrest.

=besibbe= = besibbet.

=be-sibbet,= verwandt.

=bésich,= beschäftigt, thätig.

=bésicheit,= Beschäftigung, Thätigkeit.

=be-sicht,= Gesicht.

=be-sichten,= 1. besieben, vermittelst eines Siebes bestreuen. 2. besichtigen.

=be-sichtigen,= sehen, erblicken.

=be-seven (seffen),= bemerken, wahrnehmen, fühlen, begreifen; begreiflich machen, kund thun.

=be-severen,= begeifern.

=be-siden,= zur Seite weg.

=be-singen,= 1. eine Kirche, Altar etc. d. h. die (gestiftete) Messe lesen (den Gottesdienst halten) in einer Kirche, an einem Altar etc. 2. einen Bischof, d. h. unter feierlichem Gesange einsetzen.

=besin(ne),= Überlegung.

=be-sinnen,= 1. überlegen, bedenken, ausfindig machen. 2. im Sinne haben, beabsichtigen. 3. refl. sich einer Sache erinnern, daran denken.

=be-sinninge,= Überlegung.

=be-sippen,= refl. seine Verwandtschaft angeben.

=be-sit,= m. Besitz.

=be-sitlik,= mit vollem Besitzrecht.

=be-sitten,= 1. besitzen, *den rat b.,* Ratsherr sein; haben als Eigentum; *nôt b.,* erleiden. -- Davor sitzen, belagern, *obsidere*. 2. intr. sitzen bleiben, zögern, säumen; im Besitz bleiben.

=be-sitter,= 1. Besitzer. 2. Bewohner.

=be-sittinge,= Besitz.

=be-slabbern,= besudeln, bes. durch unreinliches Essen.

=be-slach,= n. 1. (Metall) Beschlag. 2. (Vieh)beschlag, Anzahl von Vieh, soviel auf den Weiden grasen kann. 3. = *bislach* u. to-slach.

=be-slân=, 1. schlagen, schlagend bearbeiten oder gebrauchen. 2. beschlagen, besetzen (mit Geschmeide, eine Weide mit Vieh betreiben, ein Feld mit Zelten etc.) 3. einhegen, einzäunen, umschliessen, umfangen (bes. vom Netz). 4. treffen, ertappen, ergreifen. 5. mit Beschlag, Arrest belegen. 6. mit e. Gerüchte beschlagen, in bösen Ruf bringen. 7. refl. sich verbinden, sich einlassen mit jem.

=be-slapen,= 1. beschlafen, Beilager halten. 2. zum Schlafen benutzen. 3. zum Überdenken eine Nacht verziehen.

=be-slechtet,= einem Geschlecht d. i. einer vornehmen Familie angehörig.

=be-slechtiget= = beslechtet.

=be-sliken,= beschleichen, überfallen.

=be-slimen,= verschleimen.

=be-slingen,= beschlengen, rings umgeben.

=be-slitten,= refl. sich befassen mit, sich bemühen?

=beslôk,= s. bestlôk.

=be-sloten,= mit einem Schlosse (*sera*) versehen.

=be-sloten,= mit einem *slote,* Graben, umziehen.

=be-slotet,= der ein Schloss (*castrum,* Burg) besitzt, burgsässig.

=be-slut,= n. Beschluss, Ende.

=be-sluten,= 1. schliessen. 2. ein-, ver-, umschliessen. 3. ausschliessen. 4. beschliessen. 5. refl. sich einschliessen.

=be-slutinge,= Beschluss, Vereinbarung.

=be-slûtlik,= (be)schliesslich.

=be-smachten,= aushungern.

=be-smaden,= schmählich behandeln.

=be-smaken= = besmecken.

=be-smecken,= schmecken, kosten; bildl. kennen lernen.

=be-smeden,= 1. mit Eisen beschlagen. 2. mit Eisen festmachen. 3. in Eisen legen, in Haft bringen. 4. durch Eisen zermalmen.

=be-smêken,= beschmeicheln, liebkosen.

=be-smeliken,= schmähe machen, schmähen, verspotten.

=be-smeliker,= Schmäher, Spötter, Verhöhner.

=be-smiden,= mit Geschmeide versehen.

=be-smit,= (Anwurf), Makel, Fleck.

=be-smitten,= bewerfen, beflecken, besudeln.

=be-smittigen= = be-smitten.

=be-smittinge,= Befleckung.

=be-smoken,= beräuchern.

=be-smokinge,= Räucherung.

=be-smuderen,= beschmutzen.

=be-snadinge,= Begrenzung (durch Zeichen); Grenze, Umfang.

=be-snêden,= die Grenze bezeichnen.

=be-sneissen,= beschneiteln (die Bäume).

=be-sneidigen,= betrügen, übervorteilen.

=be-snellen,= 1. einholen, erreichen. 2. bildl. überholen, überlisten, betrügen.

=be-sniden,= beschneiden.

=be-snienge (?),= Klagegesang.

=be-snotteren,= mit Rotz besudeln.

=be-snuffelen,= beschnüffeln, beriechen.

=be-soken,= 1. besuchen, *visitare;* aufsuchen. 2. untersuchen. 3. versuchen, prüfen; angreifen. 4. ersuchen; nachsuchen. -- refl. versuchen.

=be-soken= = be-seken, leugnen.

=be-sokinge,= 1. Versuchung. 2. Heimsuchung; im medic. Sinn: Krankheit.

=be-solen, -salen,= besudeln, beschmutzen.

=be-solten,= 1. einsalzen. 2. = besolden.

=be-sonen, -sunen,= versöhnen, aussöhnen; Frieden schaffen.

=be-sonliken (?)= (= besonderliken?) besonders.

=be-sorchte,= Besorgnis.

=be-soren,= betrügen.

=be-sorge,= Besorgung, Sorge, cura.

=be-sorgen,= 1. Sorge tragen für etwas. 2. versorgen. 3. Sorge, Angst haben, fürchten; refl. fürchten. -- Part. *be-sorget,* der mit etwas beauftragt ist, Sorge trägt.

=be-sorginge,= Be-, Versorgung.

=be-spannen,= in Fesseln legen, = in de helden slân.

=be-sparen,= aufsparen, ersparen.

=be-spêkelen,= bespeicheln.

=be-spelen,= 1. zum Besten haben, verspotten. 2. beschlafen.

=be-spelinge,= Verspottung.

=be-spên,= erspähen.

=be-spenen (?),= mit solte b., mit Salz bestreuen, einsalzen?

=be-sper, -spar,= Sperrung, Hindernis, Eingriff.

=be-speren,= hindern.

=be-speringe= = besper.

=be-spetekogen,= zu einem *spetekôch* machen, d. h. zu einem solchen, aus dem im Notfall gespittet (Rasen mit dem Spaten gestochen) werden darf?

=be-spien,= bespeien.

=be-spisen,= mit Proviant versehen.

=be-spliten,= bespleissen; bildl. berauben.

=be-sprake,= Besprechung, Rücksprache.

=be-sprake,= 1. freundlich, *affabilis.* 2. in bösem Leumund stehend, verdächtig.

=be-sprêden, -spreiden,= bespreiten, überdecken.

=be-spreken,= 1. verabreden, voraus bestellen. 2. versprechen. 3. gegen jem. sprechen, ihn in bösen Leumund bringen, verdächtigen, anklagen. 4. Ein- und Anspruch erheben. 5. besprechen, *incantare.* Refl. sich besprechen.

=be-sprenken,= beträufeln, begiessen.

=bêst,= _n. *bestia,* bes. vom Rindvieh (namentlich eine junge Kuh, die noch nicht gekalbt hat)._

=bêst,= die erste Milch der Kuh nach dem Kalben, colostrum.

=be-staden, -stadigen,= s. besteden, bestedigen.

=be-staken,= mit Pallisaden *(staken)* besetzen, *vallare;* durch *staken* schützen.

=be-stallen,= Blockhäuser errichten, einschliessen, belagern.

=be-stallinge,= Einschliessung, Belagerung.

=be-stalnisse= = bestallinge.

=be-stân,= I. intr. 1. stehen bleiben. 2. Sieger bleiben. 3. mit Dat. zugehören. II. trans. 1. angreifen, bekämpfen. 2. ergreifen, unternehmen, auf sich nehmen, übernehmen, die Kosten bestreiten; anfangen, beginnen. 3. ein-, zugestehen, bekennen; (eine That) vertreten; beweisen. 4. angehen, betreffen, *attinere.* 5. ein Gericht bestehen, Beisitzer eines Gerichtes sein. -- Part. *bestanden, bestân,* 1. betreten, erschrocken. 2. vor Gericht gezogen (angegriffen); *bestân sîn nâ,* auf etwas aus sein.

=be-standen,= bestant (d. i. Waffenruhe) machen.

=be-standinge,= Ruhestand.

=be-stant,= _n. 1. das Stehenbleiben. 2. Ruhestand, Waffenstillstand._

=be-stantbrêf,= Waffenstillstands-urkunde.

=be-stant (-stent)nisse,= Bestand, Fortbestand.

=be-stapelen,= mit (Grenz)pfählen versehen.

=be-stapen (?),= besteigen?

=best(e),= _adj. u. adv. beste; *dat beste ôr,* d. i. das rechte Ohr. Subst. das Beste; *sîn beste darmede dôn,* mit e. Sache nach Belieben verfahren._

=be-steden, -staden,= (eine Stätte geben), 1. einen Wohnsitz, Aufenthalt anweisen; austhun. 2. bestatten, begraben. 3. gegen Zins austhun. 4. überweisen. 5. bekräftigen, bestätigen, festmachen. Refl. (vom Gesinde) sich unterbringen, sich vermieten; sich festmachen (von ehelicher Verbindung).

=be-stedicheit,= Bestätigung, Befestigung.

=be-stedinge,= Bestätigung; Einsetzung.

=be-stedigen, -stadigen= (= besteden), 1. bestatten. 2. einsetzen, einweisen (in ein Amt). 3. festsetzen, verhaften; bestimmen. 4. versehen, ausstatten. 5. = *besetten, bekummeren.* Refl. einen festen Wohnsitz nehmen.

=bêsteken,= (Tierchen?) als Schmuckgegenstand (Ermel-, Manschettenknöpfe).

=be-steken,= 1. bestecken. 2. (bestechen), betrügen.

=be-stelbrêf,= Bestallungsbrief; schriftlicher Verhaltungsbefehl; spec. Kaperbrief.

=be-stellen,= 1. besetzen; umstellen. 2. anordnen, einrichten, befehlen, *disponere.* 3. ausrichten. *to recht b.,* vor Gericht stellen.

=be-stellie= = bestellinge 2, Bestallung, Sold.

=be-stellinge,= 1. Beschlagnahme. 2. Bestallung, *auctoramentum, salarium;* (Aufforderung zum Kriegsdienste), Werbung. 3. Anordnung (Testament); Anstiften; Verhaltungsbefehl.

=bestelse,= n. (Bein)geschwür?

=be-steltenis,= Disposition, Befehl.

=be-stemmen,= bestimmen, festsetzen.

=be-stempen,= anstiften.

=be-stendich,= 1. von Bestand, dauerhaft. 2. geständig. 3. zugestehend, bezeugend.

=be-stendicheit,= Festigkeit, Bestand.

=be-stênen,= besteinen, Grenze mit Steinen merken.

=be-stentlich,= von Bestande bleibend; gültig.

=be-stent (-stant)licheit,= Befestigung; Bestand.

=be-sterven,= 1. absterben; regungslos werden. 2. sterben, versterben (vom Erbe und Erblasser). 3. durch Todesfall als Erbgut an jem. kommen.

=be-sticken,= 1. trans. festsetzen, bestimmen; behindern, festhalten. 2. intr. stecken bleiben.

=be-stiften,= mit einer Dotation versehen.

=be-stigen,= besteigen (ein Haus, ein Dach, um es zu decken oder auszubessern).

=be-stillen,= still machen, sedare.

=bestinge,= Benähung, Endsaum.

=bêstlik,= tierisch.

=bestlôk,= Allium Schoenoprasum.

=be-stockelen,= betreiben (stimulare, instigare).

=be-stomelen,= verstümmeln.

=be-stoppen,= verstopfen, versperren; unterstopfen, verbergen.

=be-stoppinge,= Verstopfung.

=be-storten,= stürzend bedecken; in Massen eingiessen (per-, infundere).

=be-stoten,= 1. stossen, anstossen. 2. zustossen (von Unfällen, Zwistigkeiten etc.) 3. vollstossen, füllen; *solt b.,* in Säcke füllen.

=be-stouwen,= (durch Stauung Wasser steigen machen) unter Wasser setzen.

=be-stoven= (Part. zu *bestuven),* bestäubt.

=be-strâflik,= strafwürdig.

=be-strêfen,= bestreifen; mit Geschossen bestreichen.

=be-stricken,= bestricken, compedire.

=be-striden,= st. v. beschreiten, (schreitend d. h. mit ausgespannten Beinen) besteigen.

=be-striden,= sw. (u. st.) v. bekämpfen.

=be-striken,= bestreichen; streichend (streifend) erreichen.

=be-strouwen,= bestreuen, *conspergere;* eig. u. bildl.

=be-strouwinge,= Bestreuung.

=be-struken,= mit Strauchwerk versehen.

=be-stulpen=, mit einer *stulpe* (Deckel) zudecken.

=be-stuppen= (= -stoppen), verstopfen; *den schaden b.,* ausbessern.

=be-stûr (bestier),= n. Leitung, Lenkung, Regiment.

=be-sturen,= 1. steuern, hemmen, Einhalt thun, hindern. 2. einrichten, anordnen, besorgen, hinschaffen, regere, dirigere.

=be-sturinge,= Hemmung, Hindernis, Bedrückung.

=be-subben, -subbelen,= beflecken, verunreinigen.

=be-suchten,= beseufzen.

=be-suket,= mit einer Seuche behaftet.

=besunder= u. =besunderen,= 1. besonders (vor allen andern, d. i. eifrig). 2. besonders; sondern. 3. ausgenommen.

=be-sundergen, -gest,= besonders.

=be-sunderich,= adj. besonder.

=be-sunderinge= u. =be-sunderlinge= = besundergen.

=be-sundigen,= 1. Sünde thun. 2. mit Sünde beflecken. 3. refl. sich versündigen.

=be-sunen= = be-sonen, versöhnen.

=be-suren,= besauern, 1. Bitteres, Saueres erleiden für etwas, ausstehen, *acerba pati.* 2. sauer erwerben.

=be-swâs, -swês,= nahe; bildl. verwandt, propinquus.

=be-swêgen, -sweigen= (= be-swogen), ohnmächtig werden.

=be-sweken,= schwächen, beeinträchtigen.

=be-swer,= 1. Kummer; Bedauern. 2. Belästigung.

=be-sweren, -swaren,= beschweren, belasten.

=be-sweren,= st. v. 1. schwören; *den rât b.,* den Rats-Eid leisten. 2. beschwören, *incantare.* 3. refl. sich durch einen Schwur vereinigen, conjurare.

=be-sweringe, -swaringe,= Bedrängnis; Belastung mit Abgaben.

=be-sweringe,= 1. Verschwörung, *conjuratio.* 2. Beschwörung, incantatio.

=be-swerken,= be-sworken werden, mit Wolken bedeckt, verhüllt werden; bildl. finster, traurig, bestürzt werden.

=be-swernisse,= Last, Bedrängnis.

=be-sweten,= im Schweisse erarbeiten, gewinnen.

=be-swettet, -swattet,= benachbart.

=be-swigen,= 1. verschweigen. 2. etwas schweigend anhören, ohne Erwiderung, Rüge etc. geschehen lassen.

=be-swiken,= 1. trans. hintergehen, betrügen, berücken. 2. intr. nachlassen, aufhören, mangeln, fatiscere, deficere.

=be-swimen= u. =be-swimelen,= ohnmächtig werden.

=be-swiminge,= Schwindel.

=be-swogen, -swagen,= ohnmächtig werden.

=be-swoginge,= Ohnmacht.

=be-swornschap,= Verschwörung, conjuratio.

=be-swoven, be-swovinge= = be-swogen.

=bet,= n. Gebet.

=bet, bette, bitte,= bis.

=bet,= besser = bat.

=be-tagebruggen= (= togebr.), mit einer Zugbrücke versehen.

=be-talen,= bezahlen.

=be-talinge,= Bezahlung.

=be-tame,= geziemend; als Subst Geziemendheit, Passlichkeit.

=be-tanen,= anfressen.

=be-tasten,= angreifen.

=bete, bet,= m. Bissen; *nicht ên b.* = gar nichts.

=bete (bet), bitte, bit,= n. Gebiss (am Zaume).

=bête,= f. Beize.

=be-tegeden,= mit Zehnten belegen.

=bete-, betelkalk,= ungelöschter Kalk.

=be-tekenen, -teken,= bezeichnen, bedeuten.

=be-tekenisse,= Bezeichnung; Bedeutung.

=be-tekinge= = betekenisse.

=betekol,= Fenchel?

=bete-kuve,= Kufe zum Beizen (Macerieren) des Leders.

=bêtel, beitel,= Meissel, *celtes;* Stecheisen.

=be-têlen,= einen Acker ertragsfähig machen, bebauen, bestellen.

=be-telgen,= die Zweige abhauen, abramescere.

=be-tellen,= 1. aus-, zusprechen. 2. ansprechen, beanspruchen, verlangen.

=be-temelik,= geziemend, gebührend.

=be-temen, -tamen,= 1. ziemen, geziemen. 2. refl. sich ziemen. 3. *b. laten,* jem. thun lassen, was er für geziemend hält, was ihm ansteht, gefällt; jem. gewähren lassen. inter-, o-, di-mittere, missum facere.

=bêten, beiten,= sw. v. beizen (mit Falken jagen).

=bêten,= sw. v. beizen, macerieren (Leder etc.).

=be-tên,= 1. beziehen, bedecken. 2. umstellen, einschliessen. 3. umgarnen, betrügen. -- Im jurist. Sinn: beziehen, eine Erbschaft beziehen, erben (altfr. bitia).

=be-tengen,= anfangen, beginnen.

=beter,= besser; *ein beter,* Besseres.

=beteren,= sw. v. 1. bessern, verbessern; *(nicht) beteren konnen,* (nicht) anders machen, ändern können. 2. büssen; Wandel schaffen, Genugthuung, Ersatz leisten, *emendare; den doden b.,* Mordbusse leisten. -- Pass. mit Gen. der Ursache; besser werden durch etwas.

=beteringe,= 1. Besserung (moral. u. phys.) 2. Erhaltung des guten Zustandes, Ausbesserung. 3. Genugthuung, Ersatz, Busse, emendatio.

=be-termen= u. =betermelen,= bestimmen, ordinare, disponere.

=bet-her-to= (bis-hier-zu), bis jetzt.

=betich,= bissig.

=be-ticht,= Anklage, Anschuldigung.

=be-tichtich,= bezichtigt, angeklagt.

=be-tichtigen,= bezichtigen, anklagen.

=be-tiden,= refl. sich wornach richten? ins Auge fassen.

=be-tiden= (= bi-tiden), zuweilen.

=be-tien (-tigen),= bezeihen, Schuld geben, anklagen, refl. über sich aussagen, bekennen.

=be-timmeren,= mit (hölzernen) Festungswerken umgeben; *betimmert sîn,* behauset sein, mit einem Hause (unbeweglichem Gute) versehen sein.

=be-tinsen,= Zinsen, Abgaben auflegen.

=betisch,= bissig.

=bet-lich (bitlich),= bittlich; bittweise.

=bet-lik= = batelik, helfend, förderlich, nützlich.

=be-tôch,= Beweis (demonstracio).

=be-togen,= darthun, beweisen, demonstrare.

=be-toveren,= bezaubern.

=be-trachten,= in Betracht ziehen, erwägen.

=be-trachtich= wesen, in Betracht ziehen.

=be-trachtinge,= Betrachtung, Erwägung.

=be-treden,= 1. betreten, antreffen. 2. zertreten.

=be-truwen,= 1. trauen, vertrauen. 2. sich verloben, heiraten.

=be-truwen, -went,= Vertrauen.

=be-truwenisse= = betruwen.

=be-truwinge= = betruwen.

=be-tuchnisse,= Bezeugung, Zeugnis.

=be-tuchtigen= = belîftuchtigen.

=be-tucken,= tückisch betrügen, berücken.

=be-tugen,= eine Thatsache zu einer bezeugten machen, Zeugen für sie stellen.

=be-tuginge,= Bezeugung.

=be-tunen,= bezäunen, mit einem Zaun, einer Hecke versehen.

=be-tunnen,= in Tonnen bringen; mit Tonnen belegen.

=be-tûschen,= im Tausche übervorteilen; betrügen.

=be-unkostigen,= refl. sich in Unkosten setzen.

=be-unrechtferdigen= = vorunrechten.

=be-val,= n. s. bevelch; =bevalen,= s. bevelen.

=be-valeringe (?),= Auftrag, Befehl.

=be-valinge,= Auftrag, Mandat.

=be-vallen,= 1. intr. niederfallen; im Kampfe fallen; befallen werden, *corripi;* entfallen, entbehren, ohne etwas sein; gefallen, *placere.* 2. trans. befallen, überfallen; fallend bedecken; ausfüllen; gesetzlich zwingen. Refl. ausfallen, beschaffen sein.

=be-vâmen,= umschliessen, begreifen.

=be-vangen,= fassen, umfassen, umgeben; ergreifen; anfangen. Part. vom Teufel ergriffen, besessen.

=be-vanginge,= 1. Umfangung, Umarmung, Conception. 2. das schuldig befunden werden, Verstrickung.

=be-vank,= das Ergreifen, Anfassen.

=be-varen,= st. v. 1. durch Bewegung wohin gelangen, erreichen, treffen. 2. einziehen in ein Haus und so von demselben Besitz ergreifen.

=bevaren,= adj. Part. 1. (der viel herumgekommen ist) erfahren. 2. betroffen, bestürzt.

=be-vâren,= sw. v. 1. besorgen, befürchten; (refl. mit Gen. oder Präp.) 2. jem. untersuchen, ob er straffällig oder ordnungswidrig gehandelt hat, bes. von Münzern.

=be-vâringe,= Nachstellung.

=be-vaten,= festsetzen, bestimmen; einschränken.

=beve (beffe),= Chorhut u. Chorrock der Prälaten.

=be-vechten,= angreifen, bekämpfen.

=be-vedigen,= befehden.

=be-velch, -vellich; be-vel, -val,= n. Auftrag, Befehl.

=be-velchs-lude,= die Beauftragten.

=be-velen, -valen, -volen,= empfehlen, übergeben, anvertrauen, *committere;* abs. (dem Henker, dem Tode) übergeben; Auftrag geben, gebieten.

=be-velhebber,= der Bevollmächtigte, Beauftragte, der Vorgesetzte, Befehlende.

=bévelik,= wovor man zu beben hat, tremendus.

=be-vélinge,= 1. Übertragung, Belehnung. 2. Befehl. 3. Empfehlung.

=be-vellen,= zu Fall bringen, stürzen.

=be-vellich,= gefällig, angenehm, passend.

=be-vellicheit,= Gefallen, Belieben.

=be-velnisse, -volnisse,= Befehl, Auftrag.

=beven,= sw. v. beben, zittern.

=bevenelle,= Pimpinella saxifraga.

=bevenmaker,= der Beffen macht, almuciator.

=bever,= m. Biber.

=be-verden= = be-vreden, Frieden u. Schutz verschaffen, schützen.

=be-verdigen,= fertig (zur Fahrt) machen.

=bevergeil,= Bibergeil, *castoreum;* auch Pflanze: *Ranunculus Ficaria,* Feigwarzenkraut?

=bevergern?=

=beverlink,= eine Art Brot (auch *berverlink* genannt).

=beverwamme,= Bauch des Biberfells.

=beverzagel,= Biberschwanz (galt als Fischspeise).

=be-vesten, -vestenen,= befestigen; eig. u. bildl.

=be-vester,= Befestiger.

=be-vestinge,= Befestigung.

=bevich,= zitternd, tremulus.

=be-vinden,= 1. auffinden. 2. finden, wahrnehmen.

=bévinge,= Beben.

=be-vinsicheit,= Heuchelei, Scheinheiligkeit.

=be-vischen,= befischen, expiscare.

=be-vitalien,= verproviantieren.

=be-vleten,= be-, umfliessen, circumfluere.

=be-vlien,= in Ordnung, schichtweise etc. legen, belegen; ordnen.

=be-vlitigen,= durch Mühe und Fleiss erreichen.

=be-vloien,= 1. trans. überströmen. 2. intr. überströmt werden.

=be-vogen,= refl. sich wohin verfügen, sich begeben.

=be-volen,= fühlen, merken.

=be-volen,= Fühlen, Gefühl.

=be-volen= = be-velen.

=be-volgen,= refl. sich ereignen, erfolgen.

=be-vorderen,= auffordern.

=be-vorderinge,= Aufforderung.

=be-voren,= 1. Präp. vor. 2. adv. zuvor.

=be-vorworden,= vorworde machen, bedingen, paciscieren, durch vorher gepflogene Verhandlung sichern.

=be-vragen,= befragen; refl. sich Rats (bes. in Rechtssachen) erholen.

=be-vreden,= 1. befriedigen, einhegen. 2. beschützen, (jem. Frieden schaffen). 3. = vredewerken.

=be-vremden,= fremd, seltsam, wunderbar dünken.

=be-vrêschen,= ausforschen, erfragen.

=be-vrêsen,= zu-, einfrieren.

=be-vrien, -vrigen,= 1. befreien, mit Freiheiten, Privilegien etc. begeben, dotieren. -- 2. refl. sich verheiraten.

=be-vroden=, vrôt, d. i. klug machen, belehren; mit sächl. Obj. belehren über.

=be-vromen= = bevromden, bevremden.

=be-vronen,= den Frohnen zu jem. schicken, um ihn vor Gericht zu fordern oder zu verhaften oder um seine Sachen mit Beschlag zu belegen; polizeilich verfahren.

=be-vrouwen,= erfreuen; mit Acc. d. S. sich über etwas freuen.

=be-vruchten,= benutzen, die Frucht von etwas geniessen.

=be-vruchten,= in Furcht sein vor etwas; gew. refl. mit Gen. Acc. u. Inf. -- abs. in Furcht geraten.

=be-vruchtigen= = bevruchten (in beiden Bedeutungen).

=be-vrunden,= refl. 1. sich Freunde erwerben. 2. sich verheiraten.

=be-vrundet,= 1. einer der viel Freunde, Verwandte hat. 2. verwandt.

=be-vruntschoppen,= befreunden.

=be-vulborden,= zustimmen, genehmigen.

=be-vulen,= schmutzig machen.

=be-wach, be-wagen,= s. bewech, bewegen.

=be-wallen,= umwallen.

=be-wanderen,= betreten.

=bewane,= wahrscheinlich = bi wane.

=be-wane,= s. be-wone.

=be-wanen,= in Verdacht haben, beargwohnen; unpers. verdächtig sein.

=be-wanken,= ên lant, in einem Lande hin und her reisen.

=be-want,= angehörig, zu einer Partei etc. gehörig; verwandt.

=bewant,= f. Bewandtnis, Zustand.

=be-wantnisse,= Verwandtschaft.

=be-wardinge,= _Erhärtung, Bekräftigung der Wahrheit mit einem Eide._

=be-waren= = ge-waren, Gewähr leisten.

=be-wâren,= als wahr darthun; eidlich bekräftigen.

=be-waren,= 1. Acht haben auf etwas, hüten, beschützen. 2. befestigen; verwahren, seine oder eines andern Ehre. 3. verhüten. 4. das Abendmahl reichen.

=be-warer,= Beschützer.

=be-waringe,= 1. Sicherung, Gewährleistung; concr. Document. 2. Verwahrung, Gewahrsam. 3. Ehrenverwahrung. 4. Versehung mit dem Abendmahl.

=be-warnisse,= Bewahrung.

=be-warster,= Behüterin.

=be-waschen,= Geschwätz treiben über etwas.

=be-watern,= bewässern.

=be-wech, -wach,= m. und n. 1. Bewegung. 2. Erwägung, Beratung. 3. Antrieb.

=be-wechnisse,= 1. Bewegung. 2. Antrieb.

=be-wedemen,= bewidmen, beschenken, dotieren, bes. Kirchen, Klöster etc.

=be-wedeminge,= Bewidmung, Dotierung.

=be-wederen,= widrig, hässlich machen.

=be-wegelik,= 1. beweglich. 2. ergreifend.

=be-wegen, -wagen,= 1. bewegen. 2. erwägen, überdenken; refl. sich bedenken, bei sich überlegen.

=be-wegen= (u. =beweget?),= adj. Part, gewogen, freundlich.

=be-weginge,= 1. Bewegung; Aufregung, Aufruhr. 2. Erwägung.

=be-weien, -weijen,= bewehen, anwehen.

=be-wêken,= 1. erweichen; zu etwas bewegen. 2. weich, sanft, zärtlich behandeln.

=be-wêkinge,= Erweichung.

=be-welven,= mit einem Gewölbe versehen.

=be-wenden,= 1. anwenden, verwenden, fügen, einrichten. 2. Part. *bewendet, bewant sîn,* gefügt, eingerichtet, beschaffen sein; mit Adv. *wol, ovele, vele etc.* abs. der Mühe wert.

=be-wender,= der etwas an-, aufwendet.

=be-wênen,= weinen; beweinen.

=be-wênlik,= 1. weinend, bethränt. 2. zu Thränen rührend.

=be-werden= laten, gewähren lassen, nicht stören. (= beweren?)

=be-werden= (= beweren, bewerren), hindern.

=be-werdiget,= geachtet, verdienstvoll.

=be-were, -wer,= f. 1. Hinderung. 2. Verwirrung, Unruhe.

=be-were,= m. *(= ge-were),* Gewährsmann.

=be-weren,= _in die *were (detentio)* jemandes lassen, in die *were* geben._

=be-weren,= beweisen, darthun, wahrmachen, probare.

=be-weren= (= werren), wehren, hindern.

=be-weren,= leisten, gewähren, praestare?

=be-werer,= Hinderer.

=be-weringe,= 1. Hinderung. 2. Bewährung, Beweis. 3. Belassung.

=be-werken,= 1. einhegen, umgeben. 2. einschliessen, bedecken, besetzen.

=be-werkinge,= Einfriedigung.

=be-wermen,= refl. sich wärmen, erwärmen.

=be-wernisse,= Hinderung (= bewer, be-weringe).

=be-werp,= n. Entwurf, Skizze.

=be-werpen (-warpen),= bewerfen.

=be-werren (-weren),= 1. bestricken, verwickeln, *intricare.* 2. verwehren, hindern, im Besitzrecht stören, *impedire.* 3. beschäftigen. 4. refl. sich verstricken, verwickeln; sich zu thun machen mit etwas, sich befassen mit.

=be-werven,= 1. ins Werk setzen, unternehmen. 2. refl. sich durch Werbung mit Truppen versorgen.

=be-wervinge,= Unternehmung.

=be-wêset,= verwaist.

=be-wêten,= 1. für etwas sorgen, ins Auge fassen. 2. wissen um etwas. 3. refl. sich in Kenntnis, Einvernehmen setzen, sich vereinbaren mit jem.

=be-wêtlik,= nachweisbar, erweislich.

=be-wêtunge,= Bekanntschaft mit etwas, das Wissen um etwas.

=be-wien, -wigen,= weihen.

=be-wigen,= 1. bekämpfen. 2. zum Kampfe rüsten.

=be-wîkhusen,= mit *wîk-husen (propugnaculis)* versehen, befestigen.

=be-wile(n),= 1. zuweilen. 2. vor Zeiten.

=be-wilkoren,= 1. geloben. 2. refl. sich verpflichten.

=be-willen,= 1. belieben; einwilligen (auch refl.) 2. jem. etwas zugestehen.

=be-willer,= Consensgeber.

=be-willigen,= 1. einwilligen. 2. willig machen, bewegen.

=be-willinge,= Bewilligung.

=be-wimpelen,= verschleiern, verhüllen.

=be-wimpelinge,= Verhüllung, Bedeckung.

=be-winden,= 1. umwinden, verstricken, umfassen; in die Hand nehmen, übernehmen, besorgen. 2. refl. sich mit etwas befassen; sich wohin kehren oder wenden. 3. = *bewenden,* fügen, einrichten.

=be-wînkopen,= durch einen Weinkauf bestätigen.

=be-wint,= n. Regiment, Regierung; concr. Herschaft, Provinz.

=be-wîs,= n. (und m.?) Beweis, Zeugnis.

=be-wisen,= 1. zeigen. 2. aufweisen, aufzeigen. 3. anweisen (von Zahlungen), *designare, ostendere.* 4. einweisen, das Gut dem Beliehenen anweisen. 5. unterweisen. 6. beweisen (durch Zeugen etc.) 7. refl. sich zeigen, erscheinen.

=be-wiser,= (Vor)zeiger.

=be-wisinge,= 1. Beweis. 2. Einweisung (in den Besitz).

=be-wîslik,= erweislich; sichtbar.

=be-wissenen,= Sicherheit geben, Caution stellen.

=be-wisten, -wistigen,= auf Tagelohn Vorschuss geben.

=be-witten= (= bewêten). Wissen.

=be-wogen,= gewogen.

=be-woldigen,= bewältigen; Gewalt anthun.

=bewollen,= befleckt, verunreinigt.

=be-woltern,= wälzen.

=be-wone, bewane= (be-wonen), gewohnt.

=be-wonen,= sich gewöhnen, assuescere.

=be-wonen= = be-wanen, in Verdacht haben.

=be-won(e)t,= üblich, gewöhnlich.

=be-wonlik,= gewöhnlich.

=be-wor,= n. (?) Verwirrung.

=be-worden,= mit Worten aussprechen.

=be-worden,= zu einer Wurth machen (s. wôrt).

=be-woren,= Part. zu *bewer(r)en,* der in Krieg, Fehden etc. verwickelt, verstrickt ist.

=be-worenheit,= 1. Verwirrung. 2. Widerspenstigkeit, Lust Verwirrung anzurichten, contentio.

=be-worliken,= b. dôn, Verwirrung anrichten, contentiose agere.

=be-wornicheit= = be-worenheit.

=be-written,= den Segen über jem. sprechen, (ursp. schreiben, ritzen?)

=be-wrogen,= anklagen.

=be-wust,= Wissen.

=be-zingelen, -zingen,= mit einer Zingel umgeben; umzingeln.

=be-zwacken,= Abbruch thun, einem zusetzen.

=bi,= 1. präp. bei, an; in, während; gegen, ungefähr; von, aus, durch, vermittelst; bei Strafe, Verlust 2. adv. bei; *bi also, (dat),* unter der Bedingung, in der Weise, in sofern; bei Seite, weg, in *bi-dôn etc.;* vor Subst. zeigt es häufig das Unregelmässige, Unordentliche etc. an.

=bi-= auch = *be-* (und umgekehrt).

=bibbe,= eine Art Lamprete (Neunaugenkönig).

=bi-belegen,= nahe bei gelegen; anliegend.

=bi-beseten,= in der Nähe ansässig.

=bi-bestân,= beistehen, helfen.

=bi-bestant,= Beistand, Hülfe.

=bi-bestendich,= beiständig, hülfreich.

=bi-bestendicheit,= Bestand; (Beistand).

=bi-breken,= ab-, niederbrechen.

=bi-bringen,= 1. wegschaffen, bei Seite bringen. 2. zu Stande bringen, bewirken; zufügen. 3. beweisen. 4. melden, angeben.

=bi-bringer,= Angeber, Ohrenbläser.

=bi-broke,= Neben-, Strafgelder.

=bichtbrêf,= literae absolutoriae, Ablassbrief.

=bichte,= f. Beichte.

=bichten,= _sw. v. 1. beichten, bekennen. 2. peinlich verhören. 3. *(= buchten),* pralen._

=bichter,= Beichtvater.

=bichterie,= Amt eines Beichtigers.

=bichtes-wise,= nach Art der Beichte.

=bichthorer= = bichter.

=bichtiger,= _1. Bekenner der Wahrheit, *confessor.* 2. Beichtvater._

=bicht-pennink,= Beichtpfenning.

=bicht-vader,= Beichtvater.

=bick-ârs, -êrs,= intertrigo, bubo (Wolf).

=bick-bere,= Vaccinium myrtillus.

=bicke,= Spitzhacke, Zweispitz.

=bickel,= Knöchel (von Schafbeinen); Würfel, Fangstein (im Kinderspiel).

=bickel-stên,= 1. mit einer Spitzhacke von Steinen abgeschlagene Stücke. 2. Würfel, Fangstein (der Kinder).

=bicken,= sw. v. mit einer Spitze klopfen, picken; von bebrüteten Eiern, in denen die Küchlein die Schale durchbrechen wollen.

=bickhûs,= Haus, in welchem die *bicken* für Todtengräber oder Bauleute aufbewahrt werden.

=biddelkoste,= Bewirtung, welche den Hochzeitsbittern gegeben wird.

=bidden,= st. v. 1. bitten; -- (die Sache durch Gen., *umbe, to,* Infinitiv oder Satz mit *dat;* die Person sehr häufig durch Dativ, und *up).* 2. von jem. eine *bede* (Steuer) verlangen. 3. einladen.

=bidder,= Bitter, Fürbitter.

=bidderinne,= Bitterin, Fürbitterin.

=biddersche,= Bitterin, bes. die Hochzeits- oder Leichenbitterin.

=biddesterinne= = bidderinne.

=biddestersche= = bidderinne.

=biddinge,= Bitte.

=bidell= = bidellium, ein Edelstein.

=bidiger= = bedeger.

=bi-dôn,= bei Seite schaffen, fortschaffen, beilegen.

=bi-dwele,= (Nebentuch), Serviette.

=bie (beie),= _f. Biene; *bie-kâr,* Bienenkorb; *bie-moder,* Königin._

=bi-ein-komen,= zusammen kommen.

=bier-gelde= = bargildus.

=bi-gân,= daran gehen; übernehmen.

=bi-gank,= Beigang (in der Weberei); das Überschüssige?

=bigat,= ein Schiffsgerät (?).

=bi-gebringen,= darthun, beweisen.

=bi-gelachte,= Beilage; Depositum.

=bi-gelove, bi-love,= falscher Glaube; Aberglaube.

=bi-gelovich,= abergläubisch.

=bi-geweken,= (jüngst) verwichen, vergangen.

=bi-gordel,= (lederne) Tasche am Gürtel.

=bi-gôt(e),= (Beiguss), Sauce?

=bi-graft,= Begräbnis.

=bi-hank,= Anhang.

=bi-huden,= verstecken.

=bi-kant, bi-kantes,= ungefähr (by chance).

=bi-komen,= 1. intr. beikommen, *accedere.* 2. sich ereignen, geschehen. 3. zu Ohren kommen. 4. trans. betreffen, anlangen (mit Dat.)

=bi-kôp,= unerlaubter Kauf.

=bi-kopen, -kôpslagen,= s. bekopen.

=bi-koste,= unerlaubter Schmaus.

=bi-kumpst,= Zusammenkunft.

=bîl,= n. =(bile),= f. Beil.

=bi-lach,= Winkel-, unerlaubtes Gelage.

=bi-lacht,= Beilager, Hochzeit.

=bi-lade,= kleiner Kasten (Nebenkasten) in einer grösseren Lade, bes. zum Aufbewahren von Kostbarkeiten.

=bi-lage,= Depositum.

=bi-lank, -langes,= entlang, längs.

=bilde,= s. belde.

=bildelicheit (-elcheit),= Billigkeit.

=bildelik,= billig; adv. bildeliken.

=bilden,= sw. v. billig sein, gebühren.

=bild-(h)aftich,= musterhaft.

=bildich, bildichlik= = bildelik.

=bi-legge,= Serviette.

=bi-leggen,= 1. beilegen, beseitigen; abthun; (Zeugen) zurückweisen. 2. zum Beiliegen geben, verehelichen. 3. belegen, beweisen. Auch = *biliggen,* helfen.

=bilen-messet (bile-mes),= _Beilmesser, Schneidemesser der Schuster._

=bi-lichte,= n. Dämmerung.

=bi-liggen,= beiliegen; anhangen, beistehen, helfen.

=bi-ligger,= Anhänger, Helfer.

=bi-ligginge,= 1. Anhängerschaft. 2. Beilager.

=bilken,= sw. v. nach Billigkeit schätzen.

=bilkinge,= billige Schätzung.

=bilk, bilken= = billich (bildelich); billiken (bildeliken).

=bilken,= n. Weichbild?

=bille,= Schriftstück, *syngraphum* (Rechnung, Wechsel etc).

=bille,= f. Hinterbacke, clunis.

=billen-sât,= der Same von Hyoscyamus niger.

=billen-wortele,= Wurzel von Hyosc. niger.

=billich, bilk,= billig, passend, gerecht; adv. *billichliken* u. billiken, bilken.

=billix= d. i. *billiges,* adv. zu billich.

=bi-lofte,= Neben-, Winkelverlöbnis.

=bi-love= = bi-gelove.

=bi-lovisch,= falschgläubig, bifidus.

=bilre,= Zahnfleisch, gingiva.

=bîl-schillink,= Beilschilling (Abgabe der Knochenhauer).

=bilse,= Hyoscyamus albus _u. *niger; bilsensât* (u. *billersât),* Same dieser Pflanze._

=bi-minte,= Menta.

=bimmeln,= (mit kleinen Glocken) läuten.

=bi-morgensprake,= ausserordentliche Morgensprache.

=bin= = binnen.

=bi-na,= beinahe, fast.

=bi-namen,= _recht eigentlich, genau so wie es gesagt ist, mit Namen._

=bi-naber,= (tautol.) Nachbar.

=bindeken,= n. eine kleine Binde (als Frauenschmuck).

=bindel-hanschen,= Handschuhe, die man in der Ernte beim Binden des Kornes anzog.

=bindel-maget,= (Korn)-Binderin.

=binden,= st. v. 1. binden; *sik to hope b.,* sich verbinden, vereinigen. 2. verbinden (Wunden).

=bindestersche,= (Korn)binderin; = bindelmaget.

=bindich,= bündig.

=bindinge,= Band, fascia.

=bi-nemen,= beseitigen.

=binnen, bin,= 1. adv. binnen, innerhalb. Superl. *binneste, binnenste,* das Innerste. 2. präp. räumlich u. zeitlich: in, innerhalb; mit Dat. u. Acc., in adv. Verbindungen auch mit Gen. z. B. *binnen landes, binnen vredes etc., binnen unlange,* seit kurzer Zeit. -- modal: *binnen sîn eines dinges,* eines Dinges inne sein, wissen. *to binnen maken,* belehren; elliptisch: *(nicht) binnen wellen,* (nicht) einleuchten wollen.

=binnen-landesch,= inländisch, einheimisch.

=binnen-lude,= die innerhalb der Stadt Wohnenden.

=binnen-schap,= innerer, geheimer Schrank in einer Kiste.

=binnen-wendich,= präp. innerhalb; adj. inwendig.

=binnen-wendicheit,= das Innere.

=binnerpacht,= Pacht an Geld, Hühnern u. kleineren Naturalien.

=binnes, binnens= = binnen.

=bint,= n. Gebinde (Garn); Fach.

=bint-exe,= Bind- (Stoss)axt.

=bintsel,= _n. 1. Bindsel, Seil, um Taue zusammenzubinden. 2. Halfter, Strick,_ capistrum.

=bi-plicht,= Hülfe, Beistand.

=bi-plichten,= im Spiel mit setzen (auf Gewinn oder Verlust); jemandes Anhänger sein.

=bi-plichter,= Beipflichter, assecla, assentator.

=bi-plichtinge,= Beipflichtung, Hülfe, Mitwirkung.

=bi-rede,= 1. Beispiel. 2. Nebenrede, Clausel.

=bireit= = Barett (als Kopfbedeckung der Geistlichen).

=bi-richt,= Nebengericht.

=bi-rider,= Beireiter.

=birken- (barke-)meier,= Trinkgefäss aus rohem Birkenholz.

=birve= = berve.

=bisant,= byzantinische Goldmünze.

=bischedôm,= Bischofs-Bistum.

=bischop,= Bischof; *bischop-dôm,* Bistum.

=bischuw,= Beschau, Beratung?

=bisemer,= s. besemer.

=bi-setten,= 1. als Pfand einsetzen, dran wagen. 2. bei Seite setzen; einkerkern; beilegen (eine Sache), abthun.

=bi-sides,= beiseits.

=bi-sidhalven,= an der Seite.

=bi-sitter,= Beisitzer.

=bi-slach,= Nebenbau, Verschlag; eine feste, steinerne Bank vor dem Hause.

=bi-slapen,= Beilager halten.

=bi-slaper, -sleper,= Beischläfer; Kämmerer, Kämmerling, cubicularius.

=bi-slapinge,= Beilager.

=bi-slâpster,= Beischläferin.

=bi-slepersche,= Beischläferin.

=bislôk,= Binsenlauch, serpillum; schoenoprasium.

=bi-solt,= Beihülfe?

=bi-sorge,= 1. Seelsorge, das Amt eines Seelsorgers. 2. geistlicher Sprengel.

=bi-sorger,= Curator; Beistand.

=bi-spel,= Beispiel, Gleichnis.

=bi-sprake, -sproke,= _1. Einrede, Einsage, Einspruch, Widerspruch. 2. Besprechung, Rücksprache._

=bi-spraken, -spreken,= Einrede, Einspruch erheben; widersprechen.

=bi-sprakich,= b. maken = bispraken.

=bi-spreke= = bi-sprakich.

=bi-sproke,= 1. Gerede. 2. Sprichwort.

=bi-sprunk,= Ehebruch.

=bissen,= sw. v. 1. wie toll hin- und herlaufen, bes. vom Rindvieh, wenn es vom Bisselwurm *(oestrus bovis)* umschwärmt und gestochen wird, oder in der Brunstzeit ist. 2. in Aufruhr bringen, conturbare.

=bist,= Lockung? Erregung?

=bi-stân,= beistehen; zugestehen.

=bi-standich, -stendich,= beiständig, Hülfe leistend.

=bi-standicheit,= Beistand.

=bi-stat,= Neben-, Nachbarstadt.

=bistel (-stal),= 1. Vorbau von Stein oder Holz (vor der Thüre), Erker, *menianum.* 2. Gerät zum Fischen; eine Art Netz?

=bi-stender,= Anhänger, Helfer.

=bi-stentlich,= beiständig, Hülfe leistend.

=bi-stentnisse,= Beistand.

=bîster,= 1. umherirrend, vom rechten Wege abweichend, ins Wilde gehend; *b. werden* oder *sîn,* mit Gen. verlustig werden oder sein. 2. übertr. verwildert, verwirrt, verkommen, unzüchtig; elend, schlecht.

=bîsterbose,= sehr, überaus, (grimmig) böse.

=bîsteren,= sw. v. umherirren, irre gehen, errare.

=bîstergenge,= umherschweifend, arbeitslos, dienstlos.

=bîsterigen,= adv. verworren, verkehrt, widersprechend.

=bîsterlîk= = bîster; bisterliken, adv.

=bîsterlopen= (= bîsterlopende), arbeitslos, dienstlos umherirrend, Vagabund.

=bîsternisse,= Irregehen; Irrtum.

=bîstervare,= Irregefahrener.

=bîstervri,= biesterfrei, d. h. frei, unter keiner Hode stehend; dessen Vermögen im Todesfall vom Fiscus eingezogen wird.

=bistete,= Hülfe?

=bi-strecken,= helfen, unterstützen.

=bi-sweke,= Beeinträchtigung, Nachteil.

=bit (bitte)= = bete, Gebiss.

=bit,= präp. bis.

=bit,= n. ein Loch ins Eis geschlagen.

=bi-tale,= Beschuldigung.

=bite,= (Raupe oder) Blutegel.

=bi-teken,= 1. Zeichen, Abzeichen, Märk. 2. Beispiel (zur Erklärung dienend), Symbol.

=biten,= st. v. beissen; schneiden (von Waffen).

=bite-schâp,= Spottname auf einen Bischof.

=bitinge,= das Beissen.

=bi-tît,= die nicht gesetzliche, aussergewöhnliche Zeit; Unzeit.

=bitter,= bitter.

=bitteren,= sw. v. bitter machen, verbittern.

=bitterheit= u. =bittericheit,= Bitterkeit.

=bitterich,= bitterlich.

=bitterliken,= bitterlich; heftig, sehr.

=bitzen= (ist hochd. Form; *tz = ss),* Bissen, Bisschen.

=bi-val,= 1. Anhang, Hülfe; *b. dôn,* helfen, *assistere.* 2. Beifall, Zustimmung.

=bi-vallen,= auf jemandes Seite treten, ihm beistehen; jem. Recht geben.

=bi-vank,= _n. ein mit irgend einer Befriedigung umgebenes Stück Land, *septum, conseptum;* ein ausgesondertes, eximiertes Stück Land._

=bi-vellich,= 1. = *be-vellich,* passend, genehm. 2. beifallend, Hülfe leistend.

=bi-vligen,= 1. bei-ordnen, bestellen. 2. jem. Schaden zufügen, ihm etwas anthun.

=biffen,= sw. v. das Haar bauschig machen.

=bivot, bibot,= Artemisia.

=bi-vrede,= Beifriede, d, h. vorläufiger (nicht vollständiger, rechter) Friede, Waffenstillstand.

=bi-wân,= Zweifel.

=bi-wanen,= beiwohnen, zusammensein?

=bi-weges,= adv. zur Seite.

=biwende= = bivank, hd. Beunte, Bünte.

=bi-wendich,= dem Gerichtsherrn verfallen.

=bi-werf,= Nebengeschäft.

=bi-weselik,= umgänglich, freundlich.

=bi-wesen,= 1. dabei sein. 2. vorbei sein.

=bi-wesent= u. =biwesinge,= Beisein, Gegenwart; Umgang, Gesellschaft.

=bi-wisen,= zur Seite weisen.

=bi-wîf,= Nebenweib, Concubine.

=bi-worp,= Ring am Griff eines Messers, Dolches etc.

=bi-wort,= Sprichwort, Gleichnis.

=bi-wort= = bênsuge.

=bi-wuth?= alts. *bewod,* Ernte; bildl. vom Strandgut?

=bla (blaw, blauwe),= 1. blau. 2. dunkel, finster. 3. falsch, unächt, schlecht. Subst. blauer Fleck als Folge eines heftigen Schlages.

=black,= n. (schwarze) Dinte.

=black-horn,= Dintenfass (aus Horn).

=black-krût,= Dintenpulver.

=blackmalen,= eingelegte Arbeit *(opus plumarium),* Nielloverzierungen machen.

=black-pulver,= Dintenpulver.

=black-schiter,= Schimpfname auf Leute, die mit der Feder arbeiten.

=black-visch,= Dintenfisch, sepia.

=bladder, bledder (bledere),= f. Hautblase, Blatter, Pustel.

=bladderich,= voller Hautblasen, Blattern.

=blade-lôs,= Sedum acre; herba vermis.

=bladen,= sw. v. die Blätter abstreifen.

=blaffen,= sw. v. bellen; lästern.

=blaffert,= 1. kleine Münze ohne Bild u. Zeichen. 2. Plapperei?

=blaffert-brôt, -nagel,= Brot, Nagel im Werte eines blaffert.

=blaken,= sw. v. (qualmend) brennen, glühen.

=blank,= glänzend weiss.

=blank,= eine Münze. 1 Gulden (geldrisch) = 14 Blanken. 1 Bl. = 12 Deut (1 rhein. Bl. = 6 Deut).

=blanke,= f. Planke, Bohle.

=blanken,= sw. v. mit Planken versehen.

=blanken,= sw. v. = *blenken,* blinken, glänzen.

=blanketten, -kitten,= sw. v. blank, glänzend machen, schminken, fucare.

=blare,= f. Blesse; Name einer Kuh mit einer Blesse.

=blarren,= sw. v. blöcken wie ein Schaf. 2. (laut) weinen.

=blas,= n. brennende Kerze, Fackel, fax.

=blase,= _f. (Dem. *blaseken),* Blase; als Beutel benutzt für Geld, Gewürz etc._

=blase-ketel,= .. kessel? kleiner Kessel vom Inhalt einer (Schweins)blase?

=blasen,= st. v. intr. blasen, laut atmen schnauben; trans. blasen.

=blasenhengst,= Pferd mit weisser Stirn.

=blasinge,= Blähung.

=blat,= n. 1. Blatt. 2. Halszäpfchen, *uvula.* 3. Zunge. 4. Webergerät (Blatt der Weberlade) u. sonstiges blattförmiges Gerät.

=blat-bîl,= Blatt- (breites) Beil.

=blauelse,= blaue Flecken vom Schlagen.

=blau-hant= u. =blau-vinger,= Bezeichnung eines Meineidigen.

=blau-vôt,= Blaufuss, eine Falkenart (im M. A. auch gegessen).

=blawe,= s. *bla.* Als Subst. blaue Farbe; der blaue Fleck, den ein Schlag zurücklässt, *livor* (Ggs. blôt).

=blawunde,= vulnus intercutaneum.

=bleck,= n. Blech; =blecken,= blechern.

=blecken,= sw. v. *blicken* machen, entblössen, bis aufs Hemd ausziehen.

=bledeken,= Blättchen (Boden einer Karre).

=bledícheit,= Blödigkeit, Furchtsamkeit.

=blei(g), bleger, bleier,= der Fisch Blei. silago, alburnus.

=blei-kulderinge,= das Laichen der Bleie.

=blei-lek, -leket= = bleikulderinge.

=blek, blik (blech),= n. 1. eine Fläche Landes, Raum, Platz, Stelle, Fleck, *spatium.* 2. Flecken, kleiner (und auch grosser) Ort.

=blêk,= bleich; weiss, farblos.

=blêke,= f. Bleiche.

=blêkelachtich,= blässlich.

=bleken,= sw. v. bellen (vom Hunde); blöcken (von Schafen u. Ziegen).

=blêken,= sw. v. bleichen.

=blêkheit,= Bleichheit.

=blêkvar,= bleichfarbig.

=blenden, blinden,= sw. v. blind machen; verdecken.

=blenken,= sw. v. blinken, glänzen.

=blenkenheit,= Glanz.

=blenkeren,= sw. v. glänzen.

=blerre,= lautes Weinen, Wehklage, ploratus.

=blerren (blarren),= sw. v. plärren (vom Schafe); laut weinen.

=blesse,= erbittert?

=blesse, bles,= f. der weisse Nasen- oder Stirnfleck.

=blesset,= mit einer *bles* versehen (Pferd).

=bleten,= sw. v. plärren wie die Schafe, balare.

=bli, blig,= n. Blei.

=bliant,= ein mit Gold durchwebter Seidenstoff.

=bliflik (blivelik),= bleibend.

=blick,= m. 1. Glanz, Schein, Blitz. 2. blickender Schein, facinus manifestum.

=blick,= n. Blech; =blickvlasche,= Flasche von Blech; =blicken,= blechern.

=blick= = blek.

=blicken,= sw. v. Glanz von sich ausstralen, sichtbar werden, sich zeigen; *blickende erven,* wirklich vorhandene Erben; *b. schîn,* Augenschein.

=blicken,= adj. = blickende, manifestus, evidens.

=blickinge,= das Scheinen, Erglänzen.

=blickspel,= spectaculum?

=blide,= f. Maschine, um (Stein-) Kugeln zu werfen.

=blide,= fröhlich, heiter.

=blidelik (en),= fröhlich.

=bliden-hûs, -schrank,= Ort, wo die *bliden* aufbewahrt wurden (Zeughaus, Arsenal).

=bliden-nagel,= Nagel (Bolze) zur blide.

=bliden-stên,= Stein, der aus e. *blide* geworfen wird.

=blide- (bli-, blît-) schop,= Fröhlichkeit, Heiterkeit; fröhliches Fest, Gastmahl, Hochzeit.

=blidicheit,= Fröhlichkeit, Heiterkeit.

=blidichliken,= fröhlich, heiter.

=bliech-achtich,= blass, bleich, subpallidus.

=blien, bligen,= bleiern.

=bli(g)asche,= Bleiasche (molybditis).

=bli(g)nagel,= Bleinagel.

=bli(g)wit,= Bleiweiss, cerussa.

=blindelinge,= adv. blindlings.

=blindes,= auf blinde Weise.

=blindefalle,= das Tau, womit das unter dem Bugspriet befindliche Segel (die Blinde) gehisst wird.

=blint,= blind; von Thüren u. Fenstern: zum Schein angebracht; *blinde pile,* Ggs. zu Feuerpfeilen.

=blintlik,= blinder Weise.

=blintnisse,= Blindheit.

=blîf,= n. das Bleiben, Verzug, *mora. sonder b.,* unverzüglich.

=bli-vâr,= bleifarbig.

=bli-vater,= der Glas in Blei fasst, Glaser.

=bliven,= st. v. 1. bleiben; verunglücken, sterben (gern mit dem Zusatze *dôt);* bes. zur See verunglücken (von Schiffen und Menschen). 2. *b. bî,* auf jemandes Seite treten; sich jemandes Urteil unterwerfen, sich dessen Spruche fügen.

=blivinge,= das Bleiben, Dauern.

=blixeme, -ene,= m. Blitz.

=blixemen,= sw. v. blitzen.

=blixem-slach,= Blitzstral.

=block,= m. und n. 1. Block, *truncus.* 2. Block oder Klotz, in welchen man die Füsse der Gefangenen schloss, *nervus, cippus.* 3. blockähnliche schwere Kiste zur Aufbewahrung von Geld, Documenten etc. 4. blockähnlich Gehäuftes. 5. Schiffsrolle. 6. Ackerstück (mit Graben oder Zaun umgeben, oder ein Queracker.) 7. Goldschmidtsarbeit?

=blocken,= sw. v. die Füsse in den Block schliessen.

=block-hûs,= Blockhaus, propugnaculum.

=block-slot,= grosses Vorlegeschloss.

=block-stock= (tautol.) = block 3.

=blode,= schwach; furchtsam, verzagt.

=blodehertich,= schwachherzig.

=blodelse (blodsel),= Blutrunst (durch Schlag entstanden), blutige Verletzung.

=bloden,= sw. v. bluten.

=blodich,= blutig; *bl. tegede,* Viehzehnte; *bl. dufte,* Viehdiebstahl.

=blodichlik,= blutig.

=blodigen,= auf blutige Weise.

=bloen (blogen, bloien, bloigen, blugen),= sw. v. blühen.

=blogende,= f. Blüte.

=bloginge,= Blüte.

=bloisendreger,= Fackelträger (der *blose, blase* trägt).

=bloite,= (die goldene Ader), Hämorrhoiden?

=blome,= Blume, eine Art Gewürz (Muskatblumen?); (bes. im Plur.) menses, menstruum.

=blomen,= sw. v. blühen.

=blomen-gêl,= blumengelb; Bezeichnung eines Kleiderstoffes.

=blomet,= Blumenweide (blühende Heide).

=blômware,= die Berechtigung, *blômholt* d. h. hartes Holz zu hauen (Ggs. *dustware);* das *blômholt* selbst.

=blont,= s. blunt.

=blosem, blossem,= f. (?) Blüte.

=blosen, bloschen,= sw. v. erröten, erglühen.

=blôt, blût= n. Blut; Blutverwandtschaft; lebendes Wesen.

=blôt,= bloss (nichts als, nur), nackt; arm, mittellos; *al blôt,* ganz offenbar.

=blôt,= f. Blüte, floritura.

=bloten,= adv. bloss, nur.

=bloten,= sw. v. 1. blössen, entblössen; offenbaren. 2. (bloss, wüst machen) niederlegen (ein Gehöft etc.).

=blôt-gank,= Blutgang; spec. rote Ruhr.

=blôt-gêter,= Blutvergiesser.

=blôt-getinge,= Blutvergiessen.

=blôt-gir,= blutgierig.

=blôt-hant,= mittellos, dürftig (vgl. *gût van bloter hant gewinnen,* aus Mittellosigkeit zu Vermögen gelangen).

=blôt-hunt,= Blut-, Schweisshund.

=blotinge,= Entblössung; Offenbarung.

=blôtliken,= 1. = *blodeliken,* blöde, schüchtern. 2. genau, sorgfältig (eig. ohne Hülle).

=blôt-risene,= blutfliessende Wunde.

=blôt-ronn (-renn, -rinne, -rint, -runt, -renninge, -ronninge, -runninge),= f. Blutrunst.

=blôt-runnich,= blutrünstig.

=blôt-runst,= f. Blutrunst.

=blôt-stên,= Blutstein, lapis Haematites; bolus armenicus.

=blôt-stortent= u. =-stortinge,= Blutvergiessen.

=blôt-storter,= Blutvergiesser.

=blôt-vallich,= blutig.

=blôt-var,= blutfarbig.

=blôt-wort,= Capsella (bursa pastoris).

=blôt-wunden,= sw. v. (blutig) verwunden.

=blumblome,= welche Pflanze?

=blunt, blont,= blond, bläulich-gelb, lividus.

=blûs= = blas, Fackel, Leuchte; *bluse,* Feuerturm, Feuerwarte, Pharus.

=blusamicheit= (= blosamicheit), Blühen, Gedeihen.

=blusemen,= sw. v. feuern, heiss machen.

=blusen,= sw. v. Wartfeuer machen; bildl. feuerrot aussehen.

=bluser,= Feuerwärter.

=blusetorm,= Feuerturm.

=blût-, bludelos,= blutlos.

=bluwel, bluel,= Bleuel, Werkzeug zum Schlagen.

=bluwen,= sw. v. schlagen.

=bo= = be, namentlich in Compp.

=bôch, bûch,= m. 1. Ring. 2. Bug, Keule, Schulter. 3. Bug des Schiffes, Vorderteil. 4. Biegung; Wendung. 5. Bezeichnung eines Ackerstückes.

=bôchholt,= Krummholz?

=bôchlik,= biegsam.

=bôchribbe,= Bugrippe, die vorderste R.

=bôchsak= = bokessak, bokesbudel?

=bôchsam,= biegsam.

=bôchsprêt,= Bugspriet.

=bodde,= s. bodene.

=boddele,= f. aufwallende Wasserblase, bulla.

=boddelen, buddelen,= sw. v. Blasen aufwerfen.

=bode, bade,= m. Bote; Gerichtsbote; Dienstbote.

=bode,= f. Vorladung.

=bode,= f. 1. kleines, von Handwerkern u. s. g. kleinen Leuten bewohntes Haus. 2. Baracke, Zelt; Verkaufs- und Arbeitsbude.

=bode= = bodene, Fass.

=bódeker, bodiker,= Böttcher.

=bo-dêl= (Bau-teil?) oder =bodel= (= budel?), das gesammte Vermögen.

=bodel, boddel,= m. Büttel, Gerichtsdiener, namentl. Scharfrichter, Henker.

=bodelen,= sw. v. bütteln, d. h. jem. dem Büttel übergeben?

=bodelgût,= unbewegl. Vermögen, Landgut.

=bodelie,= Büttelei, Wohnung des Büttels, auch als Gefängnis dienend.

=bodeman,= Bewohner einer bode.

=bodeme,= 1. (von Wachs, Fett etc.) Klumpen, Scheibe, Boden, (Bottich); 2. = bodene.

=bodeme, boddeme, bodden,= m. 1. Boden, bes. eines Schiffes; das ganze Schiff, insofern der *b.* die Last fasst. 2. Gewässer, das von Schiffen befahren wird *(»bodden,* ein niedriges Binnenwasser«. Dähnert.). 3. als f. ein flaches Schiff?

=bodemen,= sw. v. mit einem Boden versehen, Boden einsetzen.

=bodemen,= sw. v. auf Schiff und Ladung (Bodmerei) leihen.

=bodem-stede,= Stätte, Stelle des Bodens, wo ein Gebäude steht.

=bodem-tol,= Zoll von allem, was in Gefässen eingeführt wird.

=boden-bank,= Bank, auf der die *bodene,* Bütten, stehen.

=boden-brôt,= 1. Botenbrod, Lohn für eine überbrachte Botschaft. 2. die Botschaft selbst.

=bodene, boden, bode, bodde, budde, butte= (u. =bodeme= _etc.) 1. offenes Fass, Bottich, Wanne etc., *dolium.* 2. die hölzerne Einfassung des Mühlsteins, Mühllauf._

=bodener,= Bewohner einer *bode;* Büdner.

=boden-mekere,= Bottichmacher, Böttcher.

=boden-rôf,= Deckel über e. bodene.

=boden-stulpen= (einer Person einen Bottich [oder Kufe] aufstülpen und so widerstandsunfähig machen [?]), berauben, ausrauben, ausplündern.

=boden-stulper,= (nächtlicher) Räuber, Plünderer.

=boden-tafel,= Gesinde-tisch.

=boderen,= sw. v. waschen?

=bode-schop,= f. Botschaft; m. Botschafter.

=bode-schoppen,= sw. v. verkündigen, melden; *bodeschopper,* Botschafter.

=bodik-holt,= Böttcherholz, Fassdauben.

=bodinge,= 1. Botschaft. 2. Vorladung. 3. Aufgebot (zum Kriege).

=boge,= biegsam.

=boge,= m. 1. Bogen. 2. (Fenster-) Rahmen. 3. Flurname (nach der Gestalt benannt, = bôch?).

=boge,= f. Biege *(curvatura,)* Gelenk.

=bogel, boggel,= m. Bügel, Ring; *dorch den b. slân* = das *bogelspel* üben, einen Ball durch einen Ring oder Bügel treiben.

=bogel-iser,= Bügeleisen.

=bogel-rugged,= mit gebogenem Rücken.

=bogen,= sw. v. beugen, biegen.

=bogen= (= bagen), sw. v. pralen, rühmen.

=bogen-sage,= Kreissäge.

=bogen-schere,= Kreisschere.

=bogen-schote,= Bogenschuss; als Längenbezeichnung.

=boge-rêp,= das Tau, welches die Boje am Anker befestigt.

=bogesam,= biegsam; gefällig, freundlich.

=boge-tange,= Biege-zange.

=boghaftich,= biegsam.

=boginge,= Beugung.

=bohurt, burt,= m. Ritterspiel, Buhurt.

=boie,= f. 1. Fessel. 2. Treibbake.

=bojer, bojert,= m. kleines Fahrzeug mit einem Maste.

=boisolt,= Baisalz, Meersalz (aus Baye, Hafenort südlich von Nantes).

=boiwede= (= buwede), Ernte.

=bôk,= n. Frucht der Buche, Bucheckern.

=bôk (bûk),= n. Buch.

=boke,= f. Buche.

=bôk-ecker,= Eichel der Buche.

=bok-el-budel= = bokesbudel.

=bokele,= f. die aus e. Erzbeschlage bestehende halbrunde Erhöhung in der Mitte des Schildes.

=bokeler,= m. Schild mit e. *bokele,* grosser Schild.

=boke-mole,= Stampfmühle.

=boken,= büchen.

=boken,= sw. v. 1. klopfen, schlagen; *vlas b.,* durch Klopfen weich machen. 2. pochen, pralen.

=boken,= sw. v. vergeben von Todeswegen (eig. buchen).

=boken-schot,= das beste Buchenholz ohne Knorren.

=boker,= Schläger, Klopfhammer, metellus.

=bokeral,= Art des feinsten weissen Leinens, bissus jacinctus.

=bokerei?=

=bokes-budel,= Beutel für ein Buch, namentlich Gesangbuch; später: das übertriebene Festhalten an alter Sitte, Bocksbeutel.

=bôkmast,= Buchmast.

=bôkstaf,= m. Buchstabe.

=bokstaven,= sw. v. buchstabieren.

=bokunge,= Verbuchung; Vergabung von Todeswegen (inscriptio).

=bôk-vorer,= Buchhändler.

=bôk-wête,= Buchweizen.

=bôl,= n. Stück Landes; Landgut (praedium).

=bol,= unterhöhlt, hohl, spongiosus, cavernosus.

=bolaftich,= porös, nicht fest.

=bolborch= = bolbreng.

=bôlbreng,= (altfr.) Ausstattung, was die Frau mit ins *bol(d)* bringt.

=bolde, balde,= rasch, sogleich.

=boldeke (baldeke), -dek, -dik, -dok, -dich,= n. Seide aus Baldac, d. i. Bagdad; Kleider oder Decke daraus; bes. das Leichentuch, Sargtuch.

=bole, bale,= f. bauchiges Gefäss (Bowle).

=bole, bolle, bale,= f. Bohle.

=bole,= m. Buhle, trauliche Bezeichnung von Verwandten (namentlich Brüdern) oder sonst durch Beruf nahestehenden oder befreundeten Personen (vgl. *gildebole, kalandsbole* = Gildebruder etc.). f. Buhlerin.

=bolen (balen),= sw. v. mit Bohlen, Dielen belegen.

=bolen,= sw. v. Buhlschaft treiben.

=bolen,= sw. v. ausstatten (vgl. bôlschat).

=boleken,= (leibliche) Geschwister; *boleken-kindere,* Geschwisterkinder.

=bolen-brêf,= Liebesbrief.

=bolen-lêt,= Liebeslied, unzüchtiges Lied.

=boler,= Buhler.

=bolgen, bulgen,= _(Part. zu *belgen)* zürnend, *b. môt,* Zorn._

=bolieren (bolêren),= sw. v. Buhlerei treiben.

=bolinen,= Bugleinen, die Taue, womit die dem Winde zugewandte Seite nach vorn (nach dem Buge) geholt werden.

=bolken,= sw. v. bölken, vom Schreien des Rindviehes, mugire.

=bollart,= eine Art schlechten Pelzwerkes? oder Art Felle?

=bolle,= alles was von runder, knopf- oder kugelähnlicher Gestalt ist.

=bollik= = boldek.

=bollinge= (= bolinge), Bohlung, Fachwerk.

=boll-îs,= Wind-eis, Hohl-eis.

=bolsan,= m. Stange mit einer Fahne; die Fahne selbst.

=bôlschap,= Buhlschaft; concr. Buhlerin.

=bôlschat,= Hausschatz, d.i. der Frau ins Haus mitgegebener Schatz, Aussteuer.

=bolt, balt,= rasch, kühn, trotzig.

=bolte, bolten,= m. 1. Bolz, Pfeil. 2. runder Stab. 3. Fessel, Fusseisen. 4. Rolle (unverschnittener) Leinewand.

=bolteken,= ein kleines Mass für Flüssigkeiten (Bier).

=bolten-dreier,= Bolzendrechsler.

=boltvê,= urspr. das Vieh, das der Braut als Aussteuer mitgegeben wurde; überh. Aussteuer, Mitgift.

=bolwerk,= n. urspr. Bohlenwerk, hölzerne Wehr; später jede Befestigung (auch von Erde).

=bolwerken,= sw. v. mit einem Bollwerk versehen.

=bôm,= m. 1. Baum, Stange. 2. Schlagbaum. 3. Lichtbaum (Gestell, um Lichter darauf zu setzen). 4. Hebebaum. 5. Sattelbaum etc. 6. *lübsche b.,* Bezeichnung für das Niedergericht in allen Städten, in welchen das Lübische Recht galt.

=bomer,= Baumwärter, der den Schlagbaum zu öffnen oder zu schliessen hat.

=bôm-garde,= Baumgarten.

=bôm-gôs,= Baumgans, Anas bernicla.

=bôm-hekel,= Specht, merops.

=bôm-hower,= der Bäume, namentl. Sattelbäume macht.

=bôm-kanne,= Baumkanne, hölzerne Kanne.

=bôm-leter,= eine Pflanze, welche?

=bôm-pert,= Stangen-, Deichselpferd.

=bôm-schip,= Trog oder Schiff, aus einem Baumstamme gemacht, *monoxylon;* kleines Fischerfahrzeug.

=bomsin (bomside),= ein gewebtes Zeug (Aufzug von Baumwolle oder Garn, Einschlag von Wolle).

=bômte,= n. Anzahl von Bäumen, Gehölz.

=bone,= f. Bohne; wertlose, geringe Sache.

=bone,= m. und f. 1. Bühne, jede bretterne Erhöhung. 2. die Decke eines Zimmers, Boden, Stockwerk.

=bone= = bodene, Boden.

=bone,= (fries.) Mörder, (alts. bano).

=bonehase,= Bönhase, d. i. der ohne das Meisterrecht erlangt zu haben, heimlich sein Handwerk betreibt.

=bonehasen,= sw. v. ein *bonehase* sein.

=bonen,= sw. v. bühnen, mit Brettern belegen?

=bonen,= sw. v. für den Mörder erklären.

=bonen,= sw. v. mit einer steifen Bürste oder gewächstem Lappen reinigen u. blank machen.

=bonen-pümpel,= Bohnen-Stampfer.

=bon(h)aftich,= Bühne, Zimmerdecke, Stockwerk habend; subst. Bühne, Stockwerk etc., tabulatum.

=bonik, bonk,= m. der unterste Schiffsraum, Kielraum; das den Raum erfüllende, Ladung. *den b. breken,* die Ladung, Ware, anbrechen, öffnen.

=boninge,= die 22 letzten Tage der s. g. Fluten bei der Salzbereitung.

=boninge,= (Bühnung), Decke eines Stockwerkes.

=bonnet, bonnit,= m. (n.) Hut, Kopfbedeckung; in der Nautik: ein Beisegel an einem grösseren, eine Verlängerung des Segels an der Unterseite durch einen Streifen Segeltuch, Leesegel, frzs. bonnette.

=bonuteken,= dem. Bonnetchen, Hütchen, Kopfputz.

=bor,= hoch, erhaben.

=bor,= m. Bohrer.

=boras,= Borax.

=borat,= ital. *buratto,* dünnes, wollenes Zeug, Etamin.

=borch,= n. Verbürgung u. das zu Borg gegebene Gut, *mutuum.* jem. *to borge beden,* auffordern, für ihn Bürgschaft zu leisten; *to borge dôn,* gegen Bürgschaft frei geben: von Sachen: auf Borg ausgeben; *to borge eschen* oder *geren,* gegen Bürgschaft fordern oder begehren.

=borch, borchswîn,= verschnittener Eber.

=borch,= f. Burg.

=borchardesblomen,= Burckhardtskraut, polium montanum (Atriplex hortensis).

=borch-dink,= Burggericht.

=borch-dore,= Burgthür.

=borchele (borgel),= dem. ein verschnittenes männliches Ferkel.

=borch-genote,= Burggenosse, Mitglied der Burgbesatzung.

=borch-gesete,= _n. 1. Burgsitz, vgl. *borchsate.* 2. m. Burgsasse, Burgmann._

=borch-gesinde,= Mitglied der Burgbesatzung.

=borch-here,= Burgherr, Vorsteher des Burgamtes.

=borch-hode,= 1. Bewahrung, Behütung der Burg; syn. *borchvrede;* Vertrag, Verschreibung darüber. 2. Ausgaben zur Bezahlung der Bewachung. 3. concr. der Raum, innerhalb dessen der Schutz gilt.

=borch-knôp,= ... knopf?

=borch-leger,= ritterliches Gefängnis.

=borch-lên,= Burglehn, feudum castrense.

=borchlik,= das Civilrecht betreffend.

=borchlik,= burgartig.

=borch-man,= Burgmann, der im Dienste eines Burgherrn ist, Inhaber eines Burglehns. Plur. die Besatzung einer Burg.

=borchmans-gût= = borchlên.

=borch-mate,= Burgmass (-scheffel = 16 Metzen).

=borch-recht,= Burg-gericht, -recht.

=borch-sate, -sete,= n. und f. 1. Burgsitz, Quartier in der Burg. 2. m. Burgsasse, Burgmann.

=borch-schepel,= Burgscheffel (= 16 Metzen).

=borch-sokunge,= Burggebiet? (castellatura).

=borch-stove,= Burgwirtshaus.

=borch-tal,= s. borgetal.

=borch-veste,= 1. Burgfeste, Schloss. 2. Burgdienst, servitium ad arcem muniendam.

=borch-vrede,= 1. Ruhe u. Frieden innerhalb des Burg- (Stadt-) Bezirkes; Vertrag darüber; concr. Inbegriff aller Oertlichkeiten, in denen der Burgfrieden Gültigkeit hatte. 2. m. u. n. = berchvrede.

=borch-wart (-warde),= f. 1. Burgwarte, -feste, *castrum.* 2. Burgbezirk.

=borch-were,= 1. Verteidigung einer Burg. 2. das zur Verteidigung gehörende Inventar.

=borchweren,= sw. v. befestigen.

=borch-werk,= Befestigung, Schutz der Burg, *munitio castri, structura;* Dienst zum Schutz der Burg.

=borde,= f. (eig. *districtus judicii temporalis;* dann überh.:) Bezirk, Landschaft (Börde).

=borde,= m. Saum, Leiste, Einfassung, Besatz, *circumferentia;* Brustband, Gürtel.

=borde,= Scherz, Spiel, Posse.

=borden,= sw. v. Bord an Bord legen (von Schiffen).

=borden,= sw. v. den *bort* einer Glocke treffen (vom Klöppel.)

=borden,= sw. v. scherzen, höhnen, spotten.

=bordene (borden, borde),= f. Bürde, Last.

=border,= Scherzer, Possenreisser.

=borderen,= sw. v. buhurdieren, Ritterspiel treiben.

=borderich,= der Scherz, Possen treibt.

=borderwerker, -sche,= Bortenmacher, -in.

=bordesan,= n.? Partisane.

=bordeslude,= Leute, die zu einer Börde gehören.

=bordevoget,= Vogt der *borde,* des Districts.

=bordich,= gebürtig.

=bordich,= scherzhaft, höhnisch.

=bordink, -dinge,= ein kleines Fahrzeug, Kahn etc., carabus; bordingsvorer, carabita.

=bore (bare),= f. Bahre, gerula.

=bore,= f. Hebung, Einnahme; m. Hebungsbezirk, Gebiet.

=boreit,= n. Barett.

=borelos,= ohne Wind und Wellen.

=boren,= sw. v. 1. gebühren, zukommen, refl. sich gebühren, *oportet;* 2. sich ereignen (meist refl.).

=boren (baren),= sw. v. 1. heben. 2. richten, ein Gebäude etc., 3. erheben, einnehmen (Steuern, Renten).

=boren,= geboren.

=borental,= gebührliches Verhältnis.

=borge,= m. Bürge.

=borgehant,= cautio judiciaria; _in *b.* bringen, jem. nötigen Bürgen zu stellen (für das Erscheinen im gerichtlichen Termin)._

=borgekôp,= Kauf auf Borg, Credit.

=borgele,= portulaca; auch glossiert durch adracius, adragis.

=borgelik,= bürgerlich, civilis.

=borgen,= sw. v. Bürge sein, sich verbürgen (etwas einstweilen frei gelassenes wieder vor Gericht etc. zu stellen), mit Acc. fristen, aufschieben; *b. up,* seine Hoffnung auf jem. setzen; refl. Bürgen stellen.

=borgere,= _1. = *borchman.* 2. Bürger einer Stadt. 3. = *borge,* Bürge._

=borgerie,= Bürgerschaft.

=borger-(borge)meister,= Bürgermeister, Schulze, magister civium.

=borgerrecht,= die allgemeinen, städtischen Statuten; die Bürgerpflichten.

=borgerschap,= Bürgerrecht.

=borgersche,= Bürgerin.

=borgerslach,= Bürgerart, Qualität derjenigen, die zu Bürgerrecht dürfen angenommen werden.

=borgerwerk,= die öffentlichen Arbeiten, namentlich Erd- und Bauarbeiten, welche die Bürger unentgeltlich zu leisten hatten, opera civilia.

=borgerwerken,= sw. v. *borgerwerk* thun.

=borge-(borch)tal,= Bürgschaft.

=borge-(borch)tuch(t),= f. und n. Bürgschaft, Bürgenbestellung; Strafe, die der Bürge dem Richter bei Ausbleiben des Verbürgten entrichtet.

=borich,= Einkünfte erhebend.

=boringe,= f. Hebung; Einnahme; Hebungsbezirk.

=borke,= f. Rinde, Kruste.

=borlik,= gebührlich.

=bormester= = borgermester.

=bormint,= eine Mund-(?)krankheit des Pferdes.

=borne,= _m. 1. Brunnen; spec. = *soltborne.* 2. frisches Wasser._

=borne-gût,= Salzgut.

=borne-here,= Brunnenherr, Aufseher über die Brunnen.

=borne-kerse, -kasse,= Brunnenkresse, Nasturtium off.

=borne-mester,= (Salz-)Brunnenmeister.

=borne-mole,= Wassermühle, -werk.

=bornen,= sw. v. zum Brunnen, frischem Wasser, führen, tränken (Vieh), adaquare.

=borne-sprink, -sprank,= m. Brunnquell.

=borne-tins,= (jährliche) Brunnenabgabe.

=borne-tovere,= Brunnen-, Wasserzuber.

=born-holt= = bernh., Brennholz.

=bornich,= zum Brunnen gehörend, fontaneus.

=borninge,= Wasserholen, Tränken.

=bornisse,= Gebührnis; richtiges Verhältnis.

=born-kope,= Wasserkufe.

=born-kuven,= Wasserkufe.

=born-stên,= 1. Brunnenstein; grosser Fels, Fundamentstein. 2. = bernstên, electrum, succinum.

=born-sule,= Brunnensäule, -pfahl.

=bor-(ba-, be-)rassen,= Borago off.

=borries?= = borsis?

=borse= = riste, bote? rispa? Bündel?

=borsen?= rade (Räder) b.?

=borsis (borezis)= = mhd. *bortsîde,* halbseid. Zeug.

=borst,= f. 1. Brust, Busen. 2. Brustharnisch.

=borst,= Gebrechen, Bruch, Mangel; *mi wirt b.,* mit Gen., ich vermag etwas nicht auszuführen; die Strafe pro defectu.

=borst-borge,= Schadebürge.

=borst-dôk,= Brusttuch.

=borste= (u. =borstel),= f. Borste; Bürste.

=borstel= = borch-stelle.

=borsten,= s. bersten.

=borstich,= gebrechend, Mangel habend.

=borst-lappe,= Brusttuch.

=borst-slach,= Brustschlag.

=borst-suke,= Brustkrankheit.

=borst-were,= Brustwehr.

=bort,= f. Geburt; das Gebären; Herkunft; concr. Leibesfrucht, das Geborene.

=bort,= _m. u. f. Rand eines Gefässes, Bettes, Schiffes, einer Glocke; Tafel, Tisch._

=bôrt,= Scherz.

=bort-brêf,= Geburtsbrief, Bescheinigung ächter freier Geburt.

=bort-holt?=

=bôrtlik,= scherzhaft, jocosus.

=bortschip,= 1. Schiff = *bordinge.* 2. Schiff, das zur Reiheschiffahrt gehört.

=bortschof,= Handvoll (Bund) Stroh vom Rande eines Strohdaches.

=bortucht= = borgetucht.

=borwort,= Bruchwurz, Agrimonia Eupatoria.

=bosack?= (= bôksack, bokesbudel? oder = vôtsack?)

=boschenspel= = bôsselspel.

=bose, bôs,= 1. bös, grimmig. 2. schlecht.

=bosem(e),= s. busem(e).

=boserich,= schadhaft.

=bôshake,= Bootshaken.

=bosich,= böse, zornig.

=bôslik,= böslich, *malignus;* adv. bôsliken.

=bôsman= = bôtsman, Matrose.

=bôsruchtigen,= adv. verleumderischer Weise.

=bôss= (ahd. =banse),= f. (?) Viehstall.

=bôsse,= die harte Hülse gewisser Fruchtarten, siliqua.

=bôsse (botze, boitze),= Art grobes Schuhwerk (Filzschuh, sotular).

=bosse (botze),= f. Posse, ludicrum.

=bossenmaker,= Possenreisser.

=bosserie,= Possenspiel, jocus, ludus.

=bôssel,= Kegel.

=bôssel-bân,= Kegelbahn.

=bôsselen,= sw. v. Kegel spielen, kegeln.

=bôsse(l)-klôt,= Kegelkugel.

=bôssel-leck,= Kegelspiel.

=bôssel-spel,= Kegelspiel.

=bôssen,= sw. v. Kegelschieben.

=bôss-holt,= Kegel.

=bôss-kule,= Kreisel, trochus.

=bôt,= n. u. m. Boot, cymba.

=bôt (= boit, bowet),= f. Ernte; *bôtmaget,* Erntemagd.

=bot=, n. Gebot, Befehl; gerichtl. Vorladung; gebotene Zusammenkunft.

=bot-brêf,= Gebotbrief, schriftlicher Befehl.

=bot-dink,= _(gebotenes Ding) feierlicher, allgemeiner Gerichtstag,_ placitum, judicium supremum.

=bote, bute,= f. 1. Abhülfe, Besserung, Heilung. 2. Busse (im kirchl. Sinne); Busse, Genugthuung durch Geld- oder andere Strafen (im gerichtl. Sinne).

=bot(e),= f. eine Art grosser Fässer (zu Wein, Korinthen etc.).

=bote,= m. ein Bündel Flachses.

=botel,= Instrument zum Schlagen, percussorium, metellus.

=boteln,= sw. v. castrieren.

=boten, buten,= sw. v. 1. ausbessern, flicken. 2. heilen, bes. durch Segensformeln; (castrieren). 3. wegschaffen, vertreiben. 4. stillen, befriedigen. 5. büssen (im kirchl. u. rechtl. Sinn).

=boten, buten,= sw. v. Feuer machen, anzünden.

=boten-toll,= Zoll von Fässern (boten).

=boter (böter),= (Elb)schiffer, die aufwärts fahren.

=boter,= 1. Besserer, Flicker. 2. Büsser.

=boterie,= Heilung (durch Segensformeln).

=bot-ersen,= einem den Hintern gegen die Erde etc. stossen.

=bote-vûr,= Feueranzünder, bildl. Anschürer.

=boterwort,= heilendes Wort, Trostwort.

=botins= = voderwand under de cledere.

=botlink,= _m. ein verschnittenes Tier, bes. Hammel, Wallach; Eunuch._

=bot-mester,= _der die Leute zu Gericht zu entbieten hat, Ratsdiener._

=bot-plichtich,= dem Gebote zu folgen verpflichtet, gehorsam.

=bôtsam, butsam,= bussfertig.

=bôtsamen,= sw. v. verbüssen, gut machen.

=botter,= f. Butter.

=botter-busse,= Butterbüchse (swarve).

=botter-lude,= Händler mit Butter, Fettwaren etc., Fettkrämer.

=botter-melk,= Buttermilch.

=botter-span,= Butterlöffel (zum Abstechen der Butter).

=botter-staf,= Gerät, das man dreht, um zu buttern.

=botter-stock= = botterstaf.

=botter-stotere,= Butterstösser, (Markt-)Aufseher über den Verkauf von Butter.

=botter-tunne,= Buttertonne.

=botter-vat,= Butterfass.

=botter-vogel,= Schmetterling.

=bottinglosinge,= Lösung von dem Botding (Abgabe für einen Gerichtsspruch an den Landesherrn?).

=bottingschult= = bottingspennink?

=bottingstên,= Stein, an u. auf welchem das Botding gehalten wurde.

=bottink= = botdink.

=botvast,= gebotenes Fasten.

=bôtverdich,= bussfertig.

=bôtverdigen,= sw. v. büssen lassen, bestrafen.

=botze,= s. bosse.

=boug,= m. (?) Ast, Zweig.

=bouwede (bowede, bouwe, bôt),= f. Ernte, Erntezeit.

=bove,= Bube, nequam.

=boven,= sw. v. sich wie ein Bube benehmen.

=boven= (aus =be-oven), baven,= _oben, über; gegen, wider; *boven dat,* trotzdem, obwol._

=bovengân,= 1. walten über. 2. den Vorrang haben, übertreffen.

=bovenkomen,= überführen *(komen boven* jem.).

=bovenkonink,= Bubenkönig, d. i. Aufseher über Vagabunden etc.

=bovenschole,= collegium iniquitatis.

=bovenste,= oberste.

=bovenwers,= oberhalb.

=boverie,= Büberei.

=bovete (?)= = bovinne, Bübin, nichtswürdiges Frauenzimmer.

=bovetliken,= bübisch.

=bovich,= bübisch, nichtswürdig.

=bovinne,= Bübin, truphatrix, scortum.

=bôfliken= = bovichliken.

=bow,= f. u. n. Ernte; *bôwmant,* Erntemonat.

=boxe, buxe,= f. Hose (urspr. aus Bocksleder gemacht?).

=bra= = brade.

=(bra,= Augbraue.)

=brabbelen,= sw. v. schwatzen, plappern.

=brace (brase, bratze, brasse, brâtzeme u. brece etc.),= f. Brosche, Spange, bracea, fibula.

=bracht, brecht,= m. Pracht, Herrlichkeit.

=brack,= Asche mittlerer Güte; bracks-brack, cinis vilissimus.

=brack,= Bruch = brak(e), broke.

=brack,= salzig (vom Wasser).

=brackannige,= essbare Pflanze oder Wurzel?

=bracke,= m. Leit-, Spürhund.

=brackvogel,= Brachvogel, turdus.

=brade, bra,= gew. f. (eig. das zum Braten geeignete Dickfleisch, Schenkel, Wade etc.), Braten.

=bradelse,= n. Gebratenes.

=bradem,= m. Dunst, Qualm, Brodem.

=braden,= st. v. braten.

=braden-kerer,= der den Braten am Spiesse dreht, ein Küchenamt.

=brade-spit,= Bratspiess.

=bragen= (ndl. =brouwen),= sw. v. ein Schiff kalfatern.

=brager,= Kalfaterer.

=brak,= m. Gekrach.

=brak,= _n. seltener m. 1. Bruch, Riss. 2. Gebrechen, Mangel. 3. Bruch eines Gesetzes, Vergehen._

=brakbank,= der zum Kalfatern eines Schiffes bestimmte Platz am Ufer.

=brake,= f. u. m. Zweig, Ast; Baumstumpf. *busk* u. *brake* vom wild aufwachsenden Gesträuch.

=brake,= _f. 1. Instrument zum Flachsbrechen. 2. neu gepflügtes Land,_ novale.

=brake,= f. 1. Bruch, bes. Deichbruch. 2. Gebrechen, Mangel; Sonnenfinsternis, *defectus;* Mangel bei Erfüllung von Verbindlichkeiten.

=brake,= adj. gebrechend, mangelnd.

=braken,= sw. v. 1. Flachs brechen. 2. brach pflügen.

=braken,= sw. v. intr. Geräusch machen, krachen.

=braklôk,= emicedo u. esula major.

=braksam= = broksam.

=brâm, brâmber, -busch, -dorn,= Brombeerstrauch, *rubus;* Brahm, Ginster, *genista;* (wird auch mit *vepres* glossiert).

=brân,= (Plur.) die Augbrauen.

=brannewîn,= Brantwein.

=brant,= m. Brand; brennende Hautentzündung.

=brant-mure,= Brandmauer.

=brant-rede, -rode,= f. Brandbock; ein eiserner Bock zum Auflegen der Holzscheite auf dem Herd. andela, tedale.

=brandstorer,= Brandstifter.

=bras,= m. Lerm, Gepränge; Prasserei.

=brâsch, brêsch,= m. Krach, Gebrüll, Lerm, lermendes Gepränge (= bras).

=brâschen, brêschen,= schw. v. 1. krachen. 2. brüllen, lermen. 3. pralen.

=bras-pennink,= grosse flandrische Silbermünze.

=brassem, bressem,= m. Brachsen, cyprinus brama, brasinus.

=brassen,= sw. v. lermen; prassen.

=brasser,= Prasser, Schwelger.

=brassêren= = brassen.

=brassêrer,= Prasser.

=brât= = barât, Lerm; Unwesen; u. = brade.

=brât-ber,= Bratbirne.

=bratmen,= Dunst, Brodem.

=brât-schape,= Bratpfanne.

=brât-spit,= Bratspiess.

=bravêren,= sw. v. einher stolzieren.

=brawinge= = brakbank.

=brece,= s. brace.

=brecht,= s. bracht.

=brechten,= sw. v. lermen.

=breckeln,= Hündchen (= breckelîn).

=brede, breide,= f. 1. Breite. 2. Ebene. 3. Ackerstück, das eine grössere Fläche einnimmt bei einem ansehnlichen Verhältnis seiner Breite zur Länge.

=brêden, breiden,= sw. v. ausbreiten; verbreiten.

=breden,= brettern.

=brêf,= m. alles geschriebene; Urkunde, Attest.

=brêf-lovede,= schriftliche Versicherung.

=brêf-toger= = brêfwiser.

=brêf-vat,= Behälter für Briefe.

=brêf-wiser,= Vorzeiger des Briefes, der Urkunde.

=bregen, bragen,= n. Gehirn.

=bregen-kop,= Hirnschale.

=bregen-panne,= Hirnpfanne, -schale.

=bregen-slame,= Hirnverletzung.

=bregen-vat,= Hirnfass, -schale.

=brehen,= sw. v. leuchten; glänzen.

=breidel,= m. Zaum, Zügel.

=breiden,= sw. v. stricken (mit Stricknadeln).

=breke,= m. (?) 1. Bruch, Verschuldung. 2. Schnupfen, Katarrh, reuma, pituita.

=breke-isern,= Brechstange.

=brekelich,= gebrechlich.

=brekelicheit,= 1. Gebrechlichkeit. 2. Abbruch.

=breken,= st. v. 1. intr. brechen; gebrechen, mangeln; umschlagen, verderben (vom Wein etc.). 2. tr. brechen; brechend machen; ab-, niederbrechen; machen, dass etwas aufhört; unterwerfen; eine Verpflichtung nicht erfüllen; verbrechen, verwirken, in Brüche verfallen; im Wege Rechtens entziehen; brüchen, in (Geld)strafe nehmen. 3. refl. durch Brechen sich loszumachen suchen; hervorbrechen; sich überwinden.

=brekervelder,= Messer, in Brekerfelde (unweit Hagen) verfertigt.

=brekhaftich,= mangelhaft; *brekhafticheit,* Gebrechlichkeit.

=brekich,= straffällig.

=breksel,= n. Gebrechen; Krankheit.

=breme (brame, brumme),= m. Dornstrauch; Ginster. *rubus, vepres* u. scoparium.

=bremelisse= = bremelse, Verbrämung.

=bremelse,= n. Verbrämung, bes. Pelzbesatz.

=bremen,= sw. v. verbrämen; den Rand, Saum besetzen.

=bremern,= von Bremen, bremisch.

=brennekrût,= Hahnenfuss; apiatellum.

=brennen,= sw. v. (selten, gew. bernen).

=brêsch,= s. brâsch.

=brêschinge,= Geschrei, Gekreisch.

=brese,= s. brece; =bresem,= s. brassem.

=bresilien,= Brasilholz, Rothholz, Lignum Fernambuci.

=brest,= Gekrach, Lerm.

=brêt,= breit.

=bret,= n. Brett; Zahlbrett, Almosenbrett, Spielbrett, Sitzbrett, erhöhter Sitz; als Massbestimmung (für Leinewand etc.)?

=brêt-fôt,= Kröte, bufo.

=brêtschlages,= in breiter Fläche.

=bret-spil,= Bretspiel; Hazardspiel.

=bret-stôl,= Stuhl, dessen Sitz ein Bret ist.

=bret-tûn,= Zaun aus Brettern.

=brêtvlages (-vlakes),= in breiter Fläche.

=brêt-worm,= Kröte.

=bretze,= s. brace.

=brî, brîg,= m. Brei.

=bricke,= 1. Scheibe, um etwas darauf zu setzen oder um damit zu spielen. Stein im Bretspiel, *cirtis:* Name eines Spieles auf dem Eise. 2. Name eines Fisches, cirtis.

=bricken-slach,= Spiel mit Bricken.

=brimmen (brammen, brummen),= sw. v. brüllen, laut schreien, rugire.

=brimminge,= das Brüllen.

=bringen, brengen,= sw. v. bringen: (Glas Wein, Bier etc.) zutrinken; *it bringen van,* sein Leben retten.

=bringer, brenger,= (Über)bringer.

=brink,= m. urspr. Rand; Rand eines Ackers, Ackerrain; Grasanger; der angeschwemmte Rand eines Baches oder Flusses; Rand eines Gehöftes, wo die Häuser der Brinksitzer zu stehen pflegen; Rand eines Hügels, der Hügel selbst, höher liegender Rasenplatz.

=brink-blôm,= bellis perennis.

=brink-gras,= Brinkgras (ein der Hirse ähnliches Gras); Brinkplaggen bestehen aus Brinkgras.

=britem (= bratem, vratem),= aufsteigender Dunst.

=brockel,= n. abgebrochenes Stück, fragmentum.

=brode,= f. geile, unkeusche Person.

=broden,= sw. v. brüten, cubare.

=broden,= sw. v. mit Brod versehen, speisen, ernähren, erhalten; *brodede gesinde,* in jemandes Diensten stehendes Gesinde.

=broden-son,= Hurensohn (als Schelte).

=broder= _Bruder, sp. Klosterbruder; Plur. *brodere,* die Testikeln, Hoden._

=brodermester,= Brudermeister, ein Klosteramt.

=brodern,= sw. v. refl. sich verbrüdern; Erbverbrüderung schliessen.

=broderschap,= _Bruderschaft. 1. in religiösen Dingen, *fraternitas.* 2. Zunft, Genossenschaft._

=brodich,= im Brode (= Dienste) eines andern stehend.

=(broge) broie,= f. Brühe.

=brogen, broien, brugen,= sw. v. brühen; kochen.

=brôk, brûk,= n. Bruch, eine tiefliegende von Wasser durchbrochene, mit Gehölz bestandene Fläche.

=brôk,= f. Beinkleid, Bekleidung der Oberschenkel.

=brôk,= adj. (brüchig,) bruch-, straffällig.

=broke, brôk= (u. =breke, brek),= m. selten f. 1. Bruch, *fractura.* 2. Gebrechen, Mangel, Abgang; bes. Mangel bei Leistungen von Zahlungen. 3. Bruch eines Gesetzes, einer Vereinbarung etc., Verbrechen. 4. Brüche (Geldstrafe an die Obrigkeit).

=brokede (brokete), brukede,= n. = *brôk,* Bruch, palus.

=brokel,= gebrechlich.

=brokelicheit,= Gebrechlichkeit; Gebrechen.

=broken,= sw. v. in Brüche nehmen.

=brokere,= der Straffällige.

=brôk-gordel,= Hosengürtel, lumbale.

=brôk-grasinge,= die Grasnutzung eines brokes.

=brôkhaftich,= 1. gebrechend, ermangelnd. 2. straffällig.

=brôkhaftich,= sumpfig.

=brôk-hasen,= Hose und Strumpf zusammen, langes Beinkleid.

=brôklik= = brôkhaftich.

=brôklink= u. =brolink,= Brüling, halbjähriges oder jähriges Schwein.

=brôk-man,= der in e. *brôke* lebt, paluster.

=brôk-reme,= Hosenriemen, -gürtel.

=brôksam,= 1. gebrechlich. 2. straffällig. -- Subst. Abbruch.

=brôksamich= = brôksam.

=brôksamicheit,= 1. Mangel. 2. Schadhaftigkeit. 3. Sündhaftigkeit.

=brôk-snider,= Bruch(-Stein)schneider.

=brôk-tende,= Neubruch-zehnte.

=brôkvellich,= straffällig.

=brolink= = brôklink.

=brôl-meker (-mecher),= Sumpf-, Moorarbeiter, faber paluster.

=bromese= u. =bromete,= f. Bremse.

=bronnie, bronnige,= f. Brünne, Panzerhemd; Kittel.

=brosbeen,= Wachholderbeeren?

=brôsch,= zerbrechlich, mürbe.

=(brôsch-) brôsheit,= Zer-, Gebrechlichkeit, Mürbigkeit.

=broseme,= Brosame.

=brot,= n. Brut.

=brôt,= n. Brod; Dienst (mit Unterhalt durch den Herrn); concr. die im Dienst Stehenden.

=brôt-bedeler,= Bettler.

=brôt-bidder,= Bettler; *brôtbiddinge,* Bettelei.

=brôt-degen,= (Brodmann) freigebig? oder Inhaber des Brodspenderamtes?

=brôt-drage,= Brodtrage, -brett.

=brôt-etende,= der (eines andern) Brod isst; Gesinde, Dienstmann.

=brôt-eter,= Brodesser; *mîn b.,* mein Gesinde.

=brôt-korf,= Brodkorb.

=brôtlink,= der im Brode eines andern steht.

=brôt-schap,= Brodschrank.

=brôt-scherne, -scharne,= Brod-bank, -tisch (als Verkaufsstelle).

=brôt-schrange,= Gestell (Laden) für das Brod.

=brôt-spiser,= der für die Tafel (das Brod) zu sorgen hat, ein Klosteramt.

=brôt-stumper= = brôtbidder, Bettler.

=brôt-zucker,= Zucker in Broden.

=bruche,= Gedärme.

=brudegam,= Bräutigam; auch: Gemahl.

=brude (= bruwede),= Gebräu?

=brudeknecht,= Brautführer.

=bruden,= sw. v. (brauten), heiraten.

=bruden (brüden),= (urspr. *coire, futuere, stuprare;* in abgeschwächter u. ganz verblasster Bedeutung) vexieren, necken. Vgl. Hildebrand in Gr. W. B. 106 s. v. gehei.

=bruderie,= Spass, Scherz.

=brugge,= f. Brücke (u. Strasse).

=brugge-block,= (festes) Brückenholz.

=brugge-hamer,= Hammer der Steinbrücker (Strassenpflasterer).

=brugge-holt,= Holz (Bohlen) zu e. Brücke.

=brugge-man,= Steinsetzer, Pflasterer.

=bruggen,= _sw. v. 1. eine Brücke machen. 2. mit Steinen (oder Bohlen) eine Strasse pflastern._

=brugger= = bruggeman, Pflasterer.

=brugge-stên,= Pflasterstein, Feldstein.

=brugge-werk,= Brücken(Strassen-)werk, -arbeit.

=brukelicheit,= Nutzungsrecht.

=brukelik,= unbeschränkt nutzbar; adv. *brukel(i)ken.* (Auch = gebräuchlich, wie es Brauch u. Sitte ist?)

=bruken,= _sw. v. nötig haben, gebrauchen; mit Gen., Acc. u. *van.* Refl. sich bedienen; sich beschäftigen womit._

=bruker,= Mäkler (engl. *broker), b. der deve,* Diebshehler.

=brûk(h)aftich,= 1. der den Gebrauch, die Nutzung eines Dinges hat. 2. = brôkhaftich.

=brûkhafticheit,= Nutzung.

=brûkheit,= Recht zu gebrauchen, Nutzungsrecht.

=brûk-hoiken,= eine Art Frauenmantel.

=brukinge,= Gebrauch, Nutzniessung.

=brûl,= m. (Brühl), feuchte Niederung, Buschwerk in einer sumpfigen Gegend, Wildgehege.

=brum,= m. 1. Brummen, Sumsen, *den b. slân,* die Unterlippe mit dem Finger öffnen u. schliessen. 2. Kehle.

=brûm,= Bräutigam (contr. aus brudegam).

=brummel-bere,= Brombeere.

=brummen,= sw. v. murren, knurren.

=brummer,= Knurrer, Schreier.

=brûn,= 1. glänzend, funkelnd. 2. braun.

=brunelleken,= Bräunchen, Brünettchen.

=brunêren,= sw. v. glänzend machen, putzen, polire.

=brûnkerse,= ostrucium; senecium.

=brunlafticheit,= dunkele Röte.

=bruns,= Brunst? (oder = *brûs,* Gebraus?)

=brunwîn,= Brantwein.

=brunwinkel,= Pervinca, Vinca minor L.

=brûnwort,= (Braunwurz) brumella (brunella).

=brusen,= sw. v. brausen.

=brusinge,= Brausen; Lerm.

=brût,= f. Braut; auch: Gemahlin.

=brût-bank,= Brautbank (= Brauttisch, *brûttafel,* Aussteuer?)

=brût-bat,= Brautbad.

=brût-bedde,= Brautbett.

=brût-dach,= Hochzeitstag.

=brût-hân,= Brauthahn (der dem neuvermählten Paare von Freunden gebracht wird).

=brût-hûs,= (?) Hochzeit.

=brût-klêd,= Brautkleid.

=brût-koste,= Hochzeitsmahl.

=brûtlachte (-lechte, -lichte),= Hochzeit; *brûtlachsbiddere,* Hochzeitsbitter; *b.-lude,* Zeugen bei einer Verheiratung.

=brût-licht,= Brautlicht (Licht für den Hochzeitstag).

=brûtloft (brue-, brûloft), -luft,= f. und m. Brautlauf; Hochzeit, Ehe; Ehevertrag.

=brûtluften,= sw. v. freien, heiraten.

=brût-maker, -meker,= Bräutigam, sponsor.

=brût-man,= Plur. *-lude,* der zum Abschluss einer Verlobung zugezogene Zeuge.

=brûtschap,= Brautschaft, Verlobung.

=brût-schat,= Brautschatz, Mitgift.

=brût-stôl,= Brautstuhl, bildl. Brautstand; spöttisch = schuppestôl?

=brût-tafel,= Tisch, auf welchen die Brautgeschenke gelegt werden.

=brût-werk,= Arbeit für die Braut (zur Hochzeit).

=brût-werschop,= Hochzeitsmahl.

=bruw,= n. Brau, soviel man auf einmal braut.

=bruw-bode,= Braubottich.

=bruwede (brouwt)= = bruw.

=bruw-, bruwelhûs,= Brauhaus.

=bruwels(e),= n. soviel man auf einmal braut.

=bruwen (bruen, browen),= st. und sw. v. brauen; bildl. anstiften, einrühren.

=bruwe-towe,= Braugerät.

=bruwer (bruer),= Brauer.

=bruwerk,= das Braugewerk.

=bruw-ruder,= Braukrücke, um das Malz zu rühren.

=bu-= = be; auch = bûr-.

=bubbele,= f. Wasserblase.

=bubbeln,= sw. v. Blasen aufweisen, aufwallen.

=bucht,= f. (?) ein eingefriedigter Raum, Pferch, septum.

=buchten,= biegen? (= bugen?)

=buchter,= Prahler *(buchten,* prahlen? zu bach?)

=buck,= m. Bock; *bucken-,* Bocks-.

=bucken,= sw. v. sich bücken.

=buckes-blôt,= Bocksblut; *-hâr,* -Haar; *-hût,* -Haut.

=bucket,= bocksartig? (oder = buket?)

=buckhilligen,= bockheiligen (eine abergläubische Handlung).

=buckink,= m. geräucherter Hering.

=bud,= s. but.

=budde, butte= = bodene.

=buddech,= dick geschwollen? *(buddik,* dickes Gewölk.)

=budden-bat,= Wannenbad; *-rôf,* s. boden-rôf.

=budel,= m. Beutel, Geldbeutel. *to budele dregen,* Einnahme in den Beutel bringen.

=budelage?=

=budelen,= sw. v. (das Mehl) beuteln.

=budêlen,= sw. v. den Sterbefall von jem. nehmen; den beweglichen Nachlass mit dem Herrn teilen.

=budeler,= Beutler, Beutelmacher, Täschner.

=budel-gordel,= Gürtel als Beutel dienend.

=budel-here,= Seckelmeister, aerarii curator.

=bu-dêlinge,= die Leistung des Sterbefalls (s. budêlen).

=búdelken,= Beutelchen.

=budel-maker,= Beutelmacher, Täschner.

=budel-snidere,= Beutelschneider, Taschendieb.

=budel-werk,= Fabrikat des Beutlers.

=buff,= _m. Puff, Schlag; *(buffen,* stossen, schlagen; *buffich,* stössig)._

=buffel,= m. Büffel (Ochs); grober Mensch; *buffelenkop,* Büffel- (Ochsen) kopf, (mekl. Wappen).

=bugen,= st. u. sw. v. sich biegen.

=buggernie,= Sodomiterei.

=buheil?= Unheil?

=bu-hof,= Bauhof, Hof eines Vollbauers.

=buk, buge,= Gebück, Zaun aus ineinander geflochtenen Zweigen = knick.

=bûk,= m. Bauch; Rumpf.

=bûkbant,= Reif um den Bauch (die Mitte) einer Tonne.

=bûkbet(e),= Bauchbiss, -weh, Kolik.

=bûk-douwinge,= Verdauung.

=bukel-budel= = bokesbudel.

=buken,= sw. v. Wäsche in Buchenlauge *(buke)* legen.

=buket,= der einen Bauch hat, dickbäuchig.

=buket-bant,= _Ggs. *smal-bant* (e. Tonne Butter *buket-bant = 1 schippunt* [280 oder 300 Pfd.], *smal-bant = 16 Liespunt* [224 Pfd.])._

=bu-knecht,= Bau-, Ackerknecht.

=bûk-ovel,= Bauchübel, Ruhr.

=bukram,= aus Ziegenhaaren gewebtes, bald mehr bald minder kostbares Zeug.

=bûk-roringe,= Ruhr.

=bûk-stuck,= Bauchstück.

=bûk-schut,= Bauchriemen des Pferdes?

=bûk-sucht,= Wassersucht.

=bûkvestich,= an einem Orte fest wohnhaft.

=bûk-vlôt,= Bauchfluss, Diarrhoe.

=bûl= (mhd. =bühel),= m. Hügel.

=bulder, buller,= n. Gepolter, Getöse.

=bulderen,= sw. v. poltern, lermen.

=bulderie, bulderinge= = bulder.

=bulderne= u. =bulderaftich,= polternd.

=bule,= f. Beule.

=bu-leven,= bulevinge nehmen.

=bu-levinge (bu-lebe, -leve),= der Anteil, der dem Grundherrn an der Hinterlassenschaft seines Hörigen zusteht.

=bulge,= _f. 1. die schwellende, unruhige Welle. 2. Balg, Schlauch,_ uter.

=bulgenstortinge,= Wellensturz.

=bulgern,= sw. v. Wellen schlagen.

=bulich,= voll Beulen.

=bulieren= = bolieren, buhlen.

=bulk (bulik, bulleck),= Bolch, ein grosser Fisch (Kabliau).

=bulle,= m. Stier, Zuchtstier.

=bulleken (buliken)= = budelken.

=bulsân (bolsân),= Flagge, Stock oder Stange mit einer Flagge (die rothe s. g. Blut-, Schlachtfahne?), ndl. balsan.

=bulster, bolster,= Fruchthülse, Schale.

=bulte,= m. 1. Haufe, Hügel. 2. (Stroh)bündel, -sack, Matraze.

=bu-man,= Plur. *bu-lude,* Bewohner, Bürger.

=bu-mede,= (Baumiete, Wohnungszins), das Heiratsgeld, das Unfreie für die Einwilligung zur Ehe ihrem Herrn zahlen mussten.

=bu-mester,= Baumeister; spec. der *consul structuarius,* der über die Kirchen die Verwaltung führt.

=bunde (bunne, bonde),= m. freier Bauer.

=bundeken (bundiken),= Bündlein, Garbe.

=bundeswise,= (bündel-) haufenweise?

=bune,= f. Zaun oder Schlengenwerk am Ufer.

=bunge,= f. Pauke, Trommel, timpanum.

=bungen,= sw. v. die Trommel oder Pauke schlagen.

=bungen-sleger,= Trommel-, Paukenschläger.

=bungen-stuck (-stock?),= Trommelstöcke, eine Art Kuchen.

=bunger,= Pauken-, Trommelschläger.

=bunge-water,= Trommel-wassersucht.

=bunk,= m. Knochen, namentlich die hervorragenden Hüft- und Beinknochen grosser Tiere.

=bunvast,= von einer Wunde, die bis auf den Knochen geht.

=bunsik,= Iltis (bonsink, putorius).

=bunt= u. =buntwerk,= n. Pelzwerk.

=bunt,= n. Bund; Bündel.

=buntachtich,= bündig.

=buntlik= = buntachtich.

=bunt-maker,= Kürschner.

=buntnisse,= Bündnis.

=buntrêt,= d. i. *rêt* (Reit, Rohr) in *bunden,* Bündeln.

=bunt-voder,= Pelzfutter; bunt-voderer = buntmaker.

=bunt-werk= = bunt.

=bûr,= n. Bauer, Gehäuse.

=bûr,= m. Wohner, Bewohner; Bauer, Bürger *(= civis);* Nachbar.

=bu-rade,= Ackergerät (oder Hausgerät?)

=bûr-ammet,= Bauernamt, das Amt des Schulzen im Dorfe.

=bûr-bere,= Gemeinde-Eber.

=bûr-bôk,= Bürgerbuch.

=burdêl,= Bordell.

=burden= = borden.

=burdêren= = bordêren, sein Spiel treiben, jocari.

=bûr-dink,= Bürger-, Bauergericht.

=bûr-dôk,= grobes wollenes Tuch.

=burdon,= Maul-tier.

=bure,= f. Bauerschaft.

=bure,= f. Bühre, Zieche; *buren-meker,* Bührenmacher.

=bûr-eninge,= Bürger-, Bauern-Vereinigung (zur Beschaffung von Arbeiten, die der ganzen Gemeinde obliegen).

=buresch= = borragie (borrago).

=bûr-esch,= Bauer- (gemeiner) Esch.

=bûr(e)sch,= bäurisch.

=bûr-gelt,= Bürgergeld, Geld, womit das Bürgerrecht erkauft wird.

=bûr-gerichte, -richte,= Bauer-, Bürgergericht (für die täglich vorkommenden Bagatellsachen).

=burger-sprake= = bûrsprake; burge(burger)-toch = borgetoch.

=bûr-have,= Bauernhabe, Vieh, bes. Rindvieh, Schafe etc.

=bûr-heit,= Eigenschaft eines (Voll) Bauers.

=bûr-hoge,= Bürgergelage, -fest.

=bûr-inne,= Bäuerin.

=bûr-kerl,= Bauerkerl.

=bûr-klocke,= Glocke, welche die Bürger ins Gericht etc. ruft.

=bûr-knecht,= Gemeinde-Diener.

=bûr-kore,= Bauer-, Bürgerwillkür, -Statut.

=bûr-krosse,= _Bauergroschen, goslarer Gr. mit dem Bilde der hh. Simon und Judas._

=bûr-kule,= allgemeines Grab.

=bûr-kundich,= allgemein bekannt.

=bûr-lach= = bûrschop.

=bûr-lach,= Bürgergelage, -fest.

=bûr-latinge,= Bauerschafts-belassung.

=bûr-lên,= Bauerlehen.

=bûr-lik,= bäuerlich.

=bûr-mâl,= Bürgerrecht; das für Erteilung desselben zu zahlende Geld.

=bûr-man,= ein (grösserer) Bauer.

=bûr-mate,= Bauernmass; grosses, gehäuftes Mass.

=bûr-mede= = bumede.

=bûr-mest,= Bauermesser, grosses Messer.

=bûr-mester= = borgermester u. bu-mester (magister structurae).

=burnegel= (= burne-gel, brenngelb, oder = brune-gel?) coccus.

=bûr-pandinge,= Bauerschafts-pfändung.

=bûrrat,= grobes, wollenes Tuch.

=bûr-recht,= die allgem. Statuten; Bürgerpflicht (Abgaben, Wachtdienst etc.).

=bûr-sam,= bürgerfreundlich.

=burs-ammecht,= Börsen-, Schatzamt.

=bûr-schap,= 1. Bürgerrecht. 2. Gemeinde, Bauerschaft. 3. Amt eines Bauermeisters. 4. Bürgerpflicht.

=bûr-schult,= das bei der Niederlassung von dem Einkömling zu erlegende Einfahrtsgeld.

=burse,= f. Börse, Beutel.

=burse,= f. gemeinschaftliches Kosthaus (bes. der Studenten); kl. Wohnhaus.

=bursins= = borsis.

=bûr-sprake,= Bürgersprache, *(civi-, burgiloquium),* Samlung von (Polizei)gesetzen, die jährlich von der Laube des Rathauses verkündigt wurden.

=bûr-strede,= Bauern-, grosser Schritt.

=bûr-tuch,= Bauerschaftszeugnis.

=bûr-tuch= = borgetoch.

=bûr-werk= = borgerwerk.

=bus-bôm,= Buchsbaum.

=busch, busk,= m. Busch, Gebüsch.

=buschete,= n. Gebüsch, Gehölz.

=busch(h)achtich holt,= rubetum.

=buse (butze),= f. kleines Schiff zum Heringsfang.

=busem (bosem, busme, bosme, bossen),= m. 1. Busen, das Brustgewand, als Tasche gebraucht. 2. Verwandtschaft, Sippe, Sippschaft. 3. Zugehörigkeit (als Leibeigener) zu einer Familie; die Leibeigenen, Schutzbefohlenen.

=buseme-brêf,= Urkunde, welche die Nachweisung des *busemes,* der An-, Zugehörigkeit enthält.

=busen,= sw. v. schlemmen (= bussen?).

=busmete= = busem.

=busse,= _f. 1. Büchse, walzenförmiges Gefäss; Geldbüchse; Arzneibüchse. 2. Schiessrohr, Kanone. 3. (in Zsstz.) -Kammer, -Schauer._

=bussen,= sw. v. bauschen, schwellen, turgere.

=bussen-hol,= Schiessscharte.

=bussen-hûs,= Zeughaus.

=bussen-kamer,= selbständiges Stück, das geladen ans Rohr befestigt wurde.

=bussen-klôt,= Büchsenkugel.

=bussen-krût,= Schiesspulver.

=bussen-lôt,= Büchsenblei, -kugel.

=bussen-meister,= Büchsenmeister, der das Geschütz bediente.

=bussen-pulver,= Büchsenpulver; electuarium (gebacken krût).

=bussen-schetent,= Büchsenschiessen.

=bussen-schote,= Büchsenschuss (als Mass der Entfernung).

=bussen-schutte(r),= Büchsenschütz (Büchsenmeister).

=bussen-stêl,= Ladestock.

=bussen-stên,= Büchsen- (Geschütz)steine.

=bussune= (gew. =bassune),= f. Posaune.

=(but,= stumpf, plump, grob.)

=but,= n. Butt, Scholle, *rhombus piscis. den b. gellen,* gallig machen; durch Verletzung der Galle beim Ausnehmen bitter machen; bildl. etwas ungeniessbar, bitter machen.

=but= = buten, aussen, draussen; Comp. *buter,* Sup. buterste, exterior, extremus.

=but-drager,= eine kleinere (Luyksche) Münze = 1 Stüver (u. = Schilling, *12 butdragers* = 1 M).

=bute= = einlucke.

=bute,= f. (Honig)beute, Bienenkorb.

=bute (buite),= f. 1. Tausch, Wechsel, Verteilung. 2. (was zur Teilung kommt), Beute.

=bute-mester,= Beutemeister, der die Beute zu verteilen hat.

=buten,= sw. v. 1. tauschen, *cambire,* 2. verteilen. 3. wegnehmen, erbeuten.

=buten,= ausserhalb; aussen, ausser; wider.

=butendêlen,= sw. v. Beute teilen.

=butenheimesch,= auswärts zu Hause, fremd.

=butenklacht,= Klage bei einem auswärtigen Gerichte.

=butenman,= Plur. *-lude,* Fremder, Auswärtiger.

=butenschop (-schaft),= Tausch.

=butenwendich, -wendigen,= nach aussen gekehrt, auswendig.

=buter,= m. Beutemacher.

=buterie,= Tausch.

=buter-man,= Unbeteiligter, Neutraler.

=butinge,= 1. Tausch. 2. Verteilung. 3. Beute.

=butken,= eine kleine Münze (12 = 1 schilling).

=but-net,= Netz zum Fangen der Butte.

=butte,= f. Bütte, hölzernes Gefäss (meist auf dem Rücken getragen).

=butte,= n. Eingeweide (der Fische), *exentera;* das Innere (Knochen?).

=butten,= sw. v. das Eingeweide herausnehmen, exenterare.

=butze= = buse.

=bützen,= sw. v. küssen.

=bu-voget,= Bauervogt, Bürgermeister, (vgl. bu-mester).

=buw-achtich, -aftich,= 1. baufähig, *arabilis,* ertragsfähig. 2. baulich, eine volle Bau ausmachend.

=buwe, bouwe,= n. 1. Bau, Bauwerk. 2. = buwgût, buwhof.

=buwe,= f. 1. Ackerbestellung. 2. eine Anzahl von Stücken Landes, die zu einer völligen Bauernstelle gehören.

=buwecht= = buwe.

=buwelich, buwlik,= 1. baufähig = *buw-achtich.* 2. im baulichen Stande befindlich. 3. das Bauen nötig habend, baufällig.

=buwen,= sw. v. 1. bauen; Schanzen etc. bauen behufs Belagerung. 2. den Acker bestellen. 3. bewohnen, sich dauernd wo befinden, z. B. *dat mer b.,* befahren; *de straten,* durchwandern, *de helle,* sich in der Hölle aufhalten etc., versari in loco, frequentare.

=buwer= = bûr, Bauer.

=bu-werk,= bebautes, bestelltes Land; Ackerhof.

=buwete,= n. 1. Gebäude. 2. das Bauen, Bebauen (des Ackers etc.).

=buwete,= f. 1. Bau (eines Gebäudes), Ackerbestellung. 2. Erntezeit (s. bowede).

=buwe-vellich,= baufällig.

=buw-gût,= (Hausgut), Mobiliarvermögen.

=buw-hof,= Baugut, Landstelle.

=buwheit,= Ackerbestellung.

=buw-holt,= Bauholz.

=buwich,= cultur-, ertragsfähig.

=buwinge (buweginge),= Bau, sow. das Bauen als das Gebaute.

=buw-los,= im Bau nicht unterhalten u. gebessert.

=buw-man,= Bau-, Ackersmann.

=buw-mome,= eine zur Wirtschaft bestellte Ausgeberin.

=buw-pert,= Arbeitspferd.

=buw-rât,= Baumaterial.

=buw-schicht,= Teilung des Erbgutes.

=buw-schichten,= erbteilen.

=buw-takel,= instrumenta rustica.

C s. K u. S.

D

=dabeln, dabelstên,= s. dobbelen.

=dach,= m. 1. Tag; Tageslicht. *eines dages,* an Einem Tage; eines Tages (von vergangener u. künftiger Zeit); *des anderen dages,* jüngst, neulich; *dach bi dage,* tagtäglich; *van dage,* heute; *van dagen,* van Tag zu Tag (*in dies*). 2. Leben, Lebenstage. 3. bestimmter Tag, Termin, Tagfahrt; Frist, Aufschub; *to dage,* auf Credit.

=dach-brûtlacht,= am Tage gefeierte Hochzeit.

=dach-dêf,= Tagedieb.

=dach-dêven,= sw. v. tagedieben.

=dachdink, -dingen,= s. degedinge, -dingen.

=dach-dageduve,= Diebstahl bei Tage.

=dach-hûr,= Tagelohn.

=dach-lonen,= sw. v. um Tagelohn dienen, Taglöhner sein.

=dach-lônre,= Taglöhner.

=dachmat, -met,= s. deimet.

=dach-mette,= (Früh)mette.

=dach-reise,= Tagereise.

=dach-stede,= Gerichts-, Versamlungsstätte.

=dacht,= n. (?) Gedanke.

=dacht (decht, dicht),= n. u. m. Docht.

=dacht-aftich,= im Gedächtnis behaltend.

=dachtich, dachtnisse= = dechtich, dechtnisse.

=dach-, dagevart,= 1. Tagereise. 2. Versamlung an einem bestimmten Tage.

=dach unde nacht,= Parietaria off.

=dach-vrist,= Befristung auf einen Tag.

=dach-werk,= Tagewerk, ein Ackermass.

=dach-werke, -werker,= Tagelöhner.

=dach (dake),= m. u. n. 1. Dach. 2. Schilfrohr (das zum Dachdecken gebraucht wird), Dachstroh.

=dack-gâr,= dachfertig.

=dack-lant,= niedriges Land (? Land, wo Schilfrohr wächst?)

=dack-stên,= Dachziegel.

=dack-tegel,= Dachziegel.

=dadel,= (fries.) Mord, Totschlag.

=dadel-bôm,= Dattelbaum; *d.-stên,* Dattelkern.

=dadele,= f. Dattel.

=daden,= Nebenf. zu dôn.

=dader,= Thäter.

=daderkule,= alga, spuma maris.

=dadich,= adv. wirklich, in der That.

=dage-leistunge,= Verhandlung, placitum.

=dage-licht,= tageshell.

=dagelik (dege-, dech-, de-, dei-lik),= täglich; von Sünden: lässlich, verzeihlich, *peccatum veniale.* Adv. *dageliken* u. *dagelikes* (dies auch adj.).

=dage-lôs,= ohne bei einer Verhandlung ein Resultat erreicht zu haben.

=dagen,= sw. v. 1. Tag werden, *diescere.* 2. tr. zu einem Tage (e. Verhandlung) vorladen; verhandeln, sich vergleichen, *pacisci;* vertagen, fristen.

=dage-rât (-rêt, -rôt),= n. u. f. Morgenrot.

=dage-riden,= Versamlungen bereisen, besuchen.

=dageringe,= f. Morgendämmerung.

=dage-schîn,= Tageslicht.

=dage-settinge,= Tagsatzung.

=dages-tidich,= der Jahreszeit entsprechend.

=daget,= f. Tagesanbruch.

=dage-tît,= bestimte Zeit, Termin.

=dage-wede,= Tagereise, dieta.

=dage-werchte,= Tagarbeiter, Unfreier; Taglöhner.

=dage-wise,= Tagweise; Gesangweise, Lied.

=dagge,= m. kurzer Degen, Dolch.

=dâk (dake),= m. Nebel.

=dâk-aftich,= nebelicht.

=daken,= sw. v. nebelicht sein.

=daker,= s. deker.

=dakich,= nebelicht.

=dâl,= m. u. n. Thal.

=dâl (dale),= adv. nieder, her-, hinunter.

=dâl-acker,= Acker, der sich abwärts neigend liegt?

=dalen,= sw. v. niederfallen; sinken.

=dalen,= sw. v. = dolen, dwalen.

=dale-slân,= niederschlagen.

=dale-tên,= niederziehen.

=dale-wert (delewerts),= ab-, niederwärts.

=dalgen= = dalink, heute.

=dalink, dallink,= adv. u. adj. heute.

=dalli, dallien= = dalink.

=dâl-slach,= niederfallender Kragen (eines Mantels etc.)

=dam,= m. Damm; Strassenpflaster.

=damask,= Damast; *damasken,* damasten.

=damdôk,= Name eines (meist schmalen) englischen Tuches.

=dam-here,= der die Aufsicht über die Wege und Strassen hat.

=dammen,= sw. v. einen Damm machen; aufhäufen (tosamene d.).

=damp,= m. Dampf.

=damp(e),= m. Engbrüstigkeit, Asthma.

=dampen (dempen, dumpen),= sw. v. tr. u. intr. ersticken; zuwerfen, ausfüllen; unterdrücken.

=damp-horn,= ein Löschnapf (von Horn); (bildlich: Habichtsnase).

=dampich, dempich,= engbrüstig, asthmatisch.

=damspil,= ein Spiel der hanseatischen Contoiristen zu Bergen (Hans. Gesch. Bl. 1877, S. 143, vgl. S. 102).

=dan, den (denne),= adv. 1. dann. 2. als (nach Compar.) 3. aber, nach e. Negation: sondern ... *it en were dan* (und auch ohne Negation *it were dan), it en was dan* (oder mit andern Verben) es wäre denn, dass, wenn nicht, *nisi* (eine Ausnahme machend). 4. oder (im zweiten Glied einer Doppelfrage).

=dan,= m. Tann, Wald.

=dande-man= = sande-, santman.

=dandôk= = damdôk.

=dane,= f. Dohne, Vogelstrick.

=dane,= Niederung (an den Flüssen).

=danen,= s. donen.

=dank,= Seetang.

=dank, danke,= m. 1. Gedanke. 2. Vorsatz, Absicht, Wille. 3. Dank.

=dankberheit (-barheit),= Dank.

=dankelbrêf,= Entlassungsbrief.

=danken,= sw. v. danken; den Abschied geben oder nehmen.

=dankbarlicheit,= Dank.

=dankbarlik, -liken,= dankbar.

=danklik, denklik,= zu Danke, angenehm, lieb; dankbar; adv. dankliken.

=dank-mudicheit,= Danksagung.

=danknamich,= dankbar.

=danknamicheit (-namheit),= Dank.

=danknamelik,= angenehm, willkommen, gratus.

=danknamen,= sw. v. danken.

=danknamichlik(en),= dankbar.

=danknamigen,= dankbar, gratanter.

=dankneme, -nemeliken= = dankname, -namich.

=dankplegunge,= Dankbarkeit.

=danksamich,= dankbar; *-cheit,* Dankbarkeit.

=danne,= f. Tanne.

=dannen-swam,= agaricus.

=danz, dans,= m. Tanz.

=danze-lêt,= Tanzlied.

=danzel-hûs,= _Tanz- u. Spielhaus, *theatrum;* auch als Versamlungsort des Rathes dienend._

=danzel-kede,= Kette, die man beim Tanz trägt.

=danzel-kogele,= Tanzkappe, eine Art (feiner) Haube.

=danzel-rock,= (feiner) Rock, den man beim Tanze trägt.

=danzen,= sw. v. tanzen.

=dapper,= 1. schwer, gewichtig, gewaltig. 2. furchtlos, ausdauernd.

=dapperheit,= Grösse, Schwere, Bedeutung.

=dâr,= passend, thunlich.

=dar, darn,= 3. P. Pr. von *doren* (dürfen).

=dar(e),= 1. räumlich: da, dort; wo. 2. zeitlich: da, als. 3. modal.: sofern, wenn.

=dar-an(e),= daran, darin.

=dar-af, -ave,= davon.

=dar-benedden,= darunter (niedriger).

=dar-bi,= dabei; da bei herum, ungefähr.

=dar-bovene,= darüber, ausserdem; trotzdem.

=dar-buten,= da draussen.

=darde,= dritte (s. dorde).

=dar-dôn,= darthun, beweisen.

=dare (darre)= u. =darne,= _f. Darre zum Trocknen des Getreides._

=dar-enbinnen,= verstärktes enbinnen.

=dar-enboven= = darboven.

=dar-enbuten= = darbuten.

=daren-hûs,= Gebäude zum Darren.

=dar-entegen,= dagegen.

=dar-gevôch,= Darreichung.

=dar-inne,= dar-in.

=darm,= m. Darm.

=dar-mede,= damit.

=dar-na,= dar-nach.

=dar-negest, -neist,= dar-nächst.

=darn-laken,= Laken, die bei der Darre gebraucht werden.

=dar-over,= dar-über, dabei.

=dar-sulves,= daselbst.

=dartel, darten,= s. dertel, derten.

=dar-umme,= 1. deshalb. 2. weil.

=dar-umtrent,= dar-umher; ungefähr.

=dar-ût,= daraus; deshalb.

=dar-van,= davon.

=darven,= sw. v. bedürfen, entbehren.

=dar-vore,= _dafür: *d. sîn,* begünstigen, fördern; hindern, im Wege sein._

=darwert, -werdes (derwert),= dorthin.

=darsche,= f. Tartsche.

=das (dasse),= m. Dachs.

=daschliken,= trotzig?

=dât (dade),= f. That. Als m. oder n. in der Formel: rades unde dades.

=dat,= conj. dass. 1. Der Satzverknüpfung wegen namentlich zu Relativen hinzugefügt, oft scheinbar überflüssig; oft auch fehlend. 2. gesetzt dass, obgleich. 3. so dass.

=date,= n. Datum.

=dâtlik,= thätlich.

=datum,= n. Datum; bildl. Zuversicht, Hoffnung.

=dau,= s. dow.

=daver (dabber),= m. Baum-, bes. Birkenrinde, -bast.

=daveren,= sw. v. ein zitterndes Geräusch machen (die Füsse auf derselben Stelle rasch auf und nieder bewegen).

=de,= m. und f. =dat,= n. 1. der Artikel: der, die, das. 2. demonstr. Pron. der, dieser.

=de= (= ahd. Instr. *diu),* vor Comparativen: desto, um so; *so vele de mêr,* um so viel mehr; *jo de mêr,* immer mehr u. ä.

=de, dat,= Pron. relat. der, welcher (häufig noch markiert durch ein folgendes *se = so,* z. B. *de se);* auch absol. als Relativzeichen; fehlt häufig (wie im Engl.).

=de,= verkürzt aus *da (dar);* Verstärkung des Relativs: der da.

=...de,= dient zur Bildung von Abstracten, = heit.

=dê, dee (dech),= n. Oberschenkel.

=dêch,= m. Teig.

=dêch,= teigig, nicht gut ausgebacken (= dêgich).

=dêch-laken,= Teigtuch.

=dechlik (= degelik),= s. dagelik.

=decht= = dacht.

=dechtaftich,= eingedenk.

=dechte= = dechtnisse.

=dechte,= Prät. zu dorven.

=dechtich, dachtich= = dechtaftich.

=dechtinge,= Ohrfeige, Backenschlag? (= hochd. Dachtel?)

=dechtinge= = dechtnisse.

=dechtliken,= adv. eingedenk, fest im Gedächtnis.

=decht-, dachtnisse,= Gedächtnis, Andenken, Erinnerung; jährlich wiederkehrende Feier, Memorie, anniversarium.

=dêch-troch,= Teigtrog.

=dechtum, dechtem,= m. der Zehnte.

=deckel-weden,= Weidengerten zum Decken des Hauses.

=decken,= sw. v. decken, bedecken.

=deckenisse,= Bedeckung; Schutz.

=decker,= m. Deckel (= deckel).

=decksel, deckels,= n. Decke, Deckel, Dach; bildl. Deckmantel.

=dedelik,= thätlich, wirklich?

=deder,= Thäter.

=dedich,= thätig.

=dedigunge= = degedinge.

=dedinge= = degedinge.

=dêf (dief, deif),= m. Dieb.

=dêf-henger,= Diebshenker, Scharfrichter, Folterknecht.

=dêfliken= = dûfliken.

=dêf-rovere= = dûfrovere.

=dêfte= = duvede; dêfliken = dûfliken.

=deftich,= tüchtig, trefflich; vornehm, stolz.

=dege,= ein Mass (wie gross?)

=dege,= m. Gedeihen; *sinen degen hebben,* gedeihen, glücklich sein; *to degen,* gänzlich, gehörig, tüchtig, recte, debite.

=dege,= adj. tüchtig, gut, debitus.

=degedinge (dedinge, dagedinge, dachdink),= gew. n. und im Plur. die auf einen bestimmten Tag angesetzte (gerichtliche) Verhandlung, Gerichtstag, Termin, Frist; Verhandlung, Besprechung überh.; Vertrag.

=degedingen (dedingen, dage-, dachdingen),= sw. v. Gericht, Gerichtstage halten; zu einem Gerichtstage vorladen; Frist geben; verhandeln, vertragen, placitare.

=degedinges-dach,= Tag zur Verhandlung.

=degedinges-man,= der Verhandlungen führt, leitet, Sprecher, Worthalter, *placitator;* zu einer Verhandlung zugezogener Zeuge.

=degel,= m. Tiegel.

=degelicheit,= Tüchtigkeit.

=degelik,= kräftig, tüchtig, gebührend; adv. degeliken.

=degelikes= = dagelikes, dachlikes.

=degen= = dagen.

=degen,= m. Mann, Held.

=degenaftich,= männlich, kräftig, validus.

=deger (diger, doger), degger, degeren,= adv. völlig, gänzlich.

=degerliken,= gänzlich, völlig.

=(deheme) dehme,= Zehnte, decima.

=deichlik= = degelik, täglich.

=deiget,= Birkentheer, oleum Rusci.

=deimet, dêmt,= _n. Tagemaht *(dachmat, -met),* d. i. als Landmass, soviel einer in einem Tage mähen kann._

=deinlink (dien-, dên-link),= Diener.

=deise,= f. Darre.

=deisen,= sw. v. heimlich weggehen, sich wegschleichen.

=deit, deitwech,= s. dêt.

=deken,= Dekan, Dechant.

=dekenie,= Dekanei.

=dekeninne,= Dechantin.

=deker (daker),= Decher, eine Zahl von zehn, decas.

=dêl (deil),= n. u. m. Teil, Anteil, *ein dêl,* ein gut Teil, sehr viel; teilweise, zum Teil (bes. in der Form *ein dêls; ein dêls -- ein dêls,* teils -- teils, einige -- andere.)

=dêl-achtich= = haftich.

=dêl-brêf,= Urkunde über (Erb)teilung.

=dêle,= f. = *dêlinge,* Teilung, Abfindung eines Kindes mit seinem Teile; (Antrag auf ein Urteil?) Klage.

=dele,= _f. 1. Diele, Flur (gew. mit Lehm gepflastert), *pavimentum.* 2. Stockwerk._

=dêle,= f. Diele, dickes Brett, Planke.

=dêle-gras,= Gras, soviel auf jemandes Teil kommt (Quote).

=dêlen, deilen,= sw. v. 1. teilen, erbteilen; einteilen, messen. 2. ver-, austeilen. 3. scheiden. *sik d. van,* sich lossagen; *van sik delen,* abfinden mit (Erb)teilung. 4. einen Rechtsspruch erteilen, entscheiden; erklären für.

=dêler,= Teiler; der von dem Gutsherrn bestellt ist das demselben zufallende *dêlkorn* zu sammeln (resp. zu teilen) u. in Empfang zu nehmen.

=dele-, deltucht,= soviel ein Bauer an Schweinen nach seines Hofes Umständen halten kann.

=dele-wert,= s. dalewert.

=delgen (deligen, diligen),= sw. v. vernichten; ungültig machen.

=dêl-gever,= Verteiler.

=delginge,= Tilgung.

=dêlhaft, -haftich,= teilhaftig.

=dêlhaftigen,= teilweise.

=dêlinge,= Teilung.

=dêl-korn,= das Getreide, das dem Eigenthümer des Landes von den Pächtern für die Benutzung gegeben wird.

=dêlmester= = dêler, ein (Kloster- u. Hospital) Bedienter bei den Hebungen u. Auszahlungen.

=dêlsam,= fähig teilhaft zu werden.

=dêlsman= = ordelsman, Urteiler, Richter; Teilhaber, Geselle, der keinen Zeitlohn, sondern Anteil am Gewinne etc. erhält.

=delf,= m. Graben.

=delven,= st. v. graben.

=delvern,= s. dolvern.

=delvgrove,= (tautol.) Grube, Graben.

=dêl-vorer,= der Anteil am Geschäfte, Gewerbe etc. hat.

=dêmôt= u. =dêmodicheit,= Demut (gew. ôtmôt).

=demmer= = domer.

=dempen, dempich= = dampen, dampich.

=dempinge= = damp.

=dempnie= = damp.

=dêmt,= s. deimet.

=dênen,= sw. v. 1. intr. dienen; *d. mit,* in jemandes Dienste stehen. 2. tr. als Pflicht geben, leisten, als Feudalabgabe entrichten. *dat amt d.,* den (pflichtmässigen) Amts-Gildeschmaus geben.

=dêner,= Diener; f. dênersche.

=denke-brêf,= Document, Urkunde.

=denkede= = dechtnisse.

=denke-gelt,= das Geld für das Vorlesen, Gedenken der Verstorbenen von der Kanzel.

=denk-e(l)-bôk,= Memorabilienbuch, Gedenkbuch.

=denken,= sw. v. denken an, auf etwas; gedenken, sich erinnern. Unpers. erinnerlich sein.

=denkeninge,= Gedenken.

=denke-rulle,= Document.

=denkinge= = dechtnisse.

=denklich= = danklich.

=denne (danne),= m. u. f. (schalenförmige) Vertiefung, Höhlung, bes. von der Lagerstätte.

=dennen, denden,= adv. dannen.

=dennenoch,= dennoch, gleichwol, trotzdem.

=denning,= eine kleine Münze, *9 d.* = 1 M.

=dênst,= n. u. m. 1. Dienst, Gottesdienst. 2. freiwillige Leistung, Gefälligkeit. 3. Leistung zu welcher man verplichtet ist, Abgabe; bes. der Schmaus beim Antritt eines Amtes. 4. concr. m. Dienstbote.

=dênst-aftich,= diensthaftig, zu Dienst verpflichtet.

=dênstlik,= dienstbereit, -willig. Adv. dênstliken.

=dênstman,= Dienstmann des Fürsten etc., Vasall.

=dênstmanne-gût,= Dienstmannslehn.

=dênst-wîf,= Hörige.

=dêp,= n. Fahrwasser, Fluss, Kanal.

=dêp, depe,= adj. u. adv. tief.

=dêpede, dêpte,= f. Tiefe; vgl. dupede.

=dêplich= = dûplich.

=dêpen,= sw. v. die Tiefe untersuchen, mit dem Senkblei die Tiefe messen.

=dêpsinnich,= tiefsinnig.

=der,= dient auch zur Einleitung von Bedingungs(Wunsch)sätzen: wenn jemand.

=der, dir..= = er in Compositis, z. B. *derbarmen, derbedinge, derkennen, derrunge, derneren, derscheden, dervaren, derwerven* u. a.

=derdenkrût?=

=derde (darde, dorde), drudde, dridde,= dritte.

=dêr(e), dêrt, deirt,= n. Tier.

=dere,= f. Schaden, Nachteil.

=deren,= sw. v. schaden.

=deren, dergen,= sw. v. dörren, darren.

=dêres-vel,= Reh(oder Hirsch-)fell.

=derfbrôt,= ungesäuertes Brot.

=derflink,= Schwindsüchtiger.

=derf-sucht,= Darre, Schwindsucht.

=dêrlik,= tierisch.

=dêrlik,= schädlich.

=derlik,= Mitleid erregend, jämmerlich.

=dermete,= n. Gedärm.

=derne,= Jungfrau, Mädchen.

=derren,= s. *dor(r)en,* wagen.

=dersche,= f. Stätte, wo man drischt.

=derschen (dorschen, dosken),= st. und sw. dreschen.

=derscher, dorscher,= Drescher.

=dersche-stede,= Tenne.

=derschinge,= das Dreschen, tritura.

=dertên-, druttên-dach,= der dreizehnte Tag nach Weihnachten.

=dêrte,= n. Getier.

=dertel, derten, dartel, darten,= verzärtelt, mutwillig, albern.

=derteliken,= adv. verzärtelt.

=dertige, dortige,= arm, elend.

=dêrtlik,= tierisch, viehisch, adv. dêrtliken.

=derve,= ungesäuert.

=derve,= derbe, gerade, einfach (= bederve?).

=derven,= sw. v. darben, entbehren; einschrumpfen, vergehen, verderben.

=derwert= = darwert.

=des,= der Gen. (wie *desses, wes, nichtes),* auch als Nom. gebraucht.

=des,= adv. 1. deshalb. 2. dient zum Übergange auf eine neue Gedankenreihe; so, nun. 3. = *deste,* wenn nur, nur dass; wenn.

=desele (dessel, deissel),= f. Dechsel, Queraxt.

=desem,= Hefe, fermentum, zima, zyma.

=desem (dessem, desen, dessen),= m. Bisam, muscus aromaticus.

=desemknôp,= Bisamknopf.

=desemkrût,= Adoxa Moschatellina (?).

=desse (dese, disse, dusse, dosse),= neutr. *dit, dut, desses, dusses, desset, dusset,* pron. dieser.

=desses= = des, deshalb.

=deste, duste (desto, dusto, dester),= 1. desto, um so, vor Compar. 2. so, dass, vorausgesetzt dass, wenn nur (auch verkürzt in des).

=dêt (deit, diet),= f. und n. Volk; Leute. *bi slapender dêt,* wenn die Leute schlafen, zur Nachtzeit (später umgedeutet und verunstaltet bi slapender tît).

=dêt-wech,= Volksweg, Heerstrasse, via publica.

=deve-kamer,= Gefängnis (für Diebe und andere Verbrecher).

=deve-keller,= Gefängnis (für Diebe etc.).

=deve-stock,= Stock, in den man die Diebe setzt, cippus.

=dêvisch,= diebisch, Diebs-.

=dexterkêse,= Käse von der Insel Texter (bei Amsterdam).

=diaken,= Diakon; *diakenschup,* Würde, u. Amt eines Diakonen.

=dialtensalve,= Salbe aus Althäen-Wurzel.

=dicht(e),= adj. u. adv. dicht; stark, tüchtig; heftig, sehr.

=dicht(e),= n. 1. die schriftliche Fassung eines poetischen wie prosaischen Stoffes (Protokolle, Urkunden etc.). 2. das Sinnen u. Trachten.

=dichten,= sw. v. 1. schriftlich abfassen. 2. erdichten, ersinnen; anstiften.

=dichten,= sw. v. dicht machen, füllen.

=dichter(e),= Schreiber; Verfasser.

=dichtliken,= erdichtet, fälschlich.

=dich(t)nisse= = dechtnisse.

=dick,= 1. dick. 2. dicht. 3. häufig.

=dickdam (-dan),= Dictamnus albus (Diptamus; condrosia, dicanum).

=dicke (dicken, dickes, decke, ducke),= adv. 1. oft, häufig. 2. = *dichte,* nahe, *d. bî,* nahe bei, in der Nähe.

=dicke,= f. Dickicht (des Waldes).

=dickecheit,= Dicke.

=dickede, dickte,= f. Dicke.

=dickelaftich,= dickflüssig.

=dicken,= sw. v. refl. sich häufen, sich vermehren.

=dickent,= adv. = *dicke,* häufig.

=dick-kop,= Dickkopf.

=dick-, duckmâl,= oftmals.

=dickwîl, -wiles,= oft, häufig.

=diderik,= Dieterich, Nachschlüssel.

=dider(i)ken,= sw. v. mit einem Dietrich aufschliessen.

=die (dihe, dige)= = dege, Gedeihen.

=dien (digen, dijen, dihen),= st. v. gedeihen; geraten.

=diete= = dachvart.

=digge (digke)= = dagge? oder = *punge* (Geldbeutel?).

=dîk,= gew. m. Teich und Deich.

=dîk-dam,= Damm eines Teiches.

=dîk-êdink,= Deichgeschworner.

=diken,= sw. v. 1. deichen, einen Damm aufführen; ihn ausbessern. *enen graven d.,* e. Graben ausfüllen. 2. in den Teich, ins Wasser legen (vom Flachse).

=diken,= sw. v. büssen, wieder gut machen.

=diker,= Deicher; Deicharbeiter; ein Eigentümer, der einen Teil des Deiches in Stand zu halten hat.

=dîk-erde,= Erde, die man zum Deichen gebraucht.

=dikes-man,= einer der zu deichen hat.

=dikes-vak,= Deichfach, Abteilung, Stück eines Deiches.

=dîk-greve,= der Vorstand des Deichwesens.

=dîk-mester,= Teichmeister (Pächter eines Fischteiches).

=dîk-richter,= Deichrichter.

=dikrump,= Rohrdommel.

=dîk-schower,= Deichbesichtiger.

=dîk-schowinge,= Deichbesichtigung.

=dîk-spittunge,= die Ausgrabung der Erde zur Aufführung eines Deiches.

=dîk-stapel,= Deichaufschüttung, Damm des Deiches.

=dîk-stede,= 1. Deichstelle. 2. Teichstelle.

=dîk-swaren,= Deichgeschworner.

=dîk-vlote, vlotinge,= Teich-Abfluss.

=dilde,= niedrig von Geburt u. Gesinnung (oder = tiltap, dildap, stultus?).

=dille,= f. Tülle, Röhre, um etwas hineinzustecken.

=dimen,= m. ein Haufen Heu oder Garben auf dem Felde.

=dinge-dach,= _der zu e. *dinge* oder e. *dingnisse* bestimte Tag._

=dingede,= n. bedungene Summe für Schonung.

=dingel-kole,= Kohle (verdungene, von den Köhlern als Abgabe zu liefernde Kohle?).

=dingelse, dingesle= = dingede (exactio).

=dingen,= sw. v. 1. gerichtlich verhandeln, sowol vom Richter. Gericht halten, als von den Parteien, *pactare, depactari, pacisci;* auch: appellieren. 2. überh. verhandeln, unterhandeln, bes. über Lösegeld *(dingede)* u. über den Abschluss eines Kauf- oder Miethgeschäftes. Refl. als Unterhändler (Fürsprecher) auf- oder abtreten.

=dingenisse, dinknisse,= f. = *dingede,* bedungene Summe (Lösung) zum Schutz gegen Plünderung etc.; Brandschatzung, depactatio, exactio.

=dinger,= Richter (der »dinget«).

=dinges(dinsche-)dach,= Dienstag. *de gode d.,* der Dienstag in der Charwoche.

=dingesplichtich,= verpflichtet zum Gericht zu erscheinen (um Urteil zu finden), Bürgerpflicht zu leisten.

=dinges-winde,= (dän. *vidne),* Gerichtszeugnis, Beglaubigung eines gerichtlichen Aktes.

=dinge-tal, dinktal= = 1. *dingede.* 2. festgesetzte Zeit des Gerichtes.

=dinginge= = dingede, pactatio, exactio.

=dink, dinge,= n. 1. Ding, Sache, Geschäft etc., *res;* euphem. für *penis,* im Plur. mit e. Adj. zur Umschreibung des Adr. *na redeliken dingen = redelike; na jodeschen dingen,* auf jüdische Weise; *mit nenen dingen,* auf keinerlei Weise, u. s. w. 2. Gericht, Gerichtstag, -stätte, -pflicht. 3. eine Territorialbezeichnung, z. B. dat wilde dink.

=dink-bank,= Gerichtsbank, sedes judicii.

=dink-boke,= Buche, unter der Gericht gehalten wird.

=dink-bome,= Gerichtsschranken.

=dink-greve,= Gerichtsvorsitzender.

=dink-horinge= = dinkman, Gerichtsbeisitzer, -zeuge.

=dink-hûs,= Gerichtshaus.

=dink-man,= Plur. *-lude,* Beisitzer des Gerichts.

=dinkmelich,= gerichtspflichtig.

=dinknisse-korn,= Getreide, das als *dingenisse* (Lösegeld) gegeben wird.

=dinkpalen,= sw. v. refl. sich vor Gericht stellen (als Kläger etc.).

=dink-plicht,= die Pflicht als Schöffe beim Gericht zu erscheinen.

=dink-plichte,= m. Urteilsfinder, Gerichtsbeisitzer.

=dinkplichtich,= verpflichtet vor Gericht zu erscheinen.

=dink-seller,= der (Sachen) verkauft, Verkäufer.

=dink-slete,= Störung des abzuhaltenden Gerichtes durch unzeitiges Weggehen der Dingpflichtigen.

=dinkstadelen,= sw. v. sich vor Gericht stellen (als Kläger).

=dink-stede,= Gerichtsstätte.

=dink-spil,= Gerichtssprengel.

=dink-stock,= Gerichtspfahl (vier Pfähle, Bäume, quadratisch aufgestellt bilden das Forum).

=dink-stôl,= Gerichtssitz, -stätte.

=dink-tît,= Gerichtszeit.

=dink-vluchtich,= sich dem Gericht aus Ungehorsam entziehend.

=dink-wart,= Richter.

=dinsen,= sw. v. ziehen, schleppen.

=diost,= Tjost (Ritterspiel, Speerstechen).

=diosteren (diusteren, dusteren),= sw. v. e. Tjost halten, turnieren.

=dir, der= = er.

=dirdendei,= frzs. *tiretaine,* Zeug, halb leinen, halb wollen.

=discant,= die Oberstimme im Gesang; ein im Discant gesetztes Musikstück.

=discanteren,= sw. v. Discant singen.

=disch (disk),= m. Tisch.

=discher (disker),= Tischler (gew. sniddeker).

=disch-laken,= Tischtuch.

=disel (dissel, disse, distel),= f. Deichsel.

=disene, dise,= f. u. m. Spinnrocken; das um dasselbe cylinderförmig gewundene Bündel Flachs oder Heede.

=disinge,= fortdauernd nebliges, nasskaltes Wetter? (dîsig wêr?)

=dissel,= 1. (jetzt: Düssel) Deichsel, Queraxt. 2. = disel.

=distel,= m. 1. Distel. 2. = dissel.

=distel-pennink,= _Deichselzoll (Abgabe für ein Fuhrwerk zur Erhaltung der Steinwege und Dämme)._

=ditherensone= (d. i. *diet-, dêthergensone,)* Sohn einer Allerweltshure.

=do (don),= Conj. da, als.

=dobbe,= f. Niederung, Vertiefung; Sumpf (gew. Plur.).

=dobbe,= Lippe? (labrum Kil.)

=dobbelatze,= f. Würfelspiel.

=dob(b)elen (dabelen, dopelen, doffelen),= sw. v. 1. mit Würfeln spielen. 2. mit Würfeln losen.

=dob(b)eler (dopeler),= Würfelspieler.

=dob(b)elie,= f. Würfelspiel.

=dobbelletger,= kleine Schüssel, rotundale, scutella.

=dob(b)el-gelt,= im Würfelspiel verlornes Geld, Spielschuld.

=dob(b)el-schole,= Gesellschaft, in welcher das Würfelspiel betrieben wird.

=dob(b)el-spel,= Würfelspiel.

=dob(b)elspelen,= sw. v. würfeln.

=dob(b)el-stên,= Würfel.

=dobber,= m. ein auf dem Wasser schwimmendes Zeichen, das anzeigt, wo der Anker liegt; der Kork (Rohr) in der Mitte der Angelschnur, der die Schnur trägt u. den Biss des Fisches anzeigt.

=dobbin,= gewässerter Taft, frzs. le tabis.

=doch,= doch (versichernd); *sunder doch,* aber ja; bei dringenden Bitten.

=dochte,= = dorfte, s. dorven.

=dochter,= Tochter.

=docke,= f. 1. Puppe, Figur. 2. der aufrechtstehende Stab in den Treppengeländern. 3. Strohbündel (in Puppenform) zum Dachdecken.

=docke,= n. Schiffsdock.

=docken-spel,= Puppenspiel.

=docken-speler,= Puppenspieler, Gaukler.

=dockman,= _in Riga der Sprecher der grossgildischen Bürgerschaft (die bei der Docke, d. h. dem Marienbilde ihren Standort hatte)._

=dode,= Toter; tot.

=dodehât,= tötlicher Hass.

=dodeken,= dem. zu *dôt. dodekens sterven,* sich abtöten, sich überwinden.

=dodel,= n. ? Dotter.

=doden,= sw. v. 1. töten, schlachten. *quick-sulver d.,* durch Einreiben in Fett schmierbar machen. 3. modificieren.

=doden-bôk,= Totenbuch, Verzeichnis der Gestorbenen.

=doden-bare,= Totenbahre.

=doden-bêr,= Schmaus beim Begräbnis.

=doden-bidder,= Leichenbitter; fem. -biddersche.

=doden-brêf,= Totenregister.

=doden-graft,= Begräbnis.

=doden-kiste,= Sarg.

=doden-kôp,= ewiger Kauf, bei dem kein Wiederkauf oder Rückkauf gestattet ist.

=doden-laken,= Leichentuch.

=doden-recht,= Leichenmahl.

=doden-stock,= Sarg.

=doden-volge,= die Geleitung eines Toten; Leichenbegängnis.

=doder (dodder, dudder),= n. ? Dotter.

=doderkule,= alga, spuma maris; cuscuta.

=dodinge,= Tötung, Ertötung.

=doffelen= = dobbelen, würfeln.

=dofte, dufte,= n. Taufsprengel; überh. Sprengel, Bezirk.

=doge,= m. Tauglichkeit; Brauchbarkeit.

=dogehaftich,= tauglich.

=dogeheit,= Tüchtigkeit, Tauglichkeit.

=dogelik,= tauglich.

=dogen,= Prät. *dochte,* kräftig sein, taugen, nützen.

=dôgen,= sw. v. leiden, erdulden, pati. sustinere.

=dogendich,= tauglich, tüchtig.

=dogenicht,= Taugenichts.

=dogenisse,= schlechte Felle; verfälschte Ware.

=dogentaftich,= tugendhaft.

=dogentlicheit,= Tauglichkeit; Unbescholtenheit.

=dogentrik,= tugendreich.

=doge(n)tlik,= tugendlich; edler, feiner Sitte gemäss, als Titel: *honestus, nobilis.* Adv. dogentliken.

=dogentsam, -samich, -samlik,= tugendhaft.

=doget, dogent,= f. 1. Tugend, Tüchtigkeit. 2. Freundlichkeit, Gastlichkeit, Güte, Dienst.

=doget,= adj. tauglich, gut.

=doginge,= das Erleiden, Erdulden.

=doien (deien),= sw. v. auftauen (vom Eise).

=doinge, dowinge,= Tauwetter.

=doinisse= = dogenisse.

=dôk,= m. Tuch, bes. um den Kopf; ein bestimtes Mass für Tuch.

=doke-bret,= Bret zum Steifmachen der Tücher (Plättbret).

=doken,= sw. v. ein Tuch umlegen (namentlich vom Kopftuch).

=dôkmaget,= Dienstmädchen?

=dôk-maker,= Tuchmacher, -fabrikant.

=dôk-vorer,= Tuchhändler.

=dol,= toll, vermessen; subst. Tollheit, Übermut.

=dole, dolle,= Graben.

=dolen,= sw. v. (mit e. *dole* umgeben zum Zeichen der Grenze), begrenzen.

=dolen,= sw. v. dulden.

=dolen,= sw. v. = *dwelen.* irren.

=dôl-hof,= Labyrinth.

=dolk,= m. Verwundung.

=dolle ( dale),= f. Dohle.

=dolle, dulle,= f. 1. Ruderpflock, Rudernagel. 2. Rundeisen, Stabeisen?

=dolouwe,= Fensteröffnung?

=dolpeln,= sw. v. = *dobbelen,* würfeln.

=dolpelspel,= Würfelspiel.

=dolvern, delvern,= sw. v. plappern, schwatzen, belfern.

=dôlwech,= Irrweg.

=dôm,= m. rechtl. Entscheidung, Erkentnis, Rechtsweisung; Gesetz, statutum.

=dôm-brêf,= schriftliches Urteil.

=dôm-deken,= Domdechant.

=dôm-dêler,= Richter.

=domen,= sw. v. dämmen, schwelgen, schlemmen.

=domen,= sw. v. Dunst aushauchen, dampfen.

=domen,= sw. v. urteilen; durch Richterspruch erkennen; verurteilen.

=domer,= 1. Richter. 2. Verurteilter?

=domer, demmer,= Dämmer, Schwelger.

=domeri(g)e,= Dom, Domstift.

=domes-dach,= der Tag des (jüngsten) Gerichts.

=dôm-gelt,= Lohn für den Urteilsspruch.

=dôm-prove,= Dompräbende.

=dôm-vroine,= Stiftsdame.

=don (dun, done)= = do.

=don,= ausgestreckt, straff.

=dôn(e),= m. und f. Melodie, Weise; Art u. Weise.

=dôn,= unr. v. 1. thun; *dôt wol unde,* seid so gut und etc. 2. (mit Inf.) zur Umschreibung des einfachen V. oder zur Vertretung eines voraufgehenden V. 3. lassen; befehlen. 4. schaffen, fördern, helfen. 5. reichen, geben, leihen. 6. refl. sich (wohin) begeben. -- Part. *gedân,* beschaffen; aussehend.

=donen,= sw. v. aufgeschwollen sein, strotzen.

=doner, donner (donder, dunner),= m. Donner.

=doner-bart,= sempervivum tectorum; Barba Jovis.

=doner-bone,= sedum telephium; crassula.

=doner-dach,= Donnerstag. *gude, grone, witte d.,* Donnerstag in der Charwoche; *grone d.* ist auch der D. nach Ostern.

=doner-kîl,= Belemnites.

=doner-lôk,= Donnerlauch, u. crassula.

=donern, dondern,= sw. v. donnern.

=doner-nettel,= Donnernessel, urtica dioica.

=doner-slach,= vom Donner begleiteter Blitzschlag.

=doner-swark,= Donnergewölk.

=doner-weder,= Donnerwetter.

=dônheit,= Betrieb, Veranstaltung.

=dônlik,= thunlich, möglich.

=don-nagel,= grosser (eiserner) Nagel.

=donneken (denneken), donken,= sw. v. mit Kalk bekleiden, tünchen.

=donneker,= (Kalker) Tüncher.

=donnekinge,= Tünchung; Abputz.

=donse= = dornse.

=dônt,= Inf. 1. das Thun. *to dônde hebben,* (mit Gen.) nötig haben, brauchen, bedürfen; *to dônde sîn,* nötig sein, *dar an is to d.,* daran liegt viel. 2. concr. Sache.

=dop, doppe,= m. hohle Rundung; 1. Schale (bes. von Eiern), Kapsel, Kelch, Topf. 2. Kreisel. 3. Knopf (als Bücherbeschlag, Spange etc.).

=dope,= f. 1. Taufe. 2. Taufstein, -becken.

=dopel-dôk,= Tauftuch.

=dopel-dopekerse,= Taufkerze.

=dopel-name,= Taufname.

=dopel-dopepade,= Taufpathe, sowol der *compater* des Täuflings, als der Täufling des compater.

=dopel-dopestên,= Taufstein.

=dopen,= sw. v. taufen.

=doper,= m. 1. Täufer. 2. Taufbecken.

=dopersch,= täuferisch.

=dope-segen,= catechismus.

=doppeken,= n. 1. Becher in Ei- oder Nussform. 2. Beschlagknöpfe.

=doppen,= _sw. v. 1. den *dop* entfernen, aushülsen. 2. zu e. *dop* gestalten. 3. mit dem Kreisel spielen,_ trochare.

=doppet,= rautenförmig, karriert, mit eingewebtem Döppkenmuster (vom Tischtuch) (?).

=dôpsel,= n. Taufe.

=dop-vul,= (Eier)schale voll.

=dor,= thöricht, unvernünftig.

=dor,= n. Thor, porta.

=doraftich, -achtich,= thöricht.

=dôr,= (contr. aus *doder*) Eidotter.

=dor= (= dorch), Präp. durch; adv. durch und durch.

=dor-bode,= Thorbude.

=durch (dor, dur, dar),= 1. Präp. durch; hindurch, während; wegen, um -- willen. Adv. durch, hindurch, durch und durch.

=dorch-achten,= verfolgen.

=dorch-backen,= durchgebacken; übertr. durch u. durch schlecht.

=dorch-bernen,= durch- u. durchbrennen, verbrennen.

=dorch-boren,= durchbohren.

=dorch-dregen,= durchtragen; Part. beständig (vom Winde).

=dorch-drennen,= zertrennen.

=dorch-driven,= durchtreiben, ins Werk setzen.

=dorch-gân,= durchgehen.

=dorch-gândes,= durchgehends, ununterbrochen.

=dorch-gank (-gânt),= Durchgang; Ruhr, lienteria.

=dorch-genklik,= zu durchgehen, pervius.

=dorch-gevel,= Thorpfosten (postis).

=dorch-graven,= durchgraben, -bohren.

=dorch-heren,= mit Heeresmacht durchziehen.

=dorch-holen,= durchhöhlen, -bohren.

=dorch-howen,= durchhauen; im techn. Sinn: auslegen, verzieren mit Metallschmuck etc.

=dorch-klowen,= zerspalten.

=dorch-lât,= Verschwender.

=dorch-luchtet,= durchlauchtig, illustris.

=dorch-luftich,= durchlauchtig.

=dorch-schêten,= durchschiessen; techn. durch eine aufgezogene Wand teilen.

=dorch-schinen,= durchscheinen, -leuchten.

=dorch-schinich,= durchscheinend, -sichtig; scharfsichtig.

=dorch-sichtich,= (activ.) scharfsichtig.

=dorch-slach,= 1. spitzes Werkzeug von Eisen u. Stahl, um damit Löcher zu schlagen; Spitzdorn, *perforatorium.* 2. Küchengerät zum Durchseihen, cola.

=dorch-slacht, -slachtich,= vollständig; d. egen, merum proprium.

=dorch-slân,= 1. durchschlagen; mit metallenem Schmuck versehen. 2. bestätigen, befestigen. 3. durchbringen, verschwenden.

=dorch-sniden,= durchschneiden; durchbrechen (die Kleider zur Zierde).

=dorch-stânde,= durchstehend, anhaltend.

=dorch-steken,= durch-, zwischenstecken (betrügerisch); eine Urkunde durchstechen zum Zweck der Tilgung.

=dorch-steken,= adj. part. 1. durch u. durchgestochen, 2. betrügerisch, Durchstecherei treibend.

=dorch-stricken,= vereinigen, innig verbinden.

=dorch-tên,= durchziehen.

=dorch-varen,= durchwandern, -ziehen.

=dorch-vart,= Durchgang, pertransitus.

=dorch-wassen,= durchwachsen; knorrig (v. Holze).

=dorch-waten,= durchstossen.

=dorch-werken,= durchwirken.

=dorch-werkinge,= Mitwirkung, cooperatio.

=dorch-wiren,= durchflechten, filigranisieren.

=dorde= = derde, dritte.

=dorde,= thöricht, von Sinnen.

=dor(e),= m. Thor, Geisteskranker, Narr.

=dor(e),= f. Thür.

=doren,= sw. v. Thor sein, thöricht handeln.

=doren,= anom. v. wagen, sich erkühnen.

=dorechtich,= thöricht.

=doren-dage,= die Narrentage (in der Fastnacht, die drei Tage vor Aschermittwoch).

=doren-kiste,= Behausung für Wahnsinnige.

=doren-rink,= Thürring.

=doren-spel,= Narrenspiel, Spott der Leute.

=dorich,= thöricht.

=dorie,= Thorheit.

=dôrheit,= Thorheit.

=dor-hode,= Thorwache.

=dor-hoder,= Thorwächter, -hüter.

=dorich,= thöricht.

=dor-inne,= Geisteskranke.

=dork,= m.? n.? Platz, wo sich der Schmutz sammelt, bes. der unterste Teil des Schiffsraumes, sentina.

=dorke,= eine Art Pferd.

=dorledage= = dorel-, dorendage.

=dôrlik,= thöricht; adv. dôrlike(n).

=dormenter, dormiter, dormter,= dormitorium, n. Schlafsaal in Klöstern.

=dorn,= m. Dorn; Zaun von Dorn.

=dorne= (umges. für *drone),* Drohne.

=dornitze, dorntze, dornse, dontze,= f. heizbares Zimmer.

=dorp,= n. Dorf.

=dorpel,= m. Thür-pfahl, -schwelle, limes.

=dorpelik,= dörflich; bäurisch.

=dorper,= Dorfbewohner; roher Mensch.

=dorperheit,= bäurisches, rohes Benehmen.

=dorpernie,= Benehmen eines dorpers, rusticitas.

=dorper-sprake,= bäurische, rohe Rede.

=dorpesch,= bäurisch.

=dorp-man= = dorper.

=dorp-stede,= Dorfstätte.

=dorre,= dürr, trocken; bildl. ohne (Blätter) Bekleidung, offen, klar.

=dorreheit, dorricheit,= Dürre, Trockenheit.

=dorren,= sw. v. dürr werden.

=dorren= = doren.

=dorschen,= st. u. sw. v. dreschen.

=dorscher,= Drescher.

=dorsch, dors,= Dorsch, asellus.

=dôr-sittent,= Thorhüten.

=dôr-sluter,= Thorschliesser.

=dorst(e),= m. Durst; krankhafte Trockenheit des Mundes.

=dorste,= Prät. zu doren.

=dorstel, dorstegel, -stogel,= Thürpfosten.

=dorsten,= sw. v. dürsten.

=dor-stender, -stendel,= Thürpfosten, limes.

=dorstich,= durstig.

=dorstich= (zu *doren),* kühn, keck, frech.

=dorsticheit,= Kühnheit, Keckheit.

=dorstigen,= sw. v. dürstig sein.

=dor-sul,= Thürschwelle.

=dort= = dorde, thöricht.

=dort,= dorthin; dort (sehr selten).

=dort,= Trespe, Bromus secalinus.

=dortege,= dürftig, elend.

=dortich (der-, dritt-, druttich),= dreissig.

=dortigeste,= der dreissigste Tag (nach der Beerdigung eines Verstorbenen).

=dorven (durven, derven),= unregelm. v. nötig haben; brauchen, verpflichtet sein. (Prät. dorfte, drochte, dochte, dechte, dorte.)

=dor-wachter,= Thür(Thor-)hüter.

=dor-warer,= Thür-, Thorhüter; Thorschreiber.

=doselechtich,= duselig, betäubt.

=dosich,= (verstandes)betäubt, freneticus.

=dosin (dossin, dosint),= n. Dutzend.

=dosse= = desse.

=dôt,= m. und f. Tod.

=dôt, dode,= tot; *en dode kôp* oder *en dôt kofte kôp,* Kauf, wo kein Widerkauf gestattet ist, (vollständig abgethan).

=dôt-bedde,= Todbett.

=dôt-boren, -baren,= totgeboren.

=dôtdêl,= (fries.) Mord, Todschlag.

=doten,= sw. v. närrisch sein, insipere.

=doter,= cussuta (cassutha).

=dôtheit,= Tod, Sterblichkeit.

=dôt-kiste,= Sarg.

=dôtlik,= sterblich; gänzlich, durchaus (vollständig abgethan), adv. dôtliken.

=dôtsêk,= zum Tode siech, totkrank.

=dôt-slach,= Todschlag.

=dôt-slacht, -slachtinge= = dôtslach.

=dôt-slager,= Todschläger.

=dôt-stortinge,= Todsturz, internecio.

=dôt-suke,= tötliche Krankheit.

=dôt-swime,= Todschwindel.

=dôt-var,= totenfarbig, blass.

=dôt-vechtinge,= Todeskampf; (Leichen-) Kampfspiel.

=dôt-vede,= Todfehde (Befehdung wegen eines getöteten Verwandten).

=dôt-vient,= Todfeind.

=dôt-wunde,= Todeswunde.

=douwelinge,= Mann der Schwester der Frau, Schwager?

=douwen (dawen),= sw. v. 1. thauen, *liquescere.* 2. thauen, rorare.

=douwen,= sw. v. verdauen, digerere.

=douwer= = dobber.

=dôf,= taub; leer, eitel; vergeblich.

=dovel,= m. der Zapfen, der die Teile des Bodens einer Tonne verbindet.

=dovelechtich,= harthörig, surdaster.

=doven,= sw. v. 1. trans. betäuben, taub machen. 2. intr. taub werden.

=doven (daven),= sw. v. toben, lermen, insanire.

=dovendich (dovenich),= tobend, von Sinnen.

=dovendicheit (dovenheit),= Wut, Raserei.

=dovense,= Taubheit.

=dôf-holt,= taubes, dürres Holz.

=dovicke,= m. Tappe.

=dovigende= = dovendich.

=dôf-slach,= Schlag, von dem man betäubt wird.

=dôf-sucht,= Taubheit, surditas.

=dow (douwe, dawe, dau),= m. Thau.

=dow-sleper,= Thaustreifer.

=dow-striker= = dow-sleper.

=dow-worm,= Lumbricus terrestris; flechtenartiger Ausschlag, Salzfluss.

=drachaftich,= fruchtbar.

=drachsam,= tragbar, portabilis.

=drach-sole,= Tragsohle, -schwelle.

=dracht,= f. 1. das Tragen; die Schwangerschaft; das Kind im Mutterleibe; das Tragen der Heiltümer, Procession. 2. Ertrag (an Früchten). 3. Tracht, so viel man tragen kann. 4. Kleidertracht; Gang oder Gericht Speisen. 5. (Haar)seil?

=drachtich,= trächtig, schwanger, fruchtbar; beträchtlich, inhaltschwer.

=drachtlich,= erträglich.

=drade (draden),= adv. schnell, rasch, bald.

=drage,= f. Trage, Bahre (Brett, worauf Brot, Fleisch etc. getragen wird), gerula.

=drage-bere,= Tragbahre.

=dragemunt,= eine Art langer u. schneller Schiffe, trieris.

=dragen (dregen, drigen),= st. v. tragen; ertragen; hinführen, beitragen; helfen, nützen; sich belaufen, betragen. *over ein, up ein, in ein* oder bloss *ein (ên) dragen,* einträchtig sein, übereinstimmen, *concordare. entwei d.* getrennt sein, uneinig sein, *discordare; van ein, af (van), daraf d.,* verschieden sein; *dregen laten* (Schifferausdruck) wohin segeln, lossegeln; -- refl. sich wohin richten; wohin gehören; sich auf etwas stützen *(up),* verlassen, sich steifen auf. Das Part. *dragende* passivisch: sîn dr. gût; ampt.

=dragester,= (Zu)trägerin.

=dragge,= m. ein Anker auf kleinen Fahrzeugen mit drei oder vier Armen oder Klauen; auf den Kriegsschiffen diente er zum Entern, daher *sik draggen an,* ein Schiff entern.

=draginge,= Tragung.

=drake,= m. 1. Drache. 2. = *dragge,* Anker, Klammer.

=draken-blôt,= ein dunkelrotes, wolriechendes Harz; auch Name für Pflanzen, z. B. wälsche bibenelle.

=draken-holt,= Klammerholz.

=dral,= rund u. fest gedreht oder sich drehend, wirbelnd.

=dram,= m.? 1. Getümmel, Lerm, Halloh. 2. Bedrängnis, Not.

=dramet= = dromet.

=drammen,= sw. v. lermen, poltern; ungestüm dringen.

=drammet= = dramment, dramminge.

=dramminge,= Lerm.

=drampen,= sw. v. trampeln.

=drân= = dragen.

=drane, drone,= m. Drohne; fauler, träger Mensch.

=drange, drank,= m. Gedränge; Einengung, Zwang, Gewalt; Not.

=drange,= gedrängt voll, enge.

=drangen,= s. drengen.

=drangete, drankte= = drang(e).

=drangicheit,= Enge; Einengung.

=drank,= m. Trank.

=drank-gelt,= Trinkgeld.

=drank-, drinkpennink= = drankgelt.

=drankschop,= Trinkgelag, Fest; Genossenschaft.

=drank-wîn,= Tischwein?

=drape= = droppe, druppe.

=drapen, draplik= = drepen, dreplik.

=drât,= m. Draht, Faden (von Flachs etc., Metall).

=drât-mole,= Drahtmühle.

=drât-smede,= Drahtschmied, -zieher.

=drât-toger,= Drahtzieher.

=draf,= m. u. n. Treber, silique.

=draf,= m. Trab; trabendes Pferd? = dravant?

=dravant,= m. Trabant, d. i. Fusssoldat (»Fussschütz«); dann Leibwächter, dienender Begleiter.

=dravel, drevel,= m. Sclave, Leibeigner.

=draven,= _sw. v. traben. Inf. Subst. *dravent,* Traben, Gelaufe._

=drê,= drei.

=drech-boke,= Trag- (fruchttragende) Buche.

=drechlik= = dregelik.

=drêchlik,= betrügerisch, falsch.

=drêchnisse,= Betrügerei.

=dreck,= m. Dreck, Kot; *nicht einen d.* = gar nichts.

=dreckaftich,= dreckig.

=drecken,= dreckig.

=dreckicheit,= Dreck, Schmutz.

=drecklich,= dreckig.

=dreck-rûm,= Düngerort.

=dreck-slot,= Schloss, das im Sumpfe liegt?

=dreck-stande,= Dreckfass.

=dreck-voget,= der den Markt etc. vom Dreck zu reinigen, zu fegen hat.

=dre-eckger,= dreieckige Pike, tricuspis.

=dre-eggich,= dreieckig.

=drege-balge,= eine Balje, die tragbar ist (mit zwei Öhren zum Tragen)?

=drege-, drech-, drechtlik,= 1. tragbar. 2. erträglich, zufriedenstellend, genügend.

=drêgen (drogen),= st. v. betrügen.

=dregen= (= dreien), sw. v. drehen.

=dregen= = dragen.

=dreger, drager,= _1. Träger; Inhaber *(porteur)* von Documenten. 2._ = dreier.

=dregersche,= Trägerin; Gebärerin.

=dreharich,= bildl. mutwillig, verwegen (urspr. krausharig?).

=dre-hornich,= dreieckig.

=dre-huck,= Dreieck.

=dreien, dreigen,= sw. v. drehen; drechseln.

=dreier (dreger),= Drechsler, tornator.

=dreigen= = drouwen, drohen.

=dreisich,= in Dreesch (grün) liegend.

=drel-bedde,= ein tragbares Bett (ballanula).

=drell(e),= m. Drell, Drillich.

=drelink (drilink),= m. 1. Dreipfennigstück. 2. ein Gefäss von anderthalb Tonnen oder 3 Ankern.

=drelle, drille,= Unfreier, *servus (proprius)* u. serva; vagus.

=drellinne,= Unfreie; vaga.

=drenge,= f. Bedrängung.

=drengen, drangen,= sw. v. drängen, bedrängen.

=drengenisse,= Bedrängung.

=drenginge,= Bedrängung.

=drenke,= n. 1. Getränk. 2. Trinkgelage.

=drenke,= f. 1. Tränke. 2. Wasserflut.

=drenken,= sw. v. tränken; ertränken, refl. ertrinken.

=drenker,= 1. Trinker. 2. der zu trinken gibt, Schenke.

=drenkerinne,= Trinkerin.

=drenkinge,= Trinken; Sauferei.

=dreordich,= dreieckig.

=drep(e)lik, draplik,= adj. u. adv. trefflich d. i. bedeutend, stark, heftig, gewaltig, *gravis;* von Personen: gewichtig, hervorragend. Adv. drepeliken.

=drepen, drupen,= st. v. 1. treffen; erreichen; betreffen, angehen; *entwê d.,* sich streiten etc., verschieden sein. 2. zusammentreffen (feindlich) *congredi,* kämpfen. 3. refl. betreffen, wohin gehören.

=drêpen,= st. v. triefen, guttare.

=drêsch (drîsch),= m. der ruhende Acker, der, ehe er neu aufgebrochen wird, als Viehtrift dient; Grünland.

=dreschichtich,= aus drei Schichten bestehend.

=dreskelef,= Schwelle.

=drespe,= m. =drespenkrût,= Trespe, quisquilie.

=dre-speldich,= dreispaltig, in drei geteilt.

=dre-stalich, -stolich (-stoilich, steling),= dreipfostig, dreibeinig.

=dre-stengich,= aus drei Stangen bestehend, dreiarmig.

=drêt, drît,= Dreck, Kot, merda humida.

=drêten,= st. v. verdriessen.

=dre-twele,= drei-geteilt.

=dreve,= Schlag, ictus, pulsus.

=drê-valdicheit,= Dreifaltigkeit.

=drêvalt (drivolt),= dreifaltig, dreimal.

=drevel,= Sklave, Knecht, mediastinus, famulus.

=drevel,= m. Triebel (Instrument, um etwas anzutreiben).

=drevelinge,= Streit, Zank.

=drever,= m. eine Art Pferd (Ggs. Zelter?).

=dreve-(drive-, drêf-)stên,= _einer der Mühlsteine? ein grosser Stein, der abgeschossen wird?_

=dreve-stock,= Treibstock (in einer Sagemühle).

=drevolden= = drevalt.

=drêf-wech,= Viehtrift (Weg, auf dem man Vieh treibt).

=driakel,= _Theriak; Gegengift: *diakelskremer,* Händler mit Theriak, Marktschreier._

=dridde, drudde,= dritte.

=drie, drige,= dreimal.

=dries,= dreimal.

=drillen,= sw. v. umhertreiben, rollen, drehen.

=dringen,= st. v. drängen; verdrängen; worauf dringen.

=drinkel,= Trank.

=drinkel-dach,= Gelagetag; Gildenschmaus.

=drinkel-schale,= Trinkschale.

=drinkel-stôp,= Trinkbecher.

=drinkel-vat,= Trinkgefäss.

=drinken,= st. v. 1. trinken. 2. ertrinken. 3. trinken machen.

=drinke-wîn,= Tischwein.

=drinklik,= trinkbar.

=drink-pennink,= Trinkgeld.

=drink-stove, -stave,= Trinklocal.

=drink-vete,= Trinkgefäss.

=drinten,= st. v. anschwellen, intumescere.

=drintinge,= das An-, Aufschwellen.

=drîsch,= s. drêsch.

=drîst= u. =drîstich,= beherzt, kühn, frech.

=drîsticheit, drîstheit,= Dreistigkeit, Frechheit.

=drîstichen (-gen),= adv. dreist.

=drîstichliken= u. =drîsteliken,= adv. dreist.

=drîten,= st. v. seinen Kot lassen, cacare.

=drîf,= m. Trieb.

=drîfachtich,= treibend, triftig.

=drive-klôt,= Kugel, die man treibt, trochus.

=drivel-wech,= Weg, auf dem man Vieh treibt.

=driven,= st. v. 1. treiben (trans. u. intr.). 2. betreiben (mit Vieh), beweiden, benutzen. 3. betreiben, ausüben, vollführen. 4. ohne Obj.: z. B. *driven na* (die Pferde treiben nach), wohin fahren. Part. *drivend,* pass. z. B. drivende have.

=driver,= Treiber, Viehtreiber u. als solcher auch Viehhändler; Wagenknecht, Kutscher.

=drive-stên= = drêfstên.

=drîf-here,= Besitzer einer Treibhütte.

=drîf-hutte,= Treibhütte, wo die Erze getrieben, d. i. gereinigt werden.

=drivinge (driwunge),= Trieb; Hang.

=drîflik= = drivende, (passiv).

=drîf-lôn,= Lohn für das »Treiben« in der Treibhütte.

=drîf-rinne,= Gerinne (bei Mühlen).

=drîf-sant,= Treibsand.

=drift,= f. 1. Trieb, Eifer, Ungestüm. 2. Betreiben. 3. das Antreiben eines Schiffes an ein anderes. 4. das Antreiben von Gütern an den Strand. 5. Viehtrift, Weide. 6. Schar, die getrieben wird.

=driftich,= 1. treibend (auf dem Wasser). 2. von Schweinen: die in die Mast getrieben werden können. 3. von Menschen: eifrig, kühn, ungestüm.

=droch,= n. Trug; Trugbild.

=droch,= m. Betrüger.

=drôchenisse,= Trockenheit.

=drôcheit= = drochenisse, drogicheit.

=drôch-, drogenisse,= Betrügerei.

=drochwerlt,= Trugwelt.

=droge, druge,= trocken; subst. Trockenheit, Trockenes.

=drogede,= f. das Trockene.

=droge-dôk,= Tuch zum Abtrocknen, gausapium.

=drogelik (droch-, drogentlik),= betrügerisch; adv. drogeliken.

=drogen, drugen,= sw. v. trocknen.

=drogen= = drêgen, betrügen.

=drogene,= f. Betrug; Betrügerei.

=drogenere,= Betrüger.

=drogenhaftich,= _betrügerisch; adv. *-haftigen* u. *-haftichliken, drogenhafticheit,* Betrügerei._

=drogerie,= Betrügerei.

=drogesam,= trüglich.

=drogicheit,= Trockenheit.

=drom, drum (dram),= n. Trumm; Endstück, Saum, namentl. bei einem Gewebe der letzte Teil des Aufzugs.

=drôm,= m. Traum.

=drôm-duder,= Traumdeuter.

=dromech,= träumerisch; schläfrig.

=dromel (dremel), dromelink,= n.? kleines Ackerstück, Endstück, pecies.

=dromen,= sw. v. träumen.

=dromet, dromt, droment, dramet,= n. Getreidemass (der achte Teil einer Last, 12 Scheffel), lat. tremodium.

=drometsât,= Ackermass, soviel man mit e. Drömt besäen kann (vgl. schepelsât).

=drôm-schêder,= Traumausleger.

=drôn= = drom, Ackerstück, Endstück, Saum.

=drone (drane),= Drohne.

=dronen,= sw. v. dröhnen, bebend nachklingen.

=dronunge,= Dröhnung, Erschütterung.

=drope, drape,= m. Tropfe.

=dropel= = drope.

=dropen= = drupen, druppen.

=dropwort= = dach unde nacht.

=droschen,= st. u. sw. v. dreschen.

=droscher,= Drescher.

=dros,= n. Hefe, fex.

=drôs (drôst, drûss),= m. Teufel; (Tölpel, Riese).

=drose, druse,= f. Drüse, Geschwulst, (Pest)beule.

=drosem,= n.? was beim Auspressen der Früchte übrig bleibt, Bodensatz; fex, faeces.

=drosie, drosin,= eine Art Gewürz, Specerei (als Confect, oder auf Wein abgezogen, genossen).

=drôsle,= f. Drossel.

=droste (drossete, drotzete, druczete), druste,= 1. der höchstgestellte Amtmann eines Landesherrn, sein oberster Befehlshaber in Kriegs- u. Friedensangelegenheiten *(lantdrost).* 2. der an e. Hofe das (erste) Ehrenamt bekleidet, Truchsess. 3. der die Tafel anzurichten und zu bedienen hat, Aufwärter.

=droswort,= crassula; millemorbida.

=drot,= f.? Bedrohung, Drohung.

=droten,= sw. v. drohen, bedrohen; (durch Drohung erpressen?).

=drouwe (drauwe, drowe, drawe),= f. Drohung.

=drouwelich (drowlich),= drohend.

=drouwen,= sw. v. drohen, bedrohen.

=drouwer (druwer),= Droher.

=drouwinge,= Drohung.

=drouw-wort,= Drohwort.

=drove,= trübe.

=drovegen,= sw. v. *drovich* (betrübt) machen.

=drovelik (drôflik, drevelik),= betrübt, adv. droveliken.

=droven,= sw. v. 1. trübe sein. 2. trübe machen, betrüben.

=drove-(drôf-, dreve)nisse,= Betrübnis; Jammer.

=drôfheit= = drovenisse.

=drovich,= betrübt.

=drovicheit,= Traurigkeit, Betrübtheit.

=droftich,= dürftig.

=dru,= Neutralform zu drê.

=dru,= Falle für wilde Tiere; Fuchs- oder Wolfseisen.

=druck,= m. Druck, Bedrängnis.

=drucken,= sw. v. drücken. Refl. 1. sich drücken, drängen. 2. sich still verhalten, sich still entfernen.

=drucke-pennink,= Geizhals.

=drudde,= dritte.

=druk, drok,= beschäftigt, eifrig.

=drul, drol,= zusammenhängend (in Kugelform), res convoluta.

=drulgast,= Gast, der sich eindrängt oder zugelassen wird zum Spassmachen.

=drullen,= sw. v. refl. sich trollen.

=drummel,= n. u. m. (Endstück.) 1. Trümmer; Baumstumpf. 2. kleiner, gedrungener Mensch. 3. hartes Excrement. 4. Name des Teufels.

=drummeldar,= Dromedar.

=drummeldörries,= Einfaltspinsel; adj. *drummeldörgisch,* einfältig.

=drungen,= adj. part. gedrungen.

=drunk,= m. Trunk.

=drunke,= f. 1. Trinkgelage. 2. Dünnbier (= kovent?).

=drunken,= adj. part. betrunken; *drunken drinker,* Säufer.

=drunkenbolt,= Trunkenbold.

=drunkendûn,= vollgetrunken.

=drunkenmunt,= ein trunkener Mund.

=drunkenschap,= Trunkenheit.

=drunkert= = drunkenbolt.

=drup-ader,= Ader am Bein des Pferdes?

=drupen,= sw. v. herabhängen, baumeln.

=druppe,= f. Tropfenfall, Traufe, *stillicidium. (drup[e],* m. = drope).

=druppel= = dorpel, Schwelle.

=druppelk,= in kleinen Haufen stehend, krüppelig? oder subst. dem. Häufchen, Klumpen.

=druppen, droppen,= sw. v. tropfen.

=druppendack,= undichtes Dach.

=druppenval,= Tropfenfall; Traufrecht.

=druppich,= tröpfelnd, thränend.

=druppinge,= Tropfenfall.

=druse,= f. Hefe, Bärme, Treber, Trester.

=drussemen,= sw. v. erdrosseln, erdrücken.

=drusticheit,= Geschäftigkeit, Fleiss.

=druttein,= dreizehn, *d. dach,* s. dertendach.

=drûf= u. =drufele,= f. 1. Traube. 2. der bewegliche Teil eines Bohrers, Knauf am Bohrer.

=dubbeleren,= sw. v. (naut.) umsegeln; frz. doubler.

=dubbelune,= Dublone.

=ducht,= f. Tüchtigkeit, Tugend. 2. Furcht, Ehrfurcht.

=ducht,= f. Ruderbank.

=ducht,= ein aus einer Anzahl Fäden zusammengedrehter Strang; vier Duchten bilden ein Cordeel.

=duchtenisse,= Dünken, Meinung.

=duchtich (duftich),= tüchtig; bes. als ehrendes Beiwort.

=duchticheit,= Tüchtigkeit.

=ducke= = dicke.

=ducke,= Thörin, Närrin? (= *dutte,* ein Mädchen, wie ein Klotz? dummes Frauenzimmer?)

=dude, to dude= (zu Deute), deutlich; zu deutsch.

=duden,= sw. v. deuten; bedeuten.

=dudendop,= Hahnrei; einfältiger Tropf.

=dudenisse,= Deutung.

=dudesch,= deutsch.

=dudeschen,= sw. v. deuten, erklären, verdeutschen.

=dudeslik,= deutsch.

=dudinge,= Deutung.

=duge= (oder =duk?)= Duxstein, Kalktuff?

=dukas (dukes, dûks),= Teufel; Betrug, Verstellung.

=duken,= st. v. tauchen; bildl. sich beugen.

=duker, dukvogel,= mergus, mergulus; die nordische Ente.

=(düker, deuker,= Teufel.)

=dul (dulle),= verstandesbenommen, thöricht; unvernünftig.

=dulbregen,= (Tollgehirn) Tollkopf.

=dulden,= sw. v. dulden; zulassen.

=duldich,= geduldig.

=duldicheit,= Geduld.

=duldichlik(en),= geduldig.

=duldigen, dulgen= = duldichlik.

=dulgicht,= gichtbrüchig?

=dulheit,= Sinnlosigkeit.

=dul-iser,= Tolleisen, d. i. rundes Eisen um Wäsche zu fälteln.

=dul-kone,= tollkühn, temerarius.

=dul-kop,= Tollkopf.

=dulle,= Beule?

=dullen,= sw. v. tollen, sich unsinnig benehmen u. geberden.

=dullerie,= Tollheit, Unverstand.

=dullik (dulk),= Zwillich.

=dulliken,= thörichter Weise.

=dul-slach,= Schlag, der eine Beule macht (nicht blutig ist).

=dult,= f. 1. Geduld. 2. Aufschub, Waffenstillstand.

=dult,= f. irdenes Gefäss, Krug.

=dulwagen,= Tollwagen; *den d. driven,* unsinnig sein.

=dum,= 1. dumm. 2. toll, wütend.

=dûm(e),= m. 1. Daume; 2. Hebezeug, Handwinde.

=dumelink,= 1. Däumling, Bedeckung des Daumen, z. B. Fingerhut etc. -- 2. Zwerg, nam. der Fuhrmann am Wodanswagen (gr. Bären).

=dumelne,= Daum-elle, das Mass vom Ende des Daumen bis zum Ellenbogen.

=dumen,= sw, v. daumen d. i. einen Druck mit dem Daumen geben.

=dumheit,= Unwissenheit.

=dum-(dun)kone,= dumm-, tollkühn, verwegen.

=dumkonheit,= Tollkühnheit, Verwegenheit.

=dumkonlich (-koningen),= tollkühn.

=dumlik(en),= dumm, thöricht.

=dumpe, dumpen= = dampe, dampen.

=dumpeln,= sw. v. untertauchen.

=dumpich,= mit *dumpe, dampe* behaftet.

=dumslach,= s. dunslach.

=dûn(e),= 1. aufgeschwollen; dick, voll, betrunken. 2. dicht, enge.

=dune,= f. 1. Daune, *pluma.* 2. Düne.

=dun(en)-bedde,= Daunenbett.

=dungel-wage,= Dungwagen.

=dungen,= sw. v. düngen. irrigare.

=dunge-(dunk-, donk)recht= = dungetal.

=dungetal,= Düngerrecht, das Recht den in einen Acker gesteckten Dünger abzunutzen, jus fimale.

=dunhorich,= scharf hörend?

=dunk,= m. unterirdisches Gemach.

=dunkelgude,= Heuchelei, Pharisäismus.

=dunkel-guderie (gudicheit, -modicheit),= Dünkel, Selbstgerechtigkeit, Heuchelei.

=dunkelgût,= (der sich für gut hält), dünkelhaft, selbstgerecht, heuchlerisch, Pharisäer.

=dunken,= unr. v. dünken. Inf. subst. *dunkent,* Gutdünken.

=dunker,= n. Dunkel.

=dunker,= 1. dunkel. 2. blind; geistig blind.

=dunkeren,= sw. v. dunkel, blind werden.

=dunkerhaftich,= dünkelhaft.

=dunkerheit,= Dunkel-, Blindheit.

=dunker-stern,= Nebelstern.

=dûn-kussen,= Küssen von Daunen.

=dunne,= _dünn, schwach. *dunne broder,* Gaukler, Possenreisser? *dat d. lîf,* die Taille._

=dunne-bêr,= Dünnbier.

=dunnen,= sw. v. dünnen, schwächen.

=dunner,= s. doner.

=dunni(n)ge,= f. Schläfe.

=dunningsslach= = dunslach.

=dunnink,= m. = *dunninge,* f.

=dunslach (dunt-, dumslach),= (zu *dunen,* aufschwellen) ein Schlag, in Folge dessen die getroffene Stelle aufschwillt, Beulenschlag.

=dunst,= m. Dunst.

=dupe,= f. Tiefe.

=dupede, dûpte,= f. Tiefe.

=dupen,= sw. v. 1. austiefen, vertiefen. 2. in die Tiefe tauchen.

=dûplik= = duve-, dûflik, diebisch.

=dûplik,= tief, gründlich; adv. dûpliken.

=duppe, doppe,= n. kleines Gefäss, gew. aus Holz, Tubbe. lappas, mulctrale.

=dûrachtich, -aftich,= dauerhaft.

=durand,= hartnäckig, pertinax.

=dûrbar,= theuer, kostbar.

=dûrbaricheit,= Kostbarkeit.

=dûrde,= f. Dauer.

=dûr(e),= theuer; ausgezeichnet, vornehm; adv. theuer; sehr, stark.

=duren,= sw. v. theuer machen.

=duren,= sw. v. dauern, währen.

=duren= = doren, wagen.

=dûrheit,= Theurung.

=durich,= dauernd, ausharrend.

=duringe,= Theuerung.

=dûrlik,= dauernd; adv. dûrliken.

=dûrsam,= dauernd.

=dûrte,= f. Theurung.

=dûs,= n. (Daus), die Zwei auf dem Würfel, das As (Es) auf der Karte, weil dieses auf den deutschen Spielkarten zwei Augen hat. *dus es,* zwei u. eins; *troie dus,* drei u. zwei; *kotter (katter = quatuor) drei,* vier und drei; *zinke dus,* fünf u. zwei; im Kartenspiel das höchste; daher bildl. Daus, Ausbund; sehr selten vom höchsten Wurf (wol vom Kartenspiel entlehnt).

=dus,= _adv. so; *dus-dân, -danich,* so gethan, so beschaffen, *talis; dus-solk (-selk),* solch._

=duschen,= sw. v. sich hin und her bewegen?

=dusen (dosen, deusen),= sw. v. schlendern; gedankenlos dahin gehen, bummeln.

=dusent,= tausend.

=dusentblat,= Achillea millefolium.

=dusenthaftich,= tausendhaftig.

=dusentich= = dusent.

=dusent-kunstehere,= Tausendkünstler.

=dusentvolt, -voldelike,= tausendfältig.

=dusich,= betäubt, schwindelig.

=dusicheit,= Betäubung, Schwindel.

=dusink,= m. ein mit Schellen oder Glöckchen besetzter Gürtel für Männer u. Frauen, cingulum sonorosum.

=duslik,= solch.

=dusses, dusset= = desse.

=dust, dost,= Doste, origanum vulgare.

=dust,= m. Spreu, Hülse, Kleie, Staub, candabra, -tabrum.

=dust (zdust, sust),= Tjost, ritterlicher Zweikampf; Belustigung, Tanz.

=duste= = desse u. deste.

=dustement,= n. Belustigung, Vergnügen.

=dûster,= düster, finster; unklar, zweifelhaft.

=dustêren,= sw. v. tjostieren = diosteren.

=dûstericheit,= Düsterheit.

=dûstermette= u. =-misse,= die Mette, Messe um Mitternacht am Weihnachtsfeste.

=dûsternisse,= Finsternis.

=dust-holt,= saftloses Holz, das nur zu gemeinem Gebrauche dient.

=dust-slach= = dunslach.

=dustware, -wart,= die Berechtigung *dustholt* zu hauen.

=dut,= dies (im Ggs. zu dat).

=dutte,= albernes, dummes Frauenzimmer.

=dûv-arne,= Täuberich.

=duve,= f. Taube.

=duve (diuve, duvete, dufte, dêfte, diefte),= f. 1. Diebstahl. 2. gestohlnes Gut.

=duve,= m. penis.

=duvech (diuvech, duvich),= gestohlen.

=duvel,= Teufel.

=duvel-, duvels-heit,= teuflische Art.

=duvelie,= Teufelei, Teufelskunst.

=duvelik (dûflek),= teuflisch.

=duvelîn,= Täubchen.

=duvels(ch),= teuflisch.

=duvels-bete,= Teufelsbiss, scabiosa succisa.

=duvels-dreck,= Teufelsdreck, Ferula Asa foetida.

=duvels-kerke,= heidnischer Tempel.

=duvels-schît,= Teufelsdreck.

=duvel-scho,= Larve, Maske (vgl. schoduvel).

=duven-danz,= Taubentanz.

=duven-kop= = dudendop.

=duven-dreck,= Taubendreck.

=duven-tugge,= Taubenzug; d. dôn, haustim, avide bibere.

=duven-vôt,= Taubenfuss *(Asparagus* oder *Geranium columbinum);* Bezeichnung für das römische Zahlzeichen X.

=duver (duffer), duverich, duverink,= m. Täuberich.

=duvet,= gestohlen.

=duvet(e),= n. Gemächte, pudenda.

=duvete,= f. = duve, furtum.

=duf-kater (düwkater),= Name für den Teufel.

=dûf-(duft-, dêf-, deft-)liken,= diebischer Weise, heimlich.

=dûf-rôf,= Diebraub, rapina nocturna.

=dûf-(dêf-)rover,= nächtlicher Dieb.

=duven-driver,= Taubennarr; Faullenzer.

=duven-kervele,= Fumaria off.

=duverie, -rige, deverie, -rige (divrige),= Dieberei.

=dûf-, duvetal,= Diebstahl.

=duw(e),= Betreiben, Handlungsweise.

=duwen (douen),= sw. v. drücken, niederdrücken.

=duwenwocke,= Schachtelhalm, *Equisetum arvense* u. palustre.

=duwiere,= Höhle, spelunca.

=dwagen (twagen),= st. v. waschen.

=dwage-vat,= Waschbecken.

=dwal, dwalen= = dwel, dwelen.

=dwân= = dwagen.

=dwangete, dwankte= = dwank.

=dwank,= m. Zwang, Gewalt, Nötigung; *ane, sunder d.,* freiwillig; Zwangsrecht; Zwangsabgabe, *angaria;* enger Raum; als Präp. = heutigen »Dank«.

=dwank-brêf,= Zwangsbrief, d. i. Urkunde, die Verpflichtungen enthält.

=dwâs,= quer, verkehrt, thöricht; Querkopf, Thor, Narr.

=dwâsaftich,= thöricht.

=dwasen,= sw. v. Unsinn reden, delirare.

=dwaserie,= Thorheit, Unverstand.

=dwâsheit, dwasecheit= = dwaserie.

=dwasich,= thöricht.

=dwâslik(en),= thöricht.

=dweil= = dwele.

=dwel, dwal,= (irrig), irrsinnig, thöricht, fatuus, ignarus.

=dwelaftich,= irrend, ketzerisch.

=dwel-dwaldrank,= Taumel-, Schlaftrunk, temetum.

=dwele, dweile,= f. Tuch zum *dwagen,* Handtuch, Serviette, Wischtuch, Lappen u. s. w. (jetzt; dweidel, feidel).

=dweleken,= Demin. zu dwele.

=dwelen, dwalen,= sw. v. irren; irre, thöricht, unsinnig sein.

=dwelen-genger,= Rad oder Rolle, worüber *dwelen* gehängt werden.

=dweler,= Irrender.

=dwelerie,= Irrtum; Ketzerei.

=dwelinge,= Irrtum, Irrung.

=dwelk (dwellich, dullik),= m. Zwillich.

=dwel-(dwal)licht,= Irrlicht.

=dwelm,= m. Irrung, Verwirrung.

=dwelnisse= = dwelerie.

=dwelsch,= irrend, von Sinnen.

=dwelscheit= = dwelerie.

=dwel-wech,= Irrweg, devium.

=dwenge,= f. 1. enger Raum, Engpass; 2. Not, Bedrängnis. 3. Zwinge, Fangeisen.

=dwengen,= sw. v. drängen, bedrängen.

=dwenger,= Zwinger.

=dwengicheit,= Enge, Bedrängnis.

=dwenginge,= Bedrängnis, Einengung.

=dwenknisse= = dwengicheit.

=dwer, dwers, (dwars, dwass,)= quer.

=dwere,= f. 1. Quere. 2. = dwerwint.

=dwerch, dwarch, dwark,= m. Zwerg.

=dwerch-appel,= Zwerg-, Gallapfel.

=dweren,= sw. v. hin und her, in die Quere laufen.

=dwer-holt,= Querholz, Schwelle.

=dwerl, dwarl,= _m. Wirbel, Locke. *cincinnus;* querdrähtige Stelle im Holz._

=dwer-lant,= Querland.

=dwern,= Lage von zwei nicht zusammengefalteten Bogen Papier.

=dwer-nacht,= 1. Quernacht, d. i. die zwischen zwei Tagen liegende Nacht; auch der Tag, der durch eine dazwischen liegende Nacht vom *dies a quo* getrennt ist. 2. Zeitraum der gesetzlichen Citation oder Zahlung; überh. Termin, Frist.

=dwer-nât,= Quernaht.

=dwers-hûs,= Querhaus; Haus, dessen Längsseite nach der Strasse zu liegt.

=dwer-strate,= Querstrasse.

=dwer-tûn,= Querzaun.

=dwer-wint,= Seitenwind, Wirbelwind.

=dweteren,= sw. v. umherschweifen (= weteren).

=dwingen,= st. v. 1. engen, drücken, pressen. 2. zwingen.

E

=ê (ee, ehe, ewe),= f. 1. Gesetz, nam. das göttliche. 2. eheliches Bündnis, matrimonium.

=ê= (fries.) = *â,* f. Gewässer, Bach.

=ebbedie= s. abbedie.

=ebbedinne,= Äbtissin.

=ebben,= sw. v. zurückgehen, von der Meerflut.

=ebers= = evers, ever, aver, aber, dagegen.

=ebesse (ebizze),= ein Kraut; welches?

=êbreker,= 1. Gesetzesübertreter. 2. Ehebrecher, *adulter,* fem. êbrekersche.

=êbrekerie,= Ehebrecherei.

=êbrekersch,= ehebrecherisch.

=êbrôk,= Ehebruch.

=echelen, egelen (eichelen),= sw. v. ekeln, widerwärtig sein, verdriessen.

=echelern,= zum Widerwillen, Ekel geneigt.

=echelik, êchlik,= s. êgelik.

=eche-(eiche-, ege-)linge,= Ekel, Widerwärtigkeit, Verdruss.

=echt, echter, echtere, echtes, echts,= abermals, wiederum, ferner.

=echtbreker= = êbreker.

=echt(e),= n. 1. eheliche Geburt u. die aus derselben entspringenden Rechte. 2. Ehe, conjugium.

=echte= = achte, Stand.

=echt(e),= 1. ehelich geboren: *echt u. recht van vader u. moder,* vollbürtig. 2. ehelich, *matrimonialis*. 3. rechtmässig, gesetzmässig, legitimus.

=echtebrêf,= Ehebrief, Ehestiftung, *pactum dotale;* Attestat über Ehen; Geburtsbrief der Handwerker zur Gewinnung des Amtes.

=echtedink,= _Versamlung der Bürger zum Gericht etc.; die beim *e.* verkündigten (polizeilichen) Statuten._

=echtegade,= Ehegattin.

=echt(e)los,= 1. der Rechte beraubt, die echte Geburt oder Ehe gibt. 2. rechtlos.

=echte-man, -wîf,= Ehegatte, -gattin.

=echten,= sw. v. 1. für echt erklären, legitimieren. 2. verheiraten.

=echter, echtern,= s. achter, achtern.

=echtere,= _1. act. Verfolger, *persecutor.* 2. pass. der Geächtete, = *achtere,* Verfolgter, Feind._

=echterer= = echtere.

=echterlik,= sik e. stellen, sich zurückziehen; säumig sein.

=echtern= = achtern.

=echterwîf,= Neben-, Kebsweib.

=echterste,= Nachgeburt?

=echtestôl,= Ehestuhl; *den e. besitten,* in (gesetzlicher) Ehe leben.

=echteswanne= = ichteswanne.

=echtgenote,= Ehegenoss, -gatte (-gattin).

=echtich,= ehelich.

=echtigen,= sw. v. für echt erklären, legitimieren. 2. heiraten.

=echtiger= = echtere, Feind, emulus.

=echtinge,= Legitimation.

=echtlik,= gesetzmässig, rechtlich, echt.

=echtschop,= 1. Ehe. 2. eheliche Geburt. 3. Hochzeit.

=echtwort (-ware, -were),= Nutzungsrecht (-gerechtigket) an einem gemeinschaftlichen Eigentum, namentl. an der Holzmark; ferner Mast-, Weide-, Fischereigerechtigkeit u. a., (legitima portio), utilitas, usuagium.

=eck, ecken,= s. ek, eken.

=eckel,= Eichel, Frucht der Eiche u. der Buche.

=ecker, eckers,= adv. wor eckers quocunque; wanne eckers quandocunque.

=ecker, eckeren (acker, ackeren),= n. Eichel; Eichelmast.

=ecker,= Eiter *(ck = tt?* oder zu ek, eken?)

=eckeren,= sw. v. eitern.

=eckeren,= sw. v. mit Eicheln mästen.

=eckerenval,= Eichelfall.

=eckerne,= n. Eichelmast.

=eddach,= offenbarer (ungebotener) Rechtstag, *judicium legitimum* (assim. aus echte dach?).

=edder,= oder; *edder--edder (efte),* entweder--oder; negat. weder--noch; *wedder--edder,* weder--noch.

=edder= (altfr. *edre),* adj. früher?

=eddere= (s. *ader, adder),* f. Natter.

=edeber,= m. Storch = adebar.

=edebicke= (= eggede bicke?), Spitzhammer?

=ed(d)el,= edel; hervorragend in seiner Art.

=edeldôm,= Adel, Vortrefflichkeit.

=edelen,= sw. v. edel machen, nobilitare.

=edel-, edelicheit= = edeldôm.

=edelink,= Edelmann.

=edelinne,= Edelgeborne.

=edelken,= adv. edel.

=edelman,= Edelmann.

=edelstên,= Edelstein.

=eden,= sw. v. glühen, brennen.

=eden, eiden,= sw. v. 1. be-, vereidigen. 2. einen Eid leisten, schwören.

=eder,= m. geflochtener Zaun; das eingezäunte Feld.

=ederkouwen,= wiederkäuen, s. aderkouwen.

=edertûn= = eder.

=êdeshant,= die einen Eid leistende Hand; der Eid selbst.

=êdestat,= Eidesstatt.

=êdich,= beeidigt.

=edreken,= sw. v. wiederkäuen.

=êdriftich gût,= die Mast, die rechtlich betrieben werden kann.

=ef (of, af, if),= conj. wenn; als ob.

=efern,= sw. v. iterare, repetere, ulcisci.

=effelten= = apeldern.

=effen= = even.

=efte (ofte, afte, ifte),= conj. oder; *efte--efte,* entweder--oder; *weder(wêr)--ofte,* weder--noch; wenn; als ob, als wenn; wenn doch, ob vielleicht.

=egede, eide,= f. Egge.

=egedisse (eigdisse),= f. Eidechse.

=egel (eggel),= m. 1. Igel. 2. Blutigel. 3. Quappe, melo.

=egelen,= s. echelen; =egelern,= s. echelern.

=egelentiere,= Hagebutte, wilde Rose.

=egel-hôf,= Igelhuf? (Fusskrankheit des Pferdes).

=egelik (êchlik),= eigen, selbsteigen.

=egelkrût,= centimorbia.

=egelster,= f. Elster.

=ê-gelt,= Heiratsgut, Aussteuer (an baarem Gelde).

=êgen,= s. eigen.

=egen,= sw. v. = *eggen,* eggen.

=egester,= f. Elster.

=egettinde,= Zahn einer Egge.

=êgever,= Gesetzgeber.

=egge,= f. 1. Schneide einer Waffe oder eines Werkzeuges. 2. Kante, Ecke, (Tuchkante, Sahlleiste), Winkel.

=egg(e)acht, -achtich, -aftich,= scharfschneidend.

=eggeblock,= kantig behauener Block?

=eggech,= eckig, kantig.

=eggeholt,= kantig behauenes Holz.

=eggelen-holt= = eggeholt (oder Eichenholz?).

=eggen,= sw. v. 1. schärfen, stählen. 2. mit dem Beile behauen. 3. mit der Egge bearbeiten, occare.

=eggestâl,= gehärtetes Eisen?

=eggestên,= Eckstein.

=egget,= eckig.

=egge-towe,= scharfes Gerät oder Instrument.

=eggewapen,= scharfe Waffe.

=ê-haft,= gesetzmässige Entschuldigung.

=ê-haftich,= gesetzmässig.

=ehe-zerter,= (geschriebener) Ehevertrag.

=eidestat= = edestat, Eidesstelle.

=eidhaftich,= eidhaft, jurejurando astrictus.

=ei (eig),= n. Ei.

=eichacht= = eggeacht.

=ei-dop, eiesdop,= Eierschale.

=eier-kese,= Eierkäse.

=eier-klâr,= Eiweiss, albumen.

=eier-schape,= Eierpfanne, -tiegel.

=eier-schelle,= Eierschale.

=eier-sôt,= Eiersud.

=eies-witte,= Eiweiss.

=eigelicheit,= Eigentümlichkeit; eigentl. Beschaffenheit.

=eigen, êgen,= 1. eigen, leibeigen, unfrei. 2. abhängig. 3. eigen, proprius.

=eigen,= n. Eigentum, zu vollem Rechte besessenes Grundstück.

=eigen (egen, egenen),= sw. v. 1. haben. 2. verdienen, von Rechts wegen haben sollen; gebühren, zukommen. Unpers. *sik e.,* sich gebühren.

=eigenaftich, e. antworde,= Antwort, die das Eigentum zuspricht.

=eigendôm,= 1. Sclaverei, Hörigkeit. 2. Eigentum, Eigentumsrecht.

=eigendomer,= Eigentümer.

=eigenen,= _sw. v. zu eigen geben; zum Eigentum übertragen; = *eigen,* sich gebühren, sich schicken._

=eigenervet,= der ein eigenes Erbe (Gut, Haus) besitzt.

=eigenheit,= 1. Leibeigenschaft. 2. Eigentum, Eigentumsrecht.

=eigenicheit,= Eigentümlichkeit.

=eigenkoppesch,= eigensinnig.

=eigen-nut,= Eigennutz.

=eigenpessich,= eigensinnig.

=eigenschap,= f. 1. Hörigkeit. 2. Dienstbarkeit, Abhängigkeit.

=eigen-sokelicheit,= Eigennutz.

=eigentlicheit,= Eigentum, Besitztum.

=eigentlik,= genau, bestimt. adv. eigentliken.

=eigentschaft,= Eigentum.

=eigenwerticheit (?),= persönliche Gegenwart.

=eigen-wîs,= selbstklug.

=eilant (e-, o-, ein-, eiglant),= _von Wasser *(ê)* umflossenes Land, Insel._

=eilof,= hedera, s. iwelof.

=ein, ên,= Zahlw. u. unbest. Art. ein; *ein beter, erger,* etwas besseres, schlimmeres; einander, in präp. Verbindungen *an, in, bi, under, up, mit, van,* an, bei etc. einander.

=ein,= adv. 1. zugleich, zusammen; *ein sîn,* eines Sinnes sein, sich vertragen; *ein werden,* sich einigen; *up ein komen,* übereinkommen; *over ein dregen,* einträchtig sein. 2. einmal.

=einberen-bôm,= Juniperus communis, _Wachholder; *einberen oel, Oleum juniperi; (einberen* auch *crux Cristi; einberen-krût, crux Cristi* u._ sigillum Salomonis).

=einberenwortel,= Paris quadrifolia oder Solanum quadrif. bacciferum.

=einbomen,= nur aus einem Baum bestehend.

=eindracht,= Eintracht; Übereinkommen, Vertrag.

=eindracht,= adj. einträchtig, -hellig.

=eindrachtich, -drechtich,= 1. einträchtig. 2. beständig, ununterbrochen. Adv. eindrachtich-(eindracht)lîken.

=eindrachticheit,= Eintracht.

=eindrechtigen,= sw. v. vertragen.

=eindreftliken= = eindrechtliken.

=einen,= sw. v. refl. sich einigen.

=einerhande,= einer Art, gewisse.

=einerlei(e),= 1. *unus idemque.* 2. aliquis.

=eines (einest, êns, ins),= 1. zusammen, einig. 2. einmal; zu einer Zeit (von der Vergangenheit und Zukunft).

=einhorn, -nink,= 1. Einhorn. 2. Trinkgefäss aus dem Horne oder in Hornform dieses Tieres.

=einich,= 1. *unus, unicus.* 2. *solus,* einsam, öde. 3. aliquis.

=einicheit,= 1. Einöde, Einsamkeit. 2. Einheit. 3. Einigkeit.

=einichlik,= einsam.

=einichte,= f. Einöde.

=eininge (einige, enunge),= 1. Versamlung. 2. Innung.

=eininges,= _zusammen, mit einem male, auf einen Haufen; (in der Verb. *under eininges);* gänzlich, durchaus._

=einkrigech,= eigensinnig, zänkisch.

=einlik,= allein; einzeln stehend, unverheiratet.

=einlitzech,= einzeln; simplex.

=einlitzicheit,= Einsamkeit.

=ein-(ên, e-)lopich, -lope,= solivagus, nicht angesessen, unverheiratet.

=einlucke, -lude,= Sonderleute, Hörige oder Leibeigene, die nicht mit andern einen *hövelinge* Verband bildeten.

=einmechtich (?),= bei vollen Sinnen?

=ein-oget, -ogich,= einäugig.

=einparich,= gleichmässig gut.

=einparliken,= in einer Reihe, zusammen; fortwährend.

=einpas,= Hartnäckigkeit, pertinacia.

=einpassich, -pessich,= beharrend, fest, eigensinnig; *einpessicheit,* Eigensinn.

=einpesseliken,= fest, beharrlich.

=einradich,= eines Rates, einträchtig (einradicheit, conspiracio).

=einsam,= allein, einfach.

=einsdregen,= übereinkommen.

=einscherich,= _einschürig. *e. wulle,* W. von Schafen, die des Jahres nur einmal geschoren werden._

=einschildich,= Ritter, der nur einen (den 6. u. letzten) Heerschild hat, niedrigster Ritter.

=einsedelink, -settler,= Einsiedler.

=einset(t)ich,= einsam.

=eins-heit,= das Einssein, Gleichheit.

=ein-slegelink?= (eine Kesselart).

=einspennich,= ein berittener Diener, der zum Geleite mitgegeben wurde und Bestellungen ausrichtete. (»milites ad quaevis subita in procinctu, sic dicti, quod sigillatim, non turmatim eunt.«)

=einstallich,= allein, einsam stehend.

=eintal,= f. Einigkeit.

=eintalich,= einig (einer Sprache).

=eintaliken,= einig.

=eintellich= = eintalich, einig.

=ein-valdicheit,= Einfalt.

=einvalt (-volt, -valdich, voldich)= u. =eint-valt,= 1. einfach. 2. einfältig, schlicht, redlich, unschuldig. -- Adv. einvaldichliken.

=ein-vôtling?= (= einlope?)

=ein-weldich= (= einveldich), 1. einfach, nicht getheilt. 2. nicht von verschiedenen Eltern, sondern von ~einem~ Ehepaare abstammend. 3. standesgleich. 4. ohne Gatten, unverheiratet.

=einwonich,= für sich allein wohnend, alleinstehend, unverheiratet.

=ein-wort,= baletus (d. i. *boletus* oder = bolleta?)

=eisch,= m. Forderung, Begehr, Verlangen.

=eisen,= sw. v. grauen, schaudern.

=eisicheit,= Grauen, Schauder.

=eisinge= = eisicheit.

=eislik, eisk,= _Furcht, Grauen erregend, schrecklich; hässlich. Adv._ eisliken.

=eiste,= f. Darre.

=ei-supen,= Eiersuppe.

=eit, êt,= m. u. n. Eid.

=eithever?= der einen anderen in Eid u. Pflicht nimmt?

=eitswere, -sworen,= Geschworner.

=eit-stevere,= der den Eid stabt (vorspricht, abnimmt).

=eit-tene,= Zähne einer Egge (egede, eide).

=ek (eck, âk),= Eiter; eiterndes Geschwür; bes. Fingergeschwür; Augenschleim.

=êk-appel,= Eich-, Gallapfel.

=êk-bôm,= Eichbaum.

=eke,= f. 1. Eiche. 2. flaches Boot, Nachen, (= ake, nake).

=(ekel,= Eichel.)

=ekelbôm,= Eichbaum.

=ekelter (ekelenter, akelter)= (= egelentiere), bedegar, cornus, rubus.

=ekeman,= Führer einer *eke* (e. Kahnes).

=eken (ecken, äken),= st. v. eitern.

=eken, ekens(ch),= eichen, quercinus.

=eken-blat,= Eichenblatt; *-lôf,* -laub, -blatt.

=eken-schuver,= der die *eke* mittelst e. langen Stange fortschiebt.

=ekeren (eckeren, êkerken),= n. u. m. Eichhorn; Eichhornfell.

=eken-telge,= junger Eichenstamm (eig. Ast).

=êk-hester,= Eichheister, junge Eiche.

=êk-holt,= Eichenholz, Eichelmast.

=êkhorn= = ekeren.

=ekich (eckich),= eitrig.

=ekisch,= von Achen.

=ê-klôk,= gesetzkundig.

=el,= anders, sonst; *niet el, el niet,* sonst nichts, nichts anders.

=elbe= = elve, die Zahl elf.

=elden, alden,= sw. v. warten, säumen, *pausare, expectare. = olden,* alt werden.

=elder, alder,= älter; Plur. Eltern.

=elder-moder, -vader,= Grossmutter, -vater.

=eldes-dôm,= Ältestentum, Schulzengut?

=eldich,= säumig.

=ele= u. =el(e)ne,= f. Elle.

=ele (elde, êlt),= (n.) Schwiele an Händen oder Füssen.

=elefant, -pant,= n. Elephant (vgl. elpendêr, olvant).

=elefantenlûs,= Anacardium.

=elende, ellende,= _n. 1. die Fremde, das Wohnen im fremden Lande, Verbannung, Heimatlosigkeit. 2. Elend, Trübsal. -- Als fem. auch: Einöde, Wüstenei._

=elende, ellende,= 1. fremd, heimatlos, verbannt. 2. elend, unglücklich; *dat e. hûs,* Krankenhaus; *e. seken,* (fremde) Kranke im Hospital.

=elenden,= sw. v. in der Fremde, im Exil leben.

=elende-recht,= Fremdenrecht, Gastrecht.

=elenden-ammet,= Amt, das für die *elenden* zu sorgen hat.

=elenden-elendesbrodere,= Brüderschaft für die elenden.

=elenden-gilde,= Gilde für die Elenden, zur Unterstützung der Fremden.

=elendich= = elende.

=elendicheit,= das Leben in der Fremde, Exil, Heimatlosigkeit.

=elen-, elendeshût,= Elendeshaut.

=elens-klaue,= Elendsklaue (als Amulet gegen die Epilepsie getragen).

=elft= = rufolke, roppe, alausa, alosa.

=êl-ger, -staken,= Aalspeer, Aalgabel.

=elhorn,= s. *alhorn* u. ellern.

=êlicheit,= Ehe.

=êlik,= 1. gesetzmässig, legitim. 2. ehelich. Adv. êliken.

=elk, ellik,= jeder, *omnis, quivis;* im Plur. alle; *elk ên,* jeder ein.

=elkerlik= = elk.

=elle,= Nebenbuhlerin, rivalis, pellex.

=elleboge,= Ellenbogen.

=ellent,= n. Stärke mit Kühnheit verbunden.

=ellentel= = al-entel, einzeln.

=ellenthaftich,= mannhaft.

=ellern (elderne, el-, alhorn, alherne),= 1. Ahorn. 2. Holunder, Flieder. 3. Erle.

=ellern-bork,= Erlenrinde.

=ellern-brôk,= Erlenbruch; Erlengesträuch.

=elm (olm),= Ulme.

=elne,= Erle (s. alne).

=ê-lôs,= gesetzlos.

=elpenbên,= Elfenbein.

=elpendêr,= Elephant.

=elre,= Erle.

=elre,= adv. an einer andern Stelle.

=else (alse),= Name verschiedener Pflanzen u. Gesträuche, z. B. Wermuth, Erle, Rüster, Bergholunder, Faulbaum.

=elve,= Strombett, alveus.

=elvene,= die Zahl 11; *elvenich,* der eilfte.

=elvinge,= die Elben (Elfen).

=elvisch,= elbisch d. i. im Kopfe verwirrt, geisteskrank.

=elfklatte,= Weichselzopf.

=eme,= ihm u. ihn; ihnen; refl. = sik.

=(emeke),= f. Ameise; *emekenhope,* Ameisenhaufe.

=em(e)kes, (eimkes, emes, embsch),= von *Emeke,* d. i. Einbeck.

=emelte,= Kornwurm; im Osnabr. auch Baum-, Blattlaus.

=emere,= f. *amere,* glühende Asche, Loderasche.

=emete, amete,= f. Ameise; *emeten-ei,* Ameisen-ei.

=emme= = eneme.

=emmelrink,= Ring um den Eimer? (emmel = emmer?)

=emmer, ammer,= m. Eimer.

=emodicheit= = demodicheit?

=en,= Negation; nicht (meist mit andern Negat., seltener allein); *id en si dat, nisi;* die Negat. fehlt zuweilen, vgl. das hochd.: es sei denn, dass.

=en, ene,= ihn u. ihnen.

=en= = ende, und.

=en-= = ent-.

=ên,= s. ein.

=enbinnen,= binnen, innerhalb; *e. werden,* inne werden, erfahren, kennen lernen; *e. sîn,* nicht mehr auseinander sein, einig sein, verglichen sein.

=enboven,= darüber; *e. hebben,* Überschuss haben; *e. dôn,* dagegen handeln.

=enboten(?)= büssen.

=enbuten,= draussen; *van en buten,* Ggs. van enbinnen.

=ende= = unde (westf.)

=ende,= _m. u. n. 1. Ende (räuml. u. zeitl.), Gegend, Richtung, Ort, Seite; *an ein ende,* bei Seite; *over ende,* bei Seite u. aufrecht, auf dem Ende in die Höhe gerichtet; *vp ende, in dat (int) ende,* zuletzt. 2. Abschluss, Vergleich; feste, endgültige Bestimmung. *mit ende edder ane e.,* verrichteter oder unv. Sache._

=ende,= m. Geist, Atem (altn. andi).

=endehaftich,= zu e. Ende führend, bestimt, entschieden.

=endelik,= 1. endgültig, definitiv. *entlike sake,* Zweck. 2. vollständig. 3. rasch, schnell.

=endeliken,= adv. 1. endlich, schliesslich; endgültig, definitiv. 2. genau, vollständig. 3. rasch, schnell.

=endeliken= = entliken, gradatim, ein bei ein, einzeln.

=(ente-) entlingen,= schliesslich.

=endelinges,= senkrecht, steil.

=êndêls,= (eines Teils,) teils--teils.

=enden,= sw. v. beendigen, entscheiden; refl. sich fortmachen.

=endelste= u. =endeste,= äusserste.

=enderik,= Enterich.

=ende-schede,= Grenzscheide.

=ende-stên,= Eckstein.

=endich,= definitiv, endgültig; rasch, schnell.

=endicheit,= Schnelligkeit; *mit e.,* schnell; rasche Entschlossenheit, Eifer.

=endichlik,= rasch, schnell; genau, entschieden, sicher. Adv. endichliken.

=endigen,= adv. rasch, schnell.

=endigen,= sw. v. 1. (intr. u. refl.) ein Ende nehmen. 2. trans. zu Ende führen.

=endinge,= Grenze.

=êner,= adv. eher, früher (hd. »ehender«).

=êneren,= sw. v.? einigen, verbinden? (ist wol kein Wort).

=enerwegen,= irgendwo, alicubi.

=enge,= enge, beengend.

=engelich,= enge.

=engelot,= _Goldmünze (mit dem Bilde eines Engels) *aureus anglicus = angelicus,* Wert = 4-5 M.; oder 2 Goldgulden, 1½ Dukaten._

=engels,= eine Münze (= *12 miten* brab. 8 flandr.).

=engelsch,= englisch *(angelicus* u. anglicus).

=engelflucht,= Engelflügel? (als Geschmeide).

=engelwis,= centummorbia.

=engen,= sw. v. enge machen; schmälern; drängen, zwingen.

=engeren,= sw. v. verengern.

=engesten,= sw. v. ängstigen.

=engestlik,= Angst erregend, ängstigend.

=engewer,= Ingwer.

=engicheit,= Engheit.

=enginge,= Beengung; Beeinträchtigung.

=engster,= Angster (Trinkgefäss mit engem Halse).

=enhant,= s. hant.

=enkaftich= = enkede, genau, bestimt.

=enkare,= halbgeöffnet (engl. a-jar).

=enkede (enket, enkende, eckede),= adj. u. adv. 1. offenkundig, sichtbar, *apparens, evidens, manifestus.* 2. unzweifelhaft, sicher, genau, zuverlässig. 3. von Münzen: vollhaltig, vollwichtig; u. *(= enkelt, enkel)* einzeln.

=enkedicheit,= Offenkundigkeit, Sicherheit.

=enkel,= Knöchel am Fuss, talus.

=enkel, enkelt,= einzeln; einfach.

=enket,= Dinte (= inket).

=enket= = enkede.

=enketlike,= genau, bestimt.

=enlêne= = all-ene, allein.

=ennich= = jennich.

=ennôch,= genug.

=enquanses= = quantswise, zum Scheine.

=ensel= = unsel?

=ên-so-dân,= (ein- sogethan), solch.

=ent-achtern,= hinten bleiben; trans. hinten lassen, verschieben, versäumen.

=ent-achtinge= (= entachteringe?), Säumen, Verzug.

=ent-arbeiden,= die Arbeit in Unordnung bringen, auflösen (z. B. ein Gewebe).

=ent-arden,= unardich machen, aus der Art bringen.

=ent-armen,= verarmen.

=ent-barmen,= erbarmen (gew. mit Dat. d. P.) u. refl.

=ent-barminge,= Erbarmen.

=ent-bêden,= entbieten, (durch e. Boten) sagen lassen, gebieten.

=ent-beiden, -bêden,= erwarten; ersehnen.

=ent-beren,= entbehren, ohne etwas sein, missen, verzichten.

=ent-bernen,= anzünden.

=ent-besten (?),= den Bast lösen; intr. sich loslösen.

=ent-binden,= lösen, befreien; auslegen, (schwieriges, dunkles) erklären.

=ent-bissen,= wild werden, weglaufen (von Kühen).

=ent-biten,= Imbiss nehmen.

=ent-bliven,= ent-, zurückbleiben.

=ent-bloten (-bloden),= entblössen.

=en(t)boren,= sich erheben, sich empören. *(ent-) emborunge,* Empörung.

=ent-borgeren,= das Bürgerrecht entziehen.

=ent-breden,= entzückt, in extasi.

=ent-breken,= 1. intr. losbrechen, entgehen; ausgehen, fehlen, mangeln. 2. tr. unterbrechen, hemmen; abbrechen, entziehen.

=ent-bringen,= aus den Händen bringen, abhändig machen, entwenden.

=ent-bringinge,= Wegbringung, Entwendung.

=ent-bristen,= mangeln, gebrechen.

=ent-bunden werden,= zügellos *(licentiosus)* werden.

=ent-bundicheit,= Losgelassenheit, licentia.

=ent-decken,= _die Decke wegnehmen, entblössen; anzeigen, zur Kenntnis bringen._

=ent-dêlen,= nicht zuerkennen, aberkennen, für verlustig erklären.

=ent-dingen,= durch Abschliessung eines Vertrages entziehen.

=ent-dôn,= 1. aufthun, öffnen. 2. wegthun, berauben, benehmen; bildl. bestürzt machen, erschrecken.

=ent-dregen, -dragen,= wegtragen, entwenden, hintragen; *dat lîf e.,* das Leben fristen, befreien.

=ent-driven,= wegtreiben.

=ent-drupen,= enttropfen.

=ente,= Reis, Zweig (zum Propfen oder Einpflanzen).

=entegen,= entgegen.

=entegenwerdicheit,= Gegenwart.

=entekerst,= (Endechrist), Antichrist.

=entel (entelen),= adj. u. adv. einzeln; von der Zeit: nach und nach, allmählich.

=entelik, entlik,= einzeln. Adv. ent(e)liken.

=entelingen, -linge, -link,= einzeln; allmählich.

=ent(e)link,= adj. ein einzelner.

=enten,= sw. v. Reiser *(enten)* einsetzen, inoculieren, inserere.

=enter= (= entwêr), entweder. *enter-eder, ofte,* entweder-oder; oder.

=enter,= Jährling, einjähriges Tier.

=ent-êren,= entehren.

=entern,= sw. v. entern (ein Schiff), harpagare.

=ent-erven,= um das Erbe bringen; etwas thun, was den andern eigentumslos macht oder sein Erbrecht kränkt.

=ent-gân,= 1. weggehen, schwinden. 2. entlaufen, entgehen. 3. einer Anklage entgehen, sich eidlich von derselben reinigen (auch refl.). 4. refl. sich vergehen, sündigen (sehr selten nicht refl.).

=entgân= (= entgagene, -gegene), entgegen.

=ent-gelden,= Schaden wovon haben, büssen für etwas, bezahlen.

=ent-geltenisse,= Entgeltnis, Zahlung, Busse.

=ent-gerewen,= die Kleider ausziehen.

=ent-gesten,= entkleiden.

=ent-gesten,= zu Gast haben, bewirten; refl. sich fremd machen, davon gehen.

=ent-gêsten,= entgeisten, verzücken.

=ent-gestigen,= zu Gast haben.

=ent-gêten,= ergiessen.

=ent-gilden,= aus der Gilde stossen.

=ent-ginnen,= anschneiden; (von Fässern) anstechen.

=ent-guden,= das Gut benehmen, privare bonis.

=ent-halen,= wegholen.

=ent-handen,= aus den Händen reissen.

=ent-havenen= = entheven.

=ent-heltnisse= = entholtnisse, receptaculum.

=ent-helpen,= nicht helfen; schaden.

=ent-hengen,= erlauben; dispensieren.

=ent-hengenisse,= Erlaubnis.

=ent-herdicheit,= Standhaftigkeit.

=ent-hêt,= Verheissung, Gelübde.

=ent-hêten,= verheissen, geloben.

=ent-hêtinge,= Verheissung.

=ent-heven,= entheben, entlasten; entschuldigen.

=ent-holden,= 1. intr. still halten. 2. tr. *a.* aufnehmen, beherbergen. *b.* bewahren, schützen, erhalten. *c.* festhalten, behalten (im Gedächtnis). *d.* zurückhalten, *e.* fern halten. *f.* vorenthalten. 3. refl. *a.* sich halten; fest halten, beharren. *b.* sich auf aufhalten, *commorari.* *c.* sich unterhalten, nähren. *d.* gedulden, warten. *e.* sich enthalten, fern bleiben.

=ent-holder,= Erhalter, Beschützer.

=ent-holdinge,= 1. Unterhalt, Subsistenz; concr. Aufenthaltsort, Herberge. 2. Enthaltnis, receptaculum.

=ent-holt,= n. 1. Inhalt. 2. Aufenthalt, Wohnung. 3. Stütze, Schutz. 4. Unterhalt, Nahrung. 5. Zurückhalt (Kürzung?) 6. = *vestinge, detensio, retensio.* 7. Gedächtnis.

=ent-horen,= 1. enthören, ungehört lassen, verweigern. 2. hören, erhören.

=ent-hoveden (enthoven),= enthaupten.

=ent-hovedinge, -hovinge,= Enthauptung.

=ent-huden,= bei Seite bewahren, beiseits legen.

=ent-huren,= wegmieten, aus der Miete eines andern entziehen.

=ent-jegen= = entegen.

=ent-kantnisse,= Zeugnis.

=ent-kennen,= bekennen, bezeugen; (vom Richter:) erkennen, entscheiden.

=ent-kenninge,= Kenntnis, Bezeugung.

=ent-kentlik,= bezeugend, zugestehend.

=ent-keren,= entwenden; wegwenden, hindern.

=ent-kinen,= aufkeimen.

=ent-knopen,= entknöpfen.

=ent-komen,= entkommen, entrinnen.

=ent-kopen,= in den Kauf fallen, überbieten.

=ent-krenken,= krank, d. i. schwach machen.

=ent-krimpen,= einschrumpfen, schwinden, gebrechen.

=ent-kroden,= von Belästigungen, Ansprüchen befreien.

=ent-kummeren,= entlasten; von der Beschlagnahme befreien.

=ent-lachen,= anfangen zu lachen.

=ent-laden,= die Last benehmen, befreien; von einer Anklage entlasten; auseinandersetzen, erklären.

=ent-langen,= entfernen; entreissen.

=ent-langes, -gest,= entlang.

=ent-lasten,= entlasten, befreien.

=ent-laten,= weich werden (auch von der Witterung).

=ent-leddigen,= 1. befreien. 2. von einer Anklage, Ansprache reinigen.

=ent-leddinge,= Befreiung; Reinigung von einer Anklage.

=ent-leden, -liden,= entglieden, ex-deartuare, dismembrare.

=ent-leggen,= 1. bei Seite, anders wohin legen. 2. erlegen, erstatten. 3. verschieben. 4. eine Beschuldigung abweisen, sich (eidlich) von einer Anklage reinigen.

=ent-legginge,= 1. Entledigung. 2. Verzögerung, Hinausschiebung.

=ent-leiden,= ent-, verführen.

=ent-lenen= = vorl., ausleihen.

=ent-lengen,= fern halten, elongari.

=ent-leren,= das Gelernte vergessen, dediscere.

=ent-lesten, -lestigen,= entlasten.

=ent-lichten,= erleichtern.

=ent-lichtinge,= Erleichterung.

=ent-lichtnisse= = entlichtinge.

=ent-lidelicheit,= Befreiung von Leiden.

=ent-liggen,= sich niederlegen.

=ent-liven, -livigen,= entleiben; hinrichten.

=ent-lopen,= entlaufen; schneller laufen als.

=ent-losen,= 1. intr. entkommen. 2. tr. lösen, auflösen; erlösen, befreien.

=ent-lossen,= Waren (aus dem Schiffe) bringen, löschen.

=ent-luken,= aufschliessen.

=ent-lutteren,= reinigen.

=ent-meden,= einem andern wegmieten.

=ent-meigen, -meggen,= abmähen.

=ent-merken,= die *merke* wegnehmen, entstellen, verderben.

=ent-meten= (einem falsches Mass geben), betrügen.

=ent-moten,= 1. begegnen. 2. entschwinden.

=ent-motinge,= Begegnung.

=ent-neien,= aufschnüren.

=ent-(t)ogen,= vor Augen stellen, zeigen.

=ent-ogen,= aus den Augen kommen.

=ent-oger= (= ent-toger). Zeiger. Vorzeiger.

=ent-openen, -open,= eröffnen.

=ent-quiten,= entledigen.

=ent-radelse,= Rätsel.

=ent-raden,= 1. erraten. 2. entraten; abraten.

=ent-raken,= nicht treffen, fehlen.

=entrecliken= (= entrichtliken), expeditive.

=ent-rechten,= aus dem Rechte setzen.

=ent-reden,= 1. weg-, verreden; losreden, vertheidigen, entschuldigen. 2. = *rede* machen, entrichten, bezahlen.

=ent-redinge,= Entschuldigung.

=ent-reinen,= verunreinigen, besudeln.

=entreke,= nicht *reke* = krank.

=entreken,= anzünden?

=ent-rekenen, -reken,= wegrechnen.

=ent-rennen,= entlaufen, entrinnen.

=ent-richten,= 1. in die Richte bringen, ordnen; ausrichten; bewirken. 2. entscheiden, schlichten, vergleichen. 3. zahlen, bezahlen; mit jem. Richtigkeit machen, befriedigen, abfinden. 4. unterwerfen.

=ent-richter,= Schiedsrichter, Vermitler.

=ent-richtunge,= Entscheidung, Schlichtung, Beilegung.

=ent-richtich,= thätig, geschäftig, expeditivus.

=ent-ridderen,= der Ritterschaft berauben.

=ent-riden,= 1. intr. wegreiten, reitend entkommen. 2. tr. mit fremdem Pferde auf und davon reiten, abigere equum.

=entrige,= Intrigue.

=ent-ropen,= ent-, wegrufen.

=entrôn= (= in truwen), traun!

=ent-risen,= von unten nach oben oder auch von oben nach unten sich bewegen, steigen oder fallen.

=ent-rouwen,= zur Ruhe kommen.

=ent-roven,= wegrauben.

=ent-ruchten, -ruchtigen,= in bösen Ruf bringen.

=ent-ruchtinge,= Beraubung des guten Namens.

=ent-rucken,= entreissen; entrücken (den Geist).

=ent-rumen,= 1. raum, geräumig machen. 2. den Raum benehmen; *(= entvernen)* entfremden, aus dem Besitz setzen. 3. Raum lassen, einräumen. 4. intr. räumen, wegziehen, fern sein.

=ent-ruminge,= Einräumung, Abtretung (eines Besitzes).

=entruwen,= traun!

=ent-sachten,= 1. intr. sanft, leicht werden. 2. tr. sanft machen, erleichtern.

=ent-sachtinge,= Erleichterung.

=ênt-sam= (= ên-sam), einsam.

=ent-sament, -samet,= zusammen.

=ênt-samicheit,= Einsamkeit.

=ent-sat, -set, settinge,= _1. Lösung aus der Pfandschaft. 2. Entsatz, Hülfe._

=ent-schaffen,= verschaffen.

=ent-schaken,= rauben, entführen.

=ent-schakinge,= Entführung.

=ent-schap,= Endschaft.

=ent-schêden,= 1. ausscheiden, aussondern. 2. trennen. 3. entscheiden, erklären; (als Richter) entscheiden, schlichten, vergleichen (Streitende).

=ent-schêder= u. =ent-scheidesman,= Schiedsrichter, arbiter.

=ent-scheiden,= aus der Scheide ziehen (Schwert).

=ent-schên= (= ge-schên), sich ereignen.

=ent-schêten,= entschiessen, entfallen; rasch weggehen, verschwinden; rasch erwachen.

=ent-schichten, -schichtigen,= 1. einen Teil heraus nehmen. 2. eine Erbteilung vornehmen. 3. auseinandersetzen (Streitende).

=ent-schichter,= Erbschichter.

=ent-schichtinge,= Erbschichtung.

=ent-schicken,= in Ordnung bringen.

=ent-schinen,= erscheinen.

=ent-scholen,= entschuhen.

=ent-schonen,= die Schönheit benehmen, entehren, de-exhonorare.

=ent-schotten,= von Zahlung befreien.

=ent-schrecken,= erschrecken.

=ent-schriven,= schreiben, durch Schreiben mitteilen; (durch falsches Anschreiben) wegnehmen.

=ent-schulden, -schuldigen,= 1. entschuldigen, von einer Beschuldigung frei machen. 2. verschulden.

=ent-schuldich,= unschuldig.

=ent-schuldinge,= Entschuldigung.

=ent-schulen,= sich verstecken, verbergen.

=ent-sêden,= kochen, sieden (trans.).

=ent-segelen,= 1. intr. wegsegeln. 2. tr. segelnd (zu Schiff) wegführen.

=ent-segge-, (seggel-, segges-)brêf,= Absage, Fehdebrief.

=ent-seg(g)en,= 1. absagen, versagen, lossagen. 2. ausschlagen, nicht annehmen wollen. 3. abweisen. 4. entfreien, reinigen (von einem Anspruche). 5. die Freundschaft, den Bund, Frieden, Lehnsverhältnis etc. aufkündigen.

=ent-segginge,= Absage.

=ent-sekeren,= refl. sich reinigen von einer Beschuldigung.

=ent-sementlike(n),= zusammen.

=ent-sên,= 1. Scheu, Ehrfurcht haben; fürchten, *vereri* u. *metuere;* u. refl. 2. durch Sehen Schaden thun, behexen.

=ent-sên,= part. adj. 1. geehrt, angesehen. 2. = *entsênde: entsên wesen,* sich schämen, sich scheuen, aus Scham oder Scheu von etwas absehen.

=ent-sênlik,= fürchterlich.

=ent-setten,= 1. entsetzen, befreien, bes. von gerichtlicher Beschlagnahme; retten. 2. auseinandersetzen, schlichten. 3. weg, bei Seite setzen, entfernen, verrenken (Glieder); versäumen. 4. absetzen, ausschliessen, berauben. 5. pass. (u. refl.) ausser sich geraten; vom Weine: umschlagen, sauer werden.

=ent-settinge,= 1. Entfernung, Räumung *(evacuatio).* 2. Entsatz, überh. Hülfe.

=ent-sichlikeit,= (Ehr)furcht, reverentia.

=ent-sich(t),= (Ehr)furcht.

=ent-sîn,= nicht sein, fehlen, mangeln.

=ent-sinken,= 1. intr. wegsinken, entfallen. 2. tr. fallen lassen, nachlassen.

=ent-sinnet,= von Sinnen gekommen.

=ent-siren,= entzieren, Schande anthun.

=ent-sitten,= 1. intr. (sich wegsetzen) entweichen. 2. tr. versäumen, supersedere.

=ent-slagen, -slân,= 1. los, frei geben, weggeben. 2. refl. sich frei machen, entledigen, bes. von einer Beschuldigung.

=ent-slapen,= einschlafen.

=ent-sliken,= wegschleichen.

=ent-slummeren,= 1. fact. machen, dass jemand einschläft. 2. intr. einschlafen.

=ent-slut,= Entschluss, Beschluss.

=ent-sluten,= 1. öffnen. 2. beschliessen.

=ent-spenen (-spanen),= abspenstig, abwendig machen.

=ent-spenginge,= Enthaltsamkeit.

=ent-spinnen,= entspinnen, anstiften.

=ent-spisen,= die Speise wegnehmen, decibare.

=ent-spôn= = entspanen.

=ent-spreten, -spruten,= entspriessen.

=ent-springen,= 1. weg-, entspringen. 2. aufspringen. 3. zerspringen.

=ent-stân,= 1. widerstehen. 2. stehen bleiben; aufhören, ein Ende haben. 3. ausgehen, mangeln. 4. nicht zu Stande kommen, nicht gelingen. 5. zu Pfande stehen.

=ent-steken,= wegstecken, *amovere.* Auch = ent-sticken.

=ent-stelen,= wegstehlen.

=ent-stellen,= wegstellen; refl. aus der Fassung geraten, immutari.

=ent-sterven,= dahinsterben.

=ent-sticken (-steken),= 1. tr. entzünden; anstecken (von Krankheiten). 2. intr. in Brand geraten.

=ent-striden,= durch Streiten wegnehmen.

=ent-suchtinge,= Seufzen.

=ent-sundern,= absondern, ausschliessen.

=ent-suveren,= reines beschmutzen, verunreinigen.

=ent-sweken,= schwächen, beschädigen, schmälern.

=ent-swellen,= die Geschwulst verlieren.

=ent-sweren,= abschwören, abjurare.

=ent-swigen,= zu schweigen beginnen.

=ent-tên,= 1. intr. wegziehen, sich entfernen. 2. tr. ent-, wegziehen.

=ent-(t)onen,= zeigen.

=ent-toven,= aufhalten, warten lassen.

=ent-trecken,= wegziehen.

=ent-(t)rennen,= trennen.

=ent-trenninge,= Trennung, Zwiespalt.

=en-tusken, -tuschen,= zwischen.

=ent-valien,= 1. entfallen; wegfallen (vom Sinken der Flut). 2. abfallen, einem etwas nicht halten. 3. weniger bekommen.

=ent-vangelbôk,= Buch, in welches die Einnahmen eingetragen werden.

=ent-vangelik,= (pass.) annehmbar, angenehm; (act.) empfänglich.

=ent-vangen, -vân,= empfangen, (anfangen) anfassen; in Dienst nehmen, engagieren; als Bürger annehmen.

=ent-vanger,= Empfänger.

=ent-vanginge,= Empfang; Empfängnis.

=ent-vank,= Empfang; concr. das Empfangene.

=ent-vanklicheit, -venklicheit,= Empfänglichkeit; Annehmlichkeit.

=ent-vanlik= (= -vangelik), empfänglich.

=ent-varen,= davon laufen, weggehen; sterben.

=ent-vechten,= fechtend erwehren, ausfechten.

=ent-velen,= fehlschlagen.

=ent-velen,= (empfehlen) übertragen, mandare.

=entvengen,= 1. ent-, anzünden (eigentl. u. bildl.). 2. inficieren, anstecken. (Öfter verwechselt mit entvangen).

=ent-venklik= (= -vangelik), angenehm, acceptus.

=ent-verden= u. =-verdigen,= entfernen, wegnehmen, entwenden.

=ent-veren, -verden= = entverdigen, abalienare.

=ent-veringe,= Entfernung, Wegschaffung.

=ent-vermen, -varmen,= Mitleid einflössen, erbarmen (gew. unpers. mit Dat. d. P.)

=ent-vermen,= das Erbarmen.

=ent-vermenisse,= Erbarmung.

=ent-vermer(inne),= Erbarmer(in).

=ent-verm-harticheit,= Barmherzigkeit.

=ent-vermich,= barmherzig.

=ent-vernen,= entfernen, entwenden.

=ent-verwen,= entfärben, die Farbe wechseln.

=ent-vinden,= durch Urteil absprechen, aberkennen.

=ent-vinsen,= die Wahrheit verschweigen, simulieren, dissimulare.

=ent-vlegen, -vlên,= entfliehen.

=ent-vleten,= wegfliessen.

=ent-vligen, -vlien,= auseinandersetzen, vergleichen, schlichten.

=ent-volden,= entfalten.

=ent-voren, -vuren,= verfahren, *de-, abducere* (dem Zoll mit seinem Fuhrwerk sich entziehen); ent-, wegführen.

=ent-voringe,= Weg-Ausfuhr.

=ent-vorten?= (= ent-vorchten, -vruchten, fürchten?)

=ent-vrigen,= frei machen, entledigen.

=ent-vromeden, -vromen,= entfremden, veräussern.

=ent-vrouwen,= der Freude berauben.

=ent-vruchten,= fürchten.

=ent-vunken,= entzünden.

=ent-waken,= erwachen.

=ent-wakeren,= entweichen, entkommen.

=ent-wandelen,= verwandeln.

=ent-wanderen,= weggehen, auswandern.

=entware, enware werden,= gewahr werden.

=ent-waren,= aus der *(ge)were,* überh. aus dem Besitze setzen.

=ent-wassen,= entwachsen, (bildl. aus der Macht kommen); abnehmen.

=ent-wecken,= aufwecken.

=ent-wedemen, -wemen,= entweihen, entheiligen.

=ent-wegen,= an etwas denken, erwägen.

=entweget,= vom Wege abgekommen, devius.

=en-twei, -tweig, intwei,= entzwei, auseinander; *e. dregen,* getrennt, verschieden sein, *distare; e. gân, riden,* von einander gehen, reiten; *e. komen, stân,* in Zwietracht geraten etc.

=en-tweidrachtich,= zwieträchtig.

=entweien,= teilen.

=ent-wei(g)eren,= verweigern.

=entwei-settinge,= Teilung.

=entwei-spoldinge,= Spaltung, Zwist.

=entwei-standinge,= Zwietracht.

=entweldigen, -woldigen,= 1. Gewalt anthun. 2. aus dem Besitz setzen, berauben.

=ent-weldunge,= Entwältigung, Vergewaltigung.

=ent-wemen= = entwedemen, entweihen.

=ent-wenden, -wendigen,= 1. abwenden, abwehren. 2. wegnehmen.

=ent-wênen,= anfangen zu weinen.

=entwêr,= entweder.

=ent-werden,= vergehen, verschwinden; flüchtig werden.

=ent-weren,= wehren, verteidigen.

=ent-weren,= aus der *were* (Besitz) setzen, berauben. (Das W. mischt sich öfters mit entwerren).

=ent-werken,= wegschaffen.

=ent-werpen,= 1. intr. sich hin und her werfen, sich bewegen (von Ohnmächtigen und Scheintoten, wenn die Besinnung, das Leben wiederkehrt). 2. tr. den Entwurf (Zeichnung) von etwas machen, beginnen; in der Schreibkunst: grosse Buchstaben machen, ingrossare.

=ent-werren, (-weren),= 1. befreien, bes. von Rechtsansprüchen. 2. zahlen, bezahlen. 3. eine streitige Sache (oder Streitende) aus einander bringen, schlichten, entscheiden. -- solvere.

=entwêrs,= quer.

=ent-wert(-wort)elen,= entwurzeln.

=en-twiden,= gewähren, erhören.

=en-twidinge,= Erhörung.

=ent-wiken,= entweichen.

=ent-wilden,= wild, fremd machen; entstellen.

=ent-willen,= nicht zu Willen, entgegen sein, adversari.

=ent-winnen,= _aus dem Dienste oder Benutzung eines andern eine Person oder Sache wegmieten._

=ent-wischeren,= entwischen, evadere.

=ent-wisen,= (gerichtlich) absprechen, abjudicare.

=ent-wreden, wrêt=, zornig werden.

=ent-zunden,= entzünden; in Zorn bringen.

=envare,= kleines Schiff (= ever?).

=enwar= = entware.

=en-wech, -wege, einwege,= weg, fort.

=epilencie,= Epilepsie.

=episteler,= Lector der sonntäglichen Episteln, subdiaconus.

=epistole,= Epistel. *to der e. gewiget sîn,* Subdiakonus sein.

=eppe,= Apium, Eppich.

=er,= ihr (Dat. S.), ihrer, von ihnen (Gen. Pl); sich (refl. nur westwärts. -- engl. her).

=er,= Poss. Pron. ihr.

=er-,= Vorsilbe; seltener als vor-.

=er,= Abk. für *her,* als besondere Titulatur der Geistlichen.

=er (êr),= contrah. aus ener.

=êr,= adj. u. adv. früher; *êr-genant, -gerôrt* u. s.

=êr, êre,= n. Erz.

=êr, eir, ere, erre,= zornig.

=êr-achtich,= Ehre habend, angesehen.

=êrbar, -ber,= ehrwürdig, edel, vornehm.

=êrbar(-ber)heit, êrbaricheit,= Ehrbarkeit; Ehre, die man erweist, *reverentia;* Ehre, die man hat, fama.

=êrbar-(ber)liken,= auf ehrenhafte Weise.

=er-barmen,= erbarmen.

=er-bêden,= 1. erbieten, darreichen. 2. gebieten.

=er-bêdinge,= Erbietung.

=er-beiden,= erwarten.

=er-beren,= gebären.

=er-bidden,= erbitten; Fürbitte für jemand thun.

=er-biten,= tot beissen.

=er-bloden,= verbluten, an Verblutung sterben?

=er-bodere,= Erbieten, Erbötigkeit.

=er(-or)bodich,= erbötig; gehorsam.

=er(-or)bodicheit,= Erbötigkeit, Willigkeit, Gehorsam.

=er-bogen,= rühmen.

=er-boren,= gebühren.

=er-bruken,= gebrauchen, geniessen.

=erbruken, sik,= mit Furcht erfüllt werden? (= mhd. erbliugen?).

=er-buwen,= er-, aufbauen.

=er-buwinge,= Erbauung, Aufbau.

=erch, erech, errich,= n. weiss gegerbtes Leder, aluta.

=erchen,= sw. v. mit *erch* besetzen oder füttern.

=erch-îsern,= Erch-Eisen.

=erchlik,= arg, böse; *erchliken,* adv.

=erch-maker,= Erchmacher, Ercher, Ircher.

=er-dagen,= Tag werden.

=erd-appel,= alcamia (alcanna) u. cucumer, pepo.

=erd-bevinge,= Erdbeben.

=erd-boddem,= Erdboden.

=erde,= f. 1. Erde. 2. Landgut, Landbesitz.

=êr-dedich,= ehrenhaft handelnd.

=erd-dunk,= unterirdische Höhle.

=erd-dwenger,= Erdzwinger, Schanze.

=er-de(ge)dingen,= durch Unterhandlung bekommen.

=erde-lant,= Acker-, Bauland.

=er-dêlen,= 1. durch Urteil zusprechen. 2. durch Urteil wofür erklären.

=erden,= irden.

=er-denken,= 1. gedenken. 2. denkend finden.

=erdes(ch),= irdisch.

=erdeschop,= die irdischen Dinge.

=erd-groper,= Töpfer.

=erdhaft,= e. gôt, Landbesitz.

=erd-hure,= Grundheuer.

=erd-hûs,= Schanze.

=er-dichten,= erdenken, erfinden.

=er-dichter(sche),= Erfinder(in).

=erdigen,= sw. v. begraben.

=er-dingen,= durch Verhandlung verlangen, exigere.

=end-kôp,= Endkauf, Landkauf (emtio sepulturae).

=er-doden,= töten.

=er- (erre-, ar-)dôm,= 1. Irrtum, falsche Lehre. 2. Spaltung, Zwietracht.

=erd-peper,= Sedum Telephium.

=erd-popele,= altea, malva.

=er-drengen,= (ab- u. wohin) drängen.

=erd-rôk,= fumaria offic.

=erd-stadelich,= (Getreide), das im *erdstadel* (unterirdischen Getreidebehälter oder Scheune) steht.

=erd-fal,= 1. Sturz zur Erde. 2. Fussfall.

=erd-fast,= erdfest, unbeweglich.

=erd-winner,= Landmann, agricola.

=êre= = êr, Erz.

=êre,= _f. 1. Ehre 2. Ehe. *to den eren komen,* sich verheiraten (von Jungfrauen)._

=êre-beker,= Ehrenbecher.

=eren= = er, her, Titel der Geistlichen.

=êren,= von Erz, ehern.

=eren,= sw. v. ackern, pflügen.

=êren,= sw. v. ehren, verehren (= beschenken); refl. sich rühmen, sich brüsten.

=er-ênen,= vereinigen.

=eren-girich,= ehrgierig, -geizig.

=eren-klêt,= Ehrenkleid.

=eren-koge,= Ehren- (= Geschenk)kühe (als Abgabe).

=ere(nt)-rîk,= reich an Ehren; ehrerbietig.

=erent-vest,= ehrenfest.

=er-eschen,= erkunden, in Erfahrung bringen.

=ere-werdinge,= Ehrerbietung.

=ere-wîn,= Ehrenwein; Wein zu Ehrentrunken, Geschenken etc.

=eren-wart (erewort),= (zu der Ehre hin), ehrenwärts, die Ehre betreffend.

=er-gân,= 1. intr. ergehen, geschehen; vergehen. 2. tr. gehend erreichen, einholen.

=ergen, ergeren, ergeringe,= s. argen.

=ergens, ergent,= irgend, irgendwie.

=er-getten,= vergessen.

=êr-gistern,= vorgestern.

=er-gnappen,= erschnappen, erhaschen.

=er-gretten (-grotten),= (zum Zorn) reizen.

=êr-(h)aftich, -hachtich,= Ehre habend, angesehen.

=êr-hafticheit,= Titel der Ratspersonen u. a.

=er-halen,= 1. wiederholen, von neuem sagen; erzählen. 2. refl. sich erholen; sich schadlos machen; einen Mangel oder Versehen wieder gut machen.

=er-halinge,= Abhülfe eines Schadens oder Versehens.

=er-heven,= 1. erheben, errichten; beginnen; preisen, 2. überheben, verschonen. 3. refl. sich erheben; sich verlassen auf etwas.

=er-hever,= Erheber.

=er-hogen,= in *hogen* bringen, erfreuen; refl. jubeln, exultare.

=er-holden (-halden),= behaupten, festhalten; *up den hilligen e.,* beschwören. refl. sich verteidigen (durch einen Eid).

=er-horen,= hören.

=eringe?=

=er-innen, -inneren,= innen bringen; erinnern, in das Gedächtnis zurückrufen; überführen.

=er-kantnisse,= _1. Anerkenntnis, Zeugnis. 2. richterliches Urteil. 3. Erkenntlichkeit (Geschenk)._

=erkener,= s. arkener.

=er-kennen,= 1. anerkennen. 2. entscheiden (vom Richter).

=erker,= s. zu arkener.

=er-kêsen,= 1. erkiesen, erwählen. 2. gewahren, sehen.

=er-klagen, sik,= Klage erheben.

=er-klaren,= 1. kund thun. 2. verklären.

=er-klingen,= erklingen.

=er-komen,= auffahren, erschrecken.

=er-kouwen= = eder-(ader)k., wiederkäuen.

=er-koveren,= erholen, gewinnen. gew. refl. mit Gen. sich erholen, erlittenen Schaden wieder einbringen.

=er-krechtigen,= mit Gewalt nehmen.

=er-krenken,= schwächen.

=er-krigen,= bekommen, erhalten.

=er-langen,= 1. herlangen, -reichen. 2. verlangen.

=er-legeren,= ersetzen, bezahlen. refl. sich legen, abnehmen (vom Winde).

=er-leggen,= 1. ersetzen, bezahlen. 2. liquidieren. 3. einen Zeugen zurückweisen.

=er-leggunge,= Darlegung, Ausweis.

=er-leren,= erlernen.

=er-lesen,= lesen.

=êr-licheit,= 1. Herrlichkeit, Ruhm. 2. = *majestas* als Titelbezeichnung.

=er-lichten,= entheben, entlasten.

=erles,= ein Fisch, Elritze.

=erlik= = er(r)elik, aufgebracht; ärgerlich; Ärger bereitend. adv. erliken.

=êr-lik,= der Ehre wert, ehrbar, vornehm, stattlich, herrlich, adv. êr-liken.

=êr-lôs,= ehrlos; schimpflich, adv. êrlosen.

=er-losen,= lösen, bezahlen, solvere.

=er-losigen,= ermatten.

=er-loven,= Erlaubnis zu gehen geben, entlassen; einräumen.

=er-lovinge,= Erlaubung, Erlaubnis; Entlassung.

=er-luchten,= 1. intr. ans Licht kommen, bekannt werden. 2. tr. erleuchten.

=er-lutteren,= erläutern.

=erm= = arm.

=er-maken,= zusammenbringen.

=er-manen,= 1. ermahnen. 2. einfordern; gerichtlich eindingen.

=ermeke,= kleiner Arm, Ärmchen.

=er-merken,= 1. bemerken. 2. einsehen, abnehmen.

=ermodatten= (hermodactilus), Colchicum autumale.

=er-modicheit,= Demütigkeit.

=er-nalen,= refl. sich nähern; mit Gen. in (rechtlichen) Besitz nehmen.

=er-narren,= närrisch werden, desipere.

=..erne, ..ernde,= _Ableitungssilbe, Fähigkeit, Geneigtheit bez. z. B. *arbeiderne,* arbeitsam, *kiverne,* streitsüchtig u. a._

=erne= = arne, f. Ernte.

=ernen,= sw. v. ernten.

=er-neren,= 1. retten. 2. ernähren.

=er-nomen,= ernennen.

=ern(e)st,= m. u. n. Ernst, Strenge; Zorn, Erbitterung.

=ern(e)st,= ernst, strenge; zornig.

=ern(e)st(h)aftich, -achtich,= ernst, streng, zornig. adv. ernsthaftigen.

=ernstich,= ernst, streng, eifrig.

=ernsticheit,= Ernst, Strenge, Eifer.

=ernstliken,= ernstlich, eifrig.

=ernst-sedich,= ernstsittig, gesetzt.

=er-ogen,= vor Augen stellen, zeigen.

=er-open,= eröffnen.

=er-orloven,= gestatten.

=er-orsaten,= ersetzen.

=er-osen,= ausschöpfen, leer machen.

=er-overen,= gewinnen.

=er-overinge,= Gewinnung.

=erpel, (arpel),= Enterich.

=er-quacken,= Leben zeigen.

=er-quicken,= zum Leben erwecken.

=errasch= = arrasch.

=êrre,= früher.

=erre,= irre; = *êr,* zornig.

=erre-geist,= Irrgeist, Verführer.

=er-rêken,= erreichen.

=erren,= sw. v. 1. irren, sich irren. 2. irre machen, behindern. 3. (zu *êr)* aufbringen, zornig machen.

=err-schap,= zorniges Wesen.

=erschîn= = (irschîn), Irrschein, falscher Schein.

=erringe,= 1. Irrtum. 2. Irrung, Streit.

=er-risen,= sich erheben, entstehen.

=er-rogen,= 1. erregen, anregen. 2. refl. sich regen, sich rühren.

=er-roginge,= Erregung.

=errich,= 1. irrend. 2. streitend, zwistig.

=ers= = ars.

=er-sadinge,= Sättigung.

=er-saken= (ersachen), verursachen.

=êr-sam, -samich,= ehrenwert, geehrt.

=êr-samheit, -samicheit,= Ehre; Titelbezeichnung für Magistrate etc.

=er-saten= = er-orsaten.

=ersatre,= Arzt. (archiater).

=er-schêden,= richterlich entscheiden, schlichten, vergleichen.

=er-schellen,= st. v. erschallen; schw. erschallen lassen.

=er-schinen,= erscheinen.

=er-schnuven,= erschnauben, wittern.

=er-schrigen,= aufschreien.

=er-schulden,= verschulden, promereri.

=erse(-sze, -ce),= f. erzbischöfliche Würde.

=erse-bischop,= Erzbischof; *..bove,* Erzbube; *..diaken,* Archidiakonus.

=er-sên,= ersehen, sehen.

=ers-kerne= (= -kerve), Arschkerbe (Strassenname).

=ers-knôp,= Arschknopf, Ende des Rückenwirbels.

=er-sliten,= verschleissen, aufgerieben werden.

=er-sniden,= zerschneiden.

=er-soken,= ersuchen.

=er-sokinge,= Er-, Ansuchen.

=er-soten,= versüssen.

=er-spên,= erspähen.

=êr-sprake,= ehrende Rede.

=er-sprêten,= erspriessen.

=er-staden,= 1. erstatten. 2. gestatten.

=er-stadinge,= Erstattung, Entschädigung.

=er-stân,= 1. aufstehen. 2. (mit Gen.) auf etwas achten, an etwas festhalten, wofür einstehen; zugestehen. 3. tr. eine Klage, e. Prozess durch Stehen vor Gericht gewinnen, in Folge des Ausbleibens des Gegners beim Termin.

=êrst-beringe,= Erstgeburt.

=êrst(e),= (Superl. zu *êr),* erste.

=êrst(e), êrsten,= 1. adv. zuvor, zuerst, anfangs; zum ersten male; erstlich *(demum).* 2. conj. *1. dat êrste dat, (alse êrsten)* sobald als. *2. = deste,* nur dass, wenn nur, dummodo.

=er-steigeren,= steigern, vermehren.

=er-steken,= erstechen.

=er-sterven,= 1. sterben. 2. aussterben. 3. durch Sterbefall auf jem. kommen; erbloses Gut werden.

=êr-sticheit,= Erstheit, primitiae.

=er-sticken,= anstecken, anzünden.

=er-stinken,= (bildl.) böswillig erfinden, erlügen.

=er-strecken,= 1. hinausschieben. 2. *erstrecket sîn,* wozu geneigt, willens sein.

=er-suren,= sauer machen; sauer werden.

=er-swangeringe,= Schwangerschaft.

=er-swingen,= schwingen.

=..ert, art,= (mdh. *hart),* den starken Hang zu etwas (in bösem Sinne) ausdrückend.

=ert-,= s. erd-.

=er-tellen,= erzählen.

=êr-tît,= _frühere Zeit, Vorzeit; *êr tiden,* vor der (rechten) Zeit; *êrtides,* adv. früher._

=er-togen, -tegen,= zeigen, erzeigen, beweisen.

=er-togeren,= verzögern, aufschieben.

=er-tonen,= zeigen.

=er-tornen,= erzürnen.

=er-trôsten,= refl. sich über den Verlust einer Sache beruhigen.

=ertseken,= Hänfling, Fringilla canabina.

=er-tugen,= 1. bezeugen. 2. (erzeugen) anschaffen, kaufen.

=ertse (erse),= f. Erz (hochd.).

=erf-,= s. erve.

=er-vallen,= verfallen; zufallen.

=er-varen,= 1. durchziehen, durchwandern. 2. bildl. erforschen, erfragen; *sik e.,* Belehrung einholen. 3. verfahren. 4. widerfahren, zu Teil werden.

=er-varenheit,= Erfahrung.

=er-varinge,= Erfahrung.

=er-varnisse,= Erfahrung.

=erve,= n. Erbe, Nachlass; Grundstück, bes. Haus.

=erve,= m. Erbe, heres.

=erve-blôt,= Bluterbe, E. dem Blute nach.

=erve-bôm,= Erbbaum.

=erve-borchlên,= Erb-burglehn; *-lude,* Erbburgmänner.

=erve-boren,= erbgeboren.

=erve-bûr,= Erbe (erbgesessener) -bauer.

=erve-bute,= Erbtausch.

=erve-dach,= Tag, wo man das Erbe teilt; wo man eine ewige Rente zu zahlen hat?

=erve-dachdinge, (erftachd.),= Verhandlung über die Erbschaft, Erbteilung.

=erve-dêle,= 1. Erbteilung. 2. Anteil des Herrn am Nachlass eines Hörigen, (mortuarium).

=erve-dêlen,= _erbteilen; von dem, was Hörige hinterlassen, einen Teil an sich ziehen._

=erve-dêlinge,= Erbteilung.

=erve-eininge,= Erbeinigung.

=(erve) erfexe,= Markgenosse (mit dem Rechte das Holz in der Marke zu schlagen und mit Vieh, -- Schweinen -- zu betreiben). coheres.

=erve-gift,= erbliche, dauernde Gabe.

=erve-gût,= 1. Erbgut. 2. Grundbesitz, Immobilien.

=erve-havich= = erfhaftich.

=erve-haftich, -hechtich,= 1. erblich. 2. erbgesessen, grundbesitzend.

=erve-hafticheit,= Erbe, hereditas.

=erve-hât,= Erb(ewiger)hass.

=erve-hegge,= Erbhecke, bleibende Hecke.

=erve-holt,= Erbholz, nam. von Eichen und anderem harten Holze.

=erve-holtink,= _das gemeine Holting oder die gemeine Markensprache._

=erve-hûs,= Sterbehaus, Haus des Erblassers.

=erve-kôp,= Erbkauf (zu beständigem Besitze als Gegensatz zum Pfandbesitz); ewige Rente.

=erve-laten,= erbliche Laten.

=erve-lede,= Erbglieder, Erbberechtigte.

=erve-lik,= _erblich; dauernd; *e.-gût,* Immobil; *e.-tins,* Zins oder Rente aus einem Grundstück._

=ervelink,= Erbe.

=er-vellenisse,= _das Verfallen der Hinterlassenschaft eines Hörigen._

=erve-los,= ohne Erbe; ohne Grundbesitz; ohne Erben.

=erve-mâch,= erbfähiger Verwandter.

=erve-man,= Erbmann, erblicher Dienstmann; der Bewohner eines Bauerwesens, colonus.

=erve-mark,= Mark Erbzins.

=erven,= sw. v. 1. intr. erblich werden; durch Erbschaft übergehen. 2. tr. vererben; beerben, als Erbteil geben, (das heutige >erben< ist erve nemen).

=erven-nakomelink,= Erbeserbe.

=erve-name, -gename,= m. der das Erbe nimmt, Erbe.

=erve-name,= n. das Erbe.

=erve-namicheit,= Erbe, hereditas.

=erve-nameschop,= das Erbe, hereditas.

=ervenisse,= Erbschaft, sowol das Erbe selbst als Erbanspruch.

=erven-lôf, -gelôf, (erflôf),= Zustimmung der Erben.

=erve-note, -genôte,= Erbgenosse, Markgenosse, Grundbesitzer.

=ervent,= m. Erbe.

=erve-plege,= dauernde Abgabe.

=erve-punt,= Pfund Erbzins.

=er-verden,= erschrecken.

=erve-rente,= ewige, dauernde Rente.

=erve-sake,= ererbtes Gut, Immobilien (wie erve).

=erve-sate, -sete,= Erbgesessener, = erf-sittende man.

=erve-schicht,= Erbteilung.

=erve-sedel,= der auf einem (zinspflichtigen) Erbe sitzt.

=erve-sele,= die erbliche und dauernde Uebergabe eines Grundstückes vor Gericht.

=erves-erve,= Erbeserbe.

=erve-stam,= Erbstamm, Stammhalter.

=erve-stânde egen,= immobiles Eigentum.

=erve-sunde,= Erbsünde.

=erve-swîn,= Erbschwein, erbliche Abgabe eines Schweines.

=ervetal(e),= n. u. f. Erbschaft; Erbrecht; unbewegliches Gut.

=erve-tins,= erblicher, dauernder, unablöslicher (Grund)zins.

=erve-tûn,= Erbzaun.

=erve-voget,= Erbvogt.

=erve-wardinge,= Erbanspruch?

=er-vinden,= refl. sich finden, sich zeigen.

=ervinge,= f. Erbe, Erbteil.

=ervink,= m. Erbe.

=er-voden,= ernähren, erhalten.

=er-vogen,= refl. sich wohin verfügen, gehen.

=er-vrien,= durch Heirat erwerben.

=er-volch,= Verfolgung.

=er-volgen,= 1. intr. folgen, die Folge sein. 2. tr. verfolgen, bes. sein Recht (durch Klage); erlangen, erreichen.

=er-vorderen,= forderen, *exigere;* durch vorderunge (Klage) beitreiben.

=er-vrêschen,= erforschen.

=er-vrischen,= auffrischen, erneuern.

=er-vroschen,= erforschen, erfahren.

=er-vrowen, (-vrewen, -vrawen)= erfreuen.

=er-vullen,= erfüllen; ersetzen.

=er-wachten,= erwarten; hoffen.

=er-wachtinge,= Erwartung.

=er-waren,= wahr machen, bewahrheiten (durch Eid).

=er-wassen,= erwachsen; auf jem. vererben.

=er-wecken,= tr. erwecken; wieder in Erinnerung bringen; (intr. wach werden; sich erheben?)

=er-wegen,= 1. bewegen, fortbewegen, rühren. 2. refl. *a.* etwas auf sich nehmen, übernehmen, sich zu etwas verstehen, wagen. *b.* sich begeben, verzichten auf.

=er-wegen,= verwegen.

=êr-werdich,= ehrwürdig, ehrenwert; (Titel eines Ritters).

=êr-werdicheit,= Ehre, Ehrerbietung.

=êr-werdigen,= verherrlichen, glorificieren; *sik. e.,* sich Ehre anmassen.

=er-weren,= wahr machen, erhärten.

=er-weren,= wehren, schützen; refl. sich verteidigen (gegen ein Strafurteil), seine Unschuld behaupten.

=er-werven,= (durch Thätigkeit) erlangen, erwerben.

=erwete, (erfte), erwitte, arvete, erte,= f. Erbse.

=erwete-stoter,= Erbsenstösser.

=êr-wilen,= ehedem, früherhin.

=er-winden,= aufhören, ablassen.

=er-winnen,= 1. erweisen, beweisen, überführen. 2. durch Richterspruch eine Klage oder eine Sache gewinnen.

=er-wisen,= vorzeigen, beweisen.

=er-wissenen,= = vorw. sichern.

=er-worgen,= erwürgen.

=es,= Gen. zu it.

=esch,= m. Dose, Schachtel.

=esch,= m. offenes, uneingehegtes (Saat)feld.

=ê-schap= = echtschap, Ehe.

=ê-schaftssaken= = êhaften.

=eschare,= eine Art Frauengeschmeide.

=esche,= f. Aufforderung; *esche-brêf,* schriftl. Citation.

=esche,= f. Esche. eschen-holt.

=eschen, eischen,= sw. v. 1. heischen, fordern. 2. vorfordern, laden, citieren, berufen. *dat amt e.* Aufnahme in die Innung begehren; die Zunft citieren. 3. = *voreschen,* erfahren.

=escher,= Rufer, Einforderer, exactor.

=eschinge,= 1. Forderung; Vorladung. 2. Berufung, Beruf.

=ê-schult,= Eheschuld = êlike werk.

=ese,= f. Esse, Feuerherd des Metallarbeiters.

=esel (essel),= Esel; Name eines Belagerungswerkes.

=eseldriver,= Eseltreiber.

=esele-vorte,= Eselsfurz; leichtes Gebäck, vgl. nunnekenfurte.

=eselhower, eselholthower?= Welches Geschäft hat dieser zu verrichten?

=esel-minne (-minte),= Eselmilch, -kraut, Euphorbia esula.

=eselsdwâs,= eselhafter Narr.

=eselskop,= Esels-, Dummkopf.

=esen- (esse) quast,= Essenquast, Gerät der Schmiede.

=eser= = neser.

=ê-setter,= Gesetzgeber.

=eslik= = islik.

=espe,= f. Espe, *Populus tremula; espenlôf,* Espenlaub.

=espink,= ein kleines Fahrzeug, Schaluppe, Boot.

=esse,= n. *(lat. esse),* Bestehen, Wolsein.

=estlik= = islik.

=ete-gelt,= Futtergeld.

=ete-hûs,= Speisehaus, cenaculum.

=ete-ko,= Kuh zum Essen (Ggs. Milchkuh).

=etel-dach,= Esstag (Ggs. vasteldach).

=etel- (eten) kost,= die Nahrung, die man isst.

=ete-love,= Esslaube, Speisezimmer, cenaculum.

=etel-stede,= Essstätte.

=etel-vat,= Essgeschirr.

=etel-ware,= Essware.

=eten,= st. v. essen, fressen; *etende ware,* Essware. -- Inf. subst. das Essen, die Mahlzeit.

=etesch,= gefrässig, edaculus.

=ete-vê,= Vieh, das gegessen wird, bes. Rindvieh.

=ete-visch,= Speisefisch, (Abgabe der Fischer an den Herrn).

=et-grode,= der zweite Wiesenwachs, Nachweide.

=etik, etek,= _m. Essig; *etik-lechelen,* Essigfässchen; *etik-vat,* Essigfass._

=etinge,= das Essen, Mahl; Futter.

=et-lant,= Weideland.

=etlik= = etelik, essbar.

=et-mâl,= die wiederkehrende Zeit, Periode, bes. die Flut- und die Tagesperiode von 12, resp. 24 Stunden.

=êtschop,= Eidschaft? oder *et-schop,* Weideschaft, Weideland?

=êt-swere,= der einen Eid geschworen hat, Geschworner.

=ette,= Egge (= egede, eide).

=ettelik, etlik,= etlich, irgend ein.

=etten,= sw. v. etzen, beweiden, pascere.

=etter,= m. Eiter.

=ettinge,= Weide.

=et-venne,= Weideland, Grünland.

=etwan,= 1. einst, vormals. 2. vielleicht.

=etwes, etteswes,= etwas.

=eve= = (ef) of, oder.

=even(e), effen,= 1. eben, gleich. 2. passend; *e. komen,* zukommen, entsprechen, passen, convenieren. 3. genau, gerade, just. 4. *evene alse, wie,* gerade so als, als ob, *even wol,* gleichwol, trotzdem.

=evendrachtich, -drechtich,= gleichmässig, egal; *e. effte,* gerade so als ob.

=evene kersten, -kristen,= Mitchrist.

=evene-minsche,= Neben-, Mitmensch.

=evenen,= sw. v. 1. intr. passen, convenieren. 2. tr. gleich machen. 3. refl. sich vergleichen, versöhnen.

=even-gelik, (eventlik),= gleich.

=evenicheit,= Gleichheit.

=even-ho(ge),= eine Belagerungsmaschine, plutei ad moenium altitudinem educti.

=eveninge,= Vergleich, Sühne.

=evenkomelik,= entsprechend, übereinstimmend, convenierend.

=evenmodigen,= mit Gleichmut.

=even-olt,= gleich alt, coetaneus.

=eventur(e),= f. u. n. Ereignis, glückliches oder unglückliches, Zufall, Gefahr; allerlei wie es sich trifft. -- *it is e.,* kann so oder so ablaufen; *e. stân,* etwas aufs Geratewol versuchen, riskieren. -- *bi, van e.,* gelegentlich, zufällig; *up e.,* auf gut Glück, Risiko.

=eventuren,= sw. v. 1. intr. sich (zufällig) ereignen. 2. tr. aufs Spiel setzen, riskieren.

=even-weldich, -woldich,= gleich gewaltig.

=êver,= _flaches Fahrzeug *(= envare?)* (auf Flüssen und Watten)._

=ever,= Lederstück (beim Schuhflicken); welcher Art?

=ever= = aver.

=eversole,= Sohle von ever.

=ever-spêt,= Eberspiess, venabulum.

=ever-swîn,= (wilder) Eber.

=ever-vlêsch,= Eberfleisch (-braten).

=ever-wort,= Eberwurz, carlina acaulis.

=ewangelier,= der Diakon, der das Evangelium liest.

=ewe, eve= = owe, Schaf, bes. Mutterschaf.

=ewe,= aevum, seculum (ndl.).

=ewe= = ê (ee), Gesetz.

=ewel(i)ken,= ewig, immer.

=ewich,= ewig, dauernd; *e. gelt,* immerwährende Rente.

=êwich= = (ênwîch), Einzelkampf, Zweikampf.

=ewigen,= sw. v. ewig machen, verewigen.

=ewigen, -ges,= adv. auf ewig, auf immer.

=exe, exene,= f. Axt.

=exen-hamer,= Axthammer.

=exen-tûch,= Axtgerät, Axt.

=exter= = hegester, Elster.

F. s. V.

G.

=ga,= jäh, jach, rasch, schnell. *de gae dôt,* Apoplexie; *mi is ga,* ich habe Eile, Verlangen.

=gabben, gabberen,= sw. v. Scherz, Possen treiben.

=gabberie,= Scherz, Possen.

=gabbert,= närrischer Kerl, Possenreisser.

=gabel,= Abgabe, Steuer, gabella.

=gabelitte,= s. gobelitte.

=gadde,= ein Fisch, asellus mollis.

=gad(d)er,= zusammen; gew. *to gader; mit gadders,* zusammen.

=gaddere,= f. Gatter, cancellus.

=gad(d)eren,= sw. v. zusammen bringen, sammeln.

=gad(d)erer,= Sammler.

=gad(d)erheren,= versammelte Herren, patres conscripti.

=gad(d)eringe,= Versamlung.

=gade,= Taufpathe.

=gade,= _Gatte, Genosse, der mir gleich ist; bes. Ehegatte, -gattin._

=(gade), to gade,= passend, bequem, zur Hand liegend.

=gadele,= Gevatterin?

=gade-, gedelicheit,= Bequemlichkeit.

=gade-, gedelik,= passend, bequem, gelegen.

=gade-, gedelink,= Verwandter, *de ne(ge)sten gedelinge, primi consanguinei; gadelinge gelt,* Abgabe an die Mitglieder des Geschlechtes.

=gadem (gâm),= n. 1. angebautes Häuschen, Bude. 2. Kramladen. 3. Stockwerk.

=gaden,= sw. v. 1. passen, convenieren, gefallen; tr. passend einrichten. 2. (refl.) sich gatten, verheiraten.

=gades, (gâs)= = godes, Gen. v. got.

=gadinge,= Passlichkeit, Behagen, Gelüst, convenientia, voluptas.

=ga-dope,= Jachtaufe, Nottaufe.

=gaffele, geffele,= _f. grosse hölzerne oder eiserne Gabel, *bifurca.* -- Dazu demin._ gaffelke.

=gaffel-schip,= navis rostro munita.

=gagel, gegel,= n. u. m. 1. Gaumen, *palatum.* 2. Zahnfleisch.

=gagel,= Gaukelei? (= gokel?)

=gagelen,= sw. v. gackeln, schnattern.

=gagel-krût,= Myrica Gala; mirtus.

=gaheil,= Kraut, supercilium Veneris.

=gahens, gahes, gâs,= adv. jäh, schnell.

=galander,= Haubenlerche.

=galant,= Alantwein.

=galeide, galei, galee,= f. Galeere, (Ruder-Kriegsschiff).

=galeie,= auch = glavie, glevie.

=galfern, -pern,= sw. v. heulen, (bes. von Wölfen und Hunden).

=galgant= = galigan.

=galge,= m. u. f. Galgen.

=galgelbôm= = gagelbôm, mirtus.

=galgenbôms-olie,= oleum galbani.

=galgen-knepel,= Galgenschwengel (als Schelte).

=galgenruwe,= Galgenreue, zu späte Reue.

=galiken,= adv. schnell.

=galissien-stên,= Galitzenstein, Vitriol = kopperôk.

=galle,= f. 1. Galle. 2. Gallapfel. 3. Herzgalle. 4. Geschwulst am Hinterbeine des Pferdes. 5. schadhafte Stelle überh.?

=gallen-swart,= aus Galläpfeln bereitete schwarze Farbe.

=gallert,= gallig.

=gal(l)igan,= Wurzel von *Alpinia* oder Maranta galanga.

=gallion= (eines Schiffes), Schiffsschnabel, rostrum, prora fastigiata.

=gallotze,= s. glotze.

=galm,= m. lauter, scharfer Schall.

=galm,= m. scharfer Geruch.

=galmen,= sw. v. laut tönen, schallen.

=galmen,= sw. v. von starkem, widerlichem Geruch und Geschmack sein.

=galm-gat, galm-hol,= Schalloch.

=galreide,= Gallert, (Sülze, geronnene Brühe, bes. von Fischspeisen in Gallert, Gelée. oxigarum).

=galspern= = galpern.

=games, gans,= corrump. aus *gades,* Gottes, z. B. *wummen games, gans!* (Wunden Gottes).

=gammelen,= sw. v. alt werden.

=gammelmat,= (dän.) alte Speise = Pökelfleisch.

=gammelspel= (pleonast.) Spiel, Spass, (mhd. *gamen,* engl. game).

=ga-modich,= jachmütig, vehemens.

=gân,= unr. v. 1. gehen. 2. ergehen, geschehen. 3. gelten (gänge sein). 4. vergehen. -- Mit Inf. z. B. *stân, sitten, slapen-gân.* -- Mit Präp. *gân mit kinde,* schwanger sein; *gân up* oder *to* jem., sein Recht bei jem. (als Schiedsrichter) suchen; *gân vor,* haften für e. a.

=gande?= Hasenstrick?

=gânden,= verlängerte Form von gân.

=gandon, -dorn= = andorn.

=ganerve= = geanerve, Miterbe, coheres.

=gange= s. =genge.=

=gangeber,= Ingwer.

=gangelwagen,= ein Gestell mit Rollen (Kinderwagen).

=gangel-wech,= Weg zum Gehen, Fusssteig.

=gank,= m. 1. das Gehen; Procession; das Abseitstreten (Beratung) der Urteilsfinder; Weise, Gewohnheit; Gangbarkeit. 2. Gang, Weg; Gang (von Speisen). 3. techn. in der Weberei: eine bestimte Partie Aufzugsfäden.

=gank-bort,= Laufplanke im Schiff.

=gankgeve,= gäng und gebe.

=gank(h)aftich, -achtich,= 1. zu gehen fähig. 2. gangbar (von Münzen).

=gankwerk,= eine Art Pelzwerk.

=gans,= s. gôs.

=gante,= Gänserich, anser.

=gans (gans),= 1. adj. ganz, im Plur. auch = alle. 2. heil, gesund, unverletzt. 3. adv. durchaus, omnino.

=ganzen,= sw. v. ganz, heil machen, sanare.

=ganzer dinge,= gänzlich.

=ganzliken,= gänzlich, omnino.

=ganzwille,= Vorsatz, Absicht.

=gapen,= sw. v. gaffen, den Mund aufreissen.

=gaper, gapert,= Gaffer; der das Maul aufsperrt, um viel zu essen, gefrässig.

=gapinge,= Öffnung, Schlund, hiatus.

=gar,= fertig gemacht, bereitet; gar, bes. gare koste, spise.

=gar,= adv. ganz, sehr.

=gar-brader,= Garbrater, Schlächter, der gares Fleisch (u. rohes) feil hat. *fartor* u. assator.

=garde,= m. Garten.

=garde,= f. das bettelhafte Herumgehen herrenloser Kriegsknechte von Haus zu Haus.

=garde= = engl. *yard,* Elle.

=gardebrust,= Brustschild?

=garden,= sw. v. garten, bettelnd herumstreifen.

=gardenere,= Gärtner.

=gardengenger,= der »garten«, betteln geht, Vagabund.

=gardenkarse,= Gartenkresse.

=gardinge,= das Garten, Vagabundieren.

=gare= (= carwe?)

=gare,= f. 1. (Bereitung) Gerberei. 2. Kleidung, Rüstung.

=gare,= f. die in den Acker gebrachte Düngung und die in Folge deren erhöhte Triebkraft des Bodens; fex, blictrum.

=gârfank,= eine beim Fischen gebrauchte Stange.

=gargaren,= sw. v. gurgeln, gargarizare.

=gargaringe, -linge,= das Gurgeln.

=gargariseren,= sw. v. gurgeln.

=garliken,= gänzlich, völlig.

=garn,= n. Garn, Strick. Netz.

=garne-bôm,= Webebaum, liciatorium.

=garnel,= ein langes Oberkleid ohne Ärmel (mit Pelz gefüttert).

=garnekorf,= Korbgeflecht mit Netzen zum Fischfang; der Netzsack, in dem die Fische sich festlaufen.

=garner, garnat, garnol,= der kleine Meerkrebs (jetzt: Granat).

=garnespinner,= Hanfspinner (Hülfsarbeiter der reper).

=garn-kluwe,= Knaul (Knäuel) Garn.

=garren,= sw. v. gurren, röcheln; aufstossen (von Speisen).

=garrich,= gurrend, röchelnd; aufstossend (von Speisen). Adv. garrigen.

=garst,= ein Zahlbegriff (= *snese?* Zahl von 7?)

=garst, garstich, ga(r)sterich,= ranzig, stinkend, bitter von Geschmack, rancidus.

=garsten, garstelen (gasseln),= sw. v. den rohen (Schwarzbrots)teig mit einem Firniss mittelst des *gerstels* (Quastes) überstreichen.

=gart,= als Ackermass, s. jart.

=gart, garde,= f. Gerte, Zweig; Stachel (aculeus).

=gart,= Hofraum?

=gart-heide,= centaurea, aurine.

=gart-hof,= Krauthof, Küchengarten.

=gart-kome, -komel,= Gartenkümmel, cuminum.

=gart-konele,= satureia.

=garup,= Rüstung?

=garve,= f. Garbe.

=garven, gerven,= sw. v. die Garben binden und setzen.

=garvenhovet,= Garbenhaupt, die in einer Garbe enthaltenen Ähren oder Rispen.

=garversche,= Garbenbinderin und -aufsteckerin.

=garv-vorke,= Garbenforke.

=garwant,= s. gerewant.

=gâs,= s. gahens.

=gaspe, gespe,= f. Spange, Schnalle, fibula.

=gasse (gatze),= f. Gasse, ein von zwei Reihen (Häuser, Menschen etc.) eingefasster Weg (ist mehr hochd.).

=gast,= 1. Fremder (Ggs. *borger).* 2. Gast (Ggs. wert).

=gaste-boderie= = gastebot.

=gaste-bot (bade),= Gastgebot, Gastmahl.

=gaste-geld,= Geld eines Fremden, Nichteinheimischen.

=gaste-gût,= Waren fremder Kaufleute.

=gasterich,= s. garst.

=gasteswise,= als Gast, Fremder.

=gastgericht,= Gericht über Fremde.

=gastholden,= adj. gastfrei.

=gast-hûs,= Haus zur Aufnahme Fremder.

=gastinge,= Gastung, d. i. Speisung, Fütterung.

=gast-inne,= weiblicher Gast.

=gast-mester,= der im Kloster (Hospital etc.) für die Fremden zu sorgen hat.

=gast-recht,= Gastrecht (bestand besonders in einem abgekürzten Verfahren).

=gat,= n. Loch.

=gate,= f. Gosse; auch = Gasse, Strasse.

=gaterich,= löcherig.

=gauwe,= s. gouwe.

=gave,= f. Gabe; Nutzungsanteil.

=gaven,= sw. v. begaben.

=ge --= Vorsilbe, gebraucht wie im Mhd., aber im ganzen viel seltener; meist eine Verstärkung des im Simplex enthaltenen Begriffes (vor Subst. das Collective) bezeichnend.

=ge-achte,= Art und Weise.

=ge-achten,= mutmasslich überschlagen.

=ge-ambechtet,= der ein Amt hat. officiatus.

=ge-antworden,= 1. über-, abliefern. 2. antworten.

=ge-archwilligen,= argen Willen hegen gegen jem.

=ge-bare= = gebere; =gebaren,= sw. v. refl. sich benehmen.

=ge-bêde,= n. 1. Gebot, Herrschaft *(imperium).* 2. Gebiet, districtus.

=ge-bedeger,= Gebietiger (im deutschen Orden).

=ge-bêden,= gebieten; refl. sich erbieten. *ge-bêder,* Gebieter; *gebêdinge,* Gebieten, Herrschaft.

=ge-bedinge,= Beten, Gebet.

=ge-beide, -bêde,= das Warten, Ruhe, pausa.

=ge-beiden,= warten.

=ge-bende,= alles womit man bindet, bes. Kopfputz der Weiber.

=ge-bênte,= n. die Gebeine.

=ge-bere, -berede, -bare,= f. 1. Aussehen, 2. Gebahren, Benehmen.

=ge-beren,= sw. u. st. v. gebären, erzeugen.

=ge-beren,= sw. v. geberden, sich benehmen.

=ge-bergete, -berchte,= Gebirge.

=ge-beringe,= 1. Art und Weise des Benehmens. 2. die angenommene Weise, Heuchelei.

=ge-bernen,= brennen.

=ge-bet,= n. Gebet.

=ge-bewedemunge,= Bewidmung.

=ge-bilde, -belde,= n. 1. Bild. 2. Vorbild, Beispiel.

=ge-bilde (-bildet) -dôk,= Tuch mit Bildern (Mustern) gezeichnet, buntgezeichnet.

=ge-bildenisse,= Gebilde.

=ge-billiken,= adv. billiger Weise.

=ge-binde,= n. Fachwerk (von Gebäuden).

=ge-bit,= n. Gebiss, Zaum.

=ge-bladen,= mit Blättern versehen, belaubt.

=ge-blerre,= Geplärr, Lärm.

=ge-blet,= Bletzwerk, abgerissene Flocken (= bletterwulle).

=ge-blick,= n. Anblick.

=ge-blomete,= n. Blüte.

=ge-bodder,= Mangel, Gebrechen?

=ge-bodeschoppen,= Botschaft bringen; pass. Botschaft empfangen.

=ge-bogen,= biegen.

=ge-bolder,= Gepolter, Lerm.

=ge-bômte,= n. die Bäume.

=ge-bone,= n. Gebühne, Stockwerk, Gebälk.

=ge-bor, geborede,= n. Gebühr.

=ge-borde,= n. Börde, (Jurisdictions)district.

=ge-borden,= sw. v. scherzen, höhnen, spotten.

=ge-bordiget,= gebürtig.

=ge-boren,= sw. v. gebühren, zukommen; refl. sich ereignen, zufallen, (auch ohne sik).

=ge-borenisse,= Geburt.

=ge-borentheit,= Gebührnis, Würde.

=ge-borger,= (Mit)bürger.

=ge-boricheit,= Gebühr.

=ge-borlik,= gebührend.

=ge-bort (-burt),= f. (u. n.) 1. Geburt. 2. Geschlecht. 3. Nachkommenschaft, Kind.

=ge-bot, -bode,= n. Gebot.

=ge-bovede, -bofde,= _n. die Gesamtheit der Buben, das Bubengesindel._

=ge-brak,= n. Bedarf; Mangel.

=ge-brât,= n. Braten.

=ge-brechte,= n. Lerm, Geschrei.

=ge-brek(e),= n. 1. das Gebrechende, Fehlende. 2. Gebrechen, Krankheit, Fehler. 3. Beschwerde, Last, Streitigkeit; die streitige Sache.

=ge-breke,= adj. gebrechend, fehlend.

=ge-breken,= st. v. tr. brechen; intr. gebrechen.

=ge-brekinge= = gebreke.

=ge-breklicheit,= Mangel, Fehler.

=ge-breksam, -samich,= mangelhaft.

=ge-brêsche,= n. Geschrei, Lerm.

=ge-brevete,= n. das Verbriefte, Inhalt einer Urkunde.

=ge-bringen,= bringen.

=ge-brodet,= g. Gesinde, das im Brode eines Herrn steht.

=ge-brok= = gebrek, Mangel; *g. liden.* ohnmächtig werden, deficere.

=ge-broke= = ge-brokede, Sumpf.

=ge-brokede,= n. Sumpf.

=ge-brôksam,= straffällig.

=ge-bruken,= sw. v. Gebrauch von etwas machen, geniessen, refl. m. Gen. üben, ausüben.

=ge-brukenisse,= Gebrauch.

=ge-buchte, -bochte,= n. Bug, armus.

=ge-buck,= n. niedergebogene und in einander geflochtene Zweige eines niedrigen Gebüsches als Umzäunung, Verhau etc.

=ge-bullêrde breve,= päbstliche Schreiben mit anhangender Bulle.

=ge-bundene dage,= dies feriati, nefasti, an denen Recht und Gericht gebunden (auf gewisse Handlungen beschränkt) sind.

=ge-bûr,= 1. Bauer; Colone (dem Gutsherren gegenüber). 2. (Mit)einwohner, Nachbar.

=ge-bûrschop,= Bauer- (Bürger)recht.

=ge-buseme, -boseme,= _n. leibliche Verwandtschaft; was zum *busem* gehört; Zugehörigkeit zu einer Hofgenossenschaft (Leibeigenschaft)._

=ge-busemen,= sw. v. die Verwandtschaft, Zugehörigkeit (Leibeigenschaft) nachweisen.

=ge-bute= = ge-buwete.

=ge-buten,= Busse zahlen.

=ge-butte,= n. Eingeweide der Fische, exentera.

=ge-buwe,= n. 1. Gebäude. 2. Erbauung.

=ge-buwen,= (be)bauen.

=ge-buwete, -bute,= n. 1. Gebäude. 2. das Bauen.

=geck,= thöricht, närrisch; Thor, Narr. (urspr. wol: drehbar, daher viele drehbare Dinge *gecken* heissen).

=gecken,= sw. v. zum Narren haben, verspotten, subsannare.

=geckerie,= Thorheit, Narrheit.

=geckes-dedinge,= Narrenwerk, Narrentheiding.

=geckes-mere,= Narrengeschwätz, Possen.

=geck-heit,= Narrheit, Thorheit.

=geck-lik,= geckenhaft, närrisch.

=geck-ri(g)e,= Geckreigen, Narrentanz.

=gedacht,= f. Gedenken, Erinnerung.

=ge-dachte (-dochte),= n. 1. das Denken. 2. Erinnerung.

=ge-dânte (-dane),= f. Beschaffenheit, Gestalt.

=geddelisch= = gadelik.

=gedder= = gaderer, Sammler.

=ge-dechte= = gedachte.

=ge-dechtich,= eingedenk, memor.

=ge-degelicheit,= Täglichkeit d. i. tägliche (Opfer)gabe.

=ge-degelik,= täglich.

=ge-degen,= (gediegen), ausgewachsen, reif; tüchtig.

=gedelik,= s. gadelik.

=ge-denke,= Erinnerung, Gedächtnis.

=ge-denkekamer,= Mönchszelle.

=ge-denken,= unr. v. 1. unpers. mit Dat. d. P. erinnerlich sein. 2. pers. gedenken; Inf. subst. Denken, Gedenken.

=ge-denkenisse,= Gedächtnis.

=ge-denklik,= erwähnungswert.

=gede-isern,= Gät-eisen, sarculum.

=geden, geiden,= sw. v. gäten (selten).

=ge-dênste,= n. Dienst.

=geder, geider,= n. Euter (Jüdder).

=geder(e)ken,= (demin. zu *gadder*) Balustrade.

=ge-deren,= sw. v. schaden.

=ge-dermete,= n. die Gedärme.

=ge-dichte,= n. 1. schriftliche Abfassung. 2. das schriftlich Abgefasste, Satzung, Schrift. 3. Erfindung; im bösen Sinne: Täuschung, List. -- 4. Gedicht.

=ge-dichte,= adv. dicht, häufig; ununterbrochen; sofort.

=gedicht-sprake,= Gedicht.

=ge-die, -dige,= n. Gedeihen, Wachstum.

=ge-dien, -digen,= st. v. gedeihen; gelingen; gedeihen lassen.

=ge-dinge,= m. Zuversicht, Hoffnung.

=ge-dinge,= n. 1. Vertrag, Übereinkunft, Bedingung; das ausbedungene Geld = *dingetal.* 2. = *dink,* Gericht.

=ge-dingen,= sw. v. einen Vertrag etc. schliessen, dingen.

=ge-dingenisse,= Übereinkunft, ausbedungenes Geld.

=ge-dingete= = gedingenisse.

=ge-dôchsamheit,= Geduld.

=ge-dôchsamlik,= geduldig.

=ge-doden,= töten.

=ge-dogen,= aushalten, ertragen.

=ge-dochte= = gedechte, Gedanken.

=ge-doge,= n. das Leiden, Aushalten; Zulassen.

=ge-dolen,= erdulden, aushalten.

=ge-dome (dume)?= Gericht, Gerichtsbezirk?

=ge-dôn,= Ton.

=ge-dôn,= thun.

=ge-drach, -drage,= Ertrag.

=ge-drangete,= n. Bedrängnis.

=ge-drank,= m. Nötigung, Bedrängung.

=ge-drank,= n. Getränk.

=ge-drechte,= n. Tracht, Schmuck.

=ge-dregen,= tragen, ertragen.

=ge-drenge,= n. Bedrängung.

=ge-drengenisse,= Bedrängnis.

=ge-drenke,= n. 1. Getränk. 2. Trinkgelage, Festlichkeit.

=ge-drôchnisse,= Trugbild.

=ge-drogen,= trocken werden.

=ge-druck,= n. Druck.

=ge-drunken,= betrunken.

=ge-duchtich,= (als Titel) reverendus, metuendus.

=ge-dulden,= dulden, leiden; refl. sich gedulden.

=ge-dult,= f. Geduld, *g. hebben,* sich in Geduld fassen.

=ge-dunken,= dünken.

=ge-duren,= ausdauern, ausharren.

=ge-durich,= andauerd, beständig.

=ge-dwank,= n. Zwang.

=ge-dwenge,= n. Gezwänge, Enge, enger Pass, Verhau.

=ge-dwenknisse,= Zwang.

=ge-dwingen,= zwingen.

=ge-echt,= 1. echt. 2. in Ehe lebend.

=ge-enden,= zu Ende bringen.

=ge-ergeren,= ärger, schlechter machen.

=ge-erve,= m. Erbe.

=ge-erven,= vererben.

=ge-ervet unde gegudet,= einer der Erb und Gut hat.

=ge-evenen,= refl. sich vergleichen, versöhnen.

=ge-gade= = gade, compar, consors.

=ge-geden= = gên (jehen?)

=ge-gelt,= verschnitten.

=gegen,= s. jegen.

=ge-gerwe= (n. =ge-gêr),= n. Messgewand.

=ge-geven,= ergeben.

=ge-grôte,= das Gegrüsse.

=ge-grunde,= Ergründung.

=ge-grunden,= ergründen.

=ge-gudet,= mit Gut versehen.

=ge-gunnen,= gönnen.

=gehat,= feindselig; *g. hebben,* hassen.

=ge-hebben,= 1. haben. 2. erhalten, sustentare.

=ge-hechte,= Haft.

=ge-hege,= n. Schutz.

=ge-heilsam,= heilbringend, hülfreich.

=ge-heim,= f. Heimlichkeit, Verborgenheit.

=ge-hêl,= ganz.

=ge-hêlheit,= Vollständigkeit.

=ge-hêlike,= vollständig.

=ge-hellen,= sw. v. übereinstimmen.

=ge-helt,= geneigt, proclivis?

=gehen,= s. jehen.

=ge-helpen,= helfen.

=ge-hengen, (-hingen),= sw. v. geschehen lassen, zulassen, erlauben.

=ge-henge, (gehenk)nisse,= Erlaubnis.

=ge-hengich,= nachgebend, gefällig.

=gehent,= adv. nahe bei.

=ge-herden,= aushalten, ausdauern.

=ge-herwede= = herwede.

=ge-hete,= n. Geheiss.

=ge-higen,= sw. v. äffen, täuschen, bei der Nase herumführen.

=ge-higerie,= Äffung, Täuschung.

=ge-hilde,= n. Griff am Schwerte, capulum.

=ge-hillich,= heilig.

=ge-hilligen,= sw. v. heiligen.

=ge-hindern,= hindern.

=gehint,= unwandelbar, beständig.

=gehlingen,= adv. jählings, schleunig.

=ge-hôch-, -hûchnisse,= Erinnerung.

=ge-hogen, -hugen,= sw. v. sich erinnern, eingedenk sein.

=ge-hoden,= hüten.

=ge-holde, (-halde, -hulde),= m. Holde, Dienstmann, Diener, (homagialis).

=ge-holden,= halten.

=ge-holt,= n. Gehölz.

=ge-holtlik,= vorbehältlich.

=ge-hör,= 1. Gehör; *dat g. hebben,* gehört werden, Gehorsam finden. 2. Hörigkeit, Dienstbarkeit.

=ge-horen,= hören.

=gehoringe,= Zubehör.

=ge-hôrsamen,= sw. v. gehorsam sein.

=ge-hôrsamheit,= Gehorsam.

=ge-hôrsamich,= gehorsam.

=ge-(hovede), -hofte,= n. Gehöft.

=ge-hovesinde,= Hofgesinde.

=ge-hovet,= im Hofe befindlich.

=ge-huchte,= n. Nebengebäude.

=ge-hudet,= mit einer Haut versehen.

=ge-hugede,= f. Gedächtnis.

=ge-hulpe,= behülflich, hülfreich.

=ge-hure,= geheuer, lieblich, angenehm.

=ge-husete,= Gehäuse (Baldachin).

=gei,= s. gâ.

=ge-jaren,= sw. v. *sik g.* zu seinen Jahren kommen, mündig werden.

=geil,= kräftig, munter, übermütig, üppig, fruchtbar.

=geilblome,= sticatos, Winterblume.

=geile,= f. die Düngung des Ackers.

=geile,= f. Hode.

=gei-gêlicheit,= Mutwille, Ausgelassenheit, Üppigkeit.

=geilink (geidlink),= Drossel.

=geilunge,= Düngung.

=gein,= s. gen.

=geisel,= f. Geisel, flagellum.

=geiselen,= sw. v. geiseln, mit Ruten schlagen.

=geistlicheit,= 1. Religiosität 2. die Gesamtheit der Geistlichen.

=geist (gêst),= m. Geist; *de hillige g.,* Bez. des Hospitals, Krankenhauses; *des hilligen g. penninge,* Unterpfand arrha.

=geite,= f. Geiss, *capra* (sehr selten).

=ge-kantelt,= mit Kanten, Ecken versehen.

=ge-kentenisse,= Kenntnis.

=ge-keren,= kehren, ändern.

=ge-kersten,= christlich, christen.

=ge-kesen,= mählen.

=ge-komen,= kommen.

=ge-kose,= Geschwätz.

=ge-krenken,= kränken.

=ge-krigen,= bekommen.

=ge-krîsch,= n. Kreischen.

=ge-krîschen,= kreischen, schreien.

=ge-krôn,= n. Gemurre, Klage.

=ge-krude,= s. =krût.=

=ge-kunne,= Geschlecht.

=gêl,= gelb.

=gel (gell),= gellend, laut.

=ge-lach,= n. das Liegen; Trinkgelage, Zeche; Lager, Belegenheit.

=ge-lachen,= lachen.

=gêl-achtich, (-echtich),= gelblich.

=ge-landet sîn,= Landbesitz haben.

=ge-lankwilich,= lange dauernd.

=ge-lât,= n. wie jem. oder etwas »lässt«, d. i. aussieht, Aussehen, Geberde, äusseres Benehmen.

=ge-lâten,= refl. sich gelassen benehmen.

=ge-latenheit,= 1. Verlassenheit. 2. Gelassenheit.

=gelde,= f. Zahlung, Bezahlung.

=gelden,= st. v. 1. bezahlen, ersetzen; einbringen (von Gütern), 2. kosten, wert sein. 3. gelten, angehen, betreffen (mit Dat. oder mit up).

=gelder,= Zahler, der zu zahlen hat.

=gelde- (gell)tal,= Geldwert, Geld.

=geldinge,= Bezahlung.

=geldreger (?),= Geldwechsler.

=ge-ledder,= Plur. Glieder, Mitglieder.

=ge-ledemate,= n. Gliedmass.

=ge-leden= (Part. von *liden*), vergangen.

=ge-lege (-lech, -lecht),= n. Lage; Sachlage, Beschaffenheit.

=ge-lege,= Belehnung.

=ge-legelik (-lechlik),= gelegen, bequem.

=ge-legen,= passend, bequem.

=ge-legen= (Part. zu *lihen*), geliehen.

=ge-lêgen,= lügen.

=ge-legen(i)cheit,= 1. Belegenheit. 2. Sachlage, Beschaffenheit.

=gelegorse (geelgherse),= ein Vogel, Grasmücke oder Goldammer.

=ge-leide,= n. 1. Geleit, die sichere Geleitung, *salvus conductus.* 2. Sicherheit, Schutz, Friede. 3. Geleitsrecht. 4. Geleitsgeld. 5. Geleitsbezirk.

=ge-leiden,= 1. geleiten, das Geleit geben. 2. geleiten, einweisen in den Besitz.

=ge-leider,= Geleiter.

=ge-leidesman,= Geleiter.

=ge-leistunge= = leistunge, Geiselschaft.

=ge-leitlik,= dem freien Geleite gemäss; *sik g. holden,* sich geleitsmässig benehmen.

=ge-lêmet,= von Lehm gemacht.

=ge-lênen,= leihen.

=ge-lenge,= f. Länge; *in de g.,* auf die Dauer.

=ge-lenger,= n. Verzögerung.

=ge-lenken,= lenken.

=ge-lêrde,= f. Gelehrtheit.

=ge-les,= gewohnt; sicher.

=ge-leufte,= n. Lauf (der Dinge), Lage.

=ge-leumet,= Leumund, Ruf, (böses) Gerücht.

=ge-lêf,= lieb.

=ge-leven,= 1. leben, (mit Gen. von etwas). 2. erleben.

=ge-lêven,= 1. pers. belieben, genehmigen. 2. unpers. lieb sein, mit etwas zufrieden sein.

=ge-lichtlik,= adv. leicht.

=gel-hudich,= gelb von Haut.

=ge-liden,= leiden, ertragen.

=ge-lîf,= n. Leib.

=ge-like,= 1. gleich. *mîn* (selten *mines) g.,* meinesgleichen. 2. recht, billig. 3. passend, bequem.

=gelike,= n. 1. Gleichnis, Bild, Abschrift. *in regens g.,* wie Regen; *des werkes g. tale opus.* 2. das, was recht und billig ist, *aequum. mit g.,* billigerweise, mit Recht, *van g. in enem g. in dat g. ex aequo. des gelikes,* desgleichen; in gelike -- alse = aeque -- ac.

=ge-like,= f. Gleichheit; *in der g.; bi g.,* gleicherweise.

=ge-likenen (-liken),= gleich machen; vergleichen, *gelikenet sîn,* gleichen.

=ge-likenisse,= Gleichheit, Ähnlichkeit; gleiche Form, Nachbildung; Katafalk.

=ge-lîkheit (-licheit),= Gleichheit; Gerechtigkeit, aequitas.

=ge-likinge,= Gleichheit.

=ge-lîkliken,= adj. auf gleiche Weise.

=ge-limp,= m. und n. Angemessenheit, angemessenes massvolles Wesen; guter Name; syn. mit *êre. -- mit g.,* glimpflich, massvoll, nachsichtig.

=ge-limpen,= sw. v. glimpflich behandeln.

=ge-lîsted,= mit Leisten, Rändern versehen; vom groben Rande des Tuches.

=ge-lit,= n. Glied.

=gelle,= gellend, laut.

=gellen,= sw. v. laut schreien.

=gellen,= sw. v. f. die Galle herausnehmen, *exenterare.* 2. gallig machen, vergällen.

=gellik,= glaucidus, subglaucus.

=ge-lode,= n. Gewicht.

=ge-lodet= (Part. zu *loden,* sprossen). *so g.,* so gesprosst, von solcher Herkunft.

=ge-lodet,= mit einem bleiernen Zeichen oder Siegel versehen.

=gêl-oge,= Gelbauge, d. i. der Teufel.

=ge-lommer,= n. Lerm.

=ge-lôp,= Lauf; Plur. Zeitläufte, Begebenheiten.

=ge-losebôk,= Loosbuch.

=ge-losen,= 1. intr. los, ledig werden eines Dinges. 2. tr. losmachen, befreien.

=ge-lôt,= g. leder, coreum alutatum, Korduan, Erch.

=ge-loume,= adv.?

=ge-louwen,= sw. v. greifen, fassen.

=ge-love, -lôf,= m. 1. Versprechen, Gelöbnis. 2. Erlaubnis, Zustimmung. 3. Credit, Treu und Glaube, *fides; gût g.,* verbürgter Friede, Friedenszeit. 4. das Fürwahrhalten; concr. der (religiöse) Glaubensinhalt.

=ge-love-brêf,= Creditiv.

=ge-lovede, -lôfte,= Gelübde; Verheissung, Versprechung.

=ge-lovelik, -lôflik,= 1. glaubend, gläubig, treu. 2. pass. glaubhaft, zuverlässig, glaublich. -- *geloveliken,* adv.

=ge-loven,= 1. geloben, versprechen. 2. glauben, für wahr halten. 3. erlauben; pass. Erlaubnis erhalten.

=ge-lover,= der für jem. verspricht; Bürge.

=ge-lovert,= mit Laub versehen, belaubt.

=ge-lovesam,= glaubhaft.

=ge-lovich,= gläubig.

=gelp,= übermütig (bes. im Sprechen).

=gelp,= m. Übermut.

=gêl-ripe,= Gelbreife.

=gelstrick= (= geltstrick?), Bestechung.

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