← Mittelniederdeutsches Handwörterbuch

Mittelniederdeutsches Handwörterbuch (part 2 of 5)

Part 2 of 5 · Lübben, August · Public domain text

About this edition

Source: Project Gutenberg e-text #61948, public domain in the United States · text not rewritten or summarized · How RedLectern is built

 

Contents (5)

Continue:

Mittelniederdeutsches Handwörterbuch (part 2 of 5)

=gelt,= n. 1. die Nutzung eines Eigentums, das Einkommen davon; *geldes stân,* zur Nutzung (als Pfand) übergeben sein. 2. Vergeltung, Bezahlung, Kaufpreis. 3. Geldschuld. 4. concr. Geld (als Münze).

=gelte,= (unfruchtbar) verschnittenes Mutterschwein, sus castrata.

=gelte,= Gefäss für Flüssigkeiten, metreta.

=geltgulde,= Geldeinkünfte.

=gelthaft, -haftich,= g. schult, Geldschuld.

=gelt-smôrker,= Geldverstecker (?), Geizhals.

=gelt-spildunge,= Geldaufwand, Geldverbrauch.

=gelt-stock,= Geldbüchse.

=gelt-vorlesinge,= Geldaufwand, Geldverlust.

=ge-luchte,= n. Beleuchtung, Licht.

=ge-lucke,= n. Glück, Schicksal, günstiger Zufall, Vorteil.

=ge-luckeliken,= glücklich.

=ge-luckhaftich,= glücklich.

=ge-luckich,= glücklich.

=ge-lucksamich,= glücklich.

=ge-lumme= = gelommer, Lerm, Tumult.

=ge-lût,= n. 1. Laut, Schall, Lerm. 2. Ruf, Gerücht.

=gélve,= Woge des Wassers, unda, exaltatio aquarum.

=ge-mâch, -mage,= Verwandter.

=ge-macht,= f. Macht.

=ge-maget,= Verwandte habend.

=gemak, gemake,= n. 1. Ruhe, Bequemlichkeit; *g. dôn,* Ruhe machen, mit etwas aufhören. 2. Ort, wo man Ruhe hat, Gemach; jeglichen Gebäude, das zur Bequemlichkeit dient. 3. der nach Bequemlichkeit zustehende Gebrauch eines Eigentums.

=ge-mak,= bequem.

=ge-maklik,= gemächlich, bequem.

=ge-maksam,= adv. allmählich, nach und nach.

=ge-maksamicheit,= Bequemlichkeit.

=ge-maksel, -makels,= n. Machwerk.

=ge-mâl,= Gemahl, -in.

=ge-males,= (jemals), immer.

=ge-man,= Mann (bes. in collectivem Sinne).

=ge-manen,= ermahnen, durch Ermahnung bewegen.

=ge-mank,= adv. dazwischen, dabei.

=ge-mate,= mässig.

=ge-maten,= sw. v. mässigen, Mass setzen, moderari.

=ge-mechte,= n. Zeugungsglieder.

=ge-mechtigen,= sw. v. ermächtigen.

=ge-meden,= mieten.

=gemeindesman,= Mann aus der Gemeinde.

=ge-meine, -mene, -mên,= adj. 1. allgemein, was alle angeht, öffentlich, *publicus; g. maken, publicare.* 2. allgemein, gemeinsam, *universus; de g. rât,* der gesamte R.; *de g. kôpman,* der gesamte Kaufmannsstand. 3. gemeinsam, *communis.* 4. gewöhnlich; niedrig. -- *int g.,* 1. zusammen. 2. gemeinschaftlich. 3. gewöhnlich, insgemein.

=ge-meine, -mene,= f. und n. 1. gemeinsames Gut, *communio.* 2. gemeinschaftliche Versamlung.

=ge-meinete, -meinte, -mênte,= n. und f. 1. gemeinschaftliches Gut. 2. Gemeinde, Gesamtheit.

=ge-meinheit,= Gemeindegut.

=ge-meinicheit,= Gemeinheit, Gesamtheit.

=ge-meinliken,= insgesamt.

=gemeit, -mêt,= fröhlich, wolgemut, munter, stolz.

=gémelicheit,= Scherz, Spass, Mutwille.

=gémelik,= lustig, spasshaft, mutwillig; adv. gemeliken.

=ge-mêlsel,= n. Gemälde.

=ge-melt (-melet),= 1. vermählt. 2. ehelich geboren.

=ge-mêlt,= n. Gemälde.

=ge-meltz,= Gemalztes.

=gemen,= sw. v. ins Auge fassen (?).

=ge-menge,= n. Streit.

=ge-merk,= f. Mark.

=ge-meten,= angemessen.

=ge-meticheit,= das richtige Mass.

=ge-mick,= n. Mass, Ziel, collimatio.

=ge-mint,= _geliebt, lieb (in der Anrede: *g. vrent,* lieber Freund)._

=ge-moge (-moige),= Unmut, Kummer.

=ge-mogen,= können, vermögen.

=ge-moie,= f. Muhme.

=ge-môr, -môrte,= Moor.

=ge-mose,= n. Gemüse, Zukost, *pulmentum;* Kost, Speise.

=ge-mote (-mode),= Begegnung; *to g. komen,* begegnen, entgegenkommen; *gût g.,* guter Angang (beim Antritt einer Reise).

=ge-mot(e), -mode,= n. Gemüt, Denk- u. Sinnesweise, Willensmeinung; Mut.

=ge-moten,= begegnen.

=ge-moten,= müssen; dürfen.

=ge-mul,= n. Staub.

=ge-mummet,= eine Art Würfelspiel.

=ge-munte,= Münze.

=gên, gein (jên, jein),= st. v. ein-, zugestehen, bekennen, sagen. Obj. meist im Gen. bes. häufig der wârheit.

=gên, gein, gîn,= kein.

=ge-nade,= s. gnade.

=genadicheit= = genade.

=ge-nagen,= 1. = gnagen. 2. = genaken.

=ge-naken, -neken,= nahe kommen, sich nähern (mit u. ohne *sik): sik des sinen g.,* sich in den Besitz des Seinigen setzen.

=ge-nalen,= (mit u. ohne *sik*), sich nähern.

=ge-name= = name, Beute, Raub.

=ge-nanne,= gleiches Namens, cognominalis.

=ge-nastich (?),= trügerisch (?).

=gender,= dort, von dort.

=gendrik,= Dolchmesser.

=ge-nêcheit,= Geneigtheit, natürliche Anlage.

=genechte, genette (?),= Zeit von 14 Tagen? Zeit des Schulzengerichts.

=ge-neden,= wagen.

=ge-nedigen,= sw. v. gnädig sein.

=genegelicheit,= Geneigtheit; Hang.

=genelich,= keinerlei.

=ge-neme,= genehm, acceptabel.

=ge-nenden,= sw. v. wagen, riskieren; mit Gen.

=ge-nent,= n. Kühnheit, Wagnis.

=gener, gensît, genhalf= s. jener etc.

=ge-neren,= ernähren.

=ge-nerte,= n. Ernährung.

=generie (?)= scurrilitas.

=ge-nesen,= st. v. 1. intr. gesunden, mit dem Leben davon kommen; *eines kindes, der gebort g.,* entbunden werden. 2. tr. genesen machen, heilen.

=ge-nêt (-neit, -niet),= _n. und m. Geniess, Vorteil, Gewinn, Ertrag._

=ge-neten,= geniessen, Vorteil, Förderung, Gewinn von etwas haben.

=ge-netlik= = genedelik; adv. genetliken.

=genge, ginge, gange,= gangbar, gebräuchlich, von der Münze.

=genger,= 1. der zu Fusse geht. 2. = dwelengenger.

=genick= = knick.

=genk-, gankgeve,= gäng und gebe, gebräuchlich.

=genkachtlich (?-achtich?),= gänge, von Münzen.

=genklik,= gangbar.

=ge-nôch,= adj. und adv. genug, hinreichend.

=ge-nôchaftich,= genügend.

=ge-nôchlicheit,= Wonne, Lust.

=ge-nôchlik,= Genüge, Vergnügen, Lust verschaffend; angenehm; im jurist. Sinne: genügend, sicher.

=ge-nôchsam,= hinreichend.

=ge-nôchsamheit,= Genüge.

=ge-nochte= (= ge-nogede), Lust, Vergnügen, Freude.

=ge-nochter?=

=ge-noge,= f. Genüge, Zufriedenheit; *g. dragen,* zufrieden sein.

=ge-nogede,= f. Genüge.

=ge-nogen,= sw. v. genügen; sein Vergnügen woran haben, gefallen.

=ge-nogich,= genügend, hinreichend.

=ge-nôt,= Genosse, Gesellschafter; bes. Standesgenosse.

=ge-nôtinne,= (Standes)genossin.

=gense (-ze, -tze),= eine Art Dolchmesser (zweischneidig).

=gensekerse,= s. blôtwort.

=gens- (genz-, genst)like,= ganz, vollständig.

=ge-nucke,= n. Anstoss.

=ge-nut,= n. Genuss; Niessbrauch.

=ge-oget werk= = ogenwerk, d. h. Haken und Ösen.

=ge-ordelen,= beurteilen.

=ge-pack,= n. Gepäck.

=ge-pens= = gepinse, das Denken, die Gedanken.

=ge-pinse,= Gedanke.

=ge-pipe,= n. (Gepfeife), Klagetöne.

=ge-plenkede,= n. Planken = Pfahlwerk.

=ge-plicht,= verpflichtet, obnoxius.

=ge-plogete,= n. gepflügter Acker, Furche.

=ge-plûmte,= n. Gefieder.

=ge-pogelik?=

=gepse,= s. gespe.

=ge-quemen,= st. v. kommen.

=ge-qwebbete,= s. qwebbe.

=ger,= f. Begierde, Wunsch.

=gerachie (jerarchie),= (Hierarchie), Standesordnung (der Engel).

=ge-rade,= f. und n. Frauengerät, bewegliche Sachen zum Gebrauch der Frauen.

=gerade= = gerede, bereitet, gerüstet.

=ge-rade,= adv. sofort, schnell; *so gerade alse,* sofort als.

=ge-raden,= geraten, gelingen.

=ge-rak,= n. Zureichendes, Genüge, Notdurft, was man notwendig braucht, nötige oder zureichende Pflege.

=ge-raken,= 1. treffen, erreichen. 2. sich treffen, ereignen (auch pers.); gelingen. *(wol) geraket,* (wol) gelungen, trefflich.

=geralde= = gerende, Bettler, (herumziehender) Gaukler.

=ge-ramen,= treffen.

=ge-rasch,= rasch.

=gerast= = gerastet (jurist. Term.), in ruhigem Besitz.

=ge-râtsam,= ratsam, rätlich.

=gerbe,= f. Garbe.

=gerde,= f. Ausrichtung, Anordnung eines Mahles.

=gerde,= f. Gerte, Rute, Stab.

=gerdeman,= Plur. =-lude,= Schaffer, der ein Gastmahl zu besorgen u. die Ordnung bei demselben aufrecht zu erhalten hat.

=gere,= f. Bereitung.

=gere,= f. (und m.) keilförmiges Zeugstück, *lacinia, fimbria;* ein in eine Spitze auslaufendes Ackerstück.

=gere= = gurre, Mähre, equa.

=ge-recht,= n. Recht.

=ge-recht,= gerecht; von Rechtswegen bestimt.

=ge-rechtheit,= Richtung.

=gerechtich,= gerecht.

=ge-rechticheit,= Gerechtigkeit, Gerechtsame, alles was von Rechtswegen zu etwas gehört oder einem gebührt; Anrecht; Rechtsstreit.

=gerechtinge,= Gerechtsame.

=ge-rede, (-rêt, -reide),= adj. bereitet, fertig; (vom Gelde) bar; adv. bereits, schon.

=ge-rêde, -reide,= _n. 1. Gerät, Zurüstung, Schmuck, *apparatus.* 2. bar Geld. 3. (abstr.) Bereitschaft, Zurüstung._

=ge-rede,= f. (Reitzeug), Reiterei.

=ge-reden,= beritten.

=ge-regen,= rühren, bewegen.

=gere-, gerwehûs,= das Haus, 1. in welchem Leder bereitet, gegerbt wird. 2. in welchem sich der Priester zur Messe »gerbet« d. h. sich zurüstet, Sacristei.

=ge-reden,= versprechen.

=gere-, (gerwe)kamer,= Ort, wo man die Ausrüstung bes. die priesterliche verwahrt, Sacristei.

=ge-reke,= n. Ordnung; Zureichendes, genügende Pflege.

=ge-reken (-recken),= sw. v. 1. reichen, langen. 2. zureichen, langen. 3. sich ereignen, sich zutragen.

=ge-reken= = ge-rekenen, berechnen.

=geren,= sw. v. begehren; part. *gerende (gern)* = Begehrende d. i. Bettler, Gaukler, Vagabunde.

=geren= = gerewen, _sw. v. 1. gar machen, bereiten, gerben (Leder). 2. priesterlich kleiden._

=geren,= sw. v. gähren, blictrire.

=ge-renne,= n. stürmischer Angriff, Ansturm.

=ge-rent= = ge-rentet, mit Renten versehen.

=gerer,= Begehrer, Bettler.

=gerer,= Gerber.

=ge-rêt,= n. das Reiten, Kriegszug.

=ge-rêtschap,= Bereitschaft; gute Aufnahme; bar Geld.

=ger(e)want, -wât (gerwet, garwant),= das Gewand, mit dem sich der Priester zur Messe *gerwet* oder *geret.* Messgewand.

=ger-haken,= Gerberhaken.

=ger-hof,= Gerberhof.

=gerich,= begehrend.

=ge-richte,= f. gerade Richtung.

=ge-richte,= adv. gerades Weges; stracks, sofort.

=ge-richte,= n. 1. Richtung, Lage, Gegend. 2. Gericht, Gerichtsbezirk; Gerichtszeugnis; Urteil, Strafe.

=ge-richten,= richten.

=ge-richtich,= gerecht.

=ge-riken,= sw. v. reich werden.

=geringe,= adj. und adv. schnell, hastig, eilend.

=géringe,= f. Cloake, Mistrenne.

=ge-ringelik, -rinlik,= adv. schnell, rasch.

=gerinkworpen,= sw. v. wälzen, wickeln.

=ge-risen,= entstehen.

=ger-iseren,= eisernes Werkzeug zum Gerben.

=ge-risk,= rasch, auf der Stelle.

=ge-rîf,= n. (und m.) Bequemlichkeit; was man zur Notdurft oder Bequemlichkeit gebraucht.

=ge-rîflik,= passend, bequem.

=ger-kum,= Gerberkumme, -schüssel.

=gerleige= = generleige, keinerlei.

=gern (geren),= adv. gern, mit Freuden, gewöhnlich.

=gernegast,= der gerne Gast ist, Schmarotzer.

=gerner= = gerender, Begehrender, Bettler.

=gerne-schalk,= der gerne ein Schalk ist.

=gerne-, garnewinde,= Garnwinde, Haspel.

=ge-rochte, -ruchte,= n. 1. das Rufen, Lerm; Allarm. 2. Hülfsgeschrei, Hülferuf. 3. Ruf, Gerücht.

=ge-rochtich,= ruchtbar, durchs Gerücht gesagt.

=ge-roke,= Sorge, Pflege, Wartung.

=ge-roken,= »geruhen«, Sorge tragen, sich kümmern.

=ge-roken= = ge-raken oder ge-reken.

=ge-rope, -ropete,= n. Geschrei, Lerm.

=ge-rôr,= n. (Gerühre), Lerm, Bewegung.

=ge-rouwen,= ruhen, sich beruhigen.

=gerren,= sw. v. grunzen (= giren).

=gers, gersele, gersgerse,= grosse (römische) Petersilie.

=gerste (garste, gast),= f. Gerste.

=gerstel (gestel, gassel),= Ofenstab, -stange, *ustarium;* Quast, Bürste, mit dem die Bäcker die obere Seite des Brodes bestreichen *(gasseln)*, das sie auf dem Gerstelbret (Gasselbret) in den Ofen schieben.

=gersten-grutte,= Gerstengrütze.

=gersten-korn,= Gerstenkorn; Augenübel = stige.

=gerstersele,= eine Falkenart.

=ge-rugelik= = geruwelik, ruhig.

=ge-rume,= geräumig; von der Zeit: entlegen, entfernt.

=ge-rummel,= n. Lerm.

=gerunge,= f. Begehr.

=gerunne (?),= Renne, (Stadt)graben?

=gerusam= = geruwesam, ruhig, sanft.

=ge-rûsch,= n. das Rauschen.

=ge-rust= = gerustet, gerüstet.

=ge-ruste,= n. Gerüst, Rüstung; der eiserne Haken am Harnische zum Einlegen den Speeres.

=ge-ruwelik,= ruhig; in ungestörtem Besitz.

=ger-valke,= der grosse Falke, erodius.

=gerwe (garwe)= u. =gerwete (garwete),= n. Kleidung, bes. die priesterliche, das Messgewand.

=gerwen,= sw. v. »gar« machen, fertig machen, bereiten (z. B. Leder); *sik g.,* sich ankleiden, vom Priester, der das priesterliche Gewand anzieht.

=gerwer,= Gerber, Lederbereiter.

=ger-werk,= Gerberarbeit.

=gerwete,= s. gerwe.

=gesachtheit,= Ruhe; ruhige Überlegung.

=ge-sadigen,= sättigen.

=ge-samelinge,= Versamlung.

=ge-satelike,= ruhig, gesetzt.

=ge-sâtheit,= Sanftheit, Milde.

=ge-salicheit,= Glückseligkeit.

=ge-sát= (= gesadet), ruhig; milde.

=ge-sate,= n. (Niederlassung), Besitztum im ganzen Umfange.

=ge-sate, -satte,= n. Satzung.

=ge-schacket?=

=ge-schaden,= schaden.

=ge-schaffen,= schaffen, ausrichten.

=ge-schapen,= schaffen.

=ge-schal,= n. Schall, Lerm.

=ge-scheft,= n. Geschäft; Vorgang, Geschichte, Ereignis.

=ge-scheftnisse= = gescheft.

=ge-scheit,= n. (Scheidung), Grenze; Versöhnung.

=ge-schelle, -schele, -schille,= n. Differenz, Streitigkeit.

=ge-schenke,= f. Geschenk.

=ge-schicht(e),= n. das Geschehene, Ereignis (bes. ein schlimmes oder auch zufälliges, *van g.,* zufällig, *casu),* Sache, Streitigkeit, Fehde.

=geschichte,= Pfeil (zu scheten?)

=ge-schên,= geschehen; auch refl. sich begeben, sich ereignen.

=ge-schertze,= n. das Scherzen.

=ge-schick,= n. das Bringen in »Schick«, Ordnung, *dispositio,* Verhältnis, Sache.

=ge-schickecheit,= Passlichkeit, Bereitschaft, Ordnung.

=ge-schicket,= was »Schick«, Ordnung hat.

=ge-schiedenisse,= Geschehnis, Ereignis.

=ge-schillet,= mit einer Schale versehen.

=ge-schone,= Schonung.

=ge-schote= (= geschode), (Mutter)scheide.

=ge-schôt,= n. Geschoss.

=ge-schot,= n. Schoss, Steuer.

=ge-schreit,= n. Geschrei.

=ge-schricht,= n. und m. Geschrei; im rechtl. Sinne = gerochte.

=ge-schrift,= f. und n. Schrift, bes. die heilige Schrift.

=ge-schri(g)e,= n. Geschrei.

=ge-schutrede,= Rede, mit der man sich schützt, Einrede.

=ge-schutte,= n. Geschütz.

=ge-sedet,= gesittet, moratus.

=ge-segelen,= segeln.

=ge-seggen,= sagen.

=gesekîn?= (glesekîn?) kleine (Trink)kanne?

=ge-selle,= Teilnehmer, Genosse; bes. *gude g.,* lustiger Bruder, Zechbruder; (wie *broder)* Hoden.

=ge-sellen,= refl. sich einen Genossen geben.

=ge-sellensteke,= das *stekespil* (der ritterl. Genossen).

=ge-sellich,= zugesellt; zur Geselligkeit geneigt.

=ge-sellicheit,= Gesellschaft.

=ge-sellin,= Genossin (= Gattin).

=ge-selschop,= Gesellschaft; Handels-, Compagniegeschäft.

=ge-semsel,= n. Gesimse.

=ge-sên,= sehen.

=ge-sên,= part. adj. angesehen.

=ge-senge= und =-sengete,= n. Gesang, bes. Kirchengesang.

=ge-sete,= _n. Sitz, Sitzstelle; Stuhl, *sedes; = gesate,* Besitztum._

=ge-sette,= n. 1. Festsetzung, Aufstellung. 2. Bestimmung, Übereinkommen. 3. fest bestimtes Mass, Abschnitt, Capitel, Artikel.

=ge-settinge= = gesette.

=ge-sichte,= _n. Anblick; (wo gesehen werden kann), Aussicht, Fenster; Sehvermögen._

=ge-sichtich,= sichtbar.

=ge-simpel,= einfach.

=ge-sîn,= sein.

=ge-sin (-sinnen),= n. Verlangen, Begehren.

=ge-sinde,= n. Gesinde, m. einer vom Gesinde.

=ge-sindeken,= n. Gesinde.

=ge-sinnen,= 1. verlangen, begehren, bes. vom Vasallen, die Belehnung, Investitur, nachsuchen. 2. Gesinnung haben, meinen.

=ge-sinnunge,= Ansinnen, Begehren.

=ge-slân,= schlagen.

=ge-slecht,= _n. 1. Geschlecht, Geschlechtsgenossen; Nachkommenschaft. 2. Gepräge._

=ge-slete= = slete, (friedliche) Beilegung eines Streites.

=ge-smak,= m. Geschmack u. Geruch.

=ge-smucke,= n. Schmuck.

=ge-sode unde gebrade,= n. Gesottenes und Gebratenes.

=ge-soke,= n. das Suchen; Erwerb, Gewinn, Wucher.

=ge-spalk,= n. wüster Lerm.

=ge-span,= m. Genosse, Gesell, Verbündeter; f. gespenne.

=ge-spanne= = gespenne.

=ge-sparen,= sparen, schonen.

=ge-sparlike,= schonsam.

=ge-spenne, -spen, -spanne,= f. und n. Spannung, Zerwürfnis, Zwietracht.

=ge-sperete,= n. Sparrwerk, Dachstuhl.

=gespe= und =gepse (göpse),= f. die Höhlung der beiden aneinander gelegten Hände, soviel man darin halten kann.

=gespe= = gaspe, f. Schnalle, racea.

=ge-spenst,= n. Verlockung, Trugbild.

=ge-spil,= n. Spiel (= musik. Instrumente).

=ge-spin,= n. Gespinst.

=ge-spinne,= f. zu =gespan,= _(Geschlechts)genossin, Verwandtin._

=ge-sprake, -spreke,= n. Gespräch, Unterredung, Zusammenkunft zur gemeinsamen Beratung.

=ge-sprake, -spreke,= 1. gesprächig, beredt, *facundus.* 2. leutselig, affabilis.

=ge-spredinge,= Zerstreuung.

=gesselgrau= = gosselg., in grauer Farbe, wie sie die jungen Gänse haben?

=gest,= m. Hefe; Schmutz, faex (fex).

=gêst, gast,= f. das hohe, trockene Land im Ggs. zu den Marschniederungen.

=ge-stade= = stât, Pracht, Herrlichkeit?

=ge-stadelik,= beständig, fest, sicher.

=ge-staden,= gestatten, erlauben.

=ge-stadich, -stedech,= fest.

=ge-stadicheit,= Festigkeit, Dauerhaftigkeit.

=ge-stalt= = gestaltet, beschaffen, in der Lage befindlich, bereit.

=ge-stalt,= n. und f. Beschaffenheit, Verhältnis; *keine gestalt hebben,* ungestaltet, unziemlich, unpassend sein; adv. in der Weise dass, so dass.

=ge-stân,= stehen.

=ge-standicheit,= Einrichtung, System.

=ge-stant,= n. 1. Stand, Verhältnis. 2. Geständnis, Bekentnis.

=ge-starken,= verstärken.

=ge-stedigen,= gestatten.

=ge-steiger,= n. Gerüst.

=geste-laken,= (Bett)tücher für Fremde.

=ge-steltenisse,= Gestalt, Figur.

=gesten,= sw. v. 1. Gast sein. 2. zu Gast haben, bewirten.

=ge-stende (?)= = gestant.

=ge-stênte,= n. Stein, bes. Edelstein.

=ge-steret,= mit Sternen versehen, stellatus.

=gesterie,= Aufnahme und Beherbergung Fremder, Gastgebot.

=ge-sternte,= n. Gestirn, sidus.

=ge-sterven,= sterben.

=ge-stevenheit,= feste, bestimte Zeit.

=ge-stichte,= n. Stift.

=gestigen,= sw. v. als Gast behandeln, bewirten.

=ge-stillen,= stillen, beruhigen, zufrieden stellen.

=ge-stôlte (-stole),= n. Gestühl.

=ge-storen,= stören.

=ge-storvenheit,= Abgestorbenheit (theol.) für die Lüste der Welt.

=ge-stracks,= sofort.

=ge-strengeliken,= strenge.

=ge-strengicheit,= Strenge; Ehrenprädikat des Adels und vornehmer Personen.

=ge-strick,= Getäfel, Lattenverschlag.

=ge-stubbe,= n. Staub.

=ge-stuck,= n. Gesamtheit der Geschütze.

=ge-stuppen,= sw. v. mit den Fingern tupfen, tupfend zählen.

=ge-stûr,= n. Steuer (Beihülfe in Geld).

=ge-sturen,= sw. v. steuern, wehren, hindern.

=ge-suchte,= n. Seuche, Krankheit.

=ge-sunt,= adj. gesund, wohlbehalten; selig, salvus.

=ge-sunt (-sunde),= n. Gesundheit.

=gesuntmakelik,= heilsam, rettend, salutaris.

=ge-suntmaker (-meker),= Gesundmacher, Heiland (von Christus).

=ge-suren,= säuern.

=ge-susterde,= n. Geschwister.

=ge-swat,= n. (Reiter)abteilung, Geschwader, Escadron.

=ge-swel,= n. Geschwulst; bildl. Aufgeblasenheit.

=ge-swenk,= n. Schwank.

=ge-swert,= mit e. Schwerte versehen, bewaffnet.

=ge-swigen,= schweigen.

=ge-swint (-swinde),= adj. und adv. stark, gewaltig, heftig.

=ge-tacht= (part. zu *tekenen),* gezeichnet; gestaltet, beschaffen.

=ge-tal,= n. und m. Zahl; das grosse Doppelhundert (240. 2 × 120).

=gete,= f. Geiss, junge Ziege (sehr selten: hochd.).

=gete-here,= Giessherr, Aufseher des Münzwesens.

=gete-kelle,= Giesskelle.

=ge-telen,= gebären, erzeugen.

=ge-telete,= n. Geburt, Frucht; Geschlecht.

=ge-tellen,= zählen.

=gete-logen,= Lügengiesser.

=ge-telt,= n. Zelt; die Gezelte.

=ge-temen,= geziemen; für ziemlich erachten.

=ge-tên,= ziehen.

=geten,= st. v. giessen; ausschütten.

=geter,= Giesser.

=gete-stên,= Giessstein (Gerät des Münzers).

=gete-werk,= ein gegossenes Werk.

=ge-tide,= n. Zeit; bes. bestimte (wiederkehrende) Zeit; Flutzeit; die kanonischen Horen.

=ge-tidich,= zu bestimter, rechter Zeit.

=ge-timmerte,= n. Bauwerk.

=ge-toch (-toge),= n. Zug.

=ge-togen,= wol-gezogen, züchtig; *g. werk,* eine Art schlechten verfälschten Pelzwerkes.

=ge-togenliken (-tolike),= züchtiglich, geziemlich.

=ge-torden,= part. zu terden = treden.

=ge-touwe (-tow),= n. Geschirr, Gerät jeder Art, bes. Webstuhl.

=ge-trallie,= n. Gitterwerk.

=ge-treck,= n. Zug, Prozession.

=ge-treden,= treten.

=ge-trôst,= getröstet, voll Zuversicht; *quellike g.,* schlecht getröstet = untröstlich.

=ge-trôstich,= voll Zuversicht.

=ge-trôsticheit,= Zuversicht, Mut.

=ge-truwe,= getreu.

=ge-truweheit,= Vertrauen.

=ge-truwen,= trauen, glauben; vertrauen.

=ge-truwen,= n. Zutrauen, Vertrauen.

=ge-tûch,= n. Zeugnis; m. Zeuge.

=ge-tûchnisse,= Zeugnis.

=gêt-vat,= Giessfass.

=ge-twede,= willfährig.

=ge-twiden,= willfahren, gewähren.

=geuwen (gaeuwen), giwen,= sw. v. gähnen, bildl. heftig verlangen nach etwas, hiare.

=ge-vadder,= Gevatter, compater.

=ge-vadderschop,= Gevatterschaft.

=ge-val (-vel, -velle),= n. Zufall; Fall, glücklich oder unglücklich, Ereignis, Schicksal; *van, bi g., per casum; in alle g.,* jedesfalls. 2. Plur. Gefälle, Intraden.

=ge-val,= n. Gefallen, Belieben.

=ge-vallen,= 1. zufallen, zukommen. 2. sich ereignen, sich zutragen, geschehen; u. refl. accidere.

=ge-vangen (-vân),= fangen, gefangen nehmen.

=ge-varlicheit,= Gefahr.

=geve,= was sich geben lässt, *dativus;* annehmbar, lieb, gut, unverletzt, integer.

=ge-vechtich,= fechtend, streitend.

=ge-veddere,= Vetter (bes. Vaterbruder).

=ge-feil,= n. Fehl, Mangel.

=gevel,= m. Giebel; ein Haus mit einem steinern Giebel.

=gev-el-bêr,= Bier, das man bei Festlichkeiten gibt.

=gevel-hûs,= Giebelhaus (Ggs. dwerhûs).

=ge-vellich,= gefallend, angenehm, passend.

=ge-vellicheit,= Gefallen.

=ge-vel-wîn,= Wein, der bei Festlichkeiten (Hochzeiten) gegeben wird.

=ge-ver,= gefährlich, feindlich; *g. werden,* nachstellen.

=ge-verde,= n. 1. Gefährt, worauf man fährt oder vorwärts kommt. 2. Fahrt, Weg. 3. Art und Weise zu fahren, Zug, Aufzug; Art und Weise des Seins, Benehmen. 4. Sache, die so oder so beschaffen ist, Ereignis.

=ge-verde,= m. Gefährte, Genosse.

=ge-verdes,= n. _1. Hinterlist, Betrug; *ane alle g.,* aufrichtig. 2. Gefahr, Gefährdung; *ane g.,* vielleicht._

=ge-verden,= sw. v. gefährden.

=ge-verdich,= fertig, bereit.

=geven,= st. v. geben; *e. sprunk g.,* springen; *de vlucht g.,* fliehen; *rede g.,* Rede stehen, verantworten; übergeben; zugeben. -- *geven up,* schieben auf, Schuld geben; *nicht g. umme,* nicht achten. -- Refl. sich wohin begeben; sich ergeben; *sik g. vor,* sich ausgeben für.

=ge-venknisse,= Gefängnis, Gefangenschaft.

=gevere,= Geber.

=ge-verich,= gefährlich.

=ge-vernen,= entfremden.

=ge-vestenen, -vesten,= fest machen, befestigen.

=ge-vete,= n. Gefäss.

=ge-vinden,= finden.

=gevinge,= 1. Schenkung, Gabe, Übergabe. 2. Datum.

=ge-vinset (-venst)heit, gevinsicheit,= Heuchelei.

=ge-vinsich, -vinsliken,= heuchlerisch.

=ge-vinsiget,= heuchlerisch.

=ge-vinsinge,= Heuchelei, fictio.

=ge-vlien,= ordnen, zurecht legen.

=ge-vliten,= sik v., seinen Fleiss worauf verwenden.

=ge-vôch,= adj. der (oder das) *voge* hat, geschickt; passend.

=ge-vôch,= n. und f. 1. Notdurft, Bedarf; *mîn g.,* soviel ich bedarf, gebrauche. 2. Gebür, Angemessenheit, Schicklichkeit; *mit g.,* füglich, gebürlich.

=ge-vôchachtich,= genügend.

=ge-vôchlik,= füglich, passend, schicklich.

=ge-voden,= füttern, nähren.

=ge-voder,= n. Futter.

=ge-vogelte,= n. alles was fliegt.

=ge-vogen,= fügen; intr. füglich, angemessen sein.

=ge-volch,= n. Folge, Befolgung.

=ge-volchnisse,= Folge, Kriegsfolge; Gehorsam.

=ge-volelik,= fühlend, tastend.

=ge-volen,= fühlen.

=ge-volgich, -volchlik, -volgechtich,= folgsam, gehorchend.

=ge-volik,= gefühlig, voll Gefühl.

=ge-vri, -vrig,= frei.

=ge-vroden,= einsehen; verständig sein.

=ge-vrunden,= sik g. to, sich mit jemand befreunden.

=ge-vuricheit,= Feurigkeit.

=ge-wach,= Erwähnung, Gedenken; Bedenken.

=ge-wach,= n. Gewicht.

=ge-wachten,= erwarten, warten auf.

=ge-wade,= n. Eingeweide.

=ge-wade,= n. Gewand, = gewât.

=ge-wagen,= st. v. gedenken, erwähnen, sprechen von.

=ge-wagen,= s. ge-wegen.

=ge-walt,= s. ge-welde.

=ge-wân,= Bedenken; Besorgnis, Furcht.

=ge-wandelen,= ändern.

=ge-wane= = gewone.

=ge-wanen,= fehlerhaft sein *(wan* haben); *mi g.* etwas, ich finde Mangel, Bedenken wobei.

=ge-want,= 1. zugewandt, zugethan, zugehörig, Anhänger. 2. bewandt, beschaffen.

=ge-wantstricker,= Gewandweber.

=ge-wapen,= n. Waffen.

=ge-wapen,= bewaffnet.

=ge-wâr,= wahrhaft.

=ge-war (?)= Ware?

=ge-warden,= warten, besorgen.

=ge-wart,= der eine *ware (warandiam)* in der Gemeindemark hat, Markgenosse.

=ge-ware werden,= gewahr werden.

=ge-waren,= versichern; Bürge wofür sein.

=ge-warich,= wahrhaft.

=ge-warlike,= wahrlich.

=ge-warten,= (mit Dat.) aufwarten, dienen.

=ge-was,= n. Wachstum; das was gewachsen ist.

=ge-wât,= n. Gewand, Kleidung.

=ge-wech,= m. Weg.

=ge-wedde,= n. das an den Richter fallende Strafgeld.

=ge-wedden,= das Gewedde, die Busse dem Richter zahlen.

=ge-wede,= n. = *gewât,* Kleidung, Ornat.

=ge-wegen,= gewichtig; gewogen, günstig.

=ge-weg(g)en,= bewegen.

=ge-weide,= Weide.

=ge-weigeren,= verweigern.

=ge-welde (-welt, -walt, -wolt),= _n. und f. 1. Gewalt, Gewaltthat. 2. Herrschaft; Macht, Geltung._

=ge-welden, -wolden,= walten, Gewalt über etwas haben.

=ge-welde-, gewalt-nemer= = geweldenere.

=ge-weldenere,= der Gewalt verübt.

=ge-weldich, -waldich, -woldich,= der Gewalt über etwas hat; mit grosser Macht; Bevollmächtigter.

=ge-weldichliken,= mit Gewalt.

=ge-(wel)waldigen,= sw. v. überwältigen.

=ge-welik, -wellik,= jewelch, jeder.

=ge-weltlik,= gewaltsam.

=ge-welven,= wölben.

=ge-welft,= n. Gewölbe.

=ge-wende,= (Pflugwende), Gewann, Acker, Ackerbreite (centum passus; fundus sexaginta decempedum).

=ge-wenden,= wenden.

=ge-wêne,= das Geweine, Weinen, fletus.

=ge-wenen,= s. gewonen.

=ge-wenge,= Sandstein zu Thür- und Fenstereinfassungen?

=ge-werde, -wert, -wer,= n. und f. Wert.

=ge-werden,= werden.

=ge-werden= = ge-weren, Gewähr leisten.

=ge-werdich= = gewert, wert.

=ge-werdigen,= sw. v. für wert, würdig halten; refl. es nicht für unwert oder geringe achten, nicht verschmähen, geruhen.

=ge-were,= gewärtig (treu und gehorsam).

=ge-were,= m. Gewährsmann.

=ge-were,= f. rechtskräftig gesicherter Besitz, Besitzrecht und (concr.) Besitz.

=ge-were,= f. 1. Wehr und Waffen. 2. Wehre, Verteidigung.

=ge-weren,= wehren, verteidigen.

=ge-weren,= _sw. v. gewähren (mit Acc. d. P. und Gen. d. S.); *geweren laten,* unbehindert thun lassen._

=ge-weren, -waren,= sw. v. 1. Gewährsmann sein, wofür gut sagen, dass es fehlerfrei ist (mit Dat. d. P. u. Gen. d. S.). 2. darthun, erhärten; wahr machen, beglaubigen. 3. währen, den Münzgehalt schätzen; überh. schätzen, wardieren.

=ge-wereschap,= Gewährschaft.

=ge-weringe,= Währung.

=ge-werpen,= werfen.

=ge-werre,= Unruhe, Streit, Aufstand.

=ge-wert,= wert (vom Preise); überh. wert, würdig.

=ge-wert= = gewart, mit einer Berechtigung zu Nutzungen versehen.

=ge-werf, -werve,= s. *werf, werve,* n. -- Steuer, Abgabe, bes. die bei Übergangdes Besitzes in eine andere Hand an den Lehnsherrn gezahlt wird = hant-gewin.

=ge-wesen,= sein.

=ge-wete,= n. Wissen.

=ge-weten,= wissen.

=ge-weten,= Gewissen.

=ge-wetenheit= = geweten.

=ge-wilde,= wild.

=ge-wiltnisse,= Wildnis.

=ge-wille,= Wille.

=ge-willich,= freiwillig; eifrig, feurig.

=gewin,= m. und n. 1. Gewinn. 2. Pachtung.

=ge-winnen,= durch Anstrengung, Mühe, Rechtsverfahren etc. etwas erlangen; überh. bekommen, herbeischaffen.

=ge-winst,= m. Gewinn, Nutzen.

=ge-wint,= was zum Winden oder Binden dient, z. B. Weidengerten.

=ge-winteren,= sw. v. den Winter durchhalten.

=..gewise,= ..-weise, z. B. *amptsgewise, râtsgewise* u. s. w. *nenerley gewise,* keinerleiweise, nequaquam.

=ge-wisse,= adv. sicherlich.

=ge-wissicheit,= Sicherheit, Festigkeit.

=ge-wît,= Vorwurf.

=ge-witticheit,= das (Mit)wissen, conscientia.

=ge-witschap,= Bestätigung.

=ge-wittigen,= sw. v. benachrichtigen.

=ge-wone(n), -wane(n),= gewohnt.

=ge-wonen (-wenen, -wanen),= sw. v. gewöhnen und sich gewöhnen.

=ge-wônte (-wânte),= f. Gewohnheit.

=ge-wontlik,= gewohnt.

=ge-wormte,= n. Gewürm, Ungeziefer.

=ge-wrechte,= n. Einzäunung, Einfriedigung.

=ge-wroch,= Tadel, Rüge.

=ge-wunder,= n. Verwunderung.

=gewunnen u. ungewunnen,= (vom Lande) bearbeitet und unbearbeitet.

=ge-zirte,= n. Schmuck.

=gi= = ie, immer, je.

=gicht= = icht.

=gicht,= f. Zugeständnis, Aussage, Bekenntnis, Eingeständnis.

=gicht,= f. Gicht, paralysis.

=gichtaftich,= gichtisch.

=gichten,= sw. v. bekennen, aussagen, gestehen; bezeugen, besichtigen (vom Arzte).

=gichtes,= s. ichtes.

=gichthure,= Miete, Zins als Anerkenntnis des Herrn, s. g. Recognition?

=gichtich (jichtich),= 1. eingestehend, bekennend; *g. munt,* Geständnis. 2. eingestanden, offenbar, notorisch; *g. here,* der sich als Herr (zu einem Gute) bekennt und anerkannt ist.

=gichtich,= gichtisch, gichtbrüchig.

=gichtich= = giftich, giftig, erbost, heftig.

=gichtinge,= Bekenntnis, Zugeständnis; Bezeugung.

=gichtwort,= Aussage, Zeugnis.

=gielsicheit= = gulsicheit.

=gien= = gên (jên), gestehen, bekennen.

=giessel,= Glat-eis, Reif-, Hagel-, Eisregen.

=giflik= (= ichlik), jeder.

=gift-brêf,= Schenkungsurkunde.

=gifte,= f. 1. Gabe, bes. Vermächtnis. 2. Abgabe. 3. Handvoll. 4. Datum.

=giften,= sw. v. geben; veräussern.

=gifthatich,= Gaben hassend, unbestechlich.

=giftich,= was gegeben wird und gegeben werden darf, *dativus;* vom Gelde: gäng und gebe, vom Fleische und andern Dingen.

=giftigen,= sw. v. geben, schenken.

=giftinge,= Gabe.

=giftsuchtich,= der Gaben sucht, gierig.

=gigel,= f. Geige.

=gik= = juk, ju, euch.

=gîl,= m. Kehle, Schlund.

=gîl,= Begehren, Gier, Verlangen, Bettelei.

=gilde,= f. und n. 1. Gesellschaft, Brüderschaft, bes. der Kaufleute und Handwerker. 2. Gildeversamlung, Gildeschmaus (in dieser Bed. gew. n.). *dat g. denen,* den Schmaus ausrichten für die Gilde. 3. das Gildevermögen.

=gilde,= m. Mitglied einer Gilde.

=gilde-bêr,= Gilde-gelage, -schmaus.

=gilde-broder,= Gildebruder, -mitglied.

=gilde-bule (-bole),= Gildebruder.

=gilde-lach,= Gildegelage.

=gilde-lecht,= Kerze der Gilden (bei Prozessionen).

=gilde-mester,= Innungsvorsteher.

=gilden,= sw. v. den Gewichtsgehalt angeben, wägen, ponderare?

=gilde-schop,= Gilde; Gildeschmaus.

=gilde- (gilt-, gil)stove, -stave,= _Gildestube; Versamlung der Gilde, die Gilde selbst._

=gilde-suster,= Gildegenossin.

=gilen,= sw. v. begehren, haben wollen, betteln.

=giler,= Bettler.

=gilferen,= sw. v. gelfern, laut schreien, heulen.

=gille,= gellend, laut.

=gillen, gellen,= sw. v. laut schreien.

=giltgelt,= Gült-, Zinsgeld? oder: gültiges Geld?

=gim,= ihm und ihnen.

=gîn= = nîn, kein.

=ginden?=

=ginder (gindert, ginner, gender),= dort.

=ginen,= st. v. schneiden, verschneiden, castrare.

=ginge= = genge, gangbar.

=ginge?=

=gingeber,= Ingwer.

=gink,= m. 1. Gang, Mal. 2. Gehen, Art und Weise.

=gink(h)aftich,= gänge und gebe; gangbar (von einem Wege).

=ginnen= = beginnen.

=ginnich= = jenich.

=gint,= dortig.

=gint (genten, jint),= adv. dort.

=gippelt,= dumm, thöricht.

=gir= und =ger,= gierig, strebend nach etwas.

=gir,= m. Begierde.

=gîr,= Gildehaus, Gesellschaftshaus, wo getanzt und geschwärmt wird?

=gire,= m. Geier; bildl.: Geizhals.

=giren,= sw. v. Gier nach etwas haben.

=giren,= _sw. v. laut schreien oder tönen, *strepere* (von Schweinen, knarrenden Thüren etc.)._

=girer,= Gieriger, Habsüchtiger.

=gîr-gût,= Gut, das begehrt wird, Mammon.

=gîr-hals,= Geizhals.

=giricheit,= Gierigkeit, Geiz.

=girichliken,= gierig.

=gîr-liken,= gierig.

=gîr-mage,= Geiermagen; bildl.: Habsüchtiger.

=gisch,= m. das Schlucken, Schluchzen, singultus.

=gischen,= sw. v. schlucken, schluchzen, singultire.

=gischinge,= Schlucken.

=gise,= m. Geisel, obses.

=gisel,= m. Geisel, der sich mit seiner Person verbürgt; n. Einlager, obstagium.

=giselere,= Geisel, obses.

=gislik (guslik)= = islik, jeder.

=gisse,= f. Mutmassung, Vermuten, Raten. *na der g.,* aufs Gerate-wol, nach Gutdünken.

=gissen,= sw. v. mutmassen, vermuten, raten; ausdenken; *buten g.,* wider Vermuten.

=gisser,= Mutmasser, conjector.

=gissinge,= Vermutung, ungefähre Schätzung.

=git,= orthisis (wachtelen-wete, Wachtelweizen), Mannareis, Mannagrütze? Schwarzkümmel?

=git,= etwas (= icht).

=gitto,= bereits, schon, jetzt, s. jutto.

=gladde,= Bleiglätte.

=glans,= glänzend, blendend schön.

=glansinge,= das Glänzen.

=glar,= das aus den Bäumen quillende Harz, gummi.

=glaren,= sw. v. glühen.

=glarren,= sw. v. harzen, mit einer klebrigen Masse überstreichen.

=glas,= n. Glas; bes. zu Gefässen verarbeitet, Glas, Trinkglas; spec. Uringlas; Stundenglas.

=glase-rik,= Borte, worauf die Gläser gestellt werden.

=glase-venster,= Glasfenster.

=glase-werchte, -wert, -werter,= Glasarbeiter, Glaser.

=glase-werk,= das Glasergewerk, -Amt.

=glas-oge,= d. i. ein Auge mit glasähnlichem Ringe um den Stern.

=glas-schume,= Glasschlacke.

=glast,= m. Glanz.

=glat,= glatt, schlüpfrig.

=glate,= f. Glatze (a. d. Hochd.)

=glave,= s. gleve.

=glaven,= sw. v. graben, meisseln, sculpere.

=glede,= Glätte, Blei-schlacke, lithargyrum.

=glede,= m. das Gleiten; *den g. nemen,* herab-, heruntergleiten.

=glemen,= Lehm, Thon.

=glenien, glenige,= falsche Lesung für glevien, glevige.

=glenze,= s. gletze.

=glenze,= f. Glanz.

=glepe, glippe,= Ritze, Spalt; eine Art schräger Steine.

=glepe, gleppe,= schief, schräge.

=glep-, glipoge,= der halbgeöffnete, schielende Augen hat, der lauernd von der Seite sieht; Name des Teufels.

=glepinge,= Abschüssigkeit?

=glesen,= von Glas, gläsern.

=gletze,= langer Spiess.

=gleve (glave, gelave, gleive, glevie, glevi(n)ge),= f. Stahlspitze der Lanze, die Lanze selbst. 2. berittener Krieger mit Bedienung (Knecht u. Junge).

=glevien-, glevingstake,= Lanzenschaft, überh. Stange.

=(glevien), gleving-iser,= Lanzenspitze.

=glevien-vorer,= Lanzenführer, -träger.

=glibberich,= glatt, schlüpfrig, lubricus.

=gliden,= st. v. gleiten; sich (rasch) gegen etwas hin bewegen.

=glimmen,= st. v. glimmen, glühen.

=glimmendich,= glimmend, glühend.

=glinsen,= sw. v. glänzen.

=glinsicht,= (schlüpfrig) glänzend.

=glinsteren,= sw. v. glänzen, funkeln.

=glinsterlik,= funkelnd.

=glint,= n. Einzäunung, Stacket, nam. bretterne Einfassung, Lattenzaun, *seps; circumsepta.* Mühl-, Rad-, Wasserkasten.

=glintmure,= Einfassungsmauer.

=glinzen= u. =glinzeren,= sw. v. schimmernd glänzen, micare; scintillare.

=glip-oge,= s. glepoge.

=glippen,= sw. v. gleiten, glipfen; *g. laten,* bildl.: geschehen lassen.

=glipperich,= schlüpfrig.

=glip-stên,= Schrägstein.

=glischen (glüsken),= sw. v. glitschen, gleiten.

=glis(s)en,= sw. v. gleissen, glänzen.

=glis(s)enaftich,= gleissnerisch. Adv. -aftigen.

=glis(s)enere,= Gleissner, Heuchler.

=glis(s)enheit,= Gleissnerei, Heuchelei.

=glis(s)erie,= Gleissnerei.

=glis(s)ern,= gleissnerisch.

=glissink,= Schleier, velamentum mulierum.

=glistern= = glinstern, sw. v. glänzen.

=glitze= (= gletze), f. Speer, Lanze.

=glifenel (glefenel)= = gleve.

=glo,= s. glu.

=glode,= eine Art Eisen.

=gloi,= glühend.

=gloien, glogen,= sw. v. 1. glühend machen. 2. intr. glühen.

=gloiendich, glogendich (gloen-, glodich, gloinge, glogich, glolich),= glühend.

=gloi-hêt,= glühendheiss.

=glomen,= sw. v. aufrühren, trübe machen.

=glomich,= aufgerührt, trübe, unklar.

=glosen,= sw. v. glimmen, glühen.

=glosen,= sw. v. achten, merken?

=glôt,= glühende Kohle, pruna.

=glotze (glosse), klotze (klosse), gallotze,= f. grober Schuh, Überschuh, Pantoffel, Galosche.

=glotzenmeker,= Pantoffelmacher.

=glue (glo, glei),= glänzend, leuchtend.

=glum,= unter der Asche glimmendes Feuer.

=glumeke,= im Dunkeln leuchtendes Holz, glos.

=glumende,= tückisch, bösartig.

=glump= (= slump?) unverhoffter Gewinn.

=glûp,= tückisch, lauernd.

=glupelinges,= tückisch, meuchlings.

=glupen,= sw. v. einen heimlichen Blick mit halb geöffneten Augen thun, lauern, heimtückisch sein.

=glupesch,= heimtückisch, hinterlistig.

=glûp-hore,= heimliche Hure.

=glûp-toge,= heimlicher Streich; concr. heimlicher Schläger.

=glure?=

=gluren,= sw. v. blinzeln, lauernd blicken.

=gnabben,= sw. v. durch kurze, abgebrochene Laute seine Unzufriedenheit äussern.

=gnade,= f. 1. Ruhe. 2. die gnädige Gesinnung eines höhern gegen einen niederen. 3. Gunst, Vergünstigung, Privilegium.

=gnaden,= sw. v. gnädig sein.

=gnagen (knagen),= st. und sw. v. nagen.

=gnaginge,= das Nagen.

=gnarren,= sw. v. knurren.

=gnauwen= = gnabben, sw. v. knurren.

=gnesen,= sw. v. den Mund verziehen zum Lachen.

=gnetlik,= d. i. *g(e)nedelik,* gnädig.

=gnidel-, gnidestên,= Glättstein, ein glatter Stein oder glatter Glasklumpen zum Plätten der Wäsche.

=gniden,= st. v. reiben; glätten, plätten.

=gnist,= Räude, Hautausschlag.

=gnisteren (knisteren),= sw. v. knirschen, stridere.

=gnitte,= eine Art kleiner Mücken.

=gnittericheit,= übelste Laune, mürrisches Wesen.

=gnittert,= sehr übel gelaunt, mürrisch, bärbeissig, tyrannisch.

=go= (meist n.) Gau, bes. der Gaugerichtssprengel; die zu einem Gaugerichte versammelten Dingleute.

=gobe-, gabelate, -lette, -litte,= kleiner Becher, gobeletus.

=gôch, gôk,= m. Gauch, dummer Mensch, eig. Kuckuk.

=gochelie= = gokelie, Gaukelei.

=goddesch,= Gott geweiht.

=gode, gade,= Taufpathe.

=godebrukelik,= gottesfürchtig.

=gode-gekresemet,= gottgesalbt.

=gödeken,= eine Art Bier.

=godelovich,= gottesfürchtig.

=godensdach,= s. gudensdach.

=goderlink,= gutgeartet, vortrefflich? -- Auch Name einer Apfelsorte.

=godesbegeven,= der sich Gott ergeben und der Welt entsagt hat.

=godes-bode,= Gottesbude, d. h. kleines Haus, in dem man um Gottes Willen (ohne Miete, umsonst) wohnt, Armenwohnung.

=godes-dênst,= Gottesdienst.

=godesgelt= = godespennink.

=godesgift,= Gabe an fromme Stiftungen.

=godes-hant,= kurzförmige Hündleinwurz, palma Christi.

=godes-hûs,= 1. Gotteshaus (als Gebäude). 2. Stift, Erzstift. 3. milde Stiftung überh.

=godes-kaste, -kiste,= _Gotteskasten, d. i. milde Stiftung für Arme._

=godes-lude,= Kirchenvorsteher, Kirchengeschworne.

=godes-pennink,= Handgeld, insofern es ursprünglich gottesdienstlichen Zwecken oder den Armen zu Gute kam: denarius sanctus.

=godes-perdeken,= Gottespferdchen (Heuschrecke, Grashüpfer).

=godes-scho,= Gottesschuh, d. h. um Gotteswillen, zum Besten der Armen gegeben.

=godes-vergeten= (= andorn), marrubium vulgare.

=godes-want,= Gewand, um Gotteswillen, zum Besten der Armen gegeben.

=godes-woninge,= Haus für die Armen.

=gode-vruchterne,= gottesfürchtig.

=gode-vruchtich,= gottesfürchtig.

=go-dink,= 1. Gau-gericht. 2. Gaugerichtsbezirk.

=go-dinkendach,= Tag des Gaugerichtes.

=goge, goje,= s. ga.

=gogelsch,= gauklerisch.

=go-gericht,= Gau-gericht.

=go-greve,= Gaugraf, Vorsitzender des Gaugerichts.

=go-hônre,= Gauhühner, Zinshühner; pulli judiciales.

=gokelen,= sw. v. Gaukelei treiben.

=gokeler,= Gaukeler.

=gokel-sak,= Gaukelsack.

=gokel-spel,= Gaukelspiel.

=golde,= eine Pflanze, adera; affodillus.

=goldeke,= Goldblume, calendula offic.; solsequium majus.

=goldemer,= Name eines Geistes.

=gole (goel),= m. und f. Sumpf, feuchte Niederung, mit Weiden oder schlechtem Holze bewachsen.

=golt,= n. Gold. *to golde gân,* von der Sonne: untergehen (in den goldenen Abendhimmel).

=golt-amer,= Goldammer, aurificeps.

=golt-sleger,= Goldschläger.

=goltfîn,= aurugo (Goldschaum).

=golt-tal,= Goldwährung.

=golt-var,= goldfarbig.

=golt-vel,= Goldblech.

=golt-werk,= Goldarbeit.

=golt-wicht,= f. Goldwage.

=golt-wilster,= goldene Spange?

=golt-wort,= Goldwurz, celidonia.

=gôm (goum),= Sorge, Sorgfalt; *g. nemen up,* seine Sorge, sein Streben auf etwas richten; Acht worauf haben.

=gomen,= sw. v. worauf achten, wornach trachten (mit Gen.).

=gôr,= Maulwurf.

=gorde,= m. Gurt, Gürtel.

=gordel,= n. (selten m.) Gürtel.

=gordelen,= sw. v. gürten, binden; einen Gürtel um etwas ziehen (z. B. Bäume gürtelförmig abschälen).

=gorden,= sw. v. gürten; einen Gürtel, Kreis um etwas ziehen.

=gore= (= gere), Gährung und der sich dabei entwickelnde starke Geruch; Mistpfütze.

=gorgelen,= sw. v. gurgeln.

=gorgelinge,= Gurgeln.

=gorgelstrote (-strate),= Kehle.

=go-recht,= Gaugerichts-recht.

=gorre, gurre,= Stute, equa.

=gorte,= f. Grütze, Brei von Grütze.

=gortemaker,= Grützmacher.

=gorteseller,= Grützverkäufer.

=gortzingel,= Bauchgurt der Pferde.

=gorunge= = gore? (Als Übersetzung des Höllenflusses Styx).

=gôs (gûs),= (Plur. *gose, ganse, gense*), Gans.

=gôs-arent,= (Gänseadler), (Hasen)geier.

=go-schap,= Gauschaft. 1. Amt eines *go-greven.* 2. Bezirk, Gaugrafensprengel. 3. das im Gau geltende Recht.

=gosche,= Einfaltspinsel.

=gosekaven,= Gänsestall.

=gose-, gansekrose,= Gänsegekröse, Gänseklein, pluriplarimentum.

=gose-smolt,= Gänseschmalz.

=gose-vôt,= Gänsefuss (als medic. Instrument).

=go-sprake,= Gaugericht.

=gosselen,= Gänschen, aucula.

=got (gode, godde, gade),= Gott; *de leve g.,* die Hostie. -- Der Gen. *godes* dient zur Verstärkung nam. eines adject. Begriffes.

=gôt,= s. gût.

=gote,= _f. 1. das Giessen, der Guss. 2. Gosse, Renne, Abflusskanal._

=gote-kalk,= Gusskalk.

=gôtgôt?= sehr fromm, gottesfürchtig?

=gotschowelik,= Gottes ansichtig.

=gotsene!= Interj. bei Gott!

=got-vorgeter,= der Gottes vergisst, gottlos.

=gouwe, gauwe,= rasch, schnell; der rasch und schnell begreift, klug.

=gouwicheit,= Raschheit (des Verstandes), Klugheit, List.

=go-wise,= Weise des Gaugerichtes.

=grabben,= sw. v. schnell fassen, raffen.

=grabbusie,= das Raffen.

=gracht,= s. graft.

=grade,= f. Gräte; Knochen.

=grade= (= gerade), rasch, schnell.

=graf,= n. Grab.

=graft, gracht,= f. 1. Grube, Graben, Kanal, bes. Stadtgraben. 2. Begräbnis und Begräbnisplatz.

=graftikel?= Grabstichel, Stift.

=gral, gralle,= zornig, böse.

=gral,= m. Groll, Zorn, Unwille.

=grâl,= _m. Lerm, Schall, Herrlichkeit, Pracht; lermende Fröhlichkeit, Festlichkeit im Freien, Spiel mit Tanz und Turnier._

=gralen,= sw. v. lermen; den Gral feiern.

=gram,= feindselig erzürnt, grimmig.

=gram,= m. Grimm, Erbitterung, Zorn.

=gram,= f. Grummet, Nachmat.

=gramen, grammen,= sw. v. ärgerlich, zornig sein.

=gramicheit,= Erbitterung.

=gramsalicheit,= Erbitterung.

=gramschop,= Unwille, Erbitterung.

=gran= (Dem. *graneken),* Ährenspitze, Granne; Barthaar an der (Ober)lippe.

=gran,= Gewichtsstück (1 karat = 4 gran, 1 gran is 3 grên).

=grande,= gross, grandis.

=graner, grânder,= Kornboden, -söller, granarium.

=grangie,= f. Kornscheune.

=granschen?= untersuchen?

=gransen,= sw. v. die Zähne weisen.

=granten,= sw. v. gierig nach etwas sein.

=grape,= s. grope.

=gras, gres,= n. 1. Gras. *bi grase, bi stro,* d. h. im Frühjahr (Sommer), im Herbste (Winter). 2. Grasland, Weide. 3. ein bestimtes Ackermass (¾ Diemath, ½ Jück).

=grashof,= Baumpflanzung, Lustgarten, viridarium.

=grasinge (gressinge),= Grasung; Graswachstum, Grasland.

=gras-lehe,= Sense zum Grasmähen.

=gras-spîr,= Grashalm.

=grassatum gân= = gassatum (gassatim) g., die Gassen müssiggängerisch auf- und abgehen (student. Ausdruck).

=grasvallende,= auf das Gras, die Erde fallend (von Gliedern, die ganz abgefallen sind).

=grasvellich,= aufs Gras, die Erde fallend; bildl. zu Boden liegend, niedergeschlagen.

=graswedeme,= Graswitwe, Spottname entehrter und dann verlassener Jungfrauen.

=gras-wische,= Graswiese.

=grât,= (gew. n.) Grad, Stufe.

=grat,= ein (flachsähnliches) Kraut.

=grave,= m. Graben.

=grave-mester,= Grabenmeister.

=graven,= st. v. 1. graben, grabend machen. 2. begraben. 3. eingraben. 4. aufgraben.

=gravinge,= das Graben, sculptura.

=grawe (gra, grau),= grau.

=grawen,= sw. v. grau werden.

=grawen,= sw. v. vomieren, nauseare.

=gra-werk,= feines, graues Pelzwerk.

=greignard,= Murrkopf (frz. grognard).

=greke,= Grieche; *grekenlant,* Griechenland.

=grekesch,= griechisch; *g. haw, fenugrecum (Trigonella); g. pek,* Kolophonium.

=grelle,= ein eisernes Instrument, Stange, Speer, tricuspis.

=grellen,= sw. v. in Zorn setzen.

=grellich,= ergrimmt, erbittert.

=greme,= Griebe, *cremium?* Schmutz, Unreinigkeit?

=gremenisse, gremense,= Verdruss, Grimm, Schmerz.

=gremesch,= grimmig.

=gremeschop= = gramschop.

=gremete= = gridenisse?

=gremich,= grimmig.

=gremmen,= sw. v. zum Zorn reizen, grimmig machen.

=grempelen,= sw. v. krämpeln (Wolle etc.)?

=grempeler,= Kleinhändler, Krämer.

=grên (grein),= m. Korn, Samenkorn, Sandkorn; das kleinste Gewicht (*1 gran is 3 grên*); Kermesbeere, Scharlachfarbe, granum tinctorium.

=greneken,= sw. v. greinen, lachen, subridere.

=grênen, greinen,= sw. v. mit *grên* färben.

=grense (grentze, grenitze),= f. Gränze.

=grensen (gransen),= sw. v. 1. grinsen, den Mund verziehen. 2. grunzen.

=grensink,= herba potentilla.

=grensink,= eine Art Bier (= grusink?)

=grepe (gripe),= _m. 1. Griff, Handhabe, Werkzeug zum Anfassen, (Mist)gabel. 2. abstr. Griff; Kunstgriff, Kniff u. Pfiff. -- Als fem. Gallion des Schiffes?_

=grese,= Schauder, Grausen.

=greselhaftich,= zusammenfahrend; von Flüssigkeiten: zu gefrieren, zu gerinnen beginnend.

=greselicheit,= Schauder, Entsetzen.

=greselik,= Schauder erregend.

=gresen,= sw. v. schaudern.

=gresinge,= Schauder, Fieberfrost.

=grêt,= Sandkorn, Meeressand (?).

=grêt,= f. Wiese, Weideland (Groden).

=gretten, grotten,= sw. v. zum Zorne reizen.

=gretter,= Anreizer zum Zorn.

=grettich,= erzürnt.

=grettinge,= Anreizung zum Zorn.

=greve (grive),= m. 1. Griebe, was vom ausgebratenen Fleische, Fette, Schmalz etc. übrig bleibt. 2. alles, was dürr und trocken geworden, siccamentum.

=greve (grave),= Graf; überh. Vorsteher, in *dink-, dîk-, holt-, licht-, spelgreve* u. a.

=greven= = graven, begraben.

=grevenschat,= Grafenzins, Abgabe an den Grafen.

=grever,= 1. Gräber. 2. Dachs.

=(greve-), gref-rike,= Grafschaft.

=greve-, (graf-)schop,= _1. das Amt, 2. der Amtsbezirk eines *greven.* 3. überh. Vorsteherschaft._

=grevink,= m. Dachs.

=gridenisse= (Dem. vom slav. *grîdna,* grosses Haus?)

=grief,= Kummer, Schmerz.

=grîflachen,= lächeln, spöttisch lächeln, schmunzeln.

=grille= (zu *gral*), Hass, Zorn.

=grimet,= schwarzgestreift, gefleckt.

=grimmen,= st. und sw. v. *gram,* zornig werden.

=grimmen= = klimmen, klemmen.

=grimmeschop,= Grimmigkeit, Zorn.

=grimmicheit, grimheit,= Grimmigkeit.

=grimmichliken, grimeliken,= grimmig.

=grimpe,= eine kleine Art (essbarer) Fische, Gründling.

=grindel, grendel,= m. Querholz, Riegel.

=grindelbôm,= Riegelbaum, Querbalken.

=grindich,= grindig, scaber.

=grinen,= st. v. den Mund verziehen zum Knurren, Winseln, Heulen, Lachen etc.

=griner,= Weiner, Heuler.

=grinnicht,= erbittert, grimmig.

=grinninge,= das Greinen, gannitus.

=grinnink,= ein Tier (welches?), belua.

=grinsen= = grensen.

=grint,= n. Mühlengerinne, Mahl-, Radkasten, Mahlgang.

=grint,= m. 1. Schädel, Kopf. 2. Grind, Schorf.

=grintwort,= rumex acutus (Bethonia off.?)

=grîp,= m. Greif.

=gripech,= räuberisch.

=gripen,= st. v. 1. greifen, angreifen. 2. ergreifen, gefangen nehmen. 3. beginnen.

=gripenwulf= (d. i. *gripende w.,* greifender Wolf), Räuber.

=grîpgirech,= zu greifen gierig, räuberisch.

=grîphaftich,= räuberisch.

=grîp-lâm,= greiflahm, lahm zum Greifen.

=grîs,= weissgrau; Greis; und schaudernd ängstlich (zu grisen = gresen).

=grîs,= grober Sand, Kiessand.

=grisen,= sw. v. greis, grau werden; und = *gresen,* schaudern.

=grîsgramen,= sw. v. mit den Zähnen knirschen.

=grisliken= = greseliken.

=gristel,= Knorpel.

=grode,= m. Wachstum; angewachsenes od. bewachsenes (begrüntes) Land (von frisch eingedeichtem Neulande).

=grof,= gross, stark, gewaltig (ohne tadelnden Nebenbegriff); plump, unfein, schlicht. -- Als adv. sehr, stark, gröblich.

=grofgrön, groffgrein,= _frz. *gros grain,* ein Kleiderstoff, Sayen (grobkörnig?),_ subsericum.

=grofheit,= Grobheit.

=grof-, grovelik,= stark, gross; adv. grofliken.

=grofroggen,= grober, gewöhnlicher Rocken (nicht gesichtet).

=grofstuck,= eine Zahl von 144?

=grogicheit,= Wachstum.

=groien (groen, grogen, grugen),= sw. v. wachsen, zunehmen.

=groiinge,= Wachstum.

=grone,= f. Grünheit, viror.

=grone,= grün; bildl.: frisch, nicht zubereitet (von Fleisch, bes. Fischen, nicht eingesalzen noch geräuchert); *de grone donerdach,* Donnerstag vor Ostern, und auch nach Ostern.

=grone,= begierig nach etwas, petens (gronen, petere).

=gronen,= sw. v. grünen.

=grônheit, gronicheit,= Grünheit.

=groninge,= Grünes, viror.

=gronink,= grüner Junge, Gelbschnabel? (Auch Name des Goldammers).

=grônswarde,= grüne Haut, d. i. die mit Gras bedeckte Oberfläche der Erde, bes. der Anwachs jenseits des Deiches.

=grop (grupp, roppe, ruppe),= Quappe.

=grope,= Pfütze, bes. die Mist- und Jauchrenne im Viehstall.

=grope (gropen, grape[n]),= m. Topf, irden oder von Metall.

=gropen,= sw. v. aushöhlen, cavare.

=gropen-, (grapen)-brade,= Topfbraten, Fleisch, das im Topfe gar gemacht ist; Ggs. spet-brade.

=gropengeter,= Topf_-, Kesselgiesser; Kupferschmied._

=gropenscharde,= Topfscherbe.

=gropenspise,= Metall zu Töpfen.

=groper,= Töpfer, lutifigulus.

=grôp-isern,= Hohleisen, Hacke u. dgl., runcina, scalprum.

=grôs(e), grûs,= was in kleine Stücke zerbrochen ist, bes. von Steinen; von Pflanzen: der durch Zerquetschen herausgepresste Saft.

=grosen, grusen,= sw. v. 1. den Saft aus Kräutern pressen. 2. intr. zu *grûs* werden.

=grosinge,= ausgepresster Kräutersaft.

=groslik,= gross, stark; sehr.

=grossel,= unreif, herbe; vom Sommer: nichts zur Reife bringend.

=grosse(n),= m. Groschen.

=grôt, grût,= m., =grote,= f. Gruss.

=grôt,= adj. und adv. gross, gewaltig; viel, sehr.

=grôtbuket, -bukich,= mit grossem Bauche, ventricosus.

=grôtdadich, -dedich,= herrlich, erhaben, magnificus.

=grôtdadicheit,= Pracht, Herrlichkeit, magnificentia.

=grote,= f. Grösse.

=grote,= eine Münze, *grossus (= 5 sware* oder 12 penninge).

=grotede (grotte),= f. Grösse.

=groteke,= Grossmutter.

=groten, gruten,= sw. v. grüssen, ansprechen zur Bewillkommnung etc., ansprechen, auffordern zum Kampfe; Hunde hetzen.

=groten,= sw. v. 1. gross machen, erheben. 2. die Grösse bestimmen, ansetzen, taxieren.

=grote-vader, -moder,= Grossvater, -mutter.

=grôtgunstich,= ein Höflichkeitsprädikat (des 17. Jh.).

=grôtheit,= Grösse; Wichtigkeit.

=grôthere,= Grossvater.

=grôtliken,= sehr, herrlich.

=grôtmaken,= erheben, preisen, magnificare.

=grôtmakinge,= Erhebung, Preis.

=grôtmechtich,= gewaltig.

=grôtmechticheit,= Gewalt, Hoheit.

=grôtmodich,= der grossen *môt* hat.

grôtmodigen, sw. v. grossen Mut machen, anfeuern.

=grôtsamicheit,= Beflissenheit zu grüssen.

=grôt-schene,= Schusterwerkzeug, *concuta;* Ggs. smal-schene.

=grôtspreken,= grosssprechen, pralen.

=grôtweldich,= sehr gewaltig.

=grôtwerdigen,= sw. v. verherrlichen, magnificare.

=grove,= f. Grube, Grab.

=groven= = groien, wachsen; oder = *grof,* stark werden.

=grovinge,= das Graben, Schneiden? (als chirurg. Operation).

=growehake= (= grovehake?) Instrument der Zimmerleute; Hobel?

=grude,= f. heisse Asche.

=grummen,= sw. v. ein dumpfes Getöse machen.

=grumpen,= Überbleibsel von Brod und Speisen?

=grundele, grundelink,= Gründling, piscis fundulus.

=grundelrocke,= serpentaria.

=grunden,= sw. v. ergründen.

=grunt,= f. (selten m.) 1. Grund, Thal, Tiefe, Boden. 2. Grund, Ursache, Sachverhalt. *to grunde,* gründlich, vollständig; *to g. komen,* genau und sicher erfahren.

=gruntbôm= = gruntwerk.

=gruntliken,= gründlich.

=gruntreve,= edera.

=gruntroringe, -rure,= das Berühren des Grundes, Bodens, von umgeworfenen Wagen und Karren, strandenden Schiffen; das Grundruhrrecht, wornach alles, was den Boden berührt, der Landesherrschaft anheimfällt.

=gruntvast,= grundfest.

=gruntvestigen,= grundfest machen.

=gruntwerk,= Mühlengerinne, Anlage bei Mühlen, um das Wasser zu halten und zu leiten.

=grunzer,= Murrkopf, Unzufriedener.

=gruppe,= f. Renne, Grüppe (= grope).

=grusam,= grausam, im Sinne von: heftig, gewaltig.

=grusener,= m. Stück der Rüstung, Waffenrock.

=grusink,= eine Art Bier, Grutbier.

=grût,= f. 1. Porss (Post), wilder Rosmarin, zum Bierbrauen gebraucht. 2. das davon bereitete Bier.

=gruten,= sw. v. Grut(bier) brauen.

=grûthere,= der Ratsherr, der die Aufsicht über das Bier hat.

=grûthûs,= Brauhaus.

=grûtkamer= = grûthûs.

=grutte,= f. Grütze, Grützbrei.

=gruweheit,= das Grauen.

=gruwel,= m. das Grauen, die Furcht.

=gruwelicheit,= Grässlichkeit, Fürchterlichkeit.

=gruwelik,= Grauen erregend, fürchterlich; adv. gruweliken.

=gruweliksam= = gruwelik.

=gruweln,= sw. v. (unpers.) grauen.

=gruwen (growen),= sw. v. (unpers.) grauen.

=gu= = gouw, rasch, schnell.

=gude, guden,= Präter. zu *gên, jên,* bekennen.

=gude (gode, goide, gote),= f. Güte.

=gude holde,= Hausgeister, penates.

=gudelcheit,= Güte, Milde.

=gudeman,= Plur. *-manne, -mans, -lude,* ein Mann im Vollbesitz staatsbürgerlicher Rechte, spec. 1. einer, nach dessen Urteil Schätzungen geschehen und Streitigkeiten beigelegt werden, *fide dignus.* 2. Adlicher, ritterbürtiger Vasall.

=guden,= sw. v. vergüten, entschädigen.

=gudensdach (godens-, guns-, gêns-, gudesdach),= der Wodanstag, d. i. der Mittwoch.

=guderhande,= von guter Art, Abkunft; *g.-h. man, vrouwe,* adlicher Mann, Frau.

=gudertere (-terende),= von guter Art, Beschaffenheit, gutartig, freundlich.

=guderterenheit (-tiricheit, -terlicheit),= Gutartigkeit, Milde, Freundlichkeit.

=guderterliken,= adv. gutartig, freundlich, milde.

=gudich,= gütig.

=gudicheit,= Güte.

=guf,= verschwenderisch.

=gufheit,= Verschwendung.

=guflike,= schnell?

=gûl,= m. Gaul (nicht immer im verächtlichen Sinn).

=gulde,= f. 1. Gülte, Rente, Einnahme; *g. kopen,* die Form, unter der im MA. Capitalien zinslich belegt wurden; *in g. leggen,* zinslich belegen; *mit gulde oder mit rechte,* mit Bezahlung einer Summe Geldes (nach Vereinbarung) oder mit Recht (eidlich); zuweilen = *mit minne edder mit rechte.* 2. Geltung, Wert.

=gule-, goleweke,= septimana, que dicitur g., que est ante Esto mihi.

=gulsich,= gefrässig, gierig, gulosus.

=gulsicheit,= Gefrässigkeit, Gierigkeit.

=gulsichlik,= gefrässig, gierig.

=gume,= Gaumen (selten; hochd.)

=gummen,= in der Anrede, wahrscheinlich = gude man.

=gumpelman,= Narr, mit dem man sein Spiel treibt.

=gundert, gunnert,= jenseits, dort.

=gunkpanne,= der grosse Kessel zum Salzsieden.

=gunne,= Gunst.

=gunnen,= unr. gönnen; *wol g.,* wol wollen (auch ohne wol).

=gunner,= Gönner, Helfer, Anhänger.

=gunnich,= günstig, förderlich.

=gunsel, gunseln,= sw. v. winseln, wimmern.

=gunst,= m. und f. Gunst; Erlaubnis.

=gunstach= = gudens-, godensdach, Mittwoch.

=gunsthaver,= Hafer, der (als Emolument) gewährt ist.

=gunstich,= günstig.

=gunstlik,= günstig, freundlich. -- Adv. gunst-, gunstichliken.

=gunt (gent, genten, jint),= dort; =gunthen,= dorthin.

=gunteke,= Schenkgefäss, Krug.

=guslich,= jeglich.

=gust,= unfruchtbar, vom Lande wie von Tieren, sterilis, effetus.

=guster-net,= Netz, um den Fisch Guster (Blieck, Blicke, *cyprinus Blicca)* zu fangen.

=gustlinge,= eine Art Hering.

=gut,= Plur. *guden,* Prät. von *gehen, jehen, jên,* bekennen.

=gût, gôt,= gut; *gût tît,* früh; *gût kôp,* wohlfeil; *gude man* s. o. -- *gût, beter sîn,* hoch, höher sein an Wert, sich belaufen (von einem Verlust, Schaden etc.). -- *g. sîn vor,* Bürge sein wofür, haften; *g. dôn,* beweisen, *probare; it gerne gût sên,* wünschen, dass etwas friedlich verlaufe oder gut ausfalle.

=gût, gôt,= n. das Gute; *to gude werden,* helfen; Gut, Vermögen, Besitz, bes. Vieh.

=gûtdât,= beneficium.

=gûtdedich,= wolthätig, gnädig.

=gût-dunkelheit,= Hypokrisie, Heuchelei.

=gût-dunkelich,= sich gut dünkend, heuchlerisch.

=gûtgedunkent,= Gutdünken.

=gûtheil,= Mistel.

=gûthere,= Gutsherr.

=gûtlicheit,= Güte.

=gût-, gude-, gôt-, godelik,= gütig, wolwollend, freundlich. Adv. gût-, gôtliken.

=gûtlôs,= güterlos, arm.

=gûtsalich,= beglückt, glückselig.

=gûtsam,= gut.

=gûtseggen,= versprechen.

=gûtwille,= Freundlichkeit.

=gûtwillich,= freundlich.

=gwitte?= Ziegenfell?

H.

=hachgarn,= (in der Weberei) Längsende des Gewebes? (das das Gewebe hegt, begrenzt?)

=hachte,= f. 1. Haft, Anspruch, Berechtigung. 2. Gefängnis.

=hachten,= sw. v. 1. haften, *haerere.* 2. trans. verhaften.

=hachtûn,= s. hagetûn.

=hack(e),= n. Gehacktes, Fricassee; *h. unde mack,* Gerümpel, niedriger Pöbel.

=hackebret,= Hackbret; musik. Instrument.

=hackelblock,= Haublock.

=hackekaf,= gehackte Spreu, Häcksel.

=hackele,= ein Kraut, eradia (?).

=hackelse,= n. Häcksel.

=hacken,= sw. v. 1. hacken; *darin h.,* allerlei Einwendungen machen. 2. die Hände zusammenschlagen, complodere.

=hackestapel,= Haublock, -klotz.

=hackstên (hachstên),= eine Art Dachstein?

=haddinge,= contr. aus *hav(e)ding = hovetlink,* Häuptling.

=haderhaftich,= zanksüchtig.

=haderinge,= Zank.

=hadermetze,= zanksüchtiges Weib.

=hader- (heder-, hidder)netei,= archangelica, Brennessel.

=hadewulle,= Heede.

=haf,= n. Meer, See.

=hafdîk,= Deich gegen das Meer, Hauptdeich.

=haffen (affen), haven,= sw. v. behandeln, manu tractare.

=haffen (affen),= sw. v. verhöhnen, zum Besten haben, illudere.

=haften,= sw. v. gebunden, befestigt sein.

=haft-gelt, -pennink,= Unterpfand, arrha.

=hage= = age, scharfe Spitze.

=hage, hagen,= f. und m. Hecke, lebendiger Zaun.

=hageboke,= Hage- (Hain)buche.

=hage-, (hagel)busch,= Dorngesträuch, dumus.

=hagedrose,= Leistendrüse, Inguinaldrüse, *inguen;* überh. (geschwollene) Drüse.

=hagelgans,= Wasser-, Schneegans, *fulica;* (u. *mullis, mullus,* Birk-, Haselhuhn).

=hagelhovich,= (von Pferden) strupphufig, strupprauh.

=hagelschot,= Kugeln in Grösse von Hagelkörnern, Schrot.

=hagelspende,= milde Gabe zur Abwehr von Hagelsnot.

=hagelsprake,= Besprechung, Zusammenkunft? (zu *hagen,* belieben, oder zu hegen?)

=hagelstên,= Hagel, Schlosse.

=hagelvire,= Hagelfeier, Fest gleich nach Himmelfahrt oder Pfingsten (Bittgang zur Abwehr von Hagelschlägen?)

=hagen,= sw. v. behagen, gefallen.

=hagen-gelt, (-tegede),= _Geld, Zehnte für die Benutzung des *hages,* des Waldes, der Eichelmast._

=hagenote,= Teilhaber an einem Hag, einer Waldung.

=hagenstolt,= unverehlicht.

=hage-, (hâch)tûn,= Hagen-, Gehegezaun.

=hagewopeken,= Hagebutte.

=haggen,= sw. v. refl. (= *hacken?),* sich zanken.

=hake,= 1. Haken, *uncus;* Schlagbaum. 2. eine Art Pflug; ein gewisses Landmass (eine gemeine Hufe enthält zwei *haken;* ein *hakenhove* = 15 Morgen.) 3. ein auf einem *haken* angesiedelter Bauer.

=hake,= Höker, Kleinhändler.

=hake,= ein schweres Feuergewehr mit einem Haken am Schaft; der dies Geschütz bedient, heisst hakeschutte.

=hake-, hakelbusse,= Hakenbüchse.

=hakelwerk,= Umzäunung eines Grundstückes oder Gehöftes (mit Pfählen und Dornen); *hakelwerken,* an einem *h.* arbeiten.

=haken,= der männliche Lachs.

=haken,= sw. v. = *hacken,* im jur. Sinn: Einwendungen erheben.

=haken,= sw. v. mit dem Haken bearbeiten; »die Äcker mit Haken umbringen«.

=hake-, (hack)ossen,= Pflugochsen.

=hake-, hakelstên= (= hackstên), eine Art Dachstein (an der Ecke oder an einem Vorsprunge?)

=hakenpôl?=

=hakenschôn,= hakenrein, von geschlachteten Schweinen, die ausgeweidet und gereinigt am Haken hängen.

=hak-isern,= Eisen am *haken,* Pflugeisen; oder = Krampe?

=hakwerk,= Gewerk, Innung der *haken,* Krämer.

=halchter,= Halfter.

=halder,= Halfter.

=hale,= Hehl, Heimlichkeit; *in h. hebben,* verhehlen, verschweigen.

=hale,= n. Kesselhaken.

=halen,= sw. v. holen.

=halle,= f. überdeckter Raum (um Waren in demselben zum Verkauf aufzustellen).

=hallepennink,= Abgabe von den (Fleisch- etc.) hallen.

=hallik,= ein Baum im Bauernhause zwischen Darre und Backofen.

=halm,= m. und n. Halm.

=halmdor,= s. helmendere.

=halmundich,= verd. aus halfmundich.

=hals,= m. 1. Hals. 2. Leben; *umme den h. komen,* das Leben verlieren; *umme den h. bringen* u. ö. -- (verbieten) *bi deme h.,* bei Lebensstrafe; Person. 3. fortlaufende schmale Anhöhe.

=halsbacken,= sw. v. an den Hals schlagen.

=hals-bant,= Halsband, Koller, collarium.

=halsberch,= Panzer.

=hals-broke,= Halsbrüche, d. i. Geldstrafe, mit der man den Hals löste.

=halsen,= sw. v. um den Hals (= Leben) bringen.

=hals-here,= Herr über den Hals- und Leibeignen.

=hals-isern,= eisernes Halsband.

=hals-krage,= 1. der Kragen, den der Hals bildet. 2. Kragen um den Hals.

=hals-laken,= Halstuch.

=hals-losinge,= Befreiung von Leibesstrafe (durch Zahlung einer Geldstrafe).

=hals-rangen,= sw. v. den Hals recken (aus Neugier und Verlangen).

=hals-schruwe,= Halsschraube; Schloss am Halsschmuck?

=hals-sele,= Riemen um den Hals.

=hals-slach,= Schlag an den Hals, Ohrfeige.

=hals-slagen,= sw. v. an den Hals schlagen, ohrfeigen.

=hals-slaginge,= Ohrfeige.

=hals-stark, -sterke,= halsstarrig.

=halster,= ein gewisses Getreidemass, halber Scheffel.

=hals-sterkicheit,= Halsstarrigkeit.

=hals-swellinge,= Halsgeschwulst.

=hals-togel,= Halszügel.

=hals-wert,= _was eines *halses* Wert hat, einem *halse* (Person?) gleich ist._

=hals-wrenken,= sw. v. den Hals wenden und drehen = halsrangen.

=halt,= s. holt.

=halter,= f. Halfter.

=half,= halb; *half unde vul,* halbe und volle (Trink)masse.

=halve, half,= f. Seite; *van -- halve,* von -- Seiten; *over de h.,* beiseite.

=halve-mate,= Halbscheffel?

=halvêren,= sw. v. halbieren; von der Kleidung: zweifarbig machen; in rechtl. Sinn: teilen, scheiden.

=halve-, half-, halwege,= zur Hälfte, halb.

=halfknecht,= Halbknecht (der zwischen einem Lehrjungen und Vollgesellen steht).

=half-pape,= angehender Geistlicher, Student, der *pape* werden will.

=half-susken,= Halbschwester.

=half-tafeler,= der nicht an der vollen Tafel Teil nimmt?

=halfte,= halb; und subst. Hälfte.

=half-visk,= ein Fisch, wahrscheinlich die Scholle; fla(n)gendula; rustupa; pecten.

=half-waslinge,= Halberwachsene.

=half-wassen, -gewassen,= halberwachsen; *h. visk = halffisk;* eine Art Trinkgläser (halbgross?)

=half-winner,= Bauer, der gegen den Genuss der Hälfte der Früchte den Acker bebaut.

=ham= _(Dem. *hemmeken),* m. ein (durch Gräben) eingefriedigtes Stück Land in den friesischen Landesteilen._

=ham,= Decke, Hülle, Hülse; Nachgeburt (secundinae).

=hamaker,= Sattler, der *hame,* Kummetgeschirr, macht.

=hame,= ein kleines, an einem Stiele befestigtes Fischnetz; ein Vogelnetz.

=hame, hamme,= Hinterschenkel, Schinken.

=hameide= (ho-, hogemeide, ho-, hameie, auch verunstaltet in *hameine* und *almeide),* f. Verzäunung, Sperrung (Riegel), Schlagbaum, Verhau, Stacket u. a. Befestigungen, clathrus.

=hamel,= verschnittener Schafbock.

=hamelsbolle,= Hammelkeule.

=hamel(s)buck= = hamel.

=hamer,= Hammer; spec. Münzhammer; Bezeichnung des Teufels (des Donners?)

=hamerschult (gamerschult),= _Abgabe der freien Leute von 1 Huhn und 5 Eiern an den Inhaber einer Freigrafschaft._

=hamersleger,= Hammerschläger, Metallarbeiter.

=hamerwurp,= soweit man mit einem Hammer werfen kann.

=.. hande= (Gen. zu *hant);* in Zs. = Art; z. B. *einer hande, aliquis,* irgend welch; *drier hande, allerhande, mancherhande, wathande* u. a.

=handel,= _m. was man unter Händen hat, betreibt; Ver-, Unterhandlung; Unruhe, Händel._

=handelagen,= sw. v. überantworten, überreichen.

=handelank,= Handlanger.

=handelen,= sw. v. 1. mit der Hand betasten, berühren. 2. behandeln, umgehen mit. 3. verhandeln, betreiben, ausführen, ausüben. 4. refl. sich aufführen, benehmen.

=handeler,= Unterhändler, Vermitler.

=handelinge,= _1. Berührung, Betastung mit der Hand; überh. Berührung. 2. Unter-, Verhandlung, Vertrag. 3. Thätigkeit, Handlungsweise, Aufführung. 4. Handel mit Waren._

=handeswile,= die Zeit, die man gebraucht zum Handumdrehen, Augenblick.

=handich,= was mit den Händen geschieht; geschickt, passend.

=hane,= _1. Hahn, spec. der Brauthahn; *de rode h.,* Feuer, Brand. 2. der Hahn am Fasse._

=hane-bent,= Hahnebalken, Dachstuhl.

=haneken,= 1. Hähnchen am Fass. 2. Hähnchen, Schlüsselbüchse.

=hanen-balke,= Hahnenbalken, der oberste Querbalken des Daches.

=hanen-bêr,= Hahnenbier, d. i. Hochzeitsschmaus bei Überreichung des Brauthahns.

=hanen-bôm= = hanenbalke.

=hanen-kam,= wahrscheinlich verbena offic.

=hane(n)-kop,= Hahnenkopf; ein goslarscher Scherf; Name eines goslarschen Bieres.

=hane(n)-krât, -kracht,= das Krähen des Hahnes in der Morgenfrühe.

=hanen-stên,= der Magenstein des Huhns, alturio.

=hanen-vêr,= Hahnenfeder.

=hanerei,= 1. Ehebrecher. 2. Ehemann, dem seine Frau ungetreu wird.

=hangel-bone= = hangel-kamer.

=hangel-kamer,= ein hölzerner Verschlag unter den Hauptbalken befestigt und aufgehängt; dient auch als Schlafstelle für das Gesinde.

=hangelwagen,= Wagen, der in Federn hängt, Kutsche?

=hangen= (contr. *hân),* st. u. schw. 1. intr. hangen; in der Schwebe, unentschieden sein. 2. trans. hängen, henken.

=hangoren,= sw. v. die Ohren hangen lassen, niedergeschlagen sein.

=hank,= Handhabe.

=Hans= = Johannes. *hanse(n), grote hanse,* angesehene Leute, magnates, optimates.

=hanskatte,= Johanniskatze; zu Johannis wurden Katzen ins Feuer geworfen.

=hant,= f 1. Hand; die das Lehn, Erbe etc. empfangende oder gebende Hand; die schwörende, gelobende Hand; *mit sîn enes h.,* durch einen Eid ohne Eideshelfer. 2. Person; *na doder h.* nach dem Tode eines andern; *(spere-, spille-, blôthant* u. a.). 3. Handgeschicklichkeit. Mit Präp. *bi der h.,* in der Nähe; anwesend; *en hant gân,* glücken; *in de hant gân,* sich ergeben; *na der h.,* später, nachher; *over de h. sîn,* überlegen sein; *to hant (handes),* sofort; *to der h. komen* (Ggs. *van der h. k.)* zu Teil werden; *to der h. schicken,* unterwerfen, fügsam machen; *to der h. gân,* bittend angehen; *to handen gân,* gelingen; *up de h. dôn,* zur Aufbewahrung übergeben; als Handgeld geben; *up de h. komen,* überraschen; *up de h.,* sofort; *umme h. hebben,* mit etwas beschäftigt sein; *van (der) hant,* weg, fort; *van der h. .. to der h.,* rechts -- links; *vor de(r) hant,* gleich, jetzt, augenblicklich; *vor handen hebben,* womit beschäftigt sein.

=hant-bant,= Handfessel.

=hant-becken,= Waschbecken.

=hantbedinge,= Erbietung der Hand, das Handgeben.

=hant-blase,= kleiner Blasebalg (Püster)?

=hant-boge,= kleiner Bogen, den man mit der Hand spannt.

=hant-dader, -deder (-dedinger),= der auf der That ertappte Verbrecher, überh. Missethäter.

=hantdadich, -dedich,= Thäter, bes. der auf der That ertappte; von der That selbst: bei der man ertappt wird, frische That.

=hant-dwele,= Handtuch.

=hantêren,= sw. v. oft besuchen, hin- und herziehen, vom Kaufmann, der mit seinen Waren das Land durchzieht, Handel treiben; später überh. betreiben, *tractare,* behandeln, besorgen (= hanthaven).

=hantgange?=

=hant-gat,= Loch für die Hand, an den (Frauen)kleidern, Schlipf, Tasche.

=hant-gebar, -gebere, -geberde=, Beschäftigung mit der Hand, laboramen.

=hant-gebende,= _wobei die Hand gegeben wird; *mit h. truwe,* Gelöbnis mittelst Handschlags._

=hant-gedât,= (That mit der Hand), Missethat.

=hant-gelt,= 1. (Ggs. zu *rente)* Geld, das täglich eingenommen wird. 2. Unterpfand, arrha.

=hant-gemâl,= Handzeichen, *chirographum;* Grundstück, von welchem jemand sein Handzeichen führt, Stammgut.

=hant-getouwe,= Handwerkszeug.

=hantgetruwe, -truwe,= dem etwas zu treuer Hand überlassen wird, Bevollmächtigter, bes. Testamentsvollstrecker.

=hant-gewin= (Empfang des Erbes aus der Hand des Richters), die Erlangung des lehnsherrlichen Consenses zur Nachfolge in das Recht eines verstorbenen Colonen.

=hant-gifte (-gichte),= was in die Hand gegeben wird, Geschenk; bes. das erste Geld, das jemand empfängt zur Sicherung eines Vertrages = hantgelt.

=hant-grepe,= 1. Handgriff, das man mit der Hand ergreift, Stiel. 2. Griff mit der Hand; *to h. komen,* handgreiflich werden.

=hant-grepel,= Handgriff, Handhabe.

=hant-haft, -haftich= = hantdadich. Adv. hanthaftige(n).

=hant-haven,= sw. v. (Rechte und Personen) schützen und beschirmen.

=hant-haver,= Beschützer.

=hant-havinge,= Beschützung.

=hant-isern,= Handeisen, das glühende Eisen, das zum Beweis der Schuld oder Unschuld mit der Hand getragen wurde.

=hant-kikinge,= Handsehen (um aus den Linien der Hand zu weissagen).

=hant-kluve,= Handfessel.

=hant-langen,= sw. v. mit der Hand herreichen.

=hant-lavende,= mit der Hand gelobend.

=hant-lên,= Lehn zu einer Hand, auf Lebenszeit des Besitzers gegeben; unmittelbar vom Lehnsherren empfangenes Lehn.

=hantlik,= bequem, passend, geschickt; adv. hantliken.

=hant-locker,= Bettler (der die Hand eines andern heranlockt um zu geben?)

=hant-lofte,= Handgelöbnis.

=hant-neringe,= Nahrung, die man sich durch seiner Hände Arbeit erwirbt.

=hant-reken,= sw. v. 1. die Hand reichen. 2. mit der Hand reichen.

=hantrost= (= hantwrist), Handwirbel, -gelenk.

=hant-rulle= = dwelengenger?

=hantsche (hantzke),= m. Handschuh.

=hant-slach,= Handschlag; das Schlagen in die Hände, als Zeichen der Trauer.

=hant-slachtich,= mit der Hand schlagend.

=hantslagen,= sw. v. in die Hände schlagen, Gestus der Trauer, selten der Freude.

=hant-slagersche,= lamentatrix.

=hant-slaginge,= planctus.

=hant-sone= = hantvrede.

=hant-speler,= Gaukler, Würfelspieler.

=hant-stên,= kleiner Stein.

=hant-streckinge,= Handschlag.

=hant-sucht, -suke,= Handkrankheit, chiragra.

=hant-tastinge,= Handschlag.

=hant-truwe,= Unterpfand, *arrha;* bes. der Verlobungsring.

=hant-truwen,= _sw. v. geloben, versprechen vermittelst eines Zeichens (Ringes); bes. die Ehe geloben._

=hant-vane,= Handtuch.

=hant-vast,= (fest in der Hand) gefangen.

=hant-vat,= Waschbecken oder -kanne.

=hant-vestene, -veste,= 1. Handgriff. 2. Handschrift; Beglaubigung eines Documentes durch Unterschrift; das Document selbst, Schuldurkunde, Obligation.

=hant-vesteninge, -vestinge= = hantveste.

=hant-vinger,= Fingerring.

=hant-vrede,= durch Handschlag abgeschlossener Friede, Waffenstillstand, der aber auch schriftlich aufgesetzt werden konnte.

=hant-wilster,= Hand-, Armband?

=hant-werk,= 1. Thätigkeit mit der Hand. 2. das mit der Hand gemachte, Geschöpf. 3. Belagerungsmaschine = *antwerk* 4. die Gesamtheit der Handwerker, Mitglieder der Zunft.

=hant-worchte (-werchte, -werte, -wort),= Handwerker.

=hâr,= n. Haar; *nicht ein h.,* nicht das geringste; *van den haren bringen,* ums Leben bringen.

=hâr,= Werkzeug zum Schärfen der Sense.

=har= = hor.

=harde,= 1. hart, heftig, sehr. 2. von räuml. und zeitl. Nähe, nahe, dicht.

=harde,= f. Härtigkeit, Härte; guter, trockener Boden.

=hardelechtich,= härtlich.

=harde-, hart-, herdelik,= heftig, kräftig, eifrig; im moral. Sinn: hart, unfreundlich. Adv. hardeliken.

=harden,= sw. v. hart sein oder werden.

=harden,= sw. v. = *herden,* antreiben, anreizen.

=hardenacket, -nackich,= hartnäckig, trotzig.

=hardern,= sw. v. hart werden.

=har-, herdicheit,= Härtigkeit; Trotz.

=hârdink= = hârwerk?

=hardnack,= Kornwurm? Totenuhr.

=hârdôk,= Haartuch (zum Seihen); härenes Gewand.

=hare,= Landstück? (welches?) Anhöhe?

=haren,= sw. v. 1. intr. scharf sein, bes. vom scharf und trocken wehenden (Ost)winde, (*harje*). 2. tr. schärfen.

=haren,= hären.

=hârgelt,= Geld zum Haarschneiden, Frisieren?

=hâr-hamer,= Hammer zum Schärfen der Sense.

=hâr-hussche,= Haarzausen, Rauferei.

=harke, herke,= f. Hacke (Rechen).

=harker,= der die Halme auf dem Felde zusammenharkt.

=hâr-klatzie= (d. i. *collatie),* Haarzauserei.

=hâr-klover,= Haarspalter.

=hâr-knôp,= Knopf, um das Haar zusammen zu halten, als Frauenschmuck.

=hâr-laken,= Haardecke, sagum.

=harm,= m. Leid, Schmerz.

=harm,= n. Hermelin, Wiesel.

=hâr-maker,= Haarbearbeiter, bes. Haardeckenmacher.

=harman,= _ein noch nicht geschorenes, nur einmal aufgerauhtes Tuch._

=harnasch, -nisch, harnsch, harns, hernesch,= n. Harnisch; collect. die Rüstung; und concr. die Gerüsteten.

=harnasch-knecht,= Waffendiener.

=harnasch-maker,= Harnischmacher, Waffenschmied.

=harnasch-wischer,= Schwertfeger.

=harner?=

=harneschozen,= d. i. harnesch hosen.

=harnschet,= beharnischt, gerüstet.

=harpe, herpe,= f. Harfe.

=harpen-brôt,= Harfenbrod (nach der Gestalt benannt? dreieckicht Brot, collyrida?)

=harpen-sleger,= Harfenspieler.

=harpois,= ein Gemenge von Pech, Theer und Harz.

=harras= = arras, arracium, Tuch (aus Arras).

=harrixter,= f. Harkerin.

=harsch,= rauh, asper.

=hârsluse,= das Ausgehen des Haares.

=hâr-spangarn,= von Pferdehaar gesponnenes Garn.

=harst,= f. Karst, Harke, Rechen.

=harst,= 1. Haufen Buschwerkes, Reisig. 2. Darre, Rost, *ustrina.* 3. Stück Fleisch, das auf dem Roste gebraten oder geschmort wird, *assatum;* Bratstück.

=harsten,= sw. v. rösten.

=hart (hars, has),= n. Harz, das aus den Bäumen quillt.

=hart, harde,= 1. hart; *hartkorn* oder *hartfrucht,* d. i. Weizen, Roggen, Gerste, (*weke frucht,* woraus man Saft und Trank macht). 2. bildl. hart, fest, kräftig, und im tadelnden Sinne: lästig, beschwerlich; knauserig.

=hart= (= harje), scharf anhaltender, dürrer (Ost)wind.

=harte,= s. herte.

=hâr-tên,= das Haarziehen, Reissen an den Haaren.

=harteren= = herteren, vom Hirsche, cervinus.

=hartheit,= Härte.

=harthorich,= harthörig, ungehorsam, eigensinnig.

=harthouwe,= Hartheu; ipericon; herba S. Johannis hertenheu vel fuga daemonis.

=hartmundich,= (von Pferden) dem Gebiss nicht gehorchend.

=hâr-toch,= m. Haarzug, Ziehen oder Reissen an den Haaren.

=hâr-togen, -tagen,= sw. v. bei den Haaren ziehen oder reissen.

=hâr-touwe,= Gerät zum Schärfen der Sense etc.

=hart-strank,= wahrscheinl. Peucedanum offic.

=hart-willicheit,= Eigenwille, -sinn.

=hâr-was,= Haarwachs, arterea.

=hâr-werk,= aus dem Pelzwerk gezogene Haare (als Handelsartikel zum Behuf der hârmaker).

=hâr-worm,= Haarwurm.

=hase,= m. Hase.

=hase= = hose.

=hasel, hassel,= m. Haselstaude, corulus.

=hasel-hôn,= Haselhuhn.

=hasel-horst,= Stelle, mit Haselstauden besetzt.

=hasel-note,= Haselnuss.

=hasel-treug,= der trockne Rücklass der Haselnüsse, wenn Öl aus ihnen gepresst ist.

=hasel-worm,= eine giftige Schlangenart (fabelhaft).

=hasel-wort,= a(s)sarum vulgago.

=hasen-banner,= Hasenpanier.

=hasen-bider,= Hasenfänger (mit Falken oder sonst?)

=hasenkuren,= sw. v. Hasen auflaueren.

=hasen-laf,= coagulum leporinum.

=hasen-mân,= Hasenmonat (December).

=hasen-ôr,= 1. Hasenohr. 2. Name einer Pflanze, didintia (di[n]dimus).

=hasen-pant,= Hasengarn, -netz.

=hasenschardele,= millefolium.

=hasen-vel,= Hasenfell.

=hasen-venneken,= Hasenfähnchen, -banner.

=hasen-vôt,= Hasenfuss.

=hasert,= Hasard, der s. g. Hundswurf, der niedrigste Wurf beim Würfelspiel; auch der höchste? pers. Dämon des Glückspiels.

=has-hunt,= Hetzhund.

=hasmundich,= mit einem Hasenmunde.

=hasnen,= s. *asnen* und menasle.

=haspe= u. =haspel,= _f. Winde (zu Garn etc.) von bestimtem Masse._

=haspen= u. =haspeln,= sw. v. (Garn) winden.

=hast,= m. und f. Eile, Eifer; Aufregung, Zorn.

=haste, heste,= adj. und adv. rasch, schnell; erregt, zornig; *also h. (alse),* sobald als.

=hastelike,= schnell.

=hasten,= sw. v. 1. intr. eilen. 2. trans. zur Eile antreiben. 3. refl. sich beeilen.

=hastich,= hastig, eilig; zornig.

=hastigen,= adv. eilig, schnell.

=hastigen,= sw. v. eilen.

=hast-môt,= Übereilung, Heftigkeit, Jähzorn.

=hât,= m. Hass.

=hât,= adj. hassend, feind.

=haten,= sw. v. 1. hassen, das Gefühl des Hasses hegen. 2. Feindseligkeiten verüben. 8. unpers. mit Dat. unlieb sein, etwas ungerne sehen.

=hatich,= gehässig; sowol (pass.) verhasst, als (act.) voll Hass.

=hatisch= = hatich.

=hatie,= f. Hass.

=hâtlik,= verhasst, voll Hass. Adv. hâtliken.

=have,= f. Habe, Besitz; bes. Besitz an Vieh.

=havek,= m. Habicht.

=havekes-klocke,= Schelle, die dem Habicht angehängt wird.

=havelreke,= bis zu einem gewissen Grade fertige Weberarbeit.

=havik-horst,= Habichtshorst.

=havelik,= was man besitzen mag, besitzbar, bes. Mobilien.

=haven= = haffen.

=havene, have= (und mit Einschiebung von d: =havende=), f. und m. Hafen.

=havenen, haven,= sw. v. den Hafen suchen, den Hafen einlaufen.

=havenen,= sw. v. verhaften.

=havenen,= sw. v. reinigen, säubern, comere, mundare.

=haveninge= und =havinge,= f. Hafen.

=haver(e),= m. Hafer.

=haver-bêr,= Bier aus Hafer.

=haver-buk,= ein mit Hafer gefütterter, zum Schlachten bestimter, verschnittener Ziegenbock.

=haver-brôt,= Brot aus Hafer.

=haver-kaf,= Haferspreu.

=haver-knecht,= Bezeichnung dessen, der für Fütterung und Wartung der Pferde zu sorgen hat?

=he,= er; bez. das männl. Geschlecht. *he unde se,* männlich (Männchen) und weiblich (Weibchen).

=hebbelik,= geschickt, habilis.

=hebben,= unr. v. 1. haben; zur Frau haben; (Inf. *hebben,* Besitz; Part. *hebbende* oft passiv: das gehabt, besessen wird, das man hat) -- halten; anhalten (*dar to h.*). 2. refl. sich verhalten, sich benehmen; *sik wol h.,* sich freuen.

=hebber,= Inhaber, Besitzer.

=hebberecht,= der immer Recht haben will.

=hebbinge,= 1. Besitz. 2. das Sichbefinden, Zustand.

=hech,= n. Gehege, Wehr.

=hechte,= n. 1. Heft, Handgriff, Stiel. 2. Heft (Heftung) der Wunden.

=hechte, hefte,= f. Haft, Gefängnis.

=hechte-bast,= Heftbast.

=hechten, heften,= sw. v. 1. heften, festmachen; verhaften. 2. intr. haften, geheftet sein.

=hechte-negele,= Heft-, Klammernägel.

=hechte-, heftnisse,= 1. Haft. 2. Anspruch.

=hechter,= Schliesser des Gefängnisses.

=hecht-, heftinge,= Haft.

=heck,= n. Hecke, Umzäunung; Einfassung, Thor (von Holz, drehbar).

=hecker,= Winzer; Arbeiter mit einem Schneidewerkzeug.

=heddernetele,= s. hadernetele.

=hede, heide,= f. Hede, stuppa.

=heden, heiden,= _von Hede; *h. louwent,* Art Leinewand aus Hede._

=hederik,= Hederich, lolium.

=hefte, heftinge,= etc., s. *hechte* u. s. w.

=heftigen= und =heftliken,= heftig, sehr.

=hegbôt (hekbôt),= eine kleine Art Boot, hinten und vorne platt.

=hege, hech (hoge),= f. und n. (?) 1. Hecke, Umzäunung von stachlichtem Gebüsch. 2. Gehölz, kleiner Wald. 3. Gehege, Forstdistrict. 4. Gehege, (umzäunte) Wohnung. 5. abstr. Schutz, Sicherheit.

=hegede= (= hege), Gehege, Hegewiese.

=hege-, hech-, hei-, heingras,= Gras, das man zum Mähen stehen lässt.

=hege-grasinge, -gressinge,= dasselbe.

=hege-, heinholt,= Gehölz, das man pflegt, schont, Schonung.

=hegenbudel,= Heckbeutel, der sich immer von neuem mit Geld füllt.

=hegenen, hegen, heien,= sw. v. 1. einen Hagen (Hecke, Umzäunung) um etwas pflanzen, umzäunen. 2. im Wasser ein *hech,* d. i. Wehr anlegen. 3. pflegen, schonen; schützen, bewahren. 4. bei Seite bringen, retten, sparen. 5. im jur. Sinn: Gericht (Markt) halten (rechtl. einfriedigen und beschützen).

=hegens,= (Tuch) aus Hagen (Vorstadt von Braunschweig).

=hegens-recht,= Meier- *(heger)* recht.

=heger, heiger, hegger,= m. Häher, graculus.

=heger,= 1. Meier, *colonus*. 2. Schützer, Sparer. 3. = hecker?

=hege-rîs?=

=hegester, heister,= f. Elster.

=hege-wese,= Hegewiese, -wisch (s. hegegras).

=heginge,= Schutz.

=hei,= Dürre, Hitze, heisser Dunst.

=heide, hêde,= unbebautes, wildbewachsenes Land; Boden überh.

=heiden= = heden, von Hede.

=heidenbêst,= unvernünftiges Tier.

=heidene, heiden,= Heide, paganus, ethnicus.

=heidendôm,= Heidentum.

=heidens, heidensch,= heidnisch, saracenisch; *h. sedewer, calamus aromaticus; h. wuntkrût, consolida major saracenica; h. koken,* fremdländische (griechische, saracenische) Kuchen? -- *h. nât* (Wundennaht)?

=heidenschop,= die Gesamtheit der Heiden.

=heidêp,= Wasser aus der Heide kommend (= woltwater).

=heie, hoie,= n. die Molken der Milch, serum.

=heien-mouwe,= d. i. *heiden-mouwe,* Ermel aus Hede.

=heigen,= sw. v. schwer athmen, keuchen; s. auch higen.

=heike,= s. hoike.

=heilant,= Heiland; ein Kraut, wahrscheinlich Attich, Sambucus ebulus.

=heildelik= = heldelik, wie man es zu halten pflegt, üblich.

=heilebar,= m. Storch.

=heilen,= sw. v. glückwünschend verlangen, salutare.

=heilepennink,= Gabe, denen gereicht, die zum neuen Jahre etc. Glück wünschen.

=heilgever,= Heilgeber, Heiland.

=heilsam,= heilbringend.

=heilsamicheit,= Heil, Glück; *salubritas* und salvatio.

=heimâl= = hegemâl, gehegtes Gericht.

=heimboke,= Hagenbuche.

=heime,= f. (und =heim,= n.) Heimat.

=heime, hemeke,= n. Heimchen, cicada.

=heimen,= sw. v. ins Haus aufnehmen, beherbergen.

=heim-geven,= anheimgeben.

=heimich, hemich,= 1. daheim, im Hause. 2. einheimisch.

=heimode,= n. Heimat.

=heim-soke,= Einbruch ins Haus, Hausfriedensbruch.

=heim-soken,= sw. v. besuchen; Hausfriedensbruch begehen.

=heim-sokinge,= Besuch im Hause; Einbruch ins Haus, Hausfriedensbruch.

=heim-stûr,= n. und f. Aussteuer, Mitgift.

=heim-tucht,= f. Schweine, die der Bauer selbst gezogen hat.

=heinen= = heimen? in sein Haus bringen oder nehmen?

=heinen= = hegenen, schützen.

=hein-gras, -holt,= s. hegegras, -holt.

=heise,= Handgriff oder Ohr eines Gefässes.

=heister= = hegester.

=heister, hester,= junger Baum, namentlich von Eichen und Buchen.

=heitmât-recht,= Recht, Heidekraut zu mähen.

=heitschepel,= 1½ h. = 1 Tonne.

=hekedes-kuffel,= Hechtskiefer.

=hekele,= f. Hechel.

=hekelen,= sw. v. hecheln.

=hekeler,= Hechler; Anstachler, stimulator.

=hekelvelde,= Wohnort des Teufels; *na h. varen,* zum Teufel fahren.

=hekerlink,= m. Dolchmesser.

=heket,= m. Hecht.

=hêl (heil),= adj. und adv. 1. ganz, vollständig; *de hele hôp,* der ganze (hd. »helle«) Haufen; *half unde hêl,* halbe und ganze (Bier)krüge. 2. von einer Wunde, Krankheit genesen, heil.

=helde, heldene,= f. Fuss-fessel.

=helden (hellen),= sw. v. abschüssig, geneigt sein.

=heldenbôm?= Baum (Schlagbaum) mit einer Kette?

=heldenslot,= Schloss an Ketten.

=heldich,= geneigt, abschüssig, proclivis.

=heldinge,= Neigung.

=helen,= sw. v. kleben.

=hêlen, heilen,= s. v. 1. tr. und intr. heilen. 2. verschneiden, castrare.

=helen,= sw. v. hehlen, geheim halten.

=helen= = holen, aushöhlen.

=helenbrede,= (Gehirnbedeckung?), die Haut über dem Gehirn, pia mater.

=helenhût,= Elendshaut.

=heler,= Hehler.

=helgen= = helligen, sw. v. müde machen, quälen, behelligen.

=helginge,= Behelligung.

=hêl-heit,= Ganzheit.

=hêl-hudich,= mit heiler Haut.

=(hêliken), heiliken,= vollständig.

=hel-isern,= ein Schmiedsgerät.

=helle,= f. Hölle; der Platz hinter dem Ofen.

=helle= = helde, Abschüssigkeit, *declivitas* (in Ortsbezeichnungen).

=helle-brant,= Höllenbrand.

=helle-hunt,= Höllenhund.

=hellester (helster),= n. Halfter.

=hellewagen,= in Greifswalde Name des Pfandwagens.

=hellich,= durch Verfolgung ermattet, müde, erschöpft, lechzend.

=hellichliken,= erschöpfend, ermüdend.

=helligen,= sw. v. *hellich* machen, ermüden, quälen.

=hellink,= Heller, halber Pfenning.

=hellink, hellinge, helge= = heldinge _(zu *helden),* Schiffswerfte._

=hellink-bêr,= Hellerbier, d. i. dünnes, wolfeiles Bier.

=hellink-wecke,= Wecke (keilförmiges Brot), einen Heller kostend.

=hellink-wert,= was eines Hellers wert ist.

=hellisch, helsch,= höllisch.

=helm,= m. Helm; *h. unde schilt,* Bezeichnung des Adels; helmartiges Gefäss.

=helm,= n.? Handgriff, *manubrium;* bes. Rudergriff.

=helmendere (helmeder, halmdor, helmede, helmerde, helmer),= f. und m. Helmer, Bezeichnung eines Seiten-, Quer- oder Nebenweges, der vom Hauptwege zum Deiche oder zum Moore führt.

=helmet,= n. Helm.

=helm-exse,= Axt mit einem langen Stiele.

=helm-haken,= eisernes Schmiedegerät.

=helm-holt,= Ruder-, Steuerholz.

=helmken,= n. Hälmchen; *dat h. vor holden,* betrügen, foppen.

=help,= Ausruf der Verwunderung *(= got helpe!); help recht, help krum,* auf jede Weise, per fas et nefas.

=helpe,= f. Hülfe; ein Kraut, Helfkraut, marrubium vulgare.

=helpe,= m. Helfer, Gehülfe.

=helpelik,= helfend.

=helpen,= st. v. helfen.

=helper,= Helfer, Bundesgenosse.

=helperede,= Einrede, Ausflucht, exceptio in jure.

=helperehelper,= Helfershelfer.

=helpich,= Hülfe bringend.

=helschvûr,= höllisches Feuer.

=helschvurich,= höllenfeurig.

=helsen,= sw. v. umhalsen, amplecti.

=helsinge,= f. Joch?

=helsink,= Halsriemen für Pferde.

=helsink,= eine Art Pelzwerk? (vom Halse der Tiere?)

=helt,= Held.

=heltnisse,= 1. Haft. 2. Inhalt.

=helve, helf, helft,= n. Handgriff, Stiel.

=helf-isern,= Axt mit einem langen Stiel?

=helfte,= f. Seite; Hälfte.

=helunge,= Hehlung; geheime Mitteilung vor Gericht zwischen der Partei und ihrem Fürsprecher.

=hel- (helle-, hile-) wech,= die grosse, allgemeine Heerstrasse, strata publica.

=hemail,= d. i. *hege-mâl,* gehegtes Gericht.

=hême= = heime.

=hemel?=

=hemelicheit,= 1. Geheimnis. 2. Vertrautheit, Freundschaft. 3. heimliche Stätte, das heimliche Gemach.

=hemelicheitgank,= Cloake.

=hemelik,= zum Hause gehörig, verwandt, vertraut, innig befreundet, heimlich. Adv. hemeliken.

=hemelikes,= adv. = hemeliken.

=hemelte,= Zimmerdecke, Gewölbe; Gaumen.

=hemete,= m. Himten, emina.

=hemmede (hemmete, himede),= n. Hemd; *int h. geven,* als Patengeschenk geben.

=hemmedes-mouwe,= Hemdsärmel.

=hem(m)el,= m. Himmel.

=hemmel-, himmelhank,= Vorhang, Gardine an der Seite des Altars.

=hemmel-hore,= Scheltwort für Beginen.

=hem(m)els(ch),= himmlisch.

=hemmedes-schorte,= Hemdschürze, d. h.?

=hemmels-slotel,= Himmelsschlüssel, primula veris.

=hemmel-var,= himmelfarbig.

=hemmel-varinge,= Himmelfahrt.

=hemmesît= (= hennesît?), jenseits.

=hemode (heimode, heinmôt),= n. und f. 1. Heimlichkeit. 2. heimliche Stelle, Schlafgemach etc. 3. heimatliches Haus, Vaterhaus, -land.

=hemt,= f. = hameide?

=hen-bedde=, n. (Kranken-), Totenbett.

=hende= = behende.

=hendeler,= Handelsmann.

=hendelink,= ein Gefäss für Flüssigkeiten (1 h. = 2 stopi; 36 h. = 1 tina).

=hendewit,= händeweiss.

=(henen-), henne-klêt,= Totenkleid.

=henge (henk),= f. Hänge, woran man etwas an- oder aufhenkt oder angreifen kann.

=hengel-bôm,= Baum, Stange, Rick, worüber man allerlei henken kann.

=hengelmole,= .. (?) mühle.

=hengel-rode,= ein hängender Querbalken an einer Wüppe, einem Brunnen, Galgen etc.

=hengelke= (in Bergwerken), Gehänge?

=hengelse (-sche),= n. herunterhängendes Gewand.

=henge-mate,= hängemässig; galgenreif.

=hengen,= sw. v. erlauben.

=hengen,= st. und sw. v. henken.

=henger,= Henker, Scharfrichter; überh. Polizeidiener.

=hengerie,= des Henkers Haus, Scharfrichterei.

=hengich,= nachgebend, Erlaubnis erteilend.

=henk,= m. woran oder womit man etwas henkt, Haken; Zusammenhang.

=henkelman= = ¼ Tonne (Bier).

=henne, hinne,= f. Henne.

=henne,= m. Narr, Geck.

=henne, hen,= adv. hin, von Raum und Zeit.

=hennebit,= Hühnerbiss. Alsine media.

=henne-bringen,= hin-, verbringen.

=henneke= (Kosef. zu *Johannes* und auch zu *Hinrik),* Name eines Fisches, *polipus, (h)orrena,* (Bülk, Krabbe); Zug- oder Hebemaschine.

=henneken-, (henke)wagen,= Lastwagen (für Steine u. dgl.)?

=henne-komen,= notdürftiges, knappes Auskommen.

=henne-laten,= überlassen.

=henne-leggen,= bei Seite, weglegen; beilegen, schlichten.

=hennep,= m. Hanf.

=henneplink,= Hänfling.

=hennep-sât,= Hanfsamen.

=hennep-spinner,= Hanfspinner.

=henne-stellen,= hinstellen, -wenden.

=henne-tên,= hinziehen.

=henne-varen,= dahinfahren.

=henne-vart,= Hinfahrt, Abgang; *de leste h.,* der Tod.

=henne-vorbat,= hinfürder, von nun an.

=henne-vortmêr,= hinfürder.

=hense, hanse,= f. Gesellschaft; bes. Gesellschaft (Gilde) der Kaufleute und Handwerker, vor allen der grosse Bund der niederd. Städte; Geld, das für die Aufnahme gezahlt wird.

=Henseken,= kleiner Hans; *h. im keller,* Kind im Mutterleibe.

=hensen,= sw. v. in eine Hanse aufnehmen; Geld für die Aufnahme zahlen.

=hense-nôt,= Genosse, Mitglied einer Hanse.

=henser,= der in einer Hanse ist.

=hensich unde herich= = unterthan, *subjectus* (der Verbindung, dem Bunde gemäss?)

=hentel= = entel.

=hento, hent (hente, hentes),= adv. bis zu, bis an; *welk hent?* wohin? -- Conj. (mit oder ohne *dat*), bis, bis dass.

=hepe (heppe, heipe),= f. Hippe, krummes Messer zum Beschneiden der Bäume.

=herberge,= f. Ort oder Haus zum Übernachten, Wohnung; Beherbergung, gastliche Aufnahme und Bewirtung; Beherbergungspflicht.

=herbergen,= sw. v. intr. sein Nachtlager nehmen; tr. beherbergen, hospitare.

=herberger,= der jemand beherbergt; fem. herbergersche.

=herbergerie,= Aufnahme in eine Herberge.

=herbergich,= zur Aufnahme Fremder bereit, gastfreundlich.

=herbrant,= Name eines verheerenden Drachen.

=herbrennen,= durch Kriegesflammen, Brand verheeren.

=her-bunge,= Kriegstrommel.

=herdage,= Festtage.

=herde,= m. Hirt.

=herde, harde,= f. Unterabteilung eines Kreises oder Amtes (in fries. Gegenden, bes. Schleswig).

=herdeliken,= hirtlich, nach Hirten Weise.

=herden,= sw. v. Hirte sein.

=herden,= sw. v. 1. hart, fest machen. 2. erhärten, beweisen, darthun. 3. stärken, ermuntern, antreiben. 4. aushalten, ertragen. 5. (meist) intr. dauern, anhalten, beharren.

=herder,= Hirte.

=herder,= Hartmacher, Härter.

=herde-schop,= Hirtenschaft, Hütung einer Herde.

=herdeslude,= die Einwohner einer *herde (harde)*.

=herde-staf,= Hirten-, Bischofsstab.

=herdich,= ausdauernd, pertinax.

=herd-vri,= h. lant, herdfreies Land, das nicht *beherdisch* ist.

=here,= hehr, vornehm.

=here (ere, eren),= Herr, bes. Titel der Adlichen, Richter und Geistlichen; gerne respectvoll wiederholt: *here her;* Eigentümer.

=her(e)-misse,= Herrenmesse, der St. Mauriciustag, 22. Sept.

=here-molder,= ein grosses Kornmass.

=heren,= sw. v. 1. mit dem Heere einziehen. 2. mit dem Heere überziehen, verheeren.

=heren unde weren (waren),= Wahrschaft, Gewährschaft leisten, so auch subst. here unde were sîn.

=heren-broke,= Brüche, die an die Herrschaft zu entrichten ist.

=heren-dênst,= Herren-, Frohndienst.

=heren-dwank,= Pflicht, die ein Herr seinem Untergebenen auferlegt.

=heren-holt,= dem Herrn zugethan, dem Herrn schmeichelnd.

=heren-hulde,= Herrengunst.

=heren-kleit,= Kleid, welches der Herr den Ministerialen gab.

=heren-mete,= herrenmässig, herrlich.

=here-nôt,= Kriegs-, Heeresnot.

=heren-schat,= Abgabe an die Herrschaft.

=heren-tafele,= Herrentafel; Ggs. bodentafele.

=heren-tins,= Herrenzins, Abgabe an die Herrschaft.

=here-strate,= Heerstrasse.

=here-werk,= Gewalt?

=herge, herje,= f. Beischläferin, Hure, Bubinne.

=hergens-achtich,= bübisch, nequitiosus.

=hergenscheit,= Hurerei, Büberei, Schurkerei; nequitia.

=hergensliken,= auf bübische Weise.

=hergen-, herjensone (herenson),= Hurensohn, Schurke (als starke, strafbare Schelte).

=her-getoch,= Heereszug, Heer.

=her-gewede,= Heeresrüstung, s. herwede.

=her-greve,= Heerführer.

=her-holt,= n. Stelle, wo das Heer hält, Lager.

=her-(h)olt,= m. Herold.

=herjen,= sw. v. pflügen (= êren).

=herink, harink,= m. Hering.

=herink-bant,= eine gewisse Art die Tonnen zu binden, an 4, resp. 8 Stellen 3 Reife.

=herink-smêr,= Heringsthran.

=herke,= f. Harke.

=her- (heres-)kraft,= Heeresmenge.

=her-kumpst,= Herkommen; Gewohnheit.

=her-kumpstich,= herkömmlich.

=herle, harle,= _ein Haar vom Flachs oder Hanf, ein einfacher Fesen._

=herlicheit,= _1. Herschaft, das Herr-sein, Gewalt. 2. Obrigkeit, Gutsherschaft. 3. Herschaftsbezirk. 4. Freude, Fröhlichkeit, Lustbarkeit._

=herlik,= _herrlich, einem Herrn gemäss, *herilis;* adv. *herliken.* (Auch = *erlik*)._

=herlude,= die an einer Heerfahrt teilnehmen, Kriegsmannschaft.

=herm,= Harm, Leid, Kränkung.

=hermel(en),= n. Wiesel, Hermelin.

=hermeschar,= Strafe, Plage, Not.

=herne, harne,= n. und f. Gehirn.

=herne-panne,= Hirnpfanne, Schädel.

=hernet= = harras, Tuch aus Arras, Rasch.

=herne-worst,= Gehirn-, (Brägen)wurst.

=her-panne (?),= Pechpfanne?

=herpe,= f. Harfe.

=herpen,= sw. v. harfen.

=herper(er),= Harfner.

=her-pole,= Heerpfühl, Feldbett.

=her-sam,= (einem Herrn geziemend), herrlich, ansehnlich.

=hersch, herrisch,= 1. *dominicus; dat h. gebet,* das Gebet des Herrn, das Vaterunser. 2. herrisch, stolz, pomposus, pompolentus.

=her-schar,= Heerschar; *h. dôn,* Kriegsvolk sammeln.

=her-schat,= Heeressteuer.

=herschen,= adv. herrisch, herrenmässig.

=herschen,= sw. v. herschen, Herr sein.

=her-schilt,= m. 1. Zeichen des Adels, die Adels- und Ritterwürde, die Fähigkeit zur vollen kriegerischen Ehre; lehnrechtliche Gliederung u. Standesabstufung. 2. die lehnbesitzende Ritterschaft; das Heergefolge; der Kriegszug.

=herschinge,= Herschaft.

=herschlik,= h. gewalt, Gewalt zu herschen.

=herschop,= f. und n. 1. Herschaft, Oberherrlichkeit, Oberaufsicht; Lehnsherschaft. 2. Herrenleute, Heer von Rittern (auch von einem einzelnen Gutsherren oder Adligen). 3. (territorial) Gebiet (der Stadt), *dominium.* 4. Herrlichkeit, Pracht.

=herschoppen,= sw. v. 1. herschen. 2. in Fröhlichkeit leben.

=herschopper,= Herscher.

=herschoppie,= f. Herschaft (abstr. u. concr.)

=herschopsman,= Lehnsmann.

=herse,= f. Hirse.

=hersegrutte,= Hirsengrütze.

=herstel,= Herchstell, d. i. die Lünze des Wagens, Achsennagel.

=her-sture,= Heer-, Kriegssteuer.

=hert= = hart.

=hert,= m. 1. Herd, Feuerstelle; Vogelherd. 2. Herd, als Bezeichnung des Stammgutes.

=herte (harte),= n. Herz (westl. auch f.).

=herte (harte),= n. Hirsch.

=herte-lêf,= herzlieb.

=hertelik,= _herzlich; adv. *herteliken.* 1. = *hartlike,* mit Mühe und Not. 2. herzlich, sehr._

=hertenheu,= ypericon, herba dicta S. Johannis.

=herte(n)-lêt,= Herzeleid.

=herten-krût,= cordigera, cordiana.

=herteren,= vom Hirsche, cervinus.

=hertes-blat,= cirte (circe, carve).

=herte-sêr,= Herzensschmerz.

=hertes-horn,= Hirschhorn.

=hertes-hût,= Hirschhaut.

=herte-span,= cordiana, centinodia.

=hertes-tunge,= Hirschzunge, cerviglossa.

=hertes-twîch,= n. Hirschgeweih.

=herte-swel,= Schwellung des Herzens (vor Betrübnis).

=herteswit (?),= celtica (sonst = hertestunge).

=hertes-wort,= Hirschwurz.

=hertgalle,= centauria.

=hert-isern,= Herdeisen zur Deckung des gemauerten Herdes.

=hertoch, -toge, -tege, -tich (hartoch, -tich),= Herzog.

=her-toch, -tucht,= Heereszug.

=hertoch-rîk,= Herzogtum.

=her-treck,= Heereszug.

=her-treckinge,= Heer, Feldzug.

=hert-slach,= 1. Herzschlag, (Lungen)-Krankheit der Pferde. 2. Herzschlag, Herz, Lunge u. Leber von geschlachteten vierfüssigen Tieren, bes. vom Kalbe, Geschlinge.

=hert-slegich,= am *hertslach* leidend.

=hert-lepel,= das Präcordium.

=hert-sterk,= herzensstark, mutig.

=her-varen,= sw. v. einen Kriegszug machen.

=her-vart,= Kriegszug.

=her-verdich,= zur Heerfahrt fertig, bereit.

=hervest,= Herbst.

=hervest-bede,= eine im Herbst zu entrichtende Abgabe, precaria autumnalis.

=hervest-mân,= September.

=her-wagen,= Kriegswagen.

=herwart, -wert, -werdes,= herwärts, hierher.

=her-wech,= allgemeine Landstrasse.

=her-wede, -gewede, herwade,= n. eig. die Ausrüstung des Kriegers, die der Lehnsherr hergab und beim Tode desselben zurücknahm, oder die beim Tode des Vaters der älteste Sohn beanspruchte.

=herwen,= sw. v. herbe machen.

=hêsch, heisch,= heiser; *dat h.,* Heiserkeit.

=hêscheit,= Heiserkeit.

=hêschen, heischen,= sw. v. heiser sein.

=heschen, hesken= = eschen, heissen, fordern, vorfordern.

=heschinge,= Heischung.

=hêschrimme,= n. Heiserkeit.

=hespe= = espe, Zitter-, Flitterpappel.

=hespe, haspe,= f. Hespe, Thürangel.

=hespendogede,= Cardinaltugend.

=hesper,= ein gewisser Wurm.

=hesse,= f. Kniebug, bes. an den Hinterbeinen der Pferde, auch von Menschen, poples.

=hesse-hunt,= Hetzhund.

=hessen= = hissen.

=hessen,= sw. v. die Hessen durchschneiden.

=hester,= s. heister.

=hêt,= heiss.

=hêt(e), heit(e),= n. Geheiss, Befehl.

=hete-brêf,= Urkunde, in welcher etwas verheissen, versprochen wird.

=heteler,= m. Hasser, Feind.

=hete-, hêtlik,= 1. act. voll Hass, feindlich gesinnt, erbittert. 2. pass. verhasst.

=hêten,= st. v. (Prät. oft schw.), 1. heissen, nennen; *ovel heten,* Schimpfnamen geben; genannt sein. 2. heissen, befehlen. 3. versprechen, Geheiss thun. Refl. genannt sein.

=hêten(t),= n. Geheiss, Befehl.

=heter,= m. Hasser, Neider.

=heter,= m. der etwas heisst, befiehlt, oder auch geheisst, verspricht.

=hêtesch,= gehässig, feindlich.

=hêtescheit,= Gehässigkeit, Hass.

=hêtheit,= Hitze.

=hêtich,= voll Hass und Neid.

=hêticheit,= Hass.

=hêtichliken,= adv. heiss.

=hette= = hitte.

=hettere= = heter, hassend, erbitternd.

=hêt-tornich,= heisszornig.

=hetzich= = hessich, aufhetzend.

=hêtinge,= Geheiss.

=heve,= f. Hebung, Einnahme.

=hevedich,= habend, besitzend.

=heveker,= Falkonier.

=heve-korf,= eine Art Fischkorb, -reuse.

=hevelgarn,= Einschlag (beim Weber), subtegmen.

=heve-, (hevel)moder,= 1. Hebamme. 2. Gebärmutter. 3. Unterleibskrankheit der Frauen, syncopis muliebris.

=hevelte,= in der Weberei: Zettel; die Schnur, durch deren Ösen der Aufzug gezogen wird, licium.

=heven,= st. und sw. v. 1. tr. heben; in die Höhe heben. 2. intr. anheben, beginnen.

=heven (heffen),= f. Hefe.

=heven,= m. der (physische) Himmel.

=heven,= _agrarische Bezeichnung eines Bruchs, Wiese (wo Gras und Rohr wächst)._

=hevern,= von Hafer, avenalis.

=hevich= = hevedich.

=hevich,= heftig.

=hichen, higen,= sw. v. schwer atmen.

=hicken,= sw. v. mit dem Schnabel hacken; beunruhigen, zerren.

=hiddebeven,= (vor Fieberhitze oder Frost) beben.

=hiddeke,= Ziege.

=hiddeken,= sw. v. wie eine Ziege springen, caprisare.

=hiddernetel= = hedernetel.

=hie (hige, heie)= und =hien-, higeman,= Hof-höriger; *lito, fidelis curtis;* Hofesgeschworner aus dem Stande der Hörigen.

=hie-hose,= Vexierhose, Narrenstrumpf.

=hien-sprake,= Beratung der hien.

=hierie,= Vexirerei, Neckerei.

=hi(g)en, heigen,= sw. v. (eig. *stuprare*), höhnen, vexieren.

=hilde, hille,= eifrig, rasch, geschäftig.

=hilde (hille, helde),= _f. Pferderaufe; der Ort über den Viehställen, auch dem Gesinde als Schlafstätte dienend._

=hilden-miger,= Schimpfwort für das Gesinde, das auf der Hilde schläft.

=hilge-,= s. hillich.

=hilich, hillik,= m. Heirat, Eheschliessung.

=hilicheit,= f. Heirat.

=(hilichen), hiligen, hilliken,= sw. v. 1. heiraten. 2. verheiraten.

=hilichs-gelt,= _Brautschatz; *hilichs- (hillix-) penninge,* Aussteuer, Ehegeld; *hilichslude,* Zeugen der Verlobung; *-vorworde,* Ehepacten._

=hillich,= subst. bes. im Plur. die Heiligen; die Reliquien der Heiligen; *hilgendracht,* Procession mit den Heiligen.

=hillich,= heilig; *de hilge geist,* oft Bezeichnung des Hospitals; *h. getowe, sacramentum; dat h. dink* Rotlauf, Rose, *erysipelas, sacer ignis; h. man,* Kirchgeschworner; der Hörige einer geistlichen Stiftung; *hillich hebben,* frei sein von Arbeit, feiern?

=hillich-, hilligedôm, -domete,= n. Heiligtum, Heiltum, Reliquie.

=hillich-, hilgelant,= heiliges Land, die Insel Helgoland.

=hillichmaker= = salichmaker, Heiland.

=hillichmakinge,= Heiligung, Beseligung.

=hilligen,= sw. v. 1. heilig machen. 2. heilig sprechen. 3. heilig halten.

=hilligen-biter,= Heiligenfresser, Scheinheiliger.

=hilligen-bret?= h. laken?

=hilligendracht,= Procession mit den Heiligen, Heiltümern.

=hilligen-kasten,= Reliquienschrein.

=hilligen-stock,= Reliquienschrein (auch als Archiv benutzt).

=hilte,= Griff, bes. am Schwerte.

=himen,= sw. v. keichend, pfeifend atmen.

=himmelen,= sw. v. die Augen gen Himmel schlagen, in den letzten Zügen liegen.

=himmelkoken,= (Abendmahls)-Oblaten.

=hinde,= Hirschkuh.

=hindene,= hinter.

=hinder,= hinter (gew. achter).

=hinderbackes,= hinterrücks.

=hinderboge,= der hintere Sattelbogen, postela.

=hinder-dêl,= Nachteil.

=hinder-denken,= nachdenken.

=hindere,= m. (selten n.) Hindernis, Schaden.

=hinderen,= sw. v. 1. hindern (am Weitergehen), anhalten, arretieren, mit Beschlag belegen. 2. hinderlich sein, Schaden und Nachteil bereiten.

=hinder-gank,= Rückgang.

=hinder-hode,= Nachhut.

=hinder-laten,= hinterlassen; verschweigen.

=hinder-list,= Hinterlist.

=hindernisse,= Hindernis; Arretierung.

=hinder-sage,= (spätere) Einrede.

=hindersal,= Hindernis.

=hinder-sprake,= Rücksprache.

=hinderspreken,= Rücksprache nehmen.

=hinder-stal(t),= Hindernis.

=hinder-stellen,= zurückstellen.

=hinder-stellich,= h. werden, zurücktreten; *h. maken,* zurücktreten lassen, womit säumen. -- rückständig, säumig; nachträglich.

=hinder-toch,= Aufschub, Frist.

=hinder-wert,= rückwärts.

=hinge,= Angel, *hamus* und cardo.

=hingest, hinxt, hengest,= m. 1. genereller Name für Pferd. 2. das männliche, unverschnittene Pferd. 3. Streitross.

=hingestpert,= Hengst.

=hingest-rider,= berittener Diener?

=hinkeman,= _1. eine kleine Münze (Braunschweig) (*3 h.* = 1 Pf.) 2. ein Mass (vgl._ henkelman).

=hinken,= sw. v. hinken; sich zurückziehen, nicht voran wollen.

=hin-lachen= = hônlachen.

=hintlock= = hintlope, solsequium.

=hint-lope, -lof,= Sonnenwerbel, Ringelblume.

=hip,= feines (Hohl)gebäck, Waffel, nebula.

=hipkenbecker,= _der *hippen, hipken* verkauft; Spötter, Lästerer (wie jetzt: Schusterjunge)._

=hippocras,= gekrudet wîn; vgl. ippocras.

=hir,= hier; von der Zeit: jetzt, heute.

=hirgensone= = hergensone.

=hirlandisch,= inländisch, einheimisch.

=hisch, hisk,= n. (contrah. aus *hiwisk),* Familie mitsamt dem Gesinde; die zu einem Haushalte gehören.

=hiselen,= sw. v. eisregnen, glatteisen.

=hissen (hitzen), hessen,= sw. v. hetzen, jagen.

=hisser,= Hetzer.

=hissich,= aufhetzend.

=hitte, hette,= f. Hitze; als Krankheit aurigo (aurugo).

=hittelik,= heiss.

=hitten,= sw. v. heiss machen, erhitzen.

=hittepren,= Spitzdorn, eisernes Instrument, um Löcher einzuschlagen.

=hitticheit,= Hitze.

=hiven,= trotzen, pochen?

=ho, hôch (hoich), hoge,= hoch, eig. und bildl. *to deme hogesten,* höchstens; *dat hogeste,* die Strafe, die an Leib und Leben geht. -- Als Adv. sehr, stark.

=hôchdôm,= (in der Verwandtschaft) die linea ascendens.

=hôchdragende,= stolz.

=hôcheit,= Höhe.

=hoch(e)licheit,= Hoheit, Pracht.

=hoche-, hogelik,= hoch, ansehnlich, feierlich. Adv. hocheliken.

=hôch(e)nisse (hogenisse),= 1. Freude, Festfeier. 2. *(= gehûchenisse),* Erinnerung.

=hôchgelovich,= hoch zu loben.

=hochte= = hogede, Höhe.

=hochtît,= Festfeier, bes. kirchliches Fest; Hochzeitsfeier.

=hochtit-, (tide)lik, -tidich,= festlich, feierlich. Adv. hochtideliken.

=hochtiden,= sw. v. Hochzeit halten, heiraten.

=hôchvart,= f. Hoffart, Stolz.

=hôchwerdicheit= = Majestät.

=hocke (hake),= f. Hocke, vier (oder mehr) Garben (zusammengestellt und oben zugebunden) oder kleiner Heuhaufen.

=hocker,= einer der die Garben aufsetzt.

=hode (hude, hote),= f. 1. Hut, Bewachung, Aufsicht. 2. Hütung, Ort, wo man etwas hütet. 3. Zeit, solange die Mietung eines Arbeiters dauert.

=hodegen= = hudigen, heute.

=hodeke,= Name des Geistes auf der Winsenburg, pilosus.

=hodeken (hudeken),= Hütchen.

=hodelôs,= ohne Behütung, Bewachung.

=hoden, huden,= sw. v. 1. verstecken, verbergen. 2. Acht haben auf etwas, hüten; abs. Vieh hüten. -- Refl. sich hüten.

=hoder,= Hüter, Bewacher, Hirte.

=hoder-tasche,= Hirtentasche.

=hoge (hege, hage), hogene,= f. 1. Sinn, Geist; erhöhte Stimmung. 2. Freude, Fröhlichkeit; Festlichkeit. *sik gudes (guden) hogen maken* od. *gudes (guden) hogen, in hogen sîn,* sich erfreuen, erlustigen; fröhlich sein.

=hoge,= f. Höhe; Hoheit.

=hoge,= adv. hoch, sehr, stark.

=hogede (hochte),= f. Höhe.

=hogede,= f. Hochzeit.

=hogelen, hoyelen,= sw. v. spielen, lustig sein, convivare, comissari?

=hogelik,= höchlich, kräftig. Adv. hogeliken.

=hogelik,= heiter, fröhlich.

=hogen,= sw. v. erhöhen.

=hogen,= sw. v. erfreuen, trösten.

=ho-gemôt= = homôt, Hochmut.

=ho-gericht,= 1. das peinliche Gericht, dem Landesherrn zuständig. 2. = go-gericht?

=hoge-, (ho)rugge,= spondile, imum dorsi.

=hoggen= (westf.) = houwen.

=hoginge,= Erhöhung.

=ho-greve= = go-greve, Gaugraf?

=hoi (hoige, houwe, haw, hau),= n. Heu.

=hojanen,= sw. v. gähnen; begehren, trachten nach, hiare.

=hoi-arne,= Heuernte.

=hoibeek,= Sense?

=hoien, hoigen (houwen),= sw. v. heuen, Heu machen.

=hoi-gewas,= Wachstum, Ertrag an Heu.

=hoike (heike, huke, hoke),= m. Mantel (des Mannes wie der Frau, vom einfachsten Schäfermantel bis zum kostbarsten Frauenmantel).

=hoiken-bretze,= Mantelbrosche, -spange.

=hoiken-splinde,= Mantelsplint, -spange.

=hoi-, houmân,= Heumonat, Juli.

=hoi-mât,= n. Heumähde.

=hoi-slach,= m. das Mähen des Heues; concr. Heumähde.

=hoi-sprengel, -sprenke, -sprinke, -sprenger,= m. Grashüpfer, Heuschrecke.

=hoi-, houvorke,= Heugabel.

=hoi-was= = hoigewas, Wachstum, Ertrag an Heu.

=hoi-werf,= (Erd)erhöhung, auf die das Heu aufgesetzt wird.

=hôk,= Hecht?

=hôk, huk,= m. (und n.) Winkel, Ecke.

=hok-amt,= n. Höckeramt, Krämerzunft.

=hoke, hoken, hoker (hake),= der Kleinhändler, Krämer.

=hokeboken,= sw. v. Huckepack, auf dem Rücken tragen.

=hokelik,= winkellicht.

=hoken, huken=, n. Böckchen, von Ziegen und Schafen.

=hoken,= s. v. Höker, Krämer sein.

=hoken-, (hoiken)bêr,= ein Gelage, wobei ein Böcklein verzehrt wird.

=hoken-klocke,= Krämerglocke, die das Zeichen zum Anfangen des Marktes gibt.

=hoken-stôl,= Höckerstuhl; Krämerei-Einrichtung.

=hoker-gût,= eine Art schlechten Flachses.

=hol,= hohl; *hol ebbe,* tiefe Ebbe; *h. munte,* Blechmünze, Bracteat.

=hol,= n. Höhle, Loch; Enge, Engpass; Zufluchtsort.

=holbers?=

=holte,= m. ein Halter, repagulum.

=holde, holt,= gewogen, freundlich; *de guden holden,* die guten, freundlichen Geister.

=holdelik,= holdselig, freundlich.

=holden,= st. v. 1. halten, festhalten. 2. behaupten. 3. einhalten, beobachten (fortwährend, dauernd thun). 4. wozu anhalten, veranlassen. 5. wofür halten, glauben, meinen. 6. enthalten, des Inhaltes sein. 7. einen *holt,* Hinterhalt, legen. -- Refl. 1. enthalten, eingeschlossen sein. 2. sich halten, haben, benehmen.

=holder (helder),= m. 1. (Zusammen)halter, Sparer. 2. Halter, Inhaber.

=holder-blomen (hollern-, hollanderbl.),= Fliederblumen, atrapassa.

=holdern,= Hollunder, Flieder.

=holdinge,= _1. Erhaltung. 2. das Halten von etwas, Glaube, Meinung._

=holen, sik,= sw. v. sich in ein Versteck begeben.

=holich,= 1. ausgehöhlt. 2. löcherig.

=holf?= (= helf, helve?)

=holfte,= Ziegel zur Bedeckung der First.

=holk, hollik, hulk,= m. und =holke,= _f. ein grösseres Lastschiff, auch zu Kriegszwecken verwendbar,_ liburnus.

=holken,= sw. v. aushöhlen.

=hollis= (= hollus?), Thran, Seehundsthran, oleum arsurum in lampade.

=hol-lôk,= Hohllauch.

=holm,= m. Insel (im Flusse).

=holm,= m. Querbalken, Jochträger.

=hol-stên,= hohler Stein, Dachziegel.

=holske (holtsche, holsche),= d. i. *holtscho,* Holzschuh.

=holskenmaker,= Holzschuhmacher.

=holt,= n. Richtung, Kurs (von Schiffen).

=holt,= n. Holz und Gehölz; aus Holz gemachte Wurfscheibe oder (Kegel)kugel?

=holt,= m. und n. 1. Hinterhalt, Versteck. 2. das Halten, Abhalten. 3. Inhalt.

=holt-blek,= Raum, Stelle, wo Holz steht oder gestanden hat.

=holt-dreier,= Holzdrechsler.

=holte,= Plur. *de holten,* die Holzberechtigten, Beisitzer des holtdinges.

=holtede,= n. Gehölz.

=holten,= hölzern.

=holten,= sw. v. holzen, Holz schlagen.

=holterie,= Hölzung.

=holtgreve,= Holzgraf, Vorsitzender im holtdink.

=holtgreveschop,= Amt und Bezirk eines holtgreven.

=holtik,= die Frucht des Holzapfelbaumes.

=holtik-, (holt)appel,= Holzapfel, macianum.

=holtik-, holteke-, (höltje)bôm,= Holzapfel, wilder Apfelbaum, macianus.

=holt-in,= holzeinwärts.

=holtink, -inge,= 1. Gehölz. 2. Holznutzung.

=holtink,= _n. d. i. *holt-dink* (verkürzt in *holti, hölti*), Gericht über Waldangelegenheiten, Forstfrevel etc._

=holtke,= Hölzchen, spöttisch für: Kanzel.

=holt-kore,= (Geld)strafe wegen Forstfrevel.

=holt-korne= = holtschultkorn?

=holt-kriter,= Holzsetzer, der das Holz abteilt und (mit Kreide) bezeichnet.

=holt-mark,= _Holzmark, gemeinschaftlicher Wald, die mehreren Genossen gemeinsam zustehende Berechtigung zum Holzschlagen._

=holt(e)nis,= _1. Halt. 2. Inhalt. 3. Behältnis, *capsa;* Gewahrsam. 4. das Halten, die Beobachtung._

=holtplicht,= die (jährliche) Lieferung, Leistung an Holz.

=holt-schrage,= Häher.

=holtschultkorne,= (Korn)abgabe für die Erlaubnis, das Holz mit Vieh beweiden zu dürfen.

=holt-smit,= Zimmermann, faber lignarius.

=holt-teinde,= Holz-zehnte.

=holt-vorste(r),= Holz-förster.

=holt-ware,= Berechtigung (gesetzmässiger Anteil) zum Holzschlagen in der Mark.

=holt-wart, -werde, -worder,= Holzwärter.

=holt-was,= n. Holzwachs, Ertrag an Holz.

=holt-wech,= Holzweg.

=holt-wisch,= Waldwiese.

=holt-wisinge= = holt-ware?

=holvat,= (Reise)mantel, zu beiden Seiten offen, lacerna; pallium fimbriatum.

=hol(e)-ware?=

=hol-wort, -wortele,= Hohlwurz, Aristolochia clematitis.

=homan= (= hoveman), Edelmann, Vornehmer.

=(homel)-, hummel-bê,= Hummelbiene; Drohne.

=homele, homelte,= Hummel, fucus.

=homelinge= (fries.) Verstümmelung.

=ho-mester,= der Hochmeister des deutschen Ordens; auch = hovemester.

=ho-misse,= Hochmesse.

=homoden,= sw. v. hochmütig sein.

=homoder,= Hochmütiger.

=homodich,= hochmütig; Adv. homodigen.

=homôt,= _m. (und f.) 1. Hochmut, Stolz (als Gesinnung). 2. (thätlich) widerrechtliche Handlung, Frevel._

=hôn,= n. Huhn.

=hôn= (Genus wechselnd) 1. Hohn, Rechtskränkung. 2. überh. Kränkung, Schimpf.

=hone,= m. (fries.) der Beschädigte, Gekränkte, daher: Kläger.

=honede, hônte,= f. Hohn, Verhöhnung.

=honehant= = honemensche (hant = Person).

=hon(e)lik,= höhnend, beschimpfend, schmählich; adv. honeliken.

=hone-mensche,= Plur. *-lude,* der Beschädigte, Kläger.

=honen,= sw. v. höhnen, in That und Wort kränken, zu Unehren bringen, schädigen; *sik h.,* sich beschimpfen, sich als Schimpf anrechnen, confundi.

=honer-luser,= Hühnerdieb?

=honer-wîm,= Hühnerstange (worauf sich nachts die Hühner setzen).

=hone-vrunt,= der gekränkte und deshalb klagende Verwandte.

=hôn-heit,= Hohn, Verhöhnung, Schmach.

=hônken,= n. Hühnchen.

=honnich,= n. Honig.

=honnichbôm,= Bienenstock, in einem Baume angebracht.

=honnich-bute,= f. Honigbeute, d. i. Bienenkorb oder ausgehöhlter Klotz (im Walde aufgestellt).

=honnich-sêm,= n. Honigseim.

=honnich-rote,= f. Honigwabe.

=honnigen,= sw. v. (honig)süss machen.

=honre-voget,= Hühnervogt, wahrscheinlich ein Beamter, der den Verkauf von Geflügel etc. auf den Märkten zu überwachen hat.

=hôn-schop,= höhnende, kränkende Behandlung.

=hôn-slage,= lästernd, höhnend.

=hôn-slagen,= sw. v. lästern, höhnen.

=hôn-slaginge,= Lästerung, Verhöhnung.

=hôn-spot,= höhnischer Spott.

=hôn-spotten,= sw. v. höhnisch verspotten.

=hôn-spotter,= höhnischer Verspotter.

=hôn-spottinge,= Verhöhnung.

=hôn-sprake,= höhnische, kränkende Rede.

=hôn-spraken,= sw. v. hohnsprechen, höhnen, lästern.

=hôn-spraker,= Lästerer.

=hôn-sprakinge,= Lästerung.

=..hop,= in Ortsnamen: (vielleicht urspr.) ringförmige Stelle; dann überhaupt Stelle, wo sich etwas zusammen findet.

=hôp (hope, hoppe, hupe),= m. Haufe, Anzahl; *de woldige h.,* der Gewalthaufe; *de mêste h.,* die Majorität; *bi hopen,* haufenweise; *to hope,* zusammen; *to hope geven,* ehelich verbinden (von Geistlichen). Als f. (eheliche) Verbindung.

=hope-lopent,= Zusammenlauf.

=hopen,= sw. v. häufen.

=hopen (hapen),= sw. v. hoffen.

=hopene (hopen, hope, hopende),= m. und f. Hoffnung.

=hopeninge,= Hoffnung.

=hopenisse,= Hoffnung.

=ho-penninge,= Hoch- (d. i. die besten) Pfennige.

=hope-runinge,= Zusammenraunen, -flüstern.

=hopinge,= das Anhäufen von Menschen, Auflauf.

=hopinge (?),= Hoffnung.

=hopinne,= damma, femella hinnuli.

=ho-poker,= Hochpocher, Grossprahler.

=hoppe,= m. Hopfen.

=hoppenere,= Höpfner, Hopfenbauer oder -händler.

=hoppen-garde,= Hopfengarten.

=hoppen-hacke,= Hacke, um den Hopfen zu behacken.

=hoppen-hof,= Hopfengarten.

=hoppen-kerlen (?),= frustillum ligni mutuli.

=hoppen-plocker,= Hopfenpflücker (im Lippischen die kleinsten Colonate, die der Herrschaft zum Pflücken des Hopfens dienstbar sein mussten).

=hoppen-rik,= Hopfenstange.

=hoppen-sack,= Hopfensack.

=hoppen-, hopsige,= das Instrument, durch welches man das Bier seihet, squalus.

=hoppich,= hopfig.

=hôr,= _n. 1. das Gehör, das Hören; *in deme hore sîn,* zuhorchen. 2. Verhör?_

=hôr= = hoger, in: *up hôr!* weiter zurück!

=hôr (hâr),= n. Kot, Schmutz, Schlamm; bes. tierische Excremente.

=hôr-aftich, -achtich,= hörig.

=hôr-aftich,= hurerisch.

=hôrdicheit,= Gehorsam.

=hôrdom,= Hurerei.

=hore,= f. (Hörigkeit), Gewalt.

=hore (horre),= Hure.

=horecht,= hohes Recht, d. i. Eid.

=hore-kamer,= Hörkammer, (Audienzzimmer), Verhörkammer.

=horen,= n. Horn.

=horen,= sw. v. 1. hören, anhören (rechtl.). 2. abhören. 3. hören auf, gehorsam sein (mit Gen. d. S.). 4. wozu gehören, zukommen. 5. gebüren.

=horen-bank,= Hurenwirtschaft.

=horende= = hornde, gehörnt.

=horen-dreger,= Hornträger, d. i. Nachtwächter.

=horen-sone,= Hurensohn (starke Schelte).

=horen-stove,= Hurenhaus.

=horich,= kotig.

=horich,= 1. gehorsam. 2. wohin gehörend.

=horichte,= Hörigkeit.

=horie,= Hurerei.

=horier,= Hurer?

=horink, harink= = hornink, uneheliches Kind.

=horken,= sw. v. 1. horchen. 2. gehorchen.

=horker,= Horcher.

=horke-rede,= Horchrede, Worte zur Aushorchung gesprochen.

=hôr-kiffe, (-kuffe),= Hurenhaus.

=hôrlik,= gehörig, schicklich.

=horn,= _essbares Tier (wahrscheinlich falsche Lesart für *êchorn,* Eichhorn)._

=horn(e),= f. und n. Ecke, Winkel, angulus.

=horne-gave,= Gabe (Erbschaft), die man einem *hornink,* Bastard, zuwendet.

=horne-krûp,= Hornvieh.

=horne-kussen,= Eckküssen.

=horne-quek,= Hornvieh.

=horne-schap,= Eckschrank.

=hornestotich,= mit den Hörnern stossend.

=hornet,= steif geworden (wie Horn?)

=.. hornich,= winkelig, eckig.

=hornink,= m. Horn, Ecke, Winkel.

=hornink,= m. (Winkelkind), uneheliches Kind, Bastard.

=hornscheit (hernscheit),= f. Bosheit, Büberei, nequitia.

=hornte (hornente, hornetse),= Hornisse.

=hôr-ovel,= Liebes-, Buhlübel, Liebesbrand, Eifersucht.

=hôr-ovelsch,= buhlerisch.

=hôr-pôl,= Schmutzpfuhl.

=horren-kudde= ist wol = *horn-kudde,* gehörnte Heerde.

=hôrsam,= m. Gehorsam, bes. klösterlicher Gehorsam, *professio; h. dôn,* das Klostergelübde ablegen; Haft, Gewahrsam.

=hôrsam,= 1. gehorsam. 2. sich gehörend.

=hôrsam-heit,= Gehorsam.

=hôr-schap= = horunge, Hörigkeit.

=horse,= f. Stute.

=hôr-seggen= = horen-seggen, Hörensagen.

=horst, hurst (host),= niedriges Gestrüpp, bes. die abgeholzte Stelle im Walde, wo junge Schösslinge nachwachsen; Krüppelbusch; überh. wüster, wilder Ort.

=hort, hurt,= Flechtwerk von Reisern (zu verschiedenen Zwecken); spec. ein Gerät der Wollenweber.

=ho-ruge,= s. hoge-rugge.

=horunge,= Hörigkeit.

=horvelen,= sw. v. hinken? kriechen?

=hose (hase),= f. Bekleidung der Beine und der Füsse; bes. Strumpf (selten im jetzigen Sinne).

=hoselen,= sw. v. mit der Axt behauen.

=hosengelt,= Geld zum Ankauf von hosen.

=ho-sent,= der hohe Send, Synodus.

=hos-vetel,= Hosenfessel, die Schnüre, mit welchen die (ledernen) Hosen zugebunden werden.

=host,= n. Hostienbehältnis, ciborium?

=hôste,= m. Husten.

=hôsten,= sw. v. husten.

=hôt (hoit)= = hêt, heiss.

=hôt,= m. Hut, Kopfbedeckung; *gripen an den h.* oder *tasten in den h.,* Symbol der Übertragung von Gut und Lehn; Hut als Feldzeichen; *den h. voren,* Führer sein; *den h. upsteken,* Zeichen der Ergebung.

=hôt,= als Ackermass; auch Mass für Salz, Getränke etc.

=hoter,= Hutmacher.

=hôt-rant,= Rand des (eisernen) Hutes.

=hôt-stofferer,= Hutstaffierer (der den Hut benäht und bestickt).

=hôt-tast,= das Tasten in den Hut; symbol. Übertragung von Gut und Lehn.

=hotte,= _geronnene Milch, der käsichte Teil der Milch, *balducta;* auch = Buttermilch._

=hôt-vilter,= der Filzhutmacher.

=hôt-vorer,= Hutführer, d. i. Bannerträger.

=hôt-werke (-werchte),= Hutmacher.

=hou-haft,= (vom Bergwerke) betriebbar.

=houw,= m. Hau, Hieb.

=houw,= m. (Pferde)huf.

=houwe, howe,= Haue, Werkzeug zum Hauen?

=houwêl,= Doppelaxt mit spitzem Eisen (Spitzhammer), um Steine etc. loszuschlagen.

=houwel-blok,= Haublock.

=hou(we)-mânt,= Heumonat, Juli.

=houwen (howen, hoggen),= st. u. sw. v. hauen; heuen, Gras mähen.

=houwinge,= das Hauen (Holzschlag).

=houwer,= Hauer.

=houwertît,= die Zeit ins Bergwerk zu fahren, um zu hauen.

=houwich,= haubar.

=ho(u)wsel,= Bildhauer-, Steinarbeit.

=hôf,= n. Kameel?

=hof,= m. und n. 1. Hof, der (meist umschlossene) Raum neben einem Gebäude oder um dasselbe; Hof einer Kirche, *umme (den) hof gân,* in feierlicher Procession um den Kirchhof oder die Kirche gehen; überh. eine Procession halten; Wohnsitz, bes. des Königs, Versamlung der Grossen um ihn zu Beratungen und Festlichkeiten. 2. Gerichtshof. 3. Bauernhof.

=hovarderie,= f. Hoffart, Hochmut.

=hovardie, hoverdie,= Hoffart, Hochmut.

=hovart,= Hoffart.

=hove,= f. Hufe, *mansus,* gew. 30 Morgen enthaltend, aber auch nur 10. Auch *= hof,* Bauerngut.

=hovede, hôfte,= n. 1. Gehöfte, Hof. 2. Hof, Gerichtshof.

=hovede,= n. ein (Land)mass für Grasland am Deiche (45 Fuss dikes = 1 hovede).

=hoveden,= sw. v. *h. an,* wie einem Haupte anhangen.

=hoveden,= sw. v. enthaupten.

=hove-dênst,= Hofdienst; bes. Spanndienst.

=hove-dink,= s. hovetlink.

=hove-, (hof)here= = Hofmeister.

=hoveken,= n. Kopfbedeckung, Kopftuch, Schleier.

=hovel,= m. Hügel, Höcker.

=hovel (hoffel),= Hobel, *levigal;* Gerät zum Reinigen.

=hovelen,= sw. v. hobeln, mit dem Hobel bearbeiten.

=hovelik,= _1. zu einer *hove* gehörend; *h. gût,* Bauerngut. 2. fein, höflich._

=hovelik (-lich),= höckericht.

=hove-, hoves-, hofman,= der zu einem Hofe gehörige Bauer, der einem Hofe zu Diensten verpflichtet ist, *curiensis;* Aufseher über den (Baum)hof; *hove-lude,* die *militia equestris,* Kriegsleute; Befehlshaber einer Kriegsschar, decurio.

=hove-mester,= Aufseher (über eine Hofhaltung).

=hoven,= sw. v. nötig haben, brauchen; vgl. behoven.

=hoven, hovenen,= sw. v. in seinem Hofe halten, beherbergen.

=hoven,= _sw. v. Hof halten, bes. festlichen Hof halten = *hovêren,* spielen, tanzen; euphem. für beischlafen._

=hovener,= Hüfner, Hübner, der eine Hufe Landes besitzt, mansionarius.

=hover (haver),= m. Höcker.

=hover,= _1. = *hovenere,* Hüfner, Hübner. 2. Vorsteher der *hoven* (in Soest)._

=hoverde, hoverdicheit,= f. Hoffart.

=hoverde,= höckerich.

=hoverecht,= Ständchen (zu *hovêren,* musicieren).

=hovêren,= s. v. 1. hofieren, in festlicher Geselligkeit sich erfreuen, höfische Belustigungen treiben, tanzen, turnieren, musicieren. 2. (mit Dat. d. P.) einem hofieren, den Hof machen, schmeicheln.

=hoveren,= sw. v. in den Hof bringen?

=hove-richte (-recht),= Hofgericht (des Kaisers, Landesherrn).

=hove-richter,= Richter an einem Hofgericht.

=hoverie, -inge,= f. Fest, höfische Festlichkeit, Tanz etc.

=hoverik,= m. Höcker.

=hove-ruter,= Hofreiter, Cavalier, der noch nicht Ritter ist.

=hove-sate,= f. Hofstelle.

=hoves-bruchte,= _das dem Grundherrn des Hofes verfallene Strafgeld._

=hovesch,= dem Hofe gemäss, fein, gebildet, anständig. Adv. hoveschen.

=hove-schat,= Hufenschatz (Steuer); Gesamtheit der pflichtigen Hufen.

=hovescheit,= 1. dem Hofe gemässes Wesen, Höflichkeit, Feinheit, Anmut. 2. Festlichkeit.

=hoveschen,= sw. v. höfische Beschäftigungen treiben.

=hove-schepel,= m. Hofscheffel, kleiner Scheffel.

=hoveschlik,= höfisch, fein, gebildet. Adv. hoveschliken.

=hoves-dink,= Hofgericht.

=hoves-gericht,= das kaiserliche oder landesherrliche Gericht; das Gericht eines jeden Sadelhofes; *hoves-gerichts-bôk,* das Privilegienbuch dieses Gerichtes.

=hoves-gesworen,= die Geschwornen des Gerichts eines Sadelhofes.

=hoves-gût,= eine zu einem Sadelhofe gehörige Stelle.

=hoves-here,= der Grundherr des Sadelhofes.

=hoveshof, hove- (hof)hof,= ein Gut, Gehöft, das zu einem Sadelhofe gehört.

=hoves-richter,= Richter eines Sadelhofes oder des landesherrlichen Hofgerichts.

=hoves-schuldich,= der zu einem Sadelhofe gehörige (aber nicht leibeigene) Bauer oder Köter.

=hove-stat, hofstede,= Hofstätte, area.

=hoves-vrone,= der Bote (Executor) des Gerichts eines Sadelhofes.

=hoves-werne (?),= Gartenprimel?

=hoves-wort,= Huflattich.

=hovet (hôft),= n. 1. Haupt, Kopf. 2. Spitze; Spitze, Ecke eines Deiches, Dammes; Brückenkopf; Nagelkopf. Bildl. Haupt, Anführer, = *hovetman.* 3. ein einzelnes Stück Vieh, bes. Rindvieh; *dat beste hovet* (Besthaupt), das beste Stück Rindvieh. 4. im techn. Sinn: ein hölzernes Gerät zur Verfertigung starker Taue.

=hovet-banner,= Hauptpanier.

=hovet-brêf,= das Hauptdocument (Original).

=hovet-dach,= Haupttag (eines Festes, Marktes etc.).

=hovet-dêl,= Kopfteil, d. i. Erbteil, portio hereditaria.

=hovet-dôk,= Kopftuch.

=hovet-dusinge,= Kopfschwindel.

=hovet-gat,= n. eig. die Öffnung des Kleides, durch welche man den Kopf steckt; dann: Kopfputz, Kragen, capicium, fascia.

=hovet-gelt,= 1. Kopfgeld, Personalsteuer. 2. Capital.

=hovet-golt,= goldener Kopfschmuck.

=hovet-gût,= Capital.

=hovet-here,= Oberanführer, Leiter, der daher auch aufkommt für allen Schaden etc.; Beschützer, Beschirmer, Patron.

=hovet-hol= = hovetgat.

=hovet-liken,= kopfweise.

=hovetlink (hovelink, hoveding),= 1. Häuptling, Anführer, *capitaneus.* 2. der Hauptbeteiligte.

=hovet-loppe,= Haupthaar.

=hovet-los,= kopflos; besinnungslos.

=hovet-lose,= Hauptlösung, d. i. Auslösungsgeld des verwirkten Kopfes.

=hovet-man,= 1. Hauptmann, Befehlshaber; Anstifter, Patron. 2. im rechtl. Sinn: *actor causae,* die Hauptperson eines rechtl. Verhältnisses, Hauptbeteiligter; auch Bevollmächtigter.

=hovet-pôl,= Kopfpfühl.

=hovet-sake,= _m. der Hauptsächer, der Hauptbeteiligte = *hovetman;* Hauptschuldner._

=hovet-schip,= Haupt-, d. i. grosses Schiff.

=hovet-schuw,= kopfscheu.

=hovet-sêk,= kopfkrank; bei Pferden: am Koller leidend.

=hovet-sere,= Kopfschmerz.

=hovet-stel,= Kopfgestell (am Zaum des Pferdes).

=hovet-stôl,= Hauptstuhl, d. i. Capital.

=hovet-strît,= Hauptkampf.

=hovet-(t)ale,= Kopfzahl, na h., pro rata parte.

=hovet-touwe,= Haupt-tau.

=hovet-vorer,= Hauptführer.

=hove-, (hof)vart,= der Zug zum (Gerichts)hof, als Pflicht des Vasallen oder auch des Ungehorsamen.

=hove-werk,= 1. Hofdienst, der Dienst, der vom Vasallen dem Lehnsherrn zu Pferde geleistet wird; Kriegsdienst, -übung, -zug (auch vom Kampfe zu Schiff; von einer Belagerung). 2. berittene Kriegsschar; Kriegsvolk.

=hove-werken,= sw. v. Hofdienste thun; bes. Kriegsdienste thun, *hovewerk* üben.

=hof-gank,= der Gang in den Hof des Hauses; euphem. für: (häufigen) Stuhlgang oder Blutgang.

=hôf-hamer, -tange,= Hammer, Zange, zum Hufbeschlag gebraucht.

=hof-horich,= zu einem Hofe gehöriger Bauer, hofpflichtig.

=hovich,= hofespflichtig.

=hovinge,= f. Festlichkeit.

=hôf-isern,= n. Hufeisen.

=hôf-lodeke,= Huflattich.

=hôf-salve,= Hufsalbe.

=hôf-schave,= Hufhobel, scaber.

=hof-slach,= ein gewisses Ackermass.

=hôf-slach,= Hufbeschlag.

=hof-slagen,= sw. v. mit dem *hofslach* messen.

=hoftît= = hochtît.

=hof-warde,= f. Hofbewachung.

=hof-wart, -warde,= m. 1. Aufseher des Hofes. 2. der Hofhund.

=huchelen,= sw. v. heucheln (erst seit dem 16. Jh.).

=hucheler,= Heuchler.

=huchelisch,= heuchlerisch.

=huchen,= sw. v. hauchen.

=huchtel,= Strauch-, Sprickwerk.

=huckup,= Schluchzen.

=hudeken,= 1. Hütchen. 2. Häutchen.

=hudekoper,= Häutekäufer, Fellhändler.

=hudelik,= heutig.

=huden= = hoden.

=hudepennink,= _Hutpfennig (für die Benutzung der *hode* od. *hude* zur Weide)._

=hude-, hudelvat,= Hütefass, ein Gefäss (Kiste, Sack etc.) zum Aufbewahren. 1. auf den Schiffen das Gefäss, in welchem die Schiffer ihr Bettzeug (Matratze etc.) haben; das Bettzeug selbst. 2. ein durchlöchertes (oder aus Ruten geflochtenes) Gefäss zur Aufbewahrung der gefangenen Fische.

=hudelen,= sw. v. achtlos behandeln; *sik h.,* sich lumpig machen.

=hudeler,= Lump.

=hudene, huden, hude= (selten *hutene, hute),* heute.

=huder= = hoder, Hüter.

=huder (huderave, huderene),= hedera terrestris; glechoma hederacea.

=hude-visch,= getrockneter Fisch.

=hude-winkel,= Versteckwinkel.

=huf,= f. Hüfte.

=huf (huw),= f. Eule.

=huffeldern,= pirrus, herba huffeldern.

=hufhalt,= hüftlahm.

=hufken,= sw. v. (häufchen?) mit Karten Hasard spielen.

=hufte,= f. Hüfte.

=hugen,= sw. v. denken, sontire?

=hui, huge (hu, huw),= interj. um Schnelligkeit zu bezeichnen; in eineme huye, huge (uno impetu).

=hui-up= (Interj.?) *ein h.,* der zum Aufstehen, Aufbruch treibt?

=hûk,= Eule, Uhu, ula, noctua, bubo.

=hûk,= m. das Zäpfchen im Halse, bes. in geschwollenem Zustande.

=huk-, hukebôt,= Lichterfahrzeug.

=huken= = hoken, Bock.

=huken,= sw. v. hocken, mit gebogenen Knieen sich niederlassen.

=hukes-bleder,= uvularia.

=hukes-hovet= (engl. *hogshead*), Oxhoft.

=hulde,= _f. 1. Geneigtheit, Wolwollen. 2. Huldigung, Huldigungseid._

=hulde-brêf,= Huldigungsurkunde.

=huldeget, huldet,= einer, der die Huldigung geleistet hat.

=huldelik,= 1. *h. tins, pennink,* die Abgabe, die geleistet wird, um die Hörigkeit und Unterthänigkeit zu bezeichnen. 2. dem Huldigungs- (Amts-)Eide gemäss?

=hulden,= sw. v. einem Obern huldigend übergeben. 2. von Seiten des Oberen: hold sein, Schutz gewähren.

=huldich=, einer, dem man huldigt.

=huldigen,= sw. v. = *hulden;* auch: hold, gewogen machen.

=huldinge,= Huldigung.

=hulen,= sw. v. heulen, schreien.

=hulfte,= f. Tasche für Bogen und Pfeile.

=hulle,= f. Kopfbedeckung, Kopftuch, Mütze. Dem. hulleken.

=hullenmaker,= Mützenmacher.

=hulnisse,= Hülle.

=hulpe,= f. Hülfe.

=hulpe,= m. Helfer.

=hulper,= Helfer, Bundesgenosse.

=hulperede,= Einrede, Ausflucht, leere Entschuldigung.

=hulpers-hulper (hulpere-helper),= Helfershelfer, der an einer Fehde mit Teil nimmt.

=hulpe-wort= = hulperede.

=hulpich,= helfend, behülflich.

=hulpinge,= Hülfe.

=hulplik,= behülflich, hülfreich.

=huls (hulse-bôm, -busch),= Hülse, ilex aquifolium, taxus.

=hulsen,= sw. v. die Hülse entfernen, corticare.

=hulven, hulvern,= sw. v. laut heulend weinen.

=humbolt,= eine Art schlechten Flachses.

=humelink,= Hammel, Hämling?

=hummel-bê(n),= Hummelbiene, Drohne.

=humpel,= Haufe.

=humpeler,= Stümper, eig. ein etwas hinkender Mensch (*humpelen,* lahm gehen, hinken).

=hundaten,= sw. v. hündisch behandeln.

=hunde-blome= (Anthemis cotula); amarusca.

=hunde-gelt,= _Abgabe für das Halten eines Hundes? oder für die Atzung herrschaftlicher Hunde?_

=hunde-hâr,= Hundehaar; bildl. Zank und Streit.

=hunde-, (hunt)korn,= derjenige Teil der Bede, welcher nicht in Geld, sondern zum Behuf der Hofwirtschaft in dreierlei Korn (Roggen, Gerste, Hafer) von der Herrschaft erhoben wurde; später auch das Pachtkorn, zu demselben Zwecke bestimmt.

=hundekoten;= hundskot, eine Art Harrass, d. i. Arrasch, Rasch (nach dem Fabrikationsort Hondscoten genannt?)

=hundeleger,= eine Abgabe statt der Fütterung herrschaftlicher Hunde.

=hunde-mome,= Hundemutter, Hündin.

=hunden,= nach Art eines Hundes, caninus.

=hunden,= sw. v. hündisch werden.

=hundert,= die Zahl 100; vielfach als Mass gebraucht; als Landmass = *hunt. -- dat grote h.* enthält 6 Stiege (2 Schock) = 120, oder ist ein Doppelhundert.

=hundes-draf= = hundes-dreck?

=hundes-dreck= (oder =-hor, -mes),= Hundesexcremente, *album graecum;* vielfach als Arznei gebraucht.

=hundes-hovet,= Hundekopf; *dat h. dragen,* gescholten werden.

=hundes-kogel,= eine metallene Kopfbedeckung.

=hundes-ribbe,= amarusca; bubulcus.

=hundes-smer,= Hühnerdarm, ypia.

=hundes-tunge,= Hundszunge, Wundskraut, digitus Veneris.

=hunde-trecker,= der die Koppeln der Jagdhunde zu führen hat, Hundejunge.

=hune,= m. Riese, gigas.

=hunger-dôk,= Hungertuch, *velum quadragesimale,* ein in der Fastenzeit aufgehängtes langes, schwarzes Tuch, das die bunten Gemälde des Altars verdeckte.

=hungeren,= sw. v. hungern.

=hunger-harke,= eine grosse Harke, um die zurückgebliebenen Halme nachträglich zu sammeln.

=hungerich,= hungrig.

=hunger-vreten,= vom Hunger verzehrt.

=hunke-bên,= die Kernkammer des Obstes; (ein Schinken, von welchem das Fleisch fast ganz heruntergeschnitten ist).

=hunne (honne, hunt),= _d. i. *centenarius,* Vorsteher eines Centgaues oder der unter dem *comes* stehenden Richter._

=hunne-amt,= das Amt eines centenarius.

=hunne-, (hond)schaft,= Gericht der *centenarii;* Bezirk einer Gerichtsbarkeit.

=hunt,= m. Hund; *den h. hinken laten,* falsch, unzuverlässig sein.

=hunt,= 1. ein Ackermass, der sechste Teil eines Morgens oder 20 Ruten. 2. ein Torfmass (etwa 60-70 Körbe).

=hunt-bete,= Hundsbiss.

=hunthursliken (?),= hundeschnell?

=hunt-visch,= ein grosser Meerfisch, carcharia; mustelus cetaceus.

=hupe= = hope, Haufe; Dem. hûpken.

=hupelinge,= haufenweise.

=hupen,= sw. v. häufen.

=huppel-reie,= Hupftanz.

=huppen,= sw. v. hüpfen.

=hupper,= Hüpfer = Frosch.

=hûrart,= van h. (= hûr art), hurenweise, unehelich?

=hure,= angenehm, sanft, lieblich, zart.

=hure,= adv. heuer = in diesem Jahre.

=hure,= f. Heuer, Miete, Pachtgeld.

=hure-kerkhere,= gemieteter Pfarrer.

=huren,= sw. v. heuern, mieten (sowol Sachen als Personen).

=huren,= sw. v. schreien, winseln.

=hurhûn,= coturnix.

=hurken,= sw. v. mit gebogenen Knieen niederhocken.

=hurkuken,= sw. v. gurren (von Tauben).

=hûr-lant,= Heuer-, Mietland.

=hûrlink,= Mietling.

=hurlputzen,= Schlag, Stoss?

=hûr-pape,= Heuer-, Mietpfaffe (Vicar).

=hurte,= f. Stoss, Anrennen.

=hurte-leder,= Leder, um den Stoss abzuhalten, Stück der Rüstung.

=hurten,= sw. v. stossen.

=hûr-tît,= Miets-, Pachtzeit.

=hûr-vrî,= miets-, pachtfrei.

=hus!= Interj. Scheuchruf.

=hûs,= n. Haus; *bi huse lank,* Haus bei Haus gehen, hausierend; *dat wilde hûs,* Bordell; *to hûs bringen,* heimbringen, der heimischen Obrigkeit hinterbringen; bildl. (übel) gedenken. -- Bes. Rathaus; festes Haus, Schloss.

=hûs-armen= = hûs-sittende armen.

=hûs-balke,= Hausbalke.

=hûs-bêr,= 1. Hausbier, d. i. Bier zum Hausgebrauch. 2. Festlichkeit bei Richtung eines Hauses.

=hûs-berner,= Hausanzünder, Name eines Käfers, satirus, vermis volans.

=hûs-bode,= der die Befehle der Obrigkeit von Haus zu Haus meldet.

=hûs-boringe,= die Aufrichtung des Zimmerwerkes eines neuen Hauses; der Schmaus dabei.

=hûs-bote (-bute),= Ausbesserung, Reparation des Hauses.

=hûs-dener,= der Ratsdiener = hûsbode.

=hus(e)ken,= Häuschen; das Kernhaus des Obstes, arulla.

=husen,= Hausen, echymus.

=husen,= sw. v. ins Haus nehmen, Behausung gewähren.

=huser,= Hauser, Beherberger; Beschützer.

=huserêren, husêren,= sw. v. hausieren.

=hûs-gebûr= = hûsman, Bauer.

=hûs-gelt,= Geld, das für die Benutzung eines Hauses gezahlt wird, Mietzins.

=hûs-gemak,= häusliche Bequemlichkeit.

=hûsgenote,= 1. der zu einem Hause (Hofe) gehörige, der demselben zu Diensten verpflichtet ist. 2. »Hausgenossen sind die unter derselben Lehnsherrschaft stehenden Mitvasallen.«

=hûs-geseten,= ansässig (mit einem Hause).

=hûs-gesinde,= Hausgesinde; auch von einem einzelnen Diener.

=hûs-gesprake (hûsprake),= Sprache, Zusammenkunft der hûsgenoten.

=hûs-herde,= Haushüter.

=hûs-here,= Hausherr; auch = *hûsman* = Pächter.

=hûshoven,= sw. v. zu Hause verbergen.

=husinge,= f. 1. Behausung, Haus. 2. der schmale Gang zwischen zwei Häusern.

=husinge,= ein dünnes aus drei Garnen bestehendes Seil; Hüsel.

=hûsink,= der gemeine Hausmann.

=hûsken-slüsk,= hûsken unde slûskenpack, Bettel- und Saufpack, gemeines Volk.

=hûs-keringe,= Hauskehricht.

=hûskerle= = hûslude.

=hûskôp,= Hauskauf; Abgabe wegen eines Hauskaufes.

=hûs-lage,= Hausabgabe.

=hûslant (-landes),= ein Ackermass.

=hûsle (?),= Häusler, Mieter eines Hauses?

=hûs-lucht,= Erker (unten am Hause), menianum.

=hûs-lôk,= Hauslauch.

=hûs-malder,= geringe Sorte Tuch, Hausmannslaken (beider-want).

=hûs-man,= 1. Hausmann, Bezeichnung eines Landsmannes, Bauern. 2. der ein Haus zu besorgen hat *(hûs-lude* sind die Besatzung eines Hauses, d. i. Schlosses), spec. der Thürmer.

=husnake= = alsnick.

=hûs-rât, -gerât,= 1. Hausgerät. 2. Hausstand, Haushaltung.

=hûs-rêschop,= Hausgerätschaft.

=hûs-ronne,= Dachrinne am Hause.

=hûs-sate, -sete,= hausgesessen, mit einem Hause ansässig.

=hûs-schriver,= Schreiber auf einem Hause, d. i. Schlosse.

=hûs-settinge,= Erbauung eines Hauses.

=hûs-sitten(d)e,= 1. hausbesitzend, mit einem Hause angesessen. 2. im Hause sitzend; *h. armen* (Ggs. die bettelnd herumziehen).

=hûs-slachter,= Hausschlächter, d. i. der auf Verlangen im Hause (nicht zum Verkauf) schlachtet.

=hûs-sluter,= Hausschliesser, Pförtner.

=hûs-soke,= Einbruch in ein Haus, Hausfriedensbruch.

=hûs-sokinge= (= heimsokinge), _1. Hausfriedensbruch. 2. Haussuchung._

=hûs-trede,= Haus-tritt, d. i. Auftritt zum Hause.

=hûs-tûn,= Hauszaun, Einzäunung um ein Haus.

=hûs-vetek?=

=hûs-vri,= Besitzer eines Freihauses.

=hûs-volk,= Hausvolk, d. i. Volk aus Landleuten bestehend.

=hûs-vrede,= 1. Hausfriede. 2. Hausfriedensbruch; *h. dôn,* den Hausfrieden brechen, violentiam facere.

=hûs-vrowe,= Hausfrau; auch das Weibchen von Tieren.

=hûs-walt,= Gewaltthätigkeit gegen einen andern in seinem Hause.

=hûs-were,= Verteidigung des Hausfriedens.

=hûs-wert,= Hauswirt, Vorstand eines Hauswesens.

=hûs-wervinge,= _das Beziehen des neuen Hauses (von jungen Eheleuten); die Festlichkeit dabei._

=hûs-win, -winninge,= das Mieten, Pachten eines Hauses.

=hûs-wort,= Hauswurz, polipodium, barba Jovis.

=hût,= Haut; *ovele, bose, quade, olde hût,* häufig als Schelte für ein böses Weib gebraucht; *up der hût* (oder *van der hût werpen),* prellen.

=huteler (hudeler),= der etwas hütet, verbirgt, Hehler.

=hutseken (huetschen),= _sw. v. drehen, auf dem Drehbrette *(quekebrede)* spielen, od. Münzen aufwerfen *(krusemunten),* Bild oder Schrift entscheiden lassen._

=hutspot,= klein gehacktes Fleisch (von Schweins-Abgefall).

=hutte unde mutte,= das gesamte Hauswesen, alles mit einander.

=huve,= Haube, Kopfbinde; Sturmhaube, Bienenkorb.

=huvenblêk?= Visier?

=huvenbôm,= eine Art Sattelbaum, Meisterstück der Sattler.

=huvesel (huwessel),= Kopfbinde (der Frauen)? Haube?

=huvete,= n. Haube.

=huwelik,= Ehe; *huweliks-brêf,* Ehepacten.

=huxshovet= (engl. *hogshead,)* Oxhoft.

I.

=i,= interj. ei!

=iben-bôm,= s. iwenbôm.

=ichlich(t),= d. i. *iegelich,* jeder, jeglich.

=icht (gicht, jicht, iedt, iet),= 1. Pron. irgend etwas. 2. Adv. in irgend etwas, irgendwie; etwa.

=icht, ichte= = ift, 1. wenn, ob. 2. oder.

=ichtes (ichtest, iets),= eig. Gen. von *icht,* als Nom. und Acc. gebraucht, wie des, wes, nichtes.

=ichtes-icht (gichtes-gicht),= verstärktes icht, aliquantulum.

=ichtes-wanne (gichtes-, ittes-, ettes-, ittewanne, -wenne),= _adv. irgend einmal (meist von der Vergangenheit), einst, früher, »weiland«._

=ichtes-wannêr,= irgend einmal, aliquando.

=ichtes-we, -wat,= 1. irgend wer -- was, *aliquis -- quid.* 2. *ichtes-wat,* adv. einigermassen.

=ichtes-welk,= mancher; Plur. einige, irgend welche.

=ichtlik,= adv. irgendwie.

=ichtich= = gichtich.

=ickes-wanne, -wat, -welk= = ittes-, ichtesw. (_In den Hschr. ist *ct* häufig_ = tt.)

=idel,= 1. leer, *vacuus.* 2. pur, lauter, unvermischt. 3. eitel, vergeblich, nichtig, inanis.

=idelen,= sw. v. leer, nichtig machen.

=idelheit,= Eitelkeit, Nichtigkeit.

=idelicheit,= 1. Leerheit. 2. Nichtsthun, Müssiggang. 3. Eitelkeit, Nichtigkeit.

=ideliken,= eitel; vergeblich.

=ie,= s. io.

=i(e)dages,= adv. an demselben Tage, sofort.

=i(e)der,= jeder.

=i(e)derman,= jedermann.

=i(e)gelik,= jeglich.

=i(e)lik= = i(e)gelik.

=i(e)man (iemant, iemants, iemen= und mit conson. j: =jummant, jummende, -- gemant[s] --),= jemand; selten = jedermann.

=ierarchie= (Hierarchie), Ordnung.

=ieto,= jetzt, s. jutto.

=iflôf,= s. iwelof.

=ift (eft, aft, oft),= wenn, ob; als wenn, s. auch eft.

=igelik,= jeder.

=ika,= das Eselsgeschrei (ia).

=ike,= f. 1. spitzes Instrument, Lanze, Pike. 2. das Instrument, mit welchem man die Gemässe etc. nach ihrem Inhalt bestimmt; das Zeichen selbst.

=iken,= sw. v. eichen, nach dem Eichmass (*ike*) Mass und Gewicht bestimmen und bezeichnen (mehr ndl., in nd. wird häufiger gebraucht likenen, liken).

=iklik= = igelik, jeder.

=ilder= = alder, aller.

=ile,= f. Blutegel.

=ile,= f. Eile.

=ilen,= sw. v. eilen.

=ilende(s),= adv. eilig, schnell.

=îl-gras,= piper aquaticum.

=ilich,= eilig; fliessend (vom Eiter?), *tabidus.* Adv. eilends.

=St. Ilien (Illigen, Ilgen),= Egidius; als Datum 1. Septbr.

=ilinge,= f. Eile, Ungestüm.

=iling(e),= adv. eilig.

=ilke (illeke, ülke),= m. Iltis.

=ill-wrekend,= rachsüchtig.

=imbôl= (= in-bodel), Hausrat.

=imme,= n. 1. Biene. 2. Bienenschwarm und Bienenstock.

=imme-bên= (taut. Zus.), n. Biene.

=imme-bôm,= Bienenstock, in einem Baume angebracht.

=imme(n)-hof,= Bienenhof, -stand.

=immen-kar,= m. Bienenkorb.

=immen-swalm,= m. Bienenschwarm.

=imme(n)-tûn,= Bienenzaun, -garten, -stand.

=immet (impt),= n. Inbiss, Frühstück, prandium.

=imunge, imi(n)ge?=

=in,= 1. präpos. in (räumlich, zeitlich und modal). Im Hochd. wendet man in allen drei Fällen häufig andere Präpositionen an. 2. adv. drinnen, hinein; nach Hause, heim.

=in-= vor Adj. hat augmentative Kraft.

=in-aderen,= Eingeweide; das Innere.

=in-antwerden,= überantworten.

=in-antwerdinge,= Überantwortung.

=in-bilden,= ein Bild wovon machen, vor Augen stellen, einprägen.

=in-bildinge,= Einprägung.

=in-binden,= einbinden; bildl.: einknoten, einschärfen.

=in-blasen,= einblasen; inspirieren.

=in-blasinge,= Einblasung, Blähung; Inspiration.

=in-blien,= einbleien; mit Blei einlassen.

=in-boren,= erheben, einnehmen (Gelder).

=in-borer,= Erheber, Einnehmer.

=in-boringe,= Hebung, Einnahme.

=in-borlink,= Eingeborner.

=in-bot?= (= in-bort?) Einnahme.

=in-boten,= einheizen.

=in-boter,= Einheizer.

=in-breken,= hereinbrechen (von der Flut, einem Heere).

=in-bringen,= hineinbringen, bildl.: herbei-, mit sich bringen; bes. vor den Richter, den Rat, die Obrigkeit etc. bringen; überh. melden, referieren.

=in-bringer,= 1. der eine Meldung macht, Referent, 2. Veranlasser.

=in-brôk,= 1. Einbruch; Stelle, wo das Flutwasser eingebrochen ist. 2. bildl.: Nachteil, Schaden.

=ind(e)= (westf.) = unde.

=indechtich (inged.),= 1. eingedenk, *memor.* 2. erinnerlich.

=in-degedingen (indedingen),= durch (gerichtliche) Verhandlung einklagen, gerichtlich einziehen.

=in-deken= (oder =-daken),= eingeschnitten, verletzt.

=in deme,= conj. 1. in dem Falle, wenn (urspr. wol zeitlich), mit folg. *dat, alse, wen,* oder allein stehend. 2. wenngleich, obschon. 3. causal, indem (mehr in heutigem Sinn).

=in-denen,= durch Dienste vergelten, wieder einbringen.

=in-denken,= _(ein)gedenken; bes. Part. *indenkende sîn,* (mit Dat.) erinnerlich sein._

=in-denkich (in-ged.),= erinnerlich; eingedenk.

=in-diken,= eindeichen.

=in-dingen,= 1. das Gericht *rite* constituieren durch die Fragen des Richters und die Antwort der Schöffen; refl. sich ordnungsmässig beim Gericht (als Fürsprecher etc.) constituieren. 2. durch gerichtliche Verhandlung einziehen. 3. paciscieren, verhandeln.

=in-dómesse= (= ingedömsel), Hausrat.

=in-dôn,= 1. übergeben, 2. den Besitz oder Genuss eines Besitztums als Pfand übergeben.

=in-dracht,= 1. Eintrag, Schaden, Hindernis, bes. rechtliches. 2. Gildenfest bei der Aufnahme, Eintragung eines neuen Mitgliedes.

=in-drank,= Eindrang, d. i. Benachteiligung, Verletzung eines bestehenden Rechtes.

=in-draven,= hereintraben, -reiten.

=in-dregen, -dragen,= _1. hineintragen. 2. übertragen, im rechtl. Sinn, 3. als techn. Ausdruck in der Weberei: den Eintrag thun, werfen, *ordiri.* 4. intr. von Schiffen: drauf los fahren._

=in-drenginge,= Eindrängung.

=in-dringen,= eindringen.

=in-drinken,= einsickeren.

=in-drift,= das Eintreiben (des Viehes in die Mastung).

=in-driven,= eintreiben; bildl.: vergelten, eintränken.

=in-dukinge,= Eintauchung.

=inech,= einzig.

=in-êr,= =Eingeweide= (= ineddre, inadere).

=in-eschen,= hereinheischen, *invocare,* d. i. 1. Einlass begehren. 2. vorfordern, vorladen.

=in-eschen,= in Asche legen, einäschern.

=in-evenen,= einebnen, eben machen.

=in-gân,= eingehen, aufhören, zu Grunde gehen. 2. hineingehen; nach Hause gehen; Haushaft halten. 3. eintreten in eine Gilde, ein Amt. 4. eingehen, beschliessen, genehmigen.

=in-gank,= 1. Eingang, 2. Eintritt in eine Gilde, in ein Amt. 3. das Eingehen auf etwas, Zustimmung. 4. Präjudiz, Exception, Rechtstitel.

=..inge,= diese Endung wird auch in *..i* verkürzt.

=in-gebutte,= Eingeweide der Fische.

=in-gedome (-domete, -domte, -donte),= _n. 1. Eingeweide, *viscera.* 2. bildl.: was im Innern eines Hauses ist, Hausrat, *supellex,* bes. das eingebrachte Heiratsgut der Frau._

=in-gehalde,= n. das Eingebrachte, vom Heiratsgut der Frau = ingedomte.

=in-geholken,= ausgehöhlt, hohl?

=in-gehorich,= wozu gehörend.

=in-geisten,= mit einem Geiste versehen, inspirieren.

=in-geistinge,= Inspiration.

=in-gelder,= der *ingelt* zu zahlen hat, Schuldner.

=in-gelege (-leger),= n. Einlager, obstagia.

=in-geleide,= Geleit.

=in-gelêvet,= beliebt, angenommen.

=ingelsche,= ein Gewicht, Drachme (1 untze = 20 ingelschen); estrelin, esterlingus.

=in-gelt,= Zins, Interesse, Rente, Einkommen (von einem Gute oder Capital).

=in-gerichte,= eine Schlosserarbeit (welche?)

=in-gerif,= n. Eingeweide, was im Leibe ist.

=in-gesegel,= n. (und m.) Insiegel.

=in-gesete,= m. Eingesessener.

=in-gesette,= Ein-, Festsetzung.

=in-gesinde (-sinne),= n. (Haus)gesinde.

=in-gêten,= eingiessen; auch bildl.: Einfluss haben.

=in-gêtinge,= Eingiessung.

=in-geven,= 1. hineingeben (in ein Kloster). 2. einräumen, zugestehen. 3. eingeben, anraten. -- Refl. *sik i.,* einräumen, nach-, zugeben.

=ingever,= Ingwer.

=in-gevinge,= Eingebung; Einführung (in das Kloster).

=in-gewât (-want, -wende),= n. Eingeweide, *viscera;* bildl.: die Intestina des Hauses, Hausrat.

=ingewende,= (rechtlicher) Einwand.

=in-graven,= eingraben; bildl.: fest einrichten.

=in-grepe,= Eingriff, (widerrechtliche) Besitznahme.

=in-gresen,= einwachsen, bildl.: sich festsetzen, einwurzeln.

=in-gripen,= ergreifen, in Besitz nehmen.

=in-gulde= = gulde, Gülte, Rente.

=in-gût,= Eingut.

=in-hacken,= einhacken, bildl.: Gegensprache, Einwendungen machen.

=in-halen,= einholen; gefänglich einziehen. -- Techn. Ausdruck im Deichwesen: durch Eindeichung Land gewinnen.

=in-hechten,= einheften.

=in-heilen,= (aus der Verbannung wieder) in die Stadt zurückzukommen begehren?

=in-he(i)mes (-heimisch, -heimich),= einheimisch, d. h. daheim, im Lande, zu Hause.

=in-hittich,= inbrünstig.

=in-hode,= Einhutung; Viehtrift (= hode).

=in- (inne-)hoden,= _1. *inhoder* sein, Wache innerhalb eines Gebäudes etc. halten. 2. im geheimen, versteckt es mit jem. halten._

=in-hoder,= Haushüter; fem. inhodersche.

=in-holden,= 1. enthalten. 2. einbehalten, unterlassen; Pfand nehmen. 3. den (Gerichts)termin einhalten, wieder erscheinen vor Gericht, sich stellen. 4. *= beholden. inh. in den hilligen,* eidlich bekräftigen.

=in-holdinge,= 1. Inhalt. 2. Vorbehalt, Einbehalt.

=in-holt,= m. und n. 1. Inhalt; abs. (als Präpos.) nach Inhalt, inhaltlich. 2. Einhalt, Hemmung.

=in-holt,= n. (beim Schiffsbau) Inhölzer, Rippen.

=in-holtnisse,= Inhalt.

=in-horich,= wozu gehörend.

=in-houwen,= einhauen.

=in-huren,= heuern, mieten.

=inich= (= ienich, jenich), irgend einer; *inichhant,* adv. irgend welcher Art.

=inisse,= eine Pflanze (welche?)

=..ink (ing),= Deminutivbezeichnung; an Eigennamen zur Bezeichnung der Abstammung; dann als (hypokoristischer) Eigenname selbst.

=inket, enket,= n. Dinte.

=inket-horen,= Dintenhorn, -fass.

=in-klackern,= hineinklexen.

=in-kleden,= einkleiden (zur Nonne).

=in-kledinge,= Einkleidung, Investitur.

=in-kleiven,= hineinschmieren.

=in-kloppen= (fries.) widerrufen?

=in-komelink,= m. Einkömmling, Fremder.

=in-komen,= 1. hereinkommen. 2. heimkommen. 3. sich stellen einer Verpflichtung gemäss, Einlager halten.

=in-kome(n),= n. das Einlager.

=in-komen, -komende,= m. Einkömmling, Fremder.

=in-komer (-kamer),= m. der aus der Fremde in eine Gemeinde zieht = inkomelink.

=in-kominge,= 1. das Hereinkommen. 2. Einkommen.

=in-kôp,= Einkauf, Preis.

=in-kopen,= einkaufen; (eroberte Plätze durch Geldzahlung) einlösen.

=in-korten,= kürzen.

=in-krigen,= sich in Besitz setzen auf gütlichem oder feindlichem Wege.

=in-krimpen,= einschrumpfen.

=in-krupen,= hineinkriechen.

=in-kumst, -komst,= Einkommen.

=in-lage,= 1. Einlage, Einzahlung. 2. Einlage im Deichwesen, ein neuer Deich, der um eine Brake einwärts gezogen wird.

=in-laden,= einladen, zu sich laden.

=in-lader,= Einlader; Wirt.

=in-langen,= ausreichen.

=in-lât,= Einlass (der Mastschweine in eine Waldung), immissio.

=in-laten,= 1. darin lassen, nicht einfordern. 2. einlassen. 3. refl. *sik i. mit,* sich mit jemand einlassen.

=in-lede= (= inlegede) = inleger.

=in-lede,= Stück des Bettzeuges, Inlitt.

=in-leger, -lager,= n. Einlager, Haushaft, *obstagium* (Geiselschaft).

=in-leggen,= 1. einlegen, zurücklegen; Schiffe in den Hafen bringen. 2. einlegen, auf die Wage legen. 3. in Haft bringen, bes. das Einlager halten lassen. 4. Einwendungen machen.

=in-legger,= beim Wollenamt derjenige, der es mit dem Rohproducte zu thun hatte und dessen Controle die Wollhändler unterworfen waren.

=in-leiden, -lêden,= hineinleiten, hineinführen; als priesterl. Function: die Frauen (nach überstandenem Wochenbett) wieder in die Kirche einführen.

=in-leidinge,= Einführung; bildl: Anweisung.

=in-liggen,= einliegen, Einlager halten.

=in-liven,= einverleiben, einfügen.

=in-lopen,= 1. einlaufen, krimpen. 2. hineinlaufen.

=in-losen,= einlösen (ein Pfand).

=in-loven,= angeloben.

=in-luden,= einläuten.

=in-manen,= einmahnen, einfordern; bes. auffordern, das Einlager zu halten.

=in-maner,= der etwas zu fordern hat.

=in-maten,= inmassen, gemäss wie.

=in-meten,= einmessen.

=inne, in,= adv. 1. inwendig. 2. daheim, zu Hause; *inne bruwen bêr,* im Hause gebrautes Bier.

=inne-becker,= Hausbäcker, der im Hause bäckt, ohne der Bäckergilde anzugehören.

=inne hebben,= 1. enthalten. 2. refl. *sik inne hebben,* sich bei einer Sache verhalten, benehmen.

=in-nemen, -nomen,= 1. hinein, ins Haus nehmen; Verbannte oder Vertriebene wieder aufnehmen. 2. in Besitz nehmen. 3. annehmen, in Dienst, Bündnis etc. nehmen. 4. mit den Ohren empfangen, hören. 5. aufnehmen, ansehen, betrachten. 6. annehmen, festsetzen.

=innen,= sw. v. hinein (in sein Haus, seinen Besitz) bringen, sich aneignen. -- Refl. sich hineinbringen, wieder hinein kommen.

=inneren,= _sw. v. erinnern, machen, dass einer eines Dinges »*inne*« wird, überzeugen._

=inneringe,= Mahnung, Überführung, Beweis.

=inne-sitten,= 1. drin sitzen, den Genuss von einem Lehn, Amte etc. haben. 2. Hausarrest haben und in Folge dessen geschützt sein gegen Pfändung und gerichtliche Überantwortung in die Privathaft.

=innet= = in dat.

=innewert,= inwärts.

=innich,= fromm, andächtig.

=innicheit,= Frömmigkeit, Andächtigkeit, Erbauung.

=innichliken,= adv. fromm, andächtig.

=innigen,= adv. fromm.

=inninge (innige, innie),= _f. 1. Innung. 2. Aufnahme in eine Innung._

=inninge-mester,= Gildemeister.

=inninges-bule,= Innungsgenosse.

=in-noden,= hinein-nötigen, einladen.

=in-opperen,= einopfern, unter Feierlichkeiten in ein Kloster geben.

=inpas,= m. Einschritt, Eingriff, Hinderung.

=in-pedden,= mit den Füssen einstampfen.

=in-plichten,= einpflichten, einem die Leistung einer Sache auflegen.

=in-poten,= einpflanzen, inserere.

=in-potinge,= Einpflanzung, Einpfropfung.

=in-prenten,= eindrücken, einprägen.

=in-raken,= (zufällig) treffen (raffen, zusammenscharren).

=in-râm,= Bestimmung, Festsetzung, Beschluss.

=in-ramen,= ins Auge fassen, zielen, bestimmen.

=in-rede,= Einrede, Widerspruch.

=in-redich, -redisch,= der seinen Rat mit dazu gibt; behülflich.

=in-reisen,= einziehen; Inf. subst. Einzug.

=in-remmen,= einrammen; bildl.: eintreiben, fühlen lassen?

=in-rennen,= (rinnen machen?) eingiessen?

=in-renten,= Ertrag abwerfen; durch Verpachtung nutzbar gemacht werden.

=in-riden,= 1. einreiten. 2. sich an einem bestimten Orte wegen einer Schuld zum Einlager, als Geisel, stellen.

=in-rit,= n. das Einreiten, Einzug (eines Fürsten).

=in-riten,= 1. einreissen. 2. intr. von übeln Gewohnheiten: überhand nehmen.

=in-riven,= einreiben.

=in-ronnich,= baufällig, ruinosus.

=in-ropen,= einrufen (zum Kriegsdienst); (in die Stadt) zurückrufen.

=in-ropinge,= Einberufung.

=in-rumen,= Raum, Platz gewähren; einräumen, gestatten.

=in-rumich,= einräumend, gestattend.

=in-ruminge,= Einräumung, Erlaubnis.

=in-ruschen,= auf jem. losstürzen.

=ins= = êns, eins, adv. einmal.

=in-sage,= Einspruch, Widerspruch; Einspruchsrecht; Duplik.

=in-sament,= zusammen.

=in-sate, -sete (inste),= m. Eingesessener.

=in-sate,= f. Einsetzung, Bestimmung, institutio.

=in-saten,= einsetzen, anordnen.

=in-scheten,= einschiessen, einspritzen.

=in-scholdinge,= _der Einsturz des Deiches durch Andrang des Wassers._

=in-schowen,= als techn. Ausdruck bei den Handwerkern: einen Gesellen beim Meister unter dem üblichen Ceremoniell in die Arbeit weisen.

=in-schriven,= einschreiben, einzeichnen.

=in-schrift,= Inschrift; auch: Verzeichnis.

=in-schroden,= Weinfässer in den Keller rollen.

=in-schult unde ûtschult,= Credit u. Debet.

=in-schuren,= einscheuern, in die Scheune bringen.

=in-seggen,= 1. ansagen, angeben. 2. einsagen, Widerrede, Einwendungen erheben, entgegnen. 3. dringend vorstellen.

=in-seggent,= n. Einsprache.

=in-settelse,= n. das Eingesetzte; vom Deiche: das (neu) Aufgeworfene.

=in-setten,= 1. einsetzen. 2. hereinsetzen, einrücken. 3. angreifen (mit *to*). 4. einführen, anordnen.

=in-setter,= Urheber, Anstifter.

=in-settinge,= Einsetzung, Anordnung; das Setzen in Gefangenschaft, Verhaftung.

=in-slach,= Einschlag (bei der Weberei).

=in-slân,= 1. einschlagen. 2. einpacken. Refl. sich ins Mittel legen.

=in-sliken,= einschleichen.

=in-sluten,= einschliessen.

=in-snede,= Einschnitt, Schnitte.

=in-soken,= angreifen.

=inspê werden= = inspechtich werden.

=in-spechtich, -spichtich,= ansichtig werden.

=in-spedich= = inspechtich.

=in-spêr, in-speringe,= Sperrung, Hindernis, Einsprache.

=in-sprake,= 1. An-, Zusprache, Aufforderung. 2. Einspruch, Widerspruch.

=in-spreken= (st. v.) und =in-spraken= (sw. v.), 1. zureden, auffordern. 2. (rechtlichen) Widerspruch erheben. 3. verurteilen (zum Einlager). Ggs. lôs-spreken.

=in-sprekinge,= Zureden, Dreinreden.

=in-sprengen,= 1. einsprengen, dazwischen werfen. 2. hineinsprengen (intr.), hineinreiten.

=in-sprenginge,= Einsprengung, Einmischung.

=in-staden, -steden,= 1. den Eingang gestatten. 2. zulassen, erlauben, gestatten.

=instadinge= und =instede,= Zulassung, Erlaubnis.

=in-stedigen,= bestätigen, zulassen.

=in-steken,= hineinstecken; refl. sich hineinmischen.

=in-stellen,= einstellen (zu einem bestimten Termin).

=in-stendicheit,= inständiges Bitten und Anliegen.

=inster,= n. Eingeweide (des Schlachtviehes).

=in-stigen,= einsteigen, die Mauern einer feindlichen Stadt übersteigen.

=in-stocken,= anstacheln.

=in-storten,= hineinstürzen.

=in-tal,= Einrede, Widerspruch.

=intalken?=

=in-tasten,= hineintasten; *boven i.,* sich gewaltthätig benehmen.

=inte= = into.

=in-tellen,= einzählen.

=in-tên,= 1. einziehen (intrans. u. trans.). 2. einziehen, mit einbegreifen. 3. ziehend machen (z. B. Gräben). 4. Vorbehalt machen.

=intermos (-mesch),= Zukost zum Gemüse.

=into= _(verkürzt in *inte, int),* präp. mit Dat.; in, hinein (entst. aus_ in to).

=in-toch,= 1. Einzug, Einziehen, *introitus.* 2. im rechtl. Sinn: Vorbehalt, Einrede etc. 3. im techn. Sinne: Zug (Stück der Armbrust).

=in-tochen,= einziehen in ein Haus.

=in-togelink,= Einzügling, der aus der Fremde eingezogen ist.

=in-togen,= im Lande aufgezogen, einheimisch.

=in-trecken,= hineinziehen, hineinführen.

=in-treckinge,= im jurist. Sinne = intoch.

=in-tredden,= ein-, niedertreten.

=intucht,= f. 1. Einzucht, d. h. selbst gezogenes Vieh. 2. Einzeugung, Bezeugung. 3. = intoch.

=in-tugen,= ein-, bezeugen.

=in-tunen,= einzäunen, mit einem Zaun umgeben.

=in-val,= _1. Zufall, Vorfall (vgl. *an-val).* 2. Anbruch, Anfang. 3. Einbruch, Schaden, Nachteil. 4. in rechtl. Sinne: Eingriff in die Rechte eines andern, Hinderung, Einsprache etc._

=in-vallen,= 1. einen Einfall, Anfall, Angriff machen. 2. bildl.: hindernd eintreten; im rechtl. Sinn: Widerspruch, Einsage erheben.

=in-vallich,= i. werden, rückgängig.

=in-vangen,= einfangen; als techn. Ausdruck der Messerschmiede: die bewegliche Messerklinge am Rücken durch ein Charnier einschnappen lassen, dass sie fest steht.

=in-varen,= einfahren; einziehen in ein Land oder Haus.

=invart= unde =ûtvart,= Einfahrt und Ausfahrt.

=in-vellich= (= invallich), rückgängig; verlustig.

=in-vindinge,= Einrede.

=invlessen,= _mit Flachs gemischt? (*heden invlessen,* Hede u. Flachs gemischt?)_

=in-vleten,= einfliessen; bildl.: Einfluss haben.

=in-vletinge,= Einfluss.

=in-vlicken= (= invligen?), refl. sich einmischen.

=in-vligen,= (ein)ordnen, zusammenlegen, einpacken.

=in-vlôt,= Einfluss (eig. und bildl.).

=in-vlucht= unde =ûtvlucht,= Ort, wo jemand hinein- und herausflieht.

=in-volgen,= beistimmen.

=in-vollich= (d. i. *involgich),* beistimmend.

=in-vorderen,= einforderen; die Strafe für etwas fordern.

=in-vorderer,= Einforderer.

=in-vore,= Hereinfuhr.

=in-voren,= einführen; anführen (citieren).

=in-voringe,= Einführung; feierliche Einholung.

=in-vorliven,= einverleiben.

=in-vretich,= grimmig (= in-wrêtich?)

=in-vunt= = invindinge.

=in-vurich,= entflammt, zornig.

=in-waninge,= Wohnung.

=in-wardich,= einheimisch (einwärtig).

=in-waren= = inweren.

=in-wech,= Weg, der hineinführt.

=in-wedden,= als Pfand nehmen.

=in-wegen,= einwägen.

=in-weldigen,= in den Besitz eines Gutes, Erbes etc. setzen; refl. widerrechtlich in Besitz nehmen.

=in-weldinge,= Einsetzung in den Besitz.

=in-welteringe,= Hereinwälzen.

=in-wendelik,= inwendig; inniglich, von Herzen.

=in-wendich,= inwendig; als Präp. innerhalb.

=in-wendicheit,= das Innere, interiora.

=in-wendichliken,= inniglich; angelegentlich.

=in-wendiges,= adv. inwendig.

=in-wer,= Einsprache, Hinderung.

=in-weren,= von Gerichtswegen in Besitz setzen.

=in-wer(r)inge= = inwer.

=in-werven,= hinein-, herbeischaffen; einführen (in eine Gesellschaft); refl. sich anmelden vor Gericht, sich bewerben um Zulassung.

=in-weser,= der darin ist, Einwohner.

=in-winnen,= 1. erwerben. 2. mieten, heuern.

=in-wirken,= einwirken, hineinarbeiten.

=in-wisen,= gerichtlich einweisen in den Besitz oder in ein Amt.

=in-wiser,= der beauftragt ist, jem. in ein Lehn, Gut, Amt etc. einzuführen.

=in-wisunge,= Einweisung in einen Besitz etc.

=in-wokeren,= durch Wucher an sich bringen.

=in-won,= Verdacht.

=in-wonen,= bewohnen; fact. mit Einwohnern füllen.

=in-woner,= Ein-, Bewohner; Einwohner ohne volles Bürgerrecht.

=in-wonlik,= 1. bewohnbar. 2. ansässig.

=in-wonlink,= Einwohner.

=in-wordes,= einwärts (ins Land).

=in-worp (-warp),= _Metallbeschlag an Thüren etc. zum Einhaken, Henge; auch als *discus* glossiert._

=in-wretischeit,= Schärfe.

=in-wrogen,= rügen, zur (polizeilichen) Strafe ziehen.

=..io= angehängt (an Subst.) im Ausrufe.

=io (ie, i, jo, je, ju, gi),= 1. je, immer, zu aller Zeit (von der Vergangenheit); auch von der wiederholten Thätigkeit in der Gegenwart. 2. distribut. bez. jedesmal. Vor Compar. *io -- io (so),* je -- desto. 3. Versicherung bez. (berührt sich mit *jâ),* durchaus, jedesfalls, sicherlich. Wiederholt *ie ie (je je, jo je)* bez. Verallgemeinerung.

=(io-), ieher,= jeher.

=(io-, ie-), immer (um-, jumer, jummers, ummers, ummeren, jumber),= 1. immer, jemals (von beginnender und zukünftiger Thätigkeit). 2 jedesfalls, sicher, gewiss.

=(io-), jummermere,= von nun an, immerfort.

=io, ieto,= s. jutto.

=io- (iu-, je-, ioge-)welk, -welik, julik,= jeglicher.

=(io-), iewerlde (iewerie, giwerlde, juwerde),= irgend einmal in der Welt, jemals, stets (von der Vergangenheit); *iewerlde her,* von jeher.

=ippen- (ippe)cras,= Gewürzwein.

=iprump,= Rohrdommel.

=ir, gir-= in einigen Verbindungen = *iergen,* z. B. irhande, irleie.

=ir-,= s. er.

=ire= = êr, n. Erz.

=irisch (iresch, irsch),= aus Irland; Tuch aus Irland.

=irluftich,= erlaucht.

=irre(n)-môt= = erre-môt, Widerwille.

=irren, erren,= sw. v. hindern, stören; *sik irren mit,* sich erzürnen mit.

=irske= (= ertseke), Hänfling.

=îs,= n. Eis.

=îs-bên= (eig. *isch-bên),* Eisbein, Hüftbein.

=îs-borch,= Eisburg.

=ise (?),= Blutegel.

=isen,= sw. v. das Eis aufhauen, aufeisen.

=isenack,= eine Art (viel gebrauchten) Kleiderstoffes (nach dem Fabrikationsorte Eisenach benannt?)

=isern, isen,= n. Eisen; eiserne Bande, Haft; Geräte aus Eisen; bes. Hufeisen; das (heisse) Eisen, das bei der Feuerprobe getragen oder begangen werden musste.

=isern,= eisern; beständig bleibend, beim Abgange stets wieder zu ersetzen.

=iser(n)berner,= (Eisenbrenner), Eisenarbeiter.

=iser(n)bart, -bort,= Goldamer, aurificeps.

=isernhard,= verbena; artemisia.

=isernhôt,= Eisenhut, Helm.

=isernkrût,= verbena.

=isernkule,= Eisengrube.

=iser(n)menger,= Eisenhändler.

=iser(n)touwe,= eisernes Gerät.

=ises-vlôt,= Eisflut, Eisgang.

=îs-hoken= (= -haken), Eishaken.

=îs-jokel,= Eiszapfen.

=îs-kegel= = îskekel = isjokel.

=islik (ieselik), eslik,= jeder.

=isop,= Isop; =isepen-bêr,= Bier aus Isop.

=iste= = deste.

=îs-schulver,= Eisscholle.

=îs-spore,= Eissporn.

=is-welk= = ichteswelk.

=it,= es; Verkürzung des Art. dat.

=itlik, ittelik,= 1. jeder. 2. *(= eteslik)* irgend ein.

=ittol,= s. jutto.

=ittons= (= nu tor tît), s. jutto.

=it-wanne (itte-, ittes-, ettiswanne)= = ichteswanne, früher.

=itwelk,= irgend einer; jeder.

=itzing,= jetzig.

=itzstunt,= jetzt, zur Zeit.

=itzunt (-undes, -under), utzunt,= jetzt, zur Zeit.

=iveren,= sw. v. eifern; mit Eifer betreiben; mit Eifer verfolgen; bestrafen.

=iverich,= eifrig.

=iwe,= Eibenbaum, taxus baccata.

=iwenbôm,= 1. Eibenbaum. 2. Epheu.

=iwenholt,= Eibenholz.

=iwesche,= Epheu, (h)edera.

=iwlôf, ifflôf, ilof,= auch =eigloff,= Epheu.

=(iw-) iflôk?=

J.

=ja,= affirmative Interj. *jo ja jo, utique;* zuw. Interj. der Klage, ja, jach!

=ja-broder,= Jabruder, der zu allem ja sagt.

=jach= = gach, ga, jach, schnell; Interj. der Klage.

=jachmôt,= auffahrendes Wesen, vehementia.

=jacht,= f. 1. Jagd. 2. Verfolgung der Feinde. 3. concr. die verfolgende Menge. 4. bildl. eifrige Nachfrage nach etwas.

=jachtern,= sw. v. wild umherspringen, einander jagen.

=jacke,= Jacke, kurzer Oberrock, *diplois, wambosium;* auch als militärisches Kleidungsstück, lorica.

=jacken,= sw. v. Part, *gejacket,* mit der Jacke bekleidet.

=jagant,= (Jachant), Hyacinth, ein Edelstein.

=jagebarven,= treibfischen zwischen zwei Netzen.

=jagen,= sw. v. 1. intr. jagen, eilen. 2. tr. jagen, verfolgen, Jagd machen auf.

=jagenet,= Jagdnetz, in das die Fische durch Schlagen des Wassers hineingejagt werden.

=jagenetten,= sw. v. mit dem *jagenet* fischen.

=jage(n)thorn,= Jagdhorn.

=jage-richt,= der dem Jäger herkömmlich zufallende Anteil am erlegten Wilde (Abfall).

=jageschip,= Jachtschiff, schnelles Schiff.

=jaginge,= Eile, *agitatio;* Jagdbeute.

=ja-here,= der immer zustimmt, Maulschwätzer.

=jamer, jammer,= m. und n. Jammer, Herzeleid.

=jamerdal,= Jammerthal.

=jameren,= sw. v. jammern.

=jamer-heit, -(i)cheit,= Jammer, Herzeleid.

=jamerik,= jämmerlich, elend, erbärmlich; adv. jameriken, jammerken.

=janen,= sw. v. gähnen, den Mund aufsperren, hiare.

=janken,= sw. v. schmerzlich winseln; stöhnend sich sehnen nach.

=japen, jappen,= sw. v. den Mund aufreissen, schnappen, stark aufatmen.

=jâr,= n. Jahr, *ein quât jâr,* Verwünschung, mlat. *malannus.* -- Im techn. und rechtl. Sinne: (Plur.) die Jahre der Kräftigkeit, der Mündigkeit; *jâr unde dach,* die sächsische Verjährungsfrist von 1 Jahr, 6 Wochen und 3 Tagen; *tom jare,* jährlich; *to jare,* voriges Jahr, überh. früher. -- *ni(ge)jâr,* Neujahrsgeschenke, encenia.

=jâr-bôk,= Jahrbuch (das ein Verzeichnis der jährlichen Einnahmen und Ausgaben enthält), Rechnungsregister für die Jahreshebungen etc.

=jaren,= sw. v. refl. zu seinen Jahren kommen, mündig werden.

=jâr-gulde,= Jahrgülte, jährlich zu zahlende Rente.

=jâr-howik holt,= Holz, das jährlich (zu eigenem Bedarf) gehauen werden durfte.

=jarich,= _1. zu seinen Jahren gekommen. 2. jährig, von diesem Jahre._

=jarisch,= jährlich.

=jâr-junge,= ein Junge, der seine Lehrjahre beim Lehrherrn hält, Lehrling.

=jâr-knecht,= Knecht, der auf ein Jahr gemietet ist.

=jâr-koke,= _Neujahrs- (Roll-, Kroll)kuchen; dann überh. Festkuchen._

=jâr-lank= = jârlink.

=jâr-lik,= jährlich; adv. *jarliken* u. jarlikes.

=jarlinges,= alle j., alljährlich.

=jâr-link, -linge,= adv. in diesem Jahr.

=jârmâl,= n. die Zeit eines Jahres; to jârmalen, auf eine festgesetzte bestimte Reihe von Jahren; in jährlichen Terminen.

=jârschar,= f. der Abschnitt eines oder auch mehrerer Jahre, eine bestimte Reihe von Jahren; bes. die Anzahl der Reihe von Jahren, die man ein Grundstück etc. verpachtet oder verpfändet; *na der jârschar,* in chronologischer Ordnung.

=jârsedich lant,= Land, das alljährlich besäet werden kann.

=jart (jarde, jarden),= f. Bezeichnung eines Ackerstückes von unbestimter Grösse (fries. *ierde,* alts. *gerde,* Rute); wahrscheinlich 14-20 Ruten lang und eine Rute breit.

=jart- (jartel)acker,= Acker von der Grösse einer Jart.

=jâr-tal,= f. und m. 1. die Zeit eines Jahres, das ganze, laufende Jahr. 2. eine bestimte Frist, z. B. der Mündigkeit, der Lehnsmuthung etc.; *up jârtale,* in jährlichen Terminen.

=jârtît, -getît,= f. und n. die Zeit eines Jahres, *alle jârtît,* alljährlich. 2. die wiederkehrende Zeit eines Jahrestages, Geburtstages, bes. das jährliche Begängnis des Todestages; anniversarium.

=jârverst,= Jahresfrist = jârtît.

=jaseggen,= sw. v. zustimmen.

=jaworden,= sw. v. seine Zustimmung geben.

=jawort,= n. Zustimmung.

=je= und Zusammensetzungen s. oben io.

=jecht,= f. = *gicht,* Gicht.

=jecht,= offenkundig.

=jechten,= sw. v. gestehen, bekennen (= gichten).

=jechtich= = jecht.

=jeckener,= der eine Jacke trägt.

=jeden,= sw. v. gäten (sehr selten; *weden* ist gebräuchlicher).

=jeder (jüdder),= n. Euter.

=jegen (gegen, kegen, tegen, tiegen)= und =jegens,= präp. 1. räuml. gegen, gegenüber. 2. modal: bezeichnet ein Verhältnis zwischen zweien (wie *wider*), meist ein feindliches. 3. zeitlich: *jegen dat,* gegen die Zeit dass. -- Verstärkt durch *ent (enttegen)* und *to (togegen).* -- Adv. zugegen.

=jegen-brêf,= Gegenurkunde, antapocha.

=jegen-deder,= Contravenient.

=jegen-dêl,= m. Gegner = wedderpart.

=jegenen (jegen),= sw. v. begegnen, widerfahren; sich ereignen, doch in diesem Sinne gewöhnlich refl.

=jegenheit,= 1. Gegend. 2. Widerwärtigkeit.

=jegeninge,= Gegend.

=jegen-ledder,= Gegenleder, der Teil des Sattels, der jetzt Satteltasche heisst.

=jegen(s)-man,= Gegner.

=jegenode (-ede, -et),= f. Gegend.

=jegenstal,= Widerstand.

=jegenvechter,= Widersacher.

=jegenwardich, -wordich,= gegenwärtig.

=jegen-wardicheit,= 1. Gegenwart, jetzige Zeit. 2. Gegenwart, Anwesenheit, Beisein.

=jegenwarliken,= gegenwärtig.

=jegen-wart,= _f. 1. Begegnis; *bose j.,* Unglücksfall. 2. Gegenwart; *to j.,* gegenwärtig._

=jegen-wedder,= widriges Wetter.

=jeger,= Jäger; =jegere-pert,= Jagdpferd.

=jên (jein),= st. v. gestehen, = gên.

=jene (jenne, jonne, gene, gone),= jener.

=jene-halve, gênhalf,= jenseits.

=jenen= = janen.

=jenewise= = jenegewise, irgendwie.

=jenich (jennich, enich),= irgend einer, *aliquis;* mit *man* verbunden jenichman.

=jenigerleie,= irgend welcher Art.

=jen- (gen-, gin-, gon-, gun)sît,= jenseits.

=jeren-tocht,= Dreckkanal, Abzugsgraben für das Schmutzwasser.

=jetto,= s. jutto.

=jesse,= Wamms, Jacke?

=jicht= = gicht.

=jock, juck,= m. und n. Joch; Brückenjoch; Mauernische?

=jockwech,= Feldweg, wo ein Joch Rinder oder Pferde gehen kann.

=jode, jodde,= Jude; *in de joden setten,* bei den Juden (den Geldverleihern) verpfänden; *ût den joden losen,* das bei den Juden versetzte Pfand wieder einlösen; *in den joden stân,* bei den Juden Pfänder haben etc.

=joden,= sw. v. Hasard spielen?

=joden-appel,= citrum, pomum acernum.

=jodenheit,= die Judenschaft, das jüdische Volk.

=jodenhôt,= Judenhut, ein spitzer (weisser oder roter) Hut, den die deutschen Juden im MA. tragen mussten.

=joden-(spet), -spiss,= Judenspiess; bildl.: unmässiger Wucher.

=joden-tins,= Steuer der Juden.

=jodesche,= Jüdin.

=jodescheit, -schop,= Judentum.

=jodute,= s. tiodute.

=jof= = of (ef, if), oder; wenn, ob.

=joget (joecht),= f. Jugend.

=jogetborne,= Jungbrunnen.

=jogetlik,= jugendlich.

=Johannes.= S. Joh. in der olieboden, d. i. der 6. Mai, *St. Joh. to lichten* oder *des lichten = S. Joh. to middensomere,* d. i. der 24. Juni (oder auch 26.); auch tritt Verwechselung ein mit dem 29. Aug., dem Tage der Enthauptung des h. Joh.

=jokele,= Eiszapfe.

=joken,= sw. v. jucken.

=jolen,= sw. v. jubeln, fröhlich sein.

=jolle,= f. Jölle, kleines Boot.

=jope,= f. Joppe, Wamms, als Stück der Rüstung; auch als Frauenkleidung.

=jopener,= der Joppen verfertigt.

=jorde-bôk,= liber jurium, Aufzeichnung der Renten und Gefälle, liber censualis.

=josten,= ein Küchengerät; welches?

=jotol,= s. jutto.

=io-we,= irgendwie.

=jubilerer,= Juwelier.

=ju= = juwe.

=juche,= f. Jauche, Brühe, Sauce.

=juchei,= m. ein Lebemann.

=juchen,= _sw. v. schreien, *juch* rufen aus Freude oder Schmerz._

=jucht,= Juchschrei (als Scheuchruf)?

=jucken= (= joken), sw. v. jucken.

=juckich,= der Juck fühlt.

=Judas-swêt,= Judasschweiss, Angstschweiss.

=juften,= Juchten.

=juk (gik, guk),= euch; Dat. und Acc.

=jul,= _m. (altn. *iol),* Weihnachtsfest (oder St. Johannisfest), Fest der Winter- (oder Sommer)sonnenwende._

=jum, jun,= ihnen.

=jumber, jummer,= s. iomer.

=junfer (juffer),= verkürzt aus junkvrowe.

=jungen,= sw. v. 1. jung werden. 2. Junge werfen.

=jungelîn,= Jünglein.

=jungerman,= 1. neugewählter Richt- (Rat)mann, im Ggs. zu *olderman.* 2. der zuletzt in eine Gilde Aufgenommene, der zu bedienen hat.

=junk,= jung; *van junges,* von Kind auf; *to jungest,* zuletzt; als Subst. Junges, Kind.

=junkboren,= Kind, Unmündiger.

=junkdôm,= Jugend, Jungheit.

=junkheit,= Jugend.

=junkhovede= = Kälber (s. hovet).

=junker (juncher),= junger Herr, Junker; der unmündige Lehnsherr.

=junk-knecht,= Jüngling.

=junkvrowe,= Jungfrau (auch junge Frau); von Männern, die keusch bleiben; humoristische Bezeichn. der Daumschraube, der (Bett)-Wärmeflasche, der Handramme.

=junkvrowen-avent,= Abend vor der Hochzeit, Polterabend.

=junkvrowen-brôt,= feines Weizenbrod?

=Jutte= (Koseform von *Judith*), allgem. Bezeichnung einer weiblichen Person.

=jutto,= d. i. *iu-, io-, ieto,* bisher, bis jetzt, bereits, ferner, lat. *jam.* (Neben dieser gebräuchlichsten Form sind auch noch in Gebrauch; jetto, gitto, juttol, jotol, ittol, juton[e], i[e]tons, jutuns).

=juttonigen,= adv. jetzt, bereits.

K.

=ka,= f. Dohle, monedula.

=kabbas= houwen, baratrare, d. h. ein *baratro,* Betrüger sein.

=kabbeken,= sw. v. *kabbik* fangen.

=kabbelen,= sw. v. zanken, dagegen reden.

=kabbelit= = gobelit, Becher.

=kabbes= = kabbik.

=kabbeseren (?),= vertreiben?

=kabbik, kabik,= Seemuschel (zum Kalkbrennen gebraucht).

=kabel,= _m. Tau, bes. das grosse Schiffstau, Ankertau; *kabelwise,* nach Art eines Kabels gemacht._

=kabeldanz,= Schiffertanz.

=kabelgarn,= Garn zu (Anker)tauen.

=kabelow (kabbelouw, kaplaw),= m. Kabeljau.

=kabuse,= f. hölzerner Verschlag, bes. auf dem Verdeck der Schiffe, als Küche und Schlafstätte dienend; enges Gemach, Zelle.

=kabûs-kôl,= der (weisse) Kopfkohl.

=kabûs-man,= Kohlbauer.

=kabussen-buwer,= Kohlbauer.

=kâch= = kâk.

=kachel,= Kachel (zum Bau der Öfen).

=kachel-oven,= Ofen aus (irdenen) Kacheln.

=kachelpot,= Ofenkachel.

=kachtele= = katele, Stück Vieh.

=kacke,= Excremente.

=kacken,= sw. v. cacare.

=kade,= Griebe, quod remanet in patella.

=kader,= s. koder.

=kaf, kave,= n. Hülse des Getreides; ausgedroschenes Stroh; dann Spreu jeder Art; bildl. leeres, nichtiges Gewäsche.

=kaf-hôp,= Spreuhaufe.

=kaf-krucke,= Spreuharke.

=kaf-porte,= Spreu-thor (aus dem man den Unrat hinausschafft).

=kaf-sack,= Spreusack; als Schelte: Plaudertasche.

=kage,= s. koge.

=kageden hoiken?= (= kagelden h.) mit einem kagel, kogel?

=kagel,= s. kogel.

=kagerel,= umgesetzt für kageler = kogeler.

=kagêren (kegêren),= sw. v. schauen; herumgaffen.

=kagêringe,= das Gaffen.

=kaje,= Ufereinfassung.

=kajute,= f. Schiffskajüte.

=kâk,= m. Schandpfahl, Pranger.

=kake (keke),= von Menschen: Kinnbacke, Wange.

=kakebille,= eine Art Bier.

=kakel (kekel),= der Teil des Zaumes vom Kinn bis an den Hals.

=kakelbunt,= so bunt wie ein Hahn.

=kakelen,= sw. v. gackern (von Hühnern).

=kakeler= = kokeler, gokeler, Gaukler.

=kaken,= sw. v. an den Pranger stellen.

=kakene, kake,= s. kokene.

=kâk-stên,= Schandstein (s. stên).

=kâkwien,= die Gerichtsstätte einweihen?

=kal,= Qual.

=kalander,= Kalandsbruder.

=kalant,= m. urspr. eine religiöse Genossenschaft *(sodalitas ad pias causas),* die sich an jedem ersten des Monats versammelte; später jede (geschlossene) gesellige Vereinigung; auch ihr Gebäude und Gelage; im schlimmen Sinne: üppige Schmauserei.

=kalantbule,= Kalandsbruder.

=kald- (kall-, kold-, kol-)unen,= Eingeweide, *scrotinium* (gew. im Plur.)

=kaldunenwascher,= der die Eingeweide reinigt.

=kalewe (kalwe),= Glatze.

=kalite= (eig. polnisch), (Geld)beutel, Tasche; Korb.

=kalk,= n. Kalk; *in den k. komen,* bildl.: unglücklich werden.

=kal-kabus,= Behältnis für Kohlen.

=kalk-beker,= Kalkbäcker, d. h. Kalkbrenner.

=kalk-bernere,= Kalkbrenner.

=kalken,= sw. v. mit Kalk bedecken, bestreuen.

=kalk-erz,= Kalkstein.

=kalk-hâr,= die durch Kalk von den Fellen losgebeizte Wolle.

=kalk-kuven,= Kalkkufe.

=kalk-rose, (-rese),= f. Kalkröste, ein Stoss von Kalksteinen und Holz, schichtweise auf einander gesetzt zum Behuf des Kalkbrennens, calcina, calxitorium.

=kalk-sleger,= der den Kalkstein zerschlägt.

=kalk-stoter,= Kalk-stosser, -bereiter.

=kalkunsche nut,= Cocosnuss? *(kalkunsche hân = kûnhân,* welscher Hahn).

=kalk-wulle,= die durch Kalk von den Fellen losgebeizte Wolle.

=kallen,= sw. v. 1. intr. sprechen, sich unterreden, *sermocinari;* in üblem Sinne: schwatzen. 2. trans. berufen, vorladen.

=kallinge,= Gespräch; Geschwätz; multiloquium.

=kalmin,= Galmei.

=kalf,= n. Kalb.

=kalven,= sw. v. kalben.

=kalver-mân,= Kälbermonat: Januar.

=kalver-strote,= Kalbskehle.

=kalves?= (zum Schiffssegel).

=kalves-vôt,= Kalbsfuss *(up kalvesvôten gân,* mit eingeknickten oder einwärts stehenden Beinen gehen).

=kalf-vel,= Kalbsfell; =-vlêsch,= -fleisch.

=kam,= m. (Hahnen)kamm; Grenzstein, der kammartig hervorragend ist.

=kâm,= m. Kahm, Schimmel auf Flüssigkeiten.

=kamede wulle,= Kammwolle (die längste und feinharigste).

=kameide?=

=kameie,= Floss, ratis, schedia.

=kamêls-lûs,= s. elefantenlûs.

=kamer,= f. Kammer, als Aufbewahrungsort der Gelder, Dokumente etc.; Gerichtszimmer; Hebungszimmer; Schlafzimmer; Gefängnis. -- Im Geschützwesen: Höhlung im hintersten Teil der Geschütze, zur Aufnahme der Pulverladung (früher selbständige Stücke, die geladen ans Rohr befestigt wurden).

=kamer-âlke= (Kammer-Adelheid), Kammerzofe.

=kamer-dôk,= Kammertuch, die feinste Leinwand (aus Cambray, Cameracum).

=kamerer, kemerer,= m. der die Kammer, d. h. das ganze Geld- und Rechnungswesen einer Gemeinde unter sich hat; vornehmer Diener eines Fürsten; (fem. kamerersche, pedissequa).

=kameret,= Trinkhaus, Spielhaus.

=kamer-gewant, -want,= Gewand, das man in der Schlafkammer gebraucht, Bettzeug.

=kamerie, kemeri(g)e,= f. Kämmerei; Amt eines Kämmerers.

=kamer-knecht,= Kammerdiener.

=kamer-lectie,= Gardinenpredigt.

=kamer-loge,= Kammerlauge, euphem. für Urin.

=kamer-meister,= Oberkämmerer.

=kamer-scholer,= _Kammerschüler, d. h. Schüler einer Gesangskapelle?_

=kamer-wagen,= der Wagen, der auf der Reise die fürstliche Kammer (Gewand, Kleinodien, Silberzeug etc.) führte, pilentum.

=kamich,= mit Kahm überzogen.

=kamîn,= Kümmel.

=kamp,= m. ein eingezäuntes Feld (als Ackerland, Weide, Wiese, Hölzung etc. dienend); *kosters kamp,* Kirchhof.

=kamp,= m. und n. Kampf, bes. der gerichtliche Zweikampf.

=kampen,= sw. v. kämmen (kampeln), von der Wolle und wollenen Gewändern.

=kampernôl,= Champignon, Schwamm, fungus.

=kamperwunde= = kampwerdige wunde.

=kampkot,= ein Kleiderstoff (= kamelot?)

=kampvechtinge,= Zweikampf.

=kampwîn,= (Wein von den Traubenkämmen), Tresterwein, Nachwein.

=kamp-werdich (-wordich, -ordich),= wert, dass man deshalb einen gerichtlichen Zweikampf verlange oder eingehe, bes. von Wunden.

=kanaster,= Korb.

=kandelâr (-ler),= Leuchter, candelabrum.

=kandel-garn?=

=kane,= m. Kahn.

=kanenblok,= Holz zu Kähnen, oder das auf Kähnen angebracht wird?

=kanîn,= n. Kaninchen; =kanînde-vel,= Kaninchenfell.

=kanives= (engl. *canevas*), grobe Leinwand (aus Hanf).

=kannêl,= m. Zimmet.

=kannen-geter,= Kannengiesser, d. i. Zinngiesser.

=kant,= m. und =kante,= f. Ecke, Winkel, Rand.

=kanze (kanse),= f. (gute) Gelegenheit, *opportunitas;* aus mlat. *cadentia,* Wurf im Würfelspiel, guter oder schlechter Ausgang; engl. und frz. *chance* (entstellt in *schanze*); *bi k.,* bei Gelegenheit, durch einen Zufall.

=kâp,= ein Gewicht von 8 Liespfund.

=kapehorn?=

=kapel-hûs,= Kapelle.

=kapelle= (frz. *coupelle*), f. Schmelztiegel.

=kapellen, kapelleken= = iuncvrowen har, capilli Veneris.

=kapen,= sw. v. gaffen (ohne bösen Nebenbegriff).

=kape-spil,= Schauspiel.

=kaphane,= m. Kapaun.

=kaphoiken,= Mantel mit einer Kapuze.

=kapinge,= Anblick, Schauspiel.

=kapinge= = kap(e) (holl.), Stange oder Bake als Seezeichen.

=kapittel,= _n. 1. (Dom)kapitel, Versamlung des Kapitels. 2. (Kapitel, Abschnitt) = Strafpredigt._

=kapittelen,= sw. v. Sitzung des Kapitels halten; tadeln, schelten.

=kapnar,= der mit einer *kappe* versehene Narr (= Mönch).

=kappe,= f. langes Oberkleid, das auch den Kopf bedecken kann, bes. Mönchsgewand, Kutte; später die Kopfbedeckung allein, bes. die Narrenkappe.

=kappe-, kaplaken,= Tuch zu einer Kappe, Manteltuch; Trinkgeld (des Schiffers, das ihm über den bedungenen Lohn von jeder Last gegeben wird; engl. *hat-money);* überh. das, was überher gegeben wird.

=kappel-ammet,= eine nicht näher bezeichnete Dienststelle im Domkapitel (Osnabrück).

=kapellên,= Nebenform zu kappellân.

=kappen= = bekappen, zum Mönche machen.

=kappen-, kapkogel,= Kapuze an der Kappe, cuculla.

=kapperon= (frz. *chaperon),* Kappe, Kapuze, capitium.

=kappûn,= m. Kapaun.

=kappunen,= sw. v. zum Kapaun machen, castrieren.

=kapstange,= Signalstange?

=kapvenster,= Guckfenster, kleines Dachfenster.

=kar (kare),= n. Geschirr, Gefäss, Korb.

=karacter,= im Plur. Schriftzeichen zauberhafter Art.

=karasze= = karacke, krake?

=karbunkel,= hochroter Edelstein, der auch in der Nacht leuchtet.

=kâr-busse,= Büchse, die auf eine Karre gelegt wird, d. i. Kanone.

=karch, karich, kerch,= listig; sparsam; geizig.

=(karcheit), karicheit,= Sparsamkeit, Geiz.

=karch-, karichliken,= sparsam, geizig.

=karde,= Kardendistel, virga pastoris.

=karde,= das Werkzeug der Tuchmacher zum Kämmen, Krempeln der Wolle; auch Werkzeug der Schuster.

=karde, karte,= f. Karte; kardelspil, ludus cartaceus.

=kardêl,= s. kordêl.

=karden, karten,= sw. v. (das Tuch) kratzen.

=karden, karten,= sw. v. Karten spielen; ein intrigantes Spiel einfädeln.

=karder, karter,= Kartenspieler.

=kare,= f. Karre, *biga;* zweirädriger Wagen.

=kare maken,= eine Art Würfelspiel?

=karine, karene,= vierzigtägiges Fasten, *quadragena;* dann überh. schwere Busse.

=karine,= Gefäss? (= kar?)

=karinge= = koringe, Erbrechen.

=karline,= Mandat; eig. (lex) Carolina.

=kârman,= Plur. *-lude,* Kärrner.

=karmen,= s. kermen.

=karnap,= Ausbau, Vorsprung am Hause, Erker.

=karnappen,= sw. v. (von Kleidern) ausbauschen, aufpuffen?

=karne (karene),= Nebenform zu *kare;* als Mass (= 20 Himten).

=karnen,= s. kernen.

=karnoeffel,= ramex carnosus; (Netz-, Darmbruch).

=karnuffelen,= sw. v. Karnuffel (ein beliebtes Kartenspiel) spielen.

=karnut,= s. kornute.

=karok,= f. Dohle oder Krähe.

=karpe,= m. Karpfen.

=karpe,= hölzerne Kiste.

=karrenberger,= eine Schelte (woher?) (wendehoike unde karrenberger).

=karsaten,= entstellt aus *cruciaten* (Münze mit einem Kreuz).

=karsch,= munter, frisch, bei Kräften.

=karsten (kassen),= sw. v. zum Christen machen, taufen (karsten = Christianus).

=karteke,= ein Kleiderstoff.

=kartêl= (d. i. *quarteel, quarta pars*), Quart.

=kartise (kartse),= Wachslicht, Wachsfackel (= tortise).

=kartouwe,= Kartaune, ein grosses Geschütz.

=kartuse (karduse),= Kanonenpatrone, aus frz. cartouche.

=karuske, -russe,= Karausche.

=karve,= Feldkümmel.

=karwe,= carum carvi, Karbe, Karbei.

=kas-anker,= was für ein Anker?

=kasbal= (d. i. *kaets-bal),* Fang-, Spielball.

=kasbere= (= karse-, kersebere), Kirsche.

=kase,= f.? (*III bedde up der kasen.* Invent.)

=kase= (altfr.), Streit, Zwist, Schlägerei.

=kasel= _(lat. *casula),* m. das Messgewand (aus schwerem Seidenstoff, früher ermellos)._

=kaspel,= s. kerk-spel.

=kast (kass, kaste),= _f. und m. Aufbewahrungsort oder -kammer, Behälter; Reliquienschrein; Einfassung eines Edelsteins im Ringe, *pala;* Brautkiste; Loch, Gefängnis; als Mass._

=kastêl,= n. das (hohe) Hinterteil des Schiffes; eig. die hölzerne Brustwehr.

=kasten,= sw. v. in den Kasten (Kasse) zahlen.

=kastener,= Kästner, Kassenführer.

=kastett,= umgesetzt für stacket.

=kastûm= = kostûm, 1. Kostüm. 2. Zolleinnahmen, engl. customs.

=katêl(e),= (bewegliche) Habe, bes. Vieh, engl. cattle.

=kater,= Kater; Name eines gewissen Bieres.

=katrepel (-ropel),= vielerwärts eine Bezeichnung gewisser abgelegener Örtlichkeiten; Ursprung dunkel.

=katte,= f. Katze; *de katten holden* (Katz halten), gefangen sitzen; Art (Korn)wurm; in der Belagerungskunst Name eines auf Rädern stehenden Sturmwerkes.

=katten-druve,= Katzentraube, Mauerpfeffer, sedum.

=kattengelt,= (Trinkgeld?)

=kattengolt,= das aus den Kirschbäumen triefende goldgelbe Harz, *gummi;* auch katten-klaar (glar).

=kattenkervel,= fumiterra.

=katten-kint,= junge Katze.

=katten-klawe,= daucus.

=katten-klôt,= evonymus europaeus, Spindelbaum, Pfaffenhödchen, Katzen-Hahnenklötchen.

=katten-krût,= Katzenkraut, nepita.

=katten-pat,= Katzenpfad, Schleichweg.

=katten-ridder,= der im Kampfe mit Katzen zum Ritter wird.

=katten-stede,= f. Katzenstelle (beim Heerde).

=katten-stert,= Katzenschwanz; *nicht enen k.* = gar nicht; Name der Pflanze equisetum.

=katten-toch,= dat k. holden = de katten holden, gefangen sitzen, sich in Geduld fassen?

=katten-vat,= Gefäss für die Katzen.

=katten-wort,= crassula.

=katzen= (d. i. *kaetsen*), sw. v. Fangball spielen.

=kan,= Behältnis (z. B. Vogelbauer).

=kauseke,= s. kowse.

=causeren,= sw. v. (*causari*) verhandeln.

=kavel (kovel),= Kiefe, Kiefer, Gaumen, palatum.

=kavele,= f. zum Loosen zugerichtetes Holz, gew. mit runenartigen Zeichen versehen; dann überh. Loos; Loosteil, bes. vom Holz gebraucht (auch von stehenden Stämmen).

=kavelen,= sw. v. loosen, durchs Loos abteilen; verloosen; abmessen, beurteilen; durchs Loos (Geschick) günstig zufallen.

=kavelholt,= Parzele einer Gemeindewaldung.

=kavelinge,= f. 1. Teilung durchs Loos; dann überh. Teilung, Abmessung. 2. das Abgemessene, Abgeteilte, Abteilung.

=kavent= = kovent, 1. Kloster. 2. gemeines Bier.

=kawi!= Interj. der schmerzlichen Überraschung.

=kaz, kaiz,= Scheuchruf für Katzen.

=kebbese,= f. kleiner Kasten oder Körbchen.

=keck= = quick, lebhaft, munter; kühn.

=kedele,= m. Kittel, tunica lintea.

=kedene, kede,= f. (m.) Kette.

=keder= (altfr.), m. Verkündiger, Ansager; Gerichtsperson.

=kedinge,= Kettung, catenatio.

=kegel,= m. Kegel; *kegel schêten,* Kegel werfen, kegeln.

=kegeler= = kogeler, kocheler, Gaukler.

=kegelken,= Dem. zu *kegel;* techn. Ausdruck in der Apotheke für runde, spitz gedrehte Arzneistückchen.

=kegeringe= = kageringe, Schauen.

=keie, keige,= f. Wurfspiess; Speer.

=keiser,= _Kaiser; *des keisers vrowe,* die Himmelsherrin, Maria._

=keiserinne,= _Kaiserin; *k. des hemmels (und der helle),* die Mutter Gottes._

=keiserlik,= kaiserlich, herrlich.

=keiservri,= frei von Kaisers (und Reichs)wegen.

=keke, kake,= f. Gaumen, Kehle, bes. Fischkieme; Kinnbacke.

=kekel,= Eiszapfen.

=kekel-reme,= das Zungenbändchen.

=keken,= sw. v. die Kinnbacken rühren, schwatzen; dazu als Iterat. *kekelen,* zanken.

=kekeren, kecheren,= Wicke, citrulli.

=kelder= = keller, m. Keller.

=kêl,= Bucht (des Meeres).

=kele,= f. Kehle; Kehlpelz.

=kele,= calminum, surgula (d. h.?)

=kelebrade,= das Bratstück von der Kehle, dem Halse des Tieres, decallo.

=keleken,= Hollunder-, Ahlhorn-, Fliederblumen.

=kelensteken,= sw. v. die Kehle, den Hals abschneiden, jugulare.

=kelk, kellik,= m. Kelch.

=kelle,= f. Kelle, bes. Maurerkelle.

=kelleman,= der mit der Kelle arbeitet, Maurer.

=kellen, killen,= st. (selten sw.) v. Qual, Schmerz verursachen, weh thun.

=keller= (zu *qualen),* dicke Milch.

=keller,= m. Keller, als Gefängnis; der deve k., der dustere k.

=keller (kelre),= m. Kellermeister, *cellarius;* bes. in den Klöstern.

=keller-bêr,= eine geringere Sorte Bier.

=kelleren,= sw. v. in den Keller legen.

=keller(s)hals,= 1. Kelleröffnung auf die Strasse, Kellerdach. 2. Name einer Pflanze, laureola, calida aureola.

=keller-hure,= Kellermiete.

=keller-louwe,= (Wein)kellerpächter, Weinwirt? (vgl. krân-louwe).

=keller-schrade= = keller(s)hals?

=kell-, killinge,= Schmerz, das Wehthun.

=kelmin,= Galmei.

=kelner,= der Keller-aufseher (in Klöstern).

=kelnisse= = kellinge.

=kelp,= (kolbiger) grober Gesell, dummer Mensch (als Schelte).

=kel-stên,= Stein für die Kehle des Daches.

=kemant, kemants,= keiner.

=kemeling,= eine Art Zeug (Kamelot?)

=kemenade, kemnade, -nede,= f. urspr. heizbares Gemach; dann bes. Wohn- und Geschäftszimmer der Vornehmen; dann einzeln stehendes (Stein)haus, Angebäude am Hause; Aufbewahrungsstelle (Kammer, Schrank).

=kemener, kemmer (kermer),= Kämmerer, *cubicularius;* der die Kammer, das Rechnungswesen eines Fürsten oder einer Bürgerschaft unter sich hat; fem. *kemenersche, kemersche,* Kammerfrau.

=kempe,= der zahme Zuchteber.

=kempe, kampe,= m. Kämpfer, Kriegsmann; bes. der Zweikämpfer im gerichtlichen Kampf, den man für Geld mietet.

=kempen,= sw. v. eichen, mit dem Brandzeichen versehen (zur Beglaubigung des richtigen Masses und Gewichtes).

=kempen,= sw. v. kämpfen, pugillare.

=kemper,= Kämpfer, pugil.

=kemplik,= _zum Kampfe gehörend; adv. *kempliken,* nach *kempers* Weise._

=..ken= und =..sken,= Deminutivendung.

=kên,= die Frucht der Tanne, Tannapfel; Kienholz.

=kenappe?=

=kenbarlik,= erkennbar, sichtbar.

=kenne (kên),= adj. und adv. scharf.

=kenne= = kennis, Kenntnis.

=kenne-, kinnebacke,= f. und m. Kinnbacke.

=kên-brôk,= Kien- (Tannen-)bruch.

=kennen,= sw. v. 1. kennen, wissen; *to kennen geven* oder *dôn,* zu wissen thun, wissen lassen. 2. erkennen (vom Richter). 3. anerkennen, bekennen; als Recognitionsgebühr geben.

=kennesher (kentnisher),= der in einer streitigen Sache das Erkenntnis gibt, Schiedsrichter.

=kennewart,= Kennzeichen.

=kenninge (kendinge),= _f. 1. Kenntnis; richterliches Erkenntnis. 2. Kennzeichen, Merkzeichen. 3. in der Schiffersprache eine gewisse Strecke Weges (12-18 Seemeilen)._

=kense= = kentenisse.

=kenselere,= Kanzler.

=kensenere,= Nebenform zu kenselere.

=kentlik (kenne-, kenlik),= 1. offenbar, *notorius.* 2. bekennend, zugestehend; adv. kentlike(n).

=kentenisse (kennis, kantenisse),= 1. Kenntnis, Auskunft. 2. Erkenntnis (rechtlich).

=kêp,= f. Kerbe.

=keper,= Zeug, bei dem die Fäden der Kette mit denen des Einschlags sich scheinbar kreuzen.

=kepere,= m. Aufseher, custos.

=kepere,= m. der Balkenkopf; dann überh. Balke, Stützenträger; Maschine beim Rammen oder im Kriege.

=kerde= (= kerede, kere), f. Wendung; Reihe.

=kere,= f. 1. Wendung; *in kener kere,* in keiner Weise; *ût der kere,* aus der (richtigen) Wendung, aus der Richtung; *to kere gân,* sich wenden und drehen; *wunderliken to kere gân,* sich wunderlich benehmen. 2. (Auskehrung), Wiedererstattung.

=keren,= sw. v. fegen, purgare.

=keren,= sw. v. I. intr. 1. wenden, sich erstrecken, reichen, aufhören. 2. sich wenden, zurückkehren. 3. sich abwenden. 4. sich hin und her wenden, Verkehr haben. II. trans. 1. kehren, wenden. 2. verwenden, anwenden. 3. übersetzen, *vertere.* 4. hindern, wehren. 5. wieder ersetzen, vergüten. III. refl. sich wohin begeben; *sik keren an,* sich kümmern um.

=kerf-exe,= Kerbaxt, kleines Beil zum Kerben.

=kerf-houwer,= der mit der Kerbaxt arbeitet, Steinhauer, latomus.

=keringe,= 1. Wiederkehr. 2. Wendung (des Windes).

=kerkbort,= eine Sorte Holz.

=kerk-dore,= Kirchenthür.

=kerke, karke,= f. Kirche.

=kerke (karke),= lat. *kerka,* ein Gewicht: carka = 400 livres.

=kerkenbôk,= Kirchenbuch; Gebetbuch, Agende?

=kerkenbrekere,= Kirchenräuber, -dieb, sacrilegus.

=kerkenere,= m. Kirchner, Küster.

=kerkenere (kerker, karker),= m. Kerker, Gefängnis.

=kerkeneren,= sw. v. einkerkern.

=kerkengicht,= Patronat.

=kerken-krôch,= Kroch, der der Kirche gehört.

=kerken-sleper,= Kirchenschläfer, d. h. der nachts in der Kirche schläft zur Bewachung.

=kerker= = kerkhere, Pfarrer.

=kerk-gank,= Kirchgang (der Frauen nach dem Wochenbett).

=kerk-here,= Pfarrer.

=kerk-hof,= _1. Hof, der der Kirche zugehört, Landgut der Geistlichkeit. 2. Kirchhof; *umme k. gân,* in Prozession um die Kirche ziehen._

=kerk-mester,= Kirchenvorsteher, Provisor.

=kerk-nemet,= Kirchengeschworner.

=kerk-recht,= Kirchenrecht; die Ceremonien bei der Leichenbestattung oder beim Sterben.

=kerk-, kerken-, kermisse,= f. die jährlich zum Gedächtnis der Stiftung eines Gotteshauses gefeierte Messe; der an diesem Tage abgehaltene Jahrmarkt; das an diesem Tage übliche Geschenk.

=kerken-missenvarer,= der Händler, der die Kirchmessen (Jahrmärkte) besucht.

=kerk-slach,= Belegung der Kirche mit dem Interdict.

=kerk-slotel,= Kirchenschlüssel (auch als Petschaft dienend).

=kerk-sparre,= grössere (Dach)sparre.

=kerkspel(s)-man,= der zu einem Kirchspiel gehört; kirchliches Gemeindemitglied.

=kerk-spel (kark-, ker-, kar-, kes-, kaspel),= Kirchspiel; =kerkspels (kaspels)-karke,= Kirchspielskirche.

=kerkspel-kint,= kirchliches Gemeindemitglied, Beichtkind.

=kerkspels-pape,= der Pfarrer der Gemeinde.

=kerk-sprake,= Verkündigung von der Kanzel.

=kerk-trock= (d. i. *treck),* Zug zur Kirche, Kirchgang.

=kerk-upslach,= Verlobung in der Kirche.

=kerk-vart,= Wallfahrt zu einer Kirche.

=kerk-wiginge,= Kirchweih.

=kerle,= m. ein Kleidungsstück = Tabbart, langes Kleid.

=kerle,= m. 1. ein Freier nicht ritterlichen Standes, ein Mann von niederem Stande. 2. kräftiger Mensch, Herrscher.

=kerleman,= ein roher, ungeschliffener Mensch.

=kermen, karmen,= sw. v. wehklagen, jammern.

=kerne, karne,= Nebenform zu *kerve,* Kerbstock, Kerbholz.

=kern(e),= f. (und m.?) Kern.

=kerne (karne, kirne),= Butterfass, worin gebuttert wird.

=kernen, karnen,= sw. v. kerben, kappen; auf den Kerbstock schreiben, dicare.

=(kernen, karnen,= sw. v. Butter bereiten.)

=kernen,= Nebenform zu *kêsen,* wählen.

=kerne-stock,= Kerbstock.

=kerren (karren),= sw. v. knarren, stridere.

=kers- (kars)dach,= der h. Christtag, Weihnachten.

=kers-drank,= Kirschtrank.

=kerse, karse,= f. Kresse, nasturtium.

=kerse (kers, karse),= f. Kerze.

=kerse,= f. Kirsche.

=kerse- (kars-, kas)bere,= Kirsche; =kerseber-= (und =kerse-)bôm,= Kirschbaum.

=kersengeter,= Kerzengiesser.

=kersenlecht,= Kerzenlicht (tautolog.)

=kerse-pôl,= Kressenpfuhl, Kressenteich, -graben.

=kers-nacht,= Christnacht.

=kerst, karst, kirst,= Christus.

=kerst-drank,= mellicratum (vinum melle mixtum).

=kerstel-dwele,= Tauftuch.

=kerstelik,= christlich.

=kerste-man,= Christenmensch.

=kersten (karsten, kirsten),= christlich.

=kerstenen, karstenen,= sw. v. zum Christen machen, taufen.

=kerstes-misse,= Christmesse.

=kersthans= = Christian Hans, sprichw. wie Hinz und Kunz.

=kerstiniken-krût,= Herba Conyzae.

=kerstock= _(d. i. *kerst-stock),* Weihnachtsstock, der zu Weihnachten zum Festfeuer auf dem Herde gebrannt wird._

=kerte= = kerse, Kerze (das *s* ist fälschlich in *t* transponiert).

=kerf,= n. *= kerve,* Einschnitt, Stück, Abteilung.

=kerve, karf,= f. Kerbe, Kerbholz, anticopa, apoca.

=kerve,= f. Fischreuse, Fischnetz.

=kervelde,= cerifolium.

=kervele,= acus muscata.

=kerven,= st. und sw. v. einschneiden, einhauen, kappen.

=kerve-stock,= Kerbstock.

=kervich,= gekerbt.

=kêse,= m. Käse.

=kesebotter,= eine Art Schmierkäse (von getrockneter, saurer Milch); auch *pot-kese* genannt.

=kesen,= st. und sw. v. 1. sehen, bemerken; *den dôt k.,* sterben. 2. ausersehen, wählen; *sîn beste k.,* sein Heil suchen; auch mit d. Präp. *up* und *to.* 3. einen *kôr* festsetzen, statuere.

=keser,= m. Wähler.

=keser-, kesser-, kiser-, keselink,= m. Kiesel, Feuerstein.

=kese-vat,= Fass, um den Käse zu bereiten, Käseform.

=kesinge,= Wahl.

=kesken,= Dem. zu *kede,* Kettchen.

=kesser,= kleines Handnetz zum Fischfang, Käscher.

=ketel (kettel, kotel),= m. Kessel; *up den k.;* bei Strafe des Kesselsiedens.

=ketel-bêr,= Hausbier im Kessel gebraut (nicht in der Braupfanne).

=ketel-boter,= Kesselflicker.

=ketel-bunge,= Kesselpauke.

=keteler= = ketel, Kessel.

=ketelere,= Kesselmacher.

=ketel-hâl,= Kesselhaken.

=ketel-hôt,= Kesselhut, Eisenhut, Helm, galea, galerus.

=ketel-lapper,= Kesselflicker.

=ketel-trumme,= Kesseltrommel.

=ke- (kei-, ka)tîf,= Elender, Schelm, Schurke; *infelix, nequam,* frz. *chétif;* dazu adj. ketivich.

=kette= (bei den Kürschnern)?

=kettel,= m. Kitzel.

=kettelen,= sw. v. kitzeln.

=kettelinge,= Kitzel, titillatio.

=ketter,= Ketzer; =kettersche,= Ketzerin.

=ketteren,= sw. v. verketzern.

=ketterheit,= ketzerisches Wesen.

=ketze,= eine Art Schiff.

=keuwen,= sw. v. kauen.

=kevel= = kever, Käfer (Wurm, Raupe).

=kevelen (kibbelen, kabbelen),= _sw. v. laut schwatzen, in Wortwechsel sein,_ altercari.

=keveler,= der mit einem andern im Wortwechsel ist, disceptator.

=kevelinge (kibbelinge),= Wortwechsel, rixa, disceptatio.

=keves-kint,= Kind einer Kebse.

=keves-sone,= Sohn einer Kebse, unehelich.

=kibbelen,= s. kevelen.

=kibben= = kiven.

=kichen,= sw. v. keuchen, schwer husten.

=kidderen,= sw. v. schwatzen, garrulare.

=kiffe,= s. kuffe.

=kike,= f. Feuerstübchen (zum Fusswärmen).

=kiken,= sw. und st. v. gucken, sehen.

=kiker,= (in Holstein, Fehmarn) eine Heerdvorrichtung.

=kiker,= m. Zuseher, Zuschauer.

=kîk-venster,= Guckfenster, Guckloch.

=kil (kel),= m. Kiel; Schiff.

=kîl,= m. Keil.

=kilen,= sw. v. mit Keilen befestigen.

=kilhacke=, f. eisernes Instrument mit keilförmigem Eisen zum Aufhauen.

=kime, kine,= m. 1. Keim. 2. Schimmel, Kahm.

=kimen, kinen,= sw. v. keimen, pullulare.

=kimich,= mit Schimmel oder Kahm bedeckt, mucidus.

=kim-isern,= Beil der Böttcher, dann überh. anderer Holzarbeiter, ascia.

=kimke,= hölzernes Gefäss mit ~einem~ Boden, Kübel, Eimer etc.

=kimker,= der *kimken* verfertigt.

=kimme,= f. der äusserste Rand; Horizont.

=kimmel,= Knebel, post(past)omis.

=kimmer, kiemer,= Böttcher, der grosse Kübel und Gefässe macht.

=kim-werk,= Böttcherarbeit (bei der die Dauben in den Boden eingefügt werden).

=kin, kinne,= m., selten n. Kinn.

=kîn,= n. das harzvolle Holz der Kiefer.

=kindel-bedde,= n. Kindbett.

=kindel-beddesch,= im Kindbett liegend.

=kindel-bêr,= Kindbier, Kindtaufsschmaus.

=kinden,= sw. v. schwanger sein.

=kinder-dedinge,= Kindereien, Kindermährchen.

=kinder(s)kint, -kinde,= adv. von Kind zu Kinde, in linealer Erbfolge.

=kinder-kerstinge (karst-, kassinge),= Kindtaufe, durch welche ein Kind zum Christen gemacht wird.

=kinder-kostinge,= Kindtaufsschmaus.

=kinder-lot,= Gewürzbeutel (als Patengeschenk).

=kinder-mome,= Hebamme.

=kinder-stede,= matrix.

=kinder-treck,= Zug der Paten u. Frauen zur Kindtaufe.

=kindesch,= kindlich; jung.

=kindes-vôt= _(Kindesfutter?), Zuckerwerk, welches nach der Entbindung den besuchenden Frauen vorgesetzt wurde; die am Weihnachtsabend ausgelegten Garben (Weihnachtsgabe des Christkindes)._

=kindoken,= sw. v. das Kinn mit einem Tuche bedecken.

=kinkhorn,= Schneckenhaus, *conchile;* Posaunenschnecke.

=kinke,= _eine (gewundene) Schnecke; die Windungen, Falten oder Augen, die ein Tau, Faden etc. von selbst schlägt._

=kinkhoste,= der kurze, trockene Husten. (kinken, anhelare).

=kin-klovich,= der ein gespaltenes Kinn, Grübchen im Kinn hat; von den Augen?

=kint,= n. Kind; *mit kinde sîn,* schwanger sein; *de schipher u. sine kindere,* d. i. Matrosen.

=kint-bar,= die ein Kind geboren hat.

=kint-budel,= Beutel (mit Gewürz, Kleinodien etc.) zum Patengeschenk.

=kint-gedinge,= Teilung der Kinder höriger Eheleute unter die Herren.

=kintheit,= Kindesalter, kindisches Wesen.

=kintlik,= 1. kindisch. 2. kindlich; adv. kintliken.

=kip,= der Zipfel an der Kapuze, liripipium.

=kip-ars,= intertrigo, s. g. Wolf (beim Gehen oder Reiten).

=kipe,= f. Kiepe, ein grosser, langer Korb, cophinus.

=kip,= ein Packen Felle; auch vom Flachse und andern Sachen, nam. Fischen (die Grösse lässt sich nicht genau angeben). Auch in der Form *kop* und kap.

=kiper,= Aufseher (über die Fischerei).

=kippen,= sw. v. ausbrüten.

=kirsei, karsei,= frz. *carisée,* engl. *kersey,* ein grobes, wollenes gekreuztes Zeug.

=kiste, keste,= f. Kiste, Kasten, bes. zur Aufbewahrung des Geldes, der Gefangenen und der Irren.

=kisten-gerede,= n. Kistengerät, Sachen, die in der (Braut)kiste aufbewahrt werden.

=kisten-here,= Verwalter des Schatzes.

=kisten-kiker,= der in die Kisten guckt, d. i. Zollaufseher.

=kisten-kussen,= die Polster, mit denen die Kisten, die an den Zimmerwänden waren und zugleich als Sitze dienten, bedeckt waren.

=kisten-maker,= Kistenmacher.

=kisten-man,= Plur. *-lude,* die Geldbesitzenden, Vermögenden.

=kisten-pant,= bewegliches Pfand.

=kisten-ware,= Effecten, die in Kisten oder Truhen (einer Braut) aufbewahrt zu werden pflegen, Ausstattung.

=kitzen, ketzen,= f. ein kleines, an ein anderes Haus oder Zimmer angebautes Gemach, Nebenwohnung.

=kîf,= m. Zank, Streit, Krieg (mit Worten und mit Waffen).

=kîf-achtich,= streitsüchtig.

=kiven,= _st. und sw. v. zanken, streiten, sowol vom Streit mit Worten als mit Waffen._

=kivenibbe,= Streitschnabel, d. i. Zänker.

=kiver,= Zänker, Streiter.

=kiverne,= zu streiten geneigt, streitsüchtig, contentiosus.

=kivinge,= Streit, contentio.

=kivisch,= voll Streit.

=kivit, kiwit,= m. Kiebitz; auch Name eines Schmetterlinges?

=kîf-lik,= streitig.

=kîf-sake,= Streitsache, Streitigkeit.

=kîf-scheder,= der einen Streit entscheidet, Schiedsrichter.

=kiwe, kewe,= Flossfeder des Fisches, branchus, brancia.

=kla= = klawe, Klaue; in der Mühle die Hemmvorrichtung.

=klachter,= n. Klafter.

=klacht,= f. Klage.

=klacht-brêf,= Anklageschrift.

=klacken,= sw. v. hinklexen.

=klad(d)eren,= sw. v. schmieren, beschmieren.

=klaffkordium,= _d. i. *clavicordium,* Saiteninstrument mit Tasten._

=klag-aftich,= voller Klagen, kläglich.

=klage,= f. Klage, bes. gerichtliche.

=klagelos,= von der Klage befreit.

=klagen,= sw. v. klagen.

=klaken,= sw. v. klucken (von Hühnern).

=klam,= enge, fest zusammenhaltend, nicht elastisch; bildl. beengt, mutlos, verzagt.

=klamhertich,= verzagt, beklommenen Herzens.

=klamîn= = kalmîn.

=klamme,= f. Haft, Klammer.

=klampe,= Haken, Spange; Steg über einen Graben, Brücke.

=klam-vogel= (= klemmende vogel), Klimmvogel, bes. zur Beize gebraucht wie Sperber, Falken und andere Stossvögel.

=klam-votich,= mit Füssen versehen, die zum Klimmen, Klettern taugen.

=klank,= m. Klang.

=klannie,= Mühe? Unruhe?

=klant?= helltönend?

=klap,= interj. Schall nachahmend.

=klape,= Klapper, clathria (bes. der Leprosen).

=klapglotzen,= hölzerne Schuhe.

=klap-haftich,= schwatzhaft.

=klap-holt,= eichene (auch buchene) Planken von 5-9 Zoll Stärke und mindestens 5 Fuss Länge, Abfall des Wagenschotts.

=klappelblome,= rubiola (ein blome in dem korne).

=klappen,= sw. v. klatschen, schallen.

=klappen, klaffen,= _sw. v. laut und viel reden; meist in bösem Sinne, plappern, schwatzen._

=klapper, klepper,= Schwätzer, Plapperer.

=klapper-bank,= Schwatzbank (Plaudertisch).

=klapperich,= schwatz-, plauderhaft.

=klappich, kleppich,= schwatzhaft, loquax.

=klappinge, klaffinge,= Geschwätz, Plauderei.

=klappisch, kleppisch,= schwatzhaft.

=klap-sack,= Knappsack. *(l = n,* wie *klepel* und knepel).

=klâr,= 1. klar, hell, stralend; *klâr maken,* etwas ins reine, in Ordnung bringen, entscheiden. 2. fertig, bereit. 3. rein, bloss, pur. (So auch als Adv.).

=klâr= = eierklâr, Eiweiss.

=klaren, kleren,= sw. v. 1. hell machen. 2. klar machen, ins reine bringen. 3. erklären. 4. intr. erhellen, klar werden.

=klaret,= über Gewürz abgezogener, geklärter Wein.

=klarit,= Trompete, *tuba acuta;* der sie bläst klaritter.

=klârliken,= adv. hell, deutlich.

=klaske,= Stück, Lappen, Flicken.

=klatie,= d. i. collatie, Collation, Gasterei, = convivium.

=klatte,= f. was lose zusammenhängt und von einem Ganzen abgerissen ist, Fetzen.

=klatwulle,= grobe Wolle.

=klauwe, klawe,= s. klouwe.

=klave,= m. das Joch, welches das Hornvieh trägt und woran es in den Ställen gebunden wird.

=klave= = glave, glavie, Spiess.

=klawendich= (= klammendich, klimmendich?), aufsteigend, emporklimmend.

=klaweseken,= ein Fisch (= klâsken, runde Schulle).

=klêden,= sw. v. kleiden, mit Kleidern versehen, bekleiden; *mîn kledede gesinde (knecht),* Gesinde, das ich kleide, meine Livrée trägt, in meinen Diensten steht.

=kleder-seller,= Kleiderhändler; fem. -sellersche.

=kleder-splete,= Riss in den Kleidern.

=klêf (klêb, kleff, klê),= Kliff, Klippe, Fels, felsige Höhle.

=kleffer= = klapper, Schwätzer.

=klefftich= = klappich.

=klegede,= f. = klage.

=klegelik,= Klage erhebend; adv. klegelike, _auf klagende Weise (als Kläger)._

=kleger= (selten klager), Kläger.

=klei,= m. die schwere, fette Erde der Marschländer.

=kleien,= sw. v. (techn. Ausdruck), den Klei, die Kleierde herausholen.

=kleien,= sw. v. mit den Nägeln kratzen, scalpere.

=kleier,= der das *kleien (1)* verrichtet; *kleier-lôn,* dessen Lohn.

=kleinheit= = kleinet, klênode.

=klemen,= sw. v. schmieren, kleben, bestreichen (bes. mit Lehm oder Thon).

=klemer,= Lehmarbeiter (der die Wände der Fachwerke mit Lehm ausfüllt).

=klemmen, klimmen,= _st. v. hinauf- und hinabsteigen (ohne den Begriff des Mühseligen); *bi klemmender sunne,* zur Zeit wenn die Sonne steigt, Vormittags; *klemmende vogel,* Stossvögel._

=klemmen,= sw. v. in die Enge bringen, angere.

=klemmer-gulden,= herzogl. Geldernsche Gulden (benannt entweder nach dem Klammern ähnlichen Dreipass oder nach den beiden klimmenden Löwen des Wappenschildes).

=klemminge,= Beklemmung (Bauchgrimmen).

=klemosen= (= klên-mosen), feine, leckere Speisen bereiten und essen; klemoser, ein lecker, epulo.

=klempern,= sw. v. hinauf-, be-steigen, klettern.

=klem-stake,= Stange oder Stab, den man zum *klemen* bedarf.

=klende= (= klêne), 1. fein, zierlich? 2. ärmlich.

=klên(e), kleine,= 1. dünn (Ggs. *dick).* 2. fein, zierlich. 3. gering, unbedeutend, wenig; als Subst. (mit Gen.) *ein klene,* ein weniges, Kleinigkeit.

=klêne, kleine,= adv. wenig, gering, oft = nichts.

=klênen,= 1. intr. klein werden. 2. trans. klein machen.

=klenes, kleines,= adv. in kleine Stücke; *kortes unde kleines,* kurz und klein (zerschlagen).

=klênicheit, klênheit,= _1. Kleinheit = *klênode.* 2. Herabsetzung, Verachtung,_ diminutio.

=klênik= = klênlik, gracilis.

=klênlik,= zart, fein, dünn, *gracilis;* adv. *klênliken,* zärtlich.

=klênlot,= ein Kleiderstoff? Dazu adj. klenlodich?

=klenklik= = klêniklik, klênlik.

=klênode, kleinode (-ade),= n. eig. kleines Ding, unbedeutende Sache; Kleinigkeiten, bes. kleine Abgabe, Geschenk *(xenium);* das Besitztum der Brüderschaften zu kirchl. Zwecken; feine Kunstarbeit (bes. der Goldschmiede).

=klên- (klein)rogge,= (Feinroggen), rundliches Roggenbrot.

=klên-smede,= Kleinschmied, Schlosser.

=klên-touwe,= Netz mit feinen Maschen.

=kleperen,= sw. v. klappern.

=kleperne,= gerne klappernd? *k. schutte,* strauchräuberischer Schütze? (oder = *klepperne,* reitender Schütze?)

=kleppe,= f. Klinke, Drücker am Thürschloss.

=kleppel,= m. Klöppel (in der Glocke).

=kleppel-drank,= Bier oder Wein als Lohn für das Läuten.

=kleppe-lude,= Leibeigne, hofhörige Leute.

=kleppen,= sw. v. 1. die Glocke mit dem Klöppel anschlagen, in kurzem Tone läuten. 2. intr. laut schallen.

=klepper= = klapper, Kläffer, Schwätzer.

=klepper (klöpper),= _m. Klepper, Reitpferd (nicht in verächtl. Sinn), kleines, rasch trabendes Pferd._

=klepperie,= Geschwätz.

=kleppesch,= schwatzhaft.

=klere?= Wurm (im Fleische eines kranken Pferdes)?

=kleringe,= (Er)klärung, Entscheidung.

=klerk,= m. *clericus,* der zur (niederen Welt-)Geistlichkeit gehört; angehender Geistlicher; Schreiber.

=klerkesie,= Klerisei.

=klerkie, klerikie,= die Geistlichkeit; das geistliche Leben.

=klerre?= (klerre suckers) Stück?

=klerlik,= clerical, geistlich.

=klêt,= n. Kleid; jemandes *kleder dragen,* in jemandes Diensten stehen, sein *kledede gesinde sîn; bi dem klede nemen,* symbol. Handlung bei rechtlicher Ergreifung oder bei Eidschwüren, bei feierlichen Aufforderungen; der Kleiderstoff.

=klêt, kleit,= n. (slav.) kleines Haus, Vorratskammer.

=kletze,= Flockenwolle? lanugo.

=kletze, klitze= (fries.), langer Spiess.

=kleve,= m. *(-- klove?)* Spalt, Ritze?

=kleve,= Leim, viscus, gluten.

=kleve-lûs,= Filzlaus.

=kleven,= sw. v. kleben, stecken bleiben; *k. an,* jem. anhängen; *de hende k. laten,* diebisch sein; sich fest wo aufhalten oder sein.

=kleve-net,= Netz, das mittelst eines schweren Gesenkes beim Zuge am Boden hinstreicht.

=klêver (klaveren),= m. Klee, trifolium.

=klever,= Harz (was klebt), gummi.

=klever-blomen,= caltha.

=klibbere,= klebrig, tenax.

=klick,= toll, verrückt? zänkisch.

=klick= (= klack), Klümpchen, Klex, Fleck.

=klick,= n. Thonerde.

=klick-angel,= eine Art Fischangel.

=klicken,= _sw. v. mit Lehm arbeiten; *klicker* (spöttisch) Maurer._

=klick-stên= (Thon-, Dreckstein, womit man jem. bewirft?), Verleumder, Anschwärzer.

=klie, klige,= f. Kleie; =klien,= von Kleie, furfureus.

=klif,= n. = klêf.

=klimmeren,= sw. v. klettern.

=klingen,= st. und sw. v. klingen.

=klinke, klenke,= f. Klinke, einfallender Thürriegel, *clatrum;* Schlagbaum. -- *klinken slân* wird von Herumtreibern gesagt, die von Haus zu Haus gehen.

=klinken,= sw. v. mit einer Klinke versehen.

=klinker-den-klank,= schallnachahmendes Wort *(klinken,* hell tönen).

=klinkert, -kart,= ältere burgundische Goldmünze.

=klink-haken,= das Eisen an der Thür, worin die Klinke einfällt.

=klink-hamer,= eine Art Schmiedehammer.

=klink-sucht,= Schwindsucht.

=klint,= Fels, Klippe, steiles Ufer, Abhang.

=klip-hûs,= abseits gelegenes (Wirts)haus? Winkelherberge? besondere Trinkstube?

=klippe,= halber Schuh, s. g. Trippe? Demin. *klippeken;* der sie verfertigt klippekenmaker.

=klippekramer,= der mit *klippen* (Trippen) handelt; dann jeder Kleinkrämer.

=klipper= = klippekenmaker.

=klippink,= eine viereckige Münze, nicht durch Schlagen gewonnen, sondern durch Zerschneiden der Zeine mit der Schere *(klippen);* in Schweden etc. als Notmünze gebraucht; hierher gehört auch klippen-, klippekenpennink.

=klippink,= geschorne Felle (Lammfell); geschorne Wolle.

=klip-schole,= Neben-, Winkelschule.

=klip-stat,= Winkelstadt.

=klip-, kleptins= oder =-schulde,= Klippzins, -schuld, Klingschatzung, Abgabe in klingendem Gelde.

=klîsteren,= sw. v. kleistern, durch Stärke steif machen.

=klive,= f. Frucht des Dornbusches, Klette, lappa.

=kliven,= Nebenform zu *kloven,* spalten, knaupeln.

=kliven-worteln,= Rad. Bardanae s. Lappae maj.

=klocke,= 1. Glocke; *klocken mit oren,* Schellen; Schelle (als Frauenschmuck). Bildl. *de klocke geten,* Anschlag machen. 2. Uhr, Stunde. 3. ein weites Übergewand in Glockenform. 4. Name einer Pflanze, Winde, lugustrum.

=klockele= und =klockelke,= Schelle, nola.

=klocken-ammet,= Glöckner.

=klockener,= Glöckner.

=klocken-geter,= Glockengiesser, überh. Metallgiesser.

=klocken-henger,= der Glocken aufhängt?

=klocken-hoike,= Mantel in Glockenform.

=klocken-knepel,= Glockenklöppel.

=klocken-, klockslach,= m. das Läuten mit den Glocken zum Aufgebot der Leute; Sturmläuten; das Recht dazu.

=klocken-, klockspise,= Glockenspeise, -metall.

=klocken-, klockstunde,= Zeit von 60 Min.

=klock-rêp,= Glockenseil, -strang.

=klocken-tît,= Glockenzeit, bes. die Zeit der Abendglocke.

=klock-torn,= Glockenturm.

=klôk,= behende; klug, listig, gewandt; Ehrenprädikat der Ratsherren etc.

=kloken,= sw. v. 1. etwas behende thun, *expedire; sik k.,* behende sein; sich beeilen. 2. = *bekloken,* betrügen, überschnellen.

=klôkheit,= Klugheit.

=klôkliken,= klüglich, schlau, listig.

=klomer,= ein Kraut (zur Bereitung des Krautbieres).

=kloppegelt,= _den *schiltwechteren* bezahlt, weil sie durch Anklopfen des Morgens die Bürger weckten?_

=kloppen,= sw. v. 1. klopfen, prügeln. 2. losschlagen (mit einem Instrument). 3. einschlagen (z. B. Pfähle).

=klopper,= Klöpfel, Stempfel.

=klopslude= (= kleppelude), freie, aber hofhörige Leute, litones.

=klop-solt,= welches Salz?

=klos-, klôsacht-werk,= eine Waldgerechtsame, Holz, das zu Klötzen gehauen, zu holen (?).

=klôsterliken,= in Klosters Weise.

=klôt,= m. Kloss, Klumpen, Kugel, Ball, *globus;* Hode.

=kloten,= sw. v. zusammenballen, conglobare.

=kloterbusse,= Klapperbüchse, *crepitaculum (kloteren,* klappern, rasseln).

=klôt-rûm,= Miststätte? Raum für allerlei Abfälle?

=klotze= = gallotze.

=klotvisch,= Rundfisch?

=klouwe (klauwe, klawe, kla),= f. 1. Klaue; Gebäck in Klauenform (halbmondförmig mit eingeschnittenen Rändern). 2. = altfr. *clefte,* Kluft eines Geschlechtes.

=klouwechtich,= der zum *klouwen* geneigt ist (wenn die Haut juckt), räudig.

=klouwen (klawen),= sw. v. (mit den Nägeln) kratzen, krauen.

=klouwern,= sw. v. klettern.

=klôf, klove, klave,= 1. Spalte; bes. der gespaltene Stock, der zum Vogelfange dient, *pedica;* ein Webergerät. 2. die Spalte, in der die Zunge der Wagschale geht, *domusculus.* 3. = kluwen.

=klofdam,= Fangdamm.

=klove-bîl,= Beil (um Eisen zu spalten), Schmiedsgerät.

=klover (kluver),= Diener, bes. eines Ritters = schiltknecht.

=kloven,= gew. sw. v. 1. intr. spalten, aufspringen (z. B. von der Haut). 2. trans. spalten, findere.

=klôfhamer,= Hammer, um etwas zu spalten.

=klovich, klowich,= gespalten, rissig.

=klôf-wage,= eine mit einer Zunge versehene Wage (Ggs. zu bismer).

=klucht,= s. kluft.

=klucke,= f. Kluckhenne.

=klucken,= sw. v. klucken (der Hühner), gracillare.

=kluck-glas,= Glas mit engem Halse.

=kluck-henne,= Kluckhenne.

=kluflôk (knuf-, kruflôk),= Knoblauch, allium.

=kluft, klucht,= _f. 1. Spalte und Gespaltenes. 2. Spalt in der Wagschale *(= klove).* 3. Zange; s. g. Haltfest? 4. Abteilung, z. B. der Bürgerschaft, der Erbteilenden, bes. die Unterabteilung eines Geschlechtes (in fries. Gegenden); das Geschlecht *progenies.* 5. die Krypta einer Kirche._

=kluften, kluchten,= _sw. v. (kluftweise) versammeln? *congregari;* eine Versamlung abstimmen lassen? (teilen, spalten?)_

=kluft-geld,= Zahlung an die Kluft.

=kluftich= (der etwas zu spalten, zu unterscheiden versteht?) klug, schlau, gewandt.

=klumpe, klompe,= f. Holzschuh, calopodium.

=klunden,= sw. v. poltern, Lerm machen.

=klunderen,= sw. v. = klunden.

=klunter-melk,= dicke, geronnene, saure Milch *(klunte,* Klumpe, *klunteren,* klümpig werden).

=kluppel,= m. Knüppel.

=kluppelen,= sw. v. mit Knüppeln schlagen.

=kluse,= f. Klause, Einsiedlerwohnung; Engpass.

=klusenere,= Klausner, Einsiedler; fem. klusenersche.

=klût(e),= m. was sich zusammenballt (nam. Wasser und Erde), Eisklumpen, dann überh. Klumpen; *vrie kluten, vrie rikes kluten,* freie Äcker unmittelbarer Reichscolonen.

=kluten, sik,= sich mit Erdschollen werfen.

=kluten-gericht,= judicium colonarium, Gericht (des Hofes zu Westhoven) über die freien Reichsbauern.

=kluteren,= kleine Tischler- oder Zimmermannsarbeit machen.

=klüterich,= klümpig.

=kluve= = klove, 1. gespaltenes Holz, um (Füsse oder Hände) zu fesseln; überh. (Hand)fessel, *manica.* 2. Schaft eines Spiesses?

=klût-stake,= grosse Stange.

=kluven,= sw. v. 1. die *kluven* anlegen, fesseln. 2. = *kloven,* spalten, *findere, lacerare.* 3. klauben, kleine Dinge (bes. mit spitzen Fingern) behandeln; Ähren lesen; bildl. genau untersuchen.

=kluver,= der jemand in *kluven* legt, Büttel, Gerichtsdiener, überh. Diener, Junge = klover.

=kluwede, klude,= n. (zusammengeballte Masse) als Gewichtsbestimmung (= 100 Pfund) für Wolle, Garn, Fett etc.

=kluwen (kluen, klowen, klôn= u. =kluwel),= n. Knäul (Garn etc.), glomus.

=knagge,= Knorren, dickes Stück.

=knaken,= sw. v. brechen mit Geräusch.

=knape,= m. ein junger Mann = *knecht, puer;* bes. in dienender Stellung, Knecht, Handwerksgesell; im Ritterwesen: Knappe, der noch kein Ritter *(miles)* ist, aber einem Ritter beigegeben *(famulus),* um später selbst Ritter zu werden; solche konnten auch verheiratet sein, daher fem. *knapesche* und knepesche.

=knap-kese,= kleiner, harter Käse.

=knap-sack,= Reisetasche mit Lebensmitteln; concr. ein mit dem Knappsack Umherziehender, Vagabund.

=knap-stât,= Gesellenstand, -stellung.

=knê,= n. Knie; Verwandtschaftsgrad.

=knê-beden,= sw. v. auf den Knieen liegend beten.

=knê-bogen,= sw. v. die Kniee beugen.

=knê-boginge,= Kniebeugung.

=knecht,= m. 1. Knabe (Ggs. Mädchen). 2. Junggesell. 3. Knecht, Diener, Gesell (Ggs. Herr); im Ritterwesen = *knape;* überh. ritterbürtiger Edler (gude knechte).

=knechteken,= Dem. (junger) Knabe.

=knechtegeld,= Geld, das zur Unterhaltung von knechten (Soldaten, Truppen) gezahlt wird.

=knechtlik,= männlich, masculus.

=knechtsdegen,= Degen, wie ihn die Ritter *(knechte)* tragen.

=knê-dêl,= Knie-teil, d. h. der Teil am Erbe nach dem Grade der Verwandtschaft.

=knedelink,= eine Art Lammfell.

=kneden,= st. v. kneten, pastare.

=knede-troch,= Knet-, Backtrog.

=knêen, knien,= sw. v. refl. sich auf die Kniee niederlassen.

=knê-kop,= Bedeckung des Kniees als Teil der Rüstung = knelink.

=knel,= m. = knelstede.

=knelen, knilen,= sw. v. meist refl. sich auf die Kniee niederlassen.

=knelinges,= adv. auf die Kniee, mit den Knieen etc.

=kne-, knilink,= Bedeckung des Knies (von Tuch, Eisen), Teil der Rüstung.

=knel-stede,= Ort, wo man niederkniet, Andachtsstätte.

=knellicheit= = knênlicheit, mollities.

=knênlik= = klênlik, zart, fein, tenellus.

=knep(e),= m. Zwick, Klemme, scharfer Einschnitt, Kerbe, Taille; bildl. Kniff, Kunstgriff.

=knepel,= m. Klöppel in der Glocke.

=knê-puchelen,= eiserne Buckeln zum Schutz der Kniee.

=knerre-, knarholt (knoreholt),= dünne, eichene Bretter.

=knê-scho,= _Knieschuh, d. i. (lederne, eiserne) Bedeckung des Knies._

=kneteren,= sw. v. krachen, knattern.

=kneteringe,= Knattern, Knirschen.

=knevel,= m. kurzes, dickes Querholz, Knebel; (gedrehter) Flügel des Schnurrbartes.

=kneveler,= Bierführer (der das Bier auf Karren etc.) in die Häuser der Consumenten führt.

=knevel-spet,= Spiess mit einer Querstange.

=knick,= m. 1. Bruch, bildl. kleiner, aber doch unheilbarer Schaden an der Gesundheit. 2. lebendiger Zaun, Hecke *(indago);* so genannt vom Knicken der Zweige; gew. auf Erdwällen, die auch, ohne dass ein Hagen auf ihnen steht, *knicke* heissen.

=knicken,= sw. v. 1. knicken, halb brechen. 2. einen *»knick«* machen oder bearbeiten.

=knîp= = knîf.

=knip-in-den-wind,= Name für ein schnellsegelndes Schiff?

=knipbusse,= _Feuergewehr, das man mit der Hand »abknippt«, Pistole._

=knipe,= f. Kneife, Kneif-fange.

=knipen,= st. v. kneifen; *dat knipent,* Bauchgrimmen.

=knipinge,= Kneifen; Bauchgrimmen.

=knipkern= = knipbusse, Handrohr, Pistole.

=knippel-stên,= _Knipstein, Knippkügelchen, Schnellerchen, Schuster._

=knippe(n),= Dem. =knipken,= Schnellen mit dem Finger, Fingerknips, *talitrum. (knipkern-spel, pilularum* oder sphaerularum ludus).

=knippen,= sw. v. die Augen schnell auf und zu thun, zwinkern *(knipp-ogen,* blinzeln).

=knipper= = knipbusse.

=knipperdollink,= eine Art Schuhe.

=knip-horn= = knipbusse.

=knipperlîn,= n. Schnippchen, Knippchen.

=knippink,= eine Münze *(= klippink?)* 24 = 1 rhein. fl.

=knipschere,= kleine Schere.

=knîp-tange,= Kneifzange.

=knir-, kner-, knarsen,= sw. v. knirschen, stridere.

=knir-, kner-, knarsinge,= Knirschen, strictus.

=knirten,= sw. v. = knirsen.

=knisenack,= ein (bes. in Güstrow gebrautes) starkes Bier.

=knîf,= n. Messer, bes. Schustermesser.

=kniffink?=

=knobbe,= Knorren, Erhöhung (Knoten auf der Haut).

=knobbecht,= knorricht.

=knodast= _(knotiger Ast), grober (knotiger) ungeschliffener Mensch._

=knoke, knake,= m. Knochen.

=knokel,= Knöchel.

=knoken-houwer,= Knochenhauer, d. i. Fleischer, Schlachter, der indes mit dem eigentlichen Schlachten wenig, sondern hauptsächlich mit An- und Verkauf des Viehes, resp. Fleisches zu thun hat.

=knok(en)-werk,= die Knochenhauergilde (-gewerk).

=knôp,= m. 1. Knoten, *nodus.* 2. Knopf, Knauf, Knospe; bes. der Knoten, Knopf des Flachses; vom Bart: Knebelbart.

=knopen,= sw. v. knüpfen, nodare.

=knopen-swinke,= das vordere Schwenkende der Peitsche (bei der Passionsgeisel zu Knoten geknüpft)?

=knôp-hol,= Knopfloch.

=knôp-iseren,= Knopfeisen (der Schneider und der Goldschmiede).

=knôp-mest,= Knauf-, Knopfmesser; Dolch.

=knôp-nadel,= Stecknadel.

=knoppe,= m. Knoten, zu einem Knoten zusammen gebundenes, Bündel.

=knôp-wort,= Knopfwurz, herba clavellata.

=knorr-aftich (-echtich),= knorrig.

=knorre,= m. Knorren, Auswuchs; der Spat des Pferdes.

=knoster,= Knorpel, cartilago, interfinium.

=knoteren,= sw. v. *(garrire, minurizare),* knütterich, mürrisch sein.

=knotten-kaf,= kaf von *knutte,* Flachsknopf.

=knotter,= Kapuziner oder Geiselbruder?

=knovel,= m. Knöchel.

=knucke, knocke,= f. ein zusammengedrehtes Bündel Flachs etc. 3 oder 4 Riste machen einen knocken.

=knuf- (knuft-, kruft)lôk,= n. Knoblauch.

=knuppe, knoppe,= Knospe.

=knuppeken,= kleiner Knoten.

=knuppel,= m. Knüppel.

=knuppel-armborst,= welche Art Armbrust?

=knuppelen,= sw. v. mit einem Knüppel, Stocke schlagen.

=knuppel-lên,= Knüppellehn; was für ein Lehn?

=knuppels,= _Spitzen *(knuppeln* oder *klöppeln,* Spitzen oder Band machen)._

=knuppelschutte,= _Knüppelschütz, Spottname für unbewaffnete Bauern._

=knuppen,= sw. v. zu einem *knôp* oder *knuppen* machen.

=knûst,= m. Knorren, Knollen; bes. die knorrigen Ecken der Brotrinde.

=knuster,= eiserner Beschlag, Überfall, Krampe?

=knutte,= m. Knoten; bes. der Knoten, Knopf des Flachses.

=knuttelwocke,= Art Spinnrocken.

=knutten,= sw. v. 1. knüpfen, *nectere.* 2. stricken, engl. to knit.

=knutter,= der (Auf)knüpfer, Henker.

=knuvel,= euphem. für duvel.

=knuvelinge,= Handschuhe, die nur bis an die Knöchel reichen, frz. mouffle.

=ko, ku,= f. (Plur. =koge, kogge, koie, koige, keie, kuge,= selten =koe),= Kuh; der Sing. manchmal collectiv.

=kob,= Augenschmutz, -butter.

=kobebe, kabebe,= cubebe, crut also peper.

=ko-bede,= Abgabe an (oder von) Kühen.

=kobelet= = gobelet, kleiner Becher.

=koberte= = koverture?

=ko-bêst,= n. Kuh.

=kobilien= (ital. *caviglie),* hölzerne Nägel oder Pinnen, die zur Belegung des Tauwerkes dienen.

=kobrot?= (als Signatur auf Münzen).

=ko-brugge,= Oberlauf, Oberverdeck (Art niedriger Brücke auf Schiffen, frz. faux-pont).

=ko-buk,= eine bäuerliche Last oder Abgabe; welche?

=kôch (koog),= m. (in Schl.-Holst.) eingedeichtes Land.

=kochelen,= sw. v. gaukeln, zaubern, joculari.

=kochelere,= Gaukler, joculator.

=kochelie,= Gaukelei, Zauberei.

=kodde?= Stapel, hölzerne Unterlage?

=kodden,= s_w. v. (stützen?) ausbessern, flicken._

=kod(de)-werk,= Reparatur, Ausbesserung.

=ko-dêf,= Kuhdieb, abigeus.

=kodeken (koddeken),= n. Ferkel.

=koder (kader, kodder),= m. das hangende Fleisch unter dem Kinne, Unterkinn; Wampe, Wamme.

=koder,= Auswurf, Qualster, pituita.

=koderen, kodderen= (und mit Ausstossung des de: =koren, kören),= sw. v. 1. schwatzen, *garrulare, sermocinari.* 2. rülpsen (vomieren).

=kod(d)eringe,= Geschwätz, Gespräch.

=koder-, kaderlek,= Versamlung zum Schwatzen.

=koderolf,= langes, enges Trinkglas.

=kodesinge= (zu *koden, kodden?),* Reparatur, Ausbesserung?

=ko-dreck,= Kuhmist.

=kogaftich (-eftich),= krank.

=koge?= hölzerner Schläger der Küfer?

=koge, kogen (kage),= m. Krankheit, bes. ansteckende, contagio.

=koge, koges(ch),= mit *koge* behaftet, krank; nam. vom Vieh, das an Lungenseuche leidet.

=kogel (koggel, kagel),= m. und f. Kapuze, die man über den ganzen Kopf ziehen kann; Kopfbedeckung (am Mantel oder auch für sich allein), cuculla.

=kogel-broder,= Gesellschaft (junger Kaufleute), so mit kagels gân.

=kogelen= = kochelen.

=kogeler,= blaue Leinewand, *flavilinium* (Zwillich).

=kogel-kip,= Kogelzipfel, retropendium.

=kogel-laken,= Zeug zu einer kogel.

=ko-gelt,= Kuhschatz, Kuhsteuer.

=kogel-timpe,= Kogelzipfel.

=kogen (kagen),= sw. v. krank sein.

=kogert,= ein auf dem Wasser schwimmendes Zeichen, wo der Anker liegt.

=kogge,= m. ein breites, rundliches Schiff, meist zum Kriege gebraucht.

=kogich,= mit *koge* behaftet.

=ko-herde,= Kuhhirte.

=ko-horen,= Kuhhorn.

=ko-husel,= Behausung, Stall für Kühe.

=koje,= f. Verschlag, enger Raum, cavea.

=kok,= Koch.

=ko-kaldunen,= Rinds-kaldaunen.

=koke,= m. (und f.?) (Brot), Kuchen.

=koke-, kokodrul, -dril,= Krokodil.

=koke-hûs,= Kochhaus, Küche.

=kokeler= = kocheler, Gaukler.

=kokeler,= Küchler, Kuchenbäcker; fem. kokelersche.

=koken,= sw. v. kochen.

=kokene, koke,= f. Küche; Versamlungsort des Rates (in Lüneburg, Braunschweig etc.); alles was zur Küche gehört = Hoflager.

=kokener,= der Kuchen macht.

=koken-here,= Mitglied des Küchenrates.

=koken-knecht,= Küchenknecht.

=koken-ko,= Kuh, die (zur Herrentafel) geliefert werden muss.

=koken-mester,= Küchenmeister.

=koken-rât,= der Rat, der in der *kokene* zusammen kömmt.

=koken-solt,= Salz (für die herrschaftl. Küche).

=koken-spise,= Speise, die man kocht.

=koken-towe,= Küchengerät.

=koker (kaker),= m. Köcher.

=kokerie,= das, was gekocht wird.

=kokesche,= Köchin.

=kokinge,= Kochung; Gekochtes.

=kok-isern,= eisernes Küchengerät (Topf etc.).

=kôl,= m. Kohl, Gemüse.

=kolde,= n. das kalte Fieber, cotidiana.

=kolde (kulde, kuldene),= f. Kälte.

=koldelike,= adv. kalt, kühl.

=kolden, kulden,= sw. v. kühlen.

=koldenisse,= Kälte.

=kolde- (kolle)schâl,= das kühlende Sommergetränk aus Bier, Wein etc. mit allerlei Zuthaten.

=kole (kale),= f. Kohle.

=kole-bernere,= Kohlenbrenner, Köhler.

=kol(e)-dreger,= Kohlenträger.

=kole-gelt,= Kühlegeld, Bezahlung für das Kühlen des Getreides.

=kole-greve,= der die Aufsicht über die Kohlen hat.

=kole-mester,= Aufseher über den Handel mit Kohlen.

=kolen,= sw. v. kühlen, bes. das erhitzte Getreide durch Umwerfen.

=kolen,= sw. v. (Holz) zu Kohlen brennen.

=kolener,= Köhler, carbonarius.

=koler,= Köhler; Kohlenhändler.

=kole-storter,= Kohlenstürzer; sie bildeten eine Corporation mit der Befugnis, die Kohlen abzuladen (die Säcke zu stürzen) und den Käufern ins Haus zu bringen.

=kole-vat,= Kühlfass.

=kôl-grapen,= Topf zum Gemüsekochen.

=kôl-hase,= Heuschrecke, locusta.

=kôl-hof,= Kohl-, Gemüsegarten.

=kôl-hof,= Kohlenmeiler.

=kôl-hupper,= Kohlhüpfer, Heuschrecke.

=kolicken,= eine geringe, aus Galläpfeln und Vitriol bereitete schwarze Farbe.

=kolinge,= Hölzung, die zum Kohlenbrennen bestimt ist.

=kolk,= Kolik; kolk-suke, colica.

=kolk, kulk,= m. eine mit Wasser gefüllte Vertiefung, bes. ein durch die Gewalt des Wassers eingerissenes Erdloch.

=kol(le),= m. Kopf, der oberste Teil von Pflanzen; der weisse Fleck an der Stirn der Pferde.

=kollensch gewicht,= Kölnisches Gewicht; es gehörte zu den schwereren.

=kôl-mome,= Kohl-pflegerin.

=kôl-môs,= Kohlgemüse, Gemüse jeder Art.

=kôl-rake,= Instrument zum *raken* der Kohlen.

=kolre,= Ausbruch der Galle; die ausgebrochene Galle selbst; cholera.

=kolrude,= Kohlraute?

=kols,= m. Plauderei, colloquium.

=kolse,= Beinkleid, Hose.

=kolsen,= sw. v. 1. plaudern, schwatzen, garrulare. 2. brechen, vomieren.

=kolser,= Schwätzer.

=kôl-sprinke,= Heuschrecke.

=kôl-sprute,= Kohlschössling.

=kôl-stede,= Stelle zum Gemüsebau, Kohlgarten.

=kôl-stock,= Kohlstengel, maguderis.

=kolt,= kalt; *kolde sucht* oder suke, febris.

=kolte,= _f. Decke, worauf man sitzt oder liegt, Bettdecke, Matratze._

=kolten-meker,= der *kolten* verfertigt.

=koltgote,= Kaltguss, (kalt bereitete) Lauge, irgend eine Salzauflösung.

=kolt-heit,= Kälte.

=kolt-leger,= das Kaltliegen der Sülzpfannen.

=ko-luchte,= Stallleuchte (mit Hornscheiben).

=kolve,= f. Kopfhaar in eine gewisse (runde) kurze Form geschnitten, Kopf mit kurz gestutztem Haar.

=kolve,= Kolbe (zum Ballschlagen).

=kolven,= sw. v. Ball mit dem Kolben schlagen.

=kolven-dreger,= Kolbenträger (= Polizeidiener?)

=kôl-vûr,= Kohlenfeuer.

=kome,= f. Ankunft.

=komen,= _st. v. Prät. *quam, kam (kêm),* kommen; mit Partic. Präs. z. B. *se quemen springende;* und wegen des gewöhnlichen Abfalls der Endung *-de* scheinbar mit dem Inf._

=komen (kamen, komîn, kamîn, kämen),= Kümmel.

=komen-schup= (= kôpmanschup), Kaufmannschaft, Handel.

=ko-mes,= Kuhmist.

=commentel,= kleine Schüssel.

=komp (kump),= tiefe Schüssel (Kumme).

=kompandie (kompanghe, kompagnie),= das Dach der auf Deck liegenden Kajüte.

=complete,= die letzte der kanonischen horae.

=ko-mûl,= Kuh-, Rindsmaul.

=ko-name,= m. (und f.) Wegnahme, Raub der Kühe.

=kone,= kühn, dreist.

=koneke,= Ofengabel, Feuerrake.

=konele,= satureia.

=confer,= m. Behältnis (= frz. couvert?)

=confers,= gedeckte, geschützte Rhede.

=konfît,= (confectus), eingemacht, candiert, von Früchten, Wurzeln etc.

=konheit,= rudimentum in facie, crepundia.

=kon-, konicheit,= Kühnheit, Dreistigkeit.

=konineken,= n. Kaninchen.

=koningeke,= Königlein, regulus.

=koningesch,= königlich.

=koningesdach,= bei den Fehmgerichten eine Frist von 6 Wochen und 3 Tagen, ehe das Urteil vollzogen wird.

=koninges-kerse,= Wollkraut, tapsus barbatus.

=koningeslik,= königlich.

=koninges-malder,= eine gewisse Zahl (z. B. 32 Schläge).

=koninges-schat,= Abgabe an den Fiscus (als Recognitionsgebühr).

=koninges-strate,= der allgemeine öffentliche Heerweg.

=koninges-tins,= Grundzins, der in den Fiscus floss, census imperialis.

=koninges-wech= = koninges-strate.

=konink, konnink,= 1. König. 2. Name eines Tieres, wahrscheinlich Kaninchen, mhd. küniclîn.

=kônliken,= kühnlich, dreist.

=konrât,= eine Art Standesname für die Bauern.

=konreide, -reit,= Pflege, Bewirtung, bes. der Lehnsherren, mlat. conredium.

=kôn-roste= = kên-roste, Kienrost.

=contrefeten, -feiten,= sw. v. Konterfei machen, portraitieren.

=convent,= s. =kovent.=

=kop, koppe,= gew. m. Becher.

=kop,= m. 1. Kopf. 2. Schröpfkopf, ventosa.

=kôp,= m. Kauf und Kaufpreis; grôt, groten k.; grotes kopes und gût, goden k., godes kopes, wolfeil; beteren k. kopen, wolfeiler einkaufen; beteren k. geven, billiger verkaufen. -- neger, negest kôp, näherer, nächster Käufer.

=kôp-betalinge,= Zahlung für einen gekauften Gegenstand; Urkunde darüber.

=kôp-drank,= der Trunk beim Kaufe, Weinkauf, mercipotus.

=kope, kupe (kove),= f. grosses Fass, Kufe (als Mass = 110 stoveken).

=kopel-schaft,= Handelsware.

=kopen,= sw. v. 1. kaufen. 2. durch Kauf lösen, als Kaufpreis bekommen. 3. verkaufen. 4. bezahlen, büssen (= bekopen).

=kôp(e)-note,= Kaufgenosse.

=kopen-pennink,= Abgabe beim Kauf oder Verkauf.

=kopen-schup,= 1. Kaufmannschaft, das Handeltreiben. 2. Kaufmannsware.

=kopere,= m. Käufer.

=kôp-geselle,= Handlungsbeflissener (nicht immer = Diener).

=kôpgeve,= was sich zum Kaufe geben lässt, von guter Beschaffenheit, zum Verkauf geeignet.

=kôp-handel,= Kaufhandel.

=kope-zerter,= Kaufzerter, -vertrag.

=kopinge,= 1. das Kaufen, der Kauf. 2. Kaufstelle, Handelsplatz.

=kopken?= (Stück eines ledernen Beutels).

=kopken, koppeken,= eine kleine Münze (4 = 1 denarius, pennink).

=kôp-knape,= Kaufgeselle, Handlungsdiener.

=kôplik,= was zum Kaufmann gehört; kôplike lude, Kaufleute; k. want, Kleider(stoffe), die zum Verkauf gebracht werden.

=kôpman,= Plur. =-lude,= 1. Kaufmann, der etwas verkauft, bes. Grosshändler. Im Sing. coll. die Gilde der Kaufleute, die Kaufmannschaft. 2. Kaufmann, der etwas kauft (Kunde).

=kôpmanschup,= 1. die Weise, das Handeln eines Kaufmanns; Handel, Handelsgewinn. 2. Kaufmannsware.

=kôpmans-gût,= selten Kaufmannsgut, gew. zum Verkauf geeignete, untadelhafte Arbeit und Ware.

=koppeke,= Dem. zu *kop,* kleine Schale, Obertasse.

=koppel,= n. Band, *copula;* dann das Zusammengebundene (Pferde, Hunde etc.), Haufe überh.; als Mass für Früchte (Feigen, Rosinen).

=koppel,= f. Land (nam. Weide), welches das gemeinschaftliche Eigentum mehrerer ist; ein mit Zäunen befriedigtes Stück Feldes zur Viehweide.

=koppelen,= sw. v. binden, zusammenbinden.

=koppel-gras,= Gras auf einer Koppel?

=koppelinge, koplinge,= Verbindung, Copulation der Brautleute.

=koppel-pipe,= _Hirtenflöte; *camena* (von der Rinde der Koppweide?)_

=koppen,= sw. v. 1. köpfen, den Kopf, die Spitze abschlagen. 2. den Kopf einnehmen, trunken machen. 3. Schröpfköpfe setzen, zur Ader lassen, fleubotomare.

=kopper,= der Schröpfköpfe setzt, *fleubotomus;* fem. koppersche.

=kopper,= n. Kupfer.

=kopper-brûn,= acris flos (Grünspan).

=kopper-golt,= aurum subaeratum? koppergolts-bendel, Bänder, Gürtel von der Farbe wie koppergolt?

=kopper-klôn?=

=koppern,= kupfern.

=kopperrôk= (cupri rosa), Kupferrauch, Vitriol, coporosa.

=kopper-sleger,= Kupferschmied.

=kopper-water,= Vitriol.

=koppe-swert,= Schwert zum Köpfen.

=koppisch,= der seinen eigenen Kopf hat.

=koppischeit,= Eigensinn.

=kôp-sate,= Kaufvertrag.

=kôp-schat,= Kaufmannsgut; Ware (Ggs. Immobilien).

=kôp-schip,= Kauffarteischiff.

=kôp-slach,= _Handel; *kôpslachs-mândach,* Montag nach Invocavit._

=kôp-sel(l)ich, -salich,= was zum Kauf oder Verkauf dient oder gehört; *k. vinster,* Ladenfenster; *k. mândach,* der Montag nach Invocavit.

=kôpslagen,= sw. v. einen *kôpslach* machen, durch Handschlag einen Handel abschliessen, dingen; überh. handeln; trans. mit etwas Handel treiben.

=kôp-stat,= Handelsstadt.

=kôp-stede,= Kaufstätte, Laden.

=kôp-stevene,= festgesetzte Zeit zum Handel; überh. Markt.

=kôp-strate,= Handelsstrasse.

=kôp-sune,= verkaufbar, das gut abgeht.

=kôp-var= = kôp-varer, Kauffahrer, Handelsreisender.

=kôp-varen,= Handelsreisen machen.

=kôp-vart,= Kauffahrt, Handelsreise.

=kôp-vrouwe,= handeltreibende Frau.

=kop-wede,= Kopf- (Kap)weide, die gemeine, weisse Weide, die »geköpft, gekappt« wird.

=kôp-zise,= Kaufaccise.

=ko-quek,= n. Rindvieh.

=kôrbar,= k. wunde, eine Wunde, deren Grösse und Bestrafung durch das Gesetz bestimt ist, Masswunde = kampordich.

=kôrbomen,= sw. v. wählerisch sein (*kôrbôm,* der ausgesucht beste Baum).

=kôr-dach,= Tag der Gemeindeversamlung (wo sie kesen).

=korde,= f. Strick.

=korde, kurde, karde,= ein langes (sichelförmiges) Messer, Säbel.

=kordêl,= frz. *cordeau, cordelle,* Seil, Bindseil; die Taue, womit die unteren Raaen aufgehisst werden und die Stränge, aus denen das Ankertau (Kabeltau) zusammengesetzt wird.

=kôr-dêl= (Kür-teilung), *to k. gân,* so erbteilen, dass der eine das Erbe teilt, der andere wählt.

=korde(?)maker,= Korduanmacher, alutarius.

=kordewanere,= Korduanbereiter.

=kôr(e), kûr(e),= m. und f. 1. Entscheidung, Beliebung, Statut. 2. Entscheidung, Schiedsspruch, Schätzung, *arbitrium; up den kôr,* probehaltig. 3. die Wahl zwischen zwei oder mehreren Dingen; *wol nâ kore* = mhd. *nâch wunsche;* Wahl der Beamten; das Recht des Herrn, sich das Beste aus dem Nachlass eines Hörigen zu wählen. 4. die (statutarische) Geldstrafe für die Verletzung einer gesetzlichen Bestimmung; festgesetzte Gebühr.

=kore- (kor-, kur)mede, -meide,= Abgabe nach dem Tode eines Hörigen an seinen Herrn; urspr. das s. g. Besthaupt, später zu Geld angesetzt; *koremedeslude,* Leute, die *k.* zu zahlen verpflichtet sind.

=koren,= sw. v. 1. brechen, speien, *vomere.* 2. schwatzen, plaudern.

=koren,= sw. v. 1. (prüfend) wählen. 2. mit einem *kore* (Geldbusse) belegen = *in kore leggen,* für schlecht, straffällig erklären.

=koren,= n. (Inf. subst.) Wahl, Entschluss.

=koren-ledder,= Leiter des Erntewagens?

=korenlik?= schimmernd, gleissend, vibratilis.

=kore-penninge,= Chorpfennige, Gelder für Teilnahme an den gottesdienstlichen Handlungen, Präsenzgelder.

=kor(e)-visch,= auserlesener Fisch (grosser Fisch; von mittlerer Grösse middelvisch).

=kôr-genote,= s. kôr-note.

=kôr-here,= 1. Wähler. 2. Untersucher, Prüfer (der Ess- u. anderer Waaren).

=koringe,= Wahl.

=ko-rint,= (Kuhrind), Kuh.

=koritz,= Kürass, Harnisch = kuritz.

=kôr-kappe= und =kôr-kogel,= Chorhut, almucium.

=kôrlik,= wählerisch; ausgezeichnet (exquisit).

=korlie,= f. gemeines Haus?

=kôr-loper,= einer der Mühlensteine.

=kôr-man,= Wähler.

=korn (koren, korne),= n. 1. Korn. 2. Edelstein in Kornform. 3. Feingehalt der Münze.

=korne-bede,= eine *bede,* Steuer, Abgabe von Korn.

=korne-deler,= Kornmesser (Kornmass von 3 Scheffeln), abbatus.

=korne-gelt,= Gülte oder Rente von Korn.

=kornelle,= Kern der Nuss.

=korneminte,= calamitum, calamintha, nepica.

=korne-môs,= Getreidebrei, pulmentum.

=kornen,= sw. v. Part, *gekornet,* gekörnt (vom bunten, streifigen Marmor).

=korner,= der für das Getreide zu sorgen hat, annonarius.

=korne-spiker,= Kornspeicher.

=korne-staker,= der das Getreide auf den Wagen herauf- oder von demselben herunterreicht.

=kornete, kornte,= n. Korn.

=kornich?=

=korninge,= Verlockung (durch Streuen von Körnern).

=korningen,= sw. v. in Körnern darstellen, granulieren.

=korn-schillink,= Korn-abgabe.

=kôr-note, -nute, (-genote), karnute,= m. 1. Genosse im *koren (küren),* sowol bei Festsetzung der *küren* und Bestrafung der Übertretungen als beim Wählen. 2. überh. Genosse, Freund, *amasius* (und als fem. *amasia = bole);* im schlimmen Sinne: Kumpan, Zech-, Spielgenosse.

=kornuten,= sw. v. sich wie ein *kornute (amasia)* benehmen, buhlerisch sein, amasiare.

=korn-worm,= Kornwurm; bildl. der das Korn teuer macht.

=kô-rope,= Kuhraufe (Krippe).

=corporale,= das Tuch, womit das h. Opfer auf dem Altar bedeckt wurde.

=kôr-rochele, -ruchele,= _Chorrock, weisses, vielfaltiges Chorhemde._

=kôr-scholer,= Chorschüler, Chorist.

=korsel= (= korsene), Kleidungsstück von Pelzwerk.

=korsene, korse,= f. Kleidungsstück von Pelzwerk, Pelzrock, pellicium.

=korsener,= der *korsen* macht, Kürschner.

=korsen-werchte (-warchte, -werte, -warte, -werter),= einer der *korsen* macht, Kürschner, pellifex.

=korste, kost,= f. Kruste, bes. vom Brode.

=Kôrt,= Koseform zu *Konrât; mester Kort,* der Henker.

=kort,= adj. und adv. kurz, klein; *kort unde klein,* alles zusammen; *de korte wagen,* der Düngerwagen; *kort holden,* kurz halten, einschränken, kränken, benachteiligen; von der Zeit: bald, rasch; *binnen* oder *in kort,* bald (von der Zukunft); vor kurzem (von der Vergangenheit); *up en kort,* bald; *to kort dôn,* verkürzen, verletzen, benachteiligen; *to k. geschên,* benachteiligt werden; *to k. werden* (mit Gen. d. P.), sterben; *to k. gân,* worin fehl gehen.

=korte,= f. Kürze; *de k. gân,* sich kurz fassen; *de k. sacht,* in Kürze gesagt; *mit korte,* bald.

=kort(e)liken,= _1. in Kürze, *summatim.* 2. in kurzer Zeit, bald. 3. vor kurzem, jüngst. 4. kurzab, kurzweg._

=kortelinges,= kürzlich, jüngst.

=korten,= sw. v. kürzen, kurz machen; *de schepe to hope korten,* an einander ziehen, zusammenbringen.

=kortes (korts, kortens),= kürzlich, neulich, *novissime,* in Zukunft, bald; *in kortes,* kürzlich; bald.

=korte-wile,= Kurzweil, Vergnügen.

=korte-wîn,= gemeiner, geringer Wein.

=kortheit,= Kürze.

=kortik?=

=kortinge,= Kürzung.

=kortlink,= m. 1. Kurzebold, von kleiner Statur. 2. kleines Holzstück. 3. eine kleine Münze (= 2¼ oder 4 Pf.).

=kôrts,= Fieber.

=kort-stro,= Kurzstroh, d. i. Dünger von der Viehstreu.

=kort-umme,= kurzum; durchaus.

=kort-vorrucket,= kurz verflossen.

=kort-warich,= kurz dauernd.

=kort-wilich,= von kurzer Dauer, kurz.

=korf,= m. (Geflochtenes), Korb; *dorch den k. vallen,* einen Korb bekommen.

=korvese (korbitze),= m. Kürbis.

=korvese (-witze)?= Name eines Küchengerätes?

=korf-hûs,= Schanzkorb; Schanze überh.

=kôr-vorste,= Kurfürst.

=korf-seise,= Korbsense (um Hafer zu mähen).

=korf-stal,= Stelle im Wasser, wo Körbe, Fischreusen gelegt werden.

=kor-water,= Wasser, welches sich in den Braken gehäuft hat.

=kor-wort?=

=ko-schat,= Kuhschatz, d. h. Abgabe, in der Lieferung von Kühen bestehend, oder in Geld (nach der Kopfzahl der Kühe).

=kose-beker,= der Minnebecher, beim Schluss des Gastmahls getrunken.

=koseken?=

=kosen,= sw. v. reden, sprechen, bes. vom heimlichen, trauten Gespräche.

=kosiant,= ein Kleiderstoff.

=kosinge,= Sprechen, (trautes) Reden.

=ko-slach, (-slacht,= f.) m. Beschlagnahme (Arrest), Wegführung der Kühe von den Weiden.

=ko-snute,= Kuh-, Rindsmaul.

=kossater= = kotsate, -sete.

=kost,= f. Küste.

=kost, koste,= f. 1. Beköstigung, Speisung, Haushaltung, Unterhalt; concr. Speise. 2. Bewirtung, Schmaus, Festlichkeit (z. B. Gildenfest, Familienfest, bes. Hochzeitsfest). 3. Aufwand, Kosten, Unkosten, expensae.

=kost-bar,= kostbar; =kostbaricheit,= Kostbarkeit.

=koste= = kotse = kotsate.

=kostel,= kostbar, köstlich, herrlich.

=kostel-heit,= Kostbarkeit, Pracht.

=kostelicheit,= Köstlichkeit, Aufwand, Pracht.

=kost(e)lik,= köstlich, was viel kostet, Kosten verursachend; adv. *kosteliken,* mit grossen Kosten; sehr, heftig, stark.

=kosten,= sw. v. 1. kosten, wert sein. 2. kosten, schmecken.

=koster, kuster,= m. Küster.

=koster,= contrah. aus kossater = kotsate.

=kostergût,= Gut eines *kotsaten,* Kossäten.

=kosterik,= freigebig, dapsilis.

=kost-gelt,= Geld zu den Kosten.

=kost-gever,= der die Kost gibt, Verpfleger.

=kostich,= was viel kostet, kostbar.

=kost-spildunge,= Geldaufwand.

=kostûm,= m. Gewohnheit; (gewohnter) Zoll, engl. customs.

=kostumeliken,= nach Gewohnheit.

=kostunge,= Kosten, Aufwand.

=kost-vorloren,= verlorne Kosten, vergebliche Mühe, Undank.

=kost-vri,= freigebig mit der Kost, gastfrei.

=kost-vriheit,= Freigebigkeit.

=kôt (koit, kout),= m. (dünnes) Bier.

=kot,= n. = *kote,* Häuschen.

=cotarelle,= mlat. *cotarellus,* Hintersasse, Kötner, Kossäte?

=kote, kute,= Huf, Klaue; bei Pferden: Fessel; Knöchel (des Fusses) und daraus verfertigte Würfel, astragalus, articulus, talus bovillus.

=kote (kotte, kate),= m. und f. kleines, niedriges Haus, Hütte (zum Wohnen), sowol mit als ohne Grundstück, casa.

=kotel,= m. Kot-klumpen; bes. die Excremente von Mäusen, Schafen, Ziegen etc.

=kotenere,= Köt(n)er, Kossäte.

=koterer, koter,= m. Köt-ner, Kossäte, Inhaber einer kote.

=koter-hân,= der wilde Hahn.

=koter-hunt,= Bauer- und Schäferhund, Kläffer, flagistus.

=kot-hof,= eine Köterstelle.

=ko-trade,= f. Stelle, wohin das Vieh geht (um zu trinken), Viehtränke.

=kotsete (kotse, koste; kotseter, kotzer, koster),= der auf einer *kote* sitzt, Köt(n)er, Kossäte, homo casatus.

=kot-stede,= Hof eines Köters, Köterei.

=kot-were, -ware,= Kot-stelle = kot-stede, area cossatica.

=kot-wort,= Wurt (*area*) eines Köters.

=kotzen-schalk= und =kotzen-sone,= Hurenbube, -sohn, ein starkes Schimpfwort.

=kotzere,= Hurer, mechus; =kotzerinne= (und kotze?), mecha.

=kouwe= = Krog, ein Stück eingedeichten Landes?

=kouwese (kouwesche, kauseke),= f. (grosse) Schale.

=kofe (koife),= kleiner Hut, cuphium.

=ko-vê,= Rindvieh.

=kove,= Nebenform zu *koge,* Husten.

=kovel= = kogel, Kopfbedeckung.

=kovelinge= = kavelinge, Abmessung, Schätzung?

=kovelture= = koverture, falcariamentum.

=kove(n), kave(n),= m. Hütte, Häuschen, Verschlag, namentlich für Kleinvieh, bes. Schweine.

=koven,= sw. v. bedecken, frz. couver.

=kovent, kavent= (die vollere Form *convent* ist seltener), m. 1. die gesamten Bewohner eines Klosters. 2. Kofent, Nachbier, Dünnbier (für die gewöhnlichen Klosterbrüder und das Gesinde, für welche auch besonderes -- gewöhnliches, tägliches -- Brod gebacken wurde), conventes brôt.

=kover,= der nur eine *kove (= kote)* hat = *kotsete* oder hovener?

=koverture,= Decke, bes. Rossdecke.

=ko-vôt,= Kuhfuss, Brechstange (nach der Gestalt benannt).

=kower,= Kober, Korb, Käfig?

=kowort= = arone.

=koz,= m. Reisemantel, Pilgerkleid (grobes, wollenes Tuch).

=kra, krage,= f. Krähe.

=krabbe,= Krabbe, Meerkrebs (Garnele, Granate).

=krabbeln,= sw. v. herumkriechen.

=krabben,= sw. v. kratzen, schaben.

=kracht,= f. Kraft.

=krachtich, krechtich,= kräftig.

=krack,= Unterholz.

=krackelinge,= kleines Gebäck (Kringel).

=krade= (= krode, krodde?), stolz, aufgeblasen?

=krage,= n. 1. Hals, Schlund (mit dem man die Speisen verschlingt); auch der äussere Hals. 2. Bekleidung des Halses; *wolkede kragen,* gewölkte, gepuffte Kragen.

=kragede hoiken,= mit einem *kragen* versehene Hoiken.

=krake (karacke),= ein grosses (spanisches) Kauffahrteischiff von alter Bauart.

=krakel,= Falte = krokel.

=krakele,= Geschrei, Lerm (von Vögeln); lauter Zank.

=krakelen,= sw. v. lautes Geschrei erheben, gackern, garrire.

=krakelich,= zänkisch; von Sachen: Streit verursachend.

=kraken,= sw. v. 1. krachen. 2. trans. knacken machen, brechen.

=kraken,= sw. v. murren, jammern, klagen.

=krallen, kralen (korallen)= und umgesetzt =karlen,= Korallen, ein rot edel stên.

=krallen-snôr,= Korallenschnur.

=krallen-veftich,= Korallenfünfzig, ein 50 Korallen (oder sonstige Steine) enthaltendes Paternoster (Rosenkranz).

=kram(e),= m. ausgespanntes Tuch als Wetterschutz, Zeltdecke; die mit Leinwand etc. bedeckte Krambude; die (in den Buden ausgelegte) Kaufmannsware; der Handel mit Krämerwaren, Kleinhandel; Wochenbett (eig. die Gardine etc., hinter der die Wöchnerin liegt); Haus, in welchem eine Wöchnerin ist.

=kramer= (und =kremer=), Kleinhändler; =kramergeselle,= unser jetziger Commis.

=kramerie,= f. Krämerei.

=kramer-latîn,= schlechtes Latein, Kauderwälsch.

=krâm-lude,= so heissen Mann und Frau, wenn die Frau im Wochenbette liegt; das Haus heisst krâmhûs.

=krampe,= (m.?) Krampf, spasmus.

=krampe,= f. Krampe, Haken, tenaculum.

=krâmpot,= Topf mit Specereiwaren für Wöchnerinnen.

=krâmschinden,= Häuser plündern, in welchen Kindbetterinnen sind; der es thut, ist ein krâmschinder.

=krâmte,= Krambude.

=krâmvronwe,= Kindbetterin, Wöchnerin.

=krâm-werk,= 1. Krämerinnung. 2. Krämerware.

=krân,= Kranich, grus; = krôn.

=kranekes-snavel,= acus muscata, a. reumatica; vgl. krôn-snibbe.

=krânhake,= ein Schmiedsgerät.

=krank,= 1. schwach, *infirmus; krankes dodes sterven,* eines elenden, jämmerlichen Todes sterben; *kranke redelicheit,* Unbilligkeit; *kranke worde,* schlechte Reden, Schimpfworte; *kranke lude, humiles personae.* 2. im heutigen Sinne: körperlich oder geistig leidend, morbidus.

=kranke,= f. Schwäche, Blösse.

=krankedage,= Krankheit.

=krankeliken,= schwächlich; *k. to sik nemen,* sich gekränkt fühlen.

=kranken,= sw. v. schwach (mattherzig) werden.

=krankheit,= f. (und n.) Schwäche; Krankheit.

=krankhertich,= schwachherzig.

=kranksinnich,= verstandesschwach.

=krankte (krankede)= = krankheit, s. krenkte.

=krân-louwe,= Krahnpächter? (vgl. kellerlouwe).

=kranz,= m. Kranz (Jungfern-, Brautkranz; auch Ritterschmuck); Kranzdarm, Gekröse.

=krape,= umgesetzt für karpe, gorillus, piscis.

=krasse,= Krabbe, nomen piscis, gracius.

=krât,= (Hahnen)schrei.

=kratelen,= sw. v. schreien, bes. wie ein Huhn, krähen, gackern.

=kraten,= sw. v. schreien.

=kratz,= Kratz; bildl. Widerrede; Kratz-, Flockwolle?

=kratzen, krassen,= sw. v. kratzen; bildl. kratzig, widerspenstig sein.

=kratz-pot,= Topfschrapper.

=kravêl (karvêl),= _n. langes, schmales Kauffahrteischiff, Caravele._

=kreck,= adv. just, gerade, unmittelbar.

=crede,= m. das Credo; *den creden lesen,* jemand die Leviten, den Text lesen.

=credenarer,= f. Becherdeckel?

=credencie,= f. Credenzbrief; Beglaubigungsschreiben.

=credenzer,= m. (n.?) Anrichte, Büffet, vasarium.

=credenz-vat,= ein Trink-, (Wein)gefäss (welcher Art?)

=kreften,= sw. v. = *bekreften,* bewältigen, erobern.

=kreftich,= kräftig, mächtig.

=kreficheit,= Kraft.

=kreftliken,= mit Macht.

=kregel,= immer fertig zum Kampfe; hartnäckig, *pertinax* (jetzt: munter, lebensfrisch).

=kregel,= Kringel, ein Gebäck (= krengel).

=kregeren, -jeren,= sw. v. schreien, rufen, frz. crier.

=kregerer,= Schreier, Rufer, Herold.

=kreibicken,= Muscheln (*kabbik*) fangen.

=kreie, kreige,= f. Krähe.

=kreier, kreiger, kreger,= eine Art kleinerer Kauffahrteischiffe.

=kreis,= m. 1. der eingehegte Kampfkreis. 2. Umkreis, Grenze.

=kreisen,= sw. v. kreischen, schreien.

=kreisen,= sw. v. (Jagdausdruck) das Gebüsch umgehen, in dem sich das Wild aufhält?

=kreismeister,= Aufseher über die gerichtlichen Zweikämpfe, Grieswart.

=krek,= Griff? (eisernes Gerät zum Festhalten? oder = *krich,* Zugwinde?)

=kreke, kreike,= Schlehenpflaume, *prunum; kreken-môs,* Mus davon.

=kreke, krekel,= das Instrument zum Spannen der Harfe, plectrum.

=kreke,= Geschrei, *rictus* (vgl. krakele).

=krekelink,= Kringel, Bretzel.

=Kreke,= Grieche; =in Kreken,= in Griechenland.

=krekesch,= griechisch.

=kremer,= Krämer, institor.

=kremer-hûs,= Krämerhäuschen d. i. Tute (Düte).

=kremerlik,= zum Krämer gehörig.

=kremmen,= sw. v. mit gekrümmten Klauen packen; *kremmende vogele,* Jagd-, Stossvögel.

=krenkede, krenkte,= f. Krankheit; bes. das fallende Übel (die schwere Not).

=krenken,= sw. v. 1. trans. schwächen, schwach machen, *infirmare; gekrenket werden,* krank werden; im geschlechtl. Sinne: schwächen, *stuprare.* 2. intr. schwach, krank werden.

=krenke- (kranke)liken,= schwächlich, segniter.

=krenker,= Schwächer; Schändiger.

=krentelen,= sw. v. kandieren?

=krenzlîn,= n. Kränzchen (als Siegespreis).

=krepel (kropel, kreppel, kroppel),= m. Krüppel, contractus.

=krepen,= st. v. = *krupen,* kriechen.

=kresem,= m. 1. Chrysam, das geweihte Öl, *crisma.* 2. Diöcese, soweit der Chrysam von dem Bischof versandt wird; die Zeit, wo dies geschieht?

=kresemen,= sw. v. mit dem h. Chrysam salben, crismare.

=kresemente,= Salbung.

=kresem-vat,= Gefäss für den Chrysam, crismatorium.

=krete,= m. Ritze, Kerbe.

=krêt(e), kreit (krît),= _m. 1. Kreis, *girus.* 2. der Kampfplatz._

=krête, kreit, krît,= m. Zank, Streit, Hader.

=kretele= (Dem. zu *krete,* Ritze), Falte, Runzel?

=kreteler= = kreter, Hadermann.

=kreten, kriten,= sw. v. streiten, zanken, altercari, rixari.

=kreter,= Haderer, Streiter, bes. der den Streit eines andern vor Gericht führt, procurator.

=krettelmore,= eine rübenartige Pflanze, pastinaca.

=kretten,= sw. v. reizen (zum Zorne), quälen, belästigen; refl. sich streiten (das Wort mengt sich mit kreten, kriten).

=krêt- (kreit)warder,= Aufseher über den Kampfplatz, Grieswärtel.

=krevelen,= sw. v. kribbeln, schaudern.

=krevelinge,= Schaudern, Sträuben.

=krevelsch,= gereizt, zornig.

=krever,= eine Art Schiff = kreier.

=krevet, kreft,= m. Krebs, als Tier, als Gestirn, als Krankheit, als Rüstung, Brustharnisch, thorax ferreus.

=krevetes-oge,= Krebsauge, Stein im Magen des Krebses.

=krez(e),= Abgang vom bearbeiteten Metall; bes. von Silber, ramentum.

=kribbisch,= streitsüchtig, reizbar.

=krich,= m. Zugwinde, Flaschenzug, Schraube.

=krich,= m. Streit, Zwist, *contentio;* Widerwort, Eigenwille, Rechthaberei; Streit mit Waffen, bellum.

=krichaftich,= 1. streitsüchtig. 2. bestritten, streitig.

=krichsnôr,= Zugwinden-seil.

=krichwerk,= was zur Zugwinde nötig ist.

=kricke,= Krickerbsen? kleine Erbsen? (vgl. *krick-ânt,* kleine Ente).

=krickelmore,= kleine, runzlichte Rüben (= krettelmore?)

=krigelik,= zum *krich* gehörend.

=krigen,= st. v. bekommen, erhalten (in allgemeinster Bedeutung).

=krigen,= sw. v. streiten; im rechtl. Sinne: processieren; kriegen, fehden, *bellare* (in diesem Sinne auch st., aber äusserst selten).

=krigern(d)e,= voll Neigung zum Kriege, kriegslustig.

=kriges-geloufte,= Wechselfälle des Krieges.

=kriges-reschop,= Kriegsgerätschaft.

=krigich,= streitsüchtig.

=kriginge,= das Bekommen, Erhalten.

=krikel,= Zirkel, circinus.

=krikel, krekel,= Heimchen, Grille, cicada.

=kriken,= sw. v. streicheln, schmeicheln?

=krime,= die Schärfe, welche Bier, Käse, Schnupftabak u. a. Dinge an sich haben (*krimich,* scharf von Geruch und Geschmack).

=krimessin,= karmoisin.

=krimpe,= f. das Einschrumpfen; *tor k. gân,* einschrumpfen, kleiner, geringer werden.

=krimpen,= st. v. 1. intr. sich zusammenziehen, kleiner, geringer werden, einschrumpfen. 2. trans. einschrumpfen lassen, Kunstausdruck der Tuchbereiter.

=kringel(e),= m. und f. Kreis, Ring; das bekannte runde Gebäck.

=krink,= m. Ring, Kreis; bes. der Kreis, in dem der hinzurichtende Verbrecher steht.

=krinzen,= _sw. v. d. *krinse* d. h. *purgamentum frumenti,* (Kaff etc.) entfernen;_ exacerare, per wannum excutere.

=krîschen (krissen, krisken),= sw. v. kreischen (auch vom bratenden Fleische).

=krispel,= Frauenputz, wahrscheinlich ein langer Schleier.

=krisselen,= sw. v. kratzen, einen kratzenden Ton hervor bringen; vom Schreiben: durchstreichen, tilgen.

=kristallen-kiker,= Leute, die aus einer Kristallkugel oder einem gläsernen Prisma wahrsagen.

=kristen,= 1. adj. christlich. 2. subst. Christ.

=kristendôm,= m. das Christsein (Getauftsein); die gesamte Christenheit.

=kristenen,= sw. v. zum Christen machen, taufen.

=kristenheit,= de k. hebben, getauft sein.

=kristêr,= Klistier.

=krite,= Hausgrille, Heimchen.

=krite,= f. Kreide; *up k., in de krite,* auf Borg.

=kriten,= sw. v. mit Kreide bezeichnen.

=kriten,= st. v. schreien, heulen.

=kriten,= sw. v. *krît, krêt* erregen, streiten.

=kritich,= kreidig.

=krît-snôr,= eine mit Kreide bestrichene feinere Sorte Bindfaden.

=kritz,= m. Kritz (mit der Feder).

=kroch,= (krächzender) Rabe oder Krähe (Dohle).

=krôch= = koog? im Dithm. ein Stück Weide- oder Saatland, das eingehegt ist (mit Zaun, Wall oder Graben).

=krôch, krûch,= m. Wirtshaus, Schenke; *krôch holden,* das Wirtshaus besuchen = zechen (vgl. *schole holden,* die Schule besuchen); Krug-, Schenkgerechtigkeit.

=krôch-dach,= Tag, an dem man ins Wirtshaus geht.

=krochen,= sw. v. grunzen, krächzen etc.

=krôch-gank,= das Gehen in das Wirtshaus (zum Einlager).

=krôch-vader,= Herbergsvater.

=krode,= f. Kröte.

=kroden, kruden,= sw. v. *krot* machen, in rechtlichen Anspruch nehmen, Klage erheben; (meist refl. mit Gen.) sich mit etwas befassen, sich kümmern um, jem. belästigen.

=kroden-duvel,= Krötenteufel? (als Schimpf- und Fluchwort), bufo.

=kroden-sone,= Krötensohn (als Schimpfwort).

=krodigen,= sw. v. refl. sich mit etwas zu schaffen machen, sich kümmern.

=krofliate,= gariofilata (d. i. caryophyllum).

=krogen,= sw. v. 1. einen Krug, eine Schenke halten. 2. zechen.

=kroger,= m. Besitzer eines krôchs, Landbesitzer.

=kroger, kruger,= m. Wirt, Gast-, Schenkwirt; fem. krogersche.

=kroke, krake,= f. Falte, Runzel, ruga.

=krokele, krakele,= f. Falte, Runzel.

=krokele,= (Raben)gekrächz.

=krokelen,= sw. v. runzeln, Falten machen.

=kroken,= sw. v. runzeln.

=kroken,= sw. v. Vieh weiden (frz. croquer).

=krokeraftich,= faltig, gerunzelt.

=krokinge,= das Runzeln.

=krolen,= sw. v. gröhlen, laut schreien.

=krome,= f. Krume.

=krom(e)= = krân(e), Krahn (Hebewerkzeug)?

=krome= = krame, Kramladen, institerna.

=kromen,= sw. v. in Krumen zerbrechen.

=kromer= = kremer, institor.

=krôn, krân,= m. 1. Kranich. 2. (wegen der Ähnlichkeit mit einem Kranichhalse) Krahn (Hebewerkzeug).

=kronachteliken,= klag-, murrhaftig.

=kronachticheit,= Widerspruchssucht, Murrköpfigkeit.

=kron-asche,= die beste Asche.

=krone,= f. 1. Krone. 2. Kronleuchter. 3. Platte des Kopfes *= krune.* 4. eine Münze.

=krôn- (krân)dreger,= Krahndreher.

=kroneke,= Turnierspiess (nicht scharf), (Gabelspiess?); *kronekenspere,* Speere (oben mit einer Krone oder Knopf versehen), die stumpf sind. Vgl. krônlein-gestech, hastiludium.

=kronen,= sw. v. krönen, eine Krone oder einen (Jungfern)kranz aufsetzen, vittare.

=kronen,= sw. v. brummen, murren, schelten, murmurare, queri.

=kronen-hovet= (= krone), Kronleuchter.

=kronigen,= sw. v. krönen.

=kroninge,= Murren, Widerspruch.

=kroninge,= Krönung.

=krôns- (krâns)beren,= Kranichbere, Preisselbere.

=krôns-nibbe,= Kranichschnabel, origanum.

=krop,= m. 1. Rumpf (im Ggs. zu den Gliedern), Leiche. 2. (runder) Auswuchs, Kropf, *struma;* bes. am Halse der Vögel. 3. Schlund, ruma.

=krop,= Vieh = krûp.

=krop (kroppe),= ein Gebäck, eine Art Kuchen mit Fleischfüllung, Pastete, bes. zur Fastenzeit, Krapfen.

=krop,= m. kleines, hölzernes Hahl, Topf (um Speisen warm zu halten).

=kropel(e), kropelink,= m. *= krop,* Krapfen, artocrea.

=kropel(e),= Krüppel = krepel.

=kropelink,= kleiner Stockfisch?

=kropelroster,= der *kropele* (Krapfen) röstet oder backt.

=kroppen,= sw. v. den Kropf füllen, voll füttern.

=kroppen,= sw. v. (techn. Ausdruck der Schmiede) krumm biegen.

=kropwale,= Wälscher mit einem Kropf, Cretin?

=kros,= spitz, scharf.

=krôs, krûs,= m. und n. Kanne, Trinkkanne, Krug.

=krosam= = krotsam?

=krosate,= eine (goldene) Münze, aureus cruciger.

=krose, kruse= und =krosele, krusele,= Knorpel, Weichbein, cartilago.

=krôs(e)ken,= Krüglein.

=krosel,= Werkzeug der Glaser, um kleine Glaszacken abzukneipen.

=krosinge= (ndl. *crusinge),* Spundloch?

=krosnats,= eine Münze = krosate?

=krospel,= Knorpel, cartilago.

=krossen,= sw. v. brechen, splittern.

=krôt, krût,= n. Hindernis. Belästigung, Beschwerde, Not.

=krôt-sam,= was *krôt* verursacht, lästig, beschwerlich.

=krouwel (kru-, kra-, krauwel),= m. Gabel mit hakenförmigen Spitzen, Kreuel, fuscinula, tridens.

=krouwel-krum,= krumm, wie ein Kreuel.

=krubbe, kribbe,= f. Krippe.

=krucke, krocke,= f. (gekrümmtes Stück), 1. Werkzeug, um etwas zusammen zu scharren oder umzuwenden, *tractula.* 2. Krücke, Krückstock.

=krucken, krocken,= sw. v. mit der *krucke* umwenden oder behandeln, rechen, tractulare.

=krude-brôt,= Brot mit Kümmel oder sonstigem Gewürz.

=krude-heren,= die der Apotheke vorgesetzten Ratmannen.

=krude-kerke,= Kräuterbüchse in Form einer Kirche?

=kruden,= sw. v. würzen.

=kruden= = kroden.

=krudenere,= Gewürz-, Spezereihändler, Apotheker.

=kruder= = krudenere, herbularius.

=krude-vat,= Behältnis für das krût.

=kruft,= f. Krypta.

=kruke,= f. Krug, *urceus;* Dem. krukelken, urceolus.

=krul,= m. Haarschopf, *cirrus;* gekräuseltes Haar.

=krullekoken,= aufgerollter Kuchen.

=krullen,= sw. v. kräuseln, crispare.

=krum,= krumm; =krum-halse,= mit krummem Halse.

=krumme,= f. Krümmung, Windung.

=krummen,= sw. v. 1. krümmen. 2. krumm werden.

=krumster, -stert,= eine kleine Münze, bes. in fries. Gegenden (= 2 Bremer *sware,* 4 *witte* u. ä.).

=krune,= f. Tonsur.

=krunke,= f. Falte, Runzel, Krause.

=krunkelen,= sw. v. faltig machen, crispare.

=krûp, krôp,= n. Vieh, bes. Rindvieh.

=krupen,= st. v. kriechen.

=krûs,= kraus; wirr, verschlungen.

=kruschen,= sw. v. kreischen.

=kruse,= f. Krause; das Gekröse, Bauchfett, omentum.

=krusecheit,= (Krausheit), Wamme, Wampe, palearium.

=kruse-dôk,= gefälteltes Tuch, Halskrause.

=kukor= = kukuks-ôr?

=kruse-krol,= Krauslock, Krauskopf.

=krusel(e),= m. eine kleine, hängende Lampe (von gekraustem Metall, gewöhnlich Eisenblech), cicendulum.

=krusel-brade,= Kräuselbraten (im Herbst gegessen, wenn die Handwerker wieder anfangen, bei Licht -- *kruseln* -- zu arbeiten).

=krusemen,= sw. v. 1. kraus machen, quetschen, zerdrücken, ersticken? 2. intr. ersticken?

=krusen,= sw. v. kraus machen, kräuseln.

=krusen (kruseln),= Spundloch, obdella.

=krût, krude,= n. 1. (grünes) Kraut. 2. Gewürz, Spezerei jeder Art, Confect. 3. Pulver (bussenkrût).

=krûtbêr,= Gewürzbier.

=krût-hof (krût-tûn),= Garten für Kräuter.

=krût-horn,= Pulverhorn.

=krût-molle,= Pulvermühle.

=krût-schovele,= Gewürzschaufel.

=krût-wiginge,= Krautweihe; de dach der k. ist der 15. Aug., Himmelfahrt Mariä.

=kruze (kruce, kruse),= n. 1. Kreuz; dat cruce geven over, (vom Papste) den Kreuzzug gegen jem. predigen; *dat k. kussen,* ein Rechtsgeschäft (namentlich Friedensschluss) bestätigen, was nach orientalischem Ritus durch Küssen des Kreuzes geschah; *to deme k. krupen,* bildl.: nachgeben; als Grenzzeichen *(snâtkruze);* Zeichen der Marktfreiheit; das Kreuz auf die Thüre (oder das Streitobject) heften war ein Zeichen der *overhore* gegen ungehorsame Schuldner, oder eine Polizeistrafe. 2. Kreuzzug, Pilgerfahrt; *dat k. lêsten,* eine Pilgerfahrt unternehmen. 3. als Kalendertag: Christi Himmelfahrt.

=kruze-bant,= Kreuzband.

=kruze-boge,= stählerne Armbrust, engl. crossbow.

=kruze-bôm,= 1. Wunderbaum, *ricinus communis, palma cristi.* 2. Kreuz-, Drehbaum?

=kruze-brêf,= Friedensurkunde.

=kruze-broder,= Kreuzbruder = Kreuzfahrer (bes. die Tempelherren).

=kruze- (kruzes)dach,= des h. cruzes dach _ist 1. die Kreuzesfindung, *inventio crucis,* 3. Mai. 2. Kreuzerhöhung, *exaltatio crucis,* 14. Septbr. -- Die *cruce-dage* sind 1. Montag, Dienstag und Mittwoch in der Kreuzwoche. 2. dann übertragen alle Tage der Kreuzwoche._

=kruze-dracht,= Kreuztragung, Prozession mit Kreuzen; Bild der Kreuztragung.

=kruze-gank,= Kreuzgang (in Kirchen, Klöstern etc.).

=kruze-gortze?= = gortzingel?

=kruze-here,= Kreuzherr, Mitglied der 3 religiösen Ritterorden.

=kruze-holt,= Kreuzholz (die kreuzweis gelegten Balken, auf denen der Mühlenständer ruht?)

=kruze-kussinge,= das Kreuzküssen, Bestätigung eines (Friedens)vertrages; der (Friedens)vertrag selbst.

=kruze- (krus)linge,= kreuzweise.

=kruze-munten,= _Bild oder Schrift *(cruis of munt,* d. i. *moneta,* Schrift) aufwerfen, Glücksspiel mit Geldstücken._

=kruzen (krusen),= sw. v. kreuzigen.

=kruce-penninge,= denarii cruciales (Abgabe an den Bischof ad cruces).

=kruze-schult= = krucepennink (Geldabgabe an einen Propst).

=kruzes-segen,= der Segen, ein Gebet, das der Mund leise spricht und die rechte Hand mit dem Zeichen des h. Kreuzes beschliesst.

=kruze-tuch,= Kreuzzügel.

=kruze-vedder,= Feder des Kreuzvogels, Kreuzschnabels?

=kruze-volt,= kreuzweis gefalten.

=kruze-weke,= die mit dem Sonntag *vocem jucunditatis* beginnende Woche, die zweite Woche vor Pfingsten.

=kruze-, kruzel-werk,= Quergebäude, ins Kreuz gearbeitetes Haus; Transsept.

=kruze-wise,= kreuzweise.

=kruze-wort,= Kreuzwurz, herba s. crucis; pes leporis.

=kubbendroppe,= Tropfenfall von der *kubbing* (Verlängerung des Strohdaches; die ans Haus gebaute Stallung, appendix tugurii)?

=kuckelerie= (= gukelerie), Gaukelei.

=kudde,= n. und f. Heerde, Schar (derselben Art), zunächst von Tieren, dann auch von Menschen.

=kudde, kodde,= Ferkel.

=kuddeken,= Häuflein.

=kude, kudung,= Tausch.

=kudel,= Behälter (Tasche für Geld, Speise etc.).

=kuden,= sw. v. tauschen, = kuten.

=kuderwalischen,= sw. v. kauderwälsch sprechen.

=kuffe (küffe, kiffe),= f. kleines, schlechtes Haus.

=kuffener, kiffner,= der Bewohner einer kuffe, kiffe.

=kukedûs,= _Gockeldaus? (etwas ausgezeichnetes in der Untüchtigkeit?)_

=kukelhân,= Gockelhahn; Name eines Bieres.

=kuken,= n. Küchlein, bes. junges Huhn.

=kukuk,= m. Kukuk.

=kukukes-lof,= Sauerampfer, acetosa.

=kukukes-lôk,= Kukukslauch, Sauerampfer, alleluja in apoteca.

=kukukes-love,= Kukuksglaube, d. h. falscher, Teufelsglaube.

=kûlbars,= Kaulbarsch.

=kulde,= s. kolde.

=kulderinge,= das Laichen der Fische.

=kulder- (kuller)tît,= Laichzeit.

=kule,= (Kaul)quappe.

=kule,= f. 1. Keule; Mörserkeule; Dichthammer der Schiffszimmerleute; Kolben; Stange. 2. ein keulen- (kugel-)artiges, bauchiges Gefäss? *urceus.* 3. Hode. 4. Beule, Geschwulst, Gichtknoten.

=kule,= f. Grube, Vertiefung, Loch; bes. das Grab.

=kule-bodel,= (der Büttel mit der Keule = *kolvendreger,)* Feldhüter.

=kuleken,= Grübchen.

=kûl-ende,= Giebel (?) am Bauernhause.

=kulengrever,= Totengräber.

=kulere,= Steinbrecher?

=kulich,= voll Löcher; lochartig.

=kulink,= Kau-, Keuling, ein Fisch, eine Quappenart, gobias niger, capotenus.

=kulitze,= Wende? wendischer Kürschner?

=kulk,= m. Kolik.

=kulle,= swm. Kapuze (aus mlat. cucula).

=kulle= (= kule), Dem. *kulleken,* Hode.

=kulmit,= n. ein livländisches Mass (für Salz, Getreide etc.), 10 = 1 lôp.

=kûl-pumpen,= ein Spiel der Hanseaten in Bergen (Hans. Gesch. Bl. 1877, 142).

=kulter= = kolte.

=kum,= m. (vgl. *kump*), ein rundes Gefäss, Behälter; Cisterne.

=kume,= adj. von geringer (Lebens)kraft, matt; *kumer nôt,* mit genauer Not, mühsam.

=kume,= adv. mit Mühe und Not, kaum, vix.

=kume,= (Falck, Staatsb. Mag. 9, 705), lies *kuven;* vgl. Neocor. Dithm. Chronik 1, 405.

=kum-hûs= (= kumphûs), Haus, wo die Kumpen, runde Tröge (zum Walken des Tuches), stehen.

=kumich,= krank, schwach.

=kumme,= f. rundes, tiefes Gefäss, Schale; grösseres Wasserbehältnis.

=kummeltur (-dur), kummendur= = komendur, Comthur.

=kummer,= m. (Bau)schutt, rudus.

=kummer (kumber),= m. 1. Not, Mangel, Bedrängnis. 2. im rechtl. Sinne: Beschlagnahme, arrestum.

=kummer-brêf,= Arrestbrief, Urkunde, um etwas mit Arrest belegen zu können.

=kummerachtich,= kümmerlich, ermangelnd.

=kummerachticheit,= Mangel, Not.

=kummeren,= sw. v. im rechtl. Sinne: mit Arrest belegen.

=kummerich,= kümmerlich, arm.

=kummeringe,= Beschlagnahme.

=kummerlik,= mit Besorgnis.

=kummer-lôs,= arrestlos, frei.

=kummer-pennink,= Arrestgeld.

=kump,= m. (grösseres) Gefäss, gew. von Holz, bes. in der Mühle, um das Wasser zu sammeln; Kufe.

=kumpân, kumpen,= m. Genosse, Gefährte, College, socius.

=kumpanie (-penie),= Gesellschaft, Genossenschaft.

=kumpen(e)sche,= Genossin, Gefährtin, socia.

=kumpere,= m. der *kumpen* macht, Fassbinder, Küfer.

=kumpest,= Eingemachtes, bes. eingemachter Kohl, Sauerkraut; auch der weisse Kohl selbst.

=kumpest-kôl,= Sauerkohl.

=kumpst, komst,= f. Ankunft.

=kumpstlik, kumstichlik,= künftig.

=kumpter, kumpster,= Comthur (bes. des deutschen Ordens).

=kunde,= m. 1. dem etwas bekannt ist. 2. der bekannt ist, notus.

=kunde,= f. Kunde, Bekanntschaft.

=kunde-brêf,= Fehdebrief, worin Fehde angekündigt wird.

=kundes-man,= Mann, der Kunde hat, Führer auf dem Wege.

=kundich,= 1. act. kennend, wissend; weise, klug. 2. bekannt; *de kundige rulle,* die Pergamentrolle, die Polizeigesetze enthaltend, die jährlich öffentlich verlesen *(gekündiget)* wurde.

=kundich-brêf,= Verfassung, Statuten.

=kundicheit,= Klugheit, Geschicklichkeit, List; Uebermut, Anmassung, Hochmut.

=kundigen,= sw. v. 1. verkündigen, ansagen, proclamieren. 2. vorladen, citieren.

=kundinge, kundiginge,= Veröffentlichung, Bekanntmachung.

=kunkel,= m. eine Art kleiner Schiffe.

=kunkel-tunne?= s. Ztschr. f. Hamb. Gesch. 6, 527 f.

=kunne,= f. eine Anzahl von 5 (Fellen).

=kunne (kunde),= n. und f. Geschlecht, Art.

=kunnen, konnen, konen,= unr. v. 1. können, sich worauf verstehen (das Obj. durch *mit (mede),* oder Accus.). 2. können, phys. und moralisch vermögen.

=kunne-quarte,= ein Quart (Weins) zur Probe?

=kunst,= f. das Können, sow. das Wissen als die Fertigkeit.

=kunst,= f. = *kumst,* Ankunft.

=kunstavel= (comes stabuli, frz. *connétable*), ursp. wol, der seine militärische Bürgerpflicht zu Pferde leistet; Patrizier, Junker, Mitglied der patrizischen Gelagsbrüderschaft; junger, wolhabender Lebemann.

=kunstener, kunster,= der eine Kunst (Handwerk) versteht; bes. der Geheimmittel weiss, Zauberer etc.

=kunstich,= gelehrt, klug, geschickt.

=kunsticheit,= Geschicklichkeit.

=kunstigen,= adv. geschickt.

=kunstiger,= Künstler.

=kunstlik,= künstlich, geschickt; kunstverständig; adv. kunstliken.

=kunt,= kund, bekannt.

=kunte,= f. weibliche Scham; Hure.

=kuntlik,= offenbar, bekannt.

=kunt-lippe,= Schamlefze.

=kuntôr,= n. 1. Schreib- (eig. Zähl)tisch, Pult. 2. Kontor, Geschäftszimmer. 3. Niederlassung hansischer Kaufleute.

=kuntôr-maker,= Tischler.

=kun(t)-, kon(t)schop,= 1. Kenntnis, Kenntnisnahme; Bekanntschaft, Freundschaft, Umgang; Kundschaft im kaufm. Sinn. 2. mündl. und schriftl. Zeugnis über eine Sache, von der man Kunde hat, Bekundung, Beglaubigung. 3. concr. die Gesamtheit der (erfahrenen) Leute, die etwas bezeugen. 4. Gerichtsgebühr, Recognition (für ein gerichtl. Zeugnis).

=kuntschoppen,= sw. v. Kundschaft, Bekanntschaft, Freundschaft machen; auskundschaften.

=kuntschopper,= Kundschafter.

=kupe= = kope, Kufe, grosses (offenes) Fass.

=kuper,= Küfer, Fassbinder.

=kûp-vat,= Fass in Kufenform.

=kurch= = mhd. *kurc,* ausgezeichnet?

=kur(e),= m. Späher; Wächter auf dem Turme; Turmbläser; Spielmann.

=kuren,= sw. v. spähend schauen; techn. Ausdruck der Jägerei: dem Wilde auflauern; überh. auflauern, speculari.

=kuresser (korisser, ku-, koritzer, koritz),= m. ital. *corazza,* Kürass.

=kûr-hûs,= Wächterhaus; Ausstich oder Erker an einem Wahrturm.

=kûr-lôs,= ohne Munterkeit, krank, schwach.

=kurnisser= = kuresser.

=kurren,= sw. v. knurren, brummen, murmurare.

=kurrer-spel,= eine Art Bretspiel; vielleicht Drehscheibe.

=kurringe,= das Murren, murmuratio.

=kurtesan(e),= m. Höfling, bes. am päpstlichen Hofe; Gesandter des Papstes.

=kurtesane,= f. Beischläferin.

=kûr-wechter,= der Wächter, der von einer Warte *(kure)* zu spähen hat; *speculator,* Turmwächter, Turmbläser.

=kus,= m. Kuss, osculum.

=kûsch,= unflect. auch =kûs,= keusch; =kûs(c)heit,= Keuschheit.

=kus!= Interj. (Scheuchruf an Hühner).

=kuse,= f. 1. Keule, *clava.* 2. Backenzahn, dens molaris.

=kusel (kesel),= m. Kreisel, *trochus;* ein Goldschmidtsgerät?

=kuselen,= sw. v. kreisend im Wirbel drehen.

=kus-sadel,= Sattelkissen, Sattel ohne Baum.

=kusse= = kûtze.

=kussen,= sw. v. küssen.

=kussen,= n. Küssen (Kissen).

=kussen-blat,= Küssendecke.

=kussen-têke,= Küssenüberzug, -zieche.

=kût, kute,= n. (u. f.?) das weiche, knochenlose im Tierkörper, Eingeweide, Rogen, *pulpa, polygranum;* Wade, *sura* (jetzt f.)

=kût,= Wechsel, Tausch.

=kutel-bank,= die Bank, auf der der Schlächter seine Waren auslegt.

=kutel-hof,= ein Hof, wo Kutteln, Gedärme ausgewaschen werden; Schlachthof, fartorium.

=kuten,= sw. v. sprechen, schwatzen?

=kuten,= sw. v. tauschen; wechseln, cambire.

=kuten,= sw. v. (das *kût* ausnehmen) töten, schlachten, mactare.

=kuter,= Schlachter, Wurstmacher (eig. der das *kût* verarbeitet, fartor).

=kuter-bank, -blok,= Fleischbank, wo *kût* verkauft wird, mactabulum.

=kuter-hof,= Schlachthof.

=kuter-, kût-hûs,= Schlachthaus, carnificina.

=kuterie,= Schlächterei, carnificina.

=kuter-koven,= Schlachthaus, laniena.

=kutseln,= sw. v. kitzeln (mehr hochd.).

=kuven,= n. Kufe, Kübel.

=kutze, kutz-wagen,= Kutsche.

=kûtze, kûsse,= f. eine Art Bettstelle.

L.

=labben,= sw. v. lecken; unappetitlich essen oder trinken.

=labûr,= Arbeit, lat. labor.

=lach,= n. 1. (was liegt) Leiche? 2. Lager, Lagerstätte. 3. Gelage, Festlichkeit, Gastmahl.

=lach, lag, loch,= n. 1. Gesetz, Statut. 2. (gesetzmässige) Willens-Erklärung.

=lach,= das Lachen, *cachinnus, risus; enen lach togen,* lächeln.

=lachaftich,= lächelnd; fröhlich.

=lach-beden,= gesetzmässig (zum Verkauf) ausbieten.

=lach-broder,= Gelagsbruder, Mitglied einer Trinksodalität.

=lach-, lage-dach,= Gerichtstag = *dinge-dach;* die an demselben angestellte Klage; Gerichtstermin.

=lach-delen,= ein gesetzliches Urteil sprechen.

=lach(e)lik,= lächelnd; lächerlich; fröhlich.

=lachen,= hüpfen, springen? mhd. lecken.

=lachen,= sw. v. lachen; *lachende (mit lachendem munde),* frei und ungezwungen.

=lâchen= sw. v. = *laken,* tadeln?

=lachinge,= das Lachen.

=lachter= = laster, Schimpf. (mehr mnl.)

=lach-soken,= gesetzlich oder gerichtlich verfolgen und überführen.

=lach- (loch-)tugen,= nach dem Gesetze bezeugen oder erklären.

=lach-felling,= Urteil, Verurteilung.

=lackeritze,= Lakritzen, liquiritium.

=lactwarige, lactuarie,= Latwerge, electuarium.

=ladder= = ledder, Leder.

=laddern,= ledern.

=laddich= = leddich.

=lade,= f. Kiste, Schrein; bes. die Lade der Aemter und Bruderschaften zur Aufbewahrung von Documenten; Innung mit gemeinschaftlicher Kasse; die Form, in der Steine gebacken werden; Laffette für ein Geschütz.

=lade,= f. Zweig, Spross; Nachkomme.

=lade-brêf,= 1. Gildebrief. 2. Citationsbrief.

=ladeke,= Lattich, lactuca.

=laden,= st. und sw. v. laden, ein-, vorladen.

=laden,= st. v. beladen, belasten; refl. sich mit etwas (Gen.) beladen, übernehmen.

=laden-krût,= in Laden oder Kisten aufbewahrtes Gewürz.

=lader,= 1. Einlader. 2. Auflader.

=ladinge,= 1. Vorladung. 2. das Tragen, Belastetsein.

=la-dunkel,= Arroganz, Dünkelhaftigkeit.

=la-dunklik,= der sich etwas dünken lässt, arrogant.

=lage,= f. 1. Lage, Gelegenheit. 2. Gelage? 3. lauerndes Liegen, Nachstellung, Hinterhalt, insidiae.

=lage,= f. Fässchen (Legel).

=lage-leggen,= Nachstellungen bereiten.

=lage-legger,= Nachsteller, insidiator.

=lage-legginge,= f. Hinterhalt, insidiae.

=lagen,= sw. v. im Hinterhalte liegen, nachstellen, auflauern, insidiari.

=lages-broder= = lachbroder, Zechgenosse.

=lahen-tûn,= wahrsch. ein Zaun aus *lôn* (= Ahorn, Alhorn).

=lak,= n. (m.?) Fehler, Mangel, Gebrechen; Makel, Tadel.

=lak,= schlaff, lose, nicht fest.

=lak,= (von Gefässen, Schiffen etc.) leck.

=lake,= f. Lache; Sumpf, sumpfige Wiese.

=lake,= f. Salzbrühe, salsugo.

=lake,= ein Gewürz?

=laken,= n. 1. Tuch, Zeug, meist aus Wolle gewebt (selten Leinewand). 2. als bestimtes Mass (44, 30 etc. Ellen). -- Bildl.: *dat l. recken,* die Kosten hergeben.

=laken,= sw. v. verachten, tadeln.

=laken,= sw. v. abnehmen, minder werden.

=laken-berêder,= der die Tücher krimpt, rauht und schert.

=laken-gespan,= Laken-, Wandrahm.

=laken-maker, -meker,= Tuchmacher, pannifex.

=laken-scherer,= =Tuchscherer,= pannirasor.

=laken-snider= = wantsnider.

=laken-striker,= Lakenstreicher, der die Aufsicht darüber führt, dass die Laken ihre gehörige Länge haben.

=laken-wardein,= Tuchwardein.

=lake-rede,= Mühle, wo Laken fertig gemacht wird -- *walkemole?* lies lakenrêde?

=lakheit,= Leckheit.

=lakinge,= Abnahme, Verminderung, Verlust.

=lak-mâl,= Fleck, fehlerhafte Stelle.

=lak-rêp,= Tau aus Riedgras, Leesch.

=lam,= flect. =lames,= lahm.

=lam,= flect. =lammes,= Lamm.

=lamelse= = lemelse, Lähmung.

=lamen,= sw. v. = *lemen,* lähmen, lahm machen.

=lamen,= Gebrechen?

=lami= (Zusammenziehung der Solmisationssilben *la* und *mi),* traurig, kläglich; *up ên lami ûtgân, ûtlôpen,* kläglich enden.

=lam-laken,= Tuch aus Lammwolle?

=lam-mage,= Lammesmagen.

=lammen,= sw. v. »Lamm« sagen.

=lampacie,= Grindwurz, rumex acutus?

=lampe,= f. Lampe, Leuchte.

=lamprêde, -preide,= Lamprete.

=lam-suchtich,= gichtbrüchig.

=landen,= sw. v. landen, ans Land bringen, an Land kommen; auch refl. sik l.

=landes-dach,= Versammlung des Landes, Landtag.

=landes-dink,= (allgemeines) Landgericht.

=landes-knecht,= Bewaffneter zu Fuss (im Dienst eines Landesfürsten).

=landes-rât,= das allgemeine Landgericht.

=lande-werdes, land-wert,= land(ein)wärts.

=lange=, f. Länge.

=lange,= Langfisch (Stockfischart).

=lange, langen,= adv. lange Zeit; *bi l.,* seit langer Zeit.

=langede,= f. Länge.

=langelachtlich, -aftich,= länglich, oblongus.

=langen,= sw. v. 1. langen, reichen. 2. erlangen, erreichen.

=langes,= adv. u. präp. längs, der Länge nach, entlang; *vor langes,* seit längerer Zeit; van rugge l., a retro.

=langicheit,= Länge.

=lank,= lang; vom Wein, Bier etc. zäh, fadenziehend, *pendulus; dat lenger lîf hebben,* länger leben, den andern überleben; *lank sîn,* es lange machen, säumen, zaudern.

=lank,= adv. u. präp. längs, entlang; *bi dike l.,* längs des Deiches; *bi huse l. (verkopen),* hausierend (verkaufen); *lank landes; lang de tafeln,* die Tische entlang; *lank den wech; lank de weken,* die Woche hindurch.

=lankaftich,= länglich.

=Lank-barden,= Lombardei; =lank-barts, -bersch,= _lombardisch; *l. not,* wälsche Nuss,_ avellana.

=lank-beidich,= lange wartend, langmütig.

=lanke,= die Seite zwischen den Rippen und der Lende, Weiche, *lumbus;* überh. Seite; die Seite des Wassers, wo man zu fischen pflegt, stagnum.

=lank-halich, -holich,= länglich.

=lankheit,= 1. Länge. 2. Langsamkeit.

=lankhelde,= in de l. slân, in die Länge ziehen.

=lank-helvet,= langgestielt.

=lank-herdich,= lange dauernd.

=lank-levich, -levelich,= lange lebend oder dauernd.

=lank-modich,= langmütig.

=lank-ovel,= Krankheit in der Lanke, Pleuresie.

=lank-peper,= piper longum, die halbreifen Fruchtstände von chavica officinarum.

=lanksam, -sem, -sum,= adj. u. adv. lange dauernd; langsam, säumig.

=lanksamich,= langsam.

=lanksemen, -sumen= = lanksam, adv.

=lank-verdich,= langsam fertig, träge.

=lank-wagen,= das Stück Holz, womit das Vorder- und Hinterteil des Wagens verbunden wird.

=lank-want,= eine Art Tuch (gemeiner Sorte).

=lank-warich,= lange während, dauernd.

=lank-wilich,= adj. u. adv. lange dauernd.

=lank-worpel,= länglich.

=lanne,= _f. Stange oder Blatt (Blech) von Metall oder anderem Stoffe, *lamina;* Kette oder Gürtel, aus den einzelnen Stäbchen (Gliedern) gemacht oder aus Metallblech getrieben._

=lannen-golt,= dünn geschlagenes Gold (Goldblech, Goldschaum?)

=lanste,= s. lantsete.

=lant,= n. 1. Land (Ggs. Wasser), Acker, Boden. 2. Land (Ggs. Stadt). 3. Land, Provinz, District, bes. das Heimatsland. 4. die Bewohner eines Landes. 5. ein bestimtes Mass von Aeckern (etwa 400 Ruten); überh. Grundstück.

=lant-art,= das Land, aus dem man herstammt, Geburtsland, Heimat; überh. Gegend, Ort.

=lant-bede,= allgemeine Landessteuer.

=lant-bo,= Landbebauer, Colon (aus d. Dän.).

=lant-bodel,= Büttel für das Land.

=lant-dink,= Land-, allgemeines Gericht, generale terrae judicium.

=lant-drossart,= Landdrost.

=lante,= die Holzunterlage, auf welche das Blei des Daches genagelt ist?

=lant-gank,= Landung, Gang ans oder ins Land (bes. des Raubes wegen).

=lant-gedelik,= landesüblich.

=lant-gelt,= Grundzins, terragium.

=lant-genote,= Landesgenosse = lantsate.

=lant-grave,= Graben um das Land zur Befestigung gezogen.

=lant-gulde,= Rente von Landbesitz.

=lant-gût,= Vermögen, Besitz, in Ländereien bestehend.

=lant-hagen,= Einzäunung des Landes = lantwere.

=lant-hêre,= 1. Eigentümer des Grundes, Grundherr. 2. Landesherr. 3. der vornehmste Vasall in einem Lande, der die Gerichtsbarkeit ausübt.

=lant-hode, -hude,= _Landeshut, Behütung und Beschützung des Landes._

=lant-holder,= Statthalter.

=lant-jacht,= allgemeine Verfolgung (eines Räubers oder Diebes).

=lant-knecht,= lictor = lantbodel, ein Unterbeamter der Landvögte.

=lant-kôp,= landesüblicher Kauf(preis).

=lant-kummerdure,= Landes-Comthur.

=lant-lage,= Landeskind, Einheimischer.

=lant-loftich= = lantlopig.

=lant-loper,= der das Land durchläuft, Landstreicher, erraticus, vagus.

=lant-lopich,= 1. das Land durchstreifend. 2. landläufig, im Lande üblich; *dat l. gerichte,* das zuständige (landesübliche) Gericht.

=lant-lôs,= des Landes verlustig; heimatlos.

=lant-man,= _1. Eingesessener eines gewissen Bezirks, Landesgenosse, *compatriota.* 2. selten im heutigen Sinn: Landbewohner (Ggs. Städter oder Bürger)._

=lant-mêre,= f. allgemeines Gerede.

=lant-mêrich,= landkundig.

=lant-prank,= Hausirhandel?

=lant-recht,= 1. das in einem Lande geltende Recht. 2. Landgericht. 3. die Pflichten, welche das Landrecht verlangt.

=lant-reise,= (Kriegs)zug ins Land hinein.

=lant-rekel,= Bauernhund.

=lant-rider,= berittener Polizeidiener, der das Land bereitet.

=lant-roringe,= das Grundruhrrecht.

=lant-ruchtich,= im Lande bekannt.

=lant-rumich= werden, das Land verlassen.

=lant-sake,= m. der das Land befehdet, Landschinder, Wegelagerer.

=lant-sammelt,= n. Versamlung des Landes; lies lantsammelent?

=lant-sate, -sete,= verkürzt =lanste,= 1. Landeseingesessener (als adj. landsässig). 2. freier Einwohner eines Landes, aber ohne eigenen Grundbesitz, Pächter eines fremden Grundstückes. 3. allgem. Unterthan, der dem Herrn zu Diensten verpflichtet ist.

=lant-schade,= m. Landschädiger, Wegelagerer.

=lant-schat,= Landschoss, Hufensteuer.

=lant-schêde= u. =lant-schêdinge,= Land(es)grenze.

=lant-schop,= f. 1. Landschaft, Gegend. 2. die Einwohnerschaft eines Landes, bes. die adliche.

=lant-schri(e?),= m. Landgeschrei, öffentliches Aufgebot der Bevölkerung zum Kriege etc.

=lant-schumer,= Landstreicher.

=lant-sede,= Landessitte, -gewohnheit.

=lant-sedel,= m. der Landsasse, = lantsete.

=lant-sedelik, -sedich,= landesüblich.

=lant-seggent,= n. Volksgerede.

=lant-seten,= im Lande eingesessen.

=lant-sworen,= Landesgeschworner.

=lant-tal, -tale,= landesübliches Verhältnis; na l., pro rata parte.

=lant-towe,= Landfesting, Tau, mittels dessen das Schiff am Lande befestigt wird?

=lant-val,= Einfall ins Land? Landung?

=lant-vare,= Kaufmann der zu Lande reist (Ggs. watervare).

=lant-varer,= Landstreicher, Bettler, vagabundus.

=lant-varink (-verink, -verdink, -verich, -verer),= _m. ein im Lande umherziehender (fahrender) Krämer, Kaufmann oder Handwerker; Landstreicher._

=lant-veste,= 1. Landwehr. 2. Landesordnung, Landgericht. 3. die Verfestung eines Verbrechers, Verurteilung in die Landflüchtigkeit.

=lant-volginge,= Verpflichtung beim allgemeinen Aufgebot zu folgen.

=lant-vrede,= 1. der allgemeine Friede, *treuga.* 2. concr. die den Landfrieden zu wahren und zu schützen haben. 3. Landesvertheidigung.

=lant-vrouwe,= 1. Landbewohnerin. 2. Landesherrin.

=lant-wacht= = lant-hode.

=lant-were,= f. die Vertheidigung des Landes; concr. die zur Befestigung eines Landes oder einer Stadt aufgeführten Werke; Territorialgrenze.

=lant-were,= m. Wächter der lantwere, Grenzwächter.

=lant-werunge,= 1. die im Lande übliche Gewährleistung. 2. = lantwere.

=lant-winner,= Landmann, Bauer.

=lant-witlik,= landkundig.

=lant-wîf,= einheimisches Weib vom Lande.

=lapen,= sw. v. lecken, schlürfen, lambere.

=lappe,= m. Stück, Fetzen Tuches oder Leders etc.; das weiche Bauchfleisch der Tiere, bes. des Rindviehes.

=lappe,= m. der läppisch ist, Laffe, Narr.

=lappen,= sw. v. durch Aufsetzen eines Flickens, Lappens ausbessern, aus Stücken zusammensetzen; überh. ausbessern.

=lapper,= Flicker.

=lapperie,= f. Flickstücke, Kleinigkeiten.

=laqueien-water,= aqua aquilejae.

=lare,= f. = lere, disciplina; *laren,* sw. v. = leren.

=lare-bôm,= Lor(beren)baum.

=las, lasch,= müde, matt, lassus.

=las,= m. =(lasche,= _f.) keil- oder zwickelförmiger Streifen;_ *laschen,* Laschen ansetzen.

=las,= m. Lachs.

=las-garn,= Lachsnetz.

=las-gelt,= Lachsgeld; d. h. Geld als Ablösung des früher *in natura* gelieferten Lachses.

=lasich= = losich, matt.

=las-kule,= Lachskolk.

=las-mânt,= Lachsmonat, Januar.

=las-snider,= Lachsschneider, Lachsverkäufer.

=last,= m., seltener n. u. f. 1. Last; Auftrag. 2. Beschwerde, *molestia,* spec. Process.

=last,= _f. (Plur. *lasten* und *leste),* Last, ein bestimtes Quantum von Waren, nach der Gattung derselben verschieden._

=lastadie, -ige,= (= ladestat, contr. *lâstat,* Ort, wo die Schiffe beladen und entladen werden?) 1. Schiffszimmerwerft, *navale.* 2. die unnütze Schiffslast, Ballast, *saburra* (aus engl. *lastage,* frz. lestage?).

=lasteken= und =lasten,= _eine Art Pelzwerk (vom gemeinen Wiesel, Schneewiesel)._

=lasten,= sw. v. belasten; refl. sich belasten womit, etwas übernehmen.

=laster,= m. und n. Spott, Hohn, Verachtung, Lästerung; was zu tadeln ist, Fehlerhaftes.

=lasterbarheit,= Beschimpfung.

=laster-brôk,= Schandhose, Schandkleid, cubraca.

=lasteren,= sw. v. an der Ehre kränken, tadeln, schwächen, conviciari, vituperare.

=lasterich,= höhnend, schmähend.

=lasteringe,= Lästerung, Beschimpfung.

=laster-kosen,= sw. v. beschimpfend reden, lästern.

=laster-kosinge,= Schmährede.

=lasterlicheit,= Beschimpfung.

=lasterlik,= beschimpfend.

=laster-mâl,= tadelhafte Stelle, Fleck, Fehler.

=lastich, lestich,= schwer (von Gewicht); lästig, beschwerlich.

=lasticheit,= Lästigkeit, Beschwerde.

=lastinge,= Belastung, Last.

=lastiven,= eine Art Formstein.

=lastlik, lestlik,= lästig, beschwerlich.

=last-tol,= Zoll, der von jeglicher Last erhoben wird.

=lat,= m., =late,= swm. der hörige Diener, litus, lito.

=lat,= flect. *lates,* 1. lässig, träge; der zu spät oder zu langsam etwas thut. 2. spät; *lateren (leteren) jares, lateren dages, anno, die sequente (crastino); de latere dach* bezeichnet auch die Octave; z. B. *lateren twelften* = 20. Januar. *vnser vrouwen dach der lateren* ist der 8. Septbr. (Ggs. *der êrren,* 15. Aug.) der nächste, zweite oder dritte Gerichtstag *(latere dach, laterdach). dat lateste, leste,* das Ende (des Lebens); *to deme latesten,* zuletzt, *int, ant leste,* zuletzt.

=late,= adv. spät; *latest, latesten,* letzthin, jüngst, neulich.

=lât(e),= f. Krug, urceus.

=lât(e),= n. Benehmen; Gebärde.

=late= = lode, Spross.

=late-kop,= Schröpfkopf.

=late-lude,= die Laten, Lassen; vgl. lat I.

=laten,= st. v. 1. intr. aussehen, *ein (ge-)lât* haben. 2. trans. lassen, loslassen; verlassen; unterlassen, nicht thun; zulassen, einräumen; ablassen von etwas, aufgeben; hinter-, zurücklassen; überlassen (bes. zur Entscheidung); zum Schlusse festsetzen, beschliessen; (*it laten*) eine Sache wohin bringen oder unterbringen, etwas mit ihr anfangen; die Rechtsansprüche aufgeben; veräussern ohne Vorbehalt von Eigentumsrechten; zur Ader lassen. 3. refl. *sik l. in,* sich in eine Sache einlassen, anfangen; *sik l. up,* sich verlassen, vertrauen auf. Anm.: Constr. mit Acc. (Dat.) c. Inf. Präs. oder Partic. Perf.

=later,= der zur Ader lässt, minutor.

=lât-gût,= Lassgut, (kündbares) Zinsgut.

=lât-hof,= ein Hof zu Zins ausgethan.

=latinge,= Ueberlassung; gerichtl. Cession eines Eigentums.

=latink, lattink= (zu *dink,* Gericht) = botdink.

=lât-iseren,= Lasseisen, Instrument zum Aderlassen.

=latke,= (Frauen-Kleidungsstück) Ueberschlag, Kragen?

=lâtlik,= verzeihlich.

=laton (lattun),= Messing, frz. laiton.

=lât-recht,= Laten-, Lassenrecht, das Dominium über einen laten.

=lat-rîs= (= lotrîs), Spross, Lodenreis; junger Baum.

=latte,= Latte, *tegula; latten dragen,* verzagt, furchtsam werden.

=latten,= sw. v. mit Latten belegen.

=latten-nagel,= Nagel mit plattem Kopfe.

=lattuke (lattike),= Lattich.

=lat-verdich,= lassfertig, träge.

=lat-verdicheit,= Lässigkeit, Trägheit.

=lauw (law),= lau; =lau(w)heit,= Lauheit.

=lauwen,= sw. lau werden.

=lauwe,= m. Löwe (louwe).

=laf (lip, lebbe),= n. Mittel, um Milch (zur Käsebereitung) gerinnen zu machen (bes. aus Kälbermagen bereitet), *coagulum; laf-emmer,* Labeimer; *laf-sak,* Häutchen (Blase) mit Lab.

=lave,= f. Labung.

=lavel-bêr= (= lovelb.), Verlobungsfest.

=laven,= sw. v. laben, erquicken.

=laven,= sw. v. Milch durch Lab gerinnen machen.

=laven,= sw. v. *(= loven),* geloben.

=lave- (lâf)nisse,= Erquickung.

=lavêren,= sw. v. lavieren (eig. u. bildl.).

=lavinge,= Labung.

=lawant= (vgl. *luwant*), Leinewand.

=lazarie, lazerheit,= Aussatz (Krankheit des Lazarus).

=lazers,= aussätzig.

=lê (lêhe),= f. grössere Sense.

=lê (lêhe),= f. (n.) die Seite unter dem Winde, d. h., wo der Wind nicht herkommt.

=lêbar(e), lêbart,= m. Leopard; auch Löwe?

=lebinge?= lies *lêvinge,* Beliebung?

=lêch, lêge,= _1. niedrig; *lêch water,* der tiefste Stand der Ebbe. 2. niedrig, schlecht, gemein (auch im moral. Sinn)._

=lechelen (leghelen, lechelken),= n. kleines Fass, Tönnchen.

=lechelik,= lachend, höhnend.

=lêchen, leichen,= sw. v. sein Spiel mit jem. treiben, betrügen, täuschen, *sophisticare;* aus dem Hochdeutschen.

=lêcherie, leicherie,= Täuschung, Betrug.

=lêchinge,= Betrügerei, sophistria.

=lêchlicheit,= Täuschung oder Lüge.

=lechlik= (= legelik), bequem, gelegen.

=lecht,= s. licht.

=lecken,= sw. v. mit den Füssen hintenausschlagen (löcken).

=lecken,= sw. v. lecken, *stillare;* factit. lecken lassen, destillieren.

=lecker,= m. Begier, Lust.

=lecker, leckerich,= üppig lebend, leckerhaft (häufig subst. Schmarotzer, Lotterbube); von Sachen: schmackhaft.

=leckerer,= Lotterbube = lecker.

=leckericheit= u. =leckerie,= Leckerhaftigkeit; leckeres, üppiges Leben.

=leckerliken, -rigen,= adv. den Gaumen kitzelnd: üppig, wollüstig, lotterhaft.

=leckerwarte,= Lakritzen, electuarium.

=leck-koken= ist wol assim. aus: *lefkoken,* Lebkuchen.

=leck-wîn,= vappa, vile vinum, quod ex faece exprimitur.

=ledder, leder= (contrah. =leer), ladder,= n. Leder.

=ledder,= f. Leiter; bes. die Wagenleiter, die leiterförmige Seitenwand des Wagens; die Galgenleiter; als Folterinstrument.

=ledder-touwer,= Lederbereiter, Lohgerber.

=led(d)ich, laddich,= 1. frei, ledig, *solutus.* 2. müssig, unbeschäftigt; vom Acker: unbearbeitet. 3. von Sachen: leer; eitel, nichtig. 4. im rechtl. Sinne: zur freien Verfügung stehend, erledigt, unverliehen; (von Pers.) frei, ungebunden.

=leddicheit,= 1. Ruhe, Freisein von Arbeiten, Müssiggang. 2. im rechtl. Sinne: a. die Öffnung einer Burg. 3. das Servitut, das ein *ledichman* zu leisten hat.

=leddich-gank,= Müssiggang.

=leddich-genger,= Müssiggänger.

=leddichlik,= frei, unbehindert; adv. -like(n).

=leddichman,= homo ligius absolutus, freier Vasall, der dem Herrn zu Kriegsdienst und Beistand verpflichtet war.

=leddigen,= sw. v. 1. los, ledig, leer, nichtig machen. 2. befreien, (eine Stadt) entsetzen. 3. refl. sich frei machen, sich freie Zeit schaffen für etwas, sich hingeben. 4. im rechtl. Sinne: von Verpflichtungen frei machen, erledigen; *brêf l.,* eine Schuldurkunde tilgen.

=led(d)igere,= Müssiggänger.

=leddiginge,= Befreiung, Lösung, Busse, Ersatz.

=lêde, leide,= f. Leid, Schmerz, (Ggs. *leve);* Herzensangst, Bangigkeit.

=lêde, leide,= adv. (Ggs. *leve);* leid; *mi is lede,* mir ist leid, widerwärtig; bes. mir wird angst und bange, ich fürchte, *vereor.* Vgl. *leide* und lêt.

=lede-ganz,= _vollständig, unverletzt; bes. von Siegeln und Urkunden._

=ledeghere= (= leddichhere?), dominus ligius, Lehnsherr (Ggs. leddichman).

=ledeken,= n. eine kleine Lade.

=lede-lichte,= artecira brana (Gliedweich?).

=lêdelik= = lêtlik, hässlich, widerwärtig.

=ledelike(n),= gliedlich, Glied für Glied, membratim.

=lêdel-weke,= Leid- (Leidens)woche, (Karwoche von Palmarum bis Ostern)?

=lede-mate,= n. 1. Gliedmass des Körpers. 2. Mitglied einer Körperschaft.

=leden,= sw. v. zerglieden, zerstücken.

=lêden, leiden,= sw. v. 1. leid machen, verleiden. 2. intr. leid sein.

=leder-kalk,= calx viva.

=lede-wêk,= Beta silvestris *(Gliedweich).*

=lede-wêkicheit,= Gliederweichheit, -erschlaffung.

=ledich,= mit Gliedern versehen; vom Korne, das schon Blätter gesetzt hat.

=ledunge= = leddiginge, das Ledig-, Freimachen, Ersatz.

=lege,= Laie, laicus.

=lege= (= gelege), Belegenheit.

=lêgede,= Niedrigkeit, niedrig gelegener Ort, Niederung.

=legede,= 1. = *legerholt?* 2. Lagebalken, in den die Ständer gesetzt werden.

=legelicheit,= f. Belegenheit, Lage, Beschaffenheit.

=legelik, lechlik,= 1. belegen, *situs.* 2. gelegen, bequem, opportunus.

=legen= = legel, Fässchen.

=lêgen (leigen),= st. v. lügen; *l. heten,* jem. einen Lügner nennen (eine strafbare Schelte).

=legenicheit= u. =legenheit,= _Be-, Gelegenheit, Beschaffenheit, Sachlage._

=leger, legger,= n. 1. das Sichniederlegen; concr. der Ort, wo man sich niederlegt, Lager, Aufenthalt. 2. das Einlager, *obstagium.* 3. Beherbergung des Herrn, seiner Familie, seiner Mannen etc.

=legeraftich (-achtich),= 1. bettlägerig. 2. der im Einlager als Geisel liegt.

=legercheit,= Beschaffenheit?

=legeren,= s. v. 1. machen, dass etwas liegt; *l., sik l.,* sich lagern, seinen Aufenthalt nehmen. 2. aufhören machen, beilegen; *den sank l.,* den Gottesdienst einstellen; *sik l.,* aufhören. 3. im rechtl. Sinne: erlegen, ersetzen, wieder gut machen, bezahlen, entschädigen.

=leger-gelt,= Geld für das Liegen (z. B. der Schiffe).

=leger-holt,= der Abfall in den Waldungen, das Leseholz, trockene Zweige.

=legerich,= bettlägerig.

=legeringe,= 1. Belagerung. 2. Erlegung, Bezahlung. 3. Niederlegung, -werfung.

=legerlik,= gelegen.

=leger-stede,= Lagerstätte; Grabstätte.

=legge, lege,= _f. 1. das Niederlegen, die Niederlage; Lage; Klippenlage, Untiefe. 2. Erlegung (von Geld). 3. das Niederlegen, Abgeben einer Erklärung,_ depositio?

=legge,= m. = *leie,* Laie, laicus.

=leggelen,= s. lechelen.

=leggelen;= Bothe, Chron. der Sassen fol. 75: *leggelde;* lies: *Veggelde* (Vechelde bei Braunschweig)?

=legge-luchte,= viell. eine Leuchte, die nicht zum Tragen (wie Handleuchter, Stockleuchter), sondern zum Hinsetzen auf den Tisch bestimt ist.

=leggen,= sw. v. 1. legen; *dale l.,* niederlegen, zerstören; (auch ohne *dale:* niederlegen, einstellen = *legeren).* 2. ersetzen. 3. ansetzen, bestimmen, wofür verwenden (anlegen); anrechnen. 4. in der Schiffersprache: das Schiff wohin richten, fahren *(in de see, to der stad etc.); to hope l. mit,* angreifen. 5. in der gerichtl. Sprache: jem. legen, d. h. das Einlager halten lassen. Refl. sich niederlegen, lagern; mit *tegen, wedder:* sich wenden, zum Angriff, sich widersetzen; mit *van:* sich wenden von, aufgeben.

=legge-schip,= _Liege-, Wachtschiff; Fischerboot zum Legen der Netze?_

=leghant,= ein Edelstein (jâchant, hyacinthus?).

=legie(n),= f. Legion (gew. zu 6666 angegeben).

=lei, leie, leige,= Art und Weise.

=lei-broder,= Laienbruder.

=leide (lêde),= f. Linie (d. h. Leine) oder Tau, woran eine Anzahl Angelschnüre und Haken befestigt sind.

=leide,= Gang? (vgl. lide).

=leide,= adv. als Interj. zum Ausdruck des Schmerzes; gew. im Comparativ *leider* (Ggs. *lever)* häufig mit to verb. *(to leider! proh dolor!)* Vgl. *lêde* u. lêt.

=leide,= m. Führer.

=leide (lêde),= n. 1. Geleite, Führung. 2. das sichere Geleit, *salvus conductus;* Schutz eines Fremden. 3. die Abgabe, die für sicheres Geleit den *leidesheren* gezahlt wird.

=leide-bôk,= Buch zum Aufzeichnen (das »leitet«), registrum.

=leide-brêf,= Geleitsbrief.

=leide-, lei-gelt,= Geleitsgeld, Abgabe für sicheres Geleit gegeben.

=leide-hunt,= Leit-, Jagdhund, der am Seile geführt die Fährte des Wildes aufsucht.

=leide-lage,= f. das Legen eines Hinterhaltes. Lies leide lage?

=leiden (lêden),= sw. v. 1. leiten, führen. 2. bes. das sichere Geleit, den *salvum conductum,* geben. 3. führen (ein Leben etc.); im gerichtl. Sinne: *enen tuch l.,* einen Zeugen (oder Zeugnis) vorführen, producieren.

=leider (lêder),= m. Führer.

=leides(ch),= von Leiden; *laken* oder *want* (oder allein *leidesch*), Tuch aus Leiden, ein beliebter Kleiderstoff.

=leide-sêl,= Leitseil.

=leides-hêre,= Führer; Geleitsherr.

=leides(lêdes-)man, leide-man,= Geleiter, Führer; bes. der das obrigkeitliche Geleit repräsentiert und eventuell geltend macht.

=leide-staf,= Leitstab; Führer.

=leide-stern,= Leitstern, Polarstern.

=leide-wech,= Leitweg.

=leidich,= _1. Leid verursachend, widerwärtig, *molestus.* 2. in Leid befindlich._

=leidigen,= sw. v. geleiten.

=leidinge,= f. Verletzung.

=leid- (lêd)inge,= _f. (*leidink* m.) 1. Führung, Leitung (Führer). 2. concr. Wasserleitung; Geleit, Zug._

=leie,= Laie, laicus.

=leie (leide, leige),= Fels, Stein, bes. Schiefer.

=leie-mark,= eine Münze, = 12 Schill.

=lei-, leien-decker,= Schieferdecker.

=leiesch,= laiisch, laicus.

=lei-monnik,= Laienbruder, -mönch.

=leischap,= f. die Laienschaft, Gesamtheit der Laien.

=lei- (le-, leit)schap,= Bauerschaft (eig. Flur-, Feld-, Weidegenossenschaft).

=leise,= Besatz (an Kleidern)?

=leise (loise, lose, loische),= f. Kirchengesang, geistliches Lied; dann überh. Gesang, auch weltl. Art.

=(leisen-) loisen-broder,= Kreuzbruder, Flagellant.

=leisich, lêsich,= freundlich, schmeichlerisch. Davon das Subst. =leisicheit.=

=leisten,= s. lêsten.

=leitlik,= dem Geleite gemäss; anständig.

=leitsam,= beschwerlich.

=leiûn,= eine Münze (= 14 Sch. 6-8 Pfg. Lüb.)

=lêk (leck, leik),= m. das Laichen; (Fisch)laich; bes. in Zus. heket-, stint-, blei-lêk.

=lêk,= laicus, Laie; *ên lêkman,* Laienbruder; dat lêke volk, lêke lude.

=leke-bint,= Band (welches?)

=lêken,= sw. v. hüpfen, springen?

=lêke-tît,= Laichzeit.

=lêkinge (leckinge),= die Laichung.

=lêlicheit= = lêde-, lêtlicheit, Hässlichkeit.

=lêlik= = lêde-, lêtlik, hässlich.

=lêm,= m., =lême,= swm. Lehm, Thon.

=lemede (lembte),= f. Lähmung.

=lemelse (lemesle),= f. Lähmung.

=lemen,= sw. v. lähmen, die Kraft schwächen; verletzen.

=lêmen,= von Lehm, lehmig.

=lêmen,= sw. v. mit Lehm bestreichen.

=lêmen- (lêm-)decker,= der mit Lehm deckt, beschmiert.

=lemenisse, lemesse,= f. Lähmung.

=lêmenterer,= Lehmarbeiter. Aus lêmen-werchter?

=le- leime(n)t,= Kerzendocht.

=lêmer,= Lehmarbeiter.

=(lemel, lomel,) lemmelen,= n. Messer-, Degenklinge, lamella.

=lemich,= (von Personen) träge?

=lêmich,= lehmig.

=lêm-, lêmen-klicker,= Lehmarbeiter, Mauermann (auch Topfbäcker?)

=lemmeren,= adj. vom Lamm.

=lemmer-tege,= (- d. i. *tegede*) Lämmerzehnten.

=lemmer-tît,= Lämmerzeit (= fröhliche Maienzeit).

=lem-slach,= Schlag, der lähmt.

=lêm-staken,= Flechtwerk von Zweigen und Pfählen, mit Lehm dazwischen.

=lêmunt,= m. Leumund, Ruf.

=lêm-wase,= Soden von Lehm.

=lêm-werter= (d. i. *werchter*), Lehmarbeiter.

=lên,= n. Lehn; (obrigkeitliche) Verleihung eines Amtes, eines Zunftrechtes.

=lende,= Lende.

=lenden,= sw. v. 1. intr. aufhören, enden; häufig verb. *enden unde lenden.* 2. tr. aufhören machen, zu Ende bringen. 3. refl. aufhören.

=lendener,= n. Hosengürtel, lumbale.

=lenderie,= f. Land-, Grundstück.

=lên-dach, lên-dink,= Lehngericht.

=lêne= = lêninge.

=lênen (lêhenen), leinen,= sw. v. 1. leihen; zu Lehn geben. 2. belehnen.

=lenense,= n. woran man sich lehnt, reclinatorium.

=lêner,= Verleiher, Lehnsherr.

=lên-erve, lên-erf-gename,= Lehnserbe.

=lene-wand,= Leinwand.

=lenge,= Länge, Länge der Zeit; ein langes Seil, das um grosse Packen (Heu, Stroh, Holz etc.) geschlagen wird, um sie heraufzuziehen.

=leng(e)de,= f. Länge; *up de l.,* auf die Dauer; endlich.

=lengelaftich,= länglich.

=lengen,= sw. v. verlängern, hinausschieben.

=lenger,= Hinhalten, Zögern.

=lên-gût,= feudum.

=lên-hêre,= Lehnsherr.

=lêninge,= 1. das Leihen, Belehnung. 2. das durch die Belehnung erhaltene Recht. 3. Das geliehene Gut.

=lênisch, lênsch, lêns,= zum Lehn gehörig, *feudalis; l. were = lênware; in l. weren hebben,* zu Lehn (nach Lehnsrecht) besitzen.

=lenk,= (Compar. zum Adv. *lange*) länger, diutius.

=lenken,= sw. v. lenken, biegen, richten. *sik l.,* einlenken, nachgeben; *na, in,* sich wenden, sich schicken.

=lenket,= mit Gelenken versehen.

=lenk- (lenge-)hake,= Kesselhaken mit (Gelenken) Einschnitten zum Auf- und Niederschieben.

=lenksem= = lanksam.

=lênliken,= nach Lehnsrecht.

=lên-man,= Lehnsmann.

=lên-penninge,= Lehnsabgabe.

=lên-recht,= 1. Lehnrecht, Inbegriff der Lehnssatzungen. 2. der Inbegriff der Befugnisse einer Lehnsperson. 3. Lehngericht.

=lensen,= sw. v. das Schiff in der Richtung des Windes laufen lassen.

=lente (lenten), linte,= m. u. f. der Lenz, Frühling.

=lenten,= sw. v. worauf achten? bedenken?

=lenthudisch?= (von einem Kahn).

=lentliken,= (verstümmelt aus *all-entliken*) allmählich, nach und nach.

=lent-sake,= d. i. *lendet sake,* Sache, die zu Ende gebracht, beigelegt ist.

=lent-want,= Leinewand.

=lên-vrouwe,= Lehnsherrin.

=lên-ware, -were,= f. 1. Lehnsgewere, die Belehnung von Seiten des Lehnsherren, die Sicherung des Lehnsempfängers in seinem Recht. 2. die aus der Belehnung entspringende Lehnspflicht.

=lên-warschup,= die Verleihung u. Übertragung des Lehns.

=lepe= = lepeler?

=lepel (leppel),= m. Löffel; *den l. upsteken* = sterben.

=lepel-bort, lepel-bret,= Brett, worauf man die Löffel steckt.

=lepeler,= Wasservogel mit löffelähnlichem Schnabel.

=lepel-voder,= Löffelfutteral.

=lepper,= m. Altflicker.

=lêr,= n. Wange, Backe.

=lêre (lare),= f. Lehre, Unterricht.

=lêre-bode,= (Lehrbote) Lehrjunge.

=lêre-kint,= Schüler; Lehrjunge.

=lêre-knape,= Lehrjunge, Lehrling.

=lêre-knecht,= Lehrling.

=lêren,= sw. v. 1. lehren (mit Acc. u. Dat. der P.). 2. lernen.

=lêrich,= gelehrig, zum Lernen eifrig und geschickt.

=lêringe,= Lehre.

=lêr-kussen,= Wangen- oder Backenküssen.

=lernen,= sw. v. = leren.

=lêrsam,= gelehrig.

=lêrse= (contrah. aus *lederse*), f. ledernes Beinkleid, weiter, hoher Stiefel.

=lerve,= f. Larve.

=les,= n. (was man liest?) Legende; Vers.

=lêsch,= Ried, Schnittgras, Schilf, carectum.

=lesche, leske= _(vgl. ahd. *lesa, ruga*), Runzeln an Stirne, Händen und Füssen._

=lêsche, leische,= das Gemächt *(inguen);* hochd. Leiste.

=leschen,= st. u. sw. v. erlöschen; auslöschen.

=lê-seise,= eine grosse Sense.

=lese-mester,= Lector im Kloster, Prof. der Theol. und Philos.

=lese-misse,= die s. g. stille Messe.

=lêsen,= st. v. verlieren.

=lesen,= st. v. 1. lesen, sammeln. 2. lesen; Gebete lesen; hersagen, beten (auch ohne Geschriebenes vor sich zu haben); *lesen over,* beten für; überh. sprechen, reden, berichten.

=lesinge,= Lese, Ernte.

=leslik,= leserlich, lesbar.

=lest,= Superl. zu *lat,* letzte; adv. *l., lesten,* zuletzt, jüngst.

=lêst,= m. (Knochen)exostose am untern Teile des Pferdebeines.

=lêst, lêste,= Leisten, calopodium.

=lesten,= sw. v. (der letzte sein?) säumen, zögern? Lies letten?

=lêsten, leisten,= sw. v. 1. leisten, einer Verpflichtung nachkommen, sie erfüllen; *dach l.,* auf erfolgte Citation sich stellen; sich als Geisel stellen zum Einlager, »Geiselschaft leisten«, *obstagium servare.* 2. *l. vor,* sich verbürgen.

=lesterliken,= auf schändliche Weise.

=lêst-, leistinge,= Geiselschaft, Einlager, obstagium.

=lestink,= der letzte Eimer einer *vlôt* Salzsole.

=lêt,= n. Lied.

=lêt, leit,= n. Leid, Schmerz.

=lêt, leit,= leid (Ggs. *lêf*), betrübend, böse; der einem leid, verhasst ist. Vgl. *lêde* und leide.

=letanie,= Litanei.

=leter,= Comp. zu lat.

=let-holt,= s. lit-holt.

=lêtlicheit,= Hässlichkeit, Widerwärtigkeit.

=lêt- (leit-, lêde)lik,= Leid, Widerwillen erregend, hässlich, gräulich; adv. lêtliken.

=lêt-, leit-sage,= m. Geleiter, Führer; im Schiffswesen: Lootse.

=lêt-sagen,= sw. v. geleiten.

=lêt-saginge,= Geleitung.

=letsel,= n. Hindernis.

=lêt-spreker,= Liedsprecher, Spielmann, Schauspieler, *gannio;* der höhnische, spitzige Reden führt.

=letten,= sw. v. *morari.* 1. trans. hinhalten, aufhalten, hindern, *sunder* oder *ane letten,* unverzüglich. 2. intr. sich aufhalten, zögern, säumen; *l. up,* sich betrachtend wobei aufhalten, aufmerken.

=letterie,= der Gebrauch der Lettern, Charactere, zur Zauberei.

=lettinge,= Behinderung, Hindernis; *ane l.,* unverzüglich.

=lêt-vordrîf,= Leidvertreib = Freude.

=letze,= f. 1. Ende, die äusserste Verteidigungslinie. 2. Abschied, Abschiedsgeschenk.

=letzen= und =letzigen,= sw. v. verletzen.

=lêf,= adj. und adv. lieb, wert; vom Preise: hoch, teuer; *also lêf he dat gût hadde,* so hoch er den Wert oder Preis des Gutes taxierte.

=lêve,= f. 1. Freude, Lust, Liebhaben, Gunst; *mit lêve* entw. gern, freiwillig, oder gesund und wohl; *mi geschut, wert lêve,* mir wird etwas Liebes, Freudiges zu Teil, ich werde froh. 2. Liebe, in heutigem Sinn (dann gewöhnlicher *lêvede, lêfde*); in der Anrede: *juwe lêve,* »Ew. Liebden«.

=lêve= = (bu)lêvinge.

=leve-dage,= Lebenszeit.

=lêvede, lêfde,= f. Liebe.

=levekaste= (d. i. =-koste),= _Gelage der Gilde? lies *lovelkoste,* Verlobungsfeier?_

=lêveken,= n. Liebchen.

=leve-koke,= Lebkuchen, dünner Honigkuchen.

=lêve-kosen,= sw. v. freundlich, liebreich zureden, liebkosen.

=lêven,= sw. v. intr. lieb sein; tr. lieb machen; auch = *belêven,* belieben, z. B. *rades l.,* Rat pflegen, sich mit jem. beraten.

=leven,= sw. v. 1. intr. leben. 2. tr. erleben; bes. *den dôt l.,* den Tod jemandes erleben, ihn überleben.

=lêven, loven,= sw. v. zurück-, hinterlassen (bes. beim Tode).

=levendich,= lebendig; von Urkunden: nicht mortificiert, noch gültig (so auch levende brêve).

=levendige= = levendage, Lebenszeit.

=lêve- (lêf)nisse,= Freundlichkeit, Gabe und Geschenk aus Freundlichkeit.

=leven(t),= n. Leben; (Mönchs)orden.

=lêver!= (Ggs. *leider!*) Interj. der Verwunderung.

=lever,= f. Leber.

=leverancie,= f. Livrée.

=lever-blome,= ambrosiana; hepatica.

=lêve-reden,= sw. v. liebreich, freundlich reden mit jem.

=leveren,= sw. v. gerinnen, dick *(libberich)* machen, coagulare.

=leveren, leverêren,= sw. v. liefern, ab-, ausliefern; bildl. (eine Schlacht) liefern.

=leveringe,= _Überlieferung, Tradition eines verkauften Gegenstandes._

=lever-sê,= Lebermeer, sagenhaftes, geronnenes Meer.

=lever-sole,= Lebersülze?

=lever-stock,= s. lubestikel.

=lêf-erve= = lîf-erve, Leibeserbe.

=lever-wort,= Leberwurz, epatica.

=lêf-getal,= angenehm, beliebt = lêf-talich.

=lêfhaftich,= liebreich, freundlich.

=lêf-hebbelik,= liebreich, freundlich.

=lêf-hebber,= Liebhaber, Freund.

=lêf-hovet,= (Liebhaupt) geliebte Person, Angehöriger; bes. von Verstorbenen gesagt.

=lêf-licheit,= Freundlichkeit.

=lêflik,= freundlich, gutwillig; adv. lêfliken.

=lêf-maken,= sw. v. liebmachen; als *lêfmodicheit* jem. etwas geben.

=lêf-modigen,= adv. mit *lêfmôt,* gern.

=lêf-modicheit,= 1. Liebe, Freundlichkeit. 2. Abgabe, »Erkenntlichkeit«.

=lêf-môt,= freundlicher Sinn; Freundlichkeit, freundliche Gabe.

=lêf-ogen,= sw. v. liebäugeln, schmeicheln.

=lêf-oger,= Schmeichler.

=lêf-talich,= 1. pass. beliebt, angenehm, *gratus.* 2. act. der sich liebenswürdig benimmt, amabilis.

=lêf-talicheit,= Freundlichkeit, Zärtlichkeit.

=lêwer(i)ke,= f. Lerche.

=lexie, lexe,= f. Lection.

=lêwe,= m. Löwe.

=libant?= (Teil des Harnisches).

=liberie,= Bücherei, Bibliothek.

=lîc-hame, lîcham (lîkam),= n. u. m. Körper, Leib, bes. der tote Leib; *dat hillige l. des heren,* die Hostie.

=lîchamich, -lik,= körperlich, leiblich; adv. lîchamliken.

=lîch-genam, lîchnam= = lîcham.

=licht, lecht,= n. Licht; Kerze.

=licht, lecht,= leuchtend, hell; adv. lichte.

=licht,= 1. leicht von Gewicht; leicht beweglich, behende. 2. leichtsinnig, leichtfertig.

=lichte,= adv. 1. auf leichte Weise. 2. leichthin, leichtsinnig. 3. vielleicht, wahrscheinlich. 4. ungefähr.

=lichte,= f. Leichtigkeit.

=lichte,= f. Band, Riemen, um zu heben, collare bajulorum.

=licht(e)lik,= leicht, unbedeutend.

=lichteliken,= adv. 1. mit Leichtigkeit. 2. vielleicht. 3. milde, sanft.

=lichten,= sw. v. auf-, in die Höhe heben.

=lichten, lechten,= sw. v. hell, Tag werden.

=lichter,= als Mass für Tuch (von unbekannter Grösse).

=lichter lochene,= (abs. Gen.) adv. lichterloh.

=licht(e)-schip,= Leichterschiff.

=licht-, lecht-greve,= (Lichtgraf) Aufseher über die Lichte *(dat geluchte),* Verwalter der Einnahmen und Ausgaben.

=licht-hertich,= der leichten Herzens, Sinnes ist.

=lichticheit,= Leichtigkeit; leichtsinniges, leichtfertiges Wesen.

=lichtinge,= Empor-, Aufhebung; Erleichterung, Nachlass.

=licht-kaker= (d. i. =koker),= Lichtköcher, -behälter.

=licht-maker,= Lichterzieher.

=licht- (lecht-, lucht-)misse,= Lichtmesse.

=licht-mone= _(d. i. *mome*), Lichtmuhme, Aufseherin über die Lichte._

=lichtnisse,= Erleichterung.

=licht-, lecht-pipe,= Pfeife, Röhre, Tülle, um Licht, Kerzen, darauf oder hineinzustecken.

=licht-ramen,= Lichtrahmen (zum Trocknen der gegossenen Lichte?)

=licht-verdich (vardich),= leicht fertig, geschickt, hurtig; leicht, schnell.

=licht-verdicheit,= Leichtfertigkeit.

=licht-, lecht-vinder,= Lichtaufseher (obrigkeitl. Amt der Hansa in Nowgorod).

=licht-vorich,= leicht beweglich; leichtfertig.

=licht-voricheit,= Leichtfertigkeit, Leichtsinn.

=licht-vrouwe,= Lichterzieherin (= lichtmakersche).

=licht-wiunge,= Lichtmess.

=licke-mulen,= sw. v. die Lippen mit der Zunge lecken.

=licken,= sw. v. lecken, lambere, lingere.

=lickerer,= der gerne leckt.

=licke-tappe,= (der den Zapfen, Stöpsel, leckt) Leckermaul.

=lide,= f. Weg, Gang.

=lidelicheit,= Leidensfähigkeit; Leiden.

=lidelik, lîtlik,= 1. leidensfähig, *passibilis.* 2. leidlich, erträglich, das oder den man leiden mag, angenehm.

=liden,= st. v. gehen, vorübergehen, vergehen; *in geleden tiden,* in vergangenen Zeiten; *kortes leden,* jüngst. m. Acc. entlang, vorbeifahren an, von Schiffen. *ênen wech liden,* einen Weg gehen; *jare l.,* Jahre verleben.

=liden,= st. v. 1. leiden, erdulden. 2. sich gefallen lassen, leiden, leiden mögen, gestatten; *liden mit,* womit zufrieden sein, es hingehen lassen. -- Refl. sich gedulden, sich genügen lassen, sich behelfen; möglich sein, angehen.

=liden,= sw. v. leiten, führen. l. unde leiden.

=lident,= pl. *lidende,* Leiden.

=lident,= prtcp. als adv., sehr.

=lider(e),= der leidet; Angeklagter; *en l. sîn,* sich etwas gefallen lassen.

=liderlik= = lidelik, 1. erträglich, annehmbar; geduldig. 2. elend, jämmerlich, leidensvoll.

=lide- (lît)sam,= 1. leidend, schwach. 2. geduldig, verträglich. Adv. lidesamlik.

=lidesamheit,= Geduld.

=lidesamich,= geduldig, *tolerans;* gelinde, mild.

=lidich,= 1. act. der sich etwas gefallen lässt, geduldig. 2. pass. was man sich gefallen lässt, angenehm, lieblich.

=lidinge,= das Leiden.

=lien (lihen, ligen, liggen),= st. v. 1. leihen. 2. zu Lehn geben.

=lien (ligen),= sw. v. bekennen, angeben, aussagen.

=lien= = liggen?

=liggen (lichen),= st. v. 1. liegen; *l. wedder,* dagegen liegen, bekämpfen; *liggende orkunde,* schriftliches Zeugnis. 2. liegen in Geiselschaft oder Gefangenschaft. 3. *l. an,* worauf beruhen, gelegen sein; daran oder darauf verwendet sein; *l. up sik sulven,* selbständig sein. -- Part. *gelegen,* beschaffen.

=ligger,= Lieger, Auslieger (auf einem Schiffe, des Fanges etc. halber); der sich zeitweise wo aufhält, bes. der Factor oder Commissionär eines Kaufmannes in einer andern Stadt.

=liginge,= Belehnung.

=liinge,= Bekenntnis, Aussage.

=lîk (lîch),= n. (selten f.) Leiche.

=lîk,= n.? Saum- oder Kantentau des Segels.

=lîk(lîch),= 1. gleich, eben, gerade, nicht krumm; gleich, ähnlich, *aequalis; liker wise,* gleicher Weise, gerade so. 2. gerecht, billig. -- l. mit Gen. bezeichnet in der Distribution gleichartiges, z. B. *aller lîk,* jeder einzeln, *man(ne)lîk (malk),* männiglich, jedermann.

=lîk, like,= _n. (selten f.) 1. Gleichheit, Gleichnis. 2. Billigkeit; *lîk dôn,* das thun, was die Billigkeit verlangt; Ausgleichung, Genugthuung, Sühne (von streitenden Parteien); -- Mit Präp. *to like,* zugleich, zusammen, *im liken,* imgleichen, ebenfalls; (*en like,* gleich, entsprechend); *mit like,* mit Fug und Recht._

=lîk-belde,= Bild (Gleichnis), imago.

=lîk-bore,= Totenbahre.

=lîk-dorn,= Dorn im Fleische; Hühner- oder Elsterauge an den Zehen; Gerstenkorn am Auge.

=like= und =liken,= adv. 1. in gerader Richtung. 2. auf gleiche Weise, ebenso. 3. gleichmässig = *evene; like liggen,* passen, bequem sein, gefallen. 4. gerecht und billig.

=like-bordich,= zu gleichen Lasten, gleichmässig.

=likecheit, lîkheit,= f. 1. Gleichheit. 2. Gerechtigkeit.

=like-dage,= Vergleichung, Aussöhnung.

=like-dêlen,= gleich, d. i. gerecht und billig, mit gleichem Masse teilen, bes. von der Verteilung der gemachten Kriegsbeute.

=like- (liken-, lîk-)dêler,= Gleichteiler, der gleichmässig, gerecht und billig verteilt. *likendeler* nannten sich die Seeräuber (Vitalienbrüder) in der ersten Hälfte des 15. Jh., weil sie ihre Beute gleichmässig unter sich verteilten.

=likelik,= gleich, billig, gleichmässig; adv. likeliken.

=likemere= (lîk und *emere?),* Rotlauf? Rose?

=likenen, liken,= sw. v. 1. gleich machen, *equare;* Masse und Gewichte dem obrigkeitlichen Masse gleich machen, eichen; im Deichwesen: die Dossierung eben und schlicht machen. 2. vergleichen. 3. versöhnen, schlichten.

=likenisse,= f. 1. Gleichnis. 2. feierlich geschmückte Totenbahre, *feretrum cum panno.* 3. Vergleich. 4. Streichholz, womit man ein gefülltes Mass abstreicht.

=lîk-entwei,= zu gleichen Teilen.

=like-parten,= sw. v. gleich teilen.

=likes-an,= ununterbrochen, in Einem Zuge.

=like-wol,= gleichwol, trotzdem.

=lîk-getouwe,= Toten-Bahre, funebrium.

=lîk-glas,= Glaswalze, Plättglas, um Leinewand schlicht zu machen.

=lîk-hûs,= Halle vor der Kirche, Vorkirche, Vestibul, porticus.

=likinge,= 1. Gleich-, Ebenmachung; die Schlichtung der Deichdossierung. 2. Vergleich.

=lîk-lawe (-la, -lave, -lauwe),= Kennzeichen im Fleische, Narbe, cicatrix, vibex.

=lîk-mêtich,= gleichmässig; geziemend.

=lîk-stên,= Leichenstein.

=lîk-stucke,= ein Kleiderstoff? oder Kleidungsstück? (Decke, Bettdecke, Matratze, *lodix?*)

=lîk-têken,= Merkmal, Narbe einer Wunde; Kennzeichen, Indicium.

=lîk-wech,= Leichenweg.

=lîk-werdich,= gleichwürdig, -wertig.

=lîk-wort,= Gleichnis.

=lillen (lellen), lilleken,= sw. v. saugen.

=lîm,= m. und n. Leim.

=limat, -met,= ein (Getreide)mass (= Himten?).

=limpe,= f. und m. Angemessenheit, Mass, Glimpf, *modus;* das angemessene Benehmen.

=lim(pe)licheit, limpicheit= = limpe.

=lim(pe)lik, limpich,= angemessen, mässig, passend, *aptus, decens;* adv. limpeliken.

=limpen,= sw. v. passend, angemessen machen, aptare.

=lîm-pot,= Leimtopf.

=lîm-rode,= Leimrute.

=lîm-stange,= Leimstange, -rute.

=lîm-stenger,= einer der mit der Leimstange, -rute läuft; bildl.: Bezeichnung eines Gecken, der Mädchen nachläuft.

=lîm-stengerie,= geckenhaftes Benehmen.

=lîn,= n. und m. Flachs, Leinen.

=linde,= Linde.

=linde,= (gelinde) weich.

=linden,= vom Lindenholz; *l. kole,* Kohle von Lindenholz zum Pulver.

=line,= f. Leine, Strick.

=linen,= von Leinen.

=linen-recht,= leinenrecht, d. h. schnurgerade.

=lingen,= sw. v. gelingen, glücken.

=lîn-, lilaken,= das Bettuch, auf dem man liegt, linteamen.

=link,= (selten) link; gew. im Comparativ, *linkere hant* etc.

=...link,= Plur. *...linge,* die Zugehörigkeit bezeichnend.

=lin(ne)-, lenne-, lent-want,= n. und m. Leinewand; *l. snider,* der Leinewand zum Verkaufe ausschneidet.

=linne-wever,= Leineweber.

=lint,= n. plattes Band des Frauenzimmers, es sei schmal oder breit.

=lint-hasen,= leinene Strümpfe.

=lip,= Lab, um Milch gerinnen zu machen.

=lipen,= sw. v. eine *lipe,* d. h. eine dicke Unterlippe machen (und dabei die Zunge weisen), ein schiefes Maul (oder auch Auge) gegen jem. machen.

=lire,= Leier; lirersche, liricina.

=lirechtich,= rasend, thöricht, lirus.

=lisam,= leise. (aus lîdsam? lîssam?)

=lîse,= adv. leise.

=lîsliken,= adv. leise.

=lîs-punt,= d. i. *lives-punt, talentum livonicum,* liefländisches Pf. = 14 Pfund.

=list,= f. Geschicklichkeit, Klugheit, gew. im Plur.

=lîste,= f. und m. (n?) 1. Leiste, Rand, Besatz (eines Kleides etc.), Einfassstreifen, auch von Metall. 2. die eingewebte Saalleiste des Tuches. 3. Raum der Strasse zwischen Rinnstein und Haus; Trottoir.

=lîsten,= sw. v. mit Leisten, Saalbändern etc. versehen.

=listicheit,= Klugheit, Schlauheit.

=listigen,= sw. v. betrügen.

=listigen,= adv. auf kluge, schlaue Weise.

=lit, let,= n. 1. Deckel, *operculum.* 2. Fensterladen (der aufgezogen als Verschluss und niedergelassen als Verkaufstisch dient); die Verkaufsstelle, die Bude selbst.

=lit, let,= n. 1. Glied des Körpers. 2. Glied einer Kette. 3. Glied einer Verwandtschaft etc.

=lît,= f. Abhang, Senkung, sumpfige Niederung.

=lite,= Lette, Thonerde, glaria.

=lit-growinge,= Dickwerden, Anschwellung eines Gliedes.

=lit-holt,= Deckelholz (Bodenholz).

=lit-hure,= Ladenmiete.

=lît-, lî-, lîk-kôp,= Leitkauf, Weinkauf, d. h. der Trunk (Obstwein, *lît* oder anderes Getränk) beim Abschluss eines Handels oder Vertrages zur Bekräftigung getrunken; Drangeld (z. B. Gebühren bei der Aufnahme in eine Innung).

=lit-mate, (-mete),= n. 1. Gliedmass, Glied (des Körpers etc.). 2. Mitglied (des Rates etc.), Helfer.

=lit-smalinge,= das Schmalwerden, Einschrumpfen der Glieder.

=lit-water,= Gliedwasser.

=lîf,= n., selten m. 1. Leib, entw. der ganze Leib, oder spec. der hohle Leib, Bauch. 2. Leben. 3. Lebensunterhalt. 4. Lebenszeit.

=lîf-achtich,= den Leib betreffend.

=lîf-arste,= Leibarzt.

=lîf-berginge,= Lebenserhaltung; soviel Nahrung und Kleidung, als eben zum Leben hinreicht.

=liven unde leven,= sw. v. leiben und leben.

=lîf- (lives-)erve,= Leibeserbe.

=lives, livesch,= liefländisch; *lives punt* (gew. contrah. *lîspunt*) = 14 Pfund.

=lîf-gedinge,= n. Vertrag über den Lebensunterhalt, bes. einer Witwe; lebenslängliche Rente oder Pension; das Gut, aus dem diese Rente fliesst, vitalicium, dotalicium.

=lîf-gewin,= _Leibgewinngut (beim Ableben des Besitzers hatte der Erbe dem Herrn ein Gewinngeld zu zahlen)._

=lîf-las,= (?) Lebensverlust (= lîflôs?).

=lîf-latinge,= Belassung (Anweisung) zum Lebensunterhalt.

=lîflik,= leiblich; *lîflike rente,* Leibrente; das Leben behaltend (Ggs. *dôtlik*).

=lîf-lôs,= ohne Leben, tot.

=lîf-lucht,= Leibesluft, Blähung, ventuositas.

=lîf-nare, -neringe,= f. Leibesnahrung.

=lîf-rente,= lebenslängliche Rente.

=lîf-sake,= Sache, wobei es sich ums Leben handelt.

=lîf-tît,= Lebenszeit.

=lîf-tucht (lîf-getucht),= f. Nahrung, womit man den Leib aufzieht; Einkünfte, die eine Person Zeit ihres Lebens geniesst; bes. die lebenslängliche Rente einer Witwe, Witthum; das Grundstück, das die Rente liefert.

=lîf-varwe,= fleischfarbenes Zeug?

=lîf-fodinge= = lîftucht.

=lo (loch, loge, lage, loye),= n. und m. Gehölz, Busch; Waldwiese, Waldaue, niedriger Grasanger.

=lo (lowe, louwe),= lo acker, louwenstuck _(Ackerstück, wo früher Wald gestanden hat?)._

=lo,= n. Lohe, Baumrinde, bes. der Eiche (zum Gerben des Leders).

=lo, lowe,= f. Flamme, Lohe.

=lo-amt,= Lohgerber-Amt.

=lobbe (lubbe),= Manschette, dicke Hand- oder Halskrause; dicke, hängende Lippe; auch bez. eines grossen Hundes und des Stockfisches (koninges-lobben und gemeine lobben), strumulus.

=lo-bodene,= f. Lohkufe, Lohbottich.

=locate,= Unterlehrer, hypodidascalus.

=lôch,= n. Stätte, bes. Dorfstätte, Kirchdorf.

=lôch-, logene, lôche,= f. Flamme.

=lôchenen,= sw. v. flammen, lohen.

=lôchenen (lôchen, loken),= sw. v. 1. in Abrede stellen, leugnen; verleugnen. 2. jem. Lügner heissen, ihn Lügen strafen.

=lochte-man,= (?) Richtmann, Zunftvorsteher.

=locke,= f. Lockung.

=locke-huve,= Lockkorb, um Bienenschwärme zu fangen.

=lock-vinke,= Lockfinke (-vogel).

=lodder (loder, loderer),= m. lockerer Mensch, Taugenichts, Possenreisser, Gaukler, scurra, histrio.

=lodder-bove,= Lotterbube = lodder.

=lodder-holt,= _ein Holz, welches Lotterbuben trugen, Narrenpritsche._

=lodderie,= Wesen eines *lodders,* Bubenhaftigkeit.

=lodderlik,= lotterhaft, scurrilis.

=lod(d)ie, -dige,= Leichterschiff (a. d. Russ.).

=loddink, lothdink,= (ô?) c. Art Landgericht erster Instanz. Vgl. lating.

=lode,= Fetze, Lappen, sarcimen.

=lode (loe, loge),= quercula major, _Gamanderlein, Frauenbiss. Vgl._ loie.

=lode, lade,= f. Jahres-Schössling, Spross, Zweig.

=lode= (= lôt), n. u. f. (Blei)kugel; Senkblei; Gewichtsstück.

=lode-bolte,= eine mit Blei ausgegossene Keule, plumbata.

=lode-isern,= Lötheisen, compaginale.

=loden,= sw. v. 1. löthen. 2. mit dem Senkblei (dem Lothe) untersuchen. 3. bleierne, gestempelte Merkzeichen an das Tuch hängen.

=loden (lodigen),= sw. v. sprossen.

=loder= (der *loden,* Fetzen, macht?) (sartor?)

=loderen,= sw. v. in Fetzen *(loden)* zerreissen.

=lodich,= löthig; rein, von ungemischtem Metall, vollhaltig, fein.

=lodicheit,= Schwere?

=lodigen,= adv. vollwichtig.

=lod-war, (ô?)= beschornes Schaffell.

=lod-wort, (ô?)= anagallis.

=loen,= sw. v. gerben, cerdare.

=loer (lower), lorer,= Gerber, *cerdo;* bes. Rotgerber, Corduanarbeiter.

=loge (logge),= f. Lauge, lixivium.

=loge= (= loige?), schlaff, laxus.

=logenaftich,= lügnerisch; adv. -aftigen.

=logenbarliken,= auf lügnerische Weise.

=logen-bat,= Lügenbad.

=logen-brille,= Lügenbrille.

=logen-dreger,= der Lügen umherträgt, nugigerulus.

=logene (loggene, logge),= f. Lüge.

=logenêre,= Lügner.

=logenlik,= lügenhaft.

=logen-mêre,= Lügen-märe, Fabel.

=logen-tal,= Lüge (s. *tal*).

=logen-talisch,= lügenhaft.

=logike,= s. loike.

=lo-hûs,= Gerberhaus (Verkaufsstelle für Lohgerber).

=(loi?),= pl. =lois,= Gesetz, *lex,* frz. *loi.* Vgl. los.

=loiart,= Faulpelz.

=loie,= Jurisprudenz.

=loie,= gamandria. Vgl. lode.

=loi(e),= träge, faul.

=loie,= (erweicht aus *lode*), f. der bleierne Stempel, welcher an die bei der Wardierung gut befundenen Tücher gehängt wurde.

=Loie, Loige,= _verkürzt aus *Eligius (Elogius),* Patron der Schmiede; das Gildefest der (Gold)schmiede._

=loien= (= loden), sw. v. mit der Bleimarke, *loie,* versehen, stempeln.

=loien (lugen),= sw. v. brüllen, bes. vom Rindvieh.

=loieren,= sw. v. träge sein mit etwas, verzögern, hinaus schieben.

=loieringe,= das Hinausschieben, Verzögern.

=loigheit,= Trägheit.

=loike, loyca, loyeke, logike,= f. Logik.

=loinen,= sw. v. (contr. aus *logenen*) leugnen.

=loise,= s. leise.

=lo-isern,= Instrument zum Glätten, Schabe, scabrum.

=lok,= gen. *lockes,* Loch.

=lôk,= Lauch.

=loken,= s. lôchenen.

=lo-ketel,= Lohekessel (zum Gerben).

=lôc-fesen,= conuleima. Vgl. Diefenbach Gloss. lat.-germ. unter colimenta, dipsane.

=lolle-, lulle-broder,= Lollbruder, Lollhart, Mitglied des Vereins von Begharden für Krankenpflege und Totenbestattung. Es gab auch lollesustern.

=lollerie,= das leise Singen, Murmeln.

=lolliken,= sw. v. = *lollen,* leise murmeln oder singen; auf der Schlauchpfeife blasen, lulellare.

=lolliken-pipe,= Schlauch-Sackpfeife, lulella.

=loll-klôster,= Kloster für Lollbrüder und Lollschwestern.

=lom-, lumbard,= _Lombarde; der Geld auf Zinsen ausleiht. *Lumberdie,* Lombardei._

=lomech,= maceries, Steinwand.

=lomeke, lumeke,= Bachbunge, Lünekraut, Glümecke.

=lometik= = lomeke? lies wîn-etik?

=lommeren,= sw. v. lermen.

=lommeringe,= Lerm, tumultus.

=lo-mole,= Lohmühle.

=lôn,= n. Lohn.

=lonen,= sw. v. lohnen.

=lonen= (= loinen), contr. aus *logenen,* leugnen.

=lonen-holt,= Holz von (Spitz-) Ahorn.

=loninge,= Löhnung.

=lônsam,= lohnend.

=lôp,= m. 1. Lauf; *in dem lope bliven,* verloren gehen; *in dem lôp sîn,* den Durchfall haben. 2. Zulauf. 3. Art und Weise, Gewohnheit.

=lôp, lopen,= _m. hölzernes Gefäss von kleinerem Inhalt, kleiner Scheffel (als Gemäss für Korn, Salz, Butter etc.); vom Garne ist *l.* eine Anzahl von 10 Gebinden._

=lôp-asse,= laufende Achse.

=lôpelinge= = lopinge, Lauf des Wassers, von Ebbe und Flut.

=lopen,= st. v. 1. laufen; *lopende wîf, meretrix;* brünstig (läufisch) sein, *catulire; lopen laten,* Getränke bei Kleinigkeiten verkaufen, verzapfen. 2. sich belaufen; ebenso refl.

=loper,= 1. Läufer, (Brief)bote. 2. Läufer, so heisst in der Seemannssprache der eine von zwei in dieselbe Linie fallenden Gegenständen, der dem Vorbeifahrenden näher ist und deshalb zu laufen scheint. 3. Fussgänger, leichte Truppen. 4. Scheiben-, Blocktau.

=lopisch werden,= wild werden (von Pferden, die durchgehen).

=lôp-line,= Scheiben-, Blocktau?

=lôp-mâl,= stadium.

=lôp-platz,= Laufplatz, Sammelplatz für geworbene Soldaten.

=lôp-schute,= Schimpfname für ein Mädchen, das gerne herumläuft.

=lôr-bere,= Lorbeere; *lôrberenbôm,* Lorbeerbaum.

=loren,= sw. v. (Leder) gerben. *lorer,* Gerber.

=lôr-olie,= Lorbeeröl.

=los,= m. u. n. Luchs.

=los= (ô?, pl.?), Gesetz, *lex, statutum.* Vgl. loi.

=lôs, los,= 1. frei, ledig von etwas; ungültig, nicht bindend; nicht einer Zunft angehörend, vagierend; *l. werden* von einem verliehenen Gute; frei, erledigt werden; *l. sterven, vallen,* durch den Tod frei, erledigt werden. 2. los, locker; ohne Inhalt, und (moral.) leichtfertig, treulos, arglistig, betrügerisch, vanus; lose wîf, meretrix.

=lôs= (altn. *lâs),* n. Vorhängeschloss.

=lôs-bôk,= Loosbuch. Aus d. Hd.

=losche,= Leder auf der einen Seite rot, auf der andern weiss, rubicorium.

=loschen, luschen,= sw. v. löschen.

=lôs-dreger,= Träger, der ungebunden ist, nicht in einem Mietsverhältnis zu einem Herrn steht?

=lôs-driven,= st. v. sich herumtreiben.

=lôs-driver,= der sich herumtreibt; Tagelöhner ohne feste Arbeit.

=lôs-driftich,= lose, ungebunden umherstreifend.

=lose,= f. Losung, Erkennungszeichen (Zeichen oder Wort).

=lose (loise, loitze),= Gesang = leise.

=lose,= f. 1. Lösung eines Rätsels. 2. Lösung, Aufkündigung eines Pfandes, Capitals, Wiederkauf; *de l. kundigen,* ein Pfand, Capital aufkündigen.

=lose-brêf,= Lösebrief, Urkunde über eine lose.

=loseken,= eiserne Klammer? grosser Hammer, Schlägel?

=lose-kundinge,= Loskündigung (Wiedereinlösung, Wiederkauf) geliehener oder versetzter Gegenstände, Rente etc.

=losen,= sw. v. 1. intr. los, frei werden; eilen, eilig sein; v. Gewässern: Abfluss haben, sich ergiessen. 2. tr. los machen, öffnen; durch Zahlung lösen, *redimere* (Gefangene, Rente, Schuld etc.); *den kâk l.,* sich durch eine Geldstrafe vom Pranger lösen; einlösen (kaufen); zu friedlicher Lösung bringen. 3. refl. sich lösen; v. Winter, zu Ende gehen. 4. intr. Stuhlgang haben.

=losen,= adv. betrügerisch, zum Schein.

=loser,= Löser, Ablöser, Erlöser.

=lôs-genger,= Müssiggänger = leddich-genger.

=lôsheit,= Schelmerei, Büberei.

=lôs-hocker,= Müssiggänger, vagabundus.

=lôs-holt,= das zum Fensterkreuz gehörende Querstück; Holz, das zu Verschalungen u. Vertäfelungen gebraucht wird.

=lose-weder,= Widder *(aries),* der zur Zahlung einer Schuld gegeben wird?

=losich,= matt, träge, schlaff; adv. losigen.

=losicheit,= Mattigkeit, Trägheit.

=losinge,= 1. Lösung, Öffnung. 2. Befreiung, Absolution; Entsatz. 3. Einlösung verpfändeter Gegenstände (oder Capitalien, Renten etc.). 4. Der Preis für eine Ablösung (z. B. des Zehnten), Preis überh. 5. Die Wiedereinlösung eines verkauften Gutes, das Recht des Wiederkaufes, jus retractus.

=lôs-man,= Lootse (= lôtsman).

=lôs-jungere,= Hörige, die in keiner Genossenschaft stehen, solivagi.

=loske,= n.? Boot.

=lôsliken,= locker; obenhin, nicht ernst und strenge; betrügerisch.

=lossen,= sw. v. (v. *los = lôs*) ent-, ausladen, löschen: 1. intr. v. Schiffer u. v. Schiff. 2. trans. *ên schip l., guder* (Waren) *l.; de reise l.,* die Seereise vollenden.

=losse-schip,= Lichter, Leichterschiff.

=lo-stoter,= der Lohe stösst in einer Lohmühle.

=lot, lôt,= _n. Loos; ein Stück (Landes etc.) durchs Loos oder Teilung erhalten._

=lôt,= n. Blei; alles aus Blei gemachte; Bleimarke, Kugel, Senkblei; als Gewicht: halbe Unze; als Münze: der sechszehnte Teil einer Mark (so gewöhnlich).

=lôt-busse,= Feuergewehr, aus dem (bleierne) Kugeln geschossen werden.

=lotdink,= s. loddink.

=lôt-drunke,= Gelage der lotgilde?

=lote,= Rechen, Harke, tractula.

=lote-gelt,= Abgabe für die verloosten Verkaufsstellen.

=lotel-tît,= Zeit wo man *lot* d. i. Schoss bezahlt, oder wo man die Verkaufsstände verloost.

=loten (laten), lotten,= sw. v. loosen.

=lote-stede,= f. bestimmte Stellen der Verkaufsstände.

=lôt-gêter,= Kugel-, Bleigiesser.

=lot-gilde,= welche Gilde?

=lotinge,= das Loosen.

=lôt-kolve= = lôtkuse, librilla.

=lôt-kuse,= eine Keule von Blei oder ein mit Blei ausgegossener (plombierter) Stock.

=lôt-line,= Leine an dem Senkblei.

=lôt-penninge,= _Abgabe in Bergwerken für die Benutzung des Wassers._

=lôt-, (lât-)rîs,= Lodenreis, Pflänzling, junger Baum.

=lôt-schillink,= ein gerichtliches Strafgeld.

=lôts-man,= Lootse.

=lotten,= sw. v. loosen; *lottinge,* das Loosen.

=lot-visch,= Lotfisch (eine Art Makrele).

=lôt-werpen,= das Loos werfen; lôt-werpinge, sortilegium.

=louwant,= s. luwant.

=louwe (lauwe, lowe, lewe),= m. Löwe; als Münze *(lion d'or)* = 2 Goldgulden; Giessgefäss in Form eines Löwen. *louwinne,* Löwin.

=lôf,= m. die Seite, von welcher der Wind herkommt, Luvseite.

=lof,= gew. n. Lob, Preis; Tedeum; das Preisen, Anbieten der Waare; *to love unde to bode komen,* in Handel kommen.

=lôf,= n. (Plur. *lovere* u. *love*), Laub; Schuppen von Gold und Silber in Gestalt des Laubes.

=lôf,= Verlaub, Erlaubnis.

=lof= = lovede, Gelübde, Versprechen.

=lova, louwe,= Hinterlassenschaft, Erbe.

=lôfachtich,= glaubwürdig.

=lôf-bloiinge,= Laub- (Baum)blüte.

=lôve,= _sw. m. 1. Glaube, Vertrauen; der (christl.) Glaube. 2. Gelübde; Gelöbnis der Treue, Handtreue, Gutsagen, Versprechen, Eid, Lehnseid. 3. Credit,_ fides.

=lôve-brêf,= Beglaubigungs-, Credenzbrief.

=love-dans,= eine Art öffentlichen Tanzes, corrogacio, coraula.

=lovede (lovete, lofte),= _n. (u. f.) 1. Lob, Preis. 2. Gelübde, Versprechen, gegenseitige Vereinbarung, Festsetzung, Statut. 3. Verlöbnis, Verlobung._

=(lovede-) lofte-stant,= Vereinbarung, Vertrag.

=lovel-bêr,= Verlobungsfeier.

=lovelicheit,= Löblichkeit.

=lovelik, lavelik,= löblich, gut.

=lôvelik, lôflik,= glaublich.

=lovelink,= der dem geistlichen Stande gelobt ist.

=lôve-, lôf-lôs,= der vom christl. Glauben abfällt; der sein Versprechen nicht hält, treulos; der keinen Glauben verdient, creditlos. Subst. lôve- (lôf-) lôsheit.

=loven (laven),= sw. v. 1. loben, preisen; Waren zum Kaufe ausbieten. 2. geloben, versprechen; zur Ehe versprechen, verloben, *sponsare; loven vor,* gut sagen für, sich verbürgen. Refl. *sik l. in* oder *to,* ein Gelübde thun zu etwas; *sik l. tosamende,* sich durch gegenseitiges Gelöbnis verbinden.

=lôven,= sw. v. glauben, vertrauen; m. Dat. d. P. und Gen. oder Acc. d. S. oder mit der Präp. *in, an.* 2. erlauben.

=loven,= sw. v. Laub bekommen, sich belauben.

=loven-, lôf-becken,= metallenes Becken (aus dünnem Blech).

=lôven-breker,= der sein Gelübde, sein Versprechen nicht hält.

=lôven-brokich,= wortbrüchig.

=lovene, love,= f. Laube, d. i. bedeckte Halle, bes. der offene Gang am obern Stockwerk eines Hauses, vorzüglich an öffentlichen Gebäuden, Rathäusern etc., Gallerie; Balkon, bes. über dem Wasser.

=lofengel,= lavendula.

=love-, lof-nisse,= Gelöbnis, Versprechen.

=lovere (laver),= _der sich für einen andern verbürgt, Gutsager, Bürge bei Versprechungen und Mitunterzeichner von Urkunden._

=lôvere (loyver),= Gläubiger, creditor.

=lovere= (Plur. von *lôf*) u. =loverken,= _Laubwerk, kleine Blätter von Metall, als Geschmeide getragen._

=lovêren,= lavieren.

=lovesam,= löblich.

=lôvesam,= glaubwürdig.

=love-sank,= Lobgesang.

=lôvesch,= gläubig; rechtgläubig, christlich (nicht heidnisch); creditfähig.

=lôf- (lôve-)gût,= hinterlassenes Gut.

=lovich,= gelobt. *dat lovighe lant,* Palästina.

=lôvich,= gläubig.

=lovie, lovige, lovinge,= Laube, s. lovene.

=lovinge,= Gelöbnis, Versprechen.

=lôf-krôch,= freie Bierschenke des Holzaufsehers.

=lôfliken= = lêfliken, liebreich, freundlich.

=lôf-rote (-rate)= u. =lôf-rotinge,= Laubhütte, das jüdische Laubhüttenfest.

=lôf-salich,= glaubwürdig.

=lof-tutinge,= Lobpreisung (übertriebene).

=lôf-vorsch,= Laubfrosch.

=lôf-ware= = echtware? Berechtigung zur Holznutzung in der Gemeindemark?

=lôf-werdich,= glaubwürdig, zuverlässig.

=lo-water,= Loh-, Gerbewasser, frunium.

=low-bôk,= Gesetzbuch. Aus d. Dän.

=lowent,= s. luwant.

=lower,= Nachwein, Trester.

=lo-werk,= Gerberei.

=lubben,= sw. v. 1. verschneiden, entmannen, *spadonare.* 2. vergiften.

=lubbe-pîl, lubbe-schot,= vergiftetes Geschoss.

=lubbe-stock,= Ligusticum Levisticum.

=Lubisch,= Lübisch, Lübekisch.

=lûch,= flect. *luges,* m. Sumpf, Moor, Bruch.

=lucht, locht,= link, *sinister;* gew. im Compar. luchter, lochter.

=lucht,= f. Luft; Geruch, Duft.

=lucht= = lecht.

=lucht,= f. Lichtöffnung, Fenster, fenestrale.

=lucht,= f. das obere Stockwerk eines Hauses, auf dem Korn etc. und Holz gelagert sind, Boden.

=luchte, lochte,= f. Leuchte, Laterne; Leuchtturm.

=luchte, luchteke,= das Kraut eufrasia.

=luchte-, luchter-bôm,= Baum oder Gestell für die Lichter (Kerzenstall).

=luchten= = lichten, sw. v. aufheben.

=luchten, lochten,= sw. v. tr. u. intr. leuchten; blitzen.

=lucht-endes,= linker Hand oder Seite, links.

=luchte(n)-maker,= Leuchter-, Laternenmacher.

=luchter,= m. Leuchter.

=luchter-pipe,= f. Pfeife oder Röhre, Tülle, in welche das Licht gesteckt wird.

=luchte-schute,= kleines Leichterfahrzeug.

=luchte-stern,= Leuchtstern.

=luchte-vat,= Gefäss für ein Licht *(= luchterpipe);* Laterne.

=luchtich,= luftig, *aerius;* übrtr. windig (von Personen).

=luchtich,= Nebenf. von luttik.

=luchtich,= 1. act. erhellend, erleuchtend. 2. pass. erhellt, erleuchtet.

=luchtinge, lichtinge,= 1. Erleuchtung. 2. das Leuchten, *coruscatio;* der Blitz.

=luchtlik= (= luchtich, luttik), klein, zart.

=luchtnisse,= Helligkeit.

=lucht-venster,= Bodenfenster.

=lücke= _(im Schlesw.), ein eingekoppeltes (eingehegtes) Stück Land._

=lucke,= n. 1, Loos, Schicksal, das so oder so fällt. 2. das glückliche Schicksal, Glück.

=lucke-gelt,= Glücksgeld? (Gabe an Geld zum Brautgeschenk).

=lucke-leser,= Weissager, sortilegus.

=luck(e)lik,= glücklich; adv. luck(e)liken.

=lucken,= sw. v. glücken; *sik l.,* sich zufällig ereignen.

=lucke-pot,= Glückstopf.

=lucke-rat,= Glücksrad; Fortuna.

=luck(h)aftich,= Glück bringend, glücklich; adv. luckhaftichliken.

=luck(e)-salich, -sêlich,= glücklich.

=luck(e)-sal-, -sêlicheit,= Glückseligkeit.

=luck(e)sam,= glücklich, erfolgreich.

=luck(e)samheit,= Glück, Erfolg.

=luck(e)samich,= glücklich; adv. luckesamigen.

=luck(e)-samicheit,= Glück.

=lucke-worp,= Glückswurf, basilius.

=luckich,= glücklich.

=luckicheit,= Glück.

=lude,= f. Laut. *ener lude,* einstimmig, einträchtig.

=lude,= adv. laut.

=lude,= n. das klare, dünne (?)

=lude-hier,= Leutebetrüger.

=ludelik,= deutlich, klar; ehrlich.

=luden,= sw. v. 1. intr. laut sein oder werden, einen Laut von sich geben; laut sagen, bes. schreien; lauten, Inhalt haben; *luden laten,* verlauten lassen, öffentlich bekannt machen (auch refl.). 2. läuten, beläuten, durch Läuten zusammen rufen.

=luden-sleger,= Lautenschläger. Lies *t* st. d?

=luder,= m. liederlicher Kerl.

=luder,= m. Läuter.

=luder(e),= f. u. m. Kindes-Windel.

=lude-salich,= s. lûtsalich.

=lude-tal,= Zahl der Leute.

=lude-wech,= der Leute Weg, öffentliche Heerstrasse.

=ludinge,= das Läuten.

=luft= (= lucht, licht), leicht?

=luft,= f. Luft.

=lufte, lofte,= plur. die Läufte, Ereignisse in ihrer Aufeinanderfolge, Zeitumstände.

=luftich,= kundig, geschickt.

=lugen,= s. loien.

=luggich,= träge, schläfrig.

=luke,= f. Öffnung in den Boden und Wänden der Häuser und Schiffe, die mit einer (Fall)thüre geschlossen wird.

=luken,= st. v. ziehen, zupfen; zuziehen, schliessen.

=lukken-pipe= = lollikenpipe. Lies lulk?

=lulkendei,= n. = lollikenpipe.

=lumbel, lummel(en), lummelte,= Eingeweide der Tiere, als Lunge u. Leber, *intestina;* auch: Lendenfleisch, lumbalis.

=lummer,= n.?

=lundisch,= feines, englisches Tuch (aus London).

=lune,= f. (Voll)mond; Mondphase; bildl., auch =lûn=, _m. Laune, Veränderlichkeit._

=lune-kater,= launischer Kater, launenhafter Mensch.

=luneke,= herba beccabungae s. anagallis aquatica.

=lune-mût(?),= Leumund.

=lunen,= sw. v. = *allunen,* mit Alaun gerben.

=lune-winkel,= Schmollwinkel.

=lunge,= f. Lunge.

=lungerie,= müssiges Umhertreiben, Bettelei.

=lungen-krût, lung-wort,= Lungenkraut, pulmonaria muscosa.

=lunink,= m. Sperling; *luninges-krût, anagallis arvensis? luninges-tunge, polygonum aviculare,* Wegetritt, Vogelknöterich.

=lûnisch, lûnsch, lûns,= in wechselnder Gemütsstimmung.

=luns(e), lusse,= f. Achsnagel, furcale.

=lunte,= f. Lunte, Zündfaden, -strick.

=lupart,= s. lebart.

=lupen= = glupen.

=lûr, lurer,= Laurer, heimtückischer Mensch.

=luren,= sw. v. lauern, warten; trans. betrügen, hintergehen.

=lûs,= f. Laus.

=lûs, lûsch,= n. Schilf, Schnittgras, carex.

=lusch, lusch werk,= opus luscinum. Fuchsfelle, aus russ. lisizi?

=lûschen,= sw. v. aufspüren, heimlich auf Wild (bes. Hasen) lauern; versteckt sein, latitare.

=luse-busch,= Stelle, wo viel *lûs* wächst, carectum.

=luse-mân= = der Monat Juni.

=lusen,= sw. v. refl. sich lausig benehmen, knickern.

=luse-pôl,= Sumpf, Niederung, wo *lûs* wächst.

=luse-punge,= Läusesack, eine Schelte.

=luse-wort, -krût,= Lausewurz, Läusekraut.

=lusich,= lausig, armselig.

=lusse,= s. lunse.

=luste,= sw. m., =lust,= st. m. (selten f.) Lust, Begehren; Vergnügen, Freude.

=lûst,= f. aufmerksames Zuhören, Stille.

=lustbarlik,= angenehm, Lust erweckend.

=lust(e)lik,= Lust, Freude erregend, angenehm; adv. lustliken.

=lusten,= sw. v. gelüsten, Lust an etwas haben, belieben.

=lûsteren,= sw. v. horchen, lauschen.

=lusterende,= der Lust nach etwas hat, lüstern.

=lusterlik= = lustelik.

=lust(h)aftich, -achtich,= delicatus.

=lust-hof,= Haus oder Hof, zur Lust und zum Vergnügen erbaut.

=lustich,= Lust, Freude erregend, angenehm, wonniglich.

=lusticheit,= 1. das Lusthaben, Begehren. 2. Annehmlichkeit, Lieblichkeit.

=lustlicheit,= Annehmlichkeit.

=lustichlik= = lustich.

=lust-verdicheit,= Lustfertigkeit, Wollust.

=lût,= laut.

=lût,= n. Volk; Plur. *lude*. 1. Leute. 2. abhängige Leute jeder Art.

=lût,= n. u. m. 1. Laut; Schall, Lerm. 2. Gerücht. 3. (Wort)Laut, Inhalt.

=lûtbar,= lautbar, bekannt.

=lûtbaren,= sw. v. verlautbaren.

=lûtbarich= = lûtbar.

=lute,= f. Laute (Instrum.)

=lutgut= ist nur verd. Form für luttik.

=lût-jâr,= Halljahr (jüd.).

=lutke-, luttik-dêl= (oder bloss *luttich),* ein bestimtes Mass für Butter.

=lût-kust= (fries. *liodkest),* Volksküre, -beliebung.

=lût-mêr, -mêrich,= ruchtbar, bekannt.

=lût-ropich,= laut rufend.

=lût-salich,= den Menschen wolgefällig, anmutig. Subst. lûtsalicheit.

=lût-schillink,= s. lôtschillink.

=lutte,= f. Geläute.

=luttel,= klein, gering, wenig.

=lutter,= lauter, rein, klar.

=lutter-drank,= über Gewürz und Kräuter abgeklärter Wein, Claret, Honigtrank, claretum, mellicratum.

=lutteren,= sw. v. 1. lauter machen, reinigen, *depurare.* 2. declarieren, erläutern, verdeutlichen; für lauter erklären; auf die Lauterkeit untersuchen und prüfen, revidieren; eine Entscheidung in eine höhere Instanz ziehen.

=lutter-golt,= obriscum (obryzum).

=lutter-hart,= geläutertes, gereinigtes Harz? Colophonium?

=lutterheit= und =luttericheit,= Lauterkeit.

=lutterken= = lutterliken.

=lutterliken,= auf lautere, reine Weise, offen, klar; gänzlich.

=luttermale,= lauter, aufrichtig? utermate?

=lutter-salt,= Lautersalz, saligemma.

=lutterunge,= Declaration, Erklärung, Revision.

=lutter-var,= hellfarbig, stralend.

=luttichel= = luttik, wenig.

=luttik,= 1. adj. klein, gering, wenig. 2. subst. mit folg. Gen. Kleinigkeit. 3. adv. wenig.

=luttingen= (adv. zu *luttink),* ein wenig.

=luttink, -inge= = luttik, klein.

=lu- (lou-, lo-, lu-, le-, li-)want, -went, -wet,= n. Leinewand, namentlich die grobe, zu Säcken.

=lu-, lowent-hose,= Hose (Strumpf) aus luwant.

=luwant-koper,= Händler mit luwant.

=luwant-snider,= der *luwant* im Schnitt verkauft.

=luwant-striker,= mensurator linei panni; auch Händler mit *l.* (hochd. verd. in »Lauenstreicher«).

M

=mâch,= selten =mage,= _m. (Bluts-) Verwandter, »geborner Freund«. Auch als Adj. *mâch* gebraucht._

=machandelen-bôm,= Wachholder, sabina, juniperus.

=macheier,= eine Art grobes Wollenzeug.

=mach-lichte,= vielleicht (es kann leicht sein, dass etc.). Im Spott negativ: sicher nicht.

=mâchlik,= s. magelik.

=mach-schên, -schein,= (es kann oder mag geschehen), vielleicht.

=mâchschop,= s. mageschop.

=machsel,= s. makelse.

=machst,= f. Vermögen, Kraft.

=macht,= f. 1. Vermögen, Kraft. 2. Ansehen, Autorität, Geltung. *dar is* oder *licht macht an,* die Sache ist von Wichtigkeit, daran ist viel gelegen. 3. Vollmacht. 4. Menge, bes. Heeresmenge.

=macht, machte?= f. die Genitalien.

=mâch-tal,= s. magetal.

=macht-bode,= Bevollmächtigter.

=macht-bodeschop,= bevollmächtigte Gesandtschaft.

=macht-bôk,= Haupt(handels)buch?

=macht-brêf,= Vollmachtsurkunde, Beglaubigungsschreiben, Creditiv.

=machte-, macht-lôs,= ohne Macht, ohne Kraft, ohne Geltung und Wirkung.

=mackerêle,= Makrele.

=madde-lêve,= bellis perennis.

=made,= f. Made, terma.

=made,= Matte, Wiese.

=maden,= wol verlesen st. *maten,* w. s.

=madikes-herink= (jetzt *mâtjes-h.),* Hering, der gefangen wird, ehe er voll Rogen oder Milch ist.

=mage,= f. Magen.

=magedôm,= m. Jungfräulichkeit.

=mage-, mâchlik,= (bluts)verwandt.

=magelink,= Verwandter, contribulis.

=mager,= mager.

=mageren,= sw. v. mager machen; mager werden.

=magerheit,= Magerkeit.

=mage-, mâch-, mâ-schop,= f. Verwandtschaft.

=maget,= f. Magd, Bezeichnung des weibl. Geschlechtes überhaupt.

=mage-, mâch-tal, -tale,= 1. Verwandtschaft. 2. Teil der *compositio,* welcher an gewisse Verwandte des Erschlagenen fiel.

=maget-dôm= (gew. *mage-dôm),* m. Jungfrauschaft.

=maisiere,= Mauer.

=majestas,= f. Bild Christi oder Mariae als Schmuck?

=mak,= n. 1. Ruhe, Bequemlichkeit, Gemächlichkeit; *to make schicken,* bequem einrichten; *sik to make geven,* sich beruhigen; *wol to make sîn,* sich es bequem, wohl sein lassen. 2. bequemer Raum, Räumlichkeit, Gemach; bes. das heimliche Gemach, der Abtritt. 3. im jurist. Sinn: der sichere, ruhige, unangefochtene Besitz.

=mak= (= gemak), ruhig, sanft, zahm.

=make,= f. Mache, Verfertigung.

=makelicheit,= 1. Gemächlichkeit, Bequemlichkeit. 2. unangefochtener Besitz und daraus entstehende Nutzung.

=makel(i)k,= 1. gemächlich, ruhig, bequem. 2. ungestört, unangefochten, mit vollem Nutzungsrecht. Adv. makel(i)ken.

=makeligge, (-inge),= Vermittlerin, Kupplerin.

=make-lôn,= Machelohn.

=makelse, mâksel, mâchsel, mâxel,= n. das Machen und concr. das was gemacht ist, Machwerk (Bildung, Gestalt); *nie mannêr of m.,* neue Moden.

=maken,= sw. v. 1. machen, erzeugen, bewirken, zu Wege bringen; mit doppelt. Acc. *cristen, hertogen m.,* jemand zum Christen, zum Herzoge machen. 2. festsetzen, bestimmen; Geld aussetzen, »vermachen«. 3. herbei schaffen, kommen lassen, herbeirufen. Refl. *sik m.,* vor sich gehen, geschehen; sich aufmachen, sich wohin begeben.

=make-prank,= der *prank,* Unruhe stiftet, Aufrührer.

=maker,= Macher, Verfertiger.

=mak-gamerich,= bequem, träge.

=makinge,= f. 1. Verfertigung. 2. das Verfertigte, Schöpfung.

=maklik,= s. *makelik.* Adv. makliken.

=mak-sam,= bequem.

=mak-schiften= _(aus dem Dän.) tauschen; *mak-schiftinge,* Tausch._

=mal,= _verrückt, seltsam, wunderlich; *malle Hollanders,* Schimpfwort auf die Holländer._

=mâl,= n. 1. Punkt, Zeichen, Fleck; *m. up dem oge(n), in der hût.* 2. Grenzmal, Grenzzeichen; Ziel. 3. Zeitpunkt; *mâl, male, vice; na dem male,* nachmals, später; als Conj. (mit oder ohne *dat*) nachdem; weil, obgleich; *sint dem male,* seit der Zeit, von da an; als Conj.: (seitdem dass), weil, da ja, *to dem male,* damals; *(al) to male(n),* gänzlich, gar, sehr; alle zusammen; auf einmal; *up dat m.,* damals; *êr dem m.,* bevor. 3. Zeitpunkt zu einer Versamlung, Versamlung, mallum.

=malachtich,= krank, bes. aussätzig.

=malât, melât,= m. und n. Aussatz (aus frz. *malade,* ital. *malata*); aussätzig.

=malatich, -tisch= (melates, -tisch), krank, bes. aussätzig, leprosus.

=ma-, melaticheit,= Krankheit, bes. Aussatz.

=mâl-barde,= f. die Barde, das Beil, womit man ein *mâl,* Grenzzeichen, in die Bäume haut.

=mâl-bôm,= Baum, in der ein *mâl* als Zeichen (z. B. ein Kreuz) eingehauen ist und der daher als Grenzbaum dient.

=malde,= f. Mulde.

=malder,= n. Malter, als Zahlbestimmung wahrscheinlich 20 (Königsmalter 30 oder 32); das bekannte grössere Getreidemass.

=malder-brôt,= _grobes Brot, Schwarzbrot aus grob gemahlenem Roggen._

=male (meile),= f. Reisetasche, -sack, mantica.

=maledi(g)en,= sw. v. verwünschen, verfluchen; *maledi(g)inge,* Verwünschung.

=malen (melen),= st. v. mahlen (Korn etc.), molere.

=malen,= sw. v. 1. malen, *pingere.* 2. mit irgend einem *mâl* versehen (z. B. Schafe, Schweine etc.); bes. mit Grenzbezeichnungen versehen.

=mal(en)-slot,= Schloss vor einer *male,* Vorhängeschloss, sera portatilis.

=maler, mêler,= Maler.

=mâl(e)-werk,= Gewerk der Maler; Malerarbeit.

=malge,= _eine Münze; gew. von Kupfer, doch auch von Silber und Gold._

=mâl(h)aftich,= wandelbar? vergänglich? *mâlhafticheit,* Wandelbarkeit? vicissitudo omnium rerum.

=mâlhebber,= wechselnd? *vicissitudinarius;* Statthalter?

=malheit,= Verrücktheit, Thorheit.

=mâl-hupe,= sw. m. Haufe von Mal- (Grenz)steinen.

=mâl-hûs,= Speisehaus.

=malk, mallik (mallich, melk),= _d. i. *manlîk,* flect. *malkes* u. s. w., männiglich, jeder; verstärkt durch_ alle, aller (alder).

=malkander,= einander.

=malk-ên,= jederein, jeder.

=malküken= (sonderbares Küchlein, verlesen st. *malmuken?)* wol *procellaria,* Mallemucke.

=mallart, mallert,= toller, wunderlicher Mensch.

=mallie, malge,= kleiner Ring oder Spange, *malia.* Demin. mallieken.

=mallien-werk,= Gespange.

=mâl-man,= der im Gerichte zu Stimme und Urteil befugt ist *= dingman;* der Unfreie, der sich dem herrschaftl. Gerichte stellen muss; Aufseher in der Mark.

=malmesie (-sêr, sîr),= Malvasierwein.

=malmuse= = kôrkappe, kôrkogele, almucium.

=mâl-note (= mâl-man),= Holzaufseher.

=malsch,= stolz, kühn, verwegen.

=mal-scolt,= eine nicht näher bezeichnete Abgabe. (Mahlgroschen?)

=mâl-stat, -stede,= _die mit einem *mâl* bezeichnete Stätte, *locus determinatus,* bes. Gerichtsstätte, Versamlungsplatz._

=mâl-stên,= Grenzstein.

=mâl-swîn,= ein mit einem *mâl* (und dadurch als mastberechtigt) bezeichnetes Schwein.

=malt,= s. molt.

=mâl-têken,= Mahlzeichen, Merkzeichen.

=mâl-tît,= die festgesetzte Zeit zum Essen; das Essen selbst.

=malve (malawe),= Heerzug, Heerfahrt, Kriegszug; eig. der Versamlungsplatz des Kriegsvolkes.

=mamme,= _f. (Demin. *mammeke* u. *memmeke*), Zitze, Saugwarze._

=mammeluck,= Glaubensabtrünniger, Schandbube, Treuloser, Heuchler. Adj. mammeluckisch.

=man,= m. (Plur. *man, mannes, mans, manne, menne, manner*); in Gentilnamen *ma, me.* 1. Mensch; *al man,* jeder. 2. Mann (Ggs. *vrouwe*), Ehemann. 3. der erwachsene, streitbare Mann. 4. Lehnsmann (Ggs. *hêre*). 5. der Geschlechtsangehörige (in Eigennamen).

=man,= adv. aber; nur (gew. *men*).

=mân,= m. Mohn.

=mân,= s. mane.

=man-bar,= mannbar (auch von e. Manne).

=man-bort, mans-gebort,= männliche Geburt, männliche Nachkommenschaft.

=man-bote,= f. Mannbusse d. i. Busse, Geldstrafe für die Tötung eines Mannes.

=man-dach,= Mannentag, Sitzung des Lehnsgerichtes.

=mân-, manen-dach,= Montag; freier (Mon)Tag, daher: *mândach maken,* die Arbeit einstellen, feiern (auch *gude m.* genannt); *de brede m.,* Montag nach Michaelis; *de sworen m.,* der erste Montag nach Epiphanias (wo die Beamten vereidigt werden); de rode m.?

=mande,= f. Korb ohne Henkel.

=mande,= Gemeinschaft; Gemeingut; tô *m.,* gemeinschaftlich. In Zusammensetzungen: *mande-gût; mande-handel, societas; mande-slôt* (Graben), *mande-tûn* (Zaun), m. vrunde, communes partis utriusque amici.

=mânde,= Monat.

=mandel, mandel-kerne,= Mandel.

=mandel= = mantel.

=mandel(e),= f. eine Zahl von 15 (Fruchthaufe von 15 Garben etc.).

=mandel-môs,= Mus von Mandeln.

=man-dênst,= Lehnsdienst.

=mand-gelt= = mangelt?

=man-dink,= Lehngericht (für die Vasallen in Lehnssachen).

=man-dôm,= m. coll. die Männer.

=mân-dôrde,= mondsüchtig.

=man-drenke, -drenkelse,= (Menschen-Ertränkung) Name grosser, verheerender Sturmfluten.

=mane,= sw. m. und f., =mân,= st. m. 1. Mond; Mondring, überh. Ring, *circulus; de halve mane,* eine Art schlechteren Eisens. 2. masc. Monat. Diese beiden Formen werden in den Monatsnamen vor anderen bevorzugt.

=manen,= sw. v. 1. mahnen, erinnern an. 2. einmahnen, einfordern, bes. vor Gericht Klage erheben wegen einer Forderung.

=manen-dach,= Montag; s. mândach.

=manere,= Mahner, Einforderer.

=man-erve,= männlicher Erbe.

=manes-grutte,= Mohngrütze.

=manet,= m. und f., Pl. *manede,* Monat.

=mane-tît,= s. mântit.

=manet-, mânt-, mânte-verst, -vrist,= f. Monatsfrist, d. i. der dreissigste Tag, an welchem die letzte Seelmesse für einen Verstorbenen und das Totenmahl gehalten ward; *m. dôn,* diese Feier begehen.

=mane-vlêtende,= n., =mane-vlôt,= m. Menstruation.

=mane-wandelinge,= f. 1. Mondwechsel. 2. Mondfinsternis.

=mange,= f. 1. Kriegsmaschine zum Schleudern von Steinen. 2. auch *mangel,* Walze zum Glätten der Gewirke und namentlich der Wäsche.

=mangel,= m. Streit, Zwist; Handgemenge, Gefecht.

=mangel-bret= und =-holt,= Brett und Holzrolle, um Wäsche zu glätten.

=mangel(h)aftich,= mit einem Fehler, Mangel versehen.

=mangelinge, -lie (mank-linge),= f. 1. Vermengung, Vermischung. 2. Handgemenge, Gefecht, überh. Streit.

=mangelen,= sw. v. (die Wäsche) rollen, plätten.

=mangelen,= sw. v. handgemein werden, kämpfen; auch refl.

=mangel-stock= = mangelholt, auch zum Kuchenausrollen; s. mangelbret.

=man-, manne-gelt,= 1. Mannbusse, die Busse für einen Todschlag, die von den Verwandten des Getöteten von dem Mörder eingetrieben wurde. 2. Löhnung für die Mannschaft; Lohn.

=mangen,= s. mank.

=manger,= Händler, = menger.

=man-gût,= Lehngut; Lehnrecht.

=manheit,= 1. Mannhaftigkeit, Kraft, Anstrengung. 2. Verhältnis der Lehnsmannschaft. 3. Inbegriff der Mannen eines Herren.

=man-, mannes-hovet,= Manneshaupt, männliche Person.

=manich,= s. mannich.

=maninge,= Ermahnung; Aufforderung (zur Zahlung); rechtlicher Anspruch.

=maninne,= st. sw. f. Mond, Mondgöttin.

=mank,= verstümmelt, lahm.

=mank, mangt, manket, mankent, mangen,= (in Gemenge), zwischen, unter.

=man-kane,= kleiner Kahn (für Einen Mann?)

=mank-gût,= Menggut, Zinn mit Blei vermengt.

=mân-, manen-kint,= Mondkind, -kalb, Misgeburt.

=man-klacht, -klachter,= Mannesklafter, soweit ein Mann seine Arme ausspannen kann.

=man-, mannes-kraft, -kracht,= Menge von Leuten, Heeresmacht.

=mank-korn,= Mengkorn.

=man-kraftich,= manneskräftig, tapfer.

=mank-mûs= (st. môs) = mankgût.

=mân-kop,= Mohnkopf.

=mank-tûch= = mankgût.

=man-, manneskunne,= männliches Geschlecht; männliche Nachkommenschaft.

=man-lên,= Lehnsmannsgut.

=manlicheit,= die männlichen Geschlechtsteile.

=manlik,= 1. männiglich, jeder (gew. *malk*). 2. männlich; stattlich; tapfer.

=manlike(n),= adv. 1. in der Formel: *manlike lien* d. i. lehnsweise, mit *manscap* leihen. 2. männlich, mannhaft.

=man-liveserve,= männlicher Erbe, d. i. vom Mannesstamm.

=man-lôs,= ohne Mannschaft, v. e. schiffbrüchigen, verlassenen Fahrzeug.

=mannen,= sw. v. 1. bemannen, mit Mannschaft besetzen. 2. einen Mann nehmen, heiraten.

=mannes-mêth,= ein Landmass = soviel wie ein Mann am Tage mähen kann?

=mannes-name,= Umschreibung für »Mann, Mannsperson«.

=mannevasten= = allemanne vastnacht, Sonntag Invocavit.

=mannich, mennich,= manch; manniger hande, -leie, _mancherlei Art. Compar. mehrere;_ manneger?

=mannich-var,= bunt.

=mannich-voldich,= _mannig-, vielfältig; *mannichvoldicheit,* Menge._

=mannich-voldigen,= sw. v. vermehren.

=mannich-volt,= vielfach, viel.

=mannich-werve,= s. werve.

=man-ôch, -ogich,= augenkrank, vom Pferde (nach dem Volksglauben mit d. Mondwechsel zusammenhängend).

=manoleken,= imago cerea facta ad sortilegium. _Vgl. Ndd. Korresp.-Bl. 1, 93. 2, 94. 4, 29._

=mân-olie,= Mohnöl.

=man-part,= verhältnismässiger Anteil.

=man-qualm,= Menschentötung, caedes.

=man-recht,= Vasallen-Eid?

=man-, manne-recht, -richt, -gericht,= Mannen-, Vasallengericht, judicium feudale.

=man-richter,= Richter im mangericht; judex militum et militarium.

=mân-sât,= n. Mohnsamen.

=manschên,= verd. aus *machschên,* vielleicht, etwa.

=manschop,= 1. Verpflichtung des Lehnsmannes gegen den Lehnsherrn, Treugelöbnis bei der Verleihung zu Lehnrecht, *homagium.* 2. Inbegriff, Gesamtheit der Mannen eines Herrn, Ritterschaft; überh. die in einem Unterthänigkeitsverhältnisse Stehenden. 3. Gesamtheit von Männern; Abteilung einer Corporation.

=manse, mantze,= divisio retis, d. h.? (nndd. *manschen* eine Art von Netzen bei kleinen Fischereien).

=mân-sêk,= mondsüchtig.

=mans-geburte,= männliche Leibeserben.

=mans-geslechte,= männliches Geschlecht, Nachkommenschaft.

=man-slacht,= f. Erschlagung eines Menschen, homicidium.

=man-slachter, -slechter,= Mörder, Totschläger.

=man-slachtich, -slechtich,= Menschen erschlagend, Mörder.

=man-slachtinge,= Tötung, Mord.

=man-slecht(e),= _n. männliches Geschlecht, Mann; coll. Männer. Adj._ man-slechtich.

=man-stadich gût,= Gut in *manstat* verliehen.

=mans-tal,= f. Mannesmass, -länge.

=man-stat,= 1. Stellung eines *homo,* Vasallen; *in (an) m.,* nach Lehns-, Homagialrecht. 2. = *manstal,* Mannesgrösse, -länge.

=mân-suchtich,= v. Frauen, menstruierend.

=mân-, manen-, mânt-suke,= Menstruation.

=mânt,= m., f., n., Pl. *mânde, mânte, mânt,* Monat.

=man-tal(e),= _f. 1. Mannzahl, Zahl der Leute; *na m.,* nach Verhältnis, *rata portio.* 2. Musterung. 3. wie *magetal,* ein Teil der *compositis;* überh. Zahlungsverpflichtung._

=mânte,= n. und m. Monat.

=mantel,= _m. und f., Pl. *mentele,* Mantel; die äussere Bekleidung eines Gebäudes, Umfassungsmauer um einen Turm oder ein Haus._

=mantel-kint,= ein uneheliches, durch spätere Heirat legitimiertes Kind (weil es bei der Copulation unter den Mantel der Mutter genommen wird).

=mân- (manen-)tidich,= menstruierend.

=mân-, mane-tît, mân-tides,= f. Monatsfrist; *to mantiden,* monatlich, 'mensatim'.

=mântlike,= adv. monatlich.

=mânt-stunde,= to mântstunden betalen, in monatlichen Raten bezahlen.

=mânt-suveringe,= Menstruation.

=mânt-vlôt,= m. monatlicher Fluss, Menstruation; dazu adj. mânt-vlotich.

=mânt-vrist,= s. manetverst.

=mantzelen,= sw. v. bemänteln, beschönigen? verstecken?

=man-volk,= Mannsleute.

=mân-wandelinge,= s. mane-wandelinge.

=mapel-dorn= = apeldorn.

=mapele,= Stück des Messgewandes, mappula, planeta.

=march,= n. Mark.

=marcelle,= s. morselle.

=mare, mâr= (m. und f.?), Alp, die Menschen im Schlafe quälendes Gespenst.

=mare,= f. (fries.) Graben, Abzugscanal.

=marentacken,= Mistel, (Alf-ranke), viscum album.

=margarite,= m. Perle.

=Margen-= = Marien-.

=marien-beddestro,= herba serpilli.

=marien-blome,= Marienblume; auch Sonnenwerbel, solsequium.

=mark,= n. Zeichen.

=mark,= f. 1. (Geld)gewicht, ein halbes Pfund (16 Loth). 2. die einheitliche (aber bloss ideelle) Münze von verschiedenem Werte.

=mark-bôm,= die äusserste Turmspitze? wol = mekeler.

=mark(e), merke,= f. 1. Grenze. 2. Landgebiet, z. B. einer Stadt; gemeinschaftlicher Landbesitz einer Dorfschaft oder Genossenschaft, nam. an Hölzung. 3. Markgerechtigkeit. 4. Grenzland, Mark, Markgrafschaft, bes. Brandenburg.

=marke,= f.= *marketal,* Mitgift.

=marke-dink,= generale terrae judicium.

=markel-dach,= Markt-tag (kann auch heissen: Merktag); lies: marketdach?

=marke-like;= in der Formel *gelden mark markelik, mark mark gelike, mark by marke lîk,* d. h. zu verhältnismässig gleichen Teilen, proportionierlich bezahlen.

=markel-schêde,= f. Markscheide, Grenze.

=Markener, Marker,= Märker, Brandenburger.

=market (markt, mark), merket,= gew. n., selten m. 1. Markt, sow. der Marktplatz, als die Versamlung der Händler und der Handel selbst. 2. Marktflecken.

=mark(e)-tal,= f. 1. Verhältnis, Proportion, Reihenfolge; *na m.,* verhältnismässig. 2. die Portion, Mitgift, dotalicium.

=market-gank,= der Preis der Waren nach dem jeweiligen Markt.

=market- (mark-)gêve,= marktgängig, so wie es auf dem Markte gegeben werden darf.

=market-hoke,= Markthöker.

=market-punt,= talentum marcale, das gemeine Pfund zu 2 Mark oder 32 Loth.

=market-recht,= Gerechtigkeit, d. h. Abgabe für die Erlaubnis den Markt beziehen zu dürfen oder in einem Markt zu wohnen.

=market-ridder,= unzünftige Fleischer, die bedingungsweise den Markt mit Fleisch beziehen durften.

=market-schôn= = marketgêve.

=mark-gêve,= s. marketgêve.

=mark-grêve,= Markgraf, Fem. mark-grêvinne.

=mark-man,= Pl. *mark-manne,* Bewohner einer Mark, bes. der von Brandenburg.

=mark-note,= Markgenosse.

=markolf (-lof),= Name des Hehers und auch des Goldammers.

=mark-punt,= s. marketpunt.

=mark-wart,= Mark- (Wald)hüter, Name des Hehers.

=mark-weringe,= Markwährung.

=mark-wert,= was eine Mark wert ist.

=mark-wicht,= f., =mark-wichte,= n. Markgewicht, je nach dem Gewichte eines jeden Landes oder Ortes.

=marlink, merlink,= Marling oder Marlien, ein aus zwei Strängen zusammengedrehtes Tau.

=marmesei= = malmesie, Malvasierwein.

=marot,= Narrheit, Grille, Marotte.

=mâr-pert,= Stute.

=marren, marringe,= s. merren, merringe.

=mars-bêr,= Märzbier.

=mar-schalk,= (Pferde-knecht) 1. Hufschmied. 2. Stallmeister; Anführer der reisigen Dienerschaft des Fürsten.

=mârschup,= f. = *mâtschop,* Gesellschaft, Compagnie; *dat m. gudes,* eine zusammengehörende Parthie Waren.

=marse,= s. merse.

=marselle,= s. morselle.

=mar- (mart-)stal,= Pferdestall, Marstall.

=mart(e) (marder, mardel),= Marder; Marderfell.

=marte,= Dienerin (in einer Küche). Ihr Amt heisst *marteschop,* f. Wol aus dem Eigennamen Martha.

=martel(e),= f. Marter.

=mar- (mer)telen,= sw. v. martern.

=martelêre,= Märtyrer.

=marter, merter,= f. Marter.

=marter-weke,= Marterwoche, Karwoche.

=mârt-gût= = marketgût.

=martilie,= f. das Märtyrertum.

=martilien,= sw. v. martern, zum Märtyrer machen.

=martiner= = Lutheraner; *martinisch,* lutherisch.

=mâr-vlechte,= lange Flechte (wie eine Marenlocke, Elfklatte?).

=masch,= Maische, Biermalz. Vgl. mêsch.

=masch-budde,= Maischbottich.

=masch(e),= f. Kasten, Schrein.

=masche,= f. Masche eines Gewebes.

=maschên= = mach-schên vielleicht.

=maschop,= contr. aus *mat(e)schop* oder (seltener) aus mageschop.

=mase,= Fleck, bes. von einem Schlage oder einer Wunde herrührend (Narbe).

=mas(e)le, massele,= roter, juckender Hautfleck, Ausschlag, Pustel, Schorf.

=maselen, masselen,= sw. v. masern, die Masern bekommen.

=masel-, mesel-sêk,= bes. aussätzig.

=masel- (massel-, mesel-)sucht, -suke,= Aussatz.

=masel-, mesel-suchtich,= aussätzig.

=maser, maser-bôm,= 1. Ahorn, *acer, tuber.* 2. Knorren am Holz, Maser, tuber.

=maseren,= ahornen.

=maserich,= maserich.

=mâs-gat,= Mauerloch.

=massele,= s. masele.

=masselri(g)e,= Schnitzwerk (geometrisches Zierwerk?) Vgl. metselrie.

=masselter-bôm,= gefleckter, gemaserter Holunder oder Ahorn.

=mast,= f. Stange, Baum; Mast des Schiffes. mâstcleed?

=mast,= Mast, bes. Schweinemast in den Wäldern.

=mast-bôm,= 1. Mastbaum im Schiffe. 2. Baum, von welchem Mast gewonnen wird, d. h. Eiche oder Buche.

=maste-vê,= Mastvieh.

=mat,= n., s. matte.

=mat,= matt, im Schachspiel; dem koninge ên mat geven.

=mât,= st. m., =mate,= sw. m. Genosse, Kamerad, Gehülfe, bes. in der Schiffersprache.

=mate,= f. 1. Mass; *m. geven* (von der Obrigkeit) festsetzen, bestimmen; *boven* oder *uter m.,* übermässig; *in der m.,* mässig; *bi der m.* oder *umme de m.,* ungefähr. 2. Art und Weise; Mittel; *des geldes vant he nene mate,* wusste es nicht herbeizuschaffen, aufzubringen. 3. Angemessenheit, Passlichkeit; *(wol) to mate,* zu pass, passlich, proportioniert; *even to m.,* gerade recht; *to m. komen,* zur rechten (gleichsam abgemessenen) Zeit darüber zu kommen; überh. wo eintreffen, sich begegnen mit jemandem. 4. Mässigkeit, Masshaltung.

=mate,= adj. und adv. mässig, wenig, geringe, unbedeutend.

=matelicheit,= Mässigkeit.

=matelik,= adj. und adv. mässig; gering, klein; ziemlich, ungefähr; adv. mateliken.

=maten,= n. eine Art örtlicher und rechtlicher Genossenschaften in Eiderstedt; Kirchspiel?

=maten,= sw. v. das Mass *(pensum)* bestimmen.

=matere,= matricaria parthenium, Meter, Metram.

=materie,= sw. f. 1. Stoff, Gegenstand, z. B. eines Gemäldes, eines Buches. 2. Eiter einer Wunde.

=matersche,= Aebtissin.

=mate-wunde,= Masswunde, Wunde, bei der die Busse nach der Länge bestimmt wird.

=mat(h)ier,= eine kleine Münze (Goslarer Groschen mit dem Bilde des heil. Mathias).

=matich,= mässig.

=mati-, mêticheit,= Mass, Mässigkeit.

=matigen, mêtigen,= sw. v. das Mass bestimmen, Mass und Ziel setzen; auf ein (niedrigeres) Mass setzen.

=mâtje,= ein Mass (1/16 Tonne).

=mat-lach,= Haushaltung, Familie; Geld, das ein jeder Hausvater dem Prediger zu zahlen hat.

=mat-lant,= s. medelant

=matôn,= s. matûn.

=mâtschop, mâschop,= _1. Genossenschaft, Gesellschaft, bes. Handelsgesellschaft, auch Trinkgesellschaft. 2. concr. Genosse, Geselle._

=mâtschopie, mâschuppie, mâschopperie= = mâtschop.

=mat-swên,= _altnord. *matsveinn,* dän. *madsvend,* Schiffskoch._

=matta,= piaculum, expurgacio.

=mattân,= Messing.

=matte,= Decke, Matte (von Stroh oder Weiden geflochten, auch von Leder).

=matte, mette,= f., =mat,= n. Metze; das Mass Getreide, welches der Müller für das Mahlen erhält. -- *matte-kiste* in der Mühle zur Aufnahme der Matten.

=matten, metten,= sw. v. die *matte* von dem zu mahlenden Korn nehmen.

=matten-schuddelse,= n.? Hanse-Recesse III, 1, S. 310.

=matûn, matôn,= eine Münze (etwa 20 Sch. Lüb.).

=me,= in Beteuerungen *(summe), = mi,* mir, mich.

=me= = men, man, in der Inklination.

=mê,= s. mêr.

=mechte,= f. 1. Gewalt. 2. Genitalien.

=mechtich,= adj. 1. mit Macht, zahlreich. 2. Macht habend. 3. die Befugnis habend, befugt, berechtigt; bevollmächtigt. Adv. sehr.

=mechticheit,= 1. Menge. 2. Macht.

=mechtichlik,= mächtig, gewaltig; adv. mechtichliken.

=mechtigen,= sw. v. 1. mächtig machen, stärken. 2. bevollmächtigen, ermächtigen. Refl. etwas übernehmen, für etwas einstehen.

=mechtigen,= adv. mit Macht, heftig.

=mechtiger,= (der Macht, Vollmacht hat), Bevollmächtigter.

=med(d)eke (med-, mod-, maddik),= Regenwurm.

=medder, modder,= st. und sw. f. Muhme, Mutterschwester; auch die Töchter der Muhme heissen *medder;* auch Brudertochter wird so angeredet.

=medderen-kunne,= die weibl. (Erbfolge-) Linie.

=mede, medde= (selten =mit),= adv. mit; oft = *dar mede,* damit; zugleich; ferner, weiter; *m. bringen,* mit sich bringen, enthalten, ausweisen; *m. hebben,* Anteil haben; *m. wesen, sîn,* bei jem. sein, anhaften; behülflich sein; mit sein, willkommen, lieb sein, behagen; *m. hengân,* damit hingehen, sein Bewenden haben.

=mede,= st. m. Meth, Honigtrank.

=mede (ê?),= Krapp, rubea.

=mêde,= sw. f. Mähde, Heuland.

=mêde, melde,= st. f. Miete, Lohn; Gabe, Geschenk; *m. nemen,* sich bestechen lassen.

=mede-ban,= der Mittel- oder mittlere Bann (nicht die volle Ächtung), bannus contumaciae.

=mede-bole, -bule,= Zunftgenosse.

=mede-broder,= Mitbruder, *confrater;* Amtsgenosse.

=mede-bûr,= Mitbauer.

=mede-buten,= umtauschen.

=mede-dêl (meddel, meidel, middeel),= (altdithm.) Hinterlassenschaft an Speisevorrat und Aussaatkorn (= môsdêl).

=mede-dêlen,= mitteilen, impertire.

=mede-dinkplichtich,= der mit andern *dinkplichtich* ist.

=mede-dogen,= n. Mitleid.

=mede-dogende,= mitleidig.

=mede-dore,= m. Mitthor, Mitnarr.

=mede-erfname,= Miterbe.

=mede-geboren,= Verwandter.

=mede-(ge)lîk,= Geselle, Genosse, compar.

=mêde-, mêdel-gelt,= Mietgeld, entw. als Handgeld, Handpfennig *(arrha)* oder als Bestechung gegeben.

=mede-geselle,= Genosse, Teilnehmer.

=mede-gift=, Mitgift.

=mede-handeler,= Mithandelnder, Teilnehmer.

=mede-hellen,= übereinstimmen; verträglich sein.

=mede-hellich,= zustimmend, verträglich.

=mede-hellunge,= Übereinstimmung.

=mede-helper, -hulper,= Mithelfer, Teilnehmer.

=mede-komer,= Mitkommer, d. h. Teilnehmer, Helfer.

=mede-kosinge,= Unterhaltung, Gespräch.

=mede-kumpân, -kumpen,= Mitgenosse.

=mêde-, mêt-lant,= Mäh-, Heuland.

=mede-lidelicheit,= Mitleid.

=mede-liden,= Mitleid.

=mede-lider,= der Mitleid hat.

=mede-lidich,= milde, vom Wetter.

=mede-lidicheit,= Mitleid.

=mede-lidinge (-linge),= f. Mitleid; *dach der m. Marien, festum compassionis seu septem dolorum* (mit verschiedenem Datum in den verschiedenen Diöcesen).

=mêdelink,= Mietling; der zur Miete wohnt.

=mêde-lôn,= (Miet)Lohn.

=mede-lover,= Mitbürge.

=mêdelse,= s. mênasle.

=mêdel-tît,= Mietzeit.

=mede-luckich,= (mitglücklich), teilhaftig, consors.

=mede-luden,= mitlauten, übereinstimmen.

=mede-man,= Mitmann, Genosse.

=mêde-man,= Mieter, Mietsmann.

=mêden,= sw. v. mieten, um Lohn oder Bezahlung dingen.

=mede-pleger,= Genosse, socius.

=mede-plichten,= Gemeinschaft mit jem. eingehen, sich verbinden.

=mêder,= m. Mäher.

=mede-rât,= Beirat.

=mêder-mât,= ein Ackermass (soviel als ein Mann in einem Tage mähen kann?)

=mede-samicheit,= das Zusammensein.

=mede-seten,= mit eingesessen.

=mede-sitter,= Mitsitzer (Mitglied des Rates).

=mede-sprake,= Gespräch mit jem., colloquium.

=mede-suster,= Mitschwester, -nonne.

=mede-vrunt,= Genosse.

=mede-werdich,= (gleich)würdig, condignus.

=mede-wete,= m. Mitwisser, heimlicher Teilnehmer.

=mede-weten,= mitwissen.

=mede-wetinge,= Mitwissenschaft.

=mede-wist,= Mitwissen.

=mede-wîf,= Nebenweib, Concubine.

=mede-woner,= Miteinwohner (untersch. von Vollbürger).

=mêdinge,= Mietung, Pachtung.

=mêdink,= Mietling.

=megede-blomen,= albiana; camomillus; ligustrum.

=megedekîn, meg(e)diken,= n. Mädchen.

=mêgen,= mähen. -- =mêger,= Mäher.

=megetîn,= n. Mädchen.

=mêginne,= f. Verwandte.

=mei, meig,= st. m. 1. der Monat Mai; Frühling; fig. Blüte, Flor. 2. Maifest. 3. m. d. Pl. *meige, meigen,* grüner Festzweig, Reis von Birken etc. zum Schmuck der Kirchen u. Häuser. *In den mei riden,* das Maifest feiern.

=mei-bede,= precaria Mai, Steuer im Monat Mai zu zahlen.

=mei-bôm,= der zu Pfingsten aufgerichtete Festbaum.

=meide= = mêde.

=meidem,= m. verschnittenes männliches Pferd.

=meielpennink= = meibede?

=meien, meigen, mêgen,= sw. v. mähen.

=meien,= sw. v. den Eintritt des Sommers feiern; sich (im Freien) erlustigen; in dat meien riden; meien varen.

=meien-krans,= Kranz des Maigrafen.

=meien- (meigen-)sal,= mit Maien geschmückter Festsaal.

=meier, meiger,= m. Mäher; Grossknecht.

=meier, meiger,= m. 1. der, welchem die Bewirtschaftung des Gutes (pachtweise) übertragen ist, *villicus.* 2. *mayor* einer englischen Stadt.

=meier-dink,= Gericht, Versamlung der meier.

=meier-mât,= s. mêdermât.

=meier-recht,= Meierrecht (Ggs. Lehnrecht).

=meiersch,= adj. zu meier.

=meiersche,= Haushälterin; Beischläferin.

=meier-schop,= Meierschaft, Pachtverhältnis der Meier.

=meier-stat,= Meierstelle.

=mei(g)esch,= adj. zu *mei; meiesche botter,* Maibutter.

=mei-gank,= Auszug (der Studenten etc.) im Mai.

=meigelt= = mêdegelt, Mietgeld.

=meiger,= risum, est cerevisia. Vgl. mêsch.

=mei-grêve,= sw. m. Maigraf, der Führer des Festzuges im Mai.

=mei-hoge,= st. m. Maifest.

=mei-katte,= Maikatze.

=mei-kavel,= Maikäfer.

=meil,= n. Fleck, Befleckung.

=mei-lach,= Maigelage, Maifest.

=meile,= s. male.

=mei-lant, mege-lant,= Festland; wol aus *mein-, megenlant,* engl. mainland.

=meilik,= mailich; *meilike tît,* Maienzeit.

=mein, meinde,= s. mên, mênde etc.

=meine,= f. = *menie,* Menge.

=meinstrandie,= die Zunft der Sänger u. Spielleute, mndl. menestrandie.

=meisch,= s. mêsch; =meise,= s. mêse; =meist, meister,= s. mêst, mêster.

=meit= = gemeit, fröhlich, heiter.

=mei-tît,= Maizeit, Frühling.

=meitken,= n. Mädchen.

=mei-varen,= s. meien.

=mekel-, makeldie,= Mäklerei und Lohn für das Mäklergeschäft.

=me-, makeler,= Mäkler, proxeneta.

=mekeler,= Tragebalken, Ständer, Giebel-, Thurmpfosten.

=mekeler,= Füllen, pullus equi.

=mekelerdie, mekelrie, mekelie,= Mäklerei; Mäklerlohn; *m.-bôk,* Mäklerjournal.

=mekelken= = makeliken.

=meker,= m. Macher, Verfertiger, Stifter.

=mekliken= = makeliken.

=mel,= n. Mehl.

=melât, melatesch, (melaten?),= s. malât; =melateschop,= s. malaticheit.

=mel-budel,= Sieb zum Mehlbeuteln, sedacium.

=melde,= atriplex.

=melde= = mele, Milbe.

=melde= = mele, Trog? Lies molde?

=melden,= sw. v. melden, verraten.

=meldinge,= Meldung, Verrat, Anzeige.

=meldouw(e),= Mehlthau, aerugo.

=mele,= f. Milbe, tinea.

=mele (ê?),= sw. f. Trog, Mulde, *alveus;* Mass für Butter.

=mêlelse,= n. Gemälde.

=melen= = malen, mahlen.

=mêler,= m. Maler; Bildschnitzer.

=meletesch,= s. malatisch.

=mele-vat= = mele? Mehlfass?

=melk,= f. Milch; Samen der Fische.

=melk,= milch, eine *melke* Kuh, die gekalbt hat.

=melken,= st. und sw. v. milchen, melken.

=melk-hâr,= Milchhaar, Zeichen der Pubertät.

=melk-market,= Milchmarkt, bildl. die weiblichen Brüste.

=melk-munt,= Milchbart, Spottname für einen Unbärtigen.

=melk-rinse,= Lab (um Milch gerinnen zu machen).

=melk-stap(pe?),= Milchfass.

=melk-var,= milchfarbig.

=melk-vat,= mulcrale, mulctrum.

=melm,= m. zerriebene Erde, Staub.

=melote,= Dachs-, Schaf-, Ziegenfell; Kleidungsstück der Mönche.

=mêlre= = mêler.

=mel-reder,= Mehlsichter, Beutler.

=mêlsel, mêlse, mêltze,= n. Gemälde.

=mel-sucker,= Puderzucker.

=mêlte,= n. Gemälde.

=meltede,= n. soviel in einer gewissen Zeit gemalzt werden kann.

=melten,= sw. v. malzen.

=men,= man.

=men, man,= adv. *(= wan?)* 1. ausgenommen, nur; zur Verstärkung des Imper. (= mhd. *et,* hochd. *nur*); *men dat* (mhd. *wan daz*), aber. 2. sondern, aber.

=mên, mein,= _falsch, betrügerisch; *mên êt,* Meineid. Adv. *mene; m. sweren,* falsch schwören._

=mênasle, manasle, meinasme = mêne asne,= f. (s. *asnen*), d. h. »gemeiner Lohn«, eine festgesetzte Summe als Entschädigung bei vorzeitiger Aufhebung des Dienstverhältnisses, die dem Dienenden vom Herrn zukam, sobald er bei diesem wirklich »in Brot« gestanden hatte. Spätere Rechtsbücher setzen dafür *mêdelse, mêdesle,* d. h. Mietgeld. Lat. pretium deservitum.

=mên-, mein-bôm,= Baum, welcher der Gemeinheit (der Mark) gehört.

=mên-dât,= Missethat.

=mên-dader, -dêder,= der ein Verbrechen begeht, maleficus.

=mênde, meinde,= Meinung, Absicht.

=mên-dêdich,= übel, verbrecherisch handelnd.

=mendel-dach,= der grüne Donnerstag, der D. vor Ostern, *coena domini.* Das zu dem Tage bereitete Gebäck heisst *mendel-brôt* oder mendel-koke.

=mêne, meine,= 1. allgemein, *publicus;* gesamt, *universalis; dat mêne beste,* Republik; *dat m. studium,* Universität; *de m. stat,* die Gesamtheit der Bürger; *en m. wort,* Sprichwort; *dat m. lant,* das gesamte Land; *de m. werlt,* alle Leute, jedermann; *de m. cristendôm,* die ganze Christenheit; *de m. lantvrede,* der allgemeine Landfriede. 2. gemeinschaftlich. 3. gewöhnlich, *communis; ein m. man,* ein Mann aus der *mênheit,* der nicht zu einer im Rate vertretenen Gilde gehört; *de m. kôpman,* die Kaufmannschaft im Ggs. gegen den Rat; *dat m. volk,* der grosse Haufe; im schlimmen Sinne: gemein, *dat m. wîf,* Hure.

=mên(e),= f. Meinung, Sinn, Absicht.

=mêne,= f. Gemeinschaft; *to m.,* gemeinschaftlich.

=mênede= = mêneweke.

=mên-, mein-êde, mên-êdich,= meineidig.

=mên-, mein-êder,= Meineidiger.

=mên-êt,= Meineid.

=mên(e)-dênst,= allgemeiner Dienst, den jeder Bauer dem Herrn zu leisten hat, Hofdienste.

=menel,= m.? Ochsenstecken, Stachel.

=mêne-market= = mêne mark, Gemeindeland, gemeinschaftlicher Landbesitz?

=mêne-mêster,= Vorstand der mênheit?

=menen, meinen,= sw. v. 1. meinen, glauben. 2. seine Gedanken auf etwas richten, beabsichtigen. 3. gesinnt sein gegen jem., ob freundlich *(= minnen)* oder feindlich, bestimt der Zus. oder ein Adverb *(ovel, wol, mit truwen, mit valsche etc.).* 4. *sik m.,* seinen eigenen Vorteil suchen.

=mêner,= auf den eine Urkunde ausgestellt ist, Inhaber?

=mêne-rede,= scherzhafte, spasshafte Rede.

=mêne-, meine-, mênde-, meinde-, meint-weke= und verkürzt =mênede, mênde, meinte,= die Gemeinwoche d. h. die Woche vom Sonntag nach Michaelis; der Michaelistermin.

=mêne-, meine-werk,= Gemeinwerk, d. h. allgemeine, bürgerliche Lasten.

=mêne-werken,= sw. v. allgemeine Communallasten verrichten (als wachen, graben etc.).

=mengelen,= n. Mengel, ein kleines Mass für Flüssigkeiten, bes. Wein.

=mengelie,= Mengelei, Unredlichkeit.

=mengelink,= ein Mensch, in dem das Gute mit dem Bösen gemengt ist.

=mengelinge,= Mischung, Mengung, Gemenge.

=mengen,= _sw. v. mengen, mischen; verwirren, versetzen (durch Reden); *menged,* (von Kleiderstoffen) bunt._

=mengen,= Nebenf. zu *mank,* zwischen.

=menger, manger,= Händler (bes. in Zusammens.).

=menger,= Unruhestifter, Verhetzer.

=mengsel,= n. 1. Gemenge (gemengter Teig). 2. bunte Farbe, varietas, mixtura.

=mênheit= (zu *menen, meinen),* Andacht, Liebe.

=mênheit,= periurium, Meineid.

=mênheit (meinet),= Gemeinheit, Gemeinde, entw. die gesamte Bürgerschaft (im Ggs. zum Rat), oder die Bürgerschaft, die nicht zu den Gilden oder Innungen gehört.

=menige, menie, menje,= f. Menge.

=meni(g)e,= Mennig.

=mêninge,= Meinung, Absicht.

=menk(e), mink,= ein Tier (Art Fischotter), dessen Fell als Pelzwerk dient.

=mên-kôp,= Betrügerei beim Kauf.

=menlik,= männlich; mannbar; adv. menliken.

=mên-, meinliken, mênelken,= 1. gemeiniglich, gewöhnlich. 2. allgemein, sämtlich, zusammen.

=mennich,= manch (= mannich).

=mennicheit,= Menge.

=mennichte,= f. Menge.

=mennige,= s. menige.

=menni(g)er-, menni-leie,= mancherlei.

=menniste,= Mennonit.

=mênsamen,= sw. v. Gemeinschaft machen.

=mênsamheit,= Gemeinschaft.

=mênsaminge,= Gemeinschaft.

=mênsch= (mhd. *maenisch, lunaticus)* (bei Pferden) *= mân-ogich,* augenkrank, starblind.

=mênscheit,= Gemeinschaft.

=mên-scher, -schar,= Gemeindehütung, gemeinschaftliche Begrasung.

=mênschop,= Gemeinschaft.

=mênschoppen,= sw. v. Teil nehmen.

=mênschopper,= der Gemeinschaft hat mit jem.

=mênschoppinge,= Gemeinschaft.

=mense,= Behältnis (Fass) für Wachsscheiben; vgl. mese.

=mense-gat, -hol,= das Mauerloch, in welches der Gerüstbalken eingelegt wird.

=mênte, mênete, mênde, meinde, meinte,= _f. und n. *= mênheit,* 1. Gemeinheit, gemeinschaftliches Besitztum. 2. Bürgerschaft, Bauerschaft, Kirchspielsgenossenschaft. 3._ = mêneweke.

=mêr, mê, mêrer, mêrder,= adj. Compar. zu *vele,* mehr, grösser; *Jacobus de mêrere,* der ältere; *de mêrre dêl, menie,* Majorität; *de mêreren,* die Vornehmeren, höheren Standes. Subst. mit Gen.

=mêr, mê= (als Conjunction =mer?),= adv. 1. mehr, zur Verstärkung des Compar. 2. von der Zeit: ferner, künftig, zu wiederholten Malen. 3. vielmehr, *potius.* 4. sondern, nur, ausser; nach einem Compar. als *(= alse, wen) mêr dat,* nur dass = indes, aber; *mêr alleine,* schon allein, bloss; *so mêre,* fast, beinahe (s. *alsomêr); de mêre,* desto mehr.

=meralde,= Smaragd (emeraldus).

=mer-bêse,= Meerbiese, -binse (papirus).

=mer-bone,= Koralle *(umbilicus Veneris),* ward als Schmuck verwendet.

=merch,= n. Mark.

=merde, merder,= Koth, Dreck, lat. *merda; nicht ein m. =* nichts.

=mêr-dêl,= n. Mehrheit.

=mer-, mir-dorn,= Myrthe.

=mere, mer,= st. n. 1. das Meer, die See, bes. das Mittelländische Meer; von den Wallfahrten und Kreuzzügen: *de reise over m., prediken dat cruce over m., over m. tên, varen, over m. wesen, van over m. komen.* 2. der Landsee.

=mêre,= n. und f. (oft im Plur.) Erzählung, Kunde, Bericht; Gerede, Gerücht; *nige mêre,* Neuigkeiten.

=mêre,= adj. berühmt.

=mêreken,= n. Märchen.

=meren,= sw. v. Brod in Wein tunken.

=merêneke (morêneke),= ein Fisch: *torunda,* Lamprete.

=mêreren, mêren (mêrdern),= sw. v. grösser machen, vermehren; intr. grösser, mehr werden (gew. refl.).

=mergel,= Mergel, glarea.

=mergelen,= sw. v. mergeln, mit Mergel düngen.

=mergel-môs,= Mergelbrei, Schlick.

=merie,= f. Mähre, Stute.

=meringe,= das Eintauchen des Brodes in Wein; das eingetauchte Brod selbst.

=mêringe,= Vermehrung.

=mêringe,= das Mären-, Märchenerzählen, Schwatzen.

=merk,= m. breitblättriger Eppich, *apium;* oder Sellerie, selinum.

=merk,= n. Zeichen.

=mer-kalf,= phoca, ypotus (= hippopotamus?); Sirene.

=mer-karre,= welche Karre? (Torfkarre?)

=mer-katte,= Meerkatze, d. i. langgeschwänzter Affe; auch durch *phoca* glossiert.

=merke,= f. 1. Beachtung, (genaue) Wahrnehmung; Verständnis, Erkenntnis, Lehre. 2. Zeichen, Merkzeichen; *de m. hebben van,* sich orientieren nach.

=merke= = mark(e), Mark, Gebiet.

=merkede= = mark.

=merke-, markelik,= bemerkenswert, namhaft, bedeutend, ansehnlich, notabilis. Adv. merkeliken.

=merke-lôs,= unvermerkt.

=merken, marken,= sw. v. 1. (auf)merken, beachten; erkennen, verstehen. 2. mit einer Marke, einem Merkmal versehen.

=merkerne,= adj. der geneigt und fähig ist zu merken, scharfsichtig.

=merk-iser(e)n,= Eisen zum Merken, Zeichnen etc.

=mer-krêge,= (d. h. Meerkrähe), sorix.

=merle,= Wasserlinse, lens aquatica.

=merle= und =merlink,= _Schmerle, Schmerling (Goldammer, Amsel),_ merlus, merisillus.

=mêrlik,= wovon geredet wird, berühmt, notabilis. Adv. mêrliken.

=merlink= = marlink; = merle.

=mermel,= Marmor; *mermelen,* marmorn.

=mer-minne,= Sirene.

=mer-osse,= Büffel?

=mer-pute,= piscis est: sorax (wol cobitis fossilis).

=mer-red(d)ik,= Meerrettich.

=merren, marren,= sw. v. trans. aufhalten, hindern; intrans. zögern, säumen, verharren, sich aufhalten, *morari; sunder merren,* unverzüglich.

=merringe,= Säumen, Zögern.

=mer-rusch,= m. Meerbinse (Krausdistel).

=mers,= f. = mersch.

=mersammen,= sw. v.?

=mersch, marsch, masch,= f. (und n.) Marsch, fruchtbare Niederung an den Ufern des Meeres oder der Flüsse; *mersch-, merske-lant,* Marschland; *mersklude,* Bewohner der Marsch.

=merse, mersse,= f. Ware, lat. merx.

=merse, merse-mân,= s. mertze.

=mers(e), mars(e), mersch,= sw. und st. f. Mars, Mastkorb.

=merse-klêdinge,= Bekleidung der Mars mit Segeltuch? Marssegel?

=mersener,= Kaufmann, Krämer, frz. mercier.

=mersener, marsener,= grösseres Schiff; Schiff mit Marsen. Vgl. mersschip.

=mersen-ra,= Marsraa.

=merserie,= Krämerware, frz. mercerie.

=mers-lant= = merschlant, s. mersch.

=mers-, mars-lôs,= ohne Mars.

=mers-schip= = mersener.

=mer-swîn,= n. Meerschwein, Delphin, Tümmler.

=merte=, Märzmonat.

=mertelen,= martern.

=merteler,= Märtyrer.

=mertelink,= eine Art Aepfel.

=Merten,= Martin; *St. Mertensdach,* 10. Novbr., bezeichnete früher den Anfang des Winters.

=merteren,= sw. v. martern.

=mertze= = merse, Mars.

=mertze, merce, merse, martze,= März.

=mer-vôt: meervöte,= hd. *meerfüsse,* von kirchlichen Geräthen oder Schmucksachen (Ztschr. f. Lüb. Gesch. II, 134 ff.). Lies *meernöte,* Meernüsse (eine Art Muschel)?

=mer-vrouwe,= Sirene.

=mer-wîf,= Sirene.

=mer-wunder,= wunderbares Meertier; jedes misgestaltete Ungeheuer, *monstrum;* Sirene.

=mes= (auch =mēs?),= m. Mist, Dünger.

=mes-bore, -borge,= f. Bahre zum Mistaustragen.

=mesch= = masche.

=mêsch, meisch,= risum, mulsum, Bierwürze, ungegorenes süsses Bier; auch Meische? Vgl. masch, mêskewert.

=mêsche= = meiersche, Meiersfrau, Schultenfrau.

=meschen (ê?),= mischen, mengen.

=mêse, meise,= f. Mass für trockene Sachen, Tonne, Fass.

=mese,= eine (Süd)frucht?

=mêse,= f. Meise.

=mêse-gelt,= ein Ditmarscher Landmass = 6 Morgen.

=mêseke,= f. Meise.

=mesel, mesel-suchtich,= s. masel.

=mêse-, mês-, mê-sat,= ein Ackermass, soviel man mit einer *mêse* Korns besäen kann.

=mes-grepe,= Mistgabel.

=mêske-wert,= Meischwürze, *risum;* s. wert, mêsch.

=mes-lôk,= Eschlauch?

=messel, mezel,= Bicke, celtis.

=messeler,= Mauermann, ndl. metselaar.

=messen= (auch =mēssen?),= sw. v. misten, fumare.

=messeniede= (= massenie), Dienerschaft.

=messet, metset, mest, mezces, mes,= selten =messer,= _n. Messer, namentl. Dolchmesser._

=messet-, mest-berêder,= Messerbereiter, der die Klingen und Griffe zusammensetzt.

=messet-, mest-, messe-maker,= Messerschmied.

=messet-, messe-schêde,= Messerscheide.

=messet-, mest-, mes-toge,= m. das Messerziehen.

=mes(se)t-trecken,= das Messerziehen.

=messet-, mest-, messe-, mes-wer(ch)te, -werke, -werder,= Messerschmied.

=mêst, meist,= Superl. zu *mêr,* meist, grössest; *dat mêste dêl, part, de mêste man,* die Mehrzahl.

=mes-tal,= m. das Mist-, Dungrecht, jus fecundandi.

=meste-kove(n),= _m. Mastkofen, um Schweine zu mästen, Schweinestall._

=mesten,= sw. v. mästen.

=mêste-, meiste-part,= adv. grösstenteils, meistenteils.

=mêster, meister,= m. Meister, jeder Vorsteher, Herr, Aufseher (erst später jeder Handwerksmeister); bes. ehrenvoller Titel für Lehrer, Gelehrte, Ärzte etc.; *mêster des hemmels* = Astronom.

=mê-, meisteren, magistrare,= meistern, beherrschen.

=mêsterie,= Gelehrsamkeit.

=mê-, meisterinne,= Meisterin; Lehrerin; Oberin eines Beginen-Convents.

=mêster-knape, -knecht,= Geselle (Ggs. *lêreknecht);* Obergeselle (Ggs. knecht).

=mêster-kost,= f. Meisterschmaus des neuen Handwerksmeisters.

=mêsterlik,= authenticus, meisterlich.

=mêsterlike,= adv. meisterhaft, vorzüglich.

=mêster-, meister-man,= ein jeder selbständige Handel- oder Gewerbetreibende (Ggs. *knape,* Commis, Gesell). Ältermann eines Gewerkes?

=mêster-prove,= f. Meisterprüfung; Meisterstück; sine m. dôn.

=mêsterschop,= Meisterschaft; Vorstandschaft, Vorstand.

=mê-, meistersc(h)e= = mêsterinne.

=mêster-sproke,= auctoritas.

=mêster-stucke,= n. Meisterstück; sîn m. maken, berêden.

=mêster-tuch,= n. Meisterzeug, -stück; sîn m. arbeiden.

=mêster-werk,= n. Meisterstück; sîn m. maken.

=meste-swîn,= Mastschwein.

=mêstich, meistich,= adv. meistens, fast ganz oder all.

=mêstliken,= zum grössten Teil, meistens.

=mestinge,= f. Düngung? = mesvald?

=mest-vetter,= der Mistauflader.

=mes-vald,= m. Düngerhaufe, Stelle, wo der Dünger aufbewahrt wird, bis man ihn wegfährt und auf den Acker bringt.

=mes-vleke,= die Bretter (Leitern) eines Mistwagens.

=mes-vore= = mes-bore, eine Bahre zum Mistaustragen. Lies mesbore?

=mes-wagen,= Mistwagen.

=mes-wêkinge,= das Weichwerden, die Faulung des Düngers in dem Acker, = gare.

=mes-werk;= lies *môswerk,* Gemüse.

=met,= n. das reine Schweinefleisch ohne Speck.

=metal= (Pl. *metalle*) und =metâl,= n. Metall.

=mêtal= = meitele, s. mâchtal.

=mete-bodem (?),= croca, vannus, (Wanne, Worfschaufel).

=mêteginge,= Masssetzung, Massgebung.

=meten,= st. v. messen; abmessen, erwägen, rechnen.

=meter,= der (beeidigte Korn-, Hopfen- etc.) Messer.

=meter (meiter),= melissa; mater herbarum. Vgl. meterne; matere.

=mete-rêp,= Massseil, -kette.

=meterne,= matricaria minor. Vgl. meter, matere.

=mete-rode,= Messrute.

=mete-snôr,= Messschnur.

=mete-stunde,= gemessener Zeitabschnitt = Stunde (Uhr).

=mêticheit; mêtigen,= s. maticheit; matigen.

=met-lant,= s. medelant.

=metlik= = matelik; =mêtlik= = matelik.

=met-rôt,= ? krapprot (von mede)?

=metselrie,= Mauerwerk, *structura muri;* aus dem Ndl.

=metsen, metselen,= sw. v. mauern; aus dem Ndl.

=mette= = matte.

=metten(e),= f. Frühmesse, Mette.

=metten-pennink,= Abgabe für das Kornmahlen.

=metten-têken,= Zeichen, dass die *mette,* Kornabgabe, bezahlt ist.

=metten-tît,= Zeit der Mette; frühe Morgenzeit.

=met-worst,= Mettwurst.

=metzen-danz,= Jungfrauentanz *(metze* ist Dem. von *Mechtild* »Frauenzimmerchen«).

=mêve,= f. = mêwe.

=mevel= (ist wol verlesen für menel, stimulus).

=meven= _(= alts. *neuan),* adv. nur, ausser, allein (eine Ausnahme machend), sondern, indes, aber._

=mêwe,= f. Möwe.

=michel,= _adj. gross; adv. sehr. Aus dem Hd.; das reinndd. *mekel* (as. *mikil)* erscheint nur in Ortsnamen._

=michel(i)k,= gross, mächtig; adv. *micheliken,* sehr.

=micke,= _sw. f. Instrument zu Feuergewehren: Lunte (frz. *mèche)?* Richtkeil der Kanone? Furketgabel?_

=micke,= eine Art Brod (Schönroggen oder auch von Weizen), vielleicht von keil- oder hornartiger Form.

=micke,= Linie, (gerade) Richtung, Ziel? collimatio.

=micken,= sw. v. das Auge auf etwas richten, zielen, beachten.

=mid-alle,= s. mit-alle.

=mid-dach,= Mittag (auch f.? under der middach).

=midde,= adj. *medius,* mittler.

=middel,= adj. in der Mitte, *medius; in der middelen tît* oder *middeler tît,* mittlerweile, in der Zwischenzeit; adv. *middele,* in der Mitte.

=middel,= n. und m. 1. Mitte. 2. *ein m. maken tuschen,* trennend treten zwischen. 3. Vermittelung, Ausgleich. 4. in präpos. Verb. *dorch middel* (auch *middele),* vermittelst; *ane, sunder middel,* unmittelbar (ohne vermittelnde Zwischenglieder), *immediate;* von der Zeit: unmittelbar darauf; ohne Unterbrechung; hintereinander, *contigue;* ohne weiteres, nichts als nur.

=middelbar,= in der Mitte stehend (nicht das Beste, noch das Schlechteste).

=middel-bêr,= Mittelbier.

=middel-deme, -dussem,= unterdes, während des.

=middele,= f. Mitte.

=middelen,= sw. v. 1. in zwei Hälften, zur Hälfte, teilen, 2. m. twuschen, in die Mitte kommen, in der Mitte stehen zwischen. 3. vermittelen, beilegen.

=middeler,= Vermittler, Unterhändler. Fem. middelerinne.

=middelere,= ein Kleiderstoff: Leinen mittlerer Sorte?

=middelheit,= Hälfte, medietas.

=middelinge,= Halbscheidung, Teilung zur Hälfte.

=middelink,= der Mittelfinger.

=middel-kerne,= das Innere eines Dinges (z. B. Dotter).

=middel-man,= der Mittelsmann, Vermittler, Entscheider.

=middel-mate,= Mittelmass.

=middel-mate, -matich, -mêtich, -matisch, -mêtisch,= das Mittelmass haltend in Grösse, Alter, Stand, Moralität, Wert oder Preis.

=middel-misse,= die Messe zwischen der Früh- und der Hauptmesse?

=middel-recht,= Recht, Gericht zwischen dem höchsten und niedrigsten.

=middel-reden,= sw. v. dazwischen reden, vermitteln.

=middel-rif,= Weiche unter den Rippen; Zwerchfell.

=middel-schot,= die Nasenscheidewand.

=middel-tît,= Zwischenzeit.

=middel-var?= = middel-bar?

=middel-wech,= Mittelweg.

=midden-dach,= Mittag.

=middene,= adv. mitten.

=midden-somer,= Mitte des Sommers, d. i. Johannis, 24. Juni.

=midden-strôm,= Mitte des Stromes.

=middere,= Zwerchfell.

=midder-nacht,= Mitternacht.

=middes, middest, middens,= adv. in der Mitte.

=midde-to= = mede to, mit dazu, ausserdem.

=mid(de)-vasten,= Mitfasten, die Mitte der Fastenzeit.

=midde-want,= die Mittelwand (eines Fasses).

=mid(de)-wech,= Mitte des Weges; gew. *(to) midweghe, midweges,* mitten (zwischen).

=mid(de)-weke, -weken,= m. f. Mittwoch (Markttag und Gerichtstag); *de gude m.,* Mittwoch vor Karfreitag (auch de krumme m.)

=midde-wert,= s. wert.

=mid(de)-, mede-winter,= _Mitte des Winters, Weihnachten, Christtag._

=midelerne,= der etwas gern meidet oder flieht, furchtsam.

=miden,= _st. und sw. v. meiden, vermeiden; refl. *sik m.* m. Gen., sich scheuen vor, sich enthalten von._

=miderne,= der etwas gerne meidet, abstinens.

=midinge,= Vermeidung.

=mige,= f. Harn, Urin.

=migen,= st. v. harnen. miger, mingens.

=milde= = melde, atriplex.

=milde,= freigebig; freundlich, barmherzig; fromm.

=mildebar,= reichlich gebend, fruchtbar.

=mildelik,= adv. zu milde.

=mildich,= freigebig.

=mildicheit,= Freigebigkeit.

=mildichliken,= adv. freigebig.

=mile,= f. Meile (vom Raume); Stunde? (von der Zeit).

=mile,= f. und =miler,= m. Kohlenmeiler.

=miler-kole,= Holzkohle.

=militêren,= streiten.

=mill(e)lote,= mellilotum, = museke.

=milm= = melm, Staub.

=milte,= f. Milz.

=min,= adj. adv. Compar. weniger, geringer, minder; *nicht to (nichtes to, n. de) min,* nichts desto weniger, trotzdem; *min edder mêr, min mêr* (ohne Copula wie lat. *plus minus)* ungefähr; *no min no mê,* nichts anders als, gerade, just so.

=mîn,= pron. mein.

=mînet,= auch Gen. d. Pron. ik.

=min-jarich,= minderjährig.

=minie,= Mennig.

=mink,= s. menk.

=minke,= Verstümmelung.

=minken,= sw. v. verstümmeln.

=minne,= f. Liebe, sowol die religiöse, wie die sinnliche; Freundschaft, Gunst; *an des rades etc. minnen leven* oder *bliven,* sich dem Belieben des Rates etc. fügen; Güte, gütliches Übereinkommen, gütliche Beilegung eines Streites (Ggs. gerichtliche Entscheidung); als kosende Anrede: *m., sote m.* und Demin. minnekîn.

=minne-, min-, minnich-, minnent-lik,= freundlich, gütig; adv. m.-like(n).

=minnen,= sw. v. 1. lieben. 2. versöhnen, in Güte scheiden.

=minnen,= sw. v. vermindern.

=minnen-hâr,= capillus Veneris vel steinvarn.

=minner,= Liebhaber, Freund.

=minner,= Minderer.

=minner, minder,= Comp. 1. kleiner, geringer, weniger; *Jacop de minnere, Jacobus minor; de minre tal,* die Zeitrechnung innerhalb eines Jahrhunderts, die Angabe der Einer und Zehner der Jahreszahl unter Weglassung der Jahrhunderte. 2. geringer, weniger angesehen.

=minner-, minre-broder,= Minorit, Franciscaner.

=minneren,= sw. v. 1. kleiner machen, vermindern. 2. intr. kleiner, geringer werden.

=min(ne)ringe,= Verminderung.

=min(ne)sam,= lieblich.

=min(ne)st,= Superl. kleinst, geringst, wenigst; adv. am wenigsten; *to(n) min(ne)sten,* zum wenigsten.

=minnich,= verliebt.

=minninge= = minneringe.

=minre= = minner.

=minsche, mensche,= m. Mensch; als n. und f. bezeichnet es Frauenzimmer überhaupt, aber nicht im verächtlichen Sinn. *minschen-blôt,* Menschenblut. *minschen-vlêsch,* Menschenfleisch.

=minschen-levent,= n. Zeit eines Menschenlebens.

=minschen-settinge,= menschliche (Ggs. göttliche) Satzung, Gesetz.

=minscheit, menscheit,= 1. die Natur eines Menschen. 2. die Gesamtheit der Menschen.

=minsch(e)lik, mensch(e)lik, minslik,= menschlich.

=minschop= (= minsch-schop), die menschlichen Dinge.

=mînte= (dat), das meinige.

=minute,= sw. f. Form? (in der Schreiberwelt erster Entwurf, Concept).

=mîr,= contrah. aus *miner* (meiner).

=mîr,= herba alsines s. morsus gallinae, Miere.

=mirakel,= n. Wunder.

=mire,= f. Ameise.

=mirre,= (die bittere) Myrrhe.

=mir-redik,= raphanus minor.

=mis, misse,= adv. fehl, das Ziel nicht erreichend, ermangelnd; *to mis* (Ggs. *to vel); ik trat misse,* ich trat fehl, stolperte.

=mis-aventure,= Unglück, unglücklicher Zufall.

=mis-, misse-bêden,= _m. Dat. ungebührlich behandeln, höhnen. Subst._ missebêdinge.

=mis-behegelicheit,= Unzufriedenheit, Verdruss.

=mis-bequême,= Ungemach, Not.

=mis-bequêmicheit,= Ungemach, Mishelligkeit.

=mis-bêre, -bare,= f. Misgebärde (entstelltes Antlitz, Heulen, Schreien etc.).

=mis-, misse-bêren,= sich ungebärdig, ungehörig benehmen.

=mis-breken,= st. v. verletzen, übel behandeln.

=mis-bruken,= misbrauchen.

=mische? mischen?= Düngergrube? Vgl. miste.

=mischen,= sw. v. mischen; refl. sik m. to.

=mis-dach,= Messetag, Tag, wo Messe gelesen wird, überh. Festtag.

=mis-dader, -dêder,= Missethäter. Fem. misdêdersche.

=mis-, misse-dadich, -dêdich,= Missethat verübend, verbrecherisch.

=mis-danken,= m. Dat. schlecht, übel danken; unzufrieden sein mit jemand.

=mis-, misse-dât,= Missethat, Sünde.

=mis-, misse-dien,= übel, schlecht gedeihen.

=mis-dôn,= _einen Fehler, ein Unrecht begehen; in der Schiffersprache: einen falschen Curs nehmen und so zu Schaden kommen._

=mis-donen,= mistönen, nicht einhellig sein.

=mis-dragen,= st. v. eine Fehlgeburt thun.

=mis-dult,= was übel zu dulden ist.

=mis-dunken,= m. Dat. (nicht recht dünken), Zweifel, Ungewissheit empfinden, argwöhnen, suspicari.

=mis-dunkent,= n. Argwohn, Mistrauen.

=misermau,= Spottname der Katze.

=mis-gân,= fehl gehen, misglücken.

=mis-gebêr(e),= n. Ungebärdigkeit.

=mis-gedien,= misraten.

=mis-gelât,= schlechtes, betrübtes Aussehen.

=mis-gelove,= s. mislove.

=mis-gevelle,= Unfall.

=mis-gewant, -gewende, -gewêde,= s. missewant, -wêde.

=mis-grepe,= m. Misgriff, unabsichtliches Mitnehmen fremden Gutes, Aneignung durch Versehen.

=mis-gunner,= Misgönner, Feind.

=mis-, misse-hach,= Misbehagen, Zwistigkeit.

=mis-hagelicheit,= Misbehagen; Zwist, Mishelligkeit.

=mis-hagelik,= misfallend.

=mis-, misse-hagen,= nicht behagen, misfallen.

=mis-haginge,= Misfallen.

=mis-hakel,= m. Messgewand, casula.

=mis-handelen,= falsch, schlecht handeln; jem. mishandeln.

=mis-handelinge,= Übelthat.

=mis-hegelik, mis-hegelicheit,= s. *mishagelik* etc.

=mis-heil,= Unheil.

=mis-, misse-helle; -hellicheit; -hellunge,= Zwist, Mishelligkeit.

=mis-hode,= schlechte Bewachung.

=mis-holden (-halden),= st. v. auf fehlerhafte, ungebührliche Weise halten oder behandeln; refl. sich übel gebärden.

=mis-holdinge,= fehlerhaftes Halten, Bruch (eines Vertrages).

=mis-, misse-hopen,= die Hoffnung aufgeben, desperare.

=mis-hopene= und =-hopeninge,= _Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung._

=mis-hopich,= die Hoffnung aufgebend, in Verzweiflung.

=mis-horen= (mishören), ungehört lassen.

=mis-horer,= der die Messe hört.

=mis-kîf,= n. (engl. *mischief),* Unglück, Nachteil; Sünde, Verbrechen.

=mis-komen,= 1. schlecht bekommen; *mi miskumt,* mir begegnet ein Unglück. 2. nicht *bekomen* (n. bequem sein), misfallen.

=mis-kôpslân,= einen Handel schliessen, bei dem man betrogen wird.

=mis-kore,= Miswahl.

=mis-latende,= _mit schlechtem *(ge)late,* mit traurigem Gesichte._

=mis-lêde,= (Mis-Leitung) falscher Weg, Unglücksweg.

=mis-lêden,= falsch leiten.

=mis-, misselik,= 1. (verschiedenartig) ungewiss, zweifelhaft. 2. ärgerlich, erbittert. Adv. *misselike; m. luden,* unangenehm lauten, Ärgernis erregen.

=mis-liken,= misfallen, nicht behagen.

=mis-lingen,= mislingen.

=mis-love, -gelove,= 1. falscher Glaube, Ketzerei. 2. Mangel an Glauben, Verzweiflung.

=mis-loven,= nicht glauben, mistrauen.

=mis-lovich,= ungläubig.

=mis-lovinge,= das falsche Glauben, Unglaube.

=mis-luden,= dissonare; m. Dat. anderer Meinung sein als. = mislik luden.

=mis-maken,= entstellen, hässlich machen.

=mis-maketheit,= Verunstaltung, Hässlichkeit.

=mis-mode= und =-modich,= mis-, kleinmütig, verzweifelt; von übeler Gesinnung.

=mis-môt,= Mismut, Verzweiflung.

=mispel(e),= Mispel, esculum.

=mispel(en)-bôm,= Mispelbaum, esculus.

=mispreken,= s. misspreken.

=mis-, misse-prisen,= tadeln.

=mis-, misse-quâm,= st. m., =m.-quame,= sw. m., st. f., =m.-quême,= Unbequemlichkeit, Ungemach, Not.

=mis-quêmicheit= und =-quêminge,= Ungemach.

=mis-raden,= st. v. abraten.

=mis-, misse-râk (a?),= m.? (Zweck- oder Zielverfehlung) Fehlerhaftigkeit.

=mis-raken,= Ziel oder Zweck verfehlen.

=mis-râm,= _m. (Mis-Absicht) Absichtslosigkeit, unglücklicher Zufall._

=mis-rekeninge,= Fehlrechnung.

=mis-ruchte,= n. böses Gerücht, diffamia.

=mis-ruchtich,= in bösem Rufe stehend.

=mis-saken,= st. und sw. v. leugnen, ver-, ableugnen, weigern.

=mis-schickelik,= ungeziemend.

=misse,= f. Missethat.

=misse,= f. Messe. Wegen der Zusammensetzungen s. auch mis-.

=misse,= s. *mis;* ebenso alle Zusammensetzungen mit =misse-= s. unter mis-.

=misse-bôk,= Messbuch.

=mis-seken,= s. missaken.

=missen,= sw. v. 1. fehlen, verfehlen (mit Gen.). 2. vermissen, entbehren, nicht haben. 3. fehlen, sündigen.

=misse-want= und =-(ge)wêde,= Messgewand.

=mis-sichtich,= schlecht sehend.

=missinge,= das Missen, Verlust.

=missinges-sleger,= Beckenschläger, Messingwerker.

=missink,= m. Messing. Adj. *missinges(ch)* und missingen.

=mis-sitten,= (mis-sitzen) übel anstehen, nicht ziemen.

=mis-, misse-spreken, mispreken,= _schlecht, fehlerhaft sprechen (sich versprechen); übles reden._

=mis-staldich,= meist =mistaldich= u. =mistalt,= _misgestaltet, hässlich. Subst. *mistaldicheit,* Misgestaltheit, Hässlichkeit._

=mis-stân, mistân,= Unziemlichkeit, Schande.

=mis-st-, mistandicheit,= Unziemlichkeit, Hässlichkeit.

=mis-, misse-stant (â?),= übler Zustand, Übelstand.

=mis-sunicheit,= übles Aussehen.

=mis-tarden= = mistreden.

=miste,= f. Düngergrube.

=mistel,= filipendula.

=mis-temen,= nicht ziemen.

=misten= = missen.

=mistich,= nebelicht (*mist,* Nebel).

=mis-treden,= fehl treten.

=mis-, misse-trôst,= _m. das Aufgeben der Hoffnung, die Verzweiflung._

=mis-, misse-trôsten,= 1. trans. schlechte Hoffnung geben; in Verzweiflung bringen. 2. intrans. wenig Vertrauen haben, verzweifeln.

=mis-trôster,= der in Verzweiflung ist.

=mis-, misse-trôstich,= verzweifelnd.

=mis-trôsticheit,= Verzweiflung.

=mis-trôstliken,= adv. in Verzweiflung.

=mis-truwe= und =-truwinge,= Mistrauen, Unglauben.

=mis-, misse-truwen,= mistrauen.

=mis-truwich,= dem zu mistrauen ist, suspectus.

=mis-val,= Unglücksfall.

=mis-, misse-vallen,= 1. fehl schlagen. 2. nicht gefallen.

=mis-vallich,= einer der e. *misval* hat; der einen Fehler begeht.

=(mis-) misse-vanges,= adv. irrtümlich.

=mis-var,= misfarbig, entfärbt.

=mis-vare,= übles Benehmen, Verfahren.

=mis-varen,= einen falschen Weg einschlagen, umkommen, ins Unglück geraten.

=mis-varich,= misfarbig, entfärbt.

=mis-varwe,= f. Misfarbe, Bleichheit.

=mis-, misse-voren,= in übeln Zustand versetzen, mishandeln.

=mis-vrost,= schlechtes Frostwetter, oder Mangel an Frost, Thauwetter.

=mis-, misse-wân,= Argwohn, Eifersucht.

=mis-want, -wêde,= s. misse-want, -wêde.

=mis-warp,= m. Fehlwurf.

=mis-, misse-wende,= f. (falsche Wendung; das Abweichen vom Besseren zum Schlechteren), Makel, Schande, Unheil.

=mit,= präp. mit; bei (z. B. *mit uns,* bei uns); vermittelst, durch. In adv. Wendungen: *mit des,* mittlerweile, unterdes, damit; *mit ên,* gänzlich, völlig; mit eins, zusammen; mit Superl. zur Bildung superl. Adv., z. B. mit dem vlitigesten = diligentissime.

=mit-al(le),= adv. gänzlich.

=mit-balke,= (dithmars.) der Viehstall.

=mit deme,= conj. indem.

=mite,= 1. Milbe. 2. *lentigo,* sog. Mitesser? Gerstenkorn am Auge? 3. eine kleine ndl. Münze. 4. Bezeichnung des Kleinsten, Unbedeutendsten: *nicht ein m.* = gar nicht(s).

=mit-gadelink,= Mitverwandter.

=mit-gaders,= adv. zusammen mit.

=mit-gewante,= (Mitverwandter), Genosse, Freund.

=mit-landesvrouwe,= Landsmännin.

=mitlick?= lies unlitlick = unlidelik?

=mit-morgen,= Mitte oder Hälfte des Morgens.

=mit-nacht,= s. middernacht.

=mit-sament,= mit.

=mitse,= kleine Mücke, Gnitte?

=mit-sommer= = middensomer.

=mit-vasten,= s. middevasten.

=mit-wech,= s. middewech.

=mit-weke,= s. middeweke.

=modder,= m. Moder, Schlamm.

=modder= = medder. =modderken,= neptis.

=mod(d)ich,= sumpfigt; voll Schlamm.

=mode,= _f. Schlamm (z. B. in Gräben). *modekiste,* Schlammkiste._

=mode,= müde.

=modele,= ein kleines Mass (aus lat. modulus?)

=moden,= sw. v. müde werden.

=moden, muden,= sw. v. 1. zumuten, begehren, verlangen, haben wollen, muten. 2. vermuten. 3. ermutigen. 4. *superbire,* stolz, mutig sein und sich gebärden.

=moder,= f. 1. Mutter. 2. Gebärmutter, *matrix.* 3. (auch sw. flect.) Mutterpferd, Stute.

=moder, moer,= Weinhefe.

=moder-half,= van m., mütterlicherseits.

=moderik,= ein Füllen, das noch saugt? *(moderlose,* ein Füllen, das nicht mehr saugt?)

=moder-kint,= Mutter-, Menschenkind; so mennich man unde m.

=moderlik,= mütterlich.

=moderlôs,= ein kleiner Fisch, *cyprinus aphya* (Spierling).

=moder- (môr-)pert,= Mutterpferd, Stute.

=moder-slachtich,= adj. Muttermörder.

=moder-sone,= Muttersohn, d. i. unehelicher Sohn.

=moder-stille,= ganz still.

=moder-tale,= Muttersprache.

=modich,= mutig; übermütig, lebenslustig.

=modicheit,= Müdigkeit.

=modicheit,= Mut, Kühnheit.

=modigen,= sw. v. übermütig sein, superbire.

=modigen,= sw. v. müde machen, besänftigen?

=modinge,= Mühe, Beschwerde.

=modink,= elender Mensch, Nichtsnutz, nequam.

=moge,= f. Macht, Vermögen.

=moge= = mogich, mogende.

=moge, mogelik,= s. moie, moielik.

=mogede,= f. *= moge,* Macht.

=moge-(môch-)licheit,= Vermögen, Können.

=mogelik,= was geschehen kann oder darf, möglich, erlaubt, billig, passend, gehörig, *aequus.* Adv. mogelike(n).

=mogen,= unr. v. 1. können, die Macht haben, im Stande sein; abs. Kraft haben, stark sein, *valere* (bes. mit *wol); m. over,* überlegen sein, die Herrschaft haben. 2. die Möglichkeit haben, können. 3. die Freiheit, Erlaubnis haben, dürfen. 4. etwas gerne haben (bes. von Speisen, gerne essen).

=mogende,= vermögend, mächtig.

=mogenhaftich,= 1. Stärke habend, kräftig. 2. vermögend, reich.

=mogenhafticheit,= Vermögen.

=mogen(t)heit,= Macht, Vermögen.

=mogich,= mächtig.

=moi(e),= schön, schmuck.

=moie, moige, moge,= Muhme, Mutterschwester; auch andere weibl. Anverwandte.

=moie, moige, moge,= _f. Mühe, Arbeit, Kummer, Verdruss; auch Zwist?_

=moi(e)cheit, mogicheit,= Mühe, Beschwerde, Verdruss, Ärger.

=moie-, mogelicheit,= Mühe, Beschwerde, Last.

=moie-, moige-, mogelik,= Mühe machend, beschwerlich, lästig; adv. moielik(en).

=moien,= sw. v. muhen (von dem Laute der Kühe).

=moien, moigen, mogen, meigen, meien,= sw. v. Mühe machen, quälen, plagen; leid thun, ärgern, verdriessen, betrüben; refl. sich ärgern, grämen, aegre ferre.

=moie-, moige-, moge-, mugnisse,= Qual, Mühe, Widerwärtigkeit.

=moierd,= Stutzer, Zierbengel (der sich *moie,* schön, macht).

=moierdie,= stutzerhaftes Wesen; concr. stutzermässige Dinge.

=moiete, moigete, moite,= f. = moiecheit. Vgl. moite.

=mo(i)gich,= bekümmert, traurig.

=moi(g)inge, moginge,= Belästigung, Beschwerung.

=moisân,= secundae magnitudinis velum ad puppim expansum, Besan.

=moisel,= Mühsal.

=moite,= Aufruhr, Aufstand, aus franz. *meute* mit Anlehnung an moiete.

=moite-maker, moiterie,= s. mut-.

=mojern,= stolzieren?

=mol,= m. Maulwurf.

=mol,= weich, mürbe.

=môl,= Tuch aus Ausschusswolle?

=molde, molle,= f. Mulde, länglich ausgehöhltes, hölzernes Gefäss.

=molden-hauer,= der Mulden »haut«, verfertigt.

=molden-schart,= Mulden-bruchstück, -scherbe?

=molden-vat,= Gefäss in Form einer Mulde.

=molder,= Malter.

=molder-sak,= Sack, der einen Malter fasst?

=mole,= m. Benennung eines gewissen Masses.

=mole, molle,= f. Mühle.

=molen-bedde,= Mühlenbett, gezimmertes Flussbett.

=molen-dôk,= grobe Leinewand? (zu Säcken, Beuteln?) oder gewalktes Tuch?

=molen-helpere,= der in der Mühle hilft, Mühlknappe.

=molen-hêre,= Ratsherr, der die Aufsicht über die Mühlen hat.

=molen-hunt,= molossus.

=molen-isern,= molutrum (molacrum), Mühleisen: Mühlsteinbicke? = molenrine? molenspille?

=molen-knecht,= Mühlknappe, Müllergesell.

=molen-kolk,= der tiefe (trichterförmige) Grund des Mühlenteiches.

=molen-mêre,= Mühlen-märe, Gerede in den Mühlen.

=molen-page,= Mühlenpferd; Esel?

=molen-penninge,= Mahllohn.

=mol(en)-rine,= f. das vierarmige Eisen im oberen Mühlsteine.

=molen-ruchtich,= was in den Mühlen erzählt wird, allgemein bekannt, notorisch.

=molen-rump,= Mühltrichter.

=molen-sak,= Mühlsack.

=molen-schot,= Mühlenwehr.

=molen-slete,= Mühlen-Abnutzung.

=molen-spille,= Mühlenspindel, ein Eisen, welches den oberen Mühlstein in Drehung setzt.

=molen-stên,= Mühlstein.

=mol(en)-touwe,= Mühlengerätschaft.

=molen-vlocken,= Haare, die sich beim Walken ablösen.

=molen-vore,= Fuhre nach der Mühle.

=mol(en)-werk,= Müllerei, Mühlenwesen.

Spotted a typo or a problem in this chapter? Tell us