Mittelniederdeutsches Handwörterbuch (part 3 of 5)
=molie (molge, mulge),= Brotsuppe, eingeweichtes Brot, zusammengerührte Speisen.
=molken,= n. Milch und das aus Milch bereitete.
=molken-dach,= der Tag, an welchem (in den Hospitälern) Milchspeise gegeben wurde.
=molken-spise,= Milchspeise, lacticinium.
=molken-tover,= _Milchzauberer, -behexer; (gew. f. *-toversche*). Auch heisst so: die haarigte braune Raupe, Bärenraupe und der Nachtschmetterling._
=molne,= s. *mole,* Mühle.
=molner, molre, moller,= Müller; bei Bäckern der Geselle, der das Mahlen und Aussieben des Mehls zu besorgen hat.
=molt (malt),= n. ein Kornmass; gew. *1 m.* = 12 Scheffel; doch auch = 6½ Sch. und 4 Sch.
=molt, malt,= n. Malz zum Bierbrauen.
=molten,= sw. v. malzen.
=molt-water,= Malzwasser.
=mol(t)-worm,= Maulwurf.
=momber,= s. muntbor.
=mome= u. =mone (moine, mune),= f. Muhme, Mutter- oder Vatersschwester; Mutter (bes. in kosender Sprache); jedes weibliche Wesen (bes. Anverwandte).
=mome, mone,= Name eines Fisches, mullus.
=momen-kint,= Muttersöhnchen, Zärtling.
=monde-werk= = mandewerk, eine gemeinschaftliche Arbeit.
=mone,= s. mome.
=monigen,= sw. v. die Communion, das h. Abendmahl geben oder geniessen.
=monkech,= mönchisch; klösterlich.
=monn(e)ke= (Pl.), =moenken= (Pl.), =monneke-stucke,= eine Münze im Werte von 8 Schilling lübisch, seit 1528 von 6 Sch.
=mon(ne)ken,= sw. v. mönchen, zum Mönch machen.
=mon(n)ik, mon(n)ek, monk, monnink,= Mönch.
=mon(n)ikerie, monkerie,= das Mönchsein.
=monnik-suster,= Nonne?
=môr= = moder.
=môr,= m. und n. Moor, Sumpf.
=moras,= Morast; adj. morastich.
=môr-bere,= Maulbeere; *môrberen-, môr-bôm,* Maulbeerbaum.
=mor-brôt,= (mürbes Brod), e. Art Kuchen.
=mordât= (= mord-dât), Mord.
=mordechlik,= mörderisch.
=morden,= sw. v. morden; auch: schlachten.
=mordenêre= und =morder,= Mörder; fem. mordersche, morderinne.
=morderie,= Mord.
=morder(i)sch= und =morderlik,= mörderisch.
=morder-wîs,= auf mörderische Weise.
=mordinge,= Mord.
=mordowe,= Art Pelzwerk (Marderfelle?)
=mor(e), morwe,= mürbe.
=more,= Möhre (Wurzel).
=moren= = murren, murmeln.
=morêne, morêneken,= Muräne, Lamprete.
=morge-lank (-link, morgentlank),= adv. am heutigen Morgen.
=morgen,= m. Morgen, die Frühzeit des Tages; *(des) morgens, en morgen,* morgens.
=morgen,= morgen; *moren mor(g)en,* morgen früh.
=morgen,= Ackermass (40 Ruten lang, 10 R. breit; doch auch anders gemessen).
=morgen-brôt,= Frühstück.
=morgen-dach,= der morgende Tag.
=morgen-etent,= n. Frühstück.
=morgen-gave,= Morgengabe (Gabe des Mannes an die Frau am Morgen nach der Hochzeit).
=morgen-korn,= Getreide-Abgabe (je nach Morgen Ackers berechnet?)
=morgen-rôt,= m. Morgenrot.
=morgen-sprake,= eine Besprechung, Zusammenkunft (urspr. des Morgens) der Innungen, im Beisein eines Ratmannes, *morgensprakeshêre* genannt; *de m. hegen, holden;* der daselbst gefasste Beschluss.
=morgen-sterre, -stern(e),= 1. Morgenstern. 2. Stück der Befestigung (nach der Ähnlichkeit mit dem Streitkolben »Morgenstern« benannt?)
=moriân,= Mohr (selten bloss *môr*).
=morie= und =moringe,= Moor, Torfland.
=morinne,= Mohrin.
=morisch bant= (lies *bunt?*), maurischer Bund, d. i. Turban.
=moritur,= ein Kleiderstoff.
=morke,= Morchel, boletus.
=morken,= sw. v. zerdrücken, quassare.
=môrken,= eine kleine (kölnische) Münze; *môrkenswegge,* Wecke vom Wert eines m.
=môr-man,= Mohr; fem. *môr-mannesche* und môr-wîf.
=mormelîn, mormelen,= von Marmor.
=mormer-, marmel-, merbel-, mormeren-, mormelen-stên,= Marmor.
=morne= (aus *morgene*), morgen, cras.
=morsêl,= n. Stück, Bissen, *morsellum.* Dim. morsêleken.
=morselle, marcelle,= Morselle, mlat. morsellus.
=môr-spete,= Stelle, wo man das Moor »spittet«, Torf gräbt.
=mort,= m., auch f. Mord, Ermordung; personificiert Tod (oder Teufel?).
=mort-bernen (-barnen),= unr. v. mordbrennen.
=mort-berner (-barner),= und =-berne?,= Mordbrenner.
=mort-brant,= Mordbrand, Brandstiftung aus mörderischer Absicht.
=mort-dât,= Mordthat.
=mort-distel,= Krausdistel, eryngium.
=morte,= die kleinste Art des grünen Schellfisches, norweg. mort.
=morter,= Mörtel.
=mortêr,= auch =morter (mottêr? morten?),= _m. Mörser, 1. Gefäss zum Zerstossen. 2. Feuergeschütz, Wurfgeschütz._
=mortêren? morteren?= zerstossen, calculare.
=mort-girich,= mordlustig. Subst. mortgiricheit.
=mort-hûs,= Mörderhaus.
=mort-kolve,= Mordkeule.
=mort-kule,= Mördergrube; Raubnest.
=mortlicheit,= Mordlust.
=mortlik,= mörderisch, tötlich; adv. mortliken.
=mort-quellinge,= Tötung.
=mort-slach,= Mord, Totschlag.
=mort-wapen,= Mordwaffe.
=morwe,= s. more.
=morwen,= sw. v. mürbe machen.
=mor-wortel,= gelbe Wurzel, Möhre, morolla.
=mos,= n. Moos.
=môs,= n. Kohl, Gemüse; breiartige Speise; *dat môs is vergoten,* das Mus ist ausgegossen, die Sache ist zu Ende, die Mühe ist vergeblich.
=môs-blat,= Kohlblatt.
=môs-, mûs-dêl,= m. und f. Musteil, d. i. die zur Erbteilung kommende Hinterlassenschaft an Speise, deren Hälfte der Frau zufällt.
=moseke,= Waldmeister, herba matrisylvae.
=moseken= _(Dim. zu *môs*), Brei; bes. Mehlbrei; Papp (für Kinder)._
=mosen,= sw. v. Gemüse holen, bildl. raffen; refl. *sik m.,* Mus werden.
=moser, moyser,= m. Mörser, = *mortêr* und morter.
=moser-kule, moser-stemper,= Mörserstössel.
=mose-, môs-werk,= Gemüse, sowol roh als zu Brei gekocht, pulmentum.
=môs-hûs,= Speisehaus, -saal, coenaculum.
=môs-korf,= Gemüsekorb.
=mos-kule,= hölzerner, runder Schlegel zum Dichten oder Kalfatern der Schiffe. Vgl. mus.
=môs-schottel,= Gemüseschüssel.
=mosselken,= feine, flockige Haare.
=mossich, mussich,= müssig; mit. Gen. frei, los von etwas. Ein seltenes, spätes, entlehntes Wort.
=most,= s. must.
=mostart, mustert,= Mostrich, Senf.
=môt (moit, mout, mût),= m. (selten f.) 1. das Denken, Sinnen. 2. Gemütszustand, Stimmung, Gesinnung (näher bezeichnet durch Adv. oder Adj.) *ovel m.,* Widerwillen, Widerspruch; *to mode werden,* beabsichtigen; *bi mode bliven,* in guter Stimmung bleiben. 3. Zutrauen, Hoffnung; Entschlossenheit, kriegerischer Mut.
=môt-bersten,= heftig nach etwas verlangen; sich abmühen.
=mote, mute,= f. zufällige Begegnung; vorbedeutsamer Angang; absichtliche, entw. freundliche Zusammenkunft oder feindliches Zusammentreffen; die jährliche Versamlung der hansischen Vögte und der dänischen Beamten zu Falsterbo zur Beschwörung des Marktfriedens und der vom dänischen König für die schonische Fischerei gegebenen Verordnung *(mote-, môt-bôk): de mote holden, sweren. -- to mote, in* oder *an de m.,* entgegen.
=mote,= f. Musse, Frist, Verzug.
=môt(e)-bôk,= s. mote.
=moten,= sw. v. mit Dat. 1. zufällig begegnen. 2. entgegen gehen. 3. hemmend entgegentreten, abwehren.
=moten,= unr. v. 1. die Freiheit haben, dürfen (bes. in negativen Wendungen; in posit. Sätzen wird sehr häufig *wol* hinzugefügt). 2. müssen. 3. Umschreibung des Futurs.
=môt-heit,= Herzhaftigkeit.
=motich,= geneigt, willig.
=môt-kore,= freier Wille oder Entschluss.
=môt-sone,= Versöhnung, Vergleich aus freiem Willen.
=môt-sonen,= freiwillig sich vergleichen, aussöhnen.
=mott(er)ling,= Schwamm, boletus.
=môt-wille,= freier Wille, Belieben; *mit m.,* freiwillig, aus eigenem Entschluss.
=môt-willich,= freiwillig; eigenwillig (Rücksicht nicht achtend).
=môt-willinges, -willens,= adv. mit freiem Willen, aus eignem Antriebe.
=mouwe (mowe, mawe),= f. Ermel, bes. der weite Ermel; *up der mouwen klouwen,* auf dem Ermel krauen = schmeicheln; *up der m. binden,* Lügen aufheften.
=(mouwen?) mauwen,= sw. v. miauen.
=mouwen-slot,= Ermelschloss, Armspange.
=mouwen-span= u. =-spange,= Ermelspange, Armband.
=mouwen-vel,= Pelzwerk zu Ermeln.
=mucke= (nur so im Plur.), Anfall von übler Laune, böse Grille, Heimtücke.
=mucken,= sw. v. muckisch sein, den Mund kaum aufthun und halblaut murren.
=mucken,= getrocknete (grössere) Rasen, Plaggen, zum Brennen.
=mudde,= f. Sau, Mutterschwein (= mutte).
=mudde,= n. Mutte, ein Frucht- und Salzmass (Scheffel).
=mudde,= dicker Schlamm (in Gräben).
=mudder,= Messer, mensurator.
=mud(d)eren,= sw. v. *muddich* werden.
=muddich,= schlammicht, trübe; schimmelicht.
=mude,= sw. f. (Münde) eine Art Wasserwerk, (Schiffs)schleuse; in Ortsnamen Mündung eines Flusses.
=mudeke,= Aufbewahrungsort für Obst, pomarium.
=muden,= sw. v. begehren, = moden.
=mudich= = modich; auch = *mode,* müde?
=muffe,= ein kleines Gebäck.
=mugge,= f. Mücke; *nicht ene m.* = gar nicht(s).
=muite-maker,= s. mutemaker.
=muke,= Halm; zum Loosziehen gebraucht, daher = Loos; *de muken tên,* die Halme ziehen, d. i. loosen.
=muke,= Mauke, Fusskrankheit der Pferde.
=muken,= die Mauke haben.
=mul,= n. Staub.
=mul, mol,= m. Maulwurf; Eidechse (Molch).
=mûl,= m., =mule,= sw. m. u. f. Maultier.
=mûl,= n., und =mule,= f. Maul.
=mulen,= maulen, zürnen.
=mulen-stoter,= 1. ein kirchliches Gerät: Reliquienkasten? 2. Landstreicher, der gegen religiöse Leistungen Almosen erbettelt? ndl. muilstoter.
=mûl-holt,= Maulholz, Bremse.
=mulich,= maulend, unzufrieden.
=mulinne,= Mauleselin.
=mûl-pôk,= Mauldolch, d. i. Lästerzunge.
=mulster= = munster, Muster; *mulstern = munstern,* mustern.
=multede= = meltede, ein Gebräude Getreides.
=multen,= sw. v. malzen.
=multer,= n. die Abgabe für das Mahlen des Getreides.
=multere,= Malzbereiter.
=mult-worm,= Maulwurf.
=mûl-voder,= Maulfutter, Fourage.
=mumber,= s. muntbor.
=mumme,= sw. f. Mumme, ein Braunschweiger Bier.
=(mumme),= Larve.
=mummelen,= sw. v. (leise die Lippen bewegen), in den Bart brummen, heimlich reden.
=mummelken-wortel,= radix nympheae albae et luteae.
=mummen,= ein Spiel: verlarven, vermummen?
=mummen-kanze (-scanze),= Maskerade.
=mummer,= vermummt, larvatus.
=mum- (mim-)mink,= Name eines Schwertes.
=munde,= Mündung eines Flusses, oft in Ortsnamen, = mude.
=mundeke, -kîn,= oscillum.
=mundele,= unter der *munt* eines andern stehend, Mündel.
=mundelinge,= Vormundschaft?
=munde-lôs,= ohne Schutz (munt).
=munderk,= Mündrich: (in Reval) Bootführer.
=munde-selich,= mundselig, d. h. Leckerhaftes geniessend?
=mundes-man,= Fürsprecher, Sachwalt.
=mundich,= 1. mündig; vernünftig, bei Verstand. 2. bevollmächtigt.
=mundichlike (?),= verständig.
=munisse= = moienisse, Mühe.
=munkelen,= sw. v. (urspr. dunkel, trübe sein), heimlich im Gange sein oder besprochen werden; trans. in Heimlichkeit thun oder sprechen.
=munster,= n. Münster.
=munster,= _n. Muster; Schnitt und Farbe, der Kleidung; Zierrat (z. B. am Geschirr der Frachtpferde)._
=munsteren,= _sw. v. mustern, untersuchen (bes. geworbene Soldaten)._
=munster-hêre,= der die Musterung abnimmt = oberster Führer.
=munsteringe,= Musterung.
=munster-platz,= Musterungs-, Werbeplatz.
=munt,= m. und f. 1. Mund; *bi, mit munde,* mündlich. 2. mundähnliche Öffnung.
=munt,= f. ein fünf Tonnen enthaltendes Mass für Kalk; auch ein Mass für Hopfen?
=munt-ape,= Maulaffe.
=munt-bor,= w. (Schutzbringer), Vormund, Vogt; später verändert in: mum-bar, -her, -bert, -bern, -mer, -merde, mommerde, mun-, member.
=munt-bor- (mumber)schap,= Vormundschaft.
=munt- (mont-)dage,= Mündigkeit.
=munte, monte,= f. 1. Münze, das Recht Münzen zu schlagen. 2. Ort, wo man Münzen schlägt, ausgibt oder wechselt. 3. Gepräge. 4. coll., gemünztes Geld; Kleingeld; das einzelne Münzstück.
=munte-gank,= Curs der Münze, Währung.
=muntei= = muntie. Verlesen?
=munt(e)-mêster,= Münzmeister, der vom Staate bestellte Münzpräger und Aufseher.
=munten,= sw. v. münzen.
=munte-pennink,= ausgemünzter Pfennig.
=munter,= Münzer, der das Recht hat zu münzen oder von der Obrigkeit dazu bestellt ist (Münzmeister); jeder Geldwechsler oder Geldhändler.
=munterie,= (Münzerei), Münzbezirk? Münzstätte?
=munte-sate,= Münzsatzung.
=munte-stock,= Münzstock.
=munti(g)e,= f. Münzgerechtigkeit; Münzstätte.
=munt-isern,= Münzeisen, Prägestempel.
=munt-koste,= Lebensunterhalt, Nahrung.
=munt-ledder,= Mundleder, d. i. Maulwerk.
=muntlik,= mündlich; adv. muntliken.
=muntlik= = mundich.
=munt-mâl,= n. Münzstempel.
=munt-pennink,= _die Abgabe der »Mundleute«, die unter dem *mundium* eines anderen stehen, Schutzgeld._
=munt-rôf,= Mundraub, d. i. was man zum Essen anderen entwendet.
=munt-schap,= 1. Vormundschaft. 2. Mündigkeit.
=munt-slach,= Schlag auf oder an den Mund.
=munt-smede,= Münzschmiede.
=munt-sone (?)= = môtsone.
=munt-sperringe,= Mundaufsperren, Gestus der Verwunderung.
=munt-vul,= buccella.
=munt-werken,= das Mundwerk in Thätigkeit setzen, plappern.
=mûr-ampt,= Maurergewerk, Zunft der Maurer.
=mûr-bere= = môrbere.
=mure,= f. Mauer.
=muren,= mauern; bauen; jem. einmauern.
=muren-breker,= Mauerbrecher, eine Art Geschütz.
=muren-torn,= Mauerturm.
=murer,= Maurer.
=mûr-hêre,= Mauerherr, Baumeister (ein Ratsamt).
=muringe= = moringe, Moor.
=mûr-kelle,= trulla, Maurerkelle.
=mûr-knecht,= Maurergeselle.
=mûr-latte,= Latte, welche auf der Mauer und unter den Balkenköpfen liegt.
=mûr-man,= Maurer. Pl. mûrlude.
=murmelmei, murlemei,= m. Lerm, Aufruhr, Auflauf.
=murmel, murmer,= Gemurmel, Lerm, Aufruhr.
=murmen,= sw. v. murren.
=mûr-mêster,= Mauermeister.
=murmuracie= = murmuringe.
=murmuren, murmeren, murmelen,= sw. v. murren.
=murmur-, murmeringe, murmelinge,= Murren.
=murraftich,= mürrisch.
=murren,= sw. v. summen, brummen; murren.
=mur(r)esch,= mürrisch, murrend.
=murringe,= Gemurre.
=mûr-stên,= Ziegelstein; der Sing. auch collectiv.
=mûr-stôl,= Bretterkasten, in welchem der Maurer zur Arbeit hinaufgewunden wird, wo Gerüste nicht anwendbar sind.
=mûr-vast,= mauerfest; von Hausgeräten: festgemauert (weder lose, noch blos nagelfest).
=mûr-water,= Saft der Pflanze *mûr, alsine, anagallis;* oder *= môrwater,* Moorwasser?
=mûr-werk,= 1. Mauerwerk. 2. = mûrampt.
=mus, musz;= _kommt neben Pech u. Teer in Ausgaben für Schiffe vor: *= mos,* Moos? Vgl._ moskule.
=mûs,= f. 1. Maus. 2. auch *museken,* Daumballen.
=musc(h)ate,= Muscatnuss; *m.n-blome, marcia* (Macis); *olij van m.n,* Muscatnussöl.
=musche,= f. Sperling.
=musche,= s. mutze.
=muschele, muskele,= _Muschel. (Redent. Spiel Z. 1875 lies *musehol*). *-- muschelkalk,* s._ musselkalk.
=muse-biter,= Mäusebeisser, d. i. die Katze; auch: *m. vel mercatte (?), larus* (sonst: muser).
=mûs(e)-hol,= n. Mauseloch.
=muse-hor,= n. Mäusedreck.
=museke,= millelotum.
=museke,= Musik; Plur. Noten.
=museke(n),= n. Mäuschen, der Fleischballen des Daumes.
=museken-hêre= = musemêster.
=museken-ôr,= Mäuschenohr, myosotis.
=mus(e)-knipe,= Mausefalle.
=muse-kotel,= Mäusedreck.
=muse-mêster,= Aufseher des Zeughauses.
=musen,= sw. v. mausen, auf die Mäusejagd ausgehen, *catillare;* fig. stehlen.
=muser,= Falke, der von Mäusefang lebt, murius, larus.
=muserie,= f. Zeughaus.
=mûs-here,= Verheerung durch Mäuse, Mäusefrass.
=mûs-hunt,= Katze; bes. der Kater?
=mûs-iseren,= eiserne Bekleidung der Armgelenke.
=muskele,= concha, testudo, musculus.
=mussaline= (zum Trinken)?
=musse,= s. mutze.
=mussel,= Muschel.
=mussel-, muschel(en)-, mutzel-kalk,= Muschelkalk.
=must, most,= Most; Obstwein.
=musterdevilligesch, musterdefili(g)e, mustervilliges,= ein blauer Kleiderstoff.
=mustracht?=
=mut(e),= f. das Mausern; die Häutung der Krebse.
=mute,= s. *mote,* Begegnung; Musse.
=mute-, muite-, moi(e)te-maker, -meker,= Unruhestifter, Aufrührer.
=muten,= sw. v. mausern, von Vögeln.
=muten,= sw. v. das Gesicht waschen.
=muten= = vorwandelen, mutare.
=mutenêren,= sw. v. meutern.
=muter,= eine (kleine) Münze.
=muterie, moiterie,= Meuterei, Aufruhr.
=mutte,= f. Sau.
=mutte,= f. Motte, tinea.
=mutze, musse, musche,= _f. eig. *almucium,* die Chorkappe, -kapuze eines (Ordens-) Geistlichen; Kopfbedeckung; als Frauentracht: Haube._
=mutzen,= sw. v. putzen, zieren; herausstreichen. Spätes hd. Wort st. mutten, muten.
=mutzen,= sw. v. abschneiden, stutzen? (Ital. *mozzare*).
N
=na= (selten =nage),= adv., im Compar. und Superl. auch adj.; C. *nager, nâ(e)r, nêger, neiger;* S. *nagest, nâ(e)st, nêgest, neigest, neist, nêst;* (reg. d. Dat.) nahe. 1. räumlich; verstärkt *vil, vul na; nabi,* nahebei. 2. v. Verwandtschaft, Rang, Rechten; *nêger sîn,* das Vorzugsrecht haben, vgl. *kôp;* Sup. Nächste, Mitmensch. 3. vom Preise, m. Comp. u. Sup.: wolfeil. 4. *na,* bes. *to na,* zum Nachteil, schädlich, zuwider; (auch compar.) *na gân,* bekümmern; *êneme na wesen,* jem. belangen, ansprechen; *it êneme so na bringen, leggen dat,* jem. dazu drängen, nötigen dass. 5. zeitlich: nachher, später; hinfort; *vore unde na, na alse voren;* Sup. nächstfolgend oder nächstvorhergehend; *nêgermâls, nêgest,* das nächste oder d. vorige Mal. 6. beinahe, fast, ungefähr; auch d. Compar. in dieser Bedtg.; verstärkt vil, vul na.
=na= (seltener =nâch),= Präp. m. Dativ, nach. 1. räumlich: Richtung und Ziel bezeichnend. 2. von der Richtung der Sinne, des Willens u. Gemüts: *stân, wesen na,* trachten nach, ausgehen auf; *horen na,* hören auf. 3. von räumlicher Folge: hinter; *na ên ander.* 4. von zeitlicher Folge: nach. 5. modal (in späterer Zeit auch dem Casus nachgestellt): gemäss, zufolge; hinsichtlich; auf Grund, nach Massgabe von.
=na-beden,= nachbeten.
=na-benômde,= de, der unten genannte, unterzeichnete.
=naber= (verk. aus *na-bûr*), m. Nachbar; Fem., nabersche.
=naberlik,= nachbarlich, nachbar-freundlich.
=naberschop,= Nachbarschaft.
=na-besitter,= nachheriger Besitzer.
=na-beslagen,= geizig, habsüchtig, eigennützig.
=na-bliven,= 1. ausbleiben. 2. unterbleiben. 3. übrig bleiben.
=na-boninge,= s. Ndd. Jahrb. V, 116.
=na-boren,= 1. nahgeboren, verwandt. 2. nach-, später geboren.
=na-bringen,= erweisen, darthun.
=na-bûr, na-buwer,= Nachbar. *nabûrschop,* Nachbarschaft.
=nach,= s. noch.
=nâch,= auch =nach?= (auch in Zusammensetzungen), s. na.
=nachgaef,= eine geringere Sorte Hering.
=nacht,= f. und m. Nacht; *vêrtein nacht,* vierzehn Tage, bes. als Gerichtsfrist; *nachtes, by nachtes,* nachts; *gude nacht!* lebewol!
=nacht-berner,= der bei Nacht Brand stiftet.
=nacht-bliven,= übernachten.
=nachte-gal, -gal(l)e,= f. Nachtigal.
=nachte(m)mal(e)= = nadememale.
=nachtes-gewîs,= nächtlicherweise, zur Nachtzeit.
=nacht-gammel= herink, eine geringere Art Hering; dän. natgammel?
=nacht-genger,= 1. ein Verdächtiger, der sich nachts wobei betreffen lässt. 2. Nachtwächter.
=nacht-hûs, -huseken,= das Gehäuse, in dem der Compass steht.
=nach-tît= = nachttît.
=nacht-lecht,= Licht, das in der Nacht brennt.
=nachtlik,= nächtlich; adv. nachts.
=nacht-loper,= Nachtschwärmer.
=nacht-mâr,= der Alp, der des Nachts die Menschen reitet.
=nacht-puchen,= nächtlicher Weile plündern. Subst. nachtpucher.
=nacht-rave(n),= Nachtrabe.
=nacht- (nach-, nas-)sank,= Nachtgesang, *nocticinium;* die letzte kanonische Hore des Tages, sonst auch *complête* genannt. nachtsank-, nachtsangestît.
=nachtschade(n), -schede(n),= Nachtschatten.
=nachtslapende:= bi nachtslapender dêt (Volk), *tît* (Zeit), zur Nachtzeit.
=nacht-stên,= Nachtlampe.
=nacht-stucke= = nachtsank.
=nacht-tît,= Nachtzeit.
=nacht-voderinge,= Nachtfütterung.
=nacht-vink (?), -vunkel,= der (in der Nacht leuchtende) Johanniswurm.
=nacht-wacht,= Nachtwache, excubiae.
=nacht-warde,= m. Nachtwächter; f. Nachtwache.
=nacht-werk,= Nachtarbeit.
=nacie,= f. Nation; Corporation, bes. kaufmännische.
=nackal?= (ein halve last nackales).
=nacke,= sw. m. Nacken; Nackenfell.
=nacken-stucke,= Teil der bischöflichen Tracht? des Messgewandes?
=na-dach,= 1. der nächste, folgende Tag; *des nadages,* am f. T.; *nadages, in nadagen,* in späteren Zeiten. 2. = nalach.
=na-dedinge= = naklage.
=na-dêl,= Nachteil; *nadêlich,* nachteilig.
=na-deme,= n. dat, na-dem(e)-male, n. dat, nachdem, da, weil, in Anbetracht dass.
=na-dens(t)= = nades, später, nachher.
=nader,= f. Natter (gew. *adder*).
=naderen,= sik, sw. v. refl. sich nähern.
=nader-wort,= serpentina; dracontea colubrina.
=na-des,= hernach, später; *n. dat,* nachdem, da.
=na-dôn,= 1. nachthun, nachmachen. 2. *nahdon vor schaden,* vergüten, Ersatz leisten (l. *nôchdôn?*)
=na-dragen,= nachtragen; bildl. (widerfahrenes Unrecht, Beleidigung) im Gedächtnis behalten, um sich gelegentlich zu rächen.
=na-draven,= nachtraben, -reiten.
=na-dreger,= Nachträger d. i. Diener.
=na-driven,= nachtreiben, nachhelfen.
=na-erve,= Nacherbe, Erbeserbe.
=na-gân,= nachgehen, folgen; nachstellen; im gerichtl. Sinn: verfolgen; (einem Versprechen, Contracte) nachkommen; *êner sêle êne reise nagân laten,* für das Seelenheil eines Toten eine Pilgerfahrt veranstalten.
=nage,= s. na.
=na-geboren,= s. naboren.
=na-gebûr= = naber.
=na-gedelink,= naher Verwandter.
=nagel,= m., Pl. *nagele, negele,* Nagel; *clavus* und unguis.
=nagelen,= sw. v. nageln, clavare.
=nagel-grûs,= Grus von *negelken* (Gewürznelken).
=nagel-isern,= Nageleisen, Schmiedestock, pistillus.
=nagel-lôs,= nagellos. Ggs. nagelvast.
=nagel-mâch (-mage),= 1. Verwandter im siebenten (letzten) Grade. 2. Verwandter von der Mutterseite.
=nagel-vast,= nagelfest.
=nagen,= sik, sw. v. sich nähern.
=nager,= Comp. zu *na,* nahe; auch Pos.
=na-gerad(e),= nach der Reihe, nach einander, allmählich. Vgl. narade, overrat.
=na-geven,= vergeben, erlassen; (der Bitte) nachgeben, erlauben.
=na-gift,= f. 1. Nachgabe, nachgefügtes Geschenk. 2. Nachtisch.
=na-gras,= Gras, welches nach der Heuernte wächst.
=na-halen,= nachholen, nachträglich thun; den erlittenen Schaden sich ersetzen lassen, recuperare.
=nahe= und =naheit,= f. Nähe.
=na-hen,= nachher.
=na-jacht,= f. Verfolgung des Feindes, Verbrechers etc.
=na-jagen,= (ver)folgen.
=na-jâr,= Nachjahr, die zweite Hälfte des Jahres; das folgende Jahr, spec. das, in welchem nach dem Tode jemandes den Erben Pfründen, Gehalt etc. noch fortbezahlt wurden.
=na-jeger,= Verfolger.
=na-jûchen,= hinter jem. her jauchzen.
=nakare,= ein musikal. Instrument, tamburinähnliche Pauke der Türken.
=nakebûr= = nabûr, naber.
=nakedicheit,= Nacktheit.
=nakedôm,= m.? n.? Nacktheit.
=naken, neken,= sw. v. (mit und ohne *sik*), nahen, sich nähern.
=naket, nakent, nakendich,= nackt, ohne Kleidung; unbewaffnet; armselig; *naket-schulderich,* mit nackten Schultern.
=na-klage,= Nachklage, entgeg. der *vorklage;* eine nach abgemachter Sache angestellte neue Klage.
=na-klaginge= = naklage.
=na-klap,= Nachklapp, Schlag hinterher, *consequentia sinistra;* Nachschuss (an Geld).
=na-klappen,= nachklappen, hinterherfolgen; verleumden.
=na-klapper, -kleffer,= Nachkläffer, Verleumder.
=na-komelink,= m. Nachkomme; Rechts- oder Amtsnachfolger, successor.
=na-komen,= 1. nach-, hinterherkommen, nachfolgen. 2. m. Genet., in (nachweisbare) Erfahrung bringen; *sines geldes, schaden n.,* vollen Ersatz finden, seinem Schaden nachkommen, recuperare.
=na-komer,= (Rechts-) Nachfolger, successor.
=na-kôp,= Näherkauf, *jus retractus,* der gegen Erstattung des Kaufgeldes geschehende Wiederkauf.
=na-koste,= f. Nachfeier der Hochzeit.
=na-kumstich,= nachkommend, später.
=na-kundinge,= Belehrung (durch Nachforschung).
=na-lach,= n. Nachgelage, Nachfeier.
=na-lât,= Nachlass, Hinterlassenschaft.
=na-laten,= 1. hinter-, zurücklassen. 2. unterlassen. 3. verzichten, aufgeben.
=na-latich,= nachlässig; Subst. nalaticheit.
=na-latinge,= Nachlass, *reliquiae;* Unterlassung; Erlassung.
=nâlde= (umges. für *nadele*), f. Nadel.
=na-leckelse,= n. was nachleckt, abträufelt; eine sehr geringe Sorte Bier.
=naleken,= sw. v. nahen.
=nalen,= Nelken, s. negelken.
=nalen, nêlen,= sw. v. intr. u. refl., m. Dat. oder Präpos., nahen, sich nähern, sich zuwenden, *appropinquare;* trans. in jurist. Sinne: etwas an einen bringen, ihm zuwenden, zu eigen machen, (im Testamente) vermachen; refl. m. Genet., Dat. oder Präpos., sich zu eigen machen, sich in den Besitz einer Sache setzen.
=nalinge= und =nalende,= (?) f. Annäherung.
=nam-aftich, -achtich,= benannt, Namen habend; *n. maken,* nennen; ausgezeichnet, oft als Titulatur; bestimt festgesetzt.
=na-mageschop,= nahe Verwandtschaft.
=na-mâls,= später, nachher.
=na-manen,= nachher Klage erheben.
=na-maninge,= Nachforderung, spätere Klage.
=na-mât,= n. der zweite Schnitt des Grases.
=nam(e),= sw. m., auch st. im Acc. *name, naem,* Name; Ansehen. Das W. dient häufig zur Umschreibung, »Person«, z. B. *mannes-, wives-, vrouwesname; mit namen,* mit Angabe des Namens; *bi n.,* namentlich, besonders; (specialisierend) nemlich.
=nâme,= sw. u. seltener st. m. Raub, Beute, das was dem Feinde in der Fehde genommen wird, bes. Vieh.
=nâme,= _st. u. sw. f. 1. Einnahme, Einkünfte; Wegnahme, Beraubung. 2. = *nâme,* m._
=namelike(n)= = nemeliken.
=name-lôs,= namenlos; *de n. vinger* = Goldfinger; *de n. sondach* d. i. Sontag Judica.
=nâmen,= sw. v. rauben, wegnehmen.
=nâmer,= m. der Beute macht, Plünderer.
=namesnicke, namestenicke,= st. m. Statthalter (a. d. Russ.).
=na-middach,= Nachmittag; *namiddages,* am Nachmittag.
=na-middernacht,= die Nachtzeit nach Mitternacht.
=nâminge,= das Beutemachen.
=nam-kundich,= berühmt, namhaft; *n. maken,* nennen.
=na-neve,= naher Verwandter; fem., na-nichte.
=nanne,= m. f. denselben Namen führend, *aequivocus, -a;* Schmeichelwort für Vater oder Mutter; *grote n.,* Grossvater.
=nap,= m., pl. *neppe,* Napf, Schüssel, Becher.
=nap-stên,= leuchtender Stein, an einem Napfe befestigt.
=na-proven,= nachprüfen; ersehen.
=nâr,= 1. Compar. zu *na.* 2. Posit. = *na,* nahe, mit Comp. *naerre, nairre, nârre,* Sup. *narest, nârst;* 3. = *na,* nach.
=na-rade,= successive. Vgl. nagerade, overrat.
=na-radich,= *schlau, entschlossen,* subtilis, pervicax.
=nar-aftich,= narbicht, fleckig, stigmaticus.
=na-ramen,= mutmassen.
=na-rât,= Rat nach der That.
=nardes,= Narde, nardus.
=nare,= selten =narwe,= sw. m. (selten f.) das nachgebliebene sichtbare Zeichen einer Verletzung, einer Wunde, eines Schlages, überh. Fleck, stigma.
=nare, narn?= Schwertangel? vgl. arn.
=nare= = nâr.
=na-rede,= Nachrede, spätere Rede; Epilog; böser Leumund.
=na-reden,= ausplaudern; verleumden.
=na-reder,= Verleumder.
=nargen= = nergen.
=nar-haftich,= närrisch.
=na-richtinge,= Bekundung; Kunde, Nachricht.
=narlik,= nahrhaft, nährend.
=nâr-na,= nachher, später.
=narre,= sw. m. Narr. fem. narrinne.
=narren,= sw. v. närrisch sein, Narrenteidinge treiben.
=narren,= sw. v. = *gnarren,* knurren (vom Hunde).
=narren-de(ge)dinge,= Narrenteiding, nugae.
=narren-kappe,= Narrenkappe.
=narren-werk,= Narrenpossen.
=narrie,= Narrheit.
=narrisch,= närrisch.
=na-ruchte,= n. Nachrede, böses Gerücht.
=na-ruwe,= f. Nachreue.
=narwe,= s. nare.
=na-sage,= f. Nachrede, (böser) Leumund.
=nasch,= n. Behältnis, Schachtel, Dose, bes. um Briefe, Kleinodien etc. hineinzulegen.
=naschen,= sw. v. naschen, *ligurire;* schmarotzen, betteln, mendicare.
=nascher,= Näscher; Schmarotzer, Bettler.
=na-schuldigen,= spätere Klage erheben.
=nase= = nese.
=na-seggen,= melden.
=na-segger,= Bote, der berichtet.
=nasel-wort,= Nieswurz.
=na-sên,= nachschauen.
=naser, neser, eser,= Behältnis, Schachtel für die Speise, *escarius;* überh. Tasche.
=na-settunge,= Nachachtung, Folge.
=na-slotel,= Nachschlüssel.
=na-spôl,= (Nach)spülicht? Spülwasser?
=na-sporen,= nachspüren.
=na-sporinge,= Nachspürung; Beglaubigung.
=na-spreken,= melden, erzählen.
=nast,= Darre.
=nâst (nêgest, nêst),= Superl. zu *nâ;* als Präpos. nächst, in unmittelbarer Nähe bei.
=na-stallich= und =-stellich,= rückständig.
=na-stânde,= rückständig.
=na-standich, -stendich,= rückständig; adv. späterhin.
=na-stant,= m. Rückstand.
=na-stap(p)en,= hinterhergehen.
=na-stigen,= steigend folgen.
=na-striden,= nachschreiten, folgen.
=na-swemmen,= schwimmend folgen.
=nât,= f. Naht, *sutura;* das Nähen.
=nat,= flect. *nates, nattes.* Subst. ntr. nass.
=nât(e)le,= f. Nadel; Obelisk.
=nateler, nêteler,= Nadelmacher.
=nateln-stift,= Stachel der Geissel.
=natel-oge,= Nadelauge oder -öhr.
=nate-lôn,= Nähelohn.
=natel-rême,= Riemen mit Schnalle, Hosenriemen, liga.
=natel-voder,= Nadelfutteral.
=na-tît,= spätere Zeit; *natides, in* oder *to natiden,* später.
=na-toch-vrunde,= die nachziehenden Gefolgsfreunde.
=na-toge,= Nachzug, Nachforderung.
=na-toger,= s. Ndd. Jahrb. 5, 141.
=na-treck,= nachziehendes Gefolge.
=na-trecken,= nachlaufen, folgen.
=na-treden,= nachtreten, verfolgen.
=na-trumpen,= nachtrumpfen.
=natticheit,= Nässe.
=natûr(e),= sw. und st. f. Art, angeborne Beschaffenheit; die sinnlich wahrnehmbare Schöpfung.
=natûrlik,= natürlich; *naturlike wise mans* oder *meisters,* alle, welche (im Ggs. zu den Theologen) sich mit der Erkenntnis der Natur beschäftigen, bes. Physiker, Ärzte, Philosophen etc.; v. Kindern, leiblich (nicht adoptiert); *n. leven, dôt* (Ggs. geistlich, ewig).
=naugank= = vlôtrenne. Aus in ouwe gank?
=nau, naw,= s. nouwe.
=nauke,= adv. beinahe?
=naulix= d. i. *nouwelikes,* mit genauer Not, kaum.
=nave,= f. (u. m.?) Nabe am Wagenrade.
=navel (naffel),= _m. Nabel; *navel-worm,* Wurm, der in dem (kranken) Nabel sitzen soll?_
=navel-holt= = nave.
=na-vindinge,= Untersuchung.
=na-volge,= f. Nachfolge, Verfolgung.
=na-volgen,= nachfolgen.
=na-volger,= Nachfolger, Jünger.
=na-volginge,= Nachfolge; n. Christi.
=na-vrunt,= naher Freund, Verwandter.
=na-waken,= m. Dat. wachend warten auf.
=na-weide,= Nachweide.
=na-wendich,= nahe verwandt.
=na-winter,= Nachwinter.
=na-wîs,= m.? n.? =na-wisinge,= f. Nachweis.
=na-wisen,= Auskunft geben.
=na-wite,= späterer Vorwurf.
=na-wort,= Nachwort, das Reden nach einem andern.
=na-wrake,= Nachrache, spätere Bestrafung.
=ne,= Negations-Affix, z. B. *sone = so en,* und selbständige Negation vor consonantisch anlautenden Verben; in Conditionalsätzen mit Conjunctiv, z. B. *it ne si,* es sei denn.
=nê,= nie.
=nebbe, nibbe,= f. Schnabel.
=nêber= = naber.
=necessarium,= n. Abtritt.
=nechên,= kein.
=nechten,= adv. in vergangener Nacht, gestern Abend.
=nechtigen,= sw. v. Nachtherberge geben.
=necke,= sw. m. = nacke.
=necker,= Wasser-Elf, Nix, neptunius.
=neddeken,= wiehern.
=ned(d)en,= präp. m. Dat., unterhalb.
=nedden(e),= adv. unten, niederwärts.
=nedden-holt,= Unterholz.
=ned(d)er,= _adv. nieder, unten, niederwärts. Comp. *nedderere,* Sup._ nedderst.
=nedder-breken,= nieder-, abbrechen.
=nedder-dalen,= niedersteigen; untergehn (von der Sonne).
=nedder-dôn,= niedrig machen, erniedrigen.
=ned(d)ere,= adj. niedrig, unter; niedrig v. Stande; *de n. hêre,* Unterlehnsherr; *dat n., nedderste gerichte.* Gericht erster Instanz.
=ned(d)eren (neddergen),= sw. v. erniedrigen, schwächen; im Range herabsetzen; refl. niedriger werden.
=nedder-erve,= Descendent.
=nedder-gân,= untergehen (v. d. Sonne).
=nedder-heldich,= abschüssig, *proclivis.* Subst. nedderheldicheit.
=nedder-hemde,= Unterhemd? Schurz?
=nedder-hol,= n. = achterhol.
=nedderich,= niedrig.
=nedderinge,= Erniedrigung.
=nedder-klemmen,= niedersteigen.
=nedder-komen,= hinunter gelangen; landen.
=nedder-klêt,= Bekleidung der unteren Leibesteile, Hose.
=nedder-lage,= _f. 1. Niederlassung, Wohnsitz, Aufenthalt. 2. Warenniederlage, Stapel; Geld für die Erlaubnis zu einer *n.* 3. Niederlage im Kampfe._
=nedder-lant,= Nieder-, Norddeutschland. Adj. nedderlandesch.
=nedder-leger= = nedderlage 1.
=nedder-leggen,= niederlegen; Kaufleute etc. mit ihren Waren von Pferd und Wagen heruntersteigen lassen, um sie zu berauben; eine Niederlage bereiten, besiegen; zu Ende bringen; *êne ansprake, ên recht n.,* eine Forderung, ein Recht verhindern, unwirksam machen; ablegen, unterlassen (eine Untugend).
=nedder-liggen,= unterliegen, eine Niederlage erleiden.
=nedder-lôp,= Abfluss, Lauf eines Flusses.
=nedder-nemen,= abbrechen, abtragen.
=nedder-nigen,= sik, sich vorüberbeugen.
=nedder-schepen,= von der hohen See landwärts schiffen, einsegeln.
=nedder-schêten,= niederfallen, -stürzen.
=nedder-setten,= niedersetzen.
=nedder-sigen,= st. v. und =nedder-sinken,= _st. v. nieder, zu Boden sinken._
=nedder-sitten,= st. v. sich niedersetzen.
=nedder-slach,= das Niederschlagen, zu Boden werfen; Erschlagung; Bussgeld dafür.
=nedder-slân,= trans. niederschlagen, töten; ein Mandat etc. ausser Kraft setzen, widerrufen; intrans. zusammen-, umfallen; refl. sich niederlassen.
=nedder-stigen,= herniedersteigen; im Kurse fallen (vom Gelde).
=nedder-strecken,= zu Boden strecken.
=nedder-strump,= (Fuss-, Bein-) Strumpf.
=nedder-tên,= nieder-, herunterziehen, spec. vom Pferde; besiegen.
=nedder-toch,= das Niederziehen, Besiegung, Unterwerfung.
=nedder-trecken,= niederziehen.
=nedder-val,= Niederfall, was herunterfällt; Niederfall, Sturz zu Boden; Verfall, Rückgang; Erschlagung, Mord? Todesfall?
=nedder-vallen,= niederfallen, -stürzen; niederknien.
=nedder-vellen,= zu Boden schlagen.
=nedder-vellich,= 1. niederfällig, zu Boden sinkend, niederliegend. 2. heruntergehend, sinkend im Preise; heruntergekommen im Wohlstande; *n. werden,* einen Beweis nicht erbringen können, beim Schelten eines Urteils unterliegen; *der sake, des rechtes n. w.,* sachfällig werden, in einer Rechtssache unterliegen; *n. dêlen,* jem. mit einer Klage abweisen, verurteilen; den eingegangenen Verpflichtungen nicht nachkommend, treulos.
=nedder-wart,= nieder-, abwärts.
=nedder-werpen,= st. v. niederwerfen; in den Grund schiessen.
=nêde-isern,= Werkzeug zum Nieten.
=nêden,= sw. v. nieten.
=nêden,= _m. Gen. wagen, sich erkühnen, sich unterziehen, *audere*; unpers. m. Acc. der Pers. u. Gen. der Sache, verdriessen. (mhd._ nieten).
=neden, neder,= s. nedden, nedder.
=nede-yunge?= (zum Meisterstück eines Messerschmieds gehörig). Lies *nêde-tange,* Nietkloben, engl. riveting tongs?
=neffel,= s. nevel; =neffen,= s. neven; =nefnink,= s. nevenink.
=nege?= ein Mass für Holz (eine nege holtes)?
=nêge,= _f. das Neigen, Bücken des Hauptes *(= nêginge);* die Neige, der Rest._
=nêgede (nêchte, nêgete),= f. Nähe.
=negel= = nagel, unguis.
=negelen,= sw. v. nageln, conclavare.
=negelen= = negelken.
=negelken,= Gewürznägelein.
=negên,= pron. kein.
=nêgen,= sik, sich nahen.
=nêgen, neigen,= sw. v. neigen.
=nêgen= = neien.
=negen(e),= neun; *negende, negede,* der neunte; *negenich, novenus, nonus; negenteine,* neunzehn; *negentich,* neunzig; *negentigeste,* neunzigste.
=negenich,= s. negene.
=negênich= = negên.
=negen-kraft, -kracht,= (Neunkraft), eine Pflanze, bardana minor; herba petasitidis; conyza pulicaria; centimorbida.
=negen-menneken,= kleine Münze, sextans, duo chalci.
=negen-oge,= Neunauge, nonoculus, murenula.
=nêger,= s. na.
=negger= = neveger, Bohrer.
=nêginge,= das Neigen, Bücken.
=nehên,= kein.
=nei,= nie.
=neiber= = naber; =neiberlik= = naberlik.
=neie= dialektisch = nie, neu.
=neien (neigen, nêgen, neggen),= sw. v. nähen.
=neiersche,= Näherin.
=neigen= = nihen, nigen, wiehern, hinnire.
=neigen= = nêgen; = neien.
=neiken= = nêken.
=nei-knecht,= Nähklotz, Nähpluck?
=nei-man(t), nei-me(n)t,= niemand.
=nein,= adv. nein; pron. kein.
=neinesch (?),= kein.
=nêinge,= Wiehern.
=neisen,= s. nêsen; =neist,= s. na.
=neisterinne, neistersche,= Näherin.
=neit,= nicht(s).
=nêken, neiken,= sich nähern; auch refl. Im jurist. Sinne *sik n.* m. Gen.: etwas in Anspruch nehmen, ein Näherrecht geltend machen.
=nêkinge,= Näherung, Nähe.
=nêleke(s),= neulich.
=nêlen,= s. nalen.
=nêlken, nêlkest,= s. nîlkest.
=nelle,= Kebsweib, pellex.
=nê-man, -men, -mant, -me(n)t, -mende,= niemand.
=nê-mandes, -mens,= der Gen. v. *nêman* als Nomin. u. Accus. verwandt, wie nichtes, wes.
=nême= = annême, angenehm, lieb.
=nemede (nemende, nēmpte,=) n. ein Eidgericht von zwölf Männern, von dem Kirchspiel, der Bauerschaft, dem Geschlechte, der Kluft etc. (in Ditmarschen) ernannt, zur Eideshülfe und zum Urteil über vorgelegte Beweismittel. Vgl. nempt.
=nemelik,= namentlich benannt, bestimmt; namhaft, bedeutend.
=nem(e)lik(en) (nemelink),= adv. namentlich benannt, mit genauer Angabe; besonders, vor allen; nemlich, bei Erklärungen, Aufzählungen etc.
=nemen,= st. v. 1. nehmen, ergreifen, wählen; nautisch = *prisen.* 2. wegnehmen, holen, rauben; abs. plündern *(n. up ênen).* 3. nehmen, bekommen, empfangen, *vromen, schaden n.; doden n.,* (im Kampfe) Tote verlieren. 4. verstehen. -- *de vlucht n., rât n.* (sich beraten; sich entschliessen) u. andere Obj. -- abs. zur Ehe nehmen. -- *nemen bi sinem êde,* eidlich versichern; *to gude n.,* es gut aufnehmen, *to sik n.,* 1. wahrnehmen; sich merken; 2. Schuld oder Verpflichtung auf sich nehmen, *up sik n.,* im rechtl. Sinne: belastet werden, einer That oder Schuld verdächtig werden, *vor sik n.,* über-, unternehmen.
=nemene= (l. *nemerne?*), rapidus.
=nemer-geselle,= Räuber, Pirat.
=neminge,= das Nehmen, Wahl.
=nemnen, nemmen,= sw. v. nennen.
=nempt,= f. (anord. *nefnd,* f.) ein Harden- (Kreis-) Gericht im Schleswigschen, aus 8, 6 oder 12 *neveningen* oder *nömeden* (anord. *nefndir, nominati*) bestehend. Vgl. nemede, nevenink, nevent.
=nên, nein,= adv. der Verneinung, nein; Subst. ntr.
=nên, nein, nîn,= kein.
=nêne-broder,= Neinsager.
=nêner-, neiner-, nêrrelei(e),= keinerlei; n-wîs = nênewîs.
=nêne-wîs,= auf keine Weise, durchaus nicht.
=nênich,= kein.
=nennen,= sw. v. nennen (selten, fast nur im Prtcp. *genant* üblich).
=nên-seggent,= n. Ableugnung.
=nên-werle= = nuwerle, niemals.
=neppelik= (zu *nip*), adv. genau.
=nêr(e)= = nênere, keiner.
=nêre,= sw. f. Niere.
=neren,= _sw. v. 1. vom Verderben befreien, retten; nähren, *alere.* 2. refl. (mit Gen.) seinen Lebensunterhalt gewinnen._
=nêren= = nêrgene.
=(nêrgene?), nergen(e) (nargene, nergens, -gent, -gende),= nirgends, an keiner Stelle; nirgendhin; (verstärkte Verneinung) durchaus nicht (nichts), gar nicht (nichts); *ner(gen)nein,* durchaus keiner. -- Vielfach mit nachgestellter Präposition: *n. an, n. af, n. to, u. umme* u. a.
=nergenlich, nergennich,= nach keiner Seite hin.
=nerich,= auf seine Nahrung bedacht.
=neringe, nerige, naringe,= Nahrung; Ernährung; Verdienst, Erwerb.
=nering-lôs,= nahrungs-, erwerblos.
=nêr-na= = nârna?
=nêrne, nerne= = nergene.
=nērnst, nērst,= m.; =nerenste,= f. Ernst, Eifer, Fleiss.
=nērnstich, -lik, nērstich, -lik,= ernstlich, eifrig, fleissig.
=nērnsticheit, nērsticheit,= Eifer, Fleiss, Sorgfalt.
=nêrre= = nênere, keiner.
=nes,= Gen. *nesses,* m. (auch n.? ags. *näs,* m.; anord. *nes,* n.) Landzunge, Vorgebirge. Nur noch in Ortsnamen, gewöhnlich im Dativ *nesse,* der dann auch wol als Nomin. gefasst und als Feminin gebraucht wird.
=nesch= = esch, Feld.
=nescher,= Näscher; Schmarotzer.
=nese (nase, nose),= _st. u. sw. f. Nase; Vorgebirge (in Ortsnamen)._
=nese-blôdsel,= Nasenbluten.
=nese-dôk,= Nasen-, Schnupftuch.
=nese-drop,= m. u. =-dropel,= m. Nasentropfen.
=nese-gat,= Nasenloch.
=nese-hol,= Nasenloch.
=nese-kuken,= polipus.
=nesen,= st. v. loskommen von etwas, befreit werden (mit Gen.), von Frauen: niederkommen mit; genesen, gerettet werden.
=nêsen (neisen),= st. v. niesen.
=nesen-krosel,= Nasenknorpel.
=neser= = naser.
=neser-werk,= gearbeitete neser.
=nese-water,= Nasenwasser, Spottname für junge Leute.
=nese-wîs,= naseweis.
=nêse-wort,= Nieswurz.
=neskart,= ein Geschmeide (= eschare?)
=nessiens?= Joh. Veghe 211, 25.
=nēst= (geschr. =neest), nest,= n. Nest der Vögel, Lager wilder und zahmer Quadrupeden u. s. w.; Haus, Heimat; Zusammengebundenes, in einander Geschachteltes? (von Fässern, Kisten etc.; im lat. *colligatio.*)
=nêst,= s. na.
=neste-kuken,= das Junge, das im Neste bleibt.
=nestel,= f. Schnur, schmales Band, oder Riemen, um etwas fest zu binden.
=nestelen,= sw. v. nisten; sich wo festsetzen.
=nesten,= sw. v. ein Nest machen; sich wo niederlassen.
=net,= adv. genau, völlig, gänzlich, bei Angabe von Geldsummen.
=nêt,= m. Geniess, Vorteil, Nutzen.
=nete, nit,= Nisse, Lausei, lens.
=netel,= stössig, vom Vieh.
=netele= = nettele.
=nêtelêre,= Nadelmacher.
=nêten,= st. v. m. Gen., selten m. Acc., geniessen; Genuss, Vorteil von etwas haben, sich bedienen.
=nêten,= sw. v. bedrängen, schädigen, verderben, mhd. neiƷen.
=nêten= Redent. Spiel 1508: falsch übers. aus mhd. *niessen = niesen,* ndd. nêsen?
=nete-schiter,= Pferde-, Hundsfliege, cinifex.
=nêt-hamer,= Niethammer.
=nêtinge,= Genuss.
=nêt-iseren,= _Werkzeug zum Nieten, *connectilium;* als Meisterstück der Gürtler?_
=nette,= f. Nässe, das Nasse; Urin.
=nette,= st. n. Netz.
=nette-bove,= Netzbube, Lotterbube, Landstreicher, Hanswurst, histrio.
=nette-knecht,= Knecht für die Jagdnetze.
=nettele,= f. Nessel, nettel-busch; nettelen-krût.
=nettelen-blat,= Nesselblatt (das holst. Wappen).
=nettelen-kamen,= Nesselkamm, der reife Fruchtstand? Nettekamm, Ackerspergel, spergula arvensis?
=nettel(en)-konink,= Zaunkönig, petriscus, regulus.
=nettelen-krans,= Nesselkranz.
=nettelen-sât,= ardroma; adiantus.
=nettel-kragen,= grosser Kragen von Nesseltuch (feiner Leinewand).
=netten,= sw. v. nässen, nass machen; *n., den tûn n.,* Euphem. für: harnen.
=netse= (fries.), weibliche Kopfbedeckung, Haube.
=neuwer,= d. i. *newer,* weder.
=neve,= m. 1. Neffe, Bruders- od. Schwestersohn. 2. Enkel, Kindeskind. 3. Verwandter überh., in der Höflichkeitsanrede als Schmeichelwort.
=neve,= f. = *nichte,* Nichte.
=neveger (eveger, never),= m. der grosse Bohrer.
=nevel, neffel,= m. Nebel; feine Brodart (Waffeln, Oblaten etc.).
=nevelen,= sw. v. nebeln.
=nevelich,= nebelig.
=neven= = meven, aber, indes.
=neven, nevens(t) (neffen),= adv. u. präp. mit Dat., neben, nebst.
=nevener= = neveger.
=never (?)= = ever, flaches Fahrzeug.
=never= = neveger.
=nevenink, neveng= (schlesw.), Gerichtsgeschworner.
=nevent,= n. das Gericht der *neveninge.* Vgl. nempt.
=neviger= = neveger.
=nê-wan,= nie irgend einmal, niemals.
=ne-ware,= nur (ist eig. nicht mnd., sondern mnld.).
=ne-wed(d)er,= 1. pron. keiner von beiden. 2. adv. weder.
=newedder,= ein Kleiderstoff.
=ne-werlde (-werlt, -werle, -warlde),= adv. niemals.
=ne wult, du,= du willst nicht, Brnsw. Chron. 2, 517, 15.
=ni,= verkürzt aus nicht.
=nî,= nie.
=nibbe= = nebbe, Schnabel.
=nichein,= kein.
=nicht,= subst. ntr., nichts, nicht irgend etwas (daher mit Gen.); *mit nichte, m. alle nicht,* durchaus nicht, *umme n.,* 1. vergeblich. 2. umsonst (vom Preise). 3. aus keiner andern Ursache. -- *to nichte geven,* vernichten; *to nichte werden, komen,* vergehen, umkommen. -- Aus dem Subst. ist das Adv. *nicht* entstanden, mit *en* oder *ne,* später auch ohne diese; verst. nichtnicht.
=nichte, nichteke,= gew. =nichtele,= f. 1. Bruders-, Schwestertochter. 2. Enkelin. 3. Base. 4. überh. weibl. Anverwandte.
=nichtes= (Gen. von *nicht*), adv. 1. in keiner Weise; bes. gern *nichtes nicht,* durchaus nicht(s). 2. dient als Nom. u. Accus. für das allmählich veraltende nicht. nichtesnichtes = nichtesnicht.
=nichtes-, nich(t)-to-min,= adv. nichts desto weniger.
=nichtheit,= f. u. =nicht-wesen,= Nichtsein.
=nicht-wille,= sw. m. das Nichtwollen.
=nicke,= sw. f.? das Nicken, Blinzeln der Augen (als Krankheit).
=nicken,= sw. v. niederbewegen; bes. von den Augen, blinzeln, winken, connivere.
=nide-, nîtliken,= adv. (voll Hass) grimmig, heftig, sehr.
=niden,= invidere, neiden; hassen.
=niden, nider,= s. nedden, nedder.
=nidesch= u. =nidich,= _voll Hass und Neid, grimmig, heftig; *nidige lêve,* Eifersucht; *nidich spil,* s._ Nîthart.
=nidicheit,= Neid und Hass.
=nie,= nie.
=nie (nige, nigge),= neu; *up dat, ein nie, uppe nie, iterum,* aufs neue; *van ni(g)es,* von neuem.
=niecheit, nieheit,= Neuheit, neue, unerhörte Sache; Neuerung.
=nie-, ni-jâr,= Neujahr; *nijârsdach; dat nijâr backen,* eine Familienfestlichkeit zu Neujahr.
=nie-lant,= Neuland; als bestimtes Mass.
=niel(i)k,= adj. neuerungssüchtig; neulich; adv. *nielik, nielike(n),* vor kurzem; Superl. nielikest.
=nie-, nigelinges,= neulich, jüngst.
=nie-mân,= Neumond.
=nie-munstersch,= nach neuem Muster, neumodisch.
=nien (nigen),= sw. v. erneuern.
=nieren,= lüstern, gierig.
=nierenheit,= Lüsternheit, Neugier.
=niergen= = nergene.
=nieringe,= Neuerung; Lüsternheit.
=nies, niges,= adv. jüngst, neulich.
=niet,= nichts; nicht.
=nifte= = nichte.
=nige,= _neu; von *n.* abgeleitete oder damit zusammengesetzte Wörter s. auch unter_ nie-.
=nigel= = nule.
=nigen,= st. u. sw. v., absol. oder m. Dat., sich neigen; sich verneigen, grüssen.
=nigen= = nihen, wiehern.
=nigens,= adv. so eben, neulich, jüngst.
=nigicheit= = niecheit.
=niginge (?),= adv. neulich, jüngst.
=niheit= = niecheit.
=nihen, nihahen, nihagen,= sw. v. wiehern.
=ni-jâr,= s. niejâr.
=nilicheit,= Lüsternheit, Begier.
=nilik,= s. *nielik* u. nîlk.
=nilinge (-ges, -gest),= neulings, vor kurzem.
=nîlk,= adj. *(= ni-lik),* neulich, jüngst, vor kurzem vergangen oder nächst kommend.
=nîlken, nîlkes(t), nillikes(t),= adv. *(= niliken),* neulich, vor kurzem vergangen oder auch nächstkommend.
=ni-man, -mant, -ment,= niemand.
=nimêr, nimmer (nimber),= nimmer, niemals; nimmermê(r).
=nîn= u. =ninech, ninich,= kein.
=nine= = nicht ne, nicht.
=ninges, ningest, ningens= (î_?)_ = nies.
=nip,= genau, scharf, *acute* (bes. vom Gesicht und Gehör).
=nipen,= kneifen? (lidere, i. e. frangere; vellicare).
=niper,= ein Handwerker? (welcher?)
=nip-herink,= Strömling?
=ni-plichtich,= neugierig.
=ni-plichticheit (ni-plicheit),= Neugierde, curiositas.
=nippe,= adv. patenter, evidenter.
=nippen,= connivere, conquiniscere, oculare.
=nîr,= contrah. aus *ninere,* keiner; nîr-hande, -leie, -wegene.
=(nîrgen?) nirgen= = nergene.
=nit= = nete.
=nît, nit,= nicht.
=nît,= m. Hass, Feindseligkeit; *sunder nît,* ohne Widerwillen, gern; feindselige That; Neid.
=nît-danke,= Eifersucht, zelotypia.
=nît-denkerne,= zur Eifersucht geneigt.
=nitel,= stössig (bes. mit dem Horne), petulcus.
=niten,= st. v. stossen.
=niten= = nêten, mhd. *neiƷen?* verlesen st. niden?
=Nîthart, Nitert,= Personification des Neidischen, Übelwollenden, Feindseligen; *den Nîthart, her Niterdes spil spelen, nidich spil hebben mit,* arg umgehen mit, einem übel mitspielen; *Niterdes dans,* ein unzüchtiger Tanz?
=nîtliken= = nideliken.
=nîtschen= (= nidischen), adv. gehässig.
=niwerl(d)e,= adv. niemals.
=nobele (nabele),= sw. m. eine (urspr. engl.) Goldmünze.
=nobis-krôch,= Krug, Wirtshaus des Teufels; Hölle.
=nocel,= s. nôtsel.
=noch (nocht),= adv. 1. (der Zeit), jetzt, noch; *wente noch, adhuc.* 2. dennoch, trotzdem. 3. ferner (Hinzufügung bez.). 4. vor dem Comparativ zur Verstärkung.
=noch (nochen),= _negat. Conj. *neque.* 1. bloss im folgenden Gliede eines verneinten Satzes. 2. im ersten Gliede: *(ne-)weder.* 3. im ersten und folgenden Gliede *noch.* 4. im ersten Gliede *noch,* im folgenden_ efte.
=nôch (nûch),= adv. genug; *nôch dôn,* genugthun.
=noch dat -- nicht,= obwol -- nicht.
=nôch- (noge-, nûg-)haftich, -aftich, -achtich,= 1. genügend, im Stande, hinlänglich. 2. pass. befriedigt. 3. genügsam.
=nôch(h)afticheit,= Genüge.
=nôch(h)aftigen,= adv. genügend, hinlänglich.
=nôchlik= = genôchlik, Genüge *(genôchte),* d. i. Lust bereitend, angenehm.
=nôchliken,= adv. genügend, hinreichend.
=nôch- (nuge-)sam,= hinreichend; aushelfend.
=nochtan (-ten, -tans, -tens, -tant, -tent),= d. i. *noch dan, noch denne,* 1. Zeitadv. damals noch, zu der Zeit noch. 2. advers. adv. dennoch, gleichwol, trotzdem. 3. ausserdem noch, dazu noch.
=nochterne,= s. nuchterne.
=node,= adv. (m. Comparation) mit Zwang, wider Willen, ungern, *invitus;* es geht nach und nach über in die Bedeutung von: kaum, schwerlich und bezeichnet eine gemilderte Verneinung.
=node? nôt?= adj. knapp, was ungern und mit Mühe geschieht.
=noden,= sw. v. 1. nötigen, zwingen. 2. (dringend) einladen, *invitare.* 3. intr. nötig sein.
=noder,= Notzüchtiger.
=nodich,= nötig.
=nodigen,= sw. v. 1. nötigen, zwingen; notzüchtigen. 2. einladen.
=noding,= m. = oding.
=noge,= st. f. Genüge, Befriedigung; *to der n.,* genügend, befriedigend; *noge maken,* eine Schuld bezahlen.
=nogede (nugede),= f. = noge.
=nogen,= sw. v. 1. intr. genügen. 2. trans. befriedigen, Genüge leisten, satisfacere.
=noginge,= Genüge, hinreichende Kraft oder Menge.
=noie,= _aus *node* erweicht (in Schriften mit niederl. Färbung)._
=nok= = nuck.
=nole,= feines Gebäck, Waffel, nebula.
=nomachtich (?),= namhaft, berühmt.
=nome (?)= = name, Wegnahme, Beute, Raub.
=nomelik,= _adj.; *n. name,* verstärk. Ausdruck f. *name,* Name._
=nomel(i)ken, nomet-, nômptlik,= adv. mit Namen; nemlich.
=nomen (?),= st. v. = nemen.
=nomen (numen),= sw. v. nennen, benennen; bezeichnen; bestimmen; anrufen, bekennen (Gott).
=none,= f. (die neunte Stunde des Tages) Mittags- (Nachmittags)zeit, *bi nôn(e)tît dages;* auch eine Versamlung um diese Zeit; *gulden none,* Himmelfahrtstag (auch *nôndach*).
=nope,= f. Anstoss, *punctus; nope geven,* Stoss, Antrieb geben; Anstoss geben, anfechten.
=nopen (napen),= sw. v. berühren, antasten; anstossen, anreizen, stimulare, pungere.
=nop-iseren,= das eiserne Werkzeug zum noppen.
=noppe,= f. Tuchflocke, Zotte, Wollknötchen am Zeug.
=noppen,= sw. v. die *noppen* entfernen; überh. Unreinlichkeit entfernen, gäten.
=noppen-pôl,= Pfühl, mit Noppen gestopft.
=noppen-sack,= _Flockensack; eine mit *noppen* gestopfte Bettdecke._
=nopper,= der die Noppen entfernt, *attaminator;* fem. noppersche.
=noppich,= voll Knötchen, zottig, villosus.
=nopse= = nupse.
=norden, nōrden,= n. Norden; *bi n.,* auf der Nordseite; *nordenwint,* Nordwind.
=norden,= adv. nach Norden; nördlich.
=norder,= adj. nördlich.
=norder-side,= Nordseite.
=norder-vlus= (lies *blûs?*), Nordlicht.
=norde-wert, -wart,= nordwärts.
=Nore(s)-, Nor(s)-, Nôrt-sunt,= m. der Oeresund von Helsingör bis Falsterbo.
=nore-var(e),= st. m. Kaufmann oder Schiffer, dessen Ziel der *Noresunt* ist.
=Nor-man,= Nordländer, bes. Norweger.
=nornen,= sw. v. antreiben, ermahnen?
=norrensch, norrisch,= nordisch, norwegisch.
=nort, nōrt,= n. Norden. *nortôst(en), nortwest(en); nortnortôst(en), nortnortwest(en); nortôst(en)nord(en)* oder *nortôst ton (ten, tegen) norden, nortwest(en)nord(en)* oder *nortwest ton norden; nortôstenôsten* oder *nortôst ton ôsten; nortwestenwesten* oder nortwest ton westen.
=nort-ende,= das nördliche Ende, d. n. Teil.
=nort-hûk,= eine nördlich gelegene Landspitze.
=Nort-Juten,= die Jüten; Jütland.
=nort-lant,= ein nördlich gelegenes Land.
=nort-leidink,= nördlicher Passatwind.
=nort-man,= eine Pflanze? n. is romaninus (= ros marinus?)
=nort-ôster,= adj. nordöstlich.
=nort-ôsteren,= _sw. v. sich nach Nordosten wenden; *nortôstering,* Richtung nach Nordosten._
=nort-suden,= adv. nach entgegengesetzten Richtungen: *n. gân,* auf verbotenen Wegen wandeln, ausschweifen?
=nort-wert, -wart, -wort= = nordewert.
=nort-wester=, adj. nordwestlich.
=norvar(e),= st. m. = Norwegenesvare, Bergenvare.
=nôs,= Bund, Bündel?
=noseken,= n. Lichtschnuppen, mixus.
=nosen,= sw. v. hindern, schaden.
=nôssel= = nôtsel.
=nost(e),= Viehtränke, Wassertrog.
=noster, nosteren, nostrik= = nuster.
=not (note),= f. Nuss; *nicht eine n.* = gar nichts; *note tappen,* etwas unnützes thun, das Verlangte nicht erhalten; Teil der Armbrust; Becher in Nuss- (oder Ei-)form.
=nôt,= f. (selten m.), 1. Not, Bedrängnis; Zwang; Mühe, Anstrengung; Bedürfnis; *van node, v. noden(e),* von nöten, notwendigerweise; *n. hebben* (mit Gen.) etwas nötig haben, bedürfen; *n. sîn,* nötig sein. 2. Gewaltthat (spec. Notzucht); zur Abwehr verübt: Notwehr. -- Im rechtl. Sinne ist *nôt* auch 1. üble, nachteilige Folge, Strafe. 2. Hindernis des Erscheinens vor Gericht. -- Vgl. *nut* u. nût.
=nôt,= st. m. Genosse.
=notaries,= Notar.
=nôt-bende,= gewaltsame Fesselung.
=nôt-borge= = schadeborge, (sub)praes.
=nôt-bow, -buw,= notwendiger Bau (zur Erhaltung des baulichen Zustandes).
=nôt-bowich,= was notwendig gebaut werden muss.
=nôt-brukinge,= Notgebrauch.
=nôt-dach,= ein wegen dringender Not anberaumter Gerichtstag; = nôtrecht.
=nôt-dink= = nôtrecht.
=nôt-drengen,= sw. v. zwingen, mit Gewalt nötigen.
=nôt-droft, -drocht= = nôttroft.
=nôt-droftich, -druftich, -drustich= = nôt-troftich.
=note,= sw. m. Genosse, bes. Standesgenosse.
=not(e)-bôm,= Nussbaum; =not(e)-holt,= Nussholz.
=notele, nottele= _(aus lat. *notula*), f. Aufzeichnung, Urkunde._
=not(e)-melk= (Nussmilch), amidum.
=noten,= sw. v. *sik n.* m. Dat. oder *to,* jemandes Genosse werden; sich zugesellen.
=nôt-geberen (?),= nötig.
=nôt-gedrank,= Zwang.
=nôthaftich, -heftich,= der Not, dem (rechtl.) Bedürfnisse entsprechend (dem Sinne nach = nôchhaftich).
=nôt-helper, -hulper,= der in der Not aushilft, bes. von Heiligen gebraucht; ein Arbeiter, den der Meister tagweise zur Aushülfe mietet; fem. nôt-helpersche.
=nôt-hêre,= patronus?
=nôt-hunger,= zwingender Hunger.
=nôtinne,= (Standes)genossin.
=nôt-knecht,= jem., dessen Hülfe man nur in der Not braucht.
=nôt-kor(e),= erzwungene Wahl, Zwangswahl.
=nôtlik,= 1. nötig, notwendig. 2. lästig, drückend. 3. *nothaftich, nôchaftich.* adv. nôtliken.
=nôtlik,= scherzhaft, lustig, sonderbar, jocosus, mirabilis.
=nôt-lofte,= erzwungenes Gelübde.
=nôt-lôs,= _keine Not leidend, d. h. von Gerichtswegen ohne Anfechtung bleibend,_ sine impetitione seu lite.
=nôt-losene,= f. Lösung aus der Not, d. h. Gefangenschaft (durch Lösegeld).
=nôt-munde (-mût),= Notzucht, violatio feminae.
=nôt-munden,= sw. v. notzüchtigen.
=nôt-munder,= Notzüchtiger.
=nôt-numft,= gewaltsamer Raub, bes. Frauenraub und Notzucht.
=nôt-numftige klage,= Notzuchtsklage.
=nôtorft, nôtorst= = nôttroft.
=nôt-recht, -(ge)richte,= ein ausserordentliches Gericht, Criminalgericht, Blutgericht.
=nôtroft, nôtraft= = nôttroft.
=nôtrust= (aus *nôt-drust*), Gewaltsamkeit.
=nôt-sake,= Notsache, Notfall, Notwendigkeit, unvermeidliche Sache; *dage der nôtsaken,* Zeiten der Not.
=nôt-sakelik,= notwendig.
=nôtsamicheit,= Notwendigkeit, Nötigung.
=nôtschap,= Genossenschaft.
=nôt-schillink,= Gerichtsbusse, welche der Vogt auflegte?
=(nôtsel), nocel,= Nössel.
=nôtsel-krôs (-krûs),= Masskrug, ein Nössel fassend.
=nôt-slange,= eine Art langer Kanonen.
=nôtstal,= m. 1. ein enges (einengendes) Gebäude oder Gestell: vom Galgen, bes. aber von dem Stalle, in welchem die Schmiede die Pferde beschlagen, *angarium.* 2. Wurfgeschoss, catapulta.
=nôt-stallen,= sw. v. einengen, zwängen.
=nôt-stên,= Merk- oder Grenzstein.
=nôt-ster, -sterne,= Stern, der Not verkündigt, d. i. Komet.
=nôt-strate= = nôtwech.
=nôt-têken,= n. Notzeichen; es ward aufgezogen, wenn ein Mord etc. begangen war.
=nôt-toch,= Notzucht.
=nôt-togen,= sw. v. mit Gewalt zwingen; notzüchtigen.
=nôt-toger,= Notzüchter.
=nôt-toginge,= Notzüchtigung.
=nôt-troft (nôtorft, nôtrocht),= f. 1. Notdurft, was man notwendig braucht (Lebensunterhalt) oder thun muss. 2. Not. -- Als adj. bedürftig, in Not.
=nôt-troftich, -torftich,= _1. nötig, notwendig; triftig, genügend. 2. bedürftig, benötigt._
=nôt-trofticheit,= Bedürfnis.
=nôt-troftliken (-troftichliken),= adv. notwendiger Weise.
=nôt-vrost,= harter Frost.
=nôt-vrunt,= Verwandter von Gesetzes wegen, Blutsverwandter.
=nôt-vûr,= Notfeuer, durch starke Friction zweier trockenen Holzarten zum abergläubischen Gebrauch, bes. am Johannistag entzündet.
=nôt-wech,= Notweg (bes. für Leichen).
=nôt-were= und =-weringe,= notwendige Verteidigung.
=nôt-werf,= notwendiges Geschäft.
=nôt-weringe,= adv. in (gerechter) Notwehr.
=nôt-wiven,= sw. v. einem Weibe Gewalt anthun.
=nouwe (nau),= 1. enge, schmal. 2. genau, knapp, geringe. 3. karg, sparsam. 4. genau, fein, subtil, schlau. 5. genau, vertraut. Als Adv. ausserdem u. meist in d. Bedtg.: mit genauer Not, kaum. *Dar is mi n. umme,* mir liegt daran, kommt darauf an; *it was n. dat,* es fehlte nicht viel dass.
=nouwelik,= beengend, bedrängend; adv. *nouwelik(en),* mit Mühe, kaum.
=nouwen,= sw. v. beengen, (be)drängen. nötigen.
=nouwes,= adv. kaum.
=nouwicheit,= Bedrängung.
=nu (nw),= 1. adv. jetzt; *nu -- nu,* bald -- bald; *alse nu unde nu,* augenblicklich; *de nu, de dar nu,* wer, welcher; *nu hen,* wolan. 2. conj. der Zeit und des Grundes: nun, nachdem, da.
=nu (nw),= n. Nu, Augenblick.
=nû, nu, nue, nuy,= *adv. nie.*
=nuchtern(e), nochtern(e),= nüchtern; was am frühen Morgen genossen wird, *ên nuchtern drunk,* der erste Trunk nach der Speise; was am Morgen geschieht; mässig.
=nuchternicheit,= Nüchternheit; Mässigkeit.
=nuck,= m.; =nucke,= f. plötzlicher Stoss, Anfall, böse Laune, Tücke, versteckte Bosheit.
=nucken,= sw. v. seine Unzufriedenheit äussern durch Kopfschütteln, Murmeln; *n. up,* aufmucken gegen.
=nudich unde nodich= = to nuden unde to noden; s. nût.
=nugel= = nule.
=nugen= (lies *bugen? nigen?*), beugen.
=nule,= adv. vorwärts über, proclivis, pronus.
=nulens?= = nule? Kantzow 132.
=nuliken= = niliken, neulich.
=nûl-wîs= = nule.
=numant, -ment= = nummant; =numer= = nummer.
=nu-mêr(e),= nunmehr, hinfort.
=nummant, -ment,= niemand.
=nummer (number, num-mert, -mers,= seltener =nimmer),= adv. niemals; oft nur verstärkte Negation; *n-mêr(e), n-vort,* nimmermehr.
=nummerliken,= niemals.
=nummer-misse,= to n. = ad graecas kalendas.
=nunne,= Nonne.
=nunneken-fort,= eine Art leichtes Gebäck von feinem Weizenteig.
=nunnen-krût,= eine Pflanze, fumiterra.
=nunnen-stoter,= obscöne Schelte.
=nupse (nopse), nupsen-rotschēr,= der isländische grüne Schellfisch; der davon bereitete Stockfisch. Auch adj. 1 tunne nopsches rotscheres.
=nûr= (ungebr., ein einziges Mal gefunden in e. Quedlinb. Urk. v. 1484), nur.
=nuͤrich,= gierig, heisshungerig.
=nurren,= sw. v. knurren.
=nuster, nusteren, nusterik (nusterken?),= Nasenloch, Nüster.
=nut= = not, Nuss.
=nut,= f. (auch m.?) Nutzung, Nutzen, Genuss, Vorteil; *van nut edder van nôt,* wegen des Nutzens oder aus Not; *to nut unde to nôt, to allen nutten unde noden,* zur Nutzung und zum Schutz; *to nut unde vromen; mit nut unde nête* (Nutzniessung); *mit allen nutten* (Erträgen).
=nût,= m. Lust, Annehmlichkeit, Genuss, Vorteil; *dor n. of dor nôt, van nude edder van nôt,* freiwillig oder gezwungen; *nudes unde nodes, to nuden unde to noden,* im Glück und in der Not, in Freud und Leid; *to allen noden unde nuden,* zu jedem Gebrauch und Behuf; ähnl. to nut unde to nude.
=nutbar(ic)heit,= Nutzen, Nutzung.
=nutbarlik,= adv. zum Nutzen.
=nut-brukinge,= Nutzung.
=nut-haftich,= nützlich.
=nutheit,= Nutzen.
=nut-holt,= Nutzholz.
=nutlik,= nützlich; *n. sîn,* nützen. Adv. nutliken.
=nûtlik,= angenehm, zart von Geschmack (spise).
=nûtliken,= adv. in angenehmer, befriedigender Weise, zu Dank.
=nutsam,= nützlich, nutzbringend.
=nutsamicheit,= Nutzen, Nutzung.
=nutschap,= Nutzen.
=nutte,= f. Nutzen; to nutte; n. unde nôt sîn.
=nutte,= nützlich; brauchbar, tüchtig.
=nut(te)liken,= adv. zu Nutz.
=nutten,= sw. v. 1. geniessen, essen oder trinken. 2. gebrauchen, benutzen.
=nutticheit,= Nutzen, Nutzung; Ertrag.
=nuttigen,= sw. v. geniessen.
=nuwe,= neu; *van nuwes,* von neuem.
=nuwel(i)ken,= neulich.
=nuwerlde (-werle, -werde, -warlde, -warle, -warde),= adv. nie in der Welt, niemals.
=nuwet,= nichts, nicht.
=nuwicheit,= 1. Neuheit, ungewohnte Sache. 2. als Übersetzung des lat. *novale* (Brache).
O
=o,= interj., bes. vor anderen Ausrufen u. in der Anrede; auch im Ausrufe angehängt, z. B. heil-o!
=ô, oͤ, ø,= f. Insel, bes. eine kleinere.
=obelie, obelei= (aus mlat. *oblagia*), Ehrengeschenk (in Naturalgegenständen).
=oblate,= Oblate, Hostie.
=obligacie,= sw. f. Schuldschein.
=occasunen,= sw. v. *hulpereden* gegen jem. vorbringen. Vgl. ockesune.
=och,= interj. des Schmerzes u. der freudigen Erwartung.
=ôch,= f. = *ô,* Insel.
=ôch-appel,= s. oge-appel.
=och-dink,= l. ech[t]dink.
=ôch-lit,= s. ogenlit.
=ôch-sêk,= augenkrank.
=ôch-sûn= und =ôch-sunelik,= _augensichtlich, -scheinlich, -fällig._
=ochte= = ofte, s. of.
=ochtum(e), ocht(e)me, ocktmunt,= der kleine Viehzehnte, der von jungen Haustieren gegeben wird; noch verschieden von dem Schmalzehnten; selten von andern Zehnten.
=(ochten-), uchten-pennink,= das Geld, das statt der *in natura* zu liefernden *decima minuta* gezahlt wird.
=ochtmunt,= m. = ochtume.
=ockers,= adv. nur, bloss (ein einzelnes Wort hervorhebend).
=ockesune= _(aus lat. *occasio*), gelegentliche Ausflucht, Vorwand_ = hulperede.
=odder,= oder.
=ode= (mehr mnld.), adv. gemächlich, leichtlich, gern.
=odeele,= f. (?) Teilung eines Erbgutes.
=oder,= oder.
=ode-ver, -vare= = adebâr, Storch.
=odink, odinge?= eine Art des Zehnten, Kanon oder agrarischer Grundzins? Vgl. nodink.
=odrotich?= verdrüssig. Lies or-drotich?
=of= = af, ab, von.
=of (oft, ofte, ochte, af, afte, ef, efte, ifte),= 1. conj. wenn, sofern, falls; in indir. Frage: ob; als ob. 2. adv. oder; of -- of, sive -- sive.
=ôf,= m.? = *ove,* f.
=ôf(f)enen, ôf(f)eninge= = ôfnen, ôfninge.
=offer,= n. Opfer, Messopfer; die einer Kirche oder (an bestimten Festtagen, für Spendung der Sacramente etc.) den Geistlichen zu leistende Gabe in Geld oder Naturalien.
=offer-block,= Kasten zur Aufnahme des Opfergeldes für die Kirche.
=offer-dach,= der gesetzlich bestimte Tag, an welchem dem Priester *offer* zu entrichten sind.
=offeren,= opfern, als *offer* darbringen; den Geistlichen die Gebühren zahlen; *sine sêle Gode o.,* sterben.
=offerêren,= opfern; darbieten.
=offer-gelt,= Opfergeld der Geistlichen; Geschenk an Kinder und Gesinde zu kirchlichen Festzeiten; überh. Geschenk, Trinkgeld.
=offerhande= _(lat. *offerenda*), f. = *offer;* überh. Geschenk, Gabe._
=offeringe,= Opferung an Geistliche.
=offer-man,= s. opperman.
=offer-misse,= _Messe. Ggs. ist *sêlemisse* und andrerseits *misse,* d. Abendmalsfeier der Protestanten._
=offer-pennink= = offergelt.
=offer-sank,= Gesang bei der Messe, offertorium.
=offerschop= = offeringe.
=officiâl,= st. m. Vertreter eines Prälaten im geistlichen Gericht; Gerichts- u. Amtsverwalter einer weltlichen Obrigkeit.
=officiante,= sw. m. Priester, der Messen liest, bes. der, welcher für die einzelne Messe Bezahlung erhält, sacerdos mercenarius.
=ôfliken,= adv. üppig, as. [vo]flîk, cultus.
=ôfnen,= üben, betreiben, *exercere;* pflegen, verehren, colere.
=ôfninge,= f. Übung, Thätigkeit, bes. gottesdienstliche.
=ōft= = ovet.
=oft, ofte,= conj. = of.
=ofte (often?),= m. = ochtume.
=ô-gank= = agank, Wassergang, Rinne.
=oge,= sw. n. Auge; *under ogen,* entgegen, ins Gesicht; *in de ogen seggen,* ins Gesicht sagen; *upt oge drucken,* täuschen, anführen; das Auge auf dem Würfel; das Nadelöhr, das Loch in Hämmern, Bicken u. s. w. für den Stiel; das runde Loch, in welches der Schneider die Tuchstücke wirft, die s. g. Hölle.
=oge= = ô, Insel.
=og(e)-appel,= Augapfel.
=oge-brân= = ogenbrân.
=ogelen,= sw. v. äugeln, schmeicheln.
=ogelêre,= Äugler, Augendiener, Schmeichler, adulator.
=ogelie= und =ogelinge,= Äugelei, Augendienerei, Heuchelei.
=ogelik,= vor Augen kommend, sichtbar.
=ogelink,= Name eines weissen Apfels.
=ogen= (aus fries. =aga= = êgen), anom. v. von Rechtswegen besitzen, beanspruchen dürfen; m. *to* u. Infin.: haben zu, müssen.
=ogen (ougen),= sw. v. 1. vor Augen bringen, zeigen; *sik o.,* sich zeigen, sich offenbaren. 2. sehen, schauen. 3. intr. in die Erscheinung treten, sich offenbaren, sich »ereignen«.
=ogen-arste,= Augenarzt.
=ogen-blick,= Blick der Augen; Moment.
=ogen-blinken,= blinzeln mit den Augen.
=ogen-boter= (fem. =-botersche=), Augenarzt.
=ogen-brân (-brane, brâm),= Augenbraue.
=ogen-breude= (fries.), das Augenzucken (Folge einer Verletzung).
=ogen-dêner,= Augendiener.
=ogen-kolk, -kollek,= eine Augenkrankheit, subocular.
=ogen-, ôch-lit, -let,= Augendeckel, palpebra.
=ogen-krose?= Lüneb. Zunft-Rollen S. 139. = ogenwerk?
=ogen-lukinge,= Augenschliessung; *o. dôn* = durch die Finger sehen.
=ogen-overlit= = oberes ogenlit.
=ogen-rink,= Augenlid oder beide Lider zus.
=ogen-schalk,= Augendiener, Heuchler.
=ogen-schîn,= m. Augenschein, Anblick; augenscheinlicher Beweis; adj. augenscheinlich, offenbar.
=ogen-, ôch-sêk,= augenkrank.
=ogen-sêr,= Augenkrankheit.
=ogen-sipen,= triefäugen, lippire.
=ogen-slach,= Aufschlag der Augen, Augenblick.
=ogen-steke,= krankhaftes Stechen in den Augen, subocular.
=ogen-sucht,= Augenkrankheit.
=ogen-sûn, ogen-sûnlik= = ôchsûn.
=ogen-trôst,= ein Kraut: eufrasia.
=ogen-vlêt,= Triefäugigkeit.
=ogen-wank,= Augenwink, -blick.
=ogen-weide,= =Anblick.=
=ogen-werk,= Haken und Augen (Ösen).
=oge-sûn= = ôchsûn.
=oget,= mit einem Auge (Öse) versehen.
=ogge= (westf.) = *owe, ouwe,* Mutterschaf.
=ohe-lant= efte waterlant, dasjenige Land eines neu eingedeichten Landstriches, welches zu Sielen und Wasserlösungen verwendet wird?
=ohem= (selten) = ôm.
=ô-herde,= Unterhirte, Hirtenjunge, Handbube.
=ô-hof,= Schafhof.
=ôk,= adv. 1. auch, gleichfalls, ferner. 2. in Concessivsätzen, *we he ôk si,* wer er auch sei, *al .. ôk,* obgleich. 3. in Disjunctivsätzen: andererseits aber, doch; *were ôk,* wäre aber (andererseits der Fall, dass etc.).
=okelik,= was sich vermehren lässt, vermehrbar.
=okel-name,= Zuname, Beiname, Spitzname.
=okel-pennink,= denarii augmentabiles (Ggs. *slavicales*), vier auf einen Schilling.
=oke,= sw. m. Vermehrung; (Vermögens)zuwachs.
=oken= und =okenen,= sw. v. mehren, vergrössern, z. B. *dat rike; dat gesichte,* die Sehkraft stärken; *ênen pot, êne lampe,* nachfüllen; *sunde up sunde,* häufen; *êne vicarie,* mit Geld verbessern; jem. zu höherer Würde erheben; (zu hoch?) taxieren; intr. u. refl. sich mehren, wachsen, zunehmen.
=oker,= Oker.
=okere,= Mehrer, auctor; o. des rikes, augustus.
=okich= = okelik.
=okinge,= Vermehrung, Wachsthum.
=ôknisse,= Vermehrung.
=ô-, [vo]-, Ø-lant, ollant (?),= Insel.
=olde,= f. Alter.
=oldelinge(s)= = oldinges.
=olde-moder= = oldermoder.
=olde-moie,= Grosstante.
=olden (alden),= sw. v. 1. intr. altern, *senescere.* 2. trans. zu Alter bringen.
=oldendes, oldens= = oldinges.
=olde-ôm,= Grossonkel.
=older (alder),= m. und n. Alter; *van oldere,* von altersher.
=olderaftich,= Alter habend, ältlich.
=olderdôm,= m. und n. Alter.
=olderen,= Pl. die Eltern.
=olderink= (= olderlink), senior, Vorsteher.
=olderlinges= = oldinges.
=older-lôs,= verwaist.
=olderman,= (Plur. *-menne* u. *-lude*), Ältermann, Vorsteher einer Corporation, vor allem des Kaufmanns, der Kirchen und geistlichen Brüderschaften.
=older-moder,= Grossmutter.
=older-vader,= Grossvater.
=oldes= = oldinges.
=olde-vader= = oldervader.
=oldinges,= vor alters, ehemals; *vor o. = o.; van o., v. oldingen,* von altersher.
=olen= = olien.
=olie, oley, oli, o(l)lige, olge,= m. Öl.
=olie-bank,= garus, Oelpresse?
=olie-, öli-berch,= mons oliveti.
=olie-bere= edder olive, Olive.
=olie-berme= = oliedrôs.
=olie-boden,= f. Ölkufe; *St. Johannes in der olieboden* d. i. der 6. Mai.
=olie-bôm,= Ölbaum.
=olie-brôt,= Ölkuchen.
=olie-drôs,= Ölhefen, amurca.
=olie-lampe,= Oellampe.
=olie-maker,= oleator, olifex.
=olien, oligen, olgen,= sw. v. mit Öl salben, ölen; v. d. letzten Ölung.
=olie-pipe,= f. Ölpipe, Ölfass.
=olie-plante,= Oelbaum.
=olie-sleger,= Ölschläger, olearius.
=olie-stampe,= sw. f. Ölstampfe.
=olie-stamper,= Ölstampfer.
=(olie-), oel-stoke,= Ölkrug?
=olie-varwe,= Ölfarbe.
=olie-vat,= Ölfass.
=olie-vornis,= Oelfirniss.
=olie-walt,= Hain von Ölbäumen.
=olie-wringe,= Ölpresse.
=olifant= = olvant.
=olinge, olginge, olininge,= Ölung; sacrament der h. o.
=olinges?= = oldinges.
=olm,= Salamander.
=olmich,= vermürbt, verrottet, vom Holz.
=olpendêr,= Redent. Spiel 1737; lies elpendêr? = olvant?
=olsenich,= baldemonia; herba thuris.
=olt, ōlt (alt),= _alt; hergebracht; *dat olde,* die alte Gewohnheit; Comp. *older, alder, elder; de olderen,* die Eltern; *de olde,* Läufer im Schach; *de olden, de oldesten,* Ältermänner, Vorsteher, Vorsitzende._
=olt-bêr,= Altbier.
=olt-beropen,= von altersher berühmt.
=olt-boter, -buter,= Altflicker (Schuster, Schneider, Pelzer).
=olter,= n. = *altâr,* Altar; *olter-klêdinge; o.-laken, pastorium, antependium; o.-licht; o.-vôt,* Untersatz des Altars; o.-wiginge.
=olt-geselle,= Vorsteher einer Handwerksgesellen-Brüderschaft.
=oltheit,= Alter.
=olt-hêre,= Altherr, Patriarch.
=olt-kerkisch,= der alten Kirche anhängend.
=olt-kodder,= Altflicker (Schneider).
=olt-lepper,= Altflicker (Schuster).
=olt-make-ni(g)e,= Altflicker.
=olt-maker,= Altflicker (Schneider).
=olt-man,= Greis.
=olt-sate, -sete,= sw. m., u. =olt-seten,= adj., von altersher eingesessen, alt ansässig; alt, maior natu.
=olt-schroder,= _Flickschneider. *oltschrodert* (l. *-ent? -ernt?*), n. das Flickschneidern._
=olt-sproken,= ein o. wort, ein von altersher gesprochenes Wort, Sprichwort.
=olt-suster,= ältere Nonne, die bei Beratungen des Convents mitstimmen durfte.
=olt-vader,= Patriarch, Kirchenvater; älterer Mönch (mit Vorrechten).
=olt-var,= alt.
=olt-vlicker,= Altflicker (Schuster).
=olt-vrouwe,= matrona; Oberhofmeisterin an einem fürstl. Hofe; = oltsuster.
=olvant (-vent, -vat, -vet, oli-, olevant),= m. Kameel.
=(ol-), ul-worm,= Regenwurm.
=ôm,= m. 1. Oheim, Mutterbruder. 2. Schwestersohn. 3. Ehrenbenennung älterer Personen.
=omeke,= Nichte, Schwestertochter.
=omelie,= sw. f. Homilie, Predigt.
=omnis, omnes:= hêr o., das gemeine Volk, Janhagel.
=on-,= s. un-.
=oninge= = voroninge (vroninge), Beschlagnahme.
=ont-,= s. ent-.
=op,= s. up.
=opekeliken (?), opelken,= adv. offenbar, öffentlich.
=open,= öffnen; s. openen.
=open (apen),= offen; *open stân,* (von e. Kriege) währen, im Gange sein; *opene dage,* Tage, an denen Gerichtsverhandlungen vollzogen werden können; *open brêf,* Urkunde, Mandat, Verschreibung, Contract, Schuldbrief.
=open,= küssen.
=openbar(e),= offenbar, sichtlich, bekannt; öffentlich, *publicus; o. scrivere, tabellio, notarius publicus; ein o. instrument,* notarielle Acte. Adv. openbare.
=openbaren,= sw. v. 1. offen machen. 2. offenbaren, kund thun. -- Intr. und refl. sich offenbaren.
=openbaringe,= Offenbarung.
=openbarliken,= adv. öffentlich.
=openbarnisse,= evidentia.
=openen, open,= sw. v. öffnen; eröffnen, mitteilen; in jurist. Sinne: die Beschlagnahme aufheben; *sake ofte klage o.,* eine Klage eröffnen, anhängig machen.
=openinge,= das Öffnen.
=opentlik= = openbare. Ein spätes Wort.
=öpken,= n. Kuss.
=opper; opperen; opper-gelt= = offer; offeren; offergelt.
=opperen= = uppen.
=opper-lant,= s. upperlant.
=opper-man, offer-man,= Messner, der beim Messopfer behülfliche Diener, Kirchendiener, Küster, aedituus.
=opper-scholer,= Schüler eines oppermannes.
=opperschop= = offerschop.
=ôr,= s. ore.
=or-bar, -bor, -ber,= n. f. das Grundstück, das eine Rente hervorbringt und die Rente, der Ertrag selbst; Nutzen, Profit, Vorteil.
=or-baren,= sw. v. Ertrag, Nutzen von etwas ziehen.
=or-barheit,= Nutzen, Vorteil.
=or-barlicheit,= Nutzen.
=or-bar-, or-berlik,= Nutzen bringend, vorteilhaft.
=ôr-blase,= meringa; vgl. orevel.
=or-bodich,= erbötig, gehorsam; *orbodicheit,* Erbötigkeit, Gehorsam.
=orde (orden),= _sw. m. Ordnung, Reihenfolge; Gesetz, Regel; Vereinigung von Leuten, die nach einer bestimten Regel leben; Lebensweise; Plur. die (geistlichen) Weihen._
=orde:= eghene orden hebben, _Lüb. UB. 3, 576. L. *orde* (s. *ort*)? od. = anord. *oddi,* dän._ odde?
=or-dêl,= n., selten f. Urteil; Gericht; Godes o., dat jungeste o.
=or-dêlen,= sw. v. urteilen; verurteilen, richten.
=ordelicheit,= Ordnung.
=ordelik,= ordnungsmässig, gehörig; adv. ordeliken.
=or-dêlinge,= Urteil, Entscheidung? oder *ordelinge = ordeninge,* Anordnung, Befehl?
=ordêl-pant,= n. Geld, welches bei Scheltung eines Urteils der Appellierende dem Gerichte sofort erlegen musste.
=ordêls-man,= Urteils- oder Rechtfinder.
=ordêls-wise,= adv. ein Rechtsfall komt *o.* an eine höhere Instanz, wenn gegen ein bereits gefälltes Urteil einer niedern Instanz appelliert wird.
=orden,= Dem. =ordeken,= Art Geschmeide.
=orden,= o. unde scroden, im Münzwesen: justieren? (= *ordenen?* von *ort?*).
=ordenen, orden,= sw. v. ordnen, anordnen; *geordent sîn,* Stellung, Rang im Leben haben; in einen geistl. Orden aufnehmen: ein geordent mensche.
=ordeninge,= Ordnung; Anordnung, Einrichtung.
=ordens-broder,= Ordensbruder.
=ordens-hêre,= Ordensritter.
=ordêren,= sw. v. ordnen.
=.. ordich,= winkelig, eckig, *acialis; recht-ordich, vêr-ordich* u. a.
=ordinancie,= f. Ordnung, Regel; Anordnung, Einrichtung; Verordnung, Erlass.
=ordi-, ordenêren,= sw. v. anordnen; einsetzen, ordinieren, v. Kaiser, Priester etc.
=ordi-, ordenêringe,= Ordnung; Stellung, Wesen; Anordnung, Vorschrift; Einsetzung, Ordinierung.
=ordinge,= Ordnung, Art.
=or-drotich,= s. odrotich.
=ore,= sw. n. 1. Ohr. 2. = folg. Wort, (nnd. *dat oor*).
=ore,= st. n. Öhr, ohrartige Handhabe an Gefässen, Glocken etc., *ansa.* (nnd. *dat öer*).
=ore,= Lachsforelle? (aus d. Skandin.).
=ore,= eine kleine skandinav. Münze.
=oren-dreck,= Ohrenschmalz, austeria.
=oren-dreger,= der von einem Ohr zum andern trägt, Verleumder.
=oren-klower,= Ohrenklauer, Schmeichler.
=ore(n)-runer,= Ohrenbläser, Verleumder.
=ore-vel,= Trommelfell im Ohr, meringa.
=organ, orgen,= n. Orgel; gerne im Plur.
=orgel,= n. Orgel; gerne im Plur.; daraus das Fem. orgele.
=orgelen,= sw. v. auf der Orgel spielen.
=orgeliste (organ-, orgeniste),= Orgelspieler.
=orgel-mêster,= Orgelbauer.
=orgel-treder,= Bälgentreter.
=orgel-werk,= organa.
=orgenâl= = uriginâl.
=or-gevêde= = orveide.
=or-gicht= (Urgicht), Aussage, Bekenntnis.
=ôr-golt,= goldenes Ohrgeschmeide.
=oringe?= arrha.
=ôr-knarbel,= Ohrknorpel.
=or-kunde,= n. u. f. 1. Urkunde, d. i. die Aussage, das Zeugnis »eines Urkunden«, Beweis; *o.* m. Gen., nach Zeugnis von; *levende o.,* lebende Zeugen (Ggs. liggende); *an der o.,* beweislich, in Wahrheit. 2. Zeugnisgebühr; Recognitionsgebühr.
=or-kunden,= beurkunden; bekunden, bezeugen.
=or-kundichlik,= urkundlich.
=or-kundinge= = orkunde.
=or-kuntschap,= Zeugnis.
=ôr-kussen,= Ohr-, Kopfküssen.
=ôr-lappe,= Ohrläppchen, auricula, pinula.
=or-lepel,= meringa; = ôrleppel, -lappe?
=ôr-lepel,= Ohrlöffel, auricularis.
=or-lîm (?),= bitumen. Vgl. nndd. *ôr* (Fuchserde)?
=ôr-link,= der kleine Finger, auricularis.
=or-lof (-lef),= _n., selten m. Erlaubnis, Genehmigung; Urlaub, Verabschiedung; *o. geven,* entlassen; *o. nemen,* sich verabschieden, den Dienst verlassen oder kündigen, sich abmelden; *orlof* (in Hamburg) die vom Rate den Brauern für jeden einzelnen Brau erteilte Erlaubnis; *mit orlove,* mit Verlaub zu sagen._
=orloge (-lage, -lege; orloch, -ech, -ich),= n. Krieg; *schepe van o.,* Kriegsschiffe.
=or-logen (-ligen, -legen),= sw. v. 1. Krieg führen. 2. bekriegen.
=orloges-man= und =orlogêre,= Kriegsmann.
=orloch-, orloges-schip,= Kriegsschiff.
=ôr-lôs,= adj. ohne Ohren.
=or-loven (-laven, -leven),= sw. v. erlauben, genehmigen, gestatten.
=or-ludes,= adv. mit lauter Stimme; öffentlich.
=orperment,= auri pigmentum.
=or-plichtet,= verpflichtet.
=ôr-runen,= _sw. v. in die Ohren raunen, heimlich verleumden. Subst._ ôrruner.
=ors (orsch, urs),= n. das Streitross des Ritters.
=or-sake,= _f. Ursache, Grund, Veranlassung; Vorwand; oft absol. *o.* (auch mit folg. *dat*), *der o.* = weil._
=or-saken,= sw. v. 1. intr. u. refl. herrühren, entstehen; im gerichtl. Sinne: reinigen, den Reinigungseid leisten (als wörtl. Übersetzung des lat. *excusare*). 2. trans. veranlassen.
=or-saker,= Verursacher, Veranlasser.
=(or-) ur-sale,= Auslieferung, Wiedererstattung.
=or-sate,= Ersatz, compensatio.
=ôr-schelle,= Schelle in den Ohren als Schmuck.
=ôr-slach,= Schlag an die Ohren, Ohrfeige.
=ôr-slân,= an die Ohren schlagen, ohrfeigen.
=or-sprunk,= s. ortsprunk.
=ôr-steken,= ohrenblasen, einflüstern.
=or-strît,= Streit, Zank aus Mutwillen? im Gen. *orstrides* auch adv.
=ort,= m., auch n.? 1. (die Stelle, wo sich zwei Linien scheiden), Winkel, Ecke, Zipfel, *angulus; over e. ort,* in einen Winkel, bei Seite; Anfang, Ende: *van orde to ende, v. e. t. o.,* vom Anfang bis zum Schluss; bes. die Spitze, Schärfe, *acies,* z. B. des Schwertes, Pfeiles; Landspitze; Ort (im jetzigen Sinn), Stelle; *ort landes,* Stück Landes (auch von einer ganzen Landschaft). 2. der vierte Teil eines Masses, einer Münze etc.
=ort,= m., und =orte,= _f.? was Menschen und Vieh von der Speise als ungeniessbar verwerfen; der Rest der unverdauten Speise, *faeces.* (aus *or-at,* mndl. *oraete, orete.*)_
=ort-bank,= Eckbank.
=ort-bant,= die (metallene) Einfassung der Schwert- oder Messerscheide, der Seetonne etc.
=ort-bode,= Eckbude.
=ort-daler,= ¼ Thaler.
=orten,= sw. v. den ort (die *faeces*) auswerfen *(alvum vomitu egerere)* (von Pferden).
=ort-erve,= n. an der Ecke belegenes Erbe (Grundstück).
=ort-hof,= Hof, Curie an der Ecke einer Strasse.
=ort-hûs,= Eckhaus.
=ortich (artich, artoch),= in Scandinavien (und Liefland) eine Münze (= 3 Pfg.) und Getreidemass (etwa 10 Scheffel).
=ort-isern= = ortbant, preferrum.
=ort-rikes,= Viertel eines Reichsthalers.
=ort-sake= = orsake.
=ôrt-spenginge= (st. *ôr-sp.*), pestis in auribus, austiria.
=ort-sprink= = ortsprunk.
=ort-sprunk= _(so häufiger als *orsprunk*), m. Ursprung; Ursache._
=ort-sprunklik,= ursprünglich.
=ort-stein,= Eckstein.
=ort-stender,= Eckständer.
=ort-wurt,= f. Hausstelle an einer Ecke gelegen.
=or-veide (-vede),= f. Urfehde, *juramentum de non vindicando; orveides-brêf,* Urkunde, in welcher Urfehde gelobt wird.
=ôr-vige,= Ohrfeige (erst im späteren Mnd.)
=ôr-worm,= Ohrwurm, siplex.
=ose,= f. ringförmiger Handgriff, Oese, Schlinge zum Festhalten.
=ose,= Schöpfgefäss, Giesser, bes. auf Schiffen.
=ose-ammer,= Schöpfeimer.
=oseke,= f.? u. =oseken,= n. eine kleine Öse, Schlinge.
=osele,= n.? Funkenasche, Lichtschnuppen, glimmender Docht.
=osemende,= osmunda regalis, die königl. Osmunde, blühender Farn, Maienträubchen.
=osemunt,= m. aus Schweden eingeführtes Eisen (eig. der rohe Eisenstein); *o.* galt als die beste schwedische Eisensorte.
=osen,= sw. v. schöpfen, ausschöpfen, (ex)haurire.
=osen-drup= u. =-lôp,= Tropfenfall, stillicidium.
=osen(e)= (= ovese), f. Dachtraufe.
=oser,= m. Schöpfer; bes. der Solschöpfer am Sode (in der Lüneb. Saline).
=oserink,= eine Münze (Liefland).
=ose-vat,= Gefäss zum Ausschöpfen, Giessschaufel.
=ôs-ker,= _e. Spiel der hans. Contorgesellen zu Bergen (dän. *ösekar* = nd. *ösevat*)._
=osse,= m. der Stier (bes. der verschnittene). *ossenhore,* Ochsenmist; *ossenhût,* Ochsenfell; *ossenvlêsch,* Ochsenfleisch, u. s. w.
=ôssel, ôsselen,= n. Nössel, ein kleineres Mass (= ½ Quart, Kanne). Dem. *ôsselken; ôsselkanne, -kenneken,* Nösselkanne; ôsselmât = ôssel.
=ossen-driver,= der die Ochsen zum Markte treibt.
=ossen-kop,= Ochsenkopf; Meklenburger u. Rostocker Wappen.
=ossen-mân,= der Monat October.
=ossen-navel,= s. duvenvôt.
=ossen-oge,= Ochsenauge; Eiergericht (Spiegeleier).
=ossen-trecker= = ossendriver.
=ossentunge,= buglossa.
=ossute,= ein Kleidungsstück: Mantel, Tabbert?
=ôst,= st. m. = *owest,* der Monat August; Erntezeit, Ernte.
=ôst,= m. Knorren, Stelle, wo ein Ast vom Stamme ausgegangen ist.
=ôst,= n. Osten. -- adv. im Osten. -- Compos.: *ôstnortôst(en), ôstsûtôst(en); ôst ton (ô. tegen, ôsten) norden; ô. ton (ô. tegen, ôsten) suden; ôstende, -hake, -hûk, -hovet,* östl. Ende, Spitze eines Landes, Vorgebirge; *ôstlant, 1. = ôsterlant, 2. = ôstside; ôsterike = ôsterrike; ôstsê = ôstersê; ôstside,* östliche Küste; *ôstwart, -wert, -wort,* ostwärts, östlich; *ôst(e)wint,* Ostwind.
=osteke,= ein Kraut; = Ostranz, astrantia?
=ôst(e)lik,= östlich; ô. nortôst.
=ôsten= = owesten, sw. v. ernten.
=ôsten,= ein kleine Münze.
=ôsten(e),= n. Osten. -- adv. ostwärts, nach Osten; östlich, im Osten. -- Compos.: *ôstennortôst, ôstensûtôst; ôstenekonink,* König im Osten; *ôstenlant = ôsterlant; ôstenrike,* Orient; ôstenwint.
=ôsten-mân, mânt des ôsten,= der Monat August?
=ôster,= adj. östlich. Compos.: *ôsterhûk = ôsthûk; ôsterlant,* jedes östlich gelegene Land, bes. das Morgenland und das nordöstl. Deutschland, Preussen, Liefland; *ôsterrike,* Österreich; *ôstersê,* Ostsee; *ôsterstat,* n. östl. Gestade; f. pl. *-stede,* die Hansestädte im nordöstl. Deutschland; *ôstervarer,* der nach den Ostseeprovinzen Schiffahrt treibt.
=(ôster),= pl. =ôsteren,= Ostern. -- *ôster-dach,* Ostertag; *-dans,* -tanz, bildl. -freude; *-lam, -lemlîn,* -lamm; *-lêt,* -gesang; *-licht,* geweihte Osterkerze; *-mane,* 1. der das Osterfest bestimmende Mond, 2. der Aprilmonat; *-mêreken, risus paschalis,* in die Osterpredigt als Ausdruck der Festfreude eingeflochtene Schnurre; *-morgen; -nacht; -fest; -vlade,* -kuchen.
=ôster(i)sch,= östlich, = *ôsterlingisch; ôstersch bêr,* hansisches Bier; *dat ôstersche hûs,* das Kontor der Hansen in Brügge und in Antwerpen; *de ôstersche sprake,* das hansische Niederdeutsch.
=ôsterlik,= 1. östlich; 2. österlich.
=ôsterlink,= der von Osten her ist, Morgenländer; namentl. Bürger einer nordöstlichen Hansestadt; eine Münze *(easterling),* später eine Rechnungsmünze. -- Adj. ôsterlingisch.
=ôsterne?= Osten.
=ôstert,= adv. ostwärts; als adj. (? l. *ôsterst,* Superl. v. *ôster?*) ostwärts gelegen.
=ôstich,= ästig, knorrig.
=ostie= (u. =ostike?),= sw. f. Hostie.
=ostzien,= Essig? (holl. *azijn*).
=ot= = it, pron. es.
=otbrat?= porcus, qui dicitur oth (oit) brath. Lies: -barch = borch?
=ôt-mode,= adj. demütig; adv. ôtmodelik, -ke, -ken.
=ôt-mode,= f. = *ôtmôt,* Sbst.
=ôt-modich,= demütig; adv. *ôtmodigen* und ôtmodichlik, -ke, -ken.
=ôt-modicheit= = ôtmôt, Sbst.
=ôt-modichlik,= adj. demütig.
=ôt-modigen,= sw. v. demütigen, erniedrigen.
=ôt-môt,= m. und f. (leichter, williger Sinn), Demut, Unterthänigkeit, Bescheidenheit.
=ôt-môt= = ôtmode, adj.; adv. *ôtmôtlike;* Subst. ôt-môtheit = ôtmodicheit.
=otte,= sw. f. die Octave; Woche.
=ottelîn,= e. Meiländ. Münze.
=otter,= m. Fischotter; *ottersvel,* Otterfell.
=ou= = ouwe.
=ou-, ow-blat,= n. Blatt, auch Pflanze der Wasserlilie, nymphaea.
=ou-, ow-gank= = âgank, Wasserlauf.
=oust= = ouwest.
=ouw(e), ow(e), ou,= st. f. Au, kleinerer Fluss.
=ouw(e), ow(e), ou,= _st. u. sw. f. vom Wasser umflossenes Land, *mediamnis, insula;* wasserreiches, grasiges, fruchtbares Land, Aue._
=ouwe,= f. Schafmutter; Schaf.
=(ouweken), ohveken,= l. *oweken?* Aue, Garten.
=ouwest, owest, (oust, ôst),= m. Ernte; Augustmonat.
=ouwesten,= ernten.
=ouwest-, owest- (ôst-)lude,= Ernter, Schnitter.
=ouwest-, oust-mane,= der Monat August.
=ouw(e)-strôm,= m. = *ouwe,* Fluss.
=ove,= f.? = *ovinge,* Übung.
=ovel,= übel, schlecht, schlimm.
=ovel,= _n. Übel; *dat vallende, grote, St. Johannis ovel,* Fallsucht, Epilepsie._
=ovel-dât,= Übelthat.
=ovel-deder,= Übelthäter.
=ovel-dedich,= maleficus.
=ovele,= adv. übel, schlecht; (wie das lat. *male*), kaum, schwerlich, nicht; *o. dôn, malignari; o. handelen, holden, hebben,* jem. mishandeln; *o. hêten,* schmähen, schelten; *sik o. hebben,* sich schlecht befinden, krank sein; sich übel geberden, jammern, (ebenso *sik o. holden*); *o. spreken,* fluchen, *maledicere; vor o. nemen,* übelnehmen, böse werden; *o. sên,* scheel sehen; *o. varen,* übel auslaufen, böse hergehen, schlimm ankommen, unwohl werden.
=ovelei(g)e= (= oblei), Oblate, albus panis, qui dicitur o.
=ovel-geist,= Teufel.
=ovelik,= üblich.
=ovel-môt,= Groll, Hass, Unwille.
=ovel-sprekent,= n. Fluchen.
=ovelte,= Oblate?
=oven,= sw. v. 1. üben, treiben, betreiben; *de erde, den acker o.,* das Land bearbeiten, bauen; *godesdênst o.,* Gottesdienst verrichten. 2. von Personen: pflegen, ehren, *colere;* quälen, sein Spiel mit jem. treiben, foppen, *vexare.* -- Refl. thätig sein in etwas, betreiben; sich üben, sich tüchtig machen.
=oven, (aven, avent),= m. Ofen.
=oven-brôt,= Brot, das für die Benutzung eines fremden Ofens gezahlt wird.
=ovene= = bovene, oben.
=oven-krucke,= Krücke zum Herausnehmen des garen Brotes.
=oven-munt,= furnus, Höhlung des Ofens?
=oven-quast,= Quast zur Reinigung des Backofens, tenebria.
=oven-schuffele= u. =-schuver,= Ofenschieber, pistendrum.
=oven-stake,= Ofenschieber, *pessandrum;* Schürstange, ustile, ustularius.
=oven-wisch= = ovenquast.
=ôver,= m. u. n. Ufer; in der Marsch: Aussendeichsland; Anhöhe.
=over= = aver, aber; sondern; abermals, wiederum.
=over,= praep. 1. mit Dat. örtlich (Ruhe): über, oberhalb, auf, jenseits; v. e. Beschäftigung: über, bei, an; zeitlich: vor, seit. 2. mit Acc. örtlich (Bewegung): über, bis über, über -- hin, hinüber, durch; zeitlich: nach, während; modal, bes. d, Object geistiger Tätigkeit bezeichnend: über, betreffs; über -- hinaus, gegen, *over bot,* gegen das Gebot.
=over,= adv. über, vorüber; zeitlich, nach e. Accus.: hindurch, während; *over sîn,* vorüber, vorbei sein; übrig sein; über das Mass sein; überhoben sein, oben auf sein, darüber hinaus, in Sicherheit sein; *dar over sîn,* als Zeuge, Urkundsmann gegenwärtig sein; vor Adj. u. Adv. bedeutet es häufig nur einen hohen Grad (nicht das Übermass); vor Verben ist *over* häufig = vor-, ver-.
=over-acht(e),= Ober-, Überacht, die eintrat, wenn der in die einfache Acht Erklärte binnen Jahr und Tag seine Schuld nicht gelöst hatte.
=over-achte-brêf,= Oberachturkunde.
=over-achten,= (einen Gerichtstag) verachten, versäumen.
=over-achter,= der in *overachte* Getane.
=overal,= _adv. im ganzen, in Summa; an allen Orten; überhaupt; *nicht o.,* überhaupt nicht(s)._
=over-antworden,= übergeben, überliefern.
=over-antwurdinge,= Übergabe, Einhändigung.
=over-ât,= m. Völlerei, Übermass im Essen.
=over-bede,= f. eine ausserordentliche Steuer?
=over-bêden,= 1. erbieten. 2. verbieten.
=over-bêdich?= erbötig.
=over-berch, -berghete,= über Berg, d. h. über die Alpen nach Italien; komen van o.
=over-betalen,= ausbezahlen.
=over-bewisinge,= Ausweis, Beweis für die Zukunft.
=over-blîf= = overblivinge.
=over-bliven,= übrigbleiben; overblivende, superstes.
=over-blivinge,= Überbleibsel, Rest.
=over-bode,= sw. m. der höchste richterliche u. militärische Volksbeamte der Holsten und Stormarn, senior terrae, judex provinciae, praefectus, signifer, vexillifer.
=over-bodich,= erbötig.
=over-borch,= die Hauptburg.
=over-boren,= eine Sache zur Confiscation oder Beschlagnahme verwirken?
=over-borstich,= der sich brüstet, hochmütig, verwegen.
=over-borsticheit,= Überhebung, Hochmut.
=over-êticheit= = overât.
=over-evenen,= versöhnen; sik o. mit.
=over-gân,= 1. mit Acc. übergehen, über etwas hingehen, durch-, überschreiten; überfliessen, -strömen; bildl. rasch besprechen, durchnehmen; überschreiten (ein Gesetz); übervorteilen; übertreffen, *overgânde,* partcp. adv. überaus. 2. mit Dat. über jem. kommen, ihm begegnen, widerfahren, treffen. 3. *ene es* oder *eme it,* im gerichtl. Sinne: überführen. 4. intr. vergehen, vorübergehen.
=over-gank,= 1. Übergang; Passage; bildl. Verletzung eines Gesetzes. 2. was über einen ergeht, Strafe, Brüche. 3. Beweis.
=over-brêf,= Nebenurkunde eines *hovet-brêves* (Bewilligungs- oder Bestätigungsurkunde eines Berechtigten oder einer Obrigkeit zu einem Verkauf, Acte über die Verpfändung eines Rentebriefes, etc.)
=over-breken,= (ein Gesetz) brechen.
=over-bringen,= 1. über-, herbei-, mitbringen. 2. in eine andere Hand bringen. 3. zu Wege bringen, vollführen, ausrichten. 4. verbringen, (Zeit) hin-, (Gut) durchbringen. 5. bringen um etwas, berauben. 6. erbringen, die Wahrheit nachweisen, beweisen.
=over-brukelik,= sehr gebrauchend; *o. werden in,* eifrig etwas thun.
=over-bulderen,= überpoltern.
=over-buwen,= verbauen, d. i. durch Bauen beeinträchtigen.
=over-dadich (-dêdich, -dadelik),= frech, frevelhaft, übermütig.
=over-dadicheit (-dêdicheit),= Übermut, Frevelhaftigkeit.
=over-dak,= Über-, Obdach, Schutz.
=over-dât,= Frevel, Übermut, Gewalttätigkeit.
=over-deckelse,= n. Überdecke, Hülle.
=over-decken,= über-, bedecken, mit einem Schutzdach versehen.
=over-dêdich= = overdadich.
=over-dêl,= n. Oberteil.
=over-dichten,= êneme wat, jem. etwas andichten.
=over-diken,= über-, bedeichen.
=over-dôn,= sik o., sich auf die andere Seite, die Seite des Gegners schlagen.
=over-dracht,= f. Übertragung (Transferierung), Verlegung; Übertragung, Übereignung eines Besitztums; Vertrag, Vereinbarung.
=over-dragen, -dregen,= mit ênem ênes dinges, sich vertragen, übereinkommen, überein-, zustimmen.
=over-drank,= m. übermässiges Trinken.
=over-drift,= f. das über die gesetzliche Zahl hinausgehende Betreiben eines Waldes etc. mit Vieh.
=over-drinken,= übermässig trinken.
=over-driven,= gewaltsam vertreiben.
=over-drotich,= m. Gen. überdrüssig.
=over-dulden,= erdulden, aushalten.
=over-dupen,= m. Acc. die Tiefe eines Gewässers ganz durchmessen.
=over-dûsteren,= verdunkeln, anschwärzen.
=overe,= _der obere, höhere; Superl. *overste,* Vorgesetzter; *de oversten der stat,* Rat, Patrizier; *de overste hêre,* Oberlehnsherr; *de overste richter,* Oberrichter, auch von Gott; *dat overste gerichte,* Obergericht; *dat overste altâr,* Hochaltar; *de overste sone,* der älteste Sohn; *de overen (oversten) hant hebben, beholden, winnen, krigen,* Oberhand._
=over-ein, -ên,= überein, zusammen; *o. wesen,* einig, beisammen sein; *o. bringen,* vereinigen; *o. dragen (dregen), o. komen,* übereinstimmen, -kommen, sich einigen.
=over-eins, -êns= = anderwerve; = overein.
=over-eineginge,= Vereinbarung.
=over-elderen,= Voreltern.
=overen,= sw. v. 1. intr. übrig sein, überbleiben. 2. trans. erübrigen.
=over-ende,= adv. aufrecht, empor.
=over-ers,= adv. hintenüber, rückwärts.
=over-eten,= übermässig essen.
=over-gelt,= jede Art des Geldüberschusses, der Geldzugabe: was nicht von einer Summe verbraucht wird, Mehrverdienst, Gewinn bei einem Kaufgeschäft, Aufgeld, Wucher, Agio.
=over-gesichte,= n. Aufsicht.
=over-gêten,= übergiessen.
=over-geven,= übergeben, vomieren; übergeben, überreichen; über-, er-, hingeben; zugeben, einräumen, bewilligen; aufgeben, abstehen von etwas, verzichten; jem. auf-, preisgeben; in die Acht erklären, *proscribere;* auf-, verloren geben, *sik o.,* verzweifeln; daher das Partic. *overgeven,* aufgegeben, hoffnungslos, verworfen, vom hohen oder höchsten Grade der Schlechtigkeit. Refl. *sik o. des,* zugeben, zugestehen.
=over-gevenheit,= Verzweiflung.
=over-gevinge,= Hingebung.
=over-gewalt,= Übergewalt, bes. Notzucht.
=over-gicht,= f. starke, heftige Gicht? Adj. overgichtich.
=over-giftich,= übergebend, verzichtend.
=over-giftnisse,= Gift.
=over-gissen,= obenhin, flüchtig raten oder urteilen.
=over-golt,= die beste Sorte Goldes, obryzum.
=over-gordel,= Gurt über Sattel oder Decke?
=over-gote,= in der Saline; s. Ndd. JB. 5, 142.
=over-grepich,= unrechtmässig (mit Übergriff geschehen).
=over-gripen,= trs. v. (übergreifen) unrechtmässiger Weise schädigen.
=over-gripinge,= Übergriff.
=ôver-groft,= Wassergrube oder = Graben im Aussendeichsland? Lies -graft?
=over-grôt,= sehr gross.
=over-gulde,= n.? = overgolt.
=over-gulde,= f.? was etwas übergilt, mehr werth ist, das Höchste.
=over-gût,= n. Vermögen, das nach Abfindung, Ausstattung von Kindern den Eltern bleibt.
=over-halen,= 1. herüberholen, *transferre.* 2. über jem. hinauskommen, überwinden, besiegen; in schlimmem Sinne: betrügen, berücken. 3. strafen mit Worten, schelten; körperlich züchtigen, peitschen.
=over-halinge,= 1. Herüber-, Herbeiholung, *translatio;* concr. die Hinübergeholten, Fortgeführten. 2. Beleidigung (in Wort oder That).
=over-handich,= der die Oberhand hat, überlegen.
=over-hangen,= überhängen.
=over-hank,= überhängende Zweige; Überbau.
=over-hant,= Oberhand, Übermacht.
=over-hant-rêken,= überreichen, in die Hand geben.
=over-heidesch,= jenseits der (Lüneburger) Heide gelegen; der Seeanwohner nannte die Binnenländer die overheideschen.
=over-hemede,= epicamisea, Hemd welches nur den Oberkörper bedeckt? Überhemd?
=over-hench= = overhendich, -handich.
=over-hengen,= einen *overhank,* Überbau, machen.
=over-henth,= *lies:* overhench?
=over-her,= überher, -hin.
=over-hêr,= allzu hehr, zu üppig.
=over-herdich,= übermächtig.
=over-hêre,= Oberherr, Vorgesetzter; Oberlehnsherr.
=over-hêren,= sw. v. herrisch behandeln, bedrücken.
=over-hêrheit,= (Ober-)Lehnsherrlichkeit.
=over-hêrich,= 1. überherrig, die Oberhand habend, (über)mächtig. 2. der einen Herrn über sich hat, leibeigen. 3. afrs. *urherich,* ungehorsam = *overhorich.* Lies: overhorich?
=over-hêrisch,= sehr herrisch, übermütig, superbus.
=over-hevich,= sich überhebend, stolz, elatus.
=over-hitte,= grosse Hitze.
=over-hô,= überaus hoch.
=over-hof,= Oberhof, curtis principalis.
=over-hogen,= _1. überhöhen, über etwas hinausgehen, *superare.* 2. grösser machen. 3. erhöhen, preisen,_ magnificare.
=over-holene,= adv. heimlich.
=over-hôr,= f. Ehebruch.
=over-hore,= f. das Überhören, Nichtachten, der Ungehorsam, bes. das Versäumen eines gerichtlichen Termines oder einer Schuldzahlung; *in o. bringen,* als Ungehorsamen verklagen.
=over-horen,= 1. überhören, nicht achten, misachten. 2. überhören, anhören.
=over-horer,= Ehebrecher.
=over-horich,= ungehorsam, bes. wer vor Gericht geladen nicht erscheint, contumax.
=over-hovedes,= kopfüber, jählings, übereilt.
=over-humpelen,= überrumpeln?
=overich,= 1. übrig; in Reserve; mit Gen. *o. wesen,* erübrigt, überhoben sein. 2. übermässig, überflüssig, unnütz. 3. was über andern ist = overe.
=overich,= adv. 1. überher, ausserdem. 2. überaus, sehr.
=overicheit,= obrigkeitliche Macht und Befugniss, Oberherrschaft; obrigkeitliche Behörde.
=overigen,= sw. v. erübrigen, übrig lassen.
=over-ilen,= überraschen; *mit,* heimsuchen.
=overinge,= Überschuss.
=over-jâr(e)sch,= überjährig, über ein Jahr alt.
=over-kepsch,= schielend, übersichtig (von *kapen*).
=over-kêsen,= besehen, beurteilen.
=overklagen,= êneme wat, anklagen, schuldgeben.
=over-klâr,= sehr klar, sehr hell.
=over-komen,= _1. intr. hinüber-, ankommen. 2. trans. über jem. (etwas) kommen, erreichen, antreffen, bekommen; überführen, beweisen; *mit eme es o.,* übereinkommen, sich vereinbaren._
=over-kôp,= Zahlung durch Anweisung, Wechsel etc.
=over-kopen,= 1. verkaufen. 2. *gelt o.,* zahlen durch Anweisung, Wechsel etc. 3. jem. übersetzen, übervorteilen im Kauf. 4. jem. überbieten.
=over-kraft,= Gewalt, violentia.
=over-krone,= Überkrone, aureola.
=over-krigen,= mit Krieg überziehen.
=over-kummern,= überlasten.
=over-kumpst,= Übereinkommen, Vereinbarung.
=over-lach,= feindlicher Angriff.
=over-landesch, -lendisch,= oberländisch, oberdeutsch.
=over-lange,= sehr lange.
=over-langen,= überreichen.
=over-langes,= adv. vorlängst.
=over-lank,= adv. 1. vor einiger Zeit, vor kurzem. 2. vorlängst, seit langer Zeit. 3. nach einiger Zeit, eine Zeitlang. 4. bisweilen, von Zeit zu Zeit. 5. räuml.: in grösserer Entfernung?
=over-lant,= 1. Ackerland, welches ausser dem, dem Besitzer zugemessenen Lande, dem eig. Areal, noch zu einer Hufe, einem Dorfe, einem Gute gehörte, *agri residui, infra mensuram mansorum non contenti.* 2. Oberdeutschland. 3. Himmel.
=overlast,= _übergrosse Last; Belästigung, Bedrückung, Vergewaltigung; auch mit Worten,_ o. dôn, calumniam facere.
=over-lastich,= sehr beschwerlich.
=over-laten,= überlassen, zugestehen.
=over-laticheit,= Zügellosigkeit.
=over-ledder,= Oberleder an Schuhwerk.
=over-lêdich= = over-leigich, übrig bleibend.
=over-legen,= überlegen, superior.
=over-lêgen,= mit Acc. der Pers. belügen, lügenhaftes von jem. sagen.
=over-leggen,= 1. zur Last legen, Schuld geben. 2. überlegen, betrachten. 3. ablegen (Rechnung).
=over-leigich, -leych, -ley,= adj. was übrig ist, Rest; was an einer bestimten Summe fehlt oder überschiesst.
=over-lesen,= über-, durchlesen, prüfen.
=over-leven,= 1. hinleben; erleben. 2. überleben.
=over-leveren,= überliefern.
=overlich,= übrig.
=over-liden,= st. v. hinübergehen, vergehen; in die andere Welt hinübergehen = sterben.
=over-lidentheit,= das Vorübergehen, Vergänglichkeit.
=over-lîf,= n. Brustrock, Leibchen.
=over-liggen,= mit Acc. 1. bedrängen. 2. anliegen, heftig bitten.
=over-link,= einer, der über dem andern ist.
=over-lofte,= Gelübde, das überher oder auch gegen Gewohnheit gegeben wird.
=over-lôn,= Überlohn (über den gesetzlichen Betrag).
=over-lôp,= m. 1. Überlauf, *transcursus,* Stelle, wo man über einen Weg, Deich etc. geht. 2. Überlauf des Wassers, und Deichstrecke, wo das Wasser überlaufen kann. 3. beim Schiffe: das Verdeck. 4. Überlauf, Überfall; Beunruhigung, Störung; *o. dôn, infestare.* 5. m. und n. was überschiesst, übrig bleibt, Rest oder Überfluss.
=over-lopen,= 1. intr. verlaufen; überlaufen; überschiessen von einer Summe, übrig bleiben. 2. trans. überfallen; beunruhigen, behelligen; rasch durchlesen, obenhin betrachten.
=over-luken,= st. v. hinüberziehen.
=over-lût,= sehr laut; vor aller Welt, öffentlich.
=over-macht,= Übermacht, Gewalt.
=over-maken,= übersenden.
=over-mâls,= abermals.
=over-man,= pl. =-lude,= _Obmann, Herr; bes. Schiedsrichter, Obmann bei Compromissen,_ arbiter superior; = overolderman.
=over-mannich,= verstärktes mannich.
=over-mate,= f. Übermass, Zugabe; *to einer o.,* zum Überfluss.
=over-matich, -mêtich,= übermässig.
=over-mechten,= sw. v. an Macht, Stärke übertreffen.
=over-mengen,= an Menge übertreffen.
=over-mere,= als subst. Begriff: Orient; *komen van o.; over-mērsch,* morgenländisch.
=over-merken,= überdenken, überlegen.
=over-mêster,= Ober-, Hauptlehrer.
=over-middes, (-mids, -middest),= präp. mit Dat., selten Acc., vermittelst, durch; über, wegen.
=over-mode,= adj. übermütig. Adv. overmodeliken.
=over-modich,= übermütig, stolz; magnanimus.
=overmogen,= irr. v., intrs. und trs., die Oberhand haben, stärker sein.
=over-molder,= Grossmalter?
=over-morne,= übermorgen, postcras.
=over-môt,= m. (und f.?) Übermut, übermütiges Benehmen, *magnanimitas;* bildl. vom Überwallen, Schäumen einer (gekochten) Flüssigkeit.
=over-munt,= stolze, hochfahrende Rede.
=over-nachtich, -nechtich,= übernächtig, was über eine Nacht alt ist oder her ist, worüber eine Nacht vergangen ist; adv.: über Nacht, am vorhergehenden Tage.
=over-natûrlik,= übernatürlich.
=over-nemen,= 1. zu viel nehmen, zu viel erheben. 2. über (sich) nehmen, ertragen. 3. vernehmen, merken.
=over-nemende,= ausnehmend, gross, eximius.
=over-nementheit,= hervorragende Grösse.
=over-nôt,= Obergenosse, Obercollege.
=over-ogich,= übersichtig.
=over-oke,= sw. m. Überschuss; Überfracht.
=over-olde,= sw. m. 1. = *overolderman.* 2. Mitglied des obersten bürgerschaftlichen und kirchlichen Collegiums (in Hamburg).
=over-older(e),= _1. = *overolde.* 2. Eltervater; *overolderen,* Voreltern._
=over-olderman,= pl. =-lude,= _Mitglied der aus früheren Älterleuten gewählten Oberaufsichtsbehörde einer Brüderschaft._
=over-oldervader,= Urgrossvater.
=over-oltheit,= grosses Alter.
=over-pacht,= Zuschlag zum Pachtgelde? oder bloss: Verpachtungsgeld, Pachtsumme?
=over-paget= sîn? die Oberhand haben?
=over-palen,= überpfählen (einen Fluss).
=over-penninge,= pl. = overgelt.
=over-pinsen,= überdenken.
=over-plege,= Abgabe, Zins über die gewöhnliche *plege* hinaus.
=over-proven,= überdenken, erwägen, prüfen.
=over-puchen,= (überpochen) bedrohen.
=over-raden,= beraten, überlegen.
=over-ramen,= beschliessen, bestimmen.
=over-rat,= sehr schnell? nach der Reihe (nnd. *na der rat, achter r., under r.*)?
=overrecht,= die obere, rechte Seite der Tücher.
=over-rêken,= überreichen.
=over-rekenen,= überrechnen.
=over-ridinge,= Ritt über etwas hinweg.
=over-rike,= sehr reich.
=over-ropen,= gegen jem. etwas rufen, ihm Schuld geben.
=over-rugen,= (Tücher) überrauhen.
=over-rugge,= rückwärts.
=over-rumpelen,= herrappeln, plappern.
=over-sage,= Anschuldigung, üble Nachrede.
=over-sât,= Übersaat, grössere Aussaat.
=over-sâts,= adv. übermässig? gegen das Gesetz?
=over-scharven,= überschlagen, übergreifen.
=over-schatten,= verschatzen, vergelten.
=over-schelken,= ein Stockwerk über das andere weiter hinaus (in die Strasse hinein) bauen.
=over-schemen,= überschatten.
=over-schenken,= den Becher zutrinkend herumreichen.
=over-schepen,= jem. über e. Wasser setzen; von einem Schiff ins andere bringen.
=over-scheppen,= sik o., sich verschaffen, d. h. sich eine andere Gestalt geben, verwandeln.
=over-scherer,= Tuchscherer.
=over-scherich,= 1. übrig, restierend. 2. übrig, übermässig oder überflüssig; adv. overscherigen.
=over-schericheit,= Überfluss, Übermass.
=over-schêten,= intrs. überschiessen, überwallen; trs. hinüber schieben, schütten.
=over-schicken,= beschicken, beordnen; senden, übersenden.
=over-scholden?= übergehen? aufschieben?
=over-schot,= n. Überschuss.
=over-schote,= st. m. Schuss über das Ziel hinaus, Fehlschuss.
=over-schrift,= Abschrift; Überschrift, Inschrift.
=over-schriven,= 1. schreibend mitteilen. 2. schreibend, durch Wechsel (Geld) überweisen. 2. *êneme wat,* schreibend Böses von jem. sagen. 4. übersetzen. 5. abschreiben.
=over-segelen,= über, in den Grund segeln; hinübersegeln.
=over-seggen,= êneme wat, beschuldigen, nachsagen, verleumden.
=over-segger,= 1. *(grote segger),* Oberbeamter des Sodes (in Lüneburg). 2. Verläumder.
=over-se(i)len= = oversegelen.
=over-sên,= 1. Einsicht von etwas nehmen, nachsehen, revidieren. 2. m. Gen. od. Acc. der S., unbeachtet lassen; *êneme, mit ê.,* Nachsicht üben, schonen, verzeihen; *êneme wes,* erlassen, überheben.
=over-senden,= sw. v. übersenden, hinüber senden.
=over-sêner,= der die Oberaufsicht hat, Inspicient.
=over-senken,= ein Tief mit versenkten Schiffen sperren.
=over-sêre,= gar sehr.
=over-sêtich,= der etwas versitzt oder versäumt.
=over-setten,= 1. besetzen, oben belegen (mit Steinen etc.). 2. übersetzen, *transportare;* versetzen; wegschaffen; einem andern (Geld, Gut) überweisen, versetzen. 3. übervorteilen, zu viel von jem. fordern; bedrängen, einem zusetzen. 4. übersetzen aus einer Sprache in die andere. 5. ein Stockwerk überragend bauen.
=over-setter,= Fährmann, Transporteur.
=over-settinge,= Eigentumsübertragung.
=over-sichtich,= schielend; auch: kurzsichtig.
=over-sitten,= versitzen, versäumen.
=over-slach,= 1. was man über etwas schlägt, Decke, Hülle. 2. Klappfensterladen (zum Auslegen der Waren); das Mass des Raumes, den ein solcher einnimmt. 3. »Schlag« über das Mass hinaus; Überschuss, accrementum, superflui mansi = overlant.
=over-slachtich,= was über das gewöhnliche Mass hinausgeht, übermässig; *ein o. jâr,* Schaltjahr; o. lant = overslach.
=over-slân,= 1. über eine Fläche etwas hinschlagen; *den dam, dîk o.* und *dat dêp, brak o.,* vom Deichen; eine Decke über etwas schlagen, einwickeln. 2. übersetzen, hinübergehen. 3. (beim Lesen etc.) nicht beachten. 4. überschlagen, berechnen. 5. = *beslân,* ertappen.
=over-snaven,= sw. v. straucheln, sich überschlagen.
=over-snellen,= rascher als ein anderer etwas überreichen, percellere; = vorsnellen.
=over-snellinge,= Überraschung, Überrumpelung.
=over-sniden:= oversneden brôt, Art Brod, das quer überschnitten ist; o. tûch = undersneden t.
=over-sole= in der Saline, s. Ndd. JB. 5, 142.
=over-spelen,= Ehebruch treiben.
=over-speler (-spoler?),= Ehebrecher; *over-spelresche* und *over-spelster,* Ehebrecherin.
=over-spelerie,= Ehebruch.
=over-spet,= tricuspis (oder = everspit?)
=over-spil, -spel,= n. Ehebruch.
=over-spreken,= 1. *êneme wat,* nachsagen, Schuld geben, zur Last legen. 2. besprechen, verabreden.
=over-sproke,= üble Rede, Schmähworte?
=overst= = over, aber.
=over-stallen,= = bestallen, belagern.
=over-stân,= überstehen, überragen; (vom Wasser) Land bedecken, *overgestanden sîn,* (vom Lande) mit Wasser überflossen sein.
=over-steden,= das Hinüberziehen, die Überfahrt über einen Fluss gestatten.
=over-steke,= Über-, vorstehender Bau.
=over-stellen,= übergeben, -senden.
=over-stellich,= übrig, reliquus.
=over-stên= _u. Ggs. *under-stên,* zwei Sorten Dachziegel in der Form halber Cylinder._
=over-stendich,= übrig bleibend.
=over-stigen,= st. v. übersteigen.
=over-storen,= ver-, zerstören.
=over-stoppen,= verstopfen, aufstauen (einen Fluss).
=over-stote,= impedia, = _frz. *empeigne,* Oberleder am Schuhwerk?_
=over-strandes,= adv. an der Küste.
=over-striden,= st. v. 1. überschreiten, übertreffen. 2. bestreiten; besiegen.
=over-striken,= st. v. überstreichen.
=over-strouwen,= überstreuen.
=over-sture,= zurück, rückwärts, verkehrt.
=over-sumen,= versäumen.
=over-swank,= Überschwang, -schwänglichkeit.
=over-swemmen,= hinüberschwimmen.
=over-swenge= u. =-swenke,= überschwänglich, sehr gross; adv. überaus.
=over-swenge,= Überschwang, -mass, -länge.
=over-sweringe,= o. des blodes, zu dickes Blut?
=over-swide= u. =-swinde, -swint,= übermässig, sehr gross; meist als Adv.: sehr.
=over-swindich, -swendich= u. =-swindichlik,= überaus gross.
=overt= = over, aber.
=over-tal,= (m.?) f. und =-tale,= f. (Verurteilung zu schwerer Strafe), Acht, Verfestung, *proscriptio; o. des bannes,* Kirchenbann.
=over-talich,= 1. (Verbrechen) worauf *over-tal* steht? 2. = overtellich.
=over-tast,= Übergriff.
=over-tellen,= auf-, hinzählen (Geld), bezahlen.
=over-tellich= u. =-talich,= überzählig, -flüssig, -mässig.
=over-tên,= st. v. 1. intr. hinüberziehen. 2. tr. überziehen (über den Kopf etc.), überziehen mit Farbe, Dinte (durchstreichen); überschreiten; feindlich angreifen, unterwerfen und überwältigen; auf seine Seite herüberziehen, überreden.
=over-teren,= m. Acc. (überzehren) mehr Nahrung finden als ein anderer.
=over-tien,= m. Gen. (verzeihen), auf etwas verzichten.
=over-toch,= n. Überzug, Schutzdecke.
=over-toch= u. =-toge,= m. Überzug, Invasion.
=over-trachten,= betrachten, bedenken.
=over-trachtinge,= Betrachtung.
=over-trecken,= überziehen, angreifen; über etwas hin zerren, schleppen.
=over-trede,= st. m. Übertretung eines Gesetzes.
=over-tredeliken,= das Mass (Gesetz) überschreitend.
=over-treden,= 1. übergehen (zum Feinde etc.); übertreten (ein Gesetz). 2. übertreffen; Partic. *overtredende,* andere übertreffend, ausgezeichnet, übermässig.
=over-treder,= Gesetzesübertreter.
=over-tredinge,= Übertretung; das Übertreffen, Vorzug.
=over-tucht,= Stelle, wo man etwas (Holz etc.) hinüberzieht.
=over-tugen,= durch Zeugen (Beweis) überwinden, überführen.
=over-val,= m. 1. Abfluss des Wassers oberhalb einer Mühle; Überflutung durch einen Deichbruch. 2. die Frucht der Bäume etc., die jenseits der Grenze fällt. 3. Überfall, Gewaltthat.
=over-vallen,= st. v. mit Dat. oder Acc. 1. überfallen. 2. bittend angehen (vgl. *anvallen*).
=over-vallinge,= Gewaltthat.
=over-vank,= m. (Rechts) Übergriff, Gewaltthat, Schädigung.
=over-varen,= st. v. 1. intr. hinüberfahren, -ziehen (über ein Wasser, Gebirge etc.). 2. tr. mit Heeresmacht überziehen, angreifen; ein Gesetz etc. übertreten, verletzen; über-, in den Grund segeln; übergehen? eilig abmachen?
=over-varinge,= Überzug, Raubzug durch ein Land; Anfall, Gewalt, Verletzung; Übertretung (eines Gesetzes).
=over-vart,= f. Überfahrt, trajectus.
=over-vechten,= st. v. besiegen.
=over-vel,= n. Überfall, das Eisen, das in die Krampe fällt? Eisenblech vor einem Thürschloss?
=over-vere,= Übertreter? Übertretung?
=over-vesten,= verfesten.
=over-vlode,= Überflutung; Überfluss.
=over-vlodeliken,= adv. überfliessend, reichlich.
=over-vlodich,= überfliessend; reichlich, in Fülle; unnötig, unnütz (Worte); adv. *overvlodigen, overvlodichliken,* im Überfluss.
=over-vlodicheit,= 1. Überfluss, Überfülle. 2. Übermass im Essen und Trinken, Völlerei, Schwelgerei.
=over-vlodige= = overvlodicheit. Lies -inge?
=over-vlodigen,= sw. v. überfliessen, in Fülle vorhanden sein; Überfluss haben von etwas.
=over-vloien,= sw. v. = overvlodigen.
=over-vlôt,= f. 1. Überschwemmung. 2. Überfluss. 3. Schwelgerei.
=over-vlotte,= Überfluss.
=over-voren,= 1. tr. hinüberfahren; über ein Wasser setzen; verwüsten, zerstören. 2. intr. hinüberfahren?
=over-vrodich,= überreichlich tragend? (von Fruchtbäumen.)
=over-vrunt,= Busenfreund, amicissimus.
=over-vullen,= übermässig füllen, erfüllen, ausfüllen.
=over-vundich:= o. werden (mit Gen.), darüber befunden werden.
=over-walt,= Übergewalt.
=over-wassinge,= Vorhaut.
=over-wegen,= _st. v. 1. überwiegen, schwerer sein. 2. übertreffen. 3. erwägen, betrachten._
=over-wegen,= prtcp. adj. verwegen.
=over-weginge,= Erwägung.
=over-weke,= due septimane, que dicuntur o. d. h.?
=over-welde,= f. Übergewalt, Vergewaltigung.
=overwelden,= sw. v. überwältigen, vergewaltigen.
=over-weldesch:= o. wulle, oberwaldische Wolle.
=over-weldigen= = over-welden.
=over-werden,= übrig bleiben; mit Gen. überhoben werden.
=over-werf, -warf,= adv. über die Versamlung (der beim Gerichte Anwesenden) hin? oder: zum weiteren, überzähligen Male?
=over-werpen,= st. v. niederwerfen, -reissen; verwerfen; *sik o.,* v. Springen d. Fische.
=over-werpinge,= das Überbordwerfen von Waaren, um das Schiff zu erleichtern.
=over-weselicheit,= Überwesentlichkeit, Erhabenheit über das Irdische.
=over-weselik= brôt, supersubstantialis (Vulg.)
=over-wicht=, Übergewicht, overweight, surpoids.
=over-winnen,= überwältigen, besiegen; im Disputieren überwinden, widerlegen; mit Gen. überführen; verwinden, verschmerzen.
=over-winninge,= Überwindung, Sieg.
=over-wisen,= sw. v. über-, zu-, anweisen, z. B. Geld; (eine Klage) beweisen; fortweisen, vertreiben.
=over-wisinge,= Überweisung von Geld, Waaren, Forderungen.
=over-wocke,= der oberste Teil des wocken, epicolium.
=over-woldicheit,= überwältigende Fülle.
=over-worp,= Haken, die überfallen (zum Schliessen der Fenster).
=over-wulfte,= n. Obergewölbe.
=ovese,= f. Dachtraufe, Dachrand.
=oves-val,= n. der Tropfenfall von der ovese.
=ovet (avet),= n. Obst, Baumfrucht.
=ovet-bôm,= Obstbaum.
=ovet-korn, legumen= (Rauhfutter, d. i. bunte Erbsen, Wicken und Bohnen durcheinander?)
=ovinge,= _1. Übung, Thätigkeit, Beschäftigung, Verfahren. 2. Quälerei, *vexatio.* 3. Verehrung, Cultus; Gegenstand der Verehrung._
=ow-,= s. ouw-.
=owê, owî, owach, owoch,= Interj. des Schmerzes; Hülferuf.
P
=pace, pacem,= m. u. n. der Friedenskuss bei der Messe.
=pacht,= f., auch m., Pl. *pechte, pachte,* das für die Nutzung eines Gegenstandes zu zahlende Geld (Pacht, Zins); Pachtverhältnis.
=pachten,= pachten.
=pacificâl,= Kusstäfelchen, Kusskreuz (bei der Messe).
=packe,= st. sw. f. Packen, Bündel Dem. packeken.
=packêl,= n. Packen.
=packen,= sw. v. verpacken; refl. sich eiligst fortmachen (nicht im verächtlichen Sinne).
=packer,= Packer von Waaren, z. B. Häringen.
=packinge,= Verpackung; verpackte Waare.
=padavell,= s. padeweel.
=pa(d)derêl,= ein Kriegs- (Belagerungs-)werkzeug; mlat. petraria.
=padde,= sw. f. Kröte.
=padden-stôl,= Schwamm, Pilz.
=pade,= m. f. Pate; Taufzeuge; Taufkind.
=padele,= f. Name eines Geschmeidestückes.
=padel-, pader-kerse,= Brunnenkresse.
=pademe,= Kürbis, Melone.
=paden-gelt, -pennink,= Patengeschenk in Gelde, *-rok, -pels,* in Zeug.
=padeschop,= Patenschaft.
=padeweel, padavell,= eine Art französ. Segeltuch; aus frz. patte de voile?
=padhuchen= (= puchen?), rauben, plündern.
=page,= sw. m. Pferd, sowohl zum Reiten als zum Fahren; Hengst. (Kein unedler Ausdruck). *pagen-dêf,* Pferdedieb; *-hût,* Pf.-haut; *-kever,* Rosskäfer; *-kop,* Pferdekopf; *-ref,* Pf.-cadaver; *-kule,* Aasgrube? Pferdeschwemme? *-tzever, -kever; -viller,* Schinder; *-vlêge, epipia,* Pf.-fliege; *-weide,* Pf.-weide.
=pagelûn,= s. pawelûn.
=pagen,= befriedigen, bezahlen.
=pagi-, page-, paga-, paye-, payment,= n. Zahlung; Zahlmünze; Währung.
=pagi-, page-, pegi-, peyge-munte,= f. = *pagiment,* Zahlmünze.
=pai-gût,= eine Art Flachs.
=pais= = pax, frz. *paix,* Friede, Ruhe.
=paith-rogge,= Pachtrocken?
=pak,= n. = *packe;* Gepäck; Pack, Gesindel. Dem. paksken.
=pak-darm, -darme, -derme,= m. Packdarm.
=paken,= sw. v. packen.
=pak-lenwant,= Packleinen.
=pâl,= m. Pfahl; bes. der Grenzpfahl, Grenze; *vêr pale* ist Bezeichnung des Hauses und Hofes.
=palandes-, palant-, palans-, palenz-grêve,= Pfalzgraf; auch *de palandesche grêve,* oder blos palant, palent.
=palas, palâs,= n. m. grösseres fürstliches oder öffentliches Gebäude: Pfalz, Palast, Rathaus, Zelt, Tribüne; auch Saal eines solchen Gebäudes; *hemmelsch p.,* Himmel.
=pâl-borger,= Schutzbürger, der ausserhalb der »Pfähle« und der Mauern einer Stadt wohnen darf.
=pale,= f. ein Geschmeidestück (= padele).
=pâl(e)-gelt,= Hafenabgabe eines Schiffes.
=pâl(e)-holt,= Holz zu Pfählen; Pfähle.
=palen, pêlen,= sw. v. pfählen, Pfähle setzen; pfählen, spiessen, ironisch: im Wasser mit den Füssen stampfen.
=palgerd,= ein Hausgerät (welches?)
=palinge,= Pfählung; Pfahlwerk; Ausdehnung der Grenze, Umfang.
=pallas, pallâs,= s. palas.
=pallas-, pallantz-grêve,= s. palandesgrêve.
=palle,= f. Altartuch, -decke, palla.
=pallêren,= parlieren, frz. parler.
=pa(l)lieren= (ê?), polieren.
=palm,= m. Palmzweig; *palm-bôm,* Palmbaum.
=palmât,= eine weiche Seidenart, Flockseide.
=palme,= sw. m. Palmbaum; Palmzweig; *dach to palmen* und blos *palmen,* Palmsonntag.
=palm(e)-avent,= Sonnabend vor Palmsonntag.
=palm(e)-dach, palm-sondach,= Palmsonntag.
=palmenter= = permenter.
=palm(en)-twîch,= Palmzweig.
=palm-vûst,= hohle Hand (mit der man schlägt).
=palm-weke,= Palmwoche (vom Palmsonntag bis Ostern).
=pals-grêve,= Pfalzgraf.
=palsternake,= s. pasternake.
=pâl-stoter,= der Pfähle einrammt.
=palte,= Lappen, Happen, Stück.
=(palt-) poltenere,= Wallfahrer im groben Wollenrock, Bettler, Landstreicher.
=(palter-) polter-lappen,= (tautol. Zus.), Lappen, Fetzen.
=palt-rok,= langer (faltiger) Überrock, Regenrock (nicht immer von groben Stoffen).
=paltuten,= (Rinds)eingeweide, Kaldaunen.
=pâl-vast,= ansässig, Immobilien besitzend (von Bürgen).
=pampe,= f. ein breites Schwert.
=pampelen,= sw. v. sich hin und her bewegen.
=pande-garn,= Netzgarn.
=panden,= sw. v. pfänden; eine Sache als Unterpfand nehmen.
=pandeschop,= Pfandschaft.
=pande-sêl,= Strick zum Jagdnetz; im Pl. das Netz selbst?
=pandes-gelt,= Handgeld auf einen Kauf, eine Miete.
=pandes-(ge)wise,= adv. pfandweise, als Pfand.
=pandinge,= Pfändung.
=pandisch,= pfandlich; *(in) pandescher wise* (oder *were*), als Pfandbesitz.
=pan-ersen,= sw. v. mit einer russigen Pfanne auf den Hintern schlagen, fuliginea (ferrea) patella nates verberare.
=panne,= f. Pfanne; Hirnpfanne, Schädel; Ziegel; Wipfel, Krone der Bäume?
=panne-backer,= Töpfer.
=panne-, pannen-, pan-koke,= Pfannkuchen.
=panne-koken,= sw. v. Pfannkuchen backen.
=pan(n)êl,= (urspr. Tuch oder Holz in einem Rahmen). 1. Sattelküssen. 2. Täfelwerk, hölzerne Bekleidung der Wände und Decke einer Stube, bes. mit viereckigen Feldern. 3. Auf Schiffen: Luke, Lukendeckel, -klappe; vielleicht auch die s. g. *vullingen,* Füllungsplanken.
=pannêlen,= sw. v. Täfelwerk machen.
=pannêlen-maker,= der Pannele macht, Tischler.
=pannêlinge,= Holztäfelung.
=pannêl-negele,= Nägel zu den Pannelen.
=pannêl-werk= arbeiden = pannêlen.
=pannen-dêl,= Pfannenteil (Anteil an dem Ertrage einer Salzpfanne in der Saline, an dem Küchengeräte eines Hausstandes).
=pannen-dreger; pan(nen)-gût; pannen-hêre; pannen-hêrschop;= in der Saline; s. Ndd. JB. V. 143.
=pannen-isern,= Eisenblech zur Herstellung von Pfannen.
=pannen-rente,= Salinen-Einkünfte.
=pannen-sleger,= Pfannenschmied.
=pan(nen)-stal,= n. und =pannen-stede,= f., die Stelle in einer Brauerei, Saline, Badestube etc., wo die Pfanne eingemauert ist.
=pans-degen,= ein dreieckiger Stossdegen?
=panse,= _sw. m. Wanst, Schmerbauch, *omasium;* bes. der zweite Magen des Rindviehes._
=pansêr, panser, panscher,= m. n. Panzer.
=panser-borst,= _Brustharnisch; *-brôk,* eiserne Hose; *-mulliken?* lies *malliken* (Dem. von *mallie*)? *-schorte,* sw. f. Panzerschurz._
=panser-vegen,= sw. v. den Panzer fegen; bildl. einen mit Schelten, Schlägen etc. gehörig vornehmen.
=pant,= n. Pl. *pande,* Jagdnetz.
=pant,= n. 1. Pfand; *brêf unde pant,* schriftliche und reelle Sicherheit; Gen. *pandes,* adv. zu Pfande, als Pfand. 2. anvertrautes Gut; *to pande (stân) laten,* im Stich lassen, einbüssen. 3. Pfändung.
=pant,= n. Kreuzgang des Klosters.
=pantaleonen,= den Pantaleonstag (28. Juli) feiern.
=pant-brêf,= Verpfändungsurkunde.
=pantel-dêr, pantêr,= n. Panther.
=pant-gelt,= Strafgeld zur Lösung des wegen Kornganges gepfändeten Viehes.
=pant-gerechticheit,= Pfandrecht.
=pant-gût,= verpfändetes Gut.
=pant-hêre,= Pfandherr (Ggs. Erbherr); Pfandgläubiger.
=pant-huldinge,= die Huldigung, die einem Pfandherrn geleistet wird.
=pant-kêringe,= Widersetzung gegen gerichtliche Pfändung.
=pant-kogel,= _Kogel aus Pfändern (Stücken) zusammengesetzt? (*pant* bezeichnet auch ein Stück, namentl. ein viereckiges, frzs. *panneau*)._
=pantlik,= pfandlich (Ggs. *erflik*).
=pant-lose,= f. Auslösung des Pfandes; Geldgeschenk an Reisende, Diener etc. zur Auslösung ihrer in der Herberge versetzten Pfänder.
=pant-quiten,= ênen, jemandes Pfand auslösen.
=pant-quitinge,= Lösung des Pfandes; Zahlung der Schuld.
=pant-sate,= Versetzung, Verpfändung.
=pant-schillink,= die Summe, um die etwas verpfändet ist.
=pantschop,= f. Pfandschaft.
=pant-slot,= Schloss, das man als Pfand inne hat.
=pant-vrede,= der rechtlich gesicherte Besitz eines Pfandes.
=pantuffelen, -tufelen, -toffelen,= Pantoffeln.
=pantuffel(en)-maker,= Pantoffelmacher.
=pant-were,= Pfandweigerung.
=pant-were,= Pfandbesitz.
=pantze, pantzer= = panse, panser.
=pap,= _Mehlbrei, wie er besonders Kindern gegeben wird, Kinderbrei._
=papa-, papegoie,= _sw. m. Papagei; der Vogel als Ziel der Schützen._
=papagoien-bôm,= _Vogelstange; *-konink,* Schützenkönig; *-salve,* Pappelsalbe._
=papawe,= sw. m. spöttisch: Pfaffe. Vgl. pippawe.
=pape,= m. Oheim?
=pape,= sw. m. Pfaffe, Weltgeistlicher (ohne üble Nebenbedeutung).
=pap(e)lik,= _geistlich; *papelike kunste,* die gesamte Wissenschaft der Theologie._
=papen-blome,= flos ceratus; -bôk, Pfaffenbuch *(Ecclesiasticus); -bôm,* Vexillum, welches die Domschüler (in Braunschweig) bei gewissen Umzügen vorantrugen; *-brêf,* Urkunde eines Geistlichen (Bischofs); *-hof,* Pfarrhof; *-kint,* Pfaffenkind; Name einer Pflanze (Euphemismus für *papen-pint*); *-krîch,* Pfaffenkrieg; *-kunst,* geistliche Wissenschaft, Theologie; *-pint,* (eig. *sacerdotis virile*) *arone,* Aronswurzel; *-plante, lactucella* (Saudistel); *-platte,* Pfaffenplatte, -blatt, Mönchsblatt, -kopf, *leontodon taraxacum; -stûtling,* (Schelte) Pfaffenhure.
=paperie,= geistl. Thätigkeit, Pfaffentum.
=papermint?= = perment, Pergament.
=pape-, papenschop,= die Geistlichkeit, Clerus; Gelehrsamkeit, Wissenschaften.
=pâp-, papeheit,= 1. Geistlichkeit, die Gesamtheit der Geistlichen. 2. geistlicher Stand. 3. Theologie; Gelehrsamkeit, Wissenschaften.
=papiste,= sw. m. Anhänger der *papisterie,* der papistischen Kirchenverfassung.
=pappen,= sw. v. Mehlbrei und überh. Brei zurechtmachen und damit füttern; intr. sich vollstopfen; mit Mehlkleister stärken (Weberei).
=pappîr, papîr,= _n. Papier; *pappîrs-brêf, ên pappîrsche b.,* Urkunde auf Papier; *pappîr(s)-mole,* Papiermühle; *pappîr-werk,* Papiermanufactur. Adj. *pa(p)piren,* von Papier._
=papriân,= (Schelte; etwa) Dämelak.
=papuleonen-salve,= Pappelsalbe (aus den Knospen der Pappel).
=par= = parre, bes. in den Zusammensetzungen.
=pâr,= n. Paar; *in* oder *bi paren,* paarweise, je zwei zu zwei; *ên pâr volkes,* zwei Leute, namentl. Eheleute.
=paradîs,= n. m. Paradies; Vorhof, Vorbau einer Kirche.
=paradîs-appel,= pomum granatum.
=paradîs-korn,= afrikanischer Pfeffer.
=parât,= Ausrüstung.
=parcêl,= n. Stück, Artikel, Gegenstand, Teil, z. B. von Waaren, die einzelne Bestimmung einer Verordnung.
=parchem, -cham, -chen= = Barchent, Parchent, pannus ex lino et lana.
=pard,= Parder, pardus.
=parde,= eine Handelswaare; welche?
=pardiel= = bordeel, lupanar?
=pardinne (?),= parda, genus fistule = bardune.
=pardîs= = paradîs; = paradîskornere.
=par- (por-)dontze,= weiter, langer Reifrock der Frauen.
=pardûr-werk= = bordûrwerk, Bordürwerk, (Saum)stickerei, Broderie.
=pardûs,= interj. pardauz!
=pare= = parre.
=parêren,= sw. v. gehorchen.
=parêren,= sw. v. *sik p.,* sich paren, einigen.
=Parisesch, Parîsch,= aus Paris.
=park,= n. = perk.
=parkelment,= Pergament.
=parle, perle,= _f. Perle; *parle-moder,* f. Perlemutter; *-stickent, n.,* das mit Perlen Besticken, die Arbeit des *-stickers; -werk,* Perlenschmuck._
=parle-, parlia-, parla-, parliment,= _n. 1. Besprechung, Zusammenkunft; *p. holden,* Tagfahrt halten. 2. Wortwechsel, Gezänk, Streit._
=parlen-,= in vielen Compos.: mit Perlen verziert.
=parlen,= mit Perlen verzieren; Prtcp. parled.
=parment, -mint, -munt,= Pergament.
=parmenter,= Pergamentmacher.
=parner= = perner.
=parpen, parpen-stên,= Kopf-, Binde-, Streckstein; frz. parpaing.
=parre,= f. Pfarre: Amt, Bezirk, Haus des Pfarrers.
=parre-, par(e)-hof= = wedeme; -hêre, _Pfarrer; *-kapelle; -kerke; -man,* pl. *-lude,* Kirchspiels-Eingesessener; *-recht,* Befugnis des Pfarrers; *-scholer,* angehender Geistlicher?_
=parse= = perse.
=parsone= = persone.
=part,= _n. 1. Teil. 2. Anteil, 3. Gerichts- oder sonst eine Partei._
=partêke,= _sw. f.? *nodabagundium,* Brotschnitte (als *schottelbrôt,* Almosen)._
=parten,= sw. v. teilen; bes. Beute teilen; *p. an,* Anteil haben an.
=partenie,= f. Partei.
=parterie,= Weinfälschung durch Mischung.
=partich,= zu einer Partei haltend; *p. stân mit ênem,* in Einvernehmen stehn; subst. Parteigenosse.
=partie, -ige,= f. 1. Partei, Genossenschaft, Gesellschaft. 2. Parteiung, Zwist. 3. Parteilichkeit. 4. Gerichtspartei.
=partie-broder,= Parteigenosse; Anführer.
=partien,= sw. v. Partei machen, es mit jem. halten.
=partî(e)sch,= parteiisch.
=partîf= = portatîf.
=part-tal(e),= Verhältnis, na p. = pro rata parte.
=partzeil= = parcêl.
=parvos:= mit p. = profors.
=pas,= m. u. n. Schritt, Tritt; Pass, Passage; ein bestimtes Mass, Mal, z. B. Normalmass eines Wasserstandes, der Ladungsfähigkeit oder des Tiefganges eines Schiffes, am Trinkglase markierte Abschnitte desselben, daher = *pasglas;* Angemessenheit, Gelegenheit, *convenientia; up dat pas,* bei (zu) der Gelegenheit, Zeit, damals; *to* oder *van pas(se),* in richtigem Masse, zu gelegener Zeit, bei passender Gelegenheit; *to passe sîn,* gesund sein; *to p. maken,* in richtigen Schick bringen, heilen.
=pas-bort= = pasport.
=pâs-bret,= _d. i. *pace-bret,* das Kusstäfelchen (bei der Messe)._
=pasche, pāsche,= sw. m., =paschen, pāschen,= st. m. u. plur. Ostern, *in den p.* auch = die Woche vor Ostern.
=pasche(n), pāsche(n)-avent,= Sonnabend vor Ostern; *-brade,* Osterbraten; *-dach,* Ostersonntag; *de lutke p.-d.,* Sonntag Palmarum; *-fest,* Osterfest; *-hure,* zu Ostern fällige Miete; *-kerse,* -licht, geweihte Osterkerze; *-lam,* Osterlam; *-mândach,* Montag nach Ostern oder nach Palmarum? *-nacht,* die Nacht auf Ostersonntag; *-weke,* die Woche vor Ostern und die nach Ostern; *-wunne,* Osterfreude.
=pasch(e)-, pāsch(e)lik,= österlich.
=pasement,= (frz. *passement*) Borde, Einfassung, Besatz von Kleidern, Möbeln etc.; *p.-maker,* Bordenwirker, Posamentier.
=pas-glas,= ein hohes Trinkglas, das durch Reifen am Rande in Abschnitte geteilt ist.
=pas-hennep,= Passhanf, »der blos gebrochen, noch ungehechelt ist«. Wohl aus *pars-, pers-h.,* von *persen = boken;* vgl. persehûs.
=paslik,= passlich, ziemlich.
=pas-port,= n. (frz. *passe-port*) Geleitsbrief. Pass, Abmusterungszeugnis der Seefahrer.
=passasi(e),= st. f. Passage; Seefahrt. p. dôn.
=passen,= sw. v. = *to passe maken,* angemessen machen; intrs. u. refl. passen, geschickt sein, sich eignen. *passen up,* auf etwas Acht geben, berücksichtigen; *nicht p. up,* für gering achten.
=passen,= _sw. v. mit Acc. passieren, vorbeifahren an (von Schiffen)._
=passen,= dat vlas; vgl. pashennep.
=passenêr,= Passagier.
=passer,= m. Zirkel.
=passêren,= einen Raum durchschreiten, -fahren; vorbeigehen, -fahren.
=passie,= sw. u. st. f. 1. Leiden; Leidensgeschichte Christi oder eines Märtyrers; *de passien spelen,* ein Passionsspiel aufführen, *mit ênem,* jem. martern, töten. 2. Leidenschaft.
=passien,= sw. v. martern.
=passinêren,= erbittern, ärgerlich machen.
=pasteide= = posteide.
=pasternake,= Pastinak.
=pastor, pastôr,= Pastor. *pastorie,* Amt des Pastoren.
=pat,= m. Pfad, Weg.
=pate, paten,= s. pote, poten.
=patêne, pattêne,= f. Oblatenteller, der zugleich als Kelchdeckel dient.
=pater,= Geistlicher; Rector eines Klosters.
=pateren,= sw. v. in monotoner Weise viel sprechen.
=pater-noster,= _n. das Vaterunser; Rosenkranz, gew. aus Bernsteinkügelchen, daher *p.-maker* auch = Bernsteindreher und *geel p.-stên,* Bernstein; *ein p. lank,* so viel Zeit, als das Beten eines P. dauert; *ein p. gulden rink,* ein Ring aus goldenen, wie P.-Kugeln gereihten Stücken?_
=pater-stôl,= halbrunder Stuhl, Lehnstuhl.
=patiente,= sw. m. Patient.
=patriarche,= sw. m., selten =patriarch,= st. m. Patriarch, Erzvater; P. der morgenländischen Kirche.
=patrone,= sw. m., selten =patrôn,= st. m. Schutzheiliger; Schutzherr, bes. der Ratsherr, welcher die Aufsicht über eine Brüderschaft oder Innung führt. *patrone-dâch,* Jahrestag des Schutzheiligen; *patronen-misse,* Messe am Feste und beim Altar desselben.
=patrone,= _f. 1. Muster, Modell. 2. mit Pulver gefüllte Papierhülse._
=patronêren,= sw. v. nach einem Muster, einer Schablone machen, bes. malen und sticken.
=patroniken-drank,= l. *patt.?* Medicintrank aus der *betonica officinalis,* Betonie?
=pat(t)ine,= f. Holzschuh, Trippe, Pantoffel, bes. für Frauen, der hohe Frauenschuh. Davon: *pat(t)ine(n)-maker;* auch pattiner?
=pattuffel= = pantuffel.
=pat-wide,= s. potwide.
=pausêren,= sw. v. ruhen.
=pavi-, pavement,= n. gepflasterter Fussboden, pavimentum.
=pav-, pawe-, pawe-, paulûne,= sw. f. und st. n., meist =p-lûn,= st. m. Pavillon, Zelt; Thronhimmel, Baldachin; Zeltverdeck auf dem Schiffe; Flagge und Wetterfahne?
=paves, pawes= (später =pawest, pauwst),= Papst. *p.-brêf, -bulle,* päpstl. Urkunde; *-dôm, -schop, pauwestie,* päpstl. Würde und Herrschaft.
=paves-, paweslik,= päpstlich.
=pawe, pauwe,= sw. m. Pfau.
=pawêl= = padewêl.
=paw(e)-, pagelûn,= m. Pfau; Pfauenwedel.
=pawûn?= ein kirchl. Gerät in Form eines Kreuzes.
=pay(e)ment= = pagiment.
=payen,= sw. v. bezahlen (= frz. payer).
=pechtenêre,= Pächter.
=pech(t)link,= eine Leinen- oder Tuchart, pannus lini.
=pecken,= mit dem Schnabel picken und wegnehmen.
=pedde,= sw. f. Kröte.
=pedden,= treten; *to dode p.,* tot treten.
=pedden-stôl,= Schwamm, Pilz.
=ped(d)ik,= m. das Mark, das Innerste, namentl. in Sträuchern, Bäumen etc.; als Zunder gebraucht = *fomes;* die markartige Masse in den Hörnern des Viehes.
=pedeme,= Kürbis, Melone.
=pegel,= m. ein Merk oder Zeichen in Gefässen für flüssige Sachen zur Bestimmung ihres Inhaltes (Ring, Knopf etc.), dann die dadurch bezeichnete Teilung (Hälfte, Viertel); dann überhaupt ein Mass zum Abmessen des Wasserstandes, der Grösse der Wunden etc.
=pegelen,= sw. v. das Mass (den innern Raum) eines Gefässes bestimmen, mit Messringen, Messknöpfen etc. versehen; messen, bes. die Tiefe eines Gewässers; *de sunne p.,* den Stand der Sonne mit dem Peilkompass finden.
=pegelinge,= Messung, so der Wassertiefe, des Sonnenstandes.
=pegel-kompas,= Peilkompass.
=peie,= des Vaters Schwester (noch wangerogisch) = veie.
=peigemunte= = pagimunte.
=peik= = pêk.
=peis,= Friede (aus frz. paix).
=peiselik,= friedlich.
=peisen,= sw. v. *peis,* Friede machen.
=pek, pik,= Gen. *pekes,* n. Pech. Vgl. pik.
=pêk,= m. n. Langspiess, Lanze, Pike; spitzes eisernes Gerät, z. B. eine Art Bohrer, Thürangel, Krampenhaken etc.; *gân in p.,* von Raaen, Gaffeln, wenn sie fast senkrecht aufgeholt sind *(setten in p.),* dass sie wie Lanzen stehn.
=peke, pecke= = pute. Vgl. anord. *pika,* dän. pige.
=pek(e)-drât,= Pechdraht; spött.: Schuster.
=pekel,= f. Salzbrühe zur Erhaltung des Fleisches und der Fische. Daher pekel-âl, p.-herink.
=pekelen,= sw. v. in Salzbrühe legen.
=pekel-huve,= Pickelhaube (d. h. ein mit einer Spitze versehener Helm?).
=peken,= sw. v. pichen, mit Pech überziehen; Eisenwaren mit Pech schwarz und blank färben.
=pêk-staf,= ein vorn mit einer Spitze (Pike) versehener Stab.
=pêl,= n. u. m. Tragring auf dem Kopfe der Frauen; Kopfbinde als Schmuck und Putz; Brautkranz.
=pelder= = pellel, Bahrtuch.
=pelegerne= = pelegrime? = pelegernde, pilgernd?
=pelegrimacie, -mâtz(i)e,= st. sw. f. Pilgerschaft; p. gân, tên, varen, wanderen, wesen.
=pelegrimates,= adv. als Pilger, auf der Pilgerschaft.
=pelegrime,= sw. m., =-grîm, grim= (Gen. *-imes, -immes, -emes,* die übrigen Casus auch unflect.), st. m. 1. Pilger, Wallfahrer. 2. fulica; eyn wis (= visch?) voghel, vel est avis nigra in paludibus morans.
=pelegrimen,= sw. v. Pilger sein, pilgern.
=pelegrimen-hôt,= galerus; -sadel, Reisesattel?
=pelegrîn(e)= = pelegrime; mit *n* auch in den Ableitungen.
=pêlen= = palen.
=pelg(e)rim(e), pelgrem= = pelegrime.
=pelle? pellel,= ein kostbarer (bes. roter) Seidenstoff; urspr. zum Staats- oder Kirchengewand gebraucht, dann auch als Bahrtuch bei Leichenbegängnissen.
=pellen,= Adj. zu *pellel;* Subst. n. = pellel.
=pels, peltz,= m. Tierhaut, Pelz; Pelzrock, Dem. *peltzken. pels-deke, -dekene (?),* Pelzdecke; lederne od. wollene Decke? *p.-mouwe,* Pelzärmel; *p.-werk,* Pelzwerk.
=pelser, peltzer, pelster,= Pelzbereiter, Kürschner.
=pelter (peltêr?)= = pelser, Kürschner, Pelzhändler.
=pelterie,= f. Pelzwerk.
=pel-wulle,= Raufwolle, frz. pelade?
=pemesse, pemetze, peemse,= Bimsstein.
=pemessen, pemetzen,= sw. v. bimsen.
=pendisch= = pandisch.
=pêne,= f. Strafe (lat. poena); ge-, verbêden bi p. van etc.
=penitencie,= f. Reue; Sacrament der Busse; kirchl. Strafe.
=pennâl,= _ledernes Pennal zur Bewahrung der Schreibutensilien; *p.-scheide,* f. entweder = *pennâl* oder Scheide des Federmessers._
=penne,= f. Feder, bes. Schreibfeder (lat. penna).
=penner,= Salzpfannenbesitzer.
=penne-wert,= s. penninkwert.
=pennicken,= sw. v. (in einem Pfännchen rösten?)
=pennik,= Fench, eine Hirseart, panicum.
=penni(n)gen,= sw. v. zu Gelde machen, verkaufen.
=penninges-budele,= Geldbeutel.
=penninge-schulde, -schult,= f. Geldschuld.
=penninge-wert,= s. penninkwert.
=pennink,= m. Münzstück jeder Art; ein bestimtes Münzstück von verschiedener Geltung (gew. der 12. Teil eines Schillings, 1/240 eines Pfundes); Geld überhaupt, bes. so im Plural; Geldsumme.
=pennink-bêr,= Bier, wovon ein bestimtes 1 Pf. kostet; *-brêf,* Schuldurkunde; *-bret,* Zahlbrett; *-broke,* m. Geldstrafe; *-drucker,* Geizhals; *-gelt,* n. u. *gulde,* f. Abgaben oder Einkünfte in Geld; *-krût = wylt knovelock, schordeon (teucrium scordion),* auch *centimorbia (lysimachia numularia)? -nagel,* Nagel zu 1 Pf., der grösste eiserne Nagel; *-plicht,* Verpflichtung zu Geldabgaben; *-rente,* Geldeinkünfte, -Abgaben; *-sake,* Sache, welche Geld betrifft; *-schulde, schult,* Geldschuld; *-tal: na p.-talen,* im Verhältnis zum Geldwert, *pro rata parte* des Geldes; *-tins;* Geldzins; *-wegge,* Wecke, Brot zu 1 Pf.; *-wicht(e),* n. Pfenniggewicht.
=pennink- (penninge-, penne-, pen-)wert,= m. 1. was einen oder mehrere Pf. wert ist, Kleinigkeit; *bî penning(e)werden,* in geringen Quantitäten, *en detail.* 2. was Geldeswert hat, Verkaufsartikel, Ware.
=pensen= = pinsen.
=pensie, (pense?),= _f. lat. *pensio,* Zahlung: Zins, Pacht, Miete, Schulgeld, Jahrgeld._
=pentlik= = pantlik.
=pen-wert,= s. penninkwert.
=pepelicheit,= geistliche Dinge.
=pepelik= = papelik, geistlich.
=peper,= m. Pfeffer; gewürztes Gericht, Ragout = p.-brade.
=peper-gelt,= _Zins (Gülte) in Pfeffer bestehend; *-koke,* Pfefferkuchen; *-kome, -komel,* römischer, Pfeffer-Kümmel; *-korn,* Pfefferkorn; *-krût,* Saturei; *-mole,* Gewürzmühle, auch Spottname für nicht recht leistungsfähige Wassermühlen? *-môs,* Pfefferbrühe; *-sak,* Pfeffersack, auch Spottname._
=peperen,= sw. v. pfeffern.
=peper-link,= Pfifferling, ein Pilz von pfefferartigem Geschmack.
=pepesche,= Beischläferin eines Geistlichen.
=peppeken,= n. Mehlbrei für Kinder.
=pep(pe)lik= = pepelik.
=pepper= = peper.
=perchem= = parchem.
=perde-arste,= _sw. m. Rossarzt; *-decke,* sw. f. Pferdedecke; *-drenke,* st. f. Pferdetränke; *-hare,* sw. f. härene Pferdedecke; *-herde,* Pferdehirte; *-hût,* Pferdehaut; *-kop,* Pferdekopf; *-knecht,* Pferdeknecht; *-lever,* Pferdeleber; *-mekelêre,* Pferdemakler; *-melk,* Pferdemilch; *-mes,* Pferdemist; *-minte, auricula muris; -moder, -mome,* Stute; *-stal,* Marstall; *-stôt = stôt; -towe,* Pferdegeschirr._
=perden,= sw. v. Part. *geperdet,* mit Pferden versehen, beritten.
=perden-volk,= Reiterei.
=perdes-bên,= _Rossader (die starken Beinsehnen des Pferdes)? *-hâr,* Pferdehaar, *juba; -snavel,* welches Kraut?_
=pere= (lat. *pera),* sw. f. lederne Tasche.
=peregr-,= s. pelegr-.
=perfors= = profors.
=pergamên, -mein, -ment,= n. Pergament.
=perikel,= n.? Gefahr?
=pêrink,= m. Wurm, Regenwurm.
=perk,= m. u. n. eingehegter, abgepferchter Platz, Kampfplatz.
=perlament= = parlement.
=perle, perlen,= s. parle, parlen.
=perlîn,= Perle; *perlîn,* adj. mit Perlen geziert, aus Perlen.
=perment (-met, -mint),= _n. Pergament. *p.-rulle* (Rolle; Urkunde); *-vinster* (Fenster); *-werk,* Gewerk der_ permenter.
=permenten,= adj. pergamenten.
=permentêrer,= und =-menter,= Pergamentbereiter.
=perneckel-stok,= Gefängnis, cippus, carcer.
=perne-man,= Pfarrkind.
=perner= und =perrer,= st. m., =perre,= _sw. m. Pfarrer,_ plebanus.
=perse, parse,= f. Pressung, Druck; Presse, nam. Öl-, Honig- und Weinpresse, *torcular;* auch = bokemole?
=perse-hûs,= (in Riga) wahrsch. = *hennep-bokemole* und dann Hanfspeicher.
=persen, parsen,= sw. v. pressen, nam. Öl, Honig und Wein, auch wohl Hanf *(= braken* u. *boken),* vgl. *pashennep, persehûs;* plätten, bügeln.
=perse-stên,= Pressstein (der Schneider; das jetzige Bügeleisen).
=persevant,= Herold, Parlamentär, poursuivant.
=persik= _(persischer Apfel), Pfirsich; *p.-bôm,* Pf.-baum; *-lôf,* Pf.-laub._
=persinge,= Pressung.
=persone,= sw. f. Wesen, Wesenheit; Gestalt, Ansehen; Rolle im Schauspiel; sw. m. Person, Mensch; auch st. m. und *personer,* Geistlicher, Pfarrer (vgl. engl. parson).
=person(e)lik(en),= adv. persönlich, personaliter.
=pers-schune,= f. = persehûs.
=persûn,= m. = presûn.
=pert,= n. Pferd; spec. Hengst (in diesem Sinne auch m.)
=pertie, pertenie= = part-.
=pertisân,= Partisane.
=pert-ruter,= eques.
=pertze, pertzen= = perse, persen.
=pese,= f. Sehne (des Bogens), nervus.
=pêse,= f. = *pace,* Friedenskuss; *de p. geven, osculum pacis dare; p.-bret,* Kusstäfelchen, und *p.-cruce,* Kusskreuz, pacificale.
=pesel= = pisel.
=peserik,= nervus genitalis.
=pessement= = pas(s)ement.
=pestilencie,= f. Pest.
=peter,= Name einer Pflanze (parietaria offic.?)
=peter, petter= (aus lat. *patrinus*), Gevatter, *compater;* auch Taufkind, filius initialis.
=peterken,= Nach-, Diebsschlüssel (Dietrich).
=petersilie, pettercillige,= sw. f. Petersilie; *p.-n-sap,* Petersiliensaft; *-sât,* Petersiliensamen; *-wortele,* Petersilienwurzel.
=petersimen,= der spanische Wein *Pedro Ximenes* (Malaga).
=peters-wort= = duvelsbete.
=petrissen-galle,= Zaunkönigsgalle (*petrisse = paristulus, pitrisculus,* Zaunkönig).
=pêtse, pêtze= = pace, pêse.
=peweler (pevler, peuweler),= Paulinermönch; Dominikaner.
=peweslik,= päpstlich.
=ph-= steht bisweilen statt *f, v;* s. v-.
=phisonomie,= f. Physiognomik.
=phu, phûch, phui, phi,= Interj. des Unwillens, Ekels; mit Dat. und *an; ein pfu dy an,* ein garstiger Mensch.
=picht(e),= contentio, caedes.
=pichtelik:= dar wurden pichtelike degedinge, certatum est.
=pickel= = pekel; pickelherink = pekelh.
=pidel,= n. Dose. Lies pudel?
=pik,= Gen. *pekes,* n. Pech.
=pik-bomen-holt,= Tannenbaum-, Pechtannenholz.
=pik-huve,= f. Pechhaube, d. i. die Bestreichung des kahl geschorenen Kopfes eines Verbrechers, der gehenkt werden sollte, mit Pech; dann wurden Federn darauf gestreut.
=pik-vat,= Pechfass, Fass mit Pech.
=pîl,= m. Pfeil; Pfeilspitze; eine Art Nägel.
=pîl? pile?= Haufen, Stapel.
=pîl-dop,= Pfeilspitze mit Tülle? Bolzenspitze oder -nuss?
=pîl(e)ken-tafel,= eine lange Spieltafel, auf welcher man mit Kugeln spielt, eine Art Billardtafel, Beilketafel.
=pîl(e)re, pilar,= m. Pfeiler, Säule; aufgestapelter (pfeilerförmiger) Haufe.
=piler-misse,= Messe, die am Pfeiler (Ggs. am Hochaltar?) gelesen wird? *p.-pape,* Geistlicher, der sie liest?
=pilgen= = pilligen.
=pilgreme, pilgremase,= s. pelegr-.
=pîl-hauwe,= sw. f. Spitzhacke, -haue.
=pîl-kare,= Karre für Pfeile.
=pîl-koker,= Köcher für Pfeile.
=pil-krôch,= kleine Schenke, cauponula?
=pille,= sw. f. Pille, als Medicin.
=pilligen= und =pillieren (ê?),= _sw. v. berauben, plündern (frz. *piller*); überh. plagen, bedrücken._
=pilote,= Steuermann; Lootse.
=pîl-ruche,= wahrsch. Pfeilschwanz, Stechroche.
=pîl-sticker,= Pfeilschäfter, welcher die Pfeilspitze an den Schaft steckte, befestigte; bildl. Anstifter.
=pîl-tên,= der hölzerne Pfeilschaft, mhd. zein.
=pils,= s. pels; =pilser, pilsmaker,= s. pelser.
=pilterie= = pelterie.
=pin,= Pinne, Nagel, Pflock, Zapfen; Schusterzweck; Pfriem, Schusterahle.
=pinakel= u. =pin-appel,= pinnaculum, _Turmspitze, bes. der Knauf._
=pinasie,= Spinat.
=pîn(e),= f. 1. Pein, Schmerz, Qual, bes. Folter. 2. Strafe.
=pinen,= sw. v. peinigen, quälen, foltern; intrs. u. refl. sich abmühen, sich anstrengen, arbeiten.
=pine(n)-bank,= Folterbank.
=piner,= (ndl.) Arbeiter.
=pinese= = pinasie.
=pingesten, pingsten= = pinxten.
=pinich,= peinigend, streng.
=pinigen,= sw. v. peinigen, foltern; bestrafen.
=pinke,= f. eine Art Schiff, navis speculatoria.
=pinke-panken,= taktmässig mit dem Schmiedehammer schlagen.
=pinkesten,= ältere Form für pinxten.
=pînlicheit,= Qual, Drangsal.
=pînlik,= peinlich, schmerzhaft; adv. *pînliken; pînlike klage, sake,* bei der es an Leib und Leben geht (*van misdât;* Ggs. *borgelike efte civile, van schult*).
=pinnâl= = pennâl.
=pinnas,= n.? Pinasse, eine Art Schiff.
=pinne= = pin.
=pinnik-âl,= vgl. nndd. *pinnken,* Aale von mittlerer Grösse.
=pinsel,= Pinsel.
=pinsen (pensen)= u. =pinselen,= sw. v. (frz. *penser*), denken, nachdenken.
=pinsinge,= Nachdenken, Meditation.
=pîn-stake,= m. Fussblock für Gefangene.
=pin-su(w)el,= Schusterahle.
=pint,= m. männliches Glied, penis; pintader, verenda.
=pinte,= f. Pinte, Mass für Flüssigkeiten (¼ Quart).
=pîn-vellich,= strafbar.
=(pinxte),= sw. f., öfter m. od. pl. =pinxten,= Pfingsten; *twischen p. unde paschen* steht auch für tw. paschen u. p.
=pinxt-,= seltener =pinxte-, pinxten-avent,= Sonnabend vor Pfingsten; *-dach, -fest,* Pfingsten; *-gilde,* Gesellschaft, welche Pfingsten durch Maifahren, Vogelschiessen etc. feiert, auch diese Feier; *de p.-hilligen dage,* Pfingstfeiertage; *-schot,* zu Pfingsten fällige Steuer; *-weke,* Pfingstwoche.
=pinxter, pinxteren,= Pfingsten.
=pinxter-achten,= die Pfingst-Octave; -avent; -blome, convallaria bifolia; -dach.
=pione,= sw. f. *paeonia officinalis,* Paeonie, Gichtkörner; pionenkorn; p.-wortele.
=pip,= m. Pips, Zipf; der Schnupfen der Vögel, bes. der Hühner; auch als Krankheit der Menschen (de spânsche p.).
=pipe,= sw. f. Pfeife, Röhre; Luft- und Speiseröhre; *penis;* Röhrknochen; Brunnenröhre, überh. jede Wasserröhre; Röhre am Ofen, in Badestuben, in Pulvermühlen *(= kolepipe?),* an der Kanne, am Handfass (Gussröhre, Tülle); Kelchröhrchen; Leuchterhals; schmaler Graben zur Be- oder Entwässerung (Siel); langes, schmales Fass, bes. für Öl und Wein; das Spulröhrchen in der Weberei; Orgelpfeife; Flöte, überh. musikalisches Blasinstrument; Rohr, Riet?
=pîp(e)-grove,= f. Abzugsröhre, -graben.
=pipen,= st. u. sw. v. pfeifen, von Mäusen, Vögeln; ein Blasinstrument *(pipe, horn etc.)* spielen; jammern, winseln.
=pipen,= sw. v. küssen.
=pipen-bên,= Röhrknochen (des Beines).
=pipen-born,= Röhrbrunnen, laufender Brunnen.
=pipen-, pîp-holt,= Holz zu Wasserröhren; die Wasserröhren.
=pipen-maker,= Verfertiger von Blasinstrumenten? Bohrer von Brunnenröhren?
=pipen-water,= Röhrenwasser.
=piper,= Pfeifer, überh. Spielmann.
=piper,= ein am Vorderende offenes Fährschiff.
=pip-harink,= beschädigter Hering? oder *pîp-h.,* ohne Rogen oder Milch?
=pîp-kanne,= Kanne mit einer Ausflussröhre.
=pîp-osse,= ein ungewöhnlich grosser Ochse, den die Schlächter (um Ostern oder Pfingsten) durch den Ort herumführen.
=pîp-oven,= Röhrofen; Heizvorrichtung unter dem Fussboden zur Erwärmung mit heisser Luft, z. B. in Badestuben.
=pip(p)auwe= = papenplatte, leontodon tarax. (auch: Hundsblume, Lungwurz, palla marina).
=pippele= = poppele, malva.
=pippich,= mit dem Pips behaftet.
=pippink,= englischer Goldapfel.
=pîp-stên,= »Stein zu den Feuerungs-Kanälen der Kalkröse?«
=pîr-âs,= Pier-aas, d. h. Regenwurm als Aas (Köder) an der Angel. Vgl. pêrink.
=pisel, pesel,= m. (eig. Arbeitsraum, *pensale,* der Weiber und deshalb heizbar) ein heizbares Gemach, *estuarium;* die grosse Stube, Staatsstube.
=piscine,= st. f. Fischteich, überh. Teich.
=pisse,= Urin, Harn.
=pis(se)-becken, -pot,= Nachttopf; *-hûs, -stein, -trechter, -winkel,* Pissoir; *-vat,* Harnglas, *urinale; -water,* Urin.
=pissel,= (lat. *piscellus, pisellus*) Mörserkeule.
=pissen,= sw. v. harnen.
=pistel= = epistel.
=pit (pitte),= Mark, Kern, *nucleus;* Kraft, Stärke.
=pit (pitte)= = pint.
=pitancie,= (mlat. *pitancia)* eine bestimmte Portion von Lebensmitteln (an Klöster, Ordensbrüder etc. verteilt).
=pitzêr,= _n. Petschaft (auf dem Siegelring); *p.-rink,* Siegelring; *p.-snider,* Graveur._
=pi(t)zigen,= sw. v. zupfen, kneifen.
=placebo= (lat.) *seggen, spreken, dôn,* um zu gefallen *(dorch gunst)* reden, handeln, wie ein anderer es wünscht.
=plach-sede= = plechsede.
=placke,= eine kleine (flämische) Münze.
=placke,= sw. m. 1. Stück e. Ganzen, Lappen, Fetzen. 2. (Schmutz)fleck, Mal.
=placken,= sw. v. 1. *placken* machen, flecken, mit Kalk, Lehm etc. bekleiben. 2. einzelne Schüsse abgeben, vereinzelt unordentlich schiessen.
=plackenewe?= eine (holländ.) Münze.
=plackerie,= Plackerei, Belästigung.
=plackich,= placken habend, fleckig.
=pladder-vat,= Schwätzer, balatro, vaniloquus.
=plad(d)eren,= sw. v. plappern.
=pladeren,= sw. v. ausbessern, flicken? mit Rasen belegen?
=pladêren,= sw. v. plaidieren, einen Rechtsstreit mit jem. haben.
=pladêringe,= Rechtsstreit, Prozess.
=pladern,= aus Flader (Ahornholz), acernus.
=plader-nap,= Napf, Becher aus Ahornholz.
=plage,= f. = *plege,* Pflege; die Pflicht der Instandhaltung von Gräben und Deichen in der Marsch.
=plage,= f. Plage, bes. von Gott verhängte: *lues, pestilencia;* Bedrängnis, Kampfnoth, clades.
=plage-gelt,= eine Geld-Auflage in der Marsch zur Instandhaltung von Deichen und Wasserlösungen.
=plagen,= Deiche und Wasserstrassen bessern.
=plagen,= sw. v. plagen, quälen.
=plagere= ofte vulmechtige, ein Beamter; l. plegere?
=plagge,= sw. f. Fetzen, Lappen; Plur. vestes attritae.
=plagge?= sw. m. = *plugge,* Pflock, Zapfen.
=plagge,= f.? platter, dünner Rasen, Moor- oder Heidescholle, hauptsächlich zum Brennen oder Düngen gebraucht.
=plaggen,= sw. v. Erd-, Heideschollen hauen.
=plaggen-sichte,= n.? Querhacke, um Plaggen zu hauen.
=plaggerie= = plackerie.
=plaghe?= holländ. Münze (l. plagke = placke?)
=plaie,= eine Waffe: kurzer, breiter Degen?
=plak-schult= = plukschult.
=plamen= = planen.
=plân,= m. freier, ebener Platz (in der Stadt; im Felde zu ritterlichen Übungen); Kampfplatz, Wahlstatt; überh. Ebene und jeder ebene Raum.
=plane,= _sw. f. lat. *plana,* ein eisernes Instrument zur Bearbeitung (Schabung, Glättung?) des Pergaments; Instrument zur Planierung der wächsernen Schreibtafeln?_
=planen,= planieren, ebenen, z. B. das Wachs der Schreibtafel; austun, auswischen.
=planêren,= glätten, schlicht machen; polieren.
=plank,= m. Streit, Zank, Zwietracht.
=planke,= f. Planke, Bohle, bes. Pallisade, *vallum.* Plur. jede Einfriedigung durch Bretter, z. B. eines Hofes, die hölzerne Befestigung der Städte und Burgen; seltener die Verschanzung auf dem Schlachtfelde.
=planke,= f. ein Flüssigkeitsmass, ein *½* Nössel.
=planken,= sw. v. mit Planken einzäumen, contabulare, vallare.
=planken-gelt,= Gerichtsgeld *(planke* als Gerichtsschranke?).
=plans,= m.? und =plansinge,= f. Tanz, Jubel, Jauchzen.
=planse,= _f. ungeschlagen Silber, das noch in einer Plantsche (Barre, Stange) ist, frz._ planche.
=plansen, plantzen,= tanzen? jubeln, jauchzen.
=plante,= f. Pflanze.
=planten,= sw. v. pflanzen, auch bildlich.
=plantinge,= Pflanzung, auch bildlich.
=plas?= ein Pfluggerät? Vgl. ploshamer.
=plas,= m. Platz, Stelle; öffentlicher Platz, Strasse.
=plas,= m. Unruh, Zank, Streit; verdriessliche Umstände, Not; *to plasse bringen,* in Ungelegenheiten bringen; *to p. komen,* in Ungelegenheiten geraten; *plas-bove, -meker,* Aufrührer, Friedensstörer.
=plasken,= sw. v. plaschen, plätschern.
=plâster,= n. 1. Pflaster, *emplastrum.* 2. Strassenpflaster, plastrum.
=plâsteren,= sw. v. pflastern; als Pflaster auflegen.
=plat,= platt, nicht erhaben; von Münzen: nicht hohl?
=plat,= adv. schlechterdings, gänzlich, geradezu.
=plate,= f. 1. Platte, bes. plattgeschlagenes Metall, als Schmuck, Schüssel, Werkzeug der Steinhauer (lat. *celtes?*). 2. die eiserne Brustplatte, Brustharnisch, *thorax,* Harnisch überh. 3. Sandbank im Fluss oder Meer.
=plate-maker= = d. folgend. Wort?
=platener,= Plattner, Harnischmacher.
=platen-harnasch,= Plattenharnisch; *-kopper,* Plattenkupfer; *-sleger, -slager,* Harnischmacher.
=plater-spil,= Dudelsackspfeife.
=plat-gescherre,= Rüstung, arma lēvia.
=plat-link= = plattener.
=platte,= _f. 1. (*= plate?*) Metallplatte? Schnalle? als Schmuck. 2. Tonsur des Kopfes._
=platten,= sw. v. mit einer Tonsur versehen.
=plattener,= tonsurierter Geistlicher, Mönch.
=plattêr,= n. (tiefe) Schüssel.
=plat-werk:= brêt p., flaches Tafelbild.
=plâtse, plâtze,= f. Platz.
=plaus, plausen, plausinge:= lies *plans etc.?* s. daselbst.
=plave, plaue:= lies *plane?* s. plane.
=plechaft, plechlik,= s. plege-.
=plech-sede,= m. f. Sitte, der man pflegt, Gewohnheit.
=plechtich= und =plechtlik,= gewöhnlich; adv. plechtliken.
=plecke,= f. Stelle, Platz; Flecken, Mal.
=pleden,= Hefe, murca (fex olei inferior).
=plege,= st. f. 1. Pflege, Besorgung. 2. Gewohnheit, Sitte. 3. Abgabe, Zins, Pacht, (jährliche) Leistung an Geld oder Dienst.
=plege,= pflichtig = plegende.
=plege-, plechhaft, -haftich,= zu *plege* verpflichtet, zinshaft.
=plege-, plechlik,= gewöhnlich, üblich, herkömmlich; *plegelike jare,* die (üblichen) Jahre der Mündigkeit; adv. plegeliken.
=plege-molle,= Mulde für die plegeslude.
=plegen,= st. (selten sw.) v. 1. mit Gen. (selten Acc.) pflegen, mit einem oder etwas zu thun haben, sich dauernd womit befassen, sorgen wofür; mit einem Subst. oft nur einen Verbalbegriff umschreibend; *rechtes (richtes, recht) plegen,* vom Richter: Rechtspflege üben, Recht sprechen; vom Kläger und Beklagten: sich auf ein gerichtliches Verfahren einlassen, zu Gerichte stehen, sich zu Rechte stellen, den Rechtsweg betreten; mit Dat. d. Pers. und Gen. d. Sache, wofür sorgen, liefern, reichen, womit dienen; mit Inf. (mit und ohne to) gewohnt sein. 2. *plege* gegen jem. haben, zu (Dienst- oder Geld)leistungen verpflichtet sein. -- In der Bedeutung »pflegen = warten« (als sw. v.) erst in späterer Zeit.
=plegen= und =plegende= (Prtcp.), pflichtig, schuldig.
=pleges-arbeit,= die Arbeit des Maurerhandlangers.
=pleges-knecht= = plegesman.
=pleges-man,= 1. der einen andern verpflegt; jur. Vertreter. 2. der einem andern (Maurer, Steinbrücker) »zupflegt«, ihm Materialien reicht, Handlanger.
=pleges-vrouwe,= Pflegefrau, Pflegerin.
=pleges-werk= = plegesarbeit.
=plegich,= (üblich), zu leisten schuldig.
=pleie,= f. eine Art Schiff.
=pleise (plois?),= Lasche des Schuhes?
=pleit,= m. Rechtsstreit, Prozess.
=pleit-bôk,= Prozessbuch, -acten.
=pleite,= f. Schiff mit plattem Boden.
=pleiten= und =pleitêren,= sw. v. einen Prozess führen, prozessieren.
=pleit-sake,= Gegenstand des Prozesses; Prozess.
=plengen,= sw. v. mischen, rühren, durch einander mengen; Streit, Hetzerei erregen, aufrühren; betrügen, belügen, täuschen.
=plenger,= der »aufrühret«, verhetzt.
=plengunge,= Mengung; Aufrührerei, Anzettelei.
=plenkede,= n. Plankenzaun.
=pleppen,= sw. v. schwatzen; *plepper,* Schwätzer.
=pleske,= f. Versamlung (des Rates, der Gilden etc.)? vgl. pletze.
=plessicke?= Bezeichnung eines Pferdes (Füllen: ein rot, braun, schwarz *pl.*)
=plet,= Lappen von Leinen oder Tuch.
=plêten= = pleiten.
=pletener= = platener.
=pleteren,= sw. v. schwatzen, plappern, plärren.
=pleterie,= Geschwätz, Plauderei.
=pleter-vat= = pladdervat.
=pletten,= sw. v. plätten, platt machen; als techn. Münzausdruck; *worpele p.,* Würfel betrügerisch hinsetzen, statt sie zu werfen.
=plettener,= der eine Tonsur hat.
=pletz,= Lappen, Stück Tuch; eine Sorte groben Tuches.
=pletze,= f. Versamlung der Gilde? Gildenhaus?
=pletzen,= sw. v. (lies *plotzen?*) einschneiden, schlitzen.
=plicht,= f. 1. sittliche und rechtliche Verbindlichkeit, Pflicht; Teilnahme, Gemeinschaft; *bi pl.,* pflichtgemäss; *na siner pl.,* standesgemäss. 2. Leistung, Dienst; Zins, Abgabe (wozu man verpflichtet ist); Gehalt, Lohn.
=plicht,= f. das Verdeck des Hinter- und Vorderteils eines (kleinen, sonst offenen) Fahrzeuges.
=plicht= (= plichtet), verpflichtet, verbunden.
=plicht-anker,= Anker, der auf der *plicht* liegt, Notanker.
=plicht-dach,= Gerichtstag und zwar der entscheidende.
=plichten,= sw. v. 1. eine *plicht* mit jem. eingehen, sich verbindlich machen, sich verbinden. 2. verpflichten.
=plichte-nôte,= sw. m. Pflichtgenosse, Einwohner einer Stadt, der ohne Bürgerrecht, aber zu Pflichten, Leistungen verbunden ist.
=plichtes= = plichtich.
=plicht-garde,= n. Pflichtgerte, Peilstange auf flachem Wasser.
=plichtich,= m. Gen. verpflichtet, zu leisten oder zu tragen schuldig, unterworfen.
=plichtinge,= Verpflichtung, Schuld.
=plichtlik,= 1. wozu man verbunden ist, schuldig. 2. was man zu thun pflegt, üblich. adv. plichtliken.
=plicht-sede= = plechsede.
=plicht-willich,= willig zur Pflichtleistung.
=plien= (ndl.) = *plegen,* pflegen; Ptcp. geploen.
=pligen= an de natelen (Kompass?), genau steuern? = *plegen?* = engl. to ply?
=pliggen,= sw. v. würfelspielen? plicghen eder dobelen.
=plink,= n. = *planke,* hölzerne Einfassung, Zaun.
=plinken,= sw. v. blinzeln.
=plôch, plûch,= gew. f., selten m. Pflug; Erwerb, Lebensunterhalt.
=plôch-barde,= f. Pflugeisen? Pflugbeil? *-bengel,* Pflugknecht, Bauersmann; *-boker = -stoker; -cap?* ein Schmiedsgerät? Teil des Pfluges? *-holder,* Pflughalter = Pflüger; *-isern,* Pflugeisen, -messer, auch wol Pflugschar; *-kîl,* Pflugkeil (von Holz, zur Befestigung der Eisen im Pfluge?); *-klamme = -kîl? -knecht,* Pflugknecht, Arbeiter am Pfluge; *-kolter,* n. Pflugmesser; *-lank,* Pfluglänge; *-lant,* Ackerland; *-maker,* Pflugmacher; *-pert,* Pflugpferd; *-quik,* Arbeitsvieh, Pferde oder Ochsen; *-rat,* Pflugrad; *-schar(e),* Pflugschar; *-schat,* Zins oder Abgabe, nach der Anzahl der Pflüge berechnet; *-seke,* Pflugsech, -eisen; *-sole (-sale),* sw. f. Pflugschar; *-stake,* sw. m. = *-stoker; -stert,* m. Pflugsterze, Handhabe des Pfluges; *-stoker,* m. Pflugstock, um die sich an die Pflugschar hängende Erde abzustossen; *-tît,* Zeit des Pflügens; *-verste?* (von Eisen?); *-vrede,* öffentliche Sicherheit des Ackerbaues; *-wede,* sw. f. Pflugweide (wie sie zum Binden am Pfluge gebraucht wird); *-welle?* (von Eisen); *-werk,* mit dem Pfluge bearbeitetes Land, Ackerland; Ackerbau.
=plôchlik,= pflügbar, arabilis.
=plogen,= sw. v. pflügen. *ploger,* Pflüger.
=ploien,= sw. v. falten, plicare.
=ploiten (?)= = pleiten.
=plok,= Untervogt, Gerichtsdiener.
=plomp= = plump.
=plos-hamer,= ein Schmiedsgerät? zum Pfluge gehörig? vgl. plas.
=plotern,= armselig, schlecht?
=plotze, plosse, ploscze,= f. Plöze, ein Fisch, gubea, albea.
=plotze,= sw. m. breiter, kurzer Degen (oder Messer).
=plotzen,= mit dem *plotzen* schneiden.
=plotzliken= = plutzich.
=plucke,= Pflück, Flocke, floccus.
=plucke-lôn,= Pflücklohn.
=plucken,= sw. v. pflöcken, festkeilen.
=plucken,= sw. v. 1. pflücken, zausen; bildl. peinigen, berauben. 2. im Kleinhandel verkaufen.
=plucke-tungen,= sw. v. jem. verleumden.
=plucke-vinken,= s. vinke.
=pluckinge,= Kleinhandel, Hökerei.
=pluderen,= sw. v. plappern.
=plugge,= sw. m. hölzerner Nagel, Zapfen etc. = *pluck;* bildl. Dummkopf.
=pluggen,= sw. v. mit einem Pflock verstopfen, auch = plucken, deplumare.
=pluk (plok),= flect. *pluckes,* m. Pflock, zum Befestigen oder zum Verstopfen.
=pluk-gelt,= Geld für Kleinigkeiten, Sporteln, Taschenpfennig; *-pennink = p.-gelt; -schult,* kleine Schuld, *debita minora; -visch,* gehackter Stockfisch; *-voget,* der Vogt, der Schulden eintreibt, Gerichtsdiener; *-wise,* in kleinen Raten.
=plumasie,= Feder-, Flaumküssen, plumacium.
=plumbête,= st. m. lat. *plumbata,* Bleikolbe.
=plume,= f. Pflaume; *plûm-bôm,* Pflaumenbaum.
=plume,= f. Flaume, Flaumfeder; Federbusch.
=plumen,= sw. v. federn, von Flaumen, Fäserchen reinigen.
=plumen-alûn,= Federalaun.
=plumen-bedde,= Flaumbett.
=plumen-striken,= sw. v. Flaumen, Fäserchen absuchen oder ablesen; bildl. schmeicheln.
=plumen-striker,= _Flaumenstreicher, Federleser; bildl. Schmeichler._
=plûm-kussen,= Flaum-, Federküssen.
=plump,= lautmalende Interj.; Subst. schallender, schwerer Fall.
=plump= und =plumpich,= massig; nicht scharf, stumpf; bildl. unfein, grob, dumm.
=plumper,= 1. = *pumper.* 2. ungebildeter Mensch.
=plump-kule,= f. 1. = *pumpekule.* 2. Kriegswaffe.
=plunde,= sw. m. und st. f. (gew. im Plur.) allerlei kleines Hausgerät, bes. das verbrauchte und abgenutzte, Gerümpel, vor allen von Kleidern, Bettzeug, etc., Lappe, Lumpen, z. B. in der Papiermühle.
=plundeke,= scortum.
=plunde-, plundeken-, plunder-market,= Markt, wo Gerümpel, alte Kleider etc. verkauft werden, Trödelmarkt.
=plunder, plonder,= was man geplündert hat, Raub.
=plunderen,= sw. v. plündern.
=plunder-ware,= f. allerlei kleines Hausgerät, bes. Kleidungsstücke (als Gegenstände der Plünderung, des Raubes).
=pluserie= und =plusinge,= kleine Waaren; allerhand Plunder, wertlose, nichtsnutzige Sachen; Abfall.
=plûsteren,= sw. v. zerzausen, durchwühlen; plündern.
=plûsterich,= zerzaust, verworren; aufgedunsen.
=plûster-ware= = pluserie.
=pluteren,= sw. v. streiten? ein Spiel?
=plutzich,= meist =plutz-, pluslik,= plötzlich.
=pobel= = popel.
=pochratt,= am *rustwagen:* wahrsch. Verdeck, Schutzdach; mhd. *pogrot.* Aus dem Slavischen? vgl. pogarde.
=pocke, poche,= f. Blatter, Pustel; im Plur. die Blatterkrankheit; *de walschen pocken,* Syphilis; Beschlag auf Bücherdeckeln, Doppe.
=pocken,= sw. v. die Pocken haben.
=pock(en)-arste,= _Arzt für Pocken- oder Syphiliskranke; *pocken-hûs,* Hospital für solche._
=pockesch,= mit Pocken behaftet.
=podagel, -ger, -gen, -gern,= _m., seltener f. Podagra, (Fuss)gicht._
=podagelsch,= mit Podagra behaftet.
=podderen,= sw. v. dreinhacken, Einwendungen machen.
=podderinge,= Gegensprache, Einwendung.
=pofel= = popel.
=pofoise,= sw. f. ein grosser Schild, unten mit einer oder mehreren Spitzen, mittels deren der Träger ihn als Schirmwand auf den Erdboden stellen konnte, frz. *pavois,* ital. pavese.
=pogarde,= sw. f. Gefängnis (in Nowgorod). Vgl. pochratt.
=pogen,= sw. v. sich bemühen, sich anstrengen; auch refl.
=pogge,= f. und m. Frosch.
=poggen-kuller,= Froschlaich; *-mole,* Spottname für eine kleine Wassermühle; *-pôl,* Froschpfuhl; *-raf,* Froschlaich; *-stôl,* Erdschwamm, boletus, fungus.
=pogribbe,= sw. f. »Keller, Verliess, vom russ. pogreb.«
=poinson,= frz. *poinçon,* Fass, Ohmfass.
=poiter,= ein unkeuscher Mensch, Bube; Taugenichts.
=pôk,= m. Geschwätz, Schnack, Scherz.
=pôk,= m. Dolch, Dolchmesser, pugio.
=poken,= sw. v. sprechen, schwatzen, kosen, scherzen.
=poken,= sw. v. stechen (mit dem Messer).
=po-kersen (?),= cerasa magna, dulcia, primo matura.
=pok-narich,= pockennarbig.
=pôl, pûl,= m. Pfuhl, Vertiefung mit Wasser gefüllt; stehendes, unreines Wasser, Schlamm.
=pol,= flect. *polles,* m. Kopf, Spitze; von Bäumen: Wipfel.
=pōl,= st. m. und =pole,= sw. m. Pfühl, pulvinar.
=poldanit,= eine Art Segeltuch.
=pole,= Schote, Hülse.
=pol-ende,= Zopfende (des Baumes).
=poles havere,= siler montanum; in der Volksarzneikunde: *semen seseleos* (Früchte von laserpitium siler L.).
=pol-exe,= Axt, Streitaxt, rumphea, bipennis.
=pol-holt,= das Holz der Baumwipfel, Zweige.
=polich,= pfuhlich, unrein.
=policie (polici, pollicie),= f. Sorge für öffentliche Ordnung und Sicherheit.
=polleie, pollêge,= Polei, pulegium, juliana.
=polleie (-leide, -leige, -leine),= f. Winde, Haspel, namentl. Brunnenwinde, girale, frz. poulie.
=polleien-blok,= Windeblock.
=pollêren,= polieren; bildl. beschönigen.
=polmât= = palmât.
=polm(e)te= = pulmet.
=pôl-richter,= Gemeindebeamter, der bes. die Abwässerung eines gewissen Bezirks beaufsichtigt.
=polte= = bolte, Keule oder Lende eines geschlachteten Viehes? = nndd. *palte, pulte,* Stück Fleisch?
=poltener,= s. paltener.
=polterie,= Unruhe, Verwirrung, Lerm.
=polter-lappen,= s. palterlappen.
=polter-passie,= de p. spelen mit jem., d. h. ihn durchprügeln.
=poltken,= Kahn, linter.
=pol-, pulwant,= maceria, materies. Entstellt aus *fulment,* Fundament? lies *palwant,* Pfahlwand?
=pomagarnât,= (aus pomum granatum) punica granatum L.
=pomes, poimes= = pemesse; =pomesen= = pemessen.
=pomet,= ein Kleiderstoff.
=pomperie, pompêringe,= Pomp, Pracht.
=poneis,= (mhd. *puneiz)* stossendes Anrennen auf den Gegner; auch Name einer Belagerungsmaschine: Sturmbock?
=ponz-man= (= pontsman), Fährmann. Vgl. punte.
=popel,= m. das niedrige Volk, Pöbel.
=popersch, pop(p)eringesch,= aus Poperinge, Stadt in Westflandern.
=pop(p)ele,= f. altea; malva; poppelen-blome, -krût.
=pop(p)elen,= eine Art Pelzwerk, z. B. zu Schilden.
=pop(p)elsie,= f. Apoplexie, Schlag, Schlagfluss.
=poppe,= f. Puppe, *puppa;* kosende Anrede; *poppen-maker,* Puppenfabrikant; *-werk,* Spielerei, kindisches Thun.
=poppele, poppeleone, popplion(i)e,= f. Pappel; *poppelen-bôm,* dass.; *-salve,* Pappelöl.
=poppîr,= n. = pap(p)êr.
=porcêl,= n. = parcêl.
=porcie,= f. Portion, Anteil.
=pork,= Schnittlauch, porrum.
=por-lôk,= allium porrum L.
=porren, porringe= = purr-.
=pors,= m. Pors, Myrtenheide, *myrica gale;* auch ledum palustre?
=porrasie= = burrasie, Boretsch, borago off.
=porte,= f. Pforte; auf Schiffen: Öffnung an der Seite des Schiffes unten im Raume; Stadttor, daher: *in den porten,* in der Stadt; *de porten soken,* die Stadt verlassen; im Ndl. steht der Sing. auch für die Stadt selbst; bildl. Eingang, Zugang.
=portatell?= Sänfte?
=porta-, portitîf, portifiken,= eine kleine, tragbare Orgel.
=Portegal,= _Portugal; scherzhaft: heimliches Gemach, After (*porte,* Afteröffnung)._
=Porte-, Portugaloser, -loyser,= _einer aus Portugal; eine Goldmünze_ (21 carols-gulden; 11 ducaten).
=portêke(n)= = partêke.
=portener,= Pförtner, Thorhüter.
=porter,= (ndl.) Bürger.
=port-hûs,= Pfortenhaus, d. i. Befestigung, Turm an der Zugbrücke.
=portik,= m. Vorhalle, Kreuzgang der Kirche.
=port-isern,= n. Thoreisen, d. h.? entst. aus pertisân?
=port-recht,= Bürgerrecht? Thorrecht? *sîn p. krigen,* sein Teil bekommen.
=portziel= = parcêl.
=pose,= f. Ruhe, Weile, Zwischenzeit unter der Arbeit; *bi posen,* in Intervallen; wechselnder Fieberanfall.
=posen,= sw. v. pausieren.
=positîf,= n. eine kleine (tragbare) Orgel.
=posse= = pusse.
=post,= m. Pfosten, Thür-, Fenster-, Pumpenpfosten; Stein (grosser und starker Ziegel) zu den Fensterpfosten (posten-stên).
=post= = pors.
=post,= m. Postreiter, (reitender) Bote.
=posteie, posteide,= f. Bastei, Bollwerk.
=posteide, postei(g)e,= f. Pastete (aus mlat. pastata).
=posteiden-becker, -backer,= _Pastetenbäcker; *-koste,* f. Hochzeit, bei der Pasteten aufgetischt wurden, Hochzeit erster Klasse; *-vat,* Pastetennapf._
=postolêren,= sw. v. eine Salbe, ein Pflaster mit dem Pastell streichen?
=postulatus-gulden,= eine Goldmünze (seit 1440 von dem postulierten Bischof Rudolf von Utrecht geprägt, später auch von andern geistlichen Herren; wegen ihres schlechteren Gehalts vielfach verboten). Andere Formen sind: postulât-, postulâts-, postulatien-, postulaten-, postulatische g.
=pot, put,= m. Topf, bes. ein irdener; Ofentopf in den Kachelöfen; als Mass für flüssige Dinge, *sextarius,* etwa eine halbe Kanne.
=potasie, pottagie,= f. Zukost, Gemüse, Gemüsesuppe, potagium.
=pot-backer,= der irdene Töpfe macht.
=pote,= Pfote, Tatze.
=pote (potte, pate),= m. f. Setzling, junge Pflanze, Pflänzling, junger Zweig.
=poten (potten, paten),= sw. v. Pflänzlinge setzen, pflanzen.
=pote- (pate-)rîs,= Pfropfreis, Setzling.
=potestât,= st. m. und =-e,= sw. m., ital. *podestà,* Stadthauptmann.
=pote-velt,= plantatorium, Baumschule.
=pot-gêter= = gropengêter; Töpfer.
=pot-harst (-hast),= m. Topf-Braten, in kleine Stücke zerschnitten od. gehackt.
=pot-huve,= Topfhelm.
=potinge, patinge,= Pflanzung.
=potke,= Dem. zu pot.
=potker= und =pot(te)-maker,= Töpfer.
=pot-pastele,= minutal = pluckevinken.
=pot-schart,= n. Topfscherbe.
=pot-sucker,= e. Art schlechteren Zuckers? Puderzucker?
=potter,= Töpfer.
=potterie,= Töpferei.
=pot- (pat-)wide,= f. Weidensetzling.
=pouwe,= Pfote, Klaue?
=povel,= das gemeine Volk.
=pover,= arm, frz. pauvre.
=powst-werk?= Frohnfuhre?
=pracher,= Bettler.
=pracheren,= betteln; trs. erbetteln.
=pracherie,= Bettelei.
=pracher-mantel=, Bettlermantel; *-pracht,* ärmlicher Prunk; *-voget,* Bettlervogt.
=pracht=, m. und f. Pracht, Herrlichkeit (a. d. Hd.).
=pracke=, Stachel (an Pflanzen?).
=practicêren=, handeln, in Ausübung bringen; als Arzt practisieren; durch *practiken* durchsetzen; auch: überlegen, einen Entschluss fassen?
=practike=, _f. Praxis, Ausübung; betrügerischer Kniff, im Pl. Ränke._
=practikisch=, schlau, hinterlistig, betrügerisch.
=prafât=, n. = privâte.
=pral=, schön, prächtig, stolz.
=pral= und =prâl= (flect. prales), m. Prunk, Pracht, stolzes Gebahren; festlicher Aufzug, Festlichkeit; Schall, Lerm.
=pralen=, sw. v. prunken, stolzieren, prahlen, sich rühmen, laut sprechen.
=prallink=, m. Hode, Testikel.
=prâl-sacht=, eine Art Haartuch, aus Haaren und Garn (eig.: prahle mässig! weil nur halbecht).
=prâm=, m. ein flaches Fahrzeug (ohne Kiel), bes. zum Transport schwerer Güter auf Flüssen; als Leichterschiff, Fährboot, schwimmendes Blockhaus.
=prame=, sw. f.? = prâm.
=pramen=, sw. v. pressen, drücken (prame, pressio, postomis).
=prâm-gelt=, _eine Ausgabe bei der Schiffsentlöschung durch Leichterprahme, verschieden von der Prahmfracht; *-holt,* auf Prahmen angeführtes Brennholz; *-hure,* Miete für einen Prahm; *-kerl vel scuteman,* Führer von Leichterprahmen._
=prampêr=, Schall, Lerm, Tumult.
=prampêren=, sw. v. Lerm machen, tumultuieren.
=prange=, _f.? Pfahl, Stange (um zu hemmen oder zu fesseln); Maulklemme, *postomis;* Fang in der Mühle; überh. Klemme, Einengung._
=prangen=, sw. v. jem. einengen, mit ihm ringen, kämpfen, streiten, urgere, luctari.
=prangen=, sw. v. prangen, prunken.
=pranger= = prankmaker.
=prank=, _m. (Einengung?) Kampf, Streit, Zank, Krieg, Drangsal, Leid._
=prank=, m. Gepränge, Prunk.
=prank-maker=, Unruhe-, Kriegsstifter.
=pras=, m. *= bras,* Schmauserei, Prasserei. (a. d. Hd.)
=prassûn(e)=, f. = presûne.
=prâst= = pravest, provest, Propst.
=praten=, reden, schwatzen.
=pratelen= = protelen, schwatzen, plappern.
=pratte=, Trotz, Eigensinn.
=pratten=, trotzen, reizbar sein, maulen.
=prattich= und =prattisch=, =pratsch=, eigensinnig, protzig, trotzig, maulend, launisch.
=pravant= = provant.
=prebende= = provende, Präbende.
=prebendeir=, præbendator, præbitor (d. h. der die Präbenden austeilende Domherr)?
=pred(d)eken; pred(d)eker= etc. = prediken etc.
=predigate; predigen; predeger; predeginge; predege-, predig-stôl= = predikate etc.
=predikacie=, f. Predigt.
=predikante=, _sw. m. Prediger, bes. der evangelische; *predik-ampt,* dessen Beruf und Stand._
=predikât= und =predikate=, f. Predigt.
=prediken=, sw. v. predigen.
=prediker=, Prediger; Mitglied des Prediger- (Dominikaner)ordens.
=predikie= und =predikinge=, das Predigen, die Predigt.
=predik-stôl=, 1. Kanzel. 2. Klappstuhl, Faltstuhl, sella plicabilis.
=predinge=, f. Predigt; *predingen,* predigen.
=prefate= = private.
=prekate=, zsgez. aus predekate.
=prekel=, m. jedes stechende Ding, Stachel, Stocher; = *pricke,* Werkzeug zum Aalfange.
=prekel-bôm=, hölzerne Stange oder Stock mit eiserner Spitze, mit dem man die *prikkel-* oder *prekelsleden* auf dem Eise forttreibt.
=prekelen=, sw. v. stechen, stacheln.
=prekelinge=, das Stechen.
=preken=, zsgez. aus predeken; preker = predeker; prekinge = predekinge.
=preken=, syn. mit prunken.
=prelate=, _sw. m. höherer Geistlicher; sein Amt: *prelatûr,* f.; Adj. *prelatisch; prelaten-penninge,* ein Einkommen der Domherren._
=prellen,= supplantare.
=prellinge,= f. Spannung; Widerstoss.
=prême,= sw. m. = prên.
=premese (premtze, premmisse),= Maulholz, Maulkorb, »Bremse«, postomis.
=premsen, premtzen,= sw. v. das Maulholz anlegen, bremsen.
=prên,= st. m. u. =prêne,= _sw. m. ein spitzes, stechendes Ding, Pfrieme, besonders Schusterahle._
=prente,= f. und =prenterie,= Buchdruck.
=prenten,= sw. v. drücken; drucken; auch = schreiben.
=prenter,= Buchdrucker.
=preparament= = missewant, Messgewand.
=presant,= Präsent, Geschenk.
=presencie,= Geldzahlung für Mitwirkung beim Chordienst.
=presencioneir,= præsentionarius, Geistlicher, welcher die *presencien* verteilt.
=presentacie,= Recht zu einem Amte, einer Vicarie, Pfründe jem. vorzuschlagen.
=presentêren,= vorzeigen; *sik p.,* sich vor-, darstellen.
=present-provene,= f. Pfründe von presencien.
=pressel(e), pressule (prestel, pretzel),= f. Siegelband, schmaler Streifen von Pergament, pressula.
=presselen,= sw. v. mit Siegelbändern befestigen.
=prêster,= Priester; *-dôm, -schop,* Priestertum; *prêsterlik, prêstlik,* priesterlich.
=presûn(e), pressûn(e),= n. (m.?) und f. Gefängnis.
=prettesch= = prattich.
=prexe= = bresse, brace.
=priande= = provant.
=pricke,= f. Spitze, Stachel; Stechgabel (zum Aalfang).
=pricke,= Lamprete, Neunauge.
=pricke,= adv. genau, scharf.
=pricken,= sw. v. stechen, stacheln; sticken.
=pride, prie,= Aas, Cadaver, Leiche.
=priêl,= n. aus frz. *praiel (préau),* Lustgarten, Lusthaus im Garten, oder Ort, wo man sich der Lust wegen aufhält.
=prigen,= streiten, streben, sich bemühen.
=priger,= (naut.) Geitau?
=prime,= f. die erste Stunde der kanonischen Horen.
=prîm(e)-altâr,= n. Hochaltar.
=primen:= sik hoger primen dan etc., sich höher an Wert stellen als.
=prîm-gelt,= Primage, Belohnung des Schiffers für die Aufsicht über die Ladung.
=prîm-segeler,= lord privy-seal?
=prince, prinse,= sw. m. Prinz, Fürst; f. prinsinne.
=prior, prier,= Prior; *priorend, priorinne, priorne, priore, priorisse, priorsche, priersche,* Priorin.
=prîs,= m. Preis, Ruhm; Geldwert, Marktpreis.
=prîs, prise,= (frz. *prise)* Ergreifung, Beute; *prîs maken,* zur (Kriegs)beute machen; *vor p. achten,* als gute Beute ansehen; *tom prise geven,* zu Beute, preisgeben.
=prîs-ar(r)est:= in den p. nemen, sich als Beute aneignen, confiscieren.
=prise,= Einfassung an Kleidern, Vorermel.
=priselik, prîslik,= preislich, ruhmvoll; adv. priseliken.
=prisen,= _sw. v. 1. als *prîs,* gute Beute, ansehen, wegnehmen. 2. (naut.) eine Richtung nehmen_ = holden.
=prisen,= sw. v. einfassen, bordieren.
=prisen,= sw. u. st. v. 1. den Preis, Wert, Zahl etc. bestimmen. 2. hochschätzen. -- Refl. sich womit gross dünken; *an, in, na,* sich auszeichnen in, sich Lob erwerben durch, trachten nach.
=prîs-schip,= ein erbeutetes Schiff.
=prisûn(e)= = presune.
=privand(i)e= = provant.
=private, -vête,= st. sw. f., =privât, -vêt,= _n. geheimes Gemach, Abtritt._
=privilegie, -lei,= f. Privileg.
=probacie:= probacien dôn uppe, die Probe machen (von Münzen).
=probende,= sw. f. Ertrag, Einkünfte?
=probêren,= probieren, erproben.
=processie,= sw. st. f. Procession; mit der p. gân = de p. gân, maken.
=proch-kerke,= Parochiekirche.
=profân,= Ungläubiger, Heide, Renegat.
=profât,= n. = private.
=profatze,= Profos.
=profît,= n. m. Vorteil, Nutzen; Adj. profît(e)lik.
=profors, -fos,= das frz. *par force,* mit Gewalt; durchaus.
=progerie= = proie.
=proie=, f. und =proi= (flect. *proges, proyes),* n. Pack, Gesindel, Pöbel.
=proinen,= sw. v. *= prunen?* lies proiven = proven?
=prop,= m., =proppe,= sw. m. Propf, Stöpsel, für Feuergewehre, für Klüsen des Schiffes etc.
=proper, propper,= (lat. *proprius)* eigen; (reinlich, säuberlich).
=properlik,= eigen; fein, eleganter.
=prophecie,= sw. f. Prophezeiung.
=prophête,= _sw. m. Prophet; *prophentisse,* f.; *prophêtenrede,* Prophezeiung._
=prophe-, prophentêren, prophitêen,= sw. v. prophezeien.
=proppen,= sw. v. propfen, mit einem Propfen, Kugel etc. versehen, stopfen.
=prōst= = provest, fem. prōstine.
=prôt,= m. Rede, Geschwätz; *den p. holden,* das Wort führen.
=protelen,= sw. v. schwatzen, plaudern.
=proten,= sw. v. reden, schwatzen; Subst. protinge.
=protestêren,= öffentlich bezeugen; protestieren. Subst. *protestacie,* sw. f.
=prove,= f. Probe, Prüfung, Versuch.
=provant,= m., =-vande, -van(d)ie, -vendie,= f. Proviant, Lebensmittel.
=proveise,= sw. f. entstellt oder verdruckt statt poveise = pofoise.
=prove(l)-jâr,= Probejahr.
=proven,= sw. v. kennen lernen, merken, wahrnehmen, ermessen, taxieren; *sîn* oder *dat beste p.,* für sein Bestes, seinen Vorteil, Nutzen sorgen; *p. umme,* sich umsehn nach etwas, suchen nach; versuchen, probieren.
=proven-brôt,= Brot (überh. Victualien), das als *proven* gegeben wird.
=provende, provene,= f. Präbende, Pfründe, (der Geistlichkeit); ein rentables Amt; bes. und dann später auch *proven,* m. Einkommen des Pfarrers, oder eine Gabe, Unterhalt aus milden Stiftungen, tägliche Portion an Lebensmitteln (Pröven).
=provender, provener, proventêrer,= Pfründner, der eine Pfründe, *provene,* geniesst; fem. provenersche.
=proven-prebende,= tautol. Zusammens.
=prover,= Prüfer, Untersucher.
=provest (pravest),= _m. 1. *præpositus,* Vorsteher eines Domkapitels, Klosters etc. 2. grösseres Trinkgefäss. 3. ein eisernes Gerät (Kette mit Haken?)_
=provestes-kindere,= Gemeindeglieder einer Propstei.
=provesti(g)e,= f. Amt eines Propstes.
=prove-stucke,= n. Probestück, Meisterstück.
=provincie,= sw. f. Provinz eines Landes; Diöcese eines Bischofs; Gebiet des Meisters eines Mönchsordens.
=provinge,= 1. Prüfung. 2. = *proven,* Präbende.
=pruckel,= Kröte. (holst.)
=prul,= phallus?
=prulich,= maulig, verdrossen, eigensinnig.
=prume,= Pflaume.
=prunde= = provende.
=prundelinge,= Gerümpel, Trödel, Plunder.
=prunen (prünen),= sw. v. eig. pfriemen? schlecht, grob und eilig zusammennähen; den Schweinen einen Ring durch die Nase ziehen. (schlesw.)
=prunken,= prunken, stolzieren.
=pruntselinge= = prundelinge.
=Prûsse, Prûtze,= Preusse; *prûsch,* preussisch.
=prûs(s)ink, prûtzink,= m. ein Danziger (»preussisches«) Bier.
=prûstel-krût,= Nieswurz.
=prûsten,= sw. v. niesen; Subst. prûstinge.
=prûst-pulver,= Pulver, das zum Niesen reizt.
=psalterî(n?),= ein musikal. Instrument, der Zither oder dem Hackbrett ähnlich, psalterium.
=puch,= Pochen, Trotz.
=pûche= = pûghe.
=puchen (puch-, puggen),= sw. v. 1. pochen, schlagen auf etwas; bildl. pochen, drohen, trotzen. 2. = *ûtpuchen,* plündern.
=pucher,= hochfahrender Mensch, Prahler.
=pucherie,= Plünderung.
=puch-hans,= Pochhans, Prahler.
=puck,= =Puff, Schlag.=
=puck (û?),= eine Art wollenes Tuch (bester Sorte?); daher: puck(e)-, puicklaken.
=puckel,= eine Art Fischnetz, Reuse.
=pucker (û?),= Trommler, Pauker.
=pucknêl= = backenêl, Helm.
=pud(d)agel= und Adj. pudag-, pudadelsch, s. pod-.
=puddanêl= = padewêl?
=pudel,= Dose, Beutel.
=puder, pudel,= n. fein gestossenes Gewürz; Puderzucker; Schiesspulver.
=puder-busse,= Gewürzbüchse.
=puderen,= würzen.
=puder-sucker,= Puderzucker.
=puf,= Stoss, Schlag.
=puffe,= eine Art Brod, panis albus, spongiosus.
=puffen,= sw. v. mit einem *puff* (hörbar) schlagen.
=pûghe,= f. Bett, Oberbett, bes. wenn es alt und schlecht ist.
=puggen, pughen= = puchen.
=pukel,= Knopf, Beutel.
=puken,= klauben, scharren; mausen, stehlen.
=pule,= f. Hülse, Schote einer Frucht.
=pulen,= sw. v. die Hülsen, Schoten von der Frucht abmachen; klauben, mit den Fingern langsam und mühsam losmachen.
=puler,= Klauber; Stümper, der mit keiner Arbeit recht fertig werden kann, ignavus.
=pulerie,= ignavia.
=pullêren,= polieren.
=pull-krôch?= = pilkrôch.
=pulmet, pulmente, pulmpte, pulpite, pulpt, pult,= n. Pult (zum Auflegen der Bücher etc.), »erhöheter Platz in der Kirche für die Sänger oder den Vorleser des Evangelium.«
=puls,= Stange mit einem Holzklotze, um Fische ins Netz zu treiben.
=puls,= m. Aderschlag; das Anschlagen, bes. der Glocken; n. eine bestimte Dauer des Geläutes.
=pulsante,= Glockenläuter.
=pulver,= m. n. Staub; Pulver; Schiesspulver.
=pulver-hûs,= _Pulverturm; *-makent,* n. Pulverbereitung; *-mole,* Pulverfabrik; *-sak, -tasche-, -tunne, -vlasche,* Gefässe für Pulver._
=pulveren= und =pulverisêren,= zu Pulver, Staub machen.
=pumpe,= f. Pumpe, im Sod oder im Schiff.
=pumpeke, pump(e)-kule,= Keule, Stange, um ein (Fischer)boot fortzustossen oder um im Wasser ein Geräusch zu machen, dass die Fische ins Netz getrieben werden.
=pumpen= na den vischen, contari; s. pumpeke.
=pumpen-bōr,= Instrument zum Pumpenbohren; *-ledder,* Leder zu Pumpenklappen, zum Überzug des Pumpenschuhs; *-schô,* Pumpenschuh.
=pumper,= Fischer, welcher pumpt.
=punden,= sw. v. wägen.
=punder,= Dolchmesser, Stilet.
=punder,= m. 1. eine grosse Schnellwage. 2. ein Gewicht von einem halben livländischen Pfund (Liespfund).
=punder,= der (öffentlich angestellte) Wäger.
=punderen,= sw. v. mit dem *punder* wägen.
=pundes-wicht,= f. Gewichtstück von einem Pfunde? mehrere bis zu einem Pf.?
=pundich,= wichtig, vollwichtig (vom Gelde).
=pundinge,= f. Gewichts-Ermittelung? -Ergebnis? vgl. puntinge.
=punge,= ein Kraut, cepaea (veronica beccabunga L.?)
=punge,= m. Beutel, kleiner Sack.
=punger= = bunger? Pauker, Trommler?
=punt,= _n. 1. Pfund, *talentum,* ein Gewicht von wechselnder Grösse; Zahlpfund (in der Geldrechnung; = *20 solidi* oder 240 Pf.). 2. die Quote einer Summe überhaupt._
=punt(e),= n. f., sehr häufig = *punct,* Punkt; Stand, Sachlage; Artikel einer Verordnung, Streit-, Vertragspunkt.
=punte,= f. = frz. *pointe* (Spitze), Ziel; *to guder punte,* zu einem befriedigenden Ziele, in gutem Zustande; *to punte maken,* in Ordnung (schickliche Form) bringen.
=punte,= Ponton, Fähr- und Transportschiff (an beiden Enden offen).
=punte-borer,= Steuereinnehmer.
=punteker,= Führer eines *punte-*Schiffes.
=punten,= sw. v. (pointieren) festsetzen, bestimmen; abschätzen.
=punt-gelt,= pecunia libralis, Zoll nach dem Werte, bes. der von den Hansestädten seit 1361, resp. 1367 zur Bestreitung der Kriegskosten erhobene.
=puntich,= geziert, kokett.
=puntinge,= genau bestimte Zeit, Termin; Steuerfestsetzung (Vermögenssteuer).
=puntliken,= adv. pünktlich, genau.
=punt-swâr, -swares,= ein Gewicht von drei Centnern (300 und mehr Pfund), auch der davon zu zahlende Zoll.
=punt-tal:= na p., pfundweise.
=punt-têken,= ein Kennzeichen, Merkmal.
=punt-tol,= Pfundzoll = puntgelt.
=pupel-pogge,= ? bildl. ein Knauser, der nichts oder wertloses gibt.
=pupen,= sw. v. pedere.
=puppelsie= = poppelsie.
=pûr,= lauter, rein, bloss; als adv. vollständig, ganz.
=purgêren,= »reinigen (fleckig gewordene Schmuckgegenstände).«
=pûrheit,= Reinheit, Lauterkeit.
=pûrlike(n),= rein, vollständig, ganz; bloss.
=purper, purpur,= Purpur, ein Seidenstoff. Adj. *purperen, purpuren;* auch: rot.
=purren,= sw. v. mit einem spitzen Instrumente in eine Sache stecken oder in ihr herumwühlen; bildl. reizen.
=purringe,= Bewegung, Reiz.
=pursevant= = persevant.
=pur-var= = purpurvar? purpurfarbig?
=pusse,= m. Posse, Schelmstreich; *ênem ênen pussen riten,* jemanden einen Streich spielen.
=pussel,= m. Büschel, Federbusch?
=pust (û?),= m. Polster, gepolstertes; gestopftes Küssen (von Leder etc.).
=pûst,= m. das Blasen.
=pûst,= m. Pustel (pustula, tuber)?
=pûsten,= sw. v. blasen.
=pûster,= m. Blaserohr oder (kleiner) Blasebalg, um das Feuer anzufachen.
=pûster-nagel,= »Nagel mit grossem Kopf.«
=put= = pot.
=pute,= f. *veretrum;* daher *meretrix;* oft als Schelte.
=puter-tiere,= adv. nach Art einer *pute,* unsauber, unkeusch.
=putfical,= entstellt aus *pontifical,* Pontificalkelch; l. puntfical?
=putker,= = potker; = putteker.
=putte,= m. u. f. Grube; bes. eine Grube, in der Wasser steht (Pfütze, Cisterne, Ziehbrunnen, Gosse in den Strassen). Dem. putteken.
=putte-born,= Ziehbrunnen.
=putte-gank,= Brunnengang (gressus ad puteum).
=putteke(n)-, putke(n)-amt,= das Amt eines puttekers.
=putteker, putker,= _1. (verschieden vom Mundschenken), *procurator* = Credenzer? 2. der niedrigste Diener auf dem Schiffe; Kajütenjunge._
=putten,= sw. v. Wasser (aus einem Brunnen) schöpfen.
=putz,= m. Name für den Teufel?
=putze= = pusse.
=puvert,= m. eine Art Netz, um Fische (und Wasservögel) zu fangen; auch *puvert-nette,* n.
Q
=quabel-drank,= das Tränken, Eintauchen in Schlamm (ndfrs. = afrs. wapeldrank).
=quackele,= f. Wachtel.
=quackelen,= schwatzen; krächzen (= quattelen).
=quackelie,= unnützes Geschwätz.
=quadelik,= s. quâtlik.
=quaden,= sw. v. *quât* werden; *quât* machen.
=quader-stên,= Quaderstein.
=quader-têren,= (Ggs. *guder-têren)* böser Art, böswillig.
=quadie,= f. Bosheit; m. Bösewicht.
=quadrêl,= m. schwerer Schiess- od. Wurfpfeil mit vierkantiger Spitze, ital. quadrello.
=quagel= = laf, coagulum.
=quagelen, qualen,= sw. v. gerinnen machen, zu einer Kugel werden lassen.
=quak-broder,= Quacksalber? oder der ein *quekebret* hält?
=quaken,= sw. v. quacken; schwatzen.
=quak-salver,= der auf Märkten Arzneien verkauft, Marktschreier.
=quak-stert= = quekstert.
=qual,= m. aufgestautes Wasser?
=quale,= f. Qual, Pein, Schmerz.
=qualen,= sw. v. Qual erleiden.
=qualer,= der Qual leidet, stets krank ist.
=qualik, quallik, quâlk= = quâtlik.
=quallem,= Dampf, Qualm, uligo, vapor.
=qualster,= m. zäher, dicker Schleim.
=quansis, quanzys, quans,= auch mit *als* davor, oder *enquanses,* adv. nur zum Schein, gleichsam, als ob (aus lat. quamsi?).
=quant,= _m. Tand, was nur zum Schein etwas ist; persönl. Windbeutel._
=quants-, quant-wîs,= jüngere Form statt quansis.
=quap-âl= = quappe.
=quappe,= f. Aalquappe, allota.
=quappen-garn,= Netz zum Quappenfang.
=quardel, quarder,= s. querder.
=quarke,= s. querke.
=quarren,= sw. v. kurren, grollende, brummende Töne ausstossen.
=quartanie,= das Quartanfieber.
=quarte,= sw. f. der vierte Teil eines Masses, bes. für Wein.
=quartêr,= n. Viertel als Zeit-, Längen-, Flüssigkeitsmass etc.; Stadtviertel; eine Anzahl Leute (urspr. vier), die zusammen arbeiten, wie Brauer, Speicherarbeiter etc. übrh. Schar, Rotte.
=quartêren,= sw. v. vierteilen, eine Lebensstrafe; den Wappenschild vieren; einquartieren?
=quartêr-mêster,= ein Officiersamt auf Orlogsschiffen.
=quartêr(s)-kanne, -krôs, -mate,= _Flüssigkeitsgemässe von 1 Quartier; *-slange,* grobes Geschütz, *quartana; -volk,* Kriegsmannschaft eines Stadtviertels, Rotte._
=quâs, quas,= n. Fressen; Fresserei, Schwelgerei.
=quâs-aftich,= schwelgerisch, crapulosus.
=quasen, quassen,= sw. v. fressen, schwelgen.
=quaser,= Fresser, Schlemmer.
=quaserie,= Schlemmerei.
=quase-worm,= coenurus cerebralis.
=quasich,= schwelgerisch.
=quassinge= = quessinge.
=quast,= m. Laubbüschel, namentl. = *badequast* (s. *quest);* was dem ähnlich ist: Quast, Troddel, grosser Pinsel.
=quast,= m. Astknoten.
=quât,= 1. böse, schlecht; sündlich; falsch, verräterisch; schwierig, gefährlich; *de quade krankheit,* Epilepsie; *quade worde,* ehrenrührige Worte, Schimpfworte. 2. böse, aufgebracht, zornig; etwas *quât krigen,* über etwas unwillig werden; *vor quât nemen,* übel nehmen; *qu. maken,* erbittern.
=quât,= n. Böses.
=quât,= n. Kot, Dreck, Unflat.
=quât-dêdich,= übelthuend.
=quât-dêdiger, -doner,= Übelthäter, Bösewicht.
=quatêr,= corrump. aus quartêr.
=quater-temper(e),= f. n. Quatember; Quatemberfasten, die vier (Fast)mittwochen nach Invocavit, Pfingsten, Kreuzerhöhung und dem dritten Adventsonntag; Vierteljahr.
=quâtheit,= Schlechtigkeit, Bosheit.
=quâtlik,= schlecht, böse; adv. quâtliken.
=quât-lovich, -lovesch,= der schlecht seinen Glauben, sein Versprechen hält.
=quât-reitzersche,= die zum Bösen reizt, provocatrix.
=quattele,= f. Wachtel.
=quatter,= die Zahl vier auf dem Würfel, quadrio.
=quât-willich,= übelwollend, böswillig.
=quâtz, quatz= etc., s. quâs.
=quayer,= aus frz. *cahier,* picard. *quoyer:* Heft, Buch.
=que,= n. Wort, Rede; as. *quidi?* lat. que?
=quebbe= (= quobbe), Sumpf.
=quebbete,= n. Sumpf, Dobben.
=quecken,= pl. = queken.
=quede, quedde,= f. Quitte.
=quedelen,= sw. v. schwatzen.
=quedeme ? queden,= _f. Quitte; *queden-bôm,* Quittenbaum; *-krût,* Quittenmus, Marmelade._
=(queden,= st. v. sprechen): *dat quit,* das heisst, lautet, besagt.
=queden:= ein rêp van qu.; ein quedenrok, sandica vel persica; = wêden, mit Waid gefärbt; lies *weden* oder *gueden* (lat. *guadum,* Waid)? s. wêden.
=queden,= Bauchfell der Eichhörnchen; *-voder,* Zeugfutter daraus.
=quêdlik= = quadelik, übel, schlecht.
=quêdracht= = twêdracht.
=quek,= n. Vieh jeglicher Art (lebende Habe), bes. (als Hauptbestandteil der lebenden Habe) Rindvieh. Vgl. quik.
=queke-, quik-bret,= n. Trictracbrett, Spielbrett, Würfelbrett.
=queke-gelt,= Viehgeld, Abgabe von Vieh.
=queken,= pl. uligo (triticum repens).
=queken,= sw. v. *quik* machen, beleben, nähren, mehren, refl. sich erquicken.
=queke-, quek-stert,= m. der Vogel mit dem beweglichen Schwanze, motacilla, loaficus, lucilia.
=quek-sulver= = quiksulver.
=quek-vlêsch,= carnes (Ggs. minschenvlêsch, caro).
=quel= = quale.
=quele (ê?)= = quale.
=quelen,= st. v. Schmerz erleiden.
=quelen,= sw. v. *= quellen,* sw. v.
=queler,= der andere quält, Missethäter.
=quêlik(e), quellik(e), -en, queleke= = quadeliken (m. Anlehnung an *quellen, quelen?),* adv. schlecht, übel; schwerlich, kaum.
=quelinge, quellinge,= Qual.
=quellen,= sw. v. 1. intr. Schmerz, Qual erleiden. 2. trans. quälen, peinigen.
=quellen,= st. v. quellen; aufquellen, dünn, locker werden, *rarefieri;* aufwallen vor Zorn, Schmerz etc.
=queller,= m. »die erste Pflanzenart, die sich auf den Schliekbänken der Nordseeküste einfindet, sobald diese die Höhe der ordinären Flut erreicht haben«, *glyceria maritima* u. distans? salicornia herbacea?
=quêmelicheit= = bequêmelicheit.
=quene,= f. eine alte Frau, anus.
=quensel,= bauchiges Geschirr.
=quentîn,= Quentchen, ¼ Loth.
=querc-kever, querquever, querneker,= crabrona: Rosskäfer? Bremse? Quark- oder Schmeissfliege?
=querdelinge,= abgeschnittene Lederlappen.
=querder, querdel,= m. n. Queder, Randeinfassung; bei den Schustern ein schmaler Streif Sohlleder, der in die Kappe kommt, liripipium, pictacium; Docht.
=(querder-), quardel-pels,= Rock mit Pelzverbrämung?
=querdern,= sw. v. Köder an die Angel stecken; m. Dat. ködern.
=quere (ê?),= kirr, zahm.
=querke, quarke,= f. Gurgel.
=querke,= Spinnradspule?
=querken,= sw. v. erdrosseln, die Kehle zuschnüren.
=querken-steken,= die Gurgel abschneiden.
=quern,= f. u. =querne,= _f. Handmühle, bes. zur Grützebereitung._
=quern(e)=-bedde, Einfassung, in der die Mühle läuft? der untere Stein der Querne? *-mole,* (tautol.) Handmühle; *-stên,* m. Mühlenstein; *-têer,* (Handmühlen-Zieher), der die Mühle dreht.
=quêse,= f. eine mit Blut oder Wasser unterlaufene Quetschung der Haut, urgecula.
=quesselik,= schädlich.
=quessen,= sw. v. quetschen, verwunden, verletzen, beschädigen.
=quesser,= Verletzer, Beschädiger.
=quessinge,= Verletzung.
=quest,= m. Laub-, Zweigbüschel; nam. die Scham verhüllende Laubschürze beim Baden, *perizoma;* im Plur.: Buschwerk, um Fische, bes. Aale zu fangen.
=questen,= sw. v. mit dem Quast (im Bade) peitschen (um die Hautthätigkeit zu reizen); bildl. v. heissem Kampfe in der Schlacht.
=questich,= ästig, knorrig.
=quetselik, quetsen= etc. = quesselik etc.
=quetten,= sw. v., =quettinge= = quessen, quessinge.
=quetten und quitten?= _zu *queden,* Eichhornfell? u. *gwitten,* Ziegenfell?_
=quicken,= ghesund maken, refocillare, sanare.
=quik,= flect. *quekes,* s. quek.
=quik-gank,= m. Viehweide, Trift.
=quik-mêster,= e. Stadtbeamter: Aufseher über d. Stadt- oder d. Marktvieh?
=quik-stert= = quekstert.
=quik-sulver,= argentum vivum.
=quik-tegede,= Viehzehnte.
=quiken,= sw. v. quieken (von Schweinen).
=quiker,= lorificus (fringilla montifringilla?).
=quîl,= m. Schleim, der aus dem Munde fliesst.
=quillen= = quellen, st. v.
=quîn,= Abnahme, Hinschwinden.
=quinen,= sw. v. hinschwinden, allmählich abnehmen, kränkeln; *de quinende suke,* Schwindsucht.
=quinkelêren,= sw. v. sich im Singen versuchen, trällern; zwitschern.
=quint,= n. f. und =quinte,= f. musikalische Quinte; *lose qu.,* falscher Ton, bildl. Betrug, Finte; *lame quinten singen, fleuten,* schlechte Musik machen, bildl. scheinbare oder ungenügende Gründe vorbringen.
=quintêren,= sw. v. auf der *quinterne* spielen.
=quinterne,= 1. e. kleine Laute mit fünf Saiten. 2. fünf in einander geheftete Bogen Papier, Pergament.
=quintîn= = quentîn.
=quispel,= Quast, Wedel.
=quist,= f. Schaden, Nachteil, Verlust; *to quist(e) gân* oder *komen,* umkommen, verderben.
=quisten,= sw. v. umkommen lassen, verschwenden; *visk qu. = sliten,* zum Verkauf zubereiten u. verkaufen?
=quistinge,= Verschwendung.
=quit,= s. *queden,* st. v.
=quit,= f. Rede, Gespräch? (= alts. *quidi?)* Lies *wit,* Bewusstsein, Kunde?
=quît,= los, ledig, frei; *q. werden,* mit Gen. los, befreit werden, verlustig gehen; *q. schelden,* los, frei sprechen (von einer Schuld od. Beschuldigung); *q. slân,* eine Rechnung oder Schuld als berichtigt anerkennen; aufgeben, verzichten.
=quitancie,= Quitung.
=quîte-, quitel-brêf,= _Urkunde, in der man die Bezahlung einer Schuld oder die Befreiung von einer Verpflichtung anerkennt, Freibrief._
=quîten,= sw. v., auch st. Prtcp. *gequiten* (l. *gequeten?)* frei, quitt machen, lösen (z. B. einen Gefangenen, eine Schuld); bes. die Wirtshausrechnung für jem. bezahlen (die Pfänder lösen); als bezahlt verzeichnen, quittieren; intr.? wahrsch. refl.: seine Pflicht erfüllen, sich verhalten.
=quiter,= der die Quitungen ins Buch einträgt: Rechnungsführer, Stadtschreiber?
=quitêren= = quiten.
=quitinge,= Loslassung, Befreiung; gerichtliche Verteidigung.
=quît=-geldinge, (Bezahlung der Schuld) Freisprechung, Vergebung; *-latinge,* Freilassung, Vergebung; *-pant,* Lösepfand; *-pandinge,* Lösung des Pfandes, Bezahlung; *-scheldinge,* Lossprechung von der Schuld, debiti remissio.
=quitzen= = quessen.
=quobbe,= sumpfichtes, unfestes Erdreich.
=quobbete,= n. = quobbe.
=quobbich,= sumpficht.
=quote,= sw. f. Seitenzahl (eines Buches)? Teil, Abschnitt?
R
=râ,= st. f. Raa, Segelstange.
=rabanschen,= die beim Heere plündernd umherziehenden Marodeurs.
=rabbat,= n. wildes Treiben; schlechter Haufe.
=rabunten,= s. rubunten.
=rabuse:= in de r. geven, zur Plünderung preisgeben.
=rache,= sw. f. Unflat, Koth.
=rachen,= quaken, v. Frosch.
=rachen-vorer, racher,= Dreckfeger.
=rachter,= s. rafter.
=rackede?= Gerätschaft, spec. Schleudermaschine (Rackett?)
=racken,= sw. v. *= recken,* recken.
=racker,= Schinder, Abdecker; Abtrittsfeger; Totengräber; auch Scharfrichter?
=rackerie,= Schinderei; Abtrittsgrube.
=racker=-knecht, Schinderknecht; =-kule,= Schindgrube, -anger; *-strate,* Schinderstrasse.
=radde,= f. Ratte?
=rade,= sw. m. = radele.
=rade,= adv. schnell.
=rade,= f. *= gerade,* Gerade.
=rade-acker, -bicke,= s. rode-.
=rade-braken,= sw. v. auf dem Rade (die Glieder) brechen, rädern.
=rade-gever,= s. râtgever.
=rade-holt,= Holz zu Rädern.
=radeker,= Rademacher, rotifex.
=radel,= m.? =radele,= f.? Hederich, Kornrade, zizania.
=rade-lêve,= f. = *gerade,* Hinterlassenschaft der Frau, paraphernalia.
=radelse,= n. Rätsel.
=radel-wige,= s. rodelwige.
=radel-witte,= der kölnische Albus mit einem Rade.
=rade-maker,= Radmacher, Stellmacher.
=raden= = radele.
=raden,= sw. v. rädern.
=raden,= sw. v. = roden.
=raden,= st. v. (auch sw. Prät. u. in *raden unde daden* sw. Part.) 1. beraten, überlegen; raten, anraten; erraten; beschliessen, verfügen; m. Gen., Herr werden über, fertig werden mit; *dat brôt r.,* seinen Unterhalt finden; *r. an,* trachten nach; *an, up, wedder,* Anschläge machen gegen, conspirieren gegen; *up,* beraten über, vermuten; *over, boven, in,* verfügen über, herschen; *vor,* sorgen für; *enem bange r.,* Angst machen. 2. geraten, gedeihen.
=rader,= suasor.
=raderen,= sw. v. rädern.
=raderie,= das Raten, Wahrsagen.
=rader-wit-pennink= = radelwitte.
=radesam,= ratsam.
=rades=-bot, _n. Ratsgebot, Ratsatzung; *-bôk,* Stadtbuch; *-hêre,* Ratsherr; *-kindere,* Angehörige des Rates; *-knecht,* Ratsdiener; *-kumpân, -medekumpân,* Ratsmitglied; *-lach,* Festlichkeit der Ratsherren; *-persone,* Ratsmitglied; *-sendebode,* Abgesandter aus dem Rate zu e. Tagfahrt; *-sworne, -vorwante, -vrunt,* Ratsmitglied, auch das nicht mitregierende; *-wîs(e),* in Form der Beratung, der Ratsverhandlung; auch: geheim._
=rade-want,= Zeug, das zur Gerade gehört.
=radich,= sparsam, mässig.
=radicheit,= compendium, compendii ratio.
=radinge,= Rat; = raderie.
=raf,= m., flect. *raves,* die abgeschnittenen Rücken- und Afterflossen von dem gedörrten Heilbutte.
=raffert,= Pl. *rafferde;* s. rafter.
=rafter,= kleiner (unbehauener) Balken, grosse Latte (zum Dach, Schiff, Geländer), 4-5 Fuss l., 5-6 Zoll br. und 1 Fuss dick.
=ragget,= n. Racket, Schlagnetz beim Ballspiel.
=raie= = radius, Strahl.
=rak:= rak unde rûm; = rek, adj.
=rāk(e),= Gaumen.
=rake,= f. Fall, Zufall; Zustand; richtige Beschaffenheit; to rake = to reke.
=rake,= f. Ofenkrücke, Scharreisen? Harke, Rechen?
=rakel-visch= = rekelink?
=raken,= sw. v. umwenden oder scharren, zusammenscharren, tractulare, movere; fodere, sepelire.
=raken,= st. v. = d. folg. W.
=raken,= sw. v. treffen, erreichen, *tangere;* so machen oder einrichten, dass es treffend oder trefflich ist, *wol r.; wol geraket,* trefflich; mit Präpp. gelangen, kommen, geraten zu oder an etwas; abs. zum Ziel gelangen, das gewünschte erreichen. -- Refl. sich treffen, ereignen, accidere.
=rallen,= sw. v. lermend schwatzen (wie die Kinder bei ihren Spielen).
=ram,= m. Widder, Schafbock; N. des Sternbildes.
=ram= = ramp.
=râm,= Russ, fuligo.
=râm,= m. das gesteckte Ziel, Plan, Absicht, Vorschlag; Festsetzung, Bestimmung, Beschluss; *up den r.,* in der Absicht, zu dem Zwecke, auf die Bestimmung hin.
=ram-bok,= Widder.
=rame,= sw. m. Rahm, Einfassung; bes. der Scherrahm u. der Wandrahm der Weber, Tuchbereiter, Färber; Fensterrahm; Rauchfang überm Herd.
=rame,= Sahne, oxigalla.
=rame= = râm, Ziel.
=rame,= torpedo (Zitterroche?).
=ramel= = remel, ein Bund Flachs.
=ramen,= sw. v. mit Gen. oder Acc., auch m. *to* u. Inf. oder m. *dat-*Satz: zielen auf, ins Auge fassen, zu treffen, zu erreichen suchen: treffen, erreichen; mutmassen; beschliessen, bestimmen; *mate, dat middel,* Mass halten; *stede unde tît,* festsetzen, anberaumen; *de rechte tît,* die geeignete Zeit wahrnehmen; abs. *r. dor de wôstenie,* den Weg finden.
=ramese,= ulpicium, vulpicum; Bärenlauch.
=raminge,= getroffene Festsetzung, Anberaumung; Beschluss.
=ramme,= f. Ramme; Sturmbock.
=rammels-berch,= _Hurenwinkel *(rammeln* von der Begattung der Katzen, Hasen etc.)._
=rammen,= sw. v. mit der *ramme* stossen.
=rammes=-buk = rambok; -horn, Bockshorn.
=ramme-werk= = ramme.
=rammich,= krampfig.
=ramp,= m. Krampf; bes. die Epilepsie; die schwere Not; dann überh. grosses Unglück.
=ramp,= Gemenge? Zufall? *im rampe kopen,* in Bausch und Bogen kaufen, ohne zu zählen, messen oder wägen.
=rampanien,= pl. Kaldaunen, omasum.
=rampe,= Behältnis für allerlei Waren?
=rampen,= sw. v. im Rampe, in Bausch und Bogen kaufen?
=ram-schêde,= Holzstück, das dünner geschnitten ist als Balken und dicker als Latten? zu Rahmen, Gestellen?
=rane= (aus *rone?),* Trichter? Fass, Kanne?
=range,= m. ein böser, wilder Junge; als Schelte: Hans R.
=range,= f. wilde Sau.
=rangelake,= eine oriental. zum Färben dienende Lackart.
=rangen= vel wrangen, luctari.
=Rangen-vagel:= Hans R. = Hans Range, nndd. (Brem. Wb.) rangewage.
=rank,= lang und dünn, schlank, schwank.
=ranke,= sw. m. Ranke, schwacher Schössling, bes. von Wein- und Hopfenranken.
=rant,= m. Rand, Umfang, Kreis.
=rant-rêde,= unbeschnitten (vom Gelde)?
=rant-schive,= f. gerissene, zerbrochene Metallplatte?
=ranze, ranse,= _f. Kopfschmuck, Kopftuch (oder Reif mit Geschmeide)_ = sappel?
=ranzûn (-sûn),= _f. Ranzion, Loskauf; = *ranzune-gelt,* Lösegeld._
=ranzunen,= sw. v. ranzionieren.
=ranzunêringe,= Loskauf aus der Gefangenschaft.
=rap,= schnell, ungestüm.
=rapalie,= Gesindel, Lumpenpack.
=rapate,= sw. f. Klapp- oder Schlafbank?
=rape,= Rapfen, cyprinus aspius.
=rapen,= sw. v. raffen.
=rap-hôn,= Reb-, Feldhuhn; auch = Wachtel, coturnix.
=rapiamus,= farrago; r.-bôk, Kladde, Schmierbuch.
=rapper-vilgen,= pl. e. Art Vigilien, verschieden von den *vigiliae majores* und den minores.
=rappes,= geringer, saurer Wein.
=rappîr,= n. Rappier (a. 1526).
=rappolt= = ribald?
=râr,= selten; daher kostbar; häufig ironisch.
=rare,= f. die Luftröhre, gutturina.
=râ-recht,= schnurgerade.
=râr(e)-dump,= m. Rohrdommel.
=raren,= sw. v. schreien; brüllen, rudere.
=ras,= Rasch, *arracium,* e. Zeug.
=râs,= n. heftige Strömung, bes. in einem Kanal.
=rasch,= rasch, schnell, kräftig; mit Durchfall behaftet. Adv. rasche, ras(ch)lik(en).
=râschop= = râtschop.
=râ-segel,= 1. Raasegel. 2. Schiff mit Raasegeln, phaselus, ratis.
=rase-kop,= rasender Mensch.
=rasen,= sw. v. rasen, wüten; toll, irrsinnig sein (von Hunden und Menschen); *rasende dull,* rasend toll; irrtümlich vermuten, wähnen.
=rasen,= e. Behandlung des rohen Tuches: scheren? glätten? vgl. frz. *raser.* Lies rosen?
=rasendich,= rasend. Subst. rasendicheit.
=raserie,= Raserei, Tollheit.
=rasêringe,= Rasierung, v. Häusern.
=raspe,= f. Reibeisen.
=raspel,= Klapperinstrument (= sêkenklapper).
=rasselen,= sw. v. ringen, streiten? erringen, erstreiten?
=rassunen,= *sw. v. ranzionieren. Lies:* ranssunen?
=rast(e),= f. (u. =rast,= m.?) Ruhe, Schlaf; als Längenmass, *leuca* (frz. *lieue),* 500 Schritte.
=rast(e)lik,= ruhig; im jurist. Sinne: rechtlich nicht anfechtbar; adv. rasteliken.
=rastelichheit,= Ruhe.
=rastement,= Arrestierung.
=rasten,= sw. v. 1. intrans. ruhen; bleiben, verweilen. 2. trans. zur Ruhe bringen, beisetzen.
=rastêren,= sw. v. (d. i. *arrestare)* arrestieren; mit Beschlag belegen.
=rastich,= ruhig.
=rat,= pl. *rade,* n. Rad; Rad zur Hinrichtung dienend; Strafe des Rades; *r. van eventuren,* Glücksrad, auch blos *rat: dat r. lopen mit ênem,* Glück und Unglück mit jem. teilen.
=rat= _in *over rat* (und *na rade?): rat,* f. Reihe, Reihenfolge, Ordnung?_
=rat,= flect. =rad-,= adj. u. adv. rasch, schnell.
=rat,= m.? Ratte.
=rāt= (gschrbn. *raht),* n. = *rot,* n. Rodeland.
=rât,= m. 1. pl. *rade,* auch *rêde?* Rat, Ratschlag; Lehre, Befehl: *bode unde rade godes;* Beratung, Überlegung: *up rât laten,* einer späteren Beratschlagung vorbehalten; Entschluss: *to rade werden,* mit Gen. oder *dat,* beschliessen; Plan, Vorhaben; Fürsorge; Mittel und Wege, Vermögen; Hülfe, Abhülfe: *des is, wert rât,* dem ist abzuhelfen; *it is rât,* es ist rätlich, nützlich; *to rade tên,* entraten, entbehren können. 2. pl. *rêde, rêdere,* beratende Versamlung, Ratscollegium eines Reiches oder einer Stadt; das einzelne Mitglied solches Collegs.
=rât-bôk,= Rätselbuch. Dem. râtbôkesken, -bôkelîn.
=rat-bor(e),= Schiebkarre.
=rât-broder,= Ratsmitglied.
=rât-dêdich,= Hülfe leistend, behülflich.
=rate, raten,= s. rote, roten.
=rât-geve,= sw. m. 1. Ratgeber. 2. in den fries. Landesteilen und Ditmarschen: Richter, Vorsteher.
=rât-gever,= st. m. = râtgeve.
=rât-hêre,= Ratsherr, Ratmann.
=rât-hûs,= 1. Rathaus. 2. das heimliche Gemach.
=rât-klocke,= Glocke, die zur Ratssitzung läutet.
=rât-koste,= Ratsherrenschmaus.
=rât-man,= Mitglied des Rates; in Nordfriesland = *râtgeve 2,* der geogr. Bezirk desselben hiess dat râtmanslagh.
=rât-mêster,= Bürgermeister.
=rât-nemelik,= Rat annehmend, suadibilis.
=râtnisse,= n. Rätsel.
=râtsam,= 1. ratsam, rätlich. 2. der mit etwas umzugehen weiss, etwas zu Rate zu halten weiss, sparsam, mässig; davon Sbst. râtsam(ic)heit.
=ratsche,= Topf (zum Eierkochen).
=râtschop, -schap,= n. Gerätschaft = rêdeschop 3.
=rât-slach,= Beratung; Ratschlag.
=rât-slagen,= sw. v. nnd =rât-slân,= _1. beratschlagen. 2. um Rat fragen._
=ratspade?= Richthofen, fries. Rechtsquellen 567^b, 1.
=rât-stôl,= m. Ratsstuhl, Sitz der Ratsherren im Rathause, in der Kirche; Ratsamt.
=rât-sworn,= der dem Rate geschworen hat, d. i. der zu den Ratmannen gehört, aber nicht im sitzenden Rate ist.
=ratte,= f. Ratte. ratten-valle, gliripula.
=rât-vragen,= sw. v. um Rat fragen, sich Rat einholen, sich beraten mit jem.
=rauw= = rô (von Speisen).
=rave,= s. *raven* und rove.
=ravel,= ein Spiel, das die hansischen Contoristen in Bergen mit den neu angekommenen trieben; Hans. Gesch.-Bl. 1877, S. 143.
=raven,= st. m. und =rave,= sw. m. f. Rabe; Pl. revene, ravene, raven.
=rawen= = rouwen, ruhen.
=rê,= n. Reh; Pl. rê, rêe, rêhe.
=real-ger (-gar),= Rauschgelb (Malerfarbe).
=rebarber(e),= sw. Rhabarber.
=rebbe= = ribbe.
=rebel,= rebellisch, widerspenstig; auch Sbst. Lärm, Aufruhr?
=rê-boge,= sw. m. Strebebogen (in Kirchen)? von *rêch, rê,* steif?
=rê-bok,= Rehbock. =rê-brade,= Rehbraten.
=recess,= m. n. 1. Rückzug. 2. Vertrag, Vereinbarung, Compromiss, bes. zwischen Rat und Bürgerschaft.
=recess-brêf,= Urkunde eines Vertrages.
=rêch,= steif, von einer Pferdekrankheit.
=recht,= 1. gerade, aufrecht, *rectus,* 2. richtig, genau, passend, wahr, eigentlich, *verus;* im jurist. Sinne: gesetzmässig, rechtmässig, *legitimus;* pers. *ik bin, ik werde* oder *blive recht,* ich habe oder bekomme Recht; im moral. Sinne: gerecht, *justus.* 3. recht, im Ggs. zu link; in früherer Zeit regelmässig im Comparativ.
=recht,= n. 1. die richtige Ordnung; die allgemeine Rechtsnorm; Gesetz; Gesetzbuch; Befugnis, Anspruch, Standesrecht; rechtliche Leistung, Verpflichtung. 2. Gericht, rechtliche Verhandlung und Entscheidung; Gerichtsbarkeit; Beweismittel, bes. Eid. Pl. *rechte,* Jurisprudenz.
=recht-bôk,= Rechtsbuch.
=recht-borge,= Bürge eines Processierenden für dessen Unterwerfung unter das zu fällende Urteil.
=recht-brêf,= schriftlicher Rechtspruch.
=recht-dach,= Gerichtstag.
=recht-danich,= rechthandelnd, fromm.
=recht-dêler,= Urteilsfinder, Schöffe; auch ein Gerichtsdiener: Scharfrichter?
=recht(e),= adv. 1. gerade, aufrecht. 2. recht, genau, in Wahrheit; just, gerade, eben. 3. dem Rechte gemäss.
=rechte= = richte, Gericht; auch in Zsstz.: rechte-hûs etc., s. richte-; = recht-: rechte-gank etc., s. recht-.
=rechten= = richten.
=rechten,= um das Recht, mit Worten streiten.
=rechter,= _1. = *rafter.* 2. *funiculus,* ein bestimtes Längenmass._
=rechtes-klêringe,= Rechtsweisung.
=rechtes-kostinge,= Processkosten.
=rechte-stat,= Rechtsgelegenheit, die Befugnis das Recht geltend zu machen.
=rechtes-vorbêdinge,= Erbieten des Austrages eines Streites durch Rechtgang.
=rechtes-wise,= adv. gerichtlich.
=rechte-vort,= sofort, auf der Stelle.
=recht-gank,= m.; =recht-gânt,= _n. das Rechtsuchen vor Gericht, Process._
=rechthaftich werden,= Recht behalten.
=recht-hengich,= rechtsanhängig.
=rechticheit,= 1. Gerechtigkeit; Rechtschaffenheit. 2. das Recht, Gerechtsame, Berechtigung, u. pass. Verpflichtung. 3. Gebühr; gebührende Ehre.
=rechtinge,= Recht, Gerechtsame.
=rechtliken,= auf rechte Weise, genau; auf rechtmässige Weise, dem Rechte gemäss.
=recht-lôs,= der Rechtswoltaten beraubt.
=recht-lover,= orthodoxus.
=recht-mangel,= Rechtsstreit, Prozess.
=recht-mêtich,= rechtmässig (spätes Wort).
=recht-ordich, -ordelik,= rechtwinkelig.
=recht-schap,= Recht, Befugnis.
=recht-schapen,= wohlgestaltet, richtig, rechtschaffen; adv. rechtscheplike.
=recht-schêdinge,= Rechtsentscheidung.
=recht-schuldich,= 1. schuldig. 2. echt, recht, richtig, gesetzmässig.
=recht-sinnich,= rechtlich, ehrlich; verständig, vernünftig.
=recht-slutinge,= Gerichtsferien.
=recht-sproke,= st. m. Rechtsspruch, Urteil.
=recht-verdich,= 1. gerecht, von Personen, rechtschaffen, fromm, redlich, *justus.* 2. gerecht, von Sachen, den Forderungen des Rechtes gemäss.
=recht-verdicheit,= Gerechtigkeit, *justitia;* Rechtschaffenheit, Frömmigkeit.
=recht-verdichliken, -verdigen,= auf gerechte, redliche Weise.
=recht-verdigen,= _sw. v. 1. als *rechtverdich* darthun, beweisen. 2. richten, strafen, hinrichten._
=recht-verdiger,= der rechtfertigt oder der richtet (Richter).
=recht-verdinge,= Rechtfertigung (im theol. Sinne).
=recht-vorstendich,= rechtsverständig.
=recht-wîs,= adv. nach rechter Weise, gebührend.
=recht-wise,= adj. rechtskundig.
=recht-wisinge,= Rechtsweisung.
=recke,= sw. m. Recke, Held; Riese.
=recke,= f. Strecke (Weges); Hecke; s. reke.
=recke,= n. = rik.
=recke-bank,= Folterbank.
=reckelik= = rekelik.
=recke-mest,= ein Schustermesser.
=recken,= sw. v. 1. intrs. sich erstrecken, reichen. 2. trs. recken, dehnen; reichen, herreichen; erzählen, darlegen.
=redde,= st. f. Rettung, Hülfe.
=redde,= f. = *rede,* f.
=redde-holt,= Klapper? Commandostab?
=reddelik, reddel(i)cheit,= s. redel-.
=reddelken,= plaudemola; Kinderklapper? vgl. ridelaken, plaudenula.
=redden,= sw. v. retten, bergen.
=redden,= sw. v. ordnen, einrichten, besorgen, regieren; *sik redden,* sich fertig machen, sich rüsten.
=redden= = reden, reden.
=redden(e),= f. = redene.
=redder,= n. u. m. der Weg oder Raum zwischen zwei lebendigen Hecken.
=reddinge,= f. Rettung.
=reddinge,= f. Ordnung, Einrichtung, Besorgung.
=rede,= sw. st. m. Fieber.
=rede,= f. 1. Rede, Vortrag, Erzählung, Verhandlung, die Sache von der geredet wird. 2. Beredung, Übereinkunft, Versprechen. 3. Rechenschaft. 4. Absicht, Zweck; *up de rede,* damit *(in eam rationem).* 5. Grund, Ursache. 6. Vernunft, *ratio.* Vgl. redene.
=rêde, reide,= f. Rhede, offener Hafen, naveta, portus.
=rêde,= n. Reitzeug, Ausrüstung d. Pferdes.
=rêde (reide, rêt, reit),= 1. bereit, fertig, gar, *paratus; rêde maken,* sich rüsten, sich fertig machen. 2. beweglich, *rêde gût,* Mobilien; *rêde gelt,* bar Geld; *kôpslagen r. umme r.,* bar gegen bar; *rêde betalen,* bar bezahlen.
=rêde (reden, reide),= adv. bereits, schon; *efte, ofte, wen r.,* obschon, wenn auch.
=rêdegen,= sw. v. *rêde* machen, bereiten.
=rede-kam,= textorium, texile, texale.
=redeker,= Rademacher, Wagner.
=redel(i)cheit,= 1. Vernünftigkeit, Verstand, *ratio, rationabilitas.* 2. Vernunftmässigkeit, Billigkeit; Frommen. 3. Recht, Gerechtsame, Gebührnis.
=redelik,= 1. vernünftig, mit Vernunft begabt, *rationalis.* 2. (der Vernunft) angemessen, rechtmässig, wol begründet. 3. vernünftigen Forderungen etc. entsprechend, hinreichend, gehörig, tüchtig. 4. im moral. Sinne: redlich, ehrlich, ehrbar.
=redeliken,= adv. 1. vernünftig, billig; rechtmässig, *probe;* bes. häufig in der Verbind.: *redeliken unde rechtliken.* 2. hinreichend, gehörig, ordentlich.
=rêdeliken,= adv. schnell, plötzlich, *subito;* mhd. gereite.
=rêdel-kost,= gare, gekochte Speise, bes. Gemüse (Erbsen, Bohnen etc.).
=rede-lôs,= _klagelos, frei von der Anklage, dem Einspruch *(rede)* eines anderen_ = quît.
=rede-lôs,= schutzlos, hülflos? ungeordnet, unfertig?
=rêdel-spise,= gare Kost.
=redemer,= Sachwalter, Vertreter? (= redesman?)
=reden,= sw. v. 1. reden, sprechen. 2. bereden, besprechen, festsetzen. 3. versprechen, geloben; *reden unde loven* häufig verbunden.
=reden,= sieben, sichten.
=reden (ê?),= verdienen, erübrigen?
=rêden, reiden,= sw. v. 1. fertig machen, bereiten, anschaffen; ausrheden, ausrüsten (Schiffe); bestellen (Acker); *sik r.,* sich rüsten. 2. rechnen, zählen. 3. bezahlen, berichtigen.
=reden(e),= f. 1. Vernunft, *ratio; sunder r.,* vernunftlos; *bi r.,* vernünftig. 2. Grund, bes. Rechtsgrund, syn. mit recht; *dat gift r.,* das hat Grund, lässt sich hören. Vgl. rede.
=rêder,= Ausrüster, Rheder.
=rêdere,= Plur, zu *rât:* Räte, Ratsleute; Senate; *der rêdere bôk,* Ratsbuch.
=rederen,= rädern, radebrechen.
=rederen,= sw. v. (Mehl) sichten, beuteln.
=rêdesal, rêdelse,= n. Rätsel.
=rede-salich, -sêlich,= redegewandt, beredt.
=redesam,= beredt, *facundus.* Sbst. redesam(ic)heit.
=rêdeschop, -schap,= f. u. n. 1. Bereitschaft; *in r. sitten.* 2. Barschaft, bares Geld. 3. meist *rêschop:* Gerätschaft, Instrumente des Handwerkers, Kaufmannsware, Hausrat, Vorrat, Kriegsmaterial, Waffen etc.
=redes-man,= Beistand, Advokat.
=rêdich= = rêde, bereit, paratus; rêdich gût.
=redich (ê?),= behülflich.
=redik, -ek, -ich,= m. Rettich, bes. wol Ackerrettich.
=rêdinge,= Rechnung, Rechenschaft; Bezahlung?
=redlîn-vorer,= Rädelsführer.
=ref,= Gestell zum Tragen von Waren.
=ref,= s. rif.
=refenât-zucker,= raffinierter Zucker.
=reformacie,= f. Besserung der Gebrechen in Staat und Kirche, spec. der geistl. Orden; concr. revidierte Satzungen, reformierte Ordensregel.
=reformêren,= besser einrichten, von Übelständen befreien.
=reg= = rei.
=regâl,= n.? eine Art Confect, Lederzucker (aus span. regalo).
=regâl,= n. tragbare Orgel (mit Schnarrpfeifen).
=rêge,= f. Reihe, Reihenfolge, Ordnung; *in, up de(r) rêge,* der Reihe nach; Zeile im Buche, *versus, linea;* Reihe Häuser oder Buden, Strasse.
=regedinge?=
=regel,= m. Riegel, *vectis, obex;* Schalrahmen, über welche die Gewölbe gemauert werden; Querbalken in Fachwerkmauern; Querstange, Latte zu Geländern, (naut.) Regeling; im Pl. Geländer, Schanzkleidung.
=regele= = regule.
=regelen,= sw. v. mit Riegeln (Riegelholz) abstützen.
=regel-holt,= Holz, das zu *regeln* gebraucht wird.
=regels-bere,= Regelbirne, Königsbirne.
=regen= (gew. =rogen=), sw. v. bewegen, rühren; intrs. sich rühren, sich aufmachen.
=regen,= m. Regen.
=regen-, regens-boge,= Regenbogen.
=regen-dôk,= Regentuch, galumpnatis.
=regenen,= 1. regnen lassen. 2. regnen.
=regenhaftich= und =regenich,= regnerisch, regnicht.
=regente,= sw. m. Regent, Herscher.
=regen-water,= Regenwasser, Regen.
=rêger,= m. Reiher.
=regêren,= regere, regieren: intrs. herschen; verfahren, zu Werke gehen; trs. beherschen, lenken, leiten; refl. sich benehmen; *sik r. na,* sich richten, sein Leben einrichten nach.
=regêrent,= n. Leitung.
=regêrer,= Regierer, Leiter. Fem. regêre(r)sche.
=regêres-man,= Befehlshaber, Anführer, Leiter, Urheber.
=regêringe,= Regierung, Verwaltung, Handhabung.
=reggele= = regule.
=regi-, regement(e),= n. Regiment, Regierung, Herschaft; Ordnung, Verfassung; Ordnungs- und Befehlsstab, z. B. des Worthalters in Versamlungen; *r. maken,* Soldaten in Rotten ordnen u. Anführer bestellen; daher *r. =* Rotte, Schar.
=register,= n. Verzeichnis; Seil, Band, Reif, *resticula, retiaculum;* »Zug«, Zugloch in Öfen.
=registrêren,= registrieren, verzeichnen.
=regnacie,= f. Regierung.
=regnêren (rengnêren),= intrs. regieren.
=regnêringe,= Regierung, Regierungsmassregel.
=regule,= f. *regula,* Regel, bes. die Ordensregel; Lehre; Richtschnur.
=regulêr,= canonicus regularis.
=regulêren,= regeln.
=rê-hagen,= m. Gehege für Rehe, Hirsche.
=rê-hâr,= n. Rehhaar, auch coll.
=rei,= st. m. und =reie,= sw. m. 1. Tanz, Reigen. 2. Gesang zum Tanze, Tanzweise; Lied, Spottlied. Oft fig., z. B. Kampf; *ên maket r.,* ein abgekartetes Spiel; *dar wert nîn r. af,* aus der Sache wird nichts; *de olde r.,* die alte Leier, Geschichte; *den r. krigen, an den r. moten,* an den Tanz kommen, müssen, von gemeinsamen Schicksalen, so vom Tode.
=reide= = rêde.
=reide-hof,= Hof eines *rêdemeiers* (Schulzen), der zu den freien Hausgenossen gehörte.
=reide-lude,= die zu einem *reidehof* gehören?
=reiden, reideschop= = rêden, rêdeschop.
=reid-iseren,= Werkzeug eines Kürschners.
=reie,= ein Bettstück; welches?
=reieken,= Dem. zu rei, reie.
=reiel-dach,= Tag des Festreigens.
=reien,= sw. v. tanzen, chorisare.
=reig, reige, reigen= = rei, reie, reien.
=reige-meier= = reidemeier, Schulze.
=reiger,= m. Reiher, ardea.
=reiger (reiher),= ein Holzgerät: Stange?
=reigêren, reigement= etc. = regêren, regiment etc.
=reiken= = rêken.
=rein,= Rain, Grenze.
=rein(e),= rein, ohne Schmutz, klar; lauter, unverfälscht; ohne Sünde, fromm, vollkommen; *wech, sê,* sicher, frei von Räubern; *strant,* ohne Riffe und Sandbänke; *r. werk,* v. Fellen, dem *hârwerk* entg. ges. Adv. vollständig, ganz und gar.
=reine:= dat salve reine, salve regina, ein kirchl. Gesang.
=reine,= f. Reinheit, Unschuld.
=reinecheit,= Reinheit; Keuschheit; Reinlichkeit.
=reineke:= wit reineke, glare (albumen).
=reinelik,= reinlich; ordentlich, anständig.
=reinen,= sw. v. reinigen, säubern, läutern.
=reine-vān(e) (-var, -varne),= Rainfarn, tanacetum, anatheca.
=reinigen,= sw. v. reinigen; dat lîf r., purgare.
=reinsen,= sich räuspern, screare.
=reinsinge,= screa.
=reinval= = rivol.
=reischop= = rêdeschop.
=reise,= f. 1. Aufbruch, Reise; Kriegszug zu Lande oder See; Handelsreise. 2. Zug, Zeitpunkt, mal; *to drên reisen,* dreimal.
=reise= = rese.
=reise(e)lik,= zum Kriege gerüstet.
=reisen,= sw. v. 1. einen Gang, eine Reise machen; eine *reise,* Kriegszug unternehmen. 2. anregen, reizen, verlocken, verführen.
=reisenêre= und =reiser,= 1. Reisiger, Kriegsgerüsteter, bes. zu Pferde (Ggs. *vôt-genger).* 2. Reisender.
=reise-tal:= bi reisetale varen, eine gewisse Anzahl Reisen machen, nach der Reihe fahren? von Schiffern.
=reise-tûch= = reisich tûch.
=reise-wîn,= Wein, der mit auf die Reise genommen wird.
=reisich,= 1. zur *reise,* zum Kriegszuge (zu Pferde) gerüstet, dahin gehörig; *reisich tûch,* Reisige, Söldner zu Pf.; *reisige perde,* Kriegs-, Reitpferde (Ggs. *wagenperde); reisige have,* Kriegsgegenstände. 2. reisefähig. 3. schlank, hoch gewachsen, procerus.
=reisigen= = reisen 2.
=reit= = rêt, Rohr.
=reitschop= = rêdeschop.
=reitzen (reissen),= sw. v. anreizen, antreiben, zum Bösen wie zum Guten.
=reitzigen= = reitzen.
=reitzinge,= Anreiz, Antrieb.
=rek,= m. Sächs. Weltchronik 108, 32; vorher und nachher steht mehrmals *hert,* Hirsch, dafür. *reke,* pl., findet sich einmal statt *rekele;* s. rekel.
=rek,= n. *= rik,* n.
=rek:= rek unde rûm, = reken, adj.
=reke,= f.? Zustand, Beschaffenheit; die richtige Beschaffenheit einer Sache oder Person, Gesundheit; *(wol) to reke,* gesund, wolbehalten, in guter Verfassung.
=reke,= f. 1. Reihe, Ordnung, Strecke. 2. die im freien Felde sich hinziehende lebendige (Dorn)hecke; niedriges Gebüsch. 3. techn. Ausdruck in der Weberei, ein Mass?
=rekede,= f. = *reke,* f. (namentlich = Hölzung).
=rekel,= m. grosser Bauernhund, melampus.
=rekelik,= in gehöriger Beschaffenheit, ordentlich, richtig, rechtlich.
=rekelink,= m. die aus dem Bauche des Heilbuttes geschnittenen, gesalzenen und getrockneten Streifen, pictillus, orena.
=rekel-pennink,= Rechenpfennig, zum Rechnen.
=reke-lude,= Tischschaffner.
=reken,= adj. u. adv. von richtiger Beschaffenheit, in guter Ordnung, ordentlich, genau; im jurist. Sinne: *reken unde rûm,* ohne lästige Verbindlichkeiten, von Strassen: offen, ungehindert.
=reken,= st. v. = *raken,* scharren.
=reken,= sw. v. 1. etwas so einrichten, dass es *to reke* ist, *r. unde rumen,* frei und unbehindert überliefern. 2. rechten; richten.
=reken,= sw. v. 1. intr. reichen, sich ausdehnen; gelangen, kommen. 2. trans. ausstrecken; (streckend) darreichen; fertig bringen, erreichen, erlangen.
=rêken,= st. v. riechen.
=rêken,= sw. v. reichen, sich erstrecken; gereichen, dienen; darreichen, langen.
=reken-, rekens-bôk,= Rechnungsbuch; Rechenbuch für Schüler.
=reken-dach= = richtedach, Gerichtstag; Tag der Rechnungsablage.
=rekenen (reken),= sw. v. rechnen, Rechnung halten oder ablegen; rechnen, zählen; aufzählen, anführen, erzählen; wofür halten, achten.
=rekeninge,= Rechnung, Abrechnung, Rechenschaft; Arithmetik.
=reken-mêster,= 1. Schaffner, Ordner bei Mahlzeiten. 2. Rechenlehrer.
=rekens-bret,= Rechenbret.
=rekenschop,= Rechnung, Berechnung; *uppe r., a conto-*Zahlungen; Rechenschaft.
=rekenschuppel?= Rechnung, Schuldzettel.
=rekens-man,= Rechner, Berechner der Kasse, Buchhalter.
=rekens-pennink= = rekelpennink.
=rekens-tafele,= Rechentafel.
=rekinge= = rekeninge.
=rek-iser,= andena = brantrêde.
=rek-laken,= gerecktes (noch nicht geschornes) Tuch.
=rê-kule,= f. Rehkeule.
=rele,= Wogenanschlag, Brandung?
=religiose,= Ordensgeistlicher.
=relik, releke= = rolik.
=rēlse= = rolik.
=reme= = rame, Rahmen.
=rêm(e),= sw., selten st. m. Ruder, Ruderstange.
=rême,= sw. m. 1. Riemen, Band, Schnur; *de rêmen tein,* den Geldbeutel ziehen, fig. herausrücken, loslegen. 2. Leibriemen, Gürtel, auch metallener; *glade rêmen,* Zärtlinge, Schwächlinge. 3. Streifen eines grösseren Fisches.
=remedie,= f. 1. Arzneimittel. 2. beim Prägen der Münzen das Fehlgewicht, das dem Münzmeister als zulässig angerechnet wird.
=remel (ê?),= ein Bündel Flachs von 20 Pf. (Stein).
=rêmen,= sw. v. rudern.
=rêmen,= sw. v. riemen, mit Riemen versehen.
=rêmen-sleger,= Riemenschläger, Gürtler.
=rêmen-snider,= Riemer, Weissgerber; oft = rêmensleger.
=rêmen-werk,= 1. Riemerarbeit. 2. Riemerhandwerk.
=remese= = ramese, ulpicum.
=remeter, rēmter,= m. Refectorium.
=rêm-holt,= Holz zu Rudern, auch zu Pfeilen.
=remmen,= sw. v. im Rummel, Ramsch kaufen?
=rê-mome,= caprina.
=ren,= n. die Rinne unterm Schöpfrade.
=rênal,= eine Weinsorte, wahrsch. = reinval.
=rende,= pl. Zerbrochenes, Stückwerk?
=rê-nette,= Netz zum Rehfang?
=rêne-vane= = reinevane.
=rengen,= sw. v. mutwillig werden.
=rengnêren= = regnêren.
=rênlik,= reinlich; v. Gesang: richtig.
=renne,= f. Rinne, Wasserröhre, Dachtraufe, Gosse, Rinnstein.
=renne-, ron(ne)-bane,= f. Rennbahn (zum Turnier etc.).
=(renne-), ronne-bannere,= f. das kleinere Banner oder der Wimpel einer Reiterschar (Ggs. *hôftb., grote b.* des Heeres).
=(renne-), ronne-bart,= m. Stück des Panzers.
=renne-, ronne-, runne-bôm,= Grenzpfahl; Schlagbaum, der an den Grenzen eines Bezirkes etc. aufgerichtet zu werden pflegt.
=renne-gûle,= m. Renngaul, -pferd.
=(renne-), ronne-hôt,= Turnierhelm.
=renne-ko?= Brschw. Chr. 1, 146.
=rennen, ronnen,= sw. v. 1. intr. rennen, jagen, eilig laufen; einen Reiterangriff machen; im Turnier rennen. 2. trans. rennen machen; ohne Obj. schnell reiten oder fahren; rinnen machen, schütten.
=rennen-, ronnen-stên= = ronstên.
=renner, ronner,= _(leichtbewaffneter) Reiter; Rennbube; Rennpferd,_ cursarius.
=renne-rok,= Rennrock beim Stechen, Turnieren.
=renne-spêt,= Rennspiess.
=(renne-), ronne-spil,= Turnier.
=(renne-), ronne-vēnlîn,= _n. Rennfähnlein, Standarte; die Reiterschar unter einer solchen Fahne._
=renninge,= f. das Rennen; feindlicher Angriff.
=rennink,= m. ein Hund?
=rensel, rentzel,= m. Reisesack (für Speise etc.), Beutel.
=ren-stên= = ronstên.
=rente,= _f. Rente, Ertrag, Einkünfte; bes. die bestimmt (alljährlich) wiederkehrende; Hypothek in e. Hause; Zinsfuss,_ Hamborger = 6⅔%, Lubeker = 5%.
=rente-bôk,= _das städtische Verzeichniss der geschehenen *rentekope,* Rentenkäufe._
=rente-mêster,= e. Beamter: Rentmeister, reddituarius.
=renten,= sw. v. an Renten eintragen.
=rentenêr,= Rentenbesitzer, Rentner; hypothekarischer Gläubiger.
=rêp,= m. u. n. 1. Reif, Seil, Tau, 2. als bestimtes Mass: als Längenmass (für Tuch, Leinewand) 10 Ellen; als Flächen- (Acker-)mass; als Körpermass (für Holz etc.) 8 Ellen.
=rê-pant,= n. Netz zum Rehfang.
=rêp-dêlinge,= Teilung, Abmessung mit dem rêp.
=rêpe= = rêp.
=repe, repel,= f. Riffel, grosser, eiserner Kamm mit langen Zähnen, um dem Flachse die Samenknoten abzustreifen; *repe,* sw. f. ist auch e. Gerät zum Fischfang.
=(rêpel), reipel,= Sattelküssen, subsellium.
=rêpel-bode,= Seilerbude, -hütte.
=repelen= und =repen,= sw. v. den Flachs riffeln.
=repen= = reppen.
=rêpen,= sw. v. messen mit dem rêp.
=rêper,= 1. der Messer mit dem *rêp.* 2. Reepschläger, Seiler.
=rêper-bane,= Seilerbahn; *-bode,* Seilerbude; *-knecht,* Seilergeselle; -linnewant, e. Art Leinewand; *-schune,* bedeckte Seilerbahn.
=rêpes-man,= Feldmesser.
=replik,= beweglich: replike guder.
=rêp-mâte,= f. Seilmass; die Messung mit dem rêp.
=repontik,= rheum rhaponticum.
=reppe, reppel, reppelen, reppen,= s. *repe* etc.
=reppen,= sw. v. rühren, anrühren, bewegen; *de segel r.,* die Segel aufziehen, setzen, unter Segel gehn; (mit Worten) berühren, in Anregung bringen, besprechen, (wieder) aufrühren; refl. sich fortmachen; auch intr. eilen; steigen, klimmen.
=repper?= ein Gerät; welches?
=reppinge,= f. Wiederaufrühren (von Streitigkeiten).
=rêp-sleger,= Tauschläger, Seiler.
=rêre,= n. was (beim Sieben) durchfällt oder abfällt; Abfall.
=rêren,= sw. v. abfallen?
=rêren,= sw. v. schreien = raren.
=rê-rôf,= Beraubung einer Leiche, eines (gewaltsam) Getöteten; dann überh. jeder auf schändliche Weise geübte Raub, Strassenraub, Raubmord.
=rê-roven,= sw. v. *rê-rôf* begehen. Subst. rêrover.
=rêschop= = rêdeschop.
=rese (ê?),= m. Riese; Recke, Held.
=rê-sêl,= Rehseil (um Rehe zu fangen).
=reseme,= f. Ries (Papiers).
=rêsen= = reisen; =rêsich= = reisich.
=respect= = toversicht, amtliche Bescheinigung, Attest.
=respelen,= sw. v. zusammenraffen.
=respît,= Aufschub, dilatio.
=rest,= m.?, =reste,= f. Rest, das Übrige.
=reste,= f. Rast, Ruhe.
=resten,= sw. v. ruhen, rasten; auch refl.
=restement,= Arrest, Beschlagnahme.
=restêren,= an-, festhalten, arrestare.
=restich,= ruhig; *resticheit,* Ruhe.
=restlik,= ruhig, unangefochten.
=rêt,= _n. u. m., fl. *rêdes* und *rêtes,* Schilfrohr; als Werkzeug der Weber, *arundo,* Spule?_
=rēt? rêt?= n. Ritt, (Feld)zug von Reisigen, Reitergeschwader.
=rete,= m. 1. Ritze, Spalte. 2. Riss, Stück (abgerissenes).
=rêten,= st. v.? lermen, schreien, toben.
=rêt-gelt,= (häufig als ein W.) bar Geld.
=rêt-geve(r), rêtjer, rêdge,= (fries.) Richter.
=rêt-hollen= und =-lant,= mit Rohr bestandenes Stück Landes.
=retlik (ê?):= r. u. behulplik wesen, beistehen.
=rêtschop,= Richteramt u. Gerichtssprengel (fries.).
=rêtschop= = rêdeschop.
=rêt-stake,= sw. m. Rohrstab.
=rette= = rete.
=rettelen,= sw. v. rasseln.
=retten,= sw. v. zerreissen.
=rêt-wische,= f. Wiese, auf der Rohr wächst.
=retze,= m. eine Art Pferde; serbische?
=reval, (rewal, rival),= Wasserbenedicten, Wiesengaraffel?
=revbarbar,= Rhabarber.
=reve-koken,= ein Magenübel (Rippenkolik?)
=revel,= Deckleiste der Holztäfelung? Hamb. Kämmerei-Rechn. 3, 53; vgl. Ztschr. f. Ndrsachs. 1869, 230.
=rê-vel,= Rehfell.
=revel-strît?= Bothos Chron. f. 275.
=reven,= sw. v. unsinnig denken u. reden, *delirare; r. na,* unsinnig etwas verlangen.
=reventêr, -er,= n. Refectorium, Speisesaal (in Klöstern).
=revêr(e)= = rivêr.
=ribalt, -bolt,= 1. verwegener Bursche, Raufbold, Taugenichts. 2. eine Belagerungsmaschine.
=ribaut lopen,= als Bettler, Gauner landstreichen.
=ribbe,= st. n. und sw. m. Rippe; fig. erhabener Streifen auf einer Fläche.
=ribb(e)-isern,= Reibeisen, bes. um die Pferde zu striegeln und den Flachs zu reinigen.
=ribbe-knoke,= Rippenknochen.
=ribbe-lappe,= bei der Flachsreinigung benutzte lederne Schürze.
=ribbe-spēr,= n. gebratene (u. eingesalzene?) Schweinsrippen.
=ribbet,= gerippt, mit Rippen (v. Schilden).
=rib(be)-wort,= plantago, Spitzwegerich, Hundsrippe.
=richel,= n. Latte, Bort-, Querstange, Geländer.
=richt,= gerade, aufrecht.
=richt-bar,= strafbar.
=richte,= f. Richtung, bes. die gerade; *in de richte,* gerade aus; *to richten,* geradeswegs, schnurstracks; *to richtes,* gerade, (von der Zeit) unmittelbar folgend; *an richte,* sofort, sogleich.
=richte,= n. 1. Gericht, Rechtsprechen; Absprechen, Aburteilen; concr. das Gericht, die Richter, Gerichtspersonen; *dat r. senden = den bodel s.* 2. Gerichtsbezirk. 3. Gerichtsbarkeit. 4. Hinrichtung. 5. Richtstätte.
=richte,= n. Gericht, Gang von Speisen.
=richte-bank,= Bank oder Gestell, um Teller, Schüsseln etc. darauf zu stellen, Speise anzurichten.
=richte-bode,= Gerichtsbote.
=richte-bôm,= Richtkeil oder Handspake zum Richten der Kanonen?
=richte-dach,= Gerichtstag.
=richte-dêler,= Rechtserteiler, Richter.
=richte-gût,= gerichtliche Gefälle; Geldstrafen.
=richte-hêre,= der Gericht haltende Ratmann.
=richte-holt,= Richtholz, Winkelmass.
=richte-hûs,= Gerichtshaus.
=richtlik,= gerichtlich; adv. richtliken.
=richte-knape,= Gerichtsdiener.
=richtelik= = richtlik.
=richtel-pat,= Richtweg.
=richtels-dach= = richtedach.
=richte-man,= Richter.
=richten,= sw. v. 1. gerade machen, *rectificare;* aufrichten; ein Haus richten; *in de richte* bringen, berichtigen, schlichten; ersetzen, vergüten; refl. (u. pass.) sich auseinandersetzen, sich versöhnen. 2. (durch einen Reinigungseid, *recht* = Eid) beweisen. 3. als Richter entscheiden, oder als Partei gerichtlich entscheiden lassen; verurteilen, strafen. 4. überh. urteilen, schätzen. 5. ein Urteil vollziehen, hinrichten. 6. *sik wal r.,* sich wol aufführen; *sik r. nâ,* sich schicken nach, sich verhalten gemäss. 7. *r. to,* gereichen, dienen zu.
=richteninge dôn,= ? Gosl. Bergges. § 100.
=richte-nôt,= Gerichtsgenosse, assessor.
=richte-pale,= pl. das gehegte Gericht, septa judicialia.
=richter(e),= Richter; *de scherpe r.,* Scharfrichter.
=richters-brêf,= schriftliches Rechtserkenntnis.
=richter-stede,= Richteramt.
=richt(e)-schîn,= m. u. n. gerichtliches Zeugnis, dass eine Sache abgemacht ist.
=richte-schriver,= Gerichtsschreiber; bes. Protokollführer.
=richte-schûw,= gerichtsscheu, der sich nicht vor Gericht gestellt hat.
=richtes-lude,= Gerichtsleute, -beisitzer.
=richtes-plichtich,= dingpflichtig.
=richte-stat,= Gerichtsstätte, Gericht.
=richte-stech,= m. Richtsteig, gerader Weg.
=richt(e)-stîch,= m. Richtsteig; Richtschnur, Wegweiser, Anleitung, so als Titel von Büchern: der sêle r., r. in allerlei kopenschop, des lênrechtes.
=richte-stôl,= Tribunal.
=richtes-vrî,= _eximiert von e. Gerichte oder von der Pflicht, Gericht zu sitzen._
=richte-swert,= Richtschwert (zur Hinrichtung).
=richte-vat,= flache Schüssel? Anrichtschüssel?
=richte-voget,= Gerichtsvogt.
=richte-walde? -walder,= der des Gerichtes waltet, Richter.
=richte-wech,= Richtweg.
=richtich,= richtig, recht; wie das Recht verlangt, gerecht; aufrichtig, tüchtig; adv. *richtichliken,* richtig, in gehöriger Ordnung; *richtigen,* gesetzmässig; gerichtlich.
=richtinge,= _1. gerade Richtung. 2. Auseinandersetzung, Vergleich. 3. Erstattung, Berichtigung. 4. das Richten, Gericht._
=richt-meister,= Anführer.
=richt-snôr,= m. Richtschnur der Bauleute; fig. Regel, Norm.
=richt-walt=, f. richterliche Gewalt.
=ricke,= n. = rik.
=ricken,= sw. v. mit Pfählen, Stangen, Geländer umgeben.
=ridder (ritter),= Ritter, *miles;* Springer im Schach; *arme ridder,* e. Speise.
=ridder(e)=-blome, consolida regalis, delphinium; -dênst, Kriegsdienst als Pflicht und Beschäftigung des Ritters; *-huve,* Ritterhelm; *-kerse,* e. grössere Art Kerzen? *-lik,* einem Ritter geziemend, ritterlich, tapfer, ritterbürtig *(r. broder = godesridder); -matesch, -mêtesch, -mâts, -mate, -matich,* ritterbürtig, von ritterlichem Stande; *-mêster,* Anführer v. Rittern; *-pert,* Ritterpferd; *-recht,* Ritterrecht; *-schemp, -schimp,* Ritterspiel, Turnier; *-schap, -schop, militia* 1. ritterliche Thätigkeit, Kampf, auch vom Kampf des Lebens, 2. Gesamtheit der Ritter, 3. ritterliche Geburt, Ritterstand, -würde; *-schoppen, militari = ridderschop oven,* kämpfen; *-schorte (guldene),* e. Tracht, die nur Ritterfrauen zukam; *-spil,* Turnier; *-tzolt,* was dem Ritter als Sold zukam; *-werk,* kriegerische Thätigkeit, Krieg.
=ridders-adel,= _m., *-art,* f. ritterliche Geburt, Herkunft; *-man,* Ritter; *-môt,* ritterlicher Sinn, Mut._
=ride, rîe, rige,= f. Bach, kleiner Wasserlauf, Graben.
=ride=-bit? _pl. *-bete,* Zäumung des Reitpferdes; *-gelt,* Reisegeld; *-hingst,* Reitpferd; *-hoike,* m. Reitmantel; *-kam = redekam; -knecht,* Reitknecht; *-laken,* Zuggardine vor Fenstern, Betten, Gemälden, Wagenfenstern; *-lerse,* Reitstiefel; *-man,* der zu Pferde dient; *-mantel,* Reit-, Reisemantel; *-mêster,* Rittmeister, Anführer der Reiterei; *-pert,* Reitpferd; *-rok,* Reitrock; *-schilt,* Schild für Reiter? *-smit,* Reit-, Fahnenschmied; *-stôl,* Drehstuhl? Kontorstuhl; *-towe,* Ankertau?_
=ridel-hoike= = ridehoike?
=riden,= st. v. 1. intr. reiten; überh. reisen *(over mer r.);* bes. einen Kriegszug unternehmen; von Schiffen: *r., vor dem anker r.,* vor Anker liegen; von Land: *vor dem strome,* unbedeicht und der Überschwemmung der Flut ausgesetzt sein, *wôste,* durch Meer oder Strom der Cultur entrissen sein. 2. trans.; der Acc. bezeichnet den Gegenstand *a)* auf dem man reitet (Tier oder Mensch), bes. (befruchtend) bespringen, *b)* über den man reitet; -- reitend besorgen, equitando obire.
=riden(d)e,= Partic. reitend, beritten, Ggs. *gânde: de r., de r. man = rideman,* Reiter; *r. borgermêster,* regierender, auf die Tagfahrten ausreitender B.; *r. kok, schriver,* Koch und Schreiber, die an solchen Reisen teilnahmen; *r. bode,* r. Bote; *r. dêner,* oft als ein Wort *ridendêner,* berittener Stadtdiener, Ggs. *hûsdêner; r. orloch,* Krieg im offenen Felde, Ggs. Belagerung; *r. henxt,* Reitpferd.
=ridenêr,= Berittener, Reisiger.
=rider,= 1. Reiter. 2. eine Münze (zu 12 fl.); *rider-gulden = 11 schaep; (de rosenobel = 4 ridergulden); r.* ist übrigens ein Name für verschiedene Münzen.
=rider-hovet,= (junges?) Rindvieh? l. rind-?
=rîe,= f. = ride.
=rîe,= f. (slav., lett.) Scheune, Korndarre.
=rif (ref),= fl. *reves,* n. Leib, bes. der tote Leib, Leichnam, Gerippe.
=rif, ref=, fl. *reves,* n. Fels oder Sandbank in der See.
=rîf-isern,= tritorium.
=rîf-stên= = badestên.
=rige,= f. = ride.
=rige,= f. Reihe, Ordnung; Häuserreihe, Seite einer Strasse.
=rigen,= st. v. reihen, aufreihen; in Falten legen? *sik r.,* sich reihen, sich schicken.
=rigene,= f. Zeile einer Schrift.
=rigisch,= aus Riga: *rigische butte,* getrocknete Bütte (Fische) aus Riga; *rigisch slede,* ein leichter einpferdiger Schlitten mit Schellengeläut.
=rik,= n. eine lange dünne Stange; bes. eine Querstange, um Kleider etc. darüber zu hängen, oder Gestell, Bort, um etwas darauf zu setzen; *up dat rick slân,* an den Nagel hängen, aufgeben.
=rîk(e),= reich, mächtig; *rike unde arm =* jedermann; adv. reichlich.
=rike,= n. 1. Reich (Herrschaft u. Reichsgebiet); spec. das h. römisch-deutsche Reich. 2. der Kaiser, als Inhaber der Reichsgewalt. 3. Reichsinsignien.
=rike-dage,= pl. Reichtum; als Sing. fem.
=rike-dôm,= m., auch f.? Reichtum.
=rîk(e)lik,= reich, reichlich; adv. rikelik(en).
=rike-maken,= eine Art (Hazard)spiel.
=riken,= sw. v. 1. reich machen. 2. reich werden.
=rikeren,= sw. v. bereichern; intr. u. refl. reicher werden.
=rikes-dach,= _Reichstag; *-daler,* Reichsthaler; *-rât,* Reichsrat._
=rîk(e)-stat,= Reichsstadt.
=rîkheit, rikicheit,= Reichtum.
=rîm,= st. m. und =rime,= sw. m. Reim; Reimspruch; *in den rîm dôn,* ein Spottlied auf jem. machen; Dichtung überh.; Wahlspruch, Motto, Devise.
=rîm-bôk,= _Reimbuch; Katalog. Dem. *rîmbokelîn,* Spruchbüchlein._
=rimen,= _sw. v. reimen; Verse machen; *sik r.,* passen, im Einklange stehen._
=rîm(es)-wîs,= adv. in Reimen, Versen; *r. stellen,* in Verse bringen.
=rimpe,= f. Runzel, Falte.
=rimpel= = rimpe.
=rimpen,= st. u. sw. v. rümpfen, runzeln, falten; *sik r.,* sich zusammenziehen, krümmen.
=rinde,= f. Rinde, Kruste, Borke.
=rindeke(n), rindele,= Zimmet, Kaneelrinde.
=rinder(e)=-brade, Rinderbraten; *-market,* Rindermarkt.
=rinderen,= vom Rind; bes. rindsledern.
=rindes=-bûk, _Mittelstück, Rumpf vom Rindfleische; *-hovet,* Rind; *-hût,* Rindshaut; *-ledder,* Rindsleder._
=rine,= f. und =rîn,= m. n.? Mühleisen, das aus einem Ring mit vier Zapfen bestehende eiserne Kreuz, welches in den oberen Mühlstein eingelassen ist, worin die Mühlenspindel mit einem Zapfen eingreift.
=ringe,= adj. geringe, leicht; wertlos, unbedeutend; klein, wenig; niedrig; kunstlos, einfach; leichtsinnig; *ein ringe,* ein Kleines.
=ringe,= adv. ausser den Bedeutungen des Adj. bes.: schnell, rasch.
=ringe-dans,= chorea.
=ringel,= Zuber, tina.
=ringel-duve,= Ringtaube.
=ringele,= f. Sonnenblume.
=ringeliken,= adv. schnell, bald.
=ringen,= st. u. sw. v. ringen, kämpfen; na, streben, trachten nach.
=ringen,= sw. v. 1. geringer machen, verringern. 2. (das Geringe, Schlechte) ausschiessen, syn. mit wraken.
=ringen,= sw. v. 1. einen Ring anlegen; *de swine,* den Schweinen einen Ring durch die Nase ziehen, damit sie nicht wühlen können. 2. in Ringe legen (den Torf). 3. umringen.
=ringenêren,= sw. v. Nebenf. zu *re(n)gneren; r. na,* trachten nach etwas.
=ringeren,= sw. v. geringer, schwächer machen, attenuare.
=ringeringe,= Verschlechterung, Verringerung.
=ringes-umme,= ringsum.
=ringe-tûn,= Ringzaun, der das Eigentum rings umgibt.
=ringe-vorwegen,= unbedacht, leichtsinnig.
=ring(e)-weginge,= Geringschätzung, Verachtung.
=ringicheit,= Schnelligkeit, Hast.
=rink,= _m. 1. Ring, z. B. Fingerring, Panzerring, Türring oder -klopfer, *ringe up tafelen* (s. *tafelrink),* an Flaschen. 2. Kreis, Umkreis, Umfang; *to ringe umme,* ringsum; das Nasenloch; *r. umme de sunne,* Hof um die Sonne. 3. der zu einer Versamlung oder zu einem Kampfe abgesteckte Kreis._
=rinke,= Schnalle an einem Gürtel, Spange.
=rinken-drât,= Draht zu Ringen oder Spangen, eine Drahtsorte.
=rink-laken,= _eine geringere Tuchsorte? *-lusse? (= lunse?); -mure,* Ringmauer; *-pitzêr,* Petschaftring; *-smit,* Drahtschmied? Kettenschmied? *-viler,* der *rinken* (und *ringe?)* feilt, = *bretzen-maker; -wîs,* ringsherum, im Kreise; *-worpen,* einwickeln, hineintun?_
=rinne,= lodallia, ein Fisch.
=rinnen,= st. v. 1. rinnen, fliessen, tröpfeln, lecken, tränen. 2. = *rennen,* laufen, rennen. 3. gerinnen, coagulare.
=rinsk:= mit rinsken sleden, entw. *rînske = rigenske(?), rigiske* (s. *rigisch)* oder, mit Umdeutung, *rinskende,* mit Schellengeläut (s. rinschen).
=rînsch,= rheinisch; *rînsche,* sw. m. rheinischer Gulden.
=rinschen,= rasseln, klappern, rauschen.
=rîn-schip,= Rheinschiff.
=rinsel,= Lab, coagulum.
=rint,= n. Rind, als Gattungsname; spec. das im zweiten Jahr stehende Stück Rindvieh.
=rint=-quik, Rindvieh; *-vlêsch,* Rindfleisch.
=ripe,= sw. m. Reif, pruina.
=ripe,= st. f. Reife.
=ripe,= reif, auch von Geschwüren; reiflich, na ripem rade.
=ripen,= sw. v. reifen.
=ripen-gelt? ripen-korn?=
=ripicheit,= Reife; Gesetztheit des Wesens.
=ripinge,= das Reifen, die Reife.
=rîplik(en),= adv. reiflich, hinreichend; reichlich, zahlreich.
=rippe,= Stück der Rüstung zum Schutz der Brust; Ggs. rugge.
=rîp-sinnicheit,= reifer Sinn, Verstand.
=rips-rapper,= der etwas *ripsraps,* rasch wegreisst.
=rirap,= ein Kraut, sandira.
=rîs,= Ries (Papiers oder Schiefersteins).
=rîs,= n. Reis, Zweig, *virgula;* Reisigbüsche, Reisicht, *virgulta, sarmenta;* Gebüsch; als Ggs. zu *lôf,* Laub: *im rise,* im Winter, *im love,* im Sommer. Dem. riseken.
=rîs,= m. Reis, oryza.
=rîs-busch,= junges, niedriges Gehölz.
=risch,= Schilf, Sumpf-Binse.
=risch,= 1. aufgerichtet, gerade, schlank. 2. rasch, schnell.
=rischen,= scirpeus, von Schilf.
=rischen,= sw. v. *blôt r.,* Blut speien.
=rise,= f. eine Art Schleier um Wangen und Kinn; Haarbinde.
=rise-biter,= ein etwa jähriges Rind, das, wenn es in den Wald getrieben wird, schon die Reiser abbeissen kann.
=rise-galle,= n. eine Arznei.
=risel?= Riedel, Cod. Brandenb. I, 9, 179.
=riselsch,= aus der Stadt Ryssel (Lille).
=risen,= st. v., im 16. Jh. auch mit sw. Praet. 1. sich von oben nach unten bewegen, fallen, ab-, ausfallen. 2. sich von unten nach oben bewegen, sich erheben, steigen, emporkommen, hervorkommen, aufgehen, auflaufen, sich zeigen.
=risen,= sw. v. 1. pfropfen; fig. begründen, stützen. 2. anreizen, instigare.
=rîs-holt,= Reisholz, Buschholz.
=risinge,= das Steigen; Preis-, Geldkurssteigerung.
=rispe, rispeke(n),= Reis, Staude, Gestrüpp.
=risse,= f. Ritze, Spalte.
=rissen,= sw. v. zerspalten; Risse in etwas machen, ritzen.
=rîste,= f. Strähne Flachs oder Hanf, hispa (3 oder 4 machen einen s. g. knocken); auch von andern Gegenständen, z. B. Schiefer.
=risten,= sw. v. flechten? *motire;* ritzen, einschneiden.
=rit,= n. Ritt; Kriegszug zu Pferde.
=rît-âl,= e. Sorte Aale: kleiner Graben-Aal (v. ride)?
=riten,= st. v. trans. reissen, zerreissen, brechen; intr. bersten, zerrissen werden.
=rît-mêse,= statt *rêtm.,* Reitmeise, amarellus.
=rit-mêster,= Rittmeister; Führer des ganzen (reisigen) Heeres.
=rit-stempel,= ein Schmiedsgerät.
=ritte= = rete. =ritter= = ridder. =ritze= = risse.
=rive,= verschwenderisch, freigebig; reichlich; = *kone, vigorosus.* Als Adv. auch: gehörig, sehr, stark.
=rive,= f. Reibe; Striegel?
=rive-koken,= Reibkuchen, e. Confect?
=rivelse,= n. was gerieben ist.
=riven,= st. (u. sw.) v. reiben, zerreiben.
=rivêr,= n. (m.), =rivêre,= _f. fliessendes Wasser, Fluss, Strom. Dem._ rivêr(i)ken.
=rivol,= m. Wein aus Rivoglio in Istrien.
=rîx-ôrt,= _d. i. *rikes-ort,* Viertel eines Reichs(thalers, Gulden etc.)_
=rô,= roh, ungekocht; v. Garn, Leinen ungebleicht; v. Tuch, wie es aus der Walke kommt; v. Buch, ungeheftet, ungebunden.
=robbîn,= Streit, Kampf, Lerm (plötzlicher? gewaltiger? wol = mhd. *rabbîn,* mfrz. *ravine,* Anrennen des Kampfrosses).
=robbines spil,= Schlägerei; wol v. vorhergehenden Worte robbîn.
=robîn,= m. Rubin.
=roblike, robrike= = rubrike.
=roch,= _fl. *roches, roghes,* m. im Schachspiel: der Turm (Elephant, Kameel)._
=roche, ruche,= sw. m.? Roche, der Nagel- und der Glattrochen.
=rochelen (rögelen, röchel),= n., ital. *rocchetto,* Chorhemd, feine (leinene, gew. weisse) Überkleider mit engen Ermeln.
=rochlik,= bequem? in ordentlichem Zustande? lies recklick = reckelik?
=roch-, ruchen-, ruggen-pâl?=
=rôchte? rochte,= s. ruchte.
=rocken,= Spinnrocken (Wocken).
=rodal, n.== rotele.
=rodâl,= Name einer Pflanze, rotulus, herba longa.
=rodde= = rode, sw. m. rodden = roden.
=rodd-oge= = rodoge.
=rode, rodde,= _sw. m. 1. grosser Hund, Rüde, *molossus.* 2. »Läufer«, Zapfenhopfen,_ lupulus femina.
=rode,= sw. f. = *rotte,* musik. Instrument.
=rôde,= st. f. 1. Röte, *rubedo.* 2. rote Farbe; Krapp, rubea, erythrodanum.
=rôde, rûde,= st. sw. f. *virga,* Rute: Schössling, Reis; Gerte, Stab, Stange; Messrute v. verschied. Länge (10-16 Fuss); am Ziehbrunnen die vier Eckständer u. d. Träger des Brunnenschwengels; Mühlenrute; Zuchtrute, fig. Strafe; *spanische roden,* eine Art Stangeneisen, *hierro en vergas.* Dem. rodeken.
=rode-acker,= aus Waldland gerodeter Acker.
=rode-bicke,= f. Bicke, Hacke zum Roden (Reuten), Aufräumen, Abbrechen v. Mauerwerk.
=rode-hacke,= f. u. =rode-ho(u)we,= f. (auch =rode-hower?)= = rodebicke.
=rôdelaftich, -achtich,= rötlich.
=rode-lant,= gerodetes Land, Neubruch.
=rôdeleftich, -echtich,= rötlich.
=rodelen,= sw. v. Dem. zu *roden,* roden.
=rôdelicht,= rötlich.
=rôdel-stên,= Rotstein, rote Kreide, Rotstift.
=rodel-wî(g)e,= cristula (falco tinnunculus).
=roden,= sw. v. roden, reuten, urbar machen.
=rôden?= = roien, sw. v. rudern.
=roden-dage,= Hundstage.
=roden-drek,= Hundeexcremente, album graecum.
=roden-eit,= Eid der Hopfendarrer.
=roden-hovet,= Hundskopf.
=rôden-korf,= Rutenkorb, aus Weiden geflochten.
=roden-snute,= Hundeschnauze.
=roden-sone,= eig. Hundesühne, d. i. eine solche, die nur kurz dauert.
=roden-stove,= Hopfendarre.
=roden-tins,= Hopfenzins.
=rôden-tins,= Abgabe nach der Länge (Rutenzahl) eines Eigentums.
=roder,= n. Ruder, bes. Steuerruder; fig. Führer, Stütze.
=rodere,= Rotmaler, rubeator.
=rode-recht,= das Recht zu roden, die Rechtsbestimmungen darüber.
=roderen,= sw. v. rudern.
=roder-gelt=, Rudergeld, d. i. eine Hafenabgabe, die von jedem einlaufenden Schiffe bezahlt wird.
=roder-haken,= pl. Haken am Steuer, welche in die Fingerlinge des Hinterstevens greifen.
=roder-hol,= forus = roderlade?
=roder-lade,= das Loch in der Hintergilling, durch welches die Ruderpinne ins Schiff geht, Hennegatt?
=roder-smide,= Beschlag des Steuerruders?
=roder-tol,= Ruderzoll = rodergelt.
=rode-tegede (rot-t.),= der Zehnte von dem gerodeten Neulande.
=rode-werk,= Ausrodung?
=rodich,= rötlich.
=rodie?= f. Felsen (gew. rotse, rutse).
=rodinge,= das Ausroden.
=rôd-oge, roddoge,= ein Fisch, Rotauge, Barbe, rubecula.
=rôer= = roder, Steuer.
=rôf,= m. (u. n.?) 1. Decke, Deckel (über e. Wanne, Kufe, Wagen etc.). 2. die Decke auf dem Hinterdeck des Schiffes; als Wohnung des Schiffsvolkes. 3. Rauchfang? 4. Lehmdecke der Kalkröse. 5. Schutzdach über Mauern, Planken.
=rôf,= m. Raub, sow. das Rauben, die Raubthat, als (dann auch n.) der gemachte Raub, das geraubte Gut, Beute = rôf-gût.
=rôf=-hûs, -slot, Raubhaus, -schloss; -kule, Räubergrube; *-schip,* Piratenschiff; -wagen, Wagen zur Aufnahme der Beute beim Heere.
=rofel (rofelke),= gadus lota, polipus.
=roffele, ruffele,= Werkzeug von Holz, mit eisernem Rande beschlagen: Mittelding zwischen Spaten und Schaufel.
=roffer, roffen, roffiân= etc., s. *ruffer* etc.
=roffiole, roffiôlken,= Fleischtorte, Pastete.
=rôflicheit,= räuberisches Wesen.
=rôflik,= räuberisch; *r. gût,* geraubtes Gut; adv. rôflike(n).
=rôf-neset?= mit einer Adlernase, aquilinus.
=rogelik= = rouwelik, ruhig.
=rogen,= sw. v. regen, rühren, bewegen, erregen; refl. *sik r.;* mit Worten berühren, wieder besprechen.
=rogen,= sw. v. rügen *(= wrogen* oder = vorig. W.)
=rogen, rogel (roge, rogge),= Rogen, Fischeier.
=rogge,= m. Rocken, siligo. Adj. roggen.
=roggen-arne,= f. Rockenernte; -hure, Rockenzins, e. Abgabe; *-kneder,* der Kneter, e. Bäckergesell; *-mēl,* Rockenmehl.
=roi,= Zug, Schluck, haustus?
=rôien, rôjen, rôen,= sw. v. rudern.
=rôier=, Ruderer.
=roise,= pl. ein Pelzwerk. Vgl. norweg. röskat, mustela erminea (Nemnich, Polygl. der Naturgesch.)?
=rok,= m. Oberkleid.
=rôk,= m. Rauch; Herd, bes. êgen rôk, eigene Haushaltung; rôk unde brôt, Wohnung und Kost; Dunst, Duft, Geruch; fig. Gerücht (Ggs. vûr, Feuer = Tatsache).
=rôk, rôke,= m. (schwarze) Krähe, Saatkrähe, Kolkrabe; auch rokart.
=roke,= _st. m. Geruch: 1. Dunst, Duft; fig. Gerücht, Ruf, Leumund. 2. der Sinn, die Fähigkeit zu riechen._
=roke, ruke,= st. f. Achthaben, Sorge, Sorgfalt; mit roke, aufmerksam, achtsam; r. hebben mit Gen. oder *up,* Acht haben auf.
=roke-lôs,= ohne *roke,* sorglos, unbekümmert, unbedachtsam; ruchlos, frevelhaft; pass. nicht geahnt, ohne dass man es denkt, plötzlich. Adv. roke-lose(n), bes. auch: plötzlich, sofort.
=roke-losen,= sw. v. unbedachtsam handeln.
=roke-losicheit,= Unbekümmertheit, Sorglosigkeit, Unachtsamkeit.
=roken,= sw. v. rauchen, dampfen, räuchern.
=roken, ruken,= sw. v. bedacht, besorgt sein um etwas, sorgen für, sich kümmern um etwas, achten, mit Gen. od. Acc.; mit Inf. wollen, worauf bedacht sein.
=rokere,= Besorger.
=rokeren,= sw. v. räuchern.
=rokerich,= 1. räucherig, braun; 2. den rôk = Herd, Haus betreffend; ein r. dêf ist ein Dieb, der seinen Herrn bestiehlt, in dessen Brod er steht.
=rôk-gat,= n. = rôkhol.
=rôk-gelt,= Abgabe von jeder Rauch-, Herdstätte.
=rôkhaftich,= fuliginosus, fumidus.
=rôk-hol,= n. Rauchloch, Schornstein.
=rôk-hôn,= Rauchhuhn, Huhn, das von dem Besitzer eines »eigenen Rauches« als Abgabe gegeben wird.
=rok-laken,= Tuch zu e. Rock, zu Röcken.
=rôk-pennink,= Haussteuer, focagium.
=rôk-pipe,= Rauchloch, -röhre.
=rôk-spil,= Räucherspiel der Hansen in Bergen.
=rok-want= = roklaken.
=rol= (Stück an der Kogel) Wulst? vgl. engl. roll.
=rolant, rulant,= m. 1. ein hölzernes oder steinernes Standbild auf den Märkten vieler Städte in Norddeutschland; Sinnbild der Freiheit oder der städtischen Privilegien. 2. ein Spiel, wobei nach einem drehbaren Bilde, gestochen wurde.
=role= auf Schiffen: = rolle, rulle?
=rolik, roleke, rolize,= Tausendblatt, Schafgarbe.
=rolle,= s. rulle.
=rollen,= rotulare; in scrift gerollet, verzeichnet.
=rôm,= m. Ruhm, Prahlerei; Pracht, Glanz, Ueberfluss.
=rôm(e),= m.? Sahne der Milch.
=romen,= sw. v. rühmen, prahlen; refl. sik r.
=romenie,= s. rumenie.
=romer,= Rühmer, Prahler.
=romer,= Römer, Pokal.
=rôm-spreker,= Ruhmrediger, Prahler.
=rone,= abgehauener Baumstamm, Klotz, Knüppel.
=ronen,= rudern.
=ronken,= sw. v. schnarchen.
=ronne= = =renne, ronne-bôm= = rennebôm.
=ronnen,= d. spätere Form für rennen; auch = runnen.
=ron-stên,= Rinnstein, Strassengosse.
=rop,= m. Rupf.
=rôp,= m. Ruf, Geschrei.
=rôpachtich,= lärmend, schreiig.
=rope,= f. Pferderaufe.
=ropen,= st. v. rufen, schreien; ausrufen, verkündigen.
=ropen,= sw. v. fl. he roft, ik rofte, geroft, rupfen, raufen, zausen (bei den Haaren).
=rope-wulle,= Raufwolle.
=rôp-mâl,= Strecke, soweit man das Rufen hören kann.
=roppen,= sw. v. rupfen, zupfen.
=rôr,= _n. Rohr, Schilf, *canna;* Rohrstock; Röhricht; Zimmetrinde? Röhre, hohler Cylinder; Spule; Schiessrohr, Kanone, Muskete._
=rôr,= n. *= roder,* Steuer.
=roraten-, rorâts-misse,= e. Adventsmesse.
=rôr-brôk,= Bruch, Sumpf in dem Rohr wächst.
=rôr-dum, -dump, -dumpt,= m. Rohrdommel.
=rôr(e),= _n. die Stange auf dem Vogelherde, auf welcher der Rührvogel (Lockvogel) sitzt? fig._ ênem wat up dat r. binden, einen durch etwas ködern.
=rore,= st. n. u. sw. f.? Röhre, Rohr.
=rôr(e), rure,= f. 1. Bewegung. 2. Ruhr, Durchfall, Bauchfluss. 3. Berührung; to rore, rore an, nahe an. 4. Bildl. Berührung (mit Worten), Besprechung, Angabe. 5. concr. das Bewegliche, Mobilien oder Vieh?
=rôr(e)-drank,= Abführungsmittel, Laxativ.
=roren,= Rohr im Röhricht schneiden.
=roren, ruren,= sw. v. 1. rühren, bewegen; an-, berühren; *den schilt,* den Kampf annehmen; bes. techn. Ausdruck in der Medicin: von Arzneien, die wirken; von Krankheiten, die einen (bes. plötzlich) befallen; roret werden, e. Schlaganfall bekommen, daran sterben. 2. umrühren. 3. antreiben, in Bewegung setzen. 4. Bildl.: mit Worten berühren, besprechen, anführen. 5. betreffen, angehen. 6. der Spur des Wildes folgen und es stellen.
=rôr-gat,= _Loch, in dem die Steuerruderpinne geht, Hennegatt, Koker._
=rôr-gelt,= Beitrag der Zunftgenossen zur Anschaffung von Schiessgewehren.
=rorich,= beweglich; an der Ruhr leidend.
=rorich,= voll Rohr.
=roringe,= 1. Rohrwerbung, Rohrschnitt. 2. Röhricht, was an Rohr wächst.
=rôr-lôs,= ohne Steuerruder.
=rôr-sperlink,= Rohrsperling.
=rôr-vinke,= Rohrfink.
=rôr-was,= was an Rohr wächst.
=ros,= n. (selten; gew. *ors)* (Streit)ross.
=ros-bare= u. =-bore,= f. Sänfte, lectica.
=ros-bôm,= Stallbaum zwischen zwei Pferden.
=rosch= = rusch, Binse.
=ross-dare,= Rostdarre? (Krankheit des Weizens.)
=rose (ruse),= sw. f. Rose; *dach der rosen = rosensondach;* was die Gestalt einer Rose hat; Zipfel, der vorm Schwarzfärben am Tuche ausgebunden wird zum Beweis, dass es geblaut ist; Wind-, Kompassrose; *under der rosen,* heimlich. Dem. *roseke,* f.? *roseken,* n.
=rose (ruse),= st. f. = *kalkrose; rose-hof, -tûn,* Röseplatz; *-hol,* gemauerte Vertiefung der R.; *-holt,* Brennholz zur R.; *-korf,* Korb zum Wegschaffen des gebrannten Kalkes; *-oven,* Ofen unter der R.; *-knecht, -vent,* Röseknecht.
=rosel,= _m.? das Fett der Schweine unter den Rippen (nicht = Speck)._
=roselik,= rosenfarbig, rosig.
=rosel-mânt,= October.
=rosen,= sw. v. (rötlich?) glänzen.
=rosen,= sw. v. am Tuche e. Rose aufbinden? s. *rose.* l. rasen?
=rosen=-blat, Rosenblatt; *-fluwêl,* roter Sammet; *-garde,* Rosengarten, fig. Schlachtfeld; Dem. *-gardelîn,* Kosewort für die Geliebte; *-krans,* Rosenkranz, fig. Jungfrauschaft; *-nobel,* gew. *rosenobel,* der *nobel* mit dem Gepräge einer Rose, engl. Goldmünze (= 2¼ Ducaten); *-olie,* Rosenöl; *-pennink,* Pfennig mit dem Bilde einer Rose; *-rôt,* rosenrot; *-sam(e), anthera,* Rosensamen; *-sondach,* Sonntag Laetare; *-strik,* Rosenband, *-kranz; -strûk,* Rosenstrauch; *-trute,* kosende Anrede; *-varwe,* Rosenfarbe; *-var, -varwich,* rosenrot; *-water,* R.-wasser.
=rosîn(e),= f. Rosine; coll. Gen. rosines: 6 punt rosines = 6 p. rosinen.
=ros-kam,= m. Pferdestriegel; *-kammer, -koper,* Pferdehändler; *-kappe,* Decke über dem Kopfe des Pferdes als Schmuck.
=rosmarîn,= Rosmarin.
=rosser?= Reiter? Pl. v. *ros* (sonst rosse)?
=rossêrde kisten,= braun gebeizte Kisten.
=rossît,= ein Kleiderstoff.
=rost,= m. = *rust,* Rost, robigo.
=rôst,= Braten.
=roste,= f. Ruhe.
=rôste,= f. Rost, *craticula;* eisernes Gitterwerk, z. B. über einer Grube vor Kirchhöfen zur Abhaltung des Viehes.
=rostement,= Arrestierung, Beschlagnahme.
=rosten= = resten, rusten, ruhen.
=rosten= u. =rosteren,= rosten, rubigenare.
=rôsten= u. =rôsteren,= sw. v. rösten.
=rôster(e),= _f. (u. m.) = *rôste, craticula,* in beiden Bedeutungen._
=rostêren,= sw. v. anhalten, mit Beschlag belegen.
=rosterich,= rostig.
=rostêringe,= Arrestierung, Beschlagnahme.
=roster-schene= am Pfluge: Rüsterbrett?
=ros-tunge,= stili-(stolo)pendium, scolopendria.
=ros-tûscher,= Pferdehändler.
=rot,= n. *novale,* Rodeland, zur Ausrodung bestimmtes oder bereits gerodetes Waldland, Neubruch.
=rôt, rût,= n. m.? 1. Russ, *fuligo.* 2. Talg, Unschlitt.
=rôt,= _rot; v. Golde; Farbe der Falschheit; *de rode bûk,* Ruhr; *de rode sondach = rosensondach; rode wurst,* Blutwurst?_
=rôt-bart= (für *rôtbardet?),* rotbärtig: ênen rodbarden man.
=rôt-blesset= pert, Pferd mit einem roten Stirnfleck.
=rôt-bruwer,= der rotes (braunes) Bier braut.
=rote (rate),= f. das Verrotten, die Fäulnis; *vlas in de r. bringen,* Flachs zum Rotten ins Wasser legen.
=rote (rate),= f. Schar, Abteilung, Rotte; Anhang, Partei.
=rote-broder= = partiebroder.
=rotel(e),= _f. *rotulus, rotula,* Rolle, Verzeichnis, Liste, z. B. der verstorbenen Wohltäter einer Kirche._
=rotelen,= sw. v. röcheln.
=roten (raten, rotten),= sw. v. verrotten, verfaulen; trans. röten (Flachs).
=roten,= sw. v. mit Talg bestreichen: ên schip.
=rôt-gerwer,= Rotgerber.
=rot-geselle= = rotebroder.
=rôt-gêter,= Rotgiesser, Kannengiesser.
=rôtheit,= Röte, z. B. der Wangen.
=rot-îs,= brüchiges Eis (unter dem kein Wasser ist).
=rotiste,= Beisitzer der päbstlichen *rota* (Gerichtes).
=rôt-lasch, -lesch, -losch,= _n.? rotgegerbtes Leder, Juchten. Adj._ rôtlaschen.
=rôt-lescher, -loscher,= Handwerker, der in *rôtlasch* arbeitet.
=rôt-mân,= roter Mohn (Anemone).
=rot-mêster,= _Führer einer Rotte, bes. einer städtischen Abteilung._
=rôt-navel,= marrubium, Andorn.
=rôt-oge,= s. rôdoge.
=rôt-scher (-scherink),= m. Stockfisch, dessen Rücken zur Herausnahme der grossen Gräte vor dem Trocknen der Länge nach aufgeschnitten ist.
=rotse,= f. Fels, frz. *roche.* Vgl. rutse.
=rôt-seter, -scheter, -citer,= rubilinium; vgl. seter.
=rôt-stên,= Rotstein, -stift.
=rotte,= rotula, Rolle; l. rolle?
=rotte,= f. Ratte.
=rotte,= f. musikal. Instrument, das mit der Hand gespielt wurde (Cither). Compos.: rottenspeler.
=rotten-konink,= _der sog. Rattenkönig; *-krût,* Arsenik; *-nest,* Rattennest, auch bildlich._
=rot-tegede,= Rodezehnte, decima novalium.
=rotten,= sik, sich in Rotten scharen, sich sammeln.
=rotterie,= Zusammenrottung.
=rôt-var,= rotfarbig, rötlich.
=rôt-werk,= rotes Pelzwerk.
=rouw, row,= roh, rauh (v. gewalktem, noch unbereitetem Tuch).
=rouw(e), rowe, rawe,= f. Ruhe, Rast, Frieden, Musse.
=rouwe= = ruwe, Reue.
=rou(we)=-kamer, cubile; -kussen, _Ruheküssen; *-stede,* Schlafstätte, Grab; *-stunde,* Pause zwischen der Arbeit._
=rouwelik,= ruhig; bes. jur.: unangefochten. Adv. *rouwelike(n).* Subst. rouwelicheit.
=rouwen, rowen, rawen,= sw. v. 1. intr. ruhen. 2. trans. ruhen lassen. 3. *sik r.,* sich ausruhen.
=rouwen,= 1. = *ruwen*, reuen, 2. = *rugen,* Zeug rauhen.
=rou(we)sam, -samich,= ruhig, friedlich; adv. rouwesameliken.
=rouwich, rowich,= ruhig.
=rouw-voder= = rûchvoder.
=rove (rave),= f. Kruste auf einer Wunde.
=rove (ruve),= _f. Rübe. *rove-olie,* Rüböl; *-redik,* Gartenrettig, *raphanus sativus; -sât,* n. Rübsamen._
=rovelik= = rôflik.
=roven,= sw. v. 1. rauben, Raub ausüben. 2. berauben, plündern, mit Acc. des Ortes, auf dem die Beraubung geschieht; mit Acc. der Pers., der etwas genommen wird; mit *up,* zur Bezeichnung der Person, gegen welche der Raub ausgeführt wird.
=rover,= _Räuber. *rover-degen,* Räuberheld, -Hauptmann; *-kule,* Räubergrube, -höhle; *-schip,* Piratenschiff; *-vesten,* f. Räuberburg, Raubschloss._
=roverie,= Räuberei.
=roves-gewîs,= auf räuberische Weise.
=rovich,= 1. geraubt. 2. räuberisch.
=rovicheit,= raubgierige Natur.
=rovinge,= Beraubung, Plünderung.
=rowânsk,= kastanienbraun, braunrot.
=rû, rûch, rûw,= rauch, haaricht, zottig; rauh, v. Leder, v. unbehauenem Feldstein; ungereinigt, v. Talg; strenge, ungestüm, v. Menschen. -- *dat rû,* die Rauchseite des Felles; *r. tûn,* lebender Zaun?
=rubbe-wort,= quinquenervia = ribbewort.
=rube,= f. = *rupe,* Raupe.
=rubeba, rubebe, rubeke, rubelle,= f. *parva figella,* e. dreisaitiges musik. Instrument, aus *arab. rebab* (frz. rebec).
=rubrik(e),= rubrica, minium, rote Dinte, r. Farbe.
=rubunten= gân, lopen, riden, Narrenpossen treibend durch die Strassen ziehen (zu Fastnacht).
=rû-busch,= rubetum.
=ruch unde rap,= allerlei Gerät.
=ruchaftich= (l. rucht-?) maken, ins Gerede bringen.
=ruche,= s. roche.
=ruchelen,= s. rochelen.
=rûchen= = rugen, zusammenlaufen, lärmen.
=rûch-hower,= der Schiffszimmermann, der das Holz im rohen bearbeitet.
=ruchlin= = rochelen (als Frauenkleidungsstück).
=rûch-stên,= Feldstein, unbehauener Stein.
=rû(ch)-swart,= ein sehr dichtes u. weiches Leder (innen rauh u. geschwärzt); auch *rûsch-, rûs-swart* (russisches Leder schwarzgefärbt)?
=ruchte, rochte,= n. 1. Rufen, Geschrei; bes. das Zetergeschrei, Schrei um Hülfe. 2. Ruf, Gerücht, Leumund.
=ruchten= u. =ruchtigen,= sw. v. ein Gerücht machen.
=ruchtich= u. =ruchtlik,= ruchtbar.
=rucht-lôs,= der seinen (guten) Ruf verloren hat, infamis.
=rucht-mêrich,= durch das Gerücht bekannt.
=rûch-voder,= Rauchfutter (Ggs. Korn).
=ruckelen= = rochelen.
=ruckel-rei,= m. ein gewisser Tanz bei der Hochzeit.
=rucken,= sw. v. 1. intr. sich fortbewegen, von der Stelle gehen. 2. trans. etwas (rasch) fortbewegen, reissen, ziehen, zucken; *ênem dat (sîn, ein) vel r.,* jem. zausen, ihm eins versetzen; *van ledder r.,* das Schwert ziehen, einhauen.
=rucker,= Räuber, Raffer, Habsüchtiger.
=rude,= f. (wilde) Raute.
=rude,= Räude.
=rude,= Pflugstocher.
=rude= = rode, Rute.
=rû-dekene,= f. wollene Decke? Oberbett.
=ruden= = roden, adj. von Ruten.
=ruden,= sw. v. reuten; reinigen (e. Flussbett); mausern.
=ruden-krans,= Rautenkranz (im sächs. Wappen); *-sap, -water,* Rautensaft, -wasser, -essig.
=rudich, ruderich,= räudig, schorfig.
=rudicheit,= Räude, Schorf.
=rudichtich= = rudich.
=rudik,= persicaria, Flöhkraut.
=rudze= = rotse; rudzaftich, klippicht.
=rufelen,= sw. v. hin und her rütteln?
=rûf(e)link,= ½ Scheffel Mass für Hopfen, Korn.
=ruffele,= s. roffele.
=ruffen, roffen,= sw. v. Unkeuschheit treiben.
=ruffer, roffer,= m. der unkeusch lebt u. Unkeuschheit befördert; Kuppler, Hurenwirt.
=rufferie,= Kupplerei.
=ruffersche,= Kupplerin, überh. Bübin.
=ruffert,= eine Pflanze?
=ruffe-, roffe-wort,= Kupplerwort, unzüchtige Reden.
=ruffiân,= Hurenjäger; Hurenwirt.
=rufflink= = roffele? = rufelink?
=ruge,= f. Karst, Hacke, ligo.
=rugele,= Rauke, brassica eruca.
=rugelik= = rouwelik.
=rugen,= sw. v. 1. trans. rauhen, mit feinen Kratzen die lose Wolle aus dem Tuche ziehen. 2. intr. rauh werden; mausern.
=rugen= = ruien, lermen.
=rugge,= st. m. 1. Rücken, *den r. geven,* fliehen. 2. das Rückenfell (der Eichhörnchen). 3. Rückenharnisch. *-- achter, over, to rugge,* rückwärts, zurück.
=rugge,= s. roche; =ruggelen,= s. rochelen.
=rugge=-ader, varix; -armborst, balista dorsalis; -brade, Rückenstück vom Schlachtvieh, Rückenbraten; *-halve,* Rückenseite; *-holden,* verteidigen; *-holder,* Beschützer, fem. *-holderinne; -knoke, spondile,* Rückenknochen; -krampe, gebogene Krampe, in Form eines Hufeisens? *-laken,* Tuchbehang einer Rückenlehne; *-leninge,* Schutz, Deckung; -linges, -link, rücklings, rückwärts; *-lôp,* Rückgängigmachung eines Kaufes; *-schilt,* Hinterteil des Panzers; *-sprake,* Rücksprache; Ausflucht; *-stoninge,* Rückstärkung, Hülfe; *-stûr = -stoninge; -toch,* n. (u. m.?), *-toge,* m. Rückzug, Heimreise; Aufschub; Vorbehalt; *-voder,* Pelz aus Rückenfellen; *-wart,* rückwärts; -wortele, radix sigilli Salomonis, convallaria polygonatum.
=ruggen,= sw. v. e. Art der Zubereitung des Tuches, Ggs. strecken.
=ruggen=-krevet, Rückenpanzer; *-leder,* Rückenleder, d. h.?
=ruginge,= Lerm, Tumult.
=rû-haver,= e. Art Hafer.
=ruie,= ein Wasserlauf, Graben.
=ruien,= sw. v. 1. lermen, brüllen, *strepere.* 2. lermend, tumultuierend kommen oder gehen.
=ruke, ruken= = roke, roken.
=ruken,= st. v. 1. riechen, Geruch verbreiten. 2. riechen, Geruch empfinden.
=ruk-ersen,= sw. v. mit dem Hintern wackeln; unruhig sitzen.
=rule,= Gründling, Schmerling, fundulus.
=rulinge,= Lerm und Streit?
=rulle,= _f. Rolle, Walze; Drehscheibe, Drehkreuz als Türverschluss; Zusammengerolltes, v. Waaren, z. B. Leinwand, Blei, Wachs etc.; Papierrolle, daher Brief, Urkunde, bes. Zunftrolle; = *rulledôk.* Dem. *rulleke,* f., *rulleken,* n. für: Zettel mit Zauber-, Segenspruch, Schwertbrief etc._
=rul(le)-, rol(le)=-bedde, Rollbett; *-bôm,* Drehkreuz als Wegeverschluss; *-dôk,* Handtuch an einer Rolle; *-golt,* Golddraht? Goldschaum? *-holt,* Mangelwalze; *-wagen,* Fuhrwerk mit Rollen.
=rullen,= sw. v. auf Rollen, Walzen bewegen; auf-, zusammenrollen; intr. sich rollend bewegen.
=rulp-wort,= arone.
=rûm,= 1. geräumig, geraum, weit, offen (von Raum u. Zeit). 2. weitläuftig, gross. 3. im jur. Sinn: rein u. frei von Lasten u. Beschwerden. *de rume sê,* das offene, hohe Meer; *dat rume,* das offene Feld.
=rûm,= _n. Raum, Platz, bes. freies Feld, freie See; Lagerraum, Inneres des Schiffes; als jur. Ausdruck: Freiheit von Lasten u. Beschwerden; Erlaubnis, Musse._
=rûm= = rûn, geheime Beratung.
=rûm-blek,= freier Raum, Platz.
=rume,= adv. geräumig, weit; reichlich; *to rume spreken,* mehr reden als man soll u. darf.
=rumeliken,= geräumig; reichlich; weitläuftig.
=rumelink,= Land-, Feldflüchtiger, Ausreisser?
=rumen,= sw. v. 1. intr. weichen, weggehen, abziehen, ausweichen; *uter stat rumen,* in die Verbannung gehen. 2. tr. räumen, verlassen; einräumen, überlassen; weg-, aufräumen, säubern; erweitern; (naut.) vorbei-, umfahren; (milit.) *dat velt r.,* fliehen.
=rumen= = runen.
=rumenie, romenie,= Südwein, griechischer Wein von Napoli di Romania.
=rumenie, romenie,= _geringes Pelzwerk, v. romanischen Ziegenfellen._
=rumich:= r. werden, abgehen, den Platz räumen.
=ruminge,= Räumung, Säuberung; Entfernung.
=rummeldois,= m. Ratzeburger Bier.
=rumôr,= n. Rumor, Lerm, Tumult.
=rump,= m. 1. Rumpf, Leib (bes. im Ggs. zum Kopfe). 2. längliches, bauchiges Gefäss; Mass in der Saline, bes. für Salz. 3. Bienenkorb. 4. der hölzerne Trichter in der Mühle, *devorancia.* 5. als Kleidungsstück: Leibchen.
=rumpe,= schlechtere Art Muskatnuss.
=rumpe= u. =rumpele= = rimpe, Runzel.
=rumpelen,= sw. v. ein Geräusch machen, poltern, polternd fallen.
=rumpel-mette,= Poltermette (an den beiden Tagen nach dem Palmsonntage oder auch am Karfreitag).
=rumpich= (im Munde) würgend, stipticus.
=rumpich?= (vom Pfeffer).
=rump-recken,= sw. v. mit Gewalt hin- u. herziehen (den Leib, Rumpf dehnen, zerren, auf die Folter spannen).
=rump-water,= Wassersucht, timpanites.
=rûmte,= f. freier Raum; offenes Feld, Meer.
=rûn,= m.? = *rune,* heiml. Beratung.
=rundêl (rundeil),= n. was kreisförmig gemacht ist; namentl. eine Schanze; Steine, deren Ecken ausgerundet sind; Kreis um das Bild auf einer Münze.
=rundeiles-note,= brevis nota currens (musik.).
=rundicheit,= Rundheit; bildl.: Sorglosigkeit.
=rune,= m. verschnittener Hengst, Wallach.
=rune,= f. heimliches Geflüster; geheime Beratung; Runenzeichen.
=runeken,= sw. v. = runen.
=runen,= sw. v. raunen, flüstern, heimlich sprechen, h. beraten.
=runer,= Rauner, Einflüsterer, heimlicher Ratgeber.
=runge,= f. (Wagen)runge, droteca.
=runinge,= Geflüster, heimliche Beratung.
=runken,= schnarchen.
=runne= = renne.
=runnen,= sw. v. gerinnen.
=runsel,= Lab, coagulum.
=runselinge,= das Zusammenziehen, Astringieren (vom Geschmack)?
=runt,= 1. rund. 2. bild.: sorglos, gleichgültig, einfältig. Adv. 1. rund. 2. kurz entschlossen, grade heraus; oft: gût runt seggen.
=runt, ront,= häufig (bes. westlich) für: Rind.
=runtlike,= adv. rundlich; bildl.: sorglos, gleichgültig.
=runtside,= Streitpferd, mhd. runzît.
=runt-visch,= Rundfisch; bes. der magere Kabliau, dem der Kopf abgeschnitten und das Eingeweide ausgenommen ist, dessen Rücken aber ganz gelassen wird.
=rup unde rap,= allerlei durcheinander.
=rupe,= f. Raupe.
=rupen,= sw. v. Raupen absuchen.
=rupen-schiter,= Schmetterling.
=ruppel-rei,= m. der letzte Tanz, Kehraus.
=rûr unde unrûr,= Mobilien u. Immobilien?
=ruren= = roren.
=rûrlik,= beweglich.
=rusch,= m. (u. =rusche=?) Binse, Schilfrohr, juncus.
=rusch,= rasch, schnell.
=rûsch,= Eingeweide, Gekröse, intestina.
=rûsch,= m. n. Rausch, Trunkenheit.
=rûsch,= unfl. auch *rûs,* russisch: *rûsche bonen, semina crotonis s. tiglii; rûsch ledder,* auf russische Weise gegerbtes Leder, Juchten; *rûsk slede,* russischer Schlitten = *rigisch slede,* auch *rûsken slede,* also wol = *rûskende,* v. Schellengeläut.
=rusche,= gluterium, terra congelata, gefrornes Stück Erde? Thon?
=ruschelme, ruschelinc,= Kornblume, flaviola.
=rûschen,= sw. v. 1. rauschen, klirren, klappern. 2. heftig u. eilig losstürmen; *in einem rûschen* (st. *rûschende),* augenblicklich.
=ruschen-sol,= palus juncorum.
=rûschinge,= Rauschen.
=rusch-wische,= Wiese mit Schilf bewachsen.
=ruse,= f. Fischreuse, sagena.
=ruse,= 1. = *rose,* Rose. 2. = *rose,* Kalkröse.
=ruselêren,= sw. v. in Saus u. Braus leben, toben, Lerm machen.
=rusen,= toben, rasen; lermen, schreien.
=rusener,= der eine Fischreuse legt.
=ruser,= glutor (l. *gluto?)* Schlemmer?
=ruspen,= sw. v. aufstossen, rülpsen.
=russel= = rosel.
=rust,= m. Rost, robigo.
=rust,= m. der Haken am Harnisch zum Einlegen des Speeres.
=ruste,= f. Ruhe; als Längenmass: eine Strecke Weges, stadium.
=ruste-kamer,= Waffenkammer, wo man sich rüstet.
=rustelik,= ruhig; unbelästigt, frei; in Frieden, in ungestörtem Besitz.
=ruste-mêster,= Aufseher über die Waffen, das Geschütz.
=rusten,= sw. v. ruhen; refl. sich ausruhen.
=rusten,= sw. v. rosten.
=rusten,= fertig machen, bereiten, rüsten, bes. zum Kriege.
=rû-stên,= = rûchstên.
=rustêr,= Bauer, grober Mensch, Flegel.
=rustêren= = rostêren, arrestare.
=rusteren,= sw. v. rostig werden.
=rusteren,= sw. v. aufstossen, rülpsen, ructuare.
=rusterich,= rostig.
=ruste-wagen,= Wagen zur »Ammunition« des Heeres; Gepäck- und Proviantwagen.
=rustheit, rusticheit,= Rost, erugo.
=rustich,= gerüstet, bereit.
=rustich,= ruhig, bequem; zufrieden.
=rustigen,= sw. v. rosten.
=rustigen,= sw. v. rüsten, bereit machen.
=rustinge,= Ausrüstung; Kriegsmannschaft u. -gerät; d. Waffenrüstung des Einzelnen.
=rustlik(en),= adv. rüstig, rasch, rüstungsmässig.
=rustnisse,= Rüstung.
=rûs-verwer,= der das s. g. *rûchswart* bereitet.
=rûs-swart,= s. rûchswart.
=rût= = rôt, sepum, fuligo.
=rute,= f. Raute, ein regelmässiges Viereck, verschoben oder nicht verschoben, *rhombus;* bes. Fensterscheibe.
=rutelen= = rotelen.
=ruten,= sw. v. wegelagern, buschkleppern, räubern.
=ruter,= 1. Wegelagerer, Strassenräuber, bes. der ritterliche; der dem Ritter dienstpflichtige reisige *hoveman, hove-ruter, curiensis;* Söldner, Landsknecht, Seesoldat; bes. der berittene Krieger = *pertruter.* 2. Spanischer Reiter, Spitzpfahl.
=ruter=-geselle, -knecht, -lantzknecht, Kriegs-, Landsknecht, Söldner; *-gelt, -schot, -tollen,* Abgaben, erhoben zur Bestreitung der Ausrüstung der *vredeschepe; -schēl,* Krieg gegen *rutere; -spil,* Strauchräuberei; Kampfspiel; *-teringe,* Zehrgeld, Beköstigung eines Kriegsknechtes; *-vruwe,* Ritterfrau? Soldatenfrau? *-werk,* Kriegshandwerk.
=ruterich,= nach Reutersart.
=ruterie,= Ritterschaft; Kriegswesen.
=ruters-gewise,= nach Weise eines Reuters.
=rutink,= m. langes Seitenmesser, langer Dolch (mit ~einer~ Schneide?).
=rûtlink= = rutink.
=rutschen= = rutink?
=rutse= = rotse.
=rût-werk,= Gitterwerk in Wappen.
=rûtze, ruce,= Schuhflicker, mhd. riuze.
=rû-voder= = rûchvoder.
=rû-ware,= Rauchware, Felle, Pelzwerk.
=ruwe (rouwe),= sw. m. u. st. f. Schmerz, Betrübnis; Schmerz über begangene Fehler, Reue.
=ruwich (rouwich),= betrübt; reuig.
=ruwelik,= traurig, betrübend.
=ruwelink,= m.? Reue.
=ruwen (rouwen, ruen),= st. u. sw. v. schmerzen, betrüben, reuen.
=ruwen= = rugen (Tuch).
=ruwer,= _Bereuer, *poenitentiarius; r.,* fem. *ruwerinne,* Mönch, Nonne des Büsserordens._
=ruwesam,= reuig.
S
=sabben,= sw. v. (beim Essen) den Speichel aus dem Munde fliessen lassen; unreinlich essen.
=sabel, zabil,= m. Zobel; Zobelfell, Zobelpelz. Zss.: *sabel-vel, zabils-hûd* (Fell). Adj. *sabelen, tzabulen;* als Subst. Zobelpelz.
=sāchaft= u. =sāchaftich,= zaghaft, furchtsam.
=sāchafticheit,= Zaghaftigkeit.
=sacht(e)= (auch *sâchte?),* adj. u. adv. 1. sanft, weich, milde, angenehm, leise, langsam. 2. bequem, leicht, leichtlich (zur höflichen Milderung eines Urteils).
=sachte-levent,= m. der unbekümmert u. üppig dahinlebt.
=sacht(e)liken,= adv. = sachte.
=sachten,= sw. v. 1. intr. sanft, milde, gelinde werden. 2. trans. sanft machen, mildern, herabmindern.
=sacht(e)nisse,= Milde; Linderung, Erleichterung.
=sachtheit= = sachticheit.
=sachtich,= still, heimlich; sanft, langsam.
=sachticheit,= _1. Sanftheit, Weichheit, Zartheit. 2. Sanftmut, Milde. 3. Milderung, Erleichterung._
=sachtigen,= sw. v. sanft machen, mildern, lindern.
=sachtigen,= adv. sanft, gemächlich.
=sachtinge,= Sänftigung, Linderung, Erleichterung.
=sacht-mêtigen,= adv. sanft, leicht.
=sacht-modelike(n),= adv. = sachtmodich.
=sacht-modich,= sanftmütig, milde, gelassen. Adv. sachtmodigen.
=sacht-modicheit= = sachtmôt.
=sacht-modigen,= sw. v. besänftigen, lindern; sanft, linde werden.
=sacht-môt,= Sanftmut, Milde, Gelassenheit.
=sacken,= adj. von (grobem) Sacktuch.
=sacken,= sw. v. in Säcke thun, sammeln; als geschärfte Todesstrafe, in e. Sack ertränken; refl. sich senken, sinken.
=sacker,= der das Getreide in die Säcke schlägt.
=sacrament(e),= n. Sacrament, bes. des Altars; Hostie; auch Bezeichnung Christi.
=sacramentes-hûs,= Gehäuse für die Hostien.
=sacrilegie,= Kirchenraub, -schändung.
=sacristie,= f. Sacristei.
=saddel= = sadel, Sattel.
=sade,= f. Sättigung, das Sattsein; Fülle, Genüge.
=sadeken,= e. Saatkörnlein.
=sadel,= pl. *sedele,* m. Sattel, sella.
=sadel,= m. Hauptgebäude einer Burg; Saal, Halle.
=sadel=-boge, -bôm, _Sattelbaum; *-exe,* Sattel-, Streitaxt, *bipennis; -gordel,* S-gurt; *-kussen,* S-kissen, Sattel; *-maker,* Sattler; *-pert,* S-, Reitpferd; *-prên,* am S. hängender Dolch? *-schelle,* Schelle am S.; *-tasche,* S-tasche; *-vat,* am S. hängendes Gefäss oder Tasche._
=sadel-gût= = salgût = d. folg.; *-hof,* Sal-, Sattelhof, freier Oberhof; *-hove,* f. Sal-, Sattelhufe.
=sadelen,= sw. v. satteln.
=sadeler,= Sattler.
=sâdel-tît,= Saatzeit.
=saden,= sw. v. 1. satt werden. 2. sättigen, satt machen; *sik s.* m. Gen., sich s. an; *den hunger saden,* den Hunger stillen.
=sâden,= sw. v. seminescere; sadet, sementis, seminarium.
=sader-dôk,= e. Tuchsorte = sardôk?
=sâdich,= besäebar, *sementis; s. lant,* Saatland.
=sadicheit,= Sattheit, Sättigung.
=sadigen,= sw. v. sättigen, befriedigen; *sik s. mit,* sich genügen lassen an.
=sadinge,= Sättigung.
=sâdinge,= Saat u. Saatland.
=saffarân, saff(e)rân,= m. Safran; *s-varwe,* Safrangelb.
=saffîr,= Saphir.
=safte= u. =saftich= (â?) = sachte, mitis.
=sage,= st. f. Rede, Gerede, Gerücht, Erzählung, Aussage, Meldung, Ausspruch, Urteil, Entscheidung.
=sage,= st. sw. f. Säge.
=sage,= st. m. f. Zaghaftigkeit, Furcht, Zittern; Fieber.
=sage,= adj. feige, kleinmütig; Subst. Feigling; schlechter Mensch, Schelm.
=sage= = saie.
=sage=-blat, das eiserne Blatt der Säge; *-blok, -bôm, -klik,* ein zu Brettern zu zersägendes Stück Holz; *-dele,* gesägte Diele; *-holt = sageblocke* oder = *sagedelen; -mole,* Sägemühle.
=sage-bôm= = sagenbôm.
=sagel, tzagel,= m. Schwanz; der Hintere.
=sagel-spene,= sgl. Sägespäne.
=sagen,= vestis cilicina (de pilis caprarum); vgl. saien.
=sagen,= sw. v. sägen.
=sagen,= sw. v. (sagede, gesaget) = seggen.
=sager,= Holz-, Steinsäger.
=sagen-bôm,= saumus, sabina, saginus, sambucus, accyron.
=sagêren,= sw. v. Edelmetall, Münzen auf den Gehalt probieren; mndl. *assayeren* = frzs. *essayer,* it. *saggiare.* Vgl. saie.
=sage-segger,= fabularius.
=saie, saige,= st. f. Gold-, Silberprobe, Münzprüfung; Probiereisen; probehaltiges Edelmetall? frz. *essai,* it. saggio.
=saie, sage, saige, saye,= sw. f. leichtes Zeug von feiner Wolle.
=saien, sagen, saigen, sayen, sain,= adj. von *saie;* subst. = *saie,* davon die Zss. *saiens-hôt, -kolte, -rok* etc.
=saien,= sw. v. säen.
=sak,= pl. *secke,* m. 1. Sack; e. Teil des menschlichen Leibes; Geldsack, Geldbeutel. 2. Schimpfwort auf unartige, langsame, auch liederliche Weiber.
=sak-dragen,= Säcke tragen.
=sak-drager, -dreger,= _Sackträger, Lastträger; Bezeichn. des Esels._
=sake,= f. 1. Sache, Ding, Angelegenheit; *wêre it sake,* wäre es der Fall, wenn; *it en wêre denne sake,* es sei denn. 2. Rechtssache, Handel, Prozess. 3. Ursache, Grund; *sunder sake,* ohne Grund, schuldlos; *bi saken,* mit Grund.
=saken,= sw. v. Partic. auch st. *gesaken,* 1. intr. u. refl. verursacht werden, entstehen; trans. verursachen, bewirken, schaffen. 2. im gerichtl. Sinn: eine Sache, einen Prozess haben, klagen (vor Gericht), einen Prozess oder Anspruch erheben. 3. behaupten, darlegen, erklären?
=saken-schriver,= Protokollführer.
=saken-wolde,= sw. m.; =-wolder,= st. m. jüngere Formen für sake-wolde.
=sakerments-dach,= Frohnleichnamstag.
=sake-schêdent,= n. Rechtsentscheidung.
=sake-wolde, -welde,= sw. m. 1. der gemeinschaftliche Name für Kläger und Beklagten, Partei. 2. der Hauptbeteiligte, Hauptinteressent, Hauptschuldner (im Ggs. zum Bürgen), Aussteller eines Contractes. 3. der bevollmächtigte Vertreter einer verhandelnden oder klägerischen Partei.
=sake-woldige, -weldige,= sw. m. = sake-wolde.
=sakinge,= Klage; Rechtsstreit.
=sak-lowent,= Sack-Leinewand, -Tuch.
=sak-man,= 1. Trossknecht, Stallknecht. 2. Räuber, Plünderer.
=sak-penninge,= pl. ein nach Sackzahl berechneter Zoll.
=sak-pipe,= Sackpfeife, *tibia utricularis; -piper,* der sie bläst.
=saks-bant,= Strick zum Zubinden von Säcken.
=sak-stuke,= n. Gewand von Sacktuch.
=sak-tal,= Sackzahl; *bi s.,* sackweise.
=sak-wolde, -woldige,= sw. m. (ältere Form?) = sakewolde.
=sal, sāl,= st. m., selten n. Niederlassung, Wohnsitz, Aufenthalt; Wohnung, bes. v. Fürsten u. Herren, Palast; Saal, Halle; Söller, Etage (in Hamburg noch »Sahl«).
=salât= = sallât.
=sal-broder,= der mit andern in derselben Sache *salman* ist.
=sâlde,= f. Glück, Heil, Segen; *de ewige s.,* Seligkeit.
=sâlden-rîk,= segensreich.
=sale,= f. 1. = *sadelgût,* Hauptgut. 2. Grundherrlichkeit.
=sale,= Seehund, Robbe.
=sale-, salamander,= m. Salamander.
=sal-erve,= der Erbe des Hauptgutes.
=sale-vel,= Seehundsfell.
=sale-werte,= wol = sarwerte.
=sal-gût,= das zum *sadelhof* gehörige Gut.
=sal-hunt,= Seehund, Robbe.
=salich,= fuscus = solich.
=sâlich,= fromm, gut, heilig; beglückend, heilbringend *(salutaris);* glücklich, beglückt; gesichert, geschützt, unverletzt; selig (im theolog. Sinne); von Verstorbenen, bes. in d. Formel: *saliger (ge)dechtnisse,* abgekürzt: saliger.
=sâlicheit,= Heil, Glück; Seligkeit (im theolog. Sinne).
=sâlichlike,= adv. fromm, heilig; beglückt, glücklich.
=sâlich-maker,= Seligmacher, Heiland.
=sâlich-makinge,= Heiligung, salvatio.
=sâligen,= sw. v. beglücken, segnen, ein Glück, einen Erfolg verleihen; selig machen.
=sallât,= m. Salat, lactuca, acetarium.
=sallûn(e),= s. salûn.
=sal-man,= Plur. *-lude, -menne,* die Mittelsperson bei einer gerichtlichen Übergabe; spec. Testamentsvollstrecker.
=salm(e),= sw. st. m. Lachs, salmo, gamarum, rombus.
=salme,= sw. m. Psalm. =salm(e)-bôk,= Psalmbuch.
=salpeter,= Salpeter.
=salsa-, salsemente,= Gewürz zu Speisen, gewürzte Beispeise.
=salsamenten-puder,= Gewürzpulver zu Speisen.
=salse,= f. = salsamente, bes. die gesalzte, gewürzte Brühe.
=salsen-krût,= Sauerampfer, acetosa.
=salsêr,= n. u. Dem. =salsêrken,= Salsennapf, Sauciere; Salz-, Senf-, Essigschüssel.
=sal-smer,= Seehundsspeck, Robbenthran.
=sal-stede,= freie Bauer-, Hofstelle.
=salt,= n. ältere u. dialekt. Form für solt.
=salter,= m., selten n. Psalter, Psalmenbuch; ein einzelner Psalm; übertragen: der Blättermagen der Wiederkäuer.
=salter(i)ane,= herba salutaris, pes pulli.
=salûn,= n., =salune,= eine wollene Decke, bes. Bettdecke; auch *salune-, salûns-deke* (nach dem Fabrikationsorte Chalons benannt).
=salûn(en)-maker,= der *salunen* macht.
=salute,= eine gewisse Goldmünze, ndl. *saluyt,* mlat. salutianus.
=saluen= (l. *salwen?),* sw. v. dürre, welk werden.
=salvachtich, -echtich,= unctuosus.
=salve,= f. Salbe.
=salve-conduît,= n. sicheres Geleit, Geleitsbrief, frz. sauve-conduit.
=salven,= sw. v. salben, beschmieren; zu e. Würde salben, weihen; Heilsalbe aufstreichen, fig. heilen, entschädigen; betrügen, anschmieren? *mit gelde s.,* bestechen.
=salven=-busse, _Salbenbüchse; *-maker, -meker,* Salbenverfertiger._
=salvete,= Dem. *salvetken,* Serviette.
=salvich,= unctuosus.
=salvi-conduct,= n. = salveconduît.
=salvie, -vye= u. =salvei(g)e,= _sw. f. Salvei. Zss. *s-n-bêr* (Bier)_, -blat, -wortele.
=salvinge,= Salbung; letzte Oelung.
=sal-visch,= Seehund.
=sal-werker, -werter,= wol = sarwerte.
=sal-wide (salt-wide),= Sal-, Bachweide.
=sam,= adv. ebenso, als, wie; *same = sam mi (God) helpe,* in Beteuerungen: so wahr, bei; vgl. seme, summe.
=samele= = semele.
=samelen,= sw. v. = samenen.
=samelent,= später =samelt,= n. Versammlung, Zusammenkunft.
=sameliken,= adv. sämtlich, zusammen.
=samelinge= = sameninge.
=samen,= s. samenen.
=samen-burger,= Mitbürger.
=samende,= s. sament.
=samene,= s. tosamene.
=sam(e)nen, samen, sammen,= sw. v. sammeln; *de hende s.,* zusammenlegen, falten; refl. sich ansammeln; sich verbinden (nam. ehelich).
=sam(e)ninge, saminge, samminge,= Sammlung; Zusammenkunft, Versammlung; Gesamtheit, Corporation, Gemeinde, geistl. Congregation, revolutionäre Verbindung; Aufgebot, Truppen; Geldsammlung.
=samen-lofte,= n. und =-lovenisse,= f. gemeinsames Gelübde, gegenseit. Versprechen.
=sament, samet, samt,= adj. gesamt, vereinigt, ungeteilt; *mit êner samenden hant,* zusammen; *int samende,* insgesamt; *to s.:* s. *tosamende; dat same(n)de,* Gesamtgut; Gesamtheit; adv. zusammen; präp. *s., mit s.,* m. Dat. samt, mit.
=sament-, samet-, samt=-boringe, gemeinsame Geldeinnahme; *-bosem,* die Verwandten, Bundesgenossen als Ganzes; *-entfangen,* gemeinsam empfangen; Subst. *-entfanginge; -hode,* gemeins., gleiches Weiderecht; *-klêdinge,* gleiche Kleidung mehrerer; *-kome,* st. m. und *-kumst,* f. Zusammenkunft; *-kôp = samkôp; -kopen,* alle auf den Markt gebrachte Ware zusammenkaufen, überh. Grosshandel treiben; *-kosent,* n. Unterredung; *-lik,* 1. gesamt, ungeteilt, sämtlich; 2. *= somelik,* manch, etlich; *-nâme,* m. gemeinschaftliche Beute; *-nêtinge,* gemeinsch. Genuss; -weide = samthode.
=samer,= s. somer.
=samfte, samftich,= sanft, milde.
=samft(e)-mode, -modich,= sanftmütig, mansuetus; samftmodigen maken, mitigare.
=samften, samftigen,= lenire.
=samftenêr,= ein Teil der Rüstung für die Beine.
=sam-gût,= Gütergemeinschaft.
=samit= = sammit.
=sam-kôp,= Kauf (Verkauf) en gros; adv. samkopes.
=sammelen, sammelinge, sammeliken,= s. samel-.
=sammelot,= Kamelot, urspr. ein Zeug von Kameelharen.
=sammelt,= n. = samelent.
=sammen, sammenen,= s. samenen.
=sammeninge, samminge,= s. sameninge.
=sammit, sammet,= Sammet; *-varwe, bissinus;* adj. sammitten, sammitsch.
=sammitticheit= = samwitticheit.
=samnen, samninge,= s. samen-.
=sam-schattes,= adv. Gen. in Gesamtbesitz.
=samt,= s. sament.
=sam-witticheit,= Gewissen, *conscientia;* s. *maken van,* eine Gewissenssache machen aus.
=sân,= alsbald, sogleich; bestimmt eine Aussage näher, bestärkend oder beschränkend, *quidem, tamen, etiam; of sân,* auch wann, selbst wenn, obschon.
=sandân,= e. Fisch, = sandât?
=sandât,= Sander, Hechtbarsch.
=sande,= f. = sende.
=sandechtich, sandich,= sandig.
=sand-man= = santman.
=sane,= Sahne, Rahm.
=sanfte,= sanft.
=sange,= Ährenbüschel (des noch ungeschnittenen Kornes).
=sank,= fl. *sanges,* m. Gesang; Lied; bes. der gottesdienstliche Gesang; *den sank benemen, legeren, leggen,* durch ein Interdict den Gottesdienst suspendieren.
=sank,= m.? das Sinken: *in s., to sanke gân,* zusammen fallen, untergehen; schepe an, in s. schêten.
=sank=-bok, Gesangbuch, bes. Messbuch; *-bret,* Notenpult; *-hûs, cantuarium,* Kirchenchor; *-gelt,* 1. Einkommen des Schulmeisters von den Singeschülern. 2. = d. folg. W.; *-korn, -penninge,* Geld-, Kornsteuer zur Haltung von Messen; *-leger,* n. *-legeringe,* f. Verbot des Gottesdienstes, Interdict; *-mêster,* Domcantor; *-misse,* Ggs. stille misse.
=sannekele,= senecion; sanicula.
=sant,= n. (R. Vos 1627 m.?) 1. Sand. 2. sandige Fläche, bes. Strand, Sandbank; *over sê unde sant,* ausserhalb Landes, *halen, bringen,* von auswärts holen.
=sant=-achtich, sandig; *-baye, -bage,* f. e. Bucht mit Sandgrund; *-berch,* Sandhügel, Düne; *-dreger,* Sandträger: Maurerarbeitsmann? Sandverkäufer? *-dune,* Sanddüne; *-grunt,* sandiger Grund der See; *-hol,* n. Sandgrube; *-kiste,* Sandkiste (beim Hausbau); *-klippe,* Sandbank; *-lant,* sandiger Acker; -schelle, Flugsandstrecke; *-stên,* Sandstein; *-stêneken,* Sandkorn; *-vore,* f. das Fahren von Sand, Sandfuhre; *-wurp,* Strandgut.
=sante,= heilig (vor Heiligennamen).
=santelen= u. =santen,= sw. v. weihen, heiligen, sanctificare.
=santelie,= Weihe, Heiligung.
=sant-man,= (schlesw.) aus den freien Landeigentümern gewählter Geschworner oder Richter, dän. sandemand.
=sap,= n. Saft.
=saphîr,= s. saffîr.
=sapich,= saftig.
=sapke= u. =sappe,= Taucher, mergulus.
=sappe,= f. Jauche, Röste? (für den Flachs).
=sap(p)el, tzap(p)el,= (ê?) Kranz (v. natürlichen oder künstlichen Blumen oder Flitter), bes. als Hauptschmuck der Jungfrauen und bei Processionen. Dem. sappilleken.
=sardîn= u. =sardis,= Sarder, e. Edelstein.
=sar-dôk,= grobes, starkes Zeug, halb Leinen, halb Wolle.
=sariante, sargante, sardiante,= Diener (entw. Gerichtsdiener oder Diener eines Ritters, Knappe).
=sark, sarik, sarek,= n., auch m.; =sarke,= f. Sarg.
=sarkot= = sorkot.
=sark-stên,= sarcophagus; Grabstein; jeder Sandstein.
=sarok= = sardôk; aus sarrok?
=sarpentiner= = serpentiner.
=sar-rok,= Rock aus sardôk; = sardôk.
=sart,= zart.
=sarte, tzarthe= (= schartse), wollene Bettdecke; l. *sarce, tzarche?* mhd. *serge,* frz. sarge.
=sarte, sarter= = serter.
=sartser, zarser,= Packer, Verlader, e. engl. Beamter, charger.
=sar-want= = serwant.
=sar-werte, -worte,= sw, m.: =sarwerter,= st. m. Verfertiger von Rüstungen.
=sassam,= mutwillig, lascivus, petulans.
=Sasse,= Sachse; *sassesch,* sächsisch.
=sas-vedder,= Schwungfeder.
=sat,= m. Gen. satt, gesättigt; hinreichend, genügend.
=sat,= m. Einsetzung, institutio.
=sât,= f. das Säen; Aussaat, Saatkorn; Erntekorn; Saatfeld.
=sât,= n. Samen von Pflanzen u. Thieren; Saatkorn; Erntekorn: Nachkommenschaft.
=-sate, -sete,= m. der -sass, -sasse, -sitzer; nur in Zusammensetzungen, z. B. *holtsate, -sete; kot-, in-, lant-, môr-, wort-, walt-, undersate* etc. Auch *-sater, -sating, -sateling.* Sehr gewöhnlich wird *-sate, -sete, -sater* zusammengezogen in *ste* u. *ster,* z. B. *Holste, inste, lanste, worster, koster* u. a.
=sate,= sw. m. = satesman.
=sate (sât),= Niederlassung, Baustelle, Hufe.
=sate,= f. 1. Beruhigung, Ruhe, Stille. 2. Vereinbarung, Vertrag, Vergleich, Friede. 3. Festsetzung, Tarif; Verzeichnis (der dienstpflichtigen Ritter und Dienstmänner). 4. Versetzung, Verpfändung u. concr. das versetzte Pfand, Unterpfand, Hypothek.
=sate=-bôk, _Protocollbuch über *saten; -brake,* f. Bruch einer *sate; -braker, -breker,* der e. *sate* übertritt; *-brêf,* Urkunde über e. *sate; -hêre. = satesman; -schriver,* der das *satebôk* führt_.
=satelik,= ruhig, sanft, gesetzt, geduldig.
=saten,= sw. v. 1. beruhigen, stillen, *sedare.* 2. beilegen, schlichten, versöhnen, vereinigen. 3. festsetzen, bestimmen, ein-, ansetzen. 4. versetzen, verpfänden. 5. festsetzen, ins Gefängnis setzen. 6. refl. seinen Sinn u. Thätigkeit worauf setzen; sich vorbereiten, rüsten (gew. mit *up);* sich verhalten gegen, sich stellen zu (to).
=satene= = sate, f.
=sater-, saters-dach,= Sonnabend.
=sates-man= (Plur. *-lude),* der bei einer *sate* zugegen ist, sie bezeugt u. bekundet, der für die Vollziehung derselben zu sorgen hat; überh. Aufseher, Vorsteher, Commissar.
=sates-vrede,= Friede, über den man sich verglichen hat.
=sât-gro(i)ne,= saatgrün.
=sat-heit,= saturitas.
=satich,= ruhig, friedsam, placidus.
=saticheit,= Ruhe, Friede; Sanftmut.
=satigen,= sw. v. 1. stillen, beruhigen. 2. festsetzen, bestimmen, ordnen. 3. refl. sich festsetzen, niederlassen.
=satîn,= ein halbes Loth (1 M. *= 4 ferding,* 16 Loth, 32 Satin); im Münzwesen auch der Weisssud.
=satinge, sattinge,= _f. 1. Einung, Vergleich. 2. Einsetzung, Bestimmung. 3. Festsetzung, Wertbestimmung, Schätzung. 4. Festsetzung, Verhaftung. 5. Versetzung, Verpfändung u. concr. Unterpfand._
=sât=-korn, Saatweizen (Ggs. *âtkorn), -lant,* Ackerland; -mân, October; *-rogge,* Saatrocken.
=satte,= f. *= sat,* m.
=sattinge= = satinge.
=satureie,= Saturei, e. Gewürzpflanze.
=save-condût= = salveconduit.
=savel-, saven-bôm= = sevenbôm.
=sax,= n. Messer (nur noch in fries. Gegenden); *-dât,* That mit dem Messer, Messerstich.
=sc-,= s. sch-.
=scant,= kaum (engl. *scanty?);* l. scars?
=schabbe,= Lump, schäbiger, armseliger Kerl.
=schabbich,= krätzig, schorficht.
=schabiose,= scabiosa.
=schacht= (= schaft), m. Schaft, grade, runde, überall gleich dicke Holzstange (zum Messen = 7 Fuss); Lanzen-, Speerschaft, auch diese Waffen selbst; Schaft im Webstuhl; bei Pferden *= penis,* Rute; als Mass bei Tiefen: eine Rute breit n. lang, ein Fuss tief; Schacht im Bergwerke, Brunnenschacht.
=schacht-=âl, e. Art Aale als Handelsartikel; *-holt,* Schachtholz, Reitel; *-rowe,* Ruhe vom Lanzendienst, Zeit der Befreiung vom Heerdienst; *-snider,* Schachtschneider, Drechsler (verfertigt Mulden, Schaufeln etc.).
=schach(t)-tafele= = schaktafele.
=schacken:= Messer-, Schwerthefte *geschacket* (als Fehler), an einander gestückt?
=schackêret,= gewürfelt, wie ein Schachbrett.
=schadaftich= = schadehaftich.
=schade,= m. 1. Schaden, Nachteil, Beschädigung. 2. Vermögensnachteil, bes. der durch Verzinsung einer Schuld entsteht, daher = Zins: *gelt up schaden nemen,* Geld gegen Zins anleihen; *up schaden gân,* verzinset werden.
=schade,= m. Schatten.
=schade-borge,= der Gegenbürge, der für die Bürgschaft eines andern mit einsteht; bes. bei Urfehden, der mit dem Hauptschwörer die Urfehde beschwört, *fidejussor;* auch *medelover* genannt.
=schade-gelt,= Geldschaden, Verlust; Strafgeld, Geldbusse; bes. Zins.
=schade-(h)aftich,= 1. Schaden nehmend, schadhaft. 2. Schaden verursachend = missedêder.
=schade-kôp,= venditio periculosa.
=schadelik,= schädlich.
=schade-lôs,= ohne Schaden, Nachteil; *schadelôs-brêf,* Urkunde, worin Schadloshaltung zugesichert wird.
=schaden,= sw. v. schaden; weh thun *(wat schadet di,* was fehlt dir?); = *beschaden,* Geldstrafe auferlegen.
=schaderen= = schoderen.
=schadesam,= schädlich.
=schadinge,= Schädigung, Schaden.
=schaduwe, -dewe,= m. Schatten.
=schaf,= was geschabt ist, Schabsel.
=schaffen,= sw. v. ordnen, bestimmen; bewerkstelligen, ausrichten; herbeischaffen.
=schaffer (schaffener),= der die Herbeischaffung, Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache hat, *procurator;* bes. der zu Festlichkeiten einladet, aufwartet, auch die Kasse führt, überh. die ganze Besorgung hat.
=schafferie,= 1. Besorgung, die ein Schaffer hat. 2. Gelage, Corporationsfestmahl.
=schafferschop= = schafferie.
=schaffoni(e),= heleborus.
=schaf-isern,= Schabeisen.
=schafnisse,= Verwaltung, Ordnung.
=schaf-ris(ch), -rusch; -riet,= equisetum hiemale, cauda equina, apparilla, juncus, corrosivus papirus.
=schaft,= m. Lanzen-, Sperschaft.
=schaft,= Geschaffenes, Creatur; Beschaffenheit, Gestalt.
=schaftich,= schaftartig.
=schaf-worm,= Schabewurm (Aftermade, Springwurm?).
=schage= = sage, saie (d. Zeug).
=schak= u. =schâk,= n. Schach, Schachbrett, -spiel; *s. bêden,* S. bieten, *krigen,* schachmatt gestellt werden; *up dem schake spelen, dobelen,* S. spielen.
=schâk,= Raub.
=schaken,= sw. v. rauben.
=schakere,= Räuber, Schächer.
=schak-spil,= Schachspiel; *dat s. spelen unde tên,* S. spielen.
=schak-tafele,= Schachbrett; Spiel auf demselben; auch schaktafel-spel.
=schak-tafelen,= sw. v. in Form eines Schachbrettes aufstellen, symmetrisch ordnen.
=schal,= schal (von Geschmack); v. den Augen: trübe, blöde.
=schal,= m. Schall, bes. Freudenlerm; Procession (unter Musik); Kunde, Gerücht.
=schalback, -ch,= e. geringe Sorte Hering; vgl. schawak.
=schalbar,= anrüchig.
=schal-bort,= das äussere runde, welches in der Länge eines Stammes vom Bauholze abgesägt wird, damit es die gevierte Form bekommen soll.
=schale,= f. Napf, Trinkgefäss; *ênes s. drinken,* jemandes Gesundheit trinken; als bestimmtes Mass (wie *beker);* Frucht-, Confectschale; Wagschale; als Geschmeide (von Silber) an Frauenröcken; Beschlagstück am Schwertgriff oder Messerheft.
=schale,= eine Pferdekrankheit, Exostose.
=schale, schaler, schaller, schaloen,= herumstreifender Possenreisser.
=schalêren,= lermen, prahlen, mhd. schallieren.
=schal-holt,= Holz zum Verschalen oder = schalbort.
=schalich,= schal (von Bier etc.)
=schalinge,= Verschalung, Verkleidung mit Brettern.
=schalk,= m. 1. Diener, Knecht. 2. Mann von knechtischer Gesinnung, von bösem, ungetreuem Character, Bube; *de olde s.,* »der alte Adam«. 3. die kleine Stütze, worauf ein Sparren oder Balken ruht.
=schalk,= adj. boshaft, arglistig, nichtswürdig.
=schalkaftich= u. =schalk(e)lik,= adj. = schalk.
=schalk-dore,= sw. m. Schalksnarr.
=schalkernie,= Knechtschaft, Sklaverei.
=schalkes-vunt,= Ränke, Kniffe eines Schalkes.
=schalk-gnade,= simulierte Gnade.
=schalkheit,= Büberei, Nichtswürdigkeit.
=schal-knôp,= Knopf, der zu dem Geschmeide *schale* gehört.
=schalk-krank,= scheinkrank.
=schalk-vrom,= scheinfromm.
=schallen,= sw. v. *schal* machen (v. Musikern u. musikal. Instrumenten); lermen, schreien; laut seine Freude kundthun.
=schallich= = schalich.
=schallicheit= = schalkheit.
=schallik= = schalk.
=schalm,= lauter Ton.
=schalm,= Becher? (in Kahnform?)
=schalmeide,= f. Schalmei, Rohrpfeife.
=schalmussinge,= Scharmützel.
=schalp,= Schwertscheide, *vagina,* aus anord. skalpr.
=scham,= adj. = schamel.
=schame,= f. Scham; Schimpf, Schande.
=schamel,= trabale, die beiden beweglichen Querhölzer unter dem Obergestell des Wagens.
=schamel,= 1. schamhaft, blöde, bescheiden, ehrbar, *pudens, pudicus;* Unterthanen bezeichnen sich oft der Obrigkeit gegenüber als *schamel (wi armen schamelen undersaten);* daher 2. = arm.
=schamelheit,= 1. Scham, Verschämtheit; concr. Schamteile. 2. Armut; concr. arme Leute.
=schame-lôs,= schamlos, frech.
=schamen,= sw. v. refl. sich schämen.
=schamerne, schamernheit,= s. *schemerne* etc.
=schamfeliôn,= wahrsch. Giesshorn zu Kanonen. Vgl. schampelûn.
=schamfêren= etc., s. schanfêren.
=scham-hodeken,= Schamhütchen: *dat s. aftên,* unverschämt werden.
=schamich,= schändlich, abscheulich.
=scham(m)onie,= s. schamphonie.
=schamp= = schimp.
=schampelûn (-llôn),= Muster, Modell, Schablone; die nachgebildete Gestalt, Vogelscheuche, Popanz; Kämpe, Klopffechter (mndl. camperoen = campioen).
=schamper,= höhnisch, verspottend; unverschämt, frech; adv. schamperlik.
=schamp(h)onie,= diagridium, eleborus niger, Springkraut.
=schamte,= f. 1. Scham. 2. genitalia.
=schande,= f. Schande; schändliche Tat.
=schande,= dar me mede drecht, portentula; vgl. Brem. WB. IV, 605.
=schande-brêf,= Schmähschrift.
=schandelisêren,= trans. ärgern, Anstoss geben.
=schandelisêringe,= sittliches Aergernis.
=schande-sprake,= f. Schimpfworte.
=schanfêren,= sw. v. trans. schimpfieren, Unehre anthun; verletzen, verwunden.
=schanfêringe,= Verletzung.
=schanfêrlik,= schimpflich.
=schanfêr-nolleken,= Spott-, Hohnlied.
=schant-deckel,= fig. Deckel, mit dem man seine Schande zudeckt, Entschuldigungsgrund.
=schant-hoike,= m. Schandmantel (als Strafe zu tragen).
=schant-lappe,= der Streifen im Kleide, den gemeine Weiber tragen mussten.
=schant-levent,= n. schändliches Leben.
=schantlik,= schändlich, schändend; adv. schantlike.
=schant-mâl,= n. Schandmal, -fleck.
=schant-man,= der die Schande eines andern ausbringt.
=schant-ruchte,= n. böses Gerüchte, schlechter Ruf.
=schant-stên,= Schand- oder Lasterstein, den bes. Frauenzimmer öffentlich tragen mussten für irgend ein grobes Vergehen.
=schant-vlecken,= sw. v. schänden, beschimpfen.
=schant-vleckinge,= Beschimpfung, ehrenrührige Schelte.
=schantze,= st. f. (frz. *chance),* Glückswurf, Glücksfall; *de s. wagen, in de s. bringen, slân, setten, wagen,* es aufs gute Glück dran setzen, wagen; *siner s. war nemen, achtinge hebben, nicht vergeten,* seinen Vorteil wahrnehmen; *de s. vorsên,* die passende Gelegenheit versäumen, sich versehen.
=schantze,= f. trockenes Reisigbündel; Schanze, Wall, Brustwehr; Schanzkleidung auf dem Schiffe?
=schantzen,= sw. v. Schanzwälle aufwerfen; *to samene sch.,* fig. zusammenraffen.
=schantzen-graver,= Fortificationsmeister.
=schap,= n. flect. *schappes,* Schrank, um Geld, Speise, Kleider etc. aufzubewahren.
=schap?= eine der Plagen Pharaos.
=schâp,= _n. Schaf; als Münze (1 fl. = *10 sch.; 1 daler = 15 sch.; 1 sch. =* 2 Stüver). Dem._ schâpken.
=schape,= sw. m. (flacher) Tiegel, Pfanne mit Füssen, zum Kochen u. Braten; Glut-, Wärmpfanne; als hölzernes Gefäss: Schöpfkelle?
=schâp(e)=-gank, Gang wie die Schafe haben, *pedetentim; -herde, -herder,* Schäfer; *-hirde,* f. Schafherde; *-hunt,* Schäferhund; *-kêse,* Schafkäse; *-kotel,* Schafmist; *-koven,* Schafstall; *-rode = -hunt; -schar = -hirde; -schêre,* Schafschere; *-schot, -stal = -koven; -tins,* Zins v. Schafen; *-vel,* Schaffell; *-vlêsch,* Schaffleisch; *-ware, -waringe,* Schäferei-Gerechtsame; *-weide,* Schafweide; *-werk,* Schafkäsebereitung?
=schapel,= Schmiedestock, pistellus (= stapel).
=schapen,= adj. vom Schaf, ovinus.
=schapen,= gew. st. v. 1. schaffen, hervorbringen. 2. Gestalt geben, verfertigen, *formare, plasmare; geschapen,* gestaltet, beschaffen. 3. bewerkstelligen, aus-, einrichten.
=schaper,= _Schäfer; *-hunt,* Schäferhund; *-salve,* Schäfersalbe (gegen räudige Schafe?)_
=schapes=-hût, _Fell; *-koldunen,* Eingeweide; *-kop,* Kopf; *-levere,* Leber; *-rump,* Rumpf vom Schaf; *-pels,* Schafpelz; *-ram,* Widder._
=schap-rade,= Küchenschrank.
=schar,= adj. steil, schroff. Daher *schār,* n. hohe Thalwand, oder aus schore?
=schar,= n. f. Pflugschar; Keil; (aus *scharre?)* Striegel, Scharreisen.
=schar,= m. f. = *schare,* Haufen.
=schar,= soviel ein Tier (Schwein) in der Weidezeit frisst? Weidegerechtigkeit für ein oder mehrere Stück Vieh = *ware?* (zu scharen, scheren).
=schar-bîl,= bipennis, mittelst dessen die zu fällenden Bäume angewiesen wurden.
=schardechtich= u. =schardich,= schartig.
=scharden,= sw. v. Scharten machen.
=schardinge,= Teilung, Scheidung, Grenze.
=schare,= f. Schar, Abteilung des Heeres; Haufen, Menge; Begleitung, Gefolge.
=schare,= _1. = *schore,* Stütze, = *schorepust.* 2. = *scharne,* Bank; vgl._ vêrschare.
=schare,= eine offene Bahn durch ein Gehölz, Schneise?
=schare= = schar, Pflugschar.
=schare,= Ufer; s. schore.
=scharen,= sw. v. zu oder in Scharen sammeln und ordnen.
=scharen,= sw. v. abfressen, die Weide kahl machen, weiden; tr. das Vieh auf die Weide treiben.
=scharende,= Waldhüter (= scherne?).
=scharf,= n. = scherf.
=scharf,= m.? Scherbe.
=schar-hâr,= das lebendigen Tieren abgeschorne Haar.
=schariante,= Kriegsmann zu Fuss; dann: umherziehender Bettler *(wiltloper),* Lotterbube.
=schar-îs,= treibende Eisschollen (zerrissenes Eis).
=schar-isern,= Schareisen des Pfluges.
=schar-jâr(e)= maken, einen Vertrag auf mehrere Jahre schliessen; z. B. die Bezahlung einer Schuld auf Jahre verteilen, spec. von hypothekarischen Zinszahlungen, wenn nach einer Reihe von Jahren ein Jahr lang die Zahlung erlassen ward.
=schar-klef,= Felskliff, -klippe.
=scharlaken,= n. Scharlach; ein feines Wollenzeug, pannus scarlaticus.
=schar-latte,= welche Latte? (sollen zu einem Gerüste dienen).
=scharlei(ge),= eupatorium, wilder Salvei.
=scharlot= = scharlaken; l. scharlat?
=scharm-,= s. scherm-.
=schar-man,= der Aufseher über die Hutung, Vorsteher der Waldmark neben dem holtgreven.
=schar-meister= = scharman.
=scharmutzen, -mussen, -musselen,= sw. v. kleine Gefechte liefern; dazu *scharmutzel, -mutzinge,* Scharmützel.
=scharn,= Mist, bes. Pferde- und Kuhmist.
=scharne,= f. Bank, auf welcher Fleisch, Brot etc. feil gehalten wurde; die Gesamtheit solcher Bänke oder Halle, in der sie waren.
=scharne-lit,= Fleisch-, Brotbank (als Klappe).
=scharnen-tît,= Zeit, wo die Fleischscharnen geöffnet werden?
=scharne-tins,= Abgabe für die Verkaufstellen der Schlächter und Bäcker.
=scharne-wevel, -wever,= Mistkäfer, scarrabeus.
=scharnobbe= = schornobbe.
=scharp,= _scharf; spitz; erhaben gefasst, von Juwelen (Ggs. *slicht*); fig. heftig, strenge; scharf, v. den Sinnen, v. Verstand;_ de scharpe richter = scharprichter.
=scharpe, scharp(e)like,= adv. scharf; genau; strenge; stark, tüchtig.
=scharp-egede,= oxygonium.
=scharpe-metze,= f. eine Kanone des grössten Kalibers.
=scharpen= = scherpen.
=scharpentîn,= gew. =scharpentiner,= _ein Geschütz: Feldschlange; *-lôt,* Geschoss für solche._
=scharp-gras, -krût,= carex.
=scharpheit,= acerbitas, asperitas.
=scharpleir, -lier,= die Leinwandumhüllung eines Packens Wolle, vorn. der Packen selbst, viell. v. bestimmtem Gewicht; vgl. frz. *serpillière,* engl. *sarplier, sarpcloth,* ndl. (Kilian. Duffl.) *sarpeliere,* Packleinwand; engl. *sarplar of wool,* Sack v. 1120 Pfund Wolle.
=scharp-mêster,= Scharfrichter.
=scharp-ordich,= dink, oxygonum.
=scharp-richter,= Scharfrichter.
=scharp-sinnich,= scharfsinnig.
=scharrâs,= n. Schermesser (aus scharsâs).
=scharre= = scharne, scherne.
=scharren,= sw. v. mit den Füssen kratzen; scharren.
=scharren-breker,= d. i. scharm-, schermbreker.
=scharsche,= _adv. kaum, knapp; engl. *scarce,* ndl. nndd. *schaars,* frz. *échars,* it. *scarso, scarzo* aus mlat. *excarpsus, scarpsus = excerptus,* gepflückt._
=scharsen,= sw. v. scherzen (a. d. Hd.).
=schart,= n. Pl. *scharde,* Riss, Spalte, Scharte; Wunde; *ên schart ûtwetten,* auch fig.: Schlimmes wieder gut machen; was in Teile gerissen ist, Scharte von Töpfen, Pfannen; überh. Stück, Teil, z. B. e. Baumstamm; Topf, Tiegel; Rösttiegel, Bratpfanne, confrixorium.
=schart,= Hemd, Kleid? (= o. l. schort?)
=scharte= u. =scharteke (schartêke?),= f. Document, Urkunde; altes Buch; aus frz. charte.
=schartse,= zottige Wolldecke, frz. serge.
=schartz= = scharsche.
=schartzoene,= Knopf, Schnalle? (an Kleidern); vgl. schattsome.
=scharven, scherven,= sw. v. scherben, in kleine, bes. schräge und blätterige Stücke zerschneiden, als z. B. Kohl hacken; schaben; bildl. *dat ruchte sch.,* den guten Namen jemandes schädigen.
=schar-wachte,= f. auf Wache ausgestellte, ausgeschickte Mannschaft; *s. holden,* in Schar wachen, patrouillieren.
=schar-warp,= n. ein aus Fäden von geschorner Wolle bestehender Aufzug.
=schar-wulle,= die von lebendigen Schafen abgeschorne Wolle, bes. einschürige.
=schat= = schacht, Schaft.
=schat,= _m. pl. *schatte, schette.* 1. Schatz. 2. eine Art Steuer, Abgabe._
=schat-borer,= Steuerheber, Rentmeister.
=schateren,= sw. v. 1. krachen, mit Gekrach auseinander reissen. 2. laut, unanständig lachen.
=schat-gever,= der Schatz, Tribut gibt.
=schat-kamer,= Schatzkammer.
=schat-kaste,= st. sw. f. *de gemeine s.,* Staats-, Stadt-, bes. Kirchen- und Armencasse; deren Verwalter *schat-kasten-hêre* (aus dem Rat), *-diaken* (aus der Gemeinde).
=schat-mêder,= Abgabenpächter.
=schat-mêster,= Schatz-, Rentmeister; *schatmêsterinne des hillighen gêstes,* v. Maria gesagt.
=schat-rint,= Rind, als Schatzung, Abgabe gegeben.
=schat-snider= = schachtsnider.
=schattafel= = schaktafel.
=schattsome?= ein (goldenes) Geschmeide = schartzoene?
=schatte-hêre,= Schatzherr, Steuersammler.
=schatten,= _sw. v. 1. schätzen, nach Zahl, Mass etc. bestimmen. 2. *schat,* auch Geldstrafe auflegen und eintreiben, *exactionare.* 3. Schatz, Steuer, Geldstrafe geben._
=schatter,= Geldeintreiber.
=schattigen= = schatten 2.
=schattinge,= Schatzung, Geldzahlung (als Steuer, Loskauf, Strafe etc.).
=schat-vri,= schatzungs-, steuerfrei.
=schave,= f. Schabeisen, Hobel, Schermesser.
=schav(e)-af,= Schabab, Bezeichn. dessen, den man abweist; auch Burgname.
=schave-messes, -mes,= scalprum.
=schaven,= st. sw. v. schaben, hobeln, polieren; fig. berauben, schmälern.
=schavernacken, -naklen,= sw. v. jem. e. Schabernack anthun, molestare.
=schavernak,= Hohn, Spott, böser Possen.
=schawak,= eine Art (schlechten) Heringes; l. schalbak?
=schecht,= _1. Schaft, Stange; bes. Lanzenschaft. 2. als (Acker-) Mass = 7 Fuss._
=schechten,= mit e. Schaft versehen, z. B. Pfeile, Speere.
=schedde-, schedderlik,= schädlich, gefährlich.
=schede,= st. sw. m. u. st. n. Schatten.
=schêde,= st. f. Scheidung, Begrenzung, Grenze; Schlichtung eines Streites, Schiedsspruch; auch: Entzweiung, Streit?
=schêde,= sw. f. Scheide einer Waffe; Einfassung, Borte; in der Walkmühle der Balken, an dem der Walkkopf sitzt.
=schêde-bôk,= Buch, in welches man die richterlichen Entscheidungen schreibt.
=schêde-brêf,= Scheidebrief, Vertragsurkunde.
=schede-hûs,= Schattenhaus, Laube.
=schêde-klôt,= _m. Richtloth der Maurer, Richtschnur; als Buchtitel_ = richtestîch.
=schedel,= m. der kleine Armknochen, die Speiche, afrs. skidel.
=schedel, schedelken,= Büchse, Dose, *pixis*. Vgl. schidele.
=schêdel,= m. u. =schêdele,= f. Scheitel; auch Schädel (schedel?)
=schêdel-berch,= Berg zur Bezeichnung der Grenze.
=schêdel-bôm,= Grenzbaum.
=schêdelen,= scheiteln, teilen, discriminare.
=schedelerne,= adj. Schaden bringend, schädlich.
=schêdel-glas,= Glas, aus dem man beim Scheiden den Abschiedstrunk thut.
=schedelik,= schädlich, Schaden bringend; adv. schedeliken.
=schêdelik,= der zu friedlichen Vergleichen geneigt ist, versöhnlich.
=schêdel-jâr,= Schaltjahr.
=schêdel-kanne,= Scheidekanne (beim Abschiedstrunk).
=schêdel-klocke,= die Glocke, die beim Begräbnisse geläutet wird.
=schêdel-mure,= Grenzmauer.
=schêdel-stên,= 1. Grenzstein. 2. Scheidestein (die fünf Paternostersteine im Rosenkranze).
=schedel-want,= Scheidewand.
=schêde-man= = schêdesman.
=schêde-meker,= (Messer-) Scheidenmacher.
=schêden,= st. sw. v. 1. trans. scheiden, trennen; eine streitige Sache schlichten, streitende Personen versöhnen, bes. als Schiedsrichter; *ênen drôm,* einen Traum auslegen; entscheiden, bescheiden; *ênen strît,* einen Streit beenden. 2. intr. weggehen; aussegeln; sich trennen; v. Wegen: sich gabeln; enden, aufhören; *van,* seine (Zahlungs-) Verpflichtungen gegen jem. erfüllen, mit ihm liquidieren (auch refl.). 3. refl. sich trennen.
=schêden= = beschêden, bescheiden, gebührlich.
=schêdent,= n. Entscheidung, Schiedsspruch.
=schêde-ordêl,= n. Urteilsspruch des Obergerichts auf geschehene Appellation.
=schêdes-hêre,= Schiedsrichter.
=schêdes-man,= Schiedsmann, der einen Streit (auf aussergerichtlichem Wege) scheidet, arbiter, divisor.
=schêdes-richter,= Schiedsrichter.
=schêde-stên,= coll. Steine zu einer Scheidemauer?
=schêdes-vrunt= = schêdesman.
=schedich,= schattig, umbrosus.
=schedi(ch)lik,= adj. schädlich.
=schedigen,= sw. v. schädigen, Schaden zufügen.
=schediger,= Schädiger, schadender Feind.
=schêdinge,= f. Scheidung, Trennung; Scheiden, Abschied; Teilung des nachgelassenen Gutes; Auseinandersetzung, Liquidation; Entscheidung, Ausspruch des (Schieds)richters; Grenzscheide, Grenze.
=schêf,= schief, schräge (Ggs. *recht,* grade); verkehrt, unrecht, schlecht; vom Magen: leer; *de schêve klôt,* Name einer Kugel (Kreisels?) und des damit getriebenen Spiels; Titel eines satirischen Dramas.
=scheffener,= m. Schaffner, Verwalter = schaffer, scheffer.
=scheffer= (= schaffer), Schaffner einer Gilde; Oeconom eines Klosters, Bischofs etc.; Schäffer eines Ritterordens.
=schefferie,= Haus des Klosterschaffners etc.
=schefferinne,= Aufseherin; Oeconomin eines Klosters.
=schêf-hacke,= sw. m. der schiefe Füsse hat, oder der schief auf den Füssen steht.
=schêfheit,= Schiefe, Schiefheit.
=schefte,= n. = Geschäft.
=scheftich,= geschäftig, tätig, gewandt.
=schege,= f. Ziege.
=scheide, scheidel, scheiden= etc., s. *schêde* etc.
=scheil(e),= s. schêle.
=schein= = schên, geschehen.
=scheire= = schêre, adv.
=scheit,= n. Scheit, Stück Holz.
=scheke,= ein Wams für Kriegsleute, frz. jaque.
=scheken,= sw. v. (vgl. *schoke*) ausserehelich beschlafen.
=schêker= = schaker.
=schel-brade= (vom Schweine).
=schelde-brêf,= ehrenrühriger Brief; Schmähschrift.
=schelde-broke?= (Ggs. *ein grôt broke*), Brüche auf ehrenrührige Rede?
=schelden,= st. v. 1. schelten, mit Worten tadeln; ein Urteil schelten, d. h. verwerfen und an eine höhere Instanz appellieren. 2. laut erklären; *quît schelden,* für frei, los erklären.
=scheldent,= n. = scheldinge.
=schelder,= 1. Schelter, Tadler, Lästerer; herumziehender Sänger und Spielmann, der das *schelden* für Lohn übte. 2. Appellant.
=schelde-rede,= Scheltrede.
=schelde-wort,= Scheltwort, Schimpfwort.
=scheldich,= scheltend, zornig, böse.
=scheldinge,= 1. Schelten, Schmähung. 2. Appellation.
=schele,= sw. m. Beschäler (Zuchthengst).
=schel(e),= _Genus wechselnd. 1. Unterschied, Differenz. 2. Mishelligkeit, Streit; Klage, Beschwerde. 3. das Fehlende, Mangel, Nachteil, Schade. 4. Grenze, Grenzlinie._
=schêl(e),= schielend, luscus.
=schelen,= sw. v. 1. verschieden, unterschieden sein. 2. eine Differenz, Hindernis machen, *dat en schelet nicht,* das macht nichts aus, darauf kömmt es nicht an. 3. in Differenz, Streit sein mit jem. 4. fehlen, mangeln, gebrechen, schaden, *wat schelet di?* was fehlt dir? was hast du? 5. die Grenze bilden, sein. 6. trans. trennen; unterscheiden.
=schêlen,= sw. v. schielen, lippire.
=schelert,= eine Art Taft: Schillertaft?
=schelf,= ein Brettergerüst, um etwas darauf oder darunter zu stellen.
=schel-garn,= mangelhaftes Garn?
=schel(h)aftich, -achtich,= uneinig, streitig.
=schel-hamer,= grosser Hammer zum Zerschellen von Steinen.
=schêlheit,= lippitudo, epiphora, morbus oculorum.
=schelich= = schelhaftich.
=schelicheit,= Bosheit, Verkehrtheit, = *schallicheit?* oder schêlicheit?
=schelinge= = schele (in allen Bedeutg.).
=schelken,= _sw. v. *af-, an-, upschelken,* ein Wort der Zimmerleute, wenn sie etwas durch Anstückung verlängern._
=schelkliken,= nach Art eines Schalkes.
=schelle,= f. Schale einer Frucht, eines Eies, eines Schaltieres, eines Drachen, Schuppe; fig. die Hülle, das Aeussere.
=schelle,= f. Schelle, kleine Glocke, z. B. am Gürtel, Sattel.
=schelle= = schele, Unterschied etc.
=schelle-bôm= = schalbort.
=schellen= = schallen, Schall machen; zerschellen?
=schellen,= trans. schälen, abschälen; intr. abblättern, sich abschälen.
=schellen= = schelen.
=schelle-visch,= Schellfisch.
=schelle-wort,= chelidonium majus.
=schellich,= tobend, unsinnig, zornig, vecors, furiosus.
=schelm,= m. Cadaver, Aas, gefallenes Stück Vieh; = schelme.
=schelm,= Schimmel, *mucor; schelmich, mucidus,* davon: schelmecheit.
=schelme,= sw. m. und =schelmer,= Schelm, homo nequam.
=schelmen-kule,= Unratsgrube.
=schelmen-schinder,= der die Cadaver gefallener Tiere schindet und vergräbt, Schinder.
=schelnisse= = schelinge, Fehler, Krankheit.
=schelp,= n. Schilf; Seetang.
=schelpeken,= Muschelschale.
=schel-stucke= = schalbort.
=schelt-wort= = scheldewort.
=schelver,= ein (abgeblättertes) Stück.
=schel-visch, schel-wort,= s. schelle-.
=schem-achtich,= schattig.
=schem-bêr,= eine Art Dünnbier; sonst scherbêr.
=schem(e),= n. = schim, Steg.
=scheme,= _sw. st. m. (f.) 1. Schatten. 2. Dunkelheit zwischen Tag u. Nacht, Dämmerung. 3. als Augenkrankheit. 4. Gespenst. 5. Strahlenschimmer, Heiligenschein._
=scheme,= f. Scham, Beschämung.
=schemede= = scheme, m. Schatten, Dunkelheit.
=schemede,= f. 1. Scham, *verecundia.* 2. auch n. Schamteile, genitalia.
=schem(e)-hôt,= Schamhut: *den s. aftên,* die Scham von sich werfen.
=schemel,= m. Schemel, *scabellum;* als Arbeitsgerät im Bergwerk; ein Absatz bei Erdarbeiten, wenn die Erde nicht mehr mit einem Wurfe auf die Oberfläche gefördert werden kann; = schamel, trabale.
=schemel,= 1. = *schamel,* schamhaft. 2. schändlich.
=schemelen= = schimmelen; schemeld hengest = schimmeld.
=schemelerne= u. =schemeler,= schamhaft, züchtig.
=schemelheit, schemelicheit,= Scham, Schamhaftigkeit; genitalia.
=schemelie,= (verschämte) Armut? l. *schernelit = scharnelit?* (Schlesw. Stadtrecht § 46.)
=schemelik,= 1. schamhaft. 2. Scham u. Schande bringend; adv. schemelike(n), turpiter.
=scheme-lôs,= schamlos.
=schemel-schô,= _Schamschuh: *de s. ût-trecken,* die Scham bei Seite setzen._
=schemen,= sw. v. refl. sich schämen.
=schemenisse,= 1. Scham, Schamhaftigkeit. 2. Beschämung, Schande.
=schemeren,= sw. v. 1. schattig, dunkel sein oder werden. 2. trans. dunkel machen.
=schemeringe,= Dunkelheit, Dämmerung.
=schemerne,= schamhaftig.
=schemernheit,= Schamhaftigkeit.
=schem(e)te= = schemede.
=schemich,= schattig.
=schemich,= schamhaft, ehrbar.
=scheminge,= Beschämung.
=schemisch,= schamhaft.
=schemp, schempen= etc., s. *schimp* etc.
=schên,= unr. v. geschehen, sich ereignen; unternommen, versucht werden; m. Dat. widerfahren, zuteil werden.
=schendelik,= Schande bringend.
=schenden,= sw. v. 1. in Unehre halten. 2. in Unehre, Schande bringen, öffentlich beschämen; notzüchtigen. 3. schimpfen. 4. schädigen.
=schender,= der einen andern öffentlich in Unehre bringt.
=schendich,= Schande bringend, schimpflich; adv. schendigen.
=schene,= f. 1. Schienbein. 2. Schiene als Teil der Rüstung, am Wagenrade, in der Sagemühle, als Gerät der Schuster.
=schene-bein= = schene 1.
=scheneke,= eine Art Sander, lucioperca?
=schenen,= schienen, durch Eisen- oder Holzschienen verbinden u. befestigen.
=schenen-knoke,= Schienbeinknochen.
=schene-pipe,= die Knochenröhre des Schienbeins; der Schienbeinknochen.
=schênigen,= sw. v. offenbaren, zeigen; bescheinigen, beweisen; intr. u. refl. erscheinen, sich offenbaren, sich zeigen.
=scheninge,= Schienung, künstlicher Ansatz.
=schenk-brêf= der Zunft für die Gesellen: Kundschaft?
=schenke,= sw. m. Schenke (als Hofbeamter); Schenkwirt.
=schenke,= st. f. 1. die Handlung des Schenkens, Gebens u. das Geschenk, die Gabe, bes. zur Bewillkommnung von Fürsten, Gästen, zugereisten Handwerksgesellen; die Versammlung zu diesem Zwecke, Willkommsgelage. 2. Schenk-, Wirtshaus. 3. st. n.? ein Schenkmass (Biers, Geldes).
=schenke, schenkel,= s. *schinke* etc.
=schenke-bêr,= Bier, das man als Geschenk gibt; Ausschank-, gewöhnliches Bier.
=schenke-kerse= u. =-licht,= Wachskerze als Geschenk, z. B. für Ratsherren, bei Hochzeiten.
=schenkel-bank,= Tisch oder Bort, um Trinkgefässe darauf zu stellen.
=schenken,= st. v. schenken, geben.
=schenken,= sw. v. m. Dat. der Person, 1. schenken, zu trinken geben. 2. schenken, geben. 3. jem. mit einem Trunke begrüssen, bes. zugewanderte Handwerksgesellen mit einer *schenke* bewillkommenen.
=schenker,= 1. Schenker, Geber; fem. *schenkerinne.* 2. = schenke I.
=schenkeri(g)e= = schenke II, 1.
=schenk(e)-schive,= f. Gestell für Schenkgeschirr, Büffet.
=schenk(e)-vat,= Schenkgefäss.
=schenke-wîn,= Wein als Geschenk.
=schenk-geselle,= der zugewanderte Geselle, dem »geschenkt« wird.
=schentlicheit= = schemede II, 2.
=schentlik,= Schande bringend; adv. schentlike(n).
=schent-vlecker,= der sich mit Schandflecken bedeckt.
=schep, schep-,= s. schip, schip-.
=schepe,= sw. m. = schepene.
=schepe-buwer,= Schiffbauer.
=schepeken, -kîn,= Schiffchen, Kahn.
=schepel,= m. Scheffel.
=schepel-bodem,= der Boden eines Scheffels.
=schepelêr,= _n. Scapulier, Gewand (bes. der Predigermönche), das Kopf und Schultern bedeckt._
=schepelik,= schiffbar.
=schepel-lant= = schepelsât.
=schepel-mate,= f. die Messung nach Scheffeln; Scheffelmass.
=schepel-sât,= n. =-sêde,= Scheffelsaat, als Ackermass.
=schepel-schat,= eine auf den Ertrag des Ackers an Kornfrüchten gelegte Abgabe.
=schepel-tal,= Scheffelzahl: na schepeltale kopen.
=schepen,= sw. v. schiffen: 1. einschiffen, in ein Schiff bringen lassen, es befrachten. 2. aus dem Schiffe bringen lassen, ausladen, löschen. 3. zu Schiff wohin bringen, verschiffen. -- Intr. sich einschiffen; in einem Schiffe fahren, navigare.
=schepen,= sw. v. schöpfen; *water s.,* Wasser schöpfen, holen, (v. Schiff) ziehen oder übernehmen.
=schêpen,= von Schafen, *ovinus;* Subst. Schafleder.
=schepen(e),= sw. m. Schöppe, Schöffe, urteilfindender Beisitzer des Gerichtes, scabinus.
=schepen-bank,= _Schöppenbank, *scampnum judiciale, = schepengerichte; -bar,* schöppenbar, zum Schöppenamt berechtigt; *-bar(e) vri,* schöppenbar frei; *-gerichte,* Sch.-Gericht; *-hûs,* Gerichtshaus d. Sch.; *-kamere,* Sitzungssaal der Sch.; *-recht,* Sch.-Recht; *-stôl,* Sch.-Stuhl, -Amt, -Gericht._
=scheper,= _Schiffer (selten; aus *schephêre?* v. *schepen?*)._
=schêper, schêperie= = schaper, schaperie.
=schepes=-boddeme, _f. Schiffsrumpf; *-bort,* f. Schiffsbord: *an, binnen,* Ggs. *buten s.,* auf dem Schiffe, ausserhalb des S.; *-bôt,* ein zu einem grossen S. gehöriges Boot, ein B. von bestimmter Bauart; *-kindere* (Pl.), *-volk,* Schiffsmannschaft; *-lanc,* n.?, *-lenge, -lenkte,* f. Schiffslänge, als Mass; *-last,* Schiffslast v. 2 Tonnen oder 4000 Pfund; *-part,* Besitzanteil an e. S.; *-rêder,* Schiffsrheder; *-schilt,* auf dem S. gebrauchter Schirmschild? von Holz, mit Leder überzogen; *-timmerman,* Schiffbauer; *-touwe,* Schiffstau._
=schepich,= naviticus.
=schepinge,= 1. Schiffahrt. 2. Schiffe, Flotte.
=schep-laken= = schiplaken.
=scheppen,= _sw. v. 1. = *schippen.* 2. = *schepen,* schöpfen. 3. = *schepen,* schiffen._
=schepenisse, schepper,= s. schipp-.
=scher,= n.? Felszacke, Klippe im Meer oder Fluss.
=scher= = rôt-scher.
=schēr,= Weide, Weidegerechtigkeit.
=scher-becken,= Rasierbecken.
=scher-bêr,= e. Art Dünnbier.
=scher-disch,= Schneider-, Zuschneidetisch.
=schêr(e),= adv. 1. bald, schnell, in kurzer Zeit. 2. bald, ungefähr, fast, bes. bei Zahlen.
=schere,= f. Abteilung (durch gespannte Leine u. s. w.).
=schêre,= f. Schere.
=scher(e)-meszes, -mes(se)t, -mes, -metzer,= Schermesser.
=scheren,= st. v. 1. schneiden, ab-, zerschneiden, scheren, abscheren; die hervorragenden Fäden des Tuches abscheren (Tuchbereitung). 2. in jüngerer Sprache auch = *scheren,* sw. v. 2 und 3.
=scheren,= sw. v. 1. zuteilen, bestimmen, ordnen, einrichten. 2. ein Tau v. e. Punkte bis zu e. andern spannen. 3. den Aufzug, die Längsfäden auf den Weberahmen bringen.
=scheren= (erst im neueren Nd.), gehen, eilen, laufen.
=scheren,= spotten, höhnen (aus schernen?).
=scherer,= Scherer; bes. Tuchbereiter und Barbier.
=scherf,= _n. Scherflein, halber Pfennig, die kleinste Scheidemünze._
=scherf-=*bêr, -brôt, -nagel,* Bier, Brot, Nagel, die oder von denen ein gewisses Mass ein Scherf kostet; *-wert,* Adj. und Subst. von Werte eines Scherfes.
=scherg= = scherf.
=scher-gelt,= Lohn des Tuchbereiters.
=scheringe,= _1. Verteilung; Ordnung, Richtigkeit. 2. Aufzug, Kette (beim Leinweber). 3. Tuchscherung, -bereitung. 4. Weide, Mast; Weideberechtigung._
=scherlige,= sola regia; eupatorium.
=scherlik,= scharenweise.
=scherlink,= Schierling.
=scherm,= _n. Schutz, Schirm; Schirmdach, Schirmwand bei Geschützen._
=scherm-breker,= _ein Geschütz (zur Zerschmetterung der Schirmwände)._
=scherm(e)-bret,= Schirmbrett, -wand; Ofenfender.
=schermen,= sw. v. sich gegen die Angriffe des Gegners decken; dann überh. fechten; fuchteln.
=schermer,= Fechter; dann auch Spielmann, baratro, histrio.
=scherme-schilt,= Schild zum Schirmen; bildl. Schutz, Schirm.
=scherme-swert,= Kampfschwert, gladius longus.
=scherm-keller,= tiefer Keller (als Gewahrsam der Verbrecher).
=schermnisse,= Schutz.
=scherm-slach,= Fechterschlag, Luftstreich.
=schermutzel= u. =schermutzen,= s. scharm-.
=scherne,= f. m. = scharne.
=scherne,= _m. der über die *schere, schare* (Hutung, Mast im Walde) zu wachen hat? niederer Forstbeamter._
=schernere,= Knochen-, Fleischhauer.
=scherp= = scharp.
=scherpe= u. =scherpede,= f. Schärfe; Schneide; fig. Strenge; die Ordnung, wie den Mahlgästen aufgewartet wird?
=scherpe-metze= u. =scherpentiner,= s. scharpe-.
=scherpen,= schärfen, spitzen; fig. die Sinne, e. Urteil schärfen.
=scher-rame,= Rahmen, auf den das Garn zuerst geschert wird; von da kommt es auf den Garnbaum des Webstuhls.
=scherren= = scharren.
=schers,= n. Scherz (aus d. Hd.).
=scher-schêre,= Tuch-, Gewandschere.
=scherve,= Scherbe, Bruchstück; Schale, *testa;* v. Hagelkörnern; *de scherven,* die Metallstücke, w. Krebs u. Rücken des Panzers verbinden.
=schervel,= Scherbe.
=scherven,= n. Bruchstück, Teil.
=scherven= = scharven.
=scher-werk,= Frohne, Frohnarbeit (mhd. scharwerk).
=scher-werk,= 1. das gescherte Garn (Weberei). 2. Abkleidung, Balkenlage, Sparrwerk.
=schêt,= n. u. m. Entscheidung, Schlichtung eines Streites.
=schêt,= m.? u. =schete,= st. m. Schiss, Furz.
=schêtel,= m. u. =schêtele,= f. Scheitel.
=schêtelen,= scheiteln, kämmen.
=schêtel-, schêt-hol,= Schiessloch, -scharte.
=schêten,= st. v. 1. trans. schiessen, werfen; erschiessen; contribuieren, Abgabe zahlen; aussondern; *de spole,* die Weberspule treiben; *dat anker,* den Anker fallen lassen; *sode,* Brunnen graben und bebohlen; *korn,* Korn schütten; *de varwe,* die Farbe rasch wechseln; *êne bede, sake, sîn recht s. an, vor, to,* weiterschieben, verweisen, übertragen, Recht bei einer andern Instanz suchen; *wat s. up,* die Schuld v. etwas auf jem. schieben; *up ênen anderen dach,* verschieben. 2. refl. vor, sein Recht suchen bei jemand. 3. intr. schiessen, sich rasch bewegen, springen, fallen; *to sinne, in dat herte,* plötzlich in den Sinn kommen; *up, an,* grenzen an, sich erstrecken bis an.
=schêter,= spiculator, sagittarius.
=scheteren,= agitare = seteren? = ndl. *schetteren?* Vgl. schateren.
=scheterich,= mit Durchfall behaftet, *cacaturiens;* beschmutzt, sterculatus.
=schêterie,= das Schiessen mit Gewehren; Geschützwesen.
=schête-spole= = schotspole.
=schetter= = schatter.
=schêve,= adv., s. schêf.
=scheve,= f. Schäbe, die beim Brechen u. Hecheln abfallenden Splitter des Flachses, Hanfes etc., *festuca;* fig. etwas sehr geringes; *s. understeken,* schlechte Ware unter gute mengen, unreell handeln.
=schevech,= voller Schäbe.
=schevech?= = schovech, schuppicht.
=schevel= u. =schevelink,= dummer, armer Tropf?
=schevel-hêde,= _die schlechteste, nicht ganz gereinigte Hede. Adj._ -hêden.
=schevel-stên= = scheverstên.
=schevenisse,= abgeschabte Felle? abgeschabtes Haar, als Pelzwerk dienend?
=schever,= m. Splitter oder Blatt v. Stein, Schiefer; Schindel; Abfall von Flachs = scheve.
=scheverich= stên, Schiefer-Gestein. Ggs. hard stên.
=scheverlink= = schevel, schevelink?
=schever-stên,= Schiefer, d. Gestein, wegen seiner Blätterigkeit so genannt; Schieferplatte.
=scheverstên(s)-, schever-decker,= _Schieferdecker; *-nagel,* Nagel zur Befestigung der Schiefer._
=schevesch,= schäbig, nichtswürdig.
=scheve-vat,= Gefäss, in welches man die Schäbe wirft.
=schewedich,= schäbig, räudig. L. schorve-?
=schicht(e),= f. (u. n.) Ereignis, Begebenheit, Vorfall; bes. Zwist u. die in Folge dessen absichtlich verübten Feindseligkeiten; Aufruhr, Aufstand; *van s.,* durch Zufall, durch Gewalt (Ggs. *van rechte*).
=schicht(e),= f. Ordnung; ordnungsmässige Teilung; Reihe, Schicht; bestimmte Zahl Arbeiter; bestimmte Arbeitszeit.
=schichten,= sw. v. teilend ordnen; bes. eine Erbschaft teilen; thätig sein, durch Thätigkeit ausrichten, ins Werk setzen; die Bezahlungen (Rechnungen) in Ordnung bringen, abmachen; wechseln.
=schichte-hûs,= Haus, wo *geschichtet* wird, Rathaus.
=schichtes-galm,= aufrührerischer Lerm.
=schicht-halve:= bi s., zur Sonderung, Teilung.
=schichtinge,= f. Anordnung, Einrichtung; Erbteilung.
=schicht-meker,= Unruhestifter.
=schicht-spel,= Titel einer gereimten Brschw. Chronik.
=schicht-tal,= gleiches Verhältnis.
=schickelicheit,= Fügung.
=schickelik,= schicklich, der Ordnung gemäss; adv. schickeliken.
=schicken,= sw. v. 1. etwas in »Schick« bringen, zurecht legen, oder stellen, ordnen, anordnen, einrichten, fügen, *ordinare, disponere;* bes. häufig *sîn testament schicken,* anordnen; *to schicken hebben mit,* mit jem. zu thun, zu schaffen haben, bes. in geschlechtlichen Verhältnissen. 2. wohin richten, senden. 3. refl. sich fertig machen, sich anschicken, sich rüsten; *in,* sich ordnen, fügen in; *na,* sich richten nach.
=schickenisse,= Ordnung, Fügung, Bildung, Gestalt.
=schickenunge= = schickinge.
=schicker,= Ordner.
=schickinge,= Anordnung, Einrichtung, Fügung, Veranstaltung.
=schide,= astutus, gescheit.
=schidele,= Behältnis, Kiste? Vgl. schedel.
=schider,= pl. Scheite.
=schift,= geronnen (*schiften, schiffen* von der Milch, anfangen zu gerinnen).
=schiften= = schichten, erbteilen.
=schiftinge,= Stück oder Arbeit an der Rüstung: Schäftung?
=schik,= (m.?) Gestalt, Bildung, Form; richtige Gestalt, r. Zustand; *to schicke bringen,* ordnen, in guten Stand bringen.
=schiklik, schiknisse,= s. schicke-.
=schil,= strabo, luscus.
=schildeken,= Schildchen; schildförmiges Grundstück.
=schildeken-bôm,= der Baum, an den bei der Gralsfeier die Schilde derjenigen, welche zum Kampfe herausfordern, gehängt werden.
=schilde-lêm,= Töpfererde.
=schilde-padde,= Schildkröte.
=schilder,= Schildmacher; Wappenmaler, überh. Maler.
=schilderen,= sw. v. malen, anstreichen.
=schilder-golt,= Goldschaum?
=schildich,= mit einem Schilde versehen, beschildet.
=schiler, schileger= = schillink?
=schille= = schelle, Schale; Spange in Muschelform?
=schillen,= 1. = *schellen,* schälen; *geschillet* heisst auch: mit Schalen versehen. 2. = *schelen,* verschieden sein.
=schillert,= s. schelert.
=schilli(g)er,= m. = schillink.
=schillink (schildink),= m. (urspr. eine Zahl von 12?) eine Münze, urspr. aus 12 Pf. bestehend; das Pfund hat 20 Schillinge; *solidus (argenteus).* Bei den vielfachen Münzveränderungen vielfach auch anders gerechnet.
=schillink-wert,= eines Schillings wert.
=schilmech= = schelmech.
=schilmen,= sw. v. schimmeln, muscitare.
=schilp= = schelp.
=schilt,= n. u. m. 1. Schild, als Schutzwaffe; fig. Schutz; Wappenschild, Wappen; Bez. des ritterlichen Standes; Schildchen (von Silber) der Handwerksgesellen in der Zunftstube; Wirtshausschild. 2. Schild als Fläche, Feld, bes. die dreiseitigen (gepflasterten) Plätze. 3. Bezeichnung verschiedener Goldmünzen, kaiserlicher, flämischer, französischer, mlat. *scudatus aureus,* frz. écu d'or.
=schilt=-bordich, ritterbürtig; *-bort,* das Brett des Schildes; *-junge,* Schildbube eines Ritters; *-knape, -knecht,* Schildknappe; Kriegsknecht; *-padde = schildepadde; -rême,* Schildriem; in der Baukunst: Band oder Brustwehr am Dache (einer Kirche)? *-vetel, -vester, -vorer,* Schiltknecht, Trossbube; *-wachte,* f. Wache in voller Rüstung; *-wachter,* Wächter in voller Rüstung; *-wort, forfella* (Huflattich?).
=schil-wert= = schillinkwert.
=schim,= eine kleine Brücke, Steg.
=schim= vel galle, fel.
=schimelen, schimelich= = schimm-.
=schimelink:= s. *pert,* Schimmel.
=schimman= = schipman, Schiffsmann, Matrose, spec. Schiemann; s. schipman.
=schimmel,= Schimmel, muscus, mucor.
=schimmel= (mit u. ohne *pert*), Schimmelpferd.
=schimmelen,= _schimmeln, *muscitare. schimmeld* (mit u. ohne *pert*), Schimmelpferd._
=schimmelich,= schimmelig, *mucidus.* Sbst. schimmelicheit.
=schimmen,= sw. v. *schim* (= *schin,* Hautschuppe) hervorbringen?
=schim(m)êse,= f. aus u. = *schin-mêse,* Packen, darin Häute sind, später überh. Packen.
=schimmich= = schinnich, voller Hautschuppen. Subst. schimmicheit.
=schimmink,= Schimmelpferd.
=schimp,= m. 1. Spiel, Scherz, Spass; *it geit mi ût dem sch.,* es wird Ernst. 2. Spott, Hohn.
=schimp(e)lik,= was im Schimpfe, im Spiel geschieht; adv. schimpliken.
=schimpel-wort,= Scherz-, Schimpfwort.
=schimpen,= sw. v. 1. intr. *mit,* Schimpf, d. h. Scherz, Spiel, Spass treiben; *up,* höhnisch, schimpflich reden über etwas. 2. trans. beschimpfen, mit jem. sein Spiel treiben.
=schimper,= sartira, jocator.
=schimpich,= jocosus.
=schimp-redich,= der scherzhafte Reden zu führen versteht, witzig, jocosus.
=schimp-spel,= Scherzspiel.
=schimp-wort,= Schimpfwort, Stichelrede.
=schin= = schem(e), Schatten. Lies schim?
=schin,= Schin, die Schuppen, die sich von der (Kopf)haut abblättern, scabies sicca.
=schin,= e. Art russisch. Fell- oder Ledergeld.
=schîn,= scheinend, sichtbar; *schîn werden* oder *sîn,* sich zeigen, offenbar sein; *schîn dôn,* zeigen, offenbaren.
=schîn,= m. Schein, Glanz, Strahl; Augenschein, *corpus delicti;* augenscheinlicher Beweis, Beweis überh.; Aussehen, Anschein; Vorwand, Vorgeben; *tom s. bringen,* den des Mordes Beschuldigten an die Leiche des Ermordeten führen, e. gerichtl. Procedur.
=schinden, schinder, schinderie,= s. *schinnen* etc.
=schînen,= st. u. sw. v. scheinen, glänzen, strahlen; erscheinen, sichtbar werden, sich zeigen. Partic. scheinend, glänzend; offenkundig, sichtbar.
=schinke,= sw. m. Schinken; v. Menschen: Schenkel.
=schinkel,= m. Schenkel; Wagenachse.
=schinken-ketel,= Kessel zum Kochen eines Schinkens.
=schinken-lach,= ein Schinkengelage, Fest, bei welchem Schinken verzehrt wurden.
=schinken-sniden,= e. Spiel der hansischen Kontoristen in Bergen.
=schînlik,= scheinend, offenkundig.
=schînliken,= adv. herrlich (*splendide*); gleisnerisch.
=schîn-los,= scheinlos, den Schein verlierend.
=schin-mêse,= f. ältere Form für schimmêse.
=schinne:= mit s., mit Strassenraub. Nom.?
=schinnen,= sw. v. schinden, enthäuten; bildl. bis auf die Haut plündern, berauben; auch m. Acc. des Orts der Beraubung (de heide, de strate).
=schinner,= 1. Fellbereiter, Gerber; Pelzer. 2. Strassenräuber.
=schinnerie,= Räuberei.
=schinnich,= voller Schin, scabiosus.
=schîn-schove,= feurige Garbe, Stralenkranz..
=schînsel,= n. Schein, Glanz.
=schint-vessel,= _aus mhd. *schiltveƷƷel,* Schildträger, Trossbube,_ scutifer, satelles.
=schin-wort,= f. chelidonium majus.
=schip,= n. flect. *schippes,* (kleiner) Scheffel, Mass für trockene Dinge.
=schip, schep,= n. flect. *schepes,* Schiff; *to schepe gân,* sich einschiffen; *to schepe komen,* Dienst auf einem Schiffe nehmen.
=schip-, schep=-bank, Ruderbank; *-bêr,* Schiffsbier; *-brecken, naufragare; -breckig? = schip-brokich; -bre(c)kinge* = d. f. W.; *-broke,* st. m. Schiffbruch; *-broken, -brokich,* schiffbrüchig; *brockinge = schip-broke; -bruchtich = schip-brokich; -dracht* (skandin.), *tractio navium,* das Treideln der Schiffe; *-grave,* schiffbarer Canal; *-here,* Schiffsheer, Kriegsflotte; *-hêre,* Eigentümer und Führer eines S., Capitän; *-hure,* Mietung und Mietepreis eines S.; *-kindere,* Schiffsmannschaft; *-kiste,* Schiffskiste der Matrosen (unten breiter als oben); *-knape,* Matrose; *-lage,* f. das Liegen eines S. im Hafen und die Abgabe dafür; *-line,* Schiffstau; *-lôn, naulum; -man,* 1. Schiffsmann (Ggs. *schiphêre*), Matrose, Pl. *-manne, -man(ne)s, -lude,* 2. Schiffer eines kleinen Fahrzeuges, 3. Schiemann, e. unterer Officier des S.; *-mêster,* Capitän, Steuermann; *-mol(l)e,* Schiffsmühle; *-punt,* Schiffspfund v. 280 oder 300 Pfund; *-recht,* Seerecht; *-reide,* (skandin.), f. ein District, dessen Bewohner zusammen ein Kriegsschiff ausrüsten müssen; *-rik(e),* schiffbar; *-roder,* Steuerruder; *-rôf, -rover = sêrôf, sêrover; -rustinge,* Ausrüstung der Flotte; *-scriver,* Buchführer auf d. S.; *-segelinge,* Schiffahrt, = *schiprecht; -vart,* Schiff-, Seefahrt; *-volk,* Schiffsmannschaft; *-vore,* f. schiffbare Wasserstrasse, Schiffahrt; *-water,* schiffbares Gewässer, Canal; *-wech,* Leinpfad, Treidelweg; *-wark = schipwerk? = schipwrak,* Schiffswrack? *-werk,* Kunde u. Ausübung der Schiffahrt, Schiffergilde.
=schip-laken,= ein besonders fein geschornes Tuch.
=schippen, scheppen,= sw. v. schaffen, verschaffen, bewirten, einrichten, verordnen, schicken; refl. sich verhalten.
=schip(pe)nisse, schippense,= 1. Schöpfung. 2. Beschaffenheit, Gestalt. 3. Geschöpf.
=schipper,= Schöpfer.
=schipper-dêl,= n. Lohn der Berger für geborgenes schiffbrüchiges Gut.
=schippere,= sw. m., später =schipper,= _st. m. = *schiphêre,* woraus d. Wort entstanden ist; später s. v. a. Seemann._
=schippinge,= Schöpfung, Bildung; concr. das Geschaffene.
=schip-scheren,= zum letzten Mal Tücher fein scheren.
=schîr,= 1. rein, klar; ungetrübt, unverletzt; pur, lauter = nichts als, nur. 2. hell, durchsichtig, von der Farbe: weiss. 3. glatt, eben; gerade, schlank. 4. klar, aufgeklärt, aufs Reine gebracht, geordnet.
=schîr,= n. eine offene Bahn durch das Reith am Ufer.
=schîr= = schîrdôk.
=schîr-dôk,= dünne, feine Leinewand, klares, schleierartiges Tuch.
=schîr(e),= adv. 1. sofort, auf der Stelle. 2. rein, lauter, nur. 3. fast. -- Superl. *schîrst; schîrstkomende,* nächstkommend.
=schiren,= sw. v. 1. reinigen, klären; ausgleichen, in Ordnung bringen. 2. intr. klar werden, sich abklären.
=schîrheit= = cîrheit, sîrheit.
=schîr-kluftich,= ohne Knorren, leicht spaltend, v. Holz.
=schîr-kum,= sudibulum, e. Gefäss zum Brauen (nnd. schîrküven).
=schîr-laken,= feine Leinewand.
=schirpen,= sw. v. = *scherpen,* schärfen.
=schîr-rockeln,= Chorhemd v. feiner Leinewand.
=schîr-stok,= Gerät zum Seihen.
=schît,= n.? *= schite;* Interjection der Abwehr, Verachtung.
=schite,= f. Kot, Dreck jeder Art; nicht ein s. = nicht das geringste.
=schiten,= =st. v. scheissen;= schitende suke, Durchfall.
=schiter,= podex.
=schît-hus,= Abtritt, *stercorium; -kule,* Unratsgrube; *-vore,* Dreckfuhre, Quark, *res nullius momenti; -word,* n. Wort ohne Wert; *-wort,* f. *bryonia,* Zaunrübe.
=schive,= f. Scheibe; Winde-, Dreh-, Blockscheibe; Rolle, Walze; Rad; Glücksrad; Scheibe im Sprechzimmer der Klöster; Stein im Bretspiel; Glasscheibe; Tischplatte, Tisch, bes. der Esstisch; Platte, Untersatz, Teller; Zifferblatt der Uhr; Bort (in kuntoren)?
=schiv(e)-, schivel-haftich, -achtich,= scheibenrund.
=schiveken,= Scheibchen, als Mass v. Wachs.
=schivel, schivel-bên,= eine Fuss- oder Beinkrankheit der Pferde.
=schivel-borden= werden unter Tuch- u. Seidensorten genannt.
=schivelen,= sw. v. schwanken, auf die andere Seite treten, abfallen; unredlich handeln, intrigieren.
=schivelie,= Schwanken, Winkelzug, Intrige, tergiversatio.
=schiven,= 1. nach Weise einer Scheibe bewegen, rollen. 2. zerquetschen, pilare, contundere.
=schiven-garn,= _Garn zu einer Windescheibe; *-glas,* Fensterglas; _-kok, _Koch, der unter dem grossen Koch arbeitet (im Kloster); *-kopper,* Kupfer in Scheiben; *-laken,* Tisch-, Tafeltuch; *-rat,* Radscheibe (Rad an Kutschen etc.); *-rôr,* Scheibenrohr (ein Geschütz?)._
=schiver= = schever, Schindel.
=scho,= m. 1. Schuh. 2. Teil der Pumpe, Blide, Ramme (?); Rumpf in der Mühle.
=scho, sco,= adv. *so sco,* sobald als. Lies scon = schôn(e)?
=scho-ammet,= Schusteramt.
=schobant,= m. Abdecker, Schinder, Todtengräber.
=schobbe,= leere(?) Garbe; Dem. schobbek, gelima.
=schobben,= sw. v. = *schoven,* die Schuppen von einem Fische entfernen.
=scho-bode,= Verkaufsbude der Schuhmacher.
=schoch-tît, schof-tît,= gew. der vierte Teil eines Arbeitstages, Arbeitszeit von 3 Stunden oder ¼ Tag.
=schocken,= sw. v. das Korn in Garben setzen.
=schocken,= sw. v. sich hin u. her bewegen, zittern, oscillare.
=schode,= n. (beim Pferde) die Scheide, das Gemächte.
=schode, schodeke,= f. Schote; Erbse.
=scho-dêf,= Schuhdieb.
=schoden= = schudden, schütten.
=schoderen, schaderen,= zittern, beben.
=scho-dôk,= Tuch, das als Socke, Fussbekleidung dient.
=scho-duvel,= _m. 1. Vermummter, Maskierter; *s. lopen = schoduvelen.* 2. *= schoduvelshovet,* Maske, Larve, Teufelsantlitz. 3. d. Maskenfest zu Fastnacht oder Weihnachten._
=schoduvelen,= sw. v. vermummt umherschwärmen.
=schoen, schoien, scho(i)gen,= sw. v. beschuhen, Schuhe anziehen; einen *gropen schogen,* ihm neue Füsse ansetzen.
=schôf,= m. Schaub, was zusammen geschoben ist, Gebinde, Bündel, so von Gefässen, Pfeilen, Glas etc.; spec. Bund Stroh, sowol die Garbe (auch collectiv), als das ausgedroschene Stroh, das Strohbund; Strohwisch als Feuerzeichen; *ênen ût dem schove tên,* einen vor den andern auswählen.
=schoffêren,= verletzen, kränken, schänden. Subst. schofferture, schoffêricheit.
=schôf-gavel,= Stroh-, Streuforke; *-holt,* Holz in Bunden, z. B. Dauben; *-stên,* schmale Dachziegel, die über einander geschoben werden.
=scho-gelt,= Entschädigung des Gesindes für die Kosten des Fusszeugs.
=scho-gilde,= f. Schuhmachergilde.
=scho-hof= u. =-hûs,= _Warenniederlage, Verkaufsstelle der Schuster; Versamlungsort der Gilde._
=schok,= _n. Haufen, Hocke; die Zahl von 60, *sexagena* (bei Rinteln auch ein Fruchthaufe von 12 Garben)._
=schoke (schouke, schoike),= f. Concubine, liederliche Weibsperson, Hure.
=schoken-kint, -sone,= Hurkind, Bastard (als Schelte).
=schok-maker,= Stückarbeiter, der schockweise gelohnt wird.
=scho-knecht,= Schustergesell.
=scho-krâm,= Schuhladen.
=schok-rêde,= Seil, zum Schaukeln aufgespannt.
=schok-rêden,= sw. v. schaukeln.
=schok-tal,= eine Zahl von 60.
=schok-werk,= Arbeit eines schokmakers.
=scho-lapper, -lepper,= Schuhflicker.
=scholare,= sw. m. = scholer.
=scholaster,= _Schulmeister, *rector scolarum;* Titel eines Domherrn; sein Amt u. Haus:_ scholast(e)rie.
=(scholden)= st. v. Prät. *se schêlden,* stossen, schieben; *entwei* s., trennen. Oder ist *schellen* zertrümmern, anzusetzen? Lübek. UB. VII S. 142.
=schole,= f. Schule; oft = Versammlung, Menge, Gesellschaft.
=schôl(e)-dinge,= _pl. Schulwissenschaft; *-geselle,* Hülfs-, Unterlehrer; *-holder,* Privatschulmeister; *-kint,* Schulkind; *-kunst,* Schulbildung, -wissenschaft; *-mêster,* Schulmeister, Director einer öffentlichen Schule, *= scholaster; -rede,* Schulrede, akademischer Vortrag._
=scholen,= sw. v. 1. intr. strömen, Wellen schlagen. 2. trans. spülen; eine Flüssigkeit hin und her bewegen, gurgeln; im Wasser hin und her schwenken.
=scholen (schollen),= unr. v. schuldig sein (zu bezahlen etc.); bestimmt sein, zukommen, gebühren; mit Infin. auch zur Bezeichnung des Futurs u. Conditionals.
=schôlen gân,= zur Schule gehen, d. Schule besuchen.
=scholer, schôlre,= m. Schüler, nam. der zum geistlichen Stande bestimmt ist, ein junger Geistlicher, Cleriker (der auch als Schreiber diente).
=schole-water,= spülendes Wasser, Wirbelstrom.
=scholike kunst,= Schulwissenschaft.
=scholke,= f. Sumpf, Tümpel?
=scholle= = schulle.
=scholpe= = schulpe.
=schôlrekîn, -ken, scholerken,= Dem. zu scholer.
=scholt-jâr,= Schaltjahr.
=scholver= = schulver.
=scho-maker, -meker,= Schuhmacher.
=scho-mêster,= Schuster in e. Kloster.
=schon,= = scholen, sollen.
=schôn,= adj. adv. = schone.
=scho-nagel,= Schuhpflock.
=schônde,= f. Schönheit.
=schône,= adj. schön, hell, klar; *bi schonem dage,* bei lichtem Tage; schön, herrlich, prächtig; bedeutend, gross, ansehnlich; *s. maken,* reinigen, putzen; *s. vrouwe, meretrix; to schoner hode,* zu guter Vorsicht, bloss zur Sicherung einer Sache, eines Vorteils für sich oder andere. Im Superl. *dat schoneste,* bester, grösster Vorteil; *up mîn sch.,* nach meinem besten Vorteile.
=schône,= _f. 1. Schönheit. 2. Schonung, aufmerksame Behandlung, Verschonung, z. B. *siner worde schone hebben,* achten auf die Worte, die man spricht._
=schone,= adv. 1. hell, stralend, schön, herrlich, trefflich; sparsam. 2. im concessiven Sinne: *al, oft, wan schone,* wenn auch, obwol, obgleich. 3. zeitl.: bereits, schon.
=schôn(e)=-bart, Maske, Larve; *-bose,* Gleisner, Heuchler; *-brôt, -rogge,* Brod aus dem feinsten Rockenmehl von dreieckiger Form; *-veder, tinctra, cintra,* Feder in e. Schloss; *-want,* feines Tuch oder Leinen; *-werk,* feines Pelzwerk.
=schôn(e)lik, -liken,= adv. auf schöne Weise.
=Schôn(e)=-market, der zur *Schonetîd* in Schonen stattfindende Markt; *-reise, -vart,* Fahrt z. Häringsf. nach Sch.; *-tîd,* Zeit des Häringsfanges bei Sch. (Spätsommer); *-vār(e), -varer,* Schiffer der regelmässig nach Sch. fährt, Kaufmann der Schonischen Häringsfang und -handel betreibt, das zu solchem Zwecke dienende Schiff (Schoner), daher *Schônfarsegel,* Schonfahr-, Schoversegel, e. Art Segel.
=schonen,= sw. v. 1. schön werden, *clarescere.* 2. mit Dat., Gen., Acc. oder *to* u. Inf.: schonen, verschonen, rücksichtsvoll behandeln; sparen, versparen, unterlassen.
=schonicheit,= Schönheit.
=schôpe,= _f. Schöpfkelle, z. B. der Maurer, bes. die grosse Füllkelle der Brauer._
=schope,= f. (Fisch)schuppe.
=schôpen-bruwer,= Brauerknechte, die in ihrem eignen Brot sitzen und den Brauern um einen gewissen Lohn bei jedem Brau helfen.
=schôpen-stēl,= Stiel einer *schope* (Benennung einer Strasse).
=schop-hengel,= Ballen Nasenschleims. Lies snop-?
=scho-pinne,= Schuhpinne.
=schoppe,= sw. m. Schuppen, Scheune.
=scho-querdel,= s. querder.
=schor-bûk,= m. Scorbut; schorbuckswater, aqua antiscorbutica.
=schorde,= s. schort.
=schordel,= Schilf, ulva.
=schor-dôk,= e. Art groben Wollenzeugs.
=schōr(e),= n. Gestade, Küste, Vorland.
=schore:= tor schoer, zum Schutz. Lies schuer?
=schore,= Stück Geschmeide? Lies *schere,* Schere?
=schore,= st. m. Riss, Bruch.
=schoren,= sw. v. 1. trans. zerreissen, zerbrechen; e. Schar trennen, auflösen; e. Ordnung verletzen, brechen. 2. intr. zerreissen, Risse, Lecke bekommen, bes. von Schiffen, die auf den Grund, eine Klippe stossen; sich losreissen. 3. refl. sich trennen von.
=schore-pust,= Stützpfosten, -balken der Kappe der Windmühle. Vgl. *schare,* Stütze.
=schorf,= m. Schorf, Grind, Räude.
=schorfachtich= = schorvet.
=schorf-lodeke, -ladeke,= Grindwurz, rumex acutus.
=schorf-wort, -wortele,= Grindkraut, Schwärkraut, scabiosa arvensis.
=schoringe,= Riss, Leck.
=scho-rink,= Ring am Schuh zur Befestigung des Riemens.
=schorit (?)= = storit, Harz von *styrax offic.,* Storax.
=schorlisse, schorlitze,= Hemd (mit langen Ermeln), *camisia lintea, supparus;* Bezeichnung eines gemeinen Weibes.
=schornobbe,= m. eine Art Schandkleid? oder Schandstein? auch ein Schimpfwort. Vgl. scharnobbe.
=schorpie,= f. u. =schorpiôn,= n. Scorpion.
=schorsel-dach,= _e. Festtag des Kürschneramtes in Bremen bei der Wahl zweier neuen Altmeister._
=schor-stên,= _m. Schornstein, auch der Kamin, die Heerd-, Feuerstätte unter ihm._
=schort?= m.? pl. *schorde,* 1. Abteilung, Fach. 2. Graben, Abflussrinne, Rinnstein?
=schort,= m.? = schorte.
=schorte,= f. Schurz, Schürze; als Teil der Rüstung: Panzerschurz.
=schortel-dôk,= Frauenschürze; Schurzfell der Handwerker.
=schortel-gelt,= Geld zu Schürzen? e. Art Trinkgeld?
=schorten,= sw. v. 1. kürzen. 2. schürzen, binden, zusammenziehen, knüpfen; *de nese schorten,* die Nase rümpfen; *= upschorten,* aufschürzen, aufbinden, bildl. verschieben.
=schortse,= f. 1. Rinde. 2. Eisscholle.
=schorvet, schorvedich, schorvich,= schorficht, grindicht, räudig.
=schor-wulle,= die (lebenden Tieren) abgeschorne Wolle, Schur-, Scherwolle.
=scho-snôr,= Schuhband.
=schôster,= Schuster (erst im 16. Jh.)
=scho-swarte,= Schuhschwärze.
=schot,= n. Geschoss jeder Art, bes. Pfeil; collect. Geschützmaterial, Munition.
=schot,= n. (was von den Bürgern zusammengeschossen wird), Schoss, eine directe Steuer vom Vermögen.
=schot,= n. Riegel, Verschluss, Fall-, Schiebthür, Holzwand, überh. alles, wodurch man irgend eine Sperrung oder Hemmung anlegt.
=schot,= der 24. Teil einer Mark = 8 Pf.
=schôt,= m. 1. Schoss der Kleidung, der Rüstung. 2. Schoss des menschlichen Körpers. 3. Flussbett, Meeresschoss, Busen. 4. der hinterste Teil der Kirche.
=schot=-angel, e. Art Angel (die verboten ist); *-bane,* f. Schiessbahn; *-bar,* steuerpflichtig; *-boge,* Bogen (die Waffe); *-bôk,* Register der steuerpflichtigen Bürger; *-bore,* Bahre zum Transport von Erde? *-busse,* Schiessgewehr, Geschütz; *-dele,* Brett zur Dielung, Täfelung; *-dor,* Fallgatter, -thor; *-forke,* Heu-, Strohgabel; *-gaddere = schotdor; -glevige,* f. Wurfspeer; *-hêre,* Ratsherr, welcher die Bürgersteuer einnimmt; *-holt = schotdelen; -kamere,* 1. Zimmer, wo die Bürgersteuer erhoben wird. 2. Verschlag von Brettern? *-line, tormentum, funis navis quo naute utuntur,* »aufgeschossenes« Tau? *-mêster,* ein Ehrenamt im Stahlhof zu London; *-porte = schotdor; -reise?* Kriegszug, wozu die verbündeten Parteien Beitrag leisten? *-renne,* 1. Wasserleitung aus Bohlen? mit Verschluss? 2. Kehlrinne am Zusammenstoss zweier Dächer, am Schornstein; *-rîs,* Schössling, junger Trieb; *-spole,* Weberspule, -schiffchen; *-swîn,* Schwein, als Steuer gegeben; *-vinger,* Zeigefinger (mit w. man schiesst); *-ware unde lude,* Krämerware u. Krämer? vgl. schotte.
=schote,= _st. m. Schuss; *ên s. weges,* als Massbestimmung; Pfeil, Ladung des Schiessgewehrs._
=schote, schate,= f. das Schiessen, Aufwachsen, crescendi ratio.
=schôte,= Tau, an die untere Ecke des Segels befestigt, um das Segel zu spannen.
=schôte= (dän. *skjøde),* f. Eigentumsübertragung (urspr. unter Übergabe einer Erdscholle in den Rockschoss des Käufers).
=schôte-brêf,= Urkunde über Verkauf von Immobilien, Überlassung von Rechten etc.
=schôtel-bêr,= das Bier, das beim *schôten* geschenkt ward; die Schaffer hiessen schôtelhêren.
=schôtel-bôk,= Buch, in welchem die Eigenthumsübertragungen verzeichnet stehen.
=schotel-eit,= eidl. Gelöbnis, die Bürgersteuer richtig erlegen zu wollen.
=schotel-tins,= Beitrag zur Bürgersteuer aus den zu frommen Stiftungen fundierten Zinsen und Renten.
=schotel-tît,= die Zeit, wo man Abgabe bezahlt.
=schotele,= Schüssel; s. schottele.
=schoten (schaten),= sw. v. Schoss geben, (directe) Steuer zahlen.
=schôten,= sw. v. sein Eigentumsrecht aufgeben zu Gunsten eines andern, mit Übergabe gewisser Symbole, scotare.
=schotes-vri,= 1. ohne v. e. Geschoss getroffen zu werden. 2. frei v. Abgabe, Steuer.
=schôtinge,= scotatio = schôte, *f.*
=schotte,= e. Schotte, herumzieh. Krämer.
=schotts-mâl,= n. die in Appellationsfällen vom appellierenden Teile zu erlegende Zahlung, überhaupt Appellation (schlesw.-holst.), dän. *skudsmaal,* schwed. skottmål.
=schottel(e),= f. Schüssel; der Gaumen?
=schottel=-balge, f. Balje, worin Schüsseln gewaschen werden; *-bret, discus; -brôt,* Brot beim Mahle; auch als eigenes Gericht? in Scheiben als Teller für das Fleisch? *-dreiger,* Schüsseldrechsler; *-dwele,* Schüsseltuch; *-korf,* Korb, in den Schüsseln gesetzt werden, *cartallum; -pot,* Kochtopf? *-water,* Spülwasser; *-wescher,* Küchendiener, der die Schüsseln wäscht.
=schotteler,= Schüsselmacher, scutellifex.
=schotten,= tributa dare, exactionare; s. schoten.
=schotten,= täfeln, dielen, bebohlen.
=schotter= (flandr.) = *schutte,* Schütze.
=schottilie,= Holztafel, Schindel; =schottilien,= sw. v. täfeln; =schottilien-werk,= Getäfel.
=schottilier,= der Tafelwerk, Schnitzereien macht, feinerer Tischler.
=schôt-vel,= Schoss-, Schurzfell.
=schou-, schu-spel,= Schauspiel.
=schouwe,= Schau, Anblick.
=schouwen,= sw. v. 1. sehen, schauen, beschauen; obrigkeitlich besichtigen, bes. Deiche, Wege etc. 2. zeigen, sehen lassen.
=schouwer,= Beschauer, Besichtiger.
=schouwer (schauer),= m. grosser Becher v. Edelmetall mit Deckelaufsatz, bes. für Confect.
=schouwinge,= 1. Besichtigung der Deiche, Wege etc. 2. Besuch der Wöchnerin.
=schove,= f. Haufen, Schar.
=schove,= f. (Fisch-) Schuppe.
=schovelink,= eine Art feineres Weissbrod.
=schoven,= sw. v. beschuppen, betrügen.
=schow, schu,= n. sichtbares Notzeichen.
=schow-bank,= Schaubank, Servante zur Ausstellung des Prunkgeräts.
=schowel-scho,= Schauschuhe, Meisterstück der Schuster?
=scho-werchte, -werte, -wart,= m. Schuhmacher, Schuster.
=scho-werk,= 1. Schustergewerk, -innung. 2. Schusterarbeit, -gewerbe.
=scho-wisch,= Schuhwisch, -putzer.
=schra,= f. (an. *skrá,* eig. Leder, Pergamentstreifen) Rolle, Statut.
=schrachen= (u. =schraken?),= sw. v. laut lachen. Subst. schracher.
=(schracken):= scrackede, sprang, tanzte; oder v. schrecken?
=schrade (schra, schrage),= dürr, mager, kümmerlich; dürftig, schlecht.
=schrâde, schrâdelink, schrâden, schrâder,= dialekt. Formen f. *schrôde* etc., w. m. s.
=schrage,= sw. m. (schräges) Gestell (aus zwei paar gekreuzten Beinen, z. B. Sägebock, Tonnenuntersatz etc.), bes. zur Herrichtung von Tischen und Bänken, auch der Warentisch selbst.
=schrage,= späte Form für *schra,* Statut; im 16. Jh. durch Einfluss des vorigen Wortes masc. und für jede polizeiliche Verfügung, die auf einem Brett im Rathause aufgehängt ward, bes. für Taxen, Preis- und Tarifbestimmungen.
=schragelink= = schradelink.
=schram,= m. Ritze, Kerbe.
=schram-hans,= ein herumstreichender Leuteplacker.
=schramme,= f. Hautritzung, Streifwunde, Schmarre.
=schrammen,= sw. v. auf der Oberfläche ritzen.
=schrange,= f. m. = *scharne,* bes. als abgegrenzter Verkaufsraum des Marktes, daher meist m. d. Präp. *in* u. im Pl.
=schrang(e)-, schran(k)-klocke,= Glocke, mit w. der Anfang des täglichen Marktes eingeläutet wird.
=schrank,= n. was absperrt, Gitter, Zaun, Verschluss; Verschlag in der Wand, freistehender Schrank.
=schranke,= sw. f. = schrank.
=schranken, schrankelen,= sw. v. 1. *cancellare.* 2. beim Gehen die Füsse kreuzweise setzen; hinken; vom Sprechen: stottern.
=schrank-tûn,= ein absperrender Zaun, Pallisade.
=schrank-werk,= Schranken, Einzäunung, Gitterwerk.
=schrape,= f. Werkzeug zum Kratzen u. Schaben, Rosskamm; bildl. Ausputzer, Vorwurf, Wischer.
=schrape-bottere,= von der Tonne abgeschrapte, ranzige Butter?
=schrapelse,= n. das was man als das letzte (aus einem Gefässe) zusammen schrapt, Rückstand, Nachbleibsel, Abfall.
=schrape-mes,= Schabmesser.
=schrapen,= sw. v. (mit Geräusch) schaben, kratzen.
=schrât,= schräg.
=schrât,= sbst. = schrôt.
=schratele,= abgeschnittenes Stück, Schnitzel von Zeug oder Papier; Saum, Streifen am Gewande.
=schratelen,= sw. v. zerstückeln, zerfetzen, schlitzen.
=schrât-rode,= Schrägrute (zur hölzernen Turmspitze).
=schrât-spleten,= schräg gespalten.
=schrât-stake,= Zaunpfahl (die schräge gegen einander gesetzt werden).
=schrât-swîn,= einjähriges Schwein, das beim Schlachten gleich zerstückt wird? mageres Schwein?
=schrât-vlêsk,= vom Schlachter zerstücktes Fleisch, viell. v. bestimmter Grösse.
=schrecke,= sw. m.? Schrecken (spätes W.).
=schrecken= (Prät. auch *scrahte;* vgl. *schracken),* 1. = *schricken.* 2. erschrecken.
=schrede,= st. m. Schritt, Tritt.
=schredere,= der Schreer, ein Eisen, welches auf den Ambos gesetzt wird, um Nägel u. dgl. abzuhauen.
=schrei,= m. u. n. Schrei, Geschrei; der einem Tiere eigentümliche Laut; = *ruchte,* Hülfeschrei; Schlacht-, Parteiruf, Losung.
=schreielik,= flebilis.
=schreien,= sw. v. schreien, bes. laut weinen, jammern.
=schrei-man,= Zeuge des »Geschreies«, des Notrufes.
=schreklik,= schrecklich, furchtbar (spätes W.).
=schrempen,= sw. v. schrumpfen, zusammenziehen; (Fleisch) rösten, sengen.
=schrendelen,= sw. v. zirpen, crocitare?
=schrenkel,= ein Geschmeide: Spange?
=schrenkelen= = schrankelen, vacillare.
=schrenken,= sw. v. 1. quer und überkreuz setzen, verschränken. 2. beschränken, hindern.
=schrep, schrepel,= dünn, mager, dürre.
=schrepe= = schrape, Striegel; schrepen, striegeln.
=schrepsel,= n. = schrapelse.
=schrêt-stake= (= schrâtstake?), Wegepfahl, Grenzpfahl..
=schreve,= st. m. 1. (eine mit Kreide gezogene) Linie, Strich; dann überh. vorgeschriebene Linie, die angibt, wie weit man gehen darf; *boven* oder *over den schreve,* über das vorgeschriebene Mass hinaus. 2. ein brabant. und flämisch. Weinmass, hält *4 stope* oder *gelten* oder 8 potte.
=scribe,= sw. m. Schreiber (Schriftgelehrter).
=schricht,= f. = schrichte.
=schrichte,= n. Geschrei, bes. der Notruf.
=schrichte-note,= (Schreigenosse) Zeuge des Notrufs.
=schrickel-jâr,= Schaltjahr, annus bissextus.
=schrickel-note,= f. octava.
=schricken,= sw. v. Hände oder Füsse rasch bewegen: klatschen, in die Hände schlagen, *plaudere;* springen; tanzen, auch refl.?
=schricken-, schrecken-berger,= eine grössere Münze, vom Schreckenberge in Meissen (später St. Annaberg) genannt, wo sie geprägt wurde.
=schricker,= m. Springer, Tänzer.
=schridde,= sw. m. Landstreicher, Bettler?
=schriden,= schreiten, treten.
=schrie, schrige,= n. Geschrei.
=schrien, schrigen,= st. u. sw. v. schreien, laut rufen; heftig u. laut weinen; laut schallen, hell tönen.
=schri-, schriginge,= das Schreien.
=schrîf=-bret, epicausterium, graphium, scriptorium; -hant, die schreibende Hand; *-kamere,* Schreibstube, Kontor, Kanzlei; *-kuntôr,* Schreibtisch; *-mes(t), -mestken,* Federmesser; *-mêster,* Schreiblehrer; *-schole,* Elementarschule; *-scholer,* Elementarschüler; *-stôl, epicausterium, cathedra scriptorum; -tafele,* Schreibtafel; *-touwe,* n. Schreibzeug, -gerät, *-ve(d)dere,* Schreibfeder.
=schriflik,= schriftlich; aus *schriftlik?* oder schrîflik?
=schrîfninge= (aus schwed. skrifning) = schrivinge.
=schrift,= f. das Schreiben; Geschriebenes; *schrift maken,* schriftliche Verträge machen; *uppe schr. hebben,* aufgezeichnet, aufgeschrieben haben; die heil. Schrift.
=schriftaftich,= schriftgelehrt, homo literatus?
=schriftich,= schriftlich; der Schrift gemäss, dem Wortlaute nach.
=schriftlik,= schriftlich.
=schriftûr(e),= f. Schrift, bes. die heil. Schrift.
=schrige, schrigen= etc., s. *schrie* etc.
=schrik,= Brunnen-, Pumpenpfosten?
=schrik= (î?), Wiesenknarrer, Wachtelkönig?
=schrimpen,= st. v. die Nase rümpfen; sw. v. = schrempen.
=schrîn,= n. Schrein, Kiste, Lade; Sarg, Reliquienschrein; oft bildl., z. B. *Maria, ein schrîn der sâlden.* Demin. schrineken.
=schrînde-meker,= Schreiner, Tischler.
=schrinden,= einen Schrund, Riss bekommen? = schrinen?
=schrinen,= schmerzlich jucken und brennen.
=schrit-scho, (schrît-?)= Schuh zu weiten Schritten, *petasus;* Schlittschuh (auf dem Eise).
=schrive-= in Zssetz., s. schrîf-.
=schriveine (-veie),= frz. *écrivain,* Schreiber, Secretär; bes. Schiffsschreiber.
=schrivel=-bret, -mes, s. *schrîf-; -pennink,* Schreibgebühr.
=schrivelik,= schreibbar; beschreiblich.
=schriven,= st. v. schreiben; bildlich darstellen; Inf. subst. das Schriftstück.
=schriver(e),= Schreiber.
=schriver=-bret, -mest, -schole, -stôl, s. *schrîf-; -lach,* jährliche Festmahlzeit der Stadtschreiber.
=schriverie,= 1. das Schreiben. 2. die Schreibstube, Kanzlei.
=schrivinge, -unge,= das Schreiben.
=schrobben,= sw. v. = schrubben.
=schrôde, schrâde,= sw. m. abgeschnittenes Stück, Lappen.
=schrôde=-bank, sartorium, Schneidertisch; *-gelt,* Weinschröterlohn.
=schrôdelen,= sw. v. zerkleinen, zernagen (v. Mäusen).
=schrôdelink, schrâdelink,= schedula, Schnitzel; e. Art minder guter Wolle.
=schrôden, schrâden,= st. u. sw. v. schroten, in kleinere Stücke zerschneiden, zerkleinen, z. B. Getreide zu (grobem) Mehl; zernagen; mit der Schere zerschneiden, bes. Zeug, daher: schneidern; überh. schneiden, beschneiden; von Münzen (welche in bestimmter Zahl aus einem bestimmten Gewicht geschnitten wurden): ausprägen, ausmünzen. *schrôden kopper,* Schrotkupfer.
=schrôden, schrâden,= sw. v. wälzen, rollen, von Wein- u. Bierfässern; auf- u. abladen (auf zwei Leiterbäumen wälzend oder schiebend fortbewegen).
=schrôder, schrâder= (fem. =-sche, -inne),= Schneider; Wein-, Bierschröter; Hirschkäfer.
=schrôder-, schrâder=-knecht, Schneidergeselle; *-mêster,* Schneider-Aeltermann; *-stede,* Schneiderwerkstatt.
=schrôdinge,= das Schroten; vom Gelde: die Ausmünzung, Ausprägung.
=schrofulen,= pl. Scropheln.
=schroien,= sw. v. sengen.
=schromen,= sw. v. vor, sich fürchten vor.
=schrôt, schrât,= n. 1. Schnitt, abgeschnittenes Stück; die Stücke Leinen, aus welchen das Bettlaken zusammengesetzt ist; Stück, Seite Speck. 2. Absatz (an einem Gebäude)? 3. ein Schmiedewerkzeug.
=schrôt-ambacht, -ammet,= 1. Schneiderhandwerk. 2. das Gewerk der Bier- und Weinschröter; *-gast,* Schneiderkunde; *-lôn,* Schneiderlohn; *-mêster,* Münzmeister; *-schêre, sargillum, forfex; -tafele,* Schneidertisch; *-wacht,* f. *-wage,* f. Setz-, Nivellierwage, fig. Norm; *-werk = schrôtambacht;* geschnittene Ware, Ausschnitt.
=schrubben,= sw. v. kratzen; reiben, scheuern; rein scheuern.
=schruchte= = schrichte.
=schrûf-werk,= Schraubenwerk, Gewinde, Schraubensatz.
=schrul,= m. 1. Anfall von Unsinn, toller oder übler Laune. 2. dauernde Misstimmung, heimlicher Groll.
=schrumpe,= f. Runzel, Falte; Knick, Bruch im Zeuge.
=schrupelois,= scrupulös, ängstlich.
=schruten,= sw. v. schnarchen, schnaufen; Unmut, Widerwillen äussern.
=schruve,= f. Schraube, z. B. in der Presse, Wagenwinde; *ein pâr schruven* der Zimmerleute: Schraubensatz zum Heben und Schieben; (silbernes) Fussgestell, auf w. ein Weinglas geschroben wird; ein Geschmeide an Kleidungsstücken zum Zusammenheften, torquis.
=schruven,= sw. v. schrauben, winden; durch eine oder zwei Schrauben heben oder von der Stelle rücken.
=schu,= _1. adj. u. subst., s. *schûw, schuwe.* 2. = *scho,* Schuh._
=schubbe,= f. Schuppe.
=schubben,= sw. v. die Schuppen entfernen, exsquamare.
=schuchteren,= sw. v. scheuchen, verjagen, auseinander treiben, zerstreuen, diffugare.
=schuchteren,= adj. auseinander getrieben, zerstreut; schüchtern, bange.
=schuchteringe,= das Auseinandertreiben, Zerstreuen.
=schucke,= Schaukel. Vgl. schocken.
=schucken,= sw. v. schluchzen, singultire.
=schudde-galge,= f. Schnell-, Wippgalgen.
=schudde-kappe,= Name eines (schlechten) Bieres.
=schuddelink,= Schüttelwolle, frz. laine jettice.
=schudden,= sw. v. 1. trans. schütten, schütteln. 2. intr. schüttern, beben.
=schudder,= concussor.
=schudde-ût,= libitina, est feretrum.
=schuddinge,= quassatio.
=schude,= Prät. zu schên.
=schûf,= e. Schieber; Schubfach.
=schûf-bore,= f. Schiebbahre.
=schûf(e)le,= später meist *schuffele,* f. Schaufel; *de s. bekomen,* bei der Werbung einen Korb bekommen.
=schuffel=-bret, Schaufelbret (Mühlengerät); *-holt,* Holz zu Schaufeln.
=schuffelen,= sw. v. schaufeln.
=schuffelen-dreger,= (im Bergwerke) ein Unterbeamter, dem vom Bergmeister das Gericht befohlen ist.
=schuffesten:= schûf-feste(n?) = Schuftange, plattes Tau, spitz an einem, mit einem Auge am andern Ende, w. als Raaband dient? oder *schuve-stên* (d. h.?)?
=schûf-isern,= Eisen zum Auswirken der Pferdehufe.
=schûf-kar(e)= = schuvekare.
=schûf-lade,= f. Lade mit Schiebdeckel; Kasten in einem grösseren Behältnis, z. B. Tisch; Dem. schûfladeken.
=schuft,= m.? Widerrist des Pferdes.
=schufût, schuffût, schufvôt= = schuvût.
=schugge= = schuwe, scheu.
=schuk-dore,= lose Thür, »Schott«? Verlesen? Variante: slingdore.
=schuke= = schoke.
=schûl,= n. =schule,= f. Versteck, Ort, wo man sich versteckt und Schutz sucht.
=schûl-blok,= Gefangenblock als Strafe eines Flüchtlings, eines die Schule versäumenden Schülers.
=schulde,= st. f. = *schult,* bes. Anschuldigung, Klage; *schot unde s.,* alle Abgaben, w. ein Bürger an seine Stadt, *schat u. s.,* w. e. Untertan zu leisten hat.
=schuldegen,= sw. v. beschuldigen, anklagen, verklagen.
=schuldeginge,= Beschuldigung, Anklage.
=schuldemêre= = schuldenêre.
=schulden,= sw. v. 1. trans. beschuldigen, anklagen. 2. intr. schuldig sein; m. Gen., e. Strafe verdient haben.
=schuldenêre,= der schuldig ist, *debitor;* aber auch der, welchem geschuldet wird, Gläubiger; auch Bürge, Gutsager = lover.
=schulde-note,= Schuldgenosse, Teilnehmer an einer Schuld oder einem Verbrechen.
=schulder,= Schuldner; Verbrecher.
=schulder(e),= f. Schulter; Vorderschinken.
=schulder=-blat, Schulterblatt; *-ketel = schinkenketel; -knoke,* Schulterknochen; *-kussen,* Schulter-, Kopfküssen; -mate ketel = schulderketel.
=schuldes= wesen ênem wat, jem. etwas schuldig sein.
=schuldich,= 1. berechtigt (zu erhalten, bekommen). 2. schuldig, verpflichtet zu zahlen. 3. schuldig einer Tat, noxius, reus.
=schuldinge,= 1. Beschuldigung, Anklage. 2. Schuld (Geldstrafe), falls jemand etwas nicht leistet, poena.
=schulen,= sw. v. verborgen sein; sich versteckt halten, lauern; verstohlen blicken, horchen; refl. sich verbergen; *s. gân,* heimlich weggehen u. Schlupfwinkel suchen, bes. v. Kindern, w. die Schule schwänzen.
=schûl(e)nisse,= Versteck, Schlupfwinkel.
=schuler,= der sich verborgen hält, Flüchtling, Laurer.
=schule-wagen:= den s. tên, sich verstecken, verbergen.
=schûl(e)-winkel,= Schlupfwinkel.
=schulinge= = schulenisse.
=schulle,= f. Scholle, e. Plattfisch, *passer piscis; schullen-vanger,* Schollenfischer.
=schulle,= Rasenstück, Erdscholle.
=schullen= = scholen, sollen.
=schullinge= = schuldinge, Geldstrafe, poena.
=schul-ôrdich= (û?), v. Pferd: scheu, tückisch?
=schul-oret= (û?), lauernd, heimtückisch?
=schulpe,= Muschel. Dem. schulpeken.
=schulpen,= sw. v. eine Flüssigkeit stark hin und her bewegen, schütteln, dass sie überzufliessen droht; intr. von der bewegten Flüssigkeit selbst.
=schulpen,= sw. v. in Holz oder Stein graben.
=schulp-sage,= eine Säge, mit der man schulpet?
=schult,= f. 1. was man einem andern zu geben schuldig ist, Verpflichtung, bes. Geldschuld *(mine s.,* was ich schulde; was man mir schuldet, ich zu fordern habe). 2. Vergehen, Delict. 3. Verschulden, Veranlassung, Ursache. 4. Beschuldigung.
=schult-bôk,= Schuldbuch.
=schult-brêf,= Schuldverschreibung.
=schulthaftich,= mit der Schuld behaftet, schuldig.
=schult-hêre,= Gläubiger, creditor.
=schult-hête, schultête, schulte,= sw. m. (der Verpflichtungen befiehlt) Schultheiss, Schulze.
=schulthêten-, schultêt=-ambacht, -dôm, _Schultheissen-Amt; *-dink,* Sch.-Gericht._
=schult-mate,= Mass, das bei Zahlung von Zins-Getreide etc. üblich ist?
=schult-mudde,= Schuld-, Zinsscheffel.
=schult-swîn,= Schuld-, Zinsschwein.
=schult-tale,= Verhältnis *(rata pars)* einer Schuld.
=schulver,= m. Seerabe, Taucher.
=schulveren,= sw. v. intr. abblättern, schuppenweise abfallen.
=schume,= sw. m. u. =schûm,= st. m. Schaum; Metallschlacke.
=schumen,= sw. v. 1. schäumen. 2. den Schaum abnehmen, *despumare.* 3. das Land (die See) raubend, bettelnd etc. durchziehen, landstreichen.
=schumer,= m. Landstreicher, Nichtsnutz.
=schumfêren,= sw. v. besiegen.
=schumferture,= f. Besiegung, Niederlage.
=schûm-kelle,= f. Kelle, Gelte zum Abschäumen.
=schummer,= Dämmerung.
=schummeringe,= Dämmerung.
=schummer-licht,= Dämmerung, Zwischenlicht, diluculum.
=schun, scun,= Verkürzung von *schulen, scholen,* sollen.
=schundel-kint,= Leichtgläubiger.
=schunden,= sw. v. reizen, anreizen (zum Bösen).
=schundigen,= sw. v. = schunden.
=schune,= f. Scheune.
=schunen,= sw. v. in eine Scheune bringen.
=schunisse?= l. *schun(de)nisse,* Anreizung, Aufforderung?
=schunt,= Anreizung, Verlockung zum Bösen.
=schupe= = schope.
=schuppe,= f. Grabscheit, Schaufel, Schöpfschaufel, pala.
=schuppe-stôl,= Stuhl (Bank, Brett), von dem man *geschuppet,* d. i. heruntergestossen wird (ins Wasser, in den Kot), Schnellgalgen, Wippe: entehrende Strafe für eine gewisse Klasse von Verbrechern, bes. Betrüger.
=schuppen,= sw. v. stossen, fortstossen; vertreiben, verjagen.
=schuppinge,= das Fort-, Wegstossen, precipicium.
=schûr,= (Regen-, Hagel- etc.) Schauer.
=schûr,= n. Schutz, Schirm; *in, to schure,* geschützt; Scheuer, Schuppen für Geräte, Wagen, Holz, Torf etc.; Schutzdach, z. B. an Häusern über Thüren, Kellerhalsen und Fenstern; Baldachin an Altarschreinen; Abteilung, Fach.
=schûr,= listig, schlau.
=schure,= f. Scheuer, Scheune.
=schuren,= sw. v. schützen, bewahren.
=schuren,= sw. v. reiben, scheuern; reinigen; refl. sich nicht mit einander vertragen können.
=schurer,= Putzer, Schwertfeger.
=schûrheit, schuricheit,= Listigkeit, Schlauheit.
=schûr-henne,= Scheuerhenne *(gallina horrestrea),* zahme Henne? (Ggs. Feldhuhn?)
=schuringe= = schûr, n.
=schûr-iseren,= Schüreisen.
=schurlitz= = schorlisse.
=schurren,= sw. v. schurren, den schurrenden Ton hervorbringen.
=schûr-stok,= Stock zum Umrühren.
=schut,= Schirm, Schutz; Gegenrede, Einwand, Einrede (jur.).
=schute,= f. Spaten, Grabscheit.
=schute,= _f. Name von Schiffen verschiedener Grösse, Bauart (doch stets vorn und hinten spitz?) u. Bestimmung, See-, Fluss- u. Hafenschiff, mit oder ohne Bord, segelt, wird gerudert oder geschoben, Begleitschiff der Orlogskoggen, Frachtschiff, Fischerboot, bes. Leichterschiff._
=schute=-lage, Fracht-, Leichtergeld für eine Schute; -man, remigator schutae, = prâmkerl.
=schuten=-meker, _der Schuten baut; *-schuver,* Kahn-, Bootführer._
=schut-geverde,= n. das Schiessen, Kanonade; *ein s. holden mit,* dem Feinde ein Schiessgefecht liefern.
=schut-hagen,= Schüttzaun = schutte-koven.
=schutsch,= einfältig, grob, abgeschmackt, ndl. schots.
=schut-schot= = schuttestal.
=schutte,= sw. m. Schütze, sagittarius.
=schutte,= n. Geschütz, Schiessgewehr jeder Art.
=schutte,= f. n. 1. Schott, Vorrichtung zum Stauen oder Abhalten des Wassers; Aufziehschleuse, Fallthüre, Schossthüre (bei den Mühlen); Schirmwand (milit.). 2. Schutz, Schirm, Verteidigung.
=schutte,= f.? das »geschüttete« Vieh.
=schutte-bret,= ein Brett, um etwas abzuschotten, bes. um das Wasser aufzuhalten, Aufziehbrett.
=schutte-geverde= = schutgeverde.
=schutte-kost,= e. Ausgabe beim Bergbau.
=schutte-koven= = schuttestal.
=schuttel-gelt,= Pfandgeld, Geld für das »Schütten«.
=schutte-man,= e. Arbeiter unteren Grades beim Bergbau.
=schutte-mêster,= Aufseher über d. Wasserstauungen; überh. Polizeidiener.
=schutten,= sw. v. schützen, schirmen; hindern, wehren; bes. fremdes Vieh, das Schaden thut, einsperren, als Pfand zurückbehalten; überh. hindern, zurückhalten, mit Beschlag belegen; Wasser aufstauen.
=schutten-gevechte, -geverde,= n. = schut-geverde.
=schutten-hinxt, -pert,= Pferd für Schützen, leichtes Pferd.
=schutten-lach,= _n. jährliches Festgelage der bürgerlichen Schützen._
=schutten-wal,= Wall für die Schützen, Schützengraben.
=schutter,= der Vieh etc. *schuttet* (Polizeidiener); ndl. auch Schütze.
=schutte-recht,= das Recht Vieh zu »schütten«.
=schutte-stal,= Stall, in dem Vieh »geschüttet« wird.
=schuttinge,= _1. Sperrung, Abdämmung; Staudamm. 2. Einschliessung, Pfändung, Arrestierung; concr. das geschüttete Vieh. 3. Schutz, Schirm. Als jur. Terminus: 1. Zurückweisung eines Zeugen. 2. Einrede, Ausflucht, Vorwand._
=schuttink,= m. Schütting, Versamlungshaus der Kaufleute und Gilden; privilegiertes Bierhaus; Gilde, Kompanie.
=schutzerie,= einfältige Rede, Abgeschmacktheit, *nugae;* vgl. schutsch.
=schuve-kar(e),= f. Schiebkarre.
=schuveler,= eng anliegender Rock.
=schuven,= st. v. schieben, stossen.
=schuver,= m. Schieber; das Werkzeug, mit dem man Brod etc. in den Ofen schiebt.
=schuve-stake,= Schieb-, Schaltstange.
=schuvût, -vôt,= m. Uhu, strix bubo.
=schuw(e),= scheu, in Furcht, furchtsam; von Tieren: wild, ungezähmt.
=schuw(e),= f. m. Scheu, Furcht; Gegenstand des Abscheus, Scheuche, Schreckbild.
=schuwelse,= n. Scheusal, Schreckbild, Scheuche.
=schu(w)en,= sw. v. 1. intr. scheuen, scheu werden; *s. vor = sik s. vor.* 2. trans. scheuen, fürchten, vermeiden; refl. *sik s. vor,* sich scheuen, zurückscheuen vor.
=schuwent,= n. Scheu.
=schuwinge,= Scheu; Gegenstand des Abscheus.
=zd(i)ust,= m.? afrz. *jouste,* Turnierkampf.
=se,= Verkürzung von *so,* bes. nach Relat.: de se, qui; (so) we se, quisquis, quicunque; wan se, quandocunque.
=sê,= f. 1. See, Meer; *to der sê wart,* seewärts, in die See. 2. auch m. Landsee.
=sê,= pron. sie; Subst. das Weibchen von Tieren.
=sê-bal,= Seequitte, ein kugelförmiges Seegewächs, alcyonium cydonium.
=sê-ballige,= f. Seebalje, Priel.
=sê-bank,= fortlaufender Deich gegen die See, Deichverband.
=sê-bare,= Seewoge.
=sê-bêr,= für den See-Export gebrautes Bier.
=sê-besie,= Haffdorn, Meerkreuzdorn, hippophae rhamnoides?
=sê-blat,= Blatt der Wasserlilie; diese selbst.
=sê-blome,= Wasserlilie.
=sê-bort,= f. Seerand, d. i. Deich.
=sê-brant,= Nordlicht?
=sê-brêf,= Schifferpass.
=sê-brûk,= Seebrauch.
=secanen,= pl. Zigeuner.
=sechtegen, sechtnisse= = sachtigen, sachtenisse.
=seckele= = sekele.
=secker= = seker.
=secker,= n. engl. exchequer.
=secrêt,= _n. 1. Geheimnis, geheime Eigenschaft. 2. = *secrêt-segel,* Geheimsiegel, das kleinere Siegel der Fürsten u. Städte._
=secretêr,= Geheimsecretär; studierter Stadtschreiber.
=secta, secte,= 1. religiöse Secte. 2. religiöser Orden.
=sectêrisch,= ketzerisch.
=sê-cundît,= Conduct, Geleit-oder Schutzbrief zur See.
=seddek, seddel, seddele, sedder, sedduer;= s. *sedek* etc.
=sede,= st. m., später auch st. f. u. sw. m., Sitte, Art u. Weise, Gewohnheit; gute, anständige Sitte.
=sedek, sedik,= m. Sittich, Papagei.
=sedeker,= porphyrio.
=sêde-ketel,= Kessel zum Kochen.
=sedel,= st. m. =sedele,= sw. f. Sitz; Sessel, Bank.
=sedele, cedele, tzedule,= _sw. f.; später auch =sedel,= m. n. Zettel, beschriebenes Blatt, Schriftstück,_ scheda, schedula.
=sedelêre,= Sattler.
=sedelhaftich,= ansässig.
=sedel-hof= = sadelhof, Sattelhof.
=sedelik,= der Sitte gemäss, gebräuchlich; sittsam, anständig, sittlich; adv. sedel(i)ke(n).
=sêdel-ketel= = sêdeketel.
=sêden,= st. v. intr. u. trans. sieden, kochen, aufwallen.
=seden= = saden, sättigen.
=sêdendich,= siedend.
=sêder,= Sieder; Salzsieder.
=seder, sedder, ceder,= Zeder, cedrus; -bôm, -appel.
=seder, sedder (sēr), sedert,= 1. präp. m. Dat. seit. 2. adv. seitdem, nachher, später. 3. conj. mit folg. *dat,* seitdem.
=sedet,= gesittet..
=sedewer, cedewer,= 1. = *seduer.* 2. Zeder; *-bôm.* Adj. cedewaren.
=sêdich= = sadich.
=sedich,= sittig, anständig, züchtig; adv. sedigen, sedichliken.
=sedicheit,= Sittigkeit, Zucht.
=sedigen,= sw. v. sättigen; zufrieden stellen. -- E. ander. W.: *gesedeget,* gesittet.
=sedinge,= Sättigung.
=sê-drank,= m. Ertränken in der See.
=sê-driftich,= auf der See treibend oder von der See ans Ufer getrieben.
=seduer, ceduar, seduwer, sedewer, czedewar, zedewort,= zeduarium, seduarium, Zittwerwurzel, *amomum zedoaria;* und Zittwersamen?
=seduer, -bôm,= Zeder.
=seduer-sât,= Wurm-, Zittwersamen, semen cinae.
=segaftich,= sieghaft.
=sege,= st. m., später auch sw. m. u. st. f. Sieg; *sege striden* (sw. v.), *vechten* (st. v.) siegen.
=sege, tzege,= sw. f. Ziege; Teil des Spinnrades?
=sege= = sage, Fieber.
=sege,= triefend, triefäugig.
=sege-bode,= sw. m. Siegesbote, Siegverkünder.
=segede,= f. Schlag-Sichel (bes. um Plaggen zu hauen).
=sege-haft,= f. Sieg.
=sege-haft(ich),= siegreich.
=sege-heil,= n. Sieg.
=segel,= n. Segel; Schiff; *to s. gân, under dat s. komen,* die Segel beisetzen, absegeln; *under dem s. wesen,* die S. beigesetzt haben, segeln, Mühlensegel.
=segel (segil),= n. Siegel; unser lêven vrouwen s., convallaria polygonatum.
=segelacie,= f. das Segeln, Schiffahrt, *navigatio; segelacies-man,* Seemann.
=segelacie,= besiegelter Brief.
=segelbar dôk,= Tuch, das durch ein aufgedrücktes Siegel als vorschriftsmässig kenntlich gemacht ist.
=segel-brêf,= besiegelte Urkunde.
=segel-dreger,= Siegelträger, -bewahrer.
=segelen,= sw. v. 1. intr. segeln. 2. trans. segelnd wohin bringen.
=segelen,= sw. v. siegeln, besiegeln.
=segeler,= Schiffer, Seemann.
=segeler,= Siegeler, Siegelbewahrer, sigillator.
=segel-garn,= (Garn, um Segel zu nähen) Bindfaden.
=segel-graver,= Petschierstecher, Stempelgräber.
=segelinge,= das Segeln, Schiffahrt.
=segelinge,= Besiegelung.
=segel-laken,= Segeltuch.
=segel-maker,= Segelmacher.
=sege-lôs,= sieglos; *s. werden,* besiegt werden.
=segel-rêde,= segelfertig.
=segel-rode,= Raa, Giekbaum.
=segel-stên,= Magnet.
=segel-strenge,= antemne, wol: Segeltaue.
=segel-was,= Siegelwachs.
=segen,= m. Kreuzeszeichen; Segen, Segensspruch; Zauber-, Beschwörungsformel; *den s. geven,* segnen, beschwören, verabschieden.
=sêgen= = seien.
=segen,= adj. caprinus.
=segen-, tzegen=-bart, cinum (lonicera caprifolium?); -gras, capria; -herde, _Ziegenhirte; *-hor, -kotel,* Z.-Excremente; *-horn,* Z.-horn; *-hût, -vel,* Z.-fell; *-kêse,* Z.-käse; *-koven, -stal,* Z.-stall; *-ledder,* Z.-leder; *-melk,* Z.-milch; *-vlêsch,* Z.-fleisch; *-vôt,* Z.-fuss, Brecheisen._
=segene,= s. seine.
=segenen, segen,= sw. v. bekreuzigen, segnen, einsegnen, weihen; besprechen, beschwören.
=segenerie,= Segnerei, Besprechung.
=segeninge,= Segen, Einsegnung, Weihung; Besprechung.
=segen-rîk,= siegreich.
=segen(t)-korn,= Säe-, Saatkorn?
=sege-nunft, -nuft,= f. »Siegnahme«, Sieg, Triumph.
=seger (segger),= Säger.
=sêger,= _1. = *seiger,* Säemann. 2. = *seiger,* Uhr. 3. = *seiger,* kahnig._
=sege-sak= = seisak.
=sege-salich,= siegreich.
=sege-vacht,= m. (u. f.) *-vecht(e),* st. m. *-vechtinge,* Sieg; *-vachtich, -vechtich, -vechtelik,* adj. siegreich, triumphierend; *-vechten, -vachten,* sw. v. den Sieg erfechten; *-vechter,* Sieger.
=segge,= carex, e. Art Sumpfgras.
=segge,= f. das Sagen, Ausspruch, (Rechts)entscheidung.
=segge-brêf= = entseggebrêf, Fehdebrief.
=seggel, seggelen, seggeler= = segel (Segel u. Siegel) etc.
=seggelik,= erzählbar, sagbar.
=segge-mêster,= Münzwardein; vgl. saie I.
=seggen (secgen), segen,= sw. v. sagen; erzählen; erklären, als richterliche Entscheidung aussprechen; zusagen, versprechen.
=seggen(t),= n. Infin. 1. das Sagen, Erzählen, Gerücht. 2. das Sagen als Befehl; als (schieds)richterlicher Ausspruch.
=segger,= 1. Sager, Erzähler; Schwätzer; Verleumder. 2. der Befehle gibt; im Salzwerke ein Beamter des *sôtmêsters,* der die Aufsicht hat über die Bauarbeiten am Sode und über das Schöpfen und die Verteilung der Sole; Entscheider im Rechtsstreit.
=segger,= 1. = *seger,* Säger. 2. = *seiger,* Uhr.
=seggerie,= Sagerei, Geschwätz, Gerede.
=seggerne,= der Neigung hat zu sprechen, geschwätzig.
=segges-man,= Entscheider, Schiedsrichter.
=segge-wort,= meistens im Pl.: Gerede, Hörensagen.
=segginge,= Aussage.
=seginge= = segeninge.
=sê-hân,= Seehahn, *gallus marinus,* eine Art wilder Enten.
=sê-hase,= stagnilepus, ein Fisch.
=sê-hunt,= Seehund.
=sê-hûs,= Brauhaus für den See-Export.
=sei= = sê, pron.; *= sê,* See.
=sei, seig,= m. Malz-Treber, die beim Bierbrauen übrig bleiben.
=seiche,= f. Harn (mehr hochd.).
=seichen,= sw. v. harnen.
=seide,= f. Saite, fides, chorda.
=Seide,= cuscuta europaea.
=seiden= = sêden, sieden.
=seiden-, sein-bôt, -schip,= _kleineres, sehr schnell segelndes (nicht tief gehendes?) Kriegsschiff (erst seit dem 16. Jh.)._
=seiden-klank, -sank,= Saitenklang.
=seiden-(seidel-)spil,= Saitenspiel; musikalisches (Saiten-) Instrument.
=seie= = saie, sage.
=seien,= sw. v. säen; besäen.
=seien,= zuweilen = seggen.
=seienschozen,= d. i. *seiensch hosen,* Hosen von seie.
=seier,= Säemann.
=sei(g)-budde,= Bütte für die Malztreber.
=seigelen,= segeln.
=seigelik,= demütig?
=seigen, seiger= = seien, seier, säen etc.
=seiger,= kahnig (von Wein etc.).
=seiger, seier,= n. u. m. Wasser- oder Sanduhr, dann jede Uhr, Sonnenuhr, auch Schlaguhr, Glocke; *umme (des) seigers achte,* um acht Uhr.
=sei(g)er-klocke,= _Uhr, *horologium; -maker,* Uhrmacher; *-schive,* Zifferblatt; *-stunde,* Glockenstunde; *-venster,* Mauerloch für die Turmuhr; *-werk,* Uhrwerk._
=sei(g)-kuven,= eine Kufe zu den Malztrebern.
=seigszen-têne,= pl. Eisenstäbe zu Sensenblättern?
=seik= = sêk.
=seil= = sêl, funis.
=seil,= contrah. aus *segel; seilen* aus segelen.
=seile= = sêle.
=sein= = sên, sehen.
=seine, tzeine= aus =segene,= f. grosses Zug-, Schleppnetz.
=seiner,= der *mit seinen* fischt, sagenarius.
=seinich= = sêdendich.
=seint= = sênt, Sehen.
=sei-sak,= grobes Tuch (Säesack? Trebersack?).
=seise-bôm,= das Holzgestell einer Sense.
=seisel(e),= f. eine Handsichel.
=seisen(e), sei(s)se, seitze,= f. grosses Zugnetz der Fischer.
=seisen(e), sei(s)se, seitze,= f. Sense.
=seisen-meker,= Sensenschmidt.
=seit-spil= = seidenspil.
=seiver= = sêver.
=sek,= n. =seke,= Sech, Pflugmesser.
=sêk,= siech; ungesund; bes. aussätzig.
=sê-kanne,= herba ciclagus (nymphaea).
=sê-kante,= f. =-kant,= m. Seeseite, Küste.
=sêke-dage= = sukedage.
=sêk(e)de, seikte,= f. Siechheit, Krankheit.
=sêke-dôm,= m. Siechtum; *de rode s.,* die Ruhr.
=sekele,= f. Sichel; Dem. sekelîn.
=sekel-krût,= Sichelkraut, falcaria latifolia.
=sêken,= sw. v. siechen, kränkeln.
=sêken-, sêk=-ammet, das *officium* der Krankenpflege; *-hof, -hûs,* Krankenhaus, bes. für Aussätzige; *-klappe,* Klapper der Aussätzigen zur Ankündigung ihrer Anwesenheit; *-mêster,* Aufseher, Oekonom des Siechenhauses; *-stove,* sw. m. Krankenstube.
=seker, sekeren,= Kichererbsen, citrullae(-li).
=seker,= sicher, 1. von Personen: sorglos, unbesorgt. 2. von Personen und Sachen: zuverlässig, worauf man vertrauen kann, bes. von Zeugen. 3. vor Gefahren geschützt. 4. bestimmt, festgesetzt. 5. *ên s.,* ein gewisser, quidam.
=seker,= adv. sicherlich.
=sekeren,= sw. v. sicheren, *firmare, tutare, securum reddere; sik s. to,* sich in den Schutz begeben von; versichern, geloben, versprechen; *sik tosamene s.,* sich (eidlich) verbinden.
=sekericheit, sekerheit,= 1. Sicherheit, Sorglosigkeit; Zuversicht. 2. Sicherung, Schutz. 3. Sicherstellung; Gelöbnis, feierliche Versprechung.
=sekeringe,= 1. Sicherung, Schutz. 2. Bündnis.
=sekerlik,= sicher, gewiss, zuverlässig; adv. sekerliken, sekerken.
=seker-lôs,= dessen Wort nicht zu trauen ist.
=sêkheit,= Siechheit, Krankheit.
=sel,= m. = *sal,* Saal.
=sel, sēl,= m. Seehund, Robbe; der Thran dieses Tieres.
=sêl,= n. Seil, Strick.
=sel-bermen,= pl. Seehundsthran?
=sêlde,= f. Seligkeit, Heil, Glück.
=sel-dekene,= f. Decke von Seehundsfell.
=selden(e),= adj. u. adv. selten.
=sele,= st. m. gerichtliche Auflassung eines Grundeigentums; Grundherrlichkeit, Verfügungsrecht über ein Gut: *den (vryen) s. uppe (over) ên gût ênem (uppe) laten; s. und ware dôn,* Tradition und Gewähre leisten, selandiam et warandiam, cautionem facere.
=sele,= f. Zug-, Tragriemen oder-seil; Pferdegeschirr, Sielenzeug.
=sêle, (seile),= f. 1. Seele; *bi miner s.* (in Schwurformeln), bei Seligkeit meiner Seele. 2. *de s. van deme herten,* die grosse Pulsader.
=sele (seile),= Niederung, Wiese.
=sêle= = sêlde?
=sêl(e)- (selen-) amme(ch)t,= (eines Klosters) *officium* für die Seelen der Verstorbenen.
=sele-bant,= instita, Tragriemen der Lastträger, Hausierer, Karrenschieber.
=sêl(e)-bat,= Bad, das armen Leuten im Testament vermacht wird, der Seele des Verstorbenen zum Besten; zuweilen mit einer Spende an Bier und Brod verbunden; dann Spende auch ohne Bad; eine Collation nach der Vigilia mit Essen u. Trinken.
=sêle-bedachtenisse,= Erinnerung (Memorie) an einen Verstorbenen.
=sêle-dach,= Totenfeier für die Verstorbenen (um Michaelis).
=sêl(e)-gave, -gelt,= Gabe für die Seelen Verstorbener.
=sêl(e)- (sêlen-) gerêde,= n. *remedium animae,* was testamentarisch zu Seelmessen, Spenden etc. gestiftet wird zum Heil der Seele; überh. Testament, letztwillige Verfügung; der kirchliche Leichendienst.
=sêl(e)-gerêder,= m. der ein *sêlegerêde* stiftet, der Testamentierende.
=sele-gût,= n. =-hof,= m. =-hove,= f. = salgût, sadelhof, -hove.
=sêleken,= Demin. zu *sêle,* Seele.
=sêl(e)-licht,= Opferlicht für einen Verstorbenen.
=sêle-manersche,= altes Weib, das mit Rufen auf den Gassen zu den Seelenmessen einlud? = sêlevrouwe?
=sêl(e)-maninge,= Memorie, Gebet des Priesters für einen Verstorbenen?
=sêle-meker, -maker,= Seiler, funifex.
=sêl(e)-misse,= f. Seel-, Totenmesse.
=sêlen,= sw. v. seilen, binden, fesseln, ligare fune.
=selen-rêp, -tûch,= s. sel-.
=sêle-qualen,= sw. v. Seelenqual erleiden (vom Todeskampfe).
=sêl(e)-togen, -tagen,= sw. v. in den letzten Zügen liegen, agonisare.
=sêle-togich, -tagich,= in den letzten Zügen, im Todeskampfe, liegend.
=sêl(e)-toginge,= Todeskampf, agonia.
=sêle-vrouwe,= die für die Verstorbenen zu beten hat.
=sêl(e)-werder,= Testamentsvollstrecker.
=sêl(e)-werderschop,= Testamentsvollstreckung.
=sêle-winder,= Seiler.
=sêle-wrakinge= = sêletoginge; l. -brakinge?
=self= u. Ableit. u. Zssetz., s. sulf.
=sel-hunt,= Seehund, Robbe.
=sêlich= etc., =sêligen= = sâlich etc., saligen.
=sêlichbar,= heilbringend.
=selik= = sedelik.
=sel-lant, selant= = sedellant, sallant, terra salaricia einer curtis.
=selle= = geselle, Genosse; Spiessgeselle; Handwerksgeselle; Unterlehrer.
=selle, celle,= f. Zelle, Kammer, bes. Klosterzelle.
=selle= = sele, Zug-, Tragriem.
=selle-bode,= Verkaufsbude.
=sellen,= sw. v. gesellen, verbinden.
=sellen,= sw. v. urspr. einem andern (als Eigentum) übergeben; dann: veräussern, verkaufen, namentl. einzeln oder in kleinen Partien.
=selleschop= = selschop.
=sellich= u. =sellik,= gesellig.
=sellinge,= Verkauf; Handelsbetrieb.
=sel-penninge,= Abgabe für das Sieden des Seehundsspeckes.
=sel-rêp,= Zugseil, Strang.
=selschop, -schap,= f. Gesellschaft, Versammlung; Umgang, Verkehr; Kompaniegeschäft; Handelsgesellschaft, Innung, Ordensgesellschaft; Begleiter, Gesellschafter, Teilnehmer, *socius;* Vermögen, Haus- oder Abzeichen einer Gesellschaft.
=selschoppen, -schapen,= sw. v. *sik s.,* sich vereinigen, sich gesellen (mit Dat. oder *to); s. s. van,* sich absondern, sich trennen von.
=selsen (selsem),= selten, seltsam, wunderbar; *mi nimt s.,* mich nimt Wunder..
=selsen-varwe,= couleur changeante?
=sel-smer= u. =-smolt,= Seehundsspeck oder -thran.
=sel-spek,= Seehundsspeck.
=sel-strenge,= pl. = sel-rêpe.
=sel-touwe, selen-tûch,= n. Zuggeschirr der Pferde, Sielenzeug.
=selt-sen, -sem, -sam= = selsen.
=sel-var= (d. i. *self-var),* selbstfarbig = sulfgraw.
=selve,= f. Salvei.
=selve, selven, selver, selves,= s. *sulve* etc.
=sel-wort,= Herren-, Hofstätte = sadelhof.
=sem, sēm,= Binse, juncus.
=sêm,= m. Honigseim.
=seme, sem= (beim Schwur), bei, *per;* vgl. sam.
=sê-man,= pl. *sêlude,* Seemann, Seefahrer.
=sê-man,= einer der unter dem Pantoffel steht, uxorius.
=sêm-budel,= Beutel zum Auspressen des Honigseims.
=sem(e)de,= Biese; semdesc, papiricius; semden-werder, bibilos.
=semele,= f. 1. Kleie. 2. das feinste Weizenmehl, aus dem die Kleie geschieden ist 3. daraus gebackenes Brod, simila.
=sêmen,= sw. v. Honig seimen.
=semende,= ciperus (juncus triangulus).
=semene,= s. tosamene.
=sementen, sementêren,= sw. v. cementieren, Metalle zusammen mit andern Körpern in e. verschlossenen Gefässe glühen.
=seme(n)tlik(en),= adv. sämtlich, insgesamt.
=sêmer,= Honigseimer.
=semes, semesch,= adj. sämisch, ölgar (vom Leder).
=semes(e), semesse,= m.? Gesimse..
=semlik,= adj. 1. solcher, dergleichen. 2. (l. *soml.?)* mancher.
=semmele= = semele. =semmene= = semene.
=semmer,= m. Ziemer, Rückenbraten.
=sems= = semese; semsede lîste, Gesimsleiste, -rand.
=sêm-touwer,= Fabrikant von sämisch. Leder.
=sên,= st. v. 1. sehen, besehen; *s. laten,* zeigen. 2. mit *alse* oder Adv., aussehen. 3. zusehen, in Betracht ziehen, darauf denken, achten; *in de sake s.,* die Sache untersuchen; *su des to mi,* glaube mir das; *it gerne gût (anders, beter) sên,* wünschen, dass ein Streit etc. friedlich beigelegt werde, oder überh. eine Sache geschlichtet werde.
=senât,= st. m. Senat.
=senate,= sw. m. =senator,= st. m. Senator.
=sende,= f. Sendung, gesandtes Geschenk.
=sende- (sendel-) bode,= Abgesandter.
=sende-brêf,= Brief (im modernen Sinne).
=sende-gût= = sendevê.
=senden,= sw. v. senden, schicken; 3. Sg. Präs. auch *sant* (vgl. d. Afrs.).
=sender,= Sender, Absender; Auftraggeber.
=sende-vê,= Commissions-(Speditions-)gut, in Commission (Spedition) gegebene Ware. (Vgl as. *fehu* und an. sendifê.)
=sende-wîn,= Wein, als Geschenk gesandt.
=sendinge,= f. Sendung.
=sene,= f. Sehne, Nerv, *nervus;* Bogensehne.
=sene,= Senesstaude-, Blatt.
=senen,= sw. v. besehnen, nervare.
=senentliken,= auf sehnsüchtige Weise, voll Sehnsucht u. Schmerz.
=senep= = sennep.
=seneschal,= Seneschall, Landeshauptmann.
=senet,= n., fl. *-des,* ältere Form für sent.
=sen(e)-weldicheit,= Rundheit.
=sene-wolt (-walt, -welt),= rund: kugel-, ei-, walzen-, kreisförmig.
=senge,= n. Gesang.
=sengen,= sw. v. sengen, cremare, torrere.
=senger,= Sänger; Dichter.
=senich,= sehnig, nervosus.
=sênich,= aus sêdendich.
=senkel,= m. Schnalle, Nestel, Schnürriemen. Der Verfertiger: senk(e)ler, senkelmaker.
=senkel-korf,= mit Bleikugeln beschwerter Fischkorb, Reuse.
=senken,= sw. v. 1. senken, versenken, niederlassen; (e. Brunnen) tiefer machen; refl. v. Vögeln, v. Wasser etc. 2. durch Senkung versperren.
=senne= = sene, Sehne.
=sennep, sennip,= m. Senf; *-dreger,* Senf-Hausierer; *-mole,* S.-mühle; *-sât,* S.-samen; *-schottele,* S.-schüssel.
=senne-wolt, -walt= = senewolt.
=sēnt, sent,= n. m. =sente,= _n., fl. *sendes, sentes,* Synode, geistliches Gericht; *s. sitten,* dies Gericht abhalten; der Jahrmarkt, w. sich an dies Gericht schloss._
=sênt,= n. Gesichtssinn; Sehen, Beschauen; Aussehen, Miene.
=sēnt-, sent=-broke, st. m. Verbrechen gegen d. geistl. Gericht u. d. Strafe dafür; *-dach,* Gerichtstag der Synode; *-hêre,* geistl. Richter; *-penninge,* pl. Einkommen des Officials für Hegung des Gerichts; *-plichtich,* verpflichtet zum Besuch des geistl. Gerichts; *-recht,* Synodalrecht; *-stôl,* geistl. Tribunal; *-wroge,* f. Anklage u. Strafe vor d. g. G.; *-wroger,* d. Ankläger bei demselben.
=sente,= sanctus.
=sentencie,= f. Urteilsspruch; Verb. sentenciêren.
=sen-wolt (-volt, -balt, -holt)= = senewolt.
=sêpe,= Seife.
=sêpen-sêder,= Seifensieder.
=seper (?),= Stender, Pfahl.
=sêperie,= Seifensiederei.
=sê-pige,= Matrosenjacke.
=sēr,= s. *seder,* seit.
=sêr,= _n. körperliche u. geistige Verletzung; Schmerz, Leid; Schwäre, eiternder Ausschlag, Kruste desselben._
=sêr, sêre,= wund, verwundet; schmerzhaft, krank; mit Ausschlag behaftet.
=serân, cerân,= m. Vorrichtung zum Aal- u. Fischfang; Wasserstauung mit Freischütten.
=serapen?= Ausschlag? vgl. sermen.
=serden,= st. v. schänden, schädigen, quälen, betrügen.
=sêre,= f. (u. n.?) = *sêr,* n.
=sêre,= adv. schmerzlich, mit Schmerz; gewaltig, heftig, sehr; Compar. in grösserem Masse, mehr; Superl. *alse sêrest,* so sehr als möglich.
=sê-recht,= Seerecht.
=sêrede,= f. Verletzung, Schmerz.
=sêreg(h)êt= = sêricheit
=sêreken,= die Kruste auf einem Geschwür.
=sêren,= sw. v. verwunden, verletzen, Schmerz verursachen, beschädigen; (ein Document) zerreissen, cassieren.
=sêrich,= _verletzt = *gesêret;* krank (bes. an eiternden Geschwüren oder Ausschlag leidend), grindig,_ scabiosus.
=sêricheit, sêrheit,= _Verletzung, Schmerz; Ausschlag, Schorf, Grind._
=sêrichliken= = sêre, valde, maxime.
=sêr(i)gen,= sw. v. versehren, verletzen, beschädigen.
=sêringe,= Verletzung, Verwundung, Schmerz.
=serk= = sark, Sarg.
=serkel= = sirkel.
=sermen,= ein Wurm (der ein Krebsgeschwür [oder ähnliches] beim Menschen [im Gesichte] erzeugen soll)? Vgl. serapen.
=sêrnisse= = sêringe, Verletzung.
=sê-rôf, -roverie, -rovinge,= Seeraub.
=sê-rover,= Seeräuber.
=serpent,= m. Schlange.
=serpentîn, -tiner,= Feldschlange, ein Geschütz.
=sert, cert,= adj. gewiss, bestimmt.
=serte (czerte),= Zärte, cyprinus vimba.
=sêrte,= n.? = sêr, sêrede.
=serte, tzerte,= f. = *serter,* frz. charte.
=sertein,= bestimmt, gewiss.
=serter(e), certer(e), tzerter(e),= f. (m.) Vertragsurkunde, frz. chartre.
=ser-want,= m. Kriegsgewand, Rüstung.
=serwen,= sw.v. entkräftet werden, kränkeln.
=ses, sēs,= _fl. *sesse,* sechs; 6 Augen des Würfels; *ses-tein(e),* sechzehn; *ses-tich,* sechzig._
=sê-schumer,= Seeräuber.
=sêse, sêsse,= f. Schleppnetz..
=sêse-kān,= Fischerkahn mit hinten befestigtem Schleppnetz.
=sêsel= = seisele.
=sês(e)ne, sêssen,= f. Sense.
=sêsen-tôm,= m. Zug mit dem Netze, Fischfang.
=sesken (sisken),= eine Münze = 6 miten.
=ses-leie,= sechserlei.
=seslich,= sextinus, sexternus.
=seslink, sesselink,= 1. der sechste Teil (v. Scheffel = Himten?). 2. ein halber Schilling = sechs Pfennige.
=ses-man(ne),= pl. Collegium von 6 Männern.
=sê-stat,= Seestadt.
=seste, sēste,= sechste; *seste-half,* fünf und ein halb; *sester-leie,* sechserlei.
=sester,= ein Mass (lat. sextarius).
=ses-valt, -volt, -valdich, -voldich,= sechsfältig.
=ses-werf,= sechsmal.
=sesting?= ein Geschmeide?
=sê-strange,= f. =-strank,= m. Seestrom, See; Meerenge.
=sê-strant,= m. Seestrand, Küste.
=sê-strôm,= m. das Meer.
=set-angel,= Setzangel.
=sete,= m. (?) Sitz; Wohnsitz.
=sete,= n. = 1. *gesete.* 2. Gesäss, After.
=setel,= m. Sitz; Wohnsitz.
=seter, ceter, tzeter,= Schetter, ein ostindisches Baumwollenzeug oder sehr feine Leinewand; *-garn, -twern,* Schettergarn, -zwirn.
=seteren,= sw. v. zittern.
=seterich, tzeterlik,= zitternd, trepidus.
=seteringe,= das Zittern.
=sêt-herink,= ausgefrischter Pickelhering, der gekocht wird.
=setim,= ein hartes, unverbrennliches Holz, spina Aegyptia.
=sētlik= = sedelik.
=sette, set,= n. = *gesette,* Gesetz, Anordnung; Satzschrift.
=sette-lagel,= Legel (kleines Fass) zum Niedersetzen oder Liegen auf den Schragen?
=setten,= sw. v. 1. sitzen machen, setzen an einen Ort; in der Schiffersprache: Anker werfen, vor Anker gehen. 2. aufsetzen, verfertigen. 3. festsetzen; bestimmen, befehlen, anordnen. 4. einsetzen (Beamte). 5. beisetzen, beilegen, schlichten. 6. ansetzen, namentlich den Preis bestimmen, bes. bei Teilungen von Gut; der eine *settet,* der andere *kêset;* das streitige Gut in (zwei) Teile teilen. 7. versetzen (als Pfand). -- *setten bi,* aufs Spiel setzen, wagen; (seine Rechtssache) jem. zur Entscheidung überlassen; *sik s. to,* seinen Willen worauf richten; *sik s. up,* sich niederlassen; seinen Sinn worauf richten; *van sik s.,* ein Kind ausstatten, bes. von Söhnen; *sik setten wedder (jegen),* sich widersetzen, empören (auch *sik setten* allein, ohne *wedder,* heisst sich widersetzen).
=sette-, set-nagel,= das Zeichen der Böttcher auf den von ihnen gemacht. Gefässen.
=settenîn (cetemîn),= ein Seidengewebe?
=setter; setteren= = seter; seteren.
=sette-wîn,= Wein, den man zum Geschenk macht?
=settîn,= eine Art (wollener oder seidener?) Zeuge; vgl. mhd. satîn.
=settinge,= 1. Satzung, Gesetz, Ordnung (Zunftrolle). 2. Versetzung, Verpfändung, u. concr. das versetzte Stück, Unterpfand. 3. Ansetzung zu einem Preise. 4. = *voresettinge,* Kaimauer.
=sê-tunne,= Seetonne zur Markierung des Fahrwassers.
=set-werk= uppe pappîr, Buchdruck?
=sêtze= = seisene.
=sê-varende,= der die See befährt oder befahren hat, techn. Ausdruck für Schiffer, Seemann.
=sê-vart,= f. Seefahrt.
=se-vacht, -vechte= = segevacht.
=seve,= n. Sieb; als Mass für Hopfen; *dat s. (umme) lopen laten,* e. abergläubischer Brauch.
=seven,= sw. v. sieben, cribrare.
=seven,= fl. =sevene,= die Zahl sieben; *seven-tein(e),* siebzehn; *seven-tich,* siebzig.
=seven-(soven-)bôm,= juniperus sabina.
=sevende (sevede),= siebente.
=sevenich,= septenus.
=seven-stern(e), -sternete,= septentrio; septistellium, ursa minor u. maior.
=seven-valt, -volt, -valdich, -voldich,= siebenfältig.
=seven-werf,= siebenmal.
=sever, tzever,= m. Käfer.
=sêver,= m. Schleim aus Nase oder Mund, Geifer.
=sêver-bart,= Bezeichnung eines unsaubern Trinkers.
=sêver-dôk,= Geifertuch.
=sêveren,= sw. v. geifern.
=sêveringe,= das Geifern.
=sêver-mûl,= unerfahrener Grünschnabel?
=sêver-springe,= Wunde an der Lippe, dass man den Speichel nicht halten kann; Speichelfluss.
=sê-visch,= Seefisch.
=sê-vogel,= bildl. Schiffer.
=sê-vunt,= _m. was man auf der See oder an der Küste findet, Strandgut (Regal des Landesherren); adj._ sêvundisch (gût).
=sê-were,= Verteidigung zur See; Säuberung der See von Piraten.
=sexte,= f. die 6. kanonische Hora.
=sibbe,= adj. blutsverwandt.
=sibbe,= f. Blutsverwandtschaft, Sippe; Grad derselben.
=sib(be)=-blôt, -schop, Blutsverwandtschaft; *-genote,* Blutsverwandter; *-tal,* Grad der Sippe; *sibschop-tafele,* Stammbaum.
=sibe(l)link, siboldink,= eine Apfelart.
=zibete,= Zibeth (Absonderung der Zibethkatze).
=(sibum) cibum gân,= müssig gehen, nicht arbeiten.
=sicht,= f. das Schauen; die Erkenntnis.
=sichte,= f. = segede.
=sichte,= n. 1. Gesicht, Ansicht; Vision. 2. Angesicht, Aussehen. 3. Vorderseite, Front.
=sichte-budel,= Sichtebeutel; *-kaste, -kiste,* Beutelkiste.
=sichtelse,= n. das Ausgesichtete.
=sichten,= sw. v. sieben, sichten, beuteln (das Mehl).
=sichten,= sw. v. mit der *sichte,* Sichel, abmähen.
=sichten-hower, sichter,= der mit der *sichte* haut, Schnitter.
=sichter (sechter),= m. eine hölzerne Wasserrinne quer unter den Wegen; bedeckter Ableitungskanal für Wasser, Jauche etc.
=sichte-vat,= Sichtfass (in der Mühle).
=sichtich, sichtlik,= sichtbar.
=sickel, tzicken, tzicke-lîn, -len, -ken,= n. Zicklein.
=sickeltûn,= mit Gold durchwirktes Seidenzeug, figurierter Seidenstoff (als Altardecke, Bettüberzug etc.), span. *ciclaton,* frz. siglaton.
=side= = segede, sichte.
=side,= f. Seite; als Teil des menschlichen Leibes; Partei; Gegend, Küste, *s. speckes,* Speckseite; *de siden geven,* einwilligen, geneigt sein; *over eine side, over side (sît), over sides,* bei Seite.
=side,= f. Seide.
=side,= niedrig; s. sît.
=side,= adv. weit, nur in: *wide (unde) side, widen u. siden, wît u. sît,* weit u. breit.
=sidegen,= sw. v. erniedrigen.
=side-kint,= Seitenkind, d. h. ein ausser oder vor der Ehe erzeugtes Kind.
=si(d)el=-dîk, _Flügeldeich; *-dore,* Seitenthür; *-gat,* Seitenloch; *-spek,* Seitenspeck; *-stên,* Trottoir-, Kantstein._
=sidelinge,= adv. seitlings, schräg.
=siden,= sw. v. niedrig machen, erniedrigen.
=siden,= adj. aus Seide, seiden; Subst. n. Seidenzeug.
=siden=-sticker, _Seidensticker; *-stripet,* mit seidenen Streifen (v. Zeug); *-verwer,* Seidenfärber; *-wever,* Seidenweber; *-worm,* Seidenwurm._
=siden-ovel,= n. Schmerz in der Seite.
=sider,= seitdem, später.
=side-vrouwe,= Frau, w. in Seide arbeitet.
=side-, sît-wendinge,= Seitendeich, w. im Winkel an den Hauptdeich stösst, Querdeich.
=sidik= = sedek.
=sidinge,= 1. Minderung, Herabsetzung. 2. Niederung, Thal.
=sie,= f. Seiher, Durchschlag.
=si(e)-dôk; -korf; -vat,= Seihtuch; -korb; -fass (der Brauer).
=sien,= sw. v. seihen; tröpfeln, triefen.
=sier,= Senknetz, Binsenreuse.
=sifelit, siphelet,= n. Pfeife, bes. Bootmannspfeife, frz. sifflet.
=cifer, cifre,= Ziffer.
=sifert, czifert,= eine kleine Scheidemünze.
=sige, sigge; sigen, siggen= = sie; sien.
=sigen,= st. v. niedersinken.
=signêt,= n. Siegel; *signêtes-bôch,* Siegelring.
=sik= = sek, Sech; *sik-bant,* m. zur Befestigung desselben.
=sîk,= m. sumpfige Niederung, Tümpel.
=sîl,= _m. Siel: Entwässerungsgraben, auch die verschliessbare Mündung dess., w. unter einem Damm oder Deich durchgeht (bes. in der Marsch); offener oder bedeckter Unratscanal, Cloake (in der Stadt)._
=sîl-dêp,= n. *-grave,* sw. m. *-toch,* n.? *-vlêt,* n. *-wetteringe,* f. = *sîl,* Wasserlösung oder spec. der Hauptsielgraben; *-gat,* e. Sielmündung; *-mêster,* Aufseher über die Reinigung der Stadtsiele; *-richter, -rechter,* Aufseher über Marschsiele; *-schot,* n. Verschluss des Siels, Schleusenthor; *-vestene,* f. Sielacht, -verband, -interessentschaft.
=sil-breke,= flamula (ranunculus flammula?); vgl. sulfbreke.
=silen,= entwässern.
=silf= = sulf.
=silich,= adj. von Sielen durchzogen.
=silken,= sw. v. zwitschern.
=sille= = sul, Schwelle.
=si-lôs,= adj. unerwartet, unvorhergesehen, plötzlich, zufällig; adv. *silosen.* L. sinl-?
=silve, silven, silver, silves,= s. *sulve* etc.
=silver,= Silber; s. sulver.
=silvestren,= pl. Silvestriner, e. Mönchsorden.
=simboria,= Baldachine über Fenstern, Statuen etc.
=simfenige,= f. ein musikal. Instrument (eine Art Orgel?)
=simpel,= 1. einfach. 2. ungelehrt, einfältig, dumm; adv. simpeliken.
=simpelheit,= Einfachheit; Einfalt, Dummheit.
=simper,= der 8. oder 9. Tag nach h. drei Könige.
=sîn,= pron. sein.
=sîn,= unr. v. sein, s. wesen.
=sin,= m. 1. Sinn, äusserer Sinn; *na minen vîf sinnen,* nach bestem Wissen. 2. innerer Sinn, Denken, Verstand; gern im Plur. 3. Sinn, Absicht, Meinung, Entschluss. 4. Sinn, Zusammenhang, Inhalt. 5. Art und Weise, *ratio; alles sins,* durchaus, überall; *nines sins,* durchaus nicht; *ander(s)sins,* anderweitig, sonst.
=sinamôm(e),= Zimmet.
=sindal, sindel,= (leichterer) Seidenstoff (Taffent).
=sinde,= n. Gesinde; auch d. einz. Diener.
=sindel-dort, -tort,= Seidenstoff aus *sindel* (gedrillter, gedrehter Zindeltaft)? Seidenflor?
=sindel-taft,= Zindeltaft.
=sinder (sindel),= _coll. Hammerschlag, Metallschlacke; *sinder-klôt,* der einz. Klumpen._
=sindouwe,= entw. *drosera rotundifolia,* Sonnenthau, oder *alchemilla vulgaris,* Thaubehalt.
=siner-lei,= seiner Art.
=sineckel,= herba saniculae.
=singel-bôm,= Schlagbaum.
=singele, tzingele,= f. 1. äusserste (meist hölzerne) Einfriedigung einer Stadt, Burg etc.: im spec. Gebrauche ein eingefriedigter Raum vor dem äussersten Thore (Hameide); später jede Art (hölzerner) Einfriedigung. 2. Kiesel-, Geröllbank vor der Küste.
=singel-misse,= gesungene Messe, Ggs. stille Messe.
=singen,= st. v. singen; dichten; gesangartig hersagen, techn. vom Recitieren der Messe; singende misse = sanc-, singelmisse.
=singer,= m. Sänger, Dichter, Spielmann.
=sin-grone= (immer grün), potentilla, semperviva.
=sin-kal(e),= bleibende, immerwährende Kahlheit.
=sinke, czinke,= die 5 auf dem Würfel, quinio.
=sinken,= st. v. sinken, untergehen.
=sink-isern,= e. Werkzeug eines Tischlers.
=sinlicheit, sinnelcheit,= 1. Sinnlichkeit, natürl. Anlage; sinnl. Lust. 2. Besinnung, Verstand.
=sinlik,= _1. sinnlich, Ggs. geistig. 2. bei Verstande, verständig. 3. *mi is s.,* mir ist erinnerlich, bewusst; ich beabsichtige. Adv._ sin(ne)liken, ingeniose.
=sinne= = sinde.
=sin(ne)-lôs,= der Sinne beraubt, irrsinnig; bewusstlos, ohne Besinnung.
=sinnen,= st. v. 1. denken, glauben, vermuten. 2. ansinnen, begehren, eine Forderung stellen; insbes. seitens des Dienstmannes die Belehnung suchen, das Lehn muten. 3. auf etwas denken, ersinnen.
=sinnich,= 1. was in die Sinne fällt, sinnlich wahrnehmbar. 2. verständig, bei Sinnen. 3. bedachtsam, still, leise.
=sinnicheit,= 1. Sinnlichkeit; äusserer Anschein. 2. Verstand.
=sin-rîk(e),= _sinnreich, verständig, geschickt; *s. wesen* m. Gen., verstehen, erfahren sein in. Subst._ sinrikecheit.
=sinnunge,= f. das Begehren, die (Lehns)-mutung.
=sint (sunt, sent),= 1. adv. seitdem, später, darauf. 2. präp. mit Gen. u. Dat. seit. 3. conj. der Zeit u. des Grundes, quum.
=sinte,= sanctus.
=sînte,= dat, das seinige.
=sintel, sinter= (mehr ndl.) = sinder.
=sintel(e), czintel,= spicus, instrumentum ferrum, quo nautae utuntur, dat holdet dat schep: Eisenband, -reif? aus span. *cintilla?* Spieker, Sentspieker (e. Art Nägel)? *sintelen* auch zu Schlagbäumen u. Brunnenleitungen.
=sintel-negele,= grosse eiserne Nägel?
=sintel-rode,= succudo, instrumentum quo nautae utuntur: Sente?
=sintenêre, tzintener,= m. Zentner.
=sîntlik,= sichtbar; *s. werden up,* sein Augenmerk richten auf?
=sint-rôr,= Zündrohr, d. i. Feuergewehr.
=sint-vlôt= (= sin-vlôt), grosse, allgemeine Flut.
=sîp,= m. u. n. =sipe,= sw. m. kleines Flüsschen, Bächlein.
=sipe,= f. feuchtes Land, Niederung, Wiese.
=sipel(e),= sw. st. m. = sipolle.
=sipen,= st.? sw. v. tröpfeln, triefen, sickern; bes. von Augen.
=czipers= = czipresch, von Cypern.
=sipich,= träufelnd, triefend.
=sipinge,= das Träufeln, Lecken, Durchsickern.
=sîp-ogich,= triefäugig.
=sipolle, tzipolle,= _Zwiebel, *cipollen-hoker,* Zw.-Händler; *-sât,* Zw.-Samen,_ -spise, ceparium.
=sîr= = sinere, seiner.
=sîr,= 1. schön, fein, zierlich. 2. listig, schlau.
=sîr,= Pracht, Herrlichkeit.
=sîr (sier):= gût s. maken = frz. *faire bonne chêre,* herrlich speisen, fröhlich sein.
=sirât, ciret, tzirot,= Zierat, Schmucksache.
=siren, tziren,= sw. v. zieren, schmücken.
=sîrheit, tziricheit,= 1. Schmuck. 2. Klugheit, List.
=siringe, tziringe,= Zierung, Schmückung; Zier, Schmuck.
=cirke,= Zirkel (als Instr.).
=cirkel, tzirkel,= m. Zirkel, sow. d. Instrum., als die mathemat. Figur, Kreis; *der sonnen c., cyclus solaris; der werlde c.,* Weltall, Erdkreis. Als Instr. Abzeichen der Zirkelbrüder *(cirkeler, cirkelbroder, -hêre)* in Lübek, als Kreis Stempel der Heringstonnen *(cirken,* so stempeln).
=cirkel-echtich, -ich,= circularis.
=cirkel-knecht,= Kriegsknecht, w. die Runde geht.
=sirken,= sw. v. zirpen.
=sîrlik, tzîrlik,= zierlich, schön, schmuck; adv. cîrliken.
=sirnink,= Röhre, Pfeife, Katheter (aus lat. syrinx).
=sirup, sirop,= m. Sirup, überh. e. Medicintrank.
=(sise), czitze,= Zeisig.
=sise, scise, tzise,= _f. Accise; *-bode* (Bude); *-hêre,* Ratsherr, w. d. A. verwaltet: *-knecht, -mêster, -schriver, -voget* (Einnehmer)._
=sise-bar,= steuerpflichtig.
=sisek, cisek, sisex, ziseke,= Zeisig.
=cisiojanus,= Datierung nach Festen und Heiligentagen; so benannt nach dem Anfang der Memorierverse.
=sissen, tzissen,= sw. v. zischen.
=sit,= m. Sitz, Sitzplatz.
=sît,= f. Seite. =sît,= weit; s. side.
=sît, side,= niedrig, eigentl. u. bildl.; *mit sider stempne,* leise; *dat sideste recht, gerichte,* die unterste gerichtliche Instanz; adv. side.
=sît-disch,= Nebentisch.
=sît-drivende= werk, _e. Belagerungswerkzeug *= katte* (s. d. W.), Ggs. *ho-* (hoch-)_drivende w.
=siter(e), siterie,= Kammer, festes Gewölbe an einer Kirche (wohl aus lat. zeta, zetarium).
=sît-glepe,= pl. e. Art Ziegel; vgl. glepe.
=sît-halven,= von der Seite her.
=sît-hamer,= e. Schmiedehammer (Ggs. vorhamer?).
=sît-hank,= dextrale, Seiten- oder lang herabhängender Vorhang?
=sît-hole-kelen,= pl. e. Art Ziegel.
=sitlik= = sedelik.
=sîtlink= und =sîtliken= = sidelinge.
=sîtnisse,= niedriger Grund, Thal, Niederung.
=sît-rême,= Seitenriem, Ziehstrang am Pferdegeschirr.
=sît-rêp,= e. Art Tauwerk, z. B. zur Ramme.
=sitte-bank, -benke,= Sitzbank.
=sittelose, czitelose,= f. Zeitlose; wahrsch. die (gelbe) Narcisse, Osterblume; weniger die Herbstzeitlose.
=sittel-schot,= eine Abgabe der Hausleute an die Gutsherrschaft.
=sittelse,= Sitz, Stuhl.
=sittel-stede,= Sitzstätte, Sitz.
=sitten,= st. v. 1. sich setzen, bes. zu Pferde steigen; *s. van,* vom Pferde steigen. 2. sitzen; seinen festen Wohnsitz haben, sich aufhalten; *sitten under iem.,* jem. unterthänig sein; vielfach in übertr. Bedeutung, bes. in der Regierung sitzen, auf dem Rathsstuhl sitzen, an der Regierung sein; gefangen sitzen, *in neringe s.,* einen Erwerb haben; *sitten gân,* sich setzen. 3. sitzen, anstehen, sich geziemen. 4. trans. sitzend ausüben, bes. vom Richter: *dat richte s.; dat schot s.,* die Abgabe der Bürger in Empfang nehmen.
=sitten, sittent,= n. Sitzen, Session.
=sîttende,= (Dativ) ein Teil des Hauses (etwa das Mittelhaus als Wohnung?).
=sittenisse= = sîtnisse.
=sitter,= 1. Stillsitzer, Neutraler. 2. Beisitzer eines Gerichts.
=sittêren, cittêren= = citêren, sw. v. citieren, vorladen.
=sittinge,= 1. Sitz, Platz. 2. Besitz.
=slabab(be)sch,= (von e. geringeren Sorte Feigen u. Rosinen) weich?
=slabbas, slabberbas,= Trunk, Schluck? Bissen, Happen?
=slabben,= schlappen, schlürfen; schwerfällig sprechen, als wenn man schlürfte.
=slach,= m. 1. Schlag; plötzlicher Krankheitsanfall; göttliche Strafe; Niederschlag, Tötung; Hufschlag, Spur, Fährte; Weg, Richtung. 2. Schlag einer Glocke oder Uhr, Stunde. 3. Mass, Tact. 4. Schlag des Geldes, Gepräge. 5. Weise, Methode des Arbeitens, z. B. von der Tuchbereiterei. 6. Zuschlag, was jem. zugeschlagen, angewiesen wird; überh. Abteilung, z. B. des Ackers, Deiches, Weges.
=slach,= n. Verschluss, Riegel, Schlag-, Sperrbaum.
=slach-bôm= = d. vor. W.
=slach-brade,= hilla (Bratwurst?).
=slach-brugge,= Zugbrücke.
=slach-bûr,= aucipula, Vogelfalle.
=slach-(slacht-, slage-)dôk,= 1. Schlagtuch, d. h. das um einen Packen Tuch geschlagene Mustertuch. 2. was in Ausgaben für Pferde?
=slach-gelt,= Zoll für das Passieren eines Schlagbaumes.
=slach-hamer,= Schlaghammer zum Zerspalten der Steine, oder Schlägel.
=slach-holt,= 1. Schlagholz, *ligna caedua.* 2. Bleuel.
=slach-kam,= ein Webergerät.
=slach-mâl,= der (blaue) Fleck, der von einem Schlage herrührt.
=slach-nesich,= stumpfnasig.
=slach-orde,= f. Schlachtordnung.
=slach-pinne,= Pinne am Schlagbaum?
=slach-regen,= plötzlicher heftiger Regen.
=slach-schat= = slegeschat.
=slach-schene,= Eisenschiene als Beschlag? am Pfluge?
=slacht,= f. 1. Schlachte, das Pfahlwerk, Bohlenwerk (später oft durch Steine ersetzt) am Ufer der Flüsse, bes. zum Zweck der Mühlenanlagen und zum Anlegen der Schiffe. 2. das Schlachten. 3. Schlacht, Gefecht. 4. Gattung, Art.
=slacht-brêf,= Geschlechtsbrief, d. h. schriftliche Urkunde der Geschlechtsverbindung zu gegenseitiger Hülfe.
=slachte,= n. = slechte.
=slachte=-bank, Schlachtbank; *-hûs,* Schlachthaus.
=slachtel-mân= = slachtmân.
=slachten,= sw. v. 1. eine *slacht,* Pfahlwerk, einschlagen. 2. schlachten, mactare.
=slachter,= Schlachter.
=slacht-holt,= Holz zu einer Schlachte.
=slachtich,= der Schlägereien macht, aufrührerisch.
=slachten,= sw. v. *na,* oder m. Dat., arten nach; gleich, ähnlich sein.
=slachte-, slachten-, slachter-nut,= Zuss. von *slacht,* Art und *nut,* Nutzen, Nutzung; bes. häufig mit *al* verbunden, *aller slachte nut,* Nutzung jeder Art; vielfach verderbt und als Ein Wort angesehen = Nutzung.
=slachtinge,= 1. das Schlagen, Schlägerei, Prügelei. 2. Totschlag, Mord; Gemetzel, das Schlachten. 3. Schlacht.
=slacht-mân,= Schlachtmonat, d. i. gew. November.
=slacht-ordeninge, -orde,= f. = slachorde.
=slacht-swert,= Schlachtschwert.
=slach-vinster,= Fenster, welches auf- und zugeschlagen werden kann, bes. die als Ausstellungsbank für Waaren dienende Fensterluke.
=sla-dâl,= niederfallender Kragen..
=sladdich,= ein wenig aufgekocht?
=slafante,= Bezeichnung für e. Geistlichen niederen Grades; vgl. d. Slavanten-Kloster bei Maastricht und slavine?
=slage,= f. 1. Werkzeug, womit man schlägt, Schlägel. 2. Hufschlag, Spur. 3. Schlagbaum..
=slage (slagen),= ein länglich-rund geformter Klumpen Butter.
=slage-dôk= = slachdôk.
=slagen,= sw. v. schlagen; schlachten; einen Schlagbaum fertigen.
=slagge,= 1. m. Schlacke v. Metallen und Kohlen (davon: *slaggen-berch, -hutte, slagge-werk).* 2. f.? schlackiges, regnerisches Wetter.
=slaggen,= sw. v. schlackiges, regnerisches Wetter sein..
=slak,= schlaff, schwach.
=slaken,= sw. v. *slak,* schlaff, sein u. trans. *slak* machen.
=slak-side,= Bauchseite (des Aals)?.
=slam,= m. Schlamm, Dreck; in der Mühle: der Abfall beim Mahlen des Getreides, bes. der Gerste?
=slam-kiste,= cisterna; Kiste für den Mühlenschlamm.
=slammich,= schlammig.
=slampamp, slampamperie,= üppige Schlemmerei.
=slampampen,= sw. v. üppig schlemmen.
=slân,= st. v. 1. schlagen. 2. erschlagen, bes. vom Vieh: schlachten, mit dem weiteren Begriff des Zerschlagens, Zerlegens. 3. ein-, aufschlagen, ein-, aufpacken. 4. zuschlagen, stopfen. 5. anschlagen (Glocken). 6. *in dat gras,* treiben (Vieh auf die Weide); *drek, mes,* zusammen und auf den Wagen bringen. 7. schlagend machen, durch Schlagen verfertigen, z. B. *ênen wech, dîk, garn (drât, kabel, rêp, touwe), wullen* (Wolle rein u. locker schl.), *kopper* etc. (platt schl.), *lêmen* (zu Lehmhäusern); übertr. von Bündnissen, Vereinbarungen, Rat etc.; *sik s.,* aus dem Wasser springen, sich überschlagen (v. Fischen). *Na dem ende s.,* ein Ende womit zu machen suchen; *in,* hinein werfen, stossen, thun; *na,* nacharten; *up,* anschlagen, rechnen; beachten, berücksichtigen; *van sik,* von sich thun, sich entäussern; *vor nicht,* für nichts rechnen; *jegen,* (eins gegen das andere) rechnen; *sik slân an,* sich begeben zu, sich anschliessen an. -- Intr. schlagen, sich wohin neigen (v. der Wage); einen Weg einschlagen, sich wenden, ziehen; *in dat lant slân,* einfallen; *dorch de lantwere slân,* brechen.
=slange,= m. u. f. 1. Schlange. 2. f. Geschütz mit langem Rohre.
=slangen=-busse = slange 2. -krût, -lode, Pulver, Kugel zu ders.
=slank,= schlank, biegsam.
=slanken,= sw. v. biegsam machen; slankinge, liquescencia.
=slânt,= n. das Schlagen; Kampf, Gefecht.
=slâp,= m. Schlaf.
=slap,= schlaff; träge; adv. slaplik.
=slâp-bank, -benke, -bedde,= Schlafbank, -bett.
=slâp-brade?= (mhd. slaufbrate?)
=slâp-drank,= Schlaftrunk; Einschläferungsmittel.
=slape-lôs,= schlaflos.
=slapen,= _st. v. schlafen; *bi slapender dêt, tît,* zur Nachtzeit, vgl_ dêt.
=slaper,= Schläfer.
=slaperen,= sw. v. schläfrig werden, sein; auch unpers. *mi slapert,* ich bin schläfrig.
=slaperich, slaperaftich,= schläfrig, schlaftrunken. Subst. slaperheit, slaper(i)cheit.
=slapheit,= Schlaffheit.
=slâp-hûs,= Schlafsaal, -stätte in den Klösteren und sonst, dormitorium.
=slapich,= schläfrig.
=slapinge,= das Schlafen.
=slâp-kamer,= Schlafzimmer.
=slâp-klocke,= Nachtglocke (mit w. der Anfang der Schlafenszeit bezeichnet wird).
=slâp-laken,= Betttuch, linteamen.
=slâp-lêve,= Beischläferin.
=slâp-love,= Schlaflaube, Söller.
=slappe,= f. der Lederhang am Helme, zum Schutze des Hinterkopfes und des Nackens.
=slappen,= sw. v. schlaff werden.
=sla(p)pinge,= liquescencia.
=slâp-sack,= Schlafsack, als Schelte: Faulpelz.
=slâp-scholer,= Schlafschüler, d. h. ein Schüler, der im Kloster etc. auch schläft, Pensionär, Internar.
=slâp-stede,= Schlafstatt, -stelle.
=slât,= e. moorige Vertiefung (in der Heide).
=slatte,= Lumpen, Fetzen.
=slaven,= sw. v. Sklave sein; sklavische, schwere Arbeit verrichten.
=slavine,= f. grobes Tuch, Pilgergewand, mhd. slavenîe.
=slavune,= Art grosser Anker? Galeere, eig. slavonisches Schiff?
=slawe,= f. Hufschlag, Wagenspur; Fährte.
=slê,= stumpf (bes. von den Zähnen).
=slê,= f. Schlehe, *prunus spinosa; slê-bôm,* Schwarzdorn.
=slecht= u. Ableitungen, s. slicht.
=slecht-bôk,= Geschlechtsregister.
=slechte,= n. 1. Geschlecht, Abstammung. 2. Geschlecht, alle Geschlechtsangehörigen.
=slechter,= Schlachter.
=slechtes-man,= der zu demselben Geschlechte gehört, gentilis.
=sleck(e),= niederrh. = snecke, testudo.
=sleckeren,= sw. v. beflecken, unrein machen.
=slede, (sledde),= m. Schlitten; Schleife, räderloses Fahrgestell; Schlitten der Reepschläger.
=sleden-driver, -vorer,= Schlitten-, Schleifenfuhrmann.
=sleden-schemel,= epireda, epiredia.
=slede-wech,= Schlittenbahn.
=slê-dorn,= prunus silvestris.
=slêf, sleif,= m. ein grosser Koch-(Topf-) Löffel, meist von Holz; Schelte für einen dummen, ungeschliffenen Menschen.
=sleger= = sloier.
=sleger,= Schläger, Raufbold.
=slege-, slei-schat,= m. Schlagschatz, d. h. die an den Inhaber der Münzgerechtigkeit zu zahlende Abgabe für die Prägung des Geldes oder für die Erlaubnis, alte u. fremde Münzen ausgeben zu dürfen oder gegen neue, einheimische einzuwechseln.
=sleifen= = slepen (spätes W., aus d. Hd.); *dat korn s.,* im Kriege das Getreide auf dem Felde durch Wagen, denen man die Hinterräder abgezogen hatte, verderben.
=sleiger, sleiger-dôk= = sloier etc.
=slein(e), slên(e)= = slê; slên-bêr, Bier mit Schlehensaft; -bôm, -dorn = slê-bôm, -dorn.
=slei-, slê-stuke,= burellum; _vgl. *stuke* u. Hor. Belg. 7a, 19:_ sloy, syrma, cauda vestis feminarum.
=sleke,= st. m. Schlich, Schleichweg.
=slenge,= f. Schleuder, funda.
=slenge,= n. = slink.
=slengelse,= n. Beschlengung, Einfassung; e. Art Zeugsäumung.
=slengen,= sw. v. winden, flechten, in einander schlingen.
=slenger(e)= und =slenker(e),= f. Schleuder; Wurfmaschine.
=slengeren= = slingeren 2.
=slenkeren,= sw. v. schleudern; *s. gân,* herumschlendern.
=slên-sap,= Schlehensaft.
=slêpe,= f. Schleife, Schleiffuhrwerk; als Kriegsgerät (zur Belagerung?)
=slepe-hoike,= (langer) Schleppmantel.
=slepen= (und =slêpen?),= sw. v. schleppen, schleifen, bes. zum Richtplatz; intr. schleppend, langsam gehen.
=slepe-nette,= Schleppnetz.
=sleper,= 1. Schlepper, Träger. 2. das Schleppbuch, in welchem fortlaufende Rechnungen, Einnahme und Ausgabe, verzeichnet werden.
=slêper,= Schläfer; Faulpelz; f. slêpersche.
=slêper,= 1. eine Münze (= 6 Schillinge oder 10 Stüver). 2. ein Satz Gewichte (zur Goldwage?)? auch (Pl.) sleper-lode.
=slêperen, slêperich= = slaperen, slaperich.
=sleppe,= f. = *slippe?* Schleiertuch?
=sleppeken,= ledernes Barett?
=slep-stert,= Schleppschwanz, langes auf der Erde schleppendes Kleid.
=slê-sap,= Schlehensaft.
=slêt,= n.? rohe, biegsame Holzstange; coll. junges Holz, zur Belegung der Balken, um Heu, Stroh, Garben etc. darauf zu legen; überh. Kleinholz zu allerlei Gebrauch.
=slete (slette),= _st. m. 1. Abnutzung durch den Gebrauch, Verschleiss; Aufwand für verbrauchte Dinge, überh. Unkosten, Schaden. 2. Abgang, Beilegung eines Streites, Compromiss. 3. Verschleiss, Verkauf im Kleinen._
=sletesch,= umgänglich, verträglich.
=slet-haftich,= verschlissen, abgängig durch Gebrauch.
=slet-haver?= (neben brimhaver, ruhaver).
=slêt-holt,= Holz, das zu *slêten* dient.
=sleth-schat= = slegeschat?
=slêt-werk,= _Werk, das sich abnutzt und daher zeitweis der Erneuerung bedarf? (v. e. Brunnen, Ggs. *gront-werk*)._
=slêveren,= sw. v. das Fachwerk mit Lehm ausfüllen und bekleiden.
=slî,= m. Schlei, d. Fisch.
=slibberaftich, slibberich,= schlüpfrig, glatt.
=slich?= blandus.
=slicht, slecht,= 1. schlicht, eben; in grader Fläche, flach gefasst (v. Juwelen); ungeschlitzt (v. Kleidung); glatt (v. Eise); schlaff (v. leeren Beutel). 2. bildl. schlicht, einfach, gewöhnlich; *slichte lude,* Leute von niedriger Geburt; geordnet, fertig.
=slichte, slechte,= adv. einfach, ohne Umschweife, ohne weiteres, gänzlich.
=slichtelik= = slichte.
=slichten, slechten,= sw. v. schlicht, eben machen; bildl. schlichten, ins Reine bringen.
=slichtes, slechtes,= adv. 1. einfach, ohne Winkelzüge, bloss. 2. schlechterdings, durchaus, gänzlich; oft: überhaupt (das Ganze zusammenfassend, *summatim*).
=slichticheit,= 1. ebene Fläche. 2. Schlichtheit, Einfachheit.
=slichtlike(n),= adv. 1. eben, in der Ebene. 2. einfach, ohne Prunk, ohne weiteres.
=slickachtich, slickich,= s. slik-.
=slicken= u. =slickeren,= sw. v. lecken, schlecken, naschen.
=slicker,= Fresser, Leckermaul.
=slickerie,= Näscherei.
=slîg= = slî.
=slihen= (aus *sliden*), auf dem Eise glitschen.
=slî-hudich,= der eine (schlüpfrige) Haut hat wie ein sli.
=slîk= u. =slik,= m. (u. n.?) Schlick, Schlamm, nam. der Uferschlamm.
=slik-achtich, -echtich,= schlammig.
=sliken,= st. v. schleichen, leise gehen.
=sliker,= Schleicher.
=slikich,= schlammig, feucht, schlüpferig.
=slîm,= m. u. n. Schleim; Schlamm, weicher Schmutz.
=slim,= schief, krumm; nicht in ordnungsmässiger Beschaffenheit, elend, schlecht (bes. von Kleidern), niedrig; moralisch schlecht.
=slimen,= essen, schmarotzen? schleimig machen oder werden?
=slimerich,= schleimig, schlüpfrig.
=slimheit,= Niedrigkeit, Wertlosigkeit, schlechte Beschaffenheit; schlimme Lage, Elend.
=slimich,= schleimig; schlüpferig; bildl. schmeichlerisch.
=slimlike(n), slimmel(i)k(en),= adv. elend, schlecht, übel.
=slimmenitze,= einer von niedriger Abkunft, Nichtsnutz (persönl. gebrauchtes *slimnisse?*)
=slimmich= = slim; slimmicheit = slimheit.
=slimnisse= = slimheit.
=slinden,= st. v. (durch den Schlund gehen lassen) verschlingen, fressen.
=slinderen= = slingeren, sich winden.
=slindich,= gefrässig.
=slindinge,= glutio.
=slinge= = slenge.
=slingen,= st. v. 1. intr. sich winden, sich drehen, kriechen (in Schlangenbewegung), selten refl. 2. trans. winden, flechten. 3. verschlingen, hinunterschlucken, fressen.
=slingere= = slengere.
=slingeren,= sw. v. 1. intr. = *slingen* 1. 2. trans. hin- und herschlenkern, winden.
=slink,= fl. *slinges,* n. 1. Rand, Einfassung. 2. Schlagbaum, Gatter. 3. Pfahlrost.
=slink-dore,= Gatter-, Heckthür.
=slinken,= sw. v.? allmählich vergehen, zusammenschrumpfen.
=slink-ferten= und =-fîsten,= sw. v. herumschlendern, müssig gehen.
=slink-holt,= Holz zu einem slink.
=slins= (?), Schlund, vorago.
=slint-sucht,= starke Esslust, Fressgier.
=slip= (î?), Eisenschlacke, Hammerschlag.
=slipe= = slippe, Zipfel, Flügel?
=slipen,= st. u. sw. v. 1. intr. gleiten, schleichen, schlüpfen; *slipen unde wenden,* glattzüngig sein und nach dem Munde reden. 2. trans. schleifen, glatt, scharf machen; schleifen, schleppen.
=sliper,= Messer-, Scherenschleifer.
=sliperich= und =sliperne,= 1. schleichend, schmiegsam, schmeichlerisch. 2. nachlässig, unachtsam.
=sliperneheit,= Nachlässigkeit, Unachtsamkeit.
=slip-hoike,= _Mantel mit einer *slippe,* Schlappe? (vgl. *slepehoike* u. *slippen.*)_
=slîp-, slipe-kote,= sw. m. Schleifhütte.
=slîp-mole,= Schleifmühle.
=slippe,= f. (u. m.) Rockschoss, Rockzipfel; *bi der slippen nemen,* als symbol. Handlung: Zeichen der Besitzergreifung; *de slippen afsniden,* bildl. fahren lassen. -- Bildl. Streifen (Landes).
=slippen,= sw. v. einschneiden, schlitzen, zerreissen.
=slippen,= sw. v. 1. gleiten und gleiten lassen. 2. den Mantel über den Kopf hängen.
=slipper, slipperich,= schlüpfrig, glatt. Subst. slippericheit.
=slîp-, slipe-stên,= Schleifstein.
=slip-swarte,= eine aus dem *slip* (Eisenschlacke) in Verbindung mit Galläpfeln bereitete schwarze Farbe.
=slîp-tît= (?) des haringes, Zug-, Laichzeit des Herings?
=sliren, sliriken,= sw. v. schmeicheln, gut heissen.
=slise,= Bündel, Packen?
=slisse,= f. *scissura,* Schlitz im Zeuge.
=sliten,= st. v. 1. schleissen, zerreissen, zerstören, trennen; *de selschup,* die Handelsgenossenschaft auflösen. 2. schleissen, aufbrauchen, durch täglichen Gebrauch abnutzen, auch intr., *atterere* u. *atteri; de tît s.,* die Zeit hinbringen. 3. jem. *sliten* (auf- und verbrauchen, wie jemand ist), einen mit Glimpf behandeln, einem nachgeben, geduldig ertragen; machen, dass man in Güte von jem. loskomme. 4. endigen (einen Streit), schlichten, sühnen. 5. verschleissen, bes. nach und nach bei kleinem verkaufen. Refl. sich losreissen, sich trennen, davon gehen; sich endigen, sich verlaufen; sich versöhnen; sich schicken.
=slitenheit,= Verträglichkeit; Versöhnung. L. sliternh.?
=slitich,= geduldig, verträglich, sanftmütig.
=slitinge,= 1. Verschleissung, Verbrauch. 2. Endigung, (Be)schliessung.
=sli-winter,= milder Winter. L. slikw-?
=slôch?= _Wiese, Bruch? (vgl. ags. *slôh,* schwed. *slog.*) L._ slôth?
=sloddik,= eine saure Apfelsorte.
=sloier, sloiger, sloyer, sloger,= m. Schleier.
=sloier-dôk,= Schleiertuch, Schleier.
=sloifen, slofen= = sleifen.
=sloke,= st. m. 1. Kehle, Schlund. 2. Schluck, Trank oder Bissen, der durch die Kehle geht.
=sloker-drunk,= ein grosser Trunk, haustus magnus.
=slokerich,= gefrässig.
=slommen= = slômen.
=slomen, slommen,= sw. v. schlafen (u. einschläfern?).
=slômen,= sw. v. schlemmen, üppig leben.
=slômer,= Schlemmer, Verschwender.
=slomeren,= sw. v. schlummern.
=slone= = slê, Schlehe.
=slôp,= n.? Schlupf-Loch, wodurch man schlüpfen kann, Zaunloch.
=slope,= f. Schleife, Schlinge.
=slope= = slêpe, f. Schleife, schlittenartiges Fahrzeug zur Fortschaffung von Waren.
=slopen,= sw. v. schlüpfen, schleichen, sich langsam trollen.
=sloppen?= en sloppende vat, futilis.
=slôr,= _m. langsamer, träger Gang; *de olde slôr,* der Schlendrian._
=slorpen,= sw. v. schlürfen.
=slôs(s)e, sloitze,= eine Art Schuh, Sandale, Pantoffel.
=slosen, sloisen,= sw. v. s. *gân,* schlendern.
=slôster,= Schale, Hülse einer Frucht.
=slôt,= m. (tiefer) Graben; Sumpf?
=slot,= n. 1. Schloss, *sera;* Fessel; Buchclausur; im Pl., festes Gewahrsam. 2. Schloss, *castrum.* 3. Schluss, Ab-, Beschluss.
=slot-balke= (in einer Mühle)?
=slot-borch,= castrum, urbs.
=slot-borge,= Bürge des mit einem Schlosse Belehnten für Innehaltung des Schlossbriefes.
=slot-brêf,= Urkunde über Verpflichtungen wegen Schlossbesitzes oder -verwaltung.
=slot-brot,= Schlossbrod, d. i. feines Brot, pastellum.
=slotel,= m. Schlüssel.
=slotel-dreger,= Schlüsselträger = *sluter;* v. Papst.
=slote-maker,= Schlosser.
=sloten,= pl. Schlossen, Hagel.
=sloten,= sw. v. einen *slôt,* Graben, machen oder bessern.
=slot-gader,= schliessbares Gatter?
=slot-gelove= = slotlove.
=slot-haftich, -achtech,= verschliessbar.
=slot-hêre,= Schlossherr.
=slot-lage= = slot-stede.
=slot-(slotes-)love,= Schlossglaube: die pfandweise oder administrative Übertragung von Landesschlössern geschah *in, uppe, to slotloven,* »zu treuer Hand«; die schriftliche Urkunde darüber.
=slot-lude,= Schloss-, Burgleute.
=slot-nagel,= Schlossspieker, »grosser vierkantiger Nagel mit breitem runden Kopf zur Befestigung von Schlössern an Thüren und Thoren«.
=slot-sete,= sw. m. Schloss-Eingesessener, -Besitzer; adj. -seten.
=slot-stede,= Schloss-, Burgstätte.
=slot-stên,= Schlussstein, bes. der eines Gewölbes, Eckstein.
=slottel= = slotel.
=slot-tunne,= eine verschliessbare Tonne.
=slot-vast,= verschliessbar, mit Verschluss.
=slot-voget,= Schlossvogt.
=slot-wort,= beslotene krud, daucus agrestis.
=slû,= f. Schale, Balg der Hülsenfrüchte oder eines Eies.
=slubberen,= sw. v. schlürfen, etwas Dünnes essen.
=sluberken,= ein feines Gebäck.
=slû-betsch,= heimtückisch, bissig.
=slucht?= träger, einfältiger Mensch?
=sluchter,= wilder Schössling eines Baumes.
=slû-horer,= Horcher, Lauscher.
=slucken,= sw. v. = sluken.
=sluder(e),= _f. Schleuder; = *blide; sluder-werper,* Schleuderer._
=sluderiensen?= gute Trünke, Schlucke.
=sluk,= fl. =sluckes,= m.? Schluck, d. h. mit erdigen Teilen vermischter Bernstein.
=slûk-broder, sluker,= gieriger Fresser u. Saufer.
=sluken,= st. v. schlucken, über-, hinunterschlucken, geniessen.
=slûk-up, -vreter,= Schluckauf, Prasser.
=slummeren,= soporare.
=slump,= m. 1. glücklicher Zufall. 2. adj. der alles dem Zufall überlässt, nachlässig.
=slumpen,= sw. v. durch Zufall gelingen.
=slumpich= = slump 2.
=slune?= Beischläferin, gemeines Weib (vgl. *sluve*).
=slungel,= _(Pflanzstock?) bildl. ein fauler, arbeitsscheuer Mensch._
=slunich,= schleunig (selten W.).
=slunk,= m. Schlund, Kehle.
=slupen,= st. v. schlüpfen, schleichen.
=sluperlinges,= auf schleichende, tückische Weise. L. slupel.?
=sluperne= u. =sluperich,= schleichend.
=slûp-hol, -lok,= Schlupfloch, Versteck.
=slûp-morder,= _heimlicher Mörder; *slûp-morderie,* heimlicher Mord._