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Handbuch der Pharmakognosie (part 5 of 5)

Part 5 of 5 · Alexander Tschirch · Public domain text

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Contents (5)

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Handbuch der Pharmakognosie (part 5 of 5)

Die meisten Boote (c. mit 14500 Fischern) fischen mit +Langleine+, die zahlreiche, an seitlichen, vier Fuß voneinander entfernten Leinen befestigte Angelhaken besitzt. Oft wird ein solcher stamp an den anderen befestigt, so daß meilenlange Langleinen entstehen. Jeder Ottring ist mit 3-5 Fischern bemannt. Neuerdings wird aber mit Langleine auch von großen, gedeckten Segel-, Motor- oder Dampfbooten aus gefischt, die nach amerikanischem Muster 3 bis 5 Jollen, dories, d. h. offene Boote mit flachem Boden für 2 Mann mitführen, mittels welcher die Leinen gesetzt und wieder gehoben werden (~Bull~). Viele Boote (mit c. 12500 Fischern) fischen auch mit +Netzen+, deren Maschen drei Zoll weit sind und die ebenfalls aneinander gebunden werden. Diese Boote heißen Femböring. Aber neuerdings wird nicht nur von großen und kleinen offenen Booten, sondern auch von gedeckten Fahrzeugen (Motor- und Dampfbooten) mit Netzen gefischt. Nur die kleinen, mit 2-3 Mann bemannten, Boote fischen mit Handleine. Sie bilden die Minderzahl (c. 2300 Fischer). Allein, wenn in Finmarken die Fischerei sehr reich ist, dann nehmen alle Arten von Booten daran teil. Die im Netz gefangenen Fische sind meist größer (12 Pfund mit Lebern von 11¼ Unze), die mit der Leine gefangenen sind kleiner (10 Pfund mit Lebern von 9½ Unze). Die Avantgarde erscheint im Vestfjord in der ersten Woche des Januar, die Hauptfangzeit ist der März. Gegen Mitte März beginnt die Laichzeit, dann geht der Fisch nicht an den Köder und die See trübt sich durch die riesigen Mengen der Eier und Samen der «Hochzeitzüge» der Dorsche. Der Fisch erscheint entweder in dünnen Bändern oder in ganz kompakten Massen, bald ganz oben, bald tief, bald in der Nähe des Landes, bald weit davon entfernt, bald bei den Westlofoten, bald bei den Ostlofoten. Sobald die Fische aus dem Netz genommen sind, wird es wieder ausgeworfen. Ein Netzboot fängt täglich c. 300-400 (bis 800), ein Leinenboot c. 200 (bis 400) Fische. Der Fisch wird durch einen Einschnitt hinter den Kiemen getötet, dann geöffnet, Leber und Rogen in verschiedene Behälter getan, der Rest der Eingeweide ins Meer geworfen und der Fisch selbst nach Entfernung des Kopfes an Land verkauft. Für Ordnung sorgt eine königliche Aufsichtsbehörde, ein Inspektorgeneral mit c. 50 Beamten (Gesetz vom Jahre 1857). Sie kontrolliert die Fangplätze, gibt das Signal zur Ausfahrt, verteilt die Plätze und sammelt das statistische Material. Der Fisch liebt eine Seewärme von c. 4-6° C (~Damas~). Ihr geht er nach. Der Wechsel in der Temperatur der Meereswasserschichten kommt dadurch zu stande, daß der Golfstrom mit dem Polarstrom hier zusammenstößt (s. d. Karte).

Diese regelmäßigen Wanderzüge des Fisches, die sich sowohl gegen die norwegische Küste (Lofoten und Finmarken), die südlicheren Gebiete der Nordsee (Doggerbank) und die schottische Küste (Newhaven) wie auch gegen die Küsten Neufundlands richten, hängen allerdings zunächst mit der Laichzeit zusammen (bei den Lofoten laichen die Dorsche auf der Nordwest- und Südostbank, s. d. Karte) sind aber auch als Raubzüge zu betrachten, da die gefräßigen Dorsche ihrem Nahrungstriebe folgend, den Zügen des Herings und der Lodde folgen, die eben jene Gegenden zu dieser Zeit aufsuchen. Bei den Lofoten dauert der Fang meist vom Januar bis etwa 12. oder 24. April. Hier ist im März die Laichzeit. Der Schluß des Fanges ist meist Ende April. In Finmarken (70° n. B.) dauert der Fang in der Regel von November bis Ende März (Winterskrei oder Winter-Kabeljau) und von März bis etwa 24. Juni (Frühjahrs- oder Lodde-Fisch). Bei Bergen und Aalesund in Romsdalen (63° n. B.) erscheint der Fisch im Januar und Februar. Bedeutend ist der Dorschfang auch außerhalb der großen Inseln Senjen und Kvalö (westlich und südwestlich von Tromsö). Hier liegen die «Banken» (Laich-Bänke) viel weiter vom Lande entfernt und tun hier die oben erwähnten größeren modernen, zweimastigen Motorboote, die überhaupt jetzt mehr und mehr die «Nordlandsboote» (Femböring und Ottring) verdrängen, ausgezeichneten Dienst. Der Fang dauert hier besonders von Januar bis März (~Svendsen~). Stürmisches Wetter verzögert oft den Anfang der Fischerei und zwingt zu frühzeitigem Schluß. In schlechten kalten Jahren (z. B. 1902 u. 1903), in denen der Fisch südlichere Gegenden (z. B. England) aufsucht (1902 wurden dort doppelt so viel gefangen als 1901!) wird der Fang erst im Mai oder Juni, ja bisweilen erst Anfang Juli beendet.

In der Umgebung von Neufundland, wo auch die Franzosen noch alte Fischereirechte besitzen, wird besonders auf der sog. Bank von Neufundland und den französischen Besitzungen bei St. Pierre und Miquelon der Dorsch vom 15. April bis Ende September gefangen. Er ist hier im September am fettesten. Den Fang (mit der ligne à la main, ligne de fonds, senne, faulx) schildert ~Rousset~ (a. a. O.). In Island (Reykiavik, Patrixfjord, Dyrefjord, Faskrudfjord) dauert der Fang in zwei Saisons und an verschiedenen Stellen vom Februar bis August.

Der frische Fisch heißt +Kabeljau+ (Cod), der frische der kleinen Varietät +Dorsch+, der Schellfisch +Kaddock+, der an Stangengerüsten getrocknete +Stockfisch+, der aufgeschnitten mit Salz bestreute und getrocknete +Klippfisch+, der in Fässern eingesalzene +Laberdan+.

Herr ~H. Bull~, Direktor der Fiskeriforsøkstationen i Bergen berichtet mir ferner: «Von anderen Fischen, deren Leber in Norwegen für die Bereitung von Leberölen verwendet werden, muß in erster Linie der Sej, Gadus virens, dann die Brosme (Brosmius brosme), die Länge (Molva vulgaris), der Schellfisch (Gadus aeglefinus) und der Eishai (Laemargus microcephalus) genannt werden. Der Sej entstammt der Küstenfischerei, gibt ein sehr schönes Dampföl, das aber beim Abkühlen viel Stearin abscheidet; auch das kalt geklärte Öl enthält viel (etwa 15%) feste Fettsäuren und ist dadurch gekennzeichnet; dasselbe wird vielfach mit dem reinen Dorschleberöl vermischt und die Mischung als solches verkauft. Die Brosme sowie die Länge entstammen der Hochseefischerei (an den Abhängen der Hochplateaus im Meere), kommen daher nicht frisch ans Land, und das aus denselben durch Fäulnis bereitete Öl dürfte wohl nur für technische Zwecke verwendet werden. Dasselbe gilt vom Schellfischöl, weil demselben, auch dem Dampföl, ein unangenehmer Geruch anhaftet. Das Eishaileberöl (Dampföl) ist zwar schön, aber, weil vorwiegend eine Wachsart enthaltend, medizinisch nicht verwendbar.»

Neuerdings werden auch von deutschen Hochseefischern sowohl in der Nordsee als auch in der Ostsee außer dem Kabeljau auch die Lebern einiger anderer verwandter Fische auf technischen und Medizinaltran verarbeitet, nämlich die des kleineren, gestreckteren +Schellfisches+, Gadus aeglefinus L. (Morrhua aeglefinus und punctatus, Asellus minor, Egrefin), der im Februar und März zur Laichzeit in großen Scharen an der friesischen Küste erscheint und die des in der Ostsee vorkommenden sog. +gewöhnlichen Dorsches+, einer kleineren Varietät von Gadus morrhua, die ~Linné~ als eigene Art, G. callarias L., abtrennte, die aber oben mit zur Art G. morrhua gezogen wurde (nicht ein Jugendzustand, wie man früher annahm). Das D. A. V. läßt auch die Leberöle dieser beiden Fische zu; Ph. austr. VIII auch die anderer _Gadus_arten.

Auf der Doggerbank in der Nordsee dauert der Fang vom Dezember bis Mai. Die deutsche Dampftranproduktion erhält aber ihr Rohmaterial besonders durch Schiffe der deutschen Hochseedampferflotte aus den Gegenden Islands.

Die medizinisch nicht zu verwendende Handelsmarke +Coast Cod oil+ wird aus den Lebern des Meer- oder Seehecht, Kümmel- oder Hechtdorsch, Merluccius vulgaris (Gadus merluccius), des Leng, Molva vulgaris (Gadus molva, Lota molva, Asellus longus), des Sejfisch, Wittling oder Weißling, Gadus merlangus (Merlangus vulgaris, Fig. 197), des Köhler, Gadus virens (Merlangus virens s. carbonarius, in dorscharmen Jahren auch sonst zur Lebertrangewinnung herangezogen ~H. Meyer~), des Schellfisch (s. oben) und des Eishai oder Haakjerring (Laemargus oder Seymnus borealis und brevipinna) dargestellt. Französische Fischer (von Boulogne und Graveline) fangen in der Nordsee besonders den Leng (Elingue). Haifischleberöl wird in Island, Norwegen und Californien gewonnen.

Leberöle werden auch noch dargestellt außer von der Brosme, dem Lub oder Torsk (Brosmius brosme), der an den Küsten Norwegens, bei den Faröer Inseln und Island häufig ist, von dem Meerengel (Rhina squatina, Squatina vulg.), dem Thunfisch (Thynnus vulg.), dem Dorn- oder Nadelrochen (Raja clavata) und Glattrochen, Tepel, Tegel, Fleten (Raja batis).

=Lit.= Abbild. u. Beschreibung: ~Brandt-Ratzeburg~, Mediz. Zoologie 1833, t. IX. -- ~Martiny~, Naturgesch. d. f. d. Heilk. wicht. Tiere 1854, t. XI. -- ~Guibourt~, Hist. nat. d. drog. simpl. VII. Aufl. -- ~Brehm~, Tierleben. -- ~Beauregard~, Mat. méd. zoolog. 1901, Fig. 72.

=Gewinnung.= Die Gewinnung des Lebertrans erfolgt an der norwegischen Küste, besonders bei den +Lofoten+, einer felsigen Inselgruppe unter 67-69° n. B., in dem Vestfjord zwischen diesem und dem Festlande (vgl. die Karte), wo die ersten Züge der Fische schon Ende Dezember, die Hauptmassen aber erst von Mitte Januar an, besonders aber im Februar-April erscheinen. Meist dringen sie zwischen den Inseln am südwestlichen Ende der Gruppe (Moskenaes und Vaerö, Flakstadö, Röst und Ost- und West-Vaagö) in den Fjord ein und verteilen sich in diesem, in der Tiefrinne (s. d. Karte) nach Norden geführt, an den Laichstellen, «Banken». Dann wird Dorschfang und Trangewinnung auch an anderen Küstenpunkten Norwegens, wie z. B. in Romsdalen, im Throndhjemer Fjord, bei Aalesund und im nördlichen Finmarken betrieben -- Finmarken liefert jetzt viel Öl -- sowie an den Küsten Islands, den Faröer-, Shetland- und Orknay-Inseln. Endlich wird auch bei Neufundland, Neuengland, Neuschottland und in der Nordsee «Tran geschmolzen» (die Geestemünder senden schon 200 Schiffe auf den Fang), weniger in der Ostsee.

Die Fabrikation erfolgt in den norwegischen Gewässern meist in Fabriken an Land, seit die Segler zum Teil durch Dampfboote ersetzt wurden, also der Fang, der übrigens meist in der Nähe der Küste erfolgt, rasch an Land gebracht werden kann. Das Gewicht einer Leber beträgt im Durchschnitt ½ Pfund. Die größten beobachteten Lebern wogen gegen 11 Pfund. Die Farbe guter Lebern ist sahnenartig, die Konsistenz weich. Magere Lebern sind zäh und rötlich, kranke fleckig und grünlich. Es wechselt dies nach den Jahren («auf 7 fette folgen 7 magere Jahre», sagt der Fischer). In den norwegischen Gewässern wird möglichst bald, nachdem der Dorsch gefangen ist, die große, sehr fettreiche Leber herausgeschnitten, die Gallenblase und event. kranke Teile abgetrennt, die Leber gewaschen und nun entweder zerschnitten und unter gelindem Drucke ausgepreßt (Pharm. helv. IV «das durch gelinden Druck ausfließende Öl») oder in großen Kesseln durch Einleiten von Dampf rasch aufgekocht bzw. durch Heizen der schmalen, hölzernen, doppelwandigen Kessel mit Dampf von außen auf 60-70° (nicht über 80°, Pharm. nederl.) erhitzt oder endlich in einen 200-300 l fassenden Kessel von Weißblech oder verzinntem Eisen gebracht und dieser auf ein direkt oder durch Dampf geheiztes Wasserbad gesetzt. -- Die +Wasserbadmethode+ (Fig. 204), die die älteste und die zeitraubendste ist, aber die höchste Ausbeute und die beste Qualität Öl liefert, wird besonders auf den Lofoten und südlich, die +Dampfmethode+ (Fig. 203) in Finmarken geübt. -- Diese Methoden werden an Land benutzt (1898 gab es 120 Dampfapparate). Zum Gebrauche auf den Schiffen bedient man sich abgestumpft-konischer hölzerner Gefäße, in die man, nachdem die Lebern eingebracht sind, überhitzten Dampf leitet (1898 gab es deren 40). Die deutschen Hochseefischer benutzen zum Ausschmelzen der Lebern in den Dampfkessel der Maschinen der Schiffe eingelassene Gefäße. Hauptsache ist bei allen diesen Methoden, daß die Leber frisch ist und daß die Erhitzung nicht zu hoch ist (nicht über 70°) und nicht zu lange (nicht über ¾ Stunde) dauert. Das bei diesen Methoden austretende Öl wird abgeschöpft, durch Absetzenlassen geklärt und bevor es in die mit Holz umgebenen Weißblechtonnen gefüllt wird, filtriert. Schon hierbei scheidet sich, da ja die Temperatur zu jener Zeit in den Gegenden, wo die Gewinnung erfolgt, niedrig ist, ein Teil der festen Fettbestandteile ab. Um diese Bestandteile noch weiter abzuscheiden und ein auch bei 0° klar bleibendes Öl zu erhalten, wird dann der Lebertran durch Kältemischungen (Eis und Kochsalz) in Kühlkammern auf etwa -5° abgekühlt oder auch nur der Winterkälte ausgesetzt und bei möglichst niedriger Temperatur durch Filterpressen oder Filtersäcke filtriert. Das Abgeschiedene, durch hydraulische Pressen vom Öl befreite geht als «Fischstearin» in die Seifenfabrikation oder als «Fischtalg» in die Gerbereien. Da die Luft bei dieser Fabrikationsweise verändernd auf den Lebertran einwirkt, findet neuerdings da und dort das Ausschmelzen in einer Kohlensäureatmosphäre statt (~Peter Moeller~). ~Heyerdahl~ empfahl in einer Wasserstoffatmosphäre zu arbeiten. Dieser sorgfältig aus frischen Lebern an der norwegischen Küste bereitete Lebertran ist der sog. helle +Medizinaltran+, +Dampflebertran+, norwegischer Medizinal-Dorschtran oder Fabriktran I. Qualität, der von einigen Pharmakopoeen (D. A. V., Ph. austr.) ausdrücklich verlangt wird. Aber auch der durch einfaches Auspressen oder spontanen Austritt (s. unten) gewonnene sog. +natürliche+ Lebertran kann noch in seinen besten Sorten medizinisch benutzt werden.

Bei dem in Ostende benutzten Verfahren von ~Henseval~ und ~Huwart~ vermischt man die gut gewaschenen Lebern mit ⅕ Wasser und leitet unter Umrühren soviel Dampf von ¼ Atm. ein, daß die Temperatur nach 40 Minuten 70-75° beträgt. Nach ½ Stunde Ruhe wird das Öl (¼ der Gesamtmenge) abgeschöpft (durch Pressen wird eine Sekundasorte gewonnen). Das abgeschöpfte Öl wird dann, nachdem es zwei- bis dreimal mit Wasser von 50° gewaschen, in hermetisch geschlossenen Behältern im Eiskeller abgekühlt, um das Stearin abzuscheiden.

Nach dem ~Wild-Robb~schen Patent wird jetzt guter Lebertran durch Ausschmelzen der Lebern im Vakuum mit Dampfmantel bereitet. Das Öl läuft durch ein Vakuumfilter in einen Tankwagen, wo es auf 4° abgekühlt wird. Das Stearin wird durch dicht nebeneinander gehängte Filtersäcke abgetrennt.

Minderwertige, von der medizinischen Verwendung auszuschließende Transorten werden im Verfolg des oben beschriebenen Verfahrens durch stufenweises stärkeres Erhitzen und Auspressen der Lebern gewonnen (Sekundatran für technische Zwecke).

In Island ist die Gewinnung des Dampftranes ähnlich wie in Norwegen, doch nur gering, infolge ungenügender Mengen frisch zu beschaffender Lebern. In Nordamerika (Canada, Neufundland), auf den britischen Inseln und der Nordseebank wird sie durch zu hohe Lufttemperatur und daher zu rasche Fäulnis der Lebern behindert. Dagegen hat sich der «~Peter Möller~-Prozeß», wie die Gewinnung des Dampftrans nach ihrem Erfinder genannt wird, auch in den Bezirken von der russisch-norwegischen Grenze bis zum Weißen Meer eingeführt. An der Murmanküste besteht etwa ein Dutzend woers, kleine Dampffactoreien, deren östlichste Korabelnaja ist (~Peckel Möller~).

Minderwertige Sorten sind die sog. +natürlichen+, +naturellen+, früher als +Bauerntrane+ bezeichneten, die in der Weise gewonnen werden, daß man die aus den Fischen herausgelösten Lebern, oft ohne die Gallenblase abzulösen, in Fässern (Barrels, Fig. 201) übereinander schichtet, diese verspundet und deren Inhalt erst nach mehreren Wochen oder gar Monaten, wenn die Fischer heimgekehrt sind, also die Masse schon zum Teil in Fäulnis übergegangen ist, weiter verarbeitet. (Die ersten Lebern kommen im Januar, die letzten im April in die Fässer.) Das aus den Fässern freiwillig ausfließende oder oben abgeschöpfte Öl ist noch relativ hell, gelb bis orange gefärbt (Ol. jecoris naturale flav., citrinum, helles Rohmedizinalöl, Norw. Raa-Medizinaltran) und gilt in seinen besten Sorten als zur Not noch für medizinische Zwecke brauchbar, obwohl der Trangeschmack sich zuweilen recht unangenehm bemerklich macht (die Pharmakopoeen lassen es +nicht+ zu!). Indessen gibt es vielfach gute Qualitäten, die in bezug auf Geschmack oft einem guten Dampftran vorgezogen werden (~Bull~). Das bei weiterem Faulen bis Juni an die Oberfläche kommende Öl ist der Norw. Blanktran und das bei fortgesetzter Fäulnis erhaltene dunkelbraune Öl der Norw. Braun-Blanktran. Die dann aus den Lebern in Töpfen und Kesseln auf offenem Feuer ausgekochten Trane aber, die abscheulich riechen und noch abscheulicher schmecken, und eine mehr oder weniger braune (Ol. jecoris fuscum) oder gar fast schwarze Farbe (Ol. jec. nigr., Gerbertran) besitzen, sind nur zu technischen Zwecken verwendbar (Norw. Brauntran). Der beim Auskochen der Lebern zurückbleibende Rückstand heißt graxe. Die Bauerntrane werden durch Abkühlen nicht demargariniert, sind «unracked», enthalten also viel feste Fettsäuren (s. unten). Nach dem Bauerntranverfahren wird noch jetzt, besonders an der Küste von Neufundland, dann auch an der schottischen Küste, in Island und Norwegen viel Lebertran dargestellt (~Weigel~, ~Roussel~), der zudem noch oft mit Robben- und Menhadentran (s. oben) versetzt wird (~Sage~). Besonders scheint die Methode, die 3 : 1 m großen Fässer (cajot) unten mit einem Fichtenbusch als Filter zu versehen und das spontan abfließende Öl am unteren Teile abzuziehen, beliebt zu sein, neben der Methode die Lebern in große Behälter (foissière) zu werfen, die bis 3000 Stück aufnehmen können und in denen, da der Behälter sich nur langsam füllt, die Masse allmählich in faulige Gärung übergeht und einen derartigen Gestank entwickelt, daß es verboten ist, diese Behälter in der Nähe von Straßen zu errichten.

In Ostende wurde früher die zerkleinerte Leber in einen Fischmagen gelegt und dieser aufgehängt. Der Tran floß bald spontan aus. Neuerdings sind auch mit Lauge und Kohle entfärbte sowie sonnengebleichte Leberöle im Handel.

Der Bauerntran geht nach Bergen. Dort lagert das Öl zunächst, um alles Wasser abzuscheiden. Dann wird es bewertet -- meist auf eine sehr primitive Weise: Eintauchen der Finger und Prüfen durch Mund und Nase. Der bei der Dampftrangewinnung erhaltene Rückstand der extrahierten Lebern (Graxe) wird getrocknet, gemahlen und als Dünger verwendet, oder, trotzdem er c. 6-10 % Öl enthält, fortgeworfen. Auch die abgeschnittenen Köpfe der Fische (Fig. 199) werden auf Dünger verarbeitet (1893: 17,7 Mill. Köpfe in drei Fabriken), die Schwimmblasen bisweilen auf Leim. Der Rogen geht als Köder nach Frankreich.

=Lit.= ~Brefeld~, D. Stockfischlebertr. in naturhistor. etc. Hinsicht. Hamm 1835. -- ~Vogl~, Kommentar. -- ~Soubeiran~, Journ. pharm. 1866, 161 u. 324. -- ~R. Howden~ (Gewinn. d. L. auf den Lofoten). Pharm. Journ. 9 (1868), 312 (deutsch: Arch. Pharm. 18 [1868], 235). -- ~Heinrich Meyer~, Medizinal-Dorschlebertran 1884. -- ~König~, Abhandl. der Naturw. Ges. Isis 1895 (Ref. von ~Schelenz~ in Pharm. Zeit. 1899, 381). -- ~F. Peckel Möller~, Codliver oil and chemistry. London 1895. -- ~Roussel~, La morue et l’huile de foie de morue. Thèse Paris 1900. -- ~Henseval~ u. ~Huwart~, Beitr. z. Stud. d. Fischlebertrane. Chem. Rev. d. Fett u. Harzind. 1907, 191. -- ~Nielsen~, Instruct. sur la prep. de l’huile d. foie de morue Bull. d. Pêches marit. 1897. -- ~Rump~ u. ~Lehners~, Schweiz. Wochenschr. 1904, 160. -- ~Koch~ (Produkt. in Neufundl.), ~Mercks~ Rep. 1907, 340. -- ~Stein~ (Island), Österr. Apoth. Zeit. 1906. -- ~Brousfield~ (Lofoten, Liste der Stationen). West. Drugg. 1905, 435. -- ~Thomson~ (Neufundland). Proc. Amer. pharm. Assoc. 1905, 691. -- ~Gehe~, Handelsber. -- Die Seefischerei Norwegens 1901. -- Sea fisheries of the united kingdom 1902. -- Die Geestemünder Hochseefischerei 1902, herausgeb. z. Intern. Fischerei-Ausst. in Wien. -- Mitteil. d. deutschen Seefischereivereins.

=Handel.= Der Großhandel unterscheidet meist: I. Dampftran (weiß, hellblond, gelb, album); II. Natürlicher Tran. 1. Medizinaltran (hellblank, blond, citrinum); 2. blanker T. (hellbraunblank, flavum); 3. braunblanker T. (fuscum); 4. brauner T. (braunschwarzer, nigrum, Gerbertr.), und nach der Herkunft besonders: Norwegischer-Neufundland-Labrador-Tran. Der Handel unterscheidet auch «ungeklärte» und «bei 0° nicht dick werdende» Trane, oder auch sommerfiltrierte und winterfiltrierte (bei Japantran). Die frühere Bezeichnung Fabriktran und Bauerntran ist nicht mehr üblich.

Der norwegische Medizinal-Dorschtran ist sowohl als Dampftran (in Blechtonnen à 100 kg) -- die bei weitem teuerste Sorte -- wie als natürlicher Dorschtran (in Holztonnen à 100 kg) im Handel. Letzterer in den Sorten «hellgelb, kältebeständig D. A. V.», -- nur ⅔ des Preises vom Dampftran -- gelb, madeirafarbig, rotbraun -- letztere nur zu technischen Zwecken benutzbar. Der Dampftran verdrängt jetzt allmählich die sog. natürlichen Trane. Von +technischen+ Tranen führt ~Grossmann~ 1911 an: Dreikronen, Grönländer, Robben, Japan, Leber (brauner), Gerber Ia, Neufundland.

Schon 1893 waren c. 40000 Menschen, darunter 26683 Fischer auf c. 6000 Schiffen allein in Norwegen mit Kabeljaufang beschäftigt, der Ertrag betrug c. 27 Mill. Fische, die 17,7 Mill. Köpfe für Dünger, 31100 hl Rogen und 31500 hl Leber ergaben. 60 Fabriken erzeugten 18600 hl Medizinaltran. Dampftran wird erzeugt auf den Lofoten-Ydersiden, in Finmarken, Tromsoe, Nordmöre, Romsdalen und Söndmöre. Hauptstapelplatz für +norwegischen+ Lebertran ist Bergen. Dann exportiert auch Aalesund, viel weniger Christiania und Tromsö. Die norwegische Dorschfischerei beschäftigt jetzt über 6000 Fahrzeuge und erzeugt in guten Jahren bis 80000 t Leberöle im Jahr. 1902 richteten Seehunde große Verwüstungen unter den Dorschen an, auch gingen die Dorsche weiter südlich, besonders 1903 war aber ein Fehljahr, da die Lebern sehr ölarm waren (s. unten). Der Preis pro hl stieg daher von 70-75 M auf 485 bis 525 M. 1902 kam aus dem gesamten norwegischen Fischereigebiete: 19878 hl Dampftran und 14054 hl gewöhnlicher T. In den Jahren 1903 und 1904 aber infolge geringen Fanges und Fettarmut der Lebern kaum der vierte Teil. Die Zahl der in Norwegen gefangenen Dorsche betrug 1905: 44,5, 1906: 46,5, 1907: 47,6, 1908: 48,2, 1909: 56,5, 1910: 55,7, 1911: 64,4 Millionen. (Zu anderen Transorten abgesetzte Lebern 1903: 7012, 1904: 7810, 1906: 18097, 1907: 21384, 1908: 25584 hl.) Der Export betrug 1909: Dampftran 40240, Medizinaltran 9900, blanker T. 4296, braunblanker 8263, brauner 17915. Norwegen erzeugte +Dampftran+ 1905: 41807, 1906: 42908, 1907: 46889, 1908: 59104, 1909: 50460, 1910: 41024, 1911: 43318 hl. Das Verhältnis der Lofotenproduktion zu der ganz Norwegens ergibt sich aus folgenden Zahlen: Die +Lofoten+ allein erzeugten 1901: 15889, 1902: 9628, 1903: 614, 1904: 3293, 1905: 31187, 1906: 33177, 1907: 36387 hl. Alle Fischereien Norwegens 1901: 29500, 1902: 22200, 1903: 2952, 1904: 18500, 1905: c. 42000 hl. Über sog. Medizinaltran fehlen genaue Zahlen. Die Menge der zur Bereitung anderer Sorten Tran, die nicht Dampftran sind, übrig bleibenden Mengen Dorschleber betrugen 1909: 27663, 1911: 12729 hl. Dazu kommen noch nicht unbeträchtliche Mengen (c. 1-2000 t) außer Kontrolle gewonnener Tran. Der +Neufundländer Tran+ der canadischen Fischer sowie der Labradortran kommen meist über London, der der französischen Fischer geht nach Frankreich. Die besten Sorten sind dem norwegischen gleichwertig. Sie werden in Nordamerika bevorzugt. Die Vereinigten Staaten importierten 1908: 246680, 1909: 209155 galls. codliveroil und exportierten 1908: 306439, 1909: 327115 galls. fishoil. Neufundland exportiert etwa 50-70000 t Tran.

In Bergen besteht eine Fiskeriforsøkstationen, die alle Produkte des Meeres auf ihre Verwertung hin studiert (Direktor: ~H. Bull~).

=Lit.= Handel: Chem. Drugg. London 1907, 206 und 448. -- ~Gehe & Co.~, Handelsber. -- ~Grossmann~, Liste. -- Handelsber. in Schweiz. Wochenschr.

=Bildung des Öls in der Leber.= ~Roussel~ hat die Bildung des Öls in der Dorschleber in Frankreich studiert (a. a. O. mit Abbild.). Vom Dezember bis Februar sind nur wenige Öltröpfchen in den Leberzellen zu finden, während des März und April steigt deren Menge und sie erreicht ihr Maximum vom August bis November. Die Anhäufung des Öls ist kein pathologischer Prozeß, sondern eine Folge von Überernährung.

=Chemie.= Der Fettgehalt der Dorschleber schwankt von 10-60% (~Benedikt-Ulzer~). Er betrug 1899: 56, 1900: 54, 1901: 51, 1902 aber nur 42%, 1906 wieder 52%. In normalen Jahren liefern 250-400 (im Mittel 320) Lebern 1 hl Tran, in schlechten (1903) sind 2000-4000 dazu nötig. Auf Jahre, in denen die Leber einen abnorm hohen Fettgehalt zeigt (1908), folgen meist solche mit geringerem Gehalt (1909 u. 1910). Fettarme Lebern geben beim «Schmelzen» kein Öl. (~Kükenthahl~ bemerkt, daß die Riesenleber des Eishai (s. oben S. 647) so tranreich ist, daß sie 2-3 norwegische Tonnen Tran liefere?). Die Zusammensetzung des Lebertrans ist natürlich verschieden, je nachdem ein natürlicher, kalt ausgetretener, ein heiß ausgeschmolzener, ein abgekühlter, demarginierter (solchen verlangt z. B. D. A. V.) oder ein nicht abgekühlter Lebertran vorliegt. «Stearinfreie» Öle heißen im Handel Racked oils. Im Durchschnitt wird angegeben: Flüssige Säuren 87-92,7, feste 6,7-12,7, Glycerin 10-11% (die älteren Angaben: Oleïn 98,87, Margarin 0,81 sind nicht richtig). Die elementare Zusammensetzung entspricht etwa C = 78,1, H = 11,61, O = 10,28. In den festen Anteilen, dem Transtearin, finden sich vorwiegend die Glyceride der +Stearin-+ und +Palmitinsäure+, etwas +Myristinsäure+ (~Benedikt-Ulzer~) und eine oder mehrere +ungesättigte Fettsäuren+ neben anderen noch unbekannten Bestandteilen. Glyceride der Essigsäure, Buttersäure (die Buttersäure sollte als Propyläther vorhanden sein? ~Winkler~), Valeriansäure und Caprinsäure finden sich nicht im Dampfmedizinaltran; die ~Reichert-Meissl~-Zahl ist immer sehr niedrig. Die freien Säuren treten jedoch als sekundäre Produkte in Tranen aus faulenden Lebern auf (~Salkowsky~ und ~Steenbach~). Über die +flüssigen Fettsäuren+ ist wenig Sicheres bekannt. ~Heyerdahl~ nahm im stearinfreien Öl 4% Palmitinsäure, 20% Jecoleïnsäure und 20% Therapinsäure an. (Er nimmt in der außerordentlich oxydablen Therapinsäure vier doppelte Bindungen an. Die Jecoleïnsäure faßt er als Isomeres der Döglingsäure auf.) Die Existenz der Jecorinsäure (C₁₈H₃₀O₂) und der Asellinsäure (C₁₇H₃₂O₂, ~Fahrion~) sowie der Jecoleïnsäure und Therapinsäure (~Heyerdahl~), sowie der ~Bull~schen Säure, C₂₃H₃₆O₂, betrachtet ~Lewkowitsch~ aber als unbewiesen. ~Heiduschka~ und ~Rheinberger~ betrachten das beim Stehen von in Chloroform gelösten Lebertranfettsäuren mit ~Hübl~scher Jodlösung sich abscheidende kristallinische Produkt als Tetrachlortetrajodtherapinsäure C₁₇H₂₆O₂(ClJ)₄. ~Fahrion~ erhielt die von einigen als Hauptbestandteil angegebene Physetölsäure nicht. ~Lucks~ Gadinsäure ist zu streichen. Die Döglingsäure, die ~Scharling~ an Dodekatylalkohol gebunden im Döglingtran angibt, ist wahrscheinlich Ölsäure (~Lewkowitsch~). ~Bull~, dem wir die besten Untersuchungen über die Fettsäuren des Trans verdanken, trennte die flüssigen Fettsäuren durch die Löslichkeit ihrer Kali- bzw. Natronsalze in vier Anteile, die sich durch ihre Jodzahl unterscheiden. Sie beträgt bei A: 67,5, bei B: 135,6, bei C: 322,4, bei D: 347. Es sind also zum Teil ungesättigte Säuren. ~Bull~ erhielt ferner (durch Fraktionierung der Methyläther der Säuren) +Myristinsäure+, +Palmitinsäure+, +Fettsäure+: C₁₆H₃₀O₂ (6%), +Stearinsäure+, +Ölsäure+ (aber nicht 99% ~Delattre~ oder 70% ~Schaper~), +Gadoleïnsäure+ C₂₀H₃₈O₂, und +Erucasäure+. ~Lewkowitsch~ betrachtet es als durch die Bromierungsversuche (~Hehner~ u. ~Mitchell~, ~Walker~ und ~Warburton~, ~Lewkowitsch~) bewiesen, daß Säuren der Reihe CₙH₂ₙ₋₆O₂ (vgl. S. 546) im Dorschleberöl vorkommen, die aber nicht Linolensäure sein können. ~Benedikt~ und ~Ulzer~, die dies bestreiten, betrachten als mit Bestimmtheit nachgewiesen folgende ungesättigte Säuren der Ölsäurereihe: die +Palmitoölsäure+ (~Bull~, C₁₆H₃₀O₂), +Ölsäure+, +Gadoleïnsäure+ (~Bull~ C₂₀H₃₈O₂ F. = 24°) und +Erucasäure+ (~Bull~) und nehmen als bewiesen (?) an, daß auch Säuren der Reihe CₙH₂ₙ₋₁₀O₂ darin vorkommen [C₂₀H₃₀O₂ (?) C₂₃H₃₆O₂ (?)], die sich durch sehr große Oxydierbarkeit auszeichnen. Die aus Japantran und anderen Tranen isolierte Clupanodonsäure gehört zur Reihe CₙH₂ₙ₋₈O₂ (~Mitsumaru Tsujimoto~). Jedenfalls besteht das Gemisch der flüssigen Fettsäuren vorwiegend aus ungesättigten Säuren.

Der Gehalt an +freien Säuren+ ist beim Dampftran sehr gering (0,34-0,6% ~Parry~ und ~Sage~, 0,24-0,69% ~Salkowsky~ -- Säurezahl: 0,72-1,45 bzw. 1,68 ~Dieterich~). Doch reagieren alle Trane sauer (~Garcano~). Der Säuregehalt ist um so größer, je dunkler das Öl gefärbt ist. So beträgt die Säurezahl bei hellem naturale: 8,2-12,6, bei blankem: 11,9-15,9, bei braunblankem naturale: 19,2-36,8 (~Benedikt-Ulzer~). Besonders viel enthalten die Leberöle, die aus zerfallenen, gefaulten Lebern dargestellt wurden, da bei diesen die Glycerinester durch die Lipasen verseift wurden. Bei ihnen steigt die Säurezahl bisweilen bis auf 54,4 (~Heyerdahl~). An Luft und Licht entstehen im Tran aus den ungesättigten Säuren Oxyfettsäuren.

Die Farbe des Lebertrans rührt von einem im Lichte ausbleichenden +Lipochrom+ her (~P. Möller~, von ~de Jongh~ als +Gaduin+ bezeichnet). Auf diesem beruht auch die Blaufärbung durch Schwefelsäure (s. unten S. 657).

Das Unverseifbare besteht aus +Cholesterin+ und beträgt bei Medizinaldampftran 0,3-1,64% (0,46-1,32 ~Allen~ und ~Thomson~, im Durchschnitt 0,3 ~Salkowsky~), bei den technischen Ölen oft viel mehr (bis 7,89 durch alkohol. Natron Unverseifbares).

Ferner sind 0,035-0,05% +organische Basen+ (Ptomaine?) in dunklen Dorschleberölen nachgewiesen (~Gautier~ und ~Mourgues~), und zwar +Butylamin+, +Isoamylamin+, +Hexylamin+, +Dihydrolutidin+ und +Trimethylamin+ (sämtlich Zersetzungsprodukte des Lebereiweißes). Ferner die nicht flüchtigen Basen +Morrhuin+ (C₁₉H₂₇N₃) und +Asellin+ (C₂₅H₃₂N₄), sowie ein lecithinartiger Körper (~Gautier~ und ~Mourgues~), der vielleicht zu den Phosphatiden gehört und mit dem Jecorin identisch ist. ~Gautier~ und ~Mourgues~ nennen noch die Basen +Merlusin+ (C₈H₁₂N₂), +Homomorrhuin+(C₂₀H₂₉N₃), +Nicomorrhuin+ (C₂₀H₂₈N₄), +Tyrosamin+ und +Morrhuamin+. Die meisten dieser, nähere Untersuchung verlangenden, Basen bilden Öle, +finden sich übrigens nur in den gefärbten sog. natürlichen Ölen+ (s. oben), +nicht im Dampftran+, der stets stickstofffrei befunden wurde (~Eberle~). Sodann nennen die genannten Autoren noch die +Morrhuinsäure+, die sie als ein Pyridinderivat der Formel:

H C / \\ HC C(OH) || | HC C(C₃H₆)COOH \ // N H₂

betrachten (~Lewkowitsch~ bezweifelt ihre Existenz).

Das Morrhuol (Gaduol) ist ein mit 90% Alkohol bereiteter eingedampfter Auszug des Lebertran, der die «wirksamen Bestandteile» (?) enthalten soll (~Chapeauteaut~), aber wohl vorwiegend nur die Phosphatide und Basen, sowie etwas der Fettsäuren enthält. Es ist eine bitterschmeckende, unangenehm riechende Masse. Brauner Tran liefert 4,5-6%, heller 2,5-3%.

Die +Asche+ beträgt bei hellem Öl 0,1515% (bei braunblankem 0,0678, bei braunem 0,0817% ~de Jongh~), im Lofotentran 0,009 (~van der Burg~). Nachgewiesen ist außer Ca, Mg, Na, Fe, Mn, Chlor (0,102%), Phosphor (0,018%), Schwefel (0,041%) und Brom (0,004%), besonders +Jod+. Letzteres wohl in organischer Bindung (~Personne~ 1849). Der Phosphor steckt wohl im Lecithin.

Frische Dorschleber enthält mehr wie zweimal so viel +Jod+ als der Tran. Der Jodgehalt des Trans wird sehr verschieden angegeben. Für blonde Trane 0,02, gelbe 0,031% Jod (~Andres~), hellblanker 0,0377, braunblanker 0,0405, brauner 0,035 (~Riegel~); Labradortran: 0,015% (~Schaper~). ~Bird~ erhielt dagegen nur 0,0012 bis 0,0021%; ~Stanford~ gar nur im Durchschnitt 0,000322%, ~Girardin~ und ~Preisser~: 0,0007-0,0008. ~Flückiger~ gibt 0,0004% an. Die niedrigsten Werte finden sich bei ~von Santen~: 0,00022 (weißer) - 0,00065 (braunblanker). Die Angabe von ~Garrod~ (Mat. med.): 0,06% ist jedenfalls zu hoch. ~Carles~ fand (1882) in farblosem, gereinigtem Tran nur außerordentlich geringe Spuren von +Phosphatiden+ und +Jod+. Doch hält ~Bird~ (im Gegensatz zu ~Bentley~ und ~Redwood~, ~Chevalier~ und ~Goblet~, sowie ~Herberger~) +Jod für einen konstanten Bestandteil des Trans+. Brom enthält der Tran nur ⅒ von dem Gehalte an Jod. Den Bromgehalt gibt ~Riegel~ auf 0,0037-0,0048% an. Der Rochenlebertran enthält etwa ebenso viel Jod und Brom wie der Dorschlebertran (~Riegel~). Die Bestimmung des Jods kann, wie ~Wackenroder~ angibt, am besten (?) in der verkohlten Transeife erfolgen, muß aber mit allen Kautelen vorgenommen werden (Salpeterschmelze), da sonst, wie die Untersuchung des Jodothyrins zeigt, Spuren von Jod leicht übersehen werden.

Gallenfarbstoffe und Gallensäuren fehlen. Ein +Phosphatid+ fand bereits ~de Jongh~ und ~Gobley~ (1844). Die Substanzen, welche dem Lebertran (und and. Fischölen) den +Geruch+ geben, sind angeblich hauptsächlich aldehydischer Natur. Sie sollen aus den ungesättigten Fettsäuren durch den Luftsauerstoff entstehen (~Servais~), doch zeigt auch z. B. die ungesättigte Clupanodonsäure des Japantrans selbst schon deutlichen Fischgeruch (~Mitsumaru Tsujimoto~), wie das Glycerid der Isansäure aus Isanöl (~Hébert~. Ob diese aber ganz rein waren?). Vielleicht sind auch die Basen (s. oben) an dem Geruche beteiligt, denn besonders die dunklen Öle riechen stark. Die sich aus Tranen bei längerem Stehen bisweilen abscheidende harzartige Masse scheint ein Umwandlungsprodukt der ungesättigten Fettsäuren zu sein (~Mitsumaru~).

Lebertran löst sich in Äther, Chloroform und Schwefelkohlenstoff und bei 80° zu 6% in absol. Alkohol, siedender Alkohol löst 7% (~Schädler~). Bei der Elaidinprobe erstarrt Lebertran nicht, sondern bildet eine dicke rote Masse. Bei der Behandlung des Lebertrans mit Salpetersäure entsteht neben Sebacinsäure, Brassylsäure und Korksäure nur wenig Azelainsäure (~Eberle~).

Das +spez. Gew.+ von Dampfdorschlebertran beträgt bei 15° 0,920-0,927 (~Garcano~, ~Kremel~) bis 0,929 (~Wijs~) bzw. 0,931 (~Parry~, ~Sage~) -- ~Bull~ beobachtete meist c. 0,926 (Pharm. helv.: 0,925-0,930 bei 15°, 0,873-0,874 bei 98°; D. A. V.: 0,924-0,932) -- bei gelbem Medizinaltran: 0,922-0,929, bei hellem naturale I: 0,9262-0,9275 (~Weigel~), bei naturale II: 0,9245-0,9293 (~Benedikt-Ulzer~), bei Neufundländer: 0,925 (~Mann~), bei isländ.: 0,923 (~Bryde~), bei techn. hell: 0,9232 bis 0,9252, bei hellbraun: 0,9217-0,9256, bei braun: 0,9310-0,9410. Die Trane von höherem spez. Gew. geben auch eine höhere Jodzahl (~Wijs~).

Die +Verseifungszahl+ bei Dampftran: 186,3 (~Bull~) bis 189 (~Kremel~) resp. 199 (~Parry~), 184-195 (Ph. austr. VIII), Verseifungszahl heiß: 185,4-192,5 (~Dieterich~).

Die +Jodzahl+: 148 (~Bull~) bis 181 (~Wijs~), bei selbst ausgeschmolzenem: 160,7 bis 203, bei gutem Dampftran c. 160-170 (159-168,5 ~Parry~, nach Pharm. helv. IV: 150-170, D. A. V.: 155-175), bei naturale: 156-159, bei gelbem: 129-150, bei Neufundländer: 139,2, bei isländ.: 137,5. (Pharm. austr. VIII hat 120-145. Auch ~Weigel~ gibt niedrigere Zahlen für Dampftran: 141,11, ~Dieterich~: 122,2 bis 135,9, ~Garcano~: 126,8). Bei längerer Aufbewahrung fällt die Jodzahl und das Refraktionsvermögen nimmt zu (~Thomson~ u. ~Dunlop~). +Bromzahl+ bei bernsteingelbem: 83,44, bei braunem: 83,10 (~Telle~).

Die ~Reichert-Meissl~-Zahl: 0,1-0,7 (0,85 ~Parry~), bei selbst ausgeschmolzenem 0,48-0,86; das +Unverseifbare+ im Dampftran meist 0,60-0,87%, bis 1,64 (~Benedikt-Ulzer~), 1,6 (~Parry~); durch alkohol. Natron unverseifbar bei Dampftran: 1,3 bis 2,6, bei naturale: 1,85-2,65, bei braunblank: 3,45-7,83, bei braun: 7,46 bis 7,89 (~Bull~ und ~Lillejord~). +Hehner+-Zahl: 95,3-96,5 (~Lewkowitsch~, ~Fahrion~).

Ätherunlösliches Bromid: 32,64 (~Bull~) bis 45% (~Ulzer~), bei naturale hell 47,1. Maumenéprobe: 113-116° (~Baynes~, ~Allen~); Brechungsexponent bei 15°: 1,4800-1,4852 (~Strohmer~), 1,4792-1,4811 (~Parry~), bei 40°: 1,4700-1,4736 (Pharm. helv. IV); Oleorefraktometer bei 22°: +40 - +46 (~Pearmain~, ~Dowzard~); Butterrefraktometer bei 20°: 77,5-83,2 (~Utz~). Die +Thermo+zahl (bestimmt im Thermoleometer ~Tortelli~) beträgt 107 (bei Robbentran 72,1, bei Walfischtran 75,6, bei Sardinenöl 112,5).

Die Lebertrane sind vorwiegend linksdrehend (~Rakusin~); Dorschtran meist inaktiv (~Liverseege~). Die +Verbrennungswärme+ beträgt bei frischem Dorschleberöl 9452 g-Kal. bei konstantem Druck und 9437 g-Kal. bei konstantem Volumen (~Shermann~ u. ~Snell~).

Gesamtfettsäuren: 95,72%. Die Menge der ungesättigten Fettsäuren betrug bei 13 Proben 12,1-13,5, bei 3 Proben 14,7-15,5, bei 2 Proben 11,5-11,9%. Schmelzpunkt der Fettsäuren: 21-25 (~Parry~) bis 26,5 (~Bull~); mittleres Molekulargewicht: 287,6-292,5 (~Parry~) und Jodzahl 130,5 (~Thörner~), 164-171 (~Parry~).

Der Erstarrungspunkt (meist 0-3,5° ~Barthe~) wechselt natürlich, je nachdem der Tran der Kälte kürzere oder längere Zeit oder gar nicht ausgesetzt war. Durch das Abscheiden des Stearins durch Abkühlen gehen dem Tran übrigens keine wertvollen Bestandteile verloren, auch die Konstanten ändern sich kaum (~Moreau~).

=Reaktionen=: 1 gtt. Ol. jec. in 20 gtts. Chloroform (~Vogt~ oder 1 ccm in 3-4 ccm ~Salkowski~) gelöst soll auf Zusatz von einem Tropfen Schwefelsäure bei lebhaftem Umrühren mit dem Glasstab zuerst blau, dann blauviolett, rotviolett und schließlich verblassend amethystfarbig werden -- ~Salkowskis~ sog. Gaduinreaktion -- (Unterschied von anderen Leberölen, von Fischölen, wie Haifisch- und Robbentran) -- Schellfisch-, Sejfisch-, Brosmentran werden grünblau-violett-rot. Bei älteren Ol. jec. soll die Gaduinreaktion undeutlich sein (~Bedall~, ~Wiebetitz~, ~Weigel~).

3 gtt. Salpetersäure von spez. Gew. 1,4 färbt 15 gtts. Lebertran feurig rosenrot (Unterschied von Robbenspecktranen, Sej-, Hai- und Lengfischtran; ähnlich verhalten sich Brosmen- und Schellfischtran) -- ~Kremels~ Reaktion -- Bei Salpetersäure, spez. Gew. 1,5, treten bei Dorschtran vorübergehend blaue Streifen auf (~Vogt~). Der Vorschlag ~Vrevens~, den Lebertran in Äther zu lösen, mit starkem Alkohol zu fällen und die überstehende Flüssigkeit in einer flachen Schale mit rauchender Salpetersäure zu versetzen -- es tritt vorübergehende Himmelblaufärbung ein -- ist überflüssig und gefährlich (Explosionsgefahr!).

Werden zu einer gekühlten Mischung von 20 gtts. Chloroform, 40 gtts. Essigsäureanhydrid und 3 gtts. H₂SO₄, 3 gtts. Lebertran zugesetzt und umgeschüttelt, so tritt vorübergehend intensiv-blaue Färbung ein, die bald in Olivgrün übergeht -- ~Liebermanns~ Cholestolreaktion -- (Unterschied von Schellfisch-, Sejfisch- und Lengfischtran und von Specktranen -- Brosmentran wird auch blau).

Die +Bellierreaktion+ (salpetrigsäurefreie Salpetersäure, spez. Gew. 1,4, und Resorcinlösung) gibt bei Dorsch-, Schellfisch- und Brosmentran Orangerotfärbung, Lengfisch-, Sejfisch- und Haifischtran werden tieffuchsinrot, Robbentran himbeerrot (~Kreis~). Mit Königswasser geschüttelt gibt Dorschtran ein grünlich-dunkelgelbes Liniment. Robbentran wird schwachgelb (~Rössler~). 1 gtt. eines Gemisches von 2 Teilen Salpetersäure und 1 Teil Schwefelsäure färbt 15 gtts. Dorschtran lachsrot. Andere Trane und Fischöle werden grünlichbraun, orangerot oder braun (~Mann~). Isländische Trane verhalten sich wie norwegische (~Stein~), die amerikanischen zeigen Abweichungen (~Tolmann~, ~Kebler~).

=Lit.= ~Peckel Möller~, Codliveroil 1895 (dort eine chem. Bibliographie). -- Ältere Lit. siehe unter Geschichte und bei ~Guibourt~. -- ~Wurzer~, Hufel. Journ. 1822, 31 (erste chem. Unters.). -- ~Spaarmann~, Geig. Mag. 1828, 302. -- ~Wackenroder~, Arch. Pharm. 24 (1841). -- ~Stein~, Journ. pr. Chem. 21 (1840), 308. -- ~Gobley~, Journ. pharm. chim. 5, 305. -- ~Personne~, Mém. Acad. méd. 15 (1849) 1068. -- ~Riegel~, Arch. Pharm. 120 (1852). -- ~de Jongh~, Lieb. Ann. 48, 362; Arch. Pharm. 88 (1844), 189. -- ~Scharling~, Jahresb. d. Chem. 1847/48. -- ~Hofstädter~ (Physetölsäure), Lieb. Ann. 91, 177. -- ~Luck~, N. Journ. Pharm. 1856, 249. -- ~Delattre~ in ~Guibourt~, Hist. nat. d. drog. 1876. -- ~Schaper~ (Olein), Jahresb. d. Pharm. 1869, 340. -- ~Winkler~, Arch. Pharm. 126(1853), 185. -- ~Chevallier et Baudrimont~, Dict. d. alter. et falsific. 1878. -- ~Maumené~, Compt. rend. 92, 721 (1880). -- ~van der Burg~, Arch. Pharm. 17 (1880), 204. -- ~Carles~, Journ. pharm. chim. 1882. -- ~Stanford~, Pharm. Journ. 1883. -- ~Andres~, Wertbest. d. Lebertr. Pharm. Zeitschr. f. Rußl. 28 (1889), 145. -- ~Hager~, Pharm. Centralh. 26, 13. -- ~Heyerdahl~, New. chem. research. on cod liver oil bei ~Peckel Möller~ (1895). -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Fahrion~, Chem. Zeit. 1893, 521 u. 1899, 161. Zeitschr. angew. Chem. 1893, 140. -- ~Bull~, Chem. Zeit. 1899, 996 u. 1043, 1900, 814 u. 845. Jahrb. d. Chem. 10, 386 und Ber. d. chem. Ges. 1906, 3570. -- ~Bull~ und ~Johannesen~, Tidskr. f. kemi 1908, 273. Chem. Zeit. 1909, 73. -- ~Dowzard~, Pharm. Journ. (4) 6 (1898) 532. -- ~Umney~ and ~Bennet~, Chem. Drugg. 1903, 37. -- ~Harvey~, Journ. Soc. chem. ind. 1902, 694. -- ~Kremel~, Pharm. Centralh. 1884, 337. -- ~Mann~, Journ. soc. chem. ind. 1903. -- ~Vogt~, Schweiz. Wochenschr. 1905, 674. -- ~Thomson~ und ~Dunlop~, Brit. Col. Drugg. 1906. -- ~Kreis~, Schweiz. Wochenschr. 1906, 721. -- ~Utz~, Zeitschr. f. öffentl. Chem. 8, 304. Seifensiederzeit. 33, 398. -- ~Gautier~ und ~Mourgues~, Compt. rend 107, 254, 626 und 740. Bull. soc. chim. (3) 2, 236 und Les alcaloïdes de l’huile de foie de morue. Paris 1890 (dort auch physiolog. Studien über die Basen). -- ~Jorissen~ u. ~Hairs~, Journ. pharm. Liège 1896. -- ~Henseval~ und ~Huwart~ a. a. O. -- ~Tolmann~ (Amer. Leberöle), Journ. Amer. chem. soc. 1906, 388. -- ~Rakusin~, Chem. Zeit. 30, 1247. -- ~Parry~ and ~Sage~, Pharm. Journ. 1895, 119. -- ~Parry~ (Phys. u. chem. Konst.), Chem. Drugg. 1905, 491. -- ~Salkowsky~, Zeitschr. anal. Chem. 1887, 557. Berl. Klin. Wochenschr. 1907, 2. -- ~Shermann~ u. ~Snell~, Journ. Am. Chem. Soc. 1901, 164. -- ~Scharling~ (Elementarzusammens. einiger Trane), Journ. pr. Chem. 43, 257. -- Die Aschebestandteile bei ~König~, Nahr.- u. Genußm. I, 66. -- ~Bedall~, Prüf. d. Lebertr. Pharm. Centralh. 43 (1902), 118. -- ~Lythgoe~ (opt. Eigensch.), Pharm. Journ. 1905, 278. -- ~Mitsumaru Tsujimoto~, Journ. Coll. Eng. Tokyo 4, Nr. 5 (Chem. Rev. 1909, 85). -- ~Tolmann~ (Amer. Trane), Journ. Amer. chem. soc. 1906, 388. -- ~Nielsen~ a. a. O. -- ~Stein~ (Isländ. T.), Arch. for pharm. og kem. 1906. -- ~Servais~, Geruch d. Lebertr. Chem. Rev. d. Fett. usw. 1903, 231. -- ~Liverseege~, Analyst 1904. -- ~Garcano~, Rev. intern. de fals. 11, 92 (1898). -- ~Moreau et Biétrix~ (Ist L., der sich bei 0° trübt, gefälscht?), Union pharm. 1905, 385 (Pharm. Zeit. 1905, 834). -- ~Vreven~, Ann. pharm. 1906, 117. -- ~Eberle~, Oxydat. d. Lebert. Diss. Bern 1893. -- ~Barthe~, Bull. sc. pharm. 1905. -- ~Procter~ u. ~Bennet~ (Bromzahl), Journ. soc. chem. ind. 25, 798. -- ~Husemann-Moeller~, Lebertran in Real-Encyclop. d. Pharm.

+Jod+: ~Hopfer de l’Orme~, Hufelands Journ. 1836. -- ~Girardin et Preisser~, Journ. pharm. chim. 1, 504. -- ~Wackenroder~, Ann. Pharm. 32 (1837), 170. Arch. Pharm. 120 (1852) 23. -- ~Nadler~, Schweiz. Zeitschr. f. Pharm. 1862, 77. -- ~Schaper~, Wittsteins Vierteljahrschr. 18 (1869) 359. -- ~M. Bird~, Does cod liver oil contain 0,05% of Iodine? Pharm. Journ. 12 (1882) 641. -- ~Carles~, Repert. 1882 (Pharm. Journ. 12 [1882] 604). -- ~Riegel~, Arch. Pharm. 70 (1852) 18 (Journ. ph. 22, 79) -- ~Andres~, Pharm. Zeitschr. Rußl. 28, 145. -- ~Stanford~, Chem. News 48, 233. -- ~Heyerdahl~, Chem. Centralbl. 67, I, 171. -- ~Jung~, Lieb. Ann. 48, 362. -- ~de Jongh~ a. a. O.

Über das Jod bei Meerestieren und Pflanzen vgl. auch ~Sarphatis~, Preisschr. in Buchn. Rep. 59 (1837) 303. 250000 bis 1000000 T. Meerwasser enthalten 1 T. Jod. Der Gehalt und die Art der Bindung ist verschieden, letztere ist teils organisch, teils anorganisch (~Gautier~).

=Verfälschung.= Als Verfälschung des Dampfdorschlebertran kommen außer den schlechten Dorschtranen in Betracht:

1. Leberöle von anderen Gadusarten, wie z. B. das des Schellfisch und des gewöhnlichen Dorsch (S. 644), des Sej und Köhler. 2. Leberöle anderer Fische, wie das des Brosmen, Leng, Seehecht, Glattrochen, Eishai und japan. Hai, Thunfisch und Meerengel (vgl. S. 648). 3. Fischöle von den oben S. 648 aufgeführten Fischen, besonders Menhaden- und Sardinenöl. 4. Trane von den S. 663 aufgeführten Fischen, besonders Robben-, Walfisch-, Delphin- und Dugongtran. 5. Vegetabilische Öle (Sesam, Lein, Rapa, Cotton usw., nach ~Bishop~ auch Arachis). 6. +Mineralöle+ (~Pöhl~, bis 30% ~Baumann~).

Die Konstanten der Tieröle sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt.

-----------+-------------+---------------+-------------+ +Leberöle+ | Spez. Gew. |Verseifungszahl| Jodzahl | des | | | | ===========+=============+===============+=============+ Brosmen |0,9222-0,9264| 180-185,05 | 150,5-162,4 | | | (187,8) | | Sej |0,925-0,9309 | 177-189(193) | 162,2-177,9 | | | | (123-137) | Eishai |0,9105-0,9186| 146,1-164,7 | 111,9-116,6 | | | |(125,8-131,4)| Japan. Hai |0,9156-0,9158| 148,5-163,5 | 128,3-136,5 | Schellfisch|0,9298-0,934 | 186,3-193 | 154,2-179 | | | | (187,7) | Leng |0,9200-0,9270| 181,6-188 | 130,9-133 | Glattrochen| 0,9307 | 185,4 | 157,3 | Thunfisch | -- | -- | 155,9 | Meerengel | 0,9307 | 185,4 | 157,3 | Seehecht | 0,9270 | -- | -- | -----------+-------------+---------------+-------------+ +Fischöle+ | | | | von | | | | Menhaden |0,927-0,933 | 188,7-193,0 | 139,2-178,8 | Sardinen |0,9279-0,9338| 190,6-196,16 | 156,2-193,2 | | | | | Jap. | | | | Fischöl |0,916-0,9338 | 189,8-193,7 | 100-171,3 | Lachs | 0,9258 | 182,8 | 161,42 | Sprotte | 0,9274 | 194,5 | 122,5-142 | -----------+-------------+---------------+-------------+ +Trane+ | | | | von | | | | Robbe | 0,924-0,927 | 178-196,2 | 127-159,4 | | | | | Walfisch |0,917-0,9307 | 182,1-224,4 | 110,1-146,55| Delphin | 0,9266 | | | Körper | -- | 197,3-203,4 | 99,5-126,9 | Kinnbacken | -- | 290 | 32,8 | Dugong |0,919-0,9203 | 197,5-202 | 66,6-69 |

-----------+--------------+------------+----------+------------ +Leberöle+ |Unverseifbares|Reichertzahl|Refraktion| Hehnerzahl des | % | | (25°) | ===========+==============+============+==========+============ Brosmen | 0,67-1,02 | 0,32-1,9 | 67,5 | -- | (4,92) | | | Sej | 0,70-6,52 | 0,38-0,7 | 72,2 | -- | | | | Eishai | 10,2-15,06 | 0,8 | 64,9 | 86,9 | (20,8-21,8) | | | Japan. Hai | 14,4-21,5 | -- | -- | -- Schellfisch| 0,57-2,42 | 0,35-1,1 | 72,2 | 93,3 | | | | Leng | 2,23-6,44 | 0,7 | 64,2 | -- Glattrochen| -- | 0,97 | -- | -- Thunfisch | 1-1,08 | -- | -- | 95,79 Meerengel | 0,97 | -- | -- | 94,7 Seehecht | -- | -- | -- | -- -----------+--------------+------------+----------+------------ +Fischöle+ | | | | von | | | | Menhaden | 0,61-1,60 | 1,2 | 80,7 | -- Sardinen | 0,48-1,01 | -- | 50-53 | 94,5-97,08 | | | (45°) | Jap. | | | | Fischöl | 0,52-0,86 | -- | -- | 95,52-97,04 Lachs | -- | 0,55 | -- | 95,02 Sprotte | 1,36 | 1,4 | -- | 95,1 -----------+--------------+------------+----------+------------ +Trane+ | | | | von | | | | Robbe | 0,38-0,79 | 0,07-0,22 | 72,7 | 92,8-95,96 | (1,05) | | | Walfisch | -- | 0,7-2,04 | 65 | 93,5-95,18 Delphin | | | | Körper | -- | 5,6 | -- | 93,07 Kinnbacken | -- | 65,92 | -- | 66,28 Dugong | -- | 2,5 | 66,3 | --

~Kebler~ vertritt die Ansicht, daß der amerikanische Lebertran dem norwegischen gleichwertig sei. ~Gane~ fand bei +Neufundlandtran+ spez. Gew. 0,9275, freie Säuren 1,15%, Schmelzp. der Fettsäuren 24°, «Verseifungsäquivalent» 292, Jodzahl 164. ~Roussel~ fand bei +französischen Neufundlandtran+ (von St. Pierre und Isle aux chiens) spez. Gew. 0,9233-0,9272, freie Säure 1,0-2,6%, Verseifungszahl 109-114, Jodzahl 148,38-160,68. ~Gane~ fand bei +Coast oil+ (s. oben S. 648) spez. Gew. 0,925-0,9265, freie Fettsäuren 2,06-3,94%, Schmelzp. der Fettsäuren 24-28°, Verseifungsäquivalent 284-301, Jodzahl 150-160. ~Wingård~ fand rationell bereiteten +Robbentran+ (von _Phoca_arten) nur wenig von Dorschlebertran abweichend. Er enthält mehr ungesättigte Fettsäuren. Über die Zusammensetzung der Leberöle der +Adlerroche+ (Myliobatus Aquila) und von Centrina Salviani vgl. ~Huwart~ (Chem. Rev. d. Fett- u. Harzind. 1908, 200), über +Walfischtran+ ~Heidenreich~ und ~Wagle~, Tidsschr. for kemi 1911, Nr. 12, über +Robben-+ und +Haifischtran+ ~Titarowski~ und ~Chesnokow~ (ebenda 1910, 263), über den Tran von Lampris Luna ~Eberle~ (Diss. Bern 1893). Über zahlreiche andere Trane ~Henseval~ und ~Huwart~ (ebenda 1907, 191), über japan. Sardinenöle ~Trujimoto~ (Journ. Coll. Eng. Tokio 1906); über Japantran ~Okada~ (Chem. Zeit. 1907, 1135); über Delphintran ~Hart~ (Chem. Zeit. 1908, Nr. 69).

Verfälschungen mit anderen Leberölen, Tranen und Fischölen sind namentlich in Jahren, wo der Lebertran teuer war (1902 und 1903) in größtem Umfange beobachtet worden. Sogar durch Digestion mit geräucherten Fischen «parfümierte» billige Pflanzenöle gingen einmal als Lebertran. 1907 waren farblose Lebertranemulsionen im Handel, die nur aus Robbentran bereitet waren. In gebleichten Tranen wurde Blei gefunden.

Unter dem Namen Fucol wurde (1904) ein +Surrogat+ in den Handel gebracht, das durch Digerieren vegetabilischer Öle (Sesamöl) mit Seealgen (bes. geröst. Fucus vesiculos.) bereitet wurde. Ebenso findet sich ein Öl im Handel, das durch Vermischen von reinem Leberöl mit «jodiertem Sesamöl» (Jodipin) hergestellt wurde (gibt weniger Bromid!).

=Lit.= ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Weigel~ (Verf. mit Japantr.), Pharm. Centralh. 1904, 553. -- ~Wiebelitz~, Pharm. Zeit. 1904, 513. -- ~Baumann~, Apoth. Zeit. 1898, 869. -- ~Kremel~, Pharm. Post. 1884, 31. -- ~Pöhl~ (Mineralöl), Pharm. Post. 1888, 37. -- ~Gane~, Cod liver oil and its adulterations. Proc. Am. pharm. ass. 1903, ~Mercks~ Rep. 1903, Am. Drugg. 1904. -- ~Bishop~, Chem. Zeit. 1889, Rep. 306. -- ~Liverseege~ (andere Trane), Analyst 1904, 210. Pharm. Journ. 1904, 656. -- ~Töllner~ (Fucol), Pharm. Zeit. 1904, 69. -- Zeitschr. Angew. Chem. 1904, 397. -- ~Wingård~, Svensk. farm. tidsschr. 1911, No. 10 (Apoth. Zeit. 1911, 533). -- ~Schamelhout~ (Kremels Reaktion), Proc. Am. pharm. ass. 1905, 694. -- ~Tolman~, Journ. am. chem. soc. 1906, 388. -- ~Caspari~, Proc. Miss. pharm. ass. 1906, 104. -- ~Helfenberger~, Annalen 1906. -- ~Halphen~, Bull. Soc. chim. France 1907, 280. -- ~Procter~ and ~Bennet~, Exam. of marine oils, Pharm. Journ. 77 (1906) 453. -- ~Evans Sons Lescher~ and ~Webb~, Analyt. Not. 1906 u. 1907. -- ~Baird~, Proc. Mass. pharm. ass. 1907, 40. -- ~Kebler~, Am. journ. pharm. 1905, 491. -- ~Thomson~ and ~Dunlop~, Journ. soc. chem. ind. 1905, 741.

Der vorstehende Artikel wurde von Herrn Direktor ~Bull~ in Bergen durchgesehen.

=Prüfung.= «Für die Bewertung von Medizinalöl liefern neben der Geruch- und Geschmackprobe -- guter Tran muß milde schmecken, darf nur wenig im Schlunde kratzen und nicht bitter sein -- die Säurezahl, Jodzahl und ~Reichert-Meissl~-Zahl die wichtigsten Anhaltspunkte» (~Lewkowitsch~). Niedrige Säure- und ~Reichert-Meissl~-Zahl, hohe Jodzahl, das ist das Charakteristikum eines guten und unverfälschten Lebertrans. Beträgt das Unverseifbare mehr als 1,5%, so können Vermischungen mit Haifisch- oder Sejfischleberöl, die beide neuerdings öfter als Dorschleberöl verkauft wurden, vorliegen (+raffiniertes+ Haifischleberöl gab aber einmal auch nur 0,7%). Ist die ~Reichert-Meissl~-Zahl höher als 0,5, so waren wahrscheinlich die Lebern nicht frisch; beträgt der Gehalt an freien Säuren mehr als 1,5%, so liegt kein Dampftran vor. Im Mittel muß die Jodzahl etwa 167 betragen (~Lewkowitsch~), nicht unter 148 bzw. 154 (~Wijs~). ~Bull~ und ~Johannsen~ wägen das durch Brom in der Äther-Eisessiglösung entstehende Bromid der Fettsäuren. Das Öl soll etwa 32,64-37,77% Bromid liefern (Haifischleberöl gibt nur 12,7-15%). Auch der Gehalt an gesättigten Fettsäuren (nicht über c. 11%) gibt wertvolle Fingerzeige (~Bull~).

+Die Bestimmung der Jodzahl erfordert einige Übung.+ -- Die leichte Abscheidung von in Benzol und Äther sehr schwer löslichen Bromiden aus Fischtranen benutzten ~Eisenschiml~ und ~Copthorne~ (Chem. Rev. d. Fett- u. Harzind. 1910, 107) sowie ~Marcusson~ und ~Hüber~ (ebenda 1911, 114) zum Nachweis dieser in Pflanzenölen. Unterscheidung der Trane nach der Löslichkeit ihrer Natronseifen in Wasser ist von ~Boegh~ und ~Thorsen~ 1904 vorgeschlagen worden. Während 100 Teile siedender Alkohol 7 Teile Lebertran lösen, lösen sie 15 Teile Robbentran und 50 Teile Walfischtran (~Schädler~).

Der sichere Nachweis einer Verfälschung des Morrhuaöls mit anderen Leberölen ist nur selten möglich, etwas leichter läßt sich eine Beimengung von Fischölen und Tranen ermitteln (s. die Tabelle S. 659). Zum Nachweise pflanzlicher Öle ist Bestimmung des Schmelzpunktes der Stearine empfohlen worden (~Salkowski~, ~Bömer~).

=Aufbewahrung.= Da Ol. jec. wegen der großen Menge ungesättigter Fettsäuren +leicht Sauerstoff aufnimmt+ und besonders am Licht ranzig wird -- es schmeckt alsdann abscheulich -- ist es in ganz gefüllten kleinen Gläsern (~H. Meyer~), vor Licht und Wärme geschützt, aufzubewahren -- jedenfalls nicht in halbgefüllten Fässern. Beim Ranzigwerden entstehen wahrscheinlich auch Oxyfettsäuren. Die Sauerstoffaufnahme beträgt bei der ~Livache~schen Probe in drei Tagen in 100 Teilen: 6,383 (~Jean~) -- bei Mohnöl in zwei Tagen 6,8, bei Leinöl 14,3. +Lebertran hält sich um so besser, je reiner er ist.+ Gebleichter Lebertran ist nicht haltbar.

=Anwendung.= Die Wirkung des Öls beruht nur zum Teil auf dem Jod (ein mit Jod angereicherter Lebertran ist als Ol. jec. jodatum in Benutzung), hauptsächlich aber wohl auf den vom Magen leicht emulgierbaren, daher gut verdaulichen Fetten. Der Magen nimmt von ihm viel mehr an als von anderen Fetten. Fischfette enthalten übrigens mehr Kohlenstoff (s. oben) als die Fette der Wiederkäuer. Lebertran ist jedenfalls ein vorzügliches, die Ernährung unterstützendes, den Kräftezustand hebendes Mittel. «Er ist ein geeignetes Mittel, um Kranken mit schwacher Verdauung in ausreichendem Maße Fett für die Ernährung zuzuführen» (~Schmiedeberg~). Er besitzt eine hohe Verbrennungswärme (s. oben). Er wird Kindern jetzt gern in Form einer Emulsion gegeben, der meist in Nachahmung der ~Scott~schen Emulsion Hypophosphite zugesetzt werden. Doch ist es nicht leicht, eine bei jeder Temperatur und langem Liegen haltbare Emulsion zu erhalten. Die Herstellung einer solchen mittelst eines Auszuges einer Saponindroge oder eines Saponins erscheint mir unzulässig, da die Saponine nicht harmlose Substanzen sind. Bei der Bereitung der Emulsion kommen u. a. Zucker, arabisches Gummi, Tragant, Caseïn (~Léger~), Pancreatin (~Defrêne~) und Carrageen (~Barbi~) in Betracht.

+Geschmackkorrigentien+ sind: Bittermandelöl, Zimtöl, Anisöl, Zitronenöl, Pfefferminzöl -- Ausspülen des Mundes mit Pfefferminzwasser sowie Pfefferminzplätzchen empfahl schon ~Scherer~ 1822 -- Saccharin, Chloroform, Essigäther, Sardinen, Kaffee, Mischen mit Arak, Rum oder Bier, Nachtrinken von süßem Wein, Nachkauen von Brotrinde oder grünem Käse, oder man erwärmt den Lebertran im Eßlöffel, bis er dünnflüssig wird (auf c. 45°C). ~Pavesis~ «desodorierter» Lebertran wird durch Erhitzen mit gemahlenem Kaffee und Kohle erhalten.

«Fester Lebertran» kann durch Vermischen der Lebertran-Eiweißemulsion mit Cacao erhalten werden (~Szigeti~ und ~Sziláw~), auch durch Zusammenschmelzen mit Walrat. Andere feste Arzneiformen in Real-Enzyklop. d. ges. Pharm.

Der Lebertran mit Malzextrakt und der moussierende sind von ~Dieterich~ eingeführt. Man mischt ihm auch Eisen, Phosphor, Chinin, Kreosot bei.

Sog. Lebertranersatzmittel sind das Butyromel, Jecorin (~Berkenheier~), Lipanin (Gemisch von Olivenöl und Ölsäure, ~Mering~). +Der Lebertran ist aber durch nichts zu ersetzen. Er ist ein sehr wertvolles Arznei- und Nährmittel.+ ~Mackenzie~, ein begeisterter Verehrer des Lebertrans, behauptet (Chem. Drugg. 1899, 697), daß sich das mittlere Lebensalter der Europäer seit dem Gebrauche des Lebertrans um 2-8 Jahre verlängert habe (?). Immerhin ist zu bemerken, daß, wie neuere Untersuchungen (1911) von ~Wingård~ und klinische von ~Wilkens~ gezeigt haben, rationell bereiteter Robbentran (Ol. phocae medicinale) dem Dorschlebertran ebenbürtig ist. Er weicht auch chemisch nur wenig von diesem ab.

Die technischen Leberöle werden in der Lederindustrie (Sämischgerberei), als Schmiermittel usw. benutzt.

=Geschichte.= ~Plinius~ berichtet, daß das Fett aller Fische mit Honig ein gutes Augenmittel sei und das Volk benutzt das Äschenfett (von Salmo Thymallus) noch heute zum gleichen Zwecke. ~Plinius~ erzählt auch (31, 27): «Einige rösten die Leber des Delphins in einem irdenen Geschirre so lange, bis ein ölartiges Fett darausquillt und hiermit reiben sie ein». Eine innerliche Anwendung des Fischleberöls war den Alten unbekannt, obwohl sie sowohl die Lebern von anderen Tieren wie mehrere Fische arzneilich anwendeten. In den hippokratischen Schriften wird Seehundstran als Riechmittel bei Hysterie empfohlen. Auch das Mittelalter beachtete den Tran nicht. Der Codfisch des Nordens wird schon in ~Eigils~ Sage (930 n. Chr.) erwähnt. Jedenfalls seit dieser Zeit erscheint er Jahr für Jahr an der norwegischen Küste. Tran und getrocknete Fische wurden seit c. 1000 n. Ch. nach England exportiert. Die Grönländer, Lappen und Eskimos benutzen den Lebertran seit undenklichen Zeiten. ~Lemery~ kennt 1721 nur das Äschenfett, ~Pomet~ und ~Valentini~ beschreiben den Walfang und erwähnen den Walfischtran von Grönland, Spitzbergen, den Besitzungen der Holländer im Eismeer und Bergen. Seit Jahrhunderten werden Dorschzähne in Frankreich bei Bluthusten benutzt.

~Percival~ empfahl 1783 in dem London Medic. Journal VIII, 393 das «Tranöl» bei chronischem Rheumatismus. Ihm folgte ~Bardsley~ 1807 (Medic. Reports 18). Schon damals stand das Öl in Lancashire in großem Ansehn. ~Kay~, ~Percival~ und ~Bardsley~ behandelten Gicht, Rheumatismus, Skrophulose und Hautausschläge mit Fischtran und schon ~Bardsley~ erkannte seine fettbildende Wirkung. Auf dem Kontinent wurde Lebertran 1822 durch Hofrat ~Scherer~ in Siegen in der Schrift: «Erfahrungen über die großen Heilkräfte des Lebertrans gegen chronischen Rheumatismus» (~Hufelands~ Journ. der prakt. Heilk. 1822, 6, 31) als souveränes Rheumatismusmittel, von anderen auch als Laxans, Diaphoreticum und Diureticum und 1825 bei Phtise empfohlen. ~Scherer~ bedauert, daß der Lebertran in den Apotheken fehle und man ihn von Krämern und Gerbern beziehen müsse. Er empfiehlt seine Aufnahme in die Pharmakopoee. Als Ol. morrhuae erscheint der Lebertran denn auch bereits in der Pharmac. borussica IV (1827), als Ol. jecoris Aselli in der Ph. hassiaca von 1827 (~Schelenz~). ~Posselt~ erwähnt 1828 «Gichttran», ohne Erwärmen durch Abtröpfeln von Gadus callarias gewonnen. In Frankreich führte ihn ~Carron de Villars~ 1837 ein (~Husemann~). In England kam er durch ~Tauflied~ (London med. gaz. 1840) und ~Bennet~ (1841) in Aufnahme. Noch 1839 wurden in Londoner Apotheken frische Dorschlebern gehalten. Erst 1841 wurde dort Neufundlandtran eingeführt. Weit verbreitet war die Schrift von ~Herm. Klencke~, Der Lebertran als Heilmittel, Leipzig 1842 (auch franz. [Anvers.] und holländ. 1843).

Die erste Untersuchung des Trans finden wir schon bei ~Chevreul~ (Rech. chim. sur l. corps gras d’orig. anim. Paris 1823). Ferner beschäftigten sich mit ihm ~Wurzer~ (Buchn. Rep. 21, 122), ~Marder~ (Pharm. Centralbl. 1837, 536, Arch. Pharm. 32 (1830), 90 und 1838, 153) und ~Herberger~ (ebenda 1839, 854) -- besonders aber ~L. J. de Jongh~ (Disquisitio comparativa chimico-medica de tribus olei jecoris aselli speciebus 1843, auch deutsch und franz., sowie im Journ. f. pract. Chem. 19, 151), der dadurch mit ~Mulder~ (Scheik. ondez. levertr.) in einen Streit geriet. ~de Jongh~ brachte auch selbst einen besonders reinen Tran in den Handel, der damals eine große Rolle spielte.

Seit etwa 70 Jahren wird der Lebertran, seit Jahrhunderten Volksmittel in Skandinavien, in England als Nahrungsmittel benutzt (Chem. Drugg. 1910, 51). Noch zu ~Pereiras~ Zeiten kam er aber ausschließlich aus Neufundland, wo er damals noch in der gleichen Weise wie dies ~Pennant~ 1792 in seiner Artic zoology beschreibt, gewonnen wurde: Man warf die Lebern in Fässer, die unten ein mit Fichtenreisern verstopftes Loch besaßen und stellte diese in die Sonne. Das beim Faulen der Lebern ausfließende Öl wurde unten aufgefangen. Doch kochten auch damals schon die Fischer in Newhaven bei Edinburgh die Lebern in eisernen Töpfen aus und filtrierten das Öl durch ein Tuch mit etwas Sand (~Bennet~). In der Mitte des XIX. Jahrh. war Lebertran das bei Skrophulose am häufigsten angewendete Mittel und da man in jener Zeit alle etwas schwächlichen Kinder für skrophulös hielt, hat fast die ganze damals aufwachsende Generation oft wochenlang den gefürchteten Tranlöffel täglich an den Lippen gehabt. -- Ein Patient erhielt einmal 265 Pfund in 6 Monaten! -- Ich denke noch heute mit Schaudern daran. Denn der ganz leidlich schmeckende Dampftran war damals noch nicht erfunden! Erst 1853 begannen in Norwegen die ersten Versuche, Lebertran mit Hilfe von Dampf darzustellen; im größeren Maßstabe geschah dies aber erst seit 1890. Anfang der sechziger Jahre erschien des Kaufmanns ~Baschin~ heller Tran im Handel. Es war ~Peter Möller~, der 1853 die Methode, aus +frischen+ Lebern mit Hilfe von Dampf helle Trane darzustellend, erfand (~Peter Möllers~ Steam process). Während er 1853 kaum 20 Barrels Dampftran erhielt und auch diese kaum an die an dunkle Trane gewöhnten Händler absetzen konnte, wurden 40 Jahre später schon 30000 Barr. erzeugt. 1893 bestanden schon 52 Dampftran-«Fabriken», richtiger «Kochereien».

In Neufundland fischen die Franzosen seit 1533, besonders seit unter ~Sullys~ Protektion eine Kolonie in Canada gegründet wurde, gingen jährlich über 100 Schiffe hinüber. Trotzdem der Utrechter Vertrag die Rechte Frankreichs stark beschnitt, sehen wir noch 1792 jährlich 210 französische Schiffe dort dem Fang obliegen. In Labrador wird der Dorsch seit 1869 gefischt. 1889 begann man auch in Amerika in größerem Maßstabe Dampftran darzustellen. 1890 errichtete ~Nielsen~ eine Fischzuchtanstalt auf Dildo in Neufundland. (Rapp. s. la propagat. artific. de la morue 1892). Auch in Norwegen und Canada sind Zuchtversuche gemacht worden. Künstliche Brut wurde zuerst 1878 in Gloucester versucht. 1899 wurden dort bereits 100 Mill. Eier künstlich ausgebrütet (Merck. Rep. 1899).

Der Grund, warum sich die hellen Dampftrane nur langsam einführten, lag daran, daß man lange Zeit glaubte, daß die von ~Gautier~ und ~Mourgues~ 1890 in den dunklen Tranen entdeckten Alkaloide die wirksame Substanz sind, was aber keineswegs der Fall ist. Lebertranemulsionen erwähnt schon ~Pereira~: «Doch tritt bei ihnen der unangenehme Geschmack nur noch mehr hervor». 1843 empfahl ~Deschamps~ (Gaz. d. hopitaux No. 49) eine Lebertranseife, ~Duclon~ 1846 einen Lebertransirup, später ~Pohl~ Gelatinekapseln; 1860 erschien ~Jeannels~ Eisenlebertran. Den größten Einfluß auf die Lebertrantherapie gewann aber die zweifellos vortreffliche ~Scott~sche Emulsion.

~Kopp~ (bei ~Dierbach~) vermutete +Jod+ im Tran und der Apotheker ~Hopfer de l’Orme~ wies es 1836 nach (Lieb. Ann. 21 (1836) 73 und Hufel. Journ. f. prakt. Med.), was ~Wackenroder~, ~Brandes~, ~Bley~, ~Marchand~ und ~Gmelin~ (Ann. d. Pharm. 30, 1839 321) bestätigten. Das Brom fand ~de Jongh~, ~Allen~ 1885 das Cholesterin. Die Bildung von «Propylamin» beim Destillieren mit Kali beobachtete schon ~Winckler~ (1852). Während die nach der älteren Methode bereiteten gefärbten Trane infolge der beigemengten Fäulnisprodukte schlecht schmeckten und Aufstoßen hervorriefen, sind die nach dem ~Peter Möller~-Prozeß (s. oben S. 651) bereiteten hell und schmecken besser. Die von Peter Möller 1857 geäußerte Vermutung, daß der Lebertran, da er ganz anders wirke als andere Öle, andere Fettsäuren enthalten müsse als die übrigen Fette, hat sich durch die von ~Peckel Möller~ 1880 inaugurierten Untersuchungen ~Heyerdahls~ als richtig erwiesen.

=Lit.= ~Flückiger~, Lebertran in Fehlings Handwörterbuch. -- ~König~, Isis 1895. -- ~Schelenz~, Gesch. u. wirtschaftl. Bedeut. d. Lebertrans. Pharm. Zeit. 1899, 331. -- ~Peckel Möller~ a. a. O.

c) Trane.

Die eigentlichen Trane werden aus dem Speck oder auch aus dem ganzen Tiere ausgeschmolzen. Sie bestehen fast ausschließlich aus Glyceriden, einige (Delphin-, Meerschweintran) enthalten auch Walrat. Sie sind für uns nur als Verfälschungsmittel des Lebertrans von Interesse (vgl. die Tabelle S. 659), dürften aber medizinische Beachtung verdienen (vgl. S. 661).

Hierher gehören der +Robben-+ oder +Seehundstran+ von Phoca vitulina, groenlandica, lagura, caspica etc., der +Walfischtran+ von Balaena mysticetus (der echte Wal), B. australis, Balaenoptera longimana, borealis. Das +Schildkrötenöl+ von Thalassochelys corticata, das +Dugongöl+ von den Seekühen, Halicore australis und indicus, der +Delphintran+ von Delphinus globiceps und der Meerschwein- oder Braunfischtran von Delphinus phocaena.

2. Öle von Landtieren.

Die Öle der Landtiere ähneln den nichttrocknenden vegetabilischen Ölen. Sie geben relativ niedrige Jodzahlen, absorbieren nicht leicht Sauerstoff und liefern harte Elaidine. Sie spielen in der Medizin eine untergeordnete Rolle. Es gehören hierher zunächst die sog. Klauenöle, das Schafpfoten- oder Hammelklauenöl, das Pferdefußöl und das Ochsenklauenöl, dann das Eieröl (aus Eidotter) und die flüssigen Öle, die aus Schmalz und Talg durch Auspressen erhalten werden (s. bei Adeps und Sevum).

III. Vegetabilische feste Fette und solche enthaltende Drogen.

Die Vertreter dieser Klasse von Fetten sind in der +gemäßigten+ Zone fest, wie z. B. die tropischen Fette (Cacao, Cocos), oder von Salbenkonsistenz, wie die Fette der Subtropen (Laurus), jedenfalls nicht flüssig (s. oben S. 548). Je weicher sie sind, um so mehr enthalten sie gewöhnlich ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure, Linolsäure). Für einige (Cacao, Muskat) war früher die an die Konsistenz erinnernde, jetzt als irreführend verlassene Bezeichnung «Butter» in Gebrauch.

1. Myristinsäuregruppe.

Die Vertreter dieser Gruppe enthalten Myristin, den Glycerinester der Myristinsäure CH₃(CH₂)₁₂COOH (vgl. S. 546). Die Myristinsäure ist im Pflanzenreiche weit verbreitet, besonders aber bei den Myristicaceen zu finden. Nachgewiesen ist sie z. B. in Myristica fragr., M. surinamens., M. Otoba, M. Bicuhyba u. and., Virola surinamensis und venesualensis; ferner im Cocos-, Palmkern- und Dikafett, sowie im Walrat (~Nördlinger~, ~Reimer~, ~Will~, ~Thoms~, ~Mannich~). Aus den Virolafetten läßt sich die Myristinsäure leicht darstellen (~Reimer~ und ~Will~).

Semen Myristicae, Macis und Oleum myristicae.

=Syn.= Nux moschata, Nucleus moschatus, Sem. nucistae, Muskatnuß, Moschatennuß, Bisamnuß, Macisnuß, noix (de) muscade; die Pflanze muscadier (franz.), nutmeg (engl.) -- notemuskaat, notmuskaat, noten (holl.) -- noce moscada (ital.) -- nuez moscada (span.) -- muskot träd (schwed.) -- muscadnöd (dän.).

Der Arillus, die Macis: Muskatblüte, Macisblüte, Muskatblume (so noch in Preislisten 1911 [!], trotzdem der Sachverhalt seit 700 Jahren bekannt ist). Fleur de muscade (franz.) -- mace (engl.) -- macio (span.) -- folie, foelie (holl.) -- Arillus myristicae, Flores macidis. Macis wird jetzt meist als Femininum behandelt (als Masculinum bei ~Clusius~ in Exoticorum libr. 1605 und in ~Garcia~ Aromat. 1593).

+sansc.+: jáji-phalam, jatiphala (phalam im Pali = Frucht), hind.: jáé-phal, jaiphal (Macis: ápatri) (weitere vorderind. Namen in Pharmacogr. indica und in ~Watt~, Dict. econ. prod.); +mal.+ pala (die Frucht: bua pala) in Atjeh: bak pala (weitere indische Namen bei ~de Clercq~). -- +arab.+: jouzbuvá, jauz-ut-trib, ganz būwa oder ǧauz bauwa (Macis: basbás, bisbasa) -- +pers.+ jouzbóyah (Macis = bazbáz) -- +chines.+ Muskatnuß: juh-tau-kʾau oder jou tou kʾou (tou kʾou = Cardamom), Macis: jou tou hua (jou = fleischig, hua = Blume.)

Bei ~Simon Seth~: κάρυον αρωματικόν. -- Bei ~Myrepsus~: μοσχοκάρυδον, κάρυον μυρεψικόν. In den Glossae iatricae: νώς μυριτζικά μοσχοκάριδα. Bei den späteren Griechen auch: νούκη μοσχάτα, νάσκαφτον (weitere bei ~Langkavel~). -- Im alten Indien: jâti-kôça = dschati-kosa (Macis: dschati-patra). Daß sie sich von Indien westwärts durch den Handel verbreitete, zeigt die Aufnahme des indischen jâti-kôça in das Syrisch-Aramäische (~Lagarde~, ~Löw~). -- Bei ~Ahroun~: jeusbane -- bei ~Amrân~: Macis: adaches -- bei ~Avicenna~: jausiband (Macis: befbase) -- bei ~Serapion~: jeuzbeve, jusbegue, jumbague (Macis = bisbese) -- bei ~Averrhoës~: geoza (Macis: besbese) -- bei ~Ibn Baithar~: djouz bou (Macis: besbassa). -- Macis bei den alten Arabern, z. B. ~Avicenna~: bisbese, besbâssa befbase (später, z. B. von ~Serapion~ mit thaliphaphar, thâlisfar, talifar [= Halarrhena antidysenterica] zusammengeworfen). -- Bei ~Constantinus Africanus~: nux muscata. -- Bei ~Albertus Magnus~: muscata. -- Bei der ~Hildegard~: nuz muscata. -- In der Alphita: nux miristica, cayon mirifica. Bei ~Bartholomaeus~: nux mirifica. -- In den Tabulae: nux muscata. -- In den Synonyma Serapionis: jeumbave, jumbague. -- Bei ~Actuarius~: nux unguentaria, quam myristicam adpellant. -- In den dänischen Urteböger (I, S. 684): nux moscata und matae, muscatan blomae. -- Bei ~Megenberg~: matzenpaum, muskatpaum. -- In den mittelenglischen Medizinbüchern: lichebane, nux mustica, macys. -- Im Gothaer Arzneibuch: muscate, muschate, muscatenblome, muschatenblome. -- Bei ~Harpestreng~: nux moscata (Macis: muscatae blomae, matae). -- In der Ordinancie van der Dumwagen (XIV. Jahrh.): musschaten und musschaten bloymen. -- In The forme of cury (1380): noiez mugedez. -- Im niederdeutschen Arzneibuch (XIV. Jahrh.): muschate. -- Bei ~Hans Folcz~ (1485): muscat plue (= Macis). -- Im Inventar ~Lefort~ (I, S. 805): noys muguette, massis und uille de musterlin. -- In den Droits de courtage etc. (XV. Jahrh.): nois muguettes und massiz. -- In der Frankfurter Liste (I, S. 812): nuces muscati und maces. -- Bei ~Marco Polo~ (1295): noci moschiate. -- Im Roteiro des ~Vasco da Gama~ (I, S. 814): noz nozcada. -- Bei ~Acosta~: jauziband, seygar. -- In Ricettario fiorentino (I, S. 793) noce moscada. -- Bei ~Levinus Lemnius~ (De miraculis occultis naturae 1567): nux myristica seu moschata. -- Bei ~Rumpf~: gjauz-bawa (Macis: besbase).

=Etym.= Myristica, zuerst bei ~Petrus d’Ebulo~ (1191), von μυριστικός = balsamisch, (μύρον = Balsam, d. h. ein wohlriechender Saft (der βαλανός μυρεψική des ~Dioskurides~ und ~Celsus~ ist sicher nicht zu deuten) -- fragrans = wohlriechend -- muscata zuerst bei ~Constantinus Afrikanus~, muscat schon im ~Parcival~; dies wie das mhd. muscait, muscart, mnd. muschade, muscatenblome, das franz. muguette, musguette von moschatus, was aber mit Moschus nichts zu tun hat. Die Worte muscatum, moschatum, moschelinum, wurden für etwas wohlriechendes lange bevor die Muskatnuß bekannt war, benutzt (z. B. schon bei ~Oribasius~). Sie wurden dann auf sie übertragen. In Byzanz erhielt das Gewürz -- aber nicht wegen der Ähnlichkeit des Geruches, wie ~Schrader~ meint, denn die besteht nicht -- den Namen μοσχοκάρυδον, woraus latein. nux moschata, mhd. nuzmuscata (bei der ~Hildegard~) muskât (bei ~Megenberg~) wurde. -- Das pers. gauz-i-buya (jouz bóyah) bedeutet wohlriechende Nuß. Das arabische jausiband heißt Nuß von Banda. -- Unter nuces indicae wurden früher bisweilen Muskatnüsse verstanden, später dann aber (außer der Nuces vomicae und den Arecanüssen) die Cocosnüsse (s. d.), die wohl auch als nuc. ind. grandis (z. B. bei ~Nicolai~) unterschieden wurden; nach ~Warburg~ ist die nux indica (avellana de la India) wahrscheinlicher Moringa oleifera. Bei ~Cordus~ heißt die Muskatnuß nux indica moschata (und moschocaryon). -- Im botanischen Sinne ist die Muskatnuß keine Nuß, d. h. keine Schließfrucht, nicht einmal der ganze Same, sondern nur der Samenkern. Der korrekte Name wäre also +Nucleus seminis myristicae+. -- Macis umgebildet aus Macer (macir, machis, machir, μάκειρ). Im Altertum (~Scribonius Largus~, ~Dioskurides~ usw.) bedeutete dies die Rinde von Ailanthus malabarica ~Dc.~ in der früharabischen Zeit (~Rhazes~) wohl auch die Wurzelrinde von Holarrhena antidysenterica ~Wall.~ (Wrightia antidysenterica ~Grah.~), erst vom XI. Jahrh. an den Muscat-Arillus. -- Das holl.: foelie, fuly (im Dordrechter Zollerlaß 1340: foelghen) = Macis, ist wohl zu folium, feuille zu stellen (oder altportugiesisch soviel wie Blüte?). -- Muskatbutter heißt im mal. minjak pala. Minjak ist die mal. Gruppenbezeichnung für Öl und Fett. pala (mal.) wohl von ind. (pali) phala = Frucht par excellence.

=Stammpflanze und Systematische Stellung.= Die Banda Muskatnuß, die Bandamacis und das Ol. myristicae werden geliefert von:

=Myristica fragrans= ~Houttuyn~, Hist. nat. II, 3 p. 333 (1774) (M. officinalis L. f. [non ~Mart.~] 1781, M. moschata ~Thunbg.~ 1782, M. aromatica ~Lam.~ 1788).

Myristicaceae (Myristica) Eumyristica.

Von den 235 Arten der Familie gehören 179 dem südlichen Asien bis Papuasien, 38 Südamerika, 11 Afrika, 4 Madagaskar, 2 dem trop. Australien, 3 Polynesien an (~Warburg~). Aber dauernd aromatisch sind die Samen und Arillen nur einiger weniger auf die Molukken und Papuasien beschränkter Arten.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Der meist ein Alter von 60 (selten 80 bis 100) Jahren erreichende Baum, der in seinem in der Jugend pyramidenförmigen Wuchs, wie schon ~Rumpf~ und ~Valentijn~ ganz richtig angeben, einem Birnbaum gleicht, d. h. er ist in der Jugend mit pyramidaler (Taf. XIX), im Alter mit breiter Krone versehen -- ~Jagor~ sagt, er hält die Mitte zwischen Lorbeer und Orange, ~Barbosa~ beschreibt ihn als lorbeerartig, auch ~Albertus Magnus~ gebraucht diesen Vergleich -- wird in den Molukken 12-18 (je 20) m hoch. «In ihm kommt nicht die tropische Fülle und Kraft zum Ausdruck, wie in den Feigenbäumen, den Palmen und Dipterocarpen, er bleibt auch im Alter zierlich und klein» (~Tschirch~). Die Verzweigungen beginnen in einer Höhe von 5-6 m. Beim Anschneiden des Stammes und der Zweige fließt ein roter Saft aus, der zu einem Kino erhärtet (~Tschirch~ 1888). Die kahlen, immergrünen, ganzrandigen Blätter sind länglich-elliptisch oder ei-lanzettlich, kurzgestielt, meist c. 8-12 cm lang und laufen in eine lange Träufelspitze aus. Sie enthalten Ölzellen, erscheinen daher durchscheinend punktiert. Die der Befruchtung durch Insekten angepaßten Blüten sind diklin-diözisch, doch ohne scharfe Scheidung: an den weiblichen Bäumen finden sich besonders in der Jugend oft männliche, an männlichen da und dort auch weibliche Blüten (~Warburg~). Die weiblichen bilden meist zweistrahlige, in den Blattachseln stehende Cymen, die nickenden männlichen reichere Infloreszenzen, Dichasien mit traubenartigen Endgliedern. Beide ähneln der Maiblume. Ihr sympetales, c. 6 mm langes, glockenförmiges Perigon ist bleichgelblich und hat 3-4 Zipfel und an der Basis eine Bracteola. Sie duften sehr lieblich, orangenartig (~Tschirch~), etwas an Jasmin erinnernd (~Hooker~). Doch habe ich in Java nicht bemerkt, daß man einen blühenden Baum auf weite Strecken hin riecht. Doch das mag wohl dort, wo tausende beieinander stehen, sich anders verhalten. Die männlichen Blüten führen eine zentrale, aus 9-16 Staubfäden monadelphisch verwachsene Staminalsäule, die weiblichen einen gestreckten, mit zweispaltiger Narbe versehenen, aus einem Carpell gebildeten, dickschaligen, außen rostroten Fruchtknoten, in dem sich ein basal angeheftetes Ovulum findet. Die einfächerige, einsamige Frucht ähnelt einem glattschaligen Pfirsich (~Warburg~) oder einer Quitte (~Pigafetta~).

«Die pfirsichgroßen, eirunden, lichtgelben Früchte lugen freundlich aus dem frischen Laube hervor und der aus der aufgeplatzten Frucht hervorleuchtende, lebhaft rote Arillus, der sich wirkungsvoll von der tiefbraunen Samenschale abhebt (Fig. 211), fügt dem Bilde eine neue, kräftige Farbe hinzu. Fast das ganze Jahr ist der Baum mit Blüten und Früchten bedeckt» (~Tschirch~, Indische Heil- und Nutzpflanzen). ~Birkmore~ nennt sie die bei weitem schönste Frucht des ganzen Pflanzenreichs. Der Baum beginnt im 8.-9. Jahre zu blühen. Der Höhepunkt des Ertrages wird im 14.-16. Jahr erreicht. Die Bäume können bis ins 60., ja 80. Jahr tragen. Die Blüte reift in 9 Monaten zur Frucht (een noteboom staat in al zijn ontwickelings-perioden aan den mensch gelijk ~van Gorkom~). In Banda kommen auf 100 weibliche Bäume etwa 2-3 männliche. 1% genügt zur Sicherung der Befruchtung (~de Sturler~). Man läßt aber meist mehr als Windbrecher stehen. Das Aufspringen der Früchte erfolgt durch Spannungen im Perikarp, die Einleitung durch ein kleinzelliges «Schwellgewebe» an der Basis des Perikarps und an der Basis des Samens, die Erweiterung des Spaltes durch den Arillus (~Janse~).

Der Arillus ist biologisch als Anlockungsmittel für Vögel zu betrachten, die ihn verspeisen, den Samen verschlucken und so verbreiten. Beim Aufspringen der Frucht wirkt er nicht primär (~Baillon~), sondern nur sekundär (~Janse~) mit. Die Samen von Myristica fragrans werden durch Vögel verbreitet, besonders durch die mit metallisch glänzendem Gefieder versehenen Waldtauben Carpophaga (Columba) aenea und C. perspicillata ~Temm.~, die auf den Bandainseln noteneeter (= Nußesser) oder burong pala (= Muskatvogel) genannt werden (Myristicovora, Casuarius, Megapodius, Buceros verbreiten die Samen anderer Arten und kommen für M. fragr. nicht in Betracht).

«Die Bandainseln sieh, die herrlich prangen, in buntem Schmelz, rotfarbiger Früchte voll. Viel Vögel, flatternd dort umher, empfangen von grünen Nüssen ihren Nahrungszoll»

singt schon ~Camoens~ (Deutsch von ~Wollheim da Fonseca~).

Die Tauben verschlucken, angelockt durch den lebhaft gefärbten Arillus, entweder die Samen und geben sie mit den Exkrementen wieder von sich (~Rumpf~, ~Valentijn~) oder bringen sie nur in den Kropf (~Moseley~, ~Forster~) und speien sie nach einiger Zeit wieder aus. Jedenfalls keimen Samen, die diese Behandlung durchgemacht haben, gut, während sonst der Myristica-Same rasch, z. B. schon durch Trocknen, seine Keimkraft verliert, was, wie ich gezeigt habe, darauf beruht, daß hierbei das sehr weiche Gewebe des Keimlings rasch schrumpft und die in den Leitbahnen steckenden Endzipfel der Cotyledonen abreißen. Denn die Keimung erfolgt in der Weise, daß die beiden Cotyledonen, als Saugorgane fungierend, sich auf den Leitbahnen (s. S. 679) vorwärts schieben und allmählich das ganze Endosperm durchwachsen und aussaugen (~Tschirch~). Die Arten der Gattung Myristica zeigen einen merkwürdigen Endemismus. Die Heimat der Muskatnuß sind die +Bandainseln+ (nutmeg isles), eine kleine, noch keine Quadratmeile große, oft von Erdbeben heimgesuchte Inselgruppe der östlichen Molukken (s. die Karte). Lontor oder Groß-Banda ist die größte dieser Inseln, Banda neira liegt nördlich, Rosengain östlich, Ay und Run westlich davon. Auf den eigentlichen Molukken (richtiger Malukken), wo die Gewürznelke zu Hause ist, scheint der Baum nur sehr selten gewesen zu sein. ~Warburg~ betrachtet den ganzen inneren vulkanischen, die Bandasee umschließenden Südmolukkenkreis als die Urheimat der echten Muskatnuß (s. die Karte). Wild dürfte jetzt M. fragr. nur ganz vereinzelt zu finden sein.

=Lit.= ~Houttuyn~, Natuurl. hist. volg. Linné II, 333 (1774) und Aamerk. over de bloem van de Noot-Moskat Maatsch. Wetensch. Haarlem 26 (1789). -- ~Thunberg~, Acta Holmiae 1782 (deutsch 1785 in N. Abh. d. k. schwed. Akad.). -- ~Thunberg~ und ~Radloff~, Diss. De Myristica Upsala 1788. -- ~Lamarck~, Mém. s. l. genre du Muscadier Hist. d. l’ac. d. sc. 1788. -- ~Bickmore~, Trav. in the East Indian Archipel. 1868, 225. -- ~Wallace~, The Malay Archipel. 1869, 452. -- ~Bernstein~, Peterm. geogr. Mitt. 1873, 209. -- ~Prantl~, Myristicac. in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. -- ~Warburg~, Ebenda, Nachträge. -- ~Warburg~, Z. Charakt. u. Glied. der Myr. Ber. d. bot. Ges. 1885 und Monogr. d. Myristicac. Nov. Act. Leop. Car. Ac. 68. -- ~Hooker~ und ~Thomson~, Flor. ind. I. -- ~A. de Candolle~, Santalaceae et Myristicaceae. 9 tab. Lips. 1860. -- ~A. de Candolle~, Note sur la fam. d. Myristicac. Ann. sc. nat. (4) 4, 20 und Prodromus. -- ~Eichler~, Blütendiagr. -- ~Baillon~, Hist. des pl. II. -- ~King~, Spec. of the Myr. of brit. Ind. 1891.

+Abbild.+, älteste: ~Clusius~, Exoticor. libr. 1605. -- ~Valentijn~, Beschrijv. van boomen, planten etc. 1726. -- ~Rumpf~, Herb. Amboin. 1743 II, t. IV. -- ~Pomet~, Hist. des drog. (schlechte Abbild.) -- ~Gärtner~, De fructibus, 1788-91. -- ~Blume~, Rumphia I (1835) t. 55-64 (schöne Abbild.). -- ~Warburg~ a. a. O. (4 Taf.). -- ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl. t. 63-65. -- ~Reichenbach~, Ic. exot. t. 276-277. -- ~Nees von Esenbeck~, Plant. med. t. 133. -- ~Bentley-Trimen~, Med. pl. t. 218 (dort weitere Abbild. zitiert). -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 132. -- ~Berg-Schmidt~, Atlas t. 119 u. vielfach anderwärts.

=Pathologie.= In Trinidad werden die Muskatnüsse besonders von Trogosita mauritanica L., Trilobium ferrugineum ~Fabr.~, Carpophilus sp., Laemophloeus sp., Hypothenemus sp. und Lasioderma sp. zerstört (~Hart~). In Banda zerstört der «Muskatwurm» die Nüsse (vgl. auch unter «Kalken» S. 672).

=Lit.= ~Hart~, Pharm. Journ. 1894, 818 (Apoth. Zeit. 1894, 104).

=Kultur und Erntebereitung.= Die Droge stammt nur von kultivierten Bäumen.

Trotz der strengsten Aufsicht ist doch der Muskatbaum aus seiner ursprünglichen Heimat (s. oben S. 667) schon zur Zeit des Monopols in andere Länder gebracht worden, so z. B. nach Mauritius durch die Franzosen (~Poivre~ 1749 bzw. 1770), durch diese auch nach Bourbon (1772), Madagaskar und den Seychellen (1780), Sansibar und Westafrika sowie nach Cayenne; durch die Engländer nach St. Vincent 1882 (in Cayenne gestohlene Bäume!), Trinidat, Jamaica und der Antilleninsel Grenada. Aber außer auf Grenada haben an keiner dieser Stellen die Muskatbäume in größerem Umfang Fuß gefaßt. Die Kultur ist noch heute vorwiegend auf die Heimat des Gewürzes beschränkt geblieben. Nur in Sumatra, wohin schon die Engländer um 1800 die Pflanze brachten (die Insel gehörte damals der englisch-ostindischen Kompagnie) -- hier besonders an der Westküste, weniger in Padang, Palembang, Atjeh und Lampong -- hat sie sich gut entwickelt, dann auch auf Java, Borneo, Celebes (Minahassa), Ambon -- dort und in Halmaheira hat die Kultur große Fortschritte gemacht -- Ceram, Ternate. Besonders aber ist Penang, wohin sie ebenfalls die Engländer (~Roxburgh~) um 1800 brachten, für die Muskatkultur wichtig geworden, weniger die übrigen Straits settlements (z. B. Singapore). Der Muskatnußbaum (Muscadeira) wurde gleichzeitig durch ~Luiz de Abreu~ (1809) nach Rio de Janeiro und durch ~Manoel Marques~ nach Para gebracht.

Jetzt mag es (nach ~Warburgs~ Schätzung 1897) rund 1050000 tragende Muskatbäume auf der Erde geben. Davon entfallen auf Banda c. 400000, Sumatra 190000, auf die Malaiische Halbinsel 130000, auf Minahassa 100000, auf Westindien 70000, der Rest auf Java, Ambon und Halmaheira. Es kultivieren jetzt (1911) Muskat: Auf den Molukken: die Bandainseln, Ternate, Amboina, Halmaheira, Sangirinseln; in Nord-Celebes: Menado (Minahassa), auf Sumatra: Benkulen, Padang, Pajakomba (Pad. Bovenland.), Deli, Langkat, Sardang, auf Borneo (wenig), auf Java (Batavia, Pamanukan) hier allenthalben auch in Kampongkultur (I, S. 48), in den Straits settlements: Singapore, Penang, Malacca, in Ceylon an verschiedenen Orten, in Vorderindien: Bengalen, in Hinterindien; in Westindien: Grenada (weniger auf Jamaica, Tobago, Trinidad, St. Lucia) und in Brasilien. 1898 hat man mit Muskatkultur in Kamerun begonnen. Die Kulturen auf Bourbon und Mauritius scheinen aufgegeben zu sein. Die meisten und besten Muskatnüsse kommen aber noch heute von den Bandainseln.

Die Muskatnußplantage heißt dort +Perk+ (d. h. Park), der Kultivateur Perkenier. Perks finden sich jetzt besonders auf den Bandaeilands: Lontor, Neira, Ay (seit alter Zeit «das Eldorado der Muskatkultur»), Run, Rosengain (vgl. die Karte). Die Nüsse müssen bald und in der Schale ausgesät werden, da sie rasch ihre Keimkraft verlieren, am besten sogar die ganzen Früchte vor völliger Reife. Der Muskatnußbaum verlangt einen tiefgründigen, lockeren und weichen Boden mit gut durchlässigem Untergrund. Er liebt welliges Terrain (was er z. B. in Banda findet) und ein feuchtwarmes Tropenklima ohne ausgesprochene Trockenperiode. Die Bandainseln liegen 4° 32′ s. B. und haben rein ozeanisches Klima.

Er verlangt Windschutz. Als Windbrecher dienen besonders Canarium, Casuarina und Cerbera-Arten. Da der Baum ein Waldbaum war, gibt man ihm auch in den Kulturen gern +Schattenbäume+, in +Banda+ werden in unregelmäßigen, ziemlich weiten Abständen besonders Canarium commune (Kanari) und C. mehenbethene (Kanari Ambon) zwischen die Muskatbäume gepflanzt sowie Aleurites moluccana (Kemiri), Calophyllum, Arenga, und in der Nähe der Wohnungen Fruchtbäume (Jambu, Mangostan, Durian, Tamarinde, Mango, Peté [Parkia] u. and.). In Java und Celebes wird auch der Dadap (Erythrina), sowie Albizzia moluccana als Schattenbaum gepflanzt, sowie Nauclea, Cananga. In englisch Indien werden dagegen keine Schattenbäume gepflanzt (der Engländer liebt es nicht, welche zu pflanzen). Zu starke Beschaltung beeinträchtigt den Ertrag. Um die jungen Pflänzchen der Plantage zu schützen, pflanzt man in Java bisweilen Bananen oder Hibiscus dazwischen (~Tschirch~).

Ein Arbeiter kann täglich 1000-1500 Nüsse ernten. Ein Baum liefert auf den Bandainseln 1-2 kg Nüsse (bei sorgfältigerer Kultur 2½ kg). Obgleich der Baum das ganze Jahr Blüten und Früchte trägt und dauernd von die Befruchtung vermittelnden Insekten umschwärmt ist, pflegt man, wie ich in Indien auf Befragen erfuhr doch nur dreimal im Jahr zu ernten («drei Klimzeiten»): Ende Juli bis Anfang August, November bis Ende März und Anfang April. Die Haupternte ist im Juli-August, die besten Nüsse liefert aber die Frühjahrsernte. In Sumatra ist die Haupternte im November-Dezember, die zweite im April-Juni. Man sammelt nur ganz reife Samen, da wie ich in Indien feststellte, das Endosperm bis fast zur Reife milchig bleibt. In Grenada läßt man die reifen Früchte vom Baume fallen und liest sie von dem vom Unkraut gesäuberten Boden auf. In Banda werden die reifen Früchte gepflückt. Etwa seit Mitte des XIX. Jahrh. bedient man sich beim Pflücken des seitlich offenen, an einem langen Stiele befestigten Pflückkörbchens (Gai-Gai, Fig. 208, auch I, Fig. 198), seltener, wie ehedem, der Holz- oder Eisenhaken. Die gepflückten Nüsse werden aus dem Gai-Gai dann in einen Tragkorb, Fig. 209, geschüttet. Das +Pericarp+ wird auf den Bandainseln gewöhnlich an Ort und Stelle von den Sammlern entfernt und die Nüsse zweimal täglich auf der Estate abgeliefert. Hier wird noch am gleichen Abend die +Macis+ abgelöst (mit der Hand oder einem Messer, vgl. I, Fig. 198) und dann auf Bambutellern bzw. Matten oder Hürden an der Sonne oder in Trockenhäusern getrocknet. Sobald die Macis welk geworden ist, drückt man sie mit den Händen (oder Füßen) platt. Sie ist in 2-4 Tagen trocken. Die ursprünglich lebhaft rote Farbe ist nun in Goldgelb übergegangen und der frisch fleischige glänzende Arillus ist matt, hornartig und brüchig geworden. Bei Regenwetter trocknet man über Holzkohlenfeuer oder dem Feuer der Schalen der Kamirifrüchte. Die Sitte, Macis durch Besprengen mit Seewasser geschmeidig zu machen, scheint abgekommen zu sein, nur geschimmelte wird noch bisweilen mit Seewasser gewaschen.

Die «+Nüsse+» kommen in das Trockenhaus (droog kombuis, noten kombuis, Fig. 210), wo sie auf Gestellen (para-para) aus Bambu oder Sagoblattstielen, die 4-5 Fächer (pettaks) haben, etwa 1′ hoch aufgeschichtet und langsam über einem mäßigen Feuer bei höchstens 60° unter öfterem Umwenden und Herabschütten auf das nächst tiefere Fach getrocknet werden. (In Grenada werden die Nüsse in flachen Kästen mit durchlöchertem Blechboden im Schatten getrocknet.) Nach 3-6 Wochen sind sie soweit trocken, daß der Samenkern beim Schütteln in der Schale «rammelt». Hierbei stirbt der Keimling ab. Minahassa und Amboina exportiert viel Samen in der Schale (noten in dop) z. B. nach London, China, Indien. Meist wird aber, bevor die Nüsse nach Makassar, Batavia oder Singapore gehen, die Schale, die c. ¼ des Gewichtes beträgt, dadurch entfernt, daß man die Samen mit Steinen, schmalen Brettern, Stäben oder Holzhämmern aufschlägt. Die Schalen dienen als Brennmaterial. Sodann werden die +Samenkerne+ sortiert (garbuliert, vgl. I, Fig. 198). Die Garbulatie entfernt zunächst die zerbrochenen Nüsse (stukkende Noten, broken nutmegs), dann die Rompen (die mageren Nüsse) und trennt die vetten oder gaven Noten von den middelbaren oder noch weiter nach der Größe. Nun werden die Samenkerne entweder direkt verpackt und ungekalkt, bisweilen unter Zusatz von Nelken oder Pfeffer (um die Insekten abzuhalten), in luftdichtem Verschluß versandt (besonders nach England) oder der +Kalkung+ unterworfen.

Diese +Kalkung+, die der europäische Kontinent und Amerika verlangt, geschieht entweder in der Weise, daß man die Nüsse trocken mit gelöschtem Kalk einreibt (trockene Kalkung, früher in Singapore und Sumatra in Gebrauch) oder indem man sie in einen aus Seewasser und gebrannten Korallen bereiteten Brei einrührt (Molukken, Minahassa) und dann zum Trocknen (zweeten) ausbreitet. Früher wurden die gekalkten Nüsse noch einem Schwitzprozesse unterworfen, was, wie ich (1889) erfuhr, jetzt nicht mehr üblich ist. Es ist sicher, daß das Kalken, wenn es, wie einige meinen, den Zweck haben sollte, die Keimkraft der Muskatnuß zu vernichten, unsinnig und zwecklos ist, da die Keimkraft schon beim Trocknen erlischt. Es hat aber gar nicht diesen Zweck. Versuche, die ich mit gekalkten und ungekalkten Muskatnüssen unter Hinzufügung von lebenden Exemplaren der Sitodrepa panicea (I, S. 379), der am meisten die Nüsse zerstörenden Larve, angestellt habe, zeigten, daß +das Kalken ein nahezu sicherer Schutz gegen Insektenfraß ist+. Die Tiere bohrten keinen gekalkten Samen an und gingen auf diesen rasch zugrunde, während sie im Kontrollversuch die ungekalkten Samen rasch zerstörten. Dieser Versuch lieferte also den Beweis für die Richtigkeit der Ansicht der meisten neueren Beobachter, die im Kalken einen Schutz gegen Insektenfraß glaubten sehen zu müssen. ~Milburn~ (Oriental Commerce 1813) glaubte, daß das Kalken die «Poren» schließe; ~Reinwardt~, daß es in den Randschichten das Fett verseife. Bisweilen werden die Muskatnüsse erst in London gekalkt (~Helbing~). In Singapore wird in die Kisten -- unnützerweise -- bisweilen eine Hand voll Pfeffer geworfen. Wichtiger ist das dort übliche Auspichen der Falze (~Tschirch~), wie überhaupt, daß Fässer und Kisten gut gedichtet werden. Dem englischen Geschmack entsprechend erzeugen die englischen Kolonien (Penang, Singapore) viel ungekalkte Nüsse (brown nutmegs). Das endgültige Sortieren der Muskatnüsse erfolgt in London, Rotterdam und Amsterdam.

Schon während der Dauer des Monopols wurden die zerbrochenen oder wurmstichigen Nüsse auf +Muskatbutter+ verarbeitet und diese in Steinkrügen exportiert. Es geschah dies an Ort und Stelle und auch jetzt noch wird ein wenig davon auf den Bandainseln dargestellt und in Pisang- oder Palmenblätter eingehüllt in den Handel gebracht. Ich habe solche Ringel von c. 700 g Schwere 1889 aus Indien mitgebracht und noch 1894 erschienen 26 Steene (Blöcke) à 0,7 kg in Amsterdam. Das meiste wird aber in Europa (Holland, Deutschland) teils durch warmes Auspressen, teils durch Extraktion der minderwertigen Muskatnußsorten bzw. des Bruchs gewonnen. Die Darstellung der Muskatbutter erfolgt entweder in der Weise, daß man die gemahlenen Nüsse auf Haarsieben mit Wasserdampf erhitzt und dann zwischen erwärmten Platten auspreßt, das vom Wasser befreite Fett schmilzt und eventuell im Heißwassertrichter filtriert oder durch Pressen des Pulvers in erwärmten hydraulischen Pressen oder durch Extraktion mit Äther. Es ist Brauch sie in ¼, ½, ¾ oder 1 kg schweren, in Papier gewickelten Riegeln in den Handel zu bringen. Man erhält durch Auspressen der Samenkerne 20-23 (selten bis 28) % Fett -- auf den Molukken nur 12-14%. Das Rohmaterial zur Muskatbutterbereitung kann mit Zollrückvergütung eingeführt werden, wenn die Herstellung des Produktes und die Vernichtung der Rückstände unter Zollkontrolle erfolgt.

=Lit.= ~Reinwardt~, Reis naar het oostelijk gedeelte van den ind. Arch. i. h. j. 1821. Amsterdam 1858. -- ~Van Gorkom~, Oostind. Cultures (auch Kultur auf Sumatra usw.). -- ~Semler~, Trop. Agrik. -- ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl. -- ~Lumsdaine~, Cultiv. of nutmegs etc. in Bencoolen. Proc. agric. soc. Sumatra 1820. Pharm. Journ. II (1852) 516, ~Christy~, New Commerc. pl. -- ~Weddik~ und ~Teijsmann~, Notenmuskaat Kultuur op Java. Nat. Tijds. v. Ned. Ind. 2 (1839), 589. -- ~Seemann~, Hookers Journ. bot. 1852, 83. -- ~Oxley~, Some account of the nutmeg and its cultivat. Journ. Ind. Arch. 2 (1848) 641 u. (1856) 127. -- ~Crawfurd~, Dict. Ind. Islands 1856. -- ~Collingwood~, Nutmeg and other cultivat. in Singapore. Journ. Linn. Soc. bot. 10 (1869), 45. -- ~Eggers~, Die neuen Gewürzinseln (in Westindien). Naturw. Wochenschr. 1890, 121. -- ~Milburn~, Oriental Commerce London 1813. -- ~Warburg~, Die Muskatnuß. Ihre Geschichte, Botanik, Kultur, Handel u. Verwertung sowie ihre Verfälschungen u. Surrogate. Leipzig 1897. -- ~O. Kammerling Onnes~, Banda nutmegs and mace. Being an account of their history, cultivation, trade and use. Amsterdam 1899. -- Abbildungen des Koloniaal Museum. -- ~J. M. Janse~, de nootmuskaat cultuur in de Minahassa en op de Banda Eilanden. Med. Slands Plant. Buitenzorg 1898. 4 Tafeln. -- ~Tschirch~, Kalken der Muskatnüsse. Schweiz. Wochenschr. 1898.

=Handel.= Im Handel finden sich (1911) besonders Banda-+Muskatnüsse+, weniger geschätzt sind die von Java und Menado, sowie von Westindien. Seit den siebziger Jahren des XIX. Jahrh. produziert auch Penang, Menado und Sumatra Muskatnüsse. -- Ende der achtziger Jahre schon gegen 1,5 Mill. --, die übrigen Produktionsorte siehe unter Kultur. Die Bandaernte geht meist über Makassar und Singapore. Viele Nüsse werden erst in diesen Hauptmuskathäfen (wie auch in Surabaja auf Java) aufgeklopft und gekalkt. Die ungeschälten Nüsse werden in Jutesäcken versandt, die geschälten in Kisten (zu 187 kg u. and.). Die Auslese oder eine erneute Auslese erfolgt in Amsterdam und London. Die Einteilung in gute (gave): +Vette+ und +middelbare+ (medium) und schlechte: magere (gerimpelte, inferior) und +geinfecteerde+ (aangestokene, d. h. wurmstichige) sowie +brokene+ (d. h. zerbrochene) hat sich aus der Zeit des Monopols bis heute erhalten. Die drei zuletzt genannten Sorten bilden die vorwiegend zur Muskatbutterbereitung benutzten sog. Ölnüsse (oil nuts) und gehen wohl auch unter dem Namen Rompen. Der Großhandel unterscheidet runde und längliche (diese besonders aus Westindien) Nuces moschatae majores mediae, minores. Die holländischen Marktberichte unterscheiden folgende Größen, Stück aufs kg: 150/160, 160/170, 170/180, 180/190, 190/200, 200/210, 210/220. Dies ist die teuerste Gruppe I (Preis c. 380-482 M pro 100 kg). Die zweite Gruppe umfaßt die Größen 220/230, 230/240 u. s. f. in Abständen von je 10 bzw. 20 Stück bis 380/400 (Preis c. 287-376 M). Auch der deutsche Großhandel unterscheidet bei den in Kisten à 30 oder 60 kg in den Handel gebrachten Bandanüssen die Sorten nach der Zahl der auf 1 kg gehenden Nüsse z. B. bei ~Grossmann~: 160/170 -- 210/220 -- 240/250 -- 300/320 -- 350/400 Stück pro kg. Die westindischen (in Fässern à 60-70 kg) haben meist 170/180 Stück pro kg.

In Banda unterscheidet man von der +Macis+ die Sorten E, F, und G (C und D sind nicht mehr im Handel), E ist die beste. Dann unterscheidet man noch foelie separaat (vom Typus abweichend, nicht klassifiziert) und gruis. Die Macis von Java, Padang, Menado und Penang wird nicht so sorgfältig sortiert wie die von Banda. Man unterscheidet prima, secunda und separat. Die unreife, aus der geschlossenen, vom erkletterten Baume gebrochenen Frucht herausgelöste Macis heißt Klimmfoelie (d. h. durch klettern = klimmen) erhalten. Die Macis kommt in Fässern (aus Teakholz) à 150 kg oder in Kisten à 50 kg in den Handel. Man unterscheidet im deutschen Großhandel: extrafein fleischig und prima, hell sowie Macis grus (letztere in verschiedenen Qualitäten); im englischen: gute, ganze (good, gave E, F, G) und Grus (chips, gruis).

Muskatnüsse und Macis werden in Amsterdam vierteljährlich verauktioniert, im Jahr etwa ¾-1 Mill. Nüsse und ¼ Mill. Macis. Außer Amsterdam sind Rotterdam, London und New York, weniger Hamburg Hauptmärkte. Die Gesamtweltproduktion schätzt ~Warburg~ (1897) auf c. 2 Mill. kg Nüsse und 0,5 Mill. kg Macis; davon entfallen 37,4% auf Banda, 19,6% auf Sumatra, 12,5% auf die Malaiische Halbinsel, der Rest auf Minahassa, Ambon, Westindien, Java, Halmaheira. Singapore exportiert etwa 2500-3500 piculs Nüsse jährlich, Java 1905: 243731, 1906: 277112 kg notenmuskat und 1905: 57176, 1906: 47012 kg foelie. In Penang, das 1860 391000 kg Nüsse und 131000 kg Macis exportierte, vernichtete eine Krankheit die Bäume in wenigen Jahren. Jetzt hat sich die Produktion wieder gehoben. +Ceylon+ exportierte 1906 nur 155 cwts nutmegs. Während zwischen 1888 und 1894 pro Jahr 485415-808400 kg echte Nüsse nach Holland kamen, betrug die Einfuhr langer nur 30345-76600 kg pro Jahr. 1889-1894 kamen jährlich zwischen 117775 und 197600 kg Macis nach Holland. +Holland+ importierte 1896: 1002000 kg Nüsse und 288000 kg Macis. 1902 kamen nach Holland 762280 kg Muskatnuß) (gewone not), 55910 kg Papuanuß, 203255 kg Foelie und 310 kg Papuamacis (~Gorkom~, Specereijen in Beschr. Catal. Kolon. Mus. Haarlem 1903). 1909 betrug die Einfuhr von Notemuskaat: 1151 t, 1910: 1060 t. +Deutschland+ importierte 1909: 5963 dz +Muskatnüsse und Macis+, besonders aus Nied. Indien etwas (521 dz) auch aus Brit. Indien, 1910: 6011 dz. und Muskatbutter (via Holland): 1908: 1100 kg, 1909: 1300 kg, 1910 (via England) 2900 kg (~Tunmann~). +Hamburg+ importierte 1908: 1706 dz +Muskatnüsse+, davon kamen aus Nied. Ostindien: 266 (über die Niederlande: 883), aus Brit. Ostindien: 256, Singapore: 173 dz. Hamburg erhielt: 1907: 89500, 1908: 170600, 1909: 179100 kg Muskatnüsse und 1907: 73200, 1908: 94000, 1909: 68900 kg Macis (~Tunmann~). +London+ 1908: 10411, 1909: 10725 Kisten Nutmegs und 1908: 1153, 1909: 1272 Kisten Macis. +New York+ ist nächst Amsterdam der zweite Muskatmarkt der Erde. Die +Vereinigten Staaten+ importierten 1908: 2043470, 1909: 2644791 pounds nutmegs und 1908: 425183, 1909: 653610 pounds mace. Ausführliche Angaben über den Handel in früherer Zeit in ~Warburg~, Muskatnuß 1897.

=Morphologie.= Bei einem Gewicht von 60 g kommen auf das Pericarp 48,3, auf den Arillus 2,1, die harte Schale 2,9 und den Samenkern 6,7 g (~Reinwardt~). Die rundlich-ovale Beerenfrucht ist gelb oder rot überhaucht und glatt, 3-6 (selten bis 7,5) cm lang, frisch c. 45-62 g schwer und besitzt beiderseits eine Furche, in der die Frucht zweiklappig aufspringt, +die Spitze liegt meist etwas exzentrisch+. Innerhalb des fleischigen, etwa 1 cm dicken, zusammenziehend schmeckenden Pericarps liegt der Arillus, der bei der unreifen +geschlossenen+ Frucht gelblich-weiß ist, reif tief karminrot wird. (Nur selten bleibt er dauernd elfenbeinfarben.) Er umschließt die Basis des Samens becherartig und ist nach oben in 10-15 flache Lappen zerschlitzt (Fig. 211). Schon ~Massimiliano~ vergleicht ihn mit einem Netz, das die Frucht umhüllt. Da er sich früher bildet als die Samenschale ihre definitive Gestalt und Härte erreicht hat, so zeigt diese, der der Arillus in der Frucht fest anliegt, die Abdrücke desselben. Der Same ist in der Form und Größe variabel, meist breit-elliptisch oder eiförmig und 1,5 bis 4,5 cm lang und 1-2,5 cm breit. Die harte Samenschale ist tief dunkelbraun, schwach glänzend. An der Basis, dort wo der Arillus angewachsen ist, sieht man das Hilum als ovalen hellen Fleck und die Mikropyle als kleines dunkles Loch, vom Hilum streicht die Rapherinne bis fast zur Spitze, wo die Chalaza in Form eines exzentrisch gelegenen Buckels sich findet. Der hell-zimtbraune, bei den gekalkten Nüssen weiß bestäubte +Samenkern, aus dem allein die Droge besteht+, ist 10-33 (meist 20-30) mm lang (die kleinsten 10-11, die größten 33 mm ~Warburg~) und 15-28 (meist 15-20) mm breit. Sowohl der Arillus wie die Samenschale bis zum Primärperisperm sind abgelöst. Der Samenkern ist bedeckt von der inneren Schicht des Primärperisperms und der vom Meristem nach außen erzeugten Schicht des Sekundärperisperms, von dem auch die braunen Zapfen gebildet werden (~Voigt~), die dem Querschnitt und Längsschnitt ein so charakteristisches Aussehn geben (Fig. 212). Diese Ruminationsfalten wurden im XVII. Jahrh. vielfach mit arabischen Schriftzügen (literae arabicae) verglichen. An den Stellen, wo die Zapfen sich an das übrige Perisperm ansetzen, welche Stellen den vertieften Stellen der Furchen der runzeligen Außenseite entsprechen, verläuft ein Bündel. Diese Bündel anastomosieren untereinander und bilden, da sich der Kalk hauptsächlich in den vertieften Stellen absetzt, das helle Netzwerk, welches der Oberfläche der Muskatnüsse das eigenartige Ansehn gibt. Die Stelle, wo beim Ovulum die Mikropyle liegt, ist auch am Samenkerne deutlich sichtbar (Fig. 212 Mp). Kurz vor der etwas seitlich gelegenen Basis, dem Hilumsende des Samens, endigen die Perispermalbündel blind. Es folgt nun eine ovale Rinne und dann ein breiter heller Buckel, der die Lage des zweiten Integumentes markiert. In der Mitte des Buckels ist die Mikropyle als ein kleines rundes Loch oder Spitzchen zu sehen. Hier erfolgt auch der Austritt des Keimlings bei der Keimung. Von dem Buckel geht eine seichte, dem Raphebündel der Samenschale entsprechende Furche zu der Stelle am anderen Ende des Samenkerns, die der Chalaza entspricht. Diese gleichfalls exzentrisch gelegene Stelle ist durch eine dunklere Vertiefung markiert, in der ein Spitzchen sichtbar ist: das Ende des hier abgelösten Raphebündels. Auch der Keimling liegt etwas exzentrisch. Er ist bei der Droge meist stark geschrumpft, oder ganz geschwunden. Die Cotyledonen bilden einen gelappten Becher. Ihre Endzipfel ragen in die Keimbahn hinein. Die besten Nüsse sind rund (bzw. eiförmig) und glatt (d. h. wenig geschrumpft).

Bisweilen kommen, wenn 2 (oder 3) Ovula angelegt wurden, 2 (oder 3) Samen zur Ausbildung (+Zwillingsnuß+, pala bakamar -- schon von ~Clusius~ erwähnt und in ~Nic. Schultzes~ Dissertatio de nuce moschate 1709 abgebildet). Solche Muskatnüsse, die man neuerdings viel im Handel findet, sind nicht rund, sondern plankonvex. -- Andere Abnormitäten sind: die nur erbsen- bzw. pfefferkorngroße und nur c. 0,15 g schwere sog. +Königsnuß+, pala radja, die schon im Museum Wormianum 1655 Nux moschata regia genannt wird; sie besitzt meist einen relativ dicken Arillus. -- Die samenschalenfreie +Diebsnuß+ (pala pentjuri), die nur zur Hälfte mit Arillus bedeckte +Pfaffennuß+ (pala domine) und die nach ~Warburg~ von monözischen Bäumen stammende pala boy. -- Rompen, Rumpfnüsse, Rümpfe (pala rumpi) sind unreif abgefallene oder vom Winde vorzeitig heruntergeschlagene, stark schrumpfende Samen, die seit dem XVII. Jahrh. zur Darstellung von Ol. nucistae benutzt werden (~Rumph~) und zu diesem Zwecke (als «Ölnüsse») auch heute noch exportiert werden.

Der trockene Arillus, die Macis, ist an der Basis becherartig geschlossen, hier auch etwas dicker, nach oben hin ist er in zahlreiche Lappen zerschlitzt, die sich bisweilen übereinanderschieben, aber niemals zu einem so festen Knäuel wie bei der Bombay-Macis (Fig. 216), wo an der Spitze des Samens ein fester Kegel dicht über- und durcheinander geschobener Arillarlappen liegt. Etwas unterhalb der Stellen, wo die Lappen sich zerschlitzen, zeigt der Arillus schon tiefe Längsfurchen. Die Droge ist gelbbräunlich, sehr brüchig. Sie quillt in kaltem Wasser wenig. Die Oberfläche erscheint, mit der Lupe betrachtet, streifig punktiert. «Die Streifen verlaufen der Länge nach an den Zipfeln, allmählich schräge und fast konzentrisch gegen die Spitze sich aufrichtend» (~Vogl~). Bisweilen ist der Arillus bleichgelb und rot gesprenkelt (pala kakerlak) oder ganz weiß (weiße Muskat, pala putieh, p. holanda). Oft sind gute Nüsse von spärlicher Macis umgeben und spärliche Nüsse von kräftig entwickelter (~v. Hogendorp~).

=Anatomie.= In der Korolle und dem Blütenstiel finden sich neben Ölzellen Astrosklereïden und gestreckte Milchröhren. Die etwa 10 mm dicke Fruchtschale der reifen Frucht ist mit eigenartigen, sympodial sich verzweigenden (~Warburg~) Sternhaaren bedeckt und enthält neben Astrosklereïdennestern, die den äußeren Schichten eine ziemliche Härte verleihen, zahlreiche, reich verzweigte Milchröhren mit braunem Inhalt (Kinoschläuche). Diese «Kinoschläuche», die zuerst von ~Tschirch~ (1888) und ~Hällström~ im Pericarp beobachtet und abgebildet wurden, finden sich auch in der Rinde, der Markscheide, der Blütenstandsachsen, im Perigon, den Staubfäden und den Cotyledonen (~Warburg~).

Der +Arillus+, die Macis, wird frühzeitig, schon in der noch ungeöffneten Blüte, angelegt. Er entspringt sowohl vom Funiculus wie vom Exostomrande, ist also eine Zwischenform zwischen Arillus und Arillodium. Schon bei einem 2,5 mm großen Samen stoßen seine Lappen an der Spitze des Samens zusammen. Der farbige Arillus zeigt an seiner Basis ein vertieftes ovales Feld mit den Eintrittsstellen der Gefäßbündel. Er ist beiderseits von einer Epidermis bedeckt, deren sehr langgestreckte (300-600 mik ~Vogl~), an den Enden meist zugespitzte, im Querschnitt rechteckige oder tangential (nie radial) gestreckte Zellen auf der Außenseite stark, aber auch auf der Innenseite verdickt sind. Die Verdickungsschicht besteht aus Cellulose und quillt stark. Bisweilen findet sich an der Basis des Arillus und hier, wie überhaupt (oft bis zur Mitte) die Innenseite bevorzugend, ein ein- oder mehrschichtiges Hypoderm (Papuamacis [vgl. S. 690] zeigt beiderseits reichlich Hypodermbildung). Das Grundgewebe besteht aus dünnwandigem (bei Papuamacis dickwandigem) Parenchym, dessen Zellen zahlreiche rundliche, scheiben- oder stäbchenförmige, bisweilen wulstig verbogene, 1,5-10 mik lange Amylodextrinstärkekörner (~Tschirch~) enthalten, die in Ölplasma (?) eingebettet sind. Sie färben sich mit Jod rotbraun, quellen in Wasser, besonders warmem, und lösen sich in siedendem. Die kolloidale Lösung färbt sich mit Jod rot. Ich habe während meines Aufenthaltes in Buitenzorg (1888) Amylodextrinstärke auch in den Arillen anderer _Myristica_arten gefunden (s. weiter unten). Im frischen Arillus findet sich, wie ich 1888 in Buitenzorg feststellte, in allen oder doch den meisten Amylodextrinzellen ein roter Farbstoff. Geht der Arillus in Fäulnis über, was bei auf den Boden fallenden Früchten rasch eintritt, so scheidet sich der Farbstoff in roten Kristallen (Nadeln, Blättchen) aus, die ich übrigens auch einige Male im frischen Arillus fand. Das Auftreten der Amylodextrinkörner geht mit dem Erröten des Arillus Hand in Hand. Der junge, noch in der unreifen Frucht eingeschlossene Arillus ist bleich und enthält keine Amylodextrinstärkekörner. Der geruchlose Arillus von Myr. glauca u. Myr. silvestris enthält rote Chromatophoren; Jod färbt die Farbstoffkristalloide erst blaugrün, dann gelb. Bei dem Arillus von Myr. glauca färbt Jod die roten Chromatophoren erst blau, dann blaugrün (~Tschirch~). Eingebettet in das Grundgewebe finden sich regellos verteilt, jedenfalls nicht die Randschichten bevorzugend, meist einzeln, selten zu 2-3gliedrigen Gruppen vereinigt, bis 105 (meist c. 70) mik große, bisweilen noch Öltropfen enthaltende, meist aber leere +Ölzellen+ mit verkorkter Wand und deutlicher resinogener Schicht (~Tschirch~) und innerer Haut. Die resinogene Schicht wird durch Alkalien braun, Kalipyrochromat und Chromat färbt nur wenig. Zahlreiche kleine (Spiralgefäße führende) Gefäßbündel, die oft stark obliteriert sind, durchziehen das Gewebe in der Längsrichtung.

Bei der Bombay-Macis (s. d.) enthalten die inneren Ölzellen ein gelbes, durch Ammoniak grünlich werdendes, die äußeren ein gelbrotes Sekret, das durch Ammoniak orange- bis rubinrot sich färbt. Kali löst das Sekret vollständig. Im mit Alkohol betupften Schnitt färbt Kalipyrochromat die Sekretzellen braunrot bis braunschwarz, Barytnitrat schwach blutrot. Papuamacis ist arm an Ölzellen. Sowohl Bombay- wie Papuamacis enthalten Amylodextrinstärkekörner. Bei der erstgenannten sind die Körner etwas größer (3,5-10 mik) und mehr rundlich, bei der zweiten 3-13 mik, knochenförmig, viereckig oder rundlich (vgl. auch weiter hinten).

Das +Pulver der Macis+ besteht vorwiegend aus den Amylodextrinstärkekörnern. Im Chloralpräparat werden Spiralgefäße, Epidermiszellen und Fragmente der Ölzellen sichtbar. Stärke fehlt. Doch sah ich einige Male Reste der stärkeführenden Samenschalepidermis, die beim Ablösen der Macis von der Samenschale mit abgerissen wird. Die meiste Macis wird gemahlen. Das Pulver gilt um so besser, je heller es ist.

Der Fruchtknoten enthält nur ein anatropes Ovulum. Das äußere Integument ist zurückgezogen, ausschließlich das innere, nur bis zur Hälfte des Nucellus reichende bildet die Mikropyle. Der Same geht aber hauptsächlich aus dem nur vom äußeren Integumente bedeckten hinteren Teile des Ovulums hervor (Details im Anatomischen Atlas). Auch die äußere Samenschale ist also im überwiegenden Teile des Samens ein Produkt des äußeren Integumentes und an der Bildung der inneren Samenschalpartien beteiligt sich nur an der Spitze des Samens das innere Integument, im übrigen sind sie Bildungen des Hüllperisperms. Die äußere Samenschale zeigt vier Schichten (vgl. Fig. 214): Eine äußere, von einer auch im reifen Samen oft noch Stärke führenden Epidermis bedeckte Parenchymschicht, in der die Gefäßbündel verlaufen, eine einreihige Schicht dünnwandiger Palissaden (Außen- oder Nebenpalissaden), eine breite Schicht hoher, stark verdickter Palissaden (Innen- oder Hauptpalissaden) und eine Reihe von Querfasern (diese fehlen bei Myristica argentea). Im bei weitem größten Teile des Samens gehen die Querfasern aus der Epidermis des Nucellus bzw. Perisperms, die Innenpalissaden aus der inneren Epidermis des äußeren Integumentes und die Außenpalissaden aus der unter dieser liegenden subepidermalen Zellreihe hervor. Nur dort, wo das innere Integument liegt, geht die Querfaserschicht aus der äußeren Epidermis dieses Integumentes hervor und nur in einem ebenfalls kleinen Gebiete um die Chalaza beteiligt sich auch die subepidermale Zellage des Nucellus an der Bildung der Mittelschicht.

Die 850-950 mik hohen, 15-19 mik breiten Innenpalissaden zeigen meist stark spiralleistenförmig verdickte Wände und führen Oxalatkristalle. Sie sind ungleich hoch, so daß die Außenseite dieser Schicht Berge und Täler bildet. An den Stellen, wo die Wellenberge liegen, führen die dort kurzen Außenpalissaden gewöhnlich braunen Inhalt, im unreifen Samen Gerbstoff. An der Spitze des Samens liegt an der Stelle, wo die Mikropyle lag, ein die beiden Integumente durchsetzender Kanal, der der Radicula bei der Keimung als Austrittsöffnung dient. An der Basis des Samens, der Chalaza, tritt das Raphebündel durch eine ovale Öffnung in das Innere des Samens ein.

Die sog. innere Samenschale, von der allein der Samenkern, die Muskatnuß des Handels, bedeckt ist, geht im größten Teile des Samens nicht aus Teilen der Integumente hervor, sondern ist eine Bildung des Nucellus resp. Perisperms, also keine echte Samenschale (~Voigt~, Details im Anatom. Atlas). In diesem sog. Hüllperisperm (~A. Meyer~) entsteht nämlich in den inneren Schichten ein Meristem und dieses erzeugt Sekundärperispermschichten. Die eigenartigen Zapfen und Leisten, die zu den sog. Ruminationsfalten des Samens werden, sind Bildungen dieses Sekundärperisperms. Das ringsumlaufende Primärperisperm ist hell und bündelfrei und besteht aus Parenchymzellen, die nicht alle Phlobaphen führen. Das kleinzelligere äußere, ringsumlaufende Sekundärperisperm ist mit Phlobaphenen erfüllt und führt aus nachträglich angelegten Procambiumsträngen entstehende Gefäßbündel, und zwar ausschließlich an den Stellen, von denen die Zapfen abgehen. Dies Sekundärperisperm ist aber nur der äußere Teil des von dem Meristem gebildeten Gewebes. Der nach innen zu abgeschiedene Teil wird bis auf geringe, am Rande der Zapfen sichtbar bleibende Reste nachträglich wieder resorbiert. Die Ruminationszapfen werden viel früher angelegt als das Endosperm. Ich fand noch in ziemlich weit entwickelten Samen das ganze schon reich gekammerte Innere von einer milchigen Flüssigkeit erfüllt. Erst ganz zuletzt wird vom Rande der Zapfen her das Endosperm angelegt, und erst wenn die Frucht aufspringt, beginnt sich der Inhalt der Endospermzellen zu differenzieren. Die von den Zapfen her gebildeten Endospermstreifen stoßen in der Mitte zusammen und verwachsen hier. Diese der Quellschicht bei anderen Samen entsprechende Zone zeigt auch hier ein abweichendes Verhalten. Während die übrigen Endospermzellen außer Stärke und Aleuron reichlich Fett enthalten, ist in dieser Zone, die in Form weißer, den Ruminationszapfen in einiger Entfernung folgenden Linien auf jeder durchsägten Muskatnuß sichtbar ist, nur Stärke vorhanden. Diese Linien sind, wie ich gezeigt habe, die +Keimbahnen+, auf denen die als Saugorgane dienenden Lappen der in das Endosperm eindringenden Cotyledonen bei der Keimung des Samens wandern, ernährt von der sich lösenden Stärke. Das ganze Endosperm ist beim frischen Samen farblos, weiß oder hornartig-fettglänzend. Es zeigt, herauspräpariert, wie ich mich in +Indien überzeugte+, keinerlei Geruch und besitzt einen nußartigen Geschmack.

Dort, wo der Embryo liegt, wird nicht nur kein Sekundärperisperm gebildet, sondern sogar das Nucellusgewebe vollständig resorbiert, das innere Integument, das hier an der Bildung der Samenschale teilnimmt, grenzt unmittelbar an den Embryo. Die Droge, d. h. der Samenkern, zeigt also, wenn man sie der Länge nach median durchsägt, folgendes Bild (Fig. 212). Zu äußerst liegt das Primärperisperm (Hüllperisperm I), ein aus gestreckten, dünnwandigen, verholzten Zellen bestehendes, bisweilen Phlobaphenmassen enthaltendes Gewebe, in dem sich (bisweilen korrodierte) +Kristalle in Form+ von Prismen, Blättchen, Wetzsteinen oder Zwillingen finden (Weinstein?). Die äußersten Zellen enthalten bei der gekalkten Droge sehr kleine Kalkkörnchen. Auf das Primärperisperm folgt das sich, da kleinzelliger, gut abhebende, äußere Sekundärperisperm (Hüllperisperm II), das, da es reich an Phlobaphenen ist, die natürlich braune Farbe der ungekalkten Muskatnüsse bedingt. Die Ruminationszapfen führen im unreifen Samen Stärke, im reifen frischen Samen zahlreiche große, oft aneinander stoßende Ölzellen, die ganz von einem hellgelben Öle erfüllt sind (Fig. 214). In der Droge besteht das Ruminationsgewebe aus meist leeren Zellen mit braunen Wänden, die infolge Infiltration resistent sind gegen Schwefelsäure. Die Endospermzellen enthalten eingebettet in bisweilen in Nadeln oder Blättchen auskristallisiertes +Fett+ (resp. Ölplasma), meist je ein durch Cochenille tingierbares (~Vogl~) +Aleuronkorn+ mit oft vortrefflich rhomboëdrisch oder in Form einer sechsseitigen Tafel ausgebildetem, oft lichtgelb gefärbtem Kristalloid (abgebildet bei ~Busse~ und im Anatom. Atlas) -- Globoide sind sehr selten --, sowie einfache oder zu 2-12 (selten bis 20) zusammengesetzte 3-18 (meist 10) mik große, mit einem Spalt versehene +Stärkekörner+. Die Stärke der Leitbahnen ist kleiner. Stärkearme und fettreiche Samen besitzen die am besten ausgebildeten Aleuronkörner. Bisweilen werden die großen Aleuronkörner von einigen kleinen begleitet. Hier und da finden sich im Endosperm gebräunte Zellen. Diese enthielten im unreifen Samen Gerbstoff.

Das +Pulver der Muskatnuß+ bietet wenig Charakteristisches. Es besteht vorwiegend aus Stärkekörnern und Fettschollen. Erhitzt man das Pulver mit Chloral, so erscheint das ganze Präparat mit Öltropfen übersät, die beim Erkalten kristallinisch erstarren. Gefäßbündelfragmente und Fetzen des Hüllperisperms finden sich allenthalben zerstreut.

=Lit.= ~Berg~, Anat. Atlas. -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1871, 31. -- ~Voigt~, Bau u. Entwickl. d. Samens u. Samenmantels von Myr. fragr. Diss. Göttingen 1885 und Bau u. Entw. von Sam. mit ruminiert. Endosp. usw. Ann. Jard. Buitenz. 7 (1887) 151. -- ~A. Meyer~, Wissensch. Drogenkunde. -- ~Tschirch-Oesterle~, Anat. Atlas t. 56 und 57. -- ~Busse~, Gewürze, Arbeit. d. kaiserl. Gesundheitsamtes 11 (1895) 390 und 12 (1890) 628. -- ~Tschirch~, Ges. naturforsch. Freunde 1887, Ber. d. Botan. Ges. 1888 und Angew. Anatomie. -- ~Tschirch~ (Keimungsgesch.), Ber. d. pharm. Ges. 1894, 260. -- ~Hallström~. Vgl. anat. Stud. über d. Samen d. Myristicac. (in ~Tschirch~, Indische Fragmente). Arch. Pharm. 1895 mit 3 Taf. -- ~Lüdtke~ (Aleuron), Ber. d. pharm. Ges. 1891, 56. -- ~Planchon~, Devel. et caract. d. vrais et d. faux arilles Ann. sc. nat. (3) 3, 303. -- ~Baillon~, Sur l’origine du macis etc. Compt. rend. 78, 799. Adansonia 5 (1870) 177, 11 (1876), 329 und Dict. d. botan. I (1876), 258. -- ~Tschirch~, Tagebl. d. Straßburger Naturforschervers. 1885. -- ~Warburg~, Haarbild. d. Myrist. Ber. d. bot. Ges. 1895. -- ~Planchon-Collin~, Drogues simpl. I, Fig. 315-320. -- ~Hartwich~ in Pharm. Praxis II, Fig. 41-49. -- ~Villiers et Collin~, Subst. aliment. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie, Fig. 385 bis 395. -- ~Vogl~, Kommentar. -- ~Goltsinski~, Myr. fragr. Dissert. Moskau 1894 (russisch) m. 7 Taf. -- ~Pfeiffer~, D. Arillargeb. d. Pflanzens. Engl. bot. Jahrb. 13 (1891) 524. -- ~Costerus~, Double nutmegs. Ann. jard. bot. Buit. XV 1898, 40. -- ~Janse~, Ann. jard. bot. Buitenzorg 1899, 17. -- ~Kraemer~ (Pulver), Proc. Amer. Pharm. Ass. 1898, 327. -- Abbild. auch in ~Rosen~, Anatom. Wandtafeln t. 27. -- ~Hassak~, Wandtaf. für Warenkunde t. 6.

=Chemie.= Das +Pericarp+ enthält 17,8% Wasser, 8,6% durch Äther Extrahierbares, 46,3% in Wasser lösliche Substanzen (darin Gerbstoff) und 1,7% Weinsäure (~Fromberg~).

Die Samenkerne, die =Muskatnüsse=, enthalten im Durchschnitt in Prozenten: Wasser 7,38 (4,2-12,2), Stickstoffsubstanz 5,49 (5,2-6,1), äther. Öl 3,05 (2,5-4), Fett 34,27 (31-37,3 resp. 32,2 ~Frühling~), Alkoholextrakt 11,98, stickstofffreie Extraktstoffe inkl. Stärke 37,19 (29,9-41,8), Rohfaser 9,92 (5,6-12), Asche 2,7 (2,2-3,3) (~König~ 1-4%), obere Grenzzahl (nach ~Hauke~) 3,5%; die Praxis verlangt als Maximum der Asche: 5%. Nach neueren Bestimmungen enthalten die Nüsse 8 bis 10%, äther. Öl (~Schimmel & Co.~) und 30-40% Fett. ~Busse~ fand 30,3 bis 40,5% Fett (nur bei der geringsten Sorte 15,65%), ~Greshoff~ 27,5-42,8%. «Trockenverlust»: 9,3-15%, Gesamtasche: 1,7-4,6% (bei Ölnüssen bis 6,7%). Gerbstoffe sind nur wenig vorhanden. Der alkoholische Auszug färbt sich mit Eisenchlorid kaum dunkler. Muskatnuß enthält wechselnde Mengen +Stärke+ (nach ~König~ 23,67%), sowie 1,52% +reduzierenden Zucker+ und 0,56% +Saccharose+ (~Bourquelot~). Ferner ein +Xylan+ (~Brachin~), eine +Lipase+ (~Mastbaum~), ein +Saponin+ (~Dekker~) und +Farbstoffe+. (Vgl. auch weiter unten unter Preßkuchen.) Magere Nüsse haben ein spez. Gew. = 1,059, middelbare 1,070, vette 1,115. Diese sinken also in Wasser von 15° unter.

Die +Samenschalen+ enthalten 1% Fett, 2,2% Asche und 62,6% «Cellulose» (~Ranwez~).

Die =Muskatbutter= (Muskatfett, Oleum s. butyrum s. balsamum nucistae, Ol. nuc. moschatae expressum, Ol. myristicae, beurre de muscade -- butter of nutmeg, expressed oil of nutmeg -- notenzeep, bandazeep, muskaatzeep, notenvet) bildet ein bräunlichgelbes bis rötlichbraunes festes Fett von der Konsistenz eines weichen Talgs, muskatartigem Geruch und bitterem Geschmack. Durch langes Mazerieren mit Alkohol kann es fast farblos und geruchlos erhalten werden, da die Fettsubstanz in kaltem Alkohol wenig löslich ist, Riech- und Farbstoffe dagegen sich darin lösen. In 4 (nach ~Dieterich~: 10-12) Teilen siedendem Alkohol ist es bis auf die bisweilen darin vorkommenden Pflanzenreste löslich, ebenso in Äther, Chloroform und Benzol. Letzteres läßt den größten Teil der Farbstoffe ungelöst. Bei 45-51° schmilzt es zu einer rotbraunen, trüben Flüssigkeit, die keinen merklichen Bodensatz zeigen darf (Ph. helv. IV). Mikroskopisch betrachtet zeigt die Muskatbutter reichlich Kristallnadeln von Myristin, bisweilen auch Gewebsreste des Samens und Stärkekörner. Beim Einlegen in die ~Hartwich-Uhlmann~sche Kali-Ammoniakmischung entstehen große sternförmige Konglomerate kurzer, derber Kristallnadeln. Die Muskatbutter ist ein nicht immer konstantes Gemisch von +Fett+, +ätherischem Öl+ und «+Farbstoff+». Letzterer ist seinerseits wieder ein Gemisch verschiedener, nicht näher bekannter Körper. ~Koller~ fand (1864) in %: Äther. Öl 6, Myristin 70, «Elaïn» 20, saures Harz 3, «Butyrin» (nebst Spuren flüchtiger Säuren) 1.

Das +Fett+ besteht zu c. 45% aus +Myristin+ (Sericin, ~Playfair~), dem +Glycerinester+ der von ~Playfair~ 1841 entdeckten +Myristinsäure+ (C₁₄H₂₈O₂). Behandelt man das Fett mit kaltem Alkohol, so bleibt das Myristin zurück und kann durch Umkristallisieren aus Äther in bei 55° schmelzenden Kristallen erhalten werden. Der in kaltem Alkohol lösliche Teil besteht vorwiegend aus +Olein+. ~Power~ und ~Salway~ fanden 1908 in ausgepreßtem Muskatfett in % (außer 12,5% äther. Öl): +Trimyristin+ 73,0, +Olein+ 3,0, +Linolsäureglycerid+ 0,5, sehr wenig +Ameisensäure+-, +Essigsäure+-, +Cerotinsäure+-Ester, Unverseifbares 8,5, Harz 2. In dem Unverseifbaren ist (zu 5% des Ganzen) eine Substanz C₁₈H₂₂O₅, dann +Myristicin+ (C₁₁H₁₂O₃) und eine kleine Menge +Phytosterol+, C₂₀H₃₄O (F. = 134-135°), enthalten. +Stearinsäure+ (~Römer~) fehlt.

Muskatbutter zeigt folgende Konstanten: +Spez. Gew.+ 0,95-1,04 (~Reinwardt~), 0,945-0,996 (~Dieterich~), meist 0,990-0,995. Schmelzpunkt: 41,5-48° (bis 51° ~Uricoechea~), 33-57° (~Dieterich~). Erstarrungspunkt: 41,5-42 (~Rüdorff~, ~Wimmel~). Verseifungszahl: 134,5-178, also stark schwankend. V. Z. h.: 153,3-196,1 (~Dieterich~). Säurezahl: 14-44,8, bisweilen aber auch 56-86,8, ja 93,2, 118,8 u. 125 (~Dieterich~). Jodzahl: 33,3-57,3 (~Dieterich~), 48-65,1 (~Wijs~). Die Schwankungen in der Jodzahl rühren nicht von dem ätherischen Öl her (~Lewkowitsch~). Brechungsexponent bei 40°: 1,4700-1,4705 (~Utz~). Butterrefraktometer bei 40°: 66,4-67,2 Skalenteile (~Utz~). Erstarrungspunkt der Fettsäuren: 40° und Schmelzpunkt derselben 42,5 (~Hübl~). Die sog. «Konstanten» sind also sehr inkonstant. +Mit Äther extrahiertes Fett+ zeigte spez. Gew.: 0,996, Schmelzpunkt: 51°, Säurezahl: 22,4, Verseifungszahl: 154-159,6. Das durch Pressen erhaltene Öl ist nicht ganz identisch mit dem durch Extraktion erhaltenen, wennschon ziemlich ähnlich. Denn ~Power~ und +Salway+ fanden 1908:

----------------+--------+------------+------------------+------------ | Ausge- | Mit Äther |Ausgepreßt. Fett | Gesamte |preßtes |extrahiertes| | | Fett | Fett |frei von äther. Öl| Fettsäuren ================+========+============+==================+============ Schmelzpunkt | 48° | 50° | 49° | 49° Dichte 50°/50° | 0,9399| 0,9337 | 0,9443 | 0,9012 Säurezahl | 11,2 | 12,9 | 14,0 | 218,3 Verseifungszahl |174,6 | 180,5 | 199,6 | -- Jodzahl | 57,8 | 45,7 | 35,7 | 23,1

⅔ des ätherischen Öls des Samenkerns treten in das Fett über (~Reinwardt~), welches wenigstens 4-8% ätherisches Öl zu enthalten pflegt.

Das =ätherische Öl= der Muskatnüsse und der Macis ist «kaum zu unterscheiden». Die Unterschiede sind nur quantitative (~Schimmel~). ~Koller~ erklärte sie für identisch (?); doch hat das Macisöl ein etwas höheres spez. Gew. und ein etwas anderes Drehungsvermögen als Muskatnußöl [Macisöl: 0,890-0,930 αD = +10-20°. Muskatnußöl: 0,865-0,920 αD = +14-30°]. Das Muskatnußöl enthält mehr Terpene (~Schimmel~). Im Handel gehen beide unter dem Namen Macisöl. Aber es ist unzulässig das Öl der Muskatnüsse dem Öl der Macis einfach zu substituieren und ganz unzulässig (D. A. IV) das Wort Muskatnußöl als synonym mit Ol. Macidis anzuführen oder (D. A. V) das Öl der Samenkerne ebenfalls Ol. Macidis zu nennen, auch wenn man die Drehung auf αD 20° = +7°- +30° und das spez. Gewicht auf 0,870-0,930 erweitert. Es enthält +Pinen+ (~Schacht~), (~Wallach~, ~van Romburgh~ = Macen), +Dipenten+ (~Semmler~, Myristicen ~Gadstone~ ist ein Gemisch von Dipenten und Pinen). Cymol (~Wright~) fehlt (~Semmler~) oder ist vielleicht aus dem +Myristicol+ (C₁₀H₁₆O ~Wright~, ~Gladstone~), das wohl kein Individuum ist, entstanden, dem aber ~Brühl~ die Formel:

C₃H₇ C₃H₇ C C / \\ // \ HC CH HC CHOH || | oder | | HC CHOH HC CH₂ \ / \\ / C C CH₃ CH₃

gibt. In den höher siedenden Anteilen: +Myristicin+ (C₁₁H₁₂O₃) nach ~Semmler~:

CH₂--CH = CH₂ | C / \\ HC CH || | CH₃OC CO \ / \ C CH₂ O /

nach Macis riechend -- vielleicht aus einem primär vorhandenen flüssigen Phenoläther erst bei der Verarbeitung entstehend. ~Salway~ schreibt die bei der Oxydation entstehende Myristicinsäure:

COOH C / \\ COOHC CH || | CH₃O.C CO \ / \ C CH₂ O /

(das Myristicin von ~John~ und ~Mulder~ ist Myristinsäure, ~Flückiger~). In den zuletzt übergehenden Anteilen findet sich ein +Phenol+ (~Semmler~). Bei der Destillation des Öls geht oft Myristinsäure über (~Flückiger~). ~Power~ und ~Salway~ fanden im Öl (1907): +Eugenol+ und +Isoeugenol+ (c. 0,2%), d-+Pinen+ und d-+Camphen+ (c. 80%), +Dipenten+ (c. 8%), d-+Linalool+, d-+Borneol+, i-+Terpineol+, +Geraniol+ (zusammen c. 6%), einen neuen +Alkohol+, der bei der Oxydation ein Diketon (C₈H₁₄O₂) gibt, einen citralähnlichen +Aldehyd+, +Safrol+ (c. 0,6%), +Myristicin+ (c. 4%), +Myristinsäure+ (0,3%, etwas auch als Ester), dann Ameisensäure, Essigsäure, Buttersäure, Octylsäure und eine neue Säure, C₁₃H₁₈O₃, alle als Ester. +Myristicol+ halten ~Power~ und ~Salway~ +für ein Gemisch, in dem Terpineol vorwaltet+. ~Schimmel & Co.~ destillierten 1893 bedeutende Mengen Muskatnußöl, zum Teil aus den Preßrückständen der Muskatbutterbereitung.

Im +Preßkuchen+ fanden ~Power~ und ~Salway~ die Bestandteile des Muskatfettes wieder, speziell +Phytosterol+, die Substanz C₁₈H₂₂O₅, +Myristinsäure+ und +Trimyristin+, +Essigsäure+, +Cerotinsäure+, +Eugenol+, +Isoeugenol+, +viel+ d-+Glukose+, Gerb- und Farbstoffe, sowie Harze, endlich als neu eine sehr geringe Menge +Diacetylpuranol+ (C₂₃H₃₈O₄[COCH₃]₂).

=Banda Macis.= Banda Macis enthält in Prozenten: Wasser: (4,9) 17,59-18,21, Protein: (4,6) 5,44-7,8, Fett: 18,6-29,1, äther. Öl: 3,37-5,26. In Zucker überführbare Stoffe: 41,2-44,59, Alkoholextrakt: 45,1-55,7, Holzfaser: 3,7-4,93 (bis 8,9), Asche: 1,6-4,1 (~Arnst~ und ~Hart~, ~Laube~ und ~Aldendorff~, ~König~). Der Fettgehalt beträgt meist 22,64-23,68% (~Busse~), 18,6-29,08% (~Laube~ und ~Aldendorff~, ~Richardson~, ~Arnst~ und ~Hart~), in der Trockensubstanz bis 35%. Macis enthält ätherlösliches Harz: 1,18-4,09%, alkohollösliches Harz: 3,83-3,95%, Asche: 1,70-2,8 (~Busse~). Obere Grenzzahl der Asche (nach ~Hauke~): 2,5%. ~Hauke~ fand 1,61-2,32%. Macis enthält (nach der Natriumsalicylatmethode bestimmt): 8,38 bis 8,44% äther. Öl (~Lenz~). Macis liefert destilliert 4-15 (ja bis 17)% äther. Öl (~Schimmel~, ~Semmler~) vom spez. Gew. 0,890-0,930. ~Hänsel~ stellt ein terpenfreies Macisöl her.

Das +«Fett» der Macis+ zeigt eine vom Samenfett abweichende Beschaffenheit, wie aus den Beobachtungen von ~Späth~, die sowohl bei ~Benedict-Ulzer~ wie bei ~Lewkowitsch~ fälschlich auf Samenfett bezogen werden, hervorgeht. Er fand bei aus +Macis+ (von Banda, Menado, Penang und Sansibar -- wohl alle von M. fragr.) extrahiertem Fett Schmelzpunkt: 25-26°, Verseifungszahl: 169,1-173, Jodzahl: 75,6-80,8, +Reichert-Meissl+-Zahl: 4,1-4,2, Refraktometeranzeige: 74-84,5. Demgegenüber bemerkt ~Flückiger~ (1891): «Indem ich Macis mit siedendem Äther erschöpfte und diesen abdestillierte, erhielt ich 24,5% bei 100° getrocknetem, weichem, harzartigem Rückstand, in welchem ich nicht imstande war, Fett nachzuweisen.» Offenbar ist hier als «Fett» oft ein Gemenge bezeichnet worden, das noch vielerlei andere Bestandteile enthält und dem vielleicht eigentliches Fett ganz oder fast ganz fehlt.

Schon ~Henry~ fand (1824) in der Macis einen eigenen gummiartigen Stoff, der sich mit Jod purpurn färbte und mit Schwefelsäure Zucker gab. ~Flückiger~ nannte den Körper «Maciscellulose». Ich zeigte 1888, daß Banda-Macis neben +Dextrin+ und +Zucker+ (c. 2-4%, nach ~Flückiger~ 1,4%) 25% +Amylodextrinstärke+ enthält (vgl. oben S. 676). Dieselbe läßt sich in der Weise daraus darstellen, daß man durch kaltes Wasser Dextrin und Zucker, durch kalten Alkohol das ätherische Öl und den Farbstoff, durch siedenden Alkohol und Äther das «Fett» entfernt und dann durch oft wiederholtes vielstündiges Auskochen des Rückstandes die Amylodextrinstärke in Lösung bringt. Der Rückstand liefert 46,5% Amylodextrinstärke (~Tschirch~). ~Brachin~ fand in Macis keine Saccharose, sondern ein rechtsdrehendes +Pektin+ und +Galaktane+.

Durch Einschnitte in die Rinde liefern Myr. fragrans, Myr. malabarica, Myr. glabra und Myr. succedanea einen dem Malabar+kino+ ähnlichen Stoff, der krist. Calciumtartrat enthält (~Schär~). Auch Myr. Teysmanni, Virola sebifera u. and. verhalten sich ähnlich (~Eijkmann~).

=Lit.= ~John~, Myristicin, ein näherer Bestandteil der Muskatennuß. Chem. Schriften 5 (1821), 61. -- ~Bonastre~, Pres. d. l. fécule dans la noix musc. Journ. pharm. 9 (1823), 281. -- ~Henry~, Examen du Macis. Ebenda 10 (1824), 281. -- ~Fromberg~, Natuurk. Tijds. Ned. Ind. 11, 207. -- ~Eijkmann~, Ned. Tijdschr. 1887. -- ~Schär~ (Kino), Pharm. Journ. 1896. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Busse~, Muskatnüsse. Arbeit. d. Kais. Gesundheitsamt. 11 (1895), 391. -- ~König~, Nahr.- u. Genußm. -- ~Frühling~, Z. Unters. gemahl. Gew. Chem. Zeit. 1886, 525. -- ~Arnst~ und ~Hart~, Zeitschr. angew. Chem. 1893, 136. -- ~Balland~, Journ. pharm. 1903, 294. -- ~Brachin~, Ebenda 1903, 16. -- ~Mastbaum~, Chem. Rev. d. Fettind. 1907, 5. -- ~Dekker~, Pharm. Weekbl. 1909, 16. --

+Fett.+ ~Playfair~, Ann. d. Pharm. 37 (1841), 153. Edinb. Phil. Mag. 1841. -- ~Brandes~, Ann. d. Pharm. 7, 52. -- ~Brilmann~, Tijds. Ned. Ind. 1841, 318. -- ~Comar~, Jahresb. d. Chem. 1859, 366. -- ~Koller~, Viertelj. pr. Pharm. 13 (1864), 504, N. Jahrb. Pharm. 23, 136. -- ~Ricker~, N. Jahrb. Pharm. 19, 17. Jahresb. d. Pharm. 1863, S. 37. -- ~Witte~, Ebenda 38. -- ~H. Schiff~ (Myristinsäure), Lieb. Ann. 1880. -- ~Römer~, Vork. kohlenstoffreich. Fettsäuren. Dissert. Halle 1882. -- ~E. Schmidt~ u. ~Römer~, Arch. Pharm. 1883, 34. -- Helfenberger Ann. 1902, 1904, 1905. -- ~Hooper~, Agricult. Ledger 1907. -- ~Power~ u. ~Salway~, Transact. chem. Soc. 1908, 1653.

+Äther. Öl.+ Ältere Unters. b. ~Gildemeister-Hoffmann~. -- ~Schacht~, Dissert. de oleo macidis 1862. Arch. Pharm. 1862, 106. -- ~Koller~, N. Jahrb. d. Pharm. 23 (1864), 136. -- ~Cloëz~, Journ. pharm. 1864, 150. -- ~Gladstone~, Journ. chem. soc. 1872, 1. -- ~Wright~, Ebenda

1873, 549. -- ~Wallach~, Lieb. Ann. 227 (1884), 288 u. 252 (1881), 105. -- ~Flückiger~, Pharm. Journ. 5 (1874), 136. -- ~Semmler~, Ber. d. chem. Ges. 23 (1890), 1803 und 24 (1891), 3818. -- ~Brühl~, Ebenda 21, 472. -- ~Thoms~ (Myristicin), Constitut. d. Myristicins Arb. d. pharm. Inst. Berlin I, 18, Naturforschervers. Cassel 1903. -- ~Schimmels~ Ber. 1893, 1898. -- ~Allen and Brewis~ (Optische Drehung), Pharm. Journ. 66 (1901), 328. -- ~Salway~ (Nitromyristicins.), Transact. chem. soc. 1911.

+Macis.+ ~Henry~, Examen du Macis, Journ. pharm. 10 (1824), 281. -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1871. -- ~Tschirch~, Ber. d. Bot. Ges. 1888, 138. -- ~Hallström~, Arch. Pharm. 1895. -- ~Brachin~, Hydrat d. carb. d. la Noix muscade et d. Macis. Journ. pharm. 18 (1903), 16. -- ~Busse~, Arb. d. kais. Gesundheitsamtes 12, 628. -- ~Arnst~ u. ~Hart~, Zeitschr. ang. Chem. 1893, 136. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. 3. Aufl. -- ~König~, Nahr. u. Genußm. -- Vgl. auch hinten unter Bombay-Macis. -- Asche: ~Hauke~, Aschengehalte 1902. -- ~Moor and Priest~, Pharm. Journ. 1900, 112.

=Verfälschungen.= Selbst die ganzen +Muskatnüsse+ werden verfälscht. Eine ganze Schiffsladung aus Holz nachgemachter Muskatnüsse beobachteten ~Chevalier~ und ~Baudrimont~ (1861), aus Mehl, Ton und Muskatnußpulver zusammengesetzte künstliche wurden 1831 und 1833 beobachtet, aus Leguminosenmehl und Muskatpulver zusammengeknetete erwähnt ~Busse~, solche aus Buchweizenmehl, Ton, Muskatbutter und Farbstoff ~Waage~ (1898). Am häufigsten sind aus einem Gemisch von gemahlenem Muskatnußbruch und mineralischen Substanzen durch hydraulische Pressen hergestellte im Handel (~van der Planken~ und ~Ranwez~ 1900). Sie haben sogar einen eigenen Handelsnamen («Bombay Muskatnüsse»). Beim Durchschneiden der gefälschten Nuß beobachtet man das Fehlen jeglicher vegetabilischen Struktur, beim drei Minuten langen Behandeln mit kochendem Wasser wird die Nuß weich und läßt sich zwischen den Fingern zerreiben. Der Aschengehalt beträgt 11-18% (bei der echten Nuß 2-3%), der Fettgehalt nur c. 15%, auch sind diese gefälschten Nüsse im allgemeinen schwerer. Oft finden sich -- auch heute noch -- wurmstichige Nüsse, deren Bohrlöcher mit Kalk oder einer Kalk-Fett-Mehlmischung verstopft wurden. Dagegen scheinen «extrahierte» Nüsse nicht mehr beobachtet zu sein. Die Angabe, daß die Löcher wurmstichiger Muskatnüsse durch _Sassafras_pulver ausgefüllt wurden, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Die langgestreckten Nüsse von M. argentea, M. fatua und M. malabarica kommen wegen ihrer abweichenden Form nicht als Verfälschungen in Betracht.

Das Muskatnußpulver fand ~Ranwez~ (1900) mit dem Pulver der Schalen verfälscht. Bisweilen wird das Muskatnuß- und Macispulver durch Verreiben mit Milchzucker hergestellt, da beide wegen des Ölgehaltes schwer zu pulvern sind.

Als Verfälschung der +Macis+, besonders des Pulvers, ist neuerdings (seit 1881) vielfach Bombay-Macis (vgl. S. 691) beobachtet worden. Bombay-Macis scheint besonders nach Holland (Amsterdam) und Deutschland exportiert und erst dort zur Verfälschung der Macis gemahlen zu werden. ~Busse~ empfiehlt zur Erkennung der Bombay-Macis die +Chromat+probe (~Waage~): Erhitzen des alkoholischen Auszuges mit Kaliumbichromat, Bombay-Macis-Auszug färbt sich braun, Banda-Macis höchstens chromgelb; ferner die +Ammoniakprobe+ (~Tschirch-Hallström~): Bombay-Macis-Auszug wird tieforange bis gelbrot, Banda-Macis gelblich-rosa und die +Barytprobe+ (~Busse~): mit dem Auszuge getränkte, getrocknete Filtrierpapierstreifen werden durch Eintauchen in siedendes, gesättigtes Barytwasser und nachheriges Trocknen bei Banda-Macis blaßrötlich, bei Bombay-Macis ziegelrot. Ich empfehle den spektralanalytischen Nachweis (s. S. 691). Da Bombay-Macis sehr viel «Harz» enthält (vgl. S. 691), so ist eine Banda-Macis, die nach dem Entfetten mit Petroläther mehr als 4% Ätherextrakt liefert, verdächtig. ~Nestler~ (Über Macisverfälschungen. Ztschr. f. Unters. d. Nahrungsmittel [1903], Nr. 22) fand unter 104 Macisproben, die innerhalb 4 Jahren untersucht wurden, 37 Proben als verfälscht. In 17 Proben war ein mehr oder weniger starker Zusatz von Bombay-Macis zu Banda-Macis, in anderen Banda-Macis und Kukuruzmehl oder Bombay-Macis und Kukuruzmehl gemacht worden. Einige Proben enthielten überhaupt keine Macis, sondern waren künstlich aus Kukuruzmehl, gepulverter Semmel, Sandelholz und Curcuma hergestellt worden. Zur Fälschung fanden sich überhaupt Zusätze von Kukuruzmehl, gepulverter Semmel, Sandelholz, Curcuma oder Zimtrindenpulver, einzeln oder mehrere gemischt, vor. Auch von anderer Seite ist Curcuma als Verfälschung beobachtet (Borsäurereaktion des Auszuges) sowie das gemahlene Pericarp der Frucht. Ferner sollen Nüsse, Zwieback (~Späth~), Ocker und Schwerspath vorgekommen sein. Papuamacis ist im Pulver weder mikroskopisch noch chemisch sicher nachzuweisen. Die Arillen der M. fatua scheinen jetzt nicht mehr (wie im XVII. Jahrh.) als Verfälschung benutzt zu werden.

Die mittlere Zusammensetzung der drei Macissorten wird durch folgende bei König reproduzierte Tabelle illustriert:

--------------+--------+-------+------------+------------+-----------+ | Anzahl |Wassser|Stickstoff- | Gesamt- |Ätherisches| Bezeichnung | der | |Substanz |Ätherextrakt| Öl | |Analysen| | | usw.) | | ==============+========+=======+============+============+===========+ | | % | % | % | % | Echte Macis | 20 | 10,48 | 6,33 | 23,25 | 7,43 | Papua „ | 6 | 9,18 | 6,68 | 54,28 | 5,89 | Wilde (Bombay)| | | | | | Macis | 5 | 7,04 | 5,05 | 60,06 | Spur |

--------------+-------------+-------------+--------------------+ | Fett- |Harz löslich | Stärke | Bezeichnung |Petroläther- | in |(Amylodextrinstärke)| | Extrakt |Äther|Alkohol| | ==============+=============+=====+=======+====================+ | % | % | % | % | Echte Macis | 21,85 | 2,59| 3,89 | 24,54 | Papua „ | 52,72 | 0,88| 1,92 | 8,78 | Wilde (Bombay)| | | | | Macis | 32,64 |30,99| 3,19 | 14,51 |

--------------+------------------+--------+-----+------------- | Sonstige |Rohfaser|Asche|Von der Asche Bezeichnung | stickstofffreie | | |in Wasser |Extraktionssstoffe| | |löslich ==============+==================+========+=====+============= | % | % | % | % Echte Macis | 29,12 | 4,20 | 2,11| 1,03 Papua „ | 14,41 | 4,57 | 2,10| 1,11 Wilde (Bombay)| | | | Macis | 3,79 | 8,17 | 1,38| 0,97

Die Bestimmung des Petrolätherextraktes, Harzes, der Stärke und Rohfaser sind nicht in allen Proben ausgeführt, daher entsprechen diese Zahlen nicht ganz denen für die anderen Bestandteile.

Fälschungen der +Muskatbutter+ sind jetzt relativ selten. Doch kommt bisweilen gefärbter und durch Erwärmen mit Muskatnußbruch parfümierter Talg als Muskatbutter im Handel vor. In früherer Zeit wurden Cetaceum, Talg, Butter, Cacaobutter, Palmöl, Wachs angegeben -- (ob aber wirklich beobachtet?). Auch ein Parfümieren mit Sassafras finde ich angegeben (~Bernays~ 1883). Muskatbutter muß sandfrei sein, also zu einer klaren Flüssigkeit schmelzen. Als Verfälschung ist das Fett der M. argentea beobachtet (~Krasser~). Verfälschung mit Ucuhubafett ist an der Rotfärbung mit konz. H₂SO₄ oder H₃PO₄ zu erkennen (~Schädler~). ~Utz~ hat die Bestimmung des Brechungsindex zur Erkennung von Fälschungen benutzt. Ein Zusatz von Schweinefett, Cacaobutter, Cocosfett, Olivenöl und Talg erniedrigt, ein Zusatz von Lanolin, Paraffin, Vaselin oder Wachs erhöht die Refraktometeranzeige.

=Lit.= ~Soubeiran~, Nouv. Dict. d. Falsific. etc. 1874. -- ~Chevalier et Baudrimont~, Dict. altérat. et d. Falsific. d. subst. aliment. 1882. -- ~Busse~, Muskatnüsse, Arbeit. d. Kais. Gesundheitsamt. 11 (1895), 390 u. Nachweis von Bombay-Macis. Zeitschr. Nahrungsm. 1904. -- ~van der Planken~ und ~Ranwez~, Falsific. d. noix de musc. Ann. de Pharm. 1900, 6, 1. -- ~Ranwez~, Fals. d. l. poudre d. musc. par les coques de musc. Ann. ph. 1900. -- ~Krasser~, Verfälsch. d. Muskatnüsse u. d. Macis. Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1897, 791 und Bemerk. über Ol. myrist. u. Oleum Mac. Ebenda S. 824. -- ~Waage~, Handwörterb. d. Pharm. 1893, II, 169. -- ~Nestler~, Macisverfälschungen. Zeitschr. Unters. d. Nahrungsm. 1903. -- ~Schindler~, Pharm. Zeit. 1902, Nr. 38. -- ~Utz~, Chem. Rev. d. Fett- usw. Industr. 1903, 11. (Siehe auch unter Bombaymacis S. 692.)

=Anwendung.= In Zucker eingemachte unreife Muskatfrüchte von Ambon sind in Indien sehr beliebt (sie kamen schon im XVII. Jahrh. nach Europa, ~Bauhins~ nux condita des ~Ruellius~, in der Straßburger Taxe 1646: Nux moschata condita indica, in der Prager Taxe 1659: Nuc. ind. cond.), ebenso ein aus der Fruchtschale hergestelltes Gelée (maniessan pala, maniessan = Süßigkeit, Leckerei). Auch das Fruchtfleisch wird in Zucker oder Essig eingelegt als Konfekt oder Pickle in Indien gegessen. Die Macis wird von vielen Vögeln verspeist (s. oben S. 666).

Bei größeren Mengen der Droge ist narkotische Wirkung beobachtet. Es gibt noch heute Leute, die Muskatnüsse als sympathetisches Mittel gegen Furunkeln am Halse tragen. Muskatnuß gilt als Rheumatismusmittel und wird auch als Stomachicum, Stimulans und Carminativum bei Magen- und Darmkatarrh und Dyspepsie, auch als Substitut für Opium benutzt. Viel verwendet war ~Goelis~ Kinderpulver (pulvis nucis moschatae cps. sive antiscrophulosus Goelisii). Ein Abortivum sind sie nicht, obwohl das Volk sie als solches gelegentlich benutzt. Die Maximaldose gibt U. S. Pharm. auf 0,5 g an. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Muskatnuß infolge von im Ruminationsgewebe sitzenden Substanzen unbekannter Zusammensetzung in größeren Dosen giftig wirken kann (bisweilen schon bei einer halben Muskatnuß). Schon ~Rumph~, ~Bontius~, ~Lobelius~, ~Schmid~ und ~Cullen~ berichten über solche Fälle und ~Wibmer~ hat die bis 1837 beobachteten zusammengestellt. (Einige Vergiftungsfälle auch in ~Lewins~ Toxicologie.) ~Purkinje~ schildert die Wirkung: Verringerung der Sinnestätigkeit, Trägheit der Bewegungen, an Besinnungslosigkeit grenzende Schlaflosigkeit; ~Pereira~ spricht von Betäubung und Gefühllosigkeit. ~Hermann~ wollte schon im XVII. Jahrh. einen Stoff isoliert haben, der wie Opium einschläfernd wirkt (zitiert bei ~Valentini~) Über die toxische Wirkung, die ~Power~ und ~Salway~ auf das Öl beziehen, da sie weder Alkaloide noch ein Toxalbumin nachweisen konnten, vgl. ~Cussny~, Proc. Royal Soc. Med. 1908, I, 39, ~Wallace~, Contrib. to medical research dedicat. to ~Vaughan~. Ann. Arbor 1903, ~Power and Salway~, Chem. exam. and physiol. act. of nutmeg. Amer. journ. pharm. 1908 und ~Mendelsohn~, Deutsch. Med. Wochenschr. 1907, 2201. Über die angebliche Abortivwirkung: ~F. Jürss~, Beitr. z. Kenntn. d. Wirk. einig. als Volksabortiva benutzten Pflanzen (Tanacetum, Thuja, Myristica). Stuttgart 1904.

Muskatbutter wird im Archipel als Einreibungsmittel bei Rheumatismus verwendet, in Europa noch jetzt zu Einreibungen des Unterleibes (Magenbalsam), bei Kolik, Diarrhöe usw. (meist mit Wachs und Olivenöl gemischt, Balsamum nucistae). Das beim Volke beliebte ~Klepperbein~sche Magenpflaster enthält Ol. myristicae, wie das in Frankreich benutzte Pomatum nervinum.

Die auf den sich in der Nähe der Notenkombuis aufhäufenden und dort oft in besonderen Gruben verrottenden abgelösten Fruchtschalen sich entwickelnde Agaricinee (djamur pala = Muskatpilz) wird gegessen.

=Geschichte.= Die Alten kannten die Muskatnuß und die Macis nicht. Weder das κωμακόν des ~Theophrast~ (vielleicht Cubebe?), noch das narcaptum (nascaphton) oder der βάλανος μυρεψικί (glans unguentaria [Moringa oleifera?]) des ~Dioskurides~, noch das caryopon des ~Plinius~ (das Samenöl einer syrischen Pflanze?), noch der macer, macir, machir, μάκειρ der Alten (nach ~Thomson~ [Mitteilung an ~Hanbury~] die Rinde des schon von ~Acosta~ als Macer abgebildeten Ailanthus malabarica ~Dc.~) beziehen sich hierauf. Das bei ~Plautus~ (im Pseudolus III, 2) vorkommende Wort macis ist dort eine Phantasiebildung. Der Name macer wurde erst von ~Serapion~ und ~Averrhoes~ auf die Macis übertragen und blieb ihr dann. Nur eine einzige Stelle kann uns zweifelhaft machen, die nämlich bei ~Celsus~ (V, 18): «+glandis+, quam βάλανον μυρεψικήν Graeci vocant, +cortex+», doch stimme ich ~Warburg~ bei, daß auch hier nicht Macis gemeint ist. Es ist wahrscheinlich, daß die Myristica von den Ureinwohnern der Bandainseln gar nicht beachtet wurde (~Crawfurd~). Den Indern war die Muskatnuß kaum viel früher wie den Europäern bekannt. Doch findet sie sich schon in ~Suśrutas~ als dschati (= jadi) erwähnt (weitere Nachweise bei ~Martius~). Jedenfalls kam Muskatnuß erst durch die Araber nach Europa. Die erste, aber unsichere Erwähnung finden wir in einem Räuchermittel, Suffumigium moschatum, das ~Aëtius~ (VI. Jahrh., vgl. I, S. 591) mitteilt. Dasselbe besteht aus Nelken, Nardus, Costus, Calmus, Santel und Nuces indicae; letztere +können+, wie ~Caesalpini~ und ~Flückiger~ meinte, an +dieser+ Stelle Muskatnuß bedeuten. Deutlicher erwähnt sie im VII. Jahrh. das syrische Compendium von ~Ahroun~ (~Aron~, bei ~Serapion~ zitiert): Jeusbaue est nux muscata et affertur a India. Ausführlicher, auch über die Heilkraft, spricht sich dann ~Ishac ben Amrân~ (I, S. 598) aus (Stelle aus ~Serapion~ zitiert bei ~Warburg~), der von der Macis bemerkt: Est cortex nucis muscatae und sie schon gut von der harten Samenschale und dem Samenkern unterscheidet. Muskatnuß steht im Kitâb aš šagar (vor 980).

Im X. Jahrh. erwähnt die Muskatnuß auch ~Kurdadbah~ (I, S. 616) unter den Ausfuhrartikeln Indiens. Weiter nach Osten verlegt ~Masudi~ (I, S. 616) die Heimat und ~Edrisi~ (I, S. 617) nennt die Inseln des Meeres Senf (= Sandji, d. h. Sunda, ~Warburg~). Später finden wir sie dann bei ~Rhazes~ (I, S. 597), ~Mesuë~ (I, S. 599), ~Algâfaqî~ (I, S. 608), der Macer und Macis gut auseinander hält, ~Avicenna~ (I, S. 602), ~Serapion~ (I, S. 604) und vielen anderen. Doch blieb die Pflanze noch lange unbekannt und noch ~Ibn Batuta~ hält im XIII. Jahrh. die Muskatnuß für die Frucht des Nelkenbaumes und Macis für die Blüte des Muskatbaumes, und ~Jacobus Vitriacus~ († 1244) und ~Thomas Cantipratensis~ wiederholten das, was ~Platearius~ sagte: Le macis est le fleur ou l’ecorce de la noix muscade.

In der europäischen Literatur erwähnt die Muskatnuß zuerst ~Simon Seth~ (I, S. 593) als κάρυον ἀρωματικόν und ~Constantinus Africanus~ (I, S. 633) gedenkt sowohl der nux muscata wie der Macis. Wir finden sie bei der ~Hildegard~ (I, S. 667), die sich ausführlich über die medizinische Verwendung äußert, bei ~Albertus Magnus~ (I, S. 675) im Grabaddin, im Antidotarium ~Nicolai~, bei ~Matthaeus Silvaticus~, ~Simon Januensis~, im Circa instans (I, S. 635), in der Alphita (I, S. 654), bei ~Harpestreng~ im XIII. Jahrh. (I, S. 684) und in zahlreichen Taxen und Listen (I, S. 810 u. f.). ~Nicolai~ erwähnt ein Oleum moschelinum (muscalinum), wozu Muskatnüsse («nuces indicae» -- hier vielleicht aber Behennüsse?) gebraucht wurden.

Wir sehen, daß genuesische Kaufleute 115810 Pfund nucum muscatarum aus Alexandrien auf Lager hatten (~Flückiger~), finden die nois mouscades 1180 im Tarif der Zollstätte Accon (I, S. 699) Und 1228 unter den in Marseille zu verzollenden Waren (~Flückiger~), sowie 1191 unter den bei der Krönung Kaiser ~Heinrichs~ benutzten Räuchermitteln (I, S. 715), beim Festspiele von Treviso 1214, wo eine von Damen verteidigte Burg unter anderem mit Muskatnüssen beschossen wurde, in der Kölner Verordnung 1259 (I, S. 712), in der Liste des bischöflichen Haushaltes 1303-1310 und vielfach anderwärts (Näheres bei ~Warburg~). Sie waren im XIII. Jahrh. schon nicht mehr unerschwinglich teuer, Anfang des XIV. Jahrh. wurden sie in Konstantinopel pfundweise (~Pegolotti~) und 1380 in Brügge (wie die Macis = machos) schon ballenweise gehandelt. Immerhin wurden Muskatnüsse doch in Rezepten (z. B. im Antidotarium Nicolai) nicht dem Gewicht, sondern nach Stück verordnet und silberbeschlagene Muskatnüsse finden sich oft neben anderen Kostbarkeiten (noch 1519 in Zürich, ~Keller~), im Louvre auch aus Muskatnüssen hergestellte zierliche Gefäße aus dem XIV. Jahrh. In Stettin erhielt noch 1617 bei der Taufe jeder Gevatter «Neun Muscatennuß in Papier eingewükhlet».

Die richtige Erkenntnis, was Macis ist, die schon ~Amrân~ hatte, bricht sich aber erst im XIII. Jahrh. in der Alphita Bahn: «Macis +non+ est flos nucis moscatae ut quidam credunt, sed adhaeret ipsi nuci moscatae circum quamque ut potest videri in avellanis». Ähnlich äußert sich wenig später ~Simon Januensis~. Noch ~Albertus Magnus~, ja sogar noch ~Conti~ (1419) hatten sie für die Blüte gehalten.

~Marco Polo~ erwähnt die Muskatnüsse, ebenso der Reisende ~Masudi~ (916-920) von den östlichen indischen Inseln. Der erste Bericht aber über den Muskatnuß+baum+ von einem, der ihn in seiner Heimat, als welche ~Barthema~ schon Bandam nennt, gesehen, stammt von dem Portugiesen ~Duarte Barbosa~ (1516), in dessen berühmter Preisliste Muskatnuß und Macis figurieren (vgl. I, S. 741). -- Erstere 1 farazuola zu 10-12 fanoes, letztere zu 25-30 fanoes --. (Vor der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien kostete 1 Pfund Nüsse 4 sh 6 d, 1 Pfund Macis 9 sh (~Crawfurd~) -- etwa so viel wie eine Kuh!). 1623 war in London der Preis für ein Pfund Muskatnüsse 3 Shilling, für Macis 5½-8½ Shilling (~Flückiger~). ~Pigafetta~ (I, S. 742), der im Dienste Spaniens auf ~Magalhaẽs~ Expedition die Maluccen betrat, beschreibt die Frucht nach eigener Anschauung vortrefflich.

Nachdem zuerst die Spanier, dann die Portugiesen (seit 1529) die Bandainseln besessen hatten, eroberten die Holländer die Inseln und errichteten (1602) die vereinigte holländische Kompagnie. Von 1608 an waren sie im alleinigen Besitz der Inseln, teilten das Land in einzelne Perks (1623), verjagten oder rotteten zunächst die Bevölkerung auf den Bandainseln (c. 10000 Eingeborene), dann (seit 1633) auch die Muskatnußbäume auf allen anderen Inseln des Archipels (Run, Rosengain, Seroua, Nila, Dammer, Kelang, Ceram, Gorom, Matabello, Tewer, Kouwer, Roma, Kisser usw., s. d. Karte auf S. 667) -- etwa 60000 (~Lauts~) -- aus, führten Sklaven als Arbeitskräfte der Perkeniere ein, und bestraften die unbefugte Anpflanzung außerhalb der eigentlichen Bandainseln, sowie den Schmuggel mit Nüssen auf das härteste. Die Hongitogten (Hongizüge, Hongifahrten) waren Kontrollfahrten der Kriegsschiffe (vgl. I, S. 918), die durch Kommissarissen extirpateurs (ein hübscher Titel!) am Lande unterstützt wurden. Diese Hongitogten dauerten bis in die Mitte des XVIII. Jahrh. und wurden erst 1824 definitiv aufgehoben. Als Perkeniere wurden hauptsächlich ältere holländische Soldaten oder Beamte eingesetzt. Zur Verhinderung der Überproduktion und Preisdrückung wurde die Ernte oft jahrelang gespeichert oder ganze Schiffsladungen ins Meer versenkt oder große Vorräte verbrannt (1760 in Amsterdam, -- pour huit millions argent de France! (~Bomare~) -- 1773 in Batavia c. 250000 Pfund.) Die Kompagnie, die das Gewürzmonopol etwa 200 Jahre besaß, zahlte von 1605-1700 zwischen 15 und 75% Dividende. Dann ging es mit ihr bergab und 1798 trat der Staat die Erbschaft der total verschuldeten Kompagnie an, die sich 1808 auflöste. Von 1796-1802 und 1810-1816 besaßen die Engländer die Bandainseln, von 1816 an gehören sie wieder den Holländern, die den Gewürzhandel zunächst als Regierungsmonopol betrieben (noch bis 1862 wurden die Muskatbäume auf den Nebeninseln ausgerottet!). 1864 erlosch auch dies. Seitdem Freikultur eingeführt ist, sind die Bandainseln in wirtschaftlichem Aufschwung. In China war die Muskatnuß kaum vor dem VIII. Jahrh. bekannt (~Bretschneider~).

Im XVI. Jahrh. ging die Muskatnuß nach Lissabon, zur Zeit der niederländisch-indischen Kompagnie nach Holland. Dort wurden die Nüsse zu von der Kompagnie festgesetzten Monopolpreisen verkauft. Von 1600-1700 wurden im Jahre durchschnittlich bis 666747 Pfund Nüsse und bis 183270 Pfund Macis auf den Bandainseln produziert, von 1700-1777 zwischen 400- und 700000 Pfund Nüsse und 90-176000 Pfund Macis, 1860 wurde die Million Pfund überschritten (~Warburg~).

Zuerst eine indische Kostbarkeit zu Geschenken an Vornehme, als Riechmittel, zu Räucherungen und Salben benutzt, dann (im XIV. Jahrh. und schon früher in Vorderindien, ~Martius~) wertvolles Gewürz, das aber, das zeigen uns die «Kochbücher», immer breiteren Schichten zugänglich wird -- die Muskatnußreibe steht heute auf jeder holländischen Tafel -- wird die Muskatnuß im XVI. und XVII. und besonders im XVIII. Jahrh. ein wichtiges Heilmittel, dem ~J. H. Dietz~ 1681 eine Dissertatio unter dem Titel Moschocaryologia und ~Ch. F. Paullini~ 1704 gar eine umfangreiche, 900 Seiten starke lateinische Μοσχοκαρυογραφία widmete (I, S. 926), in welchem kritiklosen Sammelsurium die Muskatnuß bei 138 (!) Krankheiten empfohlen wird. In nicht weniger als 86 Rezepten in des ~Cordus~ Dispensatorium (I, S. 795) findet sich Muskatnuß oder Macis, und noch ~Schröders~ wertvolle Pharmacopoea med. chym. (I, S. 890) enthält folgende Präparate: Conditae nucistae, Condita macis, Aqua nucistae, Oleum nucistae stillatum, Ol. nucistae expressum, Sal commune nucistae, Ol. macis stillatum, Ol. macis expressum, Extr. olei nucist. express., Balsamus Macis, Balsamus nucistae. Ende des XVIII. Jahrh. verblaßte ihr Ruhm, doch nennt noch ~Murrays~ Apparatus medicaminum (I, S. 952) eine ganze Reihe von Krankheiten. Ein Conditum nucum moscatarum sive indicarum findet sich in der Frankfurter Reformatio 1718 (I, S. 831).

Olij van muscatenn +und+ oley van muscatenblomen sowie muschatenblomenconfect steht schon in der Lübecker Verordnung von Gewürtz und Apothekerwaaren um 1530, ja wir dürfen sogar schon in dem uille de musterlin des Inventar ~Lefort~ 1439 (I, S. 811) Ol. myristicae sehen. Über die Bereitung der Muskatbutter aus den erwärmten und zerriebenen Samen mittelst einer Presse berichtet schon ~Acosta~ 1578 (I, S. 738) und auch ~Linschoten~ (I, S. 743) erwähnt, daß in Banda aus Nüssen und Macis Öl bereitet werde, und ~Clusius~ sah Ol. nucistae 1581 bei dem Apotheker ~Morgan~ in London in 1 : 3 : 3 Zoll großen Platten. Ol. nucistae und Oleum macidis finden sich dann in der Taxe von +Worms+ (I, S. 817) und ~Tabernaemontanus~ (I, S. 847) gibt bereits 1613 drei Methoden an, Ol. nucistae selbst herzustellen. Es kam im XVII. und XVIII. Jahrh. in guter Qualität aber auch aus Banda. Doch klagt bereits ~Pomet~ (I, S. 941), daß es viel gefälscht werde. ~Rumphius~ (I, 8. 899) und ~Valentijn~ beschreiben die Herstellung der Muskatbutter (das oly slaan = Ölschlagen) auf den Moluccen, die auch noch im XVIII. und XIX. Jahrh. dort geübt wurde (~Bomare~, ~Thunberg~). In der Mitte des XIX. Jahrh. unterschied man meist englische (aus Penang) und holländische (aus Banda) Muskatbutter.

Das destillierte Muskatnuß- und Macisöl war bereits den Verfassern der Destillierbücher des XVI. Jahrh. (~Cordus~, ~Ryff~, ~Porta~, ~Winther~, vgl. I, S. 875) bekannt. Sie finden sich in der Taxe von Berlin 1574, von Frankfurt und Worms 1582 und im Dispensator. Noricum 1589 (~Gildemeister-Hoffmann~). Aus Muskatnüssen destilliertes Öl erwähnt ~Tabernaemontanus~ und ~Gesner~. Es wurde noch in der ersten Hälfte des XIX. Jahrh. in Banda destilliert, neuerdings in Singapore und Benkulen, aber nur gelegentlich. Das Macisöl erwähnt ~Dodonaeus~ (im Cruydeboek 1563), ~Acosta~ (I, S. 738). ~Rumphius~ und auch ~Valentini~ kannten außer dem destillierten auch ein rotes durch Auspressen aus der frischen Macis bereitetes und es scheint auch dem Destillat Macispulver zugesetzt worden zu sein, um ein gefärbtes Öl zu erhalten.

Die ersten chemischen Untersuchungen der Öle rühren her von: ~Valentini~, Macis vulgo sed perperam Muskatenblume dicta. Diss. Gießen 1719. ~Neumann~, Chymia medica 1749. ~Bonastre~, Trommsd. N. Journ. d. Pharm. 2 (1824) 231.

~Garcia~ beschrieb zuerst die Frucht. Die erste richtige Beschreibung der Pflanze gab aber Clusius 1605 nach in Salzwasser eingelegten Fruchtzweigen (die Abbildung taugt aber nichts). Ausführlicher behandeln die Pflanze ~Rumpf~ (I, S. 899) und ~Valentini~, dem wir ein gutes Habitusbild verdanken. Auch in ~Nic. Schultze~, Dissertatio de nuce moschata 1709 findet sich eine recht gute Abbildung, und gut ist auch der botanische Teil in ~C. M. Valentinis~ Dissertatio de macide 1719 (s. oben). Noch ~Amatus Lusitanus~ (1533), ~Scaliger~ (1566), ~Lonicer~ (1609) warfen Macis und Macer durcheinander.

=Lit.= ~Martius~, Z. Literaturgesch. d. Muskatnuß und Muskatblüte. Sitzungsb. d. Münch. Akad. 1860, 154 (Buchn. Rep. 9 [1860] 529). -- ~Warburg~, Wer ist der Entdecker d. Gewürzinseln (Moluccen). Verh. Ges. Erdkunde 1896. -- ~Warburg~, Die Muskatnuß 1897 (hier eine ausführliche historische Darstellung). -- ~Heyd~, Levantehandel. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Pereira~, Elements. -- Über die Muskatbutter im XVII. Jahrh.: Fragmenta ex relatione jurata Abrahami Boudenii et Goerickii Hauptii Commissariorum desuper Arboribus Nucum Moschatarum earumque Viridario in Banda de Dato 20. Dez. 1682. De Padbrugge exhibita in Valentini Histor. simplic. reform. 1716 (Ref. in ~Warburg~, Muskatnuß). -- ~C. M. Valentini~, Dissertatio de macide 1716. -- ~Thunberg~, Dissert. de myristica. Upsala 1788. -- ~Crawfurd~, Dict. of the Indian Islands. -- ~Leber~, Appréciation de la fortune privée an moyen âge 1847. -- ~Rogers~, History of the agriculture and prices in England 1866.

Andere nutzbare Muskatarten.

=Myristica argentea= ~Warburg~, Neu Guinea oder +Papua Muskat+, Lange not, Nootmoschat van Nieuw Guinea, Papua noten, Mannetjes noten van Nieuw Guinea, Pferdemuskat. Ein im westlichen Neu-Guinea heimischer Baum von mittlerer Größe, mit breiter pyramidaler Krone und Stelzenwurzeln, bis 25 cm langen, elliptisch länglichen Blättern, deren Unterseite auf der Unterseite silberglänzend sind, weshalb ~Warburg~, der sie auffand, die Art als argentea bezeichnet.

Die großen kahlen, eiförmig-elliptischen, an beiden Enden abgerundeten Früchte werden bis 8,5 cm lang. Der rote, nur in wenige breite Lappen geteilte, +sehr aromatische Arillus+ wird beim Trocknen dunkel schmutzig-rotgelb, gelbbraun, rot- oder graubraun. Der schlanke Same (Fig. 215) ist 3½-4 cm lang, gestreckt oval-elliptisch. Seine Schale zeigt seichte Arillusabdrücke. Ihr fehlt die Querfaserschicht (s. bei Myrist. fragr.). Das Endosperm ist stärkereich, die weitmaschigen, mehr zerstreuten und gröberen Ruminationsfalten +stark aromatisch+ (Abbild. bei ~Warburg~, t. 2). Die zuerst von ~Valentini~ erwähnte, von ~Pereira~ richtig beschriebene und abgebildete Papuanuß, die in West-Neu-Guinea noch heute die Rolle des Geldes spielt, kommt regelmäßig, besonders aus der Landschaft Onin am Mc. Cluers Golf, in den Handel, meist unter dem Namen lange Muskatnuß, Long-Papua oder wild nutmeg. Sie bildet den wichtigsten Exportartikel Neu-Guineas und wird stets in der Schale exportiert. Bisweilen unterscheidet man Macassar- und Papuanüsse als verschiedene Sorten (nur die erstgenannten gelten als gut), doch besteht kein Unterschied (~Busse~). Der Export (besonders über Macassar, Singapore und Java) betrug Ende des vorigen Jahrhunderts c. 430000 kg mit Schale (= 250000 kg ohne Schale (~Warburg~)). Ihr Preis beträgt kaum die Hälfte der echten Muskatnüsse, ihr Umsatz etwa ¹⁄₁₂ bis ⅒. +Das Aroma ist der echten ähnlich, aber weniger fein+, der Samenkern, da bröckelig, schlecht zu verreiben.

Die Zusammensetzung der Papuamuskatnüsse ist im Durchschnitt in % Wasser 9,92, Stickstoffsubstanz 6,95, äther. Öl 4,7, Ätherextrakt 35,47, Stärke 29,25, stickstofffreie Extraktstoffe 8,93, Rohfaser 2,07, Asche 2,74, Alkoholextrakt 16,78 (~König~). Der Fettgehalt ist etwa derselbe wie bei der echten (31,6-39,3% ~Busse~), nach anderen 52 bis 54%. Das Fett ist heller als bei Banda-Muskat. Das ätherische Öl ist minderwertig (~Schimmel & Co.~). Da sie nicht gekalkt werden, sind sie sehr dem Insektenfraß ausgesetzt.

Der Arillus, unter dem irreführenden Namen +Foelieschillen+, +Macisschalen+ oder +Macassarmacis+ im Handel -- ~Waage~ schlug vor, sie =Papua-Macis= zu nennen -- enthält sehr viel «Fett» (52-54% ~Busse~), 8,75% «Stärke» und c. 3,5% äther. Öl, das aber ebenfalls minderwertig ist (~Schimmel & Co.~). Die Asche beträgt 1,89-2,51%, ätherlösliches Harz 0,36 bis 1,39%, alkohollösliches Harz 1,74-2,09% (~Busse~). Das Fett der «Macisschalen» zeigt Schmelzpunkt: 28,5-29, Verseifungszahl: 148,2-148,8, Jodzahl: 71,3-73,4, Reichert-Meißlzahl: 1,6-1,7, Refraktometeranzeige bei 40°: 80-82 (~Späth~).

Das Gewebe des Arillus enthält nur wenige Ölzellen. Die Epidermiszellen sind unregelmäßig, nicht radial gestreckt, die Amylodextrinstärkekörner sind ähnlich wie bei Bandamacis, sie werden von bisweilen krist. Fett begleitet (~Vogl~). Die Reaktionen mit Ammoniak und Kali sind undeutlich. (Anatomie der Samen und Arillen bei ~Hallström~.) Meist werden die Nüsse mit dem Arillus exportiert und dieser erst in Macassar oder Banda abgetrennt (~Warburg~). Der Arillus der Myr. argentea riecht sassafrasähnlich (~Waage~). Die Macis ist im Handel meist nur in Bruchstücken zu finden. 1888 wurden schon 10445 kg «Macisschalen» in Holland zum Verkauf gebracht. 1894 kamen 13160 kg Papuamacis in den Handel. Die Samen wurden früher fälschlich von M. fatua abgeleitet.

+Myristica fatua+ ~Houtt.~, unechte Muskat, mal. Pala laki-laki (= männliche Muskat), in Banda: bala fuker (= Berg Muskat), mannetjes Noten (= männliche Muskatnuß, da angeblich die Zeugungskraft mehrend) (~Piso~, ~Rumph~). Ein dicht belaubter, diözischer, in Banda und Ambon heimischer Baum mit schmaler, nicht pyramidenförmiger Krone, aus der Stammbasis hervortretenden Adventivwurzeln (Abbild. in ~Warburg~, Monogr. t. XI), großen, bis 33 cm langen, auf der Unterseite infolge eines Haarüberzuges glanzlosen Blättern und großen, bis 7 cm langen, dicht rostrot behaarten, breitelliptiscben Früchten.

Der fast von der Basis an zerschlitzte Arillus hat ein wenig angenehmes, beim +Trocknen schwindendes Aroma+. Die bräunlichen Samen sind 3,5-4 cm lang und 2,5-3 cm breit und umschließen einen trockenen, +fast gar nicht aromatischen Samenkern+ (~Warburg~, t. III, Fig. 10 u. 11). +Wird jetzt kaum noch gesammelt+, aber in Südostasien medizinisch benutzt, doch sind Intoxikationen beobachtet (~Rumph~). Die erste Beschreibung und Abbildung findet sich in ~Lobelius~, Plantar. stirp. hist. 1576, ausführlicher bespricht sie ~Clusius~, ~Piso~ und ~Vogels~ (Zehenjähr. Ost-Indian. Reisebeschr. 1704), sowie ~Rumph~. Näheres bei ~Warburg~. Die Anatomie der Samenschale und des Arillus bei ~Hallström~.

=Myristica speciosa= ~Warb.~ +Batjan Muskat+., in den Bergwäldern auf Batjan (s. d. Karte S. 667). Besitzt eiförmige Früchte, einen sehr aromatischen Arillus und eiförmige, c. 3,5 cm lange Samen, deren Kern sowohl in Form wie Aroma, wie auch dem Verlauf der Ruminationsfalten dem der echten Muskatnuß sehr ähnlich ist. Er enthält 34,3% eines bei 63° schmelzenden Fettes (~Greshoff~). +Die Samen dieser Art sind den echten Muskatnüssen gleichwertig.+ Die Pflanze wird aber bisher nirgends kultiviert.

=Myristica succedanea= ~Bl.~, +Halmaheira Muskat+. Die der M. fragrans sehr nahestehende, in Halmaheira (s. d. Karte S. 667) einheimische Art besitzt rundlich-eiförmige Früchte, deren Samen in Form, Geruch und Geschmack den Sem. myrist. ähneln.

=Myristica Schefferi= ~Warb.~, +Oninmuskat+ in West-Neaguinea hat gewürzige Samen. Die Arillen von M. succedanea, M. speciosa und M. Schefferi sollen auch verwertbar sein (~Warburg~).

Viele Arten, z. B. viele afrikanische und alle amerikanischen, besitzen kein Aroma. Andere gewürzige Arten in ~Warburg~ (Die Muskatnuß).

Nicht gewürzig ist:

=Myristica malabarica= ~Lam.~, +Malabarmuskat+, wohl des ~Clusius~ Nux myristica mas. Bei ~Rheede~ (Hort. malab.), der sie zuerst beschreibt: panam palka, noz de moluco falso, Nux myristica spuria (auch ~Makhzan el Adwiya~ erwähnt sie). Kleiner, eleganter, in Vorderindien (Westküste der Dekkanhalbinsel, Concan, Canara, Nord-Malabar) heimischer Baum mit rostroten Früchten, deren schlanke, zylindrische, bis 4,5 cm lange Samen (in Bombay: kaiphal) dicht von dem bis 6,5 cm langen Arillus bedeckt sind. Der Samenkern besitzt etwa die Größe und Form einer Dattel. Die schmalen Lappen des Arillus sind an der Spitze knäuelig zusammengedreht. (Fig. 216).

Die dunkelbraunrote bis purpurrote, +nicht aromatische+ Macis dieser Pflanze erschien 1880 unter dem Namen =Bombaymacis= (in Bombay: rampatri) im Handel und ich habe dieselbe 1881 zuerst +auch anatomisch+ beschrieben und abgebildet und namentlich auf die Unterschiede gegenüber der Bandamacis aufmerksam gemacht. Sie bestehen darin, daß dieser Macis meist innen eine dünne zerknitterte Haut (+Epidermis der Testa+) anliegt, daß die relativ großlumigen Epidermiszellen im Querschnitt meist radial gestreckt sind (Fig. 217) und Hypoderm meist fehlt, die +ein braunes, die inneren ein gelbes Sekret führenden, bis 120 mik großen Ölzellen+ sehr viel zahlreicher und vorwiegend in den Randschichten auftreten, auch oft zu größeren Räumen verschmelzen, die Mitte des Arillus dagegen ölzellenfrei ist. ~Flückiger~ wies in der Besprechung meiner Mitteilung im Bot. Jahresber. 1881, II, 692 ganz richtig darauf hin, daß diese Macis nach ~Dymock~ von Myr. malabarica abstamme, deren Früchte ~Dymock~ (in der Mat. med. West. India 1883) beschrieb, welche Ableitung dann von ~Warburg~ bestätigt wurde. Ich habe später mit ~Hallström~ (Indische Fragmente 2, 1895) Samen und Arillen dieser und anderer Arten näher studiert und wir haben im Ammoniak, der Kalilauge (deren sich bereits ~Hanausek~, ~Frühling~ und ~Schulz~ bediente), dem Baryumnitrat und dem Kalibichromat (das bereits ~Waage~ benutzte) zur Unterscheidung vorzüglich brauchbare Reagentien gefunden (weniger Bleiessig, den ~Hefelmann~ empfahl, HCl und H₂SO₄, die ~Warburg~ benutzte, und die Filtrierpapierprobe des alkoholischen Auszuges, deren sich ~Frühling~ und ~Schulz~ bedienten). Die genannten Reagentien geben starke Färbungen bzw. stark gefärbte Lösungen mit Bombaymacis, keine oder geringe mit Bandamacis und sind auch mikrohistochemisch brauchbar. ~Busse~ hat dann auch Barytwasser als unterscheidendes Reagens benutzt (s. oben S. 684 unter Verfälschungen). Die Grundparenchymzellen enthalten auch bei dieser Macis Amylodextrinstärkekörner, bei denen aber hier die rundlichen Formen prävalieren.

Bombaymacis enthält 29,59-34,2 Fett, 27,64-37,56% ätherlösliches Harz, 2,58-3,52% alkohollösliches Harz und 1,23-1,29% Asche (~Busse~). Nach ~Arnst~ und ~Hart~ in Prozenten: Wasser 7,04, Protein 5,24, Fett 56,75, äther. Öl 0,25, in Zucker überführbare Stoffe 29,19, Holzfaser 8,17, Asche 1,36. Nach ~Frühling~ und ~Schulz~ 5,8% Wasser, 39,2% Fett und 1,42% Asche. Der +Farbstoff+ (C₂₉H₃₈O₇?) soll aus einem krist. Chromogen (C₂₉H₄₂O₅?) hervorgehen (~Held~). Äther extrahiert auch 30,5% Harz, der die Farbstoffreaktionen gibt (~Soltsien~). Der Ätherextrakt beträgt 56,7 (~Arnst~ und ~Hart~) bzw. 61,9-67,1% (~Busse~). +Die alkalische Lösung des Sekretes gibt im Spektralapparat ein breites Absorptionsband im Grün und Blau, das den alkalischen Auszügen der Bandamacis fehlt+ (~Tschirch~). +Dies ist das beste Unterscheidungsmittel+ (s. auch oben S. 684). Das Fett zeigt eine ganz von dem der Bandamacis abweichende Beschaffenheit. Schmelzpunkt: 31-31,5, Verseifungszahl: 189,4-191,4, Jodzahl 50,4-53,5, Reichert-Meißlzahl 1-1,1, Refraktometeranzeige bei 40° 48-49 (~Späth~). Im Fett fand ~Hilger~ Stearin-, Palmitin- und Ölsäure, sowie Phytosterin. Bombaymacis enthält auch Dextrose (~Held~) und angeblich vereinzelte Stärkekörner (?) (~Waage~). Bombaymacis wird in Indien als Tonicum und bei Erbrechen benutzt, auch als Gewürz (~Dymock~). Im Amsterdamer Handel heißt die Bombaymacis meist wilde Foelie oder Sorteering A und B.

Auch die fetthaltigen Samen (in Indien: jangli-jaiphal) kommen in den Handel. Sie werden in Indien medizinisch benutzt, ebenso ihr Öl (Poondy oil). ~Hooper~ fand in den Samenkernen (und der Macis) von M. malabarica in Prozenten: Wasser 6,9 (4,07), Fett und Harz 40,76 (63,26), Eiweißsubstanzen 6,5 (7,31), Kohlehydrate 42,18 (20,8), Faser 2,33 (3,06), Asche 1,33 (1,5). Die Samen enthalten 29,6-34,2% Fett (Schmelzp. 31-31,5. Verseifungszahl 189,4 bis 191,4, Jodzahl 50,4-53,5), das frei ist von Myristinsäure.

Fettliefernd sind folgende Myristicaceen:

Myristica canarica ~Bedd.~ (candlenut tree) pindi, pundee-kai in Indien. ~Hooper~ fand (1907) in den Samen (und der Macis) in Prozenten: Wasser 7,25 (5,15), Fett 49,4 (54,6), Proteinsubstanzen 7,31 (6,12), Kohlehydrate 14,65 (28,48), Faser 20,14 (3,4), Asche 1,25 (2,25). -- Myristica angolensis ~Welw.~ enthält im Samenkern über 70% Fett. -- Horsfieldia Irya (~Gärtn.~) ~Warb.~, von Ceylon bis zu den Moluccen, liefert das +Naharanfett+, Früchte 18 mm Durchmesser. -- H. Iryaghedi (~Gärtn.~) ~Warb.~, von Ceylon, in Java viel kultiviert, tjampaka silan (= Michelia tjampaca von Ceylon), Früchte 3 cm lang. Das Fett dient zur Kerzenfabrikation. Die Samen sind ein Ersatz der Betelnüsse (Anatomie bei ~Tschirch-Hallström~). -- Gymacranthera canarica (~King~) ~Warb.~ von Südindien, Samen 16 mm, liefern das Mangalorefett. -- Pycnanthus Kombo (~Baill.~) ~Warb.~, von Westafrika, von Sierra Leone bis Angola. Die 72% Fett enthaltenden Samen brennen wie Kerzen.

Virola surinamensis (~Rol.~) ~Warb.~ von Süd- und Mittelamerika, vom Amazonas und Guiana bis Martinique. Die 15 mm großen runden Samen (Ölnüsse, oil nuts, Ucuhubanüsse) sind Handelsartikel. Sie enthalten 73% Fett, das reich an Myristin ist und als Ölnußfett im Handel ist. Die Samen enthalten prächtig ausgebildete Aleuronkristalloide (~Tschirch~). Bau der Samenschale bei ~Tschirch-Hallström~. Das einen Ausfuhrartikel von Para bildende, von ~Warburg~ zu dieser Pflanze gezogene +Urukuba-+, +Ucuhuba-+, +Ucuaba-+, +Bicuiba-+, +Bicuhyba-+ oder +Ocubafett+, +Ocubawachs+, der +Virolatalg+, wird aber von ~Mikosch~ (in ~Wiesners~ Rohstoffen) zu Myristica officinalis (~Mart.~) ~Warb.~ und der wohl damit identischen (?) Virola Bicuhyba (~Schott~) ~Warb.~ -- der bekanntesten südamerikanischen Myristicacee -- gestellt, von denen die zweite jedenfalls ein Samenfett aus Brasilien in den Handel liefert (die Samen sind nicht Handelsartikel). Es ist reich an Myristinsäure (~Reimer~ und ~Will~) und riecht cacaoähnlich. Schmelzpunkt 42,5-43° (~Nördlinger~). (Die Anatomie bei ~Tschirch-Hallström~, die Keimungsgeschichte bei ~Fritz Müller~.) -- Virola sebifera ~Aubl.~, Talgmuskatnußbaum mit 8 mm großen Samen (mit 40-50% Fett). ~Warburg~ glaubt, daß sich die Angaben ~Aublets~ (in Plant. de la Guayane) über Fettgewinnung aus dieser Art auf V. surinamensis beziehen. Jedenfalls ist das sog. Virolafett dem oben erwähnten sehr ähnlich. -- Auch die peruanischen Virola peruviana (A. D. C.) ~Warb.~ und V. venosa ~Benth.~ sowie die V. guatemalensis (~Hemsl.~) ~Warb.~ (Anatomie bei ~Tschirch-Hallström~) liefern Fett, ebenso Dialyanthera Otoba (H. u. B.) ~Warb.~, die Moscada la Sᵃ Fé, das sog. +Otobafett+, die amerikanische Muskatbutter, die neben Myristin und Olein, Otobit (C₂₄H₂₆O₅) enthält (~Uricoechea~). -- Die Samen des Cujo, Virola venezuelensis ~Warb.~ enthalten 47,5% Fett, das hauptsächlich aus Trimyristin besteht (~Thoms~ und ~Mannich~). Über fettliefernde Myristicaarten vgl. auch ~Wijs~, Vetten, Oliën en Wassen Beschreijv. Catal. Koloniaal Museum Haarlem 1906.

=Lit.= ~Warburg~, Über die nutzbaren Muskatnüsse. Ber. pharm. Ges. 1892, 211. -- ~Jos. Moeller~, Über Muskatnüsse. Pharm. Centralh. 1880. -- ~Tschirch~ und ~Hallström~, Vergleich. anatom. Stud. über d. Samen d. Myristicac. u. ihre Arillen (Myr. fatua, malabarica, argentea, corticosa, cahyba, Bicuiba, subalulata, Teysmanni, glabra, Virola surinamens., guatemalens., sebifera. Horsfieldia Iryaghedhi, macrosoma, glabra, Knema intermedia, glauca). Arch. Pharm. 1895. -- ~Greshoff~, Teijsmannia 1890, 380. -- ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas. -- ~Waage~ (Papuamacis). Ber. d. pharm. Ges. 1891, 140. Pharm. Centralh. 1893, 131. -- ~Warburg~ (Papuanuß), Engl. bot. Jahrb. XIII, 311. -- ~Busse~ a. a. O. -- ~Winton~, ~Ogden~ und ~Michell~ (Papuam.). Connect. Agric. Exper. Stat. 1898 u. 1899. -- ~Vorderman~, Pala lelaki. Teysmannia 1894. -- Pharmacogr. indic. -- ~Watt~, Dict. econom. prod. -- Myristica gibbosa u. Kingii. Agricultural Ledger 1900, Nr. 5.

+Bombaymacis+: ~Tschirch~, Pharm. Zeit. 1881, 556. -- ~Frühling~ und ~Schulz~, Chem. Zeit. 1886, Nr. 34. -- +T. F. Hanausek+, Jahresber. d. Wien. Handelsakad. 1887 (Jahresb. d. Pharm. 1887, 109) u. Zeitschr. f. Nahrmunt. 1890, 77; 1894, Nr. 1. -- ~Hefelmann~, Pharm. Zeit. 1891, 122. -- +Waage+, Ber. d. pharm. Ges. 1892, 229 u. 1893, 164. Pharm. Centralh. 1892, 372. -- ~Tschirch~ und ~Hallström~, Arch. Pharm. 1895 (mit 3 Taf.). -- ~Hilger~ (und ~Held~), Z. chem. Charakt. d. Bombaymacis. Forschungsber. I (1894) 136. -- ~Held~, Z. chem. Charakt. d. Samenmant. d. Myristicaart., spez. d. sog. Bombaymacis. Diss. Erlangen 1893. -- ~Soltsien~, Pharm. Zeit. 1893, 467. -- ~Arnst~ und ~Hart~, Zeitschr. angew. Chem. 1893, 136. -- ~Busse~ a. a. O. -- ~Dymock~, Veg. mat. med. West. India 1883. -- ~Späth~, Forschungsber. 1895, 148. -- ~Muter~ u. ~Hackmann~, Pharm. Journ. 29 (1909) 132. -- ~Vogl~, Nahrungsm. (dort mikrochem. Reaktionen). -- ~Hooper~, The fats of indian nutmegs (Myr. canarica, malabarica, Bicuhyba, officinalis, surinamensis etc.). Agricult. Ledger 1907.

+Bicuiba+: ~Brandes~, Ann. Pharm. 7 (1833) 52. -- ~Tschirch~ (Ucuhuba). Arch. Pharm. 1887, 619. -- ~Léwy~, Ann. chim. phys. (3) 13 (1845) 449. -- ~Peckolt~, Zeitschr. Öster. Apoth. Ver. 1865, 484. Arch. Pharm. 107 (1861) und 108. -- ~Reimer~ u. ~Will~, Ber. d. chem. Ges. 8, (1885), 2011. -- ~Valenta~, Zeitschr. ang. Chem. 1889, 3. -- ~Nördlinger~, Ber. d. chem. Ges. 1885, 2617. -- ~Stutzer~, Pharm. Centralh. 1887. -- ~Uricoechea~ (Otobafett), Lieb. Ann. 91 (1854) 369. -- ~Thoms~ u. ~Mannich~, Gewinnung von Myristinsäure aus d. Sam. v. Virola venezuelens. Ber. d. pharm. Ges. 1901, 263. -- ~Fritz Müller~ (Keimung), Ber. d. bot. Ges. 1887, 468.

=Als Surrogate der Muskatnuß=, die aber kaum als solche bezeichnet werden können, führt ~Warburg~ folgende auf und bildet sie a. a. O. ab:

+Calebassen-Muskatnuß+ von der Anonacee Monodora Myristica ~Dunal.~ in Westafrika («Afrikanische Macisbohnen»). Die Samen enthalten ein äther. Öl, in dem sich l-Limonen, Myristicol, Pinen und Dipenten findet (~Thoms~, Bestandt. d. Samen von Monodora Myristica aus Kamerun, Arb. d. pharm. Inst. Berlin I, 1903).

+Chilenische Muskatnuß+ von der Monimiacee Laurelia sempervirens (R. et P.) Tul. in Chile.

+Pflaumen-Muskatnuß+ von der Monimiacee Atherosperma moschatum ~Labill.~, in Australien.

+Madagassische Muskatnuß+ von der Lauracee Ravensara aromatica. ~Sonn.~ («nuces caryophyllatae», «clove nuts», «noix giroflé»). Vgl. ~Schär~, Notizen über Nuces caryophyllatae. Arch. Pharm. 223, 787.

+Brasilianische Muskatnuß+ von der Lauracee Cryptocarya moschata ~Mart.~ («noz muscada do Brasil»).

+Guyana Muskatnuß+ von Acrodiclidium Camara ~R. Schomb.~ in Brit. Guyana («Wilde Muskat», «Camara- oder Ackawai-Nuß»).

+Californische Muskatnuß+ von der Conifere Torreya californica ~Torr.~ («Californian nutmeg») von der Sierra Nevada (und T. taxifolia). Vgl. ~Torrey~, Pharm. Journ. 14 (1854) 83, ~Möller~, Pharm. Centralh. 1880.

+Macisbohnen+, große, von Acrodiclidium Puchuri major (~Mart.~) ~Mez.~ vom Amazonas («Pichurimnuß»).

+Macisbohnen+, kleine, von Aniba Puchury minor (~Mart.~) ~Mez.~ vom oberen Amazonas.

2. Laurinsäuregruppe.

Die Vertreter dieser Gruppe enthalten neben Myristinsäure auch Laurinsäure, also Fettsäuren mit niedrigem Molekulargewicht. Sie geben daher eine hohe Verseifungszahl, und da sie nur wenig ungesättigte Fettsäuren enthalten, eine niedrige Jodzahl. Die Laurinsäure findet sich in den Lorbeerfrüchten, in den Früchten von Cylicodaphne sebifera (~Gorkom~) und von Mangifera gabonensis (~Oudemans~), im Cocosfett (~Görgey~, ~Oudemans~), im Walrat, den Pichurimbohnen (~Sthamer~), im Wachs der Beeren von Myrica cerifera (~Moore~), im Fruchtfett von Litsaea sebifera, im Crotonöl (~Schlippe~, S. 582), in dem von Coccus axin stammenden Axinfett (~Hoppe-Seyler~) und (in beträchtlicher Menge) im Fett des Fieberbusches (Lindera Benzoïn). Nach ~Partheil~ und ~Ferié~ ist sie in Fetten weiter verbreitet als bisher angenommen wurde. Sie fanden sie z. B. in beträchtlicher Menge in der Butter und dem Schweinefett. Sie kann aus den beiden zuerst genannten Materialien oder aus Tangkallafett, das 95,96% Trilaurin enthält, dargestellt werden (~Krafft~).

Fructus Lauri und Oleum Lauri.

=Syn.= Baccae Lauri, Lorbeeren, -- baccae κατ’ ἐξοχὴν sind baccae lauri -- die Pflanze: Lorbeer, Lore, -- Laurier commun. (franz.) -- bay tree, sweet bay, true laurel, laurel tree, roman laurel (engl.) -- alloro, lauro (ital.) -- laurel (span.) -- loireiro (port.) -- laurierboom (die Früchte: bakke-laarboontjes, oder kurz bakke-laar) (holl.) -- lagerbärsträd (schw.) -- lawrowoe derewo (russ.) -- δάφνη oder βαϊηά (gr.).

Bei ~Homer~, ~Hesiod~, ~Theophrast~ und ~Dioskurides~: δάφνη, bei ~Plinius~, ~Scribonius Largus~ u. and.: laurus (die Alten bezeichneten mit laurus mehrere Pflanzen, auch z. B. Ruscusarten). -- Bei den späteren Griechen: κοκκόδαφνον, βάκας, δαύνη. -- Bei ~Avicenna~: granum ademest. -- Bei ~Abu Hanifa~: eldehmast (pers.), elrand (syr.). -- Bei ~Ibn Baithar~: gâr, elgâr, rand. -- Im Capitulare ~Carls~ (I, S. 620): lauros. -- Bei ~Albertus Magnus~ (I, S. 674) und der ~Hildegard~: laurus. -- Im Gothaer Arzneibuch: lorbere, loerbere, lorebere. -- In Circa instans: laurus. -- In der Alphita: laurus i. e. dampnis. -- Auch bei ~Serapion~, ~Bartholomaeus~ usw. (I, S. 646) dampnis oder damphius, dampnilion (oleum laurinum), damniechoticae (dampnothecae, dampnocoti = bacca lauri). -- Im Inventar ~Lefort~ (I, S. 805): bois (= baies) de lorier und uille de lorin (de bois de lorier). -- In der Frankfurter Liste (I, S. 812): baccarum lauri. -- Das in der Bibel vorkommende Wort ezrach (Psalm. 37, 35) bedeutet vielleicht Lorbeer. So wird es wenigstens vielfach übersetzt (~Tristram~). Ob kelil auf Laurus geht (I, S. 489), ist zweifelhaft. -- ~Royle~ hält das Malabatrum der Alten für Fol. Lauri (?).

=Etym.= Laurus fraglich ob von luo, lavo (= waschen); deutete dann auf den Charakter des Baumes als reinigender Sühnebaum, wahrscheinlicher von dem kleinasiatischen δυαρεία oder von kelt. blawr oder lauer (= grün) -- δάφνη (wenn nicht aus einer kleinasiatischen Sprache) vielleicht von δέφω (= benetzen), also auf dasselbe wie oben (waschen) hindeutend, oder von einer Wurzel, die brennen bedeutet (~Legerlotz~), also durch aromatische Räucherung reinigender Baum (~Schrader~) oder von φαίνομαι (= glänzen) mit dem verstärkenden δα wegen der glänzenden Blätter (~Kanngiesser~). -- Lorbeer aus ahd. lôberi = Beere des Lôrboumes, lôr (lore) ist laurus, der wohl schon vor dem VII. Jahrh. in Deutschland bekannt war (~Kluge~). -- +althd.+ auch Lorblatt, +mhd.+ lôrber, lorberepaum, lorbaum, lorper, bekeler, +mnd.+ laurboum. -- Der Titel Baccalaureus ist angeblich von baccae lauri abgeleitet.

=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Laurus nobilis L.= Spec. plant. ed. I 369. (L. vulgaris ~Bauh.~) Lauraceae, Lauroideae-Laureae. Laurus hat nur 2 Arten, die obige und Laurus canariensis (auf den Canaren und Madeira). Man unterscheidet von ihm folgende Varietäten: α latifolia ~Nees~, β lanceolata ~Meissn.~, γ angustifolia ~Nees~, δ undulata ~Meissn.~, ε floribunda ~Meissn.~

=Beschreibung der Stammpflanze.= Der diklin-diözische Lorbeer erreicht eine Höhe von 5-10 m. In Italien wird er 5-6,5 m hoch, in Istrien und Dalmatien in Forstkultur bis 15 m. Er besitzt eine dichte, ästige, runde Krone und kahle glänzende grüne Zweige. Die kahlen, glänzenden, immergrünen, infolge zahlreicher Ölzellen durchscheinend punktierten Blätter sind 6-12 cm lang, oblong-lanzettlich, spitz oder stumpflich, am +Rande wellig+ (nicht gekerbt!) und tragen bisweilen auf der Rückseite in den Nervenachseln kleine Domatien (Milbenwohnungen). Die achselständigen Infloreszenzen bestehen aus 2-3 dekussierten Trauben, die 4-6 gelblich-weiße Blüten und eine Gipfelblüte besitzen. Die männlichen Blüten besitzen 4 Perigonblätter und 10 (8-12) in zwei- bzw. vierzähligen Wirteln angeordnete Stamina, deren große eiförmige Antheren nach Innen mit zwei Klappen aufspringen. Die Stamina des äußeren Kreises tragen am Filament je zwei gestielte Drüsen. In der Mitte der Blüte sitzt ein Griffelrest. Die weiblichen Blüten zeigen vier mit großen sitzenden Drüsen versehene Staminodien. Der einfächerige Fruchtknoten enthält ein anatropes hängendes Ovulum und trägt an der Spitze einen Griffel mit unregelmäßig gelappter Narbe.

Der Lorbeer ist eine Charakterpflanze des Mittelmeerdrogenreiches. Er findet sich noch jetzt wild (und zum Teil verwildert) in Kleinasien, Syrien, Griechenland, Dalmatien, Istrien, Italien, Sardinien, Spanien, Marocco, Algier. Kultiviert wird er im ganzen Mittelmeerdrogenreich und hält noch in Westfrankreich (Cherbourg) und Südengland, ja sogar in Irland und Schottland und an geschützten Stellen an den Schweizerseen aus. In den wärmeren Teilen Italiens und auf Sardinien wächst Laurus wild, Bestände bildend; weiter nördlich wird er kultiviert, wie bei Brescia und Verona, am Gardasee (Gargnano, Maderno), doch sah ich wilden (oder verwilderten?) Lorbeer auch am Lago di Lugano. Blütezeit: März und April; Fruchtreife im Herbst.

=Lit.= ~Baillon~, Monogr. d. Laurac. etc. Hist. d. pl. 1870. -- ~Perrot~, Contr. à l’étude histol. des Laurac. Thèse Paris 1891. -- ~Luerssen~, Med. pharm. Bot. (dort d. Lit. d. Familie). -- +Abbild.+: ~Berg-Schmidt~, Atlas, 2. Aufl. t. 125 (dort die botan. Lit.). -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 1. -- ~Bentley-Trimen~, Med. plant. t. 221. -- ~Nees von Esenbeck~ t. 132. -- ~Hayne~, Arzneigew. t. 18.

=Morphologie der Droge.= Die beerenartigen Steinfrüchte (in Italien: coccole di lauro) sind meist eirund, seltener kugelig, c. 8-15 mm lang, oben leicht bespitzt, am Grunde mit einer hellen Stielnarbe, außen dunkelolivgrün bis braunschwarz, runzelig, glänzend, innen gelb, einfächerig, einsamig. Die dünne, spröde und leicht zerbrechliche Fruchtschale ist mit der zarten Samenhaut verwachsen. Der endospermfreie Samenkern zerfällt leicht in die zwei plankonvexen, hellzimtbraunen Cotyledonen, die am einen Ende die kleine Plumula und Radicula einschließen. Die Früchte schmecken balsamisch-gewürzhaft, bitter und etwas herbe.

=Anatomie.= Die Epidermis des Pericarps der Drupa besteht aus 15-30 mik breiten getüpfelten Zellen, die ebenso wie die kleinzellige subepidermale Zellreihe einen in Chloral mit purpurroter Farbe sich lösenden Farbstoff führen. Spaltöffnungen sind wenig zahlreich. Das von (Spiralgefäße führenden) Gefäßbündeln durchzogene Mesocarp besteht aus dünnwandigem Parenchym, in dessen Zellen sich neben Chlorophyllkörnern braunrote Massen und Körner finden, die sich durch Eisenchlorid blau, durch Kali braungelb färben (~Vogl~) und, eingestreut in dieses, zahlreiche rundliche, 60-70 mik große +Ölzellen+ mit verkorkter Wand, die einen Öltropfen oder einen Harzklumpen oder ein strahlig-fächeriges Kristallaggregat (~Vogl~) enthalten. Das +Endocarp+ besteht aus großen, radialgestreckten, c. 75 mik hohen farblosen Palissadensklereïden mit buchtig-welligem Querschnitt. Die +Samenschale+ besteht, abgesehen von der derberen Epidermis, aus einer obliterierten zartwandigen Nährschicht, in der zarte Bündel verlaufen. Die Cotyledonen sind von einer derben Epidermis bedeckt, unter der eine kleinzellige, ebenfalls stärkefreie Schicht folgt, und bestehen vorwiegend aus derbwandigem Parenchym, dessen Zellen, eingebettet in Ölplasma, zahlreiche rundliche oder ovale, einfache oder (oft zu 2 oder 3) zusammengesetzte, c. 3-8 mik große Stärkekörner und ein unregelmäßiges, lappiges oder länglich-kantiges, 10-30 mik großes, oft mit den Stärkekörnern verklebtes Aleuronkorn enthalten, das sich mit Cochenille färbt (~Vogl~). Eisenchlorid färbt den Inhalt, besonders der peripheren Zellreihen, olivbraun. In das Stärkeparenchym eingebettet finden sich auch hier verkorkte Sekretzellen mit innerer Celluloselamelle, deren Sekret (bald flüssig, bald fest) hier wohl, wie bei den Blättern, in einer resinogenen Schicht entsteht (~Tschirch~ und ~Biermann~) und sich mit Safranin rot färbt. In dem Gewebe streichen zarte Bündel mit engen Spiralgefäßen, die von vereinzelten stabförmigen Librosklereïden begleitet werden. Letztere finden sich auch im Grundgewebe verstreut. Sie werden bis 120 mik lang und besitzen abgestutzte oder knochenförmige Enden und ein relativ weites Lumen (~Vogl~).

Im Pulver prävaliert die Stärke. Als «Leiter» dienen die Palissadensklereïden der Fruchtschale.

Verwechslung mit +Kokkelskörnern+ wird angegeben. Aber diese sind sehr bitter, kugelig-nierenförmig und zeigen aufgebrochen zwei keulenförmige Einstülpungen der Fruchtschale, um welche sich der halbmondförmige Samen herumlegt.

=Lit.= ~Vogl~, Kommentar 1908 (ausführliche Beschreibung) und Nahrungs- u. Genußm. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie, Fig. 433-436. -- ~Moeller~, Lehrbuch und Leitfaden. -- ~Planchon-Collin~, Drog. simpl. -- ~Wigand~, Lehrbuch. -- ~Tschirch~, Harze u. Harzbehälter. -- ~Rudolph Müller~, Ber. d. Bot. Ges. 1905, 292.

=Handel.= Lorbeerfrüchte kommen vom Gardasee in Säcken von c. 90 kg, Lorbeerblätter aus der Levante in Ballen à 30, 50 und 100 kg in den Handel. Lorbeeröl, express. echt Gardasee ist in Kisten à 2 Can. à 18 kg und (das billigere) in Barrels von c. 200 kg im Handel (~Grossmann~). Lorbeerblätteröl war 1911 aus Dalmatien u. Syrien im Handel. +Hamburg+ importierte 1907: 179300, 1908: 191200 kg Fol. Lauri besonders aus Griechenland, Kleinasien und (wenig) über Triest.

=Chemie.= Eine neuere Gesamtuntersuchung der +Früchte+ fehlt. ~Bonastre~ fand (1824) in Prozenten: Wasser 6,4, unkristallisierbaren Zucker 0,4, Stärke 25,9, Harz 1,6, «Öl» 12,8, «Stéarine» 17,1, Wachs 0,12, äther. Öl 0,8, Asche 1,4 und das kristallinische +Laurin+ (Lorbeercampher, 1%), ~Grosourdi~ 22% Stärke, Lauretin (?) und Lauretinsäure (?). Die obere Grenze der Asche beträgt 4% (Pharm. austr. VIII). Der Fettgehalt der Cotyledonen beträgt 30 (~Flückiger~) bis 31,5%. An Äther geben die Früchte c. 25% ab, nach dem Verjagen des ätherischen Öles auf dem Wasserbade bleiben 21-23% zurück (~Möller~). Die Asche der Schalen beträgt 3,2, die der Cotyledonen 1,2%. Das ätherische Öl wird zu 0,8-1% angegeben.

Das =Lorbeeröl= oder =Lorbeerfett=, =Oleum Lauri= (Ol. lauri expressum s. unguinosum, Oleum laurinum, Lorbeerbutter, Loröl, Lorettosalbe, huile oder beurre de laurier; laurel oil, bayberry oil; olio oder burro di lauro, olio d’alloro; laurierolie; δαφνέλαιον) wird durch Auspressen der zerkleinerten und erwärmten frischen Früchte oder durch Auskochen mit Wasser erhalten und vornehmlich am Gardasee und auch in Griechenland für den Handel dargestellt. Die Gewinnung des Öles wird in Italien am Gardasee, bei +Garguano+ und +Maderno+ ziemlich in Großem vorgenommen. Zu diesem Zwecke werden die frischen Lorbeeren zuerst gestoßen, dann einige Zeit mit Dampf erhitzt oder mit Wasser gekocht und zwischen erwärmten Platten gepreßt. Das erhaltene Öl wird im geschmolzenen Zustande absetzen gelassen, klar abgegossen, im Dampftrichter filtriert und in Fässern von c. 100 kg in den Handel gesetzt (~Ravasini~ 1911). Pharm. austr. VIII. verlangt das aus den frischen Früchten durch Auskochen mit Wasser und Auspressen gewonnene Öl. Lorbeeröl ist ein salbenartiges, körnig-kristallinisches, grünes Gemenge von Fett, Chlorophyll und ätherischem Öl, das unter dem Mikroskope neben Chlorophyllkörnern zahlreiche Fettkristalle erkennen läßt und sich beim Erwärmen auf dem Dampfbade (ja schon bei 40°) zu einer dunkelgrünen, aromatisch riechenden, bitter schmeckenden Flüssigkeit klärt. An heißen Sommertagen ist es halbflüssig. Im gleichen Gewicht Äther oder Benzol löst es sich zu einer trüben Flüssigkeit, die jedoch keinen merklichen Bodensatz absetzt.

Spez. Gew.: 0,93317 (~Cloëz~), bei 98,5°: 0,8806 (~Allen~), Erstarrungspunkt: 24-25° und Schmelzpunkt: 32-36° (~Villon~, ~de Negri~) bis 30,2 (~Utz~), Säurezahl 3,96-10,42 (~Eisenstein~), 7,89-42,42 (~Dieterich~), 26,3 (~Lewkowitsch~), Verseifungszahl (mg KOH) 197,5-198,9 (~Allen~, ~de Negri~, ~Lewkowitsch~), 201 bis 208 (~Eisenstein~), 200-214 (Ph. austr. VIII), bei heißer Verseifung: 196,32 bis 254,80 (~Dieterich~), 200,9 (~Matthes~), Jodzahl 67,8-80,5 (~de Negri~, ~Lewkowitsch~), 49 (~Hübl~), 75-78,4 (~Wijs~), 82,2-82,43 (~Matthes~), nach ~Hübl-Waller~ 74,7-83,92 (~Utz~), Reichertzahl: 1,6 (~Allen~), Reichert-Meißlzahl 3 bis 3,2 (~Matthes~, ~Eisenstein~), 1,79-2,61 (~Utz~), Polenskezahl: 2,8, Acetylzahl (wahre): 5,108 (~Matthes~), Hehnerzahl (nach Abzug des Unverseifbaren): 85,8, Unverseifbares 1%; Brechungsexponent (bei 40°): 1,4645-1,4666 (Ph. helv. IV), 1,4643 (~Matthes~).

Die Jodzahl der Fettsäuren liegt bei 81,6-82 (~Lewkowitsch~), 82,81-99,82 (~Utz~); Refraktion der Fettsäuren 1,4545-1,4550 (~Utz~).

Die Zusammensetzung ist nicht genau bekannt (~Bonastres~ Lauretin, Laurelsäure, Staurolaurin, Stearolauretin, Phaïosinsäure sind unreine Körper). Meist wird das bei 45° schmelzende +Trilaurin+ (Laurostearin, ~Bonastre~, ~Marsson~), das Glycerid der +Laurinsäure+ (~Marsson~) als Hauptbestandteil angegeben (~Schiff~, ~Marsson~, ~Staub~); in geringeren Mengen finden sich darin die Glyceride der +Myristinsäure+ (~Marsson~, ~Staub~) und +Ölsäure+ (~Flückiger~, wird aber bestritten); fraglich sind Palmitin-, Stearin- und Linolsäure (~Staub~). ~Allen~ fand geringe Mengen flüchtiger Fettsäuren. Bei der Destillation im Vacuum tritt im Destillat Trilaurin auf (~Krafft~). Die von ~Marsson~ 1842 entdeckte, seidenglänzende Nadeln oder Schuppen bildende +Laurinsäure+ (C₁₂H₂₄O₂) kann als eine gesättigte Säure (S. 546) nach dem Verfahren von ~Partheil~ und ~Ferié~ über das Lithium- und Bleisalz von den ungesättigten Säuren getrennt werden. Das Unverseifbare («Harz» der früheren Autoren) besteht nach ~Matthes~ und ~Sander~ aus +Myricylalkohol+ (Melissylalkohol C₃₀H₆₂O), dem festen Kohlenwasserstoff +Lauran+ (C₂₀H₄₂, mit Bryonan verwandt), +Phytosterin+ (F = 132-133°) und einem +ungesättigten Öle+ mit der Jodzahl 191,95, das noch nicht rein erhalten werden konnte. Aus der Jodzahl des Ol. lauri kann also nicht, wie dies ~Lewkowitsch~ tut, auf einen beträchtlichen Gehalt an Ölsäure geschlossen werden. Sie wird durch dies Öl, das einen sehr +charakteristischen aromatischen Geruch besitzt+, erklärt. In siedendem Alkohol löst sich Lorbeeröl so gut wie vollständig. Beim Erkalten scheidet sich Trilaurin ab (~Flückiger~, ~Lewkowitsch~). Läßt man das Filtrat verdunsten und nimmt das Fett weg, so scheidet sich bisweilen das +Laurin+ (~Bonastre~, nach ~Delffs~ = C₂₂H₃₀O₃ Lorbeerkampfer?) ab, das zu 1% im Fett enthalten sein soll und wohl ein unreines Gemisch der von ~Matthes~ erhaltenen Körper darstellt. ~Marsson~ und ~Staub~ konnten den Körper nicht erhalten.

Das dem fetten Öle beigemengte +ätherische Öl+, das als «äther. Lorbeeröl aus Früchten» im Handel ist (~Schimmel~, ~Hänsel~), enthält viel (50%) +Cineol+ (wohl der Laurineenkampfer der früheren Autoren) neben l-+Pinen+ (~Wallach~) («Lauren» ist ein Gemenge beider). Die Nelkensäure (~Gladstone~) fand ~Blas~ nicht. +Eugenol+ (~Gladstone~) konnte ~Flückiger~ nicht darin finden, ist aber wohl darin. Bei der Destillation des Lorbeeröls mengt sich dem ätherischen Öle Laurinsäure bei (~Blas~, vgl. S. 546). Ob das äther. Öl des Ol. laurin. mit dem der Blätter ganz identisch ist, ist noch fraglich. Das Öl der Beeren ist etwas dickflüssiger und riecht weniger fein als das der Blätter (~Schimmel & Co.~). In diesem letzteren wurde gefunden: +Cineol+ (~Wallach~, 50% ~Thoms~ und ~Molle~), l-Pinen (~Wallach~), +Eugenol+ (frei [1,7%] und verestert [0,4%]), +Geraniol+ (~Thoms~), +Sesquiterpen+, +Sesquiterpenalkohol+, vielleicht auch +Phellandren+ (~Hänsel~), Buttersäure, Essigsäure, Valeriansäure und Capronsäure, die Säuren frei, die drei letzteren auch als Ester.

Das Ol. laurin. gibt im Spektralapparat die charakteristischen Chlorophyllbänder (~Tschirch~). Daß das +Chlorophyll+ meist in ein Metallsalz (Zink- oder Kupferphyllocyanat ~Tschirch~) übergeführt ist, zeigt die Tatsache, daß eine Lösung des Lorbeeröls in Alkohol durch Salzsäure nicht verändert wird (reines Chlorophyll wird durch Salzsäure gelb, ~Tschirch~). Auch Ammoniak verändert die grüne Farbe nicht.

Das indische Lorbeeröl (Indian Laurel oil) stammt von Laurus indica (welcher?). Das dickflüssige Öl enthält 33% freier Fettsäuren, hat ein spez. Gew. 0,926, und erstarrt auch bei -15° noch nicht. Verseifungszahl 170, Jodzahl 118,6 (~de Negri~ und ~Fabris~, Chem. Zeit 1896 Rep. 161).

=Lit.= ~Bonastre~, Baies de laurier et de leur mat. crist. Journ. pharm. (2) 10 (1824), 30 u. 11 (1825) 3. -- ~Brandes~, Arch. Pharm. 72 (1840) 160. -- ~Möller~ in ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Grosourdi~, Journ. chim. med. 1851, 562.

+Fettes Öl+: ~Delffs~, Lieb. Ann. 88 (1853), 354. -- ~Bolley~, Ebenda 106, 229. -- ~Marsson~, Ebenda 41 (1842), 329. -- ~Sthamer~, Ebenda 53 (1848) 393. -- ~Görgey~, Ebenda 66, 303. -- ~Blas~, Ebenda 134 (1865). -- ~Schlippe~, Lieb. Ann. 105 114. -- ~Heintz~, Poggend. Ann. 92, 429 u. 93, 519. -- ~Oudemanns~, Journ. pr. Ch. 81, 356. -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Schädler~ a. a. O. -- ~Staub~, Bestandt. d. Lorbeeröls. Diss. Erlangen 1879. -- ~Matthes~ und ~Sander~, Lorbeerfett, insbes. über d. unverseifb. Anth. Arch. Pharm. 1908, 165. -- ~Krafft~, Ber. d. chem. Ges. 13, 1415. -- ~de Negri~ und ~Fabris~, Zeitschr. Anal. Chem. 1894, 547. -- ~Schädler~, Zeitschr. Anal. Chem. 1894, 569. -- ~Schiff~ (Laurostearin), Ber. d. chem. Ges. 1874, 781. -- ~Partheil~ und ~Ferié~, Arch. Pharm. 1903, 552. -- ~Römer~, Diss. Halle 1882.

+Äther. Öl+: ~Wallach~, Lieb. Ann. 252 (1889) 95. -- ~Gladstone~, Journ. chem. soc. 1864, 2, 1 (Jahresber. d. Chem. 1863, 547). -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Blas~, Lieb. Ann. 134 (1865) 1. -- ~Brühl~, Ber. d. chem. Ges. 1888, 157. -- ~F. Müller~, Ebenda 1892, 547. -- ~Barbaglia~, Att. soc. toscan. scienz. nat. 1889 (Pharm. Journ. 1889, 824). -- ~Gildemeister-Hoffmann~, Äther. Öle S. 524. -- ~Staub~ a. a. O. -- ~Thoms~ und ~Molle~ (Äth. Öl der Blätter). Arch. Ph. 1904, 161; auch Arb. d. pharm. Inst. Berlin I, 1903 und ~Molle~, Diss. Basel 1903. -- ~Schimmels~ Ber. 1897, 1899, 1909. -- ~Hänsels~ Ber.

Darstellung des Ol. lauri: ~Ménigault~ und ~Soubeiran~, Journ. pharm. 1835, 510 und ~Soubeiran~, Nouv. trait. d. ph. -- ~Duhamel~, Traité d. arbres etc. I, 351. -- ~Pereira~, Elements.

=Prüfung.= Wenn man 1 Teil Lorbeeröl mit 2 Teilen Alkohol (90%) auf dem Dampfbade erwärmt, so darf die hierbei entstehende Abscheidung bei der mikroskopischen Prüfung keine Kristalle (Beschwerungsmittel) und auch keine Gewebsreste der Lorbeerfrucht oder andere Elemente zeigen. Sind fremde Farbstoffe zum Auffärben benutzt worden, so bewirkt Salzsäure oder Ammoniak einen Farbenumschlag in dem alkoholischen Auszuge des Öls. Es sind (durch Erwärmen mit Lorbeerfrüchten oder -blättern) parfümierte und (mit Curcuma, Indigo, Anilinfarben, Chlorophyllauszügen) gefärbte Surrogate aus Talg, Öl und Schweinefett im Handel beobachtet (das «Chlorophyll» des Handels enthält meist Kupferphyllocyanat ~Tschirch~). Derartige Falsifikate wurden schon im XVII. Jahrh. beobachtet (~Pomet~). Fremde Farbstoffe (z. B. Curcuma, Indigo) sind meist in Benzol nicht löslich. Curcuma wird durch Ammoniak braun, Teerfarben (oft) durch Salzsäure gelb. Schweinefett kann mit der Cholesterinacetatprobe nachgewiesen werden (~Bömer~, Zeitschr. Nahr. u. Gen. 1901, 1091).

=Lit.= ~Utz~, Pharm. Praxis 2 (1903), 354. -- ~Morpurgo~, Riv. chim. farm. (Bull. sc. pharm. 1905, 255). -- Helfenberger Ann. 1900, 902, 1904.

=Anwendung.= Lorbeerfett, beim Volke noch sehr beliebt, ist ein Bestandteil sog. Nervensalben (Ungt. rosmar. cps. und Ungt. nervinum) und dient zu Einreibungen bei Rheumatismus, auch gegen Krätze und in der Tierheilkunde («Alte lorie»). Die Hiengfongessenz ist ein kampferhaltiger parfümierter Auszug aus Lorbeerblättern und Früchten. Die ~Sturzenegger~sche Bruchsalze enthält Ol. laurin. Das rohe Fett scheint im Norden bei Samojeden und Lappen als Genußmittel beliebt zu sein (~Flückiger~). 1907 wurden in Plymouth vom Volke die Früchte als Abortivum benutzt (~Holmes~, Pharm. journ. 1910). Lorbeeröl gilt als gutes Insektenschutzmittel (Bremsenöl). Die Früchte wie die Blätter dienen als Gewürz. Der Geruch des Lorbeer gilt als den Verwesungsgeruch vertreibend. Lorbeerblätter dienen in Süditalien als Packmaterial für Succus Liquiritiae und Feigen (~Ravasini~).

=Geschichte.= Lorbeergewächse sind in Mitteleuropa schon im Tertiär nachzuweisen. Laurus nobilis ist im Travertin bei Rom und Florenz, in quaternären Tuffen (mit der Feige) in Frankreich gefunden worden. Während also der Baum in Südeuropa heimisch ist und von hier nach Osten vordrang, ist der eigenartige Kultus des Lorbeers von Kleinasien über Thrakien nach Europa gelangt. Der Lorbeer, die δάφνη der Griechen (so schon bei ~Homer~), wurde schon frühzeitig ein Götterbaum. Daphne, die liebliche Tochter des Flußgottes, von Apoll verfolgt, flehte um Verwandlung in einen Baum, und wurde in einen Lorbeer verwandelt -- mit seinen Blättern bekränzte Apoll sich dann die Schläfe. ~Apollo Katharsios~ erwählte ihn sich «als Zeichen der von ihm ausgehenden Reinigungen» (~Hehn~). Er ist der Baum der Sühne. Er findet sich bei allen apollinischen Heiligtümern, dem ~Apollo~ zu Ehren wurden die Daphnephorien (Sonnenfeste) in Theben gefeiert, um den Dreifuß der ~Pythia~ schlangen sich Lorbeerzweige; es war der prophetische Baum (μαντικόν φυτὸν). Der Lorbeerkranz schmückte den Seher und Sänger; das Lorbeerreis diente zur Abwehr von Unheil und Krankheit; das Kauen seiner Blätter verlieh prophetische Gaben, das Besprengen mit ihm reinigt (Lustratio), es schützt vor Blitzgefahr. Der Lorbeer ist das Symbol des Sieges, des Friedens, des Ruhms, der Tugend, der Jungfräulichkeit, der Wahrheit.

~Theophrast~ behandelt den Lorbeer eingehend, auch seine Kultur, und ~Hippocrates~ bediente sich der Früchte, der Blätter und des Öls. Auch in Italien war der Lorbeer, Laurus, immer Tempel- und Gartenbaum. Er findet sich denn auch jetzt noch gewöhnlich nicht in den Macchien und war ein heiliger Baum. ~Plinius~ sagt: «adeoque in profanis usibus pollui laurum et oleam fas non est.» Mit ihm schmückten die Römer nicht nur ~Apollo~ und ~Bacchus~, sondern auch die ~Libertas~, ~Salus~, ~Aesculap~ und ~Hercules~ und er spielte auch bei dem Feste des ~Mercur~ eine Rolle, war doch ~Daphnis~ ein Sohn des ~Hermes~. Mit Laurus wurden die Sieger in Delphi und die Triumphatoren in Rom (wie noch heute wahres und vermeintliches Verdienst) gekrönt, wie schon ~Plinius~ (XV, 39) berichtet, welcher vielerlei von ihm erzählt und meint, daß er beim Brennen durch lautes Knistern einen Abscheu vor dem Feuer andeute. Sein Laub wird, was dem Blatte keines anderen Baumes geschieht (als Laurea), besonders vom Baum unterschieden. Er findet sich auf einem Wandbilde in Pompeji. ~Plinius~ berichtet auch (XV, 7), daß das Lorbeeröl entweder durch Pressen aus den Früchten oder aus den Blättern und Fruchtschalen mit dem Öl der unreifen Olive bereitet werde und daß man ihm bisweilen Styrax und andere wohlriechende Stoffe zusetze. ~Dioskurides~ (I, 49) läßt δαφνέλαιον -- ebenso wie ~Palladius~ das oleum ex lauri baccis -- durch Auskochen überreifer Früchte mit Wasser und Abschöpfen des Öls bereiten oder aus Olivenöl mit Lorbeerblättern oder Früchten. Er rühmt seine anregende Wirkung und weiß, daß es brechenerregend ist. Das Oleum laurinum steht neben Lauri bacae bei ~Scribonius Largus~ (I, S. 578), das δάφνινον ἔλαιον auch bei ~Alexander Trallianus~ (I, S. 591).

Den Baum kennt ~Carl~ und ~Albertus Magnus~. Wir finden Lorbeeröl im Gothaer (I, S. 679), die Blätter des Lôrbaumes im Tegernseer Arzneibuch. Die ~Hildegard~ empfahl Früchte, Rinde und Blätter des Baumes, und zu gleicher Zeit wird auch das Öl in England genannt (von ~Alexander Neckam~) und in der Alphita (I, S. 652) steht bei Laurus: «Inde dampnocce et dampnelicon (i. oleum confectum ex oleo et baccis lauri)». Die arzneiliche Anwendung der Beeren erwähnten ~Ishak ben Amran~, ~Rhazes~, ~Elgâfaki~ u. and. Das Öl scheinen die Araber nicht benutzt zu haben. Ein Magenmittel der ~Hildegard~ enthält sowohl Rinde wie Blätter des Lorbeer, ein Mittel gegen Nierengeschwulst des Tegernseer Arzneibuchs (XIII. Jahrh.) die Blätter. ~Abu Hanifa~ erwähnt Lorbeerwein. Blätter, Früchte und Öl waren schon im Mittelalter beliebte Gewürze. So findet sich oile laurin in der Liste der 1359 und 1360 für den in London gefangen gehaltenen französischen König ~Johann~ angeschafften Gewürze (~Flückiger~, Pharmak. S. 931). Und 1434 nahmen die Dänen Schiffern aus Danzig u. a. auch drei Tonnen Lorole weg (Hansarecesse II, 1 [1876] 283, bei ~Flückiger~). Nach dem Luminare majus (I, S. 793) soll Ol. laurinum durch Kochen der zerriebenen frischen Früchte mit Wasser, Kolieren, Abschöpfen des Öls und Wiederholen der Operation bereitet werden. Lumen apothecariorum läßt die Fruchtschale zuvor beseitigen. Bei ~Cordus~ (I, S. 800) finden sich Lauri baccae, Laurus (fol.) und Laurinum oleum. Er erwähnt, daß es besonders aus Italien komme und bisweilen aus Olivenöl, Lorbeerblättern und Grünspan nachgemacht werde. Im Braunschweiger Register (I, S. 814) steht ol. de bacc. lauri +neben+ ol. laurinum (wohl das mit Ol. Olivae bereitete). Die Lauri folia, daphnidis folia stehen in der Taxe von Worms (I, S. 817) und in anderen Taxen, das ätherische Lorbeeröl in der Frankfurter Taxe von 1582. In der Taxe von Bremen 1665: Baccae lauri longae et rotundae. Bei ~Berlu~ (I, S. 950) steht außer baccae lauri, Ol. laurin. com. und Ol. laurin. fland. ein Oleum nervinum, das wohl ein Ol. lauri comp. war. ~Pomet~ (I, S. 941), der von einer Verwendung der Früchte bei den Färbern und des Öls bei den Hufschmieden spricht, sagt, daß das Öl, das nur wenig in der Pharmazie benutzt werde, in dem Languedoc und der Provence, besonders in Caluisson bei Montpellier, aus frischen, mit Wasser gekochten Früchten dargestellt werde. Er knüpft an die häufige Verfälschung oder gar Substitution desselben durch graisse Verdit eine Betrachtung über Fälschung von Drogen überhaupt.

=Lit.= ~Hehn-Schrader~, Kulturpfl. -- ~Gubernatis~, Mythologie d. plant. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Mayer~, A library of national antiquities I, 1857. -- ~Tristram~, Nat. hist. of the bible.

Fructus Cocos, Copra und Oleum Cocos.

=Syn.= Kokospalme, Cocotier (franz.), Cocoanut, coconut (engl.), Klapper- oder Kalappusboom (hol.), Cocco (ital.), coco (span.), coquo, coqueiro (port.). Im malaiischen Archipel: kalapa, klapa, klopo (jav. mal. sund.) -- bei ~Rumphius~ und ~Thunberg~: kulapa -- andjoro (Saleijer) (Zahlreiche and. Namen in ~de Clercq~, Woordenboek) -- in Rioux: anur -- in Indien: nárel, nárryal (hind. beng.), náriyál (guz.), tenha (tam.), tengino-káyi (can.), tenga (malab.), pol, polgahá (singh.) (Zahlreiche weitere Namen im Dict. econom. prod. India) -- in Ceylon: tenkay. -- Chines.: ye-tsu (= Baum Ye, Kopf des Königs von Yüe) -- in Brasilien: inaiaguacuiba -- in Chile: cocotero. -- Cocos ist indeklinabel, also nicht Oleum cocois.

Die Nux indica des Mittelalters -- so z. B. bei ~Serapion~ (I, S. 605) und bei ~Cordus~ -- war in erster Linie die Cocosnuß. Jedenfalls die N. i. magna (so in der Alphita). Bei ~Clusius~ (I, S. 786) steht Coccus Nux indica, im Nördlinger Register wird Nux magna s. communis (die Cocosnuß) der Nux indica gegenübergestellt. In der Braunschweiger Taxe (1574) heißt die Copra: Nucis indicae maio. pulpa, in der Kopenhagener Taxe (1619): Nucis indicae medulla.

=Etym.= Cocos (seit ~Magalhaẽs~ in Gebrauch) von port. coco, coquo = Maske, da die +geschälte+ Frucht drei Öffnungen hat, die sie dem Gesicht einer Meerkatze (macoco) ähnlich macht (~Garcia da Orta~). Auch die Hindus nennen sie náral (= Kopf) und benutzen sie bei gewissen Ceremonien als Kopf für Puppen. Ich sah solche Puppen auch in Java. -- Der Sanskritname nalikera, narikela ging ins Persische (nargil) und Arabische (narjil) über und kehrt im Taïtaischen ari, haari und malaiischen nura und auch in dem argéllia bei ~Kosmas Alexandrinus~ wieder. -- Das sumatranische njior kehrt im philippinischen niog, im Bali njo, in Tahiti niuh und im madagassischen wua-niu wieder. -- Das malabarische tenga = Südfrucht. -- Bei den Sanskritschriftstellern finden sich die bezeichnenden Synonyme punga (= erheben), rasayana-taru (= Delikatessenbaum), trinaraja (= König der Gräser), scanda taru (= Stammbaum), dur aroha (= schwer zu besteigen), kurcha sekhara (= gekrönt mit einem Bündel Früchte), dridha phala (= harte Frucht habend), rasa phala (= saftige Frucht habend), dridha nira (= starken Saft habend), langala (= penis), sada phala (= immer Frucht), dirghawr kscha (= Langbaum), kalpawr kscha (= nützlicher Baum), -- Nucifera = Nüsse tragend, -- Copra (schon bei ~Garcia da Orta~) von khóprá (hind.), -- Coir, keir oder kair (sansc. kera) aus ind. kayaru (= flechten). -- Arrak (arak, arack, arrack) aus orraqua (ind. = Palmbranntwein, so schon bei ~Garcia~).

=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Cocos nucifera= L. Spec. pl. ed. I 1188. (und in beschränktem Maße auch Cocos butyracea L. «La Palma real del Brasil»), Palmae, Ceroxylinae -- Cocoineae -- Attaleeae, Unterg. Eu-Cocos. Die 30 Arten der Gattung Cocos sind in Amerika heimisch (wegen C. nucif. s. Geschichte).

Cocos nucifera bildet zahlreiche Varietäten. Schon ~Garcia da Orta~ erwähnt zwei, von denen die eine zur Bereitung des Palmweins (çura), die andere wegen der Früchte gehalten wird. ~Rumph~ hat 10 Varietäten Calappa. ~Blume~ nennt in der Rumphia 18 auf den Sundainseln und 39 auf den Philippinen. Die Varietäten haben verschiedenen Wuchs und verschieden große Früchte. Im malaiischen Archipel unterscheiden die Eingeborenen durch besondere Namen besonders die Var. alba, canarina, cupuliformis, eburnea, machaeroïdes, macrocarpa, pumila, regia, rubescens, saccharita und viridis (~de Clercq~). Weitere in ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpflanzen, S. 148. Dort auch die ceylanischen Varietäten. Zur Coirbereitung dienen besonders die Var. rutila, cupuliformis und stupposa. Die Varietäten von Ceylon, Nouméa, den Seychellen, Pondichéry, Mayotte, Madagaskar und Sansibar beschreibt ~Prudhomme~. Ceylon hat 8, Neu-Guinea und Bismarckarchipel 10 bis 12, Samoa 6.

=Beschreibung der Stammpflanze, Morphologie und Anatomie der Frucht.= Die Cocospalme bildet einen schlanken, in leichtem Bogen aufwärts strebenden, bis 25 m hohen Baum, an dessen durch Blattnarben geringeltem, an der Basis angeschwollenem und dort mit Adventivwurzeln besetztem Stamme ich niemals Epiphyten sah. Seine riesige, aus 10-30, bis 4 ja 6 m langen Blättern bestehende schöne, im Umriß kreisförmige Krone scheint fast zu schwer für den dünnen Stamm (Fig. 220, vgl. auch I, Fig. 19 u. 32 u. Taf. IV). In den Blattachseln stehen die bis 2 m langen monözischen, von einer meterlangen Spatha bescheideten Blütenkolben, meist zu mehreren, die mit unscheinbaren, gelblichen, männlichen, 6 Stamina und 6 lanzettliche Perigonblätter enthaltenden Blüten besetzt sind und nur am Grunde ansehnlichere, gelblich-grüne, weibliche Blüten tragen, die, umgeben von derben Perigonblättern, einen aus drei Fruchtblättern bestehenden Fruchtknoten mit sitzender Narbe zeigen. Jeder Fruchtstand, von denen die Palme mehrere bildet, enthält 10-30 Früchte.

Die meist kopfgroße, bis 30 cm lange, eiförmige, stumpf-dreikantige Frucht, welche in 6-8 Monaten zur Reife kommt, ist eine einfächerige, einsamige Drupa (Steinfrucht, also fälschlich: Cocos+nuß+ genannt). Zwei Fächer des Fruchtknotens schlagen fehl. Das Epicarp ist derb, graubraun und glatt und infolge eines Wachsüberzuges von Wasser nicht benetzbar. Die Frucht kann daher, ohne daß sie leidet, durch die Meeresströmungen weithin getragen werden. Das Mesocarp ist bis 5 cm breit, grobfaserig. In ein aus getüpfelten Zellen bestehendes, schon beim Trocknen der Frucht schwindendes Grundgewebe sind zahlreiche, von derben Bastbelegen bescheidete Gefäßbündel eingebettet, die als =Coïr= oder Cocosfaser Verwendung finden. Die Bastfasern der Coirbündel werden von Sklereïden und Kiesel-Stegmata begleitet. Das steinharte, 0,3 bis 1 cm dicke, aus braunen, stark verdickten Sklereïden bestehende +Endocarp+ zeigt drei große Keimlöcher (K Fig. 219). Mit ihm verwachsen ist die dünne braune Samenschale und das an diese sich anschließende 0,7-2 cm dicke weiße, derbfleischige +Endosperm+, das aus der Steinschale herausgelöst und von der Samenschale bedeckt unter dem Namen =Copra= in den Handel kommt und das Cocosöl liefert. Innerhalb desselben findet sich eine trübe Flüssigkeit, die +Cocosmilch+, die wohl auch zum Endosperm zu rechnen ist, jedenfalls bei der Keimung aufgebraucht wird. Die unreife Frucht ist ganz mit dieser Flüssigkeit erfüllt. Aus ihr setzt sich erst allmählich das feste Endosperm am Rande ab. In den reifen Früchten des Handels ist das milchige Endosperm meist eingetrocknet und der Same besteht daher vornehmlich aus dem hohlkugeligen äußeren Endosperm, das als dicke Schale den zentralen leeren Hohlraum umschließt (Fig. 219).

Das äußere Endosperm ist von einer mehrreihigen, aus mit braunem Inhalt versehenen Zellen bestehenden, von Gefäßbündeln durchzogenen Samenhaut bedeckt, die allmählich über dünnwandige Sklereïden hin, die der Copra des Handels oft noch außen anhängen, in die innere Sklereïdenschicht des Endocarps übergeht. Das Endosperm besteht vorwiegend aus stark radialgestreckten, dünn- und glattwandigen Zellen, deren Wand mit Jodschwefelsäure blau wird und dabei Spiralstreifung hervortreten läßt. Die Zellen enthalten Fetttröpfchen und -massen, zierliche Büschel von Fettkristallen und große Aleuronkörner mit sehr zahlreichen sehr kleinen Globoiden und einigen wohlausgebildeten Kristalloiden. Der Fettinhalt erfüllt die Zellen nahezu ganz. Große rundliche Tüpfel werden meist erst bei Behandlung mit Kali sichtbar. Der innerste Teil des Endosperms besteht aus mehr rundlichen, dickwandigeren, die an das Lumen grenzende Partie aus obliterierten Zellen. Der +Keimling+ ist klein und liegt in das Endosperm eingebettet unter dem mit einem Deckel verschlossenen Keimloch des nicht fehlgeschlagenen Faches. Das Mesocarp beträgt 30-57,3%, die Steinschale 11,6-19,6%, das Endosperm 18,5-37,8%, die Cocosmilch (bei unreifen Früchten) 12-13% (~Bachofen~).

Die Cocospalme trägt das ganze Jahr über Blüten und Früchte. Sie liebt die Meeresnähe, ist daher auf allen südasiatischen Inseln reichlich zu finden. Bei vielen kleineren, z. B. den Koralleninseln, bildet sie das wichtigste Glied der Vegetation. Bei den größeren, wie Java und Ceylon, bevorzugt sie unbedingt die Küsten, ohne jedoch im Inneren ganz zu fehlen. Die am Küstenrande wachsenden sah ich oft schräg gegen das Wasser geneigt. Die Anbaugrenze liegt etwa 150 km von der Küste. Sie braucht nicht zu geringe Luftfeuchtigkeit und ziemlich hohe gleichmäßige Temperatur (Mittel: 22° C.). Sie liebt brakigen Boden, Wind und Sonne. In Ceylon traf ich Cocos noch im Hochland des Inneren und in Java in den Preangerregentschaften, z. B. bei Bandoeng. Die Keimung erfolgt in der Weise, daß der Cotyledon, als Saugorgan fungierend, in die die Cocosmilch enthaltende Höhlung hineinwächst, diese schließlich ganz ausfüllend, und die Plumula und Radicula den Deckel des Keimloches beiseite schieben. Die ersten Blüten erscheinen im vierten Jahre, etwa im 15.-20. Jahre erreicht der Baum seinen höchsten Ertrag, der dann bis ins 60., ja 100. Jahr (meist etwa 50-80 Jahre lang) erhalten bleiben kann. Ein Baum kann bis 200 Früchte jährlich hervorbringen. Der Durchschnittsjahresertrag eines Baumes sind 60 Früchte (~Semler~, 50-70 ~Tschirch~), der Durchschnittsmonatsertrag in Java 5-10 (~Tschirch~). Man erntet nur vollreife Früchte.

Das von Cocospalmen bestandene Areal schätzt ~Ferguson~ 1910 auf 1582000 ha. Die meisten finden sich auf Ceylon (307500 ha), das eine wahre Cocosinsel ist und mehr als 50 Mill. Cocos enthält, -- ich sah dort Cocoswälder von 10 Meilen Länge, Polgahawela ist nach der Cocos benannt -- ferner Südamerika (202000 ha). Dann folgt Britisch Indien (Madras, Malabar, Coromandel), die Sundainseln (Java: 210000 ha), die Philippinen (170000 ha), Neu Guinea, Samoa, die Fidschi- und die pacifischen Inseln, Zentralamerika, Westindien, Columbien (Carthagena), Siam, Indochina, Ostafrika, Madagaskar, Sansibar und Mauritius, Westafrika (Togo). Von französischen Kolonien kommen in Betracht: Senegal, Martinique, Réunion, Tahiti, franz. Guyana, franz. Indien und Neucaledonien. Die Cocospalme stellt keine großen Anforderungen an den Boden. Sie ist «nützlich, anmutig und bescheiden» (~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl.).

=Lit.= ~Martius~, Hist. nat. palmar. III, 123, t. 62, 75, 88. -- ~Miquel~, Flor. Ned. Ind. -- ~Drude~ in Flora Brasiliens. und Engl.-Prantl, Pflanzenfam. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~Ferguson~, Ceylon Handbook und Coconut planters manual. Colombo. -- ~Sadebeck~, Die Kulturgewächse d. deutschen Kolonien 1899. -- ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpflanzen (dort die Kultur beschrieben). -- ~Van Gorkom~, Oostind. Cultures. -- Bijdragen tot de kennis van den kocospalm in Bull. 41 des Kolon. Museum Haarlem 1909 mit Beiträg. v. ~van Oijen~, ~Tabel~, ~Wong Tani~, ~Welborn~ und ~Bakker~ (mit Abbild.). -- ~H. Zaepernick~, D. Kultur d. Kokospalme, Tropenpflanzer, Beihefte Nr. 6, 1911. -- ~Watt~, Dict. econom. prod. of India (Kultur in Ostindien). -- ~H. Marshall~, Contribut. to a natural and economical history of the Coconut tree. Mem. Wernerian nat. hist. Soc. -- The +Coconut Palm+. Bureau of Science of the Philippines Government. -- ~Cook~, History of Coconut Palm in America. 14 pl. Washington 1910. -- ~Copeland~, On the water relations of the Coconut Palm. -- ~Walker~, The Coconut and its relation to the production of oil Manila 1906. -- ~Prudhomme~, Le cocotier. Cult. industr. et commerce dans les principaux pays de product. Coprah, huile, fibre de Coco et dérivés divers. mit 80 phot. Paris 1906. -- ~P. Hubert~, Le cocotier 1906. -- ~Preuss~, Die Cocospalme u. ihre Kultur. 1911 (m. zahlr. Abbild.).

+Abbild.+ Ältere bei ~Rheede~, Hort. malab. t. 1-4 und ~Rumphius~, Herb. Amb. -- ~Berg-Schmidt~, Atlas 2. Aufl. t. 143 (dort weitere Lit.). -- ~Köhlers~ Medizinalpfl. -- ~Sadebeck~ a. a. O., Fig. 15-19. -- ~Tschirch~ a. a. O., t. 94. -- Bull. 41 des Kon. Mus. Haarlem. Auch auf zahlreichen Titelblättern (Tropenpflanzer, ~Häckels~ Reisebriefe) findet sich Cocos. -- Karte über die Verbreitung der Cocospalme in ~Scobel~, Handelsatlas.

Anatomie: ~Winton~, Anat. of the fruit of Coc. nuc. Amer. Journ. sc. 12 (1901), 538. Am. Journ. pharm. 1901, 523. -- ~Moeller~, Rohst. d. Tischler- u. Drechslergew. 1884. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie, Fig. 510-519 (dort weit. Lit.). -- ~Pfitzer~ (Keimung), Ber. d. Botan. Ges. 1885, 32. -- ~Wittmack~, Die Keimung der Cocosnuß. Ber. d. Bot. Ges. 1896, 145. -- ~Collin-Perrot~, Residus industr., Fig. 4 u. 5.

=Pathologie.= Es liegen verschiedene Angaben vor über Pilze, welche bei Erkrankungen der Stämme von Cocos nucifera beobachtet wurden (Pestalozzia Palmarum, Pythium palmivorum, Thielaviopsis ethaceticus) und dadurch auch indirekt den Fruchtertrag beeinträchtigen mögen (~Ed. Fischer~). Die tierischen Schädlinge der Cocospalme in ~Watt~, Diction., bei ~Welborn~ (in Bull. 41 d. Kolon. Mus. Haarlem), ~Zäpernick~ (a. a. O.) und ~Volkens~ (Über eine Schildlauskrankheit d. Cocospalmen in Togo u. auf d. Karolineninsel Yap. Notizbl. d. k. bot. G. Berl. Nr. 25 [1901]). -- ~Schwartz~, Bekämpf. der Cocospalmen-Schildlaus (Aspiodotus destructor) Tropenpfl. 1909, 114, sowie bei ~Prudhomme~ a. a. O. In Samoa ist Cocos frei von Krankheiten (~Preuss~). Ratten, fliegende Füchse, Wildschweine, Kakadus und Ameisen, sowie eine große Wespe, ein Käfer (Promecotheca), ein Nashornkäfer sind ihre größten Feinde. Besonders finde ich genannt die Käfer: Oryctes, Xylotrupes, Pimelotus, Scapanes, Oryctoderes, Rhynchophorus. Gegen zweifüßige Diebe sah ich in Ceylon, wo die Cocosgärten Nachts bewacht werden, eine ingeniöse Einrichtung. Die Stämme trugen auf halber Höhe ein trockenes Cocosblatt, dessen Mittelrippe von unten nach oben verlief und dessen Fiedern zu je 3-4 zusammengenommen um den Stamm gelegt waren, wodurch eine mehrere Meter lange Röhre entstand. Sobald ein Dieb sie erreicht, weckt er durch das raschelnde Geräusch, das hierbei entsteht und das in der stillen Tropennacht weithin vernehmbar ist, den Wächter.

=Kultur und Erntebereitung.= Die Kultur ist einfach. Doch braucht die Palme Pflege, besonders Bewässerung. «Die Cocos tragen nicht, wenn du nicht zu ihnen gehst und mit ihnen sprichst», sagt der Singhalese. Düngung steigert den Ertrag von 40-50 auf 80-100 Früchte pro Baum. (Über die Düngungsversuche vgl. bes. ~Prudhomme~ a. a. O.). Die Aussaat erfolgt in Keimbeeten in Salz und Asche enthaltenden, lockeren Boden, aus dem die Pflanzen nach 7 bis 9 Monaten an den definitiven Standort gebracht werden. In Java sah ich die Früchte zum Keimen am First der Häuser oder an Bäumen aufgehängt, um sie gegen Bodenungeziefer zu schützen. Ich traf die Cocospalme in Ceylon und Java in Kampong- und Plantagenkultur, sog. Klappertuins (I, Taf. IV, vgl. auch I, S. 49), und die gleichen Formen der Behandlung finden wir in allen übrigen tropischen Gegenden der Erde. Oft trifft man Baumwolle, Yams, Bataten, Taro, Bananen, Lemongras, Ricinus, Maranta, Erdnuß, Sesam, Mais, Sisalagave, Ananas als Zwischenpflanzen (~Semler~). Obwohl der Baum das ganze Jahr trägt, erntet man doch nur 4-6mal im Jahr. Wie schon ~Garcia da Orta~ (I, S. 735) berichtet, besteigen die Eingeborenen den Baum entweder mit Steigriemen (I, Fig. 189) oder indem sie Stufen in den Baum einhauen und auf diesen emporklettern (Fig. 220). In Java binden sich die Eingeborenen auch die Füße an den Gelenken zusammen und erzielen so eine greifende Gabel. Auf den Sundainseln läßt man bisweilen die Früchte von abgerichteten Affen pflücken oder liest die reif abfallenden «todtreifen» Früchte vom Boden auf. Vor der Verarbeitung trocknet man die Früchte einen Monat. Ein Arbeiter kann täglich 800 bis 1000 Früchte aufbrechen und schälen. Das Brechen der Steinschale erfolgt mit der Axt, mit Steinen oder Holzschlägeln, die +Copra+ (coprah, copperah) wird mit einem gebogenen Messer herausgeholt (Taf. XX) und an der Sonne in Einrichtungen, ähnlich denen zur Trocknung der Chinarinde (I, Fig. 107) oder in Trockenhäusern (Taf. XXI) getrocknet. 1000 Nüsse geben c. 250 kg Copra. Die Coprahdarren dürfen nur mit Cocosschalen geheizt werden, die ein rauchloses Feuer geben, sonst erzielt man keine weiße Copra. In Cochin wird nur in der Sonne, in Ceylon nur auf Darren getrocknet. Man schneidet hier mit einem schweren Messer die Steinschale genau in zwei Hälften und trocknet in diesen. Man unterscheidet weiße, gelbe und schwarze Copra. Nur vollreife Früchte liefern weiße Copra.

Auf den Südseeinseln erfolgt die Gewinnung des +Cocosöls+ für den Gebrauch der Eingeborenen in sehr primitiver Weise. Man wirft die Kerne auf Haufen und sammelt das ausfließende Öl in in die Erde gesetzten Gefäßen oder verwendet einen hohlen Baumstumpf als «Ölpresse», indem man die Kerne mit Steinen beschwert. Auf Diego Garcia werden primitive, von Tieren an langer Deichsel getriebene Mühlen benutzt (vgl. I, Taf. XVII). Ähnliche Mühlen sind da und dort auch in Ceylon noch in Gebrauch (I, Taf. XVI). Im Handel ist nur aus der Copra, dem getrockneten Endosperm, gepreßtes Öl. Es wird dies sowohl in Indien (Ceylon: Colombo, in Bombay und an der Malabarküste: Cochin) wie in Europa (Marseille, Mannheim, Bremen, Harburg, Magdeburg, Groß Gerau und in England) fabrikmäßig dargestellt. In Indien wird das Öl entweder in der Weise gewonnen, daß man die in der Sonne getrocknete Copra zu einem Brei zerstampft, diesen mit Wasser auskocht und das Öl abschöpft oder indem man die gemahlene Copra in meist hydraulischen Plattenpressen auspreßt. Cocosöl wird jetzt sogar in den Tropen (Ceylon, Java) in vielen zum Teil ganz modern eingerichteten Fabriken gepreßt, die auch zugleich Coir verarbeiten und aus dem Öl Seife fabrizieren. Zu einer modernen Cocos-Ölmühle gehören: Eine Schneidemaschine zum Zerkleinern der Kerne, eine Mühle, um die Schnitzel zu Brei zu verreiben, eine Dampfpfanne, um den Brei auf 50 bis 80° zu erwärmen, eine hydraulische Presse zum Auspressen des Öls, eiserne Klärbottiche und eine Filtrieranlage. Ferner Luftdruck-Akkumulatoren, Saattransportvorrichtungen, Desintegratoren und Saatwärmer.

«Die Cocosölgewinnung sah ich in den großen Hultsdorf Mills in Colombo. Die von den Natives gesammelte Copra wird in Kähnen auf Kanälen, die bis zur Mill führen, oder Ochsenkarren in die Mill gebracht. Nach dem Ausschütten werden die Coprahaufen in die Coirsäcke der Mill gefüllt, und, wenn feucht, auf den großen Zement-Barbacues nachgetrocknet, dann wandert die Copra in die Ölmühle. Hier wird sie in der Grobmühle, die aus einem in einem Zylinder laufenden Rade mit ⅜ Zoll großen Zähnen besteht, zunächst grob zerkleinert und durch geeignet angebrachte Öffnungen gleichzeitig gesiebt. Das grobe Pulver wandert nun in die erste Presse. Diese ist wie alle anderen eine hydraulische. Man bringt c. 15 Lagen des groben Pulvers abwechselnd mit Stahlplatten und Korbgeflecht in die großen zylindrischen, an der Außenwand durchlöcherten Preßgefäße und läßt die Presse von unten nach oben gehen. Sobald die Platten anziehen strömt ein finger- bis armdicker Strahl in die darunter verlaufenden Rinnen und von dort in die Sammelgefäße (Tanks) in der tieferen Etage. Das ausfließende Öl dieser ersten Pressung ist das beste. Nun werden die Preßkuchen in Schneidemaschinen zerkleinert, im Vorwärmer durch Dampf vorgewärmt und in Cylindersieben gesiebt; das feinste Pulver geht nun in die zweite Presse, das noch nicht genügend zerkleinerte wird weiter zerkleinert und zwar je nach der Größe entweder durch platte, aufeinander ruhende Hartwalzen -- die feineren Partien -- oder zwischen großen Walzen, welche die gröberen, etwa erbsengroßen Stücke flach pressen, letztere werden alsdann in Kollergängen unter großen, runden Graniträdern vollends zertrümmert. Das so gewonnene grobe Pulver wird nun vorgewärmt, das gröbste geht in die erste, das feinere in die zweite Presse (Finishpresse). Die fertigen Preßkuchen werden schließlich in den Shaping-presses mit leichtem Druck in Formen gepreßt und gehen alsdann in die Schlußpressen, wo sie unter stärkstem Drucke ihre definitive Form erhalten. Diese außerordentlich stickstoffreichen «Cocosnußpreßkuchen» werden sowohl als Futtermittel als auch namentlich zum Düngen viel verwendet. Das Cocosöl, besonders das der zweiten und späteren Pressungen wird durch Beutel aus dichtem Baumwollengewebe filtriert. Das beste ist nahezu farblos und besitzt, wenn die Copra möglichst frisch zur Presse kam, auch kaum einen Geruch. Die späteren, besonders die warmen Pressungen sind gelblich und besitzen einen mehr oder weniger starken, unangenehm süßlichen Geruch» (~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl.).

Cocosfett wird bisweilen in Europa durch Pressen in Olein oder Cocosöl (zur Seifenfabrikation) und Cocosstearin zur Kerzenfabrikation getrennt. Der Handel unterscheidet drei Sorten: +Cochinöl+, die beste, von der Malabarküste, von sorgfältig kultivierten Pflanzen, enthält weniger freie Fettsäuren als das +Ceylonöl+. Das geringste Öl ist das an freien Fettsäuren reiche +Copraöl+, das aus der in der Sonne oder in Öfen getrockneten Copra gepreßt wird, die in großen Mengen von Ceylon, Java, den Karolinen, Marianen, den Palau- und Marschallinseln, Samoa u. and. exportiert wird. Da «Cochinöl» Qualitätsbezeichnung ist, so kennt der Handel auch australisches Cochinöl und Mauritius-Cochinöl. Das aus dem frischen Endosperm kalt gepreßte Öl (Klapperöl) ist nicht Handelsprodukt. Es wird in Indien als Speisefett verbraucht. Von den Cocospreßkuchen unterscheidet der Handel drei Sorten: weiß, halbweiß und ordinär, sowie graues Cocosmehl, das den Rückstand der Extraktion mit Schwefelkohlenstoff darstellt.

Bei der Darstellung der +Desiccated coprah+ schält der Arbeiter erst die Faserschicht ab, sprengt mit einem geschickten Schlage die Steinschale von dem Endosperm ab und schält mit einem eigenartigen Hobel (abgebildet im Tropenpflanzer 1909, 459) die braune Samenhaut ab. Der schneeweiße Hohlkern wird dann in Maschinen geraspelt und in Trockenöfen getrocknet.

Die +Coirfaser+ (in Java mumbang, rambok oder sabut) wird ähnlich wie Flachs behandelt. Man bringt die Faserschicht der Frucht (Husk) einige Monate in stehendes Wasser (Röste), wäscht und klopft («bricht») die getrockneten Fasern mit hölzernen Hämmern. Dadurch wird das Grundgewebe und oft auch der Siebteil der Bündel zertrümmert, so daß die Coirfaser des Handels, die 20-30 cm lang ist und vorwiegend aus den braungefärbten Bastbelegen besteht, hohl ist (Abbild. bei ~Wiesner~ vgl. auch S. 256) und daher auf Wasser schwimmt. Einzelne Bastbündel führen keine Gefäßbündelelemente. Neuerdings erfolgt die Herstellung der Coirfaser in Fabriken in Röstgruben, mit Rollmühlen und Hechelmaschinen. Diese Faser wird auch mit SO₂ gebleicht. In Ceylon unterscheidet man Rope, Yarn und Fibre. 13-15 Nüsse liefern 1 kg Coir. Coir wird in Brit. Indien, Ceylon, Südamerika, Sansibar und neuerdings auch, in Dar-es-Salam produziert, jetzt aber auch in europäischen und amerikanischen Fabriken aus dem Mesocarp (Roya) der importierten Früchte dargestellt.

Die vorwiegend aus Sklereïden bestehende +Steinschale+ wird, nachdem die Copra und die Faserschicht entfernt wurde, für Gefäße und Drechslerarbeiten benutzt. Ich habe aus Java aus Cocosschalen gefertigte Löffel, Schalen und Becher mitgebracht.

Aus den Blütenständen wird durch Anzapfen ein zuckerreicher Saft (jagra, jaggery) und Zucker gewonnen, der gegoren +Palmwein+ (toddy, in Indien çura) liefert (Beschreibung I, S. 1018). Durch Destillation gewinnt man aus letzterem +Arrac+ (100 l Toddy liefern 25 l Arrac), durch Sauerwerden +Essig+.

Die Benutzung der jungen Blattknospen als +Palmkohl+ sah ich nirgends. Da der Baum durch Ausschneiden der Gipfelknospe zugrunde geht, ist seine Gewinnung auch zu widerraten.

=Lit.= Siehe oben S. 703 und ~Tschirch~ a. a. O. Ferner ~Ferguson~, All about the coconut-palm. Colombo. -- Tropenpflanzer 1898, 1899, 1900, 1909. -- ~Massignon~, Fabricat. du beurre de Coco comestible aux colonies. Bull. Jard. col. Paris 1901 (1) 266. -- ~Preuss~, Kulturpfl. auf Samoa. Tropenpfl. Beiheft 3, 1907. -- ~van Eeden~, Plantaardige Vezelstoffen. Kol. Mus. Haarlem. -- Cocosölindustrie, Lahore Trib. Oil, Paint and Drug Rep. (Chem. Rev. 1906, 114).

=Handel.= Die Copra wird entweder in Säcken versandt oder ohne Verpackung einfach in den Schiffsraum geschüttet. Ceylon kann jährlich c. 800 Mill. bis 1 Milliarde Cocosnüsse erzeugen und exportiert bis 17 Mill. Ceylon exportierte 1894: 8747000 Stück frische und 42700 cwt. trockene Nüsse, ferner Coir 176600, Copra 45800, Cocosöl 449600, Cocosnußkuchen (Poonac) 190000 cwt, sowie 98000 Gall. Arrac. Ceylon exportierte 1910: 616377 cwt Coconutoil, 766906 cwt Copra und 16114088 Stück Cocoanut, 27201074 lbs Desiccated coconut (Raspelcopra). 309589 cwt Poonac, 108775 cwt Coir yarn und 174410 cwt Coir fibre. Brit. Indien exportierte 1908/09: 595725 Cocoanut, 395126 cwt Cocoanut kernel or copra und 2845404 gals. Cocoanutoil.

+Java+ exportierte 1905: 108360755, 1906: 54337508 kg Copra, 1905: 63600, 1906: 5864 l Klapperolie. +Niederl. Indien+ exportierte Copra 1908: 229491 t. Haupthandelsplätze sind London, Marseille, Rotterdam und Amsterdam. Copra ist wie Pfeffer Spekulationsartikel. Man unterscheidet die Sorten: Fair merchantable sundried (fins), Mixed, Telquel. Die Südseeinseln pressen kein Öl, sondern verschiffen die Copra. Für die Südseeinseln sind die Cocosprodukte der wichtigste Exportartikel. Die +Copraausfuhr+ betrug 1908 in kg Bismarck-Archipel: 5586672, Kaiser Wilhelmsland: 698507, Samoa: 10240000, Westkarolienen, Palauas, Marianen: 714789, Ostkarolienen: 431739, Marschallinseln: 3560899. Deutsch-Ostafrika (1909): 3026795. -- 1910 exportierte Java: 100564, Makassar: 30880, Menado, Sangir usw.: 27298, Padang: 10479, Straits settlements: 103006, Manila: 118200 t. Die Gesamtausfuhr von Copra aus allen Ländern beträgt jetzt mehr als 500000 t, von Cocosöl c. 70000 t. Das meiste verbraucht Frankreich.

Der Mittelpunkt des südamerikanischen Cocoshandels ist Para. Es exportiert jährlich 7-8 Mill. Nüsse.

+Deutschland+ deckt ⅓ seines Bedarfes an Copra aus seinen Kolonien. Deutschland importierte 1909: 1121593 dz +Copra+ vorwiegend aus Niederl. und Brit. Indien, sowie aus Ceylon, weniger aus Brit. Malacca, Samoa, den Philippinen und Australien und 90490 dz +Cocosöl+ besonders aus Ceylon und Brit. Indien. +Hamburg+ importierte 1908 seewärts 942110 dz +Copra+, davon 444323 aus Nied. Ostindien, 228337 aus Brit. Ostindien, 65787 aus Australien, 42986 von den Philippinen, 39135 aus Samoa, 25279 aus Singapore, 22525 aus dem Bismarckarchipel, 17395 von Neu Guinea, 16357 von den Marschallinseln, 14316 von den Fidschi- und Freundschaftsinseln, mehr wie 1000 dz von den Carolienen, Trinidat, Deutsch-Ostafrika, den Gesellschaftsinseln, Kuba, den Verein. Staaten, weniger als 1000 von Westafrika, Togo, St. Domingo, den Palauinseln, Venezuela, China usw. Ferner 91656 dz +Cocosnußöl+, davon 46744 aus Brit. Ostindien. Die Einfuhr von Cocoanut oil nach London betrug 1906: 1056, 1907: 1909, 1908: 3007, 1909: 1270 t. Frankreich importierte 1908 +Copra+ (und Amandes de Coco) 1693579 Quint., davon besonders viel von den Philippinen, Holländ. und Engl. Indien, sowie von Indochina und Engl. Ostafrika, weniger von den Ozeanischen Inseln u. and. tropischen Gegenden. Die Vereinigten Staaten importierten (vorwiegend aus dem mittelamerikanischen Drogenreich) 1909: 52302999 pounds Cocoanutoil.

=Chemie.= Das +frische Endosperm+ (Cocosfleisch) enthält in Prozenten: Wasser 46,64, eiweißartige Stoffe 5,49, Fett 35,93, stickstofffreie Extraktstoffe 8,06, Faser 2,91, Asche 0,97. Die getrocknete Copra enthält meist 64-68 bis 67,85% (~Nallino~), ja 71,5% (~Bizio~) Fett, gewonnen werden daraus 54-61%. Daneben 9-10% Stickstoffsubstanz, 14-26% stickstofffreie Extraktstoffe, 1,5-2,7% Asche (~Bachofen~). In der Copra sind nachgewiesen: 46% Wasser, Zucker (Saccharose 4-5% ~Bourquelot~), Amide, Cholin, Lecithin, das Globulin Edestin (~Osborne~ und ~Campbell~), Conglutin (~Ritthausen~), Albumin, Albumosen und ein Nucleoproteid zusammen 4,63% Eiweiß, 3,39% Faser. Alkaloide und Glukoside fehlen (~van Itallie~). Die Zellwände enthalten ein Galakto-Mannan bzw. Galakto-Araban. Die +Copra+ enthält 66,25 (Manila) bis 70% (Cochinchina) Öl, Ceylon und Sansibarcopra stehen in der Mitte (68-69% ~Lahache~). Im Großen werden 50-60% gewonnen. Luftgetrocknete Nüsse liefern c. 50%, in Trockenapparaten getrocknete c. 60% Fett.

=Oleum Cocos= (nicht Cocois), =Cososfett= (Cocosbutter, Cocosnußöl, Coprafett, huile de coco, beurre de coco, Cocoanut oil, burro di cocco, cocosvet, κοκέλαιον) ist im gemäßigten Klima fest, in Indien flüssig, was schon daraus hervorgeht, daß es z. B. in Java als Lampenöl benutzt wird. Es hat frisch einen angenehmen Geruch und Geschmack, wird aber leicht schon in der Copra ranzig, riecht dann widerlich und schmeckt kratzend. Ein solches Öl enthält dann bis 25% freie Fettsäuren (~Lewkowitsch~). Die Regel bildet 2-10% freie Säuren, ~Crossley~ und ~le Sueur~ fanden 5-17,7% (auf Ölsäure berechnet), ~Salkowsky~ 2,96%, ~Pastorovich~ und ~Reijst~ 4,75%. Das +gereinigte+ Cocosfett enthält keine freien Fettsäuren und steht bezüglich seiner Haltbarkeit anderen Pflanzenfetten nicht nach (~Herbert~ und ~Walker~). Die Abspaltung der freien Säuren und die Erscheinungen der Ranzidität treten schon in der Copra vor dem Pressen infolge der Einwirkung von Pilzen (Aspergillus) und Enzymen ein und ein so in der Copra schon zersetztes Öl unterliegt stärkerem Ranzigwerden, als ursprünglich unzersetztes, frisch und rasch gepreßtes.

+Cocosfett+ zeigt eine von den anderen Fetten stark abweichende Zusammensetzung (nur Palmkernöl hat eine ähnliche Zusammensetzung). Es enthält +Trimyristin+ (beträchtliche Mengen, ~Ulzer~), +Trilaurin+ (relativ viel), +Tripalmitin+ und +Tristearin+ (1%) und +Trioleïn+, sowie die Glyceride der flüchtigen Fettsäuren: +Capronsäure+, +Caprylsäure+ und +Caprinsäure+, aber keine Buttersäure (~Reijst~) und kaum hydroxylierte Säuren. Die Alkoholyse (~Haller~ und ~Youssoufian~) ergab als Hauptbestandteile Laurin (früher Pichuritalgsäure genannt) und Myristin, dann Palmitin, Stearin, Olein, Capron-, Capryl- und Caprinsäure. ~Paulmayer~ gibt 1907 40% Laurinsäure, 24% Myristinsäure, 10,6% Palmitinsäure, 5,4% Ölsäure, 19,5% Caprinsäure, 0,5% Capron- und Caprylsäure an (keine Stearinsäure!). Die Palmitinsäure wird von ~Ulzer~ bestritten. Die Cocinsäure (~Brandes~, ~Bromeis~) ist ein Gemenge von Laurin- und Palmitinsäure, auch die Cocosstearinsäure ist zu streichen. Die von ~Flückiger~ (1894) bestrittene Ölsäure wurde bestimmt von ~Ulzer~ und ~Reijst~ nachgewiesen. Im +gereinigten+ Cocosöl (Palmin) fand ~Ulzer~ 2,32% Glyceride flüchtiger Fettsäuren (Capron- und Caprylsäure) und c. 10,45% Trioleïn, der Rest der Hauptmasse bestand aus Trilaurin und Trimyristin- und etwas Caprinsäureglycerid. Die Menge der flüchtigen Fettsäuren beträgt c. 2% (~Ulzer~, ~Farnsteiner~).

Cocosfett ist bei 60° schon in 2 Teilen Alkohol von 90% löslich, besitzt also eine verhältnismäßig große Löslichkeit in Alkohol. Das +spez. Gew.+ ist ungewöhnlich hoch, es beträgt bei 15,5°: 0,9259, bei 18°: 0,9250, bei 35°: 0,9124, bei 100°: 0,870 (0,863, bei Bengalöl: 0,9040), der +Erstarrungspunkt+ liegt bei 14-25,5° (meist 16-20,5°), der +Schmelzpunkt+ bei 20-28° (meist 23-25°), die +Verseifungszahl+ ist ungewöhnlich hoch: 250-268 (gewaschen: 246,2), die Jodzahl ist sehr niedrig: 7,68-10 (meist 8-9), +Hehnerzahl+: 82,4-92,2, +Reichertzahl+: 3,5 bis 3,7, +Reichert-Meißlzahl+: 6,5-8,5. +Acetylzahl+: 9,5, +Brechungsexponent+ bei 40°: 1,4497, bei 60°: 1,441. Die freien Fettsäuren zeigen bei 98° ein spez. Gew. 0,8354, Erstarrungspunkt 15,7-20°, Schmelzpunkt 24-27°, Neutralisationszahl 258 mg KOH, mittleres Molekulargewicht 196-211, Jodzahl 8,39 bis 9,3, Jodzahl der flüssigen Fettsäuren 31,9-36,3. Das Cocosnußolein zeigt bei 60° ein spez. Gew. 0,9293, die Verseifungszahl 265,35 (253,63), Jodzahl 14,8 (4), Reichert-Meißlzahl 7,95 (4,45). Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf Cocosnußstearin.

Das Verfahren von ~Polenske~ zur Bestimmung des Cocosfettes in der Butter beruht auf der Bestimmung der Reichert-Meißl-Zahl, auf der Bestimmung der «Neuen Butterzahl» (nBZ, +Polenskezahl+), d. h. derjenigen Menge ungelöster flüchtiger Fettsäuren, die bei der Reichert-Meißl-Zahl-Bestimmung in das Destillat mit übergehen und sich im Kühlrohr und in der Vorlage vorfinden sowie auf Feststellung des Aggregatzustandes desjenigen Anteils der ungelösten flüssigen Fettsäuren bei 15°, die sich während der Destillation auf der Oberfläche des Destillates ansammeln.

Das Unverseifbare (c. 1,5%) enthält zwei Phytosterine (das eine = C₃₃H₅₆O₂ F. 135-140° ~Matthes~ und ~Ackermann~). Ein fettspaltendes Enzym fehlt dem Öl (~Walker~). Dagegen findet sich im +keimenden Samen+ eine Lipase, im Saugorgan des Keimlings neben Lipase ein proteolytisches Enzym, Amylase, Katalase und eine Peroxydase (~de Kruyff~). Das Fett enthält auch einen +Farbstoff+, der durch Knochenkohle oder Walkererde entfernt werden kann und ein +Alkaloid+ (von ~van Itallie~ bestritten), das den bitteren Geschmack bedingen soll. Der unangenehme Geruch der rohen Cocosbutter rührt nach ~Haller~ und ~Lassieur~ von +Methylnonylketon+, +Methylheptylketon+ und Spuren eines optisch aktiven Ketons her, die auch im Rautenöl vorkommen. Doch ist auch der Capron-, Caprin- und Caprylsäure kein angenehmer Geruch eigen. Unter dem Mikroskop zeigt Cocosfett ein Haufwerk langer Nadeln. Cocosfett läßt sich mit verdünnten Laugen nur schwer verseifen, leicht, schon in der Kälte, mit starken. Die Seifen sind nur mit großem Kochsalzüberschuß auszusalzen. Sie sind fest und hart.

Die +Coprapreßkuchen+ enthalten in Prozenten: Wasser 6,72-13,84 (20), Stickstoffsubstanz 16,25-20,94 (30), Fett 7,52-22,6, stickstofffreie Substanz 28,9-46,7, Faser 9,73 bis 15,39, Asche 5,39-6,7 (9) (~Gebek~ und in ~Collin-Perrot~, Res. ind.).

Die +Cocosmilch+ ist niemals milchig, sondern nur trübe. Besser ist daher die Bezeichnung Klapperwasser (mal. ajer kalapa). Das Gewicht der Milch der unreifen Frucht variiert zwischen 230 und 383 g. Die der reifen wiegt nicht viel über 100 g (~van Slyke~). Die +Cocosmilch+ enthält in der unreifen Frucht bis 4,58% Glukose, in der reifen 4-5, bisweilen sogar 9-13% Saccharose (~van Slyke~) und Cocosit (~H. Müller~) -- keine Lävulose (~van Itallie~) -- etwas Eiweiß (0,1-0,8%), Fett (bis 0,14%), ein Zucker bildendes Enzym, Oxydase und Katalase (~de Kruyff~) und Salze 0,6%, das Extrakt beträgt 5,7-7,7% (~Behre~). Das spez. Gew. der Cocosmilch beträgt 1,0442 (1,022 ~van Itallie~).

Die +Steinschale+ enthält in Prozenten: Wasser 7,36, Asche 0,54, Alkoholextrakt 1,12, Kohlehydrate (auf Stärke berechnet) 20,88, Rohfaser 56,19, Stickstoff 0,18, Gerbstoff 1,82 (~Wilson~). In der +Steinschale+ findet sich Xylan (~Tromp de Haas~ u. ~Tollens~). Ihre Asche enthält 45% K₂O.

Die +Blüten+ enthalten einen Inosit (Cocosit ~H. Müller~). Im Cocosgummi finden sich 70-90% Bassorin. +Der Saft des Stammes+ enthält 3-6% Rohrzucker (~Bourquelot~).

=Lit.= Ältere Analysen von ~Pelouze et Boudet~, ~Brandes~ (1838), ~Bromeis~, ~St. Evre~, ~Görgey~. -- ~van Itallie~, Over Kokosnoten, Ned. Tijdschr. 1890. -- ~H. Müller~, Proc. Chem. Soc. 1907, 219. -- ~Bourquelot~, Journ. pharm. 1904, 193. Compt. rend. 133, 690. -- ~Bachofen~ (Aschenanalysen aller Teile der Frucht). Chem. Zeit. 1900, 16. -- ~van Slyke~, Amer. Chem. Journ. 1891, 130. -- ~Behre~, Pharm. Centralh. 1906, 1045. -- ~de Kruyff~, Bull. Dep. Agr. Ind. neerl. 1907. -- ~Osborne~ und ~Campbell~, Journ. amer. chem. Soc. 1896, 609. -- ~Ritthausen~, Pflüg. Arch. 1880, 81. -- ~Gebek~ (Preßkuchen), Landw. Versuchsstat. 1894, 427. -- ~Wilson~, Connectic. Agric. exper. stat. in Am. journ. sc. 1901.

Öl: ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Rivals~, Les corps gras ind. 1908, 258.-- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. (dort weitere Lit.). -- ~Paulmayer~, Savonnerie marseillaise 1907. -- ~Crossley~ und ~Le Sueur~, Journ. Soc. chem. Ind. 1898, 991. -- ~Ulzer~, Chem. Rev. 1899, 11 und 203. -- ~Farnsteiner~, Ebenda 1898, 196. -- ~Flückiger~, Zeitschr. anal. Chem. 1894, 571. -- ~Reijst~, Pharm. Weekbl. 1906, 117 (Rec. trav. chim. Pays Bas 1906, 271). -- ~Göreys~, Lieb. Ann. 66 (1848) 315. -- ~Lahache~, Rev. chim. pur. et appl. 1905, 309. -- ~Haller~ und ~Youssoufian~, Compt. rend. 143 (1906) 803. -- ~Herbert~ und ~Walker~, Philipp. journ. of sc. 1906, 117. -- ~Walker~, Philippine Journ. sc. 1908. -- ~Fendler~ (Cocosspeisefette). Chem. Rev. 1906, 272. -- ~Blumenfeld~ und ~Seidel~, Mitt. Technol. Gew. Mus. 1900, 60. -- ~Bizio~, Journ. pharm. 1833, 455. -- ~Nallino~, Ber. d. chem. Ges. 1872, 731. -- ~Matthes~ u. ~Ackermann~, Ber. chem. Ges. 1908, 2000. -- ~Haller~ und ~Lassieur~, Compt. rend. 1910, I, 1013. -- ~White and Braithwaite~, Brit. and. Col. Dr. 1897. -- ~Polenske~, Best. v. Cocosfett in d. Butter. Zeitschr. f. Nahrmunters. 1904, 273 (auch Arbeit. d. k. Gesundhamt. 20 [1904], 545). -- Weitere Lit. bei ~Wehmer~.

=Prüfung.= Zum Nachweis fremder Beimengungen benutzt ~Paulmayer~ die verschiedene Löslichkeit der Fettsäuren in Essigsäure von 81,18%. Bei sämtlichen übrigen Fettsäuren, mit Ausnahme des Ricinusöls liegt die «kritische Löslichkeitstemperatur» höher als 33°. ~Milliau~ benutzt die Phloroglucin-Resorcin-Salpetersäurereaktion, bei der sich Cocosöl ebensowenig wie Butter und Palmkernöl färbt. Wegen der Ähnlichkeit der Zusammensetzung ist Palmkernfett im Cocosfett nicht sicher nachzuweisen, auch kaum nötig, da beide den gleichen Preis besitzen.

=Lit.= ~Paulmayer~, Seifen-Zeit. 1906, 286 (auch in ~Benedikt-Ulzer~). -- ~Milliau~, Compt. rend. 140 (1905) 1702.

Da die der braunen Samenhaut anhaftenden Sklereïden bei Cocos dünnwandig sind und die Wände der Endospermzellen dünne glatte Wände besitzen, so ist eine Verfälschung des Coprapreßkuchen mit Palmkernpreßkuchen (s. d.) leicht zu erkennen.

=Anwendung.= Was die Olive für das Mittelmeergebiet bedeutet (vgl. S. 623), das bedeutet die Cocospalme für die Tropen Asiens. Vernichtung der Cocos bedeutet Vernichtung der Existenz. «Wenn die Natur dem Bewohner der Tropen nur die Cocospalme geschenkt hätte, sie hätte ihm alles gegeben, was er braucht: Holz, seine Hütte zu bauen, Blätter, sie regendicht zu decken, Fasern für ein Gewebe, sich zu bedecken und für Stricke zum Binden, Gefäße, um Wasser zu schöpfen, Zucker, Fett und Eiweiß für die Nahrung, Palmenkohl als Zuspeise, Essig zur Würze, in den Blattstielen Brennmaterial, die Nahrung zu kochen, Palmwein als Getränk und Öl zum Brennen, ja selbst in der Cocosmilch einen kühlen Trunk für die Zeit des Fiebers» (~Tschirch~, Ind. Heil- und Nutzpfl.). Die Cocosnuß enthält alle notwendigen Nährstoffe. Zwei schiffbrüchige Matrosen haben 7 Jahre auf den Quairsinseln nur von ihnen gelebt. Sogar die Spatha sah ich in Java einmal und zwar als Wiege benutzt und die Wurzel wird in Indien mit Betel gekaut. +Cocos ist die nützlichste aller Pflanzen.+ ~M. C. Pereira~ stellte 83 aus dem Baume hergestellter Artikel zusammen (abgedr. in ~Watt~, Diction.) und der Inder sagt, sie ist «zu 99 Zwecken gut und den 100. wirst du auch noch finden». Frische weiße, sorgfältig geschälte Kerne werden an Ort und Stelle zu Schnitzel geschnitten und getrocknet (dessicated copra). Sie gehen als Mandelersatz nach Europa und bestehen nur aus dem Endosperm. Narikela kandha ist in Indien ein Copra enthaltendes beliebtes Arzneimittel. Der Saft der unreifen Frucht soll ähnlich wie Ricinusöl (~Wood~), das geraspelte Endosperm anthelmintisch wirken. Cocosöl, besonders das «Cocoolein», ist auch als Lebertranersatz empfohlen worden, ist aber nicht so leicht verdaulich. Cocosöl eignet sich nicht für Linimente, aber gut zur Seifenfabrikation. Cocosseife gibt auch mit Meerwasser Schaum. Cocosöl wird in den Tropen als Speise- und Lampenöl, sowie zum Salben des Körpers benutzt. Die ersten Versuche, das stark riechende Cocosfett, das sich zu Genußzwecken nicht zu eignen schien, als Speisefett bei der Margarinefabrikation nutzbar zu machen, wurden 1880 von ~Jeserich~ und ~Meinert~ unternommen. Um dies zu ermöglichen, muß das Fett mit Ätznatron entsäuert und dann durch Destillation mit Dampf desodoriert werden. Diese gereinigten Cocosöle sind im Handel unter den Namen Palmin, Lactine, Vegetalin, Laureol, Kunerol, Gloriol, Leda-Speisefett, Nuscin, Selecta, Nucifera, Parveol, Priol, Hodor, Fruchtin, Crêmin, Sanin, Daphnin, Estol, Jennil, Palmarol, Nutreïn, Pflanzenbutter usw. Cocosfett, bes. das Cocosstearin (s. oben) und ein Cacaoline oder Schokoladenfett genanntes Produkt werden zur Verfälschung der Cacaobutter benutzt.

Die Preßkuchen (poonac) sind eins der wertvollsten Futtermittel (~Collin-Perrot~). Gemahlene Preßkuchen sind in Europa, gemahlene Steinschalen in Amerika als Gewürzfälschung beobachtet (~Moeller-Winton~).

Die Cocosmilch, besonders die junger Früchte, schmeckt frisch ganz gut, süßlich-säuerlich und erfrischend, nimmt aber, wenn sie längere Zeit in der reifen Frucht verweilt, bald den ekelhaften Geruch nach ranzigem Cocosfett an. Die Eingeborenen schlagen die Frucht mit dem Messer auf und trinken den Inhalt. Cocosmilch gilt als Bandwurmmittel. Nach ~Dutt~ wird in Indien die Cocosmilch bei Nierenleiden, die Copra, der frische Saft und die Wurzel als Diuretikum, die Knospe als Erfrischungsmittel, das Öl als Haarwuchsmittel benutzt. Der gegorene Saft liefert destilliert Alkohol. Die Asche der Schalen dient zur Seifenfabrikation; ihre Kohle wird zu Tusche benutzt und dient, wie schon ~Garcia~ erwähnt, den Goldschmieden. Coirfaser wird zu Schnüren, Schiffstauen, Bürsten und Türvorlegern verarbeitet. Taue und Stricke aus Coir sah schon ~Clusius~ in Lissabon im XVI. Jahrh. Das Holz alter Bäume (Stachelschweinholz) ist ein wertvolles Bauholz. Ein wohlriechendes Sekret des Stammes ist in Tahiti als pia pia bekannt.

Weitere Anwendungen bei ~Stolz~, Trop. Nutz- u. Handelspfl. Geogr. Nachr. 1894, 81. Vgl. auch ~Schröter~, Die Palmen und ihre Bedeutung für die Tropenbewohner. Neujahrsbl. d. Züricher Naturf. Ges. 1901.

=Geschichte.= Es spricht vieles dafür, daß Cocos nucifera im tropischen Asien, wo sie viele alte Namen hat, in zahlreichen Varietäten bekannt ist und seit Urzeiten zu unzähligen Zwecken benutzt wird, ursprünglich heimisch war -- vornehmlich wohl auf den Inseln -- frühzeitig aber wohl (vor 3-4000 Jahren) nach China, Ceylon und dem indischen Festland und durch Meeresströmungen an die Westküste Mittelamerikas, später dann auch nach Ost-Afrika gelangte (~de Candolle~). Von diesen Zentren aus hat sich die Palme dann über alle tropischen Länder verbreitet. Die neueren Forscher (~Seemann~, ~Cook~, ~Schumann~) suchen aber ihre Heimat auf den Antillen, in Columbien und in Zentralamerika, wo sie bereits ~Oviedo~ im XVI. Jahrh. wild fand. Jedenfalls sind alle übrigen Vertreter der Gattung Cocos in Amerika heimisch. ~Drude~ betrachtet sowohl das tropische Amerika wie Südasien als ursprüngliche Heimat der Pflanze. Wenn aber Polynesien der Überrest eines untergegangenen Erdteils (Oceanien) ist, dann dürften wir wohl in ihm die Heimat der Pflanze zu suchen haben, also dort, wo sie auch jetzt noch die größte Verbreitung hat. Die Cocospalme wurde in Indien seit 3-4000 Jahren benutzt und ist unter dem Sanskritnamen Narikela (weitere bei ~de Candolle~) bekannt. Nach Ceylon scheint sie erst später gekommen zu sein. Die Ägypter kannten sie nicht, die Griechen nur als indische Kuriosität. Das κουκιοφόρον δένδρον des ~Theophrast~ und die cuci des ~Plinius~ waren wohl nicht Cocos, sondern Hyphaene coriacea ~Gärtn.~ (~Sprengel~).

Die Cocosnuß spielt in Südindien bei vielen Zeremonien eine Rolle. Eine Nuß wird z. B. der See geopfert. Das Brechen einer Cocosnuß ist in Vorderindien Zeichen der Feindschaft. Auch bei den Hochzeitsgebräuchen und ähnlichem wird die Cocosnuß (tali) dort benutzt. Sie ist Symbol der Fruchtbarkeit. Bei der Hochzeit wirft man in Piemont mit Cocosnüssen. Coir wird in Indien seit undenklichen Zeiten als Bindematerial benutzt (~Wiesner~). In zahlreichen Sprichwörtern und Redensarten der Bewohner der südasiatischen Inseln spielt die Cocospalme eine Rolle (zitiert bei ~de Clerq~). In Ceylon wird das Vermögen der Eingeborenen oft in Cocospalmen oder Teilen derselben ausgedrückt, in Vorderindien darf eine Cocospalme bis zu 2 Shilling, in Java bis 1½ Gulden hypothekarisch belastet werden. Ursprünglich wurden die Cocospalmen in Ceylon nur bei den Tempeln angepflanzt. 1841 begannen die Europäer dort mit der Kultur.

Cocosöl war im XVIII. Jahrh. bekannt und in deutschen Apotheken zu finden, ist aber in Europa erst seit Mitte des XIX. Jahrb. mehr beachtet worden. ~Kosmas Alexandrinus~ (I, S. 720) beschreibt bereits im VI. Jahrh. Cocos, -- die erste sichere Erwähnung in der europäischen Literatur. Im X. Jahrh. wurden Cocosnüsse in Kalah auf Malacca gehandelt. Bei ~Alhervi~ (I, S. 601) findet sich Nârdschîl, bei ~Ibn Baithar~ nārǧīl, bei ~Simon Januensis~ neregil und auch ~Ibn Sina~ (I, S. 603) benutzt Cocos. ~Masudi~ (I, S. 616) erwähnt die Cocosnüsse Mitte des X. Jahrh. bei den Malediven, ~Kurdadbah~ (I, S. 617) bei Java, ~Marco Polo~ bei den Nicobaren, bei Malabar und Sumatra. ~Ibn Batuta~ (I, S. 618) kennt ihre mannigfache Benutzung und auch ~Jacobus de Vitriaco~ (I, S. 722) gedenkt ihrer im XIII. Jahrh. ~Marco Polo~ erwähnt die Cocosmilch und ~Maudeville~ (I, S. 721) die große indische Nuß. Vom XV. bis XVII. Jahrh. wurde die Cocusnuß in Europa, wohin sie seit dem Mittelalter kam, viel medizinisch benutzt. (Vgl. oben.) Sie findet sich in Taxen und Registern. Das «Garn aus der Schale indischer Nüsse» bei ~Marco Polo~ (I, S. 725) ist wohl Coir. Die alten Inder benutzten nālikera (I, S. 507), das Öl bei Bereitung der Speisen. Copra wird schon von ~Garcia da Orta~ als Ausfuhrartikel von Ormuz und Balaguate erwähnt. In Brasilien erwähnt die Cocospalme schon ~Piso~ und ~Marcgraf~ (I, S. 893), in Porto-Rico ~Joseph Acosta~ (I, S. 762), in Mittelamerika ~Oviedo~ (I, S. 755). ~Hernandez~ (I, S. 757) bemerkt, daß die Mexikaner die Palme coyolli nennen.

=Lit.= ~De Candolle~, L’origin. d. pl. cult. -- ~Cook~, U. S. Dep. Agric. 1901. Div. bot. VII. -- ~Neger~, Ursprung, Geschichte und Verbreitung der Cocosnußpalme. Globus 1902. -- ~Stoll~, Entdeckungsgesch. d. Cocospalme. Globus 1902.

Zu dieser Gruppe gehören oder sind damit verwandt:

Palmkernöl (s. S. 720), Cohuneöl von Attalea Cohune ~Mart.~, Maripafett von Attalea Maripa ~Aubl.~, Muritifett von Mauritia vimfera ~Mart.~ (Coyol), Mocayaöl von Acrocomia sclerocarpa ~Mart.~, Bactrisfett von Bactris Plumeriana ~Mart.~, Gewürzbuschöl von Lindera Benzoïn, Dikafett von Mangifera gabonensis ~Aubr. le Comte~ und _Irvingia Barteri_ ~Hook.~, Cay-Cay- oder Cochinchina-Wachs von Irvingia Harmadiana und Oliveri, Taririfett von Picramma ~Sow~ oder Tariri ~Aubl.~, Tangkallafett von Lepidadenia Wightiana ~Nees.~ bzw. _Cylindrodaphne sebifera_.

3. Japansäure-Gruppe.

Die Japansäure ist die erste, von ~Geibel~ und ~von der Want~ (1900) in einem natürlichen Fett aufgefundene, zweibasische Fettsäure. Sie findet sich im Japantalg.

Cera japonica.

Japantalg, Japanwachs, Sumachwachs, -- Cire du Japon, -- Japan wax, japan tallow, -- Cera giapponesa, -- in Japan: Ro.

Dies fälschlich Wachs genannte Fett wird in Japan und China aus den Früchten einiger daselbst und in Nordindien kultivierter, zu den Anacardiaceen gehörender _Sumach_arten, besonders von =Rhus succedanea= L. (Wachssumach, Wachsbaum, Fasi noki) -- wächst besonders in Shikoku und Kiushiu als Einfriedung der Felder -- dann auch von Rhus vernicifera ~Dc.~ (Firnißsumach, urushi) und in beschränktem Maße von Rh. acuminata ~Dc.~ und Rh. silvestris ~Sieb.~ et ~Zucc.~ (Waldsumach, Yama urushi) durch Auspressen, Auskochen oder Extrahieren gewonnen (für China wird die zweifelhafte Art Rhus chinensis ~Mill.~ angegeben). Ein Baum kann bis 60 lbs. Früchte tragen.

Das Fett ist sowohl im Mesocarp (40-65%, -- resp. 21% bezogen auf die ganze Frucht) wie in den Cotyledonen (36%, -- resp. 26,5% bezogen auf die ganze Frucht) enthalten (~A. Meyer~). Das Mesocarp ist also besonders reich an Fett. Das Mesocarp- und Cotyledonenfett verhalten sich im Allgemeinen gleich. Die ganze Frucht enthält bei Rh. succedanea 27%, bei Rh. vernicifera 24,2% Fett (~Rein~).

Es wird in Japan besonders auf den Inseln Hiogo, Hizen, Simabara, Chutugo, Chekusin und der Provinz Kinas erzeugt. Nach dem ältesten Verfahren werden die Früchte gestoßen, gekocht und gepreßt. Neuer ist die Methode, die geschälten Früchte zwischen Mühlsteinen zu zerkleinern, die Masse mit Wasser auszukochen, das Fett abzuschöpfen, durch Umschmelzen zu reinigen und in Tafeln auszugießen. Die drei größten Wachsraffinerien (~Kitagumi~, ~Chikusan~ und ~Shimizi~) befinden sich teils in Osaka, teils in Kobe. Auch die Methode, die unter Stroh nachgereiften Früchte in hölzernen, trichterförmigen Trögen mit der Hand zu zerdrücken, von den Hülsen durch Absieben zu befreien und die Masse in Hanfsäcken mittels Keilpressen auszupressen, ist in Gebrauch. Bisweilen werden die von den Zweigen abgedroschenen Früchte auch zuvor getrocknet und schwach geröstet und gemahlen, in Säcken auf einem Roste über kochendem Wasser gedämpft und dann erst gepreßt (~Simon~). Die Früchte erscheinen im 5. Jahr. Das Maximum des Ertrages wird im 15. Jahr erreicht. ~Arthur Meyer~ faßt die verschiedenen Berichte wie folgt zusammen:

«Zur Herstellung des Japantalgs werden die vorher gut getrockneten Früchte (gut getrocknet wohl deshalb, weil erst durch das Trocknen an der Luft der Milchsaft des Mesocarps unlöslich in Wasser usw. wird) zerkleinert durch Mühlsteine, Mörserkeule oder Bambusflegel, durch Absieben oder Ausschwingen von Kernen und Epidermis befreit oder auch (bei Rhus succedanea und silvestris) ganz gelassen. Diese Massen werden dann über Wasserdämpfen erhitzt, um das Wachs in den Zellen zu schmelzen, und dieses wird dann durch die verschiedensten Preßvorrichtungen ausgepreßt. Beim zweiten Pressen der Masse setzt man wohl hier und da etwas fettes Öl zu, um das Erstarren des Talges zu verzögern. Der so erhaltene Rohtalg wird mit dünner Lauge gekocht (Kochen mit Lauge deshalb, weil der Talg dadurch krümelig und zum Bleichen geeignet wird, nicht zur direkten Entfernung des Farbstoffes), an der Sonne gebleicht und durch mehrmaliges Umschmelzen in reinem Wasser und dazwischen wieder erfolgtes Bleichen möglichst rein und weiß hergestellt. Um dem Lichte mehr Fläche zu bieten, zerrührt man entweder das flüssige Wachs während des Erkaltens oder schneidet es nach dem Erkalten in Scheiben.» Um die Preßrückstände auszunutzen, wird ihnen bisweilen Se-nu-abura (Ye Goma), d. h. das Öl von Perilla ocimoides L. zugesetzt, die in Ihren Früchten bis 40% Fett enthält. Diese späteren Pressungen zeigen also abweichende Eigenschaften, sind weicher und klebriger. Dieser Ölzusatz wird in der europäischen Literatur schon 1877 erwähnt, ist aber jedenfalls eine alte Sitte und nicht erst seit 1895 (~Lewkowitsch~) bekannt. Neuerdings wird das Fett auch mit Äther oder Schwefelkohlenstoff extrahiert (~Schädler~).

«Der Rohtalg wird vor dem Export einem einfachen Verfahren unterworfen, indem er mit Wasser gekocht und dann in flüssigem Zustande abgeschöpft wird. Nach dieser Prozedur wird der Talg im Sommer 3-5, im Winter 7-8 Wochen zur Bleichung der Sonne ausgesetzt.» (~Paul Martell~ 1911). Oft wird das Rohwachs auch in dünnen Scheiben an der Sonne gebleicht. Man begießt die in flachen Körben liegenden Scheiben dabei mit Wasser. Die Ausbeute beträgt 15-25%.

Cera japonica ist in bisweilen zentnerschweren Blöcken und in runden oder viereckigen Kuchen oder gestempelten Scheiben im Handel, das prima ☐ in Kisten von c. 90 kg. Es ist ein bedeutender Handelsartikel Japans und kommt auch von Formosa und aus China über Singapore nach London -- das japanische direkt von Kobe, Nagasaki, Yokohama und Osaka, das chinesische über Shanghai und Hongkong. Kobe ist Hauptmarkt. Von dort kommen 90%. Die Durchschnittsernte beträgt 4 Mill. kin (= 2,4 Mill. kg, 1 kin = 0,601 kg). Japan exportierte 1906: 3913626, 1907: 3810520, 1908: 3817374, 1909: 5701963 kin. China exportiert bedeutend weniger. Die Einfuhr von +Japanwachs+ nach London betrug 1907: 615, 1908: 415, 1909: 1756 cases usw. Die Marke Kitagumi gilt im allgemeinen als gut, doch kommt neuerdings (1909) unter dem Namen auch minderwertiger Abfall in den Handel.

Das Rohwachs ist oft blaugrünlich, das gebleichte und durch Einlaufenlassen in Wasser raffinierte (prima, secunda) weiß oder blaßgelblich. Beim Liegen wird es tief gelb und überzieht es sich allmählich mit einem weißen Anfluge. Die Masse bricht eben und großmuschelig und läßt sich in der Hand wie Wachs kneten. Die Bruchfläche ist glanzlos, die Schnittfläche wachsartig glänzend. Der Geruch erinnert an Talg und Bienenwachs. Mikroskopisch betrachtet zeigt die innere Masse kleinere und größere Körnchen und Blättchen sowie nadelförmige Kristalle. Der weiße Beschlag enthält viel gebogene Stäbchen und breite Prismen, die zum Teil korrodiert sind.

Japantalg ist ein gemischtes Fett. Es besteht aus dem des Mesocarps +und+ dem der Cotyledonen. Japanwachs ist unlöslich in kaltem Alkohol, wenig löslich in Äther, löslich in Petroläther, Chloroform, Benzin und setzt aus der heißen alkoholischen Lösung Kristalle ab. Bei Erkalten der heißen alkoholischen Lösung scheidet sich aber nicht alles ab (~A. Meyer~). Japantalg verseift sich leicht mit Alkalihydraten, teilweise auch durch Borax und Sodalösung (~Flückiger~).

Von den echten Wachsen ist Japanwachs durch seine Verseifungszahl und dadurch unterschieden, daß es als +echtes Fett+ Glycerin liefert. Japantalg enthält vornehmlich +Palmitin+ und +Palmitinsäure+. (Aus Japantalg läßt sich bequem Palmitinsäure darstellen, ~C. Mayer~, Dissert. Bern 1888.) Dann die zweibasische +Japansäure+ C₂₁H₄₀O₄ (Nonadecamethylcarbonsäure ~Schaal~) und ihre zwei niederen Homologen C₂₀H₃₈O₄ und C₁₉H₃₆O₄ (~Schaal~) sowie sehr geringe Mengen flüchtiger Säuren (darunter wohl Isobuttersäure ~Engelhardt~), dann +Pelargonsäure+, eine Säure C₁₅H₃₀O₂, Spuren Stearin- und Ölsäure, aber keine Arachinsäure (~Tassily~, ~Geitel~ und ~van Der Want~). Die Japansäure (früher C₂₂H₄₂O₄ [~Geitel~ und ~van der Want~] oder C₂₀H₃₈O₄ [~Eberhard~] formuliert) findet sich wahrscheinlich als ein gemischtes Glycerid mit Palmitinsäure:

CO.O / \ C₁₉H₃₈ \ \ \ CO.O---C₃H₅ / C₁₅H₃₁ CO.O /

im Fett vor (~Geitel~ und ~van der Want~). Letzteres enthält 10,3-11,2% (~Benedikt~ und ~Zsigmondy~) bzw. 11,59-14,71 (~Allen~) +Glycerin+. Im Unverseifbaren (0,54%) findet sich +Melissylalkohol+ und +Cerylalkohol+, ein Alkohol C₁₉H₄₀O und ein Phytosterin (~Matthes~ und ~Heintz~).

Spez. Gew. bei 17,5° 0,998 (~Kleinstück~), bei 98-99° 0,8755 (~Allen~), bei 16-18° ist die Dichte der des Wassers gleich, bei 18° leichter, bei 16° schwerer als Wasser (~Kleinstück~). Gebleichter Japantalg hat ein niedrigeres spez. Gew., Erstarrungspunkt 48,5-53, Schmelzpunkt 50,4-56 (~Allen~, nach ~Oppermann~ 48-50°), meist um 53°. Frischgeschmolzener Japantalg hat einen anderen Schmelzpunkt (42° ~Roucher~, ~H. Müller~). Das Fett des Mesocarps hat einen anderen Schmelzpunkt wie das der Cotyledonen. Verseifungszahl 214-237,5 (~Geitel~ und ~van der Want~), bei selbstextrahiertem 206-212 (~Ahrens~). (~Dieterich~ fand 1900: Schmelzpunkt 47,5 bis 53,5° [meist um 53], Säurezahl 15,06-18,38 [1902: 13,44-17,36], Esterzahl 198-207,9 [1904: 187,5 bis 205,8], Verseifungszahl heiß 216,64-225,08 [1902: 212,8-223], V. kalt 211,95-225, Wasser 1,38-3,45), Jodzahl 4,2-8,5 (10,6-15,1 ~Bernheimer~ und ~Schiff~, ~Ahrens~ und ~Hett~), Hehnerzahl 89,8-90,66. Erstarrungspunkt der Fettsäuren 53-57° (~Allen~, ~Ulzer~), Schmelzpunkt 56 bis 62°, Unverseifbares 1,1-1,63%, freie Fettsäuren 3,87-16,4%, also sehr schwankend, Asche 0,02-0,08%.

Japantalg ist bisweilen mit Wasser, mit dem es sich leicht emulgiert, beschwert (15 bis 30% ~Wimmel~, ~Stohmann~) und mit Stärke verfälscht (20-25% ~La Wall~) -- bleibt beim Auflösen in Äther zurück -- sowie mit Rinder- und Hammeltalg. Hohe Jodzahl deutet auf beigemengtes Perillaöl, das auch das spez. Gew. und andere Konstanten beeinflußt (die obigen Zahlen beziehen sich auf reinen Japantalg). Verfälschung mit Rinds- und Hammeltalg sind am niedrigen Schmelzpunkt und hoher Jodzahl zu erkennen.

+Japantalg+ dient in Japan und Formosa als Surrogat des Talgs und Bienenwachses zur Kerzenfabrikation, in Europa wird es viel zu den sog. Wachszündhölzern allein oder mit Bienenwachs benutzt (die Mischung läßt sich leicht gießen), sowie zu Glanzwichsen (Bodenwichsen), zur Lederzurichtung und zu Ricinusölpomade. Japantalg erscheint erst 1854, d. h. seit Abschluß des ersten Handelsvertrags zwischen Japan und England im Londoner Handel (~Flückiger~). In China scheint das Fett der _Rhus_arten seit dem XIII. Jahrh. in Gebrauch zu sein. ~Kämpfer~ lernte Rhus succedanea und vernicifera 1690 in Japan kennen. (Abbild. in den Amoenitates.) ~Thunberg~ beschrieb die Pflanze in Flor. japon. 1784.

=Lit.= ~Vogl~, Über Pflanzenwachs, Lotos 1872. -- ~Hanbury~, Science papers, p. 60. -- ~Arthur Meyer~, Über den Japantalg. Arch. Pharm. 215 (1879), 97 (dort weitere Literatur). -- ~Möbius~, Ber. d. bot. Ges. 1897, 435. -- ~E. Buri~, Ebenda 214 (1879) 403. -- ~Flückiger~, Pharmac. Chemie. -- ~Schädler~, Fette. -- ~Wittsteins~ Vierteljahrsschrift 14, 299. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~Mikosch~ in ~Wiesner~ Rohstoffe. II. Aufl. -- ~P. Martell~, D. chem. Industr. Japans, Chem. Industr. 1909, 438. -- ~Sthamer~, Lieb. Ann. 43 (1842), 335. -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Oppermann~, Ann. chim. phys. 49, 242 (erste Unters.). -- ~Kleinstück~ (spez. Gew.), Chem. Zeit. 1890, 1303. -- ~Rouber~ (Schmelzp.), Journ. pharm. 16 (1872) 20. -- ~Wimmel~, Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1867, 350. --~La Wall~ (Stärkefälsch.), Journ. Soc. chem. ind. 1897, 247 (u. Am. journ. pharm. 1897). -- ~Ahrens~ und ~Hett~, Zeitschr. ang. Chem. 1901, 684. -- ~Lemarié~ (Perillaöl), Chem. Rev. d. Fett- usw. Industr. 1904, 127. -- ~Tassilly~, La cire du Japon. Bull. sc. pharmacol. 1911, 329. Bull. Soc. chim. (4) 9, 608. -- ~Benedikt~ und ~Zsigmondy~, Jahrb. d. chem. Techn. 1885, 1103. -- ~Eberhardt~, Diss. Straßb. 1888. -- ~Bernheimer~ und ~Schiff~, Chem. Zeit. 25 (1901) 1008. -- ~Geitel~ und ~van der Want~, Journ. f. prakt. Chem. 61 (1900) 151. -- ~Schaal~, Ber. d. d. chem. Ges. 1907, 4784. -- ~Matthes~ und ~Heintz~, Arch. Pharm. 1909, 650.

4. Ölsäuregruppe.

Die Fette dieser Gruppe schließen sich am nächsten den nichttrocknenden Ölen an, enthalten also alle Ölsäure als charakteristischen Bestandteil, aber weniger wie jene, sind daher in unserem Klima fest.

Fructus Elaeïdis und Oleum Palmae.

=Syn.= Ölpalme, Palmier à l’huile, Palmier Avoira, Elaeis de Guinée, Oil palm, Coco dente. In Kamerun: banga, malende, in Dahomey: dé, in Togo: déti, bei den Yorubas: Ope-Ifa, an der Goldküste: abobo-be.

=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Elaeïs guineensis= ~Jacq.~ Palmae. Ceroxylinae -- Cocoineae -- Elaeïdeae.

Man unterscheidet einige Varietäten bzw. Sorten der Ölpalme: Lisombe oder Isombe (mit dünner Steinschale), groß- und kleinfrüchtige (wohl identisch mit dégbakoum), Kissede (in Dahomey), De (die häufigste in Togo), De-de bakui (mit dünner Steinschale), Se-de (liefert wenig Öl), Afa-de (Fetischpalme), Digumbe (Angola), Banga (Kamerun), Dé-Votchi (Dahomey), weitere bei ~Soskin~. Sie variieren z. B. in der Größe der Frucht. Doch wird nur klude (in Togo = fadé) in Dahomey als gute Varietät betrachtet (~Soskin~).

=Beschreibung der Stammpflanze und der Frucht.= Die Ölpalme ist eine der schönsten Palmen, die ich kenne. Ihr schlanker, gerader, bis mannsstarker, kaum sich nach oben verjüngender, bis 20, ja 34 (~Preuss~) m hoher Stamm trägt eine prachtvolle Blattkrone von 20-30, meist 3-5, aber auch bis 7 m langen tiefgrünen Blättern. Er ist anfangs nicht glatt wie bei der Cocospalme, sondern mit den, durch abortierende Fiedern bedornten, Blattbasen bedeckt, in deren Achseln sich zahlreiche Epiphyten anzusiedeln pflegen (Taf. XXII), wenn sie nicht, was oft geschieht, abgeschnitten werden. Im Alter von 20 Jahren verlieren sich die Blattbasen und der Stamm wird mehr oder weniger glatt. In Westafrika bildet sie in der Nähe der Weiler «Haine von paradiesischem Zauber. Sie stattet die Landschaft mit einer Pracht aus, welche die feierliche Majestät ägyptischer Palmenwälder fast armselig erscheinen läßt» (~Schweinfurth~). «Überall herrscht sie: im Urwalde, in der Savane, im Buschwalde, an den Ufern des Stromes, überall zieht sie den Blick des Reisenden als der hervorragendste, schönste Ausdruck alles afrikanischen Pflanzenlebens auf sich» (~Soyaux~). «In der Jugend streben die zu einem mächtigen Busche vereinigten gewaltigen Blätter in steiler Linie empor, an der Spitze leicht sich überneigend, gleich als wären sie in einer Vase vereinigt; man ist unschlüssig, was man mehr bewundern soll, die strotzende Kraft tropischen Wachstums oder das ästhetisch Schöne in der Anordnung der Glieder» (~Tschirch~). Die Tragfähigkeit beginnt meist mit dem 7.-8. und dauert bis zum 60. Jahre. Mit 10-12 Jahren erreicht der Baum die Vollkraft und behält sie Jahrzehnte. Jährlich erscheinen 3-10 Fruchtstände. In Kultur kann eine Palme 50 kg Früchte liefern, in Lagos liefert sie aber nur c. 10 kg.

Die männlichen Blütenstände der diklin-monözischen Pflanze entspringen oben am Stamm, die weiblichen (bis 10) weiter unten. Die Form des aufrechten, konischen, kurzgestielten weiblichen Zapfens, der 20-30 (ja 50) kg schwer wird, erinnert an eine riesige Erdbeere, an der bisweilen zwei Mann zu tragen haben (~Livingstone~) (Fig. 221). In ihm sind hunderte (oft 6 bis 800, ja über 2000 ~Preuss~) von etwa pflaumengroßen, eiförmigen, glänzenden, gelben bis rötlich-braunen, violetten oder gar schwarzen Früchten dicht gedrängt vereinigt. Meist sind die Früchte an der Basis orange, oben braunrot. Viermal im Jahre kann die Palme Früchte tragen. Reifezeit 4-6 Monate. In Guinea reifen die meisten Früchte in den ersten vier Monaten des Jahres. Die mächtigen dornartigen Zacken, in die die Deckblätter der weiblichen Blüten auslaufen, bilden einen wirksamen Schutz, namentlich der jungen Früchte, gegen Tiere, besonders Affen.

~Drude~ ist aus theoretischen Erwägungen der Ansicht, daß die Ölpalme ursprünglich im tropischen Amerika heimisch war, vor tausenden von Jahren aber nach Afrika verschlagen und dort zu einer scheinbar einheimischen Art wurde. Jedenfalls findet sich aber die echte Ölpalme in Südamerika jetzt nur in kultivierten Exemplaren (~Martius~), die ihre Eltern offenbar in Afrika haben. Vielleicht hat sich die afrikanische Art aus einer amerikanischen (der sehr ähnlichen E. melanococca?) umgebildet. Jedenfalls macht jetzt die Ölpalme ganz den Eindruck einer in Westafrika heimischen Art. Sie meidet höhergelegene Distrikte und liebt feuchten Boden. In Kamerun, Dahomey, Lagos, Süd-Nigeria reicht sie bis zur Küste, in Togo bis 10 km von derselben. Jetzt ist sie besonders in den Ländern am Busen von Guinea häufig. Die Grenzen ihrer Verbreitung sind durch eine Linie bezeichnet, die sich mitten zwischen Cap Branco und Cap verde beginnend bis Benguela an der ganzen Westküste von Afrika hinzieht und die Guineainseln einschließt. Von Benguela läuft die Grenzlinie nach dem Nyassasee, von da zum Tanganjika und dem oberen Uëlle, von dort zum Tsadsee und zur Küste zurück (~Ascherson~). Am üppigsten wächst sie im unteren Niger- und Benuëgebiet, auf den Inseln des Busens von Guinea (z. B. Fernando Po), der Küste von Ober-Guinea bis Cap Palmas zwischen Cap Blanco und St. Paul de Loanda, sowie am Kuánsu und im unteren Congo. Sie fehlt im ostafrikanischen Steppengebiet, in Bornu, Wadai, Darfur. Geschlossene Bestände finden sich nirgends (~Preuss~). Sie ist die Charakterpflanze des Buschlandes und der offenen Parklandschaft und meidet den Urwald. Von einer eigentlichen Kultur der Ölpalme war in Westafrika bisher nirgends die Rede (~Busse~), abgesehen von spontan und subspontan in der Nähe von Ansiedelungen entstandenen Hainen, doch versuchen die Europäer neuerdings auch die Anpflanzung mit Erfolg. Die Samen säen sich selbst aus und Tiere, die das Fruchtfleisch fressen, verbreiten sie. Die Kultur wird warm empfohlen (~Soskin~), da sie doppelt so hohe Erträge liefert als die Cocospalme. Die Kultur ist bei ~Soskin~ (a. a. O.) beschrieben. Als Feind der Ölpalme kommt fast nur der Palmbohrer, Rhynchophorus phoenicis in Betracht (weitere bei ~Soskin~).

Sie wird kultiviert in Brit. Südafrika, Ostafrika (Pemba hat einen großen Ölpalmenhain), Südamerika (Provinz Amazonas in Brasilien) -- in Südamerika (von Bahia bis Guiana) auch verwildert -- Westindien, Java (seit 1859), Sumatra, Rioux-Lingga, Nordborneo, Ceylon, Vorderindien, hat sich aber in Südasien, wo Cocos dominiert, nirgends durchgesetzt (~Tschirch~) und auch sonst nur wenig.

Die kleinere, mit roten Früchten versehene Elaeis melanococca ~Gärtn.~ (Corozo colorado in Venezuela, Caiaue in Brasilien), in Amerika, von Costa Rica bis zum Amazonas und Madeira heimisch, liefert auch etwas Palmfett, aber zunächst nur für den Bedarf der Eingeborenen.

Die Frucht ist eine Drupa. Das ölreiche gelbe, veilchenartig riechende Fruchtfleisch ist sehr faserig, etwa 0,5 cm dick, -- nach der Varietät wechselnd 4-5 mm (~Sadebeck~) -- der harte, grobgestreifte, dreikantige Steinkern ist 0,5 cm dick, zeigt an der Spitze 3 Keimlöcher und umschließt den 1-1,5 cm langen, schlanken, endospermreichen Samen, seltener 2 oder 3 (Ovula sind 3 vorhanden, entsprechend den 3 Carpellen, aber 2 pflegen fehlzuschlagen). Die Dicke der Steinschale wechselt sehr nach der Varietät. Bei der gewöhnlichen (Dé) kann der Steinkern nur mit einem Hammer aufgeschlagen werden, bei anderen (Lisombe, Degbakoum) bricht er wie bei Krachmandeln, bei noch anderen (Dé Votchi, Digumbe) ist die Steinschale in ein Fasergewebe aufgelöst. Feuchter fruchtbarer Boden soll die Ausbildung dünnschaliger Varietäten begünstigen. Das Gewicht der Früchte schwankt von 6-10 g.

Die Epidermis der Fruchtschale bildet mit der darunterliegenden, Bastfaserbündel führenden, Schicht das Exokarp, das breite Mesokarp wird von einem fetthaltigen Parenchym gebildet, in dem Oxalatzellen liegen und das von zahlreichen, bastfaserreichen, von Kristallkammerfasern begleiteten (~Hanausek~) Gefäßbündeln durchzogen wird. Das Endokarp besteht aus einer breiten Schicht Sklereïden, die braungefärbt, außerordentlich stark verdickt und reich getüpfelt sind. Da das Raphegewebe den Carpiden tief und breit eingewachsen ist, geht das Endokarp allmählich unter Verringerung der Verdickung der Zellen in das Gewebe der Samenschale über, das aus einer breiten Schicht von Zellen mit braunem Inhalt besteht (~A. Meyer~), deren innere sich mit Kali citronengelb färben (~Hanausek~). Das große Endosperm besteht aus radial gestreckten, nicht sehr stark verdickten, aber grobgetüpfelten Zellen, die reichlich zum Teil kristallinisches Fett und große Aleuronkörner mit ein oder mehreren, vortrefflich ausgebildeten Kristalloiden (~Tschirch~) einschließen. Die aus der Steinschale herausgelösten, bis 1,5 cm langen Samen bilden die =Palmkerne= des Handels. Das als Verfälschung von Gewürzen (z. B. Pfeffer) beobachtete +Palmkernmehl+ (daher: Poivrette, Pepperette, Mischpfeffer) besteht aus den gemahlenen Preßrückständen derselben, die noch 5-16% Öl enthalten und immer auch Sklereïden des anhängenden Endocarps erkennen lassen, neben den sehr charakteristischen reichgetüpfelten Endospermzellen mit sog. knotig gegliederter Wand und den Zellen der Samenschale.

=Lit.= ~Arthur Meyer~, Über d. Ölpalme. Arch. Pharm. 1884, 713. -- ~Ascherson~, Die Ölpalme. Globus 35, 209. -- ~Drude~, Geogr. Verbr. d. Palmen. Peterm. geogr. Mitt. 1878. -- ~Maycock~, Flora Barbadens. 1830. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~van Gorkom~, Oostind. Cultures. -- ~Schweinfurth~, Im Herzen Afrikas 1874. -- ~Soyaux~, Aus Westafrika 1879. -- ~Sadebeck~, D. wichtigeren Nutzpflanzen usw. aus d. deutsch. Kolon. 1897. -- ~Warburg~ in ~Engler~, Pflanzenwelt Ostafr. (Verbreitung). -- ~Preuss~, D. wirtschaftl. Bedeut. d. Ölpalme. Tropenpfl. 1902. -- ~Soskin~, Die Ölpalme. Ein Beitrag zu ihrer Kultur. Kolon. wirtsch. Kom. 1909. -- ~Jean Adam~, Le Palmier à l’huile. Paris 1910. -- ~Chevalier~, Documents sur le Palmier à huile. Paris 1910. (Végétaux utiles de l’Afrique trop. franç.) -- ~Estève~, Le Palmier à huile. Journ. Agr. trop. Paris 1903, 357, 238. -- ~Moloney~, Sketch of the forestry of West Afrika. -- ~J. et Eug. Poisson~, Note sur le Palmier à l’huile etc. Bull. Museum d’hist. nat. 1903. -- ~Savariau~, Rech. sur les variétés du palmier à l’huile au Dahomey. Suppl. Journ. Offic. Afr. occident. franc. 1909. -- ~Daniel~, Le Palm. à l’huile au Dahomey. Rev. colon. 1902. -- Varieties of the Oil palm. Bull. Misc. Inf. Bot. Gard. Kew. 1909. -- ~Drabble~, Comparison of palm fruits etc. Quat. journ. Univers. Liverpool 1907 u. 1908. -- ~Strunk~, Ölpalmenkultur. Tropenpflanzer 1906, 637. -- ~Zeller~, Die Düngungsfrage f. d. Kult. d. Ölpalme. Tropenpfl. 1911. -- ~Zimmermann~, Die Ölpalme am Tanganjikasee. Tropenpfl. 1911, 549.

+Abbild.+ ~Tschirch~, Ind. Heil- und Nutzpflanzen, t. 95 u. 96. -- ~Arth. Meyer~ a. a. O. (mit vielen Figuren). -- ~Sadebeck~, Kulturgewächs. d. deutsch. Kolonien 1899. -- Bulletin miscellan. informat. Royal botanic. Garden Kew 1909. -- ~Martius~ u. ~Mohl~, Hist. nat. palm. t. 54-56. -- ~Drude~ in Mart. flor. brasil. t. 105. -- ~Soyaux~ a. a. O. t. 105. -- ~Köhler-Vogtherr~, Medizinalpfl. Ergänzungsb. t. 77. -- ~Wildemann~, Plant. trop. I, Fig. 12. -- ~Soskin~ a. a. O.

+Anatomie+ besonders bei ~Arth. Meyer~ a. a. O. -- ~T. F. Hanausek~, D. Frucht d. Ölpalme. Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1882, 325 und in ~Wiesner~, Rohstoffe 2. Aufl. -- Aleuron: ~Tschirch~, Angew. Anatomie. -- ~Moeller~, Afrik. Ölsamen. Dingl. Polyt. Journ. 1880 und ~Moeller-Winton~, Mikroskopie (dort weitere Lit.). -- ~Harz~, Landw. Samenkunde. -- ~Vogl~, Nahrungsm.

+Preßkuchen+: ~Collin-Perrot~, Resid. industr. -- ~Hanausek~, Mischpfeffer in Realenzyklop. d. Pharm. -- ~Vogl~, Nahrungsm. Fig. 265. -- ~Kobus~, Landw. Jahrb. 1884.

=Gewinnung des Palmöls.= Die Gewinnung des Palmöls ist noch heute, z. B. in Kamerun und Dahomey, fast ganz in den Händen der Neger und sehr primitiv. Die Neger ersteigen den Baum mit dem Klettergurt, schneiden die Fruchtbündel los und lösen nach einigen Tagen die Früchte ab. Die Früchte werden zunächst auf Haufen oder in eine Grube geworfen, wo sie 6-10 Tage zur Fermentierung bleiben, damit sich die faserige Fruchtschale leichter vom Steinkern ablöst. Je rascher sie aber verarbeitet werden, um so besser ist das Öl. Die Früchte werden daher jetzt meist sofort c. 2 Stunden mit Wasser gekocht. Nun läßt sich der Steinkern leicht herauslösen und dies geschieht entweder durch Kneten der Früchte mit den Händen oder durch Schlagen und Stampfen mit Stangen oder Keulen in mörserartigen Gefäßen (Fig. 222) bzw. in mit Steinen ausgekleideten oder mit Lehm ausgestrichenen Gruben oder durch Bearbeiten mit den Füßen oder Händen in Holztrögen oder alten Kanoos (Taf. XXIII). Man überläßt nun die Masse c. 12 Stunden sich selbst, gießt dann kaltes oder heißes Wasser darauf, drückt die Masse mit der Hand aus und wirft die Kerne und die Fasermasse beiseite. In Dahomey läßt man letztere noch gären, was weiteres Öl freimacht. Das im Troge nun obenauf schwimmende Öl wird abgeschöpft, durch Korbsiebe filtriert und durch Erwärmen vom Wasser befreit. Filtrieren und Erwärmen wird wiederholt (~Semler~). Die europäischen Händler reinigen in ihren Faktoreien bisweilen das Öl nochmals. Es kommt in Fässern in den Handel. In Viktoria werden die Früchte zuerst in Kesseln 1-2 Stunden gekocht, dann in hölzernen oder metallenen Behältern mit hölzernen Keulen zerstampft, die Kerne abgesondert und das Öl mit der Hand ausgepreßt. Das Ausgepreßte wird in Wasser geworfen und nochmals mit der Hand ausgedrückt (die Preßrückstände enthalten immer noch 12% des Trockengewichtes Öl). Die Mischung von Wasser und Öl wird dann durchgequirlt, der Ölschaum abgehoben und in einem Tropf durch Erhitzen geschieden (~Preuss~). Bei dieser Methode gehen ⅔ des Öls verloren. Das Öl aus Früchten, die vorher fermentiert wurden (s. oben), ist weniger gut. Die oben beschriebene Bereitung, bei der nur 10-12% der Frucht an Öl gewonnen werden und 50% des Öls in den Rückständen bleibt, ist schon alt. Das, was ~Martius~ nach den Autoren von 1715 und 1723, wie das, was ~Thonning~ 1828, ~Rohlfs~ 1866 und ~Soyaux~ 1875, berichten, stimmt im allgemeinen mit der noch heute zumeist geübten Methode überein. Bei den Niam-Niam wird das Öl der Fruchtwand einfach ausgepreßt, das Öl der Kerne durch Inbrandstecken eines über einen in der Erde versenkten Krug geschütteten Haufens derselben gewonnen (~Schweinfurth~). Die Bewohner von Jocuba kochen die zerkleinerte Fruchtmasse aus (~Rohlfs~). In Loango werden die Früchte auf Raphiablattrippen über dem Feuer erwärmt, das zu einem Teige zerstampfte, von den Steinkernen getrennte Fruchtfleisch in aufgehängte Beutel gebracht und durch Drehen mit einem Hebel ausgepreßt, der Preßrückstand erwärmt und mit heißen Steinen zusammen nochmals gepreßt (~Pechuël-Lösche~). ~Preuss~ bezeichnet einen Ertrag von c. 7¼ kg Öl und c. 15 kg Kerne pro Baum als das Normale. Doch wechselt dies natürlich. Den Eingeborenen liefert jeder Fruchtstand nur etwa 750 g Öl und 1500 g Kerne (~Preuss~). Das Durchschnittsgewicht der Früchte eines Fruchtstandes beträgt 10 kg. Die Javanen bereiten das Öl, indem sie die Früchte in Dampf hängen, sie dann zerkleinern und in einer sehr primitiven Presse -- zwischen zwei mit Steinen beschwerten Brettern auspressen (~van Gorkom~). In Kamerun und Togo sind seit 1906 deutsche +Palmölwerke+ in Betrieb, in denen durch Schälmaschinen das Fleisch der vorgekochten Früchte vom Steinkern getrennt und dann ausgepreßt wird. Die französische Palmölfabrik in Dahomey preßt trocken direkt. Ein Verfahren, die ganze Frucht inklusive der Kerne zu pressen, ist ~Hallet~ patentiert (Franz. Pat. 321918).

+Gebleichtes Palmöl+ wird durch Ozon oder Durchblasen von ozonisierter Luft durch auf 150° erhitztes Öl (Engl. Pat. 28682) oder durch Behandeln mit Bichromat und Salzsäure erhalten. Schmutzig rote Öle lassen sich nicht bleichen.

Die aus der Steinschale durch Aufschlagen mit Steinen herausgelösten +Palmkerne+ werden in Hanf- oder _Hyphaene_blatt-Säcken versandt. Die Palmnüsse oder Palmkerne werden meist erst in Europa (Marseille, Nantes, Harburg, Cöln, Liverpool, London usw.) und Amerika auf +Palmkernöl+ verarbeitet -- durch kalte und heiße Pressung und Extraktion -- aber auch die Neger stellen es da und dort dar.

=Handel.= +Das Palmfett ist das von allen fetten Fetten am meisten industriell verwendete+ und seit der Mitte des XIX. Jahrh. einer der wichtigsten Handelsartikel. Im Welthandel sind jährlich c. 7-800000 dz Palmöl und 1,2-1,3 Mill. dz. Palmkerne (~Semler~). Der Wert der Ausfuhr von Palmöl aus ganz Westafrika betrug 1907: 36,1 Mill. M. (100000 t), der der Palmkerne 53,6 Mill. M. (c. 220000 t). Es gibt zahlreiche Palmöl-+Handelssorten+, wie z. B. Liberia, Saltpond, Addah, Appam, Winnebah, Fernaodo Po, Braß, Neu- und Alt-Calabar, Niger, Accra, Benin, Bonny, Grand Bassa, Togo, Kamerun, Oap Labon, Cap Palmas, Lagos, Loanda, Gold Coast, Insel Sherboro, Gaboon, Half Jack, Opobo, Whidah, Dixcove, Rio Pongo, Appolonia, Grand und Little Popo, Quittah, Lahoo, Appam, Danve, Monrovia, Benin, Congo u. and. Der größte Teil der Erzeugnisse der Ölpalme geht über +Lagos+ und das Niger Coast Protectorat, das eigentliche Gebiet der Ölflüsse. Lagos exportiert durchschnittlich im Jahre 2-4 Mill. Gall., z. B. 1895: 3826000 Gall. Palmöl und 46500 t. Palmkerne, das Nigerschutzgebiet (Alt- und Neu-Kalabar, Opobo, Bonny) durchschnittlich 10-12 Mill. Gall. Palmöl. Hauptmarkt der Kalabarhändler ist N’Dobe, Mittelpunkt des Rio del Rey-Gebietes. Kamerun erzeugt jetzt viel Palmöl. Hauptplatz ist Mandame am Mungo. 1897 exportierte +Kamerun+ für 2300000, Togo für 500000 M. Ölpalmenprodukte, 10 Jahr später schon für 4,2 bzw. 1,4 Mill. M. 1900 exportierte Kamerun 2807229 kg Palmöl und 7945169 kg Palmkerne, Togo 1900: 1987382 kg Palmöl und 6330108 kg Palmkerne. 1909 exportierte Kamerun für 2,6 Mill. M. Palmkerne und für c. 1 Mill. M. Palmöl; die Goldküste jährlich c. 3-4,5 Mill. Gall. Öl. Der Kongostaat exportierte 1906: c. 2,5 Mill. kg Öl und c. 6 Mill. kg Kerne (I, S. 183). Sierra Leone exportierte 1909: 851999 Gallons Palmöl. Der Konsum in Afrika ist etwa doppelt so hoch wie der Export. Früher lieferte ausschließlich die Westküste Afrikas Palmöl, jetzt auch die Philippinen, Indien, Südafrika. +Deutschland+ importierte 1909: 2304476 dz +Palmkerne+, besonders aus Brit. Westafrika, dann aus franz. Westafrika, Togo, Kamerun, Liberia und Port. Westafrika. Deutschland importierte 1909 152356 dz +Palmöl+, davon 132879 aus Brit. Westafrika, 11981 aus Liberia. Deutschland exportierte 1909: 425971 dz +Palmkernöl+. Hamburg importierte 1908 +Palmöl+ und +Palmkernöl+ seewärts: 151284 dz. Davon stammten aus Westafrika 112543, Kamerun: 10454, Deutsch Togo: 8084, geringe Mengen auch aus Brit. Südafrika, Brit. Ostindien. +Frankreich+ importierte 1908: 213026 Quint. +Palmöl+, besonders aus Franz. Westafrika und Engl. Ostafrika und importierte 1908: 38286 Quint. +Palmkerne+ (Amandes de palmiste), besonders vom Senegal und anderen französischen Besitzungen Westafrikas. Die +Vereinigt. Staaten+ importierten 1908: 32615073, 1909: 58971777 pounds Palmoil.

=Chemie.= Das Palmöl wird also (wie das der Olive) aus dem Fruchtfleisch dargestellt, das Palmkernöl aus den geschälten Samen. Das Fruchtfleisch beträgt je nach der Varietät 27-70% der Frucht, die Kerne 9-25%. Das Fruchtfleisch enthält 22,6-70, meist 46-66,5% (~Fendler~) Fett, das meiste enthält die Dévarietät. Die frischen Samenkerne enthalten 43-54 (meist 43-50)% Fett (~Nördlinger~, ~Fendler~). +Das frische Palmöl schmeckt süßlich, ist gelb und riecht veilchenartig.+ Mit der Zeit wird es an Licht und Luft (durch gebildetes Wasserstoffsuperoxyd (~Schönbein~) oder Ozon(?) farblos und verliert den Geruch, aber erst sobald sich das Fett zersetzt (~Sadebeck~). Beim Verseifen bleibt Geruch und Farbe erhalten (~Lewkowitsch~). Die Farbe des Handelsöls schwankt zwischen orangegelb (Lagos) und schmutzig rot (Congo), die Konsistenz zwischen Butter (Lagos) und Talg (Congo). Palmöl ist in kaltem Alkohol wenig, leichter in heißem löslich. Es ist leicht verseifbar. In frischem Palmöl sieht man unter dem Mikroskop, eingebettet in eine ölige Grundmasse, Nadeln und Nadelaggregate. Ranziges Öl besteht fast nur aus Fettsäurekristallen. Die Zusammensetzung schwankt je nach Ursprung des Öls (Varietät, Bereitungsart usw.).

Die Hauptbestandteile des =Palmöls= (Palmbutter, Palmfett, huile de palme, palmoil, palmolie) sind +Palmitin+ und +Olein+. Die festen Fettsäuren bestehen (nach ~Nördlinger~) aus 98% +Palmitinsäure+, 1% +Stearinsäure+ und 1% +Heptadecylsäure+ (C₁₇H₃₄O₂, wohl = Daturinsäure S. 546). In den flüssigen ist +Ölsäure+ und +Linolsäure+ (~Hazura~ und ~Grüssner~) nachgewiesen.

Das spez. Gew. ist 0,9209-0,9245 (~Tate~), 0,945-0,947 (~Schädler~, ~Marpmann~); bei 98° 0,858-0,860. Erstarrungspunkt: 31-39 (~Fendler~). Schmelzpunkt: 27-42,5 (je nach Alter und Ursprung des Öls), 35-43° (~Fendler~). Verseifungszahl: 196,3-205,52 (~Moore~, ~Valenta~, ~Fendler~). Jodzahl: 51-57,4, meist 53 bis 56 (~Tolman~, ~Lewkowitsch~), selten 34-42. Reichert-Meisslzahl: 0,74-1,87 (~Fendler~). Hehnerzahl: 94,2-97 (~Tate~). Brechungsexponent (bei 60°): 1,4510. Das spez. Gew. der Fettsäuren beträgt (bei 98°) 0,8369 (~Allen~), ihr Erstarrungspunkt liegt bei 35,8-46,2°, meist bei 44,5-45 (~de Schepper~ und ~Geitel~), ihr Schmelzpunkt bei 47,75-50°, die Jodzahl 53,2 (~Thörner~), die der flüssigen Fettsäuren 94,6-99.

Da das Fruchtfleisch eine sehr energisch wirkende Lipase enthält, spalten sich die Glyceride des Fettes sehr leicht und schon frisches Palmöl enthält 10-12, etwas älteres oft 20-60% freie Fettsäuren, altes ist bisweilen gänzlich aufgespalten (~Lewkowitsch~). Die Säurezahl steigt mit dem Gehalt an Wasser und Verunreinigungen. Die Verunreinigungen betragen meist 1-8%. Der +Riechstoff+ hat einen an Rhiz. iridis und Blauholz erinnernden Geruch. Der gelbe +Farbstoff+ (wohl ein Lipochrom) läßt sich nicht durch Wasser entziehen. Er wird durch rauchende Salpetersäure blau, durch Schwefelsäure blaugrün, durch Chlorzink grün (~Benedikt~) und durch Erhitzen auf 240° zerstört (~Oudemans~). Die +Lipase+ (~Pelouze~ und ~Boudet~) zerlegt das Fett rasch.

Die Samen enthalten 43,7-52,5% Öl, das meist durch hydraulische Pressen ausgepreßt wird und angenehm riecht und schmeckt. Das =Palmkernöl= (huile de palmiste ou de pepin de palme, palm seed oil, palm kernel oil, palm nut oil, palm pit olie) ist ganz vom Palmöl verschieden und in seiner Zusammensetzung dem Cocosöl sehr ähnlich. Es besteht hauptsächlich aus +Laurinsäureglycerid+, enthält 12-20% +Olein+, ferner Palmitinsäure und Myristicinsäure und relativ viel flüchtige Fettsäuren, wie Caprylsäure, Caprinsäure (~Valenta~) und etwas Phytosterin (~Stellwaag~). Seine Jodzahl ist sehr niedrig: 10,3-16,8, die Verseifungszahl sehr hoch: 242-254,8. Seine Seife läßt sich schwer aussalzen.

Der +Preßkuchen+ (tourteau de palmiste) enthält c. 2,4% Stickstoff (13-20% stickstoffhaltige Substanzen), 4,45-16% Fett, c. 24,92% Rohfaser und 3,60-4,48% Asche (~Cornevin~, ~Dieterich~, ~Mayer~, ~Wagner~, ~Schulze~). Palmkernkuchen enthalten ein Mannogalaktan (~Schulze~) und liefern daher bei der Hydrolyse mit verdünnten Säuren Galaktose und Mannose. Er gilt als mittelmäßiges Futtermittel und wird meist nur gemischt gegeben (~Collin-Perrot~). Die +Steinschale+ enthält 68-75% Rohfaser, 3-3,6% Rohprotein und 1,5-2,1% Rohfett (~Wehnert~, ~Völcker~ und ~Emmerling~).

=Lit.= ~Frémy~, Journ. pr. Ch. 22, 120. -- ~Stenhouse~, Lieb. Ann. 36, 50. -- ~Schwarz~, Ebenda 60, 58. -- ~Pelouze~ und ~Boudet~, Lieb. Ann. 29, 42. -- +Palmkernöl+: ~Oudemans~, Journ. pr. Chem. 110, 393 und ~Valenta~, Zeitschr. ang. Chem. 1889, 335. -- ~Benedikt-Ulzer~, a. a. O. (dort weil. Lit.). -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt~ und ~Hazura~, Monatsh. f. Chem. 1889, 353. -- ~Nördlinger~, Zeitschr. angew. Chem. 1892, 110 u. 1895, 19. -- ~Fendler~, Z. Kenntn. d. Früchte von Elaeis guin. u. d. daraus gewonn. Öle. Ber. d. pharm. Ges. 1903 u. Arbeit d. pharm. Inst. Berlin I, 1903. -- ~Schepper~ und ~Geitel~ (zahlr. Sorten), Dingl. polyt. Journ. 245 (1882) 295.

=Verfälschung.= Palmöl ist mit keinem anderen Öl zu verwechseln und wird wohl auch kaum mit anderen verfälscht (Cottonöl und Mineralöle sind beobachtet), doch mischen ihm die Neger Sand bei (Wasser und Sand dürfen 2% nicht überschreiten). Früher, als Palmöl noch teuer war, wurden mit Curcuma gefärbte, mit Iris parfümierte, aus Talg hergestellte Fälschungen beobachtet. Jetzt ist der Talg teurer.

=Anwendung.= «Sämtlichen Nutzpflanzen des äquatorialen Westafrikas, einheimischen wie eingeführten, an dauerndem Wert und wirtschaftlicher Bedeutung weit überlegen ist die Ölpalme. Ihre Produkte allein vermögen schon die Rentabilität von Dampferlinien und Eisenbahnen zu garantieren» (~Busse~). Obenan steht das Palmöl und die Palmkerne. Aber auch die Blätter werden als Flechtmaterial, die Fasern der Blattstiele zu Körben usw., das harte Endokarp zu Schmuckgegenständen, der nach Anschneiden der jungen männlichen Blütenstandsanlage oder Anschneiden des gefällten Stammes ausfließende Zuckersaft zur Palmweinbereitung (vgl. I, S. 1018) benutzt. Das Öl ist das Fett der Westafrikaner und dient dort wie Butter besonders zur Palmoil-chop. Vgl. auch ~Fickendey~, Über die Verwendungsfähigkeit des Palmöls als Speisefett (Tropenpfl. 1910, 566). Palmkernmehl ist Futtermittel. Die Neger benutzen das Öl zu Einreibungen. Palmöl wird in Europa besonders in der Glycerin-, Seifen- und Kerzenindustrie verwendet.

=Geschichte.= Das Palmfett kam zuerst im XVI. Jahrh. nach Europa und ist seit dem XVIII. Jahrh. auch seiner Herkunft nach bekannt (~Böhmer~), wurde aber erst im XIX. Jahrh. in größeren Mengen exportiert. Die Einfuhr begann 1807 (~Flückiger~). Es wurde zuerst in England technisch verwertet. Was das Ol. palmae der Taxe von Bremen 1665 und der Berluliste (I, S. 951) war, läßt sich nicht mehr feststellen (Cocosöl?). Während früher die Palmkerne weggeworfen wurden, brachten sie deutsche Kaufleute 1858 in den Handel und es entstand zuerst in Harburg eine Palmkernölfabrik. Jetzt ist das Palmkernöl wertvoller geworden als das Palmöl, da es besser ist.

Oleum Cacao.

Butyrum Cacao, Ol. Theobromae (Theobromatis), Cacaofett, Cacaoöl, Cacaotalg, Cacaobutter; beurre de Cacao, graisse de Cacao; Cacaobutter, oil of Theobroma; borro di Cacao. Die Bezeichnung «Butter» ist, da die Nahrungsmittelchemiker diesen Begriff scharf umschrieben haben, hier wie bei Ol. myristicae besser zu vermeiden.

Das Cacaofett ist das Fett der Samen von Theobroma Cacao L. Die Pflanze und die Samen werden bei den Purindrogen beschrieben.

Das +Cacaofett+ wird -- wohl stets als Nebenprodukt der Cacao- und Schokoladenfabrikation -- in der Weise dargestellt, daß die schwach (bei 130-140°) gerösteten, geschälten und gemahlenen Samen in hydraulischen Pressen (bei bis 150 Atmosphären Druck) heiß (bei 60-70°) gepreßt werden. Die Ausbeute beträgt c. 30 bis 35%. Bisweilen wird vor dem Pressen ein Alkalikarbonat zugesetzt. Dann enthält das Fett Seife und gibt relativ viel Asche. Das Rohöl wird meist im Heißwassertrichter filtriert.

Hauptverkaufsplätze für Cacaobutter sind London und Amsterdam. Die Produktion betrug 1907 bei van Houten 820, bei Cadbury 495, Mignon Hall 474 t. ~Grossmann~ führt (1911) Cacaobutter in Blöcken à c. 10/16 kg und «Marke Stern» in Tafeln à 500, 250, 125, 100 und 50 g. Deutschland importierte 1907: 24, 1908: 11 t und exportierte 1907: 2080, 1908: 1849 t Cacaobutter.

Die Preßrückstände bilden den «entölten Cacao», der aber immer noch Fett (wenigstens 12%, meist mehr) enthält. Daß man durch Auskochen der zu Brei zerstoßenen Samen mit Wasser mehr Öl erhält wie durch Auspressen, wußte schon ~Homberg~ (s. Geschichte). Die Menge des Fettes in den Samen schwankt zwischen 36,8 und 56,5% (Extraktion mit niedrig siedendem Petroläther gibt die richtigsten Zahlen ~Davies~ und ~M’Lellan~), meist beträgt sie 51,5-56%-52% der geschälten und bei 25-30° getrockneten Samen (~Heiduschka~) -- Durchschnitt: 55% (~Welmans~). Nach anderen schwankt der Fettgehalt von 42-54 bzw. 37,1 und 51,4 (~l’Hôte~) und beträgt meist 50-53,6% (~Zipperer~). Cacaofett ist spröde und hellgelblich-weiß und wird beim Aufbewahren ganz weiß. Es besitzt einen sehr angenehmen, schokoladenartigen Geruch und einen angenehm milden Geschmack. Cacaofett ist leicht in Petroläther, im halben Gewicht Benzol und im fünffachen Gewicht heißem absolutem Alkohol löslich. Die Lösung in 2 Teilen Äther bleibt bei 12° während 24 Stunden klar, während die mit 20 Teilen siedendem absolutem Alkohol hergestellte Lösung beim Erkalten alles, bis auf 1% (Olein), wieder fallen läßt (~Flückiger~). In 90% Alkohol ist es nur zum geringen Teile löslich (Unterschied von Cocosfett). Beim Einlegen in die Kali-Ammoniakmischung von ~Hartwich~ und ~Uhlmann~ entstehen im Inneren des Tropfens Bündel ganz kurzer Kristallnadeln, an der Peripherie lange Nadeln.

Das Cacaofett enthält 59,7% (~Farnsteiner~) feste Fettsäuren und zwar +Stearinsäure+ (39-40% ~Lewkowitsch~, ~Hehner~ und ~Mitchell~), +Palmitinsäure+ und +Arachinsäure+ (~Specht~ und ~Gössmann~). Palmitinsäure und Stearinsäure sind zum Teil als Triglyceride vorhanden (~Klimont~). Das Vorkommen von Laurinsäure (~Kingzett~, ~Traub~, ~Graf~) wird neuerdings bezweifelt (~Lewkowitsch~), die Theobromasäure (C₆₄H₁₂₈O₂ ~Kingzett~) ist wohl Arachinsäure (~Traub~, ~Graf~). Unter den flüssigen Fettsäuren dominiert die +Ölsäure+ (~Traub~) mit 31,2% (~Farnsteiner~), daneben finden sich noch 6,3% andere flüssige Fettsäuren, darunter +Linolsäure+ (~Benedikt~ und ~Hazura~). Von gemischten Estern sind nachgewiesen +Oleopalmitostearin+ (~Klimont~) C₃H₅(OC₁₈.H₃₃O)(OC₁₆H₃₁O)(OC₁₈.H₃₅O) F = 42°, +Oleodipalmitin+ C₃H₅(OC₁₆H₃₁O)₂(OC₁₈H₃₃O) (~Klimont~), +Myristicopalmitoolein+ C₃H₅.(O.C₁₄H₂₇O) (O.C₁₆H₃₁O)(OC₁₈H₃₃O) F = 25-27° und +Oleodistearin+ C₃H₅(C₁₈H₃₅O₂)₂C₁₈H₃₃O₂ F = 44-44,5° (6% ~Fritzweiler~), wahrscheinlich aber noch andere vorhanden. Ölsäuretriglycerid fehlt (~Klimont~). +Ameisensäure+, +Essigsäure+ und +Buttersäure+, die +Graf+ angibt, scheinen bisweilen zu fehlen (~Lewkowitsch~), ebenso fehlt Caprylsäure (~Heiduschka~).

Das Fett enthält ferner eine +Lipase+ und in dem Unverseifbaren Phytosterine (~Clayton~) wohl +Stigmasterin+ (F = 162-163°) und +Sitosterin+ (F = 139° ~Matthes~ und ~Rohdich~), vielleicht auch etwas Cholesterin (~Prochnow~, ~Maurenbrecher~ und ~Tollens~), sowie neben einem festen Kohlenwasserstoff C₃₀H₄₈ (F = 133-134° wohl +Amyrilen+) ein hyazinthenartig riechendes Öl (~Matthes~ und ~Rohdich~). Der Träger des Geruches, den das Fett aus den Samen aufnimmt, soll das «+Cacaorot+ in Verbindung mit einem Glykosid» (? ~F. Müller~) sein. Das bedarf der Bestätigung.

Spez. Gew. bei 15°: 0,964-0,976 (~Dieterich~), bei 98°: 0,8577 (~Allen~), Pharm. helv.: 0,857-0,858. Frisch geschmolzenes Cacaofett zeigt ein niedrigeres spez. Gew., das erst nach Tagen oder Wochen wieder normal wird (~Welmans~). Erstarrungspunkt: 21,5-27,3°, Schmelzpunkt: 26,5-36° (meist c. 33,5), Pharm. helv.: 29-32°, D. A. V. 30-34, Ph. austr. VIII: 30-35°; frisch geschmolzenes Fett schmilzt bedeutend niedriger (man lege über Nacht auf Eis!), mit Äther oder Petroläther extrahiertes bei 32-34°. Säurezahl: 1-2,3 (~Dieterich~), 1,2-2,2 (Pharm. austr. VIII), 2,41 (~Welmans~), 1,1-1,95 (~Lewkowitsch~), bei ganz altem Fett 4,6. Durch das Entwässern und Filtrieren im Dampftrichter erhöht sich der Säuregehalt zuweilen bis auf das Doppelte. Deshalb sollte längeres Erhitzen vermieden werden (~E. Dieterich~). (Das Fett der Samenschalen hat eine hohe Säurezahl, bis 56 ~Filsinger~.) Verseifungszahl: 191,8-203,7 (meist unter 200, oft 193-196), Pharm. austr. VIII: 190-196, Jodzahl: 32,8-41,7 (~Strohl~), 27,9-37,5 (~Dieterich~), D. A. V: 34-38, Pharm. helv.: 33-38. (Das Fett der Samenschalen hat eine höhere Jodzahl, 39-40 ~Filsinger~.) Bromzahl: 23,69 (~Telle~), Reichert-Meißlzahl: 0,2-0,83, Polenskezahl: 0,33-0,38 (~Heiduschka~), Hehnerzahl: 94,59-94,9, Brechungsexponent bei 40°: 1,4565-1,4578 (~Strohl~) (Pharm. hel. IV: 1,4565-1,4586), Butterrefraktometer bei 40°: 46-47,8. Die freien Fettsäuren zeigen den Erstarrungspunkt 46-51°, den Schmelzpunkt 48-52°, die Jodzahl 32,6-39,1.

~Dieterich~ fand bei Untersuchung zahlreicher Proben: Schmelzpunkt 25,5-35° (meist 32-34), Säurezahl 3,2-25,36, Jodzahl (H-W) 33,89-38,5 (meist über 35), V. Z. h 188,72 bis 203,72 (meist 195-198), V. Z. k 187,6-196,69 (meist 194-195). ~Strube~ fand, daß bei langsamem Erstarren größerer Blöcke der Cacaobutter Marke «Samana» sich ein flüssiger Anteil abscheidet, der sich abweichend verhält, dessen Schmelzpunkt c. 12°, spez. Gew. bei 17,5°: 0,906, Jodzahl 53,06-58,8 ist.

Daß Cacaofett nicht ranzig wird, ist nicht richtig (~Lewkowitsch~, ~Dieterich~), aber es wird schwierig ranzig, vielleicht weil es reich an gemischten Glyceriden ist und der Ölsäurerest zwischen den anderen Fettsäureresten steht, also «geschützt» ist (~Klimont~). Mit den auf den Samen bisweilen auftretenden Schimmelpilzen und den stets vorhandenen Saccharomyceten steht das Ranzigwerden in keiner Beziehung, da nur geröstete Samen gepreßt werden.

Zur +Prüfung+ bestimmt man in erster Linie die Jodzahl, dann Verseifungs- und Säurezahl sowie den Schmelzpunkt. Von den Verfälschungen ist Rinder- und Hammeltalg am häufigsten und am schwierigsten nachzuweisen. Bei der ~Björkland~schen Ätherprobe scheiden sich, wenn wenigstens 5% Talg zugegen sind, beim Abkühlen Flocken, nicht Kristallbüschel ab (~Lewkowitsch~). «Eine Lösung von 1 Teil Ol. Cacao in 2 Teilen Äther darf sich innerhalb 24 Stunden bei Zimmertemperatur nicht trüben» (D. A. V). Zuverlässiger noch ist die Phytosterinacetatprobe, unbrauchbar (nach ~Lewkowitsch~) ~Hagers~ +Anilinprobe+ (Dingl. Pol. Journ. 175, 324). Cacaofett wird auch häufig mit Cocosfett oder Palmkernstearin, die unter dem irreführenden Namen «Schokoladenfett», «Schokoladenbutter» im Handel sind (~Filsinger~), verfälscht, die an den hohen Verseifungs- und Reichert-Meißlzahlen und der niedrigen Jodzahl erkannt werden können. Ein Gemisch von Cocosfett und Japantalg fand ~Posetto~ 1901 unter dem Namen «Cacaobutter S». Die Ersatzmittel Cacaoline und Cocoline bestehen aus Cocosfett und Palmkernstearin, denen bisweilen Japantalg zugesetzt wird (~Fendler~), die «Pflanzenbutter», «Gemüsebutter» aus Cocosfett (~Filsinger~). Verfälschungen mit Mandel-, Arachis-, Sesamöl (~Filsinger~) und Haselnußöl verraten sich durch hohe Jodzahl und Erniedrigung des Schmelz- und Erstarrungspunktes, sowie durch die bei den Ölen oben (S. 576 u. 592) angegebenen Reaktionen, Wachs und Paraffin (neuerdings nicht mehr beobachtet) durch Erniedrigung der Verseifungszahl und Erhöhung des Unverseifbaren. Neuerdings sind auch Verfälschungen mit Ol. margarini, Stearinsäure und Dikafett (S. 711) beobachtet (letzteres ist aber selten und ebenso teuer), sowie mit dem Fette der Samenschalen, das zu 4-5% darin enthalten ist (~Filsinger~, s. oben S. 722). Auf unzulässig hohe Mengen freier Säuren (infolge Ranzidität) läßt Pharm. helv. wie folgt prüfen. «Eine Lösung von 2 g Cacaofett in 10 ccm Chloroform und 20 ccm absolutem Alkohol soll nach Zusatz von 3 gtts Phenolphthaleïn und 1 ccm weingeistigem n/10 Kali bleibende Rotfärbung zeigen.»

Man bewahrt das Cacaofett am besten in Stanniol eingeschlagen auf. Cacaofett wird zu Suppositorien, Urethralstäbchen, Vaginalkugeln, Ceraten, Pillen, Lippenpomaden, Augensalben usw. benutzt, wozu es sich gut eignet, da es bei Körpertemperatur schmilzt.

Schon ~Homberg~ (I, S. 884) schied 1695 das Cacaofett ab, das ~Quelus~ (cit. in Hallers Bibl. bot. II [1772] 158) für Salben und als Genußmittel empfahl. Zur Gewinnung des Öls benutzte ~Geoffroy~ (I, S. 883) außer der Presse bereits 1741 den Äther (~Flückiger~). Er empfiehlt es als Salbengrundlage, für Lippenpomade und bei Hämorrhoiden. Besonders die Tübinger Dissertation von ~B. D. Mauchart~ über Butyrum Cacao 1735 (I, S. 928) lenkte die Aufmerksamkeit auf das Fett als ein «novum atque commendatissimum medicamentum» (~Flückiger-Hanbury~). In die Apotheken ist es in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. gekommen. In der Pharmacopoea Wirtenbergica von 1771 steht eine Vorschrift zu seiner Bereitung in der Apotheke. Vgl. auch ~Bucholz~, Einige Vers. als Beytr. z. Bestimm. d. best. Method. die Butter aus den Cacaobohnen abzuscheiden. Trommsd. Journ. d. Pharm. 20, 1, 62. -- Das Wort +Cacao+ ist den Fremdwörterbüchern bis in die erste Hälfte des XVIII. Jahrh. noch unbekannt (~Kluge~), es ist umgebildet aus mex. cacauatl, cacaotl, cacaua (so bei ~Hernandez~, bei ~Fernandez~: cacaguata [I, S. 756]). -- coco (caca, cacau) = Schaum, atl = Wasser (~v. Lippmann~, Gesch. d. Zuckers). -- Doch finde ich bereits im Catalogus der Dresdener Hofapotheke 1683: Grana +Cacao+ (Cacahuatl), in der Gothaer Verordnung 1694 (1, S. 828): Fructus +caccau+ und im Catalogus Brunsvicensis 1706: nuclei +cacao+.

=Lit.= ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Specht~ und ~Gössmann~, Lieb. Ann. 90 (1854) 126. -- ~Traub~, Zusammensetzung d. Cacaoöls. Arch. Pharm. 1883, 19. -- ~Kingzett~, Ber. d. chem. Ges. 1877, 2243; Journ. chem. soc. 1878, 38. -- ~Graf~, D. Bestandt. d. Cacaofettes, Arch. Pharm. 1888, 830. -- ~Hehner~ und ~Mitchell~, Analyst. 1896, 328. -- ~Benedikt~ und ~Hazura~, Monatsh. f. Chem. 1889, 353. -- ~Fritzweiler~, Arb. d. kais. Gesundheitsamt 1902, 371. -- ~Davies~ und ~M’Lellan~ (Fettgehalt der Samen), Journ. Soc. Chem. Ind. 1904, 480 (Chem. Rev. 1904, 151). -- ~Welmans~, Pharm. Zeit. 1900, 859, Seifenfabrikant 1901, 4; Zeitschr. öffentl. Chem. 1903, 206. -- ~Filsinger~, Chem. Zeit. 1890, 507 u. 716; Zeitschr. anal. Chem. 1880, 247 u. 1896, 519; Zeitschr. öffentl. Chem. 3 (1897) 34. -- ~Dieterich~, Helfenb. Ann. 1889, 1897, 1900, 1902, 1903, 1904. -- ~White~, Oil of Theobroma, spez. grav. under cert. condit. Pharm. Journ. 1898, 69. -- ~Maurenbrecher~ und ~Tollens~, Ber. d. chem. Ges. 39 (1906), 3581. -- ~Klimont~, Ber. d. chem. Ges. 1901, 2636; Monatsh. f. Chem. 1902, 23. -- ~Heiduschka~ und ~Herb~, Pharm. Centralh. 1908, 375. -- ~Clayton~, Chem. News 86 (1902), 51. -- ~Matthes~ und ~Rohdich~, Cacaofett, bes. die unverseifbar. Bestandt. Ber. d. chem. Ges. 1908, 19 u. 1591 und ~Rohdich~, Dissert. Jena 1908. -- ~Prochnow~, Arch. Pharm. 1910, 81. -- ~F. Müller~, Pharm. Zeit. 1908, 57. -- ~Strube~, Zeitschr. öffentl. Chem. 1905. -- ~Posetto~, Giorn. Farm. Chim. 1901, 337. -- ~Björklund~, Zeitschr. anal. Chem. 1864, 233. -- ~Kremel~, Pharm. Post 1899, 5. -- ~van der Wielen~, Invloed van andere vetten op de eigensch. van Cacaobutter, Pharm. Weekbl. 1902. -- ~Maurenbrecher~ und ~Tollens~, Ber. d. chem. Ges. 1906, 3581. -- ~Langbein~, Zeitschr. ang. Chem. 1908, 241.

Zu den festen vegetabilischen Fetten der Ölsäuregruppe gehören auch:

Chinesischer oder Stillingiatalg von Stillingia sebifera ~Juss.~ Pongamöl aus den Früchten von Pongamia glabra ~Vent.~ Chaulmugra- oder Gynocardiaöl von Gynocardia Prainii. Carapafett, Andirobaöl von Carapa guianensis, moluccensis u. and. Margosaöl, Veepaöl, Veppamfett, Neemöl von Melia azadirachta. Kadamsamenfett von Hodgsonia (Trichosanthes) Kadam ~Miq.~ Mahwahbutter, Illipeöl von Bassia latifolia. Mowrahbutter, Bassiaöl von Bassia longifolia. Champacafett von Melia Champaca. Schi- oder Sheabutter, Galambutter von Bassia (Butyrospermum) Parkii, dem Ölbaume des nördlichen tropischen Afrika (Haussa, Sudan, Nigergebiet) und hier so wichtig wie die Ölpalme in Westafrika. Akeeöl von Blighia sapida. Makassaröl von Schleichera trijuga. Sawaributter von Caryocaria tomentosa. Mafuratalg von Mafureira oleifera. Phulwarabutter, Fulwa- oder indische Butter von Bassia butyracea. Mkányifett von Stearodendron Stuhlmanni. Rambutantalg von Nephelium lappaceum. Malabar- oder Pineytalg, Vateriafett, Pflanzentalg von _Vateria indica_. Kokumbutter von Garcinia indica. Borneotalg, Tangkawangfett von Shorea stenoptera und aptera, Hopea aspera, Isoptera borneensis. Myrtenwachs oder Myricawachs von Myrica cerifera.

IV. Feste animalische Fette.

Das +Fettgewebe+ der Tiere wird meist als ein modifiziertes Bindegewebe angesehen und entsteht dadurch, daß in den Bindegewebszellen Fetttröpfchen auftreten, die, sich allmählich vergrößernd, schließlich Cytoplasma und Zellkern beiseite schieben. Andere betrachten die Fettzellen als Zellen des Schleimgewebes. Die fettbildenden Stoffe werden von der Zelle aufgenommen und in ihr zu Fett verarbeitet, die daneben entstehenden Stoffe durch Lymph- und Blutserum entfernt. Als Fettbildner dürften in erster Linie die Kohlehydrate, dann aber auch die Eiweißsubstanzen in Betracht kommen. Bei der Arbeit im Organismus können Fette und Kohlehydrate einander bis zu gewissem Grade im Verhältnis ihrer Verbrennungswärmen vertreten (~Zuntz~). Auch im intermuskulären Bindegewebe und dem Sarkoplasma treten Fette auf (hier neben Lecithin und Cholesterin), ferner im Knorpelgewebe, in den Knochen, in der Nervensubstanz (hier neben Myelinsubstanzen: Lecithine, Cholesterine, Protagone), in der Blutflüssigkeit (Serum), in der Lymphe und dem Chylus, in der Haut und ihren Anhängen und endlich auch in Körpersekreten, wie z. B. der Milch.

Die Natur der tierischen Fette erkannte bereits ~Chevreul~, doch ist bis heute die Untersuchung noch nicht abgeschlossen und jede neue Arbeit bringt neue Überraschungen. Die Ansicht, daß in tierischen Fetten auch gemischte Glyceride (s. S. 547) vorkommen, wurde zuerst von ~J. Bell~ in «Analyse und Verfälschung der Nahrungsmittel 1885» für die Butter ausgesprochen, in der ~Bell~ das Oleobutyropalmitin annimmt. Dies Glycerid haben dann ~Blyth~ und ~Robertson~ (Chem. Soc. London, Jan. 1889) abgeschieden und C₃H₅(C₁₈H₃₃O₂)(C₄H₇O₂)(C₁₆H₃₁O₂) formuliert. Genau beschrieben wurde aber zuerst von ~Heise~ (Arb. d. k. Gesundheitsamt. 1896) ein gemischtes Glycerid (das Oleodistearin aus Mkányifett, S. 724), welchen Befund ~Henriques~ und ~Künne~ bestätigten. Zahlreiche neue gemischte Glyceride isolierte dann ~Hansen~ (Arch. f. Hygiene 1902) aus Hammel- und Rindstalg (s. d.). Im Menschenfett fanden ~Partheil~ und ~Ferié~ (Arch. Pharm. 1903) Stearodiolein. ~Kreis~ und ~Hafner~ halten aber die Glyceride ~Hansens~ für Gemische. Sie isolierten 1904 aus Rinds- und Hammelfett: Palmitodistearin, aus Schweinefett ein gemischtes Glycerid der Formel C₃H₅(C₁₇H₃₃O₂)(C₁₈H₃₅O₂)(C₁₈H₃₅O₂), kontrollierten diese Glyceride durch die Analyse und Untersuchung der abgeschiedenen Fettsäuren und bestätigten den Befund durch die Synthese.

Alle tierischen Fette enthalten Cholesterin (s. S. 748). Phytosterin tritt aus pflanzlichen Futtermitteln (z. B. Baumwollsamenpreßkuchen) nicht in das Fett der Tiere über (~C. Virchow~), so daß der Nachweis von Phytosterin wohl immer eine +Beimischung+ von pflanzlichem Fett zu tierischem erweist.

=Lit.= ~Ulzer~ und ~Klimont~, Allgem. u. physiolog. Chem. d. Fette. Berlin 1906. -- Über die Bildung des Fettes im Tier, den Übergang von Nahrungsfett in das Fettgewebe und die Organe des Tieres, die Beziehungen der Fettbildung zur Nahrung, das Verhalten der Fette im Darmkanal und den Abbau der Fette im Organismus vgl. ~F. Röhmann~, Biochemie 1908, ~Lehmann~ und ~Voit~, Fettbildung aus Kohlehydraten. Zeitschr. f. Biologie 42 und ~Rousselet~, Chimisme intestinal d. graisses alimentaires et leur dosage en Coprologie. Thèse Paris 1909. -- Über gemischte Glyceride und den zuerst von ~Heintz~ (1849) und ~Duffy~ (1852) beobachteten «doppelten Schmelzpunkt» vgl. ~A. Hafner~, Über natürl. vorkomm. u. synthet. dargest. gemischte Fettsäureglyceride. Diss. Basel 1904 (mit ~Kreis~, siehe bei Adeps), ~Adolf Grün~, Über d. Constit. d. Fette. Habilitationsschrift Zürich 1907 und ~Ferié~, Z. Kenntn. d. Fette. Diss. Bern 1903 u. oben S. 547. -- Über Kristalle aus tier. Fetten: ~Zune~, Traité génér. d’analyse des beurres 1892/93 und bei ~Hafner~. -- Über die flüchtigen Fettsäuren vgl. ~Mougnaud~, Dosage d. acid. volat. dans l’analyse des corps gras. Thèse Paris 1902. -- Über das Ranzigwerden d. Fette vgl. ~E. Ritsert~, Diss. Bern 1890 (dort eine histor. Übersicht) und ~Winckel~, Apoth. Zeit. 1905. -- ~Chevreul~ untersuchte (1823) die Fettsäuren des Menschen-, Schweine-, Jaguar- und Gänsefettes, ~Heintz~ (Lieb. Ann. 84, 297) das Menschenfett.

1. Körperfette.

Von den Körperfetten werden jetzt in der Medizin nur noch Schweine-, Hammel- und Rindsfett benutzt.

Die alte Medizin, schon die der Assyrer (vgl. S. 551) benutzte sehr viel mehr. In zahlreichen Rezepten des Papyrus ~Ebers~ findet sich Fett. ~Dioskurides~ erwähnt das Fett der Schweine, Bären, Böcke, Schafe, Hirsche, Rinder, Panther, Löwen, Hühner, Gänse, sowie das Knochenmark; ~Galen~ das Fett der Schweine, Ziegen, Hammel, Kälber, Böcke, Bären, Löwen, Hähne, Hennen und Schlangen. ~Plinius~ bemerkt (XI, 85): «Gehörnte Tiere, die nur in einer Kinnlade eine vollständige Zahnreihe und an den Füßen Knöchel haben, liefern, wenn sie fett sind, Talg (sevum), die Zweihufer oder die, deren Füße in Zehen gespalten sind und die keine Hörner tragen, Schmalz (adeps).» ~Ibn Sina~ (I, S. 602) benutzte Gänse-, Hühner-, Tiger- und Löwenfett. Auch noch in den Pharmacopoeen des XVI. bis XVIII. Jahrh. finden sich viele tierische Fette neben Ol. lumbricorum und Viperorum, Adeps Leonis, Canis usw. auch Menschenfett. (Vgl. ~Tschirch~, die Pharmacopoee, ein Spiegel ihrer Zeit 1904). Die Chemie der selteneren Fette bei ~Benedikt-Ulzer~ und ~Lewkowitsch~ a. a. O.

Der Hindu darf keine Seife aus Tierfett benutzen, daher spielt die aus dem Fett der _Bassia_samen (+der sog. Mowrahbutter+ s. oben S. 724) bereitete Seife in Vorderindien eine große Rolle.

Adeps suillus.

Axungia porci; Schweinefett, Schweineschmalz; graisse de porc, axonge de porc, adipe, saindoux; lard, hogslard; strutto. Unter «Adeps» schlechthin wird jetzt immer Adeps suillus verstanden.

=Etym.= Fett, von ~Luther~ aus dem ndd. für Feißt in die Schriftsprache eingeführte Nebenform; nnd. Fett aus asächs. fêtid, ahd. feizzit = feißt. -- Schmalz von aldn. smjor, ahd. smëro, mhd. smalz. -- Der alte Ausdruck für Fett: «Schmutz» ist in der Schweiz im Dialekt noch jetzt üblich. Im ganzen alamanischen Sprachgebiet: smuz = Schmiere, Fett (von smut = schmieren). -- Adeps schon bei ~Plinius~. -- Bei ~Dioskurides~: στέαρ ὔειον -- (daraus ist Stearin gebildet). Bei ~Ibn Baithar~ heißt Fett schahm.

=Gewinnung.= Schweinefett wird aus dem Zellgewebe, besonders des Netzes und der Nierenhülle des Schweines, =Sus Scrofa var. domesticus L.=, ausgeschmolzen. Das Schmerfett ist oft in dicken Schichten in der Bauchhöhle, in der Nähe der Rippen und Nieren abgelagert. Das im Speck, d. h. in den äußeren Partien unter der Haut an Bauch und Rücken abgelagerte Fett ist reicher an flüssigen Fettsäuren, daher weicher. Der Speck eignet sich daher weniger zur Schmalzfabrikation und wird als solcher verwendet. Man unterscheidet: Eingeweidefett (Gekrösefett), Netzfett (Liesen, Flohmen, Schmer, Filz) und Nierenfett. Pharm. helvet. IV verlangt, daß +nur+ das aus zerriebenem und gewaschenem, frischem, ungesalzenem Zellgewebe des Netzes und der Nierenhülle des +gesunden+ Schweines im Dampfbade gewonnene Fett benutzt wird, schließt also den Speck des Unterhautbindegewebes aus. D. A. V verlangt außerdem, daß das Fett vom Wasser befreit werde und Ph. austr. VIII schreibt vor, daß dies mittelst wasserfreiem Natriumsulfat geschehen und das Fett durch Baumwolle filtriert werden solle. Alle drei Pharmacopoeen denken wohl an eine Darstellung in der Apotheke, verwerfen jedenfalls alles Fett, dessen genaue Provenienz unbekannt ist. Die Schmalzfabrikation wird im größten Stil in Nordamerika betrieben, so daß der größte Teil des Handelsfettes daher stammt, in Deutschland wird es nur vereinzelt im Großbetriebe gewonnen, viel im Kleinen. Größere Mengen liefert Ungarn und Rumänien, kleinere Serbien, Dänemark und Holland. Das Ausschmelzen der zuvor wiederholt gewaschenen und zerkleinerten Körperteile geschieht entweder über direktem Feuer oder im Dampfbade oder mit gespanntem resp. überhitztem Dampf von 110-115°. Die von dem ausgeschmolzenen Fett getrennten «Grieben» werden dann zwischen erwärmten Platten gepreßt und liefern ein zweites Fett, das mit dem ersten nicht vermischt wird. Der Rückstand geht in die Blutlaugensalzfabrikation. Das abgeschiedene Fett wird bei schlechteren Sorten bisweilen mittelst Schwefelsäure «geläutert».

Schon ~Dioskurides~ beschreibt (II, 87) die Darstellung des Schweinefettes durch Auskochen der gewaschenen Fettteile mit Wasser über freiem Feuer, Durchseihen, wiederholtes Umschmelzen nach Entfernung des sich am Boden Absetzenden.

In Nordamerika (Missouri, Ohio, Cincinnati) wird Schweinefett aus allen fetten Teilen des Schweines in den großen Packing houses dargestellt. Man unterscheidet von dem im Handel dominierenden amerikanischen Fett:

1. +Neutral Lard I+, Netz- und Gekrösefett (Leafs) durch Ausschmelzen frisch geschlachteter Tiere im Wasserbade bei 40-50°, weiß, beste Marke.

2. +Neutral Lard II+, Rückenfett, wie 1 dargestellt.

3. +Neutral Lard Imitation+ aus Speck von 1 gewonnen, öliger wie dieses.

4. +Leaf Lard+, durch Ausschmelzen der Rückstände von 1 mit direktem Dampf unter Druck im Autoklaven.

5. +Choice Lard+ (Choice kettle rendered lard) aus den Liesen von 1 und 2 durch Ausschmelzen in offenen, mit Dampfmantel versehenen Kesseln.

6. +Prime steam Lard+ (western steam lard) aus den Rückständen der Neutral-Lardfabrikation und aus nicht sonst verwerteten selten Teilen durch direkte Einwirkung von Dampf von 2½-2¾ Atmosphären oder durch direkten Dampf in offenen Gefäßen ausgeschmolzen. Gelblich oder grau, Röstgeschmack. Wird bisweilen in Amerika und Deutschland raffiniert, z. B. durch Kochen mit Wasser.

7. +Pure Lard+, mit Fullererde gebleichtes und gekühltes prime steam lard, weiß, fest, speckartig.

Durch Pressen des Fettes in hydraulischen Pressen kann Schweinefett in +Schmalzöl+ (Specköl, lard oil, huile de graisse, Ol. Adipis) und +Solarstearin+ (Lard stearine) geschieden werden (Demargarinierungsprozeß).

=Handel.= Die Vereinigten Staaten exportierten 1908: 603413770, 1909: 328722933 pounds Lard und 1908: 75183210, 1909: 75183196 pounds Lard Compounds and Substitutes for (Cottolene, Lardine usw.). Die Einfuhren von Schweinefett von Amerika nach Deutschland haben abgenommen. Sie betrugen 1907: 101,3, 1908: 104,6, 1909: 89 Mill. kg (~Gehe & Co.~).

=Chemie.= ~Scheele~ entdeckte 1783 im Schweinefett das Glycerin («Ölsüß») und ~Chevreul~ zerlegte es in zwei durch ihren Schmelzpunkt unterschiedene Substanzen, die beide verseifbar waren und aus denen er einerseits die acide margarique, die von ~Heintz~ und ~Berthelot~ als Palmitin-Stearinsäure erkannt wurde, andererseits die acide oleique abschied.

Das Schweinefett enthält +Palmitinsäure+, +Stearinsäure+ und +Ölsäure+, wahrscheinlich in Form gemischter Glyceride, amerikanisches Schweinefett auch Triolein. Daneben findet sich +Linolsäure+ (~Fahrion~, ~Wallenstein~ und ~Finck~, ~Farnsteiner~, ~Bömer~) und vielleicht auch +Linolensäure+. ~Twitschell~ gibt an: 10,06% Linolsäure, 49,39% Ölsäure und 40,55% feste Fettsäuren. ~Partheil~ und ~Ferié~ fanden große Mengen +Myristinsäure+ und +Laurinsäure+ und geben folgende, aber bei den Fetten verschiedener Provenienz (Rasse, Körperstelle, Fütterung, Klima usw.) jedenfalls wechselnde Mengen (im Mittel in %) an: Stearinsäure 8,4, Palmitinsäure 4,48, Myristinsäure 14,35, Laurinsäure 11,68, ungesättigte Säuren 54,05, davon stärker ungesättigt 10,03. ~Kreis~ und ~Hafner~ erhielten das gemischte Glycerid Heptadecyldistearin (Daturadistearin?) C₃H₅(O.C₁₇H₃₃O)(O.C₁₈H₃₅O)₂ F = 66,2°.

Zwischen amerikanischen und europäischen Schweinefetten bestehen weitgehende Unterschiede, ebenso zwischen dem Fett des Kopfes, Rückens, Fußes, Schinkens, sowie des Herzens, der Niere, des Flomen und Netzes. So schwankt z. B. das spez. Gew. bei 100° zwischen 0,8588 und 0,8700, der Schmelzpunkt zwischen 26 und 45°, die Jodzahl zwischen 52,6 und 68,8. Kopffett hat eine besonders hohe Jodzahl (bis 85,03). Die Jodzahl (d. h. der Gehalt an Ölsäure und Linolsäure) ist auch von der Fütterungsart abhängig. Kranke und sehr fette, d. h. gemästete Schweine, produzieren ein an flüssigen Fettsäuren reicheres Fett. Das härteste Fett wird im Januar und Februar erhalten. Das Unverseifbare beträgt im Mittel 0,35% (~Lewkowitsch~). Der Wassergehalt ist gering, meist unter 1%. Stickstoffsubstanzen 0,26% (~König~). Frisch ausgeschmolzenes Fett ist fast neutral. Es enthält nur 0,09-1% freie Fettsäuren. Reines Fett erstarrt feinkristallinisch. Die Kristalle, die man aus Äther erhält, sind einzelne oder büschelförmig vereinigte oblonge Platten mit abgeschrägten Enden, die für gewöhnlich keine Krümmungen zeigen (~Belfield~) -- Unterschied von Rindstalg (s. d.).

Spez. Gew. bei 15°: 0,931-0,940, bei 98°: 0,860-0,862 (Pharm. helv. IV); Schmelzpunkt: 26-31° (~König~) bis 37,5° (~Thörner~), 36-45° (~Dieterich~); 36 bis 40° (Ph. helv. IV); Erstarrungspunkt: 26-32°; Brechungsindex bei 60°: 1,4539; Hehnerzahl: 95,1-96,15; Reichert-Meißlzahl: 0,3-0,6; Verseifungszahl: 193-200 (Pharm. austr. VIII: 194-197); Jodzahl: 46-64 (selten sogar 70 oder gar 85); Pharm. helv.: 56-62, D. A. V: 46-66; Pharm. austr. VIII: 48-60; Brechungsexponent bei 40°: 1,4606, bei 60°: 1,4539 (Pharm. helv. IV bei 40°: 1,4586 bis 1,4606). Die Fettsäuren zeigen den Erstarrungspunkt 34-40°, Schmelzpunkt 35-47°, Jodzahl 64,2 (Jodzahl der flüssigen Fettsäuren: 92-106). Schweinefett löst sich geschmolzen in Petroläther, Chloroform, Äther, Benzol, Amylalkohol.

~Dieterich~ fand (Methode in Helfenb. Ann. 1897) bei +selbstausgelassenem+ Schweinefett Schmelzp.: 37-47°; S. Z.: 0,240-1,120; J. Z. n. H-W: 46,48-55,49; V. Z. k.: 195,32 bis 198,83; V. Z. h.: 192,54-199,16.

Die Verbrennungswärme von Schweinefett ist bei konst. Vol. 9469 g-cal. Es ist also ein vorzügliches Nahrungsmittel.

=Verfälschungen und Prüfung.= Über die Verfälschungen und ihren Nachweis ist besonders die Literatur der Nahrungsmittelchemie sowie die Werke von ~Benedikt-Ulzer~, ~Lewkowitsch~ und ~Hefter~ zu vergleichen; für Deutschland auch die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetze betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900. Als Verfälschungen kommen besonders in Betracht: Baumwollsamenöl und Baumwollstearin, Arachisöl, Sesamöl, Cocosfett, Palmkernöl, Rindstalg, Preßtalg, Rindsstearin, seltener Mineralöle und Paraffin. Die Arzneibücher verlangen ein gleichmäßiges, streichbar weiches, nicht ranziges, zu einer klaren, noch in 1 cm dicker Schicht farblosen, Flüssigkeit schmelzendes Fett, das möglichst wenig sauer ist (D. A. V: Säuregrad nicht über 2, Pharm. austr.: soll 0,2-norm. Kali, Pharm. helv.: 1 ccm n/10 weingeistiges Kali nicht neutralisieren), keine Mineralsäuren enthält (Pharm. austr.: Wasser damit geschüttelt färbt Lakmuspapier nicht rot) und auch kein Kochsalz. Auch soll es die Silbernitratprobe aushalten (Ph. austr.).

Eine Mischung von 2 g Fett, 3 g Natronlauge und 2 g Weingeist soll im Wasserbade gekocht auf Zusatz von 50 g Wasser und 10 g Weingeist klar bleiben (Mineralfette).

Die Pharm. helv. IV verlangt ferner: Überschichtet man farblose Salpetersäure (spec. Gew. 1,4) mit einem gleichen Volumen geschmolzenem Schweinefett und dieses mit derselben Menge Resorcin-Benzol, so soll beim Umschütteln keine vorübergehende rot- bis blauviolette Färbung auftreten (Samenöle). Erhitzt man 1 Vol. geschmolzenes Schweinefett mit 2 Vol. Halphens Reagens 10 Minuten lang im Kochsalzbade über 100°, so soll keine Rotfärbung auftreten (Baumwollsamenöl).

Werden je 5 ccm geschmolzenes Schweinefett und Salzsäure (spez. Gew. 1,19) 1 Minute lang geschüttelt, dann 5 ccm Phloroglucin hinzugefügt und weiter geschüttelt, so soll keine intensive Rotfärbung eintreten (gebleichtes und verdorbenes Fett).

Einen Aufschluß über die Reinheit eines Schweinefettes gibt (nach ~Muter~ und ~Koningh~, ~Asboth~, ~Wallenstein~ und ~Finck~ u. and.) auch die Jodzahl des flüssigen Anteils («innere Jodzahl»). Sie beträgt bei mitteleuropäischem Schmalz 93-96 (93,5-103,7), bei amerikanischem 103-105 (95,2-104,9) -- (bei Baumwollsamenöl 136).

Da Luft und Licht das Fett verändern (wasserhaltiges Fett wird leichter ranzig), ist es in gut verschlossenen Gefäßen, vor Licht geschützt, aufzubewahren. Benzoiniertes Fett (Adeps benzoinatus) unterliegt dem Ranzigwerden weniger. Den Prozeß des Ranzigwerdens hat hier ~Späth~ studiert; die Jodzahl nimmt ab, die Säurezahl zu, ebenso die Refraktometeranzeige und der Schmelzpunkt. Adeps ist die wichtigste Salbengrundlage und dient auch bei der Seifen- und Pflasterbereitung.

=Lit.= ~Scheele~, Briefe u. Aufzeichn. Herausgegeb. von ~Nordenskiöld~ 1892. -- ~Chevreul~, Rech. chim. sur les corps gras d’origine animale. Paris 1823 (vgl. auch S. 552). -- Auch ~Braconnot~ untersuchte das Fett, ~Bérard~ lieferte eine Elementaranalyse und ~A. Vogel~ (Trommsd. Journ. d. Pharm. 16, 1, 173) studierte sein Verhalten z. B. zu Licht und Luft. -- Zahlreiche Tabellen bei ~Lewkowitsch~ a. a. O., ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. und ~König~ a. a. O. -- ~Dieterich~, Helfenb. Ann. 1897. -- Die Trennung der Fettsäuren bei ~Partheil~ und ~Ferié~, Arch. Pharm. 1903. 545. -- ~Späth~, Zeitschr. anal. Chem. 1896, 471. -- ~Kreis~ und ~Hafner~, Über natürlich vorkommende und synthetisch dargestellte gemischte Fettsäureglyceride (mit Mikrophot.). Zeitschr. Unters. Nahr. u. Genußm. 1904, 641. -- ~A. Hafner~ (Gemischte Glyc.). Dissert. Basel 1904. -- ~E. Polenske~, Beitr. z. Unters. von Schweineschmalz. Arbeit. kais. Gesundheitsamt 22 (1905), 557 u. 576.

Über die Körperfette anderer Tiere: Gans, Reiher, Ente, Hund, Katze, Hase, Dachs, Bär usw. vgl. ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O., ~Lewkowitsch~ a. a. O. und ~Hager-Fischer-Hartwich~, Pharm. Praxis.

Sevum ovile.

Sebum oder Sevum ovillum; s. vervecinum, Hammeltalg, Hammelfett, Schöpsentalg; Unschlitt, im Volksmunde: Hirschtalg; -- suif de mouton; inselt, mutton tallow, mutton suet; sego di montone. -- Bei ~Plinius~: sevum.

Talg (nd.), talk (ndl.), tealg (angs.), tallow (engl.), tolgr (anord.). Ein Zusammenhang mit got. tulgus (= fest, also festgewordenes) erscheint ~Kluge~ nicht, mir wohl möglich, da das Festsein gerade das wichtigste und charakteristischste am Talge ist gegenüber anderen Fetten. -- Das eigentlich hd. oberd. Wort ist aber Unschlitt (~Kluge~). -- Ägyptisch heißt Talg: ’d die hieroglyphischen Zeichen I, S. 467).

+Hammeltalg+ wird durch Ausschmelzen des zerkleinerten, gewaschenen Fettgewebes, besonders des Bauchfettes gesunder Schafe, =Ovis aries L.=, gewonnen. Pharm. austr. läßt nur das Bauchfett zu. Pharm. helv. IV verlangt ausdrücklich Ausschmelzen im Dampfbade. Im Handel ist als Hammeltalg der Talg von Schafen, Hammeln und Ziegen, auch viel australischer, Dalmatiner und türkischer Talg. Für die Pharmazie liefern den Hammeltalg einige große pharmazeutische Laboratorien. Schon ~Dioskurides~ beschreibt die Darstellung von Sevum (der Böcke, Hirsche und Schafe) durch Erhitzen des gewaschenen Fettes mit Wasser über freiem Feuer.

=Chemie.= Der Hammeltalg, den bereits ~Chevreul~ untersuchte, und von dem dieser und ~Bérard~ bereits Elementaranalysen machten, -- er und ~Braconnot~ gaben 80% fester und 20% flüssiger Glyceride darin an -- ist besonders reich an gemischten Glyceriden. ~Hansen~ (Arch. f. Hygiene 42 [1902], 1) isolierte daraus die gemischten Glyceride +Oleopalmitostearin+ C₃H₅(O.C₁₈H₃₃O)(OC₁₆H₃₁O)(OC₁₈H₃₅O); F = 42°, +Oleodipalmitin+ C₃H₅(O.C₁₈H₃₃O)(O.C₁₆H₃₁O)₂; F = 48°, +Dipalmitostearin+ C₃H₅(OC₁₆H₃₁O)₂(OC₁₈H₃₅O) F = 55° und +Distearopalmitin+ C₃H₅(O.C₁₈H₃₅O)₂(OC₁₆H₃₁O) F = 62,5. ~Hafner~ fand dagegen (Diss. Basel 1904) nur das +Palmitodistearin+: C₃H₅(OC₁₆H₃₁O)(OC₁₈H₃₅O)₂ F = 63,2, das er durch die Spaltung, Untersuchung der Spaltungsprodukte und die Synthese bestätigte. Er hält die Glyceride ~Hansens~ für Gemische. Den flüchtigen riechenden Stoff des Bockstalg nannte ~Chevreul~ Hircin.

Hammeltalg ist oft mit Rindstalg gemischt im Handel (mixed tallow). Er ist härter als dieser, hat einen höheren Schmelz- und Erstarrungspunkt und wird leichter ranzig. Seine Viskosität ist um 11,2% größer als die des Rindertalgs (~Lidow~).

Spez. Gew. bei 15°: 0,937-0,961, bei 100°: 0,858-0,860. Schmelzpunkt: 44-55° (49,5-55° ~Moser~) D. A. V 45-50°, Pharm. helv. 44-50°; Erstarrungspunkt: 32-41°; Verseifungszahl: 192-196,5 (meist 194-195 ~Moser~), nach Pharm. austr. 193-195; Jodzahl: 32,7-44 (~Thörner~) bis 46,2 (~Wilson~); bei Dalmatiner bisweilen nur 30,96 (~Eisenstein~), D. A. V und Pharm. helv.: 33-42; Hehnerzahl: 93,91-95,54; Bromthermalprobe: 7,55-8,9 (~Archbutt~); Brechungsexponent bei 60°: 1,4501; freie Fettsäuren: 0,72-1,8% (~Ulzer~); bei älterem Talg 6,1-9,3 (~Fischer~). Aus der Fabrikation (Säuretalg s. unten S. 731) stammt bisweilen ein Gehalt an Schwefelsäure. 2 g für pharmazeutische Zwecke verwendbarer Talg sollen weniger als 1 ccm n/10 Kali neutralisieren (Pharm. helv. IV). Säuregrad nicht über 5 (D. A. V). Die Fettsäuren besitzen einen Schmelzpunkt 45-56,5°, Erstarrungspunkt 39-51,9°, Jodzahl 31-34,8 (die flüssigen: 92,7).

~Dieterich~ fand (1900): Schmelzp.: 45-52° (meist 47-49); S. Z.: 0,210-6,53; J. Z.: 33,02-42,83, V. Z. h.: 194,34-205,33; V. Z. k.: 194,82-200.

Die Verbrennungswärme von Hammelfett ist bei konst. Vol. 9492 g-cal.

Der Talg verschiedener Teile des Tieres differiert stark; so beträgt (nach ~Hehner~ und ~Mitchell~):

-------------+-------------+---------+--------+-------+-------------- | Bei Nieren- | Rücken- | Kamm- | Herz- | Lenden- | | | | | Fett -------------+-------------+---------+--------+-------+-------------- Jodzahl | 48,16 | 63,3 | 48,6 | 58,2 | 50,6 Schmelzp. d. | 45,6 | 41,4 | 42,2 | 33,8 | 40,8 Fettsäuren | 45,6 | 41,4 | 42,2 | 33,8 | 40,8 | | | | |} keine Ab- Stearinsäure | 26,2-27,9 | 24,8 | 16,4 | c. 1 |} scheid. | | | | |} nach 2 Tagen

Weitere Angaben über diese Differenz bei Moser (Ber. Landw. chem. Vers. Anst. Wien 1882 und 1883).

Die Kristalle, die man aus Äther erhält, sind Bündel sehr dünner Nadeln, die pferdeschweifartig gekrümmt sind, etwa wie ein S (~Belfield~) -- Unterschied gegenüber Schweinefett (s. d.).

=Prüfung.= Auf +Palmfett+ läßt Pharm. helv. durch Verrühren mit konz. Chlorzinklösung prüfen: es darf keine Grünfärbung eintreten. -- 1 Teil Hammeltalg mit 5 Teilen Weingeist (90%) erwärmt und durchgeschüttelt soll nach dem Abkühlen eine klare, Lackmus nicht rötende Flüssigkeit geben, die durch die gleiche Menge Wasser nicht getrübt wird. D. A. V und Pharm. austr. VIII schreiben ausdrücklich Hammeltalg vor, Pharm. helv. läßt auch Rindstalg (s. d.) zu.

Sevum bovinum.

Sebum taurinum, Rindstalg, Rindsfett, Unschlitt, suif de boeuf ou de veau; suet of beef, beef tallow, ox tallow; sevo, sego di bove. -- Bei ~Plinius~: sevum.

Der Rohtalg, das wichtigste Rohmaterial, das die Fettindustrie verwertet, wird vorwiegend aus dem Bindegewebe der Niere der Ochsen, Kühe und Kälber, =Bos Taurus L.= ausgeschmolzen. Den besten Talg liefern die größeren zusammenhängenden Fettmassen (Rohkerntalg), geringeren der Rohausschnitt oder Brocken. Die dritte Sorte ist der Ausschnittalg. Das Ausschmelzen (Talgschmelze) erfolgt entweder im trockenen Schmelzverfahren mittelst direkten Feuers, indirekter Dampfheizung, Heißwasser- oder Heißluftheizung oder im nassen Schmelzverfahren durch Ausschmelzen auf Wasser entweder mittelst direkter Feuerung oder durch Dampfzufuhr. Bei diesem Verfahren wird dem Wasser bisweilen Schwefelsäure oder Natronlauge zugesetzt. Neuerdings wird Talg auch in Autoklaven (Dampftalg) im Vakuum (~Lidoff~) und in verbleiten Holzbottichen durch Kochen mit sehr verdünnter Schwefelsäure und Entsäuern (Säuretalg) oder unter Zusatz von sehr verdünnter Natronlauge (s. oben) erzeugt. Der Vakuumtalg und der Natrontalg sind fast geruchlos und rein weiß. Die überseeischen Talge sind gefärbt, gelblich (australischer) dunkelgelb (nord- und südamerikan.) oder noch stärker gefärbt (austral. und nordamerikanische «No-colour» Talge).

Der Handelsunschlitt wird in den zwei Sorten +Kerntalg+ und +Ausschnittalg+ in Fässern oder Scheiben in den Handel gebracht. Er wird außer in Europa (Irland, Holland, Budapest, Graz, Wien, Florenz, Triest, Paris) in Australien, Nord- und Südamerika (New York, Buenos Aires), Rußland (Odessa, Orenburg, Petersburg) fabriziert und exportiert. Durch Pressen wird der Talg in festen +Preßtalg+ und flüssiges +Talgöl+ zerlegt. Rindstalg ist haltbarer als Hammeltalg.

Die Vereinigten Staaten exportierten 1908: 91397507, 1909: 53332767 pounds tallow.

=Chemie.= Die Zusammensetzung des Rindstalgs wechselt nach der Körperstelle, das Eingeweidefett ist das härteste, das Taschenfett das weichste (Tabelle von ~Mayer~ bei ~Benedikt-Ulzer~). Der Rindstalg, den bereits ~Chevreul~ untersuchte, ist reich an gemischten Glyceriden. ~Hansen~ (Arch. f. Hyg. 1902) fand darin: +Distearopalmitin+ F = 62,5°, Verseifungszahl 195,65, +Dipalmitostearin+ F = 55°, V. Z. 200,2, +Dipalmitoolein+ F = 48°, V. Z. 202,7, Jodzahl 30,18 und +Stearopalmitoolein+ F. = 42°, V. Z. 195, J. Z. 29,13 (s. oben S. 729). ~Hafner~ fand jedoch (1904) nur ein +Palmitodistearin+, wie im Hammeltalg (s. oben S. 729). Das Verhältnis von Stearin zu Palmitin ist etwa 1 : 1 (~Lewkowitsch~). Im Talgstearin fand ~Wallenstein~: Olein 21,4, Stearin 65,4, Palmitin 13,2. Auch +Linolensäure+ scheint darin vorzukommen (~Farnsteiner~), bisweilen auch oxydierte Fettsäuren (~Fahrion~); vielleicht auch +Myristinsäure+. Der Gehalt an freien Fettsäuren schwankt. Frisch ausgeschmolzener Rindstalg hat davon kaum 0,5%, beim Handelstalg erreichen sie 25% und mehr.

Spez. Gew. bei 15°: 0,943-0,952, bei 98°: 0,8626, bei 100°: 0,860. Schmelzpunkt: 42-49° (meist 42-44, nie unter 40), Erstarrungspunkt: 27-38°, Verseifungszahl: 190,6-200, Säurezahl: meist 2-7 (~Ulzer~), Jodzahl: 35,4-45,2, Hehnerzahl: 94,7-96,1, Reichert-Meißlzahl: 0,5, Brechungsquotient bei 40°: 1,4551, bei 60°: 1,4510. Die Fettsäuren zeigen ein spez. Gew. bei 100°: 0,8698, Erstarrungspunkt: 39,3-46,6° (meist 43-45), Schmelzpunkt: 43-47°. Die Verbrennungswärme von Rindsfett ist bei konst. Vol. 9485 g-cal.

~Dieterich~ fand (1900. Methode: Helfenb. Ann. 1897): Schmelzp. 42,8-48,75°, S. Z.: 0,560-5,889, J. Z. nach H.-W.: 33,54-43,48, V. Z. h.: 195,28-205,01, V. Z. k.: 197,27 bis 201,52. Bei +Preßtalg+, Schmelzp.: 52,5-54,4°, S. Z.: 0,694-1,600, J. Z.: 17,75-23,64.

=Prüfung.= Über die Untersuchung des Talgs vgl. ~Benedikt-Ulzer~ und ~Lewkowitsch~ a. a. O. Die Verfälschungsmittel sind zahlreich: Knochenfett, Baumwollöl, besonders Baumwollstearin, Palmkernfett, Cocosfett, Wollfett, Stearin grease, Harz, Harzöl, Paraffin. Auch der billigere Hammeltalg ist als Verfälschungsmittel beobachtet. Vgl. auch die für das Deutsche Reich erlassene Verordnung betr. die zolltechnische Unterscheidung des Talges der schmalzartigen Fette usw. vom 6. Febr. 1896.

=Geschichte.= Schon ~Dioskurides~ gibt ausführliche Vorschriften zur Darstellung des Fettes der Rinder, Kühe und Stiere (στέαρ βόειον und ταύρειον). Er beschreibt auch das Würzen (ἀρωματιστέον) der Fette, besonders des Kalb-, Stier-, Hirsch-, Gänse-, Hühnerfettes, deren Geruch den Alten offenbar ebenso wie auch uns nicht angenehm war, mit Wein, Schoinos, Casia, Calamus, Narde, Balsamholz und vielem anderen, sowie das σαμψογχίζεται (das Aromatisieren mit Majoran).

In der Pharmazie wird noch bisweilen auch Sevum hircinum (Ziegenbockstalg) und S. cervinum (Hirschtalg) benutzt.

2. Milchfette.

Von den Milchfetten wurden früher einige medizinisch benutzt, wie z. B. die Frauenmilchbutter, jetzt nur noch die Kuhbutter und auch diese nur in beschränktem Maße (zu Augensalben usw.).

~Dioskurides~ und ~Plinius~ beschreiben die Bereitung von Butter aus der Milch der Schafe, Ziegen und Kühe, ~Hippokrates~ aus der der Stuten durch «Schütteln». ~Dioskurides~ kennt auch einen Rus aus Butter. Die Frauen-, Kuh- und Ziegenmilch benutzten die alten Ägypter als Arzneimittel.

Butyrum.

Butter, Milchfett; beurre de vache, butter fat, burro di vacca. -- Butter mdh. buter, spätahd. u. afries. butera, (ahd. anko), ndl. boter, angls. butere aus βούτυρον (skyth.? kaum von βοῦς, wie ~Plinius~ will) -- so schon bei ~Hippokrates~ -- über bûtyrum (lat. bei ~Plinius~, ~Columella~); daraus auch burro (ital.) und beurre (franz.); -- mateca (span.), manteiga (port.), mantica (rum.), vielleicht aus mantica (= Mantelsack, weil in sackartigen Schläuchen zubereitet?). -- Griechen und Römer kannten die Butter nur bei Barbaren (Skythen, Phrygiern, Thrakiern, Lusitaniern, Germanen). Da die germanischen Völker aber den roman. Namen aufnahmen, «müssen demnach romanische Völker den Deutschen in der Butter+bereitung+ oder -+benutzung+ vorbildlich gewesen sein» (~Schrader~). -- Anke steht zu anctan (altpr.), unguentum, und añjana (sansc. = Salbe) in Beziehung -- bedeutete also ursprünglich «Salbe zum Einreiben» (~Schrader~). -- Auch im vedischen Indien war Butter (ghṛtá) aus Milch als Genußmittel bekannt (~Schrader~). Indien exportierte sogar davon, wie aus dem Periplus ersichtlich. ~Galen~ kennt die Butter nur als Arzneimittel. ~Herodot~ beschreibt die Bereitung aus Stutenmilch bei den Skythen (IV, 2). ~Plinius~ berichtet über die Herstellung der Butter bei den Nordländern (XXVIII, 133).

=Gewinnung.= Die Butter ist in der Milch der Kuh, des weiblichen Bos Taurus L. in Form sehr kleiner Kügelchen durch die Eiweißkörper emulgiert enthalten und scheidet sich beim Stehen, Zentrifugieren, Schlagen, Schütteln oder Schaukeln («Buttern») daraus ab, indem sich die Fettkügelchen zusammenballen. «Durch das Schlagen wird die physikalische Beschaffenheit der Milch geändert. Die Oberflächenspannung wird geringer, die Milch zähflüssiger. Infolgedessen können die zu Häufchen vereinigten Fettröpfchen dem Schlage schwer ausweichen und vereinigen sich leichter zu größeren Tropfen, die fest werden, sobald sie eine bestimmte Größe erreicht haben. Die fest gewordenen Tropfen rufen infolge ihrer besonderen Anziehungskraft auf die übrigen Milchbestandteile eine Veränderung der Flüssigkeit hervor» (~Siedel~ 1902). Die +Milch+ enthält im Mittel zahlreicher Analysen (vgl. bei ~König~) in %: Wasser 87,27, Casein 2,88, Albumin 0,51, Fett 3,68 (3-6, meist 3-4), Milchzucker 4,94, Asche 0,72; spez. Gew. im Mittel 1,0313.

=Chemie.= Die Zusammensetzung der +Butter+ schwankt. Sie enthält (nach ~König~) in %: 69,96-90,92 Fett, 0,19-4,78 Casein, 0,05-1,63 Milchzucker, 0,02-15,08 Asche und 4,15 bis 35,12 Wasser. Meist enthält sie 83,41-86,85% Fett, 0,59-1,6% Casein, 11,54-13,75% Wasser und 0,09-2,03% Salze (~Vieth~); Mittel (nach ~König~) in %: 83,7 Fett, 0,76 Casein, 0,5 Milchzucker, 1,59 Salze, 13,45 Wasser. Gesalzene Butter enthält 3% und mehr Kochsalz.

Von Fettsäuren sind nachgewiesen als Hauptbestandteile: +Palmitin-+, +Stearin-+, +Ölsäure+, sowie +Myristin-+ und +Laurinsäure+; dann +Essigsäure+, +Buttersäure+, +Capronsäure+, +Caprylsäure+, +Caprinsäure+ und +Arachinsäure+. Das Vorkommen von Oxyfettsäuren (~Bondzynski~ und ~Rufi~, ~Wachtel~, ~Browne~) bestreitet ~Lewkowitsch~, der die Acetylzahlen durch das Vorkommen von Mono- und Diglyceriden erklärt. Die Aldepalmitinsäure [n(C₁₆H₃₀O₂) ~Wanklyn~] bedarf der Bestätigung, ebenso die Linolensäure. Die Mengenverhältnisse der einzelnen Bestandteile werden sehr verschieden angegeben. ~Partheil~ und ~Ferié~ geben an in %: +Buttersäure+ 6,13, +Capron-+, +Capryl-+ und +Caprinsäure+ 2,09, +Palmitin-+, +Stearin-+, +Myristinsäure+ 49,46, +Ölsäure+ 36,10, +Glycerin+ 12,54. Nach ~Lewkowitsch~ bildet Stearinsäure aber nur 0,49% der unlöslichen Fettsäuren. Nach ~Siegfeld~ ist keine oder nur sehr wenig Stearinsäure vorhanden. ~Farnsteiner~ fand 5,4-5,5%, ~Henriques~ 5-6% flüchtige Fettsäuren. ~Duclaux~ gibt für Capronsäure 2-2,6, für Buttersäure 3,38-3,65% an, ~Violette~ in guter Butter 5,33 bis 6,07% Buttersäure, 3,23-3,66% Capronsäure, 2,8-3% feste flüchtige Säuren und 82,28-82,87% nichtflüchtige Säuren. Andere geben an: Butyrin 5-7,7%, Caproin, Caprylin und Caprin c. 3,5 bis 4% (nach ~Bell~, ~Blyth~ und ~Spallanzani~: 0,1-2,28), Glyceride fester flüchtiger Säuren c. 3%, Glyceride nicht flüchtiger Fettsäuren c. 86,5-93,5% und zwar Olein c. 37,7-42,2 (nach ~Partheil~ und ~Ferié~ ungesättigte Säuren: 30,67%). Palmitin, Stearin usw. c. 50-53% und zwar (nach ~Partheil~ und ~Ferié~) 6,65% Stearinsäure, 18,23% Palmitinsäure, 11% Myristinsäure, 16,39% Laurinsäure. ~Siegfeld~ gibt dagegen 22,94-30,7% Myristinsäure an. Diese zum Teil stark differierenden Angaben zeigen, wie unsicher zurzeit noch die feinere Analyse der Fette ist. Vorwiegend scheinen Triglyceride vorzuliegen. Aber sicher sind auch gemischte Glyceride im Butterfett vorhanden. ~Blyth~ und ~Robertson~ fanden 1889 in der Butter das erste gemischte Glycerid, das Butyrooleopalmitin: C₃H₅(O.C₄H₇O)(O.C₁₈H₃₅O)(O.C₁₆H₃₁O).

Außerdem enthält das Butterfett +Cholesterin+ (möglicherweise auch etwas +Phytosterin+?) -- das Unverseifbare beträgt 0,35-0,51% -- und +Farbstoffe+ (Lactochrome). Sommerbutter ist stärker gefärbt. Ob +Lecithin+, das zu 0,017-0,38% angegeben wird, wirklich normal darin vorkommt, scheint noch zweifelhaft. ~Jäckle~ fand in fetter älterer Kochbutter 0,0035-0,0135%. Unter dem Mikroskop zeigt normale Butter keine Kristalle. Beim Liegen tritt zunächst der Geruch nach Buttersäureäthern, dann der nach Capron-, Caprin- und Caprylsäureäther und ein Talggeruch hervor.

Die Untersuchung der Butter gehört in das Gebiet der Nahrungsmittelchemie. Butter bzw. Butterfett wird in der Pharmacie gern zu Brandsalben benutzt, seltener zur Sapo butyrinus. Butterfett ist geschmolzene, durch Absetzen vom Molken getrennte und heiß filtrierte Butter.

=Lit.= ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. (dort d. Literat.). -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. (dort d. Literat.). -- ~Hager-Fischer-Hartwich~, Pharm. Praxis. -- ~König~, Chem. Zusammens. d. menschl. Nahrungs- u. Genußm. 4. Aufl. 1903, -- ~Blyth~ und ~Robertson~, Proc. Chem. Soc. 1889, 5. -- ~Bell~ (und ~Lewin~), Chemistry of foods II, 44. -- ~Partheil~ u. ~von Velsen~, Grundl. d. refraktometr. Butterunters. Arch. Ph. 1900. -- ~Schaffer~, Über d. chem. Zusammens. d. sog. Butteröls. Landw. Jahrb. d. Schweiz. 1898. -- ~Orla Jensen~, Stud. über d. Ranzigwerd. d. Butter (Mikroorganismen). Landw. Jahrb. d. Schweiz. 1901. -- ~A. Bode~, Bezieh. zwischen d. Fett. d. Milch und d. Kolostrums z. d. Fetten d. Nahrung d. mütterlich. u. kindl. Körpers. Diss. Bern 1909. -- ~Kluge~, Etymol. Wörterbuch. -- ~Schrader~, Reallex. d. indogerman. Altertumskunde.

V. Wachse.

Die echten Wachse unterscheiden sich von den Fetten dadurch, daß bei ihnen die Fettsäuren nicht mit dem dreiatomigen Alkohol, dem Glycerin, sondern mit ein- oder zweiatomigen höheren Alkoholen (z. B. Cetyl-, Ceryl-, Myricyl-, Coccocerylalkohol, Cholesterin, vgl. S. 548) verestert sind. Sie entwickeln daher beim Erhitzen keinen Acroleingeruch und werden, da die Wachsester schwer verseifbar sind, nicht ranzig. Oft werden diese Wachsester von Kohlenwasserstoffen begleitet. Die Wachse binden reichlich Wasser und werden dadurch salbenartig.

1. Pflanzenwachse.

Viele Pflanzen bilden auf der Oberfläche ihrer Vegetations- (und bisweilen auch Reproduktions-)Organe offenbar als Ausscheidungsprodukt der stets Wachs enthaltenden Cuticula einen Wachsüberzug, der diesen Organen die Eigenschaft verleiht, nicht oder schwer mit Wasser benetzbar zu sein und der wohl auch bisweilen als Schutz gegen zu starke Verdunstung wirkt. Diese Wachsüberzüge sind bei den Pflanzen unserer Klimata nur feinkörnige Überzüge, die als Reif erscheinen, bei einigen tropischen Gewächsen, besonders Palmen, erreichen dieselben aber bedeutende Mächtigkeit und können mechanisch abgelöst werden. Sie bilden hier entweder eine Schicht feiner, radial gestellter Stäbchen oder bis 5 mm dicke Krusten von kristallinischem Gefüge. Schon ~Chevreul~ fand, daß das Wachs der Kohlblätter sich gleich verhielt wie der nicht verseifbare Anteil des Bienenwachses. Die im Inneren von Zellen oder als Membraninkrustationen vorkommenden «Wachse» stellen eine besondere, noch näher zu studierende Form dar, die uns hier nicht näher interessiert. Das Japanwachs ist wie mehrere andere «Wachs» genannte Pflanzenprodukte ein Fett (s. S. 711), ebenso das Myrica- oder Myrtlewachs, Bay berry tallow von Myrica Cerifera L. Das Godangwachs von Ficus ceriflua bildet den Übergang von Wachs zum Kautschuk (~Greshoff~ und ~Sack~).

=Lit.= ~de Bary~, Bot. Zeit. 1871, 129 und Anatomie. -- ~Wiesner~, Technische Mikroskopie, Sitzungsber. d. Wien. Akad. u. Bot. Zeit. 1871 u. 1876. -- ~Tschirch~, Angew. Anatomie Fig. 185 u. 186. -- ~Mikosch~ in Wiesner Rohstoffe, 2. Aufl. -- ~Greshoff~ und ~Sack~, Zur Kenntn. d. Wachse. Rec. trav. chim. d. Pays-Bas 1901, 65. -- Über das Vorkommen und die Zusammensetzung von Pflanzenwachsen vgl. die Zusammenstellung in ~Czapek~, Biochemie.

Carnaubawachs.

Canauba oder Carnahubawachs, Cearawachs, Cire de Carnauba, Carnauba wax, Cera di carnauba. -- Carnauba ist der Name der Palme bei den Eingeborenen von Ceará. Andere brasilianische Namen sind: Carnahyba, Caranda, Carnanahyba, Caranaūve (~Peckolt~).

Das Carnaubawachs wird von der Carnaubapalme =Copernicia cerifera= ~Mart.~ (Corypha cerifera ~Virey~, Arrudaria cerifera ~Macedo~), einer sehr nützlichen, zu den Coryphinae-Sabaleae gehörenden, 10-15 m hohen Palme Südamerikas, gewonnen, die besonders in den Staaten Ceará, Pernambuco, Rio grande do Norte, Piauhi, Parahyba, Maranhao, Matto grosso und Bahia, sowie in Venezuela wächst und von der sowohl das Holz, wie die zu Flechtwerk, besonders Hüten, geeigneten Blätter, deren Fasern (tucum) die Eingeborenen seit Menschengedenken anwenden, die eßbaren Blütenkolben und Früchte, sowie endlich das Stärkemehl des Stammes (farinha de carnauba), der Zucker und Palmwein, sowie die Samen und die an NaCl reiche Asche der Wurzeln benutzt werden (~Dias~, ~Peckolt~). Es gilt von ihr fast das Gleiche wie von der Cocospalme (S. 709). Das Wachs überzieht beide Seiten der bis 1,5 m langen Blätter, besonders aber die Oberseite, in einer bis 5 mm dicken, aus prismatischen, radialgestellten, dicht miteinander verbundenen Stäbchen bestehenden Schicht, die abgelöst die Abdrücke der Epidermis erkennen läßt (~Wiesner~). Es bildet hier offenbar eine Anpassung an trockenen Standort und das relativ trockene Klima von Ceará. Denn die Palme bleibt frisch, auch wenn alles ringsum vertrocknet ist (~Macedo~). Die Gewinnung des Carnaubawachses erfolgt in der Weise, daß die zur Zeit der Trockenperiode (September-März) mit einer an einer Stange befestigten Sichel abgeschnittenen, in langen Reihen mit der Unterseite nach unten auf dem Boden getrockneten Blätter (von jedem Baum werden c. 6-8 abgelöst) nach 4-5 Tagen auf Tüchern ausgebreitet, zuerst abgebürstet und dann mit kleinen Stöcken geklopft werden, bis der Wachsüberzug sich abgelöst hat. Um das Wachs besser abzulösen, werden die Blätter mit einem Messer aufgeschlitzt. Das grauweiße Pulver wird entweder über freiem Feuer geschmolzen oder mit der Hälfte des Gewichtes Wasser in einem eisernen Topfe gekocht. Hierbei steigt das Wachs als teigige Masse an die Oberfläche. Neuerdings (1894) werden auch die Blätter direkt in heißes Wasser gebracht und das sich auf der Oberfläche abscheidende Wachs abgenommen. Es wird dann geschmolzen und in tönerne Formen gegossen und kommt jetzt meist gereinigt, d. h. umgeschmolzen und heiß filtriert in sehr verschiedener Güte in den Handel.

Etwa 2000-5000 Blätter sollen 15 kg Wachs liefern, nach ~Semler~ aber schon 850, nach ~Lima~ und ~Peckolt~ 500-1200 Blätter 16 kg, was mir wahrscheinlicher erscheint, denn sicher liefert doch ein so großes Blatt, dessen Wachsschicht 5 mm Dicke erreicht, mehr als 3-15 g. Es bildet einen beträchtlichen Handelsartikel Brasiliens, das davon jährlich über 4 Mill. kg produziert. Viel wird im Lande zur Kerzenfabrikation verbraucht. 1900 wurden c. 1000 t, besonders aus der Umgegend von Aracaty, ausgeführt, 1902 betrug die Produktion 1547, 1903: 1920 t. Die Ausfuhr aus Brasilien betrug 1907: 2779000, 1908: 2592000, 1909: 3042000 kg. Hamburg empfing 1897: 350000, 1907: 1760000, 1908: 1260000, 1909: 2069000, 1910: 1800000 kg. Das meiste geht nach Nordamerika. Die Vereinigten Staaten importierten 1908: 3701156, 1909: 4088100 pounds Vegetable Wax (wohl vornehmlich Carnauba). Carnaubawachs ist im Großhandel (in Säcken à 75/80 kg) in zahlreichen Sorten zu finden: hellgelb extrafein, primagelb, mittelgelb, graufett, unberaubt, grau-courant, dann raffiniert weiß Schmelzpunkt 74, 73, 71° und endlich Rückstände A, 00, B (~Grossmann~). Carnaubawachs ist Objekt der Spekulation. In Brasilien hat sich ein Monopol gebildet.

Neuerdings (1909) sind Versuche mit dem Anbau der Palme in den deutschen Schutzgebieten gemacht worden.

Das rohe Carnaubawachs ist schmutzig gelblich-grün, von Luftbläschen durchsetzt, das gereinigte ist gelblich, das gebleichte fast weiß. Es ist oft von einem kristallinischen Anfluge bedeckt. Carnaubawachs ist hart, spröde, fast geschmacklos, frisch etwas nach Cumarin riechend.

=Chemie.= Das Carnaubawachs, in dem ~Lewy~ 80,32% C, 13,07% H und 6,61% O fand, besteht hauptsächlich aus dem +Cerotinsäure-Myricylester+, C₂₅H₅₁.CO--O.C₃₁H₆₃ (~Maskelyne~), daneben finden sich auch die beiden Spaltungsprodukte desselben: +Cerotinsäure+ (~Berard~, ~Nafzger~, C₂₅H₅₀O₂ ~Marie~, C₂₆H₅₂O₂ ~Henriques~, -- das Vorkommen der Cerotinsäure im Carnaubawachs bedarf der Bestätigung, ~Stürcke~ nimmt eine isomere Säure an), und +Myricylalkohol+ (C₃₀H₆₂O oder C₃₁H₆₄O (~Gascard~) = Melissylalkohol ~Pieverling~, ~Story~ und ~Maskelyne~), die durch kalten Alkohol dem Wachse entzogen werden können. Der Myricylalkohol aus Carnaubawachs (~Story-Maskelyne~, ~Pieverling~) ist identisch mit dem aus Bienenwachs (~Marie~). Ferner enthält das Wachs (nach ~Stürcke~) einen Kohlenwasserstoff (F = 59), einen Alkohol C₂₇H₃₆O (F = 76), +Cerylalkohol+ (C₂₆H₅₄O ~Henriques~, C₂₇H₅₆O ~Gascard~), einen zweiwertigen Alkohol, C₂₅H₅₂O₂ (F = 103,5), +Carnaubasäure+ (C₂₄H₄₈O₂, F = 72,5, isomer mit Lignocerinsäure) als Ester und eine γ-Oxysäure (C₂₁H₄₂O₂) oder deren Lakton, vielleicht auch einen Alkohol, C₂₃H₅₆CH₂OH (?), F = 76. Die früheren Angaben, daß das Wachs Palmitin-, Stearin- und Laurinsäure enthalte, beruhen wohl auf einem Irrtum. Die Asche beträgt 0,14-0,83% (~Story~). Sie enthält Fe. Das Wachs läßt sich auch mit alkoholischer Kalilauge sehr schwer verseifen, 55 (~Stürcke~) bzw. 54,87% (~Allen~ und ~Thomson~) sind unverseifbar. Man kann die Verseifung dadurch erleichtern, daß man zur Erhöhung des Siedepunktes höher siedende Kohlenwasserstoffe (z. B. Xylol) zusetzt (~Regnar Berg~).

Spez. Gew. bei 100°: 0,797-0,798 (~Evers~), Schmelzpunkt: 83-86, meist c. 84° (bei gebleichtem 61), Säurezahl: 4-8 (bei gebleicht. 0,56), Verseifungszahl: 79-95, meist c. 88 (bei gebleicht. 33-34), Jodzahl: 13,17, kritische Lösungstemperatur: 154-154,5°, Butterrefraktometeranzeige bei 40°: 66. ~Dieterich~ fand bei Carnaubawachs naturale: S. Z. d. 2,8-4,2, E. Z. 73,9-77, V. Z. h. 76,72-81,2. Bei sog. Carnaubawachsrückständen: Schmelzp. 73-79°, S. Z. d. 6,4-18,3, E. Z. 7,3-10,2, V. Z. h. 15,6-26,3.

Carnaubawachs ist das wichtigste Ersatzmittel des Bienenwachses, aber diesem nicht gleichwertig. Es wird ihm aber oft beigemischt. Es dient jetzt unter anderem viel bei Herstellung der Phonographenwalzen.

Als Ersatz des Bienenwachses wurde es zuerst von ~William Thomas Brand~ in den Abhandl. der Royal Society 1811 empfohlen, als Graf ~Galvêas~ an Lord ~Grandville~ eine Probe gesandt hatte. ~Brand~ beschreibt schon eingehend seine Eigenschaften. Handelsartikel ist Carnaubawachs etwa seit 1846, nach dem ungewöhnlich trockenen Jahre 1845. (Noch 1836 konnte ~Macedo~ kaum ½ kg zusammenbringen.) Die Ausfuhr aus Ceará stieg dann von 26208 kg im Jahre 1846 auf 68096 kg im Jahre 1860. 1862 kamen aus ganz Brasilien, besonders aus Ceará und Aracati schon c. 720000 kg, von da an steigt die Ausfuhr beständig.

=Lit.= Die erste Beschreibung der Palme gab der brasilianische Botaniker ~Arruda~ (1810). -- ~M. A. de Macedo~, Notice sur le Palmier Carnauba. Paris 1867. (Dort ausführlichere Angaben über die Palme.) -- ~Thiebaut de Berneaud~, Mém. sur le Cirier ou Arbre à Cire etc. Paris 1810. -- ~Th. Peckolt~, Nutzpfl. Brasiliens. Pharmac. Rundsch. 1888, 263. -- ~H. Theen~, Wachs, Prometheus 1894. -- ~Drude~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfamilien (dort auch eine Abbild.). -- Verwert. d. Carnaubap. in Brasilien. Tropenpflanzer 1901, 173, 1902, 256. -- ~Zimmermann~, Die Wachspalme in Pflanzer 1907, 191 (dort Übersicht über d. Benutzung der Wachspalme). -- ~Seemann~, D. Palmen. -- ~Mikosch~ in ~Wiesner~, Rohstoffe, 2. Aufl. -- ~Semler~, Trop. Agrikult. -- ~Brande~, Gilb. Ann. 44 (1813), 287. -- ~Lewy~, Ann. chim. phys. 13, 449 (Elementaranalyse), -- ~Berard~, Bull. soc. chim. 1868, 41. -- ~Virey~, Journ. pharm. 1834, 112. -- ~Gerhardt~, Traité de chim. org. 1854. -- ~Girardin~, Lec. élém. d. chim. appl. 1861. -- ~Story~ und ~Maskelyne~, Journ. chem. soc. 7, 87. -- ~Maskelyne~, Ber. d. chem. Ges. 1869,. 44. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Stürcke~, Lieb. Ann. 223 (1884), 283. -- ~Pieverling~, Ebenda 183 (1876), 344. -- Chem. Rev. über d. Fett- u. Harzind. 1905, 56. -- ~K. Haegele~, Beitr. z. Kenntn. d. im Carnaubaw. enth. Myricylalkohols. Diss. Bern 1890. -- ~Henriques~, Ber. d. chem. Ges. 30 (1897) 1415. -- -- ~Gascard~, Journ. pharm. chim. 1893, 49. -- ~Lionel Guy Radcliffe~, Journ. Soc. Chem. Ind. 1906, 158. -- ~Regnar Berg~, Chem. Zeit. 1909, 886. -- ~Valenta~, Einfluß d. Carnaubawachses auf Schmelzp., Glanz und Härte von Fettkörpern, Wachs, Paraffin, Ceresin usw. Zeitschr. Landw. Gew. 1883. -- ~Dieterich~, Helfenb. Ann.

Zu den +Pflanzenwachsen+ gehören ferner:

Das Palmenwachs von Ceroxylon andicola H. B. (Fig. 224) und Klopstockia cerifera (vgl. ~E. Kr.~, Die Wachspalme der Anden [Ceroxylon andicola], Prometheus 1903, 324, mit Abbild.);

Raphiawachs von Raphia Ruffia ~Mart.~;

Pisangwachs von _Musa_arten, Pisang Karet -- enthält Pisangcerylsäure (C₂₄H₄₈O₂ F = 71) und Pisangcerylalkohol (C₁₈H₂₈O F = 78 ~Greshoff~ und ~Sack~);

Flachswachs von Linum usitatissimum L.;

Gondang- (javanisches Pflanzen-)Wachs, Sumatraw. (Getah lahu) von Ficus ceriflua ~Jungh.~, enthält Ficocerylsäure (C₁₃H₂₆O₂ F = 57) und Ficocerylalkohol (C₁₇H₂₈O F = 198 ~Greshoff~ und ~Sack~);

Curcaswachs von Jatropha Curcas, die aber eine besondere Gruppe bilden.

Dem Carnaubawachs ähnlich scheint das Ocotillawachs von Fouquiera splendens zu sein (~Schär~, Arch. Ph. 1898), sowie das Zuckerrohrwachs (~Wynberg~, Dissert. Amsterdam 1909).

Von auf Blättern vorkommenden Wachsen sind (ich folge ~Czapeks~ Biochemie) analysiert: Das Wachs der Gramineenblätter (Myricylalkohol, Melissinsäure, Kohlenwasserstoff, Ceroten, ~König~ und ~Kiesow~), der Musablätter (Myricyl-Fettsäureester, ~Greshoff~ und ~Sack~), der Eucalyptusblätter (Cerylalkohol, ~Hartner~), der Buxusblätter (Palmitinsäure-Myricylester, ~Barbaglia~), der Vaccinium Vitis Idaea-Blätter (Cerotinsäure-, Melissinsäure-, Palmitinsäure- und Myristinsäureester des Myristyl- und Cerylalkohols, ~Oelze~), der Tabakblätter (Myristyl-Melissinsäureester), der Drimys granatensis-Blätter (Wachsalkohol Drimol ~Hesse~).

2. Animalische Wachse.

Von den tierischen Wachsen kennen wir sowohl solche von Säugetieren, als auch Insektenwachse und von ersteren können wir wieder die Gruppe des Walrat und die des Wollfettes unterscheiden.

a) Säugetierwachse.

α) Walratgruppe.

Cetaceum.

Sperma ceti, Album ceti, Ambra alba, Flos maris, Halosanthos, Spuma maris, Walrat, Wallrath, Walrot, weißer Amber, Spermacet -- Blanc de balaine, Cétine, Ambre blanc, -- Spermaceti, Cetin -- Spermaceto. -- In der älteren englischen Literatur (~Sibbald~): wale shot, scale amber.

=Etym.= Sperma ceti (in Lappland hvalauki) -- weil für den Samen des Wal gehalten (s. Geschichte), ist eine zu Anfang des XVI. Jahrh., vermutlich auch noch früher, übliche Bezeichnung für Walrat (~Flückiger~). -- ~Flückiger~ schreibt Walrath und Walrat, ältere Autoren meist Wallrath. Ich schreibe +der+ Walrat (nicht +das+ W.), denn rat ist = Vorrath (z. B. an Nahrungsmitteln), also Walrat = +der+ Vorrath des Wals. Man dachte wohl, daß das Öl als Reservestoff diene, was aber nicht der Fall zu sein scheint, aber immerhin als «Nebenfunktion» möglich ist. Vielleicht ist aber das Wort Walrat aus dem älteren Walrâm umgebildet und umgedeutet. -- +Cetaceum+, aus Cete = Wal gebildet, so z. B. in der Pharm. borussica 1779 (~Schelenz~). -- Physeter («aussi bien que physalus», sagt ~Cuvier~), bedeutet souffleur = Bläser, wegen des Wasserausblasens, das diese Tiere auszeichnet. -- Cachalot ist ein baskischer Name (cachau = Zahn). -- Der «Physeter des gallischen Oceans» bei ~Plinius~ (IX, 3) war vielleicht Physeter macrocephalus (kaum die Orca, die als Feinde der Wale beschrieben werden). Die φαλαῖνα des ~Aristoteles~ und ~Aelius~ war wohl eine große, mit Zähnen versehene Cetacee (~Cuvier~). ~Plinius~ kannte von den wahren _Balaena_arten nur den zahnlosen Mysticetus des Mittelmeeres, während ~Juvenal~ in dem Verse «Quanto delphinis balaena britannica major» wohl Balaena Mysticetus meint.

=Stammtier und systemat. Stellung.= =Catodon macrocephalus= ~Lacepède~ (Physeter macrocephalus ~Shaw.~, Ph. trumpo, Balaena macrocephala). Gemeiner Cachalot, Cachelot, Pottfisch, Pottwal, Zahnwal, Spermwhale, in Grönland: kegutilik, in Irland: tweldhval.

Mammalia, Cetodontes, Physeterides.

Pharm. helv. läßt auch das Cetaceum anderer Pottwale, Pharm. austr. das anderer Catodon- und _Physeter_arten zu. Es sind neuerdings Bedenken aufgetaucht, ob der Walrat des +heutigen+ Handels überhaupt von Catodon macrocephalus und nicht vielmehr von anderen Cetaceen gesammelt wird. Besonders der Entenwal Heperoodon rostratus wird genannt. Es ist dies möglich, da alle Glieder der Abteilung Fetthöhlen im Schädel besitzen (vgl. Fig. 228). ~Flückiger~ nennt auch Physeter Tursio, Ph. microps (und Delphinus edentulus?). Die Systematik der Abteilung läßt aus begreiflichen Gründen zu wünschen übrig (s. weiter unten). Sie bietet unüberwindliche Schwierigkeiten (~Pöppig~).

=Beschreibung des Tieres.= Der nur von tierischer Nahrung (bes. Cephalopoden) lebende +Pottwal+ oder +Cachalot+ ist ein riesiges, fast schwarzes, glattes, glänzendes, unterseits weißliches, plumpes, das Meer bewohnendes Tier, das eine Länge von 25 m und darüber bei einem Körperumfang von 9-12 m erreicht, «das ungeschlachteste und abenteuerlichste Mitglied der ganzen Ordnung» (Taf. XXIV). Der große viereckige Kopf, der fast ⅓ der Körperlänge einnimmt, ist vorn an der Stirn fast senkrecht absteigend, und trägt dort etwas linksseitig ein Spritzloch (Fig. 225). Echte Zähne finden sich nur im Unterkiefer, die des beträchtlich größeren Oberkiefers verkümmern (Fig. 226). Augen und Ohröffnung sind klein. Der Kopf ist vom Körper durch eine Querfurche geschieden, hinter welcher die Brustfinnen liegen. Von dort bis zum After ist der Körper fast walzenförmig, im letzten Drittel erhebt sich eine unbewegliche Fettflosse. Die sehr fettreiche Schwanzfinne ist eingeschnitten-zweilappig. Das weibliche Tier trägt zwei Zitzen, das männliche einen riesigen Penis. An Größe steht der Pottwal nur einigen der größten Bartenwale nach, gehört also zu den größten Tieren der Erde. Das Weibchen bleibt aber in der Größe beträchtlich hinter dem Männchen zurück und erreicht oft nur die halbe Länge.

Der Cachalot, der sich nur von Cephalopoden nährt, scheint vom Äquator bis zu den Polen vorzukommen, im Atlantischen Ozean jetzt aber selten zu sein. Ob die in der Südsee und im Stillen Ozean vorkommenden Arten spezifisch verschieden sind von denen der nördlichen Meere erscheint zweifelhaft. ~Gray~ unterscheidet zwei Arten von Pottwalen, deren jeder er den Rang einer Unterfamilie zuspricht. Es fragt sich aber sehr, ob die hervorgehobenen Unterschiede nicht zufällige sind. Erfahrene Walfischfänger nehmen nur eine einzige Art Pottwale an, behaupten aber, daß Aufenthaltsort, Nahrung usw. auf Größe, Farbe usw. der Pottwale Einfluß haben. Auch ~Beauregard~ nimmt nur eine Art an. Als eigentliche Heimat bezeichnet ~Pechuel-Lösche~ die zwischen 40° nördlicher und 40° südlicher Breite liegenden Meere, doch gelangt der Pottwal, warmen Strömungen folgend, bis 50, ja 60° n. und s. B. Er kommt auch an die europäischen Küsten. Die eigentliche Heimat dürfte die südliche Erdhälfte sein. Er durchzieht die Meere in oft enggeschlossenen «Schulen» oder Scharen von verschiedener Stärke (20-30), die tiefsten Stellen und die Nähe von Steilküsten bevorzugend, oft von einem männlichen «Schulmeister» geführt, in Reihen hintereinander. Nur die riesigen Männchen (Bullen) trifft man auch einzeln, oft das Wasser wie ein Dampfer durchpflügend oder senkrecht gestellt. Er kann fast eine Stunde unter Wasser verweilen, ohne an die Oberfläche zum Atemholen zu kommen. Er bläst so eigenartig, daß der Walfischfänger allein an diesem Geräusch schon den echten Pottwal erkennt.

+Jetzt ist nächst dem Stillen Ozean+ (San Francisco) +die Südsee hauptsächlichster Jagdgrund+. Der Fang ist gefährlich, wie zahlreiche in ~Brehms~ Tierleben erzählte Schiffergeschichten lehren. Der +Fang+ erfolgt mit Harpunen und Lanzen wie beim Walfischfang und wird außer im Stillen Ozean und der Südsee auch bei den Azoren und im indischen Ozean (Mozambique, Sansibar, Ceylon), sowie in den nördlichen Meeren (z. B. bei Schottland), hauptsächlich von Nordamerikanern und Engländern betrieben. Die erlegten Cachalote werden an das Schiff bugsiert, der Kopf abgelöst und an Bord der Walratbehälter geöffnet. Aus dem Speck wird Tran gesotten. Der Wal trägt nämlich in seinem Schädel Ölbehälter von riesigen Dimensionen, die offenbar den Zweck haben, den großen mit starken Knochen versehenen Körper im Wasser schwebend zu erhalten und ihn gegen den langen Körper zu equilibrieren. Diese Walratbehälter liegen in einer muldenförmigen Aushöhlung der Schnauze (Fig. 226) und der oberen Fläche des Schädels vor dem eigentlichen Cranium, welches das Gehirn enthält, und völlig von diesem getrennt (Fig. 227). Es sind deren zwei, denn die Höhle ist durch eine wagerechte durchlöcherte Wand in zwei Kammern geteilt, die jedoch zusammenhängen. Unter der dicken Specklage des Kopfes sich ausbreitende Sehnenlagen («white horse») dienen ihnen als Decke. Die Fettbildung scheint hier wie bei den übrigen Säugetieren im Bindehautzellgewebe normal zu erfolgen, aber ins Riesige gesteigert zu sein. Der reinste Walrat ist in den kleinsten und am wenigsten ligamentösen Zellen enthalten (~Hunter~). Entfernt man die äußere Kopfhaut und die darunter liegende Specklage, so stößt man auf zwei Höhlen. Auf der rechten Seite der Nase und der Oberfläche des Kopfes liegt eine dreieckige Höhle, bei den Cachelotfängern Case (= Behälter), auch erste Kammer oder Klappmütze genannt. Unter der Case im vorderen Teil der Schnauze, über dem Oberkiefer, findet sich eine zweite Höhle, bei den Cachelotfängern Junk (Junke) genannt. Beide Höhlen sind 4-6′ hoch und enthalten 3000 bis 5000 (bei großen Exemplaren nach ~Scoresby~ bis 10000) Pfund Öl. Außer diesen beiden großen Walrathöhlen findet sich noch ein subkutaner Rückenkanal, eine ölführende Röhre, die mit der unteren Kammer in Verbindung steht, vom am Rückgrat fort vom Kopfe bis zum Schwanze verläuft, vorn schenkel-, hinten fingerdick ist. Nach ~Köhne~ sollen noch außerdem viele hundert kleine Seitengänge zum Speck und Fleisch des ganzen Leibes führen und auch im Fleische zerstreut dünnhäutige, mit Walrat gefüllte Höhlungen sich finden. (~Beauregard~ bestreitet [1901], daß die Walrathöhle mit anderen in Verbindung steht.) Doch stammt der Walrat vorwiegend aus den Kopfhöhlen, nach ~Beauregard~ sogar nur aus der +einen+ Höhle (A Fig. 227) «dans la région supérieure de la face, immédiatement au-dessus de la narine droite, depuis la muraille osseuse verticale formée par l’extrémité postérieure des maxillaires et le frontal, jusqu’à l’extrémité antérieure du museau». Jedenfalls wird der Kopfwalrat (head matter) gesondert gesammelt und zunächst nicht mit dem anderen gemischt. Die +Ausbeute+ an Rohöl vom Pottwal schwankt zwischen 1150 und 33350 lbs und beträgt im Durchschnitt 5750-6900 lbs beim Weibchen und bis 17250, ja 20700 lbs beim Männchen (~Lewkowitsch~); nach ~Beauregard~ beim Weibchen 15, beim Männchen 45-130 barils (1 Bar. = 114½ l).

=Gewinnung.= Auf der rechten Seite der Nase und der oberen Kopffläche befindet sich eine dreiseitige Höhle, die von den Walfischfängern die «Kappe» oder «white horse» genannt wird. In diese wird eine Öffnung gemacht und das Öl in Eimern herausgeschöpft. Die dichte Masse von Zellgewebe zwischen jener Stelle und den Nasenlöchern enthält ebenfalls Öl. Das aus den Walrathöhlen frisch geschöpfte Öl ist (infolge der Körperwärme des Tieres) flüssig, scheidet sich aber in kalter Luft bald in zwei Teile, in den auskristallisierenden +Walrat+ und das flüssig bleibende +Walratöl+ (Spermacetöl). Die erstarrte, von Walratöl durchsetzte Masse wird in Leinwandfilter gebracht (boegged sperm) und in Haarsäcken in der hydraulischen Presse ausgepreßt (pressed sperm), die feste Masse zur Abscheidung der Unreinlichkeiten und tierischen Fasern mit Wasser gekocht, umgeschmolzen und zur Entfernung des Öls mit schwacher Potasche oder Kalilauge behandelt, gewaschen, durch Dampf geschmolzen und in Formen gegossen, neuerdings auch vielfach dann noch aus Alkohol umkristallisiert. Auf den Schiffen wird zunächst das «Kopföl» von dem weniger wertvollen «Körperöl» gesondert gehalten, doch mischt man in den Ölraffinnerien oft vor der Abscheidung des Walrat beide im Verhältnis ⅓ : ⅔ (~Lewkowitsch~).

In den +Ölraffinerien+ wird das Rohöl in Kühlkammern 10-14 Tage bei 0° stehen gelassen und die erstarrte Masse dann in hydraulischen Pressen in der Kälte gepreßt. Das abfließende (winter sperm oil) beträgt c. 75% und erstarrt unter 38° F («Cold test 38») = 3,3° C. Der braune Preßrückstand wird dann bei 10-15° zum zweitenmal gepreßt, wobei c. 9% spring sperm oil abfließen. Die Preßkuchen schwitzen bei 26,7° nach einigen Tagen Öl aus. Die Ränder werden daher mit rotierenden Messern abgeschnitten und die Mitte bei gewöhnlicher Temperatur einem sehr hohen Preßdruck ausgesetzt. Das abfließende (taut pressed oil) beträgt 5%. Der Preßrückstand (11% des Rohöls) ist roher brauner Walrat vom Schmelzp. 43,3-46,1, der wie oben gereinigt wird. Auch das Walratöl ist ein wertvolles Produkt. Der Handel unterscheidet vom Walrat: französische Form, kubische Stücke à 15-20 kg, englische Form konisch, amerikanische Form, runde Brote.

Daß Cetaceum auch im Meere schwimmend gefunden wurde berichtet ~Wormius~, ~Bartholini~, ~Pouchet~ u. and. Es scheint dies wahrscheinlich, da es beim Absterben der Tiere erstarrt und der Fäulnis widersteht. Das Altertum kannte nur dieses.

Im Darm (Rectum) des Pottwal (~Pouchet~ et ~Beauregard~) bildet sich das =Ambra= genannte Sekret, das neben einem Riechstoff einen cholesterinartigen Körper (Adipocire ~Bouillon-Lagrange~, Ambrain ~John~) zu enthalten scheint. In einer dunklen orangefarbigen öligen Flüssigkeit schwimmen oft ½ kg, bisweilen sogar bis 6, ja 10 kg schwere Klumpen, die man wohl den Harn-, Gallen- oder Darmsteinen anderer Tiere vergleichen kann, die aber hier mit einem an Benzoë und Moschus erinnernden, sehr dauerhaften Riechstoff durchtränkt sind. (Über den Amber existiert eine große Menge von Fabeln.) Ob der Riechstoff der Ambra zu der vom Tier verspeisten Eledone moschata, deren Reste man bisweilen darin neben denen von Weichtieren, Sepien usw. findet, Beziehungen hat, ist noch nicht klar, aber wahrscheinlich. ~Pouchet~ fand, daß das Tier selbst nach Ambra riecht. Aber dies kann eben auch eine Folge der _Eledone_nahrung sein. Bisweilen tritt Ambra als Auswürfling des Meeres an den Küsten Afrikas, Südamerikas, Ost- und Westindiens auf oder wird schwimmend angetroffen. «Daß man wirklich Stücke von 90 kg, 1,5 m Länge und 0,5 m Dicke aufgefischt hat, unterliegt keinem Zweifel» (~Pechuel Lösche~ 1891). Heute kommt Ambra besonders aus Amerika, Japan, Madagaskar, Surinam und Java. +Boston+ ist Hauptplatz dafür. Sie bildet brüchige, graubraune, undurchsichtige Stücke mit schwarzen (Melanin) und gelben Adern, die in der Hand erweichen, in heißem Alkohol und Äther und in der Wärme auch in wässerigen Alkalien sich lösen und bei der Destillation 13% Öl geben. Sie sollen angeblich Benzoësäure und Bernsteinsäure enthalten. Flüssige Ambra ist Styrax. Gefälschte besteht oft aus Benzoë, Olibanum, Mehl und Moschus.

=Lit.= ~G. Cuvier~, Règne animal. Mammifères pl. 100. -- ~Rapp~, D. Cetaceen zoolog.-anatom. dargest. Stuttgart 1837. -- ~Martiny~, Naturgesch. d. f. d. Heilk. wichtig. Tiere. Gießen 1854 (dort auch die älteren Angaben über Ambra). -- ~Beale~, Nat. hist. of the Sperm Whale 1839. -- ~Bennet~, Narr. of the Whaling Voyage 1833 to 1836. London 1840. -- ~Hunter~, Phil. Transact. 77 (1787), 390. -- ~Beauregard~, Mat. med. zoolog. Paris 1901. -- ~Pouchet~ et ~Beauregard~, Rech. s. l. Cachalot. Nouv. Arch. d. Museum (3) 1 und Note sur l’ambre gris C. r. Soc. Biol. 1892. -- ~Pouchet~ et ~Chaves~, Form. exter. du Cachal. Journ. d’Anat. phys. 1890. -- ~Pouchet~, Le Cachalot Rev. d. Deux Mondes 1888 und Contrib. à l’hist. du spermaceti. Bergens Mus. Aarbog 1895. -- ~Brehms~ Tierleben. -- ~Boas~, Lehrb. d. Zoologie.

+Abbild.+: ~Martiny~, Mediz. Zool. t. 7. -- ~Schreber~, Naturgesch. d. Säuget. t. 337. -- ~Brandt~ und ~Ratzeburg~, Mediz. Zoolog. t. 12. -- ~Lacepède~, Hist. nat. des Cétacées t. 10. -- ~Beauregard~ a. a. O.

=Handel.= Spermaceti ist in Kisten à 25 kg, raff. prima in Blöcken, aber auch raff. in Tafeln à ½ und 1 kg, jede Tafel in Papier gewickelt, im Handel (~Grossmann~). Der meiste Walrat stammt aus Amerika (Kalifornien). 1909 war japanischer (~Weigel~), 1911 schottischer Walrat im Handel. Er war billiger, aber schlechter als amerikanischer. Die +Vereinigten Staaten+ exportierten 1907: 173985, 1908: 115136, 1909: 57605 pounds Spermaceti and Spermaceti Wax. +Deutschland+ führte 1909: 212 dz +Walrat+ ein, vorwiegend aus den Ver. Staaten. Genaue Angaben aus neuerer Zeit über den Umfang der «Produktion» fehlen. Von 1820-1830 betrug der Ertrag jährlich c. 4600 t, 1831: 7605 t. Jetzt ist der Ertrag zurückgegangen. Ein guter Pottwal ist 9000-20000 M wert.

=Chemie.= Walrat besteht aus schneeweißen, bröckeligen, deutlich blätterig-kristallinischen, perlmutterglänzenden Stücken, die sich fettig anfühlen und sich fast wie Wachs kauen. Der Geruch ist schwach, eigenartig und erinnert etwas an Wachs. Er wird nicht leicht ranzig. Ranziger riecht tranig. Er brennt wie Wachs. In Wasser und kaltem Alkohol ist Walrat unlöslich, wenig löslich in Benzin, leicht in Äther, Chloroform und Schwefelkohlenstoff. Heißer Alkohol löst ihn vollständig. Beim Erkalten scheiden sich die Ester kristallinisch wieder ab, das Filtrat soll nicht sauer oder alkalisch reagieren und mit Wasser keinen flockigen Niederschlag geben (Prüfung auf Stearinsäure und Alkalien). Wässrige Lauge verseift kaum, alkoholische leicht.

Spez. Gewicht bei 15°: 0,930-0,960 [0,905 (?) ~Kebler~], D. A. V: 0,940 bis 0,945, bei 98°: 0,808; Schmelzpunkt: 42-49 (44,5-47,4 ~Evans~), bisweilen bis 50, ja 68°, Pharm. helv. IV: 41-50°, D. A. V: 45-54°, Pharm. austr. 45 bis 50°; Erstarrungspunkt: 49-43,4; kritische Mischtemperatur nach ~Crismer~: 120,5°; Säurezahl: 1-2 (0-5); Verseifungszahl: 108-135, meist 128,7-134 (122-124 ~Evans~); Jodzahl: 3,8-9,3; Gehalt an Unverseifbarem: 48,87. ~Fendler~ fand spez. Gew. 0,942, Schmelzp. 42° (siebenmaliges Umkristallisieren aus Alkohol erhöht den Schmelzpunkt auf 48,5, nach anderen auf 50-55°), V.-Z. 134, J.-Z. 93, Gehalt an unverseifbarer Substanz (Alkohole) 51,07, Schmelzpunkt der Alkohole 45°. Jodzahl, Schmelzpunkt, spez. Gewicht usw. sind natürlich davon abhängig, ob das Walratöl ganz oder nur zum größten Teile aus dem Walrat entfernt ist. Je reiner das Produkt, um so höher ist der Schmelzpunkt und um so niedriger die Jodzahl. Die Verbrennungswärme des Walrat ist größer als die aller anderen Fette; bei konstantem Volumen 9946 g-cal.

~Bunsen~ fand den Schmelzpunkt, = 47,7° bei gewöhnl. Druck, = 48,3° bei 29 Atm., = 50,9 bei 156 Atm.

Die spez. Wärme ist zwischen +3° und -21° = 0,385 (~Person~).

Das durch Alkohol vom Öl vollständig befreite Cetaceum analysierte ~Chevreul~. Er nannte es +Cetin+ (F = 49°), stellte es dem Cerin, Myricin, Elain, Stearin und Cholesterin gegenüber und fand in ihm 81,66% C, 12,86% H und 5,4% O. Den durch Verseifen erhaltenen Alkohol (Cetylalkohol) nannte er +Äthal+. ~Dumas~ und ~Peligot~ geben Margarinsäure, Elainsäure und Ceten als Ester darin an. Auch ~Bérard~ analysierte den Walrat. ~Heintz~ nahm die Alkohole +Stethal+ (C₁₈H₃₈O), +Äthal+ (C₁₆H₃₄O), +Methal+ (C₁₄H₃₀O) und +Lethal+ (C₁₂H₂₆O) (die bei der Oxydation Stearinsäure, Palmitinsäure, Myristinsäure und Laurinsäure lieferten) und einen indifferenten Körper, C₁₂H₂₄O, darin an. Er betrachtete zuletzt den Walrat als aus Verbindungen des Cetyl- und Stethyloxyds mit Stearinsäure, Palmitinsäure, Myristinsäure und Cocinsäure bestehend. Cetinsäure und Cocinsäure sind zu streichen.

Der Hauptbestandteil des Walrates ist +Palmitinsäure-Cetylester+: C₁₅H₃₁CO--O.C₁₆H₃₃ (früher: cetinsaures Cetyloxyd, äthalsaures Äthal ~Heintz~), der daraus durch Umkristallisieren aus Alkohol gewonnen werden kann. Daneben finden sich geringe Mengen ähnlicher Ester (außer Cetylalkohol (Hexadecylalkohol) ist auch Octadecylalkohol, C₁₈H₃₇OH, gefunden), etwas freie Alkohole (~Lewkowitsch~) und vielleicht auch (wenn das Spermacetolöl nicht ganz entfernt war?) kleine Mengen anderer Ester (nach ~Heintz~ [1854] der Laurin-, Myristin- und Stearinsäure, was aber der Bestätigung bedarf), sowie palmitinsaures Kalium und die Salze anderer mit Palmitinsäure homologer Fettsäuren. Die Alkohole betragen 51,4%, die Fettsäuren 53,45% (~Lewkowitsch~). Glycerin ist anscheinend nicht darin. Der Palmitinsäurecetylester (Cetin), durch Umkristallisieren des Walrats aus Alkohol erhalten, zeigt den Schmelzpunkt 45° (48,9-55°), Erstarrungspunkt 52-44,5°, kritische Mischtemperatur nach ~Crismer~ 120°, spez. Gewicht bei 99°: 0,806, V.-Z. 129,1-130,1 (theoret. 116,9) (~Branderhorst~). +Der reine Ester gibt natürlich keine Jodzahl und so ist die Jodzahl selbst und ihre Höhe ein Maßstab für dem Walrat beigemengtes Walratöl.+ Schon für sich erhitzt liefert Walrat Palmitinsäure und Ceten (Hexadecylen, Palmiten, C₁₆H₃₂). Im Vakuum destilliert er zum Teil unzersetzt bei 360°.

Das beim Umkristallisieren des Walrat aus Alkohol in diesem bleibende Öl nannte ~Berzelius~ Cetinelaïn. Es gab ihm beim Verseifen die von der Ölsäure verschiedene Cetinelaïnsäure. Das vom auskristallisierten Walrat abgetrennte (s. oben), dünnflüssige, fast geruchlose +Spermacetöl+ (Walratöl, Pottwaltran, Ol. cetacei, huile de cachelot ou de Spermaceti, Sperm oil) besteht aus Estern einatomiger Fettalkohole mit einer Säure der Ölsäurereihe (Physetölsäure [?] ~Hofstädter~, von ~Fendler~ bestritten); enthält ferner eine feste Fettsäure, Baldriansäure (?) und Glycerin (~Hofstädter~, ~Fendler~, ~Allen~ fand nur Spuren, ~Lewkowitsch~ bestreitet das Vorkommen von Glycerin). Es sind darin 35% (~Allen~, 39% ~Fendler~) Alkohole und zwar 25% primäre Alkohole (~Lewkowitsch~) sowie 60-65% Fettsäuren enthalten. Die Fettsäuren bestehen aus 85,78% flüssigen und 14,22% festen (~Fendler~). Die Alkohole sind ungesättigt (~Lewkowitsch~) und scheinen zur Äthylenreihe zu gehören, deren höhere Glieder zurzeit noch unbekannt sind. Freie Fettsäuren enthält das Öl nur wenig (0,11-0,42 ~Deering~).

Walrat findet sich auch unter den festen Bestandteilen einiger Trane (z. B. im Delphin- und Hai-Öl).

=Lit.= Ältere Analysen von ~Chevreul~ (cit. in ~Gmelins~ Handb. II, 440). ~Dumas~ und ~Peligot~, Ann. chim. phys. 72, 5. -- ~Pereira~, Elements. -- ~Fourcroy~, Syst. d. connoissances chim. IX. -- ~Bostock~, Nichols. journ. IV, 130 (N. Allg. Journ. d. Chem. V). -- ~Pfaff~, Syst. d. Mat. medic. 1808. -- ~Smith~, Lieb. Ann. 42, 241. -- ~Radcliff~, Ebenda 43, 349. -- ~Hofstädter~, Lieb. Ann. 91 (1854), 177. -- ~Heintz~, Lieb. Ann. 92 (1854), 299; Pogg. Ann. 87, 267 u. 93, 519; Journ. pr. Chem. 57, 30. -- ~Lewkowitsch~, Chem. Zeit. 1893, 1453. -- ~Kebler~, Journ. soc. chem. ind. 1896, 206. -- ~Lymann~ und ~Kebler~, Amer. journ. pharm 1896, 7. -- ~Fendler~, Chem. Zeit. 29 (1905), 555. -- ~Röder~ (Prüf. auf Stearins.), Röders Jahresber. 1904. -- ~Branderhorst~, Pharm. Weekbl. 1909, 1043. -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O.

Cetaceum wird außer in der Pharmazie auch in der Kerzenfabrikation benutzt.

=Verfälschungen.= Verfälschungen des Walrat kommen selten vor, da jeder Zusatz das eigenartige Aussehen des Walrat verändert. Beimischung von Stearinsäure, die vorkommt, erhöht die Säurezahl. 1 g Walrat, 1 g Na₂CO₃ und 50 ccm Weingeist gekocht geben ein Filtrat, das mit Essigsäure angesäuert sich höchstens trüben darf (Stearinsäure). Seltener sind Talg, Solar spermaceti (Margarinsäure), Paraffin und Wachs beobachtet. Gelber ranziger Walrat ist zu verwerfen.

=Geschichte.= Den Alten war Sperma ceti möglicherweise bekannt. Die Beschreibung der Salzblüte (Flos salis) bei ~Plinius~ (XXXI, 42): riecht unangenehm, ähnlich wie Fischbrühe, hat weder mit dem Salze noch dem Salzschaume Ähnlichkeit, zeigt beim Drücken eine Art Öl, denn im Salze steckt eine gewisse Fettigkeit, deutet auf Rohwalrat und das, was ~Dioskurides~ (V, 128) über ἁλός ἄνθος sagt: übler Geruch, fettiger Geschmack, löslich in Öl -- spricht nicht dagegen, jedenfalls +nicht+ für eine Salzart oder für Ambra, womit es ~Mathioli~ identifizieren wollte, die aber doch wohlriechend ist. Was soll es denn sonst sein? Halosanthos wurde im Altertum medizinisch benutzt (~Plinius~, ~Dioskurides~). Doch meint ~Flückiger~, «der Walrat scheint erst im Mittelalter in medizinischen Gebrauch genommen worden zu sein» (Grundriß 1894) und auch ~Pouchet~ hält den Halosanthos nicht für Walrat. Die Bemerkung bei ~Megenberg~ nach ~Isidorus von Sevilla~ «des visches sâm wirt gevangen oben auf dem Wazzer, wan sô er geunkäuscht hât, so swimt der sâm oben, den er gelâzen hât, den vaeht man denn und tuot in in klein Fläschel und den +walrâm+ trinkt man nüchtern», deutet bestimmt auf Walrat. Es erscheint möglich, daß auch der Halosanthos der Salernitaner Walrat war. (~Pouchet~ bestreitet dies.) In der Alphita steht: Alosanthos i. e. flos maris (~Flückiger~). Über den Walfang in Europa und Asien (indischer Ozean) liegen jedenfalls schon Nachrichten aus dem VII. bis IX. Jahrh. vor. Er war schon damals wohlbekannt (~Lippmann~). Eine Abbildung der Zerlegung des Wals findet sich schon bei ~Lonicerus~ (1582), wohl nach älterer Quelle (auch ~Pomet~ hat eine solche). ~Albertus Magnus~ (XIII. Jahrh.) kannte in Holland gestrandete Pottwale (~Flückiger~). Auch ~Clusius~ erwähnt sie. Mit besonderem Eifer wurde aber der Pottwal, auf den seit alten Zeiten Jagd gemacht wird, seit Ende des XVII. Jahrh. verfolgt. Sicher genannt finde ich Cetaceum zuerst im Nördlinger Register von 1480 als spermaceti und im Braunschweiger Register (1521) steht Spermacety brabant. Es wurde also bereits in den Apotheken des XV. und XVI. Jahrh. gehalten. Im Dispensatorium des ~Cordus~ von 1546 bildete Spermacet neben Butter einen Bestandteil des Unguentum potabile (~Flückiger~), das ich aber in keinem älteren Dispensatorium finde. Walrat muß damals gut bekannt gewesen sein, denn die Scholien zum Texte des Dispensatoriums, z. B. in der Ausgabe 1627, die alle zweifelhaften Drogen erläutern, geben hierzu keine Anmerkung. ~Cordus~ schrieb eine eigene Dissertatio de halosantho seci Spermate Ceti vulgo dicto. Zürich 1565. Möglicherweise ist die Ambragialla (die zweite Art) im Ricettario fiorentino auch Cetaceum. Auch in England war Walrat im XVI. Jahrh. gut bekannt. In ~Shakespeares~ 1598 erschienenen ~Heinrich IV.~ steht (I Act. 3 Sc.): «And telling me the sovereign’st thing on earth was +parmaceti+ for an inward bruise». Er wurde im Beginn des XVI. Jahrh. in den Mittelmeerländern schon viel gebraucht, kann also, entgegen ~Kirkby~, ~Leonardo da Vinci~ († 1519) sehr wohl bekannt gewesen sein. Der Streit über die Florabüste hat diese Frage aktuell gemacht. (~Pinkus~ fand in der Florabüste Walrat, nachgewiesen durch Cetylalkohol.) Walrat wird auch bei ~Gesner~ (Hist. animal. Zürich 1558. Nach ~Pouchet~ bezieht sich die Stelle nicht auf Walrat), bei ~Clusius~ (Exotic. l. X 1605), bei ~Sibbald~ (Phaenologia nova 1692) erwähnt. Die Stelle lautet bei ~Clusius~ (Exoticorum in Lib. VI): «Reperisse autem dicebantur mercatores +in beluae capite+ plus quam quartam partem dolii in quo adservantur saliti haleces, plenam ejus liquoris quem vulgo +Sperma ceti+, Hollandi +Wadschot+ appellant.» ~Clusius~ bildet das Tier ab. Auch ~Nic. Leméry~ bemerkt (Traité univers. d. dr. 1714), daß er nicht der Same von Walen sei (also +kein+ «Sperma»), sondern aus dem Kopfe der Wale stamme, was zuerst der Abbé ~Bourdelot~ (c. 1670) festgestellt habe, was aber, wie erwähnt, schon ~Clusius~ wußte und später ~Elsner~ (Miscell. Acad. nat. I 1652), ~Bartholini~, ~Worm~ (Museum 1615), ~Salmon~ (Seplasium 1693), ~Quincy~ (Dispens. 1719) bestätigten. ~Ettmüller~ hat diese Anschauung dann in einer eigenen Disputatio De Spermate Ceti verteidigt. ~Cordus~ hielt ihn für den Samen, ~Gesner~ für die Milch des Walfisches. Aber eigentlich finden wir schon bei der ~Hildegard~ eine beinahe richtige Deutung, die davon spricht, daß das Gehirn der Wale mit Wasser gekocht und mit Öl vermischt eine Salbe gebe. Der Renaissancezeit war der Walfischfang, der Walfischtran und der Walrat also gut bekannt. ~Pomet~, der die Bereitung selbst sah, bemerkt, daß man 1688 aus einem Kopfe 24 Barels (vingt quatre bariques) Walrat gewonnen habe. ~Pomet~ sagt (Hist. gener. d. drog. 1694 I, p. 74): «+Le blanc de Baleine+, que tout les anciens et modernes ont appellé et qu’on appelle encore aujoud’huy très mal-à-propos, sperme ou nature de Baleine est la Cervelle d’une espece de Baleine, que les Basques appellent +Byaris+ et ceux de S. Jean du Luz +Cachalot+. Cet Animal, suivant quelques uns, est appelé +Baleine mâle+ et des Latins +Orca+.» Er sagt ferner: «Le Blanc de Baleine se prepare ordinairement à Bayonne et à Saint Jean du Luz et cette fabrique est si rare en France qu’il n’y a pour le present que deux personnes à S. Jean de Luz qui sçavent bien preparer entre autre le Sieur Jean de Haraneder Monsequir». ~Pomet~ schildert das Ausschmelzen und wiederholte Umschmelzen behufs Reinigung und erwähnt bereits die Verfälschung mit weißem Wachs. Ende des XVII. Jahrh. unterschied ~J. G. Elsner~ das aus dem Kopfe stammende Sperma ceti von dem Sperma balaene der Einwohner Nord-Europas. Um 1700 war die Droge jedenfalls gut bekannt, auch ihrer Provenienz nach. Sie findet sich z. B. auch bei ~Berlu~ als Sperma Coeti von Irland und den Bermuden (I, S. 590), der sie aber als den Samen des Wals betrachtet, trotzdem er wußte, daß sie im Kopfe sich findet. Die abenteuerlichste Vorstellung bildete sich ~Schröder~ (1669) über dies «Bitumen» und «fettige Exkrement», das er als aus Schwefel, Seesalz und Fett gemischt annimmt. Erst ~Camper~ und ~Hunter~ zeigten Ende des XVIII. Jahrh., daß die Walrathöhlen nichts mit dem Gehirn zu tun haben.

In ~Valentinis~ Museum Museorum (1704) wird bemerkt, daß der Walrath, Wolram oder Welset von der Grönländischen Compagnie vom Walfischfang mitgebracht werde. Der Reinigung des rohen Walrat durch Abseihen des flüssig bleibenden Öls in Lübeck und Amsterdam gedenkt ~N. Schurtz~ in seiner Materialkammer 1673 und die Reinigung des Rohwalrat mittelst Kalk und Aschenlauge in Holland und Lübeck beschreibt schon ~Ettmüller~ (wiedergegeben bei ~Valentini~). Das Behandeln des Fettes mit Potasche war im XVIII. Jahrh. gut bekannt (vgl. z. B. ~Brookes~, Introd. to phys. and surg. 1754). Einer chemischen Untersuchung unterwarf ihn zuerst ~Neumann~ (I, S. 961), dann ~Fourcroy~; ~Lorenz Crell~ stellte 1779 seine Fettnatur fest. Sein Vorkommen in den Dispensatorien hat ~Schelenz~ verfolgt. Walrat findet sich als Pinguedo Cerebri Ceti in der Pharm. Edinburgensis 1761 und in der Wirtembergica 1771 u. and. Pharm. borussica 1779 erwähnt die Reinigung mit Kalilauge. Das Ceratum Cetacei, die Lippenpomade, scheint zuerst im Dispensator. Lippiacum 1792 aufzutreten, Cold cream schon bei ~Spielmann~ (I, S. 965) und früher (als Ungt. infrigidans), wurde aber unter dem Namen erst durch ~Hudson~ Anfang des XIX. Jahrh. eingeführt und der Name kam dann auch in die Pharmacopoee von Montpellier 1845 (~Schelenz~). Im XVIII. Jahrh. wurden Walratkerzen ziemlich viel gebraucht. Sie dienen noch heute zur Herstellung der Normalkerzen bei photometrischen Versuchen.

Die (oder das?) Ambra (arab. anbar, ambar) war im Altertum unbekannt (die Ambra der Alten war der Balsam eines Liquidambar). Ihr eigenartiger, sehr intensiver Geruch wäre gewiß von den Autoren erwähnt worden. Durch die Medizin und besonders die Parfümerie der Araber und des frühen Mittelalters gelangte sie zu hohem Ansehn und wurde viel zur Herstellung des Pomum Ambrae, des Bisamapfels (eines Riechbüchschens) benutzt (~Flückiger~). Ihre Herkunft wurde erst 1724 bekannt. Ricettario fiorentino (I, S. 793) unterscheidet Ambra odorifera, Ambra nera (von Grenoble) und Ambra gialla, und von letzterer wieder: succinum, dann un grasso o bitume, welchen das Meer auswirft (wie ich glaube Cetaceum) und un liquore che destilla da certi arbori (wohl Terpentin).

=Lit.= ~Flückiger~, Pharm. Chemie und Grundriß; Pharm. Journ. 1910, 1, 385, 442. -- ~Kirkby~, Spermacet, Pharm. Journ. 1910, 1, 511. -- ~Schelenz~, Walrath. Chem. Ind. 1910, Nr. 13. -- ~Pinkus~, D. Wachs d. Florabüste. Chem. Zeit. 1910, 277. -- ~Rathgen~, Unters. d. Wachs. der Florabüste. Ebenda 1910, 305. -- ~Beauregard~ a. a. O. -- ~Pouchet~ (Ambra), Vol. commém. du centennaire du Museum 1893.

β) Cholesterinwachse.

Eine besondere Gruppe der Körperfette bilden die Cholesterine enthaltenden Wollfette, die in der Rohwolle vorkommen und aus den Wollwaschwässern jetzt im Großen abgeschieden werden, ursprünglich besonders deshalb, weil die Polizei das Einfließenlassen der Abwässer der Wollwäschereien in die durch sie verpesteten Flußläufe verbot und eine Selbstreinigung der Abwässer unmöglich ist.

~Liebreich~ behauptete (1885), daß Cholesterinfette (Lanolin) in dem keratinhaltigen Gewebe, wie der menschlichen Haut, den Haaren, des Vernix caseosa usw. sowie in dem Fett der Niere, der Leber und des Blutes vorkommen. Dies wurde aber von ~Buzzi~ und ~Santi~ (1889) bestritten. ~Santi~ zeigte, daß Cholesterin und Lanolin nicht die gleichen Reaktionen geben und meint, daß in den genannten Organen nur Cholesterin, nicht Cholesterinester, vorhanden sind. Das Blutplasma enthält Cholesterinester (~Hürthle~) neben Cholesterin, die Blutkörperchen Cholesterin (~Hepner~). In der Schafwolle kommen jedenfalls auch Cholesterinester vor. ~Burchard~ betrachtet (Dissert. Rostock 1889) die Sterine als im Plasma jeder entwicklungsfähigen Zelle der Tiere vorkommend. -- Cholestearin, Cholsterin (so schreibt z. B. ~Liebig~) oder Cholesterin wurde zuerst von ~Conradi~ (Dissert. Jena 1775) und ~Gren~ (Diss. Halle 1788) in den Gallensteinen aufgefunden. Es findet sich dort frei und verestert. Es wurde zuerst von ~Chevreul~, ~Couerbe~ und ~Marchand~ analysiert und von ~Chevreul~ benannt. Das rechtsdrehende Isocholesterin wurde 1872 von ~E. Schulze~ im Wollfett der Schafe aufgefunden.

Das Cholesterin besitzt die merkwürdige Fähigkeit die roten Blutkörperchen vor der Einwirkung der Hämolysine (Saponine, Solanin, Schlangengift) zu schützen, daher wird ihm eine entgiftende Rolle zugeschrieben, resp. die Fähigkeit den Organismus gegen ihm von außen zugeführte hämolytische Substanzen zu schützen. Jedenfalls wirkt Cholesterin entgiftend auf Saponine (~Ransom~) und gibt mit Digitonin unlösliche Additionsprodukte. Im tierischen Organismus ist vorwiegend nur das eigentliche +Cholesterin+ (C₂₇H₄₃OH.H₂O ~Mauthner~ und ~Suida~, ~van Oordt~, C₂₇H₄₆O ~Diels~ und ~Abderhalden~), F = 147°, α_{D} = -31,12°, gefunden worden und zwar bei Vertebraten (Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Fischen), Tunikaten, Mollusken, Arthropoden, Würmern, Echinodermen. Es war überall das gleiche (~Dorée~). Bei den Insekten dagegen scheinen mehrere verschiedene Sterine vorzukommen, wie z. B. das +Bombicesterin+ und ein anderes bei Blatta, doch ist auch normales Cholesterin in dem an Unverseifbaren sehr reichen Öle der Insekten nachgewiesen (z. B. in den Canthariden, in Melolontha, Octopus ~Welsch~). Auch in den Schwämmen sind besondere Zoosterine [Spongosterin (C₂₇H₄₈O), Clionasterin ~Dorée~] gefunden worden. Neben dem Cholesterin findet sich dann noch in den Tieren oft +Isocholesterin+ (C₂₆H₄₃OH ~Schulze~) und in den Faeces +Coprosterin+ (C₂₇H₄₇OH ~Bondzynski~) und +Hippocoprosterin+, die ~Dorée~ in einer besonderen Klasse vereinigt. +Oxycholesterin+ (C₂₆H₄₂(OH)₂) ist außer im Wollschweiß auch im Blut und den Knochen gefunden worden (~Lifschütz~).

Eine verwandte Gruppe von Körpern findet sich bei den Pflanzen. Ein Vertreter derselben wurde zuerst von ~Hesse~ (1878) von dem tierischen Cholesterin unterschieden und +Phytosterin+ genannt. ~Hesse~ und ~Thoms~ fassen +alle+ pflanzlichen Sterine unter dem Namen Phytosterin zusammen. Von ~Abderhalden~ (Lehrb. d. phys. Chem. 1909) wurde dann der Name +Sterine+ für +alle+ Cholesterine und Phytosterine vorgeschlagen. ~Dorée~ wünscht den Namen Cholesterin nur für die in der Natur vorkommenden, ungesättigten Alkohole der Formel C₂₇H₄₆O zu reservieren. Cholesterin und Phytosterin lösen sich in Chloralalkoholat leicht, schwerer und zwar verschieden schwer in Chloralhydratlösung (~Scherer~). Auf der Wiener Naturforscherversammlung 1894 habe ich darauf hingewiesen, daß wir in den +Phytosterinen+ eine ganze Klasse von nahe verwandten Substanzen nicht nur ein Individuum vor uns haben und daß diese Körper zu den regelmäßigen Bestandteilen des Plasmas der Vegetationsorgane der höheren Pflanzen gehören. Bei den Schleimpilzen hatten sie schon ~Reinke~ und ~Rodewald~ im Plasma gefunden und in Reservestoffbehältern, besonders Samen, waren sie schon 1862 von ~Beneke~ als weitverbreitet erkannt worden (analysiert hat ~Beneke~ nur das Phytosterin der Erbse, gefunden aber auch eins im Olivenöl). Auch ~Power~ und seine Mitarbeiter stießen fast bei jeder ihrer Drogenuntersuchungen der letzten 10 Jahre auf Phytosterine. Sie finden sich bei den Samen im Ölplasma (~Tschirch~), bei den Sklerotien von Claviceps purpurea wohl in den Oleoplasten. Aber welche Rolle sie spielen ist noch ganz unklar. Reservestoffe sind sie keinesfalls, denn ihre Menge vermehrt sich beim Keimen (~Schulze~). ~Beneke~ meint, indem er auf das Vorkommen im Eidotter und den Samen hinweist, daß sie «sich gerade überall da finden, wo der Lebensprozeß und die Entwicklung der organischen Formen ihre reichste Entfaltung erfahren». In die Fette des Handels gelangen sie dadurch, daß sie sich, da sie am gleichen Orte wie diese vorkommen, beim Auspressen oder Ausschmelzen des Ausgangsmaterials in dem Fett lösen -- also rein zufällig.

Bei der Pflanze findet sich nicht ein, sondern mehrere Sterine. Die Mannigfaltigkeit ist also bei ihr, die ja überhaupt ein viel besserer Chemiker ist wie das Tier, viel größer. Am weitesten verbreitet ist hier das +Phytosterin+, das ~Hesse~ in Calabarbohnen und ich in zahlreichen anderen Pflanzen beim Ausschütteln alkalischer Blattauszüge mit Äther fand (C₂₆H₄₄O).H₂O F = 138,5°) und das wohl mit +Sitosterin+ (C₂₇H₄₅OH.H₂O ~Burian~, ~Ritter~) identisch ist. Wahrscheinlich sind alle in Pflanzen gefundenen, zwischen 132 und 138° schmelzenden Phytosterine mehr oder weniger reines Sitosterin, z. B. das Ampelosterin, Sojasterol u. a. m. Dann sind zu nennen das höher schmelzende +Stigmasterin+ (C₃₀H₅₀O oder C₃₀H₄₈O. H₂O) aus Calabarbohnen, das, wie es scheint, besonders in Kautschukharzen und Samen weit verbreitete +Lupeol+ (~Likiernik~ C₃₀H₅₀O, identisch mit Anthesterin ~Klobb~). +Lactucerol+ (C₃₆H₅₈(OH)₂) im Milchsafte von Lactuca virosa; +Arnidiol+ (C₂₈H₄₆O₂ ~Klobb~) in Arnica und +Onocol+ (C₂₆H₄₄O₂ ~Thoms~) in Ononis; +Ergosterin+ (C₂₇H₄₂O. H₂O ~Tanret~) und +Fungisterin+ (C₂₅H₄₀O. H₂O?), beide im Mutterkorn. Auch andere Pilze (Penicillium, Aethalium, Saccharomyces, Mucor, Lobaria, Amanita, Trametes, Polyporus) enthalten ergosterinartige Phytosterine; in Aethalium septic. fanden ~Reinke~ und ~Rodewald~ Paracholesterin C₂₆H₄₄O. Dann gehören hierher Caulosterin (~Schulze~ und ~Barbieri~), Brassicasterin (C₂₈H₄₆O. H₂O ~Welsch~), Cynanchol (~Hesse~) und Quebrachol (~Hesse~). Cupreol (C₂₀H₃₄O. H₂O), Cinchol (isomer mit Cupreol), Alkohol C₃₀H₅₀O in Coca (~Hesse~), Urson (~Gintl~) in Fol. uvi ursi, Homosterin im Insektenpulver, Rhamnol (~Jowett~) in Cascara Sagrada und viele andere Körper, die ~Hauth~ (Diss. Freiburg 1907), ~Welsch~ (Diss. Freiburg 1909) und ~Cohen~ (Over Lupeol Dissert. Utrecht 1906) in Tabellen zusammengestellt haben. Daß Isocholesterin in der Pflanze vorkommt, hat ~Cohen~ nachgewiesen. Er fand es im Africa-Rubber. Zu den Phytosterinen im weiteren Sinne gehören wahrscheinlich auch die Körper, die ich +Resinole+ genannt habe: α- und β-+Amyrin+ (C₃₀H₅₀O), +Euphorbon+ (C₃₀H₄₈O ~Tschirch~ und ~Paul~), +Benzoresinol+ (C₁₆H₂₆O₂ ~Tschirch~ und ~Lüdy~) in Benzoë, +Storesinol+ (C₁₆H₂₆O₂) und +Styresinol+ (C₁₆H₂₆O₂ ~Tschirch~ und ~van Itallie~) in dem Styrax, +Chironol+ (C₂₈H₄₈O ~Tschirch~ und ~Baur~) im Opopanax, +Gurjuresinol+ (C₁₅H₂₅OH ~Tschirch~ und ~Keto~) u. and. Vielleicht gehört auch die Abietinsäure in die Nähe der Phytosterine. Ich habe die in den letzten Jahren in meinem Institute isolierten Harzsubstanzen stets mit den Phytosterinreagentien prüfen lassen und oft Phytosterinreaktionen erhalten.

Bemerkenswert ist endlich das Vorkommen von Sterinen in einigen Arten +Petroleum+ (~Rakusin~ 1906), was auf den organischen Ursprung dieser Produkte deutet und ihre Drehung erklärt. Bekanntlich leitet ja ~Engler~ das +Petroleum+ wesentlich von den Fetten einer untergegangenen Fauna und Flora ab.

Die in den tierischen Fetten vorkommenden Cholesterine unterscheiden sich in verschiedenen Punkten von den in den Pflanzenfetten auftretenden Phytosterinen, beide Sterine sind aber offenbar nahe miteinander verwandt. Sie unterscheiden sich durch die Kristallform (Fig. 229) und den Schmelzpunkt der Acetate (~Bömer~). Derselbe liegt beim Cholesterinacetat bei 114,3-114,8, bei den Phytosterinacetaten (aus Pflanzenfetten) zwischen 125,6-137°. Wenn der Schmelzpunkt auch nach fünfmaligem Umkristallisieren unter 116° bleibt, so darf auf Cholesterin und Abwesenheit von Phytosterin geschlossen werden. Auch mit Hilfe der Dibromadditionsprodukte gelingt die Trennung (~Windaus~). Eine wichtige Rolle spielen die Sterine bekanntlich bei der Analyse der Fette. Sie bilden meist allein den «unverseifbaren Anteil» (s. oben) und wie für die tierischen Fette das Cholesterin, so sind für die pflanzlichen Fette Phytosterine, besonders das Sitosterin charakteristisch. Noch ist Cholesterin niemals mit Sicherheit in pflanzlichen, Phytosterin niemals sicher in tierischen Fetten nachgewiesen worden.

Als +Reaktionen+ zum Nachweis der Sterine dienen die von ~Liebermann-Burchard~ (Chloroform-Essigsäureanhydrid-Schwefelsäure) ~Salkowski-Hesse~ (Chloroform-Schwefelsäure), ~Mach~ (Salzsäure-Eisenchlorid), ~Hirschsohn~ (Trichloressigsäure-Salzsäure) und ~Tschugaeff~, sowie die Jodschwefelsäure-Reaktion. (Vgl. in ~Tschirch~, Harze II. Aufl.) Zum +mikrohistochemischen+ Nachweise der Phytosterine eignen sich die bisher bekannt gewordenen makrochemischen Reaktionen nicht (~Scherer~).

~Windaus~ teilt mir (1912) folgendes über das Cholesterin mit: «Dem Cholesterin kommt die Formel C₂₇H₄₆O zu; es ist ein sekundärer Alkohol, dessen CHOH-Gruppe sich in einem Ringe zwischen zwei Methylenresten befindet. Das Cholesterin besitzt eine Doppelbindung, und zwar in einer endständigen Vinylgruppe CH:CH₂. Endlich ist ein Isoamylrest, (CH₃)₂CHCH₂CH₂, im Molekül des Cholesterins nachgewiesen. Das Cholesterin enthält vier vollständig hydrierte Ringe, dagegen kein aromatisches Ringsystem. Die Formel des Cholesterins läßt sich also bisher auflösen in:

CH:CH₂ / (CH₃)₂CHCH₂CH₂--C₁₇H₂₆---CH₂ \ | \ CHOH .» \ | \CH₂

~Pickard~ und ~Yates~ glauben, daß das Cholesterin aus einem sehr beständigen komplexen Kern besteht, der mit einer normalen Kette von etwa 19 Kohlenstoffatomen verbunden ist. Bei der Oxydation entsteht Arachinsäure (C₂₀H₄₀O₂).

Die Sterine werden durch Licht verändert (~Schulze~ und ~Winterstein~).

=Lit.= +Cholesterin+: ~Mauthner~ und ~Suida~, Monatsh. f. Chem. 1894, 85 u. 362. -- ~van Oordt~, Jahresb. d. Tierchem. 31 (1902), Diss. Freiburg 1901. -- ~Welsch~, Vorkommen u. Verbreit. d. Sterine im Tier- u. Pflanzenreich. Diss. Freiburg 1909. -- ~Dorée~, Biochem. Journ. 4, 72. -- ~Windaus~, Arch. Pharm. 246 (1908), 117 und Habilitationsschr. Freiburg 1903; Ber. d. chem. Ges. 36, 3699 u. 3752; 37, 2027 u. 4753; 39, 518, 2008 und 2249; 40, 257 u. 2637; 41, 611; 42, 241. -- ~G. Stein~, Über Cholesterin. Diss. Freiburg 1905. -- ~Pickard~ und ~Yates~, Proc. chem. Soc. 19, 147. -- ~Diels~ und ~Abderhalden~, Ber. d. chem. Ges. 37 (1904), 3092; 39 (1906) 884. -- ~E. Schulze~, Ber. d. chem. Ges. 5, 1075; 6, 252. -- ~Liebermann~, Ber. d. chem. Ges. 18, 1803. -- ~Burchard~, Beitr. z. Kenntn. d. Cholesterine. Dissert. Rostock 1889. -- ~Bondzynski-Humnicki~, Zeitschr. phys. Chem. 22 (1896), 396; Ber. d. chem. Ges. 29, 476. -- ~Humnicki~, Über d. Schicksal d. Cholesterins im tier. Organism. Diss. Freiburg 1898. -- ~Bömer~, Zeitschr. Unters. v. Nahrungs- u. Genußm. 1898, 544. -- ~Bömer~ und ~Winter~, Über einige Ester der Cholester. u. Phytoster. Zeitschr. Unters. Nahr. u. Genußm. 1901, 1091. -- ~Blümner~, Über Cholesterinäther. Dissert. Zürich 1911. -- ~E. Ritter~, Beitr. z. Kenntn. d. Cholesterine u. d. Method., die zu ihrer Abscheid. aus d. Fetten u. z. ihrer quantit. Best. verwendbar sind. Diss. Zürich 1902. -- ~Juckenack-Hilger~, Gewinn. d. Cholest. u. Phytost. aus Tier- u. Pflanzenfetten. Arch. Pharm. 1898, 367. -- ~Raumer~, Zeitschr. angew. Chem. 1898. -- Weitere Nachweise über Cholesterin in ~Röhmann~, Biochemie.

+Phytosterine+: ~Beneke~, Cholesterin im Pflanzenreiche aufgefunden. Lieb. Ann. 122 (1862), 249. -- ~Hesse~, Phytosterin und Cholesterin. Ebenda 192 (1870), 175. -- ~Lindenmeyer~, Journ. pr. Chem. 90, 321. -- ~Reinke~ und ~Rodewald~, Über Paracholesterin aus Aethal. sept. Lieb. Ann. 207 (1881), 229. -- ~Tschirch~, Verh. d. Naturforschervers. Wien 1894 und Chem. u. Biolog. d. pflanzl. Sekrete. -- ~Thoms~, Arch. Pharm. 235, 39. -- ~Schulze~, Lupeol, Zeitschr. phys. Chem. 41 (1904). -- ~Schulze~ und ~Winterstein~, Verh. d. Cholest. gegen d. Licht. Zeitschr. phys. Chem. 43, 316 und 48, 546. -- ~Hauth~, Z. Kenntn. d. Phytosterine. Diss. Freiburg 1907. -- ~H. Scherer~, Über Phytosterine usw. Diss. Straßburg 1909. -- ~Cohen~, Over Lupeol. Proefschr. Utrecht 1906, Arch. Pharm. 1908, 510, 515, 520 und 592. Phytosterine aus Balata. Ebenda 1908, 510. -- ~Sack~ und ~Tollens~, Ber. d. chem. Ges. 1904 (aus ~Sack~, Diss. Göttingen 1901). Weitere Nachweise über Phytosterine in ~Czapek~, Biochemie.

+Reaktionen+: ~Salkowski~, Pflüg. Arch. 6 (1872), 207. -- ~Hesse~, Lieb. Ann. 211 (1882), 284. -- ~Liebermann~, Ber. d. chem. Ges. 18 (1885), 1803. -- ~Burchard~, Beitr. z. Kenntn. d. Cholester. Diss. Rostock 1889. -- ~Hirschsohn~, Pharm. Centralh. 1902, 357.

Wollfettgruppe.

Adeps Lanae.

Wollfett, Wollschweißfett, Suint, Wool fat, Wool grease, Recovered grease, grasso di lana, in Amerika: Dégras, -- das wasserhaltige: +Lanolin+, Lanichol, Laniol, Lanesin, Agnin, Alapurin, Anaspalin, Vellolin usw. -- das wasserfreie: Lanolinum anhydricum, nach ~Husemanns~, ~Hebbelers~ und ~Wulfsbergs~ Ausführungen besser: oesypum (nicht oesipus wie ~Ince~ und ~Liebreich~ schreiben), das masc. kommt bei keinem römischen Autor vor.

=Etym.= οἴσυπος aus ὀίς = ovis Schaf; οἰὸς ῥύπος = Schmutz der Schafe; οἰὸς λίπος = Fett der Schafe; griech. ὀίσυπος (Neutr.) oder οἰσύπη (Fem.), bei ~Dioskurides~ οἴσυπος (Masc.); bei ~Galen~ auch ὀίσπη αἰγός; bei ~Oribasius~ ὀίσσυπος, bei ~Aëtius~, ~Paulus Aeginetes~, ~Nicol. Myrepsus~ auch ὕσσωπος. Daraus wurde dann im I. Jahrh. n. Chr. Hyssopus und Hyssopum; -- gleichlautend mit der Pflanze -- so bei ~Scribonius Largus~ und ~Celsus~, bei ~Plinius~ steht sowohl Oesypum wie Hyssopus. -- In der Alphita: Ysopum vel ysopus humida cerotum est succus lanae per decoctionem extractus. Bei ~Mathaeus silvaticus~: cenferatab (aus zûfâ ratab jabis corrumpiert, zûf, zûfâ, Name des Ysop). Das lat. ysopum humidum auch bei ~Ibn Baithar~ als zûfâ rathaba (raṭab) = feuchtes Ysop (die Ysoppflanze hieß trockener Ysop = zûfâ jabis; schon ~Paulus Aeginetes~ unterscheidet das Wollfett: ὕσσωπος ὑγρός τὸ φάρμακον vom Ysop: ὕσσωπος ἡ βοτάνη). -- Bei ~Serapion~: sinferatab, im Liber Servitoris: zuscherak. -- Arab. heißt Wollschweiß auch wadsah --. Oesypum war aber im Altertum auch Kollektivbegriff für allen möglichen «Schmutz», wie Ziegenkoth und das aus Ziegenbärten ausgekämmte Ladanum (Oesypum caprarum bei ~Plinius~). Der Name Hyssopus humidus wurde durch die arabischen Autoren im ganzen Mittelalter allgemein gebräuchlich (~Mesuë~, ~Liber servitoris~, ~Nicolai~). Im XVI. Jahrh. kam aber dann wieder durch die Humanisten und das Bestreben, die Medizin vom Arabismus zu reinigen, οἴσυπος und οἴσυπον (so z. B. bei ~Brunfels~) in Aufnahme. Doch schleppt sich der Ausdruck Hyssopus humida als Nebenbezeichnung noch durch die Arzneibücher des XVII. Jahrh. (~Schröders~ Pharm. med. chym., Pharmac. augustana 1634-1734), ja ist sogar ganz als hisopo umido oder hesipo humedo in die spanische Sprache übergegangen. Im Thesaurus aromat.: ysopus humide. In des Cordus Dispensat.: oesypi i. e. hyssopi humida. Im Ricett. fiorent. nur oesypus.

=Gewinnung.= Die Wolle der Schafe enthält wechselnde Mengen (20-70%) der unter dem Namen +Wollschweiß+ zusammengefaßten Ausscheidungsprodukte der Haare und Schweißdrüsen der Haut, vermischt mit mancherlei Verunreinigungen (Staub, Fasern, Kletten, Kot usw.). Dieser Wollschweiß, von dem die Wolle vor ihrer Verarbeitung befreit werden muß (+Wollwäsche+, +Entschweißen+), besteht einerseits aus in Wasser, zum Teil auch in Alkohol löslichen Bestandteilen: Kalisalzen organischer Säuren (s. unten S. 753), andererseits aus aus Cholesterinen und deren Fettsäureestern bestehendem Fett. Die Wolle enthält 20-28% dieses «Wollfettes». Die +Fabrikwäsche+ der Wolle (die Rückenwäsche am Tiere selbst wird nur selten noch geübt) geschieht entweder mittelst flüchtiger Lösungsmittel (Benzin, Äther, Schwefelkohlenstoff, Amylalkohol, Naphta) oder -- meist -- mittelst alkalischer Laugen (früher gefaulter Harn, jetzt Soda, Potasche, Seife, Ammoncarbonat, auch Wasserglas wurde empfohlen). Meist wird die Schweißwolle zunächst der +Vorwäsche+ unterworfen, d. h. mit Wasser von gewöhnlicher Temperatur behandelt. Die gelösten Kalisalze werden durch Calcinieren des Rückstandes der eingedampften Lösung auf Potasche verarbeitet («Potasche aus Wollschweiß», s. unten S. 752). Die +Hauptwäsche+ erfolgt gewöhnlich in den großen Wollwaschmaschinen (Leviathan) mittelst Seifenlösungen von 40-45° C. oder Seifen- und Sodalösungen, wodurch die Fette emulgiert werden. Das Waschwasser wird zunächst durch Klärkufen geschickt, in denen sich der Schmutz und andere Verunreinigungen absetzen, dann verschieden weiter verarbeitet. In dem einen Verfahren (Lanolinprozeß) setzt man zu der Emulsion verdünnte Schwefelsäure. Die Seife wird dadurch zerlegt und mit den freien Fettsäuren scheidet sich auch das Wollfett ab. Dies wird abgetrennt, abermals mit Kalilauge oder Potasche emulgiert und die aus Kaliseife und Lanolin bestehende Emulsion zentrifugiert, wobei sich das Lanolin als Rahm abscheidet. Dies wird dann mit Wasser gewaschen, die Seifen durch Chlorcalcium in Kalkseifen übergeführt und aus dem Gemisch das Wollfett mit Aceton extrahiert. Oder aber es wird das rohe Wollfett zunächst durch Ätzalkalien oder Carbonate in eine Emulsion verwandelt und diese dann der Zentrifugierung unterworfen. Dabei trennt sich diese in eine untere, die Fettsäuren und Fette als Seife enthaltende Lösung, und eine obere, die Cholesterinäther enthaltende, als Rahm abfließende Schicht. Das so gewonnene Rohlanolin wird dann wiederholt mit Wasser umgeschmolzen und gewaschen, hierauf Chlorcalciumlösung zugesetzt und die Kalkseife mit siedendem Aceton extrahiert. Das nach Abdestillieren des Acetons zurückbleibende Lanolin wird mit Kaliumpermanganat oder anderen Oxydationsmitteln von den Riechstoffen befreit. Durch Einkneten von 25% Wasser wird das Wollfett in Lanolin übergeführt. Neuerdings wird geruchloses Wollfett dadurch erhalten, daß der Wollfettschlamm statt mit Schwefelsäure mit schwefliger Säure gefällt wird. Ein anderes Verfahren (Adeps lanae-Prozeß) geht in der Weise vor, daß die geklärte Rohemulsion (s. oben) direkt mit Chlorcalcium versetzt und der ausfallende Schlamm (Suinter), ein Gemisch aus fettsaurem Kalk und Cholesterinestern, mit Wasser oder mit Salzlösungen (von 1,02-1,04 spez. Gew.) geschlämmt wird. Dabei bleiben die schweren Kalksalze zurück und der Wollfettschaum wird mit dem Waschwasser fortgeschlämmt und den Waschwässern durch einen Gegenstrom von Benzin oder einem anderen Lösungsmittel entzogen. Bisweilen werden auch die Rohemulsionen direkt zentrifugiert und das Fett durch Waschen, Umschmelzen usw. gereinigt. Wird die Rohwolle direkt mit Benzin oder Äther extrahiert, so müssen die Wollschweißsalze durch nachträgliches Waschen mit Wasser entfernt werden. Das Wollschweißfett, das durch Extraktion der Wolle mit flüchtigen Lösungsmitteln erhalten wird, enthält die natürlichen Bestandteile, soweit diese löslich sind: Fettsäuren, neutrale Ester und freie Alkohole, sowie Kalisalze der Fettsäuren. Die Darstellung von hellem Wollfett ist möglich, wenn die Lösung in Benzin mit Gerbsäure, Phosphorsäure, Essigsäure oder Bleiacetat unter Zusatz von Alkohol behandelt wird (~Kleemann~). Gewöhnlich wird zum Bleichen Kaliumbichromat und Schwefelsäure benutzt (~Herbig~). Die Darstellung gereinigter Wollfette ist durch vielerlei Patente geschützt. Ausführliche Darstellung der Methoden bei ~Donath~ und ~Margosches~ a. a. O. Viel rohes Wollfett kommt aus der Levante (~Caesar-Loretz~).

=Handelssorten.= Die +Norddeutsche Wollkämmerei+ in Delmenhorst bringt 1912 in den Handel: +Alapurin+, reines, neutrales, wasserfreies Wollfett, die beste Sorte, dann Adeps Lanae N. W. K. (Lanolinum puriss. anhydr.) und Adeps Lanae ad usum veterinarium. Ferner für technische Zwecke Adeps Lanae technicus, +Neutral-Wollfett+ I und II (säurefrei), +Wollfett-Fettsäure+ und +rohes Wollfett+. Über die Darstellung dieser Präparate teilt mir die Firma folgendes mit: «Das nach D. R. P. 69598 hergestellte, leicht schmelzbare Wollfett kommt jetzt bekanntlich unter dem Namen «Alapurin», als feinstes Produkt für medizinische Salben usw. in den Handel. Seines hohen Preises wegen tritt die Verwendung zurück gegenüber dem Adeps Lanae N. W. K., welches überall eingeführt und sich dauernd bewährt hat. Dieses Adeps Lanae N. W. K. hat als Grundlage das Neutral-Wollfett, welches direkt aus dem mittels Kalk und Erdalkalisalzen gewonnenem Suinter extrahiert wird. Zwei Drittel des gesamten Wollwaschwassers werden nach diesem Neutralverfahren mit Kalk und Erdalkalisalzen geklärt. Bei der Extraktion des Suinters entsteht zunächst ein gelbbraunes Fett mit ziemlich starkem Geruche, das +Neutral-Wollfett+ II. Dies wird mit Sauerstoff (Ozon) gebleicht und desodorisiert, dadurch verwandelt es sich in +Stern-Lanolin+. Ein letzter Raffinationsprozeß verwandelt das Stern-Lanolin in Adeps Lanae N. W. K. Wird dies mit Wasser verknetet, so entsteht das Adeps Lanae cum aqua. Die im Suinter verbleibenden Alkaliseifen werden durch besondere Extraktion mit anderem Lösungsmittel gewonnen und liefern nach Zersetzung mit Salzsäure die +Wollfett-Fettsäure+. Ein Teil des Wollwaschwassers wird nach dem altbekannten sauren Verfahren mit Schwefelsäure geklärt. Der hierbei sich absetzende Schlamm (saurer Suinter) wird in Dampfpressen gepreßt. Dabei läuft das +Roh-Wollfett+ ab. Die Rückstände werden als Dünger verkauft.»

=Chemie.= Die +Wolle+ enthält in %: 12,28-23,48 Wasser, 7,17-34,19 Wollfett, 9,76 bis 21,83 Wollschweiß (in Wasser löslich), 0,35-0,89 in Alkohol löslich, 1,39-5,64 in verd. Salzsäure löslich, 0,29-0,57 in Ätheralkohol löslich, 20,83-43,2 reine Wollfaser; 2,93-23,64 unlösliche Verunreinigungen (~Märcker~, ~Schulze~, ~Barbieri~). Der +Wollschweiß+ besteht aus Kaliumsalzen der Ölsäure und Stearinsäure, -- also Kaliseifen -- wahrscheinlich auch anderer nicht flüchtiger und einiger flüchtiger Fettsäuren (Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure, Capronsäure, Baldriansäure, Önanthsäure, Cerotinsäure), sowie Kaliumchlorid, Phosphaten und Sulfaten, Ammonsalzen usw., Kaliumphenylsulfat, Sarkolaktinsäure, Benzoësäure, Oxalsäure, Milchsäure, Bernsteinsäure, Harnsäure, Glycocoll, Leucin, Tyrosin, Mono- und Trimethylamin u. a. m. (~Ulbrich~, ~Reich~, ~Hartmann~, ~Buisine~). Die Wollschweißasche (Potasche) enthält 58,9-63,4% Kali. Beim Glühen der Kohle des Wollschweißwaschwassers entstehen brauchbare Gase. Die +Wollschweißpotasche+ ist oft fast frei von Natronsalzen. Je edler die Rasse und je besser genährt die Tiere sind, um so höher ist der Kaligehalt. In Deutschland wird sie in Döhren bei Hannover, Chemnitz und in Bremen dargestellt. Die Ausbeute beträgt 5% des Gewichtes der Wolle.

Das wasserfreie Wollfett bildet eine fast geruchlose, klebrige, stark viskose salbenartige Masse, die meist bei 40-42° schmilzt (die Norddeutsche Wollkämmerei liefert ein Wollfett von dem sehr niedrigen Schmelzpunkt 30-36°). Es nimmt mehr als das doppelte Gewicht Wasser auf, ohne seine salbenartige Beschaffenheit zu verlieren. Die Farbe des Wollfettes ist verschieden: hellgelb, gelb, grünlichgelb, goldgelb, dunkelgrün, dunkelbraun bis schwarzbraun. In Wasser ist es unlöslich, in Alkohol schwer löslich, leicht löslich in Aceton, Äther, Benzol, Petroläther und Schwefelkohlenstoff.

Spez. Gewicht: 0,970-0,973, Schmelzpunkt: 36-42,5°, V.-Z.: 82-130, J.-Z.: 10-28 (J.-Z. der Fettsäuren: 17), Hehnerzahl: 60, Schmelzpunkt der Fettsäuren: 41,8°, Erstarrungspunkt der Fettsäuren: 40°, Schmelzpunkt der Alkohole: 33,5°, Erstarrungspunkt der Alkohole: 28°. ~Dieterich~ fand (Methode: Helfenb. Ann. 1897) für wasserfreies Wollfett (1900): Verlust bei 100°: 0,1-2,2%, S.-Z.: 0,196-2,419, Wasseraufnahmefähigkeit: 56,26-246,86, Asche: Spuren -0,3%. Adeps lanae enthält meist nur Spuren Chlor.

Eine Analyse von rohem Wollfett (recovered grease) ergab ~Lewkowitsch~ in %: flüchtige Fettsäuren 1,26, unlösliche freie Fettsäuren 20,22, Unverseifbares (unverbund. Alkohole) 6,21, Total des Unverseifbaren 36,71, Wachs 72,31, darin: gebundene Alkohole 30,5 und gebundene Fettsäuren 41,81. Für mit überhitztem Wasserdampf destilliertes Wollfett (flüssiger Anteil): Freie Fettsäuren 54,91, unzersetztes Wachs 11,39, darin: gebundene Fettsäuren 7,09 und gebundene Alkohole 4,30, Unverseifbares (Kohlenwasserstoffe) 34,50.

Wollfett läßt sich in einen harten (Wollwachs) und einen weichen Teil scheiden. Die Abscheidung des Wollwachses erfolgt durch Abkühlung der Lösung in Fuselöl unter den Schmelzpunkt des Wollfettes.

~Chevreuls~ Analyse des Wollschweißes (1856) ergab neben oxalsaurem Kalk, kieselsaurem Alkali und Chlorkalium die Kalisalze zweier organischer Säuren und wenigstens 5 «besondere» Fette, vorwiegend Stearerin (unverseifbar) und Elaierin (verseifbar). ~Ulbricht~ und ~Reich~ fanden 1867 Stearinsäure und Ölsäure. Die Cholesterine wurden von ~Hartmann~ (1868) und ~E. Schulze~ (1870) im Wollfett entdeckt. ~Hartmann~ wies nach, daß im Wollfett kein Glycerin enthalten ist, ~E. Schulze~, der alle wichtigen Punkte aufklärte, daß darin Isocholesterin und ein Benzoësäureester (?) vorkommen. ~v. Sanctis~ fand im Lanolin von ~Jaffé~ und ~Darmstätter~: Cerotinsäure, Palmitinsäure, geringe Mengen Capron- und Ölsäure, sehr geringe Mengen Stearin-, Isovalerian- und Buttersäure, sämtlich als Äther des Cholesterins und Isocholesterins, vielleicht auch anderer höherer Alkohole. Glycerin fehlte. Ob aber Ölsäure darin vorkommt, die auch ~Schulze~ (1874) angibt, ist zweifelhaft. Ebenso bedarf die Hyaenasäure der Bestätigung. Buisine fand Cerotinsäureceryläther.

Die charakteristischen Bestandteile des Wollfettes sind Fettsäureester des linksdrehenden +Cholesterins+ (F = 145°), des rechtsdrehenden +Isocholesterins+ (F = 138,5°) und der +Oxycholesterine+, sowie die Fettsäureester kohlenstoffreicherer, cholesterinartiger Verbindungen. Die Zusammensetzung des Wollfettes ist aber eine sehr schwankende und variiert stark nach der Provenienz. ~Schulze~ erhielt mehrfach bis 15% Cholesterin- und Isocholesterinester, etwa zu gleichen Teilen (im Wollwachs 85-90%), ~Darmstädter~ sehr viel weniger. In einigen Fällen fehlte Cholesterin fast ganz, in anderen Isocholesterin. Die höher schmelzenden wachsartigen Bestandteile, das +Wollwachs+, können (s. oben) durch Lösen des Wollfettes in Fuselöl und Abkühlen der Lösung entfernt werden (~Jaffé-Darmstädter~ 1894). ~Marchetti~ isolierte den keine Cholesterinreaktion gebenden +Lanolinalkohol+ (C₁₂H₂₄O), ~Darmstädter~ und ~Lifschütz~ aus +Wollfettwachs+ +Carnaubasäure+ (C₂₄H₄₈O₂, identisch mit der Carnaubasäure ~Stürckes~) und +Myristinsäure+ (C₁₄H₂₈O₂) -- australisches Wollfett enthielt 10-12% dieser Säuren --, sowie +Lanocerinsäure+ (C₃₀H₆₀O₄, F = 104°), die eine Dioxysäure sein soll und deren Lakton C₃₀H₅₈O₃ von ihnen früher als ein Lanestol, d. h. als ein Wollalkohol betrachtet und beschrieben wurde (sie macht den Hauptbestandteil der in kaltem Alkohol unlöslichen, bei der Verseifung erhaltenen Substanzen aus) und in der alkohollöslichen Seifengruppe: 34% +Lanopalminsäure+ (C₁₆H₃₂O₃, F = 88°), die im geschmolzenen Zustande sich mit Wasser emulgiert und, neben einer flüchtigen, 15% einer öligen Säure (Ölsäure?). Von Alkoholen erhielten sie +Cerylalkohol+ und einen vielleicht damit isomeren Alkohol, sowie +Carnaubylalkohol+ (C₂₄H₅₀O), der bei der Oxydation Carnaubasäure liefert und +Cholesterin+ (im harten Bestandteil kein Isocholesterin). Das bei 55-60° schmelzende Wollfettwachs lieferte 33% Rohalkohole, 41,6% in Alkohol unlösliche Seife (rohes lanocerinsaures Kali) und 36,2% alkohollösliche Seife. Der Säurebestandteil betrug über 65% (darunter nur wenige Prozente flüssige Säuren). In dem «Weichfett» beträgt er nur 40-45%. In ihm fehlt Lanocerin- und Lanopalminsäure. Dagegen sind auch hier +Myristin-+ und +Carnaubasäure+, vielleicht auch +Cerotinsäure+ und in beträchtlicher Menge (40%) die +ölige Säure+ vorhanden, als Alkohole ein +Isocholesterin+ (C₂₆H₄₄O, F = 137-138, nicht mit ~Schulzes~ Isocholesterin identisch) neben anderen nicht näher charakterisierten Sterinen. Von Alkoholen wurden im Weichfett +Cerylalkohol+ und +Carnaubylalkohol+ nachgewiesen.

Endlich wurden auch die Oxydationsstufen des Cholesterins: +Oxycholesterin+ [C₂₆H₄₂(OH)₂], +Oxycholesterinäther+ (C₂₆H₄₃O)₂O), +Cholansäure+ (C₂₆H₄₀O₄) u. and. im Wollfett gefunden (~Lifschütz~). Ob Stearinsäure, Palmitinsäure, Capronsäure, Isovaleriansäure und Normal-Buttersäure (in Esterbindung) zu den normalen Bestandteilen aller Wollfette gehören ist zweifelhaft. Sie finden sich wohl nur im Rohfett und werden bei der Reinigung zum Teil entfernt (s. oben unter Wollwäsche). Ein bedeutender Teil des Wollfettes besteht jedenfalls nicht aus Cholesterin-, Oleïn- und Cerotinsäureestern. Nach ~Darmstädter~ und ~Lifschütz~ treten weniger die Cholesterin- und Isocholesterinester der Cerotinsäure, als vielmehr die der Carnaubasäure und Lanocerinsäure in den Vordergrund.

Dagegen wird nach ~Unna~ das Wollfett nicht durch Vorhandensein von Cholesterin und Cholesterinestern charakterisiert, sondern durch Isocholesterin (~Schulze~) und Oxycholesterin (+Lifschütz+), Lanocerinsäure und Lanopalminsäure (~Lifschütz~ und ~Darmstädter~).

Im Fett der Epidermis, der Cutis und der Subcutis der menschlichen Fußsohle, im Ohrenschmalz und in den Nägeln, die Cholesterin enthalten, fehlen Isocholesterin und Oxycholesterin. Die +menschliche+ Haut enthält also kein Wollfett. Die Hydrophilie, die Fähigkeit mit Wasser zu lanolisieren, geht den Hautfetten ab und eignet dem Wollfett wegen seines Gehaltes an Oxycholesterinen. Die Fettsäureester der Cholesterine lassen sich nur mit +alkoholischer+ Kalilauge oder den Alkoholaten der Alkalien (~Kossel~ und ~Krüger~) verseifen. Sie sind gegen Mikroorganismen widerstandsfähiger als Fette und daher sehr geeignet zu Hautschutzmitteln.

=Lit.= ~Donath~ und ~Margosches~, D. Wollfett, seine Gewinn., Zusammensetz., Untersuch., Eigensch. u. Verwert. in Samml. chem. u. chem. techn. Vortr. VI, 1901 (dort die Lit.). -- ~Möhlau~, Wollwäsche in ~Luegers~ Lexikon der Ges. Technik 1911. -- ~Knecht~, ~Rawson~ und ~Löwenthal~, Handb. d. Färberei. Berlin 1900. -- ~Herbig~, Die Verwert. d. Abfallprod. d. Wollwäschereien. Zeitschr. f. d. Ges. Textilindustrie 1897/98. -- ~Borchers~, Verwert. d. Wollschweißes. Zeitschr. Angew. Chem. 1890, 96.

~Chevreul~, Compt. rend. 43, 13 (Journ. pr. Chem. 70, 256). -- ~Berthelot~, Ann. ch. phys. (3) 56, 51 (Lieb. Ann. 112, 356). -- ~Hartmann~, Über den Fettschweiß der Schafwolle 1868. -- ~E. Schulze~ (Cholesterine). Ber. d. chem. Ges. 1872, 1075 und 1873, 1279. Zeitschr. f. Chem. 1870, 453. -- ~Schulze~ und ~Uhrich~, Ber. d. chem. Ges. 1874, 570. -- ~Ulbricht~ u. ~Reich~, Preuß. Ann. d. Landw. Monatsbl. 49, 122. -- ~Herbig~ und ~von Cochenhausen~, Dingl. Polyt. Journ. 292 u. 297.

~Liebreich~, Über d. Lanolin, eine neue Salbengrundlage. Berl. klin. Wochenschr. 1885, 761, in Real-Encycl. d. ges. Medizin XI, 1887. Vorkommen von Lanolin in der Haut: Verh. d. phys. Ges. Berlin 1890. Therapeut. Monatsh. 1890. Virchows Archiv 121 (1890) 383. Du Bois Reymonds Archiv 1890, 363. -- ~Schulze~, Journ. pr. Chem. (2) 25, 459 u. 7 (1873), 163 u. 178, 9, 321. Ber. d. chem. Ges. 6 (1872), 251. Einig. Best. d. Wollfettes. Ber. d. chem. Ges. 31 (1898), 1200. Zeitschr. phys. Chemie 14 (1890), 522. -- ~Spenzer~ u. ~Cleveland~, On gallstones Clevel. Med. Gaz. 1895. -- ~Buisine~, Bull. soc. chim. 42, 201. -- ~v. Sanctis~, l’Orosi 1894 (Apoth. Zeit. 1894, 371). -- ~Hartmann~, Über den Fettschweiß der Schafwolle. Diss. Göttingen 1868. -- ~Marchetti~ (Lanolinalkohol). Gazz. chim. ital. 25 (1895). -- ~Darmstaedter~ und ~Lifschütz~, Beitr. z. Kenntn. d. Zusammens. d. Wollfettes. Ber. d. chem. Ges. 1895, 3133; 1896, 618, 1474 u. 2890; 1898, 97 u. 1122. -- ~Burchard~, Beitr. z. Kenntn. d. Cholesterine. Rostock 1889. -- ~Unna~, Monatsh. f. prakt. Dermatologie 1907, 443. -- ~Santi~, Über Lanolin. Monatsh. f. prakt. Dermatol. 1889 u. 1892. -- ~Lifschütz~ (Oxycholester.). Zeitschr. phys. Chem. 50, 436, 53, 140 (1907). -- ~Lewkowitsch~, Chem. Technol. d. Fette I, 444 und Journ. Soc. Chem. Ind. 1892 u. 1896. -- Identitätsreaktionen für Wollfett: ~Hilger~, Jahresb. d. Pharm. 1893, 383 und ~Astolfi~, Bull. chim. farm. 1894, 4; vgl. auch bei ~Donath~ a. a. O. -- Wertbestimmung: ~v. Cochenhausen~, Chem. Zeit. 1894, 143. -- Controverse über den Chlorgehalt: Pharm. Jahresber. 1894.

Zur =Wertbestimmung= gehört: Bestimmung des Wassers und der fremden Stoffe, Säurezahl, Verseifungszahl, Bestimmung der freien Fettsäuren, ihrer Säurezahl und ihres Molekulargewichts, Bestimmung der flüchtigen Fettsäuren und bei der Verseifung frei gewordenen Alkohole sowie der schwer verseifbaren Stoffe, Bestimmung der Säurezahl des aufgeschlossenen Wollfettes und der Gesamtfettsäuren (~v. Cochenhausen~). Pharm. helv. IV. verlangt bei Adeps lanae außer den Identitätsreaktionen von ~Salkowsky-Hesse~ und ~Liebermann-Burchard~ (s. oben S. 749) Prüfung auf Seife, Glycerin, mineralische Stoffe und Ammoniaksalze, Säure und Alkalinität. Schmelzpunkt 35-40°. J. Z. 20-26.

=Präparate.= +Lanolin+: Adeps lana 75, Wasser 25 (D. A. V läßt flüssiges Paraffin zusetzen). +Lanogen+ ist eine Mischung der wasserbindenden Substanz des Wollfettes mit Vaselin (es bindet 300% Wasser). +Dermozon+ ist sterilisiertes wasserstoffperoxydhaltiges Wollfett, +Lanoform+ ein Formaldehydwollfettpräparat, +Thilanin+ geschwefeltes Wollfett, +Bryolin+ Borsäure-Glycerin-Olivenöl-Wollfett. (Weitere Präparate in ~Gehes~ Codex.)

=Geschichte.= Das wasserhaltige Wollfett ist durch ~Liebreich~ 1885 unter dem Namen Lanolin als Salbengrundlage in den Arzneischatz eingeführt worden, aber bekannt ist Wollfett seit c. 2000 Jahren als Cosmeticum und Arzneimittel. Seine Geschichte wurde gelegentlich der Lanolin-Patentprozesse besonders durch ~Th. Husemann~ aufgeklärt. Vorschriften zur Darstellung des Oesypum gab bereits ~Dioskurides~ (II c. 84) und ~Plinius~ (XXIX, c. 2). Im wesentlichen wurde es durch Auskochen der Wolle mit Wasser, Sammeln, Reinigen und Bleichen des abgeschiedenen Fettes dargestellt. Das Produkt hatte einen üblen Geruch (ut sordium virus oleat). Die Vorschrift von ~Dioskurides~, der auch schon einer Verfälschung mit Cerat und Talg gedenkt, reproduzierte mit wenigen Modifikationen ~Aëtius~, ~Nicol. Myrepsus~ und ~Serapion~, der schon ein weniger übelriechendes Produkt erhielt. Ein neues Verfahren führte ~Mésue~, der die Bereitung des Wollfettes aus der Hand der Hirten in die der Apotheker legen wollte, im Grabbadin (I, S. 599) ein, das dann das herrschende wurde, z. B. auch in das Dispensatorium ~Nicolai~ (I, S. 790) und in das Luminare majus (I, S. 793) überging. ~Jacobus Sylvius~ verlangt 1542, daß es nicht von räudigen Schafen dargestellt werde, was die Pharmac. coloniensis 1565 wiederholt. Auch ~Heinrich von Mondeville~ reproduziert in seinem Antidotarius die Vorschrift des ~Mésue~. Er bemerkt, daß Isopus humida ein Mittelding zwischen Salbe und Pflaster sei. In der Zeit der Renaissance, als der Arabismus bekämpft und die Alten «wiederhergestellt» wurden, grub ~Cordus~ die Vorschrift des ~Dioskurides~ wieder aus und ihm folgt der Ricettario fiorentino (I, S. 793), die Kölnische Pharmacopoee (1565) und die Pharmac. augustana (1640) in ihren verschiedenen Ausgaben (I, S. 793). Als legitimes Quid pro quo tritt hier Knochenmark, medulla vitulina und cervina auf, die später ganz allgemein als Succedanea dafür angegeben wurden, denn keine der späteren amtlichen Pharmacopoeen führte mehr eine Bereitungsvorschrift für Oesypum auf. Wohl aber hat die ~Schröder~sche Pharmacopoee (I, S. 890) bis in ihre spätesten Auflagen (1748) noch die Vorschrift des ~Dioskurides~ mit wenigen Abweichungen. Die Vorschrift, daß man die Schafe vorher abhetzen solle, wohl um die Ausbeute zu vermehren, steht schon im Antidotarium romanum aus dem XVI. Jahrh. und ging in die Pharmac. augustana und londinensis über. Aber im XVII. und XVIII. Jahrh. verschwinden allmählich diese schmierigen Präparate aus den Pharmacopoeen und Arzneibüchern, da sich das Präparat immer mehr verschlechterte und die Bereitung in der Apotheke zu viel Mühe machte, und erst die Pharmacop. hispanica III 1803 kennt wieder eine Oesypi purificatio und die von 1817 benutzt einen Oesypus praeparatus.

Als Handelsware scheint Oesypum schon im Altertum zur Zeit des ~Dioskurides~ einen großen Verbreitungsbezirk gehabt zu haben (~Husemann~). Es diente nach ~Plinius~ unzähligen Zwecken und war ein auch von ~Celsus~, ~Galen~ und später auch im Mittelalter (~Aëtius~, ~Paulus von Aegina~) viel benutztes Medikament (besonders für Pflaster, Salben und Pessi) und Cosmeticum trotz seines abscheulichen Geruches. Das beste Wollfett lieferte Attica. Als Verfälschungen wird neben Wachssalbe und Talg auch Teig genannt. Es gab aber sogar Ersatzmittel aus Colophonium, Wachs und Fichtenharz. Im Mittelalter wurde es jedenfalls nicht in den Apotheken gemacht, sondern von den «herbatici» bezogen. Ende des XVII. und Anfang des XVIII. Jahrh. wurde Wollfett in Frankreich in größerem Stil produziert und exportiert (~Valentini~, Hist. simpl., ~Pomet~, Hist. d. drog.). Für das Verschwinden des Wollfettes aus den Arzneivorschriften ist wohl der Protest ~Zwelfes~ in der Pharmac. august. reform. 1652 gegen dies stinkende Präparat maßgebend gewesen (~Husemann~). Erst nach der Mitte des XIX. Jahrh. wurde, nachdem die Aufmerksamkeit durch ~Chevreul~ (1856) und ~Berthelot~ (1858), später auch durch ~E. Schulze~ auf die Cholesterine des Wollfettes gelenkt war, die technische Gewinnung desselben durch die Arbeiten von ~Vohl~, Abscheidung und Benutzung der Fette aus den Seifenwässern der Tuch- und Wollwarenfabriken. Dingl. Polyt. Journ. 185 [1867], 465 und ~Hartmann~, Über den Fettschweiß der Schafwolle. Diss. Göttingen 1868 eingeleitet.

Die Tatsache, daß Wollfett beim Verreiben mit Wasser weiß wird, war schon den Alten bekannt, wurde aber nur als Identitätsreaktion benutzt (~Th. Husemann~). Das Verdienst ~Liebreichs~ ist es, 1885 gezeigt zu haben, daß das durch Wasseraufnahme in Lanolin verwandelte, entsprechend +gereinigte+, völlig neutrale, seifenfreie Wollfett eine vorzügliche Salbengrundlage ist. Dargestellt wurde aber wasserhaltiges Wollfett (Lanolin) zuerst 1882 durch ~Braun~. Der «Wollfettkrieg» tobte 1894 und 1895 (vgl. d. Jahresberichte). Jetzt ist das Lanolinpatent erloschen und auch das Wort Freizeichen. Nach dem Verfahren von ~Dioskurides~ und ~Mesuë~ wird niemals ein gutes reines Wollfett, sondern stets ein übelriechendes Produkt von geringem Werte erhalten. Die besonders durch ~B. Jaffé~ und ~Darmstädter~ in Martinikenfelde und die Norddeutsche Wollkämmerei in Delmenhorst-Bremen ausgearbeiteten verbesserten neuen Fabrikationsverfahren bedeuten einen großen Fortschritt; ohne sie wäre das Wollfett niemals aus seiner Vergessenheit gezogen worden. ~Beckurts~ bezeichnete aber die +Patentierung+ der Vermischung von Wollfett mit Wasser als einen Eingriff in pharmazeutische Rechte.

Die Gewinnung von Potasche aus Wollschweiß erfanden ~Maumené~ und ~Rogelet~ (1859) und ~H. Fischer~ (vgl. ~F. Fischer~, Dingl. polyt. Journ. 218, 484). Die erste Anregung dazu gaben ~Kurrer~ und ~Westrumb~ 1831.

=Lit.= ~Liebreich~, Brit. Med. Journ. 1896. -- ~Wulfsberg~, Geschichtl. Not. über Oesypum. Therapeut. Monatsh. 1887. -- ~Vulpius~, Zur Gesch. d. Lanolins. Arch. Pharm. 1888. -- ~Th. Husemann~, Zur Vorgeschichte des Lanolins. Janus 1897 (ausführliche Darstellung).

b) Insektenwachse.

Eine große Zahl niederer Tiere, besonders Insekten, besitzen die Fähigkeit, wachsartige Substanzen auszuscheiden (häufig neben Zucker). Bisweilen sind die Ausscheidungen so beträchtlich, daß sie in größerer Menge gewonnen werden können. So entstammt das im Schellack (s. d.) enthaltene Wachs zweifellos dem Tier und auch das chinesische Wachs ist ein Insektenwachs. Besonders sind wachsausscheidend die zu den Hymenopteren gehörenden Apiden (Immen), zu denen die Bienen (Apinae), Hummeln (Bombinae), die Trigonae und Meliponae gehören. Ferner sind wachsausscheidend von den Hemipteren die Cicaden (z. B. Cicada laternina) und die Wachsschildläuse (z. B. Coccus ceriferus), die Blutlaus u. and. Die Hauptbestandteile dieser Wachse sind schwer verseifbare Ester der höheren Fettsäuren (Wachssäuren) mit einwertigen Alkoholen mit hohem Kohlenstoffgehalt (Wachsalkoholen, s. oben S. 548). Oft treten homologe Glieder der Reihe nebeneinander auf und daneben Kohlenwasserstoffe.

=Lit.= betr. Insektenwachs zusammengestellt bei ~Fürth~, Vergleichend. Chem. Phys. d. nied. Tiere 1903 und ~Pillier~, Hist. nat. et chim. des cires d’insectes. Thèse Paris.

Cera Flava.

Cera citrina, Bienenwachs, gelbes Wachs, cire d’abeilles, cire jaune, beeswax, yellowwax.

=Etym.= +Wachs+ (mhd.) -- +ahd.+ wahs, +anord.+ vax, +angels.+ weahs, +engl.+ wax, ndl. vaas. Der Zusammenhang mit wabe ist unsicher (~Kluge~). ~Schrader~ stellt die Gleichung auf: gr. κηρός, lat. cêra, lit. koris, ahd. wahs (altsl. voskû, lit. waszkas). -- Wachs heißt ägyptisch: mnḥ (die hieroglyphischen Zeichen I, S. 470). -- Propolis = Vorstadt, hier wohl = Vorbau, da man früher von der (irrigen) Ansicht ausging, daß die Bienen zuerst die Propolis auf die Wand streichen und daran die Waben befestigen (~Küstenmacher~).

=Stammtier.= Das gewöhnliche Bienenwachs stammt von der Hymenoptere =Apis mellifica= L. (A. mellifera, cerifera, domestica, gregaria) und deren Rassen und Varietäten.

Von A. mellifica unterscheidet man gewöhnlich 6 Rassen: 1. die +einfarbig dunkle deutsche+ Biene (A. mellifica im engeren Sinne) im nördlichen Europa bis 61° n. B., in Mitteleuropa und einigen Gegenden Südeuropas und Nordafrikas. Hierher gehört auch die griechische oder Hymettusbiene (A. Cecropia). 2. Die +bunte südeuropäische+ mit gelbem ersten Hinterleibssegment in Südfrankreich und Westasien. Hierher gehört die norditalienische Biene (A. ligustica), die 1853 in Deutschland eingeführt wurde. 3. Die +gebänderte ägyptische+ Biene (A. fasciata) in Ägypten, Arabien, Syrien, Himalaya, China, 1864 in Deutschland eingeführt. 4. Die +afrikanische Biene+ (A. Adansonii) mit graugelber Behaarung, in Afrika bis zum Kap, nicht in Nordafrika. 5. Die schwarze +madagassische+ Biene (A. unicolor) in Madagaskar und Mauritius. 6. Die amerikanische (A. pallida). Die Rassen können sich untereinander paaren. Sie zerfallen wieder in Varietäten. Von der deutschen unterscheidet man z. B. die Lüneburger Heidebiene, die krainische, die niederösterreichische. Das britisch-indische beeswax stammt von Apis dorsata ~Fabr.~, A. indica ~Fabr.~, A. florea ~Fabr.~ und Melipona- (Trigona)arten (~Hooper~). A. dorsata und florea sind beide wildlebend und nicht domestizierbar. Auch von anderen Bienen, besonders wilden, wird da und dort (z. B. in Niederl. Indien, in Guadeloupe u. and.) Wachs gewonnen.

Die +Arbeitsbienen+ sind geschlechtlich funktionslos gewordene Weibchen. Die +Drohnen+ (von Dröhnen, Summen) sind männlich, die +Königin+ (Weisel, wohl eigentlich Weiser) weiblich -- ausschließlich «Eierlegmaschine». Ein mittelstarkes Bienenvolk hat etwa 30000 (kleinere 12-24000, starke 70-100000) Arbeiterinnen, 2000 (kleinere 600-1000) Drohnen und eine Königin. Die Arbeiterinnen bauen die Waben, pflegen die Eier, füttern die Brut, die Drohnen sowie die Königin, deckeln die vor der Verpuppung stehenden Larven und helfen den ausschlüpfenden jungen Bienen beim Verlassen der Zellen. Sie allein fliegen auf «Tracht», d. h. sammeln Nektar, Pollen, Wasser und Propolis und speichern Honig, Pollen und Propolis im Wachsbau auf. Letztere werden im Körbchen eingebracht. Das «Körbchen» ist eine Mulde auf der Außenseite der Hinterschienen, von langen Wimperhaaren umstellt, in das die Arbeitsbiene bei ihren Blütenbesuchen den Pollen, beim Sammeln an harzenden Pflanzen das Kittwachs zu einem Klümpchen, dem «+Höschen+» zusammenstreicht. Es fehlt der Königin und Drohne, die auch keine «Zange» zum Abnehmen der Wachsblättchen besitzen. Die +Pollenhöschen+, die oft aus verschiedenen Pollenarten bestehen, werden von der Arbeiterin von den Hinterbeinen in eine Arbeiterzelle abgestreift, bis diese gefüllt ist. Die Masse wird mit dem Kopf festgestampft und bisweilen mit Honig übergossen. «Der Bedarf an Blütenstaub erreicht nicht den Verbrauch an Honig. Immerhin scheint der Instinkt, ihn +über+ Bedarf zu sammeln wie den Honig auch den Bienen volksgesunder Stöcke nicht zu fehlen» (~Stadler~). Jüngere Trachtbienen sammeln in der ersten Zeit ihrer Ausflüge vorwiegend Pollen. Auch sonst bringt die Arbeiterin bald entweder Pollen oder Nektar heim. Den Pollen führt die Biene mit den Oberkiefern der Mundöffnung zu. Die Arbeiterinnen säubern auch den Stock von Kranken und Toten, verteidigen den Bau mit ihren Kiefern gegen Eindringlinge und ventilieren den Bau mit ihren Flügeln. Sie arbeiten sich so ab, daß sie nicht länger als 6 Wochen leben. Nur die im Herbst ausschlüpfenden, überwinternden gehen erst während der Frühjahrsarbeit ein.

Die etwa 3 Monate alt werdenden +Drohnen+ beteiligen sich nicht an den Arbeiten des Stockes. Eine Drohne befruchtet im «Hochzeitsflug» die Königin. Nachdem die Haupttracht vorüber, werden die Drohnen von den Arbeitern aus dem Bau entfernt (Drohnenschlacht).

Eine +Königin+ kann zur Zeit der Haupttracht in 24 Stunden 2000-3500 Eier ablegen, in 4-5 Jahren (so alt kann sie werden) viele hunderttausende. Doch legt sie stets nur je ein Ei in je eine Zelle. In Arbeiter- und Weiselzellen legt sie befruchtete, in Drohnenzellen unbefruchtete Eier, die sich aber parthenogenetisch entwickeln.

=Lit.= ~Schmiedeknecht~, Apidae europaeae 1882-86. 2 B. -- ~Cowan~, Die Honigbiene (aus dem Engl.) 1891. -- ~Hess~, Die Feinde der Biene 1887. -- ~v. Berlepsch~, Die Biene und ihre Zucht 1873, und Die Biene nach ihrem jetzigen ration. Standp. (3. Aufl. von Vogel 1891). -- ~Dathe~, Lehrb. d. Bienenzucht. 5. Aufl. 1892. -- ~Witzgall~, Das Buch von der Biene 1906. -- ~Bessler~, Illustr. Lehrb. d. Bienenzucht. Stuttgart 1896. -- ~Beauregard~, Mat. med. zool. 1901. -- ~Kramer-Theiler~, Der schweizerische Bienenvater. 7. Aufl. 1910 (darin auch die Feinde d. B.). -- ~Buttel-Reepen~, Die stammesgeschichtl. Entstehung d. Bienenstaates und: Sind die Bienen Reflexmaschinen? -- ~Forel~, D. Sinnesleben der Insekten. 1910. -- ~Hans Stadler~, Die Biologie d. Biene. 1911. -- ~H. Vogt~, Geometrie u. Ökonomie d. Bienenzelle. 1911. -- Gute Übersicht über die Morphologie der Biene in: ~Zander~, Der Bau der Biene. Stuttgart 1911. -- Viele und gute anatomische und morphologische Details der Biene in ~Snodgrass~, The anatomy of the honey bee. U. S. Dep. Agric. Bur. Entomol. 1910. Bull. No. 18. -- Vgl. auch den Artikel Honig S. 8.

=Entstehung.= Aus welchen Stoffen das Wachs in den Bienen gebildet wird wissen wir nicht bestimmt. Die einen (~Liebig~, ~G. Buchner~) nehmen an, daß es aus Kohlehydraten, namentlich Zucker, umgebildet werde -- ~Hanriot~ hat für die Überführung von Hexosen in Wachs Formeln erdacht --, die anderen (~Voit~, ~Berlepsch~), daß Eiweißkörper die Muttersubstanzen sind, noch andere (~Swamerdamm~, ~Maraldi~, ~Réaumur~, ~Hoppe-Seyler~) sind der Ansicht, daß es von den Bienen fertig gebildet aus den Pflanzen aufgenommen und nur in reiner Form abgeschieden werde. Gegen letztere Ansicht spricht, daß Bienen angeblich auch bei wachsfreier (gibt es diese?) Nahrung wenigstens einige Zeit Wachs zu produzieren vermögen (~Schneider~), was freilich schwer zu kontrollieren ist. Immerhin ist zu berücksichtigen, daß das Pollenin (s. S. 472) der Pollenkörner, das dem Korke offenbar sehr nahe steht, jedenfalls wie dieses auch wachsartige Substanzen enthält, die von der Biene verarbeitet und vielleicht einige Zeit gespeichert werden können (~Tschirch~) -- daß Pollenkörner Wachs enthalten wußte schon ~Proust~. Auch sonst kommen die Bienen ja vielfach mit den Wachsüberzügen der Pflanzen in Berührung. Auch gibt zu denken, daß das Bienenwachs und das Pflanzenwachs chemisch sehr nahe verwandt sind (s. Carnaubawachs). Meist wird jetzt das Wachs als ein Produkt der Überernährung der Biene mit Honig und Pollen betrachtet und als aus dem Honig umgebildet (~Huber~ 1793, ~Hunter~). Man hat sogar berechnet, daß für 1 kg Wachswabe 10 kg Honig konsumiert werden müssen und daraus gefolgert, daß der Honigertrag durch den Wachsbau empfindlich geschmälert würde, daher eben künstliche Waben eingesetzt, die aber in erster Linie den Zweck haben, der Biene die volle Ausnutzung der Einsammeltage zur Honigproduktion zu ermöglichen. Zu denken gibt die mir von Imkern hervorgehobene Tatsache, daß die Biene +jederzeit+ zum Wachsbau angeregt werden kann, und daß der Wabenbau außerordentlich rasch erfolgt. Das sieht fast darnach aus, daß sie das Wachs +produziert+. Aber freilich, an Pollen ist ja immer Vorrat vorhanden. Die Biene hat bekanntlich einen eigenen Pollenmagen und speichert auch im Bau Pollen und anderes Wachsmaterial auf.

~Huber~ meint freilich, daß Bienen ausschließlich mit Pollen ernährt, niemals Wachs geben, und daß mit Honig ernährte es reichlich produzierten (~Dumas~ und ~Milne-Edwards~ stimmen dem bei). Aber ~Beauregard~ bemerkt, daß dies doch nicht so viel heißen solle, daß die Wachsmaterialien der Pflanze gar keinen Einfluß auf die Wachsbildung haben und niemals dazu benutzt werden. Er nimmt also einen vermittelnden Standpunkt ein. Ich nehme an (Schweiz. Wochenschr. 1911 Dez.), daß die Hauptquelle des Bienenwachses die von den Pflanzen stammenden Wachssubstanzen sind, aber zu seiner Bildung die Anwesenheit von Honig nötig ist. Wegleitend ist für mich die Tatsache, daß das Bienenwachs ebenso wie das Pflanzenwachs eigenartige Kohlenwasserstoffe enthält, und daß der Biene stets reichliche pflanzliche Wachsquellen (s. oben) zur Verfügung stehen, aus denen sie mit viel geringerem Energieaufwand wie aus Honig allein Wachs bilden kann.

Die von ~Hornborstel~ ausgesprochene Ansicht, daß den Bienen zur Wachsbereitung Honig in genügender Menge zur Verfügung stehen müsse, war schon, wie es schien, durch ~Hubers~ Versuche bestätigt worden. ~Gundelach~ (1842), ~v. Berlepsch~ (1854) und ~Dönhoff~ (1861) suchten dann durch zahlreiche Fütterungsversuche den Nachweis zu erbringen, in welchen Gewichtsverhältnissen die gegebenen Honigmengen und die produzierten Wachsmassen stehen. Die Resultate sind aber so verschieden und weichen von denen späterer Beobachter so stark ab, daß sich ein sicheres Urteil nicht abgeben läßt. Der Punkt ist also auch heute noch strittig (vgl. bei ~Dreyling~ a. a. O.).

Wenn ich oben als möglich bezeichnet habe, daß das Wachs, welches die Biene ausscheidet, vorwiegend den von ihr gesammelten Wachsmaterialien der Pflanze entstammt, so ist das doch selbstverständlich nicht so zu verstehen, daß dies Material einfach so wie es ist wieder ausgeschieden wird. Es passiert den Tierkörper, erleidet hier (mit Ausnahme der Kohlenwasserstoffe) eine Umbildung und wird dann in veränderter Form von den Wachsdrüsen abgeschieden. Ich stütze mich hierbei unter anderem auch auf die Tatsache, daß wir Cerotinsäure und Melissylalkohol sowie Kohlenwasserstoffe sowohl in Pflanzenwachsen wie im Bienenwachs finden und daß z. B. der in Pflanzenwachsen gefundene Myricylalkohol völlig identisch ist mit dem aus Bienenwachs isolierten.

18-24 Stunden nach der Aufnahme der Nahrung, die in dem zuckerhaltigen Nektar und dem Pollen der besuchten Blüten besteht, erfolgt bei den Arbeitsbienen an den vier letzten Bauchringen, den sog. «Spiegeln», die den Drohnen fehlen, und zwar in der sog. Wachsmembran, einer Schicht epithelialer Zellen, welche zwischen der Cuticula und der inneren membranösen Auskleidung der Bauchsegmente liegen (~Carlet~), die Ausscheidung des Wachses in Form kleiner länglich-runder Lamellen, von denen acht etwa 0,0015 wiegen (~Dumas~). Aus diesen bauen die Arbeitsbienen die sechseckigen Zellen in die sie dann den aus dem Nektar gebildeten Honig (s. S. 9) entleeren, «erbrechen».

~Dreyling~ faßt seine Untersuchungen über die wachsbereitenden Organe der gesellig lebenden Bienen (1905), wie folgt, zusammen: «Die Arbeiterinnen der Honigbiene scheiden das Wachs durch besonders ausgebildete Drüsen («Hautdrüsen») an den vier letzten Ventralplatten des Abdomens aus. Die Anlagen der Wachsdrüsen sind bereits im Puppenstadium sichtbar, erreichen bei der ausgebildeten Biene einen gewissen Höhepunkt und degenerieren mit zunehmendem Alter allmählich. Die Sekretionsfähigkeit der Wachsdrüsen hängt mit dem Bau derselben innig zusammen. Das Wachs gelangt durch die Poren auf die Außenseite des Spiegels, wo es sich in Form kleiner Plättchen ablagert.» Die Wachsdrüsen (Fig. 230) zeigen eine auffallende Ähnlichkeit mit den Drüsenflecken der Pflanzen, z. B. bei Capsicum (~Tschirch~). Die Wachsdrüsen bringen also nur eine gewisse Zeit das Wachs hervor. Sie sind bei den jüngsten Bienen noch nicht ausgebildet, bei Trachtbienen schon wieder zurückgebildet. «Das «Wachsschwitzen» liegt also einer bestimmten Altersklasse der weiblichen Bienen ob, einer Altersklasse, die noch nicht auf Tracht ausfliegt, sondern noch zu den Stockbienen gehört.»

«Beim Bau der Waben ziehen die Bienen mit den Hinterfüßen sich selbst oder (meist) anderen Bienen die Wachsblättchen aus den Bauchringen hervor, zerkauen und bespeicheln sie und bringen sie dort an, wo sie eine Wabe beginnen oder weiterführen wollen.» Um die für die Wachsbildung nötige Temperatur (c. 35°) zu erzielen, legen sich die Bienen in einem Haufen übereinander. Der Wabenbau erfolgt besonders im Frühling (Mai, Juni). Die neugebauten Waben sind schneeweiß, sie werden aber bald gelblich. Der Honig wird in verlängerte Arbeiter- und Drohnenzellen entleert. «Bei einem Schwarm mit noch unbefruchteter Königin bauen die Bienen zarte weiße Waben in der Farbe, wie sie das Wachs an den Bauchdrüsen ausschwitzen, das sog. Jungfernwachs, und erst, wenn die Befruchtung der Königin gelungen und Brut eingeschlagen wird, fangen die Waben an sich zu färben» (~Küstenmacher~).

Der +Bau der Wachswaben+ beginnt an der Decke. Zunächst wird eine Vertikalwand gezogen. Bei den in dichten Guirlanden von der Decke hängenden Arbeiterinnen nimmt die vorderste von ihren Bauchschuppen ein Wachsplättchen ums andere in die Wachszangen ihrer Hinterbeine und von hier in die Klauen der Vorderbeine, erfaßt sie mit den Oberkiefern, knetet sie und klebt sie an die Decke. Die ihr zunächst hängende reicht ihr dann mit den Kiefern ihre Wachsschüppchen zu und die erste baut damit weiter. «So wandern durch die ganze Bienenkette die von den einzelnen Tieren geschwitzten Wachslamellen vor zu der vordersten. Da mehrere Ketten gleichzeitig arbeiten, so sind es gewöhnlich auch mehrere Wabenanfänge (3-4), die zu gleicher Zeit aufgeführt werden. Sobald die Fundamente gebaut sind, lösen sich die Ketten auf und es arbeiten von nun ab zahlreiche Bienen zugleich an der Vergrößerung und dem Ausbau der Waben. Dabei ziehen sich die bauenden Arbeiterinnen nun auch gegenseitig mit den Kiefern die Wachsplättchen zwischen den Bauchringen hervor». Die auf die vertikale «Mittelwand» von beiden Seiten her in großer Zahl aufgesetzten «Zellen» sind hohle sechsseitige, mit einer Kante nach unten gerichtete Säulen, die nicht genau horizontal, sondern etwas gegen die Mittelwand geneigt, angelegt werden (Fig. 231), deren Wand etwa 0,1 mm dick ist (gegen die Mittelwand dicker) und die durch einen Deckel verschlossen werden (Fig. 232 u. 233). Der Zellverband ist die Wabe. Zuerst werden immer nur Arbeiterzellen gebaut (Arbeiterwaben, Arbeiterbau) als Brutstätten für die Eier, aus denen Arbeiterinnen hervorgehen, sowie zur Aufnahme von Pollen und Honig. Der größte Teil eines Stockes besteht aus Arbeiterwaben. Die Arbeiterbrutzelle ist etwa 12,5 mm, die als Honigzelle benutzte Arbeiterzelle 5,7-39,5 (meist 16-17) mm tief (lang) und mißt von Wand zu Wand c. 5,16 mm. Sobald das Volk «an Vermehrung denkt», werden auch Drohnenzellen gebaut, die beträchtlich größer sind (6,87 : 18,75 mm) und durch Übergangs-, Flick- oder Schaltzellen angeschlossen werden, sowie schließlich die in beschränkter Zahl (höchstens 30 pro Volk) angelegten, bis 24 mm großen, unregelmäßig eichelförmigen Weiselzellen (Weiselwiege) für die Königin (Fig. 232), in denen die weiblichen Larven erbrütet werden. Ihre Öffnung liegt nach unten. Während die Weiselzelle nur einmal benutzt und ihr Wachs weiter verwendet wird, verleben in den Arbeiter- und Drohnenzellen Dutzende von Generationen ihre Larvenzeit. Die einzelnen Zellenbaue (Waben) stehen in parallelen, durch Wabengassen getrennten Reihen nebeneinander (Fig. 231) -- die Mittelwände fast genau 3,5 cm voneinander entfernt. Sie sind an der Decke und an den Seiten, bisweilen, aber nicht immer, auch unten durch besonders starke, aber fünfeckige «Heftzellen» befestigt. Im modernen Rähmchenbau (Mobilbau) werden die Mittelwände künstlich gezogen (Kunstwabe) und dadurch der Bau regelmäßiger. Die Waben enthalten die Brut, den Honig und den Pollen. Der mittlere Teil des Stockes besteht meist aus Brutwaben, über denen die nur Honig enthaltenden Zellen des «Honigbogens» (Fig. 233) liegen, die Drohnenzellen liegen zu unterst. Sind die Waben hoch genug, so füllt die Biene bisweilen auch in die gleiche Zelle unten Brut und oben Honig. Reine Pollenwaben gibt es für gewöhnlich nicht. Die Honigzellen sind meist «vertiefte», d. h. verlängerte (und bisweilen sehr stark verlängerte) Arbeiterzellen. Alle Honigzellen werden gedeckelt, aber auch die Brut-, Drohnen- und Weiselzellen erhalten meist Deckel. Junger Wabenbau ist sehr zerbrechlich. Er wird erst durch die sich den Wachszellen anschmiegenden Cocons («Nymphenhäutchen») der Larven derber, besonders wenn zahlreiche Larven nacheinander die gleiche Zelle benutzten. Die anfangs weißen Waben sollen sich «infolge der Stockausdünstung» gelb färben. Alte Waben sind fast schwarz. Die Arbeitsbienen entleeren ihren Koth nie im Bau, das tun nur die Drohnen und die Königin. Er wird aber von den Arbeiterinnen entfernt, die überhaupt den ganzen Bau rein halten. Um den Fortpflanzungstrieb der Biene zu beschränken und den Sammeltrieb zu begünstigen, wird jetzt oft der Stock in zwei Abschnitte getrennt, einen +Brutraum+, in welchem die Königin die Eier ablegt, die dann durch die Arbeiterinnen bebrütet werden und einen +Honigraum+, in dem die Arbeiterinnen den Honig ablegen. Beide werden durch ein Absperrgitter getrennt, das so enge Maschen hat, daß nur die Arbeiterinnen, nicht Drohnen und Königin es passieren können. Die im modernen +Mobilbau+, der den alten +Stabilbau+ (die Bienenkörbe usw.) immer mehr verdrängt, in +auswechselbaren+ Rähmchen sich befindenden Honigwaben werden jetzt meist, nachdem sie entdeckelt wurden, in der +Honigschleuder+ zentrifugiert und die entleerten Waben wieder in den Bau gehängt. Dies erspart den Bienen den Bau neuer Wachszellen, konzentriert ihre Arbeit auf die Honigernte, drückt aber natürlich die Wachsproduktion herab.

Drei Erfindungen haben die Imkerei unserer Zeit mächtig gefördert: der Mobilbau, die Kunstwabe und die Honigschleuder.

=Lit.= +Wachsbildung+: ~Claus~, Über d. wachsbereitenden Hautdrüsen der Insekten. Ges. z. Bef. d. ges. Naturw. Marburg 1867. -- ~Carlet~, Le cire et ses organes sécréteurs. La Naturaliste 1890. -- ~L. Dreyling~, Die wachsbereitenden Organe bei den gesellig lebenden Bienen. Diss. Marburg 1905 (dort auch die ältere Lit.).

Der Blütenstaub wird verzehrt oder durchgearbeitet und aufbewahrt und bildet das sog. +Bienenbrot+ oder wird auf +Propolis+ verarbeitet. Außer den genannten Substanzen sammeln die Bienen angeblich besonders von harzausscheidenden Blattknospen der Erlen, Akazien, Pappeln, Roßkastanien, Birken, Eschen, Bisampappel, Mandel, Brombeere, Distel, Männertreu, Lein, Balsamine usw., das Gummiharz der Kolleteren und das Sekret anderer Drüsenhaare und verarbeiten dies zu dem sog. Kleb-, Stopf- oder Vorwachs, der +Propolis+, welches sie zum Verkleben der Löcher, besonders als Schutz gegen Zugluft, wogegen die Bienen sehr empfindlich sind, und zum Einhüllen von in den Stock eingedrungenen Fremdkörpern benutzen. Auch wurde schon oft bemerkt, daß die Bienen an dem Gummifluß der Prunoideen, am Harze des Sägemehls, ja am Peche der Bierfässer nagen (~Dieterich~), das sie dann ebenfalls zu Propolis verarbeiten. Nach der Ansicht ~Küstenmachers~, der richtig bemerkt, daß die Kolleteren der Winterknospen nicht in Betracht kommen können, da sie im Sommer abgeworfen sind, «besteht Propolis aber aus dem Öl resp. Balsam von der Oberfläche der Pollenkörner, dem von den Bienen noch Wachs und als Füllstoff alter Pollen und allerlei Gemüll aus dem Bienenstock in variabler Menge zugesetzt wird». Die Wahrheit liegt vielleicht in der Mitte und die Biene verwendet +alles+ ihr erreichbare harzartige Material. Dafür spricht die außerordentlich unregelmäßige Zusammensetzung der Propolis (~Küstenmacher~ fand z. B. Zimtalkohol und Zimtsäure darin, ~Dieterich~ nicht).

Gelegentlich der Entleerung des Honigs aus den Waben, der durch einfaches Auslaufenlassen, oder durch Abpressen, Ausschleudern oder Zentrifugieren geschieht, gewinnt man nun auch als Nebenprodukt das +Wachs+ (Wachsernte). Die entleerten Waben werden in heißem Wasser zusammengeschmolzen und die Masse dann in Formen oder Erdlöcher gegossen. Dieses +Rohwachs+, das mancherlei Verunreinigungen (tote Bienen und deren Teile, Nymphenhäutchen, Pollenkörner, Sand, Staub, Erde, Pflanzenteile usw.) enthält -- besonders die überseeischen Wachse enthalten oft viel Erde -- und in Blöcken (Vergl. I. Fig. 258), Kuchen, Broten oder Stangen im Handel ist, wird in Säcken, Kisten oder Körben versandt. Die Wachsproduktion geht durch Aufgabe des Stabilbetriebs zurück.

Das Rohwachs wird durch Umschmelzen mit Wasser über direkter Feuerung oder mit Dampf gereinigt (gereinigtes, geklärtes, geläutertes, raffiniertes Wachs). Das Erhitzen erfolgt meist in Holzfässern mit direktem Dampf, die Masse wird dabei durch Rührwerke gut durchgemischt und dem Wasser meist etwas Schwefelsäure, Salzsäure oder Oxalsäure zugesetzt. Das Ganze wird zum Absetzen der Verunreinigungen lange geschmolzen gehalten. Dann zieht man das obere klare Wachs mittelst Hähnen in Formen ab. Die unteren Partien liefern das Schmutz- oder Kotwachs (Wachskot). Es wird nochmals umgeschmolzen, das Klare abgezogen, die Rückstände mit Stroh geschichtet in Topfpressen ausgepreßt (Preßwachs), die Preßrückstände mit Benzin oder anderen Lösungsmitteln extrahiert (Extraktionswachs). Für pharmazeutische Zwecke ist nur das beste Wachs verwendbar.

+Über die Gewinnung des Bienenwachses+ berichtet mir Herr Apotheker ~Wartmann~-Biel (Schweiz), der eine große Bienenzucht (c. 100 Völker) besitzt. «Das wachshaltige Material, das sich bei der Pflege der Bienen und der Gewinnung des Honigs ergibt, kann in zwei Gruppen geteilt werden:

1. die vor dem Ausschleudern der Honigwaben mit scharfem Schnitt abgetrennten Wachsdeckel der Zellen, meist mit etwas Honig vermischt; dann etwaige unregelmäßig ausgeführte unbebrütete, noch weiße Wabenstücke, sowie Wachsteile, die von den Bienen oft zwischen und außer den Rahmen abgelagert sind;

2. die seit kürzerer oder längerer Zeit im Brutnest benutzten Waben, durch die in den Zellen zurückgelassenen Kokonhäutchen dunkel gefärbt. Wenn auch regelmäßig gebaute Waben trotz einer mehrmaligen Bebrütung innert eines Sommers für zehn und mehr Jahre benutzt werden können, so ist eine schrittweise Erneuerung der Brutwaben doch angezeigt, -- wozu dann noch etwaige Bruchstücke kommen.

Da das erstgenannte Material zum größten Teil aus Wachs besteht, ist dessen Verarbeitung eine einfachere und wird mit Vorteil unter Mithilfe der Sonnenwärme in dem sog. +Sonnwachsschmelzer+, einem nach oben mit einem gegen die Sonne geneigtem Fenster geschlossenem Holzkasten vorgenommen. Auf ein geneigtes Blech gibt man die Wachsabfälle und infolge der unter dem Fenster entstehenden Wärme (bis zu 70 Grad) fließt das reine Wachs unter Zurücklassung der nichtschmelzbaren Bestandteile in ein untergestelltes Gefäß. Um das Produkt von etwa eingeschlossenem Honig, der mit abgeflossen, zu befreien und das Ganze zu einer gleichmäßig gefärbten Masse zu vereinigen, schmilzt man es am besten in einer Email- oder Messingpfanne unter Zusatz von etwas Wasser auf ganz gelindem Feuer und läßt möglichst langsam erkalten. Etwaige Unreinigkeiten sammeln sich an der unteren Fläche des Kuchens und können davon abgekratzt werden. -- In Ermangelung eines Sonnwachsschmelzers oder der Sonnenstrahlen werden die gleichen Abfälle mit dem mehrfachen Wasser unter Umrühren geschmolzen und durch ein ziemlich dichtes Gewebe geseiht. Auch hier kann nach dem möglichst langsamen Erkalten der Kuchen auf der Unterseite vollends geputzt werden. -- Auf beiden Wegen wird nur verhältnismäßig wenig Rückstand verbleiben.

Umständlicher gestaltet sich die Verarbeitung der zweiten Gruppe, da in diesen alten Waben höchstens 20-40 % reines Wachs enthalten ist und zudem in den durch die sich trennenden Kokonbecher zurückgehalten würde, wenn nicht noch in warmem Zustand eine Pressung darauf ausgeübt würde. Dies wird auf nachfolgende Weisen erreicht:

Die Wabenstücke werden zerkleinert in einen lockeren Sack eingeschlossen und dieser in einem großen Kessel Wasser unter Beschwerung mit Steinen und Kneten mit einem Stück Holz oder desgleichen erhitzt. Das sich im Laufe der Behandlung auf dem Wasser ansammelnde Wachs kann dann entweder gleich oder erst nach dem Erkalten abgeschöpft werden.

Auch wird die Masse offen mit viel Wasser zu einem dünnen Brei erhitzt und möglichst heiß und rasch durch einen Sack gegossen und dieser auf verschiedene Art ausgepreßt. Entweder wird die +Holzpresse+ (Fig. 234) erst mit heißem Wasser vorgewärmt oder man verwendet die sog. +Dampfwachspresse+ (Fig. 235), bei der der Preßraum in einem doppelwandigen Kessel durch Wasserdampf erhitzt wird, während durch die Spindel das Wachs aus der Masse gedrückt wird. -- In allen diesen Fällen ist ein Umschmelzen des ersten Produktes und Trennung von mitgerissenem Bodensatz, wie schon oben erklärt, nötig. Da bei steter Gegenwart von Wasser ein Überhitzen fast unmöglich ist, so lässt das Produkt nichts zu wünschen übrig, sofern jede Benutzung von eisernen Gefäßen vermieden worden ist. -- Einen großen Teil des eigenen Wachses verwendet der Imker wieder für Mittelwände (Kunstwaben), auf welche die Bienen dann nur die Zellen errichten, aber in gewollter Richtung und Größe.»

Die sogenannte +Wachsläuterung+ wird übrigens auf verschiedene Weise betrieben. In Pommern z. B. kocht man die gesammelten Wachsstoffe im Wasser unter stetem Umrühren auf, läßt die Masse aber nicht überkochen, schüttet sie in einen Spitzbeutel von starker Leinwand und preßt diesen auf einer Flachsbrake, die über einem Gefäß mit Wasser steht. Das flüssige Wachs rinnt da hinein und schwimmt auf dem Wasser. Nachdem es erkaltet ist, erhitzt man es nochmals im Wasser, doch nicht bis zum Kochen, und läßt es in dem Gefäße, das oben weiter als unten sein muß, erkalten, hebt die ganze Platte heraus und schneidet die schmutzigen Teile an der unteren Fläche mit einem Messer ab. Statt der Flachsbrake benutzt man auch zwei entsprechend lange, runde Stäbe von etwa 2½ cm Dicke, hängt den Spitzbeutel, nachdem die aufgekochte Wachsmasse hineingeschüttet ist, mit seinem offenen Ende an einen starken Haken, stellt ein Gefäß mit Wasser darunter, nimmt den Beutel zwischen die beiden Stäbe und preßt die Masse aus, indem man die Stäbe fest zusammendrückt und nach unten zieht. Hat man ein größeres Quantum Wachs zu verarbeiten, so bedient man sich einer «Wachspresse», die in verschiedenen Konstruktionen im Handel sind (~Theen~).

Das +Bleichen+ geschieht auf eine im Grunde sehr einfache, aber doch umständliche Weise, welche bisher wenig Veränderungen hat zweckmäßig erscheinen lassen. Das in einem Kessel mit etwas kochendem Wasser geschmolzene geläuterte Wachs wird in Form feiner Blättchen gebracht, entweder indem man es in geschmolzenem Zustande auf eine sich langsam drehende und halb in kaltem Wasser gehende Holzwalze laufen läßt, wobei die dadurch entstehenden dünnen Bänder (gebändertes Wachs) sich im Wasser ablösen, oder indem man von der wieder erstarrten Masse mittelst scharfer Messer ganz feine Späne abschneidet. Ehe man das Wachs schneidet, pflegt man es bisweilen einige Male in Wasser umzuschmelzen, um ihm einen gewissen Wassergehalt einzuverleiben. Schließlich kommen die in Siebkörben herausgeschöpften feinen Blätter auf den Bleichplan und unterliegen hier auf mit Tuch überspannten Drahtnetzen der Einwirkung von Sonne und Luft, je nach der Witterung und der Wachsart kürzere oder längere Zeit, jedenfalls so lange, bis der Farbstoff in ihnen zerstört und das Wachs weiß geworden ist. Ein Zusatz von etwas verdünnter englischer Schwefelsäure zu dem schmelzenden Wachse ist für die Bleichung von günstigem Einfluß. Neuerdings wendet man zum Bleichen des Wachses vornehmlich Kalibichromatschwefelsäure unter Zusatz von Oxalsäure und Einleiten von Dampf, seltener Kaliumpermanganat, Chlorkalk, Terpentinöl und Wasserstoffperoxyd an. Das gebleichte Wachs wird meistens in runden Scheiben von 5 mm Dicke ausgegossen (~Theen~). Das Bleichen kann auch mit Walkerde erfolgen, die die färbenden Substanzen aufnimmt (~A. Müller-Jakobi~). Bei der +Rasenbleiche+ wird das geschmolzene Wachs in Wasser gegossen, die dünne Scheibe abgehoben und unter Begießen an der Sonne gebleicht. In Laibach (Krain) beschäftigen sich mehrere Firmen mit dem Bleichen ägyptischen Wachses (G. und ~R. Fritz~).

Hauptproduktionsländer sind:

In Europa: +Deutschland+ (Bayern, Hessen, Hannover, Norddeutsche Heide, Holstein, Pommern), Krain, Schweden, +Türkei+ (Konstantinopel) und Rumelien, Bosnien, Slavonien, Moldau, Walachei, Rußland (Ukraine, Podolien), +Polen+ (Galizien), +Italien+ (Venetien: Belluno, Mailand, Livorno), +Frankreich+ (Marseille, Languedoc, Somme, Bourgogne, Gatinois, Nord, Alpes, Landes, Bretagne, Normandie, Corsica), +Portugal+, +Spanien+, +Schweiz+.

In Asien: Smyrna, +Syrien+ (Beirut, Aleppo, Alexandrette), Palästina, Persien, Singapore, Ceylon, Tonkin, Rangoon, +Vorderindien+ (Bengalen, Panjab, Zentralprov., Bombay, Berar, Madras), Assam, Kashmir, Burma, Tahiti.

In Afrika: +Tunis+, +Algier+, +Marocco+ (Mogador, Mazagan), +Sierra Leone+, Gambia, Kamerun, +Senegal+ (Conakry), Angola, +Benguela+, Mossamedes, +Senegambien+ (Bissao), +Deutsch-Ostafrika+, Mozambique, Mombassa, Sansibar, +Madagascar+, +Ägypten+ (Alexandrien, Cairo), +Abyssinien+.

In Amerika: Carolina, +Californien+, Mexiko, +Cuba+ (Habana), St. Domingo, Haiti, +Brasilien+, +Argentinien+, +Chile+ (Valparaiso).

In Australien: Melbourne, Sidney.

Haupthandelsplätze sind Algier, Triest, Wien, Genua, Marseille, Havre, London, Liverpool, Lissabon, Hamburg, Bremen.

Auf dem deutschen Markt ist afrikanisches, indisches, madagassisches, ostasiatisches und mittel- und südamerikanisches Wachs. Das Deutsch-Ostafrikanische erfreut sich steigender Beliebtheit. Von einer Gesamteinfuhr von 1421500 kg Wachs nach Hamburg im Jahre 1904 stammten 151000 kg dorther. +Britisch-Indien+ exportierte 1906/07: 8162, 1907/08: 5120, 1908/09: 4671 cwts Beeswax. Von indischen Wachs unterscheidet man Gheddawachs, Tonkin (Cochinchina), Rangoon, Anam. +Deutschland+ importierte 1905: 1737000 kg Bienenwachse, 1904: 18248 dz +Bienenwachs+ (incl. and. Insektenwachs), besonders aus Abyssinien und Madagaskar, dann aus Portugal, Deutsch-Ostafrika, Port. Westafrika, Brasilien, Marocco, Brit. Indien, Cuba, Spanien, Port. Ostafrika. Die +Vereinigten Staaten+ importierten 1908: 672437, 1909: 764895 pounds und exportierten 1908: 90506, 1909: 77547 pounds beeswax. Die Einfuhr von +Bienenwachs+ nach London betrug 1908: 2793, 1909: 1361 bls and srns. und 1908: 3148, 1909: 3583 cks and css. Die guten Wachssorten werden jetzt meist «mit Attest» angeboten.

Cera flava ist in Kisten von c. 50 kg, das gebleichte meist in runden Scheiben im Handel.

=Eigenschaften.= Die Farbe des Rohwachses differiert ziemlich stark. Sie ist +hellgelb+ bei dem Wachse aus der Türkei, von Smyrna, Jaffa und der Levante, aber auch die chilenischen und Belladi- (ägyptischen) Wachse, die von Benguela, Sassi und die schwedischen und einige deutsche sind relativ hell; +dunkelgelb+ ist im allgemeinen das deutsche, belgische, italienische, marokkanische und kubanische Bienenwachs, +grünlichgelb+ das amerikanische und ostindische, +rotgelb+ einige Sorten des französischen und italienischen. Nur die Wachse von Madagascar und St. Domingo sind dunkelbraun fast schwarz. Die +Farbe+ des Wachses hängt nicht mit der Farbe der Blüten zusammen, sondern wohl mit der der Pollenkörner, besonders der eigenartigen, oft stark gefärbten Massen, die oft den Pollenkörnern anhängen und die z. B. bei Verbascum tief orangerot gefärbt sind (~Tschirch~, vgl. oben S. 21). Auch ~Küstenmacher~ sagt: «Die ausgeschiedene Propolis, der Balsam des Pollens, gibt dem Wachsbau des Biens die Farbe.»

Der +Geruch+ ist verschieden. Die europäischen Sorten riechen angenehm honigartig, einige italienische und indische haben einen schwer definierbaren «Blumengeruch», die amerikanischen und afrikanischen riechen oft muffig. Von einem eigenen Geschmack kann man meist nicht sprechen. Beim Kauen klebt es nicht an den Zähnen (Kauprobe, Unterschied von verfälschtem Wachs).

Bienenwachs bildet durchscheinende, auf dem Bruche feinkörnige, in der Kälte spröde und brüchige Massen, die in der warmen Hand knetbar werden. Aber die einzelnen Wachssorten sind sehr verschieden hart, manche sogar fast schmierig (Marocco). Sehr hart sind Mozambique-, Haiti-, plastisch (strong) das Gheddawachs. Wachs hat einen hohen Ausdehnungskoeffizienten und brennt, da ihm das Glycerin fehlt, ohne Geruch zu verbreiten, oder beim Auslöschen zu stinken, wie dies bekanntlich die Unschlittkerze tat. Es löst sich in der Wärme in Äther, Benzol, Chloroform, Benzin, Schwefelkohlenstoff und ätherischen Ölen, besonders gut in Tetrachlorkohlenstoff. Bei gewöhnlicher Temperatur löst Äther c. 50%, Chloroform c. 25% (~Buchner~, ~Robineaud~, ~A. Vogel~). In Wasser und kaltem Alkohol ist es nahezu unlöslich. Bienenwachs verändert sich mit der Zeit kaum. Ein aus dem Jahre 1610 stammendes Stück (aus einer Pariser Büste) stimmte mit unserem heutigen Bienenwachs überein (~Pinkus~).

Die reine Propolis (Pissoceros des ~Plinius~) ist sehr weich und besitzt große Klebkraft, sie ist stark aromatisch und schmeckt bitter. Die ältere mit Wachs und Gemüll zusammengeknetete Propolis (die Propolis des ~Plinius~) ist dunkler, nicht mehr so stark klebend und unter 15° brüchig. Die ältesten, mehrere Jahre alten äußeren Propolisschichten (Gummigrund, commosis des ~Plinius~) sind sehr fest und spröde, fast schwarz, erst beim Erwärmen riechend (~Küstenmacher~).

=Chemie.= ~John~ unterschied das Cerin vom Myricin und ~Bucholz~ und ~Braconnot~ fanden im gelben Wachs 90% Cerin, 8% Myricin und 2% balsamisch-fettigen Stoff.

Das Bienenwachs zeigt, gleichviel aus welchem Lande es stammt, ziemlich übereinstimmende Zusammensetzung auch in dem relativen Verhältnis der Bestandteile (nur ostindisches Wachs weicht stärker ab, es enthält mehr Wachsester und bei dem ostafrikanischen ist eine Verschiebung zwischen den verseifbaren und unverseifbaren Anteilen zu beobachten, ~Buchner~). Es besteht vornehmlich aus +Palmitinsäure-+, +Myricyl-+(+Melissyl-+)+ester+ (Myricin ~Brodie~ 1848), C₁₅H₃₁.CO--O.C₃₁H₆₃, und sog. roher +Cerotinsäure+ (Cerin), d. h. Cerotinsäure (C₂₆H₅₂O₂, ~Brodie~ formulierte die Cerotinsäure: C₂₇H₅₄O₂, ~Schalfejew~: C₃₄H₆₈O₂, ~Nafzger~: C₃₀H₆₀O₂ oder C₃₁H₆₂O₂, ~Marie~: C₂₅H₅₀O₂), die 30-40% der Cerotinsäure homologe Säuren enthält (~T. Marie~), sowie +Kohlenwasserstoffen+, von denen das +Heptacosan+ (C₂₇H₅₆, F = 60,5) und das +Hentriacontan+ (C₃₁H₆₄) isoliert wurden (~Schwalb~). Daneben finden sich in geringerer Menge +Melissinsäure+ (C₃₀H₆₀O₂, nach ~Schwalb~: C₃₁H₆₂O₂), +Myricyl-+(+Mellisyl-+)+alkohol+ (C₃₀H₆₂O, nach ~Schwalb~: C₃₁H₆₄O), +Cerylalkohol+ (C₂₆H₅₄O) und ein weiterer Alkohol, sowie ungesättigte Fettsäuren, ferner wahrscheinlich auch zusammengesetzte Äther der Palmitinsäure, vielleicht auch der Stearinsäure und einer der Oxalsäurereihe angehörenden, bei 44° schmelzenden Säure mit Melissylalkohol, Cerylalkohol und vielleicht auch +Cetylalkohol+, C₁₆H₃₄O (~Brodie~, ~Schwalb~, ~Nafzger~, ~Eichel~); endlich auch ungesättigte Säuren, +Farb-+, +Gerb-+ und +Riechstoffe+ und eine +klebrige, aromatisch riechende Substanz+ (Ceroleïn), sowie wahrscheinlich auch Cholesterinester und Spuren von Glyceriden.

Das Verhältnis der freien Säuren (bes. Cerotinsäure) zum Myricin ist 14:86 (~Hehner~), der Gehalt an Kohlenwasserstoffen 12,7-13% (~Buisine~, ~Mangold~, 12,5-14,5 ~Kebler~, 12,8-17,35 ~Hett~ und ~Ahrens~, 5-6% ~Schwalb~), der Gehalt an Fettsäuren 46-47%, der Gehalt an unverseifbaren Stoffen (Kohlenwasserstoffen, Alkoholen) 52-55%. ~Hehner~ fand 12,17-15,71% Cerotinsäure und 85,12-92,08% Myricin. Der aromatische Geruch des Wachses rührt von einem unbekannten «Balsam» her. Er kommt Stoffen zu, die teils in Petroläther unlöslich, teils darin löslich sind. Letztere scheinen Ester zu sein, die Essigsäure, Buttersäure und Valeriansäure, sowie eine ungesättigte flüssige Säure, zum Teil gebunden an cholesterinartige Substanzen (Cholesterinester 0,6% ~R. Berg~) enthalten. Das Wachs von Bienen, die viel in Nadelholzwaldungen schwärmen, enthält +Harz+, riecht eigenartig, läßt sich nicht leicht bleichen und hängt beim Schmelzen an den Kesselwänden. Den Farbstoff hält ~Küstenmacher~ für einen Gerbstoff (?), der sich durch Oxydation immer dunkler färbt, so daß die Wabe braun bis schwarz werden kann (aber doch nicht immer wird). Die Farbe variiert oft stark, wie ja auch der an den Pollenkörnern anhaftende Balsam (s. oben S. 766) bald gelb oder gelbgrün, bald orange oder fast rot ist.

+Hummelwachs+ (von Bombus terrestris) enthält Psyllaalkohol (C₃₃H₆₈O F = 69-69,5), aber keinen Melissylalkohol, keine Cerotin- und Palmitinsäure.

Spez. Gewicht: 0,958-0,970, bei deutschem: 0,960-0,966 (~Ahrens~ und ~Hett~); Schmelzpunkt: 62-66,5° (bei deutschem: 63,5-64,5°); Säurezahl: 16,71 bis 22 (bei deutschem: 18,29-20,44), nach ~Hübl~: 19-21, meist 20; Verseifungszahl: 82-103,69 (bei deutschem: 82-97, meist 90-93); Differenzahl (von S.-Z. und V.-Z.) = Ätherzahl: 66,16-81,99 (bei deutschem: 72-77), nach ~Hübl~: 73 bis 76, meist 75; Verhältniszahl (der Säure zu den Estern): 3,02-4,3 (bei deutschem: 3,5-3,9), nach ~Hübl~: 3,6-3,8 -- diese Zahl ist sehr konstant! -- Jodzahl: 6,1-13,01 (bei deutschem: 7,5-8); Buchnerzahl (die in 80proz. Alkohol löslichen Säuren brauchen ccm n/10 KOH): 2-6,1 (bei deutschem: 2,6-3,3 ~Berg~); Kohlenwasserstoffe in %: 12,28-17,3. ~Dieterich~ fand (Helf. Ann. 1904): Spez. Gew. bei 15°: 0,962-0,966, Schmelzp.: 64-65°, S.-Z. d.: 19,6-20,53, E.-Z.: 70,99-77,7, V.-Z. h.: 91,21-98. +Die Zahlen schwanken also bei den Bienenwachsen der ganzen Erde nur in relativ engen Grenzen.+ Das spez. Gew. kann durch die auch von der Pharm. helvet. IV aufgenommene sog. ~Hager~sche Schwimmprobe (Wachstropfen schwimmen in Alkohol bestimmter Konzentration) oder mit der ~Mohr~schen Wage (~Bohrisch~ und ~Richter~) bestimmt werden. ~Kramer~-Zürich teilte mir mit, daß sowohl die Wabe wie der Honig radioaktiv sind.

Indisches Gheddawachs zeigte abweichende Zahlen S. Z.: 6,01-6,1, Ä. Z.: 76,11-77,2, V. Z.: 82,12-83,3, Verhältniszahl: 12,1-12,6, Jodzahl: 10 (~G. Buchner~). Das Annam-Bienenwachs ist dem indischen ähnlich (~Bellier~). Es hat eine höhere Jodzahl und enthält weniger freie und mehr gebundene Fettsäuren als europäisches Wachs. Es hat eine hohe Verhältniszahl. Das Ind. Gheddawachs stammt von Apis dorsata, florea und indica (s. oben S. 757).

Bienenwachs ist nach ~Buchner~ in absol. Alkohol gelöst und mit absolutalkoholischer Kalilauge gekocht in einer Stunde vollständig verseift, nach anderen (~Berg~, ~Bohrisch~) muß man länger, bis 3 Stunden, kochen. Die in 80% Alkohol löslichen freien Wachssäuren bestehen nur zum geringsten Teile aus Cerotinsäure (~R. Berg~). Heißer Alkohol löst alle Cerotinsäure neben geringen Mengen Melissinsäure (Cerin, rohe Cerotinsäure), Farbstoffe, einer klebrigen aromatischen Substanz (Ceroleïn) und Spuren Myricin, die beim Erkalten sich nahezu vollständig wieder abscheiden, so daß bei Zusatz von Wasser zum Filtrat nur leichte Opalescenz eintritt (Unterschied von Stearinsäure). Mit 300 Teilen Alkohol (90%) am Rückflußkühler gekocht löst sich das Wachs bis auf die Verunreinigungen (0,6-1,5%) auf. In kalten Äther geht viel Cerotinsäure, die Farbstoffe, die Kohlenwasserstoffe, ein wenig Wachsester und das Cerolëin, als weißer Rückstand bleibt die Hauptmenge der Wachsester und etwas Cerotinsäure (~G. Buchner~). +Man muß das Wachs in Porzellan oder Email schmelzen, da die Gerbstoffe, die in ihm enthalten sind, mit Eisen mißfarbige Verbindungen geben.+ Das Bleichen, das entweder in sog. Luftbleiche (Rasenbleiche) oder in chemischer Bleiche (s. oben S. 764), oder mit Tierkohle erfolgt, verändert das Wachs mehr oder weniger stark (am wenigsten die Behandlung mit Kohle), die Jodzahl sinkt, Säurezahl und Verseifungszahl steigen meist, ohne daß sich jedoch eine Gesetzmäßigkeit erkennen läßt und daß die Differenzen immer groß sind. Beim Bleichen werden die Farbstoffe und die aromatischen Substanzen zerstört bzw. in Petroläther lösliche Stoffe umgewandelt.

=Lit.= ~Senebier~, Physiol. végét. 2, 424 (1800). Dort die älteste Lit. -- +Ältere+: ~John~ (Analys. d. Wachs. d. Beeren von Myrica cordifolia nebst Betracht. über d. Wachs überhaupt). Chem. Schrift. IV, 38. -- ~Saussure~, Ann. chim. phys. (2) 13, 339 (1820). -- ~Boudet~ u. ~Boissenot~, Dingl. Pol. Journ. 1827, 23, 524. -- ~Oppermann~, Ebenda (2) 49, 240 (1832). -- ~Hess~, Pogg. Ann. 43 (1838), 382; Journ. pr. Chem. 13, 411. -- ~Mulder~, Journ. pr. Chem. 32, 172 (1844). -- ~Collins Brodie~, Lieb. Ann. 67 (1848), 180; 71 (1849), 144 (Hauptarbeit). -- ~Lewy~, Dingl. Pol. Journ. 1845, 36. -- ~Gerhards~, Ebenda 1845, 36, 82. -- ~Thomson~, in Syst. d. Chem. IV. -- ~J. Bostock~, Vgl. Vers. u. Beobacht. über d. Wachs aus d. Früchten d. Wachsbaums (Myrica cerif.), das Bienenwachs, den Walrat, das Fettwachs u. d. krist. Substanz aus d. Gallensteinen. Nicholsons Journ. nat. Philos. IV u. N. allg. Journ. d. Chem. VI, 645.

+Neuere+: ~Georg Buchner~ in ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~v. Fürth~, Vgl. chem. Physiol. d. nieder. Tiere 1903. -- ~Chateau~, Fette u. Wachsarten. Leipzig 1864. -- ~Schalfejeff~, Journ. d. russ. chem. Ges. 2, 113; Ber. d. chem. Ges. 1876, 278. -- ~Nafzger~, Lieb. Ann. 224, 225. -- ~Schwalb~, Ebenda 235, 106. -- ~T. Marie~, Extrait. d. acid. libr. d. l. cire d’abeilles; Compt. rend. 119, 428, Journ. Pharm. Chim. [3] 30, 199; Journ. Soc. Chem. Ind. 1894, 1895, 1896; Ann. chim. phys. 1896, 145; Bull. soc. chim. 11, 908 u. 15, 565. -- ~Henriques~, Ber. d. chem. Ges. 1897, 1415. -- ~Jirmann~, Hochmolekulare Kohlenw. aus Bienenwachs. Diss. Heidelberg 1899. -- ~Bohrisch~ und ~Richter~, Pharm. Centralh. 1906, 11 u. 208. -- ~Bohrisch~, Chem. Zeit. 1907, 191 u. 351. -- ~G. Buchner~, Chem. Zeit. 1907, 45, 126, 271, 570 u. 631; Zeitschr. öffentl. Chem. 3, 570 (1897) und 1910, 128. -- ~Berg~, Chem. Zeit. 1907, 537, 1908, 777. -- ~Buisine~, Trav. et Mém. d. facult. Lille 1891. Bull. soc. chim. 5, 654. -- ~Mangold~, Chem. Zeit. 1891, 799.

~Sundwik~ (Hummelw.), Journ. phys. Chem. 1907, 365. -- ~Mederer~ (Maroccan. W.), Zeitschr. öffentl. Chem. 1898. -- ~Bertainchaud~ u. ~Marcille~, Monit. scient. 12, 533 (Pharm. Zeit. 1898, 864). -- ~Blits~ (Schwarz. Wachs aus Holl. Ind.) Nederl. Tijdschr. 1898. -- Über indische Wachse: ~Hooper~, Sources, prepar., trade and composit. of beeswax of Brit. India. Agric. Ledger 1904. Entom. ser. No. 11.

Chronolog. geordnete Bibliographie. Journ. soc. chem. ind. 1892, 756 und ~Buchner~ in ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- Über die Fortschritte der Wachsindustrie berichtet die Seifensiederzeitung, die Chem. Revue der Fett- und Harzindustr. und die Bienenzeitung.

=Propolis= (s. S. 762). ~Vauquelin~ fand in Propolis 57% Harz, 14% Wachs und 15% einer Säure, die nach ~Cadet~ Gallussäure mit etwas Benzoesäure (?) sein soll. ~Laugier~ erwähnt ein ätherisches Öl. ~Greshoff~ und ~Sack~ bezeichnen die Propolis als ein Gemisch von Harz (84%), Wachs (12%) und Unreinheiten, unlöslich in Alkohol (4%). Im Wachs fanden sie Cerotinsäure, dem Propolisharz geben sie die Formel C₂₆H₂₆O₃ (F = 66°). Propolis ergab bei jeder Analyse andere Resultate. Sie zeigt stark abweichende Zusammensetzung.

~Bohrisch~ fand in %: Harz, unlöslich in heißem Petroläther, löslich in 96% Alkohol: 43,6, Propolisbalsam, in heißem Petroläther und 70% Alkohol löslich: 8,7, Bienenwachs: 27,9, Verunreinigungen: 12,9, flüchtige Bestandteile (incl. Wasser): 6,9. ~Küstenmacher~ fand in von den Ammen erbrochener Propolis (Pissoceros) in %: Pollen, Spuren Wachs, 95 roten Balsam, darin 10% Zimtalkohol; in selbst gesammelter Propolis: 5-18 feste Körper, 22-35 Wachs, 60 Balsam, darin 9-10,7%, Zimtalkohol; in selbst gesammelter commosis: 20 Wachs, 73 Balsam, darin 9,5% Zimtalkohol; in Propolissorten aus Thüringen und Posen: 14,7-15,2 feste Körper, 6,6-9,6 Wachs A, 1-3,64 Wachs B, 4,8-21,3 Wachs C, 4,4-5,6 Ceresin D, 3,1-7,3 Zimtalkohol, 2-2,2 Gerbstoffe, 46,8-51,4 Harze. Auch Zimtsäure wurde von ~Küstenmacher~ in der Propolis gefunden, doch fehlen Analysen der isolierten Substanzen. ~Dieterich~ fand in selbst gesammelter Propolis 65% Harz (in Handelsware bis 44%), c. 3% Balsam, 45% Wachs (in Handelsware über 60%), bis 2% Asche und 5-6% wässriges Extrakt, und bei einer eingehenderen Untersuchung in %: Wachs bis 60, unlösliche Anteile bis 22, bei 100° flüchtige Anteile bis 6, Propolisbalsam (nach ~Bohrisch~) bis 11, Vanillin und andere Aldehyde ganz geringe Mengen (im Balsam), Gummi wenig, Propolisrohharz (F = 90-106°) bis 65. Das Propolisharz bestand aus Gerbstoffen c. 20, Proporesen 1,5, α-Proporesin (F = 182-187°) c. 1, β-Proporesin (F = 124-125°) c. 4, freie Harzsäure Spuren, Reinharz c. 70 (wahrscheinlich der Resinotannolester der Propolisharzsäure), Oxydationsprodukte der Gerbstoffe c. 3,5%.

Propolis wird noch jetzt zu Räucherungs- und Aromatisierungszwecken benutzt. Es ist aber kaum im Handel anzutreffen.

=Lit.= (Propolis) ~Gale~, Agric. Gaz. N. S. W. 1901, 840. -- ~Root~, A B C of Bee culture 1901. -- ~Van Tricht~, Scheikund. Woordenb. 1865. -- ~Greshoff~ u. ~Sack~, Contribut à la connaissance du propolis (matière précieuse). Rev. tr. chim. P. B. 22 und Pharm. Weekbl. 1902, 933. -- ~K. Dieterich~, Anal. d. Bienenw. in s. verschied. Entwicklungsstad. u. über d. Bienenharz. Chem. Zeit. 1907, 987 (Apoth. Zeit. 1907, 824) und Beitr. z. Kenntn. d. Bienenharzes. Apoth. Zeit. 1910, 762 u. Weit. Beitr. z. Kenntn. d. Bienenharzes. Pharm. Centralh. 1911, Nr. 39. -- ~Bohrisch~, Propolis, Pharm. Centralh. 1907, 929. -- ~Küstenmacher~, Propolis. Ber. d. pharm. Ges. 1911, 65.

=Verfälschungen und Prüfung.= Als Verfälschungen des Bienenwachses sind neben Wasser und mineralischen Substanzen, Mehl und Stärke, Talg, Japanwachs, Stearinsäure, Paraffin, Ceresin, Colophonium, Carnaubawachs und Insektenwachs beobachtet. In Indien wird das Wachs bisweilen mit Curcuma gefärbt (~Hooper~). Die häufigste Beimengung ist jetzt Ceresin, das dadurch hineingelangt, daß man in neuerer Zeit bisweilen künstliche, aus Ceresin oder Ceresin und Wachs hergestellte Waben verwendet. Die Schweizer Imker halten aber darauf, daß nur künstliche Waben aus Bienenwachs verwendet werden (~Kramer~). Übrigens nimmt die Biene reine Ceresinwaben nicht an, sondern baut daneben. Die Methode von ~Buisine~ (mit Kalikalk) erlaubt die dem Wachs zugesetzten Kohlenwasserstoffe direkt zu bestimmen. ~Hübl~ bemerkt: Wenn die Verseifungszahl unter 92 liegt, während die Verhältniszahl (s. oben) mit der eines reinen Bienenwachses übereinstimmt, dann muß Paraffin oder Ceresin vorhanden sein. Wenn die Verhältniszahl größer ist als 3,2, dann muß ein Zusatz von Japantalg, Carnaubawachs oder Talg vermutet werden. Wenn die Säurezahl weit unter 20 liegt, dann fehlt Japantalg, wenn jedoch die Verhältniszahl unter 3,8 liegt, dann ist Stearinsäure oder Kolophonium anwesend. Zusatz von Carnaubawachs drückt die Säurezahl herab und erhöht Spez. Gew. und Schmelzpunkt.

=Lit.= Über +Wachsfälschung und Wachsuntersuchung+ existiert eine ganze Literatur, vgl. in ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O., ~Lewkowitsch~ a. a. O. und ~Dieterich~, Helf. Ann. -- Ferner: ~Niederstadt~, Pharm. Zeit. 1897, 654. -- ~Henriques~, Zeitschr. öffentl. Chem. 1897. -- ~Schweissinger~, Pharm. Centralh. 1897. -- ~Lemaire~, Rep. d. pharm. 1904. -- ~Eichhorn~, Zeitschr. anal. Chem. 1900. -- ~Buchner~, Chem. Zeit. 19 (1895), 1422, 25, 21, 31, 126 u. 570. -- ~Ragnar-Berg~, Chem. Zeit. 1907, 537 u. 1908, 777. -- ~Buisine~, Monit. scient. 1890, 1127. -- ~Bellier~ (Annam-W.). Ann. Chim. anal. 1906, 366. -- ~Geiger~ (Jodzahl). Zeitschr. angew. Chem. 1898. -- ~Hirschel~ (Extraktionsw.). Chem. Zeit. 1904. -- ~Ahrens~ und ~Hett~ (Kohlenwasserst). Pharm. Zeit. 1899, 242. -- ~Le Sueur~ und ~Crossley~ (Schmelzp.). Zeitschr. angew. Chem. 1899. -- ~Rakusin~ (spez. Gew.). Chem. Zeit. 1905. -- ~Hehner~, Analyst 1883, 16. -- ~Hübl~, Dingl. polyt. Journ. 219 (1883), 338. -- Bestimmung der Säure- und Verseifungszahl aus neuerer Zeit: ~Ragnar Berg~, Apoth. Zeit. 1910, 784. -- ~C. Jacobsen~, Ebenda 1910, 113. Vgl. auch die Chem. Revue der Fett- und Harzindustrie und die Seifensiederzeitung.

=Geschichte.= «Eigentliche Bienenzucht ist erst nach Trennung des indogermanischen Urvolkes aufgekommen, im Norden Europas die wilde Waldbienenzucht an Zeidelbäumen, im Süden die zahme Bienenzucht in Bienenstöcken, die dann allmählich auch nach Norden vorgedrungen ist» (~Schrader~). ~Homer~ hat noch keine Spur davon, erst bei ~Hesiod~ werden Bienenkörbe erwähnt. Im Norden ist die Waldbienenzucht sehr alt. (Über Biene und Honig vergl. oben S. 8 u. 757 und ~Schrader~, Reallex. d. indogerm. Altertumsk.) In Amerika wurde in der präkolumbischen Zeit Wachs und Honig nur von den verwandten Gattungen Trigona und Melipona gesammelt. Nach Mexiko kam die europäische Biene bald nach der Eroberung, nach Nordamerika von England aus, 1764 kam sie nach Cuba, 1793 nach New York, 1797 nach den Gegenden westlich vom Mississippi, aber erst 1845 nach Brasilien. Jetzt hat sich die deutsche Biene über ganz Süd- und Nordamerika verbreitet und auch die italienische und ägyptische Biene (s. oben) ist von Deutschland aus hinüber gebracht worden. Nach Australien kam die Biene 1862 von England aus. ~Dioskurides~ (II, c. 105) bezeichnet als das beste Wachs (κηρός) das von Creta und dem Pontus. Er beschreibt das Bleichen durch Auskochen des Wachses mit Meerwasser und Natron, Umschmelzen, Erstarrenlassen zu dünnen Scheiben und Bleichen dieser unter fortwährendem Anfeuchten an der Sonne. Er kennt die medizinische Anwendung auch der πρόπολις, von der aber nur die gelbe, styraxartig riechende, wie Mastix knetbare benutzt werden soll. ~Plinius~ (XI, 5), der für die Waben den Ausdruck cellula braucht (jetzt übertragen auf die «Zelle»), erwähnt außer cera die commosis (Gummigrund), Harzwachs (pissoceros) und Stopfwachs (propolis), dessen Bedeutung er richtig schildert -- sowie das Bienenbrot (erithace, sandarace, cerinthus) und nennt als Quelle des melligo den klebrigen, gummigen und harzigen Saft der Weiden, Ulmen und Rohre, als Quelle der Propolis das Harz der Pappel und des Weinstocks unter Zusatz von Blütenstaub (flos). Er bemerkt: «ceras ex omnium arborum satorumque floribus confingunt, excepta rumice et echinopode». Außerdem nennt er cera maxime fulva, cretisches und corsicanisches und erwähnt das Färben mit Alcanna («Anchusa»). Auch ~Ovid~ erwähnt Cera flava (~Flückiger~). ~Galen~ kennt die Verwendung des Wachses zu kühlenden Pflastern. Auch die Araber erwähnen es (bei ~Ibn Baithar~: schama und mum) als Pflasterbestandteil. -- In dem Bericht der Bischöfe ~Richard~ und ~Thomas~ (1303 bzw. 1310) wird auch Cere nebst dem Preise erwähnt (~Hanbury~, The spices, groceries and wax of a mediaeval household. Science pap. 478) und ~John de Garlande~ (XIII. Jahrh.) erwähnt die schon damals häufigste Verfälschung mit «cereis esclesiasticis», d. h. einer Talg-Wachsmischung. Im Ricettario fiorentino ist Wachs von Toscana erwähnt. Die Unguenta der alten Dispensatorien enthielten meist ein Adeps und Öl, oft auch Wachs. ~Cordus~ hat z. B. Cera citrina und fulva. ~Pomet~ nennt 1694 neben Frankreich (bes. der Champagne, Bretagne) Polen und «La Barbarie» als wachsliefernd und bezeichnet besonders das Wachs von Danzig als gut. In der Taxe von Prag 1659 steht Cera alba Veneta -- die Wachsbleicherei wurde im XVII. Jahrh. (und wohl auch schon im XVI.) besonders in Venedig betrieben.

~Plinius~ und ~Celsus~ (De medic. V, 3, 4) erwähnen Propolis, ebenso ~Varro~ (De re rustica III, 16, 23), ~Vegetus~ u. and. ~Virgil~ nennt den Namen nicht, erwähnt es aber auch. Propoli steht bei ~Cordus~ in den Annotationes ad Dioscoridem und in der Frankfurter Liste (1450): propoleos uel on. Von ihm sagt ~Pomet~, daß es ehedem viel gebraucht wurde, man aber jetzt (1694) kaum mehr wisse was es eigentlich sei. Als Arzneimittel ist es längst außer Gebrauch.

Chinesisches Insektenwachs.

Pelawachs, Pihla, Pe-la-or, Latschu, Chung-pih-la (= weißes Insektenwachs, das rohe Wachs heißt lă-tscha = Wachs-Sediment), vegetabilisches Spermacet, chines. Baumwachs, Cire d’insectes, Insect wax, White wax of insects, Chinese wax, Chinese vegetable wax, Cera d’insetti.

Das chines. Wachs ist das Produkt einer Schildlaus, =Coccus ceriferus= ~Fabr.~ (C. pela ~Westw.~, pe-lah chines. = weißes Wachs, C. cereus ~Walk.~, Ericerus ceriferus ~Guer. Mén.~, E. pe-la ~Künck.~), die auf verschiedenen Bäumen Chinas, besonders auf Ligustrum lucidum, im Tale Tschien-Tschang lebt. Man überträgt aber das Tier in Schantung, Honan, Tschekiang, Szetschwan, Anhwei auf am Rande der Felder kultivierte, etwa dreijährige Eschen (Fraxinus chinensis ~Roxb.~), löst, sobald die Wachsproduktion ihren Höhepunkt erreicht hat, die Rinde von den Bäumen, erwärmt sie in eisernen Töpfen mit Wasser und schöpft das Wachs ab, das dann umgeschmolzen wird. Hauptproduktionsgegend ist Chiating in der Provinz Szetschwan. Die jährliche Produktion beträgt c. 200000 kg Wachs, früher beträchtlich mehr. Aber die Produktion und der Preis sind seit Einführung des Petroleums stark zurückgegangen. Nur in der Provinz Anhwei und im Distrikt Pochou und der Provinz Tschekiang hat Produktion und Handel mit diesem Wachs nicht merklich abgenommen (1900). Nach der Stadt Kiu-hua wurden 1887 gegen 300 t gebracht (~Semler~). Hauptdistrikte sind die Provinzen Szetschwan, Anhwei und Tschekiang, aber auch in Hainan, Kwangtung, Hunan, Schantung und selbst im Amurgebiet wird Wachs gewonnen.

Das Wachs ist dem Walrat ähnlich, kristallinisch, fast geruch- und geschmacklos oder mit schwachem Talggeruch, weiß bis gelblich. Es kommt in großen runden Broten in den Handel. Das Wachs wird in China zur Kerzenfabrikation und zum Haarsteifen, aber auch zum Einhüllen von Pillen und Boli (ich traf 1889 damit überzogene Boli in chinesischen Apotheken), sowie für Pflaster und zum Wachsen von Papier und Baumwolle benutzt. In England wird es bisweilen dem Walrat beigemischt. Es löst sich in siedendem Chloroform und Tetrachlorkohlenstoff leicht und kristallisiert beim Erkalten wieder aus. In Alkohol ist es auch beim Kochen sehr wenig löslich; desgleichen in Äther und Petroläther. Es ist sehr schwer verseifbar. Spez. Gew. bei 15°: 0,970, Schmelzpunkt: 81-83°, Erstarrungspunkt: 80,5-81, V. Z.: 63-93. «Chines. Wachs» zeigte (~G. Buchner~): S. Z. 6,28-9,74, Ätherzahl 83,82-111,45, V. Z. 90,2-120,17, Verhältniszahl 11,06-17,9. Es besteht nach ~Brodie~ aus fast reinem Cerotinsäurecerylester (C₅₂H₁₀₄O₂), d. h. dem Ester der Cerotinsäure (C₂₆H₅₂O₂ ~Henriques~) und dem Cerylalkohol (C₂₆H₅₃OH ~Henriques~). Nach ~Herbig~ ist das Vorhandensein einer zweiten hochmolekularen Säure, einer niedrigen Säure und eines zweiten Alkohols wahrscheinlich.

Ein Teil des chinesischen Wachses stammt von einer Minicicade, Flata limbata, die lange, dünne, weiße Wachsfäden in so großer Masse ausschwitzt, daß der ganze Hinterleib davon bedeckt ist. In Japan sammelt man das von einer Schildlaus auf Ligustrum Ibota ausgeschiedene Wachs.

=Lit.= ~Hanbury~, On the Insect-White Wax of China. Science pap. 60 u. Note of a spec. of insect wax from China. Ebenda 272 (dort die weitere Literatur). -- ~Beauregard~, Mat. med. zool. 1901. -- ~Hosie~, Seifensiederzeit. 1910, 1253 (nach Three Years in Western Chine). -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- Chem. Rev. 1897, 290. -- ~Brodie~, Lieb. Ann. 67 (1848), 199. -- ~Henriques~, Ber. d. chem. Ges. 30, 1415. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. (dort weit. Lit.).

Zusätze und Berichtigungen

zu Band II. Erste Abteilung.

S. 7. Zeile 1: CH₂OH nicht CH₂CH. -- Bei d-Fructose: α_{D} = -91° statt α_{D} = c - 91°.

S. 12. Honig enthält neben Katalase und Diastase auch ein eiweißlösendes Enzym (~Lenz~ 1910).

S. 19. Verbascum wird auch in Schweighausen bei Hagenau cultiviert (~Rosenthaler~).

S. 26. Die Fig. 7, von ~Tiedemann~ als «kleinasiatischer Feigenbaum» bezeichnet, ist +nicht+ Ficus Carica. Dementsprechend ist die Bemerkung auf S. 24, Zeile 8 v. u., daß bei Ficus Carica +Cauliflorie+ vorkommt, zu streichen. Über die neue Abstammungslehre der Feigen und besonders die Urfeige (Ficus Carica [L] Erinosyce ~Tsch.~ et ~Rav.~) vgl. ~Tschirch~, die Feigenbäume Italiens, Ber. d. d. Bot. Ges. 1911, sowie die gleichlautende Dissertation von ~Ravasini~, Bern, ~M. Drechsel~ 1912 (mit zahlr. Abbildungen).

S. 27. Parthenogenesis kommt bei der Feige nicht vor. Über die Caprification vgl. bei ~Ravasini~ a. a. O.

S. 39. Die Fig. 13 ist in den Grandes cultures als «Rosinenmarkt» bezeichnet. Es beruht dies auf einer Verwechslung von Rosin (= Colophonium) und Rosine. Die Figur gehört also nicht hierher, sondern zum Artikel Colophonium.

S. 56. Zeile 27 v. o. statt Amygdalin: Sambunigrin (~Rosenthaler~).

S. 89. Zeile 3 v. u. glycyrrhizinreicher.

S. 132. Dem Artikel Tabaschir habe ich, trotz der Gegenbemerkungen von ~Hosseus~ nichts hinzuzufügen. Rohrzuckerfabrikation ist erst seit dem III. bez. VII. Jahrh. n. Ch. beglaubigt (~Lippmann~).

S. 137, Zeile 5 v. o. Es ist möglich, daß κερωνία nichts mit κέρας (= Horn) zu tun hat, sondern den «keronischen Feigenbaum» bezeichnen sollte.

S. 154. Die Amylose scheint ein Übergangsprodukt von den kristallisierenden Sacchariden zu den komplexen Polysacchariden zu sein (~Botazzi~ und ~Victorow~ 1910).

S. 155. Auch Narcein wird durch Jod blau.

S. 165. ~Wittmack~ betrachtet (1909) Solanum tuberosum L. als gute Art und als Stammpflanze unserer Kartoffel.

S. 170. Amylum Marantae wurde in Deutschland besonders durch ~Olaw Swartz~ (Observat. botanicae Erlang. 1791) bekannt, doch bedient man sich seiner in Deutschland erst seit 1819 (~Dierbach~).

S. 193. Als Verfälschung des Reis ist 1910 Talcum und Asbestpulver (?) beobachtet (~Lowe~ und ~Taylor~. Lancet 1910, 1687).

S. 209. Taraxacum wird in Jenalöbnitz auch angebaut. Die Ernte geht nach Nordamerika (1910).

S. 219. Die jetzt in Nordamerika von Maine bis Maryland, Minnesota und Missouri vorkommende Quecke ist wahrscheinlich von Europa eingeführt (~Alice Henkel~).

S. 241. Der Literatur ist einzufügen: ~Cross~, ~Bevan~, ~King~ und ~Joynson~, Rep. on Indian Fibres and fibrous substances. London 1887 und

S. 242. ~Cross~ und ~Bevan~, Journ. chem. soc., Ber. d. d. chem. Ges. und Cellulose an outline of the chemistry of the structural elements of plants 1895-1906.

S. 243. Erste Erwähnung der Baumwolle im VIII. Jahrh. n. Chr. auf einem Tonprisma Sanheribs (~Delitzsch~, 1910).

S. 250. Zeile 10 v. u. 20-30% Nicht-Cellulose statt 50-60%.

S. 270. Die schlechteste Sorte Lichen islandicus besteht in Ungarn aus dem ganzen, vom Boden abgehobenen Rasen und enthält nur 25-40% der Flechte, sonst viel Moose, Coniferennadeln, Vaccinium u. and. (~Augustin~).

S. 283. Literatur. Grundlegend ist die Arbeit von ~Schmidt~, Lieb. Ann. 51, 29 (Jahresb. d. Pharm. 1844, 14).

S. 291. Chondrus crispus enthält Arsen -- in 100 g: 0,07 mg (~Tassily~ und ~Leroide~).

S. 300. Zeile 1 v. o. die Formel des Methylfurfurols ist:

CH---CH || || CH₃C C.COH \ / O

S. 302. Jod wies in Laminarien bereits ~Price~ 1851 (Journ. pr. Chem. 55, 232) mikrochemisch nach -- mittelst HCl und KNO₂ und Stärkekleister.

S. 313. Zeile 19 v. u. chirurgisch statt chirurchisch.

S. 322. Das Linamarin formuliert ~Jonck~: C₃₀H₅₀N₃O₇.

S. 325. Zeile 1 v. o. Cruciferen statt Coniferen.

S. 347. Zeile 3 v. u. Höfles statt Horles; Zeile 2 v. u. Gründlach statt Grundlach.

S. 356. Auf den Marktplätzen in Budapest verkaufen die Marktweiber der umliegenden deutschen Ortschaften als «Eibisch» das Kraut von Lavathera thuringiaca, dessen sich auch die ungarischen Kurpfuscher bedienen (~Augustin~).

S. 357. Zeile 18 v. o. Althaeablüten statt Althaeablätter.

S. 363. Bei den Fol. Althaeae und Malvae ist auch der Arbeit von ~Netolitzky~, Bestimmungsschlüssel der Dikotyledonenblätter zu gedenken.

S. 458. nhd. Kork wurde nach dem XV. Jahrh. durch niederländische Handelsbeziehungen aus span. corcho entlehnt.

S. 479. Die bisweilen in russischem und galizischem Lycopodium beobachtete Weizenstärke rührt wohl von den Getreidesäcken her, in die die Droge gefüllt wurde (~Augustin~).

S. 487. Zeile 12 v. o. ~Wichers~ und ~Tollens~.

S. 489. Überall Ebstorf statt Ebsdorf.

S. 494. Hinzufügen: ~Rosenthaler~ und ~Türk~, Über die absorbierenden Eigenschaften verschiedener Kohlensorten. Arch. Pharm. 1906, 517. -- Zeile 2 v. u. ist «und Histidin» zu streichen.

S. 495. Die Formeln lauten:

CH₃\ Leucin = CH.CH₂.CH(NH₂).COOH. CH₃/

C.NH₂ CH / \\ / \\ ferner: HN NH HN N | | | CH₂.CH₂.CH₂.CH(NH₂).COOH. HC = C.CH₂.CH(NH₂).COOH

Arginin Histidin

S. 546. Zeile 26 v. o. Myristinsäure statt Myristicinsäure.

S. 553. Zeile 19 v. o.: 1 Phase > C = C < + O₂ statt > C = < + O₂.

S. 563. Zeile 32 v. o. lit. statt lat.

S. 569. Mohnsamen wurden 1911 verfälscht gefunden mit Samen von Hyoscyamus niger und Zucker (Journ. pharm. 1911, 72). Der russische enthielt (1910) meist die Samen der einjährigen Varietät von Hyoscyamus agrestis (~Dégen~).

S. 576. bei der Baudouinschen Reaktion wirkt w-Oxymethylfurfurol (~Rosenthaler~).

S. 589. Fettes Senföl wird in riesigen Mengen in Indien als Speiseöl dargestellt (Tropenpfl. 1909, 413).

S. 606. Zeile 17 v. u. Die Analyse von ~Rosenthaler~ und ~Schaeffer~ bezieht sich auf süße Aprikosenkerne von +Südfrankreich+ (Pharm. Centralh. 1911, Nr. 19).

S. 612. Der Ertrag an Oliven betrug in Spanien 1909: 13982939, 1910: 6246189 dz an Öl 1909: 2397720, 1910: 1085088 dz; die mit Ölbäumen bepflanzte Fläche 1910: 1416122 ha.

S. 620. ~Holde~ fand im Olivenöl: C₃H₅(C₁₇H₃₃O₂)₂C₁₈H₃₅O₂.

S. 646 und 651 sowie Taf. XVII statt Browne überall Bowne.

S. 682. Bei Myristicin und Myristicinsäure sind die 2 doppelten Bindungen einzutragen.

S. 684. Zeile 3 v. o. ist hinzuzufügen: ~Thoms~, Constitut. d. Myristicins Arb. d. pharm. Inst. Berlin I, 18.

* * * Bei der Bearbeitung bin ich in liebenswürdigster und verdankenswertester Weise von zahlreichen Kollegen und früheren Schülern unterstützt worden, mein treuster Mitarbeiter war aber meine Frau.

Die pflanzlichen Schädlinge hat Prof. ~Ed. Fischer~ (Bern), die tierischen Apotheker ~Israël~ (Gera), die Taxen und 4 Karten (im I. Bande) Dr. ~Tunmann~ (Bern) bearbeitet.

Alle Bogen hat Prof. ~von Lippmann~ (Halle), viele Prof. ~Tollens~ (Göttingen) in der Korrektur durchgelesen, einige Kapitel auch Direktor ~Bull~ (Bergen), Prof. ~T. F. Hanausek~ (Krems), Prof. ~Hartwich~ (Zürich) und Prof. ~Winterstein~ (Zürich), denen allen ich wertvolle Winke verdanke.

Auskünfte verdanke ich ferner Prof. ~von Wisselingh~ (Groningen), Prof. ~Windaus~ (Freiburg i. B.), Dr. ~Ravasini~ (Rom), Dr. ~Emmanuel~ (Athen), Dr. ~Peckolt~ (Rio de Janeiro), Prof. ~Greenish~ (London), Prof. ~van der Wielen~ (Amsterdam), Dr. ~Greshoff~ (Haarlem), Dr. ~Senft~ (Prag), Medizinalrat ~Döll~ (Karlsruhe), Dr. ~Tisza~ (New York), Prof. ~Schröter~ (Zürich), Dr. ~Rosenberg~ (Liestal), ~Woldemar Ferrein~ (Moskau), Prof. ~Rikli~ (Zürich), Dr. ~Keller~ (Zürich), Prof. ~Otto Müller~ (Berlin), ~Schwarz~ (Nürnberg), ~Kraft~ (Würzburg), Prof. ~Morpurgo~ (Triest), ~J. Novák~ (Prag), Dr. ~Netolitzky~ (Czernowitz), Prof. ~Mitlacher~ (Wien), Prof. ~Rosenthaler~ (Straßburg), Prof. ~A. Forel~ (Yvorne), Dr. ~Augustin~ (Budapest), ~Wartmann~ (Biel), Prof. ~van Itallie~ (Leiden), Prof. ~Oesterle~ (Bern), ~F. Kundrát~ (Pilsen), ~E. Krarup~ (Odense, Dänemark), Prof. ~Rosendahl~ (Stockholm), ~Hausding~ (Cölleda), ~R. Schmid~ (Naumburg), ~A. Weber~ (Zehlendorf) und den Drogenhäusern und Fabriken von ~Caesar-Loretz~ (Halle), ~Fritz~ (Wien), ~Gehe & Co.~ (Dresden), ~Grossmann~ (Hamburg), ~Siegfried~ (Zofingen), ~Schimmel & Co.~ (Miltitz), Norddeutsche Wollkämmerei (Delmenhorst), sowie zahlreichen deutschen Konsulaten des Auslandes.

+Philologisch-historischen+ Rat empfing ich von Prof. ~Seybold~ (Tübingen), Prof. ~Marti~ (Bern), Dr. ~Oefele~ (Neuenahr), Prof. ~Müller-Hess~ (Bern), Dr. ~Dorveaux~ (Paris), Prof. ~Lotmar~ (Bern).

+Abbildungen+ verdanke ich in erster Linie dem +Koloniaal Museum+ Haarlem (Dr. ~Greshoff~ und Dr. ~Dekker~), ~Stafford Allen and Sons~ (Long Melford), Dr. ~Tunmann~ (Bern), ~Wellcome~ brothrs. (London-Khartum), ~Roure-Bertrand~ (Grasse), Prof. ~van der Wielen~ (Amsterdam) und Prof. ~Perrot~ von der Ecole supér. de pharmacie in Paris; dann Prof. ~Hartwich~ (Zürich), Dr. ~Marloth~ (Kapstadt), Dr. ~Hooper~ (Kalkutta), Dr. ~Ravasini~ (Rom), Dr. ~Weigel~ (Hamburg), ~Bull~ (Bergen), Dr. ~Svendsen~ (Kristiania), Prof. ~Benedicenti~ (Genua), ~MacEwan~ Editor of the Chemist and Druggist (London), Prof. ~Moeller~ (Wien), Dr. ~Hällström~ (Helsingfors), Dr. ~Businger~ (Zürich), Dr. ~Kramer~ (Zürich), ~Scott~ und ~Bowne~ (Frankfurt a/M.), sowie zahlreichen Zeitschriften, Hand- und Lehrbüchern. Das +Kew-Museum+ hat mir die photographische Aufnahme zahlreicher Objekte gestattet und Prof. ~Greenish~ hatte die Güte, viele derselben aufzunehmen. Zahlreiche photographische Aufnahmen hat in meinem Institute auch Prof. ~Oesterle~ gemacht.

Druck von Poeschel & Trepte in Leipzig

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