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Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. (part 3 of 3)

Part 3 of 3 · Rittmeyer, Rudolph · Public domain text

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Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. (part 3 of 3)

$Der große, erfolglose Angriff auf Gibraltar, September 1782[164].$ Zwei Tage nachdem =Howe= England verlassen hatte, spielte sich die berühmte Schlußszene der Belagerung von Gibraltar ab. Seit Juli 1779 hielten die Spanier diese Feste zu Lande und von Algeciras aus auch zu Wasser eingeschlossen, aber trotzdem war es zweimal englischen Flotten gelungen, sie mit Vorräten und Truppen zu unterstützen. Auch der Angriff vom Lande her machte keine Fortschritte, obgleich Spanien nach und nach gegen 30000 Mann dazu heranzog und auf der Landzunge, die den Felsen mit dem Festlande verbindet, mächtige Belagerungswerke erbaute. Der englische Kommandant, =George Augustus Elliot=, leitete den Widerstand mit Geschick und Tapferkeit. Zu der Zeit, als Admiral =Darby= 1781 Verstärkungen brachte, wurde die Stadt drei Wochen lang täglich mit 4-5000 Geschossen überschüttet und, nachdem so 75000 Vollkugeln und 25000 Bomben verfeuert waren, gab man noch wochenlang täglich 600 Schuß ab.

[164] Besonders benutzte Quellen: Campbell Band VII, Seite 60; Chevalier II, Seite 336; gerade in diesem Werke sehr eingehend behandelt.

Aber die Besatzung hatte vom 12. April bis Ende Juni nur 53 Tote und 260 Verwundete eingebüßt. Die Stadt lag zwar in Trümmern, doch war dies ohne Bedeutung, denn die Verteidiger fanden an verschiedenen Stellen des Felsens in Lagern sichere Unterkunft. Am 27. November 1781 gelang es ihnen, durch einen Ausfall der ganzen Garnison unter =Elliots= persönlicher Führung den Gegner zu überraschen, der jetzt seine Parallelen weit genug vorgeschoben glaubte; in kurzer Zeit waren die Geschütze vernagelt, die Werke aufgesprengt und verbrannt, die Angriffsarbeiten von mehreren Monaten vernichtet. Spanien verdoppelte seine Anstrengungen. Man war zu der Überzeugung gelangt, daß die Festung durch Angriff vom Lande her allein nicht bezwungen werden könnte. Zu einem gleichzeitigen Vorgehen von See aus wollte man aber die Hochseeflotte nicht einsetzen; die feindliche Stellung war weit stärker befestigt, armiert und bemannt, als zu jener Zeit, wo =Rooke= mit der englischen Flotte sich Gibraltars bemächtigte. Man baute deshalb nach Entwürfen des französischen Ingenieurobersten =Chevalier d'Arçon= 10 mächtige schwimmende Batterien, die 152 schwere Geschütze führten; sie waren Anfang September fertiggestellt.

$Die schwimmenden Batterien$ waren 6 bis 1400 tons große Seeschiffe, die außen mit einer vierfachen Polsterung von Holz, Sand, Kork sowie ungegerbten Häuten und mit einer schrägen Holzbedachung versehen wurden, auf der eine Decke von altem Tauwerk und Fellen lag. Um eine Wirkung glühender Kugeln zu hindern, war durch die mit der Panzerung 5 Fuß dicken Bordwände ein vielverzweigtes Kanal- und Röhrensystem gezogen, durch das von einem Reservoir aus beständig Wasser spülte. Die Polsterung sollte so stets ganz mit Wasser durchtränkt gehalten werden und einschlagende Kugeln selber ihr Ablöschen hervorrufen, indem sie die Röhren verletzten; auch die Dächer konnten berieselt werden. Die Schiffe waren mit schweren, neugegossenen Bronzekanonen armiert; fünf von ihnen führten 18-24 Geschütze in zwei, fünf 6-11 in einer Batterie, und es war etwa die Hälfte der Zahl als Reserve zum Auswechseln an Bord gegeben. Die Kanonen wurden nur auf einer Seite der Schiffe aufgestellt; Ballast auf der anderen hielt diese auf ebenem Kiel, so boten die 10 Batterien dem Gegner eine Breitseite von 152 Geschützen dar.

Der Bau in der Bucht von Algeciras war im Februar beschlossen, schritt aber nach spanischer Art nur langsam vorwärts. Erst Anfang September war er mit einem Kostenaufwande von 2 Millionen Piastern beendet. Bei der Probe zeigte sich, daß die Bewässerungsanlagen nicht richtig arbeiteten, das Wasser drang in die Schiffe und die Kanäle mußten teilweise verstopft werden. Der Erfinder bat um Zeit für Verbesserungen, aber der =Herzog von Crillon= verweigerte sie ihm. (Vorstehendes sehr eingehend in Chevalier II, Seite 337.)

Auch sonst wurden Vorbereitungen zu einem überwältigenden Angriffe getroffen. 30 (40?) Kanonenboote und 30 (40?) Mörserboote, sowie 300 große Ruderboote waren gesammelt, um den schwimmenden Batterien während des Kampfes Ersatzmannschaften und Munition zuzuführen. In den Werken auf der Landzunge standen 186 Geschütze; die von Minorka zurückkehrenden spanischen Truppen, sowie 10000 Franzosen hatten das Belagerungsheer, das jetzt vom =Herzog von Crillon=, dem Eroberer Minorkas, befehligt wurde, auf über 40000 Mann gebracht. Endlich sollte die Flotte =Cordobas= den Angriff gegen jede Störung von See her decken, wenn erforderlich, auch unterstützen.

Gibraltar war im Norden und Westen wie schon früher durch eine Umwallung mit zahlreichen Batterien gedeckt (vgl. Skizze im Bande I, Seite 526). Diese erste Verteidigungslinie war aber jetzt weit stärker und wurde durch eine zweite, höher gelegene und zum Teil in den Fels gehauene unterstützt; die Werke, die den Gibraltarfelsen selber zu einer uneinnehmbaren Feste machen, sind während dieser Belagerung begonnen. Die Wasserfront ward durch starke Forts auf den beiden Molen flankiert, und etwa in ihrer Mitte, etwas nördlicher, befand sich ein größeres Werk, die Kings-Bastion. In den Befestigungen standen 280 Geschütze. Die Besatzung betrug 7000 Mann auserlesener Truppen[165], im besonderen vorzüglicher Artilleristen; 12 Kanonenboote, mit je einem schweren Geschütze, besetzt mit Mannschaften einiger bei Gibraltar stationierter Fregatten und kleinerer Kriegsschiffe, standen zur Verfügung.

[165] Etwa zwei Drittel von diesen waren Hannoveraner, die Stammtruppen der jetzigen Regimenter: Füsilierregiment Prinz Albrecht von Preußen (Hannoversches) Nr. 73, Infanterieregiment v. Voigts-Rhetz (3. Hannoversches) Nr. 79 und des Jägerbataillons Nr. 10, denen zur Erinnerung an die ruhmreiche Verteidigung von Gibraltar als Abzeichen ein hellblaues Band mit der Inschrift »Gibraltar« am rechten Unterarm verliehen ist.

Das ganze militärische Europa erwartete mit Spannung den Ausgang des so lange vorbereiteten Angriffes. Neutrale Mächte sandten höhere Offiziere dorthin; zwei französische Prinzen erschienen, um die erwartete Katastrophe zu verherrlichen, denn die Verbündeten zweifelten nicht am Erfolge.

Nach Eintreffen der großen Flotte in Cadiz am 6. September wurde die Ausführung des Angriffes beschlossen. =Cordoba= ging schon am 9. in See und ankerte am 12. bei Algeciras, wo nun 48 Linienschiffe der Verbündeten vereinigt waren. Am 13. erfolgte der Angriff, aber schon am 8. hatte der Kampf begonnen, und es ist kennzeichnend für =General Elliot=, daß dies von seiner Seite ausging.

$Schilderung des Angriffes auf Gibraltar.$ Als =Elliot= erkannt hatte, daß ein Angriff starker Kräfte bevorstand, überschüttete er während des 8. September die feindlichen Werke derartig mit Geschossen, daß sie außer Gefecht gesetzt wurden. Die Spanier eröffneten jedoch schon am 9. aus einer neuen Batterie von 64 Kanonen ein heftiges Feuer auf die Stadt, und das eigentliche Blockadegeschwader unter =Moreno= beteiligte sich, indem es in Linie an der Wasserfront vorübersegelte. Das Bombardement aus den Landwerken ward bis zum 12. fortgeführt. Gegen 8 Uhr vormittags am 13. September setzten sich die schwimmenden Batterien in Bewegung und die Landwerke nahmen das Feuer wieder auf. Admiral =Moreno= ankerte mit dem stärksten der Batterieschiffe »La Pastora« auf etwa 1200 m Entfernung vor der Kings-Bastion, vier andere gingen südlich und fünf nördlich von ihm vor Anker.

So lagen die 10 Fahrzeuge in einer Linie von der Nordmole bis fast zur Südmole; sie begannen den Kampf um 10 Uhr. Entschieden war diese Aufstellung fehlerhaft. Nach dem Plane =d'Arçons= sollten sie massiert von der Höhe der Nordmole aus angreifen, um ihr Feuer möglichst zusammenzuhalten und mit dem der Landwerke zu vereinigen, selber aber nur wenigen feindlichen Geschützen ausgesetzt zu sein. Jetzt jedoch boten sie Ziele für die ganze Wasserfront, deren südlicher Teil vom Feuer der Landwerke nicht erreicht werden konnte. Ein zweiter verhängnisvoller Fehler wurde dadurch gemacht, daß die bei Algeciras liegenden Mörser- und Kanonenboote nicht eingriffen, und gerade diese hätten die Wasserfront beschäftigen, womöglich flankieren sollen; nur einige Kanonenboote erschienen für kurze Zeit. Endlich nahmen auch keine Schiffe der großen Flotte teil, die gleichfalls den Gegner hätten ablenken sollen.

Es folgte nun ein heftiger Geschützkampf. Anfangs widerstanden die schwimmenden Batterien den Geschossen, auch den glühenden Kugeln, die von den Engländern mit Vorliebe verwendet wurden. Aber am Nachmittage gerieten doch »La Pastora«, sowie ihr Nebenschiff »La Talla Piedra«, von einem Prinzen von Nassau befehligt, in Brand. Man konnte das langsame Umsichgreifen des Brandes nicht hindern, so daß »Talla Piedra« sich genötigt sah, um 3 Uhr ihr Feuer zu vermindern und um 5 Uhr ganz einzustellen. Der Prinz von Nassau bat, sein Schiff wegzuschleppen, machte auch den Versuch, es aus dem Gefecht zu warpen, es fehlte ihm jedoch an Matrosen. Um 5 Uhr brachen auch die spanischen Landwerke den Kampf ab; =d'Arçon= behauptete später, es habe ihnen an Munition gefehlt, ihre Geschütze seien überhaupt schlecht bedient und schlecht gerichtet worden. Die übrigen schwimmenden Batterien hatten noch wenig gelitten, aber ihr Rückzug ward doch befohlen, um sie zu retten. Für diesen waren jedoch gar keine Vorkehrungen getroffen, und man sah sich schließlich gezwungen, ihr Verlassen und Verbrennen anzuordnen; auf Notsignale sandte die Flotte Boote zum Abholen der Besatzungen. In die nun entstehende Verwirrung brachen gegen 2 Uhr morgens die englischen Kanonenboote unter Führung des Kapitäns =Curtis=, des ältesten Seeoffiziers in Gibraltar, ein. Sie flankierten mit ihrem Feuer die spanische Linie, vermehrten die Unordnung auf den fast nur mit Soldaten besetzten Fahrzeugen und trieben die rettenden Boote zurück. Bei Sonnenaufgang flog eins der Batterieschiffe in die Luft, drei weitere traf bald das gleiche Schicksal, die anderen standen in Flammen. Die Engländer stellten jetzt das Feuer ein und taten ihr Bestes zur Rettung der Gegner; sie bargen unter eigener Gefahr gegen 400 Mann. Der Rest der Batterien flog im Laufe des 14. September auch noch auf.

=Der Verlust= der Spanier soll allein auf den schwimmenden Batterien 1500 Tote, Verwundete und Gefangene betragen haben. Die Engländer büßten nur 65 Tote und 188 Verwundete ein; ihre Werke hatten im Verhältniß zu dem auf sie gerichteten Feuer nur wenig gelitten.

$Beurteilung des Angriffes.$ Die schwimmenden Batterien sind nach der Katastrophe vielfach als verfehlt bezeichnet. Besonders höhere spanische Offiziere, so auch =Crillon=, erklärten, niemals Vertrauen zu ihnen gehabt zu haben. Weshalb wartete er aber nicht ab, bis sie leistungsfähiger geworden waren? Er konnte während der Monate September und Oktober noch immer auf günstige Witterung für den Angriff rechnen, und die große Flotte war zur Stelle, um einer etwa erscheinenden englischen entgegenzutreten. Das Mißlingen des Unternehmens, wenigstens sein trostloser Ausgang, ist anderen Umständen zuzuschreiben. =Crillon= hat (nach Chevalier) zu kurzer Hand den Tag des Angriffes festgesetzt und ungenügende Bestimmungen getroffen. Infolgedessen lagen die Batterien falsch und die Mörser- sowie die Kanonenboote fehlten; die Spanier behaupteten zwar, die See sei zu rauh für diese gewesen, aber einzelne waren doch erschienen und hatten sich auch am Kampf beteiligt. Es war ferner nichts vorgesehen, um die Batterien aus dem Gefechte ziehen zu können. Endlich waren die Führer der Flotte nicht zu Rate gezogen und gar nicht oder doch zu spät vom Angriff in Kenntnis gesetzt. =Chevalier= stützt sich bei diesen Behauptungen allerdings besonders auf Berichte =d'Arçons=, also eines beteiligten Zeugen, aber seine Aussagen werden auch durch das Journal eines französischen Schiffes der Flotte bestätigt. (Chevalier II, Seite 348.)

Der Angriff wurde nach vorstehendem nicht nur ein Fehlschlag, sondern sogar eine empfindliche Niederlage der Spanier; man mußte sich vorläufig wieder auf den Versuch beschränken, Gibraltar auszuhungern. Dies hätte gelingen müssen, da man über 48 Linienschiffe verfügte, aber die Seegewandtheit der Engländer machte auch diese Hoffnung zuschanden.

$Lord Howe versorgt Gibraltar, Oktober 1782.$ Die Fahrt des Admirals war bis zur spanischen Küste sehr langsam, teils weil er Gegenwind traf, teils weil er sorgsam auf das Zusammenbleiben des wichtigen Transportes hielt; bei Kap Finisterre waren aber auch sämtliche 183 Segel noch vereint. Hier entließ er die Konvois und erreichte mit der Flotte sowie den 31 Transportern am 8. Oktober Kap St. Vincent. Dort erhielt er am 10. die Nachricht von den Ereignissen bei Gibraltar, sowie von der Anwesenheit der feindlichen Flotte bei Algeciras. Er gab nun den Unterführern seine Absichten bekannt und ließ den Kapitänen der Transportschiffe genaue Angaben über die Wind- und Stromverhältnisse bei Gibraltar zukommen, damit sie ihre Ankerplätze leicht und sicher erreichen könnten. Am 11. mittags lief er bei westlichem Winde in die Straße ein. Die Transporter segelten voran, die Flotte folgte in drei Geschwadern; sie war also zu Luward jener und somit imstande, sie zu verteidigen. Um 6 Uhr nachmittags standen die Proviantschiffe vor dem Eingang der Bucht von Gibraltar, aber nur 4 Fahrzeugen nebst einem Linienschiffe gelang das Einlaufen, die übrigen hatten die Vorschriften nicht befolgt und wurden durch den Strom ins Mittelmeer versetzt. Die Flotte mußte ihnen folgen.

=Cordoba= lag seit Anfang Oktober zum sofortigen Auslaufen bereit. Am 10. fielen schwere Böen ein. Mehrere Schiffe trieben vor ihren Ankern und stießen zusammen; das Flaggschiff des Admirals =Moreno= strandete bei Gibraltar und wurde von den Engländern genommen; ein anderes Linienschiff, sowie eine Fregatte trieben ins Mittelmeer. Sei es, weil einzelne Schiffe beschädigt waren, sei es -- wie französisch-spanische Berichte sagen -- weil in der Bucht von Algeciras völlige Windstille herrschte, tatsächlich unternahm =Cordoba= nichts gegen das Einlaufen der vier Transporter und ging auch erst am 13. Oktober mit 46 Linienschiffen, darunter 14 oder 15 Franzosen, in See. Besorgt um das Schicksal der vertriebenen Schiffe steuerte er östlich, anstatt den Engländern die Rückkehr in die Straße zu verlegen; =Howe= stand um diese Zeit etwa 30 Seemeilen im Osten von Gibraltar. Zwei Tage manövrierten nun die Flotten bei leichtem westlichen Winde und zeitweisem Nebel, oft aus Sicht voneinander. Am 15. kam Ostwind auf und =Howe= steuerte unbemerkt vom Feinde westlich, die Transporter wieder voraussendend. Am 16. abends waren 18 von diesen, am 18. alle in Gibraltar angelangt; außerdem wurden Soldaten gelandet, die auf einzelnen Linienschiffen untergebracht waren, und dem Gouverneur auf dessen Bitte noch ein Brander mit 1500 Barrel Pulver überlassen. =Gibraltar war aufs neue reichlich versorgt.=

Der spanische Admiral hatte erst am 16. Oktober den Kurs nach Westen aufgenommen, als er am 19. vor Gibraltar erschien, trat die englische Flotte gerade ihre Heimreise an. Er folgte ihr in einer Schlachtlinie, in der die Schiffe nach ihrer Geschwindigkeit rangiert waren, die schnelleren voran.

$Das Seetreffen bei Kap Spartel am 20. Oktober 1782. Ende des Seekrieges in den europäischen Gewässern.$ =Howe= wollte der Strömungen wegen nicht in der Straße von Gibraltar fechten und erwartete den Gegner außerhalb. =Cordoba= stand bei nördlichem Winde zu Luward und hielt am 20. Oktober gegen Sonnenuntergang zum Angriff ab. Er hatte Befehl gegeben, den Kampf zu beginnen, sobald man auf zwei Kabellängen an den Gegner heran wäre. =La Motte-Picquet= eröffnete in der hellen Mondnacht mit der Vorhut das Feuer auf die englische Vorhut in der befohlenen Entfernung; die Mitte war noch nicht so nahe heran und die Nachhut, 12 Schiffe unter =de Guichen=, stand weit achteraus. Ehe diese herankam, mehrte =Howe= Segel und brach das Gefecht ab. Er hatte mit seiner Mitte der großen Entfernung halber das Feuer der feindlichen Schiffe gar nicht erwidert, seine Nachhut kam jedoch beim Absegeln noch zum Geschützkampf. Der großen Übermacht wollte sich der englische Admiral nicht aussetzen; er hat den Gegner wohl nur herankommen lassen, weil er mit der Möglichkeit rechnete, infolge günstiger Umstände ihn teilweise zu schlagen. =La Motte= wagte mit seinen wenigen Schiffen nicht am Feinde zu bleiben, =Cordoba= sammelte um Mitternacht die Flotte und folgte weiter.

=Die Verluste= bezifferten sich bei den Engländern auf 68 Tote und 268 Verwundete, bei den Verbündeten auf 60 und 320.

Am nächsten Tage waren die Gegner etwa 12 Seemeilen voneinander entfernt. =Cordoba= gab sich jedoch keine Mühe, näher heranzukommen, sondern segelte am 22. nach Cadiz. =Howe= zweigte 8 Linienschiffe für Westindien ab und erreichte dann am 14. November Portsmouth.

Die größeren Flottenunternehmungen in den europäischen Gewässern waren damit nicht nur für das Jahr 1782, sondern für den Krieg überhaupt zu Ende.

$Über die Kriegführung in Europa 1782$ ist wenig zu sagen. Das Auftreten der großen Flotte der Verbündeten in den nördlichen Gewässern war ebenso schwächlich wie im Vorjahre. Sie brachte einen Teil eines englischen Konvois auf und beherrschte zum Schutze des eigenen Handels während der Monate Juni bis August den Eingang des Kanals, sowie die Biskaya, machte aber keine ernstlichen Versuche zur Vernichtung der schwächeren feindlichen Seemacht. Wieder trifft die Hauptschuld die Spanier, die den größeren Teil der Flotte gestellt hatten und in deren Hand der Oberbefehl lag. Mit Recht sagt ein französischer Autor (Lacour II, Seite 382) über Cordoba, es sei zu beklagen, daß Männer wie =Guichen= und =La Motte-Picquet= stets an einen Führer gebunden gewesen wären, der keinen Plan durchgeführt habe -- falls er überhaupt einen gehabt hätte.

Die weit schwächere englische Flotte hatte schon vorher den äußerst wichtigen Transport für Ostindien aufgebracht, die Streitmacht Hollands festgehalten und dessen Handel unterbunden. Als die Verbündeten dann auf der See erschienen, gelang es =Lord Howe= doch, den Jamaikakonvoi sicher einzuholen. Der Schaden für Handel und für Militärtransporte war auf beiden Seiten etwa gleich; der Ruhm der erfolgreicheren Verwendung ihrer Seestreitkräfte gebührt also England als der schwächeren Partei. Hierbei ist allerdings darauf hinzuweisen, daß Howes Aufgabe ein Wagnis war, denn die größere Hälfte der Kanalflotte wurde einem übermächtigen Feinde gegenüber aufs Spiel gesetzt.

Die Expedition nach Gibraltar war ein noch gefahrvolleres Unternehmen. Bei ihr entwickelte =Lord Howe= dieselben Fähigkeiten, die er 1778/79 in Nordamerika gezeigt hatte, seemännische Tüchtigkeit vereint mit klarem Blick und schnellem Entschluß. Er hielt seine Kräfte zusammen und behielt sie in der Hand, durch geschicktes Manövrieren löste er seine Aufgabe, vermied aber den Kampf mit dem überlegenen Feinde. =Cordoba= dagegen versagte auch bei dieser Gelegenheit.

Einige $Aussprüche neuerer französischer Autoren$ zu diesen Vorgängen sind bemerkenswert. =Chevalier= schreibt (II, Seite 358, hier gekürzt): »Die Eigenschaften, die =Lord Howe= bei dieser kurzen Kampagne entfaltete, entsprachen voll der Aufgabe, die er zu lösen hatte. Seine Operation, eine der schönsten dieses Krieges, verdient das gleiche Lob wie ein Sieg. Wenn auch die englische Flotte durch die Verhältnisse begünstigt wurde -- und es ist selten, daß derartige Unternehmungen ohne Glück gelingen --, so haben doch vor allem der richtige Blick des Führers, die Sicherheit seines Urteils und seine schnelle Entschlußfähigkeit den Erfolg herbeigeführt.«

=Lacour= schreibt (II, Seite 447): »Daß die Flotte der Verbündeten mehrere Tage hindurch in der Straße von Gibraltar manövriert hat, ohne die englische zu erreichen, daß es dieser gelungen ist, stets auszuweichen und ihre Vorräte zu landen, daß =Howe= die Straße unbelästigt wieder verlassen konnte, alles dies erscheint bei der Beschränktheit des Schauplatzes, auf dem sich die Ereignisse einer Woche abspielten, kaum glaubhaft.«

=Chevalier= weist gerade bei dieser Gelegenheit auf den höheren Stand der englischen Marine im allgemeinen hin und erklärt damit manche Erfolge der Engländer, sowie manche Fehlschläge der Franzosen in diesem Kriege. Er sagt: »Unter den 34 Schiffen der englischen Flotte befand sich keins jener Fahrzeuge, die den Oberbefehlshaber in der Durchführung seiner Absichten hindern. Alle waren gekupfert und von nahezu gleicher Geschwindigkeit. =Howe= hatte dadurch, wenn auch nicht die Gewißheit, so doch die größte Aussicht, einen Kampf nach Belieben aufnehmen oder vermeiden zu können. Der gleiche Vorteil zeigte sich auch bei anderen Gelegenheiten in diesem Kriege. Er konnte sich ferner auf seine Kommandanten verlassen. Es kamen keine Trennungen, keine Zusammenstöße und Havarien, kurz keine jener Vorfälle vor, die den Oberbefehlshaber so oft zwingen, anders zu handeln, als er beabsichtigt hatte. Man kann nicht umhin, sich dabei der Ereignisse zu erinnern, die der französischen Flotte des Admirals =de Grasse= vom 9. bis 12. April 1782 so schwere Ungelegenheiten bereiteten.« Der Autor führt diese dann kurz an; wir werden sie bald bei der Schilderung des Krieges in Westindien (Schlachten bei Dominica) kennen lernen.

Der Krieg in Westindien und Nordamerika 1782.

Im November 1781 waren =de Grasse= von Nordamerika mit 32 Linienschiffen in Martinique und im Dezember =Hood= in Barbados mit 18 eingetroffen; am 26. November hatte der Gouverneur von Martinique die Insel St. Eustache wiedergenommen.

Die Franzosen planten nun weitere Eroberungen. Der Gouverneur =de Bouillé= schiffte sich mit 6000 Mann auf der Flotte ein, und =de Grasse= lief mit dieser, 26 Linienschiffe stark, am 26. Dezember aus, um Barbados anzugreifen; der Rest der Flotte blieb zu Ausbesserungen vorläufig zurück. Er kreuzte mehrere Tage gegen starken böigen Passat vergeblich an und ging am 3. Januar wieder nach Fort Royal. Am 5. Januar 1782 brach die Expedition abermals auf, jetzt aber =gegen St. Christopher= (englisch St. Kitts). Sie landete hier am 11. ohne Widerstand auf Basseterre, dem Südteile der Insel. Die einschließlich einiger Milizen kaum 1000 Mann starke englische Garnison unter dem Gouverneur General =Shirley= zog sich nach Brimstonhill, einem befestigten Hügel im Nordwesten der Insel, zurück, den =Bouillé= nicht stürmen konnte, sondern regelrecht belagern mußte. Die Einwohner der Insel erklärten sich neutral und unter gleichen Bedingungen ergab sich das naheliegende Nevis. Die französische Flotte blieb auf der Rhede von Basseterre.

Admiral =Hood= erhielt am 14. Januar in Barbados die Nachricht von =Shirley=, daß die französische Flotte am 10. in der Nähe von St. Christopher gesehen und ein Angriff zu befürchten sei. Er ging sofort mit 22 Linienschiffen in See, erfuhr am 16. die Landung und ankerte am 21. bei Antigua, wo er nähere Auskunft erhielt und 700 Soldaten an Bord nahm. Trotz seiner Unterlegenheit beschloß er, die bedrohte Insel zu entsetzen. Es gelang ihm nicht, aber sein Versuch zeugt von hervorragendem militärischem Blicke und großer seemännischer Geschicklichkeit. Englische wie französische Autoren stellen =Hoods= Manöver denen eines =Nelson= und =Suffren= gleich.

$Die Schlacht bei St. Christopher, 25. Januar 1782[166].$ =Hood= unterrichtete die Unterführer eingehend über seine Absichten, verließ dann am 23. Januar nachmittags Antigua und steuerte nach Nevis hinüber; er mußte diese Insel südlich passieren, da der Kanal zwischen ihr und St. Christopher für Linienschiffe zu flach war. Er hoffte die Franzosen bei Tagesanbruch auf ihrem Ankerplatze zu überraschen, auf dem sie keine Verteidigungsstellung eingenommen hatten, sondern 3-4 Reihen tief lagen; er wollte dann seine Schiffe in Linie zu Luward an der Masse der feindlichen vorüberführen und dieses wiederholen, durch Halsen und Wenden einen Kreis laufend. Der Plan scheiterte infolge des Zusammenstoßes zweier Schiffe während der Nacht; die Fahrt wurde durch die unvermeidliche Ausbesserung mehrere Stunden aufgehalten und die Flotte am 24. morgens von feindlichen Fregatten gesichtet, ehe sie die Südspitze von Nevis passiert hatte, was erst um 1 Uhr mittags geschah.

[166] Hauptquellen: Mahan I, Clowes III, Chevalier II, Lacour II, deren Angaben in den Hauptsachen übereinstimmen.

=De Grasse= lichtete um 3 Uhr nachmittags Anker und ging ihr entgegen. Er glaubte, Hood wolle bei Sandy Hook, einer Rhede nahe Brimstonhill, ankern, um der Besatzung dort Hilfe zu senden, auch war er für 4 Schiffe besorgt, die er von Martinique erwartete. =Hood= steuerte nun gegen Sonnenuntergang südlich, zog sich scheinbar zurück, manövrierte aber während der Nacht so, daß er bei Tagesanbruch des 25. Januar dicht unter der Küste von Nevis zwischen dieser Insel und den etwa 9 Seemeilen entfernten Franzosen, die sich nicht nahe unter Land gehalten hatten, und bei ONO-Wind zu Luward von ihnen stand. Seine Absicht war jetzt, auf dem bisherigen Ankerplatz der Franzosen eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Auch von dort aus konnte er die Engländer am Lande unterstützen und lag, falls =de Grasse= nach Sandy Hook ging, zwischen ihm und Martinique; so war es möglich, dem Gegner die Zufuhren abzuschneiden, auf die dieser durchaus angewiesen war, da die kleine Insel auf längere Zeit soviel Truppen nicht zu ernähren vermochte.

Hoods Plan war bei seiner Unterlegenheit immerhin gewagt. Aber der Admiral erwartete Rodney mit einer Flotte, der vielleicht rechtzeitig ankam, und England brauchte nach der Niederlage in Nordamerika einen Erfolg. So mußte man auf gut Glück etwas wagen, und Hood kannte sich, seine Offiziere -- sowie auch den Gegner.

=Hood= bildete die Gefechtslinie eng geschlossen über Backbordbug und nahm um 10 Uhr vorm. Kurs nach Basseterre; er wurde vom Glück begünstigt, da der Wind auf OSO ging, so daß er raum steuern konnte. Die Franzosen lagen um diese Zeit über Steuerbordbug nach Süden, wendeten und hielten in Staffel auf den Feind zu (Plan I A--A zeigt die englische Linie um 10 Uhr, A'--A' die französische), kamen aber nicht mehr, wie sie wohl beabsichtigt hatten, mit ihrer ganzen Linie querab von der englischen zum Angriff. Um 2 Uhr nachmittags waren die vordersten Engländer so weit, daß Hood ihnen das Signal zum Ankern geben konnte; er befahl, dies mit Spring auf den Ankern auszuführen, um die Schiffe sofort mit den Breitseiten nach See legen zu können. Um 2-1/2 Uhr war die französische Vorhut auf Kanonenschußweite an die englische Mitte heran, und das Feuer begann. =De Grasse= war aber nicht imstande, seinen Gegner festzuhalten; die englischen Schiffe erreichten sämtlich den Ankerplatz.

Durch den Angriff der Franzosen war also besonders die hintere Hälfte der englischen Linie bedroht, die, wie häufig bei langen Kolonnen, nicht so gut Schiff hinter Schiff aufgeschlossen fuhr. =Hood= nahm jedoch hierauf keine Rücksicht, gab vielmehr der vorderen Hälfte den Befehl, Segel zu mehren, und um 3-1/2 Uhr ankerten die ersten Schiffe, um 4 Uhr das Flaggschiff. Die vier letzten Schiffe waren zurückgeblieben, da das vorderste schlecht segelte. In die so entstandene Lücke versuchte =de Grasse= mit seinem Flaggschiff »Ville de Paris« von 104 Kanonen einzubrechen, um die Nachzügler abzuschneiden, aber das letzte englische Schiff vor der Lücke, »Kanada«, 74 Kanonen, unter Kapitän =Cornwallis=, dem Bruder des Generals, warf alle Segel back, und sackte quer vor dem mächtigen Gegner achteraus; seine beiden Vordermänner blieben gleichfalls zur Unterstützung zurück (Plan I, B-B, B'-B'). So wurde der Durchbruch verhindert; die letzten 7 englischen Schiffe setzten ihre Fahrt trotz arger Bedrängnis unter beständigem Gefecht fort und kamen Schiff nach Schiff zu Anker, wobei nun die schon verankerten Schiffe in den Kampf eingriffen. So konnte die vordere Hälfte der englischen Linie, gewissermaßen gedeckt durch den Kampf der hintern, unbelästigt ihre Ankerplätze einnehmen, ebenso diese, ihrerseits unterstützt durch das Feuer der ersteren. =De Grasse= lief noch an der feindlichen Linie entlang, gab sein Feuer ab und steuerte dann nach Süden.

$Das Ankergefecht am 26. Januar 1782.$ Der Ankerplatz Hoods war nicht genau der gleiche, wie ihn de Grasse innegehabt hatte (s. Plan II), aber er beherrschte diesen. Die Nacht vom 25./26. Januar wurde benutzt, die in Eile eingenommene Ankerordnung zu verbessern und zu verstärken; so wurden drei Schiffe der Nachhut zwischen das Spitzenschiff und die Küste gelegt, um jedes Umgehen der Linie hier auszuschließen. =Hood= durfte nun seine Stellung als stark betrachten.

Sein linker Flügel lehnte sich an die Küste. Von hier zog sich die Linie in ost-westlicher Richtung bis zum 16. Schiff, dem Flaggschiff, und bog dann in scharfer Kurve um, so daß die letzten Schiffe in der Richtung Nord-Süd lagen (Plan II, A--A). Die Stellung vom Rücken her anzugreifen, war bei den Windverhältnissen kaum möglich, und beim Frontangriff hatten die Engländer den Vorteil, daß Beschädigungen der Takelage für sie ohne Bedeutung waren, für die angreifenden Schiffe aber verhängnisvoll werden konnten.

=De Grasse= hätte wohl seinen früheren Ankerplatz wieder einnehmen können, aber dieser lag in Lee des Feindes und war auch für eine große Flotte nicht günstig. Er beschloß anzugreifen; durch Ankunft der Schiffe von Martinique standen ihm schon am nächsten Tage mindestens 27, vielleicht bereits 29 Linienschiffe zur Verfügung. Am 26. Januar steuerte er in Kiellinie auf den linken Flügel der englischen Stellung zu (Plan II B-B). Infolge plötzlich schralenden Windes traf das Spitzenschiff[167] um 8-1/2 Uhr vorm. erst auf das dritte englische vom Flügel und erhielt die Breitseiten von vier Gegnern, so daß man die Plankenstücke seiner Bordwände herausfliegen sah, dann lief es die englische Linie entlang. Die anderen Schiffe folgten, einige nahe, andere in weiterer Entfernung; »Ville de Paris« kam sehr dicht heran und verlangsamte auch auf kurze Zeit ihre Fahrt. Das Feuergefecht war äußerst heftig, der Pulverrauch hüllte die Schiffe oft völlig ein, aber die englische Stellung blieb unerschüttert und =de Grasse= führte seine Flotte wieder nach See zu. Ein zweiter Angriff am Nachmittage, nur gegen Mitte und rechten Flügel der Engländer gerichtet, blieb ebenso erfolglos.

[167] Dieses Schiff befehligte Kapitän =d'Albert de Rions=, nach Suffrens Ansicht der tüchtigste Offizier der Marine; er hatte sich schon mit Suffren unter d'Estaing ausgezeichnet, und wir werden ihm noch öfter begegnen.

=Die Verluste am 25. und 26. Januar= betrugen englischerseits 72 Tote und 244 Verwundete, französischerseits 107 und 207.

Während der nächsten Wochen kreuzte nun die französische Flotte zu Luward, drohte fast täglich mit einem Angriff und gab auch Feuer auf weite Entfernung ab. =Hood= war somit zwar blockiert, konnte aber auf dem Lande eingreifen, was er auch mit etwa 1200 Mann versuchte. =Bouillés= Macht war jedoch zu stark, und die Gelandeten mußten schon nach 24 Stunden wieder eingeschifft werden. =Brimstonhill kapitulierte am 13. Februar.=

=Hood= hatte am 1. Februar durch =Kempenfelt= Nachricht erhalten, daß die französische Verstärkung für Westindien von ihm zerstreut sei (s. Seite 322). Dies hob seine Hoffnung auf das Gelingen seines kühnen Unternehmens, wenn nur Rodney bald einträfe. Jetzt aber nach der Waffenstreckung der Truppen am Lande mußte er befürchten, daß =Bouillé= Batterien gegen die Flotte erbaue, und an das Verlassen seines Ankerplatzes denken. Dies konnte aber nur mit großer Vorsicht ausgeführt werden, denn die französische Flotte war auf 32 Linienschiffe angewachsen; es waren außer dem letzten der 4 Schiffe von Martinique am 2. Februar noch die beiden Linienschiffe zu ihr gestoßen, die nach der Zerstreuung des Konvois durch =Kempenfelt= die Fahrt fortgesetzt hatten. Doch eine Gelegenheit bot sich bald. Am 14. führte =de Grasse= seine Flotte unter die Küste von Nevis, um aus Transportern, die hier am 13. von Martinique eingetroffen waren, seine fast erschöpften Proviantbestände zu ergänzen. In der folgenden Nacht kappten die Engländer die Ankertaue, ließen aber auf deren Bojen Laternen brennen, um die Ausguckfregatten des Feindes zu täuschen, und segelten nördlich um St. Christopher herum nach Antigua, wo sie am 19. Februar eintrafen. =De Grasse= hielt eine Verfolgung für aussichtslos, ankerte zunächst bei Basseterre, ging aber bald darauf nach Martinique, um nicht von diesem Stützpunkt abgeschnitten zu werden, wenn =Rodney= einträfe; er erreichte Fort Royal am 26. Februar.

Auf der Rückfahrt nach Martinique ließ =de Grasse= am 22. Februar die Insel =Montserrat= besetzen. England hatte kurz vorher weitere Verluste erlitten, da sich eine französische Division leichter Schiffe am 22. Januar =Demeraras=, sowie am 5. und 8. Februar =Berbices= und =Essequibos= bemächtigte.

$Beurteilung der Admirale Hood und de Grasse.$ =Hoods= kühnes Vorgehen, mit Geistesgegenwart und Geschick durchgeführt, war trotz des mangelnden Erfolges eine glänzende seemännische Tat. An und für sich lohnte der Entsatz der Insel wohl kaum das Wagnis, aber er war nicht unmöglich, und England brauchte um diese Zeit Erfolge. =Hood= hatte vor der Chesapeakebucht (Seite 339) ähnlich handeln wollen; hätte er dort den Oberbefehl geführt, so wäre =Cornwallis= vielleicht gerettet worden. Dem Admiral =de Grasse= wird vorgeworfen, daß er seine gewaltige Überlegenheit -- vom 1. bis 13. Februar 32 Linienschiffe gegen 22 -- nicht ausgenützt habe. Er habe gewußt, daß =Rodney= mit 12-15 Schiffen nahe, während die französische Flotte keine Verstärkungen mehr zu erwarten hatte, mithin hätte er =Hood= vorher vernichten müssen; der Besitz von St. Christopher habe erst in zweiter Linie gestanden. Der Vorwurf ist berechtigt. Gewiß war die englische Stellung sehr stark und wäre mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt worden. Aber sie wurde doch nicht wie die des Admiral =Barrington= bei Sta. Lucia 1778 durch Werke am Lande geschützt, und dort riet der tüchtige =Suffren= dem Oberbefehlshaber =d'Estaing=, unbedingt anzugreifen, ehe der Gegner Verstärkung erhielte; er erachtete den Erfolg für sicher. (Vgl. Seite 283.)

Die Verhältnisse lagen bei Sta. Lucia ganz ähnlich, und =Suffren äußerte sich= damals in einer für den jetzigen Fall geradezu =prophetischen Weise=. Er schrieb: »Trotz der geringen Ergebnisse der Beschießungen am 25. September (1781) können wir auf Erfolg rechnen. Der einzige Weg dafür ist aber ein kräftiger Angriff auf das feindliche Geschwader, das sich bei unserer Überlegenheit trotz der Batterien am Lande nicht halten kann, »wenn wir längsseit der feindlichen Schiffe gehen oder auf deren Bojen ankern«. Wenn wir zögern, können tausend Umstände den Feind retten. =Er kann die Nacht benützen, um zu entwischen.=«

=De Grasses= Verhalten entspricht wieder ganz der bekannten Auffassung in der französischen Marine jener Zeit, die, wie erwähnt, ein französischer Taktiker in dem Ausspruche kennzeichnete: »Unsere Marine hat stets den Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem vielleicht glänzenderen aber praktisch wertloseren vorgezogen, einige Schiffe zu nehmen.« Die Erwägung, daß die Seestreitkräfte des Feindes der ausschlaggebende Faktor seien und deshalb sein eigentliches Angriffsobjekt bilden müßten, lag ihm bei dieser fast allgemeinen Auffassung fern. So hatten die Franzosen einige Inseln genommen, aber die feindliche Flotte blieb intakt, und infolgedessen fand die französische Überlegenheit in den westindischen Gewässern bald ein Ende.

=Admiral Rodney= hatte am 15. Januar England mit 12 Linienschiffen verlassen, war am 19. Februar in Barbados eingetroffen und vereinigte sich am 25. bei Antigua mit Hood, der im Begriff war, nach Barbados zu segeln. Die Gesamtflotte folgte nun den Franzosen, kam jedoch zu spät, um ihnen den Weg nach Martinique zu verlegen, und ging nach Sta. Lucia. Hier stießen noch 3 Linienschiffe von England zu ihr, so daß =Rodney= jetzt über 37 Linienschiffe und 11 Fregatten verfügte. Als er dann erfuhr, daß de Grasse einen großen Konvoi erwarte, ließ er eine Hälfte seiner Flotte östlich vor der Durchfahrt zwischen Dominica und Martinique, die andere vor der zwischen Martinique und Sta. Lucia kreuzen. Der erwartete Konvoi hatte mit =de Guichen= im Februar Frankreich verlassen. Sein Führer navigierte mit Umsicht, er passierte die Desiraden nördlich, steuerte dann zwischen Guadeloupe und Dominica durch und erreichte so unbelästigt Fort Royal am 20. März. =De Grasse= sah durch die Begleitschiffe seine Flotte auf 35 Linienschiffe, einschließlich 2 50-Kanonenschiffe, und 5 Fregatten verstärkt. =Rodney= nahm Stellung bei Sta. Lucia in der Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze der Insel.

$Der Plan der Verbündeten, Jamaika zu erobern$, hatte schon lange bestanden; in diesem Jahre sollte er ausgeführt werden. Man wollte bei Cap Français (Haiti) 50 Linienschiffe und 20000 Mann vereinigen. Aus Spanien war bereits im Januar eine Division Linienschiffe nebst Transportern mit 4000 Soldaten dahin abgegangen, zu ihr sollte die Flotte in Havanna unter Admiral Solano stoßen. =De Grasse= war beauftragt, seine Gesamtflotte nebst allen auf den Kleinen Antillen entbehrlichen Truppen dorthin zu führen und den Oberbefehl zu übernehmen; er mußte aber erst den erwähnten Konvoi erwarten, da seine Schiffe von Vorräten entblößt und die Magazine in Martinique leer waren. Die Aufgabe war schwierig, denn der von ihm zu deckende Transport von Truppen und Kriegsmaterial, dem sich noch nach Europa bestimmte Handelsschiffe anschlossen, zählte 150 Segel. De Grasse beabsichtigte nicht direkten Kurs nach Haiti zu nehmen, sondern wollte nahe den Kleinen Antillen entlang steuern, um die eigenen und die neutralen Inseln stets als Zufluchtsort für den Konvoi benutzen zu können.

=Rodney= mußte also jetzt die Vereinigung der feindlichen Kräfte bei Haiti hindern; er zog deshalb zwischen den nur 30 Seemeilen voneinander entfernten Ankerplätzen der beiden Flotten eine Kette von Fregatten, um sofort Nachricht vom Inseegehen des Gegners zu erhalten. Jetzt zeigte sich die strategische Bedeutung Sta. Lucias für die Engländer. Bei ihrem eigentlichen Stützpunkte, Barbados, wären sie zu weit ab gewesen, um mit Aussicht auf Nutzen die Verfolgung aufzunehmen, und bei einem Kreuzen vor Fort Royal würde es nicht möglich gewesen sein, stets die Wasser- und Proviantbestände aufgefüllt zu halten; in der Gros-Islet-Bucht dagegen konnte die Flotte in unmittelbarer Nähe des Feindes immer seeklar liegen. =De Grasse= mußte die Fehler seiner Vorgänger büßen; =Rodney= zog den Nutzen von =Barringtons= Scharfblick und Schneid.

$Die erste Schlacht bei Dominica, 9. April 1782[168].$ Am 5. April erhielt =Rodney= die Nachricht, daß die französischen Soldaten eingeschifft würden, und am 8., bald nach Tagesanbruch, erfuhr er, daß der Feind den Hafen verlasse. Da dies bei der großen Zahl der Schiffe Zeit in Anspruch nahm und Rodney auch schon mittags frei vom Hafen die Verfolgung aufnehmen konnte, sichteten die Engländer bereits bei Sonnenuntergang von den Toppen aus die Franzosen und kamen dann während der Nacht beträchtlich auf. Am 9. bei Tagesanbruch lag der größere Teil der französischen Flotte nebst dem Konvoi bekalmt unter der Nordwestspitze von Dominica; nur etwa 15 Linienschiffe waren frei von der Insel und kreuzten gegen frischen Passat vor dem Eingange des Kanals zwischen Les Saintes und Dominica. Auch die englische Flotte lag in Stille etwa 12 Seemeilen westlich der feindlichen, bald aber erhielten etwa 8 Schiffe ihrer Vorhut, Admiral =Hood=, einen leichten Windhauch aus SO, der sie von der Hauptflotte fort und auf 2 französische Schiffe zu führte, die während der Nacht stark nach Lee geraten waren und jetzt in Stille nördlich der englischen Flotte lagen. Hood hätte sie abgeschnitten, wenn sie nicht auch einen Windstoß aus NW erhalten hätten, mit dessen Hilfe sie östlich segelten; sie erreichten später ihre Hauptflotte. Zur selben Zeit wie Hood bekamen auch die französischen Schiffe unter der Insel eins nach dem andern leichten Luftzug vom Lande her und setzten sich in Bewegung (s. Plan I a); die englische Hauptflotte blieb vorläufig noch in Stille liegen (I b).

[168] Hauptquellen für beide Schlachten bei Dominica vgl. Fußnote Seite 355.

=De Grasse= sah ein, daß er in Verbindung mit dem Konvoi eine Schlacht nicht vermeiden könne. Er gab deshalb diesem den Befehl, unter dem Schutze der beiden 50-Kanonenschiffe nach Basseterre hinüberzulaufen.

Mit der Flotte wollte er dann zwischen Guadeloupe und Dominica aufkreuzen. Er hoffte so den Feind hinter sich her vom Konvoi abzuziehen und glaubte, mit seinen besser gebauten Schiffen auch die Verfolgung abwerfen zu können; so würden sowohl Flotte wie Konvoi unbelästigt ihr Ziel erreichen.

$Die Rettung des Konvois gelang.$ Während sich das Gefecht entspann, segelten die Fahrzeuge unbelästigt nach Norden und waren schon um 2 Uhr nachmittags aus Sicht. Von Guadeloupe erreichten sie später glücklich Haiti.

Je weiter =Hood= vorrückte, um so frischer ward der Wind, bis er den Kanal von Les Saintes gut offen sah und den Passat erhielt (I e). Da nun einerseits die beiden abgekommenen Schiffe noch nicht aus ihrer gefährlichen Lage heraus waren (I d), anderseits die 8 Schiffe Hoods weit von ihrer Flotte entfernt standen, gab =de Grasse= seinen schon im Passat kreuzenden 15 Schiffen -- es waren die französische Vorhut unter Chef d'Escadre =de Vaudreuil=, sowie 3 Schiffe der Mitte -- den Befehl, diesen Teil der Engländer anzugreifen. Es entspann sich ein Gefecht auf halbe Kanonenschußweite, das von 9-3/4-10-1/2 Uhr vorm. dauerte und in das nach und nach auf beiden Seiten noch einige Schiffe eingriffen, die den Passat erreicht hatten.

=Hood= mußte bald beidrehen, um sich nicht zu weit von der Hauptflotte zu entfernen. Die französischen Schiffe steuerten in Linie auf das Schlußschiff der Engländer zu, liefen dann an der englischen Linie entlang, wendeten nacheinander und wiederholten das Manöver; sie segelten also eine Ellipse zu Luward des Feindes ab (I e). =Vaudreuil= wählte diese Entfernung, da er fürchtete, daß auf einer näheren die Takelagen seiner Schiffe zu sehr durch das Feuer der Karronaden leiden würden, mit denen die englischen Schiffe ausgerüstet waren. (Vgl. Kapitel II, Seite 21 ff.)

Während dieses Gefechtes hatte sich =Rodney= mit etwa 8 Schiffen der englischen Mitte unter sorgfältiger Benutzung der schwachen Windstöße näher an Land herangearbeitet, die dort frischere Brise abgefangen und steuerte dann gegen 10-1/2 Uhr nach Norden (Plan II a); der Rest seiner Flotte lag immer noch nahezu fest (II b). Als =Vaudreuil= dies sah, brach er das Gefecht ab und segelte nach Süden, damit Rodney sich nicht zwischen ihn und =de Grasse= schieben könne. Um 11-1/2 Uhr aber griff er =Hood= aufs neue und in gleicher Weise an, da auch die französische Mitte und Nachhut den Kampf aufnahmen. Diese eröffneten nämlich jetzt das Feuer auf =Rodney=, aber auf so weite Entfernung, daß die Engländer es nur schwach erwiderten (II c). Als dann =de Grasse= um 1-1/4 Uhr nachm. auch die englische Nachhut herankommen sah, ließ er das Gefecht überall abbrechen und begann mit der ganzen Flotte in den Kanal aufzukreuzen; ein Schiff wurde wegen Beschädigungen in der Takelage nach Basseterre gesandt, um die Bewegungen der Flotte nicht zu behindern. Auch =Rodney= sammelte seine Schiffe und drehte für die Nacht zum Ausbessern bei. Er bildete aber zu diesem Zwecke seine Formation in »Kehrt«, so daß die Vorhut zur Nachhut wurde, denn nur die Vorhutschiffe hatten gelitten, zwei von ihnen sogar beträchtlich, sie blieben aber trotzdem bei der Flotte.

$Kritik der Schlacht vom 9. April.$ Wieder muß man fragen: warum hat =de Grasse= nicht die Gelegenheit benutzt, einen Teil der englischen Flotte zu vernichten? =Vaudreuil= stand anfangs mit 15 Schiffen gegen 8, und auch später war das Verhältnis ähnlich. Warum griff er nicht von hinten auf beiden Seiten an, der Wind war ihm günstig und =Hood= hatte keine Aussicht auf baldige Unterstützung. Im zweiten Teile des Kampfes standen gar insgesamt 33 Franzosen gegen höchstens 20 Engländer, denn 16 englische Schiffe -- die ganze Nachhut und 4 der Mitte -- vermochten nicht, einzugreifen. Wären Hoods Schiffe vernichtet worden, so war =Rodney= lahmgelegt, und =de Grasse= konnte seine Aufgabe durchführen.

Die Franzosen verloren am 12. April nur 5 Schiffe und doch war die Schlacht für sie eine entscheidende Niederlage. Zu erklären ist dies nur dadurch, daß der französische Admiral es für seine wichtigste Aufgabe hielt, die Flotte unversehrt zu erhalten. Der Angriff auf den gefährdeten Teil des Feindes sollte dann wohl nur diese Schiffe in ihrer Bewegungsfähigkeit so weit schädigen, daß sie an der Verfolgung nicht teilnehmen konnten oder sie doch aufhielten. Es ist nirgend zu ersehen, ob =Vaudreuil= nach eigener Überlegung oder auf Anordnung den Kampf so vorsichtig geführt hat. Das erste ist möglich, wenn er die fast allgemeine französische Auffassung teilte, doch das zweite ist wohl wahrscheinlicher. Wenn er aber wußte, daß =de Grasse= nicht entscheidend schlagen, sondern sogar sich der Verfolgung entziehen wollte, war sein Bestreben richtig, außerhalb der Wirkung der Karronaden zu bleiben.

$Die zweite Schlacht bei Dominica$ (häufig $Les Saintes$ genannt[169]) $am 12. April 1782$. Dreimal hatte das Glück =de Grasse= zu einem großen Erfolge vergeblich die Hand geboten -- am 29. April 1781 stand er bei Martinique mit 24 Schiffen gegen 18, im Januar 1782 bei St. Christopher mit 30 gegen 22 und am 9. April mit 33 gegen 20 --, jetzt aber verließ es ihn. =Rodney= setzte am 10. die Verfolgung beharrlich fort, auf günstige Zwischenfälle hoffend, und diese traten ein. Am 10. April morgens konnten die Engländer die französische Flotte noch von Deck aus sehen, bei Tagesanbruch am 11. nur noch von den Toppen der Masten; =de Grasse= schien sich wirklich seinem Verfolger zu entziehen.

[169] Die Engländer nennen die Schlacht »=Les Saintes=« oder »=am 12. April=«, die französischen sowie die deutschen Geschichtswerke »=Dominica=«.

Wenn in diesem Falle die französische Flotte der englischen an Schnelligkeit überlegen war und nicht durch ungekupferte Schiffe aufgehalten wurde, so liegt dies daran, daß sie gerade beim Aufkreuzen, zumal gegen flauen Wind, die größere Segelfähigkeit zu entfalten vermochte, die sie infolge besserer Bauart ihrer Schiffe besaß.

Aber es kam anders. In der Nacht vom 10. auf 11. stießen zwei Schiffe zusammen, »Jason« und »Zélée«; so daß das erste nach Guadeloupe geschickt werden mußte. Im Laufe des 11. sah sich dann =de Grasse= gezwungen, einen Teil seines Vorsprunges aufzugeben, um zwei Schiffe, »Magnanime« und »Zélée«, wieder an sich zu ziehen, die zu weit nach Lee geraten waren. »Zélée« schien ein Unglücksschiff zu sein. Es war schon unter Dominica am 9. April von der Flotte abgekommen, in der Nacht vom 11./12. stieß es wiederum zusammen und dieses Mal sogar mit dem Flaggschiff »Ville de Paris«; die Wache hatte ein junger Unterleutnant gehabt -- ein die Verhältnisse in der französischen Marine kennzeichnender Umstand. Die Takelage des Flaggschiffes ward etwas beschädigt, »Zélée« aber verlor Bugspriet und Fockmast, so daß eine Fregatte sie nach Guadeloupe schleppen mußte. Der französischen Flotte fehlten nun außer den beiden 50-Kanonenschiffen, die den Konvoi begleiteten, bereits 3 Linienschiffe. Der Zusammenstoß hatte außerdem die Flotte in Unordnung gebracht und aufgehalten.

Am nächsten Tage kam es durch die Wiederherstellung der Ordnung sowie Manöver zur Deckung der »Zélée«, deren Verbindung mit dem Schlepper fast bis Tagesanbruch gedauert hatte, zum Zusammenstoß mit dem Verfolger. Er wurde die größte rangierte Schlacht des Krieges, ja des Jahrhunderts bis zu dieser Zeit. Sie wurde am gleichen Tage geschlagen wie die heißeste dieses Krieges in Ostindien; die Sonne hatte sich noch nicht über den erschöpften Geschwadern der Admirale =Suffren= und =Hughes= bei Providien, an der Küste Ceylons südlich von Trincomali, gesenkt, als ihre ersten Strahlen die Flotten bei Les Saintes beschienen. (Der Zeitunterschied zwischen den beiden Orten beträgt 9-1/2 Stunden.)

Die Schlachtordnungen der Flotten.

Beide sind in »Kehrt« angegeben, da die Flotten so ins Gefecht traten.

=Die englische Flotte=:

=Vorhut= =Mitte= =Nachhut=

Marlborough 74 America 64 Prince William 64

Arrogant 74 Hercules 74 Magnificent 74

Alcide 74 Protée 64 Centaur 74

Nonsuch 64 Resolution 74 Belliqueux 64

Conqueror 74 Agamemnon 64 Warrior 74

Princesa 1) 70 Duke 98 Monarch 74

Prince George 98 Formidable 2) 98 Barfleur 3) 98

Torbay 74 Namur 90 Valiant 74

Anson 64 St. Albans 64 Yarmouth 64

Fame 74 Canada 74 Montagu 74

Russel 74 Repulse 64 Alfred 74

Ajax 74 Royal Oak 74

Bedford 74

1) Flaggschiff des Kontreadmirals =Francis Samuel Drake=.

2) Flaggschiff des Admirals =Sir George Bridges Rodney=.

3) Flaggschiff des Kontreadmirals =Sir Samuel Hood=.

=Die französische Flotte.=

=Vorhut= =Mitte= =Nachhut=

Hercule 74 [170]Hector 74 Diadème 74

Souverain 74 [170]César 74 Destin 74

Palmier 74 |----- Magnanime 74

Northumberland 74 Dauphin-Royal 70 Réfléchi 64

Neptune 74 Languedoc 80 Conquérant 74

Auguste 1) 80 [170]Ville de Paris 2) 104 Magnifique 74

[170]Ardent 64 Couronne 80 Triomphant 3) 80

Scipion 74 Eveillé 64 Burgoyne 74

Brave 74 Sceptre 74 Duc de Bourgogne 80

Citoyen 74 [170]Glorieux 74 Marseillais 74

|----- Pluton 74

1) Flaggschiff des Chef d'Escadre =De Bougainville=.

2) Flaggschiff des Lieutenant-Général =Comte de Grasse=.

3) Flaggschiff des Chef d'Escadre =De Vaudreuil=.

|----- Hinter »Glorieux« durchbrach =Rodney= und hinter »César« =Hood= die französische Linie.

[170] Die fünf Schiffe wurden von den Engländern genommen.

Am 12. April mit Tagesanbruch, gegen 5-1/2 Uhr, steuerte die englische Flotte bei SO-Wind südlich; sie lag über Steuerbordbug mit »Kiellinie in Kehrt«, so daß also die eigentliche Vorhut (Geschwader Hood) zur Nachhut wurde. Man sah die französische Flotte in NO, gleichfalls über Steuerbordbug bei OSO-Wind, aber in einer breiten Masse liegend (Plan I a); sie war durch ungünstige Zufälle sehr auseinandergekommen. Ihre östlichsten Schiffe befanden sich 8-10 Seemeilen von den westlichsten entfernt; unter diesen befand sich das Flaggschiff »Ville de Paris«, das etwa 10 Seemeilen von Rodneys Flaggschiff stand. Noch westlicher sah man »Zélée« im Schlepp der Fregatte (b). =Rodney= ließ sofort seine 4 letzten Schiffe auf diese abhalten (c), wohl um de Grasse zu ihrer Deckung nach Lee zu locken. Mit seiner Flotte wendete er, alle Schiffe zugleich, und bildete dann wieder die Kiellinie beim Winde über Backbordbug, also mit Kurs ONO (d). Sein Plan gelang.

=De Grasse= gab gegen 6 Uhr Befehl, abzuhalten, Segel zu mehren und gleichzeitig die Schlachtlinie über Steuerbordbug »in Kehrt« herzustellen (e). Gegen 7 Uhr rief =Rodney= die jagenden Schiffe zurück und ließ seine Linie auf eine Kabellänge Entfernung zwischen den Schiffen schließen. Gleichzeitig hatte =de Grasse= erkannt, daß er die Luvstellung verlieren würde, wenn er wie bisher weiter raum steuerte; er ging wieder an den Wind, der um diese Zeit nach Ost drehte. So begann ein Rennen zwischen den beiden Flotten um die Luvstellung; die französische lag über Steuerbordbug etwa SSO (f), die englische über Backbordbug etwa NNO (f'), aber die erste war noch nicht gut ausgerichtet, als der unvermeidliche Zusammenstoß erfolgte.

Rodney hatte auch während des Aufkreuzens an den letzten Tagen von Zeit zu Zeit nach Möglichkeit ausrichten lassen, jetzt wurde die Gefechtslinie bald in guter Ordnung hergestellt. =De Grasse= dagegen wurde es schwer, die Formation einzunehmen, da die Schiffe so weit verstreut waren; als der Zusammenstoß erfolgte, hatten noch nicht sämtliche Schiffe der Vorhut und Nachhut ihre Posten eingenommen (Plan II, V. und N.). =Vaudreuil=, der die Nachhut befehligte, also zuletzt ins Gefecht kam und alles gut übersehen konnte, schrieb später: »Wir bildeten unsere Linie unter Gewehrfeuer.«

Aus Besorgnis um »Zélée« hatte =de Grasse= entgegen seiner sonstigen Vorsicht die Bewegungen hastig und unüberlegt ausgeführt. Es lag in seiner Hand, den Zusammenstoß zu verzögern, bis er besser geordnet war, wenn er länger unter kleinen Segeln blieb und nicht so weit abhielt. Dies soll nach Augenzeugen überhaupt nicht nötig gewesen sein; »Zélée« lief im Schlepp 5-6 Knoten Fahrt, und =Rodney= würde sich gehütet haben, seine Schiffe länger hinter ihr herlaufen zu lassen, sobald die französische Flotte nur Anstalt zum Kampf machte. Ferner war es falsch, daß die Flotte über Steuerbordbug nach Süden ging, da man erfahrungsmäßig unter Dominica flaue umspringende Winde antraf, während in der Mitte des Kanals frischer Passat wehte. All diese Umstände sind dem Admiral später zum Vorwurf gemacht.

Die führenden französischen Schiffe erreichten und passierten zuerst den Punkt, in dem sich die schnell zusammenführenden Kurse der Flotten schnitten. Das englische Spitzenschiff »Marlborough« traf auf das achte Schiff der feindlichen Linie »Scipion«, dessen Hintermann »Brave« um 7-3/4 Uhr vormittags das Feuer eröffnete. Da ein Durchbrechen nicht beabsichtigt war, hielt »Marlborough« auf Signal Rodneys ab und lief in Lee der feindlichen Linie entlang; ihm folgten die übrigen Schiffe im Kielwasser (Plan II). Die Schlacht wurde damit zu einem Passiergefecht, das gewöhnlich keine Entscheidung bringt, und dies entsprach auch wohl der Absicht des französischen Admirals. Da aber die Schiffe bei flauem Winde nur 3-4 Knoten liefen, wurde der Kampf heftiger als sonst bei dieser Gefechtsart[171], ferner gab =de Grasse= seiner Spitze Befehl, bis SSW abzuhalten und brachte so seine bisher ganz unbeschäftigte Vorhut ins Gefecht. Er wurde sich aber doch jetzt bewußt, daß dieser Kurs die Flotte in die Region des flauen, umspringenden Windes führen und ihr voraussichtlich die Luvstellung kosten würde; diese war jedoch unbedingt nötig, wenn er sich ohne entscheidende Schlacht der Verfolgung entziehen wollte. =De Grasse= gab deshalb um 8-1/2 Uhr Befehl, gleichzeitig zu halsen, und bald darauf, als dies nicht ausgeführt wurde, im Kontremarsch zu halsen, jedoch auch dieses Kommando wurde nicht befolgt.

[171] Wie langsam das Passieren der Flotten verlief, beweist die Angabe, daß Rodneys Flaggschiff, das 18. der Linie, erst um 8-1/2 Uhr, und Hoods Schiff gar erst gegen 9-1/2 Uhr das Feuer eröffnete.

Ein gleichzeitiges Halsen hätte die französischen Schiffe in eine geradezu verhängnisvolle Lage gebracht; da die Flotten so nahe beieinander lagen, würden sie bei dem flauen Winde alle zugleich lange Zeit einem vernichtenden Enfilierfeuer von hinten ausgesetzt gewesen sein. Der Kommandant des Schlußschiffes »Pluton«, Kapitän d'=Albert de Rions=, der das Manöver hätte beginnen müssen, sah das Signal, hielt es aber aus genanntem Grunde für einen Irrtum und befolgte es nicht; auch sein Geschwaderchef =Vaudreuil=, der nun auf Ausführung hätte dringen müssen, sowie noch andere Kommandanten scheinen gleicher Ansicht gewesen zu sein. Das zweite Signal ward für einen Augenblick vom Spitzenschiff gesehen, das hier beginnen mußte, aber bald durch Pulverdampf verhüllt. Der Kommandant dieses Schiffes wollte die Verantwortung nicht übernehmen, da er seiner Sache nicht ganz sicher war; auch bei diesem Manöver wären die französischen Schiffe, eins nach dem anderen, dem Enfilierfeuer aus nächster Nähe ausgesetzt gewesen.

Einige Minuten nach 9 Uhr trat nun das Gefürchtete ein. Der Wind sprang plötzlich auf SSO und kam allen französischen Schiffen, die noch nicht abgehalten hatten, fast von vorn, so daß sie etwa SW steuern mußten, um volle Segel zu behalten. Sie lagen nun nicht mehr in Kiellinie, sondern mit dem Bug auf die feindliche Linie zu (Plan III), während den Engländern frei stand, ihren Kurs beizubehalten oder anzuluven; auch ging die Fühlung zwischen den französischen Schiffen verloren und es entstanden Lücken. =Rodney= war um diese Zeit querab vom vierten Schiff hinter de Grasse, und hier war eine besonders große Lücke, da das fünfte Schiff hinter dem französischen Flaggschiffe, »Diadème«, alle Segel back bekommen hatte. In diesen Zwischenraum, also hinter »Glorieux«, brach Rodney mit dem »Formidable« ein, gefolgt von den nächsten fünf Schiffen, und kurze Zeit darauf drang das letzte Schiff der englischen Mitte, »Bedford«, hinter dem »César« durch eine Lücke, hinter ihm die ganze Nachhut unter =Hood=. Der Vordermann Rodneys, der »Duke«, ging nach dem Beispiel seines Admirals hinter dem »Réfléchi« durch. =Rodney= hatte beim Durchbruch das Signal »Schlachtlinie« niedergeholt.

Die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen litten natürlich sehr. Infolge von Rodneys Manöver stauten sich die vier Schiffe »Diadème«, »Destin«, »Magnanime«, »Réfléchi« zu einem Haufen, in den die durchbrechende Kolonne das Feuer ihrer Backbordbatterien und »Duke« das seiner Steuerbordbatterie schmetterten; also 7 Schiffe, worunter 3 Dreidecker. Die Steuerbordbatterien der Kolonne entluden sich auf »Glorieux«, der alle Masten verlor. Unter dem Feuer der Kolonne Hoods hatten besonders »César« sowie dessen Vordermann »Hector« zu leiden.[172]

[172] Die später von den Engländern genommenen Schiffe sind im Plan III und IV mit einem kleinen Kreuz bezeichnet.

Die französische Linie war somit an zwei Stellen von Kolonnen durchbrochen und nach Lee gedrängt. Die ganze englische Vorhut sowie 5 Schiffe der Mitte waren weiter gelaufen; die vordersten Schiffe der Vorhut müssen zur Zeit des Durchbruches bereits das Ende der französischen Linie passiert haben. Auffallend ist, daß diese 16 Schiffe keinen Befehl zum Wenden erhielten, um dem Feinde zu folgen; der Admiral der Vorhut hätte ihn auch selber geben können, da das Signal »Schlachtlinie« nicht mehr wehte. Keine englische Quelle äußert sich hierüber, es wird nur erwähnt, daß das 11. Schiff »Russel« und das 12. »America« aus eigenem Antriebe gewendet hätten. Dieses wendete zurück, da kein Signal kam, »Russel« blieb auf dem neuen Kurse und konnte infolgedessen später bei der Verfolgung der »Ville de Paris« kräftig eingreifen. Auch die englische Flotte war in drei Gruppen geteilt, und beide Oberbefehlshaber strebten nun, ihre Kräfte wieder zu sammeln; das Feuer hatte im allgemeinen zwischen 10-1/2 und 11 Uhr aufgehört, nur die letzten Schiffe der englischen Nachhut scheinen es bis gegen Mittag noch unterhalten zu haben.

=Rodney= wendete nach dem Durchbruch mit seiner Gruppe und gab gegen 11-1/2 Uhr auch der Vorhut Befehl hierzu. Das Manöver erlitt jedoch erhebliche Verzögerung, da die Takelagen beschädigt waren und der Wind flau und unbeständig wehte; =Hood= war mit der Nachhut nach dem Durchbruch anstatt sogleich zur Mitte zu steuern, am Winde geblieben und bald in Stille geraten. Als gegen 1 Uhr nachmittags etwas frischere Brise von Osten aufkam und den Pulverrauch vertrieb, lagen die beiden Flotten, wie aus Plan IV ersichtlich: die französische Vorhut (V) stand etwa zwei Seemeilen zu Luward der Gruppe bei de Grasse (M), die Nachhut (N) etwa 4 Seemeilen in Lee von dieser; die englische Flotte bot ein ähnliches Bild (V^1, M^1, N^1). Zwischen beiden Flotten lagen die französischen Schiffe »Glorieux«, »César«, »Hector« fast bewegungslos.

=De Grasse= gab im Laufe des Nachmittags wiederholt Befehl, die Ordnung auf die am meisten in Lee befindlichen Schiffe wieder herzustellen, aber ohne Erfolg. Die drei Gruppen näherten sich wohl etwas, ein wirkliches Sammeln kam jedoch nicht mehr zustande; die Beschädigungen und der schwache Wind mögen es vereitelt haben, die Schiffe konnten wohl raum segeln, aber schlecht manövrieren, vielleicht hat auch der Eindruck der Niederlage das Seinige dabei getan. =Rodney= hat, als um 1 Uhr Wind aufkam und man die Lage übersehen konnte, keine Maßregeln zur Ausnützung des bisherigen Erfolges ergriffen; er heißte zwar das Signal »Nahgefecht«, holte es aber bald wieder nieder. Er scheint mit dem Flaggschiff längere Zeit dem Feinde nur unter kleinen Segeln gefolgt zu sein, und viele seiner Schiffe taten das gleiche. So näherten sich die englischen Gruppen wohl dem Gegner, aber eine scharfe Verfolgung trat nicht ein. Dennoch fielen fünf Franzosen vorausgeeilten Engländern in die Hände. Etwa um 4 Uhr wurden die obengenannten drei vereinzelten Schiffe und auch ein schlechter Segler der Vorhut, »Ardent«, genommen, und gegen 6 Uhr strich das Flaggschiff »Ville de Paris« nach tapferster Gegenwehr die Flagge vor »Barfleur« und »Russel«; es soll um diese Zeit von 9 englischen Schiffen umgeben gewesen sein.

Die Nacht brach nun herein. Der Chef d'Escadre =de Vaudreuil= übernahm auf französischer Seite den Oberbefehl. Er mehrte auf »Triomphant« Segel, hielt ab und befahl, ihm zu folgen, doch konnte der aufzunehmende Kurs nur durch Zuruf von Schiff zu Schiff weitergegeben werden. =Rodney= ließ um 6-3/4 Uhr die Linie über Steuerbordbug bilden und beidrehen.

=Der Verlust= der Engländer betrug 243 Tote, darunter 2 Kommandanten, und 816 Verwundete; der der Franzosen ist nirgend verzeichnet, doch sagen ihre eigenen Quellen, er sei viel stärker gewesen. Acht Kommandanten waren gefallen und 5 Schiffe verloren; der Zufall wollte, daß sich auf dem Flaggschiffe reiche Geldmittel und auf den anderen der größere Teil der Artillerie für die Expedition gegen Jamaika befand. Diese 5 in der Schlacht genommenen Schiffe, sowie zwei weitere, die später Hood in die Hände fielen, sind aber nie nach England gekommen; »César« flog noch in der Nacht auf und die anderen sind sämtlich in Westindien oder auf der Fahrt nach England, stark beschädigt wie sie waren, in stürmischem Wetter untergegangen.

$Die französischen Verluste$ müssen sehr viel höher gewesen sein. Während der stärkste Verlust auf einem englischen Schiffe (»Duke«) 73 Mann betrug, sind mit »César« allein 400 Franzosen umgekommen, und Troude schreibt, »Ville de Paris« habe 400 Tote und 600 Verwundete gehabt; die Engländer seien beim Anbordkommen vor Entsetzen starr gewesen. Dieses Mißverhältnis ist nicht allein dadurch bedingt, daß die Franzosen wieder besonders auf die Takelage gefeuert hatten, sondern auch durch die zweifellos bessere Artillerie der Engländer. Ihre Schiffe führten Karronaden, deren große Vorteile im Nahgefecht wir kennen; ihre Geschütze waren teilweise mit Hammerschlössern versehen, die Zielen und Abfeuern durch denselben Mann erlaubten; neue Vorrichtungen an den Lafetten gestatteten schnelleres Richten. Daß die französische Marine die englischen Verbesserungen noch nicht eingeführt hatte, war eine um so gröbere Nachlässigkeit des Ministeriums, als Offiziere wie Suffren auf Vervollkommnungen der Artillerie gedrungen hatten, so auf Einführung von Haubitzen auf Oberdeck für Kartätschfeuer, also etwas Ähnliches wie die Karronaden, die Sache war aber verschleppt worden. Ferner häufte auch der Umstand die Verluste der Franzosen, daß auf ihren Schiffen sich 5400 Soldaten befanden, die nun als Kanonenfutter dienten.

$Kritik der Schlacht am 12. April[173].$ Gerade diese Schlacht ist bis zur Jetztzeit Gegenstand eingehender Besprechung gewesen. Sie war nach langer Zeit die größte rangierte Schlacht und gewann besondere Bedeutung für die Seetaktik, da in ihr durch Brechen mit dem langjährigen Schema eine große Entscheidung herbeigeführt wurde; wir wissen, daß mit ihr das Wiederaufleben der Taktik beginnt. Wir wollen die hauptsächlichsten Auslassungen bedeutender Autoren der neueren Zeit kurz zusammenfassen.

[173] Es sei besonders verwiesen auf Mahan I, Clowes Band III, Chevalier II. Von diesen behandelt der erste besonders den Durchbruch Rodneys, der zweite die Kritik Hoods über Rodneys fehlerhaftes Verhalten nach dem Durchbruch, der dritte die Führung der französischen Flotte und das deswegen abgehaltene Kriegsgericht über de Grasse und die von diesem angeschuldigten Offiziere.

$Rodneys Durchbruch.$ Es ist gestritten worden, ob es richtig war, die feindliche Linie zu durchbrechen, oder ob =Rodney= nicht besser seinen Kurs fortgesetzt, die feindliche Nachhut mit seiner ganzen Linie beschossen, dann mit seiner Spitze hinter ihr gewendet und die letzten Schiffe zwischen zwei Feuer genommen hätte. Die feindliche Linie von hinten von beiden Seiten anzugreifen, ist allerdings unter anderen Umständen von Vorteil, aber ob es hier möglich war, bleibt fraglich. Die englische Linie hatte schon längere Zeit im Gefechte gelegen und nicht alle Schiffe hätten schnell wenden und dann den Gegner einholen können; es wäre wahrscheinlich bei einem Passiergefechte geblieben, ähnlich wie bei Ouessant (1778), nach dem die Engländer höchstens die Luvstellung gewonnen hätten. Zuzugeben ist nun allerdings, daß der Durchbruch der Kolonne Rodneys den letzten elf Franzosen den Rückzug nach Lee freigab, nachdem sie nur von der englischen Vorhut beschossen waren, während diese das Feuer der ganzen französischen Linie erhielt, dafür aber waren sie durch das Ausweichen nach Lee für einen längeren und wichtigen Zeitraum außer Gefecht gesetzt und wären nicht imstande gewesen, dem Reste ihrer Flotte Hilfe zu bringen; die Engländer konnten diesen mit erdrückender Überzahl angreifen, da sie die Luvstellung gewonnen hatten, während die elf französischen Schiffe hoffnungslos in Lee lagen.

Dadurch, daß auch =Hood= durchbrach, wurde die Sache nur wenig anders. Die Gruppe der sechs Schiffe bei =de Grasse= war von dem vorderen und dem hinteren Teile der Flotte abgeschnitten und gleichfalls nach Lee getrieben; die französische Linie war in drei Teile getrennt, die sich nur schwer wieder vereinigen konnten, und man darf auch den moralischen Eindruck nicht unterschätzen, der hierdurch entstand. Dazu kommt nun die größere Ausnutzung des Feuers seitens der durchbrechenden Schiffe. Beim Passiergefecht würden unter gleichen Umständen Breitseiten abgegeben und empfangen sein, hier erhielten die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen nacheinander das Feuer aller Schiffe der durchbrechenden Kolonne, und diese hätten sogar die Kanonen beider Seiten zur Verwendung bringen können; tatsächlich tat es nur »Formidable«, da die Backbordbatterien der anderen nicht bereit waren. =Rodneys Manöver= hatte also zur Folge: die Gewinnung der Luvstellung und damit die Möglichkeit zum angriffsweisen Vorgehen; die Vereinigung des Feuers auf einen Teil der feindlichen Schlachtordnung; das Auseinandersprengen und Verwirren dieser. Es ist kein stichhaltiger Einwurf, daß sich die Franzosen bei geschickterem Manövrieren früher wieder hätten vereinigen können; ein Unternehmen, das beim Gelingen Vorteil verspricht, verliert dadurch nicht an Wert, daß es vom Gegner pariert werden kann.

Sicher ist wohl, daß =Rodney= den Durchbruch nicht vorher beabsichtigt hat, sondern nur die günstige Gelegenheit -- den raumenden Wind und die sich bietende Lücke -- wahrnahm. Der Admiral soll sogar dabei gar nicht eigenem Antriebe, sondern nur einem Drucke seines Stabschefs, Kapitän =Sir Charles Douglas=, gefolgt sein; gewichtige Beweisgründe, die dessen Sohn beibringt, scheinen dies zu bestätigen. Sie dürften indessen doch mit Vorsicht aufzunehmen sein, denn zweifellos hat Rodney die von =Clerk= aufgestellten taktischen Grundsätze (vgl. Seite 44) gekannt und gebilligt, und dieser sieht den Durchbruch mit der eigenen Mitte vor. Wohl ist es möglich, daß Douglas die Anregung gegeben, aber unwahrscheinlich, daß es längerer Vorstellungen bedurft hätte, zu denen überdies nicht einmal die Zeit vorhanden war.

$Rodneys eigene Ansicht über die Schlacht ist bemerkenswert.$ Er hielt nur wenig von seinem Siege am 12. April und würde es vorgezogen haben, seinen Ruf auf die Taktik zu gründen, die er in der Schlacht bei Martinique am 17. April 1780 hatte anwenden wollen. Er war überzeugt, daß die damals gebotene Gelegenheit, mit einer schwächeren Flotte einen tüchtigen Führer (er hielt =de Guichen= für den Besten der Franzosen) zu schlagen, ihm ohne die Fehler seiner Kommandanten größeren Ruhm erworben haben würde. Das Schicksal fügte es sonderbar. Sein Ruhm gründet sich auf der allerdings glänzenden Schlacht am 12. April 1782, an der aber seine Fähigkeiten den geringsten Anteil hatten, und die Haupttat seines Lebens, in der Verdienst sowie Erfolg sich entsprachen, nämlich die Vernichtung der spanischen Flotte =Langaras= beim Kap St. Vincent am 16. Januar 1779, ist kaum noch bekannt. Übrigens schrieb auch im letzterwähnten Falle das Tagesgeschwätz dem Kommandanten des Flaggschiffes das Verdienst zu, doch ist dies zweifellos widerlegt. (Vorstehendes nach Mahan I, Seite 488.)

$Das Unterlassen der Verfolgung$ am 12. April bezeichnete =Hood= als einen großen Fehler Rodneys. Er war der Ansicht, daß 20 Schiffe hätten genommen werden können, wenn nach dem Durchbruch »Allgemeine Jagd« befohlen und man dem Gegner unter vollen Segeln auch während der Nacht auf den Fersen geblieben wäre; der obengenannte Chef des Stabes pflichtete ihm bei. Diese beiden erfahrenen Offiziere haben dann auch am nächsten Tage versucht, den Admiral zur Aufnahme der Verfolgung zu bewegen, aber er soll freundlich geantwortet haben: »Come, we have done handsomely as it is.« =Rodney= rechtfertigte später die unterlassene Verfolgung mit dem Hinweis auf die vielfachen Schiffsschäden und sonstigen Folgen der heißen Schlacht, auch legte er nahe, daß der Erfolg in der Nacht zweifelhaft gewesen sein würde, weil der Feind »in einer geschlossenen Masse von 26 Schiffen« abgezogen sei. Dies war nun allerdings nicht der Fall, wie sich zeigen wird, und =Hood= hatte wohl recht, wenn er eine tatkräftige Verfolgung unmittelbar nach der Schlacht oder doch am nächsten Tage für erfolgreich hielt. Dennoch erscheint es gewagt, Rodney unbedingt zu verurteilen; Hood war zwar ein hervorragender Führer und die Folgen gaben ihm recht, aber Rat sowie Kritik sind jederzeit leicht, und die volle Verantwortung fühlt nur der, auf dessen Schultern sie ruht.

$De Grasse wurde$ in Frankreich $sehr angegriffen$. Man gab ihm zu, daß er mit 2246 Kanonen auf 30 Schiffen gegen 2674 Geschütze auf 36 sehr im Nachteil gewesen sei, aber die Hauptschuld an der Niederlage maß man doch seinem Verhalten bei.

Die Unterlegenheit geben die Engländer nicht voll zu. =Douglas=, der sich besonders mit Artillerie beschäftigte, meinte, die Franzosen hätten nicht nur die besseren Schiffe gehabt, sondern das Gewicht der Batterien auf ihren 30 Schiffen habe dem der 36 Engländer gegenüber zwei 74-Kanonenschiffe aufgewogen.

Am 9. April habe er trotz günstiger Umstände mit Rücksicht auf seine Aufgabe eine Schlacht vermieden und am 12. seine Flotte so geführt, daß es zu einer solchen unter nachteiligen Verhältnissen kommen mußte. Es wurden dann die schon besprochenen Fehler aufgeführt: Unnötige Besorgnis um »Zélée« und das dadurch verursachte Aufgeben des bereits gewonnenen Luvraumes; Herangehen an den Feind, ehe die Linie gebildet war; Wahl des falschen Buges. Der Admiral versuchte, die Schuld auf einen Teil seiner Untergebenen abzuwälzen, die seine Befehle nicht befolgt und ihn später im Stich gelassen hätten. Erst zu Beginn des Jahres 1784 konnten alle Angeklagten und Zeugen vor dem Kriegsgerichte erscheinen. Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß fast alle vom Admiral Angeklagten gänzlich gerechtfertigt hervorgingen und nur einige unter Zugeständnis mildernder Umstände gelinde bestraft wurden; dem Admiral jedoch legte das Gericht die genannten Mißgriffe zur Last. =De Grasse= schädigte durch sein Auftreten nach der Niederlage und nach dem Urteilsspruche selber den Ruhm, den er sich in Nordamerika zweifellos erworben hatte.

$De Grasse$ ging als Gefangener mit Rodney nach Jamaika und ward im Mai nach England gesandt. Dort wurde er sowohl von den Seeoffizieren wie von der Bevölkerung mit der wohlwollenden Aufmerksamkeit behandelt, die der Sieger einem immerhin tapferen Besiegten gern erweist. Diese Behandlung scheint er ziemlich würdelos aufgenommen und auch zu den Gegnern gehässig über seine Untergebenen geurteilt zu haben. Er tat dies ferner nicht nur in dienstlichen Berichten, sondern auch in Flugschriften, die er von England aus durch ganz Europa versandte. So war es kein Wunder, daß er bei der Rückkehr nach Frankreich nach seinem eigenen Ausspruch »keine Hand fand, die sich ihm entgegenstreckte«. Gegen die Urteile des Kriegsgerichts legte er in einem Briefe an den Marineminister Berufung ein und forderte eine neue Untersuchung. Der Minister antwortete im Namen des Königs ziemlich schroff. Nachdem er die Widersprüche in den Flugschriften mit den Ergebnissen der Untersuchung besprochen sowie dem Admiral den Vorwurf gemacht hatte, leichtfertig den Ruf seiner Offiziere gefährdet zu haben, schloß er: »Seine Majestät ist mit Ihnen sehr unzufrieden und verbietet Ihnen, vor ihm zu erscheinen; ich füge den Rat hinzu, daß Sie sich in Ihre Provinz zurückziehen.« =De Grasse= starb 1788.

$Die Folgen der Schlacht bei Dominica.$ =De Vaudreuil= hatte am Morgen des 13. April nur 11 Linienschiffe um sich, von denen er eins sogleich nach Cap Français voraussandte. Mit den übrigen kreuzte er einige Tage bei Haiti, um Versprengte aufzunehmen, und es stießen auch noch 6 Schiffe zu ihm. Auf der Fahrt sind also niemals mehr als 16 Schiffe vereint gewesen. Bei seiner Ankunft in Cap Français waren schon 3 Linienschiffe dort eingetroffen, auch fand der Admiral den Konvoi nebst den zwei 50-Kanonenschiffen, sowie =Solano= mit 15 spanischen Linienschiffen vor; 15-20 000 Mann Landtruppen waren versammelt. In den ersten Tagen des Mai langte Chef d'Escadre =de Bougainville= mit 5 Linienschiffen an, die er nach der Schlacht zur Wiederinstandsetzung nach Curaçao geführt hatte.

=Rodney= kreuzte nach der Schlacht mehrere Tage bei Guadeloupe in der Hoffnung, noch versprengte Franzosen zu fangen. Er war oft durch Windstille behindert, aber =Hood= behauptet, man würde 50 Seemeilen westlicher genügend Wind zur Verfolgung gefunden haben. Erst am 17. April zweigte =Rodney= den Admiral =Hood= mit 10 Linienschiffen nach Norden ab, während er mit der Hauptflotte nach Jamaika segelte. =Hood= eilte zur Mona-Passage, zwischen Portoriko und Haiti, und fing hier am 19. die beiden Linienschiffe ab, die vor der Schlacht die französische Flotte verlassen hatten; auch zwei diese begleitenden Fregatten fielen in seine Hände. =Vaudreuil= selber hatte erst am 18. den Kanal passiert; es ist also anzunehmen, daß die französische Flotte schwer gelitten haben würde, wenn =Rodney= die Verfolgung mit voller Kraft rechtzeitig aufgenommen hätte. =Hood= verfehlte nicht, dies in dem Berichte über seinen Fang dem Oberbefehlshaber nahezulegen. Hier scheint also =Rodney= seine Aufgabe, Jamaika zu schützen, höher gestellt zu haben, als die Ausnutzung der Gelegenheit, die feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten.

=Jamaika war allerdings gerettet.= Die Führer der Verbündeten sahen von der Expedition ab, obgleich sie über 40 Linienschiffe in Cap Français verfügten. Sie unternahmen auch sonst nichts von größerer Bedeutung, nur ließ der Gouverneur von Kuba am 6. Mai durch 3 Fregatten und 60 Transporter mit Soldaten die =Bahamainseln= besetzen. Auch =der moralische Eindruck= des Sieges war groß; in England erregte er maßlose Freude, in Frankreich große Niedergeschlagenheit und hat wohl hier die Neigung zum Friedensschluß gefördert. Die namentlich früher in Geschichtswerken viel verbreitete Ansicht, der Sieg habe den für England günstigen Frieden herbeigeführt, da durch ihn die französische Marine zum Kampf um die Seeherrschaft unfähig geworden sei, trifft nicht zu; die Verbündeten blieben im Gegenteil unmittelbar nach der Schlacht in Westindien noch überlegen. Die Engländer hätten wohl Jamaika behaupten, aber schwerlich die anderen Inseln mit Waffengewalt wiedergewinnen können, die ihnen der Friedensschluß zurückgab. Anders wäre es gewesen, wenn =Rodney= die französische Flotte vernichtet hätte.

$Der Krieg in Westindien war zu Ende$ nicht nur für das Jahr 1782, sondern überhaupt. =Vaudreuil= sandte von Cap Français über 200 Kauffahrer in 2 Konvois unter starker Bedeckung nach Europa und segelte am 4. Juli, nur 2 Linienschiffe zurücklassend, mit dem Rest der Flotte, 16 Schiffen, nach Nordamerika; ein Linienschiff nebst 2 Fregatten war schon kurz vorher abgesandt, um englische Niederlassungen in der Hudsonbucht zu brandschatzen. Die Spanier gingen nach ihren Stationen zurück. =Rodney= wurde am 10. Juli durch =Admiral Hugh Pigot= abgelöst.

$Rodney$ fiel als strenger Tory trotz seiner Verdienste dem Ministerwechsel zum Opfer. Allerdings ward seine Abberufung auf die Nachricht vom letzten Siege widerrufen, aber die Verfügung traf in Jamaika erst ein, als der Admiral bereits abgesegelt war. Rodney hat während der 2-1/2 Jahre seines Kommandos den Gegnern 12 Linienschiffe abgenommen, darunter den einzigen Dreidecker, der je einem Feinde in die Hände gefallen ist, und fünf vernichtet; er hat ferner einen französischen, einen spanischen und einen holländischen Admiral gefangen genommen. Für seinen letzten Erfolg ward er mit der Peerswürde und einer Pension belohnt; er starb 1792.

Auch $Hood$ wurde zum Peer erhoben; ihm werden wir im ersten Teile des nächsten Krieges wieder begegnen, wo er sich die höchste Bewunderung =Nelsons= erwarb.

=Pigot= segelte mit dem größten Teile seiner Flotte nach New York, um die französische im Auge zu behalten. Beide Flotten kehrten nochmals nach Westindien zurück, aber nur im Kleinen Kriege stießen sie noch zusammen.

$Über die Kriegführung in Westindien 1782$ ist nicht mehr viel zu sagen. Anfangs hatten die Franzosen das Übergewicht, später waren die Engländer wenigstens jenen allein überlegen. Beide nutzten es nicht aus, um die unbedingte Seeherrschaft zu erringen. So eroberten die Franzosen zwar eine größere Zahl englischer Inseln, doch waren diese sämtlich nur von untergeordneter Bedeutung. Die Engländer vereitelten den Hauptplan der Gegner, Jamaika zu erobern, da jedoch deren vereinte Seemacht überlegen blieb und leicht noch verstärkt werden konnte, sahen sie sich weiter auf die Verteidigung beschränkt und mußten ihre Bewegungen denen des Feindes anpassen. Zu ihrem Glück haben die Niederlage bei Dominica, der Fehlschlag des Unternehmens gegen Gibraltar und auch wohl die Friedensunterhandlungen zwischen England und seinen Kolonien die Tatkraft der Verbündeten gelähmt.

$In Nordamerika brachte das Jahr 1782 keine Ereignisse von Bedeutung mehr.$ =Der Landkrieg= war nach der Kapitulation von Yorktown fast eingeschlafen; die englischen Befehlshaber hatten Weisung erhalten, sich auf die Behauptung der noch besetzten Plätze zu beschränken, und auch die Amerikaner nutzten ihren Erfolg nicht aus. Zu einem Angriff auf New York fühlten sie sich zu schwach.

Die Lage der amerikanischen Finanzen war schlimmer als je. Von 9 Millionen Dollars, die der Kongreß für dies Jahr brauchte, ließen sich höchstens fünf den Einzelstaaten auferlegen; der Rest mußte durch Anleihen beschafft werden. Zur Sicherung schlug der Kongreß die Einführung eines Zolles für alle Kolonien vor, aber mehrere Staaten lehnten sie ab, und von den fünf Millionen ging nur eine halbe ein. Zwar traf von Frankreich im Januar 1782 nochmals eine Unterstützung ein und auch die Anleihe in Holland brachte Gelder, aber alles waren nur Tropfen auf den heißen Stein. Die Truppen litten Mangel und =Washington= hatte die größte Mühe, sie zu beruhigen und zusammenzuhalten.

Auch =zur See= ereignete sich nichts von Bedeutung[174]. =Pigot=, der am 4. September in New York eingetroffen war, ging Ende Oktober nach Westindien zurück, weil man wußte, daß die Verbündeten den Plan gegen Jamaika noch nicht endgültig aufgegeben hatten. Er segelte nach Barbados, ließ aber =Hood= mit 13 Linienschiffen bei Haiti kreuzen. =Vaudreuil=, der am 10. August in Boston geankert, eine feste Verteidigungsstellung eingenommen und dann seine Schiffe gründlich überholt hatte, segelte am 24. Dezember nach Puerto Cabello, um sich hier mit der spanischen Flotte zu vereinigen; er führte 4000 Mann vom Heere Rochambeaus mit sich.

[174] Die kleine französische Flottille, die zur Hudsonbucht gesandt war, plünderte unter Kapitän La Pérouse, dem später verschollenen Entdecker, einige englische Pelzhandelsniederlassungen.

Die Friedens-Präliminarien.

Die zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Paris vom 30. November 1782, und die zu Versailles vom 30. Januar 1783 zwischen England und den beiden Königreichen vereinbarten Vorbedingungen des Friedens, in die für Holland wenigstens Waffenstillstand eingeschlossen war, machten dem Seekriege in den europäischen, sowie den westindischen Gewässern ein Ende; nur in Ostindien dauerte der Streit noch fort.

=Für das Jahr 1783= hatten die Verbündeten abermals =die Eroberung Jamaikas geplant=. Man rechnete mit etwa 40 englischen Linienschiffen in Westindien und wollte diesen 64 gegenüberstellen. =Vaudreuil= (22 Schiffe) sollte sich mit =Solano= (12 Schiffe) in Puerto Cabello vereinigen und =d'Estaing= 15 spanische, sowie 15 französische Schiffe nebst einem starken Heere von Cadiz nach Westindien führen. Die ersten Maßnahmen hierzu fanden auch noch statt, aber vor ihrer weiteren Durchführung trat der Präliminarfriede in Kraft.

=D'Estaing= erschien zur Übernahme seines Kommandos am 18. Dezember 1782 in Cadiz und bald darauf langte von Brest ein Transport von 7000 Soldaten an, die mit einem Teile des Heeres vor Gibraltar das von Europa abzusendende Expeditionskorps bilden sollten. =Vaudreuils= Schiffe trafen von Nordamerika in der Zeit zwischen dem 27. Januar und dem 26. Februar in Puerto Cabello ein, aber =Solano= blieb aus, da ihn der Gouverneur von Kuba vor Ankunft des von Europa erwarteten Geschwaders nicht abfahren lassen wollte. Die französische Flotte ging am 30. April von Puerto Cabello in See und traf am 17. Juni in Brest ein; auch =Pigot= und =Hood= segelten nach England.

Der Aufenthalt der französischen Flotte in Puerto Cabello brachte noch $ein bedeutsames Ereignis$. Als sie dort ohne jede Vorsichtsmaßregel auf der Rhede vor Anker lag, erschien eines Tages eine unbekannte Fregatte. =Vaudreuil= gab einer der seinigen den Befehl zur Jagd, doch brauchte diese zwei Stunden zum Untersegelgehen. Das unbekannte Schiff konnte inzwischen aus nächster Nähe die Stärke der französischen Flotte erkunden und dann unbelästigt absegeln; es war die englische Fregatte »Albemarle«, und ihr 24 Jahre alter Kapitän hieß -- =Nelson=!

Der Krieg in Ostindien.

In Ostindien boten die Verhältnisse bei Ausbruch des Krieges 1778 eine äußerst günstige Gelegenheit zur Erschütterung der englischen Macht, aber erst 1781 schickte Frankreich Seestreitkräfte hinaus, die der Wichtigkeit dieses Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen.

$Die Vorgänge in Indien bis zum Ausbruch des Krieges[175].$ Im Pariser Frieden 1763 hatte Frankreich zwar die schwachen Reste seiner durch =Dupleix= in Indien geschaffenen Macht -- an der Westküste Vorderindiens Mahé; an der Ostküste Karikal, Pondichery, Masulipatam; am Ganges Chandernagore -- zurückerhalten, sie durften jedoch nicht befestigt werden und waren ihres Einflusses beraubt. Der Besitz der englischen Kompagnie erweiterte sich dagegen beständig, besonders während der kurzen Zeit, in der =Clive= nochmals die Geschäfte in Bengalen führte (Mai 1765 bis Januar 1767). Ihm gelang es, grobe Mißbräuche der Beamten (Erpressungen, Ausbeutung von Monopolen) einigermaßen abzustellen und neue Länder zu erwerben. Der Großmogul trat der Kompagnie gegen ihren Schutz seine Einkünfte und damit tatsächlich die Regierung von Bengalen, Bahar, Orissa, sowie der nördlichen Circars ab, so daß diese nun ein ununterbrochenes Gebiet vom Ganges bis Madras besaß. Da die Kompagnie so eine politische und militärische Macht geworden war, für die England eintreten mußte, und da die Verwaltung immer noch zu wünschen übrig ließ, wurde im Februar 1773 vom Parlament das »Regulationsgesetz« erlassen, das die Gesellschaftsrechte einschränkte: die Regierung ernannte von jetzt an Gouverneure und Verwaltungsräte, setzte ein königliches Obergericht in Kalkutta ein und beschränkte die Dividende auf 6-8%; der Statthalter von Bengalen ward zum Generalgouverneur von ganz Britisch-Indien bestellt. Der erste, der den Posten bekleidete, war =Sir Warren Hastings= 1773-1785.

[175] Im Anschluß an Seite 182 ff. Wie dort und aus den gleichen Gründen (Seite 182, Anmerkung) sind die Ereignisse am Lande nur gekürzt gegeben. Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite 429 ff.

Das Bestreben der Engländer, ihre Macht auszudehnen, führte wie früher zu Zusammenstößen mit indischen Fürsten, und zwar um so mehr, als der allmähliche Verfall des Mogulreiches auch diese zu Eroberungen auf dessen Kosten lockte und so zu Gegnern Englands machte. Die gefährlichsten waren der Sultan von Mysore, =Haidar Ali=, und die Mahratten, eine Anzahl kriegerischer, durch eine Art Feudalsystem verbundener Stämme; ihr Gebiet dehnte sich mit der Hauptstadt Puna in der Nähe von Bombay im südwestlichen Indien von Mysore nach Norden bis weit in das Dekan aus; sie drangen jetzt bis an den Ganges vor, und die Engländer mußten 1762-1763 von Bengalen aus mit ihnen Krieg führen. =Haidar Ali=, ursprünglich ein Offizier des Sultans von Mysore, hatte sich seit 1759 der Herrschaft dieses Landes bemächtigt und bis 1766 seinen Besitz durch Eroberung der kleinen Staaten an der Malabarküste (Kalikut, Kananor u. a.) erweitert. Er bedrohte ganz Südindien und die englischen Besitzungen an der Malabar-, wie die an der Koromandelküste. Die Engländer im Bunde mit dem Vizekönig vom Dekan, sowie ihrem alten Schützling, dem Herrscher im Carnatic, erklärten ihm deshalb 1766 den Krieg, wurden aber infolge der Unzuverlässigkeit ihrer Verbündeten zurückgeworfen. =Haidar Ali= verwüstete den Carnatic und erschien sogar zweimal vor Madras; sie hielten es daher für ratsamer, 1769 ein Schutz- und Trutzbündnis mit ihm zu schließen. In den Jahren 1773-1776 kam es zu Besitzstreitigkeiten zwischen der Präsidentschaft Bombay und den Mahratten.

Die Lage der Engländer mußte sehr bedenklich werden, wenn es Frankreich gelang, diese beiden Hauptgegner Englands für sich zu gewinnen, da deren Gebiete aneinander grenzten und eine zentrale Lage zu den drei englischen Präsidentschaften Bombay, Madras und Kalkutta hatten. Und dies trat ein.

$Beginn des Krieges zwischen England und Frankreich.$ Am 7. Juli 1778 ward in Kalkutta der Ausbruch des Krieges bekannt. =Hastings= ließ sofort die völlig unvorbereiteten französischen Niederlassungen Chandernagore und Masulipatam besetzen und sandte Befehl nach Madras, auch Pondichery zu nehmen. Am 8. August trafen General =Munro= mit 16000 Mann und am 10. Kommodore =Vernon= mit fünf Schiffen vor der Stadt ein, die Artillerie und Munition für die Belagerung an Bord hatten. Auf der Rhede lag Kapitän =de Tronjoly= mit einem kleinen französischen Geschwader; er ging dem Feinde entgegen und es kam zum Gefecht.

$Das Seegefecht vor Pondichery am 10. August 1778.$ Das englische Geschwader zählte 1 Schiff zu 60 Kanonen, 1 zu 54, 1 zu 28, 1 zu 24, 1 zu 18, und das französische 1 Schiff zu 64, 1 zu 38 Kanonen, sowie 3 Ostindienfahrer mit 20-26 Geschützen; die gesamten Seestreitkräfte der beiden Gegner in Ostindien. Es kam zu einem zweistündigen Gefechte, einem zweimaligen Passieren der Geschwader in Kiellinie bei leichtem Winde, ohne besondere Erfolge.

Nach unentschiedenem Kampfe segelte =Vernon= nördlich, um den Feind fortzulocken, =Tronjoly= folgte jedoch nicht. Das englische Geschwader kam bald darauf, durch 3 Ostindienfahrer verstärkt, zurück und das französische räumte nun das Feld und segelte nach Isle de France. Pondichery, nur in Eile notdürftig befestigt und schwach besetzt, ergab sich nach hartnäckiger Verteidigung am 17. Oktober mit allen militärischen Ehren.

Mitte 1779 traf Kontreadmiral =Sir Edward Hughes=[176] mit 5 Linienschiffen in Indien ein; ein französisches Geschwader erschien erst wieder im Januar 1781.

[176] =Sir Edward Hughes=, 1748 Kapitän, 1778 Kontre-, 1780 Vizeadmiral, 1793 Admiral der blauen Flagge, gestorben 1794, war ein tüchtiger Seemann von großer Tapferkeit und Hartnäckigkeit, der aber an weiterem militärischen Blick und taktischem Geschick seinem späteren Gegner in Indien, =Suffren=, nicht gewachsen war, wie sich noch zeigen wird.

Allerdings hatte Frankreich beabsichtigt, in Indien kräftiger aufzutreten. Anfang 1779 sollte ein Geschwader von 5 Linienschiffen hinausgehen, es wurde aber zur Verstärkung =d'Estaings= nach Westindien gesandt (vgl. Seite 276); ein zweites, im Frühjahr 1780 nach Indien bestimmt, wurde mit dem Landungskorps nach Nordamerika geschickt (vgl. Seite 291). Nur durch Ankunft einzelner Schiffe waren die Seestreitkräfte in Isle de France bis Ende 1779 nach und nach auf 6 Linienschiffe gebracht. Um diese Zeit übernahm Kommodore =Comte d'Orves= hier den Oberbefehl, blieb jedoch über ein Jahr lang untätig, weil die Schiffe in schlechtem Zustande waren und seine Instruktion ihm ausdrücklich den Schutz der Inseln Isle de France und Bourbon auftrug.

$England im Kriege mit Haidar Ali und den Mahratten.$ Französische Seestreitkräfte hätten in dieser Zwischenzeit große Erfolge erringen können. Bei Beginn des Kriegs waren in Puna französische Agenten erschienen, um die Mahratten zum Kampfe gegen die Engländer und zur Überlassung eines Hafens an der Westküste zu bestimmen. =Hastings= entschloß sich daraufhin schnell zum Kriege und schickte von Bengalen aus Truppen gegen die Mahratten. Gleichzeitig, Anfang Dezember 1778, ließ die Präsidentschaft Bombay 4500 Mann gegen Puna marschieren; diese Truppe ward jedoch im Januar 1779 dicht vor dem Ziel vernichtend geschlagen, und diese Niederlage schädigte Englands Ansehen in Indien sehr. Das Heer von Bengalen unter dem tüchtigen Oberst =Goddard=, das im Januar in Surat ankam, errang zwar 1779 und 1780 mehrfach Erfolge, konnte diese jedoch nicht ausnutzen, da die englischen Truppen an anderer Stelle schwer bedrängt wurden.

Die Engländer hatten sich im März 1779 auch der letzten französischen Niederlassung, Mahé, bemächtigt und hierdurch =Haidar Ali=, in dessen Gebiet der Ort lag, und der von ihm Waffen bezog, aufs äußerste erbittert. Er traf in aller Stille Vorbereitungen zum Kriege, trat mit den Mahratten in Verbindung und brach im Juli 1780 mit 100 000 Mann nebst starker Artillerie in den Carnatic ein. General =Munro= war so wenig vorbereitet und traf so schlechte Anordnungen, daß er im September Kanonen und Troß im Stich lassen und sich auf Madras zurückziehen mußte; eine Abteilung von 3000 Mann wurde aufgerieben. Bald hatte Haidar den ganzen Carnatic in seiner Gewalt und die festen Plätze eingeschlossen; ganz Südindien wäre so für England verloren gewesen, wenn nicht =Hastings= von Bengalen Hilfe geschickt hätte. Der von hier am 5. November in Madras eingetroffene General =Eyre Coote=, ein hervorragender Offizier, ging nach eingehender Prüfung der Lage im Januar 1781 vor, um den belagerten Festungen Entsatz zu bringen. Er hatte auch Erfolg, mußte aber dann zur Küste zurück, weil eine französische Flotte angekommen und in Pondichery ein Aufstand ausgebrochen war. Sein Versuch, auf dem Rückmarsche =Haidar= zur Schlacht zu zwingen, schlug fehl; der Sultan folgte nur, setzte den Krieg in seinem Rücken fort und hielt ihn schließlich in Cuddalore fest.

$Erfolgloses Auftreten des französischen Geschwaders unter Comte d'Orves.$ Dieser Kommodore hatte Auftrag, die Maskarenen zu schützen, die gar nicht bedroht waren; er erbat deshalb vom Gouverneur dort die Erlaubnis, nach Indien zu gehen. Jener stellte jedoch die Bedingung, das Geschwader keinen großen Verlusten auszusetzen, weil der obige Befehl nicht aufgehoben sei und die Magazine auf Isle de France und Bourbon zu schlecht versorgt wären, um etwa beschädigte Schiffe ausbessern zu können. =D'Orves= verließ am 14. Oktober 1780 mit 6 Linienschiffen und 3 Fregatten Port Louis, traf am 27. Januar 1781 vor Madras ein und ankerte dann in der Nähe von Pondichery. =Hughes= lag mit dem englischen Geschwader im Winterlager in Bombay, =d'Orves= hatte mithin freie Hand. Trotzdem ging er nicht auf den Vorschlag Haidar Alis ein, gemeinsam Cuddalore anzugreifen; er schützte vor, seine Instruktion verbiete ihm dies, auch habe er nur noch Proviant für die Rückreise und müsse im April zur Vereinigung mit einem aus Frankreich kommenden Geschwader in Isle de France sein. Am 13. Februar segelte er ab und traf am 31. März, tatsächlich nur noch mit Proviant für 8 Tage, in Port Louis ein. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, dem Feinde einen schweren Schlag zu versetzen, war damit verloren gegangen.

Wohl mit Recht sagt =Chevalier= (II, Seite 380), =d'Orves= hätte sich sicher in der dänischen Niederlassung Tranquebar oder in der holländischen Negapatam Proviant für einen Monat verschaffen können, und Cuddalore wäre, zu Lande und zu Wasser eingeschlossen, sowie von Madras abgeschnitten, innerhalb dieser Zeit gefallen.

Die Engländer litten im Lager bei Cuddalore zwar sehr unter Mangel sowie Krankheiten, und =Eyre Coote= würde genötigt gewesen sein, sich auf Madras zurückzuziehen, wenn nicht Mitte Juni das englische Geschwader wieder an der Küste erschienen wäre. So konnte er durchhalten, und anderseits glaubte =Haidar= ihn so geschwächt, daß er seine bisherige vorsichtige Taktik aufgeben könne. Am 1. Juli 1781 nahm dieser bei Porto Novo eine Feldschlacht an, erlitt aber trotz seiner Übermacht eine Niederlage, die ihn zum Rückzuge zwang. Nach Eintreffen von Verstärkungen aus Bengalen folgte =Coote= und errang im August weitere Erfolge; ganz aus dem Carnatic ward Haidar bis Ende 1781 allerdings nicht vertrieben.

Inzwischen war auch der Krieg mit Holland ausgebrochen, =die Engländer nahmen= im November 1781 nach kurzer Belagerung =Negapatam= und am 12. Januar 1782 =Trincomali= auf Ceylon, den einzigen sicheren Hafen an der Ostküste Vorderindiens, der auch reichliche Hilfsquellen bot.

Französische Seestreitkräfte erschienen erst nach einem Jahre wieder. =D'Orves= erfuhr im Juli 1782, daß ein Geschwader unter Kapitän =Suffren= unterwegs sei und daß er bis zu dessen Ankunft entweder am Kap zum Schutz der holländischen Kolonie kreuzen oder nach Indien gehen könne, aber es fehlte an Material zur Ausrüstung der Schiffe. =Suffren= traf erst am 25. Oktober in Port Louis mit fünf Linienschiffen sowie Transportern ein, die Truppen und Material brachten; jetzt erst konnte das alte Geschwader instand gesetzt werden. =Mit dem Auftreten Suffrens gewinnt der Kampf in Ostindien eine hohe Bedeutung in der Seekriegsgeschichte[177].=

[177] Die Ereignisse in Indien sind in unseren Hauptquellen: Lacour II, Chevalier II, Mahan I, mit großer Sorgfalt behandelt. Lacour bringt viele Auszüge aus Briefen und Berichten Suffrens, Chevalier beschreibt die Schlachten sehr genau und Mahan gibt eingehende Kritiken in taktischer wie strategischer Hinsicht. Wir haben versucht, bei möglichster Kürze allen gerecht zu werden.

$Suffren[180] rettet durch die Schlacht vor Porto Praya die Kapkolonie 1781.$ Nach dem Ausbruche des Krieges mit Holland wollte sich England der Kapkolonie bemächtigten, und Frankreich traf Gegenmaßnahmen; die Kapkolonie war eine wichtige Etappe auf dem Wege nach Indien, und die französischen Maskarenen bezogen einen großen Teil ihrer Bedürfnisse von dort. England schickte am 13. März 1781 mit der Flotte des Admirals =Darby= auf seiner Fahrt nach Gibraltar ein Geschwader von 5 Schiffen nebst 35 teilweise armierten Transportern mit Truppen unter Kommodore =George Johnstone= ab, und Frankreich schloß der Flotte, die unter =de Grasse= am 22. März nach Westindien ging, gleichfalls 5 Schiffe nebst 8 Transportern unter Kapitän =Suffren= an, auf denen 1000 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie Artillerie eingeschifft waren; diese Geschwader trennten sich an der spanischen Küste von ihren Flotten.

[178] =Suffren de Saint Tropez=, Pierre Andrée, Chevalier (später Bailli) de, war am 17. Juli 1729 auf dem Schlosse St. Cannat bei Marseille geboren, trat 1743 in die Marine ein, ward Leutnant 1756, Kapitän 1772, Chef d'Escadre 1782, Lieutenant-Général 1783, Vizeadmiral (in einer für ihn geschaffenen vierten Stelle) 1784, er starb am 8. Dezember 1788; sein plötzlicher Tod kam nicht unerwartet, da er zum Schlagfluß neigte, doch tauchte später das Gerücht auf, er sei in einem Duell gefallen, das durch seine Tätigkeit in Indien veranlaßt sei. Er erhielt seine Feuertaufe bei Toulon 1744 und nahm an der Schlacht bei Finisterre teil, im nächsten Kriege an denen bei Minorka und Lagos. Als Malteserritter ging er in Friedenszeiten zeitweise zum Dienste nach Malta und machte hier Züge gegen die Barbaresken mit. In unserem Kriege fanden wir ihn 1778/79 als hervorragenden Offizier unter d'Estaing in Westindien und Nordamerika. Seinen höchsten Ruhm gewann er jetzt in Indien. Seine Taten dort beschreiben Roux sowie Troublet (vgl. Quellenverzeichnis).

=Johnstone= ankerte am 11. April vor Porto Praya, einem Hafen der portugiesischen Kapverdeninsel Santiago, um Wasser und frischen Proviant zu nehmen, und auch =Suffren= lief diesen Platz an. Er hatte zwar Befehl, seine Reise zu beschleunigen, um vor dem Gegner das Kapland zu erreichen und hier die Truppen auszuschiffen, aber einige seiner Schiffe mußten ausgebessert werden; gleichzeitig wollte er nun auch Wasser nehmen. Als er nun am 16. April von Osten kommend auf den Hafen zusteuerte, bekam er beim Runden der Südspitze das vor Anker liegende englische Geschwader in Sicht. Er stand vor der Wahl, ob er mit der sichern Aussicht das Kap als erster zu erreichen, die Reise unter Segelpressen fortsetzen, oder ob er die Gelegenheit zum überraschenden Angriff ausnutzen solle. Gegen den Brauch der französischen Führer, nur die Durchführung ihrer jeweiligen Aufgabe unter möglichster Schonung der Schiffe im Auge zu halten, entschloß er sich zum Kampf, obgleich er seinen Nachrichten gemäß den Feind für stärker hielt, als dieser war. Er erkannte klar, daß am Kap wie in Indien die Seeherrschaft die Entscheidung bringe, und daß danach gehandelt werden müsse, wo sich eine Gelegenheit zur Schwächung der feindlichen Kräfte biete.

Die Schlacht vor Porto Praya am 16. April 1781. =Das englische Geschwader= zählte 2 Linienschiffe zu 74 und 64 Kanonen, 3 50-Kanonenschiffe, 3 32-Kanonenfregatten, 6 Fahrzeuge zu 14-20 Kanonen, 1 Brander, 1 Mörserboot und 10 Ostindienfahrer zu 26 Kanonen; =das französische= 2 Schiffe zu 74, 3 zu 64 und 1 10-Kanonenkorvette.

=Johnstone= hatte ohne Vorsichtsmaßregeln geankert; er verließ sich zwar nicht auf die Neutralität des Hafens, aber er erwartete keinen Feind, obwohl er von der Entsendung Suffrens Kenntnis gehabt haben soll. Die schweren Schiffe lagen in unregelmäßiger Linie, die Fregatten und die kleinen Fahrzeuge auf dem östlichen Flügel (Plan a), die Transporter zwischen den Kriegsschiffen und dem Strande. Das Flaggschiff (Plan b) war durch die Transporter im Feuer stark behindert, und der Kommodore begab sich deshalb beim Nahen des Feindes auf ein anderes Schiff (»Hero«, 74 Kanonen, Plan c). 1500 Mann des Geschwaders waren zum Wasser- und Proviantholen, zum Fischen oder auf Urlaub am Lande, als der Feind um 9-1/2 Uhr vormittags in Sicht kam.

=Suffren= hatte ein gekupfertes Schiff (»Artésien«, 64 Kanonen) vorausgeschickt, den Feind zu erkunden. Dieses meldete um 8-3/4 Uhr den Feind. Der Chef gab kurz entschlossen den Befehl: »Vorbereitung zum Gefecht vor Anker«. Er kehrte sich nicht an die Neutralität des Hafens, war er doch selber gefangen genommen worden, als Admiral =de la Clue= 1759 unter den Kanonen von Lagos von den Engländern überwältigt wurde. Er wartete auch nicht auf das Herankommen zweier seiner Schiffe, die etwas zurückstanden; um an die feindliche Linie zu gelangen, mußte er hoch beim Winde steuern, zum Warten backgebraßt würde er leicht zu weit nach Lee getrieben sein, auch wollte er keine Zeit verlieren, um die Überraschung voll auszunutzen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff (zufällig auch »Héros«, 74 Kanonen) an die Spitze der drei anderen Schiffe, führte sie durch die Engländer hindurch und ankerte 160 m querab des »Hero«; schon beim Passieren der Feinde eröffnete er etwas nach 11 Uhr das Feuer mit beiden Seiten. Sein Hintermann (»Annibal«, 74) ankerte so nahe vor ihm, daß das Flaggschiff sein Ankertau weiter auslaufen lassen mußte, wodurch es querab von einem anderen Engländer (»Monmouth«, 64; Plan d) kam.

Der Kommandant des »Annibal« hatte zum Wassernehmen klarmachen und Fässer an Deck bringen lassen. In der Annahme, daß Suffren die Neutralität achten würde und das Signal nur zur Vorsicht gegeben habe, begann er die Vorbereitungen zum Gefecht zu spät, und so konnte sein Schiff nicht gleich seiner Stärke entsprechend auftreten. Das dritte Schiff, »Artésien«, hielt im Pulverdampf einen Ostindienfahrer für ein Kriegsschiff und ging diesem längsseit. Beide Kommandanten büßten ihr Versehen mit dem Leben. Auf »Artésien« war infolge Ausfalles des Kommandanten der Befehl zum Ankern nicht befolgt, das Schiff trieb mit dem Ostindienfahrer aus dem Hafen (Plan e, e' e''), die beiden zurückgebliebenen Franzosen (»Sphinx« und »Vengent«, 64) rundeten die Südspitze der Bucht in zu weitem Abstande, steuerten dann nicht hoch genug und kamen daher trotz späteren Wendens kaum noch ins Gefecht (f, f'). So hatten »Héros« und »Annibal« fast allein das englische Feuer auszuhalten, an dem sich auch die Transporter mit Geschützen und Gewehren beteiligten; sogar ein portugiesisches Fort begann zu feuern. =Suffren= kappte deshalb gegen Mittag das Ankertau und »Annibal« folgte, aber beim Segelsetzen gingen diesem die Masten über Bord und er mußte sich unter einem kleinen Notsegel zurückziehen; der Kommodore ließ ihn durch »Sphinx« in Schlepp nehmen. =Suffren= bildete dann auf See die Schlachtlinie, den Transportern gab er Befehl, die Fahrt nach dem Kap fortzusetzen.

=Johnstone= berief seine Kommandanten zur Berichterstattung über den Zustand ihrer Schiffe an Bord und folgte gegen 3 Uhr nachmittags dem Feinde. Eins seiner 50-Kanonenschiffe verlor dabei den zerschossenen Fockmast und »Monmouth« blieb infolge schwerer Beschädigungen zurück. Der englische Admiral wagte auch nicht, weit zu folgen, da er dann nur schwer hätte zurückkommen können; auch hatte er vergessen, seinem Konvoi ein anderes Rendezvous anzugeben. Unentschlossen, was er in dieser Lage (wie er berichtete: a cruel situation) tun solle, drehte er 1-1/2 Kanonenschußweite vom Feinde bei. Am anderen Morgen war =Suffren= aus Sicht, und Johnstone ging nach Porto Praya zurück.

=Die Verluste= betragen auf englischer Seite 36 Tote und 130 Verwundete, auf französischer 105 und 204.

$Beurteilung der Führer.$ Nach eigenem Ausspruch wollte =Suffren= »durch Vernichtung der Engländer alle Absichten ihrer Expedition in der Wurzel abschneiden und den Franzosen für längere Zeit die Überlegenheit in Indien sichern, aus der vielleicht ein guter Friede hervorgehen könne«.[179] Er bekundete damit, wie auch später in Indien, sein Verständnis für Erringung der Seeherrschaft durch Niederkämpfen der feindlichen Streitkräfte; schon =d'Estaing= gegenüber in Westindien war er hierfür eingetreten. Auch sein Gefechtsplan war richtig, sein Vorgehen auf den Ankerplatz ermöglichte ihm Feuer nach beiden Seiten, und wenn seine Schiffe sämtlich richtig manövriert hätten, würde er wahrscheinlich einen großen Erfolg errungen haben. Er selber schrieb an einen Freund: »Praya konnte und mußte mir unsterblichen Ruhm bringen; man hat mich um eine einzig dastehende Gelegenheit gebracht.«

[179] =Suffren= suchte aber doch in seinem Berichte wegen des Bruches der Neutralität sich zu rechtfertigen. Er schrieb, man könne den Ankerplatz keinen Hafen, nicht einmal eine Bucht nennen, es sei ein offener Meeresstrand. Er führte auch die Fälle auf, in denen die Engländer früher ähnlich gehandelt hätten. Diese Entschuldigung war nicht nötig, denn trotz der Verwicklungen, die mit Portugal entstanden, war die Regierung über den Erfolg so erfreut, daß =Suffren= zum Chef d'Escadre ernannt wurde, doch erhielt er die Nachricht erst nach fast einem Jahre.

Von den französischen Kommandanten hat der des »Annibal« seine Nachlässigkeit vor dem Kampfe durch mutiges Folgen gut gemacht; der Mißgriff des »Artésien« ist durch den Pulverrauch zu entschuldigen. Die Kommandanten der beiden anderen Schiffe trifft der Vorwurf, daß sie die Absicht des Chefs nicht unterstützt oder nicht verstanden haben, aber auch sie waren wohl durch den Pulverrauch teilweise behindert, die Lage zu übersehen.

=Johnstone= erscheint unvorsichtig, weil er sich in so ungünstiger Lage überraschen ließ, und machte auch dies weder unmittelbar nach dem Kampfe noch später durch Tatkraft oder seemännisches Geschick wieder gut. Er soll wenig praktische Erfahrung gehabt und dies wichtige Kommando nur erhalten haben, weil er abfällige Kritiken über die Admirale =Howe= und =Keppel=, Gegner der Admiralität, veröffentlicht hatte.

=Suffren= erreichte zwar nicht den Erfolg, den er erwarten konnte, aber er gewann doch einen großen Vorsprung. Während =Johnstone= 14 Tage zum Ausbessern in Porto Praya brauchte, setzte er seine Fahrt nach dem Kap fort, ankerte am 27. Juni in der Simonsbai und landete die für die Kapkolonie bestimmten Truppen. Die Reise war eine vorzügliche seemännische Leistung, denn das entmastete Linienschiff mußte den ganzen Weg geschleppt werden. =Johnstone= erschien 14 Tage später vor Kapstadt, wagte aber nichts zu unternehmen. Er nahm nur fünf reich beladene holländische Ostindienfahrer in der Saldanhabucht, die von Kapstadt dorthin gegangen waren, ehe die Franzosen kamen; sie hatten gehofft, von hier entschlüpfen zu können, wenn sich das englische Geschwader vor der Tafelbai zeige. =Suffren= ging zwar in See, als =Johnstone= gemeldet wurde, dieser hatte aber schon die Heimfahrt nach England angetreten und 3 Linienschiffe nach Indien abgezweigt. Er segelte dann am 28. August, nachdem er sich von der Verteidigungsfähigkeit der Kolonie überzeugt hatte, nach Isle de France. Hier traf er am 25. Oktober ein und =Graf d'Orves= ging am 17. Dezember mit der Gesamtflotte nach Indien in See; auf Transportern wurden 3000 Soldaten, alles was auf den Maskarenen verfügbar war, unter =General Du Chemin= mitgeführt. Am 22. Januar ward ein englisches 50-Kanonenschiff genommen und in die Flotte eingestellt; am 8. Februar starb d'Orves und =Suffren übernahm den Oberbefehl=.

$Die Lage der beiden Flotten in Indien.$ Es standen sich zwei tüchtige Männer gegenüber, von denen jeder eigenartig den Charakter seines Volkes verkörperte; der eine die starre Zähigkeit und die seemännische Geschicklichkeit der Engländer, der andere das Ungestüm und das taktische Wissen der Franzosen, Eigenschaften, die in den Offizierkorps durch ein falsches System so lange unterdrückt waren.

=Die französische Flotte zählte= bei Beginn der Unternehmungen 3 74-, 7 64- und 2 50-Kanonenschiffe, =die englische=, zu der inzwischen die von Johnstone abgezweigten Schiffe gestoßen waren, 2 74-, 1 70-, 1 68-, 4 64- und 1 50-Kanonenschiff.

=Suffren= war also an Schiffszahl unbedingt und wahrscheinlich auch an Stärke der einzelnen Schiffe, Klasse für Klasse gerechnet, dem Admiral =Hughes= überlegen. Ihm stand die Möglichkeit der Initiative zu Gebote, während seinem Gegner die Verteidigung mit unterlegenen Kräften, vielen angreifbaren Punkten und damit die Ungewißheit zufiel, wo der Angriff erfolgen würde.

Dagegen war =Suffren= ohne jeden Stützpunkt; alle ehemalig französischen Plätze waren in Feindeshand und ebenso die holländischen, vor allem der wichtige Hafen von Trincomali. Er mußte einen sicheren Stützpunkt gewinnen, womöglich den letztgenannten, er brauchte aber auch einen Ort zum Landen der Truppen, die mit den indischen Feinden der Engländer gemeinsam vorgehen sollten. Diesem Streben mußte =Hughes= entgegentreten, er war also genötigt, den Gegner zu suchen, um ihn kampfunfähig zu machen oder doch aufzuhalten, durfte aber bei seiner Schwäche einen Kampf nur unter günstigen Umständen wagen; aus strategischen wie taktischen Gründen mußte er sich zu Luward halten. Schlimm war es für ihn, daß Trincomali noch unbefestigt und somit ganz auf seine Unterstützung angewiesen war. Das nun folgende lange Ringen der beiden Admirale ist ein hervorragendes Beispiel des Kampfes zweier Flotten um die Seeherrschaft.

$Die Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.$ =Suffren= erschien am 15. Februar vor Madras, unter dessen Kanonen =Hughes= vor Anker lag, verzichtete aber in Übereinstimmung mit seinen Kommandanten auf einen Angriff und steuerte südlich; =Hughes= folgte in der Nacht, weil er für Trincomali fürchtete. Bei Tagesanbruch bemerkte er, daß sich die feindlichen Transporter von ihrer Flotte getrennt hatten; diese standen etwa 12 Seemeilen östlich, jene 9 Seemeilen südwestlich von ihm (Plan A a). Er jagte den Konvoi und nahm 6 Fahrzeuge; fünf davon waren englische Prisen, das sechste führte 300 Soldaten, sowie Kriegsmaterial an Bord. =Suffren= versuchte zwar, heranzukommen, erreichte den Gegner jedoch nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit; beide Geschwader steuerten während der Nacht bei leichtem Winde südlich. Am Morgen des 17. Februar befanden sie sich auf der Höhe von Sadras, einem Hafen etwa in der Mitte zwischen Madras und Pondichery, und es kam zur ersten Schlacht, in der =Suffren= mit der alten Taktik der Franzosen brach, indem er einen Teil des Feindes mit Übermacht angriff.

$Die Schlacht bei Sadras.$ Der Wind wehte leicht aus NO mit zeitweisen Böen, die Franzosen standen etwa 6 Seemeilen nordöstlich der Engländer (Plan B, a). =Hughes= bildete die Schlachtlinie über Steuerbordbug (b); er rechnete mit einem baldigen Einsetzen der Seebrise, die ihm die Luvstellung gegeben haben würde. Der erwartete Wind blieb jedoch aus und der englische Admiral hielt in Dwarslinie ab, um seine Aufstellung besser zu schließen, bis er sah, daß der Kampf nicht zu vermeiden sei, da der Feind schnell herankam; wieder legte er sich über Steuerbordbug an den Wind und erwartete den Angriff. Seine Linie war jetzt besser geschlossen, nur das letzte Schiff »Exeter« stand zurück (c); man kann nicht recht einsehen, weshalb =Hughes= die Linie nicht über Backbordbug gebildet hat, dann konnte leicht auf »Exeter« aufgeschlossen werden.

=Suffren= griff um 1/2-4 Uhr nachmittags an; er gab das Signal, nach Möglichkeit die Schlachtlinie zu bilden, setzte sich mit dem Flaggschiff »Héros« an die Spitze, steuerte auf das letzte englische Schiff zu und lief dann die feindliche Linie entlang. Beim sechsten englischen Schiffe stoppte er um 4-1/2 Uhr, signalisierte für das ganze Geschwader, auf Pistolenschußweite an den Feind heranzugehen und gab drei Schiffen (dem 8., 9. und 12.) Befehl, von Lee aus anzugreifen. Er beabsichtigte also mit seinen 12 Schiffen die letzten 6 des Feindes zu dublieren (Plan D). Die Befehle wurden jedoch nicht befolgt. Der Admiral ging nämlich selber nicht so nahe heran, sondern hielt sich auf halbe Kanonenschußweite fern, um den drei vordersten Engländern entgegentreten zu können, falls sie zur Unterstützung der Angegriffenen wenden sollten; seine Kommandanten verstanden dies aber nicht und blieben im Kielwasser des Flaggschiffes. Von den drei dazu beorderten Schiffen ging nur eins, das zwölfte, auf die Leeseite des Feindes; später folgte aus eigener Initiative das vorletzte. So kamen nur acht oder neun der Franzosen ins Gefecht (Plan C). Drei bedrängten den »Exeter«, der schon das Feuer der passierenden Schiffe erhalten hatte, sich jedoch wacker wehrte. Beim Herankommen des dritten Gegners fragte der Master den Kommodore =Richard King=, dessen Stander auf »Exeter« wehte, was nun zu tun sei. Dieser antwortete: »Nichts, aber fechten, bis wir sinken.« Gegen 6 Uhr drehte der Wind auf SO, warf alle Schiffe über den anderen Bug und gab dadurch der englischen Vorhut die Möglichkeit zum Eingreifen; außerdem wurde es dunkel. =Suffren=, der auch so schon eingesehen hatte, daß der Kampf keine Entscheidung bringen würde, brach das Gefecht ab. Die Flotten trennten sich; =Suffren= steuerte nach NO, =Hughes= nach Süden.

=Der Verlust= betrug englischerseits 32 Tote, darunter die Kommandanten des Flaggschiffes »Superb« und des »Exeter«, und 83 Verwundete, französischerseits 30 und 100. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die beiden ebengenannten stark beschädigt.

=Suffren war sehr unzufrieden mit seinen Kommandanten=; diese hätten näher an den Feind herangehen müssen, wenn der Admiral auch nicht das Beispiel gab. Den größten Fehler machte der zweitälteste Offizier, Kapitän =de Tromelin=, der das fünfte Schiff befehligte. Er wiederholte zwar die Signale des Admirals, sorgte aber nicht für deren Ausführung. Ferner war sein Schiff unter den nach Lee befohlenen und er kannte den Plan =Suffrens=. Dieser hatte ihm zehn Tage vor der Schlacht geschrieben, er beabsichtige, die Nachhut des Feindes mit den überschießenden Schiffen zu dublieren, wenn er die Luvstellung habe. Falls dann =Tromelin= die eigene Nachhut führe, solle er die nötigen Maßregeln ergreifen, da er am besten übersehen könne, wie viel Schiffe für den Angriff von Lee verfügbar seien. Zum Zweck der Eroberung von Trincomali und Negapatam sei eine Entscheidungsschlacht erwünscht. Ganz ohne Schuld ist jedoch auch =Suffren= nicht. Er nahm die Spitze, da sein Schiff das schnellste war und weil es bei der vorgeschrittenen Tageszeit wichtig erschien, den Feind bald anzugreifen. Diese Stellungnahme wirkte zwar nicht notwendig, aber doch sehr natürlicherweise als Beispiel, und so verleitete sie die nachfolgenden Schiffe zum Fernbleiben. Für ein derartiges Abweichen vom damaligen Brauche wären genauere Anweisungen nötig gewesen; Ungeduld und Kampfeslust haben =Suffren= wohl fortgerissen, wie sich noch mehrfach zeigen wird.

Admiral =Hughes= durfte sich nicht der Gefahr aussetzen, von Luward angegriffen zu werden. Daß er hier in diese Lage kam, ist aber zu entschuldigen. Er hatte über Nacht nach SO gesteuert, weil im Februar die Seebrise von SO gegen 11 Uhr vormittags einzusetzen pflegt.

Die Schlacht brachte für Suffren nicht die erhoffte Entscheidung. Am Morgen des 18. Februar waren die Flotten einander aus Sicht. Dies hätte der Admiral vermeiden können, falls er wieder angreifen wollte, wie französische Quellen sagen; es ist aber anzunehmen, daß er infolge des mangelhaften Verhaltens seiner Kommandanten eine sofortige Erneuerung des Kampfes nicht wünschte. Er segelte zum Schutz seines Konvois und um Wasser zu nehmen nach Pondichery, wo er am 19. neben letzterem ankerte. =Hughes= ging zum Ausbessern der beiden beschädigten Schiffe nach Trincomali.

=Die Schlacht bei Sadras= war aber doch =ein Erfolg Suffrens=, er konnte mit =Haidar Ali= in Verbindung treten und dessen Tatkraft wieder beleben. Schon am 19. Februar traf der französische Agent beim Sultan mit der Nachricht in Pondichery ein, daß die englische Kompagnie sehr günstige Friedensbedingungen geboten habe, =Haidar= würde aber nicht darauf eingehen, falls er die lange erwartete Hilfe Frankreichs jetzt erhielte. Im Lauf der Verhandlungen versprach der Sultan, dem französischen Geschwader Nahrungsmittel, Geld und andere Bedürfnisse zu liefern, sobald es sich in seinem Machtbereiche zeige, nach dem Kriege wollte er Land an Frankreich abtreten. =Suffren=, der am 21. Februar der leichteren Verbindung mit Haidar halber nach Porto Novo gesegelt war, schiffte nun am 10. März die Landungstruppen aus. Sie marschierten nach Cuddalore, wo =Tippu Sahib=, der Sohn Haidars, stand, der soeben bei Tanjore eine englische Abteilung vernichtet hatte. =Am 4. April kapitulierte Cuddalore.=

$Die Schlacht bei Providien am 12. April 1782.$ =Suffren= bat von Porto Novo aus sowohl den Marineminister wie den Gouverneur der Maskarenen dringend um Truppen, diesen ferner um Seeleute. Wenn sich das Geschwader an der Küste halten und man den Sultan mit Soldaten unterstützen könne, so würde dieser die Engländer mit Erfolg bekämpfen. Am 23. März ging er aufs neue in See, um den Feind zu suchen; er hoffte, zwei Linienschiffe abzuschneiden, die aus England erwartet wurden; dies gelang jedoch nicht. =Hughes= hatte vierzehn Tage ausgebessert und war dann nach Madras gesegelt, um von dort Truppen und Material für Trincomali zu holen. Auf seiner Rückfahrt stießen am 30. März die beiden Schiffe zu ihm. Am 8. April sichtete er das französische Geschwader, das ebenfalls südlich steuerte, er setzte jedoch seine Reise fort, um vor allem Trincomali zu verstärken. Am 10. nahmen die Franzosen ihm zwei zurückgebliebene Transporter ab und am 12., nicht weit von seinem Ziele, erkannte er, daß die schnellsten feindlichen Schiffe seine langsamsten einholen würden. Er mußte sich somit zur Schlacht entschließen. Die Flotten befanden sich auf der Höhe der kleinen Felseninsel Providien, etwas südlich von Trincomali[180].

[180] Dieselbe Ursache, die Gefahr des Abschneidens von Schiffen, zwang am gleichen Tage =de Grasse= zur Annahme der verhängnisvollen Schlacht bei Dominica.

$Die Schlacht bei Providien.$ Die Flotten waren die gleichen wie bei Sadras, die englische jedoch um 1 74- und 1 64-Kanonenschiff verstärkt. Es standen also 12 Franzosen gegen 11 Engländer, erstere etwa 6 Seemeilen zu Luward der letzteren bei nördlichem Winde. Um 9 Uhr vormittags bildete =Hughes= die Gefechtslinie über Backbordbug, Kurs WNW, =Suffren= tat das gleiche und befahl dann um 11 Uhr, als die Schiffe gut ausgerüstet waren, zugleich auf Kurs WSW abzuhalten (Plan A, a); =Hughes= erwartete den Angriff unter kleinen Segeln; =Suffren= beabsichtigte, seine Linie Schiff gegen Schiff an die feindliche heranzuführen, nur das überschießende zwölfte sollte das letzte englische von Lee her dublieren. Es war also ein Angriff nach altem englischen Brauch und hatte die übliche Folge, daß die Vorhut der Franzosen, in der außerdem die schnellsten Schiffe standen, früher an den Feind herankam als die Mitte oder gar die Nachhut, sowie daß sämtliche Schiffe, sobald sie in Schußweite anlangten, dem Breitseitfeuer der Gegner ausgesetzt waren, ohne es erwidern zu können. Die drei vordersten Franzosen gingen nun schon an den Wind, als sie gegen 1 Uhr die ersten Schüsse erhielten, und nahmen das Feuer auf; sie blieben auch in diesem Abstande vom Feinde, obgleich der Admiral befahl, näher heranzugehen.

=Suffren= dagegen segelte ohne zu feuern mit dem Flaggschiff (»Héros«, 74) bis auf Pistolenschußweite an das englische (»Superb«, 74) heran, heißte das Signal für »Nahgefecht« (1-1/2 Uhr) und drehte auf. Sein Vordermann, sowie 3 Hinterleute nahmen nach und nach ihre richtigen Plätze ein, während die zurückgebliebenen vier letzten Schiffe weit vom Feinde abblieben, da sie gleichzeitig mit dem Flaggschiff an den Wind gegangen waren; sie hatten den Auftrag nur dem Buchstaben, nicht dem Sinne nach befolgt, auch sie kamen trotz späterer Befehle nicht näher. Die französische Flotte bildete so eine Kurve, von der nur 5 Schiffe ernstlich in den Kampf eintraten (Plan A, b). Das Hauptgefecht entspann sich beim englischen Flaggschiff. »Héros« hatte wegen Beschädigungen in der Takelage nicht gleich querab von »Superb« zum Stehen gebracht werden können, sondern war vorgeschossen und lag neben dessen Vordermann (»Monmouth«, 64); sein Hintermann »L'Orient« nahm den Platz neben »Superb« ein. »Monmouth« wurde entmastet und trieb aus der Linie; da »Héros« unwillkürlich nachdrängte, kam er vor »Superb« zu liegen. So wurde dieses Schiff durch »Héros« mit den Heckgeschützen von vorn beschossen, während es mit »L'Orient« und dessen Hintermann, der auf des Admirals Befehl aufgesegelt war, im Breitseitkampfe lag (Plan B); es litt schwer. Gegen 3-1/2 Uhr gab =Hughes= den Befehl, zugleich zu halsen und die Linie über Steuerbordbug zu bilden, weil man sich der Küste mit ihren Korallenriffen zu sehr näherte. =Suffren= folgte dem Beispiele und erneute den Befehl zum Angriff mit der besonderen Weisung an ein Schiff, den »Monmouth« zu nehmen, der hilflos zwischen den beiden Linien lag. Das Manöver des Halsens wurde von der englischen Flotte schneller ausgeführt als von der französischen, sie gewann Vorsprung, und es gelang einem ihrer Schiffe, den »Monmouth« in Schlepp zu nehmen und in Lee der englischen Linie zu tauen. Zum Nahkampf kam es nicht wieder. Schwere Gewitterböen gaben den Schiffen genug mit sich selbst zu tun, namentlich den französischen, die in Unordnung geraten waren, weil einige das Halsen ungeschickt ausgeführt, andere sogar gewendet hatten. =Suffren=, der um 5-1/2 Uhr von seinem beschädigten Flaggschiffe auf ein anderes übergegangen war, gab um 6-1/2 Uhr den Befehl, das Gefecht abzubrechen.

Nach dem Gewitter wurde es flau und die Nacht brach schnell herein. Beide Admirale sahen sich wegen der Nähe der Korallenriffe, sowie mit Rücksicht auf die Beschädigungen der Schiffe zwischen 7 und 8 Uhr genötigt zu ankern, wo sie waren. »Héros« kam, nach Lee getrieben, dicht neben die englische Flotte zu liegen; der Versuch einer Fregatte, ihn wegzuschleppen, mißlang, jedoch entzog er sich in der Nacht bei umspringendem Winde der gefährlichen Lage.

=Die Verluste= betrugen auf französischer Seite 137 Tote und 357 Verwundete, auf englischer 137 und 430. Von den letzteren kamen allein 104 bzw. 198 auf »Monmouth« und »Superb«, während sich der französische Verlust gleichmäßiger auf alle Schiffe verteilte. Auf den fünf hauptsächlich beteiligten war er natürlich etwas stärker, aber auch die Schiffe der Vorhut und der Nachhut hatten gelitten; dies ist wohl ein Zeichen, daß das englische Feuer auf weitere Entfernung wirksamer gewesen war als das französische[181].

[181] =Chevalier= (II, Seite 409) gibt die Verluste der einzelnen französischen wie englischen Schiffe an; Troude (Band II, Seite 179) schildert kurz die Beteiligung der verschiedenen französischen Schiffe am Kampfe. Beide Autoren behandeln die späteren Schlachten Suffrens in gleicher Weise.

=Die Schlacht blieb unentschieden=; beide Parteien ankerten darauf etwa 2 Seemeilen voneinander entfernt an der Küste und blieben hier 6 Tage liegen, mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Am 19. April lichtete =Suffren= Anker und bot dem Gegner den Kampf an, =Hughes= nahm ihn mit Rücksicht auf ein stark beschädigtes Schiff (»Monmouth«) nicht an; ihn anzugreifen, wagte aber Suffren nicht. Hierfür gab er in seinem Berichte verschiedene Gründe an, von denen aber wohl nur der für ihn ausschlaggebend war, daß er sich nicht auf die Fähigkeit und Tatkraft all seiner Kommandanten verlassen konnte[182]. Am 20. April segelte er nach Batticaloa, etwa 60 Seemeilen südlich von Trincomali. Dieses war noch in holländischem Besitze, und von hier aus konnte er von Europa kommende französische Zufuhren decken, sowie englische abfangen. =Hughes= lief am 28. April in Trincomali ein.

[182] Suffren führte ferner an: der Ankerplatz der Engländer zwischen den Bänken sei für einen Angriff zu gefährlich gewesen, drei französische Schiffe hätten bereits beim Ankern am 12. April Korallenriffe berührt; es sei nur noch für ein Gefecht Munition vorhanden gewesen; es habe ihm an Mannschaften sowie an Reserverundhölzern gemangelt, wofür er Abhilfe in Batticaloa erwartete. Über seine Kommandanten berichtete Suffren, daß er nichts leisten könne, wenn nicht 5 oder 6 abgelöst würden.

$Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.$ =Suffren= fand in Batticaloa Befehl vor, nach Isle de France zurückzukehren, wo ihm 2 Linienschiffe einen Transport von Frankreich zuführen würden. Obwohl ihm Mannschaften, Material zum Ausbessern der Schiffe, Tauwerk sowie Rundhölzer fehlten, und er nur noch für eine größere Schlacht Munition hatte, obschon ein großer Teil seiner Offiziere Indien gern verlassen haben würde, nahm er die Verantwortung auf sich, zu bleiben. Zu seinen Offizieren äußerte er, er wolle lieber seine Schiffe vor den Mauern von Madras untergehen lassen, als das Feld räumen. Dem Gouverneur der Maskarenen schrieb er, die Reise nach Isle de France, das Ausrüsten dort und die Rückfahrt nach Indien würden 6 Monate in Anspruch nehmen, die bei der Lage der Dinge in Indien für die französische Sache verhängnisvoll werden würden; er könne an Ort und Stelle die Verhältnisse besser beurteilen als der Minister in Versailles.

Mit Eifer betrieb er die Instandsetzung der Flotte. Einige Bedarfsgegenstände erhielt er in Batticaloa, andere beschaffte er von der dänischen Niederlassung Tranquebar. Während dieser Zeit ließ er beständig Fregatten kreuzen und hielt eine Division Linienschiffe zum Auslaufen bereit; fast wäre es dieser am 13. Mai geglückt, einen von Bombay nach Madras bestimmten englischen Konvoi abzufangen, sie mußte jedoch die Verfolgung abbrechen, um nicht die englische Flotte in Trincomali zwischen sich und Batticaloa kommen zu lassen. Am 16. Mai traf auch ein französischer Transport ein und am 3. Juni war die Flotte wieder seeklar. =Suffren= segelte nun nach Tranquebar, wo er holländische Schiffe mit Lebensmitteln vorfand. Von hier aus störte er die Verbindung zwischen Madras und Trincomali; es glückte ihm, einige englische Transporter aufzubringen.

Am 20. Juni ging =Suffren= nach Cuddalore, um mit dem französischen General und =Haidar-Ali= in Verbindung zu treten. Der Sultan äußerte sich sehr mißbilligend über die schwächliche Unterstützung seitens des Generals =Du Chemin=; Vorteile, die er den Engländern gegenüber errungen, seien dadurch wieder hinfällig geworden. Von Suffren dagegen hielt =Haidar= viel und wünschte deshalb, mit ihm persönlich in Verbindung zu treten, sobald er von der beabsichtigten Expedition zurück sei. Der Admiral hatte nämlich erfahren, daß die englische Flotte sich wieder an der Küste aufhalte, und beschlossen, vor allem den Kampf um die Seeherrschaft zum Austrag zu bringen; wenn er einen Erfolg erzielt habe, wollte er Negapatam angreifen. Zu diesem Unternehmen schiffte er 700 Soldaten, sowie 800 Sepoys ein und =Haidar= zog gleichfalls Truppen zusammen, aber der Kampf zur See blieb in Suffrens Augen die Hauptsache; die eingeschifften Truppen sollten gleichzeitig zur Auffüllung der Schiffsbesatzungen dienen.

Beachtenswert ist, wie es der Umsicht des Admirals gelungen war, die Flotte schlagfertig zu machen. Während er Ende März fast von allem entblößt war, und obgleich er seitdem eine große Schlacht geschlagen hatte, konnte er jetzt berichten, daß die Schiffe ohne weitere Zufuhren sechs Monate lang die See halten könnten; er wies darauf hin, daß das Aufbringen von Prisen viel hierzu beigetragen habe, und bat deshalb um größere gekupferte Fregatten für diesen Zweck, falls der Krieg noch länger dauern würde.

=Hughes= hatte acht Wochen zur Ausbesserung des »Monmouth« gebraucht; Trincomali war noch nicht lange genug in englischem Besitz, um schon als vollwertiger Ausrüstungshafen zu gelten. Am 23. Juni segelte er nach Negapatam. =Suffren= verließ Cuddalore am 3. Juli und sichtete am 5. um 1 Uhr nachmittags den vor Anker liegenden Feind. Dieser ging um 3 Uhr in See und steuerte südlich, um sich die Luvstellung zu sichern; es war die Zeit der SW-Monsuns. Am Abend ankerten die Franzosen wegen Windstille, gingen aber am anderen Tage mit Hellwerden wieder unter Segel, und es kam zur Schlacht.

$Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.$ Ein französisches 64-Kanonenschiff hatte am 5. nachmittags in einer Bö die Groß- sowie die Kreuzmarsstänge verloren und war am 6. noch nicht wieder kampfbereit; es blieb unter dem Schutz zweier Fregatten in Lee der Flotte. Es standen so auf jeder Seite 11 Schiffe in der Linie. Beide Gegner steuerten bei SW-Wind über Backbordbug SO, die Engländer zu Luward. Um 10-1/2 Uhr vormittags hielt =Hughes= in üblicher Weise zum Angriff ab und um 11 Uhr lagen die beiden Flotten in parallelen Linien Schiff gegen Schiff im Gefecht, nur die englische Nachhut war, wie so häufig bei dieser Angriffsart, etwas weiter vom Feinde entfernt (Plan, Stellung I). Bald nach Beginn des Kampfes verlor auf französischer Seite das vierte Schiff von vorn (»Brillant«, 64) den Großmast, mußte sich in Lee seiner Linie bergen (a) und blieb dann zurück (a'); auf englischer Seite wurde das Spitzenschiff »Hero«, 64, b) so beschädigt, daß es sich gleichfalls aus dem Gefecht zog; es segelte nach Negapatam. Der Kampf war heiß bei Vorhut und Mitte.

Um 1 Uhr nachmittags sprang der Wind plötzlich auf SSO; die meisten Schiffe beider Flotten fielen nach der dem Feinde abgewendeten Seite ab, die Engländer nach Steuerbord, die Franzosen nach Backbord; von ersteren blieben jedoch das 4. und 5. (»Burford«, 70 und »Sultan«, 74), sowie das 8. und 10. (»Worcester«, 64 und »Eagle«, 64) über Backbordbug liegen, und von letzteren drehten das 3. (»Sévère«, 64) und der beschädigt zurückgebliebene »Brillant« nach Steuerbord. Diese 6 Schiffe lagen also zwischen den beiden Flotten (Stellung II), und es kam zu Teilgefechten. »Sultan« griff »Sévère« an, woran sich »Burford« auf weitere Entfernung beteiligte, und das französische Schiff strich auf Befehl des Kommandanten dem überlegenen Feinde gegenüber bald die Flagge. Als dann aber »Sultan« und auch »Burford« das Feuer einstellten und abhielten, heißte der Franzose die Flagge wieder und enfilierte den »Sultan« von hinten. Offiziere und Mannschaften hatten die feige Ergebung nicht anerkannt, der erste Offizier übernahm das Kommando; das Schiff vereinigte sich dann mit seiner Flotte (Stellung III, a). »Brillant« kam ins Gefecht mit den beiden anderen Engländern, wurde aber von =Suffren= selber (»Héros«, 74) und »Annibal« (50) befreit (b). Der französische Admiral hatte bald nach dem Abfallen seine Schiffe durch Halsen über Steuerbordbug legen lassen, um die Bedrängten zu unterstützen; wenn die dem »Brillant« am nächsten stehenden »Artésien« und »Vengeur« (c) rechtzeitig Segel gemehrt hätten, so hätten sie voraussichtlich den »Eagle« nehmen können. =Hughes= hatte nach dem Abfallen den Befehl zum Halsen und den zur »Allgemeinen Jagd« gegeben, da sich aber zwei Schiffe manövrierunfähig meldeten, widerrief er ihn, sammelte seine Schiffe über Steuerbordbug und führte sie nach Westen. =Suffren= tat ein gleiches, erreichte aber den Feind nicht mehr; die letzten Schüsse fielen gegen 3 Uhr. Abends ankerten die Engländer vor Negapatam, die Franzosen etwa 10 Seemeilen nördlicher.

=Die Verluste= betrugen auf französischer Seite 178 Tote und 601 Verwundete, auf englischer 77 und 223; die englischen Schiffe hatten wie gewöhnlich mehr in der Takelage gelitten. Der auffallend größere Verlust der Franzosen ist wohl der Überfüllung ihrer Schiffe mit Soldaten zuzuschreiben.

=Die Schlacht bei Negapatam war ein Mißerfolg Suffrens.= Er hatte die größeren Verluste, ohne den Gegner vernichtet oder wenigstens von Negapatam vertrieben zu haben. Wieder traf zum Teil einige seiner Kommandanten die Schuld, und seine Geduld war jetzt erschöpft; er entfernte drei von ihrem Kommando. Am 7. Juli verlangte =Hughes= durch einen Parlamentär die Übergabe des »Sévère«, weil er die Flagge gestrichen habe. =Suffren= hatte sie wohl eine Zeitlang vermißt, dies aber mit Abschießen der Flaggleine erklärt. Erst jetzt erfuhr er die Feigheit des Kommandanten und den dadurch verursachten Bruch des Kriegsrechts. Er gab indessen dem Verlangen des englischen Admirals nicht Folge, schickte aber den Kommandanten sofort nach Frankreich, wo ihn der König kassierte. Er entsetzte aber auch die Kommandanten des »Artésien« und des »Vengeur«, der beiden Spitzenschiffe, am 12. von ihrem Kommando; der eine hatte schon bei Porto Praya, der andere am 16. Februar versagt. Der Kommandant des »Ajax«, der vor der letzten Schlacht sein Schiff nicht schnell genug instandgesetzt, legte sein Kommando freiwillig (?) aus Gesundheitsrücksichten nieder.

=Suffren= entschuldigte sich in seinem Berichte, daß er nicht schon früher habe Strenge walten lassen, aber selbst als Admiral sei er nicht berechtigt, Kommandanten abzusetzen, und er sei nicht Flaggoffizier (wenigstens wußte er es noch nicht). Der König billigte seine Maßnahmen und ging durch Dienstentlassung von drei anderen Kapitänen sogar noch weiter.

=Suffren= hat aber doch wohl zuweilen unter dem augenblicklichen Eindruck eines Mißerfolges seine Untergebenen zu schroff beurteilt. Mehrere der Angegriffenen hatten sich während ihrer früheren Dienstzeit als tüchtig bewiesen, und er selber lobt bei einer Gelegenheit solche, die er bei einer anderen scharf verurteilt hat und umgekehrt. Wenn sie seine Absichten nicht durchführten, so lag dies zum Teil wohl daran, daß sie als Anhänger des alten Brauches kein Verständnis dafür hatten.

$Suffren erobert Trincomali.$ =Suffren= segelte am 8. Juli nach Cuddalore und stellte hier seine Schiffe mit bewundernswertem Geschick wieder her. Es fehlten allein 19 Marsstängen, außerdem Untermasten, Raaen, Tauwerk sowie Segel, und in Cuddalore war kein Material vorhanden. Aber mit den Rundhölzern der Fregatten und kleineren Schiffen setzte man die Linienschiffe, mit solchen englischer Prisen die Fregatten instand; andere Spieren wurden von der Straße von Malakka geholt. Ferner riß man Häuser nieder, um das Holz zum Ausbessern der Schiffsrümpfe zu verwenden. Die Arbeiten mußten auf offener Rhede mit häufig schwerer See ausgeführt werden, aber sie wurden gefördert unter dem Auge des Oberbefehlshabers, der »trotz seiner Körperfülle« ohne Rast zu angestrengter Tätigkeit ermunterte. Schon am 18. Juli war die Flotte wieder see- und gefechtsklar.

Der Admiral hatte erfahren, daß von Isle de France 2 Linienschiffe, 1 Fregatte, sowie Transporter mit Lebensmitteln, Munition und 600 Soldaten unterwegs seien und daß zwei große Konvois mit 5000 Mann unter General =de Bussy=, dem Mitstreiter des Gouverneurs Dupleix im Siebenjährigen Kriege, von Frankreich erwartet würden[183]. Vom Angriff auf Negapatam sah er wegen der Nähe der englischen Flotte vorläufig ab, beschloß den Verstärkungen entgegenzugehen und sich Trincomalis zu bemächtigen. Vorher jedoch fand die beabsichtigte Besprechung mit =Haidar Ali= statt, der mit einem großen Teile seines Heeres bis in die Nähe von Cuddalore herangerückt war.

[183] Frankreich schickte Ende 1781 und Anfang 1782 verschiedentlich Verstärkungen nach Indien, von denen aber mehrere in Feindeshand fielen. Vgl. z. B. Seite 323 und 345.

$Die Verhältnisse im Landkriege$ gestalteten sich zugunsten Englands. Die Mahratten hatten im Mai 1782 Frieden geschlossen, der allerdings erst im Dezember ratifiziert wurde. Infolgedessen drangen die Engländer von Bombay aus an der Westküste vor und =Haidar= glaubte sich genötigt, entweder auf den auch ihm angebotenen Frieden einzugehen oder sein Heer zur Verteidigung des eigenen Landes aus dem Carnatic zurückzuziehen; von den französischen Truppen konnte er Unterstützung nicht erwarten, da sie kaum genügten, Cuddalore zu halten. Bei Zusammenkünften am 26. und 29. Juli, bei denen Haidar dem von ihm hochgeschätzten Admiral große Ehren erwies, gelang es nun =Suffren=, den Sultan durch Hinweis auf die Ankunft =de Bussys= zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen. =Haidar= schickte seinen Sohn =Tippu Sahib= zur Malabarküste und blieb mit der Hauptmacht im Carnatic.

=Suffren= ging dann am 1. August in See und erreichte am 9. Batticaloa; von Cuddalore hatte er 600 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie Artillerie mitgenommen. Am 21. stieß die erstgenannte Verstärkung zu ihm, am 24. segelte er nach Trincomali, in der Nacht vom 26./27. wurden 2300 Mann gelandet, am 27. und 28. Batterien von Schiffsgeschützen errichtet und am 29. das Feuer gegen die beiden Forts eröffnet, die die Stadt verteidigten. Schon am 30. August begannen Verhandlungen. =Suffren=, der die Ankunft =Hughes=' erwarten mußte, bewilligte der etwa 1000 Engländer und 600 Sepoys starken Besatzung Abzug mit allen Ehren, worauf die Forts am 31. übergeben und die Abziehenden nach Madras geschickt wurden. =Suffren= schiffte sofort die von den Schiffen entnommenen Mannschaften und Geschütze wieder ein, ließ jedoch eine starke Garnison zurück, so daß er aller Sorge um den Platz enthoben war.

$Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.$ =Hughes= hatte nach der letzten Schlacht in Negapatam mit dem Ausbessern begonnen, war aber am 20. Juli nach Madras gegangen, um mit dem dort vorrätigen Material die Arbeiten besser auszuführen. Am 12. August waren sie nahezu beendet, es unterliegt aber keinem Zweifel, daß dies bei der Übung der Engländer früher der Fall gewesen wäre, wenn der Admiral den gleichen Eifer entfaltet hätte wie sein Gegner; so ging er auch erst am 20. in See, obgleich er um die Abfahrt der Franzosen nach dem Süden wußte, und traf dann am 2. September vor Trincomali ein, um wenige Tage zu spät zur Rettung dieses Platzes durch eine, wenn auch vielleicht nur unentschiedene Schlacht. Diese kurze Zeit hätte er sicher erübrigen können; jetzt gab ihm nicht einmal ein voller Sieg die Gewißheit, Trincomali wiederzunehmen.

Als die englische Flotte erschien, ging =Suffren= ihr entgegen: zum Kampfe um die Seeherrschaft, zumal, da er wußte, daß dem Gegner bald eine ansehnliche Verstärkung in Aussicht stehe.

$Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.$ Die französische Flotte zählte jetzt 14 Linienschiffe, außerdem hatte =Suffren= eine schwere 36-Kanonenfregatte, einen genommenen englischen Ostindienfahrer, eingestellt. Die englische bestand aus 12 Linienschiffen; in Madras war ein Schiff der unter Kapitän =Bickerton= erwarteten Verstärkung zu ihr gestoßen, das in einem Sturme von den anderen abgekommen war.

Am 2. September nachmittags wurde das Nahen der Engländer in Trincomali gemeldet; =Suffren= ging am 3. in aller Frühe in See. Die englische Flotte kam um diese Zeit bei frischem SW-Winde SSO auf den Hafen zusteuernd in Sicht, drehte aber ab, als sie die französische Flagge am Lande wehen und die feindliche Flotte aus dem Hafen kommen sah. =Hughes= hatte keineswegs die Absicht, den Kampf zu vermeiden, obgleich der Gegner zu Luvard stand, aber er wollte diesen vorher möglichst weit von dem Hafen abziehen, um etwa in der Schlacht beschädigten Schiffen die Rückkehr dorthin zu erschweren. Er scheint aber auch darauf gerechnet zu haben, daß der Feind bei längerem Folgen in Unordnung geraten und dann übereilt angreifen würde, wenn er ihm erst am Nachmittage den Kampf anböte; er kannte die ungleiche Segelfähigkeit der feindlichen Schiffe, von denen nur die Hälfte gekupfert war, sowie deren Kommandanten, die an Geschicklichkeit den seinigen nicht gleichstanden.

Sein Plan gelang durch vorzügliches Manövrieren. Er zog sich unter häufiger Kursänderung nach NO zurück, richtete dabei die Fahrt nach den langsamsten Schiffen ein und benutzte seinen Vorsprung, von Zeit zu Zeit die Ordnung zu verbessern. Die Franzosen folgten mit vollen Segeln und kamen tatsächlich bald in Unordnung, obgleich auch =Suffren= durch zeitweises Anluven dem entgegenzuwirken versuchte. Die lange, mühsame Verfolgung erregte endlich den hitzigen Admiral, er verlor seine Ruhe. »Signal folgte auf Signal. Bald luvten die Schiffe an, bald hielten sie ab, als ob sie unentschlossen wären, was zu tun sei,« berichtete Hughes. Als =Suffren= um 2 Uhr nachmittags endlich etwa 25 Seemeilen von Trincomali entfernt auf Gefechtsweite an den Gegner heran war, der ihn jetzt gut geschlossen und ausgerichtet über Backbordbug mit halbem Winde erwartete, gab er das Signal, an den Wind zu gehen, um nochmals die Linie zu verbessern (Plan A). Langsame Ausführung des Befehles und Fehler dabei machten die Sache jedoch eher schlimmer, und der Admiral, dem die Geduld ausging, gab um 2-1/2 Uhr Befehl, zum Herangehen auf Pistolenschußweite wieder abzuhalten.

=Suffren= hoffte, daß trotz der Unordnung jedes Schiff seinen Gegner in der feindlichen Linie finden würde und ordnete an, daß zwei der überschießenden Schiffe seiner Linie, ein Linienschiff und die Fregatte, die beiden letzten Engländer von Lee her dublieren sollten. Aber es kam anders. Um seinem Befehle zum Angriff Nachdruck zu geben, hatte =Suffren= einen Schuß feuern lassen. Hierin erblickte die Besatzung seines Flaggschiffes, das auf die anderen wartete und noch nicht zum Nahangriff abgehalten hatte, das Signal zur Eröffnung des Kampfes. Es gab seine Breitseite ab, und diesem Beispiele folgten die anderen Schiffe, obgleich sie noch auf halbe Kanonenschußweite vom Feinde entfernt waren; in dem Pulverrauche ward es ihnen nun noch schwerer, die richtigen Posten einzunehmen. Die 7 vordersten Schiffe hielten bei dem Versuche, auf ihre Gegner zu stoßen, zu weit voraus, einige drehten auch wohl zu früh auf, und so bildete sich eine ungeregelte Gruppe vor der englischen Vorhut, die kaum ins Gefecht eingreifen konnte (Plan B, a).

Eine ähnliche Gruppe entstand in der Mitte, so daß sich hier die Schiffe gegenseitig maskierten (b). Die beiden Schiffe, die von Lee her angreifen sollten, unterließen dies, weil die englische Nachhut von Luward gar nicht angegriffen wurde; sie nahmen den Kampf mit den beiden letzten Engländern von Luward her auf (c), mußten jedoch bald abbrechen, weil die Takelage des Linienschiffes in Brand geriet und die Fregatte allein zu schwach war. So hatte das Flaggschiff (Héros, 74) und nur 2 andere des Kampf mit 7 Engländern zu führen, die nach und nach einen Halbkreis um sie bildeten, dessen vorderste und hinterste Schiffe mittels Abhaltens oder Anluvens auch ihre Breitseiten abgaben. Sie litten schwer. Nach zwei Stunden hingen die Segel des »Héros« in Fetzen, das ganze laufende Gut war zerschossen und das Schiff steuerlos[186], später, um 6 Uhr, ging der Großmast über Bord; ein anderes Schiff hatte Besansmast und Großstänge verloren, das dritte war ähnlich beschädigt. Die übrigen kamen nicht zu ernstem Kampfe. Nur teilweise sind sie damit zu entschuldigen, daß der Wind einschlief; zu Anfang wäre es wohl möglich gewesen, die Gruppen zu entwirren.

[186] Man erzählt, daß die Flagge des »Héros« auf kurze Zeit verschwand, weil die Flaggleine abgeschossen war. Empört bei dem Gedanken, daß man glauben könne, er habe die Flagge gestrichen, rief =Suffren=: »Weiße Flaggen! (Die Nationalflagge mit den Lilien.) Weiße Flaggen! Man bedecke mein Schiff mit weißen Flaggen.«

Um 1/2-6 Uhr setzte Brise von SO ein. Die Engländer halsten, alle Schiffe zugleich, und fuhren im Kampfe fort. Nach Ansicht des französischen Stabschefs wären die 3 bedrängten Schiffe verloren gewesen, wenn die Engländer gewendet und sie dadurch von der übrigen Flotte abgeschnitten hätten; es ist aber wohl anzunehmen, daß den doch auch beschädigten Feinden bei dem schwachen Winde das Wenden nicht möglich war. Da die Franzosen nun auch halsten, vergrößerte sich der Abstand zwischen den Flotten, und die französische Vorhut, die jetzt zu Luward stand, bekam die Möglichkeit, sich zwischen die Kämpfenden zu schieben, bei dem flauen Winde allerdings nur langsam (C). =Hughes= hielt deshalb gegen Sonnenuntergang nach Norden ab; =Suffren= ließ die beschädigten Schiffe in Schlepp nehmen und steuerte auf Ceylon zu.

=Die Verluste= der Engländer betrugen 46 Tote, darunter 4 Kommandanten, und 259 Verwundete, die der Franzosen 82 bzw. 255, von denen 64 Tote und 178 Verwundete allein auf die drei Schiffe kamen, die hauptsächlich im Kampf gestanden hatten. Auf beiden Seiten waren 3-4 Schiffe schwer beschädigt.

=Suffren war wieder entrüstet über seine Kommandanten.= In seinem Berichte warf er ihnen Unfähigkeit und, »um nichts Schlimmeres zu sagen«, den Wunsch vor, die Kreuztour in Indien beendet zu sehen. Dieses Mal traf jedoch auch ihn ein Teil der Schuld, seine übertriebene Eile. Er hatte eben als Mann von großen Fähigkeiten auch seine Fehler, und diese kamen seinem bedächtigeren Gegner zugute. Aber hätte er nicht so schnell angegriffen, so wäre es an dem Tage nicht mehr zum Kampfe gekommen, und ihm lag an einer Entscheidung, ehe der Feind verstärkt wurde.

Vier der französischen Kommandanten baten nach der Schlacht, nach Isle de France zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubt zu werden, und der Admiral bewilligte es, wie er berichtete, »mit Freuden«.

Die Schlacht brachte nicht die Entscheidung, die =Suffren= mit Hinblick auf seine Überlegenheit erhofft hatte; beide Flotten mußten längere Zeit ausbessern. =Hughes= ging hierzu nach Madras, wo er am 9. September eintraf; =Suffren= suchte Trincomali auf. Beim Ansteuern des Hafens strandete am 7. September eins seiner größten Schiffe (»Lorient«, 74) infolge nachlässiger Navigation und konnte trotz aller Bemühungen nicht wieder abgebracht werden. Der Admiral ließ sorgfältig alles Material, besonders die Masten und Rundhölzer, bergen und lief dann am 17. mit der Flotte ein.

$Die Bewegungen der Flotten, ihre Verstärkungen und der Landkrieg bis zur Schlacht bei Cuddalore, Juni 1783.$ =Suffren= erhielt in Trincomali die Nachricht vom Tode des Generals =Du Chemin=. Dessen Nachfolger, Oberst =d'Hoffelize=, schrieb dabei, daß sich das kleine Heer bei Cuddalore kaum noch halten könne, weil =Haidar Ali= aus Mangel an Lebensmitteln in dem völlig verwüsteten Carnatic ihm keine Unterstützung zu bringen vermöge; eine Berennung der Stadt durch =Eyre Coote= stünde bevor.

Wie nach der Schlacht bei Negapatam, so stellte der Admiral auch diesmal wieder seine Schiffe seefähig her, ging schon am 1. Oktober in See und erreichte am 4. Cuddalore; beim Ankern strandete hier infolge eines ungeschickten Manövers ein zweites Linienschiff (»Bizarre«, 64). Die Verhältnisse fand man nicht so schlecht vor; =Eyre Coote= hatte sich auf die Nachricht von der Schlacht vor Trincomali zurückgezogen, weil er das Erscheinen der französischen Flotte voraussah -- gewissermaßen ein Erfolg der Franzosen durch die Schlacht.

Im Oktober schlägt der Monsun von Südwest nach Nordost um und steht auf die Koromandelküste zu, die keinen einzigen guten Hafen hat. Die schwere See macht dann häufig den Verkehr der Schiffe mit dem Lande, also auch die Unterstützung der Landmacht durch die Flotte unmöglich. Außerdem ist der Monsunwechsel häufig von Stürmen begleitet; die beiden gegnerischen Admirale mußten also eine Gegend verlassen, in der ihr Aufenthalt ebenso gefährlich wie nutzlos erschien. Da Trincomali verloren war, sah sich =Hughes= genötigt, zum Überwintern nach Bombay zu gehen, um sich dort mit der erwarteten Verstärkung zu vereinigen. Am 17. Oktober wurde er durch einen schweren Sturm gezwungen, in See zu gehen, und segelte dann gleich nach Bombay ab. Vier Tage später traf Kommodore =Sir Richard Bickerton= mit fünf Linienschiffen vor Madras ein. Er hatte England am 6. Februar verlassen, war schon in Bombay gewesen, ging jetzt sofort dorthin zurück und langte am 28. November an, während die Schiffe =Hughes=' erst eins nach dem andern, teilweise schwer durch den Sturm beschädigt, eintrafen. Die englische Flotte blieb dann bis zum Frühjahr in diesem Hafen.

=Suffren= hielt Trincomali nicht zum Winterlager geeignet, weil es in dieser Jahreszeit ungesund war und auch nicht genügende Hilfsquellen bot. Er wählte Atchin auf Sumatra. Dieser Hafen war gesund, bot alle Bedarfsgegenstände, und von hier war die Koromandelküste leichter zu erreichen als von Bombay und auch von Trincomali, sobald bei dem gegen Ende des Winters weniger stürmischen Nordostmonsum ein Landen dort leichter würde; auch hatte Suffren die Nachricht erhalten, daß die Verstärkung unter General =de Bussy= ihn hier treffen wolle, ein bestimmter Zeitpunkt war jedoch nicht angegeben. Für Trincomali brauchte der Admiral keine Besorgnis zu hegen, denn die Besatzung zählte 900 Franzosen und Holländer, 600 Sepoys, so wie 600 Malaien und Kriegsvorräte waren genügend vorhanden.

$Die Verzögerung der französischen Verstärkung.$ Während England auf die Nachricht von der Schlacht vor Porto Praya ein Geschwader von 6 Linienschiffen unter =Bickerton= entsandte, machte Frankreich verschiedene Versuche, kleinere Verstärkungen, besonders an Truppen, nach Indien zu schicken. General =Bussy= verließ heimlich im November 1781 mit 2 Linienschiffen Cadiz, um sich in Teneriffa mit den Transportern zu vereinigen, die von Brest im Dezember mit dem großen Konvoi unter =de Guichen= ausliefen. Dieser Konvoi wurde bekanntlich von den Engländern zersprengt und nur zwei Transporter gelangten nach Teneriffa. Einen Teil der von ihnen mitgeführten Soldaten ließ =Bussy= im Kapland zum Schutz gegen =Bickerton=, um dessen Kommen er wußte. Er erreichte am 31. Mai 1782 Isle de France und sandte von dort die Linienschiffe mit allen auf den Maskarenen zusammenzubringenden Mannschaften zu =Suffren=, der mit ihrer Hilfe Trincomali eroberte; er selber erwartete weitere Verstärkungen in Port Louis. Eine von ihnen blieb ganz aus; der Konvoi war am 20. April 1782 in der Biskaya vom Admiral =Barrington= abgefangen. Eine zweite, 4 Linienschiffe unter Kapitän =de Peynier=, die schon im Februar mit der Flotte =de Guichens= Brest verlassen hatte, erreichte zwar nach langer Reise im Mai das Kapland, ward aber dort drei Monate durch eine Epidemie festgehalten. Die Krankheit herrschte auch noch nach der Ankunft in Isle de France, und obgleich sie Anfang November erloschen war, ging =Bussy= doch erst am 26. Dezember 1782 nach Indien ab, wahrscheinlich um vorher noch ein Schiff auszubessern. Er war selber krank gewesen und überhaupt nicht mehr der schneidige Führer wie im vorigen Kriege.

Das lange Ausbleiben =Bussys= einerseits und die Ankunft =Bickertons= anderseits hatten auf =Haidar Ali= einen ungünstigen Eindruck gemacht; nur mit Mühe gelang es =Suffren=, ihn nochmals zur Weiterführung des Krieges zu bewegen. Der Admiral hatte dann am 15. Oktober die Küste verlassen und war am 2. November in Atchin eingetroffen. Am 24. erhielt er die Nachricht, daß =Bussy= wegen der erwähnten Epidemie seine Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben habe. In der berechtigten Furcht, daß der Sultan nun wieder schwankend werden könne, beschloß er baldigste Rückkehr nach der indischen Küste, um so mehr, weil er erfahren hatte, daß die englische Flotte nach Bombay gesegelt sei. Er ging am 20. Dezember in See und traf am 8. Januar 1783 vor Ganjam an der Orissaküste ein. Hier, 500 Seemeilen nördlich von Cuddalore, hatte er günstigen Wind zur Fahrt nach dem Süden. Er beabsichtigte, von hier aus die englischen Küstenfahrer und Niederlassungen anzugreifen, er sandte sogar ein Linienschiff und eine Fregatte zur Gangesmündung; tatsächlich wurden auch viele Prisen aufgebracht. Wäre =Bussy= jetzt gekommen -- es wäre möglich gewesen, da die Epidemie Anfang November erloschen war --, so hätte er bei voller Beherrschung der See durch =Suffren= im Carnatic mit starker Überlegenheit auftreten können; wahrscheinlich wäre im Verein mit den Indern Madras genommen worden, ehe =Hughes= erschien.

Statt dessen hatte inzwischen die französische Sache einen schweren Schlag erlitten; =Haidar Ali= war am 7. Dezember gestorben. Sobald =Suffren= dies erfuhr, segelte er am 11. Januar 1783 nach dem Süden, um mit =Tippu Sahib= in Verbindung zu treten, und erreichte am 6. Februar Cuddalore. Der neue Sultan hatte seit August den Kampf gegen die Engländer an der Malabarküste mit Erfolg geführt, eilte aber nach dem Tode seines Vaters zum Hauptheere im Osten, um seine Herrschaft gegen etwa untreu werdende Vasallen oder gegen Angriffe der Engländer zu behaupten; am 27. Dezember übernahm er den Oberbefehl. Der Oberst =d'Hoffelize= war inzwischen mit französischen Truppen näher an das Lager Haidars herangerückt, um erforderlichenfalls für Tippu einzutreten; die Engländer konnten glücklicherweise die Lage nicht zu ihrem Vorteile ausnutzen, weil Mangel an Proviant sie in Madras zurückhielt. Dagegen griffen sie von Westen her unter General =Mathews= wieder mit Erfolg an. Als =Tippu= sich nun dorthin wenden wollte, gelang es =Suffren= wiederum, durch die Versicherung baldigen Eintreffens der großen Verstärkung ihn zum Bleiben zu bewegen. Der Admiral segelte dann, auch hier wie vor der Gangesmündung ein Linienschiff nebst einer Fregatte zum Kreuzen gegen Handelsschiffe zurücklassend, nach Trincomali, um seine Flotte nochmals instand zu setzen, ehe die englische zurückkam. Am 23. Februar angelangt, fand er holländische Schiffe mit Vorräten vor, bald darauf stießen die abgezweigten Schiffe mit zahlreichen Prisen, wieder zu ihm, und am 9. März kam endlich =de Bussy= an. Er brachte 3 Linienschiffe, 1 Fregatte und 35 Transporter mit, auf denen Kriegsmaterial, sowie 2500 Soldaten eingeschifft waren; er war bereits in Atchin gewesen, denn er hatte die Abfahrt der Flotte von dort nicht erfahren, weil eine zur Erkundung vorausgesandte Korvette vom Feinde abgefangen war.

=Bussy= übernahm nun den =Oberbefehl= zu Lande und zu Wasser. Es war die höchste Zeit für die Ankunft der Verstärkung gewesen, da die Engländer weitere Fortschritte im Westen machten und =Tippu= sich schon dorthin in Marsch gesetzt hatte. =D'Hoffelize=, der ihm auf dringende Bitten ein Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Artillerie mitgegeben, mußte sich in die Stadt Cuddalore zurückziehen, und es kam nun darauf an, ihn so schnell wie möglich zu verstärken. Da =Hughes= täglich mit 18 Linienschiffen zu erwarten war, =Suffren= augenblicklich aber nur über 13 verfügte, weil 2 zum Ausbessern gekielholt waren, machte dieser den Vorschlag, mit seinen 7 gekupferten Linienschiffen, 5 Fregatten, sowie den schnellsten Transportern die Truppen und so viel Vorräte wie möglich nach Cuddalore zu bringen. Er ging am 14. März in See, landete die Soldaten am 16. in Porto Novo, am 17. die Vorräte in Cuddalore und trat am 4. April die Rückfahrt nach Trincomali an, um die Schiffe weiter instand zu setzen und um sich bei dem jetzt bald eintretenden Südwestmonsun zu Luward der englischen Flotte zu halten, wenn diese anlangte. Er ließ 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kapitän =Peynier= an der Koromandelküste zum Kreuzen gegen einen erwarteten englischen Konvoi zurück.

Beim Einlaufen in Trincomali, am 10. April, sichtete Suffren die englische Flotte. Es kam jedoch nicht zum Zusammenstoß, weil =Hughes= nach Norden weitersegelte in der Hoffnung, die Division =Peynier= abzufangen; dies gelang ihm aber nicht, und sie erreichte am 20. unbehelligt Trincomali. Am 12. Mai war hier der Befehl =Bussys= eingetroffen, ihm mit der ganzen Flotte den Rest der Vorräte zu bringen. Diese war jedoch in ihrer Gesamtheit noch nicht seeklar, und =Suffren= wagte nicht, nur einen Teil der Schiffe einzusetzen. Er hatte recht damit, denn am 24. Mai passierte die englische Flotte Trincomali mit Südkurs und am 31. wieder nach Norden steuernd; wahrscheinlich beabsichtigte sie, den Platz anzugreifen, falls die französische ihn verlassen hätte. =Suffren= rührte sich auch jetzt noch nicht, obgleich er nun seeklar war. Er hatte aber am 26. Mai ein Linienschiff und 2 Fregatten mit einigen Transportern nach Cuddalore abgesandt, die ihm Nachrichten über die Lage dort bringen sollten; sie kehrten am 10. Juni zurück.

$Die Schlacht bei Cuddalore am 20. Juni 1788.$ Die Verhältnisse am Lande standen trotz Bussys Ankunft für Frankreich nicht günstig. =Sultan Tippu= war es zwar gelungen, das Heer des Generals =Mathews= im April zur Ergebung zu zwingen und bis zur Malabarküste vorzudringen, aber er war nicht imstande, schnell genug wieder im Carnatic zu erscheinen, um hier der Gefahr entgegenzutreten, die den Franzosen drohte. =Bussy= hatte sich wenig tätig gezeigt und wurde nun sowohl von den englischen Truppen, die vor Cuddalore gestanden hatten und dann durch =Hughes= verstärkt waren, wie auch durch andere bedroht, die von Madras heranrückten. Der General sandte nun durch die zurückkehrenden Schiffe einen Befehl, der die ganze Verantwortung auf den Admiral abwälzte; er schrieb nämlich, =Suffren= solle Trincomali nicht früher verlassen, ehe er nicht davon Kenntnis habe, daß der General in Cuddalore eingeschlossen und von der englischen Flotte blockiert sei. Konnte der Admiral mit Sicherheit darauf rechnen, diese Nachricht rechtzeitig zu erhalten? =Suffren= aber zögerte nicht, die Verantwortung auf sich zu nehmen. Er ging schon am 11. Juni unter Segel und seine Fregatten sichteten am 13. die englische Flotte, die 20 Seemeilen südlich von Cuddalore vor Anker lag. Ihre leichten Schiffe und Transporter befanden sich dicht unter der Küste in der Nähe des englischen Heeres, von dem Bussy am gleichen Tage in einem, allerdings sehr verlustreichen, Gefechte in die Stadt zurückgeworfen war. Alles hing jetzt von dem Kampfe der Flotten ab, und es folgte =die fünfte und letzte Schlacht zwischen Suffren und Hughes=, vor der es ersterem noch gelang, die Besatzungen seiner Schiffe durch Soldaten vom Lande aufzufüllen.

$Die Schlacht bei Cuddalore, 20. Juni 1783.$ =Die englische Flotte= zählte 18 Schiffe in der Linie: 1 zu 80 Kanonen, 5 zu 74, 1 zu 68, 9 zu 64, 2 zu 50; die =französische= 15: 5 zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 1 zu 60, 2 zu 50.

Beim Erscheinen =Suffrens= verlegte =Hughes= seinen Ankerplatz auf etwa 5 Seemeilen an die Stadt heran und der französische Admiral ankerte südlich von ihm. Am 14. Juli ging =Suffren= wieder unter Segel, kam aber infolge flauer und umspringender Winde erst am 16. auf etwa 10 Seemeilen dem Gegner nahe. Jetzt lichtete auch =Hughes= Anker und steuerte bei südlichem Winde in die offene See hinaus; ihm lag mehr daran, zur Schlacht die Luvstellung zu gewinnen, als die Verbindung des Feindes mit der Stadt zu hindern. Der folgende Tag ging mit Manövrieren der Flotten bei westlichem Winde hin, aber =Suffren= ließ sich hierbei nicht weit von der Küste abziehen. Er bat den General =Bussy= um Mannschaften zur Auffüllung seiner Besatzungen -- diese zählten meist nur drei Viertel des Etats und bestanden außerdem noch zur Hälfte aus Soldaten oder Sepoys -- ankerte am Abend dicht vor Cuddalore und nahm während der Nacht 600 Soldaten und 600 Sepoys an Bord. Am 18. begann das Manövrieren um den Wind aufs neue; in guter Ordnung zum Angriff heranzukommen, gelang der französischen Flotte trotz ihrer Luvstellung nicht, weil die sämtlich gekupferten englischen Schiffe besser segelten. Da der Wind wider Erwarten westlich blieb, entschloß sich =Hughes= endlich am 20. Juli die Schlacht in der Leestellung anzunehmen; er erwartete den Angriff über Steuerbordbug mit nördlichem Kurse. =Suffren= führte seine Schiffe in gleicher Lage heran und ließ um 3-1/2 Uhr nachmittags zum Nahgefecht abhalten. Um 4 Uhr begann der Kampf auf der ganzen Linie, wie gewöhnlich bei dieser Art des Angriffes war er zwischen der beiderseitigen Vorhut und Mitte schärfer als zwischen der Nachhut. Eine französische Quelle (Troude, Band II, Seite 232) schreibt, daß die Engländer während des Gefechtes beständig abgehalten hätten, um den Feind immer weiter vom Lande abzuziehen, die Franzosen jedoch auf Signal ihres Admirals stets gefolgt wären, bis es um 6-1/2 Uhr dunkel wurde und die Schlacht endete.

=Die Verluste= betrugen auf englischer Seite 103 Tote und 434 Verwundete, auf französischer 102 bzw. 386; die Schiffe scheinen bei beiden Parteien keine besonders großen Beschädigungen erlitten zu haben.

=Es ist bemerkenswert=, daß =Suffren= den Kampf von einer Fregatte aus leitete. Er hatte vor wenigen Monaten Befehl erhalten, dies der besseren Übersicht wegen zu tun, sobald er mehr als 9 Schiffe befehlige; die gleiche Weisung war auch an andere französische Admirale ergangen. Er schrieb zurück, er würde danach handeln, falls er es für nützlich hielte. Wenn er aber annehmen müsse, vom Flaggschiff aus ebensogut leiten zu können, werde er es nicht aus der Hand geben, auch durch sein Beispiel im Gefechte zu nützen[185].

[185] Bereits früher (Seite 264) wurde darauf hingewiesen, daß auch der englische Admiral =Howe= sich am 11. August 1778 vor einer (voraussichtlichen) Schlacht auf eine Fregatte begab, sowie auf Mahans Auslassungen über den Platz des Flottenführers.

=Suffren= wich in dieser Schlacht auch vom französischen Brauch dadurch ab, daß er angriff, aber er wählte dazu die alte englische Form. Er hatte zwar in Trincomali verschiedene Gefechtspläne bekannt gegeben, deren einer empfahl, die 5 74-Kanonenschiffe die Nachhut bilden und mit ihnen die feindliche Linie hinten dublieren zu lassen, während die übrigen 10 mit weiteren Entfernungen untereinander den Feind von Luvard aus auf der ganzen Linie beschäftigen sollten. In dieser Formation segelte die Flotte auch am 14. und 15. Juli, aber später nicht mehr; =Suffren= hat doch wohl nach den bisherigen Erfahrungen mit seinen Kommandanten nicht gewagt, ein derartig außergewöhnliches Manöver durchzuführen. Übrigens klagte er nach dieser Schlacht nicht über seine Untergebenen.

=Die Schlacht bei Cuddalore war ein voller Erfolg Suffrens.= =Hughes= lag während der kommenden Nacht bei, ging aber dann nach Madras; als Gründe hierfür gab er die große Zahl seiner Kranken, Wassermangel und die Beschädigungen der Schiffe an. Er schrieb, ihm fehlten 1100 Mann, also fast genau die Zahl, die sein Gegner vor der Schlacht eingeschifft hatte, weil er ihn ohne Kampf mit dem Lande in Verbindung treten ließ. Er stand mithin nicht schlechter da als sein Gegner, und es ist wahrscheinlicher, daß er den Kampf aufgab, weil sein Selbstvertrauen dem tatkräftigen Feinde gegenüber stark erschüttert war. =Suffren= hatte am 21. Juni morgens 25 Seemeilen nördlich von Cuddalore geankert und ging am 22. nach der Stadt zurück, als die englische Flotte nach Norden absegelte. Er hatte mit geringeren Kräften den Feind zur Aufgabe der Blockade gezwungen und dann durch die Schlacht ganz vertrieben.

$Das Ende des Krieges.$ Cuddalore war entsetzt und die Aussichten der belagernden Engländer trostlos. Ihre Transporter, die bei Annäherung der französischen Flotte das Weite gesucht hatten, konnten nicht wieder zurückkommen, und die Kavallerie des Sultans bedrohte ihre Verbindungen am Lande. Am 25. Juni schrieb der kommandierende General: »Ich bin ratlos seit dem Weggang unserer Flotte, wenn ich den Charakter Suffrens und die Überlegenheit der Franzosen am Lande bedenke.« Aus dieser Verlegenheit wurde er aber erlöst, als am 29. eine englische Fregatte von Madras die Nachricht des Friedensschlusses brachte. Diese beruhte zwar nur auf nichtamtlichen Briefen, lautete aber so bestimmt, daß die obersten Behörden beider Völker in Indien schon am 8. Juli vereinbarten, die Feindseligkeiten einzustellen.

Den Engländern lag viel daran, baldigst die Hände gegen =Tippu= frei zu bekommen. Die Franzosen versuchten zwar bei den Verhandlungen, für ihren Verbündeten einzutreten; und die Engländer erklärten sich auch bereit, mit diesem gleichfalls Friedensverhandlungen anzuknüpfen, lehnten aber jedes Versprechen betreffs der Bedingungen ab. =Bussy= zog nach Eintritt des Waffenstillstandes seine Truppen vom Heere des Sultans zurück, =Tippu= räumte darauf das Carnatic und begann Unterhandlungen. In einem im März 1784 geschlossenen Vertrage gaben sich beide Teile die gemachten Eroberungen zurück. =Die Herrschaft Englands in Indien war gesichert.=

$Suffrens Rückreise nach Frankreich$ glich einem Triumphzuge. Er trat sie am 9. Oktober 1783 an Bord seines Flaggschiffes »Héros« von Trincomali aus an. In Isle de France ward er von der französischen Bevölkerung, in Kapstadt von der holländischen auf das höchste geehrt, besonders aber erfreute ihn die Anerkennung, die ihm die Engländer zollten. In Kapstadt lagen 9 Schiffe der Flotte =Hughes'=, deren Kommandanten sich mit dem Kommodore =King= an der Spitze beeilten, ihm ihren Besuch abzustatten. Am 20. März 1784 erreichte er Toulon nach einer Abwesenheit von 3 Jahren und 4 Tagen. In der Provence, in Paris sowie am Hofe ward er durch Feste gefeiert; er hatte Frankreich als Kapitän verlassen, war nach Porto Praya zum Chef d'Escadre, nach der dritten Schlacht in Indien zum Lieutenant-Général befördert, und am 4. April 1784 schuf der König für ihn eine vierte Vizeadmiralstelle, die nach seinem Tode wieder eingehen sollte. Die Provence überreichte ihm eine Medaille mit der Inschrift: »Das Kapland beschützt; Trincomali genommen; Cuddalore gerettet; Indien verteidigt; 6 glorreiche Schlachten.« Holland ließ ihm durch eine Deputation einen Ehrendegen überreichen.

Ein kurzer $Rückblick auf den Seekrieg in Indien$ erscheint als Pflicht gegen den =Admiral Suffren=, dessen Tätigkeit man als die bemerkenswerteste und verdienstvollste maritime Leistung des ganzen großen Krieges bezeichnen muß. Es ist darauf hingewiesen, daß sich für Frankreich in Indien eine besonders gute Gelegenheit bot, England anzugreifen. Hierzu hätte man aber rechtzeitig eine Flotte hinaussenden müssen, die imstande war, die Seeherrschaft zu erringen, wodurch dann auch die indischen Gegner Englands in ihrem Kampfe unterstützt und ermutigt worden wären, sowie durch Lagern von Vorräten in Isle de France und rechtzeitige Nachschübe dafür sorgen müssen, daß die Flotte in den indischen Gewässern stets leistungsfähig blieb.

Dies geschah nicht. Obgleich die Verbündeten von 1779 an in den europäischen Gewässern den Engländern stets überlegen und in den westindischen mindestens gewachsen waren, hatte man von Ende 1779 bis zum Oktober 1781 nur 6 Linienschiffe in Isle de France, die noch dazu an allem Mangel litten. Der Oberbefehlshaber, =Graf d'Orves=, war nicht der Mann, unter solchen Umständen den etwa gleich starken Engländern tatkräftig entgegenzutreten; er machte zwar Anfang 1781 einen schwachen Versuch dazu, blieb aber dann untätig. Erst nach der Ankunft =Suffrens= verfügte Frankreich von 1782 an über Kräfte, die der Wichtigkeit des Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen, und dieser Admiral verstand es, sie zu verwenden. In dem Bewußtsein, daß alles auf die Beherrschung der See ankomme, brach er mit der bisherigen französischen Strategie zur See und schlug mit der Bekämpfung der feindlichen Seestreitkräfte den einzig richtigen Weg zur Lösung seiner anderen Aufgaben ein. Überzeugt von der Notwendigkeit, das Geschwader ununterbrochen auf der Station zu halten, ließ er nicht nur den schlechten Zustand seiner Schiffe, die Unzufriedenheit seiner Offiziere, sondern sogar den ausdrücklichen Befehl der Regierung unberücksichtigt, nach Isle de France zu gehen. Trotz Mangel an Personal und Material hielt er durch außergewöhnliche Maßregeln die Flotte schlagfertig, schuf sich in Trincomali einen Stützpunkt und verstand es, die anderen Gegner Englands stets wieder zu ermutigen. Er hätte es verdient, mehr zu erreichen. Aber er wurde von der Heimat zu wenig unterstützt, obgleich er nicht einmal um Schlachtschiffe, sondern nur um Mannschafts- und Materialersatz, sowie um leichte, schnelle Schiffe bat, mit denen er den Kreuzerkrieg zur Versorgung seines Geschwaders unterhalten wollte. Ferner führten die französischen Generale den Landkrieg nicht mit gleicher Tatkraft; =Bussy= machte den Ruhm zuschanden, den er sich im vorangegangenen Kriege erworben hatte. Endlich fand der Admiral keine Unterstützung durch seine Kommandanten. Wären diese Männer gewesen, wie sie später =Nelson= oder auch nur wie sie jetzt =Hughes= besaß, so würde er voraussichtlich das englische Geschwader vernichtet haben, solange es noch schwächer war. Ob die allgemeinen Verhältnisse des ganzen Krieges es zugelassen hätten, die englische Macht in Ostindien zu überwältigen, dürfte zweifelhaft sein; =Suffrens= Hoffnung aber war, durch Herstellung eines Übergewichtes auf diesem Kriegsschauplatze einen günstigen Frieden herbeizuführen.

Der englische Admiral =Hughes= hat in dem langen Ringen stets die Geschicklichkeit, Überlegung und Voraussicht eines tüchtigen Seemannes gezeigt, gepaart mit hohem Mute sowie der Entschlossenheit, nicht zu weichen; er war ein vorzüglicher Vertreter des englischen Durchschnittsseeoffiziers im 18. Jahrhundert. Als höherer selbständiger Führer war er aber dem Gegner nicht gewachsen; dessen Genie und richtige Beurteilung der militärischen Lage fehlten ihm. So ist ihm schon von der zeitgenössischen Kritik vorgeworfen, auf seiner Fahrt nach Trincomali in den Tagen vor der Schlacht bei Providien, die französische Flotte nicht angegriffen zu haben, trotzdem sie stets in Lee gestanden hätte und in so lockerer Ordnung gesegelt sei, daß er die Schiffe einzeln hätte überwältigen können. Tatsache ist, daß durch sein Zaudern nach der Schlacht bei Negapatam Trincomali verloren ging, und daß er nach der Schlacht vor Cuddalore die Deckung der Stadt aufgab, obgleich sich die französische Flotte in nicht besserer Verfassung befand als die seine. Diese Kurzsichtigkeit würde verhängnisvoll geworden sein, wenn der Krieg fortgeführt wäre. =Suffren= sah das Vertreiben des stärkeren Gegners von diesem Platze als seine höchste Leistung in Indien an.

Der Kleine Krieg.

In den früheren englisch-französischen Kriegen errang England schließlich stets die Seeherrschaft und konnte dann seine ganze Kraft zur Vernichtung des feindlichen Handels einsetzen; selbst wenn Frankreich den Kampf mit der Flotte freiwillig aufgegeben und seine Seestreitkräfte ganz in den Dienst des Kreuzerkrieges gestellt hatte, endete dieser doch immer mit dem völligen Brachliegen des Seehandels für die schwächere Macht. Im Kriege 1775-1783 behaupteten aber beide Parteien bis zum Ende die See, und der Handelskrieg spielte infolgedessen keine so hervortretende und einflußreiche Rolle. Vernachlässigt wurde er aber keineswegs. Die Schläge gegen größere Konvois traten als militärische Unternehmungen von Bedeutung hervor, daneben aber bedrohten Kreuzer sowie Freibeuter beider Parteien die Schiffahrt der Gegner in allen Meeren, und es kam zu zahlreichen Gefechten zwischen diesen[186]. Leider bringen unsere Quellen nicht wie bei den früheren Kriegen genauere Angaben über die Zahl der Schiffe, die sich die Gegner fortnahmen, aber Andeutungen in französischen wie englischen Werken lassen schließen, daß die Verluste beider Nationen sehr bedeutend gewesen sind und sich etwa die Wage gehalten haben; von seiten Hollands wird ausdrücklich zugegeben[187], daß sein Schaden ungeheuer gewesen sei, und sich die schon im Verfall begriffene ostindische Kompagnie von ihm nicht wieder erholt habe. Es wird zwar nirgend ausgesprochen, ist aber wohl sicher anzunehmen, daß die Störung des Handels mit ihren mittelbaren und unmittelbaren Verlusten zur Beendigung auch dieses Krieges beigetragen habe.

[186] Die bemerkenswertesten dieser Einzelgefechte, in denen Führer und Besatzungen ganz besonders Mut sowie Geschicklichkeit zeigen konnten, sind mit besonderer Vorliebe in den Spezialwerken geschildert. Vgl.: Clowes, Band IV (Kapitel Minor actions); Troude, Band II; de Jonge, Band IV, Seite 663 ff. Engländer wie Franzosen behaupten, gerade in den Kämpfen Schiff gegen Schiff dem Gegner überlegen gewesen zu sein.

[187] De Jonge, Band IV, Seite 683.

Nur =Laird Clowes= bringt (Band III, Seite 396) eine für sein Werk von der berühmten Seeversicherungsgesellschaft »Lloyd« -- schon zu jener Zeit eine Art Börse der englischen Kaufleute, Rheder, Seeversicherer usw. -- aufgestellte Tabelle über die Verluste Englands und seiner Gegner in den einzelnen Kriegsjahren. Nach dieser haben die Engländer in den Jahren 1776-1783 2200 Handelsschiffe sowie 75 Freibeuter eingebüßt und 1100 bzw. 215 der Feinde genommen. -- Wie in den früheren Kriegen erklärt die Übermacht des englischen Seehandels den größeren Verlust, dieser war aber eben deshalb auch leichter zu tragen.

=Der Kreuzerkrieg der Amerikaner=[188] verdient noch eine kurze Betrachtung, weil sie trotz ihrer geringen Seemacht darin Hervorragendes geleistet haben. Bekanntlich ließen die einzelnen Kolonien schon von 1775 an kleinere Fahrzeuge an ihren Küsten kreuzen, um dem englischen Heere die Zufuhren an Kriegsmaterial wegzufangen und diese eigenen Truppen zuzuführen; aus diesen Anfängen entstand die kleine Marine. Diese ward dann auch weiter fast ausschließlich im Kleinen Kriege verwendet, zu ihr traten zahlreiche Freibeuter. Einzeln und in kleinen Verbänden taten die Schiffe den Engländern an der amerikanischen Küste, aber besonders auch in den westindischen Gewässern großen Abbruch, wobei sie sich auf französische, spanische und holländische Häfen stützten.

[188] Eingehend geschildert in =Spears=. -- Vergleiche auch die Angaben über die amerikanische Marine und ihren Kreuzerkrieg Seite 225 und 241.

Nach amerikanischen Angaben (Spears, Band I, Seite 217) sind in den westindischen Gewässern sowie an der westafrikanischen Küste bis Ende 1777 173 amerikanische Freibeuter mit 2550 Kanonen und 13 800 Seeleuten tätig gewesen und haben 559 englische Handelsschiffe im Werte von 2-1/2 Millionen Lstrl. aufgebracht; 34 derselben wurden weggefangen.

Schon im Herbst 1776 trat auch der erste amerikanische Kreuzer in den europäischen Gewässern auf. Eine Brigg mit 16 Kanonen brachte =Franklin= nach Frankreich und kreuzte dann in der Biskaya. In den folgenden Jahren waren mehrere Kriegsschiffe tätig, teils von Amerika herübergekommen, teils in französischen Häfen beschafft; auch Freibeuter traten auf. Es ist bemerkenswert, wie sich diese Fahrzeuge auszurüsten und ihre Prisen zu verwerten wußten, trotzdem Frankreich noch mit England im Frieden war, wie sie ihre Ausrüstung auf See an Bord nahmen und ihre Prisen vor den französischen Häfen verkauften. Es waren nur kleine Schiffe, und der Schaden blieb gering, den sie dem englischen Handel zufügten, aber sie beunruhigten ihn und bedrohten sogar offene Küstenplätze Schottlands und Irlands, eine ungeheure Keckheit der großen Seemacht Englands gegenüber. Am berühmtesten sind die Taten des Kapitäns =Paul Jones=, der durch sie =ein Nationalheld= Amerikas geworden ist.

$Auftreten des amerikanischen Kapitäns John Paul Jones in den europäischen Gewässern.$ =Paul Jones=, 1747 in Schottland geboren, kam als Geschäftsreisender nach den Kolonien, blieb dort, fuhr als Steuermann auf Sklavenschiffen und ward unter den ersten Offizieren der neuen Marine am 22. Dezember 1775 als Leutnant 1. Klasse angestellt. Im August 1776 zum Kapitän ernannt, führte er mit großem Erfolge eine Brigg in den heimischen Gewässern, erhielt 1777 das Kommando des kleinen Schiffes »Ranger« (18 Kanonen, 135 Mann) und heißte bei der Indienststellung am 14. Juni eigenhändig zum ersten Male die eben eingeführte »Stern- und Streifenflagge« der Vereinigten Staaten. Im November verließ er Amerika, machte auf der Überfahrt zwei Prisen und traf am 2. Dezember in Nantes ein. Von dort führte er einige amerikanische Handelsschiffe nach Lorient, die sich hier einem französischen nach Westindien bestimmten Konvoi anschließen sollten, und bei dieser Gelegenheit ward die neue Flagge zum ersten Male von französischen Kriegsschiffen salutiert. Am 10. April 1778 trat er von Brest aus eine Kreuzfahrt um Irland an. Auf dieser brachte er verschiedene Prisen auf, versuchte am 22. die im Hafen von Whitehaven, südlich vom Clyde, liegenden Schiffe zu verbrennen, wobei er allerdings nur geringen Erfolg hatte, und landete dann auf der Insel St. Mary im Solway Firth, um Lord Selkirk in seiner Besitzung aufzuheben und als Geisel gegen die schlechte Behandlung gefangener Freibeuter durch die Engländer fortzuführen. Der Lord war abwesend, aber die Amerikaner erbeuteten dessen Familiensilber; =Jones= kaufte es später seinen Leuten ab und sandte es dem Eigentümer zurück. Am 24. April zwang er vor Belfast Lough die englische Sloop »Drake« (20 Kanonen, 154 Mann) in einem heftigen Gefechte zum Streichen der Flagge und segelte dann nördlich um Irland nach Brest zurück.

Eine zweite Fahrt konnte =Jones= wegen Geldmangels erst im Sommer 1779 antreten. Er verfügte jetzt über einen ehemaligen französischen Ostindienfahrer, »Bonhomme Richard« (42 Kanonen), als Flaggschiff, eine amerikanische Fregatte, »Alliance« (32 Kanonen), unter einem französischen Seeoffizier =Landais=, zwei mit 30 und 12 Kanonen armierte Kauffahrer »Pallas« und »Vengeance« und einen 18-Kanonenkutter. Die Flottille ging am 14. August zusammen mit 2 französischen Freibeutern von Lorient in See. =Jones= besaß aber nur geringe Machtbefugnisse über die anderen Fahrzeuge, deren Befehlshaber sich unbotmäßig zeigten. Die Freibeuter verließen ihn gänzlich und auch Landais ging eigene Wege, sobald es ihm gutdünkte; er hatte seine Laufbahn in der französischen Marine verfehlt, zeigte ein überspanntes Benehmen und war empört, daß er nicht den Oberbefehl erhalten hatte.

Die Fahrt ging um Irland und Schottland herum; bis zum 21. September wurden 17 Prisen gemacht. Die Küstenbevölkerung Schottlands war in größter Aufregung, aber =Jones= konnte seine Absicht, Leith eine Kontribution aufzulegen, nicht durchführen, da seine Unterführer den Gehorsam versagten.

Am 23. September stieß die bis auf den Kutter vereinte Flottille südlich von Flamborough Head vor der Mündung des Humber auf einen englischen Ostseekonvoi. Die begleitende Fregatte »Serapis« (44 Kanonen, 264 Mann), Kapitän =Pearson=, sowie ein armierter Kauffahrer »Countess of Scarborough« (20 Kanonen) traten den Amerikanern mutig entgegen. =Jones= befahl, die Schlachtlinie zu bilden, aber =Landais= verweigerte dies ausdrücklich und »Vengeance« war zu weit entfernt; so kamen nur das Flaggschiff und »Pallas« gegen 7-1/2 Uhr abends ins Gefecht. Diese zwang nach zweistündigem Kampfe das kleinere englische Schiff zum Streichen der Flagge.

In dem Kampfe zwischen »Serapis« und »Bonhomme Richard«[189] wurde dieser durch die überlegene Artillerie des Gegners bald völlig außer Gefecht gesetzt und das Schiff derartig im Rumpfe durchlöchert, daß es zu sinken drohte. =Jones= ging deshalb dem Feinde längsseit und errang in blutigem Kampfe, in dem sein Flaggschiff 116, die »Serapis« 126 Mann einbüßte, durch seine persönliche Hartnäckigkeit und Kaltblütigkeit schließlich den Sieg. »Serapis« strich um 10-1/2 Uhr nachts die Flagge und wurde von den Amerikanern besetzt; »Bonbomme Richard« sank am folgenden Tage.

[189] Bis in Einzelheiten gehende Schilderungen dieses bemerkenswerten Gefechtes bringen Spears (Band I, Seite 242) und Clowes (Band IV, Seite 35).

=Landais= hatte nur den Kampfplatz umsegelt und Breitseiten auf die englischen Schiffe abgegeben; er hat aber auch auf das Flaggschiff Jones' gefeuert, und zwar nach eigner Aussage mit Absicht, um es in Feindeshand fallen zu lassen, dann wiederzunehmen und die »Serapis« gleichfalls zu erobern.

Der englische Konvoi hatte sich während des Gefechtes retten können, und =Pearson= wurde deshalb trotz des Verlustes seines Schiffes in den Ritterstand erhoben.

=Jones= führte seine Flottille nebst den Prisen nach Texel und von dort Ende Dezember trotz der englischen Kreuzer durch den Kanal nach Lorient, wo sie aufgelöst wurde. England erklärte ihn für einen Seeräuber und setzte einen Preis von 10000 Lstrl. auf seinen Kopf. In Paris überhäufte man ihn mit Ehren, und in Amerika ward er als Admiral an die Spitze der Marine gestellt, als er 1780 zurückkehrte. 1788 trat er als Kontreadmiral der baltischen Flotte in russischen Dienst. Da aber englische Offiziere nicht unter ihm dienen wollten, wurde er zur Flotte des Schwarzen Meeres versetzt und zeichnete sich hier gegen die Türken aus. 1789 wurde er jedoch durch Intrigen verdrängt, lebte dann in Holland und Frankreich, wo er 1792 fast vergessen zu Paris starb. Es ist ungerecht, =Jones= als einen in französischem Solde stehenden Verräter an der englischen Sache hinzustellen, wie es einige englische und auch deutsche Werke tun; er war ebenso amerikanischer Bürger wie viele andere noch in England geborene Amerikaner. (Biographie Jones' von =Abbot=, Washington 1875.)

Die kleine amerikanische Kriegsmarine ging in dem Handelskriege zugrunde; beim Friedensschluß waren nur noch 3 Schiffe mit zusammen 84 Kanonen vorhanden. Aber durch die von ihr genommenen Schiffe -- nach Spears während des ganzen Krieges 800 an der Zahl -- sind zum Teil die Mittel an Kriegsmaterial und Geld zur Durchführung des Landkrieges aufgebracht.

Der Frieden von Versailles.

Bekanntlich setzte die Opposition in England nach der Kapitulation von Yorktown, dem Verluste verschiedener westindischer Inseln sowie Minorkas im März 1782 einen Ministerwechsel durch und der Landkrieg in Nordamerika geriet ins Stocken. Die neue Regierung trat aber auch in Friedensverhandlungen mit =Franklin= in Paris ein, obgleich der amerikanische Staatsmann neben der Unabhängigkeit der Kolonien auch die Abtretung Kanadas forderte; zu Franklin kamen später noch die Agenten =Adams=, =Jay= und =Laurens=. Die Besprechungen wurden dadurch erleichtert, daß England die Hände gegen seine europäischen Gegner freizubekommen strebte, und die Amerikaner erkannten, daß Frankreich sie nur zum Werkzeug ihrer eigenen Politik machen wollte.

$Frankreich$ wollte die Vereinigten Staaten nicht zu stark werden lassen, sondern ein Gleichgewicht zwischen ihrer und Englands Macht in Nordamerika geschaffen sehen. Es war daher gegen die Überlassung Kanadas, des Gebietes der großen Seen, der Seefischereien und des Mississippitales an die Amerikaner und arbeitete in diesem Sinne gegen sie. Das Gebiet des Mississippi wollte es Spanien und damit seinem eigenen Einflusse sichern, die Fischereien aber als Schule für die Marine behalten.

Die Amerikaner ließen deshalb ihre Forderung auf Kanada und andere englische Besitzungen im Norden fallen, bestanden aber auf ihrer Ausdehnung nach Westen sowie auf ausgedehnten Fischereirechten, und England gab hierin, sowie in seinen Ansprüchen auf alte Schulden nach. Am 30. November 1782 ward der =vorläufige Frieden zwischen England und den Vereinigten Staaten= ohne Wissen Frankreichs abgeschlossen. Da sich der Kongreß früher verpflichtet hatte, Friedensverhandlungen nur mit Zustimmung Frankreichs zu führen, nannten die Agenten die Abmachungen »Provisional-Artikel«, die nur dann zu einem endgültigen Frieden führen könnten, wenn Frankreich an ihm beteiligt sei.

Tatsächlich trat aber Amerika jetzt vom Kriege zurück, und Frankreich, mit dem England seit dem Amtsantritt =Shelburnes= im Juli gleichfalls in Verhandlung getreten war, mußte nachgeben. Es hatte bei der Lauheit Spaniens und der Schwäche Hollands nichts mehr zu hoffen, war überdies in Finanznöten und ging schon seiner schweren inneren Krisis entgegen. Am 20. Januar 1783 ward =der Präliminarfriede zwischen England und Frankreich-Spanien= unterzeichnet.

Hierbei ließ Frankreich Holland im Stich, wo man im Vertrauen auf diesen Verbündeten frühere günstige Anerbieten Englands abgelehnt hatte. Es wurde nur in den Waffenstillstand eingeschlossen und =der vorläufige Friede zwischen Holland und England= kam erst am 2. September 1783 zustande.

$Über den Einfluß der Schlacht von Dominica auf den Friedensschluß$ findet man häufig die Ansicht, sie habe die französische Marine so geschwächt, daß jene nicht mehr um die Seeherrschaft hätte kämpfen können. Dies ist sehr übertrieben. Anders wäre es gewesen, wenn =Rodney= seinen Sieg ausgenützt und die französische Westindienflotte vernichtet hätte, aber diese verlor ja nur 5 Linienschiffe. Die Niederlage mag wohl dazu beigetragen haben, Frankreich dem Frieden geneigt zu machen, aber die günstigen Friedensbedingungen, die England erlangte, waren nicht die Folge einer Demütigung Frankreichs zur See, sondern seiner finanziellen Notlage. In England rief der glänzende Sieg bei der augenblicklich ungünstigen Lage zwar großen Jubel im Volke hervor, aber eine derartige Bedeutung legte man ihm in den leitenden Kreisen nicht zu. Dies geht aus den Parlamentsverhandlungen im Februar 1783 über die Frage hervor, ob die Friedensbedingungen der militärischen Lage entsprochen hätten, oder ob es richtiger gewesen wäre, den Krieg fortzusetzen. Die Regierung führte an, daß England nur 100 Linienschiffe bereit habe, während Frankreich und Spanien 140 aufstellen könnten; auch sei zu befürchten gewesen, daß die Verbündeten 1783 Jamaika erobert hätten, doch war dies nur die Beweisführung einer Partei, die durchaus den Frieden wünschte. Admiral =Keppel=, der von seinem Amte als Erster Lord der Admiralität zurücktrat, weil er die Friedensbedingungen nicht billigte, bestritt die Richtigkeit der obigen Zahlen für beide Parteien, und auch die englischen Staatsmänner mußten zu dieser Zeit gelernt haben, die beiderseitigen Marinen nicht nur nach der Zahl der Schiffe einzuschätzen. So war auch die Gefahr für Jamaika von seiten der Friedensfreunde übertrieben, aber wahrscheinlich wäre es England nicht gelungen, mit Waffengewalt die anderen Inseln wieder zu erobern, die ihm der Friede zurückgab.

$Die Friedensbedingungen.$ =Die Vereinigten Staaten= wurden als unabhängig anerkannt. Sie erhielten die westlich gelegenen Gebiete einschließlich des Mississippitales, sowie das Recht, bei Neufundland und im St. Lorenzgolfe die Fischerei mitzubetreiben, während die Engländer vom Fischen an der amerikanischen Küste ausgeschlossen wurden.

=Frankreich= gab an England die eroberten westindischen Inseln bis auf Tabago zurück und erhielt dagegen Sta. Lucia, sowie seine Handelsniederlassungen in Ostindien, unter den gleichen Bedingungen wie 1763, wieder. Auch behielt es das Recht der Fischerei in den obengenannten Gewässern sowie die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon am Eingang zum Lorenzgolfe als Stützpunkte; in Westafrika fiel ihm die Senegal-, England die Gambiamündung zu. Endlich wurde Frankreich von der alten demütigenden Verpflichtung entbunden, Dünkirchen nach der Seeseite unbefestigt zu lassen.

=Spanien= räumte die Bahamainseln und gestand endlich den Engländern das langumstrittene Recht zu, von der Honduras- und Campecheküste Holz auszuführen. Es behielt Florida und Minorka, aber von einer Rückgabe Gibraltars war nicht die Rede. =Holland= bekam zwar Trincomali wieder, Negapatam gab England jedoch nicht heraus.

Abgesehen vom Verluste seiner amerikanischen Kolonien hat der Krieg mithin =England= nicht so große Opfer gekostet, als zu erwarten stand. Der Verlust von Minorka hätte größere Bedeutung gehabt, wenn Spaniens Seemacht stark genug gewesen wäre, den Platz zu halten; so wie die Dinge lagen, fiel die Insel im nächsten Kriege doch wieder in Englands Hände. Frankreichs Gewinn durch den Krieg, der ihm 1200 Millionen Francs gekostet haben soll, war nur die unbedeutende Insel Tabago und das Bewußtsein, zum ersten Male England gegenüber die See gehalten zu haben.

=Der endgültige Friede= zwischen den beiden Königreichen, den Vereinigten Staaten und England ward am 3. September 1783 zu Versailles unterzeichnet; der zwischen England und Holland fand am 10. Mai 1784 zu Paris seine Bestätigung.

Schlußbetrachtungen.

$Über die Strategie der Gegner.$ Der Krieg 1778-1783 war ein reiner Seekrieg und wohl der an Ereignissen reichste, der je ausgefochten ist. England, Frankreich und Spanien spannten ihre maritimen Kräfte bis aufs äußerste an, in allen Meeren maßen sich große Flotten, gegen 20 Schlachten fanden statt. Und doch brachte der Krieg keinem der Länder wesentliche Vor- oder Nachteile, außer daß England durch ihn in dem Landkriege mit seinen nordamerikanischen Kolonien unterlag. Dies war die Folge einer mangelhaften Strategie auf beiden Seiten. Die Entstehung des Krieges, die Ziele der Verbündeten sowie die allgemeine militärische Lage beider Parteien wurden bereits bei Beginn seiner Darstellung erörtert[190] und auf die einzelnen Abschnitte seines Verlaufes folgte stets eine kritische Besprechung; es erscheint aber wünschenswert, zum Schluß nochmals =die Kriegführung der Gegner im großen= zu betrachten[191].

[190] Vgl. »Entstehung des Krieges«, Seite 215; »Kennzeichnung des Krieges«, Seite 218; »Anordnung der Schilderung nach den Kriegsschauplätzen«, Seite 243.

[191] Mahan (Band I, Kapitel XIV, Kritische Besprechung des Seekrieges von 1778) benutzt diesen Krieg zur Darlegung verschiedener wichtiger Grundsätze der Strategie, gegen die auf beiden Seiten verstoßen sei. Wir bringen in nachstehendem einiges aus den sehr lesenswerten Auslassungen, ohne sie jedoch auch nur annähernd zu erschöpfen.

=Das eigentliche Ziel der Verbündeten= war, früher erlittene Demütigungen zu rächen und die tyrannische Herrschaft zu brechen, die England auf dem Ozean sich anmaßte. Frankreich gedachte dabei, seinen Besitz in Westindien zu vermehren und in Ostindien wieder überwiegenden Einfluß zu gewinnen; Spanien hoffte, Gibraltar, Minorka, Florida und womöglich auch Jamaika zurückzuerhalten. Die Herrschaft Englands beruhte auf seiner großen aktiven und latenten Seemacht, auf seiner Kriegsmarine und seinem Seehandel, seinen Marinestationen und Kolonien in allen Teilen der Welt. Hierin lagen mithin auch die Angriffspunkte für die Gegner. Infolge des Aufstandes der Amerikaner sah sich England mit Verlust seiner damals wichtigsten Kolonie bedroht; verlor es diese, so büßte es auch eine Reihe von Häfen ein und dadurch entstand eine Lücke in der Kette seiner Stützpunkte zwischen Kanada und Westindien; seine Flotte hatte es aber durch Frankreich und Spanien wenigstens in der Zahl der Schiffe überholen lassen. Die Gelegenheit zum Angriff war also für die Gegner günstig.

Die nächste Frage bildete nun =die Wahl der Angriffsobjekte seitens der Verbündeten=: der Hauptpunkte, die man nie aus dem Auge lassen durfte, und der Ziele zweiter Ordnung, die die Verteidigung ablenken und ihre Kräfte zersplittern sollten. Da der Hauptzweck der Verbündeten nicht war, den Amerikanern zu nutzen, sondern England zu schaden, gebot die militärische Politik, jene nur soweit zu unterstützen, daß sie den Krieg fortsetzen konnten. England in seinen anderen Kolonien mit Erfolg anzugreifen, erforderte unbedingte Seeherrschaft, aber nicht nur an Ort und Stelle, sondern überhaupt, denn keine der beiden Parteien besaß in den fernen Meeren so leistungsfähige Stützpunkte, daß die Flotten dort auf die Dauer see- und gefechtsbereit erhalten werden konnten; die Kolonien selber waren noch auf Zufuhren aus Europa angewiesen. Amerika und die anderen Kolonien eigneten sich also nur zu Diversionen, während als Hauptangriffspunkte England als Basis seiner Flotte und diese selber, sowohl als Streitmacht an und für sich wie als Sicherung der Verbindung mit den auswärtigen Kriegsschauplätzen anzusehen waren. Hier mit Übermacht aufzutreten, ward den Verbündeten dadurch erleichtert, daß England sich entschloß, seine Streitkräfte in weitgehendem Maße zu verteilen, um überall einem Angriffe entgegentreten zu können.

=Diese Maßnahme Englands= fordert zur Kritik heraus; um sie mit Sicherheit durchzuführen, wäre Überlegenheit an Streitkräften nötig gewesen. Man konnte nie wissen, wohin der Gegner den Hauptstoß richten würde; dies ist ein Nachteil der Verteidigung, der im Seekriege besonders hervortritt, da marschierende Flotten keine Spuren hinterlassen. Jede ferne Station hätte stark besetzt gehalten werden und außerdem jeder von Europa auslaufenden feindlichen Flotte eine derartig starke eigene angehängt werden müssen, daß man auf dem bedrohten Punkte überlegen war. Dies konnte aber die schwächere Partei nicht durchführen und England setzte sich mit seinem Entschluß der Gefahr aus, an irgendeiner Stelle mit Übermacht angegriffen zu werden. Im großen und ganzen ist es ihm gelungen, dem Gegner auf den fernen Kriegsschauplätzen mit genügenden Kräften entgegenzutreten, jedoch nicht immer. In Westindien mußten sich seine Flotten mehrfach unter die Kanonen von Landbefestigungen zurückziehen und konnten den Verlust einiger Inseln nicht hindern; in Nordamerika entschied das Übergewicht der französischen Seestreitkräfte 1781 den Landkrieg. Dieses hatten die Franzosen dadurch erlangt, daß ihrer Flotte (=de Grasse=) beim Verlassen Westindiens nur ein Teil der englischen folgte, um Westindien und den dortigen Handel nicht ganz preiszugeben; ein sprechendes Beispiel für die Schwäche der englischen Strategie. In den heimischen Gewässern aber war England stets weit unterlegen. Seine Flotte hier war sogar zu schwach, auch nur die Verteidigung der eigenen Küsten sicherzustellen; nur infolge der mangelnden Tatkraft der Gegner hat sie diese Aufgabe lösen und auch noch Vorstöße machen können.

=Eine richtigere Strategie Englands= wäre wohl gewesen, den Hauptangriff auf die feindlichen Seestreitkräfte zu richten; diese aber waren am sichersten vor ihren eigenen Häfen zu finden; England konnte dabei den Vorteil ausnützen, daß seine Flotte eine gemeinschaftliche Basis hatte, in einer Hand lag und aus einem Guß war. Es mußte die europäischen Gewässer, Nordamerika und Westindien als =einen= Kriegsschauplatz ansehen und mit seiner Hauptmacht die Vereinigung der Gegner zu hindern, deren Plänen gleich bei ihrem Auslaufen entgegenzutreten suchen. Um hierzu in Europa die nötigen Kräfte zu haben, hätte man allerdings die auswärtigen Angriffspunkte durch Schwächung der Geschwader dort bis zu einem gewissen Grade aufs Spiel setzen müssen, jedoch konnte man dies in Nordamerika durch eine gegen jeden Seeangriff genügende Befestigung der Hauptstützpunkte, New York und Newport, zum Teil ausgleichen. Mit einem derartigen Auftreten vor den feindlichen Häfen soll keineswegs auf eine strenge Blockade hingewiesen sein, mit der eitlen Hoffnung, jeden Vorstoß zu verhindern oder jeden Konvoi abzufangen, sondern auf die Aufgabe, jeder großen ausgelaufenen Flotte auf den Fersen zu folgen und sie mit Übermacht zu schlagen[192]. Dem Landkriege in Nordamerika wäre dies gleichfalls zugute gekommen, denn die Amerikaner konnten sich nur mit Hilfe der französischen Marine, sowie durch Zufuhren aus Europa halten und endlich wurde auf diese Weise leichter den Gegnern die Versorgung ihrer Stützpunkte draußen erschwert. Um es nochmals hervorzuheben, auch England mußte als erstes Ziel die Vernichtung der feindlichen Seestreitkräfte ansehen.

[194] Nach diesem Gesichtspunkte handelten die Engländer in den späteren Kriegen (vgl. Mahan, Band I, Seite 512), aber auch schon in den beiden vorhergegangenen war ihm Rechnung getragen (vgl. in unseren Betrachtungen Seite 115 den Ausspruch Colombs, und Seite 125 »Das Vorgehen der englischen Flotte«).

Es ist allerdings fraglich, ob die englische Regierung der Volksmeinung gegenüber, der sie stets hat Rechnung tragen müssen, Kolonien und Handel scheinbar im Stich lassen durfte, wenn auch ihr Verhalten tatsächlich nur deren Verteidigung schon in den europäischen Gewässern bezweckt hätte.

=Wie lösten nun die Verbündeten ihre Aufgabe?= Frankreich hatte den Krieg vorbereitet und begann den Feldzug 1778 mit einer Diversion nach Nordamerika (=d'Estaing=), die sich später gegen Westindien wenden sollte, es hatte aber nicht genügend gerüstet, um in diesem Jahre schon in Europa kräftig auftreten zu können; nicht einmal das Auslaufen einer englischen Flotte unter =Byron= nach dem bedrohten Punkte vermochte es zu hindern. 1779 verstärkte es seine Kräfte in Westindien und bereitete mit Spanien vereint einen Einfall in England vor. Das Unternehmen schlug fehl, weil Spanien zu spät fertig war und dann dem Oberbefehlshaber =d'Orvilliers= die nötige Tatkraft mangelte. Von 1780 an machte sich die Verschiedenheit der Interessen geltend; Frankreich legte ein zu großes Gewicht auf den westindischen Kriegsschauplatz und Spanien auf die Eroberung von Gibraltar. Dieses war ein Nebenziel ohne Einfluß auf den Großen Krieg und hätte leichter sowie sicherer durch Lösung der Hauptaufgabe, Vernichtung der feindlichen Seemacht, erreicht werden können; Frankreich gab trotz besserer Einsicht hierin nach. So brachten denn die weiteren Kriegsjahre den Verbündeten außer der gleichfalls belanglosen Eroberung von Minorka in Europa keine Erfolge, obgleich ihre Flotte stets bedeutend überlegen war; allerdings führte auch noch ein unfähiger Admiral (=Cordoba=) den Oberbefehl. Man unternahm nichts Ernstes mehr gegen England und seine Kanalflotte. Dieser gelang es sogar, in jedem Jahre Gibraltar zu verstärken und mehrfach die Verbindung der Gegner mit anderen Kriegsschauplätzen zu stören. Die Kraft der englischen Marine infolge ihres inneren Wertes sowie der Kühnheit und Geschicklichkeit ihrer Admirale, die sich hierbei zeigte, dürfte ein Beweis sein, daß eine Strategie Englands, wie sie oben geschildert ist, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Gegner wahrscheinlich Erfolg gehabt hätte.

In Westindien besaß Frankreich mehrfach die Übermacht, nützte sie jedoch nicht aus. Es bemächtigte sich verschiedener Inseln, dachte dann aber nur an deren Schutz, obgleich die Leichtigkeit der Eroberungen darauf hätte hinweisen müssen, daß nach Erringung der unbedingten Seeherrschaft auch die anderen englischen Inseln bald gefallen wären. Wollte Frankreich den Kampf in Westindien über den Rahmen einer Diversion hinausgehen lassen, so konnte es noch mehr Mittel darauf verwenden; die Flotte der Verbündeten in Europa wäre zu dem, wozu man sie verwandte, stark genug geblieben. Doch auch ohne dies hätten die Gegner Englands auf diesem Kriegsschauplatze eine große Übermacht entfalten können, wenn Spanien seine Pflicht tat. Aber die Flotte =Solanos=, die 1780 dort erschien, konnte oder wollte sich nicht an französischen Unternehmungen beteiligen. Sie lag untätig in Havanna, nur auf den Schutz der gar nicht bedrohten eigenen Kolonien bedacht, und trat nur einmal zur Eroberung Floridas hervor; ein Unternehmen von reinstem Sonderinteresse, das wie eine Einnahme von Gibraltar gar keinen Einfluß auf den Großen Krieg hatte. Der mit großen Mitteln ins Werk gesetzte gemeinsame Angriff auf Jamaika 1782 kam nicht zur Ausführung; schon der moralische Eindruck der Niederlage der Franzosen bei Dominica genügte, davon Abstand nehmen zu lassen.

In den gleichen Fehler, der von der obersten Leitung im großen gemacht wurde, verfielen aber auch die französischen Führer der verschiedenen Flotten bei der Durchführung ihrer Aufgaben. Mit Ausnahme =Suffrens= in Ostindien[193] und =de Grasses= bei seinem Auftreten in Nordamerika 1781 beharrten sie auf dem Standpunkte, der sich in allen Kriegen des vierten Abschnittes gezeigt hat: Sie schonten ihre Schiffe und vermieden Entscheidungsschlachten, obgleich sich ihnen mehrfach Gelegenheit bot, den feindlichen Seestreitkräften einen schweren Schlag zu versetzen; nach Erfolgen traten sie meist strategisch in die Defensive, und taktisch defensiv war das Verhalten der verbündeten Flotten eigentlich bei allen Begegnungen mit dem Feinde. Über die spanischen Admirale in dieser Hinsicht zu sprechen, lohnt sich überhaupt nicht, und das Nachgeben Frankreichs Spanien gegenüber äußert sich darin am bezeichnendsten, daß es von 1780 an den Oberbefehl der gemeinsamen Flotte in Europa =Cordoba= überließ, obgleich es dessen Unfähigkeit wohl erkannt hatte.

[193] Diesen Kriegsschauplatz haben wir zu unseren Betrachtungen hier nicht herangezogen. Bei seiner großen Entfernung von den anderen sowie von den Heimatshäfen stand er selbständig da und das für ihn Bemerkenswerte haben wir Seite 402 bereits gebracht.

=Die Flotten boten überall das Mittel zur Entscheidung.= England hätte selbst in der Verteidigung mehr erreichen können, wenn es die eigenen Seestreitkräfte zur Vernichtung der feindlichen zusammengehalten hätte. Die militärische Politik der Verbündeten muß jedoch noch schärfer verurteilt werden. Ihnen stand es frei, nach Vereinigung ihrer Kräfte -- und diese hinderte der Gegner nicht -- in der Offensive zu wählen, wo sie überwältigend schlagen wollten. Sie faßten ja auch große Pläne, besonders Frankreich, führten sie aber nicht durch, Nebenzwecke lenkten sie ab. Diese liefen auseinander -- eine Schwäche, die Bündnissen häufig anhaftet --, und bei ihrer Durchführung gab Frankreich des guten Einvernehmens halber nach, in der Hoffnung, Spanien doch noch seinen Plänen geneigt zu machen; Spaniens Verhalten dagegen streifte, wenigstens 1780 in Westindien, fast an Treulosigkeit. =Mahan= schreibt: »Wie machten sich die Verbündeten ihre großen Vorteile zunutze? Indem sie an den Rändern des britischen Reiches herumnagten und sich am Felsen von Gibraltar die Köpfe einstießen.« Wir können im Sinne Mahans hinzufügen: »Anstatt vor allem die feindlichen Flotten zu vernichten.«

Bei Beurteilung der Leistungen der Verbündeten muß aber auch wohl in Betracht gezogen werden, was über den inneren Wert ihrer Marinen gesagt ist (vgl. Seite 33 ff. und Seite 220 ff.). Der französischen Marine fehlte es an Offizieren und Seeleuten, wodurch die Qualität ihrer Schiffsbesatzungen beträchtlich herabgesetzt wurde. Dieser Umstand wird unter anderem schon dadurch gekennzeichnet, daß die Seereisen französischer Flotten meist weit längere Zeit in Anspruch nahmen, und daß die Schiffe in Stürmen sehr viel mehr litten als die der Engländer. Die spanische Marine stand noch schlechter da.

So brachte der Krieg den Verbündeten nur überall Fehlschläge. Mahan schließt seine Betrachtungen mit den Worten: »Die Absicht der Verbündeten war, zugefügtes Unrecht zu rächen und der tyrannischen Herrschaft ein Ende zu machen, die England sich auf dem Ozean anmaßte. Die Rache, die sie genommen, brachte ihnen selber wenig Nutzen. Sie hatten, wie die damalige Generation annahm, England durch die Befreiung Amerikas geschädigt, aber sie hatten weder in Gibraltar noch in Jamaika das ihnen widerfahrene Unrecht gut gemacht; die englische Flotte war von ihnen nicht derart mitgenommen worden, daß sich dadurch ihr hochmütiges Selbstvertrauen vermindert hätte; die bewaffnete Neutralität der nordischen Mächte hatte man fruchtlos im Sande verlaufen lassen, und die englische Seeherrschaft wurde bald ebenso tyrannisch und noch schrankenloser wie je zuvor.«

$Über Taktik[194].$ Während der österreichische Erbfolgekrieg nur zwei und der Siebenjährige Krieg nur vier rangierte Schlachten brachte, kann man von den 1778-1783 erfolgten Zusammenstößen wohl vierzehn als solche ansehen. Sie liefern uns viel Bemerkenswertes für den Stand der Taktik in der Zeit des vierten Abschnittes. Nach Schilderung einer jeden finden sich die hierfür wichtigen Punkte hervorgehoben, da aber mit diesem Kriege die Periode abschließt, ist es angebracht, sie noch einmal zusammenzustellen.

[194] Anschließend an die Entwicklung der Taktik im zweiten Kapitel (Seite 36-44), sowie an die Auslassungen darüber nach dem Österreichischen Erbfolgekriege (Seite 113) und nach dem Siebenjährigen Kriege (Seite 204).

In allen Schlachten, mit Ausnahme derer auf dem ostindischen Kriegsschauplatze, tritt die Neigung =der Franzosen= hervor, in der Abwehr zu fechten; niemals sind sie die Angreifer. Wenn sie =die Luvstellung= einnehmen, so wollen sie in ihr nur einen ernsten Kampf vermeiden, nicht sie zum Angriff ausnutzen. Gelang es dann den Engländern an sie heranzukommen, so kam es zum Passiergefechte -- =Ouessant=, 27. Juli 1778; =Martinique=, 15. und 19. Mai 1780; =Dominica=, 12. April 1782 -- oder zum laufenden Gefechte -- =Martinique=, 29. April 1781. Beides sind Kampfarten, die nur selten eine Entscheidung herbeiführen.

Wenn sie =in der Leestellung= waren, so warteten sie den Angriff ab und nutzten auch etwaige Übermacht -- =Chesapeakebucht=, 5. September 1781 -- oder besonders günstige Umstände -- =Grenada=, 6. Juli 1779 -- nicht zu einem Vorstoße aus, vermieden also auch hier die Entscheidung. Einige Fälle dieser Lage der Flotten zueinander bringen uns für die verschiedenartige Taktik der Gegner treffliche Beispiele, die den vierten Abschnitt kennzeichnen, besonders die Schlachten vor der =Chesapeakebucht= am 16. März und am 5. September 1781. Der Verlauf eines derartigen Kampfes ist bekannt: die Franzosen erwarten den Feind unter kleinen Segeln (einmal, in der ersten Schlacht vor der Chesapeakebucht, geben sie hierzu sogar die Luvstellung freiwillig auf), die Engländer greifen die ganze Linie, Schiff gegen Schiff, an, erhalten beim Heransegeln schweres Feuer in ungünstiger Lage, kommen aber selten zum Nahkampfe, weil die Franzosen vorher Segel mehren, das Gefecht abbrechen und weiter in Lee die abwartende Stellung wieder einnehmen. Da die Engländer wegen Beschädigung eines Teils ihrer Schiffe keinen zweiten Angriff wagen mögen, werden die Schlachten nicht durchgefochten. -- Mit Recht bezeichnet man also diesen Zeitraum als den der »unentschiedenen Schlachten«.

Der Krieg bringt aber auch den Anfang zu einer =Änderung der Taktik= auf beiden Seiten. =Rodney= versucht bei =Martinique=, 17. April 1780, seinen Angriff mit Übermacht nur auf den hinteren Teil der feindlichen Linie zu richten. Es mißlingt und der Kampf entspinnt sich fast in der alten Weise, aber der Versuch bewirkt doch, daß sein Gegner in dieser Schlacht, =Guichen=, sich später ihm gegenüber stets die Luvstellung bewahrt.

=Suffren= bricht in Ostindien völlig mit der bisherigen französischen Taktik; wie er strategisch stets die Vernichtung des Gegners als erstes Ziel im Auge hatte, so bevorzugte er auch taktisch den Angriff. Er suchte dann in seiner ersten Schlacht, =Sadras= am 17. Februar 1782, von Luward her den Feind durch Dublieren von hinten mit Überlegenheit anzugreifen. Auch ihm gelingt es nicht und er sieht bei späteren Begegnungen davon ab, aber er wählt, wenn möglich, die Luvstellung und greift an -- =Providien=, 12. April; =Trincomali=, 3. September 1782; =Cuddalore=, 20. Juni 1783 --, wobei er dann allerdings nach der unvollkommenen englischen Weise verfährt. Da sein Gegner, =Hughes=, bei dem Zusammemtoß vor =Negapatam=, am 6. Juli 1782, diese Form gleichfalls anwendet, enden auch die Schlachten in Ostindien ohne durchschlagende Entscheidung.

Die Versuche Rodneys und Suffrens, neue Gedanken in der Taktik zur Geltung zu bringen, scheiterten an dem Verhalten ihrer Unterführer; befangen in der alten Anschauung, gingen diese auf die Absichten ihrer Oberbefehlshaber nicht ein.

Nur zwei Zusammenstöße der Gegner in diesem Kriege bringen einen vollen Erfolg, und zwar zugunsten der Engländer. In der schon als Passiergefecht genannten Schlacht bei =Dominica=, 12. April 1782, durchbricht die Flotte Rodneys die feindliche Linie an drei Stellen und gewinnt dadurch an den Durchbruchspunkten ein verhängnisvolles Übergewicht für ihre Artillerie. Zwar ist der Durchbruch wohl kaum schon beim Ansetzen des Angriffes beabsichtigt gewesen, aber die Engländer -- Oberbefehlshaber wie Unterführer -- weichen doch von dem alten starren Schema ab, indem sie die günstige Gelegenheit benutzen. Daß in England überhaupt eine freiere Auslegung der Gefechtsinstruktion aufkam, beweist die Beurteilung zweier Admirale im Gegensatz zu kriegsgerichtlichen Sprüchen in vorangegangenen Kriegen. =Keppel= wurde freigesprochen, als er nach =Ouessant= angeklagt war, den Kampf vor Herstellung einer guten Ordnung begonnen zu haben, =Arbuthnot= dagegen wurde ein Vorwurf daraus gemacht, daß er in der Schlacht vor der =Chesapeakebucht=, am 16. März 1781, zu viel Wert auf die Erhaltung einer solchen gelegt habe.

Die zweite der entscheidenden Schlachten war keine rangierte, sondern das von =Rodney= mit Umsicht und Kühnheit durchgeführte Verfolgungsgefecht bei =Kap St. Vincent= am 16. Januar 1780.

* * * * *

Sechstes Kapitel.

Nebenkriege 1740-1793.

Kämpfe mit den Barbaresken. Schwedisch-Russischer Krieg 1741-1743. Die schwedische und russische Marine im Siebenjährigen Kriege. Russisch-Türkische Kriege 1768-1774 und 1787-1791. Schwedisch-Russischer Krieg 1788-1790.

Kämpfe mit den Barbaresken[195].

Auch noch während der Zeit des vierten Abschnittes belästigten die Fahrzeuge der Raubstaaten Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis die Schiffahrt im Mittelmeer, und die Marinen der größeren Seestaaten traten, besonders in Friedenszeiten, zum Schutze ihres Handels in Tätigkeit; die Malteserritter sahen in der Unterdrückung des Seeraubes die Fortsetzung ihrer ursprünglichen Aufgabe des Kampfes gegen die Ungläubigen. Aber wie früher hatte das Auftreten der europäischen Staaten keine dauernden Erfolge, die Barbaresken brachen immer wieder die ihnen durch Demonstrationen oder Strafexpeditionen aufgezwungenen Verträge. Es wird genügen, die Tätigkeit der beteiligten Marinen kurz anzuführen.

[195] Anschließend an Band I, Seite 592/593. Näheres findet man in den Spezialwerken der verschiedenen Völker, z. B.: Clowes, Band III; Lacour I, Bonfils, Band II; de Jonge, Band IV. De Jonge beschreibt alle die holländische Marine betreffenden Ereignisse sehr eingehend; aus diesen Schilderungen ergibt sich klar, wie sich die Kämpfe im allgemeinen abspielten.

=England= hielt stets Schiffe in solcher Zahl an der afrikanischen Küste und im Mittelmeer überhaupt, daß -- wie seine Quellen sagen -- der Handel nicht so litt wie im 17. Jahrhundert, und daß es nicht nötig war, größere Expeditionen zu entsenden; es wird nur eine solche unter =Kommodore Keppel= 1751 nach Algier erwähnt, die schwebenden Verhandlungen Nachdruck geben sollte[196]. Die Barbaresken scheuten mit Recht die Seemacht Englands.

[196] Das energische Auftreten Keppels wird durch die Anekdote gekennzeichnet, die in den Personalien dieses Admirals bereits erwähnt ist (Seite 249).

=Holland= scheint weit mehr Mühe gehabt zu haben, seine Schiffahrt zu schützen, obgleich es sich soweit demütigte, den Herrschern der Barbareskenreiche in der Form von Geschenken einen nahezu regelmäßigen Tribut zu zahlen; zwischen ihm und den einzelnen Raubstaaten, besonders Marokko und Algerien, kam es mehrfach zur förmlichen Kriegserklärung. Man war genötigt, ständig kleine Geschwader von Linienschiffen und Fregatten im Mittelmeer zu halten, seine Konvois stets zu decken und verschiedentlich Expeditionen zu entsenden, um seinen Forderungen Nachdruck zu geben. Zu größeren Waffentaten kam es jedoch nicht.

=Frankreich= dagegen, das im übrigen auch stets einzelne Schiffe und kleinere Verbände im östlichen wie im westlichen Mittelmeer kreuzen ließ, entsandte mehrfach Strafexpeditionen, die schärfer vorgingen. Im Juni 1765 beschoß der Chef d'Escadre =Graf Du Chaffault= mit einem Linienschiffe, 4 Fregatten, 2 Mörserbooten und 2 kleineren Fahrzeugen die Städte Sale und Larache an der Westküste Marokkos; der Versuch, mit den Schiffsbooten in einen Fluß nahe der letztgenannten Stadt einzudringen, um dort liegende Raubschiffe zu zerstören, ward aber unter Verlust von 300 Mann zurückgeschlagen. Als Frankreich 1769 mit der Besetzung Corsicas einen guten Stützpunkt im Mittelmeer gewann, sah der Bei von Tunis darin eine Gefahr für seine Interessen, d. h. den Seeraub; er versuchte England aufzureizen und erregte so Frankreichs Zorn. 1770 beschoß der Kapitän =Graf de Broves= mit 2 Linienschiffen, 2 Fregatten und 2 Mörserbooten im Juni die Städte Biserta und Susa, worauf der Bei um Frieden bat.

=Spanien= unternahm 1775 sogar eine Expedition mit einer starken Flotte und einem Landungskorps von 25000 Mann gegen die Stadt Algier. Man landete auch, aber das schlecht geleitete Unternehmen schlug unter großen Verlusten fehl.

Der Schwedisch-Russische Krieg 1741-1743[197].

Bei Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges fürchtete Frankreich, daß Rußland für Österreich Partei nehmen würde, und suchte ihm Schweden auf den Hals zu hetzen, um es anderweitig zu beschäftigen. Seine Ränke fanden guten Boden, weil die im schwedischen Reichstage herrschende, kriegerische Adelspartei der »Hüte« in den seit dem Tode der Kaiserin Anna zerfahrenen inneren Verhältnissen Rußlands, sowie in dem nach Peter des Großen Tode eingetretenen Verfall der russischen Marine eine günstige Gelegenheit zu finden glaubte, die im Frieden von Nystad (1721) aufgegebenen Provinzen Livland, Esthland, Ingermanland, Karelien und damit die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen. Obgleich Schweden selber im Innern durch jahrzehntelange Zwiste der französisch gesinnten Partei der »Hüte« und der russisch gesinnten der »Mützen« sehr geschwächt war, gelang es doch der ersteren, den Reichstag am 4. August 1741 zu einer übereilten Kriegserklärung zu bestimmen.

[197] Kirchhoff, Band I, schildert die Kriege in der Ostsee bis in Einzelheiten genau; die Darstellung folgt ihm in der Hauptsache. In seinem Werke findet man auch die eingehende innere Geschichte der Marinen Rußlands, Schwedens und Dänemarks, ähnlich wie sie hier für die der Westmächte fortlaufend gegeben wird.

Bei dem mangelhaften Zustand der Flotten auf beiden Seiten hatten die Unternehmungen zur See wenig Bedeutung; es genügt deshalb, den Krieg ganz kurz zu fassen.

$Die Streitmittel[198].$ =Die russische Marine= zählte zwar 1736 36 Linienschiffe, 12 Fregatten und etwa 250 Galeren für den Schärenkrieg, aber die Fahrzeuge waren in schlechter Verfassung und es mangelte an Seeleuten, da es eine Handelsflotte kaum gab; 1740 war von den für die Linienschiffe nötigen 9000 Mann kaum die Hälfte vorhanden.

[198] Angaben über die nordischen Marinen in der früheren Zeit siehe Band 1, Seite 582 ff.

=Die schwedische Marine= besaß 1734 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und einige 30 Fahrzeuge für den Küstenkrieg.

In Voraussicht des kommenden Krieges war der schwedische Vizeadmiral =von Rajalin= schon im Mai 1741 mit 10 Linienschiffen und 4 Fregatten von Karlskrona nach den Aspöinseln südlich von Frederikshamn an der finnländischen Küste gesegelt, wo er Verstärkungen erwarten sollte. Infolge schlechter Verpflegung brach aber bald auf der Flotte eine Epidemie aus, der bis Anfang August über 700 Mann erlagen. Da außerdem der Krankenbestand mehr als 2000 Mann betrug, waren die Schiffe völlig gefechtsunfähig; zum Glück zeigte sich die russische Flotte nicht. =Rajalin= unternahm nichts und kehrte im Oktober nach Karlskrona zurück; die inzwischen eingetroffene Schärenflottille folgte ihm, ohne irgendwie verwendet worden zu sein. Nur schwedische Kreuzer waren im Skagerrak und in der Ostsee durch Aufbringen von Schiffen mit Zufuhren für Rußland von Nutzen gewesen.

$Im Landkriege$ hatte Rußland 1741 einen Erfolg zu verzeichnen. General =Keith= -- der spätere preußische Feldmarschall -- drang Ende August in Finnland ein, schlug die Schweden bei Wilmanstrand und erstürmte diese wichtige Grenzfestung. Beide Heere bezogen dann Winterquartiere. Im Februar 1742 plante der Feldmarschall Lacy von Narwa aus über das Eis in Finnland bei Frederikshamn einzufallen. Eintretendes Tauwetter verhinderte die Ausführung und das Eindringen von Karelien aus ward durch Unruhen im Heere längere Zeit hingehalten; erst Ende Juni begann der Feldmarschall längs der Küste vorzurücken, wobei er mit den Seestreitkräften in Verbindung zu bleiben strebte.

$1742$ hatten die schwedischen Seestreitkräfte ebensowenig Erfolg. Zwar sammelte sich im Sommer wiederum eine Flotte von 12 Linienschiffen nebst 6 Fregatten unter Vizeadmiral =Sjöstjerna=, sowie eine Schärenflottille bei den Aspöinseln, abermals jedoch schwächte Krankheit die Besatzungen. Als dann der am Lande befehligende =General Löwenhaupt= die Forderung stellte, den russischen Seestreitkräften -- 12 Linienschiffe und 40 Galeren -- entgegenzutreten, die das von Wiborg her vordringende feindliche Heer begleiteten, wagte der Admiral dies nicht. Er segelte mit dem Hochseegeschwader nach Hangö-Udde und berief auch die Flottille zu sich, als die russische Hochseeflotte dort erschien. =Löwenhaupt= leistete nirgend ernstlichen Widerstand, sondern wich von Ort zu Ort zurück; so konnten die Russen ohne Kampf das befestigte Frederikshamn besetzen und im September mit 17000 Mann das schwedische Hauptheer von 12000 Mann, das westlich von Helsingfors zu Lande und zu Wasser eingeschlossen war, zur Übergabe zwingen. Sie drangen dann noch unter =Keith= bis Abo vor.

Durch einen nach der Kapitulation geschlossenen Waffenstillstand wurden die schwedischen Seestreitkräfte frei und kehrten nach Schweden zurück. Man sandte nun ein Geschwader nach der Nordsee, um 6 russischen Linienschiffen entgegenzutreten, die in Archangel ausgerüstet waren; diese sahen sich genötigt, umzukehren. Die Russen benutzten aber die Abwesenheit der schwedischen Flotte, sich im Herbst noch der Aalandsinseln zu bemächtigen.

Im Frühjahr $1743$ setzten sich die Schweden durch rasches Vorgehen wieder in Besitz dieser Inseln und sammelten hier 30 Galeren; ein Versuch, nach Osten vorzudringen, ward aber durch =Keith= mit 30 Galeren von Abo aus verhindert. Im Juni kam dann =Lacy= mit 50 Galeren bis Hangö-Udde heran, konnte sich jedoch nicht mit =Keith= vereinigen, weil inzwischen die schwedische Flotte von 16 Linienschiffen unter Admiral =von Utfall= hier erschienen war. Bald aber zeigte sich auch der russische Admiral =Golowin= mit 17 Linienschiffen bei Hangö, =Utfall= ließ sich von ihm zur Verfolgung bis Reval verlocken und die Vereinigung der beiden russischen Schärenflottillen fand statt. =Lacy= hatte nun über 70 Galeren mit 20000 Mann gegenüber den 30 schwedischen, während sich die beiderseitigen Hochseeflotten in Schach hielten.

Schweden mußte jetzt wie zu Ende des Nordischen Krieges eine Verwüstung der eigenen Küsten befürchten und war deshalb zu Verhandlungen bereit. Am 18. August 1743 ward der =Frieden zu Abo= geschlossen, in dem Schweden die Grenzfestungen Wilmanstrand, Nyslot und Frederikshamn, sowie Finnland bis zum Kymeneflusse abtrat.

Der Krieg hatte Schweden 11 Millionen Taler und große Menschenopfer gekostet; auf der Hochseeflotte waren 6000 und auf der Schärenflottille 1500 Mann allein Krankheiten erlegen. Die Gründe seiner Mißerfolge liegen in der Uneinigkeit der Führer am Lande infolge der Parteizwiste in Schweden, die bei einigen Führern hart an Verrat streiften, sowie in dem Mangel eines einheitlichen Zusammenwirkens der Land- und Seestreitkräfte; auf russischer Seite ist dagegen ein planmäßiges Hand in Hand Gehen der beiden Waffen zu erkennen.

$Ein Zusammenstoß Schwedens mit Dänemark$ ward durch russische Hilfe verhindert. In Schweden war nach langen Wahlkämpfen Herzog =Adolf Friedrich von Holstein-Lübeck= zum Thronfolger erwählt. Da auch der Kronprinz von Dänemark zur Wahl gestanden hatte, begann Dänemark im Sommer 1743 zu einem Einfall in Schweden zu rüsten. Dieses bat nach dem Friedensschluß Rußland um Unterstützung und eine russische Galerenflottille mit 10000 Mann nahm Winterquartiere zwischen Nyköping und Westerwik. Darauf stand Dänemark von seinem Vorhaben ab.

Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen Kriege 1756-1763.

Die Beteiligung der beiden Marinen an diesem Kriege war sehr gering.

=Die Hochseeflotten= wurden nur zu Demonstrationen und zur Beschießung Kolbergs benutzt. Als 1758 eine englische Flotte in der Ostsee zu erwarten war, vereinigten sich im Juni ein schwedisches, sowie ein russisches Geschwader mit einem dänischen in der Kjögebucht und blieben dort bis zum Herbst liegen. 1759 trat eine schwedisch-russische Flotte zusammen, die Swinemünde blockierte und die Einnahme der Insel Usedom unterstützte, als man sichere Nachricht erhalten hatte, daß die Engländer nicht kommen würden. 1760 ging eine verbündete Flotte der drei Ostseemächte schon nach einer vierzehntägigen Kreuzfahrt wieder auseinander. Das russische Geschwader von 27 Schiffen, unter =Admiral Mischakow=, durch 8 schwedische verstärkt, erhielt dann Befehl, Kolberg zu bombardieren und dort 8000 Mann zu landen; das Unternehmen hatte aber keinen Erfolg. Auch 1761 erschien Ende August eine russisch-schwedische Flotte von 40 Schiffen vor der belagerten Stadt und beteiligte sich an der Beschießung, doch erst am 16. Dezember ergab sich Kolberg aus Hungersnot.

Es war ein Glück für =Friedrich den Großen=, daß Schweden und Rußland mit ihren Flotten nicht Landungen in größerem Maße an den pommerschen oder mecklenburgischen Küsten unternahmen. Dagegen hätte das versprochene Auftreten englischer Seestreitkräfte in der Ostsee durch Erschwerung der Zufuhren für Schweden und Rußland dem König große Erleichterung gebracht.

=Ein Teil der schwedischen Schärenflotte= erhielt vorteilhaftere Verwendung. 1757 ging eine Flottille von 4 Galeren und 2 Geschützprähmen mit einer Besatzung von 1000 Mann nach Pommern hinüber und wurde 1758 noch durch einige Fahrzeuge verstärkt. Mehrfach unterstützte sie Unternehmungen der Landtruppen, beschoß die Befestigungen bei Peenemünde, griff die Fähre bei Anklam an und räumte im Fahrwasser von Swinemünde versenkte Fahrzeuge fort. Sie lief dann in die Haffs ein, um eine in Stettin gebildete preußische Flottille von 4 Galeren, 4 Galioten und einigen Barkassen mit insgesamt 700 Mann zu vernichten.

Diese stellte sich am 11. September in der Enge zwischen dem Großen und dem Kleinen Haff beim =Reppiner Haken= der schwedischen, die z. Z. 4 Galeren, 4 Halbgaleren und 3 Schaluppen zählte. Die Preußen lagen zu Anker, ihre Galeren in der Mitte, je 2 Galioten auf den Flügeln, die Barkassen dahinter. Die Schweden griffen an und gingen sogleich zum Entern über, weil sie die Überlegenheit der feindlichen Artillerie erkannt hatten. Die preußische Flottille mußte die Ankertaue kappen, um nach Osten zu entkommen, auf der Verfolgung wurden 8 Fahrzeuge mit 106 Kanonen, 26 Offizieren und 640 Mann genommen; die Überlegenheit der Schweden an Mannschaften und ihre größere seemännische Geschicklichkeit hatten den Ausschlag gegeben.

Trotz dieser Niederlage stellte Preußen eine neue Flottille von 2 flachgehenden Fregatten mit je 12 18-Pfündern und kleineren Schiffen auf, die auch im weiteren Verlauf des Krieges einige schwedische Fahrzeuge nahmen.

$Über die Stellung Friedrich des Großen$ zur Schaffung einer Flotte, über die Gründe hierfür, die Vorschläge, die dem Könige gemacht wurden, und dessen Entscheide darauf gibt =Kirchhoff= (Band I, Seite 311-317) lesenswerte Angaben. Es sei daraus hier nur erwähnt, daß Friedrich nach seinem berühmten Testament von 1752 die Schaffung einer Flotte neben dem Halten eines starken Heeres für nicht angebracht erachtete, weil das Land zu arm und sein Hauptgegner zunächst Österreich sei. Man muß bedenken, daß der König beim Regierungsantritt nichts von Seestreitkräften vorfand und daß eine neugegründete Flotte bis zum Beginn der von ihm sicher vorausgesehenen Kriege kaum leistungsfähig werden konnte. Nachher lagen ihm andere Aufgaben zur Erhaltung und Stärkung seines Staates näher.

Die russisch-türkischen Kriege 1768-1774 und 1787-1791.

$Der Krieg 1768-1774.$ Die Versuche der Kaiserin =Katharina= II., das polnische Reich ganz ihrem Willen zu unterwerfen, erregte die Besorgnis der Türkei, die von Frankreich und Österreich noch gesteigert wurde, um dadurch Rußland von Polen abzuziehen. 1768 erklärte die Pforte den Krieg.

Rußland hatte im Österreichisch-Russisch-Türkischen Kriege 1736-1739 Asow gewonnen und war so ans Schwarze Meer gelangt; =Katharina= (1762-1796) begann am Don eine Flotte zu bauen, wie es schon =Peter der Große= geplant hatte[199]. Diese war allerdings zum ersten Kriege noch nicht bereit, aber die russische Ostseeflotte sollte in diesem für das Mittelmeer eine Rolle spielen.

[199] Vgl. Band I, Seite 583.

$Der Hauptkrieg am Lande$ in Europa ist für diese Darstellung ohne Bedeutung; er verlief zum Nachteil der Türken. Diese drangen zwar 1769 gegen die russische Grenze vor, wurden aber am Dnjestr geschlagen, und die Russen eroberten 1770 die Moldau sowie die Walachei und 1771 die Krim. Im Juni dieses Jahres trat ein Waffenstillstand ein, die Friedensverhandlungen führten aber nicht zum Ziel. 1773 wurde der Krieg an der Donau fortgesetzt, bis die Türkei nach einer schweren Niederlage im Juni 1774 zum Frieden bereit war.

=Im Mittelmeere= geriet nämlich die Türkei durch Aufstände in Griechenland, Ägypten und Syrien, die von Rußland unterstützt wurden, in Bedrängnis.

=Katharina= sandte im Oktober 1769 eine Flotte von 12 Linienschiffen, 12 Fregatten nebst Transportern mit einigen Bataillonen Infanterie zum Mittelmeer. Den Oberbefehl führte dem Namen nach =Alexej Orlow=, ein Günstling der Kaiserin, der gar keine maritime Kenntnis besaß, in Wahrheit =Admiral Spiridoff=, unterstützt durch seinen Flaggkapitän, Kontreadmiral =Greigh=, und seinen Vizeadmiral =Elphinstone=; beide waren Engländer, wie auch sonst viele Seeoffiziere dieser Nation in der russischen Flotte dienten.

=Die türkische Flotte= zählte einige 20 Linienschiffe, die an sich wohl besser waren als die russischen, aber Offizieren wie Besatzungen fehlte jede Ausbildung; nur eine geringe Zahl von Angehörigen der Barbareskenstaaten waren seemännisch-militärisch brauchbar.

=Orlow= traf im April 1770 in Griechenland ein und landete die Soldaten auf dem Peloponnes. Hier hatten sich die Mainoten des Taygetus erhoben, durch russische Agenten aufgewiegelt; sie drangen nun mit den Russen im Peloponnes vor, wobei viele Grausamkeiten an türkischen Einwohnern in Mistra und Kalamaka verübt wurden. Man erreichte nicht viel; Methone und Koroni auf der Südwestspitze der Halbinsel wurden vergeblich belagert. Die Türken, durch Albanesen vom Festlande her verstärkt, unterdrückten nach und nach den Aufstand, besonders nachdem Ende Mai die schwachen russischen Truppen wieder eingeschifft waren.

Eine herangekommene türkische Flotte ward dagegen durch die russische gezwungen, sich unter die Kanonen von Nauplia zu legen und hier am 15. und 16. Mai beschossen; sie zog sich dann in den Archipel zurück, wo auf einigen Inseln Aufstände ausgebrochen waren. =Orlow= folgte ihr nach Einschiffung der Truppen, fand sie nach längerem Suchen -- 16 Linienschiffe, 6 (9?) Fregatten und 11 kleinere Fahrzeuge stark -- in der Straße von Chios und vernichtete sie völlig =in der Bucht von Tscheschme= am nahen Festlande.

$Die Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme, 5. Juli 1770.$ Gejagt von den Russen, hatte die türkische Flotte am 5. Juli am Eingange der unverteidigten Bucht geankert; der befehligende Kapudan-Pascha begab sich sofort an Land, »um den Bau von Schanzen zu veranlassen« und überließ das Admiralschiff dem Algerier =Hassan=. =Spiridoff= enterte dieses mit seinem Flaggschiffe; während des Kampfes fingen beide Feuer, das türkische flog auf, das russische verbrannte. =Hassan=, der sich heldenmütig verteidigt hatte, kam mit dem Leben davon und tat später lange Jahre hindurch als Kapudan-Pascha viel zur Hebung der türkischen Marine. Die übrigen türkischen Schiffe kappten ihre Ankertaue und trieben in völliger Verwirrung eng zusammengedrängt zum Ende der Bucht. Die Russen richteten schnell drei Fahrzeuge als Brander zu; mit diesen, durch englische Offiziere geführt und beim Angriff durch das Feuer der Flotte gedeckt, wurden noch in der folgenden Nacht fast alle türkischen Schiffe verbrannt oder aufgesprengt; gegen 8000 Mann fanden ihren Tod. Ein Linienschiff und 5 kleinere Fahrzeuge wurden genommen.

=Orlow= nutzte den Sieg nicht weiter aus, obgleich =Elphinstone= riet, bis Konstantinopel vorzudringen und auch am 26. Juli mit 3 Linienschiffen und 4 Fregatten bei der Verfolgung zweier türkischer Linienschiffe die Befestigungen am Eingange der Dardanellen passierte. (Kum Kaleh und Seddil Bahr.) Er scheint dann aber nur bis Kepes Burun gelangt zu sein, weil die durch einen französischen Offizier kürzlich verstärkten Werke an der Enge (Kilid Bahr und Kaleh Sultanie) zu mächtig waren; es steht dahin, ob nicht der gesamten Flotte ein weiteres Vordringen doch gelungen wäre.

Die russische Flotte trat hierauf noch im Mittelmeer auf. In Akka hatte sich ein Beduinenscheich, =Daher=, und in Ägypten der Pascha =Ali Bey= gegen den Sultan erhoben; beide vereint führten Krieg gegen die Paschas von Damaskus und Saïda. =Orlow= unterstützte sie beim Angriff auf Küstenstädte, z. B. Jaffa, Beirut und Damiette, konnte aber ihr schließliches Unterliegen nicht hindern. Im allgemeinen beschränkte sich die Tätigkeit der Flotte sonst auf den Kreuzerkrieg. Im Januar 1775 kehrte sie nach der Ostsee zurück. Hin- und Rückreise brachten bei der Unerfahrenheit der Besatzungen viele Fährnisse, hatten aber doch wie der Aufenthalt im Mittelmeer überhaupt die Ausbildung der russischen Ostseeflotte sehr gefördert.

=Der Frieden von Kücük-Kainardschi=, 21. Juli 1774, war für Rußlands Stellung am Schwarzen Meere und die Entwicklung seiner Seemacht dort von großer Bedeutung. Es erhielt Asow, Kertsch mit der Festung Jenikale und Kinburn an der Einfahrt zu dem Mündungsgebiet des Dnjepr und Bug Otschakow gegenüber, das noch türkisch blieb; ferner wurde ihm das Recht der freien Schiffahrt in den türkischen Gewässern, selbst in den Dardanellen, zugestanden. Die Moldau und die Walachei gab es zurück und die Krim wurde für unabhängig erklärt.

* * * * *

$Der Krieg 1787-1791.$ 1783 trat der Khan der Krim sein Gebiet gegen ein Jahrgeld an =Katharina= ab. Die Türkei war darüber erbittert, und da Rußland sich auch in Georgien festzusetzen suchte, erklärte sie im August 1787 wiederum den Krieg. Obgleich die russische Ostseeflotte seit 1774 sehr erstarkt und auch im Schwarzen Meere eine neue Seemacht geschaffen war, spielten doch deren Streitkräfte in diesem Kriege keine große Rolle. Die Anführung ihrer wenigen Waffentaten wird genügen.

$Der Verlauf des Landkrieges.$ Österreich war durch Verträge zu Rußlands Beistand verpflichtet; der Kaiser versuchte zunächst vergeblich zu vermitteln und trat dann Februar 1788 in den Krieg ein. Die österreichischen Truppen fochten an den türkischen Grenzen von Kroatien bis Galizien, das Hauptheer an der Donau, rechts und links davon selbständig das kroatische, slawonische, banater, siebenbürger und galizische Korps, die Russen schlossen sich vom linken Flügel bis zum Schwarzen Meere an. Wenn auch mit wechselndem Waffenglück gekämpft wurde, so blieb doch der Enderfolg den Verbündeten. Die wichtigen Festungen Jassy (September), Otschakow (Dezember 1788), Belgrad (September), Bender (November 1789) und Orsova (April 1790) nebst anderen wurden genommen; Bessarabien, die Walachei sowie ein Teil von Serbien fielen in ihre Hände. Auf Vermittlung Preußens und Englands schloß Österreich am 23. September 1790 Waffenstillstand und am 4. April den =Frieden zu Sistowa=, in dem es seine Eroberungen zurückgab. Rußland setzte den Krieg fort, eroberte Ismail an der unteren Donau (Dezember 1790) und drang im April 1791 über diesen Fluß vor. Nach einer empfindlichen Niederlage bei Tultscha (9. Juni) schloß die Türkei am 9. Januar 1792 den =Frieden zu Jassy=.

=Die russische Ostseeflotte= sollte auch in diesem Kriege kräftig im Mittelmeere eingreifen, wurde aber durch den Ausbruch des Kampfes mit Schweden im Norden zurückgehalten. =Die Schwarze Meer-Flotte= war aber schon kampfkräftig. Am Dnjepr war 1778 die Stadt Cherson als Kriegshafen gegründet[200] und 1788 standen hier 19 Schiffe von 36 bis 66 Kanonen in Dienst, während noch 11 an der Werft lagen; hierzu trat eine starke Flottille von kleinen Segelfahrzeugen und Ruderkanonenbooten für den Küstenkrieg. Rußland war jetzt der Türkei an Seestreitkräften gewachsen.

[200] Der Kriegshafen ward 1788 nach Nikolajew am Bug verlegt.

Als die =Belagerung von Otschakow= im Mai 1788 aufgenommen wurde, erhielten die Hochseeflotte unter Kontreadmiral =Paul Jones= -- dem bekannten amerikanischen Freibeuterführer (vgl. Seite 406) -- und die Küstenflottille unter dem =Prinzen von Nassau-Siegen= Befehl, die Stadt von der See abzuschließen. Sie lieferten der türkischen Flotte unter dem Kapudan-Pascha =Gazi-Hassan= verschiedene Gefechte und vernichteten am 28. und 29. Juni einen großen Teil von ihr. Vom 12. Juli an war die Festung von der See abgeschnitten und blieb es, obgleich die türkische Flotte später noch einmal erschien, bis zum erfolgreichen Sturm im Dezember, den die Ruderflotte durch ihr Feuer von See her mit vorbereitet hatte.

$1791$ sandten die Türken eine Flotte von 18 Linienschiffen und 12 Fregatten ins Schwarze Meer, um die russische Seemacht dort anzugreifen. Es kam zuerst am 19. Juli unweit =Jenikale= zu einer unentschiedenen Schlacht, später vertrieb dann Admiral =Uschakow= durch siegreiche Gefechte am 8. und 9. September die Türken.

Bei der =Belagerung von Ismail= zu Ende des Krieges schloß die Küstenflottille die Stadt von der See ab.

=Im Frieden von Jassy=, 9. Januar 1792, gab Rußland zwar seine sonstigen Eroberungen zurück, behielt aber die Krim und die Küste bis zum Dnjestr mit der Festung Otschakow; =Rußlands Stellung am Schwarzen Meere war damit fest begründet=.

Der Schwedisch-Russische Krieg 1788-1790[201].

=Gustav III. von Schweden= (1771-1792) hatte seit langem geplant, unter günstigen Umständen Dänemark und Rußland anzugreifen, um durch kriegerischen Ruhm wie Gustav Adolf Macht und Ansehen zu erringen, insbesondere die auf dem Festlande verlorenen Provinzen wieder zu erobern. Die Verwicklungen Rußlands mit der Türkei erschienen ihm geeignet, zunächst gegen diesen Staat vorzugehen. Er knüpfte mit England und der Türkei Verhandlungen wegen Lieferungen von Subsidien an, aber ehe diese noch zu einem Abschluß gekommen waren, beschloß er, loszuschlagen, durch Umtriebe der =Kaiserin Katharina II.= hierzu gereizt. Diese betrachtete die seit längerer Zeit mit französischem Gelde betriebene Rüstung der schwedischen Marine mit Recht als gegen sich gerichtet und schürte deshalb den Streit der Parteien in Schweden; da sie ferner die Eroberung Finnlands stets im Auge hatte, wirkte sie auch hier zuungunsten Schwedens auf den Adel des Landes ein, der sich mit dem Gedanken eines Abfalls von Schweden trug. Bei einer Reise =Gustavs= in Finnland 1787 zeigte sich klar, daß die aufrührerische Bewegung unter dem Adel und den Offizieren des schwedisch-finnländischen Heeres große Fortschritte gemacht hatte; ein Umstand, der den König gleichfalls bewog, den Krieg sobald als möglich zu beginnen.

[201] Hauptquelle: Kirchhoff, vgl. die Anmerkung zu Seite 418. Das Werk behandelt besonders auch die Ereignisse des Schärenkrieges sehr eingehend, die hier kürzer gefaßt sind.

Da der Norden Rußlands infolge des Türkenkrieges fast ganz von Truppen entblößt war, hoffte =Gustav= mit einem plötzlichen Schlage Großes zu erreichen; sein Plan war, Petersburg zu überrumpeln. Bei Oranienbaum in Ingermanland wollte er 20000 Mann landen und gleichzeitig von Finnland aus vordringen. Der Krieg ward aber ohne genügende Vorbereitung und ohne Rückhalt begonnen. Die Streitmittel waren nicht rechtzeitig fertig und die fremde Unterstützung entsprach nicht der Erwartung. Die Türkei hatte die ersten Ausgaben erstatten und später jährlich eine Million Piaster zuschießen wollen, machte dies aber davon abhängig, daß Schweden die Abfahrt russischer Schiffe nach dem Mittelmeer hindere; erst 1789 ward ein Subsidienvertrag in sehr abgeschwächter Form geschlossen. England zahlte überhaupt nichts.

$Die Seestreitkräfte Rußlands.$ =Die Hochseeflotte= in den nördlichen Gewässern hatte unter =Katharina= einen großen Aufschwung genommen; sie zählte 1788 nahezu 50 Linienschiffe nebst einem Dutzend Fregatten. Die in Kronstadt, Reval und Archangel stationierten Schiffe befanden sich in gutem Ausrüstungszustande. Als Offiziere und Unteroffiziere dienten viele Ausländer, besonders Briten; der englische Admiral =Knowles= hatte die Ausbildung der Seeoffiziere mit gutem Erfolge geleitet. Die Besatzungen ließen jedoch noch immer zu wünschen übrig, da bei den Nationalrussen nur wenig Neigung und Anlage zum Seedienste vorhanden war; die Flotte, die 1788 auftrat, war zum großen Teile mit eben ausgehobenen Leuten ohne jede Seeerfahrung bemannt.

Schon im Herbst 1787 war mit den Vorbereitungen zu einer Expedition ins Mittelmeer begonnen, die wie im Türkenkriege 1768 Truppen und Kriegsmaterial für einen Aufstand in Griechenland mit sich führen sollte; infolgedessen war die Indienststellung der Flotte bei Ausbruch des Krieges mit Schweden erleichtert.

Rußland verfügte ferner über bedeutende Reste der früher großen =Galeren- und Schärenflottille=, doch waren die Fahrzeuge so verwahrlost, daß sie im ersten Kriegsjahre kaum verwendet werden konnten.

$Die Seestreitkräfte Schwedens.$ =Die Hochseeflotte= war nach dem letzten Kriege wegen Geldmangels so heruntergekommen, daß man 1765 nur noch 10 brauchbare Linienschiffe besaß, und erst von 1767 an, besonders aber seit der Thronbesteigung =Gustavs III.= ward ihr wieder die nötige Fürsorge zuteil. 1788 zählte sie 26 Linienschiffe von 64-74 Kanonen und 13 Fregatten, die sich in gutem Zustande befanden; sie war in Karlskrona stationiert, ein kleineres Geschwader ständig nach Gothenburg abgezweigt. Zu einer beabsichtigten jährlichen Indienststellung von Übungsgeschwadern hatten meist die Mittel nicht gereicht, aber für die wissenschaftliche Ausbildung der Offiziere hatte man viel getan und einige von ihnen in fremde Marinen abkommandiert, um Erfahrungen zu sammeln.

Der =Küstenflottille= hatte man schon seit 1756 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Man hatte sie unter der Bezeichnung »Armeeflotte« ganz von der Hochseeflotte abgezweigt und im Laufe der Jahre neben den alten Galeren -- nach Mittelmeermuster mit Masten zum Niederlegen und mit 1 oder 2 Geschützen -- durch verschiedene neue Typen ergänzt[202]. Besonders traten verschiedene Klassen größerer Segelfahrzeuge hinzu, die eine feste Takelage (die größeren Vollschiffstakelung) besaßen, 4-24 schwere Geschütze führten und deren Batterien sowie Ruderreihen eingedeckt waren. An Ruderfahrzeugen mit Hilfstakelage zum Niederlegen waren Kanonenschaluppen mit 2 und Kanonenbarkassen mit einem schweren Geschütz eingeführt.

[202] Kirchhoff gibt Band I, Seite 328 ff., lesenswerte Angaben über die Entwicklung der Armeeflotte, sowie über die verschiedenen Schiffstypen.

1788 zählte die Armeeflotte in ihrem schwedischen Geschwader zu Stockholm: 28 Galeren nebst je einem großen Beiboot und 30 Schaluppen; in dem finnländischen Geschwader zu Sweaborg: 15 Fahrzeuge des neuen Segeltyps, 8 Mörserbarkassen; 40 Schaluppen und 15 Kanonenbarkassen. Zu jedem Geschwader gehörten 2 Fregatten sowie ein großer Troß von anderen Fahrzeugen, die bei dem mangelnden Raum an Bord der stark bemannten Ruderschiffe zum Unterbringen von Munition, Proviant, Wasser und Kranken stets folgen mußten.

$Der Aufmarsch der Schweden 1788.$ Im März ließ =Katharina= in Stockholm bekanntgeben, daß sie eine Flotte ins Mittelmeer zu senden beabsichtige, und =Gustav= befahl daraufhin die Indienststellung der Flotte; 12 Linienschiffe nebst 5 Fregatten sollten Ende Mai seeklar sein. Als der russische Gesandte am 18. Mai nach dem Zwecke dieser Maßnahme fragte, erhielt er am 23. die gereizte Antwort, er habe innerhalb 8 Tagen Stockholm zu verlassen, und schon am 22. bekam die finnländische Hauptmacht Marschbefehl an die russische Grenze; 15000 Mann sammelten sich am Kymeneflusse.

=Die Hochseeflotte= lief in voller Stärke mit 3500 Soldaten am 9. Juni unter =Herzog Karl von Södermanland=, dem Bruder des Königs, von Karlskrona aus, unter ihm befehligte als Flottenchef Admiral =Graf Wrangel=. Gegen Ostwind aufkreuzend, gelangte sie erst am 21. bis zur Insel Dagö am Eingang zum Finnischen Meere und stieß hier auf ein russisches Geschwader von 3 Dreideckern und 4 Fregatten unter Admiral =van Dessen=. Diese Schiffe waren bestimmt, der noch in Kronstadt ausrüstenden Mittelmeerflotte Vorräte vorauszuführen; man hatte sie so zeitig abgesandt, weil die Dreidecker während des Passierens der Drogden bei Kopenhagen die Materialien auf Fregatten abgeben mußten. =Herzog Karl= hatte noch keinen Befehl zur Eröffnung der Feindseligkeiten und ließ Dessen ungehindert vorbei -- eine grobe Nachlässigkeit der Oberleitung, da ein überraschender Bruch mit Rußland beabsichtigt war. Am 28. Juni traf die Flotte bei Hangö ein.

=Die Schärenflottille von Stockholm= war schon Ende Mai in See gegangen. Sie führte auf Transportern 9000 Soldaten mit sich, und der König =Gustav= begleitete sie. Gleichfalls durch Gegenwinde aufgehalten, erreichte sie erst am 2. Juli Helsingfors, wo die Truppen gelandet wurden. =Die gesamte schwedische Landmacht= in Finnland betrug Anfang Juli gegen 44000 Mann, in Schweden standen noch 14000 und in Pommern 4000.

Inzwischen hatte =König Gustav= an =Katharina= ein Ultimatum mit kaum glaublichen Forderungen gesandt: Strenge Bestrafung des russischen Gesandten wegen seiner Umtriebe, Herausgabe der in den Friedensschlüssen von Nystad und Abo abgetretenen Landesteile, Überlassung der Krim an die Türkei. Die Kaiserin wies es schroff zurück, obgleich Petersburg in großer Gefahr schwebte, denn =die russische Landmacht= war sehr gering; in der Umgebung der Hauptstadt standen nur 8000 Mann, die während des ganzen ersten Kriegsjahres kaum auf das Doppelte verstärkt werden konnten. In Finnland vermochte man dem Feinde nicht mehr als 10000 Mann entgegenzustellen; die Festungen waren ungenügend besetzt und in schlechtem Zustande. =Die Hochseeflotte= war noch nicht kriegsbereit und =die Küstenflottille= wurde es in diesem Jahre überhaupt nicht.

Ein schnelles und tatkräftiges Vorgehen der Schweden würde verhängnisvoll geworden sein, aber sie hatten schon viel Zeit verloren und waren auch weiterhin nicht vom Glück begünstigt.

$Die Operationen der Hochseeflotten 1788.$ Die schwedische Flotte erhielt am 6. Juli die Nachricht von der Kriegserklärung. Am 8. langte sie vor Sweaborg an und ward hier auf 15 Linienschiffe und 11 Fregatten verstärkt, ging aber erst am 14. wieder in See, um den Feind im Osten zu suchen. Am 17. Juli trat ihr der aus dem ersten türkischen Kriege bekannte russische Admiral =Greigh= mit 17 Linienschiffen (1 zu 108, 16 zu 66-74 Kanonen) und 8 Fregatten -- die Expedition nach dem Mittelmeer, die dieser Admiral führen sollte, war natürlich aufgegeben -- etwa 30 Seemeilen westlich der Insel Hogland entgegen, und es kam zur rangierten Schlacht.

$Die Schlacht bei Hogland, 17. Juli 1788.$ Die russische Flotte stand bei östlichem Winde zu Luward; die Gegner sichteten sich zwischen 9 und 10 Uhr vormittags. Nach verschiedenen Manövern lag die schwedische gegen 4 Uhr nachmittags in Kiellinie über Steuerbordbug beim Winde und die russische griff in gleicher Formation und über denselben Bug liegend in der bekannten englischen Art an, so daß sich der Kampf beider Linien Schiff gegen Schiff entspann, wobei sich wie gewöhnlich die Vorhuten und Mitten näher standen als die Nachhuten. Da die Russen 2 Linienschiffe mehr zählten, hatten die Schweden 5 40-Kanonenfregatten (von ihnen oft Linienfregatten genannt) in die Linie eingestellt; die Russen hingen eine solche der ihrigen an; es standen 1450 russische gegen 1290 schwedische Geschütze im Gefecht. Der Kampf war heiß; mehrere russische Schiffe mußten beschädigt hinter ihre Linie geschleppt werden, aber auch das schwedische Flaggschiff wurde fast manövrierunfähig.

Um 8 Uhr abends ließ =Herzog Karl= alle Schiffe zugleich halsen, weil die Spitze sich den Bänken vor der estländischen Küste zu sehr näherte, und =Greigh= folgte diesem Beispiele. Des flauen Windes halber konnte das Manöver mit den beschädigten Schiffen nur schwer ausgeführt werden, beide Linien verloren ihre Ordnung; dadurch gerieten sowohl ein russisches wie ein schwedisches Schiff zwischen mehrere feindliche und mußten die Flagge streichen. Um 10 Uhr abends endete der Kampf und die Flotten trennten sich während der Nacht.

=Der Verlust= betrug auf schwedischer Seite 130 Tote und 340 Verwundete, auf russischer fast 1000 Mann.

=Die Schlacht blieb unentschieden.= Die Schweden schrieben sich den Sieg zu, weil der Gegner wegen der Beschädigung seiner Schiffe den Angriff nicht erneuert habe, obgleich er zu Luward stand. Die Russen sagten, der Feind habe das Feld geräumt. Es war tatsächlich =ein strategischer Erfolg der Russen=, denn die Schweden unterließen den Angriff zur See auf Petersburg, weil sie erkannt hatten, daß ihre Flotte der feindlichen nicht so unbedingt überlegen sei, wie man bisher angenommen hatte.

Die russische Flotte ging nach der Schlacht zum Ausbessern bis zur Insel Seskär, 40 Seemeilen westlich von Kronstadt, zurück; hier vermochte sie Zufuhren zu erhalten und die Verbindung Petersburgs mit den Festungen Wiborg und Frederikshamn zu sichern. Die Schweden segelten nach Sweaborg, um Vorräte, vor allem Munition, aufzufüllen, die jedoch von der Heimat kommen mußten, da man versäumt hatte, in Helsingfors Depots anzulegen. =Greigh= erschien bald wieder, überraschte am 6. August eine schwedische Erkundungsdivision und nahm ihr ein Linienschiff ab. Er segelte dann nach Reval, ließ aber 8 Linienschiffe vor Sweaborg, die den Gegner beobachteten und der finnländischen Küste die Zufuhren von See her erschwerten. Die schwedische Flotte blieb für dieses Jahr untätig.

$Der Schären- und Landkrieg 1788.$ Die Armeeflotte ging erst am 26. Juli -- 2 Fregatten, 15 der großen Küstensegler, 18 Galeren und 36 Kanonenschaluppen stark -- mit 6000 Soldaten nach Osten vor. Man wollte Frederikshamn durch das Landheer und eine Landung angreifen. Die Stadt wurde auch am 3. August eingeschlossen und wäre sicher gefallen, wenn nicht =eine Empörung im Landheere= den König gezwungen hätte, die Belagerung aufzugeben. Der größere Teil der Offiziere gehörte der Oppositionspartei in Schweden an, die den ohne Zustimmung der Stände begonnenen Angriffskrieg für verfassungswidrig erklärte. Sie forderten die Rückberufung der Armee, und der König sah sich genötigt, diese hinter den Kymene zurückzuziehen; die Flottille ward nach Westen bis Borgaa gesandt, wo man die Landungstruppen ausschiffte. Die Meuterer gingen noch weiter. Nach einer Versammlung in Anjala -- nach der sie sich den =Anjalabund= nannten -- traten sie mit =Katharina= in Verhandlung und schlossen einen Waffenstillstand ab. =Gustav= reiste zu seiner eigenen Sicherheit am 27. August nach Stockholm; die Nachricht von einem dänischen Angriff auf Schweden gab ihm guten Vorwand dazu. =Herzog Karl=, der den Oberbefehl übernahm, bestätigte den Vertrag des Anjalabundes.

=Der Krieg war= am Lande =zu Ende= und bald auch zur See. =Greigh= blockierte bis Ende Oktober die finnländische Küste. Er hatte inzwischen Hangö-Udde besetzt und sperrte hier die Schären ab, so daß auch auf diesem Wege die westlich dieser Halbinsel gesammelten Zufuhren von Schweden nicht nach Helsingfors-Sweaborg gelangen konnten; sie wurden schließlich zu Lande über die Halbinsel geschafft und dann wieder verladen. Mit Beginn des früh einsetzenden Winters ging Greigh nach Kronstadt zurück. Die nun freigewordene schwedische Flotte segelte am 19. November nach Karlskrona; die Schiffe mußten schon ausgeeist werden und am Tage darauf fror der Hafen vor Sweaborg ganz zu.

$Dänemarks Angriff auf Schweden 1788.$ Nach einem älteren Bündnisvertrage war Dänemark verpflichtet, 6 Linienschiffe sowie 12000 Mann Landtruppen für Rußland zu stellen und auch dem Gegner in den Rücken zu fallen, wenn es von Schweden angegriffen würde. Als nun 1788 der Krieg ausbrach, kam die dänische Regierung ihrer Verpflichtung zwar nicht sofort und völlig nach, aber sie ließ doch im September von Norwegen aus Truppen in Schweden einrücken; die ersten Schüsse waren an der Grenze schon Ende Juni gefallen. Sie erklärte dabei, es sei kein Krieg Dänemarks gegen Schweden, die verwendeten Soldaten seien nur Hilfstruppen Rußlands. Ähnliche Auslegungen von Unterstützungen hat schon der österreichische Erbfolgekrieg gebracht (vgl. z. B. Seite 48). Dem weiteren Vordringen der Dänen machte aber das persönliche Erscheinen und tatkräftige Auftreten =König Gustavs= in Gothenburg ein Ende, um so leichter, da England und Preußen die Auffassung Dänemarks nicht teilten und mit ihrem Einschreiten drohten.

=Die Verwicklung mit Dänemark geriet König Gustav zum Glück.= Die neue, durch Rußland heraufbeschworene Gefahr brachte die Stände auf seine Seite; die Umtriebe des Anjalabundes scheiterten in Schweden; Bauern, Bürger und Geistlichkeit erklärten sich für den König, diesem ward das Recht zugestanden, auch Angriffskriege selbständig zu erklären; die Vorrechte der Krone wurden erweitert und der Krieg gegen Rußland ward volkstümlich.

$Das russische Geschwader van Dessen$ in Kopenhagen nahm an dem dänischen Angriffe nicht teil. Dagegen landete es, noch mit den Umschiffungsarbeiten begriffen, Anfang August Mannschaften bei Helsingborg und plünderte einige Ortschaften; anderseits aber wurden später zwei seiner Fregatten im Skagerrak von drei schwedischen genommen, denen dabei viel Kriegsmaterial in die Hände fiel. =Dessen= trat dann seine Reise zum Mittelmeer an, kehrte jedoch in der Nordsee um, als ihm bekanntgeworden war, daß er in englischen Häfen keinerlei Unterstützung finden würde. Zu ihm stießen 4 Linienschiffe nebst 2 Fregatten von Archangel, und er überwinterte darauf in Kopenhagen. Es ist unverständlich, daß er nicht zurückgerufen wurde, als man die Expedition ins Mittelmeer aufgab; man scheint ihn fast daheim vergessen zu haben.

$Die Gründe der schwedischen Mißerfolge 1788.$ Die Mißerfolge sind in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, daß der an sich gute Plan, Petersburg anzugreifen, nicht früh genug durchgeführt wurde; erlaubten dies die Verhältnisse nicht, so waren eben die Vorbereitungen ungenügend. Er ist auch später nicht umsichtig und tatkräftig verfolgt worden, noch Anfang Juli wäre es aussichtsreich gewesen, die unfertige russische Flotte bei Kronstadt anzugreifen, und die Armeeflotte hätte mit den um diese Zeit in Sweaborg vorhandenen Truppen weiter östlich landen müssen. Nach den ersten Mißerfolgen erlahmte dann Schwedens Tatkraft gänzlich; die Offensive schlug völlig in Defensive um; besonders bei der Hochseeflotte, die infolge ungenügender Vorbereitungen durch Mangel an Munition längere Zeit lahmgelegt war. Rechtzeitige Erfolge hätten belebend gewirkt, vielleicht sogar den Ausbruch der offenen Meuterei im finnländischen Heere gehindert.

* * * * *

$Die Tätigkeit der Hochseeflotten 1789.$ =Die schwedische Flotte= war Ende Mai seeklar, litt aber noch an Mannschaftsmangel; erst am 6. Juli ging =Herzog Karl= mit 21 Linienschiffen, 9 Linien- und 5 kleineren Fregatten in See. Seine Aufgabe war, die Vereinigung der russischen Flotten von Kronstadt und Kopenhagen zu verhindern, sowie die Überführung der Truppen von Vorpommern nach Schweden zu sichern. Während er bis zum 11. zwischen Schonen, Rügen und Seeland kreuzte, wurden die Soldaten nach Schweden übergeführt. Das russische Geschwader =van Dessens= lag neben einem dänischen in der Kjögebucht; es anzugreifen, verbot der Umstand, daß die Friedensverhandlungen mit Dänemark noch nicht abgeschlossen waren. =Herzog Karl= hielt sich dann östlich von Bornholm und erfuhr hier am 23. Juli, daß man die Kronstadtflotte bei Gotland gesehen habe.

=Diese russische Hauptflotte= unter Admiral =Tschitschagoff= zählte 21 Linienschiffe, darunter 3 Dreidecker, und 10 Fregatten. Sie war schon seit Ende Juni in See und hatte sich Anfang Juli vor Hangö Udde gezeigt. Nach den schlechten Erfahrungen des Vorjahres hatten aber die Schweden hier Befestigungen angelegt, und die Russen machten keinen ernsten Versuch, sich dieser wichtigen Stellung zu bemächtigen, sondern segelten nach Westen weiter.

Am 25. Juli sichteten sich die Gegner etwa 50 Seemeilen südöstlich der Insel Öland und die schwedische Flotte suchte nun der russischen den Weg nach der Kjögebucht zu verlegen. Abends waren beide einander ziemlich nahe, da aber der Wind sehr heftig wurde, blieben sie die Nacht über in Gefechtslinie parallel zueinander liegen. Am 26. Juli kam es zur =Schlacht bei Öland=, die jedoch unentschieden blieb. Die Schweden standen zu Luward und =Herzog Karl= griff an. Da er aber von seiner Nachhut im Stich gelassen[203] wurde und =Tschitschagoff= durch Abhalten beständig auswich, kam es nur zweimal zum ernsteren Zusammenstoß zwischen den Vorhuten und Mitten; die Schlacht endete mit Eintritt der Dunkelheit ohne große Verluste auf beiden Seiten. An den beiden nächsten Tagen gelang es den Schweden überhaupt nicht, an den Feind heranzukommen, ebensowenig am 30. Juli, als sich die Gegner nochmals bei Bornholm sichteten; der russische Admiral wollte eben einen Entscheidungskampf vor seiner Vereinigung mit =Dessen= vermeiden. Als dann der Wind für dessen Herankommen günstig wurde, lief =Herzog Karl= in Karlskrona ein, um nicht durch den übermächtigen Feind von diesem Stützpunkte abgeschnitten zu werden; zudem litten seine Besatzungen schwer unter Krankheiten. Am 2. August sollte auf Befehl des Königs eine Division von 3 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Finnland auslaufen, mußte aber umkehren, weil sie die Russen vor dem Hafen antraf.

[203] Das Verhalten der Nachhut grenzte hart an Verrat. Der Führer, Admiral =Liljehorn=, nahm seinen Posten nicht ein, er rief sogar einige seiner Schiffe zurück, die den Kampf suchten. Wahrscheinlich war sein und einiger seiner Kommandanten Verhalten Folge der Parteizwiste in Schweden; er ward kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt, aber vom Könige zu Dienstentlassung begnadigt.

=Karlskrona war blockiert.= =Tschitschagoff= hatte sich mit =Dessen= vereinigt und verfügte jetzt über 33 Linienschiffe, darunter 6 Dreidecker, nebst 13 Fregatten; er hielt die Blockade bis Ende August aufrecht und segelte dann zum Finnischen Meerbusen. Nun erst konnte die schwedische Division in See gehen. Ihre Bestimmung war, eine russische Stellung bei Porkala zu nehmen, die den Verkehr in den Schären hinderte, da sie aber bald auf eine größere Zahl russischer Schiffe stieß, kehrte sie unverrichteter Dinge zurück.

=Herzog Karl= ersetzte seine Kranken durch Landrekruten, lief aber erst auf wiederholten Befehl Mitte Oktober aus und kreuzte dann nur auf Übungsfahrten in der südlichen Ostsee; als er erfahren hatte, daß neun russische Schiffe in Reval aufgelegt hätten und der Rest nach Kronstadt gesegelt sei, kehrte er am 21. Oktober nach Karlskrona zurück.

$Der Landkrieg 1789.$ Nach einem harten Winter begann =der Feldzug in Finnland= erst im Juni und wurde dann mit wechselndem Waffenglück geführt. Das schwedische Hauptheer unter =König Gustav= stand am Kymeneflusse, ein kleineres unter Oberst =von Stedingk= weiter nördlich in Savolaks. Hier überschritten die Russen Anfang Juni die Grenze und drängten ihre Gegner zurück. Der König war am 25. Juni über den Grenzfluß gegangen und siegreich vorgedrungen, ging aber dann der Lage im Norden halber wieder bis Likala nahe Frederikshamn zurück; durch weiteres Vorgehen gegen Wilmanstrand und Wiborg hätte er voraussichtlich Stedingk entlastet und selber mehr erreicht; später wurden durch das Vorgehen des Hauptheeres tatsächlich die Russen im Norden zum Rückzuge gezwungen und der Oberst konnte wieder vorrücken. Bald aber gelang es dem Feinde, die Verbindungstruppe zwischen dem Hauptheere und Stedingk zu schlagen, und so dieses in der Flanke zu bedrohen. Der König wich darauf bis zum Kymene, und nach der Schärenschlacht im Svensksunde, am 24. August, sogar über den Fluß zurück, weil die Russen schon westlich von seiner Mündung landeten.

Bei Eintritt der Winterruhe war die Stellung der Heere nahezu die gleiche wie im Frühjahr.

$Die Operationen der Schärenflotten.$ =Das schwedische Stockholmgeschwader= litt wie die Hochseeflotte unter Mannschaftsmangel. Im Juni und Juli ging es nach und nach zur finnländischen Küste, wobei es Truppen geleitete; diese Transporte erforderten große Vorsicht, weil die russische Hochseeflotte die nördliche Ostsee und den Finnischen Busen beherrschte. Dieses Galerengeschwader erreichte eine Stärke von 30 Fahrzeugen mit 1650 Seeleuten und 6700 Soldaten. =Das Sveaborggeschwader= wurde Anfang Juni abteilungsweise bis zum Svensksunde, etwa 10 Seemeilen südwestlich von Frederikshamn vorgeschoben; hier verfügte der =Oberadmiral Graf Ehrensvärd= über 86 armierte Fahrzeuge mit rund 5600 Mann Land- und Seetruppen.

Das weitere Vorgehen des Stockholmgeschwaders nach Osten ward aber durch den Feind erschwert. Die Russen hatten sich zwar der Stellung bei Hangö nicht wieder bemächtigen können, weil die Schweden sie befestigt hatten, sich aber eine ähnliche auf der Halbinsel Porkala, 20 Seemeilen westlich von Sweaborg, geschaffen und sperrten hier das Schärenfahrwasser, das sie außerdem durch Schiffe ihrer Hochseeflotte an der ganzen Küste, besonders in der Nähe von Helsingfors, beunruhigten. Die Schweden besetzten deshalb eine große Zahl von Wachtstellen, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wodurch Ehrensvärd sehr geschwächt und verhindert wurde, auf dem rechten Flügel des Landheeres weiter nach Osten vorzudringen.

=Die russische Küstenflottille= war in diesem Jahre rechtzeitig bereit und fast doppelt so stark als die schwedische beim Svensksunde. Sie erschien Mitte August dort; das Hauptgeschwader von 78 Fahrzeugen führte der =Prinz von Nassau-Siegen=, den man nach seinen Erfolgen im Schwarzen Meere nach Norden berufen hatte; ein zweites von 29 Fahrzeugen befehligte Admiral =Kruse=.

Dieser Macht konnte =Ehrensvärd= nur 48 Schiffe entgegenstellen. Nassau plante, gegen die Schweden von Osten her vorzugehen und ihnen durch Kruse im Südwesten den Rückzug zu verlegen; es folgte die $Schärenschlacht im Svensksunde$. =Ehrensvärd= hatte das Fahrwasser im Osten notdürftig durch Versenken von Schiffen gesperrt und hier kleine Abteilungen stationiert, seine Hauptmacht dagegen im Südwesten in Halbmondform verankert. Hier griff =Kruse= am 24. August an, wurde aber abgewiesen. Der schwedische Admiral soll beabsichtigt haben, sich nun nach Westen zurückzuziehen, er erhielt jedoch von =König Gustav=, der dem Kampfe am Lande beigewohnt, ausdrücklichen Befehl, =Nassau= entgegenzutreten, der jetzt nach Wegräumung der Hindernisse vordrang; vor der großen Übermacht mußten die Schweden abends weichen, zumal ihnen auch die Munition ausging. Der Feind verfolgte während der Nacht bis zur Schärenfestung Svartholm, etwa 20 Seemeilen westlich der Mündung des Kymeneflusses.

Der schwedische Verlust betrug 7 Fahrzeuge und 1350 Mann, der russische über 2000 Mann und 3 Schiffe; viele ihrer Schiffe waren stark beschädigt. Die Russen gingen nicht weiter vor, aber sie hatten die Freiheit der Landung westlich vom Grenzflusse erzwungen und so das schwedische Landheer genötigt, über diesen zurückzugehen. Das Fahrwasser bei Porkala ward erst wieder frei, als die letzten Schiffe der russischen Hochseeflotte am 23. Oktober die Küste verließen; Mitte September hatten sie noch eine schwedische Küstendivision im Barösunde angegriffen.

=Die Kriegführung= 1789 zeigt überall Fehler der Schweden. Für ihr Landheer war die Tätigkeit der Schärenflotte zur Unterstützung des rechten Flügels, sowie zur Sicherung des Verkehrs in den Schären unentbehrlich. Sie war aber andauernd durch die feindliche Stellung bei Porkala getrennt, die man selber hätte besetzen müssen. Diese mußte man zunächst von beiden Seiten angreifen, anstatt die Kräfte auf Wachstationen zu verzetteln. Die Hochseeflotte aber hätte wiederum den Schutz der Schärenflotte übernehmen und zu diesem Zwecke alles daransetzen müssen, frühzeitig im Finnischen Meerbusen aufzutreten, um hier die Seeherrschaft zu erringen. =Tschitschagoff= handelte mithin richtig, wenn er =Herzog Karl= in der Ostsee ohne Entscheidungsschlacht festhielt, bis er überlegen war. Daß Rußland zu Lande nicht tatkräftiger vorging, scheint an der Unfertigkeit seines Heeres gelegen zu haben; =Potemkin=, der gegen die Türken kommandierte, weigerte sich hartnäckig, Truppen nach dem Norden abzugeben.

* * * * *

$Der Kriegsplan Schwedens 1790$ ähnelte dem des ersten Jahres. Versuche =König Gustavs=, durch Preußens Vermittlung Frieden zu schließen, hatte =Katharina= mit maßlosen Forderungen beantwortet. Neben der Aufrechterhaltung der Friedensbedingungen von Nystad und Abo verlangte sie eine Änderung der schwedischen Verfassung, um die Rechte des Königs über Krieg und Frieden noch mehr wie bisher einzuschränken, und von diesem selber eine Abbitte wegen seines bisherigen Vorgehens. =Gustav= war empört und beschloß wie 1788, durch einen raschen Angriff auf Petersburg die Entscheidung schnell herbeizuführen. Der Umstand, daß im allgemeinen Karlskrona am 15., Stockholm am 25. April, Sweaborg am 1. und Kronstadt erst am 7. Mai vom Eise frei wird, sollte benützt werden, die eigenen Streitkräfte so zeitig zu sammeln, daß man imstande wäre, die in Reval und Kronstadt getrennt liegenden Geschwader der russischen Hochseeflotte, sowie die auf Frederikshamn, Wiborg und Kronstadt verteilten feindlichen Küstenstreitkräfte vor ihrer Vereinigung einzeln zu vernichten; dann sollte bei Petersburg gelandet werden.

Der Plan wich insofern von dem früheren ab, daß die Armeeflotte vor der Landung bei der Hauptstadt erst die Festungen Frederikshamn und Wiborg nehmen sollte; es wäre wohl richtiger gewesen, nur die Fesselung der feindlichen Streitkräfte dort durchzuführen, wenn der Hauptstoß überraschend sein sollte. Um die Aufmerksamkeit des Feindes von dem Vorgehen zur See abzulenken, beabsichtigte der König, schon Ende Februar oder Anfang März in Person mit dem Heere von Finnland aus in Karelien einzubrechen und zwar wie im Vorjahre mit der Hauptmacht in der Mitte, nördlich und an der Küste mit je einem kleineren Korps.

=Der Angriff am Lande= verzögerte sich aber, da der König aus politischen Gründen Stockholm erst Ende März verlassen konnte, und wenn dann auch die Schweden anfangs überall Erfolge erzielten, so kam ihr Vordringen doch Ende Mai zum Stehen; das Heer wartete nun auf den Ausgang der Unternehmungen zur See.

$Die Operationen der Hochseeflotten bis Juni 1790.$ =Die schwedische Flotte= verließ unter =Herzog Karl von Södermanland= -- Chef des Stabes Kontreadmiral =Nordenskjöld= -- 21 Linienschiffe und 13 Fregatten stark am 29. April Karlskrona. Schon am 4. März waren 2 Fregatten, eine Brigg und ein Schoner in See gegangen und hatten am 17. die Stadt Raagervik, das jetzige Baltischport, etwa 20 Seemeilen westlich von Reval zur Übergabe gezwungen. Zwar hatte man hier Munition, Schiffsbedürfnisse und andere Vorräte im Werte von einer Million Taler vernichtet, aber den Russen war durch diesen Vorstoß klar geworden, daß sie auf ein baldiges Auftreten stärkerer Kräfte gefaßt sein müßten, und sie beschleunigten überall ihre Rüstungen sowie Verteidigungsmaßnahmen. Die große Flotte erreichte infolge Gegenwindes erst am 9. Mai Hangö, nahm hier Wasser und ankerte am 12. bei Raagervik.

=Die Schlacht bei Reval, 13. Mai 1790.= Admiral =Tschitschagoff= hatte 8 Linienschiffe und 3 Fregatten ungefähr eine Seemeile nördlich von der Hafenmole in einer etwa Ost-West laufenden Linie mit den Breitseiten nach See zu verankert, 3 Fregatten lagen dahinter, und sperrte so fast die ganze Bucht. =Herzog Karl= griff diese Stellung am 13. Mai an, indem er bei westlichem Winde in Kiellinie auf deren linken Flügel zusteuerte, an der Linie entlang lief und dann wieder nach Norden segelte. Infolge des starken und böigen Windes war das Manöver schwierig; der Angriff stieß erst auf das dritte Schiff des feindlichen Flügels, die schwedische Linie war schlecht geschlossen, das Anluven zum Wiederabsteuern mußte der Leeküste wegen frühzeitig begonnen werden, so daß die Schiffe fast beständig manövrierten. So kam es, daß die Schweden ihr Feuer eigentlich nur auf 3 Russen unter ungünstigen Umständen abgeben konnten, während diese das ihrige mit Ruhe auf die Passierenden richteten. Da der Wind während des Kampfes zum Sturm wurde, gab =Herzog Karl= den Befehl zum Abbrechen des Gefechtes, ehe die letzten 12 Schiffe, 4 Linienschiffe und 8 Fregatten, die feindliche Stellung passiert hatten. Die Flotte ankerte dann vor der Bucht.

=Die Verluste= der Russen waren ganz unbedeutend. Die Schweden verloren auch nur 132 Tote und Verwundete, aber ihre Schiffe, soweit sie ins Feuer gekommen waren, hatten arg in der Takelage gelitten und 2 Linienschiffe gingen verloren. Eins war schon beim Ansegeln auf einer Bank festgekommen und mußte verbrannt werden, um es nicht in Feindeshand fallen zu lassen; ein anderes war beim Passieren manövrierunfähig geworden, gleichfalls auf Grund geraten und ward von den Russen genommen.

Die Schweden unternahmen keinen zweiten Angriff, obgleich sie jetzt die Stellung des Feindes ganz genau kannten und bei günstigem Wetter mit Übermacht vor der feindlichen Linie hätten ankern und die Flügel durch leichtere Linienschiffe, sowie die Fregatten umgehen können. =Herzog Karl= schickte einige sehr beschädigte Schiffe zur schleunigen Ausbesserung nach Sweaborg, erhielt dafür aber am 21. Mai eine Verstärkung von 2 Linienschiffen und einer Fregatte. Er blieb bis zum 24. Mai vor Reval, ging dann nach der Insel Hogland und von hier erst am 31. auf Befehl des Königs gegen Kronstadt vor. =Tschitschagoffs= Flotte ließ man im Rücken, nachdem man ihr zwei und eine halbe Woche Zeit gelassen hatte, ihre Ausrüstung zu vervollständigen. =Herzog Karl= und Admiral =Nordenskjöld= sollen dies allerdings gemißbilligt haben.

$Die Operationen der Küstenflottillen bis Juni 1790.$ =In Schweden= waren durch Neubauten die Küstenstreitkräfte auf 19 große Segelfahrzeuge, 27 Galeren, 214 Kanonenschaluppen und Jollen, 25 Kanonen- und Mörserbarkassen und 21 Chef- und Avisofahrzeuge gebracht; diese Macht wurde bis Ende Mai in Finnland zusammengezogen.

=Angriff auf Frederikshamn.= Am 14. Mai erschien =König Gustav= mit etwa 100 Fahrzeugen im Svensksunde. Die russische Küstenflottille von Frederikshamn war, 49 Schiffe stark, am Eingange des engen Innenfahrwassers zur Stadt verankert, an den Flügeln durch Landbatterien unterstützt. Am 15. um 2 Uhr morgens griffen die Schweden an und trieben den Feind bald bis unter die Kanonen der Stadt, aber um 9 Uhr ließ der König den Kampf abbrechen, um seinen Leuten Erholung zu gönnen; auch knüpfte er Übergabeverhandlungen an. Der Festungskommandant zögerte mit der Antwort, erhielt inzwischen Verstärkung und wies einen zweiten Angriff nachmittags so kräftig ab, daß sich die Schweden abends zurückzogen. Nicht mehr Erfolg hatte ein Vorgehen gegen die Stadt am 19. Mai, das allerdings nur mit schwächeren Kräften unternommen wurde. Wie die Hochseeflotte vor Reval, so gab auch die Schärenflotte hier weitere Versuche auf und blieb untätig liegen. Erst am 25. Mai ging sie weiter nach Osten vor, am 31. gewann sie Fühlung mit der Hochseeflotte, passierte am 2. Juni die Bucht von Wiborg und ankerte am Abend im Björkösunde etwa 30 Seemeilen südlich dieser Stadt; sie hatte durch Zuzüge von Westen nach und nach fast ihre volle Stärke, 282 armierte Fahrzeuge, erreicht.

=Gustav= entschloß sich endlich, mit der vereinten Hochsee- und der Küstenflotte schnell gegen Petersburg vorzudringen, aber jetzt war auch die russische Hochseeflotte bereit und mußte zunächst vertrieben werden.

$Die Seeschlacht in der Kronstädter Bucht, 3. und 4. Juni 1790.$ Schon während die schwedische Hochseeflotte ihr Küstengeschwader nach dem Björkösunde geleitete, war die russische in Sicht gewesen und =Herzog Karl= hatte versucht, sich ihr zu nähern, sobald die Schärenfahrzeuge den Ankerplatz erreicht hatten; eintretende Stille verhinderte dies, aber am 3. Juni kam es zur Schlacht.

$Die Stärke der Flotten.$ =Die russische= unter =Vizeadmiral Kruse= zählte 17 Linienschiffe, 5 Dreidecker zu 108, 12 Zweidecker zu 74 Kanonen und 13 Fregatten. Die Schiffe waren in guter Verfassung, die Besatzungen jedoch noch nicht ausgebildet. Die =schwedische= bestand aus 21 Linienschiffen zu 64-74 Kanonen und 13 Fregatten. Zwei schwere Fregatten hatte man in die Linie eingestellt, dennoch standen in dieser nur 1180 Kanonen 1430 russischen gegenüber, weil die Schiffe des Gegners im Durchschnitt stärker waren. Aus weiteren 6 schweren Fregatten wurde eine leichte Division gebildet, die selbständig an geeigneter Stelle in den Kampf eingreifen sollte.

Am 3. Juni, 4 Uhr morgens, stand =Kruse= bei leichtem östlichen Winde etwa 4 Seemeilen zu Luward der schwedischen Flotte, die über Backbordbug in Kiellinie beim Winde lag. Er hielt auf sie ab und griff in üblicher Weise Schiff gegen Schiff auf der ganzen Linie an. Um 4-1/2 Uhr begann der Kampf der Vorhuten und um 5 Uhr der der Mitten; die Nachhuten kamen erst später ins Gefecht und wie gewöhnlich nur auf weitere Entfernung. Manöver der Flotten infolge von Windänderungen trennten sie gegen 8 Uhr, auch scheint =Kruse= einen zu scharfen Kampf gescheut zu haben. Am Nachmittage kam westlicher Wind auf. Wieder lagen die Gegner über Backbordbug, aber jetzt die Schweden zu Luward und =Herzog Karl= griff um 2-1/2 Uhr an. Da aber Kruse stets auswich, zeitweise sogar vor dem Winde abhielt, kam es immer nur zu kurzen Kämpfen, oft nur zu Teilgefechten.

=Herzog Karl= erkannte, daß der Feind ihn in die innere Bucht von Kronstadt locken, aber bis zum Eintreffen der Revalflotte hinziehen wollte. Er beschloß, sich nur beobachtend zu verhalten, bekam jedoch am Abend Befehl vom König, den Kampf zu suchen. Am 4. Juni vormittags wehte es hart aus Osten, so daß die Schweden nicht an den Feind herankommen konnten. Nachmittags sprang der Wind auf SW, aber der Versuch Karls, eine Entscheidung herbeizuführen, mißlang wiederum, weil Kruse nicht standhielt; nur für kurze Zeit kam es zum Gefecht auf der ganzen Linie. Die Flotten hatten sich nach und nach der Außenrhede von Kronstadt bis auf 12-15 Seemeilen genähert, so daß sie am Spätnachmittag, sowie um 8 Uhr abends zum Halsen genötigt waren, weil sie zuerst der südlichen, dann der nördlichen Küste zu nahe kamen.

Wesentliche =Verluste= hatten die Kämpfe der beiden Tage nicht gebracht, nur 2 schwedische und 3 russische Schiffe waren schwerer beschädigt.

Bald nach 8 Uhr abends kam nun aber Admiral =Tschitschagoff= mit der Revalflotte -- 10 Linienschiffe, darunter 2 Dreidecker, und 8 Fregatten -- in Sicht und =Herzog Karl= mußte sich vor allen Dingen aus dem engen Fahrwasser herauszuziehen suchen. Er plante, sich auf die Revalflotte zu werfen, ehe die russische Hauptmacht herankäme, sollte dies aber nicht gelingen, dann bis zu den Aspöschären zurückzugehen. Er erwartete, daß dann auch =König Gustav= mit der Armeeflotte bis zum Svensksunde weichen und von hier aus ein neues gemeinsames Vorgehen erfolgen würde. Dementsprechend berichtete er.

Dem Rückzuge der Schweden folgte =Kruse=, der die Revalflotte gleichfalls gesehen hatte, in Gefechtslinie, aber in gemessener Entfernung. Es war ein Glück für =Herzog Karl=, daß der Wind während der Nacht abflaute und auch am nächsten Tage Stillen vorherrschten; zugleich war es diesig, so daß die russischen Flotten sich gegenseitig nicht sehen konnten und deshalb beide zurückhielten. So zog sich Karl unbehelligt aus der Enge, erhielt aber am 5. Juni als Antwort auf seinen Bericht Befehl, in die Bucht von Wiborg zu kommen, um die Schärenflotte zu decken; er ankerte am 6. morgens in deren Eingange.

Dies war eine verhängnisvolle Maßnahme, denn nun wurden die gesamten schwedischen See- und Küstenstreitkräfte zusammen blockiert.

$Die Blockade der schwedischen Flotten bei Wiborg und deren Durchbruch.$ Die Breite des Einganges zu der SW-NO laufenden Außenbucht von Wiborg beträgt zwischen der Landspitze Krosserort im Westen und der Insel Biskopö im Osten etwa 6 Seemeilen. Durch flaches Wasser vor diesen Punkten und durch den in der Mitte der Einfahrt liegenden Salvögrund wird aber das Fahrwasser auf eine kaum eine Seemeile breite Rinne bei Krosserort sowie auf eine zweite von 3 Seemeilen bei Biskopö beschränkt. Hinter diesen Durchfahrten wurden die Schiffe der Hochseeflotte -- 21 Linienschiffe, 13 Fregatten, 4 Fahrzeuge -- in Verteidigungslinien verankert.

Zwischen der Insel Biskopö und der sich südlich daran schließenden Insel Björkö einerseits und dem Festlande anderseits führt eine im Durchschnitt 1-1/2, an ihrer engsten Stelle nur eine halbe Seemeile breite Straße von Südosten her in die Außenbucht von Wiborg, der Björkösund. Hier lag die schwedische Armeeflotte, 282 armierte Fahrzeuge mit 24000 Mann Besatzung[204].

[204] Die Zahlenangaben über die Stärken der Küstenflottillen schwanken in den Quellen sehr. Wir geben sie durchweg nach Kirchhoff. Obenstehende Angabe erscheint sehr hoch, denn nach derselben Quelle besaß Schweden 1790 überhaupt nur 285 armierte Fahrzeuge und die pommersche Abteilung scheint nicht in Wiborg gewesen zu sein. Nach dem Durchbruch fanden sich dann nach Kirchhoff nur 195 im Svensksunde zusammen, obgleich nicht mehr als 21 verloren gegangen waren.

Schon am 7. Juni ankerte die russische Hochseeflotte, jetzt unter dem Oberbefehl des Admirals =Tschitschagoff=, 30 Linienschiffe und 20 Fregatten stark, quer vor dem Haupteingange zur Bucht, etwa 8 Seemeilen von der feindlichen Stellung entfernt und die Küstengeschwader sammelten sich in der Umajockibucht unmittelbar östlich vom Eingange in den Björkösund unter dem Prinzen =von Nassau=. Anfangs waren es nur 49 Fahrzeuge aus Frederikshamn und Reval, aber durch Eintreffen der Kräfte von Kronstadt wuchs die Zahl nach und nach bis auf 3 Linienschiffe, 7 Fregatten und 74 Schärenfahrzeuge am 2. Juli. In Wiborg lagen 48 Fahrzeuge.

Die Schweden waren völlig blockiert und ihre Lage wurde im Laufe der nächsten Wochen immer gefährdeter. =Tschitschagoff= legte nach genauem Ausloten seine Blockadelinie näher heran, wobei er die vielen Inselchen und Gründe benutzte, um die möglichen Durchbruchspunkte dichter abzuschließen, und auch die Wiborgflottille drang bis zum Trangsund, dem Eingange zur inneren Bucht, vor. Ein Versuch des =Königs Gustav= vom 11.-20. Juni mit einem großen Teile der Armeeflotte, sie zu vernichten, um sich den Rücken freizumachen, mißlang, weil Landbatterien das Fahrwasser beherrschten. Auf den schwedischen Schiffen und Fahrzeugen mit ihren etwa 40000 Mann Besatzung trat Mangel an Proviant und Wasser ein, da russische Jäger und Kosaken die Wasserplätze besetzt hatten. Am 29. Juni ging =Nassau= gegen den Björkösund vor und warf den Feind bis zur engsten Stelle zurück.

Unter diesen Umständen mußte =Gustav= alles daransetzen, sich aus seiner unhaltbaren Lage zu befreien. Nach längeren Beratungen und Erwägung verschiedener Pläne ward =der Durchbruch mit beiden Flotten= in der engen Wasserrinne zwischen Krosserort und dem Salvögrunde beschlossen. =Herzog Karl= hatte schon früher wiederholt hierzu geraten, ehe die Einschließung so eng geworden war, der König aber wies es schroff zurück, weil er es für feige hielt.

$Der Durchbruch am 3. Juli 1790.$ Der Plan zum Durchbruch war genau ausgearbeitet. Um 2 Uhr morgens zog sich das Gros der Küstenflotte aus dem Björkösunde in die äußere Wiborgbucht hinter die Linie der Hochseeflotte. 3 Divisionen Kanonenschaluppen, sowie die Mörserbarkassen eröffneten gleichzeitig zur Diversion ein Gefecht mit der im Süden liegenden russischen Schärenflotte, das sie erst um 4-1/2 Uhr abbrachen, um dem Gros zu folgen; auffallenderweise folgte der Feind nicht, vielleicht wollte er den Leuten nach dem nächtlichen Kampfe Ruhe gönnen.

Die Schiffe der Hochseeflotte hatten während der Nacht das Ankerlichten vorbereitet; die Segel waren nur mit leicht zerreißbarem Schiemannsgarn festgemacht, so daß sie gesetzt werden konnten, ohne Leute in die Takelage zu schicken und dadurch die Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen. Um 6 Uhr morgens verließen sie ihre Ankerplätze und setzten sich an die Spitze der in Marschordnung versammelten Schärenflotte. Um 7-1/2 Uhr passierte der Leiter die russische Sperrlinie bei Krosserort. Hier lagen 5 Linienschiffe eng aufgeschlossen mit den Breitseiten quer zum Fahrwasser. Die Schweden brachen in der Mitte durch, wobei sie ihr Feuer mit solchem Erfolge abgaben, daß sämtliche Gegner die Flagge bereits gestrichen hatten, als das Flaggschiff passierte; von den etwa 4000 Mann dieser Schiffe sollen nur 3-400 unverwundet geblieben sein. Drei Seemeilen westlich von Krosserort lagen 6 russische Fregatten in Linie seitlich vom Fahrwasser, doch wurde deren Feuer durch Pulverrauch behindert.

Die Schweden würden mit verhältnismäßig geringem Verluste die freie See erreicht haben, wenn nicht ein besonderer Unglücksfall eingetreten wäre. Beim Passieren von Krosserort wurden ein Linienschiff und eine Fregatte durch einen eigenen Brander in Flammen gesetzt und flogen auf; der Führer des Branders hatte in trunkenem Zustande sein Fahrzeug ohne Grund angezündet. In dem dadurch entstehenden Rauche liefen verschiedene Schiffe auf Grund.

=Nach dem geglückten Durchbruch= nahm =die schwedische Hochseeflotte= Kurs auf Hogland. Die russische begann erst gegen 10 Uhr vormittags zur Verfolgung unter Segel zu gehen. =Tschitschagoff= scheint das Vorgehen der Schweden längere Zeit nur für ein Scheinmanöver gehalten und den eigentlichen Angriff in dem breiteren östlichen Fahrwasser erwartet zu haben; dann dauerte auch das Ankerlichten und Formieren der Flotte unverständlich lange. So gewann =Herzog Karl= einen großen Vorsprung und erreichte am 5. Juli abends die Rhede von Sweaborg; nur zwischen den vordersten russischen und einigen zurückgebliebenen schwedischen Schiffen kam es zum Kampfe, wobei zwei der letzteren genommen wurden.

=Die schwedische Schärenflotte= folgte zunächst der Hochseeflotte, hielt dann aber früher zur Küste ab und erreichte die Aspöschären. Auf dem Wege dorthin ward sie von einer Fregattendivisjon angegriffen, die bisher etwa 10 Seemeilen westlich der Wiborgbucht beim Pitkepasse das Schärenfahrwasser gesperrt und auch tatsächlich den Zuzug einiger Abteilungen schwedischer Fahrzeuge gehindert hatte. Diese Division brach in die Küstenflotte ein und zwang eine große Zahl von Fahrzeugen, die Flagge zu streichen, konnte aber nur einige von ihnen in Besitz nehmen.

=Der Verlust der Schweden= betrug in der Hochseeflotte 7 Linienschiffe, 3 Fregatten und 4000 Mann, in der Küstenflotte 21 Kriegs- und 30 Transportfahrzeuge, sowie rund 2000 Mann. Der Verlust der letzteren würde sicher noch viel größer gewesen sein, wenn der Gegner im Björkösunde sofort nachgedrängt hätte. Aber dies geschah erst spät und die vordersten Fahrzeuge hielten sich dann bei den festgekommenen schwedischen Schiffen auf.

=Die Russen= büßten 4-5000 Mann ein und 11 ihrer Linienschiffe waren so beschädigt, daß sie für längere Zeit nicht verwendet werden konnten, einige wurden sogar völlig unbrauchbar.

$Die zweite Schlacht im Svensksunde am 9. Juli 1790$ war das letzte größere Ereignis des Krieges. Die schwedische Hochseeflotte -- 14 Linienschiffe, 9 Fregatten -- ward von der russischen -- 19 Linienschiffe -- in Sweaborg blockiert. Mit der Küstenflotte hatte sich =König Gustav= von den Aspöschären in den Svensksund zurückgezogen; sie zählte am 8. Juli 195 armierte Fahrzeuge mit 450 schweren Geschützen und 14000 Mann.

Sie nahm hier eine ähnliche Verteidigungsstellung ein wie 1789 unter =Ehrensvärd= (vgl. Seite 433) und wurde am 9. Juli durch =Nassau= von Frederikshamn aus mit 160 Fahrzeugen angegriffen. Sie war zwar den Russen an Zahl überlegen, aber deren Schiffe waren im allgemeinen größer, schwerer armiert und stärker bemannt, sie führten 850 schwere Geschütze und 18500 Mann.

=Nassau= ließ den Nordostausgang des Sundes nur durch schwache Kräfte beobachten und richtete den Angriff gegen die Hauptmacht des Gegners im Südwesteingange, aus dem die Schweden im Jahre vorher durchgebrochen waren. Er führte bei südwestlichem Winde die Flotte in 3 Kolonnen an die schwedische Stellung heran. Die mittlere, 20 der größten Schiffe, ankerte vor der Mitte der feindlichen Linie, die beiden anderen vor deren Flügeln. Um 9-1/2 Uhr vormittags begann der Kampf, und schon nach zwei Stunden sah sich der russische linke Flügel zum Rückzuge genötigt. Dies war um so verhängnisvoller, als der schwedische rechte Flügel einen Winkel mit seiner Mitte und dem linken bildete, mithin imstande war, die russische Mitte in der Flanke zu bedrohen. Zwar stießen die Gewichenen nochmals vor, aber wieder vergeblich, da die Schweden hier jetzt Verstärkung durch die Kräfte am Nordosteingange erhalten hatten, die nicht angegriffen waren.

Durch das Flankenfeuer der Schweden sah sich auch die russische Mitte gegen 4 Uhr nachmittags zum Rückzuge genötigt, und der rechte Flügel schloß sich an, da auch sein Gegner verstärkt worden war. Der Rückzug gelang den Ruderfahrzeugen verhältnismäßig gut, aber die größeren Segler konnten mit ihren zerschossenen Takelagen nur schwer gegen den Wind aufkreuzen. Durch Zusammentreiben entstand ein Gewirr, in das die schwedischen Kanonenschaluppen bis 10 Uhr abends hineinfeuerten; viele Russen kamen auf Grund oder trieben an den Strand. Die Nacht brachte eine Pause, aber am nächsten Morgen nahmen die Schweden die Verfolgung wieder auf und verjagten den Feind auch aus den Aspöschären, in die er sich zurückgezogen hatte; in Einzelgefechten wurden noch viele Fahrzeuge genommen.

=Der Verlust der Russen= betrug 5 Fregatten, 48 Fahrzeuge, 3000 Tote und Verwundete, sowie 6500 Gefangene; die Schweden büßten nach eigener Angabe nur etwa 300 Mann ein.

$Die Kriegführung des Jahres 1790$ zeigt auf schwedischer Seite ähnliche Fehler wie im Vorjahre. Wieder ließ man die zu dem beabsichtigten überraschenden Angriff günstige Zeit verstreichen. Hierdurch, sowie durch die Untätigkeit der Hochseeflotte nach der Schlacht bei Reval und durch das lange Verweilen der Schärenflotte vor Frederikshamn gewann Rußland Zeit, seine Rüstungen zu vollenden. Schwere Mißgriffe waren es, daß man die Revalflotte nicht zu vernichten suchte und später die gesamten Kräfte in Wiborg einschließen ließ. Diese Fehler werden zum größten Teile dem Könige zur Last gelegt, und wohl mit Recht. Er faßte große, ganz richtige Pläne, führte sie aber nicht tatkräftig durch und schadete seiner Sache durch persönliches Eingreifen, das oft militärische Einsicht vermissen ließ.

Die Russen verfuhren wie im Vorjahre richtig, indem sie sich zurückhielten, namentlich auf See, bis sie stark genug waren. Als einen Fehler muß man jedoch den Angriff beim Svensksunde bezeichnen, da sie dem Gegner alle Zufuhren abschneiden, auf den benachbarten Inseln Batterien einrichten und ihn so allmählich vernichten konnten, aber der Prinz von Nassau war zu siegesgewiß und wollte den Jahrestag der Krönung seiner Kaiserin durch einen großen Erfolg verherrlichen.

=Der Friede zu Werelä, 14. August 1790.= Die Niederlage beim Svensksunde machte tiefen Eindruck auf =Katharina=, und sie zeigte sich jetzt zu Unterhandlungen bereit. Sie verzichtete auf die demütigenden Forderungen einer Abbitte durch =König Gustav=, sowie einer Einmischung in die inneren Verhältnisse Schwedens. Schon am 14. August ward in Werelä der Friede geschlossen, nach dem der Besitzstand in Finnland wie vor dem Kriege hergestellt wurde.

Der blutige und kostspielige Krieg -- er hatte Schweden 50000 Mann, 15 Linienschiffe, sowie 23 Millionen Taler gekostet -- brachte keinem der beiden Völker einen Vorteil, nur =König Gustav= hatte durch ihn eine bessere Stellung in seinem Lande gewonnen. Das Selbstbewußtsein der Schweden war erstarkt, weil sie sich dem mächtigen Gegner gewachsen gezeigt hatten; dies war doch aber nur infolge von dessen Ablenkung durch die Türken möglich gewesen. Rußland hatte dagegen bewiesen, daß es auch als Seemacht auftreten konnte, und =Katharina= zog aus ihrem Freiwerden im Norden Nutzen für ihre Pläne im Westen und Süden.

Dieser Nebenkrieg erscheint besonders dadurch bemerkenswert, daß in ihm die Unternehmungen am Lande infolge der geographischen Verhältnisse fast völlig abhängig von dem Küsten- und damit auch von dem Seekriege waren; =die Beherrschung der See gab den Ausschlag=.

* * * * *

Seekriege 1739-1793.

Zeit Seite

1739-1748 Der Englisch-Spanische Krieg und der Österreichische Erbfolgekrieg 45

1756-1763 Der Siebenjährige See- und Kolonialkrieg zwischen England und Frankreich (Spanien) 116

1775-1783 Der Nordamerikanische Freiheitskrieg 207

1739-1793 Kämpfe mit den Barbaresken 417

1741-1743 Schwedisch-Russischer Krieg 418

1756-1763 Die schwedische und die russische Marine im Siebenjährigen Kriege 421

1768-1774 Russisch-Türkischer Krieg 422

1787-1791 Russisch-Türkischer Krieg 424

1788-1790 Schwedisch-Russischer Krieg 425

Seeschlachten.

Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte.

Im Spanisch-Englischen und im Österreichischen Erbfolgekriege 1739-1748.

1739 22. November Puerto Belo erobert (Vernon) 60

1740 Spanische Städte in Mittelamerika beschossen 62

1741 März Cartagena angegriffen (Vernon) 64

1741 Juli Santiago de Cuba angegriffen (Vernon) 67

1743 Februar/Mai La Guayra, Puerto Cabello beschossen 69

1744 22. Februar Schlacht vor Toulon (Mathews; de Court) 75

1745 Mai/Juni Louisbourg erobert (Warren und Peperrel) 93

1746 7. Juli Gefecht bei Negapatam (Labourdonnaye; Peyton) 101

1746 21. September Madras erobert (Labourdonnaye) 102

1746 Oktober Lorient angegriffen (Lestock) 87

1747 14. Mai Erste Schlacht bei Kap Finisterre (Anson; de La Jonquière) 89

1747 25. Oktober Zweite Schlacht bei Kap Finisterre (Hawke; de L'Etanduère) 90

1748 August Pondichery angegriffen (Boscawen) 105

1748 1. Oktober Gefecht vor Havanna (Knowles; Spinola) 98

Im Siebenjährigen Kriege 1756-1763.

1756 April Minorka erobert (La Gallissonnière) 133

1756 20. Mai Schlacht bei Minorka (La Gallissonnière; Byng) 135

1756 September Rochefort angegriffen (Hawke) 143

1757 21. Oktober Gefecht bei Le Cap, Westindien (Forrest; Kersaint) 176

1758 29. April Schlacht bei Cuddalore (Pocock; d'Aché) 189

1758 27. Juli Louisbourg erobert (Boscawen) 169

1758 3. August Schlacht vor Negapatam (Pocock; d'Aché) 192

1758 Angriffe auf französische Häfen 145

1758-1762 Eroberung der französischen Inseln in Westindien 177

1759 3. Juli Le Havre beschossen (Rodney) 151

1759 18. August Schlacht bei Lagos (Boscawen; de La Clue) 148

1759 10. September Schlacht bei Porto Novo (Pocock; d'Aché) 194

1759 21. September Quebec erobert (Sounders und Wolfe) 171

1759 20. November Schlacht bei Quiberon (Hawke; de Conflans) 154

1761 Januar Pondichery erobert 196

1761 April/Mai Belle-Isle erobert (Keppel) 161

1762 Juni/Juli Havanna erobert (Pocock und Albemarle) 180

1762 Sept./Okt. Manila erobert (Cornish und Draper) 197

Im Nordamerikanischen Freiheitskriege 1775-1783.

1776 März Angriff auf die Bahamainseln (Hopkins) 241

1776 28. Juni Charleston angegriffen (Peter Parker) 231

1776 August Long Island erobert (Howe) 235

1778 27. Juli Schlacht bei Ouessant (Keppel; d'Orvilliers) 251

1778 August Newport (Narragansettbucht) angegriffen (d'Estaing) 263

1778 13. Dezember Sta. Lucia erobert (Barrington) 273

1778 15./18. Dez. Versuch der Wiedereroberung (d'Estaing) 274

1779 April/Mai Kanalinseln (Jersey) angegriffen 287

1779 6. Juli Schlacht bei Grenada (d'Estaing; Byron) 276

1779 18. Dezember Gefecht bei Martinique (Hyde-Parker; La Motte-Picquet) 281

1779 Dezember Savannah angegriffen (d'Estaing) 281

1780 16. Januar Schlacht bei Kap St. Vincent (Rodney; Langara) 293

1780 20. März Gefecht bei Monte Christi (La Motte-Picquet; Cornwallis) 299

1780 17. April Schlacht bei Martinique (Rodney; de Guichen) 301

1780 11. Mai Charleston erobert (Clinton und Arbuthnot) 308

1780 15. u. 19. Mai Gefechte bei Martinique (Rodney; de Guichen) 304

1780 20. Juni Gefecht bei den Bermudainseln (de Ternay; Cornwallis) 309

1781 16. März Erste Schlacht vor der Chesapeakebucht (Arbuthnot; Des Touches) 333

1781 16. April Schlacht von Porto Praya (Suffren; Johnstone) 382

1781 29. April Gefecht bei Martinique (de Grasse; Hood) 327

1781 5. August Schlacht auf der Doggerbank (Hyde-Parker; Zoutman) 321

1781 5. September Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht (de Grasse; Graves) 338

1781 12. September Vernichtung eines französischen Konvois (Kempenfelt; de Guichen) 323

1782 25. Januar Schlacht bei St. Christopher (St. Kitts) (Hood; de Grasse) 355

1782 26. Januar Ankergefecht bei St. Christopher (St. Kitts) (Hood; de Grasse) 357

1782 4. Februar Minorka von Spanien erobert 318

1782 17. Februar Schlacht bei Sadras (Suffren; Hughes) 385

1782 9. April Schlacht bei Dominica (Rodney; de Grasse) 361

1782 12. April Schlacht bei Dominica (Les Saintes) (Rodney; de Grasse) 363

1782 12. April Schlacht bei Providien (Suffren; Hughes) 388

1782 6. Juli Schlacht bei Negapatam (Suffren; Hughes) 390

1782 3. September Schlacht bei Trincomali (Suffren; Hughes) 394

1782 13. September Der große Angriff der Spanier auf Gibraltar 350

1782 20. Oktober Gefecht bei Kap Spartel (Howe; Cordoba) 352

1783 20. Juni Schlacht bei Cuddalore (Suffren; Hughes) 400

In den Nebenkriegen 1740-1793.

1758 11. September Gefecht einer schwedischen und einer preußischen Flottille beim Reppiner Haken 421

1760 u. 1761 Kolberg durch Schweden und Russen beschossen 421

1761 Juni Sale und Larache durch Franzosen beschossen (Du Chaffault) 418

1770 Juni Biserta und Susa desgleichen (De Broves) 418

1770 5. Juli Vernichtung der türkischen Flotte vor Tscheschme (Orlow) 423

1788 28./29. Juni Siege der russischen Flotte über die türkische vor Otschakow 425

1788 17. Juli Schlacht bei Hogland (Herzog Karl von Södermanland; Greigh) 428

1789 26. Juli Schlacht bei Öland (Herzog Karl; Tschitschakoff) 431

1789 24. August Schärenschlacht im Svensksunde (Ehrensvärd; Prinz von Nassau) 433

1790 17. März Raagervik (Baltisch Port) überrumpelt 435

1790 13. Mai Schlacht vor Reval (Herzog Karl; Tschitschakoff) 435

1790 15. Mai Frederikshamn angegriffen (König Gustav III.) 436

1790 3./4. Juni Schlacht in der Kronstädter Bucht (Herzog Karl; Kruse) 436

1790 3. Juli Durchbruch der schwedischen Flotte aus der Wiborgbucht 438

1790 9. Juli Schärenschlacht im Svensksunde (König Gustav; Prinz von Nassau) 440

1791 19. Juli, 8./9. September Siege der russischen Flotte über die türkische im Schwarzen Meere 425

* * * * *

Sach- und Namenverzeichnis.

=$A$bo=, Frieden zwischen Rußland und Schweden (1743) 420.

=Aché=, Comte de, franz. Admiral, in Indien im Siebenj. Kriege 143; Schlachten bei Cuddalore (1758) 189, Negapatam 192, Porto Novo (1759) 194; Beurteilung 195; 203.

=Admirale=, Dienstgrade der englischen 25, der französischen 33.

=Admiralität=, engl. 24.

=Aiguillon=, Herzog von, franz. General 146; 147; 163; Premierminister (1770) 213.

=Aix, Ile d'=, Angriffe auf (1758) 145; (1761) 162.

=Amherst=, engl. General im Siebenj. Kriege 169; 170.

=Angria=, indischer Seeräuber (1755) 186.

=Anjalabund=, Empörung schwed. Offiziere (1788) 429.

=Anson=, engl. Admiral, 17; Weltumsegelung und Personalien 70; Schlacht bei Finisterre (1747) 88; 144 ff.

=Antin, d'=, franz. Admiral in Westindien (1740) 51.

=Anville=, Herzog von, franz. Admiral, Expedition nach Kanada (1746) 95.

=Arbuthnot=, engl. Admiral (1780): vor Charleston 307; in New York 310; Beurteilung 314; (1781): 331; 333; Schlacht vor der Chesapeakebucht 334; 342.

=Arçon, d'=, franz. Genieoffizier, Erbauer der schwimmenden Batterien vor Gibraltar 349.

=Arnold=, nordamer. General (1775): 227; Einfall in Kanada 228; (1776) auf dem Champlainsee 233 ff.; (1780) sein Verrat, tritt in engl. Dienst 311; (1781): 331; 332; Einfall in Virginia 333.

=Artillerie=, Stand der, 1740-1793, 19 ff.

=Assientovertrag= 3; 45.

=$B$ahamainseln= von den Amerikanern gebrandschatzt (1776) 241.

=Barras=, franz. Admiral, in Nordamerika (1781) 330; 335; 336; 337.

=Barrington=, engl. Admiral (1778): 247; Oberbefehl in Westindien (Personalien) 272; erobert und verteidigt Sta. Lucia 274 ff; (1779): bei Grenada 276; 280; 283; (1782): vernichtet einen franz. Konvoi 345; 346.

=Batterien=, schwimmende, vor Gibraltar (1782) 349 ff.

=Belle-Ile= erobert (1761) 161.

=Bengalen=, Ausdehnung der engl. Macht 186 ff.

=Bermudainseln=, Seegefecht (1780) 309.

=Berryer=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 30.

=Bompart=, franz. Admiral (1759) 153; 178.

=Boote=, Schiffsbeiboote 16.

=Boscawen=, engl. Admiral, vor Pondichery (1748) 105; im Siebenj. Kriege 132; 141; 146; 148; bei Lagos (1759), Personalien 149 ff.; 159; 160; erobert Louisbourg (1758) 169; 170.

=Boston=, Teesturm (1773) 208; von England geräumt (1773) 208.

=Bougainville=, franz. Admiral (Personalien) 173.

=Bouillé=, franz. General, Gouverneur von Martinique, (1778): erobert Dominica 272; 283; 303; 305; 328; (1781): erobert St. Eustache 341; (1782): St. Christopher 355 ff.

=Bourbonischer= Familienvertrag (1761) 119.

=Burgoyne=, engl. General in Kanada 227; kapituliert bei Saratoga (1777) 238; 241.

=Bouvet de Lozier=, franz. Seeoffizier 88; 105.

=Brandywine=, Landgefecht (1777) 240.

=Breton, Kap=, Insel 170.

=Bunkershill=, Landgefecht (1775) 227.

=Bussy=, franz. General in Indien, im Siebenj. Kriege: 184; 188; 193; 196; (1782): 393; 398 ff.; 401; 403.

=Byng=, engl. Admiral, in Schlacht bei Minorca (1758) 135 ff.; Kriegsgericht und Tod 140.

=Byron=, engl. Admiral (1778): 247; 249; 257; 266; 268; (1779): Oberbefehl in Westindien (Personalien) 275; Schlacht bei Grenada 276; 280; Beurteilung 283.

=$C$ap Français= (Cap Haïti oder Le Cap), Stadt auf Haïti, ihre Bedeutung, Gefecht (1757) 176.

=Cap Haïti=, siehe vorstehend.

=Carleton=, engl. General in Nordamerika 228; auf dem Champlainsee (1776) 233 ff.

=Cartagena= (Westindien) beschossen (1740) 62; belagert (1741) 64.

=Castries=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 32.

=Chagres= erobert (1740) 62.

=Champlainsee=, Kämpfe auf dem (1776) 233 ff.

=Chandernagore= 9; erobert (1757) 187; (1778) 378.

=Charleston=, Angriff auf (1776) 231; erobert (1780) 308.

=Chartres=, Louis Philippe, Herzog von, franz. Admiral, bei Ouessant (1778) 252 ff.

=Cherbourg=, erobert (1758) 145.

=Chesapeakebucht=, zwei Schlachten, taktisch bemerkenswert (1781) 334 und 338.

=Choiseul=, Herzog von, franz. Premierminister, Amtstätigkeit als Marineminister 30; im Siebenj. Kriege 119; 126; 127; 147; 212 ff.; seine Pläne zur Invasion von England 214.

=Chronometer=, Einführung der 16; 17.

=Clerk=, Werk über Seetaktik 44.

=Clinton=, engl. General in Nordamerika, (1775): 227; 231; 237; 239; 240; 241; (1778/79): Oberbefehlshaber, räumt Philadelphia 242; 258; 269; 272; räumt die Narragansettbucht 282; (1780): erobert Charleston 307; (1781): 331; 336.

=Clive=, engl. General und Gouverneur in Indien, seine Tätigkeit (1751 bis 1767) 183-188; (1765/1767) 377.

=Coehorns=, kleine Mörser 98.

=Conflans, de=, franz. Admiral 97; im Siebenj. Kriege 147; 152; bei Quiberon (1759) 153 ff.; 203; 206.

=Cook=, James, Entdeckungsreise 17.

=Cordoba, Don Luis de=, span. Admiral (1779): 287; im Kanal 289; (1780): Oberbefehl der span. franz. Flotte 291; 292; nimmt einen englischen Konvoi 295; Beurteilung 297; (1781): in Cadiz 317; vor dem Kanal 318, 319; (1782): 345; vor dem Kanal 346 ff.; vor Gibraltar 350 ff.; Gefecht bei Kap Spartel 352.

=Cornish=, engl. Admiral 196; 197; erobert Philippinen (1762) 198.

=Cornwallis, Charles, Marquis=, engl. General in Nordamerika (1775) 231; (1780) Oberbefehl in Carolina 308; (1781) dringt in Virginia ein 331; 335 ff.; kapituliert bei Yorktown 339.

=Cornwallis=, William, engl. Admiral (1780), Gefecht bei Monte-Christi 299 und bei den Bermudainseln 309; 356.

=Corsica=, von Frankreich erworben (1768) 212.

=Court, Labruyère de=, franz. Admiral 72; bei Toulon (1744) 75 ff.; Personalien 77; 81; 82.

=Crillon=, Herzog von, franz. General in spanischem Dienst, erobert Minorka (1781/82) 318; Oberbefehl vor Gibraltar (1782) 349.

=Crownpoint=, Fort 228; 233.

=Cuddalore= (Fort St. David vgl. dort) 101; von Franzosen angegriffen (1747) 104/05; Seeschlacht bei (1758) 189; von Franzosen erobert 191; von Franzosen erobert (1782) 387; von Engländern angegriffen (1783) 397; Seeschlacht (1783) 400.

=$D$änemark=, greift Schweden an (1788) 430.

=Darby=, engl. Admiral, Oberbefehl im Kanal (1780) 295; versorgt Gibraltar (1781) 316; Kanal 319.

=Dessen, van=, russischer Admiral (1786) 427; 430; 432.

=Des Touches=, franz. Admiral, Oberbefehl in Nordamerika (1780) 310; (1781): 331; 333; Schlacht vor der Chesapeakebucht 334; 335; 342.

=Digby=, engl. Admiral (1780) 294.

=Doggerbank=, Seeschlacht zwischen Engländern und Franzosen (1781) 320.

=Dominica=, neutrale Insel 9; von den Engländern erobert (1761) 178; von Frankreich erobert (1778) 272; Seeschlachten (1782) am 9. und am 12. April (Les Saintes, taktisch bemerkenswert, Rodneys Durchbruch) 361-373; Folgen der Schlacht 373; über Einfluß der Schlacht auf den Friedensschluß 408.

=Dubois de La Motte=, französischer Admiral im Siebenj. Kriege 91; 132/33; 143; 144; 165; 167 ff.; 203.

=Dublieren= 37.

=Du Chaffault=, franz. Admiral 144; 146; 169; 290; 295; beschießt marrokkanische Städte (1765) 418.

=Duquesne=, Fort, von England erobert (1754) 164; umgetauft in Pittsburg 208.

=Dumas=, franz. Gouverneur in Indien 99.

=Dupleix=, franz. Gouverneur in Indien (1741) 99 ff: seine Tätigkeit und Erfolge (1748-1754) 182-185.

=$E$hrensvärd=, Graf, schwedischer Admiral, Schlacht im Svensksunde (1789) 433.

=Elliot=, englischer General, verteidigt Gibraltar (1779-1783) 348 ff.

=Elphinstone=, englischer Admiral in russischem Dienst (Mittelmeer 1769) 423.

=En flûte=, armierte Schiffe 132.

=Enfilieren= 39.

=England= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff. Im Kriege 1739 bis 1748: 46 ff.; (1739-1744) 59, 71. In Europa (1744-1748) 80-92; die französische Flotte lahmgelegt (1747) 88; in den Kolonien: Nordamerika 93, Westindien 97, Ostindien 99; der Handelskrieg 107. Englands Strategie 111; Gründe die seine Marine lähmten 112. Der Friede zu Aachen (1748) 55.

Im Kriege 1756-1763: 116 ff.; Plan für die Verwendung der Flotte 125. Der Krieg in Europa (1755) 132, 133; (1756/57) 141 ff.; (1758) Angriff auf die französische Küste 144; (1759) die französische Flotte lahmgelegt, (1760-1762) dieselbe blockiert 159 ff. Der Krieg in den Kolonien: in Nordamerika Frankreich aus Kanada vertrieben 163 bis 175; in Westindien die französischen Inseln fast sämtlich sowie Havanna genommen 175-182; in Ostindien die französische Macht völlig gebrochen, das britisch-indische Reich begründet 182-196; die Philippinen erobert 197. Der Handelskrieg (Erfolge und Verluste) 198. Englands Strategie 200. Der Friede zu Paris (1763) 127.

Im Kriege 1775-1783: Zerwürfnis mit den nordamerikanischen Kolonien bis zu deren Abfall (1775) 207; Verhältnis zu Frankreich Spanien, Holland bis zum Ausbruch des Seekrieges (1778) 211. Der Krieg mit den Kolonien (1775-1778) 226 bis 242; Kapitulation bei Saratoga (1777) 239; letzter Versöhnungsversuch (1778) 243. -- Frankreich tritt in den Krieg ein 243; England zum Seekriege schlecht vorbereitet, Rüstungen (1778) 246. -- Der Krieg auf den verschiedenen Schauplätzen: Europa (1778) 248, Strategie 257; Amerika und Westindien (1778/79), Auftreten der französischen Flotte (d'Estaing), England erobert Sta. Lucia, verliert Grenada 258, Strategie 270, 283; Europa (1779/80) Rüstungen, die spanisch-französische Flotte im Kanal (1779) 287, Gibraltar versorgt (Rodney 1780) 292, die Verbündeten untätig (1780) 294, Strategie 296; Amerika und Westindien (1780), die zweite franz. Flotte (de Guichen) dort, Kämpfe de Guichens mit Rodney um Sta. Lucia 298, erobert Charleston 307, Strategie 312; Europa (1781) Rüstungen 315, Gibraltar versorgt (Darby) 316, die franz. span. Flotte im Kanal 319, Ausbruch des Krieges mit Holland 320, Strategie 323; Westindien und Amerika (1781), Rodney erobert holländische Inseln, die dritte französische Flotte (de Grasse) trifft ein, England verliert Tabago, England dringt in Virginia ein 332, das Heer kapituliert bei Yorktown 340, Strategie 341; Europa (1782), der Wechsel im Ministerium bringt das Ende des Krieges in Nordamerika 344, Rüstungen 344, die französisch-spanische Flotte vor dem Kanal 346, der große Angriff auf Gibraltar abgeschlagen 348, Gibraltar versorgt (Howe) 351, Strategie 353; Westindien (1782), England verliert St. Christopher 354, Plan der Verbündeten zur Eroberung Jamaikas durch Rodneys Sieg bei Dominica vereitelt 360, Strategie 374. -- In Ostindien: Ausdehnung der engl. Macht (1763-1778) 376, Frankreich benutzt die damit verbundenen Kämpfe erst spät (1782) zum Angriff 380; Lage der gegnerischen Flotten in Indien 384; die Kämpfe Hughes und Suffrens um die Seeherrschaft 385, Strategie 402. -- Englands Handelskrieg (Verluste) 404. Der Friede von Versailles (1783) 407. Allgemeine Betrachtung der Strategie Englands (1778-1783) 409.

=Englands Marine= vgl. »Marinen«.

=Entdeckungsreisen= 17.

=Estaing=, d', franz. Admiral 200; (1778): 247; 249; 257; Fahrt nach Nordamerika (Personalien) 258; vor New York 260; in der Narragansettbucht 262, 264; segelt nach Westindien 266; Beurteilung 270; greift Sta. Lucia an 274; (1779): erobert Grenada und andere Inseln 275; Schlacht bei Grenada 276; 280; vor Savannah 281; Beurteilung 283; (1780) in Spanien 296; (1783) ebenso 376.

=Eyre-Coote=, engl. General in Indien (1779) 379 ff.; 397.

=$F$alklandsinseln.= Streit zwischen England und Spanien (1770) 212.

=Finisterre=, Kap, zwei Seeschlachten (1747) 88 ff. und 91.

=Fleury=, franz. Premierminister 3; 61; 63; 73.

=Forrest=, engl. Seeoffizier, Gefecht bei Le Cap (1757) 176.

=Franklin=, Benjamin, 169; 207; 209; in Paris (1776) 216 ff.; 230; 407.

=Frankreich= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff. Im Kriege 1739 bis 1748: 47 ff.; deckt spanische Flotten (1739) 61, (1741) 72, (1744) führt es zur Schlacht vor Toulon 75; Versuch einer Landung in England (1744) 74; seine Flotte durch England blockiert und (1747) durch die beiden Schlachten bei Finisterre lahmgelegt 82-91. Kämpfe in Nordamerika 93; in Westindien 97; in Ostindien 99; Verluste im Handelskriege 107. Frankreichs Strategie 110. Der Frieden von Aachen (1748) 55.

Im Kriege 1756-1763: 116 ff.; Kennzeichnung der Kriegführung Frankreichs 124, 126; Reibungen mit England in den Kolonien 131; großer Verlust an Handelsschiffen (1755) 133; Frankreich erobert Minorka (1756) 133; die französischen Küsten angegriffen (1757/58) 143; der Versuch, in England einzufallen, endet mit völligem Zusammenbruch der Flotte (1759) 147. Der Krieg in Nordamerika führt wegen mangelnder Unterstützung von der Heimat zum Verlust von Kanada 163-175, der in Westindien zum Verlust der meisten Inseln 175-182. Wachsen der französischen Macht in Ostindien (1748-1754) und völliger Niederbruch im Kriege mit England 182-197. Verluste im Handelskriege 198. Frankreichs Strategie 200. Der Frieden zu Paris (1763) 127.

Im Kriege 1775-1783: Frankreich bereitet Krieg gegen England vor 211; schließt Familienvertrag mit Spanien (1761) 212; gewinnt Corsica (1769) 212; verbündet sich mit den nordamerikanischen Kolonien (1778) 216; Ziele des französisch-spanischen Bündnisses 218; Rüstungen 246. -- Der Krieg auf den verschiedenen Schauplätzen: Europa (1778) 248, Strategie 257; in Nordamerika und Westindien (1778/79) Frankreichs erste Flotte (d'Estaing) dort, Sta. Lucia geht verloren, Grenada gewonnen 258-282, Strategie 270, 283; Europa (1779/80) Rüstungen, die französisch-spanische Flotte erfolglos im Kanal, später untätig 286, Strategie 296; Westindien und Nordamerika (1780), die zweite Flotte (de Guichen) tritt auf, Kämpfe mit Rodney um Sta. Lucia, Sendung eines Hilfsheeres nach Nordamerika 298-311, Strategie 312; Europa (1781) Rüstungen, die französisch-spanische Flotte im Kanal ohne Erfolg 315 bis 319, Strategie 323; Westindien und Nordamerika (1781), Auftreten der dritten Flotte (de Grasse) dort, Tabago wird genommen und der Landkrieg in Amerika bis zur Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown unterstützt 325-341, Strategie 341; Europa (1782), die Verbündeten nochmals vor dem Kanal ohne Erfolg, dann untätig vor Gibraltar 346, Strategie 353; Westindien (1782), St. Christopher wird genommen, aber der Plan, Jamaika zu erobern, durch Rodneys Sieg bei Dominica vereitelt 360-374, Strategie 374. -- Ostindien: Frankreich benutzt die ungünstige Lage Englands erst spät (1782) zum Angriff 380; Suffren rettet die Kapkolonie 381; Lage der gegnerischen Flotten, in Indien 384; die Kämpfe Suffrens und Hughes um die Seeherrschaft 385-402; Strategie in Indien 402. Frankreichs Verluste im Handelskriege 404. Der Frieden von Versailles (1783) 407. Die Strategie Frankreichs (1778-1783) im ganzen betrachtet 409. -- Frankreichs Marine vgl. »Marinen«.

=Frederikshamn=, von Gustav III. erfolglos angegriffen (1789) 429 (1790) 436.

=Fregatten=, Entwicklung der 14.

=Friedensschlüsse= und ihre Bedingungen: Aachen 1748 (Österreich. Erbfolgekrieg) 55, 96, 106; Hubertusburg 1763 (Siebenj. Landkrieg) 123, Paris 1763 (Siebenj. Seekrieg) 127; Versailles 1783 (zwischen England -- Frankreich, Spanien, Vereinigte Staaten) 407; Paris 1784 (England -- Holland) 409; Abo 1783 (Schweden -- Rußland) 420; Kücük-Kainardschi 1774 und Jassi 1792 (Rußland -- Türkei 424; Werelä 1790 (Schweden -- Rußland) 441.

=Friedrich= II. =von Preußen= 5; 47 ff.; 49 ff.; im Siebenj. Kriege 116 ff.; 120 ff.; 421; sein Standpunkt zur Schaffung einer Flotte 422.

=$G$abaret=, franz. Admiral, bei Toulon (1744) 77 ff.; 82; 83.

=Gage=, engl. General in Nordamerika (1775) 210; 211; 226.

=Gates=, amerik. General, bei Saratoga (1777) 238; in Carolina (1780) 309.

=Georg= II. =von England= 45 ff.; 51 ff.; 116 ff.

=Georg= III. =von England= 119; 128; Standpunkt gegenüber den amerik. Kolonien 208-211; innere Politik 213.

=Gibraltar= belagert (1779) 292; durch Rodney versorgt (1779) 293, durch Darby (1780) 316, durch Howe (1782) Verlauf der Belagerung und der große erfolglose Angriff mit schwimmenden Batterien (1782) 348 bis 351.

=Granaten=, Hand- 21.

=Grasse=, Comte de, franz. Admiral (1779): 275; 282; 291; 298; (1781): Oberbefehl in Westindien (Personalien), Gefecht bei Martinique 326; 328; erobert Tabago 329; segelt nach Nordamerika 329; 337; Schlacht vor der Chesapeakebucht 338; segelt nach Westindien 340; Beurteilung 341 ff.; Anerkennung durch Washington 342; (1782): in Westindien 354; Schlachten bei St. Christopher 355 ff.; Beurteilung 359; Schlachten bei Dominica 361-371; Gefangenschaft und weiteres Schicksal 372.

=Graves=, engl. Admiral, in Nordamerika (1775) 229; (1780) 310, 311; (1781) 316; 331; Oberbefehl 337; (1781) Schlacht vor der Chesapeakebucht 338; 343.

=Greene=, amerik. General (1780/81) 309; 331; 332.

=Greigh=, russischer Admiral (engl. Seeoffizier), im Mittelmeer (1769) 423; in der Ostsee (1788), Schlacht bei Hogland 428, 429.

=Grenada=, von Franzosen erobert (1779) 275; Seeschlacht 276 ff.

=Grout de St. George=, franz. Seeoffizier (1747) bei Finisterre 88.

=Guadeloupe=, von England erobert (1779) 177.

=Guayana=, von England erobert (1781) 325.

=Guichen=, Comte de, franz. Admiral (1780): Oberbefehl in Westindien 291; 296; Personalien 299; Schlacht bei Martinique gegen Rodney (17. April) 300; Gefecht am 15. und 19. Mai dort 304; verläßt Westindien 305; Beurteilung 312; (1781): 316; unter Cordoba vor dem Kanal 318, 319; verliert einen Konvoi 322; (1782): 345.

=Gustav III. von Schweden.= Krieg mit Rußland 1788-1790. (1788): 425; Plan gegen Petersburg 426; 427; seine schroffen Forderungen Katharina II. gegenüber 428; in Finnland (Empörung der Offiziere) 429, 430; (1789): in Finnland 432, 433; (1790): Plan gegen Petersburg 434; vor Frederikshamn 436; 437; in der Wyborgbucht 438 ff.; im Svensksunde 440; seine Erfolge des Krieges 440.

=$H$addock=, engl. Admiral, im Mittelmeer (1740) 71; 72.

=Haidar Ali=, Herrscher von Mysore (Indien) im Kampfe mit England (von 1766 an) 377; 378; 379; 387; 390; 393; 398; Tod 399.

=Halifax=, 164; 167.

=Hardy=, engl. Admiral (1757) 167; Oberbefehl im Kanal (1779) 287; Personalien 288; 290; 295.

=Hastings=, Sir Warren, erster engl. Generalgouverneur in Indien (1773) 377; erobert die franz. Besitzungen (1778) 378; 379.

=Havanna=, Seegefecht (1748) 98; von England erobert (1762) 180.

=Havre= beschossen (1758) 145; (1759) 151.

=Hawke=, engl. Admiral, bei Toulon (1744) 78; (1747) bei Finisterre (Personalien) 89; im Siebenj. Kriege 133; 138; 141; 142; Angriff auf Rochefort (1757) 143; 144; 148; 152; bei Quiberon (1759) 153 ff.; 160; 161.

=Hogland=, Schlacht zwischen Schweden und Rußland (1788) 428.

=Holburne=, engl. Admiral (1757) 167 ff.

=Holland= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff.; (1740-1748) 48; Beteiligung am Seekriege 92; (1756 bis 1763) bleibt neutral 120; (1775 bis 1783) Gründe für die Verwicklung in den Krieg 218; Ausbruch des Krieges mit England (1780) 298; seine Flotte geschlagen und blockiert (1780) 320; Tätigkeit derselben (1782) 347; Frieden mit England zu Paris (1784) 409. -- Stand der Marine vgl. »Marinen«.

=Hood=, Samuel, engl. Admiral, in Westindien (1780) 307; (1781): Gefecht bei Martinique (Personalien) 326; in Nordamerika 331; 337; in der Schlacht vor der Chesapeakebucht 339; nach Westindien 340; Schlachten bei St. Christopher 355 ff.; Beurteilung 359; bei Dominica 361 und 372; 376.

=Hopkins=, amerik. Kommodore, Führer des ersten Geschwaders der Vereinigten Staaten, brandschatzt Bahamainseln (1746) 241.

=Hoste=, Werk über Seetaktik 37 ff.

=Hotham=, engl. Admiral (1778) 267; 273; 306; verliert einen Konvoi (1781) 317; 325.

=Howe, Richard=, Earl, engl. Admiral (1758): 144; 145; (1776): Oberbefehl in Nordamerika 230; vor New York 235 ff.; 239; 240; (1778): deckt Rückzug von Philadelphia 258; verteidigt New York (Personalien) 260; entsetzt die Narragansettbucht 264; abgelöst 266; Beurteilung 270; (1782): Oberbefehl der Kanalflotte 345; 346; 347; versorgt Gibraltar 347 ff.; Gefecht bei Kap Spartel 352; Beurteilung 353, 354.

=Howe, William=, engl. General in Nordamerika (1775): 227; räumt Boston 229; (1776): erobert New York 235; 238; (1777): erobert Philadelphia 239; 241; (1778): abberufen 242.

=Hubertusburg=, Friede zwischen den Landmächten (1763) 123.

=Hudson-Linie=, deren Bedeutung 227.

=Hughes=, engl. Admiral (1779): Oberbefehl in Indien 378; (1782): seine Kämpfe mit Suffren, Schlacht bei Sadras 385; bei Providien 387; bei Negapatam 390; bei Trincomali 394; 397 ff.; bei Cuddalore (1783) 400; Beurteilung 404.

=Hydar-Ali=, siehe Haidar Ali.

=Hyde-Parker=, engl. Admiral, vor New York (1776) 235; in Westindien: Gefecht vor Martinique (1779) 281; 298; 302; Schlacht auf der Doggerbank (1781) 320; Beurteilung 322.

=$J$amaika=, Plan der Verbündeten zur Eroberung (1782) 360; aufgegeben 374; ebenso (1783) 376.

=Jassi=, Frieden zwischen Rußland und Türkei (1792) 424/25.

=Jenkins=, engl. Seemann, der Vorfall mit Js. Ohr (1731) 46.

=Jervis=, engl. Admiral, später Lord Vincent, erstes Auftreten (1782) 345; seine Äußerung über Invasion in England 288.

=Johnstone=, engl. Admiral, soll Kapland erobern (1781) 316/17; Schlacht vor Porto Praya 381 ff.

=Jones=, John Paul, amerik. Freibeuter 225; in den europäischen Gewässern (1776) Personalien 406; in russischem Dienste (1788) 425.

=$K$alkutta= von den Indern erobert (1756) 186; von den Engländern wiedergenommen (1757) 187.

=Kanada= für Frankreich verloren (1760) 175.

=Kanonen=, Kaliber, Bedienung, Verteilung an Bord (1740-1793) 19 bis 24.

=Kapland= durch Suffren gerettet (1781) 384.

=Karl= III. von Spanien 4; 119; 213; 217.

=Karl= VI., Deutscher Kaiser 5.

=Karl Albrecht= von Bayern 47; 50 ff.

=Karl Eduard=, Prätendent (der junge) für den englischen Thron, sein Einfall in Schottland (1745) 53, 74, 84.

=Karronaden= 21.

=Katharina= II. von Rußland, Kriege mit der Türkei 422 ff.; Krieg mit Schweden 1788-1790: 426; 429; ihre schroffen Forderungen 434; zum Frieden geneigt 441; ihr Erfolg im Kriege 442.

=Keith=, russischer General (1742) 420.

=Kempenfelt=, engl. Admiral, vernichtet einen franz. Konvoi (1781) 322; 345; 346; ertrinkt auf »Royal George« 348.

=Keppel=, engl. Admiral 161; 180; 182; nimmt franz. Kriegsschiffe im Kanal (1778) Personalien 249; Schlacht bei Ouessant (1778), Kriegsgericht über ihn 251 ff.; 256; 257; Erster Lord der Admiralität (1782) 344; legt sein Amt nieder 409.

=Kersaint=, franz. Admiral, Gefecht bei Le Cap (1757) 176; 181.

=Knowles=, engl. Admiral 69; 97; Gefecht vor Havanna (1748) 98; Kriegsgericht über ihn 99.

=Kolberg=, durch Schweden und Russen beschossen (1760/61) 421.

=Kolonien=, ihre strategische Bedeutung, ihr Umfang (1740) 7. Innere Verhältnisse der engl. nordamerik. Kolonien und ihre Streitfragen mit England bis zum Aufstand (1775) 207 ff. -- =Kämpfe in den Kolonien=: (1739-1748) 49; 54; Nordamerika 93; Westindien 59, 97; Ostindien 99. (1756 bis 1763) Nordamerika 163, Westindien 175, Westafrika 181, Ostindien 182. (1775-1778) 226; (1778 bis 1782) Westindien und Nordamerika 258, 298, 324, 354; Westafrika 285; Ostindien 376.

=Kontremarsch=, Wenden oder Halsen im, 38.

=Kreuzerkrieg= 1739-1748: 70; 107; 1756-1763: 198; 1775-1783: 404.

=Kriege des Abschnittes=, vgl. Verzeichnis Seite 443; =Kennzeichnung= der: 4 ff.; Englisch-Spanischer (1739) 45 ff.; Österr. Erbfolgekrieg (1740-1748) 47; Siebenj. Krieg (1756-1763) 116; Nordamer. Freiheitskrieg (1775-1783) 215; 219. Vgl. auch Strategie.

=Kronstädter Bucht=, Schlacht (1790) 436.

=Kruse=, russisch. Admiral, Schlacht im Svensksunde (1789) 433; Schlacht in der Kronstädter Bucht 436.

=Kücük-Kainardschi=, Friede zwisch. Rußland u. Türkei (1774) 424.

=$L$abourdonnaye, de=, franz. Admiral in Indien (1744) 99 ff.

=La Bruyère= vgl. Court.

=La Clue, de=, franz. Admiral 143; 146; bei Lagos (1759) Personalien 149 ff; 205; 206.

=Lacy=, russisch. General (1743) 420.

=Lafayette=, Marquis, Franzose in nordamerik. Dienst 216; 239; in Virginia (1781) 333; 335 ff.; 337.

=La Gallissonnière, de=, franz. Admiral, erobert Minorka (1756), Personalien 134; Schlacht bei Minorka 135, 139, 140; 164; 203; 204.

=Lagos=, Schlacht (1759) 148 ff.

=La Guayra=, angegriffen (1743) 69.

=La Jonquière=, de, franz. Admiral, bei Finisterre (1747) 88; 96.

=Lally=, Comte de, franz. General in Indien (1757) 189; 191; 192; 193; 196; 197.

=La Motte, Dubois de=, vgl. Dubois.

=La Motte-Picquet, de=, franz. Admiral 254; Gefecht vor Martinique (1779) 281, 282; 291; 296; 298; Gefecht bei Monte-Christi (1780) 299; nimmt einen engl. Konvoi (1781) 317; 319; 345; 346; 347; 352.

=Langara=, span. Admiral, Schlacht bei Kap Vincent (1780) 293.

=Le Cap=, vgl. Cap Français, Seegefecht (1757) 176.

=Lee=, amerik. General (1776) 232.

=Leestellung=, Vor- und Nachteile 41.

=Les Saintes=, Seeschlacht (1782), vgl. Dominica zweite Schlacht.

=Lestock=, engl. Admiral, in Westindien (1741) 65; 73; bei Toulon (1744) 77 ff.; Kriegsgericht über ihn 80; gegen Lorient (1746) 87.

=L'Etanduère, de=, franz. Admiral, bei Finisterre (1747) 89.

=Lexington=, Landgefecht (1775) 227.

=Leyrit, de=, franz. Gouverneur in Indien (1755) 185; 188.

=Linienschiffe=, Vergrößerung u. Verbesserung 11; 15; 17.

=Long Island=, von England erobert (1776) 235.

=Lorient=, angegriffen (1746) 87.

=Loudoun=, Earl, engl. General in Nordamerika (1756) 166 ff.; 208.

=Louisbourg=, erobert (1745) 93; zurückgegeben 106; 132; 167; erobert (1758) 168 ff.

=Löwenhaupt=, schwedischer General (1741) 419/20.

=Ludwig XVI.= von Frankreich 215; seine Befehle für die Flotte (1778) 250.

=Luvstellung=, Vor- und Nachteile 39.

=$M$adras= von Frankreich erobert (1746) 102; zurückgegeben 106; belagert (1759) 193; von Haidar Ali bedroht (1769) 378.

=Mahé=, franz. Stadt an der Westküste Vorderindiens, von England erobert (1761) 197; (1779) 379.

=Manila=, von England erobert (1762) 197.

=Mannschaften= der Marinen siehe Personal.

=Maria Theresia= von Österreich 5; 47 ff; 49 ff.

=Marinen.=

Entwicklung 1740-1793, der englischen 17 ff.; 24 ff.; der französ. 27 ff.; Vergleich beider 33. Gründe der Lähmung der engl. Flotte im Kriege 1739-1748 112.

=Schiffsbestände=:

=Englische Marine.= Bestand 1740 (Verluste 1740-1748) 58; Bestand 1756 (Verluste 1756-1763) 131; Bestand 1775 (Verluste 1775-1783) 222; Indienststellungen 1775-1783 224.

=Französische Marine=, Bestand 1744 (Verluste 1744-1748) 57; Bestand 1756 (Verluste 1756-1763) 130; Bestand 1778 (Verluste 1778 bis 1783) 220; Indienststellungen 1778-1783 224.

=Holländische Marine=, Bestand 1741 59; Beteiligung am Kriege 1744-1748 92; Bestand 1780 (Verluste 1780-1783) 221.

=Nordamerikanische Marine=, Gründung 1775 (Verluste 1775 bis 1783) 225; ihre Tätigkeit im Freiheitskriege 241; ihr Kreuzerkrieg 405.

=Russische Marine=, Bestand 1740 419; 1788 426.

=Schwedische Marine=, Bestand 1734 419; Stärke und Organisation 1788 426.

=Spanische Marine=, Bestand 1739 (Verluste 1739-1748) 57; Bestand 1759 (Verluste 1762-1763) 130; Bestand 1779(Verluste 1779-1783) 221; Indienststellungen 1779-1783 224.

=Türkische Marine=, Bestand 1768 423. Siehe auch unter »Personal der Marinen«.

=Martin=, engl. Admiral, vor Neapel (1742) 73.

=Martinique= 177; von England erobert (1762) 179; Gefecht (1779) 281; Schlacht (1780) 301; Gefechte 304; Gefecht (1781) 327.

=Mathews=, engl. Admiral, bei Toulon (1744) 75 ff.; Personalien 77; Kriegsgericht über ihn 80.

=Maurepas=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 27.

=Minorka=, von Frankreich erobert (1756) 133; Seeschlacht 135; weiteres Schicksal im Siebenj. Kriege 138, 160; 205; von Spanien angegriffen (1781) 318, vgl. Port Mahon.

=Montcalm=, Marquis de, franz. General in Kanada (1756) 166 ff.; 168 ff.; 171 ff.

=Monte Christi= (Haiti), Seegefecht (1780) 299.

=Montreal= von England erobert (1760) 174; (1775) 228.

=Morbihanbucht=, Erklärung 147; 152.

=Moreno=, span. Admiral vor Gibraltar (1782) 345; 350.

=Moritz von Sachsen=, 87.

=Moultrie=, Fort bei Charleston, angegriffen (1776) 231; genommen (1780) 308.

=$N$arragansettbucht=, militär. Bedeutung, von England besetzt (1776) 237; Beschreibung, von Franzosen angegriffen (1778) 262; von England geräumt (1779) 282; Landung des franz. Hilfskorps (1780) 310.

=Nassau-Siegen=, Prinz von, russischer Admiral, im Mittelmeer (1788) 425; in der Ostsee (1789), Schlacht im Svensksunde 433; ebenso (1790) 440.

=Nautik=, Fortschritte 16.

=Navarro=, span. Admiral, 72; bei Toulon (1744) 75 ff.; 82.

=Negapatam= (Indien), Seegefecht (1746) 101; Schlacht (1758) 192; Schlacht (1782) 391.

=Nelson=, erstes Auftreten (1783) 376.

=Neutrale Inseln= (Westindien) 9; 175.

=Neutralität der Ostseemächte=, bewaffnete (1780), ihre Ziele 218; ihre Streitkräfte 222.

=Newport=, vgl. Narragansettbucht.

=New York= von England erobert (1776) 235; von Frankreich bedroht 260.

=Nordamerika=, europäische Kolonien dort (1740) 8; Kämpfe dort bis (1763) vgl. »Kolonien«, siehe »Vereinigte Staaten«.

=Norris=, engl. Admiral 72; 74.

=North, Lord=, engl. Premierminister (1770-1782), Stellung zu den amerik. Kolonien 209-211; 213; lenkt den Kolonien gegenüber ein 243; gestürzt 344.

=$O$ffizierkorps=, See-, siehe unter Personal.

=Ogle=, Sir Chaloner, engl. Admiral, in Westindien (1740) 62-69.

=Öland=, Schlacht (1789) 431.

=Orleans, Louis Philipp=, Herzog von, vgl. Chartres.

=Orlow=, Alexej, russischer Admiral, im Mittelmeer (1769) 422; Schlacht bei Tscheschme 423.

=Orves, Comte= d', franz. Admiral in Indien (1779) 379; 403.

=Orvilliers, Comte= d', franz. Admiral, (1778) 247; im Kanal (seine Instruktion) 250; Schlacht bei Ouessant (Personalien) 251 ff.; 256; 257; (1779) Oberbefehl der französisch-spanischen Flotte 287; im Kanal 289; Beurteilung 297.

=Österreich= in den Kriegen des Zeitabschnittes 5 ff.; (1740) 47; (1756) 116 ff.; 424; vgl. auch Maria Theresia.

=Ostindien=, europäische Kolonien (1740) 9; Kämpfe derselben vgl. Kolonien; militärische Bedeutung für den Krieg 1778-1783 245.

=Ostindische Kompagnien= vgl. vorstehend. Ferner: =Französische= K.: Wachsen ihrer Macht unter Dupleix (1741-1754) 99 ff.; 182; ihre Auflösung (1770) 197. -- =Englische= K.: 99; 182 ff.; Ausdehnung ihrer Macht in Bengalen 187; 198; Kämpfe mit Eingeborenen (1763-1778) 376; Neuorganisierung (1773) 377. -- =Holländische= K.: 405.

=Otschakow=, (1788) von Rußland erobert, Seegefechte 425.

=Ouessant=, Seeschlacht(1778) 251 ff.; Vernichtung eines franz. Konvois (1781) 322.

=$P$alliser=, engl. Admiral, schuldhaftes Verhalten bei Ouessant (1778) 252 und 255.

=Paoli=, korsikanischer Freiheitsheld (1769) 212.

=Paris=, Friede zwischen England und Frankreich (1763) 127, zwischen England und Holland (1784) 409.

=Parker Peter=, engl. Admiral, Angriff auf Charleston (1776) 231 ff.; besetzt die Narragansettbucht 237; in Westindien (1778-1782) 247; 272; 281; 298; 330; 347.

=Pensacola=, von Spanien erobert (1781) 307.

=Pepperel=, Milizoffizier der engl. Kolonien, erobert Louisbourg (1745) 94.

=Personal der Marinen. Englische Marine=: 25; 33; 58; 113; 223. =Französische=: 28; 33; 57; 130; 221. Vergleich beider 33. =Spanische=: 58; 130; 221. =Holländische=: 59; 221. =Russische= 419; 426. =Schwedische= 426; =Türkische= 423.

=Philadelphia=, Kongreß der Vereinigten Staaten und dessen Forderungen (1774) 210; von England erobert (1777) 239; geräumt (1778) 258.

=Philippinen=, von England erobert (1762) 197.

=Pitt=, William, =sen.=, Graf von Chatham, engl. Premierminister 47; während des Siebenj. Krieges: 118; 127; Stellungnahme zum Pariser Frieden (1763) 129; 143; 148; 169; 177. Während des Aufstandes der nordamerik. Kolonien: 207; 210; letztes Auftreten und Tod (1778) 243.

=Pitt=, William, =jun.=, tritt ins Ministerium (1782) 344.

=Pittsburg= 164.

=Pizarro=, spanischer Admiral (1740) 61; 71.

=Plassey=, Schlacht in Bengalen (1757) begründet das britisch-indische Reich 188.

=Pocock=, engl. Admiral 163; erobert Havanna (1762) 180; Schlachten bei Cuddalore (1758) 189, bei Negapatam (1758) 192; bei Porto Novo (1759) 194; 195.

=Pondichery= 9; belagert (1748) 105; erobert (1761) 196; erobert, Seegefecht (1778) 378.

=Port Louis= (Haiti) angegriffen (1748) 97.

=Port Mahon=, von Franzosen erobert (1756) 137; weiteres Schicksal im Siebenj. Kriege 138; von Spanien erobert (1782) 318.

=Porto Novo=, Schlacht (1759) 194.

=Porto Praya= (Capverden), Schlacht (1781) 382.

=Portugal=, im Siebenj. Kriege 120.

=Pragmatische Sanktion= 5.

=Preußen= in den Kriegen des Zeitabschnittes 5 ff.; 47; 116 ff.; 421. Vgl. auch Friedrich II.

=Princetown=, Landgefecht (1776) 238.

=Providien=, Schlacht (1782) 387.

=Puerto Belo= erobert (1739) 60; 69.

=Puerto Cabello=, angegriffen (1743) 69.

=$Q$uebec=, von England erobert (1759) 171; von Amerikanern belagert (1775) 228; 233.

=Quiberonbucht=, Schlacht (1759) 154.

=$R$aagervik= (Baltisch Port) von Schweden überrumpelt (1790) 435.

=Rajalin=, schwed. Admiral (1741) 419.

=Ramatuelle=, franz. Seeoffizier, Taktiker 279.

=Reppiner Haken=, Seegefecht (1758) 421.

=Rhode Island=, vgl. Narragansettbucht.

=Richelieu, Herzog von=, franz. General 85; erobert Minorka (1756) 134.

=Rion, de=, franz. Admiral, erobert Tabago (1781) 329; 358; 367.

=Rochambeau, Comte de=, franz. General, Chef des Hilfskorps in Nordamerika (1780) 309; 311; 312; 330; 336; 342.

=Rochefort=, angegriffen (1757) 143.

=Rodney=, engl. Admiral 10; 44; 148; vor Havre (1759) 151; 161; erobert die franz. westindischen Inseln (1762) 179; Personalien 292; Sieg bei Kap St. Vincent, versorgt Gibraltar (1780) 293; in Westindien 299; Schlachten bei Martinique gegen Guichen 300, 304, 305; segelt nach Nordamerika und zurück 306; Beurteilung 313/14. Erobert St. Eustache (1781) 324; 326; 329; 330; Beurteilung 342. Schlachten bei Dominica (1782), sein Durchbruch der feindlichen Linie 361-372; nach England zurückgerufen, seine Gesamterfolge 374; über seine Taktik 415/16.

=Roquefeuil, Comte de=, franz. Admiral, im Kanal (1744) 74.

=Rouillé=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 29.

=Reval=, Schlacht (1790) 435.

=Rowley, Joshua=, engl. Admiral 275; bei Grenada (1778) 277; 281; 282; bei Martinique (1780) 303.

=Rowley, William=, engl. Admiral, bei Toulon (1744) 77 ff.; 82; 83.

»=Royal George=«, engl. Linienschiff, Untergang auf der Rhede von Spithead (1782) 348.

=Rußland=, in den Kriegen des Zeitabschnittes (1740) 47; (1756) 116 ff.; (1741-1743) 418; (1756-1763) 421; (1787-1791) 424-442. Sein Festsetzen am Schwarzen Meere 424, 425. Vgl. auch »Katharina II.«. Seine Marine vgl. »Marinen« und »Personal«.

=$S$adras=, Schlacht (1782, taktisch bemerkenswert) 385.

=Santiago de Cuba=, angegriffen (1741) 67; (1748) 97.

=Saratoga=, Kapitulation des engl. Heeres (1777) 239; Folgen derselben 242/43.

=Sartines=, franz. Marineminister, seine Amtstätigkeit 31.

=Savannah=, von England besetzt (1778) 269; von Frankreich angegriffen (1779) 281.

=Schiffe=, Weiterentwicklung der, 11 bis 19; (Kupferung 16; Kauffahrteischiffe 16; Schiffsklassen 17).

=Schlachten=. =See=schlachten vgl. Verzeichnis S. 443. =Land=schlachten, die mit dem Seekriege in näherer Verbindung stehen: Plassey (Indien 1757) begründet Englands Herrschaft in Bengalen 188. Im nordamerikanischen Freiheitskriege: Lexington und Bunkershill (1775) 229; New York erobert (1776) 235; Trenton, Princetown (1776) 238; Stillwater, Saratoga (1777) 238; Brandywine, Philadelphia erobert (1777) 240; Kapitulation von Yorktown (1781) 339.

=Schmuggelhandel=, engl., in Westindien, gibt Anlaß zum Kriege (1739) 3; 45.

=Schwarzes Meer=, Rußlands Festsetzung dort 424/25.

=Schweden= in den Kriegen des Zeitabschnittes (1740) 47; (1756) 118; (1741-1743) 418; (1756-1763) 421; (1788-1790) 425-442. Vgl. auch Gustav III. Seine Marine vgl. »Marinen« und »Personal«.

=Seeherrschaft=, der Kampf um sie wird wichtiger 7.

=Seeoffizierkorps=, Englisches: Ersatz, Dienstgrade, Beförderung 25; Französisches: Dienstgrade 33, Ersatz 35. Vergleich beider 34. Vgl. auch »Personal«.

=Seeschlachten=, Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte vgl. »Schlachten«.

=Seetaktik=, vgl. Taktik.

=Senegambien=, von England erobert (1758) 182; von Frankreich erobert (1779) 285; Teilung (1783) 409.

=Shelburne=, Graf (Lansdown), engl. Premierminister (1782) 344; 408.

=Shirley=, engl. Gouverneur von Massachusetts, im österreichischen Erbfolgekrieg 93; 96; im Siebenj. Kriege 165; 166; 208.

=Silberflotten=, spanische 45.

=Sjöstjerna=, schwed. Admiral (1741) 419.

=Södermanland=, Herzog Karl, von, schwed. Admiral 427; Schlacht bei Hogland (1788) 428; Schlacht bei Öland (1789) 431; (1790): Schlacht bei Reval 435, Schlacht in der Kronstädterbucht 436, in der Wyborgbucht blockiert und Durchbruch 439 ff.

=Solano=, span. Admiral, in Westindien (1780) 291; 295; 305; erobert Pensacola 307; (1783) 376.

=Sounders=, engl. Admiral 142; 159; erobert Quebec (1759) 171 ff.

=Spanien= in den Kriegen des Zeitabschnittes 3 ff. Im Kriege 1739 bis 1748: 45; 49; (1739) 61 ff.; (1744) 73, 81; (1748) 111; sein Handelskrieg (Verluste) 107; Strategie 111; Friede zu Aachen (1748) 55. -- Im Kriege 1756-1763: Familienvertrag mit Frankreich (1761) treibt es in den Krieg 119; verliert (1762) Havanna 180 und die Philippinen 197; Friede zu Paris (1763) 128. -- Im Kriege 1775-1783: Streit mit England wegen der Falklandsinseln (1770) 212; versucht zwischen Frankreich und England zu vermitteln, tritt dann in den Krieg Frankreichs ein (1779) 217; Ziele der Verbündeten 218; Rüstungen (1779) 286; die spanisch-französische Flotte im Kanal 287; beginnt die Belagerung von Gibraltar 292; sendet Flotte zur Eroberung von Jamaika (1780), die aber die französische im Stich läßt 305; erobert Pensacola (1781) 307; Rüstungen (1781) 315; erobert (1781/82) Minorka 318; spanisch-französische Flotte im Kanal (1781) 319; Rüstungen (1782) 344; die gemeinsame Flotte vor dem Kanal 346; erfolgloser großer Angriff auf Gibraltar 348; Friede von Versailles (1783) 409. -- Spaniens Strategie 409 ff. -- Stärke usw. der spanischen Marine vgl. »Marinen«.

=Spartel, Kap=, Gefecht (1782) 352 ff.

=Spinola=, span. Admiral, Schlacht bei Havanna (1748) 98.

=Spiridoff=, russ. Admiral, im Mittelmeer (1769) 423.

=St. Christopher=, Westindien, von Frankreich erobert (1782) 354; zwei Schlachten (1782) 355 ff.

=St. Davids= (Fort bei Cuddalore, vgl. dort) 101; von Frankreich angegriffen (1747) 104, 105; erobert (1758) 191; ebenso (1782); von England belagert (1783) 397.

=St. Eustache= (Westindien) von England erobert (1781; Rodneys große Beute) 324; von Frankreich zurückgenommen 341.

=St. Johns=, Fort in Nordamerika 228; 233.

=St. Kitts=, vgl. St. Christopher.

=Sta. Lucia=, Westindien, neutrale Insel 9; fällt an Frankreich (1763) 175; von England erobert (1778), seine strategische Bedeutung 273; von Frankreich angegriffen 274 und (1781) 328.

=St. Malo= beschossen (1753) 145, 146.

=St. Martin=, Westindien, von Frankreich erobert (1779) 275.

=St. Vincent=, Kap, Schlacht (1780) 293.

=St. Vincent=, Westindien, neutrale Insel 9; fällt an England (1763) 175; von Frankreich erobert (1779) 276.

=Steuben, von=, amerikan. General, Organisator des Heeres (1777) 242.

=Strategie= zur See, gewinnt an Umfang 7; die französische Defensivstrategie 43. -- Strategie im Kriege 1739-1748: Einfluss des Seekrieges auf den Landkrieg 108; die Kriegführung der Gegner 110; Angriffe auf feindliche Küsten erfordern die Seeherrschaft 114. -- Im Kriege 1756-1763: die Kriegführung der Gegner 123, 200; Angriffe auf Küsten 205; Belagerung von Küstenstädten 260. -- Im Kriege 1775-1783: Kennzeichnung des Krieges 219; Lage auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen 244. Beurteilung der Strategie auf diesen in den einzelnen Jahren: Europa (1778) 257; in Nordamerika (1778) 270; Amerika und Westindien (1779/80) 283, Fehler Englands, den Landkrieg in den Südstaaten aufzunehmen 269, franz. Ansicht über Seestrategie und Taktik 279, Englands Fehler, die Narragansettbucht aufzugeben 284; Europa (1779/80) 296; Westindien und Nordamerika (1780) 312; Europa (1781) 323; Westindien und Nordamerika (1781) 344; Westindien (1782) 374; Ostindien (1778-1783) 402. -- Allgemeine Besprechung der Strategie (1778-1783). Aufgaben der Gegner und wie sie dieselben lösten 409 ff. -- Strategie im Schwedisch-Russischen Kriege (1788 bis 1790) 430; 434; 441.

=Suffren=, franz. Admiral 10; 44; unter d'Estaing in Nordamerika und Westindien (1778) 263; 267; 271; 283; 296. Segelt nach Ostindien (1781) 316/17; 346; 359; 380; Schlacht vor Porto Praya (1781). Personalien, rettet das Kapland 381 ff.; Oberbefehl in Indien (1782) 384; Schlachten in Indien (1782): bei Sadras 385, Providien 387, Negapatam 391, erobert Trincomali 393, bei Trincomali 394; 399 ff.; (1783) Schlacht bei Cuddalore, Entsatz der Stadt 400; 401. Rückkehr nach Frankreich, seine Beurteilung 402 ff. Seine Maßnahmen zur Instandhaltung der Schiffe 393.

=Svensksund=, zwei Schärenschlachten (1789) 433, (1790) 440.

=$T$abago=, Westindien, neutrale Insel 9; von Frankreich kurze Zeit besetzt (1749) 131; fällt an England (1763) 175; v. Frankreich erobert (1781) 329.

=Takelage=, Verbesserung der 13.

=Taktik.=, Fortentwicklung 9; Stand um 1740 36 ff.; Nachteile der engl. Angriffsart, die franz. Defensivtaktik 41 ff.; Einfluß der franz. Strategie auf diese 43; 279; unentschiedene Defensivschlachten 43. -- Über Taktik in den einzelnen Kriegen: (1740-1748) 113; bei Eroberung von Küstenstädten fällt die Hauptaufgabe dem Landheere zu 115; (1756-1763) 204; (1775-1783) 414. -- Schlachten bemerkenswert für Erkennung und Beurteilung der verschiedenen Taktik der Gegner: Toulon (1744) 80; Minorka (1756) 139; Ouessant (1778) 255; Grenada (1779) 279; Chesapeakebucht (1781) 334, 338. Schlachten, in denen vom alten Brauch abgewichen wurde: Martinique (1780, Rodney) 301; Dominica (1782, Rodney) 363; Sadras (1782, Suffren) 385.

=Ternay, de=, franz. Admiral, Einfall in Neufundland (1762) 200; segelt mit dem Hilfskorps nach Nordamerika (1780) 291, 306; Gefecht bei den Bermudainseln, landet bei Rhode Island (Narragansettbucht) 309, 311, 313.

=Thurot=, franz. Freibeuter, Einfall in Irland (1760) 160.

=Ticonderoga=, Fort in Nordamerika 170, 228, 238.

=Tippu Sahib= (Herrscher von Misore, Indien), im Kampf mit England 387, 399, 400.

=Torres=, spanischer Admiral in Westindien (1740) 61, 63, 66, 68, 71.

=Toulon=, von England blockiert (1742 bis 1743) 73; Seeschlacht (1744) 75; ihre Bedeutung 80.

=Trenton=, Landgefecht (1776) 238.

=Trincomali= (Ceylon), (1782) von England erobert 380, von Frankreich erobert 393; Seeschlacht 394.

=Tscheschme=, Vernichtung der türkischen Flotte durch die russische (1770) 423.

=Tschitschakoff=, russisch. Admiral, Schlacht bei Öland (1789) 431; blockiert Karlskrona 432; Schlacht bei Reval (1790) 435, 437; blockiert die schwed. Flotte in Wyborg, Durchbruch derselben 438.

=Türkei=, Kriege (1768-1774) 422; (1788-1791) 424; seine Marine vgl. »Marinen«.

=$U$tfall=, schwed. Admiral (1743) 420.

=$V$audreuil, Comte de=, franz. Admiral, Gouverneur von Kanada (1755-1760) bis zu dessen Eroberung 166, 172 ff.

=Vaudreuil=, Sohn des Vorstehenden, franz. Admiral 275; in Westafrika (1778) 285; in der Schlacht bei Dominica (1782) 362-374; Oberbefehl in Westindien, segelt nach Boston 374; nach Puerto Cabello 375; nach Europa (1783) 376.

=Vaughan=, engl. General, erobert St. Eustache (1781) 324.

=Vereinigte Staaten von Nordamerika.= Innere Verhältnisse der nordamerikanischen Kolonien, ihre Zerwürfnisse mit England 207; der Kongress der Kolonien, seine Forderungen (1774) 210; die Unabhängigkeitserklärung 211; von Frankreich anerkannt (1778) 217. -- Der Krieg (1775-1778) 226-242; Kapitulation des englisches Heeres bei Saratoga (1777) 239; letzter Versuch Englands zur Versöhnung (1778) 243. Frankreich sendet eine Flotte zur Unterstützung (1778) 243, 258; Verlauf des Krieges (1778/79) ungünstig 268; französisches Hilfsheer trifft ein (1780) 309; schlechte Lage der Amerikaner (Ende 1780) 315; Virginia wird Hauptkriegsschauplatz (1781), die französische Flotte beherrscht die See, Kapitulation des englischen Heeres bei Yorktown 331; Ende des Landkrieges (1782) 340, 344. -- Der Kreuzerkrieg der Amerikaner 225, 241, 405. Der Friede von Versailles (1783) 407. -- Die amerikanische Marine vgl. »Marinen«.

=Vergennes, Comte de=, franz. Premierminister, nimmt den Krieg mit England auf (1778) 215 ff.; 250; seine Ansicht über den Wert von Seeschlachten 256, 285.

=Vernon=, engl. Admiral, in Westindien (1739) 60-69; im Kanal (1745) 85.

=Versailles=, Frieden zu (1783) 407.

»=Victory=«, engl. Linienschiff, Untergang (1744) 83.

=Voltaire=, Aufruf an das engl. Volk (1745) 85.

=$W$affen= (1740-1793) 19-24.

=Walpole=, engl. Premierminister 46 ff., 72, 208.

=Warren=, engl. Admiral in Nordamerika 88, 91; erobert Louisbourg (1745) 94.

=Washington=, amerik. General, erobert Fort Duquesne (1754) 164; Oberbefehlshaber des Heeres der Vereinigten Staaten (1775) 211, 227, 229, 231; verliert New York (1776) 235; siegreich in New Jersey 238; bei Brandywine geschlagen, verliert Philadelphia (1777) 240; (1778/79): 262, 268; (1780): 306, 311; (1781): 330, 336, 338, 341; seine Anerkennung für de Grasse 342; seine Ansicht über Bedeutung der Seemacht 343.

=Watson=, engl. Admiral, in Indien, gegen den Seeräuber Angria (1755) 186; erobert Kalkutta (1757) 187.

=Wentworth=, engl. General, in Westindien (1740) 62-69.

=Werelä=, Friede zwischen Schweden und Rußland (1790) 441.

=Werften=, Verbesserung der 16.

=Westindien=, europäische Kolonien dort 8; englischer Schmuggelhandel gibt Anlaß zum Kriege (1739) 3, 45; Westindiens militärische Bedeutung im Kriege (1778-1783) 244; Kämpfe in Westindien vgl. »Kolonien«.

=Westminster=, Vertrag zwischen England und Preussen (1756) 117.

=Wiborg=, Blockade und Durchbruch der schwed. Flotte (1790) 439.

=Wolfe=, engl. General 169; nimmt Quebec (1759) 171 ff.

=$Z$outman=, holländ. Admiral, Schlacht auf der Doggerbank (1781) 320; Beurteilung 322.

E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68-71.

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