← Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts.

Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. (part 4 of 4)

Part 4 of 4 · Rittmeyer, Rudolph · Public domain text

About this edition

Source: Project Gutenberg e-text #63853, public domain in the United States · text not rewritten or summarized · How RedLectern is built

 

Contents (4)

Continue:

Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. (part 4 of 4)

Vor Alicante stießen 4 dem holländischen Kontingent bisher noch fehlende Linienschiffe zur Flotte. An diese knüpfen sich Umstände, die das Verhältnis der englischen und holländischen Seestreitkräfte zueinander in diesem Kriege kennzeichnen. Leutnantadmiral de Almonde hatte sie hinausgeführt, er sollte dann den Oberbefehl über die Holländer übernehmen; er ging aber von Lissabon in die Heimat zurück, da er nicht unter Vizeadmiral Leake dienen wollte. Holland hatte vor und während seiner Ausreise England ersucht, Shovel hinauszuschicken. England aber antwortete, dieser sei zu einem anderen Unternehmen (Rochefort?) bestimmt, jetzt wurde Almonde zurückgerufen und Holland hielt von jetzt an nur einen Vize- oder Kontreadmiral im Mittelmeer; sämtliche höhere Flaggoffiziere fanden in diesem Kriege keine Verwendung mehr. Die letzten tüchtigen Schüler Ruyters verbrachten ihre späteren Dienstjahre untätig am Lande: de Almonde, der seit 1691 die Holländer in allen größeren Unternehmungen und Schlachten geführt; Callenburgh, uns gleichfalls rühmlichst bekannt; zwei Evertsen, Söhne und Neffen der Seehelden Cornelis und Jan Evertsen. Vielleicht haben Sparsamkeitsrücksichten mitgesprochen.

Von Alicante segelte die Flotte (13. September) nach =Ibiza= und dann nach =Mallorca=; die erste Insel erkannte den König Karl sofort an und auf der zweiten zwang die Bevölkerung den Gouverneur dazu, als eine Beschießung der Stadt Palma drohte. Gern hätten Karl und Peterborough auch die Einnahme =Minorcas= mit seinem vorzüglichen Hafen Port Mahon, von den Engländern schon lange als Stützpunkt ins Auge gefaßt, gesehen, aber Leake hielt die französische Besatzung dort für zu stark, um mit seinen Landungsabteilungen allein anzugreifen. Peterborough war geneigt, mit den nötigen Truppen »unter eigener Führung« mitzuwirken, er wurde jedoch nach Italien gesandt, um Savoyen anzufeuern und mit Prinz Eugen über den Feldzug des nächsten Jahres zu verhandeln; als er zurückkam, war es nach Leakes Ansicht für die Flotte zu spät in der Jahreszeit. Seiner Instruktion gemäß trat der Admiral am 4. Oktober die Reise nach der Heimat an, mit ihm das ganze holländische Kontingent (Mitte November dort); nur ein Wintergeschwader von 17 englischen Linienschiffen zweigte sich unter =Admiral Byng= in Gibraltar ab und ging nach Lissabon.

Infolge der Entsetzung Barcelonas nahm auch der Landkrieg in Spanien von Portugal aus für Karl III. eine günstige Wendung; Madrid wurde genommen, Philipp V. war mit dem französischen Heere nach Frankreich geflohen. Karl war im Besitz der Herrschaft und wurde infolge der Siege des Prinzen Eugen auch in Mailand anerkannt (vgl. Seite 493).

$Die Jahre 1707 und 1708. Belagerung von Toulon. Eroberung von Port Mahon.$ Für 1707 war von den Seemächten wiederum die Aufstellung einer starken Flotte im Mittelmeer vereinbart. Die Generalstaaten hatten sich bereits im Sommer 1706 verpflichtet, 24 Linienschiffe dazu zu stellen, die schon vor Ende des Jahres abgehen sollten. Die pekuniäre Lage der Admiralitäten war jedoch so schwierig, daß erst um die Wende des Jahres 10 Schiffe unter Vizeadmiral van der Goes auslaufen und nur 5 im Mai 1707 folgen konnten; diese letztgenannten stießen erst vor Toulon zur Flotte. Daneben stellte Holland wieder 17 Schiffe in zwei Geschwadern für die nördlichen Gewässer auf. England dagegen sandte wirklich noch im Spätherbst 1706 den Admiral Shovel nach den spanischen Gewässern ab; die Zahl seiner Schiffe mag etwa 16 betragen haben.

Genaue Angaben waren nicht zu finden. Nach französischen Quellen erschienen im Juli vor Toulon 48 Linienschiffe, darunter 15 Holländer. Byngs Wintergeschwader zählte 17 Schiffe; es bleiben mithin 16 neuhinzugekommene Engländer.

=Shovel= traf Anfang Januar in Lissabon ein und ging sofort weiter ins Mittelmeer. Die Kriegslage in Spanien hatte sich seit der Heimfahrt der Flotte im Herbst 1706 sehr zuungunsten der Verbündeten geändert. König Karl machte die Erfahrung, daß mit dem Schlagen der spanischen Truppen nicht alles getan war. Er verstand es nicht, sich beliebt zu machen; in Kastilien und in den Südprovinzen erwachte der alte Haß gegen die Portugiesen und die Ketzer, die beide ihn unterstützten. Das Volk stand in Guerrillabanden auf und die Franzosen schickten ein neues Heer unter dem Herzog von Berwigk. Die Verbündeten konnten sich in Madrid nicht halten, sie zogen nach Osten ab, um sich Karl in Katalonien anzuschließen. Shovel warf nun zunächst eine aus England mitgebrachte Verstärkung von etwa 7000 Mann nach Alicante, kehrte dann aber nach Lissabon zurück, um seine Schiffe zu weiteren Unternehmungen instandzusetzen und auszurüsten.

Corbett bezeichnet diese »weiteren Operationen« ausdrücklich als die gegen Toulon geplanten. Marlborough habe schon die Abfahrt Shovels beschleunigt, da ihm nach den Erfolgen Eugens in Italien sein großer Plan jetzt reif erschienen sei. Dieser Plan, durch dessen Durchführung er den Krieg zu beenden hoffte, ist uns bekannt (Seite 494). Wenn er um diese Zeit schon feststand, wenigstens wie anzunehmen ist zwischen Eugen und Marlborough, so war er doch geheim gehalten. De Jonge sagt ausdrücklich, daß das holländische Geschwader erst vor Barcelona von dem beabsichtigten Angriff auf Toulon Kenntnis erhalten habe.

In Lissabon fand Shovel das Wintergeschwader (Byng) und das am 10. März eingetroffene holländische Kontingent, das auch Ersatz für die in Spanien fechtenden holländischen Regimenter mitgebracht hatte, vor. Da die Nachrichten vom Landkriegsschauplatze weiter ungünstig lauteten, wurde Byng mit den segelfertigen englischen und sämtlichen holländischen Schiffen sofort (10. April) ins Mittelmeer gesandt, um die Verstärkungen zu landen und bis zu Shovels Ankunft an der Ostküste zu kreuzen. Byng erfuhr in Alicante, daß die Armee der Verbündeten unter dem =Earl of Galway=, der jetzt den Oberbefehl führte, bei dem Versuche, wieder nach Madrid vorzudringen, bei Almansa (24. April) vernichtend geschlagen sei und daß ihre Trümmer sich größtenteils auf Tortosa zurückgezogen hätten (vgl. Seite 494). Der Admiral sammelte nun in den Küstenstädten die Versprengten, Verwundeten und Kranken des Heeres, brachte diese sowie die Ersatzmannschaften nach Tortosa und segelte dann nach Barcelona (20. Mai). Hier traf Shovel bald darauf ein. Erkundungen ergaben, daß weder in Toulon noch in Marseille (der Galerenstation) Ausrüstungen von Seestreitkräften betrieben wurden; Frankreich stellte in diesem Jahre nur zwei Divisionen unter Forbin und Trouin für die nördlichen Gewässer auf. Am 4. Juni ging =Shovel= mit der ganzen Flotte in See, um mit =Prinz Eugen= gegen Toulon zu operieren und um dessen Verbindung mit den Magazinen in Livorno und Genua aufrecht zu erhalten.

Wir wissen bereits (Seite 494), daß es Marlborough nicht gelang, seinen großen Plan vollständig durchzuführen. Er selber war behindert, in diesem Jahre im Norden kräftig vorzustoßen, und der Kaiser hatte, anstatt Eugen nach seinen Erfolgen zu verstärken oder doch wenigstens in seiner Stärke zu belassen, einen Teil des italienischen Heeres unter Graf Daun abgezweigt, um Neapel zu erobern, obgleich ihm England vorstellte, dies für ihn mit Leichtigkeit ausführen zu können, sobald Toulon gefallen sei. Da Ludwig XIV. um diese Zeit zu Friedensunterhandlungen geneigt war, wollte der Kaiser wohl vor Beginn dieser die Lande in seinen Besitz bringen; auch wird vermutet (nach Corbett), daß man in Österreich dem Plane Marlboroughs nicht günstig war, man fürchtete die Übermacht Englands im Mittelmeer nach Toulons Fall.

Ein schleuniger Angriff auf Toulon war erwünscht. Man mußte annehmen, daß Frankreich nach seinen Erfolgen in Spanien von dort Truppen zur Armee in der Provence heranziehen würde, auch konnte bei der Schwäche Eugens nur ein Handstreich gelingen. Dieser wäre fast geglückt. Marschall Tessé, der die Armee in der Provence führte, hatte mit unzureichenden Kräften eine lange Grenze zu decken, und Prinz Eugen verstand es, ihn in Unsicherheit darüber zu halten, wo er vorgehen wolle: ob ein Angriff auf die Provence oder ein Einfall in die Dauphiné oder in die Franche-Comté, beide von Truppen entblößt, erfolgen würde. Eugen operierte dann so schnell, daß Tessé erst klar sah, als der Gegner fast schon die Grenze überschritten hatte. Toulon war auf der Landseite nur schwach befestigt und ungenügend besetzt. Infolge von Verzögerungen auf dem Marsch und bei dem Angriff der Verbündeten jedoch gelang es, diesen Übelständen abzuhelfen. Der Gouverneur der Provence bot die Milizen auf und Tessé warf mit Eilmärschen Truppen in die Stadt; die Verbündeten waren nicht stark genug, dies durch völlige Einschließung zu verhindern. Die Verzögerungen werden dem Herzog von Savoyen zur Last gelegt.

Die Flotte trat in Finale an der Riviera Mitte Juni mit dem Heere Eugens und Savoyens in Verbindung. Kleinere Divisionen wurden bestimmt, Vorräte aus den genannten Häfen zu holen, die Flotte ging nach der Bucht vom Cap St. Hospice, um mit den die Küste entlang vorrückenden Truppen in steter Verbindung zu bleiben, ihnen mit Geschützen und Munition auszuhelfen. Zum tätigen Eingreifen kam sie nur am 11. Juli, als das Heer den Übergang über den Grenzfluß Var erzwingen mußte. Hier standen 3000 Mann Fußvolk und 500 Reiter der Franzosen, gestützt auf eine Schanze an der Mündung. 4 Fregatten beschossen diese Stellung und Anstalten zu einer Landung in großem Maßstabe wurden getroffen; es scheint aber nur zur Beschäftigung des Feindes damit gedroht zu sein, denn nur einige hundert Mann wurden wirklich an Land geworfen. Während dieser Zeit überschritten die Landtruppen ungehindert den Fluß weiter nördlich. Den Weitermarsch begleitete dann Admiral Byng mit 15 Schiffen, längs der Küste segelnd, der Rest der Flotte ging geradeswegs nach den Hyèren; am 29. Juli traf die Armee vor Toulon ein. Bei schnellerem Vormarsch und überraschend sowie tatkräftig durchgeführtem gewaltsamen Angriff wäre die Stadt wahrscheinlich gefallen; so aber kam es nur zu einer $erfolglosen Belagerung Toulons$.[270]

[270] Schilderung vornehmlich nach de Jonge, Teil IV, und Bonfils, Teil II.

Toulon war gedeckt durch eine Reihe von Forts nahe bei der Stadtumwallung (etwa die jetzige zweite Verteidigungslinie): Vom Fuße des im Norden der Stadt liegenden Mt. Faron nach Osten bis zur Küste die Forts St. Artigues, St. Catherine und La Malgue, nach Westen St. Antoine und Malbousquet; zur Hinderung der Einfahrt an der Küste die Forts St. Louis am Eingang zur Innenrhede und St. Marguerite etwa 2 km östlich von La Malgue. Bei der so plötzlich auftretenden Gefahr hatte man die Kriegsschiffe zum großen Teil -- einige Angaben sagen die Hälfte (gegen 20 Linienschiffe), nach andern muß man annehmen, fast alle (gegen 50) -- versenkt, um sie dem feindlichen Feuer zu entziehen, aber auch um die Einfahrt in die Hafenanlagen zu sperren; die Besatzungen und auch Schiffsgeschütze wurden zur Verstärkung der Befestigungen herangezogen. Nur 2 oder 3 schwere Linienschiffe waren, mit altem Tauwerk gepanzert, als schwimmende Batterien so verankert, daß sie die Umgebung der Forts Malbousquet, La Malgue und St. Catherine bestrichen.

Prinz Eugen nahm schon am 29. Juli trotz kräftigen Widerstandes die Forts Artigues und St. Catherine. Er versuchte dann, nördlich um den Mt. Faron marschierend, auf die Westseite der Stadt zu gelangen, fand aber einen auf Hindernisse und Feldbefestigungen gestützten zu starken Widerstand. Der Herzog von Savoyen, scheinbar zu vorsichtig, schuf sich zunächst ein befestigtes Lager und bereitete, auf St. Catherine gestützt, den förmlichen Angriff auf La Malgue und die Küstenforts vor. Die Flotte, die gleichzeitig mit Eugens Angriff eine Überrumpelung der Küstenforts vergeblich versucht hatte, schiffte Geschütze mit Bedienungsmannschaften aus und hielt die Hafeneinfahrt blockiert. Erst am 12. August begann man ernstlich mit der Beschießung der Küstenforts, auch um der Flotte ein Näherkommen zu erleichtern. In der Zwischenzeit aber hatten die Franzosen die Befestigungen verstärkt und die Verteidigung organisiert. Tessé war mit 18 Bataillonen herangekommen, hatte die Westseite besetzt und Verstärkungen in die Stadt geworfen; die Milizen hielten die Verbindung nach Marseille offen. Schon am 15. machten die Belagerten in stürmischer Nacht einen großen Ausfall und warfen den Feind aus dem größten Teil seiner Angriffslinie. Die Belagerer sahen ein, daß sie nichts erreichen konnten, ja, daß sie sogar eine kräftige Offensive fürchten mußten, und beschlossen, die Belagerung abzubrechen. Um den Abzug zu decken und um doch etwas zu leisten, wurde ein Bombardement eingeleitet; es wurden in der Tat vom 17.-20. die Forts St. Louis und St. Marguerite außer Gefecht gesetzt. Am 21. gingen nun 5 Fregatten und 5 Mörserboote bis zur Höhe von St. Louis und beschossen Hafen und Stadt, man sah einige Schiffe sowie ein großes Magazin brennen; die Fahrzeuge mußten sich aber am 22. bei Tagesanbruch zurückziehen, weil eine neu errichtete Batterie sie unter wirksames Feuer nahm. Immerhin war die Armee während der Nacht ungehindert abgezogen und kam auch, ohne verfolgt zu werden, über den Var zurück. Die Flotte begleitete wieder diesen Rückmarsch.

Erwähnenswert ist, daß die =Gardes-marines= (die Seekadetten) sich bei der Verteidigung so ausgezeichnet haben, daß die Stadt Toulon ihnen von da an, bis 1786, freies Kasernement gab, oder ihnen, wenn sie auf Kosten des Königs untergebracht waren, für die Person und für den Monat 9 Francs zahlte.

So war nicht nur der große Plan, den Krieg durch Eindringen in die Provence zu beenden, fehlgeschlagen, sondern auch der Angriff auf Toulon unter großen Verlusten mißglückt. Dieser hatte nur den Erfolg, daß Villars' Vordringen in Deutschland gehemmt wurde, weil dieser einen Teil seiner Truppen nach der bedrohten Provinz senden mußte, und daß die französische Marine auch im Mittelmeer den Kampf ganz aufgab. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln war ein Teil der versenkten Schiffe (etwa 15?) unbrauchbar geworden. Frankreich stellte in den letzten Jahren des Krieges in Toulon nicht einmal kleinere Divisionen auf, wie es im Norden doch noch bis 1709 geschah.

Die Operationen der großen Flotte der Verbündeten waren für dieses Jahr zu Ende. Sie zweigte am Var 9 Schiffe ab, um Truppen von Genua nach Spanien zu bringen, und ging dann über Barcelona, Altea und Gibraltar in die Heimat.

Bei dieser Gelegenheit trat wieder das schlechte Verhältnis der Verbündeten zueinander zutage; über »die zunehmende Mißachtung von seiten der Engländer« klagen die Holländer. Vizeadmiral v. d. Goes war am 9. Juli gestorben. Am 12. September traf als Ersatz Vizeadmiral van Wassenaer über Land in Genua ein; ein zweiter Flaggoffizier war aus Sparsamkeitsgründen (nach de Jonge) nicht beim Kontingent gewesen. Wassenaer segelte über Barcelona nach Altea und fand hier sein Geschwader; Shovel war mit den englischen Schiffen, »ohne Kriegsrat zu halten und ohne mit den Holländern das Wintergeschwader zu vereinbaren,« nach Gibraltar gesegelt, nur äußernd, er müsse dort Proviant nehmen. Wassenaer folgte und traf die englische Flotte am 10. Oktober vor Gibraltar schon unter Segel, um die Reise fortzusetzen; hier drang er auf Abhaltung eines Kriegsrates.

Vor Gibraltar wurde die Winterflotte entlassen, 6 holländische und 12 englische Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes. Der holländische Chef, Vizeadmiral Wassenaer, blieb mit zwei weiteren Schiffen zum Überwintern in Lissabon, aber getrennt von seinem Geschwader, da er nicht unter Dilkes stehen wollte.

Auf der Rückreise trat die Katastrophe ein, die die englischen Admirale, so auch besonders Shovel, stets gefürchtet und vorausgesagt hatten, wenn man die Schiffe in später Jahreszeit aus dem Mittelmeer zurückzöge. Die Flotte verfehlte in schwerem und unsichtigem Wetter den Eingang des Kanals und geriet auf die Scillys; vier Linienschiffe gingen verloren, darunter das Flaggschiff; =Sir Clowdesley Shovel= wurde nach einigen Angaben von einem Strandräuber wegen seiner Ringe ermordet.

Das Wintergeschwader ging von Gibraltar wieder nach Barcelona und von dort nach Livorno, um Truppen abzuholen; es traf erst am 24. März in Lissabon zur Neuausrüstung ein.

$Das Jahr 1708$ ist nun das letzte, in dem von den Seestreitkräften Waffentaten von einiger Bedeutung ausgeführt wurden. Am 7. April traf =Sir John Leake=, jetzt Admiral of the Fleet, mit 5 englischen und 2 holländischen Schiffen bei dem Wintergeschwader ein; 4 weitere Holländer folgten bald, so daß die Seestreitkräfte im Mittelmeer 31 Linienschiffe zählten. Man sieht, daß die Flotte schon wesentlich kleiner war; ein Auftreten der Franzosen war nicht zu befürchten, so konnte auch England jetzt mehr Schiffe zum Schutze des Handels im Norden zurückbehalten. Sie wurde auch noch geteilt: 4 Schiffe wurden bestimmt, vor der Straße von Gibraltar gegen einige französische Fregatten, die in Cadiz für den kleinen Krieg lagen, zu kreuzen; 4 andere sandte man nach den Azoren, um portugiesische Brasilienfahrer zu holen und dann holländische und englische in die Heimat zu führen. Die Hauptflotte, 23 Linienschiffe, ging am 8. Mai in See, um Truppen von Italien nach Barcelona zu bringen. Am 22. traf sie an der Küste von Katalonien auf einen französischen Convoi von 100 Tartanen[271] mit Zufuhr, besonders Proviant, für das spanische Heer; sie nahm 69 Fahrzeuge und zerstreute die übrigen. Bei der unzureichenden Menge von Nahrungsmitteln, die die fechtenden Heere aus Spanien selber ziehen konnten, war dies ein schwerer Schlag für die spanischen Truppen und ein großer Gewinn für die des Königs Karl. In Barcelona wurden wieder 7 Schiffe zurückgelassen, um jede Verbindung Frankreichs mit Spanien über See zu unterbinden; der Rest ging nach Vado (26. Mai). Hier wurde die Flotte bis Mitte Juli aufgehalten, da die Kavallerie von Genua und Livorno geholt werden mußte, dann kehrte sie mit 6000 Mann und 2300 Pferden nach Barcelona zurück; es hatte sich ferner die Braut König Karls, Prinzeß Elisabeth Christine von Braunschweig, eingeschifft.

[271] Kleinere Küstenfahrzeuge.

Dem Admiral wurde nun aufgegeben, =Sardinien= zu unterwerfen, eine Insel, die als reiche Kornkammer für Karls Heer wichtig war; die Aufgabe wurde schnell gelöst. Am 12. August erschien =Leake= vor Cagliari und legte seine Mörserboote sofort zur Beschießung aus. Als auf die Aufforderung zur Übergabe die Antwort erst für den nächsten Tag in Aussicht gestellt und damit der Verdacht hervorgerufen wurde, daß der Gegner Zeit zu Verteidigungsmaßnahmen gewinnen wolle, landete man in der Nacht ein Regiment Spanier sowie 1200 englische Seesoldaten und eröffnete die Beschießung; das für Karl günstig gesinnte Volk erhob sich und zwang den Gouverneur zur Übergabe, die ganze Insel folgte diesem Beispiel. Nach der Übergabe der Stadt nahm =Leake= bei Pula, am Eingang der Bucht von Cagliari, Wasser, und hier erreichte ihn, auf seine Meldung von dem Erfolge, die Bitte König Karls, ein Unternehmen des General =Stanhope=, des jetzigen Oberbefehlshabers der verbündeten Truppen in Katalonien, $gegen Minorca$ zu unterstützen.

Stanhope hatte auf Anweisung der englischen Regierung, die schon länger Port Mahon als günstigsten Stützpunkt im Mittelmeere selbst ins Auge gefaßt hatte, die Anregung zu diesem Unternehmen gegeben. Die Bevölkerung der Insel war karlistisch gesinnt, aber die Gegenpartei hielt die festen Punkte besetzt. Diese wurde von den Franzosen unterstützt, die im Januar 1707 eine Division Schiffe zur Unterdrückung eines Aufstandes gesandt und dann eine Besatzung zurückgelassen hatten. Stanhope zog im August 2600 Mann, vorwiegend Engländer, in Barcelona zusammen, er fühlte sich aber ohne eine größere Seestreitkraft zu schwach. Er hatte zwar die an der katalonischen Küste stationierten Linienschiffe zur Begleitung gewonnen -- sie standen weder unter ihm noch unter König Karl, aber eins davon führte sein Bruder, und dieser bestimmte die anderen Kommandanten zur Teilnahme --, er bat aber doch auch Leake mitzuwirken und schrieb dabei, er sei segelfertig und auch in Mallorca ständen Truppen und Geschütze bereit. Leake beschloß sofort, der Bitte zu willfahren.

=Corbett= sagt hierzu: »Die Inbesitznahme von Gibraltar war allerdings schon von großem Werte für England, aber fast nur als eine Station zum Schutze des Handels; zur Behauptung der Seeherrschaft im Mittelmeer brauchte man einen Hafen in diesem Meere, der auch sicher genug war, ein Wintergeschwader dort zu halten und auszurüsten. Ohne einen solchen blieb Frankreich imstande, sobald die verbündete Flotte im Herbst heimging und das Wintergeschwader nach Lissabon zurück mußte, seine Freibeuter auslaufen zu lassen sowie auch den Verkehr mit Spanien wieder aufzunehmen; es trat hinzu, daß eine ständige Flotte im Mittelmeer wünschenswert erschien, um dauernd auf den Papst und andere bourbonisch gesinnte Fürsten Italiens zu drücken. So war die Besetzung Gibraltars nur ein erster Schritt. Die englischen Seeoffiziere hatten schon immer auf den vorzüglichen Hafen von Port Mahon hingewiesen und 1705 erschien in England eine anonyme Schrift (»An inquiry into the causes of our naval miscarriages«), die die Besetzung dieses Platzes dringend empfahl. Auch Marlborough war, besonders nach dem Fehlschlage gegen Toulon, für Gewinnung eines Stützpunktes und wies, da Karl III. beständig um eine Flotte auch während des Winters bat, den König und den Kaiser nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Port Mahon zu nehmen. Diese schlugen Spezia vor, aber die englischen Admirale erklärten den Platz für seemännisch nicht geeignet und Port Mahon außerdem für viel günstiger gelegen, Toulon zu überwachen. Auf Marlboroughs Drängen ward Stanhope im Juni 1708 beauftragt, in diesem Sinne vorzugehen, und er bereitete im August, als der Feldzug zu Lande wie üblich zu Ende ging, die Einschiffung sämtlicher in Katalonien entbehrlichen Streitkräfte vor. Leake kannte zwar die Pläne, hatte aber keine Befehle. Karl hatte ihn gebeten, nach der Unterwerfung Sardiniens die Truppen von Neapel, die dort nicht mehr nötig wären, nach Spanien zu bringen; von England hatte er den Befehl, eine Demonstration gegen den Papst, der die Partei Jakobs III. in Schottland mit Geld unterstützte, zu machen, falls seine Hauptaufgabe, für König Karl einzutreten, dies erlaube.

Als die Aufforderung Karls III. zu dem Unternehmen gegen Minorca eintraf, war der Admiral im Begriff, mit den englischen Schiffen nach Civitavecchia unter Segel zu gehen; die Truppen in Neapel waren noch nicht zur Einschiffung bereit und den Holländern war verboten, sich an der Demonstration gegen den Papst zu beteiligen. Der gemeinsame Kriegsrat, dem die Wichtigkeit Port Mahons als Stützpunkt für die Flotten völlig klar war, faßte jetzt den Beschluß, der Bitte Folge zu geben.«

Die Flotte segelte am 24. August und traf am 5. September vor Port Mahon ein. Stanhope war noch nicht dort, aber Leake bereitete alles vor: Er sandte Schiffe nach Mallorca, um die Truppen zu holen; er stellte die Stärke des Feindes fest; sie betrug 1000 Mann, zur Hälfte auserlesene französische Seesoldaten und zur Hälfte ein altes Minorca-Regiment; er erkundete und markierte einen geeigneten Landungsplatz etwa 2 Seemeilen von der Stadt entfernt. Am 10. September trafen die Schiffe von Mallorca und am 12. Stanhope mit seiner Hauptmacht ein. Man landete und besetzte die offene Stadt, die sich wie die ganze Insel für König Karl erklärte; die feindlichen Soldaten zogen sich in zwei Forts, die den Hafen beherrschten, zurück. Da nun zu deren Belagerung wie zu der der anderen Städte die Gesamtflotte nicht mehr nötig war, verließ Leake (18. September) seiner Instruktion gemäß mit dem größeren Teile Port Mahon und segelte nach der Heimat, nachdem er die entbehrlichen Vorräte des Proviants und der Munition an Stanhope abgegeben hatte.

Ein Wintergeschwader -- 12 englische und 3 holländische Linienschiffe, 5 Fregatten, 3 Mörserboote -- blieb unter Kontreadmiral =Sir Edward Whitaker= zurück und unterstützte die weiteren Unternehmungen. Einige Schiffe nahmen ein kleines Fort bei Fornells, um diesen Hafen an der Nordküste vorläufig als Liegeplatz für die Transporter zu haben; andere zwangen mit einigen hundert Mann die Hauptstadt Ciudadela zur Übergabe; die übrigen Schiffe landeten Geschütze mit Bedienung zur förmlichen Belagerung der gut ausgestatteten Werke Port Mahons. Diese wurden nach Breschelegung am 29. September stürmender Hand genommen.

=Port Mahon war in englischem Besitz.= England behielt es 50 Jahre und hatte damit eine ebenso sichere Machtstellung im Mittelmeere wie Frankreich und Spanien gewonnen. Von Gibraltar aus beherrschte es Cadiz und Cartagena, mit Port Mahon stand es Toulon gegenüber; Lissabon blieb weiter ein Stützpunkt in zweiter Linie.

General Stanhope ging mit den spanischen und portugiesischen Soldaten nach Barcelona zurück, sobald sie entbehrlich waren -- »er zeigte so seinen Eifer für die Sache Karls«. Er ließ auf der Insel nur eine englische Besatzung zurück. In seinem Bericht nach England äußerte er auch seine »unmaßgebliche« Ansicht, daß man Port Mahon nie wieder herausgeben dürfe, ja seinen Besitz zur Bedingung weiterer Unterstützung in Spanien machen müsse; auch bat er um Ernennung des augenblicklichen Befehlshabers dort zum Gouverneur. Natürlich fühlten sich der Kaiser, König Karl und Holland sehr verletzt, aber England ließ sich nicht irre machen.

Dem Ersuchen Karls III., schon in diesem Jahre das Wintergeschwader in Port Mahon zu überwintern, konnte nicht Folge gegeben werden, da weder Einrichtungen noch Vorräte zur Instandsetzung vorhanden waren. Whitaker holte nochmals Truppen von Italien nach Spanien und ging dann nach Lissabon; schon seine Anwesenheit an der italienischen Küste nach dem Fall von Port Mahon hatte genügt, den Papst zur Anerkennung Karls zu bewegen.

Im Jahre $1708$ planten die Franzosen neben dem kleinen Kriege in den nördlichen Gewässern noch einmal einen $Einfall in Schottland$; der Prätendent =Jakob= III. sollte mit etwa 6000 Mann dorthin übergeführt werden. Das Unternehmen, ganz gegründet auf eine kräftige Erhebung in Schottland und auf völlige Überraschung, scheiterte kläglich, da diese Bedingungen fehlten; der seemännische Führer der Expedition, Chef d'Escadre =Graf Forbin=, zeigte jedoch dabei seine Geschicklichkeit. Nach diesem Fehlschlage wurde in den nächsten Jahren in Dünkirchen keine reguläre Division für den Krieg mehr aufgestellt, nur noch in Brest oder La Rochelle.

Die Expedition sollte früh im Jahre 1708 in See gehen, wohl unmittelbar nach der Abfahrt von Leakes Flotte zum Mittelmeer. Der Zustand der französischen Marine erlaubte keine große Rüstung. Forbins Geschwader bestand aus den wenigen Kriegsschiffen der Dünkirchen-Division und einer größeren Zahl Freibeuter und Transporter; holländische Angaben sprechen von 5 Kriegsschiffen und 30 andern Fahrzeugen, englische von 8 und 24; wenn französische Quellen nur 20 Segel nennen, so sind wohl nur die Kriegsschiffe und Freibeuter gezählt. Eine Krankheit des Prätendenten soll die Abfahrt verzögert haben. In England und Holland hatte man Kenntnis von dem Plane; Admiral Byng erschien schon am 12. März mit 35 Schiffen vor Dünkirchen. Forbin war jetzt für Aufgeben des nach seiner Überzeugung aussichtslosen Unternehmens, aber Jakob bestand auf der Ausführung; als Byng durch Sturm nach den Downs getrieben war, ging man am 19. nachts in See. Holland, dessen Sommergeschwader für die nördlichen Gewässer noch nicht segelfertig waren, sandte wenigstens 4 starke Convoibegleitschiffe nach England; diese stießen am 20. zu Byng und gleichzeitig erhielt der Admiral die Nachricht vom Auslaufen Forbins. Er sandte sofort einige seiner Schiffe sowie die Holländer nach Ostende, um von dort Truppen abzuholen und dann in Newcastle die Nachricht abzuwarten, wo diese nötig seien. Er selber folgte den Franzosen. Forbin war zum Firth of Forth gesegelt, stellte hier aber sogleich fest, daß England alle Maßregeln getroffen hatte, um sowohl die Landung zu hindern wie eine Erhebung zu unterdrücken; er schlug daher Jakob und seinen Offizieren den Wunsch, zu landen, unbedingt ab. Als er das Nahen der Engländer erfuhr (23. März), ging er in See, Byng sichtete ihn gerade noch und befahl allgemeine Verfolgung. Forbin steuerte zunächst nordöstlich, änderte nachts geschickt den Kurs und entkam wohlbehalten nach Dünkirchen; nur ein Schiff, das eingeholt wurde oder, wie die Franzosen sagen, tollkühn den Kampf aufnahm, wurde genommen.

$Die letzten Kriegsjahre 1709-1712.$ Wir wissen, daß zu Ende des Jahres 1708 Ludwig XIV. ernste Versuche machte, Frieden zu schließen (vgl. Seite 495). England soll dazu geneigt gewesen sein; wohl möglich, denn es besaß ja schon, was es haben wollte. Da die Verbündeten zu viel verlangten, nahm der Krieg seinen Fortgang; die Seestreitkräfte fanden zwar keine Gelegenheit mehr zu größeren Waffentaten, aber ihr stilles Wirken blieb von Wichtigkeit. Im Mittelmeer sicherten sie weiter die Verbindung König Karls mit Sardinien, seiner Kornkammer, sowie mit seinen italienischen Ländern und schnitten Frankreich vom Meere ab. Das Verschwinden der französischen Marine vom Mittelmeer erlaubte eine Verminderung der dortigen Flotte; dies kam dem Handelsschutz in den nördlichen Gewässern zugute, auch konnten stärkere Unternehmungen als bisher gegen die französischen Kolonien in Nordamerika ausgeführt werden. Es wird genügen, die Tätigkeit der verbündeten Flotte in großen Zügen zu geben, und nur einzelne Vorfälle näher zu schildern, ohne wie bisher auf alle Operationen und Bewegungen näher einzugehen.[272]

[272] Auch sonst genaue Quellen wie Clowes und de Jonge halten sich allgemeiner; de Jonge ist noch am genauesten, soweit es das holländische Kontingent betrifft.

$1709$ traf Admiral =Byng= schon im Januar mit Verstärkungen bei der Winterflotte ein, er brachte Material und Vorräte zur Schaffung eines Stützpunktes in Port Mahon mit. Die Zahl der englischen Linienschiffe wird etwas über 20 gewesen sein, Holland verstärkte sein Kontingent erst im Mai auf 9. Byng kreuzte hauptsächlich an der französischen Küste; ein Versuch, das belagerte Alicante zu entsetzen, mißlang, man konnte bei seinem Fall nur die Garnison mitnehmen. Im Herbst ging der Admiral mit einem Teil seiner Schiffe heim; die 3 Holländer des vorjährigen Wintergeschwaders wurden durch 6 neue ersetzt, so daß dies Kontingent jetzt 11 Schiffe stark war. Das Wintergeschwader unter Vizeadmiral =Whitaker= verblieb, gesammelt oder in Divisionen geteilt, an der spanischen und französischen Küste, nunmehr auf Port Mahon gestützt.

Trotz dieser Blockade gelang es dem Kapitän =Cassard= 1709, ebenso 1710 und 1711, einen Getreide-Convoi von Tunis oder von der Levante nach Marseille einzubringen, zweimal unter Abschlagen englischer Divisionen; die Zufuhren waren von großer Wichtigkeit, weil in Frankreich Hungersnot herrschte.

$Im März 1710$ kam Admiral =Sir John Norris= in Port Mahon an. Die Streitkräfte waren auf etwa 34 Linienschiffe verstärkt, doch wurde die Hälfte zur Deckung von Getreideconvois aus Oran und der Levante für König Karl und zur Bewachung der Straße sowie Sardiniens und der italienischen Küste abgezweigt. Mit der anderen Hälfte ging Norris nach Barcelona und erfuhr hier Ende April, daß eine $französische Expedition gegen Sardinien$ bevorstehe. In Sardinien waren Unruhen gegen den unbeliebten Gouverneur ausgebrochen; Frankreich beabsichtigte, diese durch eine Sendung von Truppen (2000 oder 3500 Mann) unter Bedeckung von 6-8 Kriegsschiffen und 20 Galeren zu unterstützen. Norris gelang es, das Unternehmen zu vereiteln.

Der Admiral brachte Ende April einen neuen Vizekönig nach Cagliari, wodurch die Ruhe sofort wieder hergestellt wurde; von den Franzosen war nichts zu bemerken. Er ging dann nach Vado, um Truppen zu holen, und wurde hier bis Mitte Juni aufgehalten; ein Versuch, durch eine Division einen Convoi an der Küste der Provence abzufangen, mißlang. Auf die Nachricht, daß die französische Expedition jetzt von Toulon und Marseille gesegelt sei, ging Norris nach Sardinien, nahm in der Bucht von Terra Nova 4 französische Transporter und zwang die von diesen gelandeten 400 Mann durch Landung seiner Soldaten zur Übergabe. Er erfuhr, daß 10 Galeren mit Transportern bei seinem Nahen von der Westküste der Insel, wo der Hauptangriff geplant war, nach Ajaccio geflüchtet seien, und folgte dahin. Die Galeren waren schon nach Frankreich zurückgegangen, aber 8 Transporter (500 Mann und das gesamte Kriegsmaterial der Expedition) wurden genommen; die Neutralität Genuas, dem Corsica gehörte, beachtete Norris nicht.

Als die Flotte in Barcelona wieder eingetroffen war, trat eine andere Aufgabe an sie heran, $eine Landung in der Languedoc$, um einen neuen Aufstand der Camisards zu unterstützen. Der mit viel zu geringen Kräften unternommene Versuch schlug vollständig fehl.

Man beabsichtigte, in Cette festen Fuß zu fassen, um mit den Camisarden, die etwa 12 Meilen von der Küste unter Waffen standen, in Verbindung zu treten. Diese Stadt, die auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Meere und einem Küstensee fast wie auf einer Insel liegt, hätte bei genügend starker Besetzung wohl gehalten werden können, weil die Verbündeten die See beherrschten. Die Flotte erschien am 24. Juli, landete 700 Spanier sowie einige Seesoldaten und nahm noch am selben Tage ohne Widerstand Cette. Am nächsten Tage sicherte man sich durch Besetzung des kleinen südwestlich liegenden Ortes Adge und einer Brücke dort gegen einen Angriff von dieser Richtung her. Der Versuch der Franzosen, mit 400 Dragonern und 2000 Mann Miliz über den See auf die Landzunge zu gelangen, wurde durch die Boote der Flotte vereitelt, aber infolge eines falschen Alarms verließ die Besatzung Adges ihre Stellung. Da nun Marschall Noailles in Eilmärschen mit 2000 Reitern, deren jeder einen Grenadier hatte aufsitzen lassen, hier herankam, wurden die Gelandeten unter Verlust ihrer Nachhut wieder eingeschifft und das Unternehmen aufgegeben; aussichtslos war es überhaupt, weil man eine Verstärkung nicht vorgesehen hatte.

In diesem Jahre überwinterten die Engländer sämtlich im Mittelmeer, die Holländer gingen heim. Auch für diese war der Befehl unterwegs, dort zu bleiben, da man nach den letzten Erfolgen Karls III. (Sieg bei Saragossa) hoffte, bei kräftiger Unterstützung durch die Flotte den Krieg in Spanien zu beenden; die Order erreichte das Geschwader nicht. Zwar wurde in Holland sogleich die Entsendung von 24 Linienschiffen beschlossen, aber man konnte nur 13 ausrüsten und auch diese trafen nur nach und nach -- meist mit englischen Schiffsverstärkungen oder Ablösungen und stets mit englischen Truppentransporten -- an der spanischen Küste ein, die ersten Ende März, die letzten erst im Hochsommer 1711; sie blieben dann bis Ende 1712 im Mittelmeer. Die Engländer werden in den letzten Jahren des Krieges, im Sommer wie im Winter, einige 20 Schiffe dort gehabt haben; die Gesamtflotte zählte etwa 35.

$Im Jahre 1711$ kreuzten einzelne Schiffe sowie kleine Divisionen im Westbecken des Mittelmeeres und zeigten sich an der Küste Italiens, weil in den habsburgischen Provinzen Unruhen ausbrachen; ein größeres Geschwader versuchte vergeblich, an der französischen Küste einen Convoi (Cassard) abzufangen. Die Hauptflotte lag in Port Mahon oder Barcelona zur Verfügung König Karls bereit, dessen Erwählung zum Kaiser nach Josephs Tode (17. April) bevorstand: sie sollte ihn nach Italien bringen, sobald er es wünsche. Als im Hochsommer eine größere Verstärkung zur Flotte stieß, ging Norris mit einigen seiner Schiffe, wohl den schwereren, nach England und gab den Oberbefehl an =Admiral Jennings= ab. Dieser brachte mit 24 Schiffen, (6 ließ er zum Schutz der Königin in Barcelona zurück), im Herbst (27. September) den König nach Genua (am Tage seiner Erwählung 12. Oktober dort), führte dann Truppen nach Katalonien zurück und nahm endlich Winterlager in Port Mahon.

Um diese Zeit waren schon Friedensunterhandlungen zwischen England und Frankreich im Gange. Wie die Engländer jetzt im niederländischen Feldzuge $des Jahres 1712$ ihre Verbündeten nicht mehr unterstützten, so hielten sie sich auch im Mittelmeer zurück; nur noch einmal traten sie gemeinsam mit den Holländern auf. Im April hörte Jennings, daß ein französisches Geschwader aus Toulon auslaufen solle, Ziel unbekannt. Er ging von Port Mahon in See, um zwischen den Balearen und Katalonien zu kreuzen, kam jedoch infolge stürmischer Winde zu spät. =Cassard= kam mit 6 Linienschiffen und 2 Fregatten wohlbehalten durch, gelangte ungehindert nach Westindien und brandschatzte hier holländische und englische Kolonien. Die Flotte segelte dann noch vereint nach Vado, hier aber trennten sich die Kontingente; Jennings kehrte nach Port Mahon zurück, die Holländer führten allein Truppen nach Spanien und bald darauf noch einmal. Dann erhielten sie Befehl, in die Heimat zu kommen und gingen am 7. September 1712 dahin ab. Der Kriegsrat wagte nicht, ohne Befehl der Bitte der Königin Elisabeth Christine, zu bleiben, Folge zu geben.

=Der Seekrieg im Mittelmeere war zu Ende= -- England und Portugal schlossen im November Waffenstillstand mit Philipp V. -- und die habsburgische Sache in Spanien war verloren. Die Kaiserin sah sich genötigt, mit ihren deutschen Truppen Katalonien zu räumen und die treue Provinz ihrem Schicksal zu überlassen. Philipp eroberte sie mit französischer Hilfe; 1714 wurde Barcelona erstürmt. Auch die Balearen unterwarfen sich 1715.

Von den Ereignissen des kleinen Krieges in den letzten Jahren ist eine $französische Expedition gegen Rio 1712$ hervorzuheben, weil sie mit größeren Mitteln unternommen wurde und auf den Friedensschluß zwischen Portugal und Frankreich von einem ähnlichen Einfluß war, wie die Expedition de Pointis' auf Spanien gegen Ende des Pfälzischen Erbschaftskrieges.

Schon im Jahre 1710 hatte eine französische Freibeuterflottille den Versuch gemacht, Portugal in Brasilien, seiner Hauptgeldquelle, zu schädigen. Kapitän =Duclerc= hatte versucht, mit 5 Schiffen in den Hafen von Rio einzulaufen. Als dies durch die Forts verhindert war, landete er 1000 Mann und drang in die Stadt ein, dann erst gelang es dem unentschlossenen Gouverneur, und auch nur durch Beistand der Einwohner, ihn zu überwältigen. Die Franzosen wurden fast sämtlich hingemetzelt, Duclerc und viele andere nach der Übergabe ermordet. Im Jahre 1711 gab der schon berühmte Kapitän =Duguay-Trouin= die Anregung zu einem zweiten Unternehmen. Da der Marineminister mit seinen Mitteln nicht genügend Schiffe ausrüsten konnte, bildete sich eine Gesellschaft, die die Kosten teilweise übernahm. Der König stellte Schiffe und Besatzungen, hatte Anspruch auf ein Fünftel des Reingewinns, mußte aber den etwaigen Verlust an Schiffen tragen; die Gesellschaft verpflichtete sich, für jeden gestorbenen, gefallenen oder fahnenflüchtigen Soldaten eine Entschädigung von 30 Franken zu zahlen. So erhielt Trouin 7 Linienschiffe, davon 2 zu 74 Kanonen, 8 Fahrzeuge von 20-26 Kanonen, 2 Mörserboote und 2000 Mann. Obgleich der Plan in England wie in Portugal bekannt wurde, hatte die Expedition vollen Erfolg: Rio wurde auf längere Zeit besetzt, eine Kontribution von etwa 1300000 Mark erhoben und reiche Beute gemacht. Die Gesellschaft gewann 92%; der Verdienst des Königs wird nur gering gewesen sein, weil 2 Linienschiffe auf der Rückreise verschollen.

Trouin[273] verließ am 9. Juni 1712 La Rochelle und traf am 11. September vor Rio ein. England hatte durch ein Postschiff Portugal von der bevorstehenden Abfahrt der Franzosen in Kenntnis gesetzt und diese Nachricht wurde, mit demselben Fahrzeug weitergesandt, Ende August in Rio bekannt. Trotzdem waren nur ungenügende Gegenmaßregeln getroffen worden; es gelang Trouin, während der Nacht in den Hafen einzulaufen, die Insel das Cobras unmittelbar vor der Stadt zu besetzen und hier Batterien zu bauen. Die Behörden verloren den Kopf; 4 Kriegsschiffe, die im Hafen lagen, setzten sich auf Strand und in Brand; die Truppen, 12000-13000 Mann, hielten sich in den Befestigungen und ließen die Franzosen am 13. unbehindert landen. Diese, etwa 3000 Mann mit 24 Kanonen, begannen nun die Belagerung der Forts und die Beschießung der Stadt so wirksam, daß die Bürger in Masse flohen und der Gouverneur nach Anzündung der Magazine abzog. Er verschanzte sich vor der Stadt, und benützte nicht einmal die Gelegenheit zum Angriff, als sich die Franzosen am 21. zu einer gründlichen Plünderung in der Stadt zerstreut hatten. Trouin verlangte dann unter Androhung völliger Zerstörung die Kontribution, und der Gouverneur bewilligte sie am 10. Oktober, obgleich er wußte, daß Hilfstruppen aus den Nachbarprovinzen heranzogen; diese trafen schon am 11. ein. Am 13. November zogen die Franzosen nach erfolgter Zahlung der Kontribution und Einschiffung der Beute ab. Etwa 350 Gefangene der ersten Expedition wurden befreit; einige Offiziere dieser waren nach Bahia gebracht. Den Versuch, auch sie zu befreien, mußte Trouin widriger Winde an der Küste halber aufgeben; das Aufkreuzen hielt ihn 40 Tage auf, erst am 6. Februar 1713 traf er in Brest ein.

[273] Bonfils, V. II, Seite 117. Genauer Bericht Trouins.

Es berührt eigentümlich, daß England weder das Auslaufen noch die Durchführung der Expedition gehindert hat; es war doch die Gelegenheit, sowohl einen gewissermaßen in Schutz genommenen schwachen Verbündeten vor großem Schaden zu bewahren als auch dem gemeinsamen Feinde einen empfindlichen Schlag zu versetzen.

$Der Verlust an Schiffen Im Kriege 1702-1713$ war sehr bedeutend. Es verlor

=England= Schiffe: 80 K. 70 K. 60 K. 50 K. über 30 K. kleinere In Gefechten 2 4 1 10 9 22 Sonst verunglückt 2 8 4 7 2 10 ---------------------------------------------------- Summe: 38 Linienschiffe; 43 kleinere

=Frankreich= In Gefechten 6 7 15 12 10 85 Sonst gegen 50 Segel.

Für Holland sind genaue Angaben nicht vorhanden.

Die Angaben schwanken in den Quellen sehr. Clowes, dem die vorstehenden entnommen sind, glaubt, daß diese auf Grund der neuesten Untersuchungen ziemlich genau sind. Er gibt (am Schluß des Kapitels XXIV) von den englischen Schiffen eine namentliche Liste mit Tag und Ort des Verlustes.

Troude führt für beide Gegner weit geringere Zahlen an. Bei den Linienschiffen (über 50 Kanonen) spricht er nur von 11 englischen und 20 französischen; es ist möglich, daß er auf englischer Seite die großen Verluste durch Schiffbruch (1703 in den Downs 9, 1707 bei den Scillys 4) und auf französischer Seite die durch Versenken in Toulon unbrauchbar gewordenen (nach Andeutungen auf etwa 15 zu schätzen) nicht eingerechnet hat. An Fregatten nennt er gar nur 2 englische und 11 französische; es ist dies nur so zu erklären, daß er den kleinen Krieg nicht berücksichtigt hat, namentlich nicht die königlichen Schiffe, die als Freibeuter im Privatdienst standen. Für Holland zählt er 3 Linienschiffe und 7 kleinere, auch wohl eine viel zu geringe Angabe besonders bei den kleineren.

Chabaud-Arnault gibt den Gesamtverlust der Franzosen mit 35 Linienschiffen, einigen 50 kleineren Kriegsschiffen und mehreren Hunderten von Freibeutern; diese Angabe stimmt mithin annähernd mit Clowes überein, unter den Freibeutern befanden sich ja viele Kriegsschiffe.

Da bekanntlich in den größeren Aktionen nur Frankreich bei Vigo, Gibraltar und Toulon bedeutendere Verluste erlitten hat, sind die meisten verlorenen Schiffe Opfer des kleinen Krieges geworden; wir kommen hierauf noch zurück.

Der kleine Krieg und die Kolonien.

$Der Krieg gegen den Seehandel$ spielte im Spanischen Erbfolgekriege eine ebenso bedeutende Rolle wie im vorigen Kriege und wurde auch ebenso eigenartig von seiten der Franzosen betrieben (vergl. Seite 467 ff.). Wir können an die früheren Betrachtungen anknüpfen und uns auf Angaben beschränken, die den Umfang und damit den Einfluß des kleinen Krieges 1702-1713 beurteilen lassen.

Vom Beginn der Feindseligkeiten förderte, dem Beispiel seines Vaters folgend, der französische Marineminister =Jerôme de Pontchartrin= den Krieg gegen den Handel mit allen Kräften. Auch er stellte der =Freibeuterei= Schiffe und Personal der Kriegsmarine zur Verfügung; wiederum durchkreuzten zahlreiche Kaper, besonders von Dünkirchen und St. Malo aus, einzeln oder in kleinen Verbänden den Kanal, den Eingang zu diesem und die Nordsee. Jerôme stellte wie sein Vater kleine Divisionen in den nördlichen Häfen für den =Kreuzerkrieg= auf; die »Escadre du Nord« wurde wiederum ständig in Dünkirchen gebildet, andere Divisionen traten meist in Brest oder La Rochelle hinzu. Diese kleinen Verbände der königlichen Marine, in ihrer Stärke zwischen 3-14 Kriegsschiffen schwankend, aus kleineren Linienschiffen (50-60 Kanonen) oder schweren Fregatten (40-50 Kanonen) bestehend und bisweilen durch Freibeuter verstärkt, griffen vornehmlich größere Convois von Handelsschiffen oder von Transportern mit Kriegsmaterial für Spanien an. Solange Ostende in französischem Besitz war (bis 1705), wurde hier eine Division von Galeren (6) gehalten, geeignet, die holländische Küste zu beunruhigen oder in der Schelde in den Landkrieg einzugreifen.

$Frankreich$ bedrohte so den englischen und holländischen Handel sehr, aber es ist wohl zu bemerken, daß sich dieser Angriff der Hauptsache nach auf die erwähnten Gewässer, also nahe bei den eigenen Küsten, beschränkte; im Mittelmeer konnte sich die französische Freibeuterei überhaupt nur wenig regen, weil hier während des größten Teiles des Jahres die Flotten der Verbündeten die See beherrschten. Gegen Ende des Krieges ließ die Kraft dieser Kriegführung nach, es fehlten die Mittel. Nach 1709 wurde wegen Geldmangels das Nordgeschwader nicht mehr ausgerüstet; eine große Zahl der Freibeuter, Kriegs- wie Kaperschiffe, war weggefangen worden. Die kleinen Divisionen haben bei ihren Angriffen, weil sie nicht durch Convois behindert waren, fast immer Erfolg gehabt oder sich doch dank der Geschicklichkeit ihrer Führer und der Segeleigenschaften ihrer Schiffe größeren Verlusten entziehen können. Die Galerenflottille hatte nur einen Erfolg zu verzeichnen: sie fing in Windstille ein von seinem Geschwader versprengtes holländisches Linienschiff.

Auf seiten der Verbündeten ging naturgemäß das Hauptbestreben dahin, ihren weit größeren Handel zu decken. $Holland$ stellte zu diesem Zweck in jedem Jahre 2-3 Geschwader auf: zum Beobachten der Galeren; zum Schutz der Nordsee gegen Dünkirchen, wie in allen früheren Kriegen; zum Geleiten der großen Ostindienconvois auf ihren Aus- und Heimreisen durch die Nordsee. Zahlreiche Convoijers (30-40 zu 20-50 Kanonen) traten als ständige Begleitung der Convois hinzu.

Die Stärke dieser Geschwader war beträchtlich; sie zählten zusammen:

1702 = 15 Linienschiffe, 4 Fregatten 1703 = 22 " 3 " 1704 = 17 " 8 " 1705 = 15 " 6 " 1706 = 12 " 6 " und 4 Schiffe der ostindischen 1707 = 17 " 6 " Kompagnie 1708 = 17 " 6 " 1709 = 16 " 7 " und 2 Schiffe der ostindischen 1710 = 7 " 5 " Kompagnie

Von 1706 an war das Geschwader gegen die Galeren nicht mehr nötig; 1710 war nur das Geschwader für die Ostindienconvois in Dienst gestellt und 1711-1712 wurden alle ausgerüsteten Schiffe zum unmittelbaren Convoidienst herangezogen.

Holland übernahm also in erster Linie den Handelsschutz östlich von Dünkirchen; hier kamen nicht nur sein Ostseehandel und seine Nordseefischerei in Betracht, sondern auch die transatlantische Schiffahrt wählte während des Krieges den Weg um Schottland. Die Tabelle zeigt, daß, als der französische Kreuzerkrieg um 1709 aufhörte, Holland, selbst erschöpft, ebenfalls nachließ. Aber auch die Freibeuterei war von Holland lebhaft betrieben und bald besonders gegen die feindlichen Kaper gerichtet. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges setzte die Regierung 1702 hohe Preise für das Aufbringen solcher aus; die eigenen Kaper hielten sich sonst wegen des höheren Gewinns lieber an das Wegfangen von Kauffahrern, und es war doch wichtiger, den eigenen Handel zu schützen. Wie stets waren die Seeländer die Tätigsten als Freibeuter.

Die Prämien wurden berechnet nach der Besatzungsstärke und Armierung (Kopfzahl und Geschoßgewicht einer Chargierung) des genommenen Schiffes und waren höher für die in der Nordsee gemachten Prisen. Ein Schiff von 220 Mann und 40 Kanonen brachte in der Nordsee 42900 Gulden, in andern Gewässern zwei Drittel dieser Summe.

In Seeland bildeten sich wieder Gesellschaften, die Freibeuter ausrüsteten. Schon 1703 liefen von Middelburg und Vlissingen 47 Fahrzeuge (10-40 Kanonen) aus; 25 Kauffahrer, doppelt bemannt, durften neben dem Handel auch Kaperei treiben; viele Schiffe wurden eigens zu diesem Zwecke neu erbaut. Die Seeländer waren nach ihrer Gewohnheit nicht sehr wählerisch und nahmen auch Schiffe neutraler oder verbündeter Völker; die Generalstaaten verweigerten deshalb die Ausgabe weiterer Kaperbriefe, aber die Provinz setzte es doch durch, indem sie behauptete, die fraglichen Schiffe hätten unter dem Schutz ihrer Flagge mit Frankreich Handel getrieben. 1706 stellten Middelburg und Vlissingen 74 Segel (die größere Zahl mit über 26 Kanonen und hinauf bis zu 52) mit insgesamt 1760 Kanonen und 11750 Mann, diese Schiffe schwärmten bis in die fernsten Meere, besonders aber in der Nordsee. Auch in den anderen Provinzen rüsteten die Städte, sogar einzelne Dorfgemeinden, Fahrzeuge aus; bei dem stockenden Handel wurde die Freibeuterei eine Erwerbsquelle für die seemännische Bevölkerung.

Nach 1708 nahm die Jagd auf feindliche Kaper ab, weil diese seltener wurden und weil die für die Prämien ausgesetzten Mittel erschöpft waren; auch stieg jetzt der eigene Handel wieder; seine Stockung in den ersten Jahren hatte viele Schiffe und Seeleute in den Dienst der Freibeuterei getrieben.

$England$ beteiligte sich an der Bewachung Dünkirchens und an der Sicherung der Nordsee, hat aber wohl in erster Linie den Schutz des Kanals und die Blockierung der französischen Küste durch eine größere Flotte, teils vereinigt, teils in Geschwader geteilt, übernommen; auch hier wurden natürlich die Convois durch Kriegsschiffe, hinauf bis zu selbst schwereren Linienschiffen, begleitet sowie einzelne Kreuzer entsandt. Englischen Geschwadern glückte es, größere französische Convois abzufangen, da diese ja in ihren Bereich kommen mußten.

Über die Stärke der englischen Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern liegen genaue Angaben nicht vor. Nach den Abmachungen über das Verhältnis der Rüstungen zur See müssen sie weit bedeutender als die holländischen gewesen sein. England beklagte sich später, und selbst nach holländischen Quellen nicht ganz ohne Berechtigung, daß Holland seiner Pflicht nicht nachgekommen sei; da dieses aber bei der Hauptflotte im Mittelmeer annähernd geschehen ist, muß der Unterschied in den heimischen Gewässern gelegen haben.

Nach allen Angaben muß man annehmen, daß England im Gegensatz zu Holland den kleinen Krieg gerade in den letzten Jahren, als die Flotte im Mittelmeer vermindert werden konnte, mit immer wachsender Tatkraft durchgeführt hat.

Einen Begriff von dem Umfang des kleinen Krieges geben =die ungeheuren Verluste auf beiden Seiten=: England hat gegen 50, Frankreich gegen 100 Kriegsschiffe sowie zahlreiche Kaper in Gefechten[274] verloren. Über Holland fehlen nähere Angaben.

[274] In Hinsicht auf Beispiele für die zahlreichen Gefechte zwischen Einzelschiffen und Verbänden im kleinen Kriege verweise ich auf die Spezialgeschichten der einzelnen Marinen, z. B. Clowes, Teil II, Kapitel »minor operations«; Troude, Teil I; Bonfils, Teil II; de Jonge, Teil III und IV. Hier sollen nur (Seite 561) die Taten der berühmtesten französischen Freibeuterführer erwähnt werden.

Nach den früher gemachten Angaben (Seite 557) kann man mit einiger Sicherheit annehmen, daß England 17 Linienschiffe im kleinen Kriege verloren hat. Der Verlust der dort angeführten 7 schwereren (über 60 Kanonen) ist durch die Schilderungen größerer Gefechte im Kreuzerkriege festgestellt worden; die 10 50-Kanonenschiffe und die 31 Fregatten usw. werden auch zum größten Teile als Convoischiffe und als Kreuzer gefallen sein -- wir hörten ja von keinen bemerkenswerten Verlusten bei der Hauptflotte. Einige der als verunglückt angeführten Schiffe sind gleichfalls wohl Opfer des seemännisch gefährlichen Blockadedienstes geworden.

Die Franzosen haben einen Gesamtverlust von 40 Linienschiffen gehabt. Rechnen wir die Verluste von Vigo, Gibraltar und Toulon mit 35 ab, so bleiben 5 für den Kreuzerkrieg; diese werden im Privatdienst gestanden haben, denn in den Gefechten ihrer Kreuzerdivisionen sind keine Verluste erwähnt, oder es sind die 5, von deren Verlust bei Malaga einige englische Quellen sprechen. Dazu kommen aber die angeführten 95 kleineren Kriegsschiffe und »mehrere hundert« Kaper.

Vorstehende Berechnung eines Verlustes von 50 englischen und 100 französischen Kriegsschiffen während des ganzen kleinen Krieges stimmt gut überein mit den Angaben eines Kommissionsberichtes im Hause der Lords vom Jahre 1707. Nach diesem hatte England 1702-1707 80 französische Kriegsschiffe sowie 175 Kaper genommen und selber 30 Kriegsschiffe verloren.

Wenden wir uns schließlich zu den =Erfolgen des kleinen Krieges=. Angaben über die Gesamtzahl der aufgebrachten Kauffahrer sind nicht vorhanden, einen Anhalt gibt der ebenerwähnte Kommissionsbericht im Hause der Lords. Nach diesem hatten die Engländer in den ersten fünf Kriegsjahren 1300-1400 französische Kauffahrer genommen und 1100-1200 verloren, von denen aber 300 wiedergenommen sind. Dies war in den Jahren, in denen der französische Kreuzerkrieg blühte, und trotzdem war der Verlust der Franzosen größer; zieht man aber in Berechnung, daß der englische Handel ungemein überlegen war, so stellt sich der relative Verlust auf französischer Seite noch ganz anders dar. Ähnlich wird das Verhältnis Holland gegenüber gewesen sein. Der mit aller Anstrengung geführte Kreuzerkrieg der Franzosen -- unter besonders fähigen und tätigen Geschwaderführern sowie Kaperkapitänen mit tüchtigstem Personal -- konnte nicht hindern, daß der eigene Seehandel, nach französischen Angaben, schlechter geschützt war als im vorigen Kriege und lahmgelegt wurde und daß der der Gegner, wenigstens der englische, sogar zunahm. Ferner ward Frankreichs Geldnot während des Krieges immer größer und sein Kredit fiel. Es muß dies großenteils dem Abgeschnittensein von der See zugeschrieben werden, denn das reiche Land selber ward nicht vom Feinde betreten und seine Industrie hatte nicht unter unmittelbaren Feindseligkeiten zu leiden; England und Holland waren dagegen imstande, die eigenen Kriegskosten und die ihrer Verbündeten zu tragen. Das Abgeschlossensein von der See brachte Frankreich auch schwere unmittelbare Nachteile, so z. B. Mangel an Korn in den Jahren der Mißernte 1709-1712.

Als 1709 der Kreuzerkrieg der Franzosen in der Nordsee nicht mehr kräftig geführt wurde, erhielten die englischen und holländischen Geschwader hier den Befehl, jegliche Kornzufuhr aus der Ostsee nach Frankreich und Spanien zu hindern. Sie durften zu diesem Zweck jedes Kornschiff anhalten; aufgebrachten Fahrzeugen mit andern Bestimmungshäfen wurde eine Entschädigung für den Zeitverlust zugestanden.

Ganz ist Frankreich nie von der See abgeschnitten gewesen. Dies beweist das Auslaufen Trouins nach Brasilien, sowie der Umstand, daß noch 1710 gegen 40 Freibeuter Dünkirchen verließen und eine Beute von 700 000 Francs machten.

So liefert auch dieser Krieg einen Beweis für die Behauptungen (vgl. Seite 305 und 471), daß ein Kreuzerkrieg, der sich nicht auf eine Flotte stützt, nicht dauernd durchgeführt werden kann und daß eine solche Kriegführung allein nicht imstande ist, einen seemächtigen Gegner niederzuwerfen.

$Haupttaten berühmter französischer Freibeuter-Führer.$[275] Kapitän =Saint Pol=, Chef des Dünkirchen-Geschwaders nach seines Lehrmeisters Jean Barts Tode, nahm April 1703 im Kanal mit nur 3 schweren Fregatten mehrere Schiffe eines englischen Convois und von den 3 Schiffen der Bedeckung 2, darunter das führende Linienschiff. Im August vernichtete er mit einem Linienschiff, dem kürzlich eroberten, und 3 Fregatten in der Nordsee von 4 holländischen Kriegsschiffen 3, verlor selber nur 1 und zerstörte mit Booten 200 Fischerfahrzeuge, die sich in eine Bucht der Orkaden geflüchtet hatten; dann nahm er 3 holländische Fregatten, die zum Schutz einer anderen Fischerflotte unterwegs waren. 1704 brachte er einige holländische Kauffahrer in der Nordsee auf und später mit 4 Kriegsschiffen und 5 Freibeutern einen englischen Convoi von 11 Segeln nebst den begleitenden 3 Kriegsschiffen. Bei dieser Unternehmung fiel er.

[275] Quelle: Chabaud-Arnault, die nach Vergleich mit anderen Quellen nur wenig gefärbt erscheint. Gefechte teilweise genauer beschrieben in Bonfils, Teil II, sehr schwülstig.

Kapitän =de Forbin=, gleichfalls ein Schüler Jean Barts, folgte im Kommando. Nachdem er dem Handel der Gegner schon großen Schaden in der Nordsee zugefügt hatte, schlug er im Oktober 1706 mit 8 Schiffen, von 20-54 Kanonen, 6 Holländer von 46 bis 50 Kanonen und nahm 2 davon. Im Mai 1707 eroberte er ein englisches Schiff von 72 Kanonen und gegen 20 Kauffahrer; im Juni brachte er noch 30 Kauffahrer auf. Als seine letzte Tat ist uns die Überführung Jakobs III. schon bekannt (Seite 552).

Fregattenkapitän =Duguay-Trouin= nahm von Brest aus in den Jahren 1702-1706 mit nur 3 kleineren Fregatten in verschiedenen Gefechten 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 52 Kanonen, 4 Fregatten und eine große Zahl von Kauffahrern; einmal schlug er den Angriff eines portugiesischen Geschwaders von 6 Schiffen ab. 1707 kommandierte er als Linienschiffskapitän die Brest-Division von 4 Linienschiffen (50 bis 74 Kanonen) und 2 Fregatten (40-44 Kanonen). Im Oktober trat er unter Forbins Befehl; die beiden Divisionen waren zusammengezogen worden (zusammen etwa 700 Kanonen), um einen großen englischen Transport mit Truppen und Material für Spanien anzugreifen. Am 21. trafen sie bei Lizard auf den Feind, 80 Transporter gedeckt von 5 Linienschiffen (340 Kanonen). Forbin zögerte mit dem Angriff, weil er erst die Linie bilden wollte, und die Engländer mehrten Segel. Da griff Trouin, ohne die erbetene Erlaubnis abzuwarten, an und hielt den Feind durch Entern fest, bis auch Forbin herankam. Vier der englischen Schiffe wurden aufgesprengt oder genommen, 60 Transporter fielen den Siegern in die Hände. Noch im selben Jahre nahm Trouin ein Schiff von 80 Kanonen und im nächsten einen Convoi von 22 Segeln. Sein Freibeuterzug nach Rio ist uns bekannt (Seite 556).

Chef d'Escadre =du Casse= führte 1701, 1702, 1708, 1711 mit großem Geschick die spanische Silberflotte nach Europa und leistete damit Spanien und Frankreich ungemein wichtige Dienste. Ihm war fast fortlaufend der Schutz der Kolonien und des Handels in Westindien anvertraut.

Kapitän =Cassard= führte, wie schon erwähnt, in den Jahren 1709-1711 drei große Getreidezufuhren nach Toulon; zweimal schlug er dabei überlegene Kräfte ab. 1712 lief er, wie auch schon angedeutet, mit 6 Linienschiffen und 2 Fregatten von Toulon aus; er brandschatzte eine der Kapverden (St. Jago) sowie verschiedene westindische Besitzungen Englands und Hollands.

$Die Zusammenstöße in den Kolonien$[276] beschränkten sich auch im Spanischen Erbfolgekriege auf Handelsstörung und Brandschatzung der Ansiedlungen. Die Verbündeten würden wohl mehr unternommen haben, wenn sie nicht von 1703 ab mit ihrer Hauptkraft an den spanischen Landkrieg gebunden gewesen wären (vergl. Seite 490). Wie im vorigen Kriege trat vorzugsweise England jenseits des Ozeans offensiv auf, Holland entsandte keine nennenswerten Streitkräfte; Frankreich übernahm auch für das schwache Spanien den Schutz des Handels und der Kolonien. Die Hauptereignisse, für die nur Westindien und Nordamerika in Betracht kommen, seien kurz angeführt.

[276] Die Hauptereignisse genauer in Colomb, Kapitel XIII und XIV; Clowes, Teil II, »minor operations«; Bonfils, Teil II.

Bei Beginn des Krieges hatte es den Anschein, als ob =Westindien= ein Schauplatz von größerer Bedeutung werden solle. Wir hörten (Seite 508), daß Frankreich schon 1701 eine schwache Division (Coëtlogon) entsandte, um Truppen hinüberzubringen und die Galeonen abzuholen, England ein stärkeres Geschwader (Benbow; 10 Linienschiffe), um mit Ausbruch des Krieges sofort die Silberflotte und Cartagena anzugreifen, und daß nun wieder Frankreich 10 Schiffe (Château-Renault) hinterher schickte; Benbow erhielt im Mai 1702 noch eine Verstärkung unter Admiral Whetstone. Bei Ausbruch des Krieges waren mithin ziemlich starke Streitkräfte beider Parteien in Westindien.

=Benbow= hielt sich vor Beginn des Krieges schlagfertig bei Jamaica, möglichst unterrichtet über die Stärke der Franzosen sowie ihrer und der Silberflotte Bewegungen; er mußte aber auch den Schutz der Kolonien im Auge behalten, weil der Gegner überlegen war. Coëtlogon verließ bekanntlich schon im Winter und Château-Renault im Frühjahr 1702 mit den Galeonen (in Vigo dann vernichtet) unbehindert Westindien. Benbows Vorsicht war berechtigt gewesen. Renault hat die Absicht gehabt, die Antillen anzugreifen, erhielt aber den Befehl, die Silberflotte zu begleiten. Whetstone hat wahrscheinlich an Benbow den Auftrag überbracht, die Feindseligkeiten zu eröffnen, jedenfalls die Nachricht, daß ein neues französisches Geschwader nahe; es war =du Casse= mit 4 Linienschiffen und 8 Transportern, eine Truppensendung für spanische Kolonien. Benbow sandte nun einige leichtere Schiffe in die kubanischen Gewässer zum Kreuzen gegen Kauffahrer, stationierte Whetstone mit 6 Linienschiffen an die Südküste Haitis, um du Casse abzufangen, und ging selber mit 7 Linienschiffen zu gleichem Zweck einige Tage später (21. Juli von Jamaica) an die Westküste dieser Insel. Hier hörte er, daß du Casse nach Cartagena bestimmt sei, folgte und traf ihn am 29. August bei St. Marta (östlich von der Mündung des Magdalenenstromes). Du Casse bildete die Gefechtslinie zwischen seinem Transport und dem überlegenen Gegner und schlug den Angriff in einem mehrtägigen Gefechte glänzend ab. Das Gefecht ist bemerkenswert: Die Franzosen sehen in ihm einen weiteren Beweis (neben den vielen Erfolgen im Kreuzerkriege) dafür, daß sie in allen Aktionen zwischen Einzelschiffen oder Divisionen den Sieg davon getragen hätten; die Engländer bezeichnen dieses Ereignis als eins der peinlichsten ihrer Marinegeschichte.

$Das Gefecht zwischen Benbow und du Casse vor Cartagena.$ Schiffe mit Angabe der Kanonenanzahl und Gefechtsordnung:

Defiance 64 Heureux 68 (du Casse) Pendennis 48 Agréable 50 Windsor 60 Phénix 60 Breda 70 (Benbow) Apollon 50 Greenwich 54 Prince de Frise 30 Ruby 48 1 Brander Falmouth 48 3 kleine Fahrzeuge.

Du Casse lag unter Marssegeln nach Westen, den Angriff erwartend, Benbow stand zu Luward. Schon das Bilden der Gefechtslinie machte diesem Schwierigkeit, da »Defiance« und »Windsor« dem Signale nicht folgten und der Befehl durch Boote wiederholt werden mußte. Gegen Abend greift Benbow an, aber nach dem Wechseln einiger Breitseiten verlassen die genannten Schiffe mittels Anluvens die Linie und das Gefecht wird abgebrochen. Nachts nimmt Benbow die Spitze und diese Schiffe als unmittelbare Hinterleute, bei Tagesanbruch ist jedoch nur »Ruby« bei ihm, die übrigen sind und bleiben den Tag über (30. August) weit zurück; trotzdem hält sich Benbow am Feinde, die Bug- und Heckgeschütze der Gegner feuern. Am 31. vormittags kommen »Breda« und »Ruby« zum Nahgefecht; »Ruby« wird in der Takelage so beschädigt, daß der Admiral beidrehen und sie mit Booten aus dem Gefecht tauen muß. »Defiance« und »Windsor« waren zwar auch in Schußweite, feuerten aber nicht. Auch am Nachmittage fällt die ganze Last auf »Breda«, die übrigen Schiffe schießen nur gelegentlich. Tag und Nacht weht das Signal »Gefechtslinie«, trotzdem ist am 1. September außer »Ruby« kein Schiff auf Position, »Greenwich« sogar 9 Seemeilen achteraus. Infolge einer Windänderung haben die Franzosen nachmittags die Luvstellung, aber Benbow greift doch ihr Schlußschiff an; »Prince de Frise« muß schwer beschädigt während der Nacht aus dem Geschwaderverbande entlassen werden. Am 2. steht Benbow wieder zu Luward; er kommt wegen zu flauen Windes nicht an den Feind, nimmt aber eins der kleinen Fahrzeuge. Am 3. greifen »Breda« und »Falmouth« den »Apollon« an; dem Admiral wird ein Bein zerschmettert, doch bleibt er in einer Hängematte an Deck. »Apollon« wird kampfunfähig, und von beiden Seiten kommen sämtliche Schiffe heran. Aber während die Engländer nur einmal in Lee passieren, und eine Breitseite abgeben, decken die Franzosen ihren Kameraden und tauen ihn in Sicherheit, nachdem sie »Breda« zum Abstehen gezwungen haben. Als nun Benbow seine Kommandanten an Bord gerufen hat, dringt der Kapitän der »Defiance«, von den andern unterstützt, auf Abbruch des Kampfes; der Admiral mußte nach Jamaica zurückgehen, wo er seiner Wunde erlag. Du Casse schrieb ihm vor der Trennung: »Gestern morgen glaubte ich, in Ihrer Kajüte zu Abend essen zu müssen. Ihre Kommandanten, diese Feiglinge, hängen Sie auf. Sie haben es, bei Gott, verdient.« Die Kapitäne der »Defiance« und »Greenwich« wurden auch erschossen, zwei starben während der Untersuchung, die der »Windsor« und »Falmouth« wurden begnadigt; nur der der »Ruby« war nicht angeklagt worden.

Du Casse brachte seine Truppen nach Cartagena und führte dann einige Galeonen nach Europa, obgleich er bei Ouessant nochmals (März 1703) auf eine englische Division stieß.

In den Jahren 1702/03 fanden einzelne gegenseitige Überfälle statt. Die Franzosen versuchten 1702, mit einigen Freibeutern, wahrscheinlich in Sold genommenen Flibustiern, von Haiti aus in Jamaica einzufallen; die Expedition wurde durch Whetstone, der beim Kreuzen gegen Kauffahrer zufällig auf sie stieß, vernichtet. Als eine englische Verstärkung auf der Station eintraf, die von dem Mittelmeer abgezweigten 6 Linienschiffe und 12 Transporter mit Truppen unter Walker (vgl. Seite 515), griff man Guadeloupe an. Es gelang, die Besatzung in die Berge zu vertreiben, die Stadt Basseterre mit ihren Befestigungen zu zerstören und die Insel zu plündern. Die Truppen litten aber sehr in dem Kampfe und auch durch Krankheit und wurden wieder eingeschifft, als eine Verstärkung von Martinique anlangte. Zwischen den englischen Land- und Seeoffizieren soll Uneinigkeit geherrscht haben; dies mag zutreffen, denn weshalb haben sonst die Schiffe den Nachschub nicht gehindert, da sich nennenswerte französische Seestreitkräfte nicht in den Gewässern befanden?

Bald darauf wurden auch die englischen Kräfte in Westindien vermindert, und bis 1705 unternahm keine Partei etwas gegen Ansiedlungen. In diesem Jahre brandschatzten die Franzosen von Haiti aus St. Kitts und Nevis; ein größeres englisches Geschwader erschien und versuchte vergeblich, durch eine Demonstration Cartagena für die Sache Karls III. zu gewinnen. In den Jahren 1706/07 scheint der englische Handel sehr gelitten zu haben, denn der Chef der Station wurde auf Drängen des Unterhauses abberufen und nicht wieder verwendet. Von 1708 an haben die Engländer die westindischen Gewässer im allgemeinen beherrscht. Sie konnten aber doch nicht hindern, daß du Casse zweimal (1708 und 1710) die Galeonen abholte (1708 fielen einige dem Admiral Walker in die Hände), daß 1711 von Martinique aus Montserrat und 1712 durch Cassard, auf seinem Freibeuterzuge, wiederum Montserrat, St. Kitts und das holländische Surinam geplündert wurden. Die Überlieferungen über die Verhältnisse in Westindien während dieser Jahre, auch über die Stärke der Seestreitkräfte dort, werden selbst in englischen Quellen als ungenügend und unzuverlässig bezeichnet.

=In Nordamerika= wurde der Krieg fast nur mit Milizen und Fahrzeugen der Kolonien ausgefochten; reguläre Truppen und Seestreitkräfte waren auf beiden Seiten schwach vertreten, erstere auf englischer Seite bis 1710 gar nicht. Die englischen Niederlassungen waren zwar weit stärker bevölkert, aber die Franzosen verwandten mit Erfolg große Indianerhorden, die schreckliche Verwüstungszüge unternahmen. 1704 und 1707 versuchten die Engländer von Boston aus über See mit Schiffen der Kolonie, Port Royal (jetzt Anapolis) in Akadia (Neu Schottland) zu nehmen, die Franzosen schlugen alle Angriffe ab, ja sie bemächtigten sich nach und nach fast des ganzen Neufundlands und vernichteten durch Flibustier nahezu Handel und Fischerei des Gegners. Lange baten die erschöpften englischen Kolonien ihr Mutterland vergeblich, genügend Schiffe zu senden, um sich durch einen kräftigen Vorstoß gegen Kanada und Akadia Luft zu verschaffen. Endlich erschien im Juli 1710 ein Geschwader unter Kapitän Martin und mit seiner Hilfe wurde im Herbst Port Royal genommen, doch blieb Akadia sonst in französischem Besitz. Als dann 1711 =Admiral Walker= mit 11 Linienschiffen, 4 kleineren Fahrzeugen, 30 Transportern und 5300 Soldaten in Boston ankam, hoffte man auf einen endgültigen großen Erfolg: Man wollte =Quebec= durch die englische Macht von See her und durch 4500 Mann vom Lande aus angreifen. Das Unternehmen unterblieb aber, weil das Vorgehen der Flotte kläglich scheiterte.

Walker verließ Anfang August Boston. Seine zwei 80-Kanonenschiffe legte er vor den Eingang zum St. Lorenz-Golf, weil er sie für zu tiefgehend hielt und weil man von der bevorstehenden Ankunft zweier französischer Kriegsschiffe gehört hatte. Die Flotte segelte in den Golf ein, war aber am Abend des 31. August auf der Höhe der Insel Anticosti gezwungen, wegen Nebels bei starkem Ostwinde beizudrehen; der Admiral ging zu Bett, obgleich die Lotsen schon Beweise ihrer mangelhaften Kenntnisse gegeben hatten. Um 10 Uhr abends glaubte man, über Steuerbord-Bug liegend, Land voraus zu haben, und wendete. Ein Landoffizier sah jetzt Brandung voraus; er drang, als man seiner Wahrnehmung nicht traute, in die Kajüte und holte den Admiral (even in his dressing gown and slippers) an Deck. Tatsächlich hatte man Land dicht voraus und nur durch großes seemännisches Geschick entzogen sich die Schiffe der gefährlichen Lage, aber doch gingen 8 Transporter mit zwei Drittel ihrer Mannschaften (gegen 900 Mann) verloren. Der Unfall wirkte so niederdrückend, daß nicht nur der Angriff auf Quebec, sondern auch ein nach diesem geplanter auf Placentia (Neufundland) aufgegeben wurde. Allerdings war die Flotte auch nur noch mit Proviant auf einige Wochen versehen; sie ging nach England zurück.

Trotzdem wurden im Frieden von Utrecht Neufundland und Akadia von Frankreich an England abgetreten.

=In anderen Kolonien= waren nur der Zug Trouins gegen Rio und der Cassards gegen die Capverden von Bedeutung.

$Schlußbetrachtungen.$ In Hinsicht auf =die Streitmittel= sind nur zwei Punkte noch einmal zu berühren. Colomb führt in seinen Betrachtungen »The conditions under which attacks on territory from the sea succeed or fail« die Ereignisse dieses Krieges als Beispiele der Notwendigkeit einer unbedingten augenblicklichen Seeherrschaft für derartige Angriffe an, er weist gleichfalls auf die Wichtigkeit einer dauernden für erfolgreichen Schutz des Handels hin. Den Grund, daß im Spanischen Erbfolgekriege die zur See stärkere Partei in beiden Hinsichten ihren Zweck nicht völlig erreicht habe, sieht er darin, daß strikte Blockaden nie durchgeführt, nicht einmal versucht sind; er sagt: »The practice, perhaps even the idea, of barring the enemy in his ports, and so preserving a free sea in rear, is not yet developed.« Dies ist wohl richtig; man dachte noch nicht daran und war auch nicht imstande dazu. Wie zu Lande, so wurde auch zur See der Krieg im Winter abgebrochen; es kam hinzu, daß man den Schiffen noch nicht genügend traute, und es handelte sich ja auch um stürmische Gewässer: Kanal, Biscaya, Golf von Lyon; aus dem Mittelmeer zog man sogar die Schiffe so früh zurück, daß sie vor Einsetzen der schlechten Jahreszeit in den Kanal einlaufen konnten. So wurde also im Winter die Behauptung der See aufgegeben. Aber auch im Sommer war man häufig dazu genötigt, sehr oft wurden Operationen (auf seiten beider Gegner) infolge schlechter oder ungenügender Ausrüstung der Schiffe, oder Krankheit an Bord, abgebrochen. Bei den auswärtigen Gewässern, Mittelmeer, Westindien und Nordamerika, machte sich in dieser Hinsicht der Mangel an Stützpunkten fühlbar; den Verbündeten standen zwar die portugiesischen Häfen sowie später Gibraltar zur Verfügung, aber diese Plätze lagen zu entfernt vom Wirkungsfelde der Flotte und es fehlte ihnen an leistungsfähigen Werften usw.; sie waren deshalb nicht einmal zum Überwintern größerer Flotten geeignet. Unter solchen Umständen waren scharfe Blockaden ausgeschlossen.

Es ist jetzt schwer zu beurteilen, inwieweit die Besorgnis vor ungenügender Seefähigkeit der Schiffe berechtigt war oder nur alter Anschauung entsprang, und inwieweit die sonstigen Mängel des Materials in den allgemeinen Verhältnissen jener Zeit lagen oder Schuld der Verwaltungen waren. Klagen in Quellen über alle drei Marinen lassen mehr auf schlechte Verwaltung schließen; in Frankreich und Holland gingen die Marinen abwärts, aber auch in England war nicht alles, wie es sein sollte.

Ein zweiter bemerkenswerter Punkt ist =das Verhältnis der englischen und holländischen Marine zueinander=. Schon im vorigen Kriege klagten die holländischen Seeoffiziere über das hochmütige und rücksichtslose Auftreten der englischen, selbst in dienstlichen Angelegenheiten. Diese Klagen nahmen nach dem Tode Wilhelms III. noch zu: Im Kriegsrat würde nichts auf ihre Ansicht gegeben (Almonde 1703), von wichtigen Vorhaben würde ihnen keine Mitteilung gemacht u. dgl.; sehr zum Nachteil der allgemeinen Sache. Dies ist wieder ein Faktor der Schwäche von Bündnissen, von der wir früher (Seite 356) gesprochen haben. Der Grund lag darin, daß England die holländische Marine nicht mehr als gleichwertig ansah. Damit kommen wir auf die von England erhobene Klage, Holland habe seine Verpflichtungen nicht erfüllt, es habe es in den ersten sieben Jahren an der Hälfte, später sogar an zwei Dritteln der zugesicherten Schiffe fehlen lassen. Mit diesem Umstand begründete England bei den Friedensverhandlungen seinen Anspruch auf Einheimsung fast aller maritimen Vorteile. Diese Klage scheint bislang überall, außer wohl in Holland, als berechtigt angenommen zu sein, wenigstens wird nicht näher auf eine Prüfung eingegangen. Unparteiisch betrachtet, glaube ich, stellt sich die Sache so, daß Holland allerdings hinter den Abmachungen zurückgeblieben ist, jedoch nicht in dem von England behaupteten Umfange.

Im Februar 1712 klagte das Haus der Gemeinen in einer Adresse an den Thron: »Während des ganzen Krieges mußten jährlich große Flotten ausgerüstet werden, um die Herrschaft im Mittelmeer aufrecht zu erhalten und um jeder Streitmacht, die der Gegner in den nördlichen Gewässern aufzustellen beabsichtigte, entgegentreten zu können. Holland ist stets im Rückstande geblieben, so daß Ew. Majestät genötigt waren, diesen Ausfall zu decken; unsere Schiffe mußten zum großen Schaden des Materials zu ungünstigen Jahreszeiten in entfernten Gewässern verweilen. Dies führte ferner zur Beschränkung des Convoischutzes; es war nicht möglich, dem Feinde den Verkehr mit Westindien zu unterbinden, von wo ihm die starke Zufuhr an Silber ermöglicht wurde, ohne die er die Lasten des Krieges nicht hätte tragen können.« Der Eingabe war eine Tabelle über die von Holland »zu stellenden« und »gestellten« Schiffe beigefügt. Die Generalstaaten erhoben hiergegen Widerspruch und führten ganz andere Zahlen auf. Stellen wir nun die Angaben gegenüber; es handelt sich nur um Linienschiffe.

Englische Angaben Holländ. Angabe Nach de Jonge --------------+----------- Es waren zu Es sind Es sind gestellt waren im Dienst stellen gestellt 1702 44 33 55 35 1703 47 22 50 34 1704 44 18 56 35 1705 47 20 56 35 1706 46 15 54 30 1707 43 27 49 32 1708 43 25 53 31 1709 42 11 50 30 1710 37 13 43 21 1711 35 12 40 13[277]

[277] und viele Linienschiffe zur Begleitung von Convois.

Die Generalstaaten behaupteten nun, die Zahlen in Reihe 1 seien zu hoch; sie seien berechnet nach dem Verhältnis einer gemeinsamen Rüstung wie 3: 5, während 1703 vereinbart sei, daß für jedes Jahr die Anzahl festgestellt werden solle, und diese Zahlen habe man erfüllt. Die Zahlen in Reihe 2 seien zu niedrig gegriffen, man habe die in den nördlichen Gewässern befindlichen holländischen Schiffe nicht mitgerechnet.

Nun würde aber noch der große Unterschied zwischen der Angabe der holländischen Admiralitäten (Reihe 3) und de Jonges (Reihe 4) zu ergründen sein. De Jonge erklärt ihn damit, daß die Admiralitäten die großen Convoijer (über 40 Kanonen) eingerechnet und allerdings auch damit, daß sie Schiffe mitgezählt hätten, deren Indienststellung beschlossen, aber wegen Geldmangels nicht ausgeführt sei. Vielleicht liegt ein Unterschied auch darin, daß de Jonge (und ebenso England) die Schiffe unter 50 Kanonen nicht als Linienschiffe berechnet hat, während die Admiralitäten alle über 40 Kanonen als solche zählten. De Jonge erkennt die Berechtigung der englischen Klage nur insoweit an, als sie die Beteiligung Hollands an der Mittelmeerflotte anging; hier hätten stets einige Schiffe gefehlt. Es ist zweifelhaft, ob man die großen Convoijers mitzählen durfte, doch sollte man glauben, daß England in Hinsicht auf seine Leistungen, und somit auf Berechnung des Verhältnisses, sich gleichfalls die Linienschiffe angerechnet hat, die im Convoidienst verwendet wurden.

Die Zahlen der Reihe 1 sind von England als im Verhältnis 3: 5 der englischen Indienststellungen berechnet und als solche von Holland nicht angefochten worden. Man kann aus ihnen mithin schließen, daß England durchschnittlich 70-80 Linienschiffe jährlich im Dienst hatte, wie wir es bei Besprechung der Streitmittel (Seite 505) angenommen haben.

In Hinsicht auf die =Entwicklung der Taktik= ist nur noch einmal hervorzuheben, daß die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges, als die erste einer Zeit gilt, in der mehr Wert auf Aufrechterhaltung der Gesamtformation in Linie als auf taktische Manöver gelegt wird. Zur Zeit Tourvilles war eine Taktik ausgebildet und wurde angewandt, jetzt wird sie besonders von den Engländern nur schematisch durchgeführt.[278]

[278] Vgl. die Auslassungen über Taktik vor Schilderung der Schlacht von Malaga (Seite 531/532), ferner Seite 474 sowie in der »Einführung in den Abschnitt« (Seite 184).

$Über die Strategie$ in diesem Kriege; die Aufgaben der Seestreitkräfte, und wie sie diese lösten. Wenn wir auch bei der Schilderung der Ereignisse schon näher auf diese Punkte eingegangen sind als bei den früheren Kriegen, so ist es doch wünschenswert, durch einen Überblick nochmals zu zeigen, welchen Einfluß die Kriegführung zur See gehabt hat oder hätte haben können; gerade dieser Krieg ist lehrreich.

Ein neuerer englischer Autor[279] sagt: »Für die höhere Seestrategie ist kein Krieg lehrreicher als der Spanische Erbfolgekrieg; in vielen Hinsichten gleichen die damaligen Verhältnisse den jetzigen. Der Krieg wurde geführt gegen das gefahrdrohende Übergewicht eines ehrgeizigen und mächtigen Militärstaates, es war ferner ein Krieg für die Freiheit des Handels und England verfügte durch seine Marine über ein Kampfmittel, das kein Festlandsstaat in gleicher Stärke besaß. Ludwig XIV. war durch die Wiederherstellung seines Heeres nach dem letzten Kriege so in Anspruch genommen, daß er seine Marine vernachlässigen mußte, während sich anderseits in England die Abneigung gegen ein stehendes Heer, die die Landmacht Wilhelms III. schwächte, nicht auf die Marine erstreckte; diese blieb in ihrer bisherigen Kraft erhalten.«

[279] Corbett, Teil II, Seite 200; hier frei übersetzt wiedergegeben.

$Frankreichs Kriegführung.$ Wie im Jahre 1688, so standen auch 1702 die beiden Seemächte verbündet Frankreich gegenüber, weit überlegen, weil sie etwa 200 Schiffe und Frankreich nur 135 über 40 Kanonen besaßen. Die Aufgabe der französischen Marine war aber größer als im vorigen Kriege, sie hatte neben dem Schutz der eigenen Küsten und Kolonien, sowie des eigenen Handels auch die Interessen Spaniens hierin wahrzunehmen, dessen Marine gar nicht in Betracht kam.

Im vorigen Kriege hatte Frankreich, vertrauend auf die Leistungsfähigkeit der eigenen Flotte sowie auf eine für sich günstige Lage der Verhältnisse in England, den Versuch gemacht, um die Seeherrschaft in großem Sinne zu kämpfen; er war fehlgeschlagen. Jetzt war ein solcher Kampf in den nördlichen Gewässern, in unmittelbarer Nähe der feindlichen Länder, mit unterlegenen Streitkräften, die außerdem an innerem Wert verloren hatten und in zwei weitgetrennte Kontingente geteilt waren, völlig aussichtslos. Es war mithin richtig, daß Frankreich sich im Norden auf den Küstenschutz und den kleinen Krieg beschränkte und sich die Aufgabe stellte, gestützt auf Spanien das Mittelmeer zu halten. Dieses Meer mußte der Hauptkriegsschauplatz zur See werden. Wir wissen, daß in den Verwicklungen, die zum Kriege führten, für die Seemächte die Frage eine Hauptrolle spielte, ob die Stellung des Hauses Habsburg oder Bourbon hier an Kraft gewinne, und daß sie die italienischen Provinzen des spanischen Erbes für Habsburg erobern wollten. Im Mittelmeer konnte also die Flotte der Verbündeten mit mehr Aussicht auf Erfolg in den Landkrieg eingreifen als im Norden, anderseits waren die französischen Seestreitkräfte hier eher imstande, den feindlichen die Stirne zu bieten, weil diese keine Stützpunkte besaßen, bei Ausbruch des Krieges nicht einmal die portugiesischen Häfen. So strebte Frankreich danach, seine Hauptkraft im Süden zusammenzuziehen und von den nördlichen Häfen aus neben Küstenschutz und kleinem Kriege nur die westindischen Kolonien und den Handel von dort, insbesondere die wichtigen Silberflotten, zu schützen. Diese richtige Strategie wurde aber nicht stetig und nie tatkräftig genug durchgeführt.

Vor Ausbruch des Krieges mit den Seemächten, 1701, wurden zwei größere Flotten ausgesandt. Die eine (Château-Renault; von Brest) ging nach Portugal, um dieses Land Frankreich treu zu erhalten, die andere (d'Estrées; von Toulon und von Brest verstärkt) nach Cadiz, gegen das die Verbündeten schon rüsteten. Beide vereint waren dem Gegner gewachsen, wenn er erschienen wäre; es war also für dieses Jahr zweckentsprechend verfügt worden. Renault ging später nach Westindien und führte im nächsten Jahre die Galeonen trotz der Anwesenheit zweier feindlicher Flotten an den europäischen Küsten nach Vigo; d'Estrées brachte spanische Truppen nach Neapel.

Im Jahre 1702 wurde keine größere Flotte zusammengezogen, obgleich in Brest und Toulon stark gerüstet war. Nichts geschah, als die Verbündeten gegen Cadiz vorgingen und später die Silberflotte in Vigo vernichteten. Die Folge dieser Untätigkeit war der Beitritt Portugals zu den Gegnern. Nur ein Geschwader von Brest (du Casse) segelte nach Westindien; und eine Flottille von Toulon (Forbin) bedrohte in der Adria die rückwärtigen Verbindungen der Österreicher in Italien. Auch 1703 verlief tatenlos. Man hatte beabsichtigt, Portugal zu züchtigen, gab aber die Rüstung hierzu auf, als man mit Erscheinen einer feindlichen Flotte rechnen mußte. So war eine verhältnismäßig schwache Kraft der Verbündeten (Shovel) Herrin im Mittelmeer, und ihr Auftreten trug zu Savoyens Abfall von Frankreich bei.

Als mit der Aufnahme des Krieges in Spanien seitens der Seemächte die Herrschaft im Mittelmeer 1704 noch weit wichtiger wurde, machte man endlich größere Anstrengungen. Es gelang, die Schiffe von Brest nach Toulon zu führen und hier eine große Flotte (Graf von Toulouse) zu vereinigen. Sie war aber zu spät bereit, um die Einnahme Gibraltars zu hindern, und ging nach der unentschiedenen Schlacht bei Malaga auf Toulon zurück; ein zurückgelassener Teil (de Pointis) wurde bei dem Versuche, Gibraltar wieder zu nehmen, vernichtet. 1705 fand trotz der Rüstungen im Norden und Süden keine Vereinigung statt, und von Toulon aus wurde kein Versuch gemacht, die allerdings überlegene feindliche Flotte in ihren erfolgreichen Unternehmungen an der spanischen Küste zu hindern. 1706 erschien Graf Toulouse vor Barcelona, zog sich aber beim Nahen des Feindes zurück, und als 1707 Toulon angegriffen wurde, rechnete man gar nicht mit der Flotte, sondern versenkte die Schiffe zu ihrem eigenen Schutze.

In den letzten Jahren des Krieges wurden keine Kräfte für den großen Krieg mehr aufgestellt, der Kampf um die Seeherrschaft war aufgegeben worden.

Diese schwächliche Kriegführung ist nur mit dem Verfall der Marine, mit dem dadurch stets weiter wachsenden Mangel an Zutrauen zu dieser Waffe und mit dem Fehlen des Verständnisses für Art und Wichtigkeit der Kriegführung zur See zu erklären. Man pflegte die Marine nicht mehr, man verwandte sie auch falsch. Denn wenn auch die eingerissene Mißwirtschaft und der Geldmangel die Rüstungen lähmten, so hätte doch mehr geleistet werden können.

So sagt Bonfils z. B. von dem Jahre 1702: »Der schwere Verlust, den Frankreich und Spanien durch die Vernichtung der Silberflotte mit ihrer Bedeckung erlitten, war eine Folge davon, daß man die vorhandenen Kräfte nicht zu einer Flotte zusammenzog. Untätig lagen die Geschwader in den verschiedenen Häfen und verursachten doch die gleichen Kosten.« Dies bleibt für die ganze erste Hälfte des Krieges zutreffend. Am unverständlichsten ist das Verhalten der Flotte 1704. Bei Malaga waren die Franzosen dem Gegner gewachsen, die Verhältnisse lagen nach der unentschiedenen Schlacht für sie günstiger als für die Verbündeten; schwächlich brachen sie den Feldzug des Jahres ab. Hatten sie mehr gelitten, als man weiß? Glaubten sie mit »dem Verjagen des Feindes aus dem Mittelmeer (?)« (wie sie sich rühmten) ihre Pflicht getan zu haben? Waren dem Grafen Toulouse die Hände gebunden, um nicht zu viel aufs Spiel zu setzen, oder gar aus Gründen der Eifersucht und aus bösem Willen Pontchartrins ihm gegenüber?

$Die Kriegführung der Verbündeten.$ Wie schon angedeutet, waren die Verbündeten auf eine Offensive $im Mittelmeer$ hingewiesen; im vorigen Kriege hatten die Vorstöße gegen die französischen Küsten nicht einmal ein Abziehen bemerkenswerter Streitkräfte von den Kriegsschauplätzen an den Grenzen erzielt. Im Norden konnte man sich darauf beschränken, den eigenen Handel zu schützen, Frankreich von der See abzuschließen und seine Streitkräfte in Häfen festzuhalten. Im Süden war es möglich, in den Landkrieg in Norditalien einzugreifen, Süditalien für den Kaiser zu erobern, Frankreich auch hier abzuschließen und somit ganz zu vereinzeln, sowie endlich den spanischen Handel mit Westindien und Südamerika zu bedrohen.

Wilhelm III. und nach ihm Marlborough sowie Heinsius strebten deshalb von Anfang an dahin, die Haupttätigkeit der Flotte nach dem Süden zu legen und vor allem zur leichteren Lösung der Aufgaben Stützpunkte an der Straße und im Mittelmeer selber zu gewinnen; England hatte wohl sicher die Absicht, diese dauernd zu behalten. Marlboroughs Partei und Heinsius fanden aber in ihren Ländern wenig Verständnis für ihre Pläne und starken Widerstand bei deren Durchführung. In den Niederlanden war keine Neigung zu einem Kriege in fernen Gewässern, man wollte lieber die Streitkräfte zum Schutz des Handels und der Küsten in der Nähe behalten, man glaubte auch, daß dies von günstigem Einfluß auf den Landkrieg an den Grenzen sein würde; in England huldigte eine starke Partei, darunter hohe Seeoffiziere wie Rooke und Shovel, der alten Defensivstrategie und scheute sich, die schweren Schiffe länger im Jahre im Süden zu belassen, als gelegentliche Offensivstöße erforderten. Die Folge dieses, oft nur passiven Widerstandes (z. B. von seiten Rookes) war, daß in den ersten Jahren die Operationen meistens verzögert -- mangelhafte Zustände in den Marinen traten hinzu -- und dann ohne die nötige Tatkraft durchgeführt wurden. Sie hätten auch mit größeren Kräften unternommen werden müssen und unternommen werden können, aber stets nur die Hälfte der Seestreitkräfte wurde darangesetzt. Den Rest hielt man für die Aufgaben im Norden zurück, ohne diese ganz zu lösen; hierzu hätten auch geringere Kräfte genügt, ein mächtigeres Auftreten im Mittelmeer wäre aber für den Verlauf des Krieges sicher von größerem Einfluß gewesen.

1701 wurde schon im April eine starke Flotte (Rooke) aufgestellt; sie sollte nach Spanien gehen, um einen Druck auf die noch schwebenden Verhandlungen auszuüben, oder bei Ausbruch des Krieges sofort Cadiz anzugreifen. Erst im August ging sie in See und nur zur Beobachtung von Brest; sie kam zu spät, um Château-Renaults Abgang nach Westindien zu hindern, und zweigte ein Geschwader (Benbow) zur Verstärkung dieser Station ab.

1702 lief im Mai ein kleines Geschwader aus, um die nach Westindien bestimmte Division du Casse abzufangen; dies mißlang infolge der Unentschlossenheit des Führers (Munden). Die für den Süden bestimmte große Flotte war erst im Juni seeklar (Rooke; Landungstruppen unter Ormond, auch ein Gegner Marlboroughs). Sie sollte einen spanischen Hafen nehmen und als Stützpunkt festhalten. Später trat der Befehl hinzu, der erwarteten Silberflotte (Château-Renault) die spanischen Küsten zu sperren; der Flotte im Kanal (Shovel) war der gleiche Auftrag hinsichtlich der französischen Küsten gegeben. Ende August wurde Cadiz angegriffen, wegen Lauheit und Uneinigkeit der Führer ohne Erfolg. Zu weiteren Unternehmungen war Rooke nicht zu bewegen, und auch nur zögernd benutzte er auf der Rückreise die günstige Gelegenheit, die Silberflotte in Vigo anzugreifen. Er hatte nun allerdings ungeheuern Erfolg und gewann durch diesen noch Portugal mit seinen Häfen für die Seemächte, aber er ging weder auf den Vorschlag des Prinzen von Hessen ein, in Vigo einen Stützpunkt zu schaffen und einen Teil der Flotte zu belassen, noch auf den des Gesandten Methuen, die schweren Schiffe in Lissabon zu überwintern, obgleich er in beiden Fällen den Absichten seiner Regierung entsprochen hätte.

1703 sollte Süditalien für den Kaiser erobert werden. Der Plan wurde aufgegeben, weil die Schiffe im Vorjahre zu spät heimgekommen waren und weil Österreich keine Truppen stellen konnte. Die Hauptflotte blieb tatenlos im Kanal, nur eine kleinere (Shovel) ging erst spät im Sommer ins Mittelmeer mit recht allgemein gehaltenen Befehlen. Diese unternahm denn auch nichts von Bedeutung, ihr einziger Erfolg war, daß Savoyen den Verbündeten beitrat.

So wurde in den ersten drei Jahren in Hinsicht auf den großen Kriegsplan nichts erreicht; die Seestreitkräfte nutzten der allgemeinen Sache nur durch den Erfolg bei Vigo und durch den Druck auf Portugal und Savoyen, daneben schützten sie den Handel und sorgten so dafür, daß der Strom der Hilfsgelder, von denen der Landkrieg abhing, keine ernste Unterbrechung erlitt.

Im Jahre 1704 trat der Seekrieg in einen zweiten Abschnitt. Mit der Aufnahme des Landkrieges in Spanien war man gezwungen, tatkräftiger vorzugehen, auch schien Ludwig XIV. ernstlicher um das Mittelmeer und schon am Eingang in dieses kämpfen zu wollen. Frankreichs Lage war schwieriger geworden: Ein neuer Kriegsschauplatz, weit entfernt von den anderen, war hinzugekommen; seine Stellung war durch den Abfall Savoyens an der italienischen Grenze stark bedroht; die feindliche Seemacht hatte hier und in Spanien noch günstigere Gelegenheit zum Eingreifen erhalten. Diese Änderung der Lage bestärkte Marlborough in seinem stets gehegten Plane, Frankreich zu Lande und zur See in der Provence anzugreifen und Toulon zu nehmen, so die lange französische Linie zu durchbrechen und mit einem Schlage die Frage der Herrschaft im Mittelmeer zu lösen. Wenn der Plan durchgeführt wäre, so würde damit wohl der Krieg entschieden sein. Marlborough ließ ihn nicht mehr aus dem Auge, und Prinz Eugen sowie Heinsius -- der tüchtigste Feldherr, sowie die beiden weitestblickenden Staatsmänner auf seiten der Verbündeten neben Marlborough -- waren seiner Ansicht, aber es gelang nicht, die allgemeine Zustimmung in Holland und die tatkräftige Mitwirkung Österreichs und Savoyens zu gewinnen. Sonderinteressen trübten deren Blick; wieder ein Beweis der Schwäche von Bündnissen. So wurde der Krieg zwar kräftiger geführt, aber man nützte die Seestreitkräfte doch nicht voll aus und verwandte sie nicht immer richtig.

1704 sollte die Mittelmeerflotte zur Eroberung Spaniens von der Ostküste her mitwirken und sich bereithalten, Österreich und Savoyen zu unterstützen, wenn die Franzosen einen Vorstoß gegen Nizza machen würden. Ein geheimer Zusatz zum Befehl wies sogar schon auf ein gemeinsames Unternehmen gegen Toulon hin und stellte diese defensiven und offensiven Operationen an der italienischen Küste denen an der spanischen überhaupt voran. Rooke machte im Mai den wegen Mangels an Truppen vergeblichen Versuch, Barcelona zu nehmen; er durfte sich wegen der Aufgaben in Italien und wegen der Möglichkeit des Erscheinens französischer Seestreitkräfte von Toulon und Brest nicht zu sehr engagieren. Zu einem Eingreifen in Italien kam es nicht, da einerseits Frankreich den Angriff auf Nizza aufgegeben hatte und anderseits Österreich und Savoyen weder stark genug noch gewillt zur Offensive waren. Der Versuch, die französische Brestflotte (Graf Toulouse), die das englische Kanalgeschwader (Shovel) nicht hatte festhalten können, vor Toulon abzufangen, mißlang gleichfalls. Rooke vereinigte sich später mit Shovel und nahm Gibraltar. Von weiteren Unternehmungen sah er der vorgerückten Jahreszeit halber ab, er hielt sich nur bereit, Gibraltar gegen die vereinigte französische Flotte zu decken; es kam zur Schlacht bei Malaga. Rooke ging dann heim, jedoch blieb zum ersten Male ein Wintergeschwader in Lissabon (Leake). Es war nur schwach, aber doch imstande, trotz einer französischen Division (de Pointis) in Cadiz, während des Winters das belagerte Gibraltar durch Zufuhren zu unterstützen und, selber verstärkt, im Frühjahr die genannte Division zu vernichten, sowie die Belagerung aufzuheben.

1705 griffen die Verbündeten Spanien von Portugal und von der Ostküste (jetzt auch von hier mit einem Heere) aus an. Mit Hilfe einer starken Flotte (Shovel) wurden Barcelona genommen und die Provinzen Katalonien, Aragonien sowie Valencia erobert. Marlboroughs Plan gegen Toulon fand noch keinen Anklang; die Admirale forderten dazu einen Stützpunkt im Mittelmeer, Österreich legte größeren Wert auf den Krieg in Spanien. Da aber während des Winters wieder nur ein schwaches Geschwader (Leake) in Lissabon blieb, warfen die französisch-spanischen Heere den König Karl auf Barcelona zurück, und die französische Flotte (Graf Toulouse) unterstützte die Belagerung dieser Stadt. In der höchsten Not erschien Leake, nach und nach zu einer starken Flotte verstärkt, zum Entsatz. Die Flotte nahm später Ibiza und Mallorca; weshalb Port Mahon, der günstigste Platz als Stützpunkt, nicht angegriffen wurde, ist nicht klar zu ersehen. Als sich darauf die Kriegslage aufs neue ungünstig für König Karl gestaltete, wurde 1707 schon im Januar die große Flotte (Shovel) zusammengezogen, sie konnte aber nur die Trümmer des bei Almanza geschlagenen Heeres retten.

Trotz der üblen Lage in Spanien wurde 1707 der Plan Marlboroughs endlich ins Werk gesetzt, aber nicht in seinem ganzen Umfange durchgeführt: der so wichtige gleichzeitige Vorstoß in den Niederlanden unterblieb, weil er Holland zu gewagt erschien; dem Prinzen Eugen in Norditalien wurden Truppen entzogen, um das Königreich Neapel zu erobern; Savoyen war lau. So schlug der Angriff auf Toulon fehl, aber die französische Flotte konnte infolge des Versenkens der Schiffe nichts mehr leisten und Frankreich gab das Mittelmeer auf. Selbst das Wintergeschwader der Verbündeten beherrschte jetzt die See zugunsten des spanischen Krieges; die Sommerflotte 1708 (Leake) konnte schwächer sein als bisher, sie unterwarf trotzdem Sardinien und nahm jetzt endlich auch Port Mahon.

So wurden allerdings mit der Einnahme von Gibraltar und Barcelona, sowie durch die Beherrschung des Mittelmeeres große Erfolge erzielt. Aber die Seeherrschaft wurde in den ersten Jahren im Winter stets aufgegeben, und die errungenen Vorteile im Landkriege gingen dann größtenteils wieder verloren, weil das Meer für Frankreich wieder offen stand; man mußte, sozusagen, im nächsten Jahre von vorn anfangen. Es wäre richtiger gewesen, nach der Einnahme von Gibraltar zunächst selbst ohne Rücksicht auf den Krieg in Spanien einen Stützpunkt im Mittelmeer zu gewinnen.

Daß der große Plan Marlboroughs im allgemeinen, der Angriff auf Toulon im besonderen scheiterte, war mehr die Folge anderer Umstände als eines Fehlers der Strategie zur See. Wie richtig dieser Plan war, zeigt selbst der Mißerfolg: Die französische Flotte hatte so gelitten, das Vertrauen auf sie war so erschüttert, daß Frankreich das Mittelmeer aufgab. Nun wurde es den Verbündeten leicht, die See auch im Winter zu beherrschen, besonders nachdem Port Mahon genommen war. Es ist zu verwundern, daß Marlborough nicht nachdrücklicher auf die rechtzeitige Schaffung eines Stützpunktes vor der französischen Küste hingearbeitet hat, das Unternehmen gegen Toulon würde dadurch gleichfalls an Kraft gewonnen haben; er hat stets darauf hingewiesen, aber die Verwendung der Landstreitkräfte lag ihm wohl näher, wenn er auch während des ganzen Krieges die Macht der Seestreitkräfte hoch einschätzte.

Im Jahre 1709 trat die Kriegführung zur See im Mittelmeer in einen dritten Abschnitt. Die Flotte der Verbündeten hatte nur noch die Aufgabe, Frankreich vom Meere abzuschließen und für König Karl die Verbindung mit seinen Besitzungen in Süditalien und seinen Hilfsquellen in Norditalien aufrecht zu erhalten. Großes wurde nicht mehr geplant, weil Marlboroughs Einfluß schwand. Frankreich ganz abzuschließen gelang nicht, doch wurde sein Versuch, eine Erhebung in Sardinien zu unterstützen, verhindert. Der Seekrieg erlahmte immer mehr; Holland war erschöpft, England zum Frieden geneigt. Als 1711 König Karl deutscher Kaiser geworden war, wurde seine Sache in Spanien von England nicht mehr unterstützt und 1712 auch von Holland aufgegeben.

Die $Kriegführung der Verbündeten Im Norden$, wo in fast allen Jahren etwa die Hälfte ihrer Seestreitkräfte tätig war, beschränkte sich erfolgreich nur auf den kleinen Krieg. Das einzige für 1706 geplante Unternehmen, eine Landung an Frankreichs Westküste, ließ man fallen; die Aufgabe, die französischen Geschwader, die nach dem Mittelmeer oder nach Westindien bestimmt waren, festzuhalten, wurde nicht gelöst. Aber selbst im kleinen Kriege hätte man bei der Stärke der Verbündeten größere Erfolge erzielen können. Der französische Handel wurde zwar schwer geschädigt und nach und nach ganz lahm gelegt, doch auch der eigene Verlust war groß. Es spricht dies für die Tatkraft und Geschicklichkeit, mit denen die Franzosen den Kreuzer- und Freibeuterkrieg führten; man muß dabei allerdings die günstige Lage der Ausgangshäfen -- Dünkirchen, St. Malo, Brest -- zu den Wegen des englisch-holländischen Handels, die Größe dieses, sowie die Schwierigkeit einer scharfen Durchführung der Blockade seitens der Verbündeten mit derzeitigen Segelschiffen in Betracht ziehen.

Die Maßnahmen Hollands zum Schutze des Handels sind genau bekannt: Ein Geschwader an der flämischen Küste; ein zweites in der Nordsee; ein drittes zum Geleiten der ostindischen Convois durch dieses Meer; eine große Zahl Convoijers zur ständigen Begleitung der Handelsschiffe. Der Angriff auf den französischen Handel lag hauptsächlich in den Händen zahlreicher Freibeuter. Über die Maßnahmen Englands liegen keine genauen Angaben vor. Aus Andeutungen ist zu entnehmen, daß man viele Kreuzer in See hatte, daß man die Handelsconvois sowie die Militärtransporte nach Spanien durch Kriegsschiffe deckte und zur Blockade der feindlichen Häfen sowie zum Abfangen größerer Convois Geschwader aufstellte oder von der Hauptflotte abzweigte. Die Bedeckung der Convois scheint aber öfters nicht stark genug gewesen zu sein, nicht einmal den hauptsächlich aus Freibeutern bestehenden französischen Divisionen gewachsen; ähnlich wie im vorigen Kriege scheint man ohne Grund die Streitkräfte zu sehr zusammengehalten zu haben. Man hätte wohl mehr für den Handelsschutz tun können und tun müssen; Englands Aufgabe in dieser Hinsicht war, der langen Küste Frankreichs gegenüber, größer und schwieriger als die Hollands.

$Die Ereignisse in den Kolonien$ zeigen immer noch den Charakter des kleinen Krieges, wenn sie auch in diesem Kriege bedeutender als im vorigen sind (vergl. Seite 481, unten); nur Trouins Zug gegen Rio war von Einfluß auf den Krieg. Die Überlegenheit der Verbündeten tritt auch hier nicht so hervor, wie man hätte erwarten können; oft schädigen die Franzosen Handel und Niederlassungen schwer. Es wurden nicht dauernd genügende Kräfte draußen gehalten, um die Seeherrschaft zu wahren, oft mußten erst die geschädigten Kreise -- Kolonisten, Kaufleute, Rheder -- den Anstoß zur Entfaltung größerer Tatkraft geben.

Wenn man die Kriegführung zur See auf französischer Seite falsch und schwächlich nennen kann, so muß man doch auch sagen, daß die Verbündeten von ihrer ungeheuren Macht einen durchgreifenderen Gebrauch hätten machen können, insbesondere die Engländer, deren Marine während des Krieges eher stärker als schwächer wurde. So sagt auch Clowes mit Beziehung auf die englische Marine: »Der Krieg weist keine großen oder gar glänzenden Erfolge auf; man kann den Operationen der Flotte keine große Genialität zusprechen, der Organisation und dem Auftreten der Seestreitkräfte kein Lob spenden. The country merely stuck to its work and hammered away, often blunderingly and stupidly until the end. The day of its (der Marine) most brillant performances were still before it.«

Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer.

Die Bedingungen des Friedens von Utrecht sind im allgemeinen schon angeführt (Seite 496); es ist auch gesagt, daß England am meisten erreichte und im gesicherten Besitz der Vormachtstellung zur See aus dem Kriege hervorging. Eine nähere Betrachtung der Ergebnisse für die verschiedenen Teilnehmer wird dies veranschaulichen.

=Frankreich= hatte zwar dadurch, daß das Haus Bourbon auf Spaniens Thron kam, an Stelle eines Feindes einen Freund im Rücken erhalten, es hatte aber wichtige Stellungen an seiner Nordostgrenze verloren, mußte das günstig gelegene Dünkirchen als Kriegshafen aufgeben, und mit den ersten Abtretungen in Nordamerika war der gänzliche Verlust der Besitzungen dort eingeleitet. Durch den Krieg waren seine Seestreitkräfte erschöpft, seine Bevölkerung verarmt, seine Finanzen zugrunde gerichtet.

=Spanien= verlor seine Niederlande, Mailand, Sardinien und Neapel an Österreich, Sicilien an Savoyen, Gibraltar und Minorca an England, also einen großen Landbesitz, der fast durchgängig wichtig in maritimer Hinsicht war. Nur seine Kolonien blieben ihm erhalten, die nach dem ersten Kriegsplane der Verbündeten auch in Gefahr gewesen waren, und es war wohl ein Vorteil, daß das Land mit einem lebenskräftigen Volke wie Frankreich in engere Verbindung gebracht wurde.

=Österreich= hatte großen Landzuwachs erhalten, doch fehlte ihm Sicilien, an dem ihm mehr als an Sardinien lag; bald folgten auch Verhandlungen über einen Austausch. Immerhin erlangte es die gewünschte Stellung am Mittelmeer und hätte sich hier zu einer Seemacht entwickeln können.

Für =Holland= hatte es Bedeutung, daß die spanischen Niederlande vor Frankreich gerettet und an Österreich gefallen waren; sein alter Wunsch war erfüllt, hier sicherer vor Frankreichs Angriffen dazustehen. Aber war dieser einzige Erfolg die Kosten wert? Der Krieg führte den Zusammenbruch seiner Seemacht herbei! Die Marine wurde vernachlässigt, und damit ging die wichtigste Kraftquelle des kleinen Landes, der Seehandel, zurück. Holland wurde bald nicht mehr zu den Großmächten gezählt, seine Marine war für die Diplomatie kein militärischer Faktor mehr. Die Schwäche der Republik trat schon in den Friedensverhandlungen zutage; man konnte für die maritimen Interessen nichts erreichen. England berief sich auf Hollands ungenügende Beteiligung am Seekriege und weigerte sich hartnäckig, Holland an den für sich geforderten Vorteilen teilnehmen zu lassen; nur im Handelsvertrage mit Frankreich wurden auch den Niederlanden einige Zugeständnisse gemacht.

=England= aber gewann ungemein in maritimer Hinsicht. Durch den Besitz von Gibraltar, Port Mahon und die in Nordamerika errungenen Kolonien erhielt es neue Stützpunkte zur Stärkung und Erweiterung seiner Seeherrschaft; Frankreich gab das gefährliche Dünkirchen auf; Sardinien, Neapel und Sicilien fielen nicht an eine Seemacht, sondern an Staaten, die bislang zur See nicht aufgetreten waren. Ferner schloß England mit Frankreich und Spanien günstige Handelsverträge.

Insbesondere dem Wunsche Hollands, Gibraltar und Port Mahon gemeinschaftlich zu besetzen und an den Verträgen mit Spanien, Westindien betreffend, teilzunehmen, trat England schroff entgegen. Diese Verträge waren ein Hauptgewinn Englands. England versprach Spanien seinen Beistand, um dessen Besitzungen wieder in den Zustand zu bringen, wie er unter Karl II. gewesen war; Spanien verpflichtete sich dagegen, keinerlei Besitz in Amerika an Frankreich oder andere Völker abzutreten; beide Staaten sagten sich volle Meistberechtigung in ihren Besitzungen zu. Noch wichtiger aber war der sogenannte =Assiento-Vertrag= (El Pacto del Assiento de Negros): das von Spanien an England erteilte alleinige Recht auf Einführung von Negersklaven in die spanischen Kolonien (4800 Neger im Jahre). Spanien selbst führte keine Sklaven ein; das Recht war früher schon an die Niederlande, später an die Genuesen und 1703 von Philipp V. an die Franzosen vergeben. Aus dem Sklavenhandel entwickelte sich jetzt aber bald ein Schmuggelhandel in solchem Maße, daß fast die ganze Gütereinfuhr in die spanischen Besitzungen in englische Hände kam. Die Engländer erhielten ferner das Recht, jährlich ein Schiff mit Waren nach Mittelamerika, zum Markte von Porto Bello, zu senden, und auch dies wurde unrechtmäßig ausgebeutet. Das Fahrzeug diente gewissermaßen nur als Niederlage: die Vorräte wurden beständig erneuert; auf der einen Schiffsseite gingen die Waren von Bord, auf der anderen kamen neue an Bord. Diese Verstöße der Engländer und die dadurch hervorgerufenen Vergeltungsmaßregeln der Spanier gaben den Anlaß, wenigstens den äußern, zum nächsten Kriege im Jahre 1739.

Auch mittelbar zog England aus dem Kriege weitgehenden Nutzen. Die Marinen Frankreichs und Hollands waren in Verfall geraten; die zweite, die alte Nebenbuhlerin, sollte sich nicht wieder daraus erheben. Die englische Marine aber stand nach dem Kriege mächtiger da als zuvor; gerade durch die Schwäche der holländischen war sie zu größerer Kraftentfaltung gezwungen worden. Ferner war ein Teil des holländischen Handels schon während des Krieges in englische Hände übergegangen, und dieser Vorgang setzte sich fort, da sich bei dem Verfall der holländischen Marine die britischen Handelsfahrzeuge immer mehr den Ruf erwarben, sicherer zu fahren. Die enge Verbindung mit Portugal, die der Krieg gezeitigt hatte, kam auch dem englischen Handel zugute, und außerdem war sie militärisch von Nutzen, weil die portugiesischen Häfen den englischen Flotten fortan zur Verfügung standen.

Vor dem Spanischen Erbfolgekriege war, durch den Pfälzischen Erbschaftskrieg schon mächtig gefördert, =England eine der Seemächte=, nach dem Frieden von Utrecht war es =die Seemacht=. Diese Macht erhielt England aufrecht; es war reich genug dazu und hatte in seiner Seeherrschaft und in seiner ausgebreiteten Schiffahrt die Quelle des Reichtums so in der Hand, daß ihm zunächst kein Nebenbuhler erwachsen konnte. Schon die beiden letzten größeren Nebenkriege des bisher geschilderten Abschnittes werden seine Macht zur See zeigen.

* * * * *

Zehntes Kapitel.

Nebenkriege 1689-1739.

$Die Quadrupel-Allianz zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht, 1718-1720.$ In Spanien wirkte seit 1714 der =Kardinal Alberoni= als Minister, der mit der ehrgeizigen zweiten Gemahlin Philipps V., Elisabeth Farnese von Parma, dorthin gekommen war. Er beabsichtigte, Spaniens alte Größe wiederherzustellen; sein nächstes Ziel war, die verlorenen italienischen Staaten zurückzugewinnen. Mit Erfolg arbeitete er an der wirtschaftlichen Hebung des Landes, am Ausbau der Flotte und an der Stärkung des Heeres. Auf eine Unterstützung Frankreichs konnte er aber nicht mehr rechnen und auch der Versuch, eine Verbindung mit England herzustellen, schlug fehl; in beiden Ländern waren Veränderungen eingetreten, die eine Annäherung zwischen ihnen herbeigeführt hatten.

In England war =1714 Georg= I., Kurfürst von Hannover, zur Regierung gelangt. Seine Stellung war noch nicht unbedingt fest; noch immer bestand eine Partei der Stuarts, und seine eigene verhielt sich ihm als Ausländer gegenüber kühl. In Frankreich führte seit 1715 für den unmündigen und schwächlichen König Ludwig XV. der nächste Agnat, =Philipp von Orleans=, die Regentschaft. Dieser mußte in noch höherem Grade Nebenbuhler um seine Stellung und etwaige Thronfolge fürchten, vor allen Philipp V. von Spanien, gegen den er im letzten Kriege intrigiert hatte und dessen Thronbesteigung in Frankreich gerade Alberonis letztes Ziel war. Beide Herrscher scheuten einen neuen Krieg, der den unzufriedenen Elementen in ihrem Lande nur gelegen gekommen wäre. Die Lage Philipps war schwieriger, und so bot dieser auf Rat seines Ministers, des =Kardinals Dubois=, Georg I. ein Bündnis an; zwischen Frankreich und Spanien trat dagegen eine Entfremdung ein, die den wahren Interessen beider Staaten völlig zuwider lief. Im Januar 1717 schlossen England und Frankreich einen Vertrag zur Aufrechterhaltung der Bedingungen des Friedens von Utrecht (vgl. Seite 497), soweit diese im beiderseitigen Interesse lagen, und zur gegenseitigen Gewährleistung der Thronfolge der Häuser Hannover und Orleans; auch Holland wurde zum Beitritt gewonnen. Frankreich mußte hierzu neue Zugeständnisse auf Kosten seines Handels und seiner Seemacht machen: Weitere Handelsvorteile für England und Holland, sowie Aufgeben des Baues eines Kriegshafens bei Mardyk, der als Ersatz für Dünkirchen bereits in Angriff genommen war.

=Alberoni= hatte gleichfalls versucht, England durch Angebot neuer Handelsbegünstigungen zu bewegen, ihn in seinen Plänen auf Unteritalien zu unterstützen. Georg I. verhielt sich ablehnend, da er als deutscher Fürst für den Kaiser Partei nahm, und auch die englischen Staatsmänner sahen diese Länder lieber im Besitz Österreichs als in den Händen Spaniens. Nun war der Kaiser mit den Bedingungen des letzten Friedens nicht zufrieden, er wollte Sicilien haben und hatte seinen Anspruch auf den spanischen Thron noch nicht aufgegeben; wir wissen, daß es zwischen ihm und Philipp V. überhaupt noch nicht zum Frieden gekommen war. Der neue Bund beschloß deshalb, um alle diese, den allgemeinen Frieden stets bedrohenden Fragen aus der Welt zu schaffen, den Kaiser dadurch zu befriedigen, daß er gegen Abgabe von Sardinien an Savoyen Sicilien erhielte. Man mußte aber mit Spanien rechnen, weil dessen militärische Kraft schon sehr gestärkt war. Ehe aber die Verhältnisse sich friedlich weiter entwickeln konnten, schlug Spanien los, obgleich es noch nicht genügend gerüstet war. Ein hoher spanischer Beamter, der auf der Rückreise von Rom durch die italienischen Provinzen des Kaisers kam, wurde dort als aufrührerischer Untertan verhaftet; auf diese Beleidigung sandte Spanien im August 1717 12 Kriegsschiffe mit 8600 Mann nach Sardinien und unterwarf diese kaiserliche Insel in wenigen Monaten.

Jetzt schloß sich der Kaiser dem Bunde -- nunmehr eine =Quadrupel-Allianz= -- an, und die vier Mächte kamen überein, den Austausch Sardiniens gegen Sicilien durchzuführen, wenn nötig, mit Waffengewalt. Wie sehr man aber in England und Holland einem Kriege abgeneigt war, zeigen die günstigen Vorschläge, die Spanien gemacht wurden: Spanien sollte Parma und Toskana als Sekundogenitur erhalten; Georg I. wollte Gibraltar zurückgeben; der Kaiser würde endgültig auf den spanischen Thron verzichten. Dennoch, und obgleich England schon eine Flotte für das Mittelmeer rüstete, blieb Alberoni eigensinnig und traf Vorbereitungen, auch Sicilien zu erobern. Zugleich strebte er danach, sich auf politischem Wege Rückhalt zu verschaffen. Er versuchte Rußland und Schweden, deren Krieg (vgl. »Nordischer Krieg« S. 589) 1718 durch Verhandlungen unterbrochen war, zu einem gemeinsamen Einfall in England zugunsten Jakobs III. zu vereinen; er hetzte die Türken gegen den Kaiser auf; in Frankreich wurde eine Verschwörung gegen den Regenten angezettelt und in England die Unzufriedenheit geschürt; er versuchte den König von Savoyen, der mit dem beabsichtigten Tausch der Inseln nicht einverstanden war, an sich zu ziehen. Aber alle seine Pläne schlugen fehl. Die Türken waren durch Prinz Eugen schwer geschlagen worden (1716 Peterwardein; 1717 Belgrad), auch sollen sie die englische Flotte gefürchtet haben; in Schweden und Rußland wurden nach dem Tode Karls XII. die Verhandlungen abgebrochen; die Verschwörung gegen Philipp war rechtzeitig entdeckt worden. Vor allem aber scheiterte der Angriff auf Sicilien völlig und Spanien selbst wurde mit Erfolg angegriffen. Hieran hatte die englische Flotte den größten Anteil, wie sie auch wohl durch ihr Auftreten in der Ostsee den Plan Alberonis dort störte. Es wirkte überall die augenblickliche Alleinherrschaft Englands zur See.

$Der Verlauf des Krieges.$ Spanien besaß, dank den Bemühungen Alberonis, 1718 etwa 40 Linienschiffe, von 44 Kanonen aufwärts gezählt, und gegen 20 waren im Bau. Offiziere und Mannschaften waren allerdings nicht genügend vorhanden, um sämtliche Fahrzeuge in Dienst zu stellen, auch war die Güte des Personals noch geringer als zu Ruyters Zeiten (Schlacht bei Agosta). Wie eben gesagt, hatten die Spanier 1717 Sardinien besetzt und rüsteten dann zur Eroberung Siciliens. England stellte 1718 eine Flotte unter =Sir George Byng= in Dienst und sprach, auf Spaniens Anfrage, rückhaltslos aus, diese solle den Frieden in Italien aufrechterhalten. Die Order des Admirals (vom 24. Mai) lautete dementsprechend: Er solle im Mittelmeer alle geeigneten Maßregeln ergreifen, um die Streitigkeiten zwischen Spanien und Österreich beizulegen, sowie Feindseligkeiten verhindern; wenn Spanien darauf bestände, kaiserliche Provinzen anzugreifen oder sonst in Italien Fuß zu fassen, so solle er einschreiten, wenn nötig mit Waffengewalt. Diese Weisungen habe er nach Eintreffen auf der Station dem Könige von Spanien und den Gouverneuren von Mailand und Neapel mitzuteilen.

Byng segelte am 15. Juni und sandte am 30. auf der Höhe von Cadiz seinen Befehl an den englischen Gesandten in Madrid. Spaniens Antwort war, er möge tun, wie ihm befohlen; der Gesandte führte zwar die Verhandlungen weiter, der Krieg war noch nicht erklärt, warnte aber alle englischen Kauffahrer in spanischen Häfen vor einem plötzlichen Bruche. Der Admiral erfuhr am 8. Juli bei Cap Espartel, daß eine spanische Flotte am 18. Juni Barcelona verlassen habe, er nahm in Malaga Wasser, lief Port Mahon behufs Ablösung eines Teils der Garnison an und sandte von dort seinen Befehl nach Neapel und Mailand. Er hörte hier, daß die spanische Flotte am 30. Juni vor Neapel erschienen sei. Diese war dann Anfang Juli mit 30000 Mann von Neapel nach Palermo gegangen. Die schwachen savoyischen Truppen gaben ohne Widerstand die Stadt sowie fast ganz Sicilien auf und zogen sich in die Citadelle von Messina zurück. Byng verließ am 25. Juli Port Mahon, traf am 1. August in Neapel ein und nahm hier 2000 Österreicher an Bord, um sie nach Messina zu bringen; der König von Savoyen hatte sich inzwischen mit den Abmachungen der Verbündeten einverstanden erklärt. Als der Admiral am 9. vor Messina ankam, war die Stadt schon von den spanischen Truppen eingeschlossen, die feindliche Flotte war jedoch nicht zu sehen. Er bot dem spanischen General einen Waffenstillstand von zwei Monaten an, um Unterhandlungen zu führen; als dies abgeschlagen wurde, schiffte er die Truppen in Reggio wieder aus. Er beabsichtigte, wieder nach Messina zur Entsetzung der Citadelle hinüberzugehen, und scheint angenommen zu haben, daß die spanische Flotte ihm ausweichen würde. Am 10. August morgens traf aber die Nachricht ein, daß diese von den Bergen Kalabriens aus beiliegend gesehen sei, und als Byng unter Segel gegangen war, stieß er auf zwei feindliche Vorposten. Als die Engländer diese jagten, wurden sie auf die spanische Flotte geführt; sie kam gegen Mittag, die Gefechtslinie bildend und nach Süden ausweichend, in Sicht. Durch tatkräftige Verfolgung wurde sie am nächsten Tage erreicht und fast vollständig vernichtet; eine Schlacht ist der Zusammenstoß kaum zu nennen.

$Die Vernichtung der spanischen Flotte durch Admiral Byng bei Cap Passaro, 11. August 1718.$ =Die englische Flotte= zählte 22 Schiffe -- 1 zu 90 K.; 2 zu 80 K.; 9 zu 70 K.; 7 zu 60 K.; 2 zu 50 K.; 1 zu 44 K. -- 2 Mörserboote und 2 Brander.

=Die spanische Flotte= bestand aus dem Gros unter Vizeadmiral =Casteñata=: 1 Schiff zu 74 K.; 1 zu 70 K.; 5 zu 60 K.; 1 zu 54 K.; 1 zu 44 K.; 1 zu 36 K. und 7 Galeren. Während der Affäre traten noch 2 Schiffe (zu 60 K.) hinzu, die nach Malta abgezweigt gewesen waren. Ein leichtes Geschwader unter Kontreadmiral =de Mari= zählte 1 Schiff zu 60 K.; 1 zu 54 K.; 2 zu 46 K.; 3 zu 44 K.; 1 zu 36 K.; 9 zu 18-30 K.; 3 Mörserboote; 1 Brander; 5 Tender. Die Flotte lief in Gefechtslinie nach Süden.

Byng sandte die vier besten Segler, 70-Kanonenschiffe, mit dem Befehle vor, während der Nacht die Admiralslichter (drei am Heck und eins im Großmast) zu führen; er folgte mit der Flotte unter Segelpreß. Der Wind war leicht, die spanischen Galeren tauten die langsamsten Schiffe ihrer Flotte. Am 11. August bei Tagesanbruch hatten die Engländer den Feind fast erreicht. Seine leichte Division lief unter Land; Byng schickte ihr 8 kleinere Linienschiffe unter =Kapitän Walker= nach (Wiedervereinigungsplatz Syracus), er selbst folgte ohne jede Ordnung der Hauptmacht. Seine vier vorgesandten Schiffe greifen die letzten Feinde mit Erfolg an, laufen aber weiter, ihre Opfer den Nachkommenden überlassend. Die Spanier sind bald versprengt, und in mehr oder weniger heftigen Einzelgefechten werden 7 Schiffe genommen, nur das Flaggschiff und 3 oder 4 andere entweichen nach Malta. Nachts erhielt Byng die jetzt noch in der englischen Marine durch ihre Kürze berühmte Meldung von Walker: »Sir! Wir haben alle Schiffe und Fahrzeuge an dieser Küste genommen. Anzahl am Rande vermerkt.« Es waren 9 genommen, 5 auf den Strand gejagt und verbrannt (4 davon durch ihre Besatzung). Im ganzen verlor Spanien 11 Linienschiffe, 3 Fregatten und 8 Fahrzeuge.

Mit dieser Schilderung nach englischem Bericht stimmen spanische Angaben überein. Sie fügen hinzu, die spanische Flotte habe sich zurückgezogen, um nicht Anlaß zu Feindseligkeiten zu geben. Die Schiffe seien dann durch Übermacht einzeln überwunden; eine rangierte Schlacht würde günstiger für sie verlaufen sein, auch hätten dann bei dem leichten Winde die Galeren mit Vorteil eingreifen können. Dies ist fraglich; die spanischen Schiffe waren wesentlich schwächer und ihre Besatzungen sicher den englischen nicht gleichwertig; deshalb konnte auch Byng ohne jede Rücksicht auf Formation angreifen.

Wenn auch der Krieg noch nicht erklärt war, so war Admiral Byng doch wohl zu dieser Tat berechtigt. Nachdem man am Lande seinen Vorschlag zur Einstellung der Feindseligkeiten zurückgewiesen hatte, befand er sich im Kriegszustande; er folgte nur seinem Befehle, von dem er Spanien Wochen vorher Kenntnis gegeben hatte. Immerhin übernahm er mutig eine große Verantwortung.

Mit der Vernichtung der spanischen Flotte war der Kampf um Sicilien entschieden. Byng ging zwar für den Winter nach Port Mahon und Messina fiel den Spaniern in die Hände, aber im Frühjahr 1719 erschien er wieder in Neapel und unterstützte nun die Österreicher bei der Eroberung der Insel; der Krieg war im Dezember 1718 erklärt. Er landete Truppen in Melazzo, die von dort gegen Messina marschierten, er unterstützte die Belagerung dieser Stadt und schnitt Sicilien von jeder Verbindung mit Spanien ab. Messina fiel im Oktober, dann deckte die Flotte die Einnahme verschiedener Plätze an der Süd- und Westküste, doch räumten die Spanier die Insel erst völlig während des Waffenstillstandes, der dem Frieden vorherging (1720).

Während der Belagerung Messinas lagen einige spanische Kriegsschiffe im Hafen. Byng befürchtete, daß der Festungskommandant ihre freie Rückkehr nach Spanien zu einer der Übergabebedingungen machen oder daß Österreich sie beanspruchen würde. Er setzte deshalb durch, daß sie durch eine eigens zu diesem Zweck errichtete Batterie zerstört wurden -- ihm lag im englischen Interesse daran, jede fremde Seemacht zu schädigen. Im gleichen Sinne handelte England auf den anderen Kriegsschauplätzen.

=Alberoni= gab trotz der Niederlage bei Passaro und der Aussichtslosigkeit seiner Pläne im Mittelmeer seit Erscheinen der englischen Flotte den Kampf nicht auf. Er rüstete für 1719 in Cadiz und Coruña zwei Geschwader aus, um Truppen an der Küste der Bretagne und in Schottland zu landen, indem er in beiden Ländern mit Aufständen rechnete. Auch diese Unternehmen schlugen fehl.

Der Plan gegen Frankreich wurde nach Entdeckung der Verschwörung gegen den Regenten aufgegeben. Die andere Expedition segelte im Februar von Cadiz -- 40 Transporter mit 5000 Mann, und vielem Kriegsmaterial, gedeckt durch 5 Kriegsschiffe -- unter dem geächteten James Buttler, Herzog von Ormond, wurde aber am 28. Februar auf der Höhe von Finisterre durch Sturm arg beschädigt und völlig zerstreut. Nur 3 Fregatten mit 5 Transportern erreichten Ross-shire; 400 Mann wurden gelandet und etwa 1500 schottische Jakobiten stießen zu ihnen. Die kleine Macht wurde bald vernichtet, sowie ein Depot der Aufständischen in Donancastle durch Kriegsschiffe genommen. England war an den Küsten vorbereitet gewesen, wenn auch die Kanalflotte, die der Expedition hatte entgegentreten sollen, nicht rechtzeitig seeklar war -- englische Quellen sagen: »Wie gewöhnlich!«

Dagegen gingen England und Frankreich jetzt angriffsweise vor. Eine Division der englischen Kanalflotte, =Vizeadmiral Mighells=, landete im Oktober 1719 24000 Mann bei Vigo, eroberte die Stadt, sprengte die Befestigung, machte reiche Beute und zerstörte die Schiffe dort und in Ponte-Vedra. Eine zweite Division unterstützte französische Truppen, die unter dem Herzog von Berwick von Bayonne aus in Spanien eindrangen und Fuenterrabia, St. Sebastian sowie Santona nahmen. Auch hier wurden auf englisches Drängen überall Hafenanlagen, Werften, sowie alle Kriegsschiffe zerstört; England tat sein möglichstes, das Neuaufblühen der spanischen Marine im Keime zu ersticken, und Frankreich half kurzsichtig dabei. Berwick meldete gar dem Regenten: die englische Regierung kann dem Parlamente zeigen, daß wir alles getan haben, um die spanische Marine zu vernichten.

Selber tat Frankreich so gut wie gar nichts zur See, es transportierte und unterstützte nicht einmal die eigenen Truppen. Nur 11 Linienschiffe wurden nach dem Golf von Mexiko gesandt, um die Niederlassung in Louisiana zu schützen; diese schlugen dort eine schwache spanische Division zurück und eroberten den befestigten Hafen von Pensacola. Holland regte sich gar nicht. Während des kurzen Krieges fanden natürlich Handelsschädigungen statt; gleich nach Passaro hatte Spanien die englischen Schiffe in seinen Häfen mit Beschlag belegt, England antwortete mit Vergeltungsmaßregeln.

Die ununterbrochene Reihe von Niederlagen und die Hoffnungslosigkeit, ohne eine Marine seine Kolonien schützen zu können, brach den Widerstand Spaniens. Alberoni wurde entlassen (5. Dezember 1719) und Philipp V. gab im =Haager Frieden= 1720 den Forderungen der Quadrupel-Allianz nach. Der König von Savoyen nannte sich von nun an König von Sardinien.

Der Nordische Krieg 1700-1721.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges und seiner eben besprochenen Folgen spielte sich im Norden und Osten der große Nordische Krieg ab. Er ist für uns bemerkenswert: Mit ihm endet das anderthalbhundertjährige Zeitalter der Seekriege Dänemarks und Schwedens um die Herrschaft in der Ostsee; eine neue Seemacht, Rußland, tritt hier auf. Auch auf den Verlauf dieses Krieges haben die Seestreitkräfte wesentlichen Einfluß. Endlich zeigt sich in ihm die Macht Englands zur See. Zunächst seien einige Angaben über die beteiligten Marinen gemacht,[280] die deren Entwicklung bis zum Ende unseres Abschnittes veranschaulichen.

[280] Anschließend an »Der schwedisch-dänische Krieg 1675-1679, Seite 394 ff.; dort auch Quellennachweis, es tritt hinzu »Bridge«.

$Die dänische Marine$ hatte sich, wie wir wissen, unter Christian V. kräftig entwickelt und im letzten Kriege bewährt; dieser König ließ ihr bis zu seinem Tode (1699) die gleiche Pflege zu teil werden. 1700 war der Schiffsbestand: 33 Linienschiffe -- 1 zu 110 Kanonen, 7 zu 80-100, 11 zu 60-78, 14 zu 48-56 --, 9 Fregatten und 33 kleinere Fahrzeuge. Auch für die Ausbildung der Offiziere und Mannschaft wurde gesorgt. Der Nachfolger, Friedrich IV., verstärkte die Flotte weiter, beim Ausbruch des Krieges 1710 zählte sie 41 Linienschiffe; die nützliche Einrichtung der Defensionsschiffe hatte der König 1701, auf Drängen Hollands, leider aufgeben müssen.

$Die schwedische Marine$ hatte sich unter Karl XI. von den Folgen des Krieges erholt, sie war eigentlich durch den Grafen Wachtmeister seit 1680 neu geschaffen. Die Hauptflottenstation war nach Karlskrona verlegt, hier hatte man große Werften eingerichtet. Von 1679-1709 wurden in Stockholm, Kalmar, Riga und Karlskrona 37 Linienschiffe erbaut; das im letzten Kriege sehr minderwertige Offizierkorps wurde reorganisiert. 1700 erschienen vor Kopenhagen 36 Linienschiffe -- 1 zu 108 Kanonen, 6 zu 80-90, 29 zu 50-80; 1710 zählte die Marine 48 Linienschiffe und 7 Fregatten.

Der Nordische Krieg schädigte beide Marinen ungemein. 1720 war =die dänische Flotte=, trotz Neubauten und Einstellung genommener schwedischer Schiffe, auf 25 Linienschiffe (10 Fregatten, 31 Fahrzeuge) zusammengeschmolzen und diese befanden sich in schlechtem Zustande. Infolge der Erschöpfung des Landes ging der Bestand an brauchbarem Material in den nächsten Jahren noch mehr zurück. Als sich unter Christian VI. der Handel wieder hob, erreichte die Marine wieder den Stand einer mittleren Marine damaliger Zeit; 1746 waren 29 Linienschiffe, 10 Fregatten und 34 kleinere Fahrzeuge vorhanden. =Die schwedische Flotte= zählte 1720 überhaupt nur 33 Segel, die bei weitem nicht sämtlich Linienschiffe waren, und auch hier ging der Ersatz nur langsam vor sich. 1734 besaß Schweden 22 Linienschiffe, 8 Fregatten und Brigantinen, 11 Spezialschiffe und 18 Galeren. Die Erfolge der Russen mit Ruderfahrzeugen der letzten Art hatten gezeigt, daß eine Schärenküste nur mit Schärenfahrzeugen verteidigt werden könne, aber erst 1756 wurden die Mittel zum Bau einer größeren Zahl bewilligt (1788 waren 170 Galeren und ähnliche Fahrzeuge vorhanden).

$Die russische Marine$ wurde erst von Peter dem Großen (1689-1725) gegründet. Von der Ostsee, nach der es stets gestrebt, seit 1617 wieder vertrieben, stand Rußland nur durch Archangel mit Europa zur See in Verbindung, doch lag der Seehandel hier in fremden Händen. Frühere Versuche, eine russische Schiffahrt zu gründen, waren fehlgeschlagen, ebenso das Bestreben, auf friedlichem Wege von Kurland einen Hafen an der Ostsee zu erhalten. Peter betätigte nun von frühester Jugend an sein Interesse für die Schiffahrt, zunächst richtete er sein Augenmerk neben dem Weißen Meer auf das Schwarze. 1695 gründete er in Woronesch am Don, in der Nachbarschaft ungeheuerer Eichenwaldungen, eine Bauwerft für seetüchtige Fahrzeuge; 1696 baute er in dem von den Türken eroberten Asow Hafenanlagen und Magazine, um die Schiffe hier auszurüsten und zu stationieren. Er plante eine Flotte von 60 Linienschiffen für das Schwarze Meer. Der Ausbruch des Krieges im Norden 1700 zwang ihn aber, diese Unternehmung ruhen zu lassen, auch ging 1711 Asow wieder verloren.

Bald nach Beginn des Krieges faßte er jedoch an der Newa Fuß, gründete 1703 St. Petersburg und ging, um von hier aus weiter an der Küste vorzudringen, an die Schaffung einer $Ostseeflotte$. Anfangs zwar wurde nur wenig Tatkraft entwickelt; noch hielt Peter wohl seine Stellung hier nicht für sicher genug, um kostspielige Aufwendungen zu machen, aber nach der Niederlage Karls XII. bei Pultawa (1709) nahm er den Ausbau der Marine ernstlich in Angriff. In St. Petersburg wurde eine große Bauwerft geschaffen; Kronstadt auf der Insel Kotlin, mächtig befestigt und noch gesichert durch die gewaltige Bastion von Kronslot quer vor der Einfahrt, wurde der Ausrüstungs- und Hauptkriegshafen; bald (1713) trat Reval als zweiter Stützpunkt hinzu. Die Zahl der Schiffe wuchs schnell. Während 1710 nur 2 Schiffe zu 50 Kanonen und 5 zu 14-32 vorhanden waren, erscheinen:

Schiffe zu 90 80 70 60-64 50-54 48-36 14-32 K. -----+------ | 1714 bei Reval vereint -- -- 1 2 10 10 1718 in Tätigkeit -- -- 4 7 9 -- 7 1721 seefähig 4 1 4 8 7 5 eine große 1722 " 6 1 5 8 6 6 Anzahl

Anfangs wurden die Schiffe aus dem Auslande bezogen, bald aber auch in Rußland gebaut und zuletzt ausschließlich; von 1710-1724 kamen auf 30 gekaufte 41 gebaute. Ein englischer Seeoffizier, zu dieser Zeit in russischen Diensten, lobt Bau und Ausrüstung der Schiffe, für die nur Erzeugnisse des eigenen Landes verwendet wurden. Rußland besaß alles nötige Rohmaterial, nur der Transport aus dem Innern war schwierig und kostspielig. Die Kosten wurden noch ungemein erhöht, weil geschulte Kräfte aus dem Auslande zur Bearbeitung des Rohmaterials herangezogen werden mußten, wie denn auch Ausländer, besonders Engländer und Holländer, die Hafen-, Werft- und Schiffsbauten leiteten.

Noch vor dieser Hochseeflotte schuf Peter $eine Galerenflotte$ für die Eroberung Finnlands. Die flachgehenden Ruderschiffe konnten sich über alle Untiefen zwischen dem Gewirr von Klippen und Inseln der Schärenküste durchwinden, wo ihnen kein Kriegsschiff zu folgen vermochte; über schmale Landzungen konnten diese leicht aus Fichtenholz gebauten Fahrzeuge hinweggetragen werden; nach dem offenen Meere zu wurden sie durch die mitsegelnde Hochseeflotte gedeckt. Der Galerenflotte mehr als der Hochseeflotte sind die Erfolge im Kriege, nämlich die Eroberung Finnlands usw. und die Angriffe in Schweden, zuzuschreiben.

Schwieriger als =die Beschaffung= des Materials war die =des Personals=, das russische Volk stand der See völlig fremd und abgeneigt gegenüber. Es war nötig, viele Ausländer anzuwerben, doch gelang es bald, die Schiffe wenigstens überwiegend mit Eingeborenen zu bemannen. Den =Ersatz= nahm man zunächst aus den Gebieten an der Küste, an den großen Seen und Flüssen. Bevorzugt wurden sonst, weil bildungsfähiger, Minderjährige, Matrosen- und Soldatenkinder, sowie junge Tataren ihrer Behendigkeit halber. Sogenannte Navigatorenschulen wurden gegründet, deren Zöglinge man nach der Entlassung zur weiteren Ausbildung auf Kauffahrteischiffe schickte. Ganze Regimenter Landsoldaten wurden zu Seesoldaten befohlen; die Bemannung der Schiffe war um 1/5-1/4 stärker als die englischer von gleichem Range.

=Das Offizierkorps= war noch viel stärker mit Fremden durchsetzt. 1715 waren fast sämtliche Offiziere Ausländer und nur einige in fremdem Dienst herangebildete Russen. Noch 1724 zeigt eine Liste der höheren Offiziere unter 82 Namen nur 19 Russen gegen 23 Engländer, 17 Dänen, 13 Holländer und 5 Deutsche, doch schritt auch hier die Russifizierung fort. Zur artilleristischen Ausbildung wurde eine große Anzahl Russen nach Berlin kommandiert, sie bildeten dann ein eigenes Korps der Bombardiere und wurden nach Bedarf an Bord verwendet. Auch eine Seeakademie wurde gegründet, sie zählte 1716 300 junge Edelleute als Schüler. Das Seeoffizierkorps war, wie die Marine überhaupt, besser besoldet als das der Armee. =Die Galerenflotte= hatte ein eigenes Offizierkorps, es war stark mit Südländern vermischt und wurde vom Seeoffizierkorps als minderwertig angesehen. Fremdartigkeit in Sprache und Sitten seiner Angehörigen, unter denen halbbarbarische Elemente vertreten waren, mag dazu beigetragen haben, aber auch die Roheit und Grausamkeit, die sie im schwedischen Feldzuge gezeigt haben.

Peter der Große hatte sich die Aufgabe gestellt, eine Flotte von 40 jederzeit kampfbereiten Linienschiffen zu schaffen, mit der er der dänischen und der schwedischen Flotte, die nur kurze Zeit im letzten Kriege je über 30 besaßen, überlegen gewesen wäre. Er hat dieses Ziel zwar nicht erreicht -- bei seinem Tode zählte die Marine 27 Linienschiffe, von denen 3 unbrauchbar und 9 gebrechlich waren, sowie 6 Neubauten --, aber er stand doch den geschwächten Nebenbuhlern gleich. Nach Beendigung des Krieges wurde durch Friedensübungen, im einzelnen und in Geschwadern, die Schlagfertigkeit der Flotte weiter gepflegt. Freilich sagt der schon angezogene englische Seeoffizier von seinen russischen Kameraden: »Fremde tuen gut, ihnen aus dem Wege zu gehen. Bei gutem Wetter kennt ihre Überhebung keine Grenzen, wenn sie aber bei schlechtem Wetter Dienst tun sollen, stellen sie sich krank. In der Stunde der Gefahr versagt ihnen Mut und Tatkraft.« Wie weit dies Urteil zutreffend war oder auf Abneigung beruhte, muß dahingestellt bleiben.

$Der Verlauf des Krieges.$ In Schweden war 1697 König Karl XI. gestorben und Karl XII. hatte mit nur 15 Jahren den Thron bestiegen. Die Nachbarn hielten die Gelegenheit für günstig, sich auf Kosten Schwedens auszubreiten: Peter der Große wollte Esthland erobern, um an die Ostsee zu gelangen; August II., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, wollte Livland für Polen zurückgewinnen; Friedrich IV. von Dänemark wollte den Teil Schleswig-Holsteins, der noch im Besitz der Linie Holstein-Gottorp war, wieder mit Dänemark vereinigen; diese Linie war aber seit langem mit Schweden verwandt, auch der augenblickliche Herzog war ein Schwager und Freund Karls XII. Die drei Monarchen verbanden sich 1700 zu einem Angriffskriege und fielen in die von ihnen begehrten Länder ein, aber der junge Schwedenkönig zeigte eine unerwartete Tatkraft.

=Karl= XII. warf sich zunächst nur gegen Dänemark, um sich für den Kampf im Osten den Rücken freizumachen, da die dänische Flotte seine Verbindungen mit den anderen Kriegsschauplätzen gefährdete. Mit Unterstützung einer englisch-holländischen Flotte bedrohte er Kopenhagen zu Wasser wie zu Lande und zwang Friedrich IV. in wenigen Wochen zum Frieden (Travendal, 18. August 1700).

$England und Holland$ nahmen in Hinblick auf das Gleichgewicht in der Ostsee wie stets bisher die Partei der gefährdeteren Seemacht, sie waren auch die Bürgen des letzten Vergleichs zwischen Dänemark und dem Hause Gottorp. Sie sandten Ende Mai eine gemeinsame Flotte, 11 englische und 13 holländische Linienschiffe, einige Fregatten, 3 Mörserboote, unter den Admiralen =Rooke= und =de Almonde= zur Ostsee. Der Befehl lautete, den eigenen Handel zu schützen und die Interessen des Herzogs von Holstein wahrzunehmen; es war erlaubt, zu diesem Zweck schwedische Truppen nach Holstein zu führen, nicht aber angriffsweise vorzugehen, sondern nur Gewalt mit Gewalt zu erwidern. Die Flotte traf am 19. Juni vor Gothenburg ein, segelte zur Vereinigung mit den Schweden weiter, ging dann aber vor dem Sunde zu Anker, weil die 33 Linienschiffe starke dänische Flotte zwischen Kronburg und Hven lag. Hier wollte man abwarten, ob die Schweden vom Süden herankämen und die Dänen zum Rückzug auf Kopenhagen nötigten, oder ob die Vereinigung im Großen Belt stattfinden solle.

Am 7. Juli ging die dänische Flotte nach Kopenhagen und die Vereinigung der Engländer und Holländer mit den Schweden fand bei Landskrona statt. Die schwedische Flotte unter Graf Wachtmeister zählte 29 Linienschiffe, einige Fregatten sowie ein Mörserboot; 6 schwere Schiffe hatte man wegen ihres Tiefganges südlich von Kopenhagen gelassen. 2000 Mann waren eingeschifft, weitere Truppen standen in Landskrona bereit.

Man beabsichtigte, Kopenhagen von See aus einzuschließen und die feindlichen Schiffe mit Fregatten und Brandern anzugreifen oder sie zu beschießen, falls sie sich in den Hafen zurückgezogen hätten. Am 20. Juli ankerte die Flotte vor der Stadt. Die Dänen hatten die meisten Schiffe möglichst nahe unter Land gelegt, den Rest auf der inneren Rhede durch Balkensperren gegen Brander geschützt. Diese Schiffe wurden von den Mörserbooten während der Nacht beschossen, aber nachdem etwa 100 Bomben und Brandgeschosse ohne Erfolg geworfen waren, zog man sich aus dem heftigen feindlichen Feuer zurück. Man beschloß nun, die Landungstruppen zu holen, und die Schiffe im Hafen sowie die Stadt vom Norden der Insel Amager her zu beschießen. In der Nacht vom 26./27. wurden etwa 150 Geschosse verfeuert, jedoch mit ebensowenig Erfolg. Es ging damals das Gerücht, daß die Angreifer, insbesondere die Engländer und Holländer, mehr im Auge gehabt hätten einzuschüchtern, als zu schädigen. Dagegen trafen am 2. August, gedeckt durch schwedische Kriegsschiffe, die Truppen von Landskrona ein und wurden nach Vertreiben einiger dänischer Fregatten mit Hilfe der Boote der ganzen Flotte noch am selben Tage nördlich von der Stadt gelandet; Karl XII. führte die seinen, als erster mit dem Degen in der Faust aus dem Boote ins seichte Wasser springend. Durch ungünstiges Wetter verzögert, wurden die Geschütze und das Belagerungsmaterial erst einige Tage später ausgeschifft. So von See und Land bedroht, schloß Friedrich IV. Frieden.

Die Regierungen Englands und Hollands waren mit dem Vorgehen ihrer Admirale nicht einverstanden; diese hatten ja auch ihre Weisungen überschritten. Es kam sofort der Befehl, sich künftig streng an diese zu halten. Wie früher in ähnlichen Lagen, wünschte man keine zu großen Erfolge Schwedens. Wilhelm III. schrieb an Heinsius: »Dieser Erfolg, fürchte ich, wird den König von Schweden so groß machen, daß wir genügend zu tun haben werden, ihn wieder klein zu bekommen.« Auch fürchtete man, daß durch Einschreiten Frankreichs zugunsten Dänemarks ein allgemeiner Krieg entstehen würde.

Die Admirale erhielten diesen Befehl bei Hven sowie die Weisung, nach Friedensschluß heimzukommen. Sie blieben aber länger liegen, um den Rücktransport der schwedischen Truppen abzuwarten, weil auch die dänische Flotte wieder in den Sund gekommen und bei dem Haß zwischen den nordischen Völkern ein Zusammenstoß mit den Schweden nicht ausgeschlossen war. Am 8. September ging Karl XII. mit Flotte und Truppen nach Schweden zurück.

Karl XII. wandte sich nun gegen seine Gegner im Osten, und es folgen einige Jahre (bis 1709), in denen die Kriegführung zur See nicht hervortritt; sie seien deshalb nur kurz geschildert. Karl landete mit 20000 Mann bei Pernau (Busen von Riga) und warf sich, da das polnisch-sächsische Heer vor ihm zurückwich, zunächst auf die Russen, die er mit 8000 Mann gegen 40000 bei Narva (20. November 1700) vernichtend schlug. Dann trug er bei Riga (12. Juli 1701) einen Sieg über die Sachsen und Polen davon und hätte jetzt einen günstigen Frieden erzwingen können. Er drang jedoch weiter vor, eroberte durch verschiedene siegreiche Schlachten ganz Polen, ließ in Warschau (2. Juli 1704) Stanislaus Leszczynski zum König wählen und verfolgte August II. bis nach Sachsen. Hier endlich schloß er Frieden (Altranstädt, 24. September 1706); August verzichtete auf den polnischen Thron und entsagte jeder Verbindung mit den Gegnern Schwedens.

Die mißachtende Vernachlässigung der Russen nach dem glänzenden Siege bei Narva wurde Karls Verderben; Peter nutzte diese Jahre aus. Er reorganisierte sein Heer mit Hilfe deutscher Generale, setzte sich in Ingermanland fest und gründete St. Petersburg; die schwachen schwedischen Truppen in Livland konnten dies nicht hindern. So fand Karl später einen kräftigen Gegner vor und Schweden hatte nicht mehr allein mit der dänischen Marine sondern auch mit der russischen zu rechnen.

Bis 1708 blieb Karl in Sachsen stehen, um sein Heer wieder schlagfertig zu machen und zu verstärken; Peter drängte inzwischen die Schweden in Esthland und Livland weiter zurück und verwüstete Polen, um einen Vormarsch Karls gegen Rußland zu erschweren. Endlich brach dieser mit 40000 Mann auf, schlug hinter der Beresina einen russischen Heeresteil (14. August) und überschritt den Dnjepr, um gegen Moskau zu ziehen; eine Verstärkung von 12000 Mann unter Lewenhaupt wartete er nicht ab. Bei Smolensk wandte er sich aber nach der Ukräne, wo ihm der Hetman Mazeppa die ganze Heeresmacht der Kasaken zuzuführen verheißen hatte. Die Aufwiegelung dieser schlug fehl und Lewenhaupt konnte dem König nur 6000 Mann bringen, weil er auf dem Anmarsch schwer geschlagen worden war und seine ganze Bagage verloren hatte. Die Russen wichen beständig aus, das Heer litt ungemein unter Hunger und Kälte; Karl drang zwar bis =Pultawa= vor und belagerte die Stadt vom Mai 1709 an, wurde dann aber am 8. Juli durch den mit Übermacht heranrückenden Peter vernichtend geschlagen. Der Rest der Schweden, nur 14000 Mann, mußte sich ergeben, Karl floh in die Türkei.

Hier reizte Karl den Sultan gegen Rußland auf, er selber wollte das Heer führen. Aber erst 1711 erklärte der Sultan den Krieg, und wenn auch Peter durch den Großvezier geschlagen wurde (9. August 1711), so gelang es ihm doch, durch Bestechung und Abtretung Asows den Frieden wieder herbeizuführen. Karl blieb bis 1714 in der Türkei; er entschloß sich erst zur Rückkehr, als er einsah, daß er hier keine Hilfe zu erwarten habe und als die Nachrichten aus dem Norden immer schlechter wurden. Nach sechzehntägigem Ritt durch Österreich, Süd- und Westdeutschland traf er mit 2 Offizieren am 22. November 1714 in Stralsund ein.

=Peter der Große= bemächtigte sich in den Jahren 1709 und 1710 ganz Esthlands und Livlands und ging an den Ausbau einer Ostseeflotte. Auch die andern Gegner Schwedens regten sich wieder. August II. vertrieb Leszczynski, Friedrich IV. besetzte Schleswig und versuchte, in Schonen Fuß zu fassen (vergeblich). Inzwischen verabredeten die Seemächte mit dem Kaiser einen Waffenstillstand für die schwedisch-deutschen Lande (Pommern, Bremen-Verden, Stade) und Dänemark, Sachsen sowie die schwedischen Stände traten auch bei (Haager Conzert, 31. März 1710), da aber Karl XII. Einspruch erhob und die erstgenannten Mächte nicht tätlich eingriffen, nahm der Krieg seinen Fortgang.

Jetzt griff die Kriegführung zur See wieder ein. Die Dänen eroberten Stade und Verden, die Sachsen und Russen nahmen Schwedisch-Pommern außer Stralsund und Wismar (1712). Das schon erschöpfte Schweden raffte sich noch einmal auf. General =Stenbock= besiegte mit 12000 Mann die Dänen bei Gadebusch (Mecklenburg-Schwerin; 20. Dezember 1712) und drang in Schleswig-Holstein ein, wurde aber bei Tönning durch die Übermacht der Verbündeten zur Kapitulation gezwungen (Mai 1713). Schweden sah sich genötigt, mit Preußen einen Vertrag abzuschließen, wonach dessen Truppen Pommern von der Peene bis zur Oder in Sequestration nahmen. Peter war bereit, dieses Land gegen eine Kriegsentschädigung zu räumen. Rußland war 1714 bis Abo vorgedrungen; Kurland hatte Peter durch Anheiratung an sein Haus gewonnen.

Jetzt kam =Karl= XII. zurück. Er erkannte den Vertrag mit Preußen nicht an, forderte Pommern zurück und vertrieb die preußischen Truppen aus Usedom und Wollin. Infolgedessen erklärte auch dieser Staat den Krieg und verband sich mit Rußland und Sachsen; Hannover trat dem Bunde bei, um sich die von Dänemark gekauften schwedischen Gebiete (Bremen-Verden; Stade) zu sichern. Die vereinten Truppen belagerten unter =Leopold von Dessau= Stralsund; Karl XII. verteidigte die Stadt mehrere Monate und ging erst kurz vor dem Fall (23. Dezember 1715) nach Schweden; im April 1716 mußte auch Wismar kapitulieren. =Schweden hatte seinen ganzen überseeischen Besitz verloren.=

$Die Beteiligung der Seestreitkräfte.$ Die Aufgabe der dänischen Marine war zunächst nicht leicht; 1710 standen ihren 41 Linienschiffen 48 schwedische gegenüber. Sie sollte die Verbindungen Schwedens mit seinen festländischen Besitzungen unterbinden, die Operationen der Verbündeten unterstützen und den eigenen Handel gegen zahlreiche und kühne schwedische Freibeuter schützen. Dennoch hat sie einige wirksame Erfolge zu verzeichnen; es kamen ihr allerdings günstige Umstände zu statten. Als General Stenbock 1712 mit seinem Heere auf 130 Transportschiffen nach Rügen übergeführt wurde, geleitete ihn Graf Wachtmeister mit der ganzen Schlachtflotte; kurz nach der Landung vernichtete die dänische Flotte über 90 der Transporter, Wachtmeister mußte dagegen wegen einer schweren Seuche an Bord der Schiffe schleunigst nach Karlskrona zurückkehren und abrüsten. Als dann Stenbock 1713 in die Enge getrieben war, konnte die dänische Flotte ihm den Seeweg versperren.

Von 1715 an mußte Schweden einen Teil seiner Seestreitkräfte gegen Rußland werfen und seine Marine war durch Geld- und Mannschaftsmangel geschwächt. Nun wuchs die Bedeutung der dänischen Flotte; in zwei Gefechten, an der holsteinischen Küste (28. Juli) und bei Rügen (8. August 1715), wies sie die schwedische zurück. Durch das zweite Seegefecht hinderte sie die Aufhebung der Blockade und den Entsatz Stralsunds. Sie ermöglichte dann durch Vernichtung der kleinen Schiffe im Hafen den Übergang nach Rügen, wodurch die Übergabe der Festung erzwungen wurde. 1716 trug sie mittels strenger Blockade zur Einnahme Wismars bei.

Ebenso unglücklich war die schwedische Flotte den Russen gegenüber. Sie konnte die allmähliche Eroberung der Südküste Finnlands nicht hindern. Die russische Schärenflotte zog von Distrikt zu Distrikt und die von ihr losgelassenen Truppen verwüsteten das Land; =1713= fiel Helsingfors. Als die Eroberung so bis zum Ausgange des finnischen Meerbusens vorgedrungen war, stand gerade die russische Hochseeflotte stark genug da, um die Schärenflotte zu decken und zu unterstützen. =1715= schlug =Generaladmiral Apraxin=, unter dem Peter selber als Kontreadmiral diente, die Schweden unter Ehrenskjöld bei =Hangö-Udd=, wobei sich die Galeren in den engen Gewässern von größtem Nutzen zeigten. Er bahnte sich dadurch den Weg nach Abo, den Alands-Inseln und der Küste Finnlands am Bottnischen Busen, die Plünderungszüge dehnten sich nun bis zu diesen aus. Von =1716= an lag die schwedische Flotte infolge Geldmangels unausgerüstet in Karlskrona. Angstvoll war sie eines Angriffs der Dänen gewärtig, die die Küsten Schwedens blockierten und den Handel völlig unterbanden.

Von 1716-1718 versuchte =Karl= XII. in drei Feldzügen Norwegen zu erobern; ihm kam dabei zu statten, daß seine Gegner uneinig wurden. Peter vermählte eine Nichte mit dem Herzog von Mecklenburg und ließ sein Heer in diesem Lande stehen, dies machte die Verbündeten stutzig; auch begannen Verhandlungen zwischen Peter und Karl behufs eines Bündnisses auf Kosten der anderen Staaten (wir verweisen auf den Plan Alberonis S. 578), der Zar führte deshalb einen schon vorbereiteten Einfall in Schonen nicht aus. Der hartnäckige Widerstand der norwegischen Bevölkerung, die schwierigen Verhältnisse des Landes und des Klimas und der schlechte Zustand des schwedischen Heeres ließen jedoch Karl keine Fortschritte machen. Er fiel am 11. Dezember 1718 vor Friedrichshall.

Auch in diesen Jahren war die $dänische Marine$ von Wichtigkeit. =Tordenskiold= vernichtete mit nur wenig Schiffen im Hafen von Dynekil (8. Juli 1716) die Transportflotte, die alles, was Schweden mit Mühe an Truppen und Kriegsmaterial hatte aufbringen können, zur Belagerung Friedrichshalls bringen sollte. Die schwedische Flotte wurde im allgemeinen weiter in den Häfen festgehalten, die russische Marine beteiligte sich jetzt an der Blockade; sie war soweit gewachsen, daß Peter 1716 zu der erwähnten Landung in Schonen mit 17 Linienschiffen, zahlreichen Galeren und Truppentransportschiffen in Kopenhagen erscheinen konnte. 1719 eroberte Tordenskiold die Insel Marstrand und vernichtete ein schwedisches Geschwader, das mit Erfolg gegen den dänischen Handel aufgetreten war.

=Ulrike Eleonore=, die Nachfolgerin Karls, schloß 1719 Frieden mit Hannover, Polen und Preußen (Stockholm, 20. November) und 1720 mit Dänemark (Friedrichsborg, 13. Juli), brach aber Verhandlungen mit Peter ab. Jetzt griffen die Russen Schweden selber an, verwüsteten 1719-1721 mit immer stärkeren Heeren die Küsten und erzwangen so den Frieden von Nystadt (10. September 1721).

1719 führte =Apraxin= mit 130-150 Galeren sowie zahlreichen Transportern 30000-40000 Mann an die Küste nördlich von Stockholm; 8 Ortschaften, 141 Adelssitze, 1361 Höfe, 2 Kupferminen wurden zerstört, Wälder verbrannt, um die darin liegenden Minen zu vernichten, 80000 Eisenbarren ins Meer versenkt, gegen 100000 Stücke Vieh getötet. 1720 hausten die Russen, auf Abo, Helsingfors und Wiborg gestützt, ähnlich an der Küste von Westerbotten; ein schwedisches Geschwader wurde zurückgeschlagen. 1721 ward Norrland verwüstet. Daß Stockholm von einem Angriff bewahrt blieb, ist nur dem Auftreten einer englischen Flotte zu verdanken; England schränkte überhaupt in den Jahren 1719-1721 die Tätigkeit der russischen Hochseeflotte etwas ein und machte es so der schwedischen möglich, sich wieder zu zeigen.

$Die Haltung Englands und Hollands im Nordischen Kriege.$ Wie vor Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges, um 1700 beim ersten Zusammenstoß Schwedens und Dänemarks, so wandten diese Staaten auch nach seiner Beendigung ihr Augenmerk auf ihre Interessen in der Ostsee; besonders England zeigte hier seine Macht auf dem Meere und trug zum Friedenschluß bei.

In den Jahren 1715-1718 traten sie gemeinsam zum Schutze ihres Handels auf, weil Schweden, Dänen und Russen die Neutralität nicht unbedingt beachteten; das Verhältnis zu Schweden wurde bald zu einer Art Kriegszustand. Da Rußland von England und Holland Schiffe, Mannschaften und Kriegsbedarf jeder Art bezog, griff Schweden, besonders seit 1710, den Handel dieser Länder planmäßig mit Kriegsschiffen und Freibeutern an; die Handelsschiffe wurden nicht nur auf Kriegskontrebande untersucht, sondern überhaupt aufgebracht. Die Seemächte sandten deshalb in jedem dieser Jahre eine gemeinsame Flotte in die Ostsee, die im Vereine mit den dänischen und russischen Kräften die Schweden in ihren Häfen festhielten, Freibeuter aufbrachten und Convois geleiteten. Der König von England war ja als Kurfürst von Hannover mit Schweden im Kriege, doch hatte das englische Volk hierfür zunächst kein Interesse, als aber die Umtriebe Karls XII. zugunsten Jakobs III. bekannt wurden, gab es seine Einwilligung zu ernsterem Vorgehen.

Nach dem Tode Karls änderte sich die Lage gänzlich. Schweden belästigte den Handel nicht weiter, Holland brauchte keine Schiffe mehr zu senden. Eine englische Flotte aber trat in jedem der letzten Jahre zugunsten der Schweden auf, indem sie die russische Hochseeflotte in Reval festhielt. Jetzt lag es im Interesse Englands, Peters Erfolge einzuschränken und die russische Seemacht nicht zu sehr wachsen zu lassen.

=Die Operationen zur See=: 1715 deckte =Admiral Norris= mit 20 englischen und 12 holländischen Linienschiffen die Hin- und Rückreise des Ostsee-Sommerconvois. 1716 kam er mit ähnlicher Stärke, Holland hatte wegen Geldmangels nur 6 Schiffe gestellt. Als er auf das Verlangen einer bündigen Erklärung, ob die Schifffahrt jetzt sicher sei, von Stockholm eine unbestimmte Antwort erhielt, gab er zu erkennen, daß er nötigenfalls feindselig auftreten werde. Er verband sich mit den Dänen und Russen in Kopenhagen, die dort für den Einfall in Schonen bereit lagen. (Anderseits, so wird gesagt, wirkte England aber auch dahin, daß Peter dieses Unternehmen aufgab.) Der Zar selber führte die vereinigte Macht nach Bornholm. Von hier aus wurden einzelne Schiffe gegen schwedische Kreuzer entsandt, die Kauffahrer nach ihren Bestimmungshäfen geleitet und im Herbst wieder heimgeführt; die schwedische Flotte konnte natürlich Karlskrona nicht verlassen. Genau so, nur ohne die Russen, verliefen die Jahre 1717, =Admiral Byng=, und 1718, wieder Norris. 1717 war Holland nicht imstande, Schiffe zu stellen. Es gingen dann auch nur 300 anstatt wie sonst 500 holländische Kauffahrer in die Ostsee, und 1718 sandte man deshalb mit Aufbietung aller Kräfte wieder 12 Kriegsschiffe.

=1719= vereinigte sich =Norris= im September mit den Schweden und trieb die russische Hochseeflotte nach Reval; 1720 und 1721 hielten Norris und Wachtmeister die Russen den ganzen Sommer über in diesem Hafen fest.

=England und Frankreich vermittelten den Frieden.= Beide wünschten nicht, daß Schweden niedergeschlagen und die Ostsee ein russisches Meer würde; es war dies besonders für England wichtig, da seine Marine auf die von dort bezogenen Schiffsbedürfnisse angewiesen war. Die Franzosen schreiben ihrer Diplomatie den Haupteinfluß zu; sie behaupten auch, daß England Schweden nur schwach unterstützt habe, weil es die Ostseeprovinzen zu Nutzen seines Handels gern in Rußlands Händen sah. Dies mag zutreffen; die englische Flotte hinderte die Verwüstung Schwedens nicht, sie trat nur demonstrativ auf und hat, abgesehen von dem Einschreiten gegen Kreuzer in den ersten Jahren, bei allen Operationen kaum einen Schuß abgegeben. Aber der Druck der englischen Seemacht hat ohne Frage wesentlich dazu beigetragen, Rußland zum Frieden geneigt zu machen. Peter erkannte das zielbewußte Vorgehen der Engländer, sah sie vor seiner eigenen Tür und mußte für seine junge Flotte eine Wiederholung des Schauspieles vom Cap Passaro fürchten.

Venedig und die Türken.

Im Anfange des 18. Jahrh. fanden in einem letzten Kriege auch die langen Kämpfe zwischen der Republik Venedig und dem osmanischen Reiche um die Besitzungen im Ostmittelmeer ihr Ende. Im vorigen Abschnitte (Seite 109) ist gesagt, daß Venedig mit dem Verluste von =Cypern= (1573) schon nahezu aus dem Ostmittelmeer verdrängt war und daß es von da an langsam aber stetig von seiner Großmachtstellung herabstieg. Es ist aber auch erwähnt worden, daß um diese Zeit die Seemacht des osmanischen Reiches gleichfalls ihre höchste Blüte erreicht hatte. Ihrem Vordringen im Westmittelmeer war durch das Abschlagen der Angriffe auf Malta und Korfu (1565) sowie durch die Schlacht bei Lepanto (1571) ein Ende gemacht worden. Im Ostmittelmeer setzten die Türken jedoch von der Mitte des 17. Jahrh. bis 1718 in drei Kriegen gegen Venedig ihre Eroberungen fort.[281]

[281] Hinweis auf diese Kriege siehe Seite 247, 319, 409. Hauptquellen: du Sein: »The Ship«.

$1645$ warfen sie mit einer großen Flotte ein Heer nach $Kreta$, nahmen =Canea= sowie =Retimo= und belagerten =Candia=. Das Bestreben Venedigs, der Insel Unterstützung zu bringen, führte zu einem langen Kampfe um die Seeherrschaft. Mit wechselndem Erfolge wurde gefochten, mehrfach blockierten die Venetianer die Dardanellen, viele Seegefechte fanden statt (z. B. 1656 eine große Niederlage der Türken vor den Dardanellen), aber keine Partei gewann dauernd die Überhand. Zeitweise erhielt Venedig Unterstützung durch Spanien, die Malteserritter, Genua oder den Papst, und als Candia nach heldenmütiger Verteidigung zu fallen drohte, sandte Frankreich eine Flotte mit Landungstruppen. Aber diese Expedition (ihre Stärke vgl. Seite 319) blieb erfolglos, die Stadt fiel im September 1669.

Die Truppen wurden unbehindert in die Stadt geworfen (Mitte Juni). In einem bald darauf unternommenen Ausfall trieb man zuerst die Türken in ihre Befestigungen zurück, aber dann entstand durch Explosion eines Pulvermagazins Verwirrung unter den Franzosen, der Führer, Herzog von Beaufort, fiel und man mußte sich zurückziehen. Nachdem um Ende Juli die französischen Schiffe, im Verein mit venetianischen, malteser und päpstlichen Fahrzeugen, die türkischen Batterien ohne Erfolg beschossen hatten, wurden die Truppen wieder eingeschifft und das Unternehmen abgebrochen. Mangel an Vorräten, Uneinigkeit mit den Venetianern und endlich die vorgerückte Jahreszeit werden als Gründe des Mißerfolges angegeben.

Nach dem Falle der Hauptstadt eroberten die Türken bald die letzten festen Plätze der Insel und behielten sie im Besitz.

$1684-1699$ wurde $ein zweiter Krieg um Morea$ geführt. Als die Türken vor Wien abgeschlagen waren (Sobieski 1683) und in Ungarn hart bedrängt wurden, glaubte Venedig die Zeit zur Wiedergewinnung seiner verlorenen Besitzungen gekommen. Unterstützt durch deutsche Truppen und Malteserritter gelang es Morea, Ägina sowie einen Teil Dalmatiens zu erobern; Angriffe auf Euböa und Kreta schlugen dagegen fehl. Im Frieden von Karlowitz behielt Venedig die genommenen Länder.

Bei der Belagerung Athens durch die venetianische Flotte sprengte eine Bombe das Mittelteil des Parthenon, von den Türken als Pulvermagazin benutzt, in die Luft.

$1714$ griffen die Türken wieder an und bemächtigten sich leicht Moreas. Zwar trat 1716 Österreich auf seiten Venedigs und errang große Erfolge (Prinz Eugen: Peterwardein, Belgrad), aber den Venetianern gegenüber waren die Türken im Vorteil, besonders auch zur See. Sie behielten im Frieden von Passarowitz 1718 Morea endgültig. Der Republik Venedig verblieben nur das tapfer verteidigte Korfu und Dalmatien; sie war somit in ihren Besitzungen auf das Adriatische Meer beschränkt. Nach diesem letzten Kriege zog sich die Republik ganz zurück. Sie ließ sich auch durch den österreichisch-türkischen Krieg 1738-1740 nicht mehr aus einer Politik der bloßen Erhaltung des Besitzes und der Beschränkung auf den Schutz ihrer Handelsinteressen herauslocken. =Venedig zählte weder als Großmacht noch als Seemacht weiter mit.=

Aber $das osmanische Reich$ trat als Seemacht nicht an seine Stelle, selbst nicht im Ostmittelmeer. Die türkische Marine, im 16. Jahrh. im ganzen Mittelmeer gefürchtet, verlor mit dem Rückgang des Reiches stetig an Kraft und Bedeutung. Wir haben gesehen, daß die Türken weder imstande waren, ihren Einfluß auf die Barbareskenstaaten aufrecht zu erhalten, noch diese gegen die Angriffe der neuentstandenen Seemächte zu schützen, ja daß deren Flotten schon mit Erfolg im Ostmittelmeer auftraten.

Die Barbareskenstaaten 1715-1740.

Nach Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges trat an die Marinen der Westmächte wiederum die Aufgabe heran, ihren Handel gegen die Barbareskenstaaten zu schützen. So lange Jahr für Jahr starke englisch-holländische Flotten im Mittelmeer waren, hatten diese die Aufgabe mitübernommen und durch abgezweigte Geschwader gelegentlich Verträge erzwungen. Derartige Erfolge nützten aber, wie wir wissen, niemals auf längere Zeit, und so belästigten die Raubstaaten von 1715 an den holländischen Handel wiederum auf das ärgste. Sie hielten sich an einen Friedensvertrag von 1712 nicht gebunden, da $Holland$ die in diesem vereinbarte Auslösung von Sklaven nicht durchführte.[282] Bis 1720 wurden etwa 40 holländische Kauffahrer mit 900 Seeleuten und 6 Millionen Gulden Ladungswert abgefangen; die Raubstaaten hatten gegen 50 Schiffe, einige mit 40-50 Kanonen, im Dienst. Die Verhältnisse lagen in Holland so traurig, daß man sich zunächst darauf beschränken mußte, Freibeuter ausrüsten zu lassen und die alten, in den Kriegsjahren vernachlässigten Bestimmungen über die Armierung der Levantefahrer zum Selbstschutz wieder schärfer durchzuführen. Von 1718 an sandte man jährlich eine Division von 3-4 Kriegsschiffen und erst von 1722 an eine solche von 6-8, kleine Linienschiffe und schwere Fregatten, in die bedrohten Gewässer; diese führten denn auch 1725 einen Vertrag mit Algier und 1728 mit Tunis herbei. Doch hatte infolge der halben Maßregeln der Handel weitere große Verluste erlitten und Marokko war noch nicht zum Nachgeben gebracht. Dann wurden die Geschwader wieder kleiner, ja von 1732 an betätigte sich die Admiralität Amsterdam allein an dem Schutze gegen Marokko; dieser Staat ging erst 1746 auf einen Vertrag ein.

[282] So sagt de Jonge, und zwar »wegen Geldmangels« nicht durchführte. Diese Quelle gibt (Teil IV) wie früher genauere Schilderungen über die Kämpfe.

Auch $Frankreich$ entsandte während der Regentschaft und in den ersten Regierungsjahren Ludwigs XV. kleinere Geschwader, 1728 wurde Tripolis bombardiert; sie errangen gleichfalls nur zeitliche Erfolge.

$Englands$ Flagge scheint mehr geachtet gewesen zu sein; es waren wohl stets genügend Kriegsschiffe auf der Station. Jedenfalls war es ein Fehler, daß die drei Mächte, die während dieser Jahre in gutem Einvernehmen standen, sich nicht zur Unterdrückung des Seeraubes verbanden. Es scheint aber eher das Gegenteil der Fall gewesen zu sein, denn bei einer besonderen Gelegenheit klagen die Holländer, daß sich ein von ihnen verfolgtes Raubschiff in den Schutz englischer Kriegsschiffe geflüchtet habe.

Ein $Angriff Spaniens auf Gibraltar$ (1727) und der $Polnische Thronfolgekrieg$ (1733-1735) sollen im nächsten Kapitel (Seite 596/597) besprochen werden.

* * * * *

Elftes Kapitel.

Die Zeit von 1721-1739.

Übergang zum Abschnitt IV.

Die letzten Jahre unseres Abschnittes bringen keine Kriege, in denen die Seestreitkräfte eine Rolle spielen; in den ersten zwölf Jahren nach Beendigung des Nordischen Krieges herrschte überhaupt Friede. Dieser war jedoch sehr unsicher, überall lag Zündstoff für zukünftige Zusammenstöße angehäuft. Es genügt für unsere Zwecke, als Übergang zum nächsten Abschnitt die Hauptpunkte hervorzuheben und die geschichtlichen Ereignisse bis 1739, dem Ausbruch des nächsten großen Krieges, kurz zu schildern.

Spanien mußte unzufrieden mit den Bedingungen sein, die ihm die Quadrupel-Allianz 1720 aufgezwungen hatte. Sein Hauptkummer war, Neapel und Sicilien an Österreich, Gibraltar und Port Mahon an England verloren zu haben, sowie infolge des Assientovertrages durch den englischen Schmuggelhandel in Westindien schwer benachteiligt zu werden. In all diesem war England der Hauptfaktor, Spanien mußte in ihm seinen Hauptfeind sehen.

Der Kaiser Karl VI. hatte, weil ohne männliche Nachkommen, unter dem Titel »=Pragmatische Sanktion=« ein Erbfolgegesetz erlassen, nach dem bei Mangel an männlichen Nachkommen die zur österreichischen Monarchie gehörigen Länder nach dem Erstgeburtsrecht auf seine Töchter und ihre Nachkommen, oder weiter auf die Töchter Josephs I. vererbt werden sollten; er strebte nun dahin, für dieses Gesetz die Anerkennung der andern Staaten zu gewinnen. Bei England und Holland hatte er aber durch die Gründung einer ostindischen Handelskompagnie in Ostende großen Anstoß erregt. Diese Staaten waren ja stets bemüht gewesen, einen Wettbewerb der bisher spanischen, jetzt österreichischen Niederlande im Seehandel zu hindern; war doch z. B. in allen Friedensbedingungen die Sperrung der Schelde für den Handel stets aufrecht erhalten.

Endlich lag eine Gefahr für den allgemeinen Frieden in den polnischen Verhältnissen.

Die Interessen der einzelnen Staaten führten zu verschiedenen, mehrfach wechselnden Gruppierungen gegeneinander, die beständig den Frieden bedrohten. Wenn nun dieser dennoch so lange bestehen blieb, so war dies den leitenden Staatsmännern Frankreichs und Englands zu danken.

In =Frankreich= regierte tatsächlich seit dem Tode des Regenten und des Kardinals Dubois (1723) der =Kardinal Fleury=, der Lehrer und seit 1726 der Minister Ludwigs XV. Dieser wünschte den Frieden, vor allem im westlichen Europa, zu erhalten, um seinem Lande die Gelegenheit zur durchaus nötigen Erholung zu geben; vielleicht schreckte er auch infolge seines hohen Alters vor einem Kriege zurück. Unter seiner siebzehnjährigen milden Verwaltung blühte auch Frankreich wieder auf, insbesondere nahmen der Seehandel und die Kolonien großen Aufschwung.

Frankreichs finanzielle Lage war nach dem Frieden von Utrecht noch bedenklicher geworden. Kurz sei auf das berüchtigte $Wirken des Schotten Law$ hingewiesen, der sich anheischig gemacht hatte, die Staatsfinanzen zu heben: Er gründete 1716 eine Bank auf Aktien und knüpfte daran 1717 eine Handelskompagnie für Louisiana. Große Summen strömten herbei, da man dem Publikum vorgespiegelt hatte, das Tal des Mississippi berge noch größere Reichtümer als Peru. Nun wurden bedeutende Beträge an Papiergeld ausgegeben; es war nur darauf berechnet, den Leuten das bare Geld abzulocken, wurde doch sogar verfügt, daß niemand mehr als 500 Lire an Bargeld besitzen dürfe. Mit dieser Bank, seit 1718 Staatsbank unter Laws Leitung, und der neuen Kompagnie vereinigte man 1719 die beiden alten Kompagnien für Westafrika und Ostindien, nunmehr zusammen die »Compagnie des Indes«, auch wurde dem Institut die Pachtung der Staatssteuern überlassen. Der künstlich in die Höhe getriebene Wert der Aktien sank bald auf Null, das ganze Kartenhaus brach 1720 zusammen: Frankreich war verschuldeter als vorher.

Immerhin nahmen infolge des wachgerufenen Spekulationsgeistes und der augenblicklichen Fülle des Kapitals Handel und Industrie einen schnellen Aufschwung; die Spannkraft des Volkes, das nicht mehr durch den Krieg ausgesogen wurde und nicht mehr von der Welt abgeschnitten war, wirkte im gleichen Sinne. Seehandel und Kolonien hoben sich: Gegenüber 300 Handelsschiffen beim Tode Ludwigs XIV. zählte die französische Kauffahrteimarine 20 Jahre später 1800; in Westindien erlangte Frankreich das Übergewicht über England, französische Quellen behaupten das gleiche vom Mittelmeerhandel; in Ostindien wuchsen die Niederlassungen, Isle de Bourbon wurde eine reiche Ackerbaukolonie und Isle de France ein wichtiger maritimer Stützpunkt -- ein französisch-indisches Reich, wie jetzt das englische, schien im Entstehen (vgl. Kapitel XII).

Gewiß hat die milde, friedliche Regierung Fleurys alles dieses begünstigt; es ist aber doch fraglich, ob es ganz in seinem Sinne gelegen hat, er hätte dann doch wohl die Marine nicht verfallen lassen. Seine Politik blieb wie die Ludwigs XIV. auf den Kontinent gebannt; mit Recht sagen französische Autoren: »Die Regierung zog sich gerade in dem Augenblicke von der See zurück, wo das Volk Anstrengung machte, diese wieder zu gewinnen. Die verderblichen Folgen zeigten sich in den nächsten großen Seekriegen.«

=In England= leitete seit 1721 =Sir Robert Walpole= die Politik; auch sein Bestreben war, unter allen Umständen den Frieden zu erhalten. Ihn bestimmte, neben der Rücksicht auf friedliches Erstarken des Handels, der Umstand, daß die englische Thronfolge noch immer nicht endgültig geregelt schien, und auch wohl die Besorgnis, in kriegerischen Zeiten seine persönliche Macht zu verlieren.

Den Frieden zu erhalten wurde ihm leicht unter Georg I., der sich in auswärtige Dinge nur einmischte, wenn sie seine Interessen in Hannover berührten. Schwieriger war es unter dem kriegerischen Georg II., unter dem sich Walpole überhaupt zunächst nur durch den Einfluß der Königin halten konnte, bis er auch das Vertrauen des Königs gewonnen hatte. Es gelang ihm, den eigentlich schon ausgebrochenen Krieg mit Spanien (1727) schnell zu beenden und 1733 England vom Polnischen Thronfolgekrieg fernzuhalten. Sein Ehrgeiz schuf ihm viele Gegner und er hatte mit dem englischen Volke zu rechnen, das nicht zögerte, jede bedrohliche Nebenbuhlerschaft auf der See und im Handel zurückzuweisen. Einen Handelsstreit mit Spanien benützten endlich auch seine Gegner, ihn in einen Krieg hineinzuzwingen (1739), was dann bald (1742) seinen Rücktritt zur Folge hatte.

Durch sein finanzielles Geschick, seine friedliche und doch feste Politik führte er England zu glänzendem materiellen Aufschwung; diese Politik durchzuführen, ermöglichte ihm Englands Seemacht.

$1725 trat eine erste Bedrohung des Friedens auf.$ Österreich und Spanien schlossen ein Bündnis (Wiener Vertrag, 30. April 1725), wonach dieses die pragmatische Sanktion anerkannte und jenes sich dagegen verpflichtete, die Ansprüche Spaniens auf Gibraltar und Port Mahon, wenn nötig mit Waffengewalt, zu unterstützen; hiergegen verbanden sich (Herrenhausen, 3. September) England, Frankreich und Preußen (Preußen, um seine bedrohten Erbansprüche auf Jülich und Berg sicherzustellen). Rußland zeigte Neigung, mit Spanien-Österreich zu gehen, und auch Preußen wurde 1726 auf diese Seite gezogen, beide Staaten erkannten die pragmatische Sanktion an; dem Gegenbunde gelang es aber, Holland, gereizt durch die Gründung der Ostende-Kompagnie, sowie Dänemark und Schweden, beide Rußland fürchtend, zu gewinnen. Zum erklärten Kriege kam es nicht. Spanien versuchte, sich Gibraltars zu bemächtigen, jedoch die englische Flotte verhinderte es und wirkte auch sonst schon durch ihr Auftreten.

$England entsandte 1726 drei Geschwader:$

1. 9 Linienschiffe an die spanische Küste, die dort vom Juli bis zum Herbst kreuzten

2. 20 Linienschiffe unter Vizeadmiral Wager nach der Ostsee (April-November), um Dänemark und Schweden zu schützen; Rußland hatte eine starke Flotte unter Generaladmiral Apraxin in Kronstadt zusammengezogen. Mit Wager vereinigte sich ein dänisches Geschwader und mit Rücksicht auf diese Macht ließ sich Rußland bewegen, wieder abzurüsten. Es soll hier Neigung zum Waffengang vorhanden gewesen, aber dann dem Abraten des Vizeadmiral Gordon, eines Schotten, vom selbstmörderischen Kampfe gefolgt sein.

3. Ein Geschwader unter Vizeadmiral Hosier nach Westindien, mit den Kräften der dortigen Station 16 Kriegsschiffe stark. Dieses erschien Anfang Juni bei Porto Bello. Infolgedessen löschte die schon beladene Silberflotte wieder und die zur Begleitung bestimmten Kriegsschiffe legten auf. Dann wurde, sozusagen, Westindien für mehrere Jahre völlig blockiert, doch hatte Hosier den gemessenen Befehl, nicht zu fechten (Walpoles strenge Friedenspolitik).

Diese Expedition veranschaulicht nochmals die hygienischen Verhältnisse jener Zeit an Bord der Schiffe; es herrschte eine kaum glaubliche Sterblichkeit. In den ersten zwei Jahren starben die Admirale Hosier und sein Nachfolger Hopsons, dieser vier Monate nach seinem Eintreffen, 7 oder 8 Kommandanten, 50 Leutnants sowie 4000 Unteroffiziere und Mannschaften.

$Spanien greift 1727 Gibraltar an.$ Dieses Vorgehen in Westindien empfand Spanien schwer und reizte es, das noch nicht stark befestigte Gibraltar anzugreifen; früh im Jahre 1727 begannen 15000 Mann die Belagerung. Zum Entsatz erschien im Februar Admiral Wager mit 8 Linienschiffen, darunter 5 zu 70-80 Kanonen. Er führte viel Munition und Kriegsbedarf sowie 17 Kompagnien Soldaten mit sich und traf schon 5 Linienschiffe sowie 2 Mörserboote an. Truppen und Vorräte wurde gelandet, die Belagerungsarbeiten durch die Mörserboote und kleinere Fahrzeuge unter flankierendes Feuer genommen. Gleichzeitig kreuzte Wager in der Straße und vor Cadiz und brachte viele Schiffe auf. Der Kampf um die Stadt wurde Ende Juni mit dem Beginn von Friedensunterhandlungen eingestellt; da aber die Spanier nicht abzogen, setzte Wager seine Gewaltmaßregeln auf dem Wasser fort. Februar 1728 wurde Frieden geschlossen; beschleunigt, als England eine Verstärkungsflotte rüstete.

$In den nördlichen Gewässern$ wurden in diesen Jahren gleichfalls Streitkräfte für den Fall bereitgehalten, daß der Krieg mit Österreich ausbrechen sollte, sowie überhaupt zu Demonstrationen. Hieran beteiligte sich Holland, das 1727 6 Linienschiffe (18 waren beabsichtigt) und 1728 8 solcher im Kanal kreuzen ließ; 1729 vereinigten sich 8 Linienschiffe und 4 schwere Fregatten mit 21 engl. Linienschiffen in Portsmouth. 1727 zeigte sich ferner eine englische Flotte unter Admiral Norris als Demonstration gegen Rußland in der Ostsee.

Diese mehrjährige Spannung endete damit, daß der spanisch-österreichische Bund gelöst wurde. Der Kaiser widerrief den Freibrief der ostindischen Kompagnie in Ostende; Spanien ließ (Vertrag von Sevilla 1729) seine Ansprüche auf Gibraltar und Port Mahon endgültig fallen.

$1733 brach der Polnische Thronfolgekrieg aus.$ Nach dem Tode Augusts II. wurde in Polen wiederum =Stanislaus Leszczynski= zum König erwählt. Rußland und Österreich erkannten ihn nicht an, sondern traten für =August= III. auf, wofür dieser der pragmatischen Sanktion zustimmte; die Russen rückten in Polen ein. Frankreich stand auf seiten Leszczynskis des Schwiegervaters Ludwigs XV., und Spanien verband sich mit ihm; der gemeinsame Haß gegen Österreich führte diese natürlichen Verbündeten jetzt wieder zusammen. Auch Sardinien schloß sich in der Hoffnung an, Mailand zu gewinnen. Die Verbündeten sicherten sich Englands und Hollands Neutralität durch das Versprechen, die österreichischen Niederlande nicht erobern zu wollen; im Oktober erklärten sie den Krieg an Österreich und griffen an. Die Spanier eroberten leicht Neapel und Sicilien, die Franzosen Lothringen und im Verein mit Sardinien Mailand sowie die Lombardei bis Mantua. Der König Stanislaus konnte sich jedoch in Polen nicht halten; =eine beabsichtigte Unterstützung seitens der Franzosen über See= unterblieb, da Fleury doch das Eingreifen Englands fürchtete.

=Stanislaus= wurde bald durch den russischen General Münnich in =Danzig= eingeschlossen. =Fleury= hatte den Befehl zur Ausrüstung von 34 Linienschiffen in Brest gegeben, der hochbetagte Admiral Trouin übernahm den Befehl über die sich bildende Flotte. Dieser machte sich anheischig, Danzig zu entsetzen, wenn auch ein englisches Geschwader erschiene; ein solches war tatsächlich im Sunde. Aber Fleury hatte mit seinem Befehle nur der öffentlichen Meinung ein Zugeständnis machen wollen; er hütete sich, England, das trotz seiner Neutralität eine große Flotte zusammengezogen hatte, durch tatkräftiges Auftreten zur See zu reizen. So wurde nur eine kleine Division mit 1500 Soldaten und sehr vorsichtig gehaltenen Befehlen abgesandt. Diese ließ sich dann durch die Anwesenheit des englischen Geschwaders in den dänischen Gewässern zurückhalten, nur die Truppen sowie eine Anzahl französischer Edelleute erreichten Danzig; die Stadt, auch von der russischen Flotte blockiert, mußte nach tapferer Gegenwehr kapitulieren. Der König rettete sich durch Flucht.

Schon 1735 wurde ein =Präliminarfrieden zu Wien= (definitiv 1738) geschlossen: August III. wurde als König von Polen anerkannt; Stanislaus erhielt Lothringen, das aber nach seinem Tode an Frankreich fallen sollte; Frankreich stimmte der pragmatischen Sanktion zu; der bisherige Herzog von Lothringen erhielt Parma; Österreich mußte seine süditalienischen Provinzen als eine Sekundogenitur an den zweiten Sohn des Königs von Spanien abtreten.

$Der Bourbonische Familienvertrag.$ So hatte Walpoles Friedenspolitik England dahin geführt, einen alten Verbündeten, Österreich, preiszugeben, und sein Lohn war, daß der mittlere Teil des Mittelmeeres nun doch, als =Königreich beider Sicilien=, in bourbonische Hände und damit unter den Einfluß Spaniens und Frankreichs kam. Walpole wurde auch sonst von Fleury verraten. In dem Vertrage zwischen den Häusern Bourbon war nämlich $eine geheime Klausel$ folgenden Inhalts aufgenommen: »Wenn es Spanien und Frankreich jemals in gleicher Weise gut scheinen wird, sollen die Mißbräuche, die sich besonders durch die Engländer in den Handel eingeschlichen haben, abgestellt werden, und wenn sich England dem widersetzen sollte, so verpflichtet sich Frankreich, seinem feindlichen Auftreten mit allen Mitteln zu Wasser und zu Lande zu begegnen.« Bei dem gespannten Verhältnis zwischen England und Spanien trug dieses Abkommen den Keim zu den baldigen großen Kriegen zwischen England und dem Hause Bourbon in sich.

=Die Spannung zwischen England und Spanien= blieb aber auch nach dem Vertrage von Sevilla bestehen, ja sie nahm infolge von Reibungen in Handelsinteressen beständig zu. So sandte z. B. England 1735 eine Flotte nach Portugal, als Spanien eine Differenz mit diesem Staate hatte, weil der englische Handel hier sehr beteiligt war. Vor allem aber trug der Schmuggelhandel in Westindien und Zentralamerika dazu bei. Die engherzige Beschränkung des Handels der spanischen Kolonien mit anderen Ländern, während das Mutterland selber nicht für ihre Bedürfnisse sorgte, mußte zum Schmuggelhandel führen. Diesen betrieben besonders die Engländer, indem sie ihren auf dem Assientovertrage beruhenden rechtmäßigen Handel einem unerlaubten dienstbar machten (siehe Seite 576 und 601). Der Zustand war den Kolonisten günstig und wurde von ihnen, sogar von den Gouverneuren, gefördert, aber die Regierung erlitt Verluste und fühlte sich verletzt; sie ergriff Maßregeln zu strengerer Überwachung. Hierbei ging sie oft zu schroff, ungesetzmäßig und grausam vor, aber auch die englischen Seefahrer führten ihre Sache nach dem Grundsatz ihrer früheren großen Freibeuter: »no peace beyond the line.« Wir werden im nächsten Abschnitt näher hierauf eingehen; hier genüge es, zu sagen, daß gerade Reibungen dieser Art, von den Widersachern Walpoles noch geschickt benutzt, das englische Volk $1739$ bis zur $Kriegserklärung gegen Spanien$ brachten.

* * * * *

Zwölftes Kapitel.

Die Kolonien von 1648-1740.[283]

Wir haben die Gründung der Kolonien im Abschnitt II (Seite 57-90) bis etwa 1648 verfolgt und im Abschnitt III bei der Schilderung der Seekriege die Kämpfe dort soweit erwähnt, als sie taktisch und strategisch wichtig oder auf den Verlauf des Krieges von größerem Einfluß gewesen sind; beides war nur in geringem Maße der Fall. In den Kriegen der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. aber bleiben die Ereignisse in den fernen Gewässern nicht mehr nur Ausläufer des in Europa ausgefochtenen Entscheidungskampfes, die Kolonien hatten an Bedeutung gewonnen. Es handelt sich jetzt um die Seeherrschaft in weiterem Sinne: um den Einfluß auf fremde Länder, den Besitz von Kolonien und die von ihnen abhängige Vermehrung des Nationalwohlstandes der Staaten.

[283] Hauptquelle Zimmermann, »Europäische Kolonien«, Band I, Spanien, Portugal; Band II, Großbritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich; Band V, Niederlande.

Um ihre überseeischen Verhältnisse -- nämlich Umfang, Wert und innere Kraft ihrer Besitzungen dort -- zu Beginn des nächsten Abschnittes kennen zu lernen, soweit dies für unsere Zwecke nötig ist, muß ein Überblick über die Geschichte der Kolonien von 1648-1740 gegeben werden.

Mittel- und Südamerika. Westindien.

$Spanien.$ Es ist früher (Seite 69 ff.) die Kolonialpolitik Spaniens in großen Zügen gekennzeichnet und auch auf ihren ungünstigen Einfluß hingewiesen worden; diese Verhältnisse blieben die gleichen, ja sie gestalteten sich noch ungünstiger.

Zimmermann (Band I, Seite 355) leitet den Abschnitt »Die Entwicklung der spanischen Kolonien von 1600-1800« mit den Worten ein: »Die spanische Kolonialpolitik nimmt nach Beendigung der großen Zeit der Eroberungen von Jahr zu Jahr einen einförmigeren Charakter an, die Verwaltung der einzelnen Kolonien verknöchert immer mehr, die Mißbräuche nehmen ohne Unterlaß zu und Spanien erweist sich als nicht fähig, die reichen Gebiete seines überseeischen Besitzes zu einer ihren natürlichen Anlagen entsprechenden Entwicklung zu bringen«.

Die Verwaltung der Länder bezweckte weiter nur,. möglichst viel Geld aus ihnen zu ziehen, aber nie genügten die eingegangenen Beträge der Regierung in Spanien. Dies führte zur Auspressung aller Rassen, zu ungesetzlichem Arbeitszwang der Indianer, und hierbei arbeiteten die Beamten auch noch in ihre eigenen Taschen; sie waren aber durch schlechte Besoldung zu Bestechlichkeit und Veruntreuung verführt, ja gedrängt worden. Die Erpressungen riefen Aufstände hervor, besonders der Farbigen. Verschiedene Reformversuche durch Entsendung tüchtiger und zuverlässigerer höherer Beamten hatten keinen, oder doch keinen dauernden Erfolg, da die gefährdeten Beamtenkreise usw. diesen entgegenarbeiteten, sogar innere Unruhen herbeiführten. Dies und die Beschränkung des Handels hinderte die volle Entwicklung und lähmte die Kraft der Kolonien gegen äußere Feinde, wenn auch die Bevölkerung zunahm. Da nun auch das Mutterland keinen genügenden Schutz gewähren konnte, so waren Handel und Küsten der Kolonien in der fast ununterbrochenen Kriegszeit von 1648 an wie in dem Jahrhundert vorher den Angriffen der Feinde Spaniens ausgesetzt; wir haben die Hauptereignisse kennen gelernt.

Oft war dann der Verkehr mit Europa völlig unterbrochen, aber auch in Friedenszeiten war er nur unter starker Bedeckung möglich. Das Seeräuberunwesen wuchs während des 17. Jahrh. ungemein schnell; 1680 sollen gegen 10000 Flibustier im westlichen Teile Haitis, ihrem Haupt- aber nicht alleinigen Sitz, gewohnt haben.

Sie hausten nicht nur auf See, sondern plünderten auch die Küsten. Fast in jedem Jahre unternahmen sie größere Züge, so z. B.: 1662, 1665, 1668 Einfälle in Kuba; Plünderungen von Veracruz 1683, von Campeche, Nicoya, Leon, Realeja 1685, von Guayaquil 1686, Cartagena 1690, Panama 1691 u. a. m. Oft wurden sie von den Engländern oder Franzosen unterstützt, von den erstgenannten z. B. bei den Einfällen in Kuba; wir sahen sie auch an Kriegszügen der Franzosen teilnehmen. Verschiedene Versuche der Kolonien Mexiko und Kuba, die Piratennester gänzlich zu zerstören, hatten selten und niemals anhaltenden Erfolg; erst als die Piraten auch den Engländern lästig fielen, wurde dem Unwesen gesteuert (Anfang des 18. Jahrh.).

Da die Regierung und der kleine beteiligte Kreis weiter allein Vorteil aus dem Handel ziehen wollte, blieb das Verbot des Verkehrs mit Fremden und der Kolonien unter sich bestehen. Beim Wachsen der Bevölkerung und ihrer Bedürfnisse nahm der Schmuggelhandel immer mehr zu, besonders in Kriegszeiten, wenn der Verkehr mit dem Mutterlande unterbrochen war und die Überwachung nicht streng durchgeführt werden konnte. Als im Spanischen Erbfolgekriege die Franzosen den Schutz der spanischen Kolonien mitübernommen hatten, benutzten sie auch die Gelegenheit zum Handel mit ihnen. Nach dem Frieden von Utrecht hörten die Angriffe auf und, da gleichzeitig auch die Seeräuber mehr im Zaum gehalten wurden, konnten die Kolonien aufatmen. Die Regierung versuchte zwar sofort, der Beteiligung der Fremden am Handel wieder ein Ende zu machen, aber jetzt wurde der unerlaubte Verkehr seitens Englands durch den Assientovertrag (siehe Seite 576) begünstigt.

Die englischen Agenten, die infolge des Vertrages über die Negereinfuhr nach Kuba, Veracruz, Panama usw. gesandt waren, studierten genau Lage und Bedürfnisse der Kolonien und setzten den englischen Kaufmann in den Stand, massenhaft verbotene Ware einzuführen; besonders das Recht Englands, ein Schiff zum Markte von Portobello zu senden, begünstigte den Schleichhandel. Alle Gegenmaßregeln der spanischen Regierung fruchteten nicht, die Beamten ließen sich bestechen und die Kolonisten begünstigten den Schmuggel, auch die Gouverneure drückten gern ein Auge zu.

Wenn auch viele englische Schiffe und Waren beschlagnahmt wurden, so war die Zahl der Durchschlüpfenden doch größer, und in wenigen Jahren rissen die Engländer den ganzen Handel an sich. Für die Kolonien war dies vorteilhaft, ihr Handel blühte auf, aber die Regierung und das Mutterland wurden arg geschädigt. Als 1750 der Assientovertrag aufgelöst und gleichzeitig dem Verkehr mehr Freiheit gewährt wurde, betrug der Umfang des Handels zwischen Amerika und Europa 286 Millionen Pesos, davon entfielen 224 auf den englischen Schleichhandel, auf Spanien kamen also nur 22%. Das waren die Früchte der spanischen Prohibitiv-Handelspolitik.

Soviel über die Verhältnisse der spanischen Kolonien im allgemeinen. Auf den Inseln =Kuba=, =Haiti=, =Portorico= stand es noch ungünstiger, denn diese waren bei weitem nicht so bevölkert als die Festlandskolonien, da hier die Indianer ausgerottet und viele Eingewanderte nach dem Festlande weitergezogen waren; auch waren sie ja den Angriffen am meisten ausgesetzt. Sie wurden bald von den französischen und englischen Inseln überholt. Um die Mitte des 18. Jahrh. hatte Kuba 140000 und Spanisch-Haiti (4/5 der Insel) 40000 Einwohner aller Farben. Kuba exportierte etwa 46000 Ztr. Tabak und 5000 Ztr. Zucker; man vergleiche hiermit die Angaben für die englischen und französischen Besitzungen. Das doch nur schwach bevölkerte Spanisch-Haiti brachte nicht genug für den eigenen Bedarf hervor und mußte von Mexiko unterstützt werden, während Französisch-Haiti (nur 1/5 der Insel aber mit gegen 300000 Einwohnern, worunter 40000 Weiße) mehr als 6 Millionen Francs abwarf.

=Spanien besaß= 1740 =in Amerika=: Die Vizekönigreiche Mexiko und Peru, die Generalkapitanate Guatemala (Zentral-Amerika), Neu-Granada (mit Venezuela), Quito, Charcas (Bolivia), Argentinien und die Inseln Kuba, Portorico, Haiti (4/5). =Verloren hatte es= im letzten Jahrhundert: Jamaica, 1655 von Cromwell erobert; den westlichen Teil von Haiti, 1659 von Frankreich besetzt und 1677 als französischer Besitz anerkannt; verschiedene kleinere Inseln, die, nur schwach besiedelt oder gar nur beansprucht, nach und nach in die Hand anderer Völker übergegangen waren. Jamaica war, als wichtiger Stützpunkt für die westindischen Gewässer und auch gegen die Festlandsküste, ein schwerer Verlust.

$England$ hatte in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrh. einige Inseln der Kleinen Antillen besiedelt (vgl. Seite 85) sowie 1655 den Spaniern Jamaica abgenommen. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterte sich der Besitz und man kann wohl sagen, daß alle Inseln gediehen, besonders als die früh begonnene Negereinfuhr im 18. Jahrh. großen Umfang annahm. Einige Angaben mögen dieses veranschaulichen.

=Barbados=: Nach dem mißlungenen Angriff Ruyters 1665 blieb die Insel in den sonst so kriegerischen Zeiten verschont, dagegen nahmen ihre Milizen hervorragenden Anteil an Unternehmungen gegen französische Besitzungen. Zuckerindustrie und Handel blühten schnell auf; 1656 zählte man 25000 weiße Einwohner und einen jährlichen Verkehr von 100 Schiffen; 1753 bestand die Bevölkerung aus 20000 Weißen sowie 69000 Negern und 200000 Ztr. Zucker wurden ausgeführt.

=Jamaica=: Es war anfangs schwierig, festen Fuß zu fassen, da die mit ihren Negern in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten die Ansiedlungen bedrohten und auch verschiedene Wiedereroberungsversuche abgeschlagen werden mußten; erst im Jahre 1660 räumten die letzten Spanier die Insel; mit den Negern in den Bergen (»Maroons« genannt), die stets weiter durch entlaufene Sklaven verstärkt wurden, mußte noch 150 Jahre gekämpft werden. Nach Cromwells Tode wanderten viele seiner Anhänger ein; es wurde besonders Schmuggel mit Spanisch-Amerika, aber auch Seeraub, betrieben. Ein berühmter Flibustier, Morgan, führte sogar eine Zeitlang die Geschäfte des Gouverneurs und Karl II. soll am Gewinn teilgenommen haben. 1673 zählte man 8500 Weiße und 9500 Neger, der Zuckerrohrbau erreichte hier die höchste Blüte. 1694 wurde die Insel von den Franzosen geplündert. Mit Inkrafttreten des Assientovertrages wuchs die Negereinfuhr sehr; von 1709-1775 sind 472700 Sklaven eingeführt worden. 1744 betrug der Wert der Einfuhr von England 150000 Lstrl., der der Ausfuhr 600000 Lstrl. (500000 Ztr. Zucker, daneben Kaffee); man vergleiche dies mit den Angaben über Kuba und Spanisch-Haiti. 1775 waren 12700 Weiße, 4000 freie Neger und 19200 Sklaven auf der Insel.

=St. Christopher= (St. Kitts), 1625 von Engländern und Franzosen gemeinsam besiedelt, hatte während der Kriege viel zu leiden, da die beiden Völker sich mehrfach gegenseitig vertrieben und brandschatzten; erst 1713 ging die Insel in den alleinigen Besitz Englands über und blühte nun schnell auf. Um die Mitte des 18. Jahrh. waren 2000 Weiße und 10000 Neger vorhanden. Von hier aus hatten die Engländer noch im 17. Jahrh. verschiedene der Leewardinseln in Besitz genommen: =Nevis=, =Antigua=, =Montserrat=. Von Antigua aus (der wichtigsten: 1741 gegen 3500 Weiße, 27000 Neger) wurden wieder Barbuda, Anguilla sowie die Virgin-Inseln besiedelt. Wie St. Christopher, so hatten auch die andern Leewardinseln während der Kriege unter dem wechselnden Waffenglück zu leiden.

Die =Bermudas=, 1612 besetzt, blieben von Angriffen verschont, sie zählten 1750 gegen 6400 Weiße und 5000 Neger. Auf den =Bahamas= ließen sich die Engländer 1646 zuerst nieder und, nach Vertreibung durch die Spanier, 1680 aufs neue. 1703 von Spaniern und Franzosen verwüstet, blieben die Inseln lange ein Sitz von Seeräubern und entwickelten sich erst langsam nach einer Strafexpedition 1717.

=Auf dem Festlande= war der englische Besitz nur gering. Versuche, sich an der Campechebay (Mexiko) festzusetzen, scheiterten. 1670 gelang es, eine Ansiedelung in =Belize= zu gründen, die von Jamaica aus geschützt und 1713 von Spanien anerkannt wurde. 1739 trat der sogenannte König der Mosquitoindianer sein Land an England ab (das jetzige =Britisch-Honduras=). Die Niederlassungen in =Guayana= -- 1652 gegründet, 1654 durch Eroberung von französischem und 1665 von holländischem Besitz dort erweitert -- waren 1664 und 1667 wieder geräumt worden.

$Frankreich$ hatte unter =Richelieu= begonnen, in Westindien Niederlassungen zu gründen (Seite 90), zuerst auf St. Christopher. 1635 wurden der Compagnie des îles de l'Amérique sämtliche zu kolonisierenden Inseln zwischen dem 10. und 30. Breitengrade als Eigentum zugesprochen; der König setzte nur Gouverneure und Richter ein, die Gesellschaft verpflichtete sich, binnen 20 Jahren 4000 katholische Franzosen anzusiedeln. Man wollte die Inseln nicht ausbeuten, sondern lebensfähige Kolonien gründen, allerdings sollten diese ihre Erzeugnisse nur nach Frankreich senden und nur von dort ihre Bedürfnisse beziehen. Von 1635-1651 waren in Besitz genommen: =Guadeloupe=, =Martinique=, =Marie Galante=, =St. Martin=, =Les Saintes=, =St. Croix=. Französische Abenteurer setzten sich auf Tortuga fest, gingen von hier nach der Westküste Haitis hinüber und gründeten die Kolonie =St. Domingue=.

Es wurde schwer, Einwanderer zu finden. Man war genötigt, aufgegriffene Bettler und Arbeitsscheue, ja Sträflinge, hinzusenden, sogenannte Engagés, die die ersten drei Jahre nur für freie Station arbeiten mußten. Protestanten wurde die Einwanderung nicht gestattet, obgleich solche wohl gerade Neigung gehabt hätten, wie auch von England gern Dissidenten in die Kolonien gingen. Es lag dies im Zuge der Zeit, auch England litt keine Katholiken in seinen Niederlassungen, und Frankreich mußte besonders die Hinneigung der Hugenotten zu den Holländern und Engländern fürchten. 1642 zählte man 7000 Weiße auf den französischen Antillen.

Diese Niederlassungen blieben, St. Christoph ausgenommen, im Besitze Frankreichs und entwickelten sich trotz mancher Schwierigkeiten, wie nachstehende Angaben zeigen werden. Sie überstanden den Niedergang des französischen Seewesens während der Frondezeit; der Handel ging zwar in englische und holländische Hände über, die Kompagnie mußte ihren Besitz an Private verkaufen, aber Einwohnerzahl und Kultur wuchsen. =Colbert= versuchte die kolonialen Bestrebungen zu heben, zunächst auf dem Wege Richelieus. Eine neue Gesellschaft, die Compagnie des Indes occidentales, erhielt die Niederlassungen in Westindien, Nord- und Südamerika sowie in Westafrika als Eigentum. Diese sperrte wieder den Handel mit Fremden, zeigte sich aber auch nicht leistungsfähig: Es mangelte an Mitteln, weil das französische Kapital noch kein Vertrauen zu überseeischen Unternehmungen hatte; sie sandte nicht genug Waren hinaus und forderte zu hohe Preise. Unruhen waren die Folge und Engländer wie Holländer versuchten in den Kriegen 1665-1667 und 1672-1678 sich der Kolonien zu bemächtigen. Die Kompagnie ging 1674 ein, die Regierung übernahm selber die Verwaltung, Gesellschaften wurden nur für Handel zugelassen. Es war dies also ein vollkommener Wechsel in der Kolonialpolitik, aber recht eigentlich im Sinne Colberts, der so sein Bestreben, die Kolonien für das Mutterland nutzbar zu machen, schärfer durchführen konnte. Er gab den Handel für alle Franzosen frei, schloß die Fremden aber noch strenger aus; er bestimmte nach den Bedürfnissen Frankreichs, was gebaut werden sollte (Zucker, Tabak, Farbhölzer, Kakao); er sorgte für stärkere Negereinfuhr, aber nur durch Franzosen. 1683 hatte Französisch-Westindien 40000 weiße Einwohner und erzeugte schon Zucker über Frankreichs Bedarf. Nach Colberts Tode ging die Einwohnerzahl zurück infolge der durch die Jesuiten hervorgerufenen Ausweisung holländischer Juden und der harten Behandlung der Hugenotten, deren beider Einwanderung Colbert begünstigt hatte. Dies war um so empfindlicher für die Kolonien, weil gerade der Krieg 1688-1697 ausbrach und neue Angriffe der Engländer brachte. Der Wohlstand litt beträchtlich, weil die Verbindung mit dem Mutterlande meist unterbrochen war und auch die Negereinfuhr stockte. Der Krieg 1702-1713 hatte ähnliche Schwierigkeiten im Gefolge. Martinique, Guadeloupe, Marie Galante und St. Domingue waren, wie wir wissen, in den Kriegen vornehmlich den Angriffen ausgesetzt.

Nach dem Frieden von Utrecht begann dann aber der Hauptaufschwung, besonders in Haiti. Die Pflanzungen waren trotz der schweren Zeiten weiter gediehen, aber man litt unter der geringen Entwicklung des französischen Seehandels und unter Zollschwierigkeiten. Der Regent, =Philipp von Orleans=, griff durch die Gründung eines Conseil de Commerce bessernd ein; die Gründungen des Schotten Law mit ihren Folgen (die Compagnie des Indes), die friedliche Politik =Fleurys= äußerten ihre Wirkung. Wenn auch die Regierung ihre Kolonien zu sehr bevormundete, wodurch sogar Unruhen hervorgerufen wurden, trotz verschiedener Negeraufstände und obgleich der Seeraub noch nicht ganz aufhörte, wuchsen Bevölkerung und Wohlstand ganz ungemein. 1754 zählte Martinique 24000 Weiße (60000 Neger), Guadeloupe 10000 (50000), St. Domingue gar 40000 (230000). Die französische Bevölkerung Westindiens war also der englischen weit überlegen, von der spanischen gar nicht zu reden; die Ausfuhr hatte einen Wert von 150 Millionen Lire, der Seehandel beschäftigte 500 Schiffe.

=Auf dem Festland= besaß Frankreich, seit 1664, nur =Cayenne=, kurze Zeit 1676 von Holland besetzt. Auch diese Niederlassung schritt fort; 1730 gab es hier 20 Zuckerfabriken und große Kaffeeplantagen.

$Holland$ besaß in Westindien nur =Curaçao= mit seinen kleinen Nebeninseln und von den Antillen =St. Eustache=, =Saba=, sowie die Hälfte von =St. Martin= und auf dem Festlande =Surinam=. Hollands Versuch, in Brasilien ein größeres Kolonialreich zu gründen, war gescheitert, wie wir wissen (vgl. Seite 88, Seite 198).

$Dänemark$ hatte zu den von ihm besiedelten virginischen Inseln =St. Thomas= und =St. John= 1733 noch =St. Croix= von Frankreich durch Kauf erworben.

$Portugal$ besaß =Brasilien=. Bei der Schilderung der Kriege haben wir gesehen, daß diese Kolonie vielfach den Angriffen der Feinde Portugals und auch Spaniens, solange beide Staaten vereint waren, ausgesetzt gewesen ist: insbesondere denen der Engländer 1586-1604 (Seite 134), der Holländer 1604-1640 (Seite 88), der Franzosen im Spanischen Erbfolgekriege (Seite 556). Über die inneren Verhältnisse der Kolonie genügt es, zu sagen, daß sie ähnlich wie in den spanischen lagen: Ausbeutung und Unterdrückung jeder Selbständigkeit im geistigen und wirtschaftlichen Leben seitens der Regierung; Ausschluß der Fremden; grausame Behandlung der Eingeborenen seitens der Kolonisten trotz aller Gesetze und aller Bemühungen der Jesuiten. Die Folge dieser Schäden waren häufige Unruhen, aber doch wurde die Kolonie bald wichtig für das Mutterland durch seine reichen Erzeugnisse, besonders an Zucker und Kaffee, und sie wurde es noch mehr, als man um 1700 Gold in größerer Menge sowie um 1730 ergiebige Diamantlager fand.

Nordamerika.

$England$ hatte um 1648 die Küste von Virginia bis Maine besiedelt (Seite 85), das diese Strecke unterbrechende holländische Neuniederland war 1664 erobert (Seite 252 und Seite 350). 1663 wurde Karolina in Besitz genommen und im Frieden von Utrecht 1713 trat Frankreich an England Acadia (mit Ausnahme der Cap Breton-Insel) ab; 1732 begann die Besiedelung Georgias. Um die Mitte des 18. Jahrh. bestanden im Gebiet der heutigen Union =die 13 englischen Kolonien=, die sich später lossagten, nämlich: =die vier nördlichen Kolonien=, die sogenannten =Neuenglandstaaten= New Hampshire, Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die =fünf mittleren= New York, New Jersey, Delaware (die früher holländischen Niederlassungen), Pennsylvanien, Maryland; die =vier südlichen= Virginien, Nord- und Süd-Karolina, Georgia.

Die meisten dieser Kolonien hatten im letzten Jahrhundert durch immer wachsende Einwanderung an Umfang, Bevölkerung und Wohlstand ungemein zugenommen trotz mancher Schwierigkeiten. Diese bestanden nicht nur in fast ununterbrochenen Kämpfen mit den Indianern (den Leni-Lenape-Stämmen der Küste), die sich bald der Ausdehnung hartnäckig entgegensetzten und zum Vernichtungskampfe zwangen, in den Kämpfen mit den französischen Kolonien, und in den Streitigkeiten der Gemeinwesen unter sich, ehe die Grenzfragen einen gewissen Abschluß gefunden hatten, sondern auch wesentlich in Reibungen mit der englischen Regierung.[284]

[284] Die höchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen Kolonien, auch in ihrem Verhältnis zu England, genau in Zimmermann, Band II. Die obige Kürze der Darstellung führt notgedrungen zu Ungenauigkeiten.

Den älteren Kolonien hatte man anfangs eine ziemlich selbständige Verwaltung zugestanden, besonders denjenigen, die von Gesellschaften oder Vereinigungen gegründet waren -- Massachusetts (Puritaner), Connecticut, Rhode-Island -- aber auch denen, die an einzelne Personen vergeben waren (Eigentümerkolonien) -- Maryland (Lord Baltimore), New York (Herzog von York), Pennsylvanien (William Penn) --, sowie denen, die frühzeitig Kronkolonien wurden, z. B. Virginia. Die Gemeinwesen wählten den Rat des Gouverneurs und ein Parlament, gaben sich selbst die Gesetze und zahlten nur geringe Abgaben an das Mutterland. Aber bald begann dieses die Kolonien von sich abhängiger zu machen; besonders die Stuarts Karl II. und Jakob II. entzogen ihnen viele Vorrechte und versuchten, sie für England oder die eigene Person auszunutzen. Nachteile im Handel und Wandel, Unzufriedenheit, selbst Unruhen waren die Folge.

Der Hauptkampf der Regierung ging naturgemäß gegen die Staaten mit der freiesten Verfassung: Massachusetts, Connecticut und die später in erstem aufgegangenen New Plymouth und Newhaven. Diese vier Kolonien waren ohne jede Beihilfe der Regierung gegründet und hatten sich schon zu einem Bunde, als Neuengland, zusammengeschlossen. 1686 ernannte Jakob II. einen Generalgouverneur über sie sowie über Newyork, das schon durch seine Thronbesteigung Kronkolonie geworden war, und Newyersey; gewaltsam wurden die alten Freibriefe überall eingezogen.

1688 war die Freiheit der Kolonien in großer Gefahr, sie begrüßten daher den Sturz Jakobs II. als eine Erlösung; überall verjagte man die Gouverneure und suchte den alten Freibriefen wieder Geltung zu verschaffen. Aber die Hoffnungen, die man auf Wilhelm III. und das jetzt allmächtige Parlament setzte, wurden nur in geringem Maße erfüllt. Kein englischer Staatsmann war geneigt, den Kolonien die alte Selbständigkeit wiederzugeben, man brauchte die Mittel, die man in den letzten Jahren aus ihnen bezogen hatte. Das Gebiet von Massachusetts, dem Hauptsitz der Opposition, wurde zwar durch Zuteilung von New Plymouth, Maine und Acadia vergrößert, aber nach einem neuen Gesetz wurden der Gouverneur und sein Rat vom Könige ernannt; der Gouverneur bestellte Offiziere und Beamte, ohne seine Genehmigung durften keine Gesetze gegeben, kein Geld verwendet werden. Die wichtige Kolonie kam so in fast gleiche Lage wie die bisherigen Kronkolonien; zu solchen machte man auch bald sämtliche Eigentümerkolonien, indem man Verlegenheiten der Besitzer benutzte. Den noch nicht so wichtigen Gemeinwesen, z. B. Connecticut und Rhode-Island, ließ man mehr Freiheiten.

=Handel und Schiffahrt blieben beschränkt=: Nur in England oder in den Kolonien gebaute, in englischem Eigentum befindliche und mit Engländern bemannte Schiffe sollten zum Handel zugelassen werden; der Absatz der Erzeugnisse war nur in England oder durch dessen Vermittlung gestattet. Die Ausfuhr von Wolle war ganz verboten, die von Holz beschränkt; zu Masten geeignete Bäume durften nur mit königlicher Erlaubnis gefällt werden. Die Eisenbearbeitung war begrenzt, die Errichtung von Hochöfen untersagt und dgl. Man wachte eben darüber, keine Industrie aufkommen zu lassen, um die des Mutterlandes zu schützen und ihren Absatz in den Kolonien zu fördern. Das Parlament nahm auch weiter das Besteuerungsrecht in Anspruch. Die Kolonien bestritten es aber ernstlich, weil sie nicht im Parlament vertreten seien; diese Auffassung brachten sie auch dadurch zum Ausdruck, daß sie alle aus England kommenden Vorschriften erst durch die eigenen Parlamente zum Gesetz erhoben. Zölle und Schiffahrtsabgaben ließen sie sich allenfalls gefallen, gegen direkte Steuern würde sich jedenfalls allgemeiner Widerstand erhoben haben; die Regierung sah dies auch ein. Die Folge der Handelspolitik Englands war eine stete Verschlechterung der amerikanischen Geldverhältnisse. Die Kolonien waren dem Mutterlande tief verschuldet. Von dort erhielten sie reichlichen Kredit zu Unternehmungen aller Art, da sie aber bei dem Handelsverbot aus anderen Ländern kein Geld bekamen und die Schulden in England nicht immer mit ihren Erzeugnissen decken konnten, entstand bald Mangel an barem Gelde. Während der Kriege vor und nach 1700 mußte Papiergeld ausgegeben werden; dieses verdrängte bald das Metallgeld, sank tief im Kurse, und der Handelsverkehr wurde durch den unsicheren Wert der Zahlungsmittel sehr beeinträchtigt.

Trotz aller Hindernisse schritt die Entwicklung stetig fort. Schon um 1688, zur Zeit des ersten größeren Krieges um Kanada (vgl. Seite 473), zählte das englische Nordamerika gegen 200000 weiße Einwohner, zur Zeit des zweiten Krieges (1702, vgl. Seite 565) 260000. Hierzu kamen in den südlichen Staaten Negersklaven, doch war die Zahl noch gering, in Virginia zählte man um 1671 etwa 2000 und 1700 etwa 6000; in den nördlichen Staaten dienten nur sehr wenige auf den Farmen, da die Regierung die Einführung hinderte. Auch der Landbesitz nahm stetig zu, die Indianer wurden immer weiter zurückgedrängt. Im Westen erstreckten sich um 1730 die Farmen bis über die Berge westlich der Neuenglandstaaten, 1724 war das erste Fort (Dummes) im späteren Staate Vermont errichtet. Handel, Schiffbau und Schiffahrt wuchsen: 1738 wurden in Boston allein 38 Schiffe erbaut; 400 Schiffe besorgten jährlich die Ausfuhr Philadelphias, 200-300 die Charlestowns (Karolina). 1744, bei Beginn des ersten Krieges um Kanada im nächsten Abschnitt, kann man mit einer Gesamteinwohnerzahl der englischen Kolonien von 1200000 Seelen, darunter eine Million Weiße, rechnen; auf die 4 Neuenglandstaaten kamen allein 400000 Weiße.

Für 1756, Ausbruch des letzten Krieges um Kanada, liegen genauere Angaben vor. Die Neuenglandstaaten zählten 425000 Weiße, 11000 Neger; die mittleren Staaten 457000 bezw. 71000; die Südstaaten 283000 bezw. 178000. Ganz Englisch-Nordamerika also 1200000 Weiße und 260000 Neger. Man sieht die ungeheure Zunahme der Sklaven, Virginia besaß allein 120000; hier war eine Klasse reicher Plantagenbesitzer von hohem Selbstbewußtsein entstanden.

In den englischen Niederlassungen war jene Form der Kolonisation zur höchsten Entfaltung gekommen, die England eigentümlich ist: Eine Gemeinschaft freier Männer, im wesentlichen sich selbst regierend und auf sich selbst angewiesen, dabei aber mit Begeisterung am alten Vaterlande hängend. Der Beschäftigung nach waren die Kolonisten Ackerbauer, Kaufleute und Seeleute zugleich; in der Beschaffenheit ihres Landes und seiner Erzeugnisse, in seiner langen Küste mit geschützten Häfen hatten sie alle Elemente der Seemacht vereinigt und auch schon viel für deren Entwicklung getan; äußerst eifersüchtig waren sie auf Franzosen und Kanadier. In einem solchen Lande und in einer solchen Bevölkerung hatten die englische Marine und Armee in den nächsten Kriegen eine sichere Grundlage auf der westlichen Halbkugel.

Allerdings wurden die Kolonisten immer unzufriedener mit den Maßnahmen der Regierung. Der Interessengegensatz der sich immer stärker bevölkernden Neuenglandstaaten zum Mutterlande wuchs von Jahr zu Jahr. Er wurde dadurch verstärkt, daß viele Einwanderer aus Irland, Deutschland usw. kamen, die durch keine Bande an England gefesselt waren; die erstarkende Presse schürte und wurde von der öffentlichen Meinung in Schutz genommen. Immer selbstbewußter wurden die Kolonien, immer energischer beanspruchten sie die alten Freiheiten; schon 1705 sagten Stimmen in England voraus, daß sie sich einst freimachen würden. Noch waren sie aber nicht zum Abfall reif, noch waren sie zu stolz auf die Macht des Mutterlandes und auch noch zu sehr in Sorgen wegen der Indianer und der Franzosen in Kanada.

Für $Frankreich$[285] lagen die Verhältnisse in Nordamerika ganz anders. Wir hörten, daß die Ansiedlung in $Acadia$ und $Kanada$ (Quebec) nur geringe Fortschritte machte (Seite 89). Die unter Richelieu gegründete Gesellschaft hatte nur den Pelzhandel im Auge; sie vergab zwar weite Landstrecken an Unternehmer, um sie zu besiedeln, aber infolge der Einschränkung der Kolonisten durch die Vorrechte der Kompagnie fanden sich nur wenig Einwanderer. Jesuiten dagegen gründeten Stationen zur Bekehrung der Huronen am St. Lorenz- und am Ontario-See. 1642 zählte Kanada nur erst einige Hunderte von Ansiedlern. Sie hatten viel zu leiden von den Angriffen der Irokesen zwischen dem Hudson und dem Erie-See, die besonders von den englischen Ansiedlungen aufgehetzt wurden, als auch diese die Franzosen zu belästigen anfingen; ständige Reibungen zwischen den Jesuiten, später dem Bischof und der Verwaltung traten hemmend für die Entwicklung hinzu. 1663 gab die Kompagnie ihre Rechte und Pflichten an die Krone zurück. Die Regierung lag nun in der Hand eines Conseils, das aus dem Gouverneur, dem Bischof, dem höchsten Verwaltungs- und Justizbeamten sowie einigen Ansiedlern bestand. Die ersten Gouverneure waren tüchtige Männer, sie schränkten die Macht der Geistlichkeit ein und hielten die Irokesen in Schranken. Die Zahl der Einwanderer mehrte sich, vor allem wurden Offiziere und Soldaten der allerdings nur nach Hunderten zählenden Garnisonen mit Land belehnt. 1671 zählte man schon 6000 Weiße; die Erforschung des Landes war fortgesetzt, 1670 hatte man vom Ohio aus den Mississippi erreicht. Von 1672 an stand der besonders tüchtige Gouverneur =de Frontenac= bis 1698 an der Spitze der Kolonie; unter ihm machte sie große Fortschritte.

[285] Näheres über die Verhältnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch die Kriege mit England genauer geschildert.

Frontenac regelte den Pelzhandel. Wenn einst die Indianer ihre Jagdbeute zu den Niederlassungen gebracht hatten, so kauften jetzt nur Jäger und Händler (die »courreurs des bois«) die Felle in den Indianerdörfern auf, oft im Auftrage der Beamten; Frontenac stellte diesen Übelstand ab. Er gestattete den Branntweinhandel unter Aufsicht der Regierung; bisher hatten die Jesuiten ihn unterdrückt und die Indianer handelten deshalb lieber mit den Engländern. 1682 wurde Frontenac infolge von Umtrieben des Intendanten und der Jesuiten abberufen, und gerade jetzt hatten die Engländer die Irokesen gewonnen, die einen vollständigen Vernichtungskrieg gegen die den Franzosen ergebenen Stämme begannen; gleichzeitig schädigten die Engländer selber von den Niederlassungen an der Hudsonbai aus den Seehandel und die Fischerei bei Acadia. Wir hörten bereits, daß daraufhin bereits im Frieden die Franzosen die Engländer von genannter Bai vertrieben und die Irokesen züchtigten. Nach der Kriegserklärung kam Frontenac zurück.

Bei Ausbruch des ersten Krieges mit England 1688 (vgl. Seite 473) hatte die Kolonie 15000 Einwohner, sie führte auch den langen Krieg glücklich durch. Zwar kam, wie wir wissen, der Plan (1689 und 1696 ins Auge gefaßt), Newyork als eisfreien Hafen zu nehmen, wegen mangelnder Unterstützung vom Mutterlande nicht zur Ausführung. Man hatte in Paris die Kraft der englischen Kolonien unterschätzt und die französische Marine war der ihr zufallenden Aufgabe nicht gewachsen, aber die englischen Angriffe wurden abgeschlagen. Beim Frieden 1697 gab England die Hudsonbay auf und ließ die Franzosen im Besitz der Westküste Neufundlands.

Ebenso glücklich führte die Kolonie den zweiten Krieg (1702-1713, vgl. Seite 565), der der Hauptsache nach auch auf beiden Seiten durch die Kolonisten ausgefochten wurde, obgleich Kanada nur 16000 Einwohner gegen 260000 in den englischen Kolonien hatte. Man muß jedoch dabei beachten, daß englischerseits nur die Neuenglandstaaten in Betracht kamen, daß diese nicht immer einig waren, daß in Kanada Garnisonen regulärer Truppen, wenn auch nur schwache, lagen, die dem Gegner ganz fehlten, und daß die Franzosen über Indianer verfügten, während die Irokesen, von den Engländern verletzt, zur Zeit Frieden mit Kanada hielten; auch an königlichen Schiffen, auf beiden Seiten nur schwach vertreten, scheinen die Franzosen überlegen gewesen zu sein. Als England endlich größere Unterstützungen sandte (1710), wurde Port Royal genommen, der Angriff auf Quebec (1711) scheiterte dagegen kläglich. Infolge des sonstigen Verlaufs des Krieges mußte Frankreich dann die Niederlassungen an der Hudsonbay, ganz Neufundland und Akadia -- bis auf die Insel Kap Breton, den Schlüssel zur St. Lorenzbay -- an England abtreten. Die Kanadier empfanden diese Zugeständnisse, die Handel und Fischerei erheblich schädigten, schmerzlich und versuchten bei der Ausführung des Vertrages zu retten, was zu retten war. Die Ungenauigkeit der Abmachungen gab dazu genügend Handhaben, weder die Grenzen Akadias noch die des Irokesenlandes waren sicher festgesetzt.

Der Aufschwung, den die kolonialen Bestrebungen Frankreichs nach dem Frieden von Utrecht nahmen, äußerte sich in Kanada besonders darin, daß man sich auf die vorauszusehenden weiteren Kämpfe mit den englischen Kolonien vorbereitete und mit Erforschung des Landes sowie der Ausbreitung des französischen Einflusses im Innern weiter vorging. Die Bedeutung Kanadas gewann mit der durch die Lawschen Unternehmungen hervorgerufenen Besiedlung Louisianas; durch eine Verbindung beider Kolonien wäre den englischen das weitere Vordringen abgeschnitten gewesen.

Der Wohlstand Kanadas machte nur geringe Fortschritte. Das Land brachte zu wenig hervor; Minerale waren nicht gefunden worden, Ackerbau wurde wenig betrieben, die Fischerei war durch die Engländer teilweise lahmgelegt. Wichtig war nur der Pelzhandel, er hing aber von der Billigkeit der Tauschartikel ab. Diese waren von Frankreich bezogen zu teuer und England verbot die Einfuhr. Der Wert der jährlichen Ausfuhr an Pelzwerk betrug zwei Millionen Frank, hinzu trat nur noch ein etwa gleicher Betrag für Holz, Fische und Tran, während die Kolonie für acht Millionen europäische Erzeugnisse gebrauchte; sie litt stets an Mangel baren Geldes.

An dem besten Hafen der Insel Kap Breton wurde Louisbourg, die stärkste Befestigung Nordamerikas, als Schutz der Straße nach Quebec und der französischen Fischerei gebaut. Um der Kolonie neue Hilfsquellen zu erschließen und um dem Vordringen der Engländer vorzubeugen, wurden auf dem Wege zum Mississippi Stationen gegründet und Forts angelegt, z. B. Fort Frontenac 1721 am Niagara, worauf die Engländer sofort am Ontario das Fort Oswega bauten; das Fort Detroit zwischen Erie- und Huron-See; Vincennes am Wabash-Flusse; Pittsburg (1754); du Quesne am Lac Champlain. So entstand eine Kette von Befestigungen; von der Mündung des Mississippi nach Norden sollte der Anschluß erfolgen. Gleichzeitig drang man, weniger wichtig für uns, nördlich der großen Seen auf 50° Breite bis zu den Rocky-Mountains (1743) vor; man hoffte einen großen nach West laufenden Strom und damit einen bequemen Weg zum Stillen Ozean zu finden. Diese Ausbreitung führte auch während der Friedensjahre zu Grenzkriegen, die zwar meist von den Indianern ausgefochten wurden, deren Führer aber in Kanada und Neu-England saßen.

Die Einwohnerzahl nahm zu, aber nicht in dem Maße wie bei den englischen Kolonien; 1744 zählte Kanada etwa 50000 Weiße. Auch der Charakter der Bevölkerung war ein ganz anderer. Die militärische und mönchische Erziehung hemmte die Entwicklung persönlicher Unternehmungslust und freier Verbindung zu gemeinsamen Zielen. Die Kolonisten betrieben Handel und Landwirtschaft nur so weit, als es ihre Bedürfnisse erforderten, sonst lebten sie der Jagd und dem Waffendienst. Jedermann war ein Soldat, hierin lag eine Stärke der Kolonie. Die Kanadier haßten die englischen Kolonisten als Eindringlinge in ihren Besitz; als solchen faßte Frankreich das ganze Ohio- und Mississippital auf Grund der früheren Entdeckung auf. Daß die Erschließung und Besiedlung dieses großen Gebietes nicht mit mehr Erfolg vor sich gegangen ist, dürfte größtenteils darauf zurückzuführen sein, daß von seiten des an der großen Wasserstraße gelegenen Louisiana zu wenig geschah.

$Louisiana$ war 1700 an der Mündung des Mississippi gegründet; frühere Versuche, im Süden Nordamerikas Fuß zu fassen, hatte Spanien verhindert, infolge der engen Verbindung mit Frankreich wurde es jetzt zugelassen. Die Franzosen erforschten den Fluß mit seinen Zuflüssen und gründeten als Hauptstadt La Mobile. Die Besiedlung schritt sehr langsam fort, 1712 waren erst 380 Weiße, zur Hälfte Soldaten, in fünf kleinen befestigten Posten dort; die Kolonie war Kanada unterstellt. 1717 wurde sie an die Compagnie d'Occident (später des Indes, die Schöpfung Laws) vergeben, die auch sofort umfassende Maßregeln für die Besiedlung ergriff. Noch im selben Jahre sandte man 69 Ansiedler und 3 Kompagnien Soldaten hinaus, 1718 folgten 800 Mann; der Regent erteilte zahlreiche Landkonzessionen mit Adelstiteln; New Orleans wurde als Sitz der Regierung gegründet. 1719 wurde Pensacola den Spaniern abgenommen, aber beim Frieden 1720 zurückgegeben. 1719 erhielt Law das Recht, Vagabunden als Ansiedler hinauszuschaffen. Bedeutende Fortschritte machte die Kolonie jedoch auch jetzt nicht: die Einwanderer waren minderwertige Leute, die in dem Klima nicht arbeiten wollten oder konnten (nur deutsche Bauern bei New Orleans erwarben bald einen bescheidenen Wohlstand); die Beamten waren unehrlich und liederlich; die Kompagnie hemmte die Kolonisten durch ihre Vorrechte, die Regierung verbot jede Industrie, die mit dem Mutterlande in Wettbewerb treten konnte; Kompagnie und Ansiedler legten sich mehr auf Suchen von Minen als auf Landbau. 1731 gab die Kompagnie ihre Rechte an die Krone zurück; sie behielt nur das Handelsmonopol gegen die Verpflichtung, die erforderlichen Waren und 500 Neger jährlich einzuführen. Um diese Zeit zählte man 5000 Weiße und 2000-3000 Neger.

Die Regierung ordnete nun die Verwaltung durch einen Conseil wie in Kanada an und hob die Einfuhrzölle für Waren aus Frankreich auf; die Kompagnie hatte mit 200% Aufschlag verkauft. Aber nur langsam hob sich die Kolonie. Die Kolonisten litten unter den Feindseligkeiten der Indianer, ihre Tätigkeit beschränkte sich erfolgreich nur auf ein kleines Gebiet am Meere und am Mississippi; die Hauptorte waren New Orleans und Natchez. Um die Mitte des 18. Jahrh. sollen gegen 20000 Einwohner vorhanden gewesen sein, doch erscheint diese Angabe unsicher.

Frankreich beanspruchte mit seinen Kolonien Kanada und Louisiana einen ungeheuren Teil Nordamerikas, dabei standen 1744 nur 80000 französische Kolonisten (hochgegriffen) einer Million englischer gegenüber; kein Wunder, daß der nun beginnende Kampf um die Herrschaft zugunsten der germanischen Rasse ausgefallen ist.

$Spanien$ besaß in Nordamerika nur =Florida=, eine Bezeichnung, unter der man ein weites, ungenau begrenztes Gebiet um die Halbinsel gleichen Namens zusammenfaßte. Hier waren gegen die erwähnten früheren Ansiedlungsversuche der Franzosen St. Augustine (1563 vergl. S. 89) und Pensacola (1696) gegründet.

Ostindien.

Die ungeheure Macht, die $Portugal$ um 1540 in den indischen Gewässern gehabt hatte (Seite 63), war schon bis 1640 durch eigene Schuld sowie durch das Auftreten Englands und Hollands dort sehr zurückgegangen (Seite 84, 86).

Um 1640 war noch in portugiesischem Besitz: An der arabischen Küste Mascat, Ormuz war 1622 an die Perser, von England unterstützt, verloren; in Nord-Vorderindien Banda und Diu; an der Westküste Vorderindiens 20 Niederlassungen von Daman bis Quilon; an der Ostküste Negapatam und Masulipatam; in Hinterindien Malakka; von der Inselwelt nur Ceylon und Timor; in China Macao.

Und sie schritt weiter abwärts. Wenn sich auch Portugal 1640 von Spanien lossagte, so nahm Holland doch noch Malakka 1641 weg, ehe der Frieden draußen bekannt geworden war. Der Versuch, den Handel durch Freigabe an alle Portugiesen neu zu beleben, blieb ohne Erfolg; er war schon zu sehr in englische und holländische Hände übergegangen. Weitere Gebietsverluste folgten: 1650 verlor Portugal Mascat an die Araber; in dem neuen Kriege mit Holland (1656-1661, Seite 239) nahm dieses Ceylon, Negapatam, Quilon, Cranganor, Cochin, Cananor; 1661 fiel Bombay (wie Tanger) als Mitgift der Gemahlin Karls II. an England. Die zu Bombay gehörigen Dörfer lieferten die portugiesischen Behörden nicht mit aus und erschwerten den englischen Handel mit dem Festlande; trotzdem blühte die Stadt in englischen Händen schnell auf, während die portugiesischen Plätze verarmten. England schlug 1672 ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die Eingeborenen vor, wenn ihm die Anlage von Faktoreien in allen portugiesischen Plätzen zugestanden würde, Portugal sollte die gleichen Vorrechte in englischen Orten erhalten; Portugal aber blieb hartnäckig und belästigte Bombay weiter. England rächte sich durch Gewaltmaßregeln aller Art, die Portugiesen sagten, sämtliche englischen Schiffe hätten Seeraub betrieben; auch unterstützen die Engländer Portugals Gegner offen mit Kriegsmaterial. Gleichzeitig und weiterhin hatte Portugal unter den Angriffen der Mahratten zu leiden, die mit dem Verfall des Reiches des Mogul immer mächtiger wurden. Diese vertrieben Ende der zwanziger Jahre des 18. Jahrh. die Portugiesen aus den meisten ihrer Besitzungen; 1737 eroberten sie die Insel Salsette, den alten wichtigen militärischen Stützpunkt, und von dort Bassein. $1740$ war nur noch der jetzige Bestand in portugiesischem Besitz: Diu, Daman und Goa. Portugals Macht in Indien war gebrochen, sein Handel so gut wie vernichtet.

$Holland$ war in unserem Zeitabschnitt an seine Stelle getreten. Die Macht der =holländisch-ostindischen Kompagnie= um 1648 ist uns bekannt (Seite 86) und soeben ist gesagt, inwieweit sich diese an der Westküste Vorderindiens auf Kosten Portugals ausdehnte, aber auch sonst erweiterte und befestigte sie sich. Die =Molukken= kamen völlig in die Gewalt der Kompagnie. Um die Preise der Gewürze hochzuhalten und jeden Wettbewerb zu hindern, rottete die Kompagnie sämtliche Anpflanzungen aus, die sie nicht selber nötig hatte; dadurch hervorgerufene Aufstände der Insulaner wurden unterdrückt, die bald verarmte Bevölkerung war dann ungefährlich; die Spanier gaben ihre letzte Befestigung in Tidore auf. In =Sumatra= faßten die Holländer 1659 durch Eroberung von Palembang an der Ostküste Fuß und 1662 stellten sich auch die Fürsten der Westküste unter ihren Schutz (Hauptkontor in Padang). In längerem Kriege 1660-1669 wurde die Macht =Makassars=, des Hauptsitzes des Mohammedanismus, von dem aus in jenen Meeren der Widerstand auf den Molukken und in Japan stets unterstützt war, gebrochen. Die Kompagnie wurde dann Herrin von =Celebes= und machte dem Handel Englands und Portugals hier ein Ende.

Eine Niederlassung auf Borneo konnte sich nur kurze Zeit gegen die wilden Bergstämme halten. 1693 wurde Pondichery den Franzosen abgenommen, aber im Frieden von Ryswijk zurückgegeben. Einen schweren Verlust erlitt die Kompagnie dadurch, daß 1663 die Kolonie auf Formosa an China verloren ging, als hier die Tataren zur Herrschaft kamen.

Der bedeutendste Erfolg der Kompagnie war ihre zunehmende Macht auf =Java=. Durch andauernde Kämpfe mit den Fürsten von Bantam und Mataram gewann sie großen Landbesitz; sie brachte auch den Handel der Insel ganz in ihre Hand, England räumte 1683 seine Ansiedlung in Bantam. Besonders wichtig wurde Java durch den Kaffeebau, der 1696 eingeführt wurde und so zunahm, daß man ihn wie den Gewürzbau auf den Molukken einschränkte; 1740 lieferte er 4000000 Pfund.

Ihrer Macht entsprechend gebot die Kompagnie über eine =große Flotte= und über =eigene Truppen=. In den Jahren 1650-1702 wurden jährlich 15-30 Schiffe nach Indien abgefertigt; in 22 Jahren unter 20, dafür in 12 Jahren über 25. Diese eigentlichen Ostindienfahrer waren wohl armiert; man hatte drei Klassen: zu 38 Kanonen, zu 36, zu 26. Es war mithin stets eine erhebliche Seemacht auf der Station, zu der noch viele kleine Schiffe für den dortigen Zwischenverkehr traten; die aus- und heimsegelnden Convois bildeten kleine Flotten. Holland stand infolgedessen in den Kriegen mit England und mit Frankreich in Indien überlegen da und der Verkehr mit der Heimat wurde nicht unterbrochen, kaum eingeschränkt. Für die Besatzungen der Forts unterhielt man eine europäische Truppe von 2000 bis 3000 Mann, verwendete in den Kriegen auf Java aber auch Eingeborene der anderen Inseln.

Die Vorherrschaft Hollands in Indien stand jedoch auf schwachen Füßen, Verwaltung und Handelspolitik waren ungesund. Die ostindische Kompagnie hatte um 1739 ihren Höhepunkt bereits überschritten, ihr Verfall begann.[286]

[286] Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue Angaben über die Geschäftsverhältnisse der Kompagnie gegeben sind.

Die Kompagnie wurde in Holland geleitet durch ein Direktorium von 17 Teilhabern »Kamer van Zeventienen«): 8 von Amsterdam, 4 von Seeland, 2 von der Maas, 2 vom Norderquartier und der 17. von den drei letzten Provinzen gemeinschaftlich gewählt. Hinzu traten 60 kaufmännische Leiter, deren Zahl in ähnlichem Verhältnis in den Provinzen verteilt war. Draußen stand in Batavia ein Generalgouverneur an der Spitze, auf Vorschlag der Kompagnie von den Generalstaaten ernannt, ihm zur Seite der »Rat von Indien«, bestehend aus den höchsten Beamten zu Batavia und den Gouverneuren der andern Inseln usw. Die Macht und Verantwortung des Generalgouverneurs waren groß; er besetzte mit dem Rat alle mittleren und niederen Beamtenstellen. Die Laufbahn der Beamten stufte sich ab in: Assistent, Buchhalter, Unterkaufmann, Kaufmann, Oberkaufmann (die Direktoren der einzelnen Kontore). Alle Schiffe, außer den nach Ceylon bestimmten, liefen Batavia an, den Sitz des Generaldirektors des Handels. Der Gouverneur war zwar für gewisse Fälle angewiesen, die Entscheidung der »Kammer der XVII« einzuholen, oder an die Zustimmung des »Rates von Indien« gebunden, konnte aber fast immer seinem Willen Geltung verschaffen.

Die Kompagnie strebte an, Handel und Wandel allein in der Hand zu behalten. Maßregeln in diesem Sinne waren die schon erwähnte Beschränkung des Gewürz- und Kaffeebaues, Unterdrückung jedes anderen Handels sowohl von seiten anderer Völker wie auch holländischer Kolonisten; wie früher bei den Portugiesen war es verboten, Karten und Aufzeichnungen mit in die Heimat zu nehmen, selbst die Privatkorrespondenz unterlag der Aufsicht. Man trieb aber auch eine übermäßige Sparsamkeit, z. B. in der Besoldung der Beamten.

Trotzdem gingen die Geschäfte nicht dauernd gut und wurden immer schlechter. Dabei wurden hohe Dividenden gezahlt: 1651-1702 meist zwischen 15 und 40%, nur in acht Jahren 0%; 1681-1706 wurde in Indien nur in sieben Jahren ein Gewinn erzielt; 1698 hatte die Kompagnie eine Schuldenlast von 11 Millionen Gulden, fast das Doppelte des Einlagekapitals. Der schnelle Rückgang vom Beginn des 18. Jahrh. an ist aus folgenden Angaben über den Reingewinn zu ersehen: 1613-1696 = 40 Millionen; 1613-1703 = 31-1/2; 1613-1713 = 16-1/2; 1613-1723 = 4,8; 1613-1730 = -7,3; 1613-1779 = -85 Millionen Gulden. Über diese Lage verlautete nach außen nichts; sie ist erst im 19. Jahrh. lange nach dem Zusammenbruch der Kompagnie bekannt geworden. Die Welt sah immer nur die ansehnlichen Dividenden und nahm an, daß alles in bester Ordnung sei. Die Kompagnie hatte stets den größten Kredit, sie hatte ja auch viele Kriegslasten auf sich genommen und noch 1696 den Generalstaaten 8 Millionen für die Verlängerung ihres Privilegs gezahlt.

Die Gründe des Rückganges lassen sich zusammenfassen: 1. die immer mehr umsichgreifende Unzuverlässigkeit der Beamten, ein jeder arbeitete in seine Tasche; ursprünglich waren sie wohl durch zu geringe Besoldung gezwungen, für sich Handel zu treiben und Verletzungen der Rechte der Kompagnie seitens Fremder, selbständiger holländischer Kolonisten und der Eingeborenen durchgehen zu lassen. Günstlingswirtschaft bei Besetzung der Stellen riß ein, überflüssige Posten wurden geschaffen; 2. die strenge Durchführung des Monopols lähmte die Entwicklung der Kolonien, mit der Gebietserweiterung wuchsen die Verwaltungskosten unverhältnismäßig; 3. die Kriege auf Java und Celebes verschlangen große Summen, die Regierung stellte infolge der europäischen Kriege zu bedeutende Ansprüche; 4. in Vorderindien wuchs der Wettbewerb der Engländer.

$Englands$ Macht in Indien war 1648 noch unbedeutend (Seite 84). Die =ostindische Kompagnie= besaß Faktoreien, teilweise kleine Forts, an der Westküste Vorderindiens (Vorort Surat), an der Koromandelküste (Madras), in Bengalen (Hugly am Gangesdelta), in der Inselwelt nur noch auf Java und Celebes (später geräumt); eigentliches Landeigentum hatte sie nicht, eine größere Befestigung nur in Madras (St. George seit 1639).

Der erste holländisch-englische Krieg brachte der Kompagnie großen Schaden, doch wurde dieser beim Friedensschluß ersetzt (Seite 229) und auch der Wettbewerb seitens der Courtenlinie (Seite 84) durch völlige Verschmelzung mit dieser abgewendet. 1658 wurde das Kapital wesentlich vermehrt und 1661 bestätigte Karl II. der Kompagnie die weitestgehenden Rechte: Überlassung des alleinigen Handels mit Indien; Anerkennung als politische Korporation mit dem Rechte, sich Gesetze und Verfassung zu geben, mit nichtchristlichen Fürsten Krieg zu führen, Festungen zu bauen und Soldaten zu halten; die Regierung behielt sich nur vor, den Vertrag mit dreijähriger Frist kündigen zu dürfen, falls es das Interesse der Krone oder des Volkes erfordere. Als Bombay dem Könige zufiel, wurde auch dieses der Kompagnie zugeteilt durch seine insulare Lage ein wichtiger Stützpunkt. Es begann nun das langsame aber stetige Wachsen der Macht der Kompagnie. Mit ungeheuren Schwierigkeiten, die nicht nur draußen, sondern auch daheim auftraten, hatte sie zu kämpfen.

Ein kurz gefaßter Überblick auf die =Geschichte der ostindischen Kompagnie=[287] während unseres Zeitabschnittes sei gegeben. Die Geschäfte wurden in Indien von Präsidentschaften geleitet in: Surat, Madras mit Bengalen, Bantam; später fiel Bantam fort, Surat wurde nach Bombay verlegt, Bengalen wurde unter Kalkutta selbständig. Jede Präsidentschaft besaß einige Hauptfaktoreien, von denen die Außenposten abhingen; in England wurden die Schiffe nach einer der Präsidentschaften abgefertigt und von dieser weiter expediert. An der Spitze der Hauptbehörden stand der Präsident mit seinem Rate, dessen Mitglieder wie der Präsident von der Kompagnie ernannt wurden; die übrigen Beamten -- ähnlich wie in Holland: Lehrling, Schreiber, Faktor, junger und alter Kaufmann -- ernannte der Präsident. Die Besoldung war sehr gering, die Beamten waren auch hier geradezu darauf angewiesen, Durchstechereien zu machen und heimlich Handel zu treiben; auch die Besatzungen der kleinen Garnisonen waren so schlecht bezahlt, daß Meutereien vorkamen.

[287] Vorwiegend nach Zimmermann, Band II.

Zu Anfang war die Entwicklung wenig gedeihlich; der Wettbewerb der Holländer in Bantam und Surat, Angriffe der Mahratten auf diesen Platz, Streitigkeiten mit den einheimischen Behörden in Hugly, Kämpfe der indischen Fürsten untereinander in Madras lähmten den Handel. Von 1663-1671 sind nur insgesamt 6 Schiffe von England hinausgesandt. Dann kam ein Aufschwung; 1668-1671 liefen 40, 1679-1682 46 Schiffe aus. 1677 besaß die Kompagnie 30-35 Fahrzeuge von 300-600 tons; etwa die Hälfte mit 40-50 Kanonen. Großen Gewinn machte die Kompagnie jedoch nicht: die Kriege, der Bau der Befestigungen, die Verhandlungen mit den Fürsten sowie die Bestechung ihrer Machthaber erforderten große Summen; 1676 hatte die Kompagnie 600000 Lstrl. Schulden. In den 80er Jahren litt das Geschäft wieder unter Kriegen mit den Mahratten an der Westküste und mit dem Mogul in Bengalen, Bantam wurde geräumt. Durch entlassene Beamte angeregt, versuchten andere englische Kaufleute mit den indischen Fürsten anzuknüpfen, doch gab der bei der Kompagnie beteiligte König Jakob II. dieser das Recht, fremde Schiffe aufzubringen.

Um nun nicht weiter von der Gnade der indischen Fürsten abzuhängen, sowie um jeglichem Wettbewerb kräftiger begegnen zu können, beschloß die Kompagnie 1685 mit Gewalt aufzutreten und ein Reich zu gründen; der Plan war, zunächst ausreichende Gebiete bei Bombay und Madras, in Bengalen und Sumatra zu erwerben und unter das Protektorat des Königs zu stellen. Das Beispiel Hollands hat wohl diesen Plan hervorgerufen, aber man vergaß, daß es leichter war, einzelne Inseln zu unterwerfen, als mit mächtigen Reichen anzubinden; die Hoffnung auf Unterstützung durch die Mahratten erfüllte sich nicht, und so schlug dieser erste Versuch völlig fehl, ja er brachte alles bisher Erreichte in Gefahr.

Mit Einverständnis des Königs, der der Kompagnie auch gestattete, in den Hauptstationen den »Union Jack« zu heißen, wurde 1685 eine Expedition von 10 Kriegsschiffen und 6 Kompagnien Soldaten unter Kapitän Nicholson ausgerüstet; in Indien sollte der oberste Beamte in Bengalen diese mit 400 Mann sowie 9 Schiffen verstärken und den Oberbefehl übernehmen. Man beabsichtigte, die Stadt =Chittagong=, an einem vorzüglichen Hafen im Nordosten des Busens von Bengalen gelegen, zu nehmen und zu befestigen, den Nabob von Bengalen zu Gebietsabtretung und Zugeständnis größerer Rechte zu zwingen; dann wollte man den Portugiesen bisher noch streitige Gebiete in Vorderindien abnehmen und auch holländische Besitzungen angreifen. Das Unternehmen war weder richtig noch genügend stark vorbereitet. Die Präsidenten von Bombay (John Childs) und Madras waren nicht genau davon unterrichtet, was im Osten vor sich gehen sollte -- es war der Überraschung wegen geheim gehalten --, sie konnten keine Vorbereitungen treffen. Als das Geschwader in Hugly erschien, zogen die Inder Truppen zusammen und jagten (Oktober 1686) die Engländer den Fluß hinab, ehe deren Kräfte vollständig versammelt waren. Empört über den Versuch, ließ dann der Mogul die Engländer auch aus Surat vertreiben und bedrohte Bombay wie Madras. Die Kompagnie mußte sich glücklich schätzen, durch geschickte Unterhandlungen überall die alten Verhältnisse herzustellen. Trotzdem unternahm 1688 Childs mit noch schwächeren Kräften einen zweiten Vorstoß in Bengalen. Wieder wurde die Kompagnie aus der Provinz, aus Surat, sowie Masulipatam vertrieben, ja, die Insel Bombay bis auf das Fort besetzt. Doch auch dieses Mal war der Mogul schwach genug, die früheren Rechte zurückzugeben; er erteilte Februar 1690 »den Engländern Verzeihung, da sie demütig darum gebeten hätten«, auch mußte die Kompagnie 150000 Rupien zahlen und Childs absetzen (er starb noch vor Abschluß des Vertrages im belagerten Bombay).

Im Anfang des 18. Jahrh. traten neue Verwicklungen mit den Beamten des Moguls in Surat und Bengalen auf, doch auch diese wurden dadurch überwunden, daß ein Arzt der Kompagnie den Mogul von einer schweren Krankheit heilte, man erlangte sogar neue Rechte und Gebietserweiterung (=1715=). Schon vorher waren Fortschritte an der Koromandelküste gemacht und eine Niederlassung auf Sumatra gegründet worden.

Auch in England hatte die Kompagnie einen schweren Stand nach Vertreibung der Stuarts. In der Allgemeinheit der Handelswelt war sie wegen ihres Monopols und wegen des Wettbewerbs der indischen Stoffe mit den einheimischen verhaßt; ihr schroffes Vorgehen zur Wahrung ihrer Rechte bot Gelegenheiten genug zu Angriffen, so lag sie ständig im Kampfe mit dem Unterhause. Mehrfach drohte Gefahr durch Gründung neuer Kompagnien (1695, 1698, 1730), die der infolge der Kriege erschöpften Regierung günstigere Anerbieten machten; 1698 trat tatsächlich eine solche in Indien wettbewerbend und feindlich auf, sehr zum Nachteil des englischen Ansehens. Aber auch diese Schwierigkeiten wurden durch geschickte Maßnahmen überwunden, stets erlangte man die Verlängerung des Vertrages, als 1744 die Regierung zu neuen Kriegen Geld brauchte bis zu 1780.

Aus vorstehendem ist zu ersehen, daß die Kompagnie alle Schwierigkeiten überwand; sie blühte auf. Die Ausfuhr nach Indien betrug 1710-1715 durchschnittlich im Jahr 496770 Lstrl. an Waren und 1600000 Lstrl. an Münze, von 1735-1740 jährlich 938970 Lstrl. bezw. 2459000 Lstrl.; die Einfuhr von dort hatte 1708-1728 einen Durchschnittswert von 758000 Lstrl. Die Dividenden waren weit bescheidener, als im allgemeinen angenommen wird: 1708 = 5%; 1710-1722 = 10%; 1723-1731 = 8%; 1732-1744 = 7% (man vergleiche dies mit Holland). Die Verwaltung war kostspielig, aber man fürchtete auch, durch zu hohe Dividenden den Neid der übrigen Handelswelt noch zu steigern. Leider sind keine genauen Angaben über die Zahl der Schiffe der Kompagnie vorhanden, um Vergleiche mit Holland anzustellen; übrigens hatte die Gesellschaft von 1712, außer einigen Schnellseglern für Postdienst, keine eigenen Fahrzeuge mehr, sondern heuerte solche. Die Garnisonen bestanden aus englischen und fremden Söldnern sowie indischen Milizen (Sepoys).

Zu Ende unseres Zeitabschnittes war die Kompagnie bereits ein gefährlicher Wettbewerber der Holländer geworden, ihre Glanzzeit trat aber erst ein, nachdem noch ein anderer, neuerschienener Nebenbuhler aus dem Felde geschlagen war, Frankreich.

Als besonders für Deutsche bemerkenswert, sei einer Gefahr gedacht, die allen indischen Kompagnien durch die schon mehrfach erwähnte $Ostender Kompagnie$ drohte. Nachdem die spanischen Niederlande an Österreich gefallen waren, glaubten die Kaufleute dieser Provinz, endlich die Möglichkeit zu haben, wie die Holländer Handel nach Indien zu treiben; =1714= trat die genannte Gesellschaft zusammen. Das Geld kam allerdings vielfach von Personen in Holland und England, die in ihrem Lande die eigenen indischen Kompagnien vergeblich bekämpften und auf diese Weise am indischen Handel teilzunehmen hofften; auch in Deutschland regte sich das Interesse für das Unternehmen, Kaiser Karl VI. nahm es unter seinen Schutz. Die Gesellschaft kaufte in England und Holland Schiffe auf, rüstete sie in Ostende und Lissabon aus; =1716= erschienen die ersten Fahrzeuge unter Kaiserlicher Flagge an der Malabar- und der Koromandelküste. Die älteren Kompagnien sahen darin eine Verletzung ihrer Verträge; die Regierungen unterstützten sie auf diplomatischem Wege, verboten ihren Untertanen jede, auch nur mittelbare, Unterstützung der neuen Gesellschaft und erließen Befehle, deren Schiffe abzufangen. Die Ostender Kompagnie ließ sich nicht entmutigen, obgleich tatsächlich Schiffe aufgebracht wurden, auch Kaiser Karl blieb zunächst fest. =1720= z. B. segelten. 6 Schiffe, Faktoreien wurden in Bengalen, an der Koromandelküste sowie in Kanton gegründet und gute Dividenden verteilt. Da hob der Kaiser =1727= auf das Drängen der Seemächte zugunsten seiner Verhandlungen über die pragmatische Sanktion zunächst das Recht der Kompagnie für sieben Jahre auf und versprach später in einem Vertrage mit England und Holland, =1731=, für immer Handel und Schiffahrt nach Indien von seinen Niederlanden aus zu verbieten. Wäre Deutschland ein mächtiger einheitlicher Staat gewesen, so würde es sich damals wohl einen Anteil an den Ländern des südlichen Asiens haben sichern können.

$Frankreichs$[288] Kolonialbestrebungen unter Richelieu hatten noch nicht zur Festsetzung in Indien geführt (Seite 90). 1664 wurde die Compagnie des Indes Orientales gegründet, der König schoß 4 Millionen zinslos vor und versprach, für zehn Jahre den etwaigen Ausfall zu übernehmen. Die Städte, der Klerus, die Steuerpächter, die Noblesse de la Robe wurden zur Beteiligung bewogen; 6 Millionen sollten aufgebracht werden, aber nur 3 kamen ein. Die Gesellschaft erhielt den alleinigen Handel mit Indien (und Madagaskar sowie anderen Inseln im Indischen Ozean, vgl. später unter »Afrika«) auf 50 Jahre, Prämien für Ausfuhr sowie die zu erobernden Gebiete als Eigentum zugesichert. 1666 ging eine Flotte von 14 Schiffen unter Admiral =de Mondevergue=, in erster Linie nach Madagaskar bestimmt, in See, von ihr zweigte sich ein Teil unter einem Direktor der Gesellschaft, =Caron=, für Indien ab und gründete (1668) Faktoreien in Surat, Masulipatam sowie in Chandernagor am Ganges. 1669 folgte ein starkes Geschwader unter Oberst =de la Haye=, der als Generalleutnant des Indes orientales den Indern die Macht Frankreichs zeigen, mit dem Mogul in Verbindung treten und auf Ceylon sowie Banca neue Ansiedlungen gründen sollte. Man hoffte, alles auf friedlichem Wege zu erreichen, da England schwach sei und Holland offene Feindseligkeiten nicht wagen würde. Man fand aber den auf Ceylon in Aussicht genommenen Platz schon von den Holländern besetzt (1672) und wurde durch das Erscheinen überlegener holländischer Seestreitkräfte gehindert, sich auf einigen kleinen Inseln in der Nähe niederzulassen. De la Haye eroberte nun St. Thomé an der Koromandelküste, wurde jedoch auch von hier (1674) durch den Herrscher von Golkonda, unterstützt durch die Holländer, wieder vertrieben, von Masulipatam waren die Franzosen gleichfalls verjagt. Dagegen gründete 1674 ein Beamter der Kompagnie, =François Martin=, mit nur geringen Mitteln eine Kolonie in =Pondichery=, diese hielt sich und sollte die Grundlage der späteren Macht werden. Martin verstand es, sich stets mit den wechselnden Machthabern gut zu stellen; er wurde dann Generaldirektor in Indien, knüpfte neue Verbindungen an, hob die Faktoreien in Surat sowie Chandernagor, erhielt Masulipatam zurück und gewann eine neue in Balassor (Bengalen). Die lange Kriegszeit, 1688-1713, wirkte jedoch so nachteilig, daß die Kompagnie ihre Geschäfte einstellen und ihre Rechte an einige Kaufleute in St. Malo abtreten mußte, aber auch diese fanden ihre Rechnung nicht; Pondichery kam leidlich durch die schweren Zeiten, die anderen Faktoreien vegetierten nur. Erst mit den Lawschen Gründungen trat ein Umschwung ein; bei deren Zusammenbruch blieb die =Compagnie des Indes=, die die Rechte der alten Gesellschaft für Indien erhalten hatte, bestehen. 1721 gingen die ersten Schiffe hinaus; 1725 wurden der Hafen von Mahé, nahe Pondichery, besetzt, verschiedene neue Plätze besiedelt und, wie schon Pondichery unter Martin, befestigt, der Verkehr mit China sowie mit den Philippinen gepflegt. Der Handel hob sich; 1727 betrug die Ausfuhr nach Frankreich 2-1/4 Millionen, 1731 schon 6. Neben Indien blühten die Inseln Bourbon und Isle de France, wichtig als Stationen auf dem Wege nach dort, auf. Die Kompagnie hatte das Glück, nacheinander tüchtige Gouverneure in Pondichery zu haben: Martin, Lenoir bis 1735, dann Dumas, endlich Dupleix (von 1741 an). Die Verwaltung war einfach und praktisch; an der Spitze jeder größeren Kolonie stand ein Gouverneur mit einem Rate von fünf Mitgliedern. Ein Hauptaugenmerk richtete man auf Schaffung von Schulen für die Eingeborenen und auf Französierung dieser; die natürlichen Erzeugnisse des Landes wurden sorgsam erforscht, Gewächse aller Art zur Prüfung an den Pariser Jardin des plantes gesandt.

[288] Näheres Zimmermann, Band IV.

Als =Dumas= sein Amt antrat, war die politische Lage in Indien den Europäern günstig. Perser, Afghanen und Mahratten beunruhigten das Mogulreich; seine Provinzen mußten sich selber schützen und kümmerten sich nicht mehr um den Hof in Delhi. Dumas nutzte dies zur Erweiterung des Gebietes sowie zur Hebung des Handels aus.

Unter =Dupleix=, unterstützt durch den Gouverneur La Bourdonnais auf Bourbon, begann Frankreich in Indien eine den Engländern gefährliche Macht zu werden.

$Spanien$ verblieben nach Räumung der letzten Ansiedlungen auf den Molukken im fernen Osten nur die =Philippinen= (Seite 75). Die Inseln brachten während des 17. Jahrh. mehr Kosten und Sorgen als Vorteile. In dem großen Kriege mit den Holländern bedrohten diese die Verbindung mit Mexiko. Als Portugal sich von Spanien losgesagt und Holland sich Malakkas (sowie Formosas) bemächtigt hatte, waren die Inseln ganz isoliert und der ohnehin unbedeutende Handel litt schwer. 1662 erfolgte ein furchtbarer Aufstand der Eingeborenen. Weitere Kämpfe mit diesen, Streitigkeiten der Behörden mit den Kolonisten, kirchliche Wirren -- Kämpfe der Jesuiten mit anderen Orden -- füllten die Zeit bis zum Beginn des 18. Jahrh. aus. Im Spanischen Erbfolgekriege störten englische Kreuzer den Handel. Während der dann folgenden Friedenszeit wurden nun wohl Entdeckungsfahrten nach anderen Inselgruppen des Stillen Ozeans unternommen und der spanische Einfluß auf diese ausgedehnt, z. B. auf die Palaos- und Karolineninseln, auch der Handel nach Mexiko hob sich infolge erleichternder Bestimmungen über die Einführung asiatischer Waren in Spanisch-Amerika, aber noch 1757 übertrafen die Ausgaben der Kolonie (679000 Pesos) die Einnahmen um 79800 Pesos, obgleich Mexiko einen Zuschuß (250000 Pesos) leisten mußte.

Afrika.

$Portugal$ war wenig von dem verblieben, was es einst in Afrika besessen hatte (Seite 61, 63). =An der Westküste= hatte ihm Holland während seines Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen an der Goldküste abgenommen; auch England (sowie Dänemark und Brandenburg) hatte sich dort angesiedelt. 1740 besaß Portugal außer den nördlichen Inseln, Madeira und den Kapverden, nur noch ein kleines Gebiet am Senegal, die Inseln S. Thomé und Principe sowie die Provinz Angola: den Küstenstrich von Ambris bis Mossamedes mit der Hauptstadt S. Paolo de Loanda. Es waren dies Kolonien von sehr geringer Bedeutung; man hatte sie stets mehr als Stützpunkte für die Indienfahrt und als Bezugsquelle für die Negersklaven, die man in Brasilien brauchte, betrachtet.

=An der Ostküste=, die einst ganz in ihren Händen gewesen war, hatten die Portugiesen fast alles verloren. Schon gegen Ende des 16. Jahrh. bedurfte es großer Anstrengungen, den nördlichen Teil (Mombas, Melinde, Sansibar) gegen Angriffe der Türken sowie gegen Erhebungen der Eingeborenen, angezettelt durch die Türken, zu halten, und auch der südliche Teil (Mosambique, Kilwa, Tete am Sambesi, Sofala) ward öfters schwer durch die Kaffern bedroht. Im 17. Jahrh. beunruhigten die Holländer während des Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen und diese hatten dann in der zweiten Hälfte beständig unter den Angriffen der Araber (des Imam von Maskan) zu leiden; Mombas, Sansibar, Kilwa gingen verloren und auch im Süden fielen die Kaffern wieder ein; 1721 besetzte Holland die Delagoabay. So besaß Portugal 1740 nur noch die Küsten von Mosambique nebst Sofala. Versuche, diese Kolonie durch Handelserleichterungen zu heben, hatten wenig Erfolg, nur der Sklavenhandel war lohnend. Für Erschließung des Innern geschah nichts, die Kaffernstämme bedrohten selbst die Küstenstädte; schlechte Verwaltung und Mangel an Mitteln hinderten jeden Aufschwung.

$Holland$ und zwar die =westindische Kompagnie= (Seite 87/88) hatte Niederlassungen in =Senegambien=, Hauptort die Insel Gorée, gegründet und an der =Goldküste= die Portugiesen vertrieben. Die Besitzungen wurden in den Kriegen mit England (Seite 252) und mit Frankreich (Seite 371) mehrfach Angriffspunkte der Feinde und gingen, wie die in Nordamerika und Westindien, größtenteils verloren; 1674 waren an der Goldküste nur noch einzelne im Besitz der Kompagnie, Hauptplatz Elmina.

Die Niederlassungen bestanden in größeren und kleineren Forts (bei England wird die Stärke einiger solcher Forts als Beispiel gegeben werden), von denen aus der Handel betrieben wurde; irgend welchen Grundbesitz oder unmittelbare Herrschaft über Eingeborene hatte man nicht. Die Regierung des Landes lag ganz in der Hand der letzteren, die sich unausgesetzt befehdeten und oft den Handel mit einem oder dem anderen fremden Fort sperrten. Bei den anderen Nationen waren die Verhältnisse die gleichen; die Forts der verschiedenen Völker lagen, oft in nächster Nähe, durcheinander. Um 1674 mußte die alte westindische Kompagnie ihre Geschäfte einstellen; eine neugegründete war nicht imstande, den Besitz wieder zu erweitern, und so blieb die Macht Hollands in Westafrika gering.

Einen Vorteil hatte Holland im letzten Jahrhundert dadurch errungen, daß =die ostindische Kompagnie= 1653 =das Kapland= besetzte. Schon früher war die Tafelbay neben St. Helena als Erfrischungsstation auf den Reisen nach Indien angelaufen worden, jetzt wurde sie der Hauptpunkt, besonders auch da 1657 die englisch-ostindische Kompagnie =St. Helena= in Besitz nahm und stark befestigte. Im Kaplande bildete sich neben der Station der Kompagnie eine Niederlassung freier Bürger, die Wein- und Gemüsebau mit Erfolg trieben; schon 1660 deckte die Kolonie ihre Kosten. Die Kompagnie mußte diesen ihren einzigen Stützpunkt auf dem Wege nach Indien halten, im übrigen stockte die Entwicklung der Kolonien bald; noch 1750 sprachen die Behörden am Orte dem Lande jede Zukunft ab. Die Kolonisten schrieben die Schuld der Verwaltung zu: Schlecht bezahlt, suchten die Beamten, Privatgeschäfte zu machen, hinderten eine umfangreiche Besiedlung, waren bestechlich und eigenmächtig. Mangel an Arbeitskräften sowie Schwierigkeiten mit den Eingeborenen traten hinzu.

Versuche, sich =an der Ostküste= Afrikas festzusetzen, scheiterten; auch die Delagoabay wurde wieder aufgegeben.

$England$ hatte 1631 zuerst einige Niederlassungen an der Goldküste gegründet, die aber bald teils verfielen, teils von anderen Mächten (Holland, Dänemark, dem Herzog von Kurland) besetzt wurden. 1662 bildete sich die =westafrikanische Kompagnie= (an ihrer Spitze der Herzog von York), die die alten Posten wieder besetzen und eine regelmäßige Negerausfuhr betreiben wollte. Sie übernahm einige Forts des Herzogs von Kurland, baute neue am Gambia und an der Sierra-Leone-Küste und eroberte andere von den Holländern, wie eben erwähnt. 1672 trat eine neue Kompagnie an ihre Stelle und erweiterte den Machtbereich. Diese besaß um 1710 ein Fort an der Mündung des =Gambia= (28 Weiße, 7 Kanonen), zwei an der =Sierra-Leone-Küste= und elf an der =Goldküste= (das größte, Capecoastcastle 93 Weiße, 42 Kanonen; drei mit 20 Weißen und 25 Kanonen und so hinab bis zu 6 Weißen und 6 Kanonen; zwei oder drei gar nur mit 2 Weißen). Der Negerhandel blühte sehr auf; 1680-1688 sind über 46 000 ausgeführt, später jährlich über 20000. Der sonstige Handel spielte nur eine unbedeutende Rolle; 1740 betrug der Wert der Ausfuhr 110543 Lstrl., der der Einfuhr 62787 Lstrl.

Die Kompagnie machte gute Geschäfte, so lange sie das Monopol hatte, bis 1688. Neben dem Negerhandel führte sie Elfenbein, Wachs, Rotholz und besonders Gold aus; 1673 wurden von diesem zum ersten Male Goldmünzen geschlagen und »Guineas« genannt. Die »declaration of right«, 1688, die alle ohne Bewilligung des Parlaments erteilten Vorrechte aufhob, raubte der Kompagnie ihre Grundlage. Andere Engländer begannen den Handel und die Gesellschaft kämpfte denselben Kampf um ihre Vorrechte wie die ostindische, aber sie unterlag; der Handel wurde freigegeben, die Kompagnie erreichte nur eine Unterstützung von seiten der Regierung zur Erhaltung der Forts. 1750 wurde die Gesellschaft aufgelöst; um aber die Forts halten zu können, wurden sämtliche Personen, die nach Afrika Handel trieben, gezwungen, zu einer Körperschaft zusammenzutreten -- einer sogenannten »regulated company« im Gegensatz zu einer »joint stock company« --, die Regierung mußte aber weiter zuschießen. (Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite 364 ff.)

Die Besetzung =St. Helenas= ist bereits erwähnt; die Insel blieb, mit kurzer Unterbrechung 1673, in englischem Besitz.

$Frankreich$ betrieb um 1648 mit verschiedenen Gesellschaften Sklavenhandel =an der Westküste=[289] vom Kap Branco bis zur Sierra-Leone-Küste, eine bedeutendere Niederlassung bestand nur an der Mündung des Senegal (St. Louis). 1664 erwarb die =Compagnie des Indes Occidentales= das alleinige Recht zum Handel; man konnte aber gegen die Holländer und Engländer, die die besten Plätze im Besitz hatten, nicht aufkommen. 1667 wurden den Holländern wichtige Plätze südlich des Kap Verde abgenommen (Gorée, Portudal, Joal) und, nachdem die Kolonie und ihr Handel im Pfälzischen Erbschaftskriege viel zu leiden gehabt hatten, wurde 1697 der Anfang gemacht, das Senegalgebiet wirklich zu kolonisieren, sich nicht mehr auf die Negerausfuhr zu beschränken; es wurden neben neuen Stationen an der Küste auch solche im Innern angelegt. Diese Bestrebungen hatten Erfolg, besonders nach dem Frieden von Utrecht und nachdem die Lawsche =Compagnie d'Occident= die Sache in die Hand genommen. Wenn auch der Handel kein sehr einträglicher war -- man rechnete die Ausfuhr, einschließlich Sklaven, auf 800000 Frank mit einem Gewinn von 200000 im Jahre --, so war doch der französische Einfluß in Senegambien und bis zum Kap Branco hinauf bedeutender als der der Engländer, die nur am Gambia saßen; er war gestützt auf gut im Stande gehaltene Forts: an der Arguinküste Arguin und Portendik (jetzt Ndjeil); St. Louis am Senegal (Mündung); Podor, St. Joseph, St. Pierre (weiter stromauf); Gorée, Portudal, Joal, Albreda im Gambiagebiet und weiter südlich Bintam.

[289] Näheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217.

Die Insel Arguin war ursprünglich holländisch. Das Fort hier wurde 1677 auf demselben Zuge zerstört, der den Holländern die Plätze in Senegambien kostete. 1683 hatte sich =Brandenburg= auf Arguin niedergelassen, trat es aber wieder an Holland ab und dieses wurde 1721 von den Franzosen mit Gewalt vertrieben.

=An der Ostküste= Afrikas haben die Franzosen 1642-1643 eine Niederlassung auf =Madagaskar= gegründet (Fort Dauphin). Wie (bei Indien) angedeutet, hatte die große Expedition 1666 unter Admiral de Mondevergue -- sie führte auf 14 Schiffen gegen 1000 Kolonisten, 200 Soldaten und für 1194000 Frank Waren -- hauptsächlich den Zweck, die ganze Insel zu erobern; sie mißlang völlig und 1674 wurde diese Kolonie überhaupt aufgegeben.

Die Ausreise dauerte elf Monate. Entblößt von allen Lebensmitteln traf die Expedition in Fort Dauphin ein, sie fand die Niederlassung in traurigster Verfassung; die Ansiedler lebten in stetem Kampf mit den Eingeborenen und hatten kaum genügend Nahrung. Die Neuangekommenen verlangten, völlig enttäuscht, nach Frankreich zurückgeschafft zu werden; der Admiral und die Beamten der Kompagnie, die die Expedition entsandt hatte, erklärten, die Kolonie habe keine Zukunft; die Gesellschaft gab sie denn auch 1669 an die Krone zurück und ließ ihre Indienfahrer nicht mehr Fort Dauphin, sondern die Insel Bourbon anlaufen. Trotzdem gab die Regierung die Sache noch nicht auf und selbst die sehr zusammengeschmolzenen Kolonisten erklärten, aushalten zu wollen, als ihnen Oberst de la Haye auf seiner Reise nach Indien 1671 anbot, sie nach Bourbon zu schaffen. Als aber de la Haye auf seiner Rückreise 1674 die Insel anlief, fand er Fort Dauphin zerstört und die Ansiedler von ihren Sklaven und den Eingeborenen ermordet, nur 63 hatten sich im Fort gehalten und dann auf einem zufällig eingetroffenen französischen Schiffe die Insel verlassen.

Dagegen hatte sich die Insel =Bourbon=, seit 1654 besiedelt, gut entwickelt. Hier wurde Zucker- und Kaffeebau mit Sklaven getrieben, 1723 zählte man 600 Weiße. Auch =Isle de France= (Mauritius), 1715 in Besitz genommen, blühte schnell auf, besonders unter =La Bourdonnais=, von 1735 an Gouverneur beider Inseln. Die Compagnie des Indes wandte den Maskaren, als Station auf dem Wege nach Indien, große Sorgfalt zu, sie führte Vieh sowie Neger und Kulis zur Bestellung der Plantagen ein.

* * * * *

Seekriege.

Im Altertum.

Zeit Seite 8. bis 5. Jahrh. Phöniziens Kriege 17 513 v. Chr. Darius gegen die Skythen 17 493-449 " " Perserkriege 18 431-404 " " Peloponnesischer Krieg 19 480-310 " " Karthagos Kriege 19 264-146 " " Punische Kriege 20 bis 31 " " Roms Kriege 20

Im Mittelalter.

5. und 6. Jahrh. Byzanz' Kriege 42 11. bis 13. Jahrh. Kreuzzüge 43 12., 13. u. 14. Jahrh. Genuas und Venedigs Kriege 43 10. u. 12. Jahrh. Die Staaten der Pyrenäischen Halbinsel 43 9. bis 11. Jahrh. Züge der Normannen 43 14. u. 15. Jahrh. Kämpfe der Hansa 43 13., 14. u. 15. Jahrh. Kriege zwischen England und Frankreich 44-47

In der Zeit von 1492-1648.

Kriege im Mittelmeer: 16. Jahrh. Venedig und die Türken 108 16. u. 17. Jahrh. Frankreich, Spanien, die italienischen Städte 109

Kriege in der Ostsee: 16. Jahrh. Hansa 109 16. u. 17. Jahrh. Schweden und Dänemark 110 16. u. 17. Jahrh. Kriege zwischen England und Frankreich 111-112 1566(1585)-1588 Krieg Hollands und Englands gegen Spanien 112-114 1588 Der Zug der Armada 114-133 1588-1604 Krieg Englands gegen Spanien 133-137 1588-1648 Krieg Hollands gegen Spanien 139-142 (In diesem Kriege, Kampf Hollands gegen Dünkirchen) 140

In der Zeit von 1648-1739.

1652-1654 Der erste englisch-holländische Krieg 189-235 1654-1659 England gegen Spanien 236-238 1656-1661 Holland gegen Portugal 239 1655-1660 Schwedisch-polnisch- (holländisch- brandenburgisch) dänischer Krieg 239-245 1654-1665 Kämpfe gegen die Barbaresken 239, 246 1635-1659 Frankreich gegen Spanien (und Frondekriege) 246 1645-1669 Venedig gegen die Türken 247 1665-1667 Der zweite englisch-holländische Krieg 248-306 1667-1672 Kämpfe gegen die Barbaresken 319 1672-1674 Der dritte englisch-holländische Krieg 307-361 1674-1678 Französisch-holländisch (-spanischer) Krieg (Fortsetzung des vorigen) 363-393 1675-1679 Schwedisch-dänischer (holländisch- brandenburgischer) Krieg, schonischer Krieg 394-402 1674-1688 Kämpfe gegen die Barbaresken (französische Bombardements) 402-408 1684 Die Franzosen vor Genua 408-409 1684-1699 Venedig gegen die Türken 409 1688-1697 Der französisch-englisch-holländische Krieg (PfälzischerErbschaftskrieg) 410-485 1702-1713 Der Spanische Erbfolgekrieg 486-576 1718-1720 Krieg der Quadrupel-Allianz (England, Frankreich usw.) gegen Spanien 577-582 1700-1721 Der Nordische Krieg 582-591 1714-1718 Kriege Venedigs gegen die Türken (1645-1669, 1684 bis 1699) 591-592 1715-1740 Kämpfe gegen die Barbaresken 592-593 1727-1728 Zusammenstoß Englands mit Spanien 596 1733-1735 Polnischer Thronfolgekrieg 597

Seeschlachten.

Gefechte, Angriffe auf Küstenstädte.

Im Altertum.

494 v. Chr. Lade 17 480 " " Artemisium, Salamis 18, 23, 24 429 " " Rhium 23 256 " " Eknomos 20, 23 36 " " Mylae (Naulochus) 21, 22 31 " " Aktium 21, 22, 24

Im Mittelalter.

1212 Damme 44 1217 Southforeland 45, 49 1340 24. Juni Sluys 45, 49 1372 La Rochelle 46 1416 September Harfleur 47 1417 25. Juli Im Kanal 47 1351 Auf der Maas 48

In der Zeit von 1492-1648.

1571 7. Oktober Lepanto 144 1580 Bei den Azoren 112 1622 La Rochelle 112 1638 Genua 145 1587 19. April Zerstörung der Schiffe in Cadiz (Drake) 115 { 21. Juli Plymouth } 126 { 23. " Portland } Während 127 1588 { 25. " Wight } des Zuges 128 { 28. " Calais } der 129 { 29. " Gravelines } Armada 130 1596 20. Juni Angriff auf Cadiz (Howard) 135 1625 Ebenso (Wimbledon) 138 1607 Gibraltar 139 1631 Auf der Schelde 141 1639 21. Oktober In den Downs (eine zweite Armadakatastrophe) 141

In der Zeit von 1648-1739.

(Der Name des Siegers ist zuerst angeführt.) 1652 29. Mai Dover (Blake-Tromp, Martin) 199 1652 26. August Plymouth (Ruyter-Ayscue) 205 1652 7. September Blake vernichtet ein franz Geschwader (Vendôme) 208 1652 6. September Elba (van Galen-Badiley) 208 1652 30. September Livorno (Bootsangriff auf »Phönix«) 209 1652 8. Oktober Kentish Knock (Blake-Witte de Witt) 209 1652 10. Dezember Dungeness (Tromp-Blake) 211 1653 14. März Livorno (van Galen-Appleton) 214 1653 28. Febr.-2. März Portland (Blake-Tromp) 214 1653 12./13. Juni Northforeland-Nieuport (Monck-Tromp) 222 1653 8. August Kattwijk (Monck-Tromp) 224 1653 10. August Scheveningen (Monck-Tromp) 226 1654 13. April Penn landet bei Domingo 236 1654 10.-17. Mai Jamaica erobert (Penn) 236 1655 4. April Tunis (Schiffe vernichtet; Blake) 237 1657 27. April Teneriffa (Schiffe vernichtet; Blake) 238 1658 8. November Im Sunde (Wassenaer-Wrangel) 242 1659 23. November Nyborg beschossen (Ruyter) 245 1664 29. Dezember Smyrnaconvoi (holländ.) bei Gibraltar angegriffen (Allin) 254 1665 13. Juni Lowestoft (Herzog von York-Wassenaer) 263 1665 12. August Bergen, Angriff auf holländ. Kauffahrer (Tyddiman) 271 1666 11.-14. Juni Viertageschlacht (Ruyter-Monck) 273 1666 4./5. August Northforeland (zweite Schlacht; Monck-Ruyter) 282 1666 19. August Engländer im Vlie-Strome (Holmes) 286 1667 17.-23. Juni Ruyter in Themse und Medway 292 1672 23. März Smyrnaconvoi (holländ.) bei Wight angegriffen (Holmes) 321 1673 7. Juni Schooneveld (erste Schlacht; Ruyter- Prinz Rupert) 334 1673 14. Juni Schooneveld (zweite Schlacht; Ruyter- Prinz Rupert) 339 1673 21. August Texel (Ruyter-Prinz Rupert) 341 1674 Juni, Juli Französische Küstenstädte angegriffen (Tromp, Cornelis) 364 1674 20. Juli Martinique (Ruyters Landung) 368 1675 11. Februar Stromboli (Vivonne-del Viso) 373 1676 8. Januar Stromboli (Ruyter-du Quesne) 377 1676 22. April Agosta (du Quesne-Ruyter) 381 1676 2. Juni Palermo (Vivonne vernichtet holländ.- span. Flotte) 385 1676 4. Juni Bornholm (Niels Juel-Creutz) 396 1676 11. Juni Ertholm (Niels Juel und Tromp-Creutz) 397 1677 21. Februar Tabago (d'Estrées' Landung) 370 1677 11. Juni Warnemünde-Gjedser (Niels Juel) 398 1677 11. Juli Kjögebucht (Niels Juel-Horn) 398 1677 August Kalmar (Tromps und Niels Juels Einfall) 399 1677 11. Dezember Tabago (d'Estrées' zweite Landung) 371 1678 11. Dezember Kap Ouessant (Evertsen-Château-Renault) 388 1682 u. 1683 Sommer Algier bombardiert (du Quesne) 405 1684 Mai Genua bombardiert (du Quesne) 408 1685 Juni Tunis, Tripolis bombardiert (d'Estrées) 408 1688 Juli Algier bombardiert (d'Estrées) 408 1689 11. Mai Bantrybay (Château-Renault-Herbert) 430 1690 10. Juli Beachy Head (Tourville-Herbert) 436 1691 Juni-August Tourvilles Hochsee-Kreuztour 441 1692 29. Mai-3. Juni Kap Barfleur-La Hogue (Russell- Tourville) 444 1692 27. Juni Smyrnaconvoi (engl.-holländ.) bei Lagos vernichtet (Tourville) 457 1693 November St. Malo bombardiert (England) 459 1694 Juni-September Brest angegriffen; Dieppe, Dünkirchen, Calais beschossen (England) 461 1695 Juli, August St. Malo, Dünkirchen, Calais beschossen (England) 463 1696 Juli Westküste Frankreichs bedroht (England) 466 1697 April Cartagena (Mittelamerika) erobert (de Pointis) 467 1700 Juli Kopenhagen angegriffen (Schweden, England, Holland) 586 1702 August Cadiz angegriffen (Rooke) 514 1702 29. Aug.-3. Sept. Cartagena (du Casse-Benbow) 563 1702 23. Oktober Vigo, Vernichtung der Silberflotte (Rooke) 516 1704 3. August Gibraltar erobert (Rooke) 526 1704 24. August Malaga (Rooke-Graf Toulouse) 530 1704/05 Winter Gibraltar, Rückeroberungsversuche (Frankreich) 536, 538 1705 18. März Gibraltar (Leake-de Pointis) 538 1705 3. September Barcelona erobert (Shovel) 540 1707 Juli u. August Toulon belagert (Prinz Eugen und Shovel) 547 1710 24. Juli Cette, Landung der Engländer 554 1712 Herbst Rio gebrandschatzt (Duguay-Trouin) 556 1714 Sommer Hangö-Udd (Apraxin-Schweden) 589 1715 28. Juli Holsteinische Küste (Dänen-Schweden) 588 1715 8. August Rügen (Dänen-Schweden) 588 1718 11. August Kap Passaro (Byng vernichtet spanische Flotte) 580 1719 Oktober Einfälle in Spanien (Frankreich und England) 581 1727 Januar-Juni Gibraltar durch Spanien belagert 596

* * * * *

Sach- und Namenverzeichnis.

=Acadia= d. i. Neuschottland und Neubraunschweig; Besiedlung 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«.

=Admiral=, Ursprung des Wortes 52; Admirale im Mittelalter 52; Zeit (1492-1648) 149, 152; (1648-1740) 181; Generale zur See in England 195; englische Admiralsgrade nach den Flaggen 221; große Vermehrung der A. in Holland 257; Lordhighadmiral 260; Generalleutnant-Admiral in Holland 314; A. in Frankreich (vor und nach 1660) 318; Admiralität und A. of the fleet in England 419; Joint-Admirals 440, 457, 459, 540.

=Advijsjachten=, holländ. Schiffstyp 255.

=Afrika=, siehe unter »Ostafrika« und »Westafrika«.

=Agrippa=, 15, 21.

=Ägypter=, Schiffahrt 4; in Indien (1508) 62.

=Albemarle=, Herzog von, englischer Admiral siehe »Monck«.

=Alberoni=, Kardinal, Leiter Spaniens (1714-1720), hebt Seestreitkräfte, Umtriebe gegen die Bedingungen des Friedens von Utrecht 578-581.

=Allin=, engl. Admiral (1664) 254.

=Almonde=, holländ. Admiral (1676) 396; bei Cap Barfleur 447, 461; im Mittelmeer (1702) 511, 514, (1703) 520; in der Ostsee (1700) 586.

=Amboina=, Streit zwischen England und Holland 83, 189, 251.

=Amerika=, siehe unter »Nordamerika« und »Südamerika«.

=Amfreville=, de, franz. Admiral (1690) 434, 441.

=Anapolis=, siehe Port Royal.

=Antilia=, sagenhafte Insel im Atlantik 51, 66.

=Appleton=, engl. Admiral (1652) 209, 214.

=Apraxin=, russisch. Admiral (1700) 589.

=Archangel=, gegründet (1584) 77.

=Armada=, Geschichte der 116 ff; Ereignisse der Armadawoche 126 (siehe auch unter »Seeschlachten«); Instruktion für die A. 116; Streitkräfte der Spanier 119, der Engländer 123, der Holländer 120; Abwägung der Gegner 122; Verluste 132; Kritik 132.

Eine zweite Armadakatastrophe (1639) 141.

=Armierung=, der Schiffe bei den verschiedenen Marinen siehe unter »Geschütze«.

=Artillerie=, Entwicklung der usw. siehe unter »Geschütze«.

=Assiento-Vertrag=, zwischen England und Spanien (1713) über Negereinfuhr und Handel in Westindien 576, 598.

=Augsburger Bund=, gegen Ludwig XIV. (1686) 411.

=Australien= (Torresstraße, Tasmanien, Neuseeland entdeckt) 75.

=Ayscue=, engl. Admiral (1652) 199, 204.

=Back=, Vordeck, siehe »Decke«.

=Badiley=, engl. Admiral (1652) 209, 214, 219.

=Ballisten=, Wurfmaschinen 13.

=Bankers=, holländ. Admiral (1672), bei Solebay 325 ff; bei Schooneveld 336 ff; bei Texel 345 ff.

=Barbareskenstaaten=, 91; weitere Kämpfe mit ihnen siehe unter »Seekriege«.

=Barcelona=, belagert (1691) 444, (1694) 460; erobert (1697) 466; angegriffen (1704) 524; erobert (1705) 540; belagert und entsetzt (1706) 540; erstürmt (1714) 556.

=Bart, Jean=, berühmter franz. Freibeuter (1674) 389, 403, 463, 465; Personalien und Haupttaten 470.

=Beaufort=, Herzog von, franz. Admiral (1665) 272, 287 ff, in Kreta [+] 320, 592.

=Behaim=, Martin, Instrumente, Globus, Weltkarte 29, 31, 57.

=Belle-Isle=, franz. Insel, angegriffen (1674) 364.

=Bemannung= der Schiffe, siehe unter »Personal«.

=Benbow=, engl. Admiral, in Westindien (1702) 508; Gefecht bei Cartagena 562.

=Berkeley=, engl. Admiral, vor franz. Küstenstädten (1694/1695) 461-463; an franz. Westküste (1696) 466.

=Bielke=, dänisch. Admiral (1658) 243.

=Binckes=, holländ. Admiral (1676) bei Tabago 369 ff.

=Blake=, Robert, berühmter engl. Admiral, 198; bei Dover (1654) 199; Personalien 200, 204; vernichtet franz. Geschwader 208; bei Kentish-Knock 209; bei Dungeness 212; bei Portland 215; vor Tunis und Teneriffa 237, 238.

=Boote=, Bei-, Schiffs-, 166.

=Bourbon=, Insel, von Frankreich besiedelt (1654) 621.

=Bourbonischer Familienvertrag=, Keim zum großen Seekriege (1739 usw.) 622.

=Bourne=, engl. Admiral(1652) 199, 210.

=Brandenburg=, siehe unter »Friedrich Wilhelm« und unter »Marinen«.

=Brander=, 42, 106; großer Angriff mit B. (1588) 129; Wesen der, Bestände an 172; Blüte und Niedergang der Waffe 188, 313, 354; größter Erfolg bei Palermo 385; Abarten: Infernals 459, 462, 464; Rauchschiffe 464; Bedeutung der Waffe (1688-1697) 474.

=Brasilien=, entdeckt (1500) 60; besiedelt 74; Holländer dort 88, Franzosen 89; Kämpfe Portugals mit Holland 198; Duguay-Trouin brandschatzt Rio (1712) 556; Geschichte B.s (1648-1740) 605.

=Brest=, Angriff auf (1694) 461.

=Britische Gewässer=, (four seas), in denen England die Oberhoheit beanspruchte 188.

=Bucanier= siehe »Flibustier«.

=Bücher=, nautische, im Altertum 6; im Mittelalter 31; (1492-1648) 106; (1648-1739) 167.

=Bullen=, päpstliche über Teilung der Welt 29, 59.

=Bündnisse=, Schwäche der 356.

=Burgh=, Hubert de, engl. Flottenführer (1217) 45.

=Byng=, engl. Admiral, vor Gibraltar (1704) 526, 542; im Mittelmeer (1709) 553, (1718) 579; vernichtet spanische Flotte 580; in der Ostsee (1717) 590.

=Byzanz= (oströmisches Reich), Schifffahrt 26; Schiffe 32; Kriege 42.

=Cabotto=, Giovanni, Entdecker Nordamerikas 76. -- Sebastian (Sohn G.s) Entdeckungen im Norden Europas 77.

=Cabral=, Pedro, Alvarez, entdeckt Brasilien 60.

=Calais=, Wechsel der Besitzer 46, 47, 112, 135; beschossen (1694) 462, (1695) 464, (1696) 465.

=Callenburgh=, holländ. Admiral (1675) 383; entzieht sich du Quesne 387; 437.

=Camisarden= siehe »Cevennenkrieg«.

=Cartier=, franz. Entdecker in Nordamerika 76, 89.

=Casse=, du, franz. Admiral 469; Haupttaten 562; Gefecht bei Cartagena (1702) 563.

=Cassard=, franz. Admiral, in Westindien (1712) 555; Haupttaten 562.

=Catinat=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 489, 491.

=Cette=, (Cevennenkrieg, Camisarden) 494; Engländer dort (1703) 520; Landung (1710) 554.

=Cevennenkrieg=, siehe vorstehend.

=Château-Renault=, franz. Admiral (1678) 388; bei Bantrybay 429, 433; bei Beachy Head 437; in Westindien (1701) 508; mit der Silberflotte in Vigo vernichtet 516.

=Childs=, John, Präsident der engl.-ostind. Kompagnie (1686) 615.

=Cinque-Ports=, 50.

=Clifford=, George, Earl of Cumberland, berühmter engl. Freibeuter (1589) 134.

=Coëtlogon=, franz. Admiral (1688) 469, 508.

=Colbert=, 158, 250; gründet franz. Marine, seine Wohlfahrtspolitik 315; gründet Kolonien 603.

=Condé=, Prinz von, franz. Marschall 329 ff, 362.

»=Constant Warwick=«, engl. Schiff (1646) 163.

=Convoi-Wesen= 94.

=Convoijers=, holländ. Schiffe nur für Handelsschutz 468.

=Cromwell=, 157, 190, 228, 236, 257.

=Croßstaff=, nautisches Instrument 31.

=Dänemark=, Kriege siehe unter »Seekriege«, Marine siehe unter »Marinen«.

Alte Eroberungszüge 43; erste Kolonien 90; geschichtliche Angaben 212, 229, 272, (1672) 362; Ende der Kriege mit Schweden um die Ostsee 532; D. im Nordischen Kriege 585 ff.

Dänemarks Kolonien (bis 1740) 604.

=Danzig=, durch holländische Flotte geschützt (1656) 240; durch russische Flotte blockiert (1734) 597.

=Dean=, engl. Admiral (1652) 198; Personalien 215; 219; [+] 224.

=Decke, Schiffs=-, Vermehrung der 97, 99; Vordeck, Halbdeck usw. 99, 166, 169.

=Defensionsschiffe=, dänische 148, 582.

=Delaval=, engl. Admiral, bei Cherbourg (1692) 454, 457.

=Derfflinger=, brandenburg. Feldmarschall 400 ff.

=Devolutionskrieg=, Ludwigs XIV. (1667) 250, 289, 307.

=Diaz, Bartolomeu=, umsegelt das Kap. 29.

=Downs=, die, Rhede von Deal 199.

=Drake, Francis=, engl. Admiral, Entdecker und Freibeuter (1572) 80 ff; Zug gegen Cadiz 115; gegen Portugal 133; nach Westindien [+] 135; sein berühmter Grundsatz 80, 95.

=Dreidecker=, der erste (»Royal Sovereign«) 100; 169 ff.

=Dromone=, oströmischer Schiffstyp 32.

=Dubois=, Kardinal, Leiter Frankreichs (1715-1723), schlechter Einfluß auf Marine 503.

=Duguay-Trouin=, franz. Admiral und Freibeuter 469; Zug gegen Rio (1712) 556; Haupttaten 562.

=Dumas=, franz. Gouverneur in Indien (1741) 618.

=Dünkirchen=, Ausgangshafen für Freibeuter 140; seine Macht (1630 bis 1646, Krieg gegen Holland) 140; Wechsel des Besitzers 238, 247; Kreuzerkrieg gegen Holland (1674 bis 1678) 389, 443; Angriffe auf (1694/95) 462, 463, 467; Krieg gegen Holland und England (1702 bis 1713) 558.

=Dupleix=, franz. Gouverneur in Indien (1735) 618.

=Eddystone=, Leuchtturm erbaut (1698) 167; weggewaschen (1703) 521.

=Einfluß der Seeherrschaft.= Altertum: 2; Punischer Krieg 19; Mittelalter: Englisch-französische Kriege 44 ff, 47; (1492-1648): Wichtigkeit der Seeherrschaft 106; (1648-1739): Einfluß im Pfälzischen Erbschaftskriege (1688-1697) 417, 484; im Spanischen Erbfolgekriege (1702-1713) 486, 568; Einfluß der englischen Seemacht im Nordischen Kriege 582, 591; gegen Spanien (1725) und im Polnischen Thronfolgekriege 596/97.

Siehe auch unter »Kriegführung zur See« und unter »Strategie«.

=Elisabeth von England=, als Förderin der Schiffahrt 84; zur Zeit der Armada 113 ff.

=England=, Kriege siehe »Seekriege«, Marine siehe »Marinen«, Armierung der Schiffe siehe »Geschütze«. Erste Schiffahrt 28; E. geht in die Ozeane und Ostsee, verdrängt Spanien und Hansa 78 ff; Kolonien: in Indien 82, ostindische Kompagnie 82; in Nordamerika, in Westindien 84; geschichtliche Angaben (1648) 157, (1652) 189; in der Ostsee (1659, schwed.-polnisch. Krieg) 244; geschichtlich (1665) 248; Unternehmen gegen holländ. Kolonien (1663) 252; führt (1667) Kreuzerkrieg 290; Politik (1672) 309 ff; politische Haltung (vor 1688) 412; Vertrag mit Spanien (1693) 456; erste feste Station im Mittelmeer 461; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488 ff; Kriegserklärung 490; Methuenvertrag mit Portugal (P. von nun an von E. abhängig) 490; E. gibt Spanien auf (1712) 555; Verlust an Schiffen im Kriege (1702-1713) 557; E.s Klage gegen Holland über Lauheit im Kriege 499, 566; Verluste im Kreuzerkriege 560; Ergebnisse des Krieges für E. (Assiento-Vertrag, E. die einzige Seemacht) 575; Bund mit Frankreich zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht (1717, Quadrupelallianz) 578; Beteiligung am Nordischen Kriege 586, 590; Einfluß seiner Seegewalt 596, 597; Spannung mit Spanien führt zum Kriege (1739) 594 ff.

Englands Kolonien, Geschichte (1648-1740) 601, 605, 614, 620.

=Essex=, Graf von, englischer Befehlshaber, gegen Cadiz (1596) 135 ff; dessen Sohn gegen Cadiz (1625) 138.

=Estrées=, Comte de, franz. Admiral (1672) bei Solebay 325 ff; bei Schooneveld 336 ff; bei Texel 345 ff; Personalien und Beurteilung 347, 355; bei Tabago 370 ff; vor Tunis und Algier 408.

Sohn des vorigen, franz. Admiral, im Mittelmeer (1691) 444, (1701) 509.

=Eugen, Prinz von Savoyen=, im Spanischen Erbfolgekriege 489, 491 ff, 512; vor Toulon 547 ff.

=Evertsen, Cornelis=, holländ. Admiral, =der ältere= (1665) 273 ff; =der jüngere= (1665) 264 ff; =der jüngste= (1674) 388, 426; geschicktes Manöver bei Beachy Head (1690) 437.

=Evertsen, Jan=, holländ. Admiral (1652) 212, 216, 226, 264 ff; bei Northforeland [+] 283 ff.

=Fernrohr=, Einführung 106.

=Flaggengruß=, den England beanspruchte 191, 297, Verstoß dagegen führt zum Kriege (1672) 311; 352.

=Fleury=, Kardinal, Leiter Frankreichs (1723-1743), schlechter Einfluß auf Marine 503; seine Friedenspolitik (bis 1748) 595 ff.

=Flibustier=, Entstehung 89, 92; 600/01.

=Forbin=, franz. Admiral und Freibeuter (1688) 469; in der Adria (1702) 512; Zug gegen Schottland mit Jakob III. 552; Haupttaten 562.

=Frankreich=, Kriege siehe »Seekriege«; Marine siehe »Marinen«; Armierung der Schiffe siehe »Geschütze«.

Erste überseeische Unternehmungen und Kolonien 89 ff; Geschichtliche Angaben 229, (1665) 250; Ludwigs XII. Politik (1672) 307 ff; Haltung im Kriege (1672-1674) 335; Politik (vor 1688 siehe auch unter »Ludwig XIV«) 410 ff; Gründe der Erschöpfung (1697) 415; F.s Kreuzerkrieg 467 ff; derselbe (1702 bis 1713) 557 ff; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488 ff (siehe »Ludwig XIV.«); Kriegserklärung 490; Verlust an Schiffen (1702-1713) 557, im Kreuzerkriege 560; Ergebnisse des Krieges für F. 575; Bund mit England zur Aufrechterhaltung des Frieden von Utrecht (Quadrupelallianz 1717) 578; Haltung im Nordischen Kriege 591; F. in Kreta (1669) 591; Politisches (bis 1740, Wirken des Finanzmannes Law) 595 ff; Haltung im Polnischen Thronfolgekriege 597; Bourbonischer Familienvertrag (Keim zum Kriege 1739) 598.

Frankreichs Kolonien. Geschichte (1648-1740) 603, 608, 617, 621.

=Fregatte=, Entwicklung dieses Schiffstyps 163, 213 Fußnote, 222, 255, 353.

=Freibeuterei=, =Freibeuter=, Wesen 91 ff; englische Freibeuter 80, 82, 134; F. in den späteren Kriegen: 272, 322, 350, 389, 467; Wesen (1688) 469, 553, 559; Taten berühmter franz. F. 470, 561. Siehe auch unter »Kreuzerkrieg« und unter »Dünkirchen«.

=Frieden, wichtige Friedensschlüsse= mit ihren Bedingungen: Brömsebrö (Schweden-Dänemark 1645) 111; Westminster (Holland-England 1654) 229; Roeskild (Schweden-Dänemark 1658) 240; Kopenhagen (ebenso 1660) 240; Haager Konzert (1659) 244; Pyrenäischer F. (Frankreich-Spanien 1661) 247; Breda (Holland-England 1667) 296; Aachen (Frankreich-Spanien 1668) 308; Westminster (Holland-England 1674) 352; Nymwegen (Frankreich-Holland 1678) 363; Fontainebleau und St. Germain (Dänemark-Schweden-Brandenburg 1679) 401; Ryswijk (Frankreich-England, Holland usw. 1697) 415/16; Utrecht (Frankreich, Spanien-England, Holland usw. 1713) 496 (siehe auch Seite 575 »Die Ergebnisse des Krieges für die Teilnehmer«); Im Haag (Spanien-Quadrupelallianz 1720) 582; Travendal (Schweden-Dänemark 1700) 586; Friedrichsburg (Schweden-Dänemark 1720) 589; Nystadt (Schweden-Rußland 1721) 589; Vertrag von Sevilla (England-Spanien usw. 1729) 597.

=Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst=, seine Politik (1672) 311, 333; (1674) 362; im Kriege um Pommern (1674-1678) 400 ff; weitere Geschichte seiner Marine und Kolonien 401; Arguin aufgegeben 621.

=Frobisher=, engl. Seemann, als Entdecker 77; z. Zt. der Armada (1588) 121 ff.

=Frontenac=, franz. Gouverneur in Kanada (1672) 608.

=Galeassen=, Schiffsart 102.

=Galen van=, holländ. Admiral (1654) 209.

=Galeon=, Schiffstyp 38.

=Galere=, 32; franz. Galerenflotte 153.

=Generale zur See=, in England 195.

=Genua=, Schiffahrt 26; Schiffe 38; Kriege 42/43; von den Franzosen bombardiert (1684) 408.

=Geschütze=, Einführung 37, 41; Arten (1500) 97/98; Aufstellung (1600) 100; Weiterentwicklung (1492 bis 1648) 103 ff; G. Pforten 104; Arten (1580) 105; (1648-1739): Arten, Aufstellung, planmäßige Armierung der Schiffe, leichte, mittlere, schwere Artillerie 168 ff; Armierung in Holland und England (1665) 256, 258; ebenso (1672) 313; G. im Kriege (1672 bis 1674) 354; Armierung in Holland (1688) 420.

=Geusen=, Wasser-G. 112; neue G. (1634) 94, 141.

=Gewürz-Inseln=, G.-Handel 61 ff, 75.

=Ghent, van=, holländ. Admiral (1667) 291; in der Themse (1672) 323.

=Gibraltar=, von England erobert (1704) 526; Versuche zur Rückeroberung 536 ff.

»=Great Harry=« engl. Schiff (1514) 39, 97.

=Greenwich=, Observatorium gegründet 167; Hospital 506.

=Griechen=, Schiffahrt 4; Schiffe 7; Kriege 17.

=Griechisches Feuer=, 41.

=Gruppen=, Gefechts- siehe unter »Taktik«.

=Gunfleet=, Ankerplatz 435 Fußnote.

=Haager Konzert=, Vermittlungsvorschläge in der spanischen Thronfolgefrage (1688) 488 ff.

=Haen, den=, holländ. Admiral (1675) 382.

=Hansa=, Schiffahrt 27; Schiffe 37; Kriege (Blütezeit) 43; Flotten 50, Niedergang 78; Kriege im 16. Jahrh. 109.

=Harwich=, Angriff (1667) 295.

=Hawkins=, engl. Entdecker 80, 81; Führer z. Zt. der Armada 121 ff; in Westindien 134.

=Hay, de la=, franz. General in Indien (1669) 617, 622.

=Hein, Piet=, holländ. Admiral (1628) nimmt die Silberflotte 88.

=Heinrich, der Seefahrer=, Prinz von Portugal 28.

=Heinsius=, Ratspensionär von Holland 422.

=Helena, St.=, Insel entdeckt (1500) 61; englisch 351, 620.

=Herbert=, später =Earl of Torrington=, engl. Admiral (1688) 426; bei Bantrybay 429 ff; bei Beachy Head, seine Order, Einwendungen, Verhalten 433 ff; nochmals genauer 478.

=Hessen-Darmstadt, Georg Prinz von=, General im Spanischen Erbfolgekriege; vor Cadiz 513 ff; nach Vigo 518; vor Barcelona 524; vor Gibraltar 527; verteidigt Gibraltar 537; erobert Barcelona 541.

=Holland.= Kriege siehe »Seekriege«, Marine siehe »Marinen«. Armierung der Schiffe siehe »Geschütze«.

Erste Schiffahrt 28; geht in Ostsee und die Ozeane, verdrängt Hansa, Portugal und Spanien 78, 85 ff; Kolonien: in Indien (ostindische Kompagnie) 86, in Nordamerika 87, in Westafrika 87, in Südamerika und Westindien (westindische Kompagnie) 88; Geschichtliche Angaben (1648) 157 ff, (1665) 249; Politik (1672, isoliert) 309 ff; »Holland in Not« 320; Deiche durchstoßen 331; innere Verhältnisse 332; politische Haltung (vor 1688) 412; Vertrag mit Spanien (1693) 456; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 488 ff; Kriegserklärung 490; gibt Spanien auf (1712) 555; Klage Englands gegen H. wegen Lauheit im Kriege 499, Antwort darauf 567; Ergebnisse des Krieges für H. 575; Beteiligung am Nordischen Kriege 586, 590.

Hollands Kolonien, Geschichte (1648-1740) 604, 612, 619.

=Holmes=, engl. Admiral (1662), in Afrika und Nordamerika 252; im Vlie-Strome 287; greift Smyrnaconvoi an 321.

=Howard, of Effingham=, engl. Admiral gegen Armada (1588) 121 ff; gegen Cadiz (1596) 135.

=Hudson=, engl. Entdecker in Nordamerika 87.

=Indien=, Ost-, geographischer Begriff im Altertum und Mittelalter 29; Staaten usw. dort (1500), Besiedlung durch Portugal 60 ff; England in I. 82, Holland 86; Zusammenstoß beider 83; Franzosen, Dänen dort 90; Geschichte der europäischen Kolonien in I. (1648-1740): portugiesische 611, holländische 612, englische 614, Ostende-Kompagnie (deutsch) 616, französische 617, spanische (Philippinen) 618.

=Infernal=, Abart der »Brander« siehe dort.

=Instrumente=, nautische, Entwicklung 30, 106, 167.

=Irland=, Kampf um (1688) 428 ff; Fehler beider Gegner dabei 431, 434; 440/41.

=Isle de France=, Insel von Franzosen besiedelt (1715) 622.

=Jakob= II. von England (1685), als =Herzog von York= tüchtiger Admiral 263 ff, Personalien 264; bei Solebay 324 ff; König 411; vertrieben (1688, sein politischer Fehler) 413; Kampf in Irland 414, 428; verjagt dort 440; plant Einfall in England 445; Schicksal besiegelt 465; [+] (1701) 489.

=Jakob= III., Sohn, von Ludwig XIV. anerkannt 489; plant Einfall in Schottland (1708) 552.

=Jakobstab=, nautisches Instrument 31.

=Jamaica=, von England erobert 85; 237; 602.

=Juel=, Niels, dänisch. Admiral (1675) 394 ff.

=Kalikut=, Stadt in Indien, 59 ff.

=Kalmar=, Angriff (1677) 399.

=Kalmarische Union=, Vereinigung der skandinavischen Staaten unter Dänemarks Führung 43, 109.

=Kampfweise=, zu den verschiedenen Zeiten siehe unter »Taktik«.

=Kanada=, besiedelt 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«.

=Kanonen=, ihre Entwicklung siehe unter »Geschütze«.

=Kap Hoorn=, erste Umsegelung (1616) 75.

=Kaperei=, Wesen der 93; siehe auch unter »Freibeuter«.

=Kapland, Kap der Guten Hoffnung=, erste Umsegelung 29; besiedelt (1652) 87; von Holland besetzt 198, 620.

=Karavelle=, Schiffstyp 39.

=Karisches Meer=, Entdeckung 77.

=Karl= II. von England 248; sein strategischer Fehler (1666) 274, 303; 289; führt nur Kreuzerkrieg 290, 304; Politik (vor 1672) 307 ff; [+] (1685) 411.

=Karl= III. von Spanien, Prinz von Österreich, Sohn Kaiser Leopolds, König von Spanien (1703) 490; sein Krieg in Spanien 493 ff; deutscher Kaiser 496; landet in Lissabon (1704) 522; verläßt Spanien (1711) 555; erläßt die Pragmatische Sanktion (1713), seine Politik behufs deren Anerkennung 594 ff.

=Karl= VI., Deutscher Kaiser, siehe vorstehend.

=Karl= X., =Gustav, von Schweden=, schwedisch-polnisch. Krieg 239 ff.

=Karl= XII. =von Schweden=, im Nordischen Kriege 585 ff; [+] (1718) 589.

=Karrak=, Schiffstyp. Mittelalter 38.

=Karten=, siehe »Seekarten«.

=Karthago=, Schiffe 13; Kriege 19.

=Kastelle= für Schiffsgeschütze 35, 38, 95, 99.

=Katapulte.= Wurfmaschinen 12.

=Kiellinie.= siehe unter »Taktik«.

=Killigrew=, engl. Admiral (1690) sein Fehler 433; 457.

=Kogge=, Schiffstyp, Mittelalter 37.

=Kolonien=, Gründung, Entwicklung und Kampf dort, siehe unter: Nordamerika, Südamerika, Brasilien, Westindien, Indien, Ostafrika, Westafrika. (Auch unter England, Spanien usw.)

=Kolumbus=, seine Schiffe 39; seine Taten 65 ff.

=Kompaß=, erfunden 30.

=Konvoiwesen=, =Konvoijers=, siehe unter C.

=Kopenhagen=, belagert (1658) 240, 245; beschossen (1700) 585.

=Korsaren= 91.

=Kreta=, von den Türken angegriffen (1645), von Frankreich unterstützt 320, genauer 591.

=Kreuzer=, 179.

=Kreuzerkrieg=, Wesen und militärischer Wert 304, 471; Eigenart des französischen (1688-1697) 467 ff; ebenso (1702-1713), Erfolge und Verluste in diesem 557 ff.

=Kreuzzüge= 43.

=Kriege=, in denen Seestreitkräfte mitwirken siehe »Seekriege«.

=Kriegführung zur See=, eine wissenschaftliche 107, 143, 160, 235; Kreuzerkrieg siehe dort; siehe sonst auch »Strategie« und »Einfluß der Seeherrschaft«.

=La Bourdonnais=, franz. Gouverneur von Bourbon und Isle de France (1735) 622.

=La Rochelle=, Kämpfe um 46, 112.

=Längenbestimmung= auf See 106, 167.

=Law=, franz. Finanzmann (1716-1720), sein Wirken 595.

=Lawson=, engl. Admiral (1652) 215, 222, 239, 263 ff.

=Leake=, engl. Admiral, unterstützt Gibraltar (1704/1705), vernichtet de Pointis 536-538; berüchtigte Reise 541; entsetzt Barcelona 542; erobert Sardinien und Port Mahon (1708) 549.

=Lee=, leewärts, Erklärung 5. Fußnote.

=Leestellung=, erste Benutzung der Vorteile (Ruyter, Stromboli) 378 bis 380.

=Leibnitz=, sein »concilium aegyptiacum« 311.

»=Le Soleil Royal=« franz. Schiff 169.

=Leyva, de=, spanischer, ältester Seeoffizier der Armada 125 ff.

=Liburnen=, Schiffstyp, Altertum 15, 23.

=Linienschiff=, (Schlachtschiff) Bedeutung und Entstehung 176, 178; Größe (1672) 313, 353, (1688) 474, (1740) 505.

=Louisburg=, starke franz. Festung in Nordamerika 609.

=Louisiana=, franz. Kolonie 610.

=Louvois=, Kriegsminister Ludwigs XIV. 250; seine Einschätzung der Marine 424.

=Lowerdeck= 97, 99.

=Ludwig= XIV. =von Frankreich=, 158, 250, 289; seine Politik (vor 1672) 307 ff, 351; sein zweiter Eroberungskrieg (1672-1678) 362, 372; Politik (vor 1688, Anspruch auf die Pfalz) 410; politischer Fehler (1688/1689) 413, 476; plant Einfall in England (1692, falsche Voraussetzungen und Befehle an Flotte) 445, 465; Stellung zur Thronfolgefrage in Spanien (1700) 486 ff; bricht in die spanischen Niederlande ein 489; Kriegserklärung 490; im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff.

=Ludwig von Baden=, Reichsfeldherr im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff.

=Luv=, zu Luward, luvwärts, Erklärung 5. Fußnote.

=Luvstellung=, Vorteile der, Manövrieren darum 49, 222.

=Luxembourg=, Herzog von, franz. Marschall 329 ff, 414.

=Madagaskar=, franz. Versuche zur Besiedlung (1642) 621.

=Magalhaes=, Erdumseglung 71 ff.

=Malo, St.=, beschossen (1693) 459, (1695) 463; Haupthafen für Kreuzerkrieg 467.

=Mannschaft= siehe unter »Personal«.

=Marco Polo=, Entdeckungsreisen 27.

=Marinen.=

=Brandenburgische=: Erste Aufstellung (1675) 395; im Kriege (1677 bis 1678) 400; weitere Geschichte 401.

=Dänische=: Stand (1492-1648) 148; (1675) 394; (1700-1740) 582.

=Englische=: Im Mittelalter 50; Zeit 1492-1648: Schiffsbestand (1522) 98, (1603) 99, für den Schiffbau wichtige Schiffe 97 ff; Bestand (1649) 101; Innere Entwicklung, Bestände (1603 und 1649) 151. --

Weitere innere Geschichte 1648 bis 1739: Im allgemeinen 161; Schiffsbestände 162, 175 ff; Einteilung der Schiffe nach Klassen 174 ff; Stärke und Einteilung der Flotte (1653) als Beispiel 220; Zustand im Kriege (1652-1654), Generale zur See, Vergleich mit Holland 195 ff; (1665-1667) Bestände, Vergleich mit H. 258 ff, ebenso 297; (1672-1674) Bestände 313; Marine erklärt sich für Wilhelm von Oranien 417, 418, 428; Stand (1688-1697), Gründung der Admiralität 417 ff; erste feste Station im Mittelmeer 461; Entwicklung (1697-1740) an Zahl und Güte der Schiffe, Bestände, Fürsorge für Personal, Kennzeichnung der engl. Seeoffiziere des 18. Jahrh., Seesoldaten 505-507; schlechtes Einvernehmen mit der holländ. Marine 545, 549, 566; Klage Englands über geringe Beteiligung Hollands 567; Verlust an Schiffen (1702-1713) 557; Maßregeln gegen den Kreuzerkrieg, Verluste in diesem 559 ff; Beteiligung am Nordischen Kriege (1700) 586, (nach 1714) 590; Demonstrationen (1725) 596.

=Französische=: Mittelalter 51; (1492-1648) 152; Zeit 1648-1740: Einteilung der Schiffe nach Klassen 177; Stärke (1665) 263, 272; Entwicklung unter Colbert (1659), Kriegshäfen, Schiffsbestände, Personal 315 ff; Kennzeichnung der franz. Seeoffiziere 319; erste größere Expedition (Kreta) 319; Verhalten im Kriege (1672-1674) 355; Stand unter Colbert (bis 1683) 422, unter Seignelay (bis 1690) beginnender Rückgang 423, unter L. de Pontchartrin (bis 1699) vernachlässigt 424; Verfall an Material und Personal unter J. de Pontchartrin (bis 1715), der Regentschaft (bis 1723) und Maurepas (bis 1740), Schiffsbestände zu verschiedenen Zeiten (1696-1742) 501-504; Verluste an Schiffen (1702-1713) 557, im Kreuzerkriege 560; die Marine im Kreuzerkriege (1688 und 1703) 467 ff, 557 ff; Auftreten (1718) 582; im Polnischen Thronfolgekriege 597.

=Holländische=: (1492-1648) Gründung und schnelle Entwicklung, Admiralitäten und Admirale 149; Schiffsbestand (1642) 150; Zeit 1648 bis 1739: Einteilung nach Schiffsklassen 177; Fortfall des Generaladmirals, Schiffsbestände (1652 bis 1654), Verbesserung der Schiffe 192 ff; Bestände (1664-1666) 255, Stamm fester Kapitäne 256, Vermehrung der Admirale 257; Einteilung der Flotte (1666) als Beispiel 273; Vergleich mit England (1666) 273; (1672-1674) Bestände 313; Stärke beim schwedisch-dänischen Kriege (1675) 395; (1688-1697) Armierung, Verbesserung des Personals, Schiffbau im Rückstande 419 ff; hat W. v. Oranien die Marine vernachlässigt? 419, 422; Stärke der Geschwader gegen Dünkirchen (1688-1697) 468; (1697 bis 1739) letzter Aufschwung, Bestand (1700), Indienststellungen (1702-1713, Klage Englands), Rückgang im Material und Personal, Bestand (1740) 498-510; schlechtes Einvernehmen mit englisch. Marine 545, 549, 566; Englands Klage über Lauheit und Antwort darauf 567; Maßnahmen gegen den Kreuzerkrieg (1702-1713, Stärke gegen Dünkirchen) und Verluste in diesem (Prämien für aufgebrachte Schiffe) 558, 561; Beteiligung am Nordischen Kriege 586, 590; Demonstration (1725) 597.

=Russische=: Gründung durch Peter den Großen (1703), Bestände (1710 und 1725), Beschaffung des Personals und Materials, Kennzeichnung des Offizierkorps, die Galerenflotte 583 bis 585; die russische Flotte vor Danzig 597.

=Schwedische=: Stand (1492-1648) 148, (1675) 394, (1700-1740) 582.

=Spanische=: Mittelalter 51; Schiffe (1588) 99; Stärke (1588) und Zusammenbruch durch die Armada-Affären (1588 und 1639) 147; Zustand (1672) 382, 393; Stärke (1718) 579.

=Marlborough=, englisch. General im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff; sein großer Kriegsplan 494, 547, 572.

=Martel=, franz. Admiral (1673) bei Texel 345 ff.

=Martin=, franz. Gouverneur in Indien (1674) gründet Pondichery 617.

=Martinique=, von Ruyter angegriffen 367, andere Angriffe siehe unter »Westindien«.

=Maurepas=, franz. Marineminister (1723-1743), sein Wirken, seine Beurteilung 503/4.

=Max Emanuel=, Kurfürst von Bayern, im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff.

=Medina-Sidonia=, Führer der Armada (1588) 116 ff.

=Melac=, franz. Marschall, in der Pfalz 414.

=Melée=, d. i. Kampf zweier Flotten, in dem jede Flottenformation und Leitung verloren gegangen ist und Schiffe oder Schiffsgruppen für sich fechten 23, 48.

=Merkator=, Erfinder der runden Karten 106.

=Messina=, siehe unter »Sicilien«.

=Methuen-Vertrag= zwischen England und Portugal (1703) 490.

=Middledeck= 99.

=Minorka=, siehe »Port Mahon«.

=Molukken= 63, 74, 612.

=Monck=, später =Herzog von Albemarle=, berühmter engl. Admiral (1652) 198; Personalien 215; 219; bei Northforeland 222; bei Scheveningen 225; in der Viertageschlacht 273 ff; bei Northforeland 283 ff; 288.

=Monson=, engl. Admiral (1600) 143; als Taktiker 185.

=Montagu=, engl. Admiral (1654) 198, 239, 263 ff, 269/70; bei Solebay [+] 325 ff.

=Mörser= 41. =Mörserboote= 173; verbesserte franz. (durch Renau) und ihre taktische Verwendung 404 ff; Vermehrung in England 418, in Holland 420; Leistung der Waffe 474.

=Munden=, engl. Admiral, Fehler (1702) 512.

=Nautik=, und ihre Hilfsmittel: Karten, Bücher, Instrumente, Altertum 5; Mittelalter 30; (1492-1648) 106; (1648-1740) 167.

=Navigationsakte= 190.

=Nes, van=, zwei holländ. Admirale (1666), 273 ff, 288, 296, 325 ff, 335, 366.

=Nesmond=, franz. Admiral (1696) 465, 466, 469.

=Neu-Braunschweig=, besiedelt 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«.

=Neuenglandstaaten=, 605.

=Neu-Fundland=, entdeckt 76; besiedelt 84; Kämpfe um siehe »Nordamerika«.

=Neu-Schottland=, entdeckt 76; besiedelt 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«.

=Neu-York=, von England erobert 252; von Holland erobert aber zurückgegeben 350; bleibt englisch 352.

=Niederlande=, im allgemeinen siehe unter »Holland«.

-- -- =spanische=, Einfall der Franzosen (1667) 308, (1701) 489, werden österreichisch 497.

=Nord-Amerika=, Entdeckung und Besiedlung 76, 84, 87, 89; Kämpfe Englands mit Holland dort 350, 352, mit Frankreich (1683-1697) 473, (1702-1713) 565; Geschichte der europäischen Kolonien (1648 bis 1740): englische 605, französische 608, spanische 611.

=Normannen=, Züge der 27, 43; Schiffe der 34.

=Norris=, engl. Admiral (1710) schützt Sardinien, Landung bei Cette 554; in der Ostsee (1715-1721) 590.

=Nottingham=, engl. Premierminister (1690), seine Beziehung zu der Niederlage bei Beachy Head 433/436, 478.

=Nyborg=, durch Ruyter bombardiert (1659) 224.

=Offiziere, See-=, siehe unter »Personal«.

=Oktant, Spiegel-=, Einführung des 167.

=Oquendo=, d', spanischer Admiral, geschlagen in den Downs (eine zweite Armada-Affäre, 1639) 141.

=Ormond=, Herzog von, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, vor Cadiz (1702) 511, 514.

=Ormuz=, Stadt am persischen Golf, portugiesisch 62; verloren 84.

=Ost-Afrika=, Koloniengründung: portugiesische 61, 63, holländische 87, französische 90; Geschichte der Kolonien (1648-1740): portugiesische 619, holländische 619, französische 621.

=Österreich= (Habsburg), Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700); im Spanischen Erbfolgekriege 491 ff; gibt Spanien auf (1712) 555; Karl von Ö. siehe Karl III.

=Ostindien=, siehe »Indien«.

=Ostindische Kompagnien=: Englische: 82, 251; Geschichte (1648-1740) 614; auf St. Helena 620.

Französische: 617, 618, 621.

Holländische: 87; Geschichte (1648-1740) 612; am Kap 620.

Ostender (Deutsche): (1714 bis 1731) 594, 596, 597; ihre Geschichte 616.

=Palamos=, Stadt, Ostküste Spaniens, beschossen (1695) 462.

=Papst=, Bullen über Teilung der Welt 29, 59.

=Parma=, Herzog von, während der Armada 114 ff.

=Penn=, engl. Admiral (1652) 198, 210; Personalien 215; 216; erobert Jamaica 236, 263 ff.

=Pentekontoren=, Schiffstyp im Altertum 10.

=Penteren=, Schiffstyp im Altertum 13, 14.

=Personal=, Bemannung der Schiffe im Mittelalter 50; (1492-1648) im allgemeinen 154, festangestellte Offiziere 149, 153; (1648-1739) Herausbildung des Kriegsschiffs-Matrosen, des See-, Deck- und Unteroffizier-Korps der verschiedenen Dienstzweige, Seesoldaten 179 ff; Vergleich des englischen und holländischen Personals (1652) 198; englisches P. (1665) 259, holländisches 262 und 297; ebenso (1672) 314; französisches P. (1672) 317, Kennzeichnung des französischen Seeoffizierkorps 319; Niedergang des P. in Holland 500, in Frankreich 503, 504, Hebung in England 505; Kennzeichnung der englischen Seeoffiziere des 18. Jahrh. 506.

=Peter der Große=, gründet Marine (1703) 583; Eroberungen usw. im Nordischen Kriege 585 ff.

=Peterborough=, Earl of, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, vor Barcelona (1705) 540; 544 ff.

=Pfalz=, Ludwigs XIV. Anspruch 411; verwüstet 414.

=Pforten=, für Geschütze, Einführung 104.

=Philipp= II. von Spanien, zur Zeit der Armada 113 ff.

=Philipp= V. von Spanien (Herzog von Anjou), geht (1701) nach Spanien 488; sein Krieg dort 493 ff.

=Philippinen=, Inseln, besiedelt 73, 75; Geschichte (1648-1740) 618.

=Phönizier=, Schiffahrt 4; Schiffe 7; Kriege 17.

=Phormio=, griechischer Admiral 24.

=Pointis=, franz. Admiral (1697), gegen Cartagena 466; vor Gibraltar (1704 bis 1705), vernichtet 536, 538.

=Pommern=. Kämpfe um 394 ff; (1677-1678) 400.

=Pontchartrin, Louis de=, franz. Marineminister (1690-1699), sein Wirken, seine geringe Bewertung der Marine 424, 442, 468.

-- -- =Jerôme de=, Sohn und Nachfolger des Vorigen, Wirken und Beurteilung 501 ff; begünstigt Kreuzerkrieg 558.

=Port Mahon=, Eroberung seitens Englands geplant 545; erobert (1708) 549; Wichtigkeit für England 550, 551; als Stützpunkt eingerichtet 553.

=Port Royal= an der Fundybay (Neu-Schottland), jetzt Anapolis, gegründet 89.

=Portugal=, erste Entdeckungsfahrten 28; Schiffe 38; die großen Entdeckungen und Koloniengründungen 58 ff; Rückgang seiner Macht 64; Geschichtsangaben 157 ff, 229; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 490; Methuen-Vertrag (1703) mit England, von da von E. abhängig, 490; erklärt sich gegen Frankreich 520.

Portugals Kolonien, Geschichte (1648-1740) 605, 611, 619.

=Pragmatische Sanktion=, 549 ff.

=Privateers=, d. i. englische Freibeuter, siehe »Freibeuter«.

=Quadrant=, Davis-, nautisches Instrument, Erfindung 106.

=Quadrupel-Allianz=, zur Aufrechterhaltung des Friedens von Utrecht, ihre Vermittlungsvorschläge 578, 579.

=Quebec=, gegründet 89; Kämpfe um siehe »Nordamerika«.

=Quesne, Abraham du=, berühmter franz. Admiral, 325; im Mittelmeer (1674) 372 ff; bei Stromboli 377 ff; bei Agosta 381 ff; bei Chios 403; bombardiert Algier (1682/83) 405 ff und Genua (1684) 408.

=Quinqueremen=, Schiffstyp im Altertum 15.

=Raleigh=, Sir Walter, als Entdecker 84; als Admiral (Cadiz 1596) 135; als Schriftsteller (über spanische Schiffe) 147; sein politisch-strategischer Ausspruch 143.

=Rauchschiffe=, Abart der »Brander« siehe dort.

=Raul=, Benjamin, brandenburg. Marinedirektor 395.

=Recalde=, zweitältester spanischer Seeoffizier der Armada (1588) 118 ff.

=Regensburg=, Vertrag (1684) 410.

»=Regent=«, engl. Schiff (1489) 97.

=Renau d'Eliçagarey=, franz. Seeoffizier, Verbesserer der Mörserboote (1678) 404; als Freibeuter 469.

=Réunions-Kammern= 363, 410.

=Richelieu=, gründet Kolonien 89; gründet Marine 152, 158.

=Rom=, Schiffe 14 ff; Kriege 19 ff; Oströmisches Reich, siehe unter »Byzanz«.

=Rooke=, engl. Admiral, bei Irland (1688) 430, 437; bei La Hogue 454; bei Lagos (Smyrnaconvoi) 457; Oberbefehlshaber (1701) 507; seine Pläne (1702) und vor Cadiz 509 ff, 514; vernichtet Silberflotte in Vigo 516 ff; im Kanal (1703) 519; führt Karl III. nach Lissabon (1704) und im Mittelmeer 522 ff; erobert Gibraltar 526; seine Beurteilung 528; bei Malaga 530 ff; in der Ostsee (1700)586.

»=Royal Charles=«, engl. Schiff (1673) 169.

»=Royal Louis=«, franz. Schiff (1692) 165.

»=Royal Prince=«, engl. Schiff (1610) 100.

»=Royal Sovereign=«, engl. Schiff (1637) 100.

=Ruder=, =Steuer-=, Erfindung des festen, 38.

=Ruderrad=, Einführung 166.

=Rügen=, Kämpfe um siehe »Pommern«.

=Ruprecht=, (Rupert), =Prinz von der Pfalz=, engl. Admiral, als Führer der Royalisten 139, 198; Personalien 264; in der Viertageschlacht (1666) 273 ff; bei Northforeland 283 ff, 288, 335; bei Schooneveld 336 ff; bei Texel 345 ff.

=Russell=, engl. Admiral (1691) 442 ff; bei Cap Barfleur-La Hogue 446 ff; Urteil über ihn 453; vor Barcelona (1694) 461; vor Toulon und Palamos 462, 465.

=Rußland=, siehe »Peter der Große«.

=Ruyter, Michael de=, Hollands größter Seeheld, erstes Auftreten (1640) 143; Personalien 205 ff; 210; 212; 216; gegen Barbaresken 239, 241; in der Ostsee (1659, Nyborg, Kopenhagen) 244 ff; in Westafrika und Westindien (1664) 253; als Taktiker 261, 262 Fußnote; Oberbefehlshaber 270, 271; in der Viertageschlacht (1666) 273 ff; bei Northforeland 282 ff, 287; in der Themse 290 ff; bei Solebay (1672) 323 ff; versucht Themse zu sperren 335; bei Schooneveld 337 ff; bei Texel 343 ff; als Taktiker (Haupttaten) 354, 356; in Westindien (1674, Martinique) 367 ff; im Mittelmeer (1675) 374 ff; bei Stromboli 377 ff; bei Agosta 381; [+] und Beurteilung 383.

=Saint Pol=, franz. Admiral und Freibeuter (1703), Haupttaten 562.

=Sandwich, Earl of=, engl. Admiral siehe »Montagu«.

=Sardinien=, für Karl III. erobert (1708) 550; bedroht 554; von Spanien besetzt (1717) 578; gegen Sizilien vertauscht (1720), Königreich 582.

=Savoyen= Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) 491, 521; Königreich 582; Herzog von S. vor Toulon (1707) 548.

=Schiffe=, =Entwicklung=: Altertum 7 ff; Mittelalter 31 ff; (1492 bis 1648) 95 ff; (1648-1739) 161 ff; Schiffsklassen 174; das Linienschiff 176, 178; Sch. zu besonderen Zwecken 179; Vergleich englischer und holländischer (1667) 255; die Schiffe im Kriege (1672-1674) 353; holländischer Schiffbau im Rückstande (1688) 420. -- Siehe auch unter »Marinen«.

=Schiffsbodenschutz= 167.

=Schiffsklassen=, Entwicklung der, (1600) 102; (1648-1739) 174 ff; (1672) 353.

=Schlachten=: Seeschlachten siehe dort. -- Landschlachten, die mit dem Seekriege in Verbindung stehen: Agincourt (1415) 47; am Boyne (1690) 414, 440; Höchstädt (1704), Ramillies (1705), Turin (1706) 493/4; Malplaquet (1709), Saragossa (1709) 495; Almansa (1707) 546, Villa Viciosa (1711) 496.

=Schomberg=, franz. Marschall (1672) 362; im Dienste Wilhelms von Oranien (1688) 426; in Irland 431.

=Schonen=, Landung in (1676) 397.

=Schweden=, Kriege siehe »Seekriege«, Marinen siehe »Marinen«, Kolonien 90; erste Macht der Ostsee (1660) 240; Politik (1672) 309, 362; Ende der Kriege mit Dänemark um die Ostsee 582; Sch. im Nordischen Kriege 585 ff; verliert den gesamten Festlandsbesitz 588.

=Seeherrschaft, Seemacht=, siehe »Einfluß der Seeherrschaft«.

=Seekarten=, Altertum 6; Mittelalter 30; (1492-1648) 106; (1648-1739) 167.

=Seekriege= siehe Seite 639.

=Seeraub=, 20, 43, 45, 91.

=Seeschlachten=, Gefechte, Angriffe auf Städte usw. siehe Seite 640.

=Segel=, allmähliche Verbesserung siehe unter »Takelage«.

=Seignelay=, franz. Marineminister (1683-1690) 408; sein Wirken, Urteil über ihn 423, 424.

=Seymour=, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) 121 ff.

=Shovel=, engl. Admiral, bei Irland (1690) 434, 457; vor Dünkirchen 462; vor Calais 465; sein bemerkenswerter Ausspruch (1702) 511; im Mittelmeer (1703) 519, 520, 525; bei Malaga 533, 534; vor Barcelona (1705) 540; Angriff auf Toulon (1707) 547 ff; Verlust vieler Schiffe und starb 549.

=Sicilien=, Kampf um (1674) 372-388; an Savoyen 497; von Spanien besetzt (1718), Kampf um die Insel 581 ff; gegen Sardinien vertauscht 582; von Spanien erobert, Sekundogenitur Königreich beider S. (1735) 597/98.

=Signalsystem=, 186, 262.

=Silberflotten=, Bedeutung des Wortes 71; Unternehmungen gegen S. (Drake) 80, (Piet Hein) 88, (Clifford) 134, Vernichtung in Vigo (1702) 516.

=Skandinavier=, siehe »Normannen«.

=Smith=, engl. Admiral bei Northforeland (1666) 283 ff.

=Sokotora= (Sokotra), Insel, Eingang Rotes Meer, portugiesisch 61.

=Solebay=, 265.

=Spanien=, Kriege siehe »Seekriege«, Marinen siehe »Marinen«. Erste Schiffahrt 26; Entdeckungen und Kolonien 65 ff; letzte große Flotte (zweite Armada 1639) 141; geschichtliche Angaben (1648) 157 ff, (1672) 363, (vor 1688) 410; Vertrag mit den Seemächten (1693) 456; Stellung zur Thronfolgefrage (1700) 487 ff; Umfang des Reiches (1700) 487; Kriegserklärung 490; im Spanischen Erbfolgekriege siehe unter »Philipp V.« und »Karl III.«; Ergebnis des Krieges für Sp. 575; Sp. (Alberoni) besetzt Sardinien und Sicilien (1718), Quadrupelallianz dagegen 578/79; Alberoni gestürzt 582; Sp. greift Gibraltar an (1727) 596; erobert Neapel und Sicilien (1733) 597; Spannung mit England führt zum Kriege (1739) 598.

Spaniens Kolonien, Geschichte (1648-1740) 599, 611, 618.

=Speaker=, engl. Schiff (1649) 163.

=Spitzbergen=, entdeckt, Fischerei 77, 78.

=Spragge=, engl. Admiral (1672) 336 ff; bei Texel [+] 345 ff.

=Stanhope=, engl. General im Spanischen Erbfolgekriege, nimmt Port Mahon 550.

=Strategie, zur See=, Entwicklung der (1648-1739) 160; im Kriege (1652-1654) 229 ff; (1665-1667) 300 ff; Wert des Kreuzerkrieges 305; strategische Fehler Karls II. (1666, 1667) 274, 290, 303/04; Ludwigs XIV politische Strategie (vor 1672) 307 ff; St. Hollands (1672-1674) 323; St. der Gegner im gleichen Kriege 357 ff; St. Hollands und Frankreichs (1674-1678, Leistungen der Marinen) 391/392; Vernachlässigung der Unterbindung des Verkehrs mit Irland (1688 usw.) 431, 434; Fehler Tourvilles nach Beachy Head 439-441; Aufgaben der engl.-holländ. Flotten (1693-1697) 456; St. der Gegner (1693-1697), Rückblick auf den Krieg 475-485; Eingreifen der Seestreitkräfte im Spanischen Erbfolgekriege (1702 bis 1713) 491-496; Strategie in diesem (Rückblick auf den Krieg): Frankreichs Kriegführung 568, die der Verbündeten im Mittelmeer 570, im Norden 573, Gesamturteil 574. Siehe auch unter »Kriegführung zur See« und unter »Einfluß der Seeherrschaft«.

=Südamerika=, Entdeckung und Besiedelung 68, 69, 72, 74; Kämpfe dort siehe »Brasilien« und (Festlandsküste Mittelamerikas) »Westindien«; Geschichte der Kolonien in S.-A. (1648-1740): spanische 599. portugiesische 605, Guayana siehe »Westindien«.

=Tabago=, Insel, Kämpfe um 369 ff.

=Takelage=, Entwicklung der, Ruderschiffe 8, 33; Segelschiffe, ursprüngliche 34, 35; zwei und drei Masten, Stängen, Marssegel 37, 38; weitere Verbesserungen 98, 99; Marssegel wird Hauptsegel, Vorsegel, Klüverbaum, Besan. 165.

=Taktik=, im Altertum, Ruderschiffe 21 ff; Mittelalter: Ruderschiffe 47, Segelschiffe 48 ff; (1492-1648): Ruderschiffe 144, Segelschiffe (Kampf in Querabrichtung, Gruppentaktik) 145.

(1648-1739.) Entwicklung der T. im allgemeinen 160; das Linienschiff 176; Schiffe zu besonderen Zwecken 179; Kampf querab, Luvstellung, Kiellinie aus Gruppen, Gruppentaktik, Einteilung der Flotten, Kiellinie beim Winde, und aus Einzelschiffen 183-188; Schlacht bei Northforeland, Markstein in der Geschichte der T. 222; Lowestoft erste Schlacht mit Kiellinie beim Winde 267; Angriff Moncks ein Meisterstück 277; Fortschritte in der T. (um 1665, Gefechtsinstruktionen) 260, 298; taktische Kriegführung Hollands (1672-1674) 323; T. im gleichen Kriege (Ruyter) 354; Stromboli, erste Ausnutzung der Leestellung 377 ff; du Quesnes Taktik für Mörserboote 404 ff; Taktik bei Beachy Head (1690) 438; Fehler Tourvilles nach der Schlacht 439; T. im Kriege (1688-1697) 474; Schlacht bei Malaga (1704) bemerkenswert 531, von ihr rechnet die Zeit der schematischen Taktik 568.

=Tanger=, fällt an England 239; aufgegeben (strategischer Fehler) 403, 461.

=Teilung der Welt= zwischen Spanien und Portugal 59.

=Temple=, Sir W., englischer Staatsmann (1672) 308.

=Teneriffa=, Vernichtung der Silberflotte (1657) 238.

=Tessé=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 493 ff; vor Gibraltar 538; vor Barcelona 541; in Toulon 548.

=Tharsisschiffe=, Altertum 7.

=Themistokles=, 18, 24.

=Themse=, Ruyters Angriff (1667) 290 bis 296.

=Tordenskiold=, dänischer Admiral im Nordischen Kriege 589.

=Tordesillas, Vertrag von= (1494), Teilung der Welt 59.

=Torrington, Earl of=, engl. Admiral siehe unter »Herbert«.

=Toscanelli=, italien. Gelehrter, gibt Anlaß zur Westfahrt nach Indien 58.

=Toulon=, Marlboroughs Plan gegen T. 494, 547, 572; Angriff (1707) 547 ff.

=Toulouse=, Graf von, Admiral von Frankreich, 424, 502; führt Brestflotte nach Toulon (1704) 522, 524; will Gibraltar nehmen, Schlacht bei Malaga 529 ff; Fehler nach der Schlacht 536; vor Barcelona (1706) 541.

=Tourville=, berühmter franz. Admiral, erstes Auftreten (1676) 380; vor Algier (Intriguen gegen du Quesne) 406 ff; Vizeadmiral der Levante 409; Oberbefehlshaber (1689) 431; bei Beachy Head (Personalien) 432 ff; nach der Schlacht 439-441; seine Hochseekreuztour (1691), Order, Einwendungen, Ausführung 441-444; bei Cap Barfleur-La Hogue. Order und Verhalten 445-455; bei Lagos (Smyrnaconvoi) 457; vor Barcelona (1694) 460.

=Transporter=, nötig im Altertum, Nachteile 24.

=Trieren=, Schiffstyp im Altertum 10, 21, 23.

=Tripelallianz= (1668) 308.

=Tromp, der Ältere, Martin=, berühmter holländ. Admiral, gegen Spanien (Schlacht in den Downs 1639) 141; als Taktiker 147; bei Dover (1652, Personalien) 200 ff, 204, 205; bei Dungeness 212; Besen im Topp 213; bei Northforeland 223; bei Scheveningen [+] 225.

-- -- =der Jüngere, Cornelis=, Sohn des Vorigen, holländ. Admiral 209; Personalien (1665) 264 ff; in der Viertageschlacht 273 ff; bei Northforeland 283 ff; Eigenmächtigkeiten 277, 285; entlassen 286; wiederangestellt bei Schooneveld 336 ff; bei Texel 347; an französischer Küste und im Mittelmeer (1674) 364 ff; in dänischem Dienste 394 ff; mit dem Großen Kurfürsten 400; (1688) 426; [+] 442.

=Turenne=, franz. Marschall im Pfälzischen Erbschaftskriege 307, 329, 362.

=Türken=, Kriege siehe unter »Seekriege«; in Indien 62; im Mittelmeer 108.

=Tyddiman=, engl. Kapitän, vor Bergen (1665) 270.

=Upperdeck= 99.

=Vasco de Gama=, Entdeckungsreisen 59 ff.

=Vauban=, franz. Ingenieuroffizier 308; in Brest (1694) 461.

=Vendôme=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 492 ff.

=Venedig=, Mittelalter: Schiffahrt 26; Schiffe 32, 38; Stärke der Flotte 50; Kriege 42, 43; (1492-1648) Kriege 108; Rückgang 109; (1648-1740) verliert in drei Kriegen seine Besitzungen im Ostmittelmeer, nicht mehr Groß- und Seemacht 591/92.

=Vienne, Jean de=, baut die erste französische Flotte 46, 51.

=Vigo=, Vernichtung der Silberflotte (1702) 516 ff; von England zerstört (1719) 581.

=Villars=, franz. Marschall im Spanischen Erbfolgekriege 492 ff.

=Vivonne=, Graf von, franz. General, Vizekönig von Sicilien (1674) 372 ff; vor Palermo (1676) 385.

=Wachtmeister=, Graf, schwedischer Admiral, reorganisiert Marine 582; im Nordischen Kriege 588.

=Waffen=, Entwicklung, Altertum 12 (unter Schiffe), 21 ff (unter Kampfweise); Mittelalter 40 ff; (1492-1643) 103 ff; (1648-1739) 168 ff; siehe auch unter »Schiffe«.

=Walker=, engl. Admiral, vor Quebec (1711) 565.

=Walpole=, englischer Premierminister, Friedenspolitik (1723-1740) 595 ff.

=Wassenaer=, holländ. Admiral (1654) 239; Personalien 241; in der Ostsee 241 ff (Schlacht im Sunde); 263 ff; bei Lowestoft (1665, [+]) 266; Urteil 268.

=Weißes Meer=, entdeckt 77.

=Werften=, Entwicklung 40, 103, 168, 260.

=Westafrika=, Koloniengründung: portugiesische 61, 63; holländische 87; französische 90; Kämpfe Englands und Hollands 252, Frankreichs und Hollands 371; Geschichte der Kolonien (1648-1740): portugiesische 619; holländische 620; englische 620; französische 621.

=Westafrikanische Kompagnie=, englische 620.

=Westindien=, (auch Guayana), Koloniengründung: spanische 65 ff; englische 85; holländische 88; französische 90; Kämpfe: Englands und Hollands 252, 350; Hollands und Frankreichs 350, 367; de Pointis nimmt Cartagena 466; Kämpfe Englands und Frankreichs 472, 555, 562 ff; Geschichte der Kolonien (1648 bis 1740): spanische 599; englische 601; französische 604, dänische 604.

=Westindische Kompagnien=, französische 90, 603; holländische 88, 619.

=Wielinge=, die, Sandbänke bei Ostende 223.

=Wiener Allianz=, gegen Ludwig XIV. (1689) 413.

=Wikinger=, siehe Normannen.

=Wilhelm von Oranien=, =Wilhelm III. von England=, 320, 330; Statthalter 332 ff, 344, 351, 353; Seele des Bundes gegen Ludwig XIV. (1686) 411; König von England (1689) 413, 428; im Pfälzischen Erbfolgekriege 414; hat W. die holländische Marine vernachlässigt? 419, 422; Übergang nach England (1688) 425 ff; in Irland (1690) 434, 443; in Holland (1691) 444; Stellung zur spanischen Thronfolgefrage (1700) siehe »England« und »Holland«; Kriegsplan (1701) 507; [+] 489.

=Winter=, engl. Admiral z. Zt. der Armada (1588) 121 ff.

=Witt, Jan de=, Ratspensionär von Holland (1665) 249, 254, 269, 289; seine Politik (vor 1672) 307 ff, 320, 332; Attentat 330; ermordet 333.

=Witte de Witt=, holländ. Admiral (1652) 141, 205; bei Kentish-Knock 209; Personalien 224, 225, 226, 242.

=Wrangel=, schwedischer Admiral (1658), Schlacht im Sunde 242.

=Wurfmaschinen= 12, 15, 40, 104.

=York, Herzog von=, siehe »Jakob II.«

=Zweidecker=, der erste (»Royal Prince«) 100; 169 ff.

=Zwischendeck=, Einführung des 166.

* * * * *

Berichtigungen.

Seite 5, Zeile 5 und 3 von unten, muß es heißen statt NW.- und SO.-Monsun SW.- und NO.-Monsun.

Seite 238, Zeile 2 von oben, ebenso Seite 239, Seitenüberschrift muß es statt 1656 heißen 1657.

Seite 589, Zeile 9 von oben, muß es statt 1715 heißen 1714.

E. S. Mittler & Sohn, Berlin SW., Kochstr. 68-71.

* * * * *

Anmerkungen zur Transkription:

Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, und offensichtliche Druck- und Setzfehler wurden korrigiert.

Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text0) und fett gedruckter Text mit Dollarzeichen ($Text$) markiert.

Das Zeichen für gestorben wurde als [+] dargestellt.

Die Tabellen auf den Seiten 119, 123, 170, 177, 220, 221, 273, 376, 395, 418, 448, 449 und 505 wurden wegen ihrer Größe geteilt.

Spotted a typo or a problem in this chapter? Tell us