Sagenbuch des Erzgebirges (part 3 of 3)
Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes Pleil. Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal, durch welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte. Wenn nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große Sorge, denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem sogenannten Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch« ihre Herberge hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale mit sich nach genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen sind. In dem Thale aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten standen, wurde nach Lichtung des Waldes ein Ort gegründet, welcher den Namen Sorgenthal erhielt.
561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.
(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl, Chemnitz, 1874, S. 10 und 17.)
Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg genannt. Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen die reichen Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden, riefen sie freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!« Davon ist dann der Ort genannt worden.
Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der heutigen Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo jetzt die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die tiefste Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach Schlettau zu überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann, mochte er kommen, von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg vor sich, so daß er seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand daher an dieser Stelle die erste Niederlassung, die eine Herberge war. Die Sage erzählt, daß dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle war, in welcher Reisende durch eine Fallthüre in einen Keller stürzten und dort ermordet und begraben wurden, bis es endlich durch eine Dienstmagd, die einen jungen Mann warnte, verraten wurde, worauf Soldaten aus Kaaden das Haus umringten und samt den Bewohnern niederbrannten. Man hat auch unter späteren Besitzern des Hauses, das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei Umbauten Totengebeine im Keller gefunden.
Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal und bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort, wo jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung. Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum der Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut, erbaute hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine Angehörigen und Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben.
Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des Namens Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als schon im Jahre 1533 der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer Zeit, zu welcher der Silberbergbau in der Gegend noch nicht begonnen hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes vorkommt. Vielleicht wurde auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen Wigbert geweiht hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.
Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug zwischen Preßnitz und Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger Gebirge, nach Pleil und Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert und Pleil nach dem weißen Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über den Pöhlbach und sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz nach Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten ihr Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach Böhmen holten, führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht, und solche Fuhrleute waren es nach der Sage auch, welche in einem Wagengleise daselbst die ersten Silbererze fanden und so die Gründung Freibergs veranlaßten.
Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil selbst in festem Gestein vorhanden sind.
Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des Ortes Kuhberg von einem czechischen Worte ~küweribi~, welches er mit »ausspannen« verdeutscht, ab. Wenn dies richtig ist, so würde dieser Name zur Bestätigung von einer uralten Herberge am Pöhl- oder Grenzbache dienen.
Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg gelegene sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h. Kuhschwanz geheißen haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach dem Archiv für sächs. Geschichte (12. B., S. 95) erst seit dem Jahre 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an dessen Fuße er liegt.
562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.
(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal, mitgeteilt vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.)
Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn, auch Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern »der Stoltze Hayn« genannt.
In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im dichten Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter vor die Thür traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn, der auf einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh, welch ein stolzer Hahn!« und von diesem Ausrufe hat der Ort später seinen Namen bekommen.
563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.
(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 72.)
Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei Sayda seinen Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor langer, langer Zeit als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedel gehörige Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei Brüdern verdanken. Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei befand, denn in der Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke, welche in der Brüderwiese aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise der Klause der drei Einsiedler einst angehörte.
Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung einem Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat.
Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten Verkehrsstraßen durch unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige Straßen vielfach unter ihren Schutz. Klosterbrüder bauten sich an ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit geistlichem Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen zu lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher Einsiedeleien, an denen sich vielleicht auch Kapellen befanden, später entstanden sind, ebenso wie die Namen von Brunnen oder Anhöhen u. s. w., haben die Erinnerung an derartige Stationen erhalten. Es ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden Ortschaften auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine der alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und das jetzige Einsiedel nach Böhmen. (S. auch ~Dr.~ Alfr. Moschkau, Oybin-Chronik, S. 197.)
564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.
(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.)
In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg führt eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke nennt. Die Sage erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß der Bote, welcher Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten überbringen sollte, hier, weil die Brücke von den Fluten der sehr angeschwollenen Mulde weggerissen worden war, aufgehalten ward, also nicht zu rechter Zeit eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals hergeben mußte.
565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jakob.
(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.)
Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen Dörfern, welche damals andere Namen hatten, nur drei Männer, Ortmann, Niklas und Jakob, am Leben geblieben sein, nach deren Namen später die Dörfer benannt wurden.
566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.
(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.)
Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die ganze Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf ihm ein Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und breit bekannt war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch das Land zog, so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche er heimsuchte. Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach dem Schlosse auf dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust daselbst die Becher und die geängstigten Bewohner des Thales sahen dann in der Nacht die Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen sie zu einander: »Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei verwünschten sie die Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch von dieser Plage befreien wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß die Burg zerfiel, und nur einen alten Steinwall bezeichnet man als deren Reste. An dem Fuße des Berges konnte man wieder ruhig wohnen, es bauten sich daselbst mehr und mehr an, und die zerstreuten Ansiedelungen wurden später zu einem Dorfe vereinigt, dem man zur Erinnerung an das Licht, welches einst nach jedem Raubzuge der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen gewesen war, den Namen »Lichtenberg« gab.
567. Der Ursprung des Namens Dörnthal.
(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293. Kirchengalerie, 12. B., S. 115.)
Das Dorf Dörnthal bei Sayda hieß früher Dorothenthal nach einer des heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen Kriege zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg gehört haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man sagt, daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei, welche sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal gehörigen Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle, wo jene Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der Kapelle gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere nach Großhartmannsdorf gekommen sein.
568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese bei Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es war an dieser Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige Wiese vorhanden, auf welche während des Sommers von den Fleischern genannter Stadt das Vieh zur Weide getrieben wurde.
569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)
Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb in ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg her jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich zeigten, so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an -- daher der Name Schellenberg --, was für die jenseitigen Räuber das Zeichen war, sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. Wenn hingegen von Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, zündeten jene ein Feuer an, um dem Schellenberger ein gleiches Zeichen zu geben; daher der Name; denn der Wächter rief dann: »Licht im Walde!« Länger als 300 Jahre trieben die Räuber ungestraft dies Wesen; man weiß jedoch nicht, wer und wann es endigte.
570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)
Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und also aus ihrer Hand sei erlöset worden.
Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der alsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)
571. Der frühere Name von Lichtenstein.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)
In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht, ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein« bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.
572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.
(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und ~Dr.~ Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. 3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)
Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen »Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.
573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien, und es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe, in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen Einwohner näher der Kirche wieder an.
574. Das Brautbette bei Rabenau.
(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in den Junker Jeschke (~Jesico~) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird.
Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht bekannt geworden.
575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)
Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. von Ponikau, Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer Reise nach Mainz gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. Im dritten Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, der unter der sorgsamen Pflege der Mutter und einer Amme wohl gedieh. Der Knabe war wenig über das zweite Jahr alt, als einst an einem schönen Sommertage Frau Katharina mit der Amme ohnweit des Schlosses auf jenem Hügel lustwandelte, welcher jetzt der Pavillon heißt. Als der Knabe in den Armen der Amme entschlummert war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen pflücken, damit wir ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme bettete das Kind an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half sodann der Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich aus der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich damit in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich, denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften und Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die beiden Frauen den Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug die arme Mutter die Hände vor das Gesicht und sank ohnmächtig nieder; die Amme aber verfolgte schreiend und händeringend den über ihr fliegenden Räuber. Schon schwebte derselbe über dem hohen und felsigen Hügel, der im oberen Teile des unmittelbar vor dem Schlosse liegenden Städtchens Lauenstein sich erhebt, -- da fiel ein Schuß. Ein Jäger, welcher, aus dem nahen Forste zurückkommend, die Gefahr sah, hatte den Schuß gethan und gut getroffen. Der Vogel stürzte tot zur Erde und lebend und wohlbehalten hing das geraubte Kind an den Klauen des erschossenen Vogels.
Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens ließ Frau Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, einen Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. Dieser Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf dem Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch der Katharinenstein.
576. Die Kutte bei Elterlein.
(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 35.)
Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, wo er seines Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im Walde nieder, um zu verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen berührte ihn etwas von hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut aufschrie. Er untersuchte den Boden und fand einen starken Zacken gewachsenen Silbers, der drei Zoll lang aus der Erde hervorstand. Um die Stelle sicher zu bezeichnen, zog er seine Kutte aus und legte sie darüber. Dann eilte er in vollem Laufe nach Grünhain zurück und erzählte von seinem Funde voller Freude dem Abte. Bald darauf ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein regelmäßiges Berggebäude angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab und noch jetzt die Kutte heißt.
577. Sechs Brüder bei Geyer.
(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)
Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es einem Trupp herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen, in der Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu bringen. So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise; den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten.
Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.
578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.
(Mündlich.)
An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr eine halbe Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe, welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. Über den Namen dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, daß einst drei Brüder mit einander in den Wald nach Holz fuhren. Da fanden sie einen zu Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben alsobald ab und legten hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe zu holen, ein Bergwerk an, in welchem sie große Reichtümer gewannen. So entstand zuerst die Grube »Alte Brüder«, und später, als auch weiter abwärts Silbererze gefunden wurden, die Zeche »Neue Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung an jene Brüder die Dreibrüderhöhe genannt.
579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.
(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)
Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung, »Reue« genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen Feldparzellen einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft worden. Weil nun der Verkäufer es später bitter bereut hat, die Grundstücke so billig verkauft zu haben, so hat man der Waldung den Namen »Reue« beigelegt, welchen sie noch heute führt.
580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.
(Mündlich.)
Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten von Wald eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der »Bär« genannt. Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: In dem dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen sich die letzten Bären aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von der gegenüberliegenden Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. Ein kleiner Bär wollte nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen Schlag, daß er sofort tot war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem Lager. Von dem getöteten Bären nun soll der Name des Grundes herrühren.
581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.
(Mitgeteilt vom Prof. ~Dr.~ Friedrich Polle in Dresden.)
An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären die Felswand hinunter warf.
582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, 1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur, 1882, No. 24.)
I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet, eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und durch den Schein der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben, daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus später »Mückenberg« ward, genannt wurde. -- Auf derselben Stelle am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht, hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute, war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da -- majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt, welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die Schönheit des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen, daselbst die Zinngraupen zu brechen.
II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber, dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber, froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist.
Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde fortzusetzen.
583. Ursprung des Namens Fastenberg.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.)
Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht, soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge eine Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl ein rechter Fastenberg sein!«
584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)
Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon liefen, über Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet hatte, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße geschleppt, dort lebendig gespießt und ihm sein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte, und erst zur Zeit der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde. Von dieser Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe der weiße Helm genannt.
585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.«
(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)
Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange des Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar, fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll daher kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage zubrachte.
586. Ursprung des Namens Silberbach.
(Mündlich.)
Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, welches erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf des Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser fernerhin der Silberbach genannt wurde.
587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)
Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod der Räuber den Namen »Höllengrund.«
588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
(Mündlich.)
Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben.
589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)
Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.
Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.
590. Der Dreimännerberg.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich erhebenden Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer bis an die letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des Eremiten »Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen Erzgang über dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die Schächte über dem Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen Gang so aufzuschließen im Sinne hatten, aber es blieb bei dem »Glückauf!« Und wenn sie hineinriefen in die Schächte, durch die Stollen und mit dem Hammer und Schlegel frugen, der schwarze Gang gab keinen Bescheid mit seinem tauben Gestein.
591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.
(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)
Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer erhebt sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken zurückgeblieben sei.
Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen des Felsens hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, auf dem möglicherweise früher ein loser, hin und her zu wiegender Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein identisch mit den »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind »solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf ihren Schwerpunkt gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her bewegt werden können.« (Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) -- Noch sei es gestattet, wenn wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein war, die Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen kann, waren jedenfalls heidnische Opferstätten oder Beratungsorte und dienten auch als Orakel bei Prüfung der Frauentreue. Dann könnte unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung der altgermanischen Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. Darauf würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen zurückzuführen sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 353). Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen Jungfernsprung, d. h. die Stelle, von wo einst ein verfolgtes Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe auf dem genannten Felsen ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine heidnische Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die Sage vom Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges Menschen- resp. Jungfernopfer sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. 10--13.)
Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine vermuten?
592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.
(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)
Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei Eibenstock ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. Die Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.
593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.
(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig, Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)
Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl hervorgequollen sei.
594. Der Claußberg in Schneeberg.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, 1716, S. 24.)
Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, auf welcher das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg. Den Ursprung desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein Edelmann, namens Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen worden sein soll.
595. Der Galgenberg bei Euba.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)
Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg genannt, von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge und abwärts bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. Auf dieser Höhe befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der jedesmalige Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten hat. Man hält sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an welchem im 30jährigen Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem Feinde gegenübergestanden, einen gefangenen Spion soll aufgehängt haben. Daher der Name Galgenberg.
596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.
(~Dr.~ Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)
Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn bei Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem nahen und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer Stein« aus Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch aus freiem Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, und ebensoweit von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden »Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll er davon erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, zum Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines Kelches in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals dem katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden Umwohner oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit der Figur, ein Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. Die andere Annahme, daß der Volksmund den isolierten, im Laufe der Jahrhunderte ziemlich verwitterten Felsen wegen seiner eigenen Ähnlichkeit mit einem solchen Gefäße so genannt habe, hat deswegen weniger Wahrscheinlichkeit für sich, weil eine solche Ähnlichkeit von keiner Phantasie zu entdecken sein dürfte.
Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen Namen von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei Burschen mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in die Nähe des Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und sie warfen sich in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer von ihnen so unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur Erinnerung an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte stehenden Fels »Buttertöpfchen«.
597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.
(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)
In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt rechts von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in einem Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, worauf ein Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen fließenden Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen Taufstein und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten Emigranten sich in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und Gottesdienst hier gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.
598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.
(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)
Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum letzten Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen einige die Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« führen. Beide Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.
Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die wilde Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. Als er eines Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die Sehma überschreiten wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, vor dem er sich nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und mit blutigen Streifen im Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen hatten, erreichte er den Gipfel des Berges und gelangte nach wenig Schritten zu einem Häuschen, aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. Von dem Wirte und dessen Frau freundlich bewillkommnet, erholte er sich bald bei Speise und Trank in der wohlerwärmten Stube. Nun hörte er von der redseligen Wirtin, welcher Gefahr er glücklich entgangen sei, denn in dem nahen Walde trieben böse Geister ihr Wesen und der Bär sei wahrscheinlich auch ein solcher gewesen. Nicht weit von ihrem Häuschen befinde sich im Walde ein Kreis von zackigen Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und einen großen Schatz bewachen.
Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf mit dem Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich mir«, rief er aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« Die mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der Student stürmte hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er den Teufel herbei, und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der Finsternis und sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit seinem Dolche über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe entwunden und in die Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner wieder, da zuckte ein Blitz und beim Scheine desselben sah er noch deutlicher die schwarze Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos stürzte er zwischen den Felsen nieder.
In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das Fenster blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei ihnen ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie er die Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: »Fürchtet euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es auch. Es war der Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von dem Kloster Grünhain von der Nacht überrascht worden und in der Irre gegangen war, bis er sich an den Felsen ein Nachtlager gebettet hatte. Da war er durch den Ruf des Studenten aufgeweckt worden und noch halb im Schlafe war er auf denselben zugegangen. Als ihn dieser aber mit dem Dolche angefallen, erzählte er weiter, habe er sich zur Wehr gesetzt und einen grimmigen Kampf bestanden. Weiter wisse er nichts. Als er am Morgen aus seiner Ohnmacht erwacht sei, habe er blutend neben seinem Gegner gelegen, den er nun mit sich geschleppt. Während dieser Erzählung zeigten sich bei dem Studenten Lebenszeichen und es gelang auch bald, ihn wieder zum Bewußtsein zurückzubringen. Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte er sich, diese gewannen ihn lieb, und da er selbst gern an dem Orte bleiben wollte, nahmen sie ihn an Kindesstatt an und hinterließen ihm bei ihrem Tode das Haus, welches von nun an nach den vor dem Kampfe mit dem vermeintlichen Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten »zum letzten Heller« genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach jenem Kampfe die Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete die Schwester des Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines bescheidenen Wohlstandes.
599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.
(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)
Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter Mauern erschienen; ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.
Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:
Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz) den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leib zogen und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. Conrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, Nürnberg, 1734, 2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz verlegt wird, geschah jedoch bei Außig.
600. Von den Namen einiger Brunnen.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und Sachsenburg, S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)
1) Der +Jüdenbrunnen+ bei Kühnheide, dessen in einer alten Berg- und Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden und Wallonen der Goldkörner wegen besucht.
2) Mit dem Wasser des +Löffelbrunnens+ auf Satzunger und Preßnitzer Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.
3) An dem +Traubrunnen+ zu Steinbach hat man in Kriegsläuften die Eheleute getraut.
4) Der +kurfürstliche Jagdbrunnen+ liegt eine Meile von Crottendorf nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. im Jahre 1613 oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein noch Bier besser geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine Jäger einzimmern, die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum eine Trinkkanne ein, die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu versichern.
5) Der +süße Kühl-+ und +Löschbrunnen+ zu Schlettau. Am 23. Febr. 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den Schweden zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen viel Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst auf das annabergische Bier, und lobten und priesen dabei das gute, gesunde Wasser viel höher als Bier.
6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein Brunnen, dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt +Finkenbrunnen+. Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen bei einem Labetrunk dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.
7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, in welcher die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche die +Goldbörner+ heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst Johann Georg I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus getrunken und dazu gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!« worauf er etliche Dukaten in die Börner geworfen, die dem anwesenden Förster zu teil geworden, der von selbiger Zeit an diese Börner seine Goldbörner genannt hätte.
8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der Kaiserforst und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche der +Goldborn+ heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen zum Scherz, wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die kleinen Kinder aus dem Goldborne hole und bringe.
In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf hinweist, daß Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist ein Bild der Erzeugung, und daher der Glaube, daß der Storch die kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. Auf dem Queckborn in Dresden stand früher das Bild eines Storches.
9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der +Zigeunerbrunnen+. Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner, welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze; daher der Name desselben.
601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.
1) »+Grauen Manns Fundgrube+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name soll von einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen haben will, herrühren.
2) »+Glockenklang+ und +Vogelgesanger Fdgr.+« bei Johanngeorgenstadt hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, welches man auf des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, so deutlich, als geschehe es in einer nahegelegenen Stadt, wobei man auch zuweilen ein Bobern oder Lummern in der Erde verspürte.
3) »+Hohe Tanne+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt daher: Etliche Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie im Schurf arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel ein solcher Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.
4) »+Scheller Traum+« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt von einem Traume her, welchen eine Frau gehabt und der den Ort anzeigte, wo man einschlagen müsse.
(Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt, 1723, S. 229. 244. 246.)
5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich ein alter Stollen, das +Bocksloch+ genannt. In demselben soll sich ein Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen Zeiten und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, um die Vorübergehenden zu necken.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, 1716, S. 47.)
6) Die +fruchtbare Thorheit+, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)
602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)
Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt gewesen sein.
603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 150.)
In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen und ihn zu rufen pflegte: ~Bacchale patszem!~ welches in böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen ~Bacchale~ zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.
604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.
605. Das Stadtwappen von Geyer.
(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg, 1740, S. 31 u. 32.)
Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen Zeiten her drei Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von der Entstehung des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das Bergstädtchen gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch einen Geier, welcher auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und Hühner vom Hofe zu Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum Geyer erreget worden, indem die Schützen dem Geier nachgespüret und darüber schöne Zinngraupen angetroffen haben.
606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.
(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. Nr. 48.)
Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im Osten das Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das obere Thor. Als Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme oder auch die dreifach getürmte Kirche im Wappen.
607. Das Stadtwappen von Öderan.
(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, Kirchenhist. von Freiberg etc. II, S. 475.)
Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad, um damit anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder 13. Jahrhundert ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze eine Herberge erbaute. Bald gesellten sich noch andere Anbauer und unter anderen einige Mönche hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein großes Kreuz aufpflanzten und Vorübergehende um Almosen ansprachen. Man nannte sie »Schmerbrüder«, und es soll zu diesem Namen die Wagenschmiere den Fuhrleuten Veranlassung gegeben haben, wie alte Erzählungen berichten, nach denen auch der lang erhaltene Gebrauch des schwarzen Siegels bei dem Rate zu Öderan darauf zurückzuführen ist.
608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.
(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.)
Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf dem Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes Frauenzimmer vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit offenem Thore stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes oder Namenssiegel gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno 1690 gestochen worden, sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, der mit einem Mantel bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes Schlachtschwert mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über einem offenen Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten Franken, wenn sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter in die Erde gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen haben.
609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.
(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)
Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben mit gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen oder Fliegen fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der Kirchturmspitze ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. Damit will man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich daselbst aufgehalten haben, ableiten.
610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.
(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)
Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will man vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.
611. Das Wappen der Stadt Zwickau.
(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656, S. 136.)
Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem Rate ihr Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz rot, oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter denen ein Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur umgekehrt, daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme aber gegen die linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf dem Schilde aber zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen Aufschläge weiß, und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. Auf dem andern Helm aber stehet der Ritter Moritz, welchen der Kaiser der Stadt zum Patron gegeben.
Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten Teil des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.
612. Das Wappen der Stadt Freiberg.
(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. Freiberg, 1653, S. 21.)
Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt einem Thore und Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im gelben Felde darin soll Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem eigenen Wappen der Stadt für geleistete Dienste dazu verliehen haben.
613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.
(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge, 2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)
Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.
In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen, und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.
614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)
Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet. Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt Dippoldiswalde war.
615. Siegel der Stadt Frauenstein.
(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)
Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet, daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge weg nach Prag auf den Königsthron holten.
Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden Bergbau bezogen hat.
616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.
(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)
Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes Thal mit drei hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem beckenartigen Schilde einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das reichsgräflich von Loß'sche Wappen am Herrenhause des Rittergutes hat einen Frosch im runden Mittelschilde und als mittelste Helmzier. Man deutet das angebliche Wappen von Olbernhau damit, daß sich aus dem abgetrockneten See, für welchen man die flache Thalsohle, in welchem der Ort liegt, ansieht, der letzte Frosch entfernt, um nach dem auf der Höhe sich zeigenden Walde zu flüchten.
617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)
Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das Dorf durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer Mulde sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher in dem Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- als das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.
Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von den vielen Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von dem Bache, welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das Siegel führt deshalb einen Auerhahn am Bache.
618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.
(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~, Zwickau, 1656, S. 37.)
Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große Brille in Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der zu Zwickau gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker viel auf dergleichen Zeichen zu achten pflegten.
619. Die Wahrzeichen Freibergs.
(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~, 1653, S. 29, 37 u. 138. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)
Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem Dache auf allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu sehen, wovon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein wolle. Etliche meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, der 1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht worden. -- Als Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte männliche Statue wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. sächsischen und Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an der Brücke befand, sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die Stelle bezeichnet, auf der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.
Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine mit eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.
Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet, auf welcher Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh. Vulpius (~Plagium Kauffungense~, als Beigabe zu ~Dr.~ Daniel Wilh. Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, S. 229) folgendes: »Als 1702 der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein fast in kleine Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen neuen an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit des E. E. Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen schwartz-blaulichten ungepolirten Marmor-Stein darunter, auf welchem ein alter Silbergroschen gelegen, dessen Schrifft und Gemählde Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern so mürbe war, daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man auch diesen, in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu finden, auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten, sonst aber gar nichts gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey Steine hatten einerlei Große, Länge und Breite. Der Marmorstein wurde in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster gleich kommen, und wiederum ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit gepräget, gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern Merkmahl, drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf ~recta~ darauff.«
Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am Erker des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein steinerner Kopff, welcher für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird, mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebel-Barte und Sturmhaube, über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf angedeuteten vierecketen Stein.«
620. Wahrzeichen von Crimmitschau.
(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)
Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher mitten auf dem Markte eingemauert war.
621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)
Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein, welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache 1415 geschehen.
Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.
622. Das Wahrzeichen von Tharand.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)
Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Ort selbst Granaten hieß.
623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)
Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein »Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser.
Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, wurde vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber berühmten Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.
624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.
(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)
Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß beim sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner in trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen sei. Die Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 Häuser (jetzt nur 64!) gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört worden sei, worauf sich der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von Platz nach Norden und Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut habe, und auf diese Weise sollen die beiden Ortschaften Hohentann, d. i. bei der hohen Tanne, und Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden sein.
625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.
(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)
Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16. Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav und seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre 1174 flohen, gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der Stadt heute noch die Burghäuser heißen und die Befreiung von der Abgabe des sogenannten Dienerkornes genießen.
626. Die wüste Mark Kraxdorf.
(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. A. Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)
Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Krafftsdorf gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem westlich im Walde gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel gefunden wurden.
In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten hatten.
627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.
(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)
Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., welche jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden heimgesucht. Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, zur Nothdurfft erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später wurde das Dorf als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und Georg von Mügeln verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten Sage die Pest den Ort so von Menschen entblößt haben, daß von der ganzen Bevölkerung nur zwei alte Jungfern am Leben blieben, welche sich im Heu verborgen hatten.
628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal und Königswalde.
(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II, 1656, S. 157. G. Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)
Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und Königswalde, findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, welches über einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches Berglein, weil es beraset und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. Von diesem Gemäuer wird erzählt, daß es ein Raubschloß gewesen sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und ausgemauerter Brunnen, welchen die Bauern den bösen Brunnen nennen, weil sich bisweilen Gespenster daselbst haben sehen lassen. Es sollen hier nämlich die Geister zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht haben, umgehen. Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf, Rappendorf genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)
629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.
(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863, S. 3. Der Schluß mündlich.)
Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von Dippoldiswalde ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, gestanden habe. Man sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur ein nach dem Berreuther Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz und ein in der Nähe befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. Auf dem Platze soll eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.
630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.
(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, 1. Teil, 1776, S. 111.)
In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern noch in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch in einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf am Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie die Fluren beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von denen ein Teil jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz soll auch ein Dorf mit Namen Kempfersgrün gestanden haben.
631. Die wüste Mark Oberopritz.
(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S. 92.)
Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des Räderkopfes zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein die zu letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll früher das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im Hussitenkriege zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und zwar da, wo in dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz kommendes Bächlein mündet, die Wüstung Niederopritz.
632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.
(~Dr.~ Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)
1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 16. B., S. 19.)
2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer Grundes, in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg Blankenau her, deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben und Wällen nebst verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna und Heinersdorf in einem kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die Sage setzt die Einäscherung der Burg, von der sich ein Rittergeschlecht von Blankenowe schrieb, in den Krieg Friedrich des Gebissenen mit den Süddeutschen. (S. auch Schumann und Schiffner a. a. O., 14. B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 114.)
3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen Adels- oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, Oneritz (Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz und Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen Chemnitz und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.
633. Wüste Marken bei Augustusburg.
(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)
1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende große fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.
2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf Röthenbach lag.
3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor dem Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen »Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, 1. B., Schneeberg, 1750, S. 268.)
634. Von früheren Festen bei Schneeberg.
(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik von Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 14.)
Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher. Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man früher am südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten Grunde sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und ebenso soll ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das Brünnlasgut befindet, eine Warte gestanden haben.
635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)
Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in Pöhla bis an die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand geheißen, weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden ist. Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf und Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten und Ackerbeete.
636. Die wüste Mark Eibendorf.
(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)
Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen die meisten Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen Kriege zerstört worden sein soll.
637. Die wüste Mark Nennigkau.
(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)
Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher im Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha mündet.
638. Wüstungen bei Bärenstein.
(~Dr.~ Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)
Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches im 30jährigen Kriege zerstört wurde.
639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)
Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das Dorf Kuhren stand.
Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache gelegenes ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden, und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.)
640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen. Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde. Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.
II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden »Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf, welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348 oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder aufgebaut wurde.
III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober- und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich, in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme als Decem gehalten haben.
641. Die Wüstung Sahnau.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 109.)
In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.
642 Die Wüstung Rappendorf.
(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)
In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal, Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen und Bänder und dergleichen gefunden.
643. Die Wüstung Boberau.
(Herzog a. a. O., S. 64.)
An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.
644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.
(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)
Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich, welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.
645. Die wüste Mark Warnsdorf.
(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 174)
In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.
646. Die ehemalige Burg Sohra.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)
Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring. In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen.
647. Alt-Elbogen.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)
Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40 Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400 Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch 2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird.
Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden.
648. Die Grillenburg.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und Dörfer, 1727, II, S. 287.)
Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich gestatten würde.
Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht, sie lauteten:
I.
»Meines lieben Bruders kläglich End, Der schwere Eingang zum Regiment, Groß Widerwärtigkeit und Gefahr Mir schwere Sorg und Müh gebahr. Zu vertreiben solch Fantasey, Fieng ich diß neu Gebäu, Die Grüllen-Burg ichs davon nennt, In einem Jahr wurds gar vollend.
II.
Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen, Da baut Hertzog August zu Sachsen In einem Jahr diß Jagd-Haus behend, Welches er die Grüllen-Burg nennt, Vor schwerer Sorg und Gedanken, Die ihm oblagen und bedrangten, Und richtets an zur Lust und Freud, Drum wird man hier der Grüllen queit.
III.
Ich bin genannt die Grüllenburg, Darauf geschieht gar mancher Schlurg, Gedanken und schwere Fantasey, Legt man auf diesem Hause bey; Gegen Hasen, Hirsch und Schwein Vertreibt man hier die Zeit allein. Wer nun hat Grüllen und Mücken, Der lasse sie hinter sich zurücken.«
649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)
Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben.
650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)
Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.
651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)
Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet. Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten. Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die Mutterkirche, erhielt.
652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.
(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.)
Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden, weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.
Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt erhoben wurde.
653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.
(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44. Mündliche Mitteilungen.)
Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche Amtsgericht befindet.
Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.
Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige Stadt Kirchberg.
654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.
(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)
Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476 von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs.
Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain, eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag. Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden »guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt.
655. Der Peststein bei Rauenstein.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S. 305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)
Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit.
656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.
(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)
Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:
Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde. Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster.
657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)
In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.
658. Zeichen auf dem Katzensteine.
(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)
Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem Steine gefrühstückt haben.
Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.
659. Die zwei Messer zu Eibenstock.
(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)
Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr. Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben, darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand, aufgerichtet worden.
660. Das Steinkreuz bei Schlettau.
(Mündlich.)
An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein schwedischer Offizier begraben wurde.
661. Das Steinkreuz bei Werda.
(Mündlich.)
In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer Soldat im Kampfe gefallen sei.
662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)
Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen, an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des Hirten.
663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.
(Mündlich.)
Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20 Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte.
664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.
(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)
An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock und Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, steht ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt im Walde ein alter Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno 1799 ist an dieser Stelle ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, nachts mit seinem Fuhrwerk auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte des Gasthofes zu Karlsfeld ermordet worden. Der Fuhrmann ließ sich gegen Abend vom Wirte des genannten Gasthofes für Silbergeld neue Kupfermünze geben. Dies sahe der Hausknecht, welcher jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke hielt. Ihn gelüstete nach denselben, und er ging deshalb, als der Fuhrmann bereits ein gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete ihn und nahm ihm die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an diese That ist der Stein gesetzt worden.
665. Der Denkstein in Fürstenwalde.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)
Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal mit der Bezeichnung ~G. D.~ und einer Schneiderschere, nebst der Jahreszahl 1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre ein aus Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr aus der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren und in Fürstenwalde beerdigt worden.
666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.
(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 10.)
Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei Kreuze aus Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler einer Mordthat hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten daselbst Fleischerknechte totgeschlagen hätten.
667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.
(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)
Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei, und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.
668. Die drei Kreuze bei Brand.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)
Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und 1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen, diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben müssen, die drei Kreuze errichten lassen.
669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen knüpft sich folgende Sage:
Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen, welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.
670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)
Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen Wirtshauses »Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, in welcher es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, als ein schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende Donner, wie der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung der Lustbarkeiten. Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden Zeichen; die Ausbrüche wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die Musik begann ein munteres Tanzstück zu spielen und unter Lärmen und Johlen drehten sich die Paare im Kreise. Diesem frevelhaften Treiben konnte die Strafe des Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter hatte seine ganze Macht entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten grell das Halbdunkel und das betäubende Krachen des Donners vermischte sich mit dem Brausen des wütenden Sturmes. Den tollen Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein fürchterlicher Schlag, alle Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde lang sonnenhell beleuchtet und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein mächtiger Blitzstrahl hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem gräßlich gähnenden Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen darin Anwesenden spurlos versank. -- An der Stelle, wo die Schenke stand, wurde später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz errichtet. Dieses ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name »Beim roten Kreuz« jedoch bis heute geblieben.
671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.
(Mündlich.)
Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden Höhe am rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst soll ein Mann mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne daß weder er noch seine Pferde Schaden genommen haben.
672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.
(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)
In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, ein großer Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz sieht. Die Sage erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem heftigen Gewitter zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig donnerte, spotteten sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort oben fährt der liebe Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber hatte er diese Worte gesagt, so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. Der Knabe wurde darauf an dem Orte begraben, und zur Erinnerung an diese Begebenheit meißelte man ein Kreuz in den großen Stein, der bereits an dem Platze gelegen hatte, wo dies geschehen war.
673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.
(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit des sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, 1860, S. 3.)
Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt man sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August Bachmann stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite ein Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er nämlich, heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der Landstraße gegen Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel hatte aufschlagen lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen Schar ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine Gefährten in den Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt selbst dem Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende Lichter erblickt werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, bezweifeln selbst die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit des Kaisers Arnulf geschehen.
Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.
674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)
In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde führt. Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr stark und zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo ein Mensch verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem Kruzifix, welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat, herrührt. -- Erwähnt mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den Platz vermutet, an welchem 892 die Ermordung des Bischofs Arno von Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv für sächs. Gesch. 2. S. 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen zu den Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.
675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)
In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal von Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen gehauen haben, so daß beide gestorben sind.
676. Das Marienbild in Maria-Kulm.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)
Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten und unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord unsicher gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein Ritter aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der Kapelle auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen und dem Strafgerichte in Eger übergeben wurden.
677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.
(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)
Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck und Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine hölzerne Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in der Hand hält und folgende Umschrift hat:
»Das Zedels-Bild bin ich genannt Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt Sie komen her zu mir Und suchen auf dem Abschied Der Wölfe ihr Quartir Drincke auch gehrne gutes Bir Anno 1695.«
An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch gemalt, aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich ist das Bild ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo die letzten Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß das Bild früher etwas weiter im Walde angebracht war und daß es die Stelle bezeichnete, wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.
678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)
Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll von dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein. Über die Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der Künstler sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, vorher diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, aber er soll seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen Worte gemäß niemals jene Strafe verbüßte.
679. Die Walfischrippen in Zwota.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)
In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren am Wege zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des Walfisches, zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben in einem Garten des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an dem jetzt eingegangenen Hammerwerke, welches nach der Überlieferung des Volkes das feinste und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden haben, und es wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten Fuhrleute nach dem Hammer kamen, um das weit und breit geschätzte Eisen zu holen. Von solchen Fuhrleuten sollen die genannten »Walfischrippen« mitgebracht worden sein.
680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.
(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 7.)
Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche zu Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt worden sein.
681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau ausgewühlt worden.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, was man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 Jahren ~a~) wegen der Kirchen, ~b~) wegen des Thurms und ~c~) wegen derer Glocken gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage derer Kirchen Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am Grunde an dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder sagen, es wäre ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und die Einwohner dieses Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und des sündigen Wesens so hoch getrieben, daß Gottes Strafe über sie ergangen und der Ort versunken wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei Viehhirten ohnweit des ehemaligen Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet haben, und solche hätten wahrgenommen, daß eine wilde Sau zwei Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine gesagt. »Diese Glocke will ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.« Der andere habe gesprochen: »Das laß ich wohl bleiben; ich will mit meiner Glocke mir etwas zu gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche Glocke wieder in die Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten Männer haben erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren Vätern und Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten gefundene Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar geben sie nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie gleichsam taktweise ihren Klang hätte.
»Baum maum Kirchberg, Kirchberg ist mein Vaterland, Da mich die wilde Sau umwandt«.
Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.
682. Die Glocke von Jahnsgrün.
(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)
Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün bei Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen gelegen haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche Weise, untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden worden, als eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen Boden wühlte. Diese Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu Bärenwalde hängen. Man hat über die Begebenheit folgendes Volkslied:
»Gahnsgri is uner goange, Gahnsgri is verschwunden Ä wilde Sau hot ä Glock' ausgegrob'n, Ä Bettelma hot's gefunden«.
Auch Sachsen Kirchengalerie (8. B., S. 58.) erzählt, daß man aus manchen Spuren, z. B. aufgefundenen alten Schlüsseln, schließen will, daß die Gegend von Jahnsgrün vor der Zeit des Hussitenkriegs stark bevölkert gewesen sei. Hier ist besonders bemerkenswert, daß die Sage noch von zahlreichen anderen Glocken erzählt, welche durch Schweine aufgewühlt wurden. Dahin gehören die große Glocke zu Marienei und die Kirchenglocke zu Treuen, welche letztere ebenfalls brummt: »En wille Sau ausgegrob'n, en Bettelmann gefunne«. (Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 605.) Ferner mögen die Lobesdorfer Glocke, in der viel Silber war, so daß sie sich durch ihren schönen Klang auszeichnete (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 36.), die Glocken von See und Spree in der Lausitz (Haupt, a. a. O., S. 403.), zu Blankensee, welche summt: »Sau fand jenen Sand«, und zu Görzdorf mit dem unmelodischen Tone: »Sony woillt us« (d. i. Sau wühlt aus), genannt sein.
Nork (Sitten u. Gebräuche etc. S. 372.) versucht einen mythischen Zusammenhang zu finden, indem er meint, die Glocke, welche zuweilen aus Teichen und Seen aufsteigt, sei wie die Nebelkappe auf dem Wasser (Odhins Hut) ein Symbol für Stürme; ihr Tönen sei der heranbrausende Sturm. Er bringt damit die Benennung »Sauzagel« für Wirbelwind in Verbindung. Die Sau aber ist Finderin der im Dunkeln verborgenen Gegenstände, sonst ein der Finsternis geweihtes und darum als Juelschwein dem Lichtgott geopfertes Tier. (Haupt, a. a. O., No. 283 a.) Ein goldenborstiger Eber, auf welchem Freir und Freia ritten, erhellte die Nacht taghell.
683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein gegen 2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra und Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen Fläche einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos waren, daß Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an einem dritten Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes Jahr an diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen Glocken der versunkenen Stadt läuten hören.
S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland. Da, wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine Stadt, welche versunken ist; man hört noch die Glocken in der Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 66.) Auf dem Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges in Thüringen, soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken ließ, weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der Sage nicht die Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine wurde einst auf dem Platze eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch, auch als man sie umgegossen hatte, einen abscheulichen Klang gab. S. übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 18.)
684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.
(Mündlich.)
Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk großer Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die Überreste eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die Produkte der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges angegriffen wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne übrig blieben. Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine Stadt gestanden habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.
685. Die große Glocke in Geyer.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)
Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam auf einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt die Sage, daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor ausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden sei, aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben habe, bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung feierlich eingeweiht.
Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz von Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der Prinzenraub darauf abgebildet.
686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide.
(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)
Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde jedoch diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen und das Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf übergeführt. Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und 16 Schritt breite, jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem Antonius, an welchen der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser ausgezeichnete Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen Barbara erbaut worden sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, auf welcher ehemals die Antoniusklause gestanden haben soll.
In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in Rabenau, daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche genannt, sei eine Wallfahrtskirche gewesen, der historischen Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr den Namen »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine solche sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war der Patron der Kaufleute und an der an der alten Grenze von Meißen und Böhmen gelegenen Kapelle führte jedenfalls in früheren Zeiten die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden vorüber. Nach einer anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster Zelle Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf befindliche Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei, da eine andere Nachricht mitteilt, daß sie im dreißigjährigen Kriege eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)
687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5--7. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 147.)
Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an diesem Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen aber stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres Schuppens ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte es den »gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte herum aber ist das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf einer grünen Wiese gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, dem erst später die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet ward, erbaute man an dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine Kapelle, nach derem Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die daselbst befindlich gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie ihnen zu gewisser Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren von Schönburg, welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den Gerichten von Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe zur Erinnerung an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf beiden Seiten und auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.
688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.
(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)
Auf der sogenannten heiligen Wiese im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz stand einst ein der Jungfrau Maria geweihter Altar mit einem wundertätigen Marienbilde, das zahlreiche Gläubige an sich lockte. Wenn dieselben die von den Mönchen des Klosters Grünthal gehaltenen Messen angehört hatten, besuchten sie die Märkte in Lungwitz, welche unter den »Linden«, die einst bei der jetzigen alten Post standen, abgehalten wurden. Der alte Weg, der vom Dorfe zu der heiligen Wiese führte und den die Wallfahrer ziehen mußten, hieß damals die Vorlage und besteht teilweise noch heute unter dem Namen »die Vorel« oder »Vurel« in der Nähe der jetzt Rügerschen Grundstücke in Abtei-Lungwitz.
Auf dem Turme der Oberlungwitzer Kirche befindet sich noch eine uralte Glocke, die wahrscheinlich aus irgend einem Kloster stammt und seiner Zeit an die alte Lungwitzer Kapelle abgegeben worden ist, und zwar vorzugsweise mit zu dem Behufe, um bei den Wallfahrten nach der heiligen Wiese gelauten zu werden. Nach einer alten Tradition hat man stets mit dem Läuten der Glocken auf der Lungwitzer Kirche begonnen, wenn die Wallfahrtsprozessionen bei dem Marienbilde im Hirschgrunde angekommen waren, und es hat überhaupt dieses Bild dort an dem Orte gestanden, von wo aus die Oberlungwitzer Kirche am besten zu übersehen war, um während des Lesens der Messe u. s. w. die erforderlichen Zeichen zum Anschlagen oder Lauten der Glocken vom Platze aus hinüber nach dem Turme geben zu können.
689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O., No. 560.)
Unter den Reliquien der Kirche zu Ebersdorf befindet sich ein Schiffchen von Holz, welches aus dem 14. Jahrhundert stammt und bei folgender Gelegenheit dort aufgehängt worden ist. Ein gewisser Junker Wolf von Lichtenwalde (?) war ins gelobte Land gezogen, um dort gegen die Sarazenen zu kämpfen; er hatte alle Gefahren und Anstrengungen des Krieges glücklich überwunden und kehrte jetzt mit Schätzen beladen nach seinem Vaterlande zurück, wo ihn eine liebende Braut erwartete. Siehe, da begab es sich, daß das Schiff, auf dem er nach Venedig segelte, von einem furchtbaren Sturme überfallen ward; keine Geschicklichkeit des seekundigen Kapitäns, noch die übermenschlichen Anstrengungen der Mannschaft vermochten dem Andrange der wütenden Elemente zu widerstehen und jeder sah dem Untergange des Schiffes in nächster Zeit entgegen. Da sank der sonst so mutige Kreuzfahrer in wilder Verzweiflung auf die Knie und gelobte der heiligen Jungfrau zu Ebersdorf, daß, wenn sie ihn aus dieser Todesnot befreien und glücklich in sein Ahnenschloß zurückkehren lassen werde, er ihr ein Schiffchen ganz mit gutem Gold gefüllt als Opfer darbringen wolle, und solle er auch sein ganzes Eigentum dabei aufwenden. Und siehe, fast augenblicklich legte sich der Sturm, die Wogen glätteten sich und ein günstiger Wind trieb das Schiff schnell und glücklich in den sichern Hafen. Der Ritter vergaß aber nach seiner glücklichen Heimkehr sein Gelübde nicht, er ließ von einem geschickten Künstler ein Schiffchen anfertigen, füllte es mit Gold an und hing es zum ewigen Andenken in der Kirche zu Ebersdorf am Altare der hl. Jungfrau auf. Zwar hat die Lichtenwalder Gutsherrschaft nach der Reformation sowohl dieses Gold als auch alle andern Kostbarkeiten und Nutzungen der Kirche an sich genommen, nachdem sie die Verpflichtung eingegangen war, dieselbe in allen Baulichkeiten zu unterhalten, ja, sollte sie einmal abbrennen, ohne Zuthun der Gemeinde und des Kirchenärars aus ihren Mitteln wieder aufzubauen, allein das Schiffchen ist heute noch zu sehen.
690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.
(Richter, Chron. v. Chemnitz I, 1767, S. 85.)
Im Jahre 1738 wurde in der Schloßkirche zu Chemnitz eine Geißelsäule wieder aufgerichtet, welche einige Jahre da gelegen hatte. Dieselbe befand sich vorher in dem sogenannten Geißelsaale nahe bei der Kirche und war aus einem Eichenbaume oder einer Linde gearbeitet. Die Sage erzählte, daß der Baum unten aus der Erde aufgewachsen und durchgeführt worden sei. Aus diesem ist nun durch die Bildhauerkunst eine Säule zugerichtet und an derselbigen, ohne Zuthun anderen Holzes, die ganze Geißelung Christi in Lebensgröße im ganzen ausgehauen worden. Dieses Kunstwerk haben viele hundert Personen von Fremden und Einheimischen jährlich zur Sommerzeit beim Spazierengehen ehedem besichtiget.
691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 23.)
Der Hauptaltar in der Annaberger Kirche besteht aus lauter italienischem und griechischem Marmor und ist von Meister Adolf in Augsburg verfertigt worden. Man erzählt davon folgende Sage:
Ulrich Mengemeyer, ein reicher Bürger zu Augsburg, hatte sich mit Andreas Tuchern, einem böswilligen Ratsherrn, verfeindet, und ward durch dessen heimtückische Nachstellung bewogen, seine Vaterstadt zu verlassen. Er wandte sich nach Annaberg, wo er schon seit längerer Zeit viele Kuxe an sehr gesegneten Fundgruben hatte, und ward Bürger daselbst, in der Meinung, vor Tuchers Verfolgungen nunmehr sicher zu sein. Aber er irrte. Am Freitag vor Pfingsten 1514 ward er auf dem Wege zu seinem Freunde, dem Guardian des Franziskanerklosters, von zwei Meuchelmördern überfallen und erstochen. Die Mörder flohen zum Frohnauer Thore hinaus nach dem Schreckenberge hin. Der eine aber, Wilwald Dyrmann, den sein wüstes Aussehen und das Blut an den Händen verriet, wurde im Thale von einem Bergmann festgehalten und nach der Stadt zurückgebracht; der andere, Hansel Unger, ward auch bald nachher in Pirna eingefangen und in Ketten nach Annaberg geführt. Im Verhöre sagte Dyrmann aus, Andreas Tucher habe ihn durch seinen Vetter, Philipp Weisenburgern, einen armen Edelmann im Dienste der Stadt Augsburg, zu diesem Meuchelmorde für 400 fl. dingen lassen. Deshalb ward sogleich an den Augsburger Rat geschickt und Weisenburgers und Tuchers Auslieferung gefordert. Aber Weisenburger nahm die Sache allein auf sich und schrieb an den Rat zu Annaberg, er habe gute Sache an Mengemeyern gehabt und allein, ohne Tuchers Geheiß, Dyrmann zu dieser That bewogen; darum möchten sie dem das Lehen schenken. Zugleich war Weisenburger aus Augsburg entwichen. Tucher schickte einen Sachwalter nach Annaberg, der ihn vollends rechtfertigte. Dyrmann und Unger aber wurden am Freitag nach St. Anna 1511 durch das Rad hingerichtet. So war die Sache mit dem Rate zu Annaberg beigelegt. Herzog Georg von Sachsen aber ließ es nicht dabei bewenden, sondern verklagte die Reichsstadt Augsburg beim Kaiser, und obgleich der Augsburger Rat sich vielfach entschuldigte, so ward doch auf dem Reichstage dahin entschieden, daß die Stadt Augsburg wegen verletzten Gottesfriedens der Hauptkirche zu Annaberg einen marmornen Altar verehren solle. Und dies geschah auch.
So erzählt die Sage. Geschichtlich glaubwürdige Nachrichten aber sagen, dieser Altar sei von den Annabergern, welche sich damals des reichsten Bergsegens erfreuten, mit 2551 fl. bezahlt worden, und Herzog Georg der Bärtige habe selbst 1000 fl. von seinem Grubenanteil abgegeben.
692. Die Domkanzel in Freiberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 134.)
Die Sage erzählt, daß in dem Dome in Freiberg ein Meister und sein Geselle jeder eine Kanzel gebaut habe, die des Gesellen aber besser geraten sei. Darüber sei der Meister so zornig geworden, daß er den Gesellen erschlagen habe. Noch jetzt kann kein Geistlicher auf des Gesellen Kanzel wegen jener Greuelthat predigen.
693. Der Donatsturm zu Freiberg.
(~Curiosa Sax.~, 1736, S. 171. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 286. Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 275.)
Auf dem sogenannten Donatsthore in Freiberg befindet sich ein runder und sehr starker Turm, dessen Mauern 9 Ellen dick sind und den angeblich die Bergleute, so jeder nur einen Pfennig von seinem Solde abgegeben, haben erbauen lassen. Wenn man um die Stadt Freiberg herumgeht, so sieht man, wenn man vom Erbischen Thore nach dem Donatthor zugeht, einen kleinen viereckigen Wachtturm, hinter den sich, sobald man demselben gleichsteht, der große Donatturm verkriecht, also daß man an solchem nichts mehr als den Knopf von der oben darauf stehenden Fahne sehen kann, trotzdem daß der große Turm mehr als einmal so hoch ist, als der nächst vorstehende Wachtturm.
694. Der Marterturm auf Hassenstein.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
Auf der Nordseite der Burg Hassenstein steht, einige hundert Schritte von dieser malerischen Ruine entfernt, im dichten Walde ein hoher, geräumiger Turm, von dem umwohnenden Landvolke insgemein der »Marterturm« genannt. Der Sage nach wurde dieser Turm von einem der ersten Hassensteiner Burgherren für gefallene Mädchen und ihre Verführer gebaut. Doch es geschah, daß die Tochter des sittenstrengen Besitzen die erste schuldige war, und deshalb in den Grund des Turmes eingemauert, ihr Verführer aber vor dem Turme enthauptet wurde.
695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 347.)
In einem der Zimmer des Schlosses zu Nossen befand sich sonst ein Gemälde, auf dem ein Mohr vorgestellt war, der in einer Wanne saß. Den scheuern zwei Bademägde mit Katzenzagel und Sandhadern recht nachdrücklich, also daß ihnen der Angstschweiß über die Wangen läuft, können aber doch kein weißes Fleckchen an seiner Haut entdecken, wie die darunter stehenden Reime bezeugen:
Wir waschen ihn mit ganzem Fleiß, Noch will der Mohr nicht werden weiß.
696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.
An der Straße, welche von Thalheim nach Stollberg führt, steht auf der Höhe im Walde eine Restauration, »Tabakstanne« genannt, die ihren Namen von einer alten Tanne hat, in welche Handwerksburschen vor alter Zeit folgenden Reim schnitten:
»Sieh' hier, mein lieber Wandersmann, Ist die Forst- und Tabakstann', Setz' dich nieder, ruhe aus Und rauch' dein Pfeifchen Tabak aus.«
In der Neuzeit ist an die Stelle der alten wurmstichigen Tanne eine junge gepflanzt worden, an der sich eine Tafel mit folgender Inschrift befindet:
»Sieh' hier, mein lieber Wandersmann, Verjüngt die alte Tabakstann', Bedenk' dabei die goldne Lehr': Das Neue prüf', das Alte ehr'.«
697. Die Eichen bei Callnberg.
(Nach Ziehnert bei Gräße a. a. O., No. 475.)
In Callnberg bei Lichtenstein, wo Kunz von Kauffungen die Gartenleitern (lederne Leitern mit Holzsprossen) für den Prinzenraub fertigte -- der Ort gehörte seinem Vetter Dietrich -- stehen noch heute ohngefähr 200 Schritte vom Rittergute an der Straße von Waldenburg nach Lichtenstein zwei sehr alte, jedoch nicht schön gewachsene Eichen, von denen man sagt, daß sie zum Andenken an den Prinzenraub gepflanzt worden sind. Die Scheune, in welcher jene Leitern angefertigt wurden, ist längst zerstört, der Platz aber mit einer Gedenktafel bezeichnet, deren Schrift mit der Zeit unleserlich geworden. Diesem Mangel wurde später durch folgende Inschrift abgeholfen:
Hier knüpfte Leitern der Teufelskerl Kunz Kaufung, zu rauben des Landes Perl. Hans Schwalbe dazu ihm war bereit, Gelobt sei Gott in Ewigkeit.
698. Die Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.
(Hist. Nachricht von den Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz, 1734, S. 24. Gräße, Sagenschatz etc., No. 497, nach ~Curiosa Sax.~ und Ziehnert.)
Auf dem Pflaster der Schloßkirche zu Chemnitz sieht man einen dunkeln Fleck, der daher rührt, daß einst ein Mönch, der sich bei einer dort gehaltenen Himmelfahrtskomödie an der Maschine, die zum Hinaufziehen in ein oben befindliches Gewölbe oder Herablassen aus diesem diente, hinaufziehen ließ, im Herabfallen zu Tode stürzte. In derselben befindet sich auch das Bild des Abtes Hilarius, der dieselbe etliche Jahre vor der Vertreibung der Mönche hatte reparieren lassen. Dieses Bild darf aber von niemandem geneckt oder von seinem Orte weggenommen werden, wenn dem Thäter kein Unglück begegnen soll, wogegen es einst einer Hausmagd, die es hübsch gesäubert, diesen Dienst mit einem alten Thaler gelohnt hat.
Von den aus Stein gehauenen Bildern im alten Portal der Kirche wird gesagt, daß dieselben ein alchemistisches Geheimnis bedeuten sollen, und man zeigte auch das Gewölbe, in dem die Mönche Alchemie betrieben.
Ebenso sah man früher den Eingang zu der Höhle, durch welche die Mönche unvermerkt aus dem Kloster und absonderlich in das Minoritenkloster in der Stadt, bei welchem ein ähnlicher Gang unter der Erde gefunden worden war, hätten kommen können.
699. Das zürnende Steinbild in Nossen.
(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ II, S. 107.)
Im Keller des Hauses dicht neben dem Gasthofe zum Stern am Markte in Nossen soll ein altes, aus dem Kloster Altzella stammendes Steinbild eingemauert sein. Vor ihm haben sich, des zürnenden Blickes wegen, welches das Bild oft machte, die Dienstboten des Hauses so gefürchtet, daß es erst ohnlängst verblendet werden mußte.
700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, 495.)
Auf dem alten Schlosse Oberforchheim am Haselbache, an der Straße von Freiberg nach Annaberg, stand bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf dem Oberboden in einer Kammer ein alter Großvaterstuhl, den hieß man der Frau Mutter Stuhl und auf diesem lag eine hölzerne Statue, die aber sehr stark vergoldet war, und ein kleines Männchen vorstellte. Diese zwei Gegenstände kannte jedermann im Schlosse und im Dorfe, und alle hatten eine gewisse heilige Scheu vor denselben, denn man sagte, sie seien die Palladien des Rittergutes, und wenn jemand den Stuhl von seiner Stelle rücke oder das Männchen angreife und in eine andere Lage bringen wolle, der werde dafür schwer von demselben gezüchtigt. Da diente um diese Zeit auf dem Hofe ein Knecht, der sich vor dem Teufel nicht fürchtete und einst in seiner Vermessenheit sich gegen seine Mitdiener rühmte, er wolle doch sehen, ob ihm etwas geschehen werde, wenn er sich an dem Stuhle vergreife. Darauf ging er also hinauf, schob den Stuhl weg und gab dem alten Männchen einen Backenstreich; allein die Strafe blieb nicht aus, denn noch in derselben Nacht legte sich dasselbe im Bette auf ihn als schwerer Alp und drückte ihn bis es Tag wurde, in der nächsten litt es ihn ebenso wenig und in der dritten warf es ihn gar aus dem Bette heraus. Nun ward er zwar ängstlich, rückte auch den Stuhl wieder an seinen alten Platz, allein der Geist war auf immer seiner alten Wohnung abhold, denn er zog auf und davon. In den darauf folgenden Tagen brannte das ganze Rittergut ab, und so viel man sich auch Mühe gab, den Stuhl und das Männchen zu retten, das einstürzende Dach begrub beide unter seinen Trümmern und als man dieselben abräumte, war nichts mehr von ihnen übrig.
701. Das Schächerhäusel bei Geyer.
(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. Band, Schneeberg, 1750, S. 31.)
An der Landstraße bei Geyer stand ehemals das sogenannte Schächerhäusel, welches aus einem gemauerten Schwibbogen, so mit Schindeln gedeckt und vornen mit Staketen verwahret war, bestand; darin befanden sich drei Kreuzbilder. Dieses Schächerhäusel war wohl ein Überbleibsel des Papsttums, doch erzählte man, es diene dazu, die Reisenden vor dem Bergabgrunde, sowie vor Irrwischen und Berggeistern zu warnen.
702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 43.)
Diese kleine, nahe bei der Stadt Zwönitz gelegene Kirche, in welcher nur noch bei Begräbnissen und wenigen Festtagen gepredigt wird, soll ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe getriebener Sodomiterei haben erbauen müssen. Zum schmachvollen Gedächtnis des Gründers hängen inwendig über der Thüre an einem Brette fünf vergoldete Hufeisen; fünf, weil er sein Verbrechen fünf Jahre lang soll getrieben haben.
Hufeisen kommen oder kamen an und in vielen Kirchen, z. B. an der Nikolaikirche zu Leipzig, in Nürnberg, Tangermünde etc., und zwar besonders an den dem heil. Nikolaus geweihten vor und das Volk verbindet damit verschiedene Sagen. So ist auch ein solches Eisen an der Domkirche in Wexiö in Schweden aufgehangen; dasselbe soll Odhins Roß Sleipnir verloren haben, als es beim ersten Geläute der ersten christlichen Messe einen gewaltigen Schlag gegen einen Felsen führte. Wo sich Hufeisen an und in den Kirchen finden, deuten sie vielleicht auf einen einst an demselben Platze gestandenen Tempel Wuotans hin. Die christlichen Bekehrer gestatteten, daß dieses Heilszeichen (nach einem noch heute weitverbreiteten Glauben bringt ein gefundenes Hufeisen Glück) dann an der Kirche aufgehangen wurde, um dem Volke wenigstem etwas von dem gewohnten Kultus zu lassen.
In den Nikolaikirchen bezieht sich das Hufeisen auf den heiligen Nikolaus selbst, der an die Stelle Odhins trat und als geharnischter Reiter gedacht wurde. In anderen Kirchen zeigte dieses Eisen vielleicht an, daß sich bei denselben eine Gesellschaft in »Not und Tod« befand, welche die an der Pest Gestorbenen bestattete und ihren Stifter, den Bischof Elegius, welchem das Hufeisen heilig war, als ihren Schutzheiligen betrachtete. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1858, S. 23.)
703. Das wandernde Haus in Zinnwald.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Pros. Nachtrag, No. 2.)
In sächsisch Zinnwald steht (?), ohngefähr fünfzig Schritt von der Grenze entfernt, ein kleines hölzernes, von einem Bergmanne bewohntes Häuschen, an dessen hintern Deckbalken in der Stube folgender Vers eingeschnitten ist:
Ich bin nun auf Sachsen Boden, Gott Lob, weil mich mein Wirth, Hans Hirsch, aus Böhmen rüber schob.
1721.
In den Jahren 1716 bis 1728 wurden nämlich die protestantischen Einwohner Böhmens ihrer Religion wegen hart verfolgt und sogar gezwungen, entweder zur katholischen Kirche überzutreten oder das Land zu verlassen. Wenige thaten das erstere, die meisten wanderten nach Sachsen aus. Unter letzteren war auch ein Bergmann, mit Namen Hans Hirsch. Er hielt fest an seinem Glauben und besann sich deshalb keinen Augenblick, was er thun solle; aber sein Häuschen, welches ohnweit der Grenze stand, hätte er gern mitgenommen. Darum beriet er sich mit seinen Freunden und Gevattern und endlich hatten sie's erklügelt. Das Häuschen ward auf Walzen gebracht und bei Nacht und Nebel glücklich nach Sachsen herüber gepascht auf den Fleck, wo es jetzt noch steht. Zum Andenken schnitt Hirsch obige Schrift in den Balken ein.
704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels mit benachbarten Schlössern.
(Mündlich.)
Es wird erzählt, das Schloß Wildenfels habe in alter Zeit durch unterirdische Gänge mit Stein, sowie mit Wiesenburg, welches früher ein Raubschloß gewesen sein soll, in Verbindung gestanden. Ebenso soll ein Gang von dem Schlosse nach einer Burg geführt haben, deren Ruinen man noch vor Jahren in der »Loh«, einem sumpfigen Walddistrikte bei Schönau sah. Auf einen der Gänge ist man vor mehreren Jahren unter einem am Teichplatze des Städtchens Wildenfels gelegenen Hause gestoßen; man hat darin aber weiter nichts gefunden, als eine alte Grubenlampe.
705. Der Judenborn zu Sayda.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 21; z. T. mündlich.)
Zum schnellen Anbau Oederans trug das nahe Freiberg mit seinem Silbersegen sehr vieles bei. Besonders waren es Eisenarbeiter, deren Arbeit und Erzeugnisse dem Bergbaue daselbst nötig waren, welche Oederan im Anfange bevölkerten. Für die Oederaner Ansiedler wurde zu dieser Zeit ein sogenannter Silberjude, der seine Wohnung im jetzigen Rathause hatte, der Mäkler und Gläubiger. Denn er lieferte die Silberstangen Freibergs größtenteils in das Oederaner Kloster, wo das Silber geschlagen und nach Nürnberg und Böhmen verpascht wurde, woraus man großen Gewinn zog und wobei man sich aber um die Unterstützung der Bewohner sehr wenig kümmerte. Nun zogen jener Jude und einige Mönche (es soll im Jahre 1236 gewesen sein) mit einem starken Silbertransport über Sayda nach Böhmen. Die erbitterten Oederaner schlichen ihnen bis Sayda nach, vereinigten sich dort mit den Bewohnern und besonders mit der Besatzung des dortigen Schlosses, überfielen und plünderten die ungetreuen Haushalter, schlugen den Juden tot und warfen ihn in einen Brunnen, welcher deshalb der Judenbrunnen genannt wurde.
Noch zeigt man am Gasthofe zum Bade in Sayda den Judenbrunnen. Nach einer anderen Überlieferung erinnert derselbe, ebenso wie eine Wiese, welche der Judenkirchhof genannt wird, an die alte Judenvorstadt, welche außerhalb der alten Stadtwälle etwas unterhalb des Judenkirchhofes auf einer Wiese lag, die jetzt noch den Namen »Flecken« trägt. Als im Jahre 1465 die Stadt abbrannte, wurde die Judenstadt nicht wieder aufgebaut, weil man den Juden die Schuld an dem Brande beimaß.
Man hat den Namen der Stadt und Burg Sayda (urkundl. ~Saydow~, ~Seydowe~) vom slavischen ~sid~, der Jude, Adj. ~sidowy~ abgeleitet. Immisch (die slav. Ortsnamen im Erzgebirge, Programmarb., Annaberg, 1866) stimmt dem jedoch nicht bei, sondern hält die Ableitung vom slav. ~sad~, die Anpflanzung, der Garten, für richtiger. Er meint, daß vor den Juden die Slaven eine Ansiedelung gründeten, mit der Zeit sei aber aus ~sadowy~, d. h. die zur Ansiedelung Gehörigen, ~saidow~, ~seidow~, ~Sidow~ geworden, welche letztere Form sehr gut wegen der Ähnlichkeit mit ~Zidow~, Judenstadt, verwechselt werden konnte.
706. Der Mühlgrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.
(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgeb. Dresden, 1847, S. 299. Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 591.)
Vom Fuße des Schloßberges Scharfenstein schiebt sich eine schmale, niedrige, kaum 10 Meter hohe Felsenrippe weit in das Thal hinein. Durch dieselbe wird die Zschopau genötigt, eine beinahe wieder zurücklaufende Krümmung zu machen und das Thal im weitesten Bogen an seinem äußersten Rande zu umkreisen. Bereits im 16. Jahrhunderte wurde ungefähr in der Mitte dieser Felsenbank ein 30 Meter langer Stollen durch dieselbe gebrochen, um das Flußwasser mit recht viel Fall zu der jetzt Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Im Jahre 1834 wurde derselbe erweitert, was später noch einmal geschah.
Die Sage erzählt nun über die Entstehung dieses Stollens folgendes: Nach dem dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern Scharfensteins wie anderwärts Räuber und Wildschützen, welche sich meist aus den entlassenen Söldlingen rekrutierten, umher. Ein Herr von Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß den Wildschützen mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu säubern, und es gelang ihm auch endlich, zwei derselben gefangen zu nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr zögerte nicht, diese Strafe auch über die beiden gefangenen Raubschützen verhängen zu lassen. Dieselben sollten auf einen starken lebenden Hirsch, den man zu diesem Behufe eingefangen hatte, gebunden und dann ihrem weiteren Schicksale überlassen werden. Das war einen zehnfachen Tode gleich zu achten, denn man hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten Tiere ihre schreckliche Last, zerfleischt und doch noch lebend mit sich herumschleppten. Als den beiden Missethätern das Urteil verkündigt worden war, erkannten sie sofort dessen furchtbare Bedeutung und sie flehten um Gnade. Den älteren von ihnen durchzuckte ein rettender Gedanke und er sprach zum Schloßbesitzer: »Gnädiger Herr, wir sind Bergleute unserem Berufe nach, und in diesem Fache gar wohl erfahren. Schon früher ist uns der Wunsch nahe gelegt worden, einen Stollen vom Wasserspiegel der Zschopau aus zu treiben, damit eine Wassermühle im Dorfe, an der es jetzt so sehr fehlt, angelegt werden könne. Erlaßt uns nur die furchtbare Strafe des Hirschreitens, und zur Sühne unserer Thaten machen wir uns anheischig, den besagten Stollen durch den hohen Felsen in Zeit von drei Tagen und drei Nächten zu treiben und zwar nur mit Schlägel und Eisen.« Der Schloßherr ging nach kurzer Überlegung auf den Vorschlag ein, und die beiden Verurteilten begannen sofort ihr schweres Werk. Es wurden ihnen Leute gestellt, welche die nötige Handreichung thun mußten, und genau nach Verlauf der ausbedungnen Zeit war der Stollen fertig. Die Wildschützen freilich waren vor Erschöpfung dem Tode nahe; halb entseelt lagen sie neben dem Stolleneingange. Doch erholten sie sich und der Ritter vom Scharfenstein hielt sein Wort und schenkte ihnen Freiheit und Leben.
Erzählt wird, daß der berüchtigte Raubschütz Carl Stülpner, Ende des 18. Jahrhunderts, ein Nachkomme des einen der Begnadigten gewesen sein soll.
707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1008.)
Im Jahre 1493 ist ein Schneeberger, namens Kegler, bestraft worden, weil er schmählich und leichtfertig von dem schneebergischen Frauenvolk geredet hatte, daß er alle frommen Weiber auf einem Karren vom Schneeberg führen wollte. Auf diese Rede hin, und weil er insgemein von den Frauen nichts gutes gesprochen, ist er gefänglich von den Gerichten eingezogen und ihm darauf zur Strafe auferlegt worden, daß er die große Pfütze zwischen dem Schnee- und Claußberge, da, wo jetzt das Rathaus steht, ausstürzen, und pflastern lassen solle. Trotz seiner Beschwerde wurde diese Strafe auch vom Herzog Georg bekräftigt. Das Pflaster aber, zu dem er über hundert Fuder Steine haben mußte, wurde lange Zeit nachher noch des Keglers Pflaster genannt.
708. Die übermütige Rede eines Schneeberges wird bestraft.
(Mündlich.)
Unter den reichen Verzierungen in Steinmetzarbeit, womit das früher Trebra'sche Haus in Schneeberg ausgezeichnet ist, befindet sich auch als eine Art Wahrzeichen ein Kopf mit einer heraushängenden Zunge. Von dem Erbauer des Hauses, einem gewissen Bortenreuter, aber wird erzählt, daß derselbe seinem Vater, als ihm solcher einst Vorstellungen wegen des übermäßigen, an dem Hause angebrachten Luxus machte, in seinem Hochmute geantwortet habe, er sei so reich, daß er dies und noch mehr thun könne, er könne sogar die ganze Zobelgasse mit preußischen Thalern pflastern. Worauf ihm der Vater antwortete: »Du wirst es noch so weit bringen, daß Dich einmal in Deiner Armut die Läuse fressen!« Und so, wie es der Vater prophezeit, ist es endlich auch gekommen.
709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1165.)
Zu der Kipper- und Wipperzeit, welche 1604 auf der Ostermesse in Leipzig ihren Anfang nahm und 1623 ihren Höhepunkt erreichte, so daß ein ganzer Reichsthaler 10 Gulden, ein rheinischer Gulden 13 fl. und ein Dukaten 17 Gulden gegolten, hat einer von Adel 1500 Gulden dieses leichten Geldes, nachdem es gefallen, beisammen gehabt, und da er noch die Unkosten darauf gewendet und das Silber und Kupfer von einander scheiden lassen, hat er nur so viel gehabt, daß er einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel daraus hat machen lassen können.
710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 912 und 920.)
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß sie sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben ließen. Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab greifen mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche um Almosen bat.
Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, daß er aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. Dasselbe Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter Zeit mit seinem Weibe in Rheinwein badete.
In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, die unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit Malvasier begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, sagte sie, sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde sonst wenig an ihn gedacht haben.
711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 904.)
Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um 1500 Gulden verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern für eine solche Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für den Barchent eine Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die Nachtigall einen Kux auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, welcher anfangs nicht groß geachtet worden, gegeben. Und da der Kux so herrliche Ausbeute und zwar an die 1500 Gulden gebracht, hat man die Vogelbirne und die Ausbeute mit einander verglichen.
712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.
(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, 1881, S. 71.)
Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme vorstelle, was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der Teurung 1772 hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals Trebra'schen Hause berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen für 25 Thaler verkauft worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause erzählt man übrigens noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, wenn man das Bild an der Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder aufhörte, sobald die Figur an ihre alte Stelle gebracht wurde.
713. Historia, wie Silberz in Holz gewachsen.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 80.)
Wie auf der St. Lorenz-Zeche zu Abertham eine Bergfeuchtigkeit aus einer Strossen gesintert und darunter das Liegende in den Strecken übersilbert und in den Klunsen des Trag-Tempels oder Kappen und Strauben »zeenicht Silber« gewachsen, da das Holz nicht viel über 20 Jahre im Berge gelegen, beschreibt Matthesius in seiner ~Sarepta~ mit diesen Worten: »Ich will euch eine wunderschöne Berghistorie sagen, von gediegenem Silber, das in St. Lorenz-Fundgrube auf dem Abertham innerhalb 20 Jahren in einem Stempel gewachsen und dies laufende 1556 Jahr aus der Grube gekommen ist.
Da sich der Steiger auf dem St. Lorenz in der Zeche umsiehet, wird er in einer Strecke gewahr, daß sich eine weiße »geharschte Art« im Liegenden, wohl halb Orts hoch angelegt hat, die sahe aus, als wäre das Gestein überzinnt. Solche sticht er ab und findet »in der Sicherung« weiß Silber, als wenn es von einem Thalergroschen abgefeilet worden wäre, und da er's probieren ließ, hielt es bis 17 Mark. Wie er sich aber umschauet, wann es dahin gesintert sei, wird er seiner gewahr in der First, daß es getropft sei aus einem schwebenden Feld, das oben und unten, hinten und vorn verfahren, welches nur seine Bergfeste noch hatte, kaum drei oder vier Spannen dick, und siehet, daß eine weiße Guhr oder molkenfarbiges Wasser erstlich auf den Stempel »gesiegen oder gesiefert«, und aus dem Stempel in das »Bunloch« geronnen, hernach im Liegenden herabgeflossen und sich allda »geliefert,« angelegt und »erherscht« hatte. Wie er aber den Stempel ausschlägt, findet er in »Strauben« und Spalten gediegen und »zänicht« weiß Silber, drein sich Haken schneiden ließen.«
714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.
(Chronica der fr. Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 36.)
Das Oberdorf von Mildenau hat wegen guter Ausbeute aus den vielen daselbst befindlichen Bergwerken »Reichenau« geheißen, daher auch noch hier bekannt, daß die Marktstraße der Oberdörfer nach Annaberg die Reichenauer Straße genannt wurde. Man soll vor Zeiten mit so großer Ausbeute begnadigt worden sein, daß die 12 Apostel in Lebensgröße aus Silber hergestellt wurden, welche darauf nach Grünhain gekommen sein sollen.
715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 144.)
Von etlichen alten steinernen Häusern zu Schneeberg, als der Fundgrübner Haus, des Koithen Haus, Dietrich Kadmanns, Wolf Meiners und Jacob Selings Haus findet man dieses sonderliche, daß dazu solcher Sand kommen sein soll, der weit mehr als die Häuser wert gewesen, welches man aber vor der Zeit, ehe man die Siebarbeit und nasse Pochwerke gehabt, nicht verstanden.
716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 917.)
Am hohen Gebirge auf der Unruher Gang bei Neustädtel ist eine Zeche gewesen, die Hundsfliegen genannt. Der Schichtmeister hat geheißen Georg Rücker, und sein Vorstand Brosius Teuschel; der Steiger hat geheißen Simon Tod, der Häuer mit dem Zunamen Teufel, und der Junge Leckhänsel. Zur Zeit sind Nürnberger, so da gebauet, herein gekommen, und da sie alle diese Namen der Amt- und Arbeitsleute auf der Zeche gehört, hat einer unter ihnen gesagt: »Ei Lieber, es ist kein guter Name auf der ganzen Zeche, und kein anderer, als Hundsfliegen, Rücker, Teuschel, Tod, Teufel, Lecker; was soll man da für gute Hoffnung haben? Ich will hinfort nicht mehr bauen.«
Es hat auch ein vornehmer Mann auf etlicher Leute Angaben am Gleeßberge geschürft und einen schönen Gang entblößet und die darauf angelegte Zeche »auf der fruchtbaren Sara« genannt. Aber auf eine Zeit hat er seinem Eidam, einem berühmten und hochgelehrten Manne, auch einen Teil angeboten und geschenkt. Da derselbe aber von ungefähr der Zeche Namen gehört, hat er gesagt: »Mein lieber Herr Vater, ich komme wieder zurück mit meinem Kuxbauen, der Name hat eine so gar böse Bedeutung. Sara ist 90 Jahre alt geworden, ehe sie fruchtbar gewesen; sollte ich nun auch so lange warten, so würde mir die Zeit zu lange und ich nimmer da sein. Ich will mich hiermit freundlich bedanket haben.«
717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1164.)
Als im Angehen des Schneebergs die köstlichen Erze in großer Menge zu Zwickau an dem Orte, da der Holzanger ist, geschmolzen und sehr viel guter Schlacken in die Mulde gestürzt worden, welche dann, wenn sie angeschwollen, dieselben fortgeführt, hat sichs über demselben Schmelzen einstmals zugetragen, daß man aus Mangel der Fuhre in bösem Wetter und Wege eine ganze Woche kein Erz nach Zwickau geführt. Da man nun drinnen vermeinte, daß man noch länger in der Schmelzhütte kalt liegen müsse, ist in solchen Gedanken ein Schmelzer nach einem Regen hinaus auf einen Schlackenhaufen spazieren gegangen, und weil ihm die Schlacken, als wenn Silberflitzschen darauf lägen, in die Augen geschimmert, hat er dieselben genommen, durchgesetzt, und so die Tage über mehr Silber aufs neue, als je zuvor daraus gemacht. Da nun der Hauptmann oder Verwalter (andere wollen wissen, es sei Römer gewesen), welcher zu ihm gekommen, gefragt, woher das Silber käme, und er dessen, was sich begeben, berichtet worden, ist er mit dem Schmelzer auf die Knie gefallen und hat Gott um Verzeihung gebeten, daß den Gewerken und Fürsten so übel vorgestanden und die herrlichen Gaben Gottes so unnütze, jedoch wider sein Wissen, umgebracht, und so viel köstlicher Schlacken vom Wasser weggeführet worden wären.
718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.
(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52. -- Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., 1804, S. 52. W. Clauß, Führer durch das Weißeritzthal, 2. Aufl., S. 33.)
Einst gab der Höckendorfer Bergbau, und besonders das aus acht zusammengeschlagenen Zechen bestehende Berggebäude Edle Krone ungewöhnlich reiche Ausbeute an Silber, bisweilen auch an Gold, das man hier und in der nahen Gegend in Stockwerken fand. Mehrere Stellen alter Grubenrisse sind mit dem Ausdruck: »Das ist der rechte silberne Mandelmann«, bezeichnet. Die Herren von Theler wurden infolge dieses Silberreichtums sehr übermütig. Ein Conrad von Theler aber, welcher wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen aufschlagen und wo er ritt, Geld ausstreuen ließ, auch das Aufheben eines dieser etwa verloren gegangenen silbernen Hufeisen von seiten seiner Unterthanen verbot, damit man wisse, welchen Weges die Theler gezogen, soll am 9. Sonntag nach Trinitatis, am 25. August 1557, um es in seinem Hochmut dem Herzog Albrecht in der St. Georgszeche zu Schneeberg gleich zu thun, der Ritterschaft der Umgegend ein glänzendes Gastmahl in seiner reichen Silbergrube »Zur Edlen Krone« gegeben haben, in welcher die Knappen Tische und Bänke aus den edelsten Metallen gehauen und alles Geschirr der Tafel von gediegenem Gold und Silber gewesen sei. Als man nun tief unter der Erde in wilder Lust geschwelgt und sogar mit silbernen Kugeln nach silbernen Kegeln geschoben habe, da sei von Bärwalde her ein furchtbares Gewitter aufgezogen und habe sich unter orkanähnlichem Sturme mit Wolkenbrüchen über das Thal der wilden Weißeritz entladen und der über sieben Ellen hoch anschwellende Fluß habe sich mit solcher Macht in das offen stehende Stollenmundloch der Edlen Krone gestürzt, daß der Ritter von Theler mit all' seinen Gästen und Dienern da unten ertrunken und all' kostbares Geschirr und zur Prunkschau aufgestelltes Silbererz verschüttet und verschwemmt worden sei. Seitdem ist der dortige Bergbau nie wieder recht in Gang gekommen; daß er aber einst schwunghaft betrieben worden, beweisen eine Menge Stollenmundlöcher, beraste Halden, Überreste eines großen Kunstgrabens und von Pochwerken, große Schlackenhaufen und dergl. mehr.
Eine angebliche Urkunde erzählt, es seien von dem Stollenmundloche aus, vor welchem man die Küche errichtet, die Speisen auf silbernen Schüsseln in die Grube getragen worden, und die Aufwartung von den Bergleuten der Edlen Krone und anderer Werke geschehen. Bei dem Banket habe ein ganzes Chor Musikanten aufgespielt und der Überschuß der Grube, 35000 Thaler in Silber, sei auf der Gasttafel zur Schau aufgestellt gewesen. »Als nun die Herren sich wohl bezecht und besoffen, da sei ein sehr schweres Gewitter von Frauenstein herunter nach Bärwalde gezogen, welches denn die aufwartenden Bergleute gesehen und es den Schmaußenden in der Grube vermeldet, auch erinnert auszufahren, weil man nicht wissen könne, was der große Gott etwa verhängen möchte, haben darauf einige von den Sauf- und Freßbrüdern gottloser und frevelndlicher Weise geantwortet: »Sie wären in der Grube sicher genug, es möchte draußen zugehen, wie es wollte«. Da denn sogleich im Moment ein schrecklicher Wolkenbruch vor Bärwalde hernieder gefallen, auch ein rechtes Erdbeben erfolget, und die Weißeritz in einem Nu so plötzlich angeschwellet, daß das Wasser das Stollenmundloch gleich erreichet und darinnen hinuntergelaufen, so viel nur hätte hinein gekonnt. Was nun im Abteufen auf Arbeit gelegen, ist sogleich umgekommen, die aber oben auf dem Stollen bei der Fresserei gewesen, sind zu den Tageschachten hinausgefahren, da sind fast alle beschädigt worden, weil von der grausamen Erschütterung die Tonnenbretter und ganze Zimmerung in den Schachten ab- und losgeworden und den Auffahrenden entgegengekommen, und dies ohne großen Schaden nicht abgegangen.
So sind denn in wenigen Minuten die sonst im ganzen Lande so sehr berühmten Bergwerke zu Grunde gegangen. Das Silber, das ganze Silberservice, die Musik liegt bis zu dieser Stunde samt allen verunglückten Menschen in der Grube«.
Auch diese Mitteilungen sind nur Sage, denn die zuverlässigsten sächsischen Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderts erwähnen nichts von dem Gastmahle. Historisch ist wohl nur die Vernichtung der Bergwerke durch einen Wolkenbruch am 25. August 1557. Wahrscheinlich hielten die Ritter von Theler bei den damaligen nur geringen Hülfsmitteln die Wiederherstellung der ersoffenen Gruben für unmöglich. Im Jahre 1565 verkaufte Benno von Theler Höckendorf mit dem Rechte des Bergwerks an den Kurfürsten August für 25000 meißnische Gulden. Bis in das 17. Jahrhundert müssen einzelne Zechen noch gangbar gewesen sein; spätere Bergbauversuche wurden hauptsächlich durch die Kriege im 17. und 18. Jahrhundert vereitelt; im gegenwärtigen Jahrhundert nahmen die Gesellschaften »Edle Krone« und »Unverhofft Glück und Gottes Segen Erbstolln« den dortigen Bergbau wieder in Angriff. (Sachsengrün, 1860, S. 19 und 20.)
719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.
(Sachsengrün, 1860, S. 20.)
In der Kirche von Höckendorf befinden sich unter dem Altare die Erbbegräbnisse der durch den Silberbergbau so reich gewordenen Ritter von Theler. Eine arme hülflose Somnambule, welche im Höckendorfer Pfarrhause längere Zeit Aufnahme gefunden, war in der Nähe des Altars jedesmal von einer fieberhaften Unruhe ergriffen worden und hatte dann erklärt, daß sie hier nicht bleiben könne, da unter ihren Füßen Metall vorhanden sein müsse. Die Sage geht auch, daß die Edlen von Theler in diesen Grüften in silbernen Särgen ruhen.
720. Vom frühern Bergbau in Niklasberg und böhmisch Moldau.
(Mündlich.)
Früher waren die Silbergruben in Niklasberg, Klostergrab und Moldau in starkem Betriebe; erzählt wird, daß sie in den Hussitenkriegen eingingen. In Niklasberg wurde der Stollen verschüttet und die Hussiten nahmen die Grubenzeichnungen, welche jetzt in Dresden liegen sollen, mit. In Moldau zeigt man noch die Orte, wo der Stollen mündete und die Wäschen waren. Im Stollen soll ein Ort sein, die »Schatzkammer« genannt, an welchem aus jener Zeit noch viel reiche Silbererze liegen sollen. Vor Jahren wollte man dieselben nach Freiberg verkaufen, der Handel zerschlug sich aber, weil man daselbst nicht genug Geld hatte.
721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.
(v. Trebra, Erklärung der Bergwerks-Charte von dem wichtigsten Theil der Gebürge im Bergamtsrevier Marienberg. Annaberg, 1770, S. 69. Darnach bei Gräße, Sagen des K. S. 2. Aufl., No. 584.)
Im Jahre 1728 hatten sogenannte Rutengänger Risse zu Erzgängen in dem Theesenwälder Gebirge, das zwischen Zöblitz und Olbernhau liegt, angegeben und man hatte einige Hundert Gulden aufgewendet, diese Züge zu noch mehrerer Gewißheit erschürfen zu lassen; man fing Röschen (d. i. durch die Gebirge gebrochene Wasserläufte) an, man trieb einen Stollen nach den erschürften Gängen und suchte sogar Gewerken, welche diese Arbeit fortsetzen sollten, allein noch fand sich niemand, der bloß auf diese Anzeichen der Rute hin sich damit einlassen wollte. Nun war aber ein Hufschmied zu Neudörfel, zwischen Ansprung und Olbernhau, dem man schon längst schuld gegeben hatte, daß er gegossene Arbeit von einem Metall verfertige, welches dem Silber gleich komme. Er leugnete dies aber und wollte niemals zugestehen, daß er das Metall kenne, welches in seiner Fabrik verfertigt werde. Da führte der Zufall im Jahre 1735 den Richter von Ansprung gerade zu der Zeit in das Haus des Hufschmieds, wo er mit Schmelzen beschäftigt war. Er wurde gefragt, was er schmelze, und gestand, daß er Stücken von dem im Theesenwalde am Wege stehenden Felsen abgeschlagen und in den Tiegel geworfen habe, um zu sehen, was daraus werden würde. Dies wollte aber der Richter gerade wissen. Der Künstler mußte sich also entschließen mitzugehen, um den Felsen zu zeigen. Augenblicklich wurde von diesem Wundersteine etwas abgeschlagen, vor die Schmiedeesse in das Feuer gebracht und zu einem Produkt geschmolzen, das wie Speise (Gemenge von Metallen und Halbmetallen) aussah. In der Probe, die auf der Saigerhütte gemacht wurde, hielt dieses Produkt 128 Lot Silber und 60 Pf. Garkupfer. Ein Pfund von dem abgeschlagenen Felsen hatte dergleichen Speise ein Lot gegeben. Tages darauf mutete der Richter unverzüglich und zwar gleich geviert Feld; in wenig Tagen wurde auf 20 Mutungen beim Bergamt eingelegt, in vier Wochen stieg die Zahl auf 80, und gegen 60 Lehnträger suchten ihr Glück und fast alle auf geviert Feld. Wenn man die Rute nach Kupfer und Silber schlagen ließ, war sie merkwürdiger Weise fast gar nicht in die Höhe zu bringen, man mochte auf dem Gebirge damit hingehen, wohin man wollte; was war also sicherer, als daß das ganze Gebirge Silber und Kupfer sein mußte? Alles lief nun nach dem Theesenwalde und es wimmelte von Leuten, die Erze in Haufen zusammenbrachten. Da machte man Proben im Kleinen, einige gaben gar keinen Gehalt, andere nur wenige Spuren von Kupfer. Man sah also ein, daß nicht das ganze Gebirge Erz war, sondern nur gewisse graue und braune Nester in demselben sich befanden, die freilich nicht ganz ohne Silbergehalt waren. Die schon halb betrogenen Eigenlöhner und Gewerken verlangten nun ein Probeschmelzen im großen und es fand sich ein Schmelzer aus Beyerfeld, in dessen Geschicklichkeit die Gewerken ihre Hoffnung setzten. Die von Freiberg abgeschickten Hüttenleute mußten zurücktreten und den Fremden alles nach seinem Kopfe einrichten lassen. Aber die erste Probe ging schlecht, die gestrengen Bergarten konnten nicht zum Fluß gebracht werden, und durch andere Einrichtung des Ofens und Gebläses und Zusetzung anderer Kiese von Katharina-Fundgrube zu Raschau und von Geyer brachten die Freiberger Hüttenleute das Gemenge zwar in Fluß, doch fiel nicht mehr Rohstein davon und dieser auch nicht reicher, als geschehen sein würde, wenn auch ohne Zusatz von den Theesenwälder Gebirgsarten die Kathariner und Geyerischen Kiese für sich allein geschmelzet worden wären. Dabei war auf einige Zeit das Geschrei vom Theesenwalde zu Ende, bis im Jahre 1752 sich noch ein Maler aus Bilin einfand, der mit verdoppelter Geschicklichkeit im Schmelzen diese Theesenwälder Gebirgsarten dennoch mit Vorteil zu Gute machen wollte. Er verlangte die Erlaubnis zum Anlegen eines Ofens, man erlaubte es ihm auch, aber alles ohne Erfolg.
So blieb es unentschieden, ob der Hufschmied durch sein Geständnis nur aus boshafter Absicht die ganze Umgegend geäfft hatte, was kaum glaublich war, oder aber, um das Geheimnis seiner Nahrung zu bewahren, dieses Erzgeschrei veranlaßt hatte, oder endlich, ob die geheimnisvolle Macht der Berggeister edles Gestein in unedles verwandelt hatte, weil ihr Schützling sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Dies war das Wahrscheinlichste, denn man hatte ja zuerst reiches Silber in dem Gesteine entdeckt.
722. Wie der zwickauische Kohlenschacht brennend wurde.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 187. G. Geitner, Wegweiser durch die Treibgärtnerei zu Planitz, S. 14.)
Bei Zwickau ist ein brennender Berg (jedenfalls die Strecke zwischen Cainsdorf und Planitz, welche der Bockwaer Kommunwald bedeckt und wo man heute noch auf eine Menge Brandspuren stößt), daher manch Fuder Steinkohlen wird zu Markte gebracht. Dieser Berg ist um das Jahr 1479 mit einem Büchsenschuß angezündet worden, da ein Waidmann einem Fuchse nachgejagt und so unvorsichtigerweise ein Schuß in die Grube geraten, wodurch die Steinkohle angezündet worden. Obgleich zu gewisser Zeit wie im Sommer das Feld daselbst grünet, Laub und Gras trägt, so kommt dennoch das Feuer bisweilen bis unter den Rasen, zündet Berggebäude an und versenget Birken und andere Bäumlein.
Eine andere Sage erzählt von einem Bürger Zwickaus, welcher einen Fuchs aus dem Bau räuchern wollte und dabei nicht nur die oberen Kohlen, sondern auch den darüber stehenden Wald anzündete. Noch andere suchen die Ursache des Brandes in dem Anzünden eines Ameisenhaufens und endlich in dem Einschlagen des Blitzes in Stollen, wo die Kohlen zu Tage standen.
723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen Erdfall.
(Moller, ~Theatrum Freibergense, Chron.~ II., S. 38.)
Als Kaiser Adolf im Jahre 1296 mit großer Macht nach Meißen kam, zog er an Zwickau und Chemnitz vorüber nach Freiberg, in der Absicht, sich dieser Stadt wegen ihrer reichen Bergwerke und ihrer Treue gegen den Markgrafen Friedrich zu bemächtigen. Dabei begab sichs, daß sich einer seiner Obersten mit seinem Regimente auf einer hohen Halde lagerte, um die Stadt zu übersehen und ihre Mauern und die Tiefe der Gräben zu erkunden. Weil aber die Halde zuvor von Bergleuten durchfahren worden und voll heimlicher Schächte war, ist der ganze Berg mit großem Krachen und Prasseln eingegangen und der Oberst ist dabei elendiglich umgekommen. Dieser Fall hat den Kaiser also furchtsam gemacht, daß er sich wieder zurückgezogen und sich nicht eher lagern wollte, bis man alle Gelegenheit um die Stadt fleißig ausgekundschaftet hatte. Als dann seine Quartiermeister hartes und festes Erdreich antrafen, hat er sein Lager aufgeschlagen und darauf alles zum Angriff und Sturm auf die Stadt vorbereiten lassen. -- Der genannte Erdfall soll vor dem Donatsthor auf dem dürren Schönberge geschehen sein.
724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 614--617.)
Am böhmischen Grenzgebirge liegen zwei alte wüste Schlösser, Himmel- und Hauenstein genannt; in und um dieselben haben sich lange Zeit grausame Gewürme und Schlangen, Wiesenbäume groß, sehen lassen, welche die Fische aus den Bächen, und die in Fallen und Dohnen gefangenen Vögel gefressen. Einst hat dergleichen Schlange auf den Hauensteiner Gründen einen Schützen von Joachimsthal vom Vogelherd weggejagt, die Vögel erbissen und gefressen, und als der Schütz nach ihr geschossen, hat er an der Spur im langen Waldgras abnehmen können, daß sie eines Scheitholzes dick und viel Ellen lang gewesen, dafür sich alle Bauern umher gefürchtet.
Als die Bergstadt Joachimsthal in Flor stand, ging im Jahre 1530 des Rats Schütze auf die Wälder, eben da die Himbeeren reif waren, etwas vom Wild auf Befehl zu schießen. Da wurde er unversehens eines aus den Himbeersträuchern hervorragenden Kopfes mit erhabenen Ohren gewahr, in Gestalt eines Fuchses, der die Beeren abfraß. Und weil er meinte, es wäre ein so vermutztes Reh, gab er Feuer und traf den Wurm an den Kopf, daß er 3 Ellen lang in die Höhe sprang, sich krümmete und überschlug, bis ihm der Schütze vollends den Rest gab. Er erschrak über das häßliche Wildpret, schlang es an eine Winde und schleppte es Wunders wegen nach Joachimsthal. Die Herren ließen den Balg abziehen und nach Prag bringen.
725. Die Freiberger Bauerhasen.
(H. Gerlach, Kleine Chronik v. Freiberg, S. 90. -- Geschäftsanzeige der Bauerhasen-Bäckerei von A. Thümmel in Freiberg.)
Markgraf Friedrich der Freidige hielt sich gern in seiner getreuen Bergstadt Freiberg und in der Mitte ihrer Bürger auf. Im Jahre 1292 gab er daselbst ein großes Gastmahl, zu welchem viele weltliche und geistliche Herren eingeladen waren. Unter den letzteren befand sich auch der Abt Bruno aus dem Barfüßler-Kloster. Obschon derselbe oft gegen Unmäßigkeit predigte und behauptete, je mehr ein Mensch faste, um so eher komme er ins Himmelreich, so hielt er für seine eigene Person doch viel auf's Essen und Trinken und trug deshalb einen gewaltigen Schmerbauch vor sich her. Auch bei diesem Festmahle hatte er schon weidlich gezecht, als nach Mitternacht der Hofkoch Bauer einen duftenden Hasenbraten auf die fürstliche Tafel setzte. Schon wollte sich der Markgraf ein Stück davon auf den Teller legen, da rief der Abt ihm zu: »Durchlaucht halten zu Gnaden, es ist soeben ein Fasttag angebrochen, und Ihr wollt Euch doch nicht versündigen?« »Wäre denn wirklich die Sünde so groß, wenn wir zum Schluß noch ein Stück Hasenbraten zu uns nehmen?« fragte der Markgraf, und der Abt erwiderte: »Gewiß! Ich kenne auf Gottes weitem Erdboden keine größere Sünde. Auch habe ich mehr als einmal bemerkt, daß es Frevlern, die sogar am Feiertage Fleisch essen, sehr übel aus dem Halse riecht. Nehmt Euch ein Beispiel an mir; schon seit einer halben Stunde habe ich keinen Bissen mehr gegessen.« Alle sahen den geistlichen wohlgenährten Herrn betroffen an, schwiegen jedoch, und der Koch mußte den schönen Braten wieder abtragen. Obschon er ihn darauf selbst ohne Gewissensbisse verzehrte, so ärgerte er sich doch nicht wenig über den gestrengen Sittenprediger, welchen eine Stunde später sechs Diener in seinen Wagen tragen mußten. Bei einem späteren Gastmahle auf der Burg Freistein traf es sich nun, daß abermals ein Fasttag folgte, und jetzt brachte nach Mitternacht der lustige Koch Bauer wieder einen Hasenbraten auf die Tafel. Da konnte sich nun der Abt nicht enthalten, dem sündhaften Koch eine derbe Strafpredigt darüber zu halten, daß er den Fasttag nicht heilige und einen gottlosen Braten auf die Tafel setze. Der Koch aber sprach behaglich lächelnd: »Nun, das ist ein Hase, den jeder gute Christ am Fasttage essen darf, ohne sich der Sünde zu fürchten!« Während dieser Verteidigung hatte der Markgraf schon den Hasen angeschnitten und zu seinem Vergnügen bemerkt, daß der scheinbar wohlgespickte Hase nur ein mit Mandeln ausgestattetes Gebäck in der bekannten Form des Bratens war. Da wollte der Strafprediger selbst nach dem Gerichte langen; er erhob sich, verlor aber bei seinem schweren Kopfe das Gleichgewicht und riß dabei alles mit sich von der Tafel herab. Er war auch nicht vermögend, sich selbst wieder aus dem Wirrsal zu erheben, so daß auf Befehl des Markgrafen die Diener hülfreiche Hand anlegen mußten. Das Gebäck erhielt nun den Namen »Bauerhasen«; alle adeligen Herren wollten in der Fastenzeit solche Bauerhasen essen, die auch in den Klöstern nicht verschmäht wurden. Doch wollte man behaupten, auf manchen vornehmen Tafeln habe man aus Versehen auch an Fasttagen ganz ordentliche Krauthasen statt der Bauerhasen aufgetragen. Anfangs nannte man das neue Gebäck auch »Brunohasen«; allein der Abt protestierte lebhaft gegen diese Bezeichnung und so erhielt es seinen noch jetzt gebräuchlichen Namen zu Ehren seines Erfinders.
Die Bauerhasen aus Freiberg fanden gute Aufnahme an allen deutschen Höfen, wurden sogar kistenweise in fremde Länder gesendet, und auch noch in unsern Tagen verläßt selten ein Fremder die Stadt Freiberg, ohne den Seinen einen Bauerhasen mitzubringen.
726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.
(Marbach, Das in der Freiheit lebende Schöneck I. Schneeberg, 1731 S. 21. Ulrich Schneider in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1883. No. 31.)
Kaiser Karl IV. hatte 1370 der Stadt Schöneck verschiedene Freiheiten, welche auch Elbogen »von altersher redlich gehabt und gehalten hat«, verliehen, wofür die Stadt nur verpflichtet war, »fünf Pfund Schwäbischer Heller in einem neuen hölzernen Becher zu geben,« wenn der Landesherr in eigener Person dorthin kam, oder wie es in der Urkunde heißt: »So Wier mit unser selbst Leibe zu ihn kommen, nur einß in dem Jahre.« Von niemand aber kann man gründlich erfahren, wodurch der Kaiser bewogen worden war, der Stadt Befreiung von allen sonstigen Abgaben zu erteilen. Einige sagen, es habe dieser Kaiser, der ein Liebhaber der Jagd gewesen, sich in dortigen Wäldern einmal mit seinem Gefolge verirrt und sei hernach von einem Waldmann oder Holzarbeiter heraus nach Schöneck geführt worden. Nach einer andern Sage ist der Kaiser Karl, welcher sich oftmals in Karlsbad aufgehalten hat, von Räubern überfallen und verfolgt worden, so daß er sich mit seinen Leuten in den Schönecker Wald flüchtete, wo ihm die Bürger von Schöneck Beistand leisteten und von den Räubern erretteten. Zum Danke dafür hätten darauf die Schönecker ihre Privilegien erhalten.
Die Urkunde, laut welcher der Stadt Elbogen bereits vor Schöneck ein gleicher Freiheitsbrief von Karl IV. erteilt wurde, stammt aus dem Jahre 1352.
727. Das Märktlein Markersbach.
(Chronica der freien Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 24.)
Die Kirche in Markersbach ist eine der ältesten im Gebirge. Sie hat vor Zeiten unter den Abt zu Grünhain gehört, der auch mit seinen Ordensleuten und anderen öfters dorthin Wallfahrten gehalten. Infolge dessen hat das Dorf früher besondere Freiheiten besessen und wurde das »Märktlein Markersbach« genannt.
728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.
(Mündlich.)
Ein Wald auf der Höhe zwischen Schneeberg und Aue, gegenüber dem Gasthofe zum Brünlasberge, heißt der Hoyer. Daselbst sieht man noch links von der Chaussee, welche von Schneeberg nach Aue führt, einen Hohlweg, welcher einst Straße war; und an derselben stand in alten Zeiten mitten im Walde ein Wirtshaus. Der Wirt in demselben war ein Räuber. Einst kehrte daselbst des Abends ein Fremder ein, der von dem Klösterlein Zelle kam und vieles Geld bei sich trug. Er wollte in dem Hause übernachten; aber ein Mädchen offenbarte ihm heimlich, daß er nicht lebend wieder hinausgehen werde. Da übergab der Fremde dem Wirte seine Tasche mit dem Gelde und sagte, daß er einem Freunde, der auch von Zelle her mit noch mehr Geld als er habe, komme, entgegen gehen müsse, der Wirt solle nur einstweilen sein Geld in Verwahrung nehmen. Als dies geschehen war, eilte der Reisende schnell nach dem Kloster und kam bald darauf mit nahmhafter Hülfe zurück. Seine Begleiter umzingelten das Haus und nahmen den Wirt gefangen. Als sie das Haus durchsuchten, fanden sie neben vielem Gelde auch Totengerippe zum Beweise, daß es vordem schon vielen Reisenden ebenso ergangen war, wie es dem Fremden, wenn ihn das Mädchen nicht gewarnt hätte, hätte ergehen müssen. Viele mochten in der Herberge eingekehrt, aber nicht wieder herausgekommen sein.
Der Wirt aber, welcher ein Räuberhauptmann war, hieß Hoyer, und von diesem hat nun auch der Wald, wo das Gasthaus einst stand, den Namen Hoyer erhalten.
729. Wittichs Schloß bei Glashütte.
(I. Schumann, Lex. v. Sachsen, 13. B. S. 204. II. Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I. S. 88.)
I. Eine Höhle über dem Müglitzthale, eine halbe Stunde von Glashütte, welche sich oberhalb der Herrenmühle in einem schwer zu erklimmenden Gneisfelsen befindet, heißt Wittichs Schloß. Nach der Sage war diese Höhle ehemals durch Befestigung ein noch sicherer Zufluchtsort als jetzt, und wurde im 15. Jahrhundert von einem Räuber Wittigo oder Wittich bewohnt, den der Ritter Weichold von Bärenstein auf Lugau bei Glashütte erschlug. Als Belohnung dafür erbat er sich vom Markgrafen, der auf Wittichs Einlieferung einen hohen Preis gesetzt hatte, sehr genügsam nichts weiter, als daß er ein Wild, welches er auf seinem Gebiete überall gehetzt habe, auch außerdem, und selbst auf der Dresdner Brücke, die damals als Asyl galt, verfolgen dürfe.
II. Es waren vor Zeiten viele Raubhäuser an dem böhmischen Gebirge, und soll insonderheit ein Räuber, namens Wittich, seinen Aufenthalt in einem starken Felsen gehabt haben, so unter der jetzigen Bergstadt Glashütte gelegen. Da dieser Räuber mehrere böse Buben zu sich gezogen, auch ganz Meißen beunruhigt und unsicher gemacht, so hat der Markgraf auf des Raubritters Wittich Kopf einen hohen Preis setzen lassen. Obschon nun Wittich dadurch hätte vorsichtig gemacht werden sollen, so hat er dies dennoch nicht gethan, vielmehr sich noch fürchterlicher machen wollen, indem er einstmals in der Morgenzeit mit etlichen seiner Leute sich vor des Ritters Weichold von Bärenstein Wohnung gegen der Lochow begeben, ein Gespräch mit ihm begehret, und als der von Bärenstein, keiner Gefahr sich versehend, ihm solches gewährt und zu ihm vors Haus getreten, thut der Bösewicht mit einer Armbrust auf ihn drei Schüsse, doch ohne Schaden. Der von Bärenstein rufet in der Eile seine Leute herbei, folget den Räubern auf dem Fuße nach, welche er auch über dem Rittersitze Reinhardtsgrimma, damals denen von Karras zuständig, erreichet. Ob nun gleich Wittich und seine Gesellen der Wehr wohl kundig, so hat doch der von Bärenstein die Oberhand behalten, den Räuber erlegt und umgebracht, sein Raubhaus, so auf steilem hohen Felsen an der Müglitz gelegen, eingenommen und zerbrochen, wiewohl dieser Ort von ihm bis auf den heutigen Tag noch Wittichs Schloß genannt wird. Auf der Stelle, wo der Räuber erlegt worden, steht ein Kreuz. Der Ritter Weichold von Bärenstein aber hat die ihm gebotene Belohnung großmütig ausgeschlagen und erklärt, daß er diese That bloß, um dem Vaterlande zu dienen, verrichtet habe.
730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.
(Mündlich.)
In dem schönen Pöbelbachthale oberhalb Schmiedeberg liegt die Putzmühle, so genannt, weil man früher hier das Silbererz, welches man in der Nähe grub, »geputzt«, d. h. gereinigt haben soll. Oberhalb dieser Mühle sieht man dann die Überreste einiger Grundmauern und die Spuren eines Wassergrabens; hier lag die dürre Bretmühle, welche ihren Namen von dem Umstande führte, daß sie häufig nicht genug Wasser hatte. Daselbst ist es einst geschehen, daß Räuber einbrachen, welche den Müller auf einen Klotz banden und mit durchsägen ließen. Seitdem ist die Mühle liegen geblieben, niemand wollte mehr in derselben wohnen, und so ist sie dann nach und nach verfallen.
731. Der schwarze Teich auf Henneberg und der Teufelsstein bei Johanngeorgenstadt.
(Nach einer novellistischen Bearbeitung im Unterhaltungsblatte zum Erzgebirgischen Volksfreund, 1884, No. 53.)
Als noch in unseren Gauen und insbesondere auf dem Erzgebirge das Christen- und Heidentum mit einander im Kampfe lagen, wohnte auf einer Burg im Egerthale ein böser Ritter. Zwar war derselbe als Christ getauft worden, jedoch hatte er im Herzen noch nicht dem Heidentume entsagt, und Raubzüge und blutige Fehden galten ihm für kein Unrecht. Das Gegenteil von ihm war seine fromme Gemahlin, welche mit Hülfe ihres Bruders, der als Einsiedler in der Nähe der Burg lebte und oft in derselben verkehrte, ihre beiden Kinder, einen Sohn und eine Tochter, christlich erzog. Dem wilden Gemahl aber mißfiel die Frömmigkeit von Frau und Kindern, und ganz besonders erzürnte er sich über seinen Sohn, weil derselbe keinen Gefallen an dem wilden Waffenhandwerke fand. Als er nun einst zu einer Fehde gegen den ihm verhaßten Burgherrn von Königsberg auszog und seinen Sohn, obschon derselbe des Königsbergers einzige Tochter innig liebte, zwang, daran teilzunehmen, geschah es, daß der Sohn beim Ritte von der Burg vom Pferde stürzte und verwundet ins Schloß zurückgetragen werden mußte. Ingrimmig gab nun der Vater der Erziehung und dem Einflusse seines Schwagers die Schuld an dem Unglücke, und er nahm sich vor, mit Härte einzugreifen. Sein Sohn genaß zwar unter der sorgsamen Pflege von Mutter und Schwester bald wieder, doch um dessen Ruhe war es für immer geschehen. Ja alle fühlten, daß der Vater böse Gedanken sowohl gegen den Sohn als auch Schwager im Herzen hegte und es ward von beiden die Flucht beschlossen. Dieselbe wurde bald darauf nach dem damals unwegsamen Erzgebirge ausgeführt, als der Vater wieder zum Kampfe gegen den Königsberger ausgezogen war und dabei den Sohn nicht mitgenommen hatte. Bei der Rückkehr in seine Burg kannte der Zorn des Ritters keine Grenzen, und da er ganz richtig in Frau und Tochter Mitwisserinnen der Flucht seines Sohnes erblickte, so mußten dieselben von ihm harte Mißhandlungen erdulden. Er veranstaltete zwar sogleich Streifzüge durch das Gebirge, doch konnte er die Flüchtigen nicht auffinden.
Auf dem Kamme des Erzgebirges lag im dichten Walde ein freundlicher See; die Maisonne am blauen Himmel spiegelte sich in demselben. Aus dem Dickichte aber trat schüchtern ein Reh mit zwei weißgefleckten Zicklein, und gegenüber brach aus dem Walde ein weißer Hirsch, welcher sich in dem klaren Wasser des Sees widerspiegelte. Abseits stand eine mit grünem Rasen gedeckte Erdhütte, aus der eine bläuliche Rauchwolke aufstieg. Diese Hütte hatten sich die beiden Flüchtlinge erbaut. Sie traten eben zur Wanderung gerüstet daraus hervor, denn sie wollten versuchen, die duldende Mutter und Tochter heimlich von der Burg des harten Gemahls und Vaters zu entführen und hierher in diese von dem menschlichen Verkehre abgeschlossene Wildnis in Sicherheit zu bringen.
Der Vater aber rüstete sich ungefähr zu derselben Zeit zu einem neuen Fehdezuge gegen den Königsberger. Letzterer aber hatte davon Kunde erhalten und seine Burg wohl verwahrt, während sein Sohn mit einem Häuflein Knechte dem Feinde entgegen zog. Trotz der Vorkehrungen des Königsbergers schien es, als ob der Feind seine Burg gewinnen werde; unaufhaltsam stürmte derselbe vorwärts, unbekümmert um den Steinhagel, welcher ihn unausgesetzt empfing. Schon war er an der Brücke, als dieselbe mit einem furchtbaren Krach zusammenbrach. Als aber der Feind sich anschicken wollte, den Wallgraben mit Steinen und Holz zu füllen, um so in die Burg zu gelangen, kam ein blutender Bote, welcher meldete, daß die eigene Burg von des Königsbergers Sohne eingenommen worden sei und in Flammen aufgehe. Da zogen sich die Feinde von der bedrängten Burg zurück. Die Belagerten hatten jedoch schon Vorbereitungen getroffen, ihnen schnell zu folgen. Es wurde eine Notbrücke niedergelassen und bald sahen sich die Weichenden von vorn und hinten angegriffen. Hinter ihnen kamen die Belagerten und vorn wurden sie von des Königsbergers Sohne mit seinen Mannen bestürmt. Nur durch rasche Flucht war es dem fehdelustigen und hartherzigen Ritter möglich, der Gefangenschaft oder dem Tode zu entgehen. Er überschritt mit den ihm noch übrig gebliebenen Knechten, da er in den Trümmern seiner Burg Frau und Tochter, welche unterdeß geflohen waren, nicht fand, den Kamm des Erzgebirgs und baute sich in wilder Gegend eine neue Burg. Von dieser aus durchzog er nun die Wildnis nach Bären, Wölfen und Auerochsen. Eines Tages meldete ihm einer seiner Troßbuben, daß er in einer gewissen Gegend einen weißen Hirsch gesehen habe. Diese Nachricht reizte den Ritter und er zog alsbald aus, die Spur des seltsamen Tieres zu suchen. Bald hatte er dieselbe auch gefunden, und als er darauf des Hirsches ansichtig ward, warf er seinen Jagdspieß nach demselben. Der zu Tode getroffene Hirsch raffte sich wieder auf und floh blutend in das Dickicht. Als nun der Ritter mit seinen Knechten durch dasselbe drang, erreichte er das Ufer eines klaren Sees, an welchem sich eine Erdhütte erhob. Dort lag auch der verwundete weiße Hirsch, über den sich eine Jungfrau beugte; neben ihr standen noch drei Personen. Der Ritter erkannte sie sehr wohl, er eilte hinzu und wurde in seiner Wut der Mörder der Seinen. Da verhüllte eine dunkle Wolke die Sonne, gleichsam als solle dieselbe die Unthat nicht sehen. Der klare See aber wurde zu einem unheimlichen Sumpfe und die Fischlein wurden zu Molchen. Noch zeigt man bei den Henneberger Häusern südwestlich von Johanngeorgenstadt die Stelle, wo der See lag.
Als der Himmel so vernehmlich zu dem Ritter und seinen Knechten gesprochen hatte, wollte keiner von ihnen den toten weißen Hirsch mit zur Burg tragen; dem Ritter selbst lag auch nichts daran. In der folgenden Nacht aber erbebte ringsum die Erde und in der Burg des vierfachen Mörders ertönte ein furchtbares Krachen. Die Morgensonne beschien einen gewaltigen Trümmerhaufen, und der Kopf des Ritters schaut noch heutigen Tages von der einen Felskuppe, welche man den Teufelsstein heißt und die sich an der Stelle der ehemaligen Burg erhebt, nach Osten. Der Teufel hatte in der Nacht die Burg zerstört und zum warnenden Zeichen den Kopf des Gottlosen an dem Felsen aufgerichtet.
732. Das Schloß auf dem hohen Steine.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 130.)
Als gewaltiger Markstein eines der letzten südwestlichen Ausläufer des metallreichen Erzgebirges erhebt sich der hohe Stein mit seinen wunderbar gestalteten Felsenmauern und Pfeilern. Vor vielen hundert Jahren stand an der Stelle, auf welcher sich heute diese mächtigen Felsen auftürmen, eine große feste Burg, welche mit ihren gewaltigen Mauern weithin die Gegend überblickte. Ungeheure dichte Wälder bedeckten die Gegend und nur auf gelichteten Stellen am Fuße des Berges hatten sich fleißige Menschen angesiedelt und zwangen dem Boden seine wenigen Erzeugnisse ab. Aus fernen Landen waren sie auf des Ritters Ruf gekommen und hofften in Genügsamkeit, Ruhe und Frieden hier leben zu können, aber nur zu bald seufzten sie unter dem harten Joche, welches der Ritter ihnen auferlegte, unter den schweren Strafen, welche er über sie verhängte, wenn sie seinen maßlosen Forderungen und grausamen Befehlen nicht sogleich nachkamen. Je älter er wurde, desto mehr schien das Mitleid von ihm zu weichen und sein Herz zu versteinern. Da verwünschte ein Mann, dem der Schnee des Alters seinen Scheitel deckte, den Wüterich und sein Schloß. Er, samt der Burg, wurde in grauen, harten Stein verwandelt und viele hundert Jahre wird es währen, bis die Sonne wieder die Zinnen der Burg mit ihrem Glanze vergolden wird.
So sieht man nun die gewaltigen Burgtürme und Rauchfänge, sowie den riesigen Ritter versteinert emporragen, während tief unten im dunkeln Schoße der Felsen die reichen Schätze des Burgherrn begraben liegen.
Nach einer andern Sage hat der verwünschte Ritter auf dem hohen Steine keine Ruhe; oft hört man lautes Getöse und Wiehern von Rossen aus den gewaltigen Felsen hervorschallen, sieht auch manchmal den unterirdischen Stall seine Jauche entleeren, und in finstern, unheimlichen Nächten hört man vom hohen Stein herab in der Richtung gegen »die drei Rainsteine« (an der Graslitz-Schönbach-Sächsischen Grenze) die wilde Jagd dahinbrausen, der sich auch der verwünschte »hohe Stein-Ritter« anschließen muß.
733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.
(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 12.)
Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese nach Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das alte Schloß Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus sehr hoch und jähe ist. Dem Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein Raubschloß, von welchem man gegen das dem Katzensteine an der schwarzen Pockau gegenüberliegende »Raubschloß« Losung geben konnte, gestanden haben. Man bemerkte früher auf dem Felde noch einige Gräben. Das genannte »Raubschloß« lag am rechten Pockauufer im Walde, ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt. Man fand daselbst viel alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen u. dergl., ferner Überreste von einer unterirdischen Wasserleitung. Nach der Volkssage soll das »Raubschloß« durch Kurfürst Joh. Georg I. vom Katzensteine aus in den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich aber wurde es bereits im Hussitenkriege zerstört.
734. Das Raubschloß Sommerstein.
(Chronica der freyen Bergstadt S. Annaberg, II., 1748, S. 32. Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 2. Band, 1750, S. 171.)
Auf dem Schenkgute über der Pfarre zu Hermannsdorf liegt im Walde ein Fels, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten ein Raubschloß gestanden haben soll. Die Besatzung desselben lauerte gleich derjenigen der Schlösser zu Tannenberg und Greifenstein den Kaufleuten auf, welche von Böhmen kamen oder dorthin zogen. Man sieht noch etwas von den Mauern nebst einen in Fels gehauenen Backofen und einen wohl ausgemauerten viereckigen Brunnen, in welchen das Wasser durch einen langen Graben von Westen her geleitet wurde. Erzählt wird noch, es solle in diesen Felsen ein großes Loch gehen, darin stände ein großer Kasten mit Gold.
735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 183 und 184.)
Woher der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf den Namen habe, weiß niemand, außer daß man sagt, es hätte ein Greif daselbst genistet. Außerdem hat man die Vermutung, es hätte ein Raubschloß da gestanden, von welchem die Räuber denen auf dem Schellenberge, wo jetzt Augustusburg steht, Zeichen hätten geben können. Noch hat es das Ansehen, daß vor alten Zeiten der Platz zwischen zwei hohen Felsen mit Mauern eingeschlossen gewesen sei. Auch hat man zuweilen Topfscherben, Nägel, Pfeile, Schlüssel und anderes Eisenwerk, Totengebeine, Schweinszähne und Fischgräten daselbst gefunden. Auch ist daselbst ein kleines silbernes Ringlein mit einem Kreuzchen und dem Namen Maria gefunden worden.
736. Die Räuber auf dem Frauenstein.
(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 301.)
Es ist geschichtlich erwiesen, daß vor der Zerstörung des Schlosses Frauenstein im Jahre 1438 der Ritter Dietrich von Vitzthum, welchem die Burg vom Grafen Heinrich von Plauen zur Bewahrung anvertraut worden war, mit böhmischen Raubrittern gemeinsame Sache machte. Um nun den durch die versteckten Nachbarburgen und die damaligen dichten Waldungen um Frauenstein begünstigten Bedrückungen der Wegelagerer ein Ende zu machen, entsandte Kurfürst Friedrich der Sanftmütige Abgeordnete mit einem Herold nach dem Frauenstein, um Vitzthum zu sofortiger Verweisung des böhmischen Raubgesindels zu veranlassen.
Die kurfürstlichen Gesandten kamen an dem weit im Lande berüchtigten Räuberneste an, fanden aber das äußere Burgthor verschlossen und die Zugbrücke aufgezogen. Der Herold ließ den herkömmlichen Trompetenruf erschallen und verkündete darauf laut den Befehl des Kurfürsten: »Dietrich von Vitzthum, Du sollst gehalten sein, dem Durchlauchtigen Kurfürsten des heiligen römischen Reiches, Friedrich, Herzog zu Sachsen und Markgraf zu Meißen, zu Befehl zu handeln und alsobald die böhmischen und anderen Ritter von Dir zu thun, welche das Land berennen und die Reichsstraßen und sonstigen Wege unsicher machen, die Bürger berauben und brandschatzen. Also gebietet der Durchlauchtige Lehnsherr, Du mögest seine Abgeordneten mit Glimpf empfangen und in allen Stücken seinem Befehlig aus ihrem Munde gehorsamen, bei Acht und Aberacht, die Dich und alle, so zu Dir halten, Freie und Unfreie, treffen wird, wenn den Landfriedensbrechern noch ferner Unterstand auf dem Frauenstein gewährt würde. Künde Dir das zum ersten-, zum andern-, zum drittenmale, kraft meines Amtes, Dietrich von Vitzthum!«
Wieder blies der Herold in die Trompete und erwartete, gegen das Thor vorreitend, eine Antwort. Dieselbe kam auch alsbald, aber in Gestalt eines starken Armbrustpfeiles, der dicht an den Ohren des Herolds vorübersauste. Dazu erklang aus der Burg ein höhnische Gelächter. Am Fenster des Thorwärters erschien der Ritter Dietrich und rief: »Was schiert mich der Markgraf von Meißen? Der Burggraf von Plauen ist mein Herr, dem nur stehe ich Rede und sonst keinem!« Unverrichteter Sache zogen die Gesandten von dannen; vorher aber hefteten sie noch die Vorladung für Dietrich von Vitzthum zum Achtsprozeß an das Gerichtsbret des Rathauses zu Frauenstein.
Der Kurfürst war über die Widersetzlichkeit Vitzthums in hohem Grade erzürnt und bot alsbald die Bürger der benachbarten Städte zum Zuge gegen das Schloß Frauenstein auf. Die Freiberger ließen auch nicht lange auf sich warten und schlossen sich dem kleinen Feldzuge um so lieber an, als ihnen durch die Räuber auf dem Frauenstein, welche die wichtige Handelsstraße nach Böhmen beunruhigten, schon beträchtlicher Schaden zugefügt worden war. Sie erschienen unter Kuno von Schönberg mit den übrigen kursächsischen Streitgenossen alsbald, und als auf die übliche Aufforderung zur Übergabe der Burg keine Antwort erfolgte, wurden die Donnerbüchsen auf die Umfassungsmauern des Schlosses gerichtet. Die Steinkugeln, deren man noch etliche als Andenken in dem alten Gemäuer sieht, prasselten gegen die Burg, jedoch auch die Besatzung schleuderte unzählige Wurfgeschosse gegen die Belagerer. Es entbrannte ein harter Kampf, der lange unentschieden blieb, bis plötzlich große Rauchwolken und Flammen aus der Burg emporstiegen. Jetzt wurde dieselbe auf ein gegebenes Zeichen gleichzeitig von allen Seiten berannt und in kurzer Zeit wurde sie von Kurfürst Friedrichs Mannen erstiegen. Innerhalb der Burg entbrannte nun ein Kampf Mann gegen Mann, wobei auch Kuno von Schönberg und Dietrich von Vitzthum zusammentrafen. Beide fochten löwenkühn, zuletzt siegte jedoch der Ritter von Schönberg und stieß den Gegner nieder. Man schleppte den verwundeten Vitzthum fort, und was noch von der Burgbesatzung lebte, ergab sich auf Gnade und Ungnade.
Drei Tage hatte der Verurteilte Zeit, sich zum Abschied vorzubereiten. In den ersten Tagen des Dezembers 1438 strömten Hunderte aus der Umgebung Frauensteins nach der Stadt, um den einst gefürchteten Vitzthum hinrichten zu sehen. Dicht gedrängt stand die harrende Menge im Schloßhofe, da erklang von der Burgkapelle her das Sterbeglöcklein, vier Knappen brachten den armen Sünder, der schwer verwundet und kaum bei Besinnung war, zur Richtstatt und alsbald wurde der Spruch des Gerichtes mit dem Schwerte an ihm vollzogen.
Die Burg wurde hierauf insoweit zerstört, daß sie nicht mehr widerstandsfähig war und den Räubern keinen weiteren Schlupfwinkel zu bieten vermochte. Dann erst zogen die Kurfürstlichen ab. Der Burggraf von Plauen ging seiner Besitzung Frauenstein, die er so unwürdig hatte verwalten lassen, verlustig; das Lehen wurde vom Kurfürsten eingezogen.
Der Geist des hingerichteten Raubritters soll von Zeit zu Zeit noch immer in der Schloßruine umgehen und auch in den hinteren, nicht bewohnten Teilen des neuen Schlosses schon bemerkt worden sein. In der Nähe des Parkschlößchens läßt sich manchmal etwas »Graues« sehen.
737. Schloß Hauenstein.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 103.)
Malerisch und majestätisch ruht das Schloß Hauenstein auf einem fast senkrecht abfallenden Basaltfelsen, welcher aus dem wildromantischen, herrlichen Waldthale sich emporhebt, das menschliche Hand zu einem lieblichen Garten umgeschaffen. Zu dem Schlosse gehört ein alter, aus schwarzem Basalt errichteter Rundturm, von altersher der »Bürgermeister« genannt, weil der Sage nach ein solcher in seinem Verließe zuerst den Hungertod fand; er diente lange als Gefängnis, und der in der Gemeinde Damitz gelegene Galgenberg erinnert heutigen Tages noch an die Zeit, wo die Zwingherren von Hauenstein das Blutgericht ausübten.
Beachtung verdient ferner das Perlenzimmer. Wie der Volksmund erzählt, sollen allhier Nonnen die im Egerflusse gefischten Perlen verwahrt haben. Nach einer andern Überlieferung hieß besagtes Gemach eigentlich »Perlhefterstube«, weil sich daselbst zur Zeit der Schlickschen Herrschaft im 16. Jahrhundert eine Perlhefterei befand.
An der Felswand in der Vorhalle des Schlosses bemerkte man sonst einen schwarzen Fleck, angeblich vertrocknetes Blut, welches ein Herr von Vitzthum dort im dreißigjährigen Kriege kämpfend vergossen haben soll.
738. Burg Neustein bei Görkau.
(Erzgebirgs-Zeitung, Komotau 1880. 1. Jahrg. S. 47.)
Es mochte um das 11. oder 12. Jahrhundert sein, als auf der Burg Neustein ein verwegener und berüchtigter Raubritter hauste. Derselbe hegte aus irgend einem Grunde einen unversöhnlichen Haß gegen den Grafen zu Rothenhaus. Da geschah es eines Tages, daß er demselben seinen erstgebornen Sohn in zartem Kindesalter samt der Wärterin raubte, und, um die Eltern irre zu führen, streute er die mit Blut getränkten Kleider des Kindes im Walde in der Nähe des Schlosses Rothenhaus aus, so daß der Graf glauben mußte, ein wildes Tier habe seinen Sohn zerrissen. Den Knaben aber ließ er als seinen eigenen Sohn erziehen und flößte ihm dabei tiefen Haß gegen das Grafengeschlecht in Rothenhaus ein.
Bei einem Überfalle venetianischer Kaufleute geriet der Raubritter von Neustein mit dem Grafen von Rothenhaus, welcher zufällig an der Spitze seiner Leute an den Ort der Unthat kam und die Bedrängten verteidigte, in Kampf und wurde dabei zum Tode verwundet. Nur mit Mühe entkam er auf seine Burg, wo er auf dem Sterbelager sich von seinem angeblichen Sohne einen Eid leisten ließ, daß derselbe an dem Grafen Rache nehmen wolle. Darauf starb er. Nach einiger Zeit gelang es dem nunmehrigen Herrn des Neusteins, die Tochter des Grafen von Rothenhaus zu rauben und durch einen geheimen unterirdischen Gang auf seine Burg zu führen, wo er sie gefangen hielt. Als er sie nun sogar zur Gemahlin begehrte, weigerte sich die Jungfrau standhaft, denn ihr Herz gehörte bereits einem andern.
Auf Schloß Rothenhaus war man durch das Verschwinden der Tochter des Hauses in nicht geringe Bestürzung geraten, denn man vermutete mit Recht einen frechen Raub. Der Graf entbot noch in derselben Nacht seine Mannen zu sich und zog mit ihnen am frühen Morgen gegen die Burgen Neosablitz und Wodehrad, die im Thale des Assigbaches lagen und deren damalige Herren sich nicht des besten Rufes erfreuten. Doch in keinem der beiden Schlösser war die Geraubte zu finden. Von dem Vorhandensein des Felsennestes Neustein aber wußte man nichts, denn dasselbe lag tief im Walde versteckt.
Unterdeß hatte die gefangene Grafentochter einen Plan zu ihrer Rettung entworfen. Sie heuchelte dem Herrn von Neustein, sie sähe ein, daß ihr Sträuben vergeblich sei, und so habe sie sich entschlossen, die Seine zu werden; der Ritter möge ihr nur einige Tage Zeit lassen und ihr gestatten, daß sie eine Kirche besuche, damit sie Gott um Trost und Beistand anflehe. Nur ungern willigte der Ritter ein. So zog sie denn mit ihrer treuen Dienerin, die man ebenfalls in Rothenhaus geraubt hatte, und bewacht von einer Schar wilder Gesellen, nach Komotau, wo sich die nächste Kirche befand. Als sie daselbst dem Pfarrer beichtete, erkannte sie derselbe und er forderte sie auf, ihm ihren Aufenthaltsort anzugeben. Sie sogleich zu befreien, erschien ihm unmöglich, da die Kirche von den Bewaffneten umstellt worden war und die Leute im Orte noch schliefen, denn es war zu sehr früher Stunde. Die Jungfrau konnte dem Priester jedoch ihren Aufenthaltsort nicht angeben, da man sie mit verbundenen Augen aus dem Raubschlosse nach der Kirche gebracht hatte. Ratlos lief der Priester in die Sakristei und kam ebenso ratlos wieder zurück. Da bemerkte er plötzlich ein altes Weib, das unvermerkt mit in die Kirche gekommen war. Er fragte die Alte, was sie wohl in ihrem Korbe habe. »Ein Säckchen mit Linsen«, entgegnete diese. »Weib,« rief der Pfarrer, »Ihr seid mir von Gott gesandt; überlaßt mir die Linsen, sie sollen Euch gut bezahlt werden!« Das Weib war einverstanden, und der Priester händigte die Linsen seinem Beichtkinde ein mit der Weisung, auf dem Heimwege von Zeit zu Zeit heimlich einige Linsen fallen zu lassen; er werde dann dafür sorgen, daß ihr Aufenthaltsort entdeckt werde. Dann entließ er das Fräulein, welches nun mit seinen bewaffneten Begleitern wieder zu Pferde stieg und den Rückweg antrat. Der Geistliche aber gab einem zuverlässigen Manne den Auftrag, dem Zuge sofort unvermerkt zu folgen, hie und da am Boden zerstreute Linsen würden ihm im Walde den Weg zeigen. So wurde das Raubschloß entdeckt. Dem Grafen von Rothenhaus aber brachte man sofort die Nachricht hiervon, und noch an demselben Abende stand er mit seinen Mannen vor der Feste des Raubritters und verlangte die Auslieferung seiner Tochter. Diese erfolgte aber nicht; man rüstete sich vielmehr in der Burg zur Verteidigung. Nun umschlossen die von Rothenhaus die Burg und trafen Anstalten zum Sturme auf dieselbe. Am frühen Morgen des nächsten Tages begann man auch sofort den Angriff, und trotz der verzweifelten Gegenwehr der Belagerten hatten die Angreifer bald vom Bergrücken her den Wall und Graben überschritten und begannen die Mauern zu ersteigen. Da versuchte der jugendliche Ritter vom Neustein ein letztes Mittel, die Feinde vom weitern Vordringen abzuhalten. Er schleppte das geraubte Fräulein auf den Wartturm und drohte dasselbe in die Tiefe zu stürzen. Da trat aber die alte Wärterin heran, welche allein im Schlosse seine wahre Abkunft kannte, und teilte ihm mit, daß er eben im Begriffe stehe, seine Schwester zu ermorden. Jetzt erfaßte Verzweigung den Ritter; er bestieg sein Pferd, ritt auf die Burgmauer, gab dem Tiere die Sporen und stürzte mit ihm in die gewaltige Tiefe. Die Felsenburg wurde nun vollends eingenommen und zerstört. Groß war aber die Trauer zu Rothenhaus, als man erfuhr, wer der gewesen, der die Tochter des Grafen geraubt hatte. Der Leichnam des Ritters wurde feierlich in der Familiengruft der Rothenhauser beigesetzt.
739. Das alte Schloß Mulda.
(Mündlich.)
Oberhalb des Ortes Mulda bei Freiberg zeigt man am linken Muldenufer in der sogenannten »Grüne« einen Platz, auf welchem einst ein altes Schloß stand. Von den Ruinen ist seit einer Reihe von Jahren nichts mehr zu sehen, da man die Steine bei einem Wegebau verwendete. Die Sage erzählt nun, daß nach dem Schlosse eine kupferne Wasserleitung von dem Brunnen auf dem Burgberge geführt habe und daß dasselbe von einem gewissen Hegewald niedergerissen worden sei. Die Steine verwendete derselbe zum Aufbau des jetzigen Rittergutes. Als das Schloß niedergerissen wurde, fand dieser Hegewald (er hieß mit dem Vornamen Zacharias, wurde 1670 geboren und starb 1731), wie der Volksmund erzählt, in dem Gemäuer einen großen Schatz, den er in einem Sacke auf der Schulter nach dem neuerbauten Rittergute trug. Die Last war aber so schwer, daß sie ihn auf dem Wege erdrückte. Früher soll auch in dem Rittergute ein Bild zu sehen gewesen sein, welches diese Begebenheit darstellte.
740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.
(Köhler, Volksbrauch etc. S. 623.)
Das Schloß Schönfels bei Zwickau soll einst rings von einem großen Walde umgeben gewesen sein, so daß man es nicht sehen und schwer auffinden konnte. Einst wollte es der Feind erstürmen und suchte es lange; und hätten nicht Tauben, die man im Schlosse hielt und welche ab und zu flogen, die Richtung verraten, so hätte man noch lange suchen können.
741. Schön-Guta von Hassenstein.
(Nach Ed. Heger in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 143 etc.)
Eine halbe Stunde vor dem Bergstädtchen Platz liegen die von einem dreifachen Walle umgebenen Ruinen des Schlosses Hassenstein. Nach einer Sage wurde dasselbe in der Mitte des 11. Jahrhunderts von einem Reichsritter Emerich erbaut, welcher mit dem Grund und Boden von dem Kaiser Heinrich III. für geleistete Kriegsdienste und besonders für seinen Beistand in der Heerfahrt gegen den Böhmenherzog Achilles Bratislav belehnt worden war. Sieben Jahre dauerte der Bau, und als er beendigt war und der Ritter einzog in sein stattliches Bergschloß, da nahm er sich vor, als Gebieter Gerechtigkeit, aber auch die vollste sittliche Strenge walten zu lassen. Um seine Anschauungen von Recht und Sittlichkeit zum Ausdruck zu bringen, that er ein Gelübde sonderbar und folgenschwer. Er gelobte, diejenige Bewohnerin des Schlosses, welche ihre Ehre verlieren würde -- und sollte es auch seine eigene Tochter sein -- lebendig einmauern zu lassen. Noch sieht man in der geborstenen Mauer des Hassenstein eine Nische, welche der Ritter Emerich für diese furchtbare Bestimmung herstellen ließ, um seinem Gelöbnis den weiblichen Schloßbewohnern gegenüber den rechten Nachdruck zu geben.
So vergingen Jahre. Der Ritter jagte in den ungeheuren Wäldern den starken Eber oder den flüchtigen Edelhirsch, während seine Gemahlin die Erziehung ihrer Kinder, dreier Knaben, welche des Vaters Stolz und Freude waren, überwachte. Als die Söhne wehrhaft geworden waren, lernten sie auf den Nachbarburgen feine Sitte, und nachdem sie den Schwertschlag zu Gottes und Mariens Ehre erhalten hatten, dienten sie als Ritter an den Höfen im deutschen Reiche. Die Burgfrau hatte ihrem Gemahl später auch ein Töchterchen geschenkt, dessen Geburt der Mutter leider das Leben kostete. Auf ihrem Sterbelager hatte sie ihr Kind der Obhut des alten Schloßkaplans übergeben, welcher ihr versprach, dasselbe in Frömmigkeit zu erziehen und Vaterstelle an ihm zu vertreten. Denn der Ritter war zu häufig in Fehden verwickelt und oft lange von der Burg abwesend, als daß er sich der Erziehung seiner Tochter, welche bei der Taufe den Namen Guta empfing, mit rechter Aufmerksamkeit hätte widmen können.
Der Schloßkaplan, ein sanftmütiger Priester, verwendete nun seine ganze Sorgfalt auf die Erziehung der kleinen Guta, und besonders war es die wunderbare Welt der Märchen und der Kreis der Sagenlieder und Legenden, welche auf die empfängliche Schülerin den größten Eindruck ausübten. So wuchs das Mädchen zur blühenden Jungfrau heran und fast schien es, als ob dieselbe ihren sanften Lehrer mehr liebe, als den strengen Vater. Derselbe dachte endlich daran, wie er seine Tochter versorgen und sich damit zugleich eines Nachfolgers im Besitze der Burg versichern könne. Alle seine Söhne, seine natürlichen Stützen und Erben hatten ihn ja verlassen, sie weilten, Abenteuer suchend, in weiten, unbekannten Fernen und nie hatte er eine Nachricht von ihnen erhalten. Die Wahl eines passenden Eidams erschien ihm nicht leicht, doch hoffte er sie am besten am Hoflager zu Regensburg treffen zu können, wohin Kaiser Heinrich IV., seines kaiserlichen Gönners Sohn, die Fürsten, Ritter und Edlen entboten hatte, damit des Reiches Wohl und der Römerzug beraten werde. Ritter Emerich begab sich also nach Regensburg.
Während der Abwesenheit des Burgherrn beschloß der greise Kaplan, seiner Pflegetochter, welche bisher kaum über die Schwelle des äußern Burgthores hinausgekommen war, ein größere Maß von Freiheit zu gewähren. Er führte sie daher hinaus in die Wälder und auf die Fluren und besuchte mit ihr die Ansiedelungen im Burgbanne. Oft ruhten sie auf einer Waldwiese unter einer riesigen Eiche und lauschten am Morgen dem Gesange der Waldvöglein. Als sie einmal wieder so saßen, trat plötzlich aus dem dichten Gebüsch ein schöner ritterlicher Jüngling. Guta war anfangs recht erschrocken, doch konnte man dem Fremdlinge, welcher die edelsten Sitten zeigte, nicht gram sein. Es war ein fahrender Ritter aus dem Meißnerlande, welcher in der Gegend Gastfreundschaft gesucht und gefunden hatte und den der Zufall auf einer seiner Wanderungen dem Priester und Guta entgegenführte. Nach mehreren Tagen traf der Ritter mit ihnen an derselben Stelle wieder zusammen, und dann noch öfter und öfter. Der Priester war kein strenger Wächter, und so kam es, daß die Herzen der jungen Leute sich fanden und der Ritter die Jungfrau um Erlaubnis bat, ihr sein Leben weihen zu dürfen. Nach der Rückkehr ihres Vaters wollte er um ihre Hand anhalten, denn Guta war es unbekannt geblieben, aus welchem Grunde ihr Vater nach Regensburg abgereist war. Bald kam aber von dorther die Botschaft an den Kaplan, daß der Burgherr bald zurückkehren und den für seine Tochter erkorenen Bräutigam sogleich mitbringen werde. Als dies Guta hörte, stürzte sie fassungslos ihrem Erzieher zu Füßen und entdeckte ihm ihr Geheimnis. Dieser erschrak heftig, denn er kannte die unbeugsame Strenge Emerichs und dachte an das offene Grab in der Schloßmauer. Freilich fühlte er sich selbst auch nicht von Schuld frei, und nach reiflicher Überlegung glaubte er ein Mittel gefunden zu haben, um der ersten Heftigkeit des heimkehrenden Burgherrn zu begegnen. Zu Seelau im St. Magdalenenkloster, von dem heute kein Stein mehr auf dem andern ist, da hat Schön-Guta Aufnahme gefunden; und auch der meißnische Ritter ward in die Verbannung geschickt, er ging zu den Benediktinern nach Klösterle. So blieb nur der greise Priester zurück und derselbe wollte dem Ausbruche des Zornes standhalten.
Als der Schloßherr kam, gestand der Kaplan alles. In wildem Grimme vergriff sich der Ritter an ihm, würgte den schwachen Priester und stieß ihn über die steile Treppe hinab, so daß der Arme die Steinvließe drunten mit seinem Blute färbte und seine Seele aushauchte. Nun erst kam der Ritter zur Besinnung und dachte besonders an die Verfolgung, welche die mächtige Geistlichkeit gegen ihn einleiten würde, wenn sie Kenntnis von diesem Morde erhielte. Deshalb suchte er eilig die Spuren des Verbrechens zu beseitigen. Er erinnerte sich der Mauernische, die er einst für eine ehrenvergessene Schloßbewohnerin hatte herrichten lassen. Wie fürchterlich hatte nun das Geschick entschieden! Seine eigene Tochter war zum Opfer geworden, sie hätte er nach jenem Gelübde lebendig hier begraben müssen. Da ließ Emerich den Leichnam des ermordeten Priesters an jener Stelle bergen. Doch damit konnte er die Erinnerung an das Geschehene nicht begraben; eine Stimme frug ihn fort und fort: Hast Du auch recht gethan? Sein Trotz wollte diese Frage wohl bejahen; doch er konnte damit die Stimme des Gewissens nicht betäuben, er ergab sich dem Trunke, um so Vergessenheit zu finden. Da geschah es eines Abends, daß er sich ruhelos umhertrieb; sein Schritt war unsicher, er wankte und stürzte über die jähen Stufen hinab, so daß seine Glieder an eben demselben Steine zerschellten, auf welchem der Schloßkaplan seine Seele ausgehaucht hatte. Die Knechte und Reisigen bereiteten dann das Begräbnis ihres toten Herrn, und außerhalb der Burg, mitten im grünen Hag, wo es am kühlsten war und die Vögel am schönsten sangen, dort wölbten sie den Hügel des Ritters, und dann zerstreuten sie sich, denn sie wollten nicht mehr bleiben an der Stätte mit dem fluchbeladenen Steine. Und sprachen sie in der Folge von der Burg, so versäumten sie nicht, den Ort des Übels zu kennzeichnen: »Haß dem Stein!« Aus dieser Redensart aber entstand im Laufe der Zeit der Name »Hassenstein.«
Und die schöne Guta? Die Leute erzählten oft, daß im Kloster eine Nonne sei, die man immer weinen sehe, das Gesicht gegen die kalten Eisenstäbe des Fensters gedrückt. Und der Ritter aus den meißnischen Landen? Der blieb auch im Kloster, denn er hätte keine Freude mehr gefunden draußen ohne Guta. Aber die Söhne Ritter Emerichs? Die hatten das Kreuz genommen und waren mit Peter dem Einsiedler ins heilige Land gezogen und man hat nie mehr von ihnen gehört.
Das erledigte Hassenstein erwarben später die Herren von Schönburg, welche auch in der Nachbarschaft, bei Klösterle, eine Feste besaßen, deren Ruine von den Anwohnern heutzutage »Schömmerich« genannt wird.
742. Die heldenmütige Herrin des Schloß Hartenberg.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung 1882, S. 26.)
Zur Zeit der Hussitenkriege lebte auf dem Schlosse Hartenberg, umgeben von nur wenigen Getreuen und unter der Obhut einer alten Dienerin Zdenka von Hartenberg, eine schöne achtzehnjährige Jungfrau. Seit einer Reihe von Jahren mutterlose Waise, entriß ihr auch das Schwert eines wütenden Taboriten vor kurzem den Vater, und ihr nächster Anverwandter, Jodok von Pichlberg, ein eifriger Utraquist, den sie um männlichen Schutz und Beistand anflehte, wollte oder konnte solchen nicht leisten, sondern riet ihr, der neuen Lehre beizutreten und so aller Gefahren überhoben zu sein. Das mochte Zdenka nicht. Getreu den frommen Lehren ihrer verklärten Mutter hing sie mit kindlichem Glauben und Vertrauen der katholischen Kirche an und setzte, da ihr kein Freund mehr auf der Welt blieb, das feste Vertrauen auf Gott, den mächtigen Beschützer der Bedrängten und Verlassenen. Daneben vergaß sie auch nicht, an das Ehr- und Pflichtgefühl ihrer Unterthanen zu appellieren, versah die Burg mit Lebensmitteln, ließ die Mauern, Streittürme und Basteien ausbessern und einen größern Vorrat des schon damals im Gebrauche stehenden Schießpulvers herbeischaffen, um die einzigen Waffen der Burg, zwei Doppelhaken, in Verwendung nehmen zu können, kurz, ordnete alles mit männlicher Umsicht und Entschlossenheit an, was zur Verteidigung ihres väterlichen Erbes dienen konnte.
Die Vorsicht war nur zu wohl gerechtfertigt. In einer finstern Nacht rötete sich der Himmel von mächtigen Feuersäulen, die aus den benachbarten, von den Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen, und ein beträchtlicher Taboritenschwarm, angelockt von dem reichen ungeplünderten Gute und der ihrer Meinung nach sehr schwach oder gar nicht verteidigten Burg, stand bald vor den Thoren Hartenbergs, mit rauhen, grimmigen Worten Einlaß begehrend und mit drohenden Mienen zur Übergabe auffordernd. Da beides verweigert wurde, schrien hunderte von Stimmen nach Sturm, Pfeilen und Pechkränzen und vermengten ihre Rufe mit tausend Verwünschungen und Flüchen.
Zdenka ließ die Feuerschlünde donnern, ein Steinregen fiel auf die Schädel der Stürmenden, heißes Pech troff auf sie herab, und viele der blutdürstigen Taboriten, welche versuchten, die Burg in Brand zu stecken, den Thorgraben mit Steinblöcken zu füllen, die Mauern zu ersteigen, sanken zerschmettert zu Boden. -- Die grause Nacht verging und der neue Morgen sah neue Stürme, neue angestrengte Versuche, die Burg zu Falle zu bringen. Umsonst; das tapfere Häuflein der Eingeschlossenen, angespornt durch Wort und That ihrer edlen Gebieterin, sowie die starken Mauern, die tiefen Gräben und die treffliche Lage der Burg spotteten aller Versuche der Hussiten, so daß diese beschlossen, die Belagerten durch die Macht des Hungers zur Übergabe zu zwingen. Die Lage Zdenkas und ihrer Getreuen wurde nun mit jedem Tage furchtbarer; Mutlosigkeit riß ein, die Lebensmittel nahmen immer mehr ab, die bleiche Krankheit mit der hohläugigen Not erschienen in der Burg als unwillkommene Gäste, kein Ersatz war zu erwarten; denn das verzagte Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite ausgesteckte Notfahne herbeirufen sollte, hatte die schwer heimgesuchte Gegend verlassen. -- Als die Not aufs höchste gestiegen war, begab sich die bemitleidenswerte Jungfrau in die Burgkapelle, weilte dort auf den Knien liegend lange, bange Stunden und faßte daselbst, gestärkt durch ein inbrünstiges Gebet, einen bewunderungswürdigen, heroischen Entschluß, der, als sie wieder unter ihre Leute getreten war, ihren Augen einen eigenen Glanz, ihren Zügen eine stille Ruhe und Resignation, ihrem ganzen Wesen eine heilige Weihe gab. Ein Knecht mußte die letzte Nahrung, ein Rehviertel, vor den Turm werfen, ein anderer ins Horn stoßen und den Anführer der erbitterten Belagerer herbeizurufen. Dieser erschien, und Zdenka rief hinab: »Unter gewissen Bedingungen will ich die Burg übergeben, obwohl, wie Ihr an dem Wildpret sehen könnt, keine Not mich dazu zwingt. Erstlich werdet Ihr meine Getreuen mit Hab und Gut frei und ungehindert abziehen lassen.« »Nur Euch nicht, holde Frau«, unterbrach sie der Rohe, »sonst mag das ganze Gesindel das Weite suchen.« »Ich bleibe in der Burg meiner Väter, so lange ich lebe!« rief Zdenka leuchtenden Blicks und fuhr hierauf fort: »Dann werdet Ihr Euch nicht eher dem Thore nähern, bis meine Leute den Platz gänzlich verlassen und die Stätte jenes Vorwerks erreicht haben. Zuletzt beschwöret mir, falls Ihr ein Christ seid, die genaue Befolgung des Versprechens.« »Ich schwöre«, tönte es von den Lippen des Kelchners, »aber glaubt nur nicht«, setzte er bei, »daß Ihr mir entwischen könntet.« -- Zdenka ordnete nun den Abzug ihrer Diener an, dankte ihnen für alle bewiesene Treue und gehorsam geleisteten Dienste, verteilte ihre Kleinodien und Kostbarkeiten unter sie und tröstete die in Thränen Aufgelösten damit, daß ihr der wilde Hussitenführer wohl freundlich entgegenkommen werde.
Die Fallbrücke rasselte herab, sechzehn bleiche und abgezehrte Männer mit der alten, weinenden Wärterin schwankten heraus, und nicht lange darnach stürzten die nach Beute lechzenden Taboriten mit ihrem Anführer an der Spitze, welcher die Jungfrau suchte, in die Burg. Allein wie vom Blitze gerührt blieb die wilde Rotte am Eingange einer Halle stehen und starrte mit stummen Entsetzen auf das ihr sich darbietende Bild. Dort in der Mitte des Gemaches stand Zdenka, bräutlich geschmückt, Entschlossenheit in Mienen und Gebärden, Hoheit und Würde in Haltung und Stellung zeigend. In ihrer Rechten loderte, Unheil und Verwüstung drohend, eine Fackel mit blutigrotem Scheine, und mit dem Zeigefinger ihrer Linken deutete sie auf ein vor ihr stehendes Pulverfaß. -- Todesschauer schien die Kelchner gelähmt zu haben, und dieser wollte auch dann nicht von ihnen weichen, als ein brausendes Getöse sich gegen die Burg hinanwälzte, und endlich ein Haufen sich gesammelten, bewaffneten Landvolkes, entrüstet über die unmenschliche Verheerung ihrer Heimat, angefeuert durch die Not der verlassenen Jungfrau, zum Entsatze herbeieilte und die blutdürstigen Räuber mit leichter Mühe überwältigte. Zdenka stand noch immer, wie ein Engel des Todes, drohend vor der Pulvertonne. Erst als sie sich gerettet sah, fiel sie, inbrünstig dem Himmel für ihre Rettung dankend, auf ihre Knie. Die ruhmwürdige Jungfrau hätte eher die Burg in die Luft gesprengt, als sich den Taboriten ergeben, da sie voraussah, daß Entehrung und grausame Behandlung ihrer warte.
743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgszeitung 1882, S. 29.)
Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des siebenjährigen Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein bei Bleistadt Vater und Sohn vor dem Kienfeuer sitzend in einem lauten Gespräche begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren hochinteressant, denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine Hände, welche sich mit Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und hörte lange Zeit mit gespanntester Aufmerksamkeit auf das, was sein Vater, ein alter, verdienter Soldat, von seinen Feldzügen gegen den hartnäckigsten Feind Maria Theresias mit großem Eifer und dramatischer Lebendigkeit zu erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund gesprächiger denn je, denn eine österreichische Truppenabteilung, bei deren Anblick sich des Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten, war seit wenigen Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte sich für die Nacht eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder wurde Michel zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am liebsten gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte Bekanntschaft machen können.
»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert in die Stube warf, »heraus mit euch, oder das Feuer wird schnelle Beine machen!«
Auf seinem Stelzfuße hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat einem Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von ihm zu erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen, wie stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Veteran erwiderte, daß er dieses alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte Drohungen und arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande bewogen, konnten den braven Mann veranlassen, zum Verräter zu werden, so daß die Preußen diesen entschlossenen Leuten gegenüber einen andern Weg einschlugen, um zum Ziele zu gelangen.
Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel gezwungen wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib einen Strick, dessen Ende der Befehlshaber selber in die Hand nahm, wobei er drohend und nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst links zwei Schritte neben mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten. Zwei Mann mit gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus, ebenso viele hinten und an den Seiten, die Mannschaft folgt, sechs Schritte entfernt, nach. Du führst uns den nächsten Weg zu dem Lager der Österreicher und wenn irgend ein Wort meiner Befehle übertreten wird, so werden dich meine Leute augenblicklich niederstoßen.« Der arme, bedauernswerte Michel leistete anfangs mit stürmischem Herzpochen, was man von ihm verlangte; allmählich wurde er aber ruhiger, dachte nach und machte endlich den Versuch die verhaßten Preußen irre zu führen, um die Soldaten seiner Kaiserin zu retten. Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald gemerkt; denn dieser zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins Ohr: »Wenn wir in einer halben Stunde die Österreicher nicht haben, stirbst du eines martervollen Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg mehr und entschlossen bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade auf das Lager der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die unheimliche Stille, das raubtierartige Gebahren seiner schlagfertigen Begleiter hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute von seinem Vater erzählten Kriegsthaten seine Thatkraft zeitigte und den kühn gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten die Vordermänner eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben wollte, lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe sein, weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum Stillstande gab. Diesen Moment benützte der Bursche, sprang wie ein Luchs auf den Befehlshaber und ihn am Halse fest umschlingend, schrie er aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla, die Feinde!« Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß seinen Mund auf ewig verstummte, dessen Rufe die kaiserliche Mannschaft rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat betäubten Preußen einen leichten Sieg verschaffte.
744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.
(Brandner, Lauenstein. 1845. S. 24 und 25.)
Das Schloß Lauenstein, welches früher Löwenstein hieß, hatte wie andere Burgwarten einen markgräflichen Hauptmann. Durch die Räubereien dieser Hauptleute aber erhielt Lauenstein später den Ruf eines Raubschlosses. Einer dieser Hauptleute, mit Namen Gecko oder Jecko, war wegen seiner räuberischen Streifzüge, die er zuweilen bis an die Elbe ausdehnte, besonders gefürchtet. Bei einer solchen Gelegenheit bekam er die Gemahlin des Burggrafen Otto von Dohna und deren Tochter Edda in seine Gewalt, und er ließ beide, da Otto das schwere Lösegeld nicht aufbringen konnte, in schmählicher Gefangenschaft schmachten. Erst, nachdem Otto die Burg Lauenstein hart bedrängte, erhielten sie ihre Freiheit wieder. Aber Ottos Gemahlin genoß die Freude des Wiedersehens nur auf Augenblicke, denn als ihr Gemahl herbeieilte, um sie zu empfangen, erlag sie, durch lange, harte Gefangenschaft, durch Harm und Kummer geschwächt, der Wonne herzlicher Bewillkommnung. Sie starb in den Armen ihres Gemahls.
Der Hauptmann Gecko aber fand später ein elendes Ende, das man, wie die alte Nachricht hinzufügt, für ein hartes Strafgericht Gottes halten mußte.
Als Geckos kleiner Sohn an dem Rande des Zwinggrabens spielte, stürzte er, nach Blumen langend, in denselben hinab. Gecko, dies gewahrend, eilte behende herbei, um zu helfen, glitt indeß aus, stürzte hinab, blieb aber an einem Pfahle hängen und spießte sich denselben in der Hüfte zwischen Wamms und Brustschild durch den Leib, woran er elendiglich seinen Tod fand. Der Knabe aber ist ohne Fehl wieder herausgekommen.
745. Der treue Haberberger von Freiberg.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 43.)
Als Markgraf Friedrich der Freidige, vom Kaiser Adolf besiegt, elend im Lande umherzog, kam er, von einem einzigen Diener begleitet und unerkannt in eine Schmelzhütte, in welcher ein Freiberger Bürger, namens Haberberger, einen starken Blick Silber abtrieb. Als er nun gefragt, wem so viel Silber zustände und darüber berichtet worden war, hat er den Haberberger allein vor die Hütte geführt, sich zu erkennen gegeben und ihn um das Silber angesprochen. Haberberger hat ihm dies nicht allein willig zugestellt, sondern ihm auch versprochen, daß er ihm nach wenig Tagen, wenn er es geschmolzen, noch mehreres geben wolle. Markgraf Friedrich nahm es mit Dank an, und da ihm in der Folge noch mehrere reiche Bürger heimlich von ihren Ausbeuten zuschickten, warb er neues Kriegsvolk an, mit dem es ihm gelang, in seinem Lande wieder festen Fuß zu fassen. Er konnte sich um so mehr darin behaupten, als bald darauf der Kaiser abgesetzt wurde und in einer Schlacht mit seinem Gegenkaiser sein Leben einbüßte. Haberberger aber wurde reichlich beschenkt und erhielt mancherlei Freiheiten.
746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freidigen das Leben.
(Moller a. a. O. II. S. 47.)
Im Jahre 1305 ist der Kaiser Albrecht nach Altenburg gekommen und hat Markgraf Friedrich den Freidigen zu sich entbieten lassen, ihn auch freundlich aufgenommen und zu seiner Tafel gezogen, allein heimlich hat er einen Meuchelmörder bestellt gehabt, der plötzlich ins Tafelzimmer hineinsprang und einen Stoß auf den Markgrafen führte. Als dieses seine Diener sahen, ist der eine, so ein Bürger von Freiberg gewesen, ihm in den Stoß gefallen, dabei aber tötlich verletzt worden, die andern aber haben zu ihrer Wehr gegriffen und teils den Thäter in Stücke gehauen, teils ihren Herrn aus der Gefahr vom Schlosse hinweg und am folgenden Tage in fremden Kleidern aus der Stadt gebracht, worauf er sich nach Pegau gerettet hat.
747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.
(Nach Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I. S. 91 in Gräße, Sagenschatz d. K. S. No. 244.)
Der König von Ungarn Matthias ist den deutschen niemals sonderlich hold gewesen, also daß er sich mehrmals öffentlich hat vernehmen lassen, er wolle den Türken einen Paß durch sein Land vergünstigen, Deutschland zu überfallen. Gleichwohl hat er immer deutsches Volk an seinem Hofe gehabt und in seinen Kriegen gebraucht, und so ist denn auch ein Ritter von Bärenstein in seine Dienste gekommen. Nun trug es sich zu, daß der König einmal auf dem Schlosse zu Ofen spazieren ging, und wie er dabei an die Löwengrube kommt, so forderte er den von Bärenstein zu sich, befiehlt, dem Löwen Fleisch zuwerfen und redet darnach den von Bärenstein an, er solle doch, da er so kühn sei, den Löwen vom Fleische wegjagen. Wiewohl nun der Ritter leicht abnehmen konnte, wie solches gemeint sei und was ihm für Gefahr bevorstehe, wenn er es unternehmen wolle, so hat er doch, um allen Unglimpf zu verhüten und abzuwenden, sein Leben nicht zu sparen gedacht, seinen Mantel um den linken Arm gewickelt, das Schwert in die rechte Hand genommen und ist also in die Grube auf den Löwen zugegangen. Wie dieser ihn ansichtig worden und sein unerschrockenes Gemüt gemerkt, hat er seiner nicht erwarten wollen (wie es denn die Natur dieses Tieres sein soll, daß es denen weicht, so es an Kühnheit übertreffen), und also hat der Ritter von Bärenstein das Fleisch genommen und dem König überbracht, nicht ohne dessen sowie des ganzen Hofes große Verwunderung. Ob nun wohl der König sich darauf ganz gnädig gegen ihn bezeigt, hat jener doch bald Abschied genommen und sich aus seinen Diensten begeben.
748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847. S. 83.)
Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über Olbernhau und Sayda durch das Gebirge herunter nach Oederan zog, galt es besonders dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der Gefangenschaft entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg wohnte. Täglich wurde jetzt dieses Schloß 3 Wochen lang von den Hussiten gestürmt. Da rettete den geängstigten Schönberg sein Knappe durch einen unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor dem Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine, auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunkeln Nacht durch den Forst auf die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten nach und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten beinahe eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in der Morgendämmerung diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter, welcher ihm sein weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er vor den mit heransprengenden Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb des Thores aber verließen den Ritter die Kräfte; auf der Meißner Gasse stürzte er mit dem Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen. Auch diese Stelle ward mit einem Steine, den man später an die Stadtmauer gelehnt hat, zum traurigen Andenken bezeichnet.
749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Oederan.
(Staberoh, Chron. der Stadt Oederan. 1847. S. 36.)
Im Bruderkriege wurde die Kirche zu Oederan von Herzog Wilhelms wilden, meist böhmischen Kriegern völlig ausgeraubt. Vom völligen Feuerruin wurde sie nur dadurch gerettet, daß, als die Räuber mit den Pechkränzen schon nach dem Gotteshause liefen, ein adeliges Fräulein, Hertha von der Planitz, in die Kirche eilte, das Marienbild vom Altare nahm und dieses dem Feldhauptmann Cuno von Witzleben, der zu Pferde vor der Kirchthüre hielt, mit den Worten zeigte: »Halt ein, du Gottloser! Diese Heilige wohnt in dieser Kirche, und wird dich bei ihrem Sohn verklagen. Ich trage sie zurück in ihr Heiligtum und werde mich selbst mit ihr verbrennen lassen!« Der Feldhauptmann ließ zwar die Pechkränze wieder wegtragen, doch nun die Thüre der Kirche erbrechen und diese ausrauben; jedoch befahl er, jenes heldenmütige Edelfräulein mit ihrem Marienbilde zu verschonen. Dies geschah 1447.
750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« im Zellwalde bei Nossen.
(Alfr. Moschkau, Geschichte des Benediktinerklosters St. Walpurgis im Zellwalde. 1874. S. 8. ~Saxonia~ I. S. 172.)
Das im Jahre 1540 als Wallfahrtskirche eingegangene Mönchsklösterlein »alte Zelle« im Zellwalde soll nach der Sage ein +Nonnen+kloster gewesen und erst im dreißigjährigen Kriege eingegangen sein. Als Banner Freiberg vergeblich belagert hatte und seinen Zug gegen den Zellwald nahm, soll ihm die Aebtissin einen Boten entgegengesandt und für die Schonung des Klosters versprochen haben, ihm den Weg von Freiberg bis hierher mit Silbergulden zu belegen. Banner aber habe geantwortet, er wolle sich das Geld schon selber holen. Endlich sei er gekommen, habe das Kloster ausgeplündert und die Gebäude dann niedergebrannt.
Eine Sage erzählt noch, daß dieses Nonnenkloster mit dem Mönchskloster Altzelle bei Nossen durch einen unterirdischen Gang verbunden gewesen sei. (Merkel und Engelhard, Erdbeschreibung von Kursachsen, 2. B. S. 117.)
751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~. S. 672.)
In ganz Deutschland ist in keiner Zeche jemals mehr gediegen Silber gehauen worden, als in St. Georgen zu Schneeberg. Von dem Herzog Albrecht, dem teuren und hochberühmten Helden, wird gemeldet, daß er auf diesem St. Georg (1477) angefahren und darin auf einer verschrämten großen, gediegenen Silberstufe, woraus später 400 Centner Silber gewonnen wurden, wie auf einem Tische mit etlichen seiner Räte Tafel gehalten, auch unter andern diese nachdenklichen Worte gesagt habe: »Unser Kaiser Friedrich ist zwar gewaltig und reich, ich weiß aber doch, daß er jetzo keinen solchen stattlichen Tisch hat.«
In der Bergamtsstube auf dem Rathause zu Schneeberg wurde lange nachher noch der Sattel aufbewahrt, auf welchem Herzog Albrecht in den St. Georg und später auch Kurfürst Johann Friedrich auf dem Fürsten-Vertrag eingefahren war.
752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.
(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge. Dresden, 1847. S. 205.)
Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere Teil des angrenzenden Ortes Rothensehma führt. Im engsten Sinne ist der Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen Vorrechten, auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer Volkssage soll hier (und nicht am Fürstenberge bei Grünhain) des Prinzen Albert Errettung aus den Händen Kunzens von Kauffungen 1455 geschehen sein. Noch zeigt man im Westen, diesseits eines alten Marmorbruchs, den Fürstenbrunnen, und im Süden die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige Köhler Schmidt, der Triller genannt, sich aufhielt, welcher später die Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße den Kretscham (Gasthof) anzulegen.
753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.
(Nach Berkenmeyer, ~Cur. Antiquarius~ S. 652 und W. Schäfer, Der Prinzenraub, S. 50; bei Gräße a. a. O. No. 528.)
Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, dem Ritter Kunz von Kauffungen, durch Gottes Hülfe glücklich entronnen waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:
Kuntz Kauffung der viel wilde Mann, Im Meißnerland ist kommen an, Wohl auf das Schloß zu Altenborg, Sehr frech und kühn ohne alle Sorg, Dem Fürsten allda seine Kind, Entführt hat listig und geschwind, Der Kleider noch sie hängen seht, Ein jeder der fürüber geht, Die dazumahl bald nach der That, Der Vater hergehänget hat.
Die gegenwärtig in der Pfarre von Ebersdorf aufbewahrten Kleider der Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.
754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.
(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ II. S. 71.)
Die Steinbrücke, die sich unterhalb des Schlosses Nossen über die Mulde wölbt, steht auf der Stelle einer uralten Furt. Noch Anfang vorigen Jahrhunderts mußte man, um von Meißen her in die Stadt zu gelangen, diese Furt passieren und es gehörte zu deren eifrigsten Frequentanten längere Zeit August der Starke, den die Liebe oft auf das nahe Rittergut Keseberg trieb. Da traf es sich denn einmal, als sein Sehnen groß und er dem Ziele so nahe war, daß er ratlos mit seinem Gefolge an der Mulde rasten mußte, weil der Strom geschwollen und es kein Vorwärts gab. Um nicht wieder in solche fatale Lage zu geraten, ordnete August der Starke sofort den Bau der heutigen Muldenbrücke an.
755. Kunigunde Mathesius von Oederan.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 123 etc.)
Im Jahre 1572 befand sich Kurfürst August mit seiner Gemahlin Anna auf der Augustusburg. Nach wenigen Tagen schon stellten sich bei der Kurfürstin Zeichen ein, welche eine schnelle Abreise bedingten. Sie wünschte sogleich fort und nach Freiberg geschafft zu werden, wohin ihre Frauen, das Nötige zu ordnen, sämtlich vorauseilten. Es war spät am Abend und eine finstere Herbstnacht, als August und Anna ganz allein diesen nachfolgten. Der kürzere Fürstenweg sollte sie schnell nach Freiberg führen. Allein am Tannichtholze war die Kraft der Kurfürstin am Ende. Der Kutscher wußte jedoch Bescheid und lenkte auf sanftem Feldwege sogleich nach Oederan ein. Hier lag alles nach tags vorher gefeiertem »Mariä Geburtsfeste« in tiefem Schlafe. Der schwerfällige Wagen bewegte sich langsam bis nach dem Obermarkte herauf, wo an der Ecke eines Hauses, des jetzt Oehme'schen, No. 108, noch ein Lichtlein durchs Fenster leuchtete. Dahin wünschte Anna so heimlich als möglich gebracht zu werden. Der Hauswirt Jakob Mathesius, seines Gewerbes ein Schlosser, war mit seiner Tochter Kunigunde eben von einem Kindtaufsschmause heimgekehrt und letztere vor dem Spiegel beschäftigt, ihren orientalischen Patenschmuck abzulegen, als ein leises aber freundliches Rufen sie vor die Thüre lockte. Zwei Worte reichten hin ihr zu sagen, wem und wie sie hier zu helfen habe, mit gewandtem Anstande führte sie die Landesmutter in ihr Schlafzimmer, rief die erfahrene Hausfrau herbei, ordnete die nötige Hausarznei und schwatzte die sich erholende Anna in den ihr so nötigen Schlaf, bei der das kluge Jüngferchen wie bei einer Mutter sorgliche Wache hielt, indeß der Landesvater in der Wohnstube sich von dem verblüfften Vater die Wahrheit sagen ließ.
Eine zweistündige Ruhe der gestärkten Fürstin ermutigte diese zu dem Wunsche, sogleich weiter zu reisen und den Gemahl herbeizurufen. Von der Gemahlin unterrichtet, was und wie viel sie dem Mädchen danke, fühlte der Kurfürst sich diesem verpflichtet und hielt der Bescheidenen die volle Börse hin. Mit edlem Stolz aber trat Kunigunde, den Reichtum abweisend, zurück und sagte: »Mir genügt an der ehrenvollen Gnade und dem Heil, das unserm Hause wiederfahren ist, und an der Aussicht«, dabei auf die Kurfürstin deutend, »für diese Gesegnete des Herrn bald vielleicht knieend diesen meinen Dank zu bringen!« »Sie hat Recht!« rief, sich erhebend, die Kurfürstin, drängte den Gemahl mit seinem Golde zurück und schloß das edle Mädchen in ihre Arme, den zweideutigen Sinn ihrer Worte recht gut fassend. »An der Wiege meines Kindes wirst Du diesen Dank gen Himmel senden, und dahin mich sogleich begleiten!« Schneller als ihr Entschluß, dieser hohen Gnade und dem gütigen Wunsche zu folgen, waren die Reisekleider der entzückten Kunigunde herbeigeholt und nach wenigen Minuten fuhr sie mit ihren erlauchten Gästen zum Freiberger Thore hinaus, hinab nach Dresden, wo nach 4 Wochen die Überglückliche denselben orientalischen Patenschmuck am Taufpult der neugeborenen Prinzessin trug, welchen sie einst getragen hatte, als ihre hohe Gevatterin vor die älterliche Wohnung geführt wurde.
Die Kurfürstin verheiratete später diese Kunigunde mit einem Freiherrn von Voppelius.
756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.
(Merkels Erdbeschr. von Kursachsen, bearbeitet von Engelhardt, 2. B., S. 105.)
Als Kaiser Maximilian II. im Jahre 1648, da er noch Erzherzog war, den Kurfürsten August von Sachsen besuchte, ward von letzterem in dem großen Tharander oder Grillenburger Walde eine glänzende Jagd veranstaltet. Auf dieser Jagd kam der Erzherzog in eine zweifache Lebensgefahr. Denn ehe er sichs versah, gerieth er mit seinem unbändigen Rosse an einen steilen Felsenhang, wo nur noch ein Schritt zwischen Leben und Tod war, und als er dann, glücklich der Gefahr entgangen, wieder umkehrte, um den Jagdtroß zu erreichen, verirrte er sich beim Sinken des Tages im Waldesdickicht, und er mußte endlich froh sein, daß er die Strohhütte eines Waldhirten erreichte, in welcher er übernachten wollte. Den Hirten aber verblendeten die reichen Kleider des erlauchten Gastes, so daß er den Vorsatz faßte, diesen während seines Schlafes zu ermorden. Doch Maximilians Wachsamkeit und Mut vereitelten diesen Plan. Unterdeß war auch der Jagdtroß, welcher den Fürsten suchte, herbeigekommen, und als die Jäger erfuhren, in welcher Gefahr Maximilian geschwebt hatte, schleppten sie den Hirten mit fort. Derselbe wurde sehr bald hingerichtet, seine Waldhütte aber wurde verbrannt.
757. Die Sühne des Ritters Conrad von Theler.
(Ed. Gottwald in den Mitteilungen des K. S. Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer, 13. Heft, Dresden, 1863, S. 52.)
Über das Geschlecht der Edlen von Theler, sowie über deren reiche Silberzechen im Thale der wilden Weißeritz sind gar manche Sagen dem Anscheine nach seit Jahrhunderten im Munde des Volkes, und vorzugsweise die Sage vom Ritter Conrad von Theler, welcher seinen Hauspfaffen am Sonntage Oculi 1332 in der Sakristei der Burgkirche erstochen haben soll, weil dieser ihn von der Kanzel herab verflucht und von dem reichen Bergwerkssegen immer zu viel für die Kirche verlangt habe. Nach jener verbrecherischen That sei Conrad nach Jerusalem gezogen, um dort am heiligen Grabe Buße zu thun, und habe, als er am 5. Juli 1334 zurückgekehrt sei, von Höckendorf an sieben Bet- oder Marter-Säulen setzen lassen, von welchen gegenwärtig noch drei vorhanden sind, deren erste nahe am neuen Höckendorfer Kirchhofe steht. Auch habe derselbe den wertvollen Altarschrank bauen lassen, der gegenwärtig noch die dortige Kirche schmückt, und dessen reiche Vergoldung aus dem Goldbergwerke gewonnen sei, welches Conrad in der Höckendorfer Heide besessen.
Die Höckendorfer Kirchennachrichten vom Jahre 1846 bringen hierüber Conrads von Theler eigene Worte, welche einer Urkunde entnommen sein sollen. Sie heißen: »Was ich mitgebracht hatte, das wollte der Pfaff hineinschlucken, welches mir aber nicht anstund; weil nun das Verfluchen auf der Cancel auf mich losging und er mich so sehr verfluchte, sagte ich zu ihm: was habt ihr mich und mein Haus zu verfluchen, da Christus ja auch für mich gestorben und wieder auferwecket von den Toden, zu sitzen zu der rechten Hand Gottes und vertritt uns.
Es war der Sonntag, an welchem das Evangelium: Jesus trieb die Teufel aus: Luc. am II. (am Sonntage Oculi) gepredigt wurde, Anno 1332, als ich den Pfaffen erstach und sogleich nach Jerusalem reiste, wo ich die heilige Stätte abmas, und als ich wieder nach Hause kam, ließ ich vom Dorfe Cunnersdorf an steinerne Capellen setzen, welche soviel auseinanderstanden, als unser Heiland mit dem schweren Kreuze gegangen ist, ehe er ausruhete, in jeder Capell stehen die sieben Buchstaben ~christus~, welches Alles in unserem Herrn Jesu zu einem Gelübde gethan habe. Ich Cunrad Theler habe auch den 5. Juny 1334 den hohen Altar zu Höckendorf zu bauen angefangen, welcher den 6. October 1337 fertig worden ist, das Schnitzwerk ist aus Wien kommen und kostet 5000 Thaler und das Gold mit Vorhängen 24000 Thaler, und den 3. November ist selbiger durch einen Cardinal aus Rom geweihet worden.«
Diese Urkunde ist jedenfalls unecht, denn sowohl Moller in seiner Freiberger Chronik als auch König in seinem Adelslexikon, welche beide die Thelersche Reise nach Jerusalem mitteilen, erzählen nichts von einem Priestermorde, als der Veranlassung zu jener Wallfahrt. Vielmehr heißt es in dem angeführten Adelslexicon von Conrad Theler, daß derselbe gottesfürchtig, andächtig, im Glauben beständig und gegen die Kirche ehrerbietig gewesen sei. (Sachsengrün, 1860, S. 21.)
758. Der treue Rat von Freiberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Pros. Anhang, No. 8.)
Die Söhne Friedrichs des Streitbaren, Kurfürst Friedrich und Herzog Wilhelm, hatten über ihre Länder einen Teilungsvertrag geschlossen, nach welchem die Stadt Freiberg beiden zugleich angehörte. Als nun zwischen den beiden Brüdern der Krieg ausbrach, welcher gegen sechs Jahre währte, da war die arme Stadt oft in Kümmernis, denn zwei Herren, die sich befehden, durch Treuschwur zugleich unterthan zu sein, das ist gar ein schlimmes Ding.
Im Jahre 1446 kam Kurfürst Friedrich, vielleicht nur, um die Treue der Bürger zu erproben, mit starker Heeresmacht nach Freiberg, hielt auf dem Markte Lager mit seiner Ritterschaft und ließ durch einen Herold ausrufen, »daß der Rat und die Bürgschaft bei Verlust Gutes und Lebens ihm allein huldigen, seinen Bruder verschwören und wider denselben ihm zu Hülfe thun sollten.« -- Da gingen die Herren des Rates zusammen und hielten voller Ängsten einen Rat, was zu beginnen sei und konnten nichts Erfreuliches ersinnen, denn entweder sie mußten den Treuschwur am Herzog Wilhelm brechen, oder die Stadt war der Zerstörung durch den Zorn des Kurfürsten Friedrich gewärtig. Also waren sie in großen Nöten, wählten aber dennoch das beste Teil. -- Als der Herold zum dritten Male rief, gingen sie barhäuptig, je zwei und zwei, vom Rathause auf den Markt, jeder seinen Sterbekittel am Arme tragend, und traten vor den Kurfürsten, um den seine Ritter einen Kreis geschlossen hatten. Nikol Weller von Molsdorf, der Bürgermeister, aber nahm das Wort und sprach: »Wir und die ganze Stadt sind so bereitwillig als schuldig, Euch, unserm gnädigsten Herrn, untertänigst zu gehorsamen, und ist uns gegenwärtige Trennung unserer beiden Fürsten ein herzliches Leidwesen; aber weil wir dem Herzog Wilhelm, Eurem Bruder, mit gleichen Pflichten verhaftet und solcher von ihm noch nicht entlassen sind, also auch mit gutem Gewissen keinem Teil Schaden zufügen können, so bitten wir um Gotteswillen, Ihr wollet uns doch dabei lassen und zu keinem Widrigen zwingen. Wenn es nicht gegen den Bruder ginge, so wollten wir gern Leib, Ehre und Gut für Euch zusetzen; aber dafern Ihr, was Gott verhüte, in uns dringen wollt, so gedenken wir lieber zu sterben, als uns in solche Seelengefahr zu stürzen, und ich will gern der Erste sein und mir meinen alten, grauen Kopf abhauen lassen!« Durch diese Rede erweicht, warf der Kurfürst sein Roß herum, ritt zu Wellern, klopfte ihm auf die Achsel und sagte freundlich: »Nicht Kopf weg, Alter! nicht Kopf weg! wir bedürfen solcher ehrlicher Leute noch länger, die ihr Eid und Pflicht also in acht nehmen!« -- Hierauf lobte er die Treue der Stadt und ermahnte die Ratsherren und Bürger, darinnen zu verharren und furchtlos zu sein, denn er stehe gern ab von seinem harten Begehren.
759. Erfindung des Spitzenklöppelns.
(Aug. Diezmann im Album fürs Erzgebirge, Leipzig, 1847, S. 133.)
Ziemlich allgemein setzt man die Erfindung des Spitzenklöppelns durch Barbara Uttman in das Jahr 1561, ohne einen haltbaren Grund dafür angeben zu können; wahrscheinlich war in jener Zeit die neue Kunst schon so weit vervollkommnet und erleichtert, daß sie von da an allgemeinen Eingang fand. Dies muß der Fall gewesen sein, denn als 1568 eine bösartige Krankheit in Annaberg herrschte, sollen allein in dieser Stadt gegen 800 Spitzenklöpplerinnen gestorben sein.
Barbara Uttmann war die Tochter des Fundgrübners Hans Heinrich von Elterlein und wurde im Jahre 1514 geboren. Schon frühzeitig zeichnete sie sich durch eine seltene Geschicklichkeit in allen weiblichen Arbeiten und namentlich in der Verfertigung von Spitzen mit der Nadel aus. Die Sage erzählt nun:
Ein junger Mann aus der damals berühmten Familie Uttman, welche durch den Bergbau große Schätze erlangt hatte, sah Barbara, verliebte sich in sie und wurde, als er ihr die Gefühle seines Herzens entdeckte, durch das Geständnis der Gegenliebe beglückt. Die Eltern der jungen Liebenden hatten gegen die Verbindung derselben nichts einzuwenden und die Zeit der Vermählung wurde festgesetzt. Die Männer trugen zu jener Zeit breite gestickte Hemdkragen und Barbara wünschte ihren Bräutigam am Hochzeitsfeste mit einem selbstgefertigten Spitzenkragen zu überraschen. Sie sann und grübelte deshalb noch eifriger als sonst über die neue Art der Spitzenbereitung, mit der sie sich schon lange beschäftigt hatte; sie versuchte wohl tausenderlei, steckte Nadeln fest, schlang um dieselben die Faden und endlich brachte sie auf diese Weise glücklich ein Gewebe zu Stande, dem sie mit der Nadel die letzte Vollendung gab. So soll die erste geklöppelte Spitze entstanden sein, welche der Bräutigam der Erfinderin, Christoph Uttman, an seinem Hochzeitstage als Halskragen trug.
Eine andere Sage erzählt, daß Barbara in der Kunst des Spitzenklöppelns von einer Magd unterrichtet wurde, die aus Brabant entflohen war und in dem Hause des Herrn von Elterlein eine Zuflucht gefunden hatte.
760. Christoph Schürer.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 45.)
Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich sich verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber, wie man den Kobalt nannte, sich erhob, da kam Christoph Schürer, eines Apothekers Sohn aus Westphalen und landesflüchtig seines evangelischen Glaubens wegen, nach Schneeberg, wo er, als ein in der Chemie wohlerfahrener junger Mann, bald eine Anstellung bei den Hütten fand. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft gewann er die Liebe Anna's, der Tochter des Hüttenmeisters Rau, und bald auch durch sein einnehmendes Betragen das Jawort ihres Vaters, so daß die Hochzeit auf das nächste Bergfest bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, wären beinahe die Hoffnungen Schürers vernichtet worden. Bei seinen chemischen Forschungen war er nämlich auf den Gedanken geraten, den viel verrufenen Kobalt zu etwas Nützlichem umzugestalten. Er machte demnach im geheimen in einer Schmelzhütte in Oberschlema vielfache Versuche und trieb es damit oft die ganze Nacht hindurch so eifrig, daß er bald in den Verdacht der Alchimisterei und Schwarzkünstlerei gerieth. Als daher aus Platten in Böhmen, wo er sich bei seinem frühern Aufenthalte daselbst durch seinen Glauben Feinde und durch seine Kenntnisse Neider gemacht hatte, mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und Glaspartierer gewesen sei, und man seine Auslieferung forderte, gebot der Bergmeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der Schmelzhütte mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Frohn, ihn festzunehmen, fand aber die äußere Thür verschlossen, was er dem Bergmeister meldete. Diesen sowie den Hüttenmeister Rau und einige Geschworene trieb jetzt die Neugier mitzugehen. Die Thür ward aufgesprengt und mit freudefunkelnden Augen trat der Gesuchte den Eintretenden entgegen. Aber wie staunte er, als der Frohn ihn griff und ihm die Handschellen anzwang! Wie erschrak er, als ihn die Bergherren mit Vorwürfen überhäuften und ihn einen Zauberer, Dieb und Partierer schalten. Da rief er, schnell sich fassend, mit fester Stimme: »Männer prüfen, ehe sie entscheiden! Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier mit schwarzer Kunst, so tretet her! Seht, dies wollt ich gewinnen, und, Gott sei Dank, endlich ists gelungen! Ich meine, es soll dem Lande von großem Nutzen sein!« Mit diesen Worten reichte er ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehls hin. Die Bergherrn staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus er solche schöne blaue Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig und reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei. Auch machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach, alles zu thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu erweisen. Dies gelang auch dem wackeren Manne bald, und Schürer erhielt nun seine Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen blauen Farbe, die man anfangs nur blaues Wunder, später aber Schmalte nannte, zu großen Ehren, und als das Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters glücklicher Eidam.
761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit Gutem.
(Meißner, Umständl. Nachrichten von Altenberg, S. 19. Darnach Gräße, Sagenschatz, No. 232.)
Im Jahre 1522 haben eine Menge Leute zu Altenberg ein hölzernes Bild, das wie Luther angezogen war, gemacht, dasselbe vor ein aus fingierten Richtern und Schöppen gebildetes Gericht geführt, es wegen Ketzerei verklagt und verurteilt, und dann mit großem Geschrei und Lärm auf den Geisingberg geführt und am Sonntag Lätare an einem aus 25 Fudern Holz bestehenden Feuer verbrannt, nachdem vorher ein gewisser Bergmann darüber den Stab gebrochen und das Urteil gesprochen hatte. Zwanzig Jahre nachher kommen zwei Bürger aus Altenberg zu ~Dr.~ M. Luther gen Wittenberg und bringen ihm einen schönen Handstein von rotgüldenem Erze, worauf sie derselbe zu Tische bittet. Da sagte der Eine, sein Kamerad habe sich einst schwer an ihm versündigt, indem er sein Bild wie Johann Huß zum Feuer verdammt, später habe er aber die Wahrheit seiner Lehre erkannt, und bitte nun, da ihm solches von Herzen leid sei, demütig um Gnade und Verzeihung seines thörichten Unverstandes. Dem Luther gefällt die Rede und er sagt, weil solches Feuer ihm und seiner Lehre nichts geschadet, solle es ihm im Namen des Herrn vergeben und vergessen sein. Wie nun dieser Handel ein gut und ehrliches Gelächter gab, spricht der Absolvierte: »O Herr Doktor, ich danke Ew. Ehrwürden, aber ich hab noch eine große Schuld auf mir, bitte, Ihr wollet mich auch davon absolvieren, denn ich armer Bergmann habe mich bei der Zeche verpufft und bin an die 500 Gulden schuldig.« Da sagt der Luther: »Ihr Bergleute, wenn Ihr am ärmsten seid, blüht Euer Glück, denn da haltet Ihr an und sehet selber zu Euern Zechen, und Not lehret Euch beten, zur Kirche gehen und nüchtern und mäßig sein, darum wisset Ihr selber nicht, wie reich Ihr seid. Ziehet heim und arbeitet treulich und handelt redlich und glaubt und hofft an den Allmächtigen, den rechten Erzschaffer im Namen seines Sohnes, der Silber und Gold ins Fisches Mund sprach (Matth. 17) und läßt immer Erz wachsen und giebts zu rechter Zeit denen, die in ihren Zechen anhalten und bei ihm im Gebet aushalten. Der reiche Gott wird mit Euch sein, auf seinen reichen Segen und milde Hand absolviere ich Euch von aller Eurer Schuld.« Ehe dieser Bergmann wieder zu Hause kommt, erhält er Botschaft unterwegs, man habe in seiner Zeche auf dem seligen Asar gut Erz angetroffen; da löst er Geld und giebt Ausbeute und zahlt alles ab und behält noch Überlauf.
762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.
(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 242.)
Als die Hussiten im Jahre 1429 durch das Land Meißen zogen und alles mit Mord und Brand verwüsteten, kamen sie auch in das sächsische Hochland und zwar in die Nähe des in einem der tiefsten und schönsten Thäler Sachsens liegenden Städtchens Gottleuba. Schon brachten Flüchtige aus Liebstadt die Nachricht, daß das feindliche Heer im Anzuge sei, und um in die benachbarten Berge zu flüchten, schien die Zeit zu kurz, wenn es nicht möglich werde, dasselbe eine Zeitlang zu beschäftigen. Da rief der Bürgermeister rasch die ratlosen Bürger auf dem Markte zusammen, und forderte sie auf, freiwillig zurückzubleiben und sich den Hussiten entgegen zu werfen, auf daß Greise, Weiber und Kinder indeß Zeit zum Entrinnen gewinnen könnten. Obwohl sich aber fast alle Männer bereit erklärten, so wählte der tapfere Mann doch nur dreizehn Unverheiratete aus und zog mit ihnen, nachdem sie von den Ihrigen auf Nimmerwiedersehen Abschied genommen, den Feinden entgegen. Sie besetzten eine steile Bergspitze, bei welcher dieselben vorüber mußten, wenn sie zur Stadt wollten, und als ihnen die Hussiten einen Gesandten entgegenschickten, der sie zur Übergabe auffordern sollte, wiesen sie ihn mutig zurück. Nun rückten jene mit ihren ganzen Massen heran, um sie von ihrem Posten zu vertreiben, allein sie widerstanden männiglich, und erst nach Verlauf von drei Stunden, als keiner der Vierzehn mehr am Leben war, ward der Paß frei und die Feinde drangen über die Leichen der tapfern Bürger ins Thal herab; allein sie fanden niemanden mehr im Städtchen, denn jener Aufenthalt hatte alle gerettet. Die waldige Höhe aber, wo jene so wacker gestritten, heißt noch jetzt die vierzehn Nothelfer, obwohl manche diesen Namen von einer einst dort gestandenen Kapelle (die 12 Apostel, die Jungfrau Maria, Johannes der Täufer oder Joseph führen in katholischen Ländern den Namen der 14 Nothelfer) herleiten wollen, die übrigens recht gut zum Andenken an jene Begebenheit erst erbaut sein könnte, um so mehr, als jene 14 hier begraben sein sollen. Eine andere, südlich von der Stadt gelegene Anhöhe, welche jenen Bürgern als Ausguck gedient haben soll, heißt von derselben Begebenheit noch jetzt die »schnelle Gucke«.
Als die 14 Nothelfer galten anderwärts auch Jesus, die 12 Apostel und irgend ein Heiliger, welchen der Bischof bezeichnete. Diesen 14 Nothelfern war z. B. ein uraltes Wallfahrtskirchlein auf der kahlen Höhe bei Reichstädt geweiht; der Heilige war daselbst St. Nikolaus. (Monatsbeilage zur Weißeritzzeitung, 1884, No. 5.)
763. Harras der kühne Springer.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen. No. 327. Sachsens Kirchengalerie 8. B. S. 118.)
Zwischen Frankenberg und Lichtenwalde an der Zschopau befindet sich ein hoher Fels, der Haustein genannt. Am 28. Mai des Jahres 1499 ist der Ritter von Harras, Besitzer von Lichtenwalde -- seine Familie besaß dasselbe bis 1561 -- in einer Fehde von seinen Feinden in der Nähe desselben überfallen und so verfolgt worden, daß ihm kein anderer Weg zur Rettung übrig blieb, als mit seinem Rosse von der Spitze des hohen Felsens, der den Namen Haustein trägt, in den unten vorbeiströmenden Zschopaufluß zu springen. Dieser kühne Sprung von einer Höhe von mehr als 100 Ellen ist ihm auch geglückt, und da er eine Tiefe von 10 Ellen Wasser im Flusse getroffen, hat derselbe weder ihm, noch dem Rosse Schaden gebracht, sondern beide haben das gegenüberliegende Ufer glücklich erreicht und später im Schlosse zu Lichtenwalde Schutz gefunden. Der Ritter aber hat nach der Kapelle zu Ebersdorf und dem dort befindlichen Gnadenbilde eine Wallfahrt gemacht und zum Andenken daselbst ein großes silbernes Hufeisen hinterlassen, welches in der Kapelle aufgehangen, aber um 1529 gegen ein eisernes vertauscht worden ist. Dieses Hufeisen befindet sich an einem Balken in der Nähe des am mittleren Thore der Kirche zu Ebersdorf errichteten steinernen Standbildes eines Ritters Dietrich von Harras, der als der kühne Springer bezeichnet wird. Im Mai des Jahres 1801 ist am Rande der Zschopau, dem Haustein gegenüber, bei einer sehr alten Eiche ein Denkstein mit der Inschrift auf den beiden Hauptseiten: »Dem tapfern Springer, Ritter von Harras,« errichtet worden, auf dessen Nebenseiten ein Sporn und ein Hufeisen abgebildet wurden.
Bei den Brüdern Grimm (Deutsche Sagen, I. No. 332), welche Theodor Körners Nachlaß benutzten, lautet die Sage ganz einfach: Bei Lichtenwalde im sächsischen Erzgebirge zeigt man an dem Zschopauthal eine Stelle, genannt der Harrassprung, wo vor Zeiten ein Ritter, von seinen Feinden verfolgt, die steile Felsenwand hinunter geritten sein soll. Das Roß wurde zerschmettert, aber der Held entkam glücklich auf das jenseitige Ufer.
764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.
(K. W. Clauß, Führer auf der Fahrt durch das Weißeritzthal. 1883. 2. Aufl. S. 12.)
Kurz vor der Haltestelle Seifersdorf zwischen Hainsberg und Dippoldiswalde befindet sich auf dem jenseitigen Weißeritzufer der Trompeterfelsen, an welchen sich eine Art Harrassage knüpft. Ein sächsischer Trompeter wird von Oelsa her von Feinden hart verfolgt und steht plötzlich auf einer Waldblöße vor dem Abgrunde. Den Tod vor und hinter sich sehend, sprengt er über den Abhang in die Weißeritz. Sein Pferd zerschellt, er aber kommt mit dem Leben davon, steigt auf die dem Felsen gegenüber liegende Höhe und bläst dort ein »Nun danket alle Gott.« Die erbitterten Verfolger sandten ihm Schüsse nach und eine Kugel streckte ihn nieder.
Andere erzählen, die Kugel sei ihm zwischen Hand und Mund durch die Trompete gefahren, dieselbe unbrauchbar machend. Die Trompete sei in das alte Messing gewandert, das Loch aber noch in einem Altertumsmuseum zu sehen.
765. Der Kärrner zu Stollberg.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße a. a. O. No. 575.)
In der letzten Zeit vor dem 30jährigen Kriege lebte zu Stollberg eine Witwe mit ihrer Tochter in einem kleinen Häuschen am Ende der Stadt; das Häuschen war ihr von ihrem verstorbenen Ehemanne als einziges Erbe hinterlassen worden. Dem Hause gegenüber wohnte ein junger Mann, der seinen Unterhalt damit fand, auf den Dörfern mit verschiedenen Waren herumzuziehen, die er auf einem kleinen Wagen, welchen sein Hund zog, mit sich führte. Nun war der junge Mann längst der Tochter der Witwe gut gewesen und auch diese hatte ihn immer gern gesehen; da traf es sich, daß er gerade am heiligen Christabende mit ihr von seiner Liebe sprach und sie fragte, ob sie sein Weib werden wolle. Das Mädchen sagte freudig ja, und beide teilten der alten Mutter die frohe Neuigkeit mit und feierten so recht in Herzenslust den heiligen Abend. Allein plötzlich sprang der Kärrner auf und erklärte, er könne nicht länger bleiben, er müsse noch in das benachbarte, 1½ Stunde von der Stadt gelegene Wittendorf, das später durch den Krieg zur wüsten Mark ward, um dorthin bestellte Waren zu schaffen. Zwar bat ihn seine Braut, nur diesen Abend zu bleiben, es sei ihr so ängstlich zu Mute; allein der Kärrner lachte sie aus und meinte, es sei ja Mondenschein, er habe den Weg schon so viele male bei schlechterem Wetter und im Finstern gemacht, er werde ihn also auch heute nicht verfehlen. Er ließ sich nicht halten, sein Mädchen aber setzte sich traurig an den Spinnrocken und versuchte sich die Zeit mit Spinnen zu vertreiben. Aber in ihrer Herzensangst kamen ihr häßliche Bilder vor, die Spindel und das Garn schienen ihr blutig zu sein, und es war ihr, als spinne sie ihr Leichenhemde. Sie nahm also das Gesangbuch und die Bibel zur Hand, allein alles half nichts, es wollte keine Ruhe in ihr ängstlich schlagendes Herz einziehen. Endlich hörte sie die Glocke zur Frühmette läuten und sie eilte hinaus, um zu sehen, ob ihr Bräutigam zurückgekehrt sei; allein weder jetzt noch nach dem Schlusse der Mette ließ er sich sehen. Endlich hatte sie keine Ruhe mehr, sie bat einen ihr freundlich gesinnten Nachbar sie nach Wittendorf zu begleiten, um dort zu hören, ob ihrem Geliebten etwas zugestoßen sei. Als sie aber dort ankamen, hörten sie, derselbe sei zwar dagewesen, aber schon seit Mitternacht wieder fortgefahren, und sie konnten also nicht mehr zweifeln, daß ihm ein Unglück begegnet sei. Auf dem Rückwege verfolgten sie nun die Spur, welche der Kärrner mit seinem Wagen hinterlassen hatte, und dieselbe führte sie auch deutlich nach einer morastigen, aber grundlosen Stelle eines den Stollbergern unter dem Namen des Walkteiches bekannten Weihers, wo sie auf einmal aufhörte. Jetzt konnte die Arme nicht mehr an dem Schicksale ihres Bräutigams zweifeln, sie kehrte trostlos in das Städtchen zurück und sprach im halben Wahnsinn zu ihrer alten Mutter, in drei Monaten werde sie ihr Bräutigam zur Trauung abholen, bis dahin müsse sie sich ihr Hochzeitskleid spinnen. So spann sie denn emsig bis zum Osterfeste, und als die Mitternacht des Vorabends gekommen war, da dünkte es ihr, es poche jemand dreimal ans Fenster. Sie öffnete es und es schien ihr Bräutigam draußen zu stehen, zwar mit totenbleichem, aber himmlischfreundlichem Gesichte; er lud einen Myrthenkranz und Cypressenranken von seinem Wagen ab und verschwand. Kaum hatte sie ihrer bekümmerten Mutter von der Erscheinung erzählt, als sie auch schwer erkrankte, und es waren nicht 24 Stunden verronnen, da war das Mädchen entschlafen. Seit dieser Zeit sagt man aber, daß sich der Geist des Kärrners mit seinem Wagen und Hunde in den Gassen von Stollberg allnächtlich sehen lasse, und wo er vor einem Hause anhält und Kränze abladet, da wird jemand aus demselben drei Tage nachher begraben, und wenn jemand in der Stadt auf den Tod liegt, da sagt man: Dort hat der Kärrner abgeladen. Das Sumpfloch aber, worin er sein Grab fand, heißt noch heute das Kärrnerloch.
Aus den Akten über den Kärrner von Stollberg ergiebt sich folgendes: Er hieß Martin Schmidt aus Crottendorf und ertrank am 24. Dezember 1591 abends 6 Uhr im Ratsteiche, d. i. Walkteiche, zu Stollberg. Am 25. abends 4 Uhr ist er aufgefunden, durch den Scharfrichter herausgezogen, aufgehoben und »hinterm Städtlein an der Zwickschen Straße auf dem Scheidewege, am Viehweg nach Würschnitz zu« begraben worden. Solches ist vom Stollberger Schösser Lorenz Stuihler dem Beamten in Schwarzenberg, Seibold Werner, gemeldet und bei demselben, wahrscheinlich weil man in Zweifel war, ob der Mann ertrunken oder sich ertränkt hatte, angefragt worden, wie man sich dabei zu verhalten habe, da so ein Fall ihm weder bei seinen jetzigen, noch in seinen früheren Ämtern vorgekommen sei. Dieser hat darauf angeraten, sich darüber beim Amte Chemnitz, wo sich zweifelsohne solche Fälle schon zugetragen, im Vertrauen zu befragen. (Stollberger Anzeiger, 1882, No. 39.)
766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.
(Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirgs, I. 1822. S. 167 etc. Gräße, Sagenschatz etc. No. 478.)
Einst lebte in der Bergstadt Ehrenfriedersdorf ein junger Bergmann, namens Oswald Barthel, des alten Bergmanns Michael Barthel Sohn, der von seinen Vorgesetzten so geschätzt war, daß ihm der reiche Obersteiger Baumwald seine einzige Tochter Anna verlobte. Nun sollte er im tiefen Stolln »Gutes Glück« im Sauberge anfahren, um einen Durchschlag zu machen, welches wegen des entgegenstehenden Wassers unter die gefährlichsten Arbeiten des Bergbaues gehört. Er und diejenigen seiner Kameraden, welche die Reihe hierzu traf, traten nun, nachdem sie zuvor mit ihrem Steiger gebeichtet und das heilige Abendmahl genommen, am Tage St. Katharinä im Jahre 1508 die Fahrt mit einem herzlichen Glückauf! an. Als sie an dem gefährlichen Punkte angekommen waren, ward die Arbeit sofort in rolliger, sehr gebrechlicher Bergart betrieben und das Einstürzen der Firste durch Zimmerung verhütet. Die Last war groß, die auf dieser Zimmerung ruhte, und als der Steiger, etwas zurückstehend, eben eine Anordnung treffen wollte, hörte er ein heftiges Krachen in der Firsten-Zimmerung und im nächsten Augenblick ein gleiches. »Brüder, rettet Euch!« rief er schnell, »es macht einen Bruch!« Diesem Rufe folgten alle in der größten Eile, nur Oswald, der jüngste und rascheste von allen blieb auf eine bis jetzt unbegreiflich gebliebene Weise zurück und wurde verschüttet. Zwar gab man sich die unsäglichste Mühe, den armen Oswald zu retten, und immer neue Arbeiter lösten die bereits ermatteten ab, aber vergebens, es brach immer mehr nach und der Unglückliche ward nicht wieder gefunden. Als nun aber die Braut des armen Bergmanns die furchtbare Kunde vernahm, sank sie zuerst in eine tiefe Ohnmacht, aus der sie nur wieder erwachte, um in eine tödliche Krankheit zu verfallen. Zwar besiegte ihre Jugendkraft dieselbe und sie ward dem Leben erhalten, allein als sie nach ihrer Genesung zum ersten male wieder das Gotteshaus betrat, da brachte sie am Altar der hochheiligen Mutter des Herrn das Gelübde, ihrem Oswald treu zu bleiben und ihr Leben lang Jungfrau zu bleiben; dann hing sie ihren Brautkranz mit eigner Hand unter den Totenkränzen in der Kirche auf und lebte in tiefster Stille, den Segen der Armen verdienend. -- So gingen denn seit jenem Unglückstage viele Jahre dahin und zuletzt waren nur noch die jungfräuliche Braut, sowie drei Bergleute, Balthasar Thomas Kendler, Andreas Reiter der ältere, beide in Ehrenfriedersdorf, sowie Simon Löser, in Drehbach wohnhaft, von allen denen übrig, die damals das unglückliche Ereignis mit angesehen hatten. Da fügte es sich, daß in Brünlers Fdgr. am Sauberge ein Stolln bewältigt wurde, und als man in die siebente Lachter im rolligen Gebirge fortgerückt war, stieß man auf einen in der Erde liegenden menschlichen Körper, der noch in seinen unverwesten Kleidern dalag. Mit vieler Mühe machte man ihn von seiner drängenden Umgebung frei und schaffte ihn nach dem Tageschachte, da brach dieser harte Leichnam mitten auseinander und man konnte ihn also nur in zwei Stücken heraufwinden. Diese Begebenheit wurde sogleich dem damaligen Bergmeister Valentin Feige gemeldet, welcher den Geschwornen Thomas Langer rufen und die obengenannten Greise an Bergamtsstelle bescheiden ließ. Diese Männer sagten nun aus, daß sie sich noch wohl erinnerten, wie einst in der Zeit ihrer Jugend, vor 60 Jahren, ein junger Bergmann, namens Oswald Barthel, in der Gegend, wo der Leichnam jetzt gefunden worden, so verfallen sei, daß ihn niemand habe retten können. Und als man nun den Leichnam brachte, erkannten sie ihn als den Verschütteten. Dieses Wiederfinden geschah am 20. Sept. 1568, so daß der Verschüttete 60 Jahre 9 Wochen und 3 Tage in der Erde gelegen hatte, als man ihn wiederfand, worauf er am 26. desselbigen Monats mit einem feierlichen Leichenbegängnis wieder zur Erde bestattet wurde, welche ihn schon so lange umschlossen gehabt hatte. Es war ein Begräbnis, wie Ehrenfriedersdorf noch keins gesehen hatte. Der Leichenzug bestand aus Tausenden, die herbeigekommen waren, um dem so wunderbar Wiedergefundenen das letzte Geleite zu geben. Als die Leiche eingesenkt werden sollte, eilte auch die treugebliebene Braut herbei und sprach den Wunsch aus, ihrem Bräutigam bald folgen zu können, und nach wenigen Tagen ward ihre Hoffnung auch erfüllt. In der Gedächtnispredigt, welche der damalige Ortspfarrer ~M.~ Georg Raute hielt, sagte derselbe am Eingange, es sei eine wundersame Mär, daß er, der Pfarrer, der schon im 31. Jahre stehe, heute einer Leiche die Gedächtnispredigt halte, welche schon 30 Jahre vor seiner Geburt gestorben sei. Als Oswald verschüttet ward, herrschte in Ehrenfriedersdorf noch das Papsttum, als er begraben ward, hatte dasselbe schon längst der Reformation weichen müssen. Noch heute heißt aber die Hauptzusammenkunft der Bergknappschaft zu Ehrenfriedersdorf, die zugleich eine Begräbnis-Brüderschaft ist, und welche am Montag nach Ostern abgehalten wird, zum Andenken an obige Begebenheit die lange Schicht.
Nach einer andern Überlieferung, welche Dietrich erzählt, lebte von den einstigen Kameraden Oswalds, als man seine Leiche wieder auffand, nur noch einer, der alte Balthasar. Oswald aber wurde von der Verwesung noch unversehrt, in seinem Grubenkittel, lederner Bergkappe, desgleichen mit seinem Gezäh (Werkzeug), seiner Unschlitttasche und dem Zscherper wiedergefunden, ohne daß er beim Heraufwinden in zwei Stücke zerbrach. Als das Leichenbegängnis beendet war, wankte Oswalds Braut Anna, geleitet von dem Bergmeister und dem Pfarrer in ihre Wohnung zurück. Hier bat sie, daß man ihr den Brautkranz aus der Kirche wieder gebe, und ihre Bitte ward gewährt. Am nächsten Sonntagsmorgen genoß sie in der Kirche öffentlich das Abendmahl des Herrn, die längst vertrocknete Myrthenkrone im Silberhaar; dem alten Balthasar aber mußte man die heilige Spende zum Krankenlager bringen, denn ein Schlagfluß hatte ihn darniedergeworfen und seine Auflösung war nahe. An diesem Sonntage noch ging mit der Himmelssonne auch der treuen Anna Lebenssonne unter, und um Mitternacht folgte ihr Balthasar nach. Es wurden diese beiden an einem Tage begraben. Oswald und Anna ruhen in einem Grabe, des treuen Freundes Balthasars Grab aber war nahe an Oswalds Seite, und tausende von Thränen weihten ihre stillen Ruhestätten.
767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei Reichstädt.
(Mitgeteilt durch Ludw. Lamer in der Monatsbeilage zur Weißeritz-Zeitung 1886. No. 5 etc.)
Ganz in der Nähe des Dorfes Reichstädt, 1½ Stunde von Dippoldiswalde gelegen, stand ehedem auf einer Anhöhe, die »Kahle Höhe« genannt, ganz einsam und verlassen ein uraltes Kirchlein, den »vierzehn Nothelfern« geweiht. Nach einer Urkunde vom Jahre 1320 war dasselbe eine überaus berühmte Wallfahrtskapelle, und zu ihr strömten jährlich viele Tausende, um ihre Anliegen und Gebete den vierzehn Nothelfern, nämlich Jesu, den zwölf Aposteln und dem heilgen Nikolaus vorzutragen. Durch die vielen, der Kirche gespendeten Geschenke wurde dieselbe sehr reich; als aber nach Beginn der Reformation die zahlreichen Wallfahrer ausblieben und im niedern Teile des Dorfes Reichstädt eine Kirche gebaut und daselbst der lutherische Gottesdienst eingeführt worden war, verschwand plötzlich auch der letzte Meßpriester der Kapelle und mit ihm das ganze aufgehäufte Vermögen derselben nebst den Heiligenbildern und Kirchengeräten. So verfiel nach und nach das Kirchlein und während des dreißigjährigen Krieges wurden auch Bänke, Betstühle und alles Holzwerk herausgerissen und verbrannt. In der Zeit nun, da das kleine Gotteshaus mit leerem Boden und leeren Wänden dastand, geschah folgendes: Bei dem reichen Bauer Wolf zu Oberreichstädt diente in den 1640er Jahren die Tochter einer armen Witwe aus Sadisdorf, namens Hanna. Durch ihren Fleiß, ihre Treue und Bescheidenheit machte sich dieselbe bei ihrer Herrschaft bald beliebt; noch mehr aber gefiel Hanna dem einzigen Sohne ihres Dienstherrn, einem mit ihr gleichaltrigen, blühenden Burschen mit Namen Christian. Allgemach zog die Liebe zu dem Mädchen in sein Herz, doch verriet er davon nichts, denn sein Vater war starrsinnig und unbeugsam und dabei dem Gelde so wohlgeneigt, daß er nie die Verbindung seines einzigen Sohnes mit einem armen Mädchen zugegeben hätte. Das wußte der Sohn aus manchen Äußerungen des Vaters. Ja eines Tages sagte ihm derselbe, daß er für ihn die Tochter eines reichen Bauern zur Frau bestimmt habe, die ihm sogleich 2000 Thaler als Heiratsgut mitbringen werde. Doch Christian weigerte sich, dieses Mädchen heimzuführen, da dasselbe träge, zänkisch und roh sei. Erzürnt drohte ihm darauf der Vater, daß er nie seine Einwilligung zu einer andern Verbindung geben werde, es sei denn, daß ihm die Braut ebenfalls 2000 Thaler Mitgift zuführe. Da Hanna diese Worte ebenfalls, von beiden unbemerkt, gehört hatte, war ihr Herz traurig, denn auch sie liebte Christian heimlich von ganzem Herzen. Sie nahm sich alsobald vor, das Haus, in welchem sie so glücklich gewesen war, zu verlassen. Aber als Christian ihren Kummer sah und in sie drang, ihm zu sagen, was ihr fehle, weinte sie heftig und beide gestanden sich ihre gegenseitige Liebe. Da sagte Christian, daß er sich vor der Drohung seines Vaters nicht fürchte und er bat Hanna, noch zu bleiben, da ja Gott alles noch zum Besten lenken werde.
Bald darauf wurde der Vater Wolf bedenklich krank und auf seinem Lager ließ er sein Testament mit der ausdrücklichen Bestimmung anfertigen, daß sein Sohn Christian nach seinem Ableben nur dann als Erbe der Besitzung zu betrachten sei, wenn derselbe eine Frau mit 2000 Thalern Mitgift eheliche; sei dies jedoch in vier Jahren nach des Testators Ableben nicht erfolgt, so trete der älteste Sohn seines Bruders als rechtmäßiger Erbe ein. Der Vater hatte also sein früher ausgesprochenes Wort nicht vergessen.
Hannas Mutter zu Sadisdorf war während der Zeit ebenfalls erkrankt. An einem rauhen Sonntage des Herbstes 1644 ging daher Hanna nach Hause, um nach ihrer Mutter zu sehen. Die Stunden vergingen schnell, und als es Mitternacht schlug, machte sie sich wieder auf den Rückweg. Sie mußte dabei an der Kirche zu den vierzehn Nothelfern vorüber. Da vernahmen ihre Ohren plötzlich schwere Tritte hinter sich, und als sie sich umblickte, gewahrte sie zwei schwedische Soldaten, welche ihr eilig folgten. Sie lief so schnell, als sie nur konnte, und als sie an dem Kirchlein anlangte, waren die Verfolger dicht hinter ihr. In ihrer Todesangst riß sie an der Thüre des Kirchleins und dieselbe gab glücklich nach, da sie wunderbarer Weise nicht verschlossen war. Schnell schlüpfte sie hinein und schlug mit kräftigem Stoße die Thüre wieder ins Schloß zurück. Es war die höchste Zeit gewesen. Draußen tobten die Soldaten und versuchten die Thüre zu sprengen, Hanna aber sah sich vergeblich in der leeren Kirche um, um irgend ein Versteck zu finden. Nur hinter dem Gemäuer, wo sonst der Altar gestanden hatte, bemerkte sie ein geräumiges Loch, das sie zwar nicht völlig, aber doch teilweise aufnehmen konnte. Emsig arbeitete sie, durch Auswerfen des Schuttes das Versteck zu erweitern. Hierbei wurden ihre Gedanken plötzlich auf einen ganz besonderen Gegenstand gerichtet, und sie vergaß wenigstem auf Augenblicke die Gefahr, in der sie sich befand. Zwischen ihren Fingern fühlte sie nämlich unerwartet ein Geldstück von der Größe eines Dukatens; ob es wirklich ein solcher sei, konnte sie freilich wegen der Finsternis, die sie umgab, nicht bestimmen, doch unterschied sie mit den Fingern recht deutlich ein Gepräge. Mit Eifer suchte sie nun weiter und fand dann nach und nach eine solche Menge, daß sie das Gewicht derselben in ihrer Schürze fühlte. Waren es wirklich Dukaten, so hatte ihr Gott geholfen und sie war ihres Kummers und ihrer Sorgen enthoben. Draußen vor der Kirche war es unterdeß auch still geworden, und nachdem Hanna noch lange gelauscht und annehmen konnte, daß sich ihre Verfolger wieder entfernt hatten, versuchte sie die Thüre zu öffnen. Mit der größten Anstrengung gelang ihr dies endlich und sie trat hinaus. Die Soldaten waren nirgends mehr zu sehen, und glücklich gelangte das Mädchen in das Haus ihres Dienstherrn, wo sie sich erschöpft niederlegte. Am Morgen, so bald es dämmerte, sah sie sich die Geldstücke an, und richtig, es waren lauter Dukaten, deren sie zusammen 820 Stück zählte. Da sie dieselben alsobald dem aus seiner Kammer tretenden Christian zeigte und ihm erzählte, wie sie zu diesem Schatze gekommen sei, der ja mehr betrug als 2000 Thaler, staunte derselbe zunächst, dann aber brach er in laute Freudenrufe aus. Jetzt war das Hindernis, welches ihrer Vereinigung entgegenstand, plötzlich und auf so wunderbare Weise gehoben. In ihren besten Gewändern betraten beide bald darauf das Gemach des Vaters Wolf, der noch an das Bett gefesselt war. Hier bat Christian um seinen Segen zur ehelichen Verbindung mit Hanna, die nun mehr als 2000 Thaler Mitgift besäße. Dabei legte das Mädchen die Dukaten in einem Tuche auf das Bett. Erst wußte der Vater nicht, was er dazu sagen sollte, als aber Hanna den nötigen Aufschluß gegeben hatte, ging eine merkliche Veränderung in seinem Innern vor. Nach langem Sinnen erfaßte er endlich die Hände des jungen Paares, segnete es und sagte: »Ich war hart gegen euch, aber Gott wußte ein Mittel, durch welches meine Härte und mein Starrsinn gebrochen worden ist.« Auch die Mutter trat nun tief bewegt hinzu und segnete das Paar; sie hatte ja oft gewünscht, daß Hanna ihre Schwiegertochter werden möchte. Der Sohn übernahm das Gut des Vaters und bald wurde eine fröhliche Hochzeit gefeiert. Damit zog wieder Friede und Glück in der Familie ein. Noch heute soll das Wolfsche Geschlecht in mehreren Zweigen in Reichstädt fortleben.
768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.
(Nach der metr. Bearbeitung im Glückauf, 1. Jahrg. S. 60.)
Im Schwarzwasserthale lag einst eine Zeche, »Trau auf Gott« genannt. Als der Besitzer derselben seinen Knappen versprach, daß derjenige von ihnen, welcher zuerst eine reiche Silberader finden und dieselbe anhauen werde, die Hälfte der Ausbeute erhalten solle, da regten sich mit verdoppeltem Eifer die Hände der fleißigen Knappen. Aber manche Schicht wurde verfahren und es zeigte sich doch immer nur taubes Gestein, so daß endlich Unmut an der Stelle der Hoffnung in den Herzen platzgriff. Ein Knappe war es endlich nur noch, welcher in der Grube fortarbeitete; er gönnte sich kaum die nötige Ruhe, so daß er auch in den Nachtstunden seine Schicht verfuhr. Da geschah es einmal um Mitternacht, als er bekümmerten Herzens ein Gebet zum Himmel sendete, daß ihm der Berggeist im hellen Lichte erschien und einen reichen Gang zeigte, aus dem bald das reichste Erz brach. Froh eilte mit Tagesanbruch der Knappe zu seinem Herrn und verkündigte ihm das große Glück. Beide stiegen in den Schacht hinab, wo ihnen das Silbererz entgegenleuchtete. Als aber der Knappe den Herrn an sein Versprechen erinnerte und dabei auf die Not der Seinen hinwies, die jetzt gehoben sei, stand der Eigner schweigend und überdachte, wie viel Reichtum er verschenken müsse, wenn er sein Versprechen halten wollte. Die Habsucht verhärtete sein Herz und er beschloß, den unbequemen Mahner heimlich aus dem Wege zu schaffen. Aus der Grube tönte jähes Angstgeschrei hinauf, dann war es still. Der Knappe fuhr nicht mehr hinauf zum Tageslichte und sein Weib und seine Kinder mußten, da ihnen der Ernährer so plötzlich genommen war, betteln gehen. Die Grube »Trau auf Gott« aber blieb von Stund an verlassen, denn der Berggeist nahm wieder, was er so reichlich geboten hatte. Der Grubenherr fand die verdiente Strafe, denn er verfiel den höllischen Mächten. Sein von Reue gequältes Herz jedoch wuchs zum riesengroßen Steine, der heute noch als »steinernes Herz« in den Fluten des Schwarzwassers liegt.
»Eidbruch und die Sucht nach Erz Räumt dem Bösen Wohnung ein, Macht das Menschenherz zu Stein.«
769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.
(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane. S. 63.)
Eine gedruckte Nachricht von 1788 erzählt: Da das Städtlein Meerane dreierlei Gerichte hatte, so kam es, daß zu Anfange des 18. Jahrhunderts dieser Ort in einem fast bösen Geschrei war, weil sich fremd liederlich Gesindel da aufgehalten, so bei Visitationen leicht aus einem Gerichte oder Amtssprengel ins andere entwischen können; daher entstund in dieser Gegend ein Sprichwort, daß, wenn man einen schimpfen wollte, man ihn einen Meeraner genannt. Nachher ist dieses Geschrei durch gute Ordnung der Obrigkeit und redliche Einwohner völlig unterdrückt worden. Es geschah, daß der dortige Pastor ~M.~ Sigismund Stolze einstmals auf die Leipziger Messe reiste. Als er mit dem Wagen unter's Thor zu Leipzig kam, wurde er gefragt, woher er käme und wer er wäre. Als er es beantwortet: der Pastor von Meerane! mußte er wieder umkehren, weil man von Meerane niemanden einlassen durfte. Der gute Mann kehrte mit der Kutsche wieder um und fuhr unter einem andern Namen zu einem andern Thore hinein. Bei seiner Heimkunft brachte er dies mit Thränen auf der Kanzel vor, ließ auch nicht eher nach, bis seine berüchtigte Gemeinde ein besseres Leben zu führen anfing.
770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.
(Merkels u. Engelhardts Erdbeschreibung v. Kursachsen, 3. B. S. 140. 143. Joh. Gottlieb Kern v. Schneckensteine. Prag 1776. S. 5.)
Eine Stunde von Tannebergsthal über Auerbach liegt im Walde der Topasfelsen Schneckenstein, der diesen Namen von den vielen Schnecken, welche an seinem hier und da feuchten Fuße sich aufzuhalten pflegten, erhalten haben soll. Es wird erzählt, daß er erst durch einen Tuchmacher aus Auerbach, namens Kraut, seit 1727 allgemein bekannt und seitdem auch fleißig benutzt worden sei. Jener Kraut, welcher ein eigener seltsamer Mensch und ein etwas lockerer Mann, der nicht im besten Rufe stand, genannt wird, soll durch Holzhauer oder Kohlenbrenner auf den harten und schimmernden Stein aufmerksam geworden sein, und er soll darauf heimlich Topase, die er schleifen ließ, und die er für hohe Preise unter dem Namen von Schneckensteinen oder Königskronen ins Ausland schaffte, gebrochen haben. Als er merkte, daß man seinem Schleichhandel auf die Spur kam, machte er seine Entdeckung dem Kurfürsten August III. bekannt, der den Felsen dem Herrn von Trützschler, welchem Grund und Boden gehörte, abkaufte und später einer Gewerkschaft überließ.
771. Das Paradies zu Zwickau.
(Nach Ziehnerts poetischer Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 607.)
In Zwickau, am rechten Ufer der Mulde, an der Straße, die von der Stadt nach Chemnitz führt, befindet sich noch heute ein Gasthof, zum Paradies genannt, der ehedem aber das Ochsenhaus oder der Ratsweinkeller hieß und seinen jetzigen Namen von seiner schönen Lage erhalten haben soll. Nach einer Sage rührt derselbe aber von folgender, freilich unverbürgter Begebenheit her: Als Luther einst zu Zwickau war und seine Predigten einen solchen Eindruck auf das Volk machten, das dasselbe das Kloster oder den Grünhainer Hof stürmte, lockten die erbitterten Mönche Luthern eines Abends zu einem angeblichen Kranken in eine entlegene Straße, um ihn zu ermorden. Sie sendeten nämlich ein Weib in Luthers Haus, welches daselbst weinend aussagte, ihr Mann sei zum Tode krank und verlange vor seinem Ende noch einmal den frommen Herrn zu sehen. Auf solche Bitten ging Luther mit ihr und sie führte ihn durchs Tränkthor. Plötzlich öffnete sich ein Haus, das Weib entsprang und aus dem Hause stürzte voller Wut der Mönche Troß. Jedoch gelang es dem großen Reformator, sich ihren Händen zu entreißen und in ein offenstehendes Haus zu flüchten, dessen Thor er eilig durch den vorgeschobenen Riegel verschloß. Da zogen sich die Mönche still zurück; Luther aber sprach mit freudigem Blicke zum Wirte des Hauses, der ihn nach dem Grunde seiner Flucht fragte: »Die Kuttenträger lechzten lange nach meinem Blute; aber Gott sei Dank, der mich dieses Haus in meiner Bedrängnis finden ließ, dasselbe ist mir zum wahren Paradiese geworden!« Der Wirt gab ihm darauf zwei Knechte mit, die ihn sicher nach seiner Wohnung geleiteten. Das Haus, in welchem Luther damals Schutz fand, wird aber noch heute das Paradies genannt.
772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 33.)
Als man im Jahre 1769 auf der Ostseite der durch den Brand von 1873 zerstörten schönen Joachimsthaler Decanatkirche eine neue Sakristei baute, an deren Stelle heutzutage der prachtvolle Hochaltar steht, entdeckte man in einer Tiefe von ungefähr fünf Ellen ein altes Gewölbe. In demselben befand sich ein Doppelsarg, in welchem »ein in purpurrotem Sammt gekleideter, verwester großer Körper ohne Kopf« ruhte.
An diesen Fund knüpft sich die Sage, daß dies der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick, Oberstlandrichters von Böhmen, gewesen sei, der am 21. Juni 1621 wegen Teilnahme am böhmischen Aufstande am Altstädter Ringe zu Prag das Blutgerüst besteigen mußte und enthauptet wurde. Der Kopf des Hingerichteten ward am »Bruckthor« aufgestellt, während dessen Rumpf sechs verkappte Personen entfernten.
773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. II. 1748. S. 29.)
Die Wälder um Bernsbach sind einst unbedachtsamer Weise der Gemeinde verloren gegangen. Denn dem Verlaut nach soll zu Joh. Georgs I. Zeiten eine Revision gekommen sein, und da die Bernsbacher gleichfalls gefragt worden, ob sie Grundstücke hätten, so noch nicht zinsbar, sollen sie geantwortet haben, es wäre Refier und wilder Wald genug, was ihnen der Quark sollte, sie könnten das Holz so nicht tilgen. Worauf die Kommission gefragt, ob sie es denn nicht haben wollten? Darauf sie gesagt, das Holz wüchse ihnen so in die Fenster hinein; wenn es der Kurfürst besser zu gebrauchen wüßte, möchte er es hinnehmen, sie wüßten damit nichts anzufangen. Darauf hätten sie sich ordentlich losgesagt, und ist dies Holz also hernach eingezogen worden, und hat jetzt dieses ganze Dorf nicht eine Hand breit an Refieren und Holz.
774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhält.
(Schmidt, ~Chronica Cygnea~. II. 1656. S. 131.)
Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie ein gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen, den Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists gekommen, daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf noch jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen.
775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen wurde.
(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II. 1656. S. 181.)
Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen, daß die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu allen vier Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem Kürschner in der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat damals die wichtigsten Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine Sage gegangen, daß von der Zeit an kein Kürschner mehr zum Ratstand gezogen worden sei.
776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.
(Mündlich.)
Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine Ausnahme davon aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von Seiffen und die Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch während der Zeit, da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die Märkte der Stadt und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere die Töpfer von Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin frei und ungehindert diese Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde ihnen solches Privilegium von den Kurfürsten wiederholt und unter anderem auch von August dem Starken bestätigt, jedoch mit dem Zusatze, daß jeder Meister nur einen Korb Waren mitbringen und nur »einen Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag lang) verkaufen dürfe.
777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.
(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.)
Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche, aber keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich dem Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt, daß einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt habe. Der letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern seiner Gemeinde nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich in dem Biere etwas gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand ein Streit, der immer hitziger wurde und damit endete, daß der allein als Partei auf einer Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde. Dies geschah in dem Walde zwischen Griesbach und Lindenau. Der Körper des Erschlagenen aber wurde in dem Walde verborgen und noch heute soll sich die Gestalt dieses Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst sehen lassen. Die Griesbacher Gemeinde hat aber seitdem keinen eigenen Pfarrer mehr erhalten.
Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die Griesbacher Kirche, ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus verwaltet wurde, stets ein Filial von Neustädtel gewesen; sie hatte also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern hatte sie St. Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden Almosen für Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil. Martin hoch zu Roß vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen Bauernweiber brachten ihm, als einem besonderen Schutzpatrone des Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen. (Kirchengalerie a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle Wuotans.
778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.
(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.)
Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St. Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe in die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich.
Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt:
Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die ganze Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die damals nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber obschon er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch nicht gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche ihm wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt sein könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles, wenn es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander. Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während des gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre in drei Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man thun? Die Thüre blieb bis auf den heutigen Tag.
779. Der erste Klöppel in Annaberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.)
Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg aufbaute, kam einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete den Galgen und sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die Chronik den dicken Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne Glocke! Nun, ich will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein wird!« Nicht lange darauf fing man einen Dieb, und wer war's? Klingensporn. Er ward zum Strange verurteilt und hing nach wenig Tagen als der erste Klöppel in der großen steinernen Glocke vor der Stadt. Seinen Tod aber haben die Alten angesehen für ein göttliches Warnungszeichen, daß man über ernste Dinge nicht mutwillig scherzen solle.
780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.
(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.)
Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus, welche, vom Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser verzehrte. Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches jetzt das Museum heißt, ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna Biener. Der Bruder krankte seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn, so daß er mit Ketten an die Wand gefesselt werden mußte. Als nun der Markt bereits in vollen Flammen stand, da suchte Benigna in Todesangst nach dem Schlüssel, um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen und ihn fortzuführen, aber der Schlüssel war nicht zu finden; sie suchte die Ketten zu zerschlagen, aber das Eisen trotzte der schwachen Mädchenhand. Schon schlug die Lohe zu den Fenstern und der Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht von ihrem Bruder. Die Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden Schutt und Gebälke lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten Tage darauf zog man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen unter den Trümmern hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der schreckliche Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen durch die Todesangst ein lichter Augenblick gekommen?
Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames Grab zeigt man noch jetzt.
781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.
(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.)
Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll ehedem sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf der einen Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen steht. Der Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll, nachdem er mit dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt und also den Bau mit seinem Blute versiegelt haben.
Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein, nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell in Spanien.
782. Die Zipperleinkur in Annaberg.
(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.)
Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen war, sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer war gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu schlagen. Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen Rammel nicht wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn. Dieser schrie zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh darüber, denn das Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und ist auch bis an seinen Tod nicht wiedergekehrt.
In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch, daß ein geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen hatte, unversehens los ging.
783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.
(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.)
Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche nach jedem Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister Hans Hünerkopf den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz von Annaberg erstochen haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters Frau) nachgegangen war.«
Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des Annen-Tempels zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die gelehrten Elterleiner, 1739.
Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein Feld bei Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche aber fand man eine Messingtafel mit dem Hünerkopfschen Wappen und folgender Inschrift: »~Anno~ 1533 ist verschieden der Erbare Hans Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott gnädig sey.« Dieser Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren von Schönburg geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein.
Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein rührt von einer zur Familie der ~Chroococcaceen~ gehörige Alge her.
784. Die Bäuerin in Frohnau.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.)
In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude »himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in Frohnau als Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in kurzer Zeit sehr reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein und trieb allerlei Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie sich täglich in dem teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und um nun denselben nicht umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit Semmelbrocken vermischt, den Armen als Kaltschale zu trinken. Diese wußten nicht, was die Bäuerin erst mit dem Weine gemacht hatte, aßen mit vieler Lust und dankten der reichen Geberin viel tausend Mal für die köstliche Erquickung. Aber als sie die Badegeschichte erfuhren, da ekelte sie und warfen der übermütigen Bäuerin die Fenster ein und sangen Spottlieder auf sie, so daß sie sich nicht mehr öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens muß sie auch noch andere recht unziemliche Dinge verübt haben, denn der Klerus war darüber so erzürnt, daß er Gott öffentlich bat, den Bergsegen zu vermindern.
Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin« am Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll.
785. Die beiden Brüder zu Frohnau.
(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.)
Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544 zwei Brüder, die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause und hatten etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken, raunt ihnen einer zu, es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen und raube dort die Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre Schwerter und nahmen die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von jener Seite das Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische. So schleichen sie denn heran und als einer den andern im Dunkel erblickt, stürzen sie in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf einander los und einer erhält eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei erkennt ihn der Sieger als seinen Bruder, man eilt herbei und als der schwer Getroffene noch in derselben Nacht an seinen Wunden stirbt, ergreift der unglückliche Brudermörder die Flucht, und erhielt nur unter der Bedingung Verzeihung von dem Herzoge Moritz, daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau und Kinder des Erschlagenen abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord geschah, wird noch jetzt gezeigt.
786. Das Mönchskalb zu Freiberg.
(Moller, ~Theatr. Freibg.~ I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 279.)
Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe in einer geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, das sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb hat einen runden ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte wie ein Pfaffe, samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit dem Untermaule ist es einem Menschen, mit dem obern und der Nase einem Kalbe gleich, sonst aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat die Zunge lang aus dem Munde herausgestreckt; die Haut am Halse und Rücken herunter hat wie eine gewundene Mönchskutte ausgesehen, an den Seiten aber vorn und an den Beinen ist es voller Ritze und Schnitte gewesen, als wenn die Kutte zerhauen oder zerschnitten wäre. Solches Ungeheuer ist von ~Dr.~ M. Luther in seinen Schriften, wo es auch abgebildet wird, neben der Beschreibung des Papstesels, den man 1496 zu Rom gefangen, gedeutet worden, Melanchthon aber meinte, daß durch dieses Kalb die Verderbnis der lutherischen Lehre in fleischliche und verderbliche Meinungen, wie sie zu selbiger Zeit im Schwunge gewesen, angezeigt worden, inmaßen auch bald hierauf ein Schwein zu Halle in den Osterfeiertagen ein Ferklein geworfen, welches einem Pfaffen in Gestalt des damaligen Habits ganz ähnlich gesehen. Es hat aber gedachtes Mönchskalb die Autorität der Geistlichen, so dem Papste zugethan gewesen, sehr verringert, also daß auch die Bergleute ein besonderes schimpfliches Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen und Pfaffen zu Spott und Hohn lange Zeit allhier gesungen mit Bezug darauf, daß der Fleischer mit Vorbedacht und Willen das Fleisch von der Kuh, in welcher man das besagte Mönchskalb gefunden, niemandem als den Canonicis, Mönchen und andern Geistlichen gelassen und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.
787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.
(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.)
An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt, stand hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage: Ein Graf von Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück und traf in seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen Freund als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß er beide binden ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot er ihnen, von einander und von dem Leben Abschied zu nehmen; nachdem sie dies gethan hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber soll an jener Tanne geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne erhielt.
788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg.
(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.)
Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann, namens Georgi, der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun sein einziger Sohn wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben nicht aufbringen konnte, man also deshalb mit der Beerdigung anstand nahm, steckte er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte denselben auf einen Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern oder neuen Gottesacker in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter Vater, komm! laß dich von mir begraben, dieweil die Menschen dich nicht hier begraben wollen.« Kurze Zeit nachher soll nun aus dessen Grab eine Fichte hervorgewachsen sein, die man heute noch sehen kann, und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel vom Jahre 1737 deutet noch jetzt auf diese Begebenheit hin.
789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.
(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.)
Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen. Diese sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg in der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen Glieder des Hauses keine derselben geschlagen werden darf.
790. Woher der Name Preißelbeere stammt.
(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs. Erzgebirgs. I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.)
Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt Sebastian Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und 8 Häusern; ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung eines Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober- und Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die jetzt allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar zu machen gelehrt habe.
Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd. ~brozzen~, d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde also mit »sprießende Beere« oder »Sprießeln«, welche letztere Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht wird, zu deuten sein. Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit frischem Grün bedeckt, den Eindruck des sprießenden.
(Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.)
791. Was der Name Wismut bedeutet.
(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. 1723. S. 188.)
Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei Farben hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus, so habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in seiner meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien, Silber bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden habe. Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers Dach, da dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute, sie kommen zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn diese Bergart länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber daraus geworden.
Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: ~wiss majaht~, d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie Storax schmilzt, abstammen. (Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn., bearbeitet von Senft, I. S. 294.)
792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.
(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk. 1684. S. 163.)
Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das Münzmeisteramt bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu gute die ersten schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man zuvor lauter Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist ein solcher Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister gelohnet, man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als einen ganzen Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken, daß, weil der gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht ausgesprochen, sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von einigen Leuten, sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber genannt wurde.
793. Redensarten.
~a.~ Zwickau gehörte zum Vogtlande.
(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.)
Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes Sprichwort: »Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande begraben werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart: »Er wird ins Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben.
Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch nie zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem unter den Reichsrichtern des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast immer aus dem Geschlechte der Vögte genommen wurden, und später als markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine eigenen Untervögte, welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten. Dies währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte über die Stadt erlangte.
~b.~ Der Kas is och dornoch.
(Mündlich.)
»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld wert. Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes Wolfsgrün, das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit den Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte, diesem durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen Dukaten. Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt. Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und Butter konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich, daß er einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte. Diesen holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum Schrecken des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb letzterer ihn fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah sich der Pfarrer zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer sei. Darauf folgte die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.« Der Arbeiter aß weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber, ich muß nur noch bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich werden kann, wenn man zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach der Bote, indem er das übrige Stück Käse einpackte, »da muß ich das Übrige meiner Frau mit nach Hause nehmen.«
Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte Redensart in Eibenstock erhalten.
~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?
Eine sprichwörtliche Redensart in der Schwarzenberger Gegend lautet: »=Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?=« Diese Redensart bezieht sich darauf, daß nicht mehr arbeitsfähige Hammerschmiede bettelnd von einem Hammerwerke zum andern zogen und daß deshalb selten einer in der Heimat starb. (Merkels Erdbeschreibung von Kursachsen. I. 1804, S. 161.)
~d.~ Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen.
»=Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen=,« sagte ein schwedischer Quartiermeister, der 1712 im Hammerwerke Erla den großen Stabhammer im Niederfallen aufhalten wollte, dafür aber mit gelähmter Hand bezahlt ward. Der Quartiermeister hieß Schulze und stand beim Kavallerieregiment des Obersten Rosenstern. Die erzählte Begebenheit soll sich übrigens am 27. Juni 1707 zugetragen haben und die angeführten Worte wurden beim Rückmarsche der Schweden auf der Schiffbrücke zu Pirna gesprochen. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., S. 103.)
~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.
Von den Venetianern geht eine Rede, daß sie gesagt haben: In Meißen (dem meißnischen Erzgebirge) und dem Vogtlande wirft man einen Stein nach der Kuh, da doch der Stein mehr als die Kuh selber wert ist. (Meltzer, Beschreibung der Bergstadt Schneeberg, 1684. S. 54.)
~f.~ Fägel schweiget seine Gäste.
Ein Fleischer zu Schneeberg, mit Namen Fägel, welcher auf der Badergasse wohnte, hatte seinen beiden Gästen, die in Streit geraten waren, Frieden geboten und deswegen auch zu dem Richter geschickt. Weil dieser sich aber etwas verzogen hatte und die Gäste sich nicht steuren lassen wollten, hat er sie beide erstochen, darauf die Flucht genommen und dem Richter Hans Kempfen, der ihm begegnet, auf Befragen geantwortet: »Ei, Herr Richter, es ist unnötig, daß Ihr Euch bemühet und hinunter gehet, ich habe sie allbereit gestillet, sie haben sich wohl müssen bedeuten lassen.« Daher ist, als der Richter hinunter gegangen und die jämmerliche That befunden, Fägel aber unterdeß des Landes entlaufen war, von ihm das Sprichwort entstanden: »Er hat sie geschweiget oder gestillet, wie Fägel seine Gäste.« (Meltzer, a. a. O., S. 1099.)
~g.~ »Toffel, das gilt dir auch mit.«
Diese sprichwörtliche Rede, welche lange in Schneeberg im Gange war, ist durch ein Wort des Pastors Christoph Schindler entstanden. Derselbe gebrauchte es, wenn er Amtes halber etwas strafte und dabei sich selbst nicht heuchelte, falls er diesen Fehler an sich selbst gefunden hatte. Man wandte die Worte in der Folge an, wenn man sich selbst eines Fehlers schuldig fand. (Meltzer, a. a. O., S. 1100.)
~h.~ »Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.«
Dies pflegt von einem ausgelassenen Menschen gesagt zu werden. Die Redensart kann davon herkommen: Eine uralte Art der Beschimpfung ist es gewesen, wenn Diebe, die Feld- und Gartenfrüchte gestohlen, in das sogenannte Narrenhäusel gesteckt worden sind, wie solche sonderlich in den teuren Jahren 1771 und 1772 fast in allen gebirgischen Städten sind errichtet worden. Ein solches Haus stand noch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf dem Markte zu Lößnitz; es sah wie ein Käfig aus und konnte herumgedreht werden. Personen, die da hineingesteckt wurden, hatten von den Gassenkindern, welche das Haus bald gedreht, bald mit Steinen und Kot den Gefangenen geworfen, allerlei Schmach zu erleiden. (Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, insonderheit der Hochgräflich Schönburg. freyen Bergstadt Lößnitz etc. 1776, S. 11.)
Auch in Leipzig gab es zwei solche Narrenhäuschen, das eine war bei den sogenannten Brotbänken am Naschmarkte und das andere an der Thomaskirche. Das erstere diente für Skandalmacher, Verläumder und losmäulige Frauen, während letzteres unter geistlicher Jurisdiktion stand und für diejenigen bestimmt war, welche als Flucher und Gotteslästerer bezichtigt waren. In Oschatz ist noch jetzt (?) im Winkel nächst den Stufen, die durch den vom Ratsarchive gebildeten Schwibbogen vom Markte zum Stadtkirchhofe führen, das von Eisengitter nach Art eines Käfigs gebildete Narrenhäuschen vorhanden. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1. B., S. 54.)
~i.~ Die Schlimmen von Öderan.
(Staberoh, Chronik von Öderan. 1847, S. 197--201.)
Im Jahre 1645 begann zwischen Öderan und dem Ritter Nikolaus von Schönberg auf Börnichen der Streit wegen des Hirtenfeldes. Letzterer verlangte das Grundstück, welches bereits seit Jahren von der Stadt bebaut worden war, zurück, unter dem Vorgeben, daß es zu den Fluren von Börnichen gehöre. In das Dunkel über diese Angelegenheit war kein Licht zu bringen, da die Urkunden in dem Kriege verbrannt, die alten Leute aber, welche Auskunft hätten geben können, an der Pest gestorben oder geflüchtet waren. Nachdem der Prozeß beinahe 4 Jahre geschwebt hatte, ging der Schafmeister vom Rittergute Börnichen, Caspar Witte, nach Böhmen, um für seinen Herrn 100 Stück Schafe zu kaufen, welche damals zu Tausenden für das ruinierte Böhmen aus Ungarn herauskamen. Der Schafmeister kam mit seinen Schöpsen glücklich bis auf die Eppendorfer Fluren, wo ihn eine Abteilung schwedischer Reiter anhielt und um 10 Schafe gegen Bezahlung bat. Doch der Schafmeister, rauh und trotzig wie sein Herr, und wohl wissend, daß die Schweden den Waffenstillstand achten mußten, verweigerte sie ihnen und trieb weiter. Allein die Schweden nahmen ihm nun die ganze Herde, schlugen ihn überdies und trieben die Schafe nach Öderan hinein, wo sie 50 Stück verkauften. Der geschlagene Schafmeister kam nun mit seinem Anhange nach der Stadt und verlangte seine Schafe zurück. Da er sie nicht erhielt, so brach er wenige Tage darauf des Nachts in Öderan ein und stahl die letzten noch übrig gebliebenen 20 Stück. Er wurde aber noch auf Öderaner Gebiet ertappt und nun als Schafdieb in Öderan gefangen gesetzt. Es war jetzt für ihn wenig Gnade zu hoffen, da der Kurfürst, ergrimmt über die überhand genommenen Räubereien, befohlen hatte, jeden Diebstahl mit dem Strange zu bestrafen. Der Prozeß wegen des streitigen Hirtenfeldes wurde unterdeß fortgeführt, bis gegen 1650 das Endurteil kam, welches lautete, »daß diejenige der streitenden Parteien das fragliche Hirtenfeld bei Öderan auf ewige Zeiten in Besitz haben sollte, welche zuerst ein Galgengericht darauf erbauen und solches auch zugleich mit einem Verbrecher bestätigen würde.« In einer und derselben Stunde wurde dieser Spruch in Öderan und Börnichen bekannt gemacht. Der Ritter von Schönberg sandte sogleich nach Meißen, einen Verbrecher dort abzuholen, wo solche Räuber und Mörder, die der Krieg erzeugt hatte, zu Dutzenden gefangen saßen und für Geld zu haben waren. Zugleich wurde ein Galgen zusammengezimmert und des Abends der Hof verschlossen, um ersteren am Morgen an Ort und Stelle aufzubauen.
In Öderan dagegen gab es weder Holz noch Zimmermann, ja kaum Axt und Säge. Teurung und Pest hatten die Bewohner bis auf 18 Bürger vermindert, welche an selbigem Tage eben erst aus dem Niederlande mit einigen Säcken Korn zur Aussaat sowie zur Speise heimgekehrt waren, denn die Not war in diesem Jahre noch schrecklich. Man lief ratlos zu einander und beriet, wo ein Galgengerüst herzunehmen sei, um das Feld zu behaupten. Am frühen Morgen des zweiten Tages, als eben der Ritter von Schönberg seinen Galgen nach dem Hirtenfelde abfahren lassen wollte, sah er mit Entsetzen durchs Fenster auf diesem Felde einen Galgen stehen und an demselben schon seinen Schafmeister aufgehenkt, dessen Urteil der Rechtsbeistand der Öderaner, mit Namen Matthesius, zugleich mit aus Dresden besorgt und in die Stadt gesendet hatte. »Seht, seht die Schlimmen von Öderan!« rief da der Ritter seinen Leuten zu, und befahl den Galgen wieder abzuladen. Daher die Redensart: »Die Schlimmen von Öderan!« Wie aber waren die Öderaner zu dem Galgen gekommen? Zwölf der Bürger hatten die Galgensäule auf dem Gahlenzer Berge aus dem alten Hochgericht ausgegraben, herübergetragen, aufgerichtet und den Schafdieb aufgehenkt. Der Ritter von Schönberg aber schloß noch an diesem Tage mit den Öderanern Frieden.
~k.~ »Je, daß dich der Bär herze!«
(~Curiosa Saxon.~ S. 47. Darnach Gräße, Sagenschatz, Nr. 494.)
Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel das Vieh von Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt und nach erzgebirgischer Art, um sich die Zeit zu vertreiben, geklöppelt. Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein großer Bär hinter sie geschlichen, daß sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiß, was sie machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern beriecht sie und tatschet sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüßte er, was für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der zottige Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen Anstalt macht, entschließt sich das Mädchen kurz und läuft unter das Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis das Mädchen schreit und ihre Eltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe ruft. Da nimmt der Bär reißaus, das Sprichwort aber ist nachgehends beständig geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken, gebraucht worden: Je, daß dich der Bär herze!
~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.
Es ist eine gemeine Rede, daß man sagt: Wenn einer vom Himmel in ein gut Ort Landes fallen sollte, möchte er in die meißnischen Bergstädte sich wünschen. (Meltzer a. a. O. S. 866.) Eine Abänderung lautet: Wenn einer vom Himmel fiele, so könne er nicht besser, als auf Marienberg fallen.
~m.~ Redensarten Herzog Georgs.
Herzog Georg pflegte von seinen Städten zu sagen: »Leipzig die beste, Chemnitz die feste, Freiberg die größte und Annaberg die liebste.« (Richter, Chron. d. St. Chemnitz I. S. 18.) Ebenso rührt von demselben Fürsten der Ausspruch über drei Berge in der Nähe Schneebergs her: »Der Gleßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworner Berg, sehet mir auf den Schickenberg!« (Meltzer a. a. O. S. 922.) Außer dem angeführten Spruche von Freiberg lautet ein anderer: »Meißen wird ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresden wird man zusammenkehren mit Besen.« (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. Heft, S. 281.)
~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?
Die Einwohner von Gottesgab werden in der Umgegend nur »die Wölfe« genannt, weil sie unter sich selbst diesen Titel als zärtliche Anrede gebrauchen. Sie sagen z. B. »Guten Tag, Wolf!« Häufiger noch werden in der Anrede die Bezeichnungen »Wehrwolf« oder »Wolfskind« gebraucht. (Mündlich aus Wiesenthal.)
~Dr.~ E. Göpfert (Glückauf V. Nr. 8) führt auch das im Gebirge häufig gebrauchte Kose- oder Scheltwort »Werchl« auf das althochdeutsche ~warc~, d. i. der Wolf, zurück.
~o.~ Anhang: Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten u. Rätsel.
1. Erz führt wieder zu Erz.
2. Kies macht den Bergmann ungewiß.
3. Die vielerlei Herrschaften, das böhmische Bier und die sichtlichen Zwitter verderben den Zinnwald.
4. Das Bergwerk will seine Zeit und Leute haben.
5. Zank ist des Bergwerks Untergang.
6. Wenig Zubuß, viel Ausbeut', Machet fröhliche Bergleut'. (Altes schneebergisches Lemma.)
7. Wenn wir spüren Kies, treffen wir Erz gewiß. (Merkels Erdbeschr. von Kursachsen. 1. B. 1804, S. 132.)
8. Wer Ausbeut will genießen, Laß' sich die Zubuß' nicht verdrießen. (Daselbst.)
9. Bergwerk will stets ein Freies (Freiheiten) han, Soll es anders von statten gahn. (Daselbst.)
10. Wenn Gott nicht geit, hilft kein Arbeit. (C. Lehmann, Chronik d. fr. Bergstadt Schneeberg. 1. B. 1837, S. 26.)
11. Das Bergwerk will haben Verstand Und eine getreue Hand. (Daselbst.)
12. Bergwerks Glück und Pracht Steigt und fällt über Nacht. (Daselbst.)
13. Der erste Finder, der erste Muter.
14. Es war kein Bergwerk ja so gut, Es führt zuvor ein eisern Hut. Oder: Das Silber hat einen eisernen Hut. (Dieses alte Sprichwort bezieht sich auf die Wahrnehmung, daß man stellenweise Eisenerze aufarbeiten mußte, ehe man an die reichen Silbererze kam. S. H. Jacobi in der wissenschaftlichen Beilage zur Leipziger Zeitung 1886, Nr. 2.)
15. Edle schöne Guhren Führen zu Erzspuren.
16. Kurze Gänge, kurz Erz.
17. Von Schlettau sagt man: »Wenn die Bauern auf dem Felde sind, ist kein Bürger zu Hause.« Die Einwohner beschäftigen sich nämlich neben Posamenten-, Spitzen- und Bandgewebearbeiten viel mit Landwirtschaft. (Lindner, Wanderungen durch das sächs. Obererzgebirge I. S. 56.)
18. Zschopauer Strümpfe und Kirchberger Tuch, Wenn man's heem bringt, so hat's ä Luch (d. h. Loch.) (Mündl.)
19. Du bist so alt wie Buchholz. (Dies bezieht sich auf die Gründung von Buchholz durch Bergleute aus Geyer und Ehrenfriedersdorf vor 1496, dem Gründungsjahre von Annaberg. (M. v. Süßmilch, Leipzg. Zeitung 1885, Nr. 101.)
20. Es wird in dem Lande Meißen eher an Holz und Kohlen zum Bergwerk und Schmelzen mangeln, als an Erz und Metallen. (Nach des Petrus Albinus Meißnischen Bergchronik (1590), worin bemerkt wird, daß der bekannte Joachimsthaler Pfarrer Matthesius diese Worte von gelehrten und weisen Leuten gehört habe. Als altes bergmännisches Sprichwort auch in Merkels Erdbeschr. von Kursachsen I. S. 140 angeführt.)
21. Man sagt, in Freiberg seien »Himmel, Hölle und Teufelskapelle« beisammen, d. h. die Nicolaikirche, die Schankwirtschaft zur Hölle und das Theater, sämtlich am Buttermarkt gelegen. (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. H. S. 280.)
22. Wenn im Erzgebirge recht bedeutender Schneefall eintritt, so sagt man: »Es schneit Brot!« Man will damit aussprechen, daß dann die armen Leute durch Schneeausschaufeln auf den fiskalischen und kommunlichen Straßen Verdienst erhalten.
23. Warum werden in Dönschten (ein Dorf bei Altenberg) die Eierkuchen nur auf einer Seite gebacken? Antw.: Weil nur auf einer Seite Häuser stehen. (Fr. Polle, Führer durch das Weißeritzthal. 1883. S. 73.)
24. Zwischen Gey'r un Thum Do liegt e gàle Blum'; Un wàr die gàle Blum will hohm, Dàr muß Gey'r un Thum zerschlong.
(Alfr. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, S. 189.)
25. Das Rätsel von der Mulde.
Der Joachimsthaler Pfarrer Matthesius, Luthers Freund und Tischgenosse, machte aus dem Worte ~M V L D~ folgendes Rätsel:
»Rat' was ist das? drei Wasser-Strom[5] Die ha'n Ein' Syllb', Ein'n deutschen Nam', Ein's theuern Doctors[6] Namen zwar, Ein's frommen Weibes Sterbejahr.[7] Allen in vier Buchstaben steht: »Gnad dir Gott« sprech', wer hiefür geht!«
(Gräße, Sagenschatz etc., No. 308.)
[5] Die Zschopau, Freiberger und Zwickauer Mulde.
[6] ~D. M. L.~ Doctor Martin Luther.
[7] ~M. D. L. V.~ (1555) starb die Witwe Kurfürsts Moritz.
794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.
(Nach einer Mitteilung des Pfarrers Friedlein in Oberwiesenthal.)
Von jeher hatten das Städtchen Böhmisch-Wiesenthal und das Dorf Stolzenhan gemeinschaftlich eine Kirche, welche früher an der Stelle stand, wo sich jetzt der Gottesacker beider Orte befindet. Als die Kirche sehr baufällig geworden war, wollte man eine neue bauen, jedoch konnte man sich nicht darüber einigen, wohin dieselbe gebaut werden sollte. Die Stolzenhaner wollten sie nach Stolzenhan und die Wiesenthaler nach Wiesenthal haben. Endlich kam man überein, die Kirche auf dem Grund und Boden derjenigen Gemeinde zu erbauen, wohin der Turmknopf, dessen Niedersturz man baldigst erwarten konnte, fallen würde. Der Knopf fiel auch endlich, und zwar auf Stolzenhaner Gebiet. Ein Einwohner von Wiesenthal aber, welcher zufällig auf seinem Acker in der Nähe arbeitete, zog die Turmspitze mit dem Knopfe eiligst hinüber auf die Wiesenthaler Seite. Somit wurde die neue Kirche in Böhmisch-Wiesenthal und nicht in Stolzenhan gebaut.
795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.
(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)
Die Hauptmannsgrüner wollten einmal eine Wiese nach einem andern Platze ziehen und schlugen einen Pfahl ein, daran befestigten sie ein Ortscheit und spannten Ochsen vor. Als nun der Wind die Schmielen bewegte, hielten sie dafür, daß die Wiese fortrücke. Und als die Ochsen noch mehr angetrieben wurden, rissen die Stränge und die Ochsen liefen bis nach Stenn. In Stenn ist das Ortscheit liegen geblieben und es soll noch heut dort liegen.
Ein andermal konnten die Hauptmannsgrüner das Zapfenloch eines Teiches, dessen Wasser abgelassen werden sollte, nicht auffinden. Da sagte der Richter: »Nun müssen wir'n aussaufen.« Er legte sich zuerst hin und nach ihm die Bauern, und sie fingen an zu trinken.
796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.
(Köhler, Volksbrauch etc. S. 627.)
Von den Ebelsbrunnern wird erzählt, daß sie einst den aufgegangenen Mond dicht am Berge stehen sahen; da holten sie Stangen, um ihn herunter zu schlagen, und es entstand in Folge dessen das Spottlied:
»In Abelsbrunn Sein se hameldumm, Nehm' se lange Stang', Woll'n den Manden fang'!«
Th. Schäfer, (Sächs. Volksfreund 1880, 1. Dez.) erzählt auch von den Eibenstockern, daß sie einst auf den Auersberg gezogen seien, um den Vollmond mit einer Stange herunter zu holen. Eine ähnliche Sage findet man im Fichtelgebirge. Auch den Zellern wurde von den Münchbergern nachgesagt, daß sie mittels langer Stangen den Mond vom Himmel »herunter zu stieren« suchten. Dabei weist Zapf (Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 185) darauf hin, daß zu dieser Sage uralte Vorbilder vorliegen, indem schon der griechische Arzt Hippokrates (geb. 460 v. Chr.) von Menschen spricht, welche durch magische Künste und Opfer den Mond herabziehen. Die Medea wurde in dieser Kunst von der Göttin Hekate unterrichtet, und ebenso waren ihrer auch insbesondere die Thessalerinnen mächtig.
797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.
(Rankewitz, Kurze Beschreibung des Schlosses Augustusburg. 1836. S. 5.)
Einige sagen, daß das Schloß Augustusburg so viele Fenster gehabt habe, als das Jahr Tage, so viel Feueressen, als es Wochen, und so viel Wetterfahnen, als es Monate enthält.
(In ähnlicher Weise sagt man auch von dem Schlosse Rothenhaus i. B., daß es gerade so viel Fenster habe, als Tage im Jahre.)
798. Sprüche von der Stadt Freiberg.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen. No. 289.)
Die Stadt Freiberg ist nicht bloß durch ihren reichen Bergsegen, sondern auch durch ihre Schönheit von alter Zeit her berühmt gewesen; davon sagt ein altes Sprichwort: »Wenn Leipzig mein wäre, wollte ich es in Freiberg verzehren.«
Obgleich das Freiberger Bier keinen besondern Namen hatte, wie es im 16. und 17. Jahrhundert Mode war, so gab es doch zu einem andern Sprichworte Gelegenheit. Dieses hieß: »Es kitzelt einem in der Nase, wie das Freiberger Bier.«
Ein anderes Sprüchlein, welches sich zugleich mit auf zwei andere Städte Sachsens bezieht und deren Untergang prophezeit, lautet:
»Meißen wird ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresen Wird man zusammenkehren mit Besen.«
799. Todaustreiben.
(Gottl. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes. 1794. S. 309. Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrg. S. 99 etc.)
In Königswalde bei Werdau erhielt sich bis 1630 folgendes:
Am Sonntag Lätare ward jährlich ein Strohbild verfertigt, welches in dem einen Jahre einen Mann, im andern ein Weib darstellte. Diesem Bild ward von den ledigen Personen beiderlei Geschlechts mit Hülfe einer Leichenfrau als eine Leiche angezogen, mit grünen Blättern und Wintergrünkränzen geziert, das Haar ward aus Flachs verfertigt, und das ganze Bild an eine Stange angemacht. Nach Endigung des Nachmittaggottesdienstes ward es durchs ganze Dorf getragen, und eine Menge Volks, groß und klein, folgte mit Gesang nach. Endlich ward es auf eine Wiese gebracht, mit Ungestüm zerrissen und in den Bach geworfen. Die Wiese, wohin in Königswalde dieses Bild gebracht ward, heißt noch heut' die Todenwiese; sie liegt neben der heiligen Wiese nach Langenhessen zu. Man nennt diese Ceremonie den Tod austreiben, und der Sonntag Lätare hieß der Todensonntag.
An einigen Orten des böhmischen Erzgebirges wird noch gegenwärtig am Sonntage Lätare das Todaustreiben unter der Bezeichnung des Todaustragens (»Tudaustrog'n«) gefeiert. Von fünf Knaben zieht sich einer als Tod (Winter) an, ein anderer als König, der dritte als dessen Tochter (Lenz) und die übrigen als Diener (Sommer und Herbst.) Der König, wohl den Herrn der Jahreszeiten personifizierend, trägt eine goldpapierne Krone und einen Rocken als Szepter. Die Königstochter ist ihrer Würde angemessen aufgeputzt, verschmäht es indessen nicht, Geld und andere Geschenke entgegen zu nehmen. Die Diener tragen Degen, der weißgekleidete Tod ein Bund Späne. Alle aber, mit Ausnahme des Winters, sind mit bunten Bändern geschmückt; deshalb heißt dieser Gebrauch auch der »Bändertod«. Die Gesellschaft zieht von Haus zu Haus und führt ein kurzes dramatische Spiel auf, dessen Inhalt folgender ist: Die Diener, in der Folge auch der Tod, halten um die Hand der Königstochter an. Letzterer büßt seine Vermessenheit mit dem Leben, indem ihn der König niedersticht. Die beiden übrigen Brautwerber stehen zitternd da, weil sie eine gleiche Strafe befürchten. Der König überwindet indessen seinen Zorn bald und lächelnd legt er die Hand des Sommers in die seiner Tochter, welche er auffordert, daß sie sich von dem anderen Freier durch Darreichung der von ihr gesammelten Gaben loskaufe.
An andern Orten tritt diese Sitte in nachfolgender Gestalt auf: Mehrere Knaben gehen mit einer langen Stange, an die oben ein Querholz befestigt ist, von Haus zu Haus und sammeln alte Kleider, die dem den Tod darstellenden Holzgerippe angethan werden. Nach Vollendung dieser Toilette ist der Teil der Vorbereitung vorüber und nun geht der eigentliche Umzug vor sich, indem man den Tod durch das Dorf trägt und dabei singt:
»Tud aus! Tud aus! Hätt'n m'r 'n Tud nich ausgetrog'n, Hätt ar uns im Bett erschlog'n. Tud aus! Tud aus!«
Zuletzt wird der Popanz ins Wasser geworfen. Dies ist das Signal für die Knaben, eilends die Flucht zu ergreifen. Wer am meisten zurückbleibt, heißt der »Tud'nvota« und wird als solcher das Jahr über geneckt.
Das Todaustragen ist ein Privilegium der Mädchen. Knaben bringen ihnen aus dem Walde ein kleines Fichtenbäumchen. Die Mädchen schmücken erst dieses und dann sich selbst aufs beste und schönste. Darnach tragen sie das Bäumchen von Haus zu Haus und singen in jedem ein Liedchen, wofür sie Kuchen, Kaffee und Geld erhalten. Letzteres wird zu Kerzen für die Kirche oder Kapelle verwendet.
Das Todaustreiben fand sich früher an vielen Orten Sachsens, besonders der Lausitz und des Vogtlands, ferner in Böhmen, Schlesien u. s. w. Meist wurde dabei von den jungen Burschen ein Strohmann, welcher den Winter, in der späteren christlichen Zeit aber den Tod vorstellte, angeputzt, unter Gesang durch das Dorf getragen und endlich ins Wasser geworfen oder verbrannt. Mit grünen Zweigen geschmückt kehrte die Jugend wieder heim. Im Vogtlande sang man dabei das Lied:
»Wir alle, wir alle kommen 'raus, Und tragen heute den Tod 'naus, Komm' Frühling wieder mit uns in das Dorf, Willkommen lieber Frühling!«
In Deutsch-Böhmen sang man:
»Nun treiben wir den Tod aus, Den alten Weibern in das Haus, Den Reichen in den Kasten, Heute ist Mitfasten!«
Das Todaustreiben war ein Nachklang des alten Frühlingsfestes, von dem wir auch Andeutungen bei den alten Griechen und Römern, ja selbst in Persien und Indien finden, und das jedenfalls die indoeuropäischen Völkerstämme aus ihren Ursitzen in Asien mitbrachten. Bei den heidnischen Germanen wurde es vielleicht zu einem Feste der Ostara, der Göttin des aufgehenden Lichtes, oder der mütterlichen Erdgöttin Nerthus oder auch Odhins, bei den Slaven zu einem Feste der Ziva, der Göttin des Lichts und der Fruchtbarkeit.
Es ist sicher, daß die in verschiedenen Gegenden gefeierten Maifeste, bei denen eine Maikönigin oder ein Maikönig einzog, oder ein Maigraf aus dem Walde in die Stadt eingeholt wurde, oder bei denen man den in Tannenrinde und Laub gehüllten Pfingstbutz zu Roß ins Dorf führte (s. Mannhardt, die Götter der deutsch. und nord. Völker, S. 144 etc.), mit dem Todaustreiben gleiche Bedeutung hatten. Wegen der in unsern Gegenden zu zeitigen Feier des Frühlingsfestes im März, da häufig noch Eis und Schnee die Fluren deckte, wurde dieselbe vielfach auf den sonnigen Mai verlegt und jetzt nun nicht mehr der Winter verjagt, sondern der vor der Thür harrende Frühling eingeholt und begrüßt. (S. über die Frühlingsfeier bei den Germanen und Slaven: Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I. S. 142--152.)
800. Der Totenteich bei Tharand.
(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 101. Gräße, Sagenschatz etc. No. 268.)
Wenn man durch Tharand hinauf am Amthause vorbei nach dem Kalkofen und dann weiter im Thale fortgeht, so kommt man in den sogenannten Ebergrund und zur Ebermühle, bei welcher der von dem Mühlbache gebildete Totenteich liegt, der seinen Namen davon hat, daß früher bis an das Ende des vorigen Jahrhunderts die Sitte herrschte, wenn die Bewohner der umliegenden Dörfer den Tod austrieben, den diesen vorstellenden Strohmann hier hineinzuwerfen. Man behauptet, bei hellem Sonnenschein in der Tiefe noch heute das steinerne Bild desselben liegen zu sehen.
801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 757.)
Im Erzgebirge trägt man sich mit einer alten Tradition, daß wilde Waldleute bisweilen an die Waldhäuser gekommen seien. Solcher wilden gebirgischen Satyren erinnerten sich vor Alters die Einwohner und Bergleute bei ihrem »Quaß« und Fastnachtsspiel, bei welchem sie jährlich zwei wilde Männer verkleidet, den einen in Reisig und Moos, den andern in Stroh gehüllt, auf den Gassen umhergeführt, endlich aber auf dem Markt herumgejagt und endlich zum Schein niedergeschossen und gestochen haben. Die verkleideten Personen riefen dabei durch ihr Taumeln und ihre seltsamen Gebärden Gelächter hervor und spritzten dabei aus angefüllten Blasen Blut unter die umstehenden Leute, ehe sie als Tote niederfielen. Dann faßten sie die Jäger, legten sie auf Breter und trugen sie ins Wirtshaus. Die Bergleute gingen daneben her und bliesen durch ihre Pechpfeifen und Grubenleder auf, als hätten sie ein stattliches Wildpret gefangen. Dergleichen Aufzüge hielt man vor dem dreißigjährigen Kriege; aber darnach sind sie abgekommen.
Auch dieses Fastnachtsspiel war jedenfalls ein Überrest der alten Frühlingsfeste; seine Bedeutung ist aber hier sehr verwischt worden. Der in Reisig und Moos gehüllte Mann sollte den Frühling, der Strohmann dagegen den Winter darstellen. Ursprünglich haben beide wohl miteinander gekämpft, bis der Frühling den Winter besiegte. Daß solche Kämpfe zwischen den persönlich dargestellten Jahreszeiten Winter und Frühling (Sommer) wirklich, z. B. in Schweden und Gothland, dargestellt worden sind, dafür bringt Jac. Grimm in seiner deutschen Mythologie mehrere Beispiele; auf S. 440 heißt es daselbst: Ein vermummter Sommer und Winter, jener im Epheu oder Singrün, dieser in Stroh oder Moos gekleidet, traten auf und kämpften so lange miteinander, bis der Sommer siegte. Dann wird dem zu Boden geworfenen Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein sommerlicher Kranz oder Zweig umhergetragen.
802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.
(Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 271.)
In Freiberg kehrt alljährlich am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli, ein besonderer Bergfeiertag wieder, an welchem vormittags im Dome eine große Kirchenparade der Bergleute und eine Bergpredigt abgehalten wird. Bei Gelegenheit im Jahre 1737 angestellter Erörterungen ergab sich, daß die Freiberger Bergleute bis dahin den Maria-Magdalena-Tag angeblich seit länger als 200 Jahren am sogenannten Hungerborne gefeiert hätten, woselbst sogar zu Zeiten gepredigt worden sein sollte. Dieser Brunnen, welcher wegen seines guten und reichlichen Trinkwassers besonders von den benachbarten Huthäusern stark benutzt wurde, lag etwa eine Viertelstunde nordwestlich von dem Huthause »Beschert Glück« im Ratswalde und ist erst im Jahre 1790 infolge der von »Beschert Glück« betriebenen Grubenbaue weggefallen. Eine Meinung der damaligen Bergleute schreibt den Ursprung seines Namens einer Frau Maria Magdalena Hunger zu; die Veranlassung zum Festtage, dessen althergebrachte Feier sich die Bergleute 1737, als solche auf den nächsten Sonntag verlegt werden sollte, »erstritten« haben, soll sich aber daher schreiben, daß die Kurfürstin Magdalena Sybilla, Witwe des Kurfürsten Johann Georgs II, als sie ihren Namenstag am Hungerborne feierte, den Bergleuten für alle Zeiten ihren Namenstag daselbst zu feiern angeordnet habe. Gewiß ist, daß die Bergleute bis zum Jahre 1737 die Umgebung des Hungerbornes als einen gewohnten Versammlungsplatz betrachteten und als solchen benutzten; ja noch in unserm Jahrhunderte fand daselbst zu gewissen Zeiten im Jahre, besonders Pfingsten, ein großer Zusammenfluß von Personen aus der Umgegend statt. Man unterhielt sich dabei mit Musik und Spielen.
Die Feier des »Streittags« fand sich wahrscheinlich in allen sächsischen Bergrevieren vor. Meltzer schreibt in seiner »bergkläuffigen Beschreibung der Bergk-Stadt Schneeberg«, (1684. S. 3), daß die Bergleute daselbst diese Feier »mit dem Schwerte errungen hätten«, und er vermutet, daß solches bei dem Aufstande der Bergleute im Jahre 1496 geschehen sei. Herzog Heinrich der Fromme ließ den Maria-Magdalena-Tag bei Einführung der Reformation 1539 ausdrücklich als bergmännischen Feiertag fortbestehen, und derselbe wird auch noch gegenwärtig in Schneeberg durch Bergaufzug, Gottesdienst und eine Ergötzlichkeit der Bergleute gefeiert.
803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.
(Lehmann, Chronik der Stadt Chemnitz, S. 158.)
Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des Faschings auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser Schwerttanz ist noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und Hallstadts üblich, und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem Trommler und zwei Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem Spruche auftraten:
Wir treten herein ganz edel und fest, Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best'; Grüßten wir einen und den Andern nicht, So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht; Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt, Wir tragen das Schwert in unserer Hand. Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz!
Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes von seinem Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen über Schwerter. Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum, hob sie wieder auf und bildete eine Schnecke, die sich wieder auseinander winden mußte, ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze seines Nachbars losließ. Dann trat ein Hanswurst in den Kreis und kniete nieder. Die Tänzer hielten ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer schwang sich auf diese Schwerter und sprach folgenden Spruch:
Da bin ich heraufgestiegen, Wär' besser, ich wär' unten blieben; Der Fasching ist ein verthunlicher Mann, Hat all sein Hab und Gut verthan; Er hat verthan sein Hab und Gut, Bis auf einen alten zerrissenen Hut. Er reist das Land wohl auf und nieder, Was er bekommt, versäuft er wieder; So spring' ich aus dem grünen Kranz, Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz.
Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das erste; die Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und Nachtänzer allein waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten, mit den übrigen die Schwerter zusammenschlugen und so unter dem Jubelruf der Zuschauer schlossen.
804. Strafe für zänkische Weiber.
(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.)
Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt, übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem einen Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel, welches sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und der Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte war auch ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten: »Du bist eine Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in alten Zeiten diese Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen, öffentlich hätten herumgetragen werden müssen.
Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der Rathausthüre einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von bleiernem Gewichte an den Hals gehängt.
In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh. eine gewöhnliche Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte Schandsteine, welche die Form von runden Flaschen hatten, an einer eisernen Kette um den Hals durch die Stadt tragen mußten. Man nannte diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus des Büttels Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig gab es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen, rauften oder einander schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu anfertigen ließ. An manchen Orten wurden auch diejenigen Personen damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm machten. Da und dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie die Form von Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter Statut von 1348 sollten sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren die »losmäuligen« Frauen wohlhabend, so konnten sie sich von dieser schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit einem roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche Städtewahrzeichen, I. S. 54.)
805. Strafe für liederliche Weibspersonen.
(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)
Es war sonst in Crimmitschau die Gewohnheit, welche auch an andern Orten, z. B. in Schmölln, eingeführt war, daß liederliche Weibspersonen sich auf den niedern Stadtturm begeben mußten, allwo oben auswendig ein großer Korb befindlich war. In diesen mußten sie sich setzen, worauf sie dann jählings in den unten am Thore befindlichen Teich herabgelassen wurden.
806. Wie das Lehen gereicht wurde.
(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)
Wenn sonst jemandem in Crimmitschau das Lehen gereicht wurde, so beobachtete man die Zeremonie, daß dem Empfänger vom Gerichtsdirektor oder Amtmann ein runder Hut dargereicht wurde, woran der Empfänger greifen mußte, und wenn mehrere etwas in sämtliche Lehn empfingen, so mußten ebenfalls alle diesen Hut berühren.
807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.
(Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes, S. 180.)
Eine Gewohnheit, welche in Crimmitschau ausgeübt wurde, war, daß die Witwen, welche sich zum zweiten Male verheirateten, der Gerichtsherrschaft ein Bett abgeben mußten.
Hidda, Friedrichs und Dedaus, Grafen zu Eilenburg Schwester, verordnete, daß jede Witwe, welche sich wieder verheiratete, dem Amtmann (~praefecto arcis~) zwei Schreckenberger in einem Beutel ohne Naht geben sollte.
808. Das Bärenprivilegium für Lößnitz.
(C. Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. 1. B. Schneeberg 1837. S. 8.)
In der ältesten bekannten, aus dem Jahre 1284 stammenden Urkunde von Lößnitz erhielt die Stadt das Privilegium, daß sich in seinen Mauern kein Mönch oder Priester häuslich ankaufen sollte, sowie kein Edelmann. Letzteres soll der Sage nach davon kommen, daß ein Edelmann, mit Namen von Hagenest, im Jahre 1283 einen Bären gehabt, der sich von der Kette losgerissen und eines Bürgers Kind erwürgt. Darauf hätten die Bürger den Bären samt dem Edelmann erschlagen. Daher das Privilegium, welches deshalb auch das Bärenprivilegium hieß.
Anhang.
809. Der Wegzug der Zwerge.
(A. Stropnitzky in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 120.)
Am rechten Ufer der Eger liegt bei dem Dorfe Sosau eine Bauernwirtschaft, deren Besitzer schon seit Menschengedenken den Dienst von Fährleuten versehen haben. Eines Tages kam nun zu dem Bauer ein kleines Männchen und sagte, er wäre der Zwergkönig und wolle mit seinem Volke aus der Gegend auswandern, da die Leute schon das Brot in den Ofen und die Knödel in den Topf gegeben hätten. Der Fuhrmann möge sich für seine Arbeit eine Mütze voll Gold oder für jeden Zwerg einen Pfennig wählen. Der Bauer wählte das Erstere. Am nächsten Morgen kamen die Zwerge, aber alle unsichtbar; nur durch den Lärm, den sie verursachten, wurde es dem Bauersmanne klar, daß er sein Werk beginnen könne. Er band also den Kahn los, und tief sank dieser in das Wasser, so schwer war er beladen. Doch sah der Fährmann niemanden. Bereits den ganzen Tag hatte er schon gearbeitet, und noch immer war kein Ende. Als er nun von neuem leer herübergekommen war, trat der Zwergkönig zu ihm heran, lobte ihn und gab ihm den bedungenen Lohn. Zugleich sagte er, daß er noch einmal hinüberfahren müsse. Der Fährmann war in den Kahn gestiegen und der Zwergkönig folgte ihm. Als sie nun in der Mitte der Eger waren, fragte der Zwergkönig, ob der Fuhrmann nicht sehen wolle, wie viel Zwerge er hinüber gefahren habe. Und als der Fährmann diesen Wunsch äußerte, so schlug der Zwergkönig mit seinem Stabe in die Lüfte, und nun sah der Fährmann die ganze Straße und die benachbarten Felder mit Zwergen erfüllt. Doch nur einen Augenblick währte es, und alles war wieder vorbei. Seitdem sind die Zwerge aus der Gegend verschwunden.
In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen.
810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.
(Nach der Mitteilung von H. Weißflog.)
An der Grenze der Dörfer Unterscheibe und Markersbach, unterhalb des sogenannten Vogtelgutes, läßt sich in stürmischen Nächten ein schneeweißer Hund mit rotleuchtenden Augen sehen, dessen Klagegeheul schauerlich durch die Nacht tönt. Er thut jedoch niemandem etwas zu Leide. Es soll dies der Hund eines Schäfers sein, der seinem Herrn sehr treu ergeben war. Der Schäfer hat sich einst in jener Gegend erhängt, und der Hund soll nun seinen Herrn suchen.
811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.
(Mitgeteilt vom Seminarist Emil Müller.)
Alte Leute in Thierfeld bei Hartenstein erzählen von einem Geiste, dem sogenannten Schmiedmönch, welcher früher in der Schmiede des Ortes sein Wesen getrieben haben soll. Den Kindern ist er zu einem Schreckgespenst geworden, denn wenn dieselben nicht folgen wollen, so droht man ihnen mit dem Schmiedmönch, welcher jetzt neben der Schmiede unter den Wurzeln eines Strauches wohnen soll.
812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche zu Schneeberg zugemauert wurde.
(Nach einer Mitteilung des Archidiakonus Blanckmeister in Schneeberg.)
Ursprünglich hatte die St. Wolfgangskirche in Schneeberg drei Haupteingänge, von denen aber derjenige, welcher sich der Superintendentur gegenüber an der Turmseite befand, später zugemauert wurde. Als Veranlassung dazu wird folgendes erzählt: Ein früherer Pfarrer hat sich alle hundert Jahre des Nachts sehen lassen, und das letzte Mal soll er dem Pfarrer W. erschienen sein. Um nun das Wiedererscheinen des Gespenstes für alle Zeiten zu verhindern, vermauerte man nicht nur den oben bezeichneten Kircheneingang, sondern auch die gegenüberliegende Hausthüre der Oberpfarrerwohnung, welche sich auf der schmalen Seite des Hauses befand, und verlegte sie nach der Breitseite, wo sie sich noch heute befindet. Trotzdem glaubt man noch jetzt, daß es auf dem Kirchplatze nicht richtig sei, und man bringt z. B. das vor einer Reihe von Jahren auf dem Platze geschehene Unglück, wobei ein Arbeiter durch einen Erdfall ums Leben kam, damit in Zusammenhang, indem viele meinen, daß der umgehende Geist sein Opfer gefordert habe.
813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.
(Johann Vulpius, ~Plagium Kauffungense~, das ist: Der Chur-Fürstl. Sächß. Printzen durch Conrad (Curt, Cuntz) von Kauffungen, geschehene Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg, wie sich solche ~Anno~ 1455 zugetragen. Ohne Jahrzahl.)
Nachdem Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Prinzen Ernst und Albert aus dem Schlosse Altenburg geraubt hatte, setzte er den erst genannten Prinzen auf ein gut gesattelt Roß und führte ihn bei finsterer Nacht nach dem Lande Böhmen zu, erstlich durch die Leine, so ein Wald oder Holz bei Altenburg gelegen, ferner durch die Rabensteiner Wälder bis ohnfern Elterlein um die Gegend des Klosters Grünhain, dahin er bei aufgehendem Mondschein gegen Morgen gekommen, vermeinend, nun mit seinem hohen Gefangenen leicht vollends nach Böhmen zu gelangen. Die andern haben den Prinzen Ernst auch auf ein Roß gesetzt und zwischen sich einen andern Weg davon geführt, willens ihn durch das Vogt- und Frankenland durch einen andern Strich in ihre Gewahrsam zu bringen; denn sie hatten sich dessen zuvor mit einander verglichen, diesen Raub durch unterschiedliche Wege wegzubringen, und obschon ein Teil mit seinem Prinzen ergriffen würde, so sollte doch der andere Teil seinen gefangenen Herrn nicht eher von sich geben, es wäre ihnen denn allen das Leben und Straffreiheit zugesagt.
Unterdessen ist auf dem Schlosse zu Altenburg ein groß Wehklagen, bei den Hofleuten aber ein großer Schrecken entstanden. Man hat es durch einen Eilboten gen Leipzig dem Kurfürsten zu wissen gethan, dem anfänglich diese That fast unglaublich vorgekommen. So haben die Hofleute auch nicht gesäumt, sondern von Stund an in alle Gegenden geschicket, sind auch zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag in allen Städten und Dörfern angehen zu lassen, dadurch das ganze Land rege geworden, sintemal immer eines dem andern auf frischem Fuße gefolget, auch den Nachbarn zu wissen gethan, und alle Straßen beleget. Im Städtlein Geyer ist von den heftigen Glockenschlägen über diesem Sturme die Glocke zersprungen. Solchen Sturmschlag und Nacheilen hat Kunz von Kauffungen wohl gehöret, weil er aber bei Mittagszeit den Wald erreichet, verhoffte er leichtlich davon zu kommen. Da er nun nicht über eine halbe Meile bis zur böhmischen Grenze gehabt, hat es Gott sonderlich geschickt, daß den jungen Herrn, Herzog Albrechten (Albert) sehr gehungert und gedürstet, welches er Kunzen mit den Worten beklagt: Wo er nicht zu essen und zu trinken bekäme, würde er Krankheit halber nicht weiter kommen können, sondern müsse liegen bleiben. Solches besorget Kunz selbst, sintemal er ihn von Mitternacht bis nun fast gegen Mittagszeit auf einem schnell trabenden Rosse geführet. Deswegen behielt er einen Reiter bei sich und stieg vom Pferde ab, in Mangel anderer Speise dem Herzoge im Walde Erdbeeren abzupflücken; seine andern Reiter, derer fünf gewesen, hieß er ein wenig auf den Halt voranreiten, er aber spazierte im Walde mit dem Prinzen ein wenig abseits, Erdbeeren zu suchen. In diesem Walde arbeiteten aber unterschiedliche Köhler. Von denen war ein Junge, namens Urban Schmidt, gen Geyer geschickt worden, einen Kober voll Brot, Salz und andere nötige Dinge zu holen. Dieser Junge hatte das Anschlagen der Glocken gehört, dazu vernommen, wie die große Glocke von gemeldetem Stürmen geborsten und die Rede gegangen, es hätte der Feind zu Altenburg einen Einfall gethan, das Schloß erstiegen und einen großen Raub weggeführet. Weil man nun dazumal von keinem Krieg noch Feinde wußte, der Junge auch nicht mehr erzählen konnte, so gerieten die Wäldler oder Köhler in große Verwunderung und Bestürzung.
Dazwischen begab sichs, indem Kunz von Kauffungen mit dem Prinzen und seinem Reiter über dem Erdbeersuchen etwas tiefer vom Wege ab im Walde spazierten, und am Fürstenberge, der von dieser Geschichte den Namen bekommen, Beeren pflückten, daß durch sonderbare Schickung Gottes ein Köhler, mit Namen Georg Schmidt, welcher in der Gegend ohnweit Grünhain und dem Dorfe Raschau Kohlen bereitet, im Walde sich umzusehen daher kommet und seinen Hund bei sich hatte. Dieser Hund wird fremder Leute innen, schlug also bellend an und führete seinen Herrn, den genannten Köhler, welcher einen dichten Schürbaum zum Waldgewehre in der Hand hatte, an den Ort. Dieser Köhler siehet, daß Kunz ein Panzerhemd anhatte, auch ein Pferd an der Hand führte, dazu, daß der bei ihm befindliche Knabe schön, zart und adliger Gebärden; lässet sich daher bedünken, es möge nicht recht zugehen, und fraget trotzig, wie der Wäldler Art ist, von wannen er mit dem Knaben komme und wo er hinaus wolle? Darauf ihm Kunz antwortete: Es sei ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen, dem müsse er ihn wieder bringen. Wie sie aber miteinander ein wenig fortgehen, fällt Kunz von Kauffungen in dem Gestrüppe, Gebüsche oder Hecken, darinnen er mit seinen langen Sporen hängen blieb, und konnte wegen der schweren Rüstung, und daß er das Roß an der Hand nicht wollte fahren lassen, nicht wohl wieder aufkommen. Da er nun also lieget, spricht Prinz Albrecht heimlich zum Köhler: Ich bin ein Fürst von Sachsen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl vergelten. Darauf Jan Schweinitz, Kunzens Reisiger, sein Schwert über den Prinzen gezogen, daß nicht viel gefehlet, er hätte ihn umgebracht. Sobald der Köhler solches vernommen, auch des Reiters Ernst gesehen, erinnert er sich der oben gemeldeten Zeitung, die der Junge von Geyer mitgebracht, glaubet des Prinzen Rede, spricht dem Reiter ernstlich zu, solche Gewalt bleiben zu lassen, hetzet seinen Hund an, welcher sich sehr laut machet, Schweinitzen anfällt und stattlich zurückhält; er aber hat mit seinem Schürbaume auf Kunzen, welcher wegen seiner Rüstung nicht flugs hat aufkommen können, so wohl als auf den Reiter tapfer zugeschlagen, hätte auch vielleicht Kunzen totgeschmissen, wenn nicht der Prinz treulich gewehret und für ihn gebeten. Da nun der Köhler sich mit Mund und Händen sehr gereget, der Hund auch trefflich gebellt, läuft des Köhlers Weib aus dem Kohlenkrame auch herzu und siehet, was für ein Streit da ist. Als sie ihren Mann auf Kunzen schlagen siehet, denket sie, es seien Räuber da und giebt alsbald das gewöhnliche Waldzeichen, so die Köhler im Gebrauche hatten, daß sie mit einem großen Messer oder Zschörper auf eine Holzaxt schlagen. Hierauf liefen alsbald andere Köhler mit Äxten und Schürbäumen zu, nahmen Kunzen und seinen Reiter gefangen, den Prinzen führeten sie in einen Kohlkram, gaben ihm schwarz Brot zu essen und Wasser zu trinken, zeigeten es auch unverzüglich der Obrigkeit, nämlich dem Abte des Klosters Grünhain an, welcher alsbald Befehl gab, die vorangeschickten fünf Reiter auch aufzusuchen, und also geschahe es, daß noch diesen Tag, welcher war Kilianitag, Kunz von Kauffungen mit sechs seiner Gesellen in gefängliche Haft gebracht wurde. Diese Gefangenen überantwortete der Abt noch denselben Tag dem Oberamtmann von Schönburg auf Glauchau und Hartenstein nach Zwickau, welcher sie festsetzen und die übrigen ferner verfolgen ließ.
Die übrigen Prinzenräuber, Wilhelm von Mosen, Wilhelm von Schönfels und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten, hatten versucht beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein der Pfarrherr war nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht finden, als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über dem Schlosse Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten. Denn sie höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel die Verfolgung wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz und etliche seiner Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset wäre, geschwinde aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten, es möchte ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde waren ihnen bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr vergaßen sie des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit dem Prinzen auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schickten sie einen vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie schrieben, sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt bei sich; wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens, ihrer Ehre und ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen ausliefern, wo nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst töten. Der Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies darauf bei seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten sie den Prinzen am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen Eltern nach Chemnitz überbrachte.
In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere des Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist es sehr unwahrscheinlich, daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei Grünhain und in unmittelbarer Nähe der damaligen Grenze von Böhmen noch eine Rast hielt, während ringsum die Sturmglocken ertönten. Die Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine zufällige, sondern vielmehr ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, daß sich dabei der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb. Die Altzeller Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen von ungefähr »ein arm Mann« (der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen sei und dem Abte zu Grünhain, was er gesehen, gemeldet habe; er habe auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz gefangen worden. Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung des Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß ihm und darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich ein Scheffel Korn ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit dem sogenannten Trillergute in Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine Nachkommen den Namen »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, d. h. geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten und daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von Kauffungen, Mitteilungen des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)
814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)
Nach »~Loci theologici historii~, oder Theologisches Exempel-Buch« von Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage:
Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg genannt, ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem Anblasen oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum man auch dieselbige Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an Silber gewesen, hat müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder Hauch, damit er die Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen heraus gehen: denn wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt mit langem Hals und greulichen Augen ist gesehen worden.
815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu Nr. 239.)
Nach »~Loci theologici historii~ oder Theologisches Exempel-Buch (Leipzig 1684)« S. 137 lautet diese Sage:
~Anno Christi~ 1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig gewesen, fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige Sakrament oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel besessen, ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft niedergeworfen, als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben hierüber bei Wahrsagern Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu Schutz seiner Gewalt angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen, leibhaftig aus der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen lassen, wie ein Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie solche Vögel pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus ihr geredet, daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer Zulauf vom Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche Dinge zu hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit ihm zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben.
Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber mit zu Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi gerufen, hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen gesessen und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein Hühnerei, die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen lang zum Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet, also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn sie Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und müsse ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr davon hülfen.
Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin kommen und haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über die Maßen höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn man von Christo Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische Fabel gekommen, daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er auch befraget, wie er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in einem Trunk Bier einges..., zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt, denn er sei ihr zwei Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin gelaufen, habe er desto besser Platz bekommen.
Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm Fliegen ausgefahren.
816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu Nr. 247.)
(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)
Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht in einem romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen Katzenmühle führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand schon diese Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. Bei derselben befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich hauste, daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, sondern dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später Nacht und im schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei Bären, welcher sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich um Nachtquartier bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. Mitleidig erklärte der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine Person gerne Quartier geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht unterzubringen, weil er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und in einem andern hause ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin bleiben könne. Gedrungen von der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, daß er ihm den Stall, wo das Gespenst sei, nur einräumen solle, seine Bären möchten sehen, wie sie mit dem Gespenst fertig würden. Nach mancher Einwendung gewährte der Müller dem Fremden seine Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall zog und sie ihrer Maulkörbe entledigte. Um Mitternacht erhob sich ein schrecklicher Lärm in dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen anhielt; dann wurde es endlich still.
Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach dem Stalle eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf mit ihnen seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den Wald, um sich etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei kam, rief ihn eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen noch in seinem Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme seines bösen Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie werden auch immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen Geistes entledigt.
817. Der Geldkeller auf dem Greifenstein. (Zu Nr. 284.)
(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)
Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinauf auf den Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt an die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, eilte sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie plötzlich am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten sich in ihrem weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte den Eingang. Eine freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, die sie erinnerte, ihre Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen Mut und furchtlos bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und mehr verengte sich mit jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend entfloh sie mit schnellen Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am Ausgange war, ergriff der Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das geängstigte Weib starb am folgenden Tage.
818. Gottes Speise bei Zwickau. (Zu Nr. 435.)
Diese Sage befindet sich auch in »~Loci theologici historii~, oder Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durch ~M. Casparum Titium~, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, als er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: Ist doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide brachte mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer wollte hier sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?
819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. (Zu Nr. 537.)
(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)
Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins Gebirge, von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen. Unkundig des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend wohin er geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach einer Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge und die Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes durchzog er den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte leise atmend auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft aus der Ferne herüber trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine kleine Geistergestalt ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen. Ihr Weg ging nun über Stock und Stein und fand endlich an den Felsen des Greifensteins sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst befindliche Höhle eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe dem staunenden Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von Silber, seine Tische von Gold zu sein. Aus tausend goldenen, mit Edelsteinen besetzten Leuchtern, in denen die Strahlen der Lichter sich unzähligemal brachen, strömte ein überirdischer Glanz über das ganze Gewölbe. Eine lange, köstlich besetzte Tafel zog sich in demselben herab und war mit ehrwürdigen Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen Speisen sättigten. Ein Diener lud ihn ein, sich zu setzen und ein anderer brachte ihm schon, indem jener noch sprach, Speisen von der langen Tafel. Da endlich der Wanderer davon genoß, ward er zusehends erquickt und fröhlich und gutes Muts. Die ehrwürdigen Berggeister aber freuten sich sichtbar über ihn und befahlen den Dienern, ihm den Reisesack zu füllen, den er bei sich hatte. Mit herzlichem Danke schied er darauf von seinen Wirten. Als er aber im Scheine des Mondes und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht bei den ersten Strahlen der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten ihm die Goldgeschirre und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im Gewölbe in Erstaunen gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen Berggeister hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen Böhmen zog. Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte in einem ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Ansonsten wurde die Originalschreibweise beibehalten.
Korrekturen und Anmerkungen:
S. X: Alberoda → Alberode 78. Der Laternenmann in {Alberode}.
S. XIX: Schönburg → Schönberg Woher das Wappen der Herren von {Schönberg} entstanden ist
S. 71: Nixenhügel → Nixentump {Nixentump}, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist
S. 331: der → den Die Quelle, welche {den} See geschaffen
S. 334: Anstand → Abstand so daß {Abstand} genommen wurde
S. 503: innen → ihnen denen der Abtei Grünhain mitten {ihnen} lag