Sagenbuch des Erzgebirges
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Sagenbuch
des Erzgebirges
von
~Dr.~ Joh. Aug. Ernst Köhler,
erstem Oberlehrer am Königlichen Seminare in Schneeberg, Vorsitzendem im Gesamtvorstande des Erzgebirgsvereins, Ehrenmitgliede der oberlaus. Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz sowie des vogtländ. altertumsforschenden Vereins in Hohenleuben, Mitgliede des Altertumsvereins zu Freiberg, Ehren- und korrespondierendem Mitgliede mehrerer naturwissenschaftlichen Gesellschaften u. s. w.
Schneeberg und Schwarzenberg.
Verlag und Druck von Carl Moritz Gärtner.
1886.
Vorwort.
In einer Zeit, da sich die Teilnahme weiterer Kreise dem Erzgebirge, seiner Natur und dem auf demselben pulsierenden Volksleben zugewandt hat, verdienten gleich den Sitten und Gebräuchen und den schlichten Volksliedern auch die Sagen gesammelt und zu einem Ganzen vereinigt zu werden. Besitzen doch andere deutsche Gebirge schon längst ihre Sagensammlungen. Zwar haben bereits in den Jahren 1822 und 1824 Dietrich und Textor zwei Bändchen erzgebirgischer Sagen herausgegeben; niemand aber, der diese 22 Nummern starke Sammlung kennt, wird behaupten wollen, daß uns in derselben ein wirkliches Sagenbuch des Gebirgs geschenkt wurde. Einem solchen haben in anerkennenswerter Weise Gräße und Ziehnert durch ihre sächsischen, Grohmann, Bernau, Wenisch und andere durch ihre böhmischen Sagen vorgearbeitet, und ebenso bieten Chroniken und die periodische Litteratur viel zerstreutes Material, das mit den immer spärlicher werdenden mündlichen Überlieferungen zu einem erzgebirgischen Sagenbuche vereinigt werden mußte.
Das Erzgebirge ist ein völlig abgeschlossenes Ganzes, dessen südliche Grenze von den Teplitzer und Komotauer Kohlenmulden und dem Egerthale bis Mariakulm gebildet wird. Dabei haben wir das sogenannte »Elstergebirge«, welches geologisch jedoch keine Selbständigkeit beanspruchen kann, sondern als nordöstlicher Ausläufer des Fichtelgebirgs zu betrachten ist und dasselbe unmerklich mit dem Erzgebirge verbindet, von letzterem abgetrennt. Der quellenreiche Abhang des Schönecker Schieferplateaus mit seinen tief eingeschnittenen Thälern und steilen Abhängen trägt jedoch so unverkennbar den erzgebirgischen Charakter an sich, daß wir dasselbe auch in unser Sagengebiet mit eingeschlossen haben. In Böhmen würde der gegen Schönbach gekehrte Abfall und der Leibitschkamm mit den Mariakulmer Bergen die westliche Grenze bilden. Von dem Schönecker Plateau ist dieselbe dann weiter über Falkenstein und Auerbach ins Göltzschthal und von dort an der Westgrenze der Kirchberger Granitinsel über Irfers- und Hauptmannsgrün bis in die Gegend von Neumark und an der Pleiße abwärts nach Frankenhausen bei Crimmitschau zu ziehen. Da das erzgebirgische Becken in vorliegender Sagensammlung ebenfalls berücksichtigt worden ist, so verläuft die Nordgrenze des Gebiets nordöstlich von Crimmitschau über Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Oberrabenstein, etwas nördlich an Chemnitz vorüber nach Frankenberg, Hainichen und Siebenlehn nach Nossen. Die Ostgrenze zieht sich von Nossen über Tharand, den Wilisch nach Gottleuba und von da bis nahe an die Tyssaer Wände, westlich vom hohen Schneeberge fort. Obschon diese östliche Grenze gewöhnlich von Nossen aus über Grillenburg nach Dorfhain und Seifersdorf südlich von Tharand und Rabenau gezogen wird, so glaubte der Verfasser doch beide letztgenannten Orte mit einschließen zu müssen, da der bis an die Weißeritz sich fortsetzende Tharander Wald nur als ein letzter Ausläufer des Erzgebirges anzusehen ist.
Im Jahre 805 zog ein Teil des Heeres bei dem Feldzuge, welchen König Karl, Kaiser Karls des Großen Sohn unternahm, über »Fergunna«, d. h. das Waldgebirge, worunter jedenfalls das Erzgebirge als ein Glied des Ptolemäischen Sudetengebirges, verstanden werden muß. Unser vaterländisches Gebirge war zu jener Zeit noch unbewohnt und dunkler Nadelwald bedeckte dasselbe. Im 10. und 11. Jahrhunderte tritt daher der Name »Miriquidi«, d. h. Schwarzwald, für dasselbe auf, welcher jedoch auch den Colditzer Wald, nicht aber das östliche Erzgebirge umfaßte. In den darauf folgenden Jahrhunderten finden wir des Erzgebirges nicht besonders gedacht, denn der Anbau schritt auf demselben nur sehr sparsam fort. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts aber begegnet man neben den Bezeichnungen »böhmisches Gebirge« und »böhmischer Wald« vereinzelt bei Petrus Albinus auch dem Namen »Erzgebirge«, womit jedoch nicht das ganze Gebirge, sondern nur die Gegenden bezeichnet wurden, in denen Bergbau getrieben ward. Selbst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die letztere Bezeichnung noch nicht recht eingebürgert, obschon wir jetzt bereits dem Ausdrucke »erzgebirgischer Kreis« begegnen.
Aus dem »Waldgebirge« war im Laufe der Jahrhunderte ein »Erzgebirge« geworden; ehe aber dieser Name allgemeinen Eingang in der geographischen Litteratur gefunden hatte, waren schon längst die ersten Gruben zur Erzgewinnung im Betriebe. Wenn auch die slavischen Bewohner an dem Fuße des Gebirges in den Sudpanien Daleminzi und Chutizi, welche letztere sich selbst in die Thäler des alten Miriquidi hinaufzog, vorherrschend Ackerbau trieben, so haben sie doch als nicht ungeschickte Metallbearbeiter jedenfalls auch Erze gesucht. Der älteste erzgebirgische Bergbau bezog sich vielleicht nur auf die Gewinnung von Zinn-, Kupfer- und Eisenerzen, und erst später trat der Silberbergbau hinzu. Letzterer veranlaßte die Gründung Freibergs in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Damals kamen unter ihrem Vogte Hermann von Gowische Harzer Bergleute, und fortgesetzt hat dann der Zuzug in unser Gebirge, auch aus der bayrischen Oberpfalz, dem Fichtelgebirge und Bezirke von Eger fortgedauert. Schon um das Jahr 1000 hatten Einwanderungen Deutscher in die oben genannten slavischen Gaue stattgefunden und es wurden damals Orte, wie Sachsenfeld, Sachsengrün, Frankenstein, Frankenberg, Frankenhausen u. s. w. gegründet, welche in ihren Namen noch die Erinnerung an diese ersten deutschen Ansiedler erhalten haben. Ebenso weist die Übereinstimmung von Ortsnamen in der Eibenstocker Gegend mit solchen im egerschen Bezirke und in Bayern oder im Harze auf frühere Einwanderungen hin. Vermutlich wurde z. B. auch gegen das Ende des 15. Jahrhunderts das Dorf Bermsgrün von Blechschmieden aus dem Fichtelgebirge, welche das damals entstandene Hammerwerk Erla hinzog, angelegt; soll doch vor ungefähr 40 bis 50 Jahren der dortige Dialekt noch manche Ähnlichkeit mit dem im bayrischen Fichtelgebirge gesprochenen gehabt haben, ebenso wie der Chronist von Bockau, ~M.~ Georg Körner, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf eine Verwandtschaft der Mundart in der Eibenstocker Gegend mit derjenigen bei Eger hinweist. Durch die Gründung der Bergstädte seit Ende des 14. (1395 Geyer), hauptsächlich jedoch im 15. (Altenberg, Schneeberg, Annaberg) und vielleicht auch im 16. Jahrhunderte (Hohenstein, Marienberg) wurden viele Familien von auswärts zur Niederlassung in unserm Gebirge veranlaßt; einzelne derselben gründeten selbst neue Orte, wie Blauenthal, welches seinen Namen der Nürnberger Familie Blaue verdankt, deren Glieder durch die Zwitterzechen in die dortige Gegend gezogen wurden.
Bei Beachtung dieser allmählichen Besiedelung des Erzgebirges darf man sich nicht wundern, wenn unsere Volkssagen vielfach an solche des Fichtelgebirges und Harzes oder Thüringens erinnern, da es sehr wahrscheinlich ist, daß Berg- und Hüttenleute dieselben aus ihrer alten Heimat mitbrachten und mit Plätzen ihrer neuen Heimat verknüpften, wie ja auch Berge, Bäche und neugegründete Orte mit Namen belegt wurden, welche das Andenken an die heimatlichen Fluren erhalten sollten.
Das Gesagte gilt in erster Linie von den Spuk- und Gespenster- sowie Dämonen- und Schatzsagen. Auffällig könnte dabei erscheinen, daß die Sagen von der während der Weihnachtszeit umherziehenden Frau Holle oder Perchtha, welche im Vogtlande und Thüringen, im nördlichen Franken über die Rhön hinaus, in der Wetterau bis zum Westerwalde und im Egerlande heimisch sind, im Erzgebirge gänzlich fehlen. Mutmaßlich sind dieselben aber hier wieder verloren gegangen, da für ihr einstmaliges Vorhandensein manche abergläubischen Meinungen und Gebräuche sprechen. ~Dr.~ M. Spieß teilt z. B. mit, daß man nach dem Volksglauben im sächs. Obererzgebirge während der Zwölfnächte nicht klöppeln dürfe, weil die Klöpplerinnen ihre Spitzen beschmutzen würden, daß man die Reste von Speisen in der Christnacht auf dem Tische stehen, oder wenigstens das in ein Tischtuch eingeschlagene Brot daselbst liegen lasse, und daß man die Tenne in der Scheune sorgfältig reinige, weil die Abgeschiedenen (die Götter) um Mitternacht dort tanzen sollen u. s. w. (Sitten und Gebräuche des sächs. Obererzgebirges, 1862. S. 7--9.)
Neben den jedenfalls aus andern deutschen Landschaften in unser Gebirge eingewanderten Sagen entstanden in demselben auch neue und ihm eigenartige. Schlummert doch die Phantasie nirgends und zu keiner Zeit, und so läßt sich die Sagenbildung selbst bis in die Gegenwart verfolgen. Ein Beispiel möge dies beweisen. Als vor einigen Jahren die seit Jahrhunderten verlassen gewesenen Baue des St. Georg zu Schneeberg wieder aufgeschlossen wurden, fand man in den Erd- und Gesteinsmassen neben zahlreichen Werkzeugen auch ein kleines gußeisernes Männchen. Dasselbe stellt eine harlekinartige Figur vor, welche vielleicht ein Musikinstrument in den Händen hielt und wahrscheinlich von einem der Trinkgefäße abbrach, die 1477 auf den bekannten Silbertisch Herzog Albrechts gestellt wurden. Als man bald nachher im St. Georg auch reiche Silbererze fand, da erzählten die Bergleute, das Männchen habe so gelegen, daß es mit seinem ausgestreckten linken Arme dorthin gezeigt habe, wo man diese Erze suchen müsse. Der den Bau leitende Beamte habe dieses Zeichen wohl verstanden. Wenn man nun weiß, daß der betreffende Beamte die kleine Figur gar nicht gefunden hatte, sondern daß man ihm dieselbe erst einige Tage später übergab, so wird man zugestehen müssen, daß hier die dichtende Phantasie der Bergknappen etwas schuf, was sich vielleicht nach Jahrzehnten den älteren Volkssagen von wunderbaren Anzeichen auf verborgene Schätze ebenbürtig an die Seite stellen dürfte.
Wie hier die Phantasie sich einer historischen Thatsache bemächtigt hat, so thut sie dies auch in anderen Fällen, sie dichtet zu eigentümlich klingenden Namen wunderbare Sagen und so werden einzelne Felsen, Höhlen, Berge und die Reste alter Schlösser durch den poetischen Sinn der Bewohner gleichsam verschönt.
Jeder Erzgebirger, der seine Heimat lieb hat, sollte sich daher auch ihrer Sagen freuen und diejenigen, welche noch aus der Kinderzeit in seine alten Tage hinüberklingen, treu bewahren.
Die vorliegende Sagensammlung will ihm dabei zu Hülfe kommen und ihn mit dem Schatze dessen, was unser Volk gedichtet hat, bekannt machen, halb Vergessenes wieder auffrischen und ihm zeigen, daß in manchem, worüber er vielleicht gelächelt und was er nur als der kindlichen Einfalt zusagend angesehen hat, oft ein tiefer Sinn ruht.
In den Volkssagen, wie
»in des Volkes Kindermund, in Lied und Spruch der Alten, da rauscht manch frischer Weisheitsquell wie aus Granites Spalten.«
Es gab eine Zeit, und sie ist vielleicht nicht völlig vorüber, da glaubte man die einfachen Stoffe, wie solche im Munde des Volkes lebten und noch leben, durch Zuthaten ausschmücken zu müssen. In diesen Fehler sind z. B. die bereits genannten Sammler Dietrich und Textor verfallen, in deren Erzählungen es vielfach schwierig ist, den eigentlichen Kern aus der novellistischen Umhüllung herauszuschälen; auch die in metrischer Form wiedergegebenen Sagen Ziehnerts haben gerade dadurch ihren Duft verloren. Der Herausgeber der vorliegenden Sammlung vermied aber möglichst jede der ursprünglichen Überlieferung fremde Ausschmückung, selbst auf die Gefahr hin, daß er damit dem verbildeten Geschmacke manches Lesers keinen Gefallen erwies. Er beherzigte vielmehr die Worte, welche die Brüder Grimm ihren »Deutschen Sagen« voranschicken und die kurz und bündig aussprechen, was von einer Sagensammlung verlangt wird. Sie lauten: »Das erste, was wir bei Sammlung von Sagen nicht aus den Augen gelassen haben, ist +Treue+ und +Wahrheit+. Die ungenügsamen Gebildeten haben nicht bloß die wirkliche Geschichte, sondern auch das gleich unverletzliche Gut der Sage mit Unwahrheiten zu vermengen, zu überfüllen und überbieten getrachtet. Wir haben arme Sagen nicht reich machen mögen, weder aus einer Zusammenfügung mehrerer kleinen, wobei zur Not der Stoff geblieben, Zuschnitt und Färbung aber verloren gegangen wäre, noch gar durch unerlaubte, fremde Zuthaten, die mit nichts zu beschönigen sind.« Schlicht und einfach erzählt das Volk und in gleicher Form müssen auch seine Sagen der möglichen Vergessenheit entrissen werden. Daß mich bei der vorliegenden Sammlung einzelne meiner Schüler unterstützten, welche in dem Elternhause manche Sage hörten, die mir vielleicht entgangen wäre, habe ich mit Dank anzuerkennen, und ebenso gebührt allen andern, welche mir in gleicher Weise behülflich waren, mein verbindlichster Dank, auch wenn ihre Namen, die mir nach der Aufzeichnung der mündlichen Mitteilungen nicht mehr in der Erinnerung geblieben waren, hie und da fehlen sollten.
Das Sagenbuch des Erzgebirge berücksichtigt, wie sich ja schon aus der vorangeschickten Umgrenzung des Gebietes ergiebt, neben dem sächsischen auch den böhmischen Teil des Gebirgs. War doch das Volksleben in den früheren Jahrhunderten, denen wohl die meisten Sagenstoffe entstammen, auf beiden Seiten ein im wesentlichen gleiches und haben ja auch die politischen Grenzen mehrfach sich verändert, so daß Bezirke, die früher zu Böhmen gehörten, jetzt sächsisch sind, und umgekehrt. Ich stellte mich hier auf denselben Standpunkt wie andere Sagensammler, die allgemein thüringsche oder lausitzsche Sagen u. s. w. veröffentlichten.
Den einzelnen Abteilungen des Sagenbuches sind einleitende Worte vorausgeschickt und vielen einzelnen Sagen Bemerkungen beigefügt worden, in denen für diejenigen, welche sich mit spezieller Sagenforschung nicht befaßt haben, einerseits auf die mythologische Bedeutung vieler Sagen oder auf verwandte Überlieferungen in andern deutschen Gebieten hingewiesen, in denen aber auch auf einzelne historische Thatsachen aufmerksam gemacht wird, um die betreffenden Sagen als das hinzunehmen, was sie sind: Erzeugnisse der Phantasie und Poesie, welche sich nur an historische und zum Teil wieder vergessene Ereignisse anlehnen. Der Fachgelehrte bedarf selbstverständlich der Anmerkungen nicht.
Da es schwer ist, in allen Fällen die Sage von der wirklichen Geschichte zu trennen, so sind auch einzelne Stoffe aufgenommen worden, welche als bloße chronikalische Nachrichten aufgefaßt werden können, obschon ihnen ein, wenn auch nur schwacher Schimmer des dichtenden Volksgeistes anhaftet. Dies gilt besonders von den sogenannten Ortssagen, von denen einige vielleicht auch einen Platz in einem andern Abschnitte hätten finden können. So dürfte z. B. No. 329, welche Sage freilich, was hier gleich bemerkt sein mag, durch ein Versehen mit eingereiht wurde, da dieselbe streng genommen nicht mehr in das am Eingange abgegrenzte Gebiet gehört, unter den Göttersagen an keinem unrechten Platze sein. Über solche Einzelheiten und ebenso über die Gruppierung der Sagenstoffe können ja die Meinungen aneinander gehen.
Möge nun das Buch recht viele Freunde finden und möge es, wie bereits ein Rezensent aussprach, dazu beitragen, »daß die Freude an Herkommen und Vergangenheit uns wieder wie unsern Altvorderen zu eigen werde, damit wir selbst wieder mit unserer Scholle verwachsen und in unserer Heimat heimisch werden, wie es von jeher deutsche Art und Sitte war.«
=Schneeberg=, den 16. Juni 1886.
~Dr.~ Köhler.
Inhaltsverzeichnis.
I. Göttersagen.
Vorbemerkungen.
1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.
2. Der Slavengott Ladon.
3. Ursprung des Namens Crottendorf.
4. Der Crodensee in Eibenstock.
5. Der Götze Crodo bei Meerane.
6. Das Herdabild bei Zwickau.
7. Der heilige Hain bei Freiberg.
8. Der heilige Hain in Weißbach.
9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.
10. Der Taufstein bei Ober-Crinitz.
II. Sagen von Spukgeistern und Gespenstern.
Vorbemerkungen.
11. Das wütende Heer bei Annaberg.
12. Das wütende Heer bei Weißbach.
13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.
14. Die wilde Jagd bei Komotau.
15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld.
16. Der wilde Jäger bei Schönlinde.
17. Der wilde Jäger bei Neustadt b. Falkenstein.
18. Der graue Jäger auf dem Tossen.
19. Der Waldschütz.
20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.
21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusche bei Schlettau.
22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.
23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.
24. Der gespenstische Reiter bei Waschleite.
25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.
26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach.
27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.
28. Der Panzerreiter zu Stollberg.
29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.
30. Das Geisterschloß bei Bockau.
31. Der Spuk an der Straße bei Albernau.
32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.
33. Die weiße Frau zu Neustädtel.
34. Die weiße Frau zu Venusberg.
35. Die weiße Frau in Schneeberg.
36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.
37. Die weiße Frau am Brautstock bei Altenberg.
38. Die weiße Frau auf Schloß Scharfenstein.
39. Die weiße Frau in Unterchodau.
40. Die weiße Frau in Premlowitz.
41. Die weiße Frau des Hohen Steins.
42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.
43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.
44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.
45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner Walde.
46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.
47. Die Jungfrau des Lautersteins bei Zöblitz.
48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.
49. Verwünschte Schloßfräulein hängen Wäsche auf.
50. Die Jungfrau auf dem Braunsteine.
51. Der Schön-Jungferngrund bei Oberwiesenthal.
52. Die Jungfrau des Pürsteins.
53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau.
54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.
55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.
56. Die Jungfrau des Grauensteins.
57. Die eifersüchtige tote Frau.
58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.
59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Tochter zu ihrem Rechte.
60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.
61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.
62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.
63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.
64. Die alte Frau in der Isenburg.
65. Das Fegeweib vom Katzensteine.
66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.
67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.
68. Der Katzenhans und seine Genossen.
69. Der Rachhals in Aue.
70. Das Hammergespenst.
71. Der unheimliche Hansmichel.
72. Der rote Hohensteiner.
73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.
74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.
75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzelle.
76. Der Mönch in Komotau.
77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.
78. Der Laternenmann in Alberode.
79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.
80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.
81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.
82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.
83. Der Feuermann von Komotau.
84. Der Mann mit dem Lichte bei Pobershau.
85. Der schwarze Mann zu Königswalde.
86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
87. Der Schamprich zu Nossen.
88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.
89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.
90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.
91. Der Einsiedler im Thale der roten Weißeritz.
92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.
93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.
94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.
95. Das Gespenst in einer Halde in Pobershau.
96. Die sieben Ruten bei Chemnitz.
97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten.
98. Der Baslerfels bei Platten.
99. Der böse Graf von Wildenfels.
100. Der Hirse zählende Verbannte.
101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt um.
102. Der alte Turm in Tannenberg.
103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.
104. Spuk auf dem Braunsteine.
105. Spuk auf dem Grauensteine.
106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.
107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und Zschorlau.
108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße bei Scheibenberg.
109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.
110. Die Erlösung.
111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.
112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.
113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.
114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.
115. Der Kirchenbau zu Pritschapel.
116. Der große Bergsturz zu Altenberg.
117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau.
118. Der feurige Hund bei Graslitz.
119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.
120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen.
121. Das gespenstische Schaf bei Wildenfels.
122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.
123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.
124. Der schwarze Hund in Grünthal.
125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.
126. Der Walkpudel.
127. Der Hüttenmops.
128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.
129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.
130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.
131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.
132. Die Puppe von Brand.
133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.
134. Die geheimnisvollen Hammerschläge in einem Keller zu Eibenstock.
135. Die Klage in den Kohlenschächten bei Bockwa.
136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.
III. Dämonensagen.
Vorbemerkungen.
137. Die Zwerge des Hohen Steins.
138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.
139. Das Zwergloch im Scheibenberge.
140. Die Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.
141. Die Zwerge in Schmiedeberg.
142. Die Zwerge backen Kuchen.
143. Die Heilingszwerge.
144. Der Zwergtanz im Kupferhügel.
145. Das graue Männlein bei Joachimsthal.
146. Das graue Männlein bei Blauenthal.
147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.
148. Der graue Zwerg am weißen Steine bei Alberoda.
149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird gestört.
150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden.
151. Spuk der Berggeister u. Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein bei Zöblitz.
152. Berggeister in den Schneeberger Gruben.
153. Der Berggeist in der Grube Sieben-Schlehen bei Neustädtel.
154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.
155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.
156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in Neu-Geising.
157. Vom Berggeist in Schneeberg.
158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.
159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.
160. Der gespenstische Bergmann in Aue.
161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.
162. Der gespenstische Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.
163. Der gespenstische Bergmann bei Scheibenberg.
164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.
165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.
166. Das graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft« bei Johanngeorgenstadt.
167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.
168. Der Berggeist verlangt für reiche Ausbeute eine Pfennigsemmel.
169. Der Berggeist von Joachimsthal.
170. Der Berggeist von Abertham.
171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.
172. Der Gevattersmann vom Greifensteine.
173. Das Geschenk des Holzweibchens.
174. Die Waldweibchen bei Pobershau.
175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.
177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.
178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.
179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.
180. Das Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.
181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.
182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde.
183. Buschweibchen in der Umgebung des Hohen Steins.
184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.
185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.
186. Die Holzweibel ziehen fort.
187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.
188. Der Waldgeist bei Pfannenstiel.
189. Ein Feldteufel zu Grumbach.
190. Der Getreideschneider.
191. Der Hemann im Erzgebirge.
192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.
193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.
194. Das Hemännchen bei Graslitz.
195. Der Hemann des Rammelsberges.
196. Das Heideweibchen.
197. Die Marzebilla.
198. Der Wechselbalg.
199. Das Mittagsgespenst.
200. Der Alp.
201. Die Melusina.
202. Vom thörichten See bei Satzung.
203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.
204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.
205. Die Wassernixe am Hans-Heilings-Felsen.
206. Der Wassermann flickt.
207. Der Nix fordert sein Opfer.
208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.
209. Die Nixenwanne und die Nixentaufe des Chemnitzflusses.
210. Der Nix im Rabenauer Grunde.
211. Die Seebergsjungfer.
212. Der Kobold zu Lauter.
213. Der Poltergeist zu Grüna.
214. Der Kobold zu Thalheim.
215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.
216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.
217. Der Kaspar des Greifensteins.
218. Geist Mützchen.
219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.
220. Ein Stückchen vom Pumphut.
221. Das Jüdel.
222. Das Schrackagerl.
223. Die Wehklage.
224. Die Winselmutter bei Grünhain.
225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.
226. Die Staatslaterne bei Geyer.
227. Die unheimliche Fackel.
228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.
229. Dämonische Gestalten in einem Teiche bei Scheibenberg.
230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.
231. Der Drache.
232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.
233. Das gespenstische Kalb zu Mildenau.
234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.
235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.
236. Die Riesenrippe zu Nossen.
237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.
238. Große Menschengebeine.
IV. Teufelssagen.
Vorbemerkungen.
239. Eines Schmiedes Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.
241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.
242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.
243. Der Teufel erscheint in Freiberg einem Bergmanne.
244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.
245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.
246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.
247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.
248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.
249. Der Käthelstein bei Annaberg.
250. Der Hans-Heilings-Felsen.
251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.
252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.
253. Der versteinerte Kammerwagen.
254. Wie der Teufel Schellerhau verlor.
V. Zaubersagen.
Vorbemerkungen.
255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.
256. Pestzauberei.
257. Die Zauberelse zu Zwickau.
258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Raben.
259. Die unheimlichen Gäste in Werda.
260. Die Hexen zu Schellenberg.
261. Wann die Hexen ins Erzgebirge kamen.
262. Das Hexenloch bei Joachimsthal.
263. Mittel gegen Zauberei.
264. Eine Hexe wird erkannt.
265. Die Hexen am Walpurgisabende.
266. Der wunderliche Katzentanz.
267. Das Schmatzen der Toten in den Gräbern.
268. Von einem an eine Stelle festgebannten Sohne.
269. Speisen werden festgemacht.
270. Festgemachte werden überwunden.
271. Festgemachte werden von ihrem Wesen u. ihrer geheimnisvollen Kraft befreit.
272. Der Räuber Hartenknopf bei Zelle ist kugelfest.
273. Der Holzmüller von Neudorf.
274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.
275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.
276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.
277. ~Dr.~ Fausts Höllenzwang.
278. Orte, wo keine Sperlinge vorkommen.
279. Ein Herr von Arnim kann das Feuer versprechen.
280. Wie das Feuer gebannt wird.
VI. Schatzsagen.
Vorbemerkungen.
281. Schätze in der Steinwand bei Blauenthal.
282. Die Schatzkammer am Bärensteine.
283. Der Schatzkeller im Scheibenberge.
284. Der Geldkeller auf dem Greifensteine.
285. Der Schatz auf dem Greifensteine sommert sich.
286. Das Schatzgewölbe auf dem Hohen Steine.
287. Der Schatz unter der Stundensäule am Hohen Steine.
288. Der Schatz im Heinrichsteine bei Platten.
289. Der Schatz des Seeberges.
290. Die Teufelswand bei Blauenthal.
291. Der verborgene Schatz im Schloßbrunnen auf dem Purberge.
292. Der beschrieene Schatz des Hohen Steins.
293. Der Schatz in der Loh bei Schönau.
294. Der Schatz auf der Geyersburg.
295. Die Schätze bei der Prokopikapelle in Graupen.
296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.
297. Der Schatz im Schlosse zu Rabenau.
298. Das Aberthamer »Fels'l.«
299. Der Tümpelstein bei Klösterle.
300. Die Schätze der Burg Niederlauterstein.
301. Die Schätze von Oberlauterstein.
302. Der Silbermann bei Pürstein.
303. Der Schatz im Schlosse Rabenstein.
304. Der Schatz unter der wüsten Kirche bei Reichenau.
305. Der Schatz in der Ruine Rechenberg.
306. Der Schatz des Tschinnersteines bei Brandau.
307. Der Heldenberg bei Seifen.
308. Der Schatz des Braunsteines bei Joachimsthal.
309. Der erlöste Herr auf dem Braunsteine.
310. Die Schätze im Hausberge bei Graslitz.
311. Der Schatz zu Joachimsthal.
312. Die Johanneskapelle zu Joachimsthal.
313. Der weiße Fels bei Bäringen.
314. Die Räuberhöhle am Schafteiche bei Glauchau.
315. Reichtum des Hammerbergs bei Wittichsthal.
316. Der Eimer voll Silber.
317. Ein graubärtiges Männlein zeigt einem Schüler zu Schneeberg einen Schatz.
318. Die Zigeuner und die Schatzgräber in Platten.
319. Die Schatzgräber.
320. Buchstaben, Hobelspäne und Kohlen verwandeln sich in Gold.
321. Kutter verwandeln sich in Geld.
322. Die sonderbaren Sägespäne.
323. In Goldstücke verwandelte Kartoffeln.
324. Die Hirtenjungen am Heilingsfelsen.
325. Die drei Jungfrauen und die Schätze des Borberges.
326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.
327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.
328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.
329. Der Schatz im Taurasteine.
330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser-Wilhelmsthale bei Nossen.
331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.
332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.
333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.
334. Der Schatz im Kloster Grünhain.
335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.
336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.
337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.
338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.
339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.
340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.
341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.
VII. Wundersagen.
Vorbemerkungen.
342. Die Wunderblume auf dem Schlettenberge bei Marienberg.
343. Die Wunderblume des Teufelssteins bei Lauter.
344. Die Wunderblume auf dem Spitzberge bei Gottesgab.
345. Die Wunderblume des Grauensteins.
346. Die Wunderblume bei Blauenthal.
347. Die Wünschelrute.
348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.
349. Die Goldstampfe am Borlasbache.
350. Die Venediger auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
351. Das Lamm aus Goldkörnern der Müglitz.
352. Das alte Schloß bei Schmiedeberg.
353. Ein Geyersdorfer Bauer findet reiche Erzgänge.
354. Glockengeläute verkündet neue Anbrüche.
355. Prophezeiung von reichen Erzen am Pöhlberge und Bärensteine.
356. Johannes Niavis prophezeit den reichen Bergsegen von Joachimsthal.
357. Der Anfang des Bergwerkes St. Briccius am Pöhlberge.
358. Die Entstehung Annabergs.
359. Die Kapelle zu Frohnau.
360. Der Schweizerzug bei Joachimsthal.
361. Der Basler und die Baslerin zu Joachimsthal.
362. Die Tellerhäuser bei Oberwiesenthal.
363. Die neue Grube bei Preßnitz.
364. Die Grundsteinlegung der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg.
365. Der goldene Hirsch auf dem Kuhberge bei Stützengrün.
366. Die Eselswiese bei Zwickau.
367. Des Schlackenmannes oder albernen Mannes Loch.
368. Die Grube »Himmlisches Heer« bei Annaberg.
369. Der Alaunsee bei Komotau.
370. Der gute Brunn zu Nieder-Zwönitz.
371. Die Entdeckung eines Heilbrunnens zu Grumbach.
372. Die Kraft des Bernsbacher Heilbrunnens geht verloren.
373. Die Heilquelle bei Hartessenreuth.
374. Der Ursprung der Quelle bei Hartessenreuth.
375. Der Wunderbrunnen auf dem Pöhlberge.
376. Von den wunderbaren Eigenschaften des Zöblitzer Serpentins.
377. Die alte Linde auf dem Gottesacker zu Annaberg.
378. Der dürre Lindenstab.
379. Der Galgenbaum bei Blankenhain.
380. Die drei Linden bei Crimmitschau.
381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.
382. Prophezeiung des ~M.~ Schütze zu Öderan.
383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.
384. Die Eiche bei Hartenstein.
385. Eine Sylvestersage.
386. Der Scharfrichter und sein Schwert.
387. Der Traum auf Augustusburg.
388. Die Kurfürstin Margaretha wird durch einen Traum vor den Prinzenräubern gewarnt.
389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung durch die Schweden.
390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an.
391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.
392. Nächtliches Fallen zeigt den Tod an.
393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.
394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.
395. Singen und Klingen verkündet einen Sterbefall.
396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.
397. Der geplagte Polizeidiener.
398. Vögel sind Unglücksverkündiger.
399. Anzeichen von Feuersbrünsten.
400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.
401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.
402. Ein Sturm ist Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.
403. Ungestümes Wetter zeigt Krieg an.
404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.
405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.
406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.
407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.
408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.
409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.
410. Der heillose Bäcker in Freiberg.
411. Die Görkauer Maskenhochzeit.
412. Meineid wird bestraft.
413. Der bestrafte Gotteslästerer in Zwickau.
414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelsteins bei Lauter.
415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.
416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauensteine.
417. Der Gottesleugner zu Nossen.
418. Vorboten der Pest.
419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.
420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.
421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.
422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch.
423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.
424. Ein himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.
425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.
426. Kreuze fallen vom Himmel.
427. Ein Topf schwitzt zu Öderan Blut aus.
428. Blutzeichen.
429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.
430. Blutende Geweihe in Schneeberg.
431. Ein wunderbarer Schuß in Schneeberg.
432. Der krumme Schuß in Zwickau.
433. Perlenschoten in Wiesenthal.
434. Brot wird aus weißer Erde gebacken.
435. Gottes-Speise bei Zwickau.
436. Körnerregen.
437. Wallfahrten zum Bade Wolkenstein.
438. Die Kapelle des St. Jobs in Wiesenbad.
439. Wallfahrten nach Freiberg zu einem wächsernen Marienbilde.
440. Das wunderthätige Marienbild in Ebersdorf.
441. Die Muttergottesstatue in Maria-Sorg.
442. Das Marienbild bei Klösterle.
443. Das Marienbild in Mariaschein.
444. Das Ölbild in der Steiner Pfarrkirche.
445. Die heilige Georgenfahne zu Tharand.
446. Das Wunschfläschchen.
447. Die Tempiskapelle zwischen Komotau und Görkau.
448. Sieben versteinerte Jungfrauen.
449. Wie die große Glocke auf der Marienkirche zu Zwickau ihre Stimmung bekommen hat.
450. St. Wolfgang zu Freiberg.
451. Der Fallsüchtige in der Kirche zu Annaberg.
452. Ein Totenschänder wird entdeckt.
453. Eine Wundersage von dem Stücke des Kreuzes Christi in der Marienkirche zu Zwickau.
454. Das Marienbild in der Kirche zu Fürstenau.
455. Die Fußtapfen der heiligen Maria.
456. Die heilige Maria im Erzgebirge.
457. Der heilige Petrus in Eisenberg.
458. Die Fußspur des heiligen Wolfgang bei Graupen.
459. Der Hengstberg bei Hengstererben.
460. Das Mönchsgesicht an der Kirche zu Schlettau.
461. Die Totenhand in Buchholz.
462. Der Doppelgänger zu Wiesenthal.
463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.
464. Das Meteoreisen in Elbogen.
465. Der Köhler von Klingenthal.
466. Vom flinken Knechte zu Rechenberg.
467. Warum die Eisenberger Kapelle nicht vollendet wurde.
VIII. Völker-, Helden- und Geschlechtssagen.
Vorbemerkungen.
468. Von den alten Wenden bei Eibenstock.
469. Rottmannsdorf von Wenden bewohnt.
470. Der Riese Einheer.
471. Schwanhildis.
472. Libussas Tanzplatz.
473. Die Herren von Einsiedel.
474. Die Herren von Rechenberg.
475. Die Herren von Sebottendorf.
476. Das Geschlecht Callenberg.
477. Die Familie von Berbisdorf.
478. Die Herren von Hartitzsch.
479. Die Herren von Pardubitz.
480. Das Geschlecht von Vitzthum.
481. Die Herren von Wildenfels.
482. Die Herren von Ortwinsdorf.
483. Das Geschlecht von Arnim.
484. Das Geschlecht von Auerswald.
485. Die Herren von Bünau.
486. Die Ritter von Bärenstein.
487. Das Geschlecht von Lüttichau.
488. Das Wappenschild der Schönburge.
489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.
490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind.
491. Die Siebenschläfer.
492. Die Türkenheide.
493. Die Korporallöcher bei Schönau.
IX. Ortssagen.
Vorbemerkungen.
494. Entdeckung der Freiberger Silbererze.
495. Der Anfang der Stadt Freiberg.
496. Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde.
497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen.
498. Die Entdeckung der Silbererze des Schneebergs.
499. Entdeckung der Altenberger Zwitter.
500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.
501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.
502. Ein Pferd entdeckt die Silbererze des St. Georg in Schneeberg.
503. Die Entdeckung des Freudensteiner Ganges zu Schneeberg.
504. Die Entdeckung der Silbergänge zu Joachimsthal.
505. Ein Zain Goldes wird mit dem Getreide abgeschnitten.
506. Die Entdeckung der reichen Zeche St. Lorenz bei Abertham.
507. Der Fronleichnamsstollen bei Annaberg.
508. Die Entstehung von Schöneck.
509. Der Ursprung des Schlosses Bärenstein.
510. Die Stiftung des Klosters Altzella.
511. Ursprung von Dippoldiswalde.
512. Ursprung der Stadt Öderan.
513. Die Gründung von Mittelsayda.
514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis.
515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.
516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite.
517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf.
518. Ursprung des Namens Buchholz.
519. Ursprung des Namens Grünstädtel.
520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.
521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.
522. Entdeckung der Heilquellen in Teplitz.
523. Die Namen der Stadt Zwickau.
524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg.
525. Gründung und Name der Stadt Werdau.
526. Der Name der Stadt Frankenberg.
527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.
528. Ursprung und Name von Elterlein.
529. Ursprung des Namens Hermannsdorf (bei Elterlein).
530. Ursprung des Namens Crandorf.
531. Ursprung des Namens Grünhain.
532. Von dem Namen Hermannsdorf (bei Weißbach).
533. Entstehung des Namens Gottesgab.
534. Entstehung des Namens Abertham.
535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.
536. Ursprung und Namensentstehung von Bäringen.
537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.
538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.
539. Ursprung des Namens Wolkenstein.
540. Ursprung des Namens Eibenstock.
541. Der Name des Schlosses Pürstein.
542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.
543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.
544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.
545. Ursprung des Namens Conradsdorf.
546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.
547. Der Name des Dorfes Wüstenbrand.
548. Der Name des Dorfes Crossen.
549. Die frühere Lage und der Name von Gersdorf.
550. Der Ursprung des Ortsnamens Silberstraße.
551. Ursprung der Namen Frauenstein, Purschenstein, Pfaffroda u. Rechenberg.
552. Der Name des Fleckens Bockau.
553. Ursprung des Ortsnamens Remse.
554. Der Ursprung der Bergstadt Sebastiansberg.
555. Der Name der Stadt Sonnenberg.
556. Der Name der Stadt Falkenau.
557. Die Entstehung des Namens Neudeck.
558. Die Entstehung des Namens Frühbuß.
559. Über den Namen des Dorfes Sauersack.
560. Ursprung des Namens Sorgenthal.
561. Name und Ursprung der Stadt Weipert.
562. Von dem Ortsnamen Stolzenhahn.
563. Die Entstehung des Ortsnamens Einsiedel.
564. Der Name der Halsbrücke bei Freiberg.
565. Die Namen von Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jacob.
566. Über den Namen des Dorfes Lichtenberg bei Frauenstein.
567. Ursprung des Namens Dörnthal.
568. Deutung des Namens Weiters-Wiese.
569. Von den Namen Schellenberg und Lichtenwalde.
570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
571. Der frühere Name von Lichtenstein.
572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.
573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
574. Das Brautbett bei Rabenau.
575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.
576. Die Kutte bei Elterlein.
577. Sechs Brüder bei Geyer.
578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.
579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.
580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.
581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.
582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
583. Ursprung des Namens Fastenberg.
584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Öderan.
585. Ursprung des Bergnamens »Schweizer«.
586. Ursprung des Namens Silberbach.
587. Ursprung des Namens Höllengrund im Öderaner Walde.
588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
590. Der Dreimännerberg.
591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.
592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.
593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.
594. Der Claußberg in Schneeberg.
595. Der Galgenberg bei Euba.
596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.
597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.
598. Der letzte Heller und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.
599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.
600. Von den Namen einiger Brunnen.
601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.
602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
603. Ursprung des Namens Pacemmühle bei Schneeberg.
604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.
605. Das Stadtwappen von Geyer.
606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.
607. Das Stadtwappen von Öderan.
608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.
609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.
610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.
611. Das Wappen der Stadt Zwickau.
612. Das Wappen der Stadt Freiberg.
613. Das Denkbild zum Stadtwappen von Scheibenberg.
614. Siegel der Stadt Dippoldiswalde.
615. Siegel der Stadt Frauenstein.
616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.
617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.
618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.
619. Die Wahrzeichen Freibergs.
620. Wahrzeichen von Crimmitschau.
621. Das Wahrzeichen von Chemnitz.
622. Das Wahrzeichen von Tharand.
623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.
624. Die Wüstung Kraxdorf.
625. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.
626. Die frühere Größe des Städtchens Platz.
627. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.
628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal u. Königswalde.
629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.
630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.
631. Die wüste Mark Oberopritz.
632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.
633. Wüste Marken bei Augustusburg.
634. Von früheren Vesten bei Schneeberg.
635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.
636. Die Wüste Mark Eibendorf.
637. Die Wüste Mark Nennigkau.
638. Wüstungen bei Bärenstein.
639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.
640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.
641. Die Wüstung Sahnau.
642. Die Wüstung Rappendorf.
643. Die Wüstung Boberau.
644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.
645. Die wüste Mark Warnsdorf bei Grillenburg.
646. Die ehemalige Burg Sohra.
647. Alt-Elbogen.
648. Die Grillenburg.
649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.
651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.
652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.
653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.
654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.
655. Der Peststein bei Rauenstein.
656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.
657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.
658. Zeichen auf dem Katzensteine bei Marienberg.
659. Die zwei Messer zu Eibenstock.
660. Das Steinkreuz bei Schlettau.
661. Das Steinkreuz in Werda bei Falkenstein.
662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.
663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.
664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.
665. Der Denkstein in Fürstenwalde.
666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.
667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.
668. Die drei Kreuze bei Brand.
669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.
670. Beim roten Kreuze in Schmiedeberg.
671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.
672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.
673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.
674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.
675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz.
676. Das Marienbild in Maria-Kulm.
677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.
678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.
679. Die Walfischrippen in Zwota.
680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.
681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau ausgewühlt worden.
682. Die Glocke von Jahnsgrün.
683. Die unterirdischen Glocken im Kranichsee.
684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.
685. Die große Glocke in Geyer.
686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswalder Heide.
687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.
688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.
689. Das Goldschiffchen in der Kirche zu Ebersdorf.
690. Die Geißelsäule in der Schloßkirche zu Chemnitz.
691. Der Hauptaltar in der Kirche zu Annaberg.
692. Die Domkanzel in Freiberg.
693. Der Donatsturm zu Freiberg.
694. Der Marterturm auf Hassenstein.
695. Der Mohr im Schlosse zu Nossen.
696. Die Tabakstanne zwischen Thalheim und Stollberg.
697. Die Eichen zu Callnberg.
698. Sagen von der Schloßkirche zu Chemnitz.
699. Das zürnende Steinbild zu Nossen.
700. Der Frau-Mutterstuhl zu Oberforchheim.
701. Das Schächerhäusel bei Geyer.
702. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz.
703. Das wandernde Haus in Zinnwald.
704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels mit benachbarten Schlössern.
705. Der Judenborn zu Sayda.
706. Der Mühlengrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.
707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.
708. Die übermütige Rede eines Schneebergers wird bestraft.
709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen Fischkessel.
710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.
711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.
712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.
713. Historia, wie Silbererz im Holz gewachsen.
714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.
715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.
716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.
717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.
718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.
719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.
720. Vom früheren Bergbau in Niklasberg und Böhmisch-Moldau.
721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.
722. Wie der Zwickauische Kohlenberg brennend wurde.
723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen Erdfall.
724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.
725. Die Freiberger Bauernhasen.
726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.
727. Das Märktlein Markersbach.
728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.
729. Wittichs Schloß bei Glashütte.
730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.
731. Der schwarze Teich auf Henneberg u. der Teufelsstein bei Johanngeorgenstadt.
732. Das Schloß auf dem Hohen Steine.
733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.
734. Das Raubschloß Sommerstein.
735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.
736. Die Räuber auf Schloß Frauenstein.
737. Schloß Hauenstein.
738. Burg Neustein bei Görkau.
739. Das alte Schloß Mulda.
740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.
741. Schön-Guta von Hassenstein.
742. Die heldenmütige Herrin des Schlosses Hartenberg.
743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.
744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.
745. Der treue Haberberger von Freiberg.
746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem Freidigen das Leben.
747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.
748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.
749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Öderan.
750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« bei Nossen.
751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.
752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.
753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.
754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.
755. Kunigunde Mathesius von Öderan.
756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.
757. Die Söhne des Ritters Conrad von Theler.
758. Der treue Rat von Freiberg.
759. Die Erfindung des Spitzenklöppelns.
760. Cristoph Schürer.
761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit Gutem.
762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.
763. Harras der kühne Springer.
764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.
765. Der Kärrner zu Stollberg.
766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.
767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei Reichstädt.
768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.
769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.
770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.
771. Das Paradies zu Zwickau.
772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.
773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.
774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhielt.
775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratstand gezogen wurde.
776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.
777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.
778. Wie das Schnorr'sche Chor in der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.
779. Der erste Klöppel in Annaberg.
780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.
781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.
782. Die Zipperleinkur in Annaberg.
783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.
784. Die Bäuerin in Frohnau.
785. Die beiden Brüder zu Frohnau.
786. Das Mönchskalb zu Freiberg.
787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.
788. Die Fichte auf dem Gottesacker zu Annaberg.
789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.
790. Woher der Name Preiselbeere stammt.
791. Was der Name Wismut bedeutet.
792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.
793. Redensarten.
~a.~ Zwickau gehört zum Vogtlande.
~b.~ Der Kas is och darnoch.
~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?
~d.~ Man kann die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen.
~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.
~f.~ Fägel schweiget seine Gäste.
~g.~ Toffel, das gilt dir auch mit.
~h.~ Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.
~i.~ Die Schlimmen von Öderan.
~k.~ Je, daß dich der Bär herze.
~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.
~m.~ Redensarten Herzog Georgs.
~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?
~o.~ Anhang. Sprichwörter und Rätsel.
794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem jetzigen Platze erbaut wurde.
795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.
796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.
797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.
798. Sprüche von der Stadt Freiberg.
799. Das Todaustreiben.
800. Der Totenteich bei Tharand.
801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.
802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.
803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.
804. Strafe für zänkische Weiber.
805. Strafe für liederliche Weibspersonen.
806. Wie das Lehen gereicht wurde.
807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.
808. Das Bärenprivileg für Lößnitz.
Anhang.
809. Der Wegzug der Zwerge.
810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.
811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.
812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche zu Schneeberg zugemauert wurde.
813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.
814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)
815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen. (Zu No. 239.)
816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu No. 247.)
817. Der Geldkeller auf dem Greifensteine. (Zu No. 284.)
818. Gottesspeise bei Zwickau. (Zu No. 435.)
819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen Wandersmann. (Zu No. 537.)
I.
Göttersagen.
Von den Höhen des Erzgebirge dehnte sich nordwärts bis in die Gegenden von Chemnitz, Mittweida, Freiberg und Tharand der Miriquidi d. h. Schwarzwald aus, ein Stück des alten Germanien, welches Tacitus als ein Land voll grauser Waldungen oder abscheulicher Sümpfe bezeichnet. Auf den dichtbewaldeten Höhen und in den düsteren Thälern des Miriquidi wurde in jener Zeit die tiefe Stille nur von dem Geheul des Sturmes, dem Rauschen der Gewässer, dem Geprassel der zusammenstürzenden Riesenstämme, auf deren vermodernden Leibern wieder eine junge Vegetation emporwucherte, und dem Geschrei der Vögel und des zahlreichen Wildes unterbrochen; der Mensch hielt sich noch von dem unwirtlichen Gebirge fern, da er an seinem Fuße im Nord und Süd Raum genug für seine einsamen Wohnungen fand. Von der nördlichen Grenze an, ausgebreitet zwischen Saale und Elbe, waren die Hermunduren, im jetzigen Böhmen die Markomannen und in den südwestlich gelegenen Gauen, im nordöstlichen Baiern und im Vogtlande, die Varisker seßhaft. Da, wahrscheinlich schon am Anfange, besonders aber im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, begann die Erschütterung, das Drängen und Vorrücken der Völker. Die slavischen Stämme rückten von Osten her vor. Zwischen 454 und 495 drangen die Czechen in Böhmen ein und ungefähr zu gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend die Milczener, Lusitzer, Lutitzier, Obotriten und Sorben bis in die später sächsischen, mecklen- und brandenburgischen Länder. Von diesen rückten die Sorben oder Serben, deren Name sie ganz besonders als ackerbautreibendes Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische, und da 531 von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der Thüringer vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die Sorben waren demnach die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi, und sie gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und bebaueten das Land. Aber noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung auf den rauhen unwirtlichen Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach den langen Vernichtungskämpfen der mächtigen deutschen Kaiser im 9. Jahrhunderte, denen die Erbauung der Burg Meißen (928 oder 929) folgte, und ganz besonders als unter Otto I. die Grafen Hermann Billung und Gero glücklich die letzte Erhebung an der niedern Elbe und in den Lausitzen niedergeschlagen, die Macht der Slaven völlig gebrochen war. Der Tributpflichtigkeit zu entgehen, festhaltend an dem Glauben ihrer Väter, erfüllt mit tiefem Haß gegen die christliche Geistlichkeit, welche von ihren Einkünften an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig und Wachs den zehnten Teil forderte, zogen sich nun nach den für ihr Volk unglücklichen Kämpfen zahlreiche sorbische Familien in das unfreundliche und von wilden Tieren bevölkerte, aber ihnen doch Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger verheißende Erzgebirge zurück, und so wurden bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts von diesen slavischen Einwanderern daselbst einzelne feste Niederlassungen gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise wohl in den Thälern und so dem Laufe der Gewässer entgegen, auf der nordwestlichen Senkung des Gebirges bis ungefähr zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda auf. Erst vom 12. Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung reicher Silbererze zum Erzgebirge wurde, drangen auch die Deutschen zahlreicher vor, gründeten Städte und Dörfer, und das germanische Element verschlang sehr bald die slavischen Reste, wo sich dieselben bis dahin noch in einiger Selbständigkeit erhalten hatten. Wohl erhielt sich noch, wenigstem am Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache, denn im Jahre 1327 wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer Gerichten und in Meißen sogar erst 1424 verboten (Rich. Andree, Wendische Wanderstudien, S. 143.); jedoch auch in den höher gelegenen slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache nach Berührung mit den später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele slavische Worte, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind, von den Deutschen festgehalten wurden.
Wenn wir nun vom Erzgebirge übereinstimmend mit dem Vogtlande und der Lausitz wissen, daß sich germanische und slavische Bewohner in die Kultur des Bodens teilten, daß demnach von beiden Volksstämmen mythische Sagen in das Gebirge verpflanzt und im Laufe der Jahrhunderte von den nachfolgenden Generationen, wenn auch vielfach umgewandelt, festgehalten wurden, so mögen doch die verhältnismäßig spät und nur sporadisch gegründeten Niederlassungen eine Ursache davon sein, daß wir solche Sagen, denen eine naturreligiöse Bedeutung innewohnt, in unserm Gebirge sparsamer, als in den vorhingenannten Provinzen mit dem Volksleben verwachsen finden. Besonders sparsam sind die eigentlichen Göttersagen, welche uns heidnische Gottheiten mit ihren Namen vorführen, oder welche früher geheiligte Plätze durch die ihnen innewohnende Poesie gleichsam erklären. Wo uns einige deutsche Göttergestalten entgegentreten, da sind dieselben jedenfalls durch spätere Einwanderer in unser Gebirge verpflanzt und möglicher Weise infolge zufälliger Ähnlichkeiten der neuen Niederlassungen mit Orten der verlassenen Heimat auf erstere übertragen worden. Dies gilt zunächst von den Ueberlieferungen, welche im Erzgebirge einen Götzen Crodo verehrt sein lassen. In Bothes 1492 erschienener »Kroneka der Sachsen« tritt zuerst die Nachricht auf, daß man bei Goslar auf der Harzburg das Bild eines alten Götzen, mit Namen Crodo, der als Krankenhelfer galt, verehrt habe, jedoch wurde später nachgewiesen, daß diese Nachricht eine erfundene ist, daß es also einen Sachsengott, der diesen Namen führte, nicht gegeben hat. Immer aber ist hierbei erwähnenswert, daß eine unserer Volkssagen einen Platz, an welchem der »Krankenhelfer« verehrt wurde, in die Nähe von Meerane verlegt, von wo aus früher bis zum Anfange dieses Jahrhunderts die sogenannten »fahrenden Ärzte« ihre jährlichen, oft sehr weiten Reisen unternahmen.
Bergleute deutscher Abkunft aus dem Harze waren ja, wenn wir von dem einige Jahrhunderte früheren Eisenbergbau und den hüttenmännischen Arbeiten der Slaven auf der südlichen und nördlichen Abdachung des Gebirges absehen (K. Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, Plauen 1875, S. 2), die ersten, welche im Erzgebirge Bergwerke auf edle Erze anlegten und z. B. 1171 nach Mollers Chronik von Freiberg die Gründung dieser Stadt veranlaßten. Liegt es da nicht nahe anzunehmen, daß durch solche Bergleute und andere deutsche Einwanderer aus Baiern und der Oberpfalz auch germanische Göttersagen neben anderen Überlieferungen in die neue Heimat verpflanzt wurden, in welche ja von ihnen, wie M. Körner in seinen Bockauischen Nachrichten (1758, S. 278 und 279) nachweist, auch die Benennungen von Bergen und Ortschaften, sowie von kleinen Gewässern aus der alten Heimat übertragen wurden?
Weiter verweist die Sage vom Herdabilde bei Zwickau ganz deutlich auf die Ueberlieferung von der mütterlichen Gottheit der Erde Nerthus (Herda, altnord. Jördh), welche, nachdem sie in ihrem von Kühen gezogenen Wagen im Lande umhergeführt worden war und frohe Tage und Frieden gebracht hatte, in dem heiligen See auf Rügen gebadet wurde. (Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 155. Mannhardt, die Götter der deutschen und nord. Völker, 1860, S. 316.)
Anders ist es mit zwei slavischen Göttern, welche im erzgebirgischen Sagenkreise auftreten, dem Triglav und Ladon. Triglav oder Triglas, ein Hauptgott oder vielmehr eine Göttertrias der Wenden, welche in Stettin einen der vornehmsten Tempel hatte, wurde als eine Person mit 3 Köpfen dargestellt. Bei den Wenden auf Rügen waren in ihr die drei Gottheiten Swantowit, Radegast und Prowe vereinigt, und daß auch die Slaven an der Mittelelbe, Mulde und Saale eine göttliche Trias gehabt haben mögen, ist deshalb anzunehmen, weil die slavischen Völkerschaften in den Hauptlehren ihrer Religion größtenteils übereinstimmten. (Liebusch, Skythika, 1833, S. 198 und 205.) Unterstützt wird diese Annahme durch folgende Mitteilung des Albinus (Meißnische Land- und Bergchronik, S. 184 und 149): »Man hat im Lande zu Meisen auch, wie ich berichtet bin, an etlichen Orten alte Bilder in Stein gehauen mit dreyen Angesichten gefunden. Vnd ist sonderlich zu Grimma auff der Brücken eines dergleichen zu sehen gewesen, daran drey Angesicht vnter einem Hütlein. Dannen her denn zu achten, daß die Sorben diesen Abgott (den Triglas), wie ihre Nachbarn auch geehret«.
Ladon wird in unserer Sage ein Kriegsgott genannt. Nach Liebusch (Skythika, S. 155) war Ladon ursprünglich der Mondgott und hieß wahrscheinlich als Mondgöttin Lada; dieselbe war in ihrer Funktion der russischen Led und der polnischen Leda ähnlich, weshalb man sie mit dem Mars verglich; als Mondgöttin war sie zugleich Todesgöttin im Kriegskampfe. -- Noch mag erwähnt werden, daß sich auch nach Vernaleken eine Erinnerung an den Perun, die slavische Gewittergottheit, in Eisenberg auf dem böhmischen Abfalle des Erzgebirges erhalten hat.
Ebenso sparsam wie die Überlieferungen von heidnischen Göttern sind diejenigen von Opferplätzen. Der Volksmund nennt bei uns nur wenige Haine, welche wir als einst geheiligte Orte ansehen könnten; aber weiter liegt die Vermutung sehr nahe, daß der Taufstein bei Oberkrinitz, welcher mit seinen Vertiefungen den zahlreichen Opfersteinen im Fichtelgebirge und der Lausitz ungemein ähnlich ist, ebenfalls in der heidnischen Vorzeit zu gottesdienstlichen Handlungen bestimmt war. Nach ~Dr.~ Kalina Ritter von Jäthenstein war auch der Berg, welcher heute die Ruinen der Burg Hassenstein bei Sonnenberg trägt, einst ein heidnischer Opferplatz, da innerhalb des Schloßhofes daselbst Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste nicht selten gefunden wurden. (Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg., 1. Heft, S. 19.) Endlich mögen noch aus der Gegend des Bergstädtchens Graupen der Rosen- und Geiersberg als alte Kultusstätten genannt werden. Wenn nun auch Albinus in seiner Meißnischen Bergchronik (S. 98) bei dem Jahre 932 schreibt: »Die Sorben sind endlich durch die christliche Religion so weit gebracht, das sie sich ihrer barbarischen gewohnheit des stehlens und raubens geschemet«, so teilt doch wieder Christian Knauth in seiner Sorbenwendischen Kirchengeschichte (S. 145) mit, daß der Bischof Bruno II. von Meißen den St. Petridom in Bautzen an Stelle einer älteren Kirche im Jahre 1213 ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet habe, um die Sorben der Lausitz und Meißens zum Christentume zu bekehren; denn dieselben »steckten annoch in großer geistlicher Finsternis, führten wohl den christlichen Namen, hatten aber keine oder wenige Erkenntnis vom Christentum; hingegen waren sie mit heidnischen Irrtümern behaftet, lebten heidnisch, und einige mochten auch wohl hin und wieder im Verborgenen, in Wäldern und Heiden, ihre heidnischen Greuel treiben.«
Diese Stelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die im Erzgebirge zerstreut lebenden Sorben angewendet werden können; denn es ist wohl anzunehmen, daß dieselben bei ihrer Abgeschiedenheit in dem einst fast undurchdringlichen Miriquidi noch längere Zeit ihre Gottheiten verehrten. Obschon die zuerst von M. Körner ausgesprochene Meinung, daß in dem Thale, in welchem sich jetzt das Dorf Bockau hinzieht, einst ein slavischer Gott verehrt worden sei, der den Namen des Ortes veranlaßte, hinfällig geworden ist, da man Bockau nicht als »Gottesdorf« oder »Gotteshain,« sondern als »Buchholz« oder »Buchwald« zu deuten hat, so weist doch dafür nach Immisch (Die slavischen Ortsnamen im Erzgebirge, 1866) der Name des Dorfes Klaffenbach bei Chemnitz, obschon er wie ein deutsches Wort klingt, in seiner Ableitung von den slavischen Worten ~hlowa~ (oberlaus. wendisch), ~glawa~ (niederlaus. wendisch), ~hlawa~ (czechisch) = Haupt, Kopf und ~bòh~ = Gott, also in seiner Deutung als »Hauptgott,« auf einen Platz hin, an welchem ein slavischer Gott verehrt wurde. Die Geschichte erzählt auch, daß im Jahre 892 der Bischof Arno von Würzburg auf der Klaffenbacher Höhe, als er den daselbst zum Götzendienste zahlreich versammelten Heiden das Christentum predigte und die Messe las, von letzteren ermordet wurde (Immisch a. a. O.).
Endlich ist noch auf zwei Plätze hinzuweisen, welche offenbar zu gottesdienstlichen Handlungen bestimmt waren; dabei mag es jedoch dahin gestellt sein, ob hier slavischen Gottheiten geopfert wurde, oder ob die Plätze vielleicht schon einer früheren germanischen Bevölkerung zu Kultuszwecken gedient haben. Es sind zwei Steinkreise, von denen der eine, auf dem Borberge bei Kirchberg, nur noch zu einem kleinen Teile an der Westseite eines Granitplateaus vorhanden ist, während der größere Teil im Jahre 1848 abgetragen wurde. Der andere Überrest aus dem grauen Altertume ist ein Doppelsteinkreis auf dem Burgberge zwischen Mulda und Lichtenberg. Beide Kreise lehnen sich hier an einen steil abfallenden Porphyrfelsen, der in der Mitte zu einer felsigen Kuppe aufragt, an, und wie auf dem Borberge liegt innerhalb der Steinwälle ein in das Gestein gearbeiteter Brunnen, in welchem nach der Volkssage das Wasser niemals verschwinden soll. Dieser Brunnen heißt an beiden Örtlichkeiten »Jungfernbrunnen.« Es gleichen beide Steinkreise, die einzigen, welche zur Zeit in dem Erzgebirge bekannt geworden sind, denen in der Lausitz und in Böhmen, so daß wohl die Annahme, nach welcher wir es an diesen Orten mit einst den Göttern geweihten Plätzen zu thun haben, eine berechtigte ist. Wünschenswert wären Nachgrabungen nach etwaiger Asche oder Kohlenresten.
1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.
(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656. S. 79 u. 360.)
In der Hauptkirche zu Zwickau ist des Triglas oder Triglaff Kopf zweimal und außer der Kirche an einem Pfeiler noch einmal zu finden, das eine Mal mit drei Bärten und die andern zweimal ohne Bart. An einem Kopfe sind drei Gesichter mit Augen, Nasen und Mäulern. Andere halten diese Bildnisse aber nicht für Köpfe des Götzen, sondern meinen, daß man damit das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit in einem göttlichen Wesen habe andeuten wollen.
2. Der Slavengott Ladon.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 199.)
Der Schloßberg zu Teplitz trug einst eine starke Feste mit doppelten Ringmauern, sowie sieben Türmen, welche jene zierten. Bereits im achten Jahrhundert aber soll auf dem Berge ein Tempel des slavischen Kriegsgottes Ladon gestanden haben.
3. Ursprung des Namens Crottendorf.
(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, Dresden 1847, S. 204. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Annaberg 1838--39. III. S. 201. Segnitz, Sagen, Legenden etc., Meißen 1839--54. II. S. 73.)
Der Name des Dorfes Crottendorf würde richtiger »Crodendorf« zu schreiben sein, da der Ort seinen Namen dem Götzen +Crodo+ verdankt, welcher am östlichen hohen Gebirge, auf den Klippen der Wolfs- und Liebensteine, lange nach Einführung des Christentums noch verehrt worden ist. Denn als man im Orte eine Kirche bauen wollte, suchte dies der Heidengott in Gestalt des Teufels zu verhindern. Er riß das am Tage aufgeführte Mauerwerk in der Nacht wieder ein und das Bauholz schleppte er weit bis an das andere Ende des Dorfs. Da ging einst ein frommer Priester zu derselben Zeit vorüber, als die Bauleute eben beschäftigt waren, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Derselbe segnete das sämtliche Holz und Baumaterial und nun mußte der Götze dasselbe in Ruhe lassen, so daß der Bau bald vollendet werden konnte.
In der Einleitung ist bereits auf die unhistorische Gottheit Crodo hingewiesen worden. Von späteren Schriftstellern wurde dieselbe als ein Mann mit entblößtem Haupte, barfuß auf einer Säule stehend und mit einem leinenen Schurze umgürtet, in der linken Hand ein Rad, in der rechten einen Wassereimer haltend, dargestellt. Anders bildet Großer in seinen Merkwürdigkeiten der Ober- und Niederlausitz den Gott ab. Hier erscheint er als ein bekleideter Mann ohne Kopfbedeckung; in der einen Hand trägt er einen Korb mit Früchten (?), in der andern erhobenen ein Rad; er steht auf einem Fische, welcher auf einer Säule liegt.
4. Der Crodensee in Eibenstock.
(Oettel, Hist. von Eibenstock. 1748, S. 5. Oesfeld, Historische Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. 2. Teil 1777, Seite 51.)
Man hat behaupten wollen, daß die Harzländer, welche nach den Wenden in die Gegend von Eibenstock gekommen, noch Heiden gewesen wären und den Abgott Crodo verehrt hätten, davon auch der Croden- oder Crottensee, der obere Stadtteil von Eibenstock seinen Namen haben soll.
5. Der Götze Crodo bei Meerane.
(H. Leopold, Chronik von Meerane, S. 9.)
Das Volk bezeichnet den Thalgrund bei Meerane, in welchem die Dörfer Götzenthal, Crotenleide und Hainichen und Köthel liegen, als einen Ort, wo der Götze Crodo verehrt wurde. Bei Crotenleide wurden auch einige Altertümer, nämlich zwei steinerne Hämmer und unter uralten Eichen ein Opfertisch, der jetzt im Wechselburger Parke steht, ausgegraben.
Als der obengenannte Opfertisch wird jene achtseitige, auf vier steinernen Unterlagen ruhende Porphyrplatte, welche im Wechselburger Parke der Eulenkluft gegenüber aufgestellt ist, bezeichnet. (S. C. Ehrhardt, Ausflüge in das Sächs. Erzgebirge 1885, S. 40.)
6. Das Herdabild bei Zwickau.
(Köhler, Volksbrauch im Voigtlande. 1867, S. 447.)
Nach der Sage soll das Bild der Herda von Rügen in die Zwickauer Gegend gebracht worden sein. In dem Schwanenteiche wusch man den Wagen der Göttin, und es soll sich ihr Dienst daselbst noch lange erhalten haben.
Wie berichtet wird, befand sich auf einer Insel im Meer ein heiliger Hain und in demselben stand ein mit Decken verhüllter Wagen, in welchem die Erdgöttin Nerthus (Herda), von Priestern geleitet, von Zeit zu Zeit ihren Umzug hielt. Wenn der von Kühen gezogene Wagen mit der Göttin durch das Land fuhr, hörte aller Krieg auf und im Frieden freuten sich die Sterblichen. War die Göttin wieder nach dem heiligen Hain zurückgekehrt, dann wurde ihr Wagen und sie selbst in einem See von Sklaven gewaschen, die dann das Wasser des Sees begrub.
7. Der heilige Hain bei Freiberg.
(Heinr. Gerlach, Kleine Chronik von Freiberg, S. 85.)
Auf der Höhe unweit des »schwarzen Teichs«, zwischen den Seitenthälern der Mulde, welche von der Münz- und Waltersbach gebildet werden, soll in jener Zeit, da die Sorben in der Gegend von Freiberg noch seßhaft waren, ein heiliger Hain gestanden haben, in welchem ein Götzenbild aufgestellt war. Man hat in der neuesten Zeit sowohl am Gehänge des Münzbachthales, als auch in der untern Waltersbach zu Großschirma Streitäxte gefunden.
8. Der heilige Hain in Weißbach bei Schneeberg.
(Mündlich.)
Auf der flachen Höhe südlich von der Kirche zu Weißbach, wo man vor mehr als hundert Jahren noch die spärlichen Überreste eines Walles sah, soll ehemals die Rommels- oder Rummelsburg gestanden haben. Andere aber erzählen wieder, daß daselbst ein heiliger Hain der Sorben stand.
9. Das Hahnthor und der Hahnteich bei Frauenstein.
(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtgen Frauenstein. 1748, S. 25.)
Wie die alten Heiden ihre Haine, Hahne oder Hagen und Gehege gehabt und darinnen ihren Götzendienst verrichtet, so findet man auch bei Frauenstein davon eine sattsame Spur vor dem Hainthor, das zwischen dem Schloß- und Freibergischen Thor stehet. Allem Ansehen nach hat ihr Götze auf dem Platze gestanden, wo jetzt die drei Linden stehen, welche zum Andenken an den Abgott und zerstörten Hain gepflanzt worden sind. Und weil die Heiden bei ihrem Götzendienst sich zu waschen und zu baden pflegten, so ist nicht weit davon der Hainteich angelegt. Jetzo nennen es die Frauensteiner das Hahnthor und den Hahnteich.
Haine waren bei den germanischen Völkern Orte, an denen sie ihren Göttern opferten und Volksversammlungen und Gericht abhielten; es waren heilige Plätze, und vielfach wurden an solchen Stellen später christliche Kirchen errichtet. Zu solchen heiligen Hainen gehörte jedenfalls auch das »Götzenbüschchen« bei Oelsa bei Dippoldiswalde. Ob alle Plätze, welche heute noch den Namen Hain (oder Hahn) führen, früher zu gottesdienstlichen Zwecken geheiligt waren, darf wohl als sehr fraglich gelten. Von Grünhain meldet allerdings die Sage, daß der nahe Spiegelwald in der Sorbenzeit zur Gottesverehrung gedient habe (Schumann, Lex. v. Sachsen, 16 B. S. 567); vielleicht bezieht sich diese Angabe besser auf einen heiligen Hain, der sich an dem Platze befand, wo jetzt das genannte Städtchen steht.
Am rechten Ufer des Brückenbaches bei Jöhstadt nennt man eine Waldung »die alten Haine« oder »die alte Henne«. Im Nassauer Revier giebt es einen »breiten Hain« und »Hainwiesen«, und in die obere Freiberger Mulde ergießt sich das jedenfalls von dem breiten Haine und den Hainwiesen kommende Hainwässerlein (Bahn, Frauenstein, S. 25). Ein »hoher Hahn« oder Hain liegt in der Gegend der Morgenleite bei Schwarzenberg. Durch den »großen und kleinen Hain« bei Sachsenburg führen der Kirchsteig von Neudörfchen nach Seyfersbach und die Straße von Mittweida nach Dresden; eine Waldung bei Geyer heißt der »Hahnrück« (ursprünglich Hainrücken). Bei Oberlungwitz existierte früher ein »oberes und unteres Hahnholz«; ersteres befand sich an der Stelle des jetzigen Gottesackers zu Ernstthal (Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz. 1863, S. 15.). Ein »Hainholz« ist noch heute westlich vom Hüttengrunde bei Hohenstein auf den Karten namhaft gemacht. Außerdem giebt es Ortschaften, deren Namen die Silbe »Hain« enthalten, wie Stolzenhain, Altenhain u. a. Vom letzteren Orte vermutet Bahn in seinen historischen Nachrichten von Frankenberg (S. 12.), daß daselbst von altersher ein starker Verkehr gewesen sei und ein heidnischer Götzenhain gestanden haben müsse, welcher von ihm an der Stelle gesucht wird, wo das Vorwerk steht.
Wenn Jacob Grimm (deutsche Mythologie, S. 45.) geneigt ist, die fast überall in Deutschland erscheinende örtliche Benennung »heiliger Wälder« auf das Heidentum zurückzuführen, so gilt dies vielleicht auch von den Namen »heilige Wiese« und »heiliger Born«. Eine heilige Wiese und ein heiliger Born liegen am untern Teile des Dorfes Königswalde bei Werdau. (Göpfert, Gesch. des Pleißengrundes, S. 308.)
10. Der Taufstein bei Oberkrinitz.
(P. Wetzel im »Glückauf,« 1881, No. 7.)
Auf einer unbedeutenden Anhöhe beim Dorfe Oberkrinitz, die früher einen schönen Buchenbestand trug, liegt ein unregelmäßig gestalteter Granitblock, welcher auf der Oberfläche eine große und fünf kleinere künstliche Vertiefungen zeigt. Von den letzteren gruppieren sich vier um die große in der Mitte befindliche Vertiefung, welche die Form eines Beckens hat, während die fünfte sich an der Rückseite des Steines befindet. Nach dem Becken öffnen sich drei kleinere sitzähnliche Aushöhlungen, und in eine von diesen mündet wieder ein noch kleinerer Sitz. Die Sitze sind so groß, daß Kinder bis zu 10 Jahren bequem darin Platz nehmen können, während der auf der Rückseite des Steines befindliche Sitz einen etwas größern Umfang hat. Man nennt diesen großen Granitblock in der Gegend allgemein den »Taufstein« und erzählt sich von ihm folgendes: Als vor langer, langer Zeit das Christentum sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte die Verehrung des wahren Gottes nur im Geheimen geschehen, da sonst die heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet hätten; besonders aber mußte die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen große, auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in dieselben ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die drei Taufpaten und einen für den Täufling hinein. Der Taufstein bei Oberkrinitz soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und niemand hat das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter Mann erzählte, er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit seinen Freunden das Wasser gänzlich ausgeschöpft, doch als sie am nächsten Morgen nachgesehen, sei eine größere Menge Wassers in dem Becken zu finden gewesen als vorher, obgleich es die ganze Nacht nicht geregnet hatte. Schon oft hätten die Steinmetzen sich an den Stein gemacht, um ihn zu zerschlagen und zu verarbeiten, aber der »Uhâmel« (Unheimel?), mit dem in der Gegend auch die Mütter ihren Kindern drohen, um sie zur Ruhe zu bringen, habe sie stets auf den Arm geschlagen, so daß sie von der Arbeit hätten abstehen müssen. Der Taufstein werde deshalb jetzt von ihnen in Ruhe gelassen. Noch wird erzählt, daß in dem Wasserbecken Geld liege.
Nach einer von Karl Morgenroth novellistisch bearbeiteten Sage (Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgegend 1869, No. 12 und 14) drangen einst die siegreichen Deutschen in ein verlassenes sorbisches Dorf ein, in welchem sie nur den heidnischen Oberpriester, einen silberhaarigen Greis, antrafen. Derselbe rief bei ihrem Eindringen den Zorn der Götter auf die verhaßten Deutschen herab und empfing dafür alsbald den tötlichen Schwertstreich. Sein Enkel aber, welcher in der Hütte vergeblich auf ihn harrte, wurde von einem Deutschen an Sohnes statt angenommen, um zunächst getauft zu werden und in der Taufe statt seines Heidennamens Scop den christlichen Namen Johannes zu erhalten. Der junge Sorbe Johannes wurde später Priester und als solcher zog es ihn vorzugsweise zu seinen Stammesgenossen hin, denen er das Evangelium predigte. Auf seinen Wanderungen durch den Miriquidi forschte er nach den ehemaligen Bewohnern seines Heimatortes, ohne sie zu finden. Dabei wurde er selbst alt, und als er nun, ein Greis geworden, eines Tages an den Platz kam, wo der Taufstein liegt, lehnte er sein Haupt ermüdet an den Stein, welcher damals von einer alten Eiche beschattet wurde. Bald schlief er ein, und im Traume verkündete ihm Gott, daß er in der Nähe der Gesuchten sei, und alle zum Christentume bekehren würde. Als nun der Morgen anbrach, baute sich Johannes eine Hütte neben dem Steine und stellte in derselben ein einfaches Kreuz auf. Eines Tages trat aus dem Walde, welcher seine Wohnung umschloß, ein junger Sorbe, der zwar in seinem Schrecken, hier jemanden anzutreffen, schnell umkehren wollte, aber durch die Freundlichkeit, mit welcher Johannes in seiner eigenen Sprache zu ihm redete, bewogen ward, zu bleiben. Es war der Sohn eines sorbischen Priesters, den Feinde des letzteren verfolgt hatten. Als sie aber gesehen, daß der Flüchtling durch den Sumpf und auf den Hügel, auf welchem sich noch heute der Taufstein befindet, eilte, da ließen sie ab, denn dieser Platz war als Sitz böser Geister gefürchtet. Von seinem Schützlinge, welcher Tage und Wochen lang bei Johannes blieb, erfuhr nun letzterer, daß in der Nähe eine slavische Ansiedelung und ein Götterhain sei und daß sich der junge Sorbe ebenfalls Scop nannte. Es stellte sich heraus, daß beide mit einander verwandt waren. Zuletzt sprach der junge Scop das dringende Verlangen aus, ebenfalls Christ zu werden und die Taufe von Johannes zu empfangen. Der Tag, an welchem die heilige Handlung geschehen sollte, war da, aber das Wasser fehlte, denn reines Wasser sollte es sein, und der umgebende Sumpf bot nur übelriechendes dar. Die Eiche, unter welcher der Stein lag, war noch vom vortägigen Regen naß und ein scharfer Wind ließ das Regenwasser auf den Stein fallen, der oben eine Vertiefung hatte, also ein Naturbecken war; somit war auch Taufwasser vorhanden. Freudig bewegt sagte der Täufling: »Hier ist Wasser, taufe mich!« und Johannes that es im Glauben, daß dies nicht der letzte seines Ortes sei, den er taufe. So geschah es auch. Johannes begleitete seinen Schützling bis zur Hütte des heidnischen Priesters und war später oft ein Gast daselbst. Endlich wurde der alte Priester Scop selbst den Lehren des Christentums zugänglich, so daß er sich an demselben Orte taufen ließ, an welchem sein Sohn die Taufe empfangen hatte. Da nun die übrigen Sorben der Ansiedelung sahen, daß kein Opferrauch mehr aus dem Götterhaine aufstieg, verwunderten sie sich und forschten nach der Ursache. Nachdem sie dieselbe erfahren, wurden sie anfangs mit Zorn und Angst, später aber, als sie vernahmen, wie glücklich ihr früherer Priester und dessen Sohn geworden waren, mit Sehnsucht nach dem neuen Glauben erfüllt. So zog denn eines Tages eine große Menge Sorben hinaus nach dem Steine und empfing dort die Taufe. Die alten Widersacher des früheren Priesters Scop aber waren zurückgeblieben und zündeten unterdeß die Hütten der jungen Christen an. Johannes wehrte ihnen, dafür Rache zu nehmen; sie ließen vielmehr die Heiden, welche sich 2 Stunden abwärts im Thale ansiedelten und den neuen Ort wie den alten nannten, ruhig abziehen. Da geschah es jedoch ein Jahr später, daß Blitze auf Blitze niederfuhren und das Heidendorf in Asche legten. Die christlichen Stammesgenossen im obern Dorfe kamen helfend herbei und von dieser Liebe, welche Böses mit Gutem vergalt, wurden die Heiden erwärmt und ebenfalls für das Christentum gewonnen. Auch sie wurden an dem Taufsteine in den Christenbund aufgenommen. Aus den beiden sorbischen Ansiedelungen erwuchsen aber die Dörfer Ober- und Niederkrinitz.
Obschon unsere Sagen bestimmt von einem Taufsteine sprechen und die in ihm vorhandene größere Vertiefung als Taufbecken bezeichnen, so glaube ich doch, daß der Krinitzer Granitblock ein alter Opferstein ist und habe ich deshalb die sich mit ihm verknüpfenden Sagen dem ersten Abschnitte des Sagenbuchs angereiht. Bestimmend ist für mich seine offenbare Ähnlichkeit mit Blöcken im Fichtelgebirge, in Schlesien und andern Landesteilen, welche von den meisten Archäologen für Opfersteine angesehen, aber von dem Volke nicht immer als solche, sondern auch als Richter- und Teufelssitze, Teufels- und Hexenschüsseln u. s. w. bezeichnet werden. In den Schüsseln sammelten die Priester das Blut der geschlachteten Tiere und zum Opfer bestimmten Kriegsgefangenen, um dann vielleicht ihre Hände hinein zu tauchen und das umstehende Volk damit zu besprengen. Obschon ~Dr.~ H. Gruner (Opfersteine Deutschlands, Leipzig, 1881) die schüssel- und muldenartigen Vertiefungen als durch Einwirkung von Frost und Atmosphärilien, Gletscherthätigkeit oder Wasserstrahlen entstanden erklärt, würde doch ihre spätere Benutzung zu Opferzwecken damit nicht ausgeschlossen sein; schreibt doch ~Dr.~ Gruner (S. 7) selbst: »Daß viele Steine zu solchem Zwecke gedient haben, soll nicht bestritten werden.« Unsere zweite Sage vom Krinitzer Taufsteine faßt übrigens die Hauptvertiefung ebenfalls als ein Naturbecken auf.
Ganz unwahrscheinlich klingt in der zuerst mitgeteilten Sage die Deutung der übrigen Vertiefungen als Sitze für den Täufling und die Taufpaten. Die Täuflinge stiegen in der ersten christlichen Zeit wohl durchgängig ins Wasser und wurden untergetaucht, später, vom 8. Jahrhundert an, trat das Begießen und Besprengen an die Stelle des Untertauchens, obschon sich in der lateinischen Kirche das letztere teilweise noch bis ins 13. Jahrhundert erhalten hat. (Hauff, Bibl. Real- und Verbal-Concordanz, II. S. 748.) Es wäre dabei allerdings immer möglich, daß man am Krinitzer Taufsteine aus dem mittelsten Becken das Wasser geschöpft und damit den Täufling besprengt habe. Daraus aber, daß eine der Vertiefungen als Sitz für den Täufling bezeichnet wird, ergiebt sich, daß der Taufstein bei Erwachsenen benutzt wurde. Wozu dienten dann aber die andern Sitze, da ja wohl bei der Taufe von Erwachsenen keine Paten nötig waren? Es kann nämlich angenommen werden, daß die Wahl von Paten zugleich mit der Kindertaufe gegen Ende des zweiten Jahrhunderts in der christlichen Kirche Gebrauch wurde.
Mir erscheint es darum wahrscheinlicher, in unserm Taufsteine einen heidnischen, entweder germanischen oder slavischen Opferstein zu erblicken, und zwar auch in Berücksichtigung der Sage von dem dämonischen »Uhâmel,« welcher ihn gegen Steinmetzen schützen soll. Von spukhaften Gestalten, welche alte Opfersteine schützen, erzählen auch andere Sagen. So befindet sich bei Mukwar auf einem Hügel ein Stein, von dem man sagt, daß auf demselben einst geopfert worden ist. Als denselben einst ein Arbeiter zerschlagen wollte, sah er auf ihm eine Gestalt in langem, weißem Gewande sitzen. Vor Schrecken lief er davon und seit der Zeit hat niemand mehr Hand an den Stein zu legen gewagt. (Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen. Graz, 1880, S. 431.)
II.
Spukgeister- und Gespenstersagen.
Spukgeister und Gespenster sind nach Otto Henne-Am-Rhyn (die deutsche Volkssage) die Schatten der Götter; Götter werden zu Gespenstern, d. h. zu geisterhaftem täuschenden Trug (Jacob Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 512), zu Phantomen, welche Menschen verlocken. Aber ebenso werden auch Menschen, deren Seelen nach der Sage häufig zur Strafe für begangenes Unrecht nicht der Seligkeit teilhaftig wurden, zu Gespenstern, und sie müssen nun zwischen Himmel und Erde schweben oder auch wohl zu den Stätten wiederkehren, an denen sie einst auf Erden wandelten.
Daß die alten heidnischen Götter zu gespenstischen Wesen wurden, erklärt sich aus der Zähigkeit, mit welcher unsere Vorfahren noch lange die Erinnerung an jene Göttergestalten bewahrten, obschon diese Erinnerung nach und nach in soweit verblaßte, als die ursprünglichen Züge sich verwischten und die Begriffe finsterer und abschreckender Gewalten an ihre Stelle traten. (Grimm a. a. O., S. 515.)
Als Beweis hierfür ist an erster Stelle +Wuotan+ (Wodan) oder +Odhin+, der Herr des Himmels, und somit der Sterne, Wolken und Stürme zu nennen. Begleitet von den Walkyren, den Schlachtjungfrauen, und den in der Schlacht gefallenen Helden, ritt er auf seinem weißen Rosse Sleipnir dahin. Kampf gegen Menschen und Tiere ist die Tugend der Helden und darum ziehen letztere auch durch die Wälder, um zu jagen, und vor ihnen flüchtet das gehetzte Wild; als Geister ziehen sie jetzt durch die Lüfte. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 2.)
Wuotans Zug ist in der Volkssage zum wilden Heer, der Gott selbst aber zum wilden Jäger geworden. Begründet wird diese Annahme in erster Linie durch skandinavische Sagen und Redensarten; so glaubt z. B. der schwedische Bauer im Sturmesgeheul des Gottes Jagd mit Rossen und Wagen zu vernehmen, und in Schonen nennt man ein nächtliches Geräusch »Odens Jagd«. Ähnlich sagt man in Mecklenburg und Pommern, daß »Wode jage«, und in Schwaben wird das wilde Heer zum »Wuetes«- oder »Wuotes«-, in Mittel- und Süddeutschland aber zum »wütenden Heere«. Und wenn nach einer unserer Sagen der wilde Jäger bei Schönlinde mit »hölzernen Hunden,« d. h. jedenfalls »Holzhunden« oder Wölfen jagt, so verweisen auch letztere auf Odhins Wölfe Geri und Freki, die er nach dem nordgermanischen Mythus täglich füttert. So reicht die Sage vom wilden Jäger und der wilden Jagd bis in das germanische Heidentum zurück. Sie verknüpft sich jedoch nicht nur mit dem Sturmgott Wuotan, sondern auch mit anderen Göttern, selbst Göttinnen und Helden. In Schwaben wurde noch im 16. Jahrhundert an die Spitze der wilden Jagd ein Gespenst mit Namen Berchtold, die männliche Gestaltung der Berahta gesetzt, und so mochten auch heidnische Göttinnen, besonders die genannte Berahta und Holda, welche einst feierlich durch das Land zogen, später nach dem Volksglauben auch das wilde Heer zu bestimmten Zeiten anführen. Wenn Frau Holda an der Spitze ihres Geisterheeres dahinzog, versah Eckhart mit dem weißen Stabe das Amt eines Herolds. Neben Eckhart war nach dem Volksglauben auch Dietrich von Bern ein zweiter Held des gespenstischen Zuges, (Grimm, a. a. O., S. 522--524), wenigstens heißt im Bereiche des Erzgebirges (bei Schönlinde) der wilde Jäger noch »Banditterch,« ebenso wie er in einer oberlausitzischen Sage (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 138) »Pan«, d. h. Herr »Dietrich« heißt, der einst ein Raubritter war, welcher wegen seiner Frevel zum wilden Jäger wurde. Der Übertragung der Sagen von Wuotan als wilden Jäger auf die historische Person Dietrichs von Bern wird auch von W. Mannhardt (die Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 119) gedacht. Der Gotenkönig Theodorich, welcher in der Sage als Dietrich von Bern fortlebt, soll, -- so ging schon im 12. Jahrhundert die Rede, -- lebend auf einem Rosse ins Totenreich geritten sein. In Westfalen und Niedersachsen wird dagegen der wilde Jäger auf die historische Person eines braunschweigischen Oberjägermeisters namens Hackelbärend oder Hackelberg bezogen, der zur Strafe für sein eifriges Jagen als wilder Jäger spuken soll. Hackelbärend, d. h. Mantelträger, ist jedoch, wie Jacob Grimm vermutet, ein Beiname des Wuotan, denn des Gottes Schultern umhüllte ein weiter schwarzer Mantel, wenn er auf seinem Rosse dahinbrauste. (Grimm a. a. O., S. 517. Mannhardt, die Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 108.)
Nach einer erzgebirgischen Sage (aus Karlsfeld) besteht das Gefolge des wilden Jägers aus den Seelen von Jägern, welche im Leben Übles gethan haben; ähnlich spricht auch der Volksmund in Böhmen (Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen und Mähren I., S. 74), daß dem wilden Jäger die Seelen der Verdammten in Gestalt von glühenden Hühnern folgen, und eine norwegische Sage erzählt, daß diejenigen Seelen, welche nicht so viel Gutes thun, daß sie den Himmel, und nicht so viel Böses, daß sie die Hölle verdienen, wie Trunkenbolde und Spötter zur Strafe bis ans Ende der Welt umreiten sollen. (Grimm, a. a. O., S. 525.) Neben denen, die ihre Christenpflicht vergessen haben, sollen auch die ungetauft gestorbenen Kinder und die eines gewaltsamen Todes Umgekommenen zum Gefolge des wilden Jägers gehören, da diese nach einem engherzigen christlichen Dogma vom Himmel verschmäht, dem heidnischen Gotte zufallen. (Henne-Am Rhyn, a. a. O., S. 530.) Wie bei uns im Erzgebirge hörte man auch in der Lausitz beim Durchziehen der wilden Jagd das Anschlagen wie von »Dachshunden« (Haupt a. a. O., N. 39.), und diejenigen, welche den wilden Jäger anriefen, erhielten bei uns wie in der Lausitz und im Harz ein Stück übelriechendes Aas. (Haupt a. a. O., No. 144. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 43, 44, 50. Gillwald, der Harz in Geschichte und Sage, S. 21.) So hören wir dieselben Sagenklänge in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes; überall ist das Schattenbild des germanischen Gottes in seinen wesentlichen Eigenschaften gleich; denn er zieht wiederholt dieselbe Straße, führt die Wanderer in der Nachtzeit irre und ist erzürnt, wenn man sein Huh, Huh! oder das Gekläff seiner Hunde nachahmt. Daher gilt auch heute das Gebot, sich bei seinem Nahen nieder auf die Erde zu werfen und ihn nicht anzurufen, wie dies auch eine durch den Kult gebotene Forderung an unsere heidnischen Vorfahren war, wenn Gott Wuotan im Sturme durch die Wipfel der Bäume brauste.
Wie die Sagen vom wilden Jäger, dem ähnlich in unserm Gebirge der Katzen- und Bachreiter, sowie der unheimliche Hans Michel erscheinen, sind auch diejenigen vom Reiter ohne Kopf, der bei uns ein Schrecken der Holzdiebe ist, auf Wuotan zurückzuführen. Ein Reiter ohne Kopf zieht durch die Waldungen des Saallandes, und wenn er junge Leute, welche um Mitternacht auf einem Kreuzwege horchten, vertrieb und verfolgte und diese dann glücklich vor ihm die Hausthüre verschlossen hatten, so geschah ein schwerer Schlag an die Thüre und am anderen Morgen war der tiefe Eindruck eines Hufeisens zu sehen. (L. Zapf, a. a. O., S. 4.) Das Hufeisen weist uns auf Odhins oder Wuotans Roß hin. -- Fremdartig ists in einer unserer Sagen, daß der Reiter ohne Kopf auf schwarzem Rosse sitzt, da sowohl dem wilden Jäger als auch Wuotan übereinstimmend sonst nur ein weißer oder grauer Schimmel zugewiesen wird; doch trägt der Reiter einen schwarzen Mantel und um ihn flattert eine Krähe und verkündet den Tod. Einen schwarzen Mantel trägt auch der wilde Jäger, welcher am Roßberge in der Schweiz wohnt (Henne-Am Rhyn, a. a. O., S. 521), und zu Wuotan als wildem Jäger gesellen sich die Totenvögel Eule und Rabe (Mannhardt a. a. O., S. 108); letzterer aber wird in dem Volksglauben vielfach auch durch die Krähe vertreten. -- Kopflos tritt meist der wilde Jäger auf, wenn ihn der Glaube als Geist eines ruhelos umhergehenden Herrn, der das Volk durch seine Härte quälte, auffaßt. H. Heine (Sagen, Märchen und Bilder aus dem Harze, 1878, S. 55.) bemerkt, daß bei Meißen der wilde Jäger ein Mann im grauen Rocke, mit hohen Sporenstiefeln, einem Jagdhorne und +ohne Kopf+ sei, der auf einem Grauschimmel reite, und auf der Insel Möen jagt im Grünewalde Wuotan mit einer Meute Hunde hoch zu Roß, einen Spieß in der rechten Hand und +das Haupt unter dem+ linken Arme tragend. (Mannhardt a. a. O., S. 153.) -- Die Göttin der Unterwelt war nach dem Glauben der Germanen +Hel+, nach demjenigen der slavischen Bevölkerung Böhmens die +Morana+; wenn eine von ihnen erschien, zeigte sie einen Todesfall an. Ursprünglich war die Hel wahrscheinlich die Mutter alles Lebens, zu der auch alles Leben wieder zurückkehrte. Daher wurde sie auf Grund dieser Doppelseite ihres Wesens, in ihrer Eigenschaft als Gebieterin über Leben und Tod, halb menschenfarbig, halb schwarz vorgestellt, und beide Farben tragen auch noch vielfach nach den Überlieferungen der Sage die +verwünschten Jungfrauen+ und Frauen, welche ihre Schattenbilder sind und die teils freundlich, teils feindlich in das Leben der Menschen eingreifen. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 549.) Die weiße Frau zu Neuhaus erscheint bei fröhlichen Gelegenheiten im langen weißen Talar, bei Todesfällen aber in schwarzen Handschuhen. Einen Todesfall verkündet auch die weiße Frau zu Venusberg. -- Ihre Doppelnatur kennzeichnet sich bei den weißen Frauen noch dadurch, daß sie nach der Volksüberlieferung bald als blühende schöne Jungfrauen, bald wieder als häßliche alte Weiber erscheinen. Ich rechne dazu die Erscheinung am weißen Fels bei Hartenstein, welche in ihrer Wandelbarkeit an die schöne Jungfrau am Fuße des Nußhardt im Fichtelgebirge erinnert, und die nur dann erlöst werden kann, wenn sie von jemandem zu der Zeit, da sie als häßliches Weib wiederkommt, auf die Stirne geküßt wird. Man sieht sie zuweilen mit einem Rechen an der Sonne Flachsknoten ausbreiten, und dadurch erinnert sie an die +Hulda+ oder Frau +Holle+, die freundliche Göttin, welche den Flachsbau beschirmte und die fleißigen Spinnerinnen belohnte, die faulen aber bestrafte. Zur Weihnachtszeit hielt sie ihre Umzüge, aber sie fuhr auch nach anderen Überlieferungen, ihrer ursprünglichen Natur entgegen, auf einem Wagen mit dem wilden Heere schreckhaft durch die Lüfte, und Hexen bildeten dann ihre Gesellschaft. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 554.) Ihre abgeschwächten Abbilder sind vielleicht die zwei Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins, die in feuriger Kutsche mit dergleichen Pferden umherfahren und dann im Röthelsteine verschwinden; beide erscheinen zuweilen in schwarzen Kleidern. -- Hexenähnlich erscheint uns auch das Fegeweib des Katzensteins, das mit einem Besen die durch die Luft fliegenden Kugeln wegfegt, bis es endlich durch einen frommen Spruch machtlos wird.
Die Überlieferungen von diesen ursprünglich göttlichen Wesen, welche zum Zeichen ihrer Göttlichkeit gewöhnlich weiß gekleidet erscheinen, fließen vielfach zusammen. So erscheint die Frau Holle in Norwegen und Schweden als die Berg- und Waldfrau +Hull+ oder +Huldra+; sie liebt Musik und Gesang wie das über die Mulde bei Zelle schwebende Fräulein, welchem musicierende Bergleute ein Ständchen bringen, oder wie die Lieder singende Jungfrau des Braunsteins und das Schloßfräulein im Schönjungferngrunde bei Oberwiesenthal, welches die Laute spielt. Auch die Huldra wird bald jung und schön, bald alt und finster gedacht, und wenn sie grau gekleidet und alt an der Spitze ihrer Herde im Walde angetroffen wird, hat sie einen Melkeimer in der Hand. Ich bin geneigt, die Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege bei Breitenbach für identisch mit ihr zu halten, obschon sie durch die Sage zu einer wegen schlechten Maßes der verkauften Milch verwünschten Jungfrau wird, die nun ruhelos umher wandeln muß; sie trägt in der Hand ein Milchseidel und einen grünen Kranz auf dem Kopfe.
Wie die +Hulda+ und die mit ihr verwandte +Berahta+ beschenken auch die weißen Frauen einzelne Menschenkinder mit scheinbar wertlosen Dingen, welche sich später in Gold verwandeln. Ich verweise aus unserm Sagenkreise in dieser Beziehung auf die weiße Frau des hohen Steins bei Graslitz, von welcher ein armer Hirte eine wunderthätige Rute und Laub empfing, das sich in Goldstücke verwandelte; ähnliches wird auch von einem Hirten erzählt, den die Jungfrau des Lautersteins beschenkte, und als die beiden musicierenden Bergleute der Jungfrau bei Klösterlein Zelle ein Ständchen brachten, erhielt jeder von ihnen ein Blumensträußchen, deren eines sich in Gold verwandelte, weil es nicht weggeworfen wurde.
Die den Melkeimer in einer Hand tragende Huldra gehört als Bergfrau offenbar zu den weißen Frauen, welche nach dem Glauben unserer heidnischen Vorfahren ihren Sitz in den Wolken hatten und von da der Erde himmlische Milch, den Regen, spendeten. Wenn man ihre Wohnungen nach einem anderen Glauben auch auf die Berge verlegte, so erklärt sich dies daraus, daß die Wolken von den Naturvölkern auch als Berge angesehen wurden. Die weißen Jungfrauen hängen als Wolkenfrauen häufig Wäsche auf oder bleichen Linnen. Dies thun die Fräulein im Schönjungferngrunde am Fichtelberge und die Jungfrau des Grauensteins; als der letzteren einmal die ausbreitete Wäsche geraubt wurde, verwandelte sich dieselbe in zischende Ottern. Bemerkenswert ist übrigens, daß die Grauensteiner Jungfrau keinen Kopf hat, und sie erinnert dadurch an eine der zahlreichen weißen Frauen des Vogtlandes, welche zuweilen aus den unterirdischen Gemächern der Teufelskanzel bei Ranis hervortritt und an der Stelle des Kopfes zwei goldene Hörner trägt. (Rob. Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 235.) Die Jungfrauen auf dem Hausberge bei Graslitz hängen Wäsche auf, die sich beim Näherkommen in Spinngewebe verwandelt. Anderwärts im Gebirge scheint man die aufgehängte und plötzlich wieder verschwindende Wäsche den Holzweibeln zugeschrieben zu haben. (S. Dämonensagen.)
Da die Wolke in der Vorstellung unserer Vorfahren sowie der Slaven auch als Brunnen galt, so wohnen weiße Jungfrauen nicht bloß auf Bergen, sondern auch in Brunnen. Die Sage erzählt von einem Wunderbrunnen auf dem Fichtelberge, an dem man zu Zeiten eine Jungfrau gesehen hat. Durch diese Brunnenjungfrauen werden wir auch wieder auf die mütterliche Gottheit der Erde Nerthus und auf Frau Holle hingewiesen, welche den Aufenthalt in Brunnen liebten; in der Mittagsstunde sah man sie als weiße Frauen daselbst baden und dann wieder verschwinden. (Jac. Grimm, deutsche Mythologie, S. 166.) Derartigen Überlieferungen begegnet man in den meisten Gauen unseres deutschen Vaterlandes; so badet auch oft eine weiße Frau in dem Heribertsborn, welcher auf dem Höhenzuge Grünscheid bei Solingen entspringt. (Leibing, Sagen und Märchen des Bergischen Landes, No. 54.) Ebenso sind derartige Sagenklänge auch in Böhmen heimisch; dort wird die gütige Jungfrau Lida, welche in Brunnen wohnt und nur in mondhellen Nächten hervorkommt, auf Lada, die slavische Göttin des Frühlings und der Liebe zurückgeführt. (Grohmann, Sagenbuch von Böhmen, S. 33.)
Die auf und in den Bergen, besonders solchen, welche ehemals Burgen trugen, wohnenden weißen Jungfrauen, denen die Sage gewöhnlich ein Schlüsselbund beilegt, und von denen sie erzählt, daß sie unermeßliche Schätze hüten (s. die Schatzsagen), sind ebenfalls göttliche Wesen. Grohmann (a. a. O., S. 34) meint, daß unter ihnen in Böhmen die Tochter des Donnergottes Perun, die jungfräuliche Göttin Devana zu verstehen sei, welche Hanus als Göttin des Lichtes deutet. Während des Winters, wenn das Licht durch trübe Wolken verdeckt wird, ist dieselbe in die Wolkenberge verbannt, und sie wartet auf den Frühling, welcher sie wieder befreien soll. So warten auch die in das Innere der Berge verbannten Jungfrauen, und vielfach ist es eine Blume, welche den Zugang zu ihrem Gefängnisse öffnet. Nach Schönwerth aber ist die Schätze hütende Jungfrau in den rein deutschen Bezirken die verhüllte Erdenmutter, die bereits genannte Hel, oder auch die Nerthus oder Freya; letztere, als Gemahlin Wuotans und Wolkenfrau, nähert sich in vielen Zügen der slavischen Devana, soweit sie aber neben der Herrschaft über Winde, Wolken und Blitze auch Macht über den Sonnenschein besaß und so auch der Erde Segen spendete, verschmolz sie wieder mit der Erdgöttin. (Mannhardt a. a. O., S. 271.) Aller Germanen Mutter und somit die gemeinsame Ahnfrau aller auf den Burgen herrschenden adeligen Geschlechter ist die Erde. Diese göttlichem Geschlechte angehörende Ahnfrau erscheint nun nach der Volkssage noch heute an denjenigen Plätzen, wo ihre Kinder wohnten, welche das Christentum für sich gewann. Durch dasselbe will auch sie erlöst werden, und sie bietet daher ihre Schätze, um dafür Ruhe zu erlangen und wieder mit den Ihrigen vereint zu werden. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 22.)
Einen mythischen Hintergrund haben die Sagen von gespenstischen +Hunden+, +Hähnen+ und +Hasen+. Erstere erscheinen gewöhnlich schwarz, vereinzelt aber auch feurig, und erschrecken die einsamen Wanderer. Vielleicht sind sie in einigen unserer Sagen auf die Hunde der Schicksal verkündenden Nornen zurückzuführen, und damit sind sie auch Verkündiger des Todes oder Krankheit bringend, wie der schwarze Pudel, welcher sich zuweilen auf dem Hemberge bei Bockau sehen läßt. Wo der Hund in Gesellschaft einer Jungfrau im Innern des Berges Schätze hütet, ist derselbe Sarmr, der Hund der Unterwelt.
Daß auch der Hahn mythisch ist, erzählt uns die nordische Götterlehre, nach welcher der Hahn Fialan kräht, ehe das Weltende herannaht; durch Hähne werden Hexen und böse Geister verscheucht und ein schwarzer Hahn ist nach dem Volksglauben dem Teufel geweiht. Ebenso tritt auch der Hahn in den Schatzsagen auf. So führt z. B. ein solcher diejenigen irre, welche auf dem Burgberge bei Lichtenberg den daselbst liegenden Schatz heben wollen. In böhmischen Sagen vertreten goldene Hähne die Stelle von Schätzen, und Hühner legen auch nach anderen Überlieferungen goldene Eier. -- Endlich sprechen für die mythische Bedeutung des +Hasens+ viele abergläubische Meinungen; so ist z. B. im Vogtlande ein Hase, welchen man beim ersten Ausgange zuerst erblickt, Unglück verkündend. Er ist ein Göttertier, denn die Göttin Hulda ließ sich bei ihrer nächtlichen Wanderung, welche sie als Mond ausführte, von Hasen Lichter voraustragen. Als einst ein Arbeiter in Blauenthal nach einem an der nahen Steinwand, wo sich auch andere Spukgespenster sehen lassen, wiederholt nächtlich erscheinenden weißen Hasen schlug, war er in der nächsten Nacht tot.
Unter den erzgebirgischen Spukgeschichten giebt es viele, nach denen die Seelen verstorbener Menschen, welche der himmlischen Ruhe nicht teilhaftig geworden sind, auf Erden umherwandeln. »Sie gehen um«, wie der Volksmund sagt, denn sie bleiben als schattenhafte Wesen in der Nähe des Ortes, welcher ihnen einst in ihrem irdischen Leibe als Wohnplatz angewiesen war. Nicht immer ist dies, wie bei dem Rachhals zu Aue, nach dem Volksglauben eine Strafe für begangenes Unrecht, oft sind diese Gespenster warnende Geister, ja sie haben sich vereinzelt selbst zu gutmütigen Hausgeistern umgewandelt. Andererseits aber werden auch solche Gespenster zu Quälgeistern, die sich gleich böswilligen Kobolden dem Wanderer aufhocken, oder ihre Angehörigen in anderer Weise ängstigen; dies thun z. B. das Gespenst, welches als feuriger Hund bei Graslitz erscheint, und die gespenstischen Frauen, welche ihre Ehemänner beunruhigen. Der »+schwarze Mann+«, mit welchem Namen sich häufig die Kinder gegenseitig schrecken, ist ein Schattengeist, der zuweilen nur erscheint, um zu drohen, ohne jemandem sonst weiter ein Leid zuzufügen. Teilweise, wie in Schneeberg, meldet die Sage bloß, daß er sich sehen läßt, sie teilt aber über die Bedeutung und Ursache seines Erscheinens nichts weiter mit. An anderen Orten, wie in Königswalde, ist er ein bösartiges Wesen, welches ein eben getauftes Kind holen will; er erinnert so an den Vernichtungsgott Surtr. Ursprünglich aber ist der schwarze Mann wohl auf den Schutzgeist zurückzuführen, welchen jeder Mensch zu eigen hatte. (Rochholz, deutscher Glaube und Brauch, I. S. 104.)
Die Sagen von den umherwandelnden Geistern Verstorbener werden durch altheidnischen Glauben begründet. Nach demselben tritt mit dem Tode keine Vernichtung ein, ja der Krieger ist nach solchem Glauben imstande, auch im Grabe einen ins Land fallenden Feind zurückzuschrecken. Der deutsche Häuptling Iwar befiehlt sterbend, daß man ihn an derjenigen Landesgrenze begrabe, an welcher am meisten feindliche Einfälle zu befürchten seien. (Rochholz a. a. O., S. 117.) Nach der Darstellung der Edda behalten die Helden ihren Körper; kämpfen sie doch in Walhalla mit vollkommenem Leibe, den keine Wunden töten; aber die Bösen,
»die Männer, die Meineid und Mord verübt Und zur Untreu' verleitet des andern Geliebte,«
kommen in einen Saal, »fern von der Sonnen, das Thor gegen Norden am Leichenstrand. Da saugt und frißt an entseelten Leichen der wölfische Neidhagen«. (Edda, die Kunde der Wala 13.) Wenn also nach diesem altheidnischen Glauben der Leib der Bösen vernichtet und in den Urstoff aufgelöst wird, so müssen ihre Seelen ruhelos auf der Erde umherwandeln, bis ihre Strafzeit vorüber ist und sie einen anderen Leib finden.
So ist also der Gespensterglaube ein Überrest heidnischer Vorstellungen, welche in die Gegenwart hineinragen, deren Ursprung jedoch dem Volke nicht bekannt, deren tiefere Bedeutung vergessen worden ist.
11. Das wütende Heer bei Annaberg.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 77.)
Insonderheit hatte der höllische Jäger vor und in dem 30jährigen Kriege auf den hohen Wäldern sein Affenspiel, indem es, vornehmlich, wenn etwa eine feindliche Armee einbrechen sollte, wie ein starkes Jägergeschrei »Hu! hu! hu!« erschallte. Man hieß es insgemein das wütende Heer, und war ein böser Vorbote. Anno 1626 ritt Junker Rudolf von Schmertzing, Erbsaß auf dem Hammergute Förstel, halbtrunken von Annaberg ganz allein, und vermeinte den geraden Weg über Schlettau auf die Scheibenbergischen Mühlen durch die Unter-Scheibner Räume zu nehmen. Es verführte ihn aber eine Jagd mit Jägergeschrei und Hundegebell, welchem er nachritt, und fiel mit seinem Pferde in einen Morast, darin das Pferd halbversunken stecken blieb. Er arbeitete sich endlich heraus, lief nach den benachbarten Vorwerken, kleidete sich um und ließ Leute auftreiben, welche das Pferd mit Stangen und Seilen aus dem Morast zogen.
Einst reiste auch ein alter Priester von Wiesenthal sehr frühe durch den Wald nach Annaberg. Da erhob sich mitten im Walde ein ungemeines Jägergetöne, um welche Zeit doch kein Arbeiter und Jäger in dem Walde zu finden war. Sein Fuhrmann besann sich bald darauf und sagte: »Herr, es ist das wütende Heer; wir wollen in Gottes Namen fahren, es kann uns nicht schaden.«
12. Das wütende Heer bei Weißbach.
(Mündlich.)
An dem von der Straße in Weißbach nach Kirchberg abführenden Hohlwege soll sich oftmals das wütende Heer haben hören lassen.
13. Der wilde Jäger zwischen Stangengrün und Hirschfeld.
(I. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 499. II. Mündlich.)
I. Eines Tages sind zwei Brüder, Spitzenhändler, auf der Straße von Stangengrün nach Hirschfeld geritten, da haben sie plötzlich am hellerlichten Tage auf freiem Felde das laute Hohoschreien des wilden Jägers gehört, aber ihn selbst nicht gesehen; nur unter ihren Pferden, die sich furchtbar gebäumt, sind eine Menge kleiner Dachshunde herumgelaufen, ohne daß sie jedoch einen derselben hätten von den Pferden treten sehen, und plötzlich ist alles wieder verschwunden gewesen.
II. Zwischen Hirschfeld und Stangengrün liegt der Teufelswald. In demselben hat man mehrmals die wilde Jagd gesehen und gehört. Dies widerfuhr unter anderen einem Tischler, welcher einst des Nachts um 12 Uhr mit einem Karren durch den Wald fuhr. Da hörte er Pfeifen und Gebell, und darauf sah er auch den wilden Jäger als schwarze Gestalt zu Fuße an sich vorübergehen; derselbe führte zwei Hunde bei sich.
14. Die wilde Jagd bei Komotau.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864. S. 5.)
Eine alte Frau aus Komotau erzählte: Geht man an Adam und Eva früh zur heiligen Beichte und Kommunion und fastet dann den ganzen Tag, selbst abends, und geht dann um Mitternacht auf einen Kreuzweg, so sieht man die wilde Jagd vorüberziehen, und der letzte aus derselben giebt einem einen Thaler, der, so oft man ihn auch wechselt, immer wieder zurückkehrt.
Wenn Grohmann (Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, Vorrede S. 7) bemerkt, daß den Slaven der Glaube an den wilden Jäger fehlt, so bezieht sich dies wohl nur auf die Czechen. Veckenstedt teilt eine größere Anzahl wendischer Sagen vom Nachtjäger mit. Auch nach dem Glauben der Niederlausitzer Wenden erscheint der Nachtjäger wie bei uns auf Kreuzwegen; ebenso ist er selbst sowie sein Pferd ohne Kopf. (Wendische Sagen und Märchen, Graz 1880, S. 35 etc.)
15. Der wilde Jäger bei Karlsfeld.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Bei Karlsfeld ist der wilde Jäger mit seinem Heere öfters gesehen und gehört worden. Sein Gefolge besteht aus den Seelen von Jägern, die in ihrem Leben Böses gethan haben und nicht zur Ruhe kommen können.
16. Der wilde Jäger bei Schönlinde.
(Grohmann, Sagenbuch von Böhmen und Mähren, I. S. 78.)
Auch bei Schönlinde läßt sich zuweilen der wilde Jäger sehen; man nennt ihn dort Banditterch (Berndietrich). Er soll daselbst in den Schweinsgründen und in Budersdorf mit hölzernen Hunden herumjagen.
Die hölzernen Hunde sind ebenfalls gleichbedeutend mit Holzhunden, wie man in Norddeutschland die Wölfe heißt; der wilde Jäger jagt also nach dieser Sage mit Wölfen. Die Wölfe aber, welche schon in der Edda Hunde genannt werden, sind Lieblingstiere Wuotans.
17. Der wilde Jäger bei Neustadt.
(Köhler, Volksbrauch etc. im Vogtlande, S. 509.)
Noch im vorigen Jahrhunderte hatte der wilde Jäger sein Revier in der Gegend von Neustadt bei Falkenstein. Da zog er des Nachts in der Luft mit seinen Hunden oft über Neustadt hinweg und ließ sein »Hoho!« hören. Einmal sah ein dortiger Bauer zum Fenster hinaus, als der wilde Jäger in der Luft hinzog, und er äffte das »Hoho!« nach. Am nächsten Morgen fand der Bauer auf seinem Fensterstocke draußen einen toten, übelriechenden Hasen. Er verscharrte ihn in seinen Düngerhaufen, aber am nächsten Morgen lag er doch wieder auf demselben Fensterstocke. Er verscharrte ihn zum zweiten und dritten Male, aber der Hase lag am nächsten Morgen immer wieder auf dem alten Platze. Auf den Rat anderer Leute vergrub ihn der Bauer endlich unter gewissen Förmlichkeiten auf einem Kreuzwege, und der ihm vom wilden Jäger zugedachte Braten kam nimmer wieder.
Wir finden im Erzgebirge für die Züge des wilden Jägers oder Wuotans sowohl die Bezeichnung »wilde Jagd«, als auch »wütendes Heer.« Unser Gebirge bildet die Grenzscheide zwischen Nord- und Süddeutschland, und daher vermengen sich hier beide Namen, von denen der eine (wilde Jagd) vorzugsweise Nord-, der andere (wütendes Heer) aber Süddeutschland angehört. Wuotan ist übrigens in seinem Namen, welcher den »stürmisch Schreitenden« bedeutet, mit dem Worte »Wut« verwandt.
Die Sagen von dem wilden Jäger lassen uns Umschreibungen von Naturvorgängen erkennen. Der Sturmgott Wuotan ist der Sturm selbst; sein Roß, Hut und wallender Mantel sind die Wolken, Wolken sind ursprünglich vielleicht auch die von ihm gejagten Frauen. (S. die Sagen von den Holzweibchen.)
Der Hase ist ein gespenstisches oder teuflisches Tier; in der Lausitz glaubt man, daß die Hexen zuweilen in der Gestalt von Hasen durch das Dorf laufen. Der Hase war den Asen geweiht. Das Hinwerfen eines Hasen durch den wilden Jäger hat also eine mythische Bedeutung, ebenso wenn anderwärts ähnliche Sagen erzählen, daß der wilde Jäger dem Rufenden ein Pferdeviertel zugeworfen habe. In letztgenannter Überlieferung findet sich vielleicht eine Erinnerung an die alten heidnischen Opfermahlzeiten, bei denen das Pferdefleisch nicht fehlte.
18. Der graue Jäger auf dem Tossen.
(Mitgeteilt vom Lehrer R. Bachmann aus Markneukirchen.)
Auf dem Tossen, einem kahlen Landrücken bei Schönbach in Böhmen, jagt allnächtlich der graue Jäger mit seinem Hunde. Als einst eine Frau aus der sogenannten Hetaschen von Markneukirchen aus heimkehrte, gesellte sich zu ihr der graue Jäger und begleitete sie bis nach Hause. Die Frau erzählte dies ihrem Manne. Am andern Morgen lag ein Stück Hirschfleisch auf dem äußern Fensterbrette. Der Mann stieß es hinab, und drei Tage darauf war er eine Leiche. Seitdem hat man den grauen Jäger nie wieder gesehen oder jagen gehört.
19. Der Waldschütz.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen. S. 115.)
In Rodau, einem Dorfe bei Graslitz, erzählt man sich viel von dem Waldschützen. Es soll dies ein Mann sein, der in dem nahegelegenen Walde zu mitternächtlicher Stunde umgeht. Er schlägt dabei mit großer Kraft und Gewalt an die Bäume und verursacht dadurch einen großen Lärm. Zugleich setzt er dem Wilde nach, scheucht es auf und treibt es so lange herum, bis ihn die Geisterstunde zurückruft. Dabei hört man, wie er die Hunde hetzt. Deshalb nennen ihn die Leute den Waldschützen. Er geht immer tiefer in den Wald und verliert sich endlich im Forste.
Dieser Waldschütz hat endlich auch die Gewohnheit, die Leute in diesem tiefen Walde irre zu führen. Eines Tages ging ein Holzhauer aus dem Walde nach Hause. Er war noch nicht lange gegangen, als es stockfinster wurde und er furchtbare Axtschläge in seiner Nähe vernahm. Der Holzhauer ging herzhaft auf den Lärm los, weil er glaubte, daß es Holzdiebe seien. Wie er aber auf den Platz kam, wo die Schläge erschallten, sah er einen fremden Mann in Jägertracht, der an die Bäume klopfte. Der Holzhauer fragte: »Wer bist Du?« »Ich bin der Waldschütz!« sagte der Mann und klopfte weiter. Der Holzhauer folgte dem Mann nach. Um Mitternacht waren sie schon tief in den Wald geraten, da fühlte der Holzhauer plötzlich einen Axtschlag, daß er halbtot zu Boden stürzte. Am anderen Morgen, als er aufwachte, standen einige Leute bei ihm, die ihn gefunden hatten. -- In der Hochgart geschah es, daß dieser Geist sich am Tage sehen ließ; dann ist er böswillig und läßt niemanden ungeschoren. Ein armer Mann sah ihn und rief ihn dreimal beim Namen: »Waldschütz, Waldschütz, Waldschütz!« Da drehte sich derselbe um und sprach: »Für dein Necken sollst du hier in einen Baumstumpf verwandelt so lange stehen, bis dich der Zufall erlöst.« Augenblicklich ward der Mann zu einem Baumstumpf und wurzelte im Boden. Seine Erlösung aber blieb nicht lange aus. Eines Tages waren Köhler in der Nähe; einer derselben sah den Stock dastehen und dachte, er sei gut, das Mittagsessen darauf einzunehmen. Er legte daher sein Brot darauf, schnitt es mit dem Messer durch, so zwar, daß er auch noch in den Stock schnitt, und hackte auch seine Hacke darin ein. In demselben Augenblicke schrie es heftig auf, der Baumstumpf verschwand und der verzauberte Mann stand erlöst vor den Augen der Köhler.
20. Reichbrod von Schrenkendorf als wilder Jäger.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B. S. 177.)
In der Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte der Ort Klingenberg einem Herrn Reichbrod von Schrenkendorf, der ein großer Jagdfreund gewesen zu sein scheint, indem eine nach Colmnitz hin gelegene Waldwiese, genannt »Reichbrods Wiese«, heute noch von den Landleuten ungern zur Nachtzeit passiert wird, weil daselbst Reichbrod einen Jagdlärm treibt, als ob wilde Schweine gehetzt würden.
21. Der Jäger ohne Kopf im Hofbusch bei Schlettau.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 29.)
In dem Hofbusche bei Schlettau, durch den der Weg nach Unter-Herrmannsdorf führt, läßt sich bei Nacht oft ein gespenstischer Jäger ohne Kopf sehen. Er soll vor alter Zeit die Armen, welche sich das dürre Reißholz sammelten, oft unbarmherzig mißhandelt haben und zur Strafe nach seinem Tode nun umgehen müssen. Rechtliche Leute läßt er ungeneckt, aber die Holzdiebe hat er schon oft in Todesangst gejagt und bisweilen festgebannt, so daß sie Stunden lang an einer Stelle stehen bleiben mußten.
22. Der Reiter ohne Kopf auf dem Ziegenberge bei Zwönitz.
(Nach der poetischen Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz des K. S. No. 572.)
Auf dem Ziegenberge bei Zwönitz soll sich ein Reiter ohne Kopf sehen lassen, von dem sich das Volk folgendes erzählt:
Einst (im 17. Jahrhundert) soll ein Müller in Zwönitz eine sehr schöne Tochter gehabt haben, die mit dem Förster von Grünhain heimlich versprochen war; derselbe war übrigens mit den übrigen Gliedern ihrer Familie so gut wie gar nicht bekannt. Nun hatte aber der Müller auch einen Sohn, von dem er sich losgesagt hatte, weil derselbe ohne seine Erlaubnis die Tochter des Scharfrichters geehelicht und damit nach den Ansichten jener Zeit seine Familie beschimpft hatte. Gleichwohl kamen die Geschwister an diesem und jenem Orte mit einander zusammen, und als nun eines Tages die schöne Müllerstochter in die Schenke wo sie ihren Liebhaber zu treffen dachte, zum Tanz gegangen war, traf sie ihren Bruder mit seiner Frau und konnte es ihm natürlich nicht abschlagen, ein Tänzchen mit ihm zu machen. Während dem war aber der Förster angelangt und gleich vom Pferde aus, wie er war, auf den Tanzsaal geeilt; als er nun seine Braut in den Armen eines ihm Fremden erblickte und sah, wie sie freundlich mit ihm scherzte, ergriff ihn rasende Eifersucht. Er lockte sie also unter Schmeichelworten auf den Ziegenberg, indem er vorgab, er habe bei dem schnellen Ritte etwas im Walde verloren und sie solle ihm suchen helfen. Das Mädchen ging auch, nichts Böses ahnend, mit; als sie aber an eine recht wilde, verwachsene Stelle des Berges kamen, warf er ihr ihre Untreue vor und erstach sie, ohne nur ihre Verteidigung anhören zu wollen. Leider hatte er nur zu sicher getroffen, die Unglückliche gab in wenigen Minuten ihren Geist auf, indem sie nur noch so viel Zeit hatte, ihrem Mörder zuzurufen, ihr vermeintlicher Verführer sei ihr Bruder gewesen, den er noch nicht gekannt habe. In wilder Verzweiflung warf sich der Förster über die Sterbende, allein er vermochte sie nicht wieder ins Leben zurückzurufen. Er eilte also auf den Tanzsaal und schrie ihrem Bruder zu, er habe seine Schwester gemordet, er wolle sich selbst dem Gerichte übergeben. So geschah es auch. Da er den Tod suchte, dauerte die Untersuchung nicht lange, schon nach drei Monden fiel sein schuldiges Haupt zu Grünhain auf dem Schafott; auf dem Flecke aber wo die blutige That geschehen, ward ein Rosenstrauch gepflanzt, dessen weiße Rosen des Nachts wie mit Blut besprengt aussehen und der seine Blätter traurig zur Erde zu senken scheint. Um Mitternacht aber kommt, wenn böse Zeiten bevorstehen, ein Reiter, den Kopf unter dem Arme, vom Grünhainer Hochgericht nach dem Rosenstock geritten, verweilt kurze Zeit daselbst und kehrt dann wieder zurück.
Der letzte Teil der Sage erinnert an die poetische Vorstellung, daß die entweichende Seele eine aufblühende Blume ist, durch welche sie auch symbolisch dargestellt wird. Die weiße Rose, welche des Nachts wie mit Blut besprengt dasteht, ist die Seele des ermordeten Mädchens. Die Seelen Verstorbener wachsen als Blumen aus dem Grabe. Erhob sich doch auch auf den Gräbern Tristans und Isoldes eine Rebe und ein Rosenstock.
»-- Doch eine Rose, einen Reben sah man sich aus den Gräbern heben und innig sich verschlingen.«
23. Der gespenstische Reiter bei Hainsberg.
(Gräße, Sagenschatz etc. No. 267.)
Auf der von Hainsberg nach Tharand führenden Chaussee soll sich an gewissen Tagen um Mitternacht ein Spukgeist sehen lassen; er reitet auf einem Pferde ohne Kopf und trägt den seinigen zuweilen selbst unter dem Arme, er jagt bis Tharand und kehrt dann wieder zurück.
24. Gespenstische Reiter bei Waschleite.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 75.)
Eine halbe Meile von Grünhain gegen Waschleite ist einem Gerber von Elterlein, der des Nachts von Schwarzenberg heimfuhr, eine ganze Rotte Reiter ohne Köpfe und in mancherlei Gestalt entgegengekommen, denen mußte er ausweichen, worauf er infolge des gehabten Schrecks krank wurde. Daselbst hat man auch zuweilen die schönste Geistermusik gehört.
25. Der Reiter ohne Kopf bei Wildenfels.
(Nach Mitteilung des Lehrers R. Schlegel aus Wildenfels.)
Die Holzhauer erzählen, daß sich an dem sogenannten neuen Teiche im Wildenfelser Walde ein Reiter ohne Kopf sehen lasse, welcher dann im Wasser verschwinde.
Unselige Geister erscheinen häufig hauptlos, wie uns die Sagen aus zahlreichen Orten erzählen. Ohne Kopf sieht man z. B. den Reiter im Wiesenthale bei Königerode. Auch der wilde Jäger im Zellgrunde zeigt sich ohne Kopf. (Größler, Sagen aus der Grafschaft Mannsfeld, No. 54 und 162.) In einem bei Weimar gelegenen Hölzchen läßt sich des Nachts ein Reiter sehen, welcher seinen Kopf wie einen Hut unter dem Arme trägt; er führt die Leute irre. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 297.) Bemerkenswert ist dabei, daß solche unselige Geister vielfach auf halben oder dreibeinigen Rossen reiten und mit einer Meute dreibeiniger Hunde den Zug des wilden Jägers begleiten. Es ist dies eine Erinnerung an die Todes- und Pestgöttin Hal, welche auf einem dreibeinigen Pferde erscheint.
26. Der kopflose Reiter bei Bernsbach.
(Mitgeteilt vom Seminarist Osw. Hübner aus Bernsbach.)
Auf der Straße von Bernsbach nach Beierfeld, im sogenannten Kirchgraben, soll öfters ein Reiter ohne Kopf gesehen worden sein.
27. Der Reiter ohne Kopf zwischen Lößnitz und Stein.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
In der Mitte des Weges zwischen Lößnitz und Schloß Stein ist ein Waldort, genannt »die hohle Linde.« Zur Zeit steht an der Stelle neben einer Vertiefung eine junge Linde; ehemals befand sich eine umfangreiche hohle Linde daselbst. Früher stieg aus derselben um Mitternacht ein Reiter ohne Kopf, der den Wald durchirrte und die Leute schreckte. Noch jetzt soll derselbe zuweilen aus der kleinen Senke daselbst aufsteigen.
28. Der Panzerreiter zu Stollberg.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 574; z. T. mündlich.)
In der Gegend von Stollberg soll bei Nacht ein Reiter ohne Kopf, in einen langen schwarzen Mantel gehüllt, auf einem schwarzen kopflosen Rosse herumreiten. Vor ihm her flattert eine grau und schwarz gefleckte Krähe, welche sich auch bisweilen auf einer großen Linde in der Oberstadt sehen ließ und durch ihr nächtliches Krächzen jedem, der es hörte, den Tod binnen drei Tagen verkündigte. Nach anderen sollen vor dem Reiter drei Raben fliegen; auf welchem Hause sich dieselben niederlassen, daraus soll jemand in demselben Jahre sterben. Den Reiter nennt man den Panzerreiter.
29. Die feurigen kopflosen Reiter bei Lichtenstadt.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 95.)
Einst gingen einige Leute von Lichtenstadt nach Karlsbad; als sie den Berg hinuntergingen, war es gerade 11 Uhr in der Nacht. Da sahen sie unten viele hunderte von feurigen Männern und Pferden ohne Köpfe sich herumtummeln. Um 12 Uhr war alles wieder verschwunden.
30. Das Geisterschloß bei Bockau.
(Mitgeteilt vom Seminarist Paul Mothes aus Bockau.)
Ungefähr 20 Minuten von dem durch seinen früher lebhaft betriebenen Arzneihandel bekannten Bergflecken Bockau befindet sich ein Sumpf, von den Bewohnern einfach »die Pfütze« genannt. Dabei erhebt sich ein Felsen, auf dem in gewissen Nächten zwischen 11 und 12 Uhr ein großes Schloß mit unzählig erleuchteten Fenstern zu sehen ist. Jeder aber, welcher auf das Schloß zugeht, wird in der Irre umher geführt. An demselben Platze hat sich auch zuweilen ein Reiter ohne Kopf sehen lassen.
31. Der Spuk an der Straße bei Albernau.
(Mitgeteilt von Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
Da, wo von der Chaussee zwischen Schneeberg und Bockau der Communikationsweg nach Albernau abgeht, steht eine steinerne Säule. Von diesem Platze wird verschiedenes erzählt. Einige wollen daselbst in gewissen Nächten zur Mitternachtsstunde einen Reiter ohne Kopf gesehen haben, der mit wildem Geheule vorüberjagte; andere erzählen, daß sich dort des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ein Licht hin und her bewege, wobei zugleich deutlich Gewinsel zu hören sei.
32. Die Gestalt ohne Kopf zwischen Bärenburg und Altenberg.
(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen, S. 618.)
Schon von vielen Personen wurde auf der Chaussee vom Gasthofe zu Bärenburg aufwärts nach Altenberg, da wo die Straße der Steigung halber die großen Krümmungen macht, eine Erscheinung ohne Kopf beobachtet. Bei der letzten »Drehe« pflegt die Gestalt, welche sonst immer in gleicher Höhe mit dem Wanderer auf der andern Seite der Straße fortschreitet, zu verschwinden. Die oft einsam fahrenden Postillone der Nachtpost wollten in früherer Zeit den Spuk neben den Pferden hergehend gesehen haben.
33. Die weiße Frau zu Neustädtel.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. S. 943.)
In Neustädtel bei Schneeberg erzählt man von einer gespenstischen weißen Frau, welche eine Sechswöchnerin gewesen und endlich verbannet worden. Auf deren Grab ist immer ein Grüblein, einer Backschüssel groß, geblieben, ob man es gleich zufüllete.
34. Die weiße Frau zu Venusberg.
(Lehmann a. a. O. S. 942.)
Auf dem herrschaftlichen Hofe zu Venusberg bei Thum kennt man eine weiße Frau von langen Jahren her, ohne daß jemand wissen will, wer sie gewesen. So oft bei der Herrschaft oder ihrer Familie und nächsten Anverwandten ein Todesfall sich ereignen soll, lässet sie sich eine gute Zeit zuvor von vielen öffentlich sehen, und zwar, wenn ein Todesfall im Hause geschehen soll, gehet sie aus selbigem heraus, die Treppen hinunter, über den Hof hinab bis zu demjenigen Thor, durch welches die Leiche hinausgetragen werden soll. Ist aber der Todesfall außerhalb des Hauses unter den nächsten Anverwandten zu vermuten, so läßt sie sich nur bald hier, bald dort, auch wohl zu den Fenstern herab sehen. Es ist aber niemandem dadurch ein Leid oder eine Krankheit widerfahren, weil sie ohne Beleidigung ihr Wesen treibt.
35. Die weiße Frau in Schneeberg.
(Mündlich.)
In der Kosaken- und Webergasse zu Schneeberg hat sich des Nachts mehrere Male eine weiße Frau sehen lassen.
36. Die weiße Frau zwischen Wildenthal und Karlsfeld.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Auf dem Wege von Wildenthal nach Karlsfeld ist öfters des Nachts bei Mondenschein eine Frauengestalt in weißem Gewande erschienen. Dieselbe ging stets vor dem Wanderer her, ließ sich aber von demselben nicht erreichen, so sehr er auch seine Schritte beschleunigte.
37. Die weiße Frau am Brautstock in Altenberg.
(Bürgermeister Schönherr im Freiberger Anzeiger 1883, No. 181. 1. Beilage.)
Der Weg durch die sogenannte lange Gasse in Altenberg, welche nach Zinnwald führt, wird vielfach begangen; man findet darin eine einfache unbearbeitete Porphyrsäule, der Brautstock genannt. Eingearbeitet sind die Jahreszahlen 1716 und 1820. Der Sage nach soll von Zeit zu Zeit und in gewissen Nächten eine weiß gekleidete junge Frau zu erblicken sein, welche am Steine seufzt, betet und dann zu versinken scheint. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts soll unter seltsamen Umständen an dieser Stelle eine Vermählung stattgefunden haben. Ein in einem Duell verwundeter Offizier ließ sich hier die Geliebte antrauen und gab darauf sein Leben Gott zurück.
In Wirklichkeit dürfte der genannte Brautstock nichts anderes als ein großer Rainstein sein, der bei der großen Verrainung vom Jahre 1716 zwischen der kurfürstlichen Waldung und derjenigen der Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg gesetzt wurde. Der Stein trägt zunächst das Waldzeichen letzterer Gewerkschaft, das Jupiterzeichen aus den Kalendern, welches einem lateinischen »~Z~« ähnelt, sodann die Jahreszahlen »1716« und »1820«, die Rainungsziffer 53, nach Süden abermals das Jupiterzeichen und nach Westen ein lateinisches »~A~« (Altenberger Staatsforstzeichen). Eine Innschrift führt der Brautstock nicht und doch ist derselbe schon seit Jahren unter diesem Namen als Grenzrainungsmarke in verschiedenen Karten und Fluraufrissen geführt worden.
Der vorigen Sage von der weißen Frau am Brautstocke liegt eine wirkliche Begebenheit zu Grunde. Auf einer kleinen sumpfigen Waldwiese südlich von Peterswalde fand zu Anfange des vorigen Jahrhunderts ein Duell auf Kugeln statt, bei welchem der Garde-Capitän von Siemensky tödlich verwundet wurde. Seine Braut war in einem Wagen mit einem Arzte gefolgt und als der letztere äußerte, der Verwundete könne vielleicht noch gerettet werden, wenn es gelänge, die Kugel durch einen sachverständigen Beistand zu entfernen, wurde der Garde-Capitän in dem Wagen auf einer vierstündigen Fahrt über Schönwalde und Voitsdorf bis nahe vor Altenberg gebracht. Hier aber auf der steinigen Landstraße fühlte der Verwundete sein Ende herannahen und begehrte, daß ihn ein Geistlicher mit seiner Braut trauen sollte, um letztere in den ungeschmälerten Besitz seiner Güter zu setzen und ihre Ehre vor der Welt zu retten. Eilig wurde aus Altenberg der Pastor Johann George Bretschneider geholt und dieser vollzog unter freiem Himmel die Trauung. Darauf starb von Siemensky. Seine angetraut Gattin starb bei der Geburt eines Knaben, welcher von einem Herrn von Nostitz erzogen wurde und später das Erbe seines im Duell getöteten Vaters antrat.
Forstleute haben später durch den einfachen »Brautstock« die Stelle bezeichnet, wo jene tragische Begebenheit der Vermählung im Angesichte des Todes sich ereignete.
(S. Näheres bei Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen ohne Jahreszahl. S. 607 etc.)
38. Die weiße Frau auf Scharfenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 15.)
Auf dem Schlosse Scharfenstein zwischen Zschopau und Wolkenstein geht seit Jahrhunderten eine weiße Frau um. Des Nachts mit dem zwölften Glockenschlage wird sie rege und wandelt, in lange, weiße, nebeldünne Gewänder gehüllt, durch alle Gemächer des Schlosses, bleibt bisweilen stehen und seufzt und ist überhaupt traurig. Oft hat man gewagt, sie anzureden, aber nie hat sie Antwort gegeben, sondern ist immer sogleich entflohen. Sie muß eine schwere Sünde begangen haben; welche aber, weiß niemand.
39. Die weiße Frau in Unterchodau.
(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg. Komotau 1878. S. 84.)
Zu Unterchodau bei Elbogen stand früher an der Stelle der Porzellanfabrik ein einfaches, einstöckiges Schlößchen, an das später eine Glashütte angebaut wurde. Erst später entstand hier eine Porzellanfabrik. In diesem Schlößchen nun wohnte die Witwe eines ehemaligen Littmitzer Brauers, welche Wohnung ihr von der Stadt Elbogen mildherzig verliehen wurde, nachdem sie mit ihrem Manne gänzlich von Vermögen gekommen war. Sie ging nun einst bei ihrem Schwager vorbei, der gegenüber der Schule wohnte; derselbe rief sie ins Haus und gab ihr ein Krüglein Bier. Da blickt sie gegen das Schlößchen und sieht plötzlich im Erkerfenster eine weiße Frau stehen. Ach Gott! rief sie, ich habe meine ganze Wäsche auf dem Boden, man will sie mir gewiß stehlen! Sie läuft nach Hause, ihre Kinder weinen, sie nimmt das jüngste auf den Arm und eilt die Treppe hinauf. Auf dem Boden angelangt, bleibt sie jedoch ganz starr stehen, -- sie sieht die weiße Frau mit verschränkten Armen und auf dem Dachboden einen Haufen Gold, auf welchem Pergamentrollen lagen. Statt von dem Golde zu nehmen, lief sie zum Schwager mit der Bitte, ihr das Gold wegtragen zu helfen; bei der Rückkehr jedoch war alles verschwunden. Auch als schon die Glashütte stand, hielt sich kein Arbeiter abends gerne in der Werkstätte auf und selbst jetzt noch hält man es dort nicht für geheuer.
40. Die weiße Frau in Premlowitz.
(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg. Komotau 1878. S. 84.)
Bei dem Hofe Premlowitz bei Karlsbad geht eine weiße Frau um. Vor fünfzig Jahren noch will man sie täglich von 11 bis 12 Uhr mittags mit verschränkten Armen auf dem Hofgang gesehen haben.
Einmal sah die weiße Frau ein Knecht, der auf dem Felde ackerte. Er rief sie mit den Worten an: Du könntest mir auch ausspannen helfen! erhielt aber plötzlich einen solchen Schlag ins Gesicht, daß ihm der Backen anschwoll und er mehrere Wochen das Bett hüten mußte.
41. Die weiße Frau des hohen Steins bei Graslitz.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg. S. 131.)
Es weidete einmal ein Junge aus Waltersdorf, einem Dorfe am Südostfuße des hohen Steines, seine Herde, als um die Mittagszeit herum eine weiße Frau erschien und ihn fragte, was er denn in seinem Zwerchsacke trage. »Mein Brot,« antwortete furchtsam der Hirt. »Gieb mir etwas davon,« bat die Frau, und während der Angesprochene ihrem Wunsche willfahrte, sagte er, daß er ihr nur wenig bieten könne, indem seine Bäuerin ein geiziges Weib sei, die ihrem Gesinde die Brocken in die Schüssel zähle. Da überreichte ihm die weiße Frau eine kleine Rute mit dem Bedeuten, das geizige Weib damit zu berühren, wenn sie im Begriffe stehe, ihm sein Brot mit auf die Hutweide zu geben. Außerdem streifte sie mit der Hand das Laub von dem Aste eines Baumes und sprach: »Nimm auch diese Blätter und hebe dieselben wohl auf; sie sind der Lohn für das mir gereichte Brot.« Nach diesen Worten entschwand die Frau den Blicken des Hirten, der das erhaltene Geschenk in seinen Taschen barg. Als er aber am Abend seine Herde nach Hause trieb, wurde ihm das Tragen der Blätter unbequem, und einfältig, wie er war, warf er sie von sich. Wie reute ihn aber sein Thun, als er zu Hause angelangt, in seiner Tasche drei funkelnde Goldstücke fand, welche durch Verwandlung dreier von den geschenkten Blättern, die in seiner Tasche kleben geblieben, entstanden waren. Wohl lief er schnell zurück, um das so leichtsinnig weggeworfene Geschenk der gütigen Frau wieder aufzunehmen; allein sein Suchen war und blieb vergeblich. Die Blätter blieben verschwunden. Als ihm am andern Morgen die Bäuerin sein Brot schnitt, berührte sie der junge Hirte, ungesehen von ihr, mit der erhaltenen Rute und war erstaunt, das geizige Weib alsbald sprechen zu hören: »Dem Hirten muß ich heute ein großes Stück Brot samt einer Butterflade und mehrere Kuchen mit auf die Weide geben; er verdients.« Und es geschah. So oft der Hirt die Bäuerin mit seiner wunderthätigen Rute berührte, erhielt er eine reichliche und gute Zehrung. -- Einst aber unterzog die Magd des Hauses den Stall einer durchgreifenden gründlichen Reinigung, und bei dieser Gelegenheit warf sie des Hüters Rute, der sie im Stalle oben unter einen Balken gesteckt hatte, mit hinaus. Weinend beklagte dieser nach seiner Nachhausekunft seinen unersetzlichen Verlust; aber das half ihm nichts. Die Bäuerin schnitt fortan das trockene Brot fast noch kleiner als vordem und bitter bereute es der Betroffene, das wohlthätige Geschenk der weißen Frau nicht sorgsamer aufbewahrt zu haben. Diese erschien dem jungen Hirten zwar noch einige Male, aber nur in der Ferne. Ihre Gesichtszüge waren finster auf ihn gerichtet und drohend erhob sie manchmal den Zeigefinger ihrer Rechten gegen den Unachtsamen, vielleicht dadurch ihre Unzufriedenheit mit ihm zu erkennen gebend.
42. Die weißen Frauen des Raubschlosses bei Brandau.
(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. S. 173.)
Wenn man von Brandau, das mit dem zugehörigen Orte böhm. Grünthal den am weitesten vorgeschobenen Zipfel des Brüxer Bezirks ausfüllt, nach Kallich wandert, so muß man durch das wegen seiner Naturschönheiten berühmte und deshalb von Touristen sehr besuchte Teltschthal, in dem der Grenzbach Natschung zahlreiche Brettmühlen und auch das jetzt allmählich verfallende Eisenwerk Gabrielenhütte treibt. Am Eingange in dieses Thal befindet sich zur rechten Hand, unmittelbar über dem zu Brandau gehörigen Wirtshause zu »Beneschau,« vielleicht 8 Minuten vom eigentlichen Dorfe entfernt, in dem der Gemeinde Brandau gehörigen Walde ein Felsen, der schon steil gegen die Straße, noch mehr aber gegen das Natschungthal abfällt. Hier auf diesem Felsen will man noch Mauerüberreste sehen und man nennt den Platz das Raubschloß. Die Sage erzählt davon folgendes:
Auf dem Raubschlosse stand früher eine Burg, die einem mächtigen Ritter gehörte, der gar oft viele Wochen von ihr sich entfernte, aber immer reich mit fremden Schätzen beladen zu ihr zurückkehrte. Als er einst wieder auf Raub auszog, überfielen seine Feinde die Burg, nahmen die Besatzung gefangen und legten sich in den Hinterhalt, um auch den nur von wenigen Reisigen umgebenen Ritter zu fangen. Als dieser zurückkehrte, erkannte er sogleich die ihm drohende Gefahr und sprengte, um der Gefangenschaft zu entgehen, mit seinem Pferde den steilen Berg hinab in das Thal, wo er zerschmettert anlangte. Die Burg wurde dem Erdboden gleich gemacht.
Seit jener Zeit treibt dort ein graues Männchen sein Wesen, das einst einem Försterburschen eine Thür zeigte, durch die er in ein großes Zimmer im Berge trat. Das Männchen erlaubte ihm auch, von dem vielen hier aufgespeicherten Gelde täglich eine bestimmte Summe zu holen. Als der Bursche aber noch einen seiner Kameraden mitbrachte, damit auch dieser die Schatzkammer kennen lerne, blieb er in der Höhle eingeschlossen.
Wenn am Pfingstmontage nach dem Gottesdienste die Lichter in der Kirche ausgelöscht werden, öffnet sich die Thür, und eine weiße Frau kommt heraus, die aber schon wieder nach einer halben Stunde hinter derselben verschwindet. Benutzt man diese halbe Stunde, so kann man die verborgenen Schätze aus der Höhle holen.
Ein Knabe aus dem sächsischen Grenzorte Rothenthal spielte eben auf der Violine, als die weiße Frau aus dem Felsen trat und ihn aufforderte, ihr etwas vorzuspielen. Furchtlos überschritt er den Grenzbach und spielte der Frau seine schönsten Melodien vor, in der Meinung, von ihr reich belohnt zu werden. Als die halbe Stunde verflossen war, nahm ihn aber die Frau nicht, wie er vermutet hatte, mit in den Berg, sondern füllte nur seinen Geigenkasten mit Laub.
Ärgerlich warf er dasselbe heraus und lief heim. Dort sah er noch einmal in den Kasten und fand drei Thaler darin. Eilends kehrte er zurück, fand aber weder die Frau, noch das weggeworfene Laub.
Ein andermal saß ein Mann am Ufer der Natschung und fischte. Da öffnete sich wieder die Thür im Raubschloß, und drei weiße Frauen traten heraus, gingen zum Bache und wuschen ihre Hände. Als sie den Mann sahen, riefen sie ihm zu, er möge drei Säcke holen, was sich dieser nicht zweimal sagen ließ. Obwohl die Frauen die Säcke nur mit Laub füllten, trug sie der Mann doch eine weite Strecke. Als sie ihm aber zu schwer wurden, schüttete er das Laub aus. Doch blieben in jedem Sacke einige Blätter, die er später als reines Gold erkannte. So oft er auch später die Stelle wieder aufsuchte, wo ihm das Glück so gelächelt hatte, die Frauen sah er nie wieder.
Am Palmsonntage ging eine Frau mit ihrem kleinen Kinde in derselben Gegend spazieren und kam zu einer Thür, die sie noch nie gesehen hatte. Neugierig versuchte sie die Thür zu öffnen, was ihr auch gelang. Sie trat in ein einfaches Zimmer, in dessen Mitte ein Tisch mit Geld stand. Während sie das Kind auf den Tisch setzte, raffte sie schnell das Geld zusammen und trug es hinaus. Hier sah sie aber nur Laub in ihrer Schürze und fand, als sie ihr Kind wieder holen wollte, die Thür verschlossen. Ein Priester, den sie in ihrer Verzweiflung um Rat fragte, schalt sie ihrer Habsucht wegen und sagte ihr, daß sie in einem Jahre genau um dieselbe Stunde wieder bei der Thür warten müsse, bis sich diese öffne. Sie that dies und fand auch wirklich ihr Kind, mit roten Äpfeln spielend, die sich im Freien in Goldklumpen verwandelten.
43. Die weißen Frauen zwischen Olbernhau und Blumenau.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 948.)
Am 15. September des Jahres 1695, Sonntags spät, ritt Christoph Kaiser, Müller zu Blumenau, nach Hause, und als er hinter die Pfarrwohnung zu Olbernhau kam, wo ihn sein Weg nach Hause führte, gingen drei Männer geschwind und ohne Gruß vorüber, worüber er sich verwunderte, weil er sie für Blumenauer ansah. Als er ein wenig fortreitet, kommen ihm auf dem Wege vier verschleierte Weiber entgegen, welche eine Totenbahre mit einem Sarge und Leichentuch tragen. Darüber erschrickt er und weiß nicht, wo er ist; bald dünkt ihm, er reite durch ein großes Wasser, bald scheint es ihm, als müsse er einen hohen Berg hinan reiten, bis es ein wenig licht wird und er sich bekennet, daß er auf dem rechten Wege sei. Als er zu des Richters Teich, der nahe bei dem Gerichte ist, kommt, sieht er abermals fünf bis sechs Paar verschleierte Weiber daher kommen, die über den Steig, darüber er auch gewollt, gehen, daß er nicht weiß, was er thun soll. Er lässet aber dem Pferde seinen Gang; dasselbe ist des Weges wohl gewohnt, will jedoch über den Steig nicht gehen, sondern lenket sich mit Schnauben neben demselben durch ein Bächlein, und bringet so seinen Reiter gesund nach Hause, wie wohl es sehr geschwitzet. Des andern Tages hat es der Müller ausgesagt und hat ihm nichts geschadet.
44. Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane.
(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane, S. 252.)
In alter Zeit lebte auf dem Schlosse zu Meerane ein Herzog, der von seiner Gemahlin keine Kinder bekam. Daher nahmen sie ein junges Mädchen, eine Gräfin, an Kindesstatt an. Als diese 17 Jahr alt war, starb des Herzogs Gattin. Sie ward bald vergessen und kurze Zeit darauf von dem Herzoge jenes Mädchen zur zweiten Gemahlin erwählt, welche ihm in der Folge zwei Kinder gebar, einen Knaben und ein Mädchen. Auch der Vater starb, als jener acht, dieses zwei Jahre alt war, und die junge Witwe ließ sich bald darauf den Zutritt eines fremden, ihr nicht ganz ebenbürtigen Mannes gefallen. Als er nun während der Zeit seiner Bewerbungen einmal wieder abreiste, hatte er die Worte fallen lassen: es sei alles gut, wenn nur vier Augen nicht wären. Das verblendete Weib und die dabei unnatürliche Mutter deutete obige Worte so, daß ihr Liebhaber sie gern heiraten würde, wenn nur ihre zwei Kinder nicht wären. Und sofort war auch ihr Entschluß gefaßt. Die Wartefrau mußte mit den beiden Kindern in den nahen Wald, das Gottesholz, gehen und ein gedungener Bösewicht alle drei ermorden. Die Wartefrau fiel als erstes Opfer. Als der Knabe sie in ihrem Blute hinsinken sah, fiel er dem Mörder um den Hals und versprach, er wolle ihm fünf Rittergüter von seinen acht geben, wenn er ihn nur leben ließe. Doch auch ihm senkte der Schändliche den Dolch in die Brust. Das Mädchen hielt ihm zur Abwehr, wie zur Beschwichtigung, in jeder Hand eine Puppe entgegen, die sie mitgenommen hatte. Auch dies Kind wurde nicht geschont. Die Mutter ließ hierauf die drei Leichen heimlich in die Burg bringen, und nach dem sie ausgesprengt, alle drei seien schnell einer bösartigen Krankheit erlegen, in der Burgkirche beisetzen. Ihrem Liebhaber schrieb sie, das Hindernis ihres Ehebundes sei beseitigt und er solle nun kommen. Und er kam -- aber mit strafendem Blicke und dem Bedeuten, daß er sie nur habe prüfen wollen, ob bei ihr sinnliche Liebe über Kindesliebe siegen könne, und daß nun ein Ehebündnis mit ihm unmöglich sei. Jetzt überfiel die Unglückliche die entsetzlichste Reue und da sie meinte, daß ihre so große Schuld nur durch die schwerste Buße zu sühnen sei, ließ sie sich beide Knie mit Polstern umkleiden und trat nun in Begleitung ihrer Kammerfrau und in leichtem Gewande ihre Bußreise zu dem Papste nach Rom immer auf den Knien rutschend an. Auf der Hälfte des Weges starb ihre Begleiterin, sie selbst mußte allein weiter reisen. Als sie endlich an dem ihr bezeichneten Kloster in Rom angekommen war, war es nachts 12 Uhr; sie vermochte es nicht mehr, sich aufzurichten und an der Schelle zu ziehen, sank vor Erschöpfung nieder und wurde früh morgens vor der noch ungeöffneten Pforte des Klosters von Vorübergehenden tot aufgefunden. Ihre Seele fand daher keine Ruhe, sondern schweift seitdem als weiße Frau in dem Rotengarten oder Raubgarten, dem jetzigen Pfarrgarten von Meerane, umher.
In einem alten Buche über Meerane soll die Ermordung der beiden Kinder abgebildet sein mit den Unterschriften:
»Mein lieber H., laß mich leben, Ich will Dir Neudeck und Nossen (?) geben, Pleißenburg, die neue, Es wird Dich nicht gereue.« Und: »Mein lieber H., laß mich leben, Ich will Dir meine Puppen geben.«
Fast ganz übereinstimmend mit unser Sage ist die von der Gräfin von Orlamünde. (Richter, deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 51.)
45. Die gespenstische Frau auf dem weißen Fels im Hartensteiner Walde.
(Nach Mitteilung des Lehrers G. Günther aus Lößnitz.)
Auf dem zwischen Schloß Stein und Nieder-Schlema auf der Höhe des rechten Muldenufers emporragenden weißen Fels und in dessen Umgebung hat sich vorzeiten eine Frauengestalt sehen lassen. Anfangs erschien dieselbe als weiß gekleidete Jungfrau, später aber als altes Mütterchen. In dieser Gestalt ist sie noch vor einigen Jahren von Holzlesern gesehen worden.
46. Die Jungfrau auf dem Pöhlberge bei Annaberg.
(Br. Grimm, deutsche Sagen, I. No. 11.)
Bei Annaberg liegt vor der Stadt ein hoher Berg, der Pöhl- oder Pielberg genannt, darauf soll vor Zeiten eine schöne Jungfrau verbannt und verwünscht sein, die sich noch öfters um Mittag, weshalb sich dann niemand darf sehen lassen, in köstlicher Gestalt, mit prächtigen gelben, hinter sich geschlagenen Haaren zeigte.
47. Die Jungfrau des Lauterstein bei Zöblitz.
(Wg. im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 5.)
Einst hütete ein junger Hirte aus Lauterbach seine magere Herde bei der Ruine Lauterstein und legte sich auf den weichen warmen Rasen, um sich zu sonnen. Schon wollte er zu Mittag eintreiben, als er ein Geräusch hinter sich hörte. Er sieht sich um und erblickt eine Jungfrau, groß und stark, in einer Kleidung, wie sie niemand mehr trug; dieselbe war beschäftigt, Laub zusammen zu rechen. Freundlich kommt sie auf den Hirten zu, steckt ihm alle Taschen voll Laub und verschwindet, als er sich nach ihr umsieht. Voll Verwunderung und innerem Grauen treibt der Knabe seine Herde eilig nach Hause. Hier erzählt er bei Tische von der Erscheinung, greift in die Tasche nach dem Laube und zeigt es vor. Welch Wunder! Die Blätter hatten sich in eitel Gold verwandelt. Noch an demselben Tage gingen seine Leute in die Gegend der Ruine, um Laub zu rechen. Sie brachten ganze Säcke davon nach Hause, aber es war und blieb Laub. Der Hirtenknabe kaufte später das Lehngericht in Lauterbach; aber die goldspendende Jungfrau hat er nie wieder gesehen.
48. Die Jungfrauen des Breiten- und Röthelsteins bei Beerheide.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 519.)
An den Breiten- und Röthelstein bei Beerheide knüpft man folgende Sage: Im grauen Altertume sollen von Ellefeld bei Falkenstein aus zwei alte Jungfrauen hierher verbannt worden sein, die noch jetzt ihr Wesen in dieser Gegend treiben. Denn bald fahren dieselben in feuriger Kutsche mit dergleichen Rossen bespannt vom Breitenstein über den Göhlenbach zum Röthelstein, der dann seine Thore öffnet und sie aufnimmt; bald gehen dieselben in schwarzen Kleidern um den Röthelstein spazieren. Zuweilen findet man dort die schönsten Silber- und Kupfermünzen, die, wenn man sie aufgehoben und in die Tasche gebracht hat, aus derselben wieder verschwinden. -- Auch wird erzählt, daß am Morgen des ersten Osterfeiertags die Jungfrauen des Röthelsteins tanzen.
49. Verwunschene Schloßfräulein hängen Wäsche auf.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 88.)
Vor Jahren ging ein Mann im Graslitzer Amtshofe herum. Da bemerkte er auf dem Hausberge mehrere verwunschene Schloßfräulein, die eben Wäsche aufhingen. Um sich zu überzeugen, daß er sich nicht täusche, ging er auf den Berg, der Stelle zu, wo das Linnen aufgehängt war. Allein je weiter er ging, desto weiter schien sich das Linnen zu entfernen. Endlich stand es stille. Als er aber darauf losging, verschwanden die Jungfrauen und auch das Linnen und statt des letzteren sah er eine Masse von Spinnweben, die ihn so dicht umhüllten, daß er sich nur mit Not herausfitzen konnte.
50. Die Jungfrau auf dem Braunstein.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 44.)
Droben am Braunstein zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal hat ein verwunschenes Schloß gestanden, das ist mit einer verwunschenen Jungfrau und vielen Schätzen versunken. Holt sie einmal ein recht frommer Mann, dann wird er mit ihr auch die Schätze heimführen.
Der Petermüller unten hat es mit seinen eigenen Ohren zu Ostern jedesmal in der Passionszeit gehört, wie da die Jungfrau im Berge drinnen geweint, und bald darauf hörte er auch einen solchen Engelgesang, wie ihn die Leute niemals vernahmen. Die Jungfrau hat noch niemand zu holen versucht.
An einem heißen Augusttage des Jahres 1848 schritt um die elfte Vormittagsstunde ein Mann aus Joachimsthal heiteren Sinnes an der »Petermühle« vorbei. Seine Verwunderung war nicht gering, als er bemerkte, daß die Müllerin, seine Verwandte, auf der unterhalb der Mühle gelegenen Wiese Heu wendete, da doch Sonntag war. Überzeugung kann nicht schaden, dachte sich unser Joachimsthaler und ging in die Mühle, um dort nach der Ursache zu fragen, daß die Frau des Hauses heute am Sonntage, am Tage des Herrn, Heu mache. Doch welche Überraschung! Seine Verwandte stand gerade beim Ofen und bereitete das Mittagsmahl. Man eilte schnurstracks auf die Wiese, allein die Heumacherin, welche die Braunsteiner Jungfrau gewesen sein soll, war verschwunden. Derselbe Mann erzählte, daß sein Vater, als er Schafe hütete, die Braunsteiner Jungfrau habe herrliche Lieder singen hören.
Drei Männern aus Mariasorg träumte einmal, sie sollten auf den Braunstein gehen, dort würden sie ungeheure Schätze finden, welche von einer verwunschenen Jungfrau bewacht würden. Als die Männer früh zusammen kamen, erzählten sie sich gegenseitig den seltsamen Traum und entschlossen sich, in der folgenden Nacht zwischen elf und zwölf Uhr auf den Braunstein zu gehen. Dort angelangt, fanden sie den Berg offen, gingen furchtlos hinein und erblickten wirklich eine große Pfanne mit Gold- und Silbermünzen und eine schöne Jungfrau, welche die Männer freundlich begrüßte und zu ihnen mit wohltönender Stimme sprach: »Diese Schätze gehören Euch; doch müßt Ihr die Pfanne samt dem Inhalte auf einmal forttragen.« Als aber einer der Männer, der die Ausführung dieser Forderung für unmöglich hielt, seine Meinung unverhohlen zum Ausdrucke brachte, verspürten alle drei gleichzeitig eine so derbe Ohrfeige, daß sie besinnungslos zu Boden sanken. Als die Männer wieder zum Bewußtsein erwacht waren, machten sie große Augen, weil sie sich, in ihrer Hoffnung getäuscht, auf der Oberfläche des Berges befanden.
51. Der Schön-Jungfern-Grund bei Ober-Wiesenthal.
(I. F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg. No. 3. II. Ziehnert a. a. O. Anhang, No. 32.)
I. Wer von Neudorf nach Oberwiesenthal wandert und die Richtung durch den Wald nach dem Fichtelberge einschlägt, kommt nach seinem Austritt aus dem Walde zuerst bei dem roten Vorwerke, sodann auf der andern Seite bei dem weißen Vorwerke vorbei und hierauf an den Schön-Jungfern-Grund, einen tiefen, von der Höhe des Fichtelberges beginnenden und sich nach Osten ziehenden Einschnitt. In diesem Grunde liegt oft der Schnee in den Wintern viele Meter tief und zeigt noch schmutzigweiße Reste im Spätfrühling, wenn längst schon Feld, Wiese und Wald sich grün geschmückt haben. Die Sonne kann ihm nicht gut beikommen und das herabrieselnde Gewässer kann nur den tiefliegenden fortbringen. So erklärt es der gewöhnliche Verstand. Die Sage weiß es anders und zwar so: Vor langen Zeiten stand hier ein schönes Schloß und darin wohnten noch schönere Burgfräulein. Darauf kamen böse Raubritter, zerstörten das Schloß und ermordeten die schönen Jungfrauen. Sie leben aber doch noch, wohnen im Innern des Berges und bleichen im Frühlinge ihre Leibwäsche.
II. Der Jungferngrund soll seinen Namen von zwei Jungfern haben, welche sich oftmals im Neumond sehen lassen. Es sind Schwestern; die eine spielt auf der Laute und die andere windet einen Kranz. Wer sie eigentlich sind, weiß niemand.
Den Wiesenthalern dient der Jungferngrund auch als Wetterprophet. Denn wenn der Himmel über demselben hell ist, so wird -- ob es auch sonst allenthalben trübe aussieht -- zuverlässig schönes Wetter; wenn aber der Jungferngrund voll Nebel ist, so sagt man: Die Jungfern trocknen ihre Wäsche! und dann folgt kalte und nasse Witterung.
52. Die Burgfrau des Pürsteins.
(Karl Jentscher in der Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg. S. 66.)
Die Sage berichtet, daß einst in dem Bache am Schlosse Pürstein ein Knabe fischte, was die Aufmerksamkeit der Burgfrau erweckte. Sie saß nämlich oben auf dem Söller und winkte ihrem Gemahl, welcher in den Krieg zog, ihre letzten Scheidegrüße zu. Heftig erzürnt über den Knaben, der es wagte in diesem Bache Fische zu fangen, ließ sie ihn sofort gefangen nehmen und vorführen. Der Vater des Knaben, der Brücknerhäusel-Besitzer gewesen sein soll, warf sich zu Füßen der Burgfrau und bat um Gnade, allein vergebens; ja man fesselte jetzt beide und warf sie in das tiefste Burgverließ. Ein Knecht öffnete des andern Tages den Kerker, um dem Vater die Freiheit, aber auch den Befehl zu bringen, daß er sofort diesen Ort und die umliegende Gegend zu verlassen habe, sein Eigentum sei unter die Schergen verteilt und sein Weib ausgejagt worden. »Und mein Kind?« rief der Alte. Der Knecht deutete auf den Mühlberg, wo soeben das Haupt des Kindes unter dem Beile fiel und über die Höhe des Berges hinabrollte. Der arme Vater, auf das tiefste getroffen, wankte langsam den Burgweg hinab und nie kehrte er wieder. Seitdem wurde der Gipfel des Mühlberges »Kopfleiten« genannt und zum Andenken ein Kreuz dort errichtet, welches noch bis in die dreißiger Jahre dort stand. Wenn der Allerseelensonntag seine trüben Nebel über die Gegend wirft, dann wandelt der Knabe als eine lichte Gestalt traurig dahin, und aus den Felsen des Hinterwaldes ertönt ein Jammergeschrei. Die Burgfrau aber, von Gewissensbissen getrieben, hatte keine Ruhe mehr gefunden, weshalb auch ihr Gemahl das Schloß verließ und es seinen nahen Vettern übergab. Ihr Schatten zog noch lange und oft auf dem Wege dahin, welchen das unglückliche Opfer zur Richtstätte genommen hatte. Viele wollte die alte Burgfrau zu den Schätzen des Schlosses locken, um durch diese von ihrem Schicksale erlöst zu werden, oft hatte sie sich den Dorfbewohnern in später Nachtstunde gezeigt, ein Becken mit Geld und Gold auf den Schultern tragend, -- doch jeder wich scheu zurück und dachte an den armen Brücknersohn. Nur einem Manne gelang es, wie die Sage weiter erzählt, sich in einer Nacht reich zu machen. Ihm träumte, er solle dreimal auf die Brücke von Rodisfort gehen und zwar immer zur bestimmten Zeit; während er das dritte Mal zur Stelle war und harrend sann, kam die Burgfrau als ein altes, häßliches Weib hinkend auf ihn zu und deutete mit erhobener Krücke gegen Pürstein mit den Worten: »Gehe dahin gegen Pürstein auf das alte Schloß! Wenn dann der Mond am höchsten steht, so glänzt dir in der alten, schwarzen Mauer ein weißer Stein entgegen, diesen hebe hinweg, und was du suchtest, das wird dir mehr als zuviel!« Und er hob um Mitternacht diesen verhängnisvollen Stein hinweg, und fand so viel Gold, daß er nicht stark genug war, alles fortzubringen. -- Seit dieser Zeit hat niemand mehr die alte Frau gesehen, und während früher in den alten Mauern nachts oft Getöse hörbar war, herrscht dort jetzt Grabesstille.
53. Das Fräulein des Schlosses Rabenau.
(Mitgeteilt vom Dir. Ludwig Lamer in Hainsberg.)
Von Zeit zu Zeit ließ sich auf dem Schloßhofe zu Rabenau ein Fräulein sehen, welches des Nachts ruhelos auf demselben mit einem hellen, weitleuchtenden Lichte umherwandelte und auf Erlösung von dem Banne wartete. Welcher Art diese Erlösung sein sollte und warum das Fräulein umging, hat man nicht erfahren können.
54. Die verwünschte Jungfrau des Greifensteins.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs I. 1822. S. 123 etc.)
Am Hofe des Böhmenherzogs Wratislaw lebte im 11.Jahrhunderte ein Ritter Otto von Greifen, welcher sich, des Hoflebens müde, mit seiner Gemahlin in das damals unwegsame Erzgebirge zurückzog und im jetzigen Freiwalde eine Burg erbaute. Von dieser Burg, Greifenburg genannt, will man jetzt noch Überreste auf dem Greifensteine bei Ehrenfriedersdorf sehen. Seine Gemahlin schenkte ihm einen Sohn, und als derselbe fünf Jahre alt war, brachte der Ritter ein zweijähriges Mädchen mit, welches er im Walde schlafend angetroffen hatte. Das Mädchen erblühte nach und nach zur herrlichen Jungfrau und so geschah es, daß sie von dem Junker Werner, dem Sohne Ottos von Greifen, mit welchem sie auf der Burg erzogen worden war, herzlich geliebt wurde. Werners Eltern ahnten nichts von diesem Verhältnisse; doch eine Entdeckung konnte nicht ausbleiben, da die Frucht der heimlich gehaltenen Liebe heranreifte. Unglücklicherweise aber geschah die Entdeckung zu einer Zeit, wo Werner angezogen war, einem alten Freunde seines Vaters, dem Ritter Bruno von Scharfenstein, gegen den räuberischen Rekko von Rauenstein, welcher vor achtzehn Jahren Brunos schwangere Gemahlin geraubt hatte, und seitdem mit jenem in Fehde lebte, in einem Kampfe beizustehen. Als Ritter Otto von Greifen von dem heimlichen Verhältnisse seines Sohnes zu seiner Pflegeschwester hörte, zieh' er dieselbe in seinem Stolze der Verführung und ließ sie in das Verließ seiner Burg hinabstoßen. Hier genaß das verlassene Mädchen eines Kindes und in einer sie befallenden Geistesstörung schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Gefängnisses. Plötzlich aber stieg aus dem Boden eine Geistergestalt auf und sprach: »Heil mir, wehe dir! Seit langen Jahren bin ich wegen einer gleichen That zum ruhelosen Umherwandeln verurteilt worden. Jetzt bin ich durch dich erlöst und du wirst meine Stelle so lange einnehmen, bis einst ein keusches Weib, das niemals einen unreinen Gedanken in seiner Seele gehabt hat, in stiller Mitternacht deinen Namen dreimal ohne Furcht rufen wird!« Die Gestalt verschwand, und das gefangene Mädchen sank zu Boden, um in fürchterlicher Raserei wieder zu erwachen, wobei sie sich endlich den Kopf wie den ihres Kindes an der Gefängnißmauer zerschmetterte. Ihr Geist aber erschien in der Nacht dem hartherzigen Pflegevater und verkündete seinem Hause Verderben. Reuig eilte er in den Kerker, wo er den Leichnam seiner unglücklichen und verstoßenen Pflegetochter neben dem ihres Kindes fand. Da ließ er beiden ein ehrendes Begräbnis bereiten; doch eben, als dies geschah, kehrte sein Sohn wieder zurück. Derselbe war voller Freude, denn durch ihn war der räuberische Rekko von Rauenstein gefallen, und in der Todesstunde hatte derselbe bekannt, daß Brunos von Scharfenstein geraubte Gemahlin eines Töchterchens sehr schwer genesen und an den Folgen der Entbindung gestorben sei. Das Kind aber habe er bei einem Köhler des großen Schellenberger Waldes zwei Jahre lang erziehen lassen und dann, als es ihm lästig geworden sei, weiter für dasselbe zu sorgen, im Freiwalde, ohnweit Ottos Burg aussetzen lassen. Dieses Kind war also kein anderes, als Werners unglückliche Pflegeschwester; sie war ihm durch ihre Geburt ebenbürtig und daher war er hoffend, daß seine Eltern in eine Verbindung mit ihr willigen würden, zurückgekehrt. Als er nun alles erfuhr, was sich während seiner Abwesenheit zugetragen hatte, sank er in tiefe Ohnmacht. Als er wieder erwachte, hatte stiller Wahnsinn seine Seele umnachtet; er endete sein Leben in einem Kloster der Ritter vom Hospital zu Prag. Otto von Greifen und seine Gemahlin erlagen bald dem Übermaße ihres Grams. Die Greifenburg fiel als erledigtes Lehen an Herzog Wratislav, wurde aber später, da die folgenden Besitzer zum Räuberhandwerk griffen, auf Befehl Wipprechts von Groitzsch zerstört. Sie ist nie wieder aufgebaut worden.
Historisch ist, daß auf dem Greifensteine eine Burg »Gryfenstein« gestanden hat; sie wird als ein markgräflich meißnisches Lehen der Dynasten von Waldenburg urkundlich im Jahre 1372 angeführt. (Herzog, Archiv für sächs. Gesch. II. S. 76.)
55. Die verwünschte Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 101.)
In der zur Gemeinde Breitenbach gehörigen Ortschaft Ziegenschacht lebte vor langer Zeit eine Jungfrau, welche ihres Geizes und ihrer Ungerechtigkeit wegen gefürchtet war. Seit ihrer Verlobung kannte ihre Habsucht keine Grenzen. Um ihr Heiratsgut, woran ohnedies schon die Thränen der Armut hingen, zu vergrößern, bediente sie sich sogar beim Verkaufe der Milch eines so schlechten Maßes, daß sich darüber allgemeine Klagen erhoben. Als die hartherzige Jungfrau dieselben jedoch nicht berücksichtigte, wurde sie von einer Milchkäuferin verwünscht. Von dieser Stunde an wandelt die Jungfrau auf dem Ziegenschachter Wege noch bis heute herum. In der Hand trägt sie ein Milchseidel und auf dem Kopfe einen grünen Kranz. Doch sehen die verwünschte Jungfrau, die bloß zu gewissen Zeiten erscheint, nur wenige Menschen.
Auf die mögliche Verwandtschaft der Ziegenschachter Jungfrau mit der Huldra wurde bereits in der Einleitung hingewiesen. Eine thüringische Sage ist übrigens der unsrigen sehr ähnlich. Eine Krämerin, welche ihre Käufer durch falsches Gewicht und Maß betrog, wandelt ebenfalls als Gespenst in der Nähe von Mehlis bei dem Reißigersteine umher und ruft dabei: »Drei Viertel für ein Pfund! Drei Quärtchen für eine Kanne!« (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 10.) Daß aber gerade der Betrug beim Milchverkauf mit dem gespenstischen Umherwandeln der Betrüger bestraft wird, ist eine in der Volkssage erhaltene Erinnerung an den hohen, alle übrigen Besitztümer überragenden Wert der Milch und Milch gebenden Tiere aus dem frühesten Zeitalter der indoeuropäischen Völker.
56. Die Jungfrau des Grauensteins bei Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 64 etc.)
Sehr viel wird von der Grauensteiner Jungfrau erzählt, welche keinen Kopf hat und sich zuweilen blicken läßt. Einst ging ein Weib von Joachimsthal nach Holz, da bemerkte sie einen schönen rasigen Platz, auf dem sich Wäsche ausbreitet fand. Darauf zugehend, um es näher anzuschauen, bemerkte sie, daß die Wäsche immer reiner und schöner ward. In ihrem Innern regte sich der Wunsch, ein Stück Wäsche zu nehmen, was sie auch that. Plötzlich hörte sie hinter sich ein Geschrei; als sie aber, sich umsehend, niemanden bemerkte, nahm sie noch ein Stück Wäsche und ging ihren Weg, auf ein abermaliges Rufen nicht achtend. Sie erreichte eben einen Kreuzweg, als die unbekannte Stimme zum dritten Male sich hören ließ: »Wenn kein Kreuzweg gekommen wäre, wärest Du des Todes!« Hätte sie alle Wäsche gestohlen, so wäre die Grauensteiner Jungfrau erlöst worden.
Es geht noch die Sage, daß das Weib an derselben Stelle, wo es ein Stück Linnen erbeutete, um Mitternacht eine wundersam blaue Flamme als Wahrzeichen eines verborgenen Schatzes emporschlagen sah. Als sie, um den Geist zu bannen und den Schatz zu heben, ihren Rosenkranz in den blauen Flammenschein geworfen hatte, siehe da! des Morgens lagen an dieser Stelle zwei funkelnde Silbersiebzehner.
Eines Tages ging ein altes, gebücktes Mütterchen in den Wald, um dürre Reiser zu sammeln. Als die Alte in der Nähe des Grauensteines das aufgeschichtete Reisigbündel zusammengebunden hatte und es auf den Rücken nehmen wollte, tönte ihr von dort bezaubernder Gesang entgegen. Das Mütterchen lauschte eine Weile, faßte sich dann ein Herz und schritt dem Grauensteine zu. Doch welch eine Überraschung! Es erblickte daselbst ein prächtiges Schloß, vor dem eine schöne, weißgekleidete Jungfrau Wäsche bleichte. Kaum wurde die Jungfrau des Weibes ansichtig, so zog sie sich stillschweigend und langsam hinter die Mauern des Schlosses zurück. Als aber das herzhafte Mütterlein nach einem Stück Wäsche griff und mit dem gestohlenen Gut davontrippelte, verschwand unter Blitz und Donner das Zauberschloß, an dessen Stelle wieder die Halde war. -- Wie die Sage weiter erzählt, soll das Weib, das auf diesen weggenommenen Linnen ein paar Jahre gelegen hat, darauf schmählich verkommen sein.
Der Bergschmied Bernhard ging eines Tages nach der Schönerzzeche, um dort sein Gezähe in Ordnung zu bringen, all die Fäusteln und Stopfer, Stecher und Bohrer, Hacken und Sägen, mit denen der Bergmann hantiert. In der Mondscheinnacht kam er zwischen elf und zwölf Uhr am Grauensteine an. Potztausend! Auf der blanken Wiese, wo weitum keine Einschichte liegt, rings Wäsche um Wäsche, die ganze Wiese ist von Linnen vollauf überspannt. Bernhard nahm sich sein klopfendes Herz in die Hand, und eine innere Stimme sagte ihm: Ei! für wen liegt so herrliche Wäsche ausgespannt? die Geister haben genug daran, unsereins wäre reich fürs ganze Leben! Greif zu, Bernhard! Nimm, so viel du schleppen kannst! Und er griff zu, faßte die Wäsche mit beiden Händen, schlug sie über den Rücken, wand sie um den Leib und lief hastig; doch horch! Hollah! hinterher welch ein Gepolter, welch ein Getümmel, welch ein Gekrach! Ist der Grauenstein geborsten? Schnell, wie er sie zusammenraffte, warf er die Wäsche wieder von sich. -- Da hat er die Poltergeister versöhnt; denn mit einemmale ist es stille geworden ringsum, und die Wäsche war verschwunden, als er sich umsah, und er lief voll Entsetzen nach der Schönerzzeche.
Einem Weibe aus Joachimsthal träumte in einigen aufeinander folgenden Nächten, sie solle auf ihre unweit des Grauensteins gelegene Wiese gehen, dann könne sie reich werden. Als sie sich endlich in einer mondhellen Nacht auf den Weg machte und zwischen 11 und 12 Uhr auf der Wiese anlangte, sah sie zu ihrer Verwunderung auf derselben ringsum Kinderwäsche ausbreitet. Find' ich auch kein Geld, dachte sie, so lasse ich doch auch dieses Zeug nicht liegen. Sie nahm also die Wäsche in ihre Schürze und trat die Heimkehr an. Doch siehe! Kaum näherte sich das Weib einem Graben, da rührte es sich mit einemmale in der Schürze und als sie dieselbe öffnete, erblickte sie darin lauter zischende Ottern. Vor Furcht und Ekel warf sie alle in den Graben und lief bestürzt nach Hause; nur zwei Schlangen erreichten den jenseitigen Rand. Als das Weib des anderen Tages zu dieser Stelle kam, fand sie zwei Häufchen Gold.
57. Die eifersüchtige tote Frau.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 943.)
Im Jahre 1666 im September hat sich in einer Bergstadt folgendes begeben. Eine Frau war in der Fastenzeit gedachten Jahres Todes verblichen. Da nun der Witwer zur andern Heirat schreiten wollte, kam immer ein Gespenst in der Gestalt der verstorbenen Frau und ängstigte ihn, daß er keine Ruhe haben konnte. Daher gebot er seinem Gesinde, sie sollten in der Stube schlafen und ihr Bette vor seine Schlafkammer schieben. Am Donnerstage zuvor spricht das Gesinde: Herr, wenn ihr doch zuvor, ehe ihr wieder Bräutigam seid, eurer vorigen Frau einen Leichenstein legen ließet, vielleicht bliebe sie außen. Er bestellte am Freitage die Maurer und läßt ihn legen und sagt: Nun habe ich meine Alte fein eingeschwert, sie wird nicht wiederkommen, der Teufel müßte sie denn heraus führen. Er nimmt die Maurer mit sich nach Hause, ißt und trinkt mit ihnen, bestellt einen Boten, der morgens frühe soll weglaufen, gehet zu Bette, und das Gesinde liegt vor der Kammerthür. Zur Mitternacht kommt ein Gespenst in die Stube, sucht erst in den Registern und blättert darin, darnach rauschet es über das Gesindebette weg, kam in die Kammer und würgte den Mann. Früh kam der bestellte Bote und wartete zwei Stunden; das Gesinde hieß ihn anpochen, rufen und gar hinausgehen, da findet er ihn tot. Und dieser Mann hat sich nach dem Tode gleichfalls sehen lassen.
58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.
(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 946.)
In Joachimsthal hat sichs begeben, daß ein Gespenst in Gestalt einer daselbst verstorbenen Frau immer in ihres hinterlassenen Mannes Haus kam und ihn bei Tag und Nacht beunruhigte. Der Witwer klagte seine Not dem Pfarrer und bat, ob er nicht gegen Mittag zu ihm kommen und wider den Geist beistehen möchte. Der Pfarrer kam endlich auf des Mannes inständiges Bitten, und da erschien die gespenstische Frau gleich am Mittage in ihrem Todeshabit, wie sie im Sarg war beschicket worden. Der Pfarrer redete den Geist getrost an und fragte ihn, was er hier im Hause zu schaffen habe. Das Gespenst sagte: Ich habe eine Kette verborgen, die liegt da und da vergraben; ebenso fürchte ich auch, mein Mann möchte eine Person in der Nachbarschaft heiraten, mit der ich nicht kann zufrieden sein, darum kann ich auch im Grabe nicht ruhen. Der Pfarrer aber verwies dem Teufel seine Bosheit und trieb ihn mit Gottes Wort so weit, daß er keine Ausflucht mehr hatte, sondern es verschwand die gespenstische Gestalt allmählich und ließ endlich an der Stelle, da sie gestanden, eine Hand voll Asche übrig. Sie ist auch von der Zeit an nicht wieder gesehen worden.
59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Schwester zu ihrem Rechte.
(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 947.)
Im Jahre 1694 hat sich im September in einem Bergstädtchen zugetragen, daß eines Fleischhackers Frau vier Wochen nach ihrem Begräbnis wieder kam. Sie hatte sonst den Nachruf eines frommen und eingezogenen Lebens und man sagte von ihr, daß sie sich zu ihren Lebzeiten unterschiedlichemal über das böse Leben beklagt habe, so ihr zweiter Mann mit Fluchen und Streit nebst den Kindern treibe, und daß sie es nicht vertragen könne, sie müsse viel leiden, daß es kein Wunder wäre, sie ließe sich lebendig begraben. Als sie kurz darauf starb, hinterließ sie auch eine arme Schwester, welche bei dem Witwer allerhand Erbstücke suchte, aber nichts erhalten konnte. Ungeachtet nun diese Erbforderung gerichtlich beigelegt worden war, wollte sich doch die blutarme Schwester nicht so abweisen lassen und vergoß viel Thränen. Der Witwer lag nebst seinem Sohne krank in der Unterstube. Da kommt ein Gespenst zu Mitternacht in Gestalt der Verstorbenen und setzt sich vor sein Bette. Er erschrickt und fängt an zu beten: Gott, der Vater steh' uns bei! zu dreien malen, aber die gespenstische Frau will nicht weichen, der Kranke kann nicht fort und schwitzet gar sehr. Es schlägt 12 Uhr, da meint er, nun werde sie fortgehen, aber sie bleibet sitzen bis nach 2 Uhr. Da fängt er an: Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Sie antwortet, zwei Schritte zurücktretend: Ich auch. Der Kranke fragt: Was wollet ihr hier? Gehet hin, wo ihr hingehöret. Sie antwortet: Ihr sollt meiner Schwester Magdalena nicht alles nehmen. Und damit fuhr der Geist zum vordern Fenster hinaus. Eine Hausgenossin wohnte in der Oberstube, die auf der Bank liegend eben dieses Gespenst gesehen, welches sie angegriffen und begehrt, man solle ihre Schwester nicht kränken; damit warf's ein Biermaß nach ihr und blieb außen.
60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.
(Mündlich.)
In der früheren, jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche zu Wildenfels befanden sich die Begräbnisse der verstorbenen Glieder der erlauchten gräflichen Familie der Herrschaft. Alte Leute erzählen noch jetzt, einst habe eine verstorbene Gräfin daselbst nicht Ruhe finden können, sondern sei oft in der Kirche umhergewandelt und habe die Orgel gespielt. Als sich endlich der Pfarrer des Ortes entschloß, sie zur Ruhe zu bringen, habe er den Kantor vor der Kirchthüre mit der Weisung stehen bleiben lassen, während seiner, des Pfarrers Abwesenheit in der Kirche, ein Gebet zu verlesen. Als der Kantor aus Neugierde durch ein Schlüsselloch sah, soll eine Stimme gerufen haben: »Es guckt!« Nach Beendigung der Beschwörung trat der Pfarrer aus der Kirche und verkündete dem Kantor, daß sie beide in dem Jahre sterben müßten. Solches soll dann auch geschehen sein.
61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.
(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen, S. 618.)
Auf der Straße zwischen Altenberg und Zaunhaus, in der Nähe des Kahlenberges gesellt sich nach der Sage manchmal eine schweigsame, dunkelgrün und nach längst vergessener Mode gekleidete Frau zu dem Wanderer, geht neben ihm her, ohne ihm Rede zu stehen, biegt auch wohl auf einen sonst nicht sehr betretenen Waldweg ein und verschwindet daselbst. Dieselbe zeigte sich zumeist nach Eintritt der Abenddämmerung, seltener des Nachts, ist aber auch schon im Morgengrauen bemerkt worden. Ein Mann erzählte, daß er in seiner Jugend, als er am frühesten Morgen der verbotenen Lust des Vogelstellens in der Nähe von »Paradies-Fundgrube« am Kahlenberge nachgehen wollte, einer lustwandelnden Dame begegnete, die er höflich begrüßte und anredete, da er selbige für die alte Schwester des damaligen Bergmeisters hielt. Der junge Mann erhielt keine Antwort; die Frau ging an ihm vorbei, in einen Waldweg hinein und verschwand dort vor seinen Augen.
Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen, da die grüngekleidete Frau an Holzweibchen erinnert, welche im Vogtlande grün erscheinen. Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln, die zu den Pflanzendämonen gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße erscheinenden Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die Leute im Walde irre führen, verwandt sind.
Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün gekleidet. (Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.)
62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.
(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.)
Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue ein Fräulein gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der Mulde dahin schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst eines Sonntags in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle gingen, um daselbst Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die sogenannte Ochsenwiese und den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese kamen, setzten sie sich nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei kamen sie auf den Gedanken, dem Fräulein ein Morgenständchen zu bringen, und als sie eine Weile geblasen hatten, näherte sich ihnen das in einen Schleier gehüllte Fräulein und warf jedem ein Sträußchen in den Schoß. Der eine von ihnen steckte dasselbe in eine Tasche seines Kittels, der andere aber warf es weg. Als am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen eingesteckt hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe so schwer vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er sein Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte. Voll Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe eilends nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen, konnte er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder nach Hause zurückkehren.
Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des Nachts am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher in der Burg umgeht, ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält ein grünes Buchenreis, welches jedoch nur einer behält; am andern Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 193.)
63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.
(Mündlich.)
Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um eine gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man von ihr beschenkt. -- Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine Begräbnishalle, in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis es mit dieser Frau hat, kann niemand sagen.
64. Die alte Frau in der Isenburg.
(Mündlich.)
In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach diente vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals noch besser erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem Mädchen kam eines Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, es solle mit ihr gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen das zerfallene Gemäuer der Burg und hier in ein bis dahin verborgen gewesenes Zimmer, dessen Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte sie, das Mädchen solle ihr das Zimmer kehren. Als solches geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2 Groschen. Dies wiederholte sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen das Wohnzimmer der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da geschah es, daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging. In der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt, deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. Als nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen war. Von dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg nie wieder erschienen.
65. Das Fegeweib vom Katzenstein.
(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27. Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)
In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau bei Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch seine Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten also vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen, sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit demselben die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich traf keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. Schon wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte die Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse Ritter ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch heute aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige Amme die Trümmerhaufen fegen sehen.
66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.
(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)
Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur zu Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen Trauerhabit anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu Glauchau früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin vertreten habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später nur die weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus Leipzig, namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett, in welchem sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt, dann hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen gelegen, gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn Löffel fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des Superintendenten langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube seiner Frau, welche an der Wand gehangen, heruntergenommen, den Mantel und die Schaube oben darauf umgenommen und ist so in der Stube herumspaziert, als aber das Kindermädchen darüber gelacht und gesagt: »Was macht denn der Narr!« ist es ihr schlecht bekommen, denn sie hat augenblicklich im Munde und Gesicht heiße Blasen bekommen und deshalb 14 Tage das Bett hüten müssen. So oft aber, als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen Glanz und Schimmer um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der Erde erkennen konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A. Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern, es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern hat sich nur durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren Steine in die Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden ist; darauf ist es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten Ziege den Hals umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine Henne erdrückt. Seit dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu der Nähterin gekommen und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr Bett gestellt, auch öfters bitterlich geweint, da denn die herabfallenden Thränen wie weiße Milch ausgesehen, welche das Gespenst mit einem schönen weißen Schnupftuch abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent dem Mädchen verboten, sich mit dem Gespenste in ein Gespräch einzulassen, hat sie es doch nicht lassen können, sondern gefragt, was es denn wolle, worauf es mit einer ganz ungewöhnlichen Stimme geantwortet, sie solle mit ihm gehen und einen Schatz heben, der gehöre zwar dem Superintendenten, allein sie solle davon allen im Hause soviel bringen, daß sie alle genug hätten.
Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, endlich ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in den Händen haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal hinaus von selbst auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten Mönchen entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war, der sich nach ihr hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte: Ach Jesus! Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich, daß es schien, es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf ist sie vor Schreck davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in das Schlafgemach des Superintendenten gekommen, der von dem Lärm aufgewacht war und gemeint hatte, es sei ein großer Stein in seine Studierstube geworfen worden. Als er aber die Nähterin erblickt, hat er ihr zugerufen zu beten, und selbst angefangen zu singen; das Mädchen aber hat gesehen, wie die ganze Kammer nach und nach durch das Absingen der geistlichen Lieder von den schwarzen Mönchen, mit denen sie angefüllt war, leer ward. In der nächsten Nacht ist das Gespenst zu der Nähterin, die mittlerweile krank geworden war, wiedergekommen und hat gesagt, sie hätte sich nicht fürchten sollen, denn die schwarzen Männer würden ihr nichts gethan haben, der Schatz stehe schon außen und bestehe aus Kirchenkleinodien, welche vor etlichen 100 Jahren dorthin gebracht worden seien, sie möge nur nachsuchen lassen, so würden sich gewiß Vorzeichen finden. Als man nun nachgesucht, haben sich verschiedene Gefäße von Zinn und etliche Lampen von Thon gefunden, welche noch so neu und weiß waren, als wenn sie erst gestern hineingelegt worden wären. Unter der Grundmauer hat man auch ein mit Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende desselben starke Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne Schiefertafeln gefunden, mit welchen das Behältnis oder die Kästen zu den Kleinodien bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber nicht mehr zu sehen gewesen, sondern waren, wie man meinte, verrückt worden. Aber über den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat, gelegen, auf welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist. Während dem hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der Mauer über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen. Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden, welche vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen, so zu diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte. Es hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches nicht wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn nachdem man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die Ziegelsteine herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt, ob sich etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen Bratspieß mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem gegen den Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg wieder einzufüllen, hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um sich geworfen, daß die Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch in der folgenden Nacht die Betten des Frauenvolks mit Schutt und Erde bestreut, daß darüber etlichen, zumal den Mägden, der Mund mit Erde angefüllt ward, den sie im Schlafen offen gehalten.
Als nun die Nähterin nicht wieder mit dem Gespenst allein gehen wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, das 3jährige Söhnlein des Superintendenten mitzunehmen, von welchem die weiße Frau gesagt, sie habe sich gefreut, als es geboren worden, denn es werde sie erlösen. Wirklich hatte man bemerkt, daß seit der Geburt dieses Kindes sich das Gespenst sehen ließ; es kam auch mit einem großen Bund Schlüssel in die Kammer, wo die Schwester des Superintendenten schlief, und sagte: Nun ist der geboren, der mich erlösen wird! Als später die Kindermagd einmal das Knäblein mit sich ins Bett genommen, ist das Gespenst darauf losgegangen und hat es aus dem Bett reißen wollen mit den Worten: »Harre, harre, Du bist mein!« Darüber ist die Magd aufgewacht, hat aber das Kind so fest an seinem Hemdchen gehalten, daß dasselbe entzweiriß, das Gespenst aber hat das Kind fahren lassen und ist auf die Magd gefallen und hat solche dermaßen gedrückt, daß sie kaum mehr Atem holen können. Von dieser Zeit an hat sich das Gespenst aber auch in der eigenen Schlafkammer des Superintendenten, wo dessen Söhnlein in einem Gitterbettlein schlief, eingefunden, hat dasselbe öfter beunruhigt, die Flügel in dem Bettchen aufgemacht und es gereizt, es solle aufstehen und mitgehen, sie wolle ihm schöne gelbe Pfennige geben, es hat auch dergleichen Goldstücke mitgebracht und dem Kinde gezeigt. Während dem ist aber die Nähterin einmal über das andere von dem Gespenste genötigt worden, sie möge doch nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen werde, es solle weder ihr noch dem Kinde ein Leid geschehen, und sie werde soviel finden, daß sie für ihre Lebtage daran genug haben werde. Daher hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf das Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studierstube gegangen und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht hat, welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem sich aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der Wachsstock, den das Gespenst nebst einem langen Briefe mit Mönchsschrift beschrieben, in der rechten Hand gehabt, sehr helle, wie wenn des Morgens die Sonne aufgeht, geleuchtet, ist das Knäblein gleich darüber aufgewacht und hat dem Gespenst eine Ohrfeige nach der anderen gegeben, daß sie es endlich vom Arme herabgelassen und mit der linken Hand fortgeführt, weil es nicht weiter hat mitgehen wollen. Da dann der ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, und haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit Geigen, Posaunen und Trompeten aufs Lieblichste musiciert, wie solches alle im Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind samt der Nähterin an die Treppe kommt, sieht es daselbst einen großen schwarzen Hund sitzen, der eine feurige Zunge aus seinem Rachen reckt, ist aber davon noch mehr erschrocken, und fängt an zu schreien: Ach, Hund beißt! Hund beißt! worauf es sich aus den Händen des Gespenstes gerissen und wieder in die Studierstube gelaufen ist. Da nun die Nähterin solches gesehen, entfällt ihr der Mut auch, sie kehrt ebenfalls um, allein es ist ihr wie das erste Mal nicht wohl bekommen, sondern die bösen Geister haben sie bei den Haarzöpfen ergriffen, zurückgezogen und etliche Mal wider den Boden gestoßen, wobei es ihr vorgekommen ist, als wenn neben ihrem Kopfe lauter Pistolen losgeschossen würden. Indem sie nun noch mit großer Mühe in die Studierstube gekommen und niedergesunken, nicht wissend, wo sie sei noch wie ihr geschehen, da hat sich das Knäblein umgewandt, sie bei der Hand genommen, und vollends in seines Vaters Schlafkammer geführt, wohin die Frauenzimmer aus der anderen Kammer gelaufen kamen und sie hier zu erquicken suchten. Der Superintendent hat nun die ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde des Morgens und Abends seine Andacht gehalten, die Nähterin aber, weil sie zum zweiten Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie jedoch fort gewesen, so hat das Gespenst sich die folgende Nacht darauf in der Kammer, wo die Nähterin sonst gelegen, mit vernehmlicher Stimme hören lassen: »Wo Ihr mir die Marie Sabine nicht wieder herschafft, so will ich auf den dritten Abend so turnieren, daß Ihr nicht sollt darinnen bleiben können.« Worauf der Herr des Hauses, der solches gehört, geantwortet: »Der Teufel ist ein Lügner, er wird's auch diesmal bleiben!« Und wirklich ist es in der darauf folgenden Nacht ganz still geblieben und hat sich seit der Zeit nichts wieder von dem Spuk hören lassen.
67. Die Entbindung im Grabe zu Olbernhau.
(Nach Iccander, Sächs. Kernchronik, bei Gräße, Sagenschatz des K. S., No. 453.)
In Olbernhau starb im Jahre 1719 eine hochschwangere Frau und ward gewöhnlicher Weise begraben. Da kommt einige Tage darauf ein Student auf den Kirchhof und liest dort die Inschriften der Grabsteine. Plötzlich sieht er auf einem Grabe eine weinende Frauensperson stehen, die auf sein Befragen, warum sie das thue, antwortet: »Ach, daß Gott erbarm, ein Kind und keine Windeln!« Da hat der Student aus Mitleid sein Halstuch abgebunden und es ihr zugeworfen, worauf sie sogleich verschwunden war. Nun hat den Studenten eine große Angst befallen, es möge diese Person kein lebendes Wesen, sondern ein Gespenst gewesen sein, er ist also sogleich zum Ortsgeistlichen und in's Amt gegangen und hat die Sache angezeigt, worauf die Obrigkeit jenes Grab öffnen ließ und man fand, daß jene Frau im Grabe ein Kind geboren hatte, welches tot zu ihren Füßen in das Halstuch des Studenten, welches dieser, durch seinen darin gestickten Namen als sein recognosciert hat, eingewickelt lag.
68. Der Katzenhans und seine Genossen.
(F. A. Türke im Glückauf, Jahrg. 2, No. 3.)
Zwischen den Feldern von Neudorf und Crottendorf liegt ein schmaler Streifen Staatswaldung, die Braunelle genannt, in welchem die Sage den Katzenhans des Nachts sein Wesen treiben läßt. Sein weithin tönendes »hollerndes« Geschrei schreckt den Einsamen und treibt ihn auf Irrwege. Zuweilen begiebt er sich auch durch die Luft über Crottendorf hinweg nach einer sumpfigen Gegend zwischen diesem Orte und Scheibenberg, um allda sein Wesen zu treiben. Die Sage berichtet aber nicht mehr, wer jener Katzenhans gewesen sei und woher es komme, daß er gerade dort sein Wesen treibe. Sein Parteigänger ist der Glasmeister mit sehr großen Glasaugen, der in der oberen Braunelle, da, wo die Straße von Neudorf nach Crottendorf den Wald durchschneidet, den Wanderer in der Nacht schreckt und irre führt. Ob sein Herkommen auf die ehemalige Glashütte in Ober-Crottendorf zurückzuführen ist, weiß aber niemand zu sagen. -- Ist nun der Fußgänger des Nachts glücklich durch Ober-Crottendorf und ein gutes Stück auf der Straße nach Scheibenberg weiter gekommen, so begleitet ihn eine gespenstische Laterne eine gute Strecke.
In Neudorf berichtet die Sage von einem zweiten Kameraden des Katzenhans, dem Bachreiter, der zuweilen des Nachts den Sehmabach auf- und abwärts durchreitet und durch sein Erscheinen Unglück verkündet, wenigstens macht er darauf aufmerksam, daß in der Nähe des Ortes, wo die Hufeisen seines Rosses Funken schlagen, bald ein Feuer entstehen werde.
Von einem Bach- oder Schimmelreiter erzählt auch die schwäbische Sage. Derselbe reitet die Wald- und Wiesenthäler entlang, folgt dem Laufe des Wassers oder setzt durch dasselbe des Abends hindurch. Die ihn Begegnenden führt er irre. Sein Roß hat er sich aus dem Meere geholt, vor Sonnenaufgang stieg der herrliche Schimmel daraus hervor, ließ sich vom Reiter an den Ohren fassen und ihn aufsitzen, trug ihn ohne Sattel und Zaum, wohin er wollte. In den Fahrten dieses geisterhaften Reiters lassen sich Nebelbilder erkennen. (Mannhardt, die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 54.)
69. Der Rachhals zu Aue.
(Nach einer Mitteilung von C. Vieweg aus Aue.)
In früheren Zeiten lebte in Aue ein Förster mit Namen Rachhals. Derselbe war rauh in seinem Wesen und flößte allgemeine Furcht ein, so daß man seiner Person so viel wie möglich aus dem Wege ging. Nach seinem Tode ging die Sage, Rachhals sei in eine finstere Kammer seines Hauses, durch welche eine Esse führte, verbannt worden und spuke darin um Mitternacht. Die Kammer hatte nur ein kleines Fenster nach dem Hofe, und es wurde erzählt, sobald dieses Fenster geöffnet werden würde, sollte Rachhals erlöst sein, gleichzeitig aber würde auch das Haus abbrennen. Das Haus stand in der Nähe des jetzigen Gasthofs zum Engel. Als daselbst im Jahre 1859 Feuer ausbrach, wurde auch das ehemals Rachhals'sche Haus ein Raub der Flammen.
70. Das Hammergespenst.
(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 944 und 945.)
Im Jahre 1670 den 30. September hat sich in einem Bergorte zugetragen, daß ein Mann seinen Sohn von 13 Jahren in Verrichtung über Feld ins nächste Dorf schickte. Als der Knabe wieder zurückgeht, begegnet ihm sein gewesener Pate, ein Hammerherr, der schon vor zwei Jahren gestorben war, in der Gestalt, wie er ihn hatte im Sarg angezogen gesehen, der sieht ihn an und spricht: »Siehe Pat, bist Du es? Steht mein Hammer noch? Ist er noch nicht weggebrannt?« Der Knabe erschrickt, schüttelt den Kopf und eilet nach Hause. Die Erscheinung aber ist bald vorn, bald hinter ihm, brummt etwas, was er nicht verstehen konnte und verändert sich dreimal in den Kleidern. Da der Knabe über das Dorf heraus kommt, fängt es an: »Ach, wie müde bin ich, ach, wenn mich jemand trüge! Pat, gehe in meinen Hammer, an dem Orte wirst Du Geld finden, Dir ist's beschert.« Und damit däuchte es dem Knaben, er sähe Geld vor sich liegen und schimmern. Als er seinem Städtlein nahe kam, und zuvor durch ein Gebüsch gehen mußte, da fing sich erst ein Alarm an, das ganze Büschlein war voll schwarzer Männer, die den Hammermeister umringten. Bald verwandelten sie sich in große rote Hirsche, daß der Knabe nicht wußte, wo aus oder ein; bald sah er einen Mann kommen, der hatte eine Rute in der Hand und drohte damit den Gespenstern und den Hirschen. Der Knabe lief aus Furcht und Zittern fort, die Hirsche verloren sich, aber das Hammergespenst begleitete ihn noch eines Stück Weges, und ehe es von ihm bergunter Abschied nahm, lehnte sich's noch einmal über den Knaben hinüber, und sahe ihn scharf unter die Augen, ging davon einen anderen Weg, bei sich murmelnd. Der Knabe kam heim, klagte es den Eltern und lag acht Tage krank.
Im Jahre 1658 starb im Gebirge ein Bergbeamter, welcher ein guter Kirchen- und Schulfreund, ein weltkluger, bergerfahrener Mann, ein geübter Sänger und Musikus, ehrbar im Gespräch, ohne Fluchen und Schelten und gutthätig gegen seine Arbeiter gewesen ist. Dennoch hat der Teufel nach seinem Tode einen gefährlichen Lärm angerichtet. Er ließ sich in des Verstorbenen Gestalt nicht nur auf dem Hammer, da er gewohnet, sondern auch in seinem Hause, meistens aber auf einer Schmelzhütte sehen, schlug Knechte und Mägde im Stall, seine Tochter über dem Nähen, daß sie acht Wochen krank gelegen, vexierte die Arbeiter, daß niemand bleiben wollte. Ein Jahr lang darauf war Ruhe und Friede bei ihm; aber da nach dieser Zeit ein Bauer ungefähr über eine unbekannte Waldhütte kommt, die Bretter losreißet und sie heimfahren und nun das letzte Brett abreißen will, drückte ihn der gespenstische Mann, daß er sterben mußte. Von da fing er sein Mordspiel wieder an und drückte erstlich Caspar Bibera, einen Kohlenmesser, auf dem Hofe tot. Die Nacht vor dem Christfest des Jahres 1659 schlägt er stark an's Thor, der Wächter meint, es sei eine nötige Post und macht auf; da präsentiert er sich in einem schwarzsamtnen Pelz und mit einem spanischen Rohr, drückt dem Wächter alle Glieder entzwei und begehet andere Thaten mehr, daß sich die Nachbarn vor diesem gespenstischen Gaste sehr gefürchtet haben.
71. Der unheimliche Hansmichel.
(E. Heger und J. Lienert, Ortskunde des Dorfes Schmiedeberg i. B. 1879. S. 60.)
Zuweilen kann man in und bei Schmiedeberg einen Umzug, ähnlich der wilden Jagd, beobachten. Von Norden, über die Schmiedstättheide, kommt nämlich hoch in den Lüften der unheimliche Hansmichel dahergebraust. In einem mit Ziegenböcken bespannten Wagen stürmt er beim Glaserbergel über den Ort und verschwindet im Walde. Während seiner rasenden Fahrt läßt er den Ruf »Hoho! Hoho!« erschallen, bethört dadurch die Wanderer in der Waldung und leitet sie auf falsche Wege. Früher hauste der unheimliche Hansmichel auch mit besonderer Vorliebe am sogenannten Hammerwege. Nach der Sage soll er Herr des ehemaligen Weiperter Spindlerhofes gewesen und irgend einer großen Ungerechtigkeit wegen zu dieser ruhelosen Luftfahrt verurteilt worden sein. Sonst bösartig hat sich der unheimliche Hansmichel nie gezeigt.
72. Der rote Hohensteiner.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)
Der hohe Stein ist ein nächst Neugeschrei bei Schmiedeberg hervorragender steiler Felsen, von dem man eine schöne Fernsicht gegen Westen und Norden, nach Sachsen in die Gegend von Dresden, Zwickau und Altenburg genießt. »Denkmal der Freundschaft« kann man auf seiner Plattform lesen; in die übrigen Wände sind aber auch andere merkwürdige Zeichen eingegraben. Auf diesem Felsen sieht man zu Zeiten und zwar alle 5 Jahre von 12 bis 1 Uhr mittags, ein Männlein mit langem roten Bart, in roter Kleidung sitzen. Das ist der Hohensteiner. Angesprochen hat ihn noch niemand; die ihn sahen, eilten entsetzt vorüber, denn er läßt ein zorniges Kreischen, wie von kämpfenden Katzen, ertönen. Der rote Hohensteiner harrt auf Erlösung, und die kann ihm nur von einem furchtlosen Mädchen werden, wenn ihn dasselbe recht mutig anspricht.
Der rote Hohensteiner erscheint hier als eine teuflische Gestalt. Der Teufel hieß auch der Rote, und mit Hinweis darauf sagte man: »Rote Lütli, Tüfelshüttli« und »Rotbart, Teufelsart!« »Wenn du numme rot wurdist« heißt: »Daß Dich der Teufel holte!« Der einen roten Bart tragende Gewittergott Donar wurde zum Teufel. (Rochholz, deutscher Brauch und Glaube. II. S. 224.)
73. Der gespenstische Freier auf Hartenstein.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 514.)
Auf dem Schlosse Hartenstein, dem Stammschlosse der Schönburge, fand sich einst jeden Tag ein Schattenritter ein. Man nannte ihn Vollmer den Geisterkönig. Er hatte, man weiß nicht wie, die Liebe der schönen Kunigunde von Schönburg, als sie noch Kind war, gewonnen, und dieselbe hatte erklärt, ihn und keinen anderen wolle sie ehelichen. So ritt er denn jeden Tag auf unsichtbarem Rosse in's Burgthor ein, zog ersteres, ohne daß jemand es sah, -- nur hören konnte man seinen Tritt, -- in den Stall und stieg dann selbst unsichtbar, und nur am Schall seines Trittes kenntlich, die Schloßtreppe hinan. Dort kam ihm seine Braut entgegen, der reichte er seine Hand, -- das war der einzige fühlbare Teil seines Körpers, weich und glatt aber eiskalt -- und nun sprachen und koseten sie zusammen wie zwei Liebende es thun. Dann schritten sie in den Speisesaal, wo ihrer schon der Bruder des Fräuleins harrte, und alle drei setzten sich zu Tische und aßen und tranken nach Herzenslust; die dem Schattenritter vorgelegten Speisen und der Wein in seinem Becher verschwanden, und doch sah niemand, wo es hinkam. Man hörte nur des Schattenbräutigams Stimme, und der Graf, dem früher vor seinem geisterhaften Schwager gegraut, faßte immer mehr Neigung zu ihm, denn er hatte an ihm einen steten treuen Berater und Warner bei bevorstehendem Unglück. Wenn das Mahl vorüber war, verließ der Graf die beiden Brautleute, und so saßen sie bis kurz vor ein Uhr; dann nahm der gespenstische Gast eilig Abschied, so trieb er es viele Jahre; da äußerte einmal das Fräulein, wie sie sich nach einem Kusse von seinem Munde sehne, und siehe, ihr geisterhafter Bräutigam antwortete: »Lebe wohl auf ewig; weil ich an Deine rein geistige Liebe glaubte, verließ ich mein himmlisches Reich, um bei Dir zu sein; jetzt wo Du an irdische Liebe denkst, ist mein Bleiben nicht mehr hier, Du siehst mich nie wieder!« Damit verschwand er und nie hat das Fräulein wieder seine Nähe empfunden.
74. Der gespenstische Mönch bei Grünhain.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)
Fünfzig Jahre nach der Verwüstung des Grünhainer Klosters hat sich am Elterleiner Wege, wo, wie die Schlackenhaufen ausweisen, des Abts Hammer gestanden, ein Gespenst in Mönchsgestalt sehen lassen, welches die Vorübergehenden, sonderlich Trunkene und Jauchzende, übel bezahlte, und einst einen Bergmann von Elterlein, der das Gespenst in seiner Trunkenheit herausforderte, mit den Beinen den Berg hinunter geschleppt, in den Bach geworfen und am Kopfe arg verwundet. Einen Richter, der trunken in der Nacht von Grünhain heimgeritten, hat's mit dem Pferde gestürzt, daß er den Arm brach, und ist der Richter mit großer Lebensgefahr nach Hause gekommen.
75. Der gespenstische Mönch im Klostergarten zu Altzella.
(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II., S. 91.)
Wie in alten Burgen Ritter und Ritterfräulein, so hausen in alten Klöstern auch oft gespenstische Mönche. Während man aber diese Wesen meist in den Mitternachtsstunden belauscht haben will, erzählt man sich, daß im Klostergarten zu Altzella in der Mittagsstunde ein Cisterziensermönch mit langem weißen Barte promeniere und oft gesehen wurde. Er soll zumeist, das Haupt sinnend auf die Hand gestützt, in den Abteiruinen sitzen, sich aber, sobald man ihm zu nahen versucht, sich in einer weißen Rauchwolke verflüchtigen.
76. Der Mönch von Komotau.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 282.)
Wenn man in Komotau das alte Rathaus besichtigt, so kommt man in einen Hof, der das »Mönchshöfel« heißt. An der einen Wand desselben bemerkt man ein Steinbild, das einen Mönch vorstellt, dessen Haupt und Hände getrennt sind. Im Rathause soll nämlich, so oft der Stadt eine Gefahr droht, ein Mönch herumgehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. Er geht vom Rathause bis zur Kaserne, einem ehemaligen Jesuitenkloster, wo er verschwindet. Viele Leute wollen ihn schon gesehen, namentlich soll er im Jahre 1832 sich gezeigt haben, und drei Tage nach seinem Erscheinen ist die ganze Stadt abgebrannt.
77. Spukgestalten an einem Brunnen auf dem Fichtelberge.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 250.)
Abraham Munsch, ein alter frommer Hutmann in Wiesenthal, erzählte, daß er einstmals oben auf dem Fichtelberge einen überaus schönen Brunnen angetroffen, dessen Grund und Boden von eitel Goldflammen geleuchtet habe. Da er sich niedergesetzt, um den schönen Quell zu betrachten und wieder aufgesehen, sei ein schönes buntes Vöglein auf einer Seiten, auf der anderen aber ein Mönch mit einem offenen Buche gesessen, darüber er erschrocken und davon gelaufen. Er habe aber seit dieser Zeit den Brunnen nicht wieder antreffen können.
78. Der Laternenmann in Alberode.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
An unbestimmten Tagen, besonders wenn der Mond nicht scheint, entsteigt dem Keller des alten Rittergutes Alberode nachts 12 Uhr ein Mönch mit einer großen, hellleuchtenden Laterne, vom Volke der Laternenmann genannt. Derselbe geht unbeirrt langsamen Schrittes auf dem Marktsteige nach dem Klosterholze und verschwindet in einem Keller des Rittergutes Klösterlein. Er thut niemandem ein Leid.
In Sagen anderer Gegenden nähert sich der Laternenmann dem feurigen Manne ohne Kopf; ohne Kopf geht z. B. der Mann mit der Laterne bei Hackpfiffel in der Grafschaft Mannsfeld umher. (Größler a. a. O. No. 195.) Wir finden überhaupt, daß in den Sagen von Laternen tragenden und feurigen Männern, sowie von Irrlichtern mancherlei Berührungspunkte vorhanden sind. In Kärnten z. B. heißt das Irrlicht »Lichtmandl« d. h. Lichtmännchen; es wird also hier ganz als persönliches Wesen gedacht und entspricht unserm feurigen Manne. Das »Lichtmandl« hat flammende Hände, mit denen es einen Mann züchtigte, als es derselbe anrief, ihm Feuer in seine Pfeife zu geben. (Österr. Touristenzeitung 1884, No. 21.)
79. Der spukhafte Mönchskopf zu Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 469.)
In der Stadt Chemnitz bei dem sogenannten Kloster in der Vorwerksstube war früher ein Mönchskopf zu sehen, auf dem, so oft man die Stube reparierte, allemal ein Groschen Geld liegend gefunden ward. Dieser Kopf war aber sehr empfindlich, wenn jemand mit ihm Kurzweil treiben wollte. So ist einmal ein Steinmetzgeselle nach Chemnitz gekommen, und weil er vieles von diesem Kopf gehört, hat er ihn sehen wollen. Als er nun dessen altes, zorniges Gesicht genau betrachtet, hat er es nachzumachen und überall auszuspotten sich eitel Mühe gegeben. So ist es geschehen, daß er mit einer Gesellschaft von Kameraden einmal nach Hause ging, da kam ihm ein Bedürfnis an und als unterdessen seine Reisegefährten weiter gingen, ist er, wie er später aussagte, von einem Mönch in einen mit Eis bedeckten Teich -- es war gerade Winterszeit -- geworfen worden, und hat ihn derselbe dermaßen geängstigt, daß, als seine Kameraden, die wieder umkehrten, ihn suchten, sie ihn winselnd und fast vor Schrecken stumm antrafen, für tot herauszogen und so nach Hause brachten. Sein Mund war ihm dergestalt der Quere gezogen, daß er über ein halb Jahr zubrachte, ehe er wieder gesund ward, auch in der Kirche für ihn gebetet ward.
80. Der gespenstische Mann an der Erbisleite bei Scheibenberg.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz etc. S. 74.)
Im Jahre 1632 ließ der Stadtschreiber zu Scheibenberg, Theophilus Groschupf, einen Raum an der Erbisleite zu Acker machen. Da nun ein Arbeiter, Georg Feuereisen, mittags hinunter an einen Brunnen ging, um Trinkwasser zu holen, fand er dabei einen häßlichen unbekannten Mann liegen, der ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern auf dem Rückwege ihm auf den Hals fiel und ihn braun und blau drückte, so daß er infolge dessen acht Wochen krank lag.
81. Ein Mordgespenst bei Stützengrün.
(Christ. Lehmann a. a. O. S. 76.)
Zur Herbstzeit des Jahres 1654 kommt der Kirchvater von Stützengrün aus dem Walde, ist gar schwermütig und klagt auch, es habe ihn ein Gespenst erschreckt. Als er im Februar des nächsten Jahres wieder hinausgeht, höret er eine Stimme: »Erwürge Dich, oder ich thue es! Greif lieber selber zu!« Damit zieht der bestürzte Mann sein Messer heraus und schneidet sich den Bauch auf, daß die Gedärme in den Schnee fallen. Weil er aber vor Schmerzen heftig schreiet, finden ihn etliche Köhler in seinem Blute liegen und führen ihn noch lebend heim. Nachdem er gebeichtet und das Abendmahl genommen hatte, auch getröstet worden war, ist er bald darauf verschieden.
82. Der gespenstische Fuhrmann zwischen Geiersdorf und Königswalde.
(Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche im sächs. Obererzgebirge. Programmarbeit. 1862. S. 39.)
Zwischen Geiersdorf und Königswalde, am linken Ufer der Pöhla, liegt die sogenannte Reicheltwiese, welche, da sie sumpfigen Untergrund hat, sehr weich und »papprich« ist. In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz geladen hatte, mit Wagen und Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr soll derselbe mit seinem Fuhrwerk wieder erscheinen, mit seiner Peitsche knallen und dabei »Hüoh!« rufen.
83. Der Feuermann von Komotau.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen. 1. B. 1864, S. 21.)
In Komotau läßt sich zu manchen Zeiten ein feuriger Mann sehen, der den Kopf unter dem Arme trägt. So oft er erscheint, bricht in derselben Gasse, wo man ihn sieht, Feuer aus.
84. Die Gestalt mit dem Lichte bei Pobershau.
(Nach Mitteilung des Sem. Richter in Schneeberg.)
Den Weg von Mittel-Pobershau nach Zöblitz über den sogenannten »Berg« des Nachts zu gehen, ist gewiß jedem Einheimischen unangenehm, da schon mancher von einer Gestalt, die dort mit einem Lichte herumläuft, geäfft worden ist.
85. Der schwarze Mann zu Königswalde.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 950.)
Im Juli des Jahres 1696 wurden Hans Neuber, ein Köhler, und sein Weib Anna Katharina Metznerin, beide fromm und in friedlicher Ehe lebende Leute zu Königswalde auf der Amtsseite, von Gott mit einer jungen Tochter begnadet. Nachdem das Kind getauft, hat sich in der Nacht darauf ein langer schwarzer Mann, der aus der Stubenkammer hinein in die Stube gekommen, vor dem Bette der Frau eingefunden und hat sie angeredet: »Gieb mir Dein Kind!« Als sie sich aber dessen geweigert, ist er wieder hinausgegangen und hat das Schloß hinter sich zugeschlagen, daß es geschmettert. Nach 14 Tagen kam etwas an den Laden, daß sie auch den Schatten am Fenster sehen konnte, und weil sie es für einen Hund gehalten, hat sie auf dasselbe gerufen: »Gehst Du garstiges Aas!« Worauf es den Fensterladen gewaltig zugeschlagen und weiter nichts unternommen. Die folgende Nacht hat es ihr Kind aus dem Bettchen gezogen, worauf sie es quer über dem Badewännchen auf dem Gesichte liegend wieder gefunden, welches darauf eine Nacht um die andere wiederholt worden. An einem Sonnabend im August hat die Mutter zu Nacht das Kind kurz vorher gestillet und wieder hinaus in das Wännchen gelegt. Da träumte dem Vater, es hätte ein Kind einen Arm gebrochen, worüber er erschrocken aufgefahren; doch, weil er sich besonnen, es sei ja sein Kind nicht, welches er bei sich in der Kammer habe, ist er bald wieder eingeschlafen. Hierauf wurde ihm das Bette vom Leibe gezogen, worüber er auffuhr und nach dem Kinde schrie, welches sie leider aus dem Kißchen ganz bloß auf dem Gesichte liegend tot fanden. Als nach dessen Beerdigung der Mann wieder an seine Arbeit im Kohlenhau gegangen und seines Bruders Weib des Nachts bis zu seiner Wiederkunft dazubleiben vermocht hatte, so hat sich zur Nacht zwischen 11 und 12 Uhr etwas an dem untern Bettbret angegeben, damit geknacket, ist endlich gar ins Bett gefallen, daß es ganz schwer geworden, und da sie ihre schlafende Schwägerin aufgeweckt, habe das Ungetüm gesagt: »Harre, ich will Dir Deinen Rest schon geben!« Womit es weggekommen, und hatte sie es ordentlich auf dem Stroh hingehen hören, und der Hund hatte es gemerkt und sehr gewinselt.
86. Das schwarze Männchen auf dem Gottesacker in Schneeberg.
(Mündlich.)
Auf dem Gottesacker in Schneeberg ist früher am Tage ein schwarzes Männchen gesehen worden, welches ein Buch in der Hand hatte. Eines Tages erblickte es auch der Totengräber; derselbe erschrak darüber so sehr, daß er bald darauf starb.
87. Der Schamprich zu Nossen.
(Jugenderinnerung eines geborenen Nosseners.)
Auf dem Fußwege, der an der Südseite des Schloßberges von der Unterstadt (dem früher sogenannten »Loch«) nach der Oberstadt führt, trieb noch vor fünfzig Jahren ein Spukgeist, der Schamprich, sein Wesen. Er pflegte sich des Nachts den Leuten am Anfange des Weges nach einigen Schritten »aufzuhucken« und sich den Berg hinauf bis zum Stumpfe einer großen Eiche tragen zu lassen, wobei die Last immer schwerer wurde. Mit dem Neubau der Dresdner Straße, bei der auch der obere Teil des Weges in Wegfall kam, ist er verschwunden. Der Eichenstumpf befand sich gegenüber dem dicken runden Eckturme, in welchem Lips Tullian einige Zeit verwahrt worden sein soll, links am Wege.
In früherer Zeit mußte der Stadtnachtwächter am nördlichen Schloßgraben entlang gehen und von der äußersten Bergecke aus, an der sogenannten Dechanei, die Stunde abtuten. Da hat er einmal in einer Winternacht von unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen, daß ihm die Pelzmütze den Berg hinabrollte. Er schrieb den Schabernack dem Schamprich zu.
88. Der schwarze Mann des Jüdensteins.
(Nach Mitteilung des Seminarist Förster aus Bärenwalde.)
Zwischen Bärenwalde und Giegengrün erhebt sich ein Granitfels, der Jüden- oder Giegenstein genannt. Es sollen einst in der Umgebung desselben Soldaten einen Lagerplatz gehabt und die umwohnenden Bewohner hart ausgeplündert haben. Dabei hat einer von den Soldaten einem armen Manne, welcher nichts geben konnte, das Hüttlein angezündet. Da verwünschte ihn der Arme und zur Strafe muß nun die Seele des Soldaten in der Gestalt eines schwarzen Mannes an dem Jüdensteine, wo auch reiche Schätze vergraben sein sollen, ruhelos umherwandeln. Viele Leute wollen diesen schwarzen Mann schon gesehen haben.
Ein Mann aus Bärenwalde sagte einmal, er fürchte sich nicht, denn es gebe keinen schwarzen Mann; er sei schon oft des Nachts an dem Steine vorbeigegangen, ohne etwas gesehen zu haben. Da geschah es, daß er einst wieder an dem Jüdensteine vorbeifuhr. Plötzlich setzte sich ein schwarzer Mann zu ihm auf den Wagen, der immer schwerer und schwerer wurde; zuletzt konnten die Pferde den Wagen nicht mehr weiter ziehen. Der Bärenwalder glaubte, der Mann wolle ihn nur erschrecken, deshalb drehte er sich um und gab ihm eine Ohrfeige. Aber ebenso schnell bekam er eine solche von unsichtbarer Hand wieder. Er mußte den Wagen stehen lassen, ging nach Hause und starb nach neun Tagen.
89. Ein Jüngling zu Weißbach findet im Grabe keine Ruhe.
(Mündlich.)
Als in Weißbach bei Schneeberg ein Jüngling gestorben war, zog man ihm seine schwarzen Kleider an; in der Westentasche aber befand sich noch ein Pfennig. Da kam der Verstorbene zweimal des Nachts um 12 Uhr wieder nach Hause. In der zweiten Nacht soll der Pfarrer anwesend gewesen sein, der hat ihn gefragt, was er wolle. Darauf sagte die Erscheinung, sie fände im Grabe nicht eher Ruhe, bis man den mitgenommenen Pfennig wieder geholt hätte.
90. Ein Gespenst ängstigt einen Wiesenthaler Fleischer.
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtnis, 1719, S. 97.)
Anno 1655 ging ein Fleischhauer aus Wiesenthal sehr frühe bei Mondenschein und wollte nach Elterlein. Als er aber eine halbe Meile zurückgeleget und auf einen Platz kommt, tritt ihm ein grausames Gespenst mit feuriger Zunge und Augen entgegen, in Gestalt eines verrufen gewesenen Gebirgers, der manchem auf dem böhmischen Wald das Licht ausgelöschet. Dies Gespenst verlegt ihm den Weg mit seiner Kette um den Leib, daran eitel Totenköpfe hingen. Der Fleischhauer erschrickt, betet und kehrt eilends zurück nach Haus. Das Ungetüm aber begleitet ihn bis in seine Stube, stellet sich daselbst vor ihn und sieht ihn an, bis die Wirtin aufgestanden ist und ein Licht angezündet hat. Da ist das Gespenst wieder verschwunden.
91. Der Einsiedel im Thale der roten Weißeritz.
(B. C. (Cotta), Tharand und seine Umgebungen. 1835. S. 91. Gräße, Sagenschatz etc. No. 264.)
Ganz in der Nähe des Städtchens Tharand befindet sich das Thal der roten Weißeritz. Hier gestatten schroffe Felsriffe und wild aufbrausende Fluten im Frühjahr kaum einen schmalen Pfad am linken Gehänge hin. Eine felsige Landzunge, der sogenannte Einsiedel, wo einmal ein Einsiedler seine Klause gehabt haben soll, ist in der Umgegend als ein Ort, wo es spukt, berüchtigt. Man erzählt sich von grauen Männchen, die da herumgehen, und von Geistern, die einen dort verborgen liegenden Schatz bewachen sollen, den nur eine ganz reine Jungfrau heben kann. Ein Mann aus dem nahegelegenen Sommsdorf sah vor Jahren, wie ein kleiner, höhnisch lachender Zwerg eine alte Frau vom Berge herabzerrte, die dann zerkratzt und halb besinnungslos in ihrer Heimat ankam. -- In demselben Thale, bei der langen Brücke am Felsen hin, befindet sich auch der Nixentump, der sehr tief und von zwei Wassernixen bewohnt ist.
92. Spukgeister im Herrenhause zu Großhartmannsdorf.
(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf. Marienberg, S. 36.)
Der älteste Flügel der herrschaftlichen Gebäude in Großhartmannsdorf bei Freiberg, welcher eine Anzahl finsterer Gewölbe enthält, soll der Schauplatz mancher gespenstischen Erscheinungen sein. Einmal soll des Nachts zur Zeit, da kein Mensch das Herrenhaus bewohnte, eine Gestalt mit Licht durch alle Zimmer gegangen sein; einmal wieder eine lange weibliche Gestalt in alter Tracht und mit einem großen Schlüsselbunde zum öftern im Hofraume des Nachts umhergewandelt, und noch ein anderes Mal ein Lärmen und Poltern wahrgenommen worden sein.
93. Das Gespenst im Tannicht bei Meerane.
(Leopold, Chron. und Beschr. d. St. Meerane, S. 101.)
Von dem Tannicht, einem feuchten Thale bei Meerane, sagte man früher, daß es daselbst einem aufhocke, d. h., daß ein Geist sich da manchem schon mit bleierner Schwere auf die Schultern gesetzt habe.
~Dr.~ Leopold, der Verfasser der Chronik von Meerane, führt den Ursprung dieser Sage auf den Umstand zurück, daß Leute, die stark schwitzend von der Höhe des Crimmitschauer Weges in den Tannicht hinabstiegen, sich verkühlten und von Blutandrang nach Kopf und Brust befallen wurden.
94. Ein Gespenst dringt einem Fuhrmanne Geld auf.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 135.)
Im Jahre 1719 fährt Abraham Friedrich einem Schmiede in Johanngeorgenstadt Kohlen ein. Da er nun Nachmittag um 1 Uhr wieder an die Meilerstätte kommt und den Schmiedegesellen, welcher ihm beim Aufladen helfen soll, nicht findet, im Gebüsch sich aber etwas bewegen sieht, so meint er, es sei der Gehülfe und ruft ihm daher zu, er solle sich herpacken und mit aufladen. Hierauf erschallt eine Stimme: »Jetzt gleich.« Es kommt auch wirklich jemand und hilft ihm etliche Kübel Kohlen auf den Karren laden, also daß Friedrich nicht anders meint, er habe seinen Gesellen. Nachdem sich aber der Kohlenstaub ein wenig legt, sieht er an dessen Unterleib eine seltsame Gestalt, er stößt ihn daher von sich und spricht, er solle sich packen, seine Hülfe begehre er nicht. Indem nun Friedrich weiter aufladet, kehrt der andere das Löschfäßlein um und belegt es mit lauter neuem kurfürstlichen Gelde. Dabei begehrt er, weil Friedrich ein armer Mann sei, solle er's nehmen, und so oft er etwas brauche, möge er wieder an diese Stätte kommen, da er ihm ein mehreres geben wolle. Darüber wurde Friedrich unwillig und stieß das Faß mit dem Gelde um, so daß letzteres über den ganzen Platz verstreut wurde. Der andere aber raffte es im Hui wieder in seinen Beutel und hielt es von neuem vor. Friedrich jedoch kehrte sich nicht daran und fuhr fort. Er mußte aber seinen Gefährten noch ein gut Stück Weges bei sich haben. Derselbe hielt ihm immer den Beutel vor, schüttelte mit dem Gelde und wollte es ihm aufdringen, bis endlich Friedrich aus Ungeduld ihn garstig gescholten und mit der Peitsche darnach geschlagen. Da ging der andere seitwärts ins Holz und hinterließ einen solchen Dampf und Gestank, daß Friedrich zu ersticken meinte und auch in der Folge krank wurde.
95. Das Gespenst in einer Halde bei Pobershau.
(Nach Mitteilung des Seminarist Richter in Schneeberg.)
In Pobershau bei Zöblitz sieht man neben der alten Schule eine große Steinhalde. Hier soll ein Gespenst sein Wesen treiben, denn schon oft hat man daselbst Stöhnen, Rufen und Gepolter gehört, und es wird überhaupt viel darüber gemunkelt. Nach der allgemeinen Sage soll dies Gespenst der Geist eines früheren Grundbesitzers sein, welcher als sehr hartherzig verschrien war.
96. Die sieben Ruten bei Chemnitz.
(Mündlich.)
Ein Teil des Schloßwaldes bei Chemnitz trägt den Namen »Die sieben Ruten.« Jeder, der diesen Teil betritt, soll keinen Ausweg finden können. Der Sage nach soll hier einst einer besonderen Krankheit wegen ein Mann begraben worden sein, der jedem, welcher dies Gebiet betritt, den Ausweg verstellt.
97. Der böse Seidelmann in den Sechsruten bei Glößa.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 18.)
Zwischen den Dörfern Auerswalde und Glößa bei Chemnitz liegt ein Wald, die sogenannten Sechsruten. In diesem spukt der Schatten eines bösen Beamten, welchen die Volkssage den bösen Seidelmann nennt. Er hat bei seinen Lebzeiten die ihm Untergebenen übel behandelt und viele Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten verübt, wofür er zur Strafe im Grabe keine Ruhe findet. Sein spukender Geist führt die Wanderer irre und neckt und erschreckt sie durch gellendes Rufen. Niemand in der Umgegend weiß, was zu Seidelmanns Erlösung vonnöten ist.
Ein Walddistrikt zwischen Roßleben und Ziegelrode heißt »der Sechse«. Auch hier spukte einst in einem Zauberkreise ein dorthin verbannter Geist, der sogar Prügel austeilte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 260.)
98. Der Baslerfels bei Platten.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 91.)
Unterhalb der letzten Häuser von Platten, welche an der nach Breitenbach führenden Straße liegen, erhebt sich jenseits des Baches ein ziemlich hoher, mit dunklen Fichten bewachsener Felsen, der allgemein »der Baslerfels« genannt wird. An der Stelle, wo dieser Fels emporragt, soll vor so und so viel Jahren ein stattliches Schloß gestanden haben, das der reiche Basler bewohnte. Er verdiente in der That diesen Beinamen, denn er war der reichste Bergwerksbesitzer in der ganzen Umgegend. Allein Reichtum erzeugt nicht selten Hochmut, und Hochmut führt leicht zum Fall. Auch Basler, pochend auf seine Gold- und Silberschätze, lebte in verschwenderischer Pracht und Herrlichkeit, bedrückte über die Maßen die Armen und ließ in frevlem Übermute seinen Pferden sogar silberne Hufeisen aufschlagen. Und als er in seiner Verstocktheit noch größere Frevelthaten verübte, ereilte ihn die Strafe des Himmels. Basler wurde samt der Burg zum warnenden Zeichen für alle Zeiten in harten Stein verwandelt. Seit dieser Zeit ist es beim Baslerfels nicht richtig.
Drei Bergleute, von denen einer taub war, gingen einmal nach beendigter Schicht nach Hause. Als sie bei der unteren Mühle anlangten, da, wo sich im Felsen ein Stollen befindet, vernahm der taube Bergmann deutlich das Getrabe von Pferden und das Gerassel einer Kutsche und machte seine Kameraden darauf aufmerksam. Dieselben sahen fürwahr aus dem Stollen eine vierspännige Kutsche herauskommen, doch hörten sie diese weder rasseln noch die Pferde traben.
Andere Leute wollen zu einer bestimmten Zeit bei der sogenannten Kühbrücke, die sich am Fuße des Baslerfelsens befindet, ein weißes Schaf gesehen haben, das manchen bis zu dem bereits oben genannten Stollen geführt haben soll.
Neben der Kühbrücke liegt heute noch ein großer Stein, auf welchem einst ein Mann, der eine schwere Bürde trug, ausruhte. Während seiner Rast schimpfte er gewaltig auf den Baslerwald, weil er sich darin verirrt hatte. Wie er vom Steine wieder aufstehen wollte, konnte er trotz aller Kraftanstrengung sich nicht in die Höhe erheben. Erst dann, als der Mann sein Fluchen bereute, kam er von der Stelle.
Auch führt es Holzleute, die in das Bereich des Baslerfelsens kommen, irre, so daß sie erst nach längerem Hin- und Herlaufen wieder den rechten Weg gewinnen.
Überdies soll sich im Baslerfelsen ein Hemann aufhalten, der Personen, welche sein ihm zugeteiltes Gebiet betreten, so lange herumtreibt, bis sie tot zu Boden stürzen.
99. Der böse Graf von Wildenfels.
(Mitgeteilt durch Lehrer Günther aus Lößnitz.)
Ein böser Graf von Wildenfels ist einst in ein Pfund Hirse verbannt worden. Er muß so lange darin bleiben, bis der Haufen, von dem jedes Jahr nur ein einziges Körnchen abfällt, verschwunden ist. Dieser Graf ist nämlich bei seinen Lebzeiten sehr unbarmherzig und geizig gewesen. Während einer großen Teuerung war ihm das Getreide noch nicht teuer genug, daher verkaufte er seine Vorräte nicht. Da kam ihm aber der Wurm hinein, der das ganze Getreide durchwühlte. Auch jetzt gönnte es der Graf niemandem, sondern ließ es fuderweise in die Mulde schütten. Zur Strafe wurde er nach seinem Tode in den Hirse verbannt.
100. Der Hirse zählende Verbannte.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
In dem Oberförstergebäude zu Karlsfeld wohnte in früheren Zeiten ein reicher Mann, der sehr geizig war. Nach seinem Tode mußte er, an einem bestimmten Erkerfenster des Hauses sitzend, zur Strafe für seinen Geiz ein Viertel Hirse zählen. Ob er damit fertig geworden und somit erlöst ist, weiß die Sage nicht zu melden.
101. Der Geist eines Ritters geht auf der Isenburg in Zwerggestalt um.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 476.)
In der Nähe des Dorfes Wildbach bei Schneeberg liegen auf einem Vorberge des Muldenthales die Überreste der Isenburg, welche vielleicht eine Art Vorfestung von Schloß Stein war, mit welchem sie durch einen unterirdischen, unter der Mulde hinführenden Gang verbunden gewesen sein soll. Hier hauste nach der Sage im 14. Jahrhundert ein Raubritter, Konrad von Kauffungen, der solche Schandthaten verübte, daß ihm der Teufel den Hals brach und sein Geist verdammt ist, bis auf den heutigen Tag die Umgegend in Zwerggestalt zu schrecken.
102. Der alte Turm in Tanneberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 38.)
Nahe bei den Rittergutsgebäuden des Dorfes Tanneberg bei Geyer steht ein uralter viereckiger Turm. Seine starken Mauern sind noch jetzt an dreißig Ellen hoch und von einem Wassergraben umgeben. Viel erzählt man von ihm, aber wenig zusammenhängendes.
In uralter Zeit soll einmal ein Graf, der Besitzer dieser Gegend, eine große Jagd abgehalten und sich dabei verirrt haben und mit seinem Rosse in einen Sumpf gesunken sein. Dem Tode nahe, wäre er noch von den Jägern mit Mühe gerettet worden und hätte zum Andenken den Turm erbaut.
Jetzt noch soll in dem Turme der Geist eines der späteren Besitzer spuken, aber warum? weiß niemand. Auch wollen alte Holzhauer und Bergleute den Baum wissen, wo die Seele dieses unglücklichen Spukers eingespündet sein soll. Es wäre sonst ein eiserner Reif um den Baum gelegt gewesen, um die Seele recht festzuhalten, aber die Holzdiebe hätten zuletzt auch den Reif gestohlen.
103. Die tanzenden Geister in der Aue bei Lößnitz.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
Die sogenannte hintere Aue, ein Thal von Dreihansen bis Niederlößnitz, war einst mit Wald bewachsen, und in diesem wohnten viele Geister. Der Wald wurde nach und nach gerodet, das Thal urbar gemacht und die Geister vertrieben. Dieselben kommen aber noch in den warmen Sommernächten auf ihre alten Spielplätze und führen ihre munteren Tänze das Thal entlang aus.
104. Spuk auf dem Braunsteine.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
Ein altes Weib aus Joachimsthal begab sich einst in den Wald am Braunstein, um Beeren zu sammeln. Am Fuße des Berges bemerkte sie einen großen steinernen Wassertrog. Verwundert darüber blieb sie stehen und sprach halblaut zu sich: So alt ich bin, hab ich weder den Wassertrog gesehen, noch etwas von ihm gehört. In Gedanken vertieft, stieg das Weib weiter bergauf und erblickte auf einmal auf einem sonnigen Platze drei mit reifen Erdbeeren gefüllte Töpfe. Bist du doch nicht allein hier, dachte sie bei sich und ging an den Töpfen vorbei, ohne eine Erdbeere anzurühren. Kaum hatte sich jedoch das Weib einige Schritte entfernt, da vernahm sie hinter sich ein lautes Jammern und Schluchzen. Rasch drehte sie sich um. Als sie aber nichts mehr von den Töpfen mit den Beeren sah, überkam sie ein solches Grauen, daß sie im Sturmschritt über den Abhang des Braunsteins hinunterlief, um in kürzester Zeit aus dem Walde zu kommen. Daheim erzählte das Weib, was ihr begegnet war, verfiel in eine längere Krankheit, lebte aber noch viele Jahre.
105. Spuk auf dem Grauensteine bei Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 63 etc.)
Nach einer Überlieferung soll der Grauenstein ein verwünschtes, durch Zaubersprüche unsichtbar gewordenes Schloß sein. Einst veranstalteten die nächsten Umwohner eine Prozession, um die am Grauenstein polternden Geister und Gespenster zu bannen und zur Ruhe zu bringen. Auf einmal hörte man Musik und Gesang in den Lüften, ja noch mehr, ein ganzer Schwarm von Geistern kam auf die Herannahenden zu. Erschreckt ergriffen die Leute die Flucht, und der Grauenstein ward umsomehr gefürchtet.
Einem armen Bergmanne träumte drei Nächte hinter einander, er solle um 12 Uhr des Nachts auf den Grauenstein gehen, er könne das Schloß erlösen. Er machte sich auf den Weg, und als er sich demselben näherte, hörte er lärmende Musik. Er sah zwei Reiter dahersprengen, die zwischen sich ein leeres schmuckes Pferd führten und dem Erschreckten winkten. Da sank sein Mut, er kehrte den Reitern den Rücken, und mit Krachen und Zischen war alles verschwunden.
Andere Bergleute wollen zur Abendzeit Musik vernommen haben, die sich vom Grauensteine gegen die Schwedenschanze gleichsam fortbewegte und dort in die Töne des pfeifenden Windes sich auflöste; ja einer erzählte sogar, er habe einmal zwischen elf und zwölf Uhr des Nachts die erleuchteten Fenster des verwünschten Schlosses gesehen und sie gezählt, als er zu dieser Zeit Holz holte.
In dem Thalgrunde, wo jetzt bei Joachimsthal die große k. k. Cigarrenfabrik steht, wohnte vor etwa siebzig Jahren ein Mann, mit Namen Huß. Als derselbe eines Abends bei mattem Lampenscheine in seinem Stübchen saß, klopfte es plötzlich an sein Fenster. Er öffnete dieses mit der Frage, wer so spät da sei? »Mach' auf Kamerad!« war die Antwort des Klopfenden. Huß hieß ihn in die Stube treten und erkannte in dem Ankömmling seinen alten Kriegsgenossen aus Tirol. »Sage mir doch, mein Lieber,« sprach Huß, »was Dich in so später Nacht zu mir führt?« »Mir hat geträumt«, antwortete der Tiroler, »daß ich nach der Bergstadt St. Joachimsthal gehen und das unweit davon gelegene verwünschte Grauensteiner Schloß von seinem Zauber befreien soll. Du bist in der Gegend bekannt und wirst mir gewiß den Weg zum Grauenstein zeigen.« »Diesen Freundschaftsdienst kann ich Dir, Waghals, schon erweisen; wir gehen um elf Uhr hinauf,« entgegnete der treuherzige Huß seinem ehemaligen Waffengefährten. -- Nachdem beide den freien Platz erreicht hatten, der im Volksmunde »Kuhplatz« heißt, hörten sie aus der Ferne eine liebliche Musik. Hier blieb Huß stehen, während der Tiroler bergauf in der Richtung weiter ging, woher die Wunderklänge drangen. Endlich kam er gegen Mitternacht am Grauensteine an und sah auf einmal vor sich das verzauberte Schloß, strahlend im wundervollen Lichtglanze, wie er sein Lebtag noch keinen gesehen. Furcht und Freude kämpften bei diesem Anblicke in seinem Herzen; aber jemehr er sich dem Schlosse, dem Ziele seiner Wünsche, näherte, desto größere Schweißtropfen traten auf seine Stirn. Schon stand er beim offenen Portale, da kehrte er, von Angst und Grauen überwältigt, wieder um; in demselben Augenblicke jedoch donnerte und krachte es und im Nu waren die Lichter samt dem Schlosse, das noch immer seiner Erlösung harrt, verschwunden.
106. Das Glockengeläute im Leidenswalde bei Platten.
(Mündlich.)
Fünfzehn Minuten von Platten liegt ein Wald, der Leidenswald genannt; in diesem soll vor vielen Jahren ein Mann nach seinem Tode seines gottlosen Lebenswandels wegen verbannt gewesen sein. Wenn man früher durch diesen Wald ging, hörte man ein leises Glockengeläute; dasselbe ist aber verstummt, seit man in dem nahen Platten des Nachts 12 Uhr eine Glocke läutet. Die Leute glauben nun, daß damit auch der Verbannte im Leidenswalde erlöst worden sei.
107. Der Leichenweg und Kirchhof zwischen Neidhardsthal und Zschorlau.
(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
Als vor Jahrhunderten im Erzgebirge die Pest wütete, berührte sie auch den kleinen Ort Neidhardsthal. Die Leichen wurden auf einem Platze zwischen Neidhardsthal und Zschorlau begraben und ein Weg, welcher beide Dörfer verbindet, heißt noch heute der Leichenweg. Auf demselben sieht man zu Zeiten in der Mitternachtsstunde Gestalten ängstlich hin und her laufen, oder man erblickt auch eine Frau mit feurigen Augen. Der Begräbnisplatz ist jetzt eine Wiese voller Hügel und Löcher; er wird »das Gottesäckerle« genannt. Auch dort will man in der Mitternachtsstunde Gewimmer gehört haben. Alte Personen erzählen wieder, daß auf diesem Platze die Heiden begraben worden seien, welche einst auf dem nahen Steinberge wohnten. Auf dem Gipfel desselben sieht man noch jetzt ein Gemäuer und einen ebenen Rasenplatz. Dort sollen sie zu ihren Göttern gebetet haben. Das Gemäuer wird von den Bewohnern der Umgegend »Kirchel« genannt.
108. Gespensterspuk auf der Ämmlerstraße.
(Mitgeteilt von Heinr. Weißflog aus Raschau.)
Zwischen Mitweide bei Schwarzenberg und dem nördlich davon gelegenen Dorfe Schwarzbach befindet sich eine alte, nach dem Städtchen Scheibenberg führende Marktstraße, die Ämmlerstraße genannt. Dieselbe soll ihren Namen von einem früheren Bergherrn Ämmler haben, auf dessen Rat sie angelegt wurde. Von dieser Straße nun wird gar Schauriges erzählt. So soll daselbst des Nachts 12 Uhr, wenn alles recht ruhig ist, ein Leichenzug zu sehen sein, und den ihn begleitenden Gesang hört man über sich in der Luft. Dieser Gesang soll überaus lieblich klingen, so daß schon manche wie bezaubert stehen geblieben sind und gelauscht haben. Wer aber darauf hört, dem wird es verderblich, denn er findet seinen Weg nicht mehr. Erst wenn man irgend ein Kleidungsstück umwendet, so soll man sich wieder zurecht finden.
Auf der Ämmlerstraße soll auch in stürmischen Nächten das wilde Heer zu sehen sein. Neben dem »Hussa!« der vorüberjagenden Reiter hört man dann aber auch eine schöne, himmlische Musik.
109. Die wüste Mühle im Trebnitzgrunde.
(Nach der poet. Bearbeitung Ziehnerts in Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 238.)
In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dorf Dittersdorf ist auch das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, welches früher nur ein einziges Vorwerk war, zu dem der ohnweit davon im Grunde gelegene Eisenhammer, jetzt die Herrenmühle, gehörte. Beide Grundstücke waren vor langen Jahren im Besitz eines gewissen Pessel, der ein zwar reicher, aber ebenso habsüchtiger Mann war, dem alle Mittel recht waren, wenn sie nur zur Vergrößerung seines Mammons dienten. Einst ging derselbe in der Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt war, zur Kommunion und sah, wie der Lauensteiner Schösser ein funkelnagelneues Goldstück als Opferpfennig auf den Altar legte. Da gab ihm der Teufel den bösen Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen; er wartete also, bis alle übrigen Kommunikanten an den Altar getreten waren, und als er nun als der letzte hinzutrat, um die Hostie zu empfangen, stahl er mit gewandter Hand das Goldstück vom Altare herab. Der Geistliche hatte jedoch den Frevel bemerkt, und als nun Pessel auf der anderen Seite des Altars den Kelch empfangen sollte, zog jener ihn zurück, verkündete öffentlich seine Schandthat und verfluchte ihn. Pessel wankte nach Hause, allein der Schreck und die Reue warfen ihn aufs Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstand. Als nun aber einige Tage darauf in früher Morgenstunde ihn seine Hammerknechte nach Liebenau zu Grabe trugen, überraschte sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein plötzliches Donnerwetter; sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese hin und flüchteten in die im Grunde gelegene Mühle. Als nach einem furchtbaren Donnerschlage das Gewitter sich verzogen hatte und sie aus der Mühle heraustraten, um den Leichenkondukt wieder fortzusetzen, war der Sarg spurlos verschwunden und man glaubte, daß der Teufel denselben samt dem Inhalte entführt habe. Seit dieser Zeit aber erblickt man jede Mitternacht den Schatten des alten Pessel, der nach der Mühle zu umherirrt und mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und sie bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam aber auch die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte mehr dort mahlen lassen und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe, woher es kam, daß sie bald von ihren Bewohnern verlassen ward und als Ruine für ewige Zeiten von dieser schauerlichen Geschichte Kunde giebt.
110. Die Erlösung.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 99.)
Auf einer Wiese am Abhange des Plattenberges bei Platten sah man vor längst entschwundenen Jahren öfters einen Mann umherwandeln, der auf der Achsel einen Grenzstein trug und schrie: »Wohin soll ich ihn setzen?« Das war ein gespenstischer Mann, der zu Lebzeiten, um seinen Besitz zu vergrößern, den Rainstein auf der Wiese zum Nachteile seines Nachbarn verrückte und deshalb zur Strafe für diese ungerechte Handlung so lange herumirren mußte, bis ihn jemand erlösen würde. Als an einem Abende einen Bürger aus Platten der Weg über diese Wiese führte, stand plötzlich der verwünschte Mann mit seinem Steine vor ihm und rief in kläglichem Tone: »Wohin soll ich ihn setzen?« Gefaßt erwiderte der Angesprochene: »Trag ihn hin, woher Du ihn genommen hast!« Diesen Worten folgte ein Blitz und Donnerschlag und der Mann mit dem Steine war verschwunden; man hat ihn auch seitdem nie wiedergesehen.
111. Das Spiel mit silbernen Kegelkugeln.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 31.)
Vor hundert und mehr Jahren lebte zu Joachimsthal ein ehrsamer Fleischhauer, der in einem Schlick'schen Hause wohnte. Eines Abends befahl er seinem Gesellen, des anderen Tages in aller Frühe zu Dorfe zu gehen, weil er dringend Schlachtvieh benötigte. -- Der Fleischerbursche, welcher seinem Herrn mit größter Treue und Pünktlichkeit diente, hatte auf seinem Nachtlager keine Ruhe und Rast und machte sich, da der Mondschein so freundlich zum Wandern einlud, schon um die elfte Stunde auf den Weg. Dieser führte an dem auf dem steilen Schloßberge gelegenen Schlosse Freudenstein vorüber, dessen wiederhergestellte Türme noch heute auf der Westseite der Stadt Joachimsthal stolz in die Luft ragen. -- In dem Augenblicke, als der Bursche daselbst seine Schritte vorbei lenken wollte, geriet er in einen tiefen grubenähnlichen Gang, den er vorher nie bemerkt hatte, und stand plötzlich in einem prachtvoll erleuchteten Saale, in welchem viele vermummte Ritter waren. Dieselben unterhielten sich mit Kegelspiel, wobei sie mit silbernen Kugeln schoben, schritten aber sofort auf den Fremdling, der wie Espenlaub zitterte, mit freundlichem Gruße zu und luden ihn zum Spiele ein. Jedoch erst auf wiederholtes Drängen nahm der erschrockene Fleischerbursche eine Kugel, die aus purem Silber war, in die Hand, schob und -- traf alle neun, was die Ritter über die Maßen sehr erfreute. Beim zweiten Ausschub traf er gleichfalls alle neun Kegel. Wie er nun über abermalige Aufforderung zum dritten Male sein Glück versuchen wollte, schlug gerade die Uhr auf dem nahen Stadtturme zwölf, und alles war verschwunden. Der Geselle aber befand sich, ohne einen Gang zu sehen, auf demselben Platze, wo er früher seinen Weg fortsetzen wollte; er glaubte geträumt zu haben, allein die Silberkugel, die er noch in der Rechten hielt, belehrte ihn, daß alles Wirklichkeit gewesen. -- Voll Entsetzen und Grausen eilte er beflügelten Schrittes nach Hause und erzählte seinem Herrn das seltsame, unheimliche Erlebnis. Da ihm derselbe jedoch keinen Glauben beimessen wollte, zeigte er als Wahrzeichen seiner Aussage die silberne Kegelkugel, durch welche beide, Meister und Geselle, reiche Leute wurden.
Derartige Sagen von kegelschiebenden Geistern oder dämonischen Wesen finden sich noch an zahlreichen Orten. Ein Ziegenhirt setzt auf dem Kyffhäuser Kegel auf, nach denen 12 ernste Ritter schieben. Er war während dessen 20 Jahre aus seinem Dorfe abwesend und niemand wollte ihn daselbst anfangs kennen. Auch ein Sängerchor aus Kelbra sah auf dem Kyffhäuser eine Gesellschaft, welche sich am Neujahrsmorgen daselbst mit Kegelschieben vergnügte. Der einem von ihnen geschenkte Kegelkönig verwandelte sich unten am Berge in Gold. (O. Richter, deutscher Sagenschatz, I. No. 5 und 10.) Im Hausberge im Mannsfeld'schen schieben verzauberte Herren Kegel. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld No. 60.) Mit goldenen Kegeln und Kugeln spielen stattliche Herren in der Dämmerung oder des Nachts in den Ruinen der Neu-Habsburg in Luzern und auf einem langen waldigen Hügel zwischen Sargans und Wallenstad. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 43 und 44.) Eine Kugel, mit welcher auf dem Löbauer Berge Zwerge Kegel geschoben hatten, verwandelte sich in Gold; auf dem Oderwitzer Spitzberge dagegen waren es Riesen, die mit 6 goldenen Kugeln nach 9 goldenen Kegeln schoben. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 29 und 91.) In den Gewölben der Ruine Schauenforst soll ein goldenes Kegelspiel vergraben sein. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 230.)
Schönherr hat vermutet, daß alle diese Sagen von kegelschiebenden Geistern Nachklänge von dem heidnischen Himmel, dem Asgard, sind, in welchem die Götter friedlich mit goldenen Tafeln und Würfeln spielten, »und wenn nach der Götternacht die goldene Zeit wiederkehrt, werden sie wieder mit goldenen Tafeln werfen auf dem Idafelde.« (Zapf, der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 76.) Nach Anderen soll das Kegelspiel die fallenden und aufstehenden Kämpfer bei den allabendlichen Spielen der Einherien in Walhalla bedeuten, nach Nork aber stelle die goldenen Kugeln Gestirne vor. In der Annaberger Kirche soll sich ein Gemälde befinden, auf welchem kegelschiebende Engel abgebildet sind. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 91.)
Wenn nach der Sage im Kyffhäuser der deutsche Kaiser Friedrich mit seinen Knappen Kegel spielt und in der Johannisnacht ein Hirte, der dazu kam, einen silbernen Kegel oder nach andern Überlieferungen eine Kugel erhielt, welche zu Gold wurde, so erinnert dies an den gütigen Wuotan, der alle Wünsche erfüllen konnte. Auf ihn weist auch unsere Sage hin. In der deutschen Mythe ist das Kegelspiel jedoch auch ein Sinnbild des Donners. In der Mark Brandenburg sagt man beim Rollen des Donners: »Der liebe Gott kegelt.« Obschon nun Donar die eigentliche Gewittergottheit ist, so herrscht doch auch Wuotan oder Odhin im Gewittersturme.
112. Die gespenstische Fahrt zu Ossegg.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863, S. 104.)
Ein Abt des Klosters Ossegg war der im Munde des Volkes noch fortlebende Hieronymus Bösneker. Unter den vielen Gerüchten, die von ihm verbreitet sind, ist folgendes das erheblichste. In einer Nacht, als der Nachtwächter der Abtei die Klosterhöfe durchwandelte, klopfte es an den Thoren und herein kam der erst verstorbene Abt Hieronymus. Da sich diese Erscheinung wiederholte, meldete er es am gehörigen Orte, wo man ihm seine Furcht zu benehmen suchte und zugleich dem Nachtwächter die Weisung gab, sollte ihm dies Gesicht noch einmal erscheinen, so möchte er sogleich zu dem Nachfolger im Vorsteheramte eilen. Beruhigt betrat der Hüter wieder seinen Posten. Um Mitternacht pochte es abermals am Thore gegen Herrlich. Das Thor öffnete sich und herein zogen vier schwarze Rosse schnaubend eine Kalesche, worin sich der Verstorbene befand. Auf das Rufen des Nachtwächters kam der damalige fromme und gottesfürchtige Prälat Cajetan im Ornate, ganz wie er beim Altare erscheint, herbei. Der Mann trat ab und es entspann sich zwischen dem furchtbaren Gaste und ihm ein Gespräch in lateinischer Sprache. Alsbald führte der fromme Cajetan seine Begleiter durch die Thür im Sommersalon, der schon vorbereitet war, hinaus in den Garten, und man sah durch die Lindenallee nach Herrlich wieder die greuliche Gestalt dahinfahren. Diese Allee wurde von dem Wiedererschienenen angelegt. Bald nachher entstand ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug in eine Linde dieser Allee und die Krone kam in die Erde, die Wurzel aber oben zu stehen und seit dieser Zeit war nichts mehr zu sehen und zu hören. Der Enkel jenes Nachtwächters Woitzendörfer ist ein Mann von 70 Jahren und lebt als Lehrer in Rathschitz.
In Zittau jagt ein gespenstischer Ratsherr des Nachts um 12 Uhr in einem schwarzen, von dergleichen Rossen gezogenen Wagen durch die Straßen der Stadt. Ähnliches erzählt man von Görlitz, Köln, Bremen und a. O. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 154 und 155.) Der gespenstische Baron Hußmann von Tachau fährt in einem feurigen Wagen, der von vier schwarzen Pferden gezogen wird. (Grohmann a. a. O. S. 101.) Der Wagen ist der Höllenwagen oder die Höllenkutsche. Die Todesgöttin Hel führte die Seelen der Verstorbenen auf einem schwarzen Wagen, der ein Gegenbild vom Wagen Wuotans ist, in die Unterwelt.
Wie in unserer Sage der Geist eines Verstorbenen in einem Wagen wieder auf der Erde erschien, so läßt der Volksglaube in manchen Gegenden die Toten auch in einem Wagen abholen. In Komotau heißt es mit Beziehung auf diese Vorstellung in einem Volksliede:
»Auf der Brücke steht ein goldner Wagen, Wird mich und dich in Himmel tragen.«
113. Die gespenstische Müllerin in Brand bei Joachimsthal.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 944.)
Im Jahre 1674 wohnte in Brand, einem gebirgischen Dorfe unter Joachimsthal, eine Müllerin, die Mühl-Adelin genannt, welche die armen Bergleute und Zinnseifner auf Gottesgab mit Brot verlegte, dasselbe aber so armselig buk und gab, daß es fast eitel Spreu und Kleie war und in der Suppe zerschwamm. Da ihre Arbeiter sich beklagten und über das ärmliche Brot beschwerten, sagte sie mit Trotz: »Ei, meine Gottesgaber Säue könnens schon fressen!« Als sie aber gestorben war, ist sie oft wiedergekommen und hat den Mann geplagt. So oft der Müller seine Säue fütterte, ist allezeit eine fremde gespenstische Sau mit zugelaufen und hat samt den andern aus dem Troge gefressen.
114. Der gespenstische Leichenzug bei Pöhla.
(Mündlich.)
Im sogenannten Vogelwalde unterhalb Pöhla soll zu manchen Zeiten des Nachts 12 Uhr ein Leichenzug zu sehen gewesen sein. Begegneten demselben Personen, so mußten dieselben wie festgebannt stehen bleiben; nur derjenige, welcher eine brennende Zigarre bei sich führte, konnte ungehindert seines Weges ziehen.
115. Der Kirchenbau in Pritschapel.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
Bei dem unweit Komotau gelegenen Dorfe Pritschapel erhebt sich ein nach allen Seiten ziemlich steil abfallender Hügel, auf dessen Gipfel noch im Jahre 1859 eine alte Kirche stand, welche jedoch im Juli 1860 infolge eines Blitzschlages gänzlich abbrannte, so daß von ihr gegenwärtig nur geringe Überreste vorhanden sind. Als diese Kirche gebaut werden sollte, so erzählt die Sage, war eigentlich schon ein Platz im Thale dazu bestimmt und ausgemessen worden. Als aber der Bau begonnen hatte, gewahrte man am folgenden Tage, daß Bausteine, Mörtel u. s. w. nebst der begonnenen Grundmauer sich auf dem Gipfel des Berges befanden. Man zerbrach sich wohl den Kopf, wie das zugegangen sein konnte, gelangte aber zu keinem Resultate und führte die Materialien wieder bergab zur alten Baustelle. In der Nacht darauf tobte ein furchtbares Gewitter, so daß die Leute nach dortiger Sitte aufstanden, um zu beten. Wie nun die Blitzstrahlen über den Himmel dahinfuhren, will man auf dem Berge ein übermäßig großes, sehr schönes weißes Maultier gesehen haben, das die Baumaterialien den Berg wieder hinauftrug. Man sah dies als einen Wink Gottes an, und die Kirche wurde auf dem Gipfel des Berges erbaut.
Bei dieser Sage ist wohl nicht, wie Naaff in der Comotovia 1877, S. 77 meint, an die jüdisch-römischen Wundergeschichten von den Tempelbauversuchen nach der Zerstörung Jerusalems unter Titus zu denken. Das weiße Maultier erinnert vielmehr an das weiße Roß Odhins oder des slavischen Gottes Swantowit, oder an die weissagenden Rosse, welche sowohl die heidnischen Germanen als auch Slaven besessen haben. Eine große Ähnlichkeit mit unserer Sage hat diejenige vom weißen Pferde in Löbau, welches jede Nacht die Baumaterialien vom Schafberge, auf welchem man ursprünglich die genannte Stadt gründen wollte, hinab ins Thal trug, so daß nun hier die Anlage der Stadt erfolgte. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 189.)
116. Der große Bergsturz zu Altenberg.
(Meißner, Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 430--32. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, 1855, No. 208.)
Am 24. Januar 1620, früh zwischen 4 und 5 Uhr, hat sich zu Altenberg der dritte und größte Bergbruch ereignet. Ob nun schon dadurch der größte Teil der Stadt überaus heftig erschüttert worden ist, so ist es doch durch des allmächtigen Gottes Fürsehung noch so abgegangen, daß nur eine bereits vorher gewesene Binge weiter und tiefer einging, sowie vier Zechen und ein Schacht verfielen und des Bergschmieds Wohnhaus versank. Die meisten Bergleute sind glücklich gerettet worden, obschon sie zum Teil 3 Tage und Nächte lang ohne Speise in der Tiefe ausharren mußten. Nur ein alter Bergmann von 79 Jahren, mit Namen David Eichler (oder Siemon Sohr), ist nicht zu finden gewesen, auf welchem die meiste Schuld hernach sitzen geblieben, weil er nämlich aller Warnung ungeachtet, alle Bergvesten, d. h. Pfeiler, welche man zum Schutze der Decken stehen läßt, nach und nach weggehauen habe. Derselbe soll auch sonst ein gottloser Mensch gewesen sein und an diesem Tage ohne Gebet und in Teufels Namen eingefahren sein. Nach Inhalt der folgenden Klagereime sind aber ihrer wohl noch mehrere an diesem Unglücke Schuld gewesen; sie lauten also:
»Ich George Frölich der Alte, ich wolt übern Bergwerck halte, es wolt aber gar nicht seyn. sondern die Gottlosen fuhren hinein, und rissen die Berg-Vesten ein, das ist bewust der ganzen Gemein.«
Das Unglück aber ist nicht ohne Warnung von oben geschehen, denn man hat einige Zeit vorher, wenn die Bergleute früh zwischen 4 und 5 Uhr im Zechenhause ihr Gebet vor dem Einfahren abgewartet hatten, wahrgenommen, daß ein weißes Pferd im vollen Lauf von oben bis zum Ende der Binge sprang und alsbald verschwand. Man hat dies auch für eine Warnung angesehen, weil zuvor viele vor dem gemeinschaftlichen Gebet eingefahren, den das Gebet versäumenden Bergleuten zwei Groschen von ihrem Lohn für arme Leute abgezogen, wovon dann das sogenannte Aufrufen gekommen ist. Im Jahre 1729 hat man, als man das damals Eingestürzte wieder aufzuarbeiten suchte, was jedoch nicht gelungen ist, eine alte Bergmütze von Filz gefunden, die man für die Fahrmütze jenes Eichler gehalten hat.
117. Der gespenstische Hund auf der Straße zwischen Udwitz und Komotau.
(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 14.)
Die Straße zwischen Udwitz und Komotau durchschneidet eine Gegend, in der bei Nacht Geister und Gespenster ihr Unwesen treiben und den Vorübergehenden oder Fahrenden allerlei Schabernack spielen. So spukte während einer längeren Zeit daselbst ein schwarzer Hund, der gleichsam auf der Lauer lag und der, sobald sich ein Bauer mit seinem Fuhrwerke näherte, auf dessen Wagen sprang. Der Bauer konnte sich anstrengen und machen, was er wollte, er mochte dem Hund zurufen oder ihm Peitschenhiebe versetzen, um sich desselben zu entledigen, alles umsonst, der schwarze unheimliche Gast blieb liegen, bis der Bauer die sogenannte St. Josephsstatue passiert hatte; dann war sein Begleiter verschwunden.
Einmal mußte ein Bauer um die Mitternachtsstunde mit seinem Wagen den Weg passieren. Da gewahrte er plötzlich den schwarzen Hund, der, als er näher kam, mit einem Sprunge auf dem Wagen war. Der Bauer wurde leichenblaß; er bebte und zitterte an allen Gliedern, nahm die Peitsche, schlug nach dem Hunde und fing an entsetzlich zu schimpfen; allein das unheimliche Tier rührte sich nicht. Da der Bauer einsah, daß er im Bösen nichts ausrichte, fing er an zu beten und zu seiner Überraschung wurde der Hund auf einmal halb weiß, blieb aber immer noch liegen. Jetzt wußte sich der schlichte Bauer keinen Rat mehr; er rief nun mit lauter Stimme: »Lieber Herrgott, laß mich doch nur wissen, was dieses Höllentier von mir will!« Sobald er diese Worte gesprochen, wurde der Hund ganz weiß und verschwand, und eine Stimme rief dem Bäuerlein zu: »Tausend Dank! Du hast meine arme Seele erlöst und mich von meinem Leid befreit!«
Im Jahre 1867 ging am heiligen Weihnachtsabende ein mutiges Bürschchen, das bei einem Görkauer Meister in der Lehre stand, heim zu seinen Angehörigen nach Komotau. Furchtlos schritt der Jüngling vorwärts. Ein kalter Frost wehte ihn an, lautlose Stille herrschte ringsum, nur unterbrochen von dem Knirschen des Schnees. Schon hatte er Udwitz hinter sich; da, kaum noch 100 Schritte von der St. Josephsstatue entfernt, erblickt er den schwarzen Hund, dessen feurige Augen wohl auch dem Beherztesten Schrecken eingejagt hätten. Halbtot schleppte sich der arme Junge weiter, kein Auge von dem unheimlichen Begleiter wegwendend. Da griff er plötzlich in die Tasche, zog sein Messer heraus und stach auf die Bestie los. Zwar schwang der Arm das Messer, ein Schwefelgestank verbreitete sich, aber -- ruhig schritt das Tier wieder neben dem Wanderer einher. Kalter Angstschweiß bedeckte die Stirn des armen Knaben; schon glaubte er, sein letztes Stündlein sei gekommen. Da faltete er die Hände und fing an zu beten. Kaum hatte er ein Vaterunser geendet, so war auch das Untier verschwunden. Bleich und verstört kam der Ärmste bei den Seinen an. Längere Zeit hindurch mußte er das Bett hüten.
In den frühesten Zeiten hat der Hund wohl allen Ariern als ein den Göttern geheiligtes und darum mit der Gabe der Weissagung ausgestattetes Tier gegolten. Später wurde er Hüter der Unterwelt und galt dann als Tod- und Unglücksverkündiger. Der eine von den beiden »Wege bewachenden« Hunden, welche nach der indischen Sage dem Todesgotte Yama beigesellt sind, ist der schwarze Sarameya, der die Sterbenden heimsucht. Auch die griechische Mythe weiß von einem Höllenhunde und geistersichtigen Hunden wie die germanische Sage. Nach letzterer wittern es auch die Hunde der Sterblichen, wenn die Nornen und Walkyren ausgesandt werden, oder wenn die Pestseuche naht. Odhin und seine Walkyren werden von einem Hunde begleitet. Gespenster erscheinen als Hunde, so z. B. der holländische Nachtgeist Lodder, welcher seinem Namen nach dem Bruder Odhins und Mitschöpfer der Menschen, Lothur, entspricht. (Rochholz, deutscher Glaube und Brauch I., S. 101.)
118. Der feurige Hund bei Graslitz.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 236.)
Auf dem Schönauer Berge bei Graslitz soll in der Nacht ein Hund herum gehen, mit einer brennenden, feurigen Zunge. Derselbe soll den Leuten, besonders Mädchen auf den Rücken springen und sich dann eine Strecke forttragen lassen.
119. Die zwei weißen Pudel bei Rittersgrün.
(Mündlich.)
Kurz vor dem sogenannten Zigeunerwalde zwischen Rittersgrün und Pöhla sollen sich manchmal des Abends zwei weiße Pudel mit glühenden Augen und an feuriger Kette festgehängt sehen lassen.
Das Erscheinen weißer Tiere gilt als Tod verkündend. Wahrscheinlich hat sich diese Prophezeihung ursprünglich auch mit dem Erscheinen der beiden weißen Pudel, so wie eines weißen Widders und Schafes in den beiden folgenden Sagen verknüpft. Die Bewohner der Glarner Alpen sprechen, wenn ein Gemsenjäger in der Wildnis umkommt, er habe eine weiße Gemse gesehen, und ebenso verkündet auch nach einem Volksglauben in der Lausitz und in Böhmen ein weißer Schmetterling den Tod. Vielleicht hängt damit auch die weiße Trauerkleidung der Slaven zusammen. Rochholz (deutscher Glaube und Brauch I., S. 138.) vermutet, daß eine Zeit bestanden haben müsse, in welcher das Kennzeichen von Trauer und Freude durchgehend die weiße Tracht gewesen sei, da letztere ursprünglich »ein feierliches ins Leben treten und ein unergründliches Geheimnis des Wiederverschwindens« bezeichnete.
120. Der weiße Widder auf dem Pandurenfelsen bei Schneeberg.
(Mündlich.)
Auf dem Gleeßberge bei Schneeberg heißt ein Felsen der Pandurenfelsen. Man erzählt, daß auf und an ihm einst die Bewohner von Aue mit Panduren gekämpft haben sollen. Noch läßt sich auf ihm zuweilen des Nachts ein weißer Widder mit feurigen Hörnern sehen.
121. Gespenstisches Schaf bei Wildenfels.
(Mündlich.)
Bei dem nahe am Weinberge gelegenen Gottesacker zu Wildenfels soll sich zu nächtlicher Stunde früher ein weißes Schaf haben sehen lassen, welches die Vorübergehenden erschreckte.
122. Der schwarze Pudel an der Eisenbrücke bei Niederschlema.
(Mitgeteilt vom Lehrer G. Günther aus Lößnitz.)
In der Nähe der bei Niederschlema über die Mulde führenden Eisenbrücke stand vor Jahrhunderten und noch ehe Schneeberg gegründet wurde, ein Eisenhammer. Auch wurde das Eisenerz, welches damals am Schneeberge gegraben ward, über die alte Brücke nach Lößnitz gefahren, um es daselbst auf der Ratswage wiegen zu lassen. Die Brücke war mit einem Dache versehen und deshalb sehr dunkel, und weil außerdem auf beiden Seiten der Mulde bis an das Ufer finstere Waldungen waren, wurden an dieser damals schauerlichen Stelle viele Greuelthaten verübt. Unter andern wurde daselbst auch ein Mann erschlagen, welcher einen schwarzen Pudel mit sich führte. Dieser Pudel ist dann noch nach langen Jahren bei der Brücke gesehen worden, seinen Herrn suchend, und darauf ist er jedesmal plötzlich wieder verschwunden.
123. Der schwarze Hund auf dem Hemberge bei Bockau.
(Mitgeteilt durch Sem. Paul Mothes aus Bockau.)
Auf dem Hemberge bei dem Bergflecken Bockau ist ein bestimmter Kreis, in welchem ein schwarzer Hund haust. Wer sich in diesen Kreis verirrt, der sieht den Hund und trägt jedesmal eine Krankheit davon.
124. Der schwarze Hund in Grünthal.
(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)
Noch jetzt hört man von alten Leuten, besonders Hüttenarbeitern in Grünthal die feste Behauptung, daß um den Kupferhammer daselbst ein großer schwarzer Hund schleiche, aber nicht wie andere dieser Tiere auf vier, sondern nur auf zwei Beinen, und daß er oft heimkehrenden Arbeitern ins Genick springe, sie auch wohl bis über die nahe Landesgrenze verfolge.
125. Der schwarze Hund auf der Bockwaer Köppe.
(Mitgeteilt von Ernst Michael in Niederhaßlau.)
An der Straße von Bockwa nach Niederhaßlau, auf der sogenannten »Köppe« oberhalb des neuen Bockwaer Friedhofes, soll sich öfters um Mitternacht ein schwarzer gespenstischer Hund sehen lassen, der entweder neben den ihm Begegnenden ein Stückchen hinläuft und dann plötzlich verschwindet, oder auch sich diesen eine Weile in den Weg stellt und sie im Weitergehen hindert. Den oder jenen soll er zuweilen auch genötigt haben den Straßendamm hinabzuspringen, wohin er darauf selbst gefolgt ist, um in den nahen Muldengebüschen, von woher er zumeist gekommen war, sich zu verlaufen. -- Von den letzteren ist bekannt, daß sich darin etliche Personen erhängt, ebenso, daß in dem daneben rauschenden Muldenwehre mehrere Lebensüberdrüssige ihren Tod gesucht und gefunden haben.
126. Der Walkpudel.
(Mündlich.)
Auf dem Walksteige zwischen Dippoldiswalde und Ulberndorf läßt sich zuweilen ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen sehen, den die Umwohnenden Walk- oder auch Waldpudel nennen.
127. Der Hüttenmops.
(Mündlich.)
An dem Huthause bei Ober-Karsdorf oder beim Stollen an der Naundorfer Brücke sind schon viele von einem gespenstischen Hunde, welcher der Hüttenmops heißt, erschreckt worden. Der Hüttenmops erscheint auch in Olbernhau, Oberneuschönberg, Rothenthal, Grünthal und Umgegend. Er heißt dort meist »Hüttenmatz« oder »Hüttenmutz«, und die ihn gesehen haben, beschreiben ihn als einen großen, schwarzen Pudel mit feurigen Augen, der des Nachts umherstreicht, ja zuweilen sogar auf Bäumen angetroffen wird. Gesagt wird weiter, daß der Hüttenmops ein böser Geist sei. Einst ist er einem ruhig dahinschreitenden Fleischer auf den Rücken gesprungen, und trotz allen Schüttelns, Betens und Fluchens konnte ihn der Mann nicht wieder herunterbringen, bis er vor seiner Thür angelangt war, wo das Gespenst mit einem höhnischen Schrei verschwand. Der Fleischer aber starb nach drei Tagen.
Auch auf der Straße zwischen Freiberg und Erbisdorf ließ sich früher der Hüttenmops in Gestalt eines riesenhaften Pudels mit feurigen Augen sehen. Man hielt ihn für einen verwandelten Bergbeamten, der ohne Rast von Grube zu Grube wandern mußte. (E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, S. 4.)
Gespenstische Hunde sind meist Tod oder Unheil verkündend, auch wenn ihnen die Sage nicht ausdrücklich die prophetische Gabe beilegt. Wenn des Nachts vor seinem Hause ein Hund heult, so sagt man in Schleswig: die Hel ist bei den Hunden, d. h. Hunde wittern die umziehende Pest. Letztere aber wird mit einem Feuer verglichen, das als blaue Flamme erscheint. Damit hängt nun jedenfalls wieder der Glaube zusammen, daß der Hund eine Feuersbrunst anzeigt. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) Im Erzgebirge sagt man: Heult ein Hund mit erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt er den Kopf dabei, so stirbt jemand.
Sich den Menschen aufhockende gespenstische schwarze Hunde kennt auch die slavische Sage. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 330.)
128. Der gespenstische Hase bei Frankenberg.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 471.)
An der Frankenberger Straße, die nach Chemnitz führt, steht in einem Dorfe ein schöner neugebauter Gasthof, in dem kein Besitzer lange bleibt, denn da läßt sich am Tage und des Nachts ein Hase sehen, der überall neben dem Hausherrn herläuft, allerdings ohne ihm etwas zu thun, für alle anderen aber unsichtbar ist.
129. Die Vögelgesellschaft zu Dittersbach.
(Nach Liberius Veridicus, Unmaßgebliche Gedanken von den Dittersbacher Vögeln. Frankenberg 1707, bei Gräße a. a. O., No. 588.)
Im Monat Oktober des Jahres 1706 entstand des Nachts eine große Feuersbrunst in dem bei Frankenberg gelegenen Dorfe Dittersbach. Bei derselben versammelten sich wilde Enten, wilde Gänse, Quäker, Kiebitze, Sperber, Eulen, Lerchen, Rotkehlchen u. s. w. und gegen Morgen kamen Raben und Krähen dazu und machten ein gräßliches Geschrei. Die Vögel flogen um das Feuer herum, viele verbrannten, viele aber wurden gefangen. Weil man sich aber den Grund dieser Vögelversammlung nicht denken konnte, ist vom Gerichtsamte am 6. November eine Registratur hierüber aufgenommen und an die sächsische Regierung eingeschickt worden.
130. Das Schindergründel bei Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 49.)
In der Joachimsthaler Gegend hauste früher ein gewisser Schinderhans, von welchem man manches drollige Märchen erzählt; dem Volksglauben nach soll er mit dem Teufel im Bunde gewesen sein.
Ein anderer Räuber hieß Schwabenkunert; dieser verstand die Kunst, verschiedene Gestalten anzunehmen.
Beide wurden nach Verübung vieler Unthaten am Galgenberge gehängt; als dort vor einiger Zeit Steine gebrochen wurden, fand man noch ihre Skelette. Als man diese herausnahm, reichten sich die zwei Galgenvögel die Hände.
Auch geschah einst im Schindergründel ein Mord; als ein Fuhrmann später über diese Stelle fuhr, bemerkte er zu seinem Entsetzen rückwärts am Wagen einen großen schwarzen Hund; er hieb ihn mit der Peitsche, aber siehe da, der Hund wurde viermal größer, und erst als der Fuhrmann aus dem Schindergründel kam, verschwand der Hund, der Fuhrmann aber starb nach einer kurzen Zeit. -- Auch war das Schindergründel berüchtigt als Aufenthaltsort vieler Diebe und Räuber.
131. Die vergrabenen Fuhrleute bei Blauenthal.
(Mündlich.)
Als vor einigen Jahrhunderten viel falsches Geld von Österreich nach Sachsen geschafft wurde, kamen auch mit solchem Gelde einige Fuhrleute in die Nähe von Blauenthal, da wo sich am linken Ufer der Bockau die sogenannte Steinwand erhebt. Es kam ein schweres Gewitter und die Fuhrleute suchten deshalb Schutz unter einem überhängenden Felsen. Da das Unwetter lange anhielt, so vertrieben sie sich die Zeit mit Kartenspiel. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder, ein schwerer Donnerschlag folgte und die Felsenhöhle mit den darin sitzenden Männern war im Nu verschwunden. Die stehengebliebenen Wagen wurden nach Eibenstock gebracht. An gewissen Tagen lassen sich nun in der Nähe der Steinwand Spukgespenster sehen. So kam einst wiederholt des Nachts ein weißer Hase. Ein Arbeiter des Hammerwerks schlug nach ihm und rühmte sich dann, er habe ihm eins ausgewischt. Aber in der folgenden Nacht fand man den Mann tot.
132. Die Puppe von Brand.
(E. H. Müller, Beschreibung der Bergstadt Brand, 1858, S. 119 etc.)
An die ältere Geschichte des Gasthofes zum Erbgericht in Brand knüpft sich folgende Sage:
In früheren Zeiten war eine wohlhabende Witwe im Besitze dieses Erbgerichts. Dieselbe übertrug den ganzen Reichtum ihrer Liebe auf ihre siebenjährige Tochter, und an einem Weihnachtsfeste wollte sie derselben eine seltene Freude bereiten und schenkte ihr eine Puppe, die mit der Tochter von fast gleicher Größe war. Als aber das Töchterchen die Puppe erblickte, zeigte es mehr Furcht als Freude, und auch an dem folgenden Tage mochte das Kind die Puppe nicht sonderlich anschauen, vielmehr wurde es krank und starb noch in den 12 Nächten an dem bösen Scharlachfieber. Als einen Ersatz ihres geliebten Töchterchens nahm nun die Witwe die Puppe zur Hand, kleidete sie an mit den Gewändern der Verstorbenen, ließ sie neben sich auf einem besonderen Stuhle sitzen, setzte ihr Speisen und Getränke vor und sprach mit ihr wie mit einem Kinde. Eine Magd mußte die Puppe aus- und anziehen und regelmäßig ins Bett bringen. Ja die Frau ging allen Ernstes mit dem Plane um, einen Hauslehrer für ihren Liebling zu berufen, als der Tod ihrem wunderlichen Treiben ein Ende machte. Seltsame Gerüchte verbreiteten sich über ihr Dahinscheiden; feierlich wurde sie zur Erde bestattet und mit Grauen gedachte man der Puppe, die still in ihrer Lade lag.
Allein nach dem Begräbnisse der Hausmutter hatte dieselbe keine Ruhe mehr; in nächtlicher Weile stand sie auf, suchte ihre Kleider, die der neue Besitzer an sich genommen, und lief im ganzen Hause umher, so daß jeder Einwohner sich in der Nacht nicht getraute, über die ängstlich verschlossene Kammer zu schreiten. Selbst an Sonn- und Festtagen, wenn sich das junge Volk durch Spiel und Tanz ein Vergnügen bereitete, trippelte sie hinter den kräftigen Bergburschen und den rotwangigen Mädchen her, so daß man anfangs floh, später aber, an die Erscheinung gewöhnt, sich nicht sonderlich mehr stören ließ. Der Wirt aber nahm sich ernstlich vor, dem Spuk ein Ende zu machen. In St. Michaelis wohnte nämlich in einem einsamen halbverfallenen Häuslein eine alte triefäugige Frau, von der man behauptete, es sei nicht ganz richtig mit ihr, auch habe man in ihrer Stube einst ein Geschöpf, einer Fledermaus ähnlich, bemerkt. Sie wurde nur die Haldenhexe genannt. An diese Person wandte sich der Wirt in seiner peinlichen Lage, und sie versprach unter seltsamen Geberden die Puppe in der Lade. Allein die Geschichte scheint nicht geholfen zu haben, vielmehr rumorte die Puppe mehr als je, und es schien ihr gar nicht in der zugenagelten Lade zu gefallen. Kurze Zeit darauf kam auch das letzte Stündlein der Hexe und sie starb eines rätselhaften Todes. In seiner Not wandte sich nun der geplagte Erbgerichtsbesitzer an den Ortsgeistlichen in Erbisdorf. Der Pastor erschien, las einige lateinische Gebete vor, beschwor die Gestalt und schloß mit den Worten ~apage satanas~! Darauf entfernte sich der Geistliche. Unterwegs aber hörte er ein leises Husten und als er sich umdrehte, tanzte die Puppe spottend hinter ihm her, so daß er voll Grausen eilends nach Hause lief und Thür und Thor fest zuschloß. Und so blieb denn die Puppe ungebannt im Hause. Lange Zeit wohl mochte sich dieselbe ruhig verhalten haben, bis sie dann endlich wieder mit ihrem Spuke auftrat. Ihrem Treiben sollte aber nunmehr ein baldiges Ende bereitet werden. An einem sonnenhellen Nachmittage wurde die Lade mit allem Zubehör auf einen Schubkarren geladen und von einem Tagelöhner dem dunklen Spitalwalde zugefahren. Je näher er demselben kam, desto schwerer wurde die Lade, so daß ihm der Schweiß von der Stirne rann. Unter einer Birke machte er ein Loch, einige Fuß tief; doch war ihm bei dieser Arbeit nicht ganz wohl, denn der Himmel umzog sich mit dunklen Wolken, Blitze leuchteten durch des Waldes Düster und in der Ferne rollte der Donner. In aller Eile setzte er die Lade in das gegrabene Loch, schaufelte Erde darauf, bedeckte es mit Rasen und begab sich nun eiligst auf den Rückweg. Je näher er an Brand kam, desto eiliger hörte er hinter sich trippeln und trappeln und als er sich auf einen Augenblick umsah, erblickte er zu seinem Entsetzen die begrabene Puppe mit hellleuchtenden Augen. Außer sich vor Schreck kam er halbtot nach Hause, aß und trank nicht und legte sich zu Bette. Das hitzige Fieber übermannte ihn und schon nach drei Tagen war er eine Leiche.
Seit jener Zeit hat man von der gespenstischen Puppe nicht mehr viel vernommen. Als jedoch das Erbgericht neu aufgebaut wurde, wollen einige Bauleute dieselbe gesehen haben, wie sie auf den halbvollendeten Mauern herumgesprungen sei, und man sagt, daß sie heimlich samt der Lade wieder aus dem Spitalwalde hereingeschafft worden wäre.
133. Gespensterspuk in einer Binge bei Eibenstock.
(Mündlich.)
Im Dönitzgrunde bei Eibenstock, in welchem noch die Überreste früherer Zinnseifen zu sehen sind, zeigt man auch eine alte Binge. Von derselben wird erzählt, daß einst zwei Reiter über dieselbe setzen wollten, daß sie aber dabei mit ihren Pferden hinabstürzten. Wer nun in der Johannisnacht an diese Binge kommt und aufmerksam horcht, der vernimmt in der Tiefe nicht nur das Klirren von zusammenschlagenden Hufeisen, sondern auch das leise Ticken einer Uhr.
134. Die geheimnisvollen Ambosschläge im Keller eines Hauses zu Eibenstock.
(Mündlich.)
In Eibenstock zeigt man ein Haus, welches früher einem Schmied gehörte, dessen Frau mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen hatte. Als die Frau gestorben war, verkaufte der Mann das Haus und zog fort; doch ließ er verschiedene Gegenstände in dem weitläufigen und in viele Gänge auslaufenden Keller zurück. Da geschah es, nachdem das Haus wieder bewohnt war, daß eines Abends eine Frau hinab in den Keller ging, in welchem sich ein Brunnen befindet, um daselbst noch Wasser zu holen. Da hörte sie heftige, wie auf einen Ambos ausgeführte Schläge, von denen sie jedoch nicht sagen konnte, woher sie rührten. Dies wiederholte sich noch zweimal nach einander. Darauf ist aber der Frau der Mut plötzlich gesunken und sie ist eilends davongegangen. Solche Ambosschläge sind übrigens noch mehrmals in der Nacht in jenem Keller gehört worden.
135. Die Klage in Kohlenschächten bei Bockwa.
(Gräße, Sagenschatz etc. No. 585.)
Hinter Bockwa, seitwärts von Hohndorf nach Reinsdorf zu, gab es vor einigen dreißig Jahren noch einige verfallene Kohlenschächte; in einen derselben soll einmal ein Offizier beim Spazierengehen hineingestürzt und sein Leichnam erst nach langer Zeit wiedergefunden worden sein. Wenn man in die Nähe dieses Ortes kam, so hörte man fortwährend Winseln aus jenen Schächten, ohne heraus zu bekommen, woher dasselbe kam.
136. Das gefährliche Feld bei Zwickau.
(Gräße, Sagenschatz etc. 2. Aufl., No. 611.)
Vor dem Schneeberger Thore an dem Wege nach Oberhohndorf liegt ein Feld, auf welchem sich ein Kreuzweg befindet, den die Wege von Schedewitz, Reinsdorf und Oberhohndorf bilden; über diesen geht des Mittags zwischen 12 bis 1 Uhr niemand, auch soll denselben kein Fuhrwerk passieren. Vor einigen Jahren fand man daselbst um diese Zeit einen umgeworfenen Wagen, aber ohne Pferde und menschliche Begleiter, und hat sich zu demselben auch nachmals kein Besitzer gefunden.
III.
Dämonensagen.
Auch die Sagen von den Dämonen, d. h. mit göttlichen und natürlichen Eigenschaften ausgestatteten Wesen, welche wir sonst im Mythus mit den Gottheiten selbst verkehren sehen, wurzeln in dem alten Götterglauben. Wo die mit übermenschlichen Eigenschaften und daher mit der Kraft, den Menschen zu helfen oder zu schaden, begabten, dabei ein eigenes, abgeschlossenes Reich bildenden Dämonen in den Überlieferungen des Volkes nicht mehr gefürchtet, sondern geneckt und verspottet werden, da zeigt sich bereits der Einfluß des Christentums, dessen Verkündiger und Hüter bestrebt waren, die alten heidnischen Gottheiten in ihrer Ohnmacht und ihrem Nichts darzustellen.
Die Dämonenwelt zerfällt in Zwerge, Vegetationsgeister, Wassergeister oder Nixe, Riesen und Tierdämonen; wenn wir aber diese Dämonenwelt an uns vorüberziehen lassen, empfangen wir nicht bloß die Überlieferungen des germanischen, sondern zugleich auch solche des slavischen Götterkreises. In den Volkssagen der Wenden, Czechen und anderer sprachverwandter Nationen leben gleiche mit menschlichen und göttlichen Eigenschaften ausgestattete Wesen fort; sie sind demselben Quell entsprungen, aus welchem alle dem indogermanischen Sprachstamme angehörigen Völker schöpften, und das böhmische Volk erzählt vom Ursprunge dieser Dämonen: »Als Gott die übermütigen Engel aus dem Himmel verstieß, wurden aus ihnen die bösen Geister, welche den Menschen bei Tag und Nacht beunruhigen, ihn necken und schädigen. Die in die Hölle stürzten und in die Löcher und Abgründe, das sind die Teufel und die Todmädchen. Aus denen aber, die auf die Erde fielen, wurden die Kobolde, Schrätlein, die Zwerge, Daumlinge, die Alpe, die Mittags- und Abendgespenster und die Irrlichter. Die in die Wälder fielen, wurden zu Waldgeistern, als da sind: die Hemänner, die wilden Männer, die Waldmänner und die wilden Weiber und Waldfrauen. Jene endlich, die ins Wasser fielen, wurden zu Wassergeistern, zu Wassermännern, zu Meerjungfern und Meerfrauen.« (Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen und Mähren, I. S. 108.)
Die +Zwerge+, welche die Volkssage nicht bloß in Böhmen, sondern auch in Tirol und der Schweiz als gefallene, obschon nicht ganz verdorbene, sondern nur verführte Engel ansieht, die aber nach einer Überlieferung aus Schwaben einst über die Menschen herrschten und von diesen göttlich verehrt wurden, sind vorzugsweise die Phantasiegebilde der Gebirgsbewohner. Sie gleichen vielfach den gnomenartigen ~Yakschas~ der indischen Sagenwelt, welche in den Gebirgen die Schätze des Metallgottes ~Kuveras~ hüten, und wie nach dem Glauben der alten Griechen die Pygmäen wie Ameisen in der Erde wohnten, so halten sich auch die Zwerge des deutschen Sagenkreises, dem sie hauptsächlich angehören, vorzugsweise in Höhlen und Klüften auf, während die Wenden der Lausitz die Wohnungen ihrer Zwerge, der Ludki, in die heidnischen Grabhügel verlegen, deren Urnen nach dem Volksglauben Hausgeräte des Zwergvolkes sind.
Von allen Wesen wurden die Zwerge nach der Edda zuerst geschaffen, sie schmiedeten gleich den Göttern Erze und lebten in dem Körper des aus Reif oder gefrorenem Tau entsprungenen Riesen Ymir, der die Welt bedeutet. (Henne-Am-Rhyn a. a. O. S. 282.) Unter einem Könige zu einem Volke vereinigt, lebten sie friedlich mit den Menschen, für welche sie arbeiteten und die sie häufig für kleine Dienste reichlich belohnten. Besonders thaten sie frommen und armen Leuten Gutes. Gewisse übermenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die Kenntnis von geheimen Heilkräften, z. B. denen der Bärwurz und des Baldrian gegen die Pest, ihr Auftreten als Hüter unermeßlicher Schätze, aber auch nach Jakob Grimm die Liebe zu den Tönen, knüpft ihr Geschlecht an höhere Wesen, vorzüglich an Halbgötter und Göttinnen. (Deutsche Myth., S. 264.) Während sie auf der einen Seite dadurch, daß sie den Menschen beistehen, ihnen Glück bringen und sie belohnen, sich denselben nähern, scheinen sie, um mich der Worte Jacob Grimms (a. a. O. S. 259.) zu bedienen, doch überhaupt von ihnen zurückzuweichen, und »so machen sie den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten Volksstammes, der im Begriffe steht, die alte Heimat den neuen mächtigeren Ankömmlingen zu überlassen«. Übereinstimmend damit bemerkt auch Preusker in seinen Blicken in die vaterländische Vorzeit (I. S. 54.), daß die Zwergsagen der Lausitz, des Vogtlandes, Harzes und Thüringens auf zerstreute slavische Ansiedler hinweisen, die später von den vordringenden Deutschen verdrängt und unterdrückt wurden, so daß sie sich verbergen und ihre Wohnsitze verlassen mußten. Ja nach einer Lausitzer Sage, die Veckenstedt (Wendische Sagen, S. 157.) mitteilt, stammen die Wenden von den Ludkis ab. Unsere erzgebirgischen Sagen erzählen, wie die Zwerge durch Lauch, den man in die Milch that, durch Aufrichtung der Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks«, sowie dadurch vertrieben wurden, daß man die Knödel im Topfe und die Brote im Backofen zählte. Sie werden aber wiederkommen, »wenn die Hämmer würden abgehen.« Von Schmiedeberg zogen sie über die Eger. Ähnlichen Überlieferungen begegnen wir anderwärts. In der Lausitz konnten sie das Kümmelbrot und Glockengeläute nicht vertragen und sie ließen sich von einem Bauer aus Hainewalde über die böhmische Grenze fahren. Bei Langenberg fuhren sie in einer mondhellen Nacht über die Elster, und die Zwerge, welche ehemals in den Hüttener Bergen, besonders in dem Kindelberge und im Pläterberge bei Wittensee wohnten, kamen in der Nacht an die Hohner Fähre und ließen sich übersetzen. (Müllenhof, Schleswig-Holst. Volkssagen, No. 329.) Auch die Wichtel- oder Heinzelmännchen des Spatenberges fuhren über einen Fluß. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, S. 107.)
Überall spricht sich dabei der Groll über menschliche Treulosigkeit und Unduldsamkeit, ursprünglich wohl über den Abfall von den heidnischen alten Göttern aus. Wenn aber in anderen Gegenden der Glockenton die Zwerge vertrieb und letztere demnach in der Sage der Kirche unfreundlich gegenüber treten, so bauten sie wieder nach einer dazu fremdartig erscheinenden Überlieferung im Erzgebirge die Steiner Pfarrkirche, indem sie des Nachts das Baumaterial von unten, wo man die Kirche zu errichten beabsichtigte, auf den Berg trugen. Sie übernehmen hier eine Arbeit, welche nach anderen Sagen einem weißen Pferde oder einem anderen gespenstischen Wesen zugeschrieben wird.
In den Volksüberlieferungen werden die Zwerge, deren Frauen nach einer unserer Sagen die Klagemütter, in der Lausitz jedoch die Busch- oder Holzweibel sind (Preusker a. a. O., S. 52.), in mehrere Gattungen mit verschiedenen Namen geschieden, welche jedoch nicht immer streng von einander zu trennen sind. Vielfach gehen die eigentlichen, bunte Röcklein oder spitze rote Hüte tragenden und Höhlen und Schluchten des Gebirges bewohnenden Zwerge in +Berggeister+ über. Letztere, als ursprünglich gutmütige und in Gestalt sehr verschieden, meist als Bergleute, Mönche, jedoch auch in einer erzgebirgischen Sage in Roßgestalt auftretende Wesen, nähern sich wieder, indem sie zuweilen boshaft werden, den Kobolden.
Der Berggeist kommt nur beim Bergwerke vor, und die Sagen von ihm sind gewiß so alt wie der Bergbau selbst. Mit Recht weist daher Wrubel (Sammlung bergmännischer Sagen, S. 5.) darauf hin, daß man unsern Berggeist wohl vom Rübezahl des Riesengebirges, welcher besser »Gebirgsgeist« zu nennen sei, unterscheiden müsse. Wenn wir auch in den Sagen vom Berggeiste einen Überrest des heidnischen Götterglaubens haben, so mochten doch die stetigen Gefahren, denen der Bergmann bei seinen Berufsgeschäften ausgesetzt ist, das von verschiedenen abergläubischen Meinungen beeinflußte Gemüt mit Bangen vor einer unterirdischen Macht erfüllen, welche allmählich festere Form annahm und zu einem Beherrscher des unterirdischen Reiches wurde. (Wrubel a. a. O., S. 8.)
Die Berggeister waren die Hüter von edlen Erzgängen, und vielleicht sind die sagenhaften Überlieferungen von den rätselhaften Fremden, welche das Erzgebirge, den Thüringerwald, das Vogtland, Fichtelgebirge und andere Landschaften nach Gold durchsuchten, und die als Venetier oder Wahlen von dem Volke mit überirdischen Kräften ausgestattet wurden, die das Innere der Berge kannten und mancher Zauberkünste kundig waren, zum Teil auf die Schätze hütenden Berggeister zurückzuführen.
Venetier, die nach der Volkssage in verschiedenen Gestalten auftraten, wuschen auch die Goldkörner aus den Brunnen und Flüssen, und so gehört wohl auch die Sage von dem Hutmanne in Wiesenthal, welcher einstmals auf dem Fichtelberge an einem Brunnen, dessen Boden von eitel Goldflammen leuchtete, einen in einem Buche lesenden Mönch antraf, ebenfalls hierher.
Ein anderes Geschlecht der Zwerge sind die +Hausgeister+ und +Kobolde+, welche eine mehr heitere und neckische, zuweilen selbst boshafte Natur besitzen. Sie halten sich vorzugsweise in den Wohnungen der Menschen, aber auch in Bergwerken auf, und nur ganz vereinzelt erscheinen sie im Freien. Wie die Zwerge und die später besprochenen Moosweibchen sind auch die Kobolde unselige Geister. Daher hat ein Knabe in Lauter, welchem ein solcher Kobold keine Ruhe ließ, fleißig gebetet und gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn Du nicht beten willst und auch nicht beten kannst, so gehe Deiner Wege.« Andere Hausgeister sind befriedigt, wenn man ihnen ein wenig Milch aufstellt, und wäre es auch nur in einem Katzenschüsselchen, so daß sie daher Katzenveit, Heinzelmann, Katermann u. s. w. heißen. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 18.) Der erzgebirgische Katzenveit, dessen Jacob Grimm nur kurz und zwar als eines »Waldgeistes« im Fichtelgebirge gedenkt, erinnert in mancher Beziehung wieder an den Rübezahl des Riesengebirges.
Ein Hausgeist, wie das vogtländische »Schreckgökerle«, vor dem sich die Kinder fürchten, ist das »Schreckagerl«, welches wie andere Kobolde bei der Arbeit hilft; nur muß man ihm dafür zu essen geben. Dieses hilfreiche Beistehen bei der häuslichen Arbeit, das Füttern des Viehes, das Fegen der Küche und dergl. mehr gehört so recht zum Wesen der Kobolde. Unser Bahnbrecher in der Kenntnis der germanischen Götterlehre sagt in seiner deutschen Mythologie (S. 284.), daß es ihm scheine, man habe früher aus Buchsbaumholz kleine Hausgeister geschnitzt und dieselben in dem Zimmer aufgestellt; der Ernst habe sich in Scherz umgewandelt und die christliche Ansicht habe die Beibehaltung des alten Brauches geduldet. In gleicher Weise mag aber auch aus dem ursprünglich dienstfertigen Kobolde, welcher das Gesinde weckte und nach dem Rechten im Hause sah, mit der Zeit ein Polter- und Plagegeist geworden sein, der dann mehr teuflisch und gespenstisch auftrat. So sank, wie Jakob Grimm sich ausdrückt, der getreue Hausfreund des Heidentums zum Schreckbild und Gespött der Kinder herab, ein Los, das er mit Göttern und Göttinnen teilt. (Deutsche Myth., S. 293.)
Als Kindergespenst tritt überall im Erzgebirge das »Jüdel« oder »Hütchen« auf, welches den letzten Namen vielleicht von dem roten Hute der Zwerge hat. Das Jüdel spielt während ihres Schlafes mit den Kindern; es spielt auch des Nachts mit den Kühen. Will man das Jüdel als Hausgeist unterhalten, so muß man demselben Spielsachen geben. Wie unter den Kobolden der Katzenveit vom Kohlberge bei Zwickau und die Männchen des Koboldsteins bei Kloster Maria Sorg, so waren auch der +Kaspar+ des Greifensteins und der Geist +Mützchen+ bei Freiberg keine eigentlichen Hausgeister; bei letzterem ist durch die Nebelkappe deutlich seine Zwergnatur gekennzeichnet.
Zahlreich melden uns endlich Sagen von koboldartigen Wesen, welche in den Zechen den Bergknappen entgegentraten. Sollen doch die beiden Metalle Kobalt und Nickel, nach denen gegenwärtig vorzugsweise die Gruben des Schneeberg-Neustädtler Reviers abgebaut werden, von zwei neckischen Geistern ihre Namen erhalten haben. Von dem Kobalt, dessen Name zwar auch von dem böhmischen ~Kow~, das Erz, ~kowalty~, erzhaltig, abgeleitet wird, sagt ein alter Bergprediger: »Ihr Leute heißt es Kobalt und die Deutschen nennen den schwarzen Teufel Kobel, der Menschen und Vieh durch Zauberei Schaden thut. Es haben nun aber der Teufel und seine Hallraunen oder Drutten dem Kobalt, oder der Kobalt den Zauberinnen den Namen gegeben, so ist Kobalt ein giftig und schädlich Metall.« (Merkel, Erdbeschr. v. Kursachsen I. S. 176.)
Mit den Kobolden teilweise verwandt sind die +Irrlichter+, welche man sich als lebende Wesen vorstellt. Sie führen Menschen irre, hocken sich ihnen auf oder bestrafen sie auch, wie die erzgebirgische Sage von der unheimlichen Fackel erzählt. Irrlichter können aber auch in feuriger Gestalt umherschweifende Seelen sein, welche nicht der himmlischen Seligkeit teilhaftig wurden, und dann nähern sie sich den zum Gespensterspuk gehörenden feurigen Männern.
Aus der Klasse der +Vegetationsgeister+ begegnen wir im Erzgebirge, als einem ursprünglichen Waldgebirge, hauptsächlich den +Walddämonen+ unter den Namen von Waldgeistern, Waldteufeln, Moosmännchen, wilden Weibern und Holzweibchen. Wie die Nixe fügen sie sich nicht in die Civilisation, und obschon sie zuweilen freundlich mit den Menschen verkehren und dieselben für geleistete Dienste belohnen, so ist ihnen doch der Humor, welcher die Zwerge auszeichnet, fremd, und Schwermut oder große Wildheit charakterisiert sie. Zuweilen treten die Holzweibchen als Schicksalsverkündiger oder Wetterpropheten auf. Der wilde Jäger oder der Teufel verfolgt sie auch im Erzgebirge und ein Baumstamm mit eingehauenen Kreuzen gewährt ihnen gegen denselben Schutz, wenn sie sich auf ihm niederlassen. Die vogtländische Sage, welche von ihnen das meiste weiß (Jul. Schmidt, Topographie der Pflege Reichenfels und Witzschel, Sagen aus Thüringen), erzählt, daß sie vor dem wilden Jäger Ruhe finden, wenn sie sich auf einen Stamm setzen, in welchem während der Zeit, da man den Schall des niederfallenden Baumes hört, drei Kreuze in einem Zwickel gehauen wurden. Im Sagenschatz des K. Sachsen (zu No. 550.) bemerkt hierzu Gräße, daß viele glauben, die Holzweibchen seien aus den heidnischen Sorbenfrauen entstanden, die vor dem Christentume in die Wälder geflohen, wenn sie dieselben aber wieder verlassen hätten, von den Christen verfolgt bei Stämmen, auf denen drei Kreuze eingehauen gewesen, Schutz gesucht und gefunden hätten. Dagegen zählt Jakob Grimm die Holzweibchen, die nach ihm einen Übergang zu den Zwergen bilden, zu dem heidnischen Gespensterspuk, der sich aus den Vorstellungen von halbgöttlichen Wesen, mit denen das Heidentum den Wald bevölkert dachte, entwickelte. (Deutsche Myth., S. 243 und 520.) Und Nork greift in den Sitten und Gebräuchen der Deutschen (S. 63.) sogar auf die Gnomengestalten der indischen Sagen zurück, mit denen er unsere ähnlichen Sagenstoffe wie Ausläufer aus einer gemeinschaftlichen Wurzel in Verbindung setzt. -- Unsere Sage nennt die Holzweibel auch Buschweibchen und faßt sie teilweise als den Moosweibchen gleiche Wesen auf. Die Moosweibchen waren immer zwerghaft und über und über mit Moos bewachsen; nach der thüringischen Sage wohnten sie an dunklen Orten und in Höhlen unter der Erde. (Richter, Sagen des Thüringer Landes, IV. S. 43.) Wie in Thüringen die Moosweibchen, so kamen auch im Erzgebirge die Buschweibchen zuweilen in die Wohnungen der Menschen und begehrten daselbst Essen. Sie beschenkten mit Spänen und Laub, welche Dinge sich später in Gold verwandelten. Bei uns wurden sie wie die eigentlichen Zwerge vertrieben, als man das Brot im Backofen zählte.
Neben den Sagen vom Erscheinen der Holzweibchen im Erzgebirge, von denen ein Teil allerdings nur noch in älteren schriftlichen Überlieferungen vorhanden ist, leben im Volke noch Redensarten, welche sich auf den Glauben an das frühere Erscheinen dieser dämonischen Gestalten beziehen. So sagt man in der Gegend von Schneeberg: »Das Holzweibel hat aufgehängt«, wenn man früh an den Büschen Spinnweben ausgespannt sieht, die auf beständiges schönes Wetter gedeutet werden. Steigen weiße Nebel aus den Waldungen auf, so sagt der Gebirger: »Das Holzweibel heizt ein, es wird ander Wetter!« (Lindner, Wanderungen durch das sächsische Obererzgebirge, I. S. 4.) Bei Brunnersdorf warnte man noch vor wenigen Jahren die Beeren suchenden Kinder vor dem Buschweibchen und ermahnte sie, im Walde der Sicherheit wegen beisammen zu bleiben; bei Kupferberg sagt man von eilig Dahinlaufenden: »Der läuft wie der Teufel, wenn er dem Holzweibel nachläuft«, und in der Gegend von Platz nennt man kleine vermummte Kinder scherzweise Buschweibel. (Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung VI. S. 55 und 56.) Ähnliche Redensarten sind in anderen deutschen Gegenden gebräuchlich. So sagen z. B. die Bauern in der Zittauer Gegend, wenn daselbst die Berge dampfen: »Die Holzweibchen kochen Kaffee« (Haupt, Sagenbuch etc. No. 38.), während die Erdmännchen am Eisengraben backen, wenn gewisse Nebel auf dem Kaisacker im Frickthale aufsteigen, und die Wölkchen, welche hoch am Gebirge schweben, in Tirol für die aufgehängte Wäsche der Holzweibchen gehalten werden, die schönes Wetter verkünden. (Gartenlaube, 1880, No. 31. und Henne-Am-Rhyn a. a. O., S. 261 und 278.)
Mir scheint, als ob sich auch der Name »Käthel« in manchen Volksüberlieferungen auf ein dämonisches Wesen, vielleicht ein Holz- oder Buschweibchen bezieht.
Das enge Muldenthal zwischen dem Mehltheuer und der hohen Rieß unterhalb der Haltestelle Niederschlema heißt im Volksmunde das »Käthelloch« und man prophezeit auf Grund der in ihm lagernden Nebel auf eine Änderung des Wetters. Es erinnert dies an Volksmeinungen in Nordböhmen. Die Frauen in Neuland bei Gabel sagen, wenn der Rollberg von Wolken umzogen ist, daß das Roll-Kathel koche und in Sukohrad spricht man in ähnlicher Weise: »Die Geltsch-Käthe kocht.« (Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 7. Jahrg. S. 95.)
Während den Holz- und Moosweibchen ein Grad von Gutmütigkeit und Zuneigung zu den Menschen zukommt, sind die +Waldgeister+ und +Feldteufel+ schreckhafte Gestalten. Auch der +Hemann+, welcher sich ebenfalls im Gebirge sehen läßt und Antwort giebt, wenn man ihn im Walde laut mit »He he, hu hu!« ruft, hat Freude an dem Schaden der Leute.
Zu den Vegetations- und insbesondere zu den +Feldgeistern+ ist weiter das +Mittagsgespenst+ zu zählen. Schon die alten Kirchenschriftsteller des 6. Jahrhunderts schreiben eine Reihe von Krankheiten dem Mittagsteufel zu; seinetwegen wurden die Kirchen, welche sonst den ganzen Tag bis zum Abendläuten offen stehen sollten, während der Mittagsstunde zugeschlossen. In der Schweiz wandeln bei der vom Volke keineswegs als gnadenreich gehaltenen Mittagssonne die verwünschten Schloßjungfern umher, und wie die Pest früher ~morbus meridianus~ hieß, so ist auch das Mittagsgespenst der Wenden teilweise zugleich die Pestjungfrau. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 67.)
Die slavische, zu den Feld- und Waldgeistern gehörende +Marzebilla+ tritt ebenfalls im Erzgebirge auf. Sie führt die Leute ins Dickicht und an fruchtbare Stellen, wenn sie beten, überläßt sie aber ihrem Schicksal, wenn sie fluchen.
Die +Wehklage+ aber gehört teilweise wie das Klopfen an die Thüre, ohne daß jemand draußen steht, das Rufen des eigenen Namens, als ob derselbe aus weiter Ferne hertönte, und viele andere geheimnisvolle Laute, aus denen das Volk auf Tod oder bevorstehendes Unglück schließt, zu den Voranzeichen. (Rochholz a. a. O., I. S. 143.) Auf dem Harze ist die Klagemutter Frau Holle, (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 562.), anderwärts ist eine »Heulmutter« oder »Frau Hel« die Schattengöttin Hel, welche an dunkeln Furten sitzt. (Rochholz a. a. O., I. S. 90.) Nach einer Sage aus der Gegend von Fulda ist die Wehklage dagegen unverkennbar ein Waldgeist, denn man sagt daselbst, wenn jemand sterben sollte, so sei eine Waldfrau von der wilden Frauen-Loch hergekommen und habe sich wehklagend in der Nähe des Sterbehauses gezeigt. (Wolf, Hessische Sagen, S. 53.) Eine erzgebirgische Sage bezeichnet die Klageweibel als Frauen verbannter Berggeister und Zwerge. -- Wenn nach der Edda die Zwerge und Riesen dem Menschen in der Schöpfung vorangingen und weiter nach alter Überlieferung von beiden Dämonen die Zwerge zuerst geschaffen wurden, um das wüste Land und Gebirge zu bauen (J. Grimm, Myth., S. 253.), so fügt noch eine Oberpfälzer Sage hinzu, daß alle Zwerge, da sich das trockene Land noch nicht abgeschieden hatte, zunächst im Wasser lebten. Sie waren demnach im Anfange gleich den +Nixen+. Der männliche Nix, Necker oder Nicker, erinnert nach einer anderen Überlieferung wieder an den skandinavischen Odhin, dessen Beiname ~Nikarr~ ihn als den Wellen besänftigenden Meergott bezeichnet. (J. Grimm a. a. O., S. 276.) Der Nikur soll als schönes apfelgraues Roß am Meeresstrande erscheinen, und ein großes Pferd mit ungeheuren Hufen zeigt sich auf dem Wasser, wenn Sturm und Gewitter aufsteigen. Anklängen an diese Vorstellungen begegnet man im Erzgebirge. Es mag dabei auf die Sagen vom Grundtümpel bei Wildenau und von dem Sturmwinde bei Oberscheibe, der in die Teiche fuhr und das Wasser in die Höhe warf, »als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlügen«, hingewiesen werden. Vorherrschend schildert die Sage den männlichen Nix als häßlich, ausnahmsweise wird er als von schöner Gestalt beschrieben. Er hat struppige grüne Haare und grüne Zähne, Rock und Hosen sind immer zerrissen und kotig. Auch die slavischen Flußnixen sind grünhaarig und der finnische Wassergott Ahto hat einen Grasbart. (Rochholz, a. a. O., II. S. 281.) Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau, welcher ein Krönlein auf dem Haupte trug, sah blau aus. Grün und blau aber sind dämonische Farben, und besonders weist letztere Farbe auf Wuotan hin, dessen Leibfarbe ebenfalls blau ist. Haupt bemerkt in seinem Sagenbuche der Lausitz (No. 44.), daß, obschon der skandinavische Odhin im Gegensatze zu dem deutschen Luft- und Sturmgotte Wuotan auch Nix ist, bei den Slaven vielleicht der Luftgott zu einem Wassergotte wurde. Hier berühren sich jedenfalls germanische und slavische Überlieferungen. Die Freude aller Wassergeister ist Tanz, Gesang und Musik. Auch die erzgebirgische Nixensage erzählt von zu Tanze gehenden Wasserjungfrauen, sowie vom »thörichten See« bei Satzung, in welchem ein Nix seine Wohnung hatte, daß man daselbst mittags großen Tumult und Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört habe, als ob eine lustige Bauernhochzeit in dem See abgehalten würde. In dem Sagenbuche der Lausitz hat Karl Haupt mehrere unter der slavischen Bevölkerung lebende Sagen mitgeteilt und er bemerkt dabei, daß der musikalische Nix der Wenden ebenso bezeichnend für die slavische Anschauung sei, wie die Querxe oder Zwerge und der wilde Jäger, die Berg- und Luftbewohner, für die Anschauung der Deutschen.
Das was Jacob Grimm (deutsche Myth., S. 280.) im Allgemeinen bei den Wassergeistern hervorhebt, nämlich ein Zug von Grausamkeit und Blutdurst und die Ausübung blutiger Rache, welche in den Sagen von diesen Geistern so vielfach wiederkehren, dabei aber auch ein Beispiel für die Aufrechterhaltung der männlichen Ehre, welche dem Nix charakteristisch ist, finden wir in der Sage von dem obengenannten thörichten See vereinigt. Hier belohnt auch der Nix einen Holzhacker für den geleisteten Dienst, indem er ihm einen Beutel schenkt, der nie leer werden sollte, so oft er auch hineingreifen würde. Die Belohnung für geleistete Dienste, scheinbar unbedeutend und doch so reich, ist eine Handlung, welche uns an ähnliche Handlungen in den Zwergsagen erinnert; das Wesen der Kobolde und Poltergeister aber nehmen die Nixe an, wenn sie ohne Veranlassung, wie dies bei Elterlein geschah, ruhige Arbeiter und Spaziergänger erschrecken.
Der Nix der Zschopau fordert jedes Jahr sein Opfer. Es ist dies eine Überlieferung, welche auch der Lausitz nicht fehlt und die sich in gleicher Weise bei der Saale, Elster, Donau, Oder u. s. w. wiederholt. In die Bode bei Quedlinburg warf man früher in bestimmter Frist einen schwarzen Hahn; geschah dies nicht, so forderte der Fluß ein Menschenleben. Wenn auch nicht bei allen Überlieferungen von den jährlich ein Menschenleben fordernden Flüssen die Nixe ausdrücklich genannt werden, so ist doch immer dabei an heidnische Menschenopfer, welche den Wassergeistern gebracht wurden, zu denken. (Haupt a. a. O., No. 45.) Als man die Opfer nicht mehr freiwillig brachte, holte sich diese der Flußgeist selbst.
Schließlich mag noch auf die in unserem Sagenkreise etwas fremdartig erscheinende Seebergjungfer, welche zuweilen an den Hoderwiesteich bei Seestadtl kam, um daselbst zu baden, hingewiesen werden. Sie erschien halb als Fisch und zur Hälfte als Mensch und erinnert durch diese Gestalt an die keltische Brunnennymphe Melusina, deren Namen wir aber in einer Sage aus dem böhmischen Teile des Erzgebirgs einer Luftgottheit beigelegt finden. Jac. Grimm ist geneigt, alle Vorstellungen von geschwänzten Nixen als echt deutsche anzuzweifeln. (Deutsche Myth., S. 277.) -- Der vielleicht bis zur europäischen Völkerwiege zurückreichende Glaube an Wasserdämonen hat bei den auseinandergehenden Völkerstämmen mancherlei Gestalt angenommen. Verwandt mit unsern deutschen und slavischen Nixen und den keltischen Brunnennymphen sind die indischen ~Apsaras~, d. h. die aus dem Wasser Entsprossenen. -- Zur Dämonenwelt gehören auch die +Riesen+, welche nach der germanischen Mythe erst nach den Zwergen erschaffen wurden, um die Ungeheuer und Würmer zu erschlagen. Abgesehen von den chronikalischen Überlieferungen von Riesenknochen, welche da und dort gefunden wurden, fehlen im Erzgebirge eigentliche Sagen von Riesen und ebenso ist es jedenfalls auch bemerkenswert, daß sich bei uns nicht, wie dies in anderen Gebirgen der Fall ist, Riesensagen mit gewaltigen Felsmassen verknüpfen, welche nicht selten mauerartig aufgetürmt, die bewaldeten Höhen krönen, oder die durch ihre absonderliche Form -- ich erinnere dabei an die granitischen »Hefenklöse« bei Johanngeorgenstadt und den Rockenstein bei Schönheiderhammer -- die Aufmerksamkeit der Bewohner gewiß schon in früherer Zeit erregten. Die so häufig im oberen Erzgebirge auftretenden Blockwerke hat das Volk nüchtern betrachtet, während es z. B. im Vogtlande in ihnen die Hinterlassenschaft von Riesen erblickt, und spitze Felskegel haben seine Phantasie nicht wie in der Lausitz erregt, wo ein solches bei Heidersdorf anstehendes Naturgebilde als Keule eines Riesen gedeutet wird. (Eisel, Sagenbuch des Vogtl., No. 22--25. Haupt, a. a. O., No. 90--93.)
Die kindlichen Naturmenschen konnten sich entfernte Erscheinungen, welche sie am Himmel oder im Luftkreise beobachteten, nur durch Vergleichung mit näheren bekannten erklären. So war ihnen der Blitz eine feurige Schlange, im Heulen des Sturmes hörten sie die Stimmen bekannter Tiere und die Wolken erschienen ihnen als Kühe oder Ziegen, welche statt der Milch Regen spendeten. Noch jetzt begegnen wir dieser Vorstellung in einem schwedischen Volksrätsel, dessen Lösung die Wolke ist: »Eine schwarzrandige Kuh ging über eine pfeilerlose Brücke, kein Mensch in diesem Lande die Kuh aufhalten kann.« (Manhardt, a. a. O., S. 89.) Jedoch sah man die Tiere der Erde im Himmel größer und gewaltiger wieder, und man fing an, diese himmlischen Wesen zu fürchten oder fühlte sich veranlaßt, ihnen für ihre Segensspenden zu danken. Als sich dann der Glaube an menschenähnliche, im Himmel wohnende Götter entwickelte, trat eine Verschmelzung derselben mit jenen himmlischen Tieren ein, indem man meinte, daß sich Götter selbst in solche Tiere verwandeln könnten, oder letztere ihnen als ihre Begleiter nahe standen. Später hefteten sich diese Überlieferungen an irdische Tiere und an Menschen, so daß z. B. aus dem die Blitzschlange bändigenden Sturmgotte Wuotan ein Mann wurde, welcher eine wunderbare Macht auf wirkliche Schlangen auszuüben imstande war. In dieser Weise haben wir die Sagen von +dämonischen Tieren+ aufzufassen. (Grohmann, Sagenbuch von Böhmen und Mähren, I. S. 216.)
Ein wendischer Aberglaube berichtet, daß jeder Kobold die Gestalt eines Kalbes annehmen könne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 88.) In unseren Sagen ist das gespenstische Kalb Anzeichen eines Krieges oder es springt des Nachts jemandem, der dann sterben muß, auf den Rücken und läßt sich forttragen. Zu Ypern wurde ein reicher Mann, der ein goldenes Kalb anbetete, nach seinem Tode verwünscht, die Gestalt eines Kalbes anzunehmen, das jedem, dem es begegnet, auf den Rücken springt. (Nork, Sitten und Gebräuche d. Deutschen, S. 281.)
Das bereits genannte Mittagsgespenst nimmt auch zuweilen Tiergestalt an; so erscheint es im Jura unter dem Namen »Stollnwurm« als Drache. Als +Bock+ sonnt es sich des Mittags am Charfreitage auf der Ruine Hagberg. In diesen Vorstellungskreis gehört vielleicht auch der Bock, welcher sich zuweilen des Mittags (aber auch des Nachts) um 12 Uhr am Bocksloche, einem alten Stollen in Oberschlema sehen läßt (s. Ortssagen.) Als +Lamm+ erscheint das Mittagsgespenst am Tobelhötzli in der Aargauer Gemeinde, und hierher gehören wohl auch unsere Sagen vom weißen Schafe, das Menschen erschreckt, und vom weißen Widder mit goldenen Hörnern.
Aus der Auffassung des Blitzes als +Schlange+ sind zahlreiche mythologische Vorstellungen hervorgegangen. Wie der Blitz die Gewitterwolke gleichsam spaltet, so daß dann die goldene Sonne wieder aufleuchtet, so sollen die himmlischen Schlangen einen kostbaren Edelstein verfertigen. Diese Vorstellung wurde später auf die irdischen Schlangen übertragen. (Mannhardt, a. a. O., S. 103.) Weit verbreitet sind die Sagen von dem Schlangenkönige, welcher auf seinem Kopfe eine goldene Krone trägt. Es drängt sich hier auch die Vermutung auf, daß die gelben Flecke hinter den Augen der Ringelnatter bei der Häutung zu dem Glauben von einer goldenen Krone Veranlassung gegeben haben. Wie der Schlangenkönig von Lübbenau in der Niederlausitz seine Krone auf ein feines weißes, großes Tuch niederlegte, so erzählt auch die erzgebirgische Sage gleiches von unserem Otternkönige oder unserer Schlangenkönigin. Karl Haupt (Sagenbuch d. Lausitz, No. 84.) bemerkt dabei, daß die weiße Farbe, welche das Tuch haben muß, auf die Repräsentanten der Finsternis einen zwingenden und siegreichen Zauber ausüben muß, so daß sie nun ihre Schätze opfern. Nach einem anderen Volksglauben aber, welchen Mannhardt (a. a. O., S. 103) anführt, legt der Schlangenkönig seine Krone auf ein +rotes+ Tuch nieder.
137. Die Zwerge des hohen Steins.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 133.)
Der hohe Stein zwischen Graslitz und Markneukirchen war der Aufenthalt der Zwerge, welche von hier aus die umliegenden Häuser besuchten, den Leuten bei ihren Arbeiten halfen und ihnen manche Wohlthat erwiesen. Als aber die Knödel in den Topf und die Brote in den Backofen gezählt wurden, verschwanden sie nach und nach aus der Gegend.
Beim Baue der Steiner Pfarrkirche zeichneten sich dieselben besonders aus. Dieselbe sollte nämlich am Fuße des Berges, auf dessen Abhange sie sich gegenwärtig erhebt, zu stehen kommen, und viel Material hatte man bereits dorthin gebracht. Allein die Zwerge trugen des Nachts zu wiederholten Malen das Baumaterial auf die Anhöhe, bis man sich endlich entschließen mußte, dort das Gotteshaus aufzurichten. Der Bau schritt ungemein rasch vorwärts. Was die Maurer und Werkleute am Tage begonnen hatten, wurde von dem arbeitsamen Zwergenvolke während der Nachtstunden zur vollsten Zufriedenheit des Baumeisters hergestellt, so daß in kurzer Zeit der eherne Mund der Glocken die Gläubigen zum Hause des Herrn rufen konnte. Zum Andenken setzte man drei in Stein gehauene Bilder von Zwergen außen an die südliche Wand der Kirche, wo sie heute noch zu sehen sind.
138. Die Zwerglöcher auf dem Schwarzberge.
(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 57.)
Häufig haben sich die Zwerge auf dem Pürsteiner Burberge, sowie auf dem Leskauer Schloßberge aufgehalten. Ihr Hauptsitz war jedoch auf dem Schwarzberge und viele Höhlen führten in die Tiefe des Berges zu den Versammlungssälen. Diese merkwürdigen Höhlen, glatt ausgemeißelt und schön gewölbt, sind noch gegenwärtig im Volksmunde unter dem Namen »die Zwerglöcher« allgemein bekannt, und eines dieser Zwerglöcher enthält in einer etwas geräumigeren Weitung einen Brunnen, dessen Wasser in der ganzen Gegend gerühmt wird. Der Ort, wo die meisten Zwerghöhlen münden, wird die »Lihtmerskirch« genannt, und man sagt, es sei vor geraumer Zeit eine Kirche dort gewesen.
Die Zwerglein, die ehemals in diesen Höhlen gewohnt haben, beschäftigten sich hier häufig mit Kuchenbacken. Auch haben sie daselbst einmal ein Menschenkind beherbergt und das ging so zu: Eine Frau aus dem nahen Dorfe Leskau hatte in diese wilde Waldgegend einst ihr Kind mitgenommen, sie entfernte sich ein wenig von demselben und konnte es zu ihrem Schrecken nicht wieder auffinden. Alles Rufen und Suchen war erfolglos und so mußte die verzweifelnde Mutter ohne ihr Kind heimkehren. Ein langer Zeitraum war vergangen, als die Frau wieder einmal und ganz zufällig in jenen Wald kam. Da trieb sie ein unerklärliches Gefühl an, in eine der Zwerghöhlen hineinzugehen, und wen erblickte sie darin? Zu ihrem freudigsten Erstaunen ihr totgeglaubtes Kind, frisch und gesund und recht groß geworden, und es aß ein Stück Kuchen; denselben hatte es von den guten Zwergen bekommen, die seine Pfleger und Behüter geworden waren, seit es damals von der Mutter weggekommen und aus Neugierde in die Zwerghöhle geschlüpft war.
Edw. Heger leitet das Wort »~Lithmer~« von ~lih~, der Leichnam, und ~mere~, die in der Unterwelt herrschenden, den Tod bezeichnenden Mächte ab, so daß es also eine Stätte bezeichnen soll, welche die den Unterweltsmächten Verfallenen aufnimmt. Konnte man nicht auch eine andere Ableitung, nämlich vom mhd. ~lîte~, der Abhang, die Halde, und ~maere~, berühmt, berüchtigt, versuchen, so daß dann der Name »Lihtmerskirche« eine Kirche bezeichnet, welche auf einem berüchtigten, d. h. durch die Zwerge berüchtigten Abhange steht?
139. Das Zwergloch im Scheibenberge.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 33. Winter in der Constit. Zeitung, 1854, No. 282.)
An der Morgenseite des Scheibenberges befindet sich eine unbedeutende Höhle, das Zwergloch genannt. Darinnen wohnten sonst viele Zwerge, deren König Oronomossan hieß. Sie waren nicht über zwei Schuh lang und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es schien ihr größtes Vergnügen zu sein, die Leute zu necken; sie thaten aber auch manchem viel Gutes und halfen vorzüglich frommen und armen Leuten. Einst, im Winter, ging ein armes Mädchen aus Schlettau in den am Fuße des Scheibenberges gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihr ein kleines Männchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupte, das war Oronomossan. Er grüßte das Mädchen und rief gar kläglich: »Ach, Du liebe Maid, nimm mich in Deinen Tragkorb! Ich bin so müd' und es schneit und ist so kalt und ich weiß keine Herberge! Drum nimm mich mit zu Dir in Dein Haus!« Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht, aber da er gar zu flehentlich bat, so setzte sie ihn in ihren Tragkorb und deckte ihre Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien möchte. Darauf nahm sie den Korb auf den Rücken und trat den Rückweg an. Aber das Männchen in dem Korbe war zentnerschwer und sie mußte alle Kräfte zusammennehmen, daß sie die Last nicht niederdrückte.
Als sie nach Hause gekommen, setzte sie den Tragkorb keuchend ab und wollte nach dem Männchen darin sehen und deckte die Schürze ab. Aber -- wer schildert ihr Staunen? -- das Männchen war fort und statt seiner lag in dem Tragkorbe ein großer Klumpen gediegenen Silbers!
Nach einer anderen Sage soll jenes Mädchen eines Schneiders Tochter aus Schlettau gewesen sein und um das Jahr 1535 gelebt haben. Sie sei auch nachher noch mehrmals bei dem Zwergkönige im Scheibenberge gewesen und habe für ihn, seine Frau und Kinder Kleider machen müssen. Dafür habe sie solche Geschenke erhalten, daß sie zu großem Vermögen gekommen sei und nachdem sie sich verheiratet, eine der reichsten Familien in Schlettau begründet habe. Nach dem dreißigjährigen Kriege aber seien ihre Nachkommen verarmt und zuletzt wieder so herabgekommen, wie zu der Zeit, wo sie den Zwergkönig zuerst gesehen hatte.
Das Geschlecht der Zwerge hat seine Wohnungen in den Bergen. Zwerglöcher kennt man wohl überall in Deutschland. In Schlesien ist eins auf dem Prudelberge bei Stonsdorf, in der Lausitz giebt es welche auf dem Dittersberge bei Schönau auf dem Eigen und am Fuße des Breitenberges bei Zittau (Haupt, Sagenbuch etc. I. No. 24.), in Böhmen bei Warnsdorf und im Kammerbühl bei Franzensbad (Grohmann, Sagenbuch etc. S. 180.), im Vogtlande bei Stublach und bei der Milbitzer Ziegelei (Eisel, Sagenbuch d. Vogtl. No. 26.), im Mansfeldischen am Kammerbache bei Freiersdorf und in der Steinklippe zwischen Hermerode und Wippra (Größler, Sagen der Grafsch. Mannsfeld, No. 153 und 155.), und so erzählt die Sage noch von vielen anderen Orten, an denen die Zwerge die Zugänge zu ihrem unterirdischen Reiche hatten.
140. Zwerge am Pöhlberge bei Annaberg.
(Richter, Umständliche aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragene Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746, S. 4.)
Die Sage erzählt, es hätten in der Gegend bei dem Pöhlberge, ehe die Stadt Annaberg erbauet gewesen, kleine Leutlein, einer Ellen lang, gewohnet.
141. Die Zwerge in Schmiedeberg.
(Heger und Lienert, Ortskunde d. Dorfes Schmiedeberg i. B. S. 60.)
In Schmiedeberg wohnten lange Zeit Zwerge. Dieselben erreichten nur die Größe eines zwei- bis dreijährigen Kindes und trugen einen spitzen Hut, rot wie ihre Haare, außerdem gefeite Stiefel. Sie hielten sich in Ställen, Scheuern, Kellern und Stuben auf, waren nicht menschenscheu, kamen im Gegenteil oft freiwillig unter dem Herde hervor und boten ihre Dienste an. Nachts um die zwölfte Stunde kamen alle zusammen, gingen dabei durch verschlossene Thüren und begannen nun emsig das aufzuarbeiten und zu vollenden, was die Menschen verabsäumten oder unvollendet ließen. Im Nu war ihre Arbeit zierlich und fein gethan, dann ging es an's Tanzen. Punkt ein Uhr verschwanden sie wieder. Neckereien konnten sie nicht vertragen; sie zogen dann fort. Man vertrieb sie übrigens auch, wenn man Lauch in die Milch that und ihnen diese vorsetzte.
Von den Bewohnern Schmiedebergs wurden diese Zwerge nur »Holzweibchen« genannt. Seit jeher hatten sie im Hause No. 172 ihren ständigen Aufenthalt und brachten durch nächtlichen Fleiß Glück und Segen in die Wirtschaft. Endlich aber schien es ihnen hier nicht mehr zu gefallen, denn sie sagten: »Hier ist nimmer gut wohnen, sie (die Hausfrau) zählt die Knödeln im Topf und im Backofen das Brot.« So zogen denn die Zwerge fort, weit fort, über die Eger bei Aubach, wo sie den Fährmann, um ihn zu entlohnen, gefragt haben sollen, was ihm lieber wäre -- ein roter Heller oder ein Sturmhut voll Goldstücke. Der Fährmann wählte natürlich das letztere. Die Leutchen sagten ihm, er habe schlecht gewählt und werde schließlich noch weniger besitzen als einen roten Heller. Das traf auch ein, der Fährmann verarmte in kürzester Zeit gänzlich.
142. Die Zwerge backen Kuchen.
(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 58.)
Von den Bergen aus besuchten die Zwerge häufig die benachbarten Ansiedelungen der Menschen, um deren Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen, und man gab ihnen auch gern etwas von Lebensmitteln ab. Sie suchten aber nicht nur Gastfreundschaft, sondern gewährten auch solche; ward jedoch ihre Gabe verschmäht, so gerieten sie leicht in Zorn, ja rächten sich an dem Unwürdigen, was ihnen nicht schwer fiel, da sie mit geheimen Kräften begabt waren.
Als einst ein alter Bauer aus Redenitz und dessen Knecht an der Berglehne zwischen Leskau und Spinnelsdorf ihre Ackerfurchen zogen, vernahmen sie plötzlich ein sonderbares Gespräch in der Nähe, ohne daß die Sprechenden zu sehen waren. »Bringt erst die Weißen, dann die Schwarzen!« »Nein, erst die Schwarzen, dann die Weißen!« so rief es rätselhaft durcheinander.
Als die beiden Lauscher aber einen äußerst angenehmen Geruch nach frischem Kuchen verspürten, da wußten sie auf einmal, was alles zu bedeuten habe, und der Knecht sagte: »Das sind ja die Zwerglein, die in ihren nahen Wohnungen eben Kuchen backen, schwarze und weiße (d. h. von geringerem und feinerem Mehle); sehen kann man freilich nichts, denn sie haben sich unsichtbar gemacht.«
»Ja«, -- meinte der Bauer -- »aber diese Kuchen riechen auch gar zu gut; wer doch einen davon hätte!«
»Nun, da werde ich halt einen bestellen«, sprach der Knecht im Spaße und rief dann, so laut er konnte: »He, backt uns doch auch einen Kuchen mit, aber einen recht guten!«
Als die Ackerleute nach dem Mittagessen ihre Arbeit wieder beginnen wollten, da fand jeder von beiden auf seiner Pflugschar einen wunderschönen, duftenden Kuchen liegen. Der Bauer biß herzhaft in den Kuchen und ließ sich ihn ausgezeichnet schmecken, der Knecht aber mißtraute der geheimnisvollen Gabe und verschmähte sie. Klatsch! -- da hatte der Undankbare auch schon von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige erhalten, an die er sich noch lange nachher schmerzlich erinnerte.
143. Die Heilingszwerge.
(Nach Grimm in der Erzgebirgszeitung, 2. Jahrg., S. 6.)
An der Eger, zwischen dem Hofe Wildenau und dem Schlosse Aich, ragen große Felsen empor, die man von Alters her die Heilingsfelsen nennt. Am Fuße derselben erblickt man eine Höhle, inwendig gewölbt, auswendig aber nur durch eine kleine Öffnung erkennbar, in die man, den Leib gebückt, kriechen muß.
Diese Höhle wurde von kleinen Zwerglein bewohnt, über die zuletzt ein unbekannter alter Mann, namens Heiling, als Fürst geherrscht haben soll. Einmal vor Zeiten ging ein Weib, aus dem Dorfe Daschwitz gebürtig, am Vorabende von Peter Pauli in den Forst und wollte Beeren suchen; es wurde Nacht, und sie sah neben diesem Felsen ein schönes Haus stehen. Sie trat hinein, und als sie die Thüre öffnete, saß ein alter Mann am Tische, der schrieb emsig und eifrig. Die Frau bat um Herberge und wurde willig angenommen. Außer dem alten Manne war aber kein lebendes Wesen im ganzen Gemach, allein es rumorte heftig in allen Ecken; der Frau ward greulich und schauerlich und sie fragte den Alten: »Wo bin ich denn eigentlich?« Der Alte versetzte, daß er Heiling heiße, bald aber auch abreisen werde, »denn zwei Drittel meiner Zwerge sind schon fort und entflohen.« Diese sonderbare Antwort machte das Weib noch unruhiger, und sie wollte mehr fragen, allein er gebot ihr Stillschweigen und sagte nebenbei: »Wäret Ihr nicht gerade in dieser merkwürdigen Stunde gekommen, solltet Ihr nimmer Herberge gefunden haben.« Die furchtsame Frau kroch demütig in einen Winkel und schlief sanft ein. Als sie am Morgen mitten unter den Felssteinen erwachte, glaubte sie geträumt zu haben; denn nirgends war ein Gebäude zu sehen. Froh und zufrieden, daß ihr in der gefährlichen Gegend kein Leid widerfahren sei, eilte sie nach ihrem Dorfe zurück; es war alles so verändert und seltsam. Im Dorfe waren die Häuser neu und anders aufgebaut, die Leute, die ihr begegneten, kannte sie nicht und sie wurde auch nicht von ihnen erkannt. Mit Mühe fand sie endlich die Hütte, wo sie sonst wohnte, und auch die war besser gebaut; nur dieselbe Eiche beschattete sie noch, welche einst ihr Großvater dahin gepflanzt hatte. Aber wie sie in die Stube treten wollte, ward sie von den unbekannten Bewohnern als eine Fremde vor die Thür gewiesen. Sie lief weinend und klagend im Dorfe umher. Die Leute hielten sie für wahnwitzig und führten sie vor die Obrigkeit, wo sie verhört und ihre Sache untersucht wurde. Siehe da, es fand sich in den Gedenk- und Kirchenbüchern, daß gerade vor hundert Jahren an eben diesem Tage eine Frau ihres Namens, welche nach dem Forst in die Beeren gegangen, nicht wieder heimgekehrt sei und auch nicht mehr zu finden gewesen war. Es war also deutlich erwiesen, daß sie volle hundert Jahre im Felsen geschlafen hatte und die Zeit über nicht älter geworden war. Sie verlebte nun ihre übrigen Jahre ruhig und sorgenlos und wurde von der ganzen Gemeinde anständig gepflegt, zum Lohne für die Zauberei, die sie hatte erdulden müssen.
144. Der Zwergtanz im Kupferhügel.
(Friedr. Bernau in der Comotovia, 1877, S. 77.)
Drei Bergleute fuhren einst an, um die Erze aus dem tiefsten Schachte zu holen. Um jene Zeit waren noch reichhaltige Gruben im Kupferhügel, vorzüglich auf Kupfer und Eisen, wie es noch die vielen Schachte und unterirdischen Gänge in demselben beweisen. Fleißig und frohgemut arbeiteten nun die Bergleute in den Felsen hinein, um ihn zu zerkleinern und die Erze daraus zu gewinnen. Noch waren sie nicht mit einer Schicht fertig, als sie plötzlich durch eine liebliche Musik, die aus dem Innern des Berges zu kommen schien, überrascht wurden. Alle gerieten in Spannung und Freude. »Wahrhaftig«, sagten sie zu einander, »eine so schöne Musik haben wir noch nie gehört, selbst am Prokopitage nicht, wenn wir Schritt für Schritt, angethan mit unserer festlichen Bergkleidung, die Hacke und die brennende Lampe in der Hand, hinter unserer Bergmusik zur Kirche ziehen!« Um den Berggeist, wie sie glaubten, in seiner Unterhaltung nicht zu stören, schickten sich die Bergleute schon an, an den Tag zu fahren, als sie von der Seite her, von welcher die Musik kam, eine Menge kleiner Männchen, kaum größer als eine Menschenhand, auf sich zukommen sahen, die mit den verschiedenartigsten Musikinstrumenten versehen waren. Hinterdrein zog ein munterer Schwarm von Zwergen, die unter fröhlichem Hüpfen endlich in einem großen Felsengewölbe Platz nahmen. Bald kamen auch einige Zwerge näher zu den Bergleuten, grüßten sie freundlich mit dem Bergmannsgruße »Glückauf!« und sagten: »Ruhet aus und seid fröhlich mit uns; was Ihr versäumt, das wollen wir Euch nach dem Tanze nachholen.« Flink legten die Bergleute ihre Werkzeuge bei Seite, denn sie waren schon müde von der anstrengenden Arbeit, und folgten gerne der zutraulichen Einladung. Alles freute sich und war guter Dinge. Die Zwerge tanzten, und die Bergleute schauten ihnen vergnügt zu, so daß oft der Berg sich mit den beglückten Bergleuten zu drehen schien. Endlich erhob sich eines der kleinen Männchen, gab ein Zeichen mit der Hand und alles stellte sich in einem enggeschlossenen Kreise auf, in den auch die Bergleute eintreten mußten. Die Musiker befanden sich in der Mitte und es schien, als ob sie erst jetzt recht ergreifend spielen wollten, wohlgeordnet und langsam setzte sich der Kreis, dem ein Vortänzer voranging, in Bewegung; die Bewegung wurde unter dem seltsamen Hüpfen, Springen und Laufen immer schneller. Bald standen die Zwerge stille, schienen sich zu bedenken, dann fingen sie plötzlich wieder an, mit Händen und Füßen zu zappeln, dabei sprangen sie in die Höhe, der eine über den andern, bis alle in größter Unordnung waren. Die drei Gäste konnten sich des lauten Lachens nicht erwehren, was die Zwerge in ihrer Lust auch ungestraft ließen. Endlich setzten sich alle wieder auf ihre Plätze, nur ein altes, ganz graues Männlein trat zu den Bergleuten, strich mit seiner flachen Hand über deren Augen, die also bald erblindet zu sein schienen; dann nahm es die Bergleute bei der Hand und führte sie eine ziemliche Strecke aufwärts, bis sie in eine Kammer gelangten, wo sie rasch wieder sehend wurden. Hier ergriff sie nun das höchste Staunen, denn das ganze Gewölbe war mit goldenen Platten belegt; Gold- und Silberstangen lagen da aufgeschlichtet, wie daheim die Späne in der Küche; die Tische beugten sich unter der Last von Edelsteinen, die ein blendendes Licht verbreiteten. Die Bergleute standen da wie versteinert. Endlich nach langem Schweigen sprach der Alte zu ihnen: »Nehmet Euch nun, was Euch nützlich ist; Ihr sollt damit so lange glücklich sein, als Ihr dabei fleißig und sparsam bleibt; thut Ihr das nicht, so werdet Ihr trotz des Reichtums noch elend sterben müssen.« Ein jeder nahm nun so viel, als er in beide Hände bringen konnte, und bald befanden sie sich wieder unter den kleinen Männchen, die während der Zeit, als die Bergleute in der Goldkammer waren, für sie gearbeitet hatten. Mächtige Kupferadern waren aufgeschlossen und große Haufen Erze herausgearbeitet. Als die Bergleute den Zwergen danken wollten, war alles verschwunden; nur aus der Ferne hörte man noch die bezaubernde Musik. Bald begaben sich auch die Bergleute, da es doch schon Nacht sein mußte, auf die Fahrt, um heimzukehren; um so größer aber war ihr Erstaunen, als sie die Sonne im Osten aufgehen sahen und von den Leuten erfuhren, daß schon der fünfte Tag verflossen war, seitdem sie in die Grube gestiegen. Dennoch glaubte ein jeder von ihnen nur geträumt zu haben; allein die großen Goldstücke in ihren Händen überzeugten sie eines anderen. Ein jeder von ihnen kaufte sich ein Häuschen und lebte glücklich mit seiner Familie. Nur einer wurde stolz und glaubte nicht mehr arbeiten zu sollen, wofür ihn, wie der Zwerg gedroht hatte, das Los bitterster Armut traf; die beiden andern arbeiteten fleißig wie früher und erinnerten sich in ihrem Glück oft an den alten grauen Zwerg, den Begründer ihres Wohlstandes. Noch heute zeigt man im Kupferhügel Spuren jenes Gewölbes und heißt dieselben seit dieser Begebenheit »die Zwergkammer.«
Die Zwerge sind elbische Wesen, welche für sich ein eigenes Reich bilden und durch Zufall oder Drang der Umstände bewogen, mit den Menschen, denen sie helfen oder schaden können, verkehren; sie sind jedoch meist wohlthätig und hilfreich. Die Liebe zur Musik verknüpft sie mit höheren Wesen, besonders mit Halbgöttinnen und Göttinnen. Ja eine Stelle in einem mittelhochdeutschen Gedichte: »~da sassen fideler und videlten all den albleich~«, spricht ihnen die Erfindung einer eigenen Weise zu. Neben der Musik liebten die Zwerge besonders den Tanz. Elbe tanzten des Nachts im Mondschein, und aus der Erscheinung tanzender Berggeister prophezeite man ein gesegnetes Jahr. (Grimm, Deutsche Myth., S. 264.) Auch die Ludki, die Zwerge der wendischen Sage, waren Spielleute und besuchten als solche und manchmal auch als Tänzer die Feste der Menschen, wobei sie Geschenke mitbrachten. (Haupt, Sagenbuch etc. I., No. 43.)
145. Das graue Männlein bei Joachimsthal.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 40.)
Nahe bei Joachimsthal führt der sogenannte »Apostelsteig« nach der »Prokops-Kapelle.« Ein greiser Mann aus dem Gewerbestande erzählte: Mein Vater hat als vierzehnjähriger Junge im Frühjahre bei Abenddämmerung ein graues Männlein, nicht länger als sein eigener Bart, plötzlich sich breit vor ihn hinstellen gesehen. Kein Gebet, aber auch kein Fluch hat das wie im Boden wurzelnde graue Männlein verscheucht. Vor Verwirrung griff der Vater zuerst nach der Tabaksdose, dann räusperte er sich, betete und weinte, endlich ist ihm bei allem Entsetzen das Evangelium Johannes in den Sinn gefahren, und als er sprach: »Das Wort ist Fleisch geworden«, ist das Männlein verblitzt.
Das graue Männchen als zwerghaftes Wesen ist der Berggeist; die graue Farbe ist Erdfarbe.
146. Das graue Männel bei Blauenthal.
(Mündlich.)
Wenn man auf der Straße von Burkhardsgrün nach Blauenthal geht, so hat man, ehe die Muldenbrücke erreicht wird, zur linken Hand einen Waldbezirk, welcher das »graue Männel« heißt. Dieser Name soll von folgender Begebenheit herrühren. Einst herrschte in Blauenthal und Umgegend die Pest. Da waren Holzhauer in dem genannten Walde, die unterhielten sich beim Vesperbrot und klagten über das viele Sterben. Auf einmal stand ein graues Männel vor ihnen das ihnen vorher unbemerkt zugehört hatte; dasselbe sagte:
»Trinkt Bärenwurz und Baldrian, So kommt ihr alle gut davon!«
In Nordböhmen soll zur Zeit einer großen Pest ein Engel gerufen haben:
»Eßt Bibernell und Baldrian, So geht euch die Pest nicht an.«
(Grohmann, Aberglauben etc., S. 92.)
Während einer Pest in Hinterpommern kam eine Taube vom Himmel und rief:
»Ist die Krankheit noch so schnell, So braucht geschwind nur Bibernell.«
(Die Natur von Ule und Müller, 1866, No. 2.) Dieselbe Sage findet sich auch im Spessart. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 305.)
Als nach dem 30jährigen Kriege die Pest im Vogtlande und Erzgebirge furchtbar wütete, kam von Norden her ein weißer Rabe geflogen, welcher rief:
»Freßt nur recht Rapuntika, Sinsten kimmt kä Mensch derva.«
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 628.)
147. Das graue Männchen und die Seuche in Bernsdorf.
(Mündlich. Köhler, Volksbrauch etc., S. 497.)
In Bernsdorf bei Werdau war eine Seuche, an der viel Menschen starben. Des Abends pochte es an die Hausthüre, und so vielmal es gepocht hatte, so viel Menschen starben am andern Morgen in dem Hause. Es war aber ein graues Männchen, das von Haus zu Haus ging und klopfte. Dasselbe Männchen kam auch zu einem Manne und dessen Frau und sagte: »Eure Nachbarn werden alle sterben und Ihr sollt die Totengräber machen.« Am anderen Tage waren die Nachbarn tot und der Mann mußte sie mit Hilfe seiner Frau begraben. Da sich aber beide darüber entsetzten und sich vor dem Tode fürchteten, kam das Männchen wieder und sprach:
»Trinkt Baldrian, So kommt ihr alle davon.«
In einer Lausitzer Sage wird Baldrian von einem Vogel als Mittel gegen die Pest empfohlen. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 337.)
148. Der graue Zwerg am weißen Stein bei Alberode.
(Mitgeteilt von J. G. Müller, Kirchner und Lehrer in Lößnitz.)
Bei dem sogenannten weißen Stein, einem einzelnstehenden Felskegel zwischen der Mulde und Alberode, sitzt zuweilen ein graues Männchen. Wenn der rechte Mann kommt und zur rechten Stunde und sagt das richtige Sprüchelchen, der sieht den Zwerg, und dieser zeigt ihm große Schätze, ganze Backschüsseln voll Gold.
149. Das freundliche Verhältnis zwischen Zwergen und Menschen wird gestört.
(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 59.)
Das Verhältnis zwischen den Zwerglein und Menschen blieb nicht immer ein freundliches. Es kam dahin, daß die kleinen Leute, wenn sie bittend vorsprachen, häufig von der Thür gewiesen, ja daß sie sogar verfolgt und an Freiheit und Leben bedroht wurden.
Einst war ein Zwergweiblein nach Langenau gekommen, man ließ es aber nicht mehr fort und einige Unbarmherzige sperrten es sogar ein. Es bat und flehte inständig um seine Freiheit, denn es habe ein ganz kleines Kindchen zu Hause und müsse es warten und pflegen; aber sein Bitten war umsonst.
So saß es über Nacht gefangen und man hörte es in einem fort jammern und klagen: »Mein Spinnerl spinnt nit, mei Waferl waft nit, mein jüngstes Bübel greint Tag und Nacht!«
Als man am Morgen öffnete, war das Weiblein tot.
Aber diese Unthat ward gerächt. Aus dem Hause, wo sie geschehen, floh das Glück und der Segen für immer; die Besitzer gingen zugrunde, sie mochten arbeiten und sich mühen, wie sie wollten.
150. Wodurch die Zwerge aus dem Obererzgebirge vertrieben wurden.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 185 und 190.)
Der gemeine Mann trägt sich mit der Sage, daß vor alten Zeiten, ehe das Obererzgebirge angebaut worden, auf dem Waldgebirge und in dessen Felslöchern Zwerge gewohnt hätten, welche aber durch Aufrichtung der Pochwerke, Eisenhämmer und des »Klippelwerks« sollten sein verjagt worden. Sie wollten aber wiederkommen, wenn die Hämmer würden abgehen.
S. auch die Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte. -- Das »Klippelwerk« ist ein Pochwerk, in welchem die Erze durch niederfallende Stampfen (Klippel) zerstoßen werden. Später verstand man unter Klippelwerk eine Bauart ärmlicher Häuser, nach welcher Holzscheite zum Aussetzen der Zwischenräume im Säulenwerke oder auch in Verbindung mit Lehm und Stroh zur Herstellung der Feueressen verwandt wurden. (Joh. Poeschel, Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie. 1883, S. 124, Anmerkung.)
Ich finde bei Meltzer (Beschreibung der löbl. Bergkstadt Schneebergk, 1684, S. 471.) noch eine dritte Erklärung des Wortes. Darnach wäre darunter das Spitzenklöppeln zu verstehen, und bei dieser Erklärung würde die Tautologie »Pochwerk und Klippelwerk« wegfallen.
151. Spuk der Berggeister und Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein bei Zöblitz.
(Wg. im Glückauf, 2. Jahrg., No. 5.)
Die Burg Oberlauterstein ist im Hussitenkriege geschleift worden. In den noch längere Zeit gebliebenen Überresten wohnten Berggeister und Zwerge, welche sich nicht miteinander vertrugen, sich stets zankten und des Nachts einen furchtbaren Lärm verursachten, so daß die Wanderer oft auf den Gedanken kamen, es donnere daselbst. Da kam einst aus dem Baierlande ein Geisterbanner, ein Feilenhauer von Profession, in diese Gegend. Es war ein langer, hagerer Mann mit zerlumpten Kleidern, als Geisterbanner gesucht hier und da, gefürchtet aber von jung und alt. Der Amtmann im Schlosse Niederlauterstein bat ihn, die Geister in der Ruine Oberlauterstein zu bannen, denn sie ließen auch ihn nicht ungeneckt. Der Feilenhauer versprach alles und hielt auch Wort. In einer finsteren Nacht nahm er seine Beschwörungen vor, pfiff dreimal ganz laut, und die unruhigen Geister krochen allzumal in den vorgehaltenen Ranzensack. Diese Geister trug der Mann in der folgenden Nacht im Ranzen, wie eine Partie junger Katzen, in die entferntere Ruine des Raubschlosses am Katzenstein, wo sie sich nun unter dunklen Fichten die Zeit mit Würfel- und Kartenspiel vertrieben. Als jedoch die Ruinen des Raubschlosses immer mehr zusammenbrachen, hatten die gebannten Geister nicht alle mehr Platz und zogen aus. Nicht selten zeigen sie sich jetzt noch in der Nähe des alten Oberlauterstein in feuriger Gestalt. Die Frauen dieser Geister heißen Klageweibel. Sie zeigen den nahen Tod der Bewohner an und haben ihren Sitz auf den sumpfigen Wiesen von Ansprung. Zuweilen erscheinen sie auch in Zöblitz in Gestalt kleiner Kinder, bittere Thränen vergießend.
152. Berggeister in den Schneeberger Gruben.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1019.)
Außer höchster Not wegen der bösen aufsteigenden Wetter und Schwaden, welche die zwei edelsten Glieder des menschlichen Leibes, das Gehirn und Herz ergreifen, sind die Bergleute auch nicht in geringerer Gefahr wegen der Bergteufel, Mönche und Berggespenster, die in der Finsternis herrschen und in den Strecken herumfahren wie brüllende Löwen, und suchen, wie sie Bergleute, wo dieselben nicht mit Gebet und Glauben widerstehen möchten, verschlingen. Und ob auch wohl die Bergmännlein einfältige Bergleute nicht so furchtsam machen, sondern doch wohl ein Zeichen eines guten künftigen Anbruchs, wo sie gesehen werden, sein sollen, so ist doch ein Teufel so arg wie der andere, und welcher am freundlichsten sich stellet, der ist wohl am schädlichsten und verursacht durch Gottes Verhängnis Fälle und Brüche. Es ist bekannt, wie einst dergleichen Bergteufel in Gestalt eines Mönchs einen Arbeiter in dem alten reichen St. Georg ergriffen und nicht ohne Beschädigung seines Leibes in der großen Weite in die Höhe geworfen.
Im Jahre 1538 ist ein Bergmann in der Höflichen Besserung Fundgrube, vom Ungeheuer erwürget worden, weshalb Kurfürst Johann Friedrich darüber in einem besonderen Befehle umständlichen Bericht verlangte.
Am 26. März des Jahres 1683 ging die Levitenzeche mit 3 Schächten in Haufen, daß man nichts von der Kaue sahe. Kurz zuvor aber war ein dicker Mann, mit Silber und Gold geschmückt, aus dem Kämmerlein heraus in die Kaue zu einem Bergmanne, Israel Ficker, welcher daselbst Schachtholz zurichtete, gekommen, und hatte ihn mit diesen Worten gefragt: »Kennst Du mich nicht?« Und da der Bergmann geantwortet: »Herr, wie soll ich Euch kennen, Ihr werdet wohl einer vom Herzog aus Holstein (der diese Zeche bauete) sein!« Da hat er ihn heißen anfahren, und, weil er es nicht thun wollte, dergestalt getäuscht, daß er darüber des Todes war und am 30sten desselben Monats begraben wurde.
153. Der Berggeist in der Grube »Sieben-Schlehen« bei Neustädtel.
(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
Es war eines Jahres am 24. December, als ein Bergmann in der Grube »Sieben-Schlehen«, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, getrosten Mutes einfuhr. Rüstig ging er an seine Arbeit. Da gegen Mitternacht ließen sich in der Ferne Schritte vernehmen, und der Bergmann glaubte, einer seiner Gesellen komme, um ihn abzulösen. Doch als das »Sappen« näher kam, erblickte er einen Mann, der trug an der Brust eine goldig funkelnde Blende mit einer Kerze darin; seine Kleidung war dunkel bis auf die weißen Strümpfe; an den Füßen hatte er glänzend schwarze Schuhe und der Kopf war mit einem Hute, ähnlich den Napoleonshüten, bedeckt. Sein Gesicht konnte jedoch der Bergmann vor Glanz nicht sehen; nur das eine sah er, daß ein silberweißer Bart bis auf die Brust hernieder hing. Die Erscheinung blieb vor ihm stehen und sagte nichts, leuchtete ihn aber an und kehrte auf demselben Wege wieder zurück. Als der Bergmann am anderen Morgen von seinem Begegnis erzählte, sagten ihm seine Gesellen, das sei der Berggeist gewesen.
In demselben Schachte arbeitete am nächsten Charfreitage ein anderer Bergmann. Derselbe hörte in seiner Nähe ein unaufhörliches Sägen und Hämmern, wiewohl er wußte, daß keine Zimmerlinge da waren. Er zeigte dies beim Ausfahren dem Steiger an, welcher sogleich einfuhr und die Töne ebenfalls hörte. Darauf ließ derselbe den Ort mit Bretern verschlagen. Nach wenigen Tagen aber war er tot.
154. Der Berggeist am Donat zu Freiberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Anhang, No. 7.)
Auf dem Donat Spath im Bereiche der Elisabeth-Fundgrube zu Freiberg sieht man in der Nähe eines alten Schachtes den Namen »Hans« in Stein gehauen, wahrscheinlich zum Andenken eines Verunglückten. Das Bergvolk aber erzählt davon folgende Sage:
Vor Zeiten arbeitete auf dem Donat auch ein Bergknecht Hans, welcher so arm war, daß er manchmal hätte verzweifeln mögen. Er weinte oft stundenlang in der Grube und eines Tages, als er sich keinen Rat mehr wußte, brach er in laute Klagen aus. Da zerteilte sich der Felsen und aus dem steinernen Thore trat ein kleines Männchen hervor. Das war der Berggeist, der sagte: »Armer Hans, ich will Dir helfen, aber Du mußt mir jede Schicht dafür ein Pfennigbrot und ein Pfenniglicht geben und ewiges Schweigen geloben!« Hans, welcher sich bald von seinem Schrecken erholt hatte, versprach alles mit Freuden. Darauf verschwand der Berggeist wieder und ließ ihm des Silbers in Menge zurück. Nun war Hans ein gemachter Mann, der schon ein paar Groschen aufgehen lassen konnte. Niemand konnte begreifen, woher er das Geld habe, und er nahm sich wohl in acht, davon zu plaudern. Aber da kam das Stollnbier, wo das Bergvolk sich der Freude hinzugeben pflegt. Hans war diesmal vorzüglich auf dem Zeuge und sprach dem Glase wacker zu. Bald war er berauscht und konnte in der Lust des Herzens das Geheimnis nicht länger verschweigen. Als aber am andern Tage sein Taumel verflogen war und die Freunde ihm erzählten, was er geplaudert habe, da erschrak er und fuhr mit Zittern und Zagen an. Sein Geschäft war, den Knechten, welche am Haspel standen, das Zeichen zu geben. Diese warteten lange vergeblich, er gab kein Zeichen, sie riefen ihn, er antwortete nicht. Da plötzlich zuckte es rasch am Seile und ein helles Licht erglänzte in der Teufe. Die Haspelknechte wußten nicht, was das zu bedeuten habe, drehten aber den Rundbaum mit Eile banger Erwartung, und bald war der Kübel zu Tage gefördert. Rings um den Rand desselben brannten Pfenniglichte, und drinnen lag der arme Hans tot, mit blauem Antlitz, wie ein Erdrosselter, und auf ihm das letzte Pfennigbrot. Der grausame Berggeist hatte ihn umgebracht.
155. Der Berggeist bestraft einen Kunstwärter.
(Mitgeteilt vom Lehrer E. Schlegel aus Zschorlau.)
Nahe bei »Sieben-Schlehen« befand sich ein Schacht, in welchem folgendes geschah: Als der Kunstwärter daselbst das Kunstzeug einölte und dabei an den Hauptzapfen kam, ließ sich ein Gesicht an der Wand sehen, welches sprach: »Diesen Zapfen schmiere ich.« Der Kunstwärter gehorchte und ließ von da an diesen Zapfen unberührt, bis er doch einmal das Gebot übertrat. Kaum hatte er den Hauptzapfen eingeölt, so geriet er mit dem rechten Arme in das Kunstzeug, welches ihm den Arm abriß. Doch empfand er dabei nicht den geringsten Schmerz und die Wunde blutete auch nicht. Als er den weggerissenen Arm aufhob, erblickte er das Gesicht an der Wand wieder; dasselbe sah ihn höhnisch an, ohne etwas zu sprechen.
156. Der Berggeist erscheint als grauer Mann einem Bergmanne in Neu-Geising.
(Meißner, Umständliche Nachricht von der Bergstadt Altenberg, 1747, S. 239.)
Gottfried Behr, welcher im Zwitterstock zu Altenberg arbeitete und einen Brennofen beschickte, erzählte folgendes: Es sei am 31. August 1713, als er in seinem Hause zu Neu-Geising früh vor 3 Uhr habe aufstehen wollen, ein Mann, grau von Haaren und Bart, in einer vollkommen menschlichen Gestalt, in einer langen grauen Kutte vor sein Bett getreten und hätte gesagt: »Warte immer noch ein Bißchen!« Und als Behr geantwortet: »Ich muß anfahren«, hätte dieser weiter gesagt: »Du sollst noch eher droben sein, als der, so mein Volk zählen läßt. Warte noch ein Bißchen, ich will Dir was sagen. Ich will mit Dir ins Zechenhaus gehen und Dir was weisen, wie ich mein Volk will wegnehmen. Du hast unterschiedliche Warnungen gethan und dabei haben Dich viele verunglimpfet; dieselben haben ihr Teil schon gekriegt. Und wenn sie Dich itzo werden wieder so verunglimpfen, wenn Du es sagen wirst, so soll es denen wieder so gehen, wie den ersten. Und Du sollst eher droben im Zechenhause sein, wie der Geschworene, das merke Dir zum Wahrzeichen gewiß!« Darauf wäre der Mann verschwunden und er hätte nicht gesehen wohin. Hierauf sei er aus dem Bette aufgestanden, hätte sich angezogen, und wie er seinen ordentlichen Weg den Mühlberg hinan ins Zechenhaus gegangen, habe er daselbst den alten grauen Mann innen an der Thür stehend wieder angetroffen und gesehen, daß er vom Ofentopfe an einen Strich mit dem rechten Arme über die Bergleute nach dem Fenster zu gethan, und ihn an der linken Seite berührt, daß er solches die ganze Woche lang sehr gefühlet und manche Thräne darüber vergossen. Nach diesem hätte er wahrgenommen, daß die Leute alle weggewesen, bis auf zehn Personen, so an dem Ofen traurig gesessen. Der graue Mann aber hätte dazu gesagt: »Da haben sie die Zwölf, die mögen sie auszählen.« Darauf sei er wieder verschwunden, und habe er, nämlich Behr, die Leute, welche fortgewesen, mitten unterm Gebete wieder um sich gesehen; es sei auch gleich der Herr Geschworene hineingekommen und habe sich sofort am Tische an seinen Ort gesetzt und mit den Burschen sein Gebet gethan; weiter aber habe er damals weder im Zechenhause, noch in der Grube, oder sonst etwas mehr gemerket. Freitags hernach, den 8. September, habe sich ferner begeben, daß, als er zu seiner Zeit aufgestanden und ins Zechenhaus sich begeben, auch in die Stube hineingetreten, dieser alte graue Mann in voriger Gestalt und Tracht beim vorderen Fenster am Tisch auf seinem Orte gesessen. Nachdem er nun näher gegangen, den Tisch mit der Hand ergriffen und sich setzen wollen, sei derselbe aufgestanden und gleich wieder vor seinen Augen weggekommen, worauf er sich gesetzet und mit den Bergleuten gebetet. Am 11. September, früh 5 Uhr, erschien der graue Mann dem Gottfried Behr wieder vor dem Bette und sagte, er solle mit ihm wohin gehen, da würde eine Hochzeit sein, es wären schon drei Tafeln gesetzt. Nachdem aber seine Frau dazu gekommen und ihn gerufen, wäre der graue Mann wieder verschwunden.
157. Vom Berggeist in Schneeberg.
(Nach einer mündlichen Mitteilung.)
In der St. Georgenzeche zu Schneeberg ist früher einem Knappen ein Berggeist erschienen und hat ihn so gewaltig auf einen Stein gesetzt, daß er wie angemauert sitzen bleiben mußte. Ebenso erging es einem Steiger, welcher die Bergleute sehr streng behandelte. Später erschien der Berggeist wieder und schlug mit der Faust gewaltig an die Felswand. Die Bergleute, welche daselbst arbeiteten, sahen darauf eine Höhlung, in welcher viel Silber lag. Hätten sie sogleich eine Hacke oder ein anderes Gerät in die Höhle geworfen, so würden sie den Schatz gewonnen haben. So aber unterließen sie es aus Unkenntnis und der Schatz verschwand; auch der Berggeist ließ sich von dieser Zeit an nicht wieder sehen.
158. Der Berggeist erscheint als schwarzer Mönch.
(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen, 1883, S. 29.)
In der St. Georgsgrube zu Schneeberg erschien der Berggeist in Gestalt eines schwarzen Mönches, ergriff einen Bergknappen, der sich in der Teufe ungebührlich aufgeführt, hob ihn auf, und setzte ihn auf einer ehedem silberreichen Grube nieder, so hart, daß ihm das Hinterleder platzte und alle Rippen krachten.
159. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt.
(Br. Grimm, Deutsche Sagen, I. No. 2. Wrubel, a. a. O., S. 29.)
Zu Annaberg war eine Grube, genannt »der Rosenkranz«, darinnen arbeiteten 12 Knappen. Die schwatzten mit einander possenhaft, wollten sich gegenseitig mit dem Berggeist fürchten machen und leugneten ihn als einen lächerlichen Popanz. Da mit einem Male sahen sie eine Roßgestalt mit langem Halse und mit feurigen Augen an der Stirne und erschraken zum Tode. Dann ward aus der Roßgestalt die wahre Gestalt des Bergmönches, die trat ihnen schweigend nahe und hauchte jeden nur an. Sein Atem aber war wie ein böses Wetter, sie sanken tot nieder von des Geistes Anhauch, und nur einer kam wieder zu sich, gewann mit Mühe den Ausgang und sagte, was sich zugetragen. Dann starb auch er. Darauf ist die silberreiche Grube »der Rosenkranz« zum Erliegen gekommen und nicht mehr angebaut worden.
160. Der gespenstische Bergmann in Aue.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis.~, S. 1146.)
In den erzgebirgischen Bergstädten sind die Bergteufel in manchen Gestalten erschienen, bald als Bergmönche inner- und außerhalb der Gruben, bald mit einem Irrlicht, als einem vermeinten Grubenlicht. So ließ sich im Jahre 1684 in einer Auischen Wohnung beim Schnorrschen Hammerwerk ein Geist hören und darauf in Gestalt eines Bergmanns sehen. Derselbe hüpfte in einer gewissen Gegend unweit der Mulde, und da man an diesen Ort mit der Rute ging, soll dieselbe auf Silber geschlagen haben.
161. Gespenstische Bergknappen im Zechengrunde bei Zinnwald.
(Mündlich.)
Frauen, welche mit Butter durch den Zechengrund bei Zinnwald, wo früher reiche Bergwerke waren, gingen, sahen oftmals daselbst Bergknappen, obgleich schon längst kein Bergbau dort im Gange mehr war.
162. Gespenstischer Bergmann zwischen Rittersgrün und Pöhla.
(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 75.)
Am Bache zwischen Rittersgrün und Pöhla ist ein Fels, in dessen Nähe sich ein Gespenst als Bergmann hören und sehen ließ, oben auf dem Kopfe mit einem brennenden Grubenlichte. Derselbe erschreckte des Nachts die Leute und warf sie in den Bach.
163. Gespenstischer Bergmann bei Scheibenberg.
(Chr. Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 76. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen, 1883, S. 79.)
Am Scheibenberge hat sich oft ein Gespenst in Gestalt eines Bergmanns sehen lassen. Dasselbe ist den Maurern, welche dort Sand gesiebt, plötzlich auf den Hals gekommen; andere hat es hinter dem Berge an eine eiserne Thüre geführt, wie zum Eingange eines Schatzes, die man aber darauf nicht hat wieder finden können. Auch hat daselbst ein Gespenst in Gestalt einer Jungfrau, oder in der von Wölfen, Füchsen und Irrwischen manche irre geführt und geäfft.
Im Jahre 1632 hat Hans Schürf zu Crottendorf eine Tochter von 8 Jahren im Walde verloren, die man innerhalb 13 Tagen nicht auffinden konnte, bis sie von einer Köhlerin im Walde angetroffen und heimgebracht wurde. Da man sie nun fragte, was sie denn gegessen und getrunken, antwortete sie, ein Männchen habe ihr alle Tage eine Semmel und zu trinken gebracht.
164. Ein gespenstischer Bergmann führt irre.
(Gräße, a. a. O. Nr. 499.)
Einmal ritt ein beherzter Mann ganz allein in der Abenddämmerung nicht weit von Annaberg auf der gewöhnlichen Heerstraße, da sah er einen alten Bergmann vor sich hergehen. Als er an ihn herankam, bot er ihm einen guten Abend, erhielt aber keine Antwort, ebenso wenig auf die Wiederholung des Grußes, und da er etwas hitzig war, schrie er: »Ei, so soll Dich Grobian gleich der Teufel --!« und zog ihm eins mit der Reitgerte über. Aber siehe, auf einmal wußte er nicht mehr, wo er war; er ritt bis in die Nacht in der Irre herum und erst gegen Mitternacht hörte er Stimmen. Er rief, es kamen Leute, er fragte, wo er sei, und erfuhr, er sei in seinem eigenen Heimatorte. Man führte ihn bis an sein Haus und noch immer kannte er sich nicht; erst als seine alte Mutter mit einem Lichte vor die Thür trat, wußte er wieder, wo er war. Der Bergmann hatte ihn geäfft.
165. Das graue Männchen warnt einen Bergmann.
(K. Fr. Döhnel im Erzgeb. Anzeiger, Schneeberg 1803, S. 180.)
Eine geraume Zeit hatte der alte Bergmann Kapuzer redlich und treu in den unterirdischen Klüften gearbeitet, und wer ihn gesund und von der verderblichen Bergluft verschont in seinem grauen Kopfe sah, der mußte ihm gut sein. Freilich hatte er sich auf der Fahrt seines Lebens durch Kämme[1] und Knauer[2] winden müssen, und manches Wetter und manche Felsenwand hatten ihn auf seiner Fahrt bedroht. Es schien fast, als hätte ihn das Schicksal als ein taubes Gestein auf die Halde des Lebens geworfen; aber nie verlöschte das Grubenlicht der Hoffnung in seiner Hand, und mit diesem glaubte er noch einen reichhaltigen Gang zu treffen. Aber eine fürchterliche Teuerung brach herein, und Berghenne[3], die sonst ihm und seinen Kindern Sonntagskost gewesen war, mußte er ganz entbehren und oft Tage lang hungern. Die Kleinen jammerten ihn sehr, und ob er sich schon manches entzog, um nur ihren Hunger zu stillen, so wollte es doch nicht zulangen. Einstmals fuhr er zur Frühschicht an und sang mit frohem Mute das schöne Lied: Wer nur den lieben Gott läßt walten, obschon er seit zwei Tagen wenig gegessen hatte. Unter den letzten Versen des Liedes begann er seine Arbeit und verfolgte rasch mit dem Fäustel den am Tage vorher getroffenen Gang. Da sprang ihm gediegenes Silber ins Auge. Die Stufe, die er abhieb, war reichlich, und von ihrem Verkaufe konnte er langen Unterhalt für seine Kinder hoffen. Das Elend der Kinder stand vor ihm, die Mittel, es zu mildern, auch, und schon streckte er in Erwägung der wachsenden Not seine Hand nach der Silberstufe. Da schlug ihm etwas auf die Achsel. Er drehte sich um und sah ein kleines graues Männchen im Berghabite hinter sich stehen, das mit der einen Hand auf die Silberstufe zeigte und die andere drohend erhob. Kapuzer schauderte, warf die Silberstufe hin und das Männchen verschwand. Sogleich fuhr er aus, um es seinen Vorgesetzten zu melden, daß Gott das Gebet der Gewerken erhört und Gänge und Klüfte aufgethan hätte. Die Vorgesetzten umarmten den redlichen Mann, fuhren in den Schacht und sahen den reichen Fund. Die meisten Gewerken waren bemittelte Leute, sie wollten den alten Kapuzer mit Ruhe in seinen alten Tagen für seinen Fund belohnen, aber er schlug es aus, obschon sie ihm doppelten Lohn boten. »Ich will in meinem Berufe sterben, ist ja das Grab auch nur ein Schacht, in dem der Silbergang der Ewigkeit glänzt,« rief der Greis mit Thränen in den Augen; »ich kann noch arbeiten.« Die Bitte ward ihm gewährt, seine Kinder wurden gekleidet und er durch ein ansehnliches Geschenk der drückenden Nahrungssorgen für sich und die Seinen entzogen. Noch sechs Jahre arbeitete er mit gleicher Thätigkeit. Da rief ihn der Bergfürst von der Schicht. Früh morgens um drei Uhr wollte er zur Arbeit aufstehen, aber er vermochte es nicht. Um acht Uhr rief er seinen ältesten Knaben: »Geh' zum Bergmeister,« sprach er, »und sag' ihm, der alte Kapuzer werde bald Schicht machen, sein Grubenlicht wolle verlöschen, er solle mich noch einmal besuchen.« Der redliche Bergmeister kam zu dem Sterbenden und dieser erzählte ihm die Geschichte von dem Bergmännchen. Der Bergmeister stand gerührt an seinem Bette. Dann faltete der Kranke die Hände, betete still und endlich sprach er mit schwacher Stimme: »Es ist vollbracht, Glückauf!« und verschied.
Wenn ein redlicher Bergmann aus Armut stehlen will, warnt ihn das Bergmännchen, und nur die, welche geübte Bösewichter sind, überläßt es der Stimme ihres Gewissens und der strafenden Hand der Obrigkeit.
[1] Kämme sind festere Gesteinslagen.
[2] Knauer, ein festes und rohes Gestein.
[3] Berghenne ist eine Wassersuppe oder auch Brot und Käse.
166. Das gespenstische graue Männchen in der Grube »Treue Freundschaft« bei Johanngeorgenstadt.
(Engelschall, Beschreib. d. Bergstadt Joh.-Georgenstadt. 1723, S. 136.)
In dem Bergwerke zur »Treuen Freundschaft« hat sich am 7. Aug. 1719 folgendes begeben: Es arbeitete vor Ort Johann Christoph Schlott, und da man zu Mittag ausgepocht hatte, hörte er gegen den Schacht noch jemanden husten. Da meinte er, es werde der Steiger vor Ort fahren, solches in Augenschein zu nehmen. Nachdem sich aber niemand eingestellt hatte, wollte er ausfahren; aber kaum hatte er sich umgewendet, da nahm er wahr, wie ihm jemand vom Schachte her mit brennendem Grubenlichte entgegen kam. Dadurch wurde Schlott in seiner früheren Meinung, daß es der Steiger sei, wieder bestärkt. Doch als sie endlich beide auf der Strecke zusammenstießen, nahm er wahr, daß es ein sehr kleiner Mann in einem braunen Kittel war. Derselbe hing eben, als Schlott vorbei fuhr, sein Grubenlicht ans Gestein, so daß es auch sofort hängen blieb, legte die Tasche ab und sprach zu Schlotten. »Ists schon Schicht?« denn die Bergleute fuhren an diesem Tage wegen der Beerdigung des Hammerwerksbesitzers eine Stunde früher aus. Bei dieser Anrede überfuhr Schlotten ein Schauer, er eilte davon und traf keine Arbeiter mehr in der Grube an. Dies Begegnis erzählte er darauf dem Steiger, welcher anfangs nicht viel davon wissen wollte; doch mußte Schlott später den Ort zeigen, woran das Männchen sein Grubenlicht gehangen hatte. Daselbst nahm man eine kleine Kluft wahr und es wurde an der Stelle ein Schuß gebohrt, der einen Gang öffnete, von dem man mehrere Quartale nacheinander eine gute Ausbeute machte.
167. Der boshafte Berggeist in dem Schachte Orschel.
(Mündlich.)
Ein Bergjunge fuhr einst auf dem Bergschachte Orschel bei Schneeberg an; da erschien ihm ein Berggeist, welcher ihn töten wollte. Doch ließ er es bei der Drohung bewenden, wenn ihm der Junge alle Tage eine Semmel mitbrächte; aber er solle niemandem etwas davon sagen. Eines Tages brachte der Junge keine Semmel mit und wurde in einem Kübel erwürgt. Als man ihn fand, lagen um ihn herum viele verschimmelte Semmeln, mit denen er an das Tageslicht gefördert wurde.
Diese Sage hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit der vom Berggeiste am Donat zu Freiberg. Das Geschenk einer Semmel, welches dem Berggeiste gemacht werden muß, erinnert an das Essen, welches man nach deutschen Sagen den Kobolden hinsetzen mußte. Wie die Kobolde sind hier vielleicht auch die Berggeister als Geister der Vorältern und zwar derjenigen, welche in der Erde ruhen, aufzufassen. Zwergen und Berggeistern werden an gewissen Orten Speisen und Getränke hingestellt, wofür sie sich durch Geschenke dankbar bezeugen. (Nork, Sitten und Gebräuche, S. 241) In Idria stellen die Bergleute den Wichtlein, die man im Bergwerke öfters klopfen hört, ein Töpflein Speise an einen besondern Ort. (Grimm, deutsche Sagen, I. No 37.)
168. Der Berggeist verlangt für reiche Anbrüche eine Pfennigsemmel.
(Ed. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke. 1882, S. 1. etc.)
Vor langen Jahren lebte in Joachimsthal ein erfahrener, aber armer Bergmann, namens Christoph Wattmer, der sich und seine zahlreiche Familie, so gut es eben ging, durch seiner Hände Fleiß redlich ernährte. War auch oft in seiner Hütte Schmalhans Küchenmeister, so bewahrte sich doch Wattmer stets einen heiteren, zufriedenen Sinn, um den ihn seine Kameraden nicht selten beneideten. Einmal hatte er aber in der Nacht einen bösen Traum, der ihn recht traurig stimmte, da er ein großes Unglück befürchtete. Deswegen wäre er gern von der kommenden Morgenschicht weggeblieben, allein er mußte seiner Pflicht folgen. Mit sorgenschwerem Herzen machte sich also Wattmer beim Tagesanbruch auf den Weg zum Grubenhause, verrichtete daselbst sein Gebet und mit dem üblichen »Glück auf!« fuhr er im Namen Gottes in den tiefen Schacht. Als er vor Ort war, arbeitete er fleißig und unverdrossen, bis er plötzlich in der Nähe ein Klopfen und Hämmern, ein Ächzen und Stöhnen vernahm, das ihn nichts Gutes erwarten ließ. Wie er nun in Gedanken versunken dastand, sah er einen großen, dicken Mann im schmierigen, erdfahlen Grubenkittel auf sich zuschreiten. Er hatte einen großen runden Hut auf dem Kopfe, Schlägel und Eisen im breiten Gürtel, in der rechten Hand aber trug er ein Grubenlicht, das die ganze Strecke taghell erleuchtete. Je näher die unheimliche Gestalt kam, desto enger schnürten Furcht und Grausen des Bergmanns Brust zusammen. »Fürchte Dich nicht,« redete der Berggeist den zitternden Bergmann an, »ich will Dir kein Leid zufügen, denn Du bist mir gerade willkommen. Sorge täglich für eine Pfennigsemmel, es soll nicht Dein Schaden sein!« Der Bergmann that, wie ihm befohlen ward, und brachte dem Berggeiste jede Schicht eine Pfennigsemmel. Darüber erfreut, sprach der Berggeist eines Morgens zu Wattmer: »Da Du bisher meinen Wunsch erfüllet hast, will ich Dich zum reichen Manne machen.« Nach diesen Worten schlug er an die Wand und sofort öffnete sich eine Strecke voll Silbererzes. »Melde den Anbruch«, fügte er hinzu, »Deinen Vorgesetzten, doch sage niemandem, daß ich mit Dir im Verkehre stehe, sonst bist Du unrettbar verloren!« Der Bergmann versprach Stillschweigen, schied mit dankerfülltem Herzen von seinem Gönner und fuhr vergnügt zu Tage. Er eilte alsdann zum Berghauptmann und hinterbrachte ihm die Nachricht von dem reichen Silberanbruche. Wie ein Lauffeuer ging diese Kunde von Mund zu Mund und Freude strahlte auf allen Gesichtern. Die gesamte Bergknappschaft veranstaltete nun zu Ehren des wackern Christoph Wattmer ein glänzendes Mahl, bei welchem er obenan saß. Als die Teilnehmer des Freudenfestes im Saale schmausten, zechten und sich lustig machten, bestürmten sie unablässig Wattmer, er möge ihnen doch endlich über das unerwartete Auffinden des Anbruches näheren Aufschluß geben. Die Aussage, die derselbe machte, genügte den neugierigen Kameraden, welche den Zusammenhang der Sachlage ahnen mochten, noch lange nicht, sie wollten mehr erfahren. Ihrem Drängen gab endlich der unbesonnene Wattmer nach und erzählte mit beklommenem Herzen die ganze Begebenheit; dafür aber sollte er schwer büßen. Als er nämlich am folgenden Tage mit Zittern und Zagen anfuhr, erwartete ihn schon mit geballter Faust der ergrimmte Berggeist, der ihm mit donnernder Stimme zurief: »Heißt das, armseliger Erdenwurm, mir, dem Herrn über alle Gebirge dieser Gegend, Wort gehalten?« Dann ergriff er Wattmer und schleuderte ihn unbarmherzig in den Schacht hinunter, wo er zerschmettert tot liegen blieb.
169. Der Berggeist von Joachimsthal.
(Novellistisch in Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 12. etc.)
Die Grube St. Barbara zu Joachimsthal hatte einst einen bösartigen gottlosen Obersteiger, welcher über Kirche und Gebet spottete, unmäßig trank und spielte, seine Untergebenen drückte und einen schändlichen Unterschleif machte. Seinem Beispiele folgten die meisten seiner Untergebenen; nur acht oder zehn Bergleute glaubten treu an Gott und Vergeltung, hielten in frommer Gemeinschaft zu einander und wurden von der bösen Rotte ihrer Kameraden spottweise »Moses und die Propheten« genannt. Zu diesem kleinen Häuflein, welches vergebens der einreißenden Verwilderung entgegenstrebte und sogar mit einer Anzeige drohte, gehörte auch Daniel. Derselbe war ein junger Mann voll Geist und Leben und dabei ausgestattet mit reichen Kenntnissen im praktischen Bergbau, so daß er bereits von dem verstorbenen Vorgänger des gottlosen Obersteigers dem Bergamte zur Beförderung vorgeschlagen worden war. Doch hatte man ihn bald wieder vergessen, so daß die Hoffnung Daniels, seine Braut Marie, welche die hinterlassene Tochter des verstorbenen Obersteigers war, heiraten zu können, in weite Ferne rückte. Dazu kam noch, daß ihn der gottvergessene neue Obersteiger wegen seines frommen Wesens haßte und bei den übrigen Vorgesetzten verleumdete. Nur die Trostworte seiner Braut und eines alten Freundes, des eisgrauen Martin, welcher mit ihm auf derselben Grube anfuhr, trösteten ihn. Als nun Daniel eines Tages vor Ort arbeitete und es schon stark gegen das Ende der Schicht gehen mußte, da sein letztes Licht in der Blende fast ganz heruntergebrannt war, hörte er unter seinen Füßen ein Klopfen und Hämmern, und er wußte wohl aus den Erzählungen des alten Martin, daß dies von den Erdgeistern herrühren müsse, da er ja auf der Sohle der Grube stand und unter ihm keine Häuer arbeiteten. Da suchte er sein Arbeitszeug zusammen, um wieder auszufahren. Als er aber im Stollen um eine Ecke bog, trat ihm plötzlich aus einem von den Alten betriebenen und wieder verlassenen Orte ein kleiner, dicker Mann im Grubenkittel entgegen. Schlägel und Eisen, die ihm im Gürtel staken, waren ungeheuer groß und stark. In der rechten Hand hielt er eine Blende, in der aber kein Licht brannte, sondern ein herrlicher grüner Stein befestigt war, der einen wunderlieblichen Schein in hellen Strahlen nach allen Seiten hinwarf. Wie nun Daniel schweigend vorübergehen wollte, ward er mit Erstaunen gewahr, daß der unbekannte Bergmann mit seinem Leibe die Breite des Stollens so genau ausfüllte, daß an ein Vorbeischlüpfen nicht zu denken war. Er trat also einen Schritt zurück, schlug ein Kreuz vor der Gestalt und sagte: »Wer Du auch seist, gieb einem frommen Bergmanne Raum, der auf seinem Berufswege wandelt!« Aber der kleine Kerl lachte und sagte: »Ich fürchte mich vor Deinem Zeichen nicht, Kamerad, und magst Du daraus abnehmen, daß ich Dir kein Leid zufügen will. Im Gegenteil, ich will Dir helfen. Du bist ein armer Kerl, hast manchmal kaum satt Brot und verdienst mehr, als alle die Schurken, die hier anfahren. Ich bin der, den Ihr den Bergmönch nennt, bin Herr über alle Gebirge dieser Gegend und kenne alle edlen Flötze und reichen Gänge. Dich hab ich lieb gewonnen und will Dich zum reichen Manne machen. Hier nimm!« Damit langte er aus seinem weiten Grubenkleide eine Menge der herrlichsten Schaustufen von Rotgüldenerz hervor. »Gott behüte«, sprach Daniel, »daß ich Euer Geschenk annehme, und somit meinen Landesherrn bestehle. Wißt Ihr wirklich, wo edle Geschicke brechen, so zeigt es dem Steiger an, und wir bekommen dann alle einen höheren Lohn. Schimpft mir auch nicht auf meine Kameraden, es sind auch noch ehrliche Kerls darunter.« »Narr Du,« brummte der Bergkönig, »mit Deinen ehrlichen Kameraden; und Dein Steiger ist ein Schuft, der die Grube bestiehlt und dem ich noch einmal den Hals umdrehen will! -- Du nimmst also mein Geschenk nicht?« »Ich darf nicht, Herr!« entgegnete Daniel. »Nun, so krieche hinaus, Du blöder Maulwurf!« Mit diesen Worten faßte ihn der Berggeist bei den Schultern und warf ihn den Stollen vor bis an den Fahrschacht, ohne daß dem Daniel jedoch ein Glied weh gethan hätte. Derselbe stieg nun hinauf, und als er so hoch oben war, daß das Tageslicht in den Schacht fiel, sah er wieder den Berggeist, welcher bereits oben war und mit dem Neffen des Steigers seine Silberstufen theilte. Da der Neffe aber immer die größere Hälfte in seinen Kittel steckte und darauf den übrigen Teil dem Berggeiste zuschob, packte ihn dieser beim Gürtel, riß ihm die versteckten Stücke heraus, rannte ihn mit dem Kopfe gegen die Fahrt, wobei er immer schrie: »Heißt das ehrlich geteilt, Du Galgenstrick? heißt das ehrlich geteilt?« und schleuderte ihn endlich in den Schacht hinunter. Glücklicherweise gelang es dem auf der Fahrt feststehenden Daniel, den Neffen des Steigers aufzufangen und wieder mit heraufzubringen. Er trug ihn zum Steiger, dem er die ganze Geschichte erzählte. Dieser aber hieß ihn einen Narren, der wohl betrunken gewesen sei, und gebot ihm nach Hause zu gehen. -- Am anderen Morgen wurde Daniel vor den Steiger gefordert, der ihn der Lüge beschuldigte, indem sein Neffe ausgesagt habe, wie Daniel betrunken in die Grube gekommen sei, Händel angefangen und ihn, den Neffen, blutrünstig geschlagen habe. Das Märchen vom Bergmönch sei nur erfunden worden, damit sich Daniel auf diese Weise entschuldige. Zur Strafe solle derselbe nun 8 Tage lang zur Huntejungenarbeit, welche die jüngsten Anfänger verrichteten, verurteilt sein. Diese neue unverschuldete Kränkung empörte Daniels Herz; er beschloß, seinen Abschied zu fordern und auf einem ausländischen Bergwerke ein Unterkommen zu suchen. Seine Braut Marie bestärkte ihn in seinem Entschlusse. Am nächsten Lohntage wollte er seinen Abgang anzeigen.
Im Bewußtsein seiner Unschuld war er wieder angefahren und begann eben seine Strafarbeit. Plötzlich stand der Berggeist vor ihm und sprach: »Siehst Du, Tropf, wie Deine Gutmütigkeit belohnt wird, und was Du für ehrliche Kameraden hast? So nimm nun ein Stück Silber von mir, damit Du wenigstens einen Zehrpfennig auf die Reise hast!« »Hebe Dich weg, Versucher!« antwortete Daniel; »jetzt leide ich unschuldig, deshalb bin ich heiter und guter Dinge; so ich aber Deinen Reichtum nähme und mein Gewissen mit ungerechtem Gut belastete, was bliebe mir dann für ein Trost?« Da entgegnete der Berggeist: »Ich sehe wohl, daß Du ein ehrlicher, wackrer Bursche bist, und deshalb soll es Dir wohl gehen. Jetzt merke wohl auf, was ich Dir sage. Wenn Du zu Abend aus der Grube fährst, so bitte den Steiger, er möchte Dich morgen frei lassen, Du wolltest Deine Andacht halten. Das darf er Dir nicht abschlagen. Dann gehe zum Geistlichen, empfange das heilige Sakrament und halte Dich ruhig. Hüte Dich aber jemand ein Wort zu sagen, es wäre zu Deinem Schaden. Wenn nun der Steiger die Knappen beruft, so gehe und thue frischen Muts, was Dir befohlen wird, Du bist auf guten Wegen, Gott wird Dich schützen und ich werde Dir behülflich sein!« Daniel that, wie ihm gesagt ward. Er verrichtete am andern Morgen seine Andacht und saß nun stillbetend in seinem Kämmerlein, wartend, was da kommen sollte. Einige Stunden nach Mittag hörte er ein Zusammenlaufen und lautes eilendes Gespräch vor seiner Hütte. Als er hinaustrat, vernahm er, daß in der Grube ein großes Unglück geschehen sein müsse, denn das Gestänge stehe still und man höre in der Tiefe ein ungewöhnliches Brausen und Poltern. Bald rief die Bergglocke die Arbeiter, welche sich nicht auf der Schicht befanden, beim Steiger zusammen, welcher wetterte und fluchte. Beim Zählen fehlte bloß der alte Martin, welcher am vorigen Tage die Erlaubnis erhalten hatte, in sein Geburtsdorf zu gehen. Nun ordnete der Steiger an, daß einer hinabsteigen müsse, um nachzusehen, was unten geschehen sei. Dazu veranlaßte er seinen eigenen Neffen, weil er ihm Gelegenheit verschaffen wollte, sich auszuzeichnen. »Ich verspreche Dir,« so sagte er zu ihm, »einen Bericht an's Bergamt, der Dir den Untersteiger einbringen soll!« Der Neffe weigerte sich anfangs, versuchte es dann, stieg wieder empor und bat schließlich, ihn zu verschonen, da ihn die Angst umbringe. Da stieß ihn der erzürnte Oheim in die Grube hinab und warf die schwere Fallthüre zu. -- Unterdeß hatte sich die Kunde von dem Unglücke in der Grube weiter verbreitet, die Frauen und Kinder von mehr als zwanzig Bergleuten, die auf der Schicht arbeiteten, kamen herbei und überhäuften den Steiger mit Vorwürfen; unter ihnen war auch Marie, welche von tödlicher Angst um Daniel an den Unglücksplatz getrieben wurde. Da gebot der Steiger, durch die Vorwürfe erbittert, durch seines Neffen vorsätzlichen Mord noch mehr verwildert, Daniel solle nun hinab und ihm Kundschaft bringen, woraus er dann den Bericht abfassen könne. Daniel trat darauf, obwohl ihn Marie davon zurückzuhalten suchte, die gefährliche Fahrt an. Er tröstete seine Braut und sagte, sie würden sich gewiß wiedersehen. Der Steiger aber warf die Fallthür wieder zu, schob den Riegel vor und sagte lachend: »Der fromme Mann wird wohl pochen, wenn er wieder heraus will!« Damit ging er nach seinem Hause. Auf Mariens Bitten öffneten die oben stehenden Bergleute den Schacht wieder und das Mädchen lauschte hinab. Plötzlich rief sie aus: »Ich sehe ein Licht in der Tiefe!« und dann wieder: »Gottlob, es ist Daniel!« So war es. Daniel stieg glücklich hinauf, alle Arme streckten sich nach ihm aus, um ihm zu helfen. Um seinen Leib hatte er ein Seil geschlagen, und an dem Seile hing der leblose Körper des vom eigenen Onkel hinabgestürzten Neffen. Das erste, was Daniel that, war, des Neffen Schläfe zu reiben; man entzündete Sprengpulver vor dessen Nase, und endlich gelang es den vereinten Bemühungen, ihn wieder zum Leben zurückzurufen. Als er die Augen aufschlug, sah er Daniel und stammelte: »Daniel, unschuldiger, verleumdeter Daniel, zweimal mein Retter, ach, vergieb!« Dieser drückte ihn an sein Herz. Während dessen war ein höherer Bergbeamter mit dem Steiger an die Grube gekommen. Der Bergoffizier beugte sich über den Schacht, starrte hinab und sagte: »Unglaublich! die Wässer steigen noch immer. Seht nur selbst, Obersteiger!« Dieser eilte herbei, sich weit über den Abgrund legend. Aber plötzlich fuhr, allen sichtbar, eine Riesenfaust aus der Tiefe, drehte im Nu des Steigers Angesicht auf den Nacken, daß man alle Wirbel brechen hörte, hielt das gräßlich verzerrte, blaue Todenantlitz der Menge entgegen und verschwand mit seinem Raube unter der Flut. Darauf hörte man ein fürchterliches Donnern in der Tiefe. Als sich die Umstehenden von ihrem Schreck etwas erholt hatten, sprach der Bergbeamte sehr ernst: »Gott hat gerichtet und meinen schwachen Händen dies Amt entnommen! denn auch ich war gekommen zu richten!« Er erzählte nun, wie die Unredlichkeit des Steigers dem Bergamte bekannt geworden sei, und wie er vor seiner Abreise von dem alten Martin, den er als einen frommen Bergmann kenne, noch mehr vollgiltige Beweise der Schuld erhalten habe. Hier an der Grube habe er den unredlichen Mann seines Amtes entsetzen und zur Strafe ziehen wollen. Und als der Bergoffizier nun weiter von Daniel hörte, wie derselbe in der Grube seinem Tode in den hereinbrechenden Wassern entgangen sei und wie er den Körper des Neffen vom Steiger gefunden und auf wunderbare Weise gerettet habe, da erkannten er und alle Anwesenden die Hand Gottes und die Hülfe des Berggeistes. Daniel war mit dem Körper des von seinem Onkel Hinabgestürzten von den Fluten verschlungen worden, und als er wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich mit letzterem in einer geräumigen, trocknen Halle, zu seinen Füßen stand die angezündete Blende und lag ein Stück Seil. So gelang es ihm, wieder die Fahrt zu gewinnen und den leblosen Körper mit hinauf zu ziehen. -- Der Bergoffizier ernannte hierauf Daniel im Auftrage des Bergamtes zum Untersteiger an der Grube St. Barbara, und ebenso wies er auch dem alten Martin einen Zuschuß an, der es ihm erlaubte, den Rest seines Lebens außer der Grube zuzubringen. Darauf schied der Beamte von ihnen, indem er dem Daniel noch Glück zu seinem neuen Berufe wünschte.
Nach acht Tagen war Marie Daniels glückliches Weib. Der Berggeist erschien zwar nicht wieder, aber mehrfach konnten die Glücklichen seine Nähe spüren. Zwar blieb die ersoffene Grube liegen, jedoch entdeckte Daniel in demselben Reviere die herrlichsten Anbrüche. Die Grube ward nach seinem Namen »Daniel-Zeche« genannt, gab überreiche Ausbeute und baute sich gut aus. Als aber nach einem Jahre Daniel den Beamten und den alten Martin zu Gevattern bei seinem neugeborenen Söhnlein bat und ersterer ihm die Ernennung zum Obersteiger mit Gehaltszulage mitbrachte, da klingelte es auf einmal wie goldene Schellen auf den zinnernen Tellern, die an der Wand standen, und siehe, es fielen eitel neue Goldstücke durch die Decke herab, hundert an der Zahl. In der Mitte war ein Mönch darauf geprägt, und rund herum standen die Worte: »Beschert Glück zur Daniel-Zeche!« Jetzt erkannte Daniel wohl seinen alten Freund, den Berggeist, und in der Freude seines Herzens griff er nach einem Becher Weins und brachte auf den Berggeist die Gesundheit aus. Da that ihm jedermann Bescheid, die Gläser klirrten und zugleich ertönte eine starke, liebliche Musik von Harfen und Zithern, Hörnern und Schalmeien. Als man aber die Thüre öffnete und den Spielleuten zu trinken geben wollte, da war niemand zu sehen und zu hören.
170. Der Berggeist von Abertham.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 84.)
Am ältesten Ende von Abertham liegen mächtige Halden der ehemaligen »Kreuzzeche,« welche in der letzten Periode des dortigen Bergbaues allein zur Förderung sämtlicher Erze und Gesteine der Aberthamer Grubengänge benutzt wurde. Über 300 Bergknappen waren bloß zur Förderung angelegt. Als man aber daran ging, in genannter Zeche mancherlei Fördermaschinen einzusetzen, waren viele Bergleute um ihr Brot besorgt und trauerten und jammerten. Ihr Klagen rührte sogar den mächtigen Berggeist, der sich entschloß, die bedrängte Lage von den armen Bergleuten abzuwenden. Er ließ sich daher mehrmals an verschiedenen Orten der Kreuzzeche sehen und stieß bei seinem jeweiligen Erscheinen die warnende Drohung aus:
»Legst Du mir meine Manneln (Knappen) ab, So schneid' ich Dir Deine Mittel ab!«
Da sich jedoch der Bergherr an diese Drohung nicht kehrte, sondern unablässig darauf sann, immer mehr Maschinen in Anwendung zu bringen, trat endlich, nachdem des Berggeistes Langmut ein Ende genommen, die unglückliche Katastrophe ein, welche die gesamte Knappschaft schon längst befürchtet hatte. Es brach nämlich eines Tages der sogenannte tiefe Stollen, auch Schlickenstollen genannt, zusammen und ließ sich nicht mehr bewältigen. Alle angewandten Kunstgriffe, die Entsumpfung der nach Erz führenden Horizonte zu bewerkstelligen, erwiesen sich zwecklos; die Mittel waren und blieben abgeschnitten.
171. Der kleine Jäger auf dem Ochsenkopfe bei Bockau.
(Mitgeteilt von P. Mothes aus Bockau.)
Bei der alten Zeche auf dem Ochsenkopfe haben verschiedene Leute einen kleinen Jäger mit erdfahlem Gesichte gesehen. Derselbe ladet jeden, der ihm begegnet, zu einem Spiele ein, und wenn ihm dann der Betreffende folgt, so führt er ihn auf unbekannte Flecke, von wo aus derselbe sich nur schwer wieder zurecht findet.
172. Der Gevattersmann vom Greifenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang, No. 40. Dietrich und Textor, die romantischen Sagen des Erzgebirges. I. 1822, S. 150. etc. Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen (o. J.) S. 107.)
Vor langer Zeit lebte in Geyer ein armer Häuer, mit Namen Hans Geißler, der war blutarm und hatte ein schwangeres Weib und viele Kinder und wußte sich oftmals keinen Bissen Brot zu verdienen. Am größten aber war seine Not am Sylvesterabende, als die Niederkunft seines Weibes auf wenig Stunden nahe war und er weder eine warme Stube, noch sonst eine Erquickung, ja nicht einmal eine Wehmutter für sie hatte. Er eilte hinaus, eine erfahrene Muhme aus Günsdorf zu holen, verirrte sich aber bei dem gräßlichen Schneegestöber von dem Wege und kam, durch tiefe Wehen sich mühsam durcharbeitend, zuletzt an die Felsenschichten des Greifensteines. Erschrocken wollte er umkehren, als der Berggeist ihm erschien und mit freundlichem Blick ihn also ansprach: »Eile, glücklicher Vater! Gott hat Dein Weib mit drei holden Knäblein gesegnet! Wenn Du nichts dawider hast, will ich Dein Gevatter sein!« Da verließ Hansen die Furcht und er antwortete: »In Gottes Namen magst Du mein Gevatter sein, aber wie thue ich Dir die Stunde der Taufweihe kund?« Wie nun der Berggeist lächelnd sagte, daß er ohnedem kommen würde zur rechten Zeit, da verließ sich Hans darauf und eilte heim. Sein Weib hatte ihm drei holde Knäblein geboren.
Am andern Tage, als alles zur Taufe bereitet war, da ließ auch der Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er erschien in Häuerkleidung und übte das fromme Werk mit inniger Andacht; als die heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen einen Schlägel und ein Eisen und sprach: »Lieber Gevatter, bete und arbeite! Wo Du mit diesem Gezäh einschlägst, da wirst Du reiche Ausbeute finden, und dann denke allemal an Gott und Deinen Gevattersmann.« Darauf verschwand er; seine Worte aber trafen ein. Hans ward ein reicher Mann und soll die Siebenhöfe bei Geyer gebaut haben.
173. Das Geschenk des Holzweibchens.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)
Die Holzweibchen sollen kleine zwerghafte Wesen gewesen sein, die sich in verschiedenen Wäldern des Joachimsthaler Bezirks aufhielten.
Ein Holzhauer setzte sich einmal zur Mittagszeit auf einen gefällten Baumstamm und verzehrte sein hartes Brot. Da kam aus dem Gebüsche ein altes Holzweibchen, füllte den Hut des Mannes bis an den äußersten Rand mit Holzspänen und verschwand. Alsbald sprang der Holzhauer, welcher diesem harmlosen Treiben ruhig zugesehen hatte, auf und schüttelte die Späne aus. Als er abends zu Hause den Hut abnahm, fiel klingend ein Stück Gold zur Erde, welches die Form eines Spanes hatte. Einer der Späne, die das Holzweibchen dem Holzhauer geschenkt und die er weggeschüttet hatte, war im Hute hängen geblieben und zu Gold geworden.
174. Die Waldweibchen bei Pobershau.
(Nach Mitteilung des Sem. Richter.)
Ungefähr zehn Minuten von Pobershau und nicht weit vom Walde zeigt man auf der sogenannten Amtsseite das Burkhardtsloch. Hier sollen vor vielen Jahren Waldweibchen oder wilde Weibchen gelebt haben, welche sehr gutmütig waren und oft armen Leuten in ihrer Not halfen. Deshalb werden sie noch heute in der Gegend, so oft man von ihnen erzählt, »Feen« genannt.
175. Das Holzweibel auf dem Spitzberge bei Preßnitz.
(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 56.)
Auf dem großen Spitzberge bei Preßnitz haben sich ehedem Holzweibel aufgehalten. Sie sind aber fortgezogen, als die Bewohner der umliegenden Orte anfingen, die Knödel im Topfe zu zählen. Nur ein Holzweibel blieb zurück, führte aber gegen die Menschen nichts Gutes im Schilde, weshalb man ihm aus dem Wege ging. Dem aber, der ein gutes Sprüchlein konnte oder ein Stückchen geweihte Kreide oder »Charsamstagskohle« bei sich führte, konnte es nichts anhaben. Ältere Bewohner von Preßnitz beschrieben es als von winziger Gestalt, mit einem Körbchen auf dem Rücken und einem Rührlöffel in der Hand.
176. Ein Holzweibel flüchtet vor dem Teufel.
(Edw. Heger a. a. O., S. 83.)
Ein Gebirgsholzhauer in der Gegend von Pürstein ward während seiner Waldarbeit häufig von einem Holzweibel besucht und mit Geld beschenkt. Einmal kam aber das Weibel in eiliger Flucht, denn der Teufel wollte es holen, und es rief schon von weitem: »Holzhauer, hacke geschwind drei Kreuze auf den Stock.« Das that denn auch gleich der dankbare Mann, das Holzweibchen setzte sich flugs auf den Stock und der Teufel mußte mit leeren Krallen abziehen.
177. Holzweibchen bei Grumbach, Steinbach und Pfannenstiel.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 78.)
Vom Holzweibchen werden dann und wann einige alte Sagen herumgetragen, daß es vom Satan gejagt würde und in solcher Flucht einen Stock, darin die Holzhacker ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf setze und alsdann erlöset würde. Man hat auch von alten Leuten zu Grum- und Steinbach erzählen hören, daß vor alten Zeiten ein Holzweibel gekommen, sich auf den Ofenherd gesetzet und gesponnen und das Gespinst in die Stube geworfen habe; dem hätten sie müssen zu essen geben.
So wollte man auch im Februar 1681 auf dem Pfannenstiel, einem Schönburg'schen hohen Walde, ein Holzweib gesehen haben, welches einen großen Schnee, schnelle Wasserfluten und hitzigen Sommer angedeutet, darauf viel Menschen und Vieh hinsterben würden.
178. Gejagtes Holzweibchen bei Steinbach.
(Christ. Lehmann a. a. O., S. 187.)
An der Aschermittwoch des Jahres 1633 hatte Adam Beyer im Walde bei Steinbach einen Baum gefällt. Indem der Baum im Fallen ist, hauet er nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein; sogleich kommt ein gejagtes Waldweibchen und bleibet an dem mit dem Kreuz bezeichneten Baume stehen, da es dann sicher geblieben. Unterdessen füllet es dem Holzhacker seinen Kober mit Spänen, er aber schüttet die Späne wieder aus, und da ungefähr ein Spänlein hängen geblieben und er nach Hause kommt, findet er an dessen statt einen ganzen Thaler. Er gehet alsobald wieder in den Wald, in der Hoffnung, solcher Thaler viel aufzulesen, aber vergebens. Doch weil dieser Mann damals in kurzer Zeit zu seinen Mitteln gekommen, hat man vermutet, er müsse etwas gefunden haben. Von dieser Begebenheit an gehet niemand gern an der Aschermittwoche daselbst ins Holz, in der Meinung, der Teufel jage das Holzweibchen an der Aschermittwoche.
Auch im Thüringerwalde und Fichtelgebirge wohnen Waldweibchen zuweilen bei den Menschen, sie geben ihnen Geschenke und sind vor dem wilden Jäger auf Baumstämmen, in welche drei Kreuze eingehauen wurden, sicher. Dasselbe wird von den Moosweibchen erzählt, welche Menschen um Brot bitten. Wenn in Pfaffenreut bei Wunsiedel beim Mahl an dem Rande der Schüssel durch Herausschöpfen Tropfen hängen blieben und diese die Kinder oder auch Erwachsene mit dem Löffel abstreifen und verzehren wollten, sagten die Ältern: »Das dürft ihr nicht, das gehört dem Moosfräula!« Ein Beweis von dem freundschaftlichen Verkehre, in welchem die Wald- und Moosweibchen mit den Menschen standen. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 206, 212, 221, 235. Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 37.)
Mannhardt erklärt die Holz- und Moosweibchen für Genien der Wälder und Personifikationen des Blättergrüns; darauf fußt der Glaube, daß ihr Leben an dasjenige der Waldbäume gebunden ist. Wenn die Sage erzählt, daß der wilde Jäger (d. h. der Sturmgott Wuotan) die Waldweibchen jage, so ist dann darunter der Sturm zu verstehen, welcher die Blätter vor sich her treibt. Damit hat sich aber die ältere Vorstellung, nach welcher unter den gejagten Frauen Wolken zu verstehen sind, verändert; die Wolkenfrauen, welche durch Regen die Pflanzenwelt befeuchten, sind später auf die Erde herabgezogen und zu Waldgenien geworden. (Mannhardt, die Götter der deutschen und nordischen Völker, S. 112 und 116.)
179. Von Holzweibchen geschenkte Späne verwandeln sich in Gold.
(Edwart Heger in der Erzgebirgszeitung, VI. S. 84.)
In der Gegend von Kupferberg erhielten Waldarbeiter von den Holzweibchen häufig Geschenke; doch mußten sie sich auch manchen Schabernack gefallen lassen. Oft machten sich die Weibel unsichtbar und nahmen den Leuten die mitgebrachten Lebensmittel weg. Der hungrige Waldmann fand dann manchmal statt des Mittagsbrotes höchst ärgerlicherweise nur eine Menge Hackspäne in seinem Schnappsacke vor, die er meist achtlos wegwarf. Zuhause angekommen, erstaunte er freilich, wenn einige hängengebliebene Spänchen und Splitter zu purem Golde geworden waren. Ähnliches passierte auch einmal zweien armen Weibern, die oberhalb des Pürsteiner Burberges und unweit des Dorfes Gesseln in der Waldung dürres Holz sammelten. Sie trafen da ein kleines Wesen, das ihnen eine Menge Hackspäne zeigte und sie aufforderte, diese Späne noch mitzunehmen. Die Weiber, obwohl schon ziemlich belastet, gehorchten und füllten die letzten leeren Plätzchen in ihren Körben mit den Spänen, auf dem Heimwege aber, als die Bürden sich gar zu schwer erwiesen, sagten sie: »Was sollen uns eigentlich auch die Späne!« und warfen sie hinaus. Nur ein paar dieser Späne blieben an den Körben hängen, und diese wurden zuhause -- o Wunder! -- zu blankem Golde. Jetzt freilich ärgerte es die Weiber ungemein, daß sie die reiche Gabe so leichtsinnig weggeworfen hatten, und das ließ in ihnen leider die Freude über den verbliebenen Rest schönen Goldes sowie das Gefühl der Dankbarkeit gar nicht recht aufkommen.
180. Waldweibchen im Seegrunde bei Zinnwald.
(Mündlich.)
Ein Mann von Zinnwald trieb etwas Spitzenhandel, der ihn öfters nach Böhmen führte. Einmal ritt er durch den Seegrund nach Eichwald, da begegnete ihm ein Waldweibchen. Dasselbe redete ihn an: »Bruder, willst Du mit mir schnupfen?« dabei that es sonderbarer Weise seine Schürze auf und die war voller Laub. Als der Spitzenhändler hineingriff, um sich des Spaßes halber, wie er meinte, eine Hand voll Laub zu nehmen, blickte er zugleich auf und sahe das Gesicht des Waldweibchens gleich einem alten Käse. Da erschrak er so sehr, daß er seine Hand schnell zurückzog und fortritt. Das Weibchen aber rief ihm nach: »Nun muß ich noch hundert Jahre warten; hättest Du das Laub genommen und wärest nicht erschrocken, so wäre ich erlöst!« Ein Blatt war ihm jedoch unter den Ärmel gefahren, und das war, als er es später fand, lauter Gold.
Das Ansehen des Gesichts vom Waldweibchen gleich einem Käse erinnert an die Zwerge Tirols und der Schweiz, welche »Kasermandeln« (Käsemännchen) heißen und goldene Käse oder sich erneuernde Gemskäslein verschenken. Förstemann hat in Kuhns Zeitschrift für Sprachforschung I. S. 426 nachgewiesen, daß Quark (= Käse) und Twarg (vergl. mhd. ~querx~ und ~twere~) im deutschen Norden bis Lievland beides Zwerg und Käse bedeutet. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 12.) In den Lausitzer Sagen heißen die Zwerge Querxe. Nach einer schottischen Sage haben auch die Elfen, welche sich durch ihre gewöhnlich grüne Kleidung unsern Holzweibchen nähern, eine Vorliebe für Käse. Auf dem Gipfel des ~Minchmuir~ in ~Peebleshire~ befindet sich die Käsequelle, welche den Elfen geweiht war und die ihren Namen davon erhalten hat, daß die Vorübergehenden gewohnt waren, ein Stück Käse hineinzuwerfen. (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, S. 269.)
181. Ein gefangenes Waldweibchen verkündet den Frieden.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 758.)
Als Kurfürst Joh. Georg I. im Jahre 1644 um Rabenstein gejagt hatte und am 18. August an Chemnitz vorbeizog, bekam er die Nachricht, daß seine Jäger ein wildes Weiblein in der Stallung gefangen hätten, welches einer Ellen lang, von menschlicher Gestalt, rauher Haut, doch im Angesicht und an den Fußsohlen glatt war. Endlich habe dasselbe angefangen zu reden und gesagt: »Ich verkündige und bringe den Frieden.« Darauf hat der Kurfürst befohlen, dasselbe wieder laufen zu lassen und gesagt: »Wir erinnern uns, als wir vor 25 Jahren auf den Lautersteinischen und Crottendörfischen Wäldern gejagt, daß wir dergleichen Männlein gefangen, welches uns den Krieg verkündiget und gesagt: »Ich bring euch Krieg.«
182. Das Holzweibchen im Schönecker Walde.
(Illustrirtes Familien-Journal. VI. No. 157.)
Da droben im Schönecker Walde lebte vor Jahren ein Holzhauer, ein braver, stämmiger Bursche, der aber trotz rastloser Thätigkeit kaum soviel verdienen konnte, um eine alte kranke Mutter und ein paar kleinere Geschwister zu ernähren. Es ging immer knapp her, und doch mußte hie und da noch ein Groschen für ein rotes Band oder etwas dergleichen abfallen, womit der Bursche die Tochter des Nachbars beschenkte. Die jungen Leute waren einander gut; aber an's Heiraten durften sie noch lange nicht denken, denn es fehlte ihnen ein eigenes Hüttchen, und die Wohnungen der Ältern hatten nicht Raum für einen neuen jungen Hausstand. Da entschloß sich der Bursche schweren Herzens, ein paar Jahre hinaus in die Welt zu wandern und sich irgendwo zu vermieten, bis er sich das Nötige verdient haben würde. Als er bald darauf durch den grünen Wald zog und trübe Bilder der nächsten Zukunft in seiner Seele auftauchten, da sprang plötzlich vor ihm ein kleines graues Mütterchen mit einem Körbchen Reisig aus dem Gebüsche, und wie gehetzt lief es auf ihn zu und bat flehentlich, er möge schnell in eine niedergebrochene Fichte, die just über den Weg lag, drei Kreuze schneiden, der wilde Jäger sei ihr auf dem Fuße und der sei ihr Feind und werde sie töten. Das alles war das Werk eines Augenblicks, und alsbald hatte der Bursche auch mit seinem Messer die drei Kreuze in den Baumstamm geschnitten, und war selbst mit dem fremden Weibchen darunter gekrochen, als auch schon das wilde Heer ankam. An den drei Kreuzen aber hatte die Macht des wilden Jägers eine Schranke, er zog fluchend und wetternd zurück und das Holzweibchen war gerettet. Dasselbe gab seinem Helfer einen grünen Zweig aus seinem Körbchen, dankte gar geheimnisvoll und -- war verschwunden. Dem Burschen war's noch ganz wirbelig und drehend im Kopfe von all dem Spuk, aber so viel war ihm doch klar, daß das graue Mütterchen, wenn es einmal etwas schenken wollte, sich schon ein wenig mehr hätte angreifen können. Mißmutig wollte er den Zweig wegwerfen, besann sich aber doch noch und steckte ihn zum Andenken an das sonderbare Erlebnis auf seine Mütze. Wie er nun frisch weiter schritt, da ward ihm sein Mützlein immer schwerer und schwerer, und als er es endlich abnahm, da war der Zweig gewachsen, und was war's überhaupt für ein Zweig geworden? Gelbe glitzernde Blätter waren d'ran, und wuchsen immer noch mehr, daß ihm schier Sehen und Denken und am Ende die Lust, weiter zu wandern, verging. Er kehrte um, ohne eigentlich zu wissen, warum, und war noch vor Abend wieder daheim. Was die alte Mutter sich wundern mochte! Der Tochter des Nachbars aber war's eben recht, denn: Wiederkommen bringt Freude.
Der wilde Jäger hatte wohl Ursache, das Holzweibchen zu verfolgen, denn dasselbe hatte in seinem Garten von dem wunderbaren Goldbaume sich ein Körbchen der besten Zweige geholt. Davon hatte nun der Bursche einen bekommen und der trieb immer neue Blätter. Die Blätter schüttelte unser Holzhauer ab und verkaufte sie in den Städten, wo sie noch heute von den schönen Damen als Schmuck getragen werden. Nun konnte er seines Nachbars Kind heiraten, und sie mögen sich wohl auch ein gar hübsches Haus gebaut haben. Das Goldbäumchen aber ist mit der Zeit eingegangen, vielleicht hat sichs auch das Holzweibchen wieder geholt, vielleicht auch der wilde Jäger selber.
Auch Christ. Lehmann erzählt im Histor. Schauplatze, daß sich die Holzweibchen in ihrer Gutmütigkeit und um die Menschen glücklich zu machen, zuweilen an dem zauberhaften Baume im Garten des wilden Jägers vergreifen, daß sich aber die von ihm abgebrochenen Zweige und Blätter in Gold verwandeln. Deshalb werden nun die wilden Weibchen vom Satan, d. h. dem wilden Jäger verfolgt.
183. Buschweibchen in der Umgebung des hohen Steines.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 135.)
Wie im hohen Steine zwischen Graslitz und Markneukirchen menschenfreundliche Zwerge wohnten, so hielten sich in den umliegenden Wäldern Buschweibchen auf, welche häufig in die Häuser kamen und dort Essen begehrten, wofür sie manch' seltenen, kostbaren Stein, manch' heilkräftige Pflanze zurückließen.
Manche Leute nennen sie auch Moosweibchen, und man schildert sie als zwerghafte Gestalten, über und über mit Moos bewachsen und Kleider aus Baumrinde und Flechten tragend. Einst bezeigte sich ein solches Wesen besonders wohlthätig, wie uns die folgende Sage berichtet.
Zu wiederholten Malen vernahmen Beerweiber und Schwämmesammlerinnen aus einem dichten Gestrüppe in der Nähe des hohen Steines heftiges und anhaltendes Niesen; aber keiner von ihnen fiel ein, »Helf Gott!« zu rufen. Wenn sie sich dann auf den Heimweg begaben, sahen sie aus dem Gebüsche ein Moosweibchen treten, das sich unter schweren Seufzern und traurigen, vorwurfsvollen Blicken entfernte. Einst aber, als das Niesen denn gar zu laut und häufig erschallte, sagte ein Weib: »Nun so helf Gott der Person, welche so heftig da drin nieset!« Augenblicklich stand eine weiße Frau vor ihr und sagte freudig: »Du hast mich erlöst, hier empfange Deinen Lohn!« Mit diesen Worten überreichte sie dem armen, erschrockenen Weibe einen schweren Moosknollen und verschwand. Der überreichte Knollen aber enthielt ein großes Stück Gold, welches das Weib reich machte.
Eine ähnliche Sage aus der Grafschaft Mannsfeld erzählt von einem Görsbacher, welcher am »Wahle«, einem Stück Land, wo jedenfalls früher ein alter Gerichts- und Opferplatz war, vorüberging und dabei wiederholt jemanden niesen hörte. Der Görsbacher rief jedesmal »Gott helf!«, aber kein Dank schallte zurück. Als es nun zum dritten Male nieste, sagte der späte Wanderer: »Ei, wenn Du mir nicht dankst, so schweig ich auch.« Da rief es ihm kläglich zu: »Ach, hättest Du mir doch nur noch einmal »Gott helf!« zugerufen, so wäre ich erlöst gewesen; nun muß ich wieder 100 Jahre nach Erlösung schmachten!« (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 221.)
Ganz ähnlich sind die Sagen vom Spuk am roten Steine bei Oberhof in Thüringen, (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 7), und von den verfluchten Jungfern bei Eisenach und am Falkensteine bei Schmalkalden. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 113 und 153.)
Die Sitte, beim Niesen dem Betreffenden »Gott helf!« oder dem Entsprechendes zuzurufen, reicht jedenfalls bis ins graue Altertum zurück, obschon der Anfang dieses Gebrauchs gewöhnlich in das 6. Jahrhundert verlegt wird, als eine Beulenpest in Italien auftrat, welche mit Niesen begann und mit dem Tode endete. Damals soll man zuerst demjenigen, welcher zu niesen anfing, zugerufen haben: »Nun helf' Dir Gott!« (Hahn, Geschichte von Gera I. S. 287.) Jedoch gedenken dieser Sitte schon Aristoteles und Plinius. Aristophanes bezeichnet das Niesen als eine göttliche Kundgebung, und als eine solche galt dasselbe auch bei den Indianern Amerikas; denn als die Spanier in Florida eindrangen, sahen sie, daß, wenn der einheimische Herrscher nieste, die Anwesenden sich vor ihm beugten und die Arme flehend nach der Sonne ausstreckten.
Daß die Buschweibchen und wilden Weiber heilkräftige Kräuter kannten, wie unsere Sage meldet, erfahren wir auch aus dem Gudrunliede. Wate von Stürmen verband sich und die im Kampfe Verwundeten und nahm eine gute Wurzel in seine Hand, denn längst hatte man vernommen, »heilkundig sei Herr Wate von einem wilden Weibe!«
184. Buschweibel in der Gegend von Platz und Hohentann.
(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 55.)
Man erzählt in der Gegend von Hohentann und Platz, daß in alten Zeiten, wenn das Gesinde auf den Feldern und die Hausfrau allein zu Hause war, daß die Buschweibel öfters in den Häusern erschienen und bei verschiedenen häuslichen Verrichtungen hülfreich an die Hand gingen und sogar die Kinder warteten. Diese gute Zeit ging aber vorüber wie die Buschweibel selbst prophezeiten, denn sie sagten: »Wenn man wird die Knödel im Topf und das Brot im Ofen zählen, dann ist unsere Zeit vorbei, dann werden wir nicht mehr da sein!«
185. Warum die Holzweibel nicht mehr im Erzgebirge leben.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S. 14.)
Der Holzweibchen sind vormals viele in den erzgebirgischen Wäldern gewesen; sie können aber jetzt nicht mehr daselbst leben, seit das Brot im Backofen gezählt wird. Früher wurde es nicht gezählt und da konnten sich die Holzweibel unbemerkt davon holen.
Mehr noch wie die eigentlichen Zwerge machen die Holzweibchen den Eindruck von Angehörigen eines unterdrückten und nur geduldeten Volksstammes. Bemerkenswert ist dabei, daß sie niemals wie die Berge bewohnenden Zwerge als Volk, sondern nur vereinzelt auftraten. Die Eigentümlichkeit ist ihnen nicht bloß bei uns, sondern auch in den Sagen der Lausitz und des Vogtlandes beigelegt. Eine Lausitzer Sage ermöglicht die Deutung, in den Holzweibchen versprengte Slaven zu sehen. In dem Dorfe Königshain wird nämlich einem solchen Weibchen, welches sich den Winter über bei einem Bauer aufgehalten hatte, von einem anderen, das vorübergeht, »Deuto, Deuto!« zugerufen. Es könnte dies ein Warn- oder Fluchtruf sein und so viel wie »Deutsche kommen!« bedeuten. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz I. No. 37.) Unsere Sage deutet an, daß die Holzweibchen sich heimlich das Brot holten, denn als man es zählte, konnten sie nicht mehr in der Gegend unbemerkt leben und zogen deshalb fort.
Doch weisen wieder andere Züge, welche die Sagen von den Holzweibchen anführen, auf mythische Wesen hin, wie sich denn überhaupt die Vorstellungen von unterdrückten Volksstämmen und diejenigen ihrer Gottheiten im Laufe der Zeit mit einander vermengten.
186. Die Holzweibel ziehen fort.
(Edw. Heger in der Erzgebirgszeitung, 6. Jahrg., S. 60.)
Als die Holzweibel von den Menschen nicht mehr gastlich aufgenommen wurden, nahmen sie immer heimlich etwas weg: hier ein paar Klöße aus dem Topfe, dort ein frisch gebackenes Brot, und das war ihnen ein Leichtes, denn sie konnten sich unsichtbar machen. Doch man merkte endlich den Diebstahl und nun zählte die geizige Hausfrau allemal ihre Klöße und Brote, und die Weibel konnten dann nichts davon wegnehmen. Das war schlimm für die kleinen Leute, und sie beschlossen, die ungastlichen Stätten der Menschen zu verlassen und weit fortzuziehen.
Auf der Sosauer Flur wollte die Auswandererschar den rauschenden Egerfluß übersetzen, und ihr König rief dem Fährmann zu: »He Ferge, Du sollst Deinen Lohn im voraus wählen: entweder einen roten Kreuzer für jede Person oder Deinen Hut voll Goldstücke ein für allemal!«
Da sich die Weibel unsichtbar gemacht hatten, so kannte der Fährmann ihre Zahl nicht, und er dachte: Du nimmst das Gewisse! Er entschied sich daher für das Gold. Aber der Zug Leutchen wollte schier kein Ende nehmen, und Nacht und Tag ohne Unterlaß mußte der Mann die Fähre lenken. Endlich sagte der König: »Ferge, Du bist jetzt zu Ende; willst Du aber einmal sehen, was Du mit Deiner Arbeit geleistet hast?« Als dies der Fährmann bejahte, winkte der König und alsbald wurden die Weibel sichtbar, die alle kleine Sturmhütlein trugen. Da erstaunte der Fährmann über die Menge der kleinen Gestalten, die auf den angrenzenden Feldern des Dorfes Pokatitz am nordöstlichen Fuße des Kaadner Burberges aufgestellt waren, eng zusammen, so daß alles rings kohlschwarz aussah. Er merkte nun, wie thöricht seine Wahl gewesen, und daß ihm der verschmähte rote Kreuzer viel mehr eingebracht hätte.
187. Moosmännchen auf dem Kahleberge bei Altenberg.
(Mündlich.)
Auf der mitternächtlichen Seite des Kahleberges sind schon viele irre gegangen. Das geschah durch Moosmännchen, welche sich hier aufhielten und an gewissen Tagen besonders die Holzhauer neckten. Ein Holzarbeiter sah einmal ein solches Männchen; es war klein und sein Gesicht war mit Moos überzogen. Der Holzhauer konnte es aber nur sehen, wenn er etwas seitlich blickte; wendete er sich eilig um, damit er es anredete, so war es verschwunden; er sah es aber immer wieder von der Seite, wenn er weiter ging.
Auch die wilde Jagd hat man vielmals am Kahleberge gehört.
Deutsche Sagen und unter diesen auch solche aus dem böhmischen Erzgebirge erzählen uns ebenfalls von Moosweibchen, welche vielfach mit Wald- oder Holzweibchen zusammenfließen. Moosweibchen lebten z. B. im Harz in der Gegend von Wildemann. Sie werden uns als freundlich und liebreich geschildert und hatten Gänsefüße. Gleich den Holzweibchen wurden sie vom wilden Jäger verfolgt. Eine Erinnerung an die Moosmännchen hat sich im Harze noch darin erhalten, daß bei Volksfesten verkleidete und über und über in Moos gehüllte Knaben mit einem kleinen Tannenbaum in der einen und einer Sparbüchse in der andere Hand umhergehen und milde Gaben erbitten. (Heine, Sagen etc. aus dem Harze, S. 29.) Eine ähnliche dunkle Erinnerung an diese mythischen Wesen findet sich auch im Vogtlande, wo man an einzelnen Orten, wie in Reichenbach, zu Weihnachten kleine Moosmännchen auf den Tisch stellt.
188. Waldgeist bei Pfannenstiel.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)
Hinter Grünhain liegt ein Wald, der Pfannenstiel genannt, auf welchem nicht allein viel Menschen erschlagen worden sind, sondern es hat auch daselbst ein Waldgeist viel Leute geneckt und erschreckt, daß sie davon starben. Dergleichen ist einem Schneeberger mit Namen Mehlhorn begegnet, den es in den Rumpelsbach geworfen, nachdem er dieses Gespenst auf dem Rücken den Berg hinan getragen hatte.
189. Ein Feldteufel zu Grumbach.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 76.)
Im Jahre 1654 hielt der Richter zu Grumbach einen Dorfknaben von 13 Jahren zu seinen Schafen. Von diesen führte ihn ein Feldteufel zweimal weg; das eine Mal warf er ihn nach dem Kitzwalde ins dürre Fichtengras, das andere Mal sahe das Gespenst seinem verstorbenen Vater ähnlich, bald mit, bald ohne Kopf, und es trug ihn in der Höhe über drei Äcker weg und warf ihn dann in einen Morast, so daß der Knabe krank wurde und nicht mehr hüten wollte.
190. Der Getreideschneider.
(Spieß, Aberglaube, Sitten etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. Dresden 1862, S. 14; z. T. mündlich.)
Am Johannesabende in der sechsten Stunde kommt der sogenannte Getreideschneider, der über die Ecke eines Stückes Getreide durchschneidet, von welchem er dann, wenn der Bauer drischt, den vollen Nutzen hat. Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebstöckelöl (Öl aus ~Levisticum officinale~) und macht, nachdem er den Finger in das Öl getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannestages, drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der Getreideschneider bereits dagewesen, so hängt der Bauer, bevor er das Getreide einfährt, ein Büschel Reisigspitzen (frischgrünende Tannenzweige) über dem Scheunenthor auf, drischt sobald als möglich und macht dabei mit dem Reisigbüschel den Anfang. Dann ist der Bann gelöst und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen.
In Thierfeld geht die Sage, daß in der Mittagsstunde des Walpurgistages die Vogelbeerbäume und Feldfrüchte von dem Getreideschneider beschnitten würden, ohne daß man ihn sieht.
Auch in Thüringen hat man ein ähnliche Mittel, um den Getreideschneider, den man daselbst, sowie im Vogtlande, Bilmschnitter nennt, zu erkennen. Man belegt die Tenne mit sieben Reisigbündeln und bearbeitet dieselben mit dem Dreschflegel; die Person nun, welche während dieses Dreschens an das Scheunenthor tritt, wird für den Bilmschnitter gehalten. (B. Sigismund in »Aus der Heimat«, 1862, No. 13.) -- In Süddeutschland heißt der Bilmschnitter »Bilwitzschneider«, und dieser Name erinnert an den slavischen Pilwitz oder Plon, den Gott des Reichtums und zugleich des Todes. Auch die »Pilweisen« der schlesischen und Lausitzer Sagen sind Kobolde oder von Kobolden besessene Menschen, die andern Schaden zufügen. In einer Sage von den Pilweisen zu Lauban tritt ein schwarzer Bock auf; da derselbe auf den Teufel hinweist, so verbindet sich mit den weiblichen Pilweisen (und mit dem Bilmschnitter?) der Begriff der Hexen. -- Da die Sagen von gespenstischen Tieren im Kornfelde mit denen vom Bilmschnitter in einer gewissen Verbindung stehen, so erklären sich dadurch vielleicht auch die im Erzgebirge vorkommenden Bezeichnungen »Stoppelhahn« (jetzt allerdings nur in der Bedeutung eines Festes am letzten Erntetage gebraucht) und »Panzelhahn«. Der letztere Ausdruck erinnert an die oben angeführte Sitte des Reisigbüscheldreschens; denn wenn beim Dreschen des Getreides der letzte Schlag fällt, so ruft man demjenigen, welcher diesen Schlag gethan hat, zu: »Du hast den Panzelhahn geschlagen!«
191. Der Hemann im Erzgebirge.
(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 80.)
Während der Hemann im nördlichen Böhmerwalde einen schwarzen Mantel trägt und ein Hut zum Teil sein bärtiges Gesicht beschattet, erscheint derselbe im Erzgebirge, in der Gegend von Preßnitz, Sonnenberg, Weipert u. s. w. ganz in Grau gekleidet. Den Tag über hält er sich verborgen, kommt aber bei einbrechender Dunkelheit aus seinem Verstecke hervor, um seine nächtliche Wanderung zu beginnen, auf welcher er Ungläubige und Frevler erschreckt und nicht selten mit dem Tode bestraft.
192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864, S. 15.)
In Bäringen neckt und ängstigt der Hemann die Menschen. Doch giebt es dort auch noch andere Waldgeister, die gar nicht einmal sichtbar werden, sondern dem nächtlichen Wanderer nur einen »Traf« geben, ihn »muschen« oder ihm einen Tappen anhängen und ihn so erschrecken, daß er krank wird oder einen Ausschlag im Gesichte erhält.
Sollte unser Hemann mit dem schwäbischen »Hojemann«, d. h. Waldmännlein, oder dem »Hoymann« in der Oberpfalz identisch sein? Beide Namen werden von »hojen« d. h. hegen, den Waldhüten, abgeleitet. (Leipziger Illustr. Zeitung, No. 1738.)
193. Das Hemännchen bei Krima und Neudorf.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 118.)
Seitwärts von den Dörfern Krima und Neudorf dehnt sich der Tenichwald bis nach Sonnenberg aus. Wenn man des Nachts durch diesen Wald geht und mit lauter Stimme ruft: He, he! Hu, hu! so erhält man aus der Ferne Antwort. Hierauf hockt sich etwas auf den Rücken des Wanderers und zwingt ihn, es bis ins nächste Dorf zu tragen, wo es verschwindet. So ging es einmal einem Heger, der mußte die Last bis Krima tragen. Dort war es ihm, als ob etwas hinabspringe, aber er konnte nichts sehen, so rasch war es verschwunden.
194. Das Hemännchen bei Graslitz.
(Grohmann, Sagen etc., S. 118.)
In Graslitz ist das Hemännchen ein neckender Waldgeist, der seine Freude hat an dem Schaden der Leute. Mehrere Holzhauer fuhren einst mit ihren Karren in den Wald, um Bäume zu fällen. Als sie den ersten Baum zu Falle brachten, hörten sie ein heiseres Lachen hinter sich und sahen, daß ihre Karren genau an die Stelle geschoben waren, wohin der Baum fallen mußte. Einen Augenblick später waren alle Karren zersplittert. -- Einige Weiber suchten Heidelbeeren. Nachdem sie ihre Krüge gefüllt hatten, stellten sie dieselben auf den Boden und gingen ein wenig bei Seite. Als sie aber zurückkehrten und ihre Krüge aufheben wollten, blieb der Boden derselben auf der Erde. Zugleich erscholl hinter ihnen ein wildes Gelächter und als sie sich umschauten, sahen sie zwar nichts, erhielten aber eine tüchtige Ohrfeige.
195. Der Hemann des Rammelsberges.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 97.)
Einst lebte zu Platten ein Mann, der hieß Pänkert. Er führte ein lasterhaftes Leben und soll sogar mit dem Teufel im Bunde gestanden sein. Nach seinem Tode entstand in dem Hause, das er bewohnt hatte, ein solcher Tumult, daß darin niemand mehr bleiben konnte. Deswegen kam auf Geheiß der Verwandten ein Schwarzkünstler aus Sachsen, der den polternden Geist auf einen grünen Platz zum sogenannten großen Rainstein bannte, wo er ihn verwünschte, ewig in den Wäldern des Rammelsberges umherzuirren. Seit dieser Zeit treibt dort der gebannte Pänkert als Hemann sein Unwesen. Er erschreckt die durch den Wald gehenden Leute, welche auf sein He-He-Rufen Antwort geben, durch seine löschpapierfarbige, eisgraue Gestalt und drückt sie, wenn sie nicht die Kraft besitzen, über den nächsten Graben zu springen. Über das Wasser wagt sich, wie man sagt, der Hemann nicht.
Einstmals ging ein Weib in den Wald, um ihrem Manne, der Holz fällte, das Mittagessen zu bringen. Auf einmal hörte sie ein lautes He! He! He! Sie dachte, ihr Mann wolle sie ein wenig necken, deshalb gab sie gar herzhaft zur Antwort. Daher! daher! Aber kaum war das Wort verhallt, da stand vor ihr ein baumlanger, eisgrauer Mann mit wütenden Geberden. Vor Furcht und Schrecken eilte das Weib einem Bache zu, den sie mit knapper Not übersetzte, sonst wäre sie unrettbar in die Hände des Hemannes gefallen, welcher ihr dicht auf den Fersen gefolgt war.
196. Das Heideweibchen.
(Mündlich.)
Zwischen Scheibenberg und Crottendorf liegt eine sumpfige Gegend, welche die Heide genannt wird; daselbst geht zu bestimmten Zeiten das Heideweibchen um.
197. Die Marzebilla.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen. 1863, S. 114.)
In der Gegend von Preßnitz befindet sich ein Berg, namens »Bartelwulfenberg«. Hier soll vor Jahren ein Schloß gestanden haben. Der Besitzer desselben hatte eine Tochter, die in ein Nonnenkloster ging. Hier hatte sie eine Liebschaft mit einem Ritter und kam zu Falle. Sie entfloh und starb im Elend. Seit dieser Zeit läßt sie sich nun im Kaiserwalde bei Preßnitz öfter sehen und ist allgemein bekannt unter dem Namen Marzebilla. Sie trägt an ihrer linken Hand einen Handschuh von Blech. Einmal soll ein Bauer aus Neudorf in den Wald gefahren sein, um Holz zu holen. Da blieb plötzlich sein Gespann stehen und konnte nicht weiter. Er sah sich um und erblickte auf dem hinteren Ende des Wagens ein altes Weib, das er an dem Blechhandschuh gleich als die Marzebilla erkannte. Sie bat ihn, sie mitfahren zu lassen. Allein der Bauer sagte, sie sei zu schwer und als sie nicht heruntersteigen wollte, schlug er sie so, daß sie herabfiel. Als aber der Bauer nach Hause kam, legte er sich in's Bett und starb nach acht Tagen. Der Leichnam aber war verschwunden. Erst nach einigen Jahren fand man beim Fällen alter Bäume ein Gerippe im Walde, das man an einem Amulet als das des Bauern erkannte.
Einige Schnitter mähten das Gras am Rande des Kaiserwaldes. Um Mittag, als im Dorfe geläutet wurde, erschien die Marzebilla und forderte die Arbeiter auf zu beten. Diese waren zu faul dazu. Als sie aber nachher zur Quelle gingen, um zu trinken, fanden sie Blut statt des Wassers. Einer von den Schnittern wollte sich besser überzeugen und stieß mit dem Stock in den Schlamm. Da erschien die Marzebilla, gehüllt in einen feinen Nebel, sprach eine Formel und die Schnitter verwandelten sich in Aschenhäufchen.
Wenn Leute in den Wald gehen, um Beeren zu suchen, so erscheint ihnen oft die Marzebilla und führt sie in undurchdringliches Dickicht. Fluchen dann die Leute, so überläßt sie die Marzebilla ihrem Schicksale, beten sie aber, so führt sie dieselben an fruchtbare Stellen, von wo sie den Heimweg leicht treffen.
198. Der Wechselbalg.
(Spieß, Aberglaube, Sitten, etc. d. s. Erzgeb. Dresden, S. 36.)
Ein unter sechs Wochen altes Kind soll nicht »über den Wechsel getragen werden« (d. h. wohl, bald auf dem rechten, bald auf dem linken Arme), sonst holt es der Wechselbalg.
Hier erscheint der Wechselbalg als der auswechselnde Dämon. In der Lausitzer Sage ist dagegen der Wechselbalg ein geistesschwaches, mißgestaltetes Kind, welches von einer aus dem Gebirge oder Walde kommenden alten Frau gegen das wohlgebildete, unter sechs Wochen alte Kind umgetauscht wird, wenn keine Person in dessen Nähe ist. (Haupt, Sagenbuch d. L. No. 71.) Ebenso tauschten nach einer schlesischen Sage die Feenixweibel ein auf dem Felde allein gelassenes kleines Kind gegen das ihrige um, welches verbuttet blieb und ebenfalls Wechselbalg genannt wurde. (Mitteilungen des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgsvereins, 2. Jahrg. No. 7.)
199. Das Mittagsgespenst.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B., S. 13.)
In Bäringen sagt man: Das Mittagsgespenst hockt den Wöchnerinnen auf, die zu Mittag von 11 bis 12 Uhr auf die Gasse treten oder in den Keller oder auf den Boden gehen, und »muscht« sie.
Das Lausitzer Mittagsgespenst, die Mittagsfrau (~Pripolniza~), welche zur Mittagszeit zwischen 12 und 2 Uhr als großes weibliches Wesen auf den Feldern zu erscheinen pflegt, ist streng genommen von der slavischen Todesgöttin oder Pestfrau (~Smertniza~) zu unterscheiden. (S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.) Die Smertniza wandelt ebenfalls als weiße Frau umher und macht sich durch Pochen in dem Hause bemerklich, in welchem innerhalb dreier Tagen jemand sterben soll. (Haupt, Sagenbuch d. L. I., No. 74. Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 91.)
200. Der Alp.
(Mündlich.)
Der Alp ist ein dämonisches Wesen, welches schlafende Menschen drückt, so daß sie keinen Laut von sich geben können. Man nennt dieses Drücken Alpdrücken.
Ein Mädchen erzählte, der Alp käme durchs Schlüsselloch zu ihr, aber sie könne dann nicht um Hülfe rufen; daher bat sie ihre Schwester, dieselbe solle sie nur des Nachts bei ihrem Namen rufen, dann würde der Alp durchs Schlüsselloch wieder fortgehen. In Zwickau erzählt man, daß der Alp fortgehe, wenn man ihn für den andern Morgen zum Kaffee einlade. (Nach Spieß.) Auch glaubt man, daß der Alp Tiere tot drücke. Wenn man nämlich junge Gänse in einen Schweinstall steckt und sie sterben, so spricht man, der Alp habe sie erdrückt. Sterben die Kuhhasen (Kaninchen) und sie sehen dann breitgedrückt aus, so legt man einen Besen in den Stall; dann verliert der Alp die Macht.
Wie in Zwickau wird auch von den Lausitzer Wenden der Alp mit den Worten »~Pschindz justje ksnje danju~« (Komm morgen zum Frühstück) zum Frühstück eingeladen, und es stellt sich dann der Alp gewiß am Morgen dazu ein. Es ist nur schlimm, daß der Alp am Sprechen hindert. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 68.)
Der Alp ist gleichbedeutend mit Elb. Elbe, welche in lichte und schwarze Elbe zerfallen, sind höhere Wesen, denen die Lust innewohnt, die Menschen zu necken, die aber auch teuflische Eigenheiten besitzen. (Grimm, Myth. S. 252.)
In Sagen anderer Gegenden fällt der Alp mit dem Trut, d. h. einem nächtlichen Gespenste zusammen, welches die Menschen ebenfalls im Schlafe ängstigt und drückt. In Kärnthen sagt man:
»Tsch nachts (bei der Nacht) hat mi d'r Trut Gar beasla (bös) g'druckt.«
(Leipz. Zeitung, Wissensch. Beilage. 1884, No. 11.)
201. Die Melusina.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. Prag und Leipzig, 1864, S. 3.)
In Bäringen heißt der Sturmwind »Melusina's Klagen um ihre Kinder«, und wahr muß dies sein, sonst würde man nicht am heiligen Abende, an welchem man neunerlei essen soll, das Tischtuch mit dem Überreste in eine Staude ausschütteln, damit die Melusina, die man wohl hie und da auch heilige Melusina nennt, etwas zu essen habe.
Die Melusina tritt nach allen Überlieferungen unverkennbar als Luftgeist auf. So sagt man z. B. noch anderwärts in Böhmen, wenn der Wind recht pfeift und heult, das sei die Melusina, welche mit ihren Kindern durch die Luft fliege und jammere. Im Jungbunzlauer Kreise denkt man sich dieselbe angethan mit einem schwarzen Mantel und in der Hand ein Sieb haltend, aus welchem Schloßen und Hagel herausfliegen. Bemerkenswert ist schließlich, daß die Czechen für »sterben« die Redensart haben: »mit der Melusina Salz lecken.« (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche etc., S. 3 und 234.)
In den Niederlanden sagt man von dem Wirbelwinde, er sei die »fahrende Frau« oder »fahrende Mutter«, und nach einem Glauben in Westflandern hält die von ihren Ältern verwünschte Königstochter Alvina im heulenden Sturmwinde ihre Umfahrt und weint.
Wenn man im Anfange den Wind mit einem heulenden und gefräßigen Tiere verglichen hat, das alles, was in seinen Weg tritt, vernichtet, so lag dann der allmähliche Übergang dieser Vorstellung in diejenige von einem Geiste, der hungrig im Winde dahinfährt, nahe. In manchen Gegenden Baierns findet sich der Gebrauch, bei heftigem Sturme einen Mehlsack zum Fenster hinaus für den Wind und sein Kind auszuschütten, wobei man spricht: »Nimm das, lieber Wind, koch' ein Mus für Dein Kind!« In diesem Gebrauche zeigt sich eine große Übereinstimmung mit demjenigen in Bäringen, wo die Speisereste aus dem Tischtuche für die im Sturmwinde klagende Melusina ausgeschüttet werden. Der Gebrauch, dem Wind Mehl zu streuen, scheint auch in den deutschen Alpen vorhanden zu sein; wenigstens findet sich bei Rosegger (die Schriften des Waldschulmeisters, 3. Aufl. S. 170) folgende Stelle: »Sie (die Waldleute in den Winkeln) streuen Mehl in den Wind, um dräuende Stürme zu sättigen -- so wie die Alten den Göttern haben geopfert.« In anderen Gegenden nehmen die Landleute, wenn der Wind 12 Tage vor Weihnachten am ärgsten tobt, Apfel und Nüsse und werfen sie in den Ofen, indem sie sagen, daß sie das der »Windsbraut« zum Essen geben. (Henne-Am-Rhyn, a. a. O., S. 55.)
Wie aber ist zu erklären, daß der Sturm Melusinas Klage um ihre Kinder genannt wird? Als nach der Erzählung Gustav Schwabs (Deutsche Volksbücher, 3. B.) die Brunnennymphe Melusina von ihrem Gemahle Raimund Abschied genommen und sich, halb zur greulichen Schlange verwandelt, zum Fenster hinausgeschwungen hatte, hörte man dreimal um das Schloß lautes Rauschen und ein Klaggeschrei; zur Nachtzeit aber sah die Amme der beiden kleinen Söhne Melusinas, wie letztere in gespenstischer Gestalt wiederkehrte und die Kinder aus der Wiege nahm und säugte, so daß dieselben zusehends gediehen.
202. Vom thörichten See bei Satzung.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz. 1699, S. 205. etc.)
Der thörichte See, eine halbe Meile über Satzung an einem wilden, mit jungen Kiefern bewachsenen rauhen Orte, ist ins Gevierte 30 Schritte breit und lang, der Pfuhl ist mit rotem Moos bewachsen, und das Wasser gehet einer Elle hoch darüber ohne Abfluß. Der See soll unergründlich sein, und niemand machet sich gern allein an den Ort, weil die Leute, welche sich im 30jährigen Kriege dorthin geflüchtet, daselbst viel Anfechtung gehabt haben. Es ist umher auf eine halbe Meile lang nichts als eitel sumpfiges Land, daß auch kein rechter Baum darauf wachsen kann, es verwimmert und verbuttet alles. Insonderheit erzählen die Umherwohnenden, daß sich bisweilen viel ungeheure Dinge und Gespenster da sehen lassen. Als einstmals Veit Vogel, ein Mann von Satzung, in selbiger Gegend Vogel gestellet, habe er von 9 Uhr an bis 12 Uhr mittags einen großen Tumult und Alarm von Jauchzen, Schreien, Geigen und Pfeifen gehört, daß es nicht anders geschienen, als würde eine volkreiche Bauernhochzeit oder ein lustiger Schmaus in dem See gehalten; dergleichen Freudentöne haben auch andere zu anderer Zeit gehört.
Ein Mann von Sebastiansberg, Georg Kastmann genannt, hat in derselben Gegend Feuerholz gemacht; zu diesem kam ein schöner Reiter auf einem großen Pferde mit einer langen Spießrute in der Hand, welcher den Holzhauer grüßte und fragte, ob er den thörichten See wüßte. Da der Holzhacker mit Ja antwortete, hat ihm der Reiter ein Trinkgeld versprochen, wenn er mit ihm ginge und den Ort zeige. Da sie nun beide hinzu kamen, ist der Reiter vom Pferde gesprungen und hat gesagt. »Ich bin ein Wassermann, und ist mir mein Weib von einem andern Wassermanne entführt worden; die habe ich in der weiten Welt in vielen Wassern und Seen gesucht und doch nicht gefunden, und soll sie nun an einem so garstigen und wilden Ort finden. Halt mir mein Pferd fest, daß es mir nicht nachspringt, ich will hinein und mein Weib heraus holen.« Darauf hat er mit seiner langen Rute in das Wasser geschlagen, daß es sich zerteilet, dann ist er hineingegangen. Sobald er aber darin gewesen ist, hat sich ein so großes jämmerliches Geschrei und Wehklagen erhoben, daß der Holzhacker nicht wußte, wo er vor Angst bleiben sollte, weil sonderlich das Pferd sehr wild und ungebärdig wurde und immer ins Wasser springen wollte. Mittlerweile ist unter diesem Tumult das Wasser ganz rot geworden und da hat der Reiter sein Weib heraus gebracht und gesagt, er habe sich nunmehr an seinem Feinde gerächt und den Räuber, der ihm sein Weib entführt, erwürget. Damit hat er sich samt seinem Weibe aufs Pferd geschwungen und ist davon geritten; doch hat er zuvor dem Holzhacker ein Beutelein, darin ein Kreuzer gewesen, zum Trinkgeld verehret, mit dem Versprechen, so oft er würde in diesen Beutel greifen, sollte er soviel, als jetzt darin wäre, finden. Der Ausgang hat es auch bestätigt, so daß der arme Mann viel Geld zusammengebracht, weil er oft in den Beutel gefühlet. Da er aber den Beutel zu frei und sicher gebrauchte, ist er ihm entwendet worden; doch hat der Räuber keinen Genuß davon gehabt.
203. Der Nix im Grundtümpel bei Wildenau.
(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße a. a. O., No. 578.)
Einst wohnte ein alter Fischer am Ufer der Pöhl, der hatte eine wunderschöne Tochter. Dieselbe hatte sich aus der großen Anzahl ihrer Anbeter einen der hübschesten jungen Burschen angesucht. Nun war sie aber heitern und muntern Sinnes, und daher kamen oft aus dem benachbarten Dorfe die jungen Mädchen und Burschen bei ihrem Vater zusammen und vertrieben sich die Zeit mit heiteren Scherzen und Spielen. Da begab es sich einst, am Andreasabend, daß das junge Volk auch wieder beisammen war und im Scherz darauf kam, die Zukunft zu befragen. Man schaffte Blei herbei und ein jeder versuchte sein Glück mit Gießen. Als nun die Reihe auch an die schöne Fischerstochter kam, da spritzte auf einmal beim Guß helles Feuer aus dem Wasser, das Blei zerfuhr und nahm sich auf dem Wasser wie Blutstropfen aus. Das Mädchen schrie laut auf und alle schwiegen bestürzt ob des traurigen Anzeichens. Endlich schlug ihr Bräutigam vor, das Schicksal noch einmal zu befragen, nämlich nach dem Pöhlwasser zu gehen und dort Reiser zu suchen. Zwar wollte das Mädchen nicht mit fort, allein durch Zureden ließ sie sich endlich bewegen mit zu gehen; alle ihre Begleiter brachen sich ihre Zweige, als aber die Fischerstochter nach einem derselben langen wollte, glitt sie aus und ein Nix zog sie hinab in die Fluten. Der Nix sah am ganzen Leibe blau aus und trug auf dem Haupte ein Krönlein. Verzweiflung erfaßte den Bräutigam und den betagten Vater. Letzteren entrückte der Tod bald seinen irdischen Leiden, der Bräutigam aber irrte jede Nacht am Ufer der Pöhl in halbem Wahnsinn herum und behauptete, er sähe seine Braut in blauer Nixentracht aus der Flut auftauchen, sie breite die Arme nach ihm aus und rufe ihm zu, in einem Jahre werde sie wieder mit ihm vereinigt sein. So verging ein Jahr; der sonst so blühende Jüngling war fast zum Schatten zusammengeschwunden, und als die Andreasnacht kam, da war er an seinem gewöhnlichen Orte. Allein dieses Mal sahe er seine Braut nicht mehr aus den Fluten winken, als Leiche lag sie im Sande, und als der andere Morgen kam, da fand man ihn neben ihr tot liegen und begrub beide in einem Grabe. Seit jenem Tage aber sieht man dort unzählige Irrlichter auf- und abfliegen, die manchen schon verführt haben; wo aber der Nix das Mädchen hinabzog, da ist das Wasser grundlos geworden, ohne Unterlaß wirbeln die Wellen dort im Kreise und wehe dem Schwimmer, Kahn oder Floß, die sich dahin verirren, der Strudel zieht sie ohne Erbarmen in den Grundtümpel (so nennt man jene Stelle) hinab.
204. Der Wasserteufel in einem Sumpfe bei Gottesgab.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
Im Jahre 1613 wollte ein Bürger zu Gottesgab einen alten Teich, der lange als Sumpf wüste gelegen, wieder herrichten lassen. Als nun zwei Bergleute den Sumpf abführten und zu Grund arbeiten wollten, fuhr ein Wasserteufel im Sumpf auf, wütete und tobte und trieb die Bergleute mit Wasser und Schmutz fort, so daß sie ausreißen mußten.
Solch unbändiges Wesen zeigten auch Niederlausitzer Nixe. In einem Teiche bei Branitz bei Cottbus verursachten sie im Wasser ein »Prusten und Schnaufen, als wären Pferde hineingefallen und dem Ertrinken nahe.« (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 189.) S. auch No. 227.
205. Die Wassernixe am Hans-Heiling-Felsen.
(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 5.)
Hinter dem Dörfchen Aich erhebt sich dicht am linken Ufer der Eger eine Felsengruppe, welche den Namen Hans-Heiling-Felsen führt. Über dies Steingebilde meldet die Sage folgendes:
Vor alten Zeiten, als noch die mächtigen Markgrafen von Vohburg Schloß und Gebiet Elbogen beherrschten, fand ein armer Bauer, der auf das Schloß Frondienste zu leisten ging, dort, wo der Hochaltar der Schlaggenwalder Kirche steht, zwischen zwei großen Steinen ein verlassenes weinendes Knäblein. Andere sagen, am Berge Krudum sei dies gewesen, wieder andere, bei den drei Linden, dem heutigen Schönfeld. Von Mitleid ergriffen, hob er es auf und trug es mit sich. Im Schlosse angekommen, begab sich der Bauer sofort zu der Markgräfin Johanna und sprach: »Es ist pflichtiger Gebrauch, beim Erscheinen auf dem Schlosse eine Gabe mitzubringen. Ich habe heute, als ich eben zur Frone hierher ging, dies Kindlein gefunden und biete es Euch als Gabe dar. Möchtet Ihr doch, gnädige Herrin, an dem armen, hülfsbedürftigen Waislein Barmherzigkeit üben und sein besser pflegen als die eigene Mutter!« Die Worte des biederen Mannes erweichten der Markgräfin Herz. Sie nahm sich des Knäbleins an, das auf ihr Verlangen in der Taufe den Namen Hans, nach seinem Finder aber den Zunamen Heiling erhielt.
Hans Heiling wuchs unter dem liebreichen Schutze der Markgräfin zum blühenden Jüngling heran, der an den Wissenschaften, in die ihn der Burgkaplan einweihte, mehr Gefallen fand, als an den Ritterspielen. Er liebte die Einsamkeit, durchstreifte Wald und Flur und beschädigte sich unablässig mit dem Gedanken, den Urgrund aller Wahrheit zu erforschen.
Als er einmal am Ufer der rauschenden Eger saß und gedankenvoll nach dem Wasserspiegel schaute, tauchte aus demselben eine holde Nixe empor, die mit lieblicher, wunderbarer Stimme dem Überraschten zurief: »Ich kenne, wißbegieriger Jüngling, Deines Herzens tiefen Kummer, die schwarze Kunst ist Dein Begehr. Diese will ich Dir lehren, doch nur unter der Bedingung, daß Du Dich nie vermählst.« Hans Heiling, bezaubert durch die vielversprechenden Worte, strahlte vor Freude, daß er nach langem, erfolglosen Forschen endlich sein so heiß ersehntes Ziel erreichen könne, und schloß mit der Wassernixe unbesonnen den Bund. Die Nixe hielt Wort und Hans Heiling wähnte sich der Glücklichste unter der Sonne zu sein, als er des Wissens Drang erfüllt sah. Seit der Begegnung mit der Nixe war manches Jahr verflossen. Da faßte Hans Heiling mit Hintenansetzen seines gegebenen Versprechens den Entschluß, sich zu vermählen; denn er hoffte, selbst auf seine Kunst vertrauend, die Macht des geheimnisvollen Wasserweibes zu hemmen. Unbesorgt veranstaltete er also die Hochzeit. Der Tag der Trauung war erschienen und die Hochzeitsgäste hatten sich in den Räumen des Schlosses versammelt. Schon stand der Brautzug vor dem Traualtare, eben wollte das glückliche Paar das Jawort aussprechen -- da stieg plötzlich mit furchtbaren Blicken die erzürnte Nixe aus den tobenden Wellen der Eger, ließ unter Blitz und Donner das Schloß verschwinden und verwandelte durch ihren Fluch die ganze Hochzeitsgesellschaft in Stein: das Brautpaar, den Mönch, die Gäste und die Musikanten.
Friedrich Bernau bemerkt in der Comotovia (4. Jahrg. S. 17), daß die Sage vom Hans Heiling zur Faustsage gehöre und jedenfalls durch diese erst hervorgerufen worden sei. Der in unserer Sage angeführte Berg Krudum, südlich von Elbogen gelegen, ist ebenso wie der Heilingsfels und die Stätte, wo einst Alt-Elbogen lag, von mythischer Bedeutung. Ursprünglich ist Hans Heiling die »heilige Wiese«. Im Archive zu Elbogen befindet sich ein aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts herrührendes Schriftstück, welches besagt: »Daß wißmuth So zum Stein Elpogen gehörig, vff der Heiling wissen 2 tagwergk Machen vnd haven die lethaditzer giebt 2 Fuder hew.« Noch im Jahre 1680 wird eine »heilige Wiese« genannt; der Zusatz »Hans« kommt zu dieser Zeit noch nicht vor, ebenso wie noch heute die Redeweise »Am Heiling« die allgemein übliche und gebräuchliche ist. Die in der obigen Elbogener Urkunde genannten »lathaditzer« sind die Bewohner eines seit dem dreißigjährigen Kriege verschwundenen Dorfes auf dem Nordabhange des Aberges.
206. Der Wassermann flickt.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 162.)
Bei Seestadtl am Fuße des Erzgebirges liegt an der Straße ein großer Teich, welcher durch einen breiten, mit Gebüsch bewachsenen Damm eingeschlossen ist und der »Steinteich« genannt wird. Bei diesem Teiche soll sich ein Wassermann öfter am Ufer sehen lassen. Gewöhnlich flickt er dann seine Kleider. Nach dem Glauben der Landleute steigt er immer nur während des Mittagsläutens an's Ufer, setzt sich am Fuße des Dammes hart am Wasser nieder und flickt. Wer ihn verspottet, der wird von ihm in's Wasser hinabgezogen; bloß demjenigen, welcher des Morgens vor dem Ausgehen gebackene Semmelschnitte verzehrt, kann er nichts anhaben. Hat einer den Wassermann beleidigt und keine Schnitten gegessen, so nutzt ihm selbst das Hersagen des Spruches nicht mehr:
»Wassermann plump, Zieh mich nich in Tump, Zieh mich nich zu tief nei', Daß ich nich stecken blei'.«
Der Wassermann ist immer schlecht gekleidet. Sein alter zerdrückter Hut ist voll großer Löcher, durch welche oft Büschel struppiger, grüner Haare herausragen. Sein Gesicht ist mit einem starken Barte bewachsen, und wenn er seinen Mund öffnet, erblickt man seine großen grünen Zähne. Sein Rock sowie seine Hosen sind immer zerrissen und kotig, und er flickt daran, so oft er ans Ufer steigt. Hat er jemandem nachgestellt und ihn unter's Wasser gezogen, so läßt er sich lange nicht sehen.
Eines Morgens trug ein Bauernmädchen Gemüse hinauf nach Eisenberg, und nahm, um zuzustrecken, ihre Richtung über den Damm. Sie war fast hinüber, als sie unten am Damme einen alten Mann sitzen sah, der an einem zerrissenen Rocke flickte und ihr zunickte. Das Bauernmädchen, welches eben nicht an den Wassermann dachte, gab ihm einen Schimpfnamen, worauf sich der Wassermann erhob und seinen Mund öffnete. Die Bäuerin erschrak und lief, so schnell es ihre schwere Last erlaubte, über den Damm hin; der Wassermann hinter ihr drein. Trotz ihres Schreiens sprang er auf den Korb, den sie auf dem Rücken trug und faßte sie beim Halse. Vor Todesschrecken rief sie: »Jesus Marie!« und sogleich war der Wassermann verschwunden. Das Mädchen kam halbtot im Schlosse an und wurde noch dazu ausgelacht, als sie vom Wassermann erzählte. Nach 3 Tagen starb sie und alle Leute waren fest überzeugt, daß daran nur die Berührung des Wassermanns schuld gewesen sei.
Der Nix hat hier grüne Zähne und Haare. Bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte wurde darauf hingewiesen, daß grün eine dämonische Farbe ist. Eine erzgebirgische Sage erzählt von einer grünen Frau am Kahleberge bei Altenberg. Dämonisch wird die verzauberte, ein Schlüsselbund tragende und Schätze hütende Jungfrau des Hausberges in der Grafschaft Mannsfeld; sie erscheint ganz grün gekleidet (Größler, a. a. O., No. 59); in Grün gekleidet waren auch die Hexen bei ihren Tänzen, und auf dem Blocksberge erschien der Teufel grün, der deshalb auch der »Grüne« genannt wird. (Österreich. Touristenzeitung 1881, No. 5.)
Wie der Wassermann bei Seestadtl flicken auch Nixe in der Niederlausitz ihre Kleider; ja ein Nix in einer grundlosen Lache bei Buckow bittet Vorübergehende um einige Lappen und Flecken. Ein Nix in einem Teiche bei Wintsdorf besserte seine Schuhe aus. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 187--198.)
207. Der Nix fordert sein Opfer.
(M. Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit, 1862, S. 39.)
In der obern Zschopau lebt ein Nix, welcher jedes Jahr sein Opfer fordert.
S. die Einleitung zu diesem Abschnitte.
208. Nixe im Zellwaldteiche bei Nossen.
(Alfr. Moschkau, Gesch. des Benedictiner Klosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 8. ~Saxonia~ I., S. 172.)
In dem genannten, ungemein lieblich im Zellwalde gelegenen Teiche sollen Nixe ihren Wohnsitz haben.
209. Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses.
(~Dr.~ Theile in »Über Berg und Thal«, 7. Jahrg., No. 5.)
Im Chemnitzthale hat das nagende und mit Sand und Geröllen schleifende Wasser in den Blöcken des Cordieritgneißes zahlreiche Strudellöcher gebildet, welche man daselbst »Nixenwannen« nennt. Einen Teil der Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke von ungefähr 300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im Frühjahr und Herbst, am wildesten ist und so heftig schäumt und brüllt, daß man an ihren Ufern sein eigenes Wort nicht hört, bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten in dieser Strecke befindet sich im Flusse ein großer, vollständig durchlöcherter Steinblock, der zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen worden ist. Diese Höhle galt beim Volke als der Ausgang eines unterirdischen Nixenschlosses und man erzählte sich, daß man, besonders in mondhellen Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das Thal habe ziehen sehen.
Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz ein mächtiger Fels, im Volke die »Ullrichsburg« genannt, der ehedem ein Raubschloß getragen haben soll.
Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches jetzt den Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde des Volks »Zietsch« hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch Steg führte. Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach Dunkelwerden wagte sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen Pfad, welcher der Chemnitz entlang lief. Dabei mußte man die obengenannte unheimliche Nixensteufe passieren.
210. Der Nix im Rabenauer Grunde.
(Ludw. Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)
Etwa halbwegs im Rabenauer Grunde, da wo die rote Weißeritz, nachdem sie schäumend zwischen großen Steinen sich durchgewunden, einen Bogen macht und sich vertieft, also daß man trotz klaren Wassers nicht auf den Grund sehen kann, ist der Nixentump, in welchem der alte Nix haust.
Wenn die Lübauer Bauern mit ihren schwerbeladenen Wagen den steilen Feldweg am Anfange der nahegelegenen Planwiese hinauffuhren und die Gespanne trotz allen Antreibens die schweren Gefährte nicht den Berg hinaufzubringen vermochten, dann kam wohl der alte Nix mit seinen zwei Schimmeln, legte sich vor den Wagen und nun gings unter fröhlichem Hohrufen und Peitschenknall den Berg hinauf, als wären es bloß leere Geschirre; waren die Gefährte oben angelangt, so daß nur noch ebene Straße vor ihnen lag, dann verschwand plötzlich der alte Nix mit seinen Schimmeln, ohne Lohn oder Dank abzuwarten.
Auf der Planwiese pflegten auch die zwei Töchter des alten Nix die schneeweiße Wäsche zum Bleichen ausbreiten; war aber das Wetter dazu im Grunde nicht günstig, oder störte sie sonst öfteres Begängnis oder des Holzhauers Axtschlag, dann bleichten sie auf der Wiese, da wo rote und weiße Weißeritz ihre Wasser mischen.
Manchmal verlangte es die beiden Töchter des Nix auch nach menschlicher Gesellschaft; dann kamen sie wohl nach Lübau, wenn in der Schenke die Fiedeln zum fröhlichen Tanze aufspielten, und tanzten da mit den jungen Burschen, so daß sie nichts von den Bauerndirnen unterschied, wie ein handbreiter nasser Streifen am Saume des Gewandes. Sie ließen sich dann auch wohl von ihren Tänzern manchmal bis an den Nixentump geleiten, entschwanden aber, dort angekommen, plötzlich ihren Augen; nie hat man gehört, daß sie einem Burschen den Zugang zum Nixentump eröffneten.
211. Die Seebergsjungfer.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 143.)
Geht man von Eisenberg auf dem Fußwege nach der Hütt' und nach dem Orte Kunersdorf, so kommt man aus dem Walde auf die Heide, die sich von Eisenberg bis gegen Kunersdorf und vom alten Seeberg bis hinab an die Straße ausbreitet. Der untere Teil besteht aus schönem Wiesengrunde, den man nur die »Haderwies« nennt. Über dem Eisenberger Walde liegt ein kleiner, stark mit Schilf bewachsener Teich, der »Haderwiesteich« genannt. Gegenüber demselben, einige hundert Schritte aufwärts, quillt aus steinigem Boden ein Bächlein. Diese Quelle hält sehr gutes Wasser, welches immer rein und kühl ist, und heißt das »Quakbrünn'l«.
Vor Zeiten kam oft die Seebergsjungfer herab, um sich in dem Teiche zu baden. Die Hütbuben, welche das Vieh auf der Haderwiese weideten, sahen sie oft dahin kommen. Sie war halb Fisch und halb Mensch. Einstmals war nur ein Junge auf der Wiese. Da stand auf einmal die Seebergsjungfer vor ihm und fragte, ob er sie wohl erlösen möchte, sie wolle ihm so viel Geld geben, daß er die Haderwiese kaufen könnte. Der Junge war damit zufrieden. Hierauf sagte sie ihm, er solle sich jetzt vom Teiche entfernen und nicht eher kommen, als bis sie ihm winken würde. Wenn er ohne Erlaubnis komme, so werde es ihm nicht gut gehen. Der Hütjunge lief eiligst weg, und während er nach seinem Vieh sah, badete sich die Seebergsjungfer in dem Teiche. Als sie fertig war, winkte sie dem Hütjungen. Der kam und schimpfte und warf mit Steinen nach ihr. Weinend kehrte sie nach dem Seeberge zurück und in der folgenden Nacht hörte man sie bis hinab nach Barthelsdorf weinen und jammern. Lange Zeit kam sie nicht mehr, um zu baden.
Auch erschien sie den Leuten oft in Gestalt eines alten Weibes.
Eines Tages ging ein Weib von Eisenberg in den »Busch«, um Holz einzuführen. Als sie am Seeberge ankam, ihre Huck niedersetzte und Holzstücke aufklaubte, sah sie ein altes Weib, welches ihrer Arbeit mit Aufmerksamkeit zusah. »Wohin geht Ihr?« fragte das Eisenberger Weib. »In's Gebarg'sche!« (übers Gebirge) antwortete die Alte und verschwand vor den Augen des Holzweibes. Diese hatte aber gesehen, daß sie hinter sich einen Fetzen von ihrem Kleide nachschleppte; es war also die Seebergsjungfrau gewesen.
Über die der deutschen Sage fremdartige Erscheinung einer Wassernixe, halb Mensch und halb Fisch, s. die Einleitung zu diesem Abschnitte. Noch mag darauf hingewiesen werden, daß auch die Nixe der Totenlache zwischen Schleusingen und Rappelsdorf hinter sich einen häßlichen Fischschwanz schleppt. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 19.)
212. Der Kobold zu Lauter.
(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 949.)
Im Jahre 1695, kurz vor Weihnachten, ereignete sich zu Lauter in einer Schenke bei einem Fleischhacker in der Kammer, wo er mit seinen Kindern geschlafen, von ungefähr 9 bis 11 Uhr abends, und von 1 bis 3 Uhr nach Mitternacht, bei der Kinder Bette ein Kratzen, welches sie in der Ruhe merklich störte. Anfänglich hielt er's für eine große Ratte und hat fleißig aufgestellt, aber nichts gefangen. Mit der Zeit hat's auch angefangen so laut zu pochen, daß man's im Keller hat hören können, und hat den Kindern keine Ruhe gelassen. Ein Knabe von zwölf Jahren hat fleißig gebetet und zu ihm gesagt: »Laß mich doch in Ruhe; wenn du nicht mit beten willst, auch nicht beten kannst, so gehe deiner Wege!« und ist dabei unerschrocken gewesen. Im Januar 1696 hat ein Kind von ohngefähr ein Band in den Händen mit ins Bette genommen, welches das Ungetüm dem zulaufenden Volk, durch ein Astloch der Decke herab ins Haus steckend, gezeigt und damit gespielt; wenn es jemand hat ergreifen wollen, ist's entwischt und bald zu einem andern Loch auf solche Weise herunter gehangen worden. Gedachter Fleischhacker hat dabei sein Geld aus einem verschlossenen Kasten vermisset und ist dazu gekommen, daß es eine ganze Bürde Wäsche bis an die Kammerthür gebracht, welche er noch rettete. Der Schulmeistersubstitut des Ortes unterstand sich das Ungeheuer zu fragen, da es denn viel geredet, in einem Tone, wie ein zarter Knabe oder eine Weibsperson, es ist auch zornig auf ihn geworden, daß es ihn hinein in die Kammer gefordert, wohin er sich jedoch nicht getraute, sondern ist in der Thür stehen geblieben. Hernach haben auch andere ihren Fürwitz gebüßt und allerlei gefragt: unter andern, ob es von einer gewissen Person dahin gebannet wäre, da es denn mit Ja geantwortet. Als am 19. Januar die Wirtin eines Kindes genesen, und am 20. darauf das Taufmahl gegeben wurde, wobei sich auch nebst den Gevattern der Pfarrer und andere Leute befunden, ist weiter nicht das geringste gehöret worden.
Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte darauf hingewiesen worden, daß die Kobolde als unselige Geister erscheinen, welche nicht beten können. Als der Bauer dem Kobolde in Schmalzerode vorbetete und an die Worte kam: »Das Blut Christi,« setzte der Kobold an und sprach: »das Blut -- das Blut --« dann sprang er verdrießlich auf, stampfte mit dem Fuße und rief: »Ach was, das Blut zicke, zacke, zicke, zacke!« bleckte die Zähne und lief aus der Stube und ist nicht wieder gekommen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 32.)
In einigen Sagen erscheinen die Kobolde sogar mit teuflischen Zügen. So nahm ein Kobold in Kloster Mannsfeld seinen Weg durch den Schornstein, als er einer Frau während des Gottesdienstes Speisen und Getränke brachte; er war dabei wie helles, loderndes Feuer anzusehen. Im Dorfe Wettelrode trug eine alte Frau Kobolde zum Verkaufe; wer einen solchen gekauft hatte, der mußte seinen Namen mit dem eigenen Blute in ein Buch schreiben, welches die Frau bei sich hatte. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, Nr. 146 und 201.) Die zum Verkaufe ausgetragenen Kobolde erinnern übrigens an die Bilder von Hausgöttern (S. die Einleitung); Kobolde waren wie letztere klein, denn der Kobold (vom wälschen ~cob~, der Daumen) ist ein Däumling.
213. Der Poltergeist zu Grüna.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)
Auf dem adeligen Vorwerk Grüna bei Scharfenstein hat ein Poltergeist im Stall an Menschen und Vieh großen Mutwillen geübt, daß fast kein Gesinde mehr bleiben konnte. Endlich sind Leute in einer Kammer, da es sich am meisten hat spüren lassen, mit bloßem Gewehr geordnet worden, welche alle Winkel durchhauen mußten, da sich endlich eine alte Haube oder Mütze soll gefunden haben, und hat damit die Gaukelei ein Ende gehabt.
214. Der Kobold zu Thalheim.
(Lehmann a. a. O., S. 952.)
Bei dem Oberförster zu Thalheim war ein Kobold im Hause, welcher den Leuten große Last und Schalkheit anthat, daß sie nicht mehr bleiben konnten. Endlich brannte das Haus weg; etliche meinten, das böse Ding hätte es angezündet, andere, der Hausherr hätte es selber lassen anzünden, um das Ungetüm los zu werden. Da sie aber ihre Sachen ausgeräumt hatten und auf einem Wagen davon fahren, lässet es sich unter denselben mit vernehmlicher Stimme hören: »Wären wir nicht so gerannt, so wären wir wohl mit verbrannt.«
Ursprünglich sind die Kobolde schützende Hausgeister; sie gehören als Geister der Vorältern zur Familie, daher ist auch ihre Anhänglichkeit zu letzterer und allem was ihr gehört, erklärlich. Ihre neckische Natur ist ein späterer Zusatz.
Rochholz erzählt in »Deutscher Glaube und Brauch« (I. S. 162.), daß man eine Wohnung abbrach, um dem darin spukenden Gespenste zu entgehen. Als man aber mit dem letzten Fuder alten Holzwerks in den Neubau einfuhr, sprang der Kobold als Katze zusammengebuckelt vom Wagen in die offene Scheune.
215. Schalkheiten des Kobolds in einem Hause zu Annaberg.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 951.)
In eines Geistlichen, des ~M.~ Enoch Zobels Bürgerhause zu Annaberg hat sich im August und September des Jahres 1691 folgendes begeben:
Es hat mit Auf- und Niedergehen, Klappern, Schlagen, Auf- und Zumachen der Thüren, Werfen, Fallen, Verschleppen des Hausrats, Rufen, Lachen, Zupfen bei den Kleidern, schimpfliches Necken einer Magd viel seltsame Händel getrieben. Bisweilen ist es als ein dunkelgrauer fortrauschender Schatten erschienen und hat sich einst mit einem nackenden Arm erblicken lassen; im verschlossenen Gewölbe sahe man Licht brennen, es steckte grünes Waldreisig auf die Hausthüre, desgleichen es auch auf und an den Spiegel gethan. Im hintern Hofgewölbe hat sichs hören lassen, als ob Bergleute arbeiteten. Eine Kugel hat es die Treppe herunter ins Haus geworfen. Alte Kleider hat es hervorgetragen und seltsam aufgehängt. Den Schlafenden wollte es die Betten nehmen, bei Tage hat es etliche Betten verschleppt und brennendes Licht auf den Boden getragen. Einem wachenden beherzten Bürger überfiel etwas in der Nacht, seinen Gedanken nach wie ein zottiger brauner Bär. Es sah bisweilen zum Stallfenster heraus wie ein altes Angesicht mit einer schwarzen Haube. Es gab der Hausgenossin eine starke Ohrfeige, daß man die roten Striemen noch des andern Tages sehen konnte. Es steckte die Ofengabel, Ofenkrücke, einen langen Borstwisch mit allerlei Lumpen behangen zur Hausthür hinaus auf die Gasse. Ferner zog es den großen Wassertrog ab und versteckte die Zapfen, setzte ein brennendes Licht auf die Hausbank und schürte Feuer auf dem Herde. Dergleichen Schalkheiten verübte es sehr viel, und wenn es etwas angestiftet, so lachte es. Es versteckte die Schlüssel, streute Korn vom Boden hinab in den Hof. Der Hausgenossin Betten trug es auf den Gang hervor, aber man sahe keinen Träger. Es steckte allerlei Sachen zusammen in den Ofentopf. Ein Studiosus sahe etwas wie ein altes Gesicht, es warf ihn mit einem Steinchen und hielt ihm rücklings beim Claviocordio mit kalten Händen die Augen zu. Es entführte unterschiedliche ausbreitete Wäsche. Den 26. Sept. befand sich Feuer und Dampf auf dem Holzstalle, worauf die Bewohner des Hauses Lärm machten, so daß es bald gelöscht wurde. Mittlerer Zeit war allenthalben gute Anstalt wider alle Gefahr getroffen worden. Im Hause wurde täglich zu gewissen Stunden gesungen und gebetet. Es wurde auch öffentlich in der Kirche Fürbitte angestellt. Nachgehends hat sich weiter nichts mehr spüren lassen.
Dieser Sage liegt eine wirkliche Thatsache zu Grunde, doch hat der Aberglaube viel dazu gedichtet. Richtig ist es nämlich, daß der Spuk in dem Hause des Archidiakonus Zobel zu Annaberg zum Teil von einem Manne mit Namen Anton Friebel hervorgerufen worden war, welcher sich in eine zottige Decke gehüllt und in dieser Verkleidung entweder als Hund oder selbst als altes Weib die Bewohner zwei Monate lang geängstigt hatte. Trotz des Geständnisse von Friebel hielt man eine derartige Täuschung auf natürlichem Wege für unmöglich, so daß selbst in dem Urteile des Schöppenstuhls zu Leipzig vom 8. Januar 1698, wodurch der Inquisit zum Strange verurteilt ward, seiner spukhaften Erscheinungen ausdrücklich und lebhaft gedacht wurde. Der Geistliche, der ihn hiernächst zum Tode vorbereitete, drang mit der Frage in ihn, ob er nicht ein geheimes Bündnis mit dem Satan habe, und als er sich erbot, seine Zauberstückchen vor aller Augen zu wiederholen, wenn man ihm seine zottige Decke geben wollte, verwies ihm dies der Geistliche mit heiligem Schauer und ermahnte ihn, die wenigen Stunden, welche er noch zu leben hätte, nicht zu zu solchen Teufeleien, sondern zu seiner Bekehrung zu verwenden. (Unterhaltungsblatt zum Erzgeb. Volksfreunde, 1884, No. 32.)
216. Der Koboldstein bei Pfaffengrün.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 50.)
Wer von Joachimsthal aus auf der steilen, nach Mariasorg führenden Gemeindestraße wandert, genießt auf der Mariasorger Höhe eine bezaubernde Fernsicht auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine Engelhaus, auf das Mittelgebirge und einen Teil des Egergebietes; rechts streckt der Pleßberg, links der Koboldstein sein Haupt empor. Zu letztgenanntem Berge, der eine herrliche Aussicht gewährt, gelangt der Reisende in südlicher Richtung. Dahin wandert die Einwohnerschaft der Bergstadt Joachimsthal am Ostermontage um ein Uhr morgens. Vor Sonnenaufgang sieht man oben die Kobolde tanzen; doch die Auferstehung des Herrn verkündend, gewahrt man die Sonne, bevor sie sich ruhig über den Horizont hebt, vorerst dreimal emporhüpfen.
Man will jetzt den »Koboldstein« zu einem »Kobaltsteine« machen, weil daselbst Kobalterz mit Hornstein zu gewinnen sei. (Karl Viktor Ritter von Hansgirg.) Fremdartig ist in unserer Sage, daß Kobolde, welche doch vorzugsweise Hausgeister sind, auf einem Berge tanzen; jedoch mag daran erinnert werden, daß Kobolde auch zuweilen als Waldgeister auftreten.
217. Der Kaspar des Greifensteins.
(M. Spieß, Aberglauben etc., des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39. Gießler, Sächs. Volkssagen, S. 116.)
Auf dem Greifensteine bei Geyer läßt sich der Kaspar sehen. Er erscheint in weißen Hosen, rotem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und Bonaparthut. Man erzählt: Eines Tages, nachmittags 4 Uhr, als die Arbeiter eines Steinbruchs, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt, ihr Brot verzehrten, ruft aus Unmut einer von den Arbeitern gegen die Höhe des Felsens: »Komm, Kaspar, iß mit!« In demselben Augenblicke kommt ein großer Stein vom Felsen herab und fällt gerade neben dem Arbeiter hin.
218. Geist Mützchen.
(Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, No. 554.)
Nicht weit von Freiberg ist ein Gehölz, das heißt der heimische Busch, und in demselben hauste vordem ein Kobold, den die Leute Mützchen nannten und damit an den bekannten Kobold Hütchen erinnerten. Geist Mützchen gehörte zu jenen gespenstischen Hockelmännchen, die sich den Reisenden und solchen Leuten, die im Walde Geschäfte hatten, aufhockten und sich weite Strecken tragen ließen, bis die Leute ganz abgemattet waren und fast odemlos umsanken. Wenn sie ihn nun fast nicht mehr tragen konnten, hüpfte er von ihrem Rücken plötzlich weg, schnellte auf einen Baum und schlug ein schmetterndes Gelächter auf. Dies arge Possenspiel trieb Geist Mützchen absonderlich im Jahre 1573 und sind viele Personen durch sein Aufhockeln krank geworden. Einst fand eine Butterhökerin einen prächtigen Käse im heimischen Busche. Des Fundes froh und überrechnend, was sie dafür lösen werde, legte sie ihn in ihren Tragkorb; da wurde der Korb so schwer, daß sie endlich von der Last niedergezogen ward und in die Knie sank und den Korb abwarf. Da rollte ein Mühlstein aus dem Korbe und in die Büsche, und aus den Büschen schaute Mützchen mit gellendem Gelächter, daher man auch von einem hell und grell Lachenden sagt: »Der lacht wie ein Kobold.« Den Namen aber hatte Mützchen von seiner Nebelkappe, die ihn unsichtbar machte, und wenn er sie abthat, so sah man ihn, und dann setzte er sie oft plötzlich wieder auf und war im Nu verschwunden. Davon ist das Sprichwort entstanden, wenn jemand etwas sucht und es an einem Orte gesehen zu haben glaubt und es doch nicht finden kann, daß man sagt: »Ja, da sitzt er und hat Mützchen auf!« -- nämlich der Zwerglein unsichtbar machendes Nebelkäppchen.
Vom Geist Mützchen wird hier ausdrücklich hervorgehoben, daß er im Besitze der überhaupt keinem Zwerge fehlenden Tarn- oder Nebelkappe gewesen sei. Er hat aber offenbar die neckische Koboldnatur, welche den eigentlichen Zwergen fehlt. Letztere leben mit den Menschen auf freundschaftlichem Fuße und treten auch gewöhnlich als Volk auf; Kobolde leben dagegen meist einsam. Die Nebelkappe ist ein Abbild des Berges, dem Wohnorte der Zwerge. Auch nach anderen deutschen Sagen tragen Kobolde Mützchen und zwar von roter Farbe. (Sommer, Thüringsche Sagen, S. 171.) Der hildesheimische Kobold »Hütchen« hat von dem spitzen roten Hute seinen Namen. (Jac. Grimm, deutsche Myth., S. 290.)
219. Der Katzenveit im Kohlberge bei Zwickau.
(Ein gründlicher Bericht vom Schnackischen Katzen-Veite. Als einem wercklichen und würcklichen Abentheure beym Kohlenberge im Voigtlande etc. An den Tag gegeben von Steffen Läufepeltzen, aus Ritt mier ins Dorff. o. O. u. J. (1651.) Daraus bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 616.)
Um den Kohlberg bei Zwickau soll sich ein Gespenst sehen lassen, welches seiner lustigen Streiche wegen viele Ähnlichkeit mit dem Rübezahl hat und der Katzenveit heißt. Jener Berg hat seinen Namen von den Steinkohlen, die er enthält und soll seit dem Jahre 1479, wo einmal ein Jäger einen Fuchs gehetzt und nachdem er solchen verfolgt, sein Gewehr von ohngefähr in eine Grube losgebrannt, innerlich brennen. Wer jener Katzenveit ursprünglich gewesen, darüber sind vielerlei Vermutungen aufgestellt worden. Unter anderem sagt man, er sei einst ein sehr ungetreuer Schösser oder Statthalter der Hessen, also ein Katten-Vogt gewesen, habe aber so viele Gelder und Einnahmen unterschlagen, daß er nach seinem Tode nicht habe ruhen können, sondern immer spukend umgegangen sei, bis er von einem Hexenmeister und Teufelsbanner in diese Wildnis verbannt worden; weil er sich nun nicht unter diesem Berge wolle bergen lassen, sondern sich über die schwere Last beschwere, so bewege er den Berg und speie aus Bosheit und Gift Feuer von unten in die Höhe. Am meisten läßt er sich zur Zeit des St. Veitstags spüren, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt. Von ihm werden nun verschiedene lustige Streiche erzählt.
So zog einst in einem vogtländischen Städtchen ein fremder Hausierer mit Brillen und einer Menge Kurzwaaren herum und betrog die Leute durch seine geschickte Redegabe um ihr Geld und hing ihnen dafür seinen unnützen Kram auf. Das verdroß den Katzenveit, der gerade dort herum strich, gewaltig, er kaufte ihm also ein hölzernes Pfeifchen für 15 Pfennige ab, obgleich jener 18 gefordert hatte, und versprach ihm noch mehr Waren abzunehmen, wenn er mit sich handeln ließe, betastete dann jedes einzelne Stück und steckte es wieder an seinen Ort, worauf er, angeblich um Geld zu holen, sich entfernte. Sobald er aber weg war, da hatte sich der ganze Kram des Hausierers in Seile, Stricke, Stränge, Sackbänder, Peitschenschnüre und Bindfaden verwandelt und an seinem Halse befand sich ein natürlicher Diebsstrang, an dem ein kleiner hölzerner Galgen baumelte. Da stand nun Matz Flederwisch ganz bestürzt da und wunderte sich, daß er auf einmal aus einem Materialisten ein Seiler geworden.
Einst hatte ein geiziger Bauer seinen ganzen Sinn auf die Bienen gestellt und wo er nur einen Schwarm vermutete, derselbe mochte nun von den Seinigen abgezogen oder anders woher gekommen sein, da hat er seinen Korb angeschlagen. Das hat den Katzenveit schwer verdrossen. Er hat sich also in Gestalt eines Bienenschwarms an einen Baum gehängt und ist von dem geizigen Bauer schnell in den Bienenkorb geschlagen worden. Als derselbe nun nachsehen will, wie sich der Schwarm im Gefäße geberde, da wird er gewahr, daß die vermeinten Bienen schon darin gearbeitet, Zellen und Honig gesetzt haben. Darüber hat er sich erst sehr verwundert, aber als er näher zuschaut, findet er, daß der vermeintliche Honig stinkender Kot sei, welchen ihm eine im Stocke sitzende Eule mit den Flügeln ins Gesicht schleuderte, dann herausfuhr und auch seine übrigen Bienenstöcke, 200 an der Zahl, mit entführte; der Bauer aber, der ihr nacheilte und sie aufhalten wollte, brach vor lauter Eifer beide Beine.
Ein anderesmal kam ein fremder Botaniker auf den Kohlenberg und dachte dort kostbare Pflanzen zum Goldmachen zu finden; zu dem gesellte sich der Katzenveit als Kräutermann gekleidet und nannte ihm das reife Silberblatt, Pfennigkraut, Tausendgüldenkraut, Goldblümchen, Frauenmütze etc. als lauter Kräuter, die Gold brächten. Der Thor grub nun alle diese Kräuter aus, weil er meinte, Gold unter ihnen zu finden, allein er fand nichts, und als er mit seinem Funde schnell nach Hause eilte, brach er unterwegs den Arm, ja er erschlug zu Hause in der Hitze seine Frau, die ihn ausgelacht hatte, und grämte sich dann teils deswegen, teils weil er aus den Wurzeln nicht reich geworden war, zu Tode.
Einst ist er nach Tripstrille als Kammerjäger gekommen und hat vorgegeben, er könne Ratten und Mäuse vertreiben. Dafür hat man ihm eine Partie schöner Thaler versprochen, allein als er das Ungeziefer weggebannt, ihm solche nicht ausgezahlt. Da ist er nach Art des Rattenfängers von Hameln wiedergekommen und hat alle Katzen der Bürger, deren 666 gewesen sein sollen, aus der Stadt geführt, und seit dieser Zeit sollen dort keine Katzen mehr fortkommen.
Einmal hat ein Saufbruder vor Pfingsten Maien beim Kohlberge geholt und in seine Behausung gebracht, in Willens, eine grüne Lust dabei zu genießen und seine Biergötzen damit zu beehren; das hat den Katzenveit, der der rechte Waldmeister und Baumherr ist, schwer geärgert. Wie nun solcher Birkenschmuck hin und wieder in der Stube ausgebreitet und damit gleichsam eine Laubhütte gemacht worden war, da wird das Bierfaß hereingeschleppt, in die Mitte gestellt und der Saufbartel und seine Freunde setzen sich auf Schemeln rund herum und gießen so einen Becher nach dem andern in die Gurgel hinab und bringen sich einen Toast nach dem andern zu. Auf einmal fängt aus dem Laube ein Kuckuck zu schreien an, was ihnen anfänglich gar närrisch vorkommt, darauf fängt ein Storch an zu klappern und endlich singt die Nachtigall ihr Runda Runda Dinellula. Da erschrecken sie bald ein wenig und wissen nicht, wie ihnen geschieht, denn bald werden sie gezupft und sehen doch nicht, woher es kommt, bald schwingen und schütteln sich die Maien und schlagen auf die Tagediebe los, daß sie Zeter und Mordio schreien und aus der Stube hinweglaufen. Gleichwohl hoffen sie, der Spuk werde sich bald wieder verlieren, damit sie zu ihrem Gelage zurückkehren können. Sie gucken darüber zum Fenster hinein, siehe da waren aus allen Maien junge Mägdlein geworden, welche schöne Gläser in den Händen hatten. Da sprangen alle eilig wieder in die Stube, faßten sie an und sprangen mit ihnen um das Bierfaß herum. Wie sie sich aber ein wenig umschauen, da haben die Damen Teufelsklauen an Händen und Füßen, ein großes rundes Auge mitten im Kopfe und an diesem Ziegenhörner. Ei, wie teuer wurde ihnen jetzt das Lachen, wie gern wären die Hengste jetzt hinaus und davon gewesen! Aber sie mußten ausharren und bei etlichen Stunden also herumhüpfen, daß ihnen der Angstschweiß an allen Orten ausbrach und sie endlich für tot niedersanken. Zwar haben sie sich bald wieder erholt, aber ihre lose Pfingstlust war ihnen für immer vergangen.
Oft zog der Katzenveit als fahrender Schüler im Lande herum und foppte die Wirte. So kam er einst als armer Student zu einer Wirtin und legte sich ohne Weiteres in ein schönes Gastbett. Sie aber trieb ihn heraus, er aber stahl ihr das Bett und verkaufte es. Ein anderesmal sah er, daß eine Schankwirtin gebratene Tauben am Spieße stecken hatte; als sie nun aus der Küche abgerufen ward, huschte er hinein, nahm sie mit sich und aß sie ungescheut in der Stube am Tische auf. Wie nun die Frau das sah und ihr Eigentum vermißte, fragte sie ihn, wie er zu den Tauben komme, und er antwortete. »Wie kommt der Tag zum Winde (sintemal es gerade sehr stürmte)?« Damit nahm er die andere gestohlene Taube beim Kopfe und fraß sie auch auf. Endlich kam er einst in ein Dorf, wo ein geiziger Pfarrer wohnte, der niemandem etwas gab, sondern alle Ansprechenden entweder selbst, in einem dicken Bauernpelz vermummt, oder durch seine Leute oder mittelst seines Kettenhundes forttrieb. Bei diesem trug er sich so an, als gehe er auf Freiersfüßen und wolle seine Tochter ehelichen. Da nahm man ihn mit Freuden auf, der Vater ließ etliche Tauben zurichten und braten und die Mutter lief etliche Male vom Feuer weg und ließ die Küche leer stehen. Nun zog er schnell mitgebrachte junge, abgerupfte Raben aus dem Ränzel, lief zum Herde, spießte sie an und so wurden sie zusammen fertig. Als sie aber aufgetischt wurden, da partierte er letztere auf den Teller des Pfarrers und seiner Frau, und kehrte es also, daß die rechten Tauben auf den seinigen kamen, dann aber machte er sich, nachdem sein Appetit gestillt war, aus dem Staube.
Einst fragte man ihn, warum jetzt alles so teuer sei, und er antwortete, es gebe jetzt mehr Tribulierer und Flegel als sonst, besonders junge Drescher, die Prokuratoren hießen und sich für ihre Dienste allemal zuvor bezahlt machten, also, daß wenig in den Scheunen blieb. Das hörte zufällig ein Advokat, der dabei stand und sprach: »Ganz recht mein Knecht!« und indem er ihn bei der Hand faßte, sagte er: »Ich greife nach dem Flegel und marschiere auf die Tenne in Willens, den Rest vollends auszuklopfen und darauf zu schlagen, bis ich das Stroh aufreibe.« Aber jener nicht faul, packte den Rabulisten bei der Kartause, fuhr ihm erstlich über's Maul, warf ihn dann zu Boden und sprach. »Halt, Geselle, ich muß dich ein wenig zudreschen!« und indem schlug er mit allen beiden Klöppeln auf die ungegerbte Garbe los, daß das Schrot und Korn haufenweise (denn der Geizhals hatte eben einen Haufen Geldes bei sich) aus dem Strohjunker heraussprang, also daß der neue Drescher nicht allein eine große Ernte an ihm hielt und seine Säckel anfüllte, sondern auch die Zuschauer eine gute Nachlese halten konnten, weil der Katzenveit ihn wund geschlagen. So hatte der Patient keinen Beweis, seinen Beleidiger zu verklagen, und damit zu wuchern, sondern er mußte die Stöße hinnehmen, als hätte ihn ein Hund gebissen.
Es ist bereits in der Einleitung zu diesem Abschnitte auf die Ähnlichkeit des erzgebirgischen Katzenveit mit dem Rübezahl des Riesengebirges hingewiesen worden. Unter den derben Neckereien des ersteren erinnert z. B. die mit dem kotigen Bienenkorbe an eine Sage von Rübezahl; derselbe verkaufte nämlich Bienenkörbe, welche mit Menschenkot bestrichen waren. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. H., S. 11.) Beiden Sagengestalten ist die Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen, sowie Gegenstände zu verwandeln, gemeinsam.
220. Ein Stückchen vom Pumphut.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nosseners.)
In der Beiermühle bei Siebenlehn sprach einmal der gespenstige Mühlknappe an, der seines eigentümlich geformten Hütchens wegen »Pumphut« genannt wurde. Die Leute waren eben beschäftigt, ein neues Wasserrad einzusetzen, sahen den Fremden gar nicht an und fertigten ihn kurz ab. Kaum war Pumphut weiter gegangen, so fand sich, daß die Zapfen am Rade zu kurz waren. Die Zeugarbeiter, die ihr Werk so sorgfältig wie immer ausgeführt hatten, zerbrachen sich den Kopf, bis einer auf den Gedanken kam, der Fremde möge wohl Pumphut gewesen sein und ihnen einen Schabernack angethan haben. Sofort eilten sie ihm nach und bald sahen sie ihn gemächlich an der Mulde weiter wandeln, aber so sehr sie auch rannten, sie konnten ihn nicht einholen, auch hörte er lange nicht auf ihr Rufen. Endlich blieb er stehen, erwartete sie und kehrte nach vielen Bitten mit um nach der Mühle. Dort klopfte er mit seinem Hütchen rechts und links an das Rad und nun paßte alles vortrefflich. Da ihm nun alle Ehre erwiesen ward, bannte er noch die Sperlinge, die dem Müller immer viel Schaden gethan hatten. Seitdem soll sich kein Sperling mehr dort wohlbefinden.
In Gräßes Sagenschatz von Sachsen (No. 672) ist eine im Wesentlichen mit der unsrigen übereinstimmende Sage vom Pumphut mit der Burkhardtsmühle im Vogtlande verknüpft; eine andere Sage, die Gräves Laus. Sagen entlehnt ist und auch von Karl Haupt mitgeteilt wird, verlegt die Begebenheit nach Volkersdorf (Sagenschatz No. 841.) Ebenso teilt Veckenstedt in seinen Wendischen Sagen und Märchen S. 86 etc. drei Überlieferungen mit, nach denen Pumphut Mühlwellen verkürzte. Mehr noch als durch seine übernatürlichen Künste, wie das Fahren in papiernen Kähnen über Flüsse, z. B. die Mulde, das Zerschneiden eines Mühlsteins in Bautzen, das Auffangen von Kugeln in seinem Hute u. a. m., erscheint uns Pumphut durch sein Ende und eine Begebenheit in seiner ersten Kindheit als ein dämonisches Wesen. Da er noch als Kind in der Wiege lag, verschwand er plötzlich und an seiner Stelle fand sich eine Schlange; wie ihn nun seine Eltern vergeblich überall gesucht hatten und wieder in die Wiege blickten, lag er auf einmal frisch und gesund in derselben. Hier tritt die dämonische Schlange an die Stelle des ebenfalls dämonischen Wechselbalgs. Pumphut wurde endlich nach seinem Wanderleben, auf dem er hauptsächlich Mühlen aufsuchte, von einer Schlange, welcher ein Kopf nach dem andern aus dem Halse wuchs, bis es an die Hundert waren, lebendig verzehrt.
Eine wendische Sage bezeichnet ihn als großen Nix, der aber nicht gern im Wasser lebte. (Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 220 und Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen, S. 86 etc.)
221. Das Jüdel.
(Lehmann, Hist. Schauplatz, etc. S. 930. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen No. 561.)
Man kennt im ganzen Erzgebirge ein Kindergespenst, das sogenannte Jüdel (richtiger »Gütel«, von gut) oder Hebreerchen und erzählt, daß, wenn die kleinen Wochenkinder während des Schlafs die Augen halb aufthun, die Augäpfel in die Höhe wenden, als wollten sie etwas sehen, dabei zu lächeln scheinen und dann wieder fortschlafen, manchmal auch zu weinen anfangen, daß das Jüdel mit ihnen spiele. Damit nun aber die Kinder nicht ferner von demselben beunruhigt werden, so kauft man ein kleines, neues Töpfchen samt einem Quirlchen, und zwar so teuer, als man es bietet, ohne zu handeln; da hinein wird von dem Bade des Kindes gegossen und es dann auf den Ofen gestellt und man sagt, das Jüdel spiele damit und plätschere das Wasser so lange heraus, bis nichts mehr im Töpfchen sei. Andere blasen Eier aus den Schalen in des Kindes Brei und der Mutter Suppe und hängen solche hohle Eierschalen samt etlichen Kartenblättern und anderen leichten Sachen mehr mit Zwirn an die Wiege des Kindes, daß es frei schwebe. Wenn nun die Thür aufgemacht wird, oder es geht und bewegt sich jemand in der Stube, also daß die am Faden schwebenden Sachen sich in der Luft bewegen, so sagen die Weiber, man solle nur acht geben, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spiele. Wenn zuweilen die Kinder rote Flecke haben, da sagt man, das Jüdel habe sie verbrannt; dann soll man das Ofenloch mit einem Speckschwärtlein schmieren. Das Jüdel spielt aber auch des Nachts mit den Kühen, dann werden sie unruhig und brummen, macht man aber Licht an, so sieht man nichts. Ebenso geht es in die Pferdeställe und fängt an die Pferde des Nachts zu striegeln, dann werden dieselben wild, beißen und schlagen um sich, ohne daß sie sich des Gespenstes, welches auf ihnen hockt, entledigen können. Um das Jüdel als Hausgeist zu unterhalten, muß man ihm Bogen und Pfeile und Spielsachen in den Keller und die Scheune legen, damit es damit spiele und Glück in's Haus bringe. Wenn aber die Wöchnerin vor demselben ganz sicher sein soll, so muß ein Strohhalm aus ihrem Bette an jede Thür gelegt werden, dann kann weder das Jüdel noch ein anderes Gespenst herein.
Man will auch das nächtliche Fallen, welches einen Tod anzeigen soll, mit dem Jüdel in Verbindung bringen.
In Scheibenberg diente vor Jahren eine alte Magd, welche bei solchem nächtlichen Fallen sagte. »Gütchen, ich geb' dir mein Hütchen, willst du den Mann, ich gebe dir den Hahn; willst du die Frau, nimm hin die Sau; willst du mich, nimm die Zieg'; willst du unsere Kinder lassen leben, so will ich dir alle Hühner geben!« Es ist in Elterlein geschehen, daß man bei solchem gespenstischen Fallen eine Henne oder Ziege dem Ungetüme gegeben, auch solche Stücke des Morgens tot gefunden hat.
Das erzgebirgische »Jüdel« ist das »Gütel« (Heugütel) der vogtl. Sage, oder das »Hütchen« in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (I. No. 75.) Es ist ein guter, hülfreicher Hausgeist, dessen Name jedenfalls auf »gut« zurückweist. Es mag hierbei auch an das in Oberungarn gebräuchliche »Gödchen« für Patenkind und an das oberösterreichische »Göd« ein Taufkind, hingewiesen werden. Göthe spricht im Faust von den »frommen« Gütchen. In mancher Beziehung hat es Ähnlichkeit mit den Kobolden, welche in Gestalt kleiner Kinder erschienen.
222. Das Schrackagerl.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864, S. 16 und 234.)
Das Schrackagerl ist im Erzgebirge ein Hausgeist; es sitzt im Stalle auf der Raufe und sieht aus wie ein kleines Kind. Wo es ist, gedeiht alles, das Vieh, das Geflügel; nur darf man nicht fluchen, sonst verwirrt es den Pferden die Mähnen, bindet die Kühe los und treibt sie durcheinander. Das Schrackagerl hilft den Mägden arbeiten, so daß alles rein im Hause ist; nur muß ihm die Magd von ihrem Essen immer einen Teil aufheben und hinlegen.
In Heinrichsgrün heißt das Schrackagerl auch Strackagerl; es verwirrt den Kindern die Haare. Wenn die Kinder des Morgens mit verwirrten und verfilzten Haaren aufstehen, sagt man: Da ist auch das Strackagerl darüber gewesen.
Das Schrackagerl von Heinrichsgrün ähnelt dem Schreckgökerle der vogtländischen Sage, vor dem sich die Kinder fürchten und mit dem deshalb letzteren gedroht wird. (Köhler, Volksbrauch etc. S. 477.)
223. Die Wehklage.
(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 568.)
Im Erzgebirge giebt es ein Gespenst, die sogenannte Klagefrau oder Klagemutter; diese geht vor das Haus, wo ein Kranker liegt und fängt an jämmerlich zu heulen. Will man nun wissen, ob derselbe stirbt oder nicht, so wirft man vor die Thüre von oben ein Tuch herab, das demselben gehört; nimmt die Klagefrau, die nun zu heulen aufhört, dasselbe mit fort, so stirbt der Kranke, läßt sie es aber liegen, so findet das Gegenteil statt.
Im Jahre 1626, da ein großes Sterben war, wohnte Nikolaus Köhler, ein Schuster in Oberwiesenthal, am Markt. Da er sich abends zur Ruhe gelegt, höret er ein jämmerlich Geheule auf dem Markt, so daß er nicht schlafen kann. Er siehet hinaus und wird gewahr, daß es um den Holzstoß eines gegenüber wohnenden Nachbars so winselt und jammert. In dem Hause desselben aber lagen zwei Sterbende, wie er des folgenden Morgens allererst erfahren. Er spricht: »Ja heule, daß Dir was anders in Rachen fahre!« und legt sich wieder nieder. Gleich kommt das Heulgespenst vor die Kammer und heulet noch gräßlicher. Er fähret ins Bett hinein mit Furcht und Grausen, und das Weib verweist ihm seine Verwegenheit, warum er bei elenden Sterbezeiten so frech hinaus geschrien; sie fangen an mit einander zu beten. Das Heulding fähret hinauf auf den Oberboden, und von dannen zum Fenster in das Quergäßchen herunter, und heulet wieder aufs neue vor des Büttels Thür, und des Morgens erfuhr er, daß auch darinnen ein Patient am Tode läge. Der Schuhmacher aber hat noch über 30 Jahre gelebt und ist erst anno 1664 an der ungarischen Soldatenkrankheit gestorben.
224. Die Winselmutter bei Grünhain.
(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 530.)
In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach. An demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein Jüngling, dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten, an vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein Ende gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage lang aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht wiederfinden können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und gebrochenem Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung gemurrt, so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen.
Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch dem Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man sich jedoch das Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als Kalb oder Schaf mit feurigen Augen vor, oder es wird als unförmliches Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch etc., S. 478.)
225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.
(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.)
Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und Bingen, an denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal bei Nacht, sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört und in Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie auf ihr jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet hat.
Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges liebes Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt sie ein Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen sind.
Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und bei der Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein Lichtlein sehen.
226. Die Staatslaterne bei Geyer.
(Andrä, Chron. Nachrichten von Annaberg. 1837, S. 77. Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 491. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, 1847, Seite 253.)
Nordöstlich von Geyer gegen den Greifenstein hin zeigt sich an Herbstabenden eine merkwürdige Lufterscheinung oder ein rötlich leuchtendes, beinahe 7 Ellen hohes Irrlicht, das, sobald es sich zu bewegen anfängt, immer kleiner wird, bis es endlich gar verschwindet, in der dortigen Gegend aber die Staatslaterne von Geyer genannt wird.
Sagen von Irrlichtern sind ungemein zahlreich; dabei erscheinen die Irrlichter entweder als selbständige Flammen, oder sie fließen mit der Vorstellung von feurigen Männern zusammen. Eine Laterne wandelt des Nachts zwischen dem Pfaffenholze und Martinsrieth bei Sangerhausen, dergleichen im Loh, einem Hölzchen bei Buttstädt; beide Laternen werden von einer Hand gehalten, ohne daß man sonst jemanden sieht. (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 267 und 303.) Im Vogtlande will man dagegen bemerkt haben, daß jedes Irrlicht den Kopf zu einer dunkeln, gewöhnlich nicht sichtbaren Gestalt bilde. Hier nähert es sich dem feurigen Manne. Als wirklicher feuriger Mann, also offenbar als Kobold, erscheint es auf einer sumpfigen Strecke bei Loitzsch. An einem andern Orte tanzen die Nixe mit Irrlichtern. (Eifel, Sagen aus dem Vogtlande No. 449, 159 und 60.) In dem Volksglauben gelten die Irrlichter vielfach als die Seelen ungetauft verstorbener Kinder; die beiden Irrlichter in Holzzelle im Mansfeldischen sind dagegen die Seelen eines Mönchs und einer Nonne (Größler a. a. O. No. 49.) Das Licht ist ein Symbol für den Geist des Verstorbenen, darum erscheinen die Seelen als Lichter. Haupt weist dabei (Sagenbuch etc. No. 57.) auf den Gebrauch in der Lausitz hin, daß man zwei Lichter anzündet, wenn Brautleute bei Tische sitzen; wessen Licht zuerst verlischt, der stirbt zuerst. Eine ähnliche Bedeutung haben auch die Lichter, welche man im Erzgebirge wie anderwärts am Andreasabende oder zu Sylvester in Nußschalen auf einem Becken mit Wasser schwimmen läßt, um daraus die Zukunft der betreffenden Personen zu erfahren. In dem Märchen vom Gevatter Tod (Br. Grimm, Kinder- und Hausmärchen, 1. B. No. 44) zeigt letzterer seinem Paten in einer unterirdischen Höhle die Lebenslichter der Menschen, und vielleicht ist auch auf die gleiche Vorstellung der Gebrauch zurückzuführen, daß man in katholischen Ländern bei Begräbnissen dem Sarge brennende Lichter voranträgt, oder am Vorabende des Allerseelenfestes Wachslichtchen anzündet.
227. Die unheimliche Fackel.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 61.)
Man hat bei Schmiedeberg dann und wann Irrlichter gesehen, die man unheimliche Fackeln nannte. Die Leute hüteten sich, mit denselben Bekanntschaft zu machen und wichen ihnen aus, wo sie konnten.
Einst soll im Bogenhaus, in der Nähe des »letzten Pfennigs«, ein Mann durchs geöffnete Fenster eine unheimliche Fackel bemerkt und ihr vorwitzig zugerufen haben: »Komm her auf Courage!« In diesem Augenblicke erhielt er von unsichtbarer Hand eine tüchtige Ohrfeige; die Fackel aber war verschwunden.
Eine tüchtige Ohrfeige erhielt auch vom Irrlichte jener Schulmeister, welcher demselben bei der sogenannten Lerch am Saalwalde im reußischen Oberlande mit den Worten entgegentrat: »Was bist Du für ein Licht?« Neben der Ohrfeige erhielt er noch die Antwort: »Kümm're Dich um Dich, ich bin ein Licht für mich!« (Eisel, Sagenbuch des Vogtl., S. 163.)
228. Dämonische Gestalten am Grundtümpel bei Wildenau.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz., S. 207 und 208.)
Zu Wildenau ist im Pöhlwasser ein unheimlicher Ort, der Grundtümpel genannt, da sich das Wasser einer Stuben groß in die Runde dreht, und sich öfters darin allerlei Spukgestalten sehen lassen, als Weiber, Männer und Pferde. Man hat auch in selbiger Gegend bis nach Schwarzenberg und Sachsenfeld viel Irrwische und feurige Drachen ziehen und spielen sehen. Wenn die Leute aus Raschau nach Wildenau gingen, oder von Schwarzenberg herüber gehen wollten, hat es sie oft die ganze Nacht irre und gar nahe an den besagten Tümpel geführt, so daß sie beim Anbruche des Tages an dem Wasser gesessen haben.
Teilweise ist ihnen ein Fischer mit Hamen begegnet, der sie bis an die Dorfhäuser täuschte, so daß sie 10 bis 12 Wochen darnach krank gelegen haben. Im Jahre 1624 wollte Andreas Illings Vater am Wildenauer Berge mit seinem Pferde arbeiten; da kam ein fremdes weißes Pferd mit allem Geschirr gelaufen und spannete sich selbst an. Nachdem es aber eine Weile hurtig gegangen, ahnte der Ackermann nichts gutes und wollte ausspannen und Mittag machen. Damit aber riß sich das wilde Pferd mit Haken und dem andern Pferde los und lief nach dem Tümpel zu; der Ackermann hing sich an sein Pferd, schrie und gab gute und böse Worte, bis sich das Gespenst verlor und ihn mit seinem Pferde in großer Bestürzung zurückließ.
229. Dämonische Gestalten an einem Teiche bei Scheibenberg.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
Eine starke Viertelstunde unter Scheibenberg, am Elterleiner Wege, läuft der tiefe Stollen in einen Teich aus. Daselbst hat es die Leute oft bei Tag und Nacht erschreckt und den Weg bald in Gestalt eines großen, ungeheuren Mannes, bald eines Wolfes vertreten, oder sonst mit Tumult und Gerassel bethört.
230. Dämonischer Sturm bei Oberscheibe.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 208.)
Im Juli des Jahres 1644 waren die Oberscheibener oben bei ihren Teichen im Heumachen. Da kommt am Sonnabende vor dem zehnten Trinitatissonntage ein mächtiger Sturmwind mit Sausen und Pfeifen, fährt in die Teiche und wirft das Wasser hoch in die Höhe, als wenn sich zwei Pferde im Wasser mit einander schlugen. Darüber erschraken die Leute, liefen an die Heuschöber, die bösen Geister aber fuhren aus den Teichen in die Heuschöber, spielten damit in der Luft, fuhren über die Äcker hinaus und nahmen, wo sie gegen Crottendorf zu antrafen, alle Wipfel von den Bäumen mit.
231. Der Drache.
(Mündlich. Spieß, Aberglaube etc. Progr., S. 30. Lehmann, a. a. O., S. 207.)
Auf einer sumpfigen Wiese unterhalb Neustadt bei Falkenstein, nach Dorfstadt zu, ist öfters der Drache gesehen worden. -- Vielfach verbreitet ist der Glaube, daß der Teufel denen, welche mit ihm ein Bündnis geschlossen haben, in der Gestalt eines Drachen Geld und andere Gegenstände zuträgt, welche er anderswo geraubt hat. Der Drache fährt bei solchen Leuten zur Feueresse herein, und man muß ihm dann eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen; er verzehrt den Brei und legt statt dessen Geld in die Schüssel. Bei Marienberg sagt man, daß ein solches Geldstück, welches der Drache gebracht hat, stets wiederkommt, wenn es auch ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der Empfänger in ein Glas, das er mit einem Deckel verwahrt hat, auf den er einen Kreis mit Kreide beschreibt und innerhalb desselben die Kreide liegen läßt, so muß es bleiben.
Feurige Drachen hat man zugleich mit Irrlichtern auch in der Gegend von Schwarzenberg ziehen und spielen sehen.
Der Glaube, daß man dem Drachen eine Schüssel Hirsebrei auf den Oberboden setzen müsse, steht jedenfalls mit dem auch im Erzgebirge vorhandenen Gebrauche in Verbindung, am Neujahrstage Hirse zu essen, damit man das ganze Jahr über Geld habe. Auch nach einer slavischen Sage mußte der Drache, welcher einem Bauer Geld brachte, mit Hirse gefüttert werden. (Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 166.)
232. Das gespenstische Kalb auf dem Frauenmarkte in Schneeberg.
(Mündlich.)
Drei Bürger in Schneeberg kamen einmal des Nachts in der zwölften Stunde aus dem Wirtshause. Als sie an den Frauenmarkt gelangten, trennten sich zwei von ihnen und der dritte ging allein über den genannten Markt. Auf einmal sprang ihm daselbst ein Kalb auf den Rücken und legte die beiden Vorderbeine fest auf seine Schultern; so mußte es der Mann bis an sein Haus tragen. Dort verschwand es, als die Frau ihrem Manne die Thür aufmachte. Die Frau verwunderte sich, daß ihr Mann so bleich und erschrocken aussah und fragte ihn nach der Ursache; doch er wollte ihr unter 9 Tagen nichts erzählen. Da drang seine Frau noch mehr in ihn, bis er ihr endlich das Begebnis erzählte und ihr zugleich die Spuren auf seinen Achseln zeigte, welche das gespenstische Kalb mit seinen Pfoten darauf zurückgelassen hatte. Das war sein Unglück, denn man soll von derartigen Erlebnissen, wenn sie nicht dem Betreffenden Verderben bringen sollen, unter 9 Tagen nichts erzählen. Der Mann starb auch noch innerhalb dieser Zeit.
Betreffs der dämonischen Natur des Kalbes s. die Einleitung. Auch nach einer wendischen Sage mußte ein Bauer vom Koselbruch in der Lausitz ein Kalb ohne Kopf, das sich ihm auf den Rücken wälzte, bis in sein Dorf tragen. (Veckenstedt, a. a. O., S. 411.)
233. Ein gespenstisches Kalb zu Mildenau.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 673.)
Ein Vorbote war es, daß vor dem deutschen Kriege, da der Feind einfallen sollte, sich zu Mildenau im Herbst des Nachts ein gräßliches Geblöke und Geschrei erhob; es lief etwas im Dorfe durchs Wasser auf und nieder in Gestalt eines Kalbes und brüllete so abscheulich, daß die Leute alle bestürzt wurden. Den folgenden Sommer ist der Feind eingefallen und hat geplündert und verheert.
234. Der Fisch im Windischteiche bei Eibenstock.
(Mündlich.)
Zwischen der Stadt Eibenstock und dem dortigen Bahnhofe liegt in einem flachen Wiesengrunde der »Mielahr« oder Windischteich. Darin soll ein wunderbarer Fisch mit einem goldenen Reifen leben, und um den Fisch zu fangen, hat man vor einer Reihe von Jahren den Teich ausgepumpt, aber den Fisch doch nicht gefunden. Von dem Fische erzählt man, daß denselben einst eine Prinzessin in den Teich gesetzt habe.
Die Sage erzählt auch von dem Dorfbache in Neugersdorf in der Oberlausitz, daß darin Karpfen mit goldenen Halsbändern leben. Die goldenen Halsbänder der Fische erinnern an die Halsringe mythischer Schwäne. (Haupt, Sagenbuch d. L., No. 156.) Als mächtiger Karpfen mit einem goldnen Ringe um den Kopf erschien in der Oder bei Breslau auch Rübezahl. (Das Riesengebirge in Wort und Bild, 4. Jahrg. 1. und 2. H., S. 13.)
Fische treten in der Sagenwelt seltener als andere Tiere auf. Seine dämonische Natur offenbart der schöne Fisch in der Elster bei Stublach; derselbe ist ein Nixenkind. (Eisel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 73.) Ein Fisch im Altshausenbache in Schwaben verläßt das Wasser und erscheint in Menschengestalt. Der Zwerg ~Andwari~, welcher sich in einen Hecht verwandelt, ist Hüter des Schatzes. Nach der wendischen Sage verwandeln sich Kobolde in Hechte. (Veckenstedt a. a. O., S. 420.) Auf dem Grunde des großen Arbersees befinden sich Fischlein, deren Schuppen gediegen Gold und deren Augen kostbare Edelsteine sind, jeder ein Königreich wert. (Pröhle, Deutsche Sagen, S. 225.)
235. Der Otternkönig und die Schlangenkönigin.
(Joseph Fritsch in der Erzgebirgs-Zeitung, 3. Jahrg., S. 114. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, 1. B. 1864, S. 79.)
Die Beerensammler im Erzgebirge erzählen von einem Otternkönige, welcher ein goldenes Krönlein trägt und über das ganze Natterngezücht herrscht. Derselbe hat die Gewohnheit, in einer Quelle zu baden und zu trinken; weiß man die Stelle und breitet daselbst ein weißes Tuch aus, neben das man eine Schüssel mit Semmel und Milch gestellt hat, so legt dann der Otternkönig sein Krönlein während der Mahlzeit auf jenes Tuch. Wer sich desselben schnell bemächtigt, dem bringt es Reichtum und Glück; wird er aber von den durch das Pfeifen des Königs gerufenen und von allen Seiten herbeieilenden Nattern erreicht, so ist er unrettbar verloren.
In Schönlinde erzählt man: Wenn man mit Schlangen und Nattern in guter Freundschaft leben will, muß man sich vor allem die Schlangenkönigin zur Freundin machen. Dies geschieht, wenn man an einem heißen Tage zum Waldrande geht, ein weißes Tüchlein ausbreitet und ein Schüsselchen Milch mit Weißbrot darauf stellt. Jeden Tag muß man das thun, bis die Schlangenkönigin endlich ihr Krönlein auf dem Tuche liegen läßt. Wer dies Krönlein hat, ist vor Schlangen und Nattern sicher.
S. die Einleitung. Sagen vom Schlangenkönige oder der Schlangenkönigin, welche goldene Kronen tragen, finden sich allgemein. Im Fichtelgebirge wird erzählt, daß die eine goldene Krone tragende Schlange zuweilen zu den Kindern in die Stube kommt und dort ihre Krone ablegt, mitunter auch beim Weggehen vergißt. Einige behaupten, es sei ein Ei, besetzt mit kostbarem, strahlendem Gestein. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 49.)
236. Die Riesenrippe zu Nossen.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 365. Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ I., S. 22 und 23. Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella, S. 8.)
In dem großen und gar zierlich gewölbten, aus dem Kloster Altzelle stammenden Hauptportale der Kirche zu Nossen hängt seit undenklichen Zeiten ein sonderbares Gewächs, welches von einigen für die Rippe eines Meerwunders oder Elephanten, von anderen für die eines Riesenfräuleins von Nideck im Elsaß, deren Ältern hierher gezogen seien, ausgegeben wird. Diesen Gegenstand hat man auch der Rarität wegen in das Siegel der Stadt Nossen selbst mit aufgenommen. Erzählt wird von dem genannten Riesenfräulein, daß sie einst in Rhäsa einen auf dem Felde arbeitenden Bauer mit Pflug und Pferden in ihre Schürze nahm und ihrem Vater hineintrug. Auch soll sie öfter nach Haslau »in die Haselnüsse« gegangen sein. -- Die Rippe kam Anfang des 17. Jahrhunderts in die Königl. Kunstkammer nach Dresden, 1657 aber wieder zurück nach Nossen. Nach einer andern Meinung wäre diese Rippe identisch mit der in Gold gefaßten Rippe der heiligen Katharina, welche zu den Reliquien des Klosters Altzella gehörte.
237. In Kirchen ausgegrabene Riesengebeine.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 759.)
Im Jahre 1650 ließen die Grumbacher ihre Kirche erweitern und den Grund graben, da sie dann übermäßig große Gebeine mit Verwunderung ausgegraben. ~Anno~ 1652, als der Amtmann zu Wolkenstein, Johann Rechenberg, in der Kirche allda den kostbaren Altar von Marmor und Alabaster erbauen und dazu den Grund graben ließ, haben die Maurer riesenmäßige Menschenknochen angetroffen, von denen die Arme und Beine eine halbe Elle länger gewesen, als diejenigen gemeiner Mannspersonen.
Ob die in den Kirchen zu Grumbach und Wolkenstein gefundenen großen Knochen wirklich menschliche Gebeine gewesen sind, erscheint als etwas fraglich, wenn man weiß, daß es allen Völkern gemeinsam zu sein scheint, die Knochen großer urweltlicher Tiere für menschliche Riesenknochen zu halten. S. auch E. Krause, Erasmus Darwin, S. 208 und Perty, Anthropologie I., S. 13. Albin Kohn erzählt (die Natur 1878, No. 51), daß es in der Provinz Posen mehrere Kirchen giebt, in denen sich an Ketten aufgehängte fossile Mammutzähne finden, welche das Volk für die Rippen vorsündflutlicher Riesen hält; dieselben wurden in der Nähe der Orte gefunden, in deren Kirchen sie sich jetzt befinden. Es läßt sich übrigens der Knochenkultus bis in die früheren Zeiten zurück verfolgen; besonders waren es auch die Gebeine von Helden und Heiligen, welche man aufbewahrte und gegen Zerstörung zu schützen suchte, weil man ihnen Wunderkräfte beilegte. -- Es könnte noch eine Deutung versucht werden. Die Germanen veranstalteten zu Ehren ihres obersten Gottes Pferdeopfer, Pferde weissagten und die alten Sachsen steckten die Köpfe ihrer geschlachteten Rosse auf die Dächer ihrer Häuser. Dies sind Zeugnisse dafür, daß bei unsern deutschen Vorfahren das Pferd ein ihren Gottheiten geweihtes Tier war. Damit hängt auch der Glaube in Dänemark zusammen, nach welchem unter jeder Kirche, welche gebaut wird, ein lebendes Pferd eingegraben werden müsse. Sollte man auch bei uns dem Glauben an eine besondere Wirkung, wenn auch nicht lebendig vergrabener Pferde, so doch von Pferdegebeinen beim Baue von Kirchen gehuldigt haben?
238. Große Menschengebeine in Preßnitz.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 85.)
Als im Jahre 1753 zur Erbauung des neuen kostbaren Preßnitzer herrschaftlichen Amthauses das alte Hassenstein'sche Schloß niedergerissen und der Grund gegraben worden, hat man viele, zum Teil ungeheure große Menschengebeine gefunden; es soll auch öfters daselbst, bis diese Gebeine wieder begraben wurden, sehr gepoltert haben.
IV.
Teufelssagen.
Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später den Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen wirklich existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und teuflische Gewalten seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten und die Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und Dämonen sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus der griechischen Sprache entlehnte Name ~Diabolos~ ging in die lateinische und später auch als ~Diufal~, ~Tiuvel~, ~Tüvel~ u. s. w. in die deutsche, sowie als ~djabel~ in die slavische Sprache über; in letzterer wurde er später durch das Wort ~czert~, welches den Begriff eines schwarzen Wesens in sich schließt, ersetzt.
Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen mußten, ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. Jahrhunderts, welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung kamen und worin es heißt: »~Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole~«, oder: »~Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.~«
Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat, wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben. Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit ihm ein Bündnis eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse irdische Vorteile zu erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel mit Leib und Seele ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, sich ihm mit seinem Blute verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem Blute Verschreibens weist Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 55.) darauf hin, daß nach dem früheren Volksglauben nicht nur alle verstorbenen Menschen, sondern auch die entthronten Götter und der Teufel, als ein gestürzter Engel, an Blutmangel leiden, und daß deshalb besonders der letztere geizig auf ein Tröpflein Bluts desjenigen Menschen besteht, der sich zu ihm in ein Schutzverhältnis begeben will. -- Wenn der Teufel einem Menschen dienstbar geworden ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen Volksglauben als Drache. -- Zahlreich sind die späteren Sagen, nach denen er sich in seiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so daß er von menschlicher List überflügelt wird. Dies geschieht z. B., wenn er junge Mädchen, wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen will.[4] Ein gläubiges Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn; gottlosen Säufern und Fluchern aber dreht er die Hälse um; hier hat er Macht über den Menschen. Obschon der Teufel ein natürlicher Feind der Menschen und unter diesen besonders der Müller ist, vielleicht weil diese das ernährende Mehl liefern, so baut er auch wieder unter gewissen Bedingungen Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde er von einem Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle, von welcher nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist, zerschmetterte. Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb Auerhammer; doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen zu sein. -- Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über dieselben werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.
Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und »Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach und Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. Denselben Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins in Schöneck.
[4] In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)
239. Eines Schmied's Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 1148--1153.)
Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie, wo damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert, da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden. Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie sie christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. Zu Ostern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und in der Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel sich sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger je mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei dem großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und wenn der Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau Augen gesetzt und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe herausgetrieben, daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene Wiede zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet. Wenn sie einmal Ruhe gehabt und gefragt worden, wie es ihr ginge, habe sie kurz geantwortet, es dünke sie, als wenn sie stets auf einem Wasser läge und ertrinken solle, aber es kämen noch allewege fromme Leute und hülfen ihr davon. Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau ihn zu Fastnachten in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt getrunken, nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer Mann, mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen, hat ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu ihm gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das höllische Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg, Du wirst einen feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu pfeifen, wäre eine Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem Tische hervorgelaufen, und diese hätten miteinander einen langen Tanz gethan, bis die Katze wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund sich auch wieder verlaufen. Dergleichen seltsame Possen hätte der Teufel noch mehr angerichtet. Endlich aber ist er aus der Jungfrau durch der Priester und vieler frommen Christen Gebet und Seufzen getrieben worden und wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren, nachdem er vorher von der Jungfrau ein Glied, dann einen Nagel vom Finger und zuletzt nur ein Haar begehret, gleichwohl aber nichts erhalten. Dabei hat er gesagt: »Alle, die nicht gern zur Kirche gehen wollen, selbst daheim lesen, zum Sakramente nicht gehen, im Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle mein mit Leib und Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will ich ausfahren.« Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe sagte er noch: »Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen zur Buße, dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße.
Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder einer Hummel sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinaus.
Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein Teufelstier ist und als Teufel selbst auftritt, beweisen die Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! Des Kuckucks werden! Der Kuckuck hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung nur bei den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches (Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin dienstbar und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden; die Seelen der Verwünschten und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt an. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 156. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 65.)
Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns ebenfalls eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder und Schwester zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel in einem Keller an; der kam in einer Hummel-Gestalt und flog jedem in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, dem ward viel Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel erschienen ist. (Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub) heißt Fliegengott. Märchen erzählen von teuflischen Geistern, die als Fliegen in einem Glase verschlossen sind. Der dem Bösen sich hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt sich in eine Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)
Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze sind hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze, gilt bald als Hexentier, bald als Hexe selbst oder ein verwünschter, böser Geist. Der anfänglich den Göttern geweihte Hund aber, dem auch die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde Bote und Hüter der Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)
240. Der Teufel bietet einer Frau zu Zwickau Geld an.
(T. Schmidt, ~Chron. Cygnea~. II., S. 692.)
Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung zu Chemnitz nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine Frau und Kinder wieder böslich verlassen und ist wieder zu den Schweden gelaufen. Als nun dessen Weib in höchster Armut lebte und sich sehr bekümmerte, wie sie sich und ihre Kinder nähren solle, ist der Teufel etlichemale zu ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit Geld vorgehalten und gesagt, wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde er ihr dieses geben, und so dies verzehrt, noch mehr bringen. Die Frau hat sich aber des allezeit durch's Gebet erwehrt und es endlich so weit gebracht, daß er sie ganz in Frieden gelassen.
241. Die vom Teufel besessene Frau zu Freiberg.
(Moller, ~Theatr. Freiberg.~ S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 284.)
Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines Kindes genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und der Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem und ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie um drei Uhr des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem Fenster auf einem Stein gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart zweier Zeugen im Bette mit dem ganzen Leibe, Händen und Füßen aufgehoben worden, und ohne daß sie irgendwo angestoßen, hat sie so frei geschwebt, also daß man geglaubt, sie wolle zum Fenster hinaussehen etc.; in der Kirche ist der Teufel wie eine Katze oder Hund ihr um die Beine gekrochen, dann hat sie aber zum öftern einen weißen hellen Glanz gesehen, der sie getröstet und in die Zukunft hat sehen lassen, worauf sie vielerlei wunderbare Sachen, unter andern die Drangsale Freibergs im 30jährigen Kriege, prophezeit hat. Endlich, nachdem weder Beschwörungen noch Zureden und Ermahnungen der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen, sondern ihr Zustand an die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt drei ganze Jahre verschlossenen Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober 1620 selig verstorben.
242. Der Teufel verführt eine Magd zu Zelle.
(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.)
Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd, welche dem abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht hinterrücks durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch göttliches Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen und sehr übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen müssen.
243. Der Teufel erscheint zu Freiberg einem Bergmanne.
(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 203.)
Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann, namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist der Teufel mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen und hat gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden, die er begangen, aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt, Feder und Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich vermahnt, ihm die Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann etwas darüber erschrocken, so hat er doch wieder Mut gefaßt, sich des Herrn Christi getröstet und geantwortet: »Ich bin ein armer Sünder, das bekenne ich; willst Du meine Sünden ja aufschreiben, und bist Du deswegen hergekommen, so schreib oben an: Des Weibes Samen Jesus Christus hat der Schlange den Kopf zertreten.« Wie solches der Teufel gehöret, ist er alsbald mit Papier und Tinte verschwunden, daß nichts als ein übler und abscheulicher Gestank von ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist im festen Glauben an das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig verstorben.
244. Der Teufel ängstigt einen Bergmann.
(Moller, ~Theatrum Freibergense~. II., S. 393.)
Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst seines stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in der Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun ist eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte Macht über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine guten Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm in die Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der Bergmann nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem Beichtvater, nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und begann wieder ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel nicht wieder bei ihm sehen lassen.
245. Einige Saufbrüder werden vom Teufel bestraft.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1267.)
An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst sechs berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage bis zum Morgen bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels an der Wand etliche Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen wegen empfundenen Schreckens zeitlich davon gegangen, sind die andern fünf des Morgens um sechs Uhr mit schlotternden und gebrochenen Hälsen tot gefunden worden. So haben sie zum Schrecken anderer bis an den dritten Tag gelegen.
Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 126.)
246. Die Teufelskanzel in der Schloßkirche zu Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)
Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel keineswegs zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner Mißbilligung der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die Kirche des neuen Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die Treppen herauf schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch eine Kanzel zu bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete er seine Arbeit. Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder zu vergrößern, vermauerte er die Kanzel, damit niemand sie betreten und benutzen könnte. Der Tag begann zu dämmern, als er mit seiner Arbeit zustande gekommen war, und er ging, um seinen Heimweg anzutreten. Zuvor aber trabte er in das Schiff der Kirche, beschaute sich sein Werk und befand es für gut. Dann entfernte er sich eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder zu beten kamen, erstaunten sie nicht wenig über die neue Kanzel und stiegen die Treppe aufwärts, um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie war vermauert. Voll Entsetzen fanden sie aber auch die Spur eines eingedrückten Pferdehufes. Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses Werkes und zugleich seinen bösen Willen. -- Noch jetzt sieht man die Kanzel unbeschädigt und kennt sie in der ganzen Gegend unter dem Namen der Teufelskanzel.
247. Der Teufel in der Katzenmühle bei Buchholz.
(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)
Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, daß einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe, die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage darauf sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe ihn gefragt, ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom Müller bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte und nie wiedergekehrt wäre.
Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. -- In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 195.)
248. Die Teufelsmühle am Wilischberge.
(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)
Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel erbaut hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszug vorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der Mühle zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und das Klappern der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei einer gewöhnlichen Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was er konnte, davon.
Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109). Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin. -- Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen, welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)
249. Der Käthelstein bei Annaberg.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)
Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterszeit von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht vor ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten mit in sein Haus zu gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis den Weg weiter zu finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gewährte ihm also seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf, als sie aber an das Haus Günzers gekommen waren und ihnen die Tochter desselben, Katharina, die Thür geöffnet hatte, stieß diese bei dem Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehegeschrei aus, ließ vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet und seine in Ohnmacht gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, daß jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimführen wolle; sie habe nämlich vergangene Nacht geträumt, sie liege im Walde und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde, auf sie zu und nenne sie seine Braut, küsse sie und lasse dann bei seinem Weggehen sich durch seine Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den Teufel erkennen. Der alte Günzer war eben daran, sie zu trösten, da erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben stand: In 9 Wochen werde ich um Mitternacht an's Fenster pochen und meine Braut heimführen! Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in Erfüllung gegangen war. -- Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der Böse nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war, da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand an und der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten: »Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder Eure Hütte steht in Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen; wieder kam die gefürchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zwölften Schlage klopfte es an das Fenster und rief: »Heraus die Braut, sonst brennt das Haus!« Aber der alte Günzer schloß seine besinnungslose Tochter in seine Arme und sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg von uns, Satanas!« Da brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in Flammen! Nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so wird Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der größten Mühe retteten beide ihr Leben. -- Sie flohen nun zuerst zu Verwandten, allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere Hütte am Rande des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die neunte Woche heran, da übermannte einst am hellen Mittag Käthchen der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit seinem Gefolge schaue zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine höllische Residenz entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus dem Schlafe auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und ein Engel, umstrahlt von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch in der Hand tragend, winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe Dir Frieden!« Er führte sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr gänzlich unbekannten Wege, bis sie an einen Felsen kamen, der öffnete sich, als der Engel ihn mit dem Kreuze berührte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte, bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber glänzte; vor diesem saßen sieben Greise mit spitzen Mützen und langen Bärten. Als sie aber das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und der Engel und die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag auf kostbarem Lager unter einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie ihn, was ihn herführe, dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr des unglücklichen Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die Fürstin der Berge -- denn das war sie -- einem der Zwerge, ihr eine Urne von Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus ein Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie denselben Weg wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach, sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als Käthchen nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erzählte ihm, was ihr begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer Erzählung. Da erwiderte ihr derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches widerfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes Jesuskreuz gefunden. Als sie es näher betrachteten, um vielleicht ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen könnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den Worten: »Dem Gläubigen hilf Jesus Christus.«
So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und die früher so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und brüllte: »Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen selbst das Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber rief er: »Käthchen, Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil an Dir, aber jetzt ist die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu folgen; komm heraus, daß ich Dich packen kann!« Allein auch hier mußte er weichen, denn Günzer hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen. Aber diesmal verschwand er nicht so ruhig, wie die frühern Male. Ein furchtbares Gewitter begann sich zu entladen, ein Orkan warf die stärksten Bäume nieder und erschütterte das Häuschen in seinen Grundfesten, der zum Strom angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug es Eins, so war alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell durch die finstern Wolken.
So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und nach zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber verlieh demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben gedachte. Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.
Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches Los er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich geführt hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten, wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag hin, um dort für das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten. Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten, und kehrte nicht zurück, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; aus dem Felsen trat aber ein Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetrübte Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg hineinzusetzen, und die Leidtragen eben damit beschäftigt waren, denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab, hoben ihn von der Bahre, stellten ihn in den Felsen und schlossen denselben wieder mit einem großen Quadersteine so geschickt, daß niemand mehr sehen konnte, wo die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit aber nennt man jenen Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den Käthelstein.
250. Hans Heilings-Felsen.
(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1. B., No. 329.)
An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen empor, die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es heißt, vor alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, im Lande gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden Freitag in sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar geblieben sei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, wo er ein Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt haben, die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen Gästen Hochzeit hielt, erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich unter ihnen und rief laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, wenn Du mir diese vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du mein!« und verwandelte alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und Bräutigam stehen da, wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten Händen. Hans Heiling stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang und kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch jetzt zeigt man die Steinbilder, die Liebenden, den Brautvater und die Gäste, auch die Stelle, wo Heiling hinabstürzte.
251. Der Nonnenfelsen bei Erlabrunn im Schwarzwasserthale.
(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)
Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger Stunde in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, wenn er nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel sein. Da erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel auf. Dem kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel liebte und trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, doch der Graf verlor fortwährend und hatte schon alle seine Knechte und Mägde und zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es dem Teufel nach Isa, der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte aber seine Tochter über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit geopfert; denn sie war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige Stern, zu dem er mit aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre Schönheit und sittliche Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, doch nur dem edlen Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit jungfräulicher Schüchternheit erwidert. Der Graf wollte seine geliebte Tochter Isa nicht auf den Wurf setzen. Doch der Teufel bot ihm die Freiheit für sich und seine Knechte und Mägde und noch so viel Geld, als er mit seinem gewaltigen Streitrosse wiege, wenn er gewönne. Der Graf zögerte trotz der Versprechung und wollte den verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der Teufel drängte, denn in kurzer Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber und seine Macht zu Ende. Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus seinem Humpen, ergriff die beiden Würfel und warf -- jubelnd sprang er auf -- er hatte 12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den Teufel auf, mehr zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte die Würfel und mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den eichenen Tisch und zeigten -- 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn sein Schwert heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen. Doch dieser hauchte seinen schwefeligen Odem aus -- und kraftlos sank der Graf auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du meinen Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen. Da schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben. Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem Vorschlage wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso verhaßt, wie seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. Der Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde zu Ende ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. Dieser gelobte, Isa dem Kloster zu übergeben. In einer blauen Wolke verschwand der Satan. Der Graf aber gedachte den Teufel zu betrügen und seine Isa dem Kloster wieder zu entführen. -- Die schweren Thore des Klosters Grünhain schlossen sich hinter der jammernden Isa. Weder die tröstenden Worte der Oberin, noch die freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern vermochten die arme Isa zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram zerstörte das blühende Leben. -- Nach einigen Monaten stand an der westlichen Klostermauer allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt, die stets mit dem frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im Kloster ein einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten Nacht nach der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne den baumreichen Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten über die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen Walde zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester Barbara (das war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle -- sie war verschwunden. -- Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, jedoch vergeblich. Da entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden in die umliegenden Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen großen Vorsprung nach dem dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. Als am 3. Tage die Sonne sich neigen wollte, standen die Flüchtigen auf einer hohen Felswand, an deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. Da verkündete Hundegebell die Nähe der Verfolger und zwischen den uralten Fichtenstämmen zeigten sich die Klosterknechte. Schon sind die Hunde heran, die Fliehenden hören den Zuruf der Klosterknechte -- da ertönt ein markdurchdringender Schrei -- der jähe Sprung in die schauerliche Tiefe erfolgt. -- Hunde und Häscher finden weder in den Wellen noch im Walde eine Spur der Flüchtigen. Der Felsen bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird heute noch der Nonnenfelsen genannt.
Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No. 103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen, da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen herausgesprungen und lag neben dem Würfel.
252. Das Berggebäude »Turmhof« bei Freiberg.
(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)
Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man die Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, welches zu den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreichte. Wie aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum Opfer fällt, so waren auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon vor Jahrhunderten kam sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, und die Ausbeute der Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch nun der Turmhof zum Erliegen gekommen, darüber giebt folgende Sage Aufschluß.
Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; er verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden, nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war bekannt und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid, Habsucht, Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er absonderlich zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an ihm und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen Veit, einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit bravem, rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstande angehörte und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein rauher und harter Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer Liebe zugethan.
Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und zwar ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. Alle Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, denn sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit heimlich verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung als Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit machen, falls ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts dagegen hätten. Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde seiner Tochter, wie die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch die Thränen und Bitten der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische Tüchtigkeit und untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.
Anders war es bei dem alten Kunststeiger. Derselbe grollte mit dem Obersteiger fort und trachtete darnach, demselben Schaden zuzufügen. Dazu sollte ihm das unlängst geschlossene Bündnis mit dem Teufel helfen. Für die Dienste, welche ihm letzterer zu gewähren versprochen hatte, sollte ihm der Kunststeiger Heinrich alljährlich die Seele eines Menschen liefern, und zwar sollte es jederzeit derjenige sein, welcher am letzten Tage des Jahres der letzte beim Ausfahren aus der Grube Turmhof wäre. -- Wieder war der letzte Tag des Jahres erschienen, an welchem nach dem Vertrage der Plan des bösen Kunststeigers zur Ausführung kommen mußte. Die Schichtzeit war abgelaufen, die Zeit zum Ausfahren gekommen. Die sämtliche Mannschaft befand sich auf der Fahrt; der Obersteiger war vom Kunststeiger durch irgend einen Vorwand in der Grube zurückgehalten worden. Jetzt kamen sie zum Schachte; da bestieg der Kunststeiger schnell die Fahrt und gab vor, dem Obersteiger beim Hinausfahren das Öffnen des Schachtdeckels ersparen zu wollen. So gelangte der Obersteiger als der letzte zum Ausfahren.
Der Himmel aber fügte es, daß der Kunststeiger dennoch eine falsche Rechnung gemacht hatte. Sein eigener Sohn Veit war, unbemerkt von ihm, noch in der Grube zurückgeblieben. So wurde dieser nun derjenige, der zuletzt zum Ausfahren kam; -- aber er hat das Tageslicht nicht mehr gesehen und keines Menschen Auge erblickte den Unglücklichen jemals wieder. Der Teufel lauerte seinem Opfer auf und stürzte es rücklings in die grausige Tiefe. Als der Kunststeiger seinen Feind, den Obersteiger Gebhardt, rüstig und ohne Fährlichkeit Sprosse um Sprosse hinter sich nachfahren sah, mochte er sich wohl wundern, daß der Satan sich nicht des letzteren bemächtigte. Mit Unwillen und Staunen bemerkte er, daß sein Widersacher unbeschädigt nach ihm die Schachtkaue betrat. Als er aber mit düster forschendem Blicke die Mannschaft überschaute, und unter ihr seinen Sohn Veit vermißte, da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen; der Teufel hatte ihn um das liebste, für welches sein verknöchertes Herz noch Gefühl gehegt, betrogen. Bewußtlos sank er zusammen.
Die Abwesenheit Veits war bald bemerkt worden; man wunderte sich über sein Außenbleiben. Da erhob sich der endlich zum Bewußtsein gekommene Kunststeiger mit irrem Blicke. Hastig schrie er: »Ich will sehen, wo mein Sohn geblieben ist!« Dann fuhr er zurück in die Grube. »Niemand folge mir, dem sein Leben lieb ist!« herrschte er den Knappen zu, die sich erbötig zeigten, den bekümmerten Vater zu begleiten.
Die Berghäuer gehorchten und lauschten nur hinab in die Tiefe.
Da erscholl es drunten wie von mächtigen Axthieben und man vernahm bald darauf ein entsetzliches Geprassel. Erschrocken flohen die Leute, denn sie befürchteten des Schachtes baldigen Einbruch und hatten sich nicht getäuscht. Der Kunststeiger zerhieb mit furchtbaren Axtschlägen die Kunstgestänge und zerstörte die Gerinne, in welchen das starke Aufschlagwasser zum Umtriebe des Kunstrades über den Schacht geleitet war, so daß die ganze Wassermasse sich in die Tiefbaue ergoß und bald die ganze Grube ersoff. In den wild hereinstürzenden Gewässern hat der Kunststeiger seinen Tod gefunden. Der Teufel verpaßte seine Zeit nicht: er hatte ihn drunten geholt.
Des Obersteigers Tochter Johanna verfiel infolge jenes trübseligen Ereignisses in ein hitziges Fieber, an welchem sie lange in Lebensgefahr darniederlag. Die Jugend half ihr die Krankheit überwinden, aber sie war und blieb für immer tiefsinnig. So trat sie in das in der Sächsstadt zu Freiberg gelegene Jungfrauenkloster zur heiligen Maria Magdalena ein. Erst später verließ sie es wieder, als dasselbe bei der Reformation gänzlich aufgelöst wurde, und kehrte in die Welt zurück. Die Grube Turmhof kam nach jenem unglücklichen Ereignisse zum Erliegen, denn wo der Teufel gehaust hat, kann kein Segen aufkommen.
253. Der versteinerte Kammerwagen.
(Fr. Bernau: Comotovia 1877, S. 80.)
In einem friedlichen Thale bei Neudeck lebte ein Bauersmann still und zufrieden mit seiner Familie; nur seine älteste Tochter, bereits zur blühenden Jungfrau herangewachsen, machte ihm manche Sorge. Sie unterhielt nämlich ein Liebesverhältnis mit einem armen Burschen aus der Umgebung des Dorfes, der als Bergknappe im Schoße der Erde sein Brot verdiente. Schon lange wurde von den Liebenden eine Verbindung angestrebt, allein der Vater versagte die Einwilligung, so sehr auch das Mädchen darum bat. Da beschloß der Knappe, sich noch auf einige Jahre in eine andere Gegend zu wenden, dort fleißig zu arbeiten und nach seiner Rückkehr wieder um die Hand der Geliebten anzuhalten. Diese gelobte ihm beim Abschiede ewige Treue, und dadurch getröstet zog er von dannen.
Anfangs schien der Schmerz des Mädchens über die Entfernung des Geliebten sehr groß; doch nach und nach mäßigte sich die Sehnsucht, und Zeit und Arbeit brachten es dahin, daß sie den Geliebten allmählich vergaß. Da gelang es denn einem andern Dorfburschen ohne Mühe, sich ihre Gegenliebe zu erwerben, und da er reich war, erhielt er auch die Einwilligung des Vaters. Es wurden Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen, und der Tag der Trauung war nicht mehr fern. Da kehrte plötzlich der Bergknappe zurück. Er hatte sich in der Fremde manches erspart und hoffte nun, bald im Besitze des geliebten Mädchens zu sein. Abends, als es schon im Thale zu dämmern begann, ging er an das Haus seiner Geliebten und hoffte sie zu sehen; er sah sie auch -- aber in den Armen eines andern. Wie ein Blitzstrahl durchfuhr es seine Glieder, er wollte vorwärts, doch sein Fuß war wie angewurzelt; einen Fluch zwischen den Zähnen murmelnd, stürzte er hinweg. Von diesem Tage an war er fahrlässiger in seinen Arbeiten und siechte vor Gram immer mehr dahin. Oft sah man ihn spät abends seine Hütte verlassen und einem Platze zuwandern, welchen selten ein Mensch betrat, da, wie es hieß, die bösen Geister dort ihr Wesen trieben. Hier schloß er nun ein Bündnis mit dem Bösen, um die treulose Geliebte und ihren Bräutigam zu verderben. Acht Tage vor der Hochzeit begab er sich in die Wohnung der Braut. Obschon von seiner Ankunft unterrichtet, erschrak sie doch sehr über sein verstörtes Aussehen; er dagegen gab sich den Anschein, als wüßte er nichts von ihrer Treulosigkeit. Vor Schreck war sie keines Wortes mächtig; da er hieraus nur zu deutlich ersah, daß sie wirklich treulos an ihm gehandelt, kündigte er ihr mit kurzen Worten seine Rache an; er werde mit Hülfe des Teufels alles das, was sie vom Hause aus mit bekäme, verderben, weil es ihr Reichtum war, der ihren Vater von der Einwilligung zur Verbindung mit einem armen Burschen abgehalten hatte. Und auch sie selbst werde den Folgen seiner Rache erliegen zur Strafe für ihre Treulosigkeit. Und so geschah es. Die Hochzeit wurde gehalten und das Ehepaar begab sich in die neue Heimat; der hochbepackte Kammerwagen folgte. Eben passierten sie eine Höhe, von welcher sie die Hütte des Bergknappen erblicken konnten. Da erbebte von einem dumpfen Donner der Boden, der Kammerwagen ward umgestürzt, die Betten und alle sonstigen Geräte lagen am Boden und wurden in demselben Momente zu Stein. Die vor den Wagen gespannten Tiere wurden scheu und stürzten wie wütend den Berg hinab, den Kammerwagen gänzlich zertrümmernd. Die Braut aber warf der Schreck aufs Krankenlager, und dies, sowie die Reue über die begangene Treulosigkeit, brachten ihr einen schnellen Tod. Dieses war nach der Sage die Rache des Bergknappen; er selbst war nach diesem Vorfalle aus der Gegend verschwunden und nie hat man ihn wieder gesehen. Aufgehäufte Steinmassen bezeichnen noch heute die Stelle seiner Rache.
254. Wie der Teufel Schellerhau verlor.
(Mündlich.)
Man hat eine Redensart, womit man die Bewohner des langgestreckten, aus zerstreut liegenden Häusern bestehenden Dorfes Schellerhau neckt: »Euch Schellerhauer hat der Teufel im Sack verloren!« Dies rührt davon her: Der Teufel fuhr einmal durch die Luft und hatte ganz Schellerhau in einem Sacke. Der Sack jedoch hatte ein Loch, so daß ein Haus nach dem andern herab zur Erde fiel. Wie nun der Teufel merkte, daß der Sack so leicht geworden war, weil er fast ganz Schellerhau verloren hatte, da warf er ihn im Ärger hin und rief: »Zum Schinder!« Da wurde dort, wo der Sack ganz am Ende des Dorfes nieder gefallen war, die »Schinderei«, wie man allgemein die Abdeckerei nannte; und in diese »Schinderei« mußte jedes gefallene Stück Vieh abgeliefert werden.
Wie hier die Häuser von Schellerhau, so verlor der Teufel auf den Fluren der Kolonie Fichtenthal bei Heide-Gersdorf aus seinem Sacke die vielen Steine, welche daselbst noch liegen und die er sich zum Baue eines Hauses vom Riesengebirge geholt hatte. (Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, No. 112.)
Ebenso erzählt eine lausitzisch-wendische Sage, daß der Teufel einmal auf dem Wege war, um ~Kneschki~, d. i. kleine Herren oder Junker auszusäen. Als er von der Bautzner Gegend aus über Wittichenau, Hoyerswerda und Senftenberg kam, um in der Niederlausitz seine Saat fortzusetzen, verlor er bei dem Dorfe Skado bei Senftenberg einen solchen Kneschk. Ärgerlich sagte er: »~to je skoda~!« (das ist schade!), weil er den Junker für die Niederlausitz hatte aufsparen wollen. Davon hat denn jenes Dorf seinen Namen erhalten. (Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, I., S. 180.). Auch das Dorf Langenschade in Thüringen verdankt seinen Namen einem gleichen Ausrufe des Teufels. Der Teufel flog hoch durch die Luft und trug in seiner Schürze eine Menge Häuser mit sich davon. Ohne daß er es merkte, fiel eines nach dem andern aus der Schürze. Als er es endlich gewahr wurde, rief er ärgerlich aus: »Das ist schade!« So entstand der Ort Langenschade. (Richter, Deutscher Sagenschatz, 4. Heft, No. 23.)
Die letzten beiden Sagen zeigen besonders darin eine große Ähnlichkeit mit der unsrigen, als der ärgerliche Ausruf des Teufels einem Dorfe, bei uns aber dem letzten Hause von Schellerhau seinen Namen verschaffte.
V.
Zaubersagen.
Neben dem Götterkultus bestanden bei den alten Deutschen auch Übungen in der Zauberei, d. h. in dem Vermögen, höhere geheime Kräfte auf andere, und zwar anfänglich gut oder böse, später jedoch nur schädlich wirken zu lassen. Durch die christlichen Priester wurden diese heidnischen gottesdienstlichen Gebräuche für sündhaftes Blendwerk erklärt und mit dem Teufel in Verbindung gesetzt, so daß sich die Vorstellung von einem unmittelbaren Zusammenhange des bösen Feindes mit dem Wesen der Zauberei ausbildete. (J. Grimm, Deutsche Myth., S. 580.)
Im Zusammenhange mit dem Zaubern steht auch das Beschwören, d. h. ein Zaubern durch Segensformeln, sowie das die Zukunft enthüllende Wahr- und Weissagen; letzteres geschah einst bei germanischen Völkern durch das Auflesen der auf ein Tuch geworfenen Runen. Besonders wurde die Kraft der Weissagung den mit einem reizbaren Nervensystem begabten und mehr von der Außenwelt abgezogenen Frauen, welche deshalb bei den alten Deutschen Priesterinnen und Wahrsagerinnen zugleich waren, zugeschrieben; sie waren auch die Wisserinnen mancher Geheimnisse, und sie kannten die heilende Kraft der Kräuter, so daß sich daraus später der Glaube des Mittelalters an Hexen und Hexerei entwickelte. Wie das Christentum den Begriff zaubernder Frauen bereits bei dem Heidentume vorfand und nun vielfach veränderte, so läßt sich bis in die Gegenwart in dem ganzen Hexenwesen noch ein offenbarer Zusammenhang mit den Opfern, den vielfach mit religiösen Veranstaltungen verbundenen Volksversammlungen und der Geisterwelt der alten Deutschen nachweisen. (J. Grimm, a. a. O., S. 587.) Es mag nur daran erinnert werden, daß die Hexen nach den Volksüberlieferungen am Walpurgis- oder Hexenabende fast immer nach Orten durch die Luft fahren, welche ehemalige Gerichts- oder Opferplätze sind. Ob übrigens die »Drutenau«, mit welchem Namen man schon seit Jahrhunderten das Thal von Auerhammer bezeichnet, ein solcher Platz war, mag dahin gestellt bleiben; die Drut, welche teilweise die Frau Holle oder Perchtha vertritt und mit der man in der Schweiz lärmende Kinder beschwichtigt, gilt häufig auch als Hexe. Eine solche erkennt man nach dem Glauben der Erzgebirger an den Platt- oder Drudenfüßen, an den roten Haaren, den roten, triefenden Augen und großen, buschigen, über der Nase zusammengewachsenen Augenbrauen. (Spieß, Aberglauben etc., S. 29.) Das Behexen richtet sich hauptsächlich auf das Vieh und Getreide der Nachbarn; in unsern Sagen wird dadurch gute Milch in blutige verwandelt. Außerdem schreibt der Volksmund noch das Beschreien, wobei jemand wegen irgend einer guten Eigenschaft gelobt wird, damit dann das Gegenteil davon eintrete, der Hexerei zu. Als Schutz gegen Zauberei und Hexerei gelten Kreuzeszeichen an der Thüre, das Durchkriechen unter sogenannten Schleifbrämen, das Versprechen und anderes mehr.
Nach dem Volksglauben stehen nicht bloß die Hexen, sondern überhaupt alle Zauberer in einem Bunde mit dem Teufel. Die ersten Überlieferungen von solchen Bündnissen des Teufels mit Männern finden sich bereits im 10. Jahrhunderte, während die erste sichere Erwähnung eines Bundes des Teufels mit Hexen in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien vorkommt. Jacob Grimm vermutet dabei, daß die Veranlassung zu dem Glauben an Teufels- und insbesondere Hexenbündnisse in der Verfolgung der Ketzereien, welche in der Mitte des 13. Jahrhunderts von Italien und Frankreich nach Deutschland kam, zu suchen sei. Man legte den Zusammenkünften der Ketzer abgöttische Ausschweifungen zur Last und die Kirche eiferte gegen die neuen Irrlehren und Überreste des Heidentums, welche sich jenen da und dort zugesellten. (Deutsche Mythologie, S. 600.)
In unsern Sagen wird der Teufel zur Dienstleistung citiert, oder er wird durch Beschwörungen in Fliegen- oder Hummelgestalt aus Personen ausgetrieben. Durch gewisse Zauberformeln, welche in geheimnisvollen Büchern stehen, werden die höllischen Geister in verschiedenen Gestalten, hauptsächlich als schwarze Vögel, herbeigerufen. Mit Hülfe des Teufels verbreitet sich die Pest, und Speisen werden so fest gemacht, daß man nichts davon abschneiden kann. Durch teuflische Künste festgemachte Personen können auf gewöhnliche Weise nicht verwundet werden; dies gelingt erst durch einen abgeschossenen Dukaten oder silbernen Knopf, oder durch einen Degen, welchen man zuvor unter dem Schuh durch die frische Erde oder durch ein Brot gezogen, oder dessen Spitze man wenigstens vorher in die Erde gestoßen hat.
Die musicierenden und tanzenden +Katzen+ erscheinen offenbar als Hexentiere. Katzen werden aber auch als Wesen gedacht, von deren Lebensdauer der Bestand der Familie abhängt. (Rochholz, a. a. O. I., S. 160); zuweilen verkündigen sie etwas Erfreuliches. Bei uns sagt man, daß eine über den Weg laufende Katze, besonders eine schwarze, Unglück bedeutet. Wenn eine Katze sich putzt oder einen krummen Rücken macht, so kommt Besuch. -- Wie als Kühe und Ziegen hat man sich die Wolken auch als Katzen gedacht, und man meinte weiter, daß die in den Wolken waltenden Weiber die Gestalten von Katzen annehmen könnten; daher nennt man die durch Luft und Wolken ziehenden Hexen auch Wetter- und Donnerkatzen. (Mannhardt, a. a. O., S. 90.) -- Katzen zogen den Wagen der Freya.
255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.
(Lothar, Volkssagen und Märchen. 1820. S. 69. Darnach Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 450.)
Vor vielen Jahren ward zu Geyer ein Totengräber gefangen genommen und in einen Turm gesetzt, so daß er mit den Füßen die Erde nicht hat berühren können. Man glaubte nämlich früher, daß Zauberer und Hexen, wenn sie die Erde nicht mehr berühren könnten, unschädlich würden, und sperrte sie daher oft in eiserne Käfige ein. Der genannte Totengräber hatte seine Frau ermordet, ihren Mund mit schwarzen Beeren angestrichen, als sei sie an der Pest gestorben, alsdann ihr den Kopf abgeschnitten, das Herz aus der Brust genommen, verbrannt, solches auf die Straße ausgestreut und wer darüber gegangen, ist gestorben. Seines Kindes Kopf hat er an die Feuermauer gehängt; so viele Tropfen Blutes von ihm gefallen, so viele Menschen sind gestorben. Dann hat er die sterbenden Leute aufs Gesicht gelegt und ihr Sterben hat kein Ende genommen. Drei Ruten hat dieser Mann ausgesteckt, eine nach Annaberg, die andere nach Schweinitz, die dritte nach Alterle (Elterlein?). Zuletzt hat er erzählt, wie viel Glück er mit seiner Kunst in großen Städten gemacht habe. Er meinte, wenn er nur die Erde oder einen Kreuzweg oder eine Dachtraufe erreichen könnte, so wollte er sich schon die Freiheit verschaffen.
Blutstropfen sind Symbole für die Seele. Drei frische, auf die Hand fallende Blutstropfen zeigen einer Mutter den Tod ihres gemordeten Kindes an. (Grimm, Deutsche Sagen, No. 353.)
Jacob Grimm bemerkt (Deutsche Myth., S. 607), daß früher der Glaube verbreitet gewesen sei, eine Hexe könne sich verwandeln, sobald sie die Erde berühre. Eine Frau in Zittau, welche als Hexe galt, wurde, damit sie die Erde nicht berühre, im Stockhause frei aufgehängt. Ähnliches geschah 1678 in Bautzen mit einem Räuber und Mörder, der den Teufel hatte. (Pescheck, Gesch. v. Zittau, II. S. 746.)
256. Pestzauberei.
(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 987.)
Im Jahre 1680 wurde zu Geyer der Totengräber wegen Zauberei auf dem Gottesacker gefänglich eingezogen. Denn man hatte ihn auf den Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als darauf allerhand Beweismittel gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu überführen, so fand man unter anderen, daß er sein eigen Weib wieder ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und zu Pulver gebrannt und dieses Pulver auf die Gasse gestreuet hatte. Er erhielt dafür den Staupenschlag und wurde des Landes verwiesen.
Im Jahre 1614 hatte ein Totengräber zu Wolkenstein einer Pestleiche den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur in des Teufels Namen aufgehängt, darein Hefen, Bier und Blut von Verstorbenen, sowie Milch aus der Pestleichen Brüsten gegossen und darnach eingeheizt. So viel Tropfen nun aus dem schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viel Pestleichen hat er denselben Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch zweierlei Pulver, ein gutes wider die Pest, und ein ansteckendes, so er aus einer Pestdrüse gemacht. Wegen solcher schrecklichen Unthaten ist er verbrannt worden.
Im Jahre 1623 hauste die Pest in Gottesgab, welches Städtchen halb ausstarb. Der Totengräber kam in den Verdacht, daß er diese Seuche mit bösen Mitteln verursacht habe. Hans Leonhardt, ein verwegener Mühlknecht, welcher kürzlich erst aus dem Kriege gekommen war, wagte sich hinein in des Totengräbers Häuslein und fand einen Totenkopf über dem Ofen hängen, darüber er sich erboste, und er hieb den Totengräber samt dem Weibe krumm und lahm, holte Feuer und brannte das Spital gar weg, daraus zwar die tötlich Gehauenen gekrochen, aber dennoch an ihren Wunden gestorben sind.
Im Jahre 1633 hatte eine gewisse Pittelia samt ihrer Tochter zu Abertham die Pest durch Zaubermittel vermehren helfen. Bei der Marter bekannte sie, daß sie eine Bürste neben einer Leiche ins Grab geworfen habe; man müsse dieselbe wieder herausnehmen, wo nicht, müsse ganz Abertham aussterben, da schon 26 Personen gestorben waren. Es hat sich mit der Bürste auch also befunden, und wurde diese Pestzauberin am 18. November genannten Jahres in Joachimsthal an einem Pfahle mit dem Strange erwürgt, ihre Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt, der Sohn aber des Landes verwiesen.
257. Die Zauberelse zu Zwickau.
(Tob. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II., S. 374. Gräße, a. a. O., No. 550.)
Im Jahre 1557 den 22. Mai ist zu Zwickau die alte Zauberelse gefänglich eingezogen worden. Die hatte den Leuten Tränke gesotten, den Mägden Kinder abgetrieben, auch vielen Menschen in ihren Gliedmaßen, Armen, Beinen, Fingern, Brüsten und in die Fersen »gefärtigt«, auch viele andere Zauberei mehr getrieben. Sie hatte auch einem Maler zu Glauchau Gift beigebracht, daß er gestorben. So hatte sie auch leiblich mit dem bösen Feind gebuhlt und eine lange Zeit mit ihm zugehalten, der ihr auch Geld gebracht, bisweilen 2 und 3, bisweilen auch 4 Thaler, mehr aber nie. Da man sie gefragt, wie er aussehe, hat sie geantwortet, er wäre ein alter grauer, häßlicher Teufel. Dieser böse Geist ist auf der Gasse oftmals mit ihr gegangen, doch, sprach sie, es hat ihn niemand als sie sehen können. Als sie gefangen gesessen, ist er oftmals zu ihr vor's Gefängnis und an das vergitterte Fenster gekommen und hat sie gefragt, was sie mache, ob sie heraus wolle, er wolle ihr helfen. Sie hat aber geantwortet, sie wolle gern hinaus, aber sie habe noch ihre Seele zu bedenken. Auf diese Rede ist er davon geschieden, sie aber hat gesessen bis zum 18. Juni, da hat sie wegen vielfälliger Zauberei ihre Strafe empfangen und ist am Galgen verbrannt worden.
Jacob Grimm weist (Deutsche Myth., S. 599) darauf hin, daß, nachdem die heidnischen Vorstellungen von einer Verbindung der Helden mit Schwanenfrauen und Elbinnen verdrängt worden seien, der Glaube an einen geschlechtlichen Verkehr des Teufels mit Hexen, durch welchen das geschlossene Bündnis besiegelt und dem Teufel freie Macht über die Zauberinnen verliehen ward, Platz greifen konnte.
258. Das Zauberbuch und die gespenstischen Krähen.
(Mitgeteilt vom Sem. Osw. Hübner aus Bernsbach.)