Vorwort
Die höchst verschiedene Beurteilung, welche einzelne Aussprüche von mir über die Juden und meine hie und da bekanntgegebene Stellung gegen dieselben auf christlicher und jüdischer Seite schon gefunden haben, waren die Veranlassung für mich, die täglich stärker auftretende Judenfrage näher zu untersuchen.
Das Ergebnis meiner Studien zunächst über die Stellung, welche der katholische Christ in der Judenfrage einzunehmen hat, habe ich in vorliegender Schrift niedergelegt.
Wahrheit und Gerechtigkeit waren die Leitsterne, die ich bei diesen wie bei allen meinen seitherigen Studien stets im Auge hatte.
Das Urteil von Männern, welche dieses Schriftchen ohne Vorurteil gelesen haben, wird mir höchst angenehm und ich werde für dasselbe sehr dankbar sein.
München, 29. November 1891.
Der Verfasser.
Vorwort zur dritten Auflage.
Wie vorauszusehen war, hat meine Schrift, die eine brennende Tagesfrage behandelt, eine verschiedene Beurteilung erfahren.
Von Staatsministern, hohen und niederen Beamten, Professoren und Volksschullehrern, Gelehrten des geistlichen und weltlichen Standes, Personen aus höheren Ständen und einfachen Bauersleuten, von Zeitungen verschiedener politischer Richtung, von Katholiken, Protestanten und Juden, aus Deutschland und Österreich, schriftlich und mündlich ist mir Anerkennung und Zustimmung zu teil geworden.
Dagegen haben auch öffentliche Tagesblätter Artikel gebracht, die meine Schrift getadelt, einzelnes als unrichtig bezeichnet, die Tendenz der Schrift verurteilt haben.
Ich habe mich bemüht, die als unrichtig bezeichneten Stellen zu prüfen und über einzelne beanstandete Angaben nähere Erkundigung einzuziehen.
Zunächst ist meine Angabe, daß der Hofprediger Dr. J. E. Veith, seligen Andenkens, in Wien auf der Kanzel gegen den Wahnglauben vom Blutritus der Juden sich ausgesprochen habe, als falsch bezeichnet worden. Ich habe den hochverehrten, als Schriftsteller hochgefeierten Herrn Prälat Dr. S. Brunner in Wien schriftlich um Aufklärung ersucht. Derselbe hat mir am 4. August laufenden Jahres in freundlichster Weise geantwortet, meine Angabe sei die Wiederholung der sogenannten Pitavallüge, nämlich jener Lüge, die der neue Pitaval (Hitzig) zuerst gebracht habe, die aber in der Wiener Kirchenzeitung vom Jahre 1854, Nr. 19 und 1856, Nr. 80 mit Zustimmung Dr. J. E. Veiths von ihm (Dr. Brunner) zurückgewiesen worden sei. Dagegen schreibt mir nun Herr Professor Dr. Strack von Berlin, am 14. September laufenden Jahres, daß ihm eine notariell beglaubigte Erklärung des Professors J. Veith, Bruders des J. E. Veith in Wien vom 17. Juni 1882 vorliege, in welcher die von mir gebrachte Angabe bestätigt sei. Diese Erklärung soll demnächst veröffentlicht werden, und wir müssen abwarten, wie der Streit verläuft. Einstweilen habe ich die bezügliche Stelle in der neuen Ausgabe meiner Schrift weggelassen.
Ebenso ist die Stelle weggelassen, in welcher ich mich auf den gemeinschaftlichen Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe berufen und gesagt habe, die hochwürdigsten Bischöfe Österreichs hätten sich gegen den Antisemitismus ausgesprochen und vor ihm gewarnt. Katholische Geistliche aus Österreich haben mir nämlich mitgeteilt, daß die bezüglichen Sätze in dem genannten Hirtenschreiben von dem österreichischen Klerus nicht als Warnung vor dem Antisemitismus aufgefasst worden seien.
Was die Tendenz der Schrift anlangt, so soll dieselbe dahinwirken, daß unser Verhalten wie gegen alle, so auch den Juden gegenüber von den Grundsätzen der Wahrheit und Gerechtigkeit geleitet werde; unbegründete Anklagen sollen gegen niemand, auch nicht gegen die Juden erhoben werden; was einzelne sündigen, soll nicht einer ganzen Genossenschaft, oder dem ganzen Volke zur Last gelegt werden; Ausnahmegesetze sollen gegen keine politische Partei, gegen keine Religionsgesellschaft, also auch nicht gegen die Juden erlassen werden.
Wenn ich mich auf diesen Standpunkt gestellt habe, so stehe ich nicht allein, sondern ich befinde mich in sehr guter Gesellschaft. Ich habe mich dem hochseligen Kardinal Manning, seinem Nachfolger Erzbischof Vaughan, Lord Ripon in England, dem weiland hochverehrten Führer der Katholiken Deutschlands, Dr. v. Windthorst, zur Seite gestellt. Auch Dr. Lieber, ein gefeierter Führer des deutschen Centrums, eine große Anzahl deutscher Reichstags- und Landtagsabgeordneter, katholische Zeitungen, wie die Kölner Volkszeitung, der Badische Beobachter, der Beobachter am Main, und gewiß noch manche andere, deren Namen mir im Augenblicke nicht bekannt sind, nehmen denselben Standpunkt ein.
Wenn ich in einzelnen Blättern von antisemitischer Färbung dem Publikum als getaufter Jude vorgestellt wurde, so habe ich über diese Entdeckung herzlich gelacht. Ich habe mich dabei lebhaft an den Hochseligen Papst Pius IX. erinnert, der, wie Karl Paasch in seinem zweibändigen Werke „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft und ihre Helfer; III. Theil, Seite 117“ nachweist, ebenfalls ein Hebräer war: „Ein Schüler des Seelenriechers Dr. Jäger hat das schon im Jahre 1847, als er den Pantoffel des Papstes küssen durfte, durch den Geruch entdeckt, und Papst Pius IX. hat es dann im Jahre 1861 den Gebrüdern Kohn aus Lyon selbst eingestanden.“ Ich befinde mich also auch hier in ganz guter Gesellschaft.
Wenn übrigens, davon abgesehen, meine Schrift nur etwas dazu beiträgt, daß der Wahnglaube an den Blutritus der Juden endlich einmal verschwindet; daß Christen und Juden vereint gegen alle Ausbeutung des Mitmenschen vorgehen; daß die Religionsgesellschaften gegenseitig ihre Rechte achten und im Frieden miteinander leben: dann würde ich diesen Erfolg als den schönsten Lohn für die Mühe und Arbeit betrachten, die ich auf meine Schrift verwendet habe.
Wiesen, 19. September 1892.
Der Verfasser.
Inhalt
Seite
Vorwort | III
Vorwort zur dritten Auflage | IV
I. | Bestimmung des Judenvolkes im Erlösungswerke | 1
II. | Verhalten Christi und der Apostel gegen die Juden | 2
III. | Judenverfolgungen und ihre Veranlassungen | 3
IV. | Verhalten der Päpste und des Klerus gegen die Juden | 31
V. | Festhalten der Juden an ihrem Glauben und ihren Stammeseigenheiten | 45
VI. | Judenwucher | 47
VII. | Der rituelle Mord | 54
VIII. | Dankbarkeit der Juden gegen die Päpste und den Klerus | 67
IX. | Der Talmud | 70
X. | Der Talmud und die Auslegung der Thora in der Gegenwart | 78
XI. | Der Antisemitismus | 81
Die Kirche und die Juden.
I. Bestimmung des Judenvolkes im Erlösungswerke
Es giebt ein Volk, dem alle Völker der Erde zu großem Danke verpflichtet sind. Es ist jenes Volk, dem unter allen Kulturvölkern der Vergangenheit unbedingt der erste Platz gebührt, es ist das Volk der Juden.
Das Judenvolk hatte von dem Lenker der Welt- und Menschengeschichte die erhabene, ehrenvolle Bestimmung empfangen, die Kenntnis und Verehrung des Einen wahren Gottes in der Menschheit zu bewahren, sowie die Hoffnung auf den verheißenen Erlöser zu erhalten, der aus ihm selbst hervorgehen sollte. Gott hatte es unter allen Völkern der Erde zu diesem hohen Berufe auserwählt und mit ihm einen besonderen Bund geschlossen, weshalb es auch das Volk Gottes oder das auserwählte Volk des Herrn genannt wurde.
In der Fülle der Zeiten hat Gott seine Verheißung erfüllt, der versprochene Erlöser ist gekommen, der Sohn Gottes hat, um die Menschheit vom Fluche der Sünde zu erlösen, die menschliche Natur angenommen von einer reinen Jungfrau im Judenlande, und ist somit dem Fleische nach ein Sprößling des Judenvolkes. In dieser Thatsache liegt der Hauptgrund, warum alle Völker der Erde dem Judenvolke dankbar sein müssen. Die ganze Menschheit muß es dankbar anerkennen, daß aus dem Judenvolke der Heiland der Welt hervorgegangen ist. Auf diese Thatsache wollte auch der Erlöser selbst jenes samaritanische Weib hinweisen, mit dem er sich am Jakobsbrunnen unterhielt, indem er zu ihm sagte: „Das Heil kommt von den Juden.“ (Joan. 4, 22.)
Nachdem aber in unseliger Verblendung, in der Gier nach irdischen Gütern, Ehren und Freuden das Judenvolk den Sohn Gottes verworfen und den Heiland der Welt an den Schandpfahl des Kreuzes geschlagen hatte, da war es auch das Volk Gottes nicht mehr, ja, es wurde aus der Reihe der selbständigen Völker gestrichen, und seine Kinder wurden in alle Welt zerstreut. Die Kinder Israels, wie man auch die Juden nennt, waren Schlingpflanzen gleich geworden, die sich um die einzelnen Völker wanden, wie Schlingpflanzen um die Bäume, und von deren Safte zehrend, sich an ihnen aufrankten.
Gleichwohl haben die Juden auch jetzt noch eine wichtige Aufgabe im Reiche Gottes zu erfüllen. Sie müssen mit ihren heiligen Büchern, die sie als kostbaren Schatz mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit hüten, als Zeugen für die Thatsache dienen, daß Gott sein Versprechen erfüllt hat, das er schon im Paradiese gegeben hatte, und daß der damals verheißene Erlöser vor achtzehnhundert Jahren wirklich gekommen ist.
Man hat es uns zum Vorwurfe gemacht, daß wir dem Judenvolke den ersten Platz unter den Kulturvölkern des Altertums zuerkannt haben. Man hat gesagt: „daß zeitlich dem Judenvolke nicht die erste Stelle gebührt, wissen schon unsere Kinder. Die Juden waren noch ein Nomadenvolk, als in Ägypten schon hohe Kultur blühte.“ Ganz richtig, wenn man die Sache von einem anderen Standpunkte als dem kirchlichen in Betrachtung zieht. Aber vom kirchlichen Standpunkte betrachtet erscheint uns das jüdische Volk, welches die Verehrung des Einen wahren Gottes und die Hoffnung auf den verheißenen Erlöser bewahrte, allen heidnischen Völkern gegenüber als Kulturvolk, wenn es auch anderweitig von denselben in allerlei Künsten und Wissenschaften übertroffen wurde. Auf diesem Standpunkte stehend waren auch die heiligen Kirchenväter gewiß in ihrem Rechte, wenn sie die Stammväter des jüdischen Volkes über die griechischen Weltweisen stellten.
II. Verhalten Christi und der Apostel gegen die Juden
Wenn wir nun nach der Stellung fragen, welche der katholische Klerus – zunächst der Apostolische Stuhl – im großen und ganzen zu den Juden seit achtzehn Jahrhunderten eingenommen hat, so dürfen wir wohl sagen, daß er im allgemeinen das Beispiel nachgeahmt hat, welches der Sohn Gottes und die Apostel in diesem Punkte ihm gegeben haben.
Christus der Herr liebte das Volk der Juden, wie die zahllosen Wohlthaten beweisen, die er ihm erwiesen hat. Aber freimütig hielt er ihm auch seine Fehler vor, und züchtigte mit eigener Hand die Tempelschänder, die um schmutzigen Gewinnes willen das Heiligtum entweihten. Selbst der schmählichste Undank konnte die Liebe zum Judenvolke aus dem Herzen des Gottessohnes nicht verscheuchen, er weinte Thränen des herzlichsten Mitleids über Jerusalem und das Schicksal des jüdischen Volkes, er betete noch sterbend für diejenigen, die ihn dem Tode überliefert hatten und am Kreuze noch verspotteten.
Von welchen Gesinnungen die Apostel gegen die Juden beseelt waren, können wir von dem heiligen Apostel Paulus hören, welcher wiederholt Gelegenheit hatte, nach dieser Seite hin sich auszusprechen. Der Apostel hat eine solche Liebe zu Jesu Christo, daß nichts ist in der ganzen Welt, was ihn von dieser Liebe zu scheiden vermöchte. Trotzdem wäre er bereit, wenn es möglich wäre, das schwere Opfer der Trennung von Christo zu bringen, wenn er dadurch seine Stammesgenossen, die Juden, zur Gemeinschaft mit Jesu Christo und zum Heile führen könnte. So groß ist die Liebe, die der Apostel zu seinen Brüdern, den Juden, in seinem Herzen trägt. Paulus rühmt die Auszeichnungen, mit denen Gott die Israeliten vor allen übrigen Völkern der Erde begnadigt hat, indem er sie zu seinen Kindern angenommen, ihnen sein Gesetz gegeben, ihren Gottesdienst geordnet, ihnen die Verheißungen vom Messias anvertraut hat. Den Israeliten, sagt Paulus, gehören die Väter an, die Ahnen Jesu Christi, der obwohl Gott, hochgelobt in Ewigkeit, dem Fleische nach von ihnen abstammt. (Rom. 9.)
Wenn der heilige Apostel Paulus in einer Stadt das Evangelium verkünden wollte, wandte er sich mit seiner Predigt immer zuerst an die daselbst sich aufhaltenden Juden, obwohl er wußte, daß er sich dadurch Verfolgungen und großen Gefahren von seiten der Juden aussetzte. Er will damit thatsächlich aussprechen, daß die Juden auf das von Christo gebrachte Heil den ersten Anspruch haben.
Nichtsdestoweniger können wir von dem heiligen Paulus auch hören, wie er die Juden Feinde Gottes nennt, und wie er es beklagt, daß auf ihren Herzen eine Decke liegt, so daß sie Christum in der heiligen Schrift nicht finden. (Rom. 11, 28; II. Cor. 3, 15.)
Wenn aber auch die Juden in der heiligen Schrift Christum den Herrn nicht finden, so bleibt es trotzdem nach der Lehre des heiligen Paulus eine Auszeichnung des jüdischen Volkes, daß Christus dem Fleische nach aus ihm hervorgegangen ist. Und wenn wir nach dem Vorgange des heiligen Paulus noch beifügen, daß auch die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, der heilige Nährvater Joseph, die heiligen Apostel und ersten Christen dem jüdischen Volke angehörten, so wird jeder unbefangene Leser sofort erkennen, wie es in diesem Zusammenhange aufzufassen ist, wenn wir sagen, daß alle Völker der Erde dem Judenvolke zum Danke verpflichtet seien. Wie oft hat man schon, ohne daß es unpassend gefunden wurde, Städten oder Familien den Dank dafür ausgesprochen, daß große Männer aus ihnen hervorgegangen sind!
Im Verhalten des göttlichen Heilandes und der Apostel gegen die Juden erblickte die Kirche stets das Vorbild, nach welchem auch sie ihr Verhalten gegen die Juden einzurichten habe. Hierfür liefert die Geschichte uns zahlreiche Beweise, denn an Veranlassungen, die im Herzen vorhandene Gesinnung gegen die Juden auch offen kundzugeben, hat es Päpsten und Bischöfen, Priestern und Ordensleuten in den vergangenen Jahrhunderten niemals gefehlt.
III. Judenverfolgungen und ihre Veranlassungen
Das Volk der Juden war schon in den ältesten Zeiten vielen Verfolgungen ausgesetzt, und meistenteils hatten es die Verfolger dabei nur auf die Schätze abgesehen, die im Besitze der Juden waren.
Der König Ezechias (Hiskjah) machte sich einer großen Unvorsichtigkeit schuldig, als er, von geheimer Eitelkeit verführt, den Gesandten des Königs von Babylon die Schätze und Kostbarkeiten zeigte, die seine Väter und er in der königlichen Schatzkammer aufgehäuft hatten. Der Prophet Isaias mußte deswegen im Auftrage Gottes den König tadeln und ihm vorhersagen, daß die Babylonier kommen und die Schatzkammer plündern werden. Die Vorhersagung ging in Erfüllung, denn die Babylonier kamen wirklich, eroberten Jerusalem und raubten nicht bloß die Schatzkammer des Königs und des Tempels völlig aus, sondern führten auch einen großen Teil des Volkes in die Gefangenschaft nach Babylon. (IV. reg. 20, 24.)
Als Uman, der erste Minister des Königs Xerxes von Persien, eine Verfolgung der Juden im ganzen persischen Reiche ins Werk setzen und das sämtliche Judenvolk vernichten wollte, da gewann er den König, der seinen Staatsschatz durch den unglücklichen Feldzug gegen Griechenland erschöpft hatte, sofort für seinen Plan, indem er ihm versprach, daß er von den einzuziehenden Gütern der Juden eine Summe von mindestens fünfzig Millionen Mark – nach unserem Gelde – in die Schatzkammer bringen werde. Bekanntlich wurde diese Verfolgung der Juden durch die Dazwischenkunft der Königin Esther vereitelt, und Uman, der Judenfeind, mußte am Galgen baumeln. (Esth.3.)
Schon damals, als die Juden in der Gefangenschaft zu Ninive und Babylon leise Klagelieder sangen, während ihre Harfen trauernd an den Bachweiden hingen, fehlte es nicht an jüdischen Familien, welche sich durch große Wohlhabenheit auszeichneten, wie die Familie Joakims, des Vaters der keuschen Susanna zu Babylon, die Familie des frommen Tobias zu Ninive. Der letztere muß ein sehr bedeutendes Vermögen besessen haben, denn außerdem hätte er unmöglich seinem in Dürftigkeit geratenen Vetter Gabelus zehn Talente Silbers borgen können. Von Tobias berichtet auch die heilige Schrift noch weiter, er sei Schaffner oder Hoflieferant des assyrischen Königs Salmanassar gewesen, verschweigt aber auch nicht, daß Senacherib, Salmanassars Sohn und Nachfolger auf dem Throne, das sämtliche Vermögen des Tobias eingezogen und den Befehl, denselben zu töten, gegeben habe. (Tob. 1.)
Schon viel früher hatte Joseph, des Patriarchen Jakob Sohn, eine noch viel höhere Vertrauensstelle bei dem Könige von Ägypten eingenommen, in welcher es ihm möglich war, nicht bloß die Schatzkammer des Königs mit Geld zu füllen, sondern den König auch zum Eigentümer des ganzen Landes Ägypten zu machen, das ihm alljährlich den fünften Teil aller Erträgnisse abliefern mußte. Durch Josephs Vermittelung erhielten sein Vater Jakob und seine Brüder den fruchtbaren Landstrich Gessen zum Aufenthalte eingeräumt, und Israel nahm zu, wie die heilige Schrift erzählt, und mehrte sich sehr. Es war, als sproßten die Israeliten aus der Erde hervor, und sie wurden sehr stark und erfüllten das Land, so daß bald einer der folgenden Könige zu dem Volke Ägyptens sprechen mußte: „Das Volk der Söhne Israel ist größer und stärker als wir. Kommt, laßt es uns klüglich unterdrücken, daß es nicht etwa sich mehre und, wenn ein Krieg gegen uns entstünde, zu unseren Feinden sich schlage, wider uns streite und aus dem Lande ziehe.“ Und es wurden Frohnvögte über die Israeliten gesetzt, um sie zu quälen mit schweren Arbeiten; sie mußten die Hüttenstädte Phithom und Ramesses erbauen. (Exod. 1.) Als aber trotz der harten und verdoppelten Arbeiten das Volk immer mehr wuchs und sich vermehrte, gab der König den grausamen Befehl, daß alle neugeborenen israelitischen Knäblein ersäuft werden sollten. Da wanderte endlich nach Überwindung vieler Schwierigkeiten das Volk Israel freiwillig aus Ägypten aus. Für ihre schweren Arbeiten, die sie zu gunsten der Ägypter ohne Lohn verrichtet hatten, und für die Güter, die sie zurückließen, hatten sich die Israeliten dadurch bezahlt gemacht, daß sie vor ihrem Abzuge auf Gottes Befehl von den Ägyptern goldene und silberne Gefäße und sehr viele Kleider begehrten, die ihnen auch bereitwillig gegeben wurden, weil Gott dem Volke vor den Ägyptern Gnade verliehen hatte. (Exod. 1. 5. 12. 13. )
In der christlichen Zeitrechnung dürfte die erste größere Verfolgung der Juden nach der Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch die Römer und nach der Zerstreuung der Juden unter alle Völker jene gewesen sein, die im Anfange des sechsten Jahrhunderts in Italien ausbrach, indem die christliche Bevölkerung von Rom, Ravenna, Neapel, Mailand, Genua plötzlich über die Juden herfiel, ihre Synagogen einäscherte, ihre Häuser plünderte und viele Juden tötete. Der protestantische Geschichtschreiber W. Menzel erblickt die Veranlassung zu dieser Verfolgung hauptsächlich in den Wuchergeschäften der Juden und sagt: „Dieses politisch tote Volk hatte sich wie ein Ungeziefer bei allen noch lebenden Völkern eingenistet und, seitdem es den Gottessohn gemordet, vom Dämon des Judas Ischariot besessen, den Geldbeutel des letzteren zum Panier erhoben, trieb mit einer merkwürdigen Scheu vor jeder Handarbeit nur Geldgeschäfte, Geldwechsel, Geldverfälschung, Geldbeschneidung, Geldausleihung auf Wucherzinsen u. s. w., und war dadurch bald sehr reich geworden. Das christliche und heidnische Volk, welches arbeiten mußte, wollte sich nun nicht gern um den Lohn seiner Arbeit von den pfiffigen Juden betrügen lassen und haßte sie mit gutem Grunde. Mehrere Dichter jener alten Zeit sprechen mit der tiefsten sittlichen Indignation von den Juden. Rutilius nennt sie „eine Pest“. Das Volk ließ sich also leicht gegen sie aufreizen. Dieses Urteil Menzels ist offenbar zu hart und für die damalige Zeit auch unberechtigt. Wie die Geschichte bezeugt, trieben die Juden nicht bloß in der vorchristlichen Zeit, sondern auch noch lange in der christlichen Zeit bis in das Mittelalter hinein Ackerbau und Handwerke. Die alten Schriftsteller, wie Tacitus, Plinius, Apion, der Dichter Horatius, Juvenal, Quinctilian machen den Juden allerlei Vorwürfe, suchen sie dem Spotte und der Verachtung preiszugeben und den Haß der Heiden gegen sie aufzuregen; sie sagten, die Juden enthielten sich des Genusses von Schweinefleisch, weil ihre Ahnen durch den Genuß von Schweinefleisch von einer ekelhaften Hautkrankheit befallen und deshalb aus Ägypten vertrieben wurden; sie äßen ungesäuertes Brot, weil ihre Ahnen das Getreide gestohlen hatten und in der Eile und Angst das Brot nicht gehörig backen konnten; sie verehrten einen Esel, dessen Bild im innersten Heiligtume ihres Tempels aufgestellt sei, weil Esel ihren Ahnen in der Wüste eine Quelle gezeigt und sie dadurch vom Tode des Verdurstens gerettet hätten; sie mästeten alljährlich in ihrem Tempel einen Griechen, um ihn als Opfer zu schlachten, und was derlei Lügen mehr sind: aber den Vorwurf des Wuchers hat man in der Zeit des römischen Reiches gegen die Juden nicht erhoben. Erst dann, als die Juden keinen Grund und Boden mehr besitzen durften, und auch die Ausübung von Handwerken ihnen erschwert oder unmöglich gemacht war, verlegten sie sich auf den Handel und die Geldgeschäfte, die sie wie ein Monopol betrieben, weil den Christen Zins zu nehmen verboten war. Erst von dieser Zeit an werden Klagen über den Wucher der Juden laut, die man früher nicht gehört hatte. Will Menzel darum die Juden ein „Ungeziefer“ nennen, so muß man doch, um gerecht zu sein, auch beifügen, daß sie ein solches früher nicht waren, und wo sie es etwa geworden sind, durch die Gesetzgebung dazu gemacht wurden.
Zu Anfang des siebenten Jahrhunderts war die Zahl der Juden auf der pyrenäischen Halbinsel schon so hoch angewachsen, daß sie als eine Plage der Christen bezeichnet wurden. Um das christliche Volk von dieser Plage zu befreien, beschloß König Sisebut, die Juden entweder aus dem Lande zu vertreiben, oder ihrer feindlichen Sonderstellung mitten unter den Christen durch die Bekehrung zum Christentum ein Ende zu machen, damit sie im Glauben, in den Sitten und hauptsächlich auch in der Arbeit den Christen gleich kämen. „Man hat das,“ sagt der genannte Geschichtschreiber W. Menzel, „eine himmelschreiende Verfolgung genannt, was es aber nicht war, denn die Juden waren nicht gehindert, auszuwandern.“ Eine blutige Verfolgung war es allerdings nicht, aber die Ausweisung war doch von so harten und schmerzlichen Folgen begleitet, daß die Mehrheit der Juden sich, freilich nur zum Scheine, lieber taufen ließ.
Dieses von dem König Sisebut gebrauchte Mittel, um das Christenvolk von der Plage der Juden zu befreien, hatte die gewünschte Wirkung nicht, denn schon um das Jahr 636 waren die Juden in Spanien und Portugal wieder so zahlreich vorhanden, daß König Chinthila glaubte, er müsse den Befehl geben, sie aufs neue aus dem Lande zu vertreiben. Doch auch diesmal wußten sich die Juden durch Bestechung der Beamten in großen Massen im Lande zu behaupten.
Gegen das Ende des siebenten Jahrhunderts zeigten sich die ersten Saracenen oder mohammedanischen Araber an Spaniens Küsten. Als der König Egiza Kunde davon erhielt und zugleich von Umtrieben der Juden hörte, welche sich bemühten, die Araber ins Land hereinzuziehen, erneuerte er den alten Ausweisungsbefehl. Aber auch diesmal wußten die Juden dem königlichen Befehl auszuweichen, indem sie den gotischen Grafen Geldsummen in die Hand drückten, die sie dann nach wie vor gewähren ließen.
Auch in anderen Ländern Europas wurden die Juden im siebenten Jahrhundert verfolgt, wozu ihre Religionsgenossen im Morgenlande die Veranlassung gegeben hatten. Im Jahre 614–615 machte sich nämlich der König Chosroës von Persien auf, und suchte Palästina zu erobern. Die Juden schlossen sich ihm in großen Haufen an und zogen, etwa 26,000 Mann stark, mit dem persischen Heere nach Galiläa und vor Jerusalem, das schnell eingenommen und mit Christenblut getränkt wurde. Die Juden zeichneten sich bei der Abschlachtung der Christen, durch vorhergehende Verfolgungen gereizt, besonders aus. Die Kunde von diesem Christenhasse der morgenländischen Juden drang nach Europa und vereinigte sich mit den Klagen über den Wucher der abendländischen Juden, die besonders in Neustrien, Burgund und anderen Ländern schon laut geworden waren. In diesen zwei Thatsachen sowie in dem Bestreben der Neustrier und Burgunder, im Religionseifer den Westgoten in Spanien nicht nachzustehen, liegen wohl die Hauptgründe zu der großen Verfolgung der Juden, die um das Jahr 630 in den genannten Gegenden ausbrach. Nur mit schwerem Gelde konnte Israel es erkaufen, daß derselben Einhalt gethan wurde, und daß nicht alle Juden das Leben lassen mußten.
Zu den Feinden der Juden gehören insbesondere die Mohammedaner, denen ihr falscher Prophet und Religionsstifter Mohammed den Haß gegen die Juden gleichsam als Erbschaft hinterlassen zu haben scheint. Wiederholt hat Mohammed, zuletzt noch auf seinem Sterbebette, den Fluch über die Juden ausgesprochen. Das hinderte die Juden aber nicht, den Mohammedanern ihre Dienste anzubieten und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen, sobald ein Schlag gegen die Christen ausgeführt werden sollte. Vielleicht war es weniger der Haß gegen die Christen als vielmehr der Selbsterhaltungstrieb, der die Juden damals zu Bundesgenossen der Mohammedaner machte. Als daher am Anfange des achten Jahrhunderts die mohammedanischen Araber von Verrätern gerufen, mit Heeresmacht von Afrika herüber in Spanien eindrangen, da waren es die Juden, welche dem Feinde Vorschub leisteten und ihm die Mittel und Wege zeigten, wie er am leichtesten seinen Zweck erreichen konnte. In hellen Haufen zogen die Juden aus Afrika und selbst aus Syrien mit den Arabern in Spanien ein, und jene Juden, die sich früher, um im Lande bleiben zu dürfen, hatten taufen lassen, bekannten wieder offen ihren alten Glauben.
Wir haben von der Besorgnis gehört, die ein ägyptischer König hinsichtlich der in seinem Lande wohnenden Juden hegte, dieselben möchten bei dem etwaigen Ausbruche eines Krieges Verräterei treiben und sich zu Ägyptens Feinden schlagen, und wie er dieser Gefahr durch schwere Bedrückung der Juden und Tötung der neugeborenen jüdischen Knäblein vorzubeugen suchte. Die nämliche Besorgnis hegte auch in späterer Zeit ein christlicher Kaiser in Konstantinopel, der aber ein anderes Mittel anwandte, um die Gefahr, die er von seiten der Juden befürchtete, zu beseitigen. Es war der griechische Kaiser Leo, den die Geschichte Isaurier nennt.
Wenn es wahr ist, was man sich im Altertume erzählte, war Kaiser Leo in seiner Jugend hausierender Krämer, der als Begleiter zwei Handelsjuden mit seinem Eselein durch die Länder zog. Diese zwei Juden sollen dem Jüngling geweissagt haben, daß ihn der kaiserliche Purpur noch schmücken werde, sie sollen aber auch seinem Herzen jenen Haß gegen die religiösen Bilder eingeimpft haben, der später zum Ausbruch kam. Sagt man den Juden ja auch nach, daß sie den Kalifen Yezid II. zur Vernichtung der christlichen Bilder aufgestachelt haben. Leo wurde wirklich Kaiser und gab seinen Haß gegen die Bilder dadurch zu erkennen, daß er den Befehl ergehen ließ, alle religiösen Bilder, auch die Bilder und Statuen des gekreuzigten Heilandes und der Mutter Gottes zu beseitigen und zu vernichten. Wenn er aber auch nach dieser Seite hin vielleicht den Einflüsterungen der Juden folgte, so war er doch auf der anderen Seite wieder mit Mißtrauen gegen sie erfüllt. Kaiser Leo befürchtete, die Juden möchten durch Verräterei ganze Provinzen den Feinden des griechischen Reiches in die Hände spielen, und diese Furcht nebst der Thatsache, daß wieder einmal ein falscher Messias aufgestanden war, unter dessen Führung die Juden in Kleinasien einen Aufstand erregten, waren wohl die Hauptursache, daß Kaiser Leo im Jahre 722 den Befehl erließ, daß alle Juden im griechischen Reiche sich taufen lassen mußten. Sie wurden auch in der That zu Tausenden getauft.
Wenn man sieht, wie die Juden schon damals angeklagt wurden, als ob sie den Bildersturm der Mohammedaner und des griechischen Kaisers veranlaßt hätten, obwohl die eigentlichen Ursachen zu diesem Wüten gegen die Bilder offen daliegen, so könnte man es den Juden fast nicht verargen, wenn sie sich mit den Christen der ersten Jahrhunderte vergleichen würden, welche auch von den Heiden für alles Unglück, das hereinbrach, verantwortlich gemacht wurden.
Der weströmische Kaiser Honorius, gestorben im Jahr 423, hatte den Juden gestattet, daß sie Christensklaven halten durften; das gab Veranlassung zu vielen Mißbräuchen und schweren Anklagen, die gegen die Juden erhoben wurden. Vielleicht ist hier die Quelle jenes allgemeinen, in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien verbreiteten Glaubens zu suchen, nach welchem es bei den Juden Gebrauch gewesen sein soll, Christenknaben heimlich zu fangen, zu matern und zu töten. Die Juden trieben nämlich frühzeitig Handel mit Christensklaven; zu diesem Zwecke stahlen sie auch gerne schöne Christenknaben und verschnitten sie, um sie an die Sarazenen für den Harem zu verkaufen. Da infolge dieser schmerzlichen Operation wohl manche Knaben den Geist aufgaben, – viele werden es nicht gewesen sein, da den Juden nach Lev. 22, 24 ja sogar die Kastrierung des Viehes verboten war –, mochte der Glaube entstehen, daß die Juden den Gebrauch hätten, Christenknaben zu matern und zu töten. Zur Verbreitung dieses Glaubens gab vielleicht auch die Beschneidung von christlichen Sklaven Veranlassung, wogegen die Kirche wiederholt Einsprache erhob. Schon Kaiser Karl der Große erließ scharfe Gesetze gegen den Sklavenhandel und die Kastrierung von Sklaven; wer einen Sklaven außer Landes verkaufte oder einen Menschen kastrierte, sollte ihn büßen, als wenn er ihn getötet hätte. Doch die Juden trieben trotz der scharfen Gesetze ihren Handel mit Christensklaven fort, und hatten unter dem Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohne des großen Karl, am Anfange des neunten Jahrhunderts, besonders in Spanien, nachdem es von den Mohammedanern erobert worden war, ein starkes Absatzgebiet. Überhaupt scheinen Kaiser Karl der Große und sein Sohn Ludwig der Fromme oder Schwache den Juden nicht abgeneigt gewesen zu sein. Von Kaiser Karl erzählt die Geschichte, daß er einer Gesandtschaft an den Kalifen Harun al Raschid auch den Juden Isaak beigestellte, der einen Elefanten von dort mitbrachte, und von Kaiser Ludwig wissen wir, daß der eifrige Bischof Agobard von Lyon bei ihm wiederholt, aber wie es scheint, vergeblich gegen Ausschreitungen der Juden klagte, sowie über allzu große Vergünstigungen, die ihnen vom Kaiser eingeräumt worden waren.
Wie man den Juden nachsagte, daß sie christliche Länder durch ihre Verräterei in die Hände der Feinde gespielt hätten, ebenso warf man ihnen auch vor, daß sie christliche Städte dem Feinde durch Verrat überliefert hätten. Die heidnischen Normannen hatten schon lange die Stadt Bordeaux in Frankreich belagert, konnten sie aber nicht einnehmen, bis es ihnen endlich, im Jahre 848, durch Verräterei der Juden, die in Bordeaux wohnten, gelang, in die Stadt einzudringen und dann auch noch weiter in das Land hinein ihre Plünderungszüge fortzusetzen. So sagt man, daß auch die Stadt Barcelona in Spanien von den Mauren leicht erobert werden konnte, im Jahre 850, weil der Verrat der in der Stadt wohnenden Juden den Christenfeinden die Thore der Stadt öffnete. Dieses Gerücht gab dem jungen Könige Alfonso III. von Leon, den die Geschichte wegen seiner Heldenthaten den Großen nennt, die Veranlassung, daß er aus allen Städten, die ihm schon gehörten oder die er noch eroberte, die Juden vertrieb, und nicht duldete, daß sich Juden darin niederließen.
Daß die Befürchtung des ägyptischen Pharao, die Juden in Ägypten möchten es beim Ausbruche eines Krieges mit den Feinden Ägyptens halten, nicht unbegründet war, hat, freilich viel später, im Jahre 968, ein Jude in Ägypten gezeigt. Als in diesem Jahre Kafur, der Beherrscher von Ägypten, gestorben war, und Moëz, ein türkischer Eroberer, Ägypten in seine Gewalt bringen wollte, da war es ein Jude, einer der angesehensten Beamten Kafurs, welcher Moëz die Mittel und Wege angab, daß er sich Ägypten bemächtigen konnte. Dieser Jude besaß eine ausnehmende Geschicklichkeit, Geld zu machen. Er bereicherte nicht bloß den Kalifen Moëz und dessen Nachfolger, sondern auch sich selbst, und nebstdem gelang es ihm, seine Brüder und Vettern in die einträglichsten Posten einzuschieben. Doch der Zorn des Volkes über den Blutegel ward so groß, daß ein Aufstand unter dem zweiten Nachfolger des Moëz, dem Kalifen Aziz, gegen ihn ausbrach, infolgedessen er nebst seiner ganzen Sippschaft verhaftet wurde. Bei seiner Verhaftung wurde in seiner Wohnung ein Schatz von 200,000 Denaren aufgefunden. Doch Aziz konnte wegen seines Geizes den Geldmenschen nicht missen, und auf sein Betreiben mußte die Unschuld des Angeklagten entdeckt werden, so daß er wieder in sein Amt eingesetzt werden konnte, und die Juden sich wieder in den Gnadenstrahlen des Harems sonnen durften. Damit man sich übrigens nicht zu dem Glauben verleiten läßt, als hätten die Juden allein Verräterei getrieben, will ich hier einschalten, daß bei der ersten Eroberung Ägyptens durch Amru, den Feldherrn des Kalifen Omar, i. J. 641, die koptischen Christen mit ihrem Patriarchen an der Spitze zu Verrätern an ihren christlichen Brüdern wurden. Dieselben verbanden sich mit den Mohammedanern gegen ihre christlichen Mitbrüder und verhalfen den Feinden zum Siege und zu Eroberung des Landes. Diese Verräterei, von Christen gegen Christen geübt, ist gewiß viel schmachvoller und verwerflicher, als wenn ein einzelner Jude zum Verräter an Christen wird.
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