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Normalität und Subjektivierung

Angela Rein · 2020

161,368 words · about 11 h 18 min to read

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About this edition

Licence: CC BY-NC-ND 4.0 · repository export licence (OAPEN) · Rein, Angela (2020), Normalität und Subjektivierung, transcript Verlag - licensed CC BY-NC-ND 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/)

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About this book

Author
Angela Rein
Language
German
Published
2020
Length
161,368 words · about 11 h 18 min
Sections
3 reader sections
Text
Digital text
Rights
CC BY-NC-ND 4.0 · repository export licence (OAPEN)

 

Contents (3)
  1. Front matter about 4 min
  2. Einleitung about 9 min
  3. Teil I Kontext der Untersuchung about 11 h 5 min

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Front matter

Angela Rein

NORMALITÄT

UND SUBJEK-

Einleitung

In der vorliegenden Untersuchung geht es um die Frage nach den Bedeutungen von Normalitätskonstruktionen in den Biographien von jungen Menschen, die in der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind und sich im Übergang ins Erwachsenalter befinden. In internationalen Fachdiskursen werden diese jungen Menschen als »Care Leaver< (vgl. Stein 2006) bezeichnet. Zahlreiche internationale Studien zeigen auf, dass Care Leaver im Vergleich zu ihren Peers im Übergang ins Erwachsenenalter benachteiligt sind. Gleichzeitig sind Übergänge ins Erwachsenenalter bei allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch gesellschaftliche hegemoniale Macht- und Ungleichheitsverhältnisse geprägt (vgl. Ahmed et al. 2013; Thielen 2014).

Die Frage nach den Normalitätskonstruktionen rekonstruiere ich aus der Perspektive der Subjekte, die in der stationären Jugendhilfe gelebt haben. Diesen Rekonstruktionen liegt ein gesellschaftstheoretisch gerahmtes Verständnis von Normalitätskonstruktionen zugrunde. Normalität wird von Dausien und Mecheril als machtvolle Ordnung verstanden, »die das Individuum justiert und ihm jene Selbstjustierung (ganz »natürlich«) aufnötigt, in der es sich in ein Subjekt verwandelt, handlungsfähig und unterworfen in einem Atemzug« (Dausien/Mecheril 2006, S.163). Dieser Prozess der Verwandlung von Individuen in Subjekte als Unterworfene und Handlungsfähige zugleich wird Subjektivierung genannt (vgl. Butler 2001).

Gleichzeitig geht es mir auch darum herauszuarbeiten, welche Rolle Institutionen der stationären Jugendhilfe in Bezug auf die Frage nach Normalität aus biographischer Perspektive spielen. Auch in den Fachdiskursen der Sozialen Arbeit ist der Begriff der Normalität bedeutsam und es sind unterschiedliche programmatische Ideen und Konzeptionen damit verbunden. Einerseits kann beobachtet werden, dass die theoretische Aufarbeitung der verschiedenen Konzeptionen von Normalität in den letzten Jahren zugenommen hat. Andererseits bleiben aber die mit dem Begriff verknüpften Konzeptionen teils unbestimmt (vgl. Seelmeyer 2018). So hat die stationäre Jugendhilfe den Auftrag, ihre Zielgruppe auf den Übergang aus der Erziehungshilfe in den Beruf sowie in das Erwachsenenalter vorzubereiten, was gleichzeitig auch mit der Anpassung an hegemoniale Vorstellungen von Erwachsensein verbunden ist. Angebote der Sozialen Arbeit können in diesem Sinne nach Kessl und Plößer gleichermaßen als »Normalitätsermöglichung und Normalisierung verstanden werden« (Kessl/Plößer 2010, S. 7, Herv. i. O.). Damit verweisen die Autor*innen auf das grundsätzliche Dilemma Sozialer Arbeit, mit ihren Angeboten einen Beitrag zur Erhöhung der Teilhabemöglichkeiten für ihre Zielgruppen zu leisten und diese gleichzeitig an dominante und hegemoniale Vorstellungen von Normalität anzupassen. Soziale Arbeit »produziert die Nutzer_innen durch die fachliche Fallmarkierung überhaupt erst als »Andere< (mit)« (Kessl/Plö- Ber 2010, S. 8). In diesen Fallmarkierungen spielt die Bezugnahme auf hegemoniale Normalitätsordnungen eine bedeutsame Rolle, die mit Differenzziehungen und Kategorisierungen einhergehen.

Übergänge ins Erwachsenenalter sind zudem eng verbunden mit Normalitätsvorstellungen, die sich einerseits aus den Skripts von Lebenslaufregimes ergeben und stark von Vorstellungen linearer Übergangsverläufe geprägt sind (vgl. Walther/Stauber 2018). Andererseits bestehen entlang von verschiedenen Differenzund Machtverhältnissen - wie bspw. Rassismus, Klassismus, Heterosexismus oder Ableismus' - ebenfalls Konstruktionen von Normalität und Abweichung, die im Übergang ins Erwachsenenalter relevant werden. Diese Differenzordnungen tragen zur Reproduktion von ungleichen Chancen bei (vgl. Thielen 2013; Karl 2014; Stauber 2014b; Mey 2015; Scharathow 2017). Zugehörigkeiten und Positionierungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden ebenfalls durch diese Ordnungen organisiert. Für die Institution der Schule liegen Untersuchungen vor, die aufzeigen, wie heteronormative (vgl. Kleiner 2015), rassistische (vgl. Rose 2012) oder ableistische (vgl. Buchner 2018) Ordnungen Jugendliche subjektivieren - also zu Subjekten machen - und welche Folgen dies für deren Biographien hat. Verbunden mit diesen Differenz- und Machtverhältnissen sind Normalitätskonstruktionen, die entlang dichotomer symbolischer Ordnungen festlegen, wer selbstverständlich dazugehört und als »normak gilt und wer nicht den Normalitätskonstruktionen entspricht und daher als »abweichend« verstanden wird. Zusammenfassend sind mit unterschiedlichen Diskursen über Jugendliche und junge Erwachsene Ordnungen und Einteilungen verbunden, wer als normal und selbstverständlich zugehörig und wer als anders verstanden wird.

Diese Differenz- und Ungleichheitsordnungen sind neben der Schule auch in der stationären Jugendhilfe relevant. Dabei stellt sich die Frage nach Normalität

1 MitsIsmen<werden gesellschaftliche Ordnungen beschrieben, die Benachteiligung aufgrund sozialer Differenzen legitimieren und so Machtverhältnisse reproduzieren. So wird bspw. mit dem Begriff Ableismus auf Ordnungen verwiesen, die soziale Differenzen hinsichtlich geistiger und körperlicher Fähigkeiten naturalisieren. Auf der einen Seite wird eine Norm definiert, auf der anderen Seite werden Behinderungen zugeschrieben und mit der Nicht-Erfüllung einer gesellschaftlich konstruierten Normerwartung begründet (vgl. Köbsell 2015, S. 25).

Einleitung für junge Menschen, die in der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind, in besonderem Maße, denn das Aufwachsen in der stationären Jugendhilfe wird als Abweichung von hegemonialen Vorstellungen des Aufwachsens in einer sogenannten Normalfamilie erlebt (vgl. Mangold/Rein 2017). Care Leaver müssen mit Erreichen der Volljährigkeit die Jugendhilfe i. d. R. verlassen. Dies führt zur Benachteiligung im Vergleich zu ihren Peers, die aufgrund der veränderten Bedingungen im Übergang ins Erwachsenenalter durchschnittlich bis 25 Jahre bei ihren Eltern wohnen und dort häufig auch über den Auszug hinaus Unterstützung finden (vgl. Gabriel/Stohler 2008; Schaffner/Rein 2015). In der Folge ist für die jungen Menschen eine selbstverständliche gesellschaftliche Teilhabe nicht ohne Weiteres möglich. So wird in den Forschungen bspw. darauf verwiesen, dass Care Leaver Bildungsbenachteiligung erfahren, dass sie einem höheren Obdachlosigkeits- und Armutsrisiko oder auch stärkeren gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sind (vgl. Dixon et al. 2004; Mendes/Snow 2016).

Die Konstruktion von Care Leavern als Gruppe und Studien, die auf deren »poor outcomes< im Vergleich zu ihren Peers fokussieren, bergen allerdings die Gefahr, dass in der Rezeption der Ergebnisse das »schlechtere Abschneiden: der Care Leaver in Bereichen der gesellschaftlichen Teilhabe schnell als »Scheitern« und damit als ein individuelles Problem der Personen gedeutet wird. Durch die Konzentration auf die mit der Lebenslage verbundenen Herausforderungen wird in vielen Studien die Handlungsfähigkeit von Care Leavern ausgeblendet. Mit der Konstruktion und Zuordnung zur Gruppe der Care Leaver in gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskursen ist darüber hinaus eine mögliche Homogenisierung der unterschiedlichen Erfahrungen, gesellschaftlichen Positionierungen und Umgangsstrategien der individuellen jungen Erwachsenen verbunden. In der Folge werden potenziell andere Differenzkonstruktionen und damit verbundene gesellschaftliche Ordnungen wie bspw. Gender, Migrationserfahrungen, Behinderungen oder Klasse de-thematisiert und unter den gemeinsamen Jugendhilfeerfahrungen subsumiert. Allerdings ist aus einer intersektionalen Perspektive anzunehmen, dass Differenzkonstruktionen wie Geschlecht, Ethnizität, Behinderung, Klasse oder sexuelle Orientierung die Positionierungen von Care Leavern ebenfalls überlagern und dies zu weiteren Benachteiligungen führt (vgl. von Langsdorff 2014).

In den vorliegenden Studien zum Thema ist eine weitgehend offene Frage, wie sich gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse aus der Perspektive von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Heimerfahrungen gestalten und wie diese ihre subjektiven Sinnkonstruktionen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ordnungen und Normalitätskonstruktionen entwerfen. Um Antworten darauf zu finden, gehe ich in der vorliegenden Untersuchung der Frage nach, wie Care Leaver Normalitätsordnungen erleben, wie sie sich vor deren Hintergrund positionieren bzw. selbst »justieren«. Zentral ist dabei auch, wie sie Handlungsfähigkeit und widerständige Strategien entwickeln.

Mit der Perspektive auf die lebensgeschichtlichen Erzählungen der jungen Menschen sollen die Herausforderungen und Umgangsstrategien erforscht werden, die diese selbst als relevant darstellen. Die Perspektive auf die lebensgeschichtlichen Erzählungen verhindert auch, dass ein einseitiger Problemfokus auf die jungen Menschen gerichtet wird.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen habe ich folgende Fragestellung für die Untersuchung gewählt:

Welche Bedeutung haben Normalitätskonstruktionen in den Übergängen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der stationären Jugendhilfe ins Erwachsenenalter aus biographischer Perspektive im Kontext von Differenzverhältnissen?

Die biographischen Erzählungen werden hierzu mit Bezugnahme auf Machtverhältnisse und Normalitätsannahmen analysiert. Für die Rekonstruktion der biographischen Interviews dienen folgende Fragen als Orientierung:

e Wie werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit gesellschaftlichen Normalitätskonstruktionen sowie mit diesbezüglichen Zuschreibungen konfrontiert? Welche gesellschaftlichen Ordnungen werden hierbei relevant?

e Welche Anrufungen, Adressierungen und Grenzziehungsprozesse lassen sich aus der Perspektive der Jugendlichen und jungen Erwachsenen rekonstruieren? Welche Rolle spielen dabei Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe?

e Wie greifen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen diese Adressierungen auf und wie positionieren sie sich dazu?

o Inwiefern zeigen sich hierbei Unterwerfungspraxen in dem Sinne, dass Adressierungen bekräftigt werden?

o Inwiefern zeigen sich widerständige Praxen im Sinne von Veränderungen oder Verschiebungen?

o Inwiefern werden Adressierungen und damit verbunden Diskurse der Kinder- und Jugendhilfe von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgegriffen?

Ich orientiere mich in der theoretischen und methodischen Umsetzung der Forschungsarbeit an biographieanalytischen Überlegungen (vgl. bspw. Dausien 1996, 2004). Mit diesem Zugang können die Normalitätskonstruktionen in ihren komplexen und prozesshaften Entwicklungen aus der Perspektive der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Heimerfahrungen rekonstruiert werden. Zudem werden dadurch die Prozesse in den Blick genommen, die mit den Übergängen aus der Jugendhilfe und ins Erwachsenenalter verbunden sind. Gleichzeitig kann dadurch das Verwobensein von gesellschaftlichen Normalitätsanforderungen, institutionellen Praxen der Jugendhilfe und den Positionierungen der jungen Erwachsenen untersucht werden.

Einleitung

Den Ansatz der Biographieanalyse verknüpfe ich mit den theoretischen Überlegungen zu Subjektivierungsprozessen von Butler (2001). Dadurch wird ein Fokus in der Arbeit auf die Verschränkung von Macht und Subjekt gelegt. Dies ermöglicht es, in der Untersuchung ein Verständnis von Subjekten zu entwickeln, das diese gesellschaftstheoretisch rahmt und in Verbindung zu Normalitätsordnungen setzt. In ihren Arbeiten zum Thema Geschlecht markiert Butler Gender als Folge von Sprechakten und Adressierungen und dekonstruiert die vermeintlich zugrunde gelegte Natürlichkeit der bipolaren Geschlechterordnungen (Butler 1991). Butler setzt Subjektivierungsprozesse in den Kontext von Machtverhältnissen und Normalitätsannahmen. Diese umfassen immer gleichzeitig Aspekte des Unterworfenseins und der Subjektwerdung (Butler 2001). In Bezug auf die Thematik der Care Leaver stellt sich die Frage, mit welchen Anrufungen die jungen Erwachsenen konfrontiert sind und welche gesellschaftlichen Positionen damit verbunden sind. Beispiele für Anrufungen können bspw. Kategorisierungen sein durch Diagnosen, geschlechterbezogene Anrufungen oder auch Anrufungen als »Migrationsandere« (Mecheril 2010, S. 17). Verbunden mit den Adressierungen sind hegemoniale Ordnungen. Diese Ordnungen bringen Subjektpositionen hervor, denen sich Subjekte in ihren Positionierungen unterwerfen oder auch widersetzen können.

Subjekte, Macht und Normalitätsverhältnisse sowie gesellschaftliche Institutionen sind mehrfach miteinander verwoben. Normalität wird dabei als eine Ordnung verstanden, die für Subjekte und deren Biographien relevant ist und die Möglichkeiten und Grenzen des Denk- und Lebbaren strukturiert. Dabei deuten Studien zu Leaving-Care-Prozessen darauf hin, dass für Jugendliche, die in der stationären Jugendhilfe gelebt haben, die Erfahrung, nicht der Norm zu entsprechen, in verschiedener Hinsicht zu ihrem Alltag gehört und hierbei gesellschaftliche Differenz- und Machtordnungen eine zentrale Rolle spielen.

Die vorliegende Arbeit verfolgt somit ein mehrebenenbezogenes Erkenntnisinteresse, das nach den Bedeutungen von Normalitätskonstruktionen in Biographien fragt und diese in Verbindung mit gesellschaftlichen Macht- und Differenzverhältnissen setzt. Dabei lege ich auch einen Fokus auf die Frage, wie Institutionen der stationären Kinder- und Jugendhilfe eingebunden sind in die (Re-)Produktion von Normalitätskonstruktionen aus einer biographischen Perspektive. Ziel dieser Untersuchung ist es, aus biographischer Perspektive Erkenntnisse zur hegemonialen und sozialen Bedeutung von Normalitätskonstruktionen - verstanden als dominante gesellschaftliche Ordnungen - herauszuarbeiten.

Aufbau der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. In einem ersten Teil der Arbeit nähere ich mich dem Kontext der Untersuchung an. Hierzu wird im ersten Kapitel eine Verortung des Vorhabens vor dem Hintergrund empirischer Studien und wissenschaftlicher Diskurse im Feld der stationären Jugendhilfe vorgenommen. Dies sind zum einen Forschungen mit einer expliziten Adressat”innenperspektive sowie Debatten um Care Leaver in den Hilfen zur Erziehung. Zum anderen stelle ich Debatten in der Sozialen Arbeit dar, die sich mit Fragen der Thematisierung von Differenz- und Ungleichheitsverhältnissen sowie Fragen der Normalität und Normalisierung beschäftigen. Dabei markiere ich einerseits, welche Konsequenzen aus den bestehenden empirischen Studien und fachlichen Diskursen gezogen werden können. Andererseits zeige ich auf, welche Fragen sich daraus für die vorliegende Untersuchung ableiten lassen.

Im zweiten Teil der Arbeit (Kap. 2 und 3) stelle ich basierend darauf die theoretischen und methodologischen Rahmungen der Arbeit vor und gehe auf das methodische Vorgehen ein. Zunächst werden im zweiten Kapitel zentrale theoretische Konzepte der Arbeit herausgearbeitet, die sich als Ansatzpunkte und Aufmerksamkeitsfokusse in der empirischen Analyse als weiterführend herauskristallisiert haben: Biographietheorie, Übergangstheorie, Subjektivierung sowie Intersektionalität. Damit verbunden ist die Entwicklung einer Perspektive, die es ermöglicht, Subjekte in deren Eingebundenheit in Macht- und Ungleichheitsverhältnisse zu verstehen und dabei die prozesshafte biographische Dimension der Entwicklung von Subjektpositionen in den Blick zu nehmen. Im dritten Kapitel steht das methodische Vorgehen der Untersuchung im Zentrum, das in der Tradition der rekonstruktiven Methodologie verortet ist. Hierzu wird zunächst kurz auf die Grounded Theory als Forschungsstil eingegangen. Danach gehe ich auf das biographisch-narrative Interview als Erhebungsmethode in ihren theoretischen und praktischen Dimensionen ein. Zuletzt stelle ich relevante Aspekte des Forschungsprozesses dar zur Verortung des Kontextes der Untersuchung.

Im dritten Teil der Arbeit erfolgt schließlich die Darstellung der empirischen Ergebnisse. Dieser Teil ist das Zentrum der empirischen Untersuchung. Zunächst werden die Bedeutungen von Normalitätskonstruktionen in drei Einzelfalldarstellungen dargelegt (Kap. 4 bis 6). Im Anschluss werden im siebten Kapitel in einer fallübergreifenden Darstellung — basierend auf 14 biographischen Erzählungen von Care Leavern — Theoretisierungen zu den Bedeutungen von Normalitätskonstruktionen herausgearbeitet. Diese sind fallübergreifende Bedingungskonstellationen, mit denen Jugendliche und junge Erwachsene mit Jugendhilfeerfahrungen konfrontiert werden. Daneben geht es auch um die Darstellung der Zusammenhänge von Möglichkeitsräumen und Umgangsweisen der jungen Erwachsenen. Diese Ergebnisse bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Prozessen der »Ent- Normalisierung« und einem »Ringen um Normalität«. Im achten Kapitel der Untersuchung ziehe ich zunächst ein kurzes methodologisches Resümee. Danach eröffne ich Perspektiven und mögliche Ansatzpunkte für Veränderungen und Dekonstruk-

Einleitung 17 tion von hegemonialen Normalitätsordnungen in Fachdiskursen, Forschungen sowie der pädagogischen Praxis der stationären Jugendhilfe.

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