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Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (part 3 of 3)

Part 3 of 3 · Ruge, Sophus · Public domain text

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Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (part 3 of 3)

Die glänzende Erscheinung des Inka mit seinem Hofstaat, die fast göttliche Verehrung, die seine Umgebung dem Herrscher zollte, der Eindruck der Machtfülle und unumschränkten Gewalt über bedeutende Heereskräfte, die den Spaniern bei dieser Audienz fühlbar wurden -- alles das ließ die Absichten derselben höchst gewagt erscheinen. Man konnte sich unmöglich auf einen vorbereiteten, regelrechten Kampf mit dem peruanischen Heere einlassen, welches die kleine Schar der verwegenen Abenteurer mühelos schien erdrücken zu können. Das einzige Mittel, sich der höchsten Gewalt zu bemächtigen und den Widerstand zu lähmen, schien sich in der unerwarteten Gefangennehmung des Inka zu bieten. Und zu diesem Handstreich erklärte sich auf Pizarro’s Vorschlag der zusammenberufene Rath seiner Officiere bereit. Am nächsten Abend erschien Atahuallpa, von Edelleuten auf einem Sessel getragen, mit großem Gefolge und 5000 Mann erlesener Truppen vor der Stadt, wo er sein Lager aufschlagen wollte. Auf die Einladung Pizarro’s, daß alles zu seinem Empfang bereit sei, rückte er arglos und auf seine Macht vertrauend bis auf den großen Platz von Cajamarca. Kein Spanier war zu sehen, man wollte den Muth der Indianer nicht durch den Anblick der kleinen Anzahl der Fremdlinge steigern. Aber im Geheimen war jeder auf den Schlag vorbereitet und in Waffen, die Pferde standen gesattelt in den Höfen; die beiden Feldgeschütze waren auf den Platz gerichtet. Zwanzig entschlossene Soldaten hatten den Auftrag, den Inka im Auge zu behalten und sich seiner Person zu bemächtigen.

Als der Inka auf dem Platze hielt, trat zuerst der Dominicaner Vincente de Valverde (später Bischof von Cuzco) mit Kreuz und Brevier hervor und trug in kurzen Worten dem Könige den Inhalt der christlichen Glaubenslehre vor, von der Schöpfung und dem Sündenfall bis auf Christus, welcher alle Macht auf Erden seinem Apostel Petrus und dessen Nachfolgern, den Päpsten übergeben habe. Der Papst in Rom habe alle Länder unter die christlichen Fürsten vertheilt und dem Könige Karl die neue Welt überwiesen, damit alle Völker zum christlichen Glauben bekehrt und getauft würden. Atahuallpa verstand, daß in diesen letzten Aeußerungen ein bestimmter Angriff auf seine Hoheitsrechte enthalten sei und erklärte ruhig: Er wisse von Christus und Sanct Peter nichts, die Sonne gelte als höchste Gottheit, und er habe sein Land von seinen Vätern ererbt. Als der Geistliche darauf erwiderte: alles, was er gesagt, sei in der Heiligen Schrift von Gott selbst verkündet, nahm der Inka das Buch, blätterte darin und warf es mit den Worten: „Das Buch sagt nichts“, verächtlich auf den Boden. Ob, durch diese Schändung des göttlichen Wortes empört, der Geistliche die Spanier mit dem Rufe: „Auf sie!“ zum Losbrechen ermuntert und ihnen für den Verrath sogar Absolution ertheilt habe, ist nicht sicher festzustellen, da die Augenzeugen und ältesten Geschichtsschreiber über den raschen Verlauf des Gesprächs verschieden berichten. Doch gab Pizarro, da der Ueberfall geplant war, unmittelbar darauf das Signal zum Angriff, welcher durch die verächtliche Behandlung des Priesters und der Heiligen Schrift am einfachsten sich entschuldigen ließ. So wie die Trompeten erklangen und die Geschütze von der Festung erdröhnten, brachen die Spanier, Fußvolk und Reiter, aus dem Versteck hervor und fielen über die Indianer her. Ein heftiger Kampf entbrannte um den Inka, welcher von seinem Sessel zu Boden gestürzt und gefangen genommen wurde. 2000 Peruaner wurden auf dem Platze niedergehauen, die übrigen flüchteten.

Am nächsten Tage wurde das große Heer des Königs ohne Mühe zerstreut, da sie keinen Widerstand leisteten; viele Vornehme wurden zu Gefangenen gemacht und die Inkabäder geplündert. Dann schickte Pizarro Eilboten nach San Miguel, um Verstärkungen heranzuziehen, denn ohne dieselben wagte er doch nicht gegen die Hauptstadt aufzubrechen. Um seine Freiheit wieder zu erlangen und um zu verhindern, daß nicht Huascar von den Spaniern wieder auf den Thron gehoben würde, erbot sich Atahuallpa zu einem hohen Lösegelde. Er wollte das Zimmer, in welchem er gefangen gehalten wurde -- dasselbe war 22 Fuß lang und 17 Fuß breit -- mit Gold füllen lassen, so hoch ein Mann mit der Hand reichen könne. Pizarro nahm dieses Gebot begierig an, der weiße Strich wurde 9 Fuß hoch an der Wand ringsum gezogen. Der Inka verlangte zur Erfüllung seines Versprechens eine Frist von zwei Monaten.

Die Schätze der Sonnentempel von Cuzco, Huaylas (9° s. Br.), Huamachuco (östlich von Trujillo) und Pachacamac (südöstlich von Lima) wurden zu dem Zwecke herbeigetragen. Der Inka wurde indessen bewacht, aber nicht gefesselt, er war von seinem Gefolge umgeben und bedient und konnte mit dem Volke verkehren. Er erfuhr, daß sein Bruder Huascar sich ebenfalls an Pizarro gewendet, und daß dieser eine Zusammenkunft mit demselben beabsichtigte, um dessen Ansprüche kennen zu lernen und danach den Thronstreit zu entscheiden. Da gab Atahuallpa den Befehl, seinen Bruder zu beseitigen. Derselbe wurde entweder im Fluß von Andramarca ertränkt oder erst erdrosselt und der Leichnam dann ins Wasser geworfen. Wenn nun auch der gefangene Inka die Schuld an dem Brudermorde ableugnete, so wurde ihm derselbe doch zur Last gelegt und bildete ein wichtiges Motiv für seine spätere Hinrichtung.

Der Widerstand des Volks war vorläufig ganz gebrochen, so daß die Spanier ohne Schwierigkeit das Land bereisen konnten. So zog Hernando Pizarro mit Fußvolk und Reitern nach dem Tempel von Pachacamac. Der Marsch ging anfangs auf der Reichsstraße und dann von Pachicoto ab nach der Küste hinunter. Das Fußvolk setzte auf Balsas über die Flüsse, die Pferde schwammen hinüber. Die Indianer waren ihnen dabei behülflich. Dann marschirten sie weiter über die Stätte von Ancon und von dem später erbauten Lima, überall gastlich aufgenommen, bis sie im Februar 1533 nach Pachacamac[442] kamen, wo Pizarro mit Gewalt in den Tempel drang, das Götzenbild zerstörte und ein Kreuz an seine Stelle setzte. Dann ging Hernando Pizarro im Anfang März auf demselben Wege bis Huara zurück, wandte sich von hier ins Innere, erreichte in Cajatambo die große Straße und marschirte über Tarma nach Janja (östlich von Lima), wo damals Chalcuchima mit ansehnlicher Truppenmacht stand. Dem Beispiel seines Bruders folgend, faßte er den Plan, den peruanischen Feldherrn inmitten seines Heeres gefangen zu nehmen und gab dazu den beiden Hauptleuten Soto und Pedro del Barco den Befehl; aber der Peruaner ging freiwillig mit nach Cajamarca.

Noch weiter nach Süden drangen die beiden Spanier Martin Bueno und Pedro Martin de Moguer, die mit Geleitsbriefen des Inka und unter der Führung eines peruanischen Edelmanns, von indianischen Trägern auf das bequemste befördert, nach Cuzco reisten. Nach ihrer Rückkehr, im Sommer 1533, berichteten sie von dem buchstäblich mit Goldplatten belegten Sonnentempel, einem quadratischen Gebäude, dessen Seiten je 350 Schritt lang waren. Siebenhundert Goldplatten, dazu Gefäße und Schmuck in den verschiedensten Formen nahmen die Spanier mit sich fort und erschienen, indem sie auch auf dem Rückweg die zum Lösegeld für den gefangenen Fürsten dienende Beute noch vermehrten, endlich mit 200 Ladungen Gold, 25 Ladungen Silber und 60 Ladungen geringeren Goldes in Cajamarca. Hier wurde der unermeßliche Schatz, wie er bisher in den neuen Ländern noch nicht gesehen war, getheilt, der königliche Antheil (ein Fünftel), darunter die kostbarsten Goldarbeiten, ausgesondert und durch Hernando Pizarro persönlich nach Spanien überbracht. Der königliche Quint betrug 262,259 Pesos in Gold und 10,121 Mark Silber. Jeder Reiter erhielt 8880 Pesos in Gold und 262 Mark Silber.[443] Etwa fünf Wochen nach der Gefangennahme Atahuallpa’s kamen Boten von San Miguel mit der erfreulichen Meldung an Pizarro, daß sechs Schiffe mit Mannschaften angelangt seien und zwar drei große Schiffe unter Almagro und Ruiz mit 120 Mann und drei kleine Caravelen von Nicaragua mit 30 Mann und dazu mit 84 Pferden. Am Abend vor Ostern, am 14. April 1533, rückten diese Truppen, welche die Macht Pizarro’s verdoppelten, unter der Führung Almagro’s in Cajamarca ein. Der Inka forderte nun, nachdem das Lösegeld gezahlt und angenommen war, seine Freiheit; aber Pizarro gab sie nicht, angeblich, weil allerlei dunkle Gerüchte von Erhebungen und Heeresansammlungen der peruanischen Partei einliefen. De Soto wurde auf Kundschaft ausgeschickt, fand aber das ganze Volk ruhig. Trotzdem sollte Atahuallpa als Verräther gerichtet werden. Umsonst protestirten Soto und zwölf andere Spanier gegen die Verurtheilung des Inka, nur der König von Spanien könne über einen Fürsten zu Gericht sitzen, alles Gerede von Aufständen der Indianer sei falsch und grundlos. Trotzdem setzte Pizarro das Bluturtheil durch. Am 29. August 1533 wurde Atahuallpa gefesselt auf den Marktplatz geführt, um als Thronräuber, Brudermörder, Gotteslästerer verbrannt zu werden. Da er sich vorher zur Annahme der Taufe bequemte, wurde er zum Erdrosseln begnadigt und dann auf dem Friedhofe der Stadt beerdigt. Dieser Schandfleck in der Geschichte der Eroberung Peru’s, der sich nur aus der unersättlichen Goldgier erklären läßt, bildete den Anfang des großen Räuberdramas, in welchem alle Hauptpersonen gewaltsam ums Leben kamen. Atahuallpa war ein schöner stattlicher Mann; aber aus seinen feurigen Augen leuchtete eine Wildheit, vor welcher die Seinen erbebten. Als der Häuptling von Guailas ihn in seiner Gefangenschaft besuchte, um ihm Geschenke darzubringen, zitterte derselbe, wie Pedro Pizarro berichtet, der dabei stand, am ganzen Leib so gewaltig, daß er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Der Inka hob den Kopf ein wenig, lächelte und gab dem Häuptling ein Zeichen, daß er sich entfernen könne. „Ich habe in ganz Peru,“ schließt Pizarro seine Schilderung des Fürsten, „keinen Indianer gesehen, der dem Atahuallpa an Wildheit und Ansehen gleich käme.“[444]

Francisco Pizarro ernannte nun einen Nachfolger des Inka in der Person des Toparca (oder Tubalipa), eines Bruders des Huascar, um in dessen Namen bequemer die Indianer beherrschen zu können; aber derselbe starb schon nach einigen Monaten, vielleicht, wie von einem Historiker berichtet wird, von Chalcuchima vergiftet.

Im September brach Pizarro mit einem Heere von 500 Mann nach Cuzco auf. Die nach dem Tode Atahuallpa’s unruhig gewordenen Peruaner hatten die Dörfer an der Straße verbrannt, die Brücken zerstört und schienen entschlossen, den fremden Eindringlingen den Weg zu ihrer Hauptstadt versperren zu wollen. Soto ging wieder mit 60 Reitern voraus, wurde aber in einem Gebirgspasse in einen ungleichen Kampf verwickelt, aus welchem ihn der nacheilende Almagro befreien mußte. Der Feldherr Chalcuchima, den man des Einverständnisses mit den Feinden beschuldigte, wurde vor Cuzco verbrannt. Dann hielt Pizarro im November seinen Einzug in die Hauptstadt, welche damals 200,000 Einwohner zählte und viele herrliche Gebäude umfaßte. Indes wurden die alten Paläste und Tempel bald zerstört und aus ihren Trümmern neue Gebäude in europäischer Art aufgeführt. Auf den Grundmauern des Tempels der Sonnenjungfrauen steht jetzt das Kloster Santa Catalina. Was sich an Gold und Edelsteinen noch vorfand, wurde unter die Eroberer getheilt, selbst die Inkamumien wurden ihres Schmuckes und ihrer Juwelen beraubt.

Ein neuer Inka aus königlichem Stamme, Namens Manco, wurde gewählt und erhielt die königliche Kopfbinde aus der Hand Pizarro’s, er erkannte damit die Oberherrlichkeit Spaniens an. Manche der Gefährten Pizarro’s ließen sich in Cuzco nieder und wurden mit Häusern und Staatsländereien beschenkt.

Während Pizarro sich in Cuzco aufhielt, hatte sich im Norden ein Rivale eingefunden, +Pedro de Alvarado+, der Eroberer Guatemala’s, welcher, nachdem er von den Erfolgen Pizarro’s gehört, das Königreich Quito zu erobern beschloß in dem Glauben, dasselbe gehöre nicht zum peruanischen Staate, also auch nicht zu dem Pizarro überwiesenen Bereiche. Eine nach den Molukken bestimmte Flotte brachte ihn im März 1534 mit 500 Mann nach der Bucht von Caracas, westlich von Quito. Von der Küste marschirte er über die beschneiten Hochpässe, verlor aber dabei viel Mannschaft, ehe er Riobamba erreichte. Hier mußte er leider aus deutlich sichtbaren Pferdespuren schließen, daß ihm ein anderer Spanier in der Besetzung des Landes zuvorgekommen war. Es war +Benalcazar+, welchen Pizarro zum Commandanten von San Miguel eingesetzt hatte. Als man ihm von den vermeintlichen Schätzen Quito’s erzählte, brach er auf eigne Verantwortung mit 140 Mann dahin auf und erreichte, weil er bequemere Wege fand als Alvarado, auf der Straße über Riobamba eher das Ziel.

Unterdessen war aber die Kunde von dem Einbruche Alvarado’s auch nach Cuzco gedrungen, und Almagro machte sich sofort mit Truppen auf den Marsch, um den Eindringling zurückzuweisen. Nachdem er sich mit Benalcazar vereinigt hatte, stellte er sich bei Riobamba dem Statthalter von Guatemala entgegen, welcher sich, um dem unerwarteten Kampfe auszuweichen, zu einem Vertrage herbeiließ, für eine Summe von 100,000 Pesos Flotte und Heer sammt allen Vorräthen und Kriegsmaterial seinen Gegnern überließ und nach Guatemala zurückkehrte, während seine Truppen bereitwillig unter die Fahnen Almagro’s traten.

Im Januar 1535 gründete Pizarro die neue Hauptstadt Ciudad de los Reyes (heilige Dreikönigsstadt, nach dem Tage der Gründung) am Ufer des Rimac; aber sie wurde bald allgemein Lima (verstümmelt aus Rimac) genannt.

31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod.

Nachdem das Hauptland von Peru bezwungen worden war, beschloß Almagro auch die südlichen Länder zu unterwerfen. Es war der schwerste und kühnste Heereszug, welcher je durch die Wüsteneien der südamerikanischen Hochgebirge ausgeführt wurde. Zwei indianische Edelleute, der Bruder des Inka, Paulo Topa, und der Oberpriester Vilehoma, wurden in Begleitung dreier Spanier vorausgesendet, um den Weg zu zeigen, die Indianer über die Absichten des Zuges zu beruhigen und Quartiere zu schaffen. Dann brach Almagro am 3. Juli 1535 von Cuzco auf[445] und zog durch das Gebiet der Conchas, nordwestlich vom Titicacasee, und am westlichen Ufer des Gebirgssees durch die Landschaft Collao, ging dann auf der Ostseite des Aullagassees südöstlich über das Hochland von Potosi nach Tupiza, an der Südgrenze Boliviens, wo er, nachdem er bereits einen Marsch von wenigstens 200 Meilen gemacht hatte, seinen Truppen zwei Monate Rast gönnte. Während des Aufenthaltes entfloh der Oberpriester Vilehoma sammt seinem Gefolge bei Nacht und kehrte nach dem Norden, nach der Landschaft Collao zurück.

Almagro stand hier an der Grenze des Inkareiches, weiter hinaus hatte er unabhängige Bergstämme vor sich, durch deren Gebiet er sich mit Gewalt den Weg bahnen mußte. Es standen ihm, um nach Chile zu gelangen, dessen Schätze ihn lockten, zwei in gleichem Maße schwierige Wege offen. Entweder mußte er von Tupiza aus sich westwärts über die unwirthlichen Einöden und den Hauptkamm der Anden übersteigend nach der Küste wenden und die wasserlose Atacamawüste durchschneiden, oder den mühsamen Gebirgsmarsch nach Süden fortsetzen und ausgedehnte Schneeregionen durchziehen, wo für die Mannschaften weder Vieh noch Getreide zu beschaffen war. Almagro wählte den letzteren Weg, weil er kürzer schien. Da von den Eingeborenen in Jujuy drei Spanier, welche vorausgeschickt waren, getödtet worden, so wurde der Capitän Salcedo mit 50 Reitern und Fußgängern ausgesandt, die Indianer zu züchtigen. Diese hatten sich in eine Festung zurückgezogen, welche Salcedo erst anzugreifen wagte, als ihm Francisco de Chaves Unterstützung brachte. Darauf flohen die Indianer ins Gebirge und ließen den Paß frei. Nun rückte das Heer weiter durch Jujuy in die Landschaft Chicoana, südlich von der modernen Stadt Salta. Das fruchtbare Thal war verödet, wilde Bergstämme waren von Norden her eingebrochen, hatten die Kulturen zerstört und die Ortschaften in Trümmerhaufen verwandelt. Doch gelang es Almagro noch, seine Truppen mit einigen Vorräthen von Vieh und Mais zu versorgen; allein beim Uebergang über einen reißenden Bergstrom ging ein großer Theil der Thiere verloren, ein empfindlicher Verlust, der nicht wieder ersetzt werden konnte, wenn auch hie und da in den Hochthälern noch einige wenige kleine Ortschaften angetroffen wurden. Von Chicoana (Salta) ging der Zug in südwestlicher Richtung über das Campo del Arenal westlich von der Sierra Aconquija durch das Thal von Arroyo nach dem Hauptrücken der nördlichen chilenischen Anden, um diese zu übersteigen. Hier stand den Truppen noch die schwerste Arbeit bevor. Als sie aus einer Gebirgsschlucht (Quebrada) heraustraten, sahen sie hohe, schneebedeckte Gebirge in unabsehlicher Ausdehnung vor sich. Nachdem sie eine Zeit lang daran hingezogen, sahen sie sich genöthigt, dieselben zu übersteigen, ohne ihre Breite zu kennen. Aber muthig wagten sie sich hinein, mit den Elementen und mit dem Hunger kämpfend, mit wenig Lebensmitteln, mit Waffen und allerlei Geräth, um Brücken oder Flöße zu bauen, beladen.

Almagro zog mit 20 Reitern vorauf, um Wege und Pässe ausfindig zu machen, und womöglich dem nachfolgenden Heere Lebensmittel zu schaffen. Sieben Tage lang ging’s über Salzboden und wieder über beschneite Pässe, wo die Augen von dem blendenden Schnee entzündet wurden. Sturm und Kälte erschwerte jeden Tritt. Am dritten Tage der schwersten Leiden öffnete sich gegen Osten das Thal von Copiapo, wo Almagro’s kleine Schar sich erholen und den nachfolgenden Truppen Lebensmittel entgegensenden konnte. Ohne diese Hilfe wäre das ganze Heer in den schrecklichen Wüsteneien umgekommen. Die indianischen Lastträger, welche den Zug mitmachen mußten, litten noch mehr als die Spanier.[446] Manche sanken vor Erschöpfung nieder; die Luft war so kalt, daß man kaum athmen konnte. Dazu nachts kein Feuer, um sich zu erwärmen, kein Schutz vor den rasenden Winden, keine ausreichende Nahrung, um den Körper widerstandsfähiger zu machen. Der Hunger war so arg, daß die lebenden Indianer das Fleisch ihrer gefallenen Kameraden verzehrten und die Spanier mit Begier das sonst verschmähte Fleisch gefallener Pferde unter sich theilten. Das Heer verlor bei diesem Uebergange 150 Mann und 30 Pferde. Erst im Thal von Copiapo konnten die Soldaten bei längerer Rast sich erholen und stärken. Rodrigo Orgoñez, welcher dem Almagro später von Cuzco her neue Truppen zuführte und denselben Weg über die Anden einschlug, hatte noch mehr Verluste als der Adelantado. Die Schneemassen begruben manchen Mann und manches Roß. Dann marschirte Almagro im chilenischen Küstenlande weiter nach Süden, nach Coquimbo. Hier traf er unerwartet einen Spanier, welcher, vor einer angedrohten Strafe flüchtig, aus Peru 600 Meilen weit nach Chile gelaufen war, ohne Schaden zu erleiden. (Oviedo, ~historia~ 47, 4). Von Coquimbo aus ließ Almagro dann das Land im Süden bis zum Rio Maule (35° s. Br.) erforschen und trat dann, da die erträumten Schätze sich nirgends zeigen wollten, enttäuscht den Rückweg an. Um das Heer nicht noch einmal den Gefahren des Hochgebirgs auszusetzen, wählte er diesmal den Küstenweg, welchen ihm die Indianer in Jujuy bereits empfohlen hatten. Zwar mußte er hier die Atacama passiren und verlor durch Mangel an Wasser und Futter mehr als 30 Pferde, aber keinen Mann. Sein Heer war in kleine Abtheilungen vertheilt, Almagro bildete mit seinem Gefolge den Schluß. So überwand er glücklich diese Wüste und stieg dann von Arequipa nach dem Hochland von Cuzco hinauf, wo er im Frühling 1537 wieder anlangte. Es war ein überaus verwegener, aber erfolgloser Entdeckungszug gewesen.

Während Almagro auf dem Marsche nach Chile war, suchte die nationale Partei unter ihrem Inka Manco die Gelegenheit, das spanische Joch abzuschütteln, zu benutzen, so lange ein ansehnlicher Theil des feindlichen Heeres aus dem Lande abwesend war. Manco entwich aus Cuzco und rief das Volk zu den Waffen. Die Hauptstadt wurde belagert und durch brennende Pfeile leicht in Brand geschossen, da die meisten Häuser mit Stroh gedeckt waren. Die halbe Stadt wurde zerstört, die Festung fiel in die Hände der Peruaner. Juan Pizarro eroberte zwar einen Theil derselben wieder, wurde aber dabei durch einen Steinwurf so gefährlich verletzt, daß er bald darauf starb. Erst nach seinem Tode konnten die Spanier die Festung wieder gewinnen; dann wurden sie aber Monate lang von einem großen indianischen Heere in Cuzco belagert und ihre Verbindungen mit Lima abgeschnitten, so daß Francisco Pizarro vergebens, da die Indianer die Bergpässe besetzt hielten, versuchte, der bedrohten Hauptstadt Ersatz zu bringen. Erst als in der Zeit der Feldbestellung das peruanische Belagerungsheer sich theilweise auflöste, wich die äußerste Noth, in welcher sich die Besatzung befunden hatte. Man machte in dieser Zeit sogar den, wenn auch verfehlten Versuch, sich durch einen Handstreich der Person des Inka zu bemächtigen. Francisco Pizarro fühlte, daß der ganze Besitz seiner Eroberung durch den allgemeinen Aufstand auf dem Spiel stehe, wenn nicht rasche Hilfe komme. Er entsandte Schiffe nach Mittelamerika und forderte die dortigen Statthalter unter lockenden Verheißungen auf, ihn mit Truppen zu unterstützen.

Unter solchen Verhältnissen erschien Almagro wieder in Peru. Die schon lange im Stillen glimmende Eifersucht zwischen ihm und Pizarro hatte zwar schon vor seinem Abmarsch nach Chile eine scheinbare Versöhnung gefunden, da sich beide Rivalen durch schriftlichen Vertrag und Eidschwur auf die Hostie am 12. Juni 1535 zur Beilegung des Streites bereit erklärt hatten; allein da nun nach seiner Rückkehr Almagro erfuhr, daß eine königliche Vollmacht ihn zum selbständigen Statthalter über alle Länder ernenne, welche 270 Leguas (17½ Leguas = 1 Breitengrad von 15 Meilen) südlich vom Santiagoflusse[447] beginnend, sich gegen Süden ausdehnten, so glaubte er Anspruch auf den Besitz von Cuzco zu haben. Bei der Unsicherheit genauer astronomischer Bestimmungen konnte zu jener Zeit allerdings die Entscheidung dieser Frage zweifelhaft sein, wenn wir jetzt auch mit Bestimmtheit sagen können, daß die alte Hauptstadt noch zum Gebiete Pizarro’s gehört. Ehe Almagro noch in die Nähe von Cuzco gelangt war, suchte er mit dem Fürsten Manco, mit welchem er früher befreundet gewesen, eine Zusammenkunft, wurde von diesem aber überfallen. Nachdem er den Angriff siegreich abgewiesen hatte, rückte er mit seinem Heere vor Cuzco und forderte von Gonzalo und Hernando Pizarro, welche in derselben befehligten, die Uebergabe der Stadt. Da dieselbe unter verschiedenen Vorwänden verzögert wurde, so drang er in einer finstern Nacht am 8. April 1537 in Cuzco ein und nahm beide Brüder nach kurzem Kampfe in ihrem Hause, welches dabei in Flammen aufging, gefangen.

Inzwischen war Alvarado, von Francisco Pizarro zu Hilfe gerufen, zum zweitenmale in Peru erschienen und stand, im Begriff mit 500 Mann auf Cuzco zu marschiren, 13 Meilen von der Hauptstadt entfernt in Jauja. Almagro ließ ihm die erfolgte Besetzung seiner Hauptstadt melden, aber Alvarado befahl, die Boten in Ketten zu werfen. Erbittert über solchen Verrath fiel Almagro rasch über ihn her, besiegte ihn bei der Brücke von Abancay, am 12. Juli 1537, und kehrte dann nach Cuzco zurück. Der Inka wurde mit dem Rest seiner Scharen ins Gebirge getrieben und das Land von den Aufständischen gesäubert. Es kam nun vor allem darauf an, eine directe Verbindung mit dem Mutterlande zu schaffen und einen Seehafen im südlichen Peru ausfindig zu machen. Deshalb zog Almagro ins Küstenland hinunter, um dort einen befestigten Landungsplatz zu gründen. Sein Augenmerk war auf das fruchtbare Chinchathal gerichtet; Hernando Pizarro mußte als Gefangener folgen, während es dem andern Bruder Gonzalo gelang, aus der Haft zu entfliehen und Lima zu erreichen.

Francisco Pizarro, welchem vor allem daran gelegen war, seinen noch gefangenen Bruder dem siegreichen Gegner zu entreißen, zeigte sich sehr friedlich gesinnt und knüpfte Unterhandlungen an. Beide Parteien kamen am 13. November in Mala, südlich von Lima, zusammen und Almagro verstand sich dazu, gegen die vorläufige Anerkennung seiner Ansprüche auf Cuzco, Hernando Pizarro freizugeben. Die endgiltige Entscheidung des Streits wurde der spanischen Regierung überlassen.

Kaum war Hernando frei, so erklärte bereits Francisco Pizarro den Vertrag für ungiltig, und der Streit begann von neuem. Almagro ging nach Cuzco zurück, wohin ihm sein erbitterter Gegner Hernando im Frühling des nächsten Jahres folgte. Am 26. April 1538 kam es zum Kampfe bei Las Salinas, eine kleine Meile von der Hauptstadt. Keine der beiden Parteien verfügte über mehr als 700 oder 800 Mann, aber das Gefecht war sehr heftig und dauerte den ganzen Tag. Almagro konnte, weil er krank war, nicht unmittelbar in den Streit eingreifen, aber er befand sich ganz in der Nähe. Während des Gefechtes fielen nur 15 bis 20 Mann, aber bei der Verfolgung der geschlagenen Truppen Almagro’s, welcher selbst gefangen genommen wurde, sollen noch 150 Mann niedergemacht worden sein. Hernando hatte für den überwundenen Gegner, den frühern Waffengefährten, der ihm großmüthig die Freiheit geschenkt, kein Mitgefühl, kein Erbarmen; er sann auf Rache für die angethane Schmach. Almagro wurde nach Cuzco gebracht und ihm dort der Proceß gemacht. Unter Aufbietung einer ansehnlichen Truppenmacht wurde ihm öffentlich am 8. Juli der Urtheilsspruch verkündet. Dann ließ Hernando ihn im Gefängniß erdrosseln.

Almagro war eine offne, rohe Natur, welche sich nie mit heuchlerischen Hintergedanken oder mit Racheplänen trug. Er besaß einen empfindlichen Ehrgeiz und liebte es, durch verschwenderische Geschenke seine Truppen zu belohnen. Tapfer und in allen Strapazen ausharrend, machte ihn seine durch und durch soldatische Natur bei seinem Heere beliebt. Seine Verbindung mit dem herz- und gewissenlosen Pizarro stürzte ihn ins Verderben.

32. Die Ermordung Pizarro’s und das Ende der peruanischen Parteikämpfe.

Der junge Diego Almagro befand sich inzwischen in Lima, aber die Statthalterschaft seines Vaters erhielt er nicht; auch wurden seine Anhänger, die „Chilenen“, durch Verachtung gekränkt. Man wandte sich um Recht nach Spanien. Um diesen Bemühungen der Partei Almagro’s, besonders des eifrigen Diego de Alvarado entgegenzuwirken, ging Hernando Pizarro 1539 selbst nach dem Mutterlande. Kurz nach seiner Ankunft in Valladolid am Hofe starb dort Alvarado ganz plötzlich, man sagte: durch Gift, welches Pizarro ihm beigebracht. Der Henker Almagro’s fand keinen freundlichen Empfang, man beschuldigte ihn mit Recht, daß er einen von der Krone eingesetzten Statthalter -- ob aus eignem Antriebe oder durch seinen Bruder bestimmt, blieb dabei unerörtert -- habe hinrichten lassen. Er wurde daher gefangen genommen und blieb auf der Festung Medina del Campo bis 1560 eingesperrt, so daß er alle seine Verwandten und auch -- seinen Ruhm überlebte.

Um die verwirrten und unerquicklichen Verhältnisse in Peru zu ordnen, wurde der Rechtsgelehrte +Vaca de Castro+ entsendet als „königlicher Richter“, oder, für den Fall, daß Francisco Pizarro bereits gestorben, als königlicher Statthalter. Im Sommer 1541, während er noch auf der Reise begriffen war und sich in Popoyan, nördlich von Quito (2½° n. Br.), aufhielt, erreichte ihn schon die Nachricht, Francisco Pizarro sei von seinen Gegnern ermordet. Die chilenische Partei hatte unter Anführung des Juan de Herrada mit einer Anzahl von Verschworenen am Sonntage den 26. Juni 1541, da Pizarro nicht zur Messe gegangen, den Zugang zu seinem Palaste in Lima erzwungen und, wie der junge Almagro behauptete, den Statthalter gefangen nehmen wollen, weil dieser in gleicher Weise wie seinem Vater, auch ihm, nach dem Leben getrachtet habe. Bei seiner Vertheidigung wurde Pizarro sammt seinem Bruder Francisco Martin und seinem Pagen Tordoya getödtet, während das übrige Gefolge floh. Er war 63 Jahre alt, als er zur Sühne für den an seinem Genossen Almagro verübten Mord unter den Streichen der Verschworenen fiel.[448] Wenn er auch Jahre lang sein Ziel, Peru zu erobern, kühn und unbeugsam im Auge behielt und dabei eine erstaunliche Thatkraft entfaltete, so läßt sich seinem Charakter doch keine sympathische Seite abgewinnen. Ungebildet und gefühllos trat er Freund und Feind nieder. Er hatte Cortes mehrfach als Vorbild genommen, so namentlich in der Gefangennahme des Fürsten; auch war ihm die Eroberung des Landes leichter geworden, als jenem, welcher zuerst mit einem amerikanischen Kulturvolke rang, die Besiegung von Mexiko. Aber verglichen mit einem Feldherrn und gebildeten Staatsmann wie Cortes erscheint Pizarro nur als ein gemeiner Abenteurer, und zwar als der grausamste von allen, welcher das eroberte Land ausplünderte und mit Blut überschwemmte und den spanischen Namen für immer in Südamerika verhaßt machte.

Als Cristoval Vaca de Castro in Popayan das Schicksal Pizarro’s erfuhr, nahm er, seiner Instruction gemäß, den Titel eines Statthalters an. Zwar suchte der junge Almagro einen Vergleich herbeizuführen, wonach ihm die seinem Vater zugewiesene südliche Hälfte des eroberten Reiches überlassen werde; allein Vaca de Castro konnte, nach den Vorfällen in Lima, darauf nicht eingehen. Er verlangte vielmehr, daß Almagro sich unterwerfe, das Heer, welches er um sich gesammelt hatte, entlasse und ihm, dem rechtmäßigen Statthalter, alle am Morde Pizarro’s betheiligten Personen zur Bestrafung ausliefere. Almagro weigerte sich, und so kam es am 16. September 1542 auf der Ebene von Chupas bei Guamango (jetzt Ayacucho) zwischen Lima und Cuzco zum Entscheidungskampfe. Castro’s Heer zählte 328 Reiter und 420 Fußgänger, Almagro stellte dagegen 220 Reiter und 280 Fußgänger ins Feld.[449] Die chilenische Partei wurde aufs Haupt geschlagen, Almagro floh nach Cuzco, wurde aber bald ausgeliefert und enthauptet. Damit war auch das Loos seiner Anhänger entschieden. Der Widerstand hörte auf, und die Parteigänger Almagro’s unterwarfen sich. Der königlichen Autorität stand, als Castro im Jahre 1544 durch den Vicekönig +Blasco Nuñez Vela+ ersetzt wurde, nur noch der +letzte Bruder Pizarro’s, Gonzalo+, gegenüber, welcher sich im nördlichen Theil des Reichs festgesetzt hatte und sich nicht beugen wollte. Er war schon im Jahre 1540 zum Statthalter von Quito gemacht und hatte mit einem Heere von 350 Spaniern und 4000 Indianern das Land besetzt. Von hier war er dann, angelockt von dem fabelhaften Goldreichthum, welcher sich nach den Erzählungen der Indianer in den östlichen Waldgebieten finden sollte, in der Nähe des Aequators über die östlichen Anden gestiegen und an dem Rio Napo abwärts vielleicht bis zu dem Katarakt del Cando in die Urwälder eingedrungen, wo ihn die unwegsame Wildniß und Mangel an Lebensmitteln in die äußerste Noth brachten. Hier beschloß er ein Fahrzeug zu bauen, um die Truppen, wenigstens zum Theil, namentlich die Kranken, und außerdem das Geschütz, zu Wasser weiter stromabwärts befördern zu können. Zum Schiffscapitän wurde +Francisco de Orellana+ aus Trujillo gemacht. Landheer und Schiff rückten noch eine Zeitlang neben einander den Strom hinunter, bis die zu Lande marschirenden Soldaten durch den verschlungenen Urwald nicht mehr weiter konnten. Dazu trat die Regenzeit ein, die Vorräthe waren erschöpft, alle Pferde mußten geschlachtet werden. Das Heer machte Halt, Orellana erhielt den Auftrag, mit dem Schiffe allein weiter zu gehen, um Lebensmittel aufzutreiben; aber er kehrte nicht wieder zurück. Ueber sein Schicksal wird das nächste Capitel berichten. Nachdem Pizarro wochenlang vergebens gewartet hatte, mußte er endlich erfahren, daß Orellana ihn im Stich gelassen und weiter gesegelt sei. Er mußte sich daher entschließen, den Rückmarsch nach Quito anzutreten. Hunger und Fieber hatten seine Mannschaft bereits decimirt. Unter den beständigen Regengüssen war der Waldboden in Sümpfe verwandelt. Mit zerrissenen Kleidern, abgezehrt, zum Tode erschöpft erreichten nur 80 Spanier das Hochthal von Quito. Hier erfuhr Gonzalo, daß sein Bruder Francisco vor Jahresfrist von Mörderhand gefallen und der junge Almagro die Gewalt an sich gerissen hatte, daß aber Vaca de Castro bereits über Quito nach dem Süden gezogen sei. Aus Haß gegen Almagro bot er dem königlichen Statthalter seine Unterstützung gegen den Mörder seines Bruders an; aber Castro lehnte dieselbe ab, um sich nicht, wenn die chilenische Partei von der Anwesenheit eines Pizarro in seinem Lager erfahre, jede Aussicht auf einen friedlichen Ausgleich mit den Almagristen zu versperren. Aber diese Ablehnung seiner Hilfe verletzte Gonzalo aufs tiefste, trotzdem begab er sich später, nach der Hinrichtung des jungen Almagro mit einer Reiterschar zuerst nach Lima und dann auf den Befehl Castro’s nach Cuzco, wo sich der königliche Statthalter befand. Er hoffte noch, daß ihm, nach dem Tode seines Bruders und der Bewältigung des Aufstandes der chilenischen Partei, die Statthalterwürde zufallen werde. Das kluge Benehmen Castro’s bei dieser Zusammenkunft raubte ihm aber jeden Grund zu einer Schilderhebung, und da dieser ihm empfahl, seine Besitzungen im Charcasgebiete[450] in Frieden auszubeuten, so begab er sich nach dem Süden, wo er die schon den Inkas bekannten Silberminen mit großem Erfolg abbaute. Erst als Castro in der Person des +Blasco Nuñez+ einen Nachfolger empfing, und dieser die vermeintlichen Rechte der Spanier über die Indianer, welche sie als ihre Hörigen behandelten, antastete, ging Gonzalo nach Cuzco, wo man ihn an die Spitze der gegen den neuen Vicekönig gerichteten Bewegung stellte und ihn ermächtigte, Truppen zusammenzuziehen. Dann rückte er mit seiner Schar gegen Lima, wo Vasco Nuñez, der sich nirgend Freunde zu gewinnen verstand, in einer Revolte der Stadtbevölkerung mit seinen wenigen Getreuen ohne Blutvergießen gefangen genommen und von den gegen ihn gesinnten königlichen Richtern bald darauf nach Panama zurückgeschafft wurde. Am 28. October 1544 zog Gonzalo in Lima ein und wurde zum Statthalter von Peru proclamirt. Der Vicekönig war indes nicht nach Panama gelangt, sondern hatte Mittel gefunden, in Tumbez wieder ans Land zu gehen, von wo er sich nach Quito begab, um von hier aus sich mit Gewalt wieder in Besitz der ihm durch königliches Mandat übertragenen Macht zu setzen. Gonzalo Pizarro verfolgte ihn bis über Pastos hinaus, ohne ihn zu erreichen, wußte ihn dann aber durch eine List bis in die Nähe von Quito zu locken, wo er ihn bei Añaquito am 18. Januar 1546 besiegte. Vasco Nuñez fiel selbst im Kampfe. Dann kehrte Pizarro nach Lima zurück und führte die unbestrittene Obergewalt in Peru, bis König Karl den Geistlichen +Pedro de Gasca+ mit den weitgehendsten Vollmachten nach Peru sandte. Ohne Heer und großes Gefolge, in einfachem Priestergewande wußte sich der gewandte Mann zunächst die Landung im Nombre de Dios und dann den Eintritt in Panama zu ermöglichen, obwohl Pizarro beide Plätze durch seine Untergebenen besetzt hielt und eine starke Flotte von mehr als 20 Schiffen im Hafen von Panama lag. Er bezeichnete seine Sendung als eine friedliche und richtete auch in diesem Sinne ein Schreiben an Pizarro, um ihn zu bewegen, die Befehle seines Königs anzuerkennen. Dann gelang es ihm, den Befehlshaber der Flotte, Hinojosa, einen eifrigen Parteigänger Pizarro’s, zu gewinnen, die königliche Vollmacht anzuerkennen und sich seinem Befehl zu unterwerfen. Im Besitz der Flotte begann de Gasca nun Truppen auszuheben, um mit bewaffneter Macht in Peru zu erscheinen. Vier Schiffe wurden voraufgeschickt, um allen Spaniern in Peru, die zu ihrer Pflicht zurückkehrten, volle Verzeihung und Sicherheit ihres Besitzes anzukündigen. Diese Proclamation lichtete die Reihen der Anhänger Pizarro’s rasch, die Bewohner von Cuzco erklärten sich für den König, und die wichtige Provinz Charcas ging gleichfalls verloren. Gasca ging mit der Flotte nach Tumbez, während die vier vorausgesendeten Schiffe in dem Hafen von Lima landeten und, da Pizarro gegen Cuzco gezogen war, auch die neue Hauptstadt ohne Schwierigkeit besetzten.

Zwar leuchtete dem letzten Pizarro noch einmal das Glück, da er in dem blutigen Gefecht bei Huarina am Titicacasee am 26. October 1547 über seine Gegner den Sieg gewann und noch einmal in Cuzco einzog, wo er sich zum Entscheidungskampf rüstete, denn das Hauptheer Gasca’s befand sich zu jener Zeit in Jauja und rückte erst im Frühjahr 1548, 2000 Mann stark, gegen die altnationale Hauptstadt vor.

Vier Meilen von Cuzco in dem Thale von Xaquixaguana standen sich beide Heere kampfbereit am 9. April 1548 gegenüber. Gasca hatte bis zuletzt den Gegner aufgefordert, sich zu unterwerfen und die Gnade des Königs anzunehmen; aber Pizarro hatte auf sein Glück bauend, das ihn aus allen Kämpfen und Gefahren siegreich hatte hervorgehen lassen, den Frieden abgewiesen, obwohl die Heeresmacht Gasca’s stärker war. Allein in diesen Tagen verließ ihn das Glück, verließen ihn seine Freunde. Vor Beginn der Schlacht gab der Anführer seines Fußvolks das Zeichen zum Abfall, indem er zur königlichen Partei hinüberjagte. Ihm folgten die Truppen zu Fuß und zu Roß, so daß Pizarro sich gefangen geben mußte. Ihm und seinen entschiedensten Anhängern Francisco de Caravajal und Juan de Costa wurde der Proceß gemacht, und sie büßten alle ihre Rebellion mit dem Tode.[451] Gasca ordnete die Verhältnisse des Landes einsichtsvoll und kehrte 1550 nach Spanien zurück.

33. Orellana entdeckt den Amazonenstrom 1541.

Es ist bereits im vorigen Capitel erwähnt, daß Francisco Orellana von Gonzalo Pizarro auf seinem abenteuerlichen Zuge in das Waldland des Amazonengebiets am Rio Napo mit einem Schiffe entsendet worden war, um für das bedürftige Heer nach Lebensmitteln zu suchen. Orellana hatte 50 Mann an Bord und 2 Geistliche.[452] In der Strömung des mächtig flutenden Wassers legte Orellana täglich 20 bis 25 Meilen zurück, ohne Ansiedlungen am Ufer anzutreffen. Statt für das zurückgelassene Heer sorgen zu können, wurden sie selbst vom Gespenst des Hungers verfolgt und verspeisten das Leder der Sättel. Erst in der Nähe des Amazonenstroms, wohin man am 8. Januar 1541 gelangte, stieß man auf ein Indianerdorf. Umzukehren war nicht möglich, denn zu Lande gab’s keinen Weg und zu Wasser würde man bei aller Anstrengung, gegen den im untern Laufe allerdings langsam dahinziehenden Strom zu rudern, Monate gebraucht haben. Es blieb ihnen also keine andere Wahl, als der Strömung des Wassers zu folgen und sich bis ans Meer tragen zu lassen, ungewiß wo man es erreichen werde. Da man aber von den Indianern in Erfahrung gebracht, daß man nicht fern von einem sehr großen Strome sei, so beschloß Orellana, um den unbekannten Gefahren auf dem Wasser besser begegnen zu können, noch eine feste Brigantine zu bauen. Am Abend des 1. Februar schifften sie sich wieder ein, nachdem sie durch die Indianer mit allerlei Vorräthen an Schildkröten, Hühnern und Fischen versorgt waren. Die Brigantine besetzten 30 Mann, die Barke 20. Zehn Tage später erreichten sie eine Stelle, wo sich drei Flüsse vereinigten; der von rechts kommende Strom schien sich von Ufer zu Ufer wie ein weites Meer auszudehnen (~una amplissima mar.~ Oviedo ~l. c. p.~ 548). Man hatte damit den oberen Marañon selbst erreicht. Am 26. Februar wurde wieder angelegt, um die Schiffe auszubessern. Man blieb bei den freundlich gesinnten Einwohnern bis nach Ostern, nur, wie der die Expedition begleitende Geistliche, Carvajal, klagt, von der „ägyptischen Plage“ der Moskitos belästigt. Weiter stromab stieß man auf kriegerische Stämme, welche die Spanier auch auf dem Wasser mittelst ihrer Canoes angriffen. In der beständigen Feuchtigkeit des Stromthals war aber das Pulver naß geworden, und die Sehnen der Armbrüste hatten ihre Spannkraft verloren; ihre besten, fernhintragenden Waffen waren also unbrauchbar geworden. Die beiden Schiffe hielten sich womöglich in der Mitte des großen Stromes, wo sie am wenigsten belästigt wurden, und erreichten am Abend vor Trinitatis einen von links mündenden Zufluß, dessen Wasser schwarz wie Tinte erschien. Man gab ihm den Namen Rio Negro; es ist der bedeutendste aller linken Zuflüsse des Amazonas. Unterhalb desselben wuchs die Bevölkerung am Ufer ganz bedeutend, man segelte an vielen großen Ortschaften vorbei,[453] von denen die eine sich mit ihren Hütten eine ganze Meile am Strande hinzog. Hier konnte man überall Mais und Hühner erlangen. Am 24. Juni trafen sie ein Dorf, das nur von Frauen bewohnt war, welche keinen Verkehr mit Männern pflegten (~sin conversaçion de varones~). Diese Weiber erschienen, nach Carvajals Angabe groß und von starken Gliedmaßen, waren von heller Hautfarbe und trugen lange Haarflechten. Mit Bogen und Pfeil griffen sie die Spanier an, verloren aber sieben bis acht Kämpfende. Von dieser Begegnung mit bewaffneten Frauenvölkern, eine selbst in dem Wunderlande der neuen Welt den Spaniern unerwartete Erscheinung, hat der Strom seinen Name Rio das Amazonas (Strom der Amazonen) erhalten.[454] Weiter abwärts zum Meere wohnten Cariben, verabscheuungswürdig, weil sie das Fleisch der Erschlagenen verzehren, aber geschickt in allen Waffen und in Verfertigung schöner Gefäße, die sie verzieren und bemalen.

Trotz häufiger Kämpfe verloren die Spanier doch nur drei Genossen an Wunden, dagegen acht an Krankheiten.

Ehe man ins Meer hinaussteuerte, wurden beide Schiffe mit einem festen Verdeck versehen, die Segel setzte man aus mitgenommenen peruanischen Mänteln zusammen. Mit diesen Vorbereitungen beschäftigt, blieb Orellana 24 Tage in der Nähe der Mündung und steuerte dann am 26. August kühn ins Meer hinaus; ohne Piloten, ohne Compaß wußte er kaum, wohin er steuern sollte. Aber alle sahen es als eine besondere Gnade des Himmels an, daß in der ganzen Zeit, seit sie den großen Strom verlassen und am Lande hin nordwärts segelten, kein Regen fiel und das schönste Wetter sie begleitete. Sonst hätten wohl kaum die gebrechlichen Fahrzeuge die See behaupten können. Zwar wurden sie bei Nacht durch die Strömung des Meeres getrennt, gingen einzeln durch den Pariagolf und durch den stürmischen Drachenschlund, langten aber beide doch glücklich am 11. September auf der Insel Cubagua neben der Perleninsel Margarita an und wurden von ihren Landsleuten freundlich aufgenommen.

Die größte, schiffbare Stromrinne des südamerikanischen Continentes war so mit einem Schlage aufgefunden. Orellana’s romantische Fahrt läßt sich nur mit Stanley’s staunenerregender Congofahrt in dem jüngst verflossenen Jahrzehnt vergleichen.

Von Cubagua sandte der glückliche Entdecker des Riesenstroms einen Bericht an den König und begab sich dann mit seinen Gefährten nach dem Mittelpunkte der westindischen Welt, nach Haiti, wo er am 20. December 1541 ans Land ging.

Orellana’s Pläne waren aber auf eine Besiedlung des entdeckten Gebietes gerichtet; darum kehrte er im nächsten Jahre nach Spanien zurück und schloß mit der Regierung eine Capitulation, wonach er zur Eroberung des Landes autorisirt wurde. Sehr treffend erhielt es den Namen Neu-Andalusien. Denn wie das spanische Andalusien von dem wasserreichsten „großen Strome“, d. i. dem Guadalquibir, dem größten der ganzen Halbinsel, bespült wird, so Neu-Andalusien von dem mächtigsten Wasser der neuen Welt. Es gelang Orellana für sein Project Theilnahme und Unterstützung zu finden, und so segelte er am 11. Mai 1544 mit vier Schiffen und 400 Mann von San Lucar de Barrameda ab; aber diese Expedition hatte beständig mit Misgeschick zu kämpfen. Drei Monate wurde das kleine Geschwader bei Teneriffa, zwei Monate am grünen Vorgebirge aufgehalten und verlor durch den Tod 98 Personen, während 50 andere davonliefen. Bei der Ueberfahrt über den Ocean jagte der Sturm die Schiffe auseinander, zwei derselben, auf deren einem sich Orellana befand, wurden bis zur Ostspitze Brasiliens getrieben. Von hier gingen sie dann an der Küste des Festlandes nach Nordwesten bis zum ~mar dolce~ und fanden endlich die Mündung des großen Stromes wieder, welchem Orellana seinen Namen beilegte. Aber dort wurde der größte Theil der Mannschaft an der ungesunden Küste bald von Fiebern hinweggerafft; und als auch Orellana ins Grab sank, löste sich die Unternehmung auf, und die Ueberlebenden wandten sich nach San Domingo.

Alle Eroberungszüge der Spanier in der neuen Welt, so weit sie durch die Entdeckungsfahrten des Columbus angeregt waren, bewegten sich fast ausschließlich in den Grenzen des heißen Erdgürtels und nahmen von der Inselflur Westindiens als der natürlichen Eingangspforte zu diesen Regionen ihren Ausgang. Der Reiz der Neuheit der sie umgebenden Naturprodukte, die Romantik der wunderbarsten Abenteuer, welche das Leben zu einem Roman gestalteten, die Befriedigung, welche die Einen in der Aufspürung und Erbeutung edler Metalle und die Andern in der Bekehrung unzähliger Menschenstämme zum Christenthum fanden, rief unter den Spaniern ein wahres Auswanderungsfieber und einen unglaublichen Entdeckungs-Schwindel hervor, welcher das Mutterland zu entvölkern drohte. Fand doch der venetianische Gesandte Andrea Navagiero, welcher 1525 Spanien bereiste, in Sevilla, dem Sitze des indischen Amtes, so wenig Männer vor, daß er meinte, die Stadt sei fast ganz den Weibern überlassen.

Die großartige Erweiterung des Horizontes und der Umschwung der ganzen Weltanschauung, welche Europa’s Kultur dadurch gewann, wurde leider durch den Untergang origineller Bildungselemente in der neuen Welt und durch die Vernichtung unzähliger Menschenleben erkauft, welche unter der harten Hand der Eroberer trotz aller Bemühungen der Geistlichkeit und aller Gesetze der Regierung zu Grunde gingen.

Drittes Capitel.

Die südwestliche Bahn nach Indien und die erste Erdumsegelung Magalhães’.

1. Die Vorläufer Magalhães’.

Nachdem Amerigo +Vespucci+ im Jahre 1501 auf seiner Entdeckungsfahrt an den Küsten Brasiliens bis zum 25° s. Br. vorgedrungen war (s. oben S. 332), faßte er 1503 bereits den Plan auf südwestlichem Wege bis zu den Gewürzländern zu segeln (s. oben S. 335), aber das Ungeschick des Capitäns Coelho vereitelte die Ausführung. Er kam nicht so weit nach Süden als zwei Jahre früher. Sicher war aber Vespucci der erste, welcher auf diesen neuen Weg hinwies. Als er im Jahre 1505 ganz nach Spanien übersiedelte, suchte er auch hier seinem Plane Geltung zu verschaffen. Schon im nächsten Jahre hören wir von der Absicht der spanischen Regierung, Schiffe nach den Gewürzländern zu schicken (~para descobir la especeria~), wobei das Gutachten der beiden erfahrensten Männer, Vicente Yañez Pinzon und Amerigo Vespucci, eingeholt werden solle.[455] Doch scheint die Absendung sich verzögert zu haben, wenigstens ist über eine Fahrt in der angegebenen Richtung und in dem genannten Jahre nichts bekannt. Erst 1508 liefen am 29. Juni zwei Schiffe unter +Pinzon+ und +Juan Dias de Solis+ von San Lucar aus, gingen über die Capverden nach dem Cap Augustin hinüber und kamen bis etwa zum 40° s. Br. Aber die Eifersucht und Uneinigkeit zwischen den beiden Leitern der Expedition vereitelte den Erfolg, die Schiffe kamen Ende October 1509 wieder nach Spanien zurück.

Wenn nun auch dieser erste Versuch resultatlos verlief, so traten doch bald in dem Fortschritt der mittelamerikanischen Entdeckungen so wichtige Momente hervor, daß dadurch ein erneuerter Anstoß gegeben wurde, das Project eines südwestlichen Weges wieder aufzunehmen. Dies war die Entdeckung der Südsee durch Balboa im Jahre 1513 (s. oben S. 347). Nun erkannte man, daß sich im Rücken der neuen Welt ein unermeßliches Meer ausdehnte, welches das westliche Indien von dem östlichen Asien trennte. Mit der Entdeckung dieser „Südsee“ trat zugleich der sehnliche Wunsch hervor, einen Wasserweg vom atlantischen Ocean in das neu gefundene Weltmeer aufzuspüren. Da nun die Küste Südamerika’s bis zum 40. Grade nach Südwesten lief, so stand zu erwarten, daß man in dieser Richtung entweder die Continentalmasse in ähnlicher Weise, wie es den Portugiesen um Süd-Afrika herum gelungen war, werde umsegeln können, oder daß man eine Straße finden werde, welche beide Oceane mit einander verbinde.

Der Glaube an das Vorhandensein einer Meerenge fand um so leichter Annahme, als schon Columbus auf seiner vierten Fahrt zwischen den Inseltheilen Westindiens eine offene Wasserbahn nach Westen gesucht hatte. Die Vorstellung fand weitere Nahrung in Schifferberichten, welche wenigstens schon seit 1508 einliefen und sogar bestimmt von der erfolgten Auffindung der Straße erzählten, welche genau in derselben Richtung von O. nach W. laufe und die Landmassen theile, wie die Meerenge von Gibraltar Europa von Afrika scheidet.[456] Möglicherweise datiren derartige Gerüchte noch um mehrere Jahre zurück. Es wird nämlich von glaubhafter Seite versichert, Magalhães habe bei seiner berühmten Fahrt sich auf eine von Martin Behaim (Martin de Boemia) gezeichnete Karte, im Besitz des Königs von Portugal, berufen, auf welcher etwa unter 40° s. Br. eine Straße, wenn auch sehr versteckt (~multo occulto~) angegeben sei.[457] Da nun Behaim schon 1506 oder 1507 starb, müßte die Straße bereits vor diesen Jahren aufgefunden sein. Daß seine Zeichnung, welche +vor+ der Entdeckung der Südsee durch Balboa entworfen war, anders ausfallen mußte, als ein Jahrzehent später, liegt auf der Hand. Weder in Spanien noch in Portugal hat sich aus dieser Zeit eine Karte mit einer südlichen Meerenge erhalten, wohl aber sind uns derartige Entwürfe aus Italien und Deutschland überliefert, deren Entstehung annähernd gleichzeitig, nämlich in das Jahr 1515 bezüglich 1516 zu setzen ist. Beide Bilder geben die Umrisse der südamerikanischen Insel in fast gleicher Gestalt. Die italienische stammt von der Hand des berühmten Lionardo da Vinci,[458] die deutsche von Johannes Schöner.[459] Die Zeitung aus Presillg Landt war, wie bereits erwähnt ist, von Italien nach Deutschland gekommen, die beiden Darstellungen von Südamerika passen auffällig zu der dort berichteten Fahrt. Es wäre also möglich, daß mit dem Bericht über die dunkle Reise auch eine flüchtige Skizze aus Portugal zuerst nach Italien gelangt und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätte, denn da Vinci’s Zeichnung bietet nur rasch hingeworfene allgemeine Umrisse, gleichsam um die neuerworbenen Vorstellungen von der Ländervertheilung zu fixiren. Daß aber beide Zeichnungen beeinflußt sind durch den Bericht der „newen Zeytung“, geht mit Gewißheit daraus hervor, daß Joh. Schöner seinem Globus eine kleine geographische Abhandlung beigab, in welcher er mehrere Stellen aus der „Zeitung“ wörtlich aufnahm.

Die Auffindung der Straße war angeblich durch Portugiesen erfolgt; wollten die Spanier nun durch dieselbe sich einen Zugang zur Westseite Amerika’s bahnen, mußten sie selbständig die Meerenge zu entdecken suchen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in demselben Jahre, als Schöner seinen Globus veröffentlichte, auch einer der ersten Seeleute Spaniens im Begriff stand, das erwähnte Problem zu lösen und praktisch zu verwerthen. +Juan Dias de Solis+ schloß nämlich im November 1514 mit der Krone einen Vertrag ab, wonach er sich verpflichtete, die nach der Südsee führende Straße zu entdecken und auf die Rückseite des Landes (~á las espaldas de la tierra~) zu gehen, um sich mit Pedrarias de Avila, dem Statthalter von Darien, in Verbindung zu setzen. Von hier aus wollte er dann noch 1700 spanische Meilen, von der Demarcationslinie an gerechnet, in der Richtung nach den Gewürzinseln vorzudringen suchen, ohne dabei, was bei Todesstrafe verboten wurde, portugiesisches Gebiet zu berühren.[460]

Solis stand wegen seiner Leistungen im Seewesen in hohem Ansehen, er bekleidete, nach dem Tode Vespucci’s, das Amt eines Reichspiloten. Er erhielt für seine Expedition drei Schiffe und lief am 8. October 1515 von dem Hafen von Huelva aus, erreichte bei Cap S. Roque die südamerikanische Küste, segelte von da nach Südwesten und drang jenseit des Cabo de Sa. Maria (34° 39′ s. Br.) in die weite Oeffnung des Laplatastromes hinein, welcher damals Rio de Solis genannt wurde, und wagte sich, unvorsichtig, mit einer Caravele, während die beiden andern Fahrzeuge zurückblieben, ans Land. Hier wurde er nebst acht andern Genossen bei der Landung durch versteckte indianische Bogenschützen getödtet und verzehrt.

Nach dem traurigen Fall des Führers brach sein Schwager Francisco de Torres die Entdeckungsfahrt ab und kehrte nach Spanien zurück.

2. Fernão de Magalhães.

Die bisherigen Versuche eines Vespucci, Pinzon und Solis, auf südwestlicher Bahn die Molukken zu erreichen, waren fehlgeschlagen, sie hatten gezeigt, daß selbst die Begabung dieser Seefahrer nicht ausreichte, eine so wichtige Aufgabe zu lösen. Es lag, wenn auch nicht direct ausgesprochen, ja vielleicht nicht einmal klar erkannt, in dieser Aufgabe das höchste nautische Problem: die +Umschiffung des Erdballs+, und ein solches Problem verlangte auch den größten Mann seiner Zeit, welcher mit der Tüchtigkeit des Seemanns Besonnenheit und Willensstärke verband und seinen Befehlen unbedingte Geltung zu verschaffen wußte; denn Rivalität und Zwiespalt über die Führung des Geschwaders hatten mehrere Expeditionen seiner Vorgänger vereitelt. Wir rechnen den kühnen Bahnbrecher in der Umkreisung des Erdballs, den Portugiesen +Ferdinand Magalhães+[461], unter die hervorragendsten Seefahrer aller Zeiten, wenn er nicht der bedeutendste von allen ist.

Magalhães stammte aus vornehmer Familie. Daß er nicht in Oporto, sondern in Saborosa, im District von Villa real der Provinz Tras os Montes geboren ist, geht aus seinem Testamente hervor, welches er wenige Monate, bevor er zum erstenmale nach Indien ging, aufsetzte.[462] Um 1480 mag er geboren sein.

Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern, focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück, betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien ausgeschlossen sah (s. oben S. 165). Während sein Freund Francisco Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen seinen Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren. Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik, wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt nach den Molukken (s. oben S. 204) anregte; denn es stieg dabei in ihm der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter Martyr bezeichnet,[463] sondern trat in aller Form, wie es seinem Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus[464] und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de Haro nach Spanien. Am 20. October 1517 langte er in Sevilla, dem Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa, welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (~alcaide del alcaçar de Sevilla~) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s, Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit Begeisterung.

Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine weiteren Ansprüche haben müsse.[465]

So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (~dentro de nuestros limites é demarcacion~) zu bewegen, wogegen ihnen das Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen. Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden. Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234 Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt, dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als Hauptziel und Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.[466] Ein Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro.

Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte. Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte, die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation angeworben.[467] Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung, welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April 1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen:

Trinidad, Commodor Magalhães San Antonio, Capitän Juan de Cartagena Concepcion, „ Gaspar de Quesada Victoria, „ Luis de Mendoza Santiago, „ Juan Serrano.

Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes, ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen.

Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter Befehlshaber (~veedor general de la armada~) den Anspruch erhob, bei der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden. Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel „Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte. Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar 1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu überwintern.

Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio, dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend, weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten, von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (~bahia de los trabalhos~) erhielt[470] und erreichte endlich am 31. März den Julianshafen (Puerto San Julian), wo er unter 49° 15′ s. Br. in trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter fand und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. Aber sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75. Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“[471] Magalhães berief sich auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der guten Hoffnung umsegelten.[472] Trotz alledem wurde die Mannschaft nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue, was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und nach Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S. Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde.

Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens, um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das Schiff des Magalhães heran.[473] Hier wurde es mit grobem Geschütz und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena, Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet, auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.[474] Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und brachte sie nach Spanien.

Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24 Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen Füße (spanisch ~patagon~ = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel gelesener Reisebericht verbreitete,[475] veranlaßten in Europa die Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der Körpergröße widerlegt wurde.[476]

Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung des Landes aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang, zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten, würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das Cap Virgenes (~Cabo de las Virgenes~) und damit den Eingang der berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s. Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter. Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße, wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald umsäumt.[477]

„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu Gletschern erstarrten Wasserfällen, die wie gefrorene Niagaras, wie ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig, die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng, daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“[478]

Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien, wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war, wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe, besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei. Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war, sich auf den Ausspruch einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten, welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (~tierra del fuego~). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten, und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht, nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio, aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage, während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung, es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt. Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt, da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte. Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln, in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen. Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen.

So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte. Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre er vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne und Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben[479] abgehen zu lassen, in welchem er sie um +schriftliche+ Meinungsäußerung ersuchte, ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war „gegeben im Canal Allerheiligen“, ~canal de todos los Santos~ (denn so hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das Geschwader befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten Abschnittes der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. ausliefen und das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. Am nächsten Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den bekannten Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf den Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch auf den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum 60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war, die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft ~tierra firme~, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln vor sich zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der Brandung eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.[480] Man mußte also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald den offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte am 28. November beim ~Cabo Deseado~[481] („ersehntes Vorgebirge“) das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.[482]

Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von Chile, zu berühren, steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen ~Mar pacifico~ „stiller Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames, unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes Inselchen, welches Haifischinsel (~los tiburones~) genannt wurde und unter 10° 40′ s. Br. lag.[483] Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, um die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist, als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage, ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen, voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne, dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, mit ½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, welchem 19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf der langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle in dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang ohne Nachfolger blieben.

Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu: „Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des 16. Jahrhunderts als ~terra australis incognita~ gedacht und bis tief ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat.

Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w. v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß er zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete er den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen stieß. Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Aequator lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der Portugiesen dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er weiter nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen Gegnern noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe bessern und seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden Inseln, auf die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie bewohnt waren, bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, die mit gleicher Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und pfeilschnell über das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.[484] Wegen der dreieckigen Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden die Inseln ~Islas de las velas~ (Segel) genannt. Zutraulich und zudringlich kamen diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie brauchbares fanden. Als sie aber gar ein größeres Boot entführt und an den Strand geschleppt hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, ihr Dorf zerstört, die Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen getödtet. Von diesem Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln oder Ladronen, welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt von drei Tagen ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte so zu dem Archipel des San Lazaro, oder, wie er später benannt wurde, Philippinen. An der kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, wurde zuerst gelandet, um frisches Wasser einzunehmen und besonders den Kranken einige Ruhe zu gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein friedlicher Verkehr eröffnet. Der Häuptling von Suluan erschien in malaiischer Tracht, den Kopf mit einen seidenen Tuch umwunden und einen golddurchwirkten Sarong um den Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, berührte das Geschwader zwischen Mindanao und Leyte die kleine Insel Limasagua (~Maçaguoa~), wo eine Messe celebrirt wurde. Der dortige Radscha brachte sie zu der gegen Nordwesten gelegenen Insel Zebu, deren Kaufleute schon mit Portugiesen zusammengetroffen waren. Der Häuptling erwies sich den Seefahrern sehr geneigt und ließ sich schon nach acht Tagen mit mehreren hundert Insulanern taufen. Zwar wollte hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten der Insel vor den Fremdlingen warnen, weil sie zu derselben Nation gehörten, welche Calicut und Malaka erobert hätten; aber Magalhães erklärte, ihr König sei noch weit mächtiger als der portugiesische, und werde sie in seinen Schutz nehmen und ihre Macht erhöhen. Der Christ gewordene Fürst von Zebu sollte nach seinem Plane der Oberherr über die umliegenden Inseln werden und als solcher dem Könige von Spanien huldigen. Die Ortschaften, welche sich nicht unterwerfen wollten, wurden zerstört, entfernteren legte man Tribut auf. Mitten vor der Ostküste von Zebu, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, liegt die Insel Matan oder Mactan. Diese weigerte sich, die geforderten Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; daher beschloß Magalhães, sie die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen zu lassen. Die Hilfstruppen des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er die Stärke und Kriegsführung seiner Gegner unterschätzte, und ging am 27. April nur mit 50 bis 60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, während er seinen eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; auch seine Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die Spanier bald einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.[485] Gegen die Schüsse der Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen Schutz und bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten Wolken von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten Pfeil am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber der Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten, bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd. Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben, in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt, für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend, den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte, um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde von den Siegern entschieden verweigert.

Magalhães stand wohl im 41. Lebensjahre, als er auf Matan seinen Tod fand. Hatte er auch das Ziel, die Gewürzinseln, nicht völlig erreicht, so hatte er den schwierigsten Theil seiner Aufgabe auf das glänzendste gelöst. Er hatte die südamerikanische Meerenge gefunden und das größte Meer des Erdballs in seiner vollen Breite durchschnitten. Es war die größte nautische That aller Jahrhunderte. Seine größte Tugend bestand in der Ausdauer, selbst in der schlimmsten Lage, und er ertrug Hunger und Entbehrung auf den monatelangen Fahrten über das Weltmeer besser als andere. Er war nicht blos ein tapferer Soldat, sondern bewies auch seine Tüchtigkeit als Seemann, indem er alle Steuerleute anwies, daß sie, um den richtigen Cours nach den Molukken einzuhalten, auch die Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zu bringen hätten. Der beste Beweis seiner Unerschrockenheit und Genialität liegt aber darin, daß er zuerst eine Erdumsegelung wagte und den schwierigsten Theil vollendete. Die Bedeutung seines Unternehmens ist leider durch die Eifersucht der Spanier und Portugiesen verdunkelt, in Portugal, weil er einer rivalisirenden Macht diente, in Spanien, weil er ein Fremder war. Magalhães selbst hat natürlich den Verlauf seiner kühnen Weltfahrt nicht ausführlich schildern können, das beste, was wir darüber besitzen, stammt von zwei Italienern. Es wirft ein merkwürdiges Schlaglicht auf die damaligen Zeitverhältnisse, daß die Heldenthat eines +Portugiesen+ in +spanischen+ Diensten von +Italienern+ beschrieben ist.

Die +wissenschaftliche+ Bedeutung dieser Fahrt charakterisirt Humboldt (Kosmos II, 306) in folgenden Worten: „Die Entdeckung und Beschiffung der Südsee bezeichnen für die Erkenntniß großer kosmischer Verhältnisse eine um so wichtigere Epoche, als durch dieselbe zuerst die numerische Größenvergleichung der Areale des Festen und Flüssigen auf der Oberfläche unseres Planeten nun endlich von den irrigsten Ansichten befreit zu werden anfing. Durch die Größe dieser Areale, durch die relative Vertheilung des Festen und Flüssigen werden aber der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, der wechselnde Luftdruck, die Vegetationskraft der Pflanzendecke, die größere oder geringere Verbreitung gewisser Thiergeschlechter und so viele andere allgemeine Erscheinungen und Processe mächtig bedingt. Der größere Flächenraum, welcher dem Flüssigen als dem das Feste bedeckenden Elemente eingeräumt ist (im Verhältniß von 2⅘:1) vermindert allerdings das bewohnbare Feld für die Ansiedelung des Menschengeschlechts, die nährende Fläche für den größeren Theil der Säugethiere, Vögel und Reptilien; er ist aber nach den jetzt herrschenden Gesetzen des Organismus ein nothwendiges Bedingniß der Erhaltung, eine wohlthätige Natureinrichtung für alles, was die Continente belebt.“ Der +materielle+ Vortheil, welchen die spanische Krone, durch die Expedition Magalhães’ gewann, wird uns in den folgenden Blättern noch weiter beschäftigen.

3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung.

Mit dem Tode Magalhães’ trat eine völlige Wandelung in der Gesinnung der Eingebornen ein. Der Glaube an die Unüberwindlichkeit der Fremden war gewichen, und mit malaiischer Tücke trachtete der getaufte Fürst von Zebu nach einer Gelegenheit, seine neuen Freunde mit List aus dem Wege zu schaffen. Er lud die Spanier zu einem Gastmahle ein, um ihnen bei der Gelegenheit angeblich ein für den König von Spanien bestimmtes Geschenk an edlen Steinen vorzulegen. Vierundzwanzig Spanier, darunter die beiden neugewählten Capitäne, Duarte Barbosa und Juan Serrano sowie der Astronom San Martin folgten der lockenden Einladung, indem der erwachende Argwohn durch die Bemerkung unterdrückt wurde, eine ablehnende Antwort könne als Feigheit ausgelegt werden. Pigafetta litt noch an seinen Wunden und blieb darum zurück, ebenso Lopes de Carvalho, welcher mit Recht Verrath fürchtete. Beim Gastmahl wurden sie überfallen und bis auf Serrano, den man lebendig gefangen behielt, getödtet. Carvalho ließ auf die Nachricht von dem hinterlistigen Ueberfall die Anker lichten und, mochte ihn der ans Ufer geführte, verwundete und gefesselte Serrano auch noch so dringend beschwören, ihn loszukaufen, man wagte sich nicht wieder an den Strand, aus Furcht, die Schiffe preiszugeben. Serrano blieb einem unbekannten Schicksal überlassen. Da die Mannschaft für den Dienst auf drei Schiffen nicht mehr ausreichte, so wurde die Concepcion als das am wenigsten seetüchtige Fahrzeug bei der Insel Bohol, östlich von Zebu, verbrannt. Trinidad und Victoria segelten unter der Führung von Carvalho und Gonzalo Vaz d’Espinosa südwärts nach Mindanao und von da nach der kleinen, nordöstlich von +Borneo+ gelegenen Insel +Cagayan+, wo man nur einige von Borneo vertriebene Mohammedaner (Mauren) fand. Von hier aus steuerten sie in nordwestlicher Richtung nach Palawan, wo sie freundliche Aufnahme fanden und Lebensmittel eintauschen konnten. Dort trafen sie einen Mohren, namens Bastiam, der etwas portugiesisch verstand und auf den Molukken gewesen war. Dieser erbot sich zwar, sie nach Borneo, nach dem Staate Brunei an der Nordwestküste der Insel zu führen, erschien aber nicht wieder, und so hätten die Spanier den Weg ohne Hilfe suchen müssen, wenn nicht am nächsten Tage eine Praue an die Schiffe herangekommen wäre und die Führung übernommen hätte. So gelangten sie nach der Stadt Brunei, deren Häuser, auf Pfahlrosten gebaut, bis ins Meer standen, und deren Einwohnerschaft Pigafetta auf 25,000 Familien schätzte. Mit dem Könige des Landes wurden Geschenke ausgetauscht, die spanischen Abgesandten ritten auf zwei Elephanten zum Palaste, wo der König ihnen Audienz ertheilte, aber nur durch Mittelspersonen mit ihnen sprach. Man befand sich hier bereits in der Kulturregion der malaiischen Sundawelt. Die spanischen Gesandten wurden in einem vornehmen Hause gastlich untergebracht und schliefen auf seidenen mit Baumwolle gefüllten Matratzen. Der Radscha gab Erlaubniß, Handel zu treiben; allein das gute Verhältniß trübte sich nach wenigen Tagen, denn als eine große Anzahl von Prauen und kleinen Böten die Schiffe umschwärmte und sich vor dem Hafen versammelte, fürchteten die Spanier Verrath, griffen die Dschunken an, bohrten mehrere in den Grund und bahnten sich einen Weg in freies Fahrwasser. Der Radscha ließ ihnen zwar durch Boten melden, der Kampf sei durch ein Misverständniß entstanden, denn der vorbereitete Krieg gelte nicht den Spaniern, sondern den Heiden. Leider befand sich noch ein Theil der Schiffsmannschaft, darunter der Sohn Carvalho’s am Lande und gerieth in die Gefangenschaft der Malaien. Er wurde nicht ausgeliefert, obwohl der Capitän eine Auswechselung der Gefangenen (denn es waren mehrere vornehme Häuptlinge nebst ihren Frauen auf den eroberten Dschunken angetroffen) vorschlug.

Um Nordborneo herum zogen die beiden Schiffe wieder nach der Südküste Mindanao’s und von dort südwärts nach den Molukken, welche sie endlich am 8. November 1521 durch Freudenschüsse begrüßten. Seit ihrer Abfahrt von Sevilla waren sie bereits 2¼ Jahr unterwegs gewesen, ehe sie den Hafen von Tidor erreichten. Wenn die Portugiesen das Gerücht ausgesprengt hatten, die Molukken lägen zwischen Untiefen in einem von trüber, nebliger Atmosphäre bedeckten See, so daß man die Inseln nur mit großer Gefahr erreichen könnte, so erinnert uns dies an die von den Griechen wiedererzählten, altphönizischen Schifferlügen, wodurch man von den Fahrten nach solchen Gegenden abschrecken wollte, woher geschätzte Handelsprodukte geholt wurden. Man fand vielmehr das Wasser überall wenigstens 100 Faden tief.

Der Radscha von Tidor empfing die Spanier mit offnen Armen[486] und schloß mit ihnen bereitwilligst einen günstigen Handelsvertrag, denn die Spanier zahlten für die Gewürze viel höhere Preise als die Portugiesen[487]. Diese ihre Rivalen hatten in Ternate sich festgesetzt. Als die Spanier dies erfuhren, schickten sie eine Botschaft hinüber, um eine friedliche Zusammenkunft zu veranlassen. Aber die Portugiesen entschuldigten sich mit dem ausdrücklichen Verbote der Regierung des Landes. Die Erlaubniß wurde aber vom Radscha von Ternate gegeben, und so kam der portugiesische Factor Affonso de Lourosa, welcher schon mit den ersten Schiffen vor 10 Jahren von Indien hierhergelangt war, zu ihnen und war nicht wenig über die hohen Preise erstaunt, welche die unkundigen Spanier bezahlt hatten. Auch erfuhren diese, daß der König von Portugal dem Geschwader Magalhães’ sowohl am Cap der guten Hoffnung als am Laplatastrom durch Schiffe habe den Weg verlegen lassen wollen. Dann sei auch an den Oberbefehlshaber in Indien, Lopez de Sequeira der Befehl ergangen, sechs Kriegsschiffe nach den Molukken zu senden, um Magalhães mit Gewalt abzuweisen; aber in folge des Krieges mit den Türken in Aegypten seien die Schiffe nach dem Rothen Meere abcommandirt. Lourosa zeigte sich sogar geneigt, an Bord des spanischen Schiffes mit in die Heimat zu segeln.

Bis zur Mitte December hatten beide Schiffe eine volle Gewürzfracht eingenommen, dann wurden am 16. December neue Segel mit dem Kreuz des heiligen Jacobus von Galicien und der Inschrift: „Das ist das Bild unseres Glückes“ (~questa e la figura della nostra buena ventura~) aufgesetzt und die Abfahrt für die nächsten Tage bestimmt. Da bekam das Flaggschiff Trinidad unerwartet einen großen Leck, den auch die vom Radscha zu Hilfe gesendeten Taucher nicht zu verstopfen vermochten. Man mußte sich entschließen, die Victoria allein abgehen zu lassen und das andere auszuladen, um es gründlich ausbessern zu können. Am 21. December stach die Victoria endlich in See, nachdem vorher 60 Centner Gewürznelken wieder ausgeladen waren, weil man fürchtete, das Schiff sei zu schwer befrachtet. Unter Kanonensalven nahmen die beiden Schiffe von einander Abschied. Die Victoria unter dem Commando Sebastian del Cano’s (d’Elcano) hatte 47 Europäer und 13 Indier an Bord. Man berührte zuerst Buru, sodann die Nordseite von Timor, um Lebensmittel einzunehmen, und steuerte von da in den von den Javanen Lautchidol, d. h. Südmeer, benannten indischen Ocean hinein, erreichte am 18. März 1522 die einsame hohe Insel Amsterdam, stieß am 8. Mai in der Nähe des großen Fischflusses (Rio del Infante) auf die afrikanische Küste, wo man Erfrischung zu finden hoffte und umsegelte am 18. und 19. Mai das Cap unter heftigen Stürmen, welche das Schiff wochenlang an dem gefürchteten Vorgebirge umherjagten und bis zum 42° s. Br. hinaustrieben. Infolge der Anstrengungen und Entbehrungen, man hatte nur noch Reis und Wasser an Bord, starben 21 Personen, ehe am 9. Juli die Capverden in Sicht kamen. Man landete nothgedrungen an der Insel St. Jago, obwohl man sie in portugiesischem Besitz wußte; man hoffte unbelästigt zu bleiben, wenn man erklärte, das Schiff käme von Amerika. Eine unerwartete Ueberraschung wurde den Weltumseglern hier, als sie sich in dem portugiesischen Hafenplatze erkundigten, was für ein Wochentag es sei. Man wollte prüfen, ob man an Bord richtige Rechnung geführt. Die Portugiesen antworteten, es sei Donnerstag. „Das setzte uns sehr in Erstaunen,“ erzählt Pigafetta, „weil bei uns erst Mittwoch war. Und ich hatte doch, da ich stets gesund gewesen, Tag für Tag mein Tagebuch geführt. Erst später erfuhren wir, daß wir keinen Fehler gemacht und keinen Tag übersprungen hatten, und daß der Unterschied entsteht, wenn man von Osten nach Westen die Erde umschifft. Man wird dann im ganzen einen Tag weniger haben, als diejenigen, welche an derselben Stelle geblieben sind.“

Als die Schaluppe zum drittenmale ans Land ging, wurden 13 Matrosen zurückgehalten, weil bekannt geworden war, daß das portugiesische Schiff zu dem Geschwader Magalhães’ gehöre. Unverzüglich lichtete del Cano die Anker und kam am 6. September 1522 in den Hafen von S. Lucar. Achtzehn Personen, und auch diese zum großen Theil krank, waren allein von der ansehnlichen Schar übrig geblieben.[488] Nachdem sie am 8. September in Sevilla angelangt waren, machten sie am nächsten Tage sämmtlich eine feierliche Procession nach der Kirche der heiligen Maria del Antigua und begaben sich dann an den königlichen Hof nach Valladolid, wo der Capitän und die beiden Officiere sehr gnädig empfangen und mit einer Leibrente bedacht wurden. Del Cano erhielt außerdem ein neues auf die Entdeckung der Gewürzinseln bezügliches Wappen und als Helmzier einen Globus mit der Umschrift: ~Primus circumdedisti me~ (du hast mich zuerst umsegelt). Pigafetta überreichte bei dieser Gelegenheit dem Könige sein eigenhändig geführtes Tagebuch der ganzen Fahrt. Die Anerkennung und die Bewunderung, welche allgemein den Theilnehmern der ersten Erdumsegelung gezollt wurde, drückt Transilvanus mit den Worten aus: „Wahrlich unsere Seeleute sind des ewigen Ruhmes würdiger als die Argonauten, die mit Jason nach Colchis segelten, und ihr Schiff (nämlich die Victoria) verdient mehr unter die Sternbilder versetzt zu werden als die Argo.“

Zu dem Ruhm trat aber auch noch der materielle Gewinn hinzu; denn die Fracht des einen heimgekehrten Schiffes, welche aus 533 Centnern Gewürznelken bestand, deckte die Kosten des ganzen Geschwaders vollauf.[489]

Wie bereits oben (S. 481) erzählt ist, mußte die +Trinidad+ auf Tidor zurückbleiben, weil sie einen bedeutenden Leck bekommen hatte. Erst am 6. April 1522 stach sie mit 50 Europäern und zwei einheimischen Lotsen an Bord in See. Der Capitän Gonzalo Gomez de Espinosa beschloß den Rückweg über den großen Ocean zu versuchen und steuerte von Tidor aus nach Norden und Nordosten. Durch ungünstige Winde aus der Bahn getrieben, kam das Schiff bis zum 42° n. Br. Monatelang umhergeworfen, litt es durch Kälte und Mangel an Lebensmitteln so entsetzlich, daß viele von der Mannschaft erlagen. Als endlich in einem fünftägigen Sturm das Vordercastell und der Hauptmast verloren gingen, sah man sich zur Umkehr nach den Molukken gezwungen, wo man erfuhr, daß die Portugiesen inzwischen nach Ternate gekommen seien und dort eine Festung bauten (s. oben S. 205). Die Noth zwang die Spanier, an der Küste von Halmahera Zuflucht zu suchen und von hier aus den portugiesischen Anführer Antonio de Brito zu bitten, sie mit einem Schiffe aus ihrer traurigen Lage zu befreien; denn ein Theil der Mannschaft war todt, der andere krank und zu hilflos, um das eigne Fahrzeug leiten zu können. So ließ denn Brito die noch lebenden 17 Spanier nach Ternate hinüberführen, wo sie bis Ende Februar 1523, vier Monate lang, festgehalten wurden. Dann wurden sie nach Banda gebracht; Juan de Campos, den man bei der ersten Abfahrt von Tidor dort als Factor zurückgelassen (s. oben S. 205), versuchte von Banda mit drei andern Spaniern auf einer Dschunke sich durchzuschlagen, ist aber mit seinen Gefährten verschollen. Die übrigen ließ man vier Monate in Banda, dann wieder fünf Monate in Malaka, dann noch ein Jahr in Kotschin warten, ehe man ihnen Gelegenheit bot, sich nach dem Vaterlande einzuschiffen. Absichtlich hielt man sie an ungesunden Plätzen zurück, um ihre Reihe zu lichten, denn es war den Portugiesen höchst ungelegen, ihre Nebenbuhler von den Molukken in die Heimat zu befördern. So kam es denn, daß nach mehreren Jahren nur drei Seeleute Europa wieder erreichten und auch nach ihrer Landung in Lissabon noch sieben Monate in Haft bleiben mußten, bis der Befehl des Königs ihnen die Freiheit gab. Es kehrten demnach von den 239 Personen, welche sich mit Magalhães eingeschifft hatten, im ganzen nur 21 wieder zurück, die letzten nach jahrelangen Leiden.

Erst nach 50 Jahren erhielt Magalhães in Drake und Oliver de Noort Nachfolger, welche in derselben Richtung wie er, eine Erdumsegelung ausführten: ein sicherer Beweis, wie viel gewaltiger und schwieriger ein solches Unternehmen den Zeitgenossen erschien als die Fahrten Gama’s oder Columbus’, die sich nach dem ersten Entdeckungszuge alljährlich wiederholten.

4. Der Streit um die Molukken.

Eine große That trägt immer den Keim zu andern Thaten in sich. Die für praktische Ziele unternommene Weltumsegelung erwies sich als äußerst fruchtbringend, sowohl für wissenschaftliche Anschauungen als auch für materiellen Gewinn. Wenn auf der einen Seite durch ein augenfälliges Beispiel der Beweis von der Kugelgestalt der Erde erbracht war und der Blick zum erstenmale auf einer bestimmt gegebenen Linie das ganze Erdenrund umschweifen konnte, wenn gelehrte und gebildete Männer wie Transilvanus, durch die Weite des neugewonnenen Forschungsfeldes ermuthigt, sich von den Theorien und Phantasien des Alterthums loszulösen und die überlieferten kosmographischen und geographischen Lehren auf Grund der neuen Anschauungen mit kritischen Augen zu betrachten wagten, oder sich sogar ein Herz faßten, die länger als ein Jahrtausend durch alle Lehrbücher urtheilslos weiter geschleppten Erzählungen von den menschlichen Ungeheuern, den Schattenfüßlern, Langohren, Einäugigen, Pygmäen u. a. einfach unter die Ammenmärchen zu verweisen, weil weder Spanier noch Portugiesen irgend wo auf dem Erdenball auch nur annähernd Aehnliches gefunden hatten; so gewann auf der andern Seite auch der Staatsmann, der Politiker einen bedeutend erweiterten Gesichtskreis für seine Combinationen. Die Interessen des Verkehrs verließen die engen Schranken des alten Europa, kühne Pläne einer rivalisirenden Colonialpolitik flogen über die weiten Meere und scheuten nicht zurück vor einem diametral auf der anderen Seite des Erdballes auszufechtenden Streite. Denn da nun nach entgegengesetzten Richtungen zwei Wege zu dem Lande der Gewürze gefunden waren -- und diese gesegneten Regionen waren ja das alleinige Ziel aller Seefahrten seit mehr als einem Menschenalter gewesen --, so mußte nothwendig auch die Frage entstehen, wem eigentlich nach der durch päpstliche Sanction erfolgten Theilung der Erde die Molukken gehören sollten, den Portugiesen oder den Spaniern. Aber diese letzteren beschäftigte nicht blos die Frage nach dem Besitz, sondern auch die Aufsuchung eines bequemeren Weges, als der, welchen Magalhães durch die Felsenengen am Feuerlande aufgefunden hatte. Man richtete dabei selbstverständlich den Blick auf die lockere Gliederung der mittelamerikanischen Gelände. Kaum ein Jahr nach der Heimkehr Sebastian del Cano’s ließ Karl V. schon, nach dem Gutachten seines Kosmographen den Eroberer Mexiko’s auffordern, seine Versuche, eine mittelamerikanische Durchfahrt zu entdecken, eifrig fortzusetzen, weil dadurch der Weg zu den Gewürzländern erheblich abgekürzt werden könne. Auch gestattete er, allen Kaufleuten und Unternehmungslustigen in Spanien, sich an Expeditionen nach den Molukken zu betheiligen. Um den Streit mit Portugal, wenn irgend möglich, auf friedlichem Wege zu schlichten, entschlossen sich beide Nachbarstaaten, einem aus Vertretern beider Mächte gebildeten Congresse die Entscheidung der schwierigen Frage zu übertragen. Diese „Junta“, welche beiderseits aus drei Juristen, drei Astronomen und drei Piloten zusammengesetzt war, kam zum erstenmal auf der Brücke, welche zwischen den Städten Badajoz und Elvas über den kleinen Grenzfluß Caya führt, am 11. April 1524 zusammen und setzte dann ihre Verhandlungen abwechselnd in den beiden Städten bis zum 31. Mai fort; aber resultatlos. Da nicht einmal der Ausgangspunkt jener oft erwähnten Demarcationslinie (die westlichste der Capverden) sicher festgesetzt war, von hier aus 370 spanische Meilen westwärts die Theilungslinie gezogen werden sollte und ihre Verlängerung über die andere Erdhälfte berechnet werden mußte, so hätte vor allem die Möglichkeit gegeben sein müssen, die Länge eines Meridiangrades genau zu bestimmen. Ja noch mehr, es stand nicht einmal die Größe des Erdumfanges fest. Man hatte als Unterlagen aus dem Alterthum eine Berechnung (zuerst von Eratosthenes) und eine davon etwas abweichende Messung der arabischen Astronomen aus dem 9. Jahrhundert. Wie unzuverlässig neuere Messungsversuche und Schätzungen ausfielen, lehren die Angaben von Columbus und von S. Martin, dem Astronomen der Magalhães’schen Expedition. Während jener aus einer Mondfinsterniß einen Abstand von Jamaica und Spanien berechnete, der einen Fehler von 34 Meridianen enthielt, nahm dieser nach der Schätzung des Schiffscourses den westlichen Abstand der Magalhães’schen Enge von Sevilla um 51½ Grad zu gering an.

Man war noch nicht einmal darüber einig, wie viel spanische Meilen (Leguas) auf einen Aequatorialgrad zu rechnen seien, denn die Ansichten der Junta gingen auseinander: die Spanier nahmen 14⅙, die Portugiesen 17½ Leguas an. Nach der letzten Bestimmung mußten die Molukken den Portugiesen zufallen. Die Spanier behaupteten, die Gewürzinseln seien von den Capverden 183 Grade entfernt, die andern dagegen nahmen nur 137 Grade an. Die unausgleichbare Differenz betrug demnach 46 Meridiane (etwa die Entfernung von Berlin bis zum Uralgebirge). Dabei gaben die Spanier den Abstand um 30½ Grade zu groß, die Portugiesen um 15½ Grad zu klein an.[490]

Der Pilotencongreß mußte ohne Resultat verlaufen, da keine der streitenden Parteien die Mittel dazu besaß, der andern ihre Fehler beweisen zu können, und löste sich am 31. Mai 1524 auf.

Beide Nebenbuhler rüsteten sich, wetteifernd auf den Molukken Boden zu gewinnen und waren entschlossen, sich auf den einmal besetzten Inseln Tidor und Ternate mit Gewalt zu behaupten.

Spanien entsandte ein Geschwader von sieben Schiffen mit 450 Mann unter dem Befehl des +Garcia Jofre de Loaysa+, während del Cano als Oberpilot mitging[491]. Am 24. Juli 1525 lief dasselbe von Coruña aus, denn nach diesem tiefen und sicheren Hafen in Galicien hatte man das indische Haus von Sevilla verlegt, einerseits um für die zu den Weltreisen erforderlichen größeren Schiffe einen ihrem größern Tiefgange entsprechenden Hafen zu besitzen, andererseits um für die Gewürze, welche, wie man hoffte, nun bald in vollen Frachten auf dem Westwege einlaufen würden, einen Stapelplatz zu schaffen, welcher den großen Märkten von Nordwest-Europa, namentlich den flandrischen und englischen Häfen näher liege als Lissabon. Coruña sollte zu einer Rivalin der portugiesischen Hauptstadt gemacht werden. +Loaysa’s+ Flotte wurde beständig von Misgeschick heimgesucht. In der Region der Calmen an der Küste von Guinea monatelang aufgehalten, gelangten die Schiffe erst am 22. November in die Nähe des Cap S. Augustin, am 5. December nach Cap Frio und am 14. Januar 1526 zum Julianshafen. Am nächsten Tage zerschellte das Schiff del Cano’s in einem Sturm, welcher auch die anderen Schiffe arg mitnahm, an der Küste; die Mannschaft rettete sich. Wieder verging ein Monat, ehe man den Eingang der berühmten Straße wiederfand. Der Sommer ging zur Neige, die Stürme wurden immer heftiger und jagten am 12. Februar die Flotte vollständig auseinander.

Zwei Schiffe, die +Anunciada+ unter Pedro de Vera und der +Gabriel+ unter Rodrigo de Acuña trafen weit nördlich von der Magalhãesenge zusammen. Keiner der Capitäne zeigte eine Neigung, die gefährliche Fahrt in der beabsichtigten Richtung fortzusetzen; aber über den Weg, den sie selber einschlagen wollten, konnten sie sich nicht einigen. Während die Anunciada ohne Steuermann (derselbe war bereits gestorben) tollkühn ums Cap der guten Hoffnung nach den Molukken ging und auf dem Ocean verschollen ist, steuerte der Gabriel nach Brasilien, nahm in der Allerheiligen-Bai eine Ladung Brasilholz ein, bestand eine feindliche Begegnung mit drei französischen Freibeutern, in folge deren der Capitän und ein Theil der Mannschaft am Lande zurückbleiben mußte, und erreichte am 28. Mai 1527 den Hafen Bayona in Galicien, südwestlich von Vigo. Rodrigo de Acuña konnte erst im nächsten Jahre auf einem portugiesischen Schiffe heimkehren.

Derselbe Sturm vom 12. Februar trieb aber auch den Capitän +Francisco de Hóces+ mit seinem Schiff +S. Lesmes+ bis zum 55° s. Br., sodaß er das Ende des Landes sah, vermuthlich die südöstliche Spitze des Feuerlandes an der Le Maire-Straße. Auf den Werth dieser Entdeckung, durch welche das zeitraubende und gefährliche Einlaufen in den Feuerlandssund hätte umgangen werden können, achtete man damals zu wenig, und dem Entdecker Hóces war bald auch die Möglichkeit geraubt, in späterer Zeit seinen Fund, welcher eine bequemere Einfahrt in den großen Ocean in sichere Aussicht stellte, weiter auszubeuten, denn wenn er sich auch zum Geschwader Loaysa’s zurückfand und mit diesem durch die Magalhãesstraße zog, so wurde er doch wieder am 1. Juni 1526 durch Sturm von den übriggebliebenen Schiffen getrennt, suchte allein seinen Weg nach den Molukken und ist wahrscheinlich an der Paumotu-Insel Anäa gescheitert und untergegangen.[492] Loaysa konnte mit den vier Schiffen, welche ihm geblieben waren, erst am 6. April in die Magalhãesstraße einsegeln und erreichte am 25. Mai den großen Ocean. Am 1. Juni brach wieder ein wüthender Sturm los und riß das bereits aus vier Schiffe zusammengeschmolzene Geschwader vollends auseinander, sodaß von da an jedes Schiff sich seinen Weg allein suchen mußte.

Das kleinste Fahrzeug, der +St. Jago+, ein Schiff von nur 50 Tonnen, sah sich unter seinem Capitän +Guevara+ außer Stande, den andern über den großen Ocean zu folgen, denn es fehlte ihm an Proviant, von welchem sich der größte Theil an Bord des Flaggschiffes befand. Guevara suchte die nächsten Ansiedelungen der Spanier zu erreichen und schlug daher den Weg nach Norden ein, in der Hoffnung, das jüngst von Cortes eroberte Mexiko zu finden. Die Westküsten Südamerika’s waren damals vom Feuerlande bis zum Aequator noch völlig unbekannt. Doch da Magalhães bereits nach seinem Eintritt in den stillen Ocean einen nördlichen Cours eingeschlagen und dabei gefunden hatte, daß die Küsten der neuen Welt sich nordwärts erstreckten, so beschloß Guevara in dieser Richtung weiter zu segeln. So gelang es ihm ohne Unfall, vielmehr durch die nordwärts ziehende antarktische, sog. Humboldtströmung begünstigt, am 25. Juli 1526 den Hafen von Tehuantepec zu gewinnen und dabei die höchst wichtige Entdeckung über die westliche Begrenzung des südamerikanischen Continents zu machen, eine Entdeckung, welche auf die bald darauf ausgeführten Expeditionen von Pizarro und Almagro nicht ohne Einfluß blieb.

Nur zwei Schiffe Loaysa’s scheinen den großen Ocean vollständig durchsegelt zu haben, das Hauptschiff, die Sa. Maria de la Victoria und die +Sa. Maria del Parral+ unter Jorge Manrique de Najera. Daß die letztere bis zum Gestade von Sangir, südlich von Mindanao, gelangt sei, erfuhr man erst, als das Hauptschiff die Molukken erreicht hatte, aus dem Munde der wenigen Schiffbrüchigen, welche dem Untergange entronnen waren.[493]

Aber auch das Flaggschiff wurde von schweren Schlägen betroffen. Loaysa starb in folge der Aufregungen über den Verlust seiner Flotte am 30. Juli 1526 während der Fahrt über das stille Weltmeer. Sein Nachfolger Sebastian del Cano erlag gleichfalls am 4. August; denn der Tod hielt unter der durch Hunger und Arbeit erschöpften Mannschaft täglich seine Ernte. Toribio Alonso +de Salazar+, den man nun zum Capitän wählte, brachte das Schiff zwar bis zu den Ladronen, wo man sich 11 Tage Ruhe und Erholung gönnte, aber auch er starb bald nach der Abfahrt am 13. September. Ihm folgte im Commando der Baske Martin Irriguiez de Carquisano und brachte das Schiff endlich auf dem Wege über die Philippinen und die Talaut-Insel nach Halmahera (Djilolo) auf dessen Ostseite man in den Hafen von Samafo vor Anker ging. Das Schiff hatte fast die Hälfte seiner Mannschaft eingebüßt, von 105 Personen waren 40 gestorben.

Auf Tidor, wohin man erst am 1. Januar 1527 kam, wurden die Spanier als Befreier von dem portugiesischen Uebermuth mit offnen Armen empfangen und fingen sofort an, sich zu befestigen. Einen Versuch der Portugiesen, sie zu überrumpeln, schlugen sie glücklich ab; aber das Schiff war nicht mehr seetüchtig, und an eine Heimkehr war nicht zu denken. Nachdem auch Irriguiez gestorben, wurde Fernando de la Torre zum Capitän gewählt. Unter ihm behaupteten sich die Spanier, bis Saavedra ihnen zu Hilfe kam. +Alvaro de Saavedra+[494] war gegen Ende des Jahres 1527 von Cortes mit drei Schiffen und 110 Mann von Mexiko über den großen Ocean entsendet, um eine Verbindung zwischen Neuspanien und den Gewürzinseln herzustellen, aber er verlor auf der Ueberfahrt (er kam in zwei Monaten bis zu den Ladronen) zwei Schiffe, befreite auf den Philippinen noch mehrere von den ehemaligen Begleitern Magalhães’ und Loaysa’s (von dem Schiffe Sa. Maria del Parral) aus der Gefangenschaft und kam am 30. März 1528 nach Tidor. Leider war seine Mannschaft schon auf 30 Köpfe zusammengeschmolzen, sodaß er seinen bedrängten Landsleuten keine wesentliche Verstärkung bringen konnte; es schien daher gerathener, noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, und in Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche die Behauptung von Tidor für Spanien hatte, von Cortes Hilfe zu verlangen. Daher ging Saavedra am 3. Juni 1528 wieder unter Segel, berührte mehrere von Papuas bewohnte Inseln, vermuthlich auch die Nordküste von Neu-Guinea, streifte in nordöstlichem Cours unter 7° n. Br. die Gruppe der Carolinen,[495] konnte aber in folge der beständigen Gegenwinde nicht über die Ladronen hinaus in den Ocean vordringen und kam im October wieder nach Tidor zurück. Im Mai des folgenden Jahres wiederholte Saavedra seinen Versuch, gelangte zwar bis zu den Marshalls-Inseln und steuerte nordöstlich bis zum 27° n. Br.; aber hier starb er. Sein Schiff versuchte noch eine Zeitlang die eingeschlagene Route zu verfolgen, mußte aber unter 30° n. Br. ebenfalls vor den ungünstigen Winden umdrehen, erreichte nur mühsam im December 1529 (oder Ende October) die Nordküste von Halmahera und fiel hier den Portugiesen in die Hände, welche die Mannschaft nach Malaka brachten. Aus Tidor wurden die Spanier vertrieben und wichen nach Halmahera zurück. Aber ihre glücklichen Nebenbuhler kamen damit nicht blos ~de facto~ in den Besitz der Molukken, sondern sie erwarben dieselben auch durch Vertrag. Karl V. trat nämlich am 22. April 1529 seine Ansprüche für 350,000 Ducaten an die Krone von Portugal ab und war damit einverstanden, daß man die Theilungslinie 17 Grade östlich von den Molukken verlegte. Auch diese bedeutende Abfindungssumme, welche an Spanien bezahlt wurde, ist unter die Erfolge der ersten Erdumsegelung zu rechnen. Und wenn dem Vertrage auch die Clausel angehängt war, daß die ganze Summe zurückzuzahlen sei, falls es sich herausstelle, daß Portugal schon durch die erste Bestimmung der Demarcationslinie rechtmäßigen Anspruch auf die Gewürzinseln besitze, so wurde doch dieser Zusatz nie zur Ausführung gebracht.

Endlich wurde noch zu Gunsten der Spanier festgesetzt, daß, wenn ihre Schiffe bei Fahrten über den großen Ocean, welcher unbestritten innerhalb der spanischen Erdhälfte lag, sich in die molukkischen Gewässer aus Unkenntniß verlören, diese Schiffe von Seiten der Portugiesen nicht feindlich behandelt werden sollten. Denn es ist bemerkenswerth, daß die spanischen Fahrten von Mexiko nach den Philippinen fortgesetzt wurden, obwohl diese Inselgruppe nordwestlich von den Molukken liegt und nach dem Vertrag von 1529 in den Machtbereich der Portugiesen gezogen war.

Die letzten Spanier unter de la Torre, 16 Mann, welche sich in jenem Gebiet behauptet hatten, konnten erst 1534 nach Europa den Rückweg antreten, aber kaum die Hälfte erreichte 1536 den heimatlichen Boden. Unter ihnen Torre und der berühmte Pilot Andres Urdaneta, welcher nach seiner Rückkehr einen wichtigen Beitrag zur Kenntniß der Gewürzländer gab und seinen Bericht im Februar 1537 dem Könige in Valladolid überreichte.[496]

Von nun an blieb Portugal im unbestrittenen Besitz des Gewürzhandels, bis die Niederländer im Anfange des 17. Jahrhunderts sie verdrängten.[497]

5. Die spanischen Entdeckungsfahrten im großen Ocean.

Wenn durch den Vertrag von Saragossa 1529 die Fahrten nach den Molukken für die Spanier aufhören mußten, so blieb ihnen doch unbenommen die weite Wasserfläche des stillen Oceans, über welche bisher nur einige wenige Recognoscirungslinien gezogen waren, weiter zu erforschen; denn der Glaube an das Vorhandensein reicher Inseln beherrschte noch die Vorstellung und trieb zu neuen Streifzügen.

Als Ferdinand Cortes im Jahre 1536 dem Pizarro in zwei Schiffen Hilfstruppen nach Peru schickte, gab er dem +Hernando Grijalva+ zugleich den Befehl, nach Erfüllung des genannten Auftrags von der Westküste Südamerika’s aus nach Asien hinüberzusteuern. Sie wählten die Route in der Nähe des Aequators, gingen weit ins Meer hinaus, ohne irgend ein Land zu entdecken, so daß Grijalva schon willens war, nach Mexiko zu steuern; allein daran wurde er durch die beständigen Gegenwinde gehindert. So wurde denn die Fahrt bis in die Nähe von Neu-Guinea fortgesetzt, wo an einer von Melanesiern bewohnten Insel die Schiffe zu Grunde gingen und die Mannschaft bis auf wenige Personen erschlagen wurde. Die letzten Ueberlebenden befreite der portugiesische Gouverneur auf den Molukken. Einige Jahre später ließ der Vicekönig von Mexiko, Antonio de Mendoza, eine größere Flotte von sechs Schiffen ausrüsten und sandte sie im November 1542 von Neuspanien nach dem Westen. +Ruy Lopez de Villalobos+ berührte zunächst die Revillagigedogruppe und stieß dann, an den Marshallsinseln vorbeisegelnd, auf die mittleren Carolinen, und zwar auf die Hallinseln und auf Namonuito, flache, dichtgrüne Eilande, von tiefem Meere umschlossen und von einer armen, rohen Bevölkerung bewohnt. Villalobos gab ihnen den Namen Coralleninseln und ~los Jardines~ (die Gärten).[498] Am 23. Januar 1543 stieß er auf Inseln, deren Bewohner schon früher Besuch von Spaniern erhalten hatten, denn sie riefen den neuen Ankömmlingen zu ihrer Verwunderung den spanischen Gruß: ~buenos dias matalotes!~ zu und machten das Zeichen des Kreuzes. Daher erhielten die Inseln den Namen Matalotes (Schiffer).[499] Fünfunddreißig Meilen weiter westlich tauchte eine größere, von Corallenriffen umgebene Insel auf, welcher man den treffenden Namen Riffinseln (~Islas de arrecifes~) gab; es war die Gruppe der Palauinseln. Von hier nach Westen steuernd kam das Geschwader am 29. Januar in Sicht der Philippinen. Vor ihnen lag die Insel Mindanao; hier landete Villalobos am 2. Februar und blieb einen Monat, in der Absicht, dort eine Niederlassung zu gründen. Zu Ehren des Kaisers nannte er das Land Cäsarea Caroli. Da aber sich das Klima ungesund erwies und die Einwohner sich weigerten, den Spaniern Lebensmittel zu liefern, so mußte er sich weiter nach Süden wenden, bemühte sich aber auch auf den kleinern Inseln zwischen Mindanao und Celebes vergebens um Proviant, weil ihm die Insulaner überall feindselig entgegentraten und jeden friedlichen Verkehr vermieden. Nachdem darüber Monate vergangen waren, beschloß Villalobos ein kleineres Schiff nach den Carolinen zurückzuschicken, um dort Lebensmittel einzutauschen, und sandte zugleich den Capitän +Bernardo de la Torre+ mit seinem Schiff San Juan am 26. August nach Mexiko, um dem Vicekönige Nachrichten über den Verlauf seiner Expedition zu überbringen. In dem officiellen Berichte, welchen la Torre mitnahm, wurden die großen Inseln zuerst unter dem Namen Felipinas (Philippinen, zu Ehren des spanischen Kronprinzen) aufgeführt. La Torre ging von der Insel Samar, nördlich von Mindanao, nach Nordosten, entdeckte unter dem 25. Grad n. Br. die vulkanischen Inselchen südlich von der Boningruppe, welche Volcanos genannt wurden, drang dann noch bis zum 30. Parallelkreise vor, mußte hier aber wegen Wassermangel umkehren, ging durch die Philippinen zurück, wo er erfuhr, daß Villalobos sich nach den Molukken gewendet, und traf hier mit seinem Befehlshaber wieder zusammen.

Inzwischen hatte der portugiesische Gouverneur in Ternate, Jorge de Castro, Kunde von der Anwesenheit eines spanischen Geschwaders erhalten. Er sandte zwei Böte ab, um Villalobos auf den Vertrag von 1529 hinzuweisen, wonach alle Inseln bis zu den Ladronen den Portugiesen zuerkannt waren. Wären die Spanier nicht in der Absicht Eroberungen zu machen in jene Regionen gerathen, dann werde er sie gern mit Lebensmitteln unterstützen. Sonst müsse er aber ihren Rückzug fordern.

Villalobos erwiderte darauf, er habe den Auftrag erhalten, sich auf den Philippinen festzusetzen, denn diese lägen weit genug von den portugiesischen Molukken entfernt, um keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu bieten. Aber auch gegen diese Absichten legte de Castro im Namen seines Königs Protest ein.

Da nun aber die Noth auf den spanischen Schiffen wuchs und viele Matrosen starben, mußte Villalobos gegen seinen Willen die Molukken aufsuchen. Er vermied es, mit den Portugiesen in Streit zu gerathen, und machte noch einmal den Versuch, sich mit Mexiko in Verbindung zu setzen und von dort Hilfe zu erbitten. Zu dem Zwecke wurde im Mai 1545 der San Juan unter dem Capitän +Iñigo Ortiz de Retes+ ausgesandt; dieser schlug um Halmahera herum den Weg nach Südosten ein und traf so auf die Nordküste von Neu-Guinea, welche Menezes schon 1526 gefunden hatte (s. oben S. 206). Zwei Monate lang kämpfte er gegen das Unwetter an, welches ihn vom 15. Juni bis 16. August an den Gestaden der Papuainsel und der vorliegenden Inseln[500] festhielt. Retes landete an mehreren Punkten, um Wasser und Holz einzunehmen. An der Küste breiteten sich weite Ebenen aus, aber dahinter hoben sich im Innern mächtige Gebirge empor. Zu wiederholten Malen wurden die Spanier von den Kriegsböten der schwarzen Bewohner angegriffen. Diese Kähne hatten einen Aufbau, eine Art Kastell, welches dem Hintertheil der spanischen Schiffe an Höhe fast gleich kam. Oben standen die Krieger, unten befanden sich die Bänke für die Ruderer. Retes nahm trotzdem an einer günstigen Stelle, wo er länger verweilte, für Spanien von dem Lande Besitz und gab ihm den noch giltigen Namen +Neu-Guinea+. Gegen Osten drang er bis zu den Vulkan- und Dampierinseln (4° 40′ s. Br., 146° ö. v. Gr.) vor. Zwei Meridiane weiter wäre er auf den Neubritannischen Archipel gestoßen; aber er entschloß sich nach der langen, vergeblichen Arbeit, gegen den Willen der Piloten, einen nördlichen Cours einzuschlagen, mußte aber bald dem dringenden Verlangen der Mannschaft, welche den Anstrengungen zu erliegen drohte, nachgeben und den Befehl zur Umkehr ertheilen. Am 3. October traf er wieder in Tidor ein. Villalobos sah somit keine Möglichkeit, über den stillen Ocean sich Unterstützung zu verschaffen. Die vergeblichen Bemühungen eines tüchtigen Schiffes, welches zweimal nach verschiedenen Richtungen den Ocean zu kreuzen versucht hatte, bewiesen ihm, daß er mit seiner ganzen Flotille unrettbar den Portugiesen in die Hände fallen müsse, denn den Rückweg durch den indischen Ocean und um Afrika herum durfte er nach den Verträgen zwischen beiden Mächten nicht einschlagen.

Als nun kurz nach der Rückkehr des San Juan unter Retes im October 1544 ein neuer Statthalter auf den Molukken erschien, Fernão de Sousa, kündigte dieser den Spaniern die lange gewährte Gastfreundschaft und forderte dieselben ohne Umschweife auf, die Gewürzinseln zu verlassen. So mußte Villalobos seine Schiffe den Portugiesen überliefern, da er bei der Schwäche seiner Mannschaft es nicht auf eine Entscheidung durch Kampf konnte ankommen lassen. Er erreichte nur, daß seine Leute ihr Privateigenthum behielten und in kleinen Abtheilungen auf portugiesischen Frachtschiffen nach Europa zurücktransportirt wurden. Villalobos starb kurz vor Ostern 1546 auf Ambon, 144 Personen gelangten, die letzten allerdings erst 1548, nach Europa zurück.

Trotz dieser Miserfolge wurde der Plan, die Philippinen zu colonisiren noch nicht aufgegeben, aber die Ausführung wurde während der letzten Jahre der Regierung Karls V. noch hinausgeschoben. Sein Nachfolger Philipp II. faßte sie bald bestimmter ins Auge. Um die Rechtsansprüche der Portugiesen kümmerte man sich weniger, da man wußte, daß der kleine Nachbarstaat bei zunehmender Erschöpfung seiner Kräfte nicht daran denken konnte, von den Molukken seine Macht noch weiter auszudehnen. Außerdem ließ sich das Gewissen auch leicht durch den Gedanken beschwichtigen, daß man bei einer Colonisirung der Philippinen doch vor allem das Seelenheil der dortigen Bewohner im Auge habe. So erhielt schon 1559 der Vicekönig von Mexiko Luis de Velasco den Auftrag, eine Flotte auszurüsten. Die Regierung rechnete dabei in erster Linie auf die Unterstützung Urdaneta’s, welcher die Expedition Loaysa’s mitgemacht hatte und aus langjähriger Erfahrung die Sundawelt kannte, dazu aber auch als erfahrener Seemann in gutem Andenken stand. Zwar hatte derselbe 1552 das Ordenskleid der Augustiner genommen und lebte zurückgezogen in einem Kloster in Mexiko. Als nun der Ruf zur Theilnahme an ihn erging, war er alsbald bereit, zumal er bei dieser Gelegenheit einen Lieblingsgedanken, das große unbekannte Südland zu entdecken, hoffte verwirklichen zu können. Zur Verkündigung des Christenthums wurden außer ihm noch vier andere Mönche seines Ordens gewonnen. Die Vorbereitungen währten mehrere Jahre, erst im November 1564 waren vier Schiffe segelfertig und steuerten von Navidad aus über das stille Weltmeer. Zum Leiter war +Miguel Lopez de Legaspi+, ein ruhiger, besonnener und tüchtiger Mann erkoren. Derselbe hatte den bestimmten Befehl erhalten, sich genau an die von Villalobos eingeschlagene Route zu halten; es war also entschieden nicht auf zeitraubende Versuche, neue Länder im Ocean zu entdecken abgesehen, vielmehr so schnell als möglich die Philippinen zu erreichen. Trotzdem hatte Legaspi das Unglück, unterwegs eines von den kleinen Schiffen einzubüßen. Dasselbe trennte sich in folge verschiedener Segelgeschwindigkeit von den übrigen, fuhr allein über den Ocean, berührte auch die Philippinen und kehrte dann, durch Stürme weit nach Norden geführt, jenseit des 40. Grades nördl. Br. über den Ocean nach Mexiko zurück. Es fand also zufällig den Weg, den Loaysa, de la Torre und Retes vergebens gesucht hatten.

Legaspi langte am 3. Februar 1561 bei dem Archipel der Philippinen an, fand aber überall kühlen oder selbst feindseligen Empfang, bis es ihm auf Bohol gelang, durch Vermittelung eines Malaien für seine Mannschaft hinreichende Lebensmittel einzutauschen. Nach einer Recognoscirung der nächsten Inseln beschloß er, Ende April, sich mit Gewalt auf Zebu festzusetzen. Man sah diese Insel als spanisches Eigenthum an, seit die Häuptlinge bei Anwesenheit Magalhães’ der spanischen Krone gehuldigt hatten. Durch geschickte Unterhandlung erreichte Legaspi sein Ziel; die Bewohner von Zebu huldigten von neuem und begaben sich unter seinen Schutz, wofür er sie gegen ihre Feinde zu vertheidigen versprach.

Nachdem so die Anfänge der Besiedelung geglückt, kehrte Urdaneta nach Mexiko zurück, um über die Resultate der Fahrt zu berichten. Er schloß mit Recht, daß man ähnlich wie im atlantischen Ocean, in höheren Breiten, außerhalb des tropischen Gürtels mit seinen constanten Passatwinden werde auf westliche Winde rechnen können, welche eine Fahrt von Asien nach Amerika über den Ocean ermöglichten. So ging er mit seinem Schiffe getrost von den Philippinen nach Nordosten bis zum 43° n. Br. und landete nach einer Fahrt von vier Monaten am 30. October 1565 wohlbehalten in Acapulco. Diese nicht aufs Gerathewohl unternommene, sondern auf wissenschaftlichen Erwägungen beruhende Segelrichtung zeigte für alle folgende Zeit den Spaniern die Bahn, auf welcher man von den Philippinen den Rückweg nach Mexiko einzuschlagen habe. Die Verbindung der Philippinen mit der neuen Welt war von da an nicht mehr dem Zufall preisgegeben, sie wurde eine durchaus geregelte und knüpfte naturgemäß diese asiatische Inselgruppe an die Verwaltung Neuspaniens. Urdaneta ging von Mexiko mit seinen Berichten nach Spanien, kehrte dann wieder in sein Kloster zurück und starb daselbst am 3. Juni 1568.

Legaspi erhielt unterdessen schon im August 1567 auf zwei Schiffen neue Truppen von Mexiko und wurde dadurch in Stand gesetzt, gegenüber dem Ansinnen der Portugiesen, von den Philippinen zu weichen, sich behaupten zu können. Gonzalo Pereira, der Statthalter auf den Molukken, suchte die spanische Niederlassung mit Heeresmacht zu überrumpeln, konnte aber seinem wachsamen Gegner nichts anhaben und mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Legaspi ersah eben daraus, daß seine Niederlassung auf Zebu doch in zu gefährlicher Nähe der Molukken läge und daß es gerathener sei, einen entfernteren Platz zum Ausgangspunkt seiner Colonisation zu wählen, wo er sich vor unerwarteten feindlichen Besuchen sicherer fühlen könne.

Im Jahre 1570 wurde der erste Angriff auf die Insel Luçon gemacht und dabei das Dorf Manila erobert. Im nächsten Jahre erschien Legaspi mit einer größeren Flotte an der Bai von Manila, -- denn er hatte wiederum von Mexiko neue Schiffe und Mannschaften erhalten und war vom König Philipp II. in Anerkennung seiner Leistungen zum Adelantado ernannt -- und brachte nach einem glücklichen Gefecht gegen die feindliche mohammedanische Partei eine Anzahl von Häuptlingen zur Anerkennung der spanischen Oberhoheit. An der Mündung des Pasigflusses, an welchem jetzt sich die bedeutendste Stadt der Inselgruppe, Manila, erhebt, baute er eine Festung und legte damit den Grund zur Hauptstadt der Philippinen. Legaspi starb im August 1572, aber seine Nachfolger wußten sich zu behaupten, so daß die Colonie dauernd im Besitze Spaniens verblieb. --

Alle Fahrten über den großen Ocean boten bis auf Legaspi und die ihm in den nächsten Jahren zur Hilfe nachgesandten Schiffe für die Bereicherung der Erdkunde durch Entdeckungen wenig Gewinn, da der vorgeschriebene Cours durch den an Inseln ärmsten Theil des Meeres führte. Das wichtigste war, abgesehen von der Erforschung und Besitzergreifung der Philippinen, die Entdeckung der Nordküste von Neu-Guinea durch Retes. Durch diese Entdeckung wurde aber der Glaube an ein großes unbekanntes Südland, dessen Vorstellung aus dem Alterthum herübergenommen und weiter ausgebildet wurde, neu belebt. Man setzte die nach Südosten verlaufende Küstenlinie des Landes der Papuas mit dem Feuerlande in Verbindung und erwartete von der Auffindung und Ausbeutung dieses großen Landes unberechenbaren Gewinn.

Die Lösung dieser Aufgabe fiel naturgemäß dem Vicekönig von Peru zu, während Mexiko seine Thätigkeit auf die Kräftigung der Colonisation der Philippinen zu richten hatte. Als ein Vorläufer der ersten größeren Expedition kann die kühne Fahrt des +Juan Fernandez+ bezeichnet werden, von welcher wir leider nur sehr verschwommene Nachrichten besitzen. Fernandez fand nämlich, indem er der an der Westseite Südamerika’s nordwärts gehenden Küstenströmung auswich und, um von Peru nach Chile zu gelangen, einen weiteren Bogen durch den Ocean machte, die westlich von Valparaiso gelegenen Felseninseln, welche noch seinen Namen tragen und im Anfange des 18. Jahrhunderts der Schauplatz und unfreiwillige Aufenthalt eines englischen Matrosen Alexander Selkirk wurden, aus dessen Erlebnissen Daniel Defoe seinen weltberühmten „Robinson“ schuf. Juan Fernandez sah aber, wahrscheinlich auf einer andern Fahrt, weiter gegen Südwesten die Küsten eines hohen Berglandes, vermuthlich Neuseeland, welches in der folgenden Zeit aber wieder zu einem Theil des gesuchten Südlandes gestempelt wurde.

Pedro Sarmiento erbot sich zuerst, 1567, durch einen Streifzug in den Ocean über die Lage des Südlandes Klarheit zu schaffen; aber wenn er auch die Idee angeregt hatte, so übergab doch nicht ihm, sondern dem General +Alvaro de Mendaña+ der Vicekönig von Peru das Commando über die beiden zu der Expedition bestimmten Schiffe. Sarmiento ging indes auch als Capitän des Hauptschiffes mit[501] und unter ihm Hernan Gallego als Pilotmayor. Wie sicher man das große unbekannte Land zu finden hoffte, erhellt daraus, daß zur Verkündigung des Christenthums vier Geistliche an der Fahrt theilnahmen. Mendaña segelte am 20. November 1567 von Callao, dem Hafen Lima’s, gegen Südwesten; nach Zurücklegung von 170 Leguas verlor, wie es scheint, der General den Muth, noch weiter südwärts vorzudringen. Mit seiner Genehmigung steuerte Gallego trotz der Proteste Sarmiento’s, welcher sich auf ihre Instruction berief, wieder nach Norden. Acht Tage später, als man sich schon unter der geringen Breite von 14° s. Br. befand, forderte Sarmiento noch einmal, den südwestlichen Cours wieder aufzunehmen. Mendaña lehnte es ab und segelte in der Richtung nach den Philippinen weiter. Erst als man unter 5° s. Br. noch auf kein Land gestoßen war, -- man folgte offenbar dem Pfade Magalhães’ -- gab der General in sofern dem wiederholten Drängen Sarmiento’s nach, daß er West ¼ zu Süd steuern ließ. So wurde am 15. Januar 1568 eine kleine bewohnte, mit Palmen bedeckte Coralleninsel gefunden, welche den Namen Jesus erhielt. Dieselbe hatte auf der Nordseite ein Riff, welches eine Viertelmeile in die See hinausging, auch die Südseite war mit einem kleineren Riff besetzt und nur im Osten zeigten sich in demselben Lücken, durch welche man an den Strand gelangen konnte.[502] Von hier aus ging die Fahrt etwa auf dem 6° s. Br. gegen Westen, und so entdeckte man am 7. Februar die mittlere der hohen Salomonsinseln, auf welcher sich die Berge bis 1200 Meter erheben. Man taufte sie +Santa Isabel de la Estrella+, weil man am Tage der heiligen Isabella von Peru abgefahren war und fügte „estrella“ hinzu, weil man bei der Landung am hellen Tage einen Stern zu sehen meinte. In der Sternbai (~bahia de la estrella~) gingen die Schiffe vor Anker. Die dunkelhäutigen Einwohner[503] sahen zu, wie die Spanier in üblicher Form von der Insel Besitz nahmen, es wurde sogar notariell bescheinigt, daß die Häuptlinge dem Könige von Spanien gehuldigt hätten. Das Land war reich an Lebensmitteln, es gab Schweine und Hühner; man fand vortreffliches Schiffbauholz und vermeinte auch alsbald geschätzte Gewürze und Droguen als Ingwer und Zimmt, Aloe und Sarsaparille entdeckt zu haben. Vor allem war man aber entzückt, sichere Anzeichen von Gold zu finden (~grande disposicion de oro~) und belegte daher später in dem kühnen Wahn, hier das langgesuchte, goldreiche Ophir des Königs Salomo gefunden zu haben, die ganze Gruppe mit dem Namen +Salomonsinseln+. Anfänglich hielt man das entdeckte Land für einen Theil des Südlandes, als aber Pedro de Ortega die ganze Insel umfahren hatte, mußte man sich von der Inselnatur überzeugen. Die Schiffe blieben bis zum 8. Mai im Sternhafen und wandten sich dann nach Südosten, um die von Ortega bereits gemachten Entdeckungen weiter zu verfolgen. So wurden dann auch die südlichern großen Inseln, welche zum Salomonsarchipel gehören, bis zu San Cristoval entdeckt; aber der Wunsch Sarmiento’s, noch weiter nach Süden vorzudringen, blieb unerfüllt. Man trat den Rückweg an, ging am 4. September über den Aequator und steuerte nach Neuspanien, wurde dort aber noch mehrere Monate durch Sturm umhergeworfen und verlor durch Hunger und Entbehrungen viele Leute, ehe man in dem mexikanischen Hafen von Santiago (19° n. Br.) am 22. Januar 1569 Zuflucht fand, nachdem das Schiff Mast und Böte verloren hatte. Erst im März konnte die Fahrt nach Peru fortgesetzt werden, wo am 22. Juli die höchst beschwerliche Reise beendigt wurde.[504]

Fast ein Menschenalter blieben die Entdeckungen liegen; erst unter dem Vicekönig Garcia Hurtado de Mendoza, Marques de Cañete wurden sie wieder aufgenommen. Mendaña erhielt zum zweitenmale die Leitung und unter ihm als Pilotmayor der Portugiese Pedro Fernandez +de Quiros+. Eine Flotte von vier Schiffen ging am 9. April 1595 von Callao, und nachdem sie in Paita ihre Ausrüstung vollendet hatte, von diesem Hafen am 16. Juni ab. Das Ziel bildeten die Salomonsinseln. Auf dem Wege dahin entdeckte man zuerst die südliche Gruppe der hohen Gebirgsinseln, welche nach dem Vicekönig den Namen Marquesas de Mendoza erhielten. Es wurden nacheinander die Inseln Magdalena, S. Pedro, S. Cristina und Dominica besucht. Die kriegerischen Polynesier trieben etwas Ackerbau und besaßen Hühner und Schweine. Die Spanier lernten hier den geschätzten Brotfruchtbaum kennen, nahmen von den Inseln in üblicher Weise Besitz und segelten am 5. August nach Westen. Weiterhin wurden San Bernardo (jetzt Pukapuka) und Solitaria (Olosenga) gefunden, zwei flache, grüne Coralleneilande. Die weiter südlich gelegenen Samoa- und Vitiinseln wurden nicht gesehen.

Schon fing die Mannschaft an zu murren, daß man die Salomonsinseln nicht finden könne, und als das Geschwader am 8. September an dem steil aus der Meeresflut in Gestalt eines Zuckerhutes auftauchenden Kegel eines Vulkans, der den Namen Volcano erhielt, vorüberging, trennte sich das zweite Schiff, die Almirante, und verschwand für immer. Gleich darauf kam gegen SO. die hohe Insel +Sa. Cruz+ in Sicht und belebte den sinkenden Muth. Die dunkle Bevölkerung zeigte sich anfänglich für friedlichen Verkehr geneigt, allein bald sahen die Spanier sich bei der Landung von mehreren hundert Insulanern angegriffen. An der schönen Hafenbai im NW. der Insel, an der ~Bahia graciosa~, wollte Mendaña eine Niederlassung gründen, er hatte zu dem Zwecke 280 Soldaten mit an Bord; allein die Truppen revoltirten, wollten an dem ungastlichen Gestade sich nicht verbannen lassen, sondern sehnten sich nach Peru zurück. Zum Unglück starb während dieser Zeit Mendaña nebst zwei Geistlichen; sein Nachfolger Quiros hielt es für gerathen, den Plan einer Besiedelung aufzugeben und das Land zu verlassen. Am 18. November stach er wieder in See, um die Salomonsinseln zu suchen; da ihm aber die Lage nicht genau bekannt war, steuerte er statt nach W., nach NW. und bekam daher die vielversprechenden Inseln nicht zu Gesicht. Bei dem schlechten Zustande seiner Fahrzeuge und den traurigen Gesundheitsverhältnissen an Bord (er hatte in einem Monat 47 Leute verloren) sah sich Quiros nicht in der Lage, weitere Entdeckungen zu versuchen; er richtete vielmehr seinen Cours nach den Philippinen, wenn er auch keine Karten von jenen Inseln bei sich hatte, und erreichte glücklich Manila, nachdem auch noch ein zweites Schiff im Stich gelassen war, weil es wegen eines Leckes schlecht segelte.

Auf dem bekannten Wege trat er dann seine Rückreise über den Ocean nach Mexiko an, erreichte am 11. December 1597 Acapulco und im Mai 1598 Paita in Peru.

Als Grund, weshalb man die Salomonsinseln nicht wiedergefunden, giebt Quiros vor allem die falschen Berechnungen des Piloten Gallego auf der ersten Fahrt Mendana’s an, welcher die Entfernung zu kurz geschätzt habe.

Man findet nämlich in dieser Zeit statt der Längenbestimmungen nur nach der Fahrgeschwindigkeit gemachte Schätzungen der Entfernung der Inseln von der Westküste Peru’s angegeben. Gallego hatte den Abstand von Lima bis zu den Salomonsinseln zu 1450 spanischen Meilen (Leguas) angenommen, während Quiros behauptete, schon bis Sa. Cruz betrage die Entfernung 400 Meilen mehr. Wenn demnach (und die Berechnungen, welche Quiros anstellte, waren sicher richtiger als jene Gallego’s) die Salomonsinseln eher im Osten als im Westen von Sa. Cruz vermuthet wurden, so ahnte Quiros doch ganz richtig, beide Inselgruppen könnten nicht zu fern von einander liegen und dürften sich gegen Nordwesten an die Landmassen und Inseln anlehnen, welche bis Neu-Guinea und selbst bis zu den Philippinen reichten; denn dafür spreche außer der gleichartigen Erscheinung der Gebirgsinseln die nämliche dunkle Bevölkerung, welche wir jetzt als Melanesier bezeichnen, mit denselben Hausthieren (Hühnern und Schweinen), gleichen Waffen und manchen verwandten Formen der Sitte.[505]

Die Salomonsinseln blieben noch durch das ganze folgende Jahrhundert in Dunkel gehüllt, und erst Bougainville fand sie 1768 wieder. Quiros erbot sich zwar, sofort noch einen Versuch zu wagen; doch da der Vicekönig Bedenken trug, ohne besonderen Befehl des Königs die Mittel zur Ausrüstung einer neuen Flotte zu geben, so wandte er sich persönlich an den Papst Clemens VIII. und durch dessen Empfehlung an Philipp III. von Spanien und erlangte so, daß ihm endlich 1605 einige Schiffe für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt wurden. Er hatte wissenschaftliche Probleme zu lösen in Aussicht gestellt: er behauptete nämlich eine leichtere und sicherere Bestimmung der geogr. Breite zu kennen, und wollte seine Reise um die ganze Erde ausdehnen, um überall die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten. Sein Hauptaugenmerk war auf die australischen Länder von Sa. Cruz und die Salomonsinseln bis nach Neu-Guinea und Java gerichtet. Aber er verstand auch die Geistlichkeit durch seinen auffällig an den Tag gelegten Eifer für die Verbreitung des Glaubens zu gewinnen. Seit Columbus war kein Entdecker wieder so devot erschienen; aber bei Quiros scheint der Glaubenseifer nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Der König Philipp III. bezeichnete es indes als ein gottwohlgefälliges Werk, das Australland entdecken und die Bewohner bekehren zu lassen.

Am 21. December 1605 ging Quiros von Callao mit drei Schiffen ab, welche auf ein Jahr Lebensmittel an Bord hatten. Sechs Franziskaner und vier Johannisbrüder zur Krankenpflege begleiteten ihn. +Luis Vaez de Torres+ befehligte unter ihm das zweite Schiff. Kühn steuerte er gegen Südwesten bis über den 26° s. Breite; als aber dort stürmisches Wetter die Fahrt unbequem machte, wich er nach dem tropischen Gürtel zurück, streifte die südlichsten Inseln der Paumotu und betrat zuerst das reizende Tahiti, von ihm Sagitaria genannt, und kam am 7. April in die Nähe von Sa. Cruz zu der Insel Taumaco, deren Häuptling ihm die Namen von etwa 70 Inseln gab und ihre Lage und Größe andeutete. Dadurch geleitet wandte sich Quiros nach Süden und entdeckte so am 1. Mai die Hauptinsel der neuen Hebriden, welche er, in merkwürdiger Selbsttäuschung befangen, für das gesuchte continentale Australland ausgab und Espiritu Santo nannte. In pomphafter Weise nahm er im Namen der heiligen Dreieinigkeit, der katholischen Kirche, des heil. Franciskus und seines Ordens, des Juan de Dios und seines Ordens und im Namen des Königs von dem Lande Besitz, beschloß auf der fruchtbaren Insel eine Stadt „Neu-Jerusalem“ am Fluße „Jordan“ zu gründen, und behauptete, dieser kaum vier Meilen lange Bach sei so breit als der Guadalquivir bei Sevilla. Bei der feindseligen Haltung der Insulaner mußte er aber bald von seinen phantastischen Plänen abstehen. Tagelang dauernde Stürme nöthigten ihn aus der Bucht an dem heiligen Geistlande aufs offene Meer zu flüchten, wo er von den beiden andern Schiffen getrennt wurde und am 20. Juni seinen Rückweg allein fortsetzte. Am 3. Juli erreichte er den Aequator, steuerte bis zum 1. September in nordöstlicher Richtung bis zum 38° n. Br., wandte sich dann nach Osten und gelangte am 20. October in den mexikanischen Hafen von Navidad.

In arger Uebertreibung schilderte er in seinen Berichten das entdeckte Land, die ~Australia del espiritu santo~, als reich gesegnet mit allen tropischen Produkten und behauptete, das Land sei so groß als ganz Europa und Kleinasien bis ans kaspische Meer.[506] Unermüdlich suchte er in einer Reihe von Schriften, welche er an den König richtete, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer Colonisation des schönen Landes darzuthun, aber ohne Erfolg. Und schon im Jahre 1613 bezeichnete Diego de Prado in einem Briefe an den König die ganze Erzählung als Täuschung und Lüge.[507]

Quiros beschloß die Reihe der spanischen Entdeckungszüge in dem südl. Theil des großen Oceans.

Einen größeren und namhafteren Erfolg als er selbst trug sein Capitän +Torres+ davon, welcher, als er sich von dem Hauptschiffe getrennt sah, mit seinem kleinen Fahrzeuge kühn den geraden Weg nach den Philippinen einschlug. Am Louisiadenarchipel glaubte er bereits die Küste von Neu-Guinea erreicht zu haben, bahnte sich dann innerhalb zweier Monate an der Südseite dieser größten Erdinsel durch zahllose Klippen, Riffe, Eilande und Corallenbarrieren einen Weg nach Westen und Nordwesten, bis er endlich die Molukken erreichte, von wo aus er sich nach Manila begab. So wurde er der Entdecker der später mit Recht nach ihm benannten „Torresstraße“, welche den australischen Continent von dem Lande der Papuas scheidet; aber seine Entdeckung blieb bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ein in den spanischen Archiven von Manila begrabenes Geheimniß, und James Cook war erst 1770 der erste Nachfolger des Torres durch jene Straße. Torres berührte das Australland an der Nordspitze, aber die Enthüllung der Küsten des Continents fiel im 17. Jahrhundert den Holländern, im 18. den Engländern zu.

Zum Schluß müssen wir noch einer wichtigen Entdeckung auf dem südwestlichen Wege nach Indien gedenken, welche die beiden holländischen Capitäne +Le Maire+ und +Schouten+ 1616 machten. Sie fanden nämlich das Südende des Feuerlandes und gingen mit Vermeidung der gefürchteten Magalhãesstraße um das Cap Hoorn, welches Schouten nach seiner Vaterstadt am Zuyderzee benannte, direct aus dem atlantischen in den großen Ocean und wiesen damit allen ihren Nachfolgern einen bequemeren Eingang in das stille Meer.

Viertes Capitel.

Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach Indien zu finden.

1. Giovanni und Sebastiano Cabotto.

Der Gedanke, von den Küsten Europa’s auf nordwestlicher Fahrt einen Weg nach China und Indien aufzusuchen, fand zuerst in England, als in dem für eine solche Unternehmung am günstigsten gelegenen Lande, eine thatkräftige Förderung. Auch hier ging die Anregung von einem Italiener, und zwar von einem Landsmanne des Columbus aus. Wenn er auch seine ersten Versuche vielleicht noch vor der ersten Fahrt des Entdeckers der neuen Welt gemacht hat, so darf doch bezweifelt werden, ob ihm die Priorität des Planes gebührt, denn man weiß, wie lange sich Columbus mit der Idee beschäftigt hatte, ehe es ihm vergönnt war, mit seinem ersten kleinen Geschwader von Palos aus in See zu stechen.

Der Träger des Gedankens einer nordwestlichen Bahn nach Asien ist +Giovanni Cabotto+, oder wie ihn die Engländer nennen, John Cabot.[508] Seine Zeitgenossen bezeichnen ihn allgemein als einen Genuesen, dessen Wiege am ligurischen Strande in Castiglione oder Savona stand.[509] Im Jahre 1461 wandte er sich nach Venedig, wo er am 28. März 1476 das Bürgerrecht erhielt, nachdem er, wie es das Gesetz vorschrieb, 15 Jahre in der Stadt ansässig gewesen war. Er erhielt das Privilegium civilitatis nach innen und außen, d. h. er konnte nun seine bürgerlichen Rechte nicht blos in der Stadt ausüben, sondern er genoß alle Handelsvorrechte auch in der Fremde und durfte unter der Flagge des heiligen Markus segeln.

Wahrscheinlich um 1490 begab sich Cabotto mit seinen drei Söhnen Ludovico, Sebastiano und Sancto nach England, wo er sich in Bristol niederließ, um von hier seine Entdeckungsfahrten zu betreiben, denn Bristol stand als Handelsplatz damals London zunächst. Und es scheint, daß auf seine Anregung die Kaufleute der Stadt alljährlich seit 1491 bereits Schiffe aussandten, um die auf den alten Seekarten verzeichneten Inseln im westlichen Meere aufzusuchen. So schrieb der spanische Gesandte Pedro de Ayala am 25. Juli 1498 an den König Ferdinand: „Die Leute von Bristol haben seit sieben Jahren alljährlich zwei, drei und vier Caravelen ausgesendet, um die Insel Brasil und die sieben Städte zu suchen, nach den Angaben dieses Genuesen.“[510]

In wie weit diese Unternehmung von Erfolg gekrönt gewesen, ist nicht gesagt. Doch mag hierbei erwähnt werden, daß schon ums Jahr 1480 Thomas Llyde oder Lloyd ins westliche Meer hinaussteuerte, um die genannten Inseln zu suchen, aber vergebens.

Bis zum Jahre 1496 waren die Kosten zu den Westfahrten lediglich aus Privatmitteln bestritten, dann aber stellte Heinrich VII. dem Giovanni Cabotto am 5. März 1496 ein königliches Patent aus, das ihn und seine drei Söhne zu den Entdeckungsfahrten autorisirte.[511] Auch rüstete der König nebst den Bristoler Kaufleuten mehrere Schiffe für Cabotto aus.

Es war im Anfang Mai 1497, daß Cabotto zu seiner ersten erfolgreichen Expedition über den Ocean ging. Die Kunde von den Erfolgen des Columbus war auch nach England gedrungen, unter ihrem Einfluß wagten die englischen Kaufleute und selbst der König den nicht bedeutenden Einsatz für das zeitgemäße Glücksspiel, und Giovanni Cabotto selbst drang kühner in die Weite, seitdem man mit Sicherheit auf die nicht allzugroße Entfernung der asiatischen Küste rechnen durfte. Es darf als erwiesen gelten, daß die Entdeckung Cabotto’s ins Jahr 1497 und nicht schon 1494 fällt.[512]

Am Johannistage fand er Land, vermuthlich Labrador, und ging an der Küste nach Nordosten, bis er durch das entgegenflutende Treibeis zur Umkehr genöthigt wurde. Da er im Anfang August schon wieder nach Bristol zurückgekehrt war, kann er unmöglich an der Küste des amerikanischen Continents bis zur Breite von Florida gelangt sein, wie von manchen Schriftstellern behauptet ist, auch bezeichnet die Karte Ribeiro’s von 1529 ganz bestimmt Labrador als englische Entdeckung,[513] während auf Neufundland (~tierra de los bacalhaos~) der Name Cortereals eingetragen ist und an der Küste von Neu-Schottland und der Insel Cap Breton „Land der Bretonen“ (~terra de los bretones~) sich findet. Daß Cabotto den nordwestlichen Weg nach Asien einschlug und nicht nach Südwesten segelte, wird von mehreren Zeitgenossen bestätigt.[514] Erst 47 Jahre später hatte Cabotto auf seiner Weltkarte den Namen „~prima tierra vista~“ hinter Neufundland am Lorenzgolf eingetragen, zu einer Zeit, als jene Gegenden durch die Reisen Cartier’s wichtig zu werden schienen, gleichsam als wollte er durch diese Fälschung das frühere Anrecht der Engländer an jene Regionen betonen. Wäre er bereits 1497 in den Lorenzgolf eingedrungen, so müßte er auch die Inselnatur Neufundlands erkannt haben, während dieses Land noch bis 1540 auf allen Karten als Continentalküste gezeichnet ist. Auch verrathen die Namen, welche Cabotto 1544 am Lorenzstrom auf seine Karte schrieb, daß er die Resultate der letzten französischen Entdeckungen dabei zu Rathe zog.

Vielleicht entdeckte er aber auf seinem Rückwege schon die reichen Fischgründe auf der Neufundlandsbank, denn seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts fanden sich hier schon häufig normannische, baskische und portugiesische Fischer ein, und erhielt von letzteren die dahinter liegende Küste den Namen „Kabeljau-Land“ (~tierra de bacalhaos~). Unzweifelhaft hat er den Continent der neuen Welt +zuerst+ erblickt.

Cabotto wurde in England wegen seiner Entdeckung glänzend aufgenommen und ging, durch königliches Patent ermächtigt, im nächsten Jahre mit fünf oder sechs Schiffen wieder in See, doch gab der König selbst nur die geringe Beisteuer von 110 £.

Die Resultate sind nicht bekannt, doch läßt sich vielleicht aus der Stellung der englischen Wimpel auf Cosa’s Karte von 1500 vermuthen, daß die Fahrt gegen SW. bis etwa zum Cap Hatteras führte.

Es war die letzte Reise des älteren Cabotto. Von da an trat sein Sohn Sebastian in seine Fußtapfen; aber unruhigen Geistes und nicht so zäh wie der Vater +ein+ Ziel im Auge behaltend, versuchte er sich nach verschiedenen Richtungen und bot seine Dienste in allen Ländern und Staaten an, von denen er eine Unterstützung seiner Pläne hoffte.

Nach Nordwesten steuerte er nur noch einmal, wahrscheinlich 1503. Aber über diese Fahrt hat sich nur eine einzige Bemerkung in Robert Fabians Chronik erhalten, wonach Sebastian Cabotto von den neugefundenen Inseln mehrere in Felle gekleidete Wilde mitbrachte, welche rohes Fleisch aßen und deren Sprache niemand verstand.[515]

Nach dem Tode Heinrichs VII. (1509) ging der Venetianer, vermuthlich 1512, nach Spanien, wo er mit einem Gehalt von 50,000 Maravedis als Capitän angestellt wurde. Ob er im indischen Rathe Sitz und Stimme erhalten, ist zweifelhaft; denn sein Name findet sich in den betreffenden Listen nicht. Doch wurde er später unter den Kosmographen mit zu Rathe gezogen, welche die Anrechte Spaniens an die Molukken erweisen sollten. Für das Jahr 1516 war eine Nordwestfahrt unter seiner Leitung geplant; da aber König Ferdinand schon im Anfange dieses Jahres starb, so unterblieb diese Expedition.

Sebastian Cabotto ging wieder nach England, suchte hier seine Idee zu verwirklichen, doch scheiterte auch diese Expedition an der Zaghaftigkeit des Viceadmirals Thomas Pert (1517).

Sobald daher Cabotto vernahm, daß der junge König Karl nach Spanien gekommen sei, beeilte er sich, diesem seine Dienste anzubieten, und erhielt als Pilot mayor ein Gehalt von 125,000 Maravedis (= 300 Ducaten). Trotzdem finden wir ihn 1519 auf kurze Zeit in England.

Aus den Berichten des venetianischen Gesandten Contarini geht hervor, daß Cabotto sich um 1522 sogar der Republik Venedig heimlich zur Verfügung stellte, um seiner Vaterstadt den Nordwestweg nach China zu zeigen. Denn nachdem die erste Erdumsegelung die große Ausdehnung der Meere im Westen der neuen Welt nachgewiesen hatte, schien es nicht mehr zweifelhaft, daß man auch im Nordwesten von Amerika einen Durchgang zum großen Ocean finden müsse. Aber diese perfiden Anerbietungen des in spanischen Diensten stehenden Piloten wurden vom Rathe in Venedig vorsichtig verschoben und blieben unerledigt,[516] da Cabotto bald darauf die Leitung einer größeren Expedition erhielt, welche dem Pfade Magalhães’ folgend in den stillen Ocean eindringen und nach den Molukken segeln sollte. Aber diese Unternehmung, welche von 1526-30 dauerte, scheiterte vollständig, denn Cabotto kam nur bis zum Laplata. Da man dem Leiter alle Schuld an dem Miserfolge beimaß, so wurde er nach seiner Rückkehr zuerst gefangen gesetzt und dann (1532) auf zwei Jahre an die afrikanische Küste nach Oran verbannt. Doch ließ König Karl schon im nächsten Jahre Begnadigung eintreten.

Gegen Ende 1547 verließ er Spanien, ohne seine Titel und seine Pension aufzugeben, und ging wieder nach England, wo er ebenfalls als Pilot mayor einen Gehalt von 166 £ bezog. Der König von Spanien rief ihn mehrmals zurück, aber der englische Kronrath erklärte, Cabotto sei Unterthan des Königs von England, und kein Recht, kein Grund könne ihn zwingen, das Land zu verlassen. Und während er so Englands Schutz und Gnadengeschenke annahm, hielt er es doch für erlaubt, noch im August 1551, zum letztenmale, seiner Vaterstadt das Anerbieten zu erneuern, eine venetianische Flotte auf dem nur ihm bekannten geheimnißvollen Wege nach China zu führen. Ob er damals noch den nordwestlichen Weg im Auge hatte, muß bezweifelt werden, wenn man bedenkt, daß er gleich darauf die Ausrüstung der Schiffe zu überwachen hatte, welche zum erstenmal die nordöstliche Straße um Europa und Nordasien nach China einschlagen sollten. Sebastian Cabotto starb wahrscheinlich bald nach dem Jahre 1557, Ort und Zeit sind unbekannt.

Wenn auch die letzte Hälfte seines sehr bewegten Lebens nur in Projecten verlief, die der in drei Staaten eingebürgerte und doch heimatlose Mann mit fieberhafter Unruhe, unbeirrt um Gewissensfragen, allenthalben ins Werk zu setzen suchte, so hat er doch das eine unleugbare, große Verdienst gehabt, daß er die englische Nation für große Unternehmungen zur See begeisterte und so gleichsam der Begründer der englischen Seeherrschaft wurde. Auf die Anregungen und Fahrten der beiden Cabots sind alle späteren Versuche, in polaren Regionen einen Weg nach China und Indien zu bahnen, zurückzuführen. Auf die unter den Auspicien der Königin Elisabeth besonders regen Expeditionen nach dem Westen und Nordwesten gründen sich die britischen Ansprüche auf den ausgebreiteten Besitz in der neuen Welt.

2. Portugiesen, Italiener und Franzosen auf dem Nordwestwege.

Fast zur selben Zeit mit Giovanni Cabotto wurden auch von Portugal aus mehrere Versuche gemacht, nach Nordwesten vorzudringen. Die Träger dieser Idee waren die beiden Brüder +Gaspar+ und +Miguel Cortereal+; aber leider sind uns über ihre kühnen Fahrten nur verschwommene Mittheilungen überliefert. Es scheint, als ob der erste Vorstoß gegen Nordwesten über den atlantischen Ocean von Gaspar Cortereal schon vor dem Jahre 1500 ausgeführt, aber ohne Erfolg verlaufen ist. Auf der zweiten Expedition, 1500, welche mit mehreren Schiffen unternommen wurde, gelangte er an die Küste von Labrador, welche man als einen Theil des Continents (nach damaliger Auffassung natürlich Asiens) erkannte und wich vor dem Eise bis an die Klippen von Neufundland zurück. Alte Karten verlegen das Corterealland unter 50° bis 53° n. Br.

Frühzeitig im nächsten Jahre brach Gaspar von neuem mit mehreren Schiffen auf, um seine Entdeckungen weiter zu verfolgen. Vielleicht war es an den bewaldeten Gebirgsküsten von Neu-Schottland oder an dem Gestade Neu-Englands, wo Cortereal landete und eine Anzahl Indianer raubte. Dann sandte er zwei Schiffe nach Europa vorauf, welche am 8. und 11. October in Lissabon einliefen; aber er selbst kehrte nicht zurück. Darum zog sein Bruder Miguel im nächsten Jahre (1502) ebenfalls mit drei Schiffen aus, um seinen Bruder aufzusuchen, erreichte zwar die Nordwestgestade, kehrte aber auch nicht wieder heim. Danach entsandte Manuel von Portugal 1503 zwei Schiffe, um das Schicksal der Cortereals aufzuhellen; aber umsonst. Man hat nie wieder von ihnen gehört, und mit ihrem Tode ist die Reihe der von Portugal ausgehenden Unternehmungen, im Nordwesten einen Durchgang zu finden, für immer abgeschlossen.

Zwanzig Jahre vergingen, ehe wir von neuen Versuchen hören. Es war die Zeit, wo nach Vollendung der ersten Fahrt um die Erde die Selbständigkeit der amerikanischen Continentalmassen erkannt worden war, und die spanische Regierung vor allem durch Cortes nach einer die beiden Oceane im Osten und Westen der neuen Welt verbindenden Meeresstraße suchen ließ; als der politische Nebenbuhler Kaiser Karls, Franz I. von Frankreich, auch bei der Lösung dieser wichtigen maritimen Frage sich zu betheiligen beschloß, sobald sich eine günstige, Erfolg versprechende Gelegenheit bot. Fischer aus der Bretagne hatten zwar schon seit 1504 sich nach den reichen Fangplätzen auf der Neufundlandsbank begeben; aber zu einer, wissenschaftlichen Zwecken, wie der Aufnahme neu entdeckter Küstenstriche, dienenden Unternehmung waren sie nicht befähigt. Dazu bedurfte es auch in Frankreich geschulter Kräfte. Wie in Spanien Columbus, in England Giovanni Cabotto, so erbot sich in Frankreich ebenfalls ein Italiener, +Giovanni di Verrazzano+ aus Florenz, die Leitung zu übernehmen. So traten also in den westlichen Ländern Europa’s nach einander Angehörige der bedeutendsten Plätze Italiens, Genuesen, Venetianer, Florentiner als die Bahnbrecher über den Ocean auf. Verrazzano erbot sich, den Franzosen den Weg nach China zu zeigen.[517] König Franz ließ vier Schiffe zu dem Zwecke ausrüsten; mit ihnen brach Verrazzano gegen Ende des Jahres 1523 von Dieppe auf. Aber zwei Fahrzeuge zerschellten im Sturm an der Küste der Bretagne, ein drittes ging im Kampf mit Spaniern bei Madeira verloren, so daß nur noch der „Delphin“ übrig blieb, mit welchen der florentinische Capitän am 17. Januar 1524 von einer einsamen Klippe bei Madeira über den Ocean steuerte und nach einer im allgemeinen günstigen Fahrt unter dem 34° n. Br. auf die Küste des nordamerikanischen Festlandes in der Gegend der heutigen Stadt Wilmington stieß. Zuerst ging er an dem flachen, hafenlosen Strande 50 Seemeilen (20 = 1°) nach Süden, kehrte dann nach Norden zurück und segelte an der ganzen Küste entlang bis zum 50° n. Br. Aus der Region der Palmen, welche er im Süden noch antraf, gelangte er, vielfach mit den Eingeborenen friedlichen Verkehr pflegend, an den im Wechsel der Laubfärbung reizend erscheinenden Wäldern des mittleren Gestades vorüber, endlich zu den Nadelwäldern des Nordens. Um die Küstengestaltung genau aufnehmen zu können, segelte er nur bei Tage und ankerte bei Nacht. Er entdeckte die Mündung des Hudsonstromes, dessen tiefes Fahrwasser schwer beladenen Schiffen das Einlaufen gestattete, ging eine Strecke zu Boot den herrlichen Fluß hinauf, steuerte an dem höher, gebirgiger und kälter werdenden Lande weiter gegen Nordosten, entdeckte Rhode-Island, welche er mit Rhodus vergleicht, und traf weiterhin mit Jagdindianern zusammen, welche größer als die Europäer und von hellerer Hautfarbe als ihre südlichen Nachbarn waren, und Kupfer, aber nicht Gold als Zierat und Schmuck verwendeten. In der Narrangasetbai, welche er ganz deutlich beschreibt, ging er vor Anker und verkehrte längere Zeit mit den Eingebornen. Ziemlich richtig verlegte er diese ausgezeichnete Hafenbai unter dieselbe Breite wie Rom, bemerkt aber treffend, das Klima sei dort viel kälter als in Italien. Weiter nördlich, wo das Land rauher und bergiger wurde, und die Bewohner sich wilder, unfreundlicher bewiesen, drang er mit einer bewaffneten Schar einige Meilen ins Land, um dasselbe zu besichtigen. Die mit klippigen Inseln besetzten und von fjordartigen Einschnitten durchfurchten Küsten verglich er mit den dalmatischen Gestadeformen. Erst über dem 50° n. Br., also an den Küsten Neufundlands brach er, weil die Lebensmittel auszugehen drohten, seine Untersuchungen ab, kehrte nach Frankreich zurück und berichtete in einem ausführlichen Briefe, vom 8. Juli 1524 aus Dieppe datirt, über den Verlauf seiner Expedition an den König. Dieser Bericht enthält die älteste zutreffende Beschreibung der Küsten der Vereinigten Staaten. Verrazzano erweist sich darin als ein vortrefflicher Beobachter und Darsteller und als ein gebildeter Mann, der die Classiker kennt und den Aristoteles citirt. In gewandter Darstellung waren die Italiener damals allen andern Seefahrern überlegen.[518]

Die politischen Verwicklungen in Europa, die Kriege zwischen Franz I. und Karl V. zogen das Interesse Frankreichs für die nächste Zeit von der weitern Verfolgung der gemachten Entdeckungen ab. Erst ums Jahr 1562 faßte Coligny den Plan, an der Südgrenze von Süd-Carolina eine Hugenottencolonie anzulegen. Von dem zu Ehren Karls IX. benannten Fort Carolina erhielt hundert Jahre später das Land den noch giltigen Namen. Aber Coligny’s Ansiedler gaben schon im nächsten Jahre ihren Plan wieder auf, und wenn auch bald darauf der Versuch einer Niederlassung erneuert wurde, so wurde derselbe doch 1565 durch den Spanier Pedro Melendez im Blute aller protestantischen Colonisten erstickt und damit den französischen Plänen in jener Gegend für immer ein Ende gemacht.

Etwa ein Jahr später als Verrazzano befuhr der Portugiese +Esteban Gomez+ gleichfalls die Ostküste Nordamerika’s, und es würde seine Leistung hier nicht erwähnt werden, wenn sie die Arbeiten Verrazzano’s nicht in passendster Weise ergänzte. Wir verdanken ihm nämlich eine Küstenkarte; und wenn auch das Original verloren gegangen, so wissen wir doch, daß, von Diego Ribeiro an, spätere Kartographen die Darstellung des Gomez für den Gestadestreifen von Maryland bis Rhode-Island benutzt und copirt haben. Gomez stammte aus Porto und kam wahrscheinlich mit Magalhães nach Spanien, wo er der Regierung einen ähnlichen Plan vorlegte, wie sein Landsmann. Als aber dieser vorgezogen wurde, entschloß sich jener zwar, an der Magalhães’schen Expedition theil zu nehmen, spielte dann aber eine zweideutige Rolle und kehrte von der Feuerlandsenge mit dem Schiffe Antonio nach Spanien zurück.[519] Als ausgezeichneter Pilot und Kartograph wurde er zu der Junta von Badajoz 1524 hinzugezogen und trat dann mit dem zeitgemäßen Plane hervor, im Nordwesten, zwischen Florida und Bacalhaos, d. h. zwischen dem Nordgestade des mexikanischen Golfes und Neufundland eine Straße nach China (Katai) zu suchen. Es ist dieselbe Region, wo auch Cortes eine Durchfahrt zu finden hoffte. (Siehe oben S. 389). Wie im Süden, ehe Magalhães die nach ihm benannte Straße auffand, eine Meerenge bereits auf einzelnen Karten gezeichnet worden ist, so beeilten sich die Geographen, auch im Norden Amerika’s solche Sunde, die von einem Ocean zum andern führten, nach dem allgemeinen Glauben der Zeitgenossen auf ihren Weltbildern zur Anschauung zu bringen. So findet sich in dem von unserm deutschen Kosmographen Sebastian Münster 1542 herausgegebenen lateinischen Ptolemäus vom Lorenzgolfe aus eine Durchfahrt angedeutet mit der Inschrift: Durch diese Straße führt der Weg zu den Molukken (~per hoc fretum iter patet ad Molucas~). Gomez erhielt für sein Project nur eine Caravele von fünfzig Tons zur Verfügung, wurde am 10. Febr. 1525 zum königlichen Piloten ernannt und ging gleich darauf von Coruña ab unter Segel. Nachdem er den Ostrand der neuen Welt im Gebiet der Neu-England-Staaten erreicht hatte, lief er an der Küste nach Süden bis über die Chesapeakbai und kehrte dann mit einer Fracht gefangener Indianer, durch deren Verkauf die Kosten der Ausrüstung gedeckt werden sollten, nach Spanien, wahrscheinlich Ende November 1525, zurück. Das Land, dessen Küsten er sorgfältig aufnahm, so daß z. B. der Hudsonstrom deutlich erkennbar ist, hieß längere Zeit das Gomezland (~tierra de Esteban Gomez~) und Ribeiro fügt, jedenfalls nach den Mittheilungen des Piloten, einige kurze Angaben über die Natur des entdeckten Landes hinzu, aus denen hervorgeht, daß das wald- und fruchtreiche Land in seinen Flüssen an Fischen gesegnet war und daß, wie es auch Verrazzano bereits beobachtet hatte, die Indianer im Norden von höherer Statur seien als auf den westindischen Inseln, und daß sie sich von Mais, Fischen und ergiebiger Jagd nährten und in Wolfs- und Fuchsfelle kleideten.[520]

Nach diesen nördlicheren Regionen richtete der kühne französische Seefahrer +Jacques Cartier+[521] von St. Malo im nächsten Jahrzehnt seine erfolgreichen Unternehmungen und wurde durch dieselben der Urheber der spätern französischen Niederlassung in Canada. Er unternahm drei Reisen. Das erstemal ging er am 20. April 1534 von seiner Vaterstadt mit zwei Schiffen aus, erreichte am 10. Mai Neufundland und drang durch die Enge der Belle-islestraße in den Lorenzgolf ein. Am Westufer Neufundlands gegen Süden steuernd, gelangte er an den Inseln Cap Breton und Prinz Eduard vorüber, welche er noch für Theile des Festlandes ansah, nach der +Chaleurbai+, welche ihren Namen erhielt, weil dem Entdecker die Temperatur dort viel wärmer als in Spanien vorkam. Er hoffte hier einen Durchgang ins westliche Meer zu finden; als sich aber bei weiterem Vordringen ergab, daß die Bucht ganz von hohem Lande umschlossen sei, kehrte Cartier zurück und segelte an der Südküste von Anticosti gegen Nordosten wieder zur Belle-islestraße. Er hatte fast ganz Neufundland umkreist und den St. Lorenzgolf aufgenommen. Am 5. September erreichte er glücklich den Hafen von St. Malo. Im nächsten Jahre brach er am 19. Mai mit drei Schiffen auf, um seine Entdeckungen in „Nova Francia“ weiter zu verfolgen. Wiederum drang er durch die Belle-islestraße ein, ging diesmal aber an der Labradorküste westwärts, wo er nördlich von Anticosti im Nicolaushafen vor Anker ging und bis Anfang August verweilte. Eine größere, weiter westlich gelegene Einbuchtung des Landes erhielt damals den Namen +Sanct-Lorenzbucht+. Erst später wurde diese Bezeichnung auf die ganze durch Neufundland vom Ocean abgeschlossene Meeresbucht ausgedehnt. Die beiden auf der ersten Reise mitgenommenen Indianer, welche nun als Dolmetscher dienten, erklärten, daß westlich von dem Lorenzhafen der große Strom von Hochelaga beginne und ins Land Canada führe. Cartier drang nun in den großen Lorenzstrom ein und ging zunächst unterhalb Quebec an der Bacchusinsel (wegen des vielen wildrankenden Weines benannt) vor Anker. Dort hatte er eine freundschaftliche Zusammenkunft mit dem Häuptling von Canada, vom Stamme der Algonkins, welcher ihn zu bereden suchte, nicht weiter flußaufwärts bis zu dem Indianerorte Hochelaga zu fahren, vermuthlich um allein die aus dem Verkehr mit den Fremdlingen erwachsenden Handelsvortheile zu genießen. Aber die Vorstellungen des Häuptlings machten den Franzosen nur um so neugieriger, jenen oft genannten Ort kennen zu lernen. Am 2. October langte Cartier auf Böten vor Hochelaga an, wo gegen tausend Indianer ihn am Gestade empfingen und in die von dreifachem Pallisadenringe umschlossene Stadt führten. Von hier aus bestieg er einen niedrigen Berg am Strom, von dessen Gipfel er den Anblick des schönen, von mächtigen Wasseradern durchzogenen Waldlandes genoß. Der Berg erhielt den Namen Montroyal; wir erkennen darin den Namen der größten Stadt Canada’s, Montreal. Unterhalb der Stadt suchte Cartier sich einen bequemen Hafen und überwinterte dort mit seinen Schiffen bis zum 6. Mai 1536. Von Mitte November bis Mitte März waren die Fahrzeuge von zwei Faden dickem Eise gefesselt, und der im Winter ausbrechende Scorbut forderte manches Opfer. Aus den Mittheilungen der Indianer entnahm man, daß oberhalb der Stadt mehrere große Seen lägen. Es war die erste Kunde von der canadischen Seenkette, deren Abfluß der Lorenzstrom bildet.

Der Rückweg ging ohne Unfall und rasch von statten. Am 6. Juli lief Cartier wieder in den Hafen von St. Malo ein;[522] aber die Leiden während der Ueberwinterung in dem strengen Klima und der Mangel an Edelmetallen, die man in der neuen Welt allerorten zu finden hoffte, kühlten doch den Eifer für die Colonisation jener Gegenden auf einige Jahre merklich ab, so daß Cartier erst 1541 wieder Mittel fand, eine neue Fahrt zu unternehmen.

Ein reicher französischer Edelmann, François de la Roque, Herr von Roberval, hatte nämlich beschlossen, an dem von Cartier entdeckten Strome auf seine Kosten eine Colonie anzulegen und ließ sich daher mit jenem Gebiete von der Krone förmlich belehnen. Selbstverständlich konnte er der Führung Cartier’s nicht entbehren; aber es herrschte zwischen beiden kein rechtes Einvernehmen, kein fester Plan. Es befremdet schon zu sehen, daß, als Cartier am 23. Mai 1541 in St. Malo die Anker lichtete, Roberval mit seinen Vorbereitungen noch nicht fertig geworden war, vielmehr noch bis in den Hochsommer 1542 sich vor Honfleur aufhielt, um Kanonen und Munition an Bord zu nehmen, so daß also die Geschwader für Colonisation und Entdeckung getrennt über den Ocean gingen, ohne bestimmte Verabredungen über die Punkte einer Wiedervereinigung getroffen zu haben. Cartier gründete in der Gegend von Quebec eine Niederlassung und benutzte noch die günstige Jahreszeit, um auf Böten die oberhalb Montreal gelegenen Stromschnellen untersuchen zu lassen. Dann überwinterte er und wartete vielleicht bis zum Juli 1542 auf die Ankunft Roberval’s. Als dieselbe sich aber immer noch verzögerte und die Lebensmittel auf die Neige gingen, trat er den Rückweg an, traf zwar seinen Genossen bei Neufundland, zeigte aber keine Neigung, noch einmal nach der bereits verlassenen Colonie zurückzukehren, sondern schlich sich aus Roberval’s Nähe fort und wandte sich der Heimat zu. Offenbar versprach er sich wenig Erfolg von den ungeschickten Maßnahmen de la Roque’s. Dieser wählte mit seinen 200 Colonisten dieselbe Stelle, welche Cartier verlassen, als ersten Stützpunkt seiner Niederlassungen und errichtete daselbst das Fort Franceroy. „Man hatte Vorrathskammern, aber keine Vorräthe, Mühlen, aber kein Korn, einen großen Ofen, aber kein Brot.“[523] Ein Drittel der Colonisten erlag im ersten Winter. Auch das nächste Jahr brachte keine Erleichterung, so daß König Franz sich veranlaßt sah, den Leiter des verfehlten Unternehmens zurückzurufen und den Rest der Ansiedler durch Cartier 1544 wieder nach Frankreich zurückzuschaffen. Erst im Anfange des 17. Jahrhunderts wurde der rastlos thätige und umsichtige +Samuel de Champlain+ der Begründer dauernder französischer Colonien in Canada, auch drang er zuerst bis zu den canadischen Seen vor. Champlain starb 1635. Der weitere Verlauf seiner Arbeiten gehört der Geschichte der nordamerikanischen Colonien an.

3. Die Versuche der Engländer, eine Nordwestpassage zu finden.

In England hatten seit den Nordwestfahrten Sebastian Cabot’s die Unternehmungen nach dieser Richtung geruht. Da trat 1527 +Robert Thorne+, der Sohn eines der ältesten Begleiter Cabot’s mit dem Project auf, direct über den Pol den Weg nach China zu suchen, und wies darauf hin, daß England durch seine Lage vor allen anderen Mächten Europa’s berufen sei, das Problem einer Nordwestpassage zu lösen. Heinrich VIII. bewilligte einen Theil der Kosten, und so ging Thorne im Mai 1527 mit zwei Schiffen von England ab, kehrte aber ohne irgend einen Erfolg zurück.

Wiederum trat eine Pause von 50 Jahren ein, bis unter der Königin Elisabeth der Unternehmungsgeist mächtig erwachte und sich in einer Reihe von Expeditionen bethätigte, welche über 50 Jahre lang, von 1576-1632 fortgesetzt wurden. Und wenn sie auch ihr Ziel nicht erreichten, so haben sie doch einerseits zur Aufhellung der polaren Küstensäume Nordamerika’s Erhebliches geleistet, andererseits die englische Marine in den schwierigsten Fahrten geschult und den Aufschwung des Seewesens bedeutend gefördert. So wurden diese Nordwestfahrten durch die Gunst des Volkes getragen; wohlhabende, patriotisch gesinnte Männer traten zusammen, um die Kosten zu bestreiten. Der Schauplatz dieser Unternehmungen liegt im Westen Grönlands, wo die Gewässer der Frobisherbai, Davisstraße und Baffinsbai, der Hudsonsstraße und Hudsonsbai die Namen der Seehelden jener Tage verewigen. Die Schifffahrt in jenen arktischen Regionen wird durch die häufig auftretenden starken Nebel, welche das Erkennen der Küstenlandschaften unmöglich machen, noch mehr aber durch das Eis erschwert, welches einerseits die zahlreichen engen Sunde versperrt und die Küsten bis zum Hochsommer besetzt hält, andererseits aber in der warmen Jahreszeit theils in Form von dicken Schollen, theils in Gestalt phantastisch aussehender Eisberge, an der See abgebrochener riesiger Trümmer mächtiger Küstengletscher, durch die breiteren Meeresgassen der Hudsonsstraße, des Lancaster- und Smithsundes dem Ocean zutreibt; denn in allen diesen Canälen vertieft sich der Meeresgrund nach dem atlantischen Meere zu immer mehr und befördert in natürlichster Weise das Abtreiben der Eismassen, welche in der mittleren Bahn der Baffinsbai und Davisstraße sich zu dichtgedrängten Massen als Packeis zusammenschieben, und von den Schiffen nur selten mit Erfolg durchbrochen werden können. Daraus erklären sich die eigenthümlichen Course der Schiffe, welche oft in scheinbarer Rathlosigkeit hier vor den andringenden Eismassen zurückweichen, dort in eine sich zufällig öffnende Gasse freien Fahrwassers einlenken, bis das Eis ihnen wieder Halt gebietet.

Zuerst erschien in jenen Gewässern +Martin Frobisher+, welcher von 1576-78 drei Fahrten unternahm. Aber nur die erste verfolgte den Zweck geographischer Entdeckungen, die beiden folgenden sollten die bereits gewonnenen Erfolge ausbeuten. Als er im Anfang Juni 1576 mit seinen beiden kleinen Barkschiffen von 35 und 30 Tons die Themse hinuntersegelte, winkte ihm die Königin mit der Hand Abschiedsgrüße zu und bezeugte dadurch die hohe Theilnahme an den patriotischen Forschungen. Wenn man erwägt, daß Frobisher für den hohen Norden, nach welchem er steuerte, keine andere Karte, als die Zeno’sche besaß,[524] wo zwar Island und Grönland in schicklicher Lage sich finden, die Faröer aber zu einer an Größe mit Island wetteifernden vielgliederigen Insel aufgebauscht sind und weiter hinaus die Fabelgestalten von Icaria und Estotiland sich zeigen: so darf man sich nicht wundern, wenn der englische Seefahrer über die im Eismeere auftauchenden Küsten eine irrige Meinung faßte. Als er am 11. Juli unter 61° n. Br. auf die Ostseite von Grönland stieß, erklärte er dieses Land für Friesland, verlegte das „grüne Land“ noch weiter hinaus und steuerte darum von der Südspitze Grönlands westlich. So stieß er am 26. Juli auf die Labradorküste am Eingange der Hudsonsstraße, fand alle Sunde noch mit Eis besetzt und ging an der Resolutioninsel vorüber zum Eingange der Bai, welche noch jetzt seinen Namen trägt. Hier glaubte er, am 8. August, die gesuchte Straße, welche den Weg nach den Molukken gestatte, gefunden zu haben, nahm eine Ladung von Kupferkies, welchen man für Golderz hielt, an Bord und segelte nach Europa zurück.

Der vielversprechende Anfang der Nordwestfahrten heischte rasche Förderung. Mit einem königlichen Schiffe und zwei Barken konnte Frobisher am 26. Mai 1577 wieder in See gehen, um die Durchfahrt noch weiter zu erforschen (~for the further discovering of the passage to Cathay~. Hakluyt, ~Voyages~, III, 32). Am 16. Juli war er mit seinen Schiffen an der vermeintlichen Straße, nannte die südliche Küste „~The Queenesforeland~“ (Königin-Vorland), und die Insel auf der Nordseite nach dem Steuermann des Hauptschiffes „Hall-Insel“. Diese liege, so meinte er, neben Asien; denn er war in der irrigen Vorstellung befangen, einen Paß an der Grenze der alten und neuen Welt gefunden zu haben. Das Land an der Nordseite der Frobisherbai galt ihm bereits als asiatische Küste. Am 19. Juli lief er in die „Straße“ ein und ließ an der Nordseite, am Warwicksunde (nach der Gräfin Anna Warwick benannt) wieder sog. „Nordwesterz“ laden, in welchem der italienische Alchymist Agnello durch eine geschickte Täuschung Spuren von Gold nachzuweisen verstanden hatte. Eine weiter nach Nordwesten gehende Untersuchung der Bai unterblieb; trotzdem nannte Master George Best, welcher die Reise mitmachte, den vermeintlichen Sund emphatisch „die nördliche Magalhãesstraße“.[525] Am 24. August kehrte Frobisher zurück und erreichte am 17. September Landsend, die Südwestspitze Englands.

Da man in London die Ansicht des Entdeckers theilte, daß die Straße zwischen Amerika und Asien gefunden sei, so galt es vor allem, die Vortheile eines kürzeren Weges nach China für England allein zu sichern. Der Eingang der Nordwestpassage mußte militärisch befestigt werden, um fremden Schiffen das Einlaufen verwehren zu können. Das Land auf der Südseite taufte die Königin ~Meta incognita~ („das unbekannte Ziel“). Zur förmlichen Besitzergreifung des wichtigen Passagelandes zog Frobisher 1578 zum drittenmale mit einer stattlichen Flotte von 15 Segeln aus. Zwölf Schiffe sollten wieder Erz laden und dann zurückgehen, die drei anderen dort stationirt bleiben und Befestigungen anlegen. Da Frobisher diesmal einen zu südlichen Cours eingehalten hatte, so gerieth er zuerst in den Eingang der Hudsonsstraße, erkannte aber die Wichtigkeit derselben nicht, oder war so sehr von der Ueberzeugung erfüllt, in der schon zweimal besuchten Bucht die einzige Straße gefunden zu haben, daß man eine genauere Untersuchung des südlichen Wassers für unnütze Zeitvergeudung hielt. Als bei dieser Fahrt eins der größeren Schiffe sich einen Weg durchs Eis bahnen wollte, wurde es zwischen den Schollen zerdrückt und ging unter. Die Mannschaft wurde zwar gerettet, aber leider befand sich in dem versunkenen Fahrzeuge das Bauholz für das Fort und das Winterhaus. Der Plan einer Befestigung mußte also aufgegeben werden, man nahm wieder Nordwesterz ein und kehrte Ende August nach Europa zurück. Daß die mitgebrachten Erze werthlos waren, mußte eine genauere Untersuchung bald ergeben; aber man verschwieg die Resultate, um sich nicht öffentlichem Spotte auszusetzen. Doch sah man bei den späteren Expeditionen davon ab, unnützen Ballast nach Europa zu verfrachten.

Daß Frobisher keine Straße gefunden, sondern nur in eine Bucht gerathen war, ist erst in unserem Jahrhundert, 1862, durch Francis Hall nachgewiesen. Bis dahin, also bis vor 20 Jahren, figurirte auf allen Karten noch eine „Frobisherstraße“.

Trotz der nicht erheblichen Resultate dieser Fahrten trat wenige Jahre später eine Gesellschaft Londoner Kaufleute unter der Leitung William Sanderson’s zusammen, um die Entdeckungen weiter zu verfolgen. +John Davis+,[526] ein wissenschaftlich gebildeter und praktisch tüchtiger Seemann wurde mit der Führung der Expedition betraut und ging mit seinen beiden kleinen Schiffen „Sonnenschein“ und „Mondschein“, von 50 und 30 Tonnen Gehalt, am 7. Juni 1585 von Dartmouth ab. Am 20. Juli traf er, wahrscheinlich bei Cap Discord, auf die Südostküste von Grönland. Weil er sich aber durch die noch immer maßgebende Karte Zeno’s irreleiten ließ, erkannte er das Land nicht als Grönland, sondern gab ihm den Namen ~Land of Desolation~, da es mit seinen mächtigen, schneebedeckten Bergen und dem vegetationslosen Strande, den ein zwei Meilen breiter Eissaum umschloß, in starrer Oede sich aus den Fluten erhob. Dann drang er um die Südspitze des Landes herum nach Norden, ging unter 64° 15′ n. Br. über die nach ihm benannte Straße an das westliche Gegengestade und verfolgte die Fjordküste von Cumberland bis 66° 40′ n. Br., verewigte die Namen seiner Freunde an den Sunden und Vorgebirgen, wandte sich zur Umkehr, ging am 12. August über den Ausgang der Cumberlandbai, deren kahle Felsenküste er nicht weit genug verfolgte, um das Wasser als eine abgeschlossene Bucht zu erkennen, und langte am 30. September wieder in England an.

Nach mehreren Richtungen schien das arktische Meer noch weiteres Vordringen zu gestatten. Darum stellten die Kaufleute dem kühnen Polarfahrer, welcher schon bei dem ersten Versuche bedeutend weiter nach Norden gekommen war als Frobisher, im nächsten Jahre vier Schiffe von 120, 60, 35 und 10 Tonnen Gehalt zur Verfügung, um die entdeckte Straße weiter zu verfolgen. Um die günstige Jahreszeit des Hochsommers mehr ausbeuten zu können, stach er einen Monat eher in See, war schon am 15. Juni an der Südspitze Grönlands, erreichte aber, weil er durch dichte Nebel und Eisbarrieren aufgehalten wurde, die gleiche Polhöhe wie im vorigen Jahre nicht (er kam am 1. August bis 66° 33′ n. Br.) und hoffte auf dem Rückwege in die Cumberlandbai eindringen zu können, weil er fest überzeugt war, hier eine Passage zu finden, sah aber noch am 15. August den Eingang durch Eis versperrt. So lief er bis zum 28. August an der Küste weiter gegen Süden und brach die weiteren Nachforschungen erst ab, als er an der Labradorküste bis zum 57° n. Br. entlang gesegelt war. Dann wandte er sich der Heimat zu und langte am 6. October in der Themse an. Außer der Entdeckung von gewinnversprechenden Fischgründen bot diese zweite Forschungsreise geringere Erfolge als die erste; doch sprach Davis in einem Briefe an seinen Freund William Sanderson die Hoffnung aus, an vier Stellen (Davisstraße, Cumberland, Frobisherbai und Hudsonsstraße) bei günstiger Jahreszeit den Durchgang erzwingen zu können. Auch äußerte er später die treffende Vermuthung, daß ganz Amerika sich im Norden in Inseln auflöse.[527]

Unter diesen Auspicien wurden zum drittenmale die Mittel beschafft, um Davis nach dem Nordwesten zu senden. Am 19. Mai 1587 lief er mit zwei größeren und einem kleineren Schiffe von Dartmouth aus und erreichte am 16. Juni den Gilbertsund an der Westseite Grönlands (64° n. Br.), in welchen er schon bei seinen früheren Fahrten eingelaufen war. Am Eingange desselben liegt gegenwärtig die dänische Niederlassung Godthaab. Von hier aus ging Davis am 21. Juni mit dem kleinen Schiffe, einem „Clincher“ oder einer Pinasse, allein weiter auf Entdeckung nach Norden, während die beiden größeren Fahrzeuge dem Fischfang oblagen und sechszehn Tage auf seine Rückkehr warten sollten. Allein dieselben hielten nicht Wort und ließen ihren Capitän im Stich. Dieser segelte in offenem Fahrwasser an der grönländischen Küste nordwärts über den Polarkreis, an der Disko-Insel vorüber, bis zur Polhöhe von 72° 12′ n. Br.[528] Auch hier fand er im Norden und Westen noch freies Wasser. Den nördlichsten Punkt, den er erreichte, nannte er Hope Sanderson, südlich von Upernivik. Bei seinem Versuche, nun westwärts quer über den Meerbusen zu segeln, stieß er am 2. Juli auf das sogenannte Mittel-Packeis und war mehrere Tage im Eise besetzt; doch gelangte er glücklich an die westlichen Küsten, passirte am 31. Juli einen sehr großen Golf,[529] den Eingang der Hudsonsstraße und ließ am 15. September im Hafen von Dartmouth die Anker fallen. Er war der festen Ueberzeugung, daß die Nordwestpassage möglich sei. Schon am nächsten Tage schrieb er an Sanderson: „Die Passage ist höchst wahrscheinlich, deren Ausführung leicht.“ Dieselbe Ansicht verfocht er auch später in einem besonderen Werke,[530] in welchem er auch die Gründe angiebt, weshalb mit dieser dritten Fahrt die weiteren Versuche abgebrochen wurden; denn einerseits wurde England von der spanischen Armada bedroht, andrerseits fehlte, nachdem Walsingham, der Secretär Elisabeths, gestorben war, ein mächtiger Fürsprecher bei der Königin.[531]

Erst unter ihrem Nachfolger Jacob I. belebte sich das Interesse für die Polarfahrten aufs neue und konnten wichtige Erfolge verzeichnet werden. Hier glänzen vor allen die Namen Hudson und Baffin.

+Henry Hudson+[532] hat vier Reisen nach dem Norden gemacht, davon gehören die beiden letzten in den Rahmen der Nordwestfahrten. Im Jahre 1609 sollte er im Auftrage der niederländisch-ostindischen Compagnie (gegründet 1602) in der Yacht „Der Halbmond“ einen wiederholten Versuch machen, die Eisschranken der Nordostpassage, welche um Nordasien herum nach Indien führen sollte, zu brechen. Da er aber für dieses Vorhaben viel zu zeitig, am 27. März alten Stils, von Texel in See gegangen war, so stieß er im Anfang Mai jenseits des skandinavischen Nordcaps bereits auf dichtes Eis, verlor dadurch die Aussicht, weiter als in den früheren Jahren kommen zu können, und entschloß sich rasch, umzukehren und an den Küsten Nordamerika’s nach einer Passage zu suchen. So ging er Ende Mai von den Lofoten über die Faröer nach Neufundland hinüber und begann, vom 35° 41′ n. Br. an, alle Buchten des Continents in langsamer Fahrt gegen Nordosten zu mustern. Dabei verwendete er die meiste Zeit, einen vollen Monat, auf die Erforschung des tiefen Stromes, welcher nach ihm der Hudson benannt ist, und welchen er bis in die Nähe von Albany aufnahm. Die große Wichtigkeit dieser Stromrinne wurde durch ihn so entschieden betont, daß die Niederländer bald darauf an der Mündung desselben eine Colonie, Neu-Amsterdam, anlegten, aus welcher später, nachdem sie von Engländern besetzt und in Neu-York umgetauft worden war, die größte und mächtigste Stadt der neuen Welt erwuchs.

Im folgenden Jahre 1610 wurde ihm die Gelegenheit gegeben, im Auftrage der englischen moskowitischen Gesellschaft dasselbe Ziel weiter nordwärts zu verfolgen. Er richtete dabei sein Augenmerk auf die von seinen Vorgängern Frobisher und Davis bereits gesehene große Bucht, südlich von der ~Meta incognita~, hinter welcher Davis eine Straße zum großen Ocean vermuthete und in welche 1602 Georg Weymouth, dessen Logbuch Hudson durch Vermittlung des holländischen Gelehrten Peter Plancius hatte einsehen können, bereits eingesegelt war. Unter den großen Patronen der englischen Seeunternehmungen jener Zeit, Männern wie Sir Thomas Smith, Sir Francis Jones, Sir Dudley Digges, Sir John Wolstenholm, Sir James Lancaster, hat sich besonders Smith durch seine patriotische Opferwilligkeit, durch seinen selbstlosen Eifer und durch die Kühnheit seiner Pläne nicht blos um die rasche Ausdehnung des englischen Handels, sondern auch um die maritimen Entdeckungen hohe Verdienste erworben. Er gehörte nicht nur zu den thätigsten Mitgliedern der moskowitischen Handelsgesellschaft, deren Bestrebungen wir im nächstfolgenden Capitel kennen lernen werden, sondern war auch einer der Begründer der ostindischen Compagnie (1600) und rief später (1615) die Gesellschaft Londoner Kaufleute zur Entdeckung der Nordwestpassage (~the Company of merchants of London, discoverers of the Northwestpassage~) ins Leben.

Noch ehe diese letzte Gesellschaft bestand, trat er mit den genannten Freunden zusammen, um Henry Hudson auf dem Schiffe „Discovery“ nach dem Nordwesten zu senden. Man billigte dessen Plan, südlich von der Meta incognita in die von Weymouth zuletzt besuchte Bucht weiter vorzudringen.

Am 24. Juni kam das Schiff vor die Einfahrt in die Hudsonsstraße, mußte sich aber vor den herausflutenden Eisschollen in die Ungavabucht flüchten und arbeitete sich mühsam im Eise weiter, so daß die Mannschaft umzukehren wünschte, weil sie der harten Arbeit überdrüssig geworden. Erst gegen Ende Juli hatte er bis zur Insel Salisbury am westlichen Ausgange der Straße vorrücken können und wandte sich nun, da die Labradorküste nach Süden verlief und ein weiteres Meer sich vor ihnen ausbreitete, nach Südwesten. Im nördlichen Theile von Labrador setzte Hudson in den Namen Cap Wolstenholm, Diggesinseln und Cap Smith den Förderern der Expedition ein bleibendes Denkmal. Hier bricht leider Hudsons Tagebuch ab und wir sind für den weitern Verlauf und das tragische Ende des Entdeckers auf die Aufzeichnungen beschränkt, welche Abacuk Prickett, ein Diener Sir Digges’, hinterlassen hat. Hudson ging mit seinem Schiffe an der die Festlandsküste in ziemlicher Entfernung begleitenden Inselreihe der Nord- und Süd-Schläfer entlang bis zur südwestlichen Einbuchtung der Jamesbai, wo er am 1. November vor Anker ging und in einer Breite von 52 Graden zu überwintern beschloß. Den meuterischen Steuermann und Hochbootsmann hatte er absetzen müssen und ihre Stellen an Robert Bylot und William Wilson übertragen. Schon am 10. November fror das Schiff ein und wurde erst im Juni wieder frei. Die strenge Winterkälte steigerte den Mismuth der Mannschaft gegen den harten Capitän, der mit eiserner Hand seine Autorität wahren wollte.[533] Als er im Juni 1611 auf dem Rückweg nach Cap Wolstenholm sich befand, brach die Empörung aus, weil Hudson gedroht hatte, er werde die Widerspenstigen an dem unwirthlichen Gestade aussetzen. Zu den Haupträdelsführern gehörte auch Henry Green, den Hudson in seinem Hause in London aufgenommen und erzogen hatte. Er gehörte nicht zu der besoldeten Mannschaft, sondern war von Hudson auf seine Kosten mitgenommen, „weil er gut schreiben konnte“. Das Schicksal, das den Meuterern angedroht war, bereiteten sie dem Capitän. Hudson wurde bei Nacht von ihnen überfallen, gebunden und sammt seinem jungen Sohne und acht Leidensgefährten in einer Schaluppe ausgesetzt und dem unvermeidlichen Untergang preisgegeben. Zwar ereilte auch den undankbaren Green und einige seiner Genossen das Verhängniß; denn sie wurden am 29. Juli bei den Diggesinseln von Eingeborenen erschlagen. Das Schiff kehrte dann nach England zurück.

Die Hudsonsbai wurde Hudsons Grab. Um den Verschollenen aufzusuchen, wurden 1612 zwei Schiffe, auf welchen auch Robert Bylot und Abacuk Prickett mitgingen, nach dem Schauplatz des Verraths ausgesendet unter +Thomas Button+ und +Ingram+, aber sie fanden von den Verlorenen keine Spur. Sie umkreisten den nördlichen und westlichen Rand der großen Bai bis zum Nelsonflusse, wo sie überwinterten, und da der Winter ausnahmsweise milde verlief, nur vom 16. Februar bis zum 5. April vom Eise besetzt waren. Weil man in Port Nelson eine Fluthöhe von 15 bis 18 Fuß beobachtet hatte, so folgerte man in England daraus, die Hudsonsbai müsse im Südwesten mit dem großen Ocean in Verbindung stehen, denn in einem geschlossenen Binnenmeere könnten die Gezeiten eine solche Höhe nicht erreichen. Von Westen kommende Fluten galten mit Recht als Anzeichen einer weitern Wasserverbindung nach jener Himmelsgegend. Button war von der Existenz der Passage westlich von der Hudsonsbai aus fest überzeugt.

So lief denn dasselbe Schiff, die „Discovery“, welches Hudson und Button befehligt hatten und welches auch noch im Jahre 1614 mit Capitän Gibbons an der Labradorküste gewesen war, im folgenden Jahre zu neuen Entdeckungen aus, diesmal unter Robert Bylot und +William Baffin+.[534] Baffin war in den arktischen Gewässern kein Neuling mehr. Im Jahre 1612 war er als Steuermann mit James Hall nach der Westküste Grönlands gegangen, um nach den Trümmern der alten normannischen Niederlassungen zu forschen, hatte dann im Dienste der moskowitischen Compagnie in den beiden nächsten Jahren größere Flotten nach Spitzbergen begleitet und ließ sich nun für die Unternehmungen der Nordwestcompagnie gewinnen. Der Uebergang aus dem Dienste der einen Gesellschaft in den der andern vollzog sich um so leichter, weil beide von Thomas Smith geleitet wurden. Baffin war einer der gebildetsten Seeleute seiner Zeit, der mit der einem Polarfahrer nöthigen Kühnheit und Entschlossenheit das Talent und die Liebe zu wissenschaftlichen Beobachtungen verband. Er war in dieser Hinsicht dem Capitän Bylot bedeutend überlegen, ordnete sich demselben aber im Interesse der Sache unter und ging als Pilot mit.

Am 27. Mai drang die „Discovery“ in die Hudsonsstraße ein, wo Baffin bald darauf den ersten Versuch auf der See machte, die Längen nach Monddistanzen zu bestimmen, eine Methode, welche schon 1514 von dem Nürnberger Astronomen Johann Werner gelehrt, aber bisher von den Seefahrern noch nicht ausgeführt war. Am 3. Juli befand sich das Schiff bei der Millsinsel, am nordwestlichen Ausgange der Straße und versuchte nun, sich nordwärts durch den Foxcanal einen Weg zu bahnen. Man sah auch hier noch mit Betrübniß, daß die Flutwelle von Osten, also aus dem atlantischen Ocean kam. Zwar belebte sich die Hoffnung noch einmal auf kurze Zeit, als man an der westlich vom Foxcanal gelegenen großen Southamptoninsel eine von Norden kommende Flut beobachtete und gab den freudigen Erwartungen dadurch Ausdruck, daß man daselbst ein Vorgebirge Cap Comfort (Trost) benannte (75° n. Br.); allein schon am nächsten Tage zerrann die Hoffnung wieder, denn man sah vom Westen bis herum nach Nordosten ringsum mit Eis umschlossenes Land und beobachtete nur eine schwache Flut. Hier konnte also die Passage nicht erwartet werden.

Das Schiff kehrte dann nach der Südostspitze von Southampton zurück, wo man in offner See ankerte, um die Richtung der Flutbewegung besser beobachten zu können. Das Hochwasser kam ganz sichtlich aus Südosten, die Ebbe von Nordwesten. Schärfer war die Strömung noch nicht wahrgenommen; aber sie vernichtete jede Hoffnung, im Umkreise der Hudsonsbai die Durchfahrt zu finden.[535] Also wandte man sich zur Heimkehr und landete am 6. September in Plymouth, ohne während der ganzen Fahrt einen Mann eingebüßt zu haben.

Baffin sprach nunmehr seine Ansicht dahin aus, daß die Hauptpassage nur in der Verlängerung der Davisstraße zu suchen sei. Um dieselbe weiter aufzuhellen, wurden Bylot und Baffin in demselben Schiffe 1616 noch einmal ausgeschickt. Diesmal steuerten sie direct nach der Davisstraße und erreichten am 30. Mai Hope Sanderson (72° 42′ n. Br.). Von hier aus also begannen die neuen Entdeckungen. Das Schiff ging bis zum 10. Juni an der grönländischen Küste nordwärts und versuchte dann einen Vorstoß in die westlichen, in der Mitte der Bai treibenden Eismassen, um weiter von der Küste abkommen zu können. Aber dieser Versuch, das sogenannte Mittelpackeis zu durchbrechen, schlug fehl[536], und man war gezwungen, das Küstenfahrwasser wieder aufzusuchen. In diesem fuhr man nordwärts bis zum Whalesunde (77° 30′ n. Br.), der nach der großen Anzahl dort gesehener Walfische benannt wurde, und bis zum Eingange des Smithsundes, wo das Schiff zwei Tage lang in Sturm und Nebel umhergejagt wurde. Auf der andern Seite der großen Bai gelangte das Schiff am 10. Juli zur Oeffnung des Jonessundes, am 12. Juli zum Lancastersunde. Hier befand man sich thatsächlich an der Pforte der nordwestlichen Durchfahrt, aber man erkannte sie nicht; denn die Bezeichnung „Sund“ berechtigte noch nicht zur Annahme eines Durchgangscanals. „Vom Lancastersunde an,“ schreibt Baffin, „begann unsere Hoffnung auf eine Passage geringer zu werden. Denn von nun an hatten wir eine geschlossene Eisbank zwischen uns und der Küste. Wir hielten uns bis zum 14. Juli dicht an der Eisbarriere und sahen das Land sich noch bis zum 70° 30′ n. Br. erstrecken. Bei dem Versuche, durch das Eis nach Osten ins grönländische Küstenwasser zu kommen, wurden wir in dem Schollenmeere festgehalten und trieben bis 65° 40′ n. Br. südwärts.“ Nun erst gab man, da auch viele Leute an Bord erkrankt waren, die Untersuchung der Westküste auf und kehrte nach England zurück, wo man am 30. August in Dover landete.

In einem Briefe an John Wolstenholm spricht sich Baffin ganz entschieden dahin aus, daß das große Wasser nördlich von der Davisstraße, die Baffinsbai, nur eine geschlossene Bai sei und daß dort keine Passage existire. Ehe er sich mit eignen Augen davon überzeugte, sei er noch anderer Ansicht gewesen. Er schließt seinen Brief mit den Worten: „Ich darf kühn und ohne Prahlerei behaupten, daß in kürzerer Zeit bessere Entdeckungen nicht gemacht sind, wenn man die Eismassen und die Schwierigkeit einer Segelfahrt so nahe am Pol und dazu die fabelhafte Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zieht, so daß ohne die größte Sorgfalt gar keine richtige Karte entworfen werden kann.“[537]

Volle zweihundert Jahre, bis 1818, ruhten die Versuche, durch den nördlichen Theil der Baffinsbai weiter vorzudringen. Doch wurden jene Gewässer für den Walfischfang in ergiebigster Weise ausgebeutet. Erst in unserm Jahrhundert nahm man die Frage der Nordwestpassage in England wieder auf. Nach einer Reihe glänzender, heldenmüthiger Forschungsreisen ist 1850 durch Mac Clure die Existenz einer Wasserstraße von der Baffinsbai aus durch den Lancastersund um Nordamerika sowie durch die Beringsstraße zum großen Ocean nachgewiesen, aber eine Umsegelung der neuen Welt im Norden wegen der höchst schwierigen Eisverhältnisse noch nicht ausgeführt. Der materielle Gewinn, welchen der britische Handel aus den Nordwestfahrten erzielte, ergab sich noch im Laufe des 17. Jahrhunderts, nachdem im Jahre 1631 noch zwei verschiedene Expeditionen unter den Capitänen +Fox+ den Norden und +James+ den Süden der Hudsonsbai erforscht hatten, und sich dann 1670 auf Anregung des Prinzen Rupert eine Gesellschaft bildete (~Company of adventurers of England trading into Hudsonsbai~), um von den Küsten dieses nordamerikanischen Binnenmeeres aus besonders Pelzhandel zu treiben. Die Hudsonsbai-Compagnie beherrschte sodann in ihrer weiteren Entwicklung den ganzen Norden Amerika’s und legte so den Grund zu der Ausdehnung der britischen Herrschaft über die ganze nördliche Hälfte jenes Continents.

Fünftes Capitel.

Die Nordostpassage.

1. Die Engländer auf dem Nordostwege und die moskowitische Compagnie.

Sebastian Cabot, den wir zuerst, in Gemeinschaft mit seinem Vater, von England aus die nordwestliche Bahn nach Indien betreten sehen, ist auch der Urheber des Gedankens, den letzten noch möglichen Weg nach den reichsten Ländern Asiens einzuschlagen: von England aus nach Nordosten um Nordeuropa und Nordasien. Zwar hat Sebastian Cabot nicht selbst mehr Schiffe nach dem Nordosten geführt, denn er war bereits hochbetagt, wenigstens 80 Jahre alt, als er mit seinem Vorschlage hervortrat; aber er lieh dem Unternehmen die Unterstützung seiner reichen Erfahrungen im Seewesen und wirkte dadurch fördernd und anregend.

Es könnte befremden, daß der Nordostweg so spät, erst 1553 versucht wurde, wenn uns nicht ein Blick auf die Karten jener Zeit belehrte, daß man die Küstenumrisse Afrika’s und Südamerika’s besser kannte und richtiger darstellte als die Meeressäume in Nordeuropa; denn bis nach Skandinavien erstreckte sich der Handel der Italiener, folglich auch ihre Kunst der Seekarten nicht, und die Hanseaten, zu deren Handelsgebiet der ganze Norden, wenigstens bis Bergen und Drontheim gehörte, verwendeten statt der gemalten Compaßkarten geschriebene Segelanweisungen, Seebücher. So blieb der Norden Europa’s in seiner kartographischen Entwicklung lange hinter dem Süden, namentlich den Gestaden des Mittelmeeres, zurück. Wie die Karten des Nicolaus Donis von 1482,[538] die Weltkarte von 1513 (vorliegendem Werke beigegeben) und Jacob Zieglers Karte[539] (Straßburg) von 1532 zeigen, hielt man noch an der Vorstellung fest, daß vom Norden Europa’s eine Landverbindung nach Grönland existire. Entsprach eine solche Auffassung der Wirklichkeit, dann war selbstverständlich an eine nordöstliche Durchfahrt nicht zu denken. Und doch bestand, wenigstens schon seit dem 15. Jahrhundert, ein Schifffahrtsverkehr zwischen dem weißen Meere und den Westgestaden Skandinaviens, von dem man im Süden eigentlich nichts wußte. Noch mehr: die leichtgebauten russischen Fahrzeuge wagten sich schon bis nach Nowaja Semlja und bis an die Eingänge des karischen Meeres; denn im Laufe des 16. Jahrhunderts fanden englische Schiffe an der Westseite des „Neuen Landes“ die Einfahrt in einen sichern Hafen bereits durch Kreuze markirt. Sigismund von Herberstein, welcher zweimal, 1517 und 1526 als Gesandter des deutschen Kaisers nach Moskau ging, berichtet uns[540] über die im Jahre 1496 von dem russischen Botschafter David ausgeführte Seefahrt von der Dwina nach Drontheim. Wir erfahren aus dem Munde eines Mitgliedes dieser Gesandtschaft, Gregory Istoma, daß zu jener Zeit schon das norwegische Grenzfort Vardöhuus am Varangerfjord jenseit des Nordcaps bestand, wodurch die Grenzen der norwegischen Besitzungen bewacht wurden. Und wenn die von da aus nach Südost verlaufende Küste der Halbinsel Kola noch jetzt den Namen murmanische d. h. normannische Küste führt, so müssen skandinavische Seefahrer sie besucht haben. Ihnen war also das äußerste Nordgestade unseres Continents längst bekannt; aber in Südeuropa vernehmen wir nur vereinzelte kundige Stimmen. So erzählt Gomara, in Bologna habe ihm der landesflüchtige, schwedische Bischof Olaus Magnus erzählt, daß man um Nordeuropa bis nach China segeln könne.[541] Aber Olaus Magnus rückt irrthümlich auf seiner Karte[542] die Nordspitze Skandinaviens bis zum 84° n. Br. hinauf, während doch der Florentiner Verrazzano schon im Jahre 1525 richtig die geographische Breite des Nordcaps auf 71° verlegte.[543]

Genaueres über die Polarküsten Europa’s erfuhr man erst aus den Darstellungen Herbersteins, und es ist sehr wahrscheinlich, daß erst durch das Erscheinen seines Werkes, in welchem auch die sibirischen Flüsse Ob und Irtysch erwähnt werden, ein möglicherweise schon älteres Project Cabot’s neu belebt wurde und auf Grund der neu erworbenen Anschauungen mehr Aussicht auf Verwirklichung gewann. Allerdings lief auch ein folgenreicher Irrthum mit unter, wie so oft in diesem Zeitalter durch falsche Combinationen die kühnsten Unternehmungen getragen wurden. Nach Herbersteins Erkundigungen sollte nämlich der Ob aus einem See Kitaisk abfließen. Dieser kitaische See mußte -- so schloß man vorschnell -- in der Nähe von Kitai oder Cathay, also China liegen. Konnte man zu Schiffe an den Ob gelangen, dann mußte auch der Rest des Weges nach Ostasien sich ohne große Schwierigkeit ausführen lassen. Zwar legten die Kartographen der Vollendung dieser nordöstlichen Schifffahrt noch ein selbstgeschaffenes Hinderniß in den Weg, indem sie nach einer misverstandenen Angabe des Plinius (~lib. VI~, 20) ein Vorgebirge Tabin als äußerste Spitze des polaren Asien ansetzten, welches wenigstens bis zum 75° n. Br. reichen sollte. Allein Tabin galt doch nicht als unüberwindliche Schranke.

Daß Asien sich so weit in die polare Zone hinein erstrecken solle, war durch keine Wahrnehmung oder Kunde irgend welcher Art zu beweisen, und doch hat sich, wie die Forschungen des 18. Jahrhunderts ermittelt haben, die Lage des hypothetischen „~Promontorium Tabin~“ bestätigt, wenn wir dafür das Cap Tscheljuskin, welches unter 77° 36′ n. Br. liegt,[544] gelten lassen.

Es ist merkwürdig, wie oft die kartographischen Phantasiegemälde, welche die Kosmographen des 16. Jahrhunderts in ruhelosem Schaffensdrange entwarfen, das richtige getroffen haben und gerade bei den für die räumliche Vertheilung der Landmassen wichtigen Momenten. Dahin gehören die bereits vier Jahre vor der Entdeckung durch Magalhães von Schöner gezeichnete südamerikanische Meerenge, ferner das Cap Tabin als äußerster nördlicher Punkt des Continents der alten Welt und die schon im 16. Jahrhundert vermuthete und gezeichnete +Anianstraße+, welche die alte und neue Welt von einander scheidet, unsere Beringstraße.

Als Cabot daran ging, den Plan einer Nordostfahrt ins Werk zu setzen, bedurfte er zunächst bedeutender Mittel und diese zu schaffen, galt es besonders den Patriotismus der englischen Kaufherren aufzurufen. Es gelang ihm, im Jahre 1553 (vier Jahre nach dem Erscheinen des Herberstein’schen Werkes) eine Handelsgesellschaft ins Leben zu rufen, welche der auch in England mit wichtigen Privilegien ausgestatteten und den Seehandel beherrschenden Hansa entgegen arbeiten sollte. Diese Gesellschaft, zu deren lebenslänglichem Präsidenten Cabot ernannt wurde, trat unter dem Namen: „~Mystery, Company and fellowship of merchant adventurers for discovery of unknown lands~“ ins Leben. Es lag in diesem Titel die Absicht ausgesprochen, dem englischen Seeverkehr Länder zu erschließen, wohin der Einfluß der Hansa nicht reichte.

Das erste Geschwader, welches die neugegründete Compagnie 1553 aussendete, bestand aus drei Schiffen von 160, 120 und 90 Tonnen Gehalt. An die Spitze wurde Sir +Hugh Willoughby+ gestellt, weil er „im Kriegswesen wohl bewandert war“. Ihn begleiteten Richard Chancellor und Stephen Burrough.[545] Am 10. Mai (alten Stils) liefen die Schiffe von der Themse aus, unter dem Jubelzurufe des versammelten Volks, am 27. Juli ankerten sie bei den Lofoten und gingen dann weiter nordwärts. In der Mitte des August trieb ein Sturm die Schiffe auseinander. Willoughby gerieth nebst dem kleinsten Fahrzeuge weit jenseit des Nordcaps, welches für die westeuropäische Schifffahrt bei dieser Gelegenheit gleichsam entdeckt wurde, an eine von Eis umstarrte flache Küste, vielleicht die Insel Kolgujew,[546] wandte sich von da wieder zurück und erreichte am 18. September die lappländische Küste, wo er am Flüßchen Arzina (jetzt Varsina) unter 68° 20′ n. Br. zu überwintern beschloß. Aber unbekannt mit den Gefahren eines arktischen Winters und mit den Mitteln, demselben Widerstand zu leisten, erlag die gesammte Mannschaft beider Schiffe, sammt ihrem Befehlshaber. Russische Fischer fanden später das verhängnißvolle Winterlager und brachten beide Schiffe mit Willoughby’s Leiche 1555 nach England.

Das dritte Fahrzeug unter Richard Chancellor ging, als es sich nach dem Auguststurme allein sah, nach Vardöhuus, wartete dort eine Woche lang auf Willoughby und setzte dann auf eigene Hand seine Entdeckungsfahrt weiter fort, bis es am weißen Meere nahe der Mündung der Dwina ein kleines Kloster erreichte, da, wo jetzt die Stadt Archangelsk liegt. Hier fand Chancellor gastliche Aufnahme, wurde, nachdem Eilboten dem Zaren die Ankunft eines englischen Schiffes gemeldet hatten, eingeladen, nach Moskau an den Hof zu kommen und verbrachte dort einen Theil des Winters mit seinen Leuten. Dann kehrte er 1554 mit seinem Schiff nach England zurück. So war ein Theil des Programms der von Cabot gegründeten Handelsgesellschaft: unbekannte Länder aufzusuchen, um mit ihnen in Verkehr zu treten, erfüllt. Rußland ergriff mit Freuden die Gelegenheit, sich über das einzige Meer, dessen Küsten unter seiner Botmäßigkeit standen, mit Westeuropa in Verbindung zu setzen. Es entwickelte sich ein lebhafter Handel, die englische Gesellschaft erhielt 1555 von der Königin Maria Corporationsrechte unter dem Namen einer ~Company of merchant adventurers~. Man nannte sie aber gewöhnlich die moskowitische Gesellschaft (~Muscovy Company~).

Die Gesellschaft besteht noch als ~fellowship of English merchants for discovery of new trades~. Ihr Archiv ist leider in dem großen Brande 1666 untergegangen und damit manches werthvolle Blatt für die Entwicklungsgeschichte des englischen Seehandels verloren. Chancellor wurde 1556 wieder nach dem Kloster Cholmogory (Archangelsk) abgeschickt, verlor aber auf dem Heimwege von der Dwina bei Aberdeen im Schiffbruch am 10. November das Leben.

In England ließ man, trotz des ersten Erfolges, das große Ziel, auf dem eingeschlagenen Wege bis nach Indien vorzudringen, nicht aus den Augen. Zu gleicher Zeit mit Chancellor wurde auch +Stephen Burrough+[547] wieder entsendet, aber mit dem weitergehenden Auftrage, die Mündung des Ob aufzusuchen, als nächsten Schritt zur Auffindung der Nordostpassage (~intending the discovery of the north-east passage~). Cabot überwachte persönlich die Ausrüstung und nahm auf dem Schiffe von Burrough Abschied, welcher am 27. April von Gravesend in See ging.

Am 11. Juni traf dieser jenseit des Nordcaps an der lappländischen Küste mit russischen Lotjen (kleine Ruder- und Segelböte) zusammen und ließ sich von ihnen den Weg zur Petschora zeigen. Da aber die Lotjen schneller segelten als das englische Schiff, so mußten sie oft die Segel einziehen, um Burrough nachkommen zu lassen. Diese Fahrgeschwindigkeit der russischen Böte bestätigt die Annahme, daß jene nordischen Seeleute weithin mit den Küsten des Eismeers bekannt sein konnten. Am 15. Juli lief Burrough in die Mündung der Petschora ein und ging von da fünf Tage später grade nordwärts nach dem südlichen Rande von Nowaja Semlja. Unter diesem Namen kannten die Russen bereits jene langgestreckte Doppelinsel, welche das karische Meer gegen Westen abschließt. Statt nach Osten sich zu wenden, verfolgte Burrough die Küste nach Westen, wo ihn eine russische Lotje belehrte, daß er, um nach dem Ob zu gelangen, eine entgegengesetzte Richtung einschlagen müsse. Auch gab der russische Schiffer den Engländern weitere Andeutungen über die einzuhaltende Route. Burrough kam bis zur Waigatschinsel, lag dort einige Zeit vor Anker, wurde, als er ins karische Meer einzusegeln versuchte, am 23. August von einem schweren Sturm betroffen, der ihn zur Umkehr zwang. Er hatte die Absicht, an der Dwina zu überwintern und im nächsten Jahre die Fahrt nach dem Ob zu vollenden, aber führte den Plan nicht aus, sondern ging nach England zurück.

Die moskowitische Handelsgesellschaft ließ vorläufig die Pläne, nach dem Ob und weiter die Route zu entdecken, fallen und beutete die neu eröffneten Handelsbeziehungen an der Dwina aus. An dem Stillstande der Entdeckungen war wohl auch der 1557 erfolgte Tod Cabot’s schuld. Erst als Frobisher (s. oben S. 511-514) sich in den Jahren 1575-77 vergebens abgemüht hatte, eine Nordwestpassage zu finden, kehrte man zu Cabot’s Idee zurück und schickte 1580 noch einmal zwei Schiffe nach dem Ob und nach Cathai.[548] +Arthur Pet+, welcher schon die erste Fahrt unter Chancellor als Matrose mitgemacht, und +Charles Jakman+ befehligten die Schiffe, welche am 30. Mai von Harwich abgingen. Jenseit des Nordcaps trennten sich die beiden Schiffe, um sich später bei der Waigatschinsel wieder zu treffen. Pet ging allein nördlich um diese Insel herum durch die karische Straße, und nach Südosten am Lande hin zwischen der Küste und einem ausgedehnten Eisfelde, bis er nothgedrungen in einem Hafen auf der Ostseite von Waigatsch Zuflucht suchen mußte. Dort traf er wieder mit Jakman zusammen. Da beide Schiffe vom Eise beschädigt waren, so beschlossen sie umzukehren und das karische Meer, welches sie zuerst betreten, wieder zu verlassen. Pet kam am 26. October wieder nach England, Jakman überwinterte an der Küste Norwegens und ging im nächsten Jahre auf einem dänischen Schiffe nach Island. Dort ist er verschollen.

„Pet und Jakman waren die ersten Nordostfahrer, welche sich ernstlich in das Treibeis wagten. Sie benahmen sich dort mit Entschlossenheit und Umsicht, und in der Geschichte der Schifffahrt kommt ihnen die Ehre zu, die ersten Fahrzeuge geführt zu haben, welche vom westlichen Europa in das karische Meer eingedrungen sind.“[549] Mit Unrecht erklärt Barrow sie für unbedeutende Seeleute;[550] denn ihre Leistung ist in diesem Gebiete von keinem englischen Schiffer mehr übertroffen, und mit dieser Expedition hörten die englischen Expeditionen zur Nordostpassage fast ganz auf, nachdem die Holländer in ihre Fußtapfen getreten waren.

2. Die Holländer auf dem Nordostwege und der Kampf um Spitzbergen.

Die Holländer folgten den Engländern auf dem nordöstlichen Wege sehr bald nach. Als Stephen Burrough 1557 nach seiner Ueberwinterung in Archangelsk zurückging, traf er jenseits Vardöhuus Holländer an, welche nach Lappland Handel trieben und sich in Kola niederließen. Von hier gingen 1566 zwei Antwerper Kaufleute Simon von Salingen und Cornelis de Meijer an der Küste entlang zu Schiff nach dem Onegafluß, von wo sie als Russen verkleidet zu Lande nach Moskau reisten. Noch wichtiger und für die Entwicklung des holländischen Handels nach dem weißen Meer von bestimmendem Einfluß war das Auftreten des niederländischen Kaufmanns +Oliver Brunel+ aus Brüssel. Derselbe war 1565 mit einem Enkhuizer Schiffe nach Kola gekommen und wagte sich dann auf einer russischen Lotje nach Cholmogory. Auf Veranlassung der eifersüchtigen Engländer als Spion erklärt, wurde Brunel in Jaroslawl an der obern Wolga gefangen gesetzt, bis er durch Vermittlung der russischen Kaufleute, der Gebrüder Anikiew, die Freiheit wieder erhielt, und in den folgenden Jahren in dem Interesse seiner Befreier Handelsreisen bis zur Petschora machte und so den ganzen Norden Rußlands kennen lernte. Da er aber auch im Westen den russischen Waaren Absatz zu verschaffen wünschte, so begab er sich mit Verwandten der Anikiews zu der holländischen Niederlassung in Kola und miethete hier ein niederländisches Schiff nach Dordrecht. Der Erfolg war günstig, und so wurde über Kola eine regelmäßige Verbindung mit Holland angeknüpft. Brunel diente zwischen den Handelsplätzen als Agent.[551] Im Jahre 1577 ging er mit Jan van de Walle, dem Agenten des Handelshauses Gillis van Eychelberg, genannt Hoofman, zu Lande nach Moskau und bewog dieses Haus noch in demselben Jahre das erste holländische Schiff nach der Dwina zu entsenden. Andere niederländische Schiffe folgten und ankerten in der Pudoschemsko-Mündung der Dwina. Als dann auch Melchior de Moucheron als Agent seines Bruders, des reichen Handelsherrn Balthasar de Moucheron, sich an der Dwina niederließ und 1584 den Capitän Adrian Krijt veranlaßte, einen bessern Ankerplatz bei dem Kloster des Erzengel Michael zu suchen, so entstand dort rasch Neu-Cholmogory oder Archangelsk und entwickelte sich so günstig, daß 1591 auch die Engländer ihre Factorei hierher verlegen mußten.

Inzwischen war 1581 Brunel zum zweitenmale in den Niederlanden gewesen, um für die von schwedischen Schiffbauern auf Kosten der Anikiews erbauten besseren Fahrzeuge holländische Matrosen anzuwerben, denn die Schiffe sollten den Handelsweg nach dem Ob eröffnen. Seinen Weg nach den Niederlanden hatte Brunel über die Ostsee genommen und bei dieser Gelegenheit den Kosmographen Johann Balak in Arensberg auf der Insel Oesel besucht, welcher ihm Empfehlungen an den berühmtesten Kartographen seiner Zeit, Gerhard Mercator, mitgab und, nach den Angaben Brunels in einem Brief an den großen Gelehrten, seine Erkundigungen über die Polarregion der alten Welt mittheilte. Wir finden darin die Petschora, Waigatsch, das karische Meer mit den einmündenden Flüssen ganz richtig beschrieben. Jenseit des Ob werden allerdings die Vorstellungen unklar. Der berüchtigte Kataisee, dessen Abfluß der Ob sein sollte, wird nach dieser Auffassung von Karakalmaken umwohnt, die ganz nahe an China grenzen oder bereits diesem Lande angehören (~non alia certe quam Cathaya~).[552] Pet und Jakman waren im Jahr vorher in das karische Meer eingedrungen, die Angaben Brunels fanden dadurch eine weitere Bestätigung. Dieser scheint nun die Ehre des großen Unternehmens, den Handelsweg nach dem Ob zu eröffnen, aus Patriotismus seinem Vaterlande haben zuwenden zu wollen; denn er trat nicht mehr als russischer Agent in den Niederlanden auf, sondern brachte mit Hilfe seiner Landsleute eine Expedition zustande, an deren Spitze er 1584 das karische Meer zu erreichen suchte. Die Geschichte dieser Fahrt ist dunkel, wir erfahren nur, daß er sein Schiff auf dem Rückwege an der Petschora einbüßte. Brunel kehrte nicht nach Holland zurück; er begab sich vielmehr, da er durch seine Handlungsweise seine Stellung auch in Rußland verloren hatte, in dänische Dienste und erbot sich zu Fahrten nach Grönland. Dann verschwindet er aus der Geschichte, jedenfalls erlebte er die ersten großen holländischen Entdeckungszüge nach dem Nordosten nicht mehr.

Den directen Anstoß dazu gab Balthasar de Moucheron. Ende 1593 legte er dem Statthalter Moritz von Oranien und Oldenbarneveldt seinen Plan vor, durch die karische See nach China zu segeln („~in wat manieren en by wat middelen de noordsche zee omtrent Waygats tot China toe bevaarbaar zijn zou~“).[553] Den vierten Theil der Kosten wollte er selbst tragen. Aber nach längerer Berathung nahmen durch Beschluß vom 16. Mai 1594 die Generalstaaten die Sache selbst in die Hand und machten sie zu einer Staatsangelegenheit. Zwei Schiffe wurden von der Admiralität in Seeland und Nordholland gestellt, das dritte Schiff und eine Yacht fügte, auf Anregung des Kosmographen Peter Plancius, die Regierung von Amsterdam hinzu. Beide Abtheilungen standen unter dem Oberbefehl des Capitän Cornelis Cornelisz. Nay aus Enkhuizen, so lange sie vereinigt bis zur Insel Kildin an der lappländischen Küste gingen. Von hier aus mußten sich die Wege trennen, denn den von den Generalstaaten gestellten Schiffen war der Weg durch die Waigatschstraße ins karische Meer vorgeschrieben, von wo sie dann weiter nach Cap Tabin und der Anianstraße steuern sollten, während die andere Abtheilung des Geschwaders Nowaja Semlja umsegeln sollte, um die karische See zu vermeiden, von der man noch nicht wußte, ob sie mit dem nördlichen Weltmeer zusammenhänge oder nicht. Eine Fahrt um Nowaja Semlja hielt man deshalb für keineswegs schwierig, weil nach der Ansicht Mercators, welcher auch sein Schüler Plancius folgte, das Eismeer wegen des raschen Flutwechsels nicht fest zugefroren sein könne.[554] Cornelisz. Nay kannte jene nordischen Gewässer, da er im Auftrage des Hauses Moucheron bereits mehreremale das weiße Meer besucht hatte. Das zweite Schiff stand unter dem Commando des Capitäns Brandt Ijsbrandtsz. Tetgales ebenfalls aus Enkhuizen. Die Amsterdamer Schiffe befehligte Willem Barendsz. Alle Schiffe gingen am 5. Juni 1594 von Texel ab und langten am 23. Juni zusammen vor Kildin an. Nay ging mit Tetgales am 2. Juli nach der Waigatschstraße, kam am 5. des Monats ins Eis, erreichte aber doch am 18. die Mündung der Petschora und ankerte am 21. vor Waigatsch. Nach mancherlei Aufenthalte segelte er am 1. August durch die jugorische (ugrische) Straße, von den Holländern die Nassaustraße genannt, und gelangte bis in die karische See, wo er zwar anfangs auch noch mit dem Eise zu kämpfen hatte, dann aber unter 71° n. Br., am 11. August, in offenes Wasser kam. Da man die Durchfahrt nach Indien in der „neuen Nordsee“, wie man das karische Meer nannte, meinte gefunden zu haben, so beschloß man, sich mit diesem Erfolg zu begnügen und den Heimweg anzutreten; denn man war überzeugt, an der Mündung des Ob vorbei -- die Karabucht wurde dafür gehalten -- bis zur Höhe des Vorgebirges Tabin vorgedrungen zu sein.

Auf dem Rückwege traf Nay am 16. August mit den Amsterdamer Schiffen zusammen, welche unter Capitän +Willem Barendsz.+ von Kildin nach Nordosten gesegelt waren. Am 4. Juli sah dieser unter 73° 25′ n. Br. die Westküste von Nowaja Semlja und ging an derselben bis zum 78° n. Br., wo am Eiscap ein mächtiges Eisfeld ihn zur Umkehr nöthigte. Daß +vor+ ihm Russen schon so weit die Küsten des „neuen Landes“ kannten, bewiesen die unter 77° 55′ n. Br. auf einer Insel an der Küste errichteten Kreuze.

Die Schiffe traten gemeinschaftlich den Rückweg an und langten am 16. September wieder in Holland an.

Die Resultate dieses ersten Versuches erschienen den Unternehmern keineswegs entmuthigend. Namentlich hielt man die Beobachtung Nay’s, daß er ein offnes Meer bis Tabin entdeckt habe, für so günstig, daß man sofort in dieser Richtung weiter zu gehen beschloß; aber man wollte sich den Eingang sichern und faßte schon den Plan ins Auge, die Nassaustraße durch Befestigungen zu sperren, damit man nicht mit fremden Nationen den Gewinn theilen müßte.

So wurde ein zweites, noch größeres Geschwader, auf Staatskosten ausgerüstet „zur nördlichen Schifffahrt nach den Königreichen China und Japan“ (~opte navigatie benoorden om, naeden Coninckrycken van China ende Japan~).[555] Man war diesmal so fest überzeugt, das Ziel zu erreichen, daß man nicht blos die ansehnliche Zahl von sieben Segeln (je zwei von Amsterdam, Seeland und Enkhuizen und eins von Rotterdam) entsendete und theilweise mit Kaufmannsgütern für den Handel mit China befrachtete, sondern auch zwei kleineren Schiffen der Flotte den Auftrag ertheilte, die Nachricht von der erfolgten Umschiffung Tabins sofort nach den Niederlanden zurückzubringen. Cornelis Nay wurde wieder zum Oberbefehlshaber, Tetgales als zweiter Capitän und Barendsz. zum Obersteuermann ernannt. Linschoten, der bekannte Geschichtsschreiber dieser Nordostfahrten,[556] sowie Hermskerck und Rijp nahmen als Commissarien an dem Schiffszuge theil, dessen Ziel der von Polo’s Zeiten her bekannte Seehafen Quinsay (~haeven ende stadt van Guinsay~) war. Aber man hatte mit der Ausrüstung der großen Flotte so viel Zeit verloren, daß man erst am 2. Juli von Texel in See gehen konnte. Am 10. August war man am Nordcap, am 17. stieß man schon auf Treibeis. Zwar gelang es noch am 24., durch die Nassaustraße ins karische Meer zu kommen; aber das dichte Eis trieb die Schiffe nach der Waigatschinsel zurück. Vergebens machte Barendsz. noch mehrere Versuche, den Eisgürtel zu durchbrechen, aber die Jahreszeit wurde immer ungünstiger und am 15. September mußte man schweren Herzens die Hoffnung aufgeben, vorwärts zu kommen. Man erfuhr zwar, daß die Russen noch über den Ob hinaus nach einem Flusse namens Gillissy (Jenissei) Handel trieben, aber man konnte ihnen wegen der vorgerückten Jahreszeit nicht mehr folgen.[557]

Erst im November kamen die Schiffe nach Holland zurück. Aber die Unternehmungslust der Kaufleute war durch diesen Miserfolg keineswegs gedämpft. Namentlich Linschoten forderte zu neuen Anstrengungen auf und wies darauf hin, wie lange sich die Portugiesen abgemüht hatten, bis sie das Südende Afrika’s erreichten. Ihre Ausdauer sei glänzend belohnt. Eine nordöstliche Durchfahrt nach China und Indien bestehe ganz sicher, als Beweis führte er die Fahrten der Russen nach dem Ob und Jenissei an. Aber man kenne die Temperatur- und vor allem die Eisverhältnisse des Nordens noch nicht genügend, um die richtige Jahreszeit zu treffen. Er rieth daher, zeitig im Frühjahr zwei kleine Schiffe nach Waigatsch zu senden, welche dort das Aufbrechen des Eises abwarten sollten und dann den Spuren der russischen Lotjen nach dem Ob folgen könnten. Am Jenissei sollten dann die Schiffe überwintern, von den Anwohnern Erkundigungen einziehen und im nächsten Jahre ihre Reise fortsetzen. Die Generalstaaten freilich wollten neue Mittel für Schiffe nicht bewilligen; um jedoch die Unternehmungen nicht ganz fallen zu lassen, setzten sie eine Prämie von 25,000 Gulden auf die erste glückliche Vollendung der Fahrt nach China.[558] Dagegen faßte der Rath der Stadt Amsterdam den Beschluß, aus den Mitteln der Stadt zwei Schiffe von 50 bis 60 und 30 Lasten auszurüsten und darauf bis zu 12,000 Gulden zu verwenden.[559] Jan +Cornelis Rijp+ und Jacob Hendrichsz. +Heemskerck+ führten die Schiffe, +Barendsz.+ ging wieder als Steuermann mit. Am 18. Mai (neuen Stils) liefen sie von Vlieland aus, Rijp steuerte von den Lofoten nach Nordnordost, da er den Nowaja Semlja umlagernden Eismassen auszuweichen wünschte und fand so zunächst am 9. Juni die +Bäreninsel+,[560] so genannt, weil dort ein großer Bär erlegt wurde, und entdeckte am 17. Juni (nach Barendsz.’s Journal), indem er einen dermaßen nördlichen Cours einhielt, als ob er über den Pol segeln wollte, die Inselgruppe von Spitzbergen. Aber seine Versuche von hier aus, um die Westküsten nach der Nordseite vorzudringen, scheiterten an den unbezwinglichen Eismassen. Die Schiffe kehrten also nach dem Süden zurück und trafen am 1. Juli wieder an der Bäreninsel ein.[561] Hier trennten sich die beiden Schiffe: Barendsz. ging nach Nowaja Semlja, Rijp nördlicher, in der Absicht, auf der Ostseite von Spitzbergen von neuem den Weg über den Pol zu suchen. Aber er fand auch hier eine feste Eismauer, ging an deren Rande nach Westen und kam so zum zweitenmal nach Spitzbergen. Nun erst gab er seinen Plan auf und wandte sich auch nach Nowaja Semlja. Aber da der Sommer zu Ende ging, so gab er, ohne nach dieser Richtung noch etwas erreicht zu haben, den Kampf gegen das Eis verloren und kehrte über Kola nach Hause zurück.

Barendsz. hatte inzwischen am 17. Juli Nowaja Semlja erreicht und war nach langer Arbeit im Eise endlich am 15. August so glücklich, über das Eiscap hinaus zu kommen und am folgenden Tage die nördlichste Spitze des Landes zu umsegeln. Aber im Nordosten wurde das Schiff vom Eise besetzt und mußte im „Eishafen“ überwintern unter 76° 7′ n. Br. Der Aufenthalt währte vom 26. August 1596 bis zum 14. Juni 1597. Man fand am Strande viel Treibholz, baute ein geräumiges Wohnhaus und verbrachte darin unter Leiden und Entbehrungen den Winter. Der Muth und die Ausdauer, mit welcher die Leute eine bis dahin unerhört strenge Ueberwinterung überstanden, erregte die allgemeinste Theilnahme. Die Reiseberichte wurden in alle Sprachen übersetzt, und so wurde diese letzte große holländische Polarfahrt zugleich die populärste. Als im Sommer 1597 die Schiffe aus ihrem Eisgefängniß nicht frei wurden, mußte man sie preisgeben und ging in offnen Böten um Nowaja Semlja herum zur Petschora. Fünf von der aus 17 Köpfen bestehenden Mannschaft starben; auch der edle Willem Barendsz. erlag während der Bootfahrt und fand auf dem neuen Lande sein Grab. Barendsz. war nicht blos ein liebenswürdiger, allgemein geachteter Charakter, er war auch ein gebildeter, ja ein gelehrter, der lateinischen Sprache sogar kundiger Seemann, der von Kindesbeinen an (~von sijne kintsche daghen aen~) eifrigst bemüht gewesen war, von allen Ländern, die er durchwanderte oder befuhr, Karten zu entwerfen.[562] Mit ihm sank gleichsam die Seele der Polarfahrten ins Grab. Sein Wahlspruch war gewesen: ~Niet zonder God~ (nichts ohne Gott). Mit dieser dritten Reise Barendsz.’s und mit seinem Tode hörten die energischen Versuche der Holländer, den Nordostweg nach China zu finden, auf.[563] Man mußte zugeben, daß die Lehren der Kosmographen von einem stets befahrbaren Polarmeere sich als irrig erwiesen hatten. Aber die Anstrengungen und Opfer waren doch nicht vergeblich gewesen, denn einerseits stand in dem Eismeere ein ergiebiger Walfang in Aussicht, andererseits -- und dies war weit höher anzuschlagen --, war das Nationalbewußtsein mächtig gehoben. Man verglich in Holland diese arktischen Reisen mit dem Argonautenzuge, oder gar mit Hannibals Uebersteigung der Alpen und mit Alexander des Großen Feldzügen.[564]

Daß man die Nordfahrten vorläufig aufgab, hatte noch einen andern Grund. In demselben Jahre, als Heemskerck mit dem Rest seiner Mannschaft von Nowaja Semlja zurückkehrte, kam Cornelis Houtman mit der ersten Flotte von Indien zurück. Der alte Weg ums Cap der guten Hoffnung war sicher und brachte Gewinn, der Versuch, einen neuen Weg zu finden, hatte nur Opfer gefordert. Nachdem Spanien seit 1580 auch die Hand auf Portugal und seine Besitzungen gelegt, seitdem mit dem Untergange der berühmten Armada die spanische Oberherrschaft zur See erschüttert war, achteten weder England noch Holland mehr auf das alte, vom Pabst verliehene Monopol des indischen Handels, und nach Houtmans erfolgreichem Zuge blühte der Handel nach Indien dermaßen auf, daß bereits 1602 die holländisch-ostindische Compagnie ins Leben gerufen wurde. Man wandte also in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts sein Interesse dieser neuen Richtung zu; aber gerade in der Gründung dieser Handelsgesellschaft lag auch wieder der Keim und Anstoß, die Nordostfahrten wieder aufzunehmen; denn die niederländische Regierung hatte dieser ostindischen Gesellschaft ausschließlich das Recht ertheilt, ums Cap oder durch die Magalhãesstraße mit Indien Handel zu treiben. Alle nicht der Compagnie angehörenden Kaufherren waren ausgeschlossen, und diese eben suchten nun wieder „um den Norden herum“ nach Ostasien zu gelangen.

Fünf Jahre später nahm aber auch die moskowitische Handelsgesellschaft ihre seit 1580 abgebrochenen Entdeckungen wieder auf und entsandte 1607 +Henry Hudson+ mit einem kleinen Fahrzeuge, um über den Nordpol den Weg nach Japan und China in nordöstlicher Richtung zu eröffnen. Hudson steuerte am ersten Mai von der Themse aus nach Nordwesten und stieß unter 67° n. Br. auf die Ostküste Grönlands. Von hier aus wollte er sich mehr und mehr nach Nordosten hinüberwenden. Die Küste des hohen Schneelandes lief anfänglich von Westen nach Osten, später von Süden nach Norden. Dieser Theil der grönländischen Küste ist auch gegenwärtig noch nur ungenügend bekannt. Er befuhr die Küste bis zum 70° und wandte sich dann nordöstlich nach Spitzbergen hinüber. Mit Sturm, Regen und mit dichten Nebeln kämpfend, welche in einem Zeitraum von drei Wochen (vom 2. bis 21. Juni) nur einmal der Sonne gestatteten, den Dunstschleier zu durchbrechen, kam er unerwartet am 22. Juni noch einmal, unter 72° 38′ n. Br. in die Nähe der hier nicht überall mit Schnee bedeckten, aber hochgebirgigen Küste von Grönland, bis er auf die Eisbarriere stieß, welche in der Regel das Meer zwischen Grönland und Spitzbergen überbrückt. Da er sah, daß sich das amerikanische Land viel weiter nach Osten erstreckte, als er nach seiner (auf Zeno basirenden) Karte annehmen durfte,[565] so ging er nun am Rande der Eismauer nach Spitzbergen hinüber, dessen Küste er am 27. Juni erreichte. Bis zum 13. Juli kreuzte er in dem Eise hin und her, wobei er die Höhe von 80° 23′ n. Br. erreichte. Dann drang er bis auf die Nordseite der Inselgruppe vor, vermuthlich bis zu den „Siebeninseln“, wo das Eis seiner Weiterfahrt ein Ziel setzte. Es gelang ihm also ebensowenig wie früher dem Holländer Rijp, Spitzbergen im Norden zu umsegeln. Er versuchte es dann noch auf der Südseite, mußte aber auch hier des Eises wegen am 27. Juli von seinem Vorhaben abstehen und kehrte nach England zurück. Wichtig wurde für die Folgezeit die Entdeckung zahlreicher Walfische, welche sich damals noch in dem friedlichen Meere von Spitzbergen tummelten. Im folgenden Jahre schickte die moskowitische Compagnie ihn zum zweitenmale aus, den Weg zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja einzuschlagen. Auch diese Reise blieb resultatlos, wahrscheinlich weil sie wieder zu früh im Jahre begonnen war. Hudson ging nämlich schon am 22. April die Themse hinunter zur See und erreichte Ende Mai die Höhe des Nordcaps. Unter 75° 29′ n. Br. gerieth er am 9. Juni ins Eis und mußte sich mühsam, nach Südosten zurückweichend, bis zur Küste von Nowaja Semlja durcharbeiten, welche er unter 72½° zu Gesicht bekam. Da er die Insel im Norden nicht umsegeln konnte, wandte er sich zur Waigatschstraße, aber wegen der in heftiger Strömung bewegten Eismassen wagte er sich nicht hinein und kehrte um. Am 26. August ließ er in Gravesend die Anker fallen. Es galt als eine besonders wichtige Wahrnehmung, daß das Klima von Spitzbergen unter 80° milder war, als bei Nowaja Semlja unter 76°, denn dadurch wurde die Theorie von dem offnen Polarmeere neu bekräftigt.

Die niederländisch-ostindische Compagnie, welche, wie sie für den Handel ums Cap und durch die Magalhãesstraße bereits privilegirt war, auch noch die Nordoststraße für sich zu monopolisiren hoffte, gewann darum für 1609 den kühnen englischen Polarfahrer, um in ihrem Interesse den nordöstlichen Weg nach China zu finden. Daß diese dritte Reise Hudsons aber eine ganz andere Richtung nahm, ist bereits (S. 515) berichtet. Trotzdem beschloß die ostindische Gesellschaft die Versuche fortzusetzen. Abgesehen von der durch Plancius vertretenen und verbreiteten Lehre, daß in der hohen Polarregion unter der monatelang ununterbrochen andauernden Bestrahlung durch die Sonne das Eis schmelzen und die Luft erwärmt werden, daher ein offenes Polarmeer entstehen müsse, erhielt die niederländisch-ostindische Handelsgesellschaft einen neuen Anstoß, den Weg über den Pol zu versuchen, durch ein merkwürdiges Werkchen eines deutschen Gelehrten Helisäus (Elisée) Röslin, Leibarzt des Grafen von Hanau, zu Buchsweiler im Elsaß, welcher in seinem „künstlichen, philosophischen Tractat: Mitternächtige Schiffarth“ nicht nur den Ansichten Plancius’ beipflichtete, sondern sich auch bemühte, mit astrologischen Gründen zu beweisen, daß Gott die Entdeckung des Nordpols wolle. Dieses Werkchen sandte Röslin 1610 an die holländischen Generalstaaten. Dadurch angeregt, beschloß die Admiralität von Amsterdam 1611 zwei Schiffe auszusenden unter +Jan Cornelisz. May+ und Simon Willemsz. Cat, um über den Nordpol durch die Anianstraße nach China zu segeln. Sie versuchten zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja durchzubrechen, kamen aber des Eises wegen nicht über den 76° hinaus, und wandten sich daher nach der Ostseite von Amerika, dessen Küsten sie zwischen 47 und 42½° n. Br. befuhren. Im Februar des folgenden Jahres kehrte ein Schiff nach Amsterdam zurück. May machte in diesem Jahre noch einen Versuch, Nowaja Semlja zu umsegeln, aber er traf unter 77° wieder den unbezwinglichen Eiswall.[566] Es war also weder Engländern noch Holländern möglich, „um den Norden herum“ nach China zu kommen. Erst in den letzten Jahren 1878 und 1879 ist diese ruhmreiche That auf dem schwedischen Schiffe Vega unter der Führung des kühnen Polarforschers Nordenskiöld und des tüchtigen Capitäns Palander gelungen, und Asien auch im Norden umschifft worden.

Engländer und Holländer hatten sich nun schon über ein Menschenalter abgemüht, die starren Eismauern des Polarmeeres zu durchbrechen, ohne daß mehr als ein scheinbarer Erfolg in Bezug auf das erstrebte Endziel errungen wäre. Dagegen fanden sie theilweise Ersatz für den nicht unbedeutenden Kostenaufwand in der Jagd auf die großen Fischsäugethiere, Wale, Walrosse und Robben, welche namentlich bei Spitzbergen in großer Anzahl angetroffen wurden. Beide Nationen beanspruchten die alleinige Ausbeutung jener Jagdgründe und so entwickelte sich in den ersten Decennien des 17. Jahrhunderts ein lebhafter +Kampf um Spitzbergen+.

Die Engländer erschienen zuerst auf dem Plan und schickten ihre Schiffe seit 1597 bereits nach dem hohen Norden, aber sie verstanden noch nicht, die Walthiere zu erlegen. Die Basken mußten ihre Lehrmeister werden, baskische Harpuniere wurden in Dienst genommen und gingen auf englischen Schiffen nach Spitzbergen. Der biskaische Wal (~Balaena Biscayensis~) ist zwar ausgestorben; aber daß die Basken schon seit langen Jahren den Walfang betrieben hatten, läßt sich wohl daraus schließen, daß Städte wie Guipuzcoa, Fuentarrabia u. a. einen Walfisch im Wappen führten.

Häufiger wurden die Besuche der Engländer in der spitzbergischen See, seitdem 1608 Hudson auf den Reichthum an Walen in jenen Gewässern wieder aufmerksam gemacht. In den Jahren 1609 und 1610 erforschte Jonas Pool die ganze Westküste Spitzbergens. Im folgenden Jahre ertheilte König Jacob I. der moskowitischen Compagnie ein Privilegium, welches alle übrigen Seefahrer, einheimische sowohl als fremde von der Fischerei daselbst ausschloß. Trotzdem erschienen seit 1612 auch die Holländer an jener arktischen Inselgruppe, welche von ihren Landsleuten entdeckt war, um unter Anleitung baskischer Fangmänner (im Jahre 1613 hatten sie zwölf derselben angeworben) an der Walfischerei sich zu betheiligen. Neben ihnen fanden sich auch baskische und französische Schiffe ein. Aber die Engländer waren entschlossen, die fremden Eindringlinge nicht zu dulden. Die moskowitische Gesellschaft schickte 1613 sieben große Schiffe unter Capitän Benjamin Joseph und Baffin als Oberpilot nach Spitzbergen, welche rücksichtslos die fremden Fischer überfielen, ihnen den gemachten Fang wieder abnahmen oder sie verjagten, so daß nur ein holländisches Schiff mit seiner Beute entkam. Damit war der Krieg im Eismeere erklärt, welchen die Niederländer indes muthig aufnahmen. Die betheiligten Unternehmer vereinigten sich, um mit geschlossener Macht energischer auftreten zu können, 1614 zu einer Handelsgesellschaft unter dem Namen der „+nordischen Compagnie+“ und erhielten von den Generalstaaten das Handelsprivilegium für den ganzen Norden, von der Davisstraße bis nach Nowaja Semlja. So standen die moskowitische und die nordische Compagnie kampfbereit einander gegenüber. Die Holländer blieben zwar im ersten Jahre, 1614, unbehelligt, denn ihre stattliche Flotte von 14 großen Schiffen war durch drei von den Generalstaaten zum Schutz beigegebene Kriegsschiffe gedeckt, so daß die Engländer, welche mit 13 Schiffen und zwei Pinassen erschienen waren, nicht wieder zu Gewaltthätigkeiten zu schreiten wagten. Aber die Briten hatten in den nächsten Jahren doch wieder die Oberhand. Indes ließen sich die Mitglieder der nordischen Compagnie nicht völlig verjagen. Um nun den unsicheren Zuständen, welche den Handel beider Parteien schädigten, abzuhelfen, versuchten die Holländer ein friedliches Abkommen zu treffen, welches nach jahrelangen Verhandlungen erst unter Karl I. 1627 zustande kam, wonach man die Fischereibezirke unter den Rivalen theilte: die Engländer fischten seitdem im Südwesten, die Holländer im Nordwesten von Spitzbergen.

* * * * *

Ueberblicken wir das Gesammtresultat aller Unternehmungen, welche von den europäischen Seemächten ins Werk gesetzt wurden, um das gemeinsame Ziel, Indien und die Gewürzländer, auf verschiedenen Wegen zur See zu erreichen; so sehen wir nur die beiden romanischen Völker, die Portugiesen und Spanier, jene ums Cap der guten Hoffnung, diese durch die Magalhãesstraße ans Ziel gelangen. Es waren also nur der südöstliche und der südwestliche Weg nach Indien offen gefunden. Die Spanier hatten außerdem auf dem Westwege in den reichen Bergländern des tropischen Amerika ein neues Indien entdeckt. Als die beiden Nebenbuhler, nach Umschiffung der halben Welt, an den beiden Gewürzinseln auf einander stießen, geriethen sie um den Besitz derselben in einen lebhaft geführten Streit, welcher 1529 durch einen Vertrag geschlichtet wurde, nach welchem die Portugiesen einstweilen die Molukken und den Gewürzhandel behaupteten.

Einen ganz andern Verlauf nahmen die Versuche der germanischen Seefahrer, der Engländer und Niederländer, im Nordwesten und Nordosten eine fahrbare Straße nach den asiatischen Tropenländern zu finden. Länger als ein halbes Jahrhundert setzten sie den Kampf mit dem Eise der Polarmeere fort, um schließlich, auf der Grenze zwischen den beiden hauptsächlich eingeschlagenen Bahnen, sich um den Besitz der Fischereien an den unwirthlichen Klippen von Spitzbergen zu befehden, bis auch hier, hundert Jahre nach dem Vertrage von Tordesillas, Friede geschlossen wurde. Welch ein Gegensatz! Dort unter den Romanen der Streit um die Gewürzinseln am Aequator, hier unter den Germanen der Kampf um die Eisfelder von Spitzbergen nahe am Pol. Aber die Gefahren im arktischen Meere, die stets erforderliche Wachsamkeit bei der Führung der gebrechlichen Fahrzeuge durch die Eislabyrinthe des hohen Nordens hatten die Kraft der germanischen Schiffer gestählt und ihr Selbstbewußtsein mächtig gehoben. Sie fühlten sich stark genug, um auch um den Besitz Indiens mit den Romanen zu ringen. Die Gründung der englischen und der holländischen ostindischen Handelsgesellschaften im Beginn des 17. Jahrhunderts eröffnete eine neue Aera des Kampfes um das alte vielumworbene Ziel Indien. Die Germanen blieben Sieger und theilten die Beute: England setzte sich in dem folgenden Zeitraum auf der Halbinsel von Vorderindien fest, die Niederländer gewannen die Sundawelt sammt den Molukken und haben bis heute diesen Besitz behauptet. --

Um ein Bild von der Kenntniß jenes merkwürdigen und wichtigen Inselgebietes zu geben, so weit es gegen das Ende der portugiesischen Herrschaft in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bereits erforscht war, geben wir zum Schluß eine getreue Copie der Karte eines ausgezeichneten portugiesischen Kosmographen +Diego Homen+ vom Jahre 1568. Das Blatt ist einem auf Pergament gezeichneten Atlas entlehnt, welcher sich im Besitz der königlichen Bibliothek zu Dresden befindet und noch nicht veröffentlicht ist. Es zeigt uns die hohe Entwicklung und die Eigenthümlichkeit der kartographischen Kunst in der letzten Hälfte des Zeitalters der Entdeckungen.

FUSSNOTEN:

[1] Vgl. +v. Richthofen+, China. I, 443.

[2] Eine Ahnung davon verräth schon der merkwürdige Brief des Maximilian Transsilvanus über die Molukken und die Fahrt des Magalhaes, Oktob. 1522. Vgl. +Fr. Wieser+, Magalhaesstraße und Austral-Continent. Innsbruck 1881. S. 113.

[3] +H. Kiepert+, Lehrbuch der alten Geographie. Berlin 1878. S. 44.

[4] +F. v. Richthofen+, China. I, 469 ff.

[5] +W. Heyd+, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stuttgart 1879. I, 182.

[6] +H. Kiepert+, Lehrbuch der alten Geographie. S. 222.

[7] +K. Müllenhoff+, Deutsche Alterthumskunde. Berlin 1870. I, 73 ff.

[8] Ebd. I, 211 ff.

[9] Transscription und Uebersetzung zu dem Facsimile:

~3. „Ohthere sæde his hlaforde, Ælfrede [cyninge], þæt he ealra Norðmanna norðmest bude. He cwæð þæt he bude on þæm lande norðeweardum wið ða west sæ^. He sæde ðeah þæt þæt land sy swyðe lang norð þanon; ac hit is eall weste, buton on feawum stowum, sticcemælum wiciað Finnas,--on huntaðe on wintra, and on sumera on fiscoðe be ðære sæ^: He sæde þæt he, æt sumum cyrre, wolde fandian hû lange þæt land norðrihte læge; oððe hwæþer ænig man be norðan þæm westene bude.“~

Ohthere erzählte seinem Herrn, König Alfred, daß er nördlicher als alle Normannen wohnte. Er sagte, daß er wohnte in dem Lande im Norden an der Westsee. Er sagte ferner, daß das Land sich weit nach Norden erstrecke, aber es ist alles wüste, außer an wenigen Stellen, hie und da, wo Finnen sitzen, um im Winter zu jagen und im Sommer zu fischen in der See. Er sagte, daß er zu einer gewissen Zeit wissen wollte, wie weit das Land nordwärts läge, oder ob noch jemand nördlich von dem Wüstengebiet wohne.

[10] +Jos. Bosworth+, ~A description of Europe and the voyages of Ohthere and Wulfstan, written in anglo-saxon by King Alfred the great. London MDCCCLV.~ Vergl. auf Seite 15 die Probe des angelsächs. Originals.

[11] +A. Letronne+, ~Recherches geogr. et critiques sur le livre de Mensura Orbis Terrae par Dicuil.~ Paris 1814. Zweite Abtheilung. S. 38. 39.

[12] +Adam+, ~Hist. eccles. IV. cp.~ 39. Vgl. auch +J. G. Kohl+, die erste deutsche Entdeckungsreise zum Nordpol, in Bremisches Jahrbuch V, 174-191.

[13] +H. Major+, ~The voyages of Nic. & Antonio Zeno~ (~Hakluyt Soc.~ 1873) ~p. LXV.~ gibt 1406 als letztes Jahr an.

[14] Vgl. die Kartenbeilage. Dieselben Länderumrisse erschienen schon auf Weltgemälden aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und wurden von hier getreu in die genannte Ausgabe des Ptolemäus hinübergenommen.

[Footnote 15: +H. Major+, ~Henry the Navigator, pp.~ 58. 59.

[16] Abweichend von allen andern Seekarten jener Zeit ist Südafrika hier dargestellt, aber leider nur ein Phantasiegemälde, wie die charakterlosen Contouren beweisen.

[17] ~The voyages of the Venetian brothers Nicolo & Antonio Zeno.~ Ausgabe der Hakluyt Soc. London 1873. Man vgl. auch den Aufsatz von Prof. ~Dr.~ Hermann Vogelsang: Die Insel Friesland und die Reisen der Gebrüder Zeno im Ausland. 1872. S. 1162 bis 1168.

[18] +H. Major+, ~l. c. Introd. p. 1. IX~.

[19] Admiral Irminger, welcher im ~Journ. R. Geogr. Soc. 1879 p. 398 sq.~ zu beweisen sucht, daß Zenos Frislanda Island sei, gibt zur Bestätigung obiger Thatsachen die nachstehenden Beobachtungen von seinem zweimaligen Besuche Islands in den Jahren 1826 und 1834. Irminger schildert die ehemalige Wohnung des berühmten Historikers Snorre Sturleson in Reikholt (1178-1241), welcher neben seinem Hause sich ein großes Badebassin erbaut hatte, zu dem das heiße Wasser einer nahen Quelle geleitet war. Die Anlage war so dauerhaft gemacht, daß man noch nach 600 Jahren dieselben hätte benutzen können. Auch erwähnt Irminger noch andere Vorkehrungen in Reikjadal, welche darauf abzielten, heißes Quellwasser zum Kochen zu benutzen. Der alte Bericht Zenos findet durch diese Wahrnehmung seine Bestätigung.

[20] Ztschr. der Ges. f. Erdkunde. Berlin. Bd. IX, 279-314.

[21] +Fr. Zarncke+, der Priester Johannes, in d. Abhdl. d. kgl. sächs. Ges. d. Wiss. phil.-hist. Cl. VII, 852.

[22] Vgl. die beifolgende Karte.

[23] +Pauthier+, ~Le livre de Marco Polo. 2 vol. Paris 1865~.

[24] +H. Yule+, ~The book of Ser Marco Polo. 2 vol. 2. edit. London 1875~.

[25] Die New Welt der Landschaften vnnd Insvln etc. Straßburg 1534. Fol. 107.

[26] Der Uebersetzer hat also auch Formosa wieder verdeutscht, wie man zur selben Zeit auch den Namen Christoph Columbus in Christoffel Dawber übertrug und seinen Titel „~admirante del mar~“ mit „Wunderer des Meeres“ übersetzte.

[27] Die Abwesenheit der Vögel ist aber nur zeitweilig. Im Sommer sind vielmehr die Gewässer sehr belebt, wie es bereits um 644 p. C. der berühmte chinesische Reisende Hwen Thsang schildert.

[28] „Auch kann es die Speisen nicht so weich kochen,“ fügen andere Handschriften von Polo’s Reise hinzu.

[29] d. h. der ganze Uebergang über das Plateau.

[30] M. Polo erwähnt den See Lop (Lopnor) nicht. Auch heute noch heißt der ganze +Landstrich+ Lopnor. Charakteristisch ist folgende Bemerkung Prschewalskys (Russ. Revue, XV, 568) Als wir in das erste am Tarim gelegene Dorf kamen, antwortete der Dorfälteste auf meine Frage: Ist es noch weit bis zum Lopnor? indem er mit dem Finger auf sich zeigte. „+Ich bin Lop-Nor+“.

[31] Noch jetzt nennen die Eleuten des Alaschangebirges der Stadt Ning-Nia Yargai, was an Polo’s Egrigaia erinnert. Damals war der District wegen des Anbaus von Safflor (~carthamus tinctorius~) berühmt.

[32] Ein türkischer Stamm.

[33] Bei +Pauthier+, ~le livre de Marco Polo~. I, 220, +Sugdatu+, und unter dieser entstellten Form nicht identificirt.

[34] Folgende Sitte des dortigen Volks mongolischen Stammes, welche Polo erwähnt, mag hier verzeichnet werden: „Dis Volck yßt roh fleisch, das bereyten sie vor also. Sie zertreybens vor klein, darnach thund sie öll vnd gute specerey dran, vnd essens dann also.“ Also ein echtes Beefsteak ~à la tatare~!

[35] +H. Yule+ (II, 104) sucht Anin in dem Stamm des Volkes und in der Stadt Hon-hi oder Ngoming, jetzt Homi-tscheu. Andere Lesearten für dieses, den Geographen früherer Jahrhunderte unfindbare Länder sind Amu, Aniu, Ania, Anian. Aus Verlegenheit schoben die Kartographen diesen Namen nebst andern immer weiter nordwärts, bis in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein ~Fretum Anian~ die postulirte Meerenge zwischen der alten und neuen Welt im Nordosten Asiens bildete.

[36] 60 = 1 Aequatorialgrad, 3-4 Li = 1 solche Meile.

[37] Von den Arabern des Mittelalters vielbesuchter Hafen, den sie Kan-pu oder Khan-fu nennen.

[38] Alle spätern Karten, welche auf Polo’s Angaben Bezug nehmen, haben das südchinesische Meer nach Kräften mit zahlreichen Inseln besäet.

[39] Das Cap Comorin hat seinen Namen von skr. ~kumari~, d. h. Jungfrau, nämlich die Göttin Durga. Schon der Periplus des erythräischen Meeres und nach ihm Ptolomäus nennt das Κομαρια ακρον.

[40] Vgl. +H. Yule+, Marco Polo. I, 103. Introd.

[41] ~Hist. des Sc. Math. II~, 150.

[42] Siehe S. 68.

[43] Auch in Zayton entstanden christliche Kirchen. Dort waren um 1326 als Bischöfe die Franziskaner Gerardus, Peregrinus und Andreas. Zu derselben Zeit trieben dort Genuesen Handel. +W. Heyd+, Gesch. d. Levantehandels. II, 221.

[44] +H. Yule+, Cathay. I, 172.

[45] +H. Yule+, Cathay. I, 75.

[46] Lamori, bei Polo Lambri, ebenso bei malaiischen Schriftstellern, bei den Arabern Al-Rami, Ramin, Ramni, lag wahrscheinlich im nordwestlichen Theile der Insel Sumatra, zwischen Daya und Atschin. +H. Yule+, Cathay. I, 84.

[47] Auf der catalan. Karte Cincalan, bei Marignolli Cynkalan, d. h. Großtschin oder Großchina.

[48] 60 Meilen auf einen Aequatorialgrad gerechnet.

[49] +v. Richthofen+, China. I, 617.

[50] +H. Yule+, Cathay. I, 231-237.

[51] Bei Ptolomäus Zaba und Zabae, möglicherweise Sanf oder Tschampa an der Ostküste Hinterindiens. +H. Yule+, M. Polo. II, 250.

[52] +W. Heyd+, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. Stuttgart 1879. II, 149.

[53] +H. Yule+, Cathay. I, 311-394.

[54] Nach +Richthofen+, China I, 614, ist der Tan-ho, ein Zufluß des Han gemeint, aber nicht, wie Yule noch annahm, der große Canal.

[55] +Frdr. Kunstmann+, die Kenntniß Indiens im 15. Jahrhundert. München 1863. 13. 14. 39.

[56] Nach dem Glauben jener Zeit war Babylon und Bagdad identisch; auch auf der catalanischen Karte lesen wir: ~Ciudad de Baldach, aci fu Babilonia la gran.~

[57] Vielleicht das in Aman liegende Calhat.

[58] +W. Heyd+, Gesch. d. Levantehandels. II, 360.

[59] +W. Heyd+, der Reisende Niccolo de’ Conti. Ausland 1881, Nr. 25. +H. Yule+, M. Polo. II, 375.

[60] +H. Yule+, M. Polo. II, 360.

[61] Der malayische Archipel, deutsch von A. B. +Meyer+. Braunschweig 1869. I, 104-107.

[62] A. R. +Wallace+, der malayische Archipel. II, 360.

[63] Conti ist der erste und einzige mittelalterliche Reisende, der auf der Rückkehr von Indien her seinen Weg durchs rothe Meer statt durch den persischen Golf nahm.

[64] +Fr. v. Löher+, Canarische Reisetage, in der Allg. Zeitung 1876. Nr. 57 u. f.

[65] R. H. +Major+, ~The life of Prince Henry of Portugal. London 1868. p. 314.~

[66] Möglicherweise war der arabische Seefahrer Ibn Fatima einmal bis zum Cap Branco verschlagen, welches er als „glänzendes Vorgebirge“ bezeichnet. (O. +Peschel+, Gesch. d. Erdkunde. 2. Aufl. S. 130). Auch hatte Bethencourt 1405 die Küste von Bojador (~port de Bugeder~), südlich neben dem Vorgebirge gelegen, erreicht. R. H. +Major+, ~The conquest and conversion of the Canarians by J. de Bethencourt (Hakluyt Soc. 1872) p. 180~.

[67] Zur Erklärung dieses Horoskops diene folgendes: Die Astrologen bezeichneten mit dem Ausdruck „Haus“ ein sphärisches Zweieck (Winkel) am Himmelsgewölbe, im Thierkreise. Die zwölf Zeichen des Thierkreises waren aber als „Häuser“ derart an die sieben Planeten vertheilt, daß jeder Wandelstern zwei Häuser hatte, außer Sonne und Mond, denen nur eins zugewiesen war.

Fig. 1.

+------------------------------+ ♒ Wassermann | +--------------------------+ ♓ Fische | | +----------------------+ ♈ Widder | | | +------------------+ ♉ Stier | | | | +--------------+ ♊ Zwillinge ♄ ♃ ♂ ♀ ☿ Saturn | | Merkur | Jupiter Venus | | | Mars | | | | | | | ☽ Mond -------+ ♋ Krebs | | | | | ☉ Sonne ------+ ♌ Löwe | | | | +---------------+ ♍ Jungfrau | | | +-------------------+ ♎ Wage | | +-----------------------+ ♏ Scorpion | +---------------------------+ ♐ Schütze +-------------------------------+ ♑ Steinbock

Danach herrschte also die Sonne im Hause des Löwen, der Mond im Krebs, Merkur in den Zwillingen und in der Jungfrau, Venus im Stier und in der Wage, Mars im Widder und im Scorpion, Jupiter in den Fischen und im Schützen, und endlich Saturn im Wassermann und im Steinbock.

Die Exaltation war anders vertheilt, und zwar:

Fig. 2

Thierkreiszeichen Herr des Hauses Exaltation bei Tage: bei Nacht: (größter Einfluß)

♈ ♂ -- ☉ ♉ -- ♀ ☽ ♊ ☿ -- ♌ ♋ ☽ -- ♃ ♌ ☉ -- -- ♍ -- ☿ ☿ ♎ ♀ -- ♄ ♏ -- ♂ -- ♐ ♃ -- ♌ ♑ -- ♄ ♂ ♒ ♄ -- -- ♓ -- ♃ ♀

Das ~Speculum astrologicum~ oder die Stellung der Gestirne war demnach bei der Geburt des Prinzen:

Fig. 3.

+-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ |Reihe der Häuser:| I | II| III| IV| V | VI| VII|VIII| IX| X| XI|XII| +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ |Thierkreis: | ♈| ♉ | ♊ | ♋| ♌| ♍ | ♎ | ♏ | ♐| ♑| ♒| ♓| +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ |Ascendente: | | | | | | | | | | | ♂ | | +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+ |Exaltation: | | | | | | | | | | | | ☉| +-----------------+---+---+----+---+---+---+----+----+---+--+---+---+

Der Mars stand im Wassermann, der Wassermann ist das Haus des Saturn (siehe Figur 1) und ist das eilfte Haus, im zwölften steht die Sonne in Exaltation (vgl. Figur 2 erste Zeile). Das sind die Elemente dieses einfachen Horoskops, auf das man so großes Gewicht legte.

[68] In der That ist es nur eine flache Sandzunge, welche ins Meer vortritt und von einem Riffe umgürtet ist, welches kaum eine deutsche Meile lang ist. Nur ungeschickte Küstenfahrer konnten davon zurückgeschreckt werden.

[69] Studien über das Klima der Mittelmeerländer. Gotha 1879. S. 25 im Ergänzungsheft Nr. 58 der „Mittheilungen“.

[70] +Fr. Kunstmann+, Die Handelsverbindungen der Portugiesen mit Timbuktu im XV. Jahrh. d. Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. VI., I. Abthl. 178.

[71] ~e la costa è tutta terra bassa, copiosa di bellissimi e grandissimi arbori verde.~

[72] ~tutta bagnata di molte riviere e fiumi piccoli.~

[73] Ein Italiener war sogar bis Timbuktu vorgedrungen (+Peschel+, Geschichte der Erdkunde. 2. Auflage. 190).

[74] +Peschel+, Zeitalter der Entdeckungen. 2. Auflage. S. 55.

[75] H. +Major+, ~Prince Henry. 277 et seq.~

[76] ~Margarita phil. Basil. 1508. Lib. VII. Cap. XLII.~

[77] Der von Regiomontan erfundene Jakobsstab oder Kreuzstab bestand aus einem längeren graduirten Ellenstabe mit verschiebbarem kürzerem Querholz. Das Ende des Ellenstabes brachte man beim Visiren möglichst nahe vors Auge und schob dann das Querholz so weit, bis das eine, untere Ende den Horizont, das obere den Stern, dessen Höhe man messen wollte, berührte. In ähnlicher Weise konnte man auch den Abstand eines Sternes vom Monde messen. Wollte man Sonnenhöhen messen, so brachte man farbige Gläser an dem Querholze an, um das Auge zu schützen. Dieses Instrument bürgerte sich bald bei allen seefahrenden Nationen ein und hieß bei den Portugiesen ~balestilha~, bei den Spaniern ~baculo de Santiago~ (Jakobsstab), bei den Engländern ~cross-staff~, bei den Holländern ~graedboog~. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war er noch allgemein in Gebrauch.

[78] Auf unseren Karten gewöhnlich C. Montserrado.

[79] In der neuesten Zeit hat die portugiesische Regierung die Pfeiler wieder aufsuchen und ihre Stätte fixiren lassen.

[80] Die Karten Juans de la Cosa (1500) und S. Cabots (ca. 1525) verlegen die Manga das Areas, den äußersten Punkt der Fahrt, nördl. v. C. Negro.

[81] Die +Astrolabien+ dienten bereits bei den Griechen des Alterthums und bei den Arabern des Mittelalters zur Messung der Sternhöhen, d. h. des Winkels vom Horizont bis zur momentanen Stellung des Gestirnes (der Sonne, des Mondes). Einer unter den arabischen Astronomen, Ali ben Isa (um 833), erhielt sogar den Beinamen ~al astralabi~, der Astrolabienmacher, weil seine Instrumente besonders geschätzt und über das ganze mohammedan. Reich verbreitet waren. Die europäischen Gelehrten entlehnten bereits seit dem 11. Jahrhundert das Instrument von den Arabern. Dasselbe bestand in seiner einfachen Form aus einem großen Kreisbogen von Holz, in dessen Mitte um einen Zapfen sich ein Winkelzeiger (arab. Alidad) drehte, welcher an beiden Enden mit feinen Visirlöchern versehen war. Wenn das Instrument aufgehängt war, zeigte der eine Durchmesser des Kreises die horizontale Linie an, während der andere Durchmesser die verticale Richtung erhielt. Da der Holzkreis in Grade abgetheilt war, ließ sich durch die genaue Richtung des Alidad auf den Stern der Höhenwinkel auf dem graduirten Kreise ablesen. Regiomontan ließ in seiner Werkstatt in Nürnberg diese Instrumente verbessern und aus Metall herstellen und wahrscheinlich machte Martin Behaim die Portugiesen mit denselben bekannt. Gewiß ist, daß alle großen Seefahrer: Columbus, Gama, Magalhães sich der von den Deutschen verbesserten Instrumente bedienten.

[82] Gaspar Correa, Lendas da India. I, 5 (Lisboa 1858) nennt ihn Gonçalo de Pavia und bezeichnet ihn als eingeborenen Canarier.

[83] geboren um 1469 in Sines.

[84] +Henry E. J. Stanley+, ~The three voyages of Vasco da Gama and his Viceroyalty. From the Lendas da India of Gaspar Correa. London (Hakluyt Soc. MDCCCLXIX. p. VI.)~ Bei der folgenden Darstellung ist dieses Werk vielfach benutzt.

[85] +Osorio+ gibt an, die Helenabai und der Jacobusfluß seien nach dem Heiligentag benannt, St. Helena fällt auf den 18. August, Jacobus noch früher. Wenn nach Barros die ganze Fahrt bis dahin etwa 5 Monate gedauert, dann fällt die Ausfahrt auf die von Correa angegebene Zeit, in den März. Die Landung im August stimmt auch mit den Angaben der Winterzeit und den kurzen, dunklen Tagen. Die Dublirung des Caps müßte danach vor dem 20. Nov. (Castanheda) oder 22. Nov. (Barros) fallen.

[86] Barros gibt irrthümlich den 7. April an, vgl. +H. E. J. Stanley+, ~Vasco da Gama. p. 111. Note 1~.

[87] Diese Darstellung nach Correa scheint der Wahrheit mehr zu entsprechen als die Angabe Barros, der Mann sei ein Araber aus Tunis gewesen, der in Oran mit den Portugiesen verkehrt habe. Denn es klingt nicht wahrscheinlich, daß ein geborner Mohammedaner sollte seine Glaubensgenossen verrathen und, wie von allen Seiten berichtet wird, später den christlichen Glauben angenommen haben.

[88] Namentlich stehen sich Barros und Correa gegenüber. Wenn man jedoch die (von Correa +vor+ die Audienz verlegte) Gefangennahme Gama’s als eine Folge der offenen Aussprache des Capitäns in Gegenwart des Samorin auffaßt, und sie +nach+ der Audienz als eine eigenmächtige Maßnahme der mohammedanischen Partei annimmt, lassen sich die Berichte bis auf einen gewissen Punkt vereinigen.

[89] Barros läßt die Fahrt vor Eintreten des Monsuns beginnen, in Folge dessen die Schiffe, durch Windstille und Gegenwinde aufgehalten, viel Mannschaft verloren, da bei der langen Dauer der Fahrt Mangel an Wasser und frischen Lebensmitteln eintrat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß Gama, da er einmal von Kalikut vor der Monsun-Zeit aufbrechen mußte, nordwärts segelnd, den günstigen Fahrwind bei den Andjediven abwartete, als daß er gegen den Rath der Piloten sich zu früh über den Ocean gewagt.

[90] Correa’s Bericht erscheint auch hier in sich correct. Wie er die Flotte erst nach dem Auftreten des Monsun von der indischen Küste Abschied nehmen und mit günstiger Fahrt rasch nach Afrika gelangen läßt, ungehemmt durch Gegenwinde und Windstille, deren drückende Schwüle nach den Angaben der anderen Historiker die Ursache der zahlreichen Todesfälle unter dem Schiffsvolk gewesen sein soll, so daß in Folge dessen die Mannschaft zur Bedienung dreier Schiffe nicht mehr ausreichte, so weiß er auch nichts von dem nothwendig gewordenen Aufgeben des dritten Schiffes. Und dabei beruft er sich grade hier, wo er die Rückfahrt schildert, auf die authentischen Berichte des Geistlichen João Figueira, welcher als Augenzeuge seine Erlebnisse niederschrieb.

[91] Als Tag der Ankunft nennen Barros und Goes den 29. September, Correa den 18. September. Den Monat September gibt, ohne Tagesangabe, auch Castanheda an.

[92] Cruzado = 2,75 Mark.

[93] Der Quintal Pfeffer galt damals in Lissabon 80 Cruzados, Zimmt 180, Näglein 200, Ingwer 120, Muskatnuß 100, Mazis 300 Cruzados.

[94] +P. A. Thiele+, ~De vestiging der Portugeezen in Indië, (zie de Gids 1873. no. 8)~ Bl. 15. Anm. 1. führt das Auftauchen des Namens Brasilien bis ins Jahr 1504 zurück.

[95] +G. Correa+, Lendas I, 152 nennt den Capitän +André Gonsalvez+, der in der Liste des Barros unter den Führern der dreizehn Schiffe nicht mit aufgeführt ist. Werthvoll ist aber die Angabe Correa’s, weil er hinzufügt, derselbe Gonsalvez sei von König Manuel sofort mit einer zweiten Fahrt nach Brasilien beauftragt. Dies würde die Expedition sein, an welcher Vespucci theilnahm, und von der man bisher den Namen des Capitäns nicht kannte.

[96] +F. Kunstmann+, die Fahrt der ersten Deutschen nach dem portugiesischen Indien. München 1861. S. 2.

[97] +B. Greiff+, Tagebuch des Lucas Rem aus den Jahren 1494-1541. Augsburg 1861, mitgetheilt im 26. Jahresberichte des Histor. Kreisvereins im Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg.

[98] +Kunstmann+, a. a. O. S. 6.

[99] Ebenda. S. 8.

[100] Es war das Schiff des Sancho de Toar, von der Flotte Cabrals, welches 1501 hier gescheitert war.

[101] Tagebuch S. 8.

[102] ~The travels of Ludovico di Varthema, translated from the original edition of 1510 and edited by G. P. Badger (London, Hakluyt Soc. 1863).~ Eine deutsche Uebersetzung findet sich bereits in: „Die New Welt der Landschaften vnnd Insvln, etc.“, Straßburg 1534, Fol. 58 u. f. Eine lateinische Uebersetzung gab vorher Grynäus in seinem „~Novus orbis regionum ac insularum~“, ~Basil. 1532, fol. 189~ u. f.

[103] Diese und die Abbildung auf nächster Seite ist entnommen (Facsimile in ⅓ der Breite des Originals) aus: +Linschoten, Itinerarium ofte Schipvaert naer Oostofte Portugaels Indiën. Amsterdam 1614.+

[104] +N. de Gray Birch+, ~The Commentaries of the great Afonso d’Alboquerque. London, (Hakluyt Soc.) 1875. Vol. I. 225.~

[105] Vollständig wiedergegeben in den ~Commentaries of the great A. d’Alboquerque~. I, 227. 228.

[106] ~Dec. II. liv. III. cap. 9.~

[107] ~Dec. II, 4. 3. que usam vestir panno et outras cousas a nosso modo.~

[108] Ajuthia liegt nördlich von Bangkok am Menam. Sie war damals nicht blos die prächtige Residenz der Könige, sondern auch eine belebte Handelsstadt, in deren Hafen sich Schiffe aller ost-asiatischen Nationen, selbst der Japaner einfanden. Sie wurde 1555 zuerst vom Könige von Pegu zerstört und nach ihrem Wiederaufbau zum zweitenmale vom Könige von Birma 1767 vernichtet, so daß nur jene Ruinen übrig blieben, „die in einer Wildniß wuchernden Gestrüppes noch jetzt von der einst berühmten und glänzenden Residenz zeugen und in ihren gebrochenen Pagoden, von dichtem Epheu umflort, über die verwaiste Stadt zu klagen scheinen, die später wieder neben ihnen aufgebaut wurde, aber ihren Herrschersitz verlor“. +A. Bastian+, die Geschichte der Indochinesen. Leipzig 1866. S. 369. 371. 382.

[109] +Osorio+, ~de rebus Emmanuelis. Colon. 1586 p. 264^b. Elephantus accessit et ter genibus flexis et demisso corporis habitu venerabundus illum salutavit, quod non mediocrem admirationem spectantibus incussit.~

[110] Dagegen rühmt Osorio das milde Klima und die herrliche Gegend. ~Coeli temperies et regionis amoenitas.~ A. a. O. S. 191.

[111] Die Commentarien Albuquerques. ~Hakluyt Soc. 1875. III. 259. 264.~

[112] +Osorio+, ~de rebus Emmanuelis. Colon.~ 1586. S. 205^b.

[113] +de Barros+, ~Asia. Dec. II. 7. 6.~

[114] +de Barros+, ~Asia. Dec. II. 7. 7. Como El Rey D. Manuel per +muitas vezes+ lhe tinha escrito que trabalhasse por entrar no mar Roxo, e que pelas cartas da quelle anno lhe mandava +estreitamente+ que o fizesse, se o já não tinha feito.~

[115] Beschreibung von Arabien. Kopenhagen 1772. S. 230.

[116] +Osorio+ a. a. O. S. 285^b.

[117] Der Geheimsecretär Pereira hatte vor allem verlangt, Goa wieder aufzugeben und war deshalb mit Albuquerque zerfallen. Nach Portugal zurückgeschickt, hatte er auch dort fortwährend die falsche Ansicht verbreitet, Albuquerque gebe die Herrschaft auf der See auf, um die Portugiesen hinter ungesunden Mauern sterben zu lassen. +Osorio+, S. 252.

[118] ~Pois estou mal ante elle (El Rey) por amor dos homens, e mal com os homens por amor d’elle.~ +G. Correa+, Lendas II, 458.

[119] Es war ein natürlicher Sohn, Albuquerque war nie vermählt. Manuel befahl später, daß er den Vornamen seines Vaters, Alfons, annehmen solle. +G. Correa+, Lendas II, 461.

[120] Lendas II, 460.

[121] Commentarien III, 137. Aehnlich auch de Barros.

[122] ~De rebus Emmanuelis p. 306^b.~

[123] +Barros+, ~Asia. Dec. III, lib. 3. cap. 1. Parece que toda a fortuna delle Lopo Soares estava em ir, e vir com sua frota, e boa carga de especiaria.~

[124] Der Grund, weshalb Nuno nicht mehr Hilfe gesendet, lag darin, daß bereits im September Garcia de Noronha als sein Nachfolger im Amte eingetroffen war. Dieser aber brauchte zu viel Zeit für seine Vorbereitungen, so daß dieselben schließlich überflüssig wurden.

[125] +P. A. Tiele+, ~Nuno da Cunha in het Oosten (overgedrukt uit „de Gids“ 1879, No. 8)~ S. 48.

[126] +A. R. Wallace+, der malayische Archipel, deutsch von +A. B. Meyer+. I, 2. Braunschweig 1869.

[127] A. R. +Wallace+, a. a. O. II, 1 u. 2.

[128] +Wallace+, a. a. O. II, 4 u. 24.

[129] +Navarrete+, ~Coleccion de los viajes y descubr. tom V. p.~ 435. Madrid 1837.

[130] +Barros+, ~Asia. Dec. III., lv. V. p.~ 6.

[131] +A. R. Wallace+ a. a. O. I, 408 ff.

[132] +Navarrete+, ~l. c. V~, 435. 437. 438.

[133] +Wallace+ a. a. O. I, 417 ff.

[134] +H. Kiepert+, Lehrbuch der alten Geographie. S. 42.

[135] +Plinius+, ~hist. nat. VI. Extra ostium Indi Chryse et Argyre fertiles metallis, ut credo. Nam quod aliqui tradidere, aureum argenteumque iis solum esse, haud facile crediderim.~ -- +Pomp. Mela+, ~de situ orbis VII, 7~. ~Ad Tamum~ (ein unbestimmbares Vorgebirge) ~insula est Chryse, ad Gangen Argyre, altera aurei soli (ita veteres tradidere), altera argentei; atque ut maxime videtur aut ex re nomen, aut ex vocabulo fabula est~. -- ~+Solinus+, ed. Mommsen, p. 266, 11.~ ~Extra Indi ostium sunt insulae duae Chryse et Argyre adeo fecundae copia metallorum, ut plerique eas aurea sola habere prodiderint et argentea.~ -- +Isidor+, ~Etymolog. XIV, cap. 3. Chryse et Argyre auro et argento fecundae. Hi sunt et montes aurei, quas adire propter dracones et gryphos et immensorum hominum monstra impossibile est.~ -- ~+Ravennatis+ Cosmogr. ed. Pinder et Parthey p. 419. 420. In Oceano vero Indio sunt diversae insulae: Argire... Item est insula in eandem partem in eodem Oceano, quae dicitur Chrisi, id est aurosa.~ -- +Hrabanus Maurus+, ~De Universo XII, 5~. ~Crysae et Argyrae insulae in Indico oceano dictae.~ -- +Hugo von St. Victor+, ~Excerpt. prior. III, cap. 7. Argyria, Chrysa.~ -- +Petrus de Alliaco+, ~Imago mundi, cap. XV~. ~Crisa et Argire auro et argento fecundae.~

[136] +J. V. Zingerle+, Eine Geographie aus dem 13. Jahrh. Wien 1865.

S. 10. ~Agyrâ und Agyrê, die zwô grôzen inseln rîch, die ligent ouch dâ wunniklîch. si sint nâch alles wunsches kraft zu allen zîten berehaft, dâ naht und tag und alle frist daz lant ungebûwen grüen ist, und der erden blüende fruht, mit grôzer rîlîcher genuht gebernt die insel alliu zil goldes unde silbers vil, des ist mit grôzer rîcheit dâ, vil mêr, dann iender anderswâ.~

[137] +Barros+, ~Dec. III. C. 3. 3. cento et tantas leguas.~

[138] +G. Correa+, ~Lendas III~, 240.

[139] +G. Correa+, ~Lendas IV~, 306.

[140] Dritte Auflage. 1571.

[141] +K. v. Weber+, Anna Kurfürstin von Sachsen. Leipzig 1861. S. 332.

[142] ~Informação da aurea Chersoneso ou Peninsula e las ilhas Auriferas etc.~

[143] +P. A. Tiele+, ~de voorgewende ontdekking von Australie (Nieuw Holland) door de Portugeezen in 1601, overgedruckt uit de Nederlandsche Spectator 1875.~ -- +E. T. Hamy+, ~Le descobridor Godinho de Eredia, im Bulletin soc. geogr. Paris. Juin 1878. p. 311-442.~

[144] +P. A. Leupe+, ~Reize von Maarten Gerritss. Vries in 1643.~ Amsterdam 1858. Einleitung. S. 1-5. 24. 27.

[145] +Barros+, ~Asia, Dec. III. liv. I, 8~.

[146] Diese Insel, welche bei den Portugiesen Tamao oder Sancian genannt wird, heißt chinesisch San-tschuën, auf den europäischen Seekarten St. John und liegt südwestlich von der Mündung des Si-kiang, in dessen Gebiet die bekannte Handelsstadt Kanton gelegen ist.

[147] +Barros+, ~Asia, Dec. III, liv. 2. 8~.

[148] +Barros+, ~Asia, Dec. III, liv. 6. 1~.

[149] ~Peregrinaçam de Fernam Mendez Pinto. Lissabon 1614.~

[150] v. +Richthofen+, China. I, 647.

[151] +Theobald Fischer+, Ueber italienische Seekarten und Kartographen des Mittelalters, in Zeitschr. d. Gs. f. Erdk. zu Berlin. Bd. XVII. S. 5 u. folg.

[152] Ueber das Geburtsjahr des Entdeckers von Amerika, im „Ausland“ 1866. S. 1177-81.

[153] +M. F. de Navarrete+, ~Coleccion de los viajes y descubrimientos. tom. I. p. 311~.

[154] +Navarrete+ I, 285.

[155] +Navarrete+ I, 101.

[156] Daß hier eine litterarische Fälschung vorliegt, wird jetzt allgemein angenommen.

[157] ~Année veritable de la naissance de Christophe Columbe, im Bull. de la Soc. d. Geogr. Paris 1872. Juillet.~

[158] +Navarrete+, welcher der Ansicht war, Columbus sei 1436 geboren, substituirte die Zahl 48. ~Colleccion de los viajes y déscabr. I, LXXX.~

[159] +Harrisse+, ~D. Fernando Colon, historiador de sa padre.~ Sevilla 1871. +Schumacher+, Peter Martyr S. 94.

[160] +d’Avezac+ ~l. c. p. 32~. Möglicher Weise beruht auch die Angabe Pavia auf einem Druckfehler der „~Vida~“, wie solche mehrfach vorkommen, und man müßte statt dessen lesen ~patria~, wonach Col. seine Studien in seiner Vaterstadt gemacht.

[161] Kolno, ein kleiner Marktflecken im nördl. Polen, in Masovien, nahe der preußischen Grenze, südlich von Johannisburg. In latinisirter Form wird der Entdecker Johannes Scolnus (~i. e. zKolna~, von Kolno) genannt.

[162] +J. Lelewel+, ~Géographie du moyen age. Tom. III. et IV. No. IV. p. 106.~

[163] +Th. Fischer+, Ueber italienische Seekarten und Kartographen des Mittelalters. S. 42.

[164] +Humboldt+, Kritische Untersuchungen. I, 415. +Th. Fischer+ (a. a. O. S. 34) vermuthet B. Beccario als Verfasser.

[165] +Th. Fischer+ S. 34.

[166] Doch irrt Humboldt (krit. Untersuchungen I, 82) wenn er meint, d’Ailly kenne den Namen Catthay nicht. Derselbe findet sich neben andern modernen Ländernamen Asiens in der Imago Mundi Cap. XXIIII.

[167] d’Ailly nahm die folgende Zusammenstellung fast wörtlich aus +Roger Bacon+, ~opus majus p. 183~.

[168] +d’Avezac+, ~Année veritable de la naissance de Christophe Colombe. p. 50~.

[169] +Navarrete+ ~l. c. p. lxxix~. Hierbei mag erwähnt werden, daß vielleicht auch Leonardo da Vinci schon vor Toscanelli mit Columbus in Verbindung getreten und zu dem Plane, Indien im Westen zu suchen, angeregt hat. Leonardo da Vinci, ebensowohl ausgezeichnet als Physiker, Ingenieur, Architekt und Musiker, wie als Maler, soll 1473 einen Brief an Columbus gerichtet haben, worin er sich über die Wahrscheinlichkeit ausspricht, Orient-Indien auf dem intendirten Wege zu erreichen. (~Dr.~ +H. Grothe+, Leonardo da Vinci. Berlin 1874. S. 20.) Daß wir von Leonardo auch eine sehr interessante Erdkarte aus den Jahren 1514-16 besitzen, wird später besprochen werden.

[170] Toscanelli starb im Mai 1482.

[171] ~Bibliotheca Americana vetustissima, Additions. Paris 1872. Introduction p. XVI-XVIII.~

[172] Wahrscheinlich ist Nicolo de Conti gemeint (S. 77).

[173] Nach der falschen Erklärung Marco Polos. Vgl. oben S. 65.

[174] Kritische Untersuchungen I, 205 ff.

[175] Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 101 ff. Peschel rechnete folgendermaßen. Da 60 oder 62½ Milliarien 1 Aequatorialgrad betragen, so nahm Toscanelli für die Breite von Lissabon rund 50 Millien an. Folglich ist ein Spatium von 250 Millien = 5 Meridiangrade. Allein diese Rechnung ist zu unsicher. Denn nehmen wir die Lage Lissabon, nach den alfonsinischen Tafeln von 1483 zu 41° n. Br. an, so beträgt der Abstand von einem Meridian zum andern 45⅓ resp. 48⅓ Millien, je nachdem man 60 oder 62½ Millien einsetzt. Ein Spatium von 5 Graden würde demnach entweder 226⅔ oder 241⅔ Millien ausmachen. Da aber Toscanelli keinesweges behauptet, daß unter der Breite von Lissabon ein Spatium = 250 Mill. sei, sondern nur sagt, daß das Kartenblatt von Lissabon bis Quinsey in 26 Spatien eingetheilt sei, davon jedes auf 250 Mill. zu berechnen sei, so kann er ebensogut den Aequatorialwerth des Spatiums eingesetzt haben, ohne sich auf eine genaue Berechnung der Werthe für bestimmte geographische Breiten einzulassen. Nun begegnen wir um die Wende des 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts noch mehrfachen Schwankungen in den Angaben des Erdumfanges. Man hielt zwar an der Autorität des Ptolemäus fest, welche 180,000 Stadien für die Länge des Aequators angibt; allein die Bestimmung der Länge des Stadiums wurde verschieden versucht, bald nahm man 8, bald 8⅓ Stadien für eine römische oder italienische Millie. Neben der verbreiteten Angabe von 21,600 ital. Milliarien für die Länge des Aequators finden wir mehrfach auch die etwas größere Ziffer 22,500 röm. Mill. (G. +Reisch+, ~Margarita, lib. VII, tract. I. cp. 44~ und +P. de Mexia+, ~Silva de varia leccion, pars III. cp. XVIII, p. 118. verso~). Nach dieser Annahme ist ein Spatium von 250 Mill. genau 4 Grad. Nach der Ansicht Toscanelli’s betrug also der Abstand von Europa nach Asien 26 Spatien zu 4 Grad, d. h. 104 Grad. Es ist, fügt er in seinem Briefe hinzu, ungefähr ein Drittel des Erdumfangs, und gleichsam um dieses Maß noch etwas abzumindern, setzt er zum Schluß die Bemerkung, daß der Weg durch das unbekannte Meer nicht gar zu groß sei, so daß man daraus abnehmen darf, daß er den Weg eher geringer als ⅓ des Umfangs der Erde schätzt. Wenn Toscanelli ferner angibt, daß der Abstand von Antilia nach Zipangu 10 Spatien betrage, also nach unserer Rechnung 40 Grade, so stimmt das mit dem Globus Behaims sehr gut überein. Wie überhaupt die ganze Darstellung Ostasiens und der davor gelagerten Inseln auf dem Globus gewiß den Anschauungen Toscanelli’s entlehnt ist, denn Behaim konnte bei seiner einflußreichen Stellung in Portugal sicher Gelegenheit gefunden haben, die Karte Toscanelli’s und sein Project genau zu prüfen, und adoptirte dessen Darstellung. Auch noch eine andere Karte, welche sich in der römischen Ausgabe des Ptolemäus von 1508 befindet und von Ruysch entworfen ist, zeigt die nämliche Configuration Ostasiens und der Inseln, so daß beide Darstellungen unzweifelhaft auf Toscanelli zurückzuführen sind. Daß man auf der Behaim’schen Karte die Route des Columbus und dessen Ideen über die Localitäten, zu denen er gekommen zu sein meinte, recht gut verfolgen kann, werden wir später zeigen.

[176] ~Dec. I. liv. III. cp. XI.~ Anders und weitaus günstiger stellt +Muñoz+ (Geschichte der neuen Welt, II, 19) die Auffassung des Königs dar. Er habe, gegenüber dem abfälligen Bescheid der Commission, die Gründe des Columbus leidenschaftslos gewürdigt und würde einen Vertrag mit demselben abgeschlossen haben, wenn dieser nicht so übermäßig hohe, in Portugal ganz unerhörte Forderungen, ähnlich wie später in Spanien, gestellt hätte. Und nur hieran sei die Ausführung gescheitert. Man muß in der That die Kühnheit und Festigkeit des Genuesen bewundern, der obwohl arm und mittellos, doch nur um den höchsten Preis sich zu der Ausführung eines Unternehmens erbot, von dessen Gelingen er in innerster Seele überzeugt war. Der König Johann von Portugal war nach den bisher bei den Entdeckungsfahrten befolgten Grundsätzen nicht in der Lage, vollends einem Fremdlinge gegenüber, solche Forderungen zu befriedigen, und mußte die Verhandlung abbrechen, so daß dem Urheber des Planes jede Aussicht auf Erfolg benommen wurde. Daß der König Johann von Columbus eine günstige Meinung behielt, scheint daraus hervorzugehen, daß er denselben in einem Briefe vom 20. März 1488 noch mit der Bezeichnung: ~noso especial amigo~ beehrte. +Navarrete+ ~II, No. III. Carta del Rey de Portugal à Cristóbal Colon~.

[177] ~Paesi novamente ritrovate. Vicenza 1507.~

[178] +R. H. Major+, ~Select. Lettres of Columbus. Introd. p. lxxxix~, vermuthet, daß der Kopf des Christopherus auf der Karte Juan de la Cosas von 1500 ein Porträt des Columbus sei (siehe die Kartenbeilage).

[179] Vnbekanthe landte vnd ein Newe weldt in kurtz verganger zeythe erfunden. o. O. u. J.

[180] +Navarrete+ ~II, No. XIV. Carta del Duque de Medinaceli al Gran Cardenal de España.~

[181] +Navarrete+ ~II, No. II. Relacion de varias cantidades de maravedis, dadas de orden de los Señores Reyes à Cristóbal Colon.~

[182] +Navarrete+ II, 289. 2. ~edit.~

[183] Ebenda I, 391.

[184] Col. meint Jes. 24, 16. Von den Enden der Erde hören wir Gesänge. (Col. deutet die Enden der Erde auf Spanien.) Ferner Jes. 60, 9 u. 65, 17. Ich schaffe einen neuen Himmel und eine +neue Erde+ (die +neue+ Welt). Auf diese Stelle kommt Columbus in seinem Briefe an die Donna Juana de la Torre (+Navarrete+ II, 413) mit den Worten zurück: Gott machte mich zum Gesandten eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Und daß er es mit seiner Glaubenssendung ernst meint, spricht er in einem Brief von seiner dritten Reise aus. „In allen Ländern, welche ich besucht habe, ließ ich ein hohes Kreuz aufrichten. Ich erzähle den Einwohnern, was ich kann, von unserm heiligen Glauben und von dem Glauben an unsere heilige Mutter, die Kirche, welche ihre Glieder in aller Welt hat.“

[185] +Harrisse+, ~Bibl. Americana vetust. Introduction p. xlvi.~

[186] Es wird dereinst die Zeit kommen, wo der Ocean seine Fesseln sprengt, und der Erdkreis weit und breit sich aufthut, und das Meer neue Länder entschleiert, und Thule nicht mehr das äußerste Land sein wird.

[187] Krit. Untersuchungen I, 91.

[188] +G. de Lavigne+, ~Itineraire de l’Espagne.~ Paris 1866. S. 694.

[189] +Navarrete+ III, 578.

[190] Ebenda III, 540.

[191] Diese spanische Form seines Namens hat Columbus von nun stets beibehalten.

[192] +Navarrete+ I, 160. 2. ~edit.~

[193] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen II, 20.

[194] +O. Kuntze+ in Engler, botan. Jahrbücher. 1880. S. 191-239.

[195] +P. Martyr+, ~de rebus Oceanicis. Dec. I. lib. I. Colon. 1574. p. 3~.

[196] +Navarrete+ I, 299. ~Los cuales todos á una voz estaban determinados de se volver y alzarse contra el haciendo protestaciones.~

[197] Schon am 1. Oct. schätzte Columbus die Entfernung von Ferro auf 707 Meilen, während er in dem öffentlichen Schiffstagebuch nur 584 Seemeilen angab. Uebrigens weichen die Berechnungen der Piloten auf den drei Schiffen bedeutend von einander ab. Auf der Niña zählte man 650, auf der Pinta 634 Meilen, während der Pilot des Hauptschiffes 578 Meilen angab.

[198] ~Gua est apud eos articulus.~ +P. Martyr+, ~Dec. III. lib. 7. p. 285~.

[199] +A. Breusing+, Zur Geschichte der Kartographie, in J. J. Kettlers Zeitschr. f. wiss. Geogr. II, 193.

[200] +A. B. Becher+, ~The Landfall of Columbus. Introduction p. XII.~ London 1856.

[201] ~De rebus oceanicis. Dec. III. lib. 9. p. 308. De insulis autem, quae Hispaniolae latus septentrionale custodiunt, mentionem praetereo, quia licet piscationibus et culturis aptae sint, relictae tamen sunt a nostris tanquam pauperes.~

[202] +Navarrete+, ~vol. II. 2. ed. p. 460~.

[203] +R. Pietschmann+, Beiträge zur Guanahani-Frage, in Zeitschr. für wissenschaftliche Geographie. Band I. S. 7 u. 8.

[204] +Wash. Irving+, ~History of the life and voyages of Christopher Columbus. tom. 4. No. XVI~.

[205] Kritische Untersuchungen II, 130.

[206] +J. B. Muñoz+, Gesch. der neuen Welt. Weimar 1795. S. 139.

[207] +A. B. Becher+, ~The Landfall of Columbus. p. 103~.

[208] +F. A. v. Varnhagen+, ~La verdadera Guanahani~. St. Jago de Chile. 1864. -- Ders. Das wahre Guanahani des Columbus. Wien. 1869.

[209] +Navarrete+ ~I. Introd. p. 107. 2. ed.~

[210] +Becher+, ~The Landfall. p. 103.~

[211] +Becher.+ ~l. c. p. 103. As to the abundance of water: Columbus has been supposed to have meant that it was fresh, for he does not say, that it was so in his journal.~

[212] ~es la isla de Cipango de que se cuentan cosas maravillosas, y en las esperas que yo vi y en las pinturas de mapamundos es ella en esta comarca.~ Tagebuch vom 24. October. +Navarrete+ I, 190. 2. ~ed.~

[213] +Las Casas+ bemerkt dazu: „Ich verstehe dies Gerede nicht.“ Wenn aber Columbus überzeugt war, daß er Cipangu bereits hinter sich habe, so wird auch sein Ausspruch verständlich und durch einen Blick auf die Zeichnung Martin Behaims erklärt; denn er schätzte die Entfernung von 100 Meilen nach der Karte Toscanelli’s.

[214] Nach seiner Berechnung befand sich der Admiral am 2. November 1142 Leguas westlich von Ferro. 1 Legua = 4 ital. Seemeilen. (~Volunt lequam Hispani millia passuum quattuor continere, mari praesertim; terra vero tria.~ +P. Martyr+, ~Dec. II. lib. X. p. 200~). Rechnet man auf dem Parallel der Canarien 50 ital. Meilen auf 1 Grad, so betrug nach der Annahme des Columbus seine Entfernung von Ferro volle 91 Grad. Auf der Behaim’schen Karte liegt dieser Punkt zwischen Cipangu und der Küste Asiens in der Region der „zahllosen“ Inseln. In Wahrheit beträgt aber die Entfernung von seinem Standpunkte bis Ferro nur 60 Grad.

[215] ~Haiti dicitur asperitas, eorum vetere lingua.~ +P. Martyr+, Dec. ~III. lib. 7. p. 279~.

[216] „So erkannte ich, daß unser Herr wunderbarerweise (~milagrosamente~) unser Schiff gerade hier stranden ließ, weil es der beste Platz auf der ganzen Insel ist, und damit wir unsere Niederlassung möglichst nahe den Goldminen anlegen könnten.“ Tagebuch vom 6. Jan. 1493. +Navarrete+ I, 275. 2. ~ed.~

[217] Daß die Ausbreitung des christlichen Glaubens die spanischen Majestäten lebhaft beschäftigte, bezeugt auch +Peter Martyr+: ~Dec. I. lib. 1. ep. 1. 10. 9. Rex et regina, quorum omnes cogitatus vel dormientium, in religionis nostrae augmento sunt siti, sperantes ad Christi legem tot nationes et simplices gentes facile trahi posse.~

[218] +P. Martyr+ erwähnt mehrfach den Goldreichthum von Haiti und Cuba. ~Ex sola Hispaniola vehitur in Hispaniam quotannis quadringentorum et quingentorum, interdum millium ducatorum auri summa. Id ex quinta regia intelligitur, quae ad fiscum venit: octoginta, nonaginta et centum millium castellanorum auri et aliquando maior. Dec. III. lib. 8. p. 297. Hac hora, qua haec scribo, coacta esse in Cuba referunt castellanorum auri centum octoginta milia conflanda, magnum opulentiae argumentum. ibid. p. 306.~

[219] Es ist sehr auffällig, daß in einer im Archive der Stadt befindlichen Chronik Barcelonas, welche vom Jahre 1411 bis auf die Gegenwart geführt ist und alle kleinen Vorfälle innerhalb der Stadt verzeichnet hat, der Anwesenheit des Columbus im April 1493 mit keiner Silbe Erwähnung geschieht. +Harrisse+, ~Bibl. Amer. vet. Additions. p. IX.~

[220] +Peter Martyr+ ~Dec. I. lib. 1. p. 10~. Jobst Ruchhamer in seinem oben (S. 233) angeführten Werke gibt im Cap. 41 den Empfang des Columbus bei Hofe mit folgenden Worten: „Der Kunige vnd die Kunigin entpfingen disen Christoffel Dawber mit dem allerangenemsten angesicht, vnd thaten jme die allergrösten Eere, vnd liessen jne öffentlich sitzen vor Jnen, welches bey jnen ist von den ersten vnd grösten eeren. Vnd wolten, das er genant wurde +Ein wunderer des Meres Occeani+.“ Mit diesen letzten Worten überträgt Ruchhamer den Titel Almirante. Aehnliche confuse Verdeutschungen finden sich noch mehr. Aus Alonso Niño wird ihm ein Alonsus Schwartze, aus Lorenzo di Pier Francesco de Medici Laurentius petri artzte zu Florentia. Uebrigens wurde auch in der Sammlung von Reiseberichten, welche 1534 in Straßburg unter dem Titel: „Die New Welt der Landschaften vnnd Jnsvln“ herauskam, Admirans mit „verwunderer des Meers“ übersetzt.

[221] +Navarrete+, I, 314-321.

[222] ~Ibid. p. 327-343.~

[223] Tagebuch vom 13. Dec. 1492.

[224] Brief an Luis de Sant-Angel. +Navarrete+, I, 338 ~ob aequinoctiali linea distat (ut videtur) gradus sex et viginti~.

[225] ~Opus epistul. Ep. CXXXI ed. Compluti (Alcala) 1530 (ed. Amstelod. 1670: Ep. 130.)~

[226] ~Opus epistol. Ep. 136 (ed. Complu.) Ep. 135 (ed. Amstelod.).~ Man vergleiche damit Martyrs Ansicht in der ~Dec. I. lib. I. p. 8. Haec volui de psittacis recitasse: quamvis huius Christophori Coloni opinio, magnitudini sphaerae et opinioni veterum de subnavigabili orbe videatur adversari, psittaci tamen inde absportari atque alia multa, vel propinquitate, vel natura solum Indicum has insulas sapere indicant.~ „Mußte doch jeder Gebildete einsehen, daß die von dem Genuesen hartnäckig wiederholte Behauptung, Asien reiche ziemlich nahe an den Westen Europas hinan, aller geographischen Kenntniß entgegen war.“ +Schumacher+, Peter Martyr. S. 24.

[227] ~Dec. I. lib. I. p. 4.~

[228] ~Dec. III. lib. 7. p. 282.~

[229] ~quae linea distet a qualibet insularum, quae vulgariter nuncupantur de los Azores et Cabo Verde, centum leucis versus occidentem et meridiem.~ +Navarrete+ ~II.~ Nr. 18. ~p.~ 83.

[230] So viel als 11¼ Grad. Der Compaß zerfiel in 8 Winde oder 32 Viertelwinde (~quarte di vento~) oder 360 Grad, also ein Viertelwind gleich 11¼°. Vgl. +Breusing+, Zur Gesch. der Kartographie, in Kettler, Zeitschr. für wiss. Geogr. II, 132. 133.

[231] +Navarrete+ I, 395 und 402.

[232] Kosmos II, 317.

[233] +Navarrete+ ~II. No.~ LXXIV u. LXXV.

[234] ~Dec. II. X. p. 200.~

[235] +Navarrete+ I, 347-372.

[236] Bei +P. Martyr+, ~Dec. I. p. 19. Burichena.~

[237] Richtiger Guacanagari.

[238] +Navarrete+ I, 347-372.

[239] Siehe seinen Bericht bei +Navarrete+ I, 369.

[240] +P. Martyr+, ~Opus Epist. Alcala 1530. Ep. 165. Ex Hispaniola, quam admirantus ipse Colonus... Offiram Salomonis aurifodinam putat.~ Im weiteren Verlauf des Briefes bezieht sich Martyr darauf, daß Columbus selbst ihm geschrieben (~ad me scripsit~).

[241] +M. G. Pauthier+, ~Le livre de Marco Polo~. Paris 1865. II, 550. ~Et si vous di que en ceste mer de Cim qui est au levant, si comme dient les pescheurs et les saiges mariniers de ceste contrée, il ya vii mille quatre cens. lix (7459) isles, là où lesdis mariniers vont... Et si vous di, qu’il n’y a nulle de ces isles où il n’ait arbres moult bons et +de grant oudour+.~ Die Wunderberichte des Ritters Mandeville, welcher die Reisebeobachtungen des Odorich von Pordenone (siehe oben S. 72) in frecher Weise ausbeutet, schienen diese Angaben zu bestätigen. Wahrscheinlich fußte Columbus auf Mandeville, dessen Buch er mit sich führte.

[242] +P. Martyr+, ~Opus epist. 1530. No. 164: A laeva innumeras se vidisse insulas narrabat. Huius magnae telluris litoribus in mare advertit cadere flumina multiformia. In plerisque piscium ingentem copiam, alibi multa conchylia, ex quibus uniones abraduntur, invenit. Per maria se transisse inquit, testudinibus puta majoribus fere condensata.~

[243] Von der Ostspitze Cubas bis zur Isla de Pinos beträgt die Entfernung nur 8 Meridiane.

[244] +P. Martyr.+ ~Opus Epist. Ep. 164. Decad. I. 3. p. 35.~

[245] +Navarrete+ II, 162. Nr. LXXVI. ~Informacion y testimonio de cómo el Almirante fue á reconocer la isla de Cuba quedando persuadido de que era tierra-firme.~ Danach gab der Pilot der Caravele Niña Francisco Niño auf seinen Eid die Erklärung ab, daß es keine Insel geben könne, welche in ostwestlicher Erstreckung 335 Leguas lang sei. Seiner Erklärung schlossen sich auch die anderen kundigen Seeleute an, unter ihnen auch +Johan de la Cosa+, „~vicino de Puerto de Santa Maria, Maestro de hacer Cartas, Marinero de la carabela Niña~“. Es ist derselbe Juan de la Cosa, dem wir die erste noch erhaltene Karte der neuen Welt verdanken, auf welcher er, trotz seines Schwurs, sechs Jahre später, Cuba als Insel darstellte.

[246]

Cadiz liegt 6° 17′ W. v. Greenwich, Saona, Ostspitze 68° 35′ „ „ ------------------------------------------- Differenz 62° 18′, so daß Columbus sich also in seiner Längenbestimmung um 18° 27′ verrechnete.

[247] +Muñoz+, Geschichte der neuen Welt. V, 25. S. 293.

[248] +Navarrete+ II, 118-120.

[249] +Navarrete+ I, 391-412.

[250] Die Insel Cuba, welche Columbus für das Gestade Asiens hielt.

[251] Columbus gerieth in die Region der Calmen.

[252] ~Ibi malaciis et ardoribus adeo (ut ait) oppressus fuit, ut fere navigia illa incenderentur.~ +P. Martyr+, ~Dec. I. VI, 70~.

[253] +P. Martyr+, ~Dec. I. VI, 71 capillis quasi more Hispano scissis in fronte~.

[254] ~Ibi se, ex quo navigare a teneris coepit, nusquam tantum formidasse fatetur.~ +P. Martyr+, ~Dec. I. VI, 73~.

[255] +P. Martyr+ (~Dec. I. VI, 75~) berichtet fast wörtlich dasselbe.

[256] Vgl. +Humboldt+, Kosmos II, 317.

[257] ~que en poco espacio haga tanta diferencia en cielo.~ +Navarrete+ I, 404. +P. Martyr+, ~I. VI. p. 76/7. De poli varietate quaedam refert, quae quoniam +contra omnium astronomorum sententiam+ prolata mihi videntur, sicco pertingam pede. Compertum est, polarem illam stellam, quam nautae nostri Tramontanam vocant, non esse arctici poli punctum etc.~ Aber wie der Stern Abends 5 Grad und Morgens 15 Grad hoch stehen kann, fasse ich nicht, sagt P. Martyr, auch die Gründe billige ich nicht, welche Columbus für seine Ansicht von der Birnengestalt der Erde anführt. Er schließt dann mit den Worten: ~De his satis, cum +fabulosa mihi videntur+.~

[258] Da man nur die Continentalmasse der alten Welt kannte, lag also jene Gegend am östlichen Gestade Asiens, in dessen Nähe Columbus schon auf der ersten Reise gekommen zu sein wähnte. Vgl. den Behaim’schen Globus.

[259] Dort fand Col. die Rechtweisung der Magnetnadel, von dort begann sich die Temperatur gegen Westen zu auffällig zu mildern.

[260] Udjen oder Udjein in der Landschaft Malwa in Vorder-Indien, mitten zwischen Dehli und Bombay gelegen, in der Nähe des Wendekreises, eine heilige Stadt der Inder, nicht eine Insel, wie spätere Kosmographen annahmen. Von hier zählten die indischen Astronomen den ersten Meridian. Wie der indische Laut ~dj~ arabisch ~z~, also aus Udjein, Uzein, Ozein, Ozin wurde, und wie diese Form dann von den Copisten noch in Arin verstümmelt wurde, darüber vgl. +Reinaud+, ~Memoire sur l’Inde. p. 373.~

[261] Hier erst beginnt das Gebiet der eigentlichen Neger.

[262] Beide liegen nahe dem 10. Grad n. Br., so daß Columbus in seinen Beobachtungen oder Schätzungen sich um 5 Breitengrade irrte.

[263] Krit. Untersuchungen II, 76.

[264] Col. denkt an den schon erwähnten äußersten Ostrand Asiens, diesem Punkte gegenüber schuf Gott die Sonne. (!)

[265] Daß Col. den Aristoteles nicht selbst gelesen, ist gewiß. Seine Gewährsmänner, welche sich auf Aristoteles beziehen, haben aber denselben offenbar misverstanden. (~Arist. Meteorol. II. 1, 15.~)

[266] +Peschel+, Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 228.

[267] Zeitalter der Entdeckungen. 2. Aufl. S. 230.

[268] Kosmos II, 304.

[269] +Las Casas+ I, ~cp.~ 160 ~ms.~ bei Peschel. ~l. c.~ S. 238.

[270] In den königlichen Briefen vom 21. und 26. Mai 1499 (+Navarrete+ II, No. 127 und 128. +Las Casas+ I, ~cp.~ 179. ~ms.~) wurde Columbus nur als „Admiral des Weltmeers“, nicht mehr als Vicekönig bezeichnet.

[271] +Peter Martyr+ urtheilt über das Verfahren gegen Columbus wie ein vorsichtiger Diplomat, wenn er schreibt: ~Quid in praefectum et ejus fratrem, quidve in illos qui eis adversati sunt, fuerit perquisitum, non bene percipio. Hoc unum scio: capitur uterque frater in vincula, omnibus bonis spoliatus, conjectus ducitur. (Dec. I. VII. p. 86.)~

[272] ~Dec. I. IV. c.~ 10.

[273] ~Agora será mi viage en nombre de la Santa Trinidad, y espero della la vitoria.~ +Navarrete+ I, 479.

[274] Opposition des Jupiter und des Mondes, Conjunction des Merkur mit der Sonne. Ausführliches bei +Peschel+, Zeitalter. S. 288. Anmerkung 3.

[275] +P. Martyr+ schreibt Guanassa.

[276] +Columbus+, Brief aus Jamaica. +Navarrete+ I, 446.

[277] +P. Martyr+, ~Dec III. 4. p. 242. Regio Quicuri, in qua portus est +Cariai+, ab ipso Almiranto Myrobalanus appellatus.~ Columbus schreibt Cariay und nannte den Ort Myrobale, weil er eine Baumfrucht für die indische Myrobalane hielt. Er zweifelte nicht mehr, an der Küste Indiens zu sein, wie auch aus dem folgenden hervorgeht.

[278] ~Asia, cp. XII. Opera geogr. Francof. et Lips. 1707. p. 22.~

[279] Diese Berechnung der Größe eines Aequatorialgrades zu 56⅔ arabischen Meilen stammt von der Erdmessung arabischer Astronomen unter dem Chalifen Almamun. Columbus entlehnte dieselbe aus seinem beliebten Gewährsmanne Pierre d’Ailly (~Comp. Cosmogr.~ ~cap.~ 4).

[280] +P. Martyr+, ~Dec.~ III. IV, 247.

[281] Col. schreibt darüber in seinem Briefe aus Jamaica: „Man versichert, daß beim Tode der Fürsten von Veragua mit ihren Leichen all ihr Gold beerdigt werde. Man brachte zu Salomo von +einer+ Reise 660 Centner Gold, außer dem, was die Kaufleute und Seeleute besaßen und außer dem, was man in Arabien kaufte. Er machte aus diesem Golde 200 Lanzen und 300 Schilde und andern Schmuck, sowie eine große Zahl mit Edelsteinen besetzter großer Gefäße. Josephus erzählt davon in der Chronik de Antiquitatibus und meint, daß dieses Gold von dem goldenen Chersonese (~en la Aurea~) stamme. Wenn dem so ist, so behaupte ich, daß diese Minen der Aurea absolut dieselben sind, wie in Veragua. Salomo kaufte all dies: Gold, Silber und kostbare Steine, und hier hat man es nur suchen zu lassen, wenn man will. David hinterließ in seinem Testamente 3000 Ctnr. indisches Gold dem Salomo zum Tempelbau, und nach Josephus kam es aus diesen Ländern.“ Columbus hatte zwar die Meerenge nicht gefunden; daß seine Zeitgenossen aber an ihrer Existenz auch noch Jahre lang nach dem Tode des Entdeckers nicht zweifelten, läßt sich aus mehreren Karten jener Zeit erkennen. Die Meerenge ist gezeichnet auf dem Globus der Lenoxbibliothek in New-York etwa vom Jahre 1507, ferner auf zwei Globen in der Sammlung des Feldzeugmeisters Fr. R. v. Hauslab in Wien, deren Entstehungszeit nach F. A. de Varnhagen in die Jahre 1509 u. 1513 fallen mag, sodann auf den beiden Globen von Johannes Schöner von 1515 (in Frankfurt a. M. und in Weimar) und vom Jahre 1520 (in Nürnberg), weiterhin auf der handschriftlichen Globuszeichnung von Leonardo da Vinci (etwa 1515-1516) und endlich auf der Weltkarte des P. Apianus (in Camers’ Ausgabe des Solinus, Wien 1520). Vgl. darüber Fr. +Wieser+, Magalhâes-Straße, Innspruck 1881. S. 15, 27, 42. Anm. 3.

[282] Brief aus Jamaica. 1503.

[283] +Las Casas+, ~hist. Ind. II~, 37.

[284] +W. Irving+, Christoph Columbus, Buch 18, Cap. 3.

[285] Die Angaben, man habe 1877 in Domingo die wahren Ueberreste des Columbus aufgefunden, sind falsch; man fand Gebeine von den Verwandten.

[286] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen I, 91.

[287] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen II, 17.

[288] +Humboldt+, Krit. Untersuchungen II, 107. 108.

[289] Vergleiche Breusings Urtheil in der Zeitschrift für wissenschaftl. Geographie II, 193. 194.

[290] +Navarrete+ II, 289 u. folg.

[291] ~La Sancta Trenydad guarde à Vuestras Alteças como deseo y menester habemos, con todos sus grandes estades y senorios. De Granada à seys de hebrero de mill y quinientos y dos años.~ (Die heilige Trinität bewahre Eure Hoheiten, wie ich bitte und wie wir es bedürfen, mit allen ihren Staaten und Herrschaften. In Granada am 6. Febr. 1502.) Man vergleiche mit diesem frommen Briefschlusse die nüchterne geschäftsmäßige Form, mit welcher Vespucci unterzeichnet. Χρο Abkürzung für Χριστος = der Haupttheil von Columbus’ Vornamen, ~ferens~ die letzte Hälfte = Christus-Träger.

[292] +V. Margry+, ~Les navigations françaises~. ~p.~ 362. Paris 1867.

[293] ~The Landfall of Columbus p.~ 283.

[294] Leben des Columbus, Anhang Nr. XXXV.

[295] Krit. Untersuchungen II, 284.

[296] ~Psalterium Hebreum, Grecum, Arabicum et Chaldeum cum tribus interpretationibus et glossis~ 1511.

[297] +Harrisse+, ~Bibl. Am. Vetust. p.~ 154.

[298] ~Opus Epistol. Compluti (Alcalá)~ 1530. ~Ep.~ CXXXI.

[299] ~ibid. Ep.~ CXXXIIII.

[300] ~Ep.~ CXXXV.

[301] ~Ep.~ CXXXVI.

[302] ~Ep. CXXXXIII.~

[303] ~Epist. CLIII.~

[304] ~Copia de la lettera per Columbo mandata ali Sere^{me} Re et Regina di Spagna: de le insule et luoghi per lui trouate. Stampata in Venetia (a nome de Constantio Bayuera citadino di Bressa) per Simone de Louere. a di~ 7 ~di Mazo~ 1505. Dieser Brief ist im höchsten Grade selten geworden. Im Jahre 1810 wurde er in Venedig wieder abgedruckt unter dem seit der Zeit allgemein üblichen Titel ~lettera rarissima~.

[305] Vergleiche +Breusing+, Zur Geschichte der Kartographie in Zeitschrift für wissenschaftl. Geogr. II, 185. Daß Columbus bei einem Seezuge im Mittelmeer die grobe List gebraucht habe, der Rose über der Magnetnadel Abends die entgegengesetzte Richtung zu geben, um die Matrosen über die Richtung der Fahrt zu täuschen, wird als ungeschickte Erfindung bezeichnet, weil auf nichts an Bord so genau acht gegeben wird als auf die Richtung des Windes und schon aus der Vergleichung der Windrichtung mit dem herrschenden Seegange sich die Täuschung ergeben hätte.

[306] +Harrisse+, ~D. Fernando Colon, Historiador de su padre~. Sevilla 1871. 4^o. Dagegen schrieb d’+Avezac+: ~Le livre de Fernan Colomb.~ Paris 1873.

[307] Die New Welt der Landtschaften und Inseln. Straßburg 1534. Fol. 37.

[308] Von dieser anmuthigsten aller spanischen Rittergestalten entwirft Las Casas ein mit Vorliebe gezeichnetes Bild (+Navarrete+ III, 163). Hojeda war von kleiner Gestalt, aber von vollendetem Ebenmaß und von angenehmer Erscheinung, in dem schönen Gesicht ein Paar große Augen. Er war in allen Leibesübungen außerordentlich gewandt und sicher. Als einst die Königin Isabella auf den Thurm der Kathedrale zu Sevilla stieg, um von da aus die klein erscheinenden Menschen, welche unten standen, zu betrachten, stieg er auf einen Balken, welcher zwanzig Fuß aus dem Thurme herausragte und schritt auf demselben hin bis zum Ende, drehte sich hier auf einem Fuße herum und schritt mit derselben Schnelligkeit wieder zum Thurm zurück. Es war einer der verwegensten Streiche, die man ausführen konnte; alle, die es mit ansahen, zitterten vor Aufregung. Dann stellte er sich an den Fuß des Thurmes und warf eine Pommeranze bis zur Thurmspitze hinauf, um die außergewöhnliche Kraft seines Armes zu zeigen. Er war unserer lieben Frauen ergeben und schwur stets bei der Jungfrau Maria.

[309] +Navarrete+ III, 317. Juanoto Berardi starb 1495.

[310] ~Neque enim desunt, qui se circuisse Cubam audeant dicere. Dec. I. cp. VI, p.~ 78.

[311] W. Irving besuchte 1828 diese Plätze und hat davon eine eingehende Schilderung gegeben, welche als ~A visit to Palos~ seinem Werke „~Voyages and Discoveries of the Companions of Columbus~“ beigegeben ist. Palos ist ein armes Dorf, eine viertel englische Meile vom Fluß entfernt, in einer Bodensenkung. Es hat nur einige hundert Einwohner, welche sich lediglich von Feld- und Weinbau nähren. Die besseren Familien, darunter die noch blühende, angesehene Familie der Pinzone, sind alle in Moguer ansässig. In Palos gibt’s weder Schiffer noch Kaufleute. Kein Schiff gehört dem Platze, am Ufer finden sich keinerlei Hafenbauten. Das Volk ist ganz unwissend, und vermuthlich kennen die wenigsten den Namen Amerika.

[312] +Navarrete+ III, 542.

[313] +P. Martyr+, ~Dec. I. lib. VIII, p.~ 87 ~et seq.~

[314] +P. Martyr+, ~Dec. I. lib. VIII, p.~ 90. 91.

[315] ~este cabo se descubrio en ano de mil y CCCC CIX por Castilla, syendo descobridor vincentians (Vicente Yañez).~ Trotz der beiden, auf der beigegebenen Karte bezeichneten Defecte im Original können wir auf Cosa’s Karte den Verlauf der Entdeckung recht wohl verfolgen.

[316] Nach ihrer Heimkehr richtete P. Martyr an die Entdecker die Frage, ob es auch einen antarktischen Polarstern gäbe, was verneint wurde. ~Dec. I. lib. IX. p.~ 96.

[317] ~Verzinum mercatores Itali, Hispani brasilum appellant.~ +P. Martyr+, ~Dec. I. lib. IX. p. 99~.

[318] ~ut ipsi putant, ultra urbem Cataii et littus Indicum, ultra Gangem percurrerant.~ +P. Martyr+, ~l. c. p. 101~.

[319] ~Quatuor Americi Vesputii navigationes. Urbs Deodate (St. Dié) 1507.~ Diese „Vier Schifffahrten“ des Vespucci wurden zusammen mit der ~Cosmographiae Introductio~ von Martin Waltzemüller veröffentlicht, in welcher zuerst der Name „Amerika“ für die neue Welt vorgeschlagen wurde. Amerigo nennt in seiner zweiten Schifffahrt den leitenden Capitän nicht, nennt den Mai 1499 als Abfahrtszeit und den September 1499 als Zeit der Rückkunft, und doch sagt er, die Schiffe seien ein ganzes Jahr unterwegs gewesen. Die Zeitbestimmungen sind offenbar falsch. Die Gründe für die Annahme, daß Vespucci auf Lepe’s Schiffen mitfuhr, liegen in dem Verlauf der Fahrt. +Humboldt+ (Krit. Untersuchungen II, 428 u. f.) hat versucht, Vespucci’s zweite Fahrt mit der ersten Reise des Vicente Yanez Pinzon zu identificiren, d’Avezac weist, wohl richtiger, auf Lepe hin. (~Bull. Soc. géogr. Paris 1857. Avril et Mai.~)

[320] Bastidas war ~escribano~ (Notar) ~de Sevilla~. +Navarrete+ III, 25.

[321] +Navarrete+ III, 95.

[322] In der deutschen Uebersetzung des Briefes an Lorenzo Pierfrancesco de Medici (auf der königl. öffentl. Bibl. zu Dresden) lautet die Schilderung folgendermaßen: Vnd das ich mit einē wort alle ding begriffe solt du wissen, das in Sechtzig tagen vn̄ siben tagen die wir schiffeten vier vn̄ viertzig tag an vnderlaß an einander gehebt habē mit kegen tonnern vn̄ plitzen so gar finster das wir weder Sonnen im tag noch liechtē hymel in der nacht nie gesehen haben, Da von so geschach das vns solicher grosser schrecke einfiel das wir gar nach alle hoffnuug vnsers lebens hinwurffen, In solichen angsten dennoch vn̄ so wütungen des mers vn̄ des himels gefiel dem hochstē gott vns ze zeygen ingewont ertrich vn̄ new lantschafften vn̄ ein vnbekante welt.

[323] Vgl. Kunstmann und Thomas, Atlas zur Entdeckung Amerikas, München 1859.

[324] Nach +Humboldt+, Kritische Untersuchungen III, 10 sinkt dasselbe in der südl. Breite von 16° 24′ unter den Horizont.

[325] Der Stern η des großen Bären verschwindet unter 18° 10′ s. Br. (+Humboldt+ a. a. O.)

[326] „In der Geschichte der Geographie ist es, wie in allen übrigen Fällen, oft der Klugheit angemessen, nicht alles erklären zu wollen.“ +Humboldt+, Krit. Untersuchungen III, 14. Ob Vespucci so weit nach Süden vorgedrungen, bleibt immerhin fraglich. Er würde dann sicher darauf aufmerksam gemacht haben, daß ihm das Sternbild des großen +Bären ganz+ aus dem Gesichtskreise entschwunden sei.

[327] Vnbekanthe landte vnd eine Newe welt. Cap. CXXI.

[328] Die Dresdener Ausgabe ist in +Harrisse+, ~Bibl. Am. Vet.~ nicht beschrieben, das Exemplar zu Dresden weicht von der unter Nr. 38 (S. 81) beschriebenen Ausgabe im Druck etwas ab. Die letzten Zeilen der letzten Seite lauten im Dresdner Exemplar: Auß lateyn ist dyß missiue in Teusch ‖ gezogen auß dem Exemplar das von Paryß kam im meyen mo-|net Nach Christi geburt. xv. hundert vnd funff jar. Das von +Harrisse+ beschriebene Exemplar liest: „diß missiue in Teutsch“ und weiter „XV. hundert vnd funff jar“.

[329] ~Dum igitur proficiscar in orientem, iter agens per meridiem, Noto vehar vento. Grynaeus, Novus Orbis. Basil. 1532. p. 130.~

[330] ~Quo superbiam modo iustus omnium censor Deus compensat.~ (~Quarta Navigatio. Urbs Deodate. Anno supra sesquimilesimum. vij.~)

[331] +Navarrete+ I, 351.

[332] Zuerst veröffentlicht von +Harrisse+ in ~Bibl. Am. Vet. Additions~. Paris 1872, S. XXVII. Man vergleiche +Humboldt+, Krit. Untersuchgn. III, 111 u. ff.

[333] Krit. Untersuchungen III, 24.

[334] +Martin Waltzemüller+, ~Cosmographiae Introductio~. St. Dié 1507. ~Globus Mundi declaratio.~ Straßburg 1509. (auf d. Titel). ~Opusculum de mirabilibus.~ Rom 1510. ~fol. 101.~ -- +Joh. Schöner+, ~Luculentissima quaedam terrae totius descriptio. Noribergae 1515. cp. XI. fol. 60~. -- +Montalboddo+, ~Paesi novamente retrouati & Nouo Mondo da Alberico Vesputio florentino intitulato. Milano 1519. -- +Stobnicza+, ~Introductio in Ptolemaei cosmographiam. 1519. fol. 5~. -- ~Albertus +Pighius+ Campensis de æquinoctiorum solstitiorumque inventione. Parisiis 1520. p. 28~. -- +Vadianus+, ~Pomponii Melae de orbis situ~. Basel 1522. Das Werk beginnt mit einem 1512 geschriebenen Briefe Vadians an Rudolf Agricola, worin steht: ~America a Vespuccio reperta~ u. s. w.

[335] +Martin Waltzemüller+ aus Freiburg im Breisgau, ist etwa um 1480 oder 1481 geboren. Er war befreundet mit dem Elsasser Matthias Ringmann, dem Schüler des berühmten Philologen Jakob Wimpfeling. Nach der Sitte der Zeit nahmen beide in späterer Zeit latinisirte Namen an: Waltzemüller nannte sich Hylacomylus oder Ilacomilus (eigentlich eine Uebertragung aus Wald(see)müller), Ringmann dagegen Philesius mit dem Zusatze ~vogesigena~, weil er aus den Vogesen stammte. Als nun ums Jahr 1507 auf Anregung des reichen Canonicus Walther Lud und unter den Ausspicien des Herzogs René von Lothringen in der Stadt St. Dié an der Meurthe ein Gymnasium und eine Druckerei errichtet worden, berief man Ringmann und Waltzemüller an die neue Schule. Ringmann hatte in Italien den berühmten Mathematiker und Architekten Fra Giovanni del Giocondo, einen Dominikaner, kennen gelernt, welcher, mit Vespucci befreundet, den Brief dieses Reisenden über seine dritte Entdeckungsfahrt ins Lateinische übertragen hatte. So wurde er mit den glänzenden Erfolgen des Florentiner Reisenden bekannt und gehörte bald zu seinen Verehrern, so daß er die lateinische Uebersetzung Giocondo’s noch einmal in Straßburg 1505 durch den Druck veröffentlichte. In St. Dié gab dann Waltzemüller mit seiner ~Cosmographiae introductio~ zugleich alle vier Schifffahrten des Vespucci heraus. Daneben entwarf man den Plan, eine neue Ausgabe des Ptolemäus zu veranstalten, für deren bedeutende Kosten Walther Lud eintrat. Diese berühmte Ausgabe erschien aber erst zwei Jahre nach Ringmanns Tode († 1511) in Straßburg und wurde hauptsächlich durch Waltzemüller besorgt. Die berühmte Weltkarte dieser Ausgabe, ~Orbis typus universalis iuxta hydrographorum traditionem~ haben wir bereits in verkleinerter Copie der 36. Abtheilung der „allgemeinen Geschichte in Einzeldarstellungen“ beigegeben. Man vermuthet, daß diese Karte die Copie einer Originalzeichnung des Vespucci sei. Wie unklar die Vorstellungen des lotharingischen Gelehrten waren, erhellt daraus, daß er in der Vorrede zu dem Supplement seines Ptolemäus von einem gewissen Admiral des +portugiesischen+ (!) Königs Ferdinand spricht (~Admiralem quendam serenissimi Portugaliae regis Ferdinandi~), während die der Weltkarte folgende „~tabula terre nove~“, auf welcher die Küsten der neuen Welt in größerem Maßstabe dargestellt sind, in dem nördlichen Theile des südamerikanischen Continentes die Inschrift trägt: „Dieses Land sammt den angrenzenden Inseln ist auf Befehl des Königs von Castilien durch den Genuesen Columbus entdeckt worden.„(~Hec terra cum adiacentibus insulis inuenta est per Columbum Januensem ex mandato Regis Castelle~). Und trotzdem schlug Waltzemüller vor, dem „Entdecker“ zu Ehren das neue Land Amerika zu nennen.

[336] Pizarro ist der natürliche Sohn eines spanischen Hauptmanns und in Trujillo geboren. In seiner Jugend soll er die Schweine gehütet haben und ohne Unterricht aufgewachsen sein. Gewiß ist, daß der spätere Eroberer Peru’s des Schreibens unkundig war. Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Das Jahr 1471, welches in der Regel angegeben wird, paßt nicht zu der Mittheilung, daß Pizarro, um einer Züchtigung von seiten seines Vaters zu entgehen, entlaufen sei und sich nach Westindien habe anwerben lassen. Denn wenn wir auch annehmen, daß er schon ums Jahr 1500 den Boden der neuen Welt betreten habe, so mußte er doch in seinem 29. Jahre längst der väterlichen Ruthe entwachsen sein. Mehr Glauben verdient die Angabe Herrera’s (~Hist. gen. dec. VI. lib. X. cap. 6~), daß Pizarro 63 Jahre alt geworden sei. Da er 1541 ermordet wurde, fällt demnach das Geburtsjahr auf 1478.

[337] +Navarette+ III, 374. ~porque ningund bachiller acá pasa que so sea diablo y tienen vida de diablos, é no solamente ellos son malos, mas aun fasen y tienen forma por donde haya mil pleitos y maldades.~

[338] +M. Wagner+ und +C. v. Scherzer+, die Republik Costa Rica. Leipzig 1857. S. 359-392.

[339] +P. Martyr+, ~Dec. III. lib. I. Col.~ 1574 ~p.~ 210.

[340] +Navarrete+ III, 343.

[341] +Navarrete+ III, 393-456. +Cl. R. Markham+, ~The narrative of Pascual de Andagoya. Hakluyt Soc. for 1865. vol. 34.~

[342] ~El anno de mil e quinientos e catorze: passo a la terra firme un infelice gouernador; crudelissimo tirano: sin alguna piedad ni aun prudencia: como un instrumento del furor divino.~ +Las Casas+, ~Brevissima relacion de la destruycion de las Indas~. Sevilla 1552. ~fol. b iiii.~

[343] +Andagoya+ in Navarrete, ~Col.~ III, 413.

[344] +J. G. Kohl+, (die beiden ältesten Generalkarten von Amerika. Weimar 1860, S. 169) vermuthet, daß die auf den Karten von 1527 und 1529 angegebenen Sierras de Gil Gonzalez de Avila mit den Bergen südlich von Soconusco, in der mexikan. Landschaft Chiapas, zwischen 15 und 16° n. Br. identisch seien.

[345] Ueber den sog. Jungbrunnen vgl. +Martyr+. ~Dec. II. lib. X. p.~ 202.

[346] Der Reisebericht desselben ist von +Herrera+ (~Dec. I. lib. X. cp. 16~) benutzt.

[347] Schon frühzeitig ist behauptet worden, Sebastian Cabot habe das Land vor Ponçe gesehen. +De Thou+, ~historia sui temporis~. 1609. ~lib. X. c. 4.~

[348] +Bernal Diaz del Castillo+, Entdeckung und Eroberung von Neu-Spanien. Deutsch v. Rehfues. Bonn 1838. I. S. 4. Ferdinand Cortes stellt die Sache so dar, als ob Cordova, Lope Ochoa und Cristoval Morante sich zum Unternehmen vereinigt und die Mannschaft geworben hätten. ~Colecion de doc. inedit. para la historia de España. I, 422.~

[349] Viele von den alten kunstreichen Steinbauten waren schon zur Zeit, als die Spanier eindrangen, verfallen und gehörten einer früheren Kulturepoche an. Einer der spanischen Mönche, welche bald nach der 1540 und 1547 vollendeten Eroberung Yukatan’s ins Land kamen, Fray Lorenzo de Bienvenido, schreibt darüber am 10. Februar 1548 an König Philipp, daß die Gebäude in Merida aus behauenen Steinen kunstvoll erbaut, aber vielleicht schon vor Christi Geburt errichtet seien, weil auf ihnen der Wald sich eben so mächtig erhöbe, als unten im Lande (~porque tan grande estava el monte ençima dellos como en lo baxo de la tierra~.) Auch fügt der Geistliche hinzu, daß die Eingeborenen damals nur in Hütten von Holz und Stroh wohnten (~ni hazen casa sino de paja y madera~.) ~Cartas de Indias. Madrid 1877. p. 71.~

[350] +Die Mayahandschrift d. kgl. öff. Bibliothek+ zu Dresden. 74 Tafeln in Chromo-Lichtdruck. Leipzig 1880. 4^o.

[351] +H. Meye+ u. +J. Schmidt+, Die Steinbildwerke von Copán und Quirigua. Berlin 1883. Fol.

[352] Cortes gibt die von Velasquez aufgewendeten auf ¼ der Gesammtsumme an. ~Colecion d. doc. ined. para la historia d’España. I, 423.~

[353] +B. Diaz+, Entdeckung u. s. w. von Neuspanien I. S. 23.

[354] Die Küste von der Mündung des Goatzacoalto (westlich vom Tabasco) bis nach Vera Cruz ist voller Riffe, daher Schiffbruch und Strandung häufig vorkommen. Eine kurze Strecke südlich von Vera Cruz sieht man zahlreiche Trümmer untergegangener Schiffe aus den Wellen oder dem Sande ragen. Fr. Ratzel, Aus Mexiko. S. 162.

[355] Die Instruction des Velasquez für Cortes findet sich in ~Col. d. doc. ined. p. l. hist. de España~ I, 385.

[356] Wir besitzen von Cortes’ Hand fünf ausführliche Berichte über den Verlauf seiner großen Unternehmungen, in welchen er in sehr eingehender Weise dem Könige von Spanien über seine Feldzüge Bericht erstattet. Man hat sie nicht unpassend mit den bekannten Commentarien Cäsars verglichen. I. Der +erste Bericht+ aus Villa rica de la Vera Cruz vom 10. Juli 1519, von den Behörden der Stadt im Namen des Heerführers und wohl auch von ihm selbst verfaßt, ging am 16. Juli mit einem Schiffe nach Spanien ab. Er ist veröffentlicht in der ~Colecion de documentos inedit. para la historia de España I, p.~ 421-461. II. Der +zweite Brief+ ist aus Segura de la Frontera (Tepeaca, östl. v. La Puebla) vom 30. October 1520 datirt und wurde bereits 1522 in Sevilla gedruckt. Später erschien er in +Barcia+, ~Historiadores primitivos de las Indias orientales, 1743, vol. I, p.~ 1-62, u. in Don Francisco Antonio +Lorenzana+, ~Historia de nueva España~, Mexiko 1770, ~p.~ 38-170. III. Der +dritte Brief+, von Cuyocan (2½ span. Meilen südl. v. Mexiko) aus am 15. Mai 1522 geschrieben, wurde zuerst 1523 in Sevilla gedruckt, dann in Barcia I,~ p.~ 63-123, u. in Lorenzana, ~p.~ 178-320. IV. Der +vierte Brief+, von Temixtitan (Mexiko), vom 15. October 1524, wurde 1525 in Spanien gedruckt und später in Lorenzana, ~p.~ 330-399. V. Der +fünfte Brief+, welcher seinen Feldzug nach Honduras schildert, erschien in ~Colecion de doc. ined. p. l. hist. de Esp.~, Madrid 1844, ~Tom. IV, p.~ 8-167, als ~Relacion hacha al emperador Carlos V por Hernan Cortes sobre la expedicion de Honduras~, datirt von Temixtitan, 3. September 1526.

[357] +B. Diaz+ erzählt, sie hätten schon vor der Fahrt des Cortes in Tabasco den Namen +Culba+ gehört. Columbus vernahm bei Cuba das Wort Colba und deutete es auf die Insel, aber es wäre nicht unmöglich, daß der Name der alten berühmten Stadt bis zu den Antillen gedrungen wäre. Daß Verbindungen zwischen den Inseln und dem Festlande stattfinden, läßt sich daraus schließen, daß Columbus an der Küste von Yukatan auf mexikanische Handelsbarken stieß und daß Cortes ebendaselbst von Jamaica herüber verschlagene Indianer fand.

[358] +D. Charnay+, Ansichten über d. Alter u. d. Ursprung der Baudenkmäler u. s. w. in Mexiko und Central-Amerika, in Zeitschr. f. Ethnologie. Berlin 1882. S. 10 ff.

[359] D. h. Colibri links, weil der Gott am linken Fuß mit Colibrifedern geschmückt war.

[360] +Th. Weitz+, Anthropologie IV, 4 erklärt sein unsicheres Benehmen aus seinem bösen Gewissen.

[361] +Bernal Diaz+ I, 121 beschreibt diese Geschenke genau: „Das erste war eine Scheibe von der Größe eines Wagenrades, welche die Sonne vorstellte, ganz von feinem Golde und von der schönsten Arbeit, ein überaus merkwürdiges Kunstwerk, das nach der Aussage derer, die es gewogen, über 20,000 Gold-Piaster Werth gehabt haben soll. Das zweite, eine Scheibe, größer noch als die erste, schwer von Silber, von großem Werth, und den Mond vorstellend mit vielen Strahlen und andern Figuren darauf. Das dritte war die Sturmhaube, ganz mit gediegenen Gold-Körnern angefüllt, wie sie aus den Bergwerken kommen, an 3000 Piaster Werth, für uns aber von weit höherem Werth, weil es uns die Gewißheit gab, daß es reiche Goldgruben im Lande gab. Dazu kamen noch 20 goldene Enten, vollkommen nach der Natur und sehr zierlich gearbeitet; ferner Figuren von Hunden, Tigern, Löwen, Affen, 10 Halsketten von Gold, in Silber und Gold gefaßte Fächer und Büsche von den schönsten grünen Federn, ferner über 30 Pakete mit bunten Federn durchwirkter Baumwollstoffe u. a. m. Aehnlich beschreibt auch +Torquemada+, ~Mon. Ind. lib. IV. c.~ 17 diese Gaben. Einzeln sind die für den König von Spanien bestimmten Geschenke aufgeführt in ~Colec. de doc. inedit. p. l. hist. de España. I~, 462-471. Darnach hatte die goldene Scheibe (~una rueda de oro grande con una figura de monstruos en ella~) nur ein Gewicht von 3800 ~pesos de oro~, aber nicht 20,000 P. wie Diaz angibt. Dem König Karl wurden diese Geschenke im April 1520 zu Valladolid vorgelegt.

[362] +Lorenzana+, S. 47.

[363] +Lorenzana+, S. 66.

[364] +Lorenzana+, S. 58, bemerkt dazu, aus den noch vorhandenen Ruinen von Tlascala könne man erkennen, daß Cortes nicht übertrieben habe.

[365] +B. Diaz+ Bd. I, 248 ff.

[366] B. Diaz II, 51 ff.

[367] ~Creemos y tenemos por cierto el ser nuestro Señor natural.~ +Lorenzana+ S. 81.

[368] +B. Diaz+ II, 65.

[369] B. Diaz II, 101.

[370] Die Lebensweise des Monarchen hat Cortes genau geschildert. Lorenzana, S. 113.

[371] +Lorenzana+, S. 97.

[372] Ebd. S. 99.

[373] Ebd. S. 91. ~Figurada en un paño toda la costa.~

[374] +Bernal Diaz+ II, 208.

[375] ~Le dieron una pedrada los suyos en la cabeza tan grande que de alli á tres días murió.~ +Lorenzana+, S. 136.

[376] +B. Diaz+ I, 53.

[377] Fr. +Ratzel+, Aus Mexiko. S. 134.

[378] +Sahagun+, ~hist. d. nueva España~. XII, 27.

[379] +Lorenzana+, S. 148.

[380] Daß Cortes selbst den feindlichen General getödtet, ist höchst unwahrscheinlich, weil er durch seine Wunden behindert wurde. Seine eignen Worte schließen diese Annahme aus: ~E con este trabajo fuimos mucha parte de el dia, hasta que quiso dios, que murio una persona de ellas, que debía ser tan principal, que con su muerte cesó toda aquella guerra.~ Lorenzana, S. 148.

[381] +Lorenzana+, S. 169.

[382] ~Opus epistolarum, Compluti~. 1530. ~Ep.~ 717. ~Sunt incredibilia, quae de huius urbis et circumvicinarum aedificiis, commerciis et hominum frequentia referuntur.... De templorum magnitudine cultuque ac ornatu mira referuntur.~ In einem späteren Briefe (~Compluti~ Nr. 774; ~Amstelodami~ Nr. 771) vom 20. November 1522 zählte er die Menge des nach Spanien gebrachten Goldes auf. Nach dreißigjährigen Bemühungen seit der ersten Fahrt des Columbus schien nun das goldreiche Indien wirklich gefunden zu sein.

[383] Die Endung -tzin wird den Namen der Vornehmsten angehängt, so daß der Name des neuen Königs eigentlich Quauhtemo war; in ähnlicher Weise nennen mehrere Historiker den mehrfach erwähnten Cacama auch Cacamatzin.

[384] +Lorenzana+, S. 242.

[385] ~Por el agua y por la tierra daban tantas gritas y alaridos que parecia que se hundia el mundo.~ +Lorenzana+, S. 245.

[386] +Lorenzana+ S. 260.

[387] Nur die Tlascalaner blieben von dieser Hörigkeit befreit.

[388] In demselben Jahre, als Cortes den Boden von Mexiko betrat, ließ auch der Statthalter von Jamaica, Francisco de Garay, nach einer Meerenge suchen. Siehe unten Cap. 26.

[389] +Ratzel+, aus Mexiko. S. 181.

[390] +Lorenzana+, S. 351. Vgl. auch ~Colecc. d. doc. ined. relat. al. descubr. XII, p. 62~.

[391] +Lorenzana+, S. 382. ~Como tengo continuo cuydado, y siempre me occupo en pensar todas las maneras, que se pudan tener para poner en execucion, y efectuar el deseo que yo al real servicio de Vuestra Magestad tengo, viendo que otra cosa no me quedaba para esto, sino saber el secreto de la costa, que esta por descubrir entre el rio de Panuco y la Florida;... y de allí por la parte de el norte hasta llegar a los Bacallaos, porque se tiene cierto, que en aquella costa hay estrecho, que pasa á la mar del Sur.~ Er beruft sich sogar auf eine Karte, welche eine Meeresstraße in diesen Gegenden darstellt (~segun cierta figura, que yo tengo del paraje~) und betont die Wichtigkeit dieses Weges als des schnellsten und kürzesten zu den Molukken: ~seria la navegacion desde la especeria para essos reynos de Vuestra Magestad muy buena, y muy breve y tanto que seria las dos tercias partes menos, que por donde ayora se navega, y sin ningun riesgo, ni peligro de los navios, que fuesen y viniessen, porque irian siempre y vernian por reynos y Señorios de V. M.~

[392] Ueber die neusten Forschungen in diesem Gebiet vergleiche Desiré Charnay in ~Comptes rendus de soc. de géogr. Paris 1882. p. 546 et suiv.~ und +A. P. Maudslay+, ~Exploration in Guatemala and Examination of the newly-discovered Indian Ruins of Quirigua, Tikal and the Usumacinta~, in ~Proceedings of the royal geogr. soc.~ London 1883. April.

[393] +Las Casas+, ~Brevissima relacion~. Sevilla 1552. ~De la provincia e reyno de Guatimala: Mando los luego quemar bivos sin otra culpa ni otro processo ni sentencia.~

[394] ~Relacion e informacion del viage, que hizo á las Higueras el Bachillar Pedro Moreno~ (~in Colecc. d. doc. ined. rel. al descubr. XIV, p. 236-264~) enthält die gerichtlichen Aussagen von Augenzeugen.

[395] Vgl. oben S. 354.

[396] ~Relacion p. 237.~

[397] +Cortes+, ~Relacion al Emperador Carlos de Temixtitan à~ 3 ~de Septiembre de 1525~, in ~Colecc. d. doc. ined. para la historia de España. IV, p. 113~.

[398] +H. H. Bancroft+, ~History of the pacific. States. I, 530~. London 1883.

[399] Die Gründungsurkunde ist vom 18. Mai 1525 datirt. (~Colecc. d. doc. ined. rel. al descubr. Vol. XIV, p. 44.~)

[400] +B. Diaz+ III, 251.

[401] ~Relacion, hecha al Emperador Carlos V por Hernan Cortes p. 23.~

[402] ~Relacion hecha al Emperador Carlos V. p.~ 35: ~hice sacar una ahuja de marear, que traia conmigo, por donde muches veces me guiaba, aunque nunca nos habiemos visto en tan extrema necessidad~.

[403] ~Relacion. p.~ 50. ~hizome una figura pintada en un paño del camino, que habia de llevar.~

[404] ~Relacion. p.~ 54.

[405] +B. Diaz.+ Band 4. S. 77.

[406] ~Dr.~ C. H. Berendt erforschte das wenig besuchte Gebiet 1865-67. ~cf. Smithsonian Instit. Report for~ 1867, ~p.~ 420.

[407] In neuester Zeit hat Desiré Charnay ziemlich dieselbe Route wie Cortes verfolgt. „~Il y avait autrefois des villes le long de ce sentier; j’aperçois sur la droite des esplanades, dont les arêtes en pierres taillées sont encore intactes et le guide m’annonce que sur la gauche, du côte de la vallée du San Pedro se trouvent aussi des monuments.~“ ~Comptes rendus des séances d. l. soc. d. géogr.~ Paris 1882. S. 546.

[408] ~Relacion, p.~ 74. ~la cosa del mundo mas maravillosa de ver y pasar.~

[409] +Maudslay+ (~Proceedings of the royal geogr. Soc.~ London 1883. S. 189) glaubt diesen Ort am Rio pueblo viejo, einem Zufluß des Polochic, wiedergefunden zu haben.

[410] +B. Diaz.+ IV. 179.

[411] ~Coleccion de doc. ined. p. l. hist. de España. I. p.~ 105.

[412] Die gemachten Breitenbestimmungen sind ungenau; es ist wahrscheinlich, daß das Schiff bis in den Golf von Tehuantepec gelangte und dann umkehrte.

[413] Der auf Pergament gemalte Atlas des Diego Homem von 1568 (königl. öffentl. Bibl. in Dresden) verlegt das ~C. del engañho~ ganz bestimmt nördlich von der gegenwärtig so benannten Punta S. Eugenia, und zwar unter 31° n. Br., was mit der 1542 erfolgten Aufnahme der Küste durch Cabrillo übereinstimmt.

[414] Nach +J. G. Kohl+, die beiden ältesten Generalkarten, S. 70, nicht der jetzt noch so genannten ~St. Helena sound~, sondern der südlichere ~Port royal~.

[415] ~algund golfo ó estrecho en la tierra firme.~ +Navarrete+, ~Colec. III~, 147.

[416] +Herrera+, ~Dec. VI. lib. I. cp.~ 4. ~haviendo pasado un rio +bien grande+.~

[417] Vielleicht der Altamaha in Georgia, oder der Savannah an der Grenze von Süd-Carolina.

[418] Kupferbergbau findet sich noch im Norden des Staates Georgia.

[419] +Herrera+, ~Dec. VII. lib. I. c.~ 1.

[420] Marcos Bericht in ~Colecc. d. doc. ined. relat. al descubr. III~, 329-50. Madrid 1865.

[421] Coronado’s Bericht in ~Doc. ined. rel. al descubr. III~, 363. Sein Brief an den Kaiser, ~ibid.~ XIII, ~p.~ 261. Außerdem die Berichte seiner Capitäne Jaramillo, ~ibid.~ XIV, 304, und Castañeda in +Ternaux Compans+, ~Voyages, relations et memoires etc.~ Paris 1838.

[422] Vgl. General +J. H. Simpsons+ kritische Arbeit über Cibola in ~Smithsonian Rapport~, 1869 ~p.~ 309-40. Simpson kennt die Gegend aus eigner Anschauung und stützt sich ferner auf die Ansicht des Ingenieur N. H. Hutton, welcher mit Whipple und Parke 1853-56 Neu-Mexiko und Arizona erforschte.

[423] +R. Hakluyt+, ~Voyages. Vol. III.~ ~p.~ 394. London 1600.

[424] Eine Copie dieser Karte findet sich in +Lorenzana+, ~Historia de nueva España~. S. 328. Mexiko 1770.

[425] „Leutnant Ives, welcher den unteren Colorado erforschte, machte einen kleinen Abstecher zu Lande von einem Punkte unterhalb des großen Cañon nach Südwesten herum und erklomm das Plateau von San Francisco. Von einer Höhe konnte er weit nach Nordosten schauen und das Gebiet übersehen. Die Ausdehnung und Großartigkeit der Cañons, sagt er, ist in dieser Richtung staunenerregend. Das ganze Hochland ist durch riesige Klüfte in Fetzen zerrissen und gleicht einer ungeheuren Ruine. In meilenweiten Landstrichen sind die oberen Schichten hinweggefegt und nur isolirte Berge stehen geblieben. Klüfte, so tief, daß das Auge nicht bis auf den Grund hinunterzudringen vermag, werden durch Wände getrennt, deren Dicke man beinahe umspannen kann, und schlanke Spitzsäulen, welche auf ihrem Grunde zu schwanken scheinen, schießen tausend Fuß hoch aus den unterirdischen Höhlen empor.“ (J. W. Powell), ~Exploration of the Colorado river of the west~. Washington. 1875. ~p.~ 195.

[426] In der Zuñisprache noch jetzt Hak-ku-kiah genannt. (+Schoolcroft+, ~History of the Indian Tribes~. IV, 220.)

[427] +Jaramillo+, ~Relacion l. c. p.~ 308. ~Todas cuantas aguas hallamos, y rios é arroyos, hasta este de Cibola, y aun, no sé si una jornada, ú dos mas, corren á la mar del Sur, y los dende aqui adelanto, a la mar del Norte.~

[428] Auf dem amerikan. Atlas von Thomas Jeffreys, 1775, findet sich der Ort Sayaqué, welcher vielleicht dem Cicuyé entspricht. (Simpson, ~l. c. p.~ 336).

[429] Jaramillo, ~l. c. p.~ 310. ~porque dellas comen y visten y calzan.~

[430] Auf dem Rückmarsche wird auch das Vorkommen der Hundmurmelthiere erwähnt, als kleiner Geschöpfe, die den Eichhörnchen gleichen und in Erdlöchern leben.

[431] ~Historia de nueva España: Mexico 1770, p. 38: y aun se ignora si confina con la Tartaria, y Groelandia; por las Californias con la Tartaria, y por el Nuevo Mexico con la Groelandia~.

[432] Andagoya sagt in seiner ~Relacion~ (+Navarrete+ III, 420): ~una provincia que se dice Biru, donde corrompido el nombre se llamó Pirú~. Aehnlich auch +Augustin de Çarate+, ~Historia del descubrimiento y conquista de las Provincias del Peru. Sevilla~ 1577, ~p.~ 1: ~una pequeña y pobre provincia cincuenta leguas de Panama, que se llama Peru, de donde despues +impropriamente+ toda la tierra... por espacio demas de mil y dozientas leguas por luengo de costa se llamo Peru~.

[433] +E. Pöppig+, Reise in Chili, Peru und auf dem Amazonenstrom. Leipzig 1836. II, 10 und 7.

[434] +Ch. Darwin+, Reise eines Naturforschers um die Welt. Stuttgart 1874. S. 419.

[435] +W. Reiß+ und +A. Stübel+, das Todtenfeld von Ancon. Berlin 1881-83. Tafel 13-16, 45-48 u. a.

[436] Ansichten der Natur II 326, 322 u. 324. Stuttgart u. Tübingen 1849.

[437] +Aug. de Çarate+, ~Historia del descubrimiento~. Sevilla 1577, S. 1. ~Almagro, cuyo linaje nunca se pudo bien averiguar, por que algunos dizen que fue achado a la puerta de la yglesia.~

[438] Pedro Pizarro, ~Relacion del descubrimiento y conquista etc.~ in +Navarrete+, ~Colecion de doc. inedit. para la historia de España~. Madrid, 1844 ~Tom V, p. 203~.

[439] Nicht zu der Verwandtschaft gehört Pedro Pizarro aus Toledo, welcher mit 15 Jahren in den Dienst Francisco Pizarro’s trat und seit dem 18. Jahre die Feldzüge mitmachte. Er schrieb eine ~Relacion del descubrimiento y conquista de los reinos del Peru etc.~ Abgedruckt in +Navarrete+, ~Colecion de doc. inedit. para la historia de España~. Madrid 1844. ~Tom. V, p.~ 201-388.

[440] +P. Pizarro+, ~Relacion. p.~ 211.

[441] +P. Pizarro+, S. 224.

[442] Pachacamac ist jetzt meist unter Sand begraben und bei dem Umblick von den auf den Hügel gebauten Terassen des Tempels sieht man im weiten Umkreis die Reste der frühern Klöster, sowie der Befestigungen hervorragen. A. Bastian. Die Kulturländer des alten Amerika. I, 51. Berlin 1878.

[443] +Cl. Markham+ hat (~Reports on the discovery of Peru. Hakluyt Society.~ London 1872, ~p.~ 97) nach dem Verhältnisse von 100 Pesos Gold = 144 Ducaten, 120 Pesos Silber = 144 Ducaten den Geldwerth berechnet, der auf jeden Antheil entfiel. Doch weichen die Angaben von einander ab.

Pizarro erhielt 312,000 Ducaten, 3 Capitäne der Cavallerie 165,000 „ 4 „ „ Infanterie 165,000 „ 60 Reiter 1,166,000 „ 100 Mann zu Fuß 1,458,000 „ Almagro 55,200 „ Die Truppen Almagro’s 331,200 „ Der königliche Quint 931,500 „ Zuschlag von feinem Silber 38,170 „ ----------------- In Summa 4,605,670 Ducaten,

d. h. nach dem Geldwerth unserer Tage etwa 70 Millionen Reichsmark. Die ausführliche Liste über die Vertheilung der Beute gibt der spanische Notar Pedro Sancho (cf. Markham, ~l. c. p.~ 133-142). In folge dieser Reichthümer stiegen die Preise für europäische Waaren bedeutend: Ein Pferd kostete 2500-3300 Pesos, ein Paar Schuh oder Stiefel 30-40 Pesos, ein Mantel 100-120 Pesos, ein Buch Papier 10 Pesos u. s. w. -- De Luque war inzwischen gestorben, also fiel sein Antheil hinweg.

[444] +P. Pizarro+, ~Relacion. p.~ 247.

[445] Nach +Aug. de Çarate+ ~lib. III, cp.~ 1, ~p.~ 23 zählte sein Heer 570 Mann.

[446] Auf dem ganzen Zuge sollen 10,000 Indianer gefallen sein.

[447] Der Santiagofluß entspringt am Catacachi, nördlich vom Aequator, und fließt in die Bai von Panguapi (Bai von S. Mateo) nahe der Nordgrenze des Staates Ecuador, 1° 20′ n. Br.

[448] Vgl. den Brief des Bischofs von Cuzco in ~Colecion de doc. inedit. relat. al descubrim. III~, 221 und den Brief Martins de Arauco, ebd. III, 213. Madrid 1865. Ferner P. Pizarro S. 353 ff.

[449] Castro’s Bericht in ~Cartas de India. p.~ 480. Madrid 1877.

[450] Die Charcas-Indianer wurden 1539 durch Pedro de Anzures besiegt, welcher in dem silberreichen Gebiete die Stadt la Plata anlegte (Chuquisaca in Bolivia). Francisco Pizarro hieß nach diesem Gebiete Marques de los Charcas.

[451] Der officielle Bericht über den Ausgang Pizarro’s findet sich in ~Colecion de doc. ined. para la historia de España~. ~Vol. XXVI, p.~ 177.

[452] Die Liste der Spanier, welche die Fahrt mitmachten, gibt Oviedo, ~historia general~. Madrid 1845. ~Tom. IV.~ ~lib.~ 49. ~cp.~ 2.

[453] +Oviedo+, ~Tom IV. lib.~ 50. ~cp.~ 24. ~p.~ 557.

[454] +Carvajal+ (Oviedo ~p.~ 562) spricht von den Amazonen als einer ~gran novedad; que aquestas mugeres que alli peleaban +como amaçonas+, son aquellas de quien en muchas é diversas relaçiones mucho tiempo há que anda una fama extendida en estas Indias ó partes de muchas formas discontada, del hecho destas belicosas mugeres~. Und auch +Herrera+ (~Dec. VI. lib. IX. cp.~ 4) gibt die Erzählung nur mit Vorbehalt, beruft sich aber auf die Wahrheitsliebe des muthigen Carvajal. Die Thatsache ist lange bezweifelt, und der Bericht unter die zahlreichen spanischen Erfindungen gerechnet, hat indes noch in der neuesten Zeit ihre Bestätigung durch den französischen Reisenden Crevaux gefunden, welcher am 31. October 1878 an dem Paru, einem aus dem Hochlande der Guayana herabkommenden Zuflusse, ein Dorf antraf, welches +ausschließlich+ von geschiedenen Frauen bewohnt war. (~Bull. d. l. soc. géogr.~ Paris 1882, ~p.~ 672). Das Geschlecht der Amazonen ist also noch nicht ausgestorben. Die Angabe Crevaux’ läßt uns auch annähernd den Punkt bestimmen, wo Orellana diese kriegerischen Weiber antraf, nämlich wahrscheinlich an der Mündung des Jamunda.

[455] +Navarrete+ III, 294. Nr. V.

[456] Ein solcher, allerdings noch nicht genügend enträthselter Bericht hat sich in der „~Copia~ der Newen Zeytung aus Presillg Landt“, einem Flugblatt, erhalten, welches um 1508 oder 1509 in Augsburg gedruckt und offenbar aus dem Italienischen ins Deutsche übertragen ist. Die Zeitung erzählt von einer Fahrt zweier portugiesischer Schiffe nach Brasilien (Presillg Landt) und von der Auffindung einer Straße etwa unter dem 40. Grade s. Br. Wann die Fahrt gemacht und wer die Expedition geleitet, ist nicht gesagt. Sie hat sich bisher auch mit keiner bekannten Unternehmung identificiren lassen, so daß arge Entstellung des Thatbestandes und selbst Fiction nicht ausgeschlossen ist. Aber Thatsache ist, daß die Zeitung um 1509 in Deutschland und Italien bekannt war und daß sie aus Portugal stammte. Daß sie zum Entwurf von Weltbildern benutzt wurde, werden wir weiterhin zeigen.

[457] +Pigafetta+ in ~Ramusio Navigationi et Viaggi I~, 354^b und +Herrera+, ~Decad. II. lib. II. cp.~ 19. Vgl. auch +Wieser+, Magalhãesstraße. Innsbruck 1881. S. 49.

[458] Veröffentlicht von +R. H. Major+ in der ~Archaeologia, Vol. XL~. London 1865. +Wieser+, Magalhãesstraße S. 19 ff.

[459] Auf zwei Globen aus dem Jahre 1515, welche sich in Frankfurt und Weimar befinden. +Wieser+, Magalhãesstraße S. 19 ff.

[460] +Navarrete+ III, 134.

[461] Die verstümmelte Namensform Magellan ist eine französische Abkürzung der spanischen Umformung des portugiesischen Namens und daher zu verwerfen.

[462] ~Vida e viagens de Fernão de Magalhães por Diego de Barros Arana, traducção de Hespanhol de Fernando de Magalhães-Villas-Boas. Lisboa~ 1881, ~p.~ 11, 145, 178.

[463] +Martyr+, ~Epist.~ 630, ~duobus transfugis Portugalensibus a suo rege discedentibus~.

[464] +Faria e Sousa+, ~Comentarios a la Lusiada de Camoens II, coment. á octava 140 do canto X~. -- Barbosa, ~Bibl. Lusitana II, p.~ 31 citirt in ~Barros Arana, Vida e viagens de F. Magalh. p.~ 23.

[465] +P. Martyr.+ ~Epist.~ 630. ~Si fauste res successerit, Orientalibus et Portugallo regi commercia intercipiemus.~

[466] +Navarrete+ IV, 116-122. +Magalhães+ berechnete die Entfernungen in folgender Weise: Die Insel S. Antonio unter den Capverden 22° östl. von der Demarcationslinie, Cabo S. Augustin 20° östl., C. Sa. Maria am Laplata 5° östl. Malaka 17½° westlich der andern Demarcationslinie, welche durch den großen Ocean lief, und die Molukken theils 2½°, theils 4° östlich jener Grenzlinie. (Navarrete IV, 188.)

[467] Nach der von +Navarrete+ IV, 12 ff. gegebenen Liste befanden sich unter der Mannschaft 20 Portugiesen, 23 Italiener, meist Genuesen, 10 Franzosen, 4 Flamländer, 1 Deutscher, 1 Engländer.

[468] +Navarrete+ IV, 202. 203. An der Küste von Brasilien trat Alvaro de la Mezquita an seine Stelle als Capitän.

[469] ~Diario ó derrotero del viage de Magallanes, escrito por Francisco Albo~ in +Navarrete+ IV, 209-247. ~Una montaña hecha un sombrero p.~ 211.

[470] Vielleicht der Puerto deseado nahe am 48° s. Br.

[471] +Gomara+, ~la historia general de las Indias~. Anvers 1554. ~p.~ 127-128.

[472] Brief des Secretärs Maximilian Transilvanus an den Cardinal von Salzburg. In der spanischen Ueberarbeitung bei +Navarrete+ IV, 260. 261.

[473] +G. Correa+, ~Lendas II ep XIV p.~ 625 behauptet, Magalhães habe das Kabeltau des Antonio heimlich durchschneiden lassen, um das Schiff zum Abtreiben zu bringen.

[474] ~Carta del Contador Juan Lopez de Recalde al Obispo de Burgos~ in +Navarrete+ IV, 201-208.

[475] Eines Tages, erzählt Pigafetta, kam ein Riese zu uns an den Strand, der so groß war, daß wir mit dem Kopf ihm nur bis an den Gürtel reichten. (Anton Pigafetta’s Reise um die Welt. Gotha 1801. S. 30.)

[476] Louis de Bougainville, welcher von 1766-1769 die erste französische Erdumsegelung ausführte, gibt die Größe der Patagonen zu 5 Fuß 5 Zoll bis 5 Fuß 10 Zoll an. ~Vogaye autour du monde.~ Paris 1771. Cap. 4.

[477] Nach P. P. King’s Schilderung in ~Journal of the royal geogr. soc. vol. I p.~ 165.

[478] Die Reisen der deutschen Kriegsflotte im Jahre 1878, in der Allgemeinen Zeitung. 1879. S. 818. 819.

[479] Dasselbe hat sich abschriftlich in dem Tagebuch des Astronomen Andres de San Martin, welcher während der Fahrt starb, erhalten und ist von João de Barros ~Dec. III. lib. V.~ ~cp.~ 9 mitgetheilt. Vgl. +Navarrete+ IV, ~p.~ 45-49.

[480] +Max. Transilvanus+ § 9. +Navarrete+ III, ~p.~ 266.

[481] Jetzt Cap Pillar, Pfeilercap nach seiner Gestaltung genannt.

[482] Loaysa brauchte 1526 zur Fahrt durch die Straße vier Monate, Drake 1577 nur 17 Tage. Von den Holländern und Engländern, welche am Schluß des 16. Jahrhunderts die Durchfahrt versuchten, kehrte die Hälfte wieder um. Byron brauchte 1765 51 Tage, Wallis 1767 116 Tage, Bougainville 1768 60 Tage. Alle diese Seefahrer besaßen Karten, Magalhães nicht.

[483] Nach den Untersuchungen von +C. Meinicke+ (Petermann’s Mittheilungen 1868. S. 376) ist S. Pablo identisch mit Pukapuka (138° 48′ w. v. Gr.), und die Haifischinsel die Insel Flint (151° 48′ w. v. Gr.).

[484] +Francisco Albo+ in +Navarrete+ IV, 219.

[485] Die Angaben schwanken zwischen 1800 und 4000 Kriegern.

[486] Pigafetta schreibt diese rasche Freundschaft der Eingebung eines Traumes, Transilvanus der Sternkunde des Fürsten zu. Im Grunde war es nur die Handelseifersucht gegen Ternate.

[487] Pigafetta gibt folgende Preisliste. Für ein Bahar (40 Pfund) Nelken gab man, je nach Wahl, einen Posten der folgenden Waaren: 10 Ellen feines, oder 15 Ellen mittelfeines rothes Tuch, 15 Beile, 35 Glasschalen, 25 Ellen feine Leinwand, 150 Messer, 50 Scheeren, 40 Mützen, 1 Ctr. Bronze. Der genuesische Pilot bemerkt, daß der Werth des Tuches, welches man für 1 Bahar gab, in Spanien 14 Ducaten betragen habe.

[488] +Navarrete+ IV, 96 zählt sie sämmtlich mit Namen auf.

[489] Die Berechnung, welche +Peschel+ (Zeitalter der Entdeckungen S. 645, zweite Auflage S. 507) aufstellt, wonach man für 533 Centner auf den Molukken etwa 213 Ducaten bezahlt und auf dem Markte von London mehr als 100,000 Ducaten erhielt, ist nach +P. A. Tiele+ (~De Europeërs in den maleischen Archipel~ Bl. 60) unrichtig, weil 1) der Einkaufspreis höher war als 213 Ducaten, 2) der Preis in Spanien viel niedriger stand als in England und 3) auch der für England angenommene Marktwerth viel zu hoch gegriffen ist.

[490] +San Antonio+, die westlichste der Capverden liegt etwa 25° w. v. Gr. und Tidor 127½° ö. v. Gr. Der Abstand beträgt in Wirklichkeit 152½ Grad.

[491] +Navarrete+ V, 1-439, besonders wichtig ist die Relacion Urdaneta’s, ~p.~ 401-439.

[492] +Navarrete+ V, 103.

[493] +Navarrete+ V, 183.

[494] +Navarrete+ V, 95-114. 440-498, ~Colec. d. doc. inedit. rel. al descubr. V~, 68-97.

[495] Wahrscheinlich die in der westl. Gruppe gelegenen Inseln Fais und Ulithi, vgl. +Meinicke+, Die Inseln des stillen Oceans II, 359.

[496] +Navarrete+ V, 401-429.

[497] Wie ängstlich die Portugiesen darauf bedacht waren, den Weg zu den Gewürzländern geheim zu halten, geht auch daraus hervor, daß noch 1531 der Italiener Leone Pancaldo, welcher auf dem Flaggschiffe Magalhães’ als Matrose die Reise mitgemacht und glücklich zurückgekehrt war, in seiner Vaterstadt Savona vor einem öffentlichen Notar und einem Agenten des Königs von Portugal gegen eine Summe von 2000 Ducaten sich verpflichtete, keinem Menschen den Weg nach den Molukken zu zeigen und keine Karte davon zu zeichnen. +C. B. Belloro+, ~Elogio di Leone Pancaldo~, citirt in +Harrisse+, ~Jean et Sebastian Cabot p. 73~.

[498] ~Col. d. doc. ined. relat. al descubr. V~, 117-209.

[499] Lamaliork in den westlichen Carolinen, zuerst 1526 von Diego de Rocha gesehen und Sequeira genannt.

[500] Vermuthlich ging in diesen Gegenden Grijalva mit seinem Schiff zu Grunde. ~En estas islas se perdió un navio del Marquis de Valle (Cortes), en que venia por Capitan Grijalva, el cual mataron los marineros. Col. d. doc. inedit. rel. al descubr. V, p.~ 154. ~Herrera. Dec. III. lib. IX. cp.~ 10.

[501] Ueber diese wichtige Reise finden sich zwei Originalberichte in der ~Colec. d. doc. ined. rel. al descubr. V~, ~p.~ 210-211 und ~p.~ 221-286. Der letztere, leider ohne Schluß, ist, wie auf ~p.~ 240 ersichtlich ist, von Mendaña selbst verfaßt. Außerdem ein Bericht des Piloten Gallego in Justo Zaragoza, ~historia del descubr. de las regiones Austriales hecho por el general Fernandez de Quiros. Tom. I. p.~ 1-22. Madrid 1876, besonders werthvoll, weil er genauere Mittheilungen über den Abschluß der Expedition giebt.

[502] +C. Meinicke+, Die Inseln des stillen Oceans, Leipzig 1876. Bd. II. S. 425 u. 133 vermuthet, es sei die Insel Nui in der Ellicegruppe (7° 15′ s. Br.) gemeint.

[503] Mendaña nennt sie sogar heller als die Indianer Peru’s. ~Colec. d. doc. l. c. p.~ 244.

[504] +J. Zaragoza+, ~Historia del descubr. de las regiones Austriales hecho por el general Pedro Fernandez de Quiros~. ~T. I. p.~ 19-22. Madrid 1876.

[505] +J. Zaragoza+ ~l. c. I~, 190 ff.

[506] +J. Zaragoza+ ~l. c. II~, 218 und ~Colec. d. doc. ined. rel. al descubr. V~, 497-506.

[507] +J. Zaragoza+ II, 190 u. ~Colec. de doc. V, 517 todo le que dice Pero Fernandez de Quiros, es mentiva y falsedad~.

[508] +H. Harrisse+, ~Jean et Sebastien Cabot~. Paris 1882. Ein grundlegendes Werk, welchem wir in diesem Abschnitte folgen.

[509] +P. Amat di S. Filippo+, ~Studi biografici e bibliografici sulla storia della geografia in Italia. Vol. I~, 200. ~Roma~ 1882.

[510] ~Los de Bristol ha siete annos que cada anno un armado dos, tres, cuatro caravelas para ir a buscar la isla del Brasil y las siete ciudades con la fantasia deste Genoves.~ Der Brief ist vollständig abgedruckt bei Harrisse ~l. c. p.~ 329. Ueber die Lage der Insel der sieben Städte und über Brasil vgl. oben S. 21.

[511] Da alle drei Söhne in dem Patent mit aufgeführt sind, müssen sie 1496 bereits volljährig, d. h. nach engl. Rechte wenigstens 21 Jahre alt gewesen sein. Danach darf das Geburtsjahr des jüngsten, Sancto, nicht nach 1474 gesetzt werden; Sebastian, der bedeutendste der drei Söhne, welcher später die Pläne des Vaters weiter verfolgte, war älter, vielleicht 1472 geboren. Zu dieser Zeit muß der Vater bereits in Venedig ansässig gewesen sein. Sebastian Cabotto ist seiner Geburt nach Venetianer.

[512] Die letztere Annahme (1494) wird scheinbar durch eine Inschrift Sebastian Cabotto’s auf seiner 1544 entworfenen Weltkarte zur allein giltigen erhoben, wonach die Entdeckung 1494 stattgefunden haben soll. Allein es wird gezeigt werden, daß in der Jahreszahl selbst ein Fehler liegt. Die Inschrift, welche auf jener Weltkarte italienisch und lateinisch eingetragen ist, lautet in deutscher Uebersetzung: Dieses Land (nämlich Labrador) wurde von dem Venetianer Jean Caboto und seinem Sohne Sebastian Caboto entdeckt im Jahr der Geburt unseres Heilandes Jesu Christi ~M.CCCC XCIIII~ den 24. Juni morgens; sie gaben ihm den Namen „~prima terra vista~“ und einer großen Insel in der Nähe des erwähnten Landes den Namen St. Johannes, weil das Land am St. Johannistage entdeckt wurde. Harrisse (S. 52-60) weist mit Recht darauf hin, daß die Zahl 1494 auf einem Irrthum beruhe, daß die Ziffern vielmehr ~M.CCCC XCVII~ lauten sollten. Zunächst enthält schon die latein. Inschrift einen Druckfehler, insofern als Tag der Entdeckung der 24. +Julii+, statt +Junii+ genannt ist. Es kann sich also auch in der Angabe der Jahreszahl ein Fehler eingeschlichen haben. Von der Weltkarte scheint es mehrere Ausgaben gegeben zu haben. Richard Hakluyt citirt dieselbe im dritten Bande seiner Voyages (London 1600) S. 6 und bemerkt, indem er die Inschrift mittheilt: ein Exemplar finde sich in der Privatgallerie der Königin zu Westminster, andere Exemplare seien noch in alten Handelshäusern zu sehen. Er sah also mehrere Exemplare und liest auf denselben: „Ano Domini 1497.“ Innere Gründe treten hinzu, um diese Zahl für die allein richtige zu halten. -- Zunächst meldete Ruy Gonzales de Puebla am 21. Januar 1496 nach Spanien, daß jemand dem englischen Könige ein ähnliches Unternehmen wie Columbus bezüglich einer Fahrt nach Indien vorgeschlagen habe. Bereits neun Wochen darauf ließen Ferdinand und Isabella dem König Heinrich von England mittheilen, daß die von England beabsichtigten Fahrten gegen die Privilegien der spanischen und portugiesischen Krone verstießen, wie sie durch den Theilungsvertrag von 1494 sanctionirt waren. Aus der Sprache dieses Briefes geht hervor, daß das berührte Project etwas Neues war, dessen Ausführung man hoffte, noch hindern zu können, ähnlich wie später der König von Portugal bezüglich der Expedition Magalhães’ in Spanien Vorstellungen machte. Wenn nun Cabotto schon zwei Jahre vorher seine Entdeckung ausgeführt hätte, würde eine nachfolgende Schiffsausrüstung kaum von solchem Belang erschienen sein, um daran einen diplomatischen Schriftenwechsel zu knüpfen. Aber schon ehe der Brief der spanischen Majestäten einlief, hatte Heinrich VII. durch Erlaß vom 5. März 1496 den Plan Cabotto’s angenommen und genehmigt, daß er nach Westen, Osten und Norden mit fünf Schiffen unter englischer Flagge Inseln und Länder der Heiden aufsuchen könne. („~ad inveniendum, discooperiendum et investigandum quascunque insulas, patrias, regiones sive provincias gentilium et infidelium in quacunque parte mundi positas, quae christianis omnibus ante haec tempora fuerunt incognitae.~“) Die Fassung des Patents deutet sicher nur auf geplante, aber nicht auf schon gemachte Entdeckungen hin. -- Ferner ist erst seit der zweiten Hälfte des Jahres 1497 überhaupt von bereits erfolgten Entdeckungen die Rede. Am 10. August 1497 erhielt Cabotto nach seiner Rückkehr von der Küste Amerika’s eine königliche Belohnung von zehn Pfund Sterling. Am 3. Febr. 1498 schreibt der Kanzler des Königs an Cabotto, daß dieser ermächtigt werde, nach dem Lande und den Inseln, die er kürzlich entdeckt, („~the Londe and Iles of late founde by the seid John~“, Harrisse, ~p.~ 317) Schiffe zu führen. Und endlich berichtet auch Pedro de Ayala am 25. Juli 1498, daß im vorhergehenden Jahre, also 1497, die Leute von Bristol Land im Westen aufgefunden hätten. So weist alles auf das Jahr 1497 hin. Nur von diesem Jahre kennen wir auch die Resultate.

[513] Die Inschrift lautet: ~Tierra del labrador. Esta tierra descubrieron los Ingleses.~

[514] Vgl. Harrisse, S. 325.

[515] +R. Hakluyt+, ~Voyages III, p.~ 9.

[516] Die darüber geführte Correspondenz findet sich in Harrisse, S. 344-54.

[517] ~Mia intenzione era di pervenire in questa navigazione al Cathaj allo estremo oriente dell’ Asia.~ (+Asher+, ~Henry Hudson the navigator, London~ 1860. ~p.~ 224).

[518] Verrazzano’s Originalbericht, in italienischer Sprache, ist zuerst vollständig veröffentlicht in +Asher+, ~Henry Hudson, the navigator, London~ 1860. ~p.~ 199-288. (Hakluyt Soc.).

[519] Vgl. S. 472. 473.

[520] Die betreffenden Inschriften auf der Karte Diego Ribeiro’s lauten: ~Tierra de Estebã Gomez: la qual descubrio por mandado de su magt. el añ de 1525. ay en ella muchos arboles y fructos de los de España y muchos rodovallos (?) y salmones y sollos~ (Hechte). ~no han alla lo oro. En toda esta costa del norte son los Indios de mayor estatura que no los de sancto Domingo, ni de las otras islas, mantienen se de mais y pescado, que ay en mucha abundancia y caça de muchos venados y de otras animalias. vistense de pelijas de lobos y de rapossos y zorras~ (Füchse).

[521] ~Navigation par le Capitaine Jacques Cartier aux iles de Canada, ed. par d’Avezac.~ Paris 1863.

[522] Die Resultate der beiden ersten Entdeckungsfahrten sind auf einer Karte niedergelegt, welche +Jomard+ in seiner Sammlung mittelalterlicher Karten (~Monuments de la géogr.~) unter dem Titel: Karte eines Piloten Heinrichs II. von Frankreich veröffentlicht hat. Es kann aber gegenwärtig als erwiesen betrachtet werden (vgl. ~Bull. de l’acad. d. inscript. et belles lettres. Août~ 1867), daß die Karte noch unter Franz I. im Jahre 1542 entworfen ist.

[523] +Francis Parkman+, Die Pionniere Frankreich’s in der neuen Welt. Deutsch v. Fr. Kapp. S. 30. Stuttgart 1875.

[524] Auf S. 27 befindet sich eine verkleinerte Copie derselben.

[525] +Hakluyt+, ~Voyages III~, 58.

[526] +A. H. Markham+, ~The Voyages and workes of John Davis the navigator~. London, 1880. (Hakluyt ~Soc. Vol.~ 59.)

[527] +A. H. Markham+, ~John Davis p.~ 208.

[528] Nach Davis’ Bestimmung; Hope Sanderson liegt aber 72° 42′ n. Br.

[529] ~L. c. p. 47 this day and night we passed by a very great gulfe.~

[530] ~The Worldes hydrographical discription.~ London 1595, wieder abgedruckt in +A. H. Markham+, ~John Davis~ ~p.~ 192-238.

[531] Davis machte 1591 bis 1593 unter Thomas Cavendish die Expedition nach der Magalhãesstraße und in der Zeit von 1598 bis 1604 mehrere Reisen nach Indien. Während der letzten Fahrt wurde er an der Ostküste von Malaka von asiatischen Piraten meuchlings überfallen und am 29. oder 30. December 1605 erschlagen.

[532] +G. M. Asher+, ~Henry Hudson, the navigator~. London 1860 (Hakluyt ~Soc. Vol.~ 27).

[533] Prickett schreibt in seinem Tagebuche (+Asher+, ~Hudson. p.~ 111): ~About the middle of the moneth of November dyed John Williams, our gunner: +God pardon the masters uncharitable dealing with this man+~.

[534] +Clements R. Markham+, ~The voyages of William Baffin~. London 1881 (Hakluyt ~Soc.~).

[535] Im Jahre 1821 hat Edward Parry dieselben Gebiete erforscht; seine Beobachtungen über die Flut stimmen mit Baffin überein, die Breitenbestimmungen Baffins fand er nahezu richtig. (~Second voyage~, London 1824, ~p.~ 33.)

[536] Nur Parry, 1819, und Nares, 1875, haben es mit Erfolg ausgeführt.

[537] Es scheint, als ob Baffin später an der Westseite, also von Asien her durch den großen Ocean, den Ausgang der Nordwestpassage zu finden hoffte. Um nach dieser Richtung seinem Lieblingsplan noch einmal näher treten zu können, ging er in den Dienst der ostindischen Compagnie, mit deren Unterstützung er sein Vorhaben ausführen zu können hoffte. Nachdem er schon eine Fahrt nach Indien gemacht, wurde ihm der Auftrag ertheilt, in Verbindung mit dem Schah Abbas von Persien die Portugiesen aus Ormuz zu vertreiben. Hier wurde er während der Belagerung der portugiesischen Citadelle am 23. Januar 1622 durch einen Kanonenschuß getödtet.

[538] Im Ptolemäus, Ulm 1482. Die Karte von Nordeuropa ist in getreuer Copie veröffentlicht in Nordenskiöld, Die Umsegelung Asiens und Europa’s auf der Vega. I, S. 48.

[539] Ebenda.

[540] ~Rerum Moscoviticarum commentarii.~ Abtheil. II. ~Fol. XXVIII.~ Wien 1549. ~Navigatio per mare glaciale.~

[541] +Gomara+, ~Historia general. Anvers~ 1554. ~Fol.~ 16 ~verso. Agora ay mucha noticia y esperiencia, como se nauega de Noruega hasta passar por debaxo el mesmo Norte.~ -- ~Fol.~ 10. ~Y continuar la costa hazia el Sur la buelta de la China. Olao Godo me contaua muchas cosas de aquella tierra y navegacion.~

[542] In ~Historia de gentium septentrionalium variis conditionibus~. Basel 1567.

[543] +Verrazzano+ schreibt in seinem (oben S. 506) erwähnten Brief an Franz I. von Frankreich: ~Lo estremo della Europa, che sono i limiti di Norvegia, che stanno in gradi 71~. (+Asher+, ~Hudson the navigator. p.~ 226.)

[544] +Nordenskiöld+, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. I, 317.

[545] Der Reisebericht in +Hakluyt+, ~Principal Navigations.~ London 1598. ~p.~ 234 ff.

[546] +Nordenskiöld+, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. I, 58.

[547] +Hakluyt+, ~Principal Navigations~. London 1598. ~p.~ 274.

[548] +Hakluyt+, ~Principal Navigations~. London 1598. ~p.~ 445.

[549] +Nordenskiöld+, Die Umsegelung Asiens und Europa’s. I, 203.

[550] ~A chronological history of the voyages into the arctic regions.~ London 1818. ~p.~ 99.

[551] +J. K. J. de Jonge+, ~De opkomst van het Nederlandsch Gezag in Oost-Indie~. s’Gravenhage 1862. ~p.~ 10. ~S. Müller, Geschiedenis der noordsche compagnie~. Utrecht 1874. ~p.~ 27.

[552] John Balaks Brief ist veröffentlicht in +Hakluyt+. I, 509. London 1598.

[553] +De Jonge+, ~De opkomst. p.~ 167.

[554] Mercator hatte auf seine Polarkarte die Inschrift gesetzt: ~Euripus ob celerem fluxum nunquam congelatur~.

[555] +S. Müller+, ~Geschiedenis. p.~ 39. ~Resolutien der Staten-Generaal. 9. mei 1595~. ebenda ~p.~ 358-60.

[556] +Linschoten+, ~Voyasie ofte schip-vaert by Noorden om. Amsterdam 1598~. Derselbe, ~Navigatio in orientalem sive Lusitanorum Indiam. Hagae Comitis~ 1599. Die Reisen Barendszons sind beschrieben in Gerrit de Veer, ~Vraye description de trois Voyages des mers tres admirables etc.~ Amsterdam 1598. Von diesem Werke existiren auch holländische und latein. Ausgaben.

[557] +Nordenskiöld+ I, 217, ist der Ansicht, daß den Holländern auf ihrer ersten und zweiten Reise der Weg nach dem Ob und Jenissei offen gestanden. Wenn sie die Fahrt fortgesetzt hätten, bis sie an einem der beiden Flüsse zu bewohnten Gegenden gekommen wären, so wäre ganz sicher schon im Anfang des 17. Jahrhunderts auf diesem Wege ein bedeutender Handel zwischen Nordasien und Europa entstanden.

[558] Die Resolution ist wieder veröffentlicht in +Nordenskiöld+ I, 218.

[559] +Müller+, ~Geschiedenis. Bijlage V. p. 362 dat von stads wege twee schepen... datelyk zullen werden toegemaect~. Die Expedition wurde also nicht, wie Nordenskiöld I, 218 schreibt, von Kaufleuten in Amsterdam, sondern von der Stadt ausgerüstet.

[560] An dieser Insel, welche 1603 auch von den Engländern aufgefunden wurde, trieben diese in den folgenden Jahren eine ergiebige Walroßjagd, bis man, seit 1610, als bei der Bäreninsel der Fang geringer wurde, sich nach Spitzbergen wandte.

[561] Daß Rijp nicht um Spitzbergen herum gesegelt ist, beweist P. A. Tiele in ~Aardrijksk. Genotsch. Deel. III, p.~ 136. Amsterdam, 1878. Vgl. auch S. Müller, ~Geschiedenis, p.~ 43, Anmerkung 3.

[562] +Barentzoen+, ~Nieuwe Beschr. ende Caertboeck van de niedlandtsche Zee~, citirt in +Müller+, ~Geschiedenis~, ~p.~ 38.

[563] Das Winterlager Barendsz.’s ist erst 1871 durch den norwegischen Polarfahrer Carlsen wieder aufgefunden; bis dahin hatte kein Schiff den Nordosten Nowaja Semlja’s wieder erreicht.

[564] +Blavius+, ~Atlas major~, lat. Ausgabe. 1665. I. ~Fol.~ 24 und 31.

[565] Die von Pontanus 1611 entworfene Karte (wiedergegeben im Nordenskiöld I, 220) rückt Hudsons äußersten Punkt an der Küste Grönlands, ~Hold with hope~, um 20 Meridiane zu weit nach Osten, bis unter den Meridian von Edinburgh, aber vermuthlich nach den Angaben Hudsons selbst, welcher keine Längenbestimmung in seinem Tagebuche angesetzt hat.

[566] +De Jonge+, ~Opkomst I. p.~ 28-30. +S. Müller+, ~Geschiedenis. p.~ 60-66.

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