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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) Neue Folge. Dreizehnter Band. (part 2 of 3)

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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) Neue Folge. Dreizehnter Band. (part 2 of 3)

Dieser Mittheilung haben wir nun zunächst die Nachricht von einer weiteren, mit freudigstem Danke zu begrüſsenden Stiftung folgen zu lassen, die uns äuſserst willkommen sein muſs. Von Herrn Landgerichtsassessor /Ludwig von Cuny in Cöln/, der früher schon als Pfleger unseres Institutes für Cleve der Förderung unserer Bestrebungen in anerkennenswerthester Weise sich angenommen und als solcher die höchst dankenswerthe Zusage uns gemacht hatte, da, wo das german. Museum der Vernichtung oder der Verschleppung in’s Ausland preisgegebene alte Manuscripte, Kunstwerke oder sonstige Denkmäler deutscher Vorzeit zu retten, Gelegenheit finden sollte, demselben im Nothfalle mit Geldmitteln zur Seite stehen zu wollen, sind uns auf die Mittheilung hin, daſs 3 groſse, starke, schön geschriebene und wohl erhaltene Pergamentcodices mit 90 fl. der Vernichtung durch die Hand des Goldschlägers sich entziehen lassen würden, zum Ankaufe gedachter Codices (s. das Geschenkverzeichniſs der Bibliothek 19,388 ff.), wie zur Erwerbung anderer, in obengedachter Weise gefährdeter vaterländischer Kunstwerke und Alterthümer 250 Thlr. zur Verfügung gestellt worden. Es werden der Zeugen deutscher Vorzeit, der Anhaltspunkte für die Beurtheilung des Lebens und Wirkens unserer Vorväter täglich weniger; Unkenntniſs vernichtet, fremdes Geld entführt der deutschen Wissenschaft alljährlich bedeutendes und leider nur zu oft gerade das werthvollste Material. Wer da retten will, muſs also bald dazuthun, und deshalb können wir die gedachte hochherzige, echtem Patriotismus und edler Pietät entsprungene Schenkung nicht ohne den lebhaften Wunsch in unsere Annalen eintragen, daſs auch Andere je nach Kräften in ähnlicher Weise uns helfend zur Seite treten und uns in die ersehnte Lage versetzen wollen, für Erhaltung vaterländischer Denkmäler und Kunstwerke in /der/ Weise eintreten zu können, wie es einer Anstalt würdig, die bestimmt ist, all den verschiedenen Bestrebungen auf den Gebieten vaterländischer Geschichts- und Alterthumskunde ein Einigungs-, ein Mittelpunkt zu werden.

Ehrend haben wir auch die Uneigennützigkeit des Hrn. /Enderlein/, Hofbesitzers zu Rochsfeld bei Haideck, hervorzuheben, der dem Museum erlaubte, behufs Aufdeckung heidnischer Grabhügel, über welche später weiter Bericht gegeben werden soll, in umfangreicher Weise sein Feld aufzugraben.

Fast gleichzeitig mit dem Eingange obiger Stiftungen wurden wir durch die Botschaft erfreut, daſs aus /pfälzischen Kreisfonds/ unserem Institute auch für 1865/66 ein Beitrag von 100 fl. bewilligt worden ist.

Und all diesen erfreulichen Mittheilungen sind wir so glücklich, auf Grund der Einläufe der letzten Tage heute weiter noch die höchst angenehme und äuſserst willkommene Nachricht folgen zu lassen, daſs auf gnädigsten Befehl /Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Herzogin von Anhalt-Bernburg/ zum Zwecke des /Ausbaues unserer Karthause/ ein Beitrag von /20 Thlrn. Gold/ uns übersendet worden ist, daſs ferner /Seine Durchlaucht der Fürst Leopold zur Lippe/ gnädigst geruhete, als eine auſserordentliche Beihülfe zu eben diesem Zwecke die Summe von 50 fl. uns zustellen zu lassen, und schlieſslich, daſs zur Minderung der durch /Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen/ unserer Anstalt erwachsenen Schuld auf freundliche Vermittlung des Hrn. Christian Ritter d’/Elvert/, k. k. Oberfinanzraths und Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses zu Brünn, von der dortigen k. k. m. /schl. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde/ 20 fl. ö. W. und von der /historisch-statistischen Sektion dieser Gesellschaft/ 10 fl. ö. W. uns zugekommen sind.

Von unseren Sammlungen sah sich in letzter Zeit mit besonders zahlreichen Zugängen vor Allem die /numismatische/ Abtheilung bedacht. Namentlich war eine als Geschenk des Hrn. /Kaufmann Paul Kahle in Berlin/ durch eines unserer dortigen Gelehrtenausschussmitglieder, Hrn. Geh. Rechnungsrath /Schlickeysen/, hierher gelangte Sammlung von 66 /Silber- und 63 Kupfermünzen deutscher Münzstätten/ aus der Zeit vor 1650 uns in hohem Grade willkommen, da sie viele Lücken beseitigte.

Die Stiftungsverwaltung des protest. Kirchenvermögens zu Nürnberg überlieſs dem Museum 2 groſse Teppiche aus dem 15. Jahrh., wovon einer ein ornamentales Muster, der zweite 2 Heiligenfiguren, den leidenden Erlöser und die heil. Katharina, zeigt; von Hrn. Hofrath Prof. /F. C. Mayer/ dahier wurden einige gepreſste Silberplatten überlassen, die, etwas beschädigt, bei einer Restauration des Sebaldusschreines entbehrlich geworden waren und die eine höchst interessante Parallele zu dem in ganz gleicher Weise ausgestatteten Reichskleinodienkasten in den Sammlungen des german. Museums bilden.

Ingleichen hatte sich die Bibliothek in den unter Nr. 19,394 als Geschenke des Hrn. Geh. Hofraths Dr. /F. Ried/ in Jena verzeichneten Bänden eines sehr schätzbaren Zuganges zu erfreuen.

Durch den im März erfolgten, uns erst jetzt bekannt gewordenen Tod des k. pr. Geh. Ober-Justizrathes /Th. Odebrecht/ zu Berlin hat unser Institut leider abermals ein altes und um die Förderung seiner Bestrebungen in vielfacher Beziehung verdientes Mitglied des Gelehrtenausschusses verloren. Als mehrjähriger Vorsitzender unseres Berliner Hülfsvereines, durch rege eigene Betheiligung an dessen Vorträgen u. s. w. hat der Verlebte in unseren Mauern das dankbarste Andenken sich gesichert.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Stollberg/ in Sachsen, /Weilburg/ in Nassau und /Eggenfelden/ in Bayern.

An neuen Geldbeiträgen sind auſser den oben bereits genannten noch folgende zu verzeichnen:

Aus =Vereinskassen=: Von dem Turnvereine zu /Baumholder/ (Oldenb. Birkenfeld) 2 fl., von dem Turnvereine der Stadt /Birkenfeld/ 1 fl., von dem lateinischen Kränzchen zu /Erfurt/ 2 fl. 7¾ kr. (einm.), vom histor. Vereine in /Erlangen/ 2 fl., von der Studentenverbindung Uttenruthia daselbst 15 fl. und von der Sängergesellschaft Eintracht in /Mergentheim/ 3 fl.

Von =Privaten=: /Auenheim/ (Baden): Pfarrer H. Förster 3 fl. 25 kr. (einm.), Professor Schuhmacher in Rheinbischofsheim 1 fl.; /Birkenfeld/: Akademiker K. W. Eisel 1 fl., H. Schwab, Tischler aus Altenbamberg, 1 fl.; /Eger/: Dr. philos. Franz Kirschner, Stadtarchivar 1 fl. 45 kr.; /Frankfurt a. M./: A. Beeg 5 fl.; /Freystadt/ (Bayern) Benefiziat Max Betz 1 fl.; /Forchheim/: Pfarrer Imhof in Reuth 1 fl. (einm.); /Freudenstadt/: C. Haug, Flaschner, 1 fl., Werkmeister S. Wälde 1 fl.; /Fürstenfeldbruck/ (Bayern): Dr. Aug. Berger, k. Bezirksarzt, 1 fl., Eduard Friedrich, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Michael von Gäſsler, k. Rentbeamter, 1 fl., Dr. v. Hinsberg, k. Bataillonsarzt, 1 fl., Franz Seraph. Paur, k. Bezirksamtmann, 1 fl., Maurermeister Sappl 1 fl., Privatier C. Trappentreu 1 fl., Kaufmann Peter Trappentreu 1 fl.; /Fürth/: Bronzefabrikant J. Brandeis 1 fl.; /Germersheim/: Pfarrer Maurer in Bellheim 1 fl. 45 kr., Stadt-Vikar Hemann 1 fl., Major Kitzing 1 fl. 45 kr., Dr. Schmauſs, k. Bezirksarzt, 1 fl. 45 kr.; /Gratz/: Professor Ant. Winkler 2 fl. (einm.); /Hofheim/: Kaplan Bernh. Schebler in Hofheim, 1 fl.; /Karlsruhe/: Architekt Federle 2 fl.; /Mergentheim/: Oberpräzeptor Kolb 1 fl.; /Naila/: Dr. Flügel, k. Bezirksarzt I. Klasse, 1 fl. 12 kr., Dr. Klinger, k. Bade-Arzt, in Steben, 1 fl. 12 kr., Johannes Will in Räumles 1 fl. 12 kr.; /Nürnberg:/ Privatier Amm 1 fl. 45 kr., Gottfried Eckart, Privatier, 1 fl. 30 kr., Christ. Kaufmann, quiesc. Magistrats-Kanzlist, 1 fl., Mündler, Professor am Realgymnasium, 1 fl., Julius Neidhardt, Kaufmann, 1 fl., Heinrich Ruff, Holzhändler, 2 fl., Georg Schwarz, Privatier, 1 fl. 30 kr., Heinrich Stramer, k. Bezirksgerichtsrath, 1 fl.; /Pleinfeld:/ Karl Goſsner, Pfarrer in Pfraunfeld, 1 fl., Franz Anton Hutter, Pfarrer in Stopfenheim, 1 fl.; /Wolfenbüttel:/ Obergerichtsrath Zimmermann 1 fl. 45 kr.; /Zürich:/ Ingenieur Alfons von Baur 2 fl. 20 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Landaur=, Naturalienhändler, in Frankfurt a. M.:

3338. Sühnbrief des Bisch. Nicolaus v. Bremen für Ghise den Clüuer. 1446. Perg.

3339. Stiftung eines Jahrgedächtnisses durch Erpe van Weyge. 1465. Perg.

=Jos. Würdinger=, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsvereins, in München:

3340. Fragment einer kirchenrechtlichen Schrift auf Pergament, gröſstentheils unlesbar. 14. Jahrh.

3341. Copie einer Bestätigung von Privilegien durch Kaiser Ferdinand II. 1623. Pap.

=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:

3342. Schuldschein des Schmids Franzen Sohn Jaspar für die Kirchenknechte zu Lochburn. 1535. Perg.

II. Für die Bibliothek.

=Karl Klein=, Gymnasial-Professor, in Mainz:

19,334. Ders., das Groſsherzogthum Hessen. 1866. 8.

19,335. Hattemer, aus dem Leben der Kinder in Hellas und in Rom. 1865. 4. Progr.

=Georg Ludw. von Maurer=, Staats- u. Reichsrath, in München:

19,336. Ders., Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland; II. Bd. 1866. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:

19,337. Monumenta Germaniae historica, ed. Pertz: Script. tom. XIX. 1866. 2.

=K. preuſs. Akademie der Wissenschaften= in Berlin:

19,338. Dies., philol. u. histor. Abhandlungen aus d. Jahre 1864. 1865. 4.

=H. Krause=, Direktor der gr. Stadtschule, in Rostock:

19,339. Ders., kurze hochd. Sprachlehre; 3. Aufl. 1866. 8.

19,340. Ders., groſse Stadtschule zu Rostock. 1866. 4.

=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:

19,341. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen Ludwigsbahn f. d. Verwaltungsjahr 1864-1865. 1865. 4.

19,342. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen Maximiliansbahn f. d. Verwaltungsj. 1864-1865. 1865. 4.

19,343. Geschäfts-Bericht d. Direktion d. k. b. pfälz. Neustadt-Dürkheimer Bahn für das Verwaltungsjahr 1862/63 bis 1864/65. 1866. 4.

=Platzer=, k. Landrichter, in Sulzbach:

19,344. Vieh-Artzney-Büechl. Pap.-Hs. 18. Jhdt. 4.

=Dr. Lucanus= in Halberstadt:

19,345. Nachrichten über den Kunst-Verein in Halberstadt; 15. Heft. 1865. 8.

=Dr. O. Buchner=, Reallehrer, in Gieſsen:

19,346. Wiegand, Gutachten über eine andere Organisation d. Gymnasiums zu Worms. 1865. 4.

19,347. Hainebach, über d. hannöverischen orthograph. Regeln etc. 1866. 4. Progr.

=C. W. Neumann=, k. b. Oberlieutenant u. Platzadjutant, in Regensburg:

19,348. Wackenreiter, d. Erstürmung von Regensburg am 23. April 1809. Nachtrag. 1865. 8.

19,349. Mettenleiter, Philomele, Taschenbuch auf das Jahr 1866. I. Jahrg. 1866. 16.

=J. G. Cotta=’sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart:

19,350. Deutsche Vierteljahrs-Schrift; 29. Jahrg., April-Juni 1866. Nr. 114. 8.

=C. Gruner=, k. w. Oberjustiz-Revisor, in Ulm:

19,351. Ders., Kepler’s wahrer Geburtsort. 8.

=Dr. K. H. Funkhänel=, Hofrath u. Gymnas.-Dir., in Eisenach:

19,352. Witzschel, Sitten u. Gebräuche aus der Umgegend v. Eisenach. 1866. 4. Progr.

=Historischer Verein f. Unterfranken u. Aschaffenburg= in Würzburg:

19,353. Ders., Archiv etc.; Bd. XIX, 1. 1866. 8.

=Société d’histoire et d’archéologie de Genève:=

19,354. Dies., mémoires et documents; t. XVI, 1. 1866. 8.

=Dr. J. E. Wocel=, k. k. Universitäts-Professor, in Prag:

19,355. Ders., Pravěk země České; I. 1866. 8.

19,356. Ders., über den Zug der Kelten nach Italien u. zum hercynischen Walde. 1865. 8.

=Aug. Recknagel=, Buchhandlung, in Nürnberg:

19,357. Chifletius, breviarium historicum inclyti ordinis velleris aurei. 1652. 4.

19,358. Faber, familia augusta Lucemburgensis. 1722. 4.

19,359. Heraeus, inscriptiones et symbola varii argumenti. 1734. 4.

19,360. Catalogus bibliothecae Fenizerianae. 1736. 4.

19,361. Ollmützer monathliche Auszüge; III, 4-6 u. IV, 1-3. 1748. 8.

19,362. Calmetii refutatio systematis genealogici a M. Hergott compositi. 1748. 4.

19,363. Praktischer Beytrag zu der Lehre von den Austrägen der löbl. Reichs-Städte. 1775. 4.

19,364. Urkundliche Bemerkungen über d. neuesten Bewegungen d. durchl. Churhauses Pfalzbayern. 1791. 8.

19,365. v. Murr, über d. fabelhafte sog. heil. Ampulle oder Salböl-Fläschchen in Reims. 1801. 8.

19,366-83 18 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J. 1718-1804. 2., 4. u. 8.

=Direktion des Gymnasiums= in Hildesheim:

19,384. Kolbe, de leonis in sacris Aegyptiorum et Babyloniorum signo. 1866. 4. Progr.

=Gesellschaft für südslavische Geschichte u. Alterthümer= in Agram:

19,385. Dies., Arkiv, Knj. VIII. 1865. 8.

=Rudolf Temple= in Pest:

19,386. Ders., Topographie der Herzogthümer Auschwitz u. Zator. 1865. 8. Sonderabdr.

=Direktion der k. Hof- u. Staatsbibliothek= in München:

19,387. Catalogus codicum manu scriptorum bibliothecae regiae Monacensis; tom. I, p. 2 et 3. 1866. 8.

=Ludwig von Cuny=, Landgerichtsassessor, in Köln:

19,388. Antiphonarium für alle Sonn- u. Festtage. Pgm.-Hs. v. 187 Blttrn. 13. Jahrh. 2. Mit Musiknoten.

19,389. Ordinale fratrum ordinis beate Marie de monte Carmeli. Pgm.-Hs. v. 122 Blttrn. 15. Jahrh. 4. Mit e. Calendarium.

19,390. Officium ad communicandum infirmam; benedictio ramorum etc.; Pgm.-Hs. v. 47 Blttrn. 14. Jhdt. 4.

=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:

19,391. Königl. Groſs-Brittannisch- u. Churf. Braunschw.-Lüneb. Staats-Kalender a. d. J. 1793. 8.

19,392. Justus, dat Bödekerlied. 3. Uplage. 1864. 8.

=Dr. Richard Mauke=, Kollaborator u. Instituts-Direktor, in Schleiz:

19,393. Ders., Geschichte u. Statistik der Landeskirchen Reuſs ä. u. j. Linie. 1866. 8. Sonderabdr.

=Dr. F. Ried=, geh. Hofrath u. Professor, in Jena:

19,394. Chronik der Stadt Schwäbisch-Hall. Pap.-Hs. 17. Jhdt. 2.

19,395. Das Plenarium oder Ewāgely buoch. 1514. 2.

19,396. Schrot, Wappenbuch des Heil. Röm. Reichs etc. 1581. 2.

=Karl Preusker=, emerit. Rentamtmann, in Groſsenhain:

19,397. Urkunde der Preusker-Stiftung. 1866. 8.

=Histor. Verein für Niederbayern= in Landshut:

19,398. Ders., Verhandlungen; XI. Bd. 3. u. 4. Hft. 1866. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=von Humbert=, Rittmeister, in Halberstadt:

5036. 6 bronzene Siegelstempel verschiedener Gilden aus Stendal vom 17.-18. Jhdt.

5037. Bruchstücke eines Sporns vom 17. Jhdt.

5038. Eine bei Aschersleben gefundene Pfeilspitze von Knochen.

=von Hartwig=, Major z. D., in Halberstadt:

5039. Gypsabguſs des ältesten Stadtsiegels von Halberstadt und 10 Lackabdrücke von älteren Siegelstöcken.

=Dahle=, Buchbindermeister, in Aschersleben:

5040. 5 Thonkrüge nebst Resten von Bronze- und Eisengeräthen, ausgegraben bei Frohse unweit Aschersleben.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

5041. Heidelberger Silbermünze von 1591.

5042. Bayrischer Groschen von 1660.

=Bromm=, Assessor, in Gieſsen:

5043. Sechs königliche Bracteaten vom 13. Jhdt.

=J. Brandeis jun.=, in Fürth:

5044. Drei Pergamentblätter in gr. Fol. mit gemalten Initialen.

=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:

5045. Messer von Feuerstein aus dem Fund am Treitelsberge.

=Dr. A. Erbstein=, Conservator der Alterthumssammlungen am german. Museum:

5046. Abdruck des Siegels von Joh. Joach. Joner, gen. Ruepli.

=Platzer=, kgl. Landrichter, in Sulzbach:

5047. Thaler Joh. Albrechts von Mecklenburg, von 1549.

5048. 4 kleinere Silbermünzen vom 17. u. 18. Jhdt.

5049. Goldgulden Kaiser Friedrichs III.

=Ungenannter:=

5050. 5 mit Reliefs verzierte Fuſsplatten vom 14. Jhdt. und eine Zusammenstellung kleinerer ohne Muster.

=Frau Brandeis= in Fürth:

5051. Thalerförm. Medaille, sogen. Wiedertäuferthaler, v. 16. Jhdt.

5052. Kursächs. Thaler v. J. 1600.

=Nieſsen=, Vikar, in Unkel:

5053. 5 bei Honnef a. Rh. gefundene römische Kupfermünzen und 1 Messingjeton v. 1793.

=v. Gemming=, Oberstlieutenant, in Nürnberg:

5054. Model von gebranntem Thon mit Darstellung des Saturn. 17. Jhdt.

=L. Britzelmayr= in Günzburg:

5055. Sächs. Thaler von 1608.

=Kracker=, Gastwirth, in Nürnberg:

5056. Kupferjeton mit Schrift v. 1567.

=Ludw. v. Cuny=, Landger.-Assessor, in Köln:

5057. Lackabdruck eines Ruppiner Zunftsiegels.

=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:

5058. 42 Lackabdrücke von städtischen und Kirchensiegeln.

=Solger=, Baurath, in Nürnberg:

5059. Goth. verziertes Weihwasserbecken von Stein.

=Dr. William Bell= in London:

5060. 2 Exemplare der Medaille auf Eröffnung der deutschen Turnhalle in London, 1865.

=Dr. Rich. Mauke=, Kollaborator u. Instituts-Direktor, in Schleiz:

5061. 4 Spielkarten vom 18. Jhdt.

=Th. Berner=, Droguist, in Schleiz:

5062. Kupferjeton auf den Harzer Bergbau.

=Hörnlein=, Drechslermeister, in Nürnberg:

5063. 10 Bamberger und Pfälzer Pfennige vom 15. Jhdt.

5064. Breiter Groschen Graf Eberhards von Königstein, von 1519.

=Wich=, Juwelier u. Goldarbeiter, in Nürnberg:

5065. Engelgroschen Johann Friedrichs II. von Sachsen und kleine Silbermünze von Basel.

=Dr. Georgens=, Direktor d. Levanakindergartens, zu Nürnberg:

5066. Ofenmodell von gebranntem Thon mit Reliefverzierungen, 16. Jhdt.

5067. Verzierter Steigbügel vom 17. Jhdt.

5068. Weiſs- und blauglasierte Schüssel von Steingut, 18. Jhdt.

=Paul Kahle=, Kaufmann, in Berlin:

5069. 66 ältere Silbermünzen verschiedenen Gepräges.

5070. 63 Kupfermünzen und Zeichen.

=Würdinger=, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsvereines zu München:

5071. Gypsabguſs einer steinernen Guſsform zu Bronzepfeilen.

=Peter Bier=, Bierbrauergeselle, in Birkenfeld:

5072. Eine aus der Moselbrücke bei Trier gezogene Kupfermünze des Kaisers Nerva.

=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:

5073. Messingjeton vom 16. Jhdt. und 43 neuere Siegel.

5074. Wappen der Stadt Birkenfeld, Holzschnitt vom 16. Jhdt.

=K. W. Eisel=, Akademiker, in Birkenfeld:

5075. 3 Bleistiftzeichnungen nach Wappen am Thurm der Simultankirche zu Birkenfeld und einer alten Ansicht von Burgbirkenfeld.

=Hugo Graf von Walderdorff=, k. k. Kämmerer, zu Schloſs Hauzenstein:

5076. Freisinger Sedisvakanzmedaille in Silber, 1788.

5077. Regensburger Sedisvakanzthaler, v. 1787.

5078. Gulden des Grafen Jos. Nicolaus v. Windischgräz, v. 1771.

5079. Bleiabguſs der Medaille auf Joh. Phil. Frhrn. v. Walderdorff.

5080. 4 Gypsabgüsse und 2 Photographieen nach Medaillen des 16. u. 17. Jhdts.

5081. 4 Wallfahrtszeichen der „schönen Maria“ zu Regensburg.

5082. Stammbaum der Grafen v. Walderdorff, Druck.

5083. 3 Porträts aus der Familie der R.-Grafen v. Walderdorff, in Kupferstich.

=Hubrich=, Oberförster, in Ellingen:

5084. 2 unter dem Erdreich gefundene Hufeisen.

=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, Prof. u. Inspektor des k. Kupferstichkabinets, in München:

5085. 2 Spielkarten mit Orakelsprüchen, vom 18. Jhdt.

=Elsner=, Buchdruckereibesitzer, in Wolgast:

5086. Bruchstück einer am Strande der Ostsee gefundenen verzierten Graburne.

5087. 1 Stralsunder Witte, 1 Wismarsches Zweischillingsstück u. 1 dän. Vierschillingsstück.

5088. Erinnerungsblatt an das 4. Säcularfest der Buchdruckerkunst in der Elsner’schen Buchdruckerei zu Wolgast.

5089. Ansichten von Wolgast, Steindr. v. F. Elsner.

5090. Karte des Jahdebusens, Holzschn. v. C. Elsner, nach der Peutinger’schen Karte.

5091. Ein Stück Bernstein und ein Büschel Wolle von Merinoschafen zu Ranzin.

=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:

5092. 2 halbe Schillinge des Burggrafenthums und der Stadt Nürnberg vom 15. Jhdt., aus dem Funde von Oberschellenbach.

Chronik der historischen Vereine.

/Verhandlungen und Mittheilungen der juristischen Gesellschaft in Laibach./ II. Band, 13. u. 14. Heft. Redigirt vom ersten Secretär, Bürgermeister Dr. E. H. Costa. Laibach, 1866. 8.

/Verhandlungen des historischen Vereins für Niederbayern./ XI. Band. 3. u. 4. Heft. Landshut, 1866. 8.

Frauenhofer’s Leben und Wirken. Von Sigmund Merz. -- Beiträge zur Rechtsgeschichte von A. Kalcher. -- Beiträge zur Geschichte des Chorherren-Stiftes St. Nikola bei Passau. -- Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Eching, im k. Bezirksamte Landshut. Mitgetheilt von Dr. Wiedemann. -- Hans Mayr’s Lobspruch der Stadt Landshut. Mitgetheilt von Joseph Maria Wagner.

/Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg./ Neunzehnter Band. Erstes Heft. Würzburg, 1866. 8.

Geschichte des Schlosses und Amtes Bodenlauben und seiner Besitzer. Von Dr. Carl Boxberger. -- Ueber den Grad der Zuverläſsigkeit der Weisthümer, nebst zweien dahin einschlagenden Weisthümern. Von Dr. Kittel. -- Kleine Beiträge zur Geschichts- und Sagenforschung des Frankenlandes. Von Dr. A. Kaufmann. -- Beitrag zur Geschichte der Wallfahrtskirche und ehemaligen Beguinenklause auf dem Kirchberge bei Volkach. Mitgetheilt von Dr. N. Reininger. -- Die älteren Verhältnisse der Stadt Lohr. Von Dr. Fried. Stein.

/Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart./ LXXXI. Hans Jakob Breunings von Buchenbach Relation über seine Sendung nach England im Jahr 1595. Mitgetheilt von August Schloſsberger. Stuttgart, 1865. 8.

LXXXII. LXXXIII. Paul Fleming’s deutsche Gedichte. Herausgegeben von J. M. Lappenberg. I. II. Stuttgart. 1865. 8.

LXXXIV. Gallus Oheim’s Chronik von Reichenau. Herausgegeben von Dr. K. A. Barack. Stuttgart. 1866. 8.

/Mittheilungen des königlich Sächsischen Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Geschichts- und Kunst-Denkmale./ Vierzehntes Heft. Mit 3 lithographierten Abbildungen. Dresden, 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Urkunde über das Arno-Kreuz bei Klaffenbach vom 15. Juni 1863. (Im Auszuge.) -- Martin Römer. Ein biographischer Beitrag zur sächsischen Culturgeschichte. Von Dr. E. Herzog. -- Das Kloster Buch in seinem Ursprunge, Wachsthume und Glanze. Von Cantor Hingst. -- Beschreibung der drei lithographirten Abbildungen (Kanzel, Monstranz u. Monstranzkapsel).

/Philologische und historische Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin./ Aus dem Jahre 1864. Berlin, 1865. 4.

Der Dreiſsigste. Von Homeyer.

/Nachrichten über den Kunst-Verein und über die Kunstausstellungen in Halberstadt/, in den Jahren 1864 u. 1865. Fünfzehntes Heft. Halberstadt, am 30. December 1865. 8.

/Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg/, herausgegeben von der /S. H. L. Gesellschaft für vaterländiche Geschichte/. Band VIII; Heft 3. Kiel, 1866. 8.

Die Prediger der schleswig’schen Generalsuperintendentur von 1848-1865. Von Dr. Friedrich Volbehr.

Angeheftet: /Sechsundzwanzigster Bericht/ derselben Gesellschaft. Erstattet von dem Vorstande im J. 1865. Kiel, 1865. 8.

Bericht des Vorstandes. -- Die Cultur der Bronze-Zeit Nord- und Mittel-Europas. -- Chemisch-antiquarische Studien, von Dr. F. Wibel. -- Münzfunde in Schleswig. Von H. Handelmann. -- Ein bisher unbekannter Witten der Stadt Hannover. Beschrieben vom Pastor Masch. -- Verzeichniſs der Vermehrungen des Museums vaterländischer Alterthümer zu Kiel.

/Mémoires et documents publiés par la Société d’Histoire et d’Archéologie de Genève./ T. XVI. Livraison 1. Genève et Paris. 1866. 8.

Conjectures historiques sur les homélies prêchées par Avitus, évêque de Vienne, dans le diocèse de Genève et dans le monastère d’Agaune, en Valais, par M. A. Rilliet-de Candolle. -- Genève. Monnaies inédites et imitations italiennes fabriquées à Pomponesco, Bozzolo, Dezana, Passerano et Messerano, par M. A. Morel-Fatio. -- Restitution d’un manuscrit du VI^{me} siècle, mi-parti entre Paris et Genève, contenant des lettres et des sermons de saint Augustin, par M. H. Bordier. -- Les Régestes du Vatican relatifs au diocèse de Genève, suivis de quelques épîtres pontificales inédites. -- Notice sur Fréd. Soret. -- Bractéates genevoises. Note de M. A. Morel-Fatio. -- Note relative au Mémoire sur le Homélies d’Avitus. -- Personnel de la société, etc.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique./ Trente-troisième année. Tome VI. IV. Série. 374. Livr. Janvier 1866. 375. Livr. Février 1866. Paris. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2. 32. Vol. de la Collection. Nr. 2. Paris et Caen, 1866. 8.

Courte visite à Drévant (Cher), en 1865, par M. de Caumont. -- Notice sur la mitre épiscopale, par M. l’abbé Barraud. -- Sépultures gallo-romaines découvertes dans le Grand-Jardin de Lisieux, par M. A. Pannier. -- Chapelle de St. Valérie dans la cathédrale de Limoges, par M. l’abbé Abbellot. -- Découverte de monnaies romaines à St. Aubin-du-Perron (Manche), par M. Quenault. -- Chronique.

/Graf- en Gedenkschriften der Provincie Oost-Vlaenderen./ Uitgegeven door een Middencomiteit [/Comité central de publication des inscriptions funéraires et monumentales de la Flandre orientale/]. 42. Aflevering: Gent, Recolletten-Kerk. II. -- 43. Aflevering: Gent, Recolletten-Kerk. III. -- 44. Aflevering: Gent, Sinte Michielskerk. XI. -- Gand, 1865. 2.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

11) /Hessische Urkunden/; aus dem groſsherzogl. hessischen Haus- und Staatsarchiv zum ersten Male herausgegeben von /Ludwig Baur/. Vierter Band. Darmstadt, 1866. 282 Stn. 8.

Der verdienstvolle Verfasser hat mit diesem vierten Bande sein hochwichtiges Werk abgeschlossen. Es wurde begonnen im J. 1846 und hatte ursprünglich nur die Bestimmung, die noch nicht veröffentlichten Urkunden, die sich im reichen Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt finden, bis zum J. 1399 bekannt zu machen. Dies geschah in den ersten zwei Bänden, von denen der erste Band 1372 Urkunden über die älteren Provinzen Starkenburg und Oberhessen, der zweite Band in zwei Abtheilungen 927 Urkunden aus Rheinhessen bis zum J. 1325, der dritte Band vorerst die übrigen Urkunden Rheinhessens (im Ganzen 1511) bis zum J. 1399, sowie einen Nachtrag von 67 Urkunden zu den drei Provinzen gibt. Der vorliegende vierte Band dehnte die Zeit weiter aus; er enthält die Urkunden des ganzen Landes aus dem vierzehnten Jahrhundert, an der Zahl 278. Sie sind meistens in deutscher Sprache, während die früheren Bände fast nur lateinische enthalten. In diesem Bande sind die Urkunden der drei Provinzen nicht geschieden, wie in den früheren. Ueberhaupt hätten wir für Rheinhessen eine andere Einrichtung gewünscht: man hätte die Urkunden nach den früheren Territorien scheiden sollen; also z. B. Mainzer, Wormser, Pfälzer u. s. w. Urkunden, je nachdem sie in diese ehemaligen Gebiete gehören. Es wären dann freilich in Rheinhessen über dreiſsig Abtheilungen entstanden, wiewohl von manchen Orten und Landschaften nur wenige Urkunden sich vorfinden; viele sind z. B. über Oppenheim, Mainz, Worms u. s. w. vorhanden. Wir freuen uns übrigens sehr, daſs dies schöne und inhaltsreiche Werk nach 20 Jahren vollendet ist. Nun fehlt nur noch das Register über die vier Bände, das umfangreich zu werden verspricht. Der Verfasser hat einen neuen Beweis gegeben, wie unermüdlich er arbeitet, um die frühere Geschichte des Landes zu erhellen; wir sind ihm dadurch zu groſsem Danke verpflichtet.

K.

12) /Volksthümliches aus Oesterreichisch-Schlesien/, gesammelt und herausgegeben von /Anton Peter/. I. Kinderlieder und Kinderspiele, Volkslieder und Volksschauspiele, Sprichworte. Troppau, 1865. Im Selbstverlage des Herausgebers. 8. XIV u. 458 Stn.

Erst vor kurzer Zeit, bei Besprechung der Mannhardt’schen, inzwischen in zweiter Auflage erschienenen Monographie über einen in die deutsche Mythologie und Sittenkunde einschlagenden Gegenstand, fanden wir Gelegenheit, auf die Wichtigkeit des sorgfältigen Einsammelns der noch lebend sich vorfindenden volksthümlichen Ueberlieferungen, zugleich aber auch darauf hinzuweisen, daſs ein groſser Theil der bisherigen Arbeiten in dieser Richtung den wissenschaftlichen Anforderungen keineswegs volle Genüge leiste. Der obigen Sammlung jedoch dürfen wir das Zeugniſs nicht versagen, daſs sie, sowohl rücksichtlich der Behandlung und Anordnung, als der Reichhaltigkeit des gesammelten Materials, den bessern Erscheinungen dieser Art sich würdig anreiht. Das ganze Werk soll drei Bände umfassen, von welchen der noch rückständige zweite zur Aufnahme der Sagen, Märchen, Bräuche und Aberglauben, und der dritte für literargeschichtliche, sachliche und sprachliche Erläuterungen (namentlich Lautlehre und Wörterbuch) bestimmt ist. Dieser letzte Band wird zu einer eingehendem Besprechung voraussichtlich mehr Anlaſs bieten, als der vorliegende erste; wir beschränken uns daher für diesen auf eine nähere Angabe seines Inhalts. Die Abtheilungen „Kinderlieder“ und „Volkslieder“ umfassen jede wieder mehrere Unterabtheilungen. Unter die erstgenannte Abtheilung sind z. B. begriffen: Wiegenlieder, Kindergebete, Sprechübungen, Verkehr mit der Natur, Neckreime, Räthsel etc. Dieser Abschnitt zählt im Ganzen (ungerechnet die den „Kinderspielen“ beigesellten Spiel- und Abzählreime) 423 Nummern. Reich vertreten sind auch die Volkslieder, welche unter die Ueberschriften: Balladen, Liebes-, Jäger-, Hirten- und Soldatenlieder, u. a. vertheilt sind. Die Zahl derselben beträgt 193, darunter mehrere in der Mundart. Der Herausgeber hat sich bei jedem einzelnen persönlich überzeugt, daſs es wirklich im Munde des österreichisch-schlesischen Volkes lebt. Dürftiger ist die Sammlung der Sprichworte und Redensarten, die jedoch mit geringen Ausnahmen originell, d. i. mundartlich gefaſst sind. Die Sammlung der Volksschauspiele wird eröffnet durch ein gröſseres Weihnachtsspiel, aus Obergrund stammend: „Die Erschaffung der Welt sammt der Menschwerdung Jesu Christi“, woran sich noch drei kleinere „Christkindelspiele“ reihen. Der Herausgeber glaubt, daſs der Text des ersteren der Hauptsache nach mindestens in’s 16. Jahrhundert zurückreiche.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 17. Ueber eine alte Weltkarte in der Markusbibliothek zu Venedig. -- Die Wenden der Niderlausitz. (Franz Maurer.)

/Daheim/: Nr. 30. Luther in der russischen Legende.

/Grenzboten/: Nr. 18. Die Stellung der Römer in den Staaten der Völkerwanderung. -- Nr. 19 f. Deutsche Studenten in alter Zeit.

/Hausblätter/: 8. Heft. Sagen aus dem Spessart. 15-17. (Adalb. v. Herrlein.)

/Sächs. Kirchen- und Schulblatt/: Nr. 17 f. Ein eigenhändiger, ungedruckter Brief des Dr. Justus Jonas. (J. K. Seidemann.) -- Nr. 18. Die Sage von Luther’s Widerruf seiner Abendmahlslehre.

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 15-18. Zur Geschichte und Charakteristik der evangelischen Kirche in Rheinland und Westfalen.

/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 188 ff. Aus dem Aischgrund. -- Nr. 206. 208. Zur Sage von der weiſsen Frau. -- Nr. 210. Der deutsche Michel. -- Nr. 214. Die älteste Erwähnung eines deutschen Parlaments. -- Nr. 221. Eine Reminiszenz an das Kloster Himmelkron.

/Deutsche Kunst-Zeitung/: Nr. 13. Ueber die gegenwärtige Restaurirungsweise mittelalterlicher Bauwerke. (Karl Köhler.)

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 20 (116), S. 143. Ein deutscher Bischof des 11. Jahrhunderts. (Rudolf Usinger.)

/Deutsches Museum/: Nr. 14 f. Die Entwicklungsgeschichte des Schweizreisens. (Eduard Osenbrüggen).

/Novellenzeitung/: Nr. 16 f. Die Wahrheit über den Blaubart, französischen Marschall und Waffengefährten der Jungfrau von Orleans.

/Schles. Provinzialblätter/: März. Nachrichten von dem ehemaligen Franziskanerkloster (jetzt Gymnasium) zu Gleiwitz. (Franz Idzikowski.)

/Münchener Sonntagsblätter/: Nr. 15. Maximilian I., Churfürst von Bayern.

/Ueber Land und Meer/: Nr. 29. Das Münster von Freiburg. -- Nr. 31. Die Ruinen der Abtei Allerheiligen im badischen Schwarzwald. -- Der erste Mai. Das Walpurgisspiel.

/Zeitschrift für bildende Kunst/: 5. Heft. Albrecht Dürer in Venedig. (G. F. Waagen.)

/Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 102 ff. Der Judenmord zu Deggendorf (1337). (Ludw. Steub.) -- Nr. 117. Keplers wahrer Geburtsort.

/Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 100 f. Zum Passionsspiel in Thiersee in Tyrol. -- Nr. 104. Ueber neuentdeckte Pfahlbauten im Lago di Fimon bei Vicenza. -- Nr. 117 ff. Die Walküren. Ein Vortrag. (Dr. Wilh. Hertz.) -- Nr. 127. Christoph Leuttner, ein bisher unbekannter Compositeur Bayerns. (Sighart.)

/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1189. Die Festung Spielberg bei Brünn. -- Nr. 1191. Altdeutsche Frühlingsfeier.

/Leipziger Zeitung:/ Wiss. Beil. Nr. 27 ff. Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.

/Weimarische Zeitung:/ Nr. 103. Slawische Ortsnamen in der Umgegend von Jena. (Notiz.)

Vermischte Nachrichten.

~Entdeckung eines merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode.~

43) Der Mittheilung meines verehrten Freundes Dr. J. G. Burman-Becker in Kopenhagen verdanke ich einen Bericht über die Entdeckung eines sehr merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode, den ich als eine antiquarische Neuigkeit aus dem vorrömischen Norden mich beeile, den Freunden und Forschern der grauen Vorzeit zur Erwägung vorzulegen. Der Bericht lautet:

„Nachdem man hier in Dänemark in dem Spätjahr 1865 und im Winter 1866 bei Markarbeiten in verschiedenen Provinzen, auf verschiedenen Stellen, beim Schleifen von Grabhügeln, Grabkammern von groſsen Steinen entdeckt hat, welche von verschiedener Gröſse waren, und worin man Ueberbleibsel von menschlichen Körpern, nebst steinernen und bronzenen Gerätschaften antraf, hat man im Anfang Januar bei dem Dorfe /Enslev/, nicht weit von dem Städtchen Grenaae im nördlichen Jütland, eine Entdeckung gemacht, die nach meiner Ansicht von groſsem Interesse ist.

Man schleifte einen Grabhügel von 200 Fuſs Umfang und 16 Fuſs Höhe und fand in einer Tiefe von 2 Fuſs ein Skelett, bei dem ein thönerner Topf stand. Dieses Skelett lag auf einem groſsen Steine, der einen schmalen Gang deckte, und dieser Gang führte zu einer groſsen Grabkammer, welche 12 Fuſs lang, 6 Fuſs breit und 3 Fuſs hoch war. Zehn groſse Steine bildeten die Wände, und drei groſse, ebene Steine die Bedeckung. Die Kammer enthielt viel Erde und eine Masse von menschlichen Gebeinen, worunter zwanzig Köpfe; zwischen dieser Masse fanden sich zwei ausgezeichnete Dolche oder Messer von /Feuerstein/, eine Perle und zwei unbekannte Gerätschaften von /Knochen/, nebst sieben Perlen von /Bernstein/. Aber oben auf dieser ganzen Masse lag ein Skelett in ausgestreckter Stellung von Osten nach Westen. Der Kopf lag im Westen, dabei /bronzene/ Ueberbleibsel einer groſsen Nadel und eine Perle von gewickeltem /Golddrahte/. Es könnte beim ersten Anblick scheinen, als ob dies ein Begräbniſs sei aus dem Steinalter, welches im späteren Bronzealter noch benutzt wurde; aber hat man, um den oben Aufliegenden zu beerdigen, die groſse Masse Erde wegschaffen und die ungeheuren Decksteine aufheben können? Denn in der Grabkammer ist kaum Platz genug gewesen, um, von der Seite eindringend, den oben Aufliegenden auf der unten liegenden Masse von zwanzig Leichen aufzuheben und zu placieren. Sind aber die einundzwanzig Leichen hier auf einmal begraben, und ist erst dann die Kammer mit den ungeheuer schweren Steinen gedeckt worden, so müssen wir schlieſsen, daſs manche groſse steinerne Grabkammern jünger sind, ale man bisher in Dänemark geglaubt, und dem späteren bronzeführenden Volke zugeschrieben werden müssen.“

/Leiden/, 17. April 1866. L. J. F. /Janssen/.

44) In /Gera/, wo man 1852 gelegentlich von Erdarbeiten neben der Jahn’schen Maschinenbauanstalt auf eine heidnische Begräbniſsstätte mit Urnen, Bronzegegenständen u. s. w. stieſs, sind gegenwärtig beim Ausgraben in der Bahnhofstraſse, westlich vom Jahn’schen Etablissement, wieder in groſser Anzahl /Urnen/ nebst mehren /bronzenen Gegenständen ausgegraben/ worden. Augenscheinlich hat man hiemit die westliche Grenze dieses uralten Begräbniſsplatzes aufgefunden. Im nächsten Herbste sollen auf dem dazwischen liegenden Feldgrundstücke systematische Nachforschungen angestellt werden.

(Ill. Ztg.)

45) Unweit /Lilkeberg/ in Jütland wurden beim Umgraben einiger Hügel mehre /interessante Alterthümer gefunden/. Dieselben bestanden aus einem langen, dünnen, goldenen Drahte, der offenbar als Fingerzierde gebraucht worden war; ferner aus zwei Spieſsen, vier Ahlen, drei Messern, einer Nadel, einer Zange, einer Pfeilspitze und einer Schraube; alles von Bronze. Diese Gegenstände befanden sich auf dem Boden einer Gruft nebst einigen irdenen Urnen, die man jedoch nicht unbeschädigt zu Tage zu fördern vermochte.

(Dies.)

46) Bei /Pest/ sind unterhalb der alten Schiffbrücke durch die Baggermaschine einige /interessante Alterthümer/ aus der Donau zu Tage gefördert worden, die da wol 1500-2000 Jahre geruht haben mögen. Zwei dieser Gegenstände sind derartig petrificiert und mit Kiessteinen versetzt, daſs sich nur in dem einen an der frei gebliebenen, zweischneidigen Spitze ein Dolch von 10 Zoll Länge erkennen läſst, während die Eigenschaft des gröſsern Gegenstandes nicht anzugeben ist. Der dritte dieser Funde ist ein kurzes Römerschwert; ist der Griff gleich petrificiert, so erscheint doch die Klinge wohlerhalten. Sämmtliche Gegenstände sind an das Pester Museum abgegeben worden.

(Dies.)

47) Auf dem Rittergute /Woynowo/, in der Nähe von Bromberg, fand man beim Trockenlegen eines Teiches 4 Fuſs unter der Erde einen gut erhaltenen /Humpen/ aus Zink. Derselbe wiegt 6½ Pfd., ist 14 Zoll hoch und miſst 2½ Quart. Eingekratzt ist darauf ein Wappen, anscheinend vom deutschen Ritterorden. Das Wappen enthält nämlich zwei sich kreuzende Schwerter und ein Kreuz. An dem Henkel befindet sich rechts der polnische Adler, links das Bromberger Stadtwappen.

(Dies.)

48) Bei der Vornahme von Erdarbeiten in der /Hees/, eine halbe Stunde von Xanten im Kleve’schen gelegen, stieſs man auf groſse, steinharte /Thonröhren/ von etwa 3/4 Fuſs Durchmesser. Da der Fundort sich nicht sehr weit von dem ehemaligen Römerlager befindet, so lassen diese Röhren auf groſse unterirdische Wasserleitungen schlieſsen, welche in jener Zeit bestanden haben müssen.

(Dies.)

49) Von verschiedenen Seiten wird von der /Auffindung alter Münzen/ berichtet. In /Templin/, Provinz Brandenburg, ist am 11. März in einem Hofgarten ein irdener Topf mit kleinen, sehr alten Silbermünzen verschiedener Gröſse, die zusammen etwa 1½ Pfd. im Gewichte haben, ausgegraben worden. Einige Tage darauf wurden an derselben Stelle noch zwei Hände voll von denselben Münzsorten in der Erde gefunden. Laut Meldung belgischer Blätter hat ein Landmann zu /Jemelle/ eine Anzahl kleiner Bronzemünzen aus der Zeit Konstantins I. ausgegraben, und zu /Septfontaines/, einem Dorfe im Luxemburgischen, fand ein Hofbesitzer beim Einreiſsen einer Scheuer 700 Stück kleiner Silbermünzen, die meist in der Zeit Philipp’s des Schönen geprägt sind; doch finden sich auch einige von Ludwig dem Heiligen und Philipp dem Kühnen, eine einzige von Karl von Anjou, König von Sicilien, und ein Groschen der Stadt Dortrecht vor.

(Dies.)

50) Aus dem /Museum Francisco-Carolinum/ in Linz sind folgende Gegenstände /entwendet/ worden: das Gebetbuch des Erzherzogs Mathias von Oesterreich von 1588, und zwei gemalte Wappenbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert, unter diesen das Stammbuch des Philipp Waltinger, sodann die Verlassenschaftsabhandlung der Gemahlin des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, Tochter Kaiser Leopold’s, mit Randbemerkungen des Kurfürsten, und die Genealogie des Hauses Bayern und der bayerischen Geschlechter, mit Wappenabbildungen von Freimann von Randegg etc. Wie groſs die Zahl der entwendeten Autographen ist, läſst sich nicht bestimmen. Sicher ist nur, daſs ein Autograph Kaiser Leopold’s und ein solches des berühmten Naturforschers Schiffermüller, geboren zu Hellmansödt, vermiſst werden.

(Mgbl. z. Bayr. Ztg.)

51) /Eines der schönsten Werke Rembrandt’s/: „Lasset die Kindlein zu mir kommen,“ welches die Perle der kleinen Bildergallerie des Grafen Schönborn-Buchheim in Wien bildete, ist von dem Besitzer für 53,000 Thlr. an den Gruben- und Fabrikbesitzer Suermont in Aachen verkauft worden. Das Bild, für welches ein so auſserordentlich hoher Preis gezahlt wurde, ist nur 4 Fuſs groſs; es wird der Bildergallerie in der stattlichen Villa des reichen Industriellen einverleibt.

(Ill. Ztg.)

52) Das /Opitz-Denkmal/, welches in /Bunzlau/ aufgestellt werden soll, ist vom Bildhauer Michaelis in Breslau im Modell vollendet. Dasselbe besteht aus einem schlanken, vierseitigen Postament mit vorspringenden Ecken. Die Büste des Dichters ist nach einem Titelkupfer in einem seiner Werke modelliert.

(Dies.)

53) König Ludwig II. und König Ludwig I. von Bayern haben der Marktsgemeinde /Vohburg/ zur Erwerbung und Erhaltung des /alterthümlichen Thurmes/ am untern Thore daselbst, der im Mittelalter als Vertheidigungsthurm diente und im Jahre 1435 von Herzog Albrecht III., vermählt mit Agnes Bernauer, bewohnt wurde, seit mehr als 100 Jahren jedoch sich im Privatbesitz befindet, je 1000 fl. zugewandt.

(Korr.)

54) Nach dem Vorbilde der groſsen periodischen Urkundensammlungen, welche diesseits und jenseits der Alpen für die Erschlieſsung der archivalischen Schätze sorgen, erscheint seit dem Anfange dieses Jahres in Venedig eine Zeitschrift, welche sich die /Herausgabe von Documenten für die Geschichte, die Alterthums- und die Münzkunde/ zur Aufgabe stellt. Sie führt den Titel: „Raccolta Veneta. Collezione di documenti relativi alla storia, all’ archeologia, alla numismatica. Venezia nel stabilimento Antonelli.“ Das erste Heft ist von Niccolo Barrozzi als Redacteur gezeichnet. Die „Raccolta“ wird in drei Heften jährlich herauskommen und ihr Material namentlich aus den reichen Schätzen der venetianischen Archive schöpfen.

(Ill. Ztg.)

55) Die kgl. preuſs. Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte am 3. Juli 1862 die /Bearbeitung der Regesten der Päpste von Innocenz/ III. /bis mit Benedict/ XI. /als Preisaufgabe/ gestellt. Nachdem innerhalb drei Jahre keine Bearbeitung dieser Aufgabe eingegangen war, ist dieselbe Preisaufgabe mit verdoppeltem Preise (200 Dukaten) wiederholt worden. Die ausschlieſsende Frist für die Einsendung der dieser Aufgabe gewidmeten Schriften ist der 1. März 1868.

~Der Nutzen des germanischen Museums für die kunstindustrielle Thätigkeit unserer Zeit.~

Die Alterthumswissenschaft den Schöpfungen auf dem Gebiete der Kunst und Industrie unserer Tage nützlich zu machen, ist nicht nur eine sogenannte zeitgemäſse Idee; es ist nicht nur im Interesse der heutigen Schöpfungen, es liegt im Interesse der Wissenschaft selbst, in engen Verband mit der Kunstthätigkeit der Zeit zu treten. Selbst bei fleiſsigem Beschauen der uns von der Vorzeit überlieferten Objekte prägt sich nur ein flüchtiges Bild ein, das eben, weil es nicht eingehend, manchmal sogar geeignet ist, eine verkehrte Anschauung zu wecken und zu nähren. Je mehr man also Veranlassung hat, in das Wesen der Dinge einzudringen, desto eingehender wird man sie auch studieren. Nun liegt aber gerade in der Wiederanwendung der Prinzipien und Formen der dringendste Grund, sich genau damit bekannt zu machen. Der schaffende Künstler, der in einem gewissen Gebiete arbeiten will, wird sicher tief eindringen, da er in den eigenen Schöpfungen den Maſsstab für die Frage findet, ob er auch Alles, ob er auch jede Einzelheit der zu studierenden Gegenstände genau und richtig erfaſst hat. Eine solche Controle für die eigene richtige Auffassung hat der Gelehrte nicht. Es muſs also auch im Interesse der Wissenschaft liegen, wenn sie mit dem praktischen Leben in Verbindung gesetzt wird. Deshalb hat auch das germanische Museum von jeher mit Vorliebe darauf gesehen, solche Verbindungen herzustellen, die auf der andern Seite sicher der heutigen Kunst und Gewerbsthätigkeit in so auſserordentlicher Weise förderlich sind. Wir brauchen hier nicht auf die groſsen Anstrengungen hinzuweisen, die allenthalben in Frankreich und England gemacht werden; wir brauchen nicht daran zu erinnern, daſs das South-Kensington Museum in London und das neue k. k. Museum für Kunst und Industrie in Wien eigens dem Zweck gewidmet sind, das, was die Vorzeit uns werthvolles hinterlassen hat, der Gegenwart dienstbar zu machen, sowohl zu direkter Nachahmung, als auch zu Studien im Allgemeinen.

Solcher Objekte, die theils zum Studium in allgemein bildender Richtung den Industriellen dienen, theils direkte Nachbildung finden können, besitzt das germ. Museum in Original und Nachbildung eine groſse Zahl; noch reicher ist aber das Material, welches Bibliothek und Kupferstichsammlung des Museums bieten, und es könnte manchem Gewerbevereine, wie manchem einzelnen Gewerbetreibenden damit gedient sein. Das Museum könnte aber, wenn sich mehrere Gewerbevereine fest mit ihm verbänden, in dieser Hinsicht noch weit mehr thun. Wir glauben daher hier auch die Antwort des Museums auf eine Anfrage des Gewerbevereins zu Fürth dem Publikum, wie den übrigen Kunst- und Gewerbevereinen Deutschlands bekannt geben zu sollen, und es würde uns sehr freuen, wenn sich durch Verwirklichung des in dieser Antwort Ausgesprochenen das Museum in der Lage sähe, der heutigen Gewerbsthätigkeit so groſsen und wesentlichen Nutzen zu bringen.

/An den löblichen Gewerbeverein in Fürth./

Die verehrliche Zuschrift vom 17. April 1866 hat dem germanischen Museum von den Bemühungen des löblichen Vereins Kenntniſs gegeben, eine der Hauptaufgaben der Industrie unserer Zeit ins Auge fassen und die Erzeugnisse des Handwerks durch die Kunst veredeln zu wollen. Derartige Bestrebungen, die in England und Frankreich so gute Früchte getragen haben, werden auch bei uns nicht ohne Wirkung sein. Der Verein hat aber auch die richtige Basis für derartige Bestrebungen erkannt, indem auch in Frankreich und England die Museen, welche die Schätze der Kunst- und Gewerbsthätigkeit der Vorzeit umfassen, die Basis für alle derartige Studien waren.

Sind es nun schon in den französischen Museen neben den Werken der Antike vorzugsweise /deutsche/ Erzeugnisse des Mittelalters und der Renaissance, welche dem Studium geboten werden, so ist mit Recht vorauszusetzen, daſs deutsche Museen auf diesem Gebiete noch weit reichhaltigeres Material bieten müssen. Es war also ein sehr angemessener und nachahmenswerther Schritt des Fürther Gewerbevereins, das germanische Museum in dieser Richtung um seine Mitwirkung anzugehen. Das Museum besitzt in seiner Bibliothek kostbare Prachtwerke, die einzelnen Vereinen ganz unzugänglich sind, und hat in seiner Kupferstich- und Zeichnungssammlung eine solche Menge von Einzelblättern, daſs es in der That jedem Gewerbeverein viel Material liefern kann.

Das Museum übersendet daher gegen gefällige Empfangsbestätigung dem löblichen Vereine beifolgend einige Werke und Einzelblätter, die, ohne alles System gewählt, die Reichhaltigkeit der Sammlungen illustrieren sollen.

Was die in der verehrlichen Zuschrift angedeutete fortgesetzte Verbindung betrifft, so durfte solche dem Vereine jedenfalls förderlich sein. Der gröſste Nutzen für alle Theile würde jedoch dann entstehen, wenn ebenso, wie der Verein zu Fürth, eine Anzahl anderer Vereine mit dem Museum sich verbände und jeder Verein einen angemessenen Beitrag von vielleicht 50-100 fl. jährlich leistete. Das Museum würde alle diese Beitrage /ganz ausschlieſslich/ auf Anschaffung von kostbaren und theuern Kupferwerken und Einzelblättern, vorzugsweise Photographieen und nicht veröffentlichte Handzeichnungen, verwenden und diese bei allen Vereinen circulieren lassen. Würden sich auf diese Weise etwa 20 Vereine betheiligen, so könnte es das Museum übernehmen, jeden Verein fortwährend mit einer bestimmten Menge von Material zu versehen, das alle 4 Wochen regelmäſsig wechselte. Das Museum könnte auch in den Wintermonaten, wo seine Sammlungen weniger besucht sind, einzelne Objekte aus diesen Sammlungen oder ganze Serien einzelnen Vereinen zur Ausstellung auf je 4 Wochen zustellen, wobei allerdings das Museum nur solche Gegenstände senden könnte, für die durch den Transport kein Schaden zu befürchten ist, oder die durch die Vereine, im Falle sie Schaden leiden würden, eben wieder leicht ersetzt werden könnten, wie Gypsabgüsse u. s. w.

Wir hoffen, dem löblichen Vereine hier in seinen Anschauungen begegnet zu sein, und würden uns sehr freuen, wenn es dem Vereine gefiele, in Verbindung mit einer Anzahl anderer Vereine ein derartiges Abkommen mit dem Museum zu treffen.

/Nürnberg/, den 12. Mai 1866.

Hochachtungsvollst Der I. Vorst. d. germ. Museums A. /Essenwein/. Dr. J. R. /Erbstein/, I. Sekretär.

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 6. Juni.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Über einige mittelalterliche Elfenbeinschnitzwerke und besonders über ein Spiegelgehäuse im Cistercienser-Stifte Reun in Steiermark.

Von /A. Essenwein/.

Die Kunst der Elfenbeinschneiderei des Mittelalters hat uns zahlreiche kleine Werke hinterlassen und bietet uns so einen vollkommenen Ueberblick über ihren Entwicklungsgang. Da die Werke klein sind und sehr leicht in Gypsabguſs reproduciert werden können, so ist es auch möglich, eine gröſsere Anzahl zum Vergleichen neben einander zu legen. So hat die Arundel Society in London eine Serie von etwa 200 Stück in vortrefflichen Gypsabgüssen in Umlauf gesetzt, die alle Perioden vom 2. bis 17. Jahrh. umfassen.

Das germanische Museum besitzt auch eine ziemlich reiche Sammlung von solchen Gypsabgüssen neben einigen guten und werthvollen Originalen. Als charakteristisches Merkmal ergibt sich, wenn eine derartige Serie zusammengestellt ist, daſs der Betrieb dieser Elfenbeinschnitzerei ein ziemlich handwerklicher war, daſs eine einmal festgestellte Composition nicht blos unendlich variiert, sondern daſs sie auch vielfältig direkt copiert wurde. Es ist dies der Fall sowohl bei religiösen, als bei profanen Gegenständen. Von den älteren Werken erscheint jedes einzelne selbständiger, vielleicht aber auch nur, weil sie seltener sind. Von einer Darstellung wenigstens, der „/Tod Mariä/“, nach einer byzantinischen Composition, sind uns mehrere, fast identische Werke bekannt. So befindet sich eines im Museum zu Darmstadt, das im german. Museum durch einen Gypsabguſs vertreten ist; ein zweites in Kloster-Neuburg bei Wien, das gleichfalls durch einen Abguſs im Museum vorhanden ist. Letzteres ist auch publiciert in den Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Baudenkmale, VII. Jahrg., S. 142. Ein drittes Exemplar befindet sich im Musée Clugny zu Paris. Wir behalten uns vor, anknüpfend an jene Publikation der k. k. Central-Commission, auf diesen Gegenstand speciell zurückzukommen, und erinnern hier nur daran, daſs auch die byzantinische Kunst häufig Wiederholungen eines und desselben Gegenstandes zeigt, daſs also bei dem Einflusse der von Osten her auf die abendländische Kunst stattgefunden, nicht blos manche Motive, sondern auch die Anschauung herübergekommen ist, die zu einer handwerksmäſsigen, oft und oft wiederholten Copie einer und derselben Composition führte. Am auffallendsten tritt diese sich stets gleichbleibende und oft wiederholende Composition in den Werken des 14. Jahrh. auf. Manche Motive erhalten sich vom Schlusse des 13. bis in die Mitte des 15. Jahrh. und es ist häufig sehr schwer, einem Werke eine genaue Zeitstellung anzuweisen. Die Anbetung der heil. drei Könige, eine auf Diptychen und einzelnen Täfelchen so oft und oft wiederholte Darstellung, zeigt in deutschen und französischen Werken, die fast zwei Jahrhunderte umfassen, genau dieselben Figuren, oft in gröſserer oder geringerer Feinheit, aber stets im selben Kostüme, in derselben Stellung und Haltung. Es ist nicht das Zeitkostüm, wie es sich in den Gemälden findet; es sind stets dieselben nach einem Originale gearbeiteten Figuren. Im Allgemeinen -- es gibt jedoch auch hier Ausnahmen -- zeigt sodann die gröſsere oder geringere Feinheit, das gröſsere oder geringere Gefühl und Bewuſstsein auf die ältere, oder auf die jüngere Zeit, wo ein schon bekanntes Original gedankenlos von den Gesellen der Kunst reproduciert wurde.

Deshalb sind wir auch nicht so leicht geneigt, ein uns entgegentretendes rohes Werk so geradezu als Falsificat anzusehen, wie dies z. B. der sehr gelehrte französische Forscher Didron thut, der die Hälfte der vorhandenen Elfenbeinsculpturen, oft, wie es scheint, aus bloſser Laune, als Falsa erklärt hat. Sobald die Serie der Gypsabgüsse des Museums erst mehr completiert sein wird, hoffen wir von diesem Gesichtspunkte aus mancherlei höchst interessante Parallelen finden zu können.

Wir wollen hier jedoch das Gebiet der religiösen Darstellungen nicht näher berühren und auf das Profane übergehen, wo uns dieselbe Erscheinung entgegentritt. Fast alle die vielen Elfenbeintäfelchen (Schreibtäfelchen), Spiegelgehäuse, Kästchen, Kämme u. A. von der zweiten Hälfte des 13. bis zum Schlusse des 15. Jahrh. lassen sich auf wenige Grundmotive zurückführen. Wir übergehen hier die gewissen, theils viereckigen, theils sechseckigen italienischen Kästchen, die stets ein sich zugewendetes Paar derselben Figuren tausendfach wiederholen, an den Ecken blos mit anderen Figuren geschmückt sind, an den Deckeln die nackten geflügelten Menschenfiguren zeigen und aus verschiedenfarbigem Holz eingelegte Einfassungen haben. Uns selbst sind mindestens 30 derartige Kästchen zu Gesicht gekommen. Wir heben eine Gruppe zweier Figuren hervor, die in verschiedenartigen Situationen neben einander stehen. So befindet sich in der fürstl. wallerstein’schen Sammlung zu Maihingen ein vom germanischen Museum in Gypsabguſs veröffentlichtes Täfelchen (abgebildet bei Eye u. Falke, Kunst und Leben der Vorzeit), das auf beiden Seiten geschnitzt ist; es zeigt einerseits unter einem Baum knieend einen Mann und eine Frau, auf dem Baum Amor, eine geflügelte Jünglingsgestalt mit einer Krone auf dem Haupte, zwei Pfeile auf die unten Knieenden versendend. Der Herr hat einen Falken auf der Hand. Auf der andern Seite des Täfelchens sind die beiden Figuren stehend; der Herr setzt der Dame einen Stirnreif auf. Ein Täfelchen genau von derselben Gröſse, das jetzt im Original im germanischen Museum sich befindet, zeigt gerade dieselben Figuren zu Pferde reitend, auf die Jagd ausziehend; wie die beiden früheren Darstellungen ihre Parallelen in einigen Täfelchen des Louvre und des Musée Clugny zu Paris finden, so auch das gegenwärtige, das daselbst mehrmals vorhanden ist, wobei jedoch das des germanischen Museums alle diese in Paris vorhandenen an Feinheit und Zartheit übertrifft, ohne daſs ihm jedoch eine gewisse Härte abzusprechen ist.

Dieselbe Darstellung befindet sich auch auf einem Diptychon, das im Gypsabguſs im germanischen Museum vorhanden ist und dessen zweites Täfelchen dieselben Figuren, Schach spielend, zeigt. Auch einen Hasen jagend finden sich ähnliche Figuren. Die Schachscene findet sich wieder auf einem Spiegelgehäuse im Besitze des Prof. v. Hefner-Alteneck in München und einem zweiten in der Serie der Arundel Society; ebenso wiederholt die Reiterscene in dieser Serie.

Andere Spiegelgehäuse derselben Serie zeigen die Erstürmung einer Minneburg. Sie haben gleichfalls ähnliche Figuren; eines gehört der Sammlung von A. Fountaine an, ein anderes dem Kensington Museum in London. Auf einer Büchse im Museum zu Boulogne, deren in vier Felder getheilter Deckel gleichfalls unter den Gypsabgüssen der Arundel Society sich befindet, ist ebenfalls diese Minneburg abgebildet. Ein sehr schönes Exemplar eines Spiegelgehäuses mit einer Minneburg befindet sich im Museum zu Darmstadt (abgebildet in den Denkmälern der Kunst von Voit, Caspar, Guhl, Lübke). Hier führen die Damen ihre Ritter über eine Treppe in die Burg, auf deren Zinnen bereits mehrere Figuren zu sehen sind. Eine andere Scene zeigt die Minneburg auf dem Spiegelgehäuse der wallerstein’schen Sammlung zu Maihingen, das durch das german. Museum in Gypsabguſs vervielfältigt ist. Hier steht oben auf den Zinnen der Burg Amor, mit dem Bogen Pfeile versendend; es ist fast dieselbe Figur, wie auf dem früher genannten Täfelchen zu Maihingen. Hinter den Zinnen stehen Damen, die Rosen auf die Angreifer herunterwerfen. Ein Theil der Angreifer hat schon die Mauern erstiegen und liebkost die Damen, die sich ergeben haben. Einer der Angreifer schieſst Rosen aus der Armbrust; ein anderer ist stehend auf dem Sattel seines Pferdes zu sehen, von wo aus er eine der Damen, die an einer Luke steht, liebkost; ebenso hat ein anderer Herr an der entgegengesetzten Seite bereits eine der Damen umschlungen, die eine Luke besetzt hält. Aus dem Thore sprengen zwei Damen zu Pferde gegen zwei Ritter, die mit eingelegter Lanze ihnen entgegenreiten. Die Lanzen haben statt der Spitzen Rosen und eine der Damen hat statt derselben einen Zweig mit drei Rosen. Die Ritter haben Rosen auf ihren Schilden; zu beiden Seiten sitzen Jünglinge auf Bäumen und blasen zum Sturm. Einem derselben reicht eine Dame von der Zinne aus einen Kranz; der zweite wird von einer andern Dame mit Rosen beworfen.

In vielen Zügen mit dieser Darstellung verwandt, jedoch wieder wesentlich davon verschieden, ist der Schmuck eines Spiegelgehäuses, das gegenwärtig im Cistercienser-Stifte Reun in Steiermark sich befindet und vom steiermärkischen Verein zur Förderung der Kunstindustrie in Gypsabguſs verbreitet worden ist. Es sind dieselben Personen in anderer Handlung. Es zeigt sich die Breitseite eines viereckigen Baues; in der Mitte das mit dem Fallgatter verwahrte Thor, neben dem zu beiden Seiten halbrunde Vorbauten angebracht sind. Zu oberst auf den Zinnen steht der Liebesgott, gekrönt, mit ausgebreiteten Flügeln, dem auf dem kleinen Täfelchen zu Maihingen vollkommen gleichend. Er hält einen Speer gesenkt in der Rechten, auf der linken Faust sitzt ein Falke. Er nimmt nicht Theil am Kampfe und erscheint gleichsam als Herr und Gebieter, der die Vertheidigung der Burg leitet. Zur Rechten ein liebendes Paar; zur Linken ein verwundeter Krieger, umgesunken in den Armen einer Dame, die ihn pflegt. Aus dem Thore stürmen zwei Ritter hervor, und hier gilt es nicht einen zarten Kampf mit Rosen, sondern mit geschwungenem Schwert holt einer der von auſsen anstürmenden Ritter gegen einen der inneren aus, der den Hieb zu parieren scheint. Der zweite hinter demselben hat den Speer eingelegt, und ein zweiter, der den Speer auf der Schulter trägt, kommt auch hinter dem äuſsern Ritter hergeritten. Beide Kämpfende, sowie die mit den Speeren, tragen den geschlossenen Helm auf dem Kopfe. Auf den Decken der Pferde, wie auf den Schilden, haben jedoch beide das gleiche Zeichen, -- Rosen. Ein Kämpfer mit einer Eisenhaube dagegen hat eine Rose als Pfeil auf der gespannten Armbrust liegen, um sie gegen die Burg zu entsenden. Hinter ihm steht eine mit Rosen beladene Schleudermaschine. Wie die Burg des vorhin angeführten Spiegelgehäuses, so hat auch die gegenwärtige zwei halbrunde, thurmartige Vorbauten neben dem Thore, die niedriger sind, als der Hauptbau. Auf der Spitze der einen steht ein kosendes Paar und eine einzelne Jungfrau, die einen Stirnreif hält, der etwa dem Armbrustschützen zugedacht sein könnte. In einer groſsen Spitzbogenöffnung dieses Vorbaues ist wieder ein kosendes Paar zu sehen. Unmittelbar über der Pforte befindet sich ein viereckiges Fenster, aus dem zwei Damen heraussehen, von denen die vordere aus einem Korbe Rosen über die aus dem Thore hervorbrechenden Ritter wirft, die zweite aber einen Stirnreif einem jungen Manne reicht, der auf der Platte des zweiten Vorbaus steht. Eine Dame auf der Platte dieses Vorbaues hilft einem auf einer Strickleiter emporklimmenden, noch ganz gewappneten Ritter (nur den Helm hat er abgelegt) in die Höhe, während ein zweiter eben unten die Strickleiter befestigt; die Pferde beider stehen ledig unten. Den Abschluſs zur Seite bietet ein ganz ungewappneter Bogenschütze auf einem Baume. Da der gespannte Bogen in seinen Händen keinen Pfeil erkennen läſst, so ist anzunehmen, daſs er ebenfalls eine Rose versende. Im Ganzen befinden sich demnach auf dem Schnitzwerk 22 Personen und 4 Pferde. Die Composition ist lebendig und selbst was wir heute malerisch nennen; doch ist der Sache und der Deutlichkeit des Ausdrucks so weit Rechnung getragen, daſs sich der Maſsstab der Burg nicht nach dem der Menschenfiguren richtet, sondern die Burg eben nur als Andeutung erscheint; ebenso sind die Bäume mehr ornamentale Andeutungen, als Bäume selbst. Die Bewegung der Figuren entspricht vollkommen dem 14. Jahrhundert.

In Bezug auf das Kostüm scheint uns keine andere Bemerkung nöthig, als daſs hieraus wieder zu ersehen ist, daſs Schild und Helm nur unmittelbar beim Kampf selbst benützt wurden; daſs die noch immer in Eisen gekleideten Krieger, welche nicht unmittelbar kämpfen, den Helm abgelegt haben; daſs sie endlich bei der Geliebten ohne jedes Kampfgewand erscheinen. Hinsichtlich der sehr interessanten Schleudermaschine können wir nur auf Viollet-le-Duc’s Artikel „Engin“ in seinem Dictionnaire de l’architecture française verweisen.

Wenn in dem Spiegelgehäuse aus Maihingen lediglich der Kampf zwischen Herren und Damen geführt wird und mit der Ergebung der Damen endet, so erscheint hier als neues Motiv noch der Kampf der Ritter unter sich um die Minne eingefügt, ein Kampf, der nicht mit Rosen, sondern mit Speer und Schwert ausgefochten wird.

Die Ausgabe der Sprichwörter Agricola’s v. J. 1548.

Unter diesem Titel hat J. Franck, ein vorbedeutungsvoller, schöner Name für einen Sammler deutscher Sprichwörter, in dieser Zeitschrift, 1865, Sp. 388 ff., überaus schätzbare Mittheilungen über Agricola’s Sprichwörter veröffentlicht, deren thatsächlicher Inhalt eines aufrichtigen Dankes gewiſs ist. Nur geht der Verfasser von der irrthümlichen Voraussetzung aus, daſs er zuerst einer herrschenden Meinung gegenüber den wahren Charakter jener späteren Sammlung dargethan, und kommt andererseits, was noch bedenklicher ist, auf Grund unzureichender oder miſsverstandener Angaben zu der sicher falschen Schluſsfolgerung, es müſsten zwei Ausgaben der 500 Sprichwörter Agricola’s vom Jahre 1548 nebeneinander existieren.

Der Berichtigung dieser beiden Irrthümer bestimmen wir die nachfolgenden Zeilen und verbinden damit zugleich die Beseitigung einer oder der anderen kleinen Ungenauigkeit in dem gedachten Artikel. Wir hoffen damit dem geehrten Verfasser selbst und der gemeinsamen Sache einen Dienst zu thun; ihm also zunächst sei das Nachstehende zur vorurtheilslosen und strengen Prüfung anheimgegeben.

I. Es ist /keineswegs/ „bis jetzt allgemein angenommen, daſs die 500 Sprichwörter Agricola’s eine nur verkürzte Ausgabe, eine epitome der früheren“ von 750 (749) sei. Ebensowenig ist zu beweisen, daſs die bisherigen Paroemiographen die fragliche Ausgabe „nicht selbst gesehen haben.“

Ich vermag blos unter unseren Zeitgenossen -- denn der Lebende hat Recht -- bereits drei namhaft zu machen, die auf Grund autoptischer Kenntniſs von der fraglichen Ausgabe, wenigstens im Vorbeigehen, gehandelt haben: Zacher, C. Schulze und, den ich als dritten, wo es sich um Thatsachen handelt, unbedenklich hinzufügen darf, ich selber.

/Zacher/ hat die Ausgabe mit Nr. 17 bezeichnet, d. h., wie aus der Vorrede seines Werkes ersichtlich ist, er hat die Ausgabe in der Meusebach’schen Bibliothek vorgefunden und nach Autopsie beschrieben.

C. /Schulze/ bezeichnet die Ausgabe in einer Uebersicht sämmtlicher Ausgaben von A’s Sprichwörtern als den dritten Theil dieser seiner schriftstellerischen Thätigkeit (Herrig’s Archiv, 1862, S. 154) und rechtfertigt diese Bezeichnung gegen einen übereilten Angriff von meiner Seite, ebend. 1863, S. 115.

Ich selber habe in der gedachten Zeitschrift, 1862, S. 475, und in meiner Schrift über Agricola’s Sprichwörter (Schwerin, 1862), S. 53, mit wenigen Worten, aber für meinen damaligen Zweck ausreichend, von diesem Werk A’s. gesprochen.

Franck hat demnach nicht das Recht, von einem allgemeinen Irrthum zu reden, während er allerdings mehr wie jeder andere dazu beigetragen hat, den wahren Charakter dieser späteren Sammlung in’s Licht zu stellen. Die Schätzbarkeit dieser seiner Mittheilungen ist aber gerade der Grund, weshalb wir auch leichtere Versehen berücksichtigen.

II. Sp. 390 das Sprichw. von S. Rochus, Nr. 168, steht Bl. 74a; Spalte 391, Spr. Nr. 290 und 301, stehen Bl. 135a und 138b. An der ersten Stelle hat allerdings auch die Ausg. von 1548 den Druckfehler 235; während doch der ganze Text nur 188 gezeichnete Blätter enthält. Die Ueberschrift „von Halb Rittern, vnnd geflicktem Adel“ geht nicht auf Spr. 393-411, sondern blos auf Nr. 393, die aus dem Renner entlehnte Fabel von dem Maulthier, das sein Geschlecht verleugnet; die nächsten Sprüche schon haben mit der echten oder vermeinten Geschlechtsehre nichts mehr zu schaffen. Im Uebrigen füge man diese unsere Stelle zu den von K. Janicke gegebenen Nachweisungen hinzu; s. seinen Artikel: Die Fabeln und Erzählungen im Renner des Hugo von Trimberg, in Herrig’s. Archiv, 1862, S. 162.

Sp. 392 rühmt Franck an Agricola, daſs diese seine Sammlung wirklich, wie der Titel verheiſse, /newe/ Sprichwörter bringe. Nur die Nummern 8, 54, 167, 169 und 218 (l. 288) fänden sich, wie er nach wiederholter Vergleichung wahrgenommen, bereits in der älteren Sammlung. Die wiederholte Vergleichung Franck’s ist aber nicht im Stande gewesen, /alle/ Aehnlichkeiten und Gleichheiten ausfindig zu machen. Es lassen sich nämlich, ohne daſs wir unsererseits Vollständigkeit verbürgen können oder wollen, noch folgende Nummern hinzufügen.

1548. Nr. 42. Wer viel redet, der leuget gerne. = 1529. Nr. 211.

1548. Nr. 92. Du hast ain starcken Rucken. Er kann xx.xxx person die hohe stiege hinauff tragē. = 1529. Nr. 199. Er ist starck ym rucken. In der Erklärung: Wenn man nu einen hoeflich verreterey zeyhen will, so sagt man, Er hat einen starcken rucken, er kan ein man, funffzehen, zwentzig auff ein mal die stiegen hynauff tragen, das ist, Verraten.

1548. Nr. 149. Er spart der warhait. = 1529. Nr. 423.

1548. Nr. 161. Er wird den Ringken an der Thür lassen. = 1529. Nr. 274.

1548. Nr. 183. Was du mir flüchest oder wünschest, das bestehe dein aignen Hals. = 1529. Nr. 489. Was du mir fluchst, das bestehe dein halſs.

Begreiflicherweise gilt dieselbe Zählung von jeder späteren Ausgabe der 749 oder 750 Sprichwörter des Agricola. Die erste, die in runder Zahl von 750 Sprüchen redet, ist die von Franck angezogene von 1534.

Noch erheblicher ist endlich

III. der Irrthum Franck’s hinsichtlich der verschiedenen Ausgaben der 500 Sprichwörter von 1548. Was er als sichere Gründe für diese Vermuthung hinstellt, hat sich mir bei nähererer Prüfung insgesammt als hinfällig erwiesen; ich wünsche und hoffe geradezu, für den folgenden Nachweis seine ausdrückliche Zustimmung zu finden.

Francke stützt sich darauf:

a) Nopitsch und Zacher reden von einer Ausgabe „ohne Vorrede und Register.“ Der erstere biete auſserdem in seiner diplomatisch-treuen Titelangabe eine abweichende Zeilen-Abtheilung.

b) Buchholzer, ein theologischer Gegner Agricola’s, behauptet ihm gegenüber, gewissermassen, um Agricola’s Antinomismus durch seine eigenen Worte zu widerlegen, er habe in seinen Sprichwörtern von 1548 deutlich gesagt, daſs „gute Werke nöthig seyn zu der Seligkeit.“ Franck hat einen derartigen Ausspruch bei Agricola nicht finden können.

Am leichtesten läſst sich das äuſsere Argument zurückweisen. Die ganze Abweichung bei Nopitsch geht darauf hinaus, daſs er in den Worten /durch/ J. Agr. E. die Präposition als eigene Zeile zu bezeichnen versäumt hat. Wenn aber Nopitsch und Zacher davon reden, daſs die Ausgabe ohne Vorrede 188 Bll. enthalte, so würde ich das, auch ohne Einsicht meines eigenen Exemplars, dahin verstanden haben: ungerechnet der Vorstücke sind es 188 Bll. im Ganzen. Um aber ganz sicher zu gehen, wandte ich mich nach Berlin, wo das von Zacher benutzte Exemplar sich befindet, und erhielt unter dem 22. Jan. von Herrn Dr. Schrader folgende freundliche Erwiederung meiner Anfrage, die jede weitere Erörterung abschneidet: „Ihre Vermuthung über die Agricola-Ausgabe von 1548 ist die richtige. Es sind 20 Blätter Vorstücke, signirt ~Aa~, ~Bb~ und ~A~. Dann folgen, mit der Signatur ~B~ beginnend, die foliirten Blätter 1-188.“

Hinsichtlich des inneren Grundes ist einzuräumen, daſs Agricola wie in der früheren Sammlung, so auch hier das Princip der Rechtfertigung durch den Glauben auf das nachdrücklichste betont hat, und sein Antinomismus nicht selten hervortritt; man sehe z. B. Bl. 102 a die Gerechtigkait, die vor Gott gildt, ist nicht auſs dem Gesetze, Sondern on das Gesetze, offenbaret, auſs glauben ff.

Gleichwohl findet sich eine Stelle, die eine Auffassung wie die von Buchholzer sehr nahe legt, und nur bei strenger Vergegenwärtigung der Persönlichkeit Agricola’s ist man vor Miſsständniſs geschützt. Agricola selbst wird auch hier eventuell den Geist seiner Worte gegen ihren Buchstaben vertreten haben. In Spr. 9. /Es gehört auff alle Fragen nicht antwort/ bemerkt Agricola einleitend: auf Narrenfragen sei keine Antwort erforderlich, wohl aber auf Fragen über Gott und sein Wesen. Er unterscheidet dann in Gott den geoffenbarten und den verborgenen Willen und sagt hinsichtlich des ersteren:

„In diesem geoffenbarten willen, sollen wir beharren, dann inn den ist gefaſst der rechte Gottesdienst, ins wort vnd in die Sacrament, da hat die seele vnnd das hertz aines menschen frid, inn aller fahr vnd not, vnd (Bl. 23a) waiſs, wa es trost vnd hilffe suͦchen vnd finden sol. Nämlich bey Gott, durch Christum. Zum anderen, so soll man auch den leib, das leben, handel vnd wandel, mässig, züchtig, auffrichtig, /in allen guͦten wercken/ regiern vnnd halten, anderen leütten zum dienst, zuͦ rhaten, und zuͦ helffen. Hiernach soll man fragen, vnd on vnderlaſs diſs leeren, vermanen, vnd alle welt, die darnach fragt, berichten vnd beantworten. Dann hiedurch wirt verantwortet, alles was not ist zur säligkait.“

Ich sollte meinen, Buchholzer könnte diese Stelle mit seiner obigen Aeuſserung recht gut im Sinne gehabt haben. Ob er sie recht verstanden, ist eine andere Frage, die uns auſserhalb des eigentlich literarischen oder philologischen Bodens stellt. Genug, daſs von keiner Seite ein Grund vorliegt, für die Sprichwörter von 1548, d. h. für die 500 /neuen/ Sprüche, eine doppelte Ausgabe anzunehmen.

Si quid novisti rectius istis, Candidus imperti; si non, his utere mecum.

/Schwerin/, im Februar 1866.

/Friedr. Latendorf./

Nachschrift. Zur Vervollständigung des obigen Beweises ist vielleicht einem oder dem andern Leser ein Verzeichniſs von Irrthümern Agricola’s nicht unwillkommen, die sicherlich in allen Exemplaren des fraglichen Druckes wiederkehren; auch sind sie gewissermassen ein Zeugniſs für die schriftstellerische Naivetät des 16. Jahrhunderts. Ein ähnliches Verzeichniſs für die ältere Sammlung habe ich in meinem Buch über Agricola’s Sprichwörter, 1862, S. 79, zusammengestellt. Auſser dem Druckfehler /thierern/ für /thieren/ in Nr. 158, s. Franck im Anz. 1865, Sp. 391 nenne ich:

Spr. 1. Bl. 5a wird von einem weisen Mann „Melicerla in der Insel Melita“ erzählt, er habe zwei Truhen für empfangene und vertheilte Wohlthaten geführt, deren erste immer leer geblieben sei. Im Alterthum ist dies von Simonides überliefert worden; siehe Agricola’s Sammlung, Spr. 202 und mein Buch über Agricola, S. 18.

Spr. 2. Bl. 9b. bittet Minerva den Jupiter, den „bey der Bosen haut Cyrce“ (l. Kalypso) weilenden Ulysses zu befreien.

Spr. 2. Bl. 11b nimmt Dionysius dem Aesculap den goldenen Bart, da sein Vater Jupiter (l. Apollo) bartlos sei.

Spr 153. Bl. 64b nennt Agricola den Creon den Eidam (Aydem) des Oedipus; er konnte ihn doch nur Oheim oder Schwager nennen.

Spr. 191. Bl. 83b es ist gefarlich, bey den herren am Tische sitzen, wie dann Cambysis Küniges zu Persien, und des grossen Alexanders historien zeügen mit Clito, Parmenione, vnd /Collophone/ (l. Philotas oder einen andern passenden Namen).

Spr. 252. Bl. 115a wird Marius unter den Zeitgenossen des Octavian aufgeführt.

Eine neue Flugschrift über den englischen Schweiſs des Jahres 1529.

Mitgetheilt von Dr. H. /Häser/ zu Breslau.

Herr Dr. /Davidson/ der Aeltere, praktischer Arzt hierselbst, ein bewährter Freund der Geschichte der Medicin, war vor Kurzem so glücklich, auf der hiesigen kgl. Bibliothek ein bis jetzt völlig unbekanntes, gleichzeitiges Dokument über die Schweiſsseuche des Jahres 1529 zu entdecken, und so gütig, es mir Behufs der Veröffentlichung mitzutheilen. Die letztere wird um so mehr gerechtfertigt sein, als das Original, wie es scheint, von der gröſsten Seltenheit ist. Wenigstens haben weder /Gruner/, der für seine groſse Monographie über 20,000 Schriften nachschlug, noch ich selbst bei der Herausgabe des durch eigene Nachträge vermehrten /Gruner/’schen Werkes (Scriptores de sudore anglico superstites collegit Christ. Gottfr. /Gruner/; post mortem auctoris adornavit et edidit Henricus Haeser. Jenae, 1847. 8.) von der Existenz desselben eine Ahnung gehabt.

Von Interesse ist, daſs die Schrift selbst nicht Original, sondern Uebersetzung eines andern anonymen in niederdeutscher Sprache gedruckten („excussus“) „Regiments“ ist, welche sich vielleicht noch auf einer norddeutschen Bibliothek vorfindet. Die lateinische Uebersetzung besteht aus drei Blättern in Quart, ohne Angabe des Druckortes. Aus der Dedication an zwei Geistliche in Würzburg und Mellerstadt läſst sich vermuthen, daſs sie in Franken, und, da der Uebersetzer, /Bartholomaeus Zehner/, auf dem Titel „optimae indolis adolescens“ genannt wird, also wahrscheinlich Student der Medicin war (auſserdem auch das Wohlwollen seiner Gönner gegen „omnes bonos et studiosos“ hervorhebt), daſs sie zu Würzburg gedruckt wurde. Aus dem Datum der Vorrede (nonis Sept. 1529) ergibt sich, daſs das Schriftchen erschien, während die Seuche in Norddeutschland allgemein verbreitet war, und kurz vorher, ehe sie in Süddeutschland auftrat. (Frankfurt 11. Sept. -- Franken Ende Sept.)

Neues bietet die ihrem Zwecke gemäſs wesentlich therapeutische Schrift nicht; sie huldigt selbst noch dem im ferneren Verlaufe der Seuche als nachtheilig erkannten 24stündigen Schwitzen. Im Uebrigen sind die ertheilten Vorschriften durchaus zweckmäſsig; erfreulich ist namentlich die Warnung vor den Rathschlägen von „Ungelehrten“ und „allerhand Aerzten.“

* * * * *

REGIMEN MORBI ISTIUS

nuper exorti, qui per sudorem exitium affert, in salutem omnium & sanitatem Christifidelium, ex vernacula lingua latinitati donatum per optimae indolis adolescentem.

Bartolomeum Zehner.

Anno Millesimo Quingentesimo vicesimonono Nonis Septembris. DIGNISSIMIS CHRISTI SACERDOTIBUS Andreae Fabro Canonico Haugensis ecclesiae Herbipolis, & Chiliano Ruperti Mellerstattino. Dominis suis & Maecenatibus obseruandis

Bartolomeus Zehner.

Nuper peruenerat in manus meas libellus quidam, continens remedia & regimen, quod dicunt, contra illam nouam pestem, quae ex sudore inferre praesentissimum homini exitium, dicitur, hic quia vernacula lingua inferioris Germaniae excussus erat, non poterat apte dono mitti hominibus superioris Germaniae, quia ferè parum aut nihil in eo intellexissent nostrates. Transtuli ergo in latinam linguam, non tamen in hoc vt publice ederetur, sed vt vno & altero descripto gratum facerem amicis nostris. Quod cum vidisset alter atque item alter apud me, non destiterunt precibus me cogere & minis quousque me vicissent vt tandem publice assentirem aeditioni. Quare optimi Maecenates colendi sui domini, si qua vtilitas in rem illinc publicam manare posset, volo vobis acceptum ferendam esse, qui omnes bonos & studiosos amore et officijs amplecti et vobis deuincere numquam cessatis.

Valete. OMNIBUS PIIS ET CHRISTI FIDELIBUS SALUS ET GRA- tia à Domino deo.

Non dubium est, noui hoc morbi genus immissum à deo optimo Maximo in vindictam & vltionem negligentiae & contemptus praeceptorum & salutaris verbi sui, sicut & olim varia genera eandem ob caussam exorta sunt, & afflicturum varijs quoquè pestibus comminatus sit, quia fallere non potest deus. Deut. 28. Leui. 26. Istud apparet manifestissime, quia abundanter & copiose verbum nobis reddidit suum nostris turpibus aliquandiu absconditum & subductum propter peccata nostra, nec tamen quisquam est, heu, qui accipiat vel tribuat cum virtute. Euangelizantes annuntiare debentes pacem, nescio quomodo permisceant coelum terre omnia peruertentes qui aedificare deberent in concionibus agentes magis histriones quam veri verbi praecones. Auditores autem quem fructum referunt? acceptis zizanijs non gignunt certe ficus vel vuas, nam vtcunque isti protracti sunt forte in odium vel cleri vel potestatis vel proximi jamsatis ante illis iniquiores, porrò insaniunt & saevire gestiunt in eos amplius: Ita salutare dei verbum, fit nobis offendiculum & petra scandali, quo nostra vita adiuuari debuerat. Verbum enim in medium positum poenitentiam primum agere praecipit omnibus, & vt à suis peccatis quisque conuertatur, primum trabem de oculo suo nequam amoueat & deinde fratrem benigne adiuuet, non persequatur & grassetur in eum, quod Abangelici fecerunt.

Quare mirum non est, cum omnes declinemus, nemo sit qui faciat bonum vsque ad vnum etiam, imò cum non solum in vetera peccata relabamur, sed etiam praua mens nostra quotidie peior fiat inquirendo assidue fraudes, voluptates astutias, malas artes technas quibus irritatur deus, mirum, inquam, ergo non est & iustum deum nouas quotidie pestes iacere, ferreas parare virgas, quibus nos ad frugem compellere vult, bonitate & longanimitate sua nimis quam satis diu nunc abutentes. Qui vero pij & nondum obdurati corde sunt, metuentes iram diuinam, placarique eam satagentes, ne in ea corripiantur arguti in furore, redeant in viam, poeniteat peccatorum primumque ex toto corde auertantur à vijs suis pessimis, reuertentes ad veram viam quae Christus est, per quem apud patrem misericordiarum non minorem gratiam obtinebimus imò abundatiorem quam filius ille prodigus Lucam 15. modo eandem humilitate & confessione testemur indignitatem nostram.

Qui autem corriperentur sudante isto morbo. Ante omnia dedant se primum deo voluntatem eius in se patientissime ferant, obsecrantes, vt quicquid sibi intulerit mali, ipse qui author sit omnis boni, in bonum vertat, spemque suam ita in deum erigat & confirmet, vt certum habeat, Deum qui affligat corpus nunc suum, maiori misericordia anima subuenturum suae, Cum sciamus, ipsum corripere quos diligit.

Mente ita confirmata, quia omnis cura sui subreiecta sit in deum, obseruemus nihilominus nos ipsos regimine subsquenti.

Sciendum est ergo, variam esse inuasionem huius morbi. Quidam enim primo corripiuntur turbatione aliqua, quidam trepidatione & commotione, quidam vero frigida concussione quatiuntur.

Alij autem calida turbatione cum sudore & angustijs, qui & ipsi tremore commouentur.

Alij occupantur ab hoc morbo in somno, vt sudare postea euigilantes incipiant.

Alij quoque, rarius autem istud, nimio labore fatigati, & alij calidioribus poculis grauati contrahunt istum sibi morbum.

Vtcunque sit initium morbi, remedium eius idem est. Qui tenetur illo si decumbit in lecto, ne surgat, sed contineat se in eo, foveaturque quam calidissime quod fieri possit. Innoxium tamen esset si statim ex vuo lecto in alterum transiret ab initio, non postea, ne vllus cum apprehendat aer, qui praesentissimum ex hoc morbo infirmis parit exitium. Qui ex via, stans & gradiens hoc malo inuaderetur (sic), quantum possunt ad lectum properare debent, nee vestes exuant, sed ita simul cum vestibus decumbant, soluere tamen possunt vestes propter respirationem. Lectus vero sit amplus et spaciosus, propter timorem furoris qui accidere solet ex vehementia doloris. Si vero haberi non potest, in solo sternatur, vt commodius retineantur aegroti furere incipientes, & conseruentur ne aliquid aeris illos contingat. Contineantur ergo 24. horis in lectis cooperti stragulis, summa cura semper habita ne afflentur aere. Moderato tamen calore, ne vel ille aut frigus redundent, temperatus enim plurimum proderit. A lateribus tamen stragula onerari potest ne quicquam aeris ad aegrotum irrumpat, quando forte moueret se de latere in latus.

Nullum ergo membrum in viginti quatuor horis nudetur, vnicum caput appareat, totum reliquum corpus diligentissime à vento preseruetur. Sudor autem à facie bene potest abstergi aegrotantis, calefactis modo id fiat sudarijs. Praterea si angustiaretur nimium aegrotus propter spiritum posset aliquantulum laxari circa gutturem stragula: conseruentur saltem perpetuo calore scapulae, inferioraque membra ne aliquo frigore corripiantur.

Insuper, diligentia sit, ne aegrotum dormire permittant qui curam eius susceperunt praescripto temporis spatio. Nam ex somno feruor ille colligeret se in caput, & duplex periculum pareret.

Potus quoque porrigatur hoc morbo male habenti, qui neque frigidior nec sit calidior, sed temperatus. Cereuisia scilicet leuior, vel eiusmodi. Bibat autem ex vase angusti oris, ne sibi ipsi damnum det auidius ingurgitando, melius tamen esset abstinere prorsus à potu. Quando autem fieri hoc non potest, parcius quoad potest bibat. Ad haec vti possunt ad confortandum conseruatiuis rosarum, saccaro candido, & alijs pectus confortantibus. Caueat autem quisque ne se temere indoctis & quibuslibet medicis credat. Quia maior pars sine vlla medicinarum cura conualescit.

Sudor plerunque durat infirmis illis per duodecim horas, postea ex ingenti aestu maximum cruciatum sentiunt, tum autem diligentius conseruandi sunt ab omni afflatu aeris, item à somno arcendi.

In hac angustia, refici possunt, odoramentis suauibis vt naribus eorum adhibeatur pauniculus in aquam lauendularum vel rosarum tinctus. Poterunt & innoxie aquis illis circa tempora, & frontem refrigerari, panniculo tamen non nimium madido, sed bene expresso.

Quamuis plerunque hoc regimine, mediante gratia dei, subuentum sit multis, Cuius auxilio si certo confidimus & aliis subueniri potest, tamen post horas viginti quatuor expletas nondum cesset diligentia, sed tunc sollicite attendant & prouideant, vt aegro porrigantur sub stragulas calefacti panniculi, quibus abstergat sudorem. Deinde quoque interulam similiter calefactam quam & ipsam sub stragulis induere debet, tum demum leuetur ex lecto & quam mox circumdetur vestibus suis, ponaturque ad ignem camini qui non sit vltra mensuram extructus. Exindeque cibus ei praebeatur modicus si postulat, non autem qui frigidus sit. Et hoc cito reficiat se modicum. Lectus vero vertatur, & cooperiatur nouis & tepidis linteaminibus, nec multo post reponatur in eum infirmus, quietique parum indulgere permittatur.

Porrò, cum iam post viginti quatuor horas periculum cesset, consultum tamen nihilominus est aegro, vt post aliquot dies vel biduum aut triduum se ipsum custodiat à frigoribus, totumque corpus calidum conseruet, sudoremque qui forte proueniret, quam mundissime semper abstergat, & istud praecipue tempore mutationis lunae.

Praegnantes, aliquod continuis diebus ita regant se, vel partu proxime vel in ipso partu, tantisper, dum sentiant redijsse sanitatem pristinam. Omnes abstineant à frigidis potibus, donec vires suas bene & integre collegeriat, praesertim fugientes in hac peste, quicquid frigidum fuerit. Istis omnibus tamen praevalet diuina misericordia quae jugiter cum contritione peccatorum est nobis exoranda. Nam frustra nunqam imploratur, si vera fide interpelletur.

Quare exhortationes & promissiones diuinae diligenter seligendae sunt ex sacris literis, indoctis, vulgatiora ista ex Psal. 4. Cum inuocarem. Psal. 130. De profundis & 30 consimilesque alios, ex quibus aegrotis spes in deum fulciri, et fidutia roborari debet, vt in omnibus discant, tam in prosperis quam in aduersis, se & sua omnia deo committere, proculdubio, benignum patrem experturi. Ita voluntati diuinae commedetur aegrotus.

Gratias agant singuli pro sua gratia Deo cui sit benedictio, claritas, laus, honor & gloria in secula seculorum. Amen.

Regenspurgischer gsundttrunckh.

Frisch auf Torschen Sohn du Caualier, Disen Trunckh den bring ich dir, Aufs Römischen Khaysers noth, Vnnd all seiner Officiren Todt, Aufs Churfürsten von Bayrn verderben, Auf der Jesuiter vnd aller pfaffen sterben, Aufs Churfürsten von Sachsen khranckheit, Vnd aller Schwedischen Soldaten gsundtheit.

/Der Segen darauf./

Wie ich die Vers bey mir bedacht, So hats ein rechter Raup gemacht, Deme auch der Modus nit bewist, Was Reimen und censiren ist, Der Teuffell woll ihm seinen Trunckh Gsegnen et semper et pro nunc, Damit er endtlich eben[A] das, Was andere mehr auſs disem glas Gesoffen haben schon vill Jahr, Er khert doch auch in dise schaar, Die nunmehr dort im winckhell sizt, Allwo man ohne ein offen schwizt, Mit einem wort das auf sein gloſs Der Trunckh ihm selbst das herz abstoſss. Vale:/:

Dieser /Regenspurgische Gsundttrunckh/ scheint auf ein Glas eingraviert gewesen zu sein; der /Segen darauf/ wurde dann von einem späteren Besitzer oder Besichtiger des Glases gedichtet. Ob das Glas wol noch vorhanden ist?

Der Spruch befindet sich in einem Manuscript in 8. des säkularisierten Klosters Sanct Veit an der Rott in Bayern; die Bibliothek dieses Klosters war merkwürdiger Weise bis vor wenigen Jahren in demselben verblieben, wo sie um eine unbedeutende Summe an einen Händler verkauft wurde, und, wie es scheint, nun in alle Welt zerstob. Einsender hat wenigstens dies Buch von einem auſserbayerischen Antiquar bezogen.

Gedachtes Manuscript ist vom Jahre 1656; der Spruch wurde jedoch von späterer Hand an einer leeren Stelle eingeschrieben.

Titel: „Libellus Pulchras Tragicomoedias continens, summo labore, summaque industriâ loca recreationis â me supra infrascripto conscriptus H/H H.“

Wer dieser infrascriptus ist, kann nicht ersehen werden, denn der Schluſs des Buches lautet nur:

„Finem huic imposui libello 2. die Augusti Anno 1656.“ „Compactus fuit iste libellus 3. die decembris Anni millesimi sexcentesimi, quinquagesimi sexti pro quo compingendo dedi viginti duos crucigeros et duos nummos.“ (Gepreſster Hornband mit Spangen.)

Die zehn lateinischen Tragödien und Dramen, gröſstentheils von Jesuiten, die genannt sind, gedichtet, füllen 1072 Octavseiten aus und wurden in den Jahren 1643-1653 zu Salzburg, Hall u. s. w. aufgeführt. -- Die ersten und letzten Blätter enthalten einige halb deutsche, halb lateinische Studentenlieder; auch sind hie und da an leeren Stellen lateinische Gedichte eingeschrieben.

H.--ff.

FUSSNOTE:

[Fußnote A: /eben/ -- d. h. ebene, hat hier wol die Bedeutung von: ausgleiche oder sühne.]

Unglückstage.

Gibt es doch auch jetzt noch Leute genug, denen bestimmte Tage des Jahres als Unglückstage gelten, an welchen sie nichts Wichtiges unternehmen wollen. Wir dürfen es deshalb unsern Altvordern so hoch nicht anrechnen, wenn sie auch ihre Unglückstage hatten. Ein alter Kalender aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh. zählt sie auf, um, wie der Kalendermann ganz naiv sagt, „der erben war zu nemen“, d. h. die Nachkommen vor Schaden zu warnen. Es sind folgende:

Das sind pos verworffen tag, so in dem jar komen; an den sol man weder lassen, keuffen nach verkeuffen, nach vmb kein weip werben, und auch keinerley sach treiben nach tun in den nachgescriben tagen, dy an dem moneten komen; vnd darvmb ist notturfftig der erben war zunemen: Der erst ist das ein gend iar, der dritt tag nach lichtmesse[1], der drit nach sant matheis tag[2], der erst tag des merczen, der virt tag nach vnser frawen tag jm merczen[3], der zehende tag jm apprilen, der virt tag vor geory[4], der drit tag im meyen, der sibent tag, so der mey aus get[5], der newnt tag vor iohanis baptiste[6], der drit tag vor margarete[7], der negst tag nach margarete[8], an sant marien magdalenen tag[9], der erst tag im augsten[10], der drit tag nach augustini[11], der sechst tag vor vnser frauen tag zu herbst[12], an sant mathes tag[13]), der fünfft tag nach michaelis[14], der sechst tag vor martini[15], der drit tag nach katherine[16], der ander tag vor nicolay[17], der ander tag vor sant thomas tag nechst vor weyennachten[18].

/Nürnberg/. /Baader/.

FUSSNOTEN:

[Fußnote 1: 5. Februar.]

[Fußnote 2: 27. Februar.]

[Fußnote 3: 29. März.]

[Fußnote 4: 19. April.]

[Fußnote 5: 25. Mai.]

[Fußnote 6: 15. Juni.]

[Fußnote 7: 10. Juli.]

[Fußnote 8: 14. Juli.]

[Fußnote 9: 22. Juli.]

[Fußnote 10: August.]

[Fußnote 11: 31. August.]

[Fußnote 12: 2. September.]

[Fußnote 13: 21. September.]

[Fußnote 14: 4. October.]

[Fußnote 15: 5. November.]

[Fußnote 16: 28. November.]

[Fußnote 17: 4. December.]

[Fußnote 18: 19. December.]

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 6. Juni.

Chronik des germanischen Museums.

/Nürnberg/, den 15. Juni 1866.

Die freundlichen Leser dieser Blätter werden sich erinnern, daſs das german. Nationalmuseum, um die verschiedenen Vorschüsse, die es während der ersten Jahre seines Bestehens, namentlich zum Zwecke der Restauration der in ruinösem Zustande übernommenen weitläufigen Gebäude des Karthäuserklosters und zur Bestreitung sonstiger unumgänglicher Einrichtungskosten aufzunehmen genöthigt war, in ein einziges, geschlossenes Passivkapital zu verwandeln und diesem eine geregelte Tilgung zu sichern, im Jahre 1861 bei dem Bankhause /Joseph von Hirsch in München/ ein Anlehen von 65,000 fl. negoziierte. (Vgl. das Programm am Schlusse der Nr. 10 des VIII. Jahrganges dieser Zeitschrift.) Dieses „/Bauanlehen/“ fand zwar recht erfreuliche Theilnahme, indem eine ansehnliche Zahl (68 Stück) der von dem genannten, die fragliche Angelegenheit in liberaler und anerkennenswerthester Weise behandelnden Bankhause ausgegebenen 4%igen Partialobligationen (zu 500 fl.) von Gönnern und Freunden des german. Museums übernommen wurde (vgl. die Bekanntmachungen in Nr. 12 d. Bl. von 1861); gleichwohl verblieb noch immer ein bedeutender Rest von unbegebenen Aktien. Verhandlungen mit der kgl. Bank dahier, bei welcher, wie wir bei diesem Anlasse dankbarst anzuerkennen haben, unser nationales Institut mit seinen Anliegen stets die geneigteste Berücksichtigung fand, führten dann schlieſslich dahin, daſs die kgl. Bank jenen Aktienrest im Nennwerthe von 31,000 fl. als interimistische Deckung für ein altes Hypothekkapitalguthaben von 13,000 fl. und für ein neues dem german. Museum gemachtes Vorlehen von 17,000 fl. unter der Bedingung pfandweise übernahm, daſs eine, ihr zur Sicherung des früheren, damals bis auf 19,000 fl. bereits herabgeschmolzenen Anlehens von 50,000 fl. vom Gründer unserer Anstalt, Freiherrn v. u. z. Aufseſs bestellte, und auf seine Güter Freyenfels, Weyer und Neidenstein hypothekarisch eingetragene Bürgschaft von 25,000 fl. auch ferner noch bestehen bleibe, was denn auch Seitens des Freiherrn v. Aufseſs dem german. Museum sehr bereitwillig zugestanden wurde. So anerkennenswerth nun dieses weitere Eintreten des Genannten für seine Schöpfung war, eben so freudig haben wir, eingedenk der groſsen Opfer, die Frhr. v. Aufseſs dem german. Museum in jeglicher Richtung schon gebracht, wie eingedenk namentlich des Umstandes, daſs derselbe mit ca. 60,000 fl. (Kaufschillingsrest für seine Sammlungen), die vorläufig nur mit 2% verzinst werden, /noch/ Gläubiger unserer Anstalt ist, die uns jüngst gewordene Kunde zu begrüſsen, /daſs die kgl. Bank/, nachdem die fragliche Schuld des german. Museums im Laufe der Jahre durch Ausloosung und Rückkauf mehrerer der deponierten Aktien nicht unwesentlich sich gemindert hat, /die auf des Frhrn. v. u. z. Aufseſs Güter eingetragene Caution von 25,000 fl. nunmehr hat löschen lassen/. Wir verbinden mit dieser angenehmen Mittheilung den Wunsch und die angelegentliche Bitte, daſs Gönner und Freunde unseres nationalen Werkes durch Uebernahme weiterer, je auf 500 fl. lautender 4% Partialobligationen des hier in Rede stehenden Bauanlehens, wie solches in vergangenem Jahre wieder Seitens der Herren /Oskar Benckiser/ in /Pforzheim/ und Hofrath /Dr. Dietz/ dahier geschah, uns in den Stand setzen möchten, von den bei der königl. Bank deponierten Papieren mehr und mehr einzulösen. Prospekte mehrerwähnten Anlehens, das im Wege jährlicher Ausloosung zur Rückzahlung kommt, stehen auf Verlangen gratis und franko zu Diensten.

Nächst dieser dem Credite unserer Nationalanstalt sehr günstigen Entschlieſsung hiesiger kgl. Bank haben wir heute zunächst eines Beschlusses des Gemeinderathes der k. k. /Reichshaupt- und Residenzstadt Wien/ vom 14. Mai zu gedenken, dem wir auch für das J. 1866 einen Beitrag von 100 fl. ö. W. zu verdanken haben, und der, ohne unser Zuthun gefaſst, aufs Neue Zeugniſs ablegt für die fortdauernd rege Theilnahme und geneigte Würdigung, deren sich die Bestrebungen unseres nationalen Institutes in der Kaiserstadt zu erfreuen haben.

Auch hat, wie wir dankbarst hier hervorheben, die /Gemeindevertretung der Stadt Nördlingen/, die an der Förderung unseres nationalen Werkes seit Jahren schon regen Antheil nimmt, den uns bisher gewährten jährlichen Beitrag von 6 auf 10 fl. erhöht, ein Vorgang, den wir der Nachahmung von Seiten anderer Gemeindeverwaltungen des deutschen Vaterlandes hiermit recht warm empfohlen haben möchten.

Die wissenschaftlichen Arbeiten unserer Anstalt, insbesondere das, Gelehrten wie Künstlern schon recht nutzbringend gewordene Bilderrepertorium, erfuhren eine sehr wesentliche Förderung dadurch, daſs die k. k. /Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale in Wien Separatabdrücke sämmtlicher in den Jahrgängen V-X ihrer Publicationen benutzten Holzstöcke/ uns zugehen lieſs, so daſs, da Separatabdrücke der in den ersten Bänden enthaltenen Abbildungen uns von anderer Seite schon früher zugekommen, nunmehr der ganze Illustrationenapparat jener umfassenden und gediegenen Publicationen unserem Repertorium einverleibt werden kann. Möchten Herausgeber anderer, der vaterländischen Geschichte gewidmeten illustrierten Werke und Zeitschriften diesem Beispiele recht einmüthig folgen! Es würde dann über alles in dieser Beziehung Erscheinende hier eine treffliche Uebersicht zu gewinnen sein.

Die Uebergabe des Seitens hiesigen Magistrats mit Genehmigung der kgl. Regierung unter Eigenthumsvorbehalt zur Aufstellung in unseren Sammlungen uns überwiesenen /freih. v. Kreſsischen Münzcabinets/, dessen wir bereits in unserer vorjährigen Decemberchronik zu gedenken hatten, ist nunmehr erfolgt und hat, wie erwartet, unserem numismatischen Materiale einen bedeutenden, sehr werthvollen Zuwachs gebracht. Es bietet dieses Cabinet, das ausschlieſslich auf Nürnberg und dessen ehemalige Zugehörungen sich beschränkt, hier aber bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts herauf eine seltene, dem Imhof (Sammlung eines Nürnbergischen Münz-Cabinets, 2 Bde., Nürnberg, 1780 und 82) ziemlich nahe kommende Vollständigkeit aufzuweisen hat, namentlich an /Originalmedaillen des 16. Jahrh./ eine ganz treffliche Folge.

Mit Dank haben wir, was unsere Münzsammlung weiter betrifft, hier auch zu erwähnen, daſs von einem zu /Furth a. W./ kürzlich zu Tage gekommenen /Funde bayerischer und bischöflich regensburgischer Pfennige/ aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh. durch unseren dortigen Pfleger, Herrn /Notar J. Kohn/, geschenkweise alsbald eine Partie uns übermittelt wurde. Möchte anderwärts bei derartigen Vorkommnissen ebenso freundlich unserer gedacht werden, um so mehr als, namentlich was die Münzverhältnisse des Mittelalters betrifft, die Wissenschaft der sorgfältigsten Registrierung und Untersuchung vorkommender Funde noch sehr dringend bedarf.

Ein sehr wesentliches Verdienst um unsere Anstalt hat sich neuerdings weiter Hr. /Georg Widter/, k. k. /Postdirektor/, in /Vicenza/ erworben durch geschenkweise Ueberlassung einer eigenhändig, mit groſsem Fleiſse angelegten Sammlung interessanter Materialien zur Geschichte und Topographie der Provinz Vicenza, sowie auch werthvoller Notizen über die alten Reste des deutschen Elementes, insbesondere über das Vorkommen deutscher Orts- und Personennamen daselbst vornehmlich in den dieser Provinz angehörigen bekannten „Sieben Gemeinden“; und in ähnlicher Weise hat durch Anfertigung und Ueberlassung eines Verzeichnisses der im städtischen Archive zu Sulzbach vorhandenen Pergamenturkunden und einer Abschrift dortiger Bürgerspital-Ordnung vom 15. Jahrh. unser Pfleger für /Sulzbach/, Hr. /Stadtschreiber Wilh. Bieswanger/, uns zu besonderem Danke verpflichtet.

Um die Sammlungen des Museums auch minder Bemittelten zugänglich zu machen und insbesondere dem Arbeiterstande Gelegenheit zu geben, dort manches Nützliche zu lernen, wurde im Einvernehmen mit dem Lokalausschusse unserer Anstalt beschlossen, diese Sammlungen vorläufig bis auf Weiteres an den Sonntagsnachmittagen von 2-4 Uhr zu ermäſsigtem Eintrittsgelde von 6 kr. (statt 24 kr.) zu öffnen. Es wurde mit dieser Maſsregel am Sonntage nach Pfingsten der Anfang gemacht. Am Nachmittage dieses Sonntags besuchten 116, am Nachmittage des folgenden 103 Personen unser Museum.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Dahn/ und /Freystadt/ in Bayern, zu Bad /Bertrich/ in Rheinpreuſsen, zu /Hall/ in Tirol und zu /Weitz/ in Steiermark.

An neuen Geldbeiträgen sind, auſser den oben bereits genannten, während des vergangenen Monats noch folgende gezeichnet worden:

Aus =öffentlichen und Vereinskassen=: Von der Stadtgemeinde /Neunburg/ v. W. 1 fl. 12 kr. und von der Stadt /Weida/ 1 fl. 45 kr., ferner vom Vereine zur Beförderung des Gemeindewohls in /Eutin/ 8 fl. 45 kr., vom Stenographen-Vereine in Landshut 2 fl. und vom theologischen Seminar zu /Schönthal/ 5 fl. (einm.)

Von =Privaten=: /Bärn/ (Mähren): Hans Lichtblau, Freigutsbesitzer 2 fl. 20 kr. (einm.); /Braunschweig/: Kaufmann Adolph Schmidt 3 fl. 30 kr.; /Cöln/: Erzbischof Paulus, Excellenz, 8 fl. 45 kr.; /Dachau/ (Bayern): Joseph Eberl, Notariatsbuchhalter, 1 fl., Andreas Gradinger, Notariatsconcipient, 1 fl., Ludwig Wunderlich, Rentamtsoberschreiber, 1 fl.; /Detmold/: Dr. jur. Gisbert Rosen, Geheimer Justizrath, 1 fl. 10 kr., Rechtsanwalt Wilhelm Runnenberg 1 fl. 45 kr.; /Dresden/: Karl von Schleinitz 1 fl. 45 kr.; /Ebingen/: Stadtpfleger G. F. Daser 1 fl. 28 kr. (einm.); /Eutin/: Collaborator J. Kürschner 1 fl. 45 kr., Obergerichtsrath Lentz 1 fl. 45 kr. /Fürth/: Lehrer Höchstetter 1 fl.; /Gera/: Obergerichtsadvokat Seifarth 1 fl. 45 Kr.; /Landshut/: Dr. Michael Fertig, k. Studienrektor, 1 fl. 30 kr., Professor Georg Zeiſs 3 fl.; /Mitau/: Oberlehrer H. Diederichs 1 fl. 45 kr.; /Neunburg/ v. W.: Apotheker Andreas Bachmeier 1 fl. 12 kr., Heinrich Filberich, kgl. Staatsanwalt, 1 fl. 12 kr., Advokat L. Kleiter 1 fl. 12 kr., Franz Xaver Kornmüller, kgl. Bezirks-Ger.-Assessor, 1 fl. 12 kr., Handelsmann J. A. Kröner 1 fl. 12 kr., Handelsmann K. Pfaffinger, 1 fl. 12 kr., Gutsbesitzer Ludwig Quinant 1 fl.; /Nördlingen:/ Benedikt Conrad, Kaminkehrermeister, Inhaber des Verdienst-Ordens der k. bayer. und württemb. Krone, 1 fl. (statt früher 48 kr.); /Nürnberg:/ Kassier Baumann 1 fl. 30 kr., Kaufmann Philipp Blumröder 2 fl., Friedrich Karl Crämer, Kaufmann u. Fabrikbesitzer, 3 fl., Dr. med. Ed. Ebermayer 1 fl. 12 kr., Fabrikbesitzer J. Karpf 1 fl., Kaufmann Ludwig Vetter 3 fl.; /Prag:/ Ingenieur Schmidt 2 fl. (einm.); /Rockenhausen/ (Pfalz): Carl Freiherr von Gienanth, Eisenhüttenwerksbesitzer in Hochstein 3 fl. 30 kr.; /Schwerin:/ Revisor F. Faull 1 fl. 45 kr., Dr. R. Schultze 1 fl. 45 kr.; /Schwimmbach:/ Theod. Friedr. Studtrucker, Pfarrer, 1 fl. 12 kr.; /Stuttgart:/ Mechanikus Georg Seeger 1 fl. (einm.); /Sulzbach:/ Georg Paulus, Bäckermeister u. Realitätenbesitzer, 1 fl.; /Ulm:/ M. Dauner, Glasermeister und Stadtrath, 1 fl. 45 Kr., Handlungsgehilfe Sigmund Mayer 1 fl.; /Vicenza:/ Joh. Jakob Heinrich Ritter von Hohenthurn, k. k. Hofrath und Landesgerichts-Präsident i. P., 3 fl.; /Wolgast:/ Buchdruckereibesitzer Elsner 1 fl. 45 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Wilhelm Bieswanger=, Stadtschreiber, in Sulzbach:

3343. Regesten von den im städtischen Archiv zu Sulzbach vorhandenen 299 Pergamenturkunden von 1305 bis 1797. Pap.

3344. Abschrift der Ordnung für das Bürgerspital zu Sulzbach. Ende des 15. Jahrh. Pap.

=Erffurth=, Fabrikant, in Coburg:

3345. Neun Decrete und Diplome für den Hofapotheker Donauer in Coburg. 1805 bis 1850. Pap.

=Friedrich Bleicher=, Kaufmann, in Nürnberg:

3346. Fünf Urkunden und mehrere Aktenstücke, das Gamersfelderische Haus zu Nürnberg, der Wage gegenüber, betreffend; 1537 bis 1700. Pap.

II. Für die Bibliothek.

=Juristische Gesellschaft= in Laibach:

19,399. Dies., Verhandlungen u. Mittheilungen; Bd. II, 11. u. 14. H. 8.

=Siebenbürgischer Museumsverein= in Klausenburg:

19,400. Ders., Evkönyvei; III. Bd. 2. Heft. 1866. 4.

=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, k. b. Prof. u. Conservator, und Friedr. Petri, k. b. Baurath, in München:

19,401. Dies., Ornamentik f. Kunst u. Gewerbe; Taf. 1-6. 1866. 4.

=K. sächs. Verein für Erforschung u. Erhaltung vaterländischer Geschichts- u. Kunst-Denkmale= in Dresden:

19,402. Ders., Mittheilungen; 14. Heft. 1865. 8.

=Redaktion der altpreuſsischen Monatsschrift= in Königsberg:

19,403. Dies., altpreuſs. Monatsschrift; II. Jhrg. 7. u. 8. Heft und III. Jhg. 1. Heft. 1865. 1866. 8.

=Schleswig-Holstein-Lauenburg. Gesellschaft für vaterländ. Geschichte= in Kiel:

19,404. Dies., Jahrbücher; Bd. VIII, 3. 1866. Nebst d. 26. Bericht. 1865. 8.

=Comité central de publications des inscriptions funéraires etc.= in Gent:

19,405. Dass., Graf- en Gedenkschriften der Provincie Oost-Vlaenderen; 42.-44. Aflev. 1865. 4.

=Ferd. Enke=, Verlagshandl., in Erlangen:

19,406. v. Maurer, Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland; I. u. II. Theil; 1865-66. 8.

=Allgem. deutsche Verlags-Anstalt (Sigism. Wolff)= in Berlin:

19,407. Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst; Jhrg. 1866, II. 1-3. 4.

=Vandenhoeck & Ruprecht=, Verlagshandl., in Göttingen:

19,408. Müldener, bibliotheca historica; Jhrg. XIII, 2. 1865. 8.

=Rudolph Weigel=, Verlagshandl., in Leipzig:

19,409. Ders., Kunstlager-Catalog; Abth. 25, 27, 29, 31-34. 1853-66. 8.

19,410. Archiv f. d. zeichnenden Künste; Jhrg. 6-11. 1860-65. 8.

19,411. Weigel, die Werke der Maler in ihren Handzeichnungen. 1865. 8.

=J. N. Enders=, Verlagshandl., in Neutitschein:

19,412. Enders, die Buchdruckerkunst in ihrer welthistor. Bedeutung. 1866. 8.

19,413. Ders., über Reichenbach’s Hypothesen zur Kenntniſs der Meteoriten. 1866. 8.

=Dr. Eduard Löwenthal= in Berlin:

19,414. Der Cogitant, hg. v. E. Löwenthal; Nr. 1-6. 1866. 8.

=Société des bibliothèques communales du Haut-Rhin= in Colmar:

19,415. Dies., III. année, 2. séance. 1866. 8.

=Dr. Tr. Märcker=, geh. Archivrath und k. Hausarchivar, in Berlin:

19,416. Ders., Sophia von Rosenberg, geb. Markgräfin von Brandenburg. 1864. 8

19,417. Ders., der Fall des kurbrandenb. Oberst-Kämmerers Grafen Hieron. Schlick. 1866. 8. Sonderabdr.

=K. pr. Friedrich-Wilhelms-Universität= in Berlin:

19,418. Rudorff, Festrede etc. 1865. 4.

19,419. Boehm, quemadmodum ab Ottone I. ad Heinrici IV. inita ipsum imperium unitatem nationis Germanicae affecerit ejusque artes, litteras commercium adauxerit; part. I. 1865. 8.

19,420. Dove, de Sardinia insula etc. 1866. 8.

19,421. Fischer, de Ernesti comitis de Mansfeld apologiis et de „Actis Mansfeldicis“. 1865. 8.

19,422. Hille, de continuatore Prosperi A. 641. Havniensi. 1866. 8.

19,423. Lindner, da concilio Mantuano. 1865. 8.

19,424-31. 8 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts. 1865-66. 4. u. 8.

=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:

19,432. Geschichtliche Nachrichten u. Sage von der Kirche zu Oberstein. 8.

19,433. Geschichte der protestantischen Kirche zu Birkenfeld. 8. (Titel fehlt.)

=Alexander Gibsone=, Privatier, in Nürnberg:

19,434. Herrtwich, thüringische Heimathskunde. 8.

19,435. Beschreibung vom St. Blasius Dom zu Braunschweig. 6. Ausg. 1850. 8.

19,436. Schadeberg, Skizzen über den Kulturzustand des Regierungsbezirks Merseburg; 1.-4. Abth. 1852-58. 8.

19,437. Die Grenzboten; Jhrg. 1855-59. 8. (Defekt.)

=Dr. G. Mehnert=, Gymnasiallehrer, in Dresden:

19,438. Ders., Luther’s und Zwingli’s Streit über d. Abendmahls-Dogma. 1858. 8. Propr.

=Heinr. Mor. Neubert=, Bürgermeister, in Dresden:

19,439. Ders., Vortrag an d. Stadtraths-Collegium zu Dresden über die Rechtsverhältnisse der dasigen alten Elbbrücke. 1857. 8.

=Dr. Friedr. Polle= in Dresden:

19,440. Ders., de artis vocabulis quibusdam Lucretianis. 1866. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

19,441. Mone, Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins; Bd. XIX, 2. 1866. 8.

=Historisch-statistischer Verein= in Frankfurt a. O.:

19,442. Ders., Mittheilungen; 5. Heft. 1865. 8.

=Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich= in Wien:

19,443. Ders, Blätter f. Landeskunde von Nieder-Oesterreich; Jahrg. 1865, Nr. 7-18. 8.

=Industrie- und Gewerbe-Verein= in Fürth:

19,444. Ders., Statuten; 4. Aufl. 1861. 4.

19,445. Fronmüller, Rede etc. 1866. 4.

=Kurländische Gesellschaft für Literatur u. Kunst= in Mitau:

19,446. Dies., Sitzungs-Berichte etc. 1865. 8.

=Verein für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben= zu Ulm:

19,447. Ders., Verhandlungen etc.; XVII. Veröffentl. 1866. 4.

=Direktion des Gymnasiums= in Emden:

19,448. Abicht, römische Blätter. 1866. 4. Progr.

=H. A. Pierer=, Verlagshandlung, in Altenburg:

19,449. Pasch, zur Kritik d. Geschichte d. Kaisers Tiberius. 1866. 8.

=J. C. Hofrichter=, Notar, in Windisch-Graz:

19,450. Ansichten aus d. Steiermark; Heft 41-43. qn. 4.

19,451. Kutschera, Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; 1.-3. H. 1865. 8.

=Historischer Verein im Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg= in Augsburg:

19,452. Ders., 31. Jahres-Bericht f. d. J. 1865. 1866. 8.

=Verein für das Museum schlesischer Alterthümer= in Breslau:

19,453. Ders., vierter Bericht. 1866. 4.

=Schlesinger=’sche Buch- und Musikhandl. in Berlin:

19,454. Firmenich, Germaniens Völkerstimmen; Bd. III, 10-12. 1864-66. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=F. C. Mayer=, herzogl. sächs. Hofrath, Professor an der Kunstschule zu Nürnberg:

5093. 9 Bruchstücke vom Silberbeschlage des Sebaldusgrabes zu Nürnberg und 2 Gypsabgüsse von solchen.

=Stiftungsverwaltung des Protestant. Kirchenvermögens= zu Nürnberg:

5094. 2 Teppiche in Wollenweberei vom 15. Jhdt.

=J. Winzer=, Reallehrer, zu Coburg:

5095. 3 Silber- und 3 Kupfermünzen vom 17. und 18. Jhdt.

=F. Beyer= in Flensburg:

5096. Eine Flinte mit Bajonet, Säbel, Tornister, Patrontasche, Brodbeutel, Feldflasche, ein Czakostern, eine Tabakspfeife und vier Kugeln, sämmtlich von den Wahlstätten auf den Düppeler Schanzen und bei Oeversee.

=Th. Rogge=, Oberamts-Ger.-Canzlist, in Rostock:

5097. 11 Bleiabgüsse Mecklenburger Münzen und Medaillen nebst 3 Kupfermünzen.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

5098. Thürklopfer mit verzierter Unterlage, 15. Jhdt.

5099. Gypsabguſs eines Pokals von Elfenbein mit reicher figürlicher Ausstattung, vom 17. Jhdt., im Nationalmuseum zu München.

5100. Gypsabguſs eines geschnitzten Jagdbechers vom 17. Jhdt., ebendas.

=Engelhardt=, Privatier, in Nürnberg:

5101. Gravierte Elfenbeinplatte mit Darstellung eines Musquetiers.

=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, Professor, Inspektor des kgl. Kupferstichkabinets zu München:

5102. Figur eines geharnischten Heiligen, Holzstatue vom 15. Jhdt.

=Joh. Zeltner=, Fabrikbesitzer, in Nürnberg:

5103. 2 Flügel einer Predella, Oelgemälde mit Darstellung des Martyriums der 11,000 Jungfrauen, 15. Jhdt.

=Burger=, Stadtpfarrer und geistl. Rath, in Nürnberg:

5104. 4 Chorstuhlwangen u. 6 gemusterte Fuſsbodenplatten v. 15. Jhdt.

=Ascan Conrad= in Charlottenhütte:

5105. Eine in den Marmorbrüchen des Untersberges gefundene römische Kupfermünze.

=J. Kohn=, kgl. Notar, in Furth a. W.:

5106. 18 bayer. Silberpfennige.

=C. H. Zeh=’sche Buch- und Kunsthandlung in Nürnberg:

5107. „Nürnbergs alte Kaiserburg von der Südseite“, Tondruck, von J. Geiſsler.

=Magistrat der Stadt Nürnberg:=

5108. Goth. verziertes Thürschloſs nebst Thürring und Unterlage.

=K. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale= in Wien:

5109. Separatabdrücke der im V. bis X. Jahrgange der Veröffentlichungen der Commission benutzten Holzstöcke.

Chronik der historischen Vereine.

/Az Erdélyi Muzeum-Egylet Évkönyvei/ (des siebenbürgischen Museums-Vereins Jahrbücher). Harmadík Kötet. Második Füzet. Szerkesztette Brassai Sámuel. Két rajzláblával. Kolozsvárt (Klausenburg), 1866. 4.

/Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale./ Herausgegeben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander Freiherrn von Belfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 11. Jahrg. März-April. Wien, 1866. 4.

Die Alterthümer von Osztrópataka. Von Dr. E. Henszelmann. (Mit drei Holzschnitten und zwei Tafeln.) -- Reisebericht über die mittelalterlichen Kirchen in Kärnten. Von Hanns Petschnig. (Mit dreizehn Holzschnitten.) -- Das Wappen der Stadt Wien. Von Dr. Karl Lind. (Mit neunzehn Holzschnitten und einem Farbendruck.) -- König David und der Gott Wuotan. Von Joseph Haupt. (Mit einem Holzschnitt.) -- Ueber die Grabdenkmale österreichischer Regenten. -- Die Junkherren zu Prag. Von Bernhard Grueber. -- Der Grabstein von drei deutschen Ordensrittern. -- Besprechungen. Correspondenzen. -- Notizen: Römische Inschriftsteine in Riva. -- Der Ofen im Hoforatorium der Domkirche zu Grätz. (Mit einem Holzschnitt.) -- Die neuesten Funde auf dem Leibnitzerfelde in Steiermark.

/Blätter für Landeskunde von Nieder-Oesterreich./ Herausgegeben vom /Vereine für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in Wien/. I. Jahrg. 1865. Nr. 7-18. Wien. 8.

Die Karthause Aggsbach. Von Ferdinand von Hellwald. -- Sitten, Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oesterreich. Gesammelt und mitgetheilt von Johann Wurth. II. Liebe, Hochzeit und Ehe. III. Tod und Begräbnis, Seelen und Geister. -- Privat-Archive in Nieder-Oesterreich. -- Eidsymbolik. -- Purkersdorf zur Zeit Maria Theresiens. Aus einer handschriftlichen Chronik von Carl Kurz. -- Fragen zur Förderung der Ortskunde. -- Der Weinbau in Nieder-Oesterreich vor 200 Jahren. Von Franz Weigert. -- Daten zur Culturgeschichte von Nieder-Oesterreich. -- Land und Leute in Nieder-Oesterreich und die Methode, ihre Eigentümlichkeiten zu erforschen. Von V. Streffleur. -- Kreuzenstein (U. M. B.). Untersucht und bearbeitet von Friedrich und Ferdinand von Hellwald. -- Ueber die römischen Alterthümer in Petronell. Von Karl Landsteiner. -- Ueber die Stellung der Städte Krems und Stein in der Handelsgeschichte Oesterreichs. Von Dr. Karl Haselbach. -- Die Freibriefe der Städte Krems und Stein im Kremser Stadtarchive. Von Felix Eberle. -- Ueber die Bauformen in ihrer zeitlichen Entwicklung. Von Friedrich Schmidt, Dombaumeister. -- Kleinere Mittheilungen. -- Vereinsangelegenheiten.

/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München./ 1866. I. Heft. I. II. München. 1866. 8.

/Collectaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns/, insbesondere für die Geschichte der Stadt Neuburg a. d. D. und der ehemaligen Grafschaft Graisbach, bearbeitet von Mitgliedern des /historischen Filial-Vereines in Neuburg/. Einunddreiſsigster Jahrgang, 1865. Neuburg, 1866. 8.

Die Pfalzgrafen am Rhein in chronologischer Uebersicht. -- Die Gieſskunst in Neuburg a/D. Zur Kunstgeschichte im ehemaligen Herzogthume Neuburg. -- Ein interessanter Wappenschild in Neuburg. -- Auszüge aus einem Tagebuche der Pfarrei St. Peter aus dem XVII. Jahrhunderte. -- Dr. M. Leonhard Mayr, Stadtpfarrer zu St. Peter in Neuburg an der Donau (geb. 1590). -- Monographien: Tagmersheim. Rohrbach. -- Nekrologe. -- Treffen bei Neuburg den 27. Juni 1800. -- Jahresbericht.

/Einunddreiſsigster Jahres-Bericht des historischen Kreisvereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg/ für das Jahr 1865. Augsburg, 1866. 8.

/Vereinsangelegenheiten./ -- Beiträge zur Geschichte der Markgrafschaft Burgau (Fortsetzung), von Dr. P. Luitpold Brunner.

/Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben./ Siebenzehnte Veröffentlichung. Der gröſsern Hefte elfte Folge. Mit 6 Steindrucktafeln. Ulm, 1866. 4.

Die Pfahlbaufunde des Ueberlinger Sees in der Staatssammlung vaterländischer Alterthümer zu Stuttgart, beschrieben und erläutert von Oberstudienrath Dr. K. D. Haſsler.

/Vierter Bericht des Vereins für das Museum schlesischer Alterthümer./ Mit 2 Bildtafeln. Breslau, 1866. 4.

Kupferner Krug des Bartholomeus von Rosenberg, von 1595. (Mit einer Abbildung.) -- Ueber den gegenwärtigen Stand der Ermittelungen auf dem Gebiet des schlesischen Heidenthums. Von Dr. Rudolf Drescher. Erster Theil: Zur Kenntniſs der Fundstätten von heidnischen Alterthümern in Schlesien. Mit einer Tafel Abbildungen. -- Vereinsangelegenheiten.

/Mittheilungen des Historisch-Statistischen Vereins zu Frankfurt a. O./ Fünftes Heft. 1865. Geschichte der Stadt Frankfurt an der Oder von Eduard Philippi. Mit einem lithographierten Stadtplan von 1706. Frankfurt a. O. 1865. 8. 128 Stn.

/Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen./ Auf Veranstaltung der /Antiquarischen Gesellschaft in Zürich/ bearbeitet von /Hermann Wartmann/, Dr. phil. in St. Gallen. Theil II. Jahr 840-920. Zürich. In Commission bei S. Höhr. 1866. 4. 492 Stn.

/Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom /historischen Verein in St. Gallen/. V. u. VI. St. Gallen, Verlag von Scheitlin u. Zollikofer. 1866. 8.

Johannes Kesslers Sabbata. Chronik der Jahre 1523-1539. Herausgegeben von Dr. Ernst Götzinger. Erster Theil. 1523-1525. 388 Stn.

/Joachim Vadiani Vita/ per /Joannem Kesslerum/ conscripta. E codice autographo. Historicis helveticis d. d. d. historicorum et amatorum historiae sangallensium coetus nonis septembribus anno MDCCCLXV. Typis Zollikoferi. 1865. 4. 14 Stn.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2. 32. Vol. de la Collection. Nr. 3. Paris et Caen, 1866. 8.

Trois jours à travers champs, par M. Charles Vasseur. -- Essai sur les origines et les développements du Christianisme dans les Gaules; par M. Tailliar. -- Ruines gallo-romaines et restes d’un edifice carlovingien dans l’est de l’ancien Maine; par L. Charles. Chronik.

/Sitzungsberichte der gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorpat./ 1865. Dorpat. 8. (Mit Abbildungen vorgelegter Alterthümer.) 46 Stn.

/Der Codex Zamoscianus/ enthaltend Capitel I-XXIII, 8. der Origines Livoniae. Beschrieben und in seinen Varianten dargestellt von /C. Schirren/. Mit zwei lithographierten Schrifttafeln. Dorpat. 1865. 4. 69 Stn. (Der kurlandischen Gesellschaft für Literatur und Kunst zu Mitau zur Mitfeier ihres 50jährigen Bestehens dargebracht von der gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorpat und dem Verfasser.)

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

13) /Xylographische und typographische Incunabeln der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover./ Beschrieben von /Eduard Bodemann/, königl. Rath und Secretär der königl. öffentlichen Bibliothek zu Hannover. Mit 41 Platten typographischer Nachbildungen der Holzschnitte und Typenarten und 16 Platten mit den Wasserzeichen des Papiers. Hannover, 1866. Hahn’sche Hof-Buchhandlung. 2. 130 Stn.

So lange eine wissenschaftliche Disciplin im Entstehen ist und es sich noch darum handelt, Material herbeizuschaffen, muſs eine Betrachtung desselben auch nach zufälliger räumlicher Ansammlung um so mehr gerechtfertigt erscheinen, je reicher die letztere ist und je mehr Seltenheiten sie enthält. Die vorliegende Schrift bespricht 246 Druckwerke aus dem Zeitraume bis 1500, und zwar mehr oder weniger ausführlich, je nachdem der Verfasser auf die bibliographischen Werke von Hain, Panzer, Ebert u. s. w. Bezug nehmen konnte, oder daran zu berichtigen und hinzuzufügen hatte. Das letztere ist in nicht geringem Maſse geschehen und namentlich die Abhandlungen über die zu Hannover befindlichen Ausgaben der hauptsächlichsten xylographischen Incunabeln, der /Biblia pauperum/, des /Speculum hum. salvationis/ und der /Ars moriendi/ sind zu ziemlich umfangreichen Abhandlungen angewachsen. Die Anordnung des Stoffes ist die chronologische unter Zusammenstellung der Druckwerke, welche ohne Angabe des Ortes und der Zeit sind. Ein angefügtes Register der besprochenen Bücher nach alphabetischer Ordnung der Druckorte genügt dem Bedürfnisse nach dieser Richtung. Als wesentlicher Bestandteil der Veröffentlichung sind die in reichem Maſse gegebenen facsimilierten Nachbildungen von Druck- und Holzschnittproben hervorzuheben -- nach einer Bemerkung im Vorwort nicht auf dem bisher zu Gebote stehenden xylographischen oder lithographischen, sondern auf typographischem Wege hergestellt, -- denn die genaueste Beschreibung muſs Manches unerörtert lassen, was der in gutem Facsimile gebotene Augenschein an’s Licht stellt und der Vergleichung bereit legt; -- wie in unserm Falle die mitgetheilten Proben es auſser allem Zweifel setzen, daſs das Alter der frühen Holzplattendrucke bisher viel zu hoch angenommen ist und über die Mitte des 15. Jahrhunderts wenig und selten hinausgeht. Die bisher nur in der Kupferstichkunde in Anwendung gebrachte Betrachtung der Papierzeichen auch auf dem in Rede stehenden Gebiete einzuführen, ist gewiſs ein glücklicher Gedanke. -- Eine folgende Beschreibung der Handschriften auf der genannten Bibliothek ist in nahe Aussicht gestellt und würde, in gleicher Weise durchgeführt, hochwillkommen gehalten werden müssen.

14) /Ornamentik für Kunst und Gewerbe nach Originalien im königl. bayer. Kupferstich-Kabinet zu München/, von /Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck/ und /Friedrich Petri/. Lief. 1. München, 1866. In Commission der M. Rieger’schen Univers.-Buchhandlung (G. Himmer). Selbstverlag der Herausgeber.

Die praktische Richtung unserer Zeit strebt darnach, Alles zum Gemeingute zu machen. Das Kunstgewerbe, ein eigentlich ganz neuer Begriff, wird von allen Seiten geschult und gemeistert, und so bedarf es der Lehrmittel, die in so reichem Maſse in den Museen schlummern. Der Alterthums- und Kunstforscher soll das Material sichten und ordnen; da er aber nicht in Original alles vor sich auf seinem Studiertisch haben kann, so bedarf er einer Vermittlung; es muſs ihm ebenso recht zugänglich gemacht werden, wie dem schaffenden Künstler und Gewerbsmann, der nicht stets geschwind in ein Museum laufen kann, um sich Motive zu holen. Da hat denn die Photographie die groſse Aufgabe erhalten, zu vermitteln und das in Copie zum Gemeingut zu machen, was in Original nur wenige besitzen können. Diesem Streben hat nun auch das königl. Kupferstichkabinet in München sein Recht werden lassen, und der Vorstand desselben, dessen werthvolle Publicationen längst ein Stolz und eine Zierde der archäologischen Literatur Deutschlands sind, Prof. v. Hefner-Alteneck, hat im Verein mit Baurath Petri unter dem Titel „/Ornamentik für Kunst und Gewerbe/“ begonnen, die ornamentalen Kupferstiche des 15. und 16. Jahrh. aus dem königl. Kupferstichkabinet in trefflichen Photographieen zu veröffentlichen.

Bereits liegt das erste Heft vor, das 6 Blätter umfaſst, die nach Stichen von Heinrich Aldegrever (+ 1562), Peter Flötner (+ 1546), Israel von Mekenen (1480-1500), der Maître au dé (1512-1570), Joh. Theod. de Bry, (+ 1623), Augustino Venetiano de Musi (geb. 1490) aufgenommen sind und die spätere Gothik, sowie die Renaissance repräsentieren. Die Auswahl ist so getroffen, daſs den mannigfachsten Bedürfnissen Rechnung getragen ist; die Ausführung der Photographieen so vortrefflich, daſs sie für das Studium die Originalblätter vollkommen ersetzen. Wir hoffen, bald durch die Herausgabe des zweiten Heftes erfreut zu werden.

E.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland:/ Nr. 18. Neue Aufschlüsse über die Bronzezeit Mittel- und Nordeuropas.

/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 7, S. 193. Freiburg im Uechtland. -- S. 194. Bilder aus Tyrol. 1. Landeck.

/Daheim:/ Nr. 34. Das Koller König Gustav Adolph’s im Zeughause zu Wien. (Georg Hiltl.)

/Erheiterungen am häusl. Herd:/ 5. Heft, S. 187. Die Prinzessin von Ahlden. -- S. 191. Schultheiſs Wengi von Solothurn und die Glaubensspaltung. -- S. 192. Die Kirche im ehemaligen Kloster Lorch und die Hohenstaufen-Gräber. -- S. 199. Die heiligen drei Könige im Elsaſs.

/Europa:/ Nr. 21. Böhmische Getreidesagen.

/Familien-Journal:/ Nr. 22 (652). Die Fürstengrüfte in München.

/Grenzboten:/ Nr. 22. Deutsche Studenten in alter Zeit: 3. Der fahrende Schüler. Der Hosen- und Saufteufel. Der älteste Trinkcomment.

/Hausblätter:/ 10. Heft, S. 315 u. 11. H., S. 390. Holzlandsagen. VIII-XII. (Kurt Greſs.)

/Hausfreund:/ Nr. 30. Spielkarten und Spiele. -- Die Kathedrale zu Freiburg.

/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 248. 250. Bayerische Städtebilder. Dinkelsbühl. - Nr. 252. Regesten der fränkischen Bisthümer.

/Magazin für d. Literatur des Ausl.:/ Nr. 19. Das čechische Puppenspiel von Dr. Faust. (Dr. Richard Andree.)

/Schles. Provinzialblätter:/ April. Geschichte der Breslauer bürgerlichen Schieſsplätze. (Jul. Neugebauer.)

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg:/ Nr. 20. 21. Bilder aus Lauenburg.

/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 147. Die Ulfilas-Fragmente zu Turin. (Const. Tischendorf.)

/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 136ff. Aventin. Ein Vortrag. (A. Kluckhohn.) -- Nr. 141 ff. Die Plackerei, in einem Zeitbilde aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts. -- Nr. 145. Der todte oder steinerne Mann. Eine Volkssage. -- Nr. 152 f. Heinrich von Schwaben. Eine deutsche Kaisersage. (Wilh. Hertz.) -- Stiefel, Sporn und Schwert vertrunken (1448). -- Nr. 154 ff. Stephaning.

Vermischte Nachrichten.

56) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien vom 11. April wurde u. a. vorgelegt: von Dr. Franz Stark eine /Abhandlung über die Kosenamen der Germanen/, und zwar die erste Abtheilung derselben: die verkürzten Namen. In dieser Abhandlung ist zum ersten Male die Sonderung der mannigfaltigen Formen, in welchen die germanischen Kosenamen auftreten, durchgeführt, auf Grund eines vieljährigen Sammelns von Eigennamen aus vielen Tausenden von Urkunden und zahlreichen andern Geschichtsquellen, insbesondere einer gleichfalls zum ersten Male unternommenen Zusammenstellung jener Kosenamen, denen die vollen zweigliedrigen Formen, auf historischem Wege gefunden, mit Sicherheit gegenübergestellt werden können. Zum ersten Male wird hier auch der verschiedene Bildungsprozeſs, dem die germanischen Kosenamen den Formenreichthum verdanken, auf der bemerkten sichern Grundlage auch sicher nachgewiesen. -- In derselben Sitzung legte Dr. Beda Dudík eine Abhandlung „/Handschriften der fürstlich Dietrichstein’schen Bibliothek zu Nikolsburg/ in Mähren“ vor, worin er zuerst eine generelle Uebersicht der Handschriften nach Sprachen gibt und sodann 101 Codices umständlich beschreibt. Von diesen gehören 18 der böhmischen, 34 der lateinischen und 49 der deutschen Sprache an. Aus der Classe der böhmischen Handschriften haben einen hohen linguistischen Werth die Bibeltexte des 15. Jahrhunderts, einen dogmatisch-historischen Hussens und seiner Anhänger Schriften. Aus den lateinischen Handschriften sind besonders jene hervorzuheben, welche die Synodalbeschlüsse der Prager und Olmützer Kirche betreffen und zum Theil bis jetzt unbekannt gewesen sind. Unter den deutschen Handschriften haben für den Philologen und Literaturhistoriker die verschiedenen Sammlungen deutscher Gedichte des 13. u. 14. Jahrhunderts hohen Werth, für den Juristen die verschiedenen Exemplare des Schwabenspiegels und des sächsischen Rechtes, und für den Historiker die Gesandtschafts-Relationen vom Jahre 1595, die Chroniken, namentlich über Maximilian’s I. Zeiten, amtliche Gutachten und Institutionen des 16. Jahrhunderts u. s. w.

57) Graf Clemens von Schönborn-Wiesentheid hat den /Verkauf der Gemäldegallerie zu Pommersfelden/ bei Bamberg nunmehr der Montmorillon’schen Kunsthandlung und Auctionsanstalt in München übertragen. Die Gallerie, deren Verkauf en bloc bis Ende Juni vorbehalten wird, soll im September zu Pommersfelden zur öffentlichen Versteigerung im Einzelnen gebracht werden. Der Tag der Versteigerung selbst wird mit der Ausgabe des Catalogs bekannt gegeben, welcher letztere, in deutscher und französischer Sprache abgefaſst, auch die Auctionsbedingungen enthält.

58) Vom /Heidelberger/ Magistrat ist kürzlich, um die /Gründung eines städtischen Kunst- und Alterthumsmuseums/ zu erleichtern, die Aufforderung ergangen, pfälzische Kunstgegenstände der Stadt zum Verkauf zu übermitteln oder geschenkweise zuzuführen. Der Freskomaler Götzenberg entsprach bereits dem Rufe seiner Vaterstadt, indem er ihr nebst anderen Kunstsachen 30 Cartons seiner Wandgemälde schenkte.

(Europa.)

59) Professor Höfler in Prag hat in einer Privatbibliothek eine beträchtliche Anzahl von /Originalbriefen österreichischer Generale aus Wallensteins Zeit entdeckt/, welche interessante Aufschlüsse über die Vorgänge vor der Katastrophe in Eger geben.

(Augsb. Postztg.)

60) Im /Zwickauer Rathsarchiv/ ist /ein Buch von alten Wachstafeln gefunden/ worden, die noch bis zum Jahre 1470 im Gebrauch gewesen zu sein scheinen. Die Schrift besagt nur Oertliches und Unbedeutendes.

(Ill. Ztg.)

61) In einem Garten zu /Marburg in Steiermark/ wurden in einem irdenen Topfe 3000 Stück /Brakteaten gefunden/, welche dem 12. Jahrhundert angehören dürften. Die meisten derselben stammen aus Chur (Steinbock) und Aquileja. Von Buchstaben sind fast nur R und V zu bemerken.

(Dies.)

62) Der durch seine ethnographischen Werke bekannte Schriftsteller Kanitz in Wien hat vor Kurzem in /Serbien neue archäologische Entdeckungen/ gemacht. Er hatte sich nämlich nach der ehemaligen römischen Hauptstadt Ober-Mösiens, Viminacium -- das heutige Kosteletz am Einfluſs der Mlava in die Donau -- begeben, wo er nicht nur ein im Grundriſs ganz wohlerhaltenes Castell und Forum, sondern auch die Grundmauern einer Stadt von so groſser Ausdehnung wie fast nirgends an der Donau vorfand. In seiner Anwesenheit wurde ein riesiger Sarkophag ausgegraben; ein zweiter zeigte einen Skulpturenschmuck von solcher Schönheit, daſs er jedem berühmten Alterthumsmuseum zur Zierde gereichen würde. Auſserdem hat F. Kanitz dort Copien verschiedener Basreliefs, Figuren, Inschriften und gestempelter Ziegelplatten angefertigt. Letztere tragen die Signatur der Legio septima Claudia, deren Standquartier Viminacium unter Nero und Trajan war.

(Dies.)

63) Bei /Brüx/ in Böhmen sind in der jüngsten Zeit einige interessante /Funde aus der Steinzeit/ gemacht worden. Schon im Sommer des Jahres 1864 fand man bei der Grundgrabung für ein Maschinenhaus auf einem der Felder am östlichen Ende der Stadt in einer Tiefe von 3 Ellen mehrere Todtenurnen, bei denen sich auch ein menschliches Gerippe von ungewöhnlicher Gröſse befunden haben soll. Leider sind die Gefäſse sämmtlich zerschlagen worden, und auch von dem Skelett kam nichts zur Ansicht; dagegen wurden unversehrt abgeliefert ein Steinhammer und ein Steinkeil. Ersterer war von der Gröſse und Gestalt, wie sie gegenwärtig die Maurer führen. In der Mitte ist der Hammer durchbohrt zur Einführung des Stiels; das Gestein ist Serpentin. Auch der Steinkeil ist von demselben Material und ganz gut erhalten. Beide Gegenstände kommen in die Sammlung des Grafen Czernin. In diesem Jahre, ganz vor Kurzem, entdeckten Arbeiter beim Schachten zu einem Hopfengarten in der Tiefe von 3 Fuſs am südlichen Ende der Stadt einen Kranz von weiſsen Kieselsteinen, die bei einem Durchmesser von 3 Fuſs im Kreise herumgeschichtet waren. In der Mitte dieses Kreises lag ein Häuflein kleiner Steine mit anderer Erde als in der Umgebung und darunter eine Steinaxt nebst Knochenresten, welche sogleich zerfielen. Diese Axt besteht aus Grünstein und ist bedeutend gröſser als der Steinhammer, 22 Centimeter lang, 9 Centimeter breit, an dem einen Ende stumpf, am andern keilartig zugeschärft; die Schärfe steht mit der Richtung des Stils in einer Linie wie bei unsern Hacken. Die Oeffnung für den Stiel ist nicht genau in der Mitte und miſst 2,_{8} Centimeter. Der Eigenthümer des Grundes, auf welchem der Fund gemacht wurde, hat letzteren der Realschule in Brüx zum Geschenk übergeben. Bei Gelegenheit dieser Ausgrabungen wird darauf hingewiesen, daſs die dortige Umgegend wol viele Pfahlbauten bergen könne, da der alte Kummernersee, der seit 1854 trocken gelegt ist, sich bis unter Brüx nach Rudelsdorf erstreckte und die ganze Gegend überhaupt sehr wasserreich ist.

(Dies.)

64) In der Gegend von /Plaben/ an der Maltsch, Bezirk Budweis, wurden mehrere /heidnische Gräber entdeckt/ und durch sogleich eingeleitete Nachgrabungen bereits einige Urnen und Opferschalen zu Tage gefördert. Die Ausgrabungsarbeiten werden fortgesetzt und dürften ein bedeutendes Ergebniſs liefern, da sich gegen 35 solcher Grabhügel in dortiger Gegend befinden.

(Dies.)

65) Im Garten des /Laibacher Bürgerspitals/ ist man bei Anlegung von Baumpflanzungen auf /römische Grabstätten/ gestoſsen. Es fanden sich mehrere Särge aus groſsen römischen Ziegeln vor, die leider von den Arbeitern zerstört worden sind, ferner Grablampen, Aschenurnen, Thränengefäſse aus Thon und eine erzene Münze. Man schlieſst in Folge dieser neuen Fundstätte auf eine sehr weite Ausdehnung des Begräbniſsplatzes der alten Emona.

(Dies.)

66) Zu /Andernach/, Regierungsbezirk Koblenz, ist beim Ausgraben von Bimsstein auf dem St. Martinsberge in einem aus einem Steinblock gearbeiteten Sarge das vollständige /Gerippe eines aus der Römerzeit stammenden Körpers/ von 6 Fuſs Länge gefunden worden.

(Dies.)

67) An dem /südlichen Thurme der Domkirche zu Lübeck/ werden /Restaurationsarbeiten/ vorgenommen. Derselbe neigt sich bekanntlich, gleich dem schiefen Thurme zu Pisa, bedeutend nach der einen Seite, und es soll dem Kolosse seine aufrechte Stellung wiedergegeben werden. Am 8. Mai ist es bereits gelungen, von der über 400 Fuſs hohen Spitze des Thurmes den aus Kupfer getriebenen Hahn nebst Kugel herabzunehmen.

(Dies.)

68) In /Konstanz/ soll an der Stelle, wo seit einigen Jahren ein einfacher Denkstein den Ort bezeichnet, an welchem /Huſs/ den Feuertod erlitt, zu seinem Andenken ein groſses /Monument/ erstehen.

(Dies.)

Inserate und Bekanntmachungen.

14) Der Gefertigte hat wiederholte Studien über die Kunstdenkmale der ehemaligen Krönungsstadt des Königreiches Polen gemacht. Einige derselben wurden da und dort in Zeitschriften veröffentlicht. Das ganze reiche Material seiner Studien hat er jedoch in einem Buche niedergelegt, das den Titel führt: /Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau/.

Das Buch enthält 30 Druckbogen Text mit 106 Holzschnitten, 80 Tafeln in Kupferstich und Lithographie. Es wird vorläufig nicht in den Buchhandel kommen, doch können Bibliotheken sowie Kunstfreunde, die sich dafür interessieren, dasselbe gegen direkte Bestellung beim Verfasser per Post zugesendet erhalten. Der Preis wird mit 16 Thaler pr. C. berechnet.

Das Werk enthält neben einer kurzen Uebersicht über die Geschichte Krakau’s zunächst eine Abhandlung über die ehemalige Gesammtphysiognomie der Stadt und ihre Befestigung, dann über sämmtliche noch bestehende und bereits zerstörte Kirchen der Stadt, woran sich eine Abhandlung über die der Stadt eigentümliche Kirchenbauschule und ihr Verhältniſs zu anderen gleichzeitigen Kirchenbauten knüpft. Die in den Kirchen noch vorhandenen Altäre, Taufsteine, Weihwasserbehälter, Grabmäler u. A. werden ebenso wie die Glasgemälde in dieser Abtheilung betrachtet. Die folgende Abtheilung enthält die bürgerliche Baukunst, wo zunächst das Königsschloſs, sodann das Rathhaus, die Tuchhalle und das noch wohl erhaltene mittelalterliche Universitätsgebäude betrachtet werden. Daran schlieſst sich eine Abhandlung über die reichen Schätze aus dem Gebiete der Goldschmiedekunst und Paramentik, die Krakau noch bietet, sowie über die Objekte der Kleinkunst überhaupt.

Eine Anzahl Beilagen enthält die Namen der Könige von Polen, der Bischöfe von Krakau, Handwerkerordnungen, Urkunden über Verleihungen des Stadtrechtes, das Cermoniel der Königskrönung, sodann Abhandlungen über die Anfänge der Buchdruckerkunst in Krakau, über das polnische Münzwesen u. s. w.

Die Tafeln bieten neben dem kunsthistorischen Material eine reiche Fundgrube echt künstlerischer Motive sowohl für Architekten als auch für verschiedene Kunstgewerbe, wie auch der Text die technische Seite neben der künstlerischen berücksichtigt.

Die Haupttendenz der ganzen Studie geht dahin, das Verhältniſs der Krakauer Kunst zu der Kunst der übrigen Länder, vorzugsweise Deutschlands, darzulegen, die Einflüsse zu untersuchen, unter denen diese Kunst sich entwickelt hat, und nachzuweisen, daſs auch hier die Kunst das getreue Spiegelbild der Kulturzustände ist.

/Nürnberg/, Mai 1866.

A. /Essenwein/, I. Vorstand des german. Museums.

Inhalt des vierten Heftes der zwölf Serien „Photographieen aus dem germanischen Museum“.

Serie I.

1) Emaillierter Speisekelch. 14. Jhdt. In den fürstl. Wallerstein’schen Sammlungen zu Maihingen.

2) Pokal von getriebenem Silber; 16. Jhdt. Im Besitz der Schützengesellschaft in Nürnberg.

3) Derselbe Pokal. (Andere Ansicht.)

Serie II.

1) Geschnitztes Kästchen. 16. Jhdt.

2) Kleiner Schrank mit geschnitzten Thüren. 16. Jhdt.

3) Geschnitzte Stubenthür. 16. Jhdt.

Serie III.

1) Futteral mit gothisch ornamentiertem Lederüberzug. 15. Jhdt.

2) Uhr mit Verzierungen in Vergoldung und durchbrochenem Maſswerk. 16. Jhdt.

3) Waschgefäſs von Messing, in Gestalt einer Eichel. 16. Jhdt.

Serie IV.

1) Romanischer Leuchter von Bronze. In den fürstl. Wallerstein’schen Sammlungen zu Maihingen.

2) Durchbrochener Thürbeschlag von Eisen. 15. Jhdt.

3) Gothisch verzierter Thürklopfer. In München.

Serie V.

1) Verzierter Krug von Steingut. 16. Jhdt. (2 Ansichten.)

2) Reichverzierter Glaspokal mit dem Löffelholz’schen Wappen über dem Deckel. 17. Jhdt. Im Besitz des Frhrn. von Löffelholz zu Wallerstein.

3) Der Deckel desselben Pokals, in vergröſserter Aufnahme.

Serie VI.

1) Handtuch mit eingewirkten blauen Ornamenten. 14. Jhdt.

2) Dasselbe Handtuch (andere Hälfte).

3) Stickerei mit dem Alliancewappen der Haller und Baumgärtner. 17. Jhdt.

Serie VII.

1) Bucheinband von gepreſstem Leder mit dem Wappen der Löffelholz. 15. Jhdt. Im Besitz des Frhrn. von Löffelholz zu Wallerstein.

2) Rückseite desselben Einbandes.

3) Rückseite des Futterals aus Serie III.

Serie VIII.

1) Fünf romanische Kapitäle von der Wartburg.

2) Die Geburt Christi und die Anbetung der heil. drei Könige, Elfenbeinreliefs vom 14. Jhdt. Originalgröſse.

3) Zweikampf des Albrecht Dürer mit Lazarus Spengler in Beisein Kaiser Maximilians I.; Relief aus Schiefer, 1522. Zu München.

Serie IX.

1) Wappen der Nützel in Renaissanceeinfassung; Pergamentmalerei.

2) Bleirelief mit Verzierungen in Form eines Frieses. 16. Jhdt.

3) Verschiedene Ornamente von gebranntem Thon. 16.-17. Jhdt.

Serie X.

1) Goldnes Kleinod Friedrich’s von der Pfalz; Pathenpfennig für Joh. Paul Poigele von 1604; Medaille von 1547 auf die Schlacht bei Mühlberg mit den Brustbildern Karl’s V. und Ferdinand’s I.; Schauthaler Kr. Ferdinand’s I. von 1541.

2) Medaillen auf Georg Hermann von 1529, auf Julius Echter von Mespelbrunn, Bischof von Würzburg, auf Georg Friedrich, Markgrafen von Brandenburg, 16. Jhdt., und Wappen der Familie Stark (Rückseite einer Medaille auf Jacob Stark) von 1614.

3) Münzsiegel König Friedrich’s III. 15. Jhdt.

Serie XI.

1) Miniaturmalerei von Johannes Giltlinger, 1487.

2) Bruchstück einer Kreuzabnahme, Federzeichnung aus der Schule der van Eyck.

3) Zwei männliche Kostümfiguren, Tuschzeichnung in der Weise Hans Holbein’s d. J.

Serie XII.

1) Fuſs eines emaillierten Ciboriums. 14. Jhdt. In den fürstl. Wallerstein’schen Sammlungen zu Maihingen.

2) Erstürmung einer Minneburg, Spiegelkapsel von Elfenbein. 14. Jhdt.; ebendas.

3) Schachfiguren von Hirschhorn. 14. Jhdt. In den fürstl. Wallerstein’schen Sammlungen in Maihingen.

Die geehrten Herren Pfleger des german. Museums

werden ersucht, soviel in ihren Kräften steht, zur Verbreitung des photographischen Unternehmens, dessen erste Folge mit dem oben verzeichneten vierten Hefte geschlossen ist, beizutragen. Das Museum hat deshalb eine Zusammenstellung aller einzelnen Blätter, nach den Materien geordnet, veranstaltet und darin bemerkt, daſs jedes Blatt auch einzeln zu haben ist. Dieses Verzeichniſs wird in den nächsten Tagen zur Versendung kommen; doch werden gerne denjenigen Herren Pflegern, welche glauben, durch Vorzeigung dieser Photographieen für das Unternehmen wirken zu können, auf Bestellung einzelne Blätter zur Ansicht und Vorzeigung zugesendet.

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

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Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 7. Juli.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

von

F.-K. Fürsten zu /Hohenlohe Waldenburg/.

C. P. Lepsius hatte angefangen in den „neuen Mittheilungen des Thüringisch-Sächsischen Vereins“ für 1842[A] unter dieser Aufschrift eine Reihe von Abbildungen merkwürdiger Siegel mit erklärendem Text mitzutheilen, um, wie er sagte, „auf das vielseitige Interesse der Siegel für die Kunstgeschichte, sowie für die Alterthumskunde im Allgemeinen durch einzelne Beispiele aufmerksam zu machen.“

Mit Recht warf er in der Einleitung die Frage auf: „Wie mag es kommen, daſs bei dem so allgemeinen Interesse unserer Zeit an geschichtlichen und antiquarischen Forschungen, sowie an den Denkmalen mittelalterlicher Kunst und Lebensweise von allen dahin abzweckenden Studien gerade eins der anziehendsten und fruchtbarsten, die Siegelkunde, so sehr vernachlässigt worden ist, daſs wir uns nach einem, dem Standpunkte wissenschaftlicher Kunstbildung unserer Zeit entsprechenden, das Ganze der Sphragistik umfassenden Werke vergebens umsehen?“

Ganz treffend bezeichnet er sodann den vielseitigen Werth der Sphragistik mit den Worten: „Die Siegelkunde darf nicht blos als historisch-diplomatische Hülfswissenschaft aufgefaſst werden. Wenigstens ebensoviel gewährt dieselbe in kunstgeschichtlicher, sowie in vielfachen antiquarischen Beziehungen. Besondern Werth für die Kunstgeschichte gewinnen die Siegel dadurch, daſs sie, in synchronistischer Zusammenstellung und chronologischer Folge, uns den Gang und die Richtung der Kunst- und Geschmacksbildung in allen ihren Stadien und Uebergängen bezeichnen und gleichsam beurkunden.[B]...

Nicht geringere Belehrung gewähren die Siegel über den Wechsel der /Zustände/ und /Formen/ des /öffentlichen/ und /Privatlebens/, sowie im /Costüm/ der verschiedenen Stände, im Ornat der Könige, Fürsten und höheren Geistlichen, in /Rüstungen/ und /Waffen/ aller Art etc. Selbst für das Studium der mittelalterlichen /Bauarten/ ist aus den, auf den Siegeln vorkommenden Darstellungen von Kirchen, Portalen, Baldachinen, Tabernakeln und architektonischen Verzierungen Manches zu entnehmen, sowie auch von manchen längst untergegangenen Bauwerken, von denen sich sonst keine Abbildungen erhalten haben, deren ehemalige Gestaltung und Bauart aus alten Siegeln zu erkennen und nachzuweisen ist....

Nicht minder ergiebig erweisen sich die Siegel zur Bereicherung und Erläuterung der christlichen /Kunstsymbolik/ und /Ikonographie/, insonderheit in den häufigen Darstellungen der Heiligen in den Siegeln der Stifter und Klöster, sowie überhaupt die Siegel mit der /Legende/ und /Sage/ vielfach in Berührung treten. Am meisten wird durch die Siegel die Geschichte des /Wappenwesens/ aufgehellt; es gibt keine älteren Ueberreste von wirklichen (heraldischen) Geschlechtswappen... Um den Wechsel der /Schriftzeichen/ auf Denkmalen (Künstlerschrift, abweichend von der Urkunden- und Bücherschrift) chronologisch und landschaftlich vergleichend zu verfolgen, gewähren ebenfalls die Siegel die sicherste Anleitung, weil wir hier nicht, wie bei andern Schriftdenkmalen der Vorzeit, über den Zeitpunkt der Verfertigung in Ungewiſsheit sind.“

Obgleich seitdem wieder ein Vierteljahrhundert verflossen ist, obgleich der Werth der Siegelkunde mehr und mehr zur Geltung gelangt, und dieselbe den ihr gebührenden Platz unter den historischen Hülfswissenschaften bereits eingenommen hat, obgleich die Zahl ihrer Verehrer stets im Zunehmen begriffen ist,[C] und in der neueren Zeit sehr schätzbare Arbeiten auf diesem Gebiete geliefert worden sind, so haben wir doch auch heute noch den Mangel eines „/das Ganze der Sphragistik umfassenden Werkes/“ mit Lepsius zu beklagen.

Ein solches Werk ist aber, nach den Anforderungen, welche die wissenschaftliche Kritik bei dem gegenwärtigen Stande der historischen Forschungen im Allgemeinen an dasselbe zu stellen berechtigt ist, auch noch kaum zu erwarten. Denn, wie Melly -- der die Siegel die /Regulatoren/ und /Stützpunkte/ der /Kunstgeschichte/ nennt -- bemerkt, „muſs die Siegelkunde, damit sie fruchtbringend werde, vorerst in ihrem Material ergänzt und es müssen die einzelnen Siegel-Gattungen erst allseitig erforscht werden“[D].

Vorerst handelt es sich daher immer noch hauptsächlich um sphragistische Monographieen, wobei die Ansicht Melly’s möglichst festzuhalten ist, daſs dieselben „im Einverständniſs mit allen Gleichgesinnten“ zu bearbeiten sind, damit durch Vertheilung der Arbeit und Gleichmäſsigkeit der Methode der wissenschaftliche Gesammtbau /schneller/, /sicherer/ und /harmonischer/ hergestellt werden könne.

Hiezu ist aber vor Allem die Aufstellung eines sphragistischen Systems -- sowohl zur /Eintheilung/ der Siegel, als wie zu deren sicherer Bezeichnung -- durchaus nothwendig.

Der Mangel eines solchen und einer bestimmten sphragistischen Terminologie ist längst von vielen Seiten beklagt worden.

In Ermangelung eines andern brauchbaren, umfassenden und bereits allgemein angenommenen, erlauben wir uns, das von uns aufgestellte und seit zehn Jahren[E] erprobte sphragistische System allen Freunden der /Siegelkunde/ hier aufs neue vorzulegen und zu empfehlen. Von dessen allgemeiner Annahme verspricht sich auch u. A. unser gelehrter Freund, Freiherr von Schreckenstein, in seiner trefflichen Abhandlung: „Wie soll man Urkunden ediren?“ -- namentlich wegen seiner /Bündigkeit/ und /Kürze/, -- einen nicht unbedeutenden Nutzen.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: VI. Band, 3. Heft, S. 84-115.]

[Fußnote B: Hier verweist Lepsius auf die bekannten Werke von Kugler und ihren sphragistischen Theil.]

[Fußnote C: Es kommt glücklicher Weise jetzt doch selten mehr vor, daſs die Begriffe Siegel und Siegel-Stempel, Siegel und Wappen, Siegel-Bild und Wappen-Bild, Siegel-Feld und Wappen-Feld -- selbst von Männern vom Fache -- miteinander verwechselt werden. Bezeichnete doch Tucelius sogar das kleine /Reichsbanner/ (parvum vexillum nach Ducange) Fig. 7 des Titelblattes seiner Electa jur. publ. cur. als: „/Sigillum Ulrici comit. Würtenberg./“

Viele, wenn sie sich auch die Mühe geben, diese /ganz verschiedenen/ Begriffe gehörig zu trennen, sind aber heute noch der Meinung, ein Siegel /ohne/ Wappen hätte eigentlich gar keinen besonderen Werth, und manche Gelehrte halten es immer noch unter ihrer Würde, den Siegeln eine besondere Beachtung zu schenken, und betrachten die Sphragistik beinahe wie eine Art von Spielerei. Eine immer noch /sehr/ empfindliche Folge der früheren Miſsachtung der Siegel ist die Schwierigkeit der Auffindung derselben in gröſseren Archiven; ein Verzeichniſs der Siegel findet sich bis jetzt, leider! beinahe in keinem derselben. Möchte doch allenthalben darauf Bedacht genommen werden!]

[Fußnote D: S. dessen Beiträge zur Siegelkunde des Mittelalters. Wien, 1846.]

[Fußnote E: S. Correspondenzblatt von 1857, Nr. 11, S. 109-111.]

Sphragistisches System

/zur Eintheilung und Bezeichnung der Siegel nach ihren Bildern/.

I. { A. mit /einzelnen/ Schriftzeichen, (Chiffres Schrift-Siegel: { mit und ohne Kronen.) { B. mit /ganzer/ Schrift.

II. { A. /ohne/ Namen des Inhabers, (Phantasie- Bild-Siegel[A]: { Siegel.) { B. /mit/ Namen des Inhabers.

{ { 1. Kopf, Brustbild oder { { Kniestück. { { { a. stehend. { A. /ohne/ Wappen, { 2. ganze Figur, { b. sitzend. { { { c. knieend. III. { { 3. zu Pferd. Porträt-Siegel: { { { 1. Kopf, Brustbild oder { { Kniestück. { { { a. stehend. { A. /mit/ Wappen, { 2. ganze Figur, { b. sitzend. { { { c. knieend. { { 3. zu Pferd.

{ A. nur mit Wappen- { 1. im Siegelfelde. { /Bildern/ { 2. in einem Schilde. IV. { B. nur mit Wappen-/Helmen/ { 1. im Siegelfelde. Wappen-Siegel: { oder /Helmschmuck/ { 2. in einem Schilde. { C. mit /vollständigen/ Wappen (d. h. { Schild mit Helm oder Krone).

Ein solches System muſs /umfassend/ und doch dabei /möglichst einfach/ sein. Beiden Anforderungen entspricht unser sphragistisches System.

Dasselbe umfaſst alle nur erdenkbaren Gattungen von Siegeln, und alle lassen sich, meist mit Leichtigkeit[B], nach demselben eintheilen und bestimmen.

Der Reihenfolge der vier /Haupt-Gattungen/ ist so ziemlich die chronologische Ordnung der Einführung der verschiedenen Siegelgattungen zu Grunde gelegt. Die Schrift-Siegel und die Bild-Siegel waren die ältesten Gattungen[C]; dann kamen die Porträt-Siegel[D] und zuletzt erst die Wappen-Siegel[E].

Es ist bekanntlich in mehrfacher Hinsicht höchst wichtig, wird aber leider nur zu oft versäumt, -- Exempla sunt odiosa! -- die Siegel mittelalterlicher Urkunden diplomatisch genau abzubilden und richtig zu beschreiben. Wenn aber auch Abbildungen davon mitgetheilt werden, was, wo möglich, (wenn auch nur in leichten Conturen) geschehen sollte, ist es doch wünschenswerth, auch über /Stoff/ und /Farbe/ der Siegel und ihre /Befestigungsart/ Nachricht zu erhalten.

Viele der bisher gebrauchten Bezeichnungen der Siegel sind nun aber nicht nur /unlogisch/ und /unrichtig/; sondern auch viel zu /unbestimmt/, und somit die Ursache häufiger Miſsverständnisse.

Es ist doch gewiſs /unlogisch/, die Siegel das eine Mal nach ihrer /äuſseren Form/ (Herz-, Schild-, Spitz-Siegel etc.), oder sogar nach der /Fassung/ der Stempel (Ring-Siegel), oder nach ihrem /Bilde/ (Helm-Siegel) zu benennen, das andere Mal nach ihren /Inhabern/, und zwar in den verschiedensten Beziehungen zu deren Geschlecht und Stand (Damen-, geistliche, Majestäts-Siegel), zu der Art ihrer Darstellung (Reiter-, Fuſs- und Thron-Siegel), und sogar zu der dem Siegel-Bilde zu Grunde liegenden Absicht (Votiv-Siegel).

/Unrichtig/ sind doch gewiſs die Bezeichnungen Majestäts- und Thron-Siegel, wenn sie, wie so häufig, von /solchen/ gebraucht werden, wo von einer Majestät des Inhabers und einem Thron im Entferntesten nicht die Rede ist.

Wie kann man von einem Votiv-Siegel sprechen!

Ganz /unbestimmt/ sind die Bezeichnungen Herz-, Schild- und Spitz-Siegel, da sie für ganz verschiedene Formen gebraucht werden. „Herz-Siegel“ sollte man doch nur diejenigen nennen, welche die im Leben gebräuchliche Herzform haben, während diese Bezeichnung auch von denjenigen dreieckigen Siegeln gebraucht wird, deren beide obere Ecken abgerundet sind.

Die Benennung „Spitz-Siegel“, welche man häufig den dreieckigen Siegeln gibt, könnte man eben so gut auf die parabolischen Siegel anwenden, die man zuweilen „zweispitzige“ nennt.

Was soll man unter „Schild-Siegel“ für eine Form verstehen, da es Schilde von so verschiedenen Formen gegeben hat?

Man versteht gewöhnlich unter „Reiter-Siegeln“ alle diejenigen, auf welchen ein /Ritter zu Pferd/ dargestellt ist. Diese Bezeichnung ist aber gleichfalls unrichtig, da sie Gleichartiges trennt und Verschiedenartiges zusammenwirft.

Denn das „Porträt-Siegel“ einer Dame zu Pferd kann man doch nicht wohl als „Reiter-Siegel“ bezeichnen, obgleich es doch auch unter die „Porträt-Siegel“ (/ohne/ oder /mit/ Wappen) zu Pferd gehört.

Auch wird man das Siegel IV, A, 2 der Herzogin Elisabeth von Bayern aus dem Ende des 14. Jahrh., mit der Legende: S. elisabet. von. cleve. vnd. von. der. marchk. phalantzgrevyn. vnd. hertzogin. in. baieren. nicht als /Reiter-Siegel/ bezeichnen wollen, weil ihr Gemahl in Turnierrüstung zu Pferd darauf abgebildet ist[F].

Eben so wenig kann man von „Reiter-Siegeln“ der Städte sprechen, auf welchen -- wie z. B. auf den Siegeln von Schwerin, Gieſsen, Wolfhagen, Marburg, Grevenstein u. A., -- der Lehensherr zu Pferd abgebildet ist (was auf dem Schweriner Siegel durch die Legende: ✠ dux. henricus. et. sigillum. civitatis. zwerin. noch ausdrücklich angegeben wird). Diese Art von Städte-Siegeln gehört nun unter die „/Bild-Siegel/“ und sicher /nicht/ unter die Porträt-Siegel.

So lieſsen sich noch viele Beispiele unrichtiger Bezeichnung der Siegel anführen.

Daſs die äuſsere Form (die Contur) der Siegel oder gar die Fassung der Stempel viel zu untergeordnete Momente sind, als daſs darauf eine Classifikation derselben gebaut werden könnte, versteht sich von selbst.

Aber auch eine Eintheilung der Siegel nach /ihren Inhabern/ -- welche häufig angewendet wird -- ist bei Aufstellung eines /allgemeinen sphragistischen Systems/ nicht zu empfehlen. Denn hier handelt es sich hauptsächlich um die /Siegel als solche/, und weniger um ihre Inhaber.

Eine /systematische Eintheilung der Siegel nach ihren Bildern/, wenn dieselbe den an sie zu stellenden Anforderungen vollkommen entspricht, d. h. wenn sie /einfach/, /umfassend/ und /logisch/ geordnet ist, wird aber auch für jede andere Eintheilung der Siegel die sicherste Grundlage bilden.

„/Der Zweck des Sammlers wird immer den Hauptgrund der Eintheilung/ (einer Siegel-Sammlung) bilden“, sagt Melly (a. a. O.).

Je /allgemeiner/ daher der Zweck ist, um so /allgemeiner/ muſs auch das System gehalten sein.

Bezeichnet man dagegen die zu beschreibenden Siegel mit den wenigen (römischen und arabischen) Ziffern und den paar (groſsen und kleinen) Buchstaben unseres Systems, mit Angabe ihrer äuſseren Form, z. B.: und fügt nur einige Worte über Farbe, Stoff und Befestigungsart hinzu -- wobei man die weitaus zahlreichsten mittelalterlichen Siegel, die von /runder/ Form, von /ungefärbtem/ Wachs und mittelst /Pergamentstreifen angehängten/, als die Regel annimmt, und /diese/ Eigenschaften ein für alle Mal (als selbstverständlich) mit Stillschweigen übergeht[H] -- so sind die Siegel auf eine /ganz einfache/ und /leichte/ Weise -- so zu sagen stenographisch -- und gewiſs /deutlicher/ und /bestimmter/ bezeichnet, als wie durch die weitläufigsten Beschreibungen nach der bisherigen unklaren und unbestimmten Terminologie.

Wenn z. B. bei sechs Siegeln durch nachstehende kurze Bezeichnungen:

Nr. 1. [Illustration] Siegel I. A. von Blei an hänfenen Schnüren.

Nr. 2. [Illustration] Siegel II. B. an ledernen Riemen.

Nr. 3. Siegel III. A. 2. b. impress.

Nr. 4. [Illustration] Siegel III. B. 2 a von rother Malta an grünseidenen Bändern.

Nr. 5. [Illustration] Siegel IV. B. 1 grün.

Nr. 6. [Illustration] Siegel IV. C. roth, an grünseidenen Fäden.

ganz sicher angegeben ist, daſs Nr. 1 eine viereckige, mit hänfenen Schnüren angehängte Blei-Bulle ist, auf welcher sich nur einzelne Buchstaben befinden; Nr. 2 ein dreieckiges, an ledernen Riemchen hängendes Bild-Siegel von ungefärbtem Wachs, mit dem Namen des Sieglers; Nr. 3 ein rundes, der Urkunde aufgedrücktes Siegel von ungefärbtem Wachs, mit dem /Porträt/ des Sieglers in ganzer Figur, sitzend und /ohne/ Wappen; Nr. 4 ein parabolisches Siegel von rother Malta, an grünseidenen Bändern hängend, mit dem Porträt seines Inhabers in ganzer Figur, stehend und /mit/ dem Wappen; Nr. 5 ein herzförmiges Siegel, von grauem Wachs an Pergamentstreifen hängend, mit dem Wappenhelme im Siegelfelde; endlich Nr. 6 ein fünfeckiges Siegel, von rothem Wachs, an grünseidenen Fäden, mit dem vollständigen Wappen des Sieglers, so wird man doch gewiſs zugeben müssen, daſs unsere Methode vor der bisherigen Bezeichnung der Siegel -- als kürzer und bestimmter zugleich -- den Vorzug verdient.

Jeder Forscher wird sofort daraus erkennen, ob ein Siegel für /seinen/ speciellen Zweck einen besonderen Werth hat; in welchem Falle er doch jedenfalls, /um sicher zu gehen/, das Original selbst, oder wenigstens einen guten Gypsabguſs davon einsehen muſs.

Unter dem Titel: „Sphragistische Aphorismen“ beabsichtigen wir in diesen Blättern eine Reihe von /Abbildungen/, besonders interessanter mittelalterlicher Siegelstempel und Siegel[I] (unter fortlaufenden Nummern) mit kurzen Bemerkungen mitzutheilen nebst verschiedenen /Notizen/[J] aus dem Gebiete mittelalterlicher /Siegelkunde/.

Wir hoffen, damit manchen Lesern einen Dienst zu erweisen und sie dadurch zu veranlassen, an die gegebenen Beispiele anknüpfend, auch /ihre/ Erfahrungen zu veröffentlichen.

So manche noch bestehende sphragistische, heraldische und andere Zweifel könnten auf diese Weise ihre endliche Aufklärung finden.

Den zu besprechenden Siegeln werden wir ihre Bezeichnung nach unserem sphragistischen System beisetzen, in der Hoffnung, demselben, wenn es sich praktisch erweisen sollte, nach und nach allgemeinere Geltung zu verschaffen. Endlich erlauben wir uns, an alle Freunde der mittelalterlichen Siegelkunde, die dringende Bitte zu richten, unser System ihrer Kritik zu unterwerfen, und zu dessen Vervollkommung -- welcher es sicher bedürftig, aber gewiss auch fähig ist -- beizutragen.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Unter die Bild-Siegel gehören alle jene, welche weder das Porträt noch das Wappen ihres Inhabers enthalten; also namentlich alle Siegel mit Heiligen- und mit symbolischen Bildern, mit architektonischen, historischen und anderen Darstellungen, und mit Devisen.]

[Fußnote B: Bei älteren Siegeln erheischt es allerdings zuweilen gründliche Forschungen, um mit Sicherheit bestimmen zu können, ob ein /Siegel-Bild/ nicht ein wirkliches „Wappen-Bild“ war, da so viele Wappen gar nicht mehr bekannt, und manche verändert oder wenigstens bis zur Unkenntlichkeit travestiert worden sind.

Auch bei mittelalterlichen /Städte-Siegeln/ hält es mitunter ziemlich schwer, zu bestimmen, ob ein auf denselben vorkommendes Wappen das eigentliche Stadtwappen ist, wenn dasselbe nicht gerade, was aber häufig der Fall, ein /redendes/ ist.

Auf dem Siegel IV, A, 1 der Reichsstadt Dinkelsbühl von 1448 steht der Reichsadler auf drei mit Dinkel bewachsenen Hügeln. Die Reichsstadt Biberach führt auf ihrem Siegel IV; A, 2 mit der Jahreszahl 1533 rechts den Reichsadler links einen gekrönten Biber.

Die ursprünglichen /Herrschafts-Wappen/ wurden zuweilen später eigentliche /Stadt-Wappen/. So behielt z. B. die Stadt Bräunlingen den habsburgischen Löwen von 1317 auch unter fürstenbergischer und später unter badischer Oberhoheit in ihrem Siegel bei; wogegen die Stadt Geisingen seit 1489 neben dem Löwen ihrer früheren Herren, der Dynasten von Wartenberg, auch noch das fürstenbergische Wappen im Siegel führte.]

[Fußnote C: Erst in neuerer Zeit wurden wieder in Pompeji Siegelstempel ausgegraben, welche nur den Namen ihres Inhabers tragen.

/Bild-Siegel/ kommen zwar gleichfalls schon in den ältesten Zeiten vor; allein, da die /Schrift-Siegel/ auch zugleich die einfachsten sind, so haben wir mit /diesen/ den Anfang gemacht. --]

[Fußnote D: Das wichtigste Bild auf einem Siegel ist das Porträt /seines Inhabers/. Sobald daher /dieses/ darauf erscheint, gleichviel ob /mit/ oder /ohne Wappen/ oder andern Gegenständen, so gehört dasselbe unter die „Porträt-Siegel“.

Auf den „Porträt-Siegeln“ sollte aber immer der Name des Inhabers ausdrücklich angegeben sein, um den Charakter des Bildes als „Porträt des Sieglers selbst“ ganz sicher festzustellen. Wenn der Stempel eines „Porträt-Siegels“ nach dem Tode seines ursprünglichen Besitzers von einem Dritten wieder zum Siegeln gebraucht wird, so sind die damit gefertigten Siegel keine „Porträt-Siegel“ mehr, sondern „Wappen-“, oder bloſse „/Bild-Siegel/“, jenachdem sie das /Wappen/ des neuen Sieglers enthalten, oder nicht.]

[Fußnote E: Nach dem Porträt des Inhabers steht an Bedeutung zunächst dessen Wappen. Wo also Ersteres fehlt, bestimmt das Letztere die Gattung des Siegels, wenn dasselbe auch, neben allen möglichen anderen Darstellungen, zuweilen anscheinend nur einen untergeordneten Platz einnimmt.]

[Fußnote F: Wir theilen nicht die Ansicht des Fragestellers im Correspondenzblatt von 1865, Nr. 5, S. 34, daſs man es hier mit dem /Porträt/ der Sieglerin zu thun habe.]

[Fußnote G: Wozu die Zeichen für den Druck in der entsprechenden Gröſse leicht gegossen werden können.]

[Fußnote H: Also, wenn es z. B. heiſst: Siegel II. B; Siegel III. B. 3; Siegel IV. A. 1, so ist -- neben der übrigen Bezeichnung dieser Siegel -- zugleich auch angezeigt, daſs alle drei Siegel von /runder/ Form, in /ungefärbtem/ Wachs und mittelst /Pergamentstreifen/ an die Urkunde /angehängt/ sind.]

[Fußnote I: Vorzügliche Gypsabgabgüsse derselben sind durch Herrn Hofmaler Roſshirt in Oehringen billigst zu beziehen.]

[Fußnote J: Auch diese /unter sich/ -- zur leichteren Bezeichnung -- mit fortlaufenden Nummern.]

Ausgrabungen bei Rochsfeld.

Von Dr. A. von Eye.

Vom Fuſse des Schloſsberges, an der nordwestlichen Grenze der Oberpfalz, erstreckt sich ein ziemlich umfangreiches Plateau nach Süden, welches nach geringer Senkung jenseits des Dorfes Rochsfeld von mäſsigen Höhenzügen wieder aufgenommen wird, aber bei der geradlinigen Richtung der letzteren sowie des davor liegenden Thales eine weite Rundsicht gewährt und in seiner Bestimmung als eine der gröſsten in Süddeutschland bekannten heidnischen Begräbniſsstätten wohl nicht auſser Zusammenhang mit seiner hervorragenden Lage steht.

Der gröſste Theil des Plateau ist gegenwärtig zu Ackerland verwendet; die darauf befindlichen Grabstätten sind geebnet und geben nur noch durch einzelne Ueberreste ihren ehemaligen Bestand zu erkennen. Ein anderer Theil ist von einem niedrigen Tannenwäldchen besetzt, das unversehrte, aber schwer zu untersuchende Grabhügel birgt. Das interessanteste Stück des Feldes war bis dahin von einer Eichenpflanzung eingenommen, aus welcher zwei noch übrige Stämme von 10 bis 12 Fuſs Umfang das lange Ungestörtsein des Platzes bezeugen. An der östlichen Seite desselben flieſst ein eisenhaltiger Quell, der, jetzt zum Zweck der Viehtränke in einen Brunnentrog aufgefangen, früher einen kleinen Teich gebildet hat. Den Quell noch umfassend, liegt ebendaselbst eine Umwallung von unregelmäſsiger dreieckiger Form und 212 Schritt Umfang, allem Anschein nach ein ehemaliger Lagerplatz. Den übrigen Raum nehmen in ziemlich weiten, aber unregelmäſsigen Abständen neun Grabhügel von etwa 80 Schritt Umfang und fünf bis sechs Fuſs Höhe ein.

Früher gemachte zufällige Funde lieſsen vermuthen, daſs das Innere dieser beträchtlichen Aufwürfe noch manches interessante Zeugniſs ihrer Entstehungszeit beschlieſse, und im April dieses Jahres benützte das germanische Museum die Gelegenheit, systematische Nachgrabungen anzustellen. -- Ein sofort in den gröſsten Hügel angebrachter Querschnitt von 11 Schritt Länge zeigte an, daſs die hier beigesetzten Urnen auf einen ziemlich engen Raum der Mitte beschränkt waren, weshalb diese bei den andern Hügeln sogleich von oben herab aufgesucht werden konnten. Unmittelbar unter der Rasendecke zeigten sich einige Topfscherben vom 16. Jahrhundert, welche bei Anpflanzung der Eichen hineingelangt sein mochten. Bei zunehmender Tiefe mehrten sich die vorkommenden Kohlen. Etwa 5 Fuſs unter der Hügelhöhe, in gleicher Linie mit dem ebenen Boden trat das Urnenlager zu Tage. Das deckende Erdreich aber, ein nasser, äuſserst schwer zu bewältigender Lehm, durch welchen die stecken gebliebenen Wurzeln einer ausgerodeten Eiche sich wie lange Gallertfäden zogen, hatte das Lager zu einer kaum 5 Zoll dicken Aschenschicht zusammengedrückt, in welcher Urnenscherben und Deckplatten dicht durcheinander lagen. Das von oben durchsickernde Wasser hatte in dieser Schicht sich gehalten und seine auflösende Kraft der Art walten lassen, daſs auch nicht der geringste Rest metallener Mitgaben verschont geblieben. Nur die feuchte und zähe Masse der Asche zeigte hie und da die rostfarbenen Bilder zergangener Eisengeräthe aus ziemlich vorgeschrittener Kulturepoche. Die Scherben waren so durchweicht, daſs sie beim Auffinden leicht mit dem Messer geschnitten werden konnten, übrigens von feiner, schwärzlich gebrannter Masse, mit geringem Zusatz von Kieselerde. Ein Theil zeigte, bisweilen an der inneren und äuſseren Seite, bisweilen nur an der letzteren, eine Decke von so schöner, rother Farbe und so gleichmäſsiger Dicke des Auftrags, daſs ersichtlich darin nicht allein die Wirkung des Feuers, sondern auch das Vorhandensein eines Ueberzuges, wahrscheinlich von Eisenerde, zu erkennen war. Die Urnen, nach den vorhandenen Bruchstücken zu schlieſsen, von ausgezeichneter Form, waren auf der Scheibe gedreht, doch ohne weiteren Zierrath. Die Deckplatten bestanden aus flachgespaltenen Steinen oder gelblichen, wahrscheinlich nur an der Sonne getrockneten Thonscheiben.

Das Einzige, was von Metallsachen aus diesem Hügel kam, war eine oberhalb der Urnen gelegene, vermuthlich beim Aufwerfen verloren gegangene, bronzene Messerschale mit abgerosteter Eisenklinge. Sie ist klein und zierlich, wie alle Metallgeräthe jener Periode, in Form den unsrigen verwandt, scharf profiliert und mit Querstreifen und eingeritzten Winkellinien verziert. Bemerkenswerth war das häufige Vorkommen von rohem Eisenerz in diesem Hügel, das, in gröſseren oder kleineren Stücken den Urnen beigefügt, offenbar gleichzeitig mit diesen und ohne Zweifel als Kostbarkeit niedergelegt war.

In einem südlicher gelegenen Hügel fehlten die Deckplatten auf den Urnen; doch kamen Holztafeln vor, deren Verwitterungsgrad die gröſste Aehnlichkeit mit dem der bei Oberflacht in Schwaben ausgegrabenen Todtenbäume zeigte. Der Gröſse nach zu urtheilen, stammen sie nicht von hölzernen Geräthen, sondern von Umfassungswänden her, oder hatten die Stelle der deckenden Steine zu vertreten. In einem dritten, schon früher beim Pflügen bloſsgelegten Aufwurfe war eine Umfassungsmauer von lose aneinander gereihten, ziemlich groſsen Feldsteinen aufgedeckt worden, deren Mangel an anderen Stellen darzuthun scheint, daſs wir uns bei der Bestattungsart jener Zeit keinen allgemein und ausschlieſslich in Anwendung gebrachten Gebrauch zu denken haben, sondern, daſs bei aller herrschenden Sitte dem einzelnen Belieben noch Manches überlassen war. -- In allen Fällen übrigens waren, wie bemerkt, die Urnen auf den unberührten Boden niedergesetzt und darüber die Hügel aufgeschüttet worden.

Auch eine vierte zur Untersuchung gezogene Grabstätte bewies, daſs hier die gleiche Bodenbeschaffenheit überall dieselbe Wirkung hervorgebracht, und daſs auf eine Bereicherung der Sammlungen durch interessante Fundstücke nicht zu rechnen sei. Selbst Bronzegeräthe hatten in der Aschenschicht soweit sich aufgelöst, daſs nur eine Spur von Grünspan geblieben war. Ein einziges, kleines, aus freier Hand geformtes Thongefäſs ward unversehrt zu Tage gefördert. Da aber die bis dahin vorgenommenen Nachgrabungen zur allgemeinen Charakterisierung der Begräbniſsstelle genugsam schienen, wurde bei der auſserordentlichen Schwierigkeit der Arbeit auf weitere Nachsuchungen verzichtet.

Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten.[A]

Nunquam sera veritas.

Zu Anfang der vierziger Jahre wurde der Unterzeichnete, bei Gelegenheit einer Nachgrabung auf der sogen. Kaninchen-Insel im Bieler See, benachrichtigt, man habe in diesem See, in der Bucht von Mörigen (Mörigen-Eggen), an einer Stelle, wo viele Pfähle im Seegrunde steckten, ein Thongefäſs herausgefischt. Als Referent im J. 1843 sich an Ort und Stelle begab, erblickte er zu seinem groſsen Erstaunen eine Menge uralter, aus dem Seegrunde hervorragender, jedoch tief unter dem Wasserspiegel stehender Pfähle, und erhob daselbst vermittelst eines Fischergarns fünf massive Ringe von schlecht gebranntem Thon, welche in ihrer Höhlung mit Kohlen und Thonscherbchen angefüllt waren und vom Referenten sofort als keltische Töpferarbeit erkannt wurden. Mehrere Jahre hindurch fortgesetzte Untersuchungen von Seiten des nun verstorbenen, in Nidau am Bieler See wohnhaft gewesenen Herrn Amtsnotar Emanuel Müller, welchen Referent im J. 1847 auf die so merkwürdige Lokalität aufmerksam gemacht hatte, förderten nach und nach eine Masse keltischer, meist fragmentarischer Töpferwaare, zum Theil von sehr groſsen Dimensionen, mehrere Thonringe erwähnter Art, aber auch metallene Gegenstände, wie halb geschlossene, reich ciselierte Bronzeringe und ein damasciertes, eisernes Schwert, an das Tageslicht, von welchen Fundstücken Hr. Müller Proben mit Angabe des Fundortes an die antiquarische Gesellschaft in Zürich einsandte. (S. V. Bericht über die Verrichtungen dieser Gesellschaft, vom 1. Juli 1848 bis 1. Juli 1849, S. 4.). Während aber Hr. Müller über den Ursprung und die Bedeutung dieses Pfahlwerks im Unklaren war, hatte Referent dasselbe von Anfang an als keltische Pfahlbauansiedlung erkannt, und er ermangelte nicht, diese Ansicht in seiner 1850 erschienenen antiquarisch-topographischen Beschreibung des Cantons Bern mit den Worten zu präcisieren (S. 33): „In der Bucht des Bieler Sees zwischen Gerolfingen und Mörigen, im sogenannten Mörigen-Eggen, steht, eine gute Strecke auſserhalb des Seeufers bei letzterm Dorfe, /ein uraltes Pfahlwerk von der Substruction einer bedeutenden Ansiedlung/ aus einer Zeit, wo der Wasserspiegel des Sees noch nicht die jetzige normale Höhe erreicht hatte.“ Zugleich wurde die dort vorfindliche Töpferwaare als keltische bezeichnet. Damit war der erste keltische Pfahlbau im Bieler See und in den Schweizer Seen überhaupt, wiewohl tief unter dem Wasserspiegel stehend, seinem Ursprung und seiner Bedeutung nach constatiert, wie denn auch Referent die Uebereinstimmung des im J. 1856 entdeckten Pfahlbaus am untern Ende des tiefer gelegten Moosseedorf-Sees mit dem Mörigen-Pfahlbau sofort herausfand. (Siehe noch über die Priorität der Entdeckung des Mörigen-Pfahlbaues „Chronik des Cantons Bern“, S. 568, und „Pfahlbau-Alterthümer von Moosseedorf“, S. 9, sowie über den oben berührten Umstand des erhöhten Wasserspiegels ebendas., S. 36, und Dr. Keller’s I. Bericht über die keltischen Pfahlbauten in den Schweizerseen, S. 87.)

Nach Feststellung dieser ersten keltischen Wasseransiedlung konnte die wahre Natur eines zweiten, bei Nidau im Bieler See befindlichen, unter dem Namen des Nidau-Steinberges längst bekannten, aber irrigerweise wegen des dortigen Vorkommens von römischen Ziegeln für römisch gehaltenen Pfahlwerks nicht mehr lange verborgen bleiben, wiewohl selbst noch Referent mit Hrn. Em. Müller jenen Irrthum theilte. Je zuverlässiger aber, selbst nach der falschen Ursprungs- und Zweckbestimmung dieses Pfahlwerks, dasselbe als Unterlage eines Baues galt, der zu einer Zeit, wo der Wasserspiegel niedriger gestanden, errichtet worden sei (s. Canton Bern, S. 35), desto fester muſste es nach Maſsgabe der Funde stehen: das Pfahlwerk bei Mörigen habe, unter gleichen Verhältnissen des Seestandes, schon in keltischer Zeit Wohnungen getragen. Auch war es der richtige Rückschluſs von diesem Punkte auf den Nidau-Steinberg, der die Erkenntniſs seiner wahren Natur zur Folge hatte.

Das Verdienst der diesfälligen Entdeckung kommt Herrn Oberst Friedrich Schwab in Biel zu, welcher, durch die bei Mörigen erhobenen keltischen Fundstücke aufmerksam gemacht, im J. 1852 mit den Nachforschungen im Nidau-Steinberg begann und damit diese Schatzkammer keltischer Alterthümer eröffnete. Vergl. Blösch „Geschichte der Stadt Biel“ 1. Thl., Anmerk. zu S. 8, wo Hr. Oberst Schwab den keltischen Ursprung des Nidau-Steinberg-Pfahlbaus aus der Uebereinstimmung der gemachten Funde mit den bei Mörigen entdeckten Alterthümern herleitet, und in demselben Werke die Erklärungen zum Situationsplan Nr. 34 und 40.

Es erfolgte sodann im J. 1854 Seitens des Herrn Dr. Ferdinand Keller, Präsidenten der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, die Entdeckung des trocken gelegten Pfahlbaus bei Meilen am Züricher See, deren Ergebnisse sammt denen der verwandten frühern Forschungen der Genannte in seinem I. Pfahlbauten-Bericht mit groſser Umsicht verwerthet, und dadurch einen mächtigen Impuls zu allen den in der Schweiz und nachgerade auch im Ausland angestellten Untersuchungen über diese merkwürdigen Reste vorhistorischer Kultur Europas gegeben hat.

So viel mit Bezug auf diesen /Anzeiger/, Jahrg. 1866, Nr. 2, Sp. 50 ff.; vergl. übrigens den „Bund“ Jahrg. 1865, Nr. 342 u. 343.

/Bern/, 9. Juni 1866.

/Dr. Albert Jahn./

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Wir sind besonders veranlaſst worden, auch diesen Artikel im Anzeiger abdrucken zu lassen. /D. Red./]

Eine Bemerkung zu dem bekannten Wappenschilde des Landgrafen Conrad von Thüringen (+ 1241) in der St. Elisabethen-Kirche zu Marburg.

Vom Fürsten F.-K. zu /Hohenlohe-Waldenburg/.

J. H. von Hefner-Alteneck bemerkt in seinen „Trachten des christlichen Mittelalters“ I, S. 100, zu diesem auf Taf. 80 abgebildeten Schilde: „Da das kleine Schildchen des Deutschherrenordens unten rund ist, kann man annehmen, daſs es wohl erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts darauf gemalt wurde.“

A. L. J. Michelsen in seiner Abhandlung über „die ältesten Wappenschilde der Landgrafen von Thüringen“ widerspricht dieser Ansicht und glaubt, den einzigen Grund für diese Form darin zu finden, daſs es an Raum gefehlt habe, indem „das Nebenschildchen, ganz zugespitzt, in den Rand des Wappenschildes hineingereicht hätte“. Er beruft sich dabei auf C. v. Mayer’s herald. A.B.C.-Buch, S. 73, jedoch mit Unrecht, da auch in diesem Werke, S. 89, die Ansicht v. Hefner-Alteneck’s, daſs diese Schildform erst aus dem Ende des 14. Jahrhunderts stamme, ausdrücklich getheilt wird.

Dagegen erlaube ich mir, auf ein Siegel Emichs von Hohenlohe-Brauneck, Canonicus und Archidiacons zu Würzburg (1293-1340), an einer Urkunde von 1311, aufmerksam zu machen, abgebildet bei J. Albrecht „die hohenlohischen Siegel des Mittelalters“, Taf. VII, Nr. 102. Dieses Siegel liefert den urkundlichen Beweis, daſs jeden Falls schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts die unten abgerundeten Schilde in Gebrauch waren[A]. Vielleicht werden sich auch noch Beispiele aus dem 13. Jahrhundert finden lassen.

Sollte etwa diese Form zuerst bei Wappen /geistlicher/ Personen und Corporationen gebraucht worden sein, als /heraldischer/ Schild im Gegensatz zu dem wirklichen (Kampf-)Schilde?

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Ein neuer Beweis, daſs man sich vor all zu engen Zeitbestimmungen für Kunstformen jeder Art hüten muſs.]

Anweisung zum Pulvermachen aus dem 14. Jahrhundert.

Mitgetheilt von Dr. /Kerler/, Universitätsbibliothekar, in Erlangen.

Auf dem ersten Blatt eines Cod. membr. saec. XIV. des Archivs der Stadt Rothenburg a. d. T. -- mit der Signatur „Burger- und Meister-Roll“ -- findet sich folgendes höchst merkwürdige, den Schriftzügen nach zu schlieſsen etwa in den siebenziger oder achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts aufgezeichnete Rezept zur Bereitung von Schieſspulver:

Man sol salpeter nemen und sol in legen in einen eysnein loͤffel und sol in setzen uber ein feur und sol in brennen und sol in alz heiz machen daz er glwͤe alz ein eysen. und sol auch huͤten, daz kain gluͤwender Kol dor in kum und sol ye in ein phunt salpeterz ye ein klein vierdung schwefelz werfen und sol in denne uz giezzen in ein beckin und sol dez selben salpeterz ein phunt nemen und sol nemen ein vierduog eins phundez lindein kolen und sol nemen zwey lot schwefelz und sol daz ein wenig feuhten und sol ez under einander stozzen alz klein daz man den swefel niht gesehen moge sunder. und sol ez danne derren und sol daz pulver denne tun in ein stein buͤhschen daz sy drey vinger ler ste und daz ez hert in der buͤhsen vff ein ander gestozzen sey und sol dann nemen einen buͤchein klocz der hert sey dreyer zwerh vinger lang und sol den hert schlahen für daz pulver und nem denn ein wenig gruͦmatz und den stein do für in di bühsen legen und sol den zwicken mitten in di buͤhsen mit keideln umb und umb daz er sich niht geruͤren möge.

Verzeichniſs der Ausgaben für den Bau einer Kapelle im Stifte Reun in Steiermark, aus dem Jahre 1409.

Das Stift Reun wurde vom Markgrafen Leopold dem Starken von Steiermark gegründet und mit Mönchen aus dem Kloster Ebrach in Franken besetzt, 1129. Es ist gegenwärtig dieses Stift das älteste des ganzen Cisterzienser-Ordens. -- Was die Gebäude betrifft, so zeigen dieselben einen ziemlich einheitlichen Charakter aus den zwei letzten Jahrhunderten, bis auf einige Spuren aus älteren Bauperioden, und bilden mit Einschluſs des Oekonomiegebäudes zwei groſse, abgeschlossene Theile. In seiner früheren Anlage jedoch, wie aus den noch vorhandenen schriftlichen Aufzeichnungen zu ersehen ist, bestand das Stift, auſser der alten, romanischen Kirche und dem Conventgebäude, noch aus mehreren für sich bestehenden Gebäuden, mit eigenen Kapellen, theils romanischen, theils gothischen Styles, die in der Folgezeit entweder umgebaut und ihrem ursprünglichen Zwecke entfremdet, oder auch gänzlich abgebrochen wurden.

So ist von der Capella St. Crucis in domo abbatis, die unter Abt Angelus[A], am St. Markustage 1406 begonnen und zu Simon und Juda 1409 vollendet und geweiht worden war, nichts mehr zu sehen. Die Chronik des Stiftes enthält jedoch ein interessantes Verzeichniſs der beim Baue dieser Kapelle und ihrer inneren Ausstattung verwendeten Ausgaben, welches in diesem Blatte Raum finden möge.

_______________________ [*Pfund] ß ₰ Primo. Lapicidis, muratoribus et eorum famulis || 122 | 5 | 9 Item, frangentibus lapides et pro magnis || | | lapidibus || 30 | -- | 4 Item. Carpentariis diversis || 14½ | -- | 50 Item. Magistro Johanni Greis Carpentarie de || | | capella et aliis laboribus || 9 | 5 | -- It. Wenzeslao horologiste, de Cruce, stellis, || | | et litere M[B] in campanili || 5 | -- | 60 It. Eidem de Cancello, de feris et diversis || | | laboraliis, quia per totum annum || 15 | -- | 60 It. Martino Seratori, de tecto plumbeo || 3 | 3 | 29 It. Diversis aliis fabris || 1 | 3 | 7 It. Friderico organiste (werck maister) de || | | aliquibus tabulis fusis ad tectum || 1 | -- | -- It. Pro ferro empto, et diversis ferramentis || | | et pro clavis || 21 | 7 | 23 It. de sedilibus, pulpitis, manstranciis || | | ligneis || 4 | 7 | 10 It. Nicolao pictori de imaginibus sculptis || 9 | -- | -- It. pro duabus campanis || 12 | 4 | -- et pro nolis || -- | -- | 80 It. pro vitro ad fenestras || 15 | -- | 66 It. pro ferro ad retia fenestrarum || 6 | -- | 33 It. pro plumbo ad campanile, ad fenestras seu || | | vitra, ad organum || 13 | 3 | 8 It. pro stanno ad eadem || 3 | 4 | 20 It. pictori Johanni pro precio de vitris || 20 | -- | -- et famulis ejus pro bibalibus || 1 | -- | -- It. pro necessariis ad picturas, porro pro auro|| | | foliato ad tabulas altarium, ad capitalia, || | | sedilia, et campanile et organum || 12 | -- | 44 It. Pro coloribus, bitumine, vernisio, crida || | | (creta) || 4 | 4 | 70 It. Johanni pictori, de tabulis altarium pro || | | precio || 6 | 4 | -- It. de testudine, slosstain, capitellis, || | | sedilibus, pulpitis, pro precio || 9 | 6 | 20 It. Eidem de Cruce, litera, stellis || | | deauratisin campanile || -- | 17 | -- It. de pictura organorum || -- | 9 | 10 It. Illuminatori de imagine B. Virg. et tabula|| | | scripta || -- | 5 | 15 Item pro ornatibus, et oruamentis et pallis ad || | | Capellam || | | Primo. pro zendal serico, gulden porten et || | | filo serico || 19 | 6 | 12 pro humeralibus et stolis || 5 | -- | 30 pro lineo panno colorato, rubeo, blanco, || | | et nigro || 8 | 3 | 16 pro panno lineo albo || 9 | -- | 7 et pro palla || -- | 5 | -- pro twino albo et colorato || 1 | -- | 20 Sartori Ruedil pro laboribus ornamentorum || | | et pallarum || 4 | -- | -- Aurifabro töldel pro duabus ampullis || | | argenteis incluso argento || 14 | -- | 48 Ekhardo Zingieſser pro candelabris, || | | ampullis scutellis staneis || -- | 14 | 12 Item. Pro necessariis ad organa, bitumine, || | | pellibus et ferramentis || -- | 17 | -- Item. Magistro Friderico organiste || 16 | -- | -- Item. Henrico socio ejus, pro bibalibus, et || | | eciam de libris ligandis || 1 | -- | -- Nebstdem erhielt Friedrich, Bischof von Seckau,|| | | der die Kapelle consecrierte, und seine || | | Begleitung zusammen circa 44 fl. || | | ----------------------- Es beträgt somit die Summe aller Ausgaben: || fl. |Schl.| iiij C [*Pfund] Liiij [*Pfund] v ß = || 454 | 5 | --

/Graz./ P. /Ulr. Greiner./

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Angelus (Manse), aus Meiſsen gebürtig, der 20. Abt von Reun, wurde 1399 am 7. Juni in Gegenwart von Petrus, Abt von Ebrach, und Konrad, Abt von Morimond, gewählt. -- 1415 begab er sich im Auftrage des Herzogs Ernst des Eisernen zum allgemeinen Concilium zu Constanz, wirkte darauf als Visitator zur Hebung der Ordenszucht in vielen Klöstern Oesterreichs und der angrenzenden Provinzen, verfaſste mehrere Schriften, wie das Nekrologium mit einem Verzeichniſs der Aebte und der bis dahin gestifteten Anniversarien u. dgl., und starb nach einem vielseitig thätigen Leben im Jahre 1424.]

[Fußnote B: Der Buchstabe M in gothischer Majuskelschrift mit den eingeschriebenen Buchstaben aria (Maria) bildete seit dem Ende des 14. Jahrh. das Conventwappen, nebst dem Bildnisse der heil. Jungfrau.]

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 7. Juli.

Chronik des germanischen Museums.

/Nürnberg/, den 15. Juli 1866.

Inter arma silent Musae. So hat auch der traurige Bruderkrieg, der Deutschlands Fluren zerstampft und seine Söhne mordet, nicht spurlos an unserer Anstalt vorübergehen können. Gesammtdeutschland gewidmet, Eigenthum des ganzen deutschen Volkes und somit Repräsentant seiner Einheit, fühlt unser Institut jeden Sieg, auf welcher Seite er auch erfochten werde, als eine Niederlage, und nur die Hoffnung kann uns Trost geben, daſs ein fester, dauernder Friede wohl bald wieder das deutsche Volk vereinige, daſs der Krieg den Patriotismus wecke und läutere. Der traurige Bruderkrieg muſs ein Ende nehmen; dann wird das Museum, das weder Parlament noch Bundestag, weder Zoll- noch National-Verein, sondern der /einmüthige/, /freie/ Wille des deutschen Volkes und sämmtlicher Fürsten geschaffen, wieder aufs neue Zeugniſs geben, daſs /ein/ Vaterland alle Stämme umfaſst. Sein Wahlspruch ist und soll ewig bleiben: /Durch Einheit stark./ Ueber jeder Partei stehend, rechnet das Museum darauf, daſs jeder Deutsche soviel in seinen Kräften steht thun werde, um ihm über die Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, die in den Zeitereignissen begründet sind, um es ihm zu ermöglichen, für bessere Tage sich zu erhalten. Möge doch wenigstens Ein und der Andere im Donner der Kanonen auch an das deutsche Nationalinstitut denken! -- Wir sagen „möge“; und doch ist’s nicht blos /unser/ Wunsch -- nein, mit Freude und Stolz, soweit die trübe Zeit dies zuläſst, können wir sagen, daſs dies Viele mit uns fühlen, daſs uns in der letzten Zeit manche Zuschrift zugegangen ist, die diesen Gedanken ausspricht, daſs Mancher aufs neue versprochen hat, im Leid wie in der Freude festzuhalten an unserer Nationalsache. Haben wir auch in diesem Monate nicht Vieles zu melden, so ist doch eine um so schwerer wiegende Thatsache zu verzeichnen, die beweist, daſs nicht Alle im Drange der Ereignisse uns vergessen haben. Herr Professor /von Scheurl/ in /Erlangen/, der Vertreter der altberühmten Nürnberger Patrizierfamilie, hat im Museum eine Stiftung seiner Familie errichtet, indem er nicht blos das gesammte, höchst interessante Familienarchiv unter Eigenthumsvorbehalt im Museum deponierte, sondern auch eine groſse Anzahl seltener Bücher, die in unserer Bibliothek ebenso eine gesonderte Reihe bilden werden, wie die deutsche Parlamentsbibliothek und die Wilhelmische Bibliothek. Das höchste Interesse aber erweckt eine davon getrennt zu haltende ganze Bibliothek aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh.: die noch ganz intakt bewahrte Bibliothek des berühmten Nürnberger Rechtsgelehrten und Staatsmannes Dr. Christoph Scheurl († 1542), die nicht blos eine groſse Zahl höchst werthvoller, uns bis jetzt fehlender Incunabeln enthält, sondern auch noch ganz die alte, von der heutigen verschiedenen Aufstellungsweise einer Bibliothek zeigt. Es wird Veranstaltung getroffen werden, daſs diese Bibliothek so aufgestellt wird, daſs auch das Publikum den Genuſs hat, eine intakte Bibliothek des 16. Jahrh. zu sehen. Eine Anzahl sehr werthvoller Porträts und sonstiger Familienbilder aus dem 15.-17. Jahrh., Kupferstiche, Holzschnitte, Holzstöcke u. s. w. vervollständigen diese groſsartige Familienstiftung. Unter den Urkunden des Familienarchivs befinden sich eine ziemliche Anzahl älterer und selbst einige nicht unbedeutende Kaiserurkunden; unter den Akten aber Manches von höchstem Interesse; so eine Zahl eigenhändiger Briefe von Martin Luther, Melanchthon, Hieronymus Paumgärtner etc., dann der Briefwechsel des Dr. Chr. Scheurl mit Herzog Georg von Sachsen und Bischof Johann von Trient, eine Reihe von Briefen anderer fürstlicher Personen, der Städte Weiſsenburg, Passau etc. an Dr. Christoph Scheurl. Die Uebertragung in’s Museum hat eben begonnen; ein Ueberblick der reichen Stiftung läſst sich erst dann gewinnen, wenn das ganze Material geordnet im Museum liegt; allein so viel kann man schon jetzt sagen, daſs diese v. Scheurl’sche Familienstiftung mit zu den groſsartigsten Förderungen gehört, die das Museum seit Langem erhalten hat.

Möchte dies Beispiel gerade jetzt recht viele Nachahmung finden!

Eine andere sehr dankenswerthe Förderung ist von Seite des hiesigen Kaufmanns Herrn Ph. /Lobenhofer/ zu Theil geworden, der eine interessante, lebensgroſse, bemalte Marienstatue aus dem Beginn des 15. Jahrh., unter Eigenthumsvorbehalt, im Museum deponiert hat.

Wie das Museum seine Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Thätigkeit sucht, so muſs es sich auch freuen, wenn der Name seiner Beamten über ihre eigentliche amtliche Aufgabe hinaus Anerkennung findet. Mit Stolz blickt es daher auf eine Anzahl Gelehrte, die jetzt da und dort im weiten deutschen Vaterlande ehrenvolle Posten bekleiden, und die einst ihre Thätigkeit im german. Museum begonnen. So mischt sich auch jetzt ein gerechter Stolz in das Bedauern, abermals einen tüchtigen Beamten aus dem Museum scheiden zu sehen, indem unser Archivconservator, Herr Dr. C. /Will/ als fürstl. Thurn und Taxis’scher Archivar nach Regensburg berufen wurde. Auch in anderer Weise wurde bisher der Thätigkeit mancher Beamten des Museums Anerkennung gezollt. So wurden z. B. die Herren Gebrüder DDr. /Erbstein/ wiederholt ersucht, gröſsere numismatische Sammlungen zu ordnen und zu verzeichnen. Ein ähnliches Ersuchen wurde jüngst an diese Herren in Betreff der im Nachlasse des zu München verstorbenen, in numismatischen Kreisen allbekannten Herrn Obersten Ritter von /Schultheſs-Rechberg/ befindlichen Münzsammlung gestellt und ihnen von Seite des Museums der zur Vorbereitung dieser Arbeit, mit der namentlich die Fortführung und Vollendung des vom Verstorbenen herausgegebenen „Thalerkabinets“ verbunden sein wird, nöthige Urlaub gewährt, wozu sich das Museum um so mehr verpflichtet fühlte, als ihm ein Betrag von einhundert Gulden aus jenem Nachlasse zugewiesen worden. An sonstigen Beiträgen wurden im Laufe des Monats neu gezeichnet:

Aus =Vereinskassen=: Vom Gesangvereine zu /Lauf/ (Bayern): 3 fl. (einm.)

Von =Privaten=: /Basel/: Gymnasiallehrer Ludwig Sieber 2 fl. 20 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); /Berchtesgaden/ (Bayern): Ignaz Frhr. v. Barth, kgl. Landrichter, 1 fl., Jos. Dietz, k. Rentbeamter, 1 fl., Baubeamter Haindl 1 fl., Kaufmann J. Kerschbaumer 1 fl., Privatier Michael Kirchmayr 1 fl. 45 kr., Dr. Kimmerle, prakt. Arzt, 1 fl., Hauptsalzamtskassier Ostler 1 fl., Apotheker Pirngruber 1 fl., Ludwig von Savoye, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Oskar Scheidemandel, Aufschläger, 1 fl., Jakob Schwarzenbeck, Posthalters-Sohn, 1 fl., Hauptsalzamtscontroleur Weidmann 1 fl., Ritter von Weishaupt, k. Ober-Berg- und Salinenrath, 1 fl. 45 kr.; /Callenberg/ (Kgr. Sachsen): Pfarrer Anaker in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Fabrikant Victor Falke in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Kaufmann Ewald Frey in Hohenstein 1 fl. 45 kr. (einm.), Kaufmann Karl Heise in Hohenstein-Ernstthal 1 fl. 45 kr., Kaufmann Ferdinand Jacobi in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Lic. Moriz Meurer, Pfarrer, 1 fl. 45 kr.; /Calw/ (Württemberg): Dr. med. Ad. Günzler in Liebenzell 30 kr., P. Haaga, Distriktsarzt in Herrenalb 30 kr., Dr. C. Müller, Oberamtsarzt, 1 fl.; /Eſslingen:/ Caroline Gräfin von Beroldingen, geb. Gräfin von Larisch-Mönich, Staatsministerin, Excellenz, in Stuttgart, 6 fl., Mathilde Freifräulein von Buttlar 1 fl., Max Freiherr von Soden, stud. jur., in München, 1 fl. 45 kr., Wilhelm Graf von Taubenheim, stud. jur., in Tübingen, 2 fl.; /Freiburg/ i. Br.: Professor Schreiber 10 fl. (einm.); /Furth/ a. W. (Bayern): Erhard Bauer, k. Hauptzollamtsverwalter, 1 fl., Stadtschreiber Raim, Bauer 1 fl., Bernhard Frhr. v. Hirschberg, Güterexpeditor, 1 fl., Dr. phil. Schlimmbach 1 fl.; /Gussenstadt/: Pfarrer G. Steinbeis 1 fl.; Lauf: Kaufmann J. G. Barth 1 fl. (einm.); /Nürnberg/: Dr. Heinrich Kleemann, Apotheker, 1 fl. 45 kr.; /Ostheim/ v. d. R. (Sachsen-Weimar): Diaconus Ackermann 1 fl., Rektor L. Andrä 1 fl., Justiz-Amtmann Karl Briegleb 1 fl., Dr. med. Glock 1 fl. 45 kr., Amtsphysikus Dr. Keſsler 1 fl., Amtsaktuar Ottomar Kind 1 fl.; /Staffelstein/ (Bayern): Kunstmühlenbesitzer A. Eichenmüller 1 fl. (einm.), Bezirksamtmann Falco 1 fl., Rechtspraktikant Finzel 1 fl. (einm.), Dr. Hepp, k. Bezirksarzt, 1 fl. (einm.), Künell, geistl. Rath, Dechant und Stadtpfarrer, 1 fl., Notar Maltz 1 fl. (einm.), Michael Reuder, k. Bez.-Amts-Assessor, 1 fl. (einm.), Apotheker Rigel 1 fl. (einm.) Rechtspraktikant, Schmitt 1 fl. (einm.), Gallus Silbermann, Fabrikbesitzer, in Hausen 2 fl. (einm.)

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Beyschlag=, Pfarrer, in Freimersheim:

3347. Ein Trauerlied auf Elias Hainzelmann, sammt Begleitbrief aus dem Jahre 1695. Pap.

=C. J. Gabriel=, Buchhalter, in Winzingen:

3348. Pachtvertrag von 1815. Pap.

II. Für die Bibliothek.

=Dr. Friedr. Münscher=, Gymnasialdirektor, in Marburg:

19,455. Zilch, über Philodemus und Hyperides. 1866. 4. Prgr.

=K. rhein. Friedrich-Wilhelms-Universität= in Bonn:

19,456. Dies., index scholarum etc. 1865 u. 1865-66. 4.

19,457. Catalogi chirographorum in bibliotheca acad. Bonnensi servatorum fasc. VI, p. I. 1865. 4.

19,458. de Bruenneck, de auctoritatis qua Prussiae ordines sub ordinis Teutonici imperio utebantur initio et incremento. 1865. 8.

19,459. Hennes, de fide, quae Bonizonis libro ad amicum tribuenda sit. 1865. 8.

19,460. Hoelscher, de Irmini dei natura Germanorumque nominis origine. 1865. 8.

19,461. Krueger, Bonizonis liber ad amicum, num ea fide dignus sit, quam illi recentiores scriptores tribuere solent. 1865. 8.

19,462. Loening, de pace domestica. 1865. 8.

19,463. Varrentrapp, commentationis de Christiano archiepiscopo Moguntino spec. I. 1865. 8.

19,464-19,506. 43 weitere akadem. Schriften vermischten Inhalts. 1865. 4. u. 8.

=Dr. Georgens=, Direktor des Levanakindergartens in Nürnberg:

19,507. Luther, ain Sermon von dem neüwen Testament. 1520. 4.

19,508. Bodenstayn von Carolstat, Missiue von der allerhochsten tugent gelassenhait. 4.

19,509. Schopff, ein christl. Gottselige Predigt Von rechter heiligung des Sabbaths. 1593. 4.

19,510. Rab, christliche Revocation Predigt. 1601. 4.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

19,511. Ders., die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau. 1866. 4.

=Job. Phil. Raw=’sche Buchh. (C. A. Braun) in Nürnberg:

19,512. Detzer, evangel. Concordienbuch; 3. Aufl. 1847. 8.

19,513. v. Soden, Karl V. in Nürnberg. 1858. 8.

=Dr. J. K. Haſskarl= in Cleve:

19,514. Ders., die Familie der Commelinaceae. 8. Sonderabdr.

=Conrad Noever= in Gladbach:

19,515. Ders., zur Geschichte M.-Gladbachs. 1866. 8.

=Direktion der Maximilians-Heilungs-Anstalt für arme Augenkranke= in Nürnberg:

19,516. Dies., 52. Jahres-Bericht etc. 1866. 4.

=K. Universität Tübingen:=

19,517. Systematisch-alphabetischer Hauptkatalog der k. Universitätsbibliothek zu Tübingen; A., F., G., K. Nebst Zuwachsverzeichniſs 1850-53 u. I-VIII, XI u. XII. 1853-65. 4.

19,518. Tübinger Universitätsschriften a. d. J. 1865. 1866. 4.

19,519. Nädelin, d. erste Periode der Entwicklungsgeschichte der deutschen Centralgewalt. 1865. 8.

19,520-40. 21 Dissertationen vermischten Inhalts. 1865. 4. u. 8.

=Histor. Filial-Verein= in Neuburg a. D.:

19,541. Ders., Collektaneen-Blatt etc. 31. Jhrg. 1865. 1866. 8.

=J. Zitzlsperger=, Professor an der k. Landwirthschafts- u. Gewerbeschule in Amberg:

19,542. Ders., Beiträge zu einer Handwerks- und Gewerbsgeschichte Ambergs. (Schluſs.) 1865. 4. Progr.

=Ein Ungenannter= in Braunschweig:

19,543. Eines E. Raths der Stadt Braunschweig Fewer-Ordnung. 1647. 4.

19,544. Dero Stadt Braunschweig Kleider-Ordnung. 1650. 4.

19,545. Eines E. Rathes dero Stadt Braunschweig Edict, die an statt derer Hochzeiten, zugelassene Abend-Gastereyen nicht mehr des Sontags, sondern Montags zuhalten. 1661. 4.

19,546. Eines E. Rathes dero Stadt Braunschweig Kind-Tauff-Ordnung 1669. 4.

19,547. Auf Landes-Fürstl. gn. Befehl E. E. Raths der Stadt Braunschweig publicirte Kleider-Ordnung. 1705. 4.

19,548. Eines E. Rathes der Stadt Braunschweig Edict wegen Abschaffung der Bänder. 1662. 4.

=J. A. Stein’s= Buchhandl. (A. Köllner) in Nürnberg:

19,549. Solger, Klinschor; e. Gedicht. 1864. 8.

=J. Metzner=, Kaplan, in Nürnberg:

19,550. Volumen Justiniani solertissime reuolutum. 1527. 4.

=K. bayer. Akademie der Wissenschaften= in München:

19,551. Dies., Sitzungsberichte; 1866, I, II. 1 u. 2. 8.

=Dr. med. Hermann Hartmann= in Lintorf:

19,552. Norbert, Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II., übersetzt von Hartmann. 1866. 8.

=J. F. G. Lodtmann=, Pastor, in Osnabrück:

19,553. Ders., Genealogie der Möser’schen Familie. 1866. 8.

=August Recknagel=, Buchhandlung, in Nürnberg:

19,554. Supremae pietatis monumenta divis manibus domini Josephi etc. consecrata. 1711. 2.

19,555. Ausführliche Nachricht von dem Röm.-Catholischen Jubel-Jahr. 1725. 8.

19,556. Das merckwürdige Wienn; Jan.--Martius. 1727. 4.

19,557. Schulzius, historia medicinae etc. 1728. 4.

19,558. Vera delineatio atque descriptio globi imperialis. 1730. 2.

19,559. Zweyte Zusammenkunfft von der kurtzen doch zulänglichen Nachricht von dem Saltzburgischen Emigrations-Geschäffte. 1732. 8.

19,560. Duellius, Fridericus pulcher Austriacus. 1733. 4.

19,561. Ders., lucubratio epistolaris etc. 1733. 4.

19,562. Ders., epistola ad Dom. Coelestinum L’Orefice etc. 2.

19,563. Recensio tomi prodromi chronici Gotwicensis. 4.

19,564. Ausführliche Nachricht von d. prächtigen Leich-Begängniſs Eugenii von Savoyen. 1736. 2.

19,565. Spitz, jura viduarum clericorum et professorum. 1737. 4.

19,566. Bellaminte, mémoire de Frid. Henri comte de Seckendorff. 1739. 8.

19,567. Ungrund der von der Reichs-Stadt Nürnberg über Bislohe sich angemaſsten landesherrlichen Obrigkeit. 2.

19,568. Link, commentatio de concepto renovatae ordinationis cameralis. 1754. 4.

19,569. Prioralo, Lebensgeschichte Albrechts von Waldstein. 1769. 8.

19,570. Ratzenberger’s geheime Geschichte von den Chur- und Sächsischen Höfen etc. 1774. 8.

19,571. Pfeiffer, der Reichscavalier auf seinem reichsohnmittelbaren Gebiete. 1787. 8.

19,572. de Peschwitz, de jure et privilegiis nobilium. 1740. 8.

19,573. Darstellung des Nürnberg. unbestreitbaren Eigenthums- und Besitzes der in d. Bayern-Landshutischen Erbfolgekrieg acquirirten Ländereien. 1791. 4.

19,574. Kurze Ausführung des den Herrn Grafen Joh. Ludw. Vollrath und Friedr. Ludw. v. Löwenstein-Wertheim zuständigen Erbrechts. 1791. 2.

19,575-19,585. 11 weitere Schriften vermischten Inhalts. 1730-1796. 2. 4. u. 8.

=Verwaltungsrath der Wedekind’schen Preisstiftung= in Göttingen:

19,586. Henricus de Hervordia, liber de rebus memoriabilioribus, ed. Potthast. 1859. 4.

=Bernh. Tauchnitz=, Verlagshandlung, in Leipzig:

19,587. Rudelbach, Reformation, Lutherthum und Union. 1839. 8.

19,588. Friedberg, d. Recht d. Eheschlieſsung. 1865. 8.

19,589. v. Weber, Anna, Churfürstin zu Sachsen. 1865. 8.

=Georg Widter=, k. k. Postdirektor, in Vicenza:

19,590. Ders., Materialien zur Geschichte und Beschreibung der Provinz Vicenza. 1866. 2. Hs.

=Historischer Verein= in St. Gallen:

19,591. Ders., Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte; V u. VI. 1866. 8.

19,592. Keſslerus, Joachimi Vadiani vita. 1865. 4.

=Dr. Herm. Wartmann= in St. Gallen:

19,593. Ders., Urkundenbuch der Abtei St. Gallen; II. Thl. 1866. 4.

=Gelehrte estnische Gesellschaft= in Dorpat:

19,594. Dies., Sitzungsberichte; 1865. 8.

19,595. Schirren, der Codex Zamoscianus. 1865. 4.

=Hermann Böhlau=, Verlagsbuchhandl., in Weimar:

19,596. Zeitschrift f. Rechtsgeschichte; Bd. V, 2. 1866. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

19,597. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd. 1861-65. 1866. 8.

=Bernhard Schlicke=, Verlagshandl., in Leipzig:

19,598. Strack, Missionsgeschichte der Deutschen. 1860. 8.

19,599. Bogdanowitsch, Geschichte des Krieges 1814 in Frankreich; aus dem Russ. v. Baumgarten. I. Bd. 1866. 8.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

19,600. Ders., über d. Prinzip der Fortbildung auf dem Gebiete des Gewerbes. 4. Sonderabdr.

=Dr. Martius=, prakt. Arzt, in Nürnberg:

19,601. Beschreibung derer Thaler des gräflich. und fürstlichen Hauses Mansfeld. 1758. 4.

19,602. Hentze, Versuch über die ältere Geschichte des fränk. Kreises; 1. Stck. 1788. 8.

19,603. Palm, Versuch einer Handbibliothek der ökonomischen Litteratur. 1790. 8.

19,604. Blank, Musiv-Gemählde oder mosaische Kunstarbeiten in d. hochfürstl. Kunst-Cabinette zu Würzburg. 1796. 8.

19,605. v. Spaun’s politisches Testament; hg. v. Eisenmann. 1831. 8.

=Naturwissenschaftlicher Verein= in Carlsruhe:

19,606. Ders., Verhandlungen; 1. u. 2. Heft. 1864 u. 66. 4.

=J. F. G. Lodtmann=, Pastor, in Osnabrück:

19,607. Norbert, Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II. zu Osnabrück; übers. v. Hartmann. 1866. 8.

=Louis de Baecker= in Bergues (Frankreich):

19,608. Ders., observations sur le traité des écritures cunéiformes de Mr. le comte de Gobineau. 1866. 8.

=Dr. Wilhelm Wackernagel=, Universitäts-Professor, in Basel:

19,609. Ders., sechs Bruchstücke einer Nibelungenhandschrift aus der mittelalterlichen Sammlung zu Basel. 1866. 4.

=J. Ludwig Schmid’s= Verlagshandlung in Nürnberg:

19,610. Hutzelmann, Tabelle der bayerischen u. deutschen Geschichte. 1866. 8.

19,611. Hopf, bayerische Geschichte in Zeittafeln. 1865. 8.

=A. D. Geisler=, Verlagsbuchhandl., in Bremen:

19,612. Schäfer, Grundriſs der Geschichte der deutschen Literatur; 10. Aufl. 1866. 8.

=Ferdinand Enke=, Verlagsbuchhandlung, in Erlangen:

19,613. Strauch, über Ursprung und Natur der Regalien. 1865. 8.

=Direktion der groſsen Stadtschule= zu Rostock:

19,614. Mahnius, elementorum artis historicae partic. I. 1833. 4.

19,615. Mahn, Beiträge zur Geschichte des alten wendischen Rostocks. 1854. 4.

19,616. Bachmann, kleine Beiträge zur Geschichte der Rostocker Stadtschule. 1865. 4.

19,617-19,652. 36 weitere Programme der groſsen Stadtschule zu Rostock. 1829-66. 4.

=K. bayr. Akademie der Wissenschaften= in München:

19,653. Dies., Abhandlungen der philol.-philos. Classe; X, 3. u. XI, 1. 1866. 4.

19,654. Schlagintweit, die Gottesurtheile der Indier. 1866. 4.

=Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde= in Leeuwarden:

19,655. Dies., de vrije Fries; XI. Deel, n. R. V, 2. 1865. 8.

=Altmärkischer Verein für vaterländ. Geschichte u. Industrie= in Salzwedel:

19,656. Ders., 15. Jahresbericht. 1865. 8.

=César Daly=, Architekt, in Paris:

19,657. Révue générale de l’architecture; 23. vol., no. 9-10. 1866. 4.

=C. H. Beck=’sche Verlagsbuchhandlung in Nördlingen:

19,658. Kluckhohn, Ludwig d. Reiche, Herzog v. Bayern. 1865. 8.

19,659. Schletterer, übersichtl. Darstellung d. Geschichte der kirchl. Dichtung. 1866. 8.

=Buchner=’sche Buchhandlung in Bamberg:

19,660. Heinisch u. Ludwig, kurze Geschichte d. deutschen Literatur; I. u. II. Thl. 1857. 8.

=Ferd. Dümmler’s= Verlagsbuchhandlung in Berlin:

19,661. Richter, d. weströmische Reich. 1865. 8.

=Heinrichshofen=’sche Buchhandlung in Magdeburg:

19,662. Möller, Paul Gerhardt’s Ehrengedächtniſs in Grafenhaynichen. 1844. 8.

19,663. Müller, Deutschlands Wiedergeburt. 1865. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

19,664. Handbuch der Geographie und Statistik; Bd. II, 1. Nachtr. u. Bd. III, 9. Lief. 1866. 8.

=Hinstorff=’sche Hofbuchhandlung in Wismar:

19,665. Reuter, sämmtliche Werke; 1. 2. 7-10. Bd. 1865-66. 8.

=Heinr. Carl Huch’s= Buchhandlung in Quedlinburg:

19,666. Zwei Hexenprozesse a. d. J. 1688. 1863. 8.

=Otto Janke’s= Verlagsbuchhandlung in Berlin:

19,667. Hesekiel, Lux et Umbra; 3 Bde. 1861. 8.

19,668. v. Stifft, Culturstudien; 2 Bde. 1865. 8.

19,669. v. Maltitz, altadelige Haus- u. Familiengeschichten; I. Abth., 1-4. Bd., II. Abth. 1-4. Bd. 1865-66. 8.

=G. C. E. Meyer sen.= Verlagsbuchhandl. in Braunschweig:

19,670. Beste, Luther’s Kinderzucht. 1846. 8.

=Constantin Niese=, Verlagsbuchhandlung, in Saalfeld:

19,671. Wagner’s Chronik der Stadt Saalfeld, fortgesezt v. Grobe; 9. Heft. 1866. 8.

=G. Reichardt’s= Verlagshandlung in Eisleben:

19,672. Scharfe, d. Regierungsbezirk Merseburg. 1841. 8.

19,673. Läncher, Geschichte der gräfl. Häuser und der Grafschaften Wernigerode, Stolberg, Roſsla, Hohenstein. 1844. 8.

19,674. Cunz, Dr. Luther’s Denkmal in seinen Liedern. 1846. 8.

=J. Ricker=’sche Buchhandlung in Gieſsen:

19,675. Schmitthenner’s kurzes deutsches Wörterbuch; 3. Auflage, 9. Lief. 1866. 8.

=Heinrich Schindler=, Verlagshandlung, in Berlin:

19,676. Die Himmelsstürmer oder die St. Georgsbrüder. 1858. 8.

19,677. Reusch, die nordischen Göttersagen. 1865. 8.

=Schmorl & von Seefeld=, Verlagsbuchhandl., in Hannover:

19,678. Riefkohl, die Insel Norderney. 1861. 8.

19,679. v. Warnstedt, die Oldenburger und Brandenburger Erbansprüche auf die Herzogtümer Schleswig-Holstein. 1865. 8.

=J. Schorner=’sche Buchhandlung in Straubing:

19,680. Dobler, nenia, manibus Tillii dicata. 1845. 8.

19,681. Mörtl, Lieder u. Sagen. 1846. 8.

19,682. Gistel, die südwestbayerische Schweiz. 1857. 8.

19,683. Dobler, über den Einfluſs des Genius der alten Literatur auf d. Entwicklungsgang d. deutschen Literatur. 1864. 8.

=Fr. Steudel=, Verlagsbuchhandlung, in Stade:

19,684. Schlüter, Sammlung sämmtlicher in d. Herzogth. Bremen u. Verden in Beziehung auf d. Meierrecht erlassenen Gesetze etc. 1861. 8.

=Eduard Trewendt=, Verlagshandlung, in Breslau:

19,685. Groſs-Hoffinger, die Donau vom Ursprung bis in das schwarze Meer. 1846. 8.

19,686. Eberhard, die religiösen Ideen nach ihrer geschichtlichen Entwickelung in der Bibel. 1846. 8.

19,687. Versuch einer Geschichte des vormaligen frstl. Cisterzienser-Stiftes Heinrichau. 1846. 8.

19,688. Wattenbach, die slawische Liturgie in Böhmen und die altruſsische Legende v. heil. Wenzel. 1857. 8. Sonderabdr.

19,689. Röpell, über die Verbreitung des Magdeburger Stadtrechts im Gebiete des alten polnischen Reichs. 1857. 8. Sonderabdr.

19,690. Uschner, der Froschmäusekrieg. 1860. 8.

19,691. v. Holtei, schlesische Gedichte. 1861. 8.

19,692. Krug, Geschichte der preuſs. Staatsschulden. 1861. 8.

=Velhagen und Klasing=, Verlagshandl., in Bielefeld:

19,693. Niemeyer, deutsche Dichtungen zur deutschen Geschichte. 1844. 8.

19,694. Catechismus Romanus, ed. Buse; tom. I. u. II. 1859. 8.

19,695. Concilii Tridentini canones et decreta, ed. Smets. 1859. 8.

19,696. Lange, verm. Schriften; n. Folge, 1-3. Bd. 1860-64. 8.

=Weidmann=’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig:

19,697. Bertran von Marseille, la vie de Ste. Enimie, hg. v. Sachs. 1857. 8.

19,698. Martin, Grammatik und Glossar zu der Nibelunge Not. 1865. 8.

=J. Gabriel=, Buchhalter, in Winzingen:

19,699. Müller, Blicke in das Labyrinth der Zukunft. 1848. 8.

19,700. Leyser, zum sechsten Mai. 1 Bl. 4.

=Friedr. Hektor Graf von Hundt=, k. Ministerialrath, in München:

19,701. Ders., Fund römischer Denare bei Niederaschau. 1866. 8. Sonderabdr.

=Anton Kutschera= in Weitz:

19,702. Ders., Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; IV. 8.

=A. Emmerling=, Verlagsbuchhandlung, in Heidelberg:

19,703. Alphabetisches Ortsverzeichniſs des Groſsherzogth. Baden. 1866. 4.

=Aug. Hildebrand=, Verlagshandlung, in Schwerin:

19,704. Resultate aus G. v. Lehestens: Der Adel Mecklenburgs seit 1755. 1864. 8.

=J. J. Lentner=’sche Buchhandlung in München:

19,705. Schlett, d. Römer in München. 1830. 8.

19,706. Schmeller, über d. Studium der altdeutschen Sprache und ihrer Denkmäler. 1827. 8.

19,707. v. Wendt, Abhandlungen u. Rechtsfälle zur Erläuterung des gem. bayer. u. sächs. Civilrechts u. Civilprozesses. 1836. 8.

19,708. Fick, Lehrbuch d. allgem. Geschichte; 3 Bde. 1843 u. 44. 8.

19,709. v. Chantal, Leben und Wirken des heil. Franz v. Sales, 1842. 8.

19,710. Von der Reinhaltung u. Reinigung der heil. Geräthe u. Gewänder. 1860. 8.

19,711. Lechner, Leben der Heiligen aus d. Orden der Kapuziner; 3 Bde. 1863-65. 8.

19,712. Sattler, Geschichte der Marianischen Congregationen in Bayern. 1864. 8.

=W. J. Peiser=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

19,713. Pierson, Leitfaden der preuſs. Geschichte. 1865. 8.

=Alvin Prausnitz=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

19,714. Ritter, Philipp Melanchthon. 1860. 8.

19,715. Neomarchicus, ut’n Hangbuttenstrukh. 1862. 8.

=A. Sacco’s= Nachfolger, Verlagshandlung, in Berlin:

19,716. Döring, poet. Sagenkreis auf histor. Grunde. 1846. 8.

=Schlesinger=’sche Buchhandlung in Berlin:

19,717. Wörterbuch der in der Instrumental- und Vokal-Musik vorkommenden Ausdrücke. 8.

=A. W. Unzer=, Verlagshandlung, in Königsberg:

19,718. Rosenkranz, d. Verdienst d. Deutschen um die Philosophie der Geschichte. 1835. 8.

=Eduard Zernin=, Verlagshandlung, in Darmstadt:

19,719. Bopp, Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrhein. Landrechte; 2. Thl. 1857. 8.

=A. Blanchet= in Lausanne:

19,720. Ders., notices sur quelques monnaies inédites de l’évêché de Sion. 1864. 4.

=G. v. Bülow= in Lausanne:

19,721. Blanchet, Lausanne dès les temps anciens. 1864. 8.

=Louis Pröbster=, Kaufmann, in Nürnberg:

19,722. de Pufendorf, de rebus a Carolo Gustavo Sueciae rege gestis commentariorum libri VII. 1729. 2.

=Dr. H. Wuttke=, Universitäts-Professor, in Leipzig:

19,723. Ders., die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der öffentl. Meinung. 1866. 8.

19,724. Brevis introductio in historiam rerum Germanicarum literariam. 1727. 4.

19,725. v. Kamper, Geschichte der Niederlande; I. Bd. 1831. 8.

19,726. Eichstadius, de praecipuis quibusdam Ernestinae prosapiae in Saxonia principibus. I. 1844. 4.

19,727. Eichstadius, memorabilia academiae Jenensis; IV. 1848. 4.

19,728-19,741. 15 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J. 1815-64. 4. u. 8.

=Alfred Oehmigke=, Verlagshandlung, in Neu-Ruppin:

19,742. Smidt, Heinrich van Zütphen. 8.

=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:

19,743. Vogt, catalogus hist.-crit. librorum rariorum. 1793. 8.

=Geschichts- u. alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes= in Altenburg:

19,744. Dies., Mittheilungen; Bd. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8.

=Fr. Wagner=’sche Buchhandlung in Freiburg i. Br:

19,745. Buſs, die Methodologie des Kirchenrechts. 1842. 8.

19,746. Söltl, Attila, Trauerspiel. 1865. 8.

=Universität= zu Straſsburg:

19,747. Collection générale des dissertations de la faculté de médecine de Strasbourg; année 1865, tome 36-38. 1866. 4.

=Redaktion der Heidelberger Jahrbücher= in Heidelberg:

19,748. Heidelberger Jahrbücher der Literatur; Jhg. 56, 4; 57, 3 u. 59, 4. 1863, 64, 66. 8.

=Herder=’sche Verlagshandlung in Freiburg i. Br.:

19,749. Sammlung historischer Bildnisse; I-IV. 1857-64. 8.

19,750. Floſs, Leonis P. VIII. privilegium de investituris Ottoni I. imp. concessum. 1858. 8.

19,751. Scharpff, die Entstehung des Kirchenstaates. 1860. 8.

19,752. v. Wänker, aus der deutschen Geschichte der zwei letzten hundert Jahre. 1861. 8.

19,753. Schwäbische Volkslieder. 1864. 8.

19,754. Rieſs, d. selige Petrus Canisius aus der Gesellschaft Jesu. 1865. 8.

=Ph. Krüll=’sche Universitäts-Buchhandlung in Landshut:

19,755. Permaneder, Handbuch des gemeingiltigen katholischen Kirchenrechtes; 3. Aufl. 1856. 8.

19,756. Kirnberger, Handbuch für den röm. Choralgesang. 1858. 8.

=Dr. Joh. v. Hoffinger=, k. k. Ministerialsekretär, in Wien:

19,757. Derselbe, das fürstl. u. gräfl. Haus Dietrichstein. 1866. 8. Sonderabdr.

=Dr. J. K. Haſskarl= in Cleve:

19,758. Ders., über die Commelinaceen. 8. Sonderabdr.

=Dr. C. B. A. Fickler=, Professor, in Mannheim:

19,759. Ders., Beiträge zur Geschichte der ehemaligen Benedictiner-Abtei Alpirsbach. 1866. 8.

19,760. Tunner, Album von Maria-Zell. 2.

=Oudheidskundige Kring van het Land van Waes= in St. Nikolaas:

19,761. Ders., buitengewone Uitgaven; Nr. 4. 1866. 8.

=Steiermärkischer Verein zur Förderung der Kunst-Industrie= in Graz:

19,762. Ders., Katalog der zweiten Ausstellung kunstgewerblicher Erzeugnisse. (1866.) 8.

=Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen= in Basel:

19,763. Dies., Geschichte; 89. Jahr, 1865. 1866. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Götz=, Administrator, in Regensburg:

5110. Männl. und weibl. Kopf, Oelgemälde vom 18. Jhdt. aus dem Schottenkloster zu Regensburg.

=G. von Bülow= in Lausanne:

5111. Plan der Stadt Lausanne, Steindruck.

=Fr. Baader=, Conditor, in Krumbach:

5112. Verschiedene Reste von irdenen und bronzenen Geschirren und Eisengeräthen aus einem Grabfunde bei Krumbach.

=Anton Peter=, Schriftsetzer, in Nürnberg:

5113. Silbermünze des Grafen Sigismund von Tirol.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

5114. Böhm. Silbermünze von 1660.

=A. Jungfer= in Berlin:

5115. Sammlung von 310 Falschmünzerprodukten u. a. Münzen.

=Arn. Geiger= in Isny:

5116. Siegelstock der Weber zu Isny, 1603.

=K. Ehemann=, Rothgerbermeister, in Nürnberg:

5117. Flasche von weiſsem Glase mit eingebrannten gemalten Wappen, 17. Jhdt.

5118. 2 Krüge mit Zinndeckeln, 18. Jhdt.

5119. Schildpattdose mit gepreſstem Deckel, 17. Jhdt.

=Bürgermeisteramt= zu Oggersheim:

5120. Lackabdruck des älteren Stadtsiegels von Oggersheim.

=Dr. C. B. A. Fickler=, Professor, in Mannheim:

5121. 6 photograph. Aufnahmen von und aus dem Kloster Alpirsbach.

=L. Pröbster=, Kaufmann, in Nürnberg:

5122. 142 Darstellungen aus Puffendorfs Geschichte Carl Gustavs, Königs von Schweden, in Kupferstich von P. Lombart u. A.

5123. 14 Abbildungen aus anderen älteren Druckwerken.

=J. Höfler=, Vikar, in Eschenfelden:

5124. Eiserner Kirchenschlüssel mit anhangender Kette, 14. Jhdt.

5125. 2 bei Breitenstein ausgegrabene Bronzesicheln.

=H. Dworzak=, Gutsbesitzer, in Aistersheim:

5126. 8 Blätter älterer Papierproben mit Wasserzeichen.

=Fr. Knapp=, Kaufmann, in Nürnberg:

5127. Nürnberger Fünfkreuzerstück von 1611 und Tiroler Dreier von 1642.

=E. Schnell=, fstl. hohenzoller’scher Archivar, in Sigmaringen:

5128. 6 Abdrücke der älteren Stadtsiegel von Sigmaringen.

=A. Gibsone=, Privatier, in Nürnberg:

5129. Die Passion von Th. Galle nach J. Stradamus.

5130. 5 Blätter Kupferstiche und Radierungen vom 16. und 17. Jhdt.

=Port=, Kaufmann, in Nürnberg:

5131. Steyermärk. halber Batzen von 1626.

=E. P. Thieſs=, Kaufmann, in Nürnberg:

5132. Zweikreuzerstück Ludwig’s VIII. von Hessen-Darmstadt.

=A. Schabet=, fstl. Waldenburg. Archivar, in Wurzach:

5133. 300 ältere und neuere Lackabdrücke von Siegeln.

Chronik der historischen Vereine.

/Abhandlungen der philosophisch-philologischen Classe der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften./ Zehnten Bandes dritte Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der XXXIX. Band. München, 1866. Verlag der k. Akademie, in Kommission bei G. Franz. 4.

Eilften Bandes erste Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der XLII. Band.

Zur Erkenntniſslehre von Ibn Sina und Albertus Magnus. Von B. Haneberg. (Die übrigen Abhandlungen haben zur deutschen Vorzeit keine Beziehung.)

/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München./ 1866. I. Heft. III. München. 1866. 8.

/Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Gewerke in München./ Sechzehnter Jahrgang. -- Erstes und zweites Heft. 1866. 2.

Die Originalentwürfe deutscher Meister für die Prachtrüstungen der Könige von Frankreich. -- Der Ceremonienhammer des Papstes Julius III. -- Was heiſst Kunst? Aus den Entretiens sur l’architecture von Viollet-Le-Duc. Uebersetzt von A. Mecklenburg.

/Kirchenschmuck. Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des /christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XIX. Band, zweite Hälfte. Zehnter Jahrgang. 1866. Zweites Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Kunst und Handwerk. (Friedr. Schneider.) -- Ein Gang durch 80 Kirchen. II. -- Alte Reliefstickereien aus der Kuratiekirche von Neuseſs bei Mergentheim. -- Die Kirchenthüren des Mittelalters. -- Kirchliche Alterthümer im Norden. -- Die Thierfabeln in liturgischen Büchern. -- Restauration der Klosterkirche St. Zeno bei Reichenhall. -- Zweischiffige Kirchen. -- Die altehrwürdige Abteikirche zu Solesme. -- Kirche zu Marienhafe.

/Fünfzehnter Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie./ Abtheilung für Geschichte. Herausgegeben von Th. Fr. Zechlin. Salzwedel, 1865. 8.

Die Geschlechter v. Metzdorf und v. Ballenstedt in der Altmark, von G. A. von Mülverstedt. -- Altmärkische Sagen. (Krüger.) -- Geschichtliche Nachrichten über die königliche Burg zu Salzwedel. (Danneil.) -- Beitrag zur Geschichte des altmärkischen Consistoriums der Reformationszeit. (Bartsch.) -- Die Dorfkirchen romanischen Stiles in der Altmark, vorzugsweise des Verden’schen Theils. (Schmidt.) -- Die Grabsteine in und bei der Klosterkirche zu Neuendorf, Kr. Gardelegen. (Ad. M. Hildebrandt.) -- Jedem das Seine (betr. die erste Aufstellung gesonderter Stein-, Bronze- und Eisenperioden). (Danneil.) -- Die in der Altmark vorzeiten gewesenen Amtshauptmannschaften und ihre Inhaber, vom Archivrath G. A. v. Mülverstedt. -- Verfolgung von Raubmördern, 1615. (Ders.) -- Vereinsangelegenheiten.

/Geschichte der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen in Basel./ Neunundachtzigstes Jahr. 1865. Basel. Schweighauser’sche Buchdruckerei. 1866. 8. 272 Stn.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique/ de France. Trente-troisième année. Tome VI. IV. Série. 376. Livr. Mars 1866. 377. Livraison, Avril 1866. Paris, 1866. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2. 32. Vol. de la Collection. Nr. 4. Paris et Caen, 1866. 8.

Note sur la mitre épiscopale, par M. l’abbé Barraud. (Suite.) St. Vincent-de-Pertignas, département de la Gironde; étude historique et archéologique par M. Léo Drouyn. -- Rapport sur des découvertes récentes faites dans le département de Maine-et-Loire, par M. Godard-Faultrier. -- Mélanges d’archéologie. -- Chronique.

/Buitengewoone Uitgaven van den Oudheikundigen Kring van het Land van Waas./ Nr. 4.

Het Land van Waas, door Adolf Siret. Eerste Aflevering. St. Nikolaas, 1866. 8.

/De Vrije Fries./ Mengelingen, nitgegeven door het /Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde/. Elfde Deel. Nieuwe Reeks Vijfde Deel. Tweede Stuk. Te Leeuwarden bij G. T. N. Suringar. 1865. 8.

De Friesche Kerk te Rome, door Dr. J. H. Halbertsma. -- Mededeeling omtrent den oorsprong en de beteekenis van de benaming het Moordjaar, voor het 63e levensjaar, door Mr. W. W. Buma. -- De Statuten en Privilegien van het Schuttersgild te Franeker; door Mr. J. Telting. -- Hoe een Fries, in het jaar 1564, om de hand van Koningin Elisabeth van Engeland vrijt, door Mr. J. Dirks. -- Noch iets over de Grafzerk te Rinsumageest van 1341, door Dr. L. J. F. Janssen.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

15) /Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau/ von A. /Essenwein/. Nürnberg, 1866. Im Selbstverlage des Verfassers, gr. 4. 186 u. XLIII Stn. Mit 80 Tafeln Abbildungen und vielen in den Text gedruckten Holzschnitten.

Längst war es bekannt, daſs die alte polnische Königsstadt Krakau reiche und wesentliche Ergänzungen für die deutsche historische Kunst in sich berge. Die Entlegenheit des Ortes, sowie die geringe Kenntniſs der dort herrschenden Sprache bei uns, welche einerseits dem Forscher selten gestatten, die Denkmäler selbst in Augenschein zu nehmen, andrerseits, sie aus den zahlreichen Veröffentlichungen der einheimischen Gelehrten näher kennen zu lernen, verhinderten, daſs die Kunstgeschichte Krakau’s mehr als bruchstückweise bei uns bekannt wurde. Das Einzelne, was darüber zu uns gelangte, war aber stets geeignet, unser Interesse in hohem Grade wach zu rufen und das Bedürfniſs einer zusammenhängenden Kenntniſs zu verstärken. Durch wiederholten Aufenthalt in der Stadt unterstützt, gab der Verfasser bereits früher im „Organ für christliche Kunst“, in der „Gewerbehalle“ und der französischen Zeitschrift „L’Illustration“ eingehendere Mittheilungen; im vorliegenden Werke erhalten wir aber ein so umfassendes und abgerundetes Bild des Ganzen, daſs die groſse Bedeutung dieses vorgeschobenen Postens für die Kunstgeschichte, so weit sie in der That diese und nicht blos lokales Interesse betrifft, als erschöpft und für uns vollständig gewonnen betrachtet werden kann. -- In der Einleitung wird zunächst das Verhältniſs des Buches zu den bisherigen, vorzugsweise den heimischen Bearbeitungen desselben Stoffes, namentlich dem rein geschichtlichen oder einseitig patriotischen Standpunkte gegenüber, die streng wissenschaftliche Behandlung und der allgemein kunstgeschichtliche Gesichtspunkt festgestellt, sowie eine kurze Uebersicht und Würdigung der vorzugsweise benützten Literatur gegeben. Ein gemessener Abriſs der Geschichte Krakaus sondiert den Boden vor Allem in Bezug auf Entwicklung kulturgeschichtlicher Verhältnisse und die Bedingungen, welche eine Entfaltung der Kunst begleiten muſsten. Eine vom Plan der Stadt und Wiedergabe mehrerer älterer Abbildungen unterstützte Darstellung der allgemeinen Ansicht Krakau’s in früherer Zeit, sowie der Anlage und Befestigung der Stadt, des Schloſsberges Wawel und der Vorstadt Casimir bildet den Uebergang zum speciell kunsthistorischen Theil, in welchem die Besprechung der Kirchen und unter diesen wieder die des alten Krönungsdomes auf der Burg den ersten Platz einnimmt. Die Domkirche, das Nationalheiligthum Polens und bezeichnend vom Verfasser das Spiegelbild des polnischen Königthums und seiner Geschichte genannt, reicht im Unterbau noch seines heutigen Bestandes bis in den Ausgang des elften oder den Anfang des zwölften Jahrhunderts zurück, zeigt aber in seiner Hauptmasse die Formen des entwickelten gothischen Stiles, die freilich durch zahlreiche spätere Zuthaten und den Thurmaufsatz aus der Renaissance- und selbst Zopfzeit für den Gesammteindruck sehr alteriert werden. Die ausgesprochene Anlage einer Krönungskirche jedoch, sowie die zahlreichen, in der inneren Ausstattung enthaltenen Kunstdenkmälmr ersetzen für das Interesse des Forschers, was dem Bauwerke an einheitlichem Stile abgeht; eine gründliche Erörterung seiner Einzelheiten entschädigt in der Beschreibung für den Abbruch des Eindruckes, den die Wirklichkeit vorzugsweise durch die Ungunst geschichtlicher Ereignisse erlitten hat. Die nach Verhältniſs mehr oder weniger eingehende Besprechung von 64 anderen Kirchen nebst der alten Synagoge auf dem Casimir gewährt einen Gesammteindruck, welcher der historischen Bedeutung der Stadt vollkommen entsprechend ist und dem in einer eigenen Abtheilung des Werkes, einer allgemeinen Uebersicht des Charakters der Kirchenbaukunst Krakau’s, die wissenschaftliche Seite abgewonnen wird. Die bürgerliche Baukunst und an der Spitze derselben der königliche Palast auf der Burg, die Rathhäuser der Stadt und selbständigen Vorstädte, die Universität und viele andere Bauten, selbst Straſsen, Wege, Brücken, Wasserleitungen und Brunnen nicht ausgenommen, bilden eine entsprechende Parallele. Der fünfte Haupttheil des Werkes, die Kleinkünste, wie Goldschmiedearbeiten, Paramente, Handschriften u. s. w. betreffend, hat trotz der mannigfaltigen Verheerungen, welche über die Stadt und ihre groſsen wie kleineren Denkmale ergangen sind, doch noch ein reiches Material zu behandeln, dessen allseitige Erörterung wiederum des Belehrenden viel bietet. Eine Reihenfolge von 21, gröſstentheils urkundlichen Beilagen gewährt manchen Beitrag, der zur Aufklärung älterer Kunst- und Kulturzustände überhaupt, namentlich auch in Bezug auf Deutschland von groſsem Belang ist. Dahin gehört vornehmlich ein Verzeichniſs der ältesten Buchdrucker und Verleger Krakau’s, die Statute der Maurer, Goldschmiede, Maler und ihrer Zunftverwandten, das Ceremoniale der Königskrönung u. a.

Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Abbildungen, welche auch ohne die zahlreichen, in den Text eingestreuten Holzschnitte mehr als ein Drittheil im Umfange des ganzen Werkes einnehmen. Groſsentheils von der kundigen Hand des Verfassers selbst gezeichnet, sind sie, dem jedesmal dargestellten Gegenstand angepaſst, in Stahlstich oder Steindruck, und zwar letzterer in Ueberdruck, Kreidemanier oder Gravierung ausgeführt. In umfangreicheren Holzschnitten gegeben sind die malerischen Ansichten des Domes und der Marienkirche auf dem Ringe; ebenso ausgeführt mannigfache architektonische und ornamentale Einzelnheiten, namentlich die unter der Rubrik der Kleinkünste zur Abbildung gebrachten Gegenstände: mehrere reichverzierte Kelche, Reliquienbehälter u. dgl. Die Tafeln geben vorzugsweise Grund- und Aufrisse, Construktionen und Details der technischen Anlagen, aber auch die erwähnten älteren wie neueren Prospekte, unter denen eine Reihe nebeneinander gestellter, mannigfaltig construierter Mauerthürme ein besonderes Interesse gewährt. Auch plastische Denkmäler sind in dieser Abtheilnng vorgeführt; eine wahre Musterarbeit ist die wiedergegebene Mittelgruppe des Hochaltares der Marienkirche von Veit Stoſs. Durch alle Mannigfaltigkeit der zur Besprechung gebrachten Gegenstände und die Vielseitigkeit ihrer Behandlung zieht sich ungeschwächt der Eindruck, daſs wir uns auf heimischem Gebiete der Forschung befinden und in den Denkmalen Krakau’s in der That auch ein bedeutendes Stück deutscher Kunst betrachten. In überraschender Weise wird uns vor Augen geführt, mit welcher Intensivität schon im Mittelalter das germanische Element jene slavischen Grenzbezirke durchdrungen hatte, und indem wir sehen, welche Eroberungen in durchaus friedlicher Weise auf dem Gebiete der Kultur längst gemacht waren, bevor die politische Geschichte nachfolgte, wird über das erschreckende Bild, das diese in ihrem Vorgehen zur Ausführung gebracht, wenigstens ein Hauch der Versöhnung verbreitet.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 27. Alter und Erfinder der Feuerspritzen.

/Oberlausitzer Dorfzeitung/: Nr. 19-21. Beiträge zur Geschichte der Weberei in der südlichen Oberlausitz. (G. Korschelt.)

/Erheiterungen am häusl. Herd/: 6. Heft, S. 235. Das wilde Heer oder Nachtgejaid.

/Illustr. Familien-Journal/: Nr. 25 (655). Ein Stück deutscher Geschichte (die Ruinen der Ebernburg).

/Grenzboten/: Nr. 24, S. 417. Deutsche Studenten in alter Zeit. 4. Das akademische Leben nach dem dreiſsigjährigen Kriege. (Mor. Busch.)

/Hausblätter/: 12. Heft, S. 458; 13. H., S. 58. Holzland-Sagen. XIII-XV. (Kurt Greſs.)

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 37-44. Der Uebertritt des Erbprinzen Friedrich, nachmal. Landgrafen Friedrich II. von Hessen aus der evangelischen zur römisch-katholischen Kirche. -- Die Gemeinde zu Gablonz, ihre seitherige Geschichte und jetzige Noth.

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 295. Bayerische Städtebilder: Passau.

/Deutsche Kunstzeitung/ (Dioskuren): Nr. 23 ff. Die Holbeinische Madonna und ihre Ausleger. Ein Beitrag zur Kritik der heutigen Kunstforschung und ihrer patentirten Vertreter. -- Nr. 26 ff. Die Gothik und ihre Bedeutung für die Wiedergewinnung eines nationalen Baustils.

/Protest. Monatsblätter f. innere Zeitgesch./: Apr. Die Stillen im Lande. Zur inneren Geschichte des religiösen Lebens seit dem Reformations-Zeitalter. 1. Thomas a Kempis u. Gerh. Tersteegen.

/Deutsches Museum/: Nr. 25. Zur Geschichte des Elsaſs. (Dr. J. Duborc.) -- Nr. 26. Die Epochen der Handelsgeschichte. (Herm. Bischof.) -- Der Plan zur Sammlung eines Quellenschatzes german. Volkssage und Volkssitte. (Hans Prutz.)

/Revue des deux mondes/: 1. Juin, 3. Livr. p. 537. La Thuringe. Voyage à travers l’Allemagne du passé et du présent. (Henri Blaze de Bury.)

/Sonntagsblatt/, hrsg. von Spielhagen: Nr. 22. Zur Geschichte der Frauenkleidung und Frauentoilette. 1. Der Reifrock. (W. Angerstein.)

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 27. Der heilige Vincenz von Paula.

/Bayer. Zeitung/: Mgbl. Nr. 162. Aus dem oberfränkischen Sagenkreise. Die weiſse Frau und Kloster Himmelkron. -- Nr. 165 ff. Zur Geschichte der Universität Ingolgtadt am Ausgang des 15. Jahrhunderts. (Aug. Kluckhohn.) -- Nr. 170 f. Zwei Beiträge zur Familiengeschichte der Freiherren Schertel von Burtenbach. (C. W. Neumann.) -- Nr. 172 ff. Wie man im pfalz-neuburgischen Hause Lauingen Hochzeit hielt. Culturgeschichtliches Bild. (Dr. A. Birlinger.) -- Nr. 180 und 181. Georg Wilhelm von Brandenburg und eine Kartenschlägerin. -- Nr. 187 und 188. Redensart: Auf ihn, er ist von Ulm! (Dr. Birlinger.) -- Nr. 193. Eine Kepler-Anekdote.

/Leipziger Zeitung/: Wissensch.-Beilage. Nr. 43 ff. Zur Geschichte der nordfranzös. Dichtkunst im 12. Jahrh. -- Nr. 49. und 50. Die Faustsage.

Vermischte Nachrichten.

69) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien vom 13. Juni wurden von Dr. Beda Dudik „/Statuten der Prager Metropolitankirche/ vom Jahre 1350“ vorgelegt. Diese bis jetzt unbekannt gebliebenen Statuten sind von nicht geringer Wichtigkeit, was schon daraus hervorleuchtet, daſs sie einen wesentlichen Beitrag liefern zur Geschichte der Erhöhung des Prager Bisthums zu einem Erzbisthum. Genommen wurden sie aus der einzigen bis jetzt bekannten Pergamenthandschrift vom Jahre 1403, welche in Nikolsburg liegt. -- In der Sitzung vom 20. Juni wurde der Jahresbericht über die Thätigkeit der Commission zur /Herausgabe österreichischer Weisthümer/ erstattet. Auch im abgelaufenen Jahre hatte das Unternehmen einer lebhaften Theilnahme und Unterstützung sich zu erfreuen. Die Zahl der Orte Niederösterreichs, von welchen bereits Urkunden vorlagen, ist um 60 vermehrt worden. Auch Oberösterreich hat verschiedene Beiträge geliefert, namentlich der Verwaltungsausschuss des Museum Francisco-Carolinum in Linz Anzeige von den dort aufbewahrten Schätzen gemacht. Vornehmlich hiedurch ist das Vorhandensein von Taidingen aus 28 Orten zur Kenntniſs der Commission gekommen. In Salzburg waren es vorzüglich die Sendungen des Landesauschusses, ferner die von Pfeiffer im S. Petersarchiv und in der Centralregistratur vorgenommene Nachlese, endlich die begonnene Ausbeute des im k. k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrten salzburgischen Kammerbuches Nr. 4, wodurch die schon vorhandenen Taidinge einen Zuwachs aus 19 Orten erhalten haben. Von der Ausbeute aus Tirol und Voralberg, welche fast ausschlieſslich den Bemühungen Pfeiffer’s zu verdanken ist, war schon in einer früheren Mittheilung die Rede. Auch von andern Seiten fehlte es an tirolischen Beiträgen nicht, so daſs die Commission binnen kurzer Zeit in den Besitz einer Sammlung von Taidingen aus 39 Orten gelangte. Auſserdem hat Prof. Zingerle, mit der planmäſsigen Durchforschung der Archive und Gemeindetruhen beauftragt, bereits Taidinge aus nicht weniger als 24 Orten in sichere Aussicht gestellt. Für Steiermark hat die Ausbeute des Joanneum-Archivs in Gräz bis jetzt Taidinge von zwei Orten ergeben.

70) Der Graf von Mayencourt, ehemaliger Pair von Frankreich, gedenkt verschiedene /Korrespondenzen und Dokumente herauszugeben/, die er in den Archiven Stockholms, Wiens und Venedigs gefunden hat und die sich sämmtlich auf den /30jährigen Krieg/, sowie /den westphälischen Frieden/ beziehen. Nach einer Schilderung der Lage Deutschlands und der nordischen Mächte seit dem 16. Jhdt. folgen Briefschaften und sonstige Manuscripte von Wallenstein, Gustav Adolf, Oxenstjerne, Grotius, Trautmannsdorf, Contarini u. A. Die meisten dieser Urkunden sind bisher unediert.

(Europa.)

71) In mantuanischen Archiven sind durch den französischen Schriftsteller Armand Bachet /Briefe von Peter Paul Rubens/, sowie Dokumente in Bezug auf denselben gefunden worden, welche über seinen italienischen Aufenthalt beim Herzoge Gonzaga und über seine spanische Reise, in des Genannten Auftrag unternommen, ein helles Licht verbreiten und auch allgemein die damaligen Zustände illustrieren.

(Dies.)

72) Der Alterthumsverein zu Mannheim hat eine interessante Erwerbung in einem /Steinbilde/ gemacht, das zu /Ladenburg/, dem alten Lupodunum, ausgegraben worden ist und somit eines der ersten Denkmale der Römerherrschaft auf dem rechten Ufer des Mittelrheins gewesen sein dürfte. Es ist ein ungefähr 2 Meter langes und eben so hohes Standbild, aus buntem Sandstein ziemlich roh gearbeitet, das einen Reiter in Imperatorentracht, mit kurzer Tunica, bloſsen Beinen und Kriegerhalbstiefeln darstellt, der über einen am Boden liegenden Mann hinsprengt, dessen Hände und Füſse in Flossen ausgehen. Der Reiter ist oben einigermaſsen verstümmelt. Das Bild mag wol über einem Gelübdenstein angebracht gewesen sein. Aehnliche Darstellungen befinden sich im Antiquarium in Mannheim und zu Speier, deren Zusammengehörigkeit sich nicht in Abrede stellen läſst. Mit Berücksichtigung einer von Eckhel veröffentlichten Münze ist anzunehmen, daſs das Steinbild den Kaiser Domitian darstellt, wie er im Kriege mit den Chatten den Rhein überschreitet, als „Rhenidomitor“, wie Martial ihn nennt.

(Ill. Ztg.)

73) Die in kunsthistorischer Beziehung höchst interessante byzantinische /Kirche zu Heimersheim/ im Aarthal (Regier.-Bez. Coblenz) hat eine neue Zierde durch zwei groſse /gemalte Fenster/ erhalten, welche der Domglasmaler Peter Graſs in Köln auf Anordnung des Regierungs-Präsidenten Grafen von Waldbott-Bassenheim in stilistischer Uebereinstimmung mit den noch vorhandenen, der Zerstörung durch Turenne im 17. Jahrhundert entgangenen alten Resten angefertigt hat, wodurch dem Gotteshause ein ebenso gediegener, als künstlerisch gelungener Schmuck verliehen ward. Der Bau prangt wieder in ursprünglicher Schönheit und Reinheit der Formen, nachdem er nach den Plänen des verstorbenen Bauraths Zwirner unter Leitung des Bauraths Stüler und des Baumeisters Uhrich stilgetreu hergestellt und ausgeschmückt worden ist.

(Dies.)

74) Unter die Arbeiten für /die innere Ausstattung des Kölner Doms/, die kürzlich in Angriff genommen worden sind, gehört auch die Errichtung eines neuen Altars an der Ostseite des südlichen Querschiffes. Daselbst wird ein reicher Altarschrein, der früher in der Kirche St. Maria zu den Staffeln in Köln stand, seinen Platz finden. Das Innere desselben, ein Schnitzwerk mit vielen vergoldeten und gefärbten Figuren, wird von Doppelflügeln umschlossen, welche in Gemälden Darstellungen aus dem Leben der h. Maria, sowie aus den Legenden des h. Agilolphus, des 23. Bischofs von Köln, und des h. Anno enthalten. Der Meister ist wahrscheinlich ein Zeitgenosse des Barthal de Bruge und einer der Letzten, welche der eigentlich kölnischen Schultradition folgten.

(Dies.)

75) Die altehrwürdige /Reinoldus-Kirche zu Dortmund/ mit ihrem mächtigen Chor war der /Restauration/ sehr bedürftig. Am Aeuſsern waren die feinern Theile ihrer Streben, das Blattwerk, die Baldachine, die Gesimse und die Gliederungen theilweise bis zur Unkenntlichkeit vom Wetter verwüstet worden. Die Herstellung hat kürzlich begonnen, und es soll ein beträchtliches Kapital für diesen Zweck flüssig gemacht worden sein. Falls der Gröſse desselben die architektonische künstlerische Behandlung entspricht, wird die Reinolduskirche wieder einen prächtigen Anblick gewähren.

(Dies.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

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Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 8. August.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Sphragistische Aphorismen.

Von F.-K. Fürsten zu /Hohenlohe Waldenburg/.

I.

Von diesem in /mehrfacher/ Beziehung höchst interessanten Siegelstempel (III, B, 3) ist bis jetzt kein Originalabguſs bekannt. Es befinden sich aber zwei Exemplare desselben in dem fürstlich Hohenlohe-Neuenstein’schen Kunst- und Raritäten-Cabinet, zur Zeit in Kirchberg a. d. J., das eine in Kupfer, das andere in Silber; beide ½ Centimètre dick und hinten glatt. Beide Stempel sind ganz gleich, nur scheint ersterer etwas schärfer gestochen zu sein.

Ueber die Literatur dieses Siegelstempels siehe J. Albrecht, die hohenlohischen Siegel des Mittelalters, Nr. 6.

Was diesem /Siegelstempel/ ein ganz besonderes Interesse verleiht, ist die darauf angebrachte Jahreszahl, schon an und für sich und noch ganz besonders wegen der /arabischen/ Ziffern.

Andere /Siegel/ mit Jahreszahlen aus dem 13. Jahrh. sind bis jetzt keine bekannt. Erst einige sechzig Jahre später finden wir ein Siegel des Klosters Hornbach in der Pfalz mit der Jahreszahl 1300, aber mit /römischen/ Ziffern (gothische Majuskel). Das zweite mit /arabischen/ Ziffern ist das Siegel der Stadt Trostberg von 1320[A].

Es wäre höchst interessant, wenn noch andere derartige Siegel, namentlich aus der Zeit vor 1400, beigebracht werden könnten.

Was die arabischen Ziffern betrifft, so glaubt Mauch[B] „den Grund, aus welchem dieses historisch wie technisch interessante Siegel allen anderen in Deutschland vorgekommenen bezüglich der darauf befindlichen arabischen Ziffern um ein volles Jahrhundert voraus ist, und insofern hier vereinzelt dasteht, nur in dem Umstande suchen zu müssen, daſs sich Gottfried von Hohenlohe mehrentheils am kaiserlichen Hoflager und mit demselben viel in /Italien/ aufhielt, wo mit dem in den Verkehrsverhältnissen mehr und mehr fühlbar gewordenen Bedürfniſs der Erweiterung der Rechenkunst die arabischen Ziffern bereits mit dem 13. Jahrh., ungefähr um dieselbe Zeit allgemeinere Verbreitung gefunden haben, um welche Gottfried von Hohenlohe mit der Würde eines „comes romaniole“ beliehen worden ist. Auf diesen Vorgang deutet namentlich die Jahreszahl 1235.“

Nach dem neuen Lehrgebäude der Diplomatik sind die arabischen Ziffern in Europa seit der ersten Hälfte des 13. Jahrh. in Gebrauch. Die dort angeführten ältesten Beispiele sind von 1233 aus England, von 1245 aus Italien[C] und von 1268 aus Deutschland. „Wälschland fieng eher als Deutschland an, sich dieser Zahlzeichen zu bedienen.“ (S. II. Buch, 4. Hauptst., §. 115.) Auf einem Grabstein eines Grafen von Katzenellenbogen, im Schloſsgarten zu Bieberich, soll sich nach v. Hefner-Alteneck (Trachten des christl. Mittelalt., I. Taf. 27) die Jahreszahl 1299 in arabischen Ziffern eingehauen befinden. Ob aber dieselbe gleichzeitig ist, wird schwer nachzuweisen sein.

Was aber die /letzte/ Ziffer auf unserem Siegel betrifft, so bemerkt Mauch, daſs dieses die einzige Ziffer 5 sei, die ihm von dieser Form bekannt geworden; sie habe „das Ansehen eines, statt nach rechts, nach links stehenden Dreiers.“

Wir halten letzteres Zahlzeichen wirklich für einen Dreier, welchen der Siegelschneider aus Versehen /verkehrt/ geschnitten hat[D]. Gerade weil die arabischen Ziffern damals noch so selten gebraucht wurden, ist dieser Verstoſs um so leichter erklärlich[E].

Gottfried kommt bis jetzt /vor/ 1235 als Graf von Romaniola urkundlich nicht vor; allein sein Bruder Conrad erscheint schon 1230 in einer Urkunde als comes Romaniole (s. v. Stälin, wirt. Gesch, II, 556). Es ist aber doch wohl anzunehmen, daſs beide Brüder zu gleicher Zeit mit dieser Grafschaft belehnt wurden.

Diese Annahme wird durch unsere Erklärung der Jahreszahl auf dem vorliegenden Siegelstempel bestärkt.

Es sind früher hie und da Zweifel gegen die Echtheit dieses Siegel/stempels/ erhoben worden, weil bis jetzt kein älterer Abdruck desselben bekannt ist, weil das Wort Sigillum in der Legende fehlt und namentlich auch wegen der Jahreszahl. Die ersteren beiden Einwände sind ohne Bedeutung. Daſs wir kein Originalsiegel kennen, kann Zufall sein. Die Bezeichnung „Sigillum“ kommt schon zu Ende des 12. Jahrh. auf einzelnen Siegeln vor, während sie auf anderen zuweilen noch bis in die Mitte des 14. Jahrh. fehlt. Was aber die Jahreszahl betrifft, so glauben wir, daſs gerade diese -- nach obiger Erklärung -- einen Beweis /für/ die Echtheit des Stempels liefert. Bei einer Fälschung würde man gewiſs um so mehr Sorgfalt auf diese, damals noch so wenig gebräuchliche Zeitbestimmung verwendet, sicher keine ganz /unbekannten/ Ziffern gebraucht, verkehrt stehende nicht geduldet und auch für Anbringung der Jahreszahl keinen ganz ungewöhnlichen Platz[F] gewählt haben.

Mittelalterliche Siegelstempel, namentlich aus dem 13. und 14. Jahrh., sind sehr selten; denn nur wenige sind ihrer vorschriftsmäſsigen Zerstörung nach dem Tode ihres Inhabers entgangen. Sie sind daher schon an und für sich für die Alterthumskunde sehr werthvoll. Wir theilen deshalb hier gleich noch einen zweiten mit.

II.

Der gütigen Mittheilung des Herrn Pastors B. Ragotzky in Triglitz verdanken wir einen Abdruck dieses höchst interessanten Siegelstempels III, B, 2, a. (Abbild, s. nächste Spalte.)

Derselbe befindet sich in der Sammlung der Antiquitäts-Akademie zu Stockholm nebst mehreren anderen, wahrscheinlich auch aus Süddeutschland stammenden Stempeln. Er besteht aus einer dünnen, mit einer kleinen Oese versehenen Metallplatte. Das Wappen auf diesem Siegel ist /sehr/ merkwürdig. Um die Mitte des 13. Jahrh. ist uns dieser sog. „/Eisenhut-Schnitt/“ noch nie vorgekommen. Nach unserer Theorie von dem heraldischen Pelzwerk müssen wir diesen Schild auch als einen Schild von Kürsch blasonnieren; er ist aber, statt quer -- wie gewöhnlich -- der Länge nach getheilt.

Ueber die Person seines ursprünglichen Inhabers theilt uns Herr Reichsarchivsrath J. G. Brand zu München folgende Notizen gefälligst mit.

In Mon. Boic. VIII, p. 504 kommt aus einem Schäftlarner Cod. trad. ein D(ominus) Wernherus Chrezelin vor, welcher der Schlichtung eines Streites als Zeuge beiwohnte, welche stattfand „anno 1253 in castro Landeshutte in capite Jeiunii fra. VI.“ und „in conspectu Ludewici Ducis“ confirmiert wurde.

In einer Kl. Fürstenfelder Urkunde vom 16. März 1273 (M. B., IX, 102), in welcher Lodwicus D. g. Comes Palatinus Rheni, dux Bawarie, seinen Consens dazu gibt, daſs Ulricus Holermus einen Hof in Holenpach und einen andern in Gallenbach an das Kloster Fürstenfeld resigniert, erscheinen unter den Zeugen ... Wernherus et Eberhardus dicti Graetzel.. Albertus dictus Chrezil.... Auſser diesen zwei Fällen ist sonst, bis jetzt, kein /Wernher Krätzel/ bekannt[G]; es handelt sich wol in beiden von ein und derselben Person.

In der Nähe des Herzogs Ludwig hat sich demnach Wernher Krätzel wiederholt befunden. Daſs derselbe aber herzoglicher Marschall war, ist bis jetzt unbekannt gewesen; in dem Verzeichnisse der Marschälle der bayerischen Herzoge von 1204-1292, im fünften Bande der „Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte“, ist er nicht aufgeführt. Unser Siegel liefert aber wol den urkundlichen Beweis, daſs unser Wernher dieses Amt, wenn auch vielleicht nur ganz kurze Zeit, bekleidete.

/Porträt-Siegel/ kommen im 13. u. 14. Jahrh. bei weltlichen Herren vom /niedern/ Adel nie vor, auſser von Ministerialen[H]. Bei den Frauen ist es zweifelhaft. Wir lassen hier einen weiteren, höchst interessanten Beitrag zu dieser Gattung von Siegeln folgen.

III.

Dieses interessante Siegel III, B, 2, a des Ritters Friedrich von Mekevise hängt an zwei Urkunden von 1259 und 1261[I] im groſsherzogl. Staatsarchive zu Darmstadt.

In der Urkunde nennt er sich Fridericus Miles dictus Mekevise frater censualis[J] domus hospitalis beati Johannis Baptiste hierosolomital: in Masmach (sollte heiſsen Mosbach).

Geheimerath Baur schreibt uns über die Familie des Sieglers: „Die von Winden und von Meckfisch (sonach wäre das Wappen ein redendes) gehören nach einer Urkunde von 1346 unbezweifelt zu /einer/ Familie, zu der Familie Meckfisch von Winden. Ein Ort dieses Namens liegt zwischen Berg- und Rheinzabern, südlich von Landau, und dies möchte das rechte sein.“

Ob Wurdtwein Meyenfisch, welcher im J. 1453 einen Bauhof an Pfalzgraf Friedrich I. verkaufte[K], derselben Familie angehörte, ist uns nicht bekannt.

Die Legende konnte bisher nicht entziffert werden.

Auf dem jüngeren Siegel fehlt sie leider ganz und auch auf dem älteren ist sie, wie unsere Abbildung zeigt, nur noch stellenweise erhalten. Die Buchstaben scheinen zum Theil (?) verkehrt zu stehen.

Unser gelehrter Freund Lisch ist mit uns der Ansicht, daſs die Legende aus zwei verschiedenen getrennten, aber vielleicht gleichlautenden Theilen besteht. Wir finden beide den Beweis darin, daſs zu Häupten und zu Füſsen des Ritters das gleiche Kreuz steht, und nach demselben beide Male die Buchstaben CT (das T stünde allerdings oben verkehrt).

Vielleicht löst ein glücklicher Fund eines noch ganz erhaltenen Exemplars dieses Räthsel später noch auf.

Für die Kostümkunde ist auch dieses Siegel, wie das vorhergehende, sehr interessant, gerade durch die groſse Verschiedenheit beider.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Weitere Siegel mit Jahreszahlen aus dem 14. und 15. Jahrh. sind im Anzeiger für 1859, Nr. 7 u. 10, und 1860, Nr. 1 angegeben.]

[Fußnote B: „Ueber den Gebrauch arabischer Ziffern und die Veränderungen derselben,“ im Anzeiger für 1861, Nr. 2-7. S. auch H. Otte, Kurzer Abriſs einer kirchlichen Kunst-Archäologie des Mittelalters, in den neuen Mittheilungen des thüringisch-sächsischen Vereins, Bd. VI, Heft 4, S. 3 und Taf. III.]

[Fußnote C: Viele privatrechtliche Urkunden der sicilianischen Archive aus dem 13. Jahrh. sollen ganz in arabischer Sprache abgefaſst sein.]

[Fußnote D: Solche Fälle kommen auf mittelalterlichen Siegeln nicht selten vor. Z. B. auf dem ältesten hohenlohischen [*Illustration] Siegel IV, A, 1 Conrad’s von 1207, abgebildet bei J. Albrecht, Taf. I, 1; auf dem [*Illustration] Siegel IV, A, 1 Walter’s von Vatz von 1216; auf den beiden [*Illustration] Siegeln IV, A, 1, Heinrich Flans’ von Orlamünde von 1311 -- mit dem monogrammatisch zusammengezogenen Wappen der Grafen von Orlamünde (s. v. Ledebur, Archiv f. deutsche Adels-Gesch., II, S. 220) und Friedrich’s von Krusenburg (wol auch aus dem 14. Jahrh.); wahrscheinlich eben so auf unserer folgenden Nr. 3; endlich auf dem Siegel IV, C der Kaiserin Eleonore, Gemahlin Friedrich’s III., von 1460, zu welchem Sava bemerkt, daſs bei der Composition und Ausführung dieses prachtvollen Siegels, welche von bedeutender Kunststufe zeugen, die /verkehrten/ S noch um so auffallender seien. (Die Siegel der österreichischen Fürstinnen im Mittelaller, I,_{I, 30,} und unsere mittelalterl. Frauen-Siegel, Nr. 58). Auch auf Münzen begegnen wir solchen fehlerhaften Umschriften; siehe in Dr. H. A. Erbstein’s Münzfund von Trebitz die Münze des Landgrafen Hermann von Thüringen (1192-1215), Nr. 86, wo S. 67 in Betreff der „auf Mittelalter-Münzen so oft erscheinenden incorrecten oder oft ganz entstellten Umschriften“ auf Grote’s Münzstudien IV, I, 559 verwiesen ist.]

[Fußnote E: Man würde bei Alterthums-Forschungen sicher der Wahrheit öfter näher kommen, wenn man -- bis zum urkundlichen Beweise des Gegentheils -- der /einfachsten/ Auslegung den Vorzug einräumen wollte. Denn Schreib- und Druckfehler, im weitesten Sinne des Worts, sind vor Jahrhunderten gerade so gut vorgekommen, wie heut zu Tage.]

[Fußnote F: Gewöhnlich wurde die Jahreszahl am Schlusse der Legende angebracht.]

[Fußnote G: Nach Brand kommen die Krätzel in der Gegend am Inn schon seit 1190 als Zeugen in den Urkunden der Klöster Attel, Altenhohenau, Rott und Seeon vor.

Auch auf ihren übrigen Siegeln seit 1361 führen sie dasselbe Wappen, wie der Marschall Wernher.]

[Fußnote H: S. K. v. Sava: /Die Siegel der Landes-Erbämter des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns./ Wien, 1861, und Dr. L. Freiherr v. Ledebur: Archiv für deutsche Adels-Gesch., II, Berlin, 1865, „/Reitersiegel des niedern Adels/“, S. 154 ff. Ferner gehören hieher: zwei verschiedene Siegel III, A, 3 des Reichsmarschalls Anselm von Justingen von 1216 und 1223; zwei verschiedene Siegel III, B, 3 Conrads von Ehrenfels, Marschalls des Hochstifts Regensburg, und die Siegel III, B, 3 des Marschalls Conrad von Sunchingen von 1266 und des Schultheiſsen Hermann von Mainz von 1272. Das Siegel III, B, 3 Friedrichs Tunb (Thumb) von Neuenburg von 1294 gehört wol auch hieher. Die Thumben rangierten im Mittelalter mit den /höheren/ Ministerialen und im 15. Jahrh. hielt man sie für gleichen Stammes mit den Schenken von Winterstetten. Die Verschiedenheit des Wappens wäre durchaus kein Hinderniſs. Bekanntlich werden sie 1507 zu herzogl. württemb. Erbmarschällen ernannt. Sollte sich diese Ernennung etwa auch auf ein früheres Verhältniſs beziehen? --]

[Fußnote I: S. Scriba Regest. I, 41 u. 42.]

[Fußnote J: „Frater censualis“ bezeichnet /hier/ wol den mit der Verwaltung des Census (der Steuern und Abgaben) betrauten Ordensbruder. Daſs derselbe ein Ministeriale war, geht aus diesem Porträt-Siegel hervor. Nach Ducange wurden im Mittelalter auch diejenigen „censuales“ genannt, welche in Kirchen oder Klöstern, indem sie ihr Haupt auf den Altar legten, dem Heiligen oder Patron der Kirche sich zu irgend einer Leistung freiwillig erboten.]

[Fußnote K: Widder, Geogr.-histor. Beschreibung der churf. Pfalz am Rhein, Th. II, S. 279.]

Notizen.

1) An einer Urkunde Arnold’s, Domprobsts zu Trier und Probsts zu St. Marien in Erfurt, vom J. 1241, hat derselbe /zwei/ Siegel angehängt, und zwar das Siegel II, A der Probstei Erfurt mit der Mutter Gottes und dem Jesuskinde auf dem Schooſse und der Legende: Ego mater pulchre dilectionis, und das [*Illustration] Siegel III, A, 2, a mit der Legende: ✠ ARNOLDVS · D~E~I · ~G~RACIA · ~M~AIOR · TR~E~V~E~R~E~NSIS · PR~E~POSITVS · ~E~T · ARC~H~ID · (iaconus).

Gewiſs ein /äuſserst/ seltener Fall!

2) Im Mittelalter wurde nicht selten, wenn aus irgend einer Ursache ein neuer Siegelstempel nöthig war, blos in den alten irgend eine Figur hineingraviert, welche wir nach Analogie der /heraldischen/, aber im Gegensatz zu denselben, sphragistische Beizeichen nennen. Ein solches sphragistisches Beizeichen in Form eines Kleeblatts (aber mit spitzigen Blättern) sehen wir auf dem Siegel II, B, mit Thor und Thürmen, der Stadt Cassel, und mit der Legende sigillum · burgensivm · de · cassele · aus dem 13. oder 14. Jahrh., während Originalsiegel desselben Stempels ohne dieses Beizeichen bekannt sind.

3) Die Angabe (s. Lippische Regesten, I, S. 238 zu Nr. 370): „Daſs zu den Farben der Siegelschnüre früher /vorzugsweise/ Roth und Gelb gebraucht wurde,“ ist, sowie die Berufung auf Heineccius, nicht richtig. „Coloris porro non minor fuit varietas in sericeis appendiculis“, sagt Letzterer.

4) Die Angabe W. v. Hodenberg’s[L], daſs die Wappen-Siegel IV, C mit Schild und Helm erst seit der Mitte des 14. Jahrh. und nur in /runder/ Form und mit /schräg/ gestelltem Schilde vorkommen, ist falsch. Wir finden solche bereits seit den 40er Jahren des 13. Jahrhunderts und auch von dreieckiger Form und mit gerad gestellten Schilden.

5) Das interessante /Doppel-Siegel/, Avers III, B, 3, Revers IV, C, des Grafen Albert von Orlamünde an der Stiftungsurkunde des Klosters Reinbeck von 1224 prid. id. Norb. in Kopenhagen ist leider so defect, daſs man weder die Legende, noch die ganz eigentümliche Zusammenstellung des /Schildes/, /Helmes/, /Banners/ und /Schwertes/ (?) auf dem Revers deutlich erkennen kann. Sollte sich irgendwo noch ein anderes, besser erhaltenes, oder wenigstens das von 1224 ergänzendes Exemplar vorfinden, so würden wir für dessen Mittheilung äuſserst dankbar sein. Im Falle andere Siegel mit ähnlichen heraldischen Zusammenstellungen bekannt wären, bitten wir gleichfalls um Nachricht.

6) Sind keine /gekrönten/ Helme auf Siegeln (auſser denen der Herzoge von Oesterreich, welche den gekrönten Helm, als Königssöhne, bekanntlich seit 1286 führten) /vor/ dem Jahre 1353 bekannt?

7) Gab es Siegel von Bürgern /vor/ dem Jahre 1290?

[Fußnote L: Calenberg. Urkunden-Buch V. Mariensee, S. 10, Note 11.]

Beiträge zur schweizerischen Kunstgeschichte.

Mitgetheilt durch Ed. /His-Heuſsler/, Mitglied der Direction der Kunstsammlung zu Basel.

I.

Contract, betreffend die Ausführung eines Altarwerkes, zwischen dem Magdalenen-Kloster an den Steinen zu Basel und dem Maler Hans Herbst. (Klosterarchiv Mar. Magd. Nr. 795.)

Anno xv^{c} achtzechen jor vff fritag noch sant Annentag der groſsmutter cristi hand wir priorin suppriorin und schaffnerin zu sant marien magdalenen an den steinen prediger ordens verdingt ze fassen die taffel vff sant marien magdalenen altar in vnser kilchen dem bescheidenen meister Hans Herbst in mossen hie noch stodt dem ist also:

Item des ersten sol Meister Hans Herbst dz werck vff dz best vn̄ kostlichest fassen nämlich den tabernackel gantz vergulden brunieren vnd von dem besten gold, vnd sollen die holkölen bluw sin, desglichen die bild im tabernackel mit ir kleidung alle verguldet, och die pfiler, vnd söllent die holkelen bluw sin.

Item in der tafel wz von kleidung ist sol als vergult sin vnd sant marien magdalenen tuch mit bruniertem gold, dz lib farw sin sol mit lib farw, dz ander verguldet.

Item die gespreng alle verguldet und bruniert, item die landschafft in der tafel verguldet oder versilbret vnd glasiert, dornoch es sich den̄ erhöischt.

Item die neben siten inwendig der tafel vnd der bogen inwendig verguldet vnd listen alle verguldet.

Item die vj stuck flach geschnitten sol alle husung vergult vnd versilbret sin vnd die feldung versilbret vnd bruniert wie man dz wil haben.

Item was hor ist matt mit dem besten gold, item die listen an den flüglen gulden und die kelen blow, item dz paviment versilbret, mit farben Rot, blow oder grün.

Item vff die zwey flügel vſswendig söllent dise fier stück nemlich als maria magdn^a gon marsilien gefaren vnd in die wüsti gangen ist die andren zwey stück figuren der mirackel als die so by dem verding gewesen sind angeben worden vff dz allercöstlichest und artlichest gemolt werden, desglichen zwey helgen vff die zwey blind flügel und dieselb feld mus mit hymel vnd landschafft vnd die listen vßwendig der tafel aber verguldet.

Item an dem brett so vnden für den fuſs wirt gestossen vnsers lieben heren begrebnis mit vnser lieben frowen sant marien magdalenen und andren parsonen dorzu gehörent artlich vnd vff dz hüpschest gemolt werden.

Item dis werek ist verdingt worden vm nüntzig gulden nemlich für jeden gulden ein pfhund fünff schilling vnd sol man dem meister ein erlich trinckgelt geben, doch dz sölich trinckgelt fünff gulden nit vbertreffen sy.

Item der meister sol och kein gelt empfachen bis die tafel halber gemolt ist, dann sol man im geben achtzechen oder zwentzig gulden vnd dornoch je ein gulden zwey dry oder fier noch dem man haben mag bis dz werck bezalt wirt.

och ist beret dz der gedocht meister vns priorin obgemelt mit der bezalung nit vberylen sol und diß alles ist beret vnd vffgeschriben worden in der besten form im bywesen der Erwirdigen geistlichen vatter bernhardus rentz leßmeister der helgen geschrifft vnser lieber getrüwer bichtvatter, her Casper vnd her Jheronimo brulinger gebrüder bed capplanen der hochen stifft basel vnser lieben heren vnd gut göner des alles zu worem vrkund sind diser zedlen zwey glich an den wortten vnd mit disem ziechen abgerissen vnd jedem teil einer geben vff tag vnd jor wie vorstadt.

Folgen die Empfangsbescheinigungen für die a conto Zahlungen, und auf einem besondern Blatt befindet sich die Generalquittung im Betrag von 95 fl.

Der Maler Hans Herbst war von Straſsburg gebürtig, wurde 1492 in die Malerzunft zu Basel aufgenommen, machte 1512 den Feldzug nach Pavia mit und soll nach der Reformation den Pinsel niedergelegt haben, um nicht ferner „dem Götzendienst behülflich zu sein.“ -- Dies muſs sich indeſs nur auf das Malen von Kirchenbildern bezogen haben, denn man begegnet seinem Namen in den Rathsrechnungen bis in die vierziger Jahre des 16. Jhdts.; meistens sind es Arbeiten decorativer Art. Daſs er mit Holbein befreundet gewesen, beweist der Umstand, daſs dieser bald nach seiner Ankunft in Basel 1516 sein Bild malte, welches, mit dieser Jahreszahl versehen, noch jetzt in England vorhanden ist. Bilder von ihm sind nicht auf unsere Zeit gekommen, oder, wenn dies der Fall, nicht unter seinem Namen. Sein Sohn war der berühmte Baseler Typograph Oporinus.

Eine Darstellung des Erzvaters Adam.

~Beitrag zur Ikonographie des Mittelalters.~

Die Ikonographie des Mittelalters im Abendlande stimmt mit der des Morgenlandes fast vollkommen überein. Es liegt darin der Beweis, daſs die Ursprünge derselben in’s hohe Alterthum hinaufgehen, wo noch die Kirche ihre Einheit bewahrt hatte. Es liegt aber auch -- unserer Meinung nach -- der Beweis darin, daſs wir uns die Kultur des Abendlandes und des Morgenlandes nicht so isoliert denken dürfen, als dies gewöhnlich geschieht. Wir behalten uns vor, auf diesen Punkt demnächst im Anzeiger zurückzukommen und die „/byzantinische Frage/“ zu besprechen. Jetzt haben wir nur zu sagen, daſs bei der Gleichmäſsigkeit des Bildercyklus sich sehr häufig eine unerklärte, seltene Darstellung der abendländisch-christlichen Kunst aus byzantinischen Parallelen erklären läſst. Der gleiche Fall ist umgekehrt.

So befindet sich auch auf der Dalmatica St. Leonis III. im Schatze der Peterskirche zu Rom, die bei den Kaiserkrönungen in Anwendung kam, auf der Vorderseite eine Darstellung der Majestas Domini, d. h. des Herrn in seiner Herrlichkeit, umgeben von den himmlischen Heerschaaren. Das Gewand ist byzantinischen Ursprunges. Die Darstellung ist fast identisch wiederholt auf einem byzantinischen Tafelgemälde im christlichen Museum des Vatikans. Auf beiden Darstellungen ist die ganze himmlische Hierarchie in ihren verschiedenen Chören der Engel und Heiligen von einem Kreise umschlossen. In beiden Ecken unterhalb des Kreises befinden sich zwei zur Darstellung in Bezug stehende Figuren. Einerseits ist der Erzvater Abraham sitzend angebracht, wie er die Seelen der Seligen im Schooſse hält. Auf dem Tafelgemälde des Vatikans ist der Name beigeschrieben. Dieselbe Darstellung ist im Abendlande auch vom 12.-14. Jahrh. häufig vorgekommen und würde also auch erklärlich sein, wenn die Inschrift nicht dabei stünde. Die Figur auf der andern Seite ist weniger leicht zu erklären. Es ist ein bärtiger, nackter Mann mit einem Lendenschurze, der ein Kreuz trägt. Da hier eine Inschrift nicht gegeben ist, die Darstellung auch zu den seltneren zu gehören scheint, so glaubte Dr. F. Bock in seiner Abhandlung über das fragliche Gewand auf S. 95-110 seines Prachtwerkes: „/Die Kleinodien des heiligen römischen Reiches deutscher Nation/“ zwei Erklärungen dieser Figur zulassen zu sollen. Er erklärte sie einerseits als den Erzvater Adam, den die Legende in direkte Beziehung zum Kreuze Christi stellte, und der sonach mit Recht das Kreuz tragen konnte. Andererseits, meinte er, könne der reuige Schächer gemeint sein, dem der Herr am Kreuze zurief: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Es schien uns unwahrscheinlich, daſs diese letztere Figur in direkte Parallele mit Abraham gesetzt worden, und wir haben daher beim Entwurfe der Ausstattung der Kirche Groſs-St. Martin in Köln, der wir eine ähnliche Darstellung zu geben hatten, diese Figur als Adam angenommen[A]. Wenn wir damals nicht auf A. Dürer’s groſse Passion hingewiesen haben, wo auf dem Blatte, das Christum darstellt, wie er die Höllenpforte sprengt und die Gerechten des alten Bundes befreit, Adam gleichfalls mit dem Kreuze erscheint, so liegt der Grund darin, daſs uns Dürer als eine zu späte Quelle erschien, um daraus eine byzantinische Figur des 12.-13. Jahrh. erklären zu können.

Wir haben jedoch seit dem in der Sammlung von Miniaturen des Freiherrn v. Bibra dahier eine Initiale gefunden, die dem Schlusse des 13. oder der ersten Hälfte des 14. Jahrh. angehört. In derselben ist gleichfalls die Erlösung der Gerechten des alten Bundes aus der Gewalt der Hölle dargestellt. Da erscheint in erster Linie Adam mit dem Kreuze genau in derselben Weise wie auf den beiden byzantinischen Darstellungen. Wir glauben somit vollständig berechtigt zu sein, in den Figuren nur ausschlieſslich Adam zu erkennen und die Annahme, als könne der reuige Schächer damit gemeint sein, zurückzuweisen.

/Nürnberg./ /A. Essenwein./

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Vgl. unser Schriftchen: Die innere Ausstattung der Kirche Groſs-St. Martin in Köln (Köln, 1866. Verlag des Kirchenvorstandes), Seite 29.]

Herzog Wilhelm von Bayern sucht Reliquien für die St. Michaelskirche zu München.

Als Herzog Wilhelm der Fromme seine groſsartigen Bauten zu München und Schleiſsheim ausführen lieſs, suchte er nach Reliquien von Heiligen, um sie in den von ihm erbauten Kirchen und Kapellen aufzubewahren. Der gelehrte und geschichtskundige Stiftsdekan von Spalt, Wolfgang Agricola (Bäuerlein) schickte ihm deren mehrere. Er hatte sie in den säcularisierten brandenburgischen und nürnbergischen Klöstern und Kirchen aufgefunden. Auch zeigte er dem Herzog an, daſs im deutschen Haus zu Nürnberg noch sehr kostbare Reliquien verwahrt werden, die im J. 1552 vor dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg und seinen mordbrennerischen Schaaren aus dem von Kaiser Ludwig dem Bayern gestifteten Frauenkloster Pillenreuth[A] dorthin geflüchtet worden. Auf diese Nachricht wendete sich der Herzog an seinen Vetter, den erwählten König von Polen und Administrator des Deutschordens, Erzherzog Maximilian, den er ersuchte, ihm jene Pillenreuther Reliquien für die Michaelskirche zu München zu überlassen. Er schrieb demselben folgenden Brief:

„Freundtlicher lieber Herr vnd Vetter! Eur Königlich Wirde khan Ich aus sonnderm zu derselben hohen Vertrauen zuberichten nit vnderlassen, das Ich vor ettlich Jaren ein Kirchen zu Lob vnd Ehr des Allerhöchsten, auch dem heiligen Ertzenngl Michaeli als Patrono, daneben auch ein Capellen, so zu diser Kirchen gehörig, angefanngen zepawen, welche mit der Hilff Gottes sollen bald zu guetem Ennd khomen. So hab Ich auch vergannges Jar in mein Haus, so Ich mir zu meiner intention zunegst bey St. Michels Kirchen gepawt, auch zwo Capellen gericht, vnd bin Willens, noch diß Jar, wills Gott, ein annders cleins Kirchlein auf einem schlechten Guetl vnd Mayrhoff[B] aufzerichten. Der Allmechtig welle sein Segen darzue geben. Dieweil aber dergleichen geistliche Gepew, wie Eür Königlich Wirde wol wissen, vor allem auch mit dem Schatz der lieben Heyligen reliquien sollen versehen vnd geziert werden, vnd zu obbemelter Anzal der Kirchen vnd Capelln nit weniger gehörn vnd vonnöten. Ich aber mit dergleichen zu Geniegen nit versehen, vnd aber daneben in glaubwürdige Erfahrung khomen, wie das zu Nürmberg in Eür Königlichen Wirde vnd des löblichen ordens Teutschen Haus ettliche reliquien, so vil Jar daselbs verlegen vnd in einem Gewelb vnd Zimer verspert sein, vnd also niemanndt zu Nutzen khomen, vnd das auch Eur Königlichen Wirde Lanndcomenthur der Palley Frannckhen vnd Comenthur zu Ellingen darumb wissen, wie auch die Schlissl darzue haben solle, also ist an Eur Königlich Wirde mein ganntz diennstlichs vnd hochvleissigs Bitten, Sy wellen den lieben Heyligen zu Ehrn, fürnemblich aber Gott selbs zu Lob, vnd mir alls derselben getreuen vnd diennstwilligen Vettern zu sonndern grossen Gonnsten, mir solliche reliquien, plos on alle zier, neben gebürlichen Testimonien guetwülig zuesteen vnd volgen lassen, vnd die gemelte Gottesheuser damit Königlich begaben vnd haussteurn. Die will Ich alsdann nit allein Eur Königlichen Würde zu Ehrn vnd Rhuemb nach meinem Vermuegen vnd zu meinem vorhabenden intent ziern, sonnder solches nach meinem bessten Vermügen verdienen, innsonnderheit aber die Sachen dahin richten, damit Eur Königlichen Würde vnd der Irigen yeder Zeit bey disen Gottsheusern mit schuldigem Gebett vnd Fürbitt zu Derselben Wolfahrt vnd Aufnemen kheins Wegs vergessen, sonnder Derselben tanquam benefactores zum treulichisten gedacht werde. Bitte derhalben Eur Königlich Würde nochmals, Sy wellen gemelten Iren Commenthur deshalben eheist gnedigisten Bevelch zuekhomen lassen, vnd thue mich Derselben zu angenemen wol gefelligen gegendiennste ganntz diennstlich vnd vleissig beuelhen. Datum Dachaw den xiij (13.) February Anno &c. 1595.

Eur Königlichen /Würde/ ganntz getreuer vnd dienstwilligister Vetter /Wilhelm/.“

Maximilian gab Befehl, dem Herzog Wilhelm die gewünschten Reliquien auszuliefern. Agricola besorgte ihre Ablieferung nach München. Die deutschorden’schen Beamten wurden von dem Herzog mit seinem Bildniſs und andern Verehrungen bedacht, und Agricola zur Kirchweihe und andern Festlichkeiten wiederholt nach München eingeladen[C].

/Nürnberg/. /J. Baader/.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Dieses Kloster wurde damals vom Markgrafen eingeäschert und zerstört. Die Klosterfrauen fanden im Klarakloster zu Nürnberg Aufnahme und Verpflegung. Hier blieben sie bis zu ihrem Tode. Die letzte Pillenreuther Conventualin, Elisabetha Netzenhöferin, starb am 29. September 1596. Ein Jahr vor ihrem Tode schickte sie dem Herzog eine werthvolle Reliquie vom heil. Andreas. Uebrigens hatte derselbe auch schon im Jahre 1585 mehrere Reliquien, und darunter ein Stück von der Säule, an der Christus gegeiselt worden, die Kaiser Ludwig dem von ihm gegründeten Kloster Pillenreuth geschenkt, aus den Händen der Pillenreuther Conventualinnen erhalten.]

[Fußnote B: Schleiſsheim.]

[Fußnote C: Einmal erhielt Agricola für übersendete Reliquien 200 Goldgulden. Schon der Groſsmutter des Herzogs, der Wittwe Wilhelms des Standhaften, hatte Agricola im Jahre 1572 mehrere Reliquien übersendet. Dieselbe dankte ihm unterm 24. October. Indem sie ihrem Briefe 4 Ducaten „nit zu ainer verglaichung (Bezahlung), sondern allein zu ainem angedencken“ beilegte, versprach sie „berürt heylthumb (Reliquien) die zeit vnnsers lebens in billichen Eeren zuhalten vnd zubehalten.“]

Alte Dramen.

So viel auch Gottsched und Gödeke zur literarischen Sammlung des Theaters bis Ende des siebzehnten Jahrhunderts gethan, so war doch noch genug übrig, um mir zu gestatten, allein bis zum Jahre 1600 dem durch jene Männer gesammelten Vorrath noch 37 fernere Stücke hinzuzufügen (s. Annalen, II, S. 246-51, 289-91) und weitere Kunde von mancher Piece der folgenden Zeit zu geben. Indeſs ist die Kenntniſs von der Literatur jener Epoche noch nicht erschöpft: während eines einzigen Jahres wurden mir 20, den Literatoren völlig unbekannte Dramen aus wenig benutzten Bibliotheken bekannt, wovon drei aus dem 16. Jahrh. Sie mögen in chronologischer Reihe hier folgen:

1. Ein newe Comedia, auß dem achtzehenden Cap. Matthei, vom König, der von seynen knechten rechenschafft haben wolt. Gemachet durch /Adam Prellen/ von der Weysenstad.

o. O. u. J. (c. 1550). 8. -- Bibl. der Maatschappij van Nederlandsche Letterkunde te Leiden, II, p. 329.

2. Ein Teutsch spil von dem edlen Ritter Ponto, wie er mit dem Haydnischen Ritter vmb Gottes wort gekempfft vnd den sieg erhalten hat, schon, lustig vnnd lieblich zu lesen. Zugericht durch /Heinrich Hoffott/ Rechenmayster und burger zu Nürnberg. Gedruck (so!) zu Nürnberg durch Valentin Neuber. Am Ende: Gedrückt zu Nürnberg durch Valentin Neuber.

o. J. (1551). 6⅜ Bog. 8. mit 2 Holzschn. Widmung an Joh. Derrer, Rechenmeister zu Nürnberg, dat. 26. Febr. 1551. Zehn Akte und 20 redende Personen. -- In Nürnberg (Stadtbibl.)

3. Ein Dialogus oder Gespreche von dem absterben Friderici Staphyli, Spielweiſs gemacht, zu ehren Herren D. Rudolff Clencken, darin̄ sein gedruckter bericht von Staphyli abschied nach notturfft widerleget wirdt, Durch Sophoniam Peregrinatorem de Quiete, Schulmeistern zu Haslach. Lustig und kurtzweillig zu lesen. M.D.LXIIII. Am Ende: Gedruckt zu Rotstock, bey Gabriel Danner von Znaim in der praiten Gassen.

5⅞ Bog. 8. m. Titelholzschn. Der Herold der Titelrückseite auf letztem Blatte wiederholt. Redende Personen: Frid. Staphilus. Die Clerisey zu Ingolstad. D. Rudolff Clenck. Eines Lutherischen Christliche Seel. Der gute Engel. Ein böser Geyst. Lucifer. Der falsche Engel. 8 Akte. Prosa. Verfasser und Drucker natürlich fingiert. -- In Nürnberg (Stadtbibl.), wo 2 Exempl.

4. Ein kurzweilig Spiel von dem zu Nürnberg im Prediger Closter gefangenen Crocodill. 1604.

o. O. Nürnberg. 8. -- Nürnberger Auktionskatalog (v. Hagens) vom 14. Juni 1786. Nr. 3638.

Abschrift in Nürnberg (Stadtbibl.).

5. /Saurius/, Abraham, Ein erschröckliche Tragödie von erbärmlichem Vndergang vnnd Verderben Sodomae und übriger vmbliegender Stätt. Vlm 1612.

8. -- Stargardt, Cat. 68, S. 27.

6. Lutherus Augustus, drama. Der Hocherleuchtende Augspurgische Luther, und sein Augspurgischer Reichs Tag,.. in Reinteutsche Alexandrinische Reim Art vnd ernstes Schaw Spiel gesetzet, vnd auff instehendes Evangelisches Jubel Jahr gerichtet, vnd zugerichtet von /M. Mart. Rinckart/, in Patr. Ileb. Archidiacono. Leipzig, 1630. 4.[A].

7. Bethulia oder veste Burg der vnüberwindlichen Kirchen Gottes, bedrenget vnd betrübet von Holoferne, Endtlich aber durch Gottes sonderbare Gnade befreyet von der großmächtigen Heldin vnd Frawen Judith, in ein Drama Comico-tragicum nach jetzt gewöhnlicher vngebundener Teutscher Art verfasset, vnd im Gräfflichen Mansfeldischen Gymnasio zu Eißleben agiret. Leipzig, Gottfried Groſs. 1633. 8.

8. Eine sehr lustige vnd anmuhtige Hirten Comoedia, so Myrtilla genant, von der gelehrten Italianischen Comoediantin, Frawen Isabella Andreini in jhrer Sprache beschrieben, an jetzo verteutscht. 1634. 8.

9. Friede Erlangtes Teutschland In einem Schauspiel auffgeführet vnd beschrieben Von /Johan Henrich Hadewig/. Hannover, Gedruckt durch Georg Friederich Grimm, In Verlegung Johan Jansons von Br. M DC Lj.

9 Bogen. 8. Widmung des Verfassers, Pastors in Lübekke, an Königin Christine von Schweden, dat. Lübekke am 13. Sept. anno 1650. Elf Aufzüge mit 39 Personen. Das Stück beginnt erst auf 30. Seite, vorher Jamben, Sonnette, Alexandriner u. s. w. -- In Nürnberg (Kirchenbibl.)

10. Hoch-Fürstliche Sommer-Lust, Von dem.. Herrn FRANTZ ERDTMANN, Hertzoge zu Sachsen, Engern und Westphalen, etc. In gegenwart etlicher Hoch-Fürstlichen Persohnen, Vermittelst eines Ballets und Feurwercks, zu Grünaw den 24. Augusti dieses 1664sten Jahres, Erfreulich vollenzogen. In der Fürstl. Niedersachschen Druckerey zu Grünaw, Druckts Paul Hunholtz.

o. J. (1664). 5 Bog. 4. -- In Nürnberg (Stadtbibl.).

11. Schau-Platz der Eitelkeit, worauff der geehrt-, gelährt-, bethört-, beschwert- und bekehrte Salomo auß Heiliger Schrifft, der heutigen Welt Hoch nützlich vorgestellt wird. 1667.

o. O. 8. -- Krauſser’s in Nürnberg 103. Antiquariats-Verzeichniſs, Nr. 689.

12. Kurtzer Entwurff, Eines anmuthigen Kinder-Ballets, Welches Durch LX. Junge Knaben Theils mit Multer-Pferden, ihres Alters von IV. biß in X. auch XII. Jahren. In Der Freyen Käyserl. Reichs-Stadt Nürnberg, repraesentirt und vorgestellet wird. Sampt Einem kurtzen Schäfer-Gespräch Und andern lustigen Musicalischen Kurtzweiln angeordnet, Von Einem Des Durchleuchtigst. Ertzhauses Oesterreich Weyl. zehenjährigen Bedienten. J. M. L. Anno MC.LXIIX. (so!) Am Ende: Nürnberg, zu finden bey /Jacob Lang/, /Musico/.

Titelblatt, Querfoliokupferblatt, 22 gez. S. 4. Prosa und Gedicht. -- In Nürnberg (Stadtbibl.).

13. Liebes-Triumph Ballet, Bey höchst-erfreulicher Heimführung, Der Durchlauchtigsten Fürstin Frauen AVGVSTA MARIA, Margräfin zu Baden. In der Hochfürstlichen Residentz Carolsburg durch Anwesende Hochfürstlich. Gräffl. und Adeliche Personen vorgestellt. Durlach, Gedruckt bey Johann Salomon Haken, An. 1670.

10 Bl. 4. -- In Stuttgart.

14. Der Ehr- und Tugendliebende Philaret.. in einem Mischspiele auff öffentlicher Schaubühn zu Jena vorgestellet, Jena, Joh. Ludwig Neuenhahn. 1673. 8.

15. /Weißenbach/, Joh. Casp., Der Vnsterbliche GOTT in dem sterblichen Leib eines schwachen Menschen und dann die sterbliche Menschheit mit der unsterbligkeit Gottes vereinet und clarificiert. Beyde auff offentlicher Trawr- und Frewdiger Schaw-Püny vorgestellt in Zug Anno 1678. Gedruckt bei C. Rooſs.

o. J. (Zug, 1678). 4. -- In Aarau.

16. /Weißenbach/, Joh. Casp., Newe Lieder auß der Tragödie intitulirt: Der vnsterbliche GOTT in dem sterblichen Leib eines schwachen Menschen.. Baden im Ergew, Baldinger 1678.

4. -- In Aarau.

17. Tragico-Comoedia oder: das beneidete, doch unverhinderte Ehren-Glück Des frommen und lieben Jacobs-Sohns JOSEPHS.. von Georg Scheurern, Inspectore der Agenten. und /Joachim Müllner/, Inventore & Autore Materiae. wie auch /Johann Fischer/, Hochfürstl. Brandenb. Onolzbachischen Hof-Musico, als Componisten der Musicalischen Sing-Arien. Nürnberg, gedruckt bey Christian Sigm. Froberg. 1685.

24 gez. S. 8. Drei Handlungen mit 50 redenden Personen. -- In Nürnberg (Stadtbibl.).

18. Musicalisches Lustspiel, am 45. Geburtstage Fridericae Amaliae, Herzoginn zu Holstein-Gottorf, oder dem 11. April 1693 vorgestellet. Schleswig, 1693.

4. Verfaſst und componirt von /Joh. Philipp Förtsch/. -- Schröder, Lexikon d. hamburg. Schriftsteller, II, S. 332.

19. Neu-angestellte Herbst-Freude, wegen der glücklichen Wiederkunfft der Hertzogin Marien Elisabeth in Römhild. 1696.

4. -- Bibl. Bachov. 1. Goth. 1737. p. 316.

20. Die Unglückliche Liebe Des Tapfern JASONS, In einem Sing-Spiel, Auf dem Hoch-Fürstl. Würtembergischen Schau-Platz vorgestellet. 1698.

o. O. 8 Bl. u. 85 gez. S. 8. -- In Stuttgart.

/Nürnberg./ /E. Weller./

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Die ohne Quellenangabe genannten Schriften sind den alten Meſskatalogen entnommen.]

Altdeutscher Spruch.

Ain junger Ritter aun muͦt -- ain alter jud aun guͦt ain pfaff aun kunst -- ain acker aun dunst ain jung wîb aun lieb -- ain jarmarkt aun dieb ain schûr aun mûs -- ain alter böltz aun lûs ain bock aun ain bart -- das ist wider naturlich art.

(Aus einem Bamberger Codex als Schluſs einer Ars memorandi.)

/München./

/Birlinger./

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 8. August.

Chronik des germanischen Museums.

/Nürnberg/, 15. August 1866.

Die politischen Ereignisse der jüngst verflossenen Zeiten, deren wir schon in voriger Chronik gedachten, haben zur Besetzung Nürnbergs durch eine preuſsische Armee unter Oberbefehl Sr. königl. Hoheit des Groſsherzogs /Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin/ geführt. Die nationale Bedeutung unserer Anstalt und die allgemeine Theilnahme aller deutschen Bruderstämme hat sich auch bei diesem Anlasse auf’s glänzendste bewährt. Se. königl. Hoheit, schon seit Jahren wohlwollender Förderer der Anstalt, geruhten, dieselbe aufs eingehendste zu besichtigen und verweilten nebst Gefolge 2½ Stunden in den Räumen der Karthause, um sich von dem Fortgang und der weitern Entwicklung der Anstalt zu überzeugen; und wir können es mit Stolz herausheben, daſs Se. königl. Hoheit in Folge dieses Besuches die erfreuliche Mittheilung dem I. Vorstande zu machen geruhten, daſs Höchstihr Jahresbeitrag, der bisher stets nur auf eine Reihe von Jahren zugesichert war, nunmehr als ständiger, immerwährender zu betrachten sei. Nicht leicht hätte irgend eine Zusage dem Museum erfreulicher sein können, da gerade die Befestigung der Anstalt von der Befestigung der gröſseren, sicher eingehenden Beiträge direkt abhängig ist.

Die hohe Freude, welche das Museum über diese werthvolle und wichtige Zusage empfindet, wird noch gesteigert durch das weitere Versprechen Sr. königl. Hoheit, die Kupferstichsammlung des Museums durch die Doubletten der groſsh. Kupferstichsammlung bereichern zu wollen. Wie das hohe Beispiel des Höchstkommandierenden der Occupationsarmee anregend auf die Offiziere und die Mannschaft gewirkt hat, so hatte sich das Museum auch eines sehr bedeutenden Besuches von Offizieren und Soldaten zu erfreuen, so daſs die lebhafte Bewegung in unsern Hallen einen angenehmen Contrast bildete zu dem in der Zeit vorher fast auf Null gesunkenen Fremdenbesuche. Mancher langjährige auswärtige Freund und Förderer des Museums wurde so durch den Gang des Krieges in’s Museum geführt, mancher neue Freund gewonnen.

Die in Folge des Waffenstillstandes wiederhergestellte Verbindung mit allen Theilen Deutschlands hat auch die eine kurze Zeit in Stocken gerathene Correspondenz wieder belebt.

Auch die leider in der Expedition des Anzeigers eingetretenen Störungen können nun ausgeglichen werden; ebenso wird unser 12. Jahresbericht für 1865 demnächst zur Versendung gelangen.

An neuen Beiträgen wurden im Laufe des Monates folgende gezeichnet:

Aus =Vereinskassen=: Vom Landkapitel Haigerloch 4 fl.

Von =Privaten=: /Berlin/: Univ.-Professor Dr. Ferd. Piper 7 fl. (einm.); /Darmstadt/: Ferdinand Bender, stud. phil. 1 fl.; /Sigmaringen/: Religionslehrer Bantle, z. Z. Kaplan in Langensenlingen, 1 fl., Adlerwirth Götz in Langensenlingen 1 fl.; /Stuttgart/: Finanzrath Blessing 1 fl.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Prof. A. Flegler=, Archivvorstand des german. Museums:

3349. Kaufbrief des Lienhardt Purckholtzer, Metzgers und Bürgers zu München, für Michael Stertz ebendas. über ein halb Pfund Pfennige Ewiggelds. 1496. Pgm.

=Dr. Herzog= in Zwickau:

3350. Stiftung von 4 rhein. Guld. Zinsen von fl. 100 Kapital an das Karthäuserkloster zu Nürnberg durch den Zwickauer Meſspriester Heinrich von Grumbach. 1513. Pgm.

II. Für die Bibliothek.

=Société des bibliothèques communales du Haut-Rhin= in Colmar:

19,764. Dies., III. année, 3. séance; 1866. 8.

=Stiller=’sche Hofbuchhandlung in Schwerin:

19,765. Lübker, d. Fall des Heidenthums. 1856. 8.

19,766. Kliefoth, über das Verhältniſs der Landesherren als Inhaber der Kirchgenwalt zu ihren Kirchenbehörden. 1861. 8.

19,767. Neander’s deutsche Sprichwörter, hsg. v. Latendorf. 1864. 8.

19,768. Hobein, Buch der Hymnen. 1864. 8.

=P. Liehner=’sche Buchhandlung in Sigmaringen:

19,769. Staiger, d. schwäb. Donauthal mit d. Molkenkuranstalt Beuron. 2. Ausg. 1866. 8.

=Carl Heymann’s= Verlag (A. E. Wagner) in Berlin:

19,770. Förster, statist.-topogr.-histor. Uebersicht d. preuſs. Staats. 8.

19,771. Dürer, einiger Unterricht v. d. Befestigung d. Städte, Schlösser und Flecken. 8.

19,772. Wagener, Jahr- und Tagebuch der wichtigsten Entdeckungen, Erfindungen und Stiftungen u. d. denkwürdigsten Weltbegebenheiten seit Christus; Th. I. u. II, 1. 2. 1824-28. 8.

19,773. Fischer u. Streit, histor. u. geogr. Atlas von Europa; 2. Aufl., Bd. I u. II, 1. 2. mit 82 Karten. 1836 u. 37. 8.

19,774. Kugler, Beschreibung der Kunst-Schätze von Berlin und Potsdam; 1. u. 2. Thl. 1838. 8.

19,775. Bielitz, Darstellung der Rechte des preuſs. Fiskus. 1839. 8.

19,776. Ders., Darstellung der Rechtsverhältnisse des Adels in Preuſsen. 1840. 8.

19,777. Schröter, Lehrbuch d. allgemeinen Landrechts; 3 Bde. 1840-43. 8.

19,778. Genealog.-diplomat. Jahrbuch für den preuſs. Staat; I. II, 1841 u. 43. 8.

19,779. Riesel, Ausflüge und Ferienreisen in d. märkische Heimath; I-V. 1865. 8.

=Fr. Vieweg & Sohn=, Verlagsbuchh., in Braunschweig:

19,780. Sell, d. Recuperatio der Römer. 1837. 8.

19,781. Jahrbücher für histor. und dogmatische Bearbeitung des röm. Rechts, hsg. v. K. u. W. Sell. 3 Bde. 1841-44. 8.

19,782. Hermes, d. Entdeckung von America durch die Isländer im 10. u. 11. Jhdt. 1844. 8.

19,783. v. d. Pfordten, Votum über die Erbfolge in Schleswig-Holstein; 2. Aufl. 1865. 8.

=G. B. Leopold=, Universitätsbuchh., in Rostock:

19,784. Türk, geschichtl. Studien; I, 1. u. 2. 1841-43. 8.

19,785. Hanmann, Warnemünde, dessen Seebad etc. 1843. 8.

19,786. v. Both, urkundl. Nachrichten über die in Mecklenburg vorhandenen Stipendien. 1842. 4.

=Anton Emmert= in Riva:

19,787. Legge del 5 Marzo 1862 sull’ ordinamento degli affari comunali etc. 1866. 8.

19,788. Legge comunale pel Tirolo etc. 8.

=K. b. Akademie der Wissenschaften= in München:

19,789. Dies., Sitzungsberichte etc. 1866, I, H. 3. 1866. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

19,790. Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins, hg. v. Mone; Bd. 19, 3. H. 1866. 8.

=Job. Jak. Dietzel=, Pfarrer, in Nürnberg:

19,791. Das Wolffgesang. 4.

19,792. Klieber, ein schön rayen lied der 118. Psalm, etc. kl. 8.

19,793. Der lxiij. Psalm etc. Der. x. Psalm etc. kl. 8.

19,794. Heyden, der Lxxx. Psalm zu singen und zu betten etc. 8.

19,795. Ders., die einsetzung vnd brauch des heyligen Abentmals etc. 1544. 8.

19,796. Ders., ein Lobgesang von der Aufferstehung Christi. 8.

19,797. Ders., der XCI. Psalm gesangs weis. 8.

19,798. Frisch, ein Schnee-Predigt. 1661. 8.

19,799. Schwartz, christl. Betraurung... Herrn Jobst Ludw. von Steinberg auf Boden etc. 1678. 4.

19,800. Schwarz, Casp. Neumanni delectus precum etc. 1746. 8.

19,801. Abschrifft eines Briefes, den Gott selbst geschrieben etc. 1720. 1 Bl. 2.

19,802. Strauſs, ein new wūderbarlich Beychtpuchlin etc. 1523. 4.

19,803. Heshusius, von Eheuerlöbnissen, und verbotenen Gradibus. 1583. 4.

19,804. (Stör), der Ehelich standt von Got mit gebenedeyung auffgesetzt. 4. (Defect.)

=Herder=’sche Verlagshandlung in Freiburg:

19,805. Janssen, Frankfurts Reichscorrespondenz; Bd. II, 1. 1866. 8.

=August Demmin= in Paris:

19,806. Ders., catalogue de la collection céramique de M. Aug. Demmin. 1866. 8.

=A. Bube=, Archivrath, in Gotha:

19,807. Ders., Romanzen und Balladen. 3. Aufl. 1866. 8.

=J. G. Cotta=’sche Verlagshandlung in Stuttgart:

19,808. Deutsche Vierteljahrs-Schrift; 29. Jhrg., Juli-Sept. 1866. Nr. 115. 8.

=Groſsherzogl. herzogl. sächs. Universität= in Jena:

19,809. Dies., index scholarum hib. 1866-67. 4.

19,810. Dies., Vorlesungen, 1866-67. 8.

19,811. Kay, über den Antagonismus zwischen Opium und Belladonna. 1866. 8.

19,812. Lothholz, über Aetiologie des Heotyphus. 1866. 8.

19,813. Sikora, Beobachtungen über Stimmbandlähmung. 1866. 8.

19,814. Vidal, de abscessibus per congestum. 1866. 8.

=P. Liehner=’sche Buchhandlung in Sigmaringen:

19,815. Sammlung der Gesetze und Verordnungen f. d. Hohenzollern’schen Lande; n. F., Bd. I, 2. 1866. 8.

=Eugen Schnell=, Archivar, in Sigmaringen:

19,816. Ders., geschichtliche Bilder und Erzälungen. 1866. 8.

=v. Olfers=, k. pr. geh. Rath und Generaldirektor der k. Museen, Exc., zu Berlin:

19,817. Das Model eines athenischen Fünfreihenschiffs, Pentere, aus der Zeit Alexanders d. Gr. im k. Museum zu Berlin. 1866. 2.

=Dr. Ferdin. Piper=, Universitätsprofessor, in Berlin:

19,818. Ders., vergleichender Kalender f. d. J. 1862, 1863, 1864. 11.-13. Jahrg. 8.

=Königl. Akademie= in Münster:

19,819. Atorf, de Marco Aurel. Probo Romanor. imp. 1866. 8.

19,820. Becker, imperator L. Domitius Aurelianus restitutor orbis. 1866. 8.

19,821. Deuſsen, de Polycrate Samiorum tyranno. 1866. 8.

19,822. Krichel, de Ulrici Hutteni studiis politicis. 1866. 8.

19,823. Scharfe, de Evagorae Salaminorum reguli vita ac rebus gestis. 1866. 8.

19,824. Schluenkes, de Tacito Tiberii rerum auctore. 1866. 8.

19,825. Schoenborn, de causa et lite decumana inter Thuringos et archiepiscopos Moguntinos. 1866. 8.

=A. Klindworth=’s Verlagsbuchhandlung in Hannover:

19,826. Klopp, Leibniz’ Vorschlag einer französ. Expedition nach Aegypten. 1864. 8.

=Königl. Universität= in Greifswald:

19,827. Dies., index scholarum, 1866-67. 4.

19,828. Dies., Verzeichniſs der Vorlesungen, 1866-67. 4.

=G. Schönfeld=’s Buchhandlung (C. A. Werner) in Dresden:

19,829. Neuer Anzeiger f. Bibliographie etc.; Jhrg. 1866, 1-6. H. 8.

=J. N. Enders=, Buchhandlung, in Neutitschein:

19,830. Die Biene; 16. Jhrg., 1866, Nr. 1-18. 4.

=Redaktion der kathol. Blätter aus Tirol= in Innsbruck:

19,831. Katholische Blätter aus Tirol; 1866, Nr. 1-18. 8.

=Comité Flamand de France= in Dünkirchen:

19,832. Dass., bulletin; tom. IV. nr. 1 et 2., Janv.-Juin. 1866. 8.

=Société Française d’archéologie= in Paris:

19,833. Dies., bulletin monumental; 32. vol., nr. 1-4. 1866. 8.

=Alwin Rudel= in Dresden:

19,834. Central-Blatt für deutsche Papier-Fabrikation; 1866, Nr. 1-12. 4.

=Stahel=’sche Buch- und Kunsthandlung in Würzburg:

19,835. Chilianeum; 8. Bd., 1-12. Heft. 1866. 8.

=Dr. Hermann Stolp= in Berlin:

19,836. Deutsche Gemeinde-Zeitung, hg. v. Stolp; 1866, Nr. 1-25. 4.

=J. Engelhorn=, Verlagshandlung, in Stuttgart:

19,837. Gewerbehalle etc.; Jhg. 1866, Lief. 1-6. 4.

=Redaktion des literar. Handweisers= in Münster:

19,838. Literarischer Handweiser etc.; Jhg. 1866, Nr. 41-46. 8.

=Wallishauser=’sche Buchhandlung (Jos. Klemm) in Wien:

19,839. Jagd-Zeitung; 9. Jhg,, Nr. 1-12. 1866. 8.

=Redaktion der Heidelberger Jahrbücher= in Heidelberg:

19,840. Heidelberger Jahrbücher der Literatur; Jhg. 1866, Januar-April. 8.

=Verlag der Frauenzeitung= in Stuttgart:

19,841. Kirchenschmuck etc.; XIX. Bd., 2. Hlfte. 1866. 8.

=Institut historique= in Paris:

19,842. Dass., l’investigateur; 33 année, Janv.-Juin. 1866. 8.

=Redaktion der allgemein. Literatur-Zeitung= in Wien:

19,843. Allgem. Literatur-Zeitung; Jahrg. 1866, Nr. 1-20. 4.

=K. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale= in Wien:

19,844. Dies., Mittheilungen; 11. Jahrg., Jan.-April. 1866. 4.

=Redaktion der altpreuſs. Monatsschrift= in Königsberg:

19,845. Altpreuſsische Monatsschrift; 3 Jhg., 1. u. 2. Heft. 1866. 8.

=Du Mont-Schauberg=’sche Buchhandlung in Köln:

19,846. Organ für christl. Kunst; 16. Jhg., 1866, Nr. 1-12. 4.

=Th. Oelsner= in Breslau:

19,847. Schlesische Provinzialblätter, hg. v. Oelsner, neue Folge, 5. Jhrg., Jan.-April. 1866. 8.

=H. Laupp=’sche Buchhandlung in Tübingen:

19,848. Theologische Quartalschrift, hg. von v. Kühn etc.; 48. Jhg., 1. u. 2. Quartalheft. 1866. 8.

=Müller von der Werra= in Leipzig:

19,849. Die neue Sängerhalle, hg. v. Müller v. d. Werra; 5. Jhg., 1866, Nr. 1-26. 4.

=Dr. L. Lang= in München:

19,850. Münchener Sonntagsblatt; Jhg. 1866, Nr. 1-15. 4.

=Verein zur Ausbildung der Gewerke= in München:

19,851. Ders., Zeitschrift; 16. Jhrg., 1. bis 3. Heft. 1866. 2.

=Redaktion des Volksblattes für Stadt und Land= in Quedlinburg:

19,852. Volksblatt etc., Jhg. 1866, Nr. 1-52. 4.

=Redaktion des Wochenblattes der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg= in Berlin:

19,853. Wochenblatt etc., Jhg. 1866, Nr. 1-32. 4.

=Polytechnischer Verein= in Würzburg:

19,854. Ders., Wochenschrift; Jhg. 1866, Nr. 1-18. 8.

=Redaktion der Zeitschrift f. preuſs. Geschichte u. Landeskunde= in Berlin:

19,855. Zeitschrift f. preuſs. Geschichte u. Landeskunde; 3. Jhg., 1.-5. Heft. 1866. 8.

=Allgem. deutsche Verlags-Anstalt (Sigism. Wolff)= in Berlin:

19,856. Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst; Jhg. 1866, Heft 1-3. 2.

=Ign. Franz Keiblinger=, Stiftskapitular, in Melk:

19,857. Heller, hat Karl V. wortbrüchig an dem Landgrafen Philipp v. Hessen gehandelt, als er ihn zu Halle gefangen nahm? 1866. 4. Progr.

=K. Studienrektorat= in Erlangen:

19,858. Soergel, de Tiberio et Gaio Gracchis commentationis particula III. 1856 (corrig. 1866.) 4. Progr.

=Dr. Petersen=, Realitätenbesitzer, in Berum:

19,859. Wenckebach, jus Theelachticum redivivum. 1759. 4.

=G. P. Aderholz’= Buchhandl. (G. Porsch) in Breslau:

19,860. Krawutzky, Zählung und Ordnung der heil. Sacramente der kathol. Kirche. 1865. 8.

19,861. Marks, Geschichte des kathol. Schullehrer-Seminars zu Breslau. 1865. 8.

=Gebr. Carl u. Nikolaus Benziger=, Buchh., zu Einsiedeln:

19,862. Register oder Verzeichnisse zu Bd. I bis und mit XX des Geschichtsfreundes. 1865. 8.

=Buchhandlung des Waisenhauses= in Halle:

19,863. Lambert, die Entwicklung der deutschen Städte-Verfassungen im Mittelalter; 2 Bde. 1865. 8.

19,864. Lucä, über Schiller’s Wilhelm Tell. 1865. 8.

19,865. Opel, Wallenstein im Stift Halberstadt, 1625-26. 1866. 8.

19,866. Schade, altdeutsches Wörterbuch. 1866. 8.

19,867. Tschischwitz, Nachklänge germanischer Mythe in den Werken Shakspeare’s. 1865. 8.

=Kgl. Geh. Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker)= in Berlin:

19,868. Bäſsler, Auswahl altchristl. Lieder v. 2. bis 15. Jahrh. 1858. 8.

19,869. Carlyle, Geschichte Friedrich’s von Preuſsen, deutsch von Neuburg; 4 Bde. 1858-66. 8.

19,870. Cassel, der Grâl und sein Name. 1865. 8.

19,871. Fürstenthal, d. allgemeine Gerichtsordnung für die preuſs. Staaten. 1857. 8.

19,872. Hahn, Hans Joachim von Zieten; 3. Aufl. 1858. 8.

19,873. v. Strampff, Dr. Martin Luther: Ueber die Ehe. 1857. 8.

19,874. Preuſsens altes Recht an Schleswig-Holstein. 1865. 8.

19,875. Witzleben, Prinz Friedrich Josias von Coburg-Saalfeld etc. 3 Theile. 1859. 8. Mit Karten und Plänen, gr. 2.

=N. G. Elwert=’sche Universitäts-Buchhandlung in Marburg:

19,876. Dietrich, Frau und Dame. Ein sprachgeschichtl. Vortrag. 1864. 8.

19,877. Dietrich, de cruce Ruthwellensi. 1865. 4.

19,878. Wagner, Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der Saline Sooden. 1865. 8.

=Verlag von Ernst & Korn= (Gropius’sche Buch- und Kunsthandlung) in Berlin:

19,879. Ahlburg, die Klosterkirche zu Riddagshausen. 1857. 2.

19,880. v. Quast, Denkmale der Baukunst in Preuſsen; 3. u. 4. Heft, gr. 2.

19,881. Biographieen berühmter Baumeister und Bildhauer; I. Bd. 2. Ausg. 1862. 8.

=Ferdin. Förstemann’s= Verlagshandl. in Nordhausen:

19,882. Förstemann, d. gräfl. Stolbergische Bibliothek zu Wernigerode. 1866. 8.

19,883. Rüstow, Geschichte der Infanterie; 2 Bde., 2. Ausg. 1864. 8.

19,884. Walther, d. Literatur des gemeinen, ordentlichen Civil-Processes und seine Bearbeiter. 1865. 8.

=Theobald Grieben=, Verlagsbuchh., in Berlin:

19,885. Löffler, das Pferd. Zucht, Pflege, Veredelung u. Geschichte. 4 Bde. 1866. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:

19,886. Kohlrausch, d. deutsche Geschichte; 15. Aufl. 1866. 8.

19,887. Leunis, Nomenclator zoologicus. 1866. 8.

19,888. Meiſsner u. Shepard, Untersuchungen über das Entstehen der Hippursäure im thierischen Organismus. 1866. 8.

=J. G. Heuser=’sche Buchhandlung in Neuwied:

19,889. Harder, die Entstehung und Ausbreitung des Christenthums in den ersten drei Jahrhunderten; 2 Thle. 1865-66. 8.

19,890. Kühn, Entwicklungsgeschichte der Freimaurerei. 1864. 8.

19,891. Ullersperger, d. Herz-Bräune; historisch, pathologisch und therapeutisch. 1865. 8.

19,892. Ders., der Hirnnervenschlag. 1864. 8.

=C. Hingst=, Verlagsbuchhandl., in Stralsund:

19,893. Brix, Skizzen aus dem nördl. Eismeere. 1866. 8.

=G. W. Körner=, Verlagshandl., in Erfurt:

19,894. Zwingli’s Lehrbüchlein, wie man die Knaben christlich unterweisen und erziehen soll; hg. v. Fulda. 1844. 8.

19,895. Körner, die Stadt Erfurt. 1848. 8.

19,896. Davin, die Sprache der Deutschen nach ihrer Geschichte etc. 1864. 8.

=W. Langewiesche’s= Verlagshandl. in Barmen:

19,897. Sauer, die Wupper in Liedern und Sagen. 1866. 8.

19,898. Müller, das Duell im Lichte christlich-germanischer Bildung. 1858. 8.

=Heinr. Müller=, Verlagshandl., in Berlin:

19,899. Brunnemann, Michel Servetus. 1865. 4.

=Constantin Niese=, Buchhandl., in Saalfeld:

19,900. Wagner’s Chronik der Stadt Saalfeld, fortges. von Grobe; 10. Heft. 1866. 8.

=C. W. Offenhauer=, Verlagshandl., in Eilenburg:

19,901. Vörckel, Martin Rinkart, ein evangel. Lebensbild. 1857. 8.

=G. Rahn=, Verlagshandl., in Berlin:

19,902. Rahn, die Berliner Königsstadt u. deren vier Kirchen. 2. Aufl. 1857. 8.

=Fr. Regensberg=, Verlagshandl., in Münster:

19,903. Hüppe, Lieder u. Sprüche der Minnesinger. 1844. 8.

19,904. Winiewski, systemat. Verzeichniſs der in den Programmen der preuſs. Gymnasien und Progymnasien 1825-41 enthaltenen Abhandlungen etc. 1844. 4.

19,905. Perger, annalium Iburgensium fragmenta. 1857. 8.

19,906. Deycks, carminum epicorum germanicorum Nederlandicorum saec. XIII et XIV fragmenta. 1859. 4.

=J. Riecker=’sche Buchhandl. in Gieſsen:

19,907. Follen, Tristans Eltern. 1857. 8.

19,908. Sandhaas, fränkisches eheliches Güterrecht. 1866. 8.

=Carl Rümpler=, Verlagshandlung, in Hannover:

19,909. Scheler, Aufzeichnungen eines Amsterdamer Bürgers über Swedenborg. 1858. 8.

19,910. Delius, Boto, Graf von Stolberg, Ahnherr der Fürsten Europas. 1860. 8.

19,911. Merkel, die ostfriesische Insel Borhum. 1860. 8.

19,912. Crestien von Troies, li romans dou chevalier au lyon; hg. v. Holland. 1862. 8.

19,913. Baudissin, Philippine Welser, histor. Roman; 3 Bde. 1864. 8.

19,914. Gödeke, Every-man, Homulus und Hekastus. 1865. 8.

19,915. Polko, alte Herren, die Vorläufer Bach’s. 1865. 8.

19,916. Möller, Geschichte Schleswig-Holsteins; 2 Bde. 1865. 8.

=Joh. Jac. Scheel=, Verlagshandl., in Kassel:

19,917. Klemme, das Leben Johann Calvin’s. 1864. 8.

=Gustav Schlawitz=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

19,918. Hengstenberg, das Duell und die christl. Kirche. 1856. 8.

19,919. Büchsel, Erinnerungen an den Markgrafen Johann von Küstrin. 1856. 8.

19,920. Rocholl, Beiträge zu einer Geschichte deutscher Theosophie. 1856. 8.

19,921. Lämmer, die vortridentinisch-katholische Theologie des Reformations-Zeitalters. 1858. 8.

19,922. Dreher, Leben, Lieder und Liederpflege der Augusta Maria, Markgräfin von Baden-Durlach. 1858. 8.

19,923. Rocholl, das Leben Philipp Nicolai’s. 1860. 8.

19,924. Becker, das edle sächsische Fürsten-Kleeblatt. 1860. 8.

19,925. Becker, Dr. Martin Luther, der deutsche Mann. 1861. 8.

19,926. Preuſs, das Concil von Trident. 1862. 8.

=Schulze=’sche Buchhandlung in Oldenburg:

19927. Strackerjan, Geschichte der Buchdruckerei im Herzogthum Oldenburg und der Herrschaft Jever. 1840. 8.

19,928. Runde, deutsches eheliches Güterrecht. 1841. 8.

19,929. Archiv für die Praxis des gesammten im Groſsherzogthum Oldenburg geltenden Rechts, hg. v. Groſskopff, Ruhstrat und v. Steun: 5 Bde. 1843-55. 8.

19,930. Kohli, Handbuch einer histor.-geogr.-statist. Beschreibung dea Herzogth. Oldenburg etc. Th. I u. II, 1. 2. 1844. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Weiſs=, Archivar, in Klagenfurt:

5134. 73 Lackabdrücke von älteren und neueren Siegelstöcken.

=Adolf Bube=, Archivrath, in Gotha:

5135. Porträt des Herrn Geschenkgebers, Stahlstich von Weger.

=A. Demmin= in Paris:

5136. 2 Photographieen von Majoliken nach v. d. Meer.

=A. Neuhauser=, Besitzer der Glasmalerei zu Innsbruck:

5137. 26 Blätter Photographieen zu dem Werke: Les vitreaux Bourges etc.

=Ein Ungenannter= in Nürnberg:

5138. Groschen der Herzoge Friedrich, Albert und Johann von Sachsen.

=Dr. E. Freiherr von Bibra= in Nürnberg:

5139. Bruchstück eines römischen Glases mit eingesprengten Batzen und zwei Brandpfeile aus dem 15. Jahrh.

=Chr. Flinzberg=, Seifensieder, in Coburg:

5140. Karte des Rückzugs der fränk. Rhein- und Mosel-Armee unter Moreau; nebst Text.

=Ferd. Bender=, stud. philol., in Darmstadt:

5141. 15 Lack- und Papierabdrücke von älteren u. neueren Siegeln.

Chronik der historischen Vereine.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2. 32. Vol. de la Collection. Nr. 5. Paris et Caen, 1866. 8.

Mémoire sur des découvertes d’antiquités romaines faites à Valentine (Haute-Garonne); par M. Morel. -- Notice sur le camp de Cinais (Indre-et-Loire); par M. de Cougny. -- Essai sur les origines et le développements du Christianisme dans les Gaules, par M. Tailliar.

/Bulletin du Comité Flamand de France./ Tome IV. Nr. 2. Avril, Mai et Juin 1866. Lille et Dunkerque, 1866. 8.

Extrait des procès-verbaux. -- Transmission de la châtellerie de Bourbourg, par le marquis de Godefroy Ménilglaise. -- Note sur la communication précédente, par E. de Coussemaker. -- Etablissement des jésuites anglais à St-Omer et à Watten, par le R. P. Possez.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

16) /Die Prämonstratenser des zwölften Jahrhunderts und ihre Bedeutung für das nordöstliche Deutschland./ Ein Beitrag zur Geschichte der Christianisirung und Germanisirung des Wendenlandes. Von /Franz Winter/, Prediger zu Schönebeck a. d. E. Berlin, 1865. E. Schweigger’sche Hofbuchhandlung. 8. 386 Stn.

Der scheinbar weitabliegende Gegenstand, den vorliegendes Werk behandelt, gewinnt ein näheres Interesse dadurch, daſs die erzählte Geschichte um eine hervorragende Persönlichkeit wie um einen Mittelpunkt sich bewegt und darin zwei der bedeutendsten Factoren im Bildungsprozesse des Mittelalters, niedersächsische Nüchternheit und fränkische Erregtheit, in der Nähe zu einer dauernden Schöpfung zusammentreten, wie sie die letztere allein in der Ferne vergeblich zu verwirklichen suchte. Statt mit den übrigen Heeren des westlichen Europas jenseits des Meeres nach dem Morgenlande zu ziehen, hielten die sächsischen Fürsten es für gleich verdienstlich, einen Kreuzzug gegen die östlich von der Elbe wohnenden Slaven zu unternehmen, ihr Land mit dem Reiche zu vereinigen und so einen neuen Boden für Verbreitung des Christenthums herzustellen. Diese Aufgabe war der materiellen Seite nach gerade hinreichend gefördert, als ein günstiges Geschick im heil. Norbert, dem Erzbischofe von Magdeburg und Stifter des Prämonstratenserordens, einem wahren Charakterkopfe des zwölften Jahrhunderts, den Mann auf den Platz stellte, der vollkommen im Stande war, den geistigen Theil der Arbeit zu übernehmen. Der Orden, dem er in jenen Ländern eine eigentliche Heimat bereitet hat, und in welchem sein Sinn wie in ungeschwächter Verkörperung ein Jahrhundert lang fortlebte, führte das Werk zu Ende. In anziehendem, einheitlichem Bilde bringt der Verfasser uns diese inhaltreiche Geschichte vor Augen, indem er nach historischem Rückblicke den Ordensstifter, die Ordensschüler und deren Gönner, die dreizehn Klöster, sowie endlich die Organisation und den Verfall des Ordens bespricht. Umfangreiche angehängte Excurse erläutern die Thatsachen näher; eine dritte Abtheilung behandelt die Quellen.

E.

17) /Aus der musikalischen Vergangenheit bayrischer Städte. Musikgeschichte der Stadt Regensburg./ Aus Archivalien und sonstigen Quellen bearbeitet von Dr. /Dom. Mettenleiter/. Regensburg, Verlag von J. Georg Bössenecker. 1866. 8. 287 Stn.

Der Verfasser des vorliegenden Buches wurde, wie das Vorwort bemerkt, vor mehreren Jahren von hoher Seite beauftragt, die Bearbeitung einer Musikgeschichte Bayerns zu unternehmen. Die groſse Zersplitterung des historischen Stoffes stellte die Nothwendigkeit heraus, die Zusammenstellung des Ganzen durch eine möglichst ausführliche Spezialgeschichte der einzelnen gröſseren Städte einzuleiten. Die Musikgeschichte der Stadt Regensburg liegt als erster Erfolg der bezüglichen Arbeiten vor und bietet sogleich so reiche Ergebnisse der Forschung, daſs, wir möchten sagen, damit für die Musikgeschichte Deutschlands noch mehr gethan ist, als für die Bayerns. Denn während die letztere örtliche Zufälligkeiten, die in jedem Orte von neuem aufzusuchen sind, nie ganz wird übergehen können, müſste es für die erstere vorzugsweise von Werth sein, das Gemeinsame in den endlos sich wiederholenden ähnlichen Erscheinungen an das Licht zu stellen. Dieses wird aber in der reichen Musikgeschichte der Stadt Regensburg grade für die älteste Zeit und für die spätere wenigstens von einer Seite gleichsam typisch vorgebildet. Mit Besprechung der musikalischen Schriften des Priors Wilhelm zu St. Emmeram, des Regensburger Mönches Otker, des Bischofs Albertus Magnus u. a. kann der Verfasser bis in das elfte, zwölfte und dreizehnte Jahrhundert zurückgehen. Was Aventin und Keppler für die Theorie der Musik geleistet, knüpft sich ebenfalls an Regensburg. Manche andere bedeutende Namen auf diesem oder praktischem Gebiete werden uns im Zusammenhange vorgeführt: was in der Kirche, Schule und im bürgerlichen Leben zur Pflege der genannten Kunst geschehen, erfahren wir mit ausführlichen Belegen. Die Schrift zeugt überall von vollständiger Sachkenntniſs und gewissenhaftestem Fleiſse. Nicht unbemerkt können wir lassen, daſs an einer Stelle uns die befremdende Klage begegnet, daſs dem Forscher das betreffende urkundliche Material vorenthalten worden. -- Eine Musikgeschichte der Stadt Amberg und der oberpfälzischen Klöster ist in nächste Aussicht gestellt.

18) /Das graue Alterthum. Eine Einleitung in das Studium der Vorzeit/ von A. /Morlot/. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. F. Bärensprung. Schwerin, 1865. Druck und Verlag der Bärensprung’schen Hofbuchdruckerei. 8. 52 Stn.

Die erste Ausgabe der vorliegenden Abhandlung erschien in französischer Sprache bereits 1861, die zweite im folgenden Jahre. Eine italienische Uebersetzung trat 1863 an’s Licht und gleich darauf zwei englische zu Washington und London. Die gegenwärtige deutsche ist nach der dritten Bearbeitung des Originals unternommen und vom Verfasser selbst durchgesehen. Mit Recht bezeichnet der Uebersetzer die Schrift als so reichhaltig und anziehend, daſs sie verdient, auch bei uns weiteren Kreisen zugeführt zu werden. Sie enthält nicht, was man aus der Fassung des Titels zu schlieſsen versucht sein könnte, eine Uebersicht der bisherigen Ergebnisse dieses weitschichtigen Vorspieles unserer Alterthumskunde, sondern stellt, an der Hand der Entwicklung des Studiums selbst, die groſsen Fragen des letzteren fest und umschreibt mit weiten Zügen das zu behandelnde Gebiet, um sogleich zur genaueren Betrachtung eines bestimmten Punktes überzugehen, die vom Verfasser selbst durchgeführte, für die Bestimmung der Perioden der Vorzeit so auſserordentlich wichtige Untersuchung über den Durchstich des Schuttkegels der Tiniere, eines bei Villeneuve in den Genfersee sich ergieſsenden Wildbaches. Die aus dieser Untersuchung gewonnenen, mit eben so groſsem Scharfsinn wie musterhafter Unparteilichkeit entwickelten Anschauungen müssen wir dem wiſsbegierigen Leser aus dem kleinen Werke selbst zu entnehmen überlassen. Wir bemerken nur noch, daſs der Uebersetzer dasselbe mit mancher schätzbaren Anmerkung bereichert hat.

19) /Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der Bergstraſse./ Von /Val. Al. Franz Falk/. Mainz, Verlag von J. A. Giani. 1866. 8. VIII u. 218 Stn.

Die Geschichte des berühmten Klosters Lorsch ist trotz des reichhaltig angehäuften Materials bis jetzt nur sehr unvollständig behandelt worden. Georg Helwich’s schon im Jahre 1631 erschienene Antiquitates Laurishaimenses und Vogel’s Brevis et compendiosa relatio de fundatione, consecratione, incremento et decremento coenobii Laurissensis, welche in die Sammlung von Freher-Struve im Jahre 1717 aufgenommen wurde, konnten dem wissenschaftlichen Standpunkte der Gegenwart nicht mehr genügen, und Konrad Dahls historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch u. s. w., 1812, ein übrigens sehr dankenswerthes Werk, behält mehr nur die Erläuterung der Gebietsverhältnisse und der kirchlichen Einrichtungen des Oberrheingaus im Auge. Es war daher ein verdienstliches Unternehmen des Herrn Falk, die Geschichte des Klosters Lorsch, seine äuſseren Schicksale, wie seine innere Entwickelung, in gegenseitigem und fortlaufendem Zusammenhang darzustellen.

Der Ort, an welchem das spätere Lorsch gegründet wurde, war ohne Zweifel schon den Römern bekannt, und selbst Förstemann wagt nicht den Namen Laurissa mit Bestimmtheit auf eine deutsche Wurzel zurückzuführen. Auch haben gottesdienstliche Einrichtungen, wie aus der Stiftungsurkunde selbst hervorzugehen scheint, ohne Zweifel schon vor der Gründung des eigentlichen Klosters daselbst bestanden. Diese setzt der Verfasser in das Jahr 764 und bleibt damit der seit Jahrhunderten herkömmlichen Annahme getreu. Gleichwohl scheint diese unrichtig zu sein, insofern der in der Stiftungsurkunde angenommene 12. Juli (sub die IIII Id. Julii) des zwölften Jahres der Regierung Pipin’s als Tag der Gründung festgehalten werden soll. Da sich nämlich aus Heinr. Hahn’s gediegenen Forschungen in seinen Jahrbüchern des fränkischen Reichs herausstellt, daſs die Thronbesteigung Pipin’s zwischen den 23. September 751 und 23. Sept. 752 zu setzen ist und allem Vermuthen nach im Jänner des letzteren Jahres stattgefunden hat, so muſs das zwölfte Regierungsjahr Pipin’s von 763-764, und kann nicht von 764 auf 765 laufen. Nur wenn Pipin erst nach dem 12. Juli 752 die königliche Weihe erhalten haben sollte, was die geringere Wahrscheinlichkeit für sich hat, könnte der 12. Juli des zwölften Jahres in das Jahr 764 fallen. Wir würden daher immerhin die Feststellung Tolner’s vorziehen, welcher den 12. Juli 763 annimmt, obschon die Berechnung, auf welche er sich stützt, nicht genau ist. Wie bei den Chronisten des Mittelalters aus der einfachen Zusammenfügung der Zahlen 752 und 12 das Jahr 764 hervorgehen konnte, würde sich leicht klar machen lassen, wenn der Raum es gestattete.

Der Verfasser erzählt die Versetzung der Gebeine des heiligen Nazarius nach Lorsch, die Wirksamkeit der ersten Aebte, und den hohen Aufschwung, welchen das Kloster unter den Karolingern nahm. Er erörtert die wissenschaftliche Thätigkeit der Lorscher Mönche, die, wenn sie auch derjenigen von Fulda und St. Gallen nicht gleichkam, doch immerhin sehr Bedeutendes geleistet hat. Die Wichtigkeit, welche Lorsch auf diese Weise erlangt hatte, dauerte auch unter den Ottonen fort; mehrere Glieder der sächsischen Kaiserfamilie nahmen dort vorübergehend ihren Aufenthalt; Bruno, Bruder Otto’s des Groſsen und später Erzbischof von Köln, war eine Zeit lang Abt des Klosters. Die Vermehrung des Vermögens durch liegende Gründe und ansehnliche Gebiete mit ihren Höfen und Dorfschaften gab den Aebten von Lorsch zugleich die Stellung weltlicher Fürsten; sie hatten eine verhältniſsmäſsige Kriegsmacht auszurüsten, die namentlich in den Zeiten der salischen Kaiser mehrfach genannt wird. In diese Periode fällt offenbar auch die höchste Blüthe des Klosters, die sich bis in die Zeit der Kreuzzüge erhielt. Diese beförderten zwar das klösterliche Leben, indem sie viele neue Bildungen von thatkräftigerem und heftigerem Charakter in das Leben riefen, erschütterten aber gerade dadurch die alten Congregationen, wo diese nicht im Stande waren, durch strenge Zucht und geordnete Verwaltung dem einreiſsenden Verderben Widerstand zu leisten. Dieses letztere Loos traf auch das Kloster Lorsch. Unter Konrad, dem letzten Abte aus dem Orden der Benediktiner (von 1214-1226), nahmen die Unordnungen dermaſsen überhand, daſs derselbe abgesetzt, das Kloster selber aber dem Erzbischof von Mainz zuerst zur Reform, später aber zu vollem Eigenthum übergeben wurde. Anfänglich suchten die Cistercienser sich in Lorsch anzusiedeln, konnten sich aber eben so wenig als die alten Benediktiner daselbst behaupten. Nach langem inneren Hader räumte der Erzbischof Siegfried III. unter vorausgegangener Gutheiſsung des Papstes Innocenz IV. das Kloster im Jahre 1248 dem Orden der Prämonstratenser ein, wogegen dieser auf den Besitz des weltlichen Fürstenthums und aller damit verbundenen Rechte verzichten muſste. Als späterhin der Erzbischof Dietrich II. von Mainz ein Bündniſs mit dem Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen eingieng und demselben zur Deckung der Kriegskosten mehrere Gebiete als Pfandschaft übergab, kam Lorsch sammt dem gröſseren Theile der Bergstraſse unter pfälzische Herrschaft. Es befand sich noch immer unausgelöst in dieser Lage, als Friedrich III. nach dem Religionsgespräche von 1560 die Reformation, und zwar in calvinistischer Form, in allen seinen Landen ernstlich und folgerichtig durchzuführen begann. Das Kloster Lorsch, schon vorher in Ausübung seiner Befugnisse übermäſsig beschränkt, wurde aufgehoben. Die Städte der Bergstraſse blieben in dem Besitze der Pfalz und zugleich in der calvinistischen Lehre, bis im Anfange des dreiſsigjährigen Krieges und nach den ersten Siegen Tilly’s im südlichen Deutschland das Erzbisthum Mainz an die Wiedererwerbung der schon halb verlorenen Landschaften dachte. Im Jahre 1623 wurde Lorsch sammt den verpfändeten Orten der Bergstraſse mit Hülfe spanischer Truppen von Mainz in Besitz genommen und zugleich die römisch-katholische Lehre unter den dortigen Einwohnern von neuem eingeführt. Erst durch den Reichsreceſs von 1803 kam Lorsch an den Landgrafen oder späteren Groſsherzog von Hessen.

Dies ist der Inhalt der vorliegenden Schrift. An die Erzählung schlieſsen sich mehrere aus einem Würzburger und Frankfurter Codex herausgegebene Anecdota, die Aufzählung der Lorscher Aebte und Pröbste, das Verzeichniſs der von dem Verfasser benutzten Literatur, und endlich eine lange Reihe von 162 Anmerkungen, welche die vorausgeschickte Darstellung der Thatsachen vielfach erläutern und beglaubigen.

A. F.

20) /Das weströmische Reich, besonders unter den Kaisern Gratian, Valentinian II. und Maximus/ (375-388), von Dr. /Heinrich Richter/. Berlin, Ferd. Dümmler’s Verlagsbuchhandlung. 1865. 8. VIII, 697 Stn.

Alle Diejenigen, welche sich mit dem Studium der imperatorischen Zeit beschäftigt haben oder beschäftigen, wissen zur Genüge, daſs der in dem Titel bezeichnete Zeitabschnitt zu den wichtigsten und folgereichsten der römischen und beziehungsweise europäischen Geschichte gehört. Das Heidenthum ist äuſserlich besiegt, aber innerlich noch keineswegs überwunden; die christliche Kirche ist zum Glaubensbekenntnisse des Staates geworden, befindet sich aber mit der arianischen Partei und anderen religiösen Sekten noch im heftigsten Kampfe; die Kaiser selbst werden vielfach in diese Streitigkeiten verwickelt. Alle Kräfte des Reiches sind übermäſsig angespannt; die gesammte Staatsmaschine, das Militärsystem, das Beamtenthum haben keine nationalen Wurzeln mehr und werden den Gefühlen der Masse zusehends entfremdet. Auf diesem, von Parteileidenschaften, amtlichen Willkürstreichen, gesetzlichen und ungesetzlichen Plackereien erschütterten Boden erscheinen plötzlich die Germanen in geschlossener Volkskraft, werfen die römischen Heere siegreich vor sich nieder und beginnen nun auf römischem Boden selbst den Kampf mit dem Kaiserthum, bis dieses ihren nachhaltigen Angriffen erliegt. Wir stehen an der Schwelle der Völkerwanderung, welche die Elemente neuer Staatsordnungen ausstreut und in langer Gährung die Bildungen des Mittelalters vorbereitet.

Lange Zeit begnügte man sich, die Thatsachen, welche sich in den Jahren 375 bis 388 zusammendrängen, aus den nächsten Ursachen und den unmittelbarsten Beweggründen zu erklären. Selbst Tillemonts groſses Werk, das durch die Reichhaltigkeit des gesammelten Stoffes und die Gewissenhaftigkeit der Forschung ganz unentbehrlich geblieben ist, reichte nicht sehr weit über diesen Gesichtspunkt hinaus, und erst Montesquieu und Gibbon haben durch tieferes Eindringen auf die von Langem her angebahnten Wirkungen und auf den Zusammenhang der verborgenen Fäden in der Entwickelung aufmerksam gemacht. Gleichwohl blieb noch Vieles zu thun übrig. Man fieng allmählich an einzusehen, daſs das römische Reich nicht sowohl an der physischen Abschwächung und grundverdorbenen Jämmerlichkeit der Menschen zu Grunde gieng, wie man gewöhnlich anzunehmen pflegte, als vielmehr an einer sittlichen Erhebung der Volksmassen, die von innen heraus erfolgte, und an welcher das unhaltbar gewordene bureaukratische System des Cäsarismus vollständig scheiterte. In den früheren kirchengeschichtlichen Werken war die Geschichte der Dogmen und religiösen Gemeinschaften, losgerissen aus aller staatlichen Entwickelung, behandelt und zusammengestellt: und so bewegte man sich durch ein verworrenes Feld scheinbar öder und unwirthbarer Begriffe. Die fortschreitende Erweiterung unserer geschichtlichen Anschauungen hat uns indessen zur Einsicht gelangen lassen, daſs das Verständniſs vieler kirchlichen Dogmen die Kenntniſs der Kämpfe zwischen den kirchlichen Parteien und religiösen Sekten voraussetzt, und daſs diese selbst wieder mit allen Zuständen der Gesellschaft auf das engste zusammenhangen. Endlich wurde die Zernichtung des römischen Reiches durch die Germanen meist als ein lediglich durch äuſseren Anstoſs und mit äuſserlichen Mitteln herbeigeführtes Ereigniſs dargestellt, während ein gründliches Eindringen in die Organisation desselben uns die verschiedenen Stufen nachweist, auf welchen der Geist der germanischen Volksstämme sich heranbildete, um zuerst zu entscheidendem Einflusse und endlich zur wirklichen Herrschaft zu gelangen.

Aus der sorgsamen Erwägung aller dieser Momente ist die Eintheilung und Gestaltung des vorliegenden Buches hervorgegangen. Der Verfasser hat seinen Stoff in drei Bücher zerlegt, von denen das erste von der christlichen Kirche und den Germanen im römischen Reiche, das zweite von Kaiser Gratian insbesondere, das dritte von den Kaisern Valentinian II. und Maximus handelt. Er führt uns in dem ersten Buche zunächst in die Zeiten Diokletians, erläutert in anziehender Weise aus der Persönlichkeit und militärischen Bildung dieses Kaisers dessen Stellung zu Staat und Kirche und bahnt sich so den Weg zu den groſsen politischen und geistigen Kämpfen der constantinischen Periode. Hieran schlieſst sich eine Schilderung des kirchlichen Lebens, das Eingreifen der donatistischen und arianischen Streitigkeiten. Aus den persönlichen und kirchlich-reaktionären Cabalen, die sich an den Höfen der drei Söhne Constantin’s des Groſsen entspannen, entwickelten sich Julian’s vergebliche Reformversuche. Ehe der Verfasser von diesen zu den Thaten des kräftigen Kaisers Valentinianus übergeht, behandelt er noch in einzelnen vortrefflichen Abschnitten die Entwickelung des Mönchthums, die wachsenden Feindseligkeiten der Germanen, den römischen Kolonat, die Colonisation der Germanen auf römischen Boden und die damit zusammenhängenden Militärdienste. Mit psychologischer Feinheit hat er in dem zweiten Buch, welches den eigentlichen Kern seines Vorwurfes bildet, das Auftreten Gratian’s aus dem Zusammentreffen seiner Anlagen und ihrer Ausbildung mit den allgemeinen Verhältnissen der Zeit erläutert. Die übermäſsige Strenge der kirchlichen Gesetze führte zu dem heftigen Aufruhre der afrikanischen Donatisten und Circumcellionen, welche zwar gebändigt, aber nicht zernichtet werden konnten, während sich in Italien selber still und geräuschlos die ersten Ansätze des römischen Primates bildeten. Bei dieser Gelegenheit erweist der Verfasser in geschickter Weise aus den Verwickelungen und staatlichen Zuständen der Zeit die leichte und natürliche Verbindung weltlicher Gerichtsbarkeit und Verwaltung mit der Immunität der Bischöfe. Mit Ausführlichkeit werden sodann die Schicksale des älteren Theodosius, die Stellung des Kaisers Valens in Constantinopel, die Aufnahme der Westgothen auf römischem Gebiete, Gratian’s Kämpfe mit den Alamanen, die Schlacht von Hadrianopel und das Auftreten des neuen Mitkaisers Theodosius bis zum gewaltsamen Tode Gratian’s geschildert. Das dritte Buch führt die in dem bisherigen Verlaufe der Begebenheiten angeknüpften Fäden bis zu dem Tode des Maximus fort und rundet den Gesammtinhalt zu einem harmonischen Ganzen ab.

Die Verflechtung der kirchlichen Ereignisse und gesellschaftlichen Zustände in den Gang der allgemeinen Geschichte und die richtige Würdigung des germanischen Einflusses im Innern des römischen Staates bilden den eigenthümlichen Vorzug des Buches. Denkweise, Sitten und innere Triebfedern werden uns nahe gelegt; wir fühlen uns mitten in das Getreibe einer sonst fremdartigen Zeit versetzt. Bei gründlicher Behandlung ist die Darstellung flieſsend, anregend und belebt. Die erläuternden Anmerkungen sind, nach Büchern abgetheilt, dem Schlusse des Werkes beigefügt.

A. F.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 29. Ein Spaziergang nach den Pfahlbauten bei Robenhausen.

/Das illustr. Buch d. Welt/: Nr. 8, S. 225. Schloſs Rheinsberg. Histor. Skizze. (Thaddäus Lau.)

/Der Katholik/: Juni. Nachrichten über die berühmteren Theologen von 1620-30. -- Ob und inwieweit es in der mittelalterlichen Scholastik ideales, begriffliches und causales Erkennen gibt.

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 45 ff. Zur Geschichte und Charakteristik der evangel. Kirche in Rheinland und Westfalen. (Schluſs.)

/Evang. Kirchen-Zeitung/: Juni. Die Liturgien der alten Kirche.

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 396. Ueber die Faustsage. (Dr. Gräſse im Dr. J., nach Dr. Kühne in Zerbst.) -- Nr. 409. Das burggräfliche Schloſs zu Nürnberg.

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 22, S. 387. Unsere Urväter. (M. J. Schleiden.) -- S. 443. Dietrich von Bern an der Basilika San Zeno zu Verona. (W. v. Metzerich.)

/Deutsche Vierteljahrs-Schrift/: Nr. 115. Glauben und Wissen in der Geschichte. (Dr. Faber.) -- Die Geschichtschreibung der Civilisation. (Dr. Dühring.)

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 31. Schloſs Gitschin in Böhmen. (Geisheim.)

/Allgem. Zeitung/: Beil. 216. 217. Ein deutscher Reformator im zwölften Jahrhundert. (Dr. Jos. Bach.)

/Bayer. Zeitung/: Mgbl. Nr. 194. Kleine Beiträge zur Wittelsbachischen Hausgeschichte. Pfalzgraf Otto VI. von Wittelsbach bei der Veroneser Klause 1155. (C. Th. Heigel.) -- Nr. 197 f. Zur Lebensgeschichte des Bildschnitzers Veit Stoſs. -- Nr. 203 f. Christian von Schweden in Paris, 1656. -- Nr. 207 ff. Das Friedensmahl und andere Festlichkeiten bei dem Friedens-Executions-Congreſs in Nürnberg im Jahre 1649 und 1650. -- Nr. 211. Aus alten Chroniken (ein Kirchendieb; über das Vortanzen). -- Nr. 217 ff. Ueber Schmuck und Kleiderluxus der Deutschen. Kulturgeschichtliche Skizze. (Venanz Müller.) -- Nr. 218 f. Der letzte Hafner zu Marbach.

Vermischte Nachrichten.

76) Unter dem in nächster Zeit in Nürnberg zur Versteigerung kommenden Nachlasse des bekannten Architekten C. A. /von Heideloff/ befindet sich ein merkwürdiges Stammbuch, auf das Liebhaber und Autographensammler gewiſs mit Recht schon im Voraus aufmerksam gemacht werden dürfen. Dasselbe ist vom Jahr 1605 an bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus geführt, besteht aus einem Queroctavbande von 339 Blättern und ward von einem Andreas Setzinger angelegt, der, wie aus dem Buche selbst hervorgeht, in Regensburg seine Studien begann und in Straſsburg vollendete, dann, wahrscheinlich einer Gesandtschaft beigefügt, sich längere Zeit in den Niederlanden aufhielt, Frankreich und England bereiste, und überall eifrig bemüht war, aus seiner vornehmen Umgebung Namen in sein Buch eintragen zu lassen. Deutsche Fürsten jener Zeit finden sich nicht selten eingeschrieben, so /Ludwig Friedrich Herzog zu Württemberg/, /Adolf Friedrich/ und /Johann Albrecht/, /Herzoge zu Mecklenburg/, /Johann Christian Herzog zu Schlesien/, die /Markgrafen Christian/ und /Albrecht von Brandenburg/, /Friedrich Ulrich Herzog zu Braunschweig/, u. a. Die interessanteste Handschrift ohne Zweifel rührt vom Befreier der Niederlande, Prinzen /Moriz von Oranien/, der im Jahre 1608 mit dem Zusatze: „/Je maintiendray/“ sich eingezeichnet hat. Auch sein nicht minder berühmter Bruder und Nachfolger /Heinrich/ und /Louise von Colligny/, verwittwete /Fürstin von Oranien/, haben ihre Namen und Denkverse eingeschrieben. Vom Jahre 1608 auch ist der Eintrag /Roberts/, des letzten /Grafen von Essex/, der nicht weniger bezeichnend seinem Namen den Spruch: „/Virtutis comes invidia/“ beigefügt hat. Diesem schlieſsen sich die Lords /Spencer/, /Winwood/ u. a. an. Sehr zahlreich ist der deutsche hohe, zum Theil reichsständische Adel vertreten. Die bedeutendsten Namen aus der österreichischen Gegenreformation, wie die /Khevenhüller/, /Räcknitz/, /Herberstein/, /Dietrichstein/, /Stubenberg/, /Gäller/, /Praunfalk/ u. s. w., kehren fast sämmtlich mehrmals wieder. Von andern sind hervorzuheben die Grafen von /Stollberg-Werningerode/, /Isenburg-Büdingen/, /Löwenstein-Wertheim/ und manche mehr. Der gewöhnliche Zierrath solcher Stammbücher: gemalte Wappen, Costüme, Darstellungen aus dem Studentenleben, Allegorieen u. dgl. ist auch hier in reichem Maſse vorhanden.

77) Die /Versteigerung der Drugulin’schen Sammlung von Kupferstichen und Radierungen in London/, welche vom 11. bis 22. Juni dauerte, war in Folge der eingetretenen Kriegsereignisse fast ohne alle Betheiligung von festländischer Seite geblieben, was besonders bei den Werken der niederländischen Radierer einen bedeutenden Ausfall verursachte. Trotzdem wurden u. a. folgende Preise erzielt: St. Georg, von einem unbekannten Meister um 1450, 50 Pfd. St. 10 Sh.; St. Christoph, von einem andern Stecher aus gleicher Zeit, 18 Pfd. 18 Sh.; von den Dürer’schen Stichen: Adam und Eva 15 Pfd. 10 Sh., die Passionsfolge 17 Pfd., Maria mit dem Affen 9 Pfd., Eustachius 33 Pfd., die Melancholie 9 Pfd., der Spaziergang 8 Pfd., Ritter, Tod und Teufel 30 Pfd., das Wappen mit dem Todtenkopfe 10 Pfd. 2 Sh. 6 P. Die Stiche nach A. v. Dyk blieben trotz ihrer Schönheit weit hinter den gewohnten Preisen zurück. Die Blätter von dem Meister E. S. von 1466 brachten: die Madonna unter dem Baldachin 41 Pfd., St. Michael 10 Pfd., St. Marcus 5 Pfd. 17 Sh. 6 P., der Buchstabe r 15 Pfd. 5 Sh.; das reiche Hollarwerk erzielte circa 320 Pfd.; die Preise der neuen Blätter des Israel von Mecken variierten zwischen 5 Pfd. 5 Sh. und 9 Pfd. Den ganzen achten Tag nahm das treffliche Rembrandtwerk in Anspruch und erreichte ungeachtet der niedrigen Preise 607 Pfd. Der Gesammterlös betrug 3652 Pfd.

(Ill. Z.)

78) In /Unter-Lunkhofen/, einem aargauischen Dorfe am rechten Ufer der Reuſs, ist durch die historische Gesellschaft des Kantons Aargau der /gröſste/ von 46 gezählten /Grabhügeln/, die im dortigen Bergwalde Bärhau liegen, im Laufe des Monats Juli /abgedeckt/ worden. Derselbe miſst in seinem mittlern Durchmesser 60 Fuſs, in seinem untersten 90 Fuſs, ist von zweierlei Umfangs- und Strebemauern, übereinander liegend und jede gegen 6 Fuſs breit, eingewandet und in seinem Centrum auf 15 Fuſs Tiefe mit einer Grundlage von ähnlichen wilden Steinklötzen und Geschiebmassen ausgerüstet. Unter diesen erst beginnt der natürliche Waldboden, alles Uebrige ist künstlich aufgetragen. Auf 10 Fuſs Tiefe wurden zehnerlei verschiedene Flächen sowohl der Leichenverbrennung als auch der Leichenbeerdigung durchstochen oder abgedeckt. Daraus ergibt sich unwiderleglich, daſs hier die Beerdigung und die Verbrennung gleichzeitig und nebeneinander im Brauche gewesen sind. Das hier bestattete Volk ist ein vorrömisches, zu welchem trotz seiner mannigfachen, durch den Handel bezogenen Luxusartikel noch nicht eine einzige römische Münze gekommen war. Die metallenen Schmuckgegenstände sind, auſser wenigem Eisen, Bronze von theilweise auſserordentlich feiner Guſshaut und sehr edler Form. Ein feines, roth und grün gewürfeltes Gewandstück einer vornehmen Frauenleiche hat sich durch die Oxydation des dabei gelegenen Erzes ganz unversehrt erhalten. An zierlichem Haarschmuck, an Arm- oder Gelenkringen aus Erz, Ohrgehängen, Bronzeperlen und Gewandnadeln wurden werthvolle Fundstücke erhoben. Fingerringe von Bernstein, rothes, sechsfach facettiertes Glas setzen nicht minder in Verwunderung, als die Früchte von wilden und veredelten Birnen, Kirschen u. s. w., die durch die luftdicht schlieſsende Schutterde des Hügels sich noch in verhältniſsmäſsiger Frische vorfanden, obschon sie zum Theil in einer Tiefe von acht und mehr Schuh lagen. Die osteologische Beschaffenheit der Schädel und Gerippe, sowie ihre verschiedenartige Bestattungsweise deutet auf eine zweifache Rasse von Unterjochten und Herrschenden. Die noch dieses Jahr erscheinende „Argovia“, das Jahrbuch der historischen Gesellschaft, wird umfassenden Bericht hierüber erstatten und die Situationspläne mittheilen.

(Dies.)

79) Der fürstlich fürstenbergische Hofbibliothekar Dr. Barack in Donaueschingen hat ein /Bruchstück der verloren gegangenen deutschen Originalchronik des Chronisten Wigand von Marburg/ in der dortigen Bibliothek /aufgefunden/. Diese Chronik war bisher nur in einer lateinischen Uebersetzung bekannt, welche auch in den „Scriptores rerum Prussicarum“, herausgegeben von Theodor Hirsch, Max Töppen und Ernst Strehlke, eine gediegene Bearbeitung gefunden hat. Das Bruchstück umfaſst zwei Pergamentblätter in Quart, die zum Einband eines älteren Buches verwendet waren, im Ganzen 134 Verse, deren Inhalt in den Kapiteln 34, 35, 36 (Anfang) und 38 der in den Scriptores abgedruckten lateinischen Uebersetzung der Chronik wiedergegeben ist. Dr. Barack wird seinen Fund veröffentlichen.

(Ill. Ztg.)

Inserate und Bekanntmachungen.

Jahresconferenz des germanischen Museums.

Die diesjährige ~Conferenz des Gelehrten- und des Verwaltungsausschusses, wie auch der Pfleger des germanischen Museums~ wird dahier

=am 1. October d. J.=

und an den nächstfolgenden Tagen abgehalten werden.

/Nürnberg/, 15. August 1866. =Der Vorstand des germanischen Museums.=

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 9. September.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Ordnung des Dompropsts Kilian von Bibra, des Dechants Mertein von der Kere und des Domkapitels zu Würzburg für die Stadt Karlstadt.

Mitgetheilt von Dr. C. /Will/.

Wir Kilian von Bibra in geistlichen rechten Doctor, Thumprobst Mertein von der kere Techant vnd das Capitel des Thumestiffts zu Wirtzpurg. Als in kurtz vergangener Zeit, etweuil Irsals geprechen vnd Zwittrecht In vnser Stat karelstat zwischen vnsern lieben, getrewen, dem Rathe vnd gemeyns mannen doselbst erwachssen vnd auferstanden sind derhalben vnnsere vorfarn vnd auch wir vmb guter dinge, frids eynigkeit vnd gemeyns nutzs, willen vermelter vnser Stat zum offtern male gehandelt ordenunge vnd satzung des Regiments zwischen Rate vnd gemeynde gemacht vnd letzst bey dem Erwirdigen Herrn Ludwigen vom Weyers seiligen vnnserm Thumtechant, vmb gemeynes nutze vnd eynigkeit willen gemeiner vnser Stat zwen Rethe einen Innern vnd einen eussern Rathe mitsampt einer ordenunge wie sie regiren vnd sich gein einander halten solten nach laut vnd Inhalt zweier besigilter brif die wir denselben zweyen Rethen vnter vnnserm des Capitels anhangenden Insigele gleichs lauts geben gehabt die in Irem besluſs vnter anderm In sich gehalten haben, das vns vnd vnsern nachkomen am Capitel als Iren rechten herren darInn vorbehalten gewesen dieselben ordenunge vnd satzung zu meren zu myndern zu bessern gantz ab zuthun vnd newe zu machen etc. Wan aber solich vnser vnd vnser vorfarn ordenunge vnd satzung auch schrifftlich, vnd müntlich gutlich vnterrichtung zwischen den vnnsern obgemelt, noch biſshere nicht vast fruchtbar gewesen oder zu gemeynem nutze vermelter vnser Stat fride vnd enigkeit gedynet hat, Sunder dieselben zwen Rethe sind ye mere, vnd mere zu widderwillen komen Also das Ir clage zu mermalen fur vns In ein Capitel erschollen ist vnnd gelanget hat, die vns dermassen zu hertzen gangen bewegt vnd vrsache gegeben handt, das wir derhalben die Erwirdigen vnd wirdigen Herrn Mertein Thumtechant, vnd Balthasar von der kere geuettern Heinrichen vom Lichtenstein vnd Jorgen von Seckendorff Rinhofen genant vnnsere mittumherrn zu Ine gein karelstat gefertiget vnd geschickt haben, dieselben zwen Rethe In Iren geprechen vnd hendeln geineinander nach aller notturft zuuerhoren. vnd die stucke aufzuzeichen vnd wie sie dieselben durch gute mittel nicht vertragen möchten an ein Capitel zubringen vnd gelangen zu lassen. vnd nachdem aber die obgemelten gesanten vnserer herrn vnd frunde beyde Rethe in bey wesen vnser Amptleuthe zu karelstat gnugksamlich geineinander verhört auch Ire geprechen, clage vnd antwort schrifftlichen verzeichent, vnd der mittel dodurch sie In Irem Regiment nach laut vorgemelter verschreibung vnd annder vntterrichtung Ine von vns vnd den vnnsern gescheen In fride vnd eynigkeit zu pleiben nicht finden möchten wan sie von beyden Rethen denselben geschickten vnseren herrn vnd frunden souil zuerkennen geben haben, das Ir Regiment bey einander nicht besteen Auch für die Herschafft vnd gemeyner Stat, die lenge nicht nutze oder fruchtpar sey vnd daruff bitlichen begert das wir sie beiderseit Irer pflicht von Rats wegen getan ledig sagen vnd ein newerung des Rats ordnen vnd machen wollen das aber die vergemelten vnser herre der Techandt vnd andere vnnsere mittumherrn nit haben annemen wollen, Sonder solich Ire geprechen vnd zwittrecht mitsampt Irer bethe das mañ sie vrlauben vnd des Rats pflicht ledig sagen solle an ein Capitel zubringen Als sie vns dañ in einem mechtigen Capitel gnugsamliche relacion dauon getan haben. Wan wir aber in semlichen gebrechen zwittrechten vnd fürbringen beider Rethe nicht brufen oder befinden, das einicher teyle noch zur zeit sich vergriffen oder in eyniche weis gehandelt habe das Ime zu verweisen stee oder in vneren nachredlichen sey Sonder allein das ein argkwenigkeit haſs vnd widerwille zwischen dem Innern vnd ewssern Rathe swebe vnd entsprungen sey der sich wo der nicht verkomen würde, von tage zu tage eüffen meren vnd in einen mercklichen schaden vnd vnrathe der Herschafft vnd gemelter Stat komen vnd wachssen mochte. Nu wir aber auſs gantzem vnnserm gemute vnd willen So ferre wir konnen vnd mogen geneigt vnd geflissen sind fride Süne vnd einigkeit zu machen vnd wes den vnnsern zu nutze vnd fromen komen vnd an Irem zunemen eren vnd guts erspriſslichen sein solte zu furderen wider willen vnfride vnd argkwenigkeit zustillen vnd abzuschneiden. Vnd demnach domit die vnsern zu karelstat derselben Irer zwittrecht vnd vneynigkeit icht zu grosserm vnrathe oder verdurplickeit Irer narunge fallen Sunder gemeinen nütze vnser vnd der Stat auch Ir selbst dester statlicher gesuchen vnd gefurdern mogen. vnd zu gutem gedeihen pracht werden, vnd das wir vnd vnnser nachkomen vns hinfure gegetrewer dinsthilff vnd beistands so es die notturfft erfordert dester vollkomener zu Ine versehen vnd vertrosten Auch wir sie wider vmb dester fruchtbarlicher mit gnaden versehen schutzen schirmen vnd verteydigen mogen das alles vnd mere dapffer sachen die vns darzu bewegen angesehen Bekennen wir mit diser schrifft fur vns vnd alle vnnsere nachkomen am Cappitel vnd thun kunt allermeniglich das wir mit guter vorbetrachtung vnd zeitlichem vorrathe den wir hirInn gehabt Im aller besten vf das die gemelt vnnser Stat zu besser ordenung vnd regirunge auch gemeiner Stat vnd Inwoner Ere lobe vnd nutze dester groſslicher geprufet vnd gesucht werden moge. Vnd sunderlich merern vnwillen schaden vnd vnrathe So vns vnseren nachkomen vnd der gemelten vnser Stat auſs obgedachtem Irem wider willen erwachssen sein mochte zu verkomen vns vnd den mergedachten vnsern Bürgern vnd vnterthanen zu karlstat Rathe vnd Gemeinde zu nutze vnd zugute haben wir die vorgemelten ordenunge vnd satzunge bey dem vom Weyers gemacht, vnd gegeben getodt, vnd abe gethan Totten vnd thun die wissentlichen abe In crafft dits brifs vnd vnnser oberkeit die wir do haben vnd geben Ine diese hienachgeschriebene newe ordenunge satzung vnd regirunge die wir auch also vestiglich gestrengklichen vnd vnuerprochenlichen von einem igklichen vnnsern burgern vnd Inwonern zu karelstat er sey Im Rathe oder in der gemeinde gehalten haben wollen vnd der bey seinen pflichten vns verwant getrewlichen volge zuthun.

Item vnd nemlichen zum ersten also Setzen ordenen vnd wollen wir das Nu hinfuro doselbst zu karelstat nicht merer dann ein einiger Rathe von zwölf personen sein soll, die wir auch itzunt vff Ir bethlichs vnd gesynnen als sie wie vorgemelt ist vrlaub gefordert han yedoch nit vmb miſshandelung Auch nymant zu smehe oder zu vneren von newem darein gewelet gesetzt, vnd genomen Nemlichen Wolff Plessen Cuntz durren Endres Grünnigk, Contzen Altman Gilgen hoffstetter Clausen Greiffen Peter Schonhart, Hansen Hiltprant, Peter krugk Clausen Ecken Hannsen Scheffer vnd Peter Schrautenbach die alle vnd Ir igklicher besunder einen Rathe von newen globt vnd geswörn haben.

Item vnd ob es sich hinfuro begebe das einer oder merer auſs den genanten zwolffern von tods wegen oder sunst vmb mercklicher vrsache willen auſs dem Rathe abgingen wie das geschicht das got beuolhen sey So sollen vns vnd vnnsern nachkomen am Capitel die andern Im Rathe vier oder sechs tugliche persone auſs der gemeynde verzeichent schicken als von alter herkomen ist auſs den selben, oder andern wir vns vorbehalten die abgegangen personen Im Rathe wider zuerfollen die dann auch globen vnd sweren sollen In massen die andern Im Rathe gethan haben.

Item dieselben zwolff Im Rathe sollen also Jerlich vnd ein ydes Jare besunder allewegen vf des heiligen Creutzs tage Exaltacionis genant, In beywesen vnnsers Schultheissen den wir ye zu zeitten do haben werden, Zwen auſs Ine zu Burgermeistern welen vnd machen vnd dieselben die also Jerlich zu Burgermeistern gesetzt gewelet vnd gemacht werden Auch ein igklicher der In den Rath genomen Wirdet Sollen vnnserm Schultheissen den wir do haben an vnser Stat vnd von gemeiner Stat wegen nach Inhalt des eyds daruber begriffen globen vnd sweren der herschafft vnd Statsachen Ingemein vnd besunder nach Irem besten vermogen vnd verstentniſs zu Rathen zu handeln vnd auſszurichten.

Item auch die Burgermeistere vmb alles vnd igklichs Ir einnemen vnd auſsgeben gros vnd klein nicht auſsgenomen getrewlichen rechnunge thun vnd so Ir Jarzeit vergeet, vf obgemelten des heiligen Creutzstag mit derselben Irer rechnung geschickt sein yedoch das sie vns das zeitlichen vor verkünden mit Irem brife oder kuntlichen boten ob wir vf vermelten Tage die vnsern auch zu Irer rechnung schicken wolten, Wo wir aber ander vnser anligenden sachenhalb vf genanten tage zu solcher rechnunge nicht geschicken mochten, das sie dann Irre rechnunge verzihen auch Irs Ampts nicht ledig sein sollen, biſs vf einen andern tage den wir Ine ernennen vnd die vnsern dobej gehaben mogen von Irem einnemen vnd auſsgeben rechnunge zu horen zu der sie also geschickt sein das sie derselben Irer rechnunge drew Register gleichs lauts machen lassen sollen vns der eins dem Rathe von gemeiner Stat wegen das annder vberantwurtten vnd das drit fur sich behalten.

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch das nü hinfure In gemelter vnnser Stat karelstat auſs der gemeynde vier virteillmaister gesetzt, gemacht, vnd sein sollen Als wir die dann auch itzunt gesetzt gemacht, vnd furgenomen haben mit namen Betzen Mergentheim Im Höenecker virteil Hannsen Eisengart Im Rotensteiger virteil Wilhelmen Schmidt Im Multhurner virteil vnd Clausen Renckner Im Rotenhurner virteil, die Itzgemelten vnd andere Ire nachkommen sollen hinfure mitsampt vnnserm Schultheissen den wir itzunt oder hinfure do habenn werden zu allen vnd igklichen rechnungen aller Amptleuthe der Burgermeistere Bethsetzer Gotshauſsmeister Pruderschafft Maister Spitalvberseher etc. Auch zu andern grossen vnd dapffern sachen die Herschafft vnd gemeiner Stat betreffendt als einen Hernzugk einen kostlichen Bawe der Stat, Oder so einer mit gedinge In die bethe doselbst komen oder eindingen oder so der herschafft vnd gemeiner Stat vehde zustunde ein ordenunge der were zu machen, oder die letze zu bestellen Oder so man ein Summ gelts fur die Stat aufbringen solte, das doch anders nit dann wie hernachgeschrieben steet sein soll Oder der gleichen sachen Ratslagen solle allewegen von einem Rate darzu gefordert werden vnd dabey sein vnd wes solcher hendel, notturfft ist an ein gemeinde zu pringen oder gelangen zu lassen das sollen die virteil Maister vf beuelhe vnnsers Schultheissen vnd eins Rats mit einer gemeinde ein yder nach seinem beuelhe an sein virteil darInn er gesessen ist getreulichen anpringen werben vnd Ir meynunge empfahen vnd dann wider In einem Rathe In bey wesen vnnsers Schultheissen eroffnen vnd dann dieselben Sache mitsampt Schultheiſsen vnd einem Rathe nach dem besten helffen Ratstagen nach nütze vnd notturfft der herschafft vnd gemeiner Stat helffen handeln. Aber sunst on beuelhe vnnsers Schultheissen vnd eins Rats kein Gemeinde zu Sammen verpotten in keineweiſs ongeuerde.

Item wir setzen ordenen vnd wollen auch das hinfure weder Rathe oder virteilmeister In gemein oder besunder kein ewige gelt leipgedinge, oder auch sünsten kein Summ gelts weder vil oder wenig bei Iren eyden vnd pflichten vns verwant, fur die gemelten vnser Stat, verkauffen entlehen, oder auſspringen sollen on sunderlichen vnnsern des Capitels küntlichen willen wissen vnd erleubung Sunder ob Ine einiche Summ gelts oder leipgeding die Sie itzunt von Gemeiner Stat wegen Jars zugeben schuldig sind abstürbe vns das bey denselben Iren pflichten zuuerkunden vnd nit zu verhalten.

Item Es sollen auch weder vnser Schultheis oder die Im Rathe In die bethe nymant lassen eindingen oder auch kein Summ gelts von nymandt entlehen darumb sie ymandt dester gleicher der beth halb wolten sitzen lassen on sunderliches wissen vnd willen der virteilmeistere in keinerweise ongeuerde.

Item Wir setzen ordenen vnd wollen auch das hinfure weder die Burgermeistere oder ein Rathe on besonder laube wissen vnd willen vnnsers Schultheissen keinen Rathe halten oder machen sollen Es wer dann das er nicht verhanden oder nit anheim vnd die sache so dapffer were die herschafft oder die Stat betreffe, das es die notturfft eruordert So sollen sie vnnsern Amptman zu karelburg, oder vnnsern kellner zu karelstat wu der einer verbanden were dorzu vordem.

Item Sie sollen auch nymant der vnsren weder in Stat noch auſs vnserm Ampte karelburg oder auch sunst nymant allein auſsgenomen der Stat dienere als thorwartten thurn leuthe wechter Schroter etc. weder zustraffe oder zu gefengknus annemen weder heymlich noch offenlich on willen vnd wissen vnnsers Schultheissen oder ander vnnser Amptleüth Sunder wie vnd welcher maſsen sich ymandt verhandelt der zu Straffe gefengknus oder verhefftigung angenomen werden soll Es sey zugestrengem oder fruntlichem Rechten oder sunst vmb straffe willen das sol alles mit laübe vnd wissen vnnsers Schultheiſsen, oder ander vnnser Amptleuthe doselbst gescheen, die dann an vnnser Stat aller vnd igklicher gefengknus oder beheltnus In der Stat vnd vff dem Slos karelburg mechtig sein sollen rechts vnd gerichts zu verhelffen, darzu Ine auch die gesworn Statbuttel, So sie darumb angesücht wurden bey Iren eyden vnd pflichten beholffen sein sollen Es were dann das der vermelten vnnser Schultheis oder der andern vnnser Amptleuth keiner verhanden vnd der Handel also gestalt were das es die notturfft eruordert. So haben die Burgermeistere vnd ein Rathe gut macht einen igklichen Inüerhefftüng vnd gefengknus an zunemen biſs an vnnser Amptleuth ongeuerde.

Item Wir setzen ordnen vnd wollen auch das ein Rathe hinfure in beywesen vnnsers Schultheissen die andern Ampt als bethsetzer Gotshauſsmaister Bruderschaftmeister Spitalvberseher also ordnen vnd bestellen sollen, das allewegen vnd ein ydes Jare besonder einer auſs dem Rathe, vnd darzu einer auſs der Gemeinde, oder von den virteilmeistern zu der Ampt einem genomen werden sollen, vnd welche also auſs dem Rathe des ersten zu den Ampten gewelet werden, der sol yder zwey Jare vf das male daran pleiben vnd die die auſs der Gemeynde oder von den virteilmeistern darzu gegeben werden sollen yder das erstmale Ein Jare daran sein, Aber hernach welche zu gemelten Ampten gewelet werden Es sey Im Rathe oder auſs der gemeinde der sol yder ye zwey Jare an der Ampte einem sein vnd pleiben, vnd darnach einander an sein Stat genomen, Auſsgenomen die bethsetzer sollen Jerlich veranndert werden Vnd dieselben Amptleuthe alle sollen mit Irer rechenschafft vf obgemelten tag, gleich wie die Burgermeistere geschickt sein dieselben Ire rechnung vor den die wir von Capitels wegen darzuschicken ob sie dobey sein wollen vor dem Schultheissen Rathe vnd virteil Maistern zu thun Vnd so dann solche rechenschafft der Burger Maistere Bethsetzer Gotshauſsmaister alle vnd igkliche wie vorgemelt ist gethan vnd gescheen vnd die gegen Register vberantwort sind, Alsdann wollen wir verfügen, das zwen von Rats wegen vnd zwen virteilmeistere daruber gegeben werden solich rechenschafft In einem monat dem nesten nach yder rechnunge getrewlichen mit allem vleis zu vbersehen deſsgleichen wir vns zuthun auch vorbehalten werden dann die Rechnung alle vnd yde besundere recht vnd aufrichtig funden So soll mann einer yden rechnunge des also Ireñ Receſss mit verzaichnus der namen die die rechnung besehen haben schreiben wurden aber etliche Artikel es were Im einnemen oder auſsgeben dor Inn gemerckt daran die besichtiger zweifel hetten vnd nit gnügig weren, die sollen aufgezeichent werden, von denselben besichtigern, vnd dieselben Amptleuthe die es betrifft vor den die wir daruber schicken vnd ordenen Auch vor dem Schultheissen Rathe vnd virteill Maistern, zurede setzen mogen sie dann dieselben Artikel genugksamlich verantwortten wol vnd gut So sol man In Iren Recesſs schreiben wie vorgeschrieben steet. Mogen sie aber der nicht verantwurten, oder gnügklich vnterrichtung thun, So wollen wir vns furter darInn auch vorbehalten haben gegen denselben die es betrifft nach einem billichen zu handeln.

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch nachdem hievor das vngelt zu karelstat, einzubringen den Burgermeistern beuolhen ist etc. dasselbig vngelt sol nü hinfure abermals Jerlich den Burgermeistern dermassen wie vor beuolhen vnd deſshalben sunderlich In Iren eydt gepünden werden dasselbig vngelt mitsampt einem igklichen vnserm kellner getreulich, einzuuordern ein zunemen vnd damit getrewlichen vnd ongeuerlich vmb zugeen Auch vnnsern halben teyle dauon an allen abbruche vnd abgangk vnnserm kellner zu karelstat zubehendigen vnd vberantwurtten an alles geuerde.

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch das hinfure also gehalten haben welche persone Sie sind auſs dem Rate oder auſs der Gemeinde In der Stat sachen vnd hendeln zu botschafft geschickt werden Sind sie zu pferde So sollen die Bürgermeistere Ir ydem zu tag vnd zur nacht vf ein pferdt ein ort eins guldin Sind sie aber zu fuſs ye einen tag vnd nacht dreissigk pfenning vnd auch nit mere zu zerung geben.

Item Es sol auch Ein Rathe mitsampt vnnserm Schultheissen hinfure alle cleyne Ampte der Stat als visirer thorwarttern Thurenleuthe wachter kornmesser Schrotter vnterkauffer Statputel etc. vnd dergleichen nach Irem besten gut bedüncken der Herschafft vnd der gemeinen Statnütze vnd fromen darInn brufen vnd ansehen bestellen Setzen vnd entsetzen vnuerhindert der virteilmeister vnd gemeinde doch also das dieselben Amptleuth alle vnd Ir yder besunder vnnserm Schultheissen an vnnser Stat als offt es notturfft ist globen vnd sweren sollen vnnsern vnd der Stat schaden zu warnen Fromen vnd bestes zu werben Auch vns oder vnsern Amptleuthen an vnnser Stat, vnd dem Rathe gehorsam zu sein vnnser Herschafft vnd oberkeit noch Irem besten vermögen hellfen zu hanthaben ongeuerde.

Item Wir setzen ordenen vnd wollen auch Als die vnnsern zu karelstat durch vnterrichtigunge der wirdigen vnnser lieben herrn vnd mittumherrn herrn Johannsen Grewssings vnd herrn Jorgen von Gichs mit den Bethsetzern einen anfangk furgenomen haben das man Jerlich die bethsetzer einen auſs dem Rathe vnd einen auſs der Gemeinde welen vnd machen sol alsdann hieuor auch dauon gemelt ist vnd die bethe vf vier zile Im Jare einzupringen vnd zu bezalen derselbig anfangk als wir von den vnnsern selbs bericht werden für gemeyne Statnutze vnd gut sey dobey sol es auch hinfure vnuerruckt pleiben. Aber mit der bethe vnd die bethe einzupringen vf das nu hinfure alle lessigkeit vnd versewmnus die hinterstelligen bethe auch die zukunfftigen bethe eins yden Jars einzupringen der Stat schaden verkomen vnd durch die Bethemeistere die bethe ein zuuordern auch durch einen yden die zu geben dester meher vnd besser vleis angekert werde sol es also gehalten werden. Das hinfure die gesworn vnterkauffere vber den wein gesatzt bey gesworn eyden den bethemeistern zu versteen vnd verzeichnet geben sollen wieuil weins ein igklicher verkaufft vnd wie er den verkaufft hab, So sollen die Schroter auch bey Iren gesworn eyden nymant kein verkaufften wein auſschroten, er habe Ine dann zu uoran ein zeichen von den Bethmeistern bracht So sollen die Bethmeistere keinem kein zeichen geben Er hab Ine dann zuuor anglobt sich mit Ine vmb die beth zuuertragen vnd von dem geloſsten gelt auszurichten. Deſsgleichen sol auch keiner keinen wein zu zapffen auſs schencken er hab den das ein zeichen vnd dem Bethmeistere globt, wie obgemelt ist vnd also ein yder er sei Reiche oder Arme verpflicht vnd geschickt sein Sein Stewre vnd bethe vf die vier zile die als obsteet furgenomen sind, an alles verzihen auſszurichten vnd zubezalen. So sollen die Bethmeister die Ihenen die also sewmigk sein wurden mit vleis vmb bezalung der bethe ersuchen lassen vnd auch alsdann an vnser Stat vnd von vnnsern wegen macht haben den oder dieselben die dorüber aber sewmigk wurden die Stat zu verbieten vnd sie auſs zutreiben die auch also von stundan auſsgeen vnd nicht wider einkomen sollen. Sie haben dann zuuoran Ir stewr vnd bethe bezaltt vnd welcher oder welche aber den also die Stat verpoten were wider zu Karelstat ein geen würden Ehr vnd sie die Bethe vnd Stewr bezalt hetten den oder dieselben Sol vnser Schultheis vnd die Burgermeistere zu hefften vnd gefengknus nemen vnd also gefengklichen halten biſs vf vnser vnd vnser nachkommen ferner gescheffte vnd die Burgermeistere sollen sich auch den Bethmeistern In Ir Ampt nicht slahen, Ine darein nicht tragen noch ymands frist geben.

Item vnd domit auch die Bethmeistere dester mere fleis furwenden die bethe einzupringen Setzen vnd wollen wir wue sich vff ein oder mere zile erfunde das einer oder mere Ir Stewr nicht bezalt hetten, vnd die Bethmeister bey brechten das sie gein dem oder denselben den obgedachten vleis die Stewr von denselben einzufordern vnd einzubringen nit angekeret vnd dieselben auſsgetrieben, das die Bethmeister dieselben Beth selbst bezalen sollen.

Item Wir behalten auch hirInnen vns vnd allen vnnsern Nachkomen am Capitel vor dise vnsere satzung vnd ordenunge zu meren zu myndern gantz auffzuheben vnd ein newe zu machen als offt vnd dicke das die notturfft eruordert, vnd vns gut sein bedüncken wirdet. Geben vnd versigilt vnter vnnserm des Cappitels anhangendem Insiegel Am dinstage nach der heiligen dreier konige tag Nach cristi vnnsers lieben herren gepurt Tausent vierhundert vnd In dem zweyvndachtzigisten Jaren.

* * * * *

Die vorstehende Ordnung habe ich einer gleichzeitigen wohlerhaltenen Copie entnommen. Dieselbe ist auf Pergament geschrieben und füllt 8½ Seiten in folio. Auf der ersten Seite, welche als Umschlag dient, steht von offenbar neuerer, die ältren Schriftzüge nachahmender Hand: XXVII Kilian von Bibra 1482. Das letzte Blatt ist unbeschrieben; das Ganze mit rothseidner Cordel geheftet.

Die Handschrift befindet sich gegenwärtig im Besitze des Freiherrn Ernst von Bibra in Nürnberg.

Vorläufer der Lokomotive im 17. Jahrhunderte.

Wenn wir unsere neuesten groſsen Erfindungen in’s Auge fassen, so finden wir für viele derselben die Vorstufen lange vorbereitet. So auch für das Eisenbahnwesen. Eines der wesentlichsten Elemente desselben, der Wagen, der die Triebkraft in sich selbst führt, ist eine Erfindung des 17. Jahrh., wenn auch damals nichts anderes als eine mechanische Spielerei damit bezweckt war. Der groſsartigste derartige Wagen war der von Johann Kautsch (geb. 1595) anno 1649 zu Nürnberg gebaute[A] der auf 4 Rädern fuhr. Auf den rückwärtigen ruhte ein groſser Kasten, in dem sich ein Räderwerk befand, das durch einige, gleichfalls in diesem Kasten befindliche und somit den Blicken verborgene Menschen getrieben wurde. Oben saſs der Erfinder und leitete den Wagen, dessen vorderes Ende in einen Drachen auslief, der die Augen verdrehte, und, wenn das Volk den Weg versperrte, Wasser ausspie. Ein Paar am Wagen angebrachter Engel hatten bewegliche Arme und bliesen die Posaune. 1650 kaufte Karl Gustav von Schweden diesen Wagen um 500 Thlr. und sendete ihn nach Stockholm. Später verfertigte derselbe Künstler einen ähnlichen Wagen als Triumphwagen für den König von Dänemark, nachdem er schon vorher Stühle für Podagristen in gröſserer Zahl gefertigt hatte, worin sitzend sich dieselben durch Kraft der Arme im Zimmer hin- und herbewegen konnten.

Aehnlich diesen Stühlen fertigte der gelähmte Uhrmacher Stephan Farfler[B] zu Nürnberg (geb. 1633, † 1689) Kunstwägen mit 3 und 4 Rädern, die durch Kurbeln getrieben wurden, welche ein in einem Kasten vor dem Fahrenden befindliches Räderwerk bewegten, das das eine oder die beiden Vorderräder trieb. Es ist fast genau dasselbe Fuhrwerk, wie die Draisine, die bei Eisenbahnen gebraucht wird. Nur ist, da es sich hier darum handelte, auf gewöhnlichem Boden zu fahren, der ganze Apparat nichts anderes, als eine Verlegung der eigent-Thätigkeit der Beine in die Arme. Die Arme müssen den Körper fortbewegen, müssen aber nicht blos die beim Gehen aufwendete Kraft zur Fortbewegung des Körpers allein, sondern auch noch zur Fortbewegung des Wagens liefern, müssen auſserdem noch all die Kraft aufwenden, die durch Reibung und Widerstand des Räderwerks in der Maschine erfordert wird. Uebrigens bleibt der Bau solcher Wägen stets eine interessante mechanische Spielerei, ähnlich andern, die in der ihrer Erfindungsgabe und Kunstfertigkeit wegen berühmten Stadt Nürnberg damals gefertigt wurden[C].

Fertigte man in der Stadt des Witzes mechanische Spielelereien, so wird es natürlich erscheinen, daſs man in Holland, dem Lande der Windmühlen und der Segelschiffe, darauf ausgieng, den Wind als bewegende Kraft zu benützen, also die thierische Triebkraft durch eine Naturkraft zu ersetzen. Man baute daselbst die Windwägen, von denen der alte Merian[D] bei Betrachtung von /Scheveningen/ schreibt: Scheveringen, ein Dorff nahend dem Haag gelegen, allda die Wind-Wägen gewisen werden, deren sich Printz Moritz von Oranien biſsweilen gebraucht hat, wann er neben deſs Meers Gestade spatzieren fahren wolte. Und haben in einem solcher Wägen 28 Männer sitzen, und innerhalb zwo Stunden vierzehen Holländische Meilen, nemlich von Scheveringen, bis nach Pettem, mit solcher Geschwindigkeit fahren können, daſs die vorüber raisende sie nicht haben kennen, oder ein Pferd ihnen lang gleich lauffen können. Der Erfinder dieser Wägen ist der vornehme und berühmte Mathematicus Simon Steevinus gewesen.

Ob ein derartiger Wagen sich erhalten hat, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, auch waren uns bis jetzt keine Abbildungen zu Gesicht gekommen. Im Nachlasse des bekannten Heideloff fand sich jedoch ein interessantes Stammbuch eines Andreas Setzinger, in das eine groſse Zahl hervorragender Personen, darunter auch Moriz von Oranien, ihre Namen eingezeichnet haben, und das mit dem Besitzer groſse Reisen machte und so mit ihm auch Holland sah[E]. Wie alle diese Stammbücher durch Malereien ausgestattet sind, so finden sich auch in diesem viele für die Kulturgeschichte, speciell für die Kostümgeschichte jener Zeit wichtige Malereien. Darunter kommt auch auf einem Blatte die Abbildung eines solchen, wie ein Schiff mit Segeln versehenen Windwagens vor, den wir seines Interesses wegen nachstehend in Gröſse des Originals abgebildet haben. Zwar sind auf denselben nicht 28, sondern (mit dem Steuermann) nur 6 Figuren gezeichnet. Ein offner Kasten mit hoher Rückwand, um die dem Windanfalle ausgesetzte Oberfläche zu mehren, ruht auf vier Rädern mit sehr breiten Felgen (um nicht in den Dünensand einzuschneiden). In der Mitte erhebt sich ein Mastbaum, an dem eine Raa angebracht ist, die ein groſses geschwelltes Segel trägt. Vorn ist ein Bugspriet, das gleichfalls mit einem Segel versehen ist. Eine Vorrichtung zum Lenken des Wagens muſste am vorderen Ende angebracht sein. Die Zeichnung zeigt nur eine der Handhaben, ähnlich der des Steuerruders, in der Hand des Lenkers. Wohl um die Schnelligkeit anzuzeigen, ist ein Windspiel in vollem Lauf hinter dem Wagen angebracht.

/Nürnberg./ /A. Essenwein./

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Doppelmayr’s Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern etc. Nürnberg, 1730, S. 300, mit Abbildung.]

[Fußnote B: Daselbst, S. 302, mit Abbildung zweier solcher Wägen, von denen der vierrädrige noch im Original in der Stadtbibliothek zu Nürnberg erhalten ist.]

[Fußnote C: Hautsch, dessen Sohn und Andere fertigten mancherlei groſse Schaustücke mit vielen beweglichen Figuren, ähnlich den an den groſsen Uhren des späteren Mittelalters vorkommenden beweglichen Figuren, s. Doppelmayr an verschiedenen Orten.]

[Fußnote D: M. Zeiller’s Topographia Germaniae Inferioris daſs ist Beschreibung und Abbildung der Vornehmsten Stätten Vöstungen und Öhrter so wohl in grund als in Prospect, in den XVII Niederländischen Provintien liegend etc. Frankfurt bei Caspar Merian. Ausgabe von 1659, S. 150.]

[Fußnote E: Vgl. die Beilage zur vorigen Nummer des Anzeigers, vermischte Nachrichten, Nr. 76.]

Zur Literatur des Seelentrostes.

Eine eingehende Kenntniſs dieses anziehenden Erbauungsbuches des ausgehenden Mittelalters verdankt die vaterländische Wissenschaft zunächst Franz Pfeiffer, der in den 3 ersten Bänden der Frommann’schen Mundarten reichhaltige Auszüge aus demselben veröffentlicht und durch ein nachfolgendes Wörterverzeichniſs erläutert hat. Diese Publication ist Eduard Bodemann unbekannt oder unzugänglich gewesen, der neuerdings in dem Prachtwerk „Xylographische und Typographische Incunabeln der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover. Hannover, 1866,“ Nr. 88, S. 68, 69 über den Seelentrost gehandelt hat.

Ich gestatte mir demnach seine Darstellung aus Pfeiffer’s Worten a. a. O. und anderem mir zugänglich gewordenen Materiale theils zu ergänzen, theils zu berichtigen, unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daſs Kenner und Freunde der einschlagenden Literatur gegen die Mängel und Lücken meiner Darstellung dieselbe kritische Pflicht erfüllen werden.

I. An /Handschriften/ des Seelentrostes verzeichnet Bodemann, zum Theil nach Geffcken’s Bilderkatechismus:

a) hochdeutsche: 1. die Gieſsener vom Jahre 1460. Cod. Nr. 850.

Hinzuzufügen ist 2. die /Hamburger/, welche Geffcken S. 45 für die älteste der ihm bekannt gewordenen Hss. ansieht.

b) niederdeutsche:

1. die Oldenburger vom Jahre 1407,

2. eine Hamburger niederdeutsche (da Geffcken eine solche Hs. nicht erwähnt, so vermuthe ich bis zum näheren Nachweis eine Verwechslung mit der unter a. verzeichneten hd. Hamburger Hsch.),

3. und 4. zwei Wolfenbüttler Hsch., deren eine cod. Helmstad. 418 die 10 Gebote, die andere cod. Helmstad. 255 die 7 Sacramente behandelt (unsre Zweifel gegen die letzte Angabe s. unter III),

5. eine Hs. vom Jahre 1473 auf der Königl. Bibliothek zu Hannover.

Als 6. füge man das Bruchstück einer Wolfenb. Hs. hinzu, nach der Bruns zum Schluſs seiner rom. Gedd. 1798 die Erzählung von Alexander dem Groſsen abgedruckt hat. Der Abschnitt bildet das Ende des /groſsen/ Seelentrostes.

c) Die von Pfeiffer in d. Mundarten I, 174 erwähnten 3 cölnischen oder niederrheinischen Hsch. sind auch bei Geffcken S. 111 verzeichnet, dessen Nachträge Bodemann wird übersehen haben. Wenn aber Geffcken für die ehemalige Tuchersche Hs. die Vermuthung äuſsert „jetzt wohl in Neuburg“, so diene zur Widerlegung derselben die Notiz im Anzeiger 1833, S. 107 „nun Eigenthum der Gesellschaft zur Erhaltung deutscher Denkmäler zu Nürnberg.“ Die jetzige Redaction des Anzeigers hat vielleicht die Güte, die frühere Angabe auch für die Gegenwart zu bestätigen.

II. Ueber die Drucke äuſsert Bodemann: „Das Buch ist in verschiedenen Dialekten, in denselben Jahren, an verschiedenen Orten: Augsburg, Utrecht, Haarlem, Zwoll, Cöln etc. 1478-1489 gedruckt.“

Diese Zeitbestimmung ist nach beiden Seiten zu eng. Vor 1478 erschien eine Ausg. /Colon. I. Coilhoff 1474/. 4. Das einzige bekannte Exemplar derselben befindet sich im britt. Museum und ist aus dem Antiquariat von Asher in Berlin erworben, s. Asher catal. de livres rares et curieux LVIII, S. 211, Nr. 3306. Die Ausgabe umfaſst den /groſsen und kleinen/ Seelentrost. Der Katalog nennt weiter mit besonderer Auszeichnung „das gulden ave Maria“. Damit vgl. man die Beschreibung des 2., nun als Coilhoff’sche Ausgabe bekannten Hannover’schen Exemplars von 1489 bei Bodemann.

Nach 1489 kann ich noch 2 Drucke nennen:

Zwoll. P. van Os. 1491 Fol. (ein Exemplar in Oldenburg laut briefl. Mittheilung des Herrn Dr. Merzdorf, s. Ebert, bibliogr. Lexic. Nr. 23133).

Cöln. S. Kruffter 1523 oder 1529. Die erste Zahl bei Geffcken, S. 48, die zweite ib. S. 110.

III. Von besonderer Wichtigkeit ist die Frage, welche von den Hss., welche von den Drucken den groſsen Seelentrost, d. h. die Erläuterung der 10 Gebote allein, welche den kleinen Seelentrost zugleich mitumfaſst.

/Schwerin./ /Latendorf./

Beiträge zur schweizerischen Kunstgeschichte.

Mitgetheilt von /Ed. His-Heusler/, Mitglied der Direction der Kunstsammlung zu Basel.

II.

In der Morizkapelle zu Nürnberg befinden sich unter Nr. 121 und 138 zwei Gemälde: Mariä Tempelgang und Vermählung, welche im Kataloge irrthümlicher Weise dem Hans Burgkmair zugeschrieben sind, während sich dieselben sogleich als zu einer Folge aus dem Leben der Maria gehörend zu erkennen geben, wovon sechs Darstellungen in der Gallerie zu Basel aufbewahrt werden, welche, wie jetzt mit Sicherheit festgestellt ist, von dem Maler /Hans Fries/ aus Freiburg in der Schweiz herrühren. Nicht nur stimmen Gröſse, Format, Styl, Colorit und andere untrügliche Merkmale auf das Unzweifelhafteste überein, sondern auch die architektonische Einfassung der Darstellungen ist genau dieselbe. Auf dem Bilde der Geburt Mariä in der Baseler Folge findet sich das vollständige Monogramm des Künstlers, und ein dabei liegender Bernerbatzen weist auf das schweizerische Vaterland desselben. Auf den beiden Gemälden in Nürnberg fand ich dagegen H B und die Jahreszahl 1512, entdeckte aber mit geringer Mühe, daſs das B aus einem früheren F umgestaltet war, und zwar auf eine Weise, die nichts weniger als täuschend ist. -- Es ist um so unbegreiflicher, wie man Bilder, welche mit den deutlichen Buchstaben H F bezeichnet waren, so ohne Umstände als Burgkmair taufen konnte, als doch auch die Malerei mit derjenigen dieses Künstlers gar keine Verwandschaft zeigt[A]. -- Daſs man ihnen den rechten Namen nicht geben konnte, hat freilich darin seinen Grund, daſs derselbe Jahrhunderte lang verschollen war; mir ist es gelungen, den Namen Hans Fries vor vier Jahren wieder für die Nachwelt zu retten. Was ich über diesen Maler damals in Erfahrung bringen konnte, findet sich im IV. Bande von Nagler’s Monogrammisten unter Nr. 148. Seither entdeckte ich in Freiburg noch vier andere Gemälde von ihm, welche theilweise mit seinem ausgeschriebenen Namen bezeichnet sind, wie auch das im Aufsatz erwähnte Gemälde im Franziskanerkloster daselbst. Die willkürliche Bemerkung Nagler’s, daſs Fries zu den Malern gehöre, die aus Bescheidenheit ihre Bilder nicht mit Namenszeichen versahen, ist also ganz unrichtig, so wie sich dieser fleiſsige Kunstlexikograph auch sonst noch manche Verstümmlungen meiner ihm anvertrauten Notizen zu Schulden kommen lieſs. Auch in Colmar fanden sich Spuren von der Thätigkeit des Freiburger Malers, indem der frühere Archivar Hugot im Archiv des Capitels von St. Martin die Bestellung einer Altartafel aufgefunden hatte, welche dasselbe dem Maler Hans Fries zu malen auftrug. Als ich mir das betreffende Dokument wollte mittheilen lassen, war Hugot bereits krank und starb bald darauf. Sein Nachfolger, dem ich die Mittheilung verdankte, konnte es seither nicht wieder auffinden.

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Wer den Gang der Nürnberger Kunstkennerschaft vom Beginn dieses Jahrhunderts genauer in Erfahrung gebracht, wird sich über solches Unternehmen nicht wundern. Der Katalog der Morizkapelle stammt aus einer Zeit, in welcher das Selbstbewuſstsein die Stirn sehr hoch trug, das Urtheil aber noch in den Windeln lag. Trotz aller Berichtigungen, die von Waagen’s Schriften bis zu diesem Aufsatze dafür gegeben worden, behält er die alte Form bei -- etwa weil der Prunk berühmter Namen vortheilhafter erscheint, als innere Wahrheit und wissenschaftlicher Gehalt? /Anm. d. Red./]

Zur Legende und Sage.

Von Dr. A. /Birlinger/ in München.

1) Das Verdorren oder Grünen und Aufleben menschlicher Glieder am lebenden, wie am todten Körper betonen die Legenden gern. Ich erinnere an die frische Zunge des hl. Johannes Nepomucenus. Sogar Kleidungsstücke der betreffenden, Gutes vollbracht habenden Hand, des Fuſses bleiben unversehrt, wenn das Glied längst vermodert. Als die Schweden das Grab des Marchthalischen wohlthätigen Abtes Jacob Heſs der Plünderung wegen aufdeckten, war der Handschuh der rechten Hand vollkommen frisch und unversehrt, als ob er erst von gestern, während alles Andere verwest schien. Ein Zeichen, daſs die rechte Hand die war, welche den Armen so viel gab. Siehe mein Volksth. I, S. 432.

In der schwäbischen kurzen Oswaldlegende, Münchener cgm. 257 f. 77a, Sp. 2, steht: „dô kuſst der biscof sîn rechte hand und sprach: gesegnet sei die hand; die sol nimêr erfûlen. -- Dâ dieselb recht hand belaib alsô /frysch/ und noch /huͤut des tages ist behalten/.“

Daſs Hände und Füſse des Frevlers an „/Hailtümern/“ u. s. w. festgebannt werden, ist ein alle deutschen Lande durchziehender Sagenzug. Schon im alten Testament: „dô begund Oza sein hand zu kleben und /verdarp/ py der archen, als Got das über jn gepot“ cgm. 206 f. 152b.

2) Der Zauberer Simon büſste für seinen Frevel: er fiel von der Luft herab und wurde augenblicklich zu /Asche/, „dâ wurden zehant vier stain hingesezt zuͦ wortzaichen, daz die apostel hetten gesigen.“ cgm. 257 f. 61a, Sp. 2.

3) Lügen in heiligen Sachen straft die heil. Sage streng. In der St. Barbaralegende, cgm. 257 f. 5a, heiſst es: „Der vatter zôch ûſs zorn ain Schwert und wolt sy ertoͤten, dô ruͦft sie zuͦ got: zuͦ hande taet sich uff ain staine und emphieng sy. dô sie kam an ainen berg; der vatter ylt jr nâch und verschet ainen hirten. dô sprach er, er wiste ir nit. ein ander hirt der zaiget sy mit ainem vinger; desselben hirten schauffe wurden ze hant /hoͤwschrecken/, die noch huͤt dis tags fliegent by dem grab Sant Barbaren.“ In heute noch umlaufenden Volksüberlieferungen werden böse Hirten, so andern die Früchte abhüteten, damit gestraft, daſs ihre Schafe Raben, Bienen etc. werden, die immer am Orte des Frevels schwirren. „Eine halbe meil von Racheln grab ist ain veld, und dâ Christus daselb ging, da säet ein paur /zisern/. dâ sprach Christus zuͦ ihm: son, was säest du dâ? sprach der paur lugenhäftiglîch: hêrr, ich säe stain. dâ sprach Christus: sô sein auch stain. zuͦ stund was der sam verchert in stainein /zisern/: der vint man noch heut zu tage vil in demselben acker.“ cgm. 335 f. 56a. Sagen und Märchen von diesem Inhalte gibt es ebenfalls unzählige, wo freilich anstatt Christus, des alten Gottes-Stellvertreters, gewöhnliche Persönlichkeiten auftreten.

4) Das Entspringen von Brunnen auf des Heiligen Wort oder Stoſs mit dem Stabe u. s. w. ist ein beliebter Zug der Legende. Doch habe ich von keinem heiligen Manne oder Weibe mehr Ueberlieferungen gefunden, als von /St. Ulrich/. Der /St. Uorlisbrunnen/ ist im alten Augsburger Bisthum kein Ende. Vgl. mein schwäb. Augsb. Wb., S. 468. Im Volksthüml. I, S. 408 habe ich eine groſse Zahl Beispiele beigebracht. Am östlichen Stadtwalde von Mindelheim ist das /Ulrichswasser/. Vgl. A. /Runge/, Quellcult, S. 7. Der cgm. 257 f. 10b hat zwei Beispiele: „dô kam im zuͦ herzôg Haymo; dô litten sie groſsen durst. dô stieſs St. /Joſs/ sînen stecken in die erden und batt got; dâ floſs ûſs ain groſser brunn. dâ hûwet och sant /Joſs/ zway bethûser und fuͦr gen Rome.“ Ferner f. 13b, Sp. 2, steht von /St. Thomas/: „dô hieſs der küng ysiniu blecher glüwen und in doruff gân mit blôſsen füeſsen. zuͦ hand ersprang ein brunn under sînen füeſsen und verlaſst die ysniu blecher.“

(Schluſs folgt.)

Die Wachstafeln von Schwäbisch-Hall.

Meine Mittheilung über diesen Gegenstand im Anzeiger 1866, Nr. 3, Sp. 95 f. hat mir eine freundliche Zuschrift des Herrn Prof. J. Zahn, Archivars am Joanneum zu Graz, eingetragen, wonach von den zwei noch vor zwei Jahren in Schwäbisch-Hall befindlichen Exemplaren das eine in seinen Besitz gekommen ist. Es scheint das von Hanſselmann beschriebene zu sein, da es auf der vordern leeren Seite die Jahreszahl 1744 trägt; auſserdem ist noch die Jahreszahl 1799 leichthin eingeritzt. Auch hier werden die Blätter durch Eisenbuckeln auseinander gehalten. Drei Seiten sind ausgeschabt, zwei theilweise ausgebrochen, fünf vollkommen mit den Namen u. s. w. erhalten. Beigegeben ist, was diesem Exemplar einen besonderen Werth verleiht, das Markenbuch der Eigenthümer.

/Heidelberg. W. Wattenbach./

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 9. September.

Chronik des germanischen Museums.

/Nürnberg/, 15. September 1866.

In der Chronik des vorigen Monats hatten wir Gelegenheit, der thätigen Förderung Sr. königl. Hoheit des Groſsherzogs /Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin/ Erwähnung zu thun, und unsere heutige Chronik haben wir abermals mit der Nachricht zu eröffnen, daſs Se. kgl. Hoheit, um Höchstsein Interesse an unserer Anstalt zu bezeugen, bei seiner Rückkunft von einem Ausfluge in die Heimat dem Museum werthvolle Geschenke persönlich mitgebracht hat, die unten, bei den neuen Zugängen der Bibliothek und Kunstsammlung sich verzeichnet finden.

Der Krieg hat nun allenthalben ein Ende gefunden, und wir dürfen uns wol der frohen Hoffnung hingeben, daſs der Friede ein dauernder sei. Nachdem die politischen Bande gesprengt sind, welche die Glieder des alten deutschen Reiches bisher noch zusammenhielten, hat das germanische Museum eine erhöhte nationale Bedeutung erhalten: nach Vertheilung des Bundeseigenthums ist es das einzige Eigenthum des gesammten deutschen Volkes.

Es ist aber auch ein geistiges Einheitsband, das Alle freiwillig und selbsthätig um sich geknüpft haben; es ist ein Institut deutscher Wissenschaft, ein Band, das durch keine äuſsere Gewalt gesprengt werden kann.

Mögen darum Alle sich fest und enge an dasselbe anschlieſsen. Mögen insbesondere die jetzt politisch ganz von Deutschland getrennten Stämme daran festhalten. Der I. Vorstand kann es sich in dieser Rücksicht nicht versagen, eine Stelle eines aus Oesterreich an ihn gelangten Briefes hervorzuheben, worin ein alter Freund des Museums sein treues Festhalten an demselben versichert, indem er sagt: „Die Kultur Oesterreichs ist wesentlich eine deutsche Kultur. Diese gilt es weiter zu entwickeln; und wenn wir auch politisch aus Deutschland geschieden sind, so müssen wir jedes Band um so fester halten, das uns geistig in Wissenschaft und Kunst an Deutschland fesselt. Eine Isolierung auf dem Gebiete der Wissenschaft bedeutete das Ende der deutschen Kultur und damit das Ende der Kultur in Oesterreich überhaupt.“

Wir freuen uns solcher Gesinnung, die recht bald für das Museum ihre Früchte bringen muſs, und wünschen, daſs jetzt allenthalben der Sinn für dies nationale Band sich recht lebhaft entwickeln möge; denn jetzt gilt es, manche Wunde zu heilen, die der Krieg dem Institute geschlagen. Man sorgt allenthalben für Kriegsbeschädigte und Verwundete; mögen Patrioten auch für das kriegsbeschädigte Nationalinstitut eintreten!

Möge der Patriotismus, der nun kein anderes greifbares Objekt mehr hat, desto eifriger sich unserer Sache annehmen! Das Museum pflegt die Geschichte des deutschen Volkes und der deutschen Kultur. Nur der Blick in die Geschichte, der Blick in die Vergangenheit kann Vieles erklären, was scheinbar befremdend in der Gegenwart sich kundgibt; nur er kann uns lehren, wirksam an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten.

Möge die deutsche Tagespresse insbesondere jetzt nach Kräften dahin wirken, daſs Zweck und Bedeutung des germanischen Museums dem Volke stets mehr und mehr nahe gelegt werden.

Unser Gelehrtenauschuſs hat durch den Tod des geh. Hofrathes und Professors /Dr. L. A. Warnkönig/ zu Stuttgart, sowie des kais. russ. Staatsrathes und Professors Dr. F. K. H. /Kruse/ in Leipzig zwei langjährige Mitglieder verloren.

Unter den Förderungen, die das Museum in jüngster Zeit erfahren, steht die Deponierung eines prachtvollen geschnitzten Altarschreines obenan, der künftig die Stelle des Hochaltars in der zur Kunsthalle eingerichteten Karthäuserkirche einnehmen soll. Derselbe, Eigenthum der protestantischen Kirche zu Hersbruck, gehört zu den schönsten und kostbarsten Schnitzwerken des Mittelalters und wird daher in diesen Blättern noch eine eingehendere Besprechung erfahren.

Soeben, bei Schluſs des Blattes, geht uns noch die erfreuliche Nachricht zu, daſs die Oberamtscorporation des Saulgaues (Württemberg) ihren seither geleisteten Jahresbeitrag von 25 fl. auf weitere drei Jahre zugesichert hat.

Den Buchhandlungen, die unsere Bibliothek durch Ueberlassung von Freiexemplaren ihrer einschlägigen Verlagsartikel unterstützen, ist neuerdings beigetreten:

597. /Goltermann u. Pincus/, Kunst-, Musik- und Papierhandlung, in Schwerin.

An neuen Beiträgen wurden während der letzten vier Wochen folgende gezeichnet:

Aus =Vereinskassen=: Vom Gesangverein in /Weiſskirchen/ (Mähren) 1 fl. 10 kr. (einm.).

Von =Privaten=: /Büdingen/: Leopold von Deines, Domänenpächter, in Salinenhof 1 fl., Ulrich, fürstlicher Forstmeister, 1 fl.; /Buxtehude/ (Hannover): Pastor Rakenius 1 fl. 45 kr.; /Darkemen/ (Preuſsen): Auguste Käswurm, geb. Ammon, 52½ kr. (einm.); /Cöln/: Appell.-Ger.-Rath von Hagens 1 fl. 45 kr. (einm.); /Frankfurt a. M./: Dr. Gustav Schneider 5 fl. 30 kr. (einm.); /Grevesmühlen/ (Mecklenburg-Schwerin): Dr. med. Dreyer 1 fl. 45 kr.; /Höchstadt a. A./: Bezirksamts-Assessor Hauer 1 fl., kgl. Rentbeamter Heſs 1 fl., Jakob Keſsler, k. Gerichtsschreiber, 1 fl. (einm.), Dechant u. Stadtpfarrer Schneyer 1 fl., Franz Paul Tettenhammer, k. Bezirksamtmann, 1 fl., Apotheker F. Voigt 1 fl., Otto Ziegler, k. Notar, 2 fl.; /Lausanne/: Pastor Häuser in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.), Roller 2 fl. 20 kr. (einm.), Dr. Schickedantz in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.), Direktor Sillig in Vevey 9 fl. 20 kr. (einm.), Graf Vitzthum in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.); /Ludwigsburg/: Freiherr von Hornstein, Major, 3 fl. 30 kr.; München: Studienlehrer Dr. Lang 2 fl. 30 kr. (einm.); /Nürnberg/: Ludwig Adalbert von Hornthal, k. Stadtgerichtsassessor, 4 fl., Kaufmann Louis Pröbster 1 fl.; /Pommelsbrunn/ (Bayern): Johann Bernhard Ulherr, Hopfenhändler, Oekonom u. Landrath, in Altensittenbach 1 fl., Veit Wild, Hopfenhändler u. Oekonom, in Altensittenbach 1 fl.; /Schwerin/: Generalarzt Dr. Störzel 1 fl. 45 kr.; /Staffelstein/ (Bayern): Friedrich Freiherr von Dungern in Oberau 5 fl., Ernst Albert Eisfeld, Rittergutsbesitzer in Obbach und Vierzehnheiligen 2 fl., Forst- u. Domänenverwalter Hofmann in Banz 1 fl. (einm.); /Weiſskirchen/ (Mähren): Johann Prohal, k. k. Notar, 1 fl. 10 kr. (einm.), Max Wolf, Fabrikgesellschafter, 1 fl. 10 kr. (einm.); /Zeitz/: Zimmermeister G. Schulze 1 fl. 45 kr.

Auſserdem giengen unsern Sammlungen während des letzten Monats, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Biel=, Partikulier, in Norden:

3351. Consens der fürstl. ostfries. Oberrent-Cammer zur Veräuſserung von Gütern. 1734. Pap. Orig.

=Back=, Geh. Regier.-Rath, in Altenburg:

3352. Receſs der herzl. Sächs. Regierung zwischen den alten und neuen Müllern an der Rauda im Amt Eisenberg wegen Veränderung der Mühlgänge. 1613. Pap. Abschr.

3353. Zeugniſs der Gerichtsschöffen Caspar Harding zu Wettin für Georg Gehricke. 1712. Perg.

II. Für die Bibliothek.

=Schulze=’sche Buchhandlung in Celle:

19,931. Heimbürger, Ernst der Bekenner, Herzog von Braunschweig und Lüneburg. 1839. 8.

19,932. v. Hammerstein, Aristipp in Hamburg u. Altona. 1840. 8.

19,933. Hof- und Staatshandbuch für d. Königr. Hannover auf d. J. 1853. 8.

19,934. Heimbürger, Wilhelm d. Jüngere, Herzog von Braunschweig-Lüneburg. 1857. 8.

19,935. Schulze, Sammlung der Wasserbaugesetze f. d. Königr. Hannover. 1859. 8.

19,936. Armbrust u. Oetting, Adreſs- u. Handbuch der Stadt Celle. 1861. 8.

19,937. Diestelmann, d. Katechismus-Angelegenheit in d. evang.-luther. Landeskirche Hannovers. 3. Aufl. 1862. 8.

19,938. Diestelmann, offenes Sendschreiben an Herrn Pastor Dr. Münkel etc. 1862. 8.

19,939. Augustanus, d. Synodal-Verfassung der Hannover’schen Landeskirche. 1863. 8.

19,940. Actenstücke, betreffend die Wahl des Candidaten Habenicht etc. 1863. 8.

19,941. Hannoverscher Biercomment. 1864. 8.

19,942. Ueber den ersten Theil des Göthe’schen Faust. 1864. 8.

19,943. Mensching, d. deutsche Handelsrecht; 2. Aufl. 1864. 8.

19,944. Marcard, Beiträge zur Gefängniſskunde. 1864. 8.

19,945. Martin, d. Umfang des landesrichterl. Prüfungsrechts hinsichtlich d. Entstehens gültiger Gesetze etc. 1865. 8.

19,946. Schwarz, d. Criminalproceſs Franz Müller. 1865. 8.

19,947. Leipziger Biercomment. 1865. 8.

19,948. Firmen-Buch f. d. Königr. Hannover. 1865. 8.

19,949. Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Freih. Friedr. v. d. Trenck. 1866. 8.

19,950. Lebensbeschreibung des Pandurenoberst Freih. Franz v. d. Trenck. 1866. 8.

19,951. Meyersburg, Gutachten über den Entwurf erster Lesung einer allgemein. deutschen Civilproceſsordnung. 1866. 8.

19,952. Allgem. Geschäfts-Anzeiger zum Adreſs- u. Handbuch der Stadt Celle. 1866. 8.

=Stahel=’sche Buch- u. Kunsthandlung in Würzburg:

19,953. Himmelstein, Reihenfolge der Bischöfe von Würzburg. 1843. 8.

19,954. Stöckl, d. speculative Lehre vom Menschen u. ihre Geschichte; 2 Bde. 1858 u. 1859. 8.

19,955. Kehrein, älterneuhochdeutsches Wörterbuch. 1865. 8.

=Carl Schünemann’s= Verlag in Bremen:

19,956. Schäfer, histor. Bericht v. d. Buchdruckerkunst. 1840. 8.

19,957. Handels- und Schifffahrts-Verträge der freien Hansestädte. 1842. 4.

19,958. Schäfer, Handbuch der Geschichte der deutschen Literatur; 2 Theile. 1842-44. 8.

19,959. Gildemeister, Beiträge zu dem Bremischen Magazin. 1842. 8.

19,960. Kottmeier, die Darstellung des Heiligen durch die Kunst. 1857. 8.

=Stiller=’sche Hofbuchhandlung (Herm. Schmidt) in Rostock:

19,961. Babst, allerhand schnaksche Saken tum Tiedverdriew. 1843. 8.

19,962. Buchka, de pignore nominis. 1843. 8.

19,963. Buchka, d. Lehre vom Einfluſs des Processes auf das materielle Rechtsverhältniſs; 2 Thle. 1846 u. 47. 8.

19,964. Wilbrandt, Hildibraht u. Hadhubraht. 1846. 8.

19,965. Roth, mecklenburgisches Lehenrecht. 1858. 8.

19,966. Weinholtz, Entwurf d. Bibliothekswirthschaftslehre. 1862. 8.

=C. Tappen=, Verlagshandlung, in Sigmaringen:

19,967. Egler, d. Curort Imnau u. d. Stadt Haigerloch. 8.

=Friedrich Tempsky=, Verlagshandlung, in Prag:

19,968. Šafařík, über den Ursprung u. die Heimath des Glagolitismus. 1858. 4.

19,969. Max Büdinger und die Königinhofer Geschwister. 1859. 8.

19,970. v. Helfert, die österreichische Volksschule; I. und III. Bd. 1860 u. 61. 8.

19,971. Tomek, Geschichte des Österreich. Kaiserstaates, übers. von Kraus; 2. Aufl. 1860. 8.

19,972. Frind, d. Kirchengeschichte Böhmens; 2 Bde. 1864-66. 8.

19,973. Thurnwald, Lehrbuch der mittelhochd. Sprache. 1864. 8.

19,974. Šafařík’s Geschichte des serbischen Schriftthums, hg. v. Jireček. 1865. 8.

=C. Troschel=, Verlagshandlung, in Trier:

19,975. Bärsch, einige Nachrichten über den Steinring bei Otzenhausen etc. 1839. 8.

19,976. Neumann, Stimmen der alten Dichter Ausonius u. Venantius Fortunatus v. d. Mosel. 1846. 8.

=Friedr. Wagner=, Verlagshandlung, in Braunschweig:

19,977. Berkhan, Beiträge zur Geschichte der Psychiatrie; 1. Heft. 1863. 8.

=Christian Winter=, Verlagsbuchhandlung, in Frankfurt a/M.:

19,978. Simrock, d. deutsche Räthsel-Buch; 2. Aufl. 8.

19,979. Simon, d. Geschichte des reichsständischen Hauses Ysenburg u. Büdingen; 2. u. 3. Bd. 1865. 8.

=Friedrich Franz Groſsherzog von Mecklenburg-Schwerin=, Königliche Hoheit:

19,980. Stüler, Prosch und Willebrand, das Schloſs zu Schwerin; I. Abth. 1866. Imp. 2.

19,981. Die Schloſs-Kirche zu Schwerin u. ihre Einweihung. 1855. 2.

19,982. Lisch, Peter Vischer’s Epitaphium auf die Herzogin Helena von Meklenburg im Dome zu Schwerin. 1862. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

19,983. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd., 3. Lieferung. 1866. 8.

=Meyer=’sche Hofbuchhandlung in Lemgo:

19,984. Lutheri colloquia, meditationes, consolationes etc; ed. Bindseil, tom. III. 1866. 8.

=F. W. Neumann-Hartmann=’sche Buchhandlung in Elbing:

19,985. Die Ereignisse in Schleswig-Holstein; 2. Aufl. 8.

19,986. Härtel, Gespräch in der Familie Schwerduth über die Entstehung des Schaltjahrs. 1863. 8.

19,987. Wernik, Elbinger Wanderbuch. 8.

19,988. Kreyſsig, über d. sittliche u. volksthüml. Berechtigung des Shakespeare-Cultus. 1864. 8.

19,989. Beiträge zum Verständniſs der Mennoniten-Frage. 1864. 8.

=L. Schwann=’sche Verlagsbuchhandlung in Neuſs:

19,990. Geschichte der Familie Schenk von Nydeggen. 1860. 8.

19,991. Becker, Geschichte der Stadt Rade vorm Wald. 1864. 8.

=J. Wiesike=, Verlagshandlung, in Brandenburg a/H.

19,992. Täglichsbeck, Beiträge zur Geschichte des Turnwesens. 1845. 4.

19,993. Jansen, d. Idee des Fortschrittes in der Universalgeschichte. 1863. 8.

19,994. Krummacher, Calvin’s Beziehungen zu Deutschland. 1864. 8.

19,995. Lieder des deutschen Adels. 1865. 8.

=Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg=, Durchlaucht, in Kupferzell:

19,996. Ders., sphragistisches Album; II. Heft. qu. 2.

=Dr. E. A. Th. Laspeyres=, Ober-Appellations-Rath, in Halle:

19,997. Ders., chronicon Slavicum, quod vulgo dicitur parochi Suselensis. 1866. 8.

=Dr. A. Namur=, Professor u. Bibliothekar, in Luxemburg:

19,998. Ders., catalogue descriptif et explicatif des éditions incunables de la bibliothèque de l’athénée grandducal de Luxembourg. 1863. 8.

=Zoologische Gesellschaft= in Frankfurt a/M.:

19,999. Dies., d. zoologische Garten; VII. Jhg., 1866, Nr. 1-6. 8.

=Universität= zu Kiel:

20,000. Dies., Schriften a. d. J. 1865. Bd. XII. 1866. 4.

=Königl. Studienrektorat= zu Münnerstadt:

20,001. Dass., Jahresbericht etc. 1865-66. 4.

=Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft f. vaterländ. Geschichte= in Kiel:

20,002. Dies., Jahrbucher etc.: Bd. IX, Heft 1. 1866. 8.

=Kais. Akademie der Wissenschaften= in Wien:

20,003. Dies., Sitzungsberichte; philos.-histor. Cl., Bd. 49, 3. 50, 1-4. 51, 1 u. Reg. zu Bd. 41-50. 1865-66. 8.

20,004. Denkschriften; philos.-histor. Cl., 14. Bd. 1865. 4.

20,005. Archiv für Österreich. Geschichte; Bd. 34, 1 und 2. 35, 1. 1865. 8.

20,006. Fontes rerum Austriacarum; II. Abth. 24. Bd. 1865. 8.

20,007. Almanach; 15. Jahrgang. 1865. 8.

=K. sächs. Verein für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Geschichts- u. Kunst-Denkmale= in Dresden:

20,008. Ders., Mittheilungen; 15. u. 16. Heft. 1866. 8.

=Histor. Verein für das Groſsherzogthum Hessen= in Darmstadt:

20,009. Ders., Archiv etc.; Bd. XI, 2. Heft. 1866. 8. 2 Ex.

20,010. Wagner, die Wüstungen im Groſsherz. Hessen; Prov. Rheinhessen. 1865. 8. 2 Ex.

=Goltermann & Pincus=, Kunst- u. Musikhandl., in Schwerin:

20,011-23. 13 neuere musikal. Verlagswerke. 2.

=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:

20,024. Jahresbericht über die k. latein. Schule etc. zu Annweiler. 1865-66. 4.

=Dr. Otto Franklin=, Univers.-Professor, in Greifswald:

20,025. Ders., Albrecht Achilles und die Nürnberger, 1449-1453. 1866. 8.

=Karl Umlauff=, k. k. Kreisgerichtsrath, in Weiſskirchen:

20,026. Ders., Dichtungen. 1865. 8.

20,027. Mittheilungen des Neutitscheiner landwirthschaftl. Vereines; 1865. 8.

20,028. Füger von Rechtborn, Beiträge zur Reform des gerichtl. Verfahrens in dem österreich. Kaiserstaate. 1859. 8.

=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:

20,029. Ders., fliegende Blätter; XV. 8.

=G. W. Niemeyer=, Verlagshandl. in Hamburg:

20,030. Neuester Führer durch Hamburg, Altona etc. 2. Aufl. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Dr. Herzog= in Zwickau:

5142. Original-Wachssiegel der Stadt Zwickau von 1300.

=Magistrat der Stadt Nürnberg:=

5143. Leidender Christus, von Heiligen und Stiftern verehrt, Steinsculplur von 1476.

=Fr. Grobe=, Kaufmann, in Schonungen:

5144. 2 Cassenbillets des Kurfürstenthums Sachsen von 1772.

=F. Bender=, stud. phil., in Darmstadt:

5145. 18 Lack- und Papierabdrücke von älteren und neueren Siegeln.

=Büttner=, Direktor, in Halle:

5146. Groſse schwedische Kupfermünze von K. Gustav Adolf.

5147. Ahnenprobe der Frau Juliane Florine von Veitheim, † 1724. Kupferst. Neuer Abdruck.

=Friedrich Franz Groſsherzog von Mecklenburg-Schwerin=, Königliche Hoheit:

5148. Photograph. Abbildung der ehernen Denktafel auf die Herzogin Helena, Gemahlin Heinrich’s d. Friedf. von Mecklenburg, von Peter Vischer; im Dome zu Schwerin.

5149. „Stammtafel des groſsherzogl. Hauses Mecklenburg-Schwerin, mit Angabe der Begrabniſsstätten und der Bilder der hochf. Personen.“ Verfaſst von Dr. G. C. F. Lisch. Druck.

=Goltermann & Pincus=, Kunst- und Musikalien-Handlung, in Schwerin:

5150. Porträt des Componisten Fr. von Flotow, Steindruck.

Chronik der historischen Vereine.

/Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften./ Philosophisch-historische Classe. XLIX. Band, Heft III -- L. Band, Heft IV. Wien, 1865. 8.

Die höchste Gerichtsbarkeit des deutschen Königs und Reiches im XV. Jahrhundert. (Tomaschek.) -- Die groſse Synode von Tribur, dargestellt mit Benützung von Wiener, Münchener und Salzburger Handschriften. (Phillips.) -- Bericht über die Thätigkeit der Commission für Herausgabe der lat. Kirchenväter. (Vahlen.) -- Darlegung mehrerer bisherigen Systeme für Anordnung von Sammlungen mittelalterlicher und moderner Münzen und Medaillen und Begründung eines wissenschaftlichen Systems von Kaiser Karl dem Groſsen bis auf unsere Tage. (Bergmann.) -- Bericht der Weisthümer-Commission. (Siegel.) -- Verzeichniſs der älteren Handschriften lateinischer Kirchenväter in den Bibliotheken der Schweiz. (Halm.) -- Beiträge zur Geschichte des Magdeburgerrechtes. (Bischoff.) -- Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert. (Zingerle.) -- Zu Pleier’s Garel. (Ders.) -- Angelegenheiten der Akademie.

/Register/ zu den Bänden 41 bis 50 der Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. V. Wien, 1866, 8.

/Sitzungsberichte./ LI. Band, Heft I. Jahrgang 1865. -- October: Die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang. (Siegel.)

/Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen./ Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten /Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften/. Vierunddreiſsigster Band. Erste und zweite Hälfte. Wien, 1865. 8.

Die Stellung der Erzbischöfe und des Erzstiftes von Salzburg zu Kirche und Reich unter Kaiser Friedrich I. bis zum Frieden von Venedig (1177). Nach den Quellen dargestellt von Wilh. Schmidt. -- Die Finanzlage in den deutschen österreichischen Erbländern im Jahre 1761. Nach handschriftlichen Quellen von Karl Oberleitner. -- Deutsche Geschichts- und Rechtsquellen aus Oberungarn, von Dr. Franz Xaver Krones. -- Römerdenkmale zu Töplitz bei Warasdin in Croatien, von Dr. Karlmann Tangl. -- Lehenverzeichnisse des Benedictinerstiftes St. Paul in Kärnten aus dem XV. Jahrhunderte. Mitgetheilt von Beda Schroll. -- Die Correspondenz der Stadt Breslau mit Karl IV. in den Jahren 1347-1355. Mitgetheilt von Dr. C. Grünhagen. -- Berichtigungen und Ergänzungen zu dem in den Fontes Rerum Austriacarum: Diplomata et Acta, Vol. XXI abgedruckten Necrologium des ehemaligen Augustiner-Chorherren-Stiftes St. Pölten, von Dr. Franz Stark.

Fünfunddreiſsigster Band. Erste Hälfte: Geschichte der Wiener Marktordnungen. Vom sechzehnten Jahrhundert an bis zu Ende des achtzehnten. Aus Urkunden entwickelt von Alexander Gigl.

/Fontes rerum Austriacarum./ Oesterreichische Geschichts-Quellen. Herausgegeben von der /historischen Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien/. Zweite Abtheilung. Diplomataria et acta. XXIV. Band. Diplomatarium Portusnaonense. Series documentorum ad historiam Portusnaonis spectantium quo tempore (1276-1514) domus Austriacae imperio paruit hinc inde lectorum cura et opera Josephi Valentinelli. Quaedam praemittuntur annorum 1029-1274. Wien, 1865. 8. VIII u. 482 Stn.

/Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften./ Philosophisch-historische Classe. Vierzehnter Band. Wien, 1865. 4.

Die Bildung der Ortsnamen aus Personennamen im Slavischen. (Miklosich.) -- Ueber Raoul de Houdenc und insbesondere seinen Roman Meraugis de Portlesguez. (Ferd. Wolf.) -- Die Verba impersonalia im Slavischen. (Miklosich.) -- Darlegung mehrerer bisheriger Systeme für Anordnung von Sammlungen mittelalterlicher und moderner Münzen und Medaillen und Begründung eines wissenschaftlichen Systems von Kaiser Karl dem Groſsen bis auf unsere Tage. (Bergmann.)

/Almanach/ der k. k. Akademie der Wissenschaften. Fünfzehnter Jahrgang. Wien, 1865. 8. 296 Stn.

/Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte/, herausgegeben von dem /historischen Vereine von und für Oberbayern/. Sechsundzwanzigster Band. Zweites und drittes Heft. München, 1865-1866. 8.

Einige Beiträge zur Geschichte des Pfarrdorfes Bogenhausen bei München, gesammelt von dem dermaligen Pfarrer M. Lampart. -- Geschichte des königlich bayerischen Landgerichtes Traunstein und seiner weltlichen wie kirchlichen Bestandteile. Gesammelt von J. Jos. Wagner. -- Rechnungsbuch des oberen Vicedomamtes Herzog Ludwig’s des Strengen, 1291-1294. Mitgetheilt von Freiherrn Edmund Oefele. -- Medaillen auf ausgezeichnete und berühmte Bayern, mit biographisch-historischen Notizen von J. Beierlein. Fünfte Lieferung. Mit einer Tafel Abbildungen. -- Zur Lebensgeschichte des Grafen Rasso von Andechs. Von Dr. Friedr. Kunstmann.

Siebenundzwanzigster /Jahresbericht/ desselben Vereines. Für das Jahr 1864. Erstattet in der Plenarversammlung am 1. Juli 1865 durch den ersten Vorstand Friedrich Hektor Grafen Hundt. München, 1865. 8.

/Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Gewerke in München./ Sechzehnter Jahrgang. -- Drittes Heft. 1866. 2.

Was heiſst Styl? Aus den Entretiens sur l’architecture von Viollet-Le-Duc. Uebersetzt von A. Mecklenburg. -- Aus dem germanischen Museum zu Nürnberg.

/Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde./ Herausgegeben aus den Schriften des /historischen Vereins für das Groſsherzogthum Hessen/ von Dr. Walther. Eilfter Band. Zweites Heft. (Mit 9 Tafeln.) Darmstadt, 1866. 8.

Die Gränzen der Grafschaft Malstatt. (Assenheim.) Von Assessor a. D. Emmerich. -- Miscellen zur Geschichte von Rodheim v. d. H. Von dems. -- Beiträge zur Wappenkunde des rheinhessischen Land- und Stadtadels im 13., 14. und 15. Jahrhundert. Von Hofgerichtsadv. W. Franck. (Mit 155 Abbildungen auf 9 Tafeln.) -- Die kirchlichen Reunionsversuche des Bischofs Christoph Rojas von Spinola an den protestantischen Höfen Deutschlands und die Landgräfin Elisabethe Dorothea von Hessen. Von Garnisonsmitprediger Dr. Krätzinger. -- Landgraf Philipp von Hessen genannt „der Dritte“, oder auch von „Butzbach“. Von Dr. Walther. -- Fürstliche Besuche in Friedberg. Von Archivdir. Dr. Baur. -- Eine eigentümliche Stiftung. Von Rentamtmann Fabricius. -- Ein Vertrag wegen der Herstellung der Brücken, Heegen, Landwehren und Schlägen, auf den Verkehrswegen in der oberen Wetterau, vom Jahr 1476. Von dems. -- Eroberung des Schlosses Otzberg, 1647. Von Dr. Baur. -- Der „todte Mann“ bei Auerbach. Von dems. -- Bibliothek eines Geistlichen im 16. Jahrhundert. Von dems. -- Culturgeschichtliche Notizen über Osthofen. Von W. Franck. -- Beschreibung verschiedener, in der Gemarkung von Nierstein kürzlich ausgegrabener alterthümlicher Gegenstände. Von Districtseinn. Heſs. -- Das Recht der Gemeinde Altkelsterbach im Walde der freien Stadt Frankfurt und die hiermit zusammenhängenden Gebräuche. Von Gerichtsacc. Eberh. Schödler. -- Ausgrabungen in der Nähe von Gieſsen. Von Dr. Walther. -- Zur Geschichte der Stadtgeistlichen in Darmstadt. Von dems.

/Mittheilungen des Königlich Sächsischen Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Geschichts- und Kunst-Denkmale./ Dresden, 1866. 8.

Fünfzehntes Heft: Geschichte der Bergstadt Geyer. Nach archivalischen Quellen dargestellt von Dr. Johannes Falke.

Sechzehntes Heft: Vereinsangelegenheiten. -- Bericht über die Versammlung des Gesammtvereins zu Halberstadt vom 17. bis 22. Sept. 1865, von Dr. Johannes Falke. -- Das älteste uns bekannte Schloſs in Dresden. Von Hofmarschall H. Freiherrn von Friesen. -- Christoph Bernhard, kurfürstl. sächs. Kapellmeister und Präceptor der Prinzen Johann Georg (IV.) und Friedrich August (I.) von Sachsen. Von M. Fürstenau. -- Ueber die Bilder Albrecht Dürer’s auf der königl. Gemäldegalerie zu Dresden. Von Prof. Dr. I. Hübner. -- Beitrag zur sächsischen Münzgeschichte. 1444-1461. Von Dr. Johannes Falke. -- Geschichtliche Mittheilungen aus Gersdorf’s Codex diplomaticus Saxoniae Regiae. Von Gymnasialrector a. D. Dr. Karl August Rüdiger. -- Beschreibung der beigegebenen Abbildungen (Flügelaltar aus der Kirche zu Groſsschirma, 15. Jahrh., und die Hälfte eines Antipendiums, 13. Jahrh.), deren Originale sich im Museum des Vereins befinden. Von Inspector G. Büttner.

/Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg/, herausgegeben von der /S. H. L. Gesellschaft für vaterländiche Geschichte/. Band IX.; Heft 1. Kiel, 1866. 8.

Kiel im dreizehnten Jahrhundert. Von Prof. Wilh. Junghans. -- Beitrag zur Kunde von Kiel im XV. und XVI. Jahrhundert. Von Prof. Dr. K. Weinhold. -- Die Personennamen des Kieler Stadtbuchs von 1264-1288. Von dems. -- Beitrag zu den Ditmarscher Volksliedern auf die Schlacht bei Hemmingstedt, von Dr. L. Weiland. -- Kleine Mitteilungen (Volksthümliches) von Dr. Handelmann. -- Kleine Notizen aus diplomatischen Aktenstücken, von dems. -- Miscellen: 1. Sigmunds von Herberstein Reise durch Holstein und Schleswig. 2. J. M. Lappenberg. 3. Ein alter Trinkkrug. -- Literatur.

/Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande./ Heft XXXVII. Mit 8 lithographirten Tafeln und mehreren in den Text eingedruckten Holzschnitten. Bonn, A. Marcus. 1864. 8.

Die römischen Flotten bei Bonn und Boulogne, die Pfahlbrücken des Julius Cäsar bei Bonn und Neuwied, von Prof. Ritter. -- Ueber den Wohnsitz der Veleda, von Prof. Fiedler. -- Heisterbach, von Dr. Harleſs. -- Burg Rosenau, von dems. -- Schallgefäſse. Mittheilung der Hrn. Prof. Wieseler, Major v. Cohausen und Baumeister Peters. -- Zur Topographie der Stadt Cöln in der Römerzeit, von Geh. Archivrath Lacomblet und Stadtbaumeister Raschdorff. -- Die römische Niederlassung bei Neuwied und ihre Denkmäler. Von den Proff. Ritschl, Wieseler und Overbeck. -- Minervenstatuette von Wels, von Prof. Overbeck. -- Die Aemter auf der Ara Fulviana, von Prof. Henzen. -- Inschriften aus Trier und Umgebung, von Prof. Hübner. -- Eine noch unbekannte Silbermünze aus der Zeit der Bürgerkriege Roms, von Ed. Rapp. -- Krone und Kronbehälter -- wahrscheinlich der beiden ersten lateinischen Kaiser flandrischen Hauses -- im Dome zu Namur, von Prof aus’m Weerth. -- Litteratur. -- Miscellen.

Heft XXXVIII. Mit 2 lithographirten Tafeln und mehreren in den Text eingedruckten Holzschnitten. 1865. Der Tuffstein, als Baumaterial der Römer am Rhein. Von Geh. Rath Dr. v. Dechen. -- Die älteren Bischofskataloge von Trier, Von Dr. F. X. Kraus in Trier. -- Der Fund von Pyrmont. Von Director Rud. Ludwig in Darmstadt. -- Die römische Niederlassung bei Neuwied und ihre Denkmäler: Reste eines Cohortenzeichens. Von den Proff. C. S. Grotefend und K. B. Stark. -- Neue Altarinschrift des Jupiter und des Hercules Saxanus aus dem Brohlthal nebst Nachträgen zu dem Bonner Winckelmannsprogramm von 1862. Von Prof. Freudenberg. -- Abkürzungen auf rheinischen Inschriften. Von Prof. J. Becker. -- Die Reliquien Albert’s des Grossen in der St. Andreaskirche in Köln. Von J. J. Merlo. -- Die Legende „Dein eyn“ an dem Karlshorne zu Aachen. Von P. St. Käntzeler. -- Litteratur. -- Miscellen. -- Chronik des Vereins.

Doppelheft XXXIX und XL. Mit 8 Tafeln und mehreren in den Text eingedruckten Holzschnitten. 1866. Zu den römischen Alterthümern von Trier. Von Prof. E. Hübner. -- Die römische Niederlassung bei Neuwied und ihre Denkmäler: Zur Geschichte der Römerstätte bei Niederbiber. Von Prof. J. Becker. -- Das Römerlager auf der linken und rechten Rheinseite im Thale von Neuwied. Von Prof. Ritter. -- Decimus Brutus und die Camilli von Aventicum. Von Prof. J. Zündel. -- Oppidum Batavorum? Von Prof. Herm. Müller. -- Das Capitol, die Marienkirche und der alte Dom zu Köln. Von Prof. Düntzer. -- Das Labarum und der Sonnencultus. Von Dr. E. Rapp. -- Mithrasbild im K. Museum vaterländischer Alterthümer zu Bonn. Von Dr. W. Brambach. -- Neue antiquarische Mittheilungen aus dem Regierungsbezirke Düsseldorf. Von Prof. J. Schneider. -- Neue epigraphische Analekten. Von Prof. Dr. Freudenberg. -- Neue Inschriften aus dem Jülicher Lande. Von Dr. Jos. Kamp. -- Noch einmal das Cohortenzeichen von Neuwied. Von Archivrath Dr. Grotefend. -- Ausgrabung der Ueberreste eines römischen Gebäudes bei Zatzenhausen, in der Nähe von Canstatt in Württemberg, im Herbst 1862. Von Architekt Eduard Paulus. -- Die Grafschaft Hülchrath in ihren Beziehungen zur Vogtei der Domkirche und des Domstifts in Cöln, von v. Haeften. -- Römische Villa bei Manderscheid in der Eifel. Von Prof. E. aus’m Weerth. -- Carl des Grossen ehemals und jetzt in Aachen befindliche Reliquien und Reliquiare. Von dems. -- Litteratur. -- Miscellen. -- Chronik des Vereins.

/Register oder Verzeichnisse/ zu Band I. bis und mit XX. des /Geschichtsfreundes/. Bearbeitet von Joseph Leopold Brandstetter, Arzt in Beromünster. (Herausgegeben vom /historischen Vereine der fünf Orte/.) Einsiedeln, New-York und Cincinnati, 1865. Druck und Verlag von Gebr. Karl und Nicolaus Benziger 8.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique de France./ Trente-troisième Année. Tome VI. IV. Série. 378. Livraison. -- Mai 1866. 379. Livraison. -- Juin 1866. Paris, 1866. 8.

Cours et arrêts d’amours, mémoire de M. J. Barbier.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

21) /Deutsches Heldenbuch./ Zweiter Theil. Alpharts Tod, Dietrichs Flucht, Rabenschlacht, herausgegeben von /Ernst Martin/. Berlin, Weidmann’sche Buchhandlung. 1866. 8. LX u. 338 Stn.

Das Bedürfniſs einer /kritischen/ Ausgabe des Heldenbuchs werden wol auch die treuesten Anhänger v. d. Hagens gefühlt haben, und wir glauben, der Anfang dazu hätte kaum besser gemacht werden können, als mit den von E. Martin in dem vorliegenden zweiten Theile (der erste soll später erscheinen und „Biterolf und Dietleib“ von Jänicke, „Laurin und Waleram“ aus den Vorarbeiten des Dr. Fr. Roth enthalten) herausgegebenen Stücken, bei denen die Kritik noch so viel, ja fast alles zu thun hatte. Wenn auch einzelnes bei fortgesetzter Forschung sich anders gestalten wird: im Groſsen und Ganzen aber werden die Resultate sich behaupten, zu denen Herr Martin durch seine in der Einleitung geführten umfassenden Untersuchungen gelangt ist.

Was nun „Alpharts Tod“ betrifft, so weisen die Spracheigenthümlichkeiten der einzigen, nun auch nicht mehr zugänglichen Handschrift auf die Gegend des Mittelrheins, etwa zwischen Straſsburg und Mainz (S. X); doch kann das Gedicht nicht dort, sondern wahrscheinlich in Franken (XXVII) um’s Jahr 1200 (XXV) entstanden sein, und zwar auf dieselbe Weise wie der Nibelunge Noth und die Kudrun (XXII). Von den erhaltenen ersten 305 Strophen werden vom Herausgeber nicht weniger als 152 als spätere Interpolationen bezeichnet und die Gründe für die Ausscheidung jeder dieser Strophen in der Einleitung angegeben. Der Cäsurreim bildet unter den Kriterien der Unechtheit eine groſse Rolle, und auf’s neue wird bestätigt, daſs er nur einer späteren, schlechtern Periode der Volkspoesie angehört, da die Interpolationen ihrem Inhalte nach zu den Gedichten der späteren Zeit, ganz besonders zum Rosengarten, stimmen (XXIX). Das gleiche ist der Fall mit der Fortsetzung von Alpharts Tod (Str. 306-467), nur daſs diese von einem andern Verfasser herzurühren scheint, als die Zusätze (XXII).

Zu andern Resultaten führte die Untersuchung über die zwei in vier Handschriften immer zusammen überlieferten Gedichten Dietrichs Flucht und Rabenschlacht. Beide rühren wol von demselben Dichter her, der sich D. Fl. 8000 selbst als Heinrich der Vogelaere nennt. Für einen Theil der Rabenschlacht muſs er schon eine Grundlage, wol ein im gleichen Metrum gedichtetes Lied, vorgefunden haben, das er aber nicht nur gröſstentheils umarbeitete, sondern auch durch eigene, an Zahl gewiſs weit überwiegende Strophen vermehrte (XLIV). Nicht so verhält es sich aber mit dem Haupttheile von Dietrichs Flucht: da läſst sich keineswegs ein älteres Gedicht als Grundlage nachweisen, vielmehr schöpfte der Dichter wol nur aus der Volkssage, die gerade über die Flucht Dietrich’s ziemlich ausführlich gewesen zu sein scheint (XLIX). Auch die Zeit, in welcher die Flucht gedichtet wurde, ist nun genauer, als bisher geschehen war, bestimmt worden, nämlich 1285-90 (LII ff.). -- Die beigegebenen Anmerkungen hätten vielleicht etwas reichhaltiger ausfallen dürfen; doch darüber wollen wir nicht rechten. Lieber keine Anmerkungen, als solche (wie wir ihnen heutzutage gar oft begegnen), die das Selbstverständliche erklären und das Dunkle ruhig bei Seite liegen lassen. Mit einem ausführlichen Namensverzeichnisse schlieſst das Buch, dem die Weidmann’sche Buchhandlung eine recht schöne Ausstattung gegeben hat. L.

22) /Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II. zu Osnabrück vom Abt Norbert zu Iburg und eine von Domprobst Wiho, nachherigem Bischofe zu Osnabrück, im Interesse der kaiserlichen Partei gegen den Papst Gregor VII. gerichtete Flugschrift/, aus dem Lateinischen übersetzt und mit einer Vorrede und Anmerkungen versehen von /Hermann Hartmann/, Dr. med. zu Lintorf. Osnabrück, Druck und Verlag von J. G. Kisling. 1866. 8. 119 Stn.

Gewiſs hätte ländliche Muſse nicht besser verwendet werden können, als in Zurückführung eines Lebensbildes, dessen fast gleichzeitige Beschreibung als wichtiges historisches Zeugniſs längst anerkannt ist, das zugleich durch die hervorragende Stellung und den ausgezeichneten Charakter seines Trägers Anspruch auf das Interesse weitester Kreise besitzt. -- Bischof Benno II. stand bekanntlich in dem groſsen Streite zwischen Papst und Kaiser am Ausgange des 11. Jahrhunderts auf Seite des letzteren. Man könnte sagen, daſs er, weniger klug oder ehrlicher als die meisten seiner Zeit- und Standesgenossen, die nächsten Erfordernisse jener Epoche nicht verstanden habe. Aber der Grund, auf den er seine Ueberzeugung pflanzt, und die von auſsen wie von innen genommenen Hebel, durch welche er jener Vorschub leistet, geben über den geistig-sittlichen Gehalt der Zeit, auch wo er dieser selbst nicht zum Bewuſstsein gekommen, so bedeutungsvolle Aufschlüsse, daſs die Geschichte des einen Mannes zum Spiegelbilde des ganzen Geschichtsabschnittes wird. Einen besondern Reiz erhält die Erzählung unter der Hand des genannten Biographen, der, ein Schüler und Freund des Bischofs, sodann zweiter Abt des von Benno zu Iburg gestifteten Benedictinerklosters, obwohl Parteigenosse und hoher Verehrer seines Patrons, doch keineswegs blind für dessen Schwächen ist, aber in den Gesichtspunkten, aus welchen er sie zu entschuldigen sucht, wieder höchst charakteristische Merkmale für seine Zeit bietet. Der Uebersetzer leitet durch einen geschichtlichen Ueberblick das Verständniſs auch des Laien ein und unterstützt dasselbe durch fortgesetzte Anmerkungen. -- Die angehängte Streitschrift des gelehrten Propstes Wiho hängt mit dem Leben Benno’s aufs engste zusammen, ist sogar durch diesen und den Erzbischof Liemar von Bremen veranlaſst. Ihre historische Bedeutung als die einer Quellenschrift ist ebenfalls schon früher gewürdigt. Die mit vollem Recht hier angefügte Uebersetzung darf ein Interesse auch auſserhalb des Bereiches der Wissenschaft beanspruchen, indem sie zeigt, nach welchem Maſsstabe man in jener frühen Zeit Polemik trieb.

23) /Ueber Arbalo und das Winterlager des Tiberius am Flusse Julia./ Vom /Freiherrn/ H. v. Z. Paderborn, Ferdinand Schöningh, 1865. 8. 48 Stn.

Die Oertlichkeiten, auf welche die Versuche der Römer, vom Nordwesten her in die deutschen Gaue einzudringen, und mehr noch die dabei erlittenen Niederlagen spielten, sind so häufig zum Gegenstande monographischer Untersuchung gemacht, daſs eine ziemlich umfangreiche Literatur daraus erwachsen ist. Interessanter fast, als die topographischen und historischen Ergebnisse, ist die Art und Weise, wie diese Untersuchungen von den /Monumentis Paderborn./ aus dem Ende des 17. Jahrh. bis zu /Essellen/, /von Ledebur/, /Giefers/ und anderen Forschern unserer Zeit sich von einem phantastischen Localpatriotismus bis zur wirklichen wissenschaftlichen Kritik erheben. Auf dem Standpunkt der letzteren hält auch die oben genannte kleine Schrift sich und zwar mehr vermöge der Einfachheit, als der Künstlichkeit ihrer Schluſsfolgerungen, die in den meisten früheren Werken eher unseren Verdacht, als unsere Bewunderung erregt. Der Verfasser versetzt den Ort Arbalo an den Einfluſs der Erpe in die Diemel, das Winterlager des Tiberius an die Stelle der alten Eresburg. Die Gründe, worauf er diese Ansichten stützt, sowie die Folgerungen, die er daraus ableitet, überlassen wir dem Leser im Buche selber nachzusehen. Eine willkommene Zugabe würde eine übersichtliche Karte gewesen sein.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 31. Die Taubstummeninstitute und ihre Geschichte. -- Sammlerwuth in alter und neuer Zeit. (Louis Lungershausen.) -- Die Artillerie bis zum siebenjährigen Kriege (Franz Maurer. Mit Benutzung einer Arbeit des Generals von Tempelhof vom Jahre 1797.) -- Zur Geschichte der farbigen Edelsteine. (Aus den Times.) -- Nr. 32 f. Sir John Lubbock über den gegenwärtigen Stand der Archäologie. -- Nr. 35. Heer (in Zürich) über die Pflanzenwelt der Pfahlbauten.

/Das illustr. Buch d. Welt/: Nr. 10, S. 311. Die Alraunwurzel. (Hugo Schramm.)

/Chilianeum/: 11. Heft, S. 422. Die Deutschhauskirche in Würzburg.

/Illustr. Familien-Journal/: Nr. 34 (664) f. Die Kleidertrachten. (Wilhelm Andreä.) -- Marburg. -- Nr. 36 (666). Deutsche Inschriften an Haus und Geräth. -- Nr. 37 (667) ff. Die Marienburg.

/Hausblätter/: 16. Heft. Volkssagen. 10-13. (Fr. Schultheis.)

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 58. Die Prädestinationslehre Husens und der Husiten. (L. Krummel.)

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 457 ff. Die Weiſse Frau. -- Nr. 466 u. 468. Fürstliche Geselligkeit in älterer Zeit.

/Magazin für die Liter. d. Ausl./: Nr. 33. Johann Agricola. Ein literarisches Säculargedächtniſs. (Friedr. Hasenow.) -- Nr. 34.

Historische Volkslieder der Deutschen. -- Nr. 35. Die statistische Bedeutung der Volkssprache, als Kennzeichen der Nationalität. (Richard Böckh.)

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 24 (120). Das Wappen der niederländischen Schuhflicker. (Hans Weininger.) -- Spottpoesie und Caricatur im Mittelalter. (Wilh. Krühne.)

/Deutsches Museum/: Nr. 33. Ein deutsches Schlummerlied aus dem 10. Jahrhundert. (Alb. Richter.) -- Nr. 34 f. Die historischen Volkslieder der Deutschen. (Hans Prutz.)

/Schles. Provinzialblätter/: Juni, S. 358. Hünengräber bei Groſs-Strehlitz. (Th. Oelsner.) -- Juli, S. 409. Zwei schlesische Christkindelspiele. (Dr. Rud. Drescher.) -- S. 427. Das Grabmal des letzten Herzogs von Oppeln. (F. R. Hoffmann.) -- S. 428. Schlesische Sprüchwörter, Redensarten und Ausdrücke. (H. Strusche.)

/Hallisches Tageblatt/: Nr. 169. Ein altes Hallorenlied. (Opel.)

/Volksblatt f. Stadt und Land/: Nr. 59 f. Beiträge zum Conservativismus in der deutschen Sprache.

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 35 f. Georg von Behr (geb. 1591).

/Zeitschrift für bild. Kunst/: Nr. 18, S. 198. Holbein und Quentin Messys in Longford Castle. (Alfr. Weltmann.)

/Zeitschrift f. prakt. Baukunst/: Hft. 4-6, Sp. 99. Worin besteht das Eigenthümliche im Bau des Ordenshauses Marienburg in Preuſsen? (Max Rosenheyn.) -- Sp. 139. Die Basiliken am Harz. -- Sp. 151. Der Dom von Marienwerder. -- Sp. 157. Bauliche Erinnerungen an Münster, Paderhorn und Soest.

/Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 241 ff. Die Ausstellung historischer Porträte in London. Sommer 1866. (Gottfr. Kinkel.)

/Bayer. Zeitung/: Morgbl. Nr. 229. Eine historische Ohrfeige. -- Nr. 231 ff. Das Lauinger Passionsspiel. (A. Birlinger.) -- Schreiberwitze und Schreibervolk (nach alten Handschriften.) -- Nr. 236. Historische Miscellen (ein Duell im 15. Jahrh.; Herzog Wilhelm’s V. Projekt, in München den Sitz eines Bisthums zu errichten; Friedrich III. als Kinderfreund zu Nürnberg). -- Nr. 238. Die Verbindung des Rheins und der Donau, beabsichtigt im J. 1656. (J. Baader.) -- Nr. 241. Das Kloster Lorch und das Erbbegräbniſs der Hohenstaufen.

/Leipz. Zeitung/: Wissenschaftl. Beil. Nr. 65. Zur Geschichte der Glasmalerei.

Vermischte Nachrichten.

80) Ueber die /am Dome zu Köln/ stattgefundenen /Nachgrabungen nach römischen Ueberresten/ ertheilt ein eingehender Artikel von H. Düntzer Auskunft. Das älteste römische Gebäude, von welchem sich Spuren finden, ist jedenfalls durch Feuer zerstört worden. Mehrere noch im Boden stehende Pfeilerstücke sind nahe an demselben abgebrochen und zeugen von der Wirkung des Feuers. Man hat in diesen Räumen auch ein tiefgehendes, rundes Loch entdeckt, das einer Cisterne angehört zu haben scheint; daselbst wurden manche Reste des römischen Alterthums, z. B. ein Theil einer Marmorbekleidung, gefunden. Nach der Zerstörung dieser ältern Anlage hat man über den Schutt derselben einen ganz neuen Boden gelegt, worauf dann das zu Tag liegende Bassin, das nur ein frigidarium gewesen sein kann, gesetzt wird. Diese zweite Anlage zeigt gleichfalls römisches Material und römische Bauart; es kann jedoch nicht entschieden behauptet werden, daſs sie nicht schon in die älteste fränkische Zeit hineinreiche. Die im Schutte gefundenen römischen Münzen gehen bis auf Kaiser Valens herab. Auch sonst wurden mancherlei Antiquitäten, als: Nadeln, Ringe, Sonden, Griffel u. s. w., ausgegraben. Das Allerwichtigste ist jedoch ein in der Nähe des Bassins gefundener Stein mit einer Inschrift, die nach den unzweifelhaft sich ergebenden Ergänzungen also lautet: „(Mer)curio August(ales) imperatoris Titi Caesari(s Augusti) templum a fundament(is et mace)riem in circumitu et aedificiis.“ Der Schluſs, der den Bau des Tempels aus eigenen Mitteln bezeichnet haben mag, fehlt. Die Inschrift scheint auf Pfeilern, wol über dem Eingang des Tempels, gestanden zu haben. Ganz in der Nähe fand man das Reliefbild eines Gottes, vielleicht des Merkur, das gleichfalls am Eingang angebracht gewesen sein mag. Mit fast unzweifelhafter Gewiſsheit hat sich hieraus die Thatsache ergeben, daſs unter Kaiser Titus in dieser Gegend ein von den Augustales, einer halb priesterlichen Behörde, geweihter Tempel des Merkur mit Nebengebäuden und einer anschlieſsenden Mauer gestanden. Die weitere Verfolgung der Grundmauern des mittelalterlichen Gebäudes hat das merkwürdige Ergebniſs geliefert, daſs dieselben sich bis unter den Domchor hinziehen. Auch der in diesem Frühjahre entdeckte römische Thurm, in welchen im Jahre 1247 eine Thür gebrochen ward, ist nun untersucht und bis zum Boden ausgeleert worden, der sich etwa 6 Fuſs unter der Sohle der Trankgasse fand, wogegen der kürzlich aufgefundene nächstgelegene Römerthurm der Sohle ziemlich gleich liegt. Jener Thurm ergibt sich als Halbthurm. In dem ganz mit Bauschutt ausgefüllten untern Theile fanden sich auch mehrere Thierreste, eine Menge römischer Thonscherben, einige kleinere Krüge und eine Münze Hadrians.

(Ill. Ztg.)

81) Bei einer Restauration der Dominikaner-Klosterkirche zu /Aarhuus/ stieſs man kürzlich unter dem Fuſsboden auf einen Grundstein von 3½ Ellen Länge, welcher, nachdem er herausgenommen worden war, eine /Runeninschrift/ zeigte. Die Alterthumskundigen sind mit der Deutung der Schrift beschäftigt.

(Korr.)

82) Der /Rathhausumbau in Danzig/ hat dieser alten Seestadt ein prächtiges Denkmal bester gothischer Baukunst zurückgegeben, das in seiner jetzigen Vollendung dem Kunst- und Bauverständigen einen angenehmen An- und Einblick gewahrt. Diese Verschönerung hat die Stadt dem Eifer des Oberbürgermeisters v. Winter zu danken, der bei seinem Amtsantritt das Bauwerk in einem verwahrlosten Zustande, durch planlose Bedürfniſsbauten vielfach entstellt, vorfand. Nun treten überall die ursprünglichen Verhältnisse und Formen rein und schön hervor; eine nicht geringe Anzahl trefflicher Kunstwerke, namentlich Holzschnitzereien, seither in der Stadt zerstreut, haben in den Räumen des Rathhauses zweckmäſsige Verwendung in würdiger Umgebung gefunden, und Decken und Wandgemälde strahlen wieder in neuer Frische.

(Ill. Ztg.)

83) Die beiden /Thürme/ des /Regensburger Domes/ wurden diesen Sommer, unaufgehalten vom Kriege, bis zu den Helmen vollendet. Am Ludwigstage fanden die üblichen Hammerschläge auf die ersten Steine des südlichen Thurmhelmes statt, und das ganze Werk dürfte im Jahre 1868 bis zu den Kreuzblumen gediehen sein.

(Morgenbl. z. bayr. Z.)

84) Zwanzig der schönsten /Rembrandt’schen Radierungen/ aus dem Kupferstichkabinet des britischen Museums in London werden von Bell und Daldy daselbst /photographisch aufgenommen/ und vervielfältigt und sind hierauf von Cundall und Fleming, gleichfalls in London, zu beziehen. Es befinden sich sehr berühmte Blätter darunter, als: die drei Bäume, Ephraim Bonus, ein St. Hieronymus, die Auferweckung des Lazarus, die Kreuzesabnahme, die Erscheinung der Engel vor Schafhirten, das Hundertguldenstück u. s. w. Ein beschreibender und erläuternder Text wird beigegeben.

(Ill. Ztg.)

85) Unter einer vom Buchhändler /Stargardt/ in Berlin vor Kurzem erworbenen Autographensammlung befinden sich einzelne, die im Handel höchst selten vorkommen; z. B. ein eigenhändiger Brief von /Georg Rüxner/, gen. Hierosalem Ewalde, Reichsherold im 16. Jahrh., dem berühmten Herausgeber des Turnierbuches, „von wegen meines svagers Hannsen Cyseus von Schönaich“; ein eigenhändiges, sehr wichtiges Schreiben von /Joachim Friedrich/, Markgrafen zu Brandenburg, an den Fürsten zu Anhalt, betreffend den theologischen Streit über die Concordienfrage; eigenhändige Briefe der Theologen /Grynaeus/, /Zwingli/ (Bruchstück), /Heshusius/ (von Samland), /Melanchthon/, /Ochsenfort/, der Kriegshelden /Aldringer/, /Leslie/, /Dietr. v. Werder/, /Kosciuszko/ etc.

86) Nach einer gütigen Miltheilung des Herrn Dr. E. /Schlüter/, Obergerichtsrathes a. D., zu Stade befinden sich unter den actis archivalibus der kgl. Landdrostei daselbst folgende /Manuscripte deutschgeschichtlichen Inhalts/:

1. Vita et obitus beati Willehadi, Archiepiscopi Bremensis; item vita Sct. Gregorii, Episcopi Trajectensis.

2. J. Ottonis catalogus omnium Episcoporum et Archiepiscoporum Bremensium 1580, contin. a Kelpio usque ad A. 1648.

3. Die s. g. bremische Anscharius-Chronik, T. I. (enthält die Chronik von Herbert Schene und Gerd Rynersberch de A. 782-1547).

Tom. II: eine Chronik von 1547-1563 die /Hardenberg’schen Streitigkeiten/ enthaltend (incerti auctoris). /Pratje/, die Herzogthümer Bremen und Verden, Bd. VI, S. 23 ff., meint, daſs /Simon Bock/ der Verfasser sei, während der Autor des 1779 zu Bremen erschienenen Buchs: „Dr. Hardenberg’s im Dom zu Bremen geführten Lehramts“ dies bestreitet und den /Bürgermeister Kenkel/ als Verfasser bezeichnet.

4. J. Renner, Bremische Chronik, Th. I, von 782-1547; desgl. Th. II, von 1511-1583.

5. Protocollbuch des Provincialcapitels des Benedictiner-Ordens (Bursfelder Union) für die Diöcesen Magdeburg, Bremen und Kamin, 1467-1526.

6. Das s. g. rothe Buch der bremischen Unterstifter St. Anscharii et Wilhadi.

7. Jo. Rhodii registrum jurium ecclesiae Bremensis und ejusdem registrum bonorum castri Vorde, citra et ultra Ostam.

8. J. Renner, Leben des Erzbischofs Johann Rhode etc.

9. Des Rectors Roth Sammlungen zur Geschichte der Markgrafschaft Stade und zur Geschichte der Herzogthümer Bremen und Verden, Th. 1 u. 2; item fernere Collectaneen desselben.

10. (Kelp) Varia historiam Bremensem et Verdensem illustrantia.

11. Breviarium rerum Bremae, Hamburgi et Rostochii gestarum (ad T. II. operum Krantzii).

12. Chronica ecclesiae Rosenfeldensis seu Hasselfeldensis et Catalogus Abbatum et Archiabbatum Hasselfeldensium.

13. Dieselbe Chronica mit späteren Zusätzen.

14. Ein altes Manuscript über die älteren Bischöfe zu Verden (776-1558).

15. Chronicon Verdense (776-1551).

16. Verden’sche Chronik (776-1623).

17. Excerptum Chronici Verdensis (a Pastore Rabe).

18. Elardi v. d. Hude Chronicon Episcoporum Verdensium contin. a Kelpio usque ad A. 1648.

19. Heinonis a Mandelsloh und Andreas de Mandelsloh, Memoriale ecclesiae Verdensis.

20. Eine geschriebene alte Chronik von Hamburg (800-1552). (Nebst einem Gedichte vom Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, 1568.)

21. /Tratziger’s/ Hamburgische Chronik.

22. Bericht, wie weit das Land Wursten vor der Eroberung dem Erzstifte und wie weit es hernach demselben incorporirt worden; (geht bis A. 1663).

23. De Castro Delmenhorst ao. 1220 ab Archiepiscopo Bremensi aedificato.

24. /Kelp/, Collectanea von der Grafschaft Hoya.

25. Auszug einiger Nachrichten von der Grafschaft Hoya, Auctore J. K(elp).

26. Hadelographia, Beschreibung der Landschaft Hadeln von H. /Sittmann/, 1680; angebunden Wittmunder und Esensche Chronika sive Genealogia Frisica Hyeronimi Grestii.

27. Nachrichten und Urkunden über das ehemals zur bischöflich Verdenschen Kirche gehörige Kloster Scharmbeck (zuerst Steinbeck, dann Marienbeck genannt).

Inserate und Bekanntmachungen.

Die Herren Pränumeranten und Gratisempfänger des Anzeigers werden hiemit ergebenst benachrichtigt, daſs von nun an nur die direkt bei der Post bestellten Exemplare per Post, alle übrigen aber auf /Buchhändlerweg/ expediert werden.

/Nürnberg/, 1. September 1866. =Das germanische Museum.=

* * * * *

15) Zu kaufen oder auf kurze Zeit zu leihen gesucht wird von dem Werke: Lepage, les communes de la Meurthe der 2. Theil des ersten Bandes, S. 352 ff. Gefällige Offerten an die Redaktion des Anzeigers.

16) Ich würde mich auſserordentlich verpflichtet fühlen, wollte mir Jemand etwas Authentisches über das /Lützelburg/’sche Freiherren-Diplom zukommen lassen, -- wie ich überhaupt alle auf meine Familie bezüglichen Urkunden etc., welche mir, wenn auch lediglich zur Einsichtnahme, dargeboten werden, stets in hohem Grade willkommen heiſse.

/Eichstätt/, im September 1866.

/Wilhelm Freiherr v. Lützelburg./

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 10. October.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Kaiser Albrecht I. und Herzog Friedrich der Schöne von Oesterreich belagern die Veste Fürstenberg in der Baar.

Vergleich zwischen dem Grafen Heinrich von Fürstenberg, seinen Brüdern und Vettern einerseits und K. Albrecht I. und seinen Söhnen anderseits, die Städte Bräunlingen und Löffingen und die Burg Kürnberg betreffend.

/1305, Mai 30, vor Fürstenberg./

Allen den, die disen gegenwirtigen brief ansehent oder hoͤrent, kvͤnde ich graue Hainrich von Fürstenberg, daz dvͤ mishelli, dvͤ entzwischent | minem herren Albrehte von gotez gnaden dem Roͤmschen künge, ainem mêrer dez riches, vnd herzogen Fridrice sinem svne ainhalb vnd mir andert | halben gewesen ist, verslihtet vnd gerihtet ist, als hie nach geschriben stât. Von erst han ich graue Hainrich, für mich vnd mine bruͦdere, minem herren | herzogen Fridriche, an siner vnd siner bruͦder stat, gegeben allez daz reht, daz wir haben in der stat ze Brülingen, ez si an luͤten oder an guͦte ald an gerihten, vnd sont svͤ mir vnd minen bruͦdern darvmbe geben drithalbhvndert march loͤtiges silbers Schafhuser gewihtez, die svͤ mir vergwisset habent ze gebenne ze vsgender naͤsten phingstwͦchen. Ich hab ovch, für mich vnd mine bruͦdere, minem herren dem Roͤmschen kvͤnge vnd herzogen Fridrich sinem svne ze besserunge vfgeben, vnser grâschaft vnd die burg ze Kvͤrenburg vnd die stat ze Loͤffingen, vnd han daz ze lehen enphangen von dem vorgenanden herzogen Fridriche vnd sinen bruͦdern. Ich verzihe mich ovch, für mich vnd mine bruͦdere, allez dez schaden, So mir vnd minen bruͦdern geschehen ist, von minem herren dem kvͤnge vnd von herzogen Fridriche sinem svne, oder von iren dienern. Sich verzihet ovch graue Cuͦnrat von Fürstenberg min veter, korherre ze Kostenze, allez dez schaden, so ime geschehen ist, an der stat ze Loͤffingen ald anderswa, von denen von Stofeln oder von anderen dez kvͤngez oder dez herzogen dienern. Dar nach, vmbe mine vnd miner veteren lüte, grauen Cuͦnratz vnd grauen Gebhartz sinez bruͦders, die ze Brülingen burger worden sint, die wir herbraht haben, svͤ sin aigen- oder lehen- oder vogtlüte, ist also gered, went svͤ ze Brülingen bliben vnd da sitzen, dez enson wir vnd vͤnsere veterren, die vorgenanden, in niht enweren vnd sont svͤ dar vmbe niht beswêren, wer aber, daz svͤ da niht beliben vnd sitzen woltin, so son wir vnd vͤnsere vetern, die vorgeschribene, die selben lvͤte haben vnd besitzen, als ovch vor. Wer och daz ieman miner oder miner veterren, der vorgenanden grafen, lüte oder vͤnserre dienere lüte ze Brülingen bliben vnt sitzen woltin, svͤ sin fri oder vogtlüte, so ensol mich vnd mine bruͦdere vnd mine veterren, die vorgenanden, der vorgeschriben herzog Fridrich vnd sine bruͦdere niht enirren an dien guͤtern so dieselben lüte hant; wir mugen svͤ niessen reht vnd redelich in allem dem rehte, avn alle geuerde, als ovch vͤnsere vordem dvͤ selben guͤter hant genossen. Ez ist ovch also gered, daz der vorgenande vͤnser herre der kvͤnig vnd herzog Fridrich vnd sine bruͦdere hinnanhin enhainen man, der der min vnd miner bruͦdere, oder miner vetern, aigen ist, enphahen son ze burger ze Brülingen; wer aber, daz dehaine vͤnser vogtman oder fri ist burger wrde ze Brülingen, die mugent der vorgenande herzog Fridrich vnd sine bruͦder wol enphahen, also ob svͤ da sezhaft went sin vnd da beliben. Vnd dieselben gnade, die mir vnd minen bruͦdern vnd minen vetern hat getan vͤnser herre der kvͤnig vnd der herzog Fridrich und sine bruͦdere, vmbe die aigen lüte oder die frien all die vogtlvͤte, die haut svͤ ovch getan dien von Bluͦmenberg, dien von Blvͦmenegge, dien von Kvͤrnegge, dien von Almshouen, Huge von Riffenberg, hern Fresselin, dien von Aitlingen, Hainriche dem Schulthaissen von Vilingen, Cuͦnrat von Hvͤfingen, Johanse von Gepzenstayn, vnd dien die vf dem berge sitzent ze Fürstenberg. Aber vmbe die edeln lvͤte ist also gered, went svͤ oder ir dehainer burger werden ze Brülingen, dez ensol ich vnd mine bruͦdere oder mine vetern in niht enweren, ovch ensol in der kvͤng oder der herzog Fridrich niht enweren, ob svͤ dannan varn woltin. Vnd daz diz, allez daz da vorgeschriben stât, war si und staͤte blibe, so hab ich, für mich vnd mine bruͦdere, disen brief besigelt mit minem vnd minez vetern grauen Cuͦnratz yngesigeln. Ich graue Cuͦnrat von Fürstenberg, korherre ze Kostenze, vergihe an dem gegenwͥrtigen briefe, daz allez daz da vorgeschriben stât geschenhen ist mit miner vnd minez bruͦders grauen Gebhartz, des vorgenanden, wissende, gunst vnd willen, vnd verzih mich allez dez schaden, so mir geschehen ist an der stat ze Loͤffingen ald anderswa, als da vorgeschriben stat. Vnd ze ainem vrkünde derselben dinge, so henk ich min yngesigel an disen brief zvᵒ minez vetern ynsigel, dez vorgenanden grauen Hainrichs. Diz beschach vnd dirre brief wart gegeben in dem gesesse vor Fürstenberg, do man zalte von gotez gebvͤrte drüzehenhvndert jar vnd darnach in dem fvͤnften jare an dem svnnentage nach der hailigen vffart vͤnsers herren.

Das Siegel des Grafen Heinrich nur als Fragment erhalten. Doch ist deutlich ersichtlich, daſs es das gleiche Siegel, welches in des Fürsten Friedrich Karl zu Hohenlohe Sphrag. Album des deutsch. hohen Adels, Beil. C zu Fürstenberg Nr. 4, abgebildet ist, ein s. g. Reitersiegel (nach dem Hohenlohe’schen Systeme III, B, 3). Von der Umschrift ist noch lesbar.. ~DE .. STENB’G~. Das Wappen auf dem Schilde und der Pferdedecke ist deutlich zu erkennen. Das Siegel des Grafen Conrad ist ziemlich gut erhalten. In einem dreieckigen Schilde das bekannte Wappen (nach dem Hohenlohe’schen Systeme, IV, A, 2). Umschrift: ✠ ~S’. a. CON. DE. FIVRSTENB’G. CAN. CONSTANT.~

Die vorstehende Urkunde scheint mir in mehr als nur in einer Hinsicht der Veröffentlichung würdig zu sein. Daſs Herzog Friedrich der Schöne die Stadt Bräunlingen am 30. Mai 1305 vom Grafen Heinrich von Fürstenberg um 250 M. S. käuflich erwarb, wissen wir aus (Kreutter) Geschichte der k. k. vorderösterr. Staaten, 2, 43 und, hieraus, aus Stälin, Wirt. Gesch., 3, 109. Dagegen war es, meines Wissens, bisher noch nicht bekannt, daſs die Veräuſserung Bräunlingens die Folge einer Fehde und eines, von K. Albrecht und seinem genannten Sohne Friedrich persönlich unternommenen Kriegszugs gewesen ist. Die Urkunde gewährt aber auch ein rechtsgeschichtliches Interesse als Beitrag zur Kenntniſsnahme einer die Landherren des 13. und 14. Jahrh. gar sehr berührenden Frage, nämlich des Anschlusses ihrer Unterthanen in die Städte, und des hiermit engverbundenen Ausbürger- und Pfahlbürgerthums (cives non residentes). Das Original der Urkunde befindet sich im Generallandesarchive zu Carlsruhe und wurde mir von dort, zum Behufe meiner Studien zur fürstenbergischen Hausgeschichte, in freundlicher Bereitwilligkeit mitgetheilt. Der hier gegebene Abdruck ist ganz genau. Schwankungen in der Schreibart wurden beibehalten. Die wenigen, niemals zweifelhaften Abkürzungen sind aufgelöst[A].

Ich hege keinen Zweifel darüber, daſs diese „in dem gesesse vor Fürstenberg“, also bei der Belagerung (vergl. Ziemann s. v. Gesesze) ausgestellte Urkunde in Gegenwart K. Albrecht’s und wol auch seines Sohnes Friedrich ausgefertigt worden ist, und glaube sogar jene kleine, zierliche Schrift, welche den Sekretär K. Albrecht’s auszeichnet, und das in Albrecht’s Kanzlei übliche, feine Pergament zu erkennen. Bei Mone, Zeitschrift 14, 174 ist ein ähnliches Beispiel vom 9. Aug. 1303 gegeben, daſs nämlich eine Urkunde, welche die Herren Conrad und Engelhart von Weinsberg dem Könige ausstellten, von dessen Sekretär geschrieben wurde. Fernerhin paſst die Urkunde in K. Albrecht’s Itinerar, soweit wir dasselbe kennen. Derselbe war am 17. und 19. Mai in Eſslingen, am 22. Mai in Rotweil und am 31. Mai in der Nahe von (apud), oder in Schaffhausen. Die Nachweisungen in Böhmer’s Regg. Imp. Nr 505, 507 u. 633. Veste Fürstenberg ist höchstens 6 Stunden von Schaffhausen entfernt. Was den Herzog Friedrich betrifft, so war derselbe am 29. Juni 1305 in Ulm (Böhmer, Add., II, S. 501). Weitere Urkunden Friedrich’s aus dem Jahre 1305 sind nicht bekannt. Graf Heinrich (II.) von Fürstenberg ist ein Sohn des Grafen Friedrich und der Adelheid von Wolfach. Seine in der Urkunde erwähnten, aber nicht namentlich angeführten Brüder sind: Conrad, in der Folge Domdekan zu Straſsburg, † 1346, und Friedrich, Johanniter in Villingen. Der Chorherr zu Constanz, Graf Conrad zu Fürstenberg, und dessen Bruder Graf Gebhart sind Oheime des Grafen Heinrich II., Brüder seines Vaters Friedrich. Beide gehörten dem geistlichen Stande an. Conrad war zugleich auch Pfarrherr (Rector ecclesiae) in Villingen und urkundet als solcher schon im J. 1303 (Origg. mit Siegeln im F. Fürstenb. Arch.); Gebhart war Chorherr zu Constanz und, nach dem Tode Conrads († 1314), ebenfalls Pfarrherr zu Villingen. Welche Gerechtsame diesen beiden Grafen in Löffingen zustanden, ist nicht näher ermittelt. Die Burg Kürnburg oder Kürnberg -- jetzt der Kürnberger Hof -- lag nahe bei Löffingen, unweit der Straſse von Donaueschingen nach Freiburg i. Br. Die Linie Fürstenberg-Haslach, welche bis zum J. 1326 die Stadt Villingen besaſs, war bei diesem Streite mit K. Albrecht nicht betheiligt. Die Gerechtsame des Hauses Fürstenberg in Bräunlingen dürften auf Zäringen’schen Ursprung zurückführbar sein. Bräunlingen blieb, einige Verpfändungen abgerechnet, bis zur Auflösung des deutschen Reiches eine vorderösterreichische Stadt und führte als solche auch den habsburgischen Löwen im Wappen.

Wahrscheinlich wollte Graf Heinrich von Fürstenberg eine ernstliche Fehde mit dem Reichsoberhaupte vermeiden. Doch scheint auſser Zweifel zu sein, daſs K. Albrecht und Herzog Friedrich sich vor Fürstenberg gelagert hatten, und daſs hier, im Lager, ein Vergleich zu Stande kam. Fürstenberg war indessen zu jener Zeit nicht nur eine Burg, sondern auch ein befestigtes Städtchen, dessen bereits in der bekannten Urkunde K. Rudolf’s, aus dem Lager zu Marchegg, 1278 Aug. 19, Böhmer, Reg. Rud. 458, Erwähnung geschieht.

/Donaueschingen/, im August 1866.

/Dr. Freih. Roth v. Schreckenstein/, F. F. Archivar.

FUSSNOTE:

[Fußnote A: In Ermangelung entsprechender Typen haben wir bei diesem, sonst getreu an das vorliegende Manuscript sich anschlieſsenden Abdrucke die Buchstaben v und u mit übergeschriebenen i (vͥ, uͥ) durch vͤ und ü, ebenso a und o mit darüberstehendem v durch av, ov wiedergeben müssen. /Die Redaktion./]

Die Sprichwörtersammlung des Friedrich Peters.

Von Subrektor J. /Franck/ zu Annweiler.

Eine der werthvollsten und zugleich wenigst bekannten Sprichwörtersammlungen, deren Niederschrift noch in das 16. Jahrh. fällt, ist diejenige des Friedrich Peters. Ich gebe in Nachstehendem eine eingehende Beschreibung derselben nach einem vollständigen Exemplare, das sich in der Bibliothek des Zweibrückener Gymnasiums[A] befindet.

Der Teutschen | (Schmale Zierleiste) | /=W=Eiſsheit// | Das ist: | /Auſserlesene kurtze/ sinnreiche/ | lehrhaffte vnd sittige Spruͤche vnd Sprich-/ | woͤrter in schoͤnen Reimen oder schlecht ohne Reim/ | von allerley Geistlichem vnd Weltlichem Wesen | vnd Handel des gantzen Menschlichen Lebens/ wie | man sie im gemeinen Brauch hat/ oder in | gelehrter Leut Buͤchern | findet. | Lustig und nuͤtzlich zu lesen. /Allen Weisen vnd Teutschen/ | zu Ehren in Druck gegeben. | Durch | /M. Fridericum Petri Seniorem vnd/ Pastorem zu Braunschweich. | Hamburg/ | /Gedruckt bey/ /Philipp von Ohr/ | Im Jahr Christi./ | M.D.C.V.

8. -- Drei Theile mit Haupttitel für ersten und zweiten Theil, aber alle Theile durchlaufender Signatur. Rückseite des ersten Titels leer, letzte Seite bedruckt. 16 Bl. Vorstücke, Titelbl. mitgezählt, 509 Bl. Text, dazu 3 weiſse Bl. Alle Blätter unbeziffert. Signatur: (?)ij -- (?)~v~,):(--):(~v~, ~A-Zv~, ~Aa-Zzv~, ~Aaa~-Sss 5. Die volle Seite, Ueberschriften und Custoden ungerechnet, zählt 37, seltener 36 Zeilen (z. B. Bl. ~Dd~^a und ~Gggv~iij^a). Gesperrte Zeilen, auch das Druckjahr roth. Der erste Buchstabe der zweiten Zeile in schwarzer, der zweite in rother Zeichnung. Titel, mit Ausnahme des Namens des Verfassers und seines Amtes, durchaus in deutschen Lettern. Ohne Randglossen. Bl. (?)ij^a-(?)viij^b: Vorrede (Dedication) „Den Gestren- | gen/... Junckhern/ Cord vnd Hildbrand | Gebruͤdern von Salder/ Gluͤck | vnnd Heil“, unterzeichnet „M. Friderich Peters“. (Vign.) Bl.):(^a --):(^b: „Vorrede“ (Citate aus Luther’s Schriften, dem Sylvula sententiarum und Matthesius vita Luth.), am Schluſs: Vignette. Bl.):(ij^a-):(~v~iij^b: „Vorrede“ (Dedication) DEn Edlen/ |... Fraw- | en/ Frawen Ilsen/ Fritzen von der Schulen- | burg... gebornen von Salder etc. meinen ... Gefat- | terinnen“, datiert: „Dreſsden den 3. Sept. | Anno 1604. || Polycarpus Leiser D.“ (Druckerzeichen). Bl. ~A^a~-~H~iij^b: „Der Teutschen Weiſsheit | Das Erste Theil/ | Von | /Gott// /Christo// | Glauben/ Gebet/ Ketzerei/ | Trost vnd Hoffnung im Creutz/ | Suͤnd/ Todt/ Leben und Selig- | keit/ etc.“ Schluſs: „Ende deſs Ersten Theils. | Dem Vater der Barmherzigkeit/ | Sey Lob vnd Preiſs in Ewigkeit. || Das“ (als Custos). Bl. ~H~iiij^a: Das ander Theil/ | Von /=G=uten Wer/- | cken/ Laster vnd Vn- | tugend/ Lohn vnd Straffe/ auch | von allerley handeln und faͤllen deſs | gantzen Menschlichen Le- | bens. | (Vignette). Gedruckt zu Hamburg/ durch | Philip von Ohr/ Im Jahr | 1604.

Bl. ~H~iiij^b-~Pppv~iij^b: Text. Bl. Qqq^a-Qqqiij^b: „Bericht/ wo man in einem je- | den Mond seiner Gesundtheit | pflegen sol“. Bl. Qqqiiij^a|_{b}: „Ein Teutscher Calender/ oder Cisio janus/ | da eine jede Silbe einen Tag be- | deutet“. Bl. Qqq~v~^a-Rrr2^b: „Folgt der rechte gantze stetswerende | Calender/ Auch die Guͤlden Zahl den | newen Mon zu finden“. Bl. Rrr3^a-~Rrr~iiij^a: „Ein ander Teutscher Calender/ da ein | jedes /Wort/ einen Tag be- | deutet“. Schluſs des zweiten Theils: „Steffen/ Johan haben Thomam Bischoff gemacht. || Das“ (als Custos). Bl. ~Rrr~iiij^b: /Das dritte Theil/. | Ist des alten Adams Sprach/ nemlich der | Tyrannen/ Hurer/ Diebe/ Tellerlecker/ Seuffer/ | Geitziger/ Spoͤtter/ Spieler/ Epicureer/ Trieger/ Kar- | ger/ Filtze/ Faulentzer vnd dergleichen vnebene Rede/ | damit Christlicher Stende vnd /Personen/ gespottet/ | Suͤnd vnd Schand bementelt/ auch Tu- | gend vnd Erbarkeit ver- | lacht wird“. Bl. ~Rrr~iiij^b-Sss4^a: Text. Bl. Sss^b (unter einer Zierleiste) -- bis Sss5^a: „APPENDIX“. (Vign. des Bl. (?)~v~iij^b). Bl. Sss5^b-Sss6^a: „ERRATA“. (Vign.). Schluſsschrift (Bl. Sss6^b): (Zierleiste) | /Hãmburg// | Gedruckt durch Philipp von | Ohr/ Im Jahr/ | 1605. | (Druckerzeichen.)

Als Columnen-Ueberschriften stehen: Bl. (?)ij^b-):(~v~iij^b beiderseits: „Vorrede“ (mit Ausnahme von Bl. (?)ij^a und Bl.):(ij^a, wo sie fehlen); Bl. ~A^b~ bis ~H~iij^a: „Der Teutschen Weiſsheit... Das Erste Theil“ (mit Ausnahme von Bl. ~A^a~, wo sie fehlt und Bl. ~H~iij^b, wo blos steht: Der Teutschen Weiſsheit); Bl. ~H~iiij^b-~Rrr~iiij^a: „Der Teutschen Weiſsheit... Das Ander Theil“; Bl. ~Rrr~iiij^b-S~ſſ~4^a: „Der Teutschen Weiſsheit ... Das dritte Theil“; Bl. S~ſſ~4^b-Sss5^a: „APPENDIX“. und Bl. Sss5^b-Sss6^a: „ERRATA“. Irrthümlich ist im zweiten Theile gesetzt (Bl. Jiij^a) „Das Erste Theil“. Die drei Signaturen Rrr, Rrr2 und Rrr3 sind römische und ~Rrr~iiij ungewöhnlich groſs gedruckt. Auf Bl. ~S~iiij^a steht im Texte unrichtig als Ueberschrift „~D~“.

In der Vorrede erklärt sich Peters u. A. sehr verständig über den /Unterschied/ zwischen Sprüchen und Sprichwörtern, indem er sagt (Bl. (?)ij^b-(?)iij^a): „Es ist aber vnter Spruͤchen und Sprichwoͤrtern ein solcher vnterschied/ das die Spruͤche nur also zu verstehen sind/ wie der klare deutliche Buchstab lautet/ vnnd kein ferner nachdencken geben: Als wenn man sagt:

Alte Freunde sind die besten. Auff hoͤren sagen gar nicht baw/ Auff blosse wort mit nichten traw.

Die Sprichwoͤrter aber/ die man eigentlich also nennet/ haben eine solche art/ das sie erstlich nach dem buchstab recht vnd war sind/ vnd darnach verbluͤmbter weise weiter auſssehen/ Vrsach und Anleitung geben schaͤrffer nachzusinnen auff etwas mehr/ das darunter verstanden vnd damit gemeinet wird: Als wenn man spricht:

Alte Hunde sind boͤſs bendig zumachen/ Wenn fleucht die Taub zu weit ins Feld/ Zuletzt der Habicht sie behelt.

Denn das ist war/ wie die Wort lauten/ vnd deutet aber vber dz verdeckter weise auff ein anders/ welchs damit wird zuverstehen gegeben/ nemlich/ daſs man alte Schelcke nicht wol koͤnne from machen/ Item/ das eine Jungfraw/ die sich viel auſsgehens befleisset/ oder sich zu weit verthut/ koͤnne leicht vmb jhr Ehre gebracht werden/ oder sonst in Schaden gerahten“.

/Wiederholungen/ von Sprichwörtern rechtfertigt der Verfasser in folgender Ausführung (Bl. (?)iiij^a|_{b}): „Vnd ob wol aller muͤglicheit nach ein jedes nur ein mal gesetzt/ vnd nicht anderswo widerholet wird/ so find sichs doch/ das zuweilen ein Spruch oder Sprichwort in vngleichen Worten jetzt so/ denn anders lautet/ vnd daher offt einen andern Verstand gewinnet/ oder das eine mal ohne Reim/ das ander mal artig in Reims weiſs auſsgesprochen wird/ welches auch macht/ das wol zu zeiten etwas hernach gesetzt ist/ da jemand meinen moͤcht/ es were solchs bereit zuvor gesagt: Wer aber acht darauff gibt/ vnd eins gegen das ander helt/ der sihet leichtlich/ das es entweder mehrerley vngleiche Spruͤche sind/ oder Beides die schlechte Rede vnd der Reim lustig zu lesen vnd lehrhafftig ist/ vnd demnach nicht vnbillich ein jedes an seinem Ort gesetzt ist: Als wenn man spricht:

Trinck Wein/ beschert dir Gott Wein. Item Trinck Wein/ so beschert dir Gott Wein.

Da lest sichs wol ansehen/ als wens nur einerley Rede sey/ weil es fast einerley Wort vnd Buchstaben sind/ vnd gleichwol wenn mans recht erwiegt/ so findt sichs/ das es zweyerley vnterschaiden Spruͤche seyen/ vnd zweyerley Meinung geben...“

Was endlich die /Eintheilung/ seiner Sammlung anbelangt, so spricht er sich hierüber folgendermaſsen aus (Bl. (?)~v~^b-(?)~vj~^b): „Es sind aber die Spruͤche in drey hauffen vnterscheiden vnd abgetheilet. Im ersten Theil sind die verzeichnet/ welche von rechter warer Gottseligkeit/ von Gott vnd seinem Wort/ von Christo/ vom Glauben/ Gebet/ Ketzerey/ Creutz/ Trost vnd Hoffnung in Truͤbsal/ Suͤnd/ Todt/ leben vnd ewiger Seligkeit berichten vnd lehren.

Im andern Theil sind auffgeschrieben aller Stende Lection/ Tugend vnd gute Wercke/ Laster vnd Vntugend/ Sold vnd Lohn/ einem jeden zur Lehr/ Bericht/ Erinnerung/ Vermanung vnd Besserung/ auch allen from̄en auffrichtigen Biderleuten Mans vnd Frawspersonen zu lob vnd ehren... Auch find man daselbst vielfeltige Erinnerung von allerley Weltlichem Wesen/ Handeln vnd Fellen des gantzen Menschlichen Lebens/ auch zu weilen gemeine Naturkuͤndige Spruͤche/ oder sonst schlechte einfeltige Rede/ darin man doch auch sihet/ eine feine Weiſsheit vnser lieben Teutschen/ vnd sittige Lehr/ oder je gemeinen Bericht von der Welt Lauff vnd Wandel...

Das dritte Theil ist des alten Adams sprach/ nemlich solche Rede/ da man Christlicher ehrlicher Stende vnd Personen spottet/ oder sie lestert/ Suͤnd vnd Boſsheit bementelt/ oder schertz damit treibt/ vnd dagegen Tugend vnd Erbarkeit verlachet: von welchen nur etliche wenige sind hieher gesetzt/ auff das man der Jugend das Gottlose wesen der argen boͤsen Welt etwas fuͤrbilde vnd verhasset mache/ vnd sie dafuͤr verwarne/ vnd dagegen zur Tugend vnd Gottseligkeit anhalte: wie gleichfalls die Propheten/ Item Salomon in seinen Spruͤchen vnd S. Paulus in seinen Episteln auch zuweilen vnebene Spruͤche vnd Spottwort der Weltkinder einfuͤhren“. --

Die vorliegende Sammlung gehört zu den werthvollsten und reichhaltigsten der ganzen Literatur. Sie enthält nicht nur die meisten in jener Zeit umlaufenden prosaischen und gereimten Sprichwörter, sondern auch eine überraschend groſse Zahl seltener, sonst nicht gelesener Mittheilungen aus älteren, zum Theil unbekannten Quellen. Darunter finden sich alte und uralte echte Sprichwörter in hoch- und niederdeutscher Mundart, sprichwörtliche Reime, ungewöhnliche Bauern- und Wetterregeln, Vergleichungen, Spottreime, Scherz- und Schimpfworte, Weid- und Wahlsprüche etc. und ganz besonders eine hübsche Anzahl Priameln, die bekanntlich jeder Sammlung zur Zierde, einer älteren aber, wie diese, zu doppeltem Lobe gereichen. Das Werk ist aber auch unter allen, welche bis zum J. 1863, wo /Wander/ seine umfassende Sammlung zu edieren begann, gedruckt worden sind, das reichhaltigste Sprichwörterbuch. Während die zwei Collectionen /Agricola’s/[B] (1529-1592) nur 1249, die /Klugreden/ (1548 ff.) 1320, die Sammlung /Franck’s/ (1541) c. 7000, die /Zincgref-Weidner’sche/ (1624-1655) 7721, die von /Körte/ (2. Ausg.) 9020, von /Eiselein/ (1840) 12,000, von /Simrock/ (1846) 12,396 Sprichwörter verzeichnen und endlich die /Lehman’sche/ (1640-62) -- unter allen diesen die, jedoch nur vermittelst einer überwuchernden Zahl lateinischer Moralsätze, geschichtlicher Anekdoten und gedehnter Aussprüche über Gegenstände der Religion und des Staates, copioseste: 22,922 Sprichwörter und /sprichwörtliche Redensarten/ zählt[C] -- umfaſst die unserige /ohne/ diese letzteren, welche Peters verschmähte, auf Grund einer sorgfältigen Zählung (welche mich -- sit venia dicto -- eine Woche in Anspruch nahm) in Summa 21,643 Sprichwörter (/Gödeke/ im Gr. I, 113 schätzte ihre Zahl ziemlich richtig auf 20,000). Von diesen fallen auf den ersten Theil 2,216, auf den zweiten 19,120 und auf den dritten 307. Die Sammlung würde aber noch weit reicher geworden sein und wol um die Hälfte sich vermehrt haben, hätte sich der Verfasser entschlieſsen können, auch die sprichwörtlichen Redensarten, die „Metaphoricae Phrases oder verbluͤmte Wort“ in die eigentlichen Sprüche und Sprichwörter aufzunehmen. Er spricht sich hierüber (Vorrede, Bl. (?)iij^a|_{b}) in folgenden Worten aus:

„Weil denn hie volstendige gemeine Lehrspruͤche vnnd Sprichwoͤrter verzeichnet/ als sind auſs derselbigen Vrsach nicht mit hinan gehengt solche Rede/ die keinen volkommen Sinn oder Verstand geben/ oder die nur auff ein eintzeln Person gehen/ vnd nicht in gemein hin auff alle oder auf viele geredt werden: als wenn man sagt: /Aus der Lungen reden: das muſs versaltzen: Den Baum auff beiden Achseln tragen: hinter dem Berge halten: Mit halber Ehr darvon kommen: Vnter einer vngekehrten Bank finden:/ Vnd dergleichen vnzehlig viel mehr. Auch nit folgender Art reden/ da man spricht; /Das Fewr gehet jhm aus: das Liecht brent jhm auff die Finger: Er ersoffe nicht/ das Wasser gienge jhm denn vber den Galgen: Er hat einen Hasen im Busem... Er ist kleinlaut/ die Pferde sind jhm genommen: Er muſs braten/ solt er auch den ledigen Spieſs braten: Er schleifft/ aber nicht ohne Wasser: Er wil sehen/ was da fleucht/ nicht was da kreucht: Man muſs jhn beym Rocke halten/ nicht bey den Worten.../ Item: /Er bestehet/ wie Butter an der Sonnen: Er gehet drumb her/ wie die Katze vmb einen heissen Brei: Er helt/ wie ein zubrochen Armbrust: Er stehet auff seinen Worten/ wie der Peltz auff seinen Ermeln: Er stehet/ wie der Hahn bey den Paucken.../ etc. Denn diese vnd dergleichen alle sind nur Metaphoricae Phrases oder verbluͤmte Wort/ nicht gemeine volstendige morales oder proverbiales sententiae/ oder lehrhaffte Spruͤche/ sind auch derwegen hie gar ausgelassen/ wie sie denn auch vnter die Spruͤche oder Sprichwoͤrter nicht moͤgen gezehlet werden“.

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Die Bibliothek zu Zweibrücken zeichnet sich eben so sehr durch den Reichthum an seltenen Druckwerken aus, als durch ihre musterhafte Ordnung und die Liberalität ihrer Verwaltung (z. Z. Gymnasial-Professor /Fr. Butters/), welche es ermöglicht, von ihren Schätzen den ausgedehntesten und dankenswerthesten Gebrauch zu machen. Der Werth und Nutzen dieser von Herzog Johann I. († 1604) gegründeten, von seinen Nachfolgern mit Liebe gepflegten und von Karl I. durch die birkenfeldische (1762) vermehrten Büchersammlung beruht nicht sowohl in einer übergroſsen Bändezahl (c. 8000), als in den zahlreichen und wichtigen Quellenschriften älterer Zeit und ganz besonders in denen aus allen Theilen der Literatur des Reformations-Zeitalters, welche, trotz der vielfachen Verluste in Kriegszeiten, in dieser Anzahl nur in wenigen, gröſseren Bibliotheken sich vereinigt finden möchten. Es finden sich hier /Luther’s/ sämmtliche Werke in drei verschiedenen Ausgaben: Jena, Wittenberg und Altenburg (dabei ein Pracht-Exemplar und wahrscheinlich churfürstlich-sächsisches Geschenk der zweibändigen Bibel von 1543 mit 128 Bildern in Gold und Farben von L. Cranach, aus dem Besitze des „Carolus Comes Pal. Rheni 1584“), die meisten Dichter (H. Sachs), die Satiriker (Fischart) und Pasquillisten (Hutten) des 16. und 17. Jahrh., die Exegesen und Postillen (Mathesius) der damaligen Zeit, ebenso die bedeutendsten Geschichtswerke (Seb. Franck) u. s. w. Ein groſser Theil dieser Werke, in gleichzeitigen, noch jetzt prächtigen Einbänden, war meist Privateigenthum der zweibrückischen Herzoge, gieng allmählich durch Donation an die Gymnasial-Bibliothek über, und in nicht wenigen findet sich deren Namen eigenhändig eingezeichnet. Nach einer gefälligen Mittheilung des dermaligen Bibliothekars wurde der gröſste und werthvollste Theil der Bücherschätze zweimal durch die Nachbarn, welche sich rühmen „de marcher à la tête de la civilisation“ ruiniert oder geraubt: zuerst 1677, wo sie fast die ganze Sammlung nach Rheims schafften (der dortige Erzbischof war Louvois’ Bruder) und zum zweiten Mal in den Revolutionskriegen 1795-96.]

[Fußnote B: Ich benutze diese Gelegenheit, um dem verehrten Verfasser des Aufsatzes: „Die Ausgabe der Sprichwörter Agricola’s vom J. 1548“ (Nr. 6, Sp. 207-210 des laufenden Jahrg. d. Anz.) Herrn /Fr. Latendorf/ zu Schwerin, dem rüstigen Vorarbeiter auf dem Felde des deutschen Sprichworts und scharfsinnigen Commentator Agricola’s, zwei Worte zu senden. Meine Annahme einer /doppelten/ und verschiedenen Ausgabe der 500 Sprichwörter Agricola’s (vergl. Anzeiger, 1865, Sp. 388 ff.) war eine irrige, wie mich seitdem, zugleich veranlaſst durch eine briefliche Nachricht /Ottow’s/ zu Landeshut, nochmalige Untersuchung und Prüfung des fraglichen Druckes überzeugend gelehrt haben. Indem ich mich zu dem Irrthum gern bekenne (/Cic./ Phil. XII, 2), bringe ich dieses Ergebniſs, das in allen Theilen mit Latendorf’s kritischer Schluſsfolge übereinstimmt, hiermit (nach Wunsch) zu seiner wie aller derer offenen Kenntniſs, denen gleich ihm die Sprichwörterkunde, dieser eben so wichtige wie interessante Zweig der deutschen Philologie, nicht gleichgültig ist. -- Eine anderweitige, schon früher von Latendorf (Anzeiger 1856, Sp. 322) zweifelnd aufgeworfene -- und bei diesem Anlaſs zu erledigende Frage -- betreffs eines schon vor 1541 erschienenen Druckes der Sprichwörter des /Seb. Franck/, beantwortet sich verneinend durch den Nachweis, daſs das von /Tappius/ in seinen Centuriae septem 1539 (Bl. 136a) citierte Sprichwort Franck’s: „Demütiger Mönch | Hoffertiger Abt“ schon in des letzteren „Paradoxa“, Ulm, 1533. 4. (Bl. 86a) und genau in derselben Fassung gedruckt ist. Dagegen kann ich der bis jetzt bekannten schweizerischen Ausgabe von 1545 noch drei weitere Züricher hinzufügen: 1550, 1559 und 1575. 8.]

[Fußnote C: Es ist allerdings noch ein anderes Werk vorhanden, das sogar die Lehman’sche Sammlung an Reichhaltigkeit übertrifft: Der /Thesaurus des Georg Henisch/ von 1616. Allein es gibt sich nicht als Sammlung und erwirbt seinen Vorrang lediglich, gleich dem Lehman’schen, durch die groſse Zahl von Redensarten und anderem sprichwörtlichen Beiwerk. Ueber /Henisch/ in einer der nächsten Nummern.]

Funde in Hügelgräbern in Böhmen.

In dem gräflich Czernin’schen Waldrevier Rudolfi nächst dem Dorfe Chotieschau in Böhmen wurden im Laufe des Sommers sechs Grabhügel aufgefunden und aufgedeckt. Selbe lagen am Fuſse der langgestreckten Wolfsbergkuppe, auf einer gegen Westen abfallenden Abdachung, hatten 30 Wiener Klafter Umfang bei einer Klafter Höhe. Sämmtliche Hügel waren aus mächtigen Granit- und Hornsteinblöcken aufgeschichtet und mit noch mächtigeren Blöcken umstellt. Drei davon erwiesen sich als Hügel mit /Leichenbrand/; sie enthielten gröſsere Mengen Asche, Kohle, Gefäſsfragmente, der eine auch in einer noch ziemlich wohl erhaltenen Urne ein Stück bearbeiteten Feuersteins, jedoch keine Metallgegenstände. In den übrigen Grabhügeln waren die Leichen unverbrannt beigesetzt worden; sie lagen immer in einer aus flachen Steinblöcken zusammengestellten Kiste, die freilich meist eingedrückt, jedoch in einem später zu erwähnenden Falle noch unversehrt gefunden wurde. In zweien dieser letzteren Grabhügel fand sich je ein Bronzemeiſsel (von der Form der Paalstäbe) und je eine Dolchklinge von Bronze, auſserdem Knochenstücke und Urnentrümmer. Den interessantesten Fund jedoch ergab der sechste, durch seine Dimensionen schon ausgezeichnete Hügel. In der Mitte desselben fanden sich in einer eingestürzten Steinkiste 4 kleine Muscheln von Bronze, durchbohrt, um an einen Faden gereiht werden zu können, 36 Bernsteinkugeln von verschiedener Gröſse, ebenfalls durchbohrt, 2 kleine ovale durchbohrte Bronzekügelchen (all diese Gegenstände Theile eines Halsbandes), eine in drei Stücke zerbrochene Bronzenadel und zwei spiralförmige, aus je 10 Windungen bestehende bronzene Armbänder. In einem der letzteren fanden sich noch Ueberreste des Armknochens. Die merkwürdigsten Objekte des Funds jedoch waren 2 Gewinde von reinstem Golde, je ungefähr zwei Dukaten schwer, aus je 10 Windungen Golddrahtes bestehend. Der Durchmesser dieser Ringe ist so gering, daſs nicht einmal ein siebenjähriges Mädchen selbe am Finger tragen konnte; sie wurden wahrscheinlich als Haarschmuck verwendet. Wenige Tage später entdeckte ein Förster, eine Stunde entfernt von dem eben beschriebenen Fundplatze, in der zu Rudolfi gehörigen Waldflur Kněžchaj (deutsch Fürstenhag) ein Hügelgrab von ähnlichen Dimensionen und ähnlicher Bauart. Schon nach zweistündigem Vordringen in das Innere des Hügels kamen, nachdem die äuſsere Steinumsetzung entfernt war, ein Bronzeröhrchen und Spuren einer Steinwölbung zum Vorschein. Das Gewölbe wurde beseitigt, darunter lagen auf einem, aus Sandsteinplatten zusammengelegten Pflaster, Knochen eines menschlichen Skelettes. In der Nähe des Vorderarmknochens fanden sich sieben Bronzeröhrchen, die, an einen Faden gereiht, als Armband getragen wurden; in der Nähe der Hüfte lag eine Bronzenadel, 2½ Zoll lang, vom Roste sehr stark zerfressen. In der Gegend der Oberschenkel stand ein kleiner Topf, angefüllt mit Erde und Knochenstückchen, darüber ein zugeschliffener, dreieckiger Stein. In der Nähe des rechten Armes fanden sich Theile eines Skelettes eines kleinen Nagethieres und in der Nähe des Schädels, zum Theil unter demselben liegend, zwei kleine gewundene Bronzeringe, der Form und Gröſse nach ganz übereinstimmend mit den Rudolfer Goldringen, sowie mehrere Stücke Bernstein. Noch keiner der vielen Hügel der Bronzeperiode, die ich in meiner Heimat aufdeckte, gab mir einen so deutlichen Einblick in die Art und Weise der Bestattung, wie dieser im „Fürstenhag“; jedenfalls verdankt das Skelett seine Erhaltung nur dem trockenen Materiale, aus dem dieser Grabhügel bestand, und der besonderen Sorgfalt, mit der die Steinkiste aufgeführt war.

/Petersburg/ in Böhmen, September 1866. Dr. /Jul. Ernst Födisch/.

Die Landrichter zu Sulzbach im 14. und 15. Jahrhundert.

Mitgetheilt von /Leonh. Platzer/, k. Landrichter, zu Sulzbach.

In dem städtischen Archive zu Sulzbach befindet sich eine 732 Seiten starke Papierhandschrift in 4. aus dem 17. Jahrhundert, mit dem Titel „Nortgauisches Chronicum, darin insonderheit der fürstl. Pfalzgrävischen Residenz Stat /Sulzbach/ und des fürnehmen Closters Castel Beschreibung von ihrer Uralten erbauung und Stifftungen, auch von den alten graven von Sulzbach, Wie auch den Herzogen in Bayern, König in Böhmen und Pfalzgraven bey Rhein ihrer Regierung Handlungen zu Kriegs und Friedenszeiten, neben andern verlauffen geschichten, von änderung der Religion und darauf erfolgter persecution zu finden, Biſs auf unsere Zeit continuirt, über die 600 Jahr und mit besonderer müh zusamb getragen durch /Johannem Braun/[A], pastorem und superintendenten zu Bayreuth, seinen lieben Vatterland und der lieben posterität zu ehren Anno 1648“[B].

Wir theilen hier als Probe dieser noch ungedruckten ausführlichen Chronik (S. 320 ff.) nachstehenden Abschnitt mit[C].

/Von den Landrichtern zu Sulzbach./

Eſs ist droben Weitleuffig erzehlet worden, Wie Sulzbach ie andere und andere Oberherren gehabt, anfänglich die Graffen von Sulzhach, darnach die Herzogen von Beyern, drittens die Künig in Böhmen, zum 4. die Pfalzgrafen, hat also mancherley Verenderungen mit grosser gefahr unterworffen sein müſsen. Es ist aber zu wissen, das Sulzbach von der beyerischen Regierung an biſs auf Herzog Ottheinrichen Pfalzgraffen mehreren Theil durch Vizdom oder Landrichter ist gubernirt worden, derer Catalogum, wie ichs von Hr. Juglero[1] empfangen, also will ich ihn der lieben posterität zum besten hieher sezen, und ist hierbey zu wissen, daſs de anno 1322 bis ufs Jahr 1504 die Landrichter zu Sulzbach auch Lauf und Herspruck zu guberniren gehabt, (so damalen zur pfalz gehörig, und die Nürnberger erst im beyerischen Krig an sich gebracht haben) und haben daselbst aljährlich Ihr Landtricht gehalten, laut etlicher Brieff, so zu Sulzbach auf den Rathhaus verwahrt werden, und ist solches alle quatember wechselweis zu Sulzbach, Lauf, und Herspruck geschehen, unter offenen himmel und haben die Landrichter in vollen Küris das gericht besitzen müssen.

1. Der erste beyerische Haubtman oder Landtrichter zu Sulzbach, so in den Archivis zu finden, ist gewesen /Heinrich Trucses/ von Holenstein circa annum 1322.

Der 2. /Conrad Kemmather/ vicedom und Landrichter, dieses geschlechts sind noch etliche übrig, wie denn die Kemmather auch ein theil an Rosenberg gehabt haben, er hat regiert ums Jahr 1339.

3. /Ulrich v. Henfenfeld/, beyerischer vicedom 1361.

4. /Volkholt/[2] /von Tann/ Caroli 4 Königs in Böhmen vicedom zu Sulzbach 1364.

5. /Otto Senft/, 1374[3].

6. /Hermann Rude/ 1377.

7. /Dietrich Stauffer/ hat zum Richter am Hoffgericht gehabt Dietrich von Steinling. Diese Stauffer sind ein uralt geschlecht, so im ersten thurnier zu Magdeburg nach erhaltener victori wider die Hunnen gehalten, namhaft gemacht worden anno 938. So finde ich, daſs dieser Dietrich Stauffer von Ehrenfels und Beroltshausen vicedom zu Sulzbach eques auratus dem Turnier zu Regenspurg beigewohnt anno 1396. Er hat einen Sohn gehabt, auch Dietrich genannt. Seine nepotes haben hernach von den von Laber den markflecken Pererzhausen[4] keuflich an sich gebracht 1432 laut des Kaufbrifs zu Sünching. Hernach zur zeit Keyser Friderici 3 ist Hans von Stauffen und Ehrenfels zu einen Freiherren gemacht worden, 1480[5]. Herr Bernhardin der Jünger so ein gräffin Schlickin zum gemahl gehabt, Freyherr zum Ehrenfels stirbt 1542 ligt zu Bererzhausen begraben. Hernach aõ 1567 verkauft Herr Hans Bernhard von Stauffen die Herrschaft Ehrenfels den Stendten des Herzogthums Neuburg mit vorbehalt der Lehenherrschaft. Diese Reichsherrschaft Ehrenfels hat hernach aõ 1574 ein löbl. Landtschafft des Fürstenthums Neuburg Ihren Jungen Landesfürsten Pfalzgraff Phillipps Ludwigen auf sein fürstl. Beylager unterthänig geschenkt und verehret. Auf diesen Herrn Bernharden[6] ist der ganze Stamm der von Stauffen gestanden[7].

8. /Johann Herr von Abensperg/ Haubtmann und Landrichter zu Sulzbach 1384[8], Dieses Geschlecht Kombt her von dem berümten beyerischen Graffen Babo von Abensperg, welcher S. Kunigundis Keyser Henrici 2. gemahl Hofmeister gewesen ist, wie Aventinus lib. 5 hist. bezeuget. Er hat mit 2 gemahlinen 40 Kinder gezeuget; 32 Söhne und 8 Töchter, die Söhne hat Er alle adelich herausgebuzt mit ein pferdt und reisigen Knecht, ein jeden innsonderheit, und hernach dieselben Keyser henrico auf einen Reichstag zu Regenspurg präsentirt und verehret mit höchster Lust und Wohlgefallen des Keysers, der sie all an seinen Hoff genomen und sie hernach mit Reichslehen gnädigst bedacht. Dieser Babo ist, wie Aventin schreibt, gestorben 1020 den 3. Martii, ligt zu Regenspurg bei Sct. Emmeram begraben[9]. Dieses Babonis Söhn einer ist ein Vatter der graffen von Pogen nehmlich /Hartwich/ von Abensperg. /Erkambrecht/ ist ein Vater des Stams der Graffen von Biburg und Stein, so hernach Hilpoltstein ist genannt worden, von Hilpolt, den Letzten dises Stams von Stein, welcher † 1385[10].

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: /Johannes Braun/ war (nach Jöcher’s Gelehrten-Lexicon) am 29. April 1581 zu Sulzbach geboren, wo er 1612 Diaconus und 1617 bei Errichtung des Gymnasiums Professor der griechischen Sprache wurde, zuletzt aber, nach mancherlei trüben Schicksalen (1637) Superintendent zu Baireuth, wo er im J. 1652 starb. D. Red.]

[Fußnote B: Auch die Bibliothek des german. Museums besitzt ein Exemplar dieser handschriftlichen Chronik (Pap. -Hs. Nr. 7172, 507 Seiten in Folio, 18. Jahrh.), welches genau obigen Titel, doch nur bis zu den Worten „und darauf erfolgter persecution zu finden“ (also ohne des Autors Namen) an der Spitze trägt und mit der hier gegebenen Probe des Sulzbacher Exemplars, welches Braun’s Originalmanuscript zu sein scheint, im Wesentlichen übereinstimmt, doch manche Erweiterungen erfahren hat. Wir geben die Zusätze desselben mit „G. M.“ in den Anmerkungen. D. Red.]

[Fußnote C: Dr. Georg Christoph Gack, derzeit noch protestantischer Dekan zu Sulzbach, hat im J. 1847 bei T. O. Weigel in Leipzig eine „Geschichte des Herzogthums Sulzbach nach seinen Staats- und Religionsverhältnissen, als wesentlicher Beitrag zur bayer. Geschichte“ (XVI u. 408 Stn. gr. 8) im Druck erscheinen lassen und darin häufig Braun’s Chronik als Quelle angeführt.]

[Fußnote 1: Joh. Jugler, geb. zu Sulzbach 1539, wurde 1567 Diaconus, 1580 Superintendent daselbst, in welchem Amte er am 18. Februar 1613 starb. Vgl. Jöcher, a. a. O. D. Red.]

[Fußnote 2: Volckhart. G. M.]

[Fußnote 3: circa annum 1374. G. M.]

[Fußnote 4: Beretshausen. G. M. unten: Berezhausen.]

[Fußnote 5: circa annum 1480. G. M.]

[Fußnote 6: Hannſs Bernharden. G. M.]

[Fußnote 7: Er hat sich nach Regensburg begeben. Zusatz bei G. M.]

[Fußnote 8: circa annum 1384. G. M.]

[Fußnote 9: Seine Söhn haben sich weit ausgebreitet, und sind von ihnen viel adeliche Geschlechter herkommen. Zusatz bei G. M.]

[Fußnote 10: Wie aber Stein an die Graven von Abensberg kommen sey, davon finde ich diese Nachricht, daſs A. 1238 Vlrich von Stein der letzte dieses Grävlichen Geschlechts sey in Italia umkommen, daher die Herrschafft Stein auf seinen Schwager Altmann von Abensberg, so seine leibliche Schwester zur Ehe gehabt, erblich gefallen, welcher auch A. 1242, oder, wie Aventinus schreibt, 1260, ohne Erben verstorben und also Stein auf seinen Vettern Mainhard Graven von Roteneck so mit ihm Geschwistrigt Kind war, geerbet. Dieses Mainhart’s einiger Sohn war ein Bischof zu Regensburg, starb A. 1296, Henricus genannt. -- G. M. (vielleicht auch im Sulzb. Msc. enthalten?)

Zur Legende und Sage.

Von Dr. A. /Birlinger/ in München.

(Schluſs.)

5) Eng anschlieſsend an das zuletzt Gesagte ist das Grünen des dürren Holzes u. s. w. in Legenden, wie in den eschatologischen Sagen vom Walserfelder Birnbaum. Am weitverbreitetsten ist der Zug in der St. Christophorus-Legende und in der Tannhäuser-Sage. „Und des zu ainem verkünd: so stôſs die Stangen in die erden, bis morgens gît sie frucht!“ Christoph in cgm. 257, f. 74b. In einem Pilgerbuche (nach Jerusalem) von Petrus, Pfarrer zu Suchen, geschrieben 1350, Druck von 1477 (Aulendorf), steht: „Bei /Baldach/ (Bagdad) auf 4 Tagreisen ist eine andere Stadt, die vor zeiten Susis geheiſsen hat, in der Assuerus der Künig geregieret hat, die heiſset jezt Taurus. In dieser stat ist /ein dirrer baum/, von dem sagt man, daſs /der römisch Keiser seinen Schilt daran henken soll/.“

6) Die vielverbreitete Legende von der Gestalt der Seele als /weiſse Taube/ gibt auch cgm. 257, f. 32a.: „Darnâch nit lang, dô Sant Benedict in dem closter was nach mettin zît und er kam in sîne zelle, dô huͦb er uff sein ougen gen den hymmel und sahe seiner Schwester sêle ûfgân in ainer /tûben/ wîse mit clarheit.“

7) Von der vielseitigen Schutzpatronschaft der hl. Dorothea sind die 3 Momente auch volksthümlich, welche cgm. 257 f. 36 aufzählt:

a) Alsô mit dem schamlîchen /uffhenken/, hât sie erworben iren dienern, in welchem hûse sie gebildet ist und man sie täglîch êret, welcher diep in dem hûse stilt, der muſs /gehenkt werden/, oder das guͦt widergeben.“

b) „Und och umb daz ir libe zerzert ward und ungestalt, damit hât sie verdienet, in welchem hûse sie gebildet ist und welche frow sie anruͦft in ir geburt, der komet sie ze hilfe; dâ wird /kein bresthaft kind geborn/, weder lam noch blind“..

c) „Und umb daz sie gebrannt wart an irem verserten libe; daz hûse, dâ sie inngebildet ist oder ir nam ist, daz mag nit /verbrennen weder von wetterfûre/ oder /von anderm fûre/, ist es aber, daz es enbrinnet, so verlischet es doch.“

8) Die alte Volksüberlieferung, daſs der Drache die Luft verpeste und einen allgemeinen „Sterbet“ verursache, führt cgm. 257, f. 36a ebenfalls an. „Und daſs daſs waſser Tyfer oder Tyber in latîn als groſs ward, daſs es uber die mûren înflôſs und uſswarf einen greulichen vergifften draken mit vil schlangen, davon der /luft vergifft/ ward und verunrayniget, daſs davon den lüten kam ein gebresten, der hieſs ungwinaria, da die menschen des gæhen todes von sturben, daſs die luͤte alsô niederfielen in der stat.“

(Legende von St. Gregor.) In einem cgm des 14. Jhdts. heiſst es: „/derselb/ track, der ertöt auch zwên richter und darzuͦ, sô macht er mit seinem /atem vil und vil leut siech/, alsô daſs sie nâhend tôd wâren.“

Magister Johannes Klenkok.

Zu den von Homeyer gesammelten Nachrichten über diesen fanatischen Gegner des Sachsenspiegels hat O. Stobbe, Gesch. der deutschen Rechtsquellen 1, 372 einen kleinen Nachtrag gegeben. Nicht bemerkt wurde aber bis jetzt, so viel mir bekannt, daſs derselbe auch der Verfolger des Prager Reformators Militsch von Kremsier war, wie Palacky berichtet; denn /Jan Klonkot/ ist doch offenbar nur eine Entstellung seines Namens. Die Quelle ist Vita Milicii in Balbins Miscell. lib. IV, p. 2, pag. 44-64, welche mir hier nicht zugänglich ist.

/Heidelberg/, 6. Aug. 1866.

W. /Wattenbach/

Räthsel.

Es ist ain ding das nit vast strebt und ist in allem dem, daz da lebt, es ist darzuͦ in dem gestain und was die sonn ye überschain da ist es inn zuͦ aller stund, es ist och in des meres grund und in dem daz darinn ist och in vnserm herrn Jesu Christ, in dem himel und in der hell kainerlai sach ich davon stell es ist darinn zuͦ aller Zeit der tüfel ist sin och nit queitt

/München./ /Anton Birlinger./

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 10. October.

Chronik des germanischen Museums.

/Nürnberg/, 15. October 1866.

Am 1. und 2. October hat der Verwaltungsausschuss des germanischen Museums seine regelmäſsige Jahresconferenz abgehalten. An derselben nahmen auſser dem I. und II. Vorstande und den Herren Rechtsconsulenten und Fondsadministrator folgende Herren Theil: /Dr. Adam/ aus Ulm, Freiherr v. /Aufseſs/, /Dr. Baierlacher/, /Dr. Beckh/, Hofrath /Dr. Dietz/ aus Nürnberg, Prof. Dr. /Fickler/ aus Mannheim, Professor Dr. /Gengler/ aus Erlangen, Archivrath Dr. /Grotefend/ aus Hannover, Oberstudienrath Dr. /Haſsler/ aus Ulm, /Dr. Hauck/ aus Nürnberg, Direktor /Dr. Lindenschmit/ aus Mainz, Freih. v. /Löffelholz/ aus Wallerstein, Professor /Dr. Maſsmann/ aus Berlin, Prof. Dr. v. /Raumer/ aus Erlangen, Direktor /Rehm/, /Dr. Zehler/ und Fabrikbesitzer /Zeltner/ aus Nürnberg.

Nachdem sich gezeigt hatte, daſs die Hoffnung aufgegeben werden müsse, in nahe bevorstehender Zeit die durch Ankauf der freih. v. Aufseſs’schen Sammlungen, sowie die durch die nothwendigen Ausgaben der ersten Jahre entstandenen Schulden gänzlich durch eigens dazu gespendete freiwillige Beiträge zu decken, muſste vor Allem daran gedacht werden, einen Plan zu entwerfen, sie aus den laufenden Einnahmen nach und nach abzutragen. Zugleich hatte der Mangel eines Reservefonds sich schon so häufig fühlbar gemacht, daſs auch auf die Bildung eines solchen hinzuwirken für nothwendig erachtet ward. Es wurde daher beschlossen, in sämmtlichen Ausgaben eine Reduction auf’s Aeuſserste zu erstreben, den Etat so niedrig als möglich zu stellen und sodann zu bestimmen, daſs die Einnahmsüberschüsse über diese etatsmäſsigen Ausgaben in drei Theile getheilt werden; davon soll ein Drittel zur Tilgung der erwähnten Schulden, ein Drittel zur Bildung eines Reservefonds und ein Drittel zur weitern Ausbildung des Museums verwendet werden. Diese Bestimmung gab Veranlassung, das Beamtenpersonal zu vermindern; es werden deshalb in nächster Zeit einige Beamte aus dem Kreise des Museums ausscheiden.

Da das Verwaltungsjahr des Museums bisher mit dem Kalenderjahr zusammentraf, das Rechnungsjahr aber vom 1. Juli bis 31. Juni jedes Jahres lief, so konnte dadurch eine genaue Uebersicht der Kosten und der ihnen entsprechenden Leistungen des Museums nicht erzielt werden; auch kamen deshalb in der Leistung der Beiträge verschiedene Differenzen vor. Daher wurde beschlossen, das Rechnungsjahr mit dem Verwaltungsjahr übereinstimmen zu lassen und beide am 1. Januar zu beginnen. Zum Ausgleiche soll zunächst eine 18 monatliche Rechnungsperiode eingefügt werden, die vom 1. Juli 1866 bis 31. December 1867 geht. Die vorgeschlagenen Finanzmaſsregeln machen eine eingehendere Controle nöthig; es wurde daher auf Antrag des I. Vorstandes beschlossen, die Stelle des Fondsadministrators in die eines Kassa-Controleurs umzugestalten und denselben vollkommen selbständig und vom I. Vorstande unabhängig zu bestellen, auch die Anstellung desselben künftig nicht durch den Vorstand, sondern durch den Ausschuſs selbst vorzunehmen. Der Auſschuss wählte einstimmig den seitherigen Fondsadministrator A. /Herzer/ für diese Controlstelle.

Die Versendung des „Anzeigers“ in der bisherigen Weise hatte zu grosse Kosten verursacht und das Personal zu sehr in Anspruch genommen. Es wurde daher bestimmt, daſs vom 1. Januar 1867 an den Pflegern keine Zusendungen durch das Museum mehr gemacht, sondern daſs diese fortan ermächtigt werden sollen, aus Pflegschaftsmitteln bei der Post oder einer Buchhandlung auf den Anzeiger zu abonnieren. Die Herren Mitglieder des Gelehrtenausschusses sollen ersucht werden, eine Buchhandlung zu bezeichnen, an welche der Anzeiger auf ihre Kosten im Wege des Buchhandels abgesendet werden kann.

Eine Veränderung in Bezug auf die Abdruckung der eingegangenen Geschenke wird den Lesern vom neuen Jahre an selbst bemerklich werden. Auch soll in der Anzeigerbeilage nach und nach, systematisch geordnet, das Material bekannt gegeben werden, welches das Museum über einzelne Zweige der von ihm zu pflegenden Wissenschaften besitzt, um so dasselbe zur Kenntniſs des Publikums zu bringen.

Der Gelehrtenausschuss wurde um einige Mitglieder verstärkt, deren Namen bekannt zu geben sind, sobald die Herren die Annahme der Wahl erklärt haben werden.

Die gemachten Fortschritte des Museums, sowie der befriedigende Zustand im Allgemeinen, worüber die, dem Organismus gemäſs dazu besonders niedergesetzten Commissionen berichteten, wurden vom Ausschusse freudig anerkannt. Die Vertreter des Museums nahmen die befriedigende Ueberzeugung mit, daſs unsere Anstalt den Stürmen der Zeit schon jetzt trotzen könne und daſs sie sich der Theilnahme des Publikums in stets höherem Maſse erfreue.

Neue Beiträge wurden während der letzten vier Wochen folgende gezeichnet:

Von =Privaten=: /Baden/ (Oesterr.): Privatier Karl Dittrich 1 fl. 10 kr., Michael Hallmayer, akademischer Maler, 1 fl. 10 kr., Privatier Ludwig Müller 2 fl. 20 kr., Michael Nagler 1 fl. 16 kr. (einm.), Forstkassier Franz Zwerina 1 fl. 10 kr.; /Cadolzburg/: Bihler, kgl. Assessor, 1 fl. 12 kr.; /Cilli/: Johann Castelliz, k. k. Gerichtsadjunkt, 1 fl. 10 kr; /Eichstätt/: Wilhelm Freiherr von Lützelburg, Staatsanwalts-Vertreter, 1 fl., Dr. Ludwig Schmied, kgl. Stadt- u. Landrichter, 1 fl.; /Frankenberg/: Bürgermeister Karl Meltzer 1 fl. 10 kr. (einm.); /Furth/ a. W.: Eduard Bogner, k. Obercontroleur, 1 fl., Gasthofbesitzer Michael Datzl 1 fl., Karl Eberhard, k. Oberzollinpektor, 1 fl., Friedrich Kirchmeier, Bahnhofrestaurateur, 1 fl., Ed. Krafft, k. Hauptzollamtsassistent, 1 fl., Ludwig Schmid, k. Hauptzollamtscontroleur, 1 fl., Julius Freiherr von Thüngen-Burgsinn 2 fl.; /Hannover/: Schulinspektor Dr. Nöldecke 1 fl. 45 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.), Weinhändler Karl Schultz 1 fl. 45 kr.; /Marktscheinfeld/: Bezirksamtmann von Schütz 1 fl.; /Nürnberg/: Kaufmann Gustav Birkner 3 fl., Rechtsconcipient Harth 1 fl. 10 kr., Georg von Imhof, k. k. Hauptmann, 2 fl., Leonhard Martin, Lehrer an der Handelsschule, 1 fl. 45 kr., J. Pillhofer 1 fl., Dr. Zehler, prakt. Arzt, 3 fl. 30 kr. (einm.); /Obersteinbach/: Pfarrer Albrecht 1 fl., Verwalter Mayer 1 fl.; /Pleinfeld/: Kaplan Ferdinand Knödel 1 fl.; /Sonneberg/: Cand. theol. Schöppach 1 fl. 12 kr., Physikus Dr. Wehner 1 fl. 12 kr.; /Waldenburg/: Carl Georg Eckardt, Pfarrer in Schlagwitz, 1 fl. 10 kr.; /Windsheim/: Subrektor A. Hopf 1 fl.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Gieſsing=, Lampenfabrikant, in Nürnberg:

3354. Sprüche, Gewohnheiten und Gebräuche der Drechsler zu Nürnberg und Ellwangen. 1589 u. 18. Jahrh. Papier. 2 Stück.

=Rudolph Freih. von Reitzenstein= in Bayreuth:

3355. Lehenbrief des Kön. Rudolf für den Burggrafen Friedrich von Nürnberg über Burg und Berg Kulm. 1282. Pgm. Copie.

3356. Lehenbrief desselben für den Burggrafen Friedrich v. Nürnberg über die Dörfer Lenkersheim, Erlbach u. Brück. 1282. Pgm. Cop.

3357. Schreiben des Kais. Friedrich an das Domkapitel zu Bamberg in Betreff der St. Jakobs-Kirche in Villach. 1475. Pap. Orig.

II. Für die Bibliothek.

/Rudolf Temple/ in Pest:

20,031. Ders., die Huculen, ein Gebirgsvolk im Osten der österreichischen Monarchie. 1866. 8. Sonderabdruck.

20,032. Ders., Untersuchungen über die ältesten Bewohner und Ansiedlungen auf der nördl. Karpathen-Terrasse. 1866. 8. Sonderabdruck.

=A. Pockwitz=, Buchhandl., in Stade:

20,033. Wiedemann, Geschichte des Herzogthums Bremen; II. Bd. 1866. 8.

=Karl Prochaska=, Verlagshandl., in Teschen:

20,034. Album aus Anlaſs der 1050 jährigen Feier der Gründung der Stadt Teschen. 1860. 8.

=C. F. Schmidt=, Verlagshandl., in Straſsburg:

20,035. Strobel, der Münster in Straſsburg; 7. Aufl. 1866. 8.

=A. Stuber’s= Verlagsbuchhandl. in Würzburg:

20,036. Braunschweiger, Geschichte der Juden und ihrer Literatur in den roman. Staaten zur Zeit des Mittelalters. 1865. 8.

20,037. Dahn, die Könige der Germanen; 3. u. 4. Abth. 1866. 8.

=Historische Commission bei der k. Akademie der Wissenschaften= in München:

20,038. v. Liliencron, die historischen Volkslieder der Deutschen; II. Bd. 1866. 8.

=Promperger=’sche Buchhandl. in Bozen:

20,039. Album mittelalterlicher Kunstwerke aus Tirol; 1. Heft. 2.

=Gewerbe-Verein, naturforschende Gesellschaft= etc. in Altenburg:

20,040. Dies., Mittheilungen aus dem Osterlande; XVII. Bd., 3. u. 4. Heft. 1866. 8.

=Kunst-Verein= in Halberstadt:

20,041. Ders., Nachrichten etc.; 11.-14. Heft; 1856-63. 8.

=Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande= zu Bonn:

20,042. Ders., Jahrbücher etc., Heft 37-40. 1864-66. 8.

=Architecten- und Ingenieur-Verein für das Königreich Hannover= in Hannover:

20,043. Ders., Zeitschrift etc.; Bd. XII, H. 1-3. 1866. 4.

20,044. Ders., d. mittelalterl. Baudenkmäler Niedersachsens; 9. u. 10. Heft. 1865. 4.

20,045. Ders., Beiträge zur Förderung der Kunst in den Gewerken; Bd. I., H. 7. 1866. 4.

=Histor. Verein des Kantons Thurgau= in Frauenfeld:

20,046. Ders., thurgauische Beiträge etc.; 7. Heft. 1866. 8.

=Kgl. böhmisches Museum (archäol. Section)= in Prag:

20,047. Dass., Památky archaeologické a místopisné; d. V, 8. u. d. VI, 1-4. 1863-64. 4.

=G. W. Niemeyer=, Verlagshandl. in Hamburg:

20,048. Neuester Führer durch Hamburg, Altona etc. 3. Aufl. 8.

=Friesch Genootschap= etc. in Leeuwarden:

20,049. De lex Frisionum, uitgeg. door K. v. Richthofen. 1866. 8.

20,050. Herinneringen uit 1815. 1866. 8.

=Dr. L. Lang= in München:

20,051. Münchener Sonntagsblatt; Jhg. 1860-63. 4.

=Badischer Frauen-Verein= in Karlsruhe:

20,052. Ders., Berichte an den badischen Frauenverein etc. 1866. 8.

20,053. Ders., 6. Rechenschafts-Bericht f. 1864-65. 4. mit 3 Beil.

=Freiherr Edmund Öfele=, Rechtscandidat, in München:

20,054. Ders., Rechnungsbuch des oberen Vicedomamtes Herzog Ludwigs des Strengen, 1291-1294. 1865. 8. Sonderabdr.

=J. N. Enders=, Verlagshandl., in Neutitschein:

20,055. Millian, der Molkencurort Rožnau in der mähr. Wallachei. 1853. 8.

20,056. Bowitsch, Marien-Sagen. 1858. 8.

20,057. Tyll Eulenspiegel. 1865. 8.

20,058-20,083. 26 weitere kleinere Schriften vermischten Inhalts. 1854-66. 4. u. 8.

=E. D. M. Kirchner=, Superintendent etc., in Walchow:

20,084. Ders., die Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern; I. Th. 1866. 8.

=J. Höfler=, evangel. Pfarrvikar, in Eschenfelden:

20,085. Luther, eynn Sermon von dreyerley guttem leben das gewissen zu vndterrichten. 1521. 4.

=E. A. Traitteur= in München:

20,086. Ders., erstes lärbuch der verkürzten und ganz gleichheitlichen, allgemeinen deutschen Sprachschreibung. 1864. 8.

=Académie royale de Belgique= in Brüssel:

20,087. Dies., bulletins; 34. et 35. année, 2. sér., t. XX et XXI. 1865-66. 8.

20,088. Dies., annuaire; 32. année, 1866. 8.

20,089. Dies., compte rendu des séances de la commission royale d’histoire; 3. sér., t. VII, 3 et VIII, 1-3. 1865-66. 8.

20,090. van Bruyssel, table générale du recueil de bulletins de la commission royale d’histoire (2. sér., t. I-XII). 1865. 8.

=Histor. Verein von und für Oberbayern= in München:

20,091. Ders., Archiv; 26. Bd., 2. u. 3. Heft. 1865-66. 8.

20,092. Ders., 27. Jahresbericht f. d. J. 1864. 1865. 8.

=Dr. M. B. Kittel=, k. Lycealprofessor, in Aschaffenburg:

20,093. Ders., die Ornamente aller Jahrhunderte an Gebäuden der k. b. Stadt Aschaffenburg; 16. Liefer. 1866. 4. Progr.

=B. Röſsler=, Magister der Pharmacie, in Garding (Schleswig):

20,094. Notwendiger Unterricht vom Goldmachen. 1684. 8.

=Universität Rostock:=

20,095-20,102. 69 akadem. Schriften (Dissertationen, Diplome etc.). 1865-66. 4. u. 8.

=Direktion des evangel. Gymnasiums= in Schäſsburg:

20,103. Haltrich, negative Idiotismen der siebenb.-sächs. Volkssprache. 1866. 8. Progr.

=Aug. Recknagel=, Verlagsbuchhandl., in Nürnberg:

20,104. Wagenseilii de civitate Norimbergensi commentatio etc. 1697. 4.

20,105. Hübnerus, Nic. Marescalci Thurii Mons stellarum etc. 1730. 4.

20,106. Nigrinus, Verzeichnus der Republic Nürnberg Regenten, Beamten und Bedienten: 2. Aufl. 1732. 8.

20,107. Falkenstein, codex diplomaticus antiquitatum Nordgaviensium. 1733. 2.

20,108. Pregitzer, wirttembergischer Cedern-Baum; 6 Theile. 2. Aufl. 1734. 2.

20,109. Preuenhueber, annales Styrenses. 1740. 2.

20,110. Merckwürdiges Leben und trauriger Fall des russ. Staats-Ministers Andreä Grafen v. Ostermann. 1743. 8.

20,111. Erlabeck, de juribus aedificiorum. 1760. 4.

20,112. Strobel, Nachricht von dem Leben und den Schriften Veit Dietrichs. 1772. 8.

20,113. Ders., Nachricht von Ph. Melanchthon’s Verdiensten um die heilige Schrift. 1773. 8.

20,114. Zapf, Muthmaſsungen über den Ursprung und das Alterthum des Heil. Röm. Reichs Stadt Aalen. 1773. 8.

20,115. Spieſs, von Reuter-Siegeln. 1784. 4.

20,116. Stobel, Nachricht von dem Leben Joh. Sebast. Pfausers. 1785. 8.

20,117. Steinbrück, vom Gözzendienst in Pommern u. Rügen. 1792. 4.

20,118. Will, erneuertes Gedächtniſs des Nürnbergischen Wildbades. 1792. 8.

20,119. Strobel, Versuch einer Nachricht v. d. evang. Gemeine und ihren bisherigen Predigern in Venedig. 1793. 8.

20,120. Ders., von Melanchthons Ruf nach Frankreich etc. 1794. 8.

20,121. Wahrer Ueberblick der Geschichte d. bayer. Nation. 1800. 8.

20,122. Rothenburgische Religions- und Kirchengeschichte. 1817. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

20,123. Mone, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins; Bd. XIX, 4. 1866. 8.

=F. A. Voſsberg=, Kanzleirath, in Berlin:

20,124. Ders., Wappenbuch der Städte des Groſsherzogthums Posen. 1866. 4.

=Bernhard Mayer=, Stadtschreiber, in Lauingen:

20,125. Ders., Geschichte der Stadt Lauingen. 1866. 8.

=Verein für Heimathskunde Münchebergs und seiner Umgegend= in Müncheberg:

20,126. Ders., Chronik; 1. Jahrg. 1866. 8. 3 Expl.

=Dr. C. L. Grotefend=, Archivrath, in Hannover:

20,127. Das Staatsbudget und das Bedürfniſs für Kunst und Wissenschaft im Königr. Hannover. 1866. 4.

=Dr. Heinrich Heppe= in Marburg:

20,128. Ders., Denkschrift über den Untergang des kurhessischen Staates. 1866. 8.

=Dr. Ludwig Rockinger= in München:

20,129. Ders., zur äuſseren Geschichte der älteren bayerischen Landfrieden. 1866. 4. Sonderabdr.

=J. Rudolf Rahn= in Dresden:

20,130. Ders., über den Ursprung und die Entwicklung des christl. Central- und Kuppelbaus. 1866. 8.

=Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace= in Straſsburg:

20,131. Dies., Bulletin; II. sér., t. IV, I. livr. 1866. 8.

=Karl Meyer= in Basel:

20,132. Ders., Untersuchungen über das Leben Reinmars von Zweter und Bruder Wernhers. 1866. 8

=Rudolph u. Hermann Freiherren von Reitzenstein= in Bayreuth:

20,133. Dies., Geschichte der Veste Reuth. 1865. 8.

=Dr. H. Schläger=, Senator, in Hannover:

20,134. Das neue Ministerium und die hannoversche Verfassung. 3. Abdr. 1863. 8.

20,135. Offener Brief an den hannover’schen Bauernstand. 8.

20,136. Domänen-Ausscheidung u. Steuererhöhung. 8.

20,137. Welfisch oder deutsch? 1866. 8.

20,138. Preuſsen und Hannover. 1866. 8.

20,139. Hannover unter eignen Königen. 1866. 8.

=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:

20,140. Schnell, Verhandlungen des ersten Hannover’schen Städtetages zu Hannover, 12. u. 13. Mai 1866. 4.

20,141. Haushaltsplan der k. Residenzstadt Hannover f. d. J. 1866. 4.

20,142. Vollständige Listen der Todten und Verwundeten der hannov. Armee in der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866. 8.

=Historischer Verein für Niedersachsen= in Hannover:

20,143. Ders., Zeitschrift; Jahrg. 1865. 1866. 8.

=Dr. Hans Freiherr von u. zu Aufseſs= in Kreisbrunn:

20,144. Ders., merkw. Schicksale des Felsenschlosses Freienfels an der Wiesent. 1866. 8. Sonderabdr.

=Dr. Friedr. Latendorf=, Gymnasiallehrer, in Schwerin:

20,145. Büchner, annotationum critic. ad M. T. Ciceronis orationem pro L. Corn. Balbo habitam part. II. 1866. 4. Progr.

=Tob. Löffler’s= Buchhandlung (R. Segnitz) in Mannheim:

20,146. Crollius, de illustri olim bibliotheca ducali Bipontina commentatio. 1764. 4.

20,147. de Caus, hortus Palatinus, a Friderico, rege Boemiae, electore Palat., Heidelbergae exstructus. 1795. 8. (Defect.)

20,148. Republikanischer Katechismus. 16.

20,149. Positiones de vocatione ministrorum ecclesiae. 1729. 8.

20,150. Brevis deductio juris, quod seren. domui Palatino-Neoburgicae contra seren. domum electoralem Brandenburgicum in ditionibus Juliacensibus, Clivensibus etc. competit. 1732. 4.

20,151. Joannis, de singulari Ritterorum familiae felicitate epistola. 1734. 4.

20,152. Crollius, histor.-rechtl. Gedanken v. dem Ursprung des Pfältzischen Münzregals. 1760. 4.

20,153. Crollius, verbesserte Probe einer vollständigern und richtigern Pfälzischen Geschichte etc. 1762. 4.

20,154. Patrick, clef chronologique et diplomatique etc. 1778. 4.

20,155. Colini, précis de l’histoire du Palatinat du Rhin. 1763. 8.

20,156. Atlas historicus novus. 1763. 2.

20,157. Colini, éloge de Charles-Théodore, électeur Palatin. 1764. 4.

20,158. Erörterung des Entscheidungsrechtes in zweispaltigen Walen geistlicher Reichsfürsten. 1766. 4.

20,159. Mueller, oratio de Anvilla etc. 1767, 4.

20,160. Bachmann, zwölf Urkunden zur Erläuterung der Geschichte der Gefangennehmung Philipp des Groſsmüthigen. 1768. 8.

20,161. Mainburg, Geschichte von dem Verfalle des röm. Reiches nach Karl dem Gr.; 2 Thle. 1768. 4.

20,162. Elsasser, nützl. u. angenehmes Calender-Gespräch. 1774. 8.

20,163. de Caux, ode sur la convalescence de Charles-Theodore. 1775. 4.

20,164. Vorlegung der fideicommissarischen Rechte des Kur- und Fürstl. Hauses Pfalz etc. 1778. 4.

20,165. Sartori, auserlesene Beyträge zu reichsstädtischen Sachen. 1777. 4.

20,166. Mezger, tabulae aberrationis et nutationis in ascensionem rectam et declinationem insigniorum CCCLII stellarum. 1778. 8.

20,167. Mayer, gründliche Verteidigung neuer Beobachtungen von Fixsterntrabanten. 1778. 8.

20,168. Pfeiffer, Versuch eines ausführlichen Staats-Rechts der ohnmittelbaren freien Reichsritterschaft; 2 Thle. 1778-80. 8.

20,169. Bericht von dem, was in der geh. Rathsversammlung abgehandelt worden, die Papst Pius VI. 1778 in d. vatikanischen Hauptkirche zu Rom halten lies. 1779. 4.

20,170. Hochheimer, Joh. Jos. Schmidlin’s, k. preuſs. Hofraths etc., Lebensgeschichte. 1780. 8.

20,171. Voltaire’s Leben etc. 1. Bdchn. 1780. 8.

20,172. v. Lamezan, Skizze über d. Gesetzgebung. 1781. 8.

20,173. Pfeiffer, d. Ruhm der Deutschen in d. 18. Jahrhunderte: Joseph und Friedrich. 1781. 8.

20,174. Etwas zur Spekulation für den Staatsmann etc. 1781. 8.

20,175. v. Günter, Etwas von dem Verhältnisse des Adels im Kraichgau gegen die Kurpfalz. 1782. 8.

20,176. Wernher, Abhandlung über die Vertheilung gemeinschaftlicher Aemter oder Herrschaften. 1782. 2.

20,177. Wund, von Otto V. d. Gr., Pfalzgrafen von Wittelsbach. Jung, Rede etc. 1779. 4.

20,178. Mayer, princeps philosophus; oratio etc. 1780. 4.

20,179. Weis, quaestio, an gabellae emigrationis, vulgo die Nachsteuer, ratione dotis aut donationis propter nuptias fisco solutae aut solvendae a liberis extra territorium elocatis ad massam baereditatis parentum sint conferendae. 1781. 4.

20,180. Weis, dissertatio de pactis successoriis ac dotalibus. 1783. 4.

20,181. Schuler, neuausgerechnetes und sehr nuzliches Frucht-Büchlein. 1785. 8.

20,182. Peter, Entwurf fon Gedanken auf di Nótwendigkeit einer sistématischen Ferbesserung des Handlungs-Stands. 1785. 8.

20,183. Jung, Jubelrede über den Geist der Staatswirthschaft. 1787. 8.

20,184. Heerkens, aves Frisicae. 1788. 8.

20,185. Pfeiffer, d. teutsche Freiheit. 1787. 8.

20,186. Pfeiffer, d. teutsche Reichsverwirrung. 1787. 8.

20,187. Pfeiffer, d. teutsche Gleichgewicht. 1788. 8.

20,188. Gegenbeleuchtung der vorläufigen Beleuchtung des an Se. Kurf. Gnaden zu Mainz in Betreff der Embser Punkte von Sr. Fürstl. Gnaden zu Speier erlassenen Antwortschreibens. 1788. 8.

20,189. Die Zeremonien der Kirchweihe. 1788. 8.

20,190. Topogr. pfälzische Bibliothek; 2. Stück. 1789. 8.

20,191. Traiteur, über d. Gröſse u. Bevölkerung der rhein. Pfalz. 1789. 8.

20,192. Kuhlmann, Geschichte der Zerstörung der Reichsstadt Speyer. 1789. 8.

20,193. Schlichting, Briefe aus d. Wiener Generalseminarium. 1789. 8.

20,194. Anleitung zur Kenntniſs der Rechte. 1789. 8.

20,195. Suckow, Geschichte der öffentlichen Sammlungen der chur-pfälzischen Staatswirthschafts Hohen Schule in Heidelberg. 1789. 8.

20,196. v. Böcklin, Beyträge zur Geschichte der Musik. 1790. 8.

20,197. Andreä, können die öffentl. Fruchtmärkte auch einem Staate schädlich seyn? 1790. 4.

20,198. Lettres sur les Allemands. 1790. 8.

20,199. v. Blum, crit. Untersuchung der mitternächtlichen Elsasser-Gränze; I. Th. 1791. 8.

20,200. List, Jubelpredigt, als der Durchl. Fürst und Herr, Herr Karl Theodor Kurfürst zu Pfalz etc. das 50. Jahr Seiner v. Gott gesegneten Regierung in der Kurpfalz zurücklegte. 1792. 8.

20,201. Gatterer, Abhandlung von dem Handelsrange der osmanischen Türken; 1.-3. Abth. 1792. 8.

20,202. Kurzer Auszug der pfälzischen Geschichte; 9. Aufl. 1793. 8.

20,203. Wiebeking, Beiträge zur churpfälz. Staatengeschichte vom J. 1742-92. 1793. 4.

20,204. Gatterer, Abhandlung vom Pelzhandel. 1794. 8.

20,205. Description de ce qu’il y a d’intéressant et de curieux dans la résidence de Mannheim etc. 1794. 8.

20,206. Semer, Beitrag zur näheren Bestimmung des Begrifes der eigentl. Staatswirthschaft. 1794. 8.

20,207. Wundt, Carl Theodor’s Verdienste um die Berichtigung und Erweiterung der rheinpfälz. Landesgeschichte. 1794. 8.

20,208. Der Staar-Stecher. 1798. 8.

20,209. v. Klein, Leben und Bildnisse der groſsen Deutschen; 4. Bd. 1798. 8.

20,210. La neutralité du Palatinat du Rhin. 1798. 8.

20,211. Ueber die Ansprüche der deutschen weltl. Fürsten auf Entschädigungen; I. 1798. 8.

20,212. Riem, Finanz-Gegenstände; Nr. I u. II. 1799. 8.

20,213. Riem, Tagebuch der merkwürdigsten Weltbegebenheiten; 2 Bde. 1799. 8.

20,214. Sörgel, das Haus Oestreich; 1. Th. 1802. 8.

20,215. v. Drais, warum Kaiser Napoleon der Justiz so hohen Rang unter den Departements der Staats-Verwaltung angewiesen haben mag? 1806. 8.

20,216. Semer, über d. Bürgeraufnahme in Städten und Flecken. 1809. 8.

20,217. Semer, über die Polizeiverwallung in Städten. 1809. 8.

20,218. Kritik des natürlichen Kirchenrechts etc. 1812. 8.

20,219. Franz Anton May der Arzt als Priesterfreund. 1814. 8.

20,220. Ueber die künftige Grenze zwischen Frankreich u. Deutschland. 1815. 4.

20,221. Heller, Albrecht v. Wallensteins Leben u. Thaten. 1816. 8.

20,222. Seltzam, momenta quaedam de vero jurisscientiae cum philosophia nexu. 1819. 8.

20,223. Courtin, Carl Ludw. Sand’s letzte Lebenstage und Hinrichtung. 1821. 8.

20,224. Rieger, histor.-topogr.-statist. Beschreibung von Mannheim. 1824. 8.

20,225. van der Wyck, der Mittel-Rhein u. Mannheim in hydrotechnischer Hinsicht. 1825. 8.

20,226. Gehres, kleine Chronik von Durlach; 2. Th. 1827. 8.

20,227. Pauli, medicinische Statistik der Stadt und Bundesfestung Landau. 1831. 8.

20,228. Geib, Theorie der Dichtungsarten. 1846. 8.

20,229. Mühling, vier Reden über den gegenwärtigen Kirchenconflict in den oberrhein. Kirchenprovinzen. 1857. 8.

20,230. Schellenberg, Johann Calvin. 1864. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Magistrat der Stadt Brieg:=

5151. 12 Lackabdrücke älterer und neuerer Brieger Amtssiegel.

=Ritter von Franck= in Graz:

5152. 4 Porträte in Schwarzkunst von M. Fennitzer und Kupferstich von G. C. Eimmart, P. Decker u. a.

=Solger=, Baurath, in Nürnberg:

5153. 7 Aufnahmen von Nürnberger Stadt- und Mauerthürmen, in Aquarellmalerei.

=H. Förster=, Pfarrer, in Auenheim:

5154. 5 Kupfermünzen des Kaisers Probus u. a.

=K. Meltzer=, Bürgermeister, zu Frankenberg in Sachsen:

5155. 9 Brakteaten aus dem Seifersbacher Funde nebst einem Bruchstück des denselben umschlieſsenden Gefäſses.

5156. 9 Münzen verschiedenen Gepräges vom 17. u. 18. Jhdt.

=J. Höfler=, Pfarrvikar, in Eschenfelden:

5157. Silbermünze des Herzogs Christian von Schlesien, 1670.

=Nic. Stark=, Magistratsrath, in Abensberg:

5158. Silberne Gedächtniſsmünze der Stadt Ulm auf das Jahr 1617.

=A. Recknagel’s= Buchhandlung in Nürnberg:

5159. 10 Exemplare der Karte des Nordgaues aus Falkensteins Nordg. Alterthümern, nebst 3 allegor. Titelblättern.

=Fr. W. Riefenstahl=, Kaufmann, in Nürnberg:

5160. Photogr. Aufnahme eines alten Holzhauses mit geschnitzten Balken und Wandflächen zu Werningerode.

=Max Feurer=, Hilfslehrer, in Nürnberg:

5161. 43 Porträts in Holzschnitt, Kupferstich und Schwarzkunst.

5162. 18 Landkarten und Prospekte vom 17. u. 18. Jhdt.

5163. Originalsiegel des Hans Oelhafen, 16. Jhdt.

=Protest. Kirchengemeinde der Stadt Hersbruck:=

5164. Palmesel mit der Figur Christi, Holzschnitzwerk, 15. Jhdt.

=Dr. K. Haſsler=, Oberstudienrath, in Ulm:

5165. Bruchstücke von Renthiergeweihen, Feuersteinsplitter und Gestein aus dem Funde von Schuſsenried (vgl. unten: Vermischte Nachrichten, Nr. 87).

=J. Zeltner=, Fabrikbesitzer, in Nürnberg:

5166. Zusammenstellung des Reichs- und der beiden Nürnberger Wappen, Thonrelief von G. Leigebe, 1621.

=Dr. C. B. A. Fickler=, Professor, in Mannheim:

5167. Viertelthaler Friedrichs von der Pfalz als Königs von Böhmen.

5168. Zwölfkreuzerstück des Grafen Johann Ludwig von Leiningen.

=Jugler=, Oberbergrath a. D., in Hannover:

5169. 6 Harzer Spielmarken von Silber.

5170. Ein bei Anwesenheit des Königs Ernst August im Harz 1839 geprägter Pfennig.

=A. Jugler=, Stadtssekretär, in Hannover:

5171. 6 Achtzehn-, Zwölf- und Sechs-Mariengroschenstücke verschiedenen Gepräges, 17. und 18. Jhdt.

5172. 3 Kupfermünzen, desgl.

=K. Eckardt=, Pfarrer, in Schlagwitz bei Waldenburg:

5173. 2 Bruchstücke aus A. Dürer’s Ehrenpforte in altem Abdruck, nebst 14 Holzschnitten aus einem Druckwerke des 16. Jhdts.

5174. 491 Porträte in Holzschnitt, Kupferstich und Steindruck.

Chronik der historischen Vereine.

/Mittheilungen aus dem Osterlande./ Gemeinschaftlich herausgegeben vom /Gewerbe-Vereine/, von der /Naturforschenden Gesellschaft/ und dem /Bienenwirthschaftlichen Vereine zu Altenburg/. Siebenzehnter Band. Drittes und viertes Heft, ausgegeben im Juni 1866. Auf Kosten der drei Gesellschaften. Altenburg, 1866. 8.

/Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen./ Herausgegeben unter Leitung des Vereins-Ausschusses Jahrgang 1865. Mit 2 Stammtafeln. Hannover, 1866. 8.

Die Pflanzenwelt Niedersachsens in ihren Beziehungen zur Götterlehre und dem Aberglauben der Vorfahren. Vom Pastor Rudolf Brockhausen. -- Zur Genealogie und Geschichte des Billungischen Herzogshauses. Vom Prof. Dr. O. v. Heinemann. -- Schloſs Thedinghausen und sein Gebiet. Vom Geh. Regierungsrath von Ompteda. -- Historische Nachrichten über die Glocken im Dome zu Hildesheim. Von Dr. J. M. Kratz. -- Inhaltsangabe der dem historischen Vereine für Niedersachsen überlieferten Beschreibungen vaterländischer Kirchen nebst Zubehör. XI-XIII. Lutherische, reformirte und mennonitische Kirchen im Fürstenthum Ostfriesland. Zusammengestellt von weil. Oberlandbaumeister Vogell. -- Miscellen: Vorchristliche Alterthümer. Von J. H. Müller. -- Kleine Anmerkungen zu einigen neueren Urkundenbüchern etc. Vom Reichsfreiherrn Julius Grote-Schauen. -- Agnes von Lusignan, Aebtissin von Wunstorf. Von v. Reitzenstein. -- Zur Genealogie der Herren von Holte. Von J. Graf v. Oeynhausen. -- Das älteste Archiv der Herzöge von Braunschweig in der Kirche zu St. Blasius. Vom Archivrath G. C. F. Lisch. -- Der Verfertiger des Obentrautschen Denkmals bei Seelze. Mitgetheilt vom Baurath Mithoff. -- Epigramm auf die Vermählung Josephs I. mit Wilhelmine Amalie von Braunschweig. -- Vaterländische Literatur des Jahres 1865. Gesammelt von H. Guthe, Dr. -- Historische Preisaufgabe der königl. dänischen Gesellschaft der Wissenschaften.

/Neunundzwanzigste Nachricht/ über den historischen Verein für Niedersachsen. Hannover. 1866. 8.

/Zeitschrift des Architecten- und Ingenieur-Vereins für das Königreich Hannover./ Redigirt von dem Vorstande des Vereins. Band XII. Heft 1, 2 und 3. (Jahrgang 1866.) Hannover. Schmorl u. von Seefeld. 1866. 2.

/Beiträge zur Förderung der Kunst in den Gewerken./ Herausgegeben von dem Architecten- und Ingenieur-Verein für das Königreich Hannover. Band I. Heft 7. Hannover. Schmorl und von Seefeld. 1866. 2.

/Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom /historischen Vereine des Kantons Thurgau/. Siebentes Heft. Thurgauische Kriegsgeschichte oder Geschichte des thurgauischen Wehrwesens und der im Thurgau vorgefallenen Kriegsereignisse. Frauenfeld. 1866. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2., 32. Vol. de la Collection. Nr. 6. Paris et Caen, 1866. 8.

Deux excursions archéologiques dans le canton de Mézidon; par M. de Caumont. -- Épigraphie albigeoise ou recueil des inscriptions de l’arrondissement d’Albi (Tarn); par M. le baron de Rivières. -- Rapport sur une fouille faite à Jublains en 1865; par M. le baron de Sarcus. -- Le choeur de St.-Serge, à Angers; par M. Godard-Faultrier. -- Mémoire sur les sépultures gallo-romaines découvertes à Lisieux; par M. Pannier.

/Bulletin de la Société pour la Conservation des Monuments historiques d’Alsace./ II. Série. T. IV. 1. livraison. Paris et Strasbourg. 1866. gr. 8.

Procès-verbaux des séances. -- Mémoires: Objets d’antiquité provenant de l’abbaye de Moutier-Grand-Val, par M. A. Quiquerez. -- Notice sur une idole sans nom, scellée dans les murs de l’ancienne église de Gebolsheim, par M. Jér. Ans. Siffer. -- Une ligue contre l’évêque Guillaume de Diest, par W. Spach. -- Chapelle de Saint-Jacques, à l’église de Saint-George de Haguenau, par M. V. Guerber. -- Murbach et Guebwiller, histoire d’une abbaye et d’une commune rurale d’Alsace, par M. X. Mossmann. -- Moriment (Haut-Rhin, près d’Oberlarg), par M. A. Quiquerez.

/Bulletins de l’Académie Royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique./ Trente-quatrième Année. -- 2me Série, T. XX. Bruxelles, 1865. 8.

Rapports de MM. Thonissen, Defacqz et Ch. Faider sur un mémoire de M. Edm. Poullet, relatif aux juridictions et à la propriété foncière au XVe siècle dans le quartier de Louvain. -- Notice sur des rédactions inédites des chroniques de Froissart, par M. le baron Kervyn de Lettenhove. -- Les artistes belges à l’étranger: Berthollet Flémalle, par M. Éd. Fétis; Adrien de Weert. par le même; note sur Jacques Obrecht, le plus grand musicien du XVe siècle, par M. F.-Z. Fétis; un malcontent: Guillaume de Hornes, seigneur de Hèze, par M. Th. Juste. -- Le psautier de saint Louis, conservé dans la bibliothèque de l’université de Leyde, par M. le baron Kervyn de Lettenhove. -- Des alliances de la commune de Gand avec Richard II., roi d’Angleterre, par le même. -- Les relations d’Édouard III. avec la Belgique, d’après les documents anglais, par le même. -- De la constitution des Académies Belges depuis leur origine jusqu’à nos jours, par M. L. Alvin. -- Notes sur quelques manuscrits des bibliothèques d’Angleterre (1re partie), par M. le baron Kervyn de Lettenhove. -- Rapports de MM. de Busscher, van Hasselt et le Chevalier de Burbure, sur les manuscrits relatifs à l’histoire des tapisserie d’Audenarde légués à l’Académie par M. D.-J. Van der Meersch.

T. XXI. 1866. Notes sur quelques manuscrits de bibliothèques d’Angleterre, par M. le baron Kervyn de Lettenhove, 2me et 3e partie. -- Lecture par M. Éd. Fétis d’une notice sur le triptique de Quentin Metsys, conservé à l’église de Saint-Pierre, à Louvain. -- Rapports de MM. Kervyn de Lettenhove, de Smet et Snellaert sur les mémoires en réponse à la première question du programme de concours de la classe des lettres de 1866, relative aux colonies saxonnes. -- Rapports de MM. Gachard et Thonissen sur le mémoire en réponse à la deuxième question de ce concours relative aux relations politiques de la Belgique avec le comté de Bourgogne. -- Les trois frères Wierix, par M. L. Alvin. -- Annonce de la découverte de sculptures anciennes, à Anvers, par M. le Chevalier de Burbure.

/Annuaire/ de l’Académie Royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique. 1866. Trente-deuxième Année. Bruxelles, MDCCCLXVI. 8.

(Académie Royale de Belgique.) /Comte rendu des séances de la commission royale d’histoire/, ou recueil de ses bulletins. Troisième Série. Tome septième. -- IIIme Bulletin. Bruxelles, 1865. 8.

Note sur les descendants de la mère de la duchesse Marguerite de Parme. Par M. de Ram. -- Notice sur un cartulaire de Guillaume I., comte de Hainaut, de Hollande, de Zélande et seigneur de Frise. Par M. Léopold Devillers. -- Recherches sur les noms des mois et les grandes fêtes chrétiennes. Par feu M. Émile Gachet.

Tome huitième. -- Ier et IIme Bulletin. 1865. Table de documents relatifs à l’histoire des villes, communes, abbayes, etc., de Belgique, qui existent à la Bibliothèque royale, section des manuscrits: ancien Fonds Van Hulthem, nr. 568-766. Par M. Ernest van Bruyssel. -- Requête présentée à Jean sans Peur, duc de Bourgogne, par les abbés, barons et autres seigneurs du pays d’Alosi, contre les empiétements du bailli et des échevins de cette ville. Communiqué par M. de Smet.

IIIme Bulletin. 1866. Table de documents relatifs à l’histoire des villes etc., nr. 805-971. Par M. E. Van Bruyssel. -- Liste des documents manuscrits relatifs à l’histoire de Belgique qui sont conservés au British Museum. (Par le même.)

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

24) /Ueber den Zug der Kelten nach Italien und zum hercynischen Walde./ Von J. E. Wocel. Prag, Druck von Dr. Ed. Grégr. Selbstverlag des Verfassers. 1865. 8. 24 Stn.

Bekanntlich hat Niebuhr in seiner römischen Geschichte die Erzählung des Livius von einer doppelten, um mehrere Jahrhunderte auseinander liegenden Einwanderung der Kelten nach Italien als unstichhaltig verworfen und die Erstürmung Roms durch Brennus als Fortsetzung und Ergebniſs einer einzigen und unmittelbar zusammenhängenden Völkerbewegung betrachtet. Gegen diese Ansicht ist das Schriftchen des durch seine archäologischen und kunstgeschichtlichen Werke bekannten Verfassers gerichtet. Er durchgeht und prüft die von Niebuhr für seine Behauptung angerufenen Stellen aus Herodot, Appian, Plutarch, Dionysius von Halicarnassus, Diodor, Trogus Pompejus und Polybius und zeigt den gewaltsamen Zwang, den der berühmte Geschichtschreiber bei Auslegung derselben angewendet habe. Am besten ist ihm dieses bei Polybius gelungen, der doch offenbar von einer doppelten Einwanderung der Kelten spricht, so daſs selbst Mommsen, sonst ein skeptischer Beurtheiler aller Nachrichten des Livius, sich zu dem Zugeständnisse veranlaſst sieht, daſs einzelne Einfälle und Einwanderungen sehr frühe stattgefunden haben möchten. Aus allen diesen Gründen glaubt sich Wocel berechtigt, eine sehr frühe, mit dem ersten Einbruche der Kelten in Italien zusammentreffende Auswanderung der Bojer nach dem hercynischen Walde und Böhmen annehmen zu dürfen, und diese Meinung wird durch die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen bestätigt, indem die Fundstätten der Bronzeobjekte älterer Legierung so weit als die geschichtlich nachgewiesenen Sitze der Kelten in Mitteleuropa reichen. Dazu kommen noch die in Böhmen und Bayern so häufig gefundenen Regenbogenschüsselchen. Diese miteinander verbundenen Thatsachen führen den Verfasser zu dem Resultate, daſs die Bojer ohngefähr um das Jahr 600 in Böhmen einwanderten und dieses Land mehr als fünfhundert Jahre innegehabt hatten, als sie es bald nach dem kimbrischen Einfalle wieder verlieſsen, daſs dasselbe aber zur Zeit Julius Cäsars beinahe vollständig von ihnen aufgegeben war.

A. F.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 39. Thiernamen. 1. Der Esel.

/Die Biene/: Nr. 21. Drachengeschichten und Lindwurmsagen. (Rud. Temple.) -- Beil. Nr. 21 ff. Mährens hervorragende Persönlichkeiten des geistlichen Standes aus der Vergangenheit und Gegenwart. -- Nr. 25. Zwei Lieder in der Mundart des Kuhländchens. -- Beil. Nr. 27 ff. Thurmknopf-Dokumente (aus Neutitschein).

/Das illustr. Buch d. Welt/: Nr. 11, S. 324. Bilder aus Tirol: H. Hainzenberg und die Gerlaswand.

/Hausblätter/: 19. Heft, S. 65. Holzland-Sagen. XVI-XIX. (Kurt Greſs.)

/Jagdzeitung/: Nr. 14 u. 15. Zur Jagdgeschichte des deutschen Kaisers Maximilian I.

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 481. Die vormalige kurpfälzische Gemäldesammlung in Düsseldorf. -- Nr. 485. Die älteste menschliche Niederlassung in Württemberg.

/Deutsche Kunstzeitung/: Nr. 33. Die Restauration der Burg Karlstein in Böhmen. (Aus d. Wiener Ztg.)

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 25 (121), S. 26. Johannes Augusta, der Brüderbischof. (Siegfried Kapper.)

/Deutsches Museum/: Nr. 38. Der deutsche Meistergesang. (Rud. Rost.)

/Die Natur/: Nr. 37 ff. Geschichte der Töpferkunst. (Otto Ule.)

/Nordsee-Zeitung/: Nr. 159 ff. Erntesitten und Ernteaberglauben in Niedersachsen. (Dr. H. Pfannenschmid.)

/Novellen-Zeitung/: Nr. 39 f. Historische Bilder: I. Fanatische Blutzüge des Mittelalters.

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 40 f. Die Gründung der Mark Brandenburg. (W. Schwartz.) -- Christensitte und Väterweisheit. Auszüge aus ältern Testamenten. (Hesekiel.)

/Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 260. Zur Geschichte der Postverträge. -- Nr. 263. Zur deutschen Kunstgeschichte. (E. Förster.)

/Illustr. Zeitung/: Nr. 1211. Das Volksfest des Stralauer Fischzugs. -- Die Burg Hohenzollern. -- Nr. 1214. Beil. Deutschlands Wappensagen.

Vermischte Nachrichten.

87) Eine halbe Stunde von der ehemaligen Reichsabtei /Schussenried/ (Oberschwaben) sind vor kurzem Oberstudienrath /Haſsler/ und Professor /Fraas/ damit beschäftigt gewesen, eine ~interessante Entdeckung~ weiter zu verfolgen, auf welche man bei Tieferlegung des Schussenursprungs zu Kulturzwecken gekommen ist. Zwanzig Fuſs unter dem Boden des jetzt dort trocken gelegten Weihers, unter einer vier Fuſs mächtigen Torflage und einer durch den Kalksinter der Kieselwand während unmeſsbarer Zeit gebildeten Tuflage im Letten, der zu unterst mit Humus vermischt, hier noch mit Rennthiermoos überzogen, eine wahre Kulturschichte bildet, findet sich eine Menge von Geweihen, Knochen, Zähnen, Feuersteinen, zu Instrumenten geformt und als solche gebraucht, andere bearbeitete Steine und hie und da auch Stücke aus Eichenholz. Die Geweihe sind alle vom Renthier, meist bearbeitet, die Sprossen und Zinken an- und abgesägt und zu mancherlei Instrumenten des Stechens u. s. f., zum Theil mit runden Oeffnungen geformt, freilich das alles im primitivsten Kulturstadium, was sich besonders auch an den Quarzen und Gneisen beurkundet, die, durch den Feuerstein zu Schlägeln oder Keulen von der Form der Hackmesser der Metzger in den verschiedensten Dimensionen bearbeitet, noch ungleich roher erscheinen, als die rohesten Producte der ältesten Pfahlbauten. Neben dem Renthier erscheint sein steter feindseliger Begleiter, der fiälfras (gulo borealis), ein riesiger Bär, ein Wolf, Pferd und Ochs, diese kleiner als die unsrigen, dazu noch mancherlei Vierfüſser, Fische und Vögel, aber wol meist einer andern Fauna als unserer jetzigen, einem rauhern Klima als dem unsrigen angehörig. Doch neben jener und in diesem lebte auch schon der Mensch; und ist zwar noch kein Schädel zu Tage gekommen, der die Race kennzeichnete, so ist doch an der Thatsache durchaus nicht zu zweifeln. Dies beweist unwidersprechlich (bei vollständiger Abwesenheit alles Metalls) die Bearbeitung des Feuersteins und durch und mit ihm der übrigen Steine, der Geweihe, Knochen, Hölzer. Ja, trotz aller Urzuständlichkeit scheint dieser Mensch schon Luxusbedürfnisse gehabt zu haben. Denn was sind diese pastenartigen, braun und hellroth färbenden, gleich einer butterhaltigen Salbe anzufühlenden Kügelchen inmitten einiger Lehmklumpen? Sind es blos zufällig hier sich findende Drusen von Bohnerz, oder haben gleich andern rohen Naturvölkern die menschlichen Zeitgenossen dieser untergegangenen Renthierwelt mit diesen Eisenoxyden den Leib bemalt?

(Allg. Ztg.)

Einige Proben vorgenannter Ausgrabungs-Gegenstände sind durch die Güte des Herrn Oberstudienraths /Haſsler/ den Sammlungen des german. Museums überlassen worden und noch weitere in Aussicht gestellt. (S. oben: Geschenke, Nr. 5165.)

D. Redact.

88) Das kostbare /Mosaik/ zu /Nennig/ bei Saarburg wurde jüngst durch die Hand des Bildhauers Heinrich Schäffer, früher zu Stuttgart, bleibend /renoviert/, besonders das groſse Bild „der Wasserorgelspieler“ ganz hergestellt, so daſs es jetzt wieder prangt in der alten Zeichnung und der antiken Pracht. Die Regierung hat dem Genannten die Leitung der Ausgrabungen des interessanten Palastes übertragen. Jüngst wurde daselbst ein merkwürdiges Büchschen von Silber gefunden, welches etwas Asche, ein Knöchelchen und eine kleine Münze von Theodora II., Gemahlin Constantius I, enthielt.

(D. Kunstztg.)

89) Von Dr. A. /Lübben/ in Oldenburg, Verfasser eines „Wörterbuchs zu der Nibelunge nôt“, befindet sich (bei Stalling daselbst) eine /neue Ausgabe des Reineke Vos/ unter der Presse, welche einen kritisch berichtigten Text liefern soll, der auf einer genauen und sorgfältigen Vergleichung des ältesten Druckes (1485, Lübeck) beruht. Zugleich wird die neue Ausgabe die prosaische Auslegung, die s. g. katholische Glosse, enthalten, die seit 1711 in den Ausgaben fehlt. Der Text wird in Anmerkungen sachlich und sprachlich erläutert; daran schlieſst sich ein Wörterbuch, das den gesammten Sprachschatz des Reineke wiedergibt und erklärt. In der Einleitung sollen die bei der neuen Ausgabe zur Anwendung gebrachten kritischen Grundsätze dargelegt werden.

90) Herr Prof. /Wattenbach/ in Heidelberg benutzte im Frühlinge d. Js. einen Aufenthalt in London, um das Verzeichniſs der seit Juli 1861 neu erworbenen Handschriften des britischen Museums durchzusehen und die für Deutschland und mittelalterliche Geschichte bemerkenswerthen zu verzeichnen. Diese finden sich in der nachfolgenden Liste, welche wir der Güte des genannten Herrn verdanken, angegeben.

1861.

24,273. Relation of the Massacre of the Protestants in Valtellina 1620 (at Puttick’s).

24,279. Joh. Chr. Stollii Ravenspurgensis Album Amicorum 1612-1621. 12. (ib.)

24,280. Hwg von Trimberg, Der Renner, saec. XV. ch. fol. (ib.)

24,315. Albertani sive Andreae Cappellani Tractatus de Amore, germ. vers. per Doctorem Joh. Hartlieb. Valerii Maximi de Dictis et Factis mem. libri germ. saec. XV. ch. fol. (Purch. of Messrs. Boone).

1862.

24,345. Ordinance of John Bugenhagen for the management of the Schools at Hamburg 1529. Other Ordinances 1606 and 1582. germ. saec. XVIII. qu. (Received from the Dep. of Printed Books).

24,637. Liber censuum ecclesiae S. Severi Erford. 1351-1358. membr. fol. (von H. Troſs gekauft).

24,639. Die Reformacion zu Arnsberg ussgangen der haimlichen beschlossen Ächt der kais. Freigericht etc. saec. XV. qu. (ebendaher).

24,643-46. Regensburger Chronik bis 1683, saec. XVIII. fol. (gekauft von Edw. Peacock).

24,653-56. Bayrisch Stammenbuch etc. durch Wiguleum Hund. Ingolst., 1586. 1598. 2 Vols. (printed) with a third volume in 2 parts, MS. (Purcbased of B. Quaritch.)

24,922. Rotulus mortuarius Abbatiae S. Vitalis Savigniacensis, copié par Léchaudé d’Anisy, saec. XIX (of Messrs. Boone).

24,923. Visitationes Odonis archiep. Rotomagensis, 1248-1269 (von demselben copiert).

24,929. Letters to Jac. Gu. Imhoff of Norimberg, from E. Ashmole, St. George Ashe etc. 1687-1710 (ebenso).

24,946. Alte Deutsche Gedichte, ch. saec. XV. fol. (Libri).

24,975. Johannis Nider Formicarius. Eiusdem Tractatus de reformatione Status coenobitici, saec. XV. ch. qu. (of H. Dashwood).

1863.

25,043. Necrologue de l’Abbaye de N. D. de Port Royal des Champs, s. XVIII. qu. (von Boone).

25,052. Historia coenobii S. Jacobi de Coudenberga, Brux. saec. XIX. oct. (desgl.).

25,053. Liber chronicorum Villariensium, qu. saec. XVII. (desgl.).

25,054. Chartularium Abbatiae S. Trudonis, saec. XIV. XV. mb. qu. (desgl.).

25,055. Catalogus Abbatum et Canonicorum Monasterii B. Mariae Floreff. saec. XVII. vell. roll (desgl.).

25,056. Chartularium Monasterii Carthusiensis apud Herinnes dioc. Camerac. saec. XV. vell. fol. (desgl.).

25,057. Chartularium Abbatiae B. M. V. Munsteriensis in civitate Luxenb. saec. XVII. qu. (desgl.).

25,059. Annales Ducum Brabantiae 615-1467. saec. XVIII. und noch Einiges der Art aus neuerer Zeit. (desgl.).

25,105. Martini Poloni Chron. bis 1266, fortgesetzt bis 1311. saec. XV. mb. fol. (von Boone).

25,113. Eckhersches Stammbuch, saec. XVIII. fol. (gekauft von F. Moleni).

25,434. Les Prophéties de Merlin, saec. XIV. mb. fol. (von N. Henry Troſs of Paris).

25,435. Loosbuch, germ. saec. XIII (sic). mb. qu. (desgl.)

25,436. Bundbuch or Register of Acts relating to the Swabian League 1486-1495. mb. fol. (desgl.)

25,437. Official copies of Papers relating to Friburg and Berne 1403-1468. ch. fol. (desgl.)

25,438. Vita b. Gregorii papae per Johannem levitam, mb. saec. XIII. (von Boone).

25,439. Magistri Petri de Vineis Summa de gestis Frederici imperatoris, saec. XIV. mb. fol. (Boone). Ist die bekannte Briefsammlung in 6 Büchern. Auf dem letzten Blatt ist ein Brief von K. /Adolf/. Comiti de Salmis: Grata est in conspectu etc. Der Graf soll gegen den König Philipp von Frankreich seine civitates, castra und sein Land rüsten, und keine Unterstützung durch seine Unterthanen zulassen, keine Pferde verkaufen. D. Nuremberg vij Id. Sept. regni a. 3. (7. Sept. 1294.)

25,440. Alberti Aquensis Historia Expeditionis Hierosol. saec. XIV. ch. qu. (Boone).

25,441. Vincentii Bellovac. Spec. hist. Pars 3. saec. XIV. fol. (Boone).

1864.

25,492. Charters etc. relating to Wesel and the Dukes of Cleves 1277-1489 in Flemish (unvollst.) c. 1500. fol. (von H. Troſs).

25,600. Vitae et Passiones Sanctorum scr. a. 919. mb. fol. (Boone).

25,694. Regiments- u. Geschlechterbuch der Stadt Zürich, saec. XVII (von Mrs. Maxwell).

26,765. Annals of Halle in Saxony 981-1615 (unvollst.) germ. qu. (gekauft von S. Palmer).

26,788. Vita et Miracula S. Heriberti, mb. saec. XI. qu. (Troſs).

26,802. Steph. Infessurae Diaria Rerum Rom. 1378-1494. Cop. von Vat. 6839. (Presented by John Payne Esq.).

26,803-7. Joannis Burcardi Diaria 1483-1506. saec. XVII. fol. (von dems. wie auch die folgenden).

26,808. 9. Blassii Martinelli Diaria 1518-1538.

26,810. Cornelii Firmani Diaria 1565-1573.

26,811. 12. Francisci Mucantii Diaria 1572-1585.

Das Verzeichniſs reichte bis 27,235.

Inserate und Bekanntmachungen.

17) ~Bei Wiegandt & Grieben in Berlin~ ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

=Die Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern=, im Zusammenhange mit ihren Familien und Zeitverhältnissen; aus den Quellen bearbeitet von Kirchner, Superintendent etc. 1. Mit sechs Porträts. Preis 1 Thlr. 25 Sgr.

18) Nachträge und Berichtigungen.

Das Sp. 22 f. des diesjährigen Anzeigers erwähnte Werk des /Wilhelm von Boldensele/ ist schon von Canisius herausgegeben, neuerdings aber von C. L. Grotefend in der Zeitschrift des hist. Vereins für Niedersachsen, 1852, S. 209-286.

Ueber den ebendas. Sp. 80 von Prof. Haase gesuchten /Ludolf von Hildesheim/ ist Rockinger in den Quellen zur bayer. und deutschen Geschichte, IX, 1, 349-358 zu vergleichen.

Sp. 89 f. ist von einer Abgabe geredet, welche die /Juden zu Naumburg/ unter dem Titel „de stola“ zu zahlen gehabt hätten. Um den ohnehin schon schwer genug belasteten Juden des Mittelalters nicht eine neue Last bleibend aufladen zu lassen, bemerke ich, daſs ohne Zweifel „/de scola/“ zu lesen und ein Zins von der Judenschule gemeint ist.

/Heidelberg. Wattenbach./

19) =Nachricht= auf die Anfrage in Nr. 4 des Anzeigers, Sp. 159.

In der königl. öffentl. Bibliothek zu Hannover befindet sich: /Froissart/, /Chronique de France/ etc. Part. III et IV. Pergamenthandschrift des 15. Jahrhunderts, 2 Bände in Folio von 222 und 204 Bll., mit fein gemalten und mit Gold ausgelegten Initialen, die Titelblätter mit vortrefflicher Arabesken-Malerei; in P. IV, Bl. 1a ein gröſseres Bild.

P. III. incipit: „Cy commence la tierce partie des croniques Sire Jehan Froissart qui contient les nouvelles guerres de France, Dangleterre, despagne et dytalie. Et parle premierement comment Sire Jehan Froissart se partit de France pour aller pardentue le conte de Foix et la maniere de son voyage“ etc.

Explicit Bl. 217a mit dem Capitel: „Comment certains deputes et sages hommes pout parlerent et prendrent vues treues a durer trois ans entre les françois et les anglois“ etc.

Bl. 219a-222b: „La table des rubriques“.

P. IV. incipit: „Cy commence le quart livre de maistre Jehan Froissart qui parle des guerres et nobles fais d’armes et advenues de france dangleterre et Des pays dentour les comm.’s et adherens Depuis lan de nostre seigneur mil ccc. iiii^{xx} et neuf. Et premierement de la noble feste qui fut faite a paris a lentre et venue de la reyne Ysabel de france femme au Roy Charles le bien ayme“ etc.

Explicit Bl. 200a mit dem Capitel: „De la mort du Roy Richard d’Angleterre. Et comment les treues furent ralonguees entre france et angleterre. Et aussi de la deposicion du pape benedic“.

Bl. 201b-202: „Sensuit une addicion et correccion faictes sur le dernier chapitre du volume, touchant la morte du tres noble et puissant prince le Roy Richard“ etc.

Bl. 202b-204b: „Table“.

/Hannover./ /Bodemann./

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

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Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 11. November.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

=Historia Neminis.=

Von Professor /Dr. W. Wattenbach/ in Heidelberg.

Auf Sp. 179 des diesjährigen Anzeigers ist die Behauptung aufgestellt, daſs der /Niemand/ oft in Reim und Versen, aber nie in Prosa verherrlicht sei. Es gibt jedoch lateinische Legenden vom /h. Nemo/, der freilich eine etwas andere Figur ist, wie jener Niemand. Da die Kirche diesen Heiligen niemals anerkannt hat, auch kein bestimmter Tag ihm gewidmet ist, dürfen wir seine Legende nicht in den Actis Sanctorum suchen; handschriftlich findet sie sich aber an verschiedenen Orten. Die /Vita sanctissimi et gloriosissimi Neminis/ im /Cod. Vat. 2040/ beginnt: „Beatus igitur Nemo iste contemporaneus dei patris“, also wie die unten folgende nach dem Eingang (Pertz, Archiv V, 67). Ueber zwei Exemplare in Wien und Raygern (ib. X, 483. 691) fehlen mir genauere Angaben. Ein viertes in der Heidelberger Handschrift Pal. germ. 314, aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, auf fol. 100 von wenig späterer Hand eingetragen, beginnt gleich mit der Notiz, daſs dieselbe Geschichte sich „in flavo codice tenui Cyrilli in appolog. K. 138“ in anderer Fassung befinde. Dann folgt die Legende, welche ich hier als Probe mittelalterlichen Witzes mittheile, obwohl sie etwas gedehnt und nicht eben allzu geistreich ist. Die Citate sind meistens zu späterer Ausfüllung leer gelassen; die profanen aus Cicero’s Verrinen zweimal erst am Rande nachgetragen und vermuthlich alle erst neuerer Zusatz. Durchweg ist die Predigt eines Klosterbruders zur Verherrlichung des Schutzheiligen parodiert:

„Multifarie multisque modis, karissimi, loquebatur olim deus per prophetas, qui velud in enigmate et quasi sub nebulosa voce unigenitum dei filium pro redimendis laborantibus in tenebris et in umbra mortis sedentibus preconisarunt venturum. Novissimis autem diebus per suam sacram scripturam palam loquitur, et gloriosum beatissimumque Neminem ut sibi conparem ante secula genitum penes illud prophete: Dies formabuntur et Nemo in eis, scil. prius erat, ps. 138 ipsius David prophete; humano tamen generi hactenus peccatis exigentibus incognitum fore predicat, enucleat et testatur. Sed et ipsemet salvator noster et dominus, cui semper proprium est misereri et qui suos nunquam deserit inadiutos, suo saguine proprio redempti populi misertus est, et ab oculis nostris remota penitus vetusta caligine thesaurum huius gloriosissimi Neminis tam celebrem dignatus est nobis apperire, ut ipsum usque nunc damnifere nobis absconditum intueri deinceps oculata fide salubrius valeamus.

Beatus igitur Nemo iste contemporaneus dei patris et in essentia precipue consimilis filio, velud nec creatus nec procedens, sed genitus in sacra pagina reperitur.... et ubi supra ps. 138. Cui postea merito tanta crevit autoritas, ut ac si terrena respuens ad celorum culmina volatu mirabili pervolavit, sicut legitur in evangelio: Nemo ascendit in celum..... Unde Johannes sexto in persona dei dicit: Nemo venit ad me, unde dum celum ascenderat, deitatem puram et integram et insimul sanctam et individuam trinitatem vidit ibidem, ut inquit Damascenus, et Johannis primo dicitur: Deum Nemo vidit unquam, id est aliquo tempore. Et quod filium viderit, testatur evangelium Math. 11. Mar. 10: Nemo novit filium. Et alibi.. ... Nemo loquens in spiritu sancto; quia enim viderat ipsum cum patre et filio, securius loquebatur, nam qui vidit testimonium perhibuit. Deinde rediens iste virtuosus et potentissimus Nemo tanta audacia et securitate claruit et illuxit, ita quod dum Judei maledicti Jhesum capere venientes non essent ausi invadere, solus iste Nemo audacissimus, qui cum eis aderat, cepit eum ut dicitur Johannis septimo et octavo: Nemo misit in eum manus. Similiter flagiciosissimus Verres, qui predonibus captis vita reservatis cives Romanos securi percussit, quemquam neque timebat adversarium nullumque habuit excepto Nemine, ut Tullius in oratione contra Verrem testatur, dicens ad Verrem: Inimicum habebas Neminem. Princeps etiam Judeorum Nicodemus nomine potentiam istius gloriosissimi Neminis reserans ait ad Jhesum: Nemo facit hec signa que tu facis. Probatur et potentior aliis per scripturam, quod solus Nemo deo contrariari polest, unde..... Deus claudit et Nemo aperit, deus aperit et Nemo claudit. Hoc attestatur Job deum alloquens Job 30: Cum sit Nemo qui de potestate tua possit eruere. Et quod nulli concessum est, videlicet servire duobus dominis, huic Nemini concessum fuit, ut in evangelio.... dicitur: Nemo potest duobus dominis servire. Et poeta....: Utiliter servit Nemo duobus heris. Et ipsemet Christus de potentia illius Neminis alloquens discipulos suos inquit.....: Gaudium vestrum Nemo tollet a vobis. Neque mirentur discipuli de hoc, cum et Christus de se ipso dicat Jo. decimo: Nemo tollit animam meam a me. Sed quid? si tanta virtute consistat iste sanctissimus Nemo, non est mirum cum ipse incarnari et nasci voluit in hoc mundo velud Christus, et ex illustri prosapia generari, sicut legitur ecclesiastici quinto: Nemo enim ex regibus aliud habet nativitatis inicium. Est eciam de genere Jhesu Christi et Marie, que fuit de stirpe regia, nam cum de nomine Johannis baptiste quereretur, responsum est Luce primo: Nemo est de congregacione tua qui vocetur hoc nomine. Fuit eciam valens miles et strenuus, unde apostolus .....: Nemo militat propriis stipendiis. Securus eciam fuit propier eius probitatem, ut dicitur....: Nemo securus. Merito quidem securus dicitur, cum naturam superet in virtute, ut hic....: Quod natura negat, Nemo feliciter audet. Et iterum de eodem poeta....: Quod natura dedit, tollere Nemo potest. Sua vero milicia ut moderni milites non est usus, qui ad modum allecium recentium, pro quibus habendis a venditoribus prius solvitur precium, sunt venales et non pro honore, ymo verius, quod verecundor dicere, precio plerunque letiferis pestibus se exponunt. Sed isti Nemini gloriose militi placuit penitus et nunc placet ob ipsius grandes divicias et reditus, quibus precellit viventes ceteros, militare officium sumptibus propriis exercere, sicut legitur ad Cor. nono: Nemo tenetur propriis stipendiis militare. Verum quia potentes dudum strenui et sublimes in litterali dogmate erudiri pre ceteris anhelabant: iccirco beatus iste Nemo miles, a genere quo processit nolens modis aliquibus deviare aut declinare, litteras didicit et sapientissimus proinde factus est; propheta namque extitit in patria sua, ut dicitur Luce quarto: Nemo est acceptus propheta in patria. Propheciam autem suam et suum dogma generale, quod multis vigiliis acquisivit, ut moderni clerici non consumpsit, qui ob aliud non curant discere, nisi solum ut cumulent peccuniam et peccunia et piguibus ditentur prebendis, et ob hoc omissis liberalibus scienciis facultates solummodo petunt lucrativas, sed prorsus quibuslibet spretis contagiis solus iste Nemo celestia contemplatus est et vitam innocentem a crimine duxit, sicut legitur......: Nemo sine crimine vivit. Et alibi....: Nemo ex omni parte beatus. Unde tanta patientia ab adversariis mala sustinendo fuit, usque se ipsos emendarent, unde Cor. 7: Capite nos. Neminem lesimus, Neminem corrumpimus, Neminem circumvenimus. (Et Tullius in Verrem: A principio ita sim versatus, ut defenderem multos, leserim Neminem, subito hunc mutata voluntate descenderim.) Et iterum dicitur....: Maiorem caritatem Nemo habet. Et quod maiorem caritatem Nemo habeat, clamat sancta mater ecclesia ubi dicit ....: Ecce quomodo moritur iustus etc. et Nemo percipit corde. Et iterum....: Viri iusti tolluntur, et Nemo considerat. Nunc autem videre potestis, karissimi, conpassionem istius gloriosissimi Neminis, qualiter conpassus est Christo morienti, ubi supra dicitur: Ecce quomodo moritur iustus etc. Et sanctis eius beatis, ubi dicitur: Viri iusti tolluntur etc. ubi supra. Qui etiam misertus est pauperis illius, ad cuius preces aliquis obsessa et (sic!) potente Nemine extitit liberata, sicut scriptum est....: Et Nemo recordatus est pauperis illius. Insuper habetis quod iste sanctissimus Nemo solus absque vera confessione et iniuncta sine sibi penitencia salutari in tremendo dei iudicio salvus erit, prout in sacra pagina clarius declaratur, dicendo....: Nemo absque vera confessione et sine penitencia salvabitur. Summus etiam inter omnes possessores possessor fuit iste ditissimus Nemo et est, nam ipsum deum aliquando possidet, et amittit hunc eundem, quandocunque sibi placet, ut in quadam auctoritate dicit beatus Augustinus.....: Nemo amittit te deus, nisi qui te dimittit. Item iste stabilissimus Nemo solus est qui ista terrena potest diligere et ipsemet firmus esse, ut in quadam auctoritate dicit beatus Gregorius.....: Nemo valet ista mobilia diligere et ipse immobilis stare. Item iste doctissimus Nemo tanta sciencia preclaret, ita quod per sui discretionem scit illud quod homo vivens nequit scire, ut in ecclesiastico legitur quinto: Nemo scit utrum amore dei vel odio dignus sit. Et quod iste peritissimus. Nemo liberalibus scientiis sit edoctus, claret. Nam adeo sciebat arismeticam, ita quod turbam magnam quam Johannes viderat in apocalipsi..... solus iste Nemo potuit numerare, ut legitur: Et vidi turbam magnam quam dinumerare Nemo poterat. Et iterum ibidem apoc.... de eius dignitate dicitur: Et Nemo fuit dignus aperire librum et solvere signacula eius. De eo eciam lucide testatur Priscianus, quod ei fuit consimilis in grammatica et socius, cum dicit in maiori volumine: Neminem inveni michi socium. Fuit eciam astronomus, sicut legitur....: Nemo observat lunam. Quomodo eciam fuerit conpositor legum et magnus in musica, vide in alio Nemine in appollogis Cyrilli. (Et ideo Tullius ipsum Neminem maiorem se fatetur, cum in principio oracionis in Verrem inquit: Et in hac causa profecto Neminem preponendum michi esse actorem putabit.)

Nunc modo videre potestis, karissimi, quantis fulget meritis Nemo iste sanctissimus, quanta sit eius scientia, et inde quanto prosequi debeat ab omnibus laude et gloria, puris affectibus et honore. Cum ipse cui omnia vivunt et quem laudant archangeli, istum sanctum Neminem benedictum per secula adeo puro dilexit amore, ita quod dum suos per mundum misisset apostolos, precepit eis ut cum Nemini beatissimo obviarent, ipsum salutarent, sicut dicitur in evangelio....: Neminem per viam salutaveritis. Et insuper precepit dominus, ut eidem visiones et secreta eius tanquam suo secretario fiducialiter aperirent, sicut scriptum est Luce quarto: Nemini dixeritis visionem hanc. A Christo curato de lepra, inquit ad eum Christus.....: Vade, Nemini dixeris. Quid plura? Non solum per suos discipulos dominus istum sanctum Neminem venerari voluit, sed ipsemet personaliter eum venerari dignatus est. Nam dum Judei in verbis dominum capere cuperent, et mulierem in adulterio deprehensam coram eo adducerent, Jo. octavo, ipse Christus cui nichil absconditum est, discretionem, scientiam et valorem dilecti sui Neminis agnoscens plenarie, in beati Neminis reverentia et honore dictam mulierem accusatam per eum rennuit iudicare, dicens: Mulier, ubi sunt qui te accusant? Nemo te condemnavit? Que respondit: Nemo, domine. Audiens hoc dominus, nolens falcem mittere in messem alienam, dictam mulierem remisit ad S. Neminem, dicens: Nec ego te condemnabo. Considerabat enim dominus eius statui et persone esse deferendum, et voluit tunc suo deferre maystro. Nam alibi dicitur de eius maysterio: Nemo propheta et doctor...... Cum autem Christus loqueretur ad Samaritanam cum fonte, Jo. 8, et alii discipuli non essent ausi ei dicere verbum, Nemo velud mayster bonus Jhesum reprehendit dicens ibidem: Nemo tamen dixit: Quid queris aut quid loqueris cum ea? Item nolens Nemo quod Johannes per viam erraret, interrogabat eum quo esset iturus, sicut legitur......: Nemo tamen dixit: Quo vadis? Item cum dominus manifestaret se discipulis suis Joh. 21, Nemo audebat eum interrogare quis esset, cum alii discipuli non essent ausi; Nemo tamen dixit: Tu quis es? De maysterio vero istius Neminis planius habetur in parte evangelii Joh. septimo, ubi de lege contendebat cum Judeis, dicens: Nonne Moyses dedit vobis legem, et Nemo ex vobis facit legem? Insuper tanta fulsit patientia et humilitate, quod iuxta verbum apostolicum.....: Qui non laborat, non manducet, et alibi in ps.....: Labores manuum tuarum quia manducabis etc. voluit propriis manibus laborare, et non solum in secularibus satagebat ut Martha, sed etiam in divinis habuit curam ut Magdalena. Unde de primo dicitur de Martha:....: Nemo mittens manum ad aratrum etc. Et tanquam contemplarius et orthodoxus surgebat quantum ad secundum scilicet de Magdalena, ad matutinas, et nocte dieque sacriste ac cantoris officium humiliter faciebat. Sacriste officium ut hic: Nemo accendit lucernam,...... Cantoris officium ut hic: Nemo poterat dicere canticum,......

(Magnus orator et reorum defensor erat, unde Tullius oracione tercia de Verre inquit: Ne quem Nemo actione defendere ausus esset, eum ego bis accusare non possem.) Tanti vero cordis et animi fuit iste fortissimus Nemo, quod non solum toto conamine laborabat, sed etiam ociosos una secum conducere et laborare volebat, ut in evangelio.... dicitur ociosis: Cur hic statis tola die ociosi? Responsum est ab eisdem: Quia Nemo nos conduxit. Verbum autem domini dicentis.....: Frange esurienti panem tuum, non oblitus, elemosinas faciebat. Unde cum pauper Lazarus elemosinam peteret et saturari cupieus de micis que cadebant de mensa divitis, solus iste Nemo sanctissimus conpassionis intuitu erogabat eidem, ut ibidem.... habetur: Et Nemo illi dabat.

Per predicta igitur, karissimi, in parte plane videre potestis formationem, essentiam, potentiam, audaciam, incarnationem, nobilitatem, milicie probitatem, securitatem, doctrinam, scientiam, dignitatem, conpassionem, firmitatem, immobilitatem, patientiam, obedientiam, honorem, reverentiam, dilectionem, sanctitatem, felicitatem, gloriam, verecundiam, immutabilitatem, constantiam, fidem, spem et caritatem istius gloriosissimi Neminis, iuxta quod in sacra pagina scriptum est de eodem. Que omnia summi pontifices amore dei nostri, cuius vicarii sunt in terris, modernis temporibus ponderantes, istum sanctum Neminem cum deo perpetualiter regnaturum et domino potentissimo coeternum, sicut scriptum est.....: Nemo semper regnaturus, et alibi:....: Nemo est qui semper vivat, eundem Neminem quem omnipotens deus in celis beari voluit, in terris dotari cum magnis favoribus decreverunt, unde in utroque iure decretum est, quod ei conceditur quod absque bigamie nota possit matrimonium contrahere libere, sicut legitur.....: Nemini permittitur binas habere uxores. Potest etiam sanctus iste corpora sanctorum alienare et vendere, sicut legitur.....: Nemo martires distrahat, et alibi.....: Nemo mercetur. Potest etiam iura ecclesiastica dirimere, sicut legitur....: Nemo contemnat ecclesiastica iudicia. Preterea vos habetis, quod inter diversos religiosos tam intra quam extra claustra solus iste Nemo potentissimus post completorium loquendi liberam habeat potestatem, prout in b. Benedicti et aliorum diversorum regula continetur, dicendo sic.....: Post conpletorium Nemo loquatur. Et ultra manifeste habetis, quod in omnibus privilegiis et concessionibus summorum pontificum voluntas gloriosissimi et beatissimi Neminis semper excipitur, prout in fine litterarum suarum planius annotatur, ubi dicitur: Presentis autem nostre concessionis paginam Nemini liceat infringere. Reges autem et principes quoscunque in suis consiliis recipiunt, iurare et promittere faciunt sub hac forma supradicta; inter alia vero que ad iuramentum fidelitatis pertinent, additur sic: Tu iurabis secreta et consilia domini mei firmiter tenere et Nemini revelare. Absit ergo ab humanis creaturis, potenciam, laudem et gloriam patroni nostri beatissimi et gloriosissimi Neminis in aliquo per biligues denigrari. Qui superne dei ire resistere potest et factus est similis creatori, sicut legitur Job 9: Deus cuius ire resistere Nemo potest. Et ilerum Job 12: Si destruxerit deus, Nemo est qui edificat, et Sapiencie 15: Nemo poterit se similem deo fingere. Et ecclesiastici... dicitur: Nemo vincit deum. Et iterum Job 18: Ipse solus factus est deus, et Nemo eum corrigere potest. Et Mathei 13: Nemo enim potestatem habet facere et agere omne, quidem et movere castra[A]. Nonne etiam Marcus qui ore dominico loquebatur, ait ....: Occurit e monumento homo in spiritu inmundo, neque cathenis iam quisquam potuit eum ligare, et Nemo poterat eum domare. Quid plura? certe nec penna nec calamus cum ambabus manibus illius scribe velociter scribentis, de quo loquitur citharista, ad laudem et gloriam patroni nostri gloriosissimi Neminis non conpeteret lucidandam. Cum de eius inmutabilitate et constancia dicat Job 15: Nemo inmutabilis, nee celi sunt mundi in conspectu eius. Fugiat ergo omnis hostis iniquus beatissimi et gloriosissimi Neminis patroni nostri constanciam, et deleatur eciam de libro vivencium et cum iustis non scribatur, nec sit ulterius eius memoria super terram, qui gloriose operi nostro recalcitrare nititur, et corda fidelium nostrorum suis falsis suggestionibus autumat subornare. Quod autem fugere debeant infideles beatissimi Neminis patroni nostri potenciam et audaciam, sic probatur, Levitici sexto: Fugietis Nemine sequente. Et iterum in eodem capitulo: Inimicis audebat Nemo resistere. De hoc etiam scriptum est clarius in proverbiis 28: Fugit impius Nemine persequente.

Estote igitur viri fortes in agone velud doctor noster Nemo, et robusti. Et certamen illius qui nullis falsis probacionibus nec scripturis subsistit, non recusetis subire. Reservemus etiam in nostri pectoris scrinio ad laudem et gloriam patroni nostri beatissimi Neminis et suorum tot et tantas autoritates, tam divinas canonicasve quam civiles, cum infinitis sanctorum sanctionibus patrum, philosophicis insuper et naturalibus argumentis. Infinitis autem virtutibus posset et laudibus sanctissimus Nemo iste preconizari, quas ne vos tedeat audire, et quod absit, alicuius vestrum prolixitatis materia animum torqueat, et que pia mente de isto sanctissimo Nemine patrono nostro in nostro presenti sermone cepistis, inutili volatu non transeant, sed ut in muro lapis vestris in domino cordibus perpetuo maneant commendata, ad presens sub silencio decrevimus pertransire. Ad cuius beatitudinem et gloriam qui sine fine bibit et restat, nos vosque pervenire concedat per omnia pocula poculorum.“

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Matth. 13 steht nichts der Art; gemeint scheint I. Machab. 10, 35, aber der Wortlaut stimmt auch nicht.]

Zwei Mitglieder der Zopfgesellschaft.

(Mit einer Abbildung.)

Auf Spalte 177 ff. in Nr. 5 des diesjährigen Anzeigers haben wir ein Glasgemälde zu St. Erhard in der Breitenau in Steiermark besprochen, das den Herzog Albrecht III. von Oesterreich in der Ordenstracht der Zopfritter darstellt. Wir haben daselbst versprochen, noch ein weiteres Glasgemälde aus Steiermark nebst einer noch vorhandenen Zopfkapsel zu veröffentlichen. Letzteres ist vorläufig nicht möglich. Dagegen bilden wir auf der beiliegenden Tafel eine von den zwei ritterlichen Figuren ab, die sich auf einem Fenster in der Kirche St. Maria am Wasen bei Leoben befinden. Das Fenster ist dreitheilig, durch Eisensprossen, wie gewöhnlich, in eine Anzahl Felder getheilt, von denen jedes eine eigene, abgeschlossene Darstellung enthält, so daſs im dreitheiligen Fenster 27 solcher Darstellungen vorhanden sind. Wir haben über diese Eigenthümlichkeit der steiermärkischen Fenster a. a. O. gesprochen, gehen also hier nicht näher darauf ein, daſs das Fenster aus diesem Grunde auf den ersten Blick den Charakter des 13. Jahrh. zeigt, während es in der That dem Beginn des 15. Jahrh. angehören dürfte. Die Technik ist ganz der des Fensters zu St. Erhard und anderer steiermärkischen Fenster, so der zu Straſsengel, ähnlich, hier jedoch mehr als handwerksmäſsig roh.

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