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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) Neue Folge. Dreizehnter Band. (part 1 of 3)

Part 1 of 3 · Various · Public domain text

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Contents (3)

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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) Neue Folge. Dreizehnter Band.

################################################################## Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand des Jahrganges 1866 des ‚Anzeigers für Kunde der deutschen Vorzeit‘ so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Einzelne Satzzeichen wurden bei offensichtlichen Druckfehlern stillschweigend korrigiert, ausgenommen in Zitaten, welche stets unverändert übernommen wurden. Inkonsistente Schreibweisen und Sperrungen, sowie alle Namen und fremdsprachigen Zitate wurden so belassen, wie im Text angegeben.

Die Kombination aus langem und kurzem s (ſs) ersetzt im Originaltext meistdas gebräuchlichere Schriftzeichen ‚ß‘, seltener auch ‚ss‘. Diese uneinheitliche Schreibweise wurde so beibehalten. Man beachte die damals übliche Endung ‚-niſs‘ bei Begriffen wie ‚Verzeichnis‘, ‚Kenntnis‘ usw.

Auf den Seiten 21 und 22 werden Apostrophensymbole verwendet, welche einem hochgestellten, langestreckten Buchstaben ‚s‘ ähneln, um die Endung ‚er‘ oder ‚ern‘ (z.B. in ‚sondern‘) abzukürzen. Diese Symbole wurden hier mit einfachen Apostrophen wiedergegeben. Auf Seite 141 werden Dehnungslaute durch hochgestellte Tilden dargestellt; dies wird hier durch die Kombination ^{~} wiedergegeben.

Einzelne Buchstabenverwechslungen (z.B. u/n, e/o, usw.) wurden ohne ausdrückliche Angabe verbessert. Aufgrund des verwendeten Schriftsatzes sind im Original einige Stellen nur undeutlich erkennbar (vornehmlich Umlautpunkte und Bindestriche); diese wurden sinngemäß ergänzt. Darüber hinaus wurden die folgenden Stellen korrigiert:

S. 4/5: 'erforfordert' → 'erfordert' (Fehler durch Seitentrennung) S. 8: 'anhenger vnd hellfer vud' → 'anhenger vnd hellfer vnd' S. 14: Zeilennummer '6' → '7' S. 19: 'Enstehung' → 'Entstehung' S. 20: 'die letzgenannten' → 'die letztgenannten' S. 40: 'Geschichtsforforschung' → 'Geschichtsforschung' S. 60: 'Dokmenten' → 'Dokumenten' S. 61: 'Herzog Christohp's' → 'Herzog Christoph's' S. 84 (Fußnote): 'bey Nacht, Vnd als' → 'bey Nacht, vnd als' S. 99: 'das stritt ge Holz' → 'das strittige Holz' S. 116: 'ΑΡΤΕΜΙC' → 'ΑΡΤΕΜΙΣ' S. 123: 'Cöln' → 'Köln' (innerhalb dieses Abschnitts harmonisiert) S. 176: 'anchlug' → 'anschlug'; 'Bibiothek' → 'Bibliothek' S. 184 (Fußnote): 'Jahresreszahl' → 'Jahreszahl' S. 217: 'in ruiniösem Zustande' → 'in ruinösem Zustande' S. 224: 'interressanter' → 'interessanter' S. 237 (1. Fußnote): 'Jahrszahl' → 'Jahreszahl' S. 241: 'des Plateau' → 'des Plateaus' S. 251: 'tutugent' → 'tugent' S. 253: 'reichsohnmitttelbaren' → 'reichsohnmittelbaren' S. 292: 'auf welchen chen' → 'auf welchen' S. 345: 'vorgeschlagegenen' → 'vorgeschlagenen' S. 347: '33' → '20,033' S. 351: doppeltes 'der'; eines entfernt S. 373,: 'böser Bergleut' → 'boͤser Bergleut'; (Fußnote, Z. 8): 'G. Amur, 1985': Dieses Zitat ist im Jahre 1866 unmöglich; da die korrekte Jahreszahl aber nicht ermittelt werden konnte, wurde im Text lediglich ein Fragezeichen hinzugesetzt [?]. S. 376 (2. Fußnote): 'zu unsern Zei- in' → 'zu unsern Zeiten in'; (4. Fußnote): 'in Possession hahaben' → 'in Possession haben' S. 382: doppeltes 'und'; eines entfernt. S. 391: 'Corespondenz' → 'Correspondenz' S. 405 (Fußnote): 'gegeschehen' → 'geschehen' S. 416: 'Holzschntten' → 'Holzschnitten' S. 424: 'haben' Der Buchstabe 'a' wurde im Original auf dem Kopf stehend gedruckt. S. 431: 'Kulturgegeschichte' → 'Kulturgeschichte' S. 433: 'zu sehen; Darunter' → 'zu sehen; darunter' S. 436: Listennummer 18 wurde im Original ausgelassen; die fortlaufende Nummerierung wurde wiederhergestellt.

Der Ausdruck [*Pfund] ersetzt das entsprechende Zeichen. Mit der Bezeichnung [*Illustration] werden bildhafte Darstellungen umschrieben, die in den laufenden Text eingebunden wurden. Das Caret-Symbol (^)steht für hochgestellte Zeichen; mehrere aufeinander folgende Zeichen werden dabei mit geschweiften Klammern gruppiert: ^{hochgestellt}. Von der Nomalschrift abweichende Schriftschnitte werden durch die folgenden Sonderzeichen dargestellt:

kursiv: text fett: =text= gesperrt: /text/

Andere Schriftarten, wie Fraktur oder serifenlose Schrift, werden mit ~Tilden~ umgeben; eine Unterscheidung zwischen diesen Schrifttypen erscheint aber für das Verständnis des Textes nicht notwendig.

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ANZEIGER

FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

Dreizehnter Band.

Jahrgang 1866.

/Nürnberg/, im Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums.

Redaction des Anzeigers:

/August Essenwein/, I. Vorstand des germanischen Museums.

/Georg Karl Frommann/, Dr. philos., II. Vorstand und Vorstand der Bibliothek.

/August v. Eye/, Dr. philos., Vorstand der Kunst- und Alterthumssammlung.

Beiträge

zu vorliegendem Bande haben geliefert:

Baader, Jos., Conservator am k. Archiv in Nürnberg.

Barack, K. A., Dr., fürstl. fürstenberg. Hofbibliothekar, in Donaueschingen.

Birlinger, Anton, Dr., in München.

Bodemann, Eduard, königl. Rath und Sekretär an der königl. öffentl. Bibliothek zu Hannover.

Erbstein, A., Dr. jur., Conservator bei der Kunst- und Alterthumssammlung des german. Museums.

Erbstein, J. R., Dr. jur., I. Sekretär des german. Museums.

Ettmüller, Ludwig, Dr., Universitäts-Professor, in Zürich.

Flegler, Alexander, Dr., Archivvorstand des german. Museums.

Födisch, Jul. Ernest, Dr., gräfl. Czernin’scher Bibliothekar, zu Petersburg in Böhmen.

Förster, Ernst, Dr., in München.

Franck, J., k. Subrektor, in Annweiler.

Greiner, Ulrich, P., in Graz.

Häser, H., Dr., Professor an der Universität zu Breslau.

Heister, Karl von, General, in Naumburg.

Hektor, Enno, Sekretär an der Bibliothek des german. Museums.

His-Heusler, Ed., Mitglied der Direktion der Kunstsammlung zu Basel.

Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Fürst Friedrich Karl, Durchl., in Kupferzell.

Jahn, Albert, Dr., eidgenöss. Bibliothekar, in Bern.

Janſsen, L. J. F., Dr., Conservator am Alterthums-Museum in Leiden.

Kerler, C. D., Dr., Universitätsbibliothekar, in Erlangen.

Klein, Karl, Professor, in Mainz.

Latendorf, Friedr., Dr., Gymnasiallehrer, in Schwerin.

Lexer, Matthias, Dr., Universitäts-Professor, in Freiburg.

Liebenau, H. v., Dr., in Lucern.

Lochner, G. W. K., Dr., qu. k. Studienrektor u. Stadtarchivar, zu Nürnberg.

Platzer, Leonh., k. Landrichter, zu Sulzbach.

Roth von Schreckenstein, K. H. Freiherr, Dr., Vorstand des fürstl. fürstenb. Hauptarchivs in Donaueschingen.

Schlüter, E., Dr., Obergerichtsrath a. D., zu Stade.

Schmieder, Pius, P., Archivar, in Lambach in Oberösterreich.

Sighart, Joachim, Dr., k. Lyceal-Professor, in Freising.

Sommer, G., k. Bauinspektor, in Zeitz.

Toll, Artilleriemajor a. D., in Coblenz.

Volger, Dr., Direktor der Realschule des Johanneums in Lüneburg.

Walderndorff, Hugo Graf v., auf Hauzenstein bei Regensburg.

Wattenbach, W., Dr., Universitäts-Professor, in Heidelberg.

Weller, Emil, in Nürnberg.

Will, Cornelius, Dr., fürstl. Thurn- und Taxis’scher Archivar, in Regensburg.

Zingerle, Ignaz Vincenz, Dr., Universitäts-Professor, in Innsbruck.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 1. Januar.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Der „fränkische Krieg“.

Mitgetheilt von /Jos. Baader/, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.

Das Schloſs Absberg, 2 Stunden von Gunzenhausen entfernt, war einst der Sitz der mächtigen und angesehenen Adelsfamilie von Absberg, die schon im 10. Jahrhundert in den Urkunden genannt wird. Muth, Tapferkeit und kriegerischer Unternehmungsgeist zeichnete alle Mitglieder dieses Hauses aus; aber nicht immer nahmen sie es genau mit Mein und Dein, so daſs Absberg schon in alter Zeit als Raubnest verrufen war.

Eine traurige Berühmtheit erlangte in dieser Beziehung namentlich Hanns Thomas von Absberg, der Sohn des Ritters Hanns Georg von Absberg. Es gab kaum eine Fehde, an der er sich nicht betheiligte. Als Hanns von Geislingen und Götz von Berlichingen in den Jahren 1507 bis 1512 Nürnberg, Augsburg und andere Reichſstädte befehdeten, war Hanns Thomas einer ihrer eifrigsten Helfershelfer. Er zeichnete sich besonders durch seine Grausamkeit aus, indem er den gefangenen Städtern nicht selten die Hände oder Finger abhieb. Im Jahre 1512 nahm er Anton Tetzel den Jüngern und Anton Hornung, beide von Nürnberg, auf freier Landstraſse gefangen. Wegen dieser landfriedenbrüchigen Handlung wurde er von Kaiser Maximilian in die Acht gethan.

Später banden er und sein Vater mit den Grafen von Oettingen an. In dieser Fehde -- es war im Jahre 1520 -- warb Hanns Thomas unter andern gegen 50 gereisige Pferde. Mit diesen legte er sich in einen Hinterhalt, um den Grafen Joachim von Oettingen niederzuwerfen. Dieser befand sich nämlich auf dem Bundestage zu Augsburg. Im Heimreiten wurde er nicht weit von Donauwörth von Hanns Thomas angerennt, niedergeworfen, beraubt und auf den Tod verwundet, so daſs er kurz hernach seinen Geist aufgab. Des Absbergers vorzüglichste Helfer bei dieser That waren Cuntz von Rosenberg und Christoph Marschalk von Pappenheim. Der Kaiser sprach Acht und Aberacht gegen sie aus, und Georg Truchseſs zu Waldburg erhielt von ihm den Befehl, ihre Schlösser Absberg, Enkering und Waldmannshofen wegzunehmen. Das geschah, und Hanns Thomas glaubte, die über ihn verhängte Acht und die Wegnahme der Schlösser sei das Werk des Schwäbischen Bundes und der Reichsstädte, bevorab Nürnbergs. Er schwor, sich an ihnen zu rächen, und floh dann nach Böhmen. Hier fand er bei seinen Standesgenossen die beste Aufnahme und alle mögliche Unterstützung. Auch unter dem bambergischen und markgräflichen Adel auf dem Gebirge und im Voigtlande hatte er zahlreiche Freunde. Mit Hilfe derselben überfiel er die Angehörigen der Grafen von Oettingen, des Schwäbischen Bundes und insbesondere der Reichsstädte, die er auf die Burgen seiner Genossen schleppte und um hohes Geld schatzte. Die Schlösser der Familien Aufseſs, Sparneck, Gutenberg, Schott, Giech und vieler anderer standen ihm zu jeder Zeit offen, wenn er sich von seinen Raubzügen in schneller Flucht zurückzog und Gefangene mit sich schleppte. Manche Mitglieder dieser Familien thaten ihm dabei Reitersdienste. Auch am Rhein und Main, und überhaupt in ganz Franken hatte Hanns Thomas zahlreiche Anhänger und Helfer, von denen wir hier nur die von Thüngen -- ein fehdelustiges Geschlecht -- nennen wollen. Sein vorzüglichstes und ein gefürchtetes Werkzeug, namentlich wenn es an’s Händeabhauen gieng, war sein Knecht Veit Scharpf.

Hanns Thomas verschonte Niemand, selbst nicht des Kaisers Diener. Nachdem er den Weigand von Thunhaim, einen Edelmann, Johann Lucas, Verweser des Schatzmeisteramts, und den Sohn des Dr. Gregorius Lamparter, als sie vom Reichstag zu Worms nach Augsburg reiten wollten, am Knütlinger Steig niedergeworfen und mit sich fortgeschleppt hatte, fieng, verwundete oder tödtete er im Jahre 1522 in der Gegend von Laber und Dietfurt und zwischen Bayreuth und Pottenstein noch mehrere Bürger von Augsburg, Nürnberg und St. Gallen. Mehreren derselben, unter Andern auch dem Dr. Leupolt Jorian von Wien, schlug er die rechte Hand ab. Einige dieser Hände schickte er an den Rath zu Nürnberg, mit dem Gruſs: „Der Absberger habe noch ein Schwert, und an diesem müsse sich der Rath die Zähne ausbeiſsen.“

Diese Thaten des Absbergers verbreiteten groſsen Schrecken unter den Reichsstädten und bei ihren Bürgern und Kaufleuten. Um diesen Greueln ein Ende zu machen, beschloſs der Schwäbische Bund im J. 1523, den Grafen von Oettingen und den Reichsstädten Bundeshilfe zu leisten und mit dem bündischen Kriegsvolke die Schlösser des Hanns Thomas und seiner adelichen Helfershelfer zu brechen und unschädlich zu machen. Es ist dieses der sogenannte „Fränkische Krieg“ dessen Beschreibung wir hier nach einer gleichzeitigen Handschrift mittheilen:

/Hernachuolgt der Frannckisch krieg/ vnd welcher gestalt den grauen von Oettingen bey haubtleuten vnd räten des Schwäbischen bundts die hilff wider Hannsen Thoman von Abtsperg, seine helffer vnd vnterschlaipffer erkannth, voltzogen, vnd was auff derhalben fürgenomen heertzug gegen ain yeden derselben vehduerwannten, auch derselben schlos vnd guetern gehanndelt vnd ausgericht ist:

Erstlich das den grauen von Oettingen alls bundsverwannten wider Hannsen Thoman von Abtsperg, deſselben helffer, ennthalter, vnferschlaipfer, etzer, trenncker vnd fürschieber, auch derselben heuser vnd gueter nach vermög der bundtsainigung soll geholffen werden mit der ainfachen vnd ganntzen hilff der bundtsstennde, nemlich mit tausend pferden vnd zehentausend fuesknechten sambt einem notturfftigen geschütz, zu prechung der schloſser vnd einem solchen heerzug tuglich, wie dann derhalb ein anschlag vff alle bundtsstennde nach irer vnd eins yeden stannds gepüraus zu vnterhaltung deſselben kriegsvolcks vnd geschütz gerechent vnd gemacht ist.

Zu solcher bünttischen hilff vnd dem kriegsvolck haben ain erber rate diser löblichen statt[A], alls in diser mutwilligen vehde für annder bundsstennde hoch vergeweltigt vnd beschwert, den stennden des Schwäbischen bundts vff ir pittlich ersuchen vnd derselben stennde costen vnd schaden neben irem zeugmaister Matern Herder dargelihen das geschütz sambt seiner zugehöre, nemlich 2 scharpfmetzen, die 70 [*Pfund], 2 quartaunen, die 40 [*Pfund], 2 nachtgallen, die 4 [*Pfund], 4 notschlangen, die 20 [*Pfund], 6 veltschlangen, die 8 [*Pfund], 6 halbschlangen, die 5 [*Pfund] eysen schieſsen, 60 hacken mit iren pocken. Zu solchem geschütz sindt noch ettliche stuckhpüxen, alls singerin und quartaunen von andern Bundtsstennden dargelihen vnd für den Ottenwaldt gefürt worden.

Vnd zuvor ee man solche hilff mit der tat fürgenomen, haben die bundtsrete alle diejenigen, so durch warhafft glaublich ansagen vnd erfarung angetzaigt vnd Hannsen Thomans von Abtsperg vehde taylhaftig gewest, zu der purgation vff den bundtstag, Jubilate zu Nordlingen Anno 1523 gehalten, erfordert, die zum tayl erschienen sindt, denselben gehorsamen ist ein artickel, darauf sy sich purgiren sollen, fürgehalten wie hernach volgt:

Artickel des aydes der purgation: Ein yeder soll schweren, das er Hannsen Thoman von Abtsberg, Cuntzen von Rosenberg, Cristoffen Marschalch, derselben knechten vnd helffershelffern zu vnd in der vehd oder entleibung, wider und an graue Joachim von Oettingen seligen fürgenomen vnd beganngen, desgleichen wider die bundsstennde, ire verwandten vnd vnterthanen mit erstechen, hendtabhauen vnd anderer beschedigung vnd wege weder durch sich selbs, seine Diener oder verwandten nit gefärlich, sunder allein der gestalt und mainung, wie anheut durch ine angetzaigt ist, geraten, geholffen, gedient, behaust, gehoft, geetzt, getrenckt, enthalten oder ainichen fürschub gethan oder solchs alles samentlich oder sunderlich zu beschehen verschafft oder gestattet habe. Zu dem ist ainem yeden nach gelegenhait seiner verhandlung, damit er besagt, ein sundrer artickel fürgehalten, darvff er sich hat purgiern müſsen.

Hernach uolgen die namen der vom adel, so sich mit dem aide gerainiget haben: Herr Cunrat Schott vff Streitberg, Herr Zeisloff von Rosenberg, Herr Martin von Wildenstain, Sigmund von Wirsberg, rittere, Nickel Herdegen zum Kulm, Peter von Waldenrot, ambtman zu Pairreut, Albrecht von Alatzhaim.

Item, welche auch erfordert, erschienen, sich gern purgiert hetten, den es abgeschlagen: Jorg von Embs, pfleger zu Osternoe, Wilhalm von Felberg, Philips von Perlichingen der elter, Wolff von Perlichingen, sein bruder, Philips von Masbach daselbst, Lorentz von Plaſsenburg, Cristoff von Sparneck, Wolff von Sparneck, Gatt von Sparneck, Sebastian von Sparneck, Hector von Guttenberg, Achatz von Guttenberg, Philips von Guttenberg [alle] zu Guttenberg, Wilhelm von Felberg, Panngratz von Aufsess.

Item welche erfordert vnd nit erschynen sindt: Martin Sützel zu Balbach, Hanns Jorg von Thüngen zum Reuſsenberg, Rued Sützel zu Balbach, Franntz von Alatzhaim, Rued von Alatzhaim, Wolff von Alatzhaim, Wolff Heinrich von Aufseſs zu Truppach, Jorg Wolff von Gich zum Krügelstain, Hanns Jorg von Aschhausen.

Item so sind dise hernachbenanten vom adel allererst im antzug des büntischen kriegsvolcks für die bundsräte, so dem heer stättigs in der nehen nachgefolgt, zu der purgation erfordert, die sich auch purgirt haben: Eustachius von Thüngen, Caspar von Thüngen, Jorg von Thüngen [alle] vffm Reuſsenberg, Diether von Gemingen, Jorg vom Hirschhorn, Weyrich von Gemingen, Hanns Dürrigel zum Rigelstain, Bernhart Goller, Heintz von Lüchau zum Hartlas. Albrecht von Wirsberg hat geschriben, er lige tötlich krannck. Sopald sein sach pesser werde, woll er für die bundsrete komen und sich purgiren.

Auff solch der bundsräte erfordern derer, so sich purgiert vnd, wie vorgemelt, Hannsen Thomans von Abtspergs vehd vnd pösen handlung verwant vnd glaubhaftig angetzaigt gewest, sind dieselben vff den aide, den yder mit erhaben fingern zu Gott vnd den heyligen schweren mueſsen vnd geschworen haben, gefreyt vnd diser zeit v̈berzugs gesichert, wiewol man es genntzlich darfür acht, das dieselben ire aide mit der warhait vnd mit Gott nit haben thun mügen, sunder mer iren muetwillen gepraucht, wie dann die anndern Hannsen Thomans vehduerwanten vom adel an vil ortten offenlich gesagt vnd bekannt, das die, so sich mit dem aide gerainiget, in diser vehd mer dann ander haben Hansen Thoman von Abtsperg geraten, geholffen, vntergeschlaipft vnd sunst alle hilff erzaigt, auch darauf von etlichen vom adl ires mainaids halb gescholten sindt.

/Vom anzug des kriegsuolckhs vnd wer zu oberstem veldthaubtman vnd kriegsräten gebraucht ist/: Nachmals vff volendung der purgation der besagten Hansen Thomans von Abtsperg vehduerwanten ist das kriegsvolckh zu roſs vnd fues, deſsgleichen auch das geschütz vnd desselben zugehöer am montag den fünffzehenden tag des monats Juny Anno &c. 1523 zu Dinkelspühel alles ankomen vnd vff Dinstag den sechzehenden Juny von Dinkelspühel aus dem negsten gegen Poxberg[B] getzogen.

In solchem zuge ist von haubtleuten vnd räten des schwebischen bunds zu einem obersten velthaubtman aufgeworffen vnd gebraucht Herr Jörg Truchsäss zu Walburg vnd herr zu Wolfeckh &c., vnd zu einem haubtman v̈ber den raisigen zeug Herr Rudolf von Ehingen, ritter, vnd v̈ber das fuesfolckh zu haubtman Jacob von Wernau, ein edlman. Denselben dreyen haubtleuten sind von den stennden des bunds noch vier kriegsräte zugeordent, nemlich Herr Sebastian vom Losenstain, bairischer haubtman, Burckhart Marschalck von Pappenhaim, Wolff Böhmer, Nürmbergischer haubtman, vnd N. Dornsperger, burgermaister von V̈berlingen, also das von wegen der churfürsten vnd fürsten des schwäbischen bunds auff disem zug gewest ist Herr Sebastian vom Losenstain vnd Herr Rudolf von Ehingen, ritter, von wegen der grauen vnd prelaten vnd der ritterschafft Burckhart Marschalck von Pappenhaim vnd Jacob von Wernau, vnd dann von wegen der stett Wolff Böhmer vnd N. Dornsperger von V̈berlingen, alle obgenannt. Dieselben haben neben Herr Jorgen Truchsassen alls obersten veldthaubtman vermög irer instruction alle Handlung dises kriegs ausrichten sollen.

/Instruction von gemainer versamlung des bunds/, neben andern meinem gnedigen herrn, herrn Jörgen Truchsässen, freyherrn zu Walburg, alls oberstem veldthaubtmans in dem öttingischen zug gegeben, für wene er ziehen vnd wie er sich mit den schloſsen vnd heusern, so er die erobert, vnd iren zugehörigen guetern vnd sunst halten soll: Item es soll von ime zum ersten für Boxberg gezogen vnd daſselb schloss, so es gewunen vnd erobert wurd, verprennt zerriſsen vnd eingeebent, vnd die gueter zu gemeins bunds handen genomen werden.

Item er soll Wilhalmen von Felbergs tayl erfordern, souil er im Velberg[C] hat, vnd, so ime die von Felberg, gebrüder vnd vettern, nit aufthun vnd ine zu angezaigtem teyl laſsen wolten, sich alsdann für Velberg schlahen vnd legern vnd vntersteen, daſselbig schloſs Velberg zuerobern, vnd so das beschicht, domit wie mit Poxberg handln. So aber die von Felberg ime aufthuen vnd Wilhalms tayl einantworten, so soll gemelter tayl allein ausgebrennt, abgeprochen vnd zerriſsen, vnd den andern Felbergern iren tayl zuretten vergunt, zudem sollen auch alle güter, Wilhalmen von Felberg zugehörig, wo er die hat, ein vnd zu des bunds handen genomen werden.

Item er soll Cuntzen von Rosenberg seine schloſser vnd heuser, nemlich Gnetza, Waltmanshouen vnd Vttenhouen[D] alle drey vnd yedes innsonnder verprennen vnd in grundt zerreiſsen vnd die zugehörigen Dörffer, flecken vnd gueter in gemains bunds pflichten vnd hannden einnemen, vnd sunderlich Waltmanshouen den flecken vmb die vngehorsam, ime dem obersten veldthaubtman erzaiget, plündern vnd pranntschatzen.

Item er soll den Abtsperg auch ausprennen vnd zu grundt zerreiſsen vnd sein zugehörende güter wie anndere zu gemains bunds hannden vnd pflicht einnemen.

Item das schloſs Aschhausen,[E] Jorgen von Aschhausen zugehörig, erobern vnd alsdann daſselb wie die andern verprennen vnd abthun, vnd seine zugehorende Dörffer vnd güter in gemains bunds hannden vnd pflicht nemen.

Item dergleichen mit dem schloſs Damersheim[F] handln, aber die gueter doselbst den kinden eingeben.

Item er soll auch Rueden Sützel seinen tayl an Balbach[G] ausbrennen vnd gar zerschlaipfen, vnd seine gueter, wie oblaut, in gemains bunds handen einnemen.

Item vnd in gleichem fall mit Franntz Rüden tayl an Wachbach[H] hanndln.

Item yemandts verordnen, Emkering,[I] das Herr Asmus von Abtsperg ist, mitsambt seiner zugehörigen oberkeit, alls zollen, forst vnd glait &c., in des bunds hannden und namen einzunemen, das einkomen aigentlich zuerkundigen vnd darüber einen ambtman zusetzen, vnd der frauen iren widem allain dauon verfolgen zulassen.

Item er soll denen von Pappenhaim vnd innhaber Pappenheim schreiben vnd sy dohin vermögen, gemainem bundt Cristoff Marschalcks tayl an Pappenhaim vnd was ime sunst für gülten doselbst zustee, einzuantworten vnd sich zuuerschreiben, dem bundt domit zugewarten vnd öffnung deſselben tails zugeben vnd Cristoffen Marschalck nimer einzulaſsen, vnd so sy das thun, domit genügig zusein. Wo aber die Marschalck sich dess widersetzten, so soll für Pappenheim getzogen vnd dagegen wie gegen andern schloſsen gehandlt werden.

Zu dem, wie verlaut, die von Dietfurt[J] vmb ires zusehens willen vnd das sy gestatt vnd gar nichts dartzu gethan haben, das der bündischen verwandten bey inen erbarmlich vnd vnrechtlich erstochen vnd entleibt worden sind, zuplündern vnd zuprantschatzen.

Item vnd nachdem für den Reuſsenberg[K] zuziehen, denselben zuerobern vnd domit, auch seinen zugehörigen Dörffern vnd guetern fürzugeen vnd zuhandln verlaſsen, ist doch nachmals vff das anbringen, meins gnedigen Herrn von Würtzburgs halben beschehen, beratschlaget, sodern die von Thüngen, die vorausganngen citation nit wollen wiſsen haben, nochmals erscheinen, so wolle gemaine versamblung ir verantworttung hören vnd vernemen vnd furter darin ir gelegenhait hanndln, vnd so sy, die von Thüngen, zu der purgation gelassen werden, dasselb dem obersten veldthaubtman sambt gemainer versamblung anzaigen. So sy aber nit erscheinen vnd dem obersten veldthaubtman nichts zuwiſsen gethan wurde, so soll sich der oberst veldthaubtman auch darfür ziehen, vnd so er dene erobert, dem Reussenberg wie andern schloſsen mit verprennen vnd zerreiſsen, auch einnemung seiner zugehörigen güter thun vnd sich daran nichts verhindern laſsen.

Gebirge[L]: Item angetzaigter oberster veldthaubtman soll Hector, Achatzen vnd Philipsen von Guttenberg ire schlosser, Alt- vnd Neuguttenberg, einnemen, die verprennen vnd zu grunde zerreiſsen vnd abthun, vnd ir zugehorende güter in gemains bunds handen ziehen, doch des jungen Jorgen tayl vnd güter souil möglich verschonen.

Item vnd dergestalt gegen Kottnau dem schloſs, denen von Guttenberg zugehörig, zuhandln.

Item er soll auch Wolff Hainrichen von Aufsess zu Truppach v̈berziehen, sein schloſs einnemen vnd mit demselben vnd seinen zugehörigen gütern gleich wie mit Alt- vnd Neuguttenberg handlen, das verprennen vnd abthun vnd die zugehorende güter in des bunds handen vnd pflichten nemen.

Item dergleichen gegen Jorg Wolf von Gich zum Krügelstain, seinem schloſs vnd seinen gütern zuhandln.

Item vnd nit minder gegen Waltstain, Oprod, Gattendorff, Sparneck vnd Weisdorff den schloſsen, denen von Sparneck zugehorig, fürnemen, die alle erreiſsen, verprennen vnd gar abwegk thun vnd ir zugehorende gueter in gemains bunds handen ziehen vnd verpflichten.

Item auch gegen Perlshaim[M], Jorgen von Embs zugehorig, obgemelter mas vnd gestalt handln.

Item nach Sebastian von Gich vnd Wolffen von Streitberg, die Hannsen Thoman von Abtsperg hilfflich gewest sein, sollen im zug von dem obersten veldthaubtman gefragt vnd [wann] sy erfarn, sollen dieselben zwen von ime dem obersten veldthaubtmann vnd den kriegsräten zu der purgation erfordert vnd gegen inen vnd iren gütern nach begegneten Dingen gehanndelt werden.

Item wiewol von gemainer bundsuersamlung Pangratz von Aufses zum Freyenfels nit zu der Purgation gelaſsen ist, doch aus vrsach vnd svnderlich vff meins gnedigen herrn von Bamberg fürbitt, von seinendwegen beschehen, zugelaſsen, so sich derselb Pangratz für sich vnd sein erben gegen gemainen bundsstenden notturfftiglich verschreibt, das er Hans Thomans von Abtspergs vehd aus vnd alslang die weret, denselben Hans Thoman, Cristoffen Marschalken, ire anhenger vnd hellfer vnd ander des bunds widerwerttige wiſsentlich nit enthalten, hausen, hofen, etzen, trencken noch fürschieben, auch die zeitlanng für sich selbs mit der tat wider die bundsstennde sament oder sunderlich nit sein noch thun wöll, soll er von gemainen bundsstenden v̈berzugs vnd beschedigung vertragen vnd gesichert sein.

Aber die nachgemelten sollen, so man im antzug ist, für die versamblung des bunds zu der purgation erfordert [werden], vnd wo sy sich nit purgiren oder so sy zu der purgation nit gelaſsen, so soll gegen iren schloſsern vnd gütern wie gegen andern gehandlt werden:

Item alle Inhaber des schloſs Thüngen, item Diettrich von Gemmingen zu Guttenberg, Vlrich von Gemmingen zu Michelfeldt, Bernhart Goller, Jorg vom Hirschhorn, Bastian von Helmstat zu Eſsclingen, Hanns Dürrigel zum Rigelstain, Albrecht von Wirsberg zu Selbitz.

Item der oberst veldthaubtman soll die innhaber zum Strit[N] erfragen laſsen vnd die darnach dem bundt antzaigen. Die sollen alsdann auch citirt vnd erfordert werden. Dann man wais nit, ob es Heintzen von Lüchau zugehört oder nit.

(Fortsetzung folgt.)

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Nürnberg.]

[Fußnote B: Einige Stunden von Mergentheim entfernt und den von Rosenberg zugehörig.]

[Fußnote C: Einige Stunden von Bocksberg entfernt und zum Rittercanton Odenwald gehörig.]

[Fußnote D: Alle in der Gegend von Uffenheim und Aub gelegen und zum Ritterort Odenwald gehörig.]

[Fußnote E: Ebenfalls in Franken und im Ritterort Odenwald gelegen.]

[Fußnote F: Tagmersheim bei Monheim.]

[Fußnote G: Nicht weit von Mergentheim.]

[Fußnote H: Bei Mergentheim.]

[Fußnote I: Bei Kipfenberg.]

[Fußnote J: An der Altmühl. Hier wurde dem Dr. Jorian von Wien die Hand abgehauen und sein Fuhrmann sowie der augsburgische Bote, Namens Jorg Santwerfer, erstochen, ohne daſs die von Dietfurt den Thätern Einhalt thaten oder nacheilten.]

[Fußnote K: Den von Thüngen im Ritterort Rhön-Werra zuständig.]

[Fußnote L: Unter dieser Bezeichnung versteht man einen Theil der nachmaligen Markgrafschaft Brandenburg-Culmbach und des bischöflich bambergischen Gebietes. Die nachstehenden Orte gehören zum Gebirge; die meisten liegen im Fichtelgebirge.]

[Fußnote M: Beroldsheim an der Altmühl.]

[Fußnote N: Streit (?), 3 Stunden von Bayreuth.]

Hanns Schneider’s Spruch von 1492.

Von Rektor Dr. /Lochner/, Stadtarchivar, zu Nürnberg.

Zu den schon bekannten gedruckten Sprüchen Hanns Schneider’s: einem auf die Einnahme von Hohenkräen, einem zweiten auf den weitern im Auftrag des Kaisers übernommenen Zug gegen die Raubschlösser, beide aus 1512 und beide in echt vaterländischem Geiste gegen die innere Uneinigkeit der Stände und den räuberischen Adel gerichtet -- der zweite besonders in seinen ersten Zeilen ein Zeugniſs, daſs Kaiser Maximilian für die Worte seines „Dichters und Sprechers“ zugänglich war, -- dann dem von Erbauung der Stadt Annaberg in Schöttgen und Kreysig’s dipl. Nachlese der Historie von Ober-Sachsen, XI, 77; ferner dem vom Ungehorsam der Venediger (in Hormayr’s Taschenb. 1833, 263 u. bei Soltau, 203), und einem nicht politischen, sondern bürgerlich-satirischen (in Keller’s altdeutsch. Erzähl. 138), -- können wir einen, der vielleicht des damaligen römischen Königs Augenmerk zuerst auf ihn richtete und ihm die königliche Gunst zuwendete, hinzufügen. Er ist veranlaſst durch das im Mai 1492 auf dem Lechfeld bei Augsburg unter dem Oberbefehl Markgraf Friedrich’s von Brandenburg zusammengezogene stattliche Reichsherr, welches die Aufgebung Regensburgs von Herzog Albrecht von Bayern nöthigenfalls erzwingen sollte. Glücklicherweise kam es nicht zu diesem Aeuſsersten; Albrecht entsagte seinen Ansprüchen auf die Stadt die sich ihm übrigens freiwillig ergeben hatte, und das Heer gieng, ehe es zum Kampfe kam, auseinander. Nachdem nun der Dichter diesen Anlaſs im Allgemeinen berührt und seine Freude, daſs Regensburg dem Reiche wiedergegeben sei, ausgesprochen hat, ergeht er sich in echt patriotischen Ergüssen für den gerade damals von Frankreich schwergekränkten römischen König Maximilian, dem die bereits per Procura angetraute Fürstin Anna von Bretagne König Karl VIII. von Frankreich mit Gewalt entrissen und seine dem französischen König schon verlobte Tochter Margaretha schmählich wiedergeschickt hatte. Er fordert ihn auf, diese Verachtung zu rächen, die Kurfürsten, die andern Fürsten und den Adel, dann die Kriegsleute aufzubieten, die Priesterschaft Segen und Glück für seine Waffen erflehen zu lassen, und dann das Heer in zwei Theile zu theilen, mit dem einen gegen Frankreich, mit dem andern gegen die Türken zu ziehen. Aus dem Ganzen spricht ein treues und tüchtiges, für das nur durch Einheit zu erreichende Wohl des Vaterlandes warm fühlendes und über die innere Zerrissenheit, wie über die von auſsen angethane Schmach entrüstetes Gemüth. Es läſst sich leicht denken, daſs König Max von dieser Gesinnung sich wohlthuend angesprochen fühlte und dem Dichter den Titel verlieh, unter dem er in Nürnberg erwähnt wird, nämlich „Königlicher Majestät Sprecher“. Die nachfolgende Abschrift ist aus dem in Will. Nor. Bibl. befindlichen Foliobande I, 425 genommen und mit allen, auch handgreiflichen Irrthümern buchstäblich getreu wiedergegeben. Ueber den Anlaſs sehe man Gemeiner’s Regensburger Chronik und auſser den Handbüchern deutscher Reichsgeschichte besonders bayerische Specialgeschichten nach.

Von dem kaiserlichen Heer so sich im 1492 jarn von Regenspurg wegen auf dem Lechveldt gesamelt hatt.

Man spricht mir offt vmb dichten zu Ich soll mich brauchen spat vnnd fru Das ich die newen leuff betracht Ich pesorg Ich wurdt darumb veracht Dan niemandt will für gutt mer han 5 Die straff die man hatt ettwan than Vor zeitten dorsten thorolt straffen Wo trew vnnd warheyt wolt entschlaffen Vnnd wen die heupter mail entpfiengen Das sy die rechten straſs nit giengen 10 So schneit man Inndj tischtuch ab Das mindert ein der eeren hab Soll man yetz solich zipffel schneiden So must sich menges tischtuch leiden Doch will yeder der beſser sein 15 Darumb wirff Ich ein annders drein Darmit das ich verdin kein haſs Ir weisen Herrnn merkent baſs Da man hatt zweiundneuntzig zalt Da hetz ein wunderliche gestalt 20 Der adel denn man pillich ert Der nett sich allenthalben entpert Vnnd zugent zu mit heres krafft Fürsten Herrn vnnd die ritterschafft Geistlich vnnd weltlich die da hetten 25 Ein schonen zeug vnnd die von stetten Die kamen starck mit roſs vnd Leuten Ich gedacht mir was wil das bedeuten Es fuget sich an eim morgen fru Da zugens all dem Lechfelt zu 30 Vnnd Marggraff Fridrich hochgeborn Denn hett der keyser auserkorn Zum obersten haubtmann Inn dem feldt Da sach man menge schone zeldt Vnnd hubschen zeug mang stolczen man 35 Der Marggraff furt des kaysers fan vnnd ruckt dem payerlandt vil zu nech In kurtzen tagen vber lech Da lag das Heer ein ziemlich weil vonn Landsperg lecht ein halbe meil 40 Des must verderben menger man Der nie kein schuld an Sachen gewan Ich fragt ein weisen wolbedacht wer solchen zeug hatt zamenbracht Der sprach mein Hanns du waist doch wol 45 Das ein Romischer Kayser sol Des heiligen reychs ein merer sein Deſs hatt man Im genumen ein Regenspurg war vom reich gefallen Die preist man vor denn stetten allen 50 Die hand begangen spott vnnd schand Hertzog Albrecht auſs peierland Dem hand sie sich fur eigen geben Vnnd wolten wider die ordnung streben wie Kayser Karl ordnetz reich 55 Das hatt ytz Kayser Fridereich Durch die vrsach vnnd annder mer Ein solchen zeug gesendet her vnnd sicht denn handel auch darbey Wer korsam oder vnkorsam sey 60 vnnd was die cristenheyt anfecht weſs er sich doch vertrosten mocht Doch hatt das Herr durch vrsach ru Ich sprach was thut der Kunig darzu Er sprach der Kunig ist hart bekummert 65 Dann sein anschlag sein zertrummert Was er Inn Franckreich spottes dult Das geschicht Im doch on all sein schult Die Im hilff beistand solten thon Die hand selbs weder frid noch son 70 Do wir so sagen vonn dem ding Inn dem so kumbt der Romisch Kunig vnnd hett vom Kayser gewaltes acht Was er Im Handel pschluſs vnnd macht Das er darbey beleiben solt 75 Deſs was Im menge peirin holt Das sie dem volck Inn kurtzen recken Nit dorfften mer Ir narung strecken vnnd etlich lecht Inn Schwaben auch Jedoch gab man dem handel nach 80 Das Her prach auff zog wider hein Vnnd nam der Kunig Landsperg ein Wems darnach wird ist mir nit kund Das reich die fursten vnnd der pund Die zoegen heim doch ettlich nicht 85 Die auſs des kaysers geschefft vnnd pflicht Geschick wurden einzunemen Regenspurg die sich pillich schemen Das sie vonn reich gefallen warn Onn alle not bei gutten Jaren 90 Nun sind sie widerumb darbey Des sei gott gelobet der Kayser frey Das er lat sagen was man wil Doch gefaltſsm nicht so mischt ers spil Vnnd gibt denn Landen annder kartten 95 Thett wir nach rechter ordnung wartten was vnns der Kayser schuff vnnd hieſs Das wir das theten on verdriſs vnnd hielten cristenliche gesatz So wer wir vor der Turcken tratz 100 Die vnns dem glauben vast zusetzen vnnd menig cristennmensch letzen Die on das leiden theur vnnd Hunger Das schreibt vnns yetz der Kunig von Vngern Dem Romischen Kunig vmb hilff vnd rath 105 Es hab gethan noch nie als not Der Turck sei Im der ganntz zumechtig das wer vnns pillich bas betrechtig dann das wir selbs einander pstritten vnnd volck vmpringen cristen leuten 110 Als itz die kuniglich Maiestat Inn teutschen Landen furkummen hat Inn peyern Lannd vnnd Inn Schwaben Es ist nit recht das solt Ir glauben Dann peid teil sollen pillich bitten 115 das sollich auffrur wer vermitten Seit vnns doch gott allein nit heur Gesenndet hat ein groſse teur die schwarlich hatt geweret lang darum leut reich vnnd arm trang 120 Gott wol sie alles leides ergetzen vnd das wir treulich zamen setzen Keiser kunig fursten vnnd Herrn vnnd das wir vnnsern glauben meren Dann es hatt nie so not gethon 125 Des biſs gemant du kuniglich kron Maximilian du trewer helt Got hat dich auserwelt Das du solt sein ein auffenthalt der cristenschar mit dem gewalt 130 Wiewol du verachtet pist Das wil dir gott zu rechter frist Sein hilff vnnd gnad vonn himel sennden das du die Sachen magst volenden daran der welt ligt schwer vnd kumer 135 das hofft meng hertz auff disen sumer Gott will dir selb thun hilff bekandt das du der groſsen schmach vnnd schand die dir Inn franckreich bescheen sind An deinem weib vnd deinem kind 140 das du pald thust widergelt das rueff vnnd schreib Inn all die welt Voraus den Fursten hochgeboren die dem heiligen reich hant geschworen vnnd glieder seind des heiligen reichs 145 dieselben mon vnd mut ein gleichs da wirstu horen oder nicht wer dir mit treuen ist verpflicht vnnd wer dir hilff versagen thut der furt Im schilt die kur nit gut 150 vnnd gwint sein eer ein groſsen tadel darnach so man dann allen adel Fursten Grauen Ritter vnnd knecht Ob man dir zuhilff komen mocht Ob man darmit das vbel geschweigt 155 Si sind auch selb darauff genaigt das sie Ir err gut gleich Setzen zum haus vonn osterreich Die schmach thut in Im hertzen wee Darnach so man aber mee 160 die frumen knecht die ye vnd ye der kuniglichen Maiestat mit groſser mye Gedint han vil menig Jar Wann du zusamen bringst solche schar So man dann alle pristerschafft 165 vnnd pitt auch selbs vmb gottes krafft Das er vns gluck vnnd hail wol geben So schickt sich vnnser krigen eben Als Josue der gott selbs bat Das sich die sunn nit schub von stat 170 Biſs er denn feinden angesigt Wann dein volck solcher witze pflicht So schickt Inn namen gotz zusamen In Maria vnnd Sant Gorgen namen Vnnd mach zwen hauffen aus deim her 175 den ein schick mit streittes wer Hin in die Engen Turcken clug da finstu frumer cristen gnug die solich rays dir helffen enden Denn andern tayl soltu senden 180 Inn Franckreich ann den vbeltheter Man all dis welt Ir keiner verstetter Vnnd gib dem handel vor austrag wer itz Inn diesem landen hab clag Richt denn vor das es hab bestand So mag dir werden hilff bekand 185 Dann Hertzog Christoff hochgeborn vnnd hertzog Wolffgang auserkorn Sy hond dir offt groſs beistand gethon Sy soltu nit In nöten lon 190 Das wird der kuniglichen wirdigkeyt Ein eer wa mans Inn landen seit Gott woll das alle Sache vnnd die Werd hingelegt on alle mie vnnd niemand mer trag neid noch haſs 195 So gieng es aller welt des baſs vnnd mocht der armen werden rath Als Hanns Schneider gesprochen hat.

/Anm./ 7. dorsten, wagten, durften. -- thorolt, die Herolde. -- 9. mail, Makel. Und wenn die Häupter sich eines Makels schuldig machten. -- 11. Bekannte Strafe dessen, der sich einen Makel an seiner Ehre zugezogen hatte. Graf Eberhard der Greiner strafte so seinen Sohn, den Grafen Ulrich. -- 18. Statt baſs vielleicht zu lesen daſs. -- 22. entpert, empört. -- 31. Markgraf Friedrich von Brandenburg, Markgrafen Albrecht’s Sohn. -- 40. lecht, leicht, vielleicht, etwa. Ebenso auch 79. -- 55. Kaiser Karl IV., insofern er die goldne Bulle gab. -- 56. Das, verstehe des, darum, deshalb; wie unten 132. -- 59. „und sieht bei dem Handel auch“ etc. -- 63. Statt Herr ist zu lesen Heer. -- 67. Entziehung der bereits per procura ihm angetrauten Anna von Bretagne und Zurücksendung der dem König Karl VII. verlobten Margaretha, Maximilian’s Tochter. -- 70. Son, Sühne, Versöhnung; die innern Zwiste der deutschen Fürsten unter sich. -- 75. Statt er ist zu lesen es. -- 76. peirin, nicht Bäuerin, sondern Bayerin, wie nachher (79.) von Schwaben geredet wird. -- 77. „das Volk in kurzen Röcken“, die Kriegsleute. -- 79. lecht, leicht, vielleicht, etwa; wie oben 40. -- 87. Geschick, geschickt. -- 88. Constructio per synesin. -- 96. wartten, beachten, befolgen. -- 100. Tratz, Trotz; -- vor sein (einem Dinge), entgegentreten, hindern. -- 101. vast, sehr, stark. -- 102. letzen, Schaden zufügen, verletzen. -- 103. theur, die theure, Theurung; so auch 118. -- 107. „Der Türke sei ihm der ganz (gar) zu mächtige“. -- 108. bas betrechtig, besser betrachtenswerth, besser zu bedenken. -- 109. pstritten, bestritten, bekämpften. -- 112. fürkommen, zuvorgekommen, verhindert. -- 117. allein nit, nicht allein, nicht nur. -- 119. schwarlich, schwer, beschwerlich, zur Beschwerde. -- 120. „und bedrängte arme und reiche Leute“. -- 126. des biſs, des (dessen, daran) sei. -- 127. Statt trewer möchte man lesen tewrer. -- 129. Aufenthalt, Stütze, Schutz; (der cristenheit zu auffenthalt, im Antrag der ungarischen Botschaft zu Nürnberg am 31. Oct. 1522, Türkenhilfe betreffend). -- 131. Es scheint sehr zu fehlen. -- 132. Statt das verstehe des (deshalb, dazu), wie oben 56. -- 135. Schwer, Last, Beschwerde. -- 140. Dieser Beleidigung erwähnt auch Celtis in der Eleg. IX. amorum II: Perfida non nostras rapuit tunc Gallia sponsas, Contemnens natam, Maxmiliane, tuam. -- 141. Widergelt, Vergeltung. -- 143. Die Kurfürsten. -- 146. „Dieselben mahne und muthe ein Gleiches.“ -- 152. den gesammten Adel. -- 153. Ritter und Knechte, d. h. Adelige mit und ohne Ritterwürde. -- 157. Wol für er (eer, Ehre, 192.) und gut? -- 160. mee, mehr, ferner. -- 161. die frumen knecht können doch nur die Landsknechte sein. Daſs aber K. Max ihnen nicht eben gewogen war, ist bekannt. -- 162. mye, ebenso wie 194. mie, Mühe. -- 172. Witze, Klugheit. -- pflicht, pflegt, übt. -- 177. in die Engen Turcken? -- 182. „Mahne alle diese Welt (Leute), keiner von ihnen tritt dir hindernd in den Weg,“ -- oder besser noch: geht dir (weigernd) aus dem Weg, tritt zurück. -- 185. vor, vorher. -- 193. „daſs jede Sache und auch diese“. -- 194. hingelegt, beigelegt. -- 196. des baſs, desto besser. -- 197. der armen, der armen Leute, der Bauern.

Ein Teppich mit Darstellungen aus der Geschichte Tristans and Isoldens.

Von Dr. A. /von Eye/.

(Hiezu eine Beilage.)

Dem Scharfblicke des auf dem Gebiete der praktischen Alterthumskunde rühmlichst bekannten Historienmalers, Prof. G. Eberlein zu Nürnberg ist es gelungen, aus verstecktem Winkel im Dome zu Erfurt ein merkwürdiges Denkmal der Mitte des 14. Jahrhunderts an das Licht zu ziehen: einen gestickten Teppich mit Darstellungen aus der Sagenreihe von Tristan und Isolde, der um so mehr veröffentlicht zu werden verdient, als der Gegenstand in jüngster Zeit wieder von mehr als einer Seite in das weitere Interesse gezogen ist.

Der Teppich besteht aus Leinwand, die den neueren Leistungen gegenüber zwar nicht als sehr fein, aber als auſserordentlich gleichmäſsig gesponnen und gewebt erscheint. Die Stickerei ist mit Wolle in Art eines kurzen, von oben nach unten laufenden Plattstichs ausgeführt. An den zahlreichen Stellen, wo jene zerstört, sieht man, wie vor Ausführung der Arbeit die Zeichnung mit kräftigen schwarzen Strichen auf die Leinwand gebracht wurde und zwar von so geübter Hand, daſs die Nadel, obwohl mit Geschick geführt, dem Schwung der Linien nicht überall hat folgen können. So weit der dehnbare Stoff eine genaue Messung zuläſst, hält derselbe nach altem Pariser Maſs 12′ 4″ in der Länge und 2′ 6″ in der Breite.

Die Anordnung der bildlichen Darstellungen ist in der Weise getroffen, daſs die einzelnen Scenen -- sechsundzwanzig an der Zahl -- je durch Säulen und mehrfach gebrochene Rundbogen geschieden sind, so daſs sie gewissermaſsen aus den Durchsichten eines romanischen Bogenganges hervortreten. Die ganze Reihenfolge ist aber in zwei gleiche Hälften getheilt und nach den beiden Langseiten des Teppichs so übereinander gestellt, daſs die Köpfe gegenseitig zugekehrt sind, so daſs, wenn wir uns den Teppich als Tischgedeck denken -- was ohne Zweifel seine ursprüngliche Bestimmung war -- jeder der Gäste die auf ihn fallenden Bilder in richtiger Lage vor sich hatte. Die in der Mitte, auſserhalb der Rundbogen entstehenden Zwischenräume sind durch Halbfiguren bekleideter Engel ausgefüllt, welche, auf gezinnte Vorsprünge gestellt, ebenfalls die Köpfe einander zuwenden. Das Ganze ist von einer erklärenden Schriftreihe umgeben, deren Buchstaben indeſs zu groſs angelegt sind, als daſs jede Abtheilung den ihr zugehörigen Text aufzunehmen vermocht hätte. Deshalb sind auch nicht alle Bilder erwähnt; von den genannten ist die Erklärung so kurz angegeben, daſs ersichtlich bei dem Beschauer eine hinreichende Bekanntschaft mit der Erzählung vorausgesetzt wurde. Um die Schrift läuft noch, füllend und abschlieſsend, ein Arabeskenkranz, in welchem, abwechselnd mit symmetrischen Laubverzierungen, die gebrochenen Rundbogen sich wiederholen und unter denselben geflügelte, abenteuerliche Gestalten, die, den oben erwähnten Engeln einigermaſsen entsprechend, an Gestalt sich gleich bleiben, aber in der Bekleidung und Haltung von einander abweichen.

Jede Scene ist aus zwei oder mehreren Figuren vor landschaftlichem Hintergrunde zusammengesetzt. Die Einzelnheiten des letzteren sind aber fast nur noch aus der zu Grunde liegenden Zeichnung zu erkennen; Luft und Boden, von welchen die erstere leichte Angaben von Wolken, der zweite von Berg und Thal enthält, sind so regelmäſsig von Stickerei entblöſst, daſs gezweifelt werden muſs, ob sie überhaupt jemals ausgefüllt waren. Einzelne conventionell gehaltene Bäume und Blätter machen eine Ausnahme.

Was den Ursprung des Teppichs betrifft, so weisen die Inschriften unzweifelhaft auf Niederdeutschland. Da dieselben, wie bemerkt, in ihrem Verlaufe die einzelnen Darstellungen nicht decken, auch nur sehr nothdürftig erklären, geben wir sie hier im Zusammenhange: /hie/. /hebit/. /sich/. /dye/. /materie/. /vom/. /tristram/. /vnde/. /von/. /der/. /schon/. /ysalden/. /he/. /ersleit/. /he/. /den/. /worm/. /hie/. /brengit/. /der/. /rote/. /ritter/. /daz/. /hobt/. /vor/. /den/. /kong/. /hi/. /vint/. /yzalde/. /tristām/. /in/. /dem/. /rore/. /hi/. /wist/. /tristār/. /die/. /sungē/. /dem/. /Konge/. /hi/. /vurt/. /t’rstram/. /die/. /schon/. /ysalden/. /mitem/. /heym/. zcu. lande. /hi/. /rit/. /tristram/. /von/. /houe/. /hi/. /kumt/. /yzalde/. /zu/. /tristrā/. /in/. /den/. /gartē./ -- Zweifelhaft bleiben in dieser Schrift die Worte: /vurt/... mitem /heym/, welche, da sie dem Orte nach auf die Ankunft des liebenden Paares beim Könige sich beziehen, mehr nach dem Sinn, als nach den Buchstaben gelesen worden. Vielleicht verursachte diese Unklarheit ein Schreibfehler des Zeichners, der sich auch sonst einige Male, sowohl in der Schrift, wie in den Bildern geirrt hat und gewöhnlich durch die stickende Hand verbessert worden ist.

Daſs den bildlichen Darstellungen die Bearbeitung der Sage durch Gottfried von Straſsburg nicht zu Grunde liege, beweiset sogleich die erste derselben. Ob dieses mit dem älteren Gedichte des Eilhard von Oberge der Fall, ist aus den erhaltenen Bruchstücken desselben nicht zu ersehen. Am meisten, doch auch nicht völlig, stimmt die Bilderreihe mit der Erzählung des alten Volksbuches überein, wie dasselbe durch Simrock seine letzte Bearbeitung erfahren. Möglich, daſs die im Munde des Volkes fortgepflanzte Geschichte eine mehrfache Ausbildung erlitt, und daſs eine derselben dem Verfertiger unseres Teppichs, wenn er die übrigen Bearbeitungen kannte, doch vorzugsweise behagte. Jedenfalls ist die abweichende Auffassung der Sage auf dem Gebiete der bildenden Kunst auch für die Literaturgeschichte nicht ohne Interesse.

Wir sehen zunächst den König Marke und seinen Neffen Tristan, auf einer jener nachenförmigen Ruhebänke, wie sie bereits auf Siegeln und Miniaturen des 12. Jahrhunderts vorkommen, im Gespräch begriffen, einander gegenübersitzend; oben die Schwalbe mit dem langen Frauenhaar -- bekanntlich ein Motiv der Sage, welches Gottfried von Straſsburg mit einigem Nachdruck zurückweiset. -- Auf dem folgenden Bilde zieht Tristan aus, die Eigenthümerin des Haares zu suchen und als Gattin für Marke zu gewinnen. Der König steht unter dem Thore seines Palastes; der kühne Abenteurer reicht ihm vom Pferde herab zum Abschiede die Hand. -- Dem entscheidenden Drachenkampfe sind die drei folgenden Abtheilungen gewidmet, -- bezeichnend für die Geschmacksrichtung der Zeit, welche die bekannten Bestiarien noch über ein halbes Jahrhundert lang als Hauptbestandteil ihrer Verzierungskunst festhielt. In der ersten bohrt der Ritter vom Rosse aus dem feuerspeienden Ungethüm die Lanze in den Rachen; in der zweiten bekämpft er es zu Fuſs mit dem Schwerte; in der dritten schneidet er demselben die Zunge aus. Die beiden letzten Scenen bewegen sich bereits vor den Rohrkolben des Sumpfes, welcher im Gedichte, wie in der Volkserzählung eine Rolle spielt.

Den Haupthelden verlassend, wendet sich der Künstler sodann in vier Bildern zu dessen Nebenbuhler, dem falschen Truchseſs, der hier der rothe Ritter genannt wird und in der Stickerei durch rothes Haupt- und Barthaar kenntlich gemacht ist. Zunächst sehen wir ihn mit einem Knappen reitend, durch lebhafte Handbewegung den Eifer der Unterhaltung kundgebend. Sodann läſst er seine Diener, deren im Volksbuche vier genannt werden, von welchen auf dem Teppich der Raum aber nur drei anzubringen erlaubte, auf sein Schwert sich Verschwiegenheit geloben, -- eine Scene, die der Dichter Gottfried ebenfalls nicht aufgenommen, wie er überhaupt, dem Zuge seines künstlerischen Schaffens folgend, mehr an der Vertiefung der Charaktere und glänzenden Ausstattung seiner Haupthelden arbeitet, deren Erscheinung die rascher vorübergehenden Gegensätze wie im künstlichen Spiegellichte zu heben vorzugsweise bestimmt sind, während die Volkssage, in ihrer Art mehr den ethischen Gehalt der Erzählung bewegend, die bösen Mächte in entschiedeneren Gegensatz zu den guten stellt. -- Im achten Bilde schlägt der rothe Ritter dem von Tristan getödteten Drachen das Haupt ab. Diese Darstellung wird besonders interessant, indem sie auf die Entstehung, gewissermaſsen die innere Geschichte des Teppichs einiges Licht wirft. Während nämlich der Ritter, von einem Knappen begleitet, mit noch erhobenem Schwerte vor dem Drachen steht, liegt dessen Kopf bereits, vom Rumpfe getrennt, auf dem Boden. Der Zeichner hat unrichtiger Weise in den aufgesperrten Rachen eine Zunge versetzt, die indeſs von der Stickerin unausgefüllt geblieben. Es scheint, das die letztere, ohne Zweifel eine Frau aus vornehmem Hause, das Verdienst der ganzen Conception der Arbeit hatte und zur Ausführung derselben einen Künstler herbeizog, der zwar eine geschickte Hand besaſs, aber, ohne genauere Kenntniſs des Gegenstandes, nur nach den Angaben der Bestellerin arbeitete, daſs diese endlich in Vollendung der Aufgabe sorgte, daſs darin der Geschichte ihr Recht widerfahre. -- Im neunten Bilde bringt der rothe Ritter das Drachenhaupt, dessen Last er in gekrümmter Stellung mühsam emporhebt, dem Könige von Irland. Dasselbe ist noch immer weit geöffnet und diesmal ohne Zunge gezeichnet.

Auf den übrigen Bildern dieser Seite des Teppichs sehen wir die Prinzessin Isolde, mit ihrer Magd Brangäne das Haus ihres Vaters verlassend, um den wahren Ueberwinder des Drachen aufzusuchen; ferner dieselben, wie sie den ermatteten Tristan im Rohre finden, und diesen, wie er von den beiden Frauen in den Palast des Königs geführt wird; endlich den sich im Bade erquickenden Helden, von Isolden, die ihn als Ueberwinder ihres Oheims Morolt erkannt, mit dem Schwerte bedroht. Brangäne hält in der letzten Darstellung ihre Gebieterin vom feindlichen Vorgehen zurück, indem sie ihre Arme um deren Hals schlingt.

Die folgende Seite beginnt mit einer Unterredung zwischen den beiden Frauen und dem Könige. In der nächsten Darstellung erscheint Tristan, von Isolden eingeführt, dem Könige die Zunge des Drachen darbietend. -- Vom Gedicht sowohl, wie vom neueren Volksbuche abweichend, doch zu dem oben Angedeuteten einen verstärkten Beleg fügend, stellen die beiden folgenden Scenen wiederum den rothen Ritter in den Vordergrund. Während dieser nach den beiden genannten Quellen nur der Verachtung preisgegeben wird und auſser Landes zieht, sehen wir ihn hier gefangen vor den König gebracht und sodann in dessen Gegenwart mit dem Schwerte hingerichtet.

Die beiden folgenden Darstellungen sind die in der Beilage, in einem Drittel des Maſsstabes, wiedergegebenen. Tristan fährt mit Isolde und Brangäne im Schiffe von Irland ab. Die Königin übergibt der letzteren im Abschiede den verhängniſsvollen Liebestrank. An der anderen Seite der Säule sehen wir das Schiff vor dem Könige Marke landen. Dieser unterstützt die Prinzessin beim Aussteigen; Tristan legt, vom bösen Bewuſstsein getrieben, die Hände zum Beweise seiner Treue auf die Brust, noch ehe er begrüſst wird; Brangäne harrt, nachdem sie das Hündchen ihrer Herrin übernommen, des Augenblicks, wo auch sie das Fahrzeug verlassen kann. -- Weiter sehen wir Brangäne, in den Kleidern der Prinzessin an das Lager des Königs geführt; das Hochzeitsmahl, dessen Gäste nur die vier bekannten Personen ausmachen; ferner den verklagten Tristan, der vom Hofe wegziehend von der trauernden Isolde Abschied nimmt; denselben im Garten, durch die in den Bach geworfenen Stäbe die junge Königin zur geheimen Zusammenkunft ladend; den geheimniſskundigen Zwerg, vor dem König die Beschuldigung der Hofleute bekräftigend, und als vorletzte die berühmte, im Mittelalter oft zu bildlichen Darstellungen benutzte Scene, wie König Marke und der Zwerg vom Baume über dem Brunnen das liebende Paar belauschen und dieses, das Bild derselben im Spiegel des Wassers erblickend, durch unverfängliche Reden sie täuscht. -- Die letzte Darstellung bietet eine Parallele zu dem Ausgange des rothen Ritters. Wie dieser durch sein angemaſstes Verdienst Ruhm und Leben des Haupthelden gefährdet und, überführt, mit dem Tode bestraft wird, so geschieht Gleiches mit dem Zwerge, der durch sein scheinbar lügenhaftes Vorgehen die Ehre der Königin wie Tristan’s in Verdacht gebracht. Wir sehen Marke, den Zwerg bei den Beinen haltend, im Begriff, ihn in den Brunnen zu werfen, -- eine Wendung der Erzählung, die wiederum in keiner der genannten schriftlichen Quellen ihre Begründung findet, die als Schluſs zugleich auf das Ganze der hier gezeichneten Dichtung ein eigenthümliches Licht wirft.

Die Zeit der Entstehung des Teppichs anlangend, weisen das darauf in Anwendung gebrachte Costüm, die Waffen u. s. w. mit Entschiedenheit auf die Mitte des 14. Jhdts. Seinerseits bietet der Teppich zur Erweiterung der Kulturkunde dieser Zeit nicht unerhebliche Anhaltspunkte. -- Die Tracht könnte man eine burgundische nennen; sie enthält neben der Einfachheit und Knappheit der Mode dieser Epoche überhaupt die ersten Anfänge jener auffallenden Wucherungen, welche den Reichthum der burgundischen Lande, wie den übersprudelnden Sinn seiner Bewohner charakterisierte und im Laufe der nächsten hundert Jahre zu Ausschreitungen trieb, wie wir sie nur in der Blüthe der Zopfperiode wiederfinden. In der Haustracht sind Männer wie Frauen mit dem engen Kleide angethan, das, auf der Brust zugeknöpft oder genestelt, bei ersteren hoch an den Hals hinanreicht und auf den Lenden zu Ende geht, bei den letzteren tief und grade ausgeschnitten ist und in langen, schlichten Falten hinabhängt. Die Aermel dieses Kleides sind, dem Schnitte des Ganzen angemessen, für gewöhnlich ebenfalls enganliegend und weit auf die Hand reichend. Doch zeigen sich bei den vornehmeren Personen bereits die Abweichungen, die später eine so weit gehende eigene Ausbildung erfuhren. Bei den Männern weitet sich der Aermel sogleich von der Achsel an und beginnt unter dem Ellenbogen sackförmig herabzuhängen, während er sich am Handgelenk wieder eng anlegt. Doch erscheint derselbe auch schon unmittelbar unter dem Oberarm getheilt, so daſs ein kurzer, weiter Oberärmel und ein langer, anschlieſsender Unterärmel entstehen. Bei den Frauen bleibt derselbe zwar unverändert; doch bekommt er eine Klappe auf der Schulter und damit in Verbindung stehend einen langen, schmalen Hängeärmel. Die Farbe des Obergewandes ist durchgehend weiſs; nur bei den Frauen hat das Kleid oben einen schmalen, unten einen breiten Besatz; auch laufen farbige Streifen von der Hüfte herab, die, wie die erwähnten Hängeärmel, bei den Fürstinnen goldfarbig erscheinen. Wo die Prinzessin im Freien auftritt, trägt sie ein kurzes, gezaddeltes Mäntelchen, von grüner oder rother Farbe, das nur den rechten Arm frei läſst. Die Beinkleider der Männer sind enganliegend und meistens von getheilter Farbe. Die Schuhe haben bereits lange Spitzen und auf dem Fuſse bisweilen noch den aus älterer Zeit stammenden inneren Ausschnitt. Beide Geschlechter tragen den, lose die Hüften umgebenden, breiten Gürtel, bisweilen mit metallenen Buckelrosetten besetzt. Selbst der Zwerg entbehrt dieser Zierde nicht; doch dem zur Hinrichtung geführten rothen Ritter ist sie abgenommen.

Als Kopfbedeckung tragen fürstliche Personen stets eine zinnoberfarbige Krone, die Männer, soweit sie nicht gerüstet auftreten, ein entblöſstes Haupt mit rund umher, bis zur Höhe des Nackens abgeschnittenem Haare, nach Art der später gebräuchlich werdenden Kolbe, jedoch gescheitelt. Knappen erscheinen einige Male mit einer dunkelfarbigen Gugel. Brangäne trägt auf dem frei herabhängenden Haare einen Rosenkranz; die Prinzessin wird sogleich nach ihrer Verheiratung durch die bekannte gekräuselte Spitzenhaube als Frau gekennzeichnet. Die Rüstung besteht in allen Fällen aus dem einfachen Kampfhelm mit der Halsbrünne, dem sogen. Lendner und Eisenhandschuhen. Nur der Truchseſs fuhrt eine eigenthümliche, oben mit einem Busch, vorn mit einem Schirm versehene Kopfbedeckung, die im Uebrigen zwar helmförmig, doch, nach der gelben Farbe der Stickerei zu schlieſsen, wol nur die Bedeutung einer vornehmeren Art der Kapuze haben soll. -- Die Schwerter sind noch breit von Klinge und erinnern mit ihrem starken Knopf und der geraden Parierstange an die frühere Zeit. Die Schilde haben die gewöhnlich vorkommende Form des gleichseitigen Dreiecks mit zugerundeter Spitze. Ueberhaupt sind Waffen sparsam zugetheilt und nur da gegeben, wo sie im Augenblick gebraucht werden. -- Die Pferde tragen einfaches Zaumzeug und hohe Sättel über kleinen Decken.

Von Hausgeräthen kommt wenig vor. Die Sessel haben stets die oben erwähnte alterthümliche Form und unterscheiden sich nur durch die Breite, je nachdem sie bestimmt sind, eine oder mehrere Personen aufzunehmen. Beim Hochzeitsmahl ist der Tisch mit einem tief herabhängenden weiſsen Tuche bedeckt. Zwei groſse Brodlaibe, eine offene und eine verdeckte Schüssel deuten das ganze Mahl an. Die letzteren sind ebenfalls genau dieselben, welche in den Miniaturen der beiden vorhergehenden Jahrhunderte angetroffen werden, und es ist ersichtlich, wie der Zeichner bei der äuſseren Ausstattung seiner Scenen mehr die älteren Vorbilder als die umgebende Wirklichkeit vor Augen hatte, -- eine Wahrnehmung, die sich ja nicht allein in der mittelalterlichen Kunst bemerklich macht. -- Die Wanne, in welcher Tristan das stärkende Bad nimmt, ist in Art der Himmelbetten mit einem rothgefütterten Vorhang überdeckt. Das Bett, in welchem der König gegen die gewöhnliche Auffassung völlig bekleidet liegt, hat eine hohe Kopflehne und rothgemusterte Decke.

Obwohl die Gesichter in der Zeichnung keineswegs ohne Ausdruck sind, wird die Stimmung des Gesprächs doch stets sehr glücklich durch entsprechende Handbewegung versinnlicht. In der Ruhe ist die linke Hand gewöhnlich in den Gürtel gesteckt. Der König sitzt mit gekreuzten Beinen, auch so der alten Sitte gemäſs an die Würde seines Richteramtes erinnernd.

Nahe liegt eine Vergleichung unseres Teppichs mit dem im Kloster Wienhausen im Hannoverschen befindlichen, dessen Bilderschmuck denselben Gegenstand behandelt[A]. Gemeinsam haben beide die niederdeutschen Inschriften und, dadurch bezeugt, wol den Ort ihres Ursprungs. Doch tritt in der Sprache des letztgenannten der Charakter des Plattdeutschen entschiedener hervor. -- Dem Alter nach mögen sie dreiſsig bis vierzig Jahre auseinander liegen; denn, während der Erfurter Teppich über die Mitte des 14. Jahrhunderts eher hinausgeht, versetzen die ganze Anlage, das Costüm, die Waffen, namentlich die längliche Form der Schilde den Wienhauser gegen die bisherige Annahme übereinstimmend in die erste Hälfte. Der letztere behandelt die Fabel ausführlicher; doch führt er sie nur bis zur Abfahrt Tristan’s und Isoldens von Irland. Wahrscheinlich enthielt ein zweiter entsprechender Teppich die andere Hälfte der Erzählung; denn nur der Wienhauser ist ein Teppich im eigentlichen Sinne, während wir den Erfurter für ein ursprüngliches Tischgedeck erklären muſsten. Ohne Zweifel diente jener neben mehreren ähnlichen Stücken, um als Tapete oder Rücklaken die Wände zu decken. Schon die vollständige Ausfüllung des Hintergrundes und die dadurch bedingte Steifheit des Stoffes lieſsen einen anderen Gebrauch nicht zu.

Was die künstlerische Ausstattung betrifft, so hat zwar auch die Wienhauser Stickerei die Eintheilung der Rundbogen; doch sind unter dieselben nur die darauf vorkommenden Wappen gestellt. Die vorgeführten Scenen reihen sich ohne trennende Einfassung aneinander. Erhielt der Erfinder der Erfurter Arbeit schon dadurch einen Vortheil, daſs er seine einzelnen Bilder durch passende Umrahmung hervorhob, so steigerte er deren malerische Wirkung noch mehr durch kunstgerechte Behandlung und lebendigere Bewegung der Figuren. In dieser Beziehung ist der letztgenannte dem Wienhauser Teppich trotz dessen gröſserem Farbenschmucke bei weitem überlegen, und verdiente derselbe gewiſs eine so vollständige Veröffentlichung, wie sie jener in trefflichem Farbendruck erfahren.

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Abgebildet in H. W. H. Mithof’s verdienstvollem Werke: „Archiv für Niedersachsens Kunstgeschichte“, II, Taf. 6.]

Johannes Nas.

Am 9. Juli 1577 wandte sich Georg Ilsung zu Tratzburg, Landvogt in Schwaben, in einem längeren Schreiben an den Erzherzog Ferdinand und ersuchte diesen, er möchte Joh. Nas nach Augsburg senden, damit er dort predige. Da dasselbe zur Würdigung des viel geschmähten Polemikers bedeutungsvoll ist, theile ich die wichtigeren Stellen daraus mit:

„Gnedigister Herr! Als sich verschine fasten zue getragen, als der Ehrwürdig vnd hochgelert Hrr Nas Doctor Barfuesser ordens etlich seiner geschefft halben von Brixen hieher gen Augspurg khomen vnd von dem Abt zue S. Vlrich alhie erbetten worden, dz er ihme zue gefallen dieselb fasten predigett, hatt er alhie ain solichen beharlich’ Zuelauf von den Lutterischen bekhomen, das offt von 4 bis in 5000 Personen an seiner Predig gewesen. Es haben sich auch aus denselben gar vil vernemen lassen, da gedachter Hrr Nas alleweg alhie bleiben wurd, dz sy ihre Lutterische Kirchen verlassen vnd merer theils an sein des Nasen Predig gehen vnd vil andere auch mit ihnen davon ziechen wollten. Die weil den die Lutterischen Predicanten alhie diser Zeit gar widerwertig vndter einand’, vnd schier kheiner predigt wie der ander, dardurch den der gemain man sich fast ergert vnd ihn solche Irrunge khomen, dz er nit waiſs, wem er schier mer zue gehen soll, so werr vnzweifelig zue hoffen, da gedachter Hrr Nas ein Zeit lang alhie Predigen solt, er wurde in solchem Zwitracht merchlich grossen nutz schaffen khinden. Derhalben so bin ich nit allain von obgedachtem Abt, sond’ auch von vilen anseliche catholischen vnd zum theil auch Lutterischen leutten alhie angesprochen vnd gebetten worden, auf wege zue gedenckhen, wie vilgemelter Hrr Naſs, wo nit lenger, iedoch nur auf ein Jar lang hieher gebracht werden möcht.“ -- „An ietzo bey eingefalner Zwispalt der Lutterischen gar ein gewünste gelegenheit vorhanden, also da gedachter Hrr Nas alhie predigen solt, das comuny omnium indizio in khain Zweifel zue stellen, er wurde den gemainen man den Lutterischen predicanten gar endtziechen vnd an sich henckhen, welches dan nit allain für sich selbst ein christenlichs guets werckh were, sond’ es wurde auch daraus volgen, dz die catholischen alhie desto mer ruggens bekhomen vnd sich der Lutterisch teglichen trutz vnd gewalts desto bas erwehren khindten, bis Gott der almechtig verner gnad vnd ainigkhait im glauben verliehe. Darzue dan der Hrr Nas sua innata facundia ein treffenlich anfang machen, vnd die Lutterischen Predicanten nit baſs verdruckht vnd gestrafft werden möchten.“

Ilsung’s Schreiben, welches im Statthaltereiarchive zu Innsbruck liegt, gibt für die Beredsamkeit und das Wirken des Joh. Nas ein schönes Zeugniſs und bestätigt, daſs er nicht ohne Grund in einem Vertheidigungsbriefe sagen konnte: „wie vil hat Gott durch mich, den die Jesuitten also neiden, zu München vnd Ingelstatt von Ketzerthumb zur catholischen Kirchen bracht. So waiſs ich, daſs so oft der Dr. Canisius zu Straubing einen Menschen bekhert hat, also, daſs Ir etlich tausend ad unitatem khomen sein vnd dise heuchler dörffen lestern, es sey nit gratia gratum faciens.“ --

/Innsbruck./ /Dr. Zingerle./

Beschreibung einer Pilgerfahrt in das gelobte Land, aus dem 14. Jahrh.

In der Papierhandschrift Nr. 500 unseres Klosterarchivs finde ich unter kanonistischen und ordensgeschichtlichen Materien eine etwa bisher unbekannte Beschreibung einer Pilgerfahrt in’s h. Land aus dem 14. Jahrhundert, jedoch jedenfalls von einer Hand des 15. Jahrh. abgeschrieben. Potthast’s Wegweiser etc., S. 1002 erwähnt das Schriftchen wenigstens nicht.

Die Widmung, welche der Beschreibung vorangeht, beginnt folgendermassen: „Reuerendissimo patri ac domino suo domino Petro abbati Aule Regie, Cisterciensis ordinis, Pragensis dyoecesis Gwilhelmus de Waldenfels miles“... Diesen füge ich die Stellen, welche die Persönlichkeit des Verfassers betreffen, bei. „Accepti (schreibt er) beneficij immemor esse nolens mente reuoluo sedula beneficiorum opera, que mihi anno preterito in domo vestra, aula regia, hylariter et benignis affectibus plus quam duobus mensibus et mee familie ostendistis et uolente domino eisdem exhibitoribus, cum ad uos reuersus fuero gratuite et omni studio respondebo. Et nunc quidem quia apud dominum meum Thalariandum Petragoricum (!) tituli beati Petri ad vincula presbiterum cardinalem in curia Auione moram facere adhuo me oportet amplius quam putabam, eo quod dominus meus multum fuit de meo aduentu de sua gracia jocundatus et negocia mea omnia, de quibus apud uos existens dixeram uobis, ad finem iam disposuit seu disponit et ordinat peroptatum, hys finitis per Coloniam Agrippinam propter quedam negocia ibidem terminanda rediens ad uos in Aulam regiam reuertar volente domino perpetue permansurum. Trahit me ad vos amor vester, allicit me dulcissima habitacio domus vestre, et percipue vestrorum filiorum deuocio et nil me retrahere potest nisi mors sola.“ Die Schrift selbst betreffend schreibt er: „Verumtamen libellum meum, quem ad instanciam prefati domini mei Cardinalis /de statu terre sancte/ compilaui, vobis, vt rogastis et ego vt promisi per Franciscum Christiani de Praga seruitoris mei transmitto.“ Die Widmung der dem Abt von Königinhof übermachten Abschrift datiert „Auione a. d. 1337 in die sancti Michaelis“.

„Incipit prologus in librum de quibusdam partibus ultramarinis et precipue de terra sancta. Sicut audiuimus sic et vidimus in ciuitate domini -- ut a me vestra preclara ad dominum et ad terram ipsius deuocio requisiuit.“ Als Ursache seiner Pilgerfahrt gibt er an: „Ipsam igitur (sc. hanc benedictam terram) tamquam patriam et hereditatem ex fide Christi mihi quodammodo debitam visitare a puericia desideraui, ut viderent testes oculi, que proposita sepius erant auri.“ Der eigentliche Text beginnt: „Egressus igitur de Alemannia, terra natiuitatis mee, et pertransiens Lambardiam“ und schlieſst: „Quod nobis prestare dignetur qui est benedictus in secula seculorum Amen. Explicit liber de quibusdam ultramarinis partibus et precipue de terra sancta compilatus per nobilem virum dominum Gwilhelmum de Boldensole (sic!) ad instanciam reuerendi patris ac domini Thalayrandi Petragonicum (!) tituli sancti Petri ad vincula presbiteri cardinalis Anno dn̄i Millesimo tricentesimo tricesimo sexto.“ Die Beschreibung umfaſst 28 Blatt groſs 8., ca. 30 zeilig, einspaltig. Sollte diese Schrift noch ganz unbekannt sein, so verdient selbe jedenfalls eine nähere Untersuchung. Die Angaben scheinen genau zu sein.

/Lambach/ in Oberösterreich.

/P. Pius Schmieder/, Archivar.

Alter Zauber- oder Segensspruch.

Im Diöcesan-Museum zu Freising findet sich ein geschmackvoller Tisch der gothischen Zeit (c. 1450). Derselbe zeigt auf der Platte eine Inschrift, welche zweimal angebracht ist, einmal von unten nach oben, dann von oben nach unten. Die Buchstaben sind so untereinander gesetzt, wie sie hier getreu abgebildet sind.

Offenbar ist dieses ein Zauber- oder Segensspruch, der den am Tische Sitzenden nach allen Seiten hin schützen sollte. Findet sich diese Inschrift auch anderswo, und wie ist sie zu erklären?

/Freising./ Professor Dr. /Sighart/.

Gengenbach’s Bundschuh.

Karl Gödeke’s Monographie und „Grundriſs“ kennen drei Ausgaben jenes Gedichts; ich beschreibe hier eine vierte:

Der Bundtschu

Diß biechlein sagt von dem bo | sen fürnemen der Bundtschuher, wye es sich | angefengt geendet vnd aus kumen ist.

(Holzschnitt: Bauer mit der Bundesfahne, links der Bundschuh, rechts ein Täfelchen mit der verkehrten Jahrzahl: 4151.)

=ɑ= Pamphilus Gengenbach X S F. Nyt me yetzundt ist mein beger Ob yenen ainer vom bundschu wer Dem da für kem dieß schlecht gedicht Bit ich er wels verachten nicht So kumpt er nit yn solche not Als mancher yetz ist bliben todt Vngehorsam gott vngestrofft nit lot

o. O. u. J. (Nürnberg, 1514). 4 Bl. 4. Das Gedicht nimmt die ersten 4½ Seiten ein. -- In München.

SO ich betracht yetzund die welt Fynd ich ain ding dz mir miſsfeltt Das ist die groſs vngehorsamkait. /Nürnberg./ /E. Weller./

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 1. Januar.

Chronik des germanischen Museums.

Vor Allem haben wir unseren freundlichen Lesern heute die angenehme Mittheilung zu machen, daſs eine für unser nationales Institut hochwichtige Angelegenheit, die lange verhandelte Vorstandsfrage, die auf vorjähriger Generalversammlung des Gesammtverwaltungsausschusses unserer Anstalt, wie letzte Septemberchronik berichtet, noch nicht zum Austrage zu bringen war, mit dem Schlusse des alten Jahres ihre endliche Lösung gefunden hat. Nach Entgegennahme des von der Commission, die unterm 3. Oct. 1864 mit Einleitung der Vorstandswahl betraut worden war, unterm 28. Decbr. v. J. gegebenen ausführlichen Berichtes haben von den dermalen 31 bei der Vorstandswahl Stimmberechtigten bis zum 22. Januar d. J., als dem zur Eröffnung der Wahlzettel festgesetzten Tage, 29 ihre Stimmen abgegeben und diese fast mit Einhelligkeit für Herrn /August Essenwein/, Professor an der technischen Hochschule zu Graz, sich ausgesprochen. Da nun derselbe gedachter Wahlcommission, in entgegenkommendster Behandlung der ihm von dieser gemachten Vorschläge, eventuell bereits zur Annahme einer etwa auf ihn fallenden Wahl sich bereit erklärt hatte, so durften wir ihn sogleich auch als I. Vorstand unseres Institutes begrüſsen, wenn auch die Uebernahme des Amtes selbst wol erst nach einigen Monaten wird erfolgen können. Möge der Eintritt, möge das Wirken des Erkornen dem bisher glücklich durchgeführten nationalen Werke im vollsten Maſse zum Segen gereichen!

Auch sonst noch ist uns das neue Jahr äuſserst günstig entgegengetreten.

Mit Freuden haben wir da zunächst zu melden, daſs Se. Hoheit, Herzog /Ernst von Sachsen-Altenburg/ gnädigst geruhte, dem german. Museum aus der herzogl. Staatskasse eine abermalige Beihülfe von 100 Thlrn. reichen zu lassen.

Nächstdem minderte sich die unserer Anstalt durch die Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen erwachsene Schuld auf’s Neue um 200 fl., indem als auſserordentlicher Beitrag zu diesem Zwecke auf allerhöchsten Befehl Seiner Königl. Hoheit des /Groſsherzogs von Hessen/ die Summe von 100 fl. uns zugieng, und Se. Durchlaucht, Fürst /Günther von Schwarzburg zu Rudolstadt/ der in unserer Augustchronik besprochenen fürstlichen Stiftung schon jetzt ein weiteres gnädigstes Geschenk von gleichfalls 100 fl. zu eben diesem Zwecke uns zuzuwenden geruhte.

Das unten folgende Verzeichniſs der jüngst verwilligten Geldbeiträge läſst, zum Theil schon in Folge neuerrichteter Pflegschaften, deren wir auch heute eine gröſsere Anzahl aufzuführen in der angenehmen Lage sind, einen erfreulichen Zuwachs erkennen; namentlich ist die Betheiligung deutscher Gemeindevertretungen und deutscher Vereine und Genossenschaften an der Förderung unseres nationalen Institutes augenfällig im Steigen.

Von Geschenken, die unseren Sammlungen neuerdings zugiengen, haben wir hier hervorzuheben: ein Exemplar des prachtvoll ausgestatteten Werkes von Bodemann „Xylographische und typographische Incunabeln der k. öffentlichen Bibliothek zu Hannover“, das wir als ein weiteres allergnädigstes Geschenk Sr. Majestät des Königs von /Hannover/ unserer Bibliothek einzureihen hatten; was sodann die Kunst- und Alterthumssammlung betrifft: einen Gypsabguſs der im Oberbayer. Archive f. vaterl. Gesch. 1851/52 besprochenen interessanten Ingolstatter Inschrift, den wir der Güte des dortigen Herrn Magistratsrathes /Berthold/ verdanken, sowie ferner vom Magistrate der Stadt /Herford/ sehr willkommene Abdrücke der dort noch vorhandenen alten Siegel- und Münzstempel. Wie von Seiten des in unserer letzten Chronik genannten Magistrates der Stadt Burg, so sind uns neuerdings, wie wir mit Dank hier zu berichten haben, auch von den Magistraten der Städte /Königsberg/ und /Culm/ in Preuſsen Verzeichnisse der in ihren Archiven befindlichen Urkunden zugestellt worden.

In dem am 4. Januar zu Wetzlar in hohem Alter verstorbenen und in den weitesten Kreisen betrauerten, um historische Forschung hochverdienten Stadtgerichtsdirektor a. D. /Dr. Paul Wigand/ hat auch unsere Anstalt einen vielfach bewährten, treuen Freund verloren. Dem Gelehrtenausschusse unseres Institutes gehörte der Verstorbene seit dem 14. Febr. 1854 an.

Einen weiteren hochverehrten Freund unseres Instituts, der namentlich auch hier in Nürnberg selbst an der Förderung unserer Bestrebungen in regster Weise Antheil genommen hat, verloren wir in dem durch seine tüchtigen Arbeiten um die vaterländische Geschichte hochverdienten Senior der philosophischen Facultät der Universität Leipzig, Professor Dr. jur. et phil. /Ernst Wilhelm Gottlieb Wachsmuth/, der im 82. Jahre seines Lebens, im 55. seines Doktorats und nach zurückgelegtem 100. Semester erfolgreichster akademischer Lehrthätigkeit zu unserem und aller seiner Freunde und Schüler innigstem Leidwesen am 23. Januar verschieden ist. Mitglied des Gelehrtenausschusses unserer Anstalt war der Verstorbene seit dem 1. März 1855.

Seinen Austritt aus ebengedachtem Ausschusse hat uns Herr /v. Retberg auf Wettbergen/ in München angezeigt.

Weitere Vertretung unserer Interessen fanden wir durch Errichtung neuer Pflegschaften in /Hammerstein/ (Preuſsen) und in /Vicenza/, sowie in den bayerischen Ortschaften: /Aichach/, /Amorbach/, /Dachau/, /Immenstadt/, /Kandel/, /Kissingen/, /Landshut/, /Mühldorf/, /Neunburg v. W./, /Rottenburg/, /Scheſslitz/, /Schöllkrippen/, /Selb/, /Türkheim/, /Uffenheim/, /Volkach/ und /Waldkirchen/.

An neuen, während der letzten 4 Wochen uns angemeldeten Geldbeiträgen haben wir, auſser den oben bereits angeführten, noch zu verzeichnen:

Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Von der Bürgermeisterei /Engers/ (Preuſsen) 2 fl., vom Magistrate zu /Herford/ (Preuſsen) 8 fl. 45 kr. (einm.), vom Magistrate zu /Mülheim/ a. d. Ruhr 3 fl. 30 kr. (einm.), von der Gemeinde /Sinsheim/ (Baden) 5 fl., von der Stadtgemeinde /Velden/ (Bayern) 1 fl., von der Stadtgemeinde /Winnenden/ (Württemberg) 4 fl. (einm.) und vom Stadtrathe zu /Waldenburg/ (Sachsen) 3 fl. 30 kr. (auf 5 Jahre); ferner von den württemb. Landkapiteln /Neckarsulm/ 10 fl. (einm.) und /Oberndorf/ 5 fl. (einm.); sodann vom Turnverein zu /Baden/ (Oesterreich) 2 fl. 27 kr. (einm.), vom Männergesangvereine zu /Cassel/ 3 fl. 30 kr., von der Mittwochsgesellschalt in /Eschenau/ (Bayern) 4 fl., von der Turngemeinde /Heidenheim/ (Württemberg) 2 fl. (einm.), vom Bürgervereine in /Stralsund/ 8 fl. 45 kr., von der Bürgergesellschaft /Ulm/ 3 fl. (einm.), vom Verschönerungsvereine zu /Velden/ 15 kr., von der Gesellschaft Concordia in /Weiſsenburg/ a. S. 2 fl., vom Leseverein daselbst 3 fl., vom Liederkranze und vom Turnvereine daselbst je 1 fl. 45 kr. und von der Gesellschalt „Tivoli im Fichtelgebirge“ zu /Wunsiedel/ 1 fl.

Von =Privaten=: /Amberg/: Dr. Bauer, k. Regimentsarzt, 1 fl.; /Andernach/: Notar Henrich 1 fl. 10 kr. (einm.); /Arnsberg/: Appellationsgerichtsrath Stündeck 2 fl. (statt früher 1 fl. 45 kr.); /Aussig/: Apotheker Viktor Hermann Walter 4 fl. 40 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); /Bautzen/: Regierungsrath Klengel 3 fl. 30 kr.; /Dachau/ (Bayern): Karl Pfaffenzeller, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Eduard Ziegler, Posthalter und Bierbrauer, 3 fl.; /Dresden/: Minna Buchel, geb. Meiſsner 5 fl. 15 kr. (statt früher 3 fl. 30 kr.); /Dorpat/: Dr. Theodor Beise, Universitäts-Syndicus, 1 fl. 53 kr.; /Markt Erlbach/: Ungenannter 30 kr. (einm.); /Furth/ a. W.: Notar Joseph Kohn 1 fl.; /Gotha/: Kreisgerichtsdirektor Berlet 1 fl. 45 kr., Forstrechnungsrath Glenk 1 fl. 45 kr., Hofrath Jacobs (†) 1 fl. 45 kr., Oberschulrath Dr. Marquard 1 fl. 45 kr.; /Hamburg/: Dr. phil. M. H. N. aus Essen 3 fl. 30 kr. (einm.), Dr. H. Gries, Sekretär des Vereins für hamburg. Geschichte, 3 fl. 30 kr.; /Heilbronn/: Dr. med. Friedr. Betz 1 fl., Kaufmann Gustav Fuchs 1 fl., Kaufmann Georg Heerle 1 fl., Stadtschultheiſs Klett 1 fl. (einm.), Stadtpfarrer C. H. Krauſs in Lauffen a. N. 1 fl., Dr. Hermann Lamparter, Fabrikbesitzer, in Waldau, 2 fl., Apotheker Phil. Lang 1 fl. 45 kr.; /Holleschau/ (Mähren): Theod. Hoppe in Gumpoldskirchen 44 kr. (einm.); /Immenstadt/ (Bayern): Pfarrer Höſs in Miſsen 2 fl.; /Kempten/: Groſshändlers-Wittwe Gruber in Lindau 2 fl. 15 kr., Ed. v. Pfister, Groſshändler, in Lindau 1 fl. 45 kr.; /Lausanne/: Gottfried von Bülow 7 fl. (einm.); /Leipzig/: Ernst Julius Einsiedel, Steinmetzmeister, 1 fl. 45 kr.; /Lüneburg/: Medicinalrath Dr. Hillefeld 1 fl. 45 kr., Obergerichtsrath Jochmus 1 fl. 45 kr., Obergerichtsrath Uebbelohde 1 fl. 45 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); /Mariazell/: Pharmazeut Bernard Röſsler 1 fl. 10 kr.; /Mühldorf/ (Bayern): Hugo von Peter, k. Notar, 1 fl. 45 kr.; /Neustadt/ a./S.: Bez.-Ger.-Dir. Böhe 2 fl. (einm.), Leonhard Geigel, kgl. Bez.-Amtmann, 1 fl., Karl Hohmann, kgl. Pfarrer, in Herschfeld 1 fl., Bez.-Ger.-Rath Kiliani 1 fl. (einm.), Bez.-Ger.-Assessor Krieger 1 fl. (einm.); /Neuwied/: Lohmann, erster Pfarrer der älteren evangelischen Gemeinde, 1 fl. 45 kr.; /Obergünzburg/ (Bayern): Karl Zangerle, kgl. Notar, 1 fl. 45 kr.; /Oberstdorf/ (Bayern): Fr. Heller, k. Pfarrer, 1 fl.; /Oederan/ (Sachsen): Rittergutspächter Klinger in Börnichen 1 fl. 45 kr. (einm.); /Pforzheim/: Gastwirth G. Autenrieth 1 fl. 30 kr., Steinhändler Gustav Bacherer 1 fl., Fritz Becker, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Alphons Benckiser, Chemiker, 1 fl. 45 kr., August Benckiser, Gieſserei-Besitzer, 1 fl. 45 kr., Gastwirth Betsch 1 fl. 30 kr., Ed. Bichler, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Lorenz Biſsinger, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Ludwig Diener, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Carl Dillenius, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Ernst Dillmann, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaufmann August Dreiſs 1 fl. 45 kr., Theodor Fahrner, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaufmann L. Franzmann 1 fl., Aug. Gerwig, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Karl Gruner, II. Bürgermeister, 1 fl. 45 kr., Peter Gülich, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaufmann A. Homberger, 1 fl. 45 kr., A. Katz, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Heinr. Keller, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., C. Kling, Etuis-Macher, 1 fl., Bankier A. Kuhn 1 fl. 45 kr., Friedrich Kurz, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Theod. Lenz, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Ludwig Lucan, Estampeur, 1 fl., Gottlob Majer, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Gastwirth Ed. Mayer 1 fl. 45 kr., Aug. Nösgen, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Apotheker G. Pregizer 1 fl. 45 kr., L. Reimann, Chemiker, 1 fl. 45 kr., C. E. Rohreck, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 30 kr., Adolph Roller, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr. F. Roths, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Maler Karl Ruf 1 fl., G. Saacke, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaufmann Ad. Schad, 1 fl., Kaufmann F. Ad. Schenck 1 fl. 45 kr., Hermann Schlesinger, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaspar Schmidt, Oberbürgermeister, 1 fl. 45 kr., Heinrich Schober, Bijouterie-Fabrikant 1 fl., Louis Schober, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Apotheker A. Schuhmacher 1 fl. 45 kr., A. Süſsdorff, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Jul. Trautz, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Christian Ungerer, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Steinhändler Friedr. Walz 1 fl. 45 kr., J. F. Zerrenner, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr.; /Salzungen/: Dr Hermann Hoffmann, Apotheker, 4 fl. (statt früher 2 fl.); /Schäſsburg/: Professor Joseph Haltrich 24 kr. (einm.); einige Schüler des Gymnasiums daselbst 1 fl. 24 kr. (einm.); /Scheſslitz/ (Bayern): Franz Ludwig Kreppel, k. Notar, 1 fl. 12 kr.; /Schongau/ (Bayern): Eduard De Crignis, k. Posthalter, 2 fl. 42 kr.; /Schwartau/ (Fürstenth. Lübeck): Mitglieder des Gemeinderaths 3 fl. 30 kr. (einm.); /Stralsund/: Maurermeister Th. Teichen 1 fl. (einm.); /Thiengen/ (Baden): Marie Fischer, Fabrikbesitzerin, 1 fl. 45 kr.; /Ulm/: Finanzrath Blessing 1 fl. (einm.), Ritter von Elvert, k. Art.-Oberst, 2 fl. (einm.), M. D. Kieser in Winnenden 1 fl. (einm.), Stadtrath Pfander in Winnenden 1 fl. (einm.); /Wunsiedel/: Landrichter Bergmann 1 fl., Kaufmann Karl Rockstroh in Dörflas 24 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

~Dr. A. Flegler~, Archivvorstand des german. Museums: 3298 a. Uebergabsbrief der Barbara Puchmairin für ihre Töchter. 1478. Pgm.

~Gustav Lomler~, Oberlehrer, in Salzungen: 3299. Vier Autographen.

~Titot~, Oberamtspfleger, in Heilbronn: 3300. Stiftung des Johannes Zudel für die Johanniskirche in Worms. 1354. Pgm.

~Magistrat der Stadt Culm~: 3301. Verzeichniſs der die Stadt Culm betreffenden Urkunden von 1257 bis 1645. Pap.

~Magistrat der Stadt Königsberg~: 3302. Verzeichniſs der im städtischen Archiv zu Königsberg befindlichen Urkunden von 1251-1717. (325 Nummern.) Pap.

II. Für die Bibliothek.

~Dr. Aug. Schleicher~, Hofrath und Professor, in Jena: 18,872. Ders., Christian Donaleitis litauische dichtungen; erste volst. ausg. mit glossar. 1865. 8.

~A. Heusler~, Vater, Universitäts-Professor, in Basel: 18,873. Ders., Mittheilungen aus den Basler Rathsbüchern aus den Zeiten des dreiſsigjähr. Krieges. 8. Sonderabdr.

~Dr. J. M. Söltl~, k. geh. Hausarchivar u. Professor, in München: 18,874. Ders., Max II., König von Bayern. 1865. 8. 18,875. Auentinus, Imp. Henrici quarti Caes. Aug. vita. 1518. 4.

~Dr. C. E. v. Malortie~, k. hannov. Staats- u. Haus-Minister, Oberhofmarschall u. geh. Rath, Excellenz, in Hannover: 18,876. Ders., Beiträge zur Geschichte des Braunschw.-Lüneburg. Hauses u. Hofes; 5. Heft. 1866. 8.

~Josef Haltrich~, Gymnasial-Professor, in Schäſsburg: 18,877. Ders., Plan zu Vorarbeiten für ein Idiotikon der siebenbürg.-sächs. Volkssprache. 1865. 8.

~Dr. G. D. Teutsch~, Pfarrer, in Agnetheln: 18,878. Ders., Abriſs der Geschichte Siebenbürgens; 2. Aufl., 1. Heft. 1865. 8.

~C. W. Kreidel’s~ Verlag in Wiesbaden: 18,879. Schliephake, Geschichte von Nassau; 2. Halbband. 1866. 8.

~Vandenhoeck & Ruprecht’s~ Verlag in Göttingen: 18,880. Müldener, bibliotheca historica; 12. Jahrg., 2. Heft. 1864. 8.

~Rudolph Weigel~, Verlagshandlung, in Leipzig: 18,881. v. Retberg, kulturgeschichtliche Briefe. 1865. 8.

~P. A. Frind~, bischöfl. Notar, k. k. Gymnasialdirektor, in Eger: 18,882. Ders., die Kirchengeschichte Böhmens; II. Bd. 1866 8. 18,883. Programm des k. k. Staats-Obergymnasiums zu Eger. 1865. 8.

~J. G. Böſsenecker~, Verlagsbuchhandl., in Regensburg: 18,884. Mettenleiter, aus der musikalischen Vergangenheit bayrischer Städte. 1866. 8.

=Dr. E. Zober=, Professor und Stadtbibliothekar, in Stralsund:

18,885. Ders., d. Vereinigung des ehemaligen Pommerns u. Rügens mit d. preuſs. Staate. 1865. 8.

18,886. v. Bohlen, die Erwerbung Pommerns durch die Hohenzollern. 1865. 8.

18,887. Dalmer, Sundia liberata. 1865. 4.

18,888. v. Krassow, Beiträge zur Kunde Neu-Vor-Pommerns u. Rügens etc. 1865. 8.

18,889. Pyl, Margareta von Ravenna. 1865. 8.

18,890. v. Rosen, der Fensterschmuck der Wallfahrtskirche zu Kentz. 1865. 8.

=Historischer Verein für Ermland=. in Braunsberg:

18,891. Ders., Zeitschrift etc. VIII. Heft. 1865. 8.

18,892. Monumenta historiae Warmiensis; II. Abth., 8. Lief. 1865. 8.

=Abtheilung des Künstlervereins für bremische Geschichte und Alterthümer= in Bremen:

18,893. Dies., Jahrbuch; II. Bd., 1. Hälfte. 1865. 8.

=César Daly=, Architekt, in Paris:

18,894. Ders., revue générale de l’architecture etc.; 23. vol., no. 1-8. 1865. 2.

=Friedr. Butters=, k. Gymnasialprofessor, in Zweibrücken:

18,895. Ders., Pantaleon Candidus. 1865. 4. Progr.

=Akadem. Leseverein an der k. k. Universität= zu Wien:

18,896. Ders., 4. Jahresbericht, 1864-65. 8.

=Dr. Friedr. Ried=, groſsh. geh. Hofrath u. Professor, in Jena:

18,897. Materialien zur Genealogie verschiedener adeliger Familien. Pap.-Ils. Fasz. 18. u. 19. Jhdt. 2.

=Gustav Lomler=, Oberlehrer, in Salzungen:

18,898. Gernhard, Diarium oder Tag-Register, dessen was sich Zeit des Auffenthalts des sel. Herrn D. Mart. Lutheri auf der Veste Coburg.... zugetragen. 1730. 4.

18,899. Wagner, de originibus Saalfeldi. 1826. 8.

18,900 Wagner, ausführliche Beschreibung der an dem Tischlermeister J. G. S. Amende verübten schreckl. Mordthat. 1831. 8.

18,901. 14. Jahresbericht des Hauptvereins Meiningen-Hildburghausen der Gustav-Adolfstiftung; 1863-64. 8.

18,902. Gerstner, die Buchdruckerkunst in ihrer Bedeutung für Wissenschaft, Staat und Wirthschaft. 1865. 8. Mit 5 Beilagen.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Eisinger=, Stadtrechner, in Offenburg:

4958. Burggräflich nürnbergischer Dreier von 1622.

=Fr. Deuster= in Kitzingen:

4959. Ein im Schwabenberg bei Kitzingen aufgefundener Sporn.

=F. S. Eislin=, Stadtrechner, in Thiengen:

4960. Schaffhausener Silbermünze von 1633 und Zwölfkreuzerstück von Friedrich Magnus von Baden.

=Lepsius=, Appell.-Gerichtsrath, in Naumburg: 4961. Lackabdruck vom Siegelstock des Visitators der Deutschordensballei Thüringen.

=Magistrat der Stadt Burg=: 4962. 2 Lackabdrücke des Stadtsiegels von Burg.

=Ungenannter in Nürnberg=: 4963. Nürnberger Heller vom Ende des 14. Jhdts.

=G. Lomler=, Oberlehrer, in Salzungen: 4964. 8 neuere Siegelabdrücke.

=Dr. Fr. Ried=, groſsh. geh. Hofrath und Professor, in Jena: 4965. Sammlung von 55 älteren und neueren, vorzugsweise Gildesiegeln.

=F. Schöntag=, Subrektor, in Wunsiedel: 4966. Karte von Deutschland von Nic. Vischer, auf Seide gedruckt.

=C. W. Neumann=, Oberlieutenant und Adjutant, in Regensburg: 4967. Photographie nach Prekel’s Porträtmedaillon des Don Juan d’Austria.

=P. A. Frind=, bischöfl. Notar und k. k. Gymnasialdirektor, in Eger: 4968. 22 Lackabdrücke älterer Siegelstöcke.

=Waldvogel=, Pfarrer, in Schweinspoint: 4969. Pfahlstiefel aus der früheren Marxheimer Brücke.

=Schnizlein=, Dekan, in Ansbach: 4970. Silberne Medaille auf den Ryswiker Frieden. 4971. Thaler der Stadt Schw. Hall, 1712. 4972. 6 kleinere Silbermünzen.

=Müller=, Pfarrer, in Pleinfeld: 4973. Ansicht von Burg und Markt Kipfenberg, Photographie. 4974. 3 kleinere Silbermünzen.

=Dr. H. Becker= in Dortmund: 4975. 12 niederländ. Kupfermünzen vom 17. u. 18. Jhdt.

Schnizlein, Stadtgerichtsassessor, in Nürnberg: 4976. Konstanzer Silberkreuzer, 14 Kupfermünzen vom 17. u. 18. Jhdt. und 5 Kupfermarken.

=E. Ziegler=, Juwelier, Gold- und Silberarbeiter, in Nürnberg: 4977. Brabanter Silbermünze König Philipp’s II. von 1562.

=K. Berthold=, Wachszieher und Magistratsrath, in Ingolstatt: 4978. Gypsabguſs der am Schloſsthore zu Ingolstatt eingehauenen Inschrift von 1368.

=D. Soldau’s= Buch- und Verlagshandlung in Norden: 4979. Photogr. Ansicht der Stadt Norden.

=S. Frosser=, Bürgermeister, in Herford: 4980. 14 Lackabdrücke von Herforder Stadt-, Gilde- u. a. Siegeln. 4981. 25 Lackabdrücke von den im Archiv zu Herford befindlichen Münzstempeln.

=Frl. Clementine Hennig= in Schleiz: 4982. Sporn vom 16. Jhdt.

Chronik der historischen Vereine.

/Anzeiger der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften./ Philosophisch-historische Classe. II. Jahrgang. 1865. Nr. I.-XXIX. Wien. 1865. 8.

/Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte/, herausgegeben von dem /historischen Vereine von und für Oberbayern/. Sechsundzwanzigster Band. Erstes Heft. 8.

Kleine Hülfsmittel beim Studium der Bayerischen Geschichte. Von Dr. Chr. Häutle. Erste Serie. I. Richtige Zählungsweise der gleichnamigen Wittelsbachischen Regenten in Bayern. II. Schema der Regierungsjahre aller Wittelsbacher in Bayern. III. Chronologische Darstellung der sämmtlichen Landestheilungen in Bayern. -- Die Reihenfolgen der Gerichts- und Verwaltungsbeamten Altbayerns nach ihrem urkundlichen Vorkommen vom XIII. Jahrhundert bis zum Jahre 1803. Mitgetheilt von Ernest Geiſs. Erste Abtheilung. Oberbayern.

Sechsundzwanzigster /Jahres-Bericht/ desselben Vereins. Für das Jahr 1863. Erstattet in der Plenarversammlung am 1. August 1864 durch den ersten Vorstand Friedrich Hektor Grafen Hundt. München, 1864. 8. 77 Stn.

/Kirchenschmuck. Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des /christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XVIII. Band, zweite Hälfte. Achter Jahrgang 1865. Viertes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Archäologische Notizen: Schnitzer und Maler; Testament des Herzogs Johann von der Pfalz; die schwarzen Muttergottesbilder; u. A. -- Ein Gang durch 80 Kirchen.

/Zeitschrift für die Geschichte und Alterthumskunde Ermlands./ Im Namen des /historischen Vereins für Ermland/ herausgegeben vom Domcapitular Dr. Eichhorn. Achtes Heft. Mainz, 1865. Verlag von Franz Kirchheim. 8.

Die Prälaten des ermländischen Domcapitels. Vom Domcap. Dr. Eichhorn. -- Zur Geschichte des kopernikanischen Systems. Fortsetzung des dritten Artikels. Von Prof. Dr. Beckmann. -- Geschichte der Heiligenlinde. Forts. Von Curatus Kolberg. -- Remowe in Warmien. Von Obersteuerinsp. v. Winkler. -- Chronik des Vereins.

/Monumenta Historiae Warmiensis./ II. Abtheilung. Scriptores Rerum Warmiensium oder Quellenschriften zur Geschichte Ermlands. Im Namen des historischen Vereins für Ermland herausgegeben von Carl Peter Woelky und Johann Martin Saage. Achte Lieferung. Band III. Bogen 1-12. Mainz, 1865. Verlag von Franz Kirchheim. 8.

Series Episcoporum Warmiensium. -- Johannes Plastwici, Decani Warmiensis, Chronicon de vitis episcoporum Warmiensium. -- Acta de interceptione castri Allenstein.

/Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt/ Berlin. Erster Band. Heft I. Die Chronik der Cölner Stadtschreiber von 1542-1605. -- Die Wendland’sche Chronik von 1648-1701. Berlin. In Commission bei A. Bath. 1865. 8. 104 Stn.

/Bremisches Jahrbuch./ Herausgegeben von der /Abtheilung des Künstlervereins für Bremische Geschichte und Alterthümer/. Zweiter Band. Erste Hälfte. Mit einem Holzschnitt und zwei Steindrucktafeln. Bremen, Verlag von C. Ed. Müller. 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Die erste Abtheilung des Werks: „Denkmale der Geschichte und Kunst der freien Hansestadt Bremen.“ Von H. A. Müller. -- Philipp Cäsar. Ein Lebensbild aus der Bremischen Kirchengeschichte. Von J. M. Kohlmann. -- Ueber Heergewette und Niftelgerade nach Bremischem Rechte. Von Dr. A. H. Post. Nebst Urkunden-Anhang. -- Beiträge zur Geschichte des Rathskellers in Bremen. Von J. G. Kohl. -- Zur Geschichte der Ritter Deutschen Ordens. Mit einem Holzschnitte und drei Tafeln. 1. Die Fahrt der Bremer und Lübecker nach Accon und die Stiftung des Deutschen Ordens. Von D. R. Ehmbk. 2. Die Deutschherren-Commende zu Bremen. Von H. A. Schumacher. 3. Die Ueberreste der Bremischen Komthureigebäude. Von S. Loschen. -- Ein Bremischer Garten im vorigen Jahrhundert. Mitgetheilt von Dr. Fr. Buchenau.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

1) /Roggenwolf und Roggenhund./ Beitrag zur germanischen Sittenkunde von /Wilhelm Mannhardt/. Danzig, Verlag von Constantin Ziemssen. 1865. gr. 8. XII u. 51 Stn.

Nach den von A. Kuhn zu Tage geförderten Resultaten der vergleichenden Sprachforschung, welche der Mythendeutung zuerst eine sichere, schwerlich je zu erschütternde Basis errangen, lieſsen sich auf dem Gebiete der Mythologie, namentlich der germanischen, neue Entdeckungen von wesentlichem Belange kaum noch erwarten. Auch gieng die Thätigkeit der Gelehrten dieses Fachs nun vorzüglich nur noch darauf aus, die neu eingeschlagene Bahn weiter zu verfolgen und die Richtigkeit der gefundenen Prinzipien durch deren Anwendung nach den verschiedensten Seiten hin zu erproben. Konnte auf diesem Wege die Wissenschaft zu wahrhaft neuem Erwerb zwar nicht gelangen, so gewährten die angestellten Versuche doch willkommene Bestätigung dafür, daſs Kuhn das lange vergebens gesuchte mot de l’énigme, den rechten Schlüssel zum Räthsel der Mythenbildung gefunden habe. Zugleich aber konnte nicht ausbleiben, daſs die Deutungssucht, der die frühern Irrwege für immer abgeschnitten waren, von dem klar gemachten neuen Terrain aus abermals auf unsichere Bahnen ausschweifte. Schon Schwartz gab durch seine, übrigens so schätzbaren Arbeiten dazu bedenklichen Anstoſs. Der drohenden Gefahr nun, daſs der Gewinn der neuen Entdeckung durch zu leichtsinnige Ausbeutung desselben einen Theil seines wissenschaftlichen Ansehens wieder einbüſsen möchte, wird von Mannhardt ein kräftiger Damm entgegengesetzt dadurch, daſs er auf den positiven Boden der Forschung, zu den noch flieſsenden lebendigen Quellen der Mythenkunde zurückkehrt. Wie fleiſsig die Sammlung der Volksüberlieferungen seit dem von Grimm gegebenen mächtigen Anstoſse auch betrieben worden ist, so kann sich der Kundige doch nicht verbergen, daſs sie, gegenüber den Anforderungen der Wissenschaft, fortwährend als ungenügend sich erweise, in Betracht sowohl der bedeutenden Lücken, welche sich immer noch zeigen, als des unmethodischen Verfahrens, welches beim Sammeln, wie bei der Zersplitterung der Kräfte unvermeidlich war, zu häufig Anwendung fand. Beiden Mängeln will M. abhelfen, indem er unter einheitlicher, kundiger Leitung ein möglichst ausgedehntes Ländergebiet Ort bei Ort absuchen und dabei stets nur eine bestimmte Ueberlieferungsgruppe nach der andern an die Reihe kommen läſst. Mit den agrarischen Gebräuchen, zunächst besonders den Erntesitten, hat er den Anfang gemacht, und als die erste, zwar noch nicht vollkommen gereifte und daher nur als Probe dargebotene, Frucht des Unternehmens haben wir die oben verzeichnete Schrift zu begrüſsen. Die mit dem gründlichen methodischen Sammeln, wie es von M. in’s Werk gesetzt ist, verbundenen Vortheile springen in die Augen. Nicht die Mythenkunde allein wird dabei gewinnen, das Resultat wird nicht einzig eine, vermöge der breiteren Grundlage zu erzielende Festerlegung der Grundprinzipien dieser Wissenschaft sein: auch mancher andere Zweig der Kulturgeschichte und Alterthumskunde wird durch jenes Verfahren eine bisher ungeahnte Bereicherung erfahren. Davon zeugt schon die vorliegende Schrift. Sie faſst von den zahllosen Gruppen der volkstümlichen Ueberlieferungen nur die agrarischen Gebräuche in’s Auge, greift aus diesen nur den Glauben an ein im Getreide sich aufhaltendes dämonisches Wesen auf, erwählt aus den mancherlei Gestalten, unter welchen dieses Wesen dem Volksglauben erscheint, zum Gegenstande der Untersuchung nur Wolf und Hund, und doch, trotz dieser Beschränkung des Gegenstandes und des Nichtabschlusses der Sammlung, welche Fülle des Materials! Was bisher vorlag, hätte nur dürftige Notizen an die Hand gegeben. Nicht allein aber läſst die Schrift den Reichthum der noch zu hebenden Schätze ahnen: sie bürgt auch auf’s neue für die Tüchtigkeit des Unternehmers. Sein warmes Interesse für den Gegenstand beirrt ihn nicht in der Ausübung der besonnensten Kritik, deren Resultaten auch der kälteste Zweifler nicht leicht seine Beistimmung versagen wird. Auf den Inhalt der Schrift können wir uns hier leider nur mit wenigen Worten einlassen. Weit verbreitet ist der Glaube an ein dämonisches Wesen, welches im Getreide haust und durch das vom Wind erregte Wogen desselben seine Gegenwart kund gibt. Unzählige Redensarten (der Wolf geht durch’s Korn, sitzt im Korn, u. a. m.) bezeugen diesen Glauben, an welchen da und dort der Gebrauch sich knüpft, jenes Wesen, in manchen Gegenden Roggenwolf oder Roggenhund genannt, in der letzten Garbe zu fangen. Auch auf diese Garbe oder die Binderin derselben geht mitunter der Name Wolf über. Was nun irgendwie an den Roggenwolf in Redensarten, Gebräuchen, Namen, Sprüchen und abergläubischen Meinungen erinnert, wird von M. aus dem reichen Schatze des Gesammelten mit den nöthigen Erläuterungen und Combinationen vorgeführt. Nachdem er sodann den mythischen Gehalt des Glaubens an einen Korndämon dargelegt hat, findet er schlieſslich im Roggenwolf ein als Personification elementarer Naturgewalten (zunächst ist natürlich an den Wind zu denken) zu deutendes Wesen der germanischen Riesensage. Die Ansicht, daſs in den auf den Roggenwolf bezüglichen Erntesitten eine Opferhandlung sich verstecke, weist er zurück. Auch will er mit Recht nichts davon wissen, daſs in dem Wolfe Wodans Thier oder gar der Gott selber zu suchen sei. So viel von dem Inhalt der interessanten Schrift. Wir kommen auf das groſsartige Sammelunternehmen des Verfassers, bei der Wichtigkeit desselben auch für die Zwecke des german. Museums, noch einmal zurück. Ein solches Unternehmen, welches einen Quellenschatz der germanischen Volkssage und Volkssitte möglich machen und nicht allein auf alle Völker germanischen Stammes sich erstrecken, sondern auch die Mitwirkung der slavischen und romanischen Stämme in Anspruch nehmen will, übersteigt natürlich die Arbeitskraft eines einzigen Mannes, auch wenn dieser auf die Leitung und Verarbeitung der Sammlungen sich beschränkt und sein ganzes Leben dieser einen Aufgabe widmet. Nur durch ausdauerndes Zusammenwirken vieler energischer Kräfte lassen sich die Schwierigkeiten des Unternehmens allmählich überwinden. Die Unterstützung der Sache empfehlen wir um so mehr all denen, die sich derselben anzunehmen vermögen, als das german. Museum selbst das von M. jetzt in Angriff Genommene ursprünglich zu seinen Aufgaben zählte. Möge ihm gelingen, was auszuführen das Museum bis jetzt auſser Stande war. Dem Anfange wenigstens hat die Gunst der Umstände nicht durchaus gefehlt, indem die k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin die Sammlung der agrarischen Gebräuche, womit das Unternehmen eröffnet worden ist, befürwortet und der dabei anzuwendenden Methode zugestimmt hat, auch durch königliche Munificenz für die Deckung der nächsten materiellen Bedürfnisse Fürsorge getroffen ist. Ein Aufruf zur Beantwortung einer Reihe von Fragen ist in 50,000 Exemplaren versandt worden, und zum Theil bereits mit schätzbaren Erfolgen. Die dem Geschäft des Sammelns folgende Arbeit soll in zwei Theile zerfallen, von welchen der erste ein geographisch-ethnographisch, nach den einzelnen Landschaften geordnetes Urkundenbuch, der andere eine sachlich geordnete Zusammenstellung des Stoffes enthalten wird. Anschlieſsen soll sich ein Verzeichniſs aller derjenigen, welche durch ihre Beiträge das Werk gefördert haben. Mögen die Sagenfreunde sich beeifern, dieses Verzeichniſs einen möglich gröſsten Umfang gewinnen zu lassen!

2) Die Stedinger. Beitrag zur Geschichte der Weser-Marschen von H. A. Schumacher, Dr. jur. Bremen, 1865. Verlag von C. Ed. Müller. 8. 248 Stn.

Eine gekrönte Preisschrift, die den vielfach behandelten Stoff nach Inhalt und Form abzuschlieſsen scheint. In der ersten Abtheilung würdigt der Verfasser die vorhandenen Quellen und die bisherigen monographischen wie gelegentlichen Bearbeitungen des Gegenstandes, indem er gleichzeitig seinen eigenen Standpunkt beiden gegenüber feststellt. Der zweite Theil umgrenzt und beschreibt den Schauplatz der Ereignisse, entwickelt aus den natürlichen und geschichtlichen Vorlagen das Verhältniſs der benachbarten und in feindliche Berührung gerathenden Mächte, während Theil III und IV: „Die Stedinger vor ihrer Verketzerung und der Religionskrieg gegen die Stedinger“, den Zusammenstoſs und die schlieſsliche tragische Lösung der Frage berichten. Eine vierte Abtheilung verfolgt die Geschichte der merkwürdigen Bauernrepublik nach deren Unterwerfung. Da der eigentliche historische Ballast den zahlreichen, an das Ende des Buches gestellten Noten überwiesen ist, bleibt die Erzählung gleichmäſsig und spannend, die Darstellung so durchsichtig, daſs die die ganze Scenerie in Bewegung setzenden Mächte klar zu Tage treten. Abgelöst von der einzelnen Begebenheit erkennen wir die allgemeine Strömung der Zeit, welcher die Stedinger in ihrer gesonderten Stellung früher oder später jedenfalls hätten erliegen müssen, sowie die Schwächen ihrer eigenen staatlichen Existenz, die sie im entscheidenden Augenblicke preisgaben. Ein den Noten hinzugefügter Anhang nimmt einzelne Punkte der Erzählung zu näherer kritischer Beleuchtung wieder auf. Zwei Karten erleichtern das Verständniſs der oft sehr verwickelten Ortsbestimmungen.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Ausland/: Nr. 49. Cromlechs und Druiden-Steinkreise. (Aus dem Intellect. Obs.) -- Nr. 51. Alt- und neufriesische Sprachproben. (Franz Maurer.)

/Biene/: Nr. 36. Beiträge zur böhmischen Pflanzensagenkunde. IV-VI. (Alfr. Waldau.) -- (1866): Nr. 1. Die Sage über den Ursprung der Hunnen und Ungarn. -- Beil.: Weihnachtsfeier im Erzgebirge des nordwestlichen Böhmen. (K. G. Meyer.) -- Sage vom Prinz Eugens-Brunnen bei Temeswar.

/Kathol. Blätter aus Tirol/: Nr. 34. Die Namen der Wochentage.

/(Berner) Bund/: Nr. 342. 343. Zur Geschichte der Entdeckung der keltischen Pfahlbauten. (Alb. Jahn.)

/Daheim/: Nr. 14. Drei Tage aus dem Leben eines Pfahlbaudorfes. (Herm. Wagner.)

/Europa/: Nr. 51. Gaukler und Schwarzkünstler im Alterthum. -- Nr. 52. Altfürstliche Geselligkeit. -- Der erste Maire von Straſsburg.

/Illustr. Familienbuch/: V, 12, S. 411. Der Handel. Eine culturhistorische Skizze. (Hugo Schramm.)

/Grenzboten/: Nr. 50, S. 928. Walther von der Vogelweide als mittelalterlicher und moderner Dichter. -- Nr. 51, S. 974. Weihnachten in Schleswig-Holstein. -- Nr. 52, S. 1001. Vertreibung und Aufnahme der Salzhurger Protestanten im J. 1732. -- (1866:) Nr. 1, S. 23. Das historische Volkslied der Deutschen. (G. F.)

/Hausblätter/: 24. Heft, S. 453. Holzlandsagen. VII. Das sechste und siebte Buch Mosis in Tautenhain. (Kurt Greſs.) -- Nr. 469. Die tanzende Prozession oder die tanzenden Heiligen zu Echternach. (Fr. Grebel.) -- (1866:) 2. Heft, S. 117. Volkssagen, aus dem Munde des Volkes gesammelt. 7. Niefinke. (Fr. Schultheis.)

/Der Katholik/: Novbr. Die Entwicklung der deutschen Geschichtschteibung von den ältesten Zeiten bis auf Carl den Groſsen.

/Evangel. Kirchen-Zeitung/: 77, 5. (Novbr.) Der Dom des heil. Gral.

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 654 f. Zu Pirkheimer’s Gedächtniſs. -- (1866:) Nr. 13 ff. Wissenschaftliche Vorträge in München. I. Prof. Thiersch: Ueber Luther’s Entwicklungsgang. -- Nr. 34. Erklärung einer Runeninschrift einer bei Nordendorf gefundenen Spange. (K. Hofmann.)

/Magazin f. d. Lit. d. Ausl./: Nr. 52. Zum heiligen Christ. Die Zwölften. (H. Beta.)

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 15 (III), S. 245. Deutsche Geschichtsschreiber. I. Johannes von Müller. (Wilh. Hoffner.) -- S. 323. Zur Geschichte des deutschen Handwerks. I. (Ludw. Stahl.)

/Deutsches Museum/: Nr. 50. Der Ritter Georg. (Hans Weininger.)

/Frank Leslie’s Illustrated Newspaper/: Nr. 534. The virgin, an ancient Instrument of torture.

/Novellenzeitung/: Nr. 50. Der wahrscheinliche Verfasser des Nibelungenliedes.

/Schles. Provinzialblätter/: Nov., S. 672. Die evangelische Kirche in Schlesien, insbesondere die Verdienste der freiherrl. Familie v. Zedlitz-Neukirch um dieselbe. Aus geschichtlichen Quellen und Urkunden.

/Recensionen u. Mittheil. über bild. Kunst/: Nr. 49. Die Tschager’sche Gemäldesammlung im Museum zu Innsbruck.

/Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik/: Nr. 49. Das Klavier. (Zur Geschichte desselben.) 1. Karl Nawratil. -- Nr. 51. Ein Schauspiel mit Musik vom J. 1510. (Alf. Grenser.)

/Berliner Revue/: 43, 9. Der Theatinerorden.

/Revue gen. de l’architecture/ etc.: Nr. 1-2, S. 6. Cuve baptismale dans la cathédrale de Trèves. (Ruprich-Robert.)

/Augsb. Sonntagsblatt/ (Beil. z. Postz.): Nr. 2. Zur Geschichte der Spielkarten.

/Bremer Sonntagsblatt/: Nr. 52. Vom schwarzen Tode. Ein Beitrag zur bremischen Geschichte. (H. A. Schumacher.) -- Nr. 53. Geschichte und Geschichtschreibung. (Alex. Meyer.) -- (1866:) Nr. 1. Neue hansische Geschichts-, Cultur- und Charakterbilder. I. Die Vitalienbrüder. (Heinr. Asmus.) -- Nr. 2. Historische Miscellen. 1. Ein Duell im 17. Jahrhundert. 2. Menschenopfer der Deutschen. 3. Vandalismus und die Vandalen. (Gottfr. Hermann)

/Münch. Sonntagsblatt/: Nr. 51. Die Klöpfelsnächte. Kulturhistorische Skizze. (Dr. L. v. Hörmann.) -- Otto der Groſse an der Nordsee. -- Die Kirchenruine des Klosters Gnadenberg in der Oberpfalz. (Dr. J. Sigbart.) -- Nr. 53. St. Utto’s Stab im Kloster Metten. (Ders.) -- (1866:) Nr. 1. Der Sängerkrieg auf der Wartburg. -- Nr. 3. Kaiser Otto III. am Grabe des heil. Adalbert.

/Ueber Land und Meer/: Nr. 12. Fraw Herae de vlughet. Weihnachtsbräuche. -- Nr. 14. Das Fizeln (Brauch am 28. Dez.)

/Deutsche Vierteljahrs-Schrift/: Nr. 113, S. 219. Die Entwicklung und Reform des deutschen Paſswesens. (G. R. R. Häpe.)

/Volksblatt für Stadt u. Land/: Nr. 94. Ein „edler Räuber“ des 15. Jahrhunderts. -- Nr. 103. Gebhard von Marenholz.

/Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg/: Nr. 51 f. Le roi te touche. (Paulus Cassel.)

/Oesterreich. Wochenschrift/: Nr. 47. Die Entwicklung der deutschen Städteverfassungen im Mittelalter. -- Nr. 50. Die altniederländischen Messen in der k. k. Ambraser Sammlung zu Wien. (A. W. Ambros.) -- Ueber den neuesten Stand der Nibelungenfrage. (H. Lambel.)

/Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 350. Der deutsche Geschichtsverein in Böhmen. -- Nr. 363. Aachener Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert. Karl’s IV. und Wenzel’s Königskrönungen.

/Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 344. Ein Beitrag zu den Alterthümern des Hauses Wittelsbach (der silberne, vergoldete Hammer, welchen Papst Julius III. im Jahre 1550 bei Eröffnung des Jubiläums gebrauchte). -- Nr. 349. Der Fund zu Gauting. (Franz Trautmann.) -- Nr. 356 ff. Das Vehmgericht in Westphalen. (A. Eisenhart.) -- (1866:) Nr. 2. Ein Schauspiel mit Musik vom Jahre 1510. -- Nr. 6. Zur Frage der Vehmgerichte. (H Vocke.) -- 16 ff. Zur Culturgeschichte der Handwerksbräuche. (Franz Trautmann.)

/Illustr. Zeitung/: Nr. 1173. Die Entdeckung römischer Alterthümer in der Nähe von Huddersfield in England. -- Schloſs Tirol bei Meran. -- Nr. 1175. Der Deutsche im französischen Sprichwort. -- Das Rathhaus in Brüssel. -- Nordische Schachfiguren des 12. Jahrhunderts.

Vermischte Nachrichten.

1) /Die Versteigerung der Kunst- und Antikensammlung/ des verstorbenen Direktors Böhm in Wien ist am 18. Decbr. beendet worden. Namentlich für kleine Holzschnitzwerke wurden enorme Preise bezahlt. Figürchen von deutschen Meistern des Mittelalters kamen auf 500-1000 fl. Einen wirklich fabelhaften Preis erreichten zwei in Holz geschnitzte Köpfe von Holbein (nach Andern aus der burgundischen Schule), welche sammt Postament 5 Zoll hoch sind. Direktor Böhm hatte beide Stücke vor vielen Jahren um 33 fl. in Wien gekauft. Es boten darauf der Wiener Kunsthändler Posonyi, der mit einem Angebot von 5000 fl. begann, der Kunsthändler Kleemann aus Paris (für Baron James Rothschild daselbst) und der Antiquitätenhändler Plach (für Baron Anselm Rothschild in Wien), welche die Köpfe so in die Höhe trieben, daſs sie endlich dem letztem für 11,800 fl. zugeschlagen wurden. -- Bei derselben Versteigerung wurde für die kgl. Gemäldegallerie in Dresden ein Bildchen, Christus am Kreuze darstellend, erstanden, welches, nur 8½ Zoll hoch und halb so breit, den Preis von 3000 Thlr. erzielte. Es ist von Albrecht Dürer gemalt, trägt die Jahreszahl 1500 und soll seinerzeit in der Sammlung des Kaisers Rudolf II. in Prag gewesen sein.

(Aus Wiener Bl.)

2) Das Kunstinstitut von Gustav Schauer in Berlin hat die /Herausgabe eines photographischen Albums Holbeinischer Schöpfungen/ unternommen. In dieses Album sind die Bildnisse Hans Holbein’s, Sigmund Holbein’s, Jakob Fugger’s, Lienhard Wagner’s und des Kunz von der Rosen, ein Flügel des Sebastian-Altars, der Brunnen des Lebens, der Orgelflügel des Basler Münsters, die Madonna, das Leben des Morritt, vier Blätter aus dem Todtentanz auf der Dolchscheide aufgenommen. Den Text mit einer ausführlichen Biographie Hans Holbein’s hat Dr. Alfred Woltmann geliefert, derselbe Kunstforscher, welcher seit längerer Zeit mit einem gröſsern Werke über Holbein beschäftigt ist und daher das Material zu solch einer Arbeit am vollständigsten beisammen hatte. (Ill. Ztg.)

3) Der philosoph.-historischen Classe der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien wurde zur Aufnahme in ihre Schriften zugesandt: „/Die Utraquisten in Böhmen/.“ Quellenmäſsig dargestellt von Dr. Clemens Borowy. Der eigentlichen Abhandlung ist vorausgeschickt eine Vorbemerkung, in welcher die Absicht des Verfassers bekannt gegeben wird, im Verein mit dem böhmischen Landesarchivar, Professor Gindely, die gesammten „Acten des katholischen und utraquistischen Consistoriums“ im 16. und 17. Jahrhunderte nach den bisher vorhandenen ungedruckten Quellen zu veröffentlichen. Die Mehrzahl dieser Quellen ist in böhmischer, ein anderer Theil in deutscher, und ein dritter in lateinischer Sprache verfaſst; die Originalien befinden sich in den Archiven des Prager Erzbischofes, des Domcapitels, der k.k. böhmischen Statthalterei, der Universität und anderen. Gegenstand der Abhandlung selbst ist die Disciplin der Utraquisten, wie sie im Verlaufe des 16. Jahrhunderts sich gestaltete.

4) Dem böhmischen Museum in /Prag/ hat der Stadtrath von Neuhaus ein werthvolles /Geschenk mit elf lateinischen Folianten/ theologischen, naturwissenschaftlichen und lexikalischen Inhalts gemacht, welche sämmtlich aus der ersten Periode der Buchdruckerkunst stammen. Dabei ist noch ein Foliomanuscript aus dem Jahre 1466 befindlich, welches die Episteln des Apostels Paulus enthält. Sie sind sämmtlich wohl erhalten und mit kunstreichen Initialen verziert.

(Ill. Ztg.)

5) Der Alterthumsforscher Quiquerez in Delsberg (Délemont), Cantons Bern, hat auf dem Felsen /bei Courroux die Reste eines keltischen Dorfes/ mit vielen Bruchstücken von keltischen Töpferwaaren von den ältesten Zeiten bis zur Einführung des Eisens, nebst mehreren Werkzeugen aus Stein und aus Bronze entdeckt, welche vollkommen mit den in den Pfahlbauten gefundenen übereinstimmen.

(Mgbl. z. bayer. Ztg.)

6) Ueber die /Aufdeckung von vier keltischen Grabstätten bei Teplitz/, südwestlich von der Strasse nach Lobositz zwischen den Dörfern Ratsch und Woboschan gelegen, wird geschrieben: Diese Gräber haben 4 Fuſs Länge und 2 Fuſs Breite und sind an den Wänden mit je einer aufrechtstehenden Steinplatte von Gneis ausgesetzt, ebenso mit einer Platte bedeckt. Jedes Grab enthält vier Urnen von schwachgebranntem Thon, deren Inhalt aus verbrannten Knochenresten besteht und theilweise auch einzelne Schmuckgegenstände aus Kupfer aufweist; nur zwei der Urnen wurden unversehrt herausgehoben. Weit zahlreicher ist das Vorkommen dicht aneinander stehender flacher Schalen, höchstens 4 bis 5 Zoll hoch und 8 bis 10 Zoll im Durchmesser, welche dicht unter der Dammerde in einer von kothigen Bestandtheilen schwarzen Erdschichte ruhen und mit einer Decke von basaltischen Gebilden versehen sind. Insofern die Knochensplitter auch Thieren angehören, dürfte man es neben einer Begräbniſsstätte auch mit einem Opferplatze zu thun haben. Fürst Clary, in dessen Besitz die Fundstücke übergegangen sind, wird im kommenden Frühling geregelte Nachgrabungen an der Stelle vornehmen lassen.

(Ill. Ztg.)

7) Bei dem Graben eines Brunnens zu /Rudolphsheim/ bei Wien wurden in einer Tiefe von 5 Klaftern /römische Grabstätten/ mit Aschenurnen entdeckt.

(Mgbl. z. B. Z.)

8) Bei dem Marktflecken /Frankenmarkt/ in Oberösterreich wurde gelegentlich von Erdabgrabungen in der letzten Zeit ein vollkommen wohlerhaltener /römischer Meilenstein gefunden/, welcher die Aufschrift trägt: „Marcus Aurelius. -- Antoninus Pius.“ Der Stein ist dem Landesmuseum in Linz zur Aufbewahrung übergeben worden.

(Ill. Ztg.)

9) In /Regensburg/ soll bei Gelegenheit der Ausschlammung eines Brunnens in der Kramgasse (im ehemaligen Judenquartier) ein sehr interessanter /Münzfund gemacht/ worden sein, und zwar von gröſsern und kleineren Gold- und Silberstücken aus dem 15., 16. und 17. Jhdt., welche, wie vermuthet wird, im dreiſsigjährigen Kriege in den Brunnen hinabgelassen wurden.

(Frk. Kur.)

10) Die /protestantische Kirche zu Kloster-Grab/ in Böhmen, welche 1618 auf Befehl des Prager Erzbischofs Lohelius niedergerissen und wegen dieser Handlung, zugleich mit der Schlieſsung der Kirche in Braunau, die nächste Veranlassung zum dreiſsigjährigen Kriege wurde, ist vollständig zerstört. In einem der Stadtgemeinde gehörigen, hinter dem Rathhause liegenden Obstgarten bemerkt man einen kleinen viereckigen, etwas erhöhten Platz, und unmittelbar daneben einen noch kleineren, in ähnlicher Weise erhöhten Fleck. Das sind die Stellen, auf welchen sich einst das Kirchlein erhob. Der letzte Stein der Kirche diente noch vor wenigen Jahren auf einer nahe gelegenen Kegelbahn zur Unterlage der Kegel und ist jetzt ebenso verloren, wie schon 1855 alle im Rathhause befindlichen, über die Erbauung und Zerstörung der Kirche und die sich daran reihenden Ereignisse Auskunft gebenden Urkunden beseitigt worden sind.

(Korr.)

11) In /Pforzheim/ besteht seit langer Zeit der Gedanke, das Andenken eines der berühmtesten Söhne dieser Stadt, /Johann Reuchlin’s/, des Bahnbrechers moderner Bildung und Vorarbeiters der Reformation, 1455 daselbst geboren, 1522 in Stuttgart gestorben, durch /Errichtung eines Denkmals/ zu ehren. Dieses Projekt ist neuerlichst von dem Medicinalrath Moppey wieder aufgenommen worden, welcher zwölf populäre Vorlesungen halten wird, deren Ertrag zur Gründung eines Reuchlin-Monuments bestimmt ist, indem er hofft, daſs das Unternehmen einen Anstoſs zur Einsendung anderweitiger Beisteuern geben werde.

(Ill. Ztg.)

Inserate und Bekanntmachungen.

1) Im Verlage von E. Avenarius in Leipzig erscheint auch für das Jahr 1866:

~Literarisches Centralblatt für Deutschland~. Herausgegeben von Professor Dr. Friedr. Zarncke. Wöchentlich eine Nummer von 12-16 zweispaltigen Quartseiten. Preis vierteljährlich 2 Thlr.

Das „Literarische Centralblatt“ ist gegenwärtig die einzige kritische Zeitschrift, welche einen Gesammtüberblick über das ganze Gebiet der wissenschaftlichen Thätigkeit Deutschlands gewährt und in fast lückenloser Vollständigkeit die neuesten Erscheinungen auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft (selbst die Landkarten) /gründlich/, /gewissenhaft/ und /schnell/ bespricht.

In jeder Nummer liefert es durchschnittlich über 20, jährlich also etwa 1200 Besprechungen.

Auſser diesen Besprechungen neuer Werke bringt es eine Angabe des Inhalts aller wissenschaftlichen und der bedeutendsten belletristischen Journale, der Universitäts- und Schulprogramme Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz; die Vorlesungs-Verzeichnisse sämmtlicher Universitäten und zwar noch vor Beginn des betreffenden Semesters; eine umfängliche Bibliographie der wichtigern Werke der ausländischen Literatur; eine Uebersicht aller, in andern Zeitschriften erschienenen ausführlichern und wissenschaftlich werthvollen Recensionen; ein Verzeichniſs der neu erschienenen antiquarischen Kataloge, sowie der angekündigten Bücher-Auctionen; endlich gelehrte Anfragen und deren Beantwortung, sowie Personal-Nachrichten. Am Schlusse des Jahres wird ein vollständiges alphabetisches /Register/ beigegeben.

~Prospecte und Probenummern~ sind durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zu erhalten.

2) =Wichtige literarische Novität für alle Münzfreunde.=

Soeben erschien bei G. F. Groſsmann in Weiſsensee und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Leitzmann, (Red. d. Num. Ztg), „~Wegweiser auf dem Gebiete der deutschen Münzkunde~“ II. Lieferung, umfassend das Münzwesen des Königreichs Sachsen, Groſsherzogthums Sachsen-Weimar, der Herzogthümer Sachsen, des Herzogthums Anhalt, der Fürstenthümer Schwarzburg, des Fürstenthums Reuſs, Herzogthums Braunschweig, Königreichs Hannover, Churfürstenthums und Groſsherzogthums Hessen und der Landgrafschaft Hessen-Homburg, der freien Reichsstädte Frankfurt a.M., Hamburg, Lübeck und Bremen, der Groſsherzogthümer Mecklenburg, des Groſsherzogthums Oldenburg, des Herzogthums Lauenburg und Herzogthums Holstein. 13 Bgn. 8. geh. Preis -- 27 Sgr.

Die erste Lieferung (Preis gleichfalls -- 27 Sgr.) umfasst das Münzwesen des gesammten /Preuſsischen Staates/ und die im Druck befindliche dritte Lieferung, womit dieses so äuſserst günstig recensierte Werk des in numismatischen Kreisen bekannten Herrn Verfassers wahrscheinlich schlieſst, wird das Münzwesen Oesterreichs nebst den andern süddeutschen Staaten ausführlich behandeln.

3) Alle ~Münz-~ und ~Alterthumsfreunde, Münzforscher~ etc. werden auf die in Weiſsensee (bei Erfurt) erscheinende

Numismatische Zeitung,

herausgegeben von Leitzmann, aufmerksam gemacht.

Dieselbe hat soeben ihren /33. Jahrgang/ begonnen und steht als /einziges/, in kürzeren Fristen erscheinendes Organ der Numismatik da. Preis pro Jahrgang (26 Nummern, Inhaltsverzeichniſs und 4-6 Münztafeln) Thlr. 2. 15 Sgr.

Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an.

4) In ~J. A. Stein’s~ Buchhandlung (/Ad. Köllner/) in ~Nürnberg~ ist erschienen und durch /jede/ Buchhandlung zu beziehen: Erbstein, H. A., Dr. jur., ~Der Münzfund von Trebitz bei Wittenberg~. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Münzwesens im 12. u. 13. Jhdt. Nürnberg, 1866. 4. 9 Bogen und 4 Kupfertafeln mit 75 Abbildungen. Preis 2 Thlr.

5) ~Anfrage.~ Im Monat November 1827 wurde aus dem Nachlasse des bekannten Geschichtsforschers /Thomas Ried zu Regensburg/ nachfolgend bezeichnetes Manuscript durch Auctionator Auernheimer ersteigert. Es ergeht an alle Freunde der Geschichtsforschung hiemit die Bitte, gefälligst Aufschluſs darüber zu geben, wo dies Werk sich gegenwärtig befinden mag?

„Bernclau, decani eccl. cath. Ratisb., tabulae stemmatographicae et genealogicae Landsassiarum veteris et junioris Palatinatus. Mnscript. fol.“

Hauzenstein bei Regensburg.

Hugo Graf v. Walderdorff.

☛ Der heutigen Nummer dieses Blattes ist ein Aufruf des Dr. W. /Mannhardt/ zur Beantwortung von Fragen, die agrarischen Gebräuche, namentlich die Erntesitten betr., beigelegt. Auf die in der gegenwärtigen Beilage zum Anzeiger abgedruckte Besprechung der Schrift „Roggenwolf und Roggenhund“ Bezug nehmend, ersuchen wir Alle, welche Interesse für die Sache hegen, derselben nach Kräften sich annehmen zu wollen. Insbesondere bitten wir darum die Herren Pfleger des Museums, welche eine etwa erzielte Beantwortung der Fragen an unsere Adresse (das german. Museum) gelangen lassen wollen. Zur sachdienlichen Vertheilung stehen weitere Exemplare des Aufrufs zu Diensten. Auch über einige Exemplare der besprochenen Schrift haben wir noch zu verfügen, welche wir an diejenigen Herren Pfleger, die der Gegenstand /besonders/ interessiert, abzulassen bereit sind.

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 2. Februar.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Der „fränkische Krieg“.

Mitgetheilt von Jos. /Baader/, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.

(Fortsetzung.)

Kriegshandlung.

/Was gegen Velberg dem schloſs gehandlt ist/: Vnd alls das kriegsvolck sambt dem geschütz von Dinckelspühel aus den negsten auf Poxberg getzogen vnd dann das schloſs Velberg nit weit von dem wege gelegen, ist gegen demselben schloſs nit mer gehanndlt dann das die kriegsräte vff vorgeenden absagbrieff, der dem Wilhalm von Felberg gen Velberg durch Herr Jorgen Truchsassen alls obersten veldthaubtman zugeschickt, ir ettlich zu roſs doselbsthin gen Velberg geordent, dem Wilhalm von Felberg seinen tayl abprechen, das zimer heraustragen, verprennen vnd alle seine zugehörende güter vnd paurn zu gemains bunds hannden annemen laſsen, das dann on alle verhinderung beschehen ist.

/Poxberg betreffend/: Nachmals alls der oberst veldthaubtman sambt den kriegsräten vnd dem kriegsvolkh sambstags den 20. Juny gen Pergershaim bey Mergethaim gelanngt, haben sy den herschreyer oder parsifanndten mit einem trumetter gen Poxberg geschickt, daſselb schloſs, so vff ein groſse meil wegs dauon gelegen, im namen Romischer kayserlicher mayestat vnd gemainer stennde des löblichen bunds zu Schwaben vnd zu derselben hannt vnd gewalt sambt allem dem, das zu demselben schloſs gehört, erfordern laſsen.

Demselben parsifanndten oder heerschreyer ist vff kurtze rede durch die innhaber deſselben schloſs, so allein von dem stettlein doselbst in besetzung gewest, geanntwort, das sy inen nit getrauen, wider die kayserliche mayestat noch die stennde des schwäbischen bunds das haus Poxberg inzubehalten. Dhweil auch ire edleut, die Rosenberger, denselben Poxberg vnd ire armleut verlaſsen, von inen gewichen, deſsgleichen die lanndtsknecht vnd poxenmaister, so bey ynen zu Poxberg in besetzung gewest, bey zwaintzig starckh, abgezogen, der belegerung vnd der straich nit erwarten wollen, westen sy sich auch nit zubeschützen vnd wolten sich der Romischen kayserlichen mayestat vnd gemainen stennden des schwäbischen bunds zu vnterthanen in gnad ergeben, das schloſs sambt aller zugehör v̈beranntworten mit der vnterdenigen bitt, sy die vnterthanen vnd armen leut bey irer alten freyhait vnd gerechtigkeit bleiben zulaſsen, vnd vor gewalt, auch iren alten edleutten den Rosenbergern zubeschützen. Vnd haben alsbald auch bey demselben parsifanndten dem obersten veldthaubtman vnd anndern kriegsräten geschrieben, wie das nachvolgende schrifften antzaigt:

Den wolgebornen gestrenngen vnd edln hern, hern Georgen Truchsäsen, freyhern zu Walburg &c., obersten veldthaubtman, vnd andern Romischer kayserlicher mayestat vnd des löblichen bunds zu Schwaben beuelhabere vnd kriegsräten, vnnsern gnedigen herrn:

Wolgebornen gestrenngen vnd edln, gnedig, günstig, lieb herrn! Euer gnad vnd gunst alls Romischer kayserlicher mayestat, vnnsers allergnedigisten herrn, vnd deſsgleichen des bunds im lannde zu Schwaben, vnnser gnedigsten vnd gnedigen herrn, haubtleut &c. haben vns alls heut durch euer gnaden vnd gunst gesanndten herolten vnd beuelchhabern einen fürschlag vnd fordrung, das haus Poxberg sambt der statt betreffend, laſsen fürtragen; vnnter anderm eur gnaden vnd gunsten anstatt kayserlicher mayestat, vnnsers allergnedigisten herrn, vnd des loblichen bunds zu Schwaben das haus vnd statt Poxberg aufzugeben, gefordert vnd begert, oder des heerzugs ernnstlich zugewarten &c. Dhweil wir nun alls arm verlaſsen leut einem solchen v̈berzug vorzusteen beschwerlich befinden an leib, guet vnd eer gar pfenntlich &c., so ist an eur gnad vnd gunst vnnser vnterdenigste hochste vleisigste bitt, vnns alls arm leut gnediglich zubedencken, doneben vffs vnterdenigst bittend, vnsern junckhern vnd iren beden schwestern ire gült vnd zinns jerlichen volgen vnd gnediglich zubetrachten, zum anndern vnns arm burger, auch all annder vnnser junckhern zustendig, ire hintersäsen, verwannten, gaistlich vnd weltlich leibs vnd guts zusichern, vnd dergleichen zum dritten vns alle der von Rosenberg zu Poxberg armleut inner- vnd auſserhalb Poxberg bey altem herkomen, geprauch vnd gewonheit gnediglich bleyben zulaſsen, in gnedigsten schutz vnd schirm zubehalten, vnd [wollen vns] solchs vff eur gnad vnd gunst auffordern vnd begern dermaſsen vnterdeniglich ertzaigen vnd aller gepür halten, vnterdenigst bittend, vns pas, dann wir arm leut reden, schreiben noch fürtragen mögen, gnediglich zubetrachten, vns vnd vnser vnschuld zubehertzigen, vnd bitten euer gnad vnd gunst vmb gnedig mit versicherter pettschafft beschribne antwort. Datum Poxberg sambstags nach Metardi Anno &c. 1523.

/Schultheis, burgermaister und rate zu Poxberg./

Vff solche handlung vnd der von Poxberg schreiben haben die kriegsräte am suntag ganz frü herr Rudolffen von Ehingen, Ritter, haubtmann, Jacoben von Wernau vnd den zeugmaister Matern Herder mit hundert pferden, auch einem zimlichen geschütz gen Poxberg geschickt vnd daſselb haus ernstlich erfordern vnd einnemen laſsen, wie dann solchs on allen widerstanndt v̈bergeben vnd zu des punds handen vnd gewalt alsbald gestellt worden ist.

Vnd alls im selben schloſs Poxberg an treffenlichen geschütz, alls quartonen, notschlangen, valckonetlin, zentner- vnd sunst hackenpüxen in mercklicher antzal, datzu kugl, pulfer vnd annder munition, auch wein, melb, getraid, flaisch, saltz vnd in allem dem, so in ein besetzung gehört, aller vorrat gefunden, haben die kriegsräte obgemelten suntag Albani geordent, das geschütz sambt seiner zugehör von dem schloſs Poxberg an peſsere gewarsam zufüren vnd gemainem bundt zu gueten zubehalten. Das ist beschehen vnd also denselben suntag vnd montag biſs vff den mittag volbracht vnd das geschütz gen Bischoffshaim gefürt.

Inuentarium des geschütz vnd vorrats, so zu Poxberg im schloſs erobert vnd gefunden ist: Erstlich ein quarttaun, 36 cenntner schwer, scheuſst eysen 36 pfundt; ein schlanngen steet doneben, vngeuerlich 26 zentner schwer, scheuſst eysen 6 pfundt; ein stainpüxen vff einem stockh, ungeuerlich zwaintzig zentner schwer; zwey valckonet, ains vff 4 zentner schwer; ein quarttaun vff einem schirmer, vngeuerlich vff 30 zentner schwer; ein schlanngen, vngeuerlich 18 Zentner schwer; im hintern thurn ein schlenglein, mit 4 redern; item mer ein schlenglein in der were zu einem groſsen stuckh, wigt 2½ zentner; item 8 eiseren hacken; item 4 scharpfetin, wigt eins 1 zentner; item in der groſsen stuben 20 neue hacken vnd neu eingefaſst, zu halben zentnern; item 4 alt gefaſst hacken; item 2 alt vngefaſst hacken; vornen im hoff ein pockh; im hintern thurm zuoberst ein toppelhacken, mer 3 hacken, item mer 2 hacken; item in der werh, zum stockh genannt, ein centnerhacken, item mer vier halb centnerhacken, item mer 2 halb centnerhacken, item zwo eysen feuerpüxen; item im püxenhaus 1 centnerhacken, item zehen eysere hacken; item vff dem casten ein centnerhacken, item zway scharpfetin, wigt ains ain centner, item 2 halb centnerhacken; vnten bey dem hintern keller 3 halb centnerhacken; item in der hintern gefengknus bey 22 centner pulffers vngeuerlich item 3 centner pley; item in einer keskamer in einem sackh ein centner pulffers; item mer in einem gewelb, do zwen stockh inn gestanden, in vier casten bey 40 malter melbs, item 23 scheuben saltz, item 13 feurgabel mit feuerwerckh; item 24 feuerhäfen; 161 quartaunenkugel, eisen; item 365 schlangenkugel, eisen, zweyer gattung; item 132 valckonetkugel, plei; item 121 scharpfetinkugel, plei; mer zwo alt hackenpüxen; item zwo eisere schrauben, domit man prucken aufschraubt.

Vnd alls sich aber die kriegsräte besorgeten, wie dann ettliche kuntschafften in das veltleger komen sindt, das sich pfaltzgraf Ludwig, churfürst &c., sollte erhebt vnd vorhaben, mit Poxberg alls noch seinem lehen vnd aigenthum vnterhaspel zumachen, das daſselb schloſs vermög der bundsräte beuelh vnd instruction nit verprennt vnd zerbrochen wurde, haben darumb die kriegsräte mit ausprennung vnd zerreiſsung derselben pasteien vnd schloſs Poxberg desto serer geeylt vnd nit souil zeit genomen, das das getraid, melb vnd wein, das, wie vorgemelt, in mercklicher antzal verhannden was, auſs dem schloſs alles gebracht werden mögen, sunder den armen leuten vſs dem stettlein vnd den dorfern erlaubt, das melb vnd getraid zu irem nutz herauszutragen, vnd nit lanng darnach durch die püxenmaistere das schloſs mit pulffer, holtz vnd stro spicken, antzünden vnd verprennen laſsen, dobey dann Herr Jorg Truchsas, veldthaubtman, sambt andern kriegsräten gehalten vnd zugesehen haben. Mittler weyl diser geschichten ist das heer zu roſs vnd fues sambt der artolerey vor Lauda[A] im veld still gelegen vnd hat vff volenndung diser hanndlung gewarttet.

Es haben auch nachmals gemaine bundtsstennde das schloſs Poxberg mit aller seiner zugehör vnd nutzung, auch mit allerlay beschwerden, alls dann noch vil Rosenberger vnd ir Schwestern an bemeltem schloſs alls vnschuldig personen tail gehabt vnd darvff vnd seiner zugehör verweist vnd noch vnendtricht gewest &c., phaltzgrafe Ludwigen churfürsten vmb fünfftausent gulden verkaufft, zugestellt vnd vberantwort, sunderlich auch in ansehung, das gedachter pfaltzgraf Ludwig, churfürst, sambt andern pfaltzgrauen, seiner gnaden gebrudere, diser zeit bundsuerwanndte fürsten worden sindt.

/Wachbach vnd Aschhausen betreffendt/: Nachmals am mittwoch sanndt Johanns des taufers tag haben herr Jorg Truchsass vnd die kriegsrete zwen veindtsbriefe, ainen gen Wachbach, vnd den andern gen Aschhausen geschickt vnd alsbald verordnet den burgermaister von V̈berlingen mit zweyen vendlin knechten, dieselben zway schloſser Wachbach und Aschhausen zuerfordern, eintzunemen, auszuprennen vnd alle derselben zugehorennde paurn vnd gütere zu gemains punds hannden vnd gewalt zubringen, wie dann solchs on allen widerstanndt durch gemelten burgermaister von V̈berlingen volbracht vnd ausgericht. Vnd in denselben heusern ist weder von vorrat, geschütz noch annderm gar nichts gefunden, sunder zuuor alles geflohent worden.

/Handlung gegen Balbach dem schloſs/: Desgleichen ist den Donerstag nach Johanis Baptiste den achtzehenden tag des monats juny vſs beuelch herr Georgen Truchsassen alls oberstem veldthaubtman vnd der kriegsrete durch herr Wolffen Böhmer, meiner herrn eins erbern rats zu Nürnberg haubtman, ein veindtsbriefe durch einen knaben vnd seinen trummetter gen Balbach geschickt, die daſselb schlos erfordert, aber niemandt dann etlich edlfrauen vnd junckfrauen mit cleinen kindlein gefunden, die ob demselben veindtsbriefe seer erschrocken, sich cleglich gestellt, mit antzaig, das sy sich diser gewaltigen handlung nit versehen, vnd hetten zu Gott hoffnung, es solte vngerochen nit bleiben. Aber kurtz vnd des andern tags darnach hat gemelter Böhmer mit seinen vnd andern der stett reuttern daſselb schloſs Balbach durch ettlich fuesknecht spicken, antzünden vnd ausprennen laſsen, vnd deſselben zugehörende paurn vnd guetere zu gemains punds hannden angenomen. Das ist alles vngeachtet das die Bairischen reuter darob seer vnlustig vud vngestümb waren, vollenndet vnd ausgericht. In demselben schloſs sindt zwen tayl gewest, den Sützeln zusteend, vnd ein neugebaut haus im vorhof, das ist alles verprennt on einiche verschonung. Wiewol die frauen vnd ander im schloſs sambt den Bairischen reutern, so allda ir losament gehabt, alles getafel vnd holtzwerckh vſs den stuben vnd gemachen des schloſs geprochen hetten, ist doch daſselb schloſs mit holtz vnd stroh dermas gespickt gewest vnd verordent, das ir fürnemen nit geholfen, sunnder alles in grundt verprennt ist.

/Verennderung des legers/: Item freytags den neuntzehenden des monats juny ist das kriegsvolckh vor Lauda aufgebrochen vnd getzogen den negsten vff Grünsfeldt, vnd dieselben nacht sich bey Mos, ein dorf vngeuerlich zwo meil wegs von Wirtzburg nidergethan vnd doselbst zwo nacht stillgelegen.

/Den Reussenberg betreffendt/: Mittler zeit deſselben legers haben herr Jörg Truchsas vnd die kriegsrete einen veindtsbrieffe vff das schloſs Reuſsenberg dem Hanns Jorgen von Thüngen zugeschickt. Vnd es ist auch die mainung gewest, das das kriegsvolckh solte für daſselbig schloſs Reuſsenberg geruckt sein, aber vff bitt vnd bewilligen des bischoffs zu Wirtzburg als einem bundsverwandten fürsten vergonnt, das die Thüngischen paurn, zu dem Reuſsenberg gehorend, an demselben schloſs den tayl, souil dem Hans Jorgen von Thüngen zugestannden, selbst abprechen, das holtzwerckh heraustragen vnd verprennen. dagegen soll denen andern von Thüngen vnd zuuorderst dem stifft Wirtzburg zu guetem das kriegsvolckh nit weitter in das stifft Wirtzburg noch v̈ber den Main gefürt werden.

Zu solchem abprechen ist von den kriegsräten verordent bey hundert pferden darob zuhalten, damit obgemelten erpieten genueg bescheh. Vnter denselben reutern sind auch etlich Nürmbergisch reuter von den erbern bürgern gewest, neben andern in dem Wirtzburgischen glait doselbsthin vnd widerumb zum hauffen gelangt, aber da ist, wie die gemain rede gewest, gar leis ganngen vnd nit vil schadens beschehen, wiewol sich zu diser handlung noch anderm fürnemen die freyen Francken irem pracht nach mit nichten zum widerstandt vernemen haben laſsen. Es haben sich auch die andern von Thüngen, so am Reuſsenberg tayl gehabt, gegen den bundsstenden purgirt vnd verschriben wie hernach volgt:

Wir nachbenannten mit namen Eustachius, Caspar und Jorg von Thüngen, gevettern, alls innhaber des schloſs Reuſsenbergs, bekennen offenlich vnd thun kunth allermeniglich mit disem brief, alls gemeine stennde des bunds zu Schwaben, vmb das Hanns Jörg von Thüngen, vnser vetter, ire veint vnd widerwerttigen vnd offne achter in dem gemelten vnserm schloſs enthalten haben soll, fürgenomen, darfürtzuziehen vnd dagegen mit straf zuhanndln, vnd wir vns aber deshalben zu iren gnaden vnd gunsten gefuegt vnd vff vnser entschuldigung erlanngt, das ir gnad vnd gunst vns gnediglich zu der purgation gelaſsen, das wir demnach iren gnaden vnd gunsten bey vnnsern gueten waren treuen zugesagt, geredt vnd versprochen haben, vnd thun das hiemit wiſsentlich in craft dits briefs, sobald ir gnad vnd gunst für daſselbig schloſs schicken vnd ordnen, daſs inen daſselbig zu stund von vns soll geoffendt vnd auffgetan werden, darjnnen mit des gedachten Hans Jörgen von Thüngen tayl mit zerreiſsen, verprennen oder in annder wege, deſsgleichen mit denen gütern, ime zugehörig, ires willens vnd gefallens zuhandln, das auch dartzu wir, vnser erben vnd nachkomen, solanng die ailfjarig ainigung des bunds zu Schwaben weret, mit der tat vnd auſserhalb rechts wider gemaine stennde des bunnds vnd derselbigen zugehörigen vnd verwandten nit sein, noch hanndln, noch die eegerürt zeit wider sy oder die iren zum Reuſsenberg niemands enthalten, hausen, hofen, etzen, trenncken oder darvſs einichen fürschub, wie der immer beschehen möcht, thun sollen noch wöllen, alles bey vorgemelter vnnser zugesagten treu, getreulich vnd vngeuerlich. Vnd des zu warem vrkunth hab ich eegenannter Eustachius von Thüngen von mein selbs vnd der obberürten Caspar vnd Jörgen von Thüngen, meiner zweyer vettern, bitt wegen mein aigen insigel zu gezeugnus offenlich an disen brief gehangen. Vnd dartzu haben wir all drey sambt vnd sunderlich mit vleis erpetten den edln vnd vesten Bernharten von Thüngen, vnnsern lieben bruder vnd vettern, das er sein aigen insigel, doch ime vnd seinen erben on schaden, auch offenlich hieran gehangen hat geprechenhalb diser zeit vnser obberürten Caspar vnd Jörgen von Thüngen aigen insigel. Geben vnd geschehen zu Mergethaim vff freytag nach sandt Veits tag nach Cristi vnsers lieben hern gepurt fünffzehenhundert vnd in dem dreyvndzwaintzigisten jare.

/Das stettlein Aw[B] belangend/: So ist gegen dem stettlein Au dermas gehanndlt, das durch den obersten veldthaubtman vnd die verordennten kriegsräte ein veindtsbriefe doselbsthin gen Au geschickt vnd daſselb stettlein, so zum halben tayl sambt einem schloſs dem Cuntz von Rosenberg, vnd der annder halb tayl dem bischoff von Wirtzburg zugestanden, zu hannden gemainer stennde des Schwäbischen bunds durch etliche raisige, dartzu verordent, erfordert vnd alle rennt, zins vnd gült, auch die paurn doselbsthin und dem Cuntz von Rosenberg zugehorend, zu gemains bunds hannden vnd gewalt gebracht, vnd des Cuntz von Rosenbergs hausfrauen, der dann ir widem darauff verweist gewest, nit mer dann ir varnus, clainotter vnd claider gelaſsen vnd daſselb halb stettlein Au vff ir vngehorsam vnd verwürckung dartzu vmb tausend gulden gepranntschatzt worden.

/Gegen Waltmannshouen vnd Gnetza/: Item montags den zwenundzwaintzigisten juny sind herr Jorg Truchsas, veldthaubtman, vnd das kriegsvolckh fort vff Vffenhaim geruckt, doselbt den Eritag stillgelegen, in derselben zeit zwen veindtsbrieff durch einen knaben gen Waltmanshouen vnd Gnetza, bede Cuntzen von Rosenberg zugehörig, geschickt vnd dieselben zway heuser sambt iren zugehörenden paurn vnd nutzungen erfordern laſsen. Aber in denselben heusern ist niemandt gefunden worden.

Vff solche handlung ist erstlich das schloſs Waltmanshouen, welchs dann gar geraumbt vnd ausgeleret gewest, durch den obersten veldthaubtman vnd andere haubtleute verprennt, die paurn auch in des bunds pflichten angenomen, mit der aufflage, dhweil sich dieselben paurn hieuor wider ir zusagen gegen herr Jorgen Truchsasen etwas vngepürlichs, vngehorsam vnd strafbar gehalten haben, also das sy die paurn plünderns oder zum wenigsten pranntschatzung wirdig gewest weren, das demnach die paurn zu einer straf gemainlich vnd ein yeder sunderlich, sunder ainicher were mit weiſsen steblein den negsten zu den bundsräten, so damals zu Hasfurt gewest, sich stellen, antzaigen, doselbst weiters beschaids vnd der gnade erwartten sollen.

Vnd alsbald ist auch durch Burkharten Marschalck von Pappenheim vnd ettlich der stett reuter das schloſs Gnetza, so gleichermas wie Waltmanshouen vnd etwas lustiger vnd vester gepaut gewest, verprennt vnd alle zugehorende gueter vnd paurn zu gemains bunds banden genomen vnd huldigen laſsen.

/Zug vff das gebirg/: Item mitwochs den 24. juny 1523 sindt die kriegsrete mit dem kriegsvolckh aufgeprochen, iren wege an der Aisch vff Windshaim, vff Lonerstatt vnd fortt vff Vorchhaim genomen, doselbst zwen tag stillgelegen, das geschütz vnd anders gepeſsert, auch alles geschos abschieſsen laſsen. In demselben schieſsen dann ettliche püchsenmaister, so ire sachen nit in acht gehabt, von einem ladstecken vnd einem veſslein pulfers schaden genomen.

Auch haben in derselben zeit die kriegsrete geratschlaget, welchen wege sy am bequemsten vff das gepirg nemen möchten, vnd derhalb beschloſsen, vff Ebermanstat vnd denselben grunt den negsten vff Streitberg die wege antzunemen, alsdann v̈ber die staig vff Holfeldt zuuerrucken. -- Vnd alls solcher zug für Streitberg geschehen, ist es gleichwol von wegen der höhe der staig doselbst mit dem groſsen geschütz vnd der meng der wägen gar langsam zugangen, also das das rennfendlin, der vorzug, der gewaltig hauf vnd der nachzug des raisigen zeugs sambt ettlichen fuesknechten ein lange zeit vor Streitberg vff der hoh halten vnd vff die wagen, auch das geschütz warten müſsen. Vnd an der andern seyten des schloſs Streitberg ist das fuesvolkh mit dem geschütz vnd den wägen die staig aufwärts getzogen, vnter denen sich ettlich fuesknecht, so zum tayl vnter eins erbern rats zu Nürmberg vendlin gelegen vnd in dem nachzug verordent waren, vnterstanden, Herr Cunrat Schotten, damals haubtman vff Streitberg seine visch vnd vorhen vſs einem casten zuheben vnd etlich pfaben zuschieſsen. Darob dann herr Cunrat vnlustig vnd vnwillig vnd mit einer hackenpüxen vnter die knecht geschossen vnd alsbald einen Nürnbergischen fuesknecht gefangen, von den andern knechten, so nichts dartzu gethan, mit gewalt genomen vnd in das schloſs gefürt, der mainung, denselben zuhencken, vnd alsbald in einem stockh dermaſsen etlich stund ligen laſsen, das demselben knecht löcher in die arm geriſsen, die ime nachmals vber ettlich lange zeit nit gehailet sind.

Alls aber eins erbern rats diser statt haubtman, Wolff Böhmer, solche gewaltat erfaren, hat er sich mit ettlichen Nürnbergischen haubtleuten, fenndrichen vnd andern zu herr Jorgen Truchsasen vnd den kriegsräten gefueget, dise gewaltat vnd den fridbruch angetzaiget. Dem ist annders nit geholffen dann das Clas Seidensticker, profos, zu herr Cunraten reitten vnd den knecht zu seinen handen nemen soll. Das ist beschehen.

/Truppach vnd Krügelstein die schlosser auf dem gebirg betreffend/: Nachmals vnd nemlich mittwochs den ersten tag des monats july haben herr Jorg Truchsäs alls oberster veldthaubtman vnd die kriegsräte einen knaben mit zweien veinds brieuen gen Truppach, das des Wolff Heinrich von Aufses gewest, vnd Krügelstain, so Jorg Wolff von Gich zugestannden, geschickt, auch nachmals dieselben zway schloſser, so dann gantz öde vnd verlaſsen, geraumbt gefunden worden, sambt iren zugehörungen, alls paurn vnd ander nutzung, einnemen, gemainem bundt huldigen vnd aide thun, darnach daſselbig schloſs Truppach sambt den vorgepeuen im vorhof antzünden vnd verprennen laſsen.

So ist herr Jörg Truchsas mit Wolffen Böhmer, Nürmbergischen haubtman, vnd andern reutern von dem hauffen vff Krügelstain geruckt, daſselbig schloſs durch etlich fuesknecht, so vor der zeit daselbsthin mit etlichen püchsenmaistern vnd reutern geordent waren, mit einem liechtzaun, so vmb das schloſs gemacht gewest, spicken vnd einen vesten wolerpauten thurn, so oben im vmblauff acht schuch dickh war, mit vier thunnen pulffers speysen vnd den lufft verdempfen vnd nachmals antzünden laſsen, das in kurtzer zeit nach antzündung des schloſs Krügelstain derselb vest thurm durch kraft des pulffers von grundt erhebt vnd so gewalttig von seiner statt in den graben geworffen ward, das es wunderparlich zusehen, nit vil erfaren, sunder vff disen zug allererst gelernt ist.

Nach vollendung derselben taten ritten herr Jorg Truchsas sambt andern widerumb dem veltleger zu, das hinter Thurnau geschlagen was, vnd hetten daselbst ir nachtstall.

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Städtchen an der Jaxt.]

[Fußnote B: Aub an der Gollach, 2½ Stunden von Ochsenfurt.]

Verkauf eines Fabrikzeichens aus den Jahren 1433 und 1478.

Mitgetheilt von /F. K. Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg/.

Graf Hugo von Walderdorff hatte die Güte, uns zwei Original-Pergamenturkunden mitzutheilen folgenden Inhalts:

I. Urkunde von 1433, „des nehsten freitags nach gotsleichnamstage“ (12. Juni): Balbran (Walram) Zader, Hammermeister zu Weidenberg, in einen Rechtsstreit gerathen mit Erhard Frank zu der Hargenloh und dessen Brüdern um das /Eisenzeichen/, genannt der „Feuerhak“, wobei beiden Theilen die Führung dieses Zeichens zuerkannt worden war, verkauft nun zu Verhütung von Irrungen, welche sich aus dem beiderseitigen Gebrauche dieses Zeichens ergeben könnten, seine Berechtigung hieran an Albrecht Frank (Bruder des Erhard), dessen Brüder und Erben.

Von den beiden, an Pergamentstreifen hängenden Siegeln (IV, C) von grünem Wachs in ungefärbter Schale ist das erstere des Hanns Schütz zu Trautenberg nur noch zur Hälfte vorhanden und ganz undeutlich, das des Peter Groſs zu Zeilenreuth aber noch gut erhalten.

II. Urkunde von 1478, „am mittwochen vor letare in der heiligen vasten“ (25. Februar):

Sigmund Frank, Burger zu Aurbach, thut kund: sein Vater sel., Hans Frank, und dessen Brüder hätten den Feuerhaken von ihrem Vater, Ahnherrn und Urahnherrn ererbt, solchen in ihren /Siegeln/ gebraucht und hergebracht länger denn Menschen-Gedächtnis ist, auch dabei den Feuerhaken auf die in ihren Hämmern geschmiedeten Erzeugnisse geschlagen, und so sei „der Feuerhak“ zuletzt auf seinen Vater und auf dessen Bruder, Albrecht Frank durch Erbschaft gelangt. Diese beiden Brüder nun, beide mit „Hammerberg“ (Hammerwerken) versehen, hätten sich dahin vereinigt, daſs Hans Frank und seine Erben auf den aus seinen Eisenhämmern hervorgehenden Erzeugnissen das fragliche Zeichen auf deren /Rücken/, sein Bruder Albrecht aber solches auf der /Bahn der Schiene/ aufschlagen soll. Nachdem nun aber Sigmund Frank kein Hammerwerk mehr besitzt und den Feuerhaken niemand billiger vergönnt, als dem, dem er aus angeborener Erbschaft zusteht zu gebrauchen, so verkauft er seine Berechtigungen zu diesem /Zeichen/ an seinen 1. Vetter Wilhelm Frank, Bürger zu Regensburg, und verspricht, den Feuerhaken auf kein Eisen mehr aufschlagen zu lassen. Jedoch behält er für sich und seine Erben das Recht vor, denselben Feuerhaken im /Siegel/ oder /Petschaft/ auch ferner zu gebrauchen. Das Siegel des Sigmund Frank ist abgerissen; die beiden anderen, an Pergamentstreifen hängenden Siegel (IV, A, 2) von grünem Wachs in ungefärbter Schale, des Hanns Zugenreuter zu Zugenreut und des Cunz Slamersdorf zu Michelfeld, sind noch ziemlich gut erhalten, nur die Legenden sind verwischt[A].

Diese beiden Urkunden liefern einen weiteren, interessanten Beitrag -- und zwar aus der bürgerlichen Sphäre -- zu der Frage über Entstehung und Erwerbung der Wappen[B]. Denn, wenn es sich streng genommen im vorliegenden Falle nicht um den Verkauf eines Wappens im eigentlichen Sinne des Wortes handelt, sondern nur eines auch als Siegelbild gebrauchten Fabrikzeichens[C], so ist die Analogie zwischen beiden doch gewiſs nicht zu verkennen, und zwar um so mehr, als wir wirklich später, z. B. in der ehemaligen Stiftskirche zu St. Emmeran in Regensburg, als Wappen der Frank, wie hier abgebildet, einen rothen Feuerhaken im von Silber und Blau schräg-links getheilten Schilde finden[D].

Es wäre sehr zu wünschen, daſs noch andere derartige Beispiele in diesen Blättern mitgetheilt würden.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Abschriften beider Urkunden befinden sich im Archive des german. Museums.]

[Fußnote B: S. Anzeiger f. K. d. d. V., 1865, Nr. 1.]

[Fußnote C: Erinnert sehr an die Hausmarken.]

[Fußnote D: Als Helmschmuck zwei dergleichen Feuerhaken, schräg gekreuzt.]

Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten.

Da in neuerer Zeit über Entdeckung und erste Erkennung der Pfahlbauten als solcher irrthümliche Ansichten zu verbreiten gesucht werden, so findet sich die Zürcherische antiquarische Gesellschaft veranlaſst, den Hergang der Sache einmal einfach und der Wahrheit gemäſs zur Kunde des Publikums zu bringen, wobei jedem, was ihm gebührt, gegeben werden soll.

Es war im Februar 1830, als zu Männedorf am Zürichsee eine einer bestimmten Anzahl Bürger zuständige Habe tiefer gelegt ward, um bequemeres Anlanden der Schiffe zu ermöglichen. Das dabei herausgehobene Material ward auf einer benachbarten Wiese ausgebreitet und erwies sich bald als Seeschlamm und Moder, in welchem verfaultes Holz, Knochen und einzelne Kohlen, sowie eine Anzahl Steinbeile sich befanden. Durch einen Anverwandten auf diese Steinbeile aufmerksam gemacht, verfügte sich Herr Dr. /Ferdinand Keller/, Präsident der antiquarischen Gesellschaft, an Ort und Stelle, um sowohl das Gefundene in Empfang zu nehmen, als auch die Fundstelle einer genaueren Untersuchung zu unterwerfen. Die Reste des Holzes und die Steinbeile, die man damals noch für Abhäuteinstrumente hielt, der Geruch des Moders und Anderes bestimmten Hrn. Dr. Keller zur Annahme: es habe hier, am Rande des Sees, eine Art von Gerberei in der Urzeit gestanden, und er theilte dies der Gesellschaft als das Ergebniſs wiederholter Betrachtung des Ortes und der Fundgegenstände mit.

Von diesem Augenblicke an blieb seine unausgesetzte Aufmerksamkeit auf diese Gegend des Sees gerichtet. Die gänzliche Lösung des Räthsels erfolgte aber erst im Jahre 1854, weil damals in Folge des höchst trocknen Winters der Seespiegel überaus tief stund. Herr Lehrer Aeppli zu Obermeilen berichtete nämlich an das Präsidium der antiquarischen Gesellschaft über das Zutagetreten von Gegenständen in dem vom Wasser verlassenen Seebette, welche über den frühesten Zustand der Bewohner dieser Gegend Aufschluſs zu geben geeignet seien. Da Herr Dr. Keller abgehalten war, sich persönlich an Ort und Stelle zu begeben, so veranlaſste er Herrn Prof. Escher von der Linth, als Geologen, und Herrn Dr. Heinr. Meier, als Alterthumskenner, statt seiner sich nach Meilen (das alte Mediolanum) zu verfügen. Ersterer hatte vor Allem die Frage zu beantworten: ob die gefundenen Pfähle früher am Lande gestanden hätten. Herr Prof. Escher sprach hierauf auf das Bestimmteste aus, daſs die Pfähle den dortigen Terrainverhältnissen gemäſs gleich von Anfang im See gestanden haben müſsten.

Von da an begab sich Herr Dr. Keller mehrere Male nach Meilen, und er überzeugte sich, daſs dort im See auf den Pfählen einst Hütten stunden, ähnlich den Fischerhütten, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Limmat errichtet waren, jedoch mit dem Unterschiede, daſs erstere, gemäſs der Art und Beschaffenheit der zwischen den Pfählen gefundenen Geräthe, bewohnt, letztere jedoch nicht bewohnt waren, sondern nur zum Fischfang gebraucht wurden.

Die von dieser Entdeckung in verschiedenen Zeitungen gegebenen Berichte zündeten, und es kamen nun von verschiedenen Gegenden der Schweiz, vom Westen und Osten, Anzeigen an die Gesellschaft, daſs ähnliche Pfahlbauten in den Seen entdeckt worden seien. Die wichtigste Entdeckung war unstreitig die im Bielersee, weil dort, in der Nähe von Nidau, in einer Untiefe, Steinberg genannt, eine Menge von Pfählen zu Tage traten, zwischen denen eine Masse von Thongeschirr, sowie Stein- und Bronzegeräthe, wie schon früher, so auch jetzt wieder entdeckt wurden. Herr Dr. Keller reiste bald nachher dahin, untersuchte mehrere Wochen hindurch die Fundorte und vervollständigte dadurch seine Idee von den Pfahlbauten, d. h. Niederlassungen in auf Pfählen im See errichteten Hütten, die vor ihm Niemand ausgesprochen hatte, und die damals noch viele Gegner und Bestreiter fand. Ja, er entschied sich dahin, daſs in der Urzeit sich die Bevölkerung zum Theil bleibend auf den Seen, wahrscheinlich zur Sicherung ihrer Personen und ihrer Habe, angesiedelt gehabt.

Dies ist der Hergang der Sache, und es ergibt sich daraus, daſs vor Herrn Dr. Keller Niemand eine Ahnung hatte, daſs diese Pfähle in den Schweizerseen Böden und Hütten trugen, und daſs diese Gerüste, die er Pfahlbauten benannte, von den Ureinwohnern bleibend bewohnt wurden.

/Zürich/, Januar 1866.

Im Namen der Zürcherischen antiquarischen Gesellschaft

/Ludwig Ettmüller/.

Heidnische Gräber in Böhmen.

Zur Ergänzung der in Nr. 12 des „Anzeigers“ 1863 gebrachten kurzen Notiz von der Auffindung eines Todtenfeldes zwischen den Dörfern Nehasitz, Welmschloſs, Moraves und Wisotschan in der Nähe der königl. Kreisstadt Saaz in Böhmen folgt nun die Darstellung der weiteren Forschungen auf dieser interessanten Gräberstätte. Das Todtenfeld bei Nehasitz hat bei 150 W. Klafter Länge 100 W. Kl. Breite. Unter der 1 W. Schuh mächtigen Ackerkrume liegt die Gräberschichte von wechselnder Dicke 3-5 W. Schuh, darunter der natürliche Boden, rother Lehm. Die Erde der Gräberschichte zeigt durchaus im trockenen Zustande ein aschenartiges, graues Ansehen; die chemische Untersuchung ergab den groſsen Gehalt derselben an kohlensaurem Kalk. Die Gräber sind theils /Skelettgräber/, theils /Urnengräber/. In ersteren liegen die wohlerhaltenen Skelette 3-5 W. Schuh tief unter der Oberfläche, mit dem Kopfe nach Norden, theils mit dem Angesichte, theils mit dem Rücken auf dem rothen Lehm auf. In zwei Fällen ruhte die Leiche auf einer von unbehauenen Feldsteinen pflasterartig zusammengelegten Steinlage; mehrere Gräber waren mit behauenen, platten, groſsen Steinen umlegt. In der Nähe der Leiche befinden sich je drei Steine, einer beim Kopf, und je einer an den Brustseiten; unter letzteren befindet sich häufig eine 9 Zoll hohe, vierseitige, der Breiteachse nach durchbohrte, aus Thon gebrannte Pyramide, (ganz ähnlich dem in Wagner’s „Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten Elbufer“, Taf. II, Fig. 28 abgebildeten Objekte). Die mitgegebenen Grabgefäſse sind gröſstentheils zerdrückt; sie zeigen eine zierliche Form, sind an der Innen- und Auſsenfläche schwarz, graphitartig glänzend, schalen-, krug-, napfförmig. Beigaben von Metall finden sich in dieser Schichte selten; häufiger kommen bei Nehasitz nur Bronzenadeln mit einfachem Knopfe vor; sehr selten bronzene Armbänder; Eisengegenstände finden sich nirgends, desto häufiger Mitgaben aus Stein und Bein, Reibsteine zum Zermalmen des Getreides, nebst den erwähnten Thonpyramiden, Thonwirtel, Aexte und starke Lanzenspitzen ähnliche Stechinstrumente aus Hirschhorn, durchbohrte Pferde- und Eberzähne, Pfriemen und Nadeln aus schwachen, zugespitzten Knochen, Röhrchen aus gebranntem Thon. In den Urnengräbern sind die Urnen in eine Steinumlegung beigesetzt und mit einem flachen Stein zugedeckt; sie enthalten Asche, Knochenstückchen, selten Bronzeringe oder Nadeln; ihre Form ist zumeist krugartig, am häufigsten mit einem Henkel, sehr selten doppelgehenkelt, zuweilen auch ohne Henkel. In der über den Skeletten und Urnen aufgehäuften aschenhaltigen Erde finden sich Tausende Fragmente von thönernen Gefäſsen der verschiedensten Natur, daneben zahlreiche Thierknochen (man könnte ganze Wagenladungen davon wegfuhren), jedoch kein einziges ganzes Thierskelett. Die Untersuchung des von mir an Ort und Stelle ausgehobenen Materials ergab folgende Thiergattungen: Rind (Schenkelknochen eines ausgewachsenen Exemplars kleiner Race und Stirnknochen mit ansitzendem Horn vom Kalbe), Pferd (Zähne und Schulterblatt von sehr starken Exemplaren), Edelhirsch (Gehörn und Rückenwirbel von groſsen, alten Thieren), Rehe (Gehörn, Fuſsknochen und Wirbel von schwachen, jungen Thieren), Eber (einzelne Zähne, vollständiges Gebiſs von ungeheuren Thieren). Letztere drei Thiergattungen: Edelhirsch, Reh und Wildschweine, finden sich durchweg in überwiegender Mehrzahl. Einzelne Knochen dieser Thiere sind halb verbrannt; wahrscheinlich war die Gräberstätte bei Nehasitz zugleich auch Opferstätte; jedenfalls fand das Volk, dem diese Gräber angehören, neben den Früchten des Ackerbaues seine Hauptnahrung noch in den wilden Thieren des Forstes. Ferner fand ich in den Nehasitzer, sowie in allen ähnlichen Gräbern, die ich untersuchte, immer runde, kugelförmige Steine von der Gröſse einer Nuſs bis zur Gröſse einer Faust. Obgleich sich diese Steine immer nur als auf natürlichem Wege (durch Wasserlauf) abgerundete Geschiebe herausstellen, so müssen sie doch, da sie sich so häufig in den Gräbern, oft weit entfernt vom Fluſsbette der Bäche finden, zu einem besonderen Zwecke mit Sorgfalt aufgelesen worden sein; selbst eine runde, mehr als faustgroſse Kugel von Thoneisenstein fand sich in einem Grabe. Somit stimmen meine Untersuchungen mit andern in Böhmen aufgefundenen Gräber- und Opferstätten vollkommen überein. Aber Nehasitz, sowie das 1 Wegstunde nördlich davon gelegene Moraves, zeigen eine besondere Eigenthümlichkeit. Auch bei Moraves findet sich eine ganz ähnliche, nur etwas gröſsere Gräberstätte; aber hier wie dort liegt unter der eben beschriebenen eine /zweite Leichenschichte/. Zwei bis drei Schuh tief in dem rothen Lehm finden sich nämlich brunnenartige Gräber, 3 W. Schuh im Durchmesser, kreisrund; eines von dem andern je 5-6 Schritte entfernt. Auch in dieser Schichte finden sich Skelettgräber neben Urnengräbern, bei Nehasitz aber Skelettgräber vorherrschend, bei Moraves Skelettgräber ausschlieſslich. Diese tieferen Gräber laufen bei Moraves nach unten spitz zu, so daſs die Beckenknochen der Leichen die tiefste Lage einnehmen; in den Nehasitzer Gräbern befinden sich die Leichen in hockender Stellung. In diesen Skelettgräbern fanden sich sehr viele Bronzeobjekte, Arm- und Fuſsspangen, Fibeln, Doppelspiralen aus Bronzedraht von bekannter Form, Bronzestängelchen, Ringe aus schwarzem Horn; auch einen Bronzedolch will man gefunden haben. In der Nähe der Gräberstätte fand sich ferner auf freiem Felde ein bronzenes, sichelartiges Instrument, (ähnlich dem in Hallstadt gefundenen; Gaisberger, „die Gräber bei Hallstadt“, Taf. VII, Fig. 6), ferner ein Bronzecelt von sehr primitiver Form. Aehnliche Gräberstätten finden sich in der Nähe der eben genannten Orte noch in Welmschloſs, Wisotschan, Horatitz, Schieſselitz; doch trifft man an diesen Orten nur Gräber an, die der oberen Nehasitzer und Moraveser Schichte analog sind, nie aber Gräber der tieferen Schichte. Auch in diesen Gräberstätten finden sich Urnen, Thonpyramiden, Gefäſsfragmente, Thierknochen, nie Bronzeobjekte. An den letztgenannten Orten überwiegen zudem die Urnengräber.

Eine andere Bestattungsart traf ich am rechten Egerufer, ebenfalls unweit der Stadt Saaz, bei dem Dorfe Pressern. In geringer Tiefe, kaum 6-8 Zoll, stöſst man auf runde Lager reiner Asche, 1 W. Klafter im Durchmesser, 3-4 Schuh tief, mit Gefäſsfragmenten, Holzkohlen und Thierknochen angefüllt, eines von dem andern 10-15 Schritte entfernt. Die Untersuchung solcher Aschenlager ergab eine wohlerhaltene, krugartige, mit Asche angefüllte, einhenkelige Urne, in unmittelbarer Nähe des Brandplatzes zwischen Steinen eingeschlichtet und mit einem flachen Stein bedeckt; daneben Pfriemen von Bein, runde Kiesel, einen Korb voll Gefäſsfragmente feinerer und roherer Gattung, Hirsch- und Eberknochen. Auch in der Nähe des Schlosses Petersburg deckte ich im Laufe des Sommers 1865 einen ähnlichen Brandplatz auf. Er hatte runde Form, 1 W. Klaft. Durchmesser, 3 Schuh Tiefe. Als Fundobjekte ergaben sich in groſser Menge Gefäſstrümmer, runde Kieselsteine, durchbohrte Eberzähne, bestimmt, an einem Faden aufgereiht zu werden, einige Fluſsmuscheln, ein ziemlich groſses, flaches Stück Rotheisenerz; von Menschenknochen ein Kiefer und Schulterblattfragmente, endlich zwei vollkommen erhaltene Gebisse von sehr starken Ebern. Weiter führe ich als Fundorte heidnischer Gräberstätten längs des Laufes des Egerflusses, in der Umgegend der Stadt Saaz noch an: Soběsak, Straupitz, Libotschan, Bẽzdiek, Stẽknitz, endlich die Stadt Saaz selbst, in deren Weichbilde heidnische Gräber häufig aufgedeckt werden. So stieſs man im Laufe des Frühjahrs 1865 bei Erdgrabungen behufs des Neubaues eines Hauses in der Prager Vorstadt auf Gräber der spätheidnischen Periode. Die Leichen lagen 8 W. Schuh tief unter dem Strassenpflaster mit dem Gesichte gegen die Erde gewendet, beim Kopf und in der Brustgegend einzelne Basaltsteine. Im Verlaufe der Grabungen traf man ein Grab, in dem die Leiche in sitzender Stellung beerdigt war. Neben ihr standen 4 Thongefäſse, ein sehr zierlich geformtes krugförmiges, ein flaches schalenförmiges und zwei kleine, kaum einen Zoll im Durchmesser haltende napfförmige Gefäſse, alle sehr wohl erhalten.

Die Gegend um die Stadt Saaz ist eine der schönsten und fruchtbarsten Böhmens. Schon der älteste böhmische Chronist Kosmas († 1125) war von dem Reichthum des Saazer Landes entzückt; er preist es als „pulcherrima visu et utillima usu ac uberrima satis nec non abundantissima pratis regio“. Hier war ehedem der stolzeste der slavischen Stämme in Böhmen, der der Lučaner („superbissima gens, quibus et hodie a malo innatum est superbire“, heiſst es von ihnen bei Kosmas) seſshaft; er führte diesen Namen von den vielen Wiesen (slav. lučí), die seine Ansiedelungen umgaben. Die Lučaner bildeten ein eigenes Fürstenthum, das aber später seine Selbständigkeit an den Prager Herzog Neklan verlor, der nach der Besiegung der Lučaner die Burg Draguš an der Eger erbaute. Die Stadt Saaz selbst scheint aber erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts aufgekommen zu sein; der Name kommt, wenn ich nicht irre, das erste Mal zum Jahre 1004 bei Tietmar vor. Die zahlreichen hier erwähnten Gräberstätten sprechen dafür, daſs die Saazer Gegend schon frühzeitig sehr dicht bevölkert war; die Stadt Saaz selbst, sowie die einzelnen Orte, in deren Nähe sich solche Gräberstätten finden, entwickelten sich sicher aus diesen alten, slavischen Ansiedelungen, und die Verschiedenheiten in der Bestattungsweise, bald vorwiegend Skelettgräber, bald vorwiegend, bald ausschlieſslich Urnengräber, mögen auf zeitlich getrennte Perioden hinweisen. Auffallend ist das gänzliche Fehlen des Eisens in diesen Gräbern; es müſste demnach die reine Bronzeperiode bei den Slaven Böhmens ziemlich weit heraufgerückt werden. Ob nun die beiden Gräberschichten bei Nehasitz und Moraves demselben Volke angehören, darüber dürfte die Untersuchung der Schädel aus beiden Schichten wol noch einiges Licht verbreiten.

/Wien/, 31. December 1865.

/Dr. Jul. Ernest Födisch./

Wizenicer Ausgrabungen im Jahre 1865.

In Nr. 11 des „Anzeigers f. Kunde d. d. Vorzeit“, 1864, Sp. 401 wurde als Fundort von Hügelgräbern in Böhmen der Meierhof Wizenic (bei Klattau) erwähnt. Im September 1865 wurden unweit des Meierhofes auf der Flur /Hurka/ -- was Berg bedeutet; ehedem war diese Flur Wald, nun ist sie Hutweide -- wieder mehrere Grabhügel geöffnet. Der Fund ergab an Bronzegegenständen drei Nadeln von je 12 Zoll Länge und zwei halbkreisförmige Armringe. Der interessanteste Theil des Fundes aber wurde in einem allein, von den andern abseits stehenden, durch seine Gröſse ausgezeichneten Hügel gemacht. Neben dem zerdrückten Aschentopf, der noch einige Knochentheile (Kopf- und Rippenknochen) enthielt, lag eine S förmig gebogene bronzene fibula, zwei Fragmente von eisernen Gürtelschnallen mit noch deutlich erkennbarem Dornansatz, Bruchstücke eines Eisendolches mit noch wohl erhaltenem Beschläge vom unteren Ende der Scheide, Fragmente einer eckigen Schnalle und einer mit einem zierlichen Knopf versehenen Scheibe von Eisen, endlich eine durchbohrte, flache Bernsteinkoralle und zwei kleine Korallen von gelbem Email mit blauen, perlartigen Ornamenten. Letztere Objekte zeigen der Masse und Form nach die überraschendste Uebereinstimmung mit ähnlichen, in egyptischen Mumiensärgen gefundenen Schmuckkorallen, so daſs sie ohne Zweifel durch Handel aus dem Süden nach dem Norden gebracht wurden.

/Wien/, 31. December 1865.

/Dr. Jul. Ernest Födisch./

Papst Johann XXII. bevollmächtigt den Abt des Klosters St. Johann in Stamps zur Schlichtung von Streitigkeiten.

Mitgetheilt von Dr. /C. Will/, Archivsekretär des german. Museums.

Johannes episcopus servus servorum dei Dilecto filio Abbati monasterii sancti Johannis in Stamps Brixinensis dioecesis salutem et apostolicam benedictionem. Conquesti sunt nobis prepositus, decanus et capitulum ecclesie sancti Andree Frisingensis, quod Amphranarius de Inspruka laicus Brixinensis dioecesis super quibusdam domibus et rebus aliis iniuriatur eisdem, ideoque discretioni tue per apostolica scripta mandamus, quatinus partibus convocatis audias causam et appellatione remota debito fine decidas, faciens quod decreveris per censuram ecclesiasticam firmiter observari. Testes autem, qui fuerint nominati, sese gratia, odio vel timore subtraxerint censura simili appellatione cessante compellas, veritati testimonium perhibere. Datum Avinione kalendis Octobris pontificatus nostri anno septimo.

Das Original befindet sich im Besitz des germanischen Museums.

Zur Frage nach dem Verfasser des Reineke Vos.

Im Anschluſs an Haupt’s Zeitschrift IX, 374 ff. hat Leverkus ebendaselbst XI, 374 f. die Hypothese Zarncke’s (die beiläufig durch Barckhusen’s sonstige Schriftstellerei widerlegt wird), daſs Barckhusen Verleger und Verfasser der Lübecker Ausgabe des Reineke von 1498 sei, dadurch zu stützen gesucht, daſs in Vers 6168 „de abbes van /Slukup/“ und 6712 „vele mesters van /Krummesse/“ auf Ortschaften in der Nähe von Lübeck hingedeutet werde. Dasselbe Argument, gegen welches wir unseren Theils Hoffmann’s Erklärung als einzig berechtigte festhalten, findet sich bereits in Mantzel’s Bützow’schen Ruhestunden 22 (1765), S. 49, mit folgenden Worten: „Es bestärken mich (sc. über den plattdeutschen Character des R.) die geographischen Stellen, von Slukup und Krumesse, welche Oerter nemlich ohnweit Lübeck belegen, und deren letzteres, bloſs um des Reims willen, angebracht.“

Mantzel erwähnt überdies, daſs der eigentliche Name des ersten Ortes, nicht /Slukup/, sondern /Slutup/ sei. Schon das hätte die ganze Annahme zurückzuweisen genügen sollen.

/Schwerin./ /Fr. Latendorf./

Des Hanns Frey Schwieger.

„Frau kungund Wilhelm Rumels deß eltern seligen verlassene wittib hat bekant, das sie fraw kungunden leonharten halbgewachssen eeliche wirttin, vnnd Junckfraw katherina Iren töchtern zw rechter vrtat vnd aigenschafft frey williglich auch endtlich vnwiderrufflich, In dem allerbesten form vnd Rechten für allermenigklichs widertailen vnd absprechen von hannden In ir baider gewalt vnnd hannden zu gleichem tail auff vnd vbergeben hab alle Ire schlayr, paternoster, auch ettliche perlin vnd perlin gesmuck, wie die genant oder gehaissen sein, vnnd sich der gegen Ine entlich enttewssert vnd verzigen, Also das nu füro ir yede mit Irm tail daran thun vnd lassen mag, wie vnd was sie woll vngehindert von menigklich, vnd Insonnder von Annen Hannsen freyen eelicher wirttin, irer tochter, vnd Iren erben, Dann sie derselben Irer tochter vormals In solichen dingen mer vnd bessers gegeben hett, dann der vorgenannten Irer tochter annen von den vorgemelten stücken zu irem tail werden möcht. Vnnd nachdem sie der gedachten frawen kungunden halbwächssin Irer tochter zwayhundert guldin heyratgelts entricht vnd bezalt hat, Ob dann dieselbig Ir tochter In ir hab zu erben vermaint, das sie dann solich 11 ^c f. einwerffen solt oder aber so lang stillsten, biß der andern swester 11 ^c f. auch volgen vnd werden. Testes Niclas Coler vnd Endres von watt. Actum 3 ^a sant Gregorien abent In der vasten A^o lxxx viii.“ (11. März 1488.) -- Gerichtsbuch Literarum 5, fol. 39 b. Stadtarchiv zu Nürnberg.

Die Ausstellerin dieses Briefs war eine Hallerin von Bamberg und zufolge eines handschriftlichen Stammbaums der Rumel, in welchem sie aber Anna heiſst, Tochter Georg Haller’s von Bamberg und Magdalena Eisvoglin. Ihr Bruder Anton Haller war Bürger zu Nürnberg, Genannter des gröſsern Raths und Richter zu Wöhrd. Diese Haller hatten mit den patriziatischen Hallern nichts gemein als den Namen; sie waren vielmehr ein Seitenzweig der Münzmeister, von denen Günther Münzmeister zwischen 1418 und 1423 hier zu Rathe gieng, und führten deshalb auch ganz dasselbe Wappen, das bei den Münzmeistern im Geschlechterbuch von 1610 abgebildet und z. B. von Seite Anton Haller’s bei einem das Haus S. 1 betreffenden Brief vom 1. Mai 1490 angehängt ist, wo er nebst Berthold Deichsler als Genannter erscheint. In Roth’s Genanntenbuch ist Anton Haller nicht zu finden. Seine Tochter Magdalena war Dr. Hartmann Schedel’s zweite Frau. Der Mann der Kungund Rumelin war Wilhelm Rumel, älterer Bruder Heinrich Rumel’s und der seit 1444 mit Hanns Pömer verheirateten Brigitte Rumelin. Nach ihrer Eltern, Wilhelm Rumel’s und Anna Tetzlin, Tod theilten die drei Geschwister am 13. Mai 1457 den Nachlaſs, wobei aber wol Hanns Pömer, der Brigitte Ehewirt, aber von Seite der Bruder keine Frau namhaft gemacht wird. Die damals dem Wilhelm Rumel zugefallene Eigenschaft eines Hauses in der Fröschau, jetzt S. 166, verkauften die beiden Eheleute am 15. Sept. 1486 an Daniel Ulmer. Der sich an diesem Hause, das noch den Kaufbrief besitzt, hinziehende Hof, eigentlich eine Sackgasse mit überwölbtem Eingang, heiſst mit nur geringer Entstellung des alten Namens der Rümeleinshof. Wilhelm Rumel, der seinen Vettern, auch seinem Bruder Heinrich, der aus seiner Ehe mit Cäcilia Meichſsnerin keine Nachkommen verlieſs, ihre Anrechte auf Lonnerstatt abgekauft und dieses von der Krone Böhmen zu Lehen rührende Besitzthum seinen Söhnen Wilhelm, Heinrich, Georg und Joseph abgetreten hatte, welche daher am 26. Sept. 1480 von König Wladislaus damit belehnt wurden, starb 1487. Zur Heirat seiner zweiten Tochter Kungund mit Leonhard Halbwachsen oder Halbgewachsen, Conzen Halbgewachsen’s Sohn, hatte der Rath für den 15. Jan. 1488 das Rathhaus bewilligt. Er gehörte zu der reichen und geachteten Familie dieses Namens, die einen bedeutenden Handel mit ausländischen süſsen Weinen betrieb und ihr Geschäftshaus in S. 530 hatte, aber auch in andern Theilen der Stadt, auf der Füll, in der Judengasse etc. vorübergehend wohnhaft war. Die Gewährung des Rathhauses zur Hochzeitfeier verdankte jedoch das Brautpaar nicht sowohl dem Reichthum des Bräutigams als der Vornehmheit der Braut. Er findet sich noch 1493 als „Conrad Halbgewachsen sel. Geschäfts und Kinder Vormund“ nebst Hanns Milla, muſs aber in einem der nächsten Jahre gestorben sein, da seine Wittwe schon am 9. Jan. 1497 als Jacob Sauerzapf’s Ehefrau erscheint und gemeinschaftlich mit ihrer jüngern Schwester Katharina, damals auch bereits Wittwe von Bartholomäus Knebel, den ihnen beiden gehörenden Tafelhof an Endres, Georg und Peter die Hornunge, Gebrüder, um 340 fl. verkaufte. Die „Sauerzäpfin“ ist auch auf beiden Tanzladzetteln von 1506 und 1508 (den ältesten, die, soviel man weiſs, auf die Gegenwart gekommen sind) eingetragen, auf dem erstern mit ihrer Schwester „Löffelhölzin“, auf dem andern auch mit ihrem Bruder Joseph. Die Geschwister wohnten, wie man sieht, beisammen. Aus der ersten Ehe der Kungund Rumelin scheinen keine Nachkommen entsprungen zu sein, wie denn auch der Name der Halbgewachsen schon im Anfang des 16. Jahrh. erlosch und sich zunächst nur an dem Hause S. 530 erhielt, welches z. B. 1515 als „Haus zum Halbgewachsen genannt“ urkundlich vorkommt. Aus der zweiten Ehe ist namentlich eine Tochter Ursula bekannt, welche im Jan. 1523 den schon ziemlich bejahrten Wolf Pömer und, durch seinen im Dec. erfolgten Tod Wittwe geworden, den Dr. Christoph Gugel heiratete. -- Dem Geschick der jüngsten Rumelischen Tochter Katharina lieſse sich vielleicht eine romantische Seite abgewinnen. Beim Tode ihrer Mutter, die am Samstag 31. Mai 1488 noch einen Brief ausstellte, aber am Montag 10. Nov. nächstfolgend selig, d. h. verstorben, genannt wird, noch ledig, heiratete sie am 20 Jan. 1490 den reichen Bartholomäus Knebel, der schon drei Frauen gehabt und nur mit der dritten, Anna Hübnerin, eine Tochter, auch Anna genannt, erzeugt hatte, die schon seit 1484 mit Wolf Haller, des bekannten Losungers Ruprecht Haller’s Sohn, verheiratet war. Die vierte Ehe Knebel’s dauerte nur etwa ein Vierteljahr, da schon am 10. April 1490 Wolf Haller in die durch seines Schwähers Tod erledigte Gassenhauptmannsstelle eintrat. Die junge, kinderlose Wittwe lernte in dieser Zeit ihres Wittwenstandes Thoma Löffelholz, Wilhelm Löffelholz und der Barbara Hirsvoglin Sohn, kennen, einen stattlichen Mann, der sich schon in der Welt und an den Höfen der Fürsten umgesehen und versucht hatte, und von dessen abenteuerndem Sinn man in Nürnberg Manches zu erzählen wuſste. Der Umgang beider Leute, die für leere Liebeständelei zu alt und zu erfahren, aber für ein solides, verständiges Eheband gerade noch jung genug waren, muſs so vertraut geworden sein, daſs die Wittwe Katharina mit fester Zuversicht der Heirat entgegensah, aber leider bemerkte, daſs Löffelholz zwar zum Courtoisieren auf wilder Weidmannsbahn Lust gehabt hatte, aber nicht zum ehrbaren Freien und Heiraten. Die durch ihn bloſsgestellte Frau wandte sich daher klagend an das geistliche Gericht zu Bamberg und erwirkte ein gesiegeltes Pergament, des Inhalts: er habe sie zu nehmen, und halte er nicht binnen dreiſsig Tagen Hochzeit, so verfalle er in den groſsen Bann. Das wirkte, und am 3. Juli 1503 wurde Katharina Rumelin, Bartholomäus Knebel’s Wittwe, in St. Sebalds Kirche mit Thoma Löffelholz ehelich eingeleitet (in den Ehestand geleitet, getraut, nicht „eingeläutet“); aber unmittelbar nach der heiligen Handlung verlieſs Löffelholz die Kirche, bestieg sein drauſsen bereits harrendes Roſs und ritt von dannen, ohne das Beilager zu halten. So berichtet Müllner in seinen Annalen. In dem Löffelholzischen Geschlechtsregister bei Biedermann heiſst es, ein aus dieser Ehe entsprossener Sohn sei in’s Kloster gegangen. Will in den Münzbelust. 2, 111, geht sogar noch weiter und will wissen, er habe Thomas geheiſsen. Beweise und Belege für diese Angaben fehlen durchaus. Gewiſs ist nur, daſs Löffelholz, ungeachtet seiner Vermählung, mit seiner Frau nicht zusammenlebte. Die Ordnung des Verhältnisses der beiden Eheleute geschah durch einen Vertrag, in welchem ihr ein jährliches Auskommen gesichert war, wofür Anton Kreſs und Wolf Löffelholz, ihre Schwäger, einstanden; und am 20. März 1504 quittierte bereits Johann Kriegheimer, als Anwalt Frauen Katharina, Thoman Löffelholz ehelicher Wirtin, über 100 fl. rh., die, an vergangener Lichtmeſs fällig, er für sie durch die beiden genannten ihre Schwäger von wegen Thoman Löffelholz, ihres ehelichen Hauswirths, richtig empfangen habe. Sie fuhr fort, den Namen seiner ehelichen Hausfrau zu führen; so z. B. als sie am 20. Dec. 1514 ihre Wiesen beim Tafelhof auf der Fürreut, an der Pillenreuter Straſse, an den Metzger Hanns Klein auf 10 Jahre um jährlich 14½ fl. und einen Kalbskopf verlieſs u. s. w. Daſs auch in der „Gesellschaft“ ihre Stellung nicht beeinträchtigt war, sieht man daraus, daſs auf den oben erwähnten Tanzladzetteln ihr Name beide Male gleich hinter ihrer Schwester eingetragen ist, einmal als „Löffelhölzin“, das andere Mal als „Thoma Löffelhölzin“. Aus dem Jahre 1520, in welchem, wer nur konnte, die von einer Seuche schwer heimgesuchte Stadt verlieſs, haben sich zwei aus Hersbruck datierte und an Anton Tucher gerichtete Briefe von ihr, der „Katharina Thoma Löffelhölzin“, erhalten, in welchen sie auch ihrer zwei Töchter gedenkt. Diese konnten doch nur aus ihrer Verbindung mit Thoma Löffelholz entsprungen sein; aber über ihre und der Katharina selbst fernere Schicksale haben sich bis jetzt keine weiteren Belege aufgefunden. Nur Das steht fest, daſs, ungeachtet in der Löffelholzkapelle zu St. Sebald, wo sämmtliche Söhne und Töchter aus Wilhelm Löffelholz beiden Ehen abgebildet und die Verheiratungen durch die eingeschobenen Wappen angedeutet sind, das Rumelische Wappen fehlt, sie unbestreitbar in rechtmäſsiger Ehe mit Thoma Löffelholz vermählt war. Die zuletzt genannte Tochter Anna, gegen deren etwa auf die in dem Brief bezeichneten Gegenstände zu machenden Ansprüche die Mutter die beiden andern Schwestern sicher stellen will, war offenbar die älteste der drei Schwestern. Sie war verheiratet mit Hanns Frey, Sohn Erharts Freyen. Seines Vaters Bruder, Sebald Frey, der die Freyischen Häuser am Markt, das eine, nördliche 1471 an Hanns Gartner, das andere, südliche 1487 an Bernhard Walther, verkaufte, wird als Genannter und als Kaufmann in den Dokumenten aus den drei letzten Jahrzehnten des 15. Jahrh. oft gefunden. Die Freyen gehörten zu den ehrbaren und geachteten Familien, die, ohne in den kleinen Rath gewählt zu werden, in den groſsen Rath vorzugsweise eintraten und sich auch durch Verheiratungen mit den rathsfähigen Geschlechtern verbanden. Eine Tochter Sebalds, Katharina Freyin, hatte einen Tetzel zum Mann; Hanns Frey hatte Anna Rumelin geheiratet. Er war ebenfalls Genannter, und einzelne Urkunden lassen Betheiligung an Handelsgeschäften noch bis 1513 wahrnehmen; auch besaſs er liegende Güter inner- und auſserhalb der Stadt. Für seine geachtete Stellung gibt aber, von Anderm abgesehen, Das einen Beweis, daſs er ebenfalls, wie seine beiden Schwägerinnen, den Tanzladzetteln von 1506 und 1508 einverleibt ist, und zwar auf jenem zwischen Conz Haller, dem wohlbekannten Pfänder und Verfasser des Geschlechterbuchs, der das Haus S. 649 besaſs und bewohnte, und Sixt Oelhafen, auf dem von 1508 abermals zwischen Conz Haller und der Pölckin (der mit Hanns Polck verheirateten Tochter dieses Haller, Magdalena, die bei ihrem Vater wohnte) und Seiz Pfinzing, langjährigem Baumeister und Vater des Propstes Melchior Pfinzing, der am Eck der Wolfsgasse, jetzt S. 765, wohnte. Seine Liebhaberei zur Musik und Physik, wovon Neudörffer und Doppelmayr berichten, hat den irrigen Wahn erzeugt, er sei ein Handwerker gewesen, wogegen aber sein Name auf den Tanzladzetteln entschieden Protest einlegt. Uebrigens scheint er durch die Hingabe an diese, damals ziemlich brodlosen Künste sein Vermögen allgemach aufgezehrt, oder auch sonst Verluste, erlitten zu haben, wie seines Tochtermanns Worte: „der auch in der Welt gleich unmögliche Widerwärtigkeiten erduldet hat“ zu erkennen geben. Von seiner Frau kamen zwei Töchter zu ihren Jahren, deren ältere, Agnes, im J. 1494 Albrecht Dürer, die jüngere, Katharina, die 1498 noch unverheiratet war, später Martin Zinner heiratete. Die Todesjahre der Anna Hanns Freyin (1521) und ihres Ehemanns (1523) sind aus Dürer’s eigenen Aufzeichnungen bekannt.

/Nürnberg./ /Dr. Lochner/

Hans Schneider.

Auf Sp. 9 des „Anzeigers“ (1866) wurde ein handschriftlich hinterlassenes, wahrscheinlich aber einem Druck ursprünglich entnommenes Gedicht dieses fruchtbaren königlichen Sprechers mitgetheilt, dabei aber vorübergehend nur einiger seiner weiteren Produkte gedacht, von denen jedenfalls viele verloren gegangen sein müssen. Ehe Schneider, ein Augsburger Meistersänger, für Kaiser und Reich dichtete, ohne deshalb etwa in Maximilian’s Diensten gestanden zu haben, nannte er sich Sprecher, d. h. Spruchsprecher, Herzog Christoph’s von Bayern, und gab als solcher folgendes, jetzt nur noch in sehr zerfetztem Zustande auf der Münchener Hofbibliothek befindliche Gedicht in Druck (Sedezformat):

Des durchleichtigẽ hochgeporn | fürsten vnd hern herczog Christofe | ls von pairn mör fart auf dz aller | kurczest den rechten grund wie jn Maister hans schneider von Aug- | spurg seiner genaden sprecher hat | mügen erfinden.

o. O. u. J. (c. 1490). Vergl. Annalen II, S. 490.

Demnächst wäre zu nennen eine mir nicht näher bekannte Piece, vermuthlich in W. v. Maltzahn’s Besitz:

Hye nach folget: wye der Romisch künig die fursten des heiligen reichs zu Augspurg vnnd zu Nurmberg haben tag gelaist....

o. O. u. J. (1500). 8 Bl. 8. -- Hagen’s Bücherschatz Nr. 880.

Meine Nr. 1633 Repert. typ. gehört also nicht zum Jahre 1520, laut Berichtigung Herrn v. Liliencron’s, der das Stück aus Val. Holl’s Handschrift Bl. 92 kennt.

Einen ferneren Spruch citiert mein Repert. typ. Nr. 297:

Hie nach folget die küniglich | schlacht, wye der künig vnd das rych dye Behem nit wyt von Regenspurg gesch | lagen haben. Das hath erfaren vnnd zu eynem spruch gemacht, Hans schnyder | der künglichen maiestat sprecher.

o. O. u. J. (1504). 4 Bl. 4. m. Titelholzschn. -- In Einsiedeln.

Endlich ein aus Butsch’s 28. Catalog, S. 53, verkauftes und seitdem spurlos verschwundenes

Ein neues gedicht von dem Krieg. Augspurg, Hans Schönsperger.

o. J. (c. 1510). 6 Bl. 4. -- Repert. typ. Nr. 615.

/Nürnberg./ /Emil Weller./

Gesprächspiele.

Zusatz.[A]

Französisch Karten-Spil.

o. O. u. J. (c. 1645). Folioblatt m. Kupfer (der Kaiser, der König von Frankreich und Cardinal Richelieu spielen; ein französischer Rath, Johan de Werdt, Gallas sehen zu). -- Früher in Antiquar Heerdegen’s (Schreiber’s) Sammlung zu Nürnberg.

/Künig in Franckreich./

Ich gwin doch nichts, es geh wie es wil, Mein Cardinal Rotte mich zum Spil.

Teutsch- und Frantzösisch Scharwentzel-Spiel. o. O. u. J. (1675.) 4 Bl. 4. -- In Erlangen.

/Teutscher./

Komm Frantzmann, Mänchen komm! was kanstu für ein Spiel?

/Frantzmann./

Du Butter teutscher Muff, mehr als für dich zu viel.

Ein neues Ungarisches, Türckisches und Teutsches Labet-Spiel vom jetzigen Kriege. 1686.

o. O. 4. Prosa. -- Wallishausser’s Antiqu. Katalog. II, S. 77.

Sinnreiches Piqueten-Spiel Mit Franckreich. Bei itztmahligem Kriegführen Wieder Das Heyl. Römische Reich. 1689.

o. O. 2 Bl. 4. -- In München (Hofbibl.).

WEm vom Piqueten Spiel die Wissenschafft gebricht, Dem wird es kürtzlich hier, nach seiner Art bericht etc.

A la Guerre oder Historisch Politisch Kriegerisches Billard Spiel der streitenden Mächten in Teutschland.

o. O. u. J. (1758-61). Folioblatt m. Kupfer. -- Früher bei Antiquar Heerdegen (Schreiber) in Nürnberg.

/Preuſsischer Husar./

Bey Schweidnitz hatte sich mein Spiehl sehr gut gezeuget Allein bey Olmüz war vor diſsmal kein Gewinn etc.

/Nürnberg./ /Emil Weller./

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Vergl. Anzeiger, 1862, Sp. 399.]

Zur Fischart-Literatur.

Herr Emil Weller hat in Nr. 6 des Anzeigers v. J. 1865 von dem interessanten Funde, den er auf der Nürnberger Stadtbibliothek durch Wiederauffindung des /Fischart/’schen „Aller Practick Groſsvatter“ gemacht hat, Nachricht gegeben. Die wiederentdeckte Ausgabe ist jedoch zufolge des Titels nicht die erste. Ich kann nun diese Nachricht insoweit vervollständigen, als ich, wenn auch nicht von einem ähnlichen Glücksfunde berichten, doch wenigstens -- ich glaube, es geschieht dies zum ersten Mal -- das Druckjahr einer früheren und muthmaſslich der /ersten/ Ausgabe mittheilen kann. Dieselbe findet sich angezeigt in der /Bibliotheca Thomasiana/ (ed. G. W. Panzer), Vol. III. Norimb. 1769 8. pag. 106, Nr. 1596 mit folgenden, leider allzu kurzen Worten:

„Aller Prakticken und Prognosticken Groſsvatter in Reimen, auf das Jahr 1569. 4. aliaque.“

Eine weitere Beschreibung oder Besprechung fehlt.

Wenn diese Satire wirklich von /Fischart/ herrührt -- und nach Weller’s detaillierter Inhalts-Anzeige und mitgetheilten Proben a. a. O. sprechen wenigstens keine Gründe /dagegen/ -- so gehört diese Schrift zu seinen ersten schriftstellerischen Arbeiten, und die Abfassungszeit fällt jedenfalls vor die der „Groſsmutter“.

Auſser der angeführten Quelle für die erste und Weller’s Herbstmeſscatalog für 1573 für die zweite Ausgabe hat meines Wissens bis jetzt von diesem Buche weder ein gleichzeitiges Bücherverzeichniſs, noch einer der späteren, bis in die neueste Zeit herab erschienenen antiquarischen oder Auctionscataloge, noch ein literarisches Handbuch auch nur die geringste Andeutung gebracht. Auch Gödeke ist es unbekannt geblieben. Da aber die Thomasius’sche Bibliothek s. Z. in Nürnberg selbst zur Versteigerung gelangte (7. Januar bis 5. Juni 1770), so möchte sich vielleicht die Mühe weiterer Nachforschung in der dortigen Stadtbibliothek belohnen, als die Möglichkeit wol vorhanden, daſs bei dieser Gelegenheit auch diese Ausgabe ihren Weg dahin gefunden hat.

/Annweiler./ /J. Franck./

Der Lasterstein in Möſskirch.

Der Anzeiger gab im Jahrgang 1857 von dem Gebrauche Nachricht, wornach verleumderischen Frauen zur Strafe und Abschreckung ein Stein, Klapper- oder Lasterstein, um den Hals gehängt wurde, den sie unter Vorangehen des Gerichtsboten, gewöhnlich an einem Wochen- oder Jahrmarkte, durch die versammelte Menge zu tragen hatten. Jenen Beispielen aus dem Elsaſs und Pommern füge ich ein anderes an, das ich der bekannten, noch ungedruckten Zimmern’schen Chronik (Handschriften der fürstl. Hofbibliothek zu Donaueschingen, Nr. 580) entnehme. Nach dieser bestand in Möſskirch (Baden) für weibliche Personen, welche eines unzüchtigen Lebenswandels beschuldigt wurden, die Strafe, daſs sie den Lasterstein durch die Stadt zu tragen und diese darauf, wol in der Regel, für immer zu verlassen hatten. Zum ersten Male kam diese Strafe in Anwendung bei „einem gar hypschen medlin, hieſs Martha Kislingin“, welche durch ihren Umgang mit einem jungen Geistlichen, Namens Hans Nopp, groſses Aergerniſs gegeben hatte. Während der Verführer sich durch die Flucht der verdienten Strafe entzog, „wardt das Martele ergriffen und der obrigkait überantwurt. Das wardt der statt ewigclichen verwisen undt mueste den Lasterstain dartzu tragen, welche straf domals ain anfang nam zu Möſskirch, dann vormals kain solcher stain alda im brauch gewesen, der hoffnung, es seyen hievor so fromme leut zu Möſskirch gewesen. Also ist der lasterstain domals zu ainer straf den gailen weibern zu Möſskirch in prauch kommen. Hernach über neunzehen iar, nemlich anno 1546 mueste auch aine zu Möſskirch disen lasterstain für die statt hinauſs tragen; die war gleichfalls der statt verwiesen.“

/Donaueschingen./ /Dr. Barack./

Die niederdeutsche Uebersetzung der Sprichwörter Agricola’s.

In meinem Werke über die Sprichwörter Agricola’s, (Schwerin, 1862), dessen wesentlichen Inhalt ich bereits 1858 in dieser Zeitschrift, Sp. 248 angekündigt, habe ich auſser J. Zacher nur zwei Männer zu nennen gewuſst, die, gegenüber einer herrschenden Tradition, in den niederdeutschen Sprichwörtern Agricola’s eine Uebersetzung vermutheten, nämlich Bouterweck und Mohnike. Als dritter gesellt sich zu diesen beiden Männern, freilich anscheinend auch ohne autoptische Kenntniſs eines niederdeutschen Exemplars, K. T. Zumpt, der sich in Wachler’s Philomathie II (Frankfurt a. M., 1820), S. 239 dahin ausspricht: „Viele Ausgaben und /eine niederdeutsche Uebertragung/ beweisen, daſs Agricola mit diesem Buche seinem Volke ein angenehmes Geschenk gemacht hat.“ Die sonstigen Angaben Zumpt’s, die er seinem kurzen, aber dankenswerthen Auszuge beigefügt, sind freilich mit Irrthümern untermischt. Auch Weigand war der angezogene Aufsatz unzugänglich gewesen, als er in der allgemeinen Kirchenzeitung 1841, Nr. 167, die seltsame Tradition über Agricola’s niederdeutsche Schriftstellerei neu zu stützen suchte.

/Schwerin/, December 1865.

/Friedrich Latendorf./

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 2. Februar.

Chronik des germanischen Museums.

Im Anschluſs an die in unserer letzten Chronik bezüglich der Erledigung der Vorstandsfrage enthaltene Mittheilung haben wir unsern freundlichen Lesern heute zunächst anzuzeigen, daſs der Antritt des mit dem Amte eines I. Vorstandes unserer Anstalt betrauten Hrn. Professors /August Essenwein/ bereits am 1. März erfolgen wird.

Es knüpft sich an den Eintritt des Genannten, der auf dem Gebiete der Architektur schon Treffliches geleistet, für uns -- was vielen unserer Gönner und Freunde angenehm sein wird, zu hören -- namentlich auch die Hoffnung, die schon vielfach berührte und langersehnte Wiederherstellung des allein noch darniederliegenden östlichen Kreuzgangs demnächst in’s Werk gesetzt und damit die Restauration unseres schönen Karthäuserklosters, das in einer an herrlichen Bauten weniger reichen Stadt allein schon ein Anziehungspunkt für Viele sein würde, ihrer Vollendung entgegengeführt zu sehen.

Mögen deshalb der freundlichen Gabe „zum Ausbau der Karthause“, die wir am Schlüsse der neugezeichneten Beiträge diesmal aufzuführen haben, in nächster Zeit recht viele weitere folgen, damit das mit Lust und Freudigkeit begonnene Werk nicht wieder in’s Stocken gerathe, sondern unablässig Stein an Stein sich füge, bis der Bau vollendet, der, ein Denkmal deutscher Beharrlichkeit, bestimmt ist, eine Stätte zu werden, an welcher die deutsche Vorzeit gleichsam verkörpert und greifbar den lebenden und kommenden Geschlechtern sich zeigen soll, belehrend und mahnend!

Von unsern Sammlungen sahen sich in letzter Zeit namentlich Münz- und Siegelsammlung reichlich bedacht. Ein sehr interessanter Beitrag für letztere wurde uns von Sr. Hoheit dem Herzoge von Anhalt zugewendet.

Auch zur Erwerbung der Erbstein’schen Modellsammlung sind, wie unten ersichtlich, wieder Beiträge eingegangen.

Dem Antrage unseres Lokalausschusses, dem um das nationale Institut in vielfacher Hinsicht sehr verdienten Hrn. Fabrikbesitzer /Johannes Zeltner/, in seiner Eigenschaft als I. Vorstand der zur Unterstützung des german. Museums s. Z. in’s Leben getretenen Aktiengesellschaft, in den Auschussconferenzen Sitz und Stimme einzuräumen, ist von den auswärtigen Mitgliedern des Verwaltungsausschusses fast einhellig und freudigst zugestimmt worden.

Durch den Tod des Kustos der k. k. Hofbibliothek zu Wien, Dr. /Ferd. Wolf/, hat unser Institut leider abermals einen herben Verlust erlitten. Der Verstorbene war Mitglied des Gelehrtenausschusses unserer Anstalt seit Januar 1859.

In Schriftentausch mit dem german. Museum ist neuerdings getreten der /Verein für Geschichte der Stadt Berlin/, und die Zusage unentgeltlicher Ueberlassung ihrer einschlägigen Verlagsartikel hat uns weiter gegeben:

596. die Buchhandlung von /Böſsenecker/ in /Regensburg/.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Friedberg/ (Bayern), /Hammelburg/ (Bayern) und /Lausanne/.

Die im vergangenen Monate neubewilligten Geldbeiträge sind folgende:

Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Vom Magistrate zu /Eggenfelden/ 10 fl. (einm.), vom Gemeinderathe zu /Endingen/ (Baden) 2 fl., von der Stadtgemeinde /Merkendorf/ (Bayern) 2 fl., vom Stadtrathe zu /Pulsnitz/ 7 fl. (einm.), von der Stadtgemeinde /Reichenberg/ in Böhmen 17 fl. 30 kr. (einm.), vom Stadtrathe zu /Stollberg/ (Sachsen) 3 fl. 30 kr. und vom Magistrate zu /Teterow/ (Mecklenburg-Schwerin) 3 fl. 30 kr., ferner vom städtischen Museum zu /Cleve/ 3 fl. 30 kr., vom Männergesangvereine und vom Sängerbunde zu Eger je 2 fl. 20 kr. und vom Turnvereine daselbst 5 fl. 50 kr., von dem literarischen Vereine „Stift“ zu /Höchst/ a. M. 3 fl. 30 kr., von den Chorherren zu /Klosterneuburg/ 9 fl. 20 kr. (einm.), von der Bürgergesellschaft in /Reutlingen/ 5 fl., von der Montagsgesellschaft in /Uettingen/ 30 kr. (einm.)

Von =Privaten=: /Amberg/: Ludwig Hepp, k. Baubeamter, 1 fl. 12 kr.; /Cilli/: Konrad Pasch, k. k. Gymnasiallehrer, 1 fl. 10 kr.; /Dachau/ (Bayern): Apotheker A. Falk 1 fl., E. v. Hellersberg, k. Landrichter, 1 fl., P. Kamm, k. Sektions-Rechnungsführer, 1 fl., K. Silner, k. Pfarrer u. Distrikts-Schulinspektor, 1 fl.; /Eſslingen/: Hermann Deffner 2 fl., Freiherr Carl von Hermann 1 fl. 45 kr., Freiherr Eugen von Hügel, Justizreferendar, in Tübingen 2 fl. 42 kr., Freiherr Constantin von Neurath, stud. jur., in Tübingen 1 fl. 45 kr., Freifräulein Hermine von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freifräulein Julie von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freifräulein Marietta von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freiherr Rudolph von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 2 fl., Frau Gräfin Anna von Zeppelin in Stuttgart 1 fl. 45 kr.; /Fürth/: Heinrich Grünewald, Lehramtsverweser an der Gewerbschule, 1 fl. 30kr.; /Gehren/: Kaufmann Max Kolb 1 fl. 45 kr.; /Gieſsen/: Fabrikant J. Hanstein 1 fl., Professor Gerhard von Zezschwitz 1 fl. 45 kr. (statt früher 1 fl.); /Kloster Heilsbronn/: Conditor J. G. Schröppel 1 fl.; /Ingolstadt/: Dr. Godfried Wandner, k. Bataillonsarzt, 1 fl. 45 kr.; /Klosterneuburg/: Hoch. Kanzleidirektor Kostersitz 2 fl. 20 kr., J. Schönbrunner 2 fl. 20 kr.; /Krumbach/ (Bayern): Johann Braun, kgl. Notar, 1 fl. 45 kr.; /Leipzig/: M. Cavael 1 fl. 45 kr., Architekt Dr. Mothes 1 fl. 45 kr,; /Obermoschel/ (Pfalz): Friedrich L. König, k. Notar, 1 fl.; /Ohrdruff/: Justizamtsaktuar Grützmüller 1 fl., Realschullehrer Georg Heſs 35 kr., Dr. Krügelstein, Rechtsanwalt u. Notar, 1 fl. 45 kr., Realschullehrer Dr. Slevogt 1 fl.; /Sonneberg/: Friedrich Bernhard Bischoff, Direktor der herzogl. Schieferbrüche zu Lehesten, 1 fl. 30 kr., Hermann Dürr, Bürgermeister zu Lehesten, 1 fl. 30 kr.; /Ulm/: L. Bantlin, Kaufmann, 1 fl., Dr. August Handwerker, k. bayer. Regimentsarzt, in Neuulm, 1 fl., J. Reinemann, Kaufmann, 1 fl., Chr. Stiefenhofer, Kaufmann, 1 fl. 30 kr., Strauſs u. Kohn, Kaufleute, 1 fl. 30 kr.; /Zeitz/: Dr. Feodor Bech, Gymnasialoberlehrer, 1 fl. 10 kr. (einm.)

Zum /Ausbau der Karthause/ von Herrn Provisor /Meyerholz/ in /Schlüchtern/ 3 fl. 30 kr.

Zur /Erwerbung der Erbstein’schen Modellsammlung/: von Hrn. Friedrich v. /Klinggräff/ auf /Pinnow/ bei /Neubrandenburg/ 5 fl., von Hrn. /Theodor Hoppe/ in Gumpoldskirchen 57 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=v. Heister=, General, in Naumburg a. d. Saale:

3303. Urkunde des Ritters Liborius v. Bremen über die Vertreibung der Juden aus Wildeshausen. 1350. Pap. Abschr.

=Magistrat der Stadt Burg-Steinfurt=:

3304. Erneuerung eines Gildebriefes für die Bäckerzunft in Steinfurt. 1755. Pgm.

=Reuter jun.=, Kartenfabrikant, in Nürnberg:

3305. Kaufbrief für Endreſs Oertl zu Nürnberg über die Dreher’sche Behausung an der langen Brücke. 1558. Pap. Abschr.

3306. Kaufbrief für Peter Zweidler zu Nürnberg über die Behausung in der breiten Gasse. 1588. Pap. Abschr.

3307. Cessionsbrief f. Jacob Kraus zu Nürnberg über 300 fl. 1600. Pap. Orig.

3308. Kaufbrief f. Hieronymus Dreher über seinen Theil an der Behausung oberhalb der Saubrücke zu Nürnberg. 1615. Pap. Abschr.

3309. Kaufbrief für Balthasar Haffet über die Behausung an der ABC-Brücke zu Nürnberg. 1635. Pap. Abschr.

3310. Quittung für Balthasar Hafeth über die von ihm abgelöste Eigenschaft von der Dreher’schen Behausung an der ABC-Brücke in Nürnberg. 1643. Pap.

3311. Kaufabrede zwischen J. C. Dehne und Joh. Mich. Graſser über eine Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg. 1735. Pap.

3312. Schuldverschreibung des Joh. Mich. Graſser in Nürnberg über 500 fl. 1735. Pap.

3313. Kaufbrief des J. C. Dehne etc. für Joh. Michael Graſser über die Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg. 1735. Pap.

3314. Kaufbrief für J. W. Dörrbaum über die Behausung auf der ABC-Brücke zu Nürnberg. 1759. Pap.

3315. Cessionsurkunde für Joh. Egydi Dörr zu Nürnberg über 450 fl. 1763. Pap.

3316. Zeugniſs des Feueramts zu Nürnberg f. Hanſs Michael Graſser. 1763. Pap.

3317. Adjudications-Bescheid des Stadtgerichts Nürnberg für Frau Helena Susanna Dörrin. 1772. Pap. 2 Expl.

3318. Kaufabrede zwischen Helena Susanna Dörrin und Joh. Casp. Zwicknagel über die Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg. 1774. Pap.

3319. Kaufbrief der Helena Susannn Dörrin für Joh. Casp. Zwicknagel. 1775. Pap.

3320. Kaufbrief der Maria Magdalena Dörrbaumin über ihre Behausung an der ABC-Brücke in Nürnberg. 1792. Pap.

=C. W. Neumann=, Oberlieutenant und Platzadjutant, in Regensburg:

3321. Eine französische Assignate von 1792. Pap.

=Hermann Dürr=, Bürgermeister, in Lehesten:

3322. Kaufbrief des Balthasar von Könitz für Jörg von Könitz. 1438. Pgm.

II. Für die Bibliothek.

=Dr. W. Mannhardt=, Privatdocent, in Danzig:

18,903. Ders., Roggenwolf u. Roggenhund. Beitrag zur german. Sittenkunde 1865. 8.

=Al. Dominicus=, Direktor des Gymnasiums zu Coblenz:

18,904. Ders., Geschichte des Coblenzer Gymnasiums; I. Th. 1862. 4. Progr.

18,905. Schubach, de s. Patris Gregorii Nazianzeni carminibus; p. I. 1865. 4. Progr.

=Th. Stumpf=, Oberlehrer am Gymnasium zu Coblenz:

18,906. Ders., die politischen Ideen des Nic. von Cues. 1865. 8.

=J. Hölscher=, Verlagshandlung, in Coblenz:

18,907. Dominicus, Baldewin von Lützelburg, Erzbischof u. Kurfürst von Trier. 1862. 8.

=Julius Bettingen= in St. Wendel:

18,908. Ders., Geschichte der Stadt und des Amtes St. Wendel. 1865. 8.

=Se. Maj. König Georg V. von Hannover=:

18,909. Bodemann, xylographische und typographische Incunabeln d. k. öffentl. Bibliothek zu Hannover. 1866. gr. 4.

=Dr. F. W. Bärensprung=, Hofbuchdrucker, in Schwerin:

18,910. Morlot, d. graue Alterthum; übers, v. Bärensprung. 1865. 8.

18,911. Judex, d. kleine Corpus doctrinae; hrsg. von Wiechmann. 1865. 8.

=Dr. H. Becker= in Dortmund:

18,912. Denaisius, de jure meri imperii in eos qui Spirae constituti, Judicii Cameralis corpore, vel albo continentur. 1601. 4.

18,913. Apologia meri imperii etc. 1601. 4.

18,914. Denaisius, adsertio jurisdictionis camerae imperialis etc. 1601. 4.

18,915. Thülemar, tractatio de bulla aurea, argentea, plumbea et cerea etc. 1697. 2.

18,916. Entdeckter jüdischer Baldober etc. 2. Aufl. 1758. 4.

18,917. Carrach, rechtliche Urtheile und Gutachten in peinlichen Sachen. 1775. 2.

=Verein für die Geschichte der Stadt Berlin=:

18,918. Ders., Schriften etc.: I. Band, 1. Heft. 1865. 8.

=Dr. Otto Franklin=, Universitäts-Professor, in Greifswald:

18,919. Ders., Beiträge zur Geschichte der Reception des römischen Rechts in Deutschland. 1863. 8.

=Provincial-Utrecht’sche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft= in Utrecht:

18,920. Dies., Verslag van het Verhandelde in de algemeene Vergadering etc., 1862-65. 8.

18,921. Dies., Aanteekeningen van het Verhandelde in de Sectie-Vergaderingen etc., 1862-64. 8.

=Historisch Genootschap= in Utrecht:

18,922. Dies., Kronijk etc. 20. Jaarg. 1864. 1865. 8.

18,923. Dies., Wet. 8.

18,924. Dies., Naamlijst der Boeken etc. 2. Uitg. 1865. 8.

=L. v. Ledebur=, Hauptmann a. D., Direktor der k. Kunstkammer, in Berlin:

18,925. Ders., d. Propsteiwesen in d. Brandenburg. Sprengel. 8.

=P. Liehner=’sche Buchhandlung in Sigmaringen:

18,926. Sammlung d. Gesetze u. Verordnungen f. d. Hohenzollern’schen Lande; neue Folge, I. Bds. 1. Hälfte. 1865. 8.

18,927. Hohenzollern’scher Geschichts- und Geschäfts-Kalender. 8.

18,928. Erinnerung an Sigmaringen u. s. Umgebung, qu. 8.

=Dr. Ludw. Baur=, groſsh. hess. Geheimerath und Archivdirektor, in Darmstadt:

18,929. Ders., hessische Urkunden; 4. (letzter) Band. 1866. 8. 2 Exempl.

=G. A. v. d. Beeck=, k. Hauptmann a. D., in Neuwied:

18,930. Die hundertjährige Jubelfeier der Pensions-Knabenanstalt der Brüdergemeine zu Neuwied. 1856. 8.

18,931. Neinhaus, über d. Flora der Umgegend von Neuwied. 1865. 4. Progr.

=J. G. Cotta=’sche Buchhandlung in Stuttgart:

18,932. Deutsche Vierteljahrs-Schrift: 29. Jahrg., Jan.-März 1866. Nr. 113. 8.

=G. F. Groſsmann’s= Buchhandlung in Weiſsensee:

18,933. Leitzmann, Wegweiser auf dem Gebiete der deutschen Münzkunde; 2. Abth. 1866. 8.

=Meyer=’sche Hofbuchhandlung in Lemgo:

18,934. Brandes, Ausflug nach der Tatra, der Hegyallia u. d. ungar. Erzgebirge. 1865. 8.

=Friedr. Hektor Graf Hundt=, k. b. Kämmerer und Ministerialrath, in München:

18,935. Ders., Karl August Graf v. Seinsheim. 1865. 8. Sonderabdr.

=Theophil Rupp= in Reutlingen:

18,936. Ders., Fiölsvinnsmâl. 8. Sonderabzug.

=K. Friedrichs-Universität= in Halle:

18,937. Jancke, Aristoteles doctrinae paedagogicae pater. 1866. 8.

18,938. Schilling, de usu dicendi Ulrici de Zazikhoven. 1866. 8.

18,939. Inclitae litterar. Universitati Vindobonensi sacra saecularia quinta agenti. 1865. 4.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

4983. Dreier der Stadt Hannover und Hamburger Zweischillingstück von 1720.

4984. Halber Kreuzer von Schwäb. Hall v. 1712 und Hess. Heller von 1757.

=Laurer=, Frauenkleidermacher, in Nürnberg:

4985. Kurf. brandenburg. Silbermünze von 1565.

=Frau Minna Büchel=, geb. Meiſsner, in Dresden:

4986. Sogen. Landsberger Pfennig v. 15. Jhdt.

4987. Dose von vergoldetem Kupfer mit ciselierten Ornamenten, 18. Jhdt.

=Georg Brückner=, Privatier, in Kulmbach:

4988. Viertelthaler Maximilian’s von Oesterreich, Groſsmeisters des deutschen Ordens zu Mergentheim, und ovaler Gnadenpfennig von Messing, 18. Jhdt.

=Magistrat zu Burg-Steinfurt=:

4989. 4 Lackabdrücke städtischer Siegel und ein Siegelstock.

=G. von Bülow= in Lausanne:

4990. 27 Lackabdrücke älterer und neuerer Siegelstöcke.

4991. Abdruck eines Notariatsstempels vom 17. Jhdt.

=Se. Hoheit Leopold Herzog zu Anhalt=:

4992. Siegel Markgraf Albrecht d. Bären, Gypsabg.

=Se. Durchl. Friedrich Karl, Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg=:

4993. 3 Siegel der Welfenpartei zu Florenz und des M. A. de Abatibus, Gypsabg.

=P. Schmidt=, Assessor, in Kopenhagen:

4994. 2 russ. Amulets von Messing.

=Jacob Kerschbaumer=, Privatier, in Berchtesgaden:

4995. Porträt Dr. Martin Luther’s und der Katharina von Bora, zum Theil aus Schriftzügen zusammengesetzt, Kpfstch.

=Fr. Thorwart=, Kaufmann in Pforzheim, und =E. Oppermann=, Kammerstenograph, in Dresden:

4996. Kriegspulverhorn vom 17. Jhdt.

=E. Oppermann=, Kammerstenograph, in Dresden:

4997. Silbermedaille der Stadt Hanau auf Kurfürst Wilhelm II., 1821.

4998. 2 Bronze- und 4 Zinnmedaillen aus neuerer Zeit.

4999. Nassauer Denkzeichen auf Eroberung des Kriegschiffes Christian VIII. bei Eckernförde, 1849.

=Horn von Wieseck=, Realschüler, in Gieſsen:

5000. Ein in der Umgegend von Gieſsen aufgefundener Steinkeil.

=Dr. O. Buchner= in Gieſsen:

5001. Ein Steinkeil, ebendaher.

5002. 8 Lackabdrücke der alten Stadtsiegel von Alsfeld.

5003. Wappen der Städte Karlsbad u. Königsberg in Preuſsen.

=J. Diernfellner’s= Universitätsbuchhandlung in Freiburg i. Br.:

5004. 12 Freiburger Silbermünzen älterer und neuerer Zeit.

5005. Gröſsere und kleinere Ansicht der Stadt Freiburg i. Br., von Greg. Sickinger gestochen; neuer Abdruck.

=F. Deuster= in Kitzingen:

5006. 32 kleinere Silbermünzen vom 16. u. 17. Jhdt.

5007. 8 zu Kitzingen gefundene Pfennige von Bamberg, Würzburg, Mainz u. s. w., aus der zweiten Hälfte des 14. Jhdts.

=G. A. Böckel=, Schlossermeister und Obrigkeitszunftdeputierter, in Cassel:

5008. 2 Medaillons von getriebenem Eisen mit dem Brustbilde Napoleon’s I. und einer Siegesgöttin auf dem Adler, gefertigt 1809 durch den Schlosser C. Fr. Holland zu Wien.

=R. Ph. Schilling=, Privatgelehrter, in Riga:

5009. Porträt des Augsburger Pfarrers Joh. C. Göbel, Photographie nach dem Kupferstich von L. Kilian.

=von Gemming=, Obristlieutenant, in Nürnberg:

5010. Illustrierende Beilage aus dem 5. Jahresbericht des historischen Vereins im Rezatkreise; Steindruck.

=Sommer=, k. Bauinspektor, in Zeitz:

5011. Photographie nach den drei Crucifixen von 1685 in der Michaeliskirche zu Zeitz.

Chronik der historischen Vereine.

/Památky archaeologicke a Mistopisné/. Vydované od /archaeologického sboru Musea královstvi Českého/. K. VI. Zap a Fr. J. Zoubek. Ročnik XII. Díl VI. Svazek 5. 6. 7. V Praze. 1865. 4.

/Verzeichniſs/ der Mitglieder der Gesellschaft, der wissenschaftlichen Sectionen und Comitéen und der Beamten des /Museums des Königr. Böhmen/ zur General-Versammlung am 3. Juni 1865. Prag, 1865. 8.

/Vortrag/ des Geschäftsleiters in der General-Versammlung der Gesellschaft des Museums des Königreiches Böhmen am 3. Juni 1865. Prag, 1865. 8.

/Mittheilungen der/ k. k. /Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale/. Herausgegeben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander Freiherrn von Helfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 10. Jahrg. November-December. Wien, 1865. 4.

Ueber einige Kirchen in Steiermark. Von Hanns Petschnig. (Mit 20 Holzschnitten.) -- Deckengewölbe der Kirchen St. Marein bei Seckau. (Mit 1 Doppeltafel.) -- Ueber das Herkommen verschiedener Gemälde in der k. k. Gemäldegallerie im Belvedere. Von A. R. v. Perger. -- Die nordfranzösische Abtei- und Kathedralkirche. Von Dr. E. Henszlmann. -- Besprechung: Ueber die Berichte und Mitteilungen des Alterthums-Vereines zu Wien. -- Notiz: Die archäologische Ausstellung in Preſsburg.

/Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Gewerke in München/. Fünfzehnter Jahrgang. -- Zweites, drittes und viertes Heft. 1865. 2.

Historische Aufsätze: Die Malerei in ihrer Anwendung auf die Baukunst nach Viollet-Le-Duc. Von A. Mecklenburg. -- Zur Geschichte des Kunsthandwerkes in Frankreich. -- Die Austellung von kulturhistorischen Gegenständen in München für das Jahr 1866.

/Badenia/ oder das badische Land und Volk. Eine Zeitschrift zur Verbreitung der historisch-topographisch-statistischen Kenntniſs des Groſsherzogthums. (Organ des /Vereins für badische Ortskunde/.) Herausgegeben von Dr. Jos. Bader. Dritter Band. Zweites Heft (zweite Hälfte) und drittes Heft. Heidelberg, Druck u. Verlag von A. Emmerling. 1865. 1866. 8.

Hofsgrund im Breisgau. Kurze Geschichte des Thales und Bergwerks. Von Cameralpraktikant Trenkle. (Schluſs.) -- Burghart von Hohenfels, der Minnesänger, seine Familie und Heimat. Von Dr. Bader. -- Mannheims Vorgeschichte im keltisch-römisch-germanischen Zeitalter. Von Prof. Fickler. -- Meine Heimatgaue. Eine historisch-ethno-topographische Skizze. Von Dr. Bader. -- Wo lag der von Kaiser Valentinian befestigte mons Pirus? Von Registrator Vetter. -- Ueber die Bevölkerungszunahme in den bedeutenden Städten Badens. Von Trenkle.

/Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst/. Neue Folge. Herausgegeben von dem /Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main/. Dritter Band. Mit Abbildungen. Frankfurt a. M. 1865. gr. 8.

Zur Urgeschichte des Rhein- und Mainlandes. Von Prof. Dr. J. Becker. -- Des Kanonicus Job Rohrbach am Bartholomäusstifte Frankfurter Chronik vom J. 1494-1502. Zum erstenmale herausgegeben von G. E. Steitz, Dr. der Theol. -- Die Straſsen der Frankenfurt. Von Dr. Friedr. Scharff. Mit einer Karte. -- Das Recht der hohen Mark, mit besonderer Berücksichtigung der angrenzenden Seulberg-Erlenbacher Mark. Von dems. -- Beiträge zur Geschichte des Collegiatstifts Moxstadt aus dem Frankfurter Stadtarchive von Dr. L. H. Euler. -- Angelegenheiten der reformirten Gemeinden nach den Protocollen des lutherischen Predigerministeriums. Mitgetheilt von Pfarrer Basse. -- Die Auflösung des Groſsherzogthums Frankfurt. Ein geschichtlicher Rückblick auf die beiden letzten Monate des Jahres 1813. Von Dr. W. F. C. Stricker. -- Lorenz Heister, geb. im Jahr 1683 zu Frankfurt, gest. 1758 zu Helmstädt. Von Dr. Eduard Heyden. -- Johann Michael von Loen, Göthe’s Groſsoheim. Von dems.

/Mittheilungen/ an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M. II. Band. Nr. 4. April 1864. Frankfurt a. M., 1864. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Römische Alterthümer aus Genf. Mitgetheilt von Paul Gerson. -- Der Stadt Frankfurt am Main Adler. Ein Lobgedicht aus dem 16. Jahrhundert, mitgetheilt von Ernst Kelchner. -- Kleine Bemerkungen von Dr. Euler.

III. Band Nr. 1. April 1865. Vereinsangelegenheiten. -- Mitglieder des Raths unter 30 Jahren. Von L. F. Finger. -- Verzeichniſs der Kosten bei Erlangung einer bürgerlichen Fähndrichsstelle aus dem Jahre 1803. Mitgetheilt von Dr. med. Stricker. -- Zwölf Urkunden, mitgeth. von Dr. jur. Euler.

/Hennebergisches Urkundenbuch/. Im Namen des /Hennebergischen alterthumsforschenden Vereins/ herausgegeben von Georg Brückner. V. Theil. (I. Supplementband.) Meiningen. Verlag der Herzogl. Hofbuchhandlung von Brückner u. Renner. 1866. 4. IV u. 292 Stn.

/Statuten des Thüringisch-Sächsischen Geschichts- und Alterthums-Vereins zu Halle an der Saale/. Halle. 1865. 8. 15 Stn.

/Mittheilungen des Vereins für die Geschichte und Alterthumskunde von Erfurt/. Erstes Heft. Mit 3 Tafeln in Farbendruck und 8 Steindruck-Tafeln. Erfurt, 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Das Wappen und die Siegel der Stadt Erfurt, von Karl Herrmann. -- Verzeichniſs der Abbildungen. -- Zusätze und Berichtigungen.

XXXI. 2. /Quartalbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde/. Schwerin, im Januar 1866. 8. 12 Stn.

/Zeitschrift des Architecten- und Ingenieur-Vereins für das Königreich Hannover/. Redigirt von dem Vorstande des Vereins. Band XI. Heft 4. (Jahrg. 1865.) Hannover. Schmorl u. v. Seefeld. 1865. 2.

/Beiträge zur vaterländischen Geschichte/. Herausgegeben von der /historischen Gesellschaft in Basel/. Achter Band. Basel, H. Georg’s Verlagsbuchhandlung. 1866. 8.

Vorbericht (Geschichte der Gesellschaft von 1836-1861, von J. W. Heſs). -- Die Berührungen Basels mit den westfälischen Gerichten. Von Prof. Andr. Heusler, Sohn. -- Die Begehren der Basler Bürgerausschüsse im Jahre 1691. Von Dr. Karl Burckhardt. -- Streitigkeiten zwischen der Gerberzunft in Basel und den Landgerbern im achtzehnten Jahrhundert. Von H. Zehntner. -- Der Geschichtschreiber Johannes Müller in seinem Briefwechsel mit Peter Ochs von Basel. 1775-1786. Von Dr. D. A. Fechter. -- Mittheilungen aus den Basler Rathsbüchern aus den Zeiten des dreiſsigjährigen Krieges. Von Prof. A. Heusler, Vater. -- Die neuesten Forschungen über Hans Holbein des Jüngern Geburt, Leben und Tod. Mitgetheilt von Ed. His-Heusler.

XLIV. /Neujahrsblatt für Basels Jugend/, herausgegeben von der /Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen/. 1866. 4. Basels Eintritt in den Schweizerbund. 1501.

/Argovia/. Jahresschrift der /Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau/ durch E. L. Rochholz und K. Schröter. IV. Band. Jahrgang 1864 und 1865. Aarau, Verlag von Heinrich Remigius Sauerländer. 1866. 8.

Vorwort. -- Über die Entstehungszeit der Acta Murensia. Von Theodor v. Liebenau. -- Vereins-Chronik. -- Der Stift Zurzach niedere Gerichtsherrlichkeit in Kadelburg, vom J. 1451-1803. Nach 57 Urkunden dargestellt von J. Huber. -- Die Hausthüre im Rechtsfrieden. Nach altdeutschen Quellen von E. L. Rochholz. -- XXXIII Aargauer Öffnungen, gesammelt und nach erbrechtlichem Inhalte bearbeitet von E. Welti. -- Bilderreim über die böhmische Jesuitenaustreibung vom J. 1619. Ein Beitrag zur Literatur der politischen Flugblätter, mitgetheilt von E. L. Rochholz. -- Regesten des Archivs der Stadt Brugg. Von Dr. Bäbler. -- Zwei Schwyzer Landesbefestigungs-Urkunden vom J. 1322. Mitgetheilt von E. L. Rochholz. -- Wort- und Sachbestand. -- Orts- und Personennamen-Register.

/Einundzwanzigster Jahresbericht über die Verrichtungen der Antiquarischen Gesellschaft/ (der Gesellschaft für vaterländische Alterthümer) /in Zürich/. Vom November 1864 bis December 1865. Zürich, 1865. 4.

/Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus/. Zweites Heft. Zürich u. Glarus, Meyer u. Zeller. 1866. 8.

Protokolle des Vereins. -- Die versuchte Annexion St. Gallischer Gebietstheile im Jahr 1814. -- Urkundensammlung zur Geschichte des Kantons Glarus.

/Rätia/. /Mittheilungen der geschichtforschenden Gesellschaft von Graubünden/. Herausgegeben vou Conradin v. Moor und Christian Kind. III. Jahrgang. Cur, im Verlage der Antiquariatsbuchhandlung. 1864. 8.

Politische und militärische Correspondenzen aus dem Schwabenkriege. Von Chr. Kind. (Schluſs.) -- Die Fuentan’schen Wirren. Von dems. -- Relatione de Griggioni fatta dal segretario Padavino. Mitg. von Victor Cérésole. -- Ein ladinisches Rügelied auf Oberst Gg. Jenatsch. Mitgetheilt von Alf. v. Flugi. -- Beiträge zur Geschichte Graubündens. Von Prof. Pet. Kaiser.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique/. Trente-deuxième année. Tome V. IV. Série. 371. Livr. Octobre 1865. Paris, 1865. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 1., 31. Vol. de la Collection. Nr. 7. 8. Paris et Caen, 1865. 8.

Analyse architecturale de l’abbaye de St.-Étienne de Caen, par M. Bouet. (Suite). Rapport verbal fait en août et octobre 1865 à la Société française d’archéologie, par M. de Caumont. -- Lettre à M. de Caumont sur une excursion en Périgord et en Quercy, par M. Jules de Verneilh. (Suite.) -- Les tombes de l’abbaye de Fervagues par M. Ch. Gomart. -- La Bonne-Mort. Peinture murale de l’église de Péronne, par le même.

/Bulletin de la Société pour la Conservation des Monuments historiques d’Alsace/. (Deuxième Livraison.) Paris et Strasbourg. 1865. gr. 8.

Procés-verbaux des Séances. -- Mémoires: Note sur une médaille offerte à la ville de Strasbourg, pour sa collection historique, par M. le doyen F. Sachs de Carlsruhe, par M. G. Klotz. -- Notice sur la famille de Rosen, par M. Ernes Lehr. -- Un extrait de la Chronique de Wissembourg, de Balthasar Boell, par M. L. Spach. -- Frédéric II. et ses fils en Alsace, par M. P. Huot. -- Note sur deux anciens monastères, vulgairement designés sous les noms de Frauenkirch et de Thierkirch, par Jér. Ans. Siffer. -- Le château impérial des Hohenstauffen à Obernai, par M. l’abbé Gyss. -- Donation de terres, faite à l’abbaye de Marbach, par le comte Albert d’Éguisheim, par M. L. Spach. -- Recherches archéologiques concernant la station de Gramatum, par M. Coste, avec une carte lithographiée. -- Craufthal (Claustriacum), par M. Louis Benoit. -- Rapport sur deux ouvrages de M. le prof. Hanauer, par M. L. Spach. -- Notice sur quelques monuments lapidaires d’origine païenne, conservés à Walbourg, par Jér. Ans. Siffer.

/Kronijk van het Historisch Genootschap, gevestigd te Utrecht/. Twintigste Jaargang, 1864. Vierde Serie. Vijfde Deel. Utrecht, Kemink en Zoon. 1864. 8.

Angelegenheiten des Genootschaps. -- Stukken voor de geschiedenis der jaren 1593 en 1594. -- De beroeming van Graaf Johan van Nassau tot Stadhouder van Gelderland. -- Beschrijving van eenen togt naar de Bovenlanden van Banjermassing enz., in het jaar 1790. -- Onderzoek naar de wijze van bekostiging der voormalige fortificatiewerken der stad Utrecht. Door Mr. J. W. L. Raven.

/Naamlijst der boeken/ van het Historisch Genootschap. Tweede uitgave. 1865. Utrecht, Kemink en Zoon. 8. IV u. 124 Stn.

/Wet/ van het Historisch Genootschap. 8. 14 Stn.

/Verslag van het verhandelde in de algemeene vergadering van het Provinciaal Utrechtsche Genootschap van Kunsten en Wetenschappen/, gehouden den 27. Junij 1865. Utrecht, C. van der Post jr. 1865. 8.

/Aanteekeningen van het verhandelde in de Sectie-Vergaderingen/ van het Provinciaal Utrechtsche Genootschap van Kunsten en Wetenschappen, ter gelegenheid van de algemeene vergadering, gehouden in het jaar 1864. Utrecht, C. van der Post jr. 1864. 8.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

3) /Die römischen Inschriften in Dacien/. Gesammelt und bearbeitet von /Michael J. Ackner/, gestorben als ev. Pfarrer in Hamersdorf, k. Rath u. s. w. und /Friedrich Müller/, Gymnasialdirektor u. s. w. Herausgegeben mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Wien, 1865. Verlag von Tendler u. Comp. (Carl Fromm). 8. 247 Stn.

In einem längeren Vorworte geben die gelehrten Verfasser Rechenschaft über die durch mehrere Jahrhunderte sich ziehenden Bemühungen, die bis jetzt aufgewandt wurden, den von ihnen behandelten Stoff zusammenzutragen und zu erläutern, wie über die Bedingungen, unter welchen ihre eigne Arbeit den früheren sich anschlieſst, welche letztere, ohne für jene die Nothwendigkeit der selbständigen Prüfung aufzuheben, die fast eben so groſse Schwierigkeit der Sichtung des bis jetzt zu Tage geförderten wissenschaftlichen Materials hinzufügte. Ob die vorliegende Arbeit den Schluſs der zahlreichen und gröſstentheils veralteten Versuche bilde, darüber könnte endgültig natürlich nur an Ort und Stelle entschieden werden. Soweit aber nach Analogien zu schlieſsen erlaubt ist, hat die Schrift auf das Prädikat der Vollendung in hohem Grade Anspruch. Ihre Zusammenstellung zeugt von einem Fleiſse, der nur aus der Lust vollkommenen Verständnisses erklärbar wird, wie wiederum vor Allem dieses die groſse Masse des vereinigten Materials werthvoll macht. Von mehr als hundert Orten in Siebenbürgen, Serbien, Bulgarien, Slavonien, der Walachei, Moldau, Militärgrenze, dem Banat u. s. w. sind über tausend Inschriften zusammengetragen, durch Anmerkungen erläutert und durch ausführliche Register zugänglich gemacht. Die Ausstattung des Buches ist, wie sie für ein Werk, das selbst Anspruch auf monumentalen Werth macht, sich ziemt.

4) /Geschichte des Herzogs Rudolf IV. von Oesterreich/, von /Dr. Alfons Huber/, Professor der Geschichte in Innsbruck. Innsbruck, Wagner. 1865. 8. IX, 223 Stn.

Längst war es der Wunsch aller Freunde der Habsburger, es möchte Jemand sich der nicht kleinen Mühe unterziehen, die Lichtfunken zu sammeln, welche Rudolf’s IV. kurze, aber glanzreiche Bahn, einem Meteore gleich, von Ungarn und Böhmen aus in Oesterreich und Tirol, ja bis Venedig, aber nicht weniger in Schwaben, vorab in den Wiegenlanden seines erlauchten Geschlechts, verbreitete.

Diese hochherzigen Erinnerungen an die Jugendzeit des Hauses Habsburg leuchteten vom Frühlinge 1353 bis in den Sommer 1365, also ein Dutzend Jahre hindurch, in der trüben Zeit, als das Haus Luxemburg-Böhmen mit Kuttenbergs Silber sich auf ewig ein böhmisches Erbreich über ganz Deutschland zu erkaufen hoffte.

Da Herzog Rudolf und seine Umgebung trotzdem, daſs er zu Wien die Universität und Stephanskirche errichtete und in kühnem Heldengange über den Krimlertauren zur Winterszeit Tirol erwarb, doch unsern obern Landen eben so nahe stand, als Oesterreich, hätten wir recht sehr gewünscht, daſs man dem Verfasser seiner Lebensgeschichte alle nöthigen Mittel zur Hand gestellt hätte, die sehr zahlreichen Erlasse Herzog Rudolf’s IV. in Schwaben, Burgund und Elsaſs zu sammeln, -- was ihm leider nicht ermöglicht wurde. Trotz dieses Mangels bleibt diese Lebensgeschichte dennoch eine recht lobenswerthe Unternehmung; denn was im Bereiche des Verfassers lag, wurde gesammelt und so gut benützt, daſs es in Böhmen und Italien, in der Schweiz wie in Frankreich zu reichen Nachträgen ermuntern wird. Zwei Monographieen werden ganz besonders fördernd hier unterstützen: diejenige des Johannes Schultheiſs, Kanzlers Rudolf’s IV., Bischofs von Gurk, Brixen und endlich von Chur, mit vielen bisher unbekannten Daten; dann die Geschichte der Königin Agnes, Base Herzog Rudolf’s IV., die (mit 400 Regesten und etwa hundert Urkunden) im Jahre 1866 erscheinen wird.

Herr Professor Huber äuſserte vor einigen Monaten noch, das Erscheinen Rudolf’s IV. werde geraume Zeit auf sich warten lassen; ob nun Heinr. v. Dieſsenhofen’s Chronik den früheren Entschluſs umänderte, wissen wir nicht genau; doch entnahm er derselben zahlreiche Stellen.

Das Buch ruht auf 618 Regesten und acht beigelegten Urkunden. Die Regesten, groſsentheils auf Lichnowsky hingewiesen, sind oft etwas kurz ausgefallen und stehen unter dem Titel: Verzeichniſs der Aufenthaltsorte. Drei sogen. Excuse: 1. Ueber die Beamteten, Verzeichniſs mit der Zeitangabe, 2. Krone und sogen. Privilegien der Herzoge von Oesterreich, 3. Genealogie der Herren v. Walsee, sind beigegeben.

Die Abhandlung (S. 1-154) zerfällt in: Deutschlands Entwicklung, Königthum und Fürstenthum; -- Rudolf’s IV. Jugendzeit und Verehelichung; -- Rudolf’s IV. Regierung bis zum Bunde mit Ungarn. -- Erwerbung Tyrols vorbereitet; -- Streitigkeiten mit Karl IV.; -- Aquilea und Friaul; -- Wiederausbruch des Zwistes mit dem Kaiser; -- Besitznahme Tyrols; -- Kampf mit Bayern um Tyrol; -- innere Verwaltung seiner Lande; -- letzte Kämpfe in Italien; Rudolf’s IV. Lebensende und Würdigung; -- also eilf Abschnitte, welchen wir eine Darstellung Rudolfs in den früher so kriegerischen Gauen der Limath und Aare beigefügt wünschen möchten, sowie auch, daſs das ausgezeichnet gut geschriebene Buch den obern Landen einen eigenen Abschnitt gewidmet hätte, der die Blume der ganzen Abhandlung bilden müſste.

Dr. H. v. /Liebenau/.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Biene/: Nr. 5. Geschichtliches über Dukaten. (J. v. H.)

/Das illustr. Buch der Welt/: Nr. 1. Bilder aus dem deutschen Mittelalter. 11. König Wenzeslaus der Luxemburger. (Thaddäus Lau.)

/Chilianeum/: Nr. 1. Die Miſsbilligung der zweiten Ehe im Mittelalter. Sittengeschichtliches aus dem 14. Jahrhundert. (Prof. Dr. v. Hefele.)

/Dioskuren/ (Deutsche Kunstzeitung): Nr. 5. Die neueste Erwerbung der königlichen Gemäldegallerie in Dresden (das in der Böhmischen Auction erstandene Gemälde von Dürer). (Julius Hübner.)

/Erheiterungen/ (Beibl. z. Aschaffenb. Ztg.): Nr. 11-32. Hexenprozesse aus der ehemaligen Cent vom Spessart und Bachgau, aus aktenmäſsigen Urkunden gezogen. (Dr. Ludw. Herrmann.)

/Europa/: Nr. 4. Zur Geschichte des Holzschnitts. -- Nr. 6. Der erste deutsche Künstler (Dürer). (Nach v. Zahn.)

/Grenzboten/: Nr. 3, S. 81. Hans Holbein’s d. J. neueste Biographie. -- S. 94. Die Sprachvergleichung und die Boppstiftung. -- 103. Schwimmkunst in alter Zeit.

/Der Hausfreund/: Nr. 3. Die Babenberger.

/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 77. Die ersten Zeitungen. -- Nr. 82. 84. Eheverlöbniſs der Magdalena Topplerin.

/Protestantische Monatsblätter/: Novbr. Die deutschen Universitäten in ihrem geschichtlichen Verhältnisse zu den deutschen Fürstenhäusern. (E. Curtius.)

/Baltische Monatsschrift/: 12, 5. (Nov.) Wallenstein. (E. Herrmann.)

/Neue Freie Presse/: Nr. 522. Zur Geschichte der Rinderpest.

/Schles. Provinzialblätter/: Decbr. Andreas Gryphius auf den Brettern. (Th. Oelsner.) -- Prolog zur Aufführung der „geliebten Dornrose“ von Gryphius. (Dr. C. Grünhagen.) -- Bernhard von Kamenz, Kanzler Herzogs Heinrich IV. von Breslau, später Bischof von Meissen. Nach der Schilderung von Prof. Knothe auszugsweise mitgetheilt von H. Palm. -- Nachträgliches zu dem Aufsatze „Einiges über die Leiden und Krankheiten unserer Vorfahren.“ (R. Kärger.) -- Noch ein Weihnachtsspiel (Herodesspiel) aus dem Eulengebirge. (F. Zeh.)

/Theolog. Quartalschrift/: 1. Heft, S. 3. Zur kirchlichen Geschichte des XIV. Jahrhunderts. (Prof. Dr. Schwab.) -- S. 56. Zur Geschichte der Aufhebung des Templerordens. Mit Benützung bisher unbeachteter Bullen. (Prof. Dr. Hefele.)

/Revue des deux mondes/: 2. Lief., S. 504: L’histoire de la philosophie et l’éclectitisme. (Paul Janet.)

/Bremer Sonntagsblatt/: Nr. 4 f. Sanct Cosmas und St. Damian. Zur bremischen Reliquiengeschichte. (H. A. Schumacher.)

/Münch. Sonntagsblatt/: Nr. 5. Herzog Ludwig der Reiche von Bayern. -- Nr. 6. Die Weiber von Weinsberg. -- Nr. 7. Aus einer alten Ehehaftsordnung. (J. Baader.) -- Kaiser Heinrich II. in Verdun. -- Sagen aus Unterfranken.

/Ueber Land und Meer/: Nr. 17. Falken und Falknerei. (Otfr. Mylius.)

/Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg/: Nr. 5. Ueber die Entstehung der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg.

/Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst/: Hft. 10-12, S. 307. Ueber die Entwicklung der christlichen Baukunst im Mittelalter. (M. Rosenheyn.)

/Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 25. Nordendorfer Runeninschrift. (Kuhn.) -- Nr. 28 ff. Die Vehmgerichte in Westphalen. II. (A. Eisenhart.) -- Nr. 42 f. Die Wittelsbachischen Fürstengrüfte in Simmern.

/Illustr. Zeitung/: Nr. 1177. Die Gerichtslaube des alten Berliner Rathhauses. -- Der Mäusethurm bei Kruschwitz. -- Nr. 1179. Die Sage vom Krötenring. -- Rubens’ Grab in der Kathedrale zu Antwerpen.

/Leipziger Zeitung/: Wissenschaftl. Beil. Nr. 3 u. 4. Kunst-, Geschichts- und Industrie-Museen.

Vermischte Nachrichten.

12) In einer der letzten Sitzungen der philosophisch-historischen Classe der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien kam u. A. durch Prof. Dr. Franz Pfeiffer zur Vorlage: „/Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Alterthums./ II.“ Dieses zweite Heft enthält vier Aufsätze, welche sämmtlich Denkmäler der altdeutschen Sprachperiode behandeln. Das erste Stück enthält einen von Dr. A. Reifferscheid in Rom gemachten Fund, einen /Bienensegen/ aus dem 10. Jahrhundert, den ersten in deutscher Sprache, den man aus alter Zeit kennen gelernt hat. Gegenstand der zweiten Abhandlung bildet eine im Sommer im Cistercienserkloster Tepl bei Marienbad aufgefundene /Beicht- und Gebetformel/, die zwar aus einem anderen Codex längst bekannt ist, von der Tepler Handschrift aber in einer vollständigern und älteren Version dargeboten wird. Eine gleichfalls schon öfter gedruckte, jetzt aber aus der verschollen gewesenen Handschrift zum ersten Mal genau wiedergegebene Fuldaer /Beichtformel/ liefert Nr. 3. Die vierte Abhandlung beschäftigt sich mit dem durch G. Zappert 1858 veröffentlichten /Schlummerlied/, dessen angezweifelte Echtheit durch äuſsere und innere Gründe dargethan wird.

13) Archivar Dr. Ennen zu /Köln/ hat im städtischen Archive daselbst einige /Urkunden entdeckt/, welche für eine bis jetzt noch im Unklaren gebliebene Partie der deutschen Kaisergeschichte von der höchsten Wichtigkeit sind. Die Chronisten sind nämlich nicht einig darüber, ob der König /Adolf von Nassau/ auf Betreiben des Königs Wenzel von Böhmen oder des Erzbischofs Siegfried von Köln auf den deutschen Königsthron erhoben worden sei. Urkunden, die diesen Zweifel zu lösen in Stande wären, fehlten bis jetzt gänzlich. Dr. Ennen hat nun drei Documente aufgefunden, welche jeden Zweifel in dieser Angelegenheit beseitigen und diese Frage in entscheidender Weise lösen. Dieselben liefern den klaren Beweis, daſs Erzbischof Siegfried es war, welcher, um mit den Worten Adolf’s selbst zu sprechen, „den Grafen von Nassau auf den deutschen Königsthron erhoben hat“. Das interessanteste und wichtigste der Documente ist die umständliche Wahlcapitulation, in welcher der Graf Adolf von Nassau am 26. April 1292 die Bedingungen spezificiert, unter welchen Siegfried unternimmt, demselben die deutsche Königskrone zu verschaffen.

(Köln. Bll.)

14) In Nr. 1 des Anzeigers (Beilage), S. 38 wird ein angeblich zu /Frankenmarkt/ in Oberösterreich ausgegrabener /römischer Meilenstein/ erwähnt. Die theils ungenauen, theils unvollständigen Daten sind folgendermassen zu berichtigen. Im Spätherbst 1865 wurde in der Ortschaft Mösendorf in der Pfarre /Vecklamarkt/ ein /römischer Meilenstein/ ausgegraben. Sockel 22″ hoch, 2′ breit; Schaft 5′ 8″ hoch, oben schief abgebrochen -- dessen Umfang 6′ 1″. Die Legende (14zeilig) ist sicher folgenden Inhaltes: „Kaiser Septimius Severus [/trib. pot./ VIIII. IMP. XII. COS. II.] und dessen Söhne Cäsar Aurelius Antoninus [gewöhnlich Caracalla -- TRIB. POT. IIII.] und Pius (die unmittelbar folgende Stelle am Ende der achten und am Anfange der neunten Zeile ist weggemeiſselt) haben die durch das Alter verfallenen Meilensteine wiederhergestellt, als M. Juventius Surus Proculus als Legat die Provinz verwaltete. 31,000 /Schritte von Juvavum/.“ Die Jahresangabe der Würden der genannten Personen weisen auf das Jahr 201; denn des Severus trib. pot. VIIII entspricht den J. 201 und 202, Cos. II. aber nur mehr dem J. 201; damit stimmt auch des Antoninus trib. pot. IIII. Dagegen ist des Severus IMP. XII. offenbar ein Versehen des Steinmetzes, da diese Bezeichnung erst im J. 207 zutreffen würde. Uebrigens findet sich nach einer Mittheilung des vaterländischen Archäologen Herrn Gaisberger dieselbe falsche Sigle XII statt XI auf 2 muthmaſslich durch dieselbe Hand bearbeiteten Meilensteinen im Carolino-Augusteum in Salzburg. -- Besonderes Interesse gewährt auch die Wegmeiſselung der Stelle, welche offenbar den Namen des jüngeren Sohnes des Septimius Severus -- des Geta -- enthielt. „Er ward, schreibt Gaisberger (Linzer Zeitung Nr. 7, 11. Januar 1866, wo er über diesen Stein berichtet), von dem eigenen Bruder, dem obengenannten M. Aurelius Antoninus Pius in den Armen ihrer gemeinschaftlichen Mutter Julia Domna im Februar 212 ermordet. Auch durch den Brudermord war der glühende Haſs noch nicht gestillt; alle Freunde und Angehörigen Geta’s muſsten sterben, und damit jede Erinnerung an den gehaſsten Bruder entfernt werde, gab der Wütherich den Befehl, an allen Denkmalen, auf denen der Name „Geta“ vorkäme, diesen wegzutilgen. So findet man auf dem fraglichen Meilensteine bestätigt, was die beglaubigte Geschichte überliefert.“

Interessant ist der Stein auch durch die Angabe des Namens des Ortes, von dem die Zahlung der Schritte begann. -- Ob der fragliche Stein ursprünglich am Fundort aufgestellt gewesen sei, ist freilich nicht ausgemacht. Da aber der Sockel vorhanden, würde doch diese Frage eher zu bejahen sein. Freilich hat diese Annahme ihre Schwierigkeit, -- aber auch ein nicht gewöhnliches Interesse, indem hiedurch die gewöhnliche Annahme der Richtung der Straſse von Juvavum nach Lauriacum, wie auch in Betreff des Ortes Laciacum, bedeutend in ihrer Sicherheit erschüttert wird, will man nicht etwa diesen Stein als einer zweiten Verbindungstraſse angehörig gelten lassen. Mösendorf liegt südwestlich von Vecklamarkt und zwischen den beiden uralten Punkten Stauf (Stouphi) und Walchen (Walhen) und nordwestlich von Seewalchen, dem angeblichen Laciacum. Am einfachsten scheint wol die Lösung durch Annahme einer zweiten Verbindungsstraſse von Juvavum aus, deren Richtung mehr nördlich an der heutigen Hauptstraſse, welche durch Mösendorf führt, geht. (Vergleiche dagegen 13. Jahresbericht des Museum Francisco-Carolinum in Linz, 1853, S. 28 ff.)

Schieſslich bemerke ich noch, daſs der besprochene Meilenstein von den Besitzern des Fundortes um 20 fl. Oest. W. an die Marktgemeinde Vecklamarkt überlassen wurde.

/Lambach/, 16. Februar 1866.

P. /Pius Schmieder/, Archivar.

15) In der Nähe des Ortes /Schleitheim/ bei Schaffhausen ist durch regelmäſsige /Ausgrabungen/, welche der historisch-antiquarische Verein anstellen lieſs, ein /Friedhof aus keltischer Zeit/ mit 45 Gräbern bloſsgelegt worden. Die Entfernung der Gräber von Nord nach Süd beträgt 8-10′, die von West nach Ost ist bei den einzelnen sehr verschieden. Alle Gräber sind ausgemauert. In einem derselben, welches sehr groſs und breit war, fanden sich die Gebeine von vier Menschen vor; in andern allerhand Gegenstände von Bronze oder Eisen, wie auch Ueberreste von Holz und von Korallen. Letztere wurden nebst einer kleinen Hohlkugel und einem Kreuzchen von Bronze in einem Kindergrabe gefunden. Die andern Fundstücke bestanden aus: 4 Gürtelspitzen, darunter zwei mit schönen Verzierungen, 13 Ohrringen, 6 Fingerringen, sämmtlich von Bronze. Von Eisen waren: 3 Messer, 2 Schwerter und 2 Schnallen. Endlich fanden sich noch eine römische Kupfermünze, der Fuſs eines Thongefäſses und ein Stück von einem Backstein vor. Alle diese Gegenstände wurden dem antiquarischen Cabinet zu Schaffhausen zur Aufbewahrung übergeben.

(Ill. Ztg. u. a. Bll.)

16) Aehnlich wie bei Schleitheim werden bei /Bregenz Ausgrabungen/ betrieben. Unter der Leitung des Fabrikbesitzers Jenny aus Haard, lieferten die Nachforschungen der letzten Wochen sehr befriedigende Ergebnisse. Kleinere Gegenstände, wie Urnen, Lämpchen, Thränenfläschchen, Münzen u. dgl., wurden viele in den geöffneten Gräbern gefunden. Bemerkenswerth sind: eine 5-6 Zoll lange elfenbeinerne Nadel, ein runder metallener Spiegel und Glasurnen von der beträchtlichen Höhe bis zu 2 Fuſs. Auf einem der Lämpchen befindet sich der Name des Töpfers Strobilius, auf einem andern eine schön gearbeitete Abbildung des Sonnengottes, auf seinem mit vier Rossen bespannten Wagen durch die Lüfte sprengend. Hieraus, sowie aus dem Namen Antonin, welcher einigen Münzen aufgeprägt ist, erkennt man mit Sicherheit die Begräbnisstätte des alten Brigantium. (A. Z.) -- In einer andern, der Ill. Ztg. zugegangenen Nachricht werden unter den ausgegrabenen Gegenständen noch mit aufgezählt: Thönerne Urnen von 10 Zoll bis 3½ Fuſs Höhe, bronzene Fibulen, Eisengeräthe (Meiſsel oder Lanzenspitzen etc.); eine kugelförmige Glaslampe mit Henkeln, u. dgl. m.

17) Bei /Jemelle/ in Belgien befindet sich ein Stück Land von zwei und einer halben Hektare in Umfang, welches das /Todtenbett/ genannt und seit lange als ein Begräbniſsort aus der Zeit des ersten Einfalls der Franken in das gallische Belgien betrachtet wird. Ein archäologischer Forscher hat kürzlich an dieser Stelle eine Menge Gräber nebst darin liegenden Skeletten bloſslegen lassen, wodurch obige Vermuthung zur Gewiſsheit wird. Ferner wurden an Ort und Stelle eine Framea, ein Säbel, Thongeschirre u. s. w. gefunden. Letztere fanden sich stets zwischen den Knieen der Gerippe aufgestellt und waren leer. Die Gesichter der Skelette sind regelmäſsig gegen Norden gewendet; die Gräber befinden sich in einer Tiefe von 2½ Fuſs und immer eines vom andern 4-5 Fuſs entfernt.

(Ill. Ztg.)

18) Zu /Reudnitz/ bei Leipzig sind im Garten des Buchhändlers Abel zwei /Steinbeile/ nebst dazu gehörigem /Schleifstein/ etwa 2 bis 3 Fuſs tief unter der Oberfläche im gewöhnlichen, nicht sumpfigen Lehmboden gefunden worden. Diese Beile haben genau die Form unserer heutigen kleinen Holzäxte, sind nach der Schneide zu stark geschliffen, aber ohne Loch für den Stiel.

(Dies.)

19) In dem Flusse /Lassnitz/ bei Leibnitz in Steiermark sind unlängst an einer 1½ bis 2 Klafter tiefen Stelle verschiedene /Trümmer von Steinen und Säulen entdeckt/ worden, die augenscheinlich einer längst entschwundenen Zeit angehören. Die hierauf vorgenommenen Aushebungen waren von überraschendem Erfolge gekrönt. Es kamen nämlich mehrere theils glatte, theils gewundene Säulen, sämmtlich von Marmor und von reicher, schöner Arbeit, ferner eine Marmorplatte, die nach ihrer Form zu einem Altar gedient haben mochte, an’s Tageslicht. Ebenso wurden gefunden: eine marmorne Nische, die augenscheinlich eine Statue enthalten hatte, ein groſses Piedestal u. s. w. Sehr viele andere Steine sieht man theils mehr, theils weniger von Schlamm bedeckt. Es scheinen die Trümmer eines römischen Tempels zu sein, welcher in den Fluſs sank, nachdem seine Grundfesten bei einer Ueberschwemmung unterspült worden, wobei die Lossnitz, wie das Terrain zeigt, gänzlich ihren Lauf änderte.

(Dies.)

20) Die /Wiederherstellung der Liebfrauenkirche zu Arnstadt/ im Schwarzburgischen ist nunmehr gesichert. Dieses schönste Ueberbleibsel mittelalterlichen Kirchenbaus in Thüringen war mit der Zeit sehr baufällig geworden. Das Gebäude selbst ist im reinsten gothischen, die vier Thürme aber im romanischen Stil, in der Zeit von 1050 bis 1350 aufgeführt.

(Eur.)

21) Beim Entfernen einer Kalktünche in der /Marienkirche/ zu /Greifswald/ fand man an der Südseite über der Gruft der Familie von Essen ein altes /Wandgemälde/, das laut der theilweise erhaltenen Inschrift aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts herrührt. Das Bild ist 20 Fuſs hoch und besteht aus vier Darstellungen in zwei Abtheilungen; rechts ist Christi Gebet am Oelberg und Christi Geiſselung, links die Kreuztragung und die Kreuzigung zu erblicken.

(Eur.)

22) Die /Gemäldesammlung/ des im vorigen Herbst verstorbenen Domdekans, Geheimrath Dr. v. /Hirscher/ in /Freiburg/ i. Br., kommt daselbst zur /Versteigerung/. Der Katalog weist u. a. folgende Meister auf: Martin de Vos, Hans Asper, van der Neer, Wynants, Christ. Amberger, Breughel, Mich. Wohlgemuth, Holbein d. ä., Lucas van Leyden, Hemskerk, Ruysdael, Paul Deschwanden, Joh. van Aken, Hans Schäufelein, Hans Memling u. s. w.

(Ill. Ztg.)

Inserate und Bekanntmachungen.

Anfrage.

6) Unter den mittelalterlichen lateinischen Grammatikern war bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts, besonders in Deutschland, sehr bekannt und in vielen Handschriften, auch in alten Drucken verbreitet und mit Commentaren versehen der sogenannte Florista, der in 1017 Versen die lateinische Syntax bearbeitet hat. Sein wahrer Name war /Ludolfus de Luckowe/ (auch de Luco; er selbst schreibt de Lucobe); er bezeichnet sich als Deutschen und Hildesheimer mit den Worten: Gentem Teutonicus qui dicitur esse Ludolfus Hildensenensis patriam (oder Hildenshemensis). Im Commentar wird angegeben, er solle Hildesheimer Canonicus gewesen sein. Nach meiner Entdeckung hat er seine flores grammaticae geschrieben im Jahre 1317; dies ergibt sich nämlich, wenn einer der Schluſsverse als Chronostichon genommen wird.

Ich wünschte daher zu wissen, ob wol sonst etwas über diesen Mann aus der Hildesheimer Kirchengeschichte oder irgend welchen Quellen bekannt ist, über seine Lebenszeit, Studien u. s. w., namentlich, ob er wohl in Paris studiert hatte.

Prof. /Haase/ zu Breslau.

7) Berichtigung. In voriger Nummer des Anzeigers ist auf Sp. 24, Z. 1 unter dem Holzschnitte von „Gengenbach’s Bundschuh“ zu lesen: R S F.

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 3. März.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Der „fränkische Krieg“.

Mitgetheilt von /Jos. Baader/, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.

(Schluſs.)

/Neuen- vnd Alten-Guttenberg die zway schloſser betreffend/: Am suntag den fünfften july sind herr Jorg Truchsäs vnd die kriegsräte sambt dem kriegsvolckh für Kulmach bey die zway schloſs Alten- vnd Neuen-Guttenberg gelanngt, darfor denselben schloſsen, so vaſst lustig, veſst vnd wol erpauen gewest, den Guttenbergern zusteendt, durch etliche veintsbriefe absagen laſsen vnd furtter dieselben, wie sich gepürt, erfordert. Aber alda ist niemandt dann etliche edle weiber gefunden, die haben mit cläglichen geperden gnad begeret. denen ist zum tayl gnad wilfart, aber nichts wenigers der widerwerttigen Guttenberger teyl an denselben zweyen schloſsen abgeprochen, das zimmer verprennt vnd nachmals der vest thurm, so im alten schloſs Guttenberg gewest, desgleichen die pasteyen vnd gefengnus auch im neuen schloſs mit pulffer gespickt vnd zersprenngt, das dann den taylen, so gesichert sein sollten, auch mit erschellung des groſsen erpidems des pulffers mercklich schaden zugefügt vnd ire heuser gar zerschüttet hat.

Item Eritags den sibennden july sindt die geordenten haubtleut vnd kriegsrete vor den schloſsen Alten- vnd Newen-Guttenberg aufgebrochen, dieselben nacht zwischen Guttenberg vnd Sparneckh gelegen vnd am mittwoch den achten july für Sparneckh, Waltstain vnd Oprod, so alles nahend beyainander, gelangt, doselbst etlich tage still gelegen.

/Gattendorff, ain schlos der Sparnecker vff dem gebirg/: In derselben zeit ist von herr Jorgen vnd den kriegsräten gen Gattendorff, so dem Gatt von Sparneckh zugestannden, geordent worden zway vendlin knecht vnd bey hundert raisiger pferde, darunter die Wirttenbergischen, ettlich Bairisch vnd ettlicher stett reuter sambt den stradiotten gewest, daſselb schloſs eintzunemen vnd die thurn vnd pasteyen zusprengen vnd das schloſs alsdann zuuerprennen. Das ist deſselben mals durch die fuesknecht vnd ettlich püxenmaister volbracht vnd wol ausgericht; aber daſselb schloſs ist gar ausgelert vnd niemand darinn funden worden.

/Waltstain, ain schloſs der Sparnecker, darauff die gefanngen gelegen, die selbst auskomen sindt durch hilff des almechtigen:/ Item deſselben tags ist durch Wolffen von Freyburg, einem edlman, so von der statt Augspurg zu haubtmann geordent was, das schloſs Waltstain, so des Wolffen, Cristoffen vnd Jorgen von Sparneckh, gebrüdere, gewest, darauff die gefanngen gelegen vnd auskomen sind, nemlich Johann Lucas N. Lampartter vnd Pamgartner[A], verprennt vnd die gefengnus mit pulfer zersprenngt vnd zerriſsen. Daſselb schloſs ist gar ein mordtgruben vnd nichts erpauen, an einem wilden ortt in einem walde gelegen, vnd nichts darinn gewest.

/Das schlos Oprod der Sparnecker betreffend:/ Desgleichen, alls hieuor in der vnainigkait, so die Sparnecker selbst zwischen inen gehabt, das schloſs Oprod, so dem Sebastian von Sparneckh zugestanden, ausgebrannt vnd ein seer vester thurn darinn steend bliben, ist derselb thurn mit ettlichen thunen pulfers auch zersprenngt vnd in grund zerprochen vnd eingeworffen.

/Weysdorff ain schloſs der Sparnecker betreffend./ Item alls der oberst veldthaubtmann her Jorg Truchsas vnd die kriegsräte das schloſs Weisdorff haben einnemen wöllen, ist doselbst des Sebastian von Sparnecks weib verhart vnd eines kindes gelegen. Derhalb der oberst veldthaubtman vnd kriegsräte vmb raumung deſselben schloſs nit angehalten, ir verschont vnd derselben zeit gen Weisdorff dem schloſs nichts handln wöllen, sunder zu irem abtzug ettlich personen mit ettlichen hackenpüxen vnd pulfer in daſselb schloſs geordent, doselbst zupleiben, biſs die frau ir kindtbett volennde. Alsdann sollen sy das schloſs spicken vnd in grundt verprennen. Alls aber die kindlpetterin den ernst gesehen vnd vermerckt, das sy ir kintbett nit helffen wöllen, hat sy gesagt, so es doch sein mues, wolle sy es nit lennger aufhalten, vnd alsbald das schlos geraumbt. Das ist von den beuelchhabern verprennt und gar verderbt worden.

/Sparneckh das schlos betreffendt:/ So ist das schloſs Sparneckh, daran vil Sparnecker, auch einer ein thumherr zu Regenspurg, tayl haben, dermaſsen vor ausbrenung deſselben mit pulfer gesprenngt, das drey vffeinander erpauene gewelb vom grundt erhebt vnd in den graben geworffen sindt, auch ein groſse stainene kemeten, daran gepauen, inmitten von einander geprochen vnd eingefallen. Darnach ist das schloſs sambt den viehstellen vnd stadeln angezündt vnd verprennt worden.

Alls aber die kriegsrete vff vleiſsig bitt einer hübschen jungen wittib, so Hannsen von Sparneckh seligen zu derbe gehabt, der dann diser vehd nit verwannl gewest, iren tail, ein gemach am schloſs, so allein an einem ortt erpauen was, gern verschont, auch die paurn, denselben tail zuretten, verordent gewest, so ist doch derselb tayl, der Wittiben zusteend, von der groſsen hitz auch angangen vnd verprannt. Derhalb sich die frau seer cleglich ertzaigt.

Zu solchem einnemen vorgeschribner der Sparnecker heuser sind alle paurn vnd guetere durch den obersten veldthaubtman zu gemains bunds hannden vnd gewalt angenomen, die all alsbald gehuldigt haben vnd mit zinſsen vnd gülten beschriben sindt.

Darnach ist der oberst veldthaubtman vnd die kriegsrete mit dem kriegsvolckh zu roſs vnd fues von dem gepirg getzogen vff den Gefres, vff Bairreut, vff Weiſseno das closter, vnd dann fortt einen tag hieher gen Nürnberg in die statt in einer lustigen, schönen, wolgeschickten ordnung zu roſs vnd fues, sambt dem geschütz vnd allen wägen, wie die vſs notturfft des hörs mitgefürt, eingetzogen, vnd des andern tags darnach die fuesknecht gevrlaubt, vnd eerlich mit einem gulden abgefertigt worden für den abzug.

Vnd alls solches hör, wie jtzt gemelt, vff freytag den 17. july hieher gelanngt, sind nachmals am 21. july herr Jorg Truchsäs vnd der raisig zeug ausgeprochen vnd ein yeder tayl seinen wege anhaims genomen.

/Das schlos Abtsberg belangend/: Alls aber vff den Hannenkamb vnd vmb Nürnberg in der neh nachuermelte heuser, so zum tayl vor in des bunds handen gewest, vngestraft bliben, haben darumb die bundsrete, so derselben zeit zu Nürmberg versamelt waren, geordennt, das gegen denselben heusern auch tatlich gehanndlt wurde. Vnd nemlich ist das schloſs Abtsperg durch herr Jorgen Truchsasen vnd die Augspurgischen reuter am abzug ausgeprennt.

/Das schloſs Vttenhouen belangend/: Desgleichen ist Vttenhofen, so dem Cuntzen von Rosenberg zugestanden und mein gnediger Herr von Aistet von des bundts wegen ingehabt, durch die Bairischen vnd Nürnbergischen reuter am abzug verprennt.

/Das schlos Damershaim[B] betreffendt/: So haben auch herr Jorg Truchsas, freyherr, vnd mit ime die Augspurgischen reuter das schloſs Damershaim, so des Eukarius von Ottings verlaſsner wittib zugestanden vnd vff dem Hannenkamb gelegen vnd diser vehduerwanndten vntterschlaipff gewest ist, ausgeprannt.

/Das schloſs Berltshaim belangendt/: Item es solt auch zu der zeit das schloſs Berltshaim ausgeprennt worden sein. Das ist aber von wegen der frauen doselbst, so eins kindes gelegen, biſs vff vernern beschaidt der bundtsrete vnterlaſsen vnd angestellt.

Alls aber dises bündtisch hör zertrennt vnd abgezogen, haben sich die Sparnecker, desgleichen Jorg Wolff von Gich vnd ander widerumb zu iren gütern gethan, die paurn bedroet vnd bedranngt, inen widerumb mit raichung der gült vnd zinſs gewerttig zusein oder darob not zuleiden. Derhalb sich dann ettlich aus sorgnus irer leyb vnd güter bewilligt vnd iren edelleuten widerumb zugethan.

Wiewol nun dem zubegegnen gemaine bundsrete ein straiffende rott auff das gepirg vnd anderstwo zustraiffen verordent, ist doch durch dieselben nichts sunders auſsgericht, dann das dadurch die vogel gescheucht vnd nichts wenigers vff abzug derselben straiffenden rott widerumb zu iren guetern komen sindt.

Zu diesem gleichzeitigen Berichte bemerken wir, daſs Hanns Thomas seine Fehde bis zum Jahre 1531 fortsetzte, wobei er noch viele Kaufleute niederwarf, wegschleppte und schatzte. Um Johannis 1531 begab er sich zu seinem vertrautesten Freund, zu dem Juden Salomon in Altenzedlitz, dem er seinen Raub zuverkaufen pflegte. Aber dieser machte ihn trunken und schoſs den in Schlaf gesunkenen Edelmann mit einem Faustrohr durch’s Herz, worauf er ihm mit Hülfe eines andern Juden durch Kolbenschläge den Kopf zerschmetterte. Seinen Leichnam schleppten sie in einen Kornacker, wo er etliche Tage hernach von Hunden aufgefunden wurde. In einem Winkel des Kirchhofes zu Altenzedlitz wurde er zur Erde bestattet. Also endete Hanns Thomas von Absberg, einst der Schrecken der Reichsstädte und ihrer Kaufleute.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Dieser war aus Nürnberg. Nach seiner Erledigung gab er den Kriegsherren daselbst über seine Gefangenschaft nachstehenden Bericht:

/Baumgartners gefengnus betreffendt, von welcher ime Gott ausgeholffen./

Sagt erstlich, er sey am mitwoch vor Philippi vnd Jacobi Anno 1522 mit Sanntwerffer, potten, v̈ber nacht zu Pleinsfelt gelegen vnd morgens donerstags von dan herein ghen Nürmberg wollen reitten, vnd vngeverlich ein halbe meil wegs von Schwabach, do weren vier reutter inn groe [grau gekleidet] zu inen komen, hett einer gesagt: „Wohin ir reutter?“ hett er ine geantwort: „des wegs do hinein“ mit mer wortten. Weren also mit inen ein weyl getzogen, were ime einer inn zaum gefallen, gesagt, er muſst gefanngen sein, also mit im vnd dem potten vf dy seitten in das holtz geruckt. Hett einer zu ime gesagt: „Thue die Kappen herab, laſs mich dich sehen, wie du sichst“ vnd gefragt: „Bistu nit ein Paumgartner?“ mit mer wortten, vnd ine bezwungen, das er ime ein aidt hett müſsen schweren, ob er von inen kom oder abgetrungen würde, das er sich nichts desto weniger wollt stellen, wo sy ine hin manen wurden, darnach gepunden vnd mit ime vnd dem potten hinwegkh zogen durch dy holtzer. Hett zu zeitten ein dorff gesehen, kenn ir aber nit. Auch hab er ein weiſs schloſs zu der linken handt gesehen, also den tag geritten vnd vntter wegen bei einem pfaffen getrunken; lig das haus an einem perglein, hab aber nit konnen merken, das der pfaff ir dheinen gekennth hab. Weren also geritten bis 2 stund vor nachts, hetten sy inn einem holtz vertzogen. Wer der ein knecht Veit genannt -- sey ein kurtz dickh mendlein -- wegkh geritten, darnach vff einem paurnroſs geritten komen, ein sackh mit habern darvff gefürth vnd ein laib prots. Auch ein pauer hetten sy, Müllner genannt, mit ine, hett ein flaschen mit pier vnd herte air tragen, hetten sy geſsen, auch den roſsen futter geben vfs den krebsen, also geruet bey 2 stunden oder lennger, darnach aufgewest alls dy nacht were anganngen. Vnd alls sy vſs dem holtz herauſs gewennt, hett er wol ettliche liecht in den pauernheusern gesehen.

Weren also dieselben nacht für vnd für geritten vnd alls frü am freytag, alls der tag were herganngen, weren sy durch ein dorff komen. Sey vorn am endt des dorffs ein schmitten, hett der ein reutter hefften laſsen, vnd für das dorff hinaus sey ein steine pruckh. Do weren sy vberkomen, also geritten biſs nach mittag. Do wer der ein knecht, so des glatz pferd geritten, in ein holtz von inen geritten, hetten sy da verzogen biſs er wider komen wer; dann er wol vier stund auſsgewest. Alls er wider komen wer, hett er ine aber kes, ayr, prot vnd bier gepracht vnd gesagt, er hett nit heraus gedorfft; dann es weren reutter doselbst hinkomen, vnd müſsen warten, biſs sy hinwegkh wern geritten, hett aber nit konnen vernemen, wer sy gewest weren. Aber also gerueth, darnach wider aufgewest, fortt geritten, vnd am abent hetten sy den potten reitten laſsen, sy fortt zogen dieselben nacht, auch den samstag für vnd für, das sy nichts hetten geſsen dann prot, das sy mit in gefürth hetten, vnd den roſsen auch prot geben, also das dy roſs alls müd weren gewest, das sy ein teil nider gesunken waren, also das sy dieselben nacht zum tayl vff einer wisen bey einer hecken beliben weren. Von dannen geritten biſs an suntag biſs wol auff den tag, weren sy zu einem dorff komen, flies ein pach zwischen zeunen durch, sey ein haus am ortt allein, weren sy einzogen, sey gestallt gleich wie ein preuhaus, hab oben ein stuben; wer kein ofen inn gewest. Vnd Ime anfennglich befolhen, er sollt sich hallten alls wer er ir junckher, vnd sagt, das man das essen fürderlich zuricht. Hetten sich aufgethan, vnd die weyll sy also gehartt hetten vff das essen, do hett der wirtt gesagt: „Itzt kombt vnnser schulteis“. Do hetten sy das harnisch verporgen vnd ein tayl annder rockh angethan, vnd also geseſsen vnd bliben, seins achtens biſs nach vesperzeit. Do weren sy wider aufgewest, durch den pach zogen, durch dy holtzer, vnnd gegen dem abent inn einem holtz verzogen. Were Veit von inen geritten, vnd darnach einer zu fues mit ime komen, hett ein kitll angehabt vnd ein schweinspies tragen, flaschen mit pier vnd prot gebracht. Hett der selbig im kittel zu ime, sager, gesagt: „Baltasar wann her? mir ist laidt, das ir da seyt. Wollt, sy hetten einen anndern. Ich will ob euch haltten, alls vil mir möglich ist.“ Weren nachvolgennt wider hinweg ganngen, vnd alls es vinster worden were, do hetten sy ine geplendt eingebracht, inn einem stall abgesetzt, vnd also geplenndt gefürth biſs zu einer stiegen. Do hetten sy in abgefürth und darnach lanng hinhintter. Do hett man ine in ein gewelb thun, weren oben ring. Hetten sy im geweiſst vnd gesagt: „Da lernet man einem singen an.“ Sey seins bedunckens ein haus, das vff einer hohe lige. Hett ein knecht sein gewartt, auch ein weibspild ime ettliche mal zu eſsen bracht, vnd ein knab auch. Hett der knecht gesagt, sy hetten stettigs hie men vff der straſs, die inen wein vnd annders zufürten. Sey ob einem viertl Jars doselbst gelegen. Es were auch Hanns Thoman vngeuerlich inn zehen tagen selbst zu im komen, gesagt: „Lieber, wann kumbst her?“ oder „Was willt hie thun?“ mit vil andern spottwortten.

Darnach sey Veittlein komen vnd des orts geplennt allein wider von dan gefürth bey nacht, vnd alls er ine herdan hett gebracht, wider aufgethan vnd gesagt: „Ich will dich zu vil leutten füren, aber laſs nur mich reden“, vnd in also vngeuerlich vff 3 stund gefürth, wider geplendt. Darnach, als sy hinzu weren komen, ine abgesetzt, dy roſs angepunden, were der ein gaul ledig worden, daruon geloffen, hett er gesagt: „Poxflaisch!“ kumbt der gaul ettwo zu einem paurn, so wirt vns der teuffei bescheiſsen.“ Weren aber reutter aufgewest vnd den gefanngen. Hett ine also aufwarts gefürth vnd einer geschriren, do sy hinauf komen weren, alls solt es Behemisch sein, vnd seins achtens vber 2 prucken komen. Vnd wenn sy durch ein tor weren komen, so wer man dann ein gute weil ganngen biſs zum andern biſs in ein stall. Do hett man ine ein stiegen aufgefürth vnd darnach hin hintterwarts biſs zum thurn. Wer einer inn einem schwartzen cleid mit einem kneblpartt [dagewesen]. Vnd alls er gesehen hett, das sy in inn den thurn wollen legen, hett er sy gepetten ine heroben zulassen. Aber der im schwartzen claid hett im den knebl zwischen die pain gethan vnd mit ime hinab gerumpelt. Solcher thurn sey rund vnd vast stincket vnd ungeheuer. Hett erstlich sein ein paurngesell gewartt, welchen er ye gepetten hett, ime oben das loch offen zulaſsen, das er dann gethan hett. Wer eins ein groſser hundt vber das loch komen, hinab geschmeckt. Derselbig hunt hett ein preit messen halspanth angehabt. In welchem thurn er vast krankh worden wer. Da sy solchs gehorth hetten, wer der knecht komen vnd ine herauszogen, aber gesagt, er müſst zu nacht wider hinab, allein das er ein lufft fieng. Hett er geantwort: „Hetst mich wol vor da niden gelaſsen, so sturb ich vnd kom der martter ab.“ Es hett ime auch dy frau allerlay eſsens geschickt vnd würtz. Man hett ine aber heroben gelaſsen biſs an fünfften tag, Vnd alls es ein wenig peſser worden were. Hett es oben im thurn noch ein poden gehabt, were er hinauf gestiegen. Vff welchem thurn 2 püchsen gestannden weren, vnd darob ein clein stüblein, darinn etlich rennzeug gewest weren. Hett auch zu den löchern herausgesehen vnd v̈ber ein holtz gesehen alls ein statt. Weren die tach mit roten ziegeln gedeckt. Wiſs aber nit, was gewest sey. Hett auch im thurn gehorth die roſs eſsen, das futter schwingen vnd vil leuth darinn webern [hin- und hergehen, sich beschäftigen]. Sey vier bis inn 6 Wochen da gelegen.

Nachuolgendt hab ine Hanns Thoman, der Veittlein vnd ein bub doselbst vondann gefürth, hetten in vom thurn aber inn stall herab gefürth. Wer er im heu gelegen; biſs sy das harnisch hetten angelegt, hett er gesehen, das es ein zwifache stallung gewest, vnd deſsmals vil roſs do gestannden, ine geplennt heraus gefürth vnd die knecht biſs vf mittag geritten, hetten sy in einbracht, do er itzundt sey aufkomen, welchs haus Waltstain genannt sey.

Item was die reutter, so ine gefürth haben, für person sind vnd für roſs geritten haben, sagt er, einer hab ein praun starcken mutzen [Pferd mit gestutztem Schweif] geritten. Derselb knecht hab sich Veit Scharpf genennt. Mer ein knecht, Jorg genannt, hab ein weiſs roſs gehabt, ein zimlich person. Mer ein clein alts knechtlein, wiſs seins namens nit, hett ein roſs geritten, soll Bernhart Glatz gewest sein. Mer ein gar junger knecht, hett ein weiſs schimellein geritten.]

[Fußnote B: Tagmersheim.]

Die Juden zu Naumburg an der Saale.

Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.

Die Stellung der Juden zu Naumburg wich nicht von derjenigen ab, welche Israel im Gesammtdeutschland einnahm. Durch Verkauf, Verleihung, Verpfändung von Seiten der Kaiser, oft auch ohne nachweisbaren Besitztitel, waren die Juden das Eigenthum der Landes- und weiter der Territorialherren geworden. Kaiser und Reich wahrten das Oberrecht an ihren Kammerknechten (servi camerae nostrae) und machten es geltend, so weit die Macht des jedesmaligen Oberhauptes des Reiches auslangte; also nur bei den kleineren Herrschaften. So bestätigte der so vielfach miſsverstandene Artikel der goldenen Bulle die bisherigen Rechte in Betreff der Zölle, Juden u. s. w. /nur/ der Krone Böhmen und den Kurfürsten. Das kaiserliche Oberrecht gab sich durch Erheben einer jährlichen und einer Krönungssteuer kund, ferner durch Ertheilen von Privilegien und Schutzbriefen an jüdische Gemeinden und einzelne Juden, durch Ernennung eines Oberrabbi (magnus magister), endlich durch Verleihung des Rechtes, Juden aufzunehmen (jus recipiendi Judaeos), welches nicht mit dem zusammenfiel, Juden zu halten. Ihrerseits erkannten die Israeliten das kaiserliche Oberrecht sehr bereitwillig an, um eine Berufungsstelle zu haben.

Die Juden steuerten ferner resp. an den Landes- oder an den Territorialherrn, muſsten aber auch den Schulz der Stadt bezahlen, in der sie sich niedergelassen hatten, nächstdem Miethe für Wohnungen, Geld für zu leistende Dienste, namentlich militärische. Noch bis in das 14. Jahrhundert wurden jene als Einwohner und Bürger (cives et burgenses) aufgenommen, dann nur als Mitbürger (concives), Schutzverwandte, Hintersassen, und noch am Ende des 17. Jahrhunderts kauften die Juden zu Worms die Benennung „Leibangehörige“ ab. Höchst eigenthümlich ist es, daſs Israel unzweifelhaft hörig war -- wie es von /Ludwig dem Bayer/, /Karl/ IV. in entsetzender Weise ausgesprochen worden ist --, und sich dennoch stets der Freizügigkeit erfreut hat.

Im Laufe der Zeit wurden nun die Juden das Eigenthum der Mediatstädte, und es bezog der Landesherr nicht mehr direkt eine Judensteuer, sondern durch die Stadt.

* * * * *

Die erste der Juden in Naumburg gedenkende Aufzeichnung[1] gehört dem Jahre 1348 an. Jene zahlten an die Stadt 46 Schock Groschen, wonach man, wenn dieses, wie wahrscheinlich, die Jahressteuer war, auf eine zahlreiche jüdische Gemeinde zurückschlieſsen darf[2]. Hiefür spricht auch, daſs in demselben Jahre des jüdischen Arztes /Jakob/ gedacht wird[3].

Wenn die Juden aus Aragonien vertrieben wurden, weil man ihnen das Ausbleiben des Regens Schuld gab, so läſst sich das Geschick des unglücklichen Volkes ermessen, als es die furchtbarste Pest veranlaſst haben sollte, die je Europa traf. Der schwarze Tod überschritt 1348 die Alpen und verheerte dann weithin bis Schweden und Kurland. In dem genannten Jahre verfuhr man zuerst in Savoyen peinlich gegen die Juden als Brunnenvergifter; dann sollten sie durch ein feines, aus Toledo erhaltenes Gift die Luft verpestet haben. Als die Magistrate in der Schweiz und am Oberrhein mit dem Verfahren zögerten, schritt das Volk zur Selbstjustiz, und nun erstreckte sich ein gräſsliches Morden über ganz Deutschland. Zu Tausenden wurden die Juden verbrannt, oder gaben sich selbst den Tod in den Flammen; in den Städten, wo keine Juden ansäſsig waren, brachte man die Todtengräber um, als die Urheber der Seuche.

Diese entsetzliche Katastrophe gieng nicht bei Naumburg vorüber. Hier war aber von Brunnen- oder Luftvergiftung nicht die Rede, sondern man verbreitete, die Juden wollten die Stadt anzünden; weshalb der Rath am 27. Februar 1349 auf allen Thor- und Kirchthürmen wachen lieſs.[4] Es heiſst: „Inmaſsen dann auch der Rhatt hernachmalſs ezliche getaufte Juden laſsen brennen.“ Wir hören auch aus anderen Orten, daſs Juden, die höchst wahrscheinlich gewaltsam zum Taufstein gebracht worden waren, alsbald wiederum den Mosaism bekannten, sich selbst tödteten (Konstanz), oder umgebracht wurden. Bestätigung der Verbrennung bietet die Kämmereirechnung: „Item gaben wir dem Henker, der die getauften Juden verbrannte, 15 Groschen, und für Säcke, und Stricke und anderes Geräth 4 Groschen und als Trinkgeld der Knechte 3 Groschen, und gaben wir den Knechten, welche dem Henker halfen, 6 Groschen“[5].

Wir werden in der Folge ersehen, daſs Synagoge, Schule Wohnhäuser vom Rathe an die Juden vermiethet wurden, was durch eine Notiz aus dem Jahre 1349 bestätigt scheint: „Der Rath gibt zu den Judenhäusern 8 Groschen“[6]. Allein, wollte man annehmen, es seien die Wohnungen der unzweifelhaft vertriebenen Juden beschädigt und behufs anderweitiger Vermiethung reparaturbedürftig geworden, so erscheint die Summe zu gering.

Die Juden müssen sehr bald zurückgekehrt sein, da /Karl/ IV. im Jahr 1350 die zu Naumburg (Zeitz, Querfurt, Halle) an /Friedrich den Strengen/ von Sachsen verlieh. Der Kaiser, der zu Bautzen tagte, wollte unzweifelhaft die Territorialherrn und die Städte strafen, weil das Eigenthum des Reiches hingeopfert worden war.

Bereits im Jahre 1354 hatte sich das Verhältniſs wiederum geändert, da der Rath 50 Schock Groschen von den Juden erhob, wovon aber 20 an den Bischof abgegeben wurden, wonach also dieser, als Landesherr, der eigentliche Eigenthümer der Juden war[7].

Demselben Jahre gehören die drei folgenden Regesten an[8]:

„Item /Heinrich von Salfeld/ (zahlte) anderthalb Schock Groschen de stola Judeorum“.

„Zu dreien Malen (waren wir Bürgermeister) in Schönberg beim Bischofe, in der Angelegenheit des /Jana von Mücheln/ (Muchele), des /Peters von Weiſsenfels/ (Wissenfels) et de stola Judeorum“.

Zunächst muſs hervorgehoben werden, daſs es sich hier um drei Naumburger Juden handelt. In Ermangelung von Familiennamen wurden die Israeliten entweder nach dem Zeichen des Hauses genannt, in dem sie wohnten, oder nach dem Orte, von dem aus sie zugezogen waren; daher die /Breslauer/, /Bamberger/, /Zwickauer/ etc. Christliche Vornamen kommen, wenn auch selten, doch mehrfach vor.

Stola kann aber unmöglich mit „Stolgebühren“ übersetzt werden, da die Entrichtung nicht an den Parochus stattfand, sondern an die Stadt, und zwischen dieser und dem Bischofe streitig war. Dann hat auch /Du Cange/ (1710) nicht eine einzige Anführung, daſs man den Namen eines Stückes des Priesterornates der Gebühr für geistliche Handlungen beigelegt habe[A]. Im Jahre 1322 verpflichteten sich die Juden zu Brandenburg a. d. H., dem Leutpriester jährlich eine Summe zu zahlen pro suis oblationibus et actionibus.[9] Da ist nicht die Rede von Stola, welches Wort aber zu Naumburg unzweifelhaft eine /an der Synagogengemeinde/ haftende Steuer bezeichnete[10].

Daſs die Juden Pferdehandel trieben, dürfte ergeben:

„Item empfingen wir unter dem Rubro Juden (apud Judeos) 4 Schock Groschen als Strafe wegen der Pferde des vorgenannten (?/Peter/) /von Weiſsenfels/“[11].

Aus einer Notiz vom Jahre 1357 geht hervor, daſs die Juden auf lebendes Pfand borgten, wie das mehrfach in Brandenburg und Meklenburg vorkommt:

„Item (hat der Rath) für einen bei den Juden wieder eingelösten Wallach bezahlt u. s. w.“[12]. Hoffentlich half die Behörde einem Verarmten und war nicht selbst in der Lage, solcherweise borgen zu müssen.

In demselben Jahre entrichteten die Juden am halbjährigen Walburgistermine 4 Fertonen[13], und es wurden im Jahre 1361, ohne Angabe des Termines, 2 Schock Groschen an die Stadt bezahlt[14].

Im Jahre 1369 war die Steuer auf 16 Schock Groschen gestiegen, die in zwei halbjährigen Terminen (Walpurgis und Michaelis) gezahlt wurden[15]. Wir lesen beim Jahre 1372, daſs demjenigen der drei Räthe, welcher im Amt war („dem sitzenden Rath“), Lachs und Wein dargebracht werden muſsten, und gab dieses Anlaſs zu einem Convivium, wozu die „alten Herrn“ eingeladen wurden[16].

Die Notizen im Kämmereibuche vom Jahre 1380 geben mannigfachen Aufschluſs über die Besteuerung der Juden.

„Von den Juden den am Feste des heil. Michael schuldigen Zins mit 8 Schock (Groschen) eingenommen“[17].

„Die Juden bewilligten den Herrn (vom Rathe) 6 Schock breiter (Groschen)“[18]. Hier haben wir unzweifelhaft die petitio, bede, eine erbetene auſserordentliche Steuer, wo die Bitte nicht abgeschlagen werden durfte. Daher reversieren sich auch so oft die Machtgeber, in einer bestimmten Reihe von Jahren keine petitio zu thun.

In dem angeführten Jahre wurden von einem Juden, Namens /Salomo/, von der innehabenden Wohnung und von der zu Michaelis fälligen Steuer ein Schock schmaler (Groschen) eingenommen[19]. Hier ergibt sich, daſs die Juden nicht Hauseigenthümer waren, sondern bei der Stadt zur Miethe wohnten; und ferner, daſs mit /Salomo/, als einem neuerdings Zugezogenen, ein besonderer Schutz- und Steuer-Vertrag abgeschlossen worden war.

Nach dem groſsen Brande von 1384 lieſs der Rath „dy huser vnd muren in der Judengasse“ wieder aufbauen, und es wurde an „Jacof Juden eine kemenaten“ gegeben[20]. Eine 167 Schritt lange und 3½-4 Schritt breite Gasse Naumburgs führt noch heute den Namen „Judengasse“. Sie bildet ein Knie und mündet nach beiden Seiten durch einen Thorweg. Es scheint, daſs dieses Ghetto ursprünglich nur /einen/ zu verschlieſsenden Ausgang hatte, womit die in Urkunden vorkommende Bezeichnung /Sackwyt/ übereinstimmen würde, und daſs man einen zweiten Ausgang abwechselnd zulieſs und schloſs. So heiſst es beim Jahre 1394. „Das Thor vor der Judengasse ist dieses Jahr wieder gebrochen worden“[21]. Da unzweifelhaft Christen nicht in der Judengasse, die Israeliten aber hier, wie an anderen Orten, dicht gedrängt wohnten, so muſs es am Ende des 14. Jahrhunderts eine sehr zahlreiche Judengemeinde in Naumburg gegeben haben.

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Vergl. Du Cange, ed. Henschel, t. VI, 379. /Anm. d. Red./]

[Fußnote 1: /Quellen/: (A. N.) Annales Numburgenses, 2 Vol. Fol. Ms. der Rathsbibliothek; von 1200 bis 1599. (1673.)

(N. R.) Naumburger Rathskammerei-Rechnungen; wie oben.

(M. N.) Memorabilia Numburgensia. w. o. (1641.) (mit späteren Nachträgen.)

(C.) Copien aller gemeiner Stadt Naumburg privilegien, Wilkoren, Erkauften Gerechtigkeiten und uerträgen u. s. w. w. o.

(O.) Originalien des Rathsarchivs zu Naumburg. w. o.]

[Fußnote 2: A. N. S. 24; N. R. I, S. 1 a: Item, Judei dederunt XLVI hexagenas grossorum.]

[Fußnote 3: N. R. I, S. 5 b.]

[Fußnote 4: A. N. S. 24 b; N. R. I, S. 11 a: Item, feria sexta ante Invocavit fecimus custodire in omnibus valvis propter metum Judeorum.]

[Fußnote 5: N. R. I, S. 13 b: Item, dedimus suspensori qui cremavit baptizatos Judeos XV grossos et pro saccis et strengen (Apparat zum Verbrennen) et aliis instrumentis IV grossos et dedimus servis qui tulerunt suspensorem VI grossos. (ferre aliquem, einem /helfen/, ist nicht klassisch.)]

[Fußnote 6: N. R. I, S. 13 b: ad domos Judeorum VIII grossos (dedimus).]

[Fußnote 7: A. N. S. 25 b; N. R. I, S. 18 a.]

[Fußnote 8: N. R. I, S. 17 b; 18 b; 21 b.]

[Fußnote 9: A. F. Riedel, cod. diplom. Brandenb. I, Bd. 9, S. 19, Nr. 26.]

[Fußnote 10: Mehrfach (Du Cange) für pallium gebraucht, und bezahlte man das letztere bereits im 10. Jahrhunderte zu Rom.]

[Fußnote 11: N. R. I, S. 18 a (1354).]

[Fußnote 12: N. R. I, S. 21 b. Item pro uno canterio redimendo apud Judeos etc.]

[Fußnote 13: N. H. I, S. 29 a. Das Wort geht sicher nicht zurück auf fertum, ferctum (Cato), einen Opferkuchen. Aus dem deutschen Vierding -- Farthing, Ferthing, Ferto, Fertum, Ferdonum Fierto, Firto u. s. w. Es kommen goldene Fertonen vor, welches dem vorliegenden Falle eher entspricht als Viertel-Mark oder Denar. Vielleicht hierher Freiton, ein Eid, den die Münzmeister des Grafen von Poitou ablegten. -- Du Cange, ed. Henschel, III, 241.]

[Fußnote 14: N. R. I, S. 39 a; 44. -- A. N. S. 52.]

[Fußnote 15: N. R. I, S. 69 a.]

[Fußnote 16: N. R. I, S. 103; 109. -- A. N. S. 53 b.]

[Fußnote 17: N. R. I, S. 164 b. Dasselbe 165 a.]

[Fußnote 18: N. R. I, S. 166 b. Judei concesserunt dominis VI sex. latorum. Die Bedeutung blieb unermittelt; es kann von den sogenannten Dickpfennigen nicht die Rede sein und dürfte latus das so oft stipulierte „/swere/“ Münze sein. (In der Mark Brandenburg kommen Silberpfennige mit hochaufgetriebenem Rande vor, ferner Münzen von „breitem Gepräge.“)]

[Fußnote 19: N. R. I, S. 165 a: A Judeo dicto Salomon de habitatione quam inhabitat -- de censu suo debito Mich. 1 sexagenam precisorum. Auch hier gibt der Wortlaut schmal keinen Sinn, und es steht vielleicht praecisus unserem /präcisiert/ näher: /festgesetzt/, /landesüblich/ -- eine stete Klausel der Verträge.]

[Fußnote 20: N. R. I, S. 188 f.; 190 a. -- A. N. S. 55 b. Von caminus, dem Stubenherd, Kemnotte, Kemnate (Wohnung.) Im J. 1525 lieſs der Rath zu Saalfeld die Keynodt eines Mönchsklosters untersuchen. Struve, Archiv II, S. 58.]

[Fußnote 21: N. R. I, S. 289. -- A. N. S. 64.]

Literärische Forschungen.

Von Subrektor /Franck/ zu Annweiler.

III. /Der deutsche Michel; Nachtrag. -- Sprichwörter aus Ph. Andr. Bvrgoldensis discvrsus historici. 1669./

Zu meiner Mittheilung über den obigen Ausdruck in Nr. 3 des Anzeigers für 1865 füge ich einen Nachtrag. Das dort (Sp. 104) erwähnte und mir seitdem aus der Speierer Lyceal-Bibliothek zugegangene Buch des /Burgoldensis/ bringt zwar einige bisher unbekannte Data zur Persönlichkeit des mit dem Beinamen „Deutscher Michel“ beehrten Pfälzers /Hans Michael Obertraut/; eine Erklärung aber des Ausdruckes, d. h. auf welchen bestimmten Anlaſs die /Entstehung/ desselben (er erscheint, so weit bekannt, zuerst gedruckt in /Seb. Franck’s/ Sprichw. 1541, I. Bl. 24 b[A] zurückzuführen sei, wird auch durch dieses Buch nicht geboten. Dasselbe führt den Titel: /Phil. Andreae Bvrgoldensis/ discvrsvs jvridico-politico-historici ad instrum. pac. Osnabrvgo-Monasteriensis... Freistad. 1669. II Partes. 4 (erste Ausg. ibid. 1668. 8) und die betreffende Stelle lautet (S. 91-92):

„Tillius... explicatis porrò inter Hannoveram et Neapolin ad montem raparum (/Newstatt am Rübenberg/ quae olim ab Erico Brunsvicens. duci /Landestrost/ dicta, postea /Landesverderb/ audiit) copiis ad Lanam fluuium Danicum exercitum ann. 1625 d. 2. Nou. profligauit, caesis Friderico Altēburgensi et celeberrimo Duce /Joāne Michaële Obertrautio/, qui ob decus Germanicae militiae /Michael Germanicus/ (/Der Teutsche Michael/) dictus fuit. Hic Obertrautius cum septimâ vice in Hungariam tenderet et vnus ex amicis valedicentibus ipsum interrogaret: Was er sie ziehe, das er wieder so einen gefährlichen zug thue? ob er nicht genug versucht habe? er solle nur zusehen das er nicht einmahl gar auſsbliebe; masculè ac heroicè respondit: Ich bleibe nicht auſs oder wil ein Schelm seyn, Cūque alter regereret: Setzet auch dazu: ob Gott wil; iterum respondit: Ich weis mein Gott lasset mich nicht zu einem Schelmen werden. Milites quos sub signis habuit, monuit: Nicht ehe los zubrennē biſs sie ihren Widersachern das Schwartz vnd weiſs in Augen vnterscheiden könten. Quum illum jam semianimem Tillius in rheda interrogaret, quare tā infelici casui se subjecisset? vicēque ejus doleret; nihil reposuit, quàm hoc: Herr General Tilli diſs sein vnglücks blumen, vnd in solchē Garten pflückt man keine andere. Huic tamen strenuo Duci statua monumenti perennis loco est erecta in viâ publica, quâ Neostadio Hannoveram itur.“ -- Und vorher S. 75: „Non silenda hic est laus /Obertrautii/, cognomento /Michaelis Germanici/, Nobilis Palatinatus inferioris, qui acerrimè cum Hispanis conflixit, vt fraeno potius quàm calcaribus opus habuerit.“

* * * * *

Uebrigens enthält in anderer Art dieses zu s. Z. sehr angesehene Werk des /Burgoldensis/, obgleich lateinisch abgefaſst, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von /deutschen/ in die juridischen Abhandlungen, die „Praetensiones et Controversiae illustres“ eingestreuten Denksprüchen berühmter Männer in der Weise Zincgref’s, von volkstümlichen Ausdrücken, Inschriften, Reimen, Strophen und Volksliedern u. dergl., so wie von /historischen/ Sprichwörtern, -- alles dies um so beachtenswerther, als die Bezüge zum Theil der Lebenszeit des Verfassers angehören. Nebenbei werden auch kürzere oder längere Stellen aus /Brant’s/ „des alten Doctors“ Narrenschiff, /Rollenhagen’s/ Froschmevseler, /Olearius’/ persianischer Reisebeschreibung und /Zincgref’s/ Apophthegmen angeführt. Folgendes ist eine kleine Auslese des ihm Eigenthümlichen (2. Ausgabe 1669).

1. Verissimum est Germanorum nostrorum prouerbium: Es ist kein kling die schärffer schiert Dan so ein /Pfaff/ allmechtig wird. I, 4.

2. Es ist so Weit dieser örter mit dem Verflûchten interim Kommen das man Hund und Kazen darnach genant, und uff Bretspielen gespilt, geflucht und gesungen:

Selig ist der Mann, Der Gott vertrawen kann, Vnd Williget nicht in’s interim /Dan es hat ein Schalck hinter ihm./ I, 27.

Vergl. die Literatur der Interims-Lieder bei /Gödeke/ I, 269 und /Weller/, Ann. I, 317; II, 351.

... Das Buch ward Interim genañt, vnd mit schreiben von allerley Gelehrten, auch Getichten, Gemälden und Gesängen, dermassen so wunderbarlich verspott vnd verlacht, das wohl gantze Bücher davon möchten geschriben werden. /Seb. Franck/, Chronica. Ulm, 1565. Fol. III, 284 b.

3. Verum est illud Germanorum nostrorum: Das ein Kluger Mann sey Wie eyn Zeiger in der Vhr, dessen Anschläge man nicht ehe mercket, biſs sie geschlagen. I, 29.

4. Hodie hi rythmi apud Germanos circumferuntur:

Der Maur, die Mez, vnd die schöne Magd, Die Drey haben dem Keyser den Danz versagt.

quod alias ita effertur:

Ni Metz ni Mauritz ni Mauritania ni Magd, Ni mors, quid multis? fueram per singula felix. I, 35.

5. Die Regenten haben ins gemein Zwey Narren bey Hoff, einen, den sie vexiren, den andern, der sie vexiret. I, 37.

6. De tragicis suppliciis quibus Grumbachius et socii affecti sunt, sequentes rythmi compositi:

Grumbach, Bruck, Stein, gevierteilt seyn Baumgartner geköpft auch Brandenstein, Beyer vnd Tausendschon gehangen: O teurer Fürst wie bistu gefangen, Vntrew wird gestrafft offenbahr, Kein toller Hund lauft sieben Jahr. I, 50.

/Pistorius/ thes. paroem. 1716. X, 975. Die Literatur der Grumbach-Lieder bei /Weller/, Ann. I, 68-69 und bei /Gödeke/, Grundr. I, 272.

7. De bello bohemico illud est: /Er hat sich mit Dinten angehoben, vnd ist mit Rubriken vollführet./ I, 65.

/8. Das heisset vff gut Böhmisch fenestriren./

Refert etiam autor epitom. belli bohemici: Secretarium illum (Phil. Fabritium), in Dominos ita decidentem, è vestigio surrexisse, atque importuni istius casus molestiam humiliter atque modestè fuisse deprecatum. I, 66.

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Mittheilung der Redaction. Vergl. Grimm, Wbch. II, 1046. Eine weitere Gewähr für das J. 1569 ist /Joh. Irenaei/ Lob vnd vnschuldt der Ehefrauwen. Franckf. a. M. 1569. Fol. Bl. 31 b und Bl. 32 b.]

Der deutsche Michel.

Unter Hinweisung auf Grimm’s Wörterb. hat die Redaction des Anzeigers, 1865, Sp. 103 als ältesten Beleg dieser sprichwörtlichen Redensart das wegwerfende Urtheil S. Franck’s über die Frauen (Sprichw. 1541, I, 24b) allegiert: „/In nöthigen sachen könden sie weniger, dann der teutsch Michel, da ist ein man theurer dann 1000 weiber/.“ Da auch Sanders s. v. Michel keinen älteren Beleg bietet, wird es gestattet und am Orte sein, aus demselben Werke Franck’s eine Stelle in ihrem vollen Zusammenhange zu wiederholen, die noch augenscheinlicher, als die obige, die allgemeine Verbreitung des Ausdrucks um 1540 darthut und zugleich seine Bedeutung anschaulich entwickelt. S. Franck, Sprichw. II, 49a: Cescon habitas.

Du bist von Dütticheym, da die dannzapffen wachsen.

Ein grober albbawer.

Ein grobs höltzlin. Es were guͦt sevtrög auſs jhm zu hawen.

Duͦ bist auſs dem Schlauraffenland.

49b. Cescos ist ain stat Pamphilie, da so grobe leut woneten, wie inn Teutschland die Bintzger kroͤpffeten baurn, daſs dauon ein Sprichwort entstuͦnd: Du bist ein mann von Cescos, wie mans auff der Alb hat, gleich wie man spricht: Es ist ein stat wie Heubach, da frassen die wolff den schultheiſs auff dem marckt, Wolt ein̄ groben dölpel vnd fantasten damit anzeygen. Wir brauchen die oberzelten, Item, Ein grober Algewer bauer, Ein blinder Schwab etc. Ein rechter dummer Jan, /Der teutsch Michel/, Ein teutscher Baccalaureus.

Die von W. Wackernagel in Pfeiffer’s Germ. IV, 131 (vgl. V, 354 u.) gegebenen Belege kann ich zur Zeit nicht vergleichen, darf aber aus Grimm’s Wörterb. folgern, daſs Wackernagel keine älteren Beispiele beigebracht hat.

/Schwerin/, 3. Febr. 1866.

/Friedr. Latendorf./

Die Wachstafeln der Salzsieder zu Schwäbisch-Hall.

Mitgetheilt von Professor W. /Wattenbach/ in Heidelberg.

Christian Ernst Hanſselmann bemerkt in seinem 1768 erschienenen „Beweiſs, wie weit der Römer Macht in den mit verschiedenen teutschen Völkern geführten Kriegen, auch in die nunmehrige Ost-Fränkische, sonderlich Hohenlohische, Lande eingedrungen,“ auf S. 49 bei Gelegenheit aufgefundener römischer „Schreibnadeln“:

„Dieser Gebrauch, auf Wachs zu schreiben, ist an einigen Orten bis auf unsere Zeiten gekommen: Dann so halten sich die Salzsieder in der löblichen Reichsstadt Schwäbisch Hall bis diese Stunde noch ihre ordentliche Wachsbücher, mit denen darzu gehörigen stählernen Schreibgriffeln, die sie zu der Zeit gebrauchen, wenn das Flos- oder Haalholz aus dem durch gedachte Stadt flieſsenden Kocher gezogen wird. Auf dieses Haalholz ist ein gewiſses Maal gehauen, woran die Sieder erkennen, welchem von denen Interessenten solches Stück Holz zugehöre; Und dieses notiren sie hernach in ihre Wachsbücher zu denen allda schon ins Wachs eingeschriebenen Namen der Interessenten. Sobald aber die Austheilung des Holzes vorbey, so löschen sie, mit dem obern Theil des Schreibgriffels, das Aufnotirte im Wachs aus, und glätten hierauf das Wachs wiederum, mit solchem obern Theil des Griffels“ (folgt die Abbildung des Griffels).

„Dasjenige Wachsbuch, welches mir zur Betrachtung zu Händen gekommen, ist aus 6 Blättern von Holz in klein Folio bestanden, die um den Ranft herum eine hölzerne Einfassung gehabt, zwischen welcher zu beyden Seiten das Wachs eingegossen, anbey ganz glatt gewesen. Diese hölzerne, mit Wachs überzogene Blätter waren, auf dem Rucken, aneinander, gleich denen Blättern eines ordentlichen Buchs, angefügt, und konnten, vermittelst eines Gewerbs von Möſsing, auf- und zugemacht werden.“

Diese Beschreibung veranlaſste im J. 1794, als F. D. Gräter von Schwäbisch-Hall aus die Zeitschrift „Bragur“ redigierte, eine Anfrage, ob jene Tafeln noch vorhanden wären, worauf Gräter (Bragur 3, 524) antwortete, „daſs sie nicht blos vorhanden, sondern auch, wie ehehin, im Gebrauche sind, und wahrscheinlich so lange, als die Einrichtung des hiesigen Salzwesens fortwährt, im Gebrauche bleiben werden.“

Diese Nachrichten sind in die diplomatischen Lehrbücher übergegangen; nirgends aber fand sich bis jetzt eine Auskunft darüber, wie lange jener Gebrauch sich erhalten habe; ob er vielleicht noch bestehe. Um so erfreulicher war es mir, als bei der Philologen-Versammlung des vorigen Jahres Herr Oberpräceptor Megnin aus Schwäbisch-Hall mir mittheilte, daſs der dortige Fränkische Alterthumsverein dergleichen Tafeln erworben habe, und die Zusendung derselben sowie genauere Nachrichten in Aussicht stelle. Für beides habe ich seitdem zu danken. Die Tafeln haben auf einigen Blättern stark gelitten; andere aber sind unversehrt. Sie entsprechen der Beschreibung Hanſselmanns; aber auf der obersten Seite, die natürlich, wie die letzte, glatt und frei von Wachs ist, steht die Jahreszahl 1796; es scheint also damals eine gänzliche oder theilweise Erneuung stattgefunden zu haben. Zu bemerken ist, da dergleichen Bücher ja nicht selten, und gerade in neuerer Zeit oft beschrieben sind, nur noch der Umstand, daſs zur Schonung des Wachses die einzelnen Seiten durch Buckeln von Messing von einander entfernt gehalten werden. Das Holz wurde, wie Herr Megnin mir mittheilt, von den Siedern in den benachbarten Waldungen gekauft und mit ihren Zeichen versehen; war es dann auf dem Kocher an die Stadt gekommen, so wurde es von zwei dazu angestellten Schreibern neben den Namen der Sieder, welche alphabetisch geordnet auf den Tafeln stehen, eingetragen nach Blöcken, Stücken und Fächern; 7 Blöcke machten ein Fach aus, 60 Blöcke ein Stück.

Diese Sitte hat sich etwa bis zum Jahr 1818 oder 1819 dort erhalten. Es wäre zu wünschen, daſs auch aus dem sächsischen Halle Auskunft gegeben würde über das Schicksal der „hällischen Lehentafel“, welche Johann Peter von Ludewig 1731 in seiner Vita Justiniani, p. 236 beschrieben und zu p. 185 hat abbilden lassen. Die 12 Tafeln dieses Buches hatten eine Quertheilung der Seiten, welche sich bei denen von Schwäbisch-Hall nicht findet.

Erhalten hat sich der Gebrauch solcher Tafeln bis auf die Gegenwart, so viel bis jetzt bekannt geworden ist, nur auf dem Fischmarkt zu Rouen. Da hat ihn Édélestand Du Méril in seiner Abhandlung: De l’usage non interrompu jusqu’à nos jours des tablettes en cire (Études sur quelques points d’Archéologie et d’histoire littéraire, Paris et Leipz. 1862, p. 85-142) nachgewiesen und eine Abbildung hinzugefügt.

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 3. März.

Chronik des germanischen Museums.

In unserem heutigen Berichte haben wir den freundlichen Lesern, soweit solchen nicht als Mitgliedern des Gelehrten-, resp. des Verwaltungsausschusses, oder als Pflegern des german. Nationalmuseums der Amtsantritt des neuen I. Vorstandes, Prof. August /Essenwein/, durch Circularschreiben desselben bereits zur Kenntniſs gebracht wurde, unter Bezugnahme auf die letzten beiden Chroniken unserer Anstalt zunächst die Mittheilung zu machen, daſs der Genannte bereits am 1. März als I. Vorstand des german. Nationalmuseums verpflichtet worden ist und mit diesem Tage seine Funktionen angetreten hat.

Möge die allseitige Theilnahme und Unterstützung, mit deren Hülfe es dem verdienstvollen Gründer unserer Anstalt, Freiherrn von und zu Aufseſs, gelang, das german. Museum als ein der Vorzeit des Gesammtvaterlandes gewidmetes Institut in’s Leben zu rufen und zu befestigen, unserer nationalen Anstalt nach wie vor fördernd zur Seite stehen; möge sie in immer höherem Maſse unseren Bestrebungen sich zuwenden, die nur darauf gerichtet sein können, das an der Urstätte deutschen Bürgerthums als Eigenthum der deutschen Nation erstandene, bisher glücklich durchgeführte Werk dieser seiner Eigenschaft immer entsprechender, des nationalen Charakters, den es vor allen ähnlichen Anstalten des Vaterlands voraus hat, immer würdiger zu gestalten!

Besonders erfreulich und ermuthigend ist es für uns, unsere Gönner und Freunde am Beginne einer neuen Periode, -- denn eine solche, und wir wünschen von Herzen eine recht glückliche, ist mit der Erledigung der lange verhandelten Vorstandsfrage für das nationale Werk angebrochen, -- nicht nur mit Wünschen, sondern auch mit mehrfachen angenehmen Nachrichten begrüſsen zu können.

Da haben wir denn zunächst zu melden, daſs Se. Kgl. Hoheit der /Groſsherzog/ von /Mecklenburg-Strelitz/ nach huldvollster Entgegennahme der neuesten Publikationen unserer Anstalt allergnädigst geruhete, dem germ. Museum auf weitere 3 Jahre eine jährliche Unterstützung von 50 Thlr. zuzusichern.

Hieran haben wir die weitere, höchst angenehme Mittheilung zu knüpfen, daſs die durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen uns erwachsene Schuld sich abermals um 200 fl. gemindert hat, indem Seitens des Stadtrathes zu /Leipzig/ auf zwei bei der Aktiengesellschaft zur Unterstützung des german. Museums s. Z. hinterlegte Capitalien von je 100 fl. zu nurgedachtem Zwecke in geneigtester Weise Verzicht geleistet wurde. Gerade bez. dieser Angelegenheit, die wir der Betheiligung unserer Gönner und Freunde zu wiederholten Malen auf’s wärmste empfohlen haben, und die wir allen Patrioten hiermit von neuem an’s Herz legen, wird in unseren nächsten Chroniken, wie wir schon jetzt andeuten dürfen, noch sehr Erfreuliches zu berichten sein.

Auch unser neulich im Hinblick auf die nun in Angriff zu nehmenden Restaurationsarbeiten an den beiden Kreuzgängen, von denen der eine neu aufzuführen, der andere noch zu verglasen ist, in diesem Blatte vertrauensvoll ausgesprochener Wunsch hat bereits freundliches Gehör gefunden. Der in letzter Augustchronik angeführten Sendung von Butzenscheiben ist jetzt eine ähnliche Beisteuer aus Schw. Gmünd gefolgt, von wo unser dortiger Pfleger, Hr. J. /Erhard/, uns jüngsthin eine gröſsere Partie sog. Bortenscheiben hat zugehen lassen.

Den Sammlungen unseres Institutes, und zwar sämmtlichen Abtheilungen derselben, ist, abgesehen von den neuerdings eingegangenen Geschenken, manches Neue und Interessante auch dadurch zugeführt worden, daſs denselben mit dem Eintritte Prof. /Essenwein’s/ das von diesem bisher Gesammelte als Depositum einverleibt wurde. Insbesondere ist dadurch die bisher nur sehr schwache Sammlung von geometrischen und perspectivischen Ansichten, Grundrissen u. s. w. deutscher Baudenkmale um einige tausend Blätter, die noch nicht vorhanden waren, vermehrt worden.

Neue Vertretung ihrer Interessen fand unsere Anstalt durch Errichtung einer Pflegschaft in /Reichenberg/ in Böhmen.

An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch folgende:

Aus =Vereins-Kassen=: Von der Liedertafel zu /Göttingen/ 3 fl 30 kr., von dem Lese-Verein in /Kl. Heilsbronn/ 1 fl. 12 kr., von der Gesellschaft Fortschritt in /Stetten/ (Hohenz.-Hech.) 2 fl., von der Burschenschaft Germania in /Tübingen/ 10 fl., und von der Studentengesellschaft Schottlandia daselbst 5 fl. (einm.)

Von =Privaten=: /Aachen/: Dr. Reumont 2 fl.; /Amorbach/ (Bayern): Hirsch, Pfarrer in Schneeberg, 30 kr. (einm.), Kühlmann, k. Rentbeamter, 30 kr. (einm.), Schott, Intendant, 1 fl. (einm.), Schwarzmann, Apotheker, 30 kr. (einm.), Sopp, Studienlehrer, 30 kr. (einm.); /Duisburg/: Dr. O. Lange 1 fl. 10 kr.; /Eſslingen/: Benno Freiherr von Herman-Wain auf Wain 10 fl. (einm.); /Hamm/: Karl Hobrecker, Fabrikbesitzer und Kaufmann, 1 fl. 45 kr.; /Hechingen/: Sigmund Mayer 3 fl. 53 kr. (einm.); /Murau/: Alex. Setznagl, Abt zu St. Lambrecht in Steiermark, 11 fl. 40 kr.; /Nürnberg/: J. Rau, Kaufmann, 1 fl.; /Pesth/: Karl Morawetz, Beamter der Assicurazioni generali, 1 fl. 10 kr.; /Pöſsneck/ (Sachsen-Meiningen): Chr. Fr. Bernhardt, Kaufmann, 1 fl., F. Büttner, Kaufmann, 1 fl., O. Diesel, Kaufmann, 1 fl., Joh. Christ. Eberlein, Kaufmann und Fabrikbesitzer, 1 fl., E. Mittelhäuser, Commerzienrath, 1 fl. 45 kr., Franz und Ernst Schmidt, Kaufleute, 1 fl. (einm.), Theod. Seige, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. (einm.), H. Trautmann, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. (einm.); /Saatz/: Jos. Nic. Melzer 1 fl. 10 kr.; /Sulzbach/: Sigm. S. Arnstein, Fabrikbesitzer und Kaufmann, 1 fl. 45 kr., Karl Schorn, pens. k. Lieutenant, 1 fl.; /Ulm/: J. Greger, Hauptmann vom k. 12. Infanterie-Regiment König Otto, in Neu-Ulm 1 fl., A. J. Maier, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. (einm.).

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Eine Ungenannte=, durch Vermittlung des Pflegers Sauer in Regensburg:

3323. Kaufbrief der Anna Catharina Panierin für Georg Christoph Dummer. 1734. Pgm.

3324. Kaufbrief der Vormünder der Elis. Cath. Dummer für Joh. Panier. 1742. Pgm.

3325. Kaufbrief des Joh. Georg und Joh. Christoph v. Röthen für Joh. Georg Biedermann. 1744. Pgm.

3326. Kaufbrief des Joh. Wilh. Panier für Joh. Georg Klostermeyer. 1753. Pgm.

3327. Gantbrief über das Eigen des G. Heinr. Lucz für Joh. Georg Klostermeyer. 1772. Pgm.

3328. Kaufbrief des Umgeldamts für J. G. Klostermeyer. 1782. Pgm.

3329. Kaufbrief der Kinder des J. G. Klostermeyer für ihre Mutter Dorothea Magdalena. 1783. Pgm.

3330. Kaufbrief der Dorothea Magdalena Klostermeyerin für ihren Sohn Balth. Gottlieb Klostermeyer. 1790. Pgm.

3331. Kaufbrief des Mathias Martin für Joh. Wilhelm Grunert. 1801. Pgm.

=Anton Emmert= in Riva:

3332. Wappenbrief des Johann Werndle für Casper und Anthoni Francescy auf Soll, Gerichts Kurtätsch. 1669. Pap. Abschr.

=Dr. C. Will=, Archivsekretär des german. Museums:

3333. Auszug aus dem Salbuch derer Rosenhardt gen. Glockengieſser von Glockenhoffen. 17 alte Urkunden-Abschriften 1471-1585. Pap.

=Sigmund Mayer= aus Hechingen:

3334. Urtheil des Landgerichts Ravensburg in einem Streit zwischen der Gräfin Johanna Sabina zu Achstetten und Joh. Christoph Grafen zu Zeyl. 1699. Pap.

=August Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

3335. Akten in der Streitsache des Hans Schiſsler, Bürgers zu Steinbach, gegen den Rath daselbst, das strittige Holz am Clopffen-Gut betr. 1581. Pap.

II. Für die Bibliothek.

=J. G. Böſsenecker=, Verlagshandl., in Regensburg:

18,940. Wackenreiter, d. Erstürmung von Regensburg am 23. April 1809. 1865. 8.

=Historische Commission bei der k. Akademie der Wissenschaften= in München:

18,941. v. Liliencron, die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert. 1865. 8.

=Dr. J. V. Zingerle=, Professor, in Innsbruck:

18,942. Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Tirols, redig. u. hrsg. v. Durig, Huber, Ladurner, Schönherr u. Zingerle; II. Jhrg., 3. u. 4. Heft. 1865. 8.

=Antiquarische Gesellschaft= in Zürich:

18,943. Dies., Mittheilungen etc., Bd. XV, Heft 5. 1865. 4.

18,944. Dies., 21. Jahresbericht, 1864-65. 4.

=Oudheidkundige Kring van het Land van Waes= in St. Nikolaas:

18,945. Ders., Annalen etc.; II. Deel, 2. Aflev. 1865. 8.

=Georg Widter=, k. k. Postdirektor, in Vicenza:

18,946. Dar klóane Catechismo vor de Síben Kaméün. 1842. 8.

18,947. Hohenauer, d. Stadt Friesach. 1847. 8.

18,948. Vonend, d. Herrschaften des vormaligen Hochstiftes Bamberg in Oberkärnthen. 1858. 8.

18,949. Albèri, l’Italia uscente l’anno 1860. 1861. 8.

18,950. La verità sugli uomini e sulle cose del regno d’Italia. 1862. 8.

18,951. Lioy, le abitazioni lacustri della età della pietra nel Vincentino. 1865. 8.

=Dr. C. L. Grotefend=, Archivrath, in Hannover:

18,952. Ders., Epigraphisches. V. 1866. 8.

=G. Schönfeld’s= Buchhandl. (C. A. Werner) in Dresden:

18,953. N. Anzeiger f. Bibliographie etc.; Jhrg. 1865. 7-12. Hft. 8.

=J. N. Enders=, Buchhandlung, in Neutitschein:

18,954. Die Biene; 15. Jhrg., 1865, Nr. 19-36. 8.

=Redaktion der kathol. Blätter aus Tirol= in Innsbruck:

18,955. Kathol. Blätter aus Tirol; 1865, Nr. 17-36. 8.

=L. A. Zellner= in Wien:

18,956. Blätter für Theater etc., hg. v. Zellner; 1865, Nr. 50-98. 2.

=Société Française d’archéologie= in Paris:

18,957. Dies., bulletin monumental; 31. vol., nr. 4-8. 1865. 8.

=Alwin Rudel= in Dresden:

18,958. Central-Blatt f. d. d. Papier-Fabrikation; 1865, Nr. 9-24. 4.

=Stahel=’sche Buch- und Kunsthandlung in Würzburg:

18,959. Chilianeum; 7. Bd., 1.-12. Heft. 1865. 8.

=Dr. Hermann Stolp= in Berlin:

18,960. Deutsche Gemeinde-Zeitung, hg. v. Stolp; 1865, Nr. 26-52. 4.

=J. Engelhorn=, Verlagshandl., in Stuttgart:

18,961. Gewerbehalle etc.; 1865, Lief. 7-12. 4.

=Redaktion des literar. Handweisers= in Münster:

18,962. Literar. Handweiser etc.; 1865, Nr. 36-40. 8.

=Wallishauser=’sche Buchhandl. (Jos. Klemm) in Wien:

18,963. Jagd-Zeitung; 8. Jhrg., Nr. 13-24. 1865. 8.

=Redaktion der Heidelberger Jahrbücher= in Heidelberg:

18,964. Heidelb. Jahrbücher d. Literatur; 1865, Mai-December. 8.

=Redaktion der allgem. Literatur-Zeitung= in Wien:

18,965. Allgem. Literatur-Zeitung; 1865, Nr. 27-52. 4.

=K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale= in Wien:

18,966. Dies., Mittheilungen; 10. Jhrg. Mai-Dec. 1865. 4.

=Redaktion der altpreuſs. Monatsschrift= in Königsberg:

18,967. Altpreuſs. Monatsschrift; 2. Jahrg., 6. H. 1865. 8.

=K. J. Schröer=, Direktor der evangel. Schulen zu Wien:

18,968. Monatl. Mittheilungen etc.; 1865, Nr. 7-10. 4.

=Du Mont-Schauberg=’sche Buchhandlung in Köln:

18,969. Organ f. christl. Kunst; 1865, Nr. 14-24. 4.

=Th. Ölsner= in Breslau:

18,970. Schles. Provinzialblätter; 4. Jahrg., Juli-Dec. 1865. 8.

=Müller von der Werra= in Leipzig:

18,971. Die neue Sängerhalle; 1865, Nr. 27-52. 4.

=Kais. Akademie der Wissenschaften= in Wien:

18,972. Dies., Anzeiger; Jahrg. 1865, Nr. I-XXIX. 8.

=Dr. L. Lang= in München:

18,973. Münchener Sonntagsblatt; 1865, Nr. 26-52. 4.

=Redaktion des Volksblattes= in Quedlinburg:

18,974. Volksblatt für Stadt und Land; 1865, Nr. 52-104. 4.

=Redaktion des Wochenblattes der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg= in Berlin:

18,975. Wochenblatt etc.; 1865, Nr. 26-52. 4.

=Polytechnischer Verein= in Würzburg:

18,976. Ders., Wochenschrift; 1865, Nr. 22-52. 8.

=Redaktion der Zeitschrift f. preuſsische Geschichte und Landeskunde= in Berlin:

18,977. Zeitschrift für preuſs. Geschichte etc.: II. Jhrg., 7.-11. Heft. 1865. 8.

=Allgemeine deutsche Verlags-Anstalt (Sigismund Wolff)= in Berlin:

18,978. Romberg’s Zeitschrift f. prakt. Baukunst; Jhrg. 1865, H. 4-12. 2.

=Ebner & Seubert=, Verlagshandl., in Stuttgart:

18,979. Müller, die Künstler aller Zeiten und Völker; fortgesetzt und beendigt von Klunzinger u. Seubert. III. Bd. 1864. 8.

=K. Preusker=, Rentamtmann, in Groſsenhain:

18,980. Ders., die Stadt-Bibliothek in Groſsenhain: 6. Aufl. 1864. 8.

=F. K. Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg=, Durchlaucht, in Kupferzell:

18,981. Ders., sphragistisches Album; Heft 2-4. 1865. qu. 2.

=Dr. A. Reichensperger=, Appellationsgerichtsrath, in Köln:

18,982. Fundatio domus Theutonicae prope Saraepontem, an. 1227. 1 Bl. gr. 2.

=H. Laupp=’sche Buchhandlung in Tübingen:

18,983. Theol. Quartalschrift; 47. Jhg. 4. H. u. 48. Jhg., 1. H. 1866. 8.

=Redaktion der numismatischen Zeitung= in Weiſsensee:

18,984. Numismatische Zeitung; 32. Jhrg., Nr. 12-26. 1865. 4.

=Architekten- und Ingenieur-Verein= in Hannover:

18,985. Ders., Zeitschrift; Bd. XI, 4. 1865. 4.

=Verein f. d. Geschichte und Alterthumskunde von Erfurt= in Erfurt:

18,986. Ders., Mittheilungen etc.; I. Hft. 1865. 8.

=Historische Gesellschaft= in Basel:

18,987. Dies., Beiträge zur vaterländ. Geschichte; 8. Bd. 1866. 8.

=Thüringisch-sächsischer Geschichts- u. Alterthums-Verein= in Halle a.S.:

18,988. Ders., Statuten. 1865. 8.

=Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde= im Leeuwarden:

18,989. Dies., de vrije Fries; 11. Deel. (n. R. V, 1). 1865. 8.

18,990. Dies., 37. Verslag der Handelingen etc. 1864-65. 8.

=Kaiserliche Universität= zu Dorpat:

18,991-19,009. 19 akadem. Schriften vermischten Inhalts. 1864-65. 4. u. 8.

=Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace= in Straſsburg:

19,010. Dies., Bulletin etc. III. sér., t. III, livr. 2. 1865. 8.

=Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen= in Basel:

19,011. Dies., XLIV. Neujahrblatt f. Basels Jugend. 1866. 4.

=Geschichtforschende Gesellschaft von Graubünden= in Chur:

19,012. Dies., Rätia etc.; 3. Jahrg. 1865. 8.

=Historischer Verein des Kantons Glarus= in Glarus:

19,013. Ders., Jahrbuch etc.; 2. Heft. 1866. 8.

=Hennebergischer alterthumsforschender Verein= in Meiningen:

19,014. Brückner, henneberg. Urkundenbuch; V. Theil. 1866. 4.

=Historischer Verein der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont= in Corbach:

19,015. Ders., Beiträge etc., Bd. 1, 3. 1865. 8.

=Dr. L. Curtze= in Corbach:

19,016. Ders. u. v. Rheins, Geschichte und Beschreibung der Kirche St. Kilian zu Corbach. 1843. 8.

19,017. Ders., Volksüberlieferungen aus d. Fürstenthum Waldeck. 1860. 8.

19,018. Stieglitz, Erinnerungen an Charlotte. 1863. 8.

=Ad. Emmerling=, Verlagsbuchhandl., in Heidelberg:

19,019. Badenia, hrsg. v. Bader, III. Bd., Heft II, 2 und III. Heft. 1865-66. 8.

=Dr. H. A. Erbstein=, Conservator der Kunst- und Alterthumssammlungen des german. Museums:

19,020. Ders., der Münzfund v. Trebitz bei Wittenberg. 1865. 4.

=K. Albertus-Universität= zu Königsberg i. Pr.:

19,021. Ellendt, de Hagenoa, Alsatiae inferioris civitate Palatina. 1865. 8.

19,022. Wach, de transferenda ad firmarium advocatione. 1865. 8.

19,023-58. 36 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts. 1865. 4. u. 8.

=Robert Friese=, Verlagsbuchhandl., in Leipzig:

19,059. v. Mildenstein, Chronik der Stadt Leisnig. 1857. 8.

=J. Diernfellner=, Universitätsbuchh., in Freiburg i. Br.:

19,060. Bader, d. alteinheimische Adel des Breisgaus. 1838. 8.

19,061. Schreiber, d. Schützengesellschaften zu Freiburg i. Br. 1846. 8.

19,062. Rösch, Beschreibung der Brunnen-Leitung zu Freiburg i. Br. (1848.) 8.

19,063. (v. Röder), Zug des Marschalls Tallard durch das Dreisamthal. 1848. 8.

19,064. Beiträge zur Geschichte der Stadt Freiburg und des Breisgaues. 1849, 51 u. 56. 8.

19,065. Rösch, d. Straſsenanlagen und Zollrechte der Städte Freiburg und Villingen. 1853. 8.

19,066. Ders., d. Rathsbesatzungen der Stadt Freiburg. 1854. 8.

19,067. Ders., Wiehre u. Adelhausen. 1855. 8.

19,068. Schreiber, d. Schlacht bei Freiburg im J. 1644. 1857. 8.

19,069. Das Judenspiel zu Endingen. 1858. 8.

19,070. Jäger, eine Wanderung durch Freiburg. 1859. 8.

19,071. Schreiber, Mordversuche gegen Albrecht VI. v. Oesterreich im J. 1448. 1860. 8.

19,072. Die bürgerl. Beurbarungs-Gesellschaft zu Freiburg i. Br. 1860. 8.

19,073. Jäger, Freiburgs gemeinnützige Vereine der Gegenwart. 1861. 8.

19,074. Schreiber, d. Minnesänger an den Fürstenhöfen im Breisgau. 1862. 8.

19,075. Ders., die Abtei Thennenbach und die Ludwigskirche zu Freiburg. 1863. 8.

19,076. Ders., vor 50 Jahren in Freiburg. 1864. 8.

19,077. Ders., d. Nothjahr 1816. 1865. 8.

19,078. Mandat des Raths zu Freiburg. 17. Jhdt. 2.

=Dr. Herm. Frohberger=, Professor, in Grimma:

19,079. Ders., zwei Reden etc. 1866. 8.

=Dr. Heinr. Siegel=, Professor, in Wien:

19,080. Ders., die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang. 1866. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:

19,081. v. Malortie, Beiträge zur Geschichte des Braunschw.-Lüneburg. Hauses und Hofes: 5. Heft. 1866. 8.

19,082. v. Bar, das Beweisurtheil des german. Processes. 1866. 8.

=F. A. Brockhaus=, Verlagsbuchhandl., in Leipzig:

19,083. Trömel, Schiller-Bibliothek. 1865. 8.

=Verein zur Ausbildung der Gewerke in München:=

19,084. Ders., Zeitschrift etc.; 15. Jhrg., 2.-4. Heft. 1865. 4.

=Historische Gesellschaft des Kantons Aargau= in Aarau:

19,085. Dies., Argovia; IV. Bd., Jhrg. 1864 u. 65. 1866. 8.

=Verein für Geschichte und Alterthumskunde= zu Frankfurt a. M.:

19,086. Ders., Archiv etc., neue Folge, 3. Bd. 1865. 8.

19,087. Ders., Mittheilungen etc., Bd. II, 4 u. III, 1. 1864-65. 8.

19,088. Ders., Neujahrs-Blatt; 1864 u. 65. 4.

19,089. Batton, örtliche Beschreibung der Stadt Frankfurt a. M.; 3. Heft. 1864. 8.

=Zoologische Gesellschaft= in Frankfurt a. M.:

19,090. Dies., der zoologische Garten; Jahrg. 1865, Nr. 7-12. 8.

=Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde= in Gieſsen:

19,091. Amtlicher Bericht über die 39. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Gieſsen im Sept. 1864. 1865. 4.

=Universität= zu Gieſsen:

19,092. Dies., index librorum quibus bibliotheca academica Gissensis aucta est anno 1856-64. 4.

19,093. Bogišic, über die Ursachen der Niederlagen des deutschen Heeres im hussitischen Kriege. 1862. 8.

19,094-111. 18 weitere akadem. Schriften vermischten Inhalts. 1861-65. 4. u. 8.

=Stadtarchiv= zu Braunschweig:

19,112. Hänselmann, Nachrichten über das Stadtarchiv zu Braunschweig. 1863. 4.

19,113. Knoch, histor. Notizen über Helmstädts Merkwürdigkeiten. 1863. 4.

19,114. Schiller, Ueberblick der mittelalterl. Architektur Braunschweigs. 1863. 4.

19,115. Bethmann, Herzog August der Jüngere, der Gründer der Wolfenbüttler Bibliothek. 1863. 8.

19,116. Brandes, Braunschweigs Dom mit seinen alten und neuen Wandgemälden. 1863. 8.

=Dr. Moriz Wieſsner=, Regierungsrath im k. Ministerium des Innern, in Dresden:

19,117. Ders., die Akademie der bildenden Künste zu Dresden. 1864. 4.

=Ed. Manger=, k. Kreissekretär, in Siegen:

19,118. Ders., die Siegen’schen Orte Wilnsdorf, Wilgersdorf und Rödgen in alter Zeit. 1865. 8. Sonderabdr.

=Dr. Ludw. Herrmann= in Aschaffenburg:

19,119. Erheiterungen; Jhrg. 1866, Nr. 11-15, 17-20, 22, 23, 31 u. 32. 4.

=G. Grote=’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin:

19,120. Essellen, die Hohenburg bei Herringen a. d. Lippe u. d. Grabstätte auf ders. 1861. 8. Sonderabdr.

19,121. Gruchot, preuſsisches Erbrecht etc. Bd. I, 1. 2. 1865. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

19,122. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, hg. v. Mone; 19. Bd. 1. II. 1866. 8.

=J. N. Enders=, Professor, in Neutitschein:

19,123. Ders., kurze Anleitung zur Obstbaumzucht; 2. Aufl. 1866. 8.

=Verein für meklenburg. Geschichte und Alterthumskunde= in Schwerin:

19,124. Ders., Quartalbericht; XXXI, 2. 1866. 8.

=Museum des Königreiches Böhmen= in Prag:

19,125. Dass., Památky archaeol. a mistopisne; R. XII, Dilu VI, 5-7. 1865. 4.

19,126. Verzeichniſs der Mitglieder der Gesellschaft etc. 1865. 8.

19,127. Vortrag des Geschäftsleiters in der General-Versammlung etc. 1865. 8.

=K. Württemberg. Ministerium des Innern= in Stuttgart:

19,128. Staats-Anzeiger für Württemberg a. d. J. 1865. 4.

=Historische Commission bei der k. Akademie der Wissenschaften= in München:

19,129. Geschichte der Wissenschaften in Deutschland; Bd. 3. u. 4. 1865. 8.

=K. v. Gemming=, Oberstlieutenant, in Nürnberg:

19,130. Köhler, histor. Münz-Belustigung; 19.-22. Th. 1747-50. 4.

=Groſsherzogl. herzogl. sächs. Gesammt-Universität Jena:=

19,131. Bechstein, zum Spiel von den zehn Jungfrauen. 1866. 8.

19,132-40. 9 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts. 1865-66. 8.

=Otto Wigand=, Verlagsbuchhandlung, in Leipzig:

19,141. Bergé, d. Sagen u. Lieder des Tscherkessen-Volks. 1866. 8.

=J. C. Hofrichter=, Notar, in Windischgraz:

19,142. Ansichten aus der Steiermark; Heft 38. qu. 4.

19,143. Jahresbericht der k. k. Ober-Realschule zu Klagenfurt. IX.-XIII. 1861-65. 4.

19,144. Schaller, die Bedeutung des ager publicus in der röm. Geschichte. 1865. 8. Progr.

19,145. Hirsch, über Diptychen, Necrologien, Martyrologien etc. 1865. 4. Progr.

19,146. Pleteršnik, d. Vergleiche im Homer und in den serbischen Volksliedern. 1865. 4. Progr.

=Rudolph Gärtner=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

19,147. Lange, Grundriſs der Geschichte der deutschen Literatur; 3. Aufl. 1859. 8.

=Dr. Adolph Friedr. Riedel=, geh. Archivrath, in Berlin:

19,148. Ders., Geschichte des preuſs. Königshauses; 2 Bde. 1861. 8.

=Gerstenberg=’sche Buchhandl. in Hildesheim:

19,149. Lüntzel, die Annahme des evangel. Glaubensbekenntnisses, von Seiten der Stadt Hildesheim. 1842. 8.

=Wilh. Grothe=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

19,150. Grothe, Schildhorn und Teufelssee. Märk. Sage. 2. A. 8.

=Grubenmann=’sche Buchhandl. in Chur:

19,151. Fels, Bilder u. Scenen aus deutsch. Landen; 1. Th. 1858. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandl. in Hannover:

19,152. Leunis, Schul-Naturgeschichte; II. Th. 1866. 8.

19,153. Ders., Synopsis der drei Naturreiche; Th. II, 2, 1. 1866. 8.

=Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau= in Wiesbaden:

19,154. Ders., Jahrbücher etc.; 17. u. 18. Heft. 1862-63. 8.

=Bergischer Geschichtsverein= in Elberfeld:

19,155. Ders., Zeitschrift etc.; II. Bd., 2. Hälfte. 1865. 8.

=Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen= zu Prag:

19,156. Ders., Mittheilungen etc. Jahrg. III, 4.-6. u. IV, 1.-3. H. 1865. 8.

19,157. Ders., 3. Jahresbericht; 1864-65. 1865. 8.

19,158. Ders., Beiträge etc.; Abth. I, Anh. zu Bd. II u. Abth. III, Bd. I. 1863, 65. 4. 8.

=Conrad Weychardt=, Buchhandlung, in Eſslingen:

19,159. Pfaff, württembergische Wein-Chronik. 1865. 8.

=Verein für Erdkunde= etc. in Darmstadt:

19,160. Ders., Notizblatt; III. Folge, 4. Heft (Nr. 37-48). 1865. 8.

=Museums-Verein= in Bregenz:

19,161. Ders., 8. Rechenschaftsbericht, 1865; 1865. 4.

=Eine Ungenannte= in Regensburg:

19,162. Luther, geystliche lieder; 2 Thle., 1570. 8.

19,163. Hondorff, Promptuarium Exemplorum. 1580. 2.

19,164. Hondorff, Calendarium Sanctorum et Historiarum. 1579. 2.

19,165. Concordia. Christl. wiederholete einmütige Bekentnüs nachbenanter Churfürsten, Fürsten u. Stende Augspurgischer Confession. 1580. 2.

19,166. Faustus, Anatomia statutae Danielis. 1580. 4.

19,167. Nigrinus, papistische Inquisition vnd gulden Flüs der Röm. Kirchen. 1582. 2.

19,168. Nachenmoser, Prognosticon theologicum. 1588. 2.

19,169. Heylbrunner, vncatholisch Pabstumb. 1607. 2.

19,170. Biblia, deudsch. D. Mart. Luther. 1610. 2.

19,171. Phaedri fabularum libri V. etc., ed. Walchius. 1712. 8.

=Müller=, Advokaten-Wittwe, in Regensburg:

19,172. Lotter u. Seutter, Atlas. gr. 2.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

5012. Silbermünze des Herz. Christian von Schlesien, 1665.

=Dr. Delp=, Stabsauditor, in Worms:

5013. Bruchstück einer bei Aufgrabung eines Kellers zu Worms gefundenen Steinsculptur mit Relieffiguren mehrerer Löwen.

=W. Bieswanger=, Stadtschreiber, in Sulzbach:

5014. 2 bronzene Unterarmringe, ausgegraben im Amt Sulzbach.

5015. 18 kleinere Silbermünzen verschiedenen Alters und Gepräges, 1 byzantin. Kupfermünze und 1 Messingjeton von 1587.

5016. Lackabdrücke der 3 Sulzbacher Stadtsiegel von 1566 und des neueren.

=G. St. Rykena= in Norden:

5017. 33 Homannische Landkarten.

=G. Brückner=, Privatier, in Kulmbach:

5018. Wallfahrtszeichen des Klosters Weingarten, 18. Jhdt.

=Eisenbarth=, Gemälderestaurateur, in Würzburg:

5019. 2 Bruchstücke alter Eisengeräthe.

=Hugo Graf von Walderndorff=, k. k. Kämmerer, in Hauzenstein:

5020. Aderlaſstabelle mit einem Holzschnitt von M. Ostendorfer, 1555.

=Heimburg=, Notar, in Pfeddersheim:

5021. Siegelstock des Gerichts zu Hillesheim, 1524.

=Dr. C. Will=, Archivsekretär am german. Museum:

5022. 37 Blätter aus einem botan. Werk des 17. Jhdt.

=Ein Ungenannter= in Nürnberg:

5023. Silberne Medaille mit Peter und Paul von 1536.

Chronik der historischen Vereine.

/Handelingen en Mededeelingen van de Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde te Leiden/, over het Jaar 1865. Leiden, E. J. Brill. 1865. 8.

Gesellschaftsangelegenheiten. -- Bijdrage tot de Critiek van Ferguut, door Dr. W. Bisschop. -- Proeve van eene studie over de Natuur der verschillende Spraakgeluiden, door Prof. T. Roorda. -- Verslag van een onuitgegeven HS. van Anthonis de Roovere, door Dr. W. N. du Rieu. -- De Leidsche Medicinae Doctor Conradus Zumbach de Koesvelt, door Mr. J. T. Bodel Nijenhuis. -- Nederlanders, en personen die later met Nederland in betrekking stonden, Studenten te Heidelberg en te Genève, sedert het begin der Kerkhervorming, door Prof. de Waal. -- De dood van Elias Beekmann, door J. H. van Dale.

/Levensberigten der afgestorvene Medeleden van de Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde./ Bijlage tot de Handelingen van 1865. Leiden, E. J. Brill. 1865. 8. 226 Stn.

/De Vrije Fries./ /Mengelingen/, uitgegeven door het /Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde/. Elfde Deel. Nieuwe Reeks, Vijfde Deel. Erste Stuk. Te Leeuwarden, bij G. T. N. Suringar. 1865. 8.

Friesland in 1815. Historische Bijzonderheden omtrent de deelneming der Friezen aan de Volkswapening en de Krijgsbedrijven bij Quatrebras en Waterloo; door W. Eckhoff. -- Aanteekeningen en Bijlagen.

/Zeven-en-dertigste Verslag der Handelingen/ van het Friesch Genootschap over het Jaar 1864/65. 8.

/Annalen van den Oudheidskundigen Kring van het Land van Waes./ Tweede Deel. Tweede Ablevering. December. 1865. St. Nikolaas. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Découvertes Gallo-Romaines faites au Steenwerk à Belcele. -- Mengelingen, om als dokumenten te dienen, tot het opstellen eener allgemeene Geschiedenis van het Land van Waes, door H. Raepsaet. -- Oud vlaamsche leenen, gelegen binnen den Lande van Waes. (Vervolg.) Door A. de Maere-Limnander. -- Mélanges. -- Chapelle votive et statuette de Notre-Dame de Lorette à Voorhout sous Kemseke. -- Un jugement au XVIe siècle en matière d’injures.

/L’Investigateur./ /Journal de l’Institut historique/ Trente-deuxième année. Tome V. IV. Série. 372. Livr. Novembre. 1865. 373. Livr. Déc. 1865. Paris, 1865. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monmnents nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2, 32. Vol. de la Collection. Nr. 1. Paris et Caen, 1866. 8.

Deux excursions archéologiques dans le canton de Mézidon, aux environs des deux stations du chemin de fer situées dans ce canton; par M. de Caumont. -- Notice sur un cachet sigillaire, dit cachet d’oculiste, trouvé à St.-Aubin-sur-Gaillon, par M. Paul Baudry. -- Cartulaire de l’église d’Autun, publié par M. de Charmasse. -- Compte-rendu de quelques découvertes archéologiques dans le département de la Loire-Inférieure, par M. Charles Marionneau. -- Rapport de M. de Caumont sur un mémoire adressé à la Société française d’archéologie par M. Veuillot, sur le monastère de Ganagobie (Basses-Alpes). -- Mélanges d’archéologie. -- Chronique.

/Antiquarisch-historischer Verein für Nahe und Hunsrücken. Sechster Bericht./ Kreuznach, Anfangs Juni 1865. 1 Bgn. in Fol.

/Vierter Bericht über die Sammlung des Vereins./ Kreuznach, im December 1862. 1 Bl. in 4.

/Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins./ Im Auftrage des Vereins herausgegeben von Prof. Dr. K. W. Bouterwek und Dr. W. Crecelius. Zweiter Band, zweite Hälfte. Bonn, 1865. 8.

Beiträge zur Geschichte Elberfelds. 6. Burg Seeldunk. 7. Zur Geschichte der Schützengilde. 8. Eine Anleihe im Jahre 1815. Von Dr. W. Harleſs. -- Die Huldigung der Rheinlande zu Aachen am 15. Mai 1815. Von dems. -- Beiträge zur Geschichte Barmens. 1. Das erste Vorkommen des Namens Barmen in einem Werdener Heberegister. Von Dr. W. Crecelius. 2. Graf Ludwig von Ravensberg verkauft den Hof Barmen an Graf Heinrich von Berg. Von dems. 3. Auszug aus der Beienburger Amtsrechnung von 1593. Von dems. 4. Barmen im Jahre 1641. Von dems. 5. Das Haus Rauenthal. Von F. W. Oligschläger u. A. Caron. -- Der falsche Friedrich, genannt Tile Kolup. Von Dr. A. Petry. -- Ueber einige im XVI. Jahrhundert in Wesel gedruckte Schriften. Von Pastor J. G. Sardemann. -- Pest in Köln und dem Erzstifte im Sommer und Herbst 1490. Von Dr. W. Harleſs. -- Mitgliederverzeichniſs.

/Beiträge zur Geschichte der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont./ Im Namen des Vereins herausgegeben von Dr. L. Curtze. Ersten Bandes Schluſsheft. Arolsen, 1865. 8.

Studien zur ältesten Geschichte von Waldeck und Pyrmont. Von C. Beck. (Forts.) -- Mittheilungen aus der Mengeringhäuser Chronik. -- Geschichte der im Jahre 1669 der Republik Venedig unter Anführung des Grafen Josias zu Waldeck und Pyrmont zur Verteidigung der Stadt Candia zugeführten Braunschweig-Lüneburger Truppen. Von Forstrath Waldeck. -- Dr. Fr. Kreusler, Geh. Hofrath, Leibarzt und Oberlandphysikus. Von W--r. -- Notizen aus der Zeit des 30jährigen Krieges, zur Veranschaulichung der Zustände, Drangsale und Sitten. Entnommen aus dem Rhoder Kirchenbuche. Von Superintendent Schotte. -- Stiftungen, Legate, Vermächtnisse etc. -- Das alte Schloſs zu Pyrmont. Aus Klettenberg. -- Briefe des Prof. Chr. Rauch in seine Heimath. -- Der Kirchthurmbau zu N. Wildungen 1488/89. -- Waldeckische Helden. Eine Skizze von W. K. -- Dr. Georg Landau. Von Pastor Rocholl. -- Alterthumsfunde.

/Göttingische gelehrte Anzeigen./ Unter der Aufsicht der /Königl. Gesellschaft der Wissenschaften/. 1865. Erster und zweiter Band. Göttingen. 1865. 8. 2080 Stn., nebst Register von 18 Stn.

/Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität/ aus dem Jahre 1865. Göttingen, 1865. 8. 566 Stn.

/Neues Lausitzisches Magazin./ Im Auftrag der /Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften/ herausgegeben von Dr. Titus Wilde. Zweiundvierzigster Band. Görlitz. 1865. 8.

Erste Hälfte: Die Geschichte der Oberlausitz von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1815, für Schule und Haus bearbeitet von Dr. Joh. August Ernst Köhler. Eine gekrönte Preisschrift. 282 Stn.

Zweite Hälfte: Die ältesten Besitzer von Pulsnitz. Von Dr. Hermann Knothe. -- Ein Beitrag zur Sammlung des Volksthümlichen im temescher Banat. Von Gustav Zeynek. -- Berichte über die wöchentlichen wissenschaftlichen Abendversammlungen. -- Zur sechshundertjährigen Säkularfeier Dante’s. Von Dr. Theod. Paur. -- Bericht über die 300jährige Jubelfeier des Gymnasium Augustum in Görlitz. -- Nachrichten aus der Gesellschaft.

/Zeitschrift des Statistischen Bureaus des Königlich Sächsischen Ministeriums des Innern./ Eilfter Jahrgang. 1865. Dresden. 4. 156 Stn.

/Neujahrsblatt, den Mitgliedern des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main/ dargebracht im Januar 1864. Frankfurt am Main. 1864. -- Johann David Passavant. Ein Lebensbild von Dr. Adolph Cornill. Erste Abtheilung, nebst Passavant’s Mittheilungen über seine Familie. (Mit dem Porträt Pansavant’s und einer Abbildung der Burg Passavant.) Frankfurt am Main. 1864. 4. 78 Stn.

Neujahrsblatt,... dargebracht im Januar 1865. Frankfurt am Main. 1865. -- Johann David Passavant. Zweite Abtheilung. Frankfurt am Main. 1865. 4. 112 Stn.

/Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main/, von Johann Georg Batton. Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch den zeitigen Director desselben Dr. jur. L. H. Euler. Drittes Heft, die Beschreibung der Altstadt und zwar des südlichen und westlichen Theils der Oberstadt enthaltend. Frankfurt a. M. Verlag des Vereins. 1864. 8. VI u. 352 Stn.

/Notizblatt des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissenschaften zu Darmstadt/ und des /mittelrheinischen geologischen Vereins/. Nebst Mittheilungen aus der Groſsh. Hessischen Centralstelle für die Landesstatistik. Herausgegeben von L. Ewald. Des Notizblatts des Vereins für Erdkunde III. Folge, IV. Heft. Nr. 37-48. Mit 1 lithographierten Tafel. Darmstadt, 1865. Hofbuchhandlung von G. Jonghaus. 8.

/Achter Rechenschaftsbericht des Ausschusses des Vorarlberger Museums-Vereins in Bregenz/, gelegt am 16. September, im achten Jahre seines Bestehens, vor der dazu berufenen Generalversammlung am 17. September 1865. Bregenz, 1865. 8.

Ansprache und Rechenschaftsbericht. -- Das Vorarlberger Landeswappen. -- Die Brakteaten vom Funde zu Klaus unweit Rankweil, von Dr. Jos. Bergmann, mit 1 Abbildung. -- Römische terra sigillata Geschirre, von Dr. S. Jenny, mit 2 Abbildungen. -- Ueber einen befestigten Hügel bei Mauren in Lichtenstein, ein vermuthlich keltisches Werk, von J. S. Douglaſs, mit 2 Abbildungen. -- Aus „den Regesten zur Landesgeschichte“ Fasc. VIII, No. 162. Verordnung gegen die Nachtschwärmerei vom 27. März 1710. -- Fernere Mittheilung über die Heidenburg bei Gaevis von J. S. Douglaſs. -- Vereinsangelegenheiten.

/Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen./ III. Jahrgang. Redigiert von A. Schmalfuſs. Nr. IV-VI. Prag. 1865. gr. 8.

Episoden aus der deutschen und böhmischen Geschichte. A. König Karl’s IV. Ordnung der Nachfolge im Reiche. 1376. Von Prof. Dr. Höfler. -- Die Weihnachtsspiele im Erz- und Mittelgebirge. Von Joseph Stocklöw. -- Aus dem Böhmerwalde: 1. Volksfeste. 2. Deutsche Sprachalterthümer im Dialekte des Böhmerwaldes. -- Zur Geschichte der Industrie in Oberleutensdorf. Von Dr. L. Schlesinger. -- Der Bauer und die Bergleute. Ein Sing- und Fastnachtsspiel aus dem nördlichen Böhmen. Mitgetheilt durch Al. Wilh. Stellzig. -- Ueber zwei literarische Funde des sechzehnten Jahrhunderts in Bergreichenstein. Von Victor Hansgirg. -- Die Denkmale zu Mühlhausen am Neckar. (Mit 2 Abbildungen.) Von Bernhard Grueber. -- II. Skizzen aus dem Böhmerwalde: 2. Am Moldau-Ursprung. (Forts. aus dem II. Jahrg.) -- Miscellen: Der Mai des Jahres 1639 in Kommotau. Ueber die Abstammung der deutschen Bevölkerung Böhmens. Sammlung von Weisthümern Oesterreichs. Ein Beitrag zur Geschichte von Reichenberg. Prager Stadtordnung vom Jahre 1606. Zur Geschichte der Stadt Teplitz. -- Vereinsangelegenheiten.

IV. Jahrg. Nr. I-III. Redigiert von A. Schmalfuſs und C. Höfler. Ueber die Sprachalterthümer des Böhmerwaldes. Von J. Peters. -- Sittenbilder böhmischer Dorfbewohner. Von A. Jäger. -- Böhmens Betheiligung am Welthandel. Von C. Höfler. -- Jakaubek von Wřesowitz. Von Dr. Hallwich. -- Böhmische Dorfindustrie. Von A. Jäger. -- Böhmen und die älteste Buchdruckerkunst. -- Skizzen aus dem Böhmerwalde. 3. Prachatiz. -- Uralte Sympathiemittel aus Böhmen. Von Dr. J. V. Grohmann. -- Joseph Sebastian Grüner. (Biographie.) Von Bernhard Grueber. -- Miscellen: Aus den Sitten und Sagen des Egerlandes, von H. Gradl. K. Matthias verleiht der Stadt Böhmisch-Wiesenthal ein Stadtwappen; mitgetheilt von Dr. A. C. Tobias. Ursprung der böhmischen Krönungssteuer; mitg. von J. V. Göhlert. Sagen aus Hirschberg; mitg. von E. C. -- Vereinsangelegenheiten.

/Beiträge zur Geschichte Böhmens./ Herausgegeben von dems. Verein. Abtheilung I. Quellensammlung. Anhang zum II. Bande. Chronik des Heinrich Truchseſs von Dieſsenhoven. 1342-1362. Prag. 1865. gr. 4.

/Mittheilungen der Kaiserlich-Königlichen Mährisch-Schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde in Brünn./ Interim. Hauptredakteur: Heinr. C. Weeber. 1865. Verlegt von der etc. Gesellschaft etc. 52 Bogen Hauptblatt, 4 Bogen auſserordentliche Beilage nebst einer Brochure über die Wiener Markthalle, dem Programme für die allgemeine Ausstellung im Mai 1866 in Wien, und 13 Bogen des Notizenblattes der hist.-statist. Section der etc. Gesellschaft. Brünn, 1865. 4.

Notizen-Blatt (redigirt von Christian d’Elvert), Nr. 1-12: Zur Geschichte der Landwirtschaft in Mähren und österr. Schlesien. III. Zur Geschichte der Fischerei, insbesondere der Teichwirthschaft. (d’Elvert.) -- Die Filialkirche St. Laurenzi zu Rakschitz in Mähren. (M. Trapp.) -- Die Stellung der neu Nobilitirten in Olmütz. -- Die ständischen Landmesser in Mähren. -- Markgraf Jodok alleiniger Herr Mährens. -- Zur Geschichte des Sanitätswesens in Mähren. -- Das Augustiner-Kloster St. Thomas in Brünn mit Rückblicken auf die andern Augustiner-Eremiten-Klöster in Mähren. (d’Elvert.) -- Patent der ungrischen Rebellen, nach Mähren erlassen 1703. -- Verhauung der Landesgränze gegen die ungrischen Rebellen 1705. -- Requisitionen von der Herrschaft Dürnholz u. a. für die zum Entsatze von Wien durchziehenden polnischen Auxiliarvölker 1683. -- Zur m.-schl. Adelsgeschichte. IV. Die Grafen von Chorinsky. V. Die Barthodegsky von Barthodeg. -- VI. Die Freiherren Hauspersky von Fanal. (d’Elvert.) -- Der unterirdische Gang und die Sachsen-Denkmale zu Rossiežka, Brünner Kreises in Mähren. Beschrieben von Moriz Trapp. -- Zur Geschichte des Gemeindewesens in Mähren und Oesterr.-Schlesien. II. Die Municipal-Städte und deren Verhältnisse zu ihren Schutzobrigkeiten. Die unterthänigen Städte und Marktflecken. (d’Elvert.) -- Das älteste Geld. Eine archäologisch-numismatische Studie von F. S. Kupido. -- Die Bruderschaften, der Clerus und die geistliche Fortificationssteuer in Mähren 1776. (d’Elvert.) -- Ueber Literaten und Meistersänger in Mähren. (Ders.) -- Beschreibung der Thätigkeit Tycho Brahe’s auf der Sternwarte Benatek. -- Die alte Holz-Monstranz der Kirche zu Speitsch in Mähren. (Moriz Trapp.) -- Aufnahme des Czobor, Tochinsky und Ledensky in die mährische Landmannschaft 1590. -- Das alte Feldausmaſs in Schlesien. (Brandl.) -- Zur Geschichte des Herzogtums und der Stadt Jägerndorf. -- Die Aufhebung der marianischen Congregationen. -- Der mährische Landtag 1790. -- Die ältesten Bewohner Mährens. Eine archäologische Studie von Dr. F. S. Kupido. -- Die groſse Linde in Bisenz. -- Die St. Margarethen-Kirche zu Tapanow nächst Rybnik bei Mährisch-Kromau. (Moriz Trapp.)

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

5) /Geschichte der Wiener Universität im ersten Jahrhundert ihres Bestehens./ Festschrift zu ihrer fünfhundertjährigen Gründungsfeier von /Joseph Aschbach/, Professor an der k. k. Universität und w. Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien. Mit fünf Tafeln und einem Plane. Wien. Verlag der k. k. Universität. 1865. 8. XVI, 638 Stn.

Die Geschichte der deutschen Universitäten gehört ohne Zweifel zu den allerwichtigsten Momenten der deutschen Geschichte überhaupt, da ja die deutsche Wissenschaft eine Grundsäule der Macht unserer Nation zu allen Zeiten gewesen ist. Diese Bedeutung der Geschichte der Universitäten als Pflanzstätten geistiger Bildung und der Werth der Geschichte der Wissenschaften ist in unseren Tagen mehr als je zum Bewuſstsein gekommen und die groſsen Leistungen auf diesen Gebieten sind manniglich bekannt. Woran es noch fehlt, das sind umfassende und gründlich gearbeitete Specialforschungen über den gröſsten Theil der noch vorhandenen und der nicht mehr bestehenden Universitäten. Dieses Bedürfniſs zeigt sich am offenkundigsten bei dem Anblick des vorliegenden Werkes, das, von Meisterhand geschaffen, als ein treffliches Muster für alle Arbeiten ähnlicher Art dasteht. Auſserordentlich reich und mannigfach ist der Inhalt, die Ausführung voll des wahrhaft historischen Geistes, die Darstellung einfach und durchscheinend.

Die Wiener Hochschule gehörte schon frühzeitig zu den angesehensten nicht nur in Deutschland, sondern sie rivalisierte mit den geistigen Metropolen in Paris und Bologna. Wie diese, so gehörte auch sie nicht einer Nation, sondern sie war Eigenthum der Wissenschaft, deren Zwecken sie allein diente. Waren doch die Wissenschaften überhaupt nur Selbstzweck; Mittel zu anderen Dingen, die auſserhalb derselben lagen, wurden sie erst später!

Unser Werk bietet also einen auſserordentlich werthvollen Beitrag zu der Kulturgeschichte im Allgemeinen, zugleich aber erschöpft es die Quellen des für die Kenntniſs der Wiener Universität Erreichbaren im ersten Jahrhundert ihres Bestehens. Das erste Buch hat ihre Gründung und Anfänge zum Gegenstand, 1365-1400. Hier wird dann die Rudolfinische und die Albertinische Stiftung genau erörtert. Dann folgt die Organisation der Universität im Allgemeinen und dieser schlieſst sich die Behandlung der verschiedenen Facultäten an. Die Chronik ist sehr reich an interessanten Details und erreicht besonders vom Jahre 1396 an eine groſse Vollständigkeit, da von diesem Jahre auch die Acten der theologischen Fakultät beginnen, während in der früheren Zeit lediglich die Akten der artistischen Fakultät als Quelle dienten. Die 57 Biographieen von Lehrern der Universität sind eine wahre Fundgrube von Material für eine deutsche Gelehrtengeschichte. Die ausführlichsten Biographieen und von ganz besonderem Interesse sind diejenigen des Heinrich Langenstein von Hessen, des Johann Peuerbach, des Thomas Ebendorfer von Haselbach und des Johannes Müller von Königsberg in Franken.

Sehr ausführliche Register über Personen und Sachen vervollständigen das Werk und erleichtern den Gebrauch desselben. Die beigegebenen Holzschnitte der Siegel sind sehr gut ausgeführt.

6) /Emmenthaler Alterthümer und Sagen/. Von /Alb. Jahn/, Kanzlist und Bibliothekar beim eidgen. Departement des Innern, Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften. Bern, Verlag von Huber u. Comp. 1865. 8. 71 Stn. Mit 5 lithograph. Tafeln.

Es ist überraschend, wie reichhaltige Ergebnisse auch auf einem Boden, der scheinbar ohne alle Voraussetzung ist, sich der Forschung bieten, wenn sie mit den Augen des Kenners nur Umschau zu halten beginnt. Ein einziges, bisher wenn auch nicht unbekanntes, doch unter ganz anderen Rücksichten beachtetes Alpenthal öffnet sich wie ein lehrreiches Buch und führt auf einem der interessantesten Gebiete der Wissenschaft Belege zu, die an diesem Orte wie ganz neue Daten erscheinen. Die beiden ersten Abhandlungen besprechen zwei alte Kriegsbauten, die namenlose Erdburg in der Jägerlehnweide und den Münnenberg bei Lützelflüh, die dritte einen wahrscheinlichen ehemaligen Opferplatz, jetzt Barhegen genannt. Der Gegenstand der vierten Untersuchung, eine räthselhafte Ruine im Kurzeneigraben, erweist sich als muthmaſslicher Sitz einer Gemeinschaft in Zurückgezogenheit lebender Druiden, wie die sogen. Prestenlöcher auf Hinterarm, die ihre Besprechung im fünften Abschnitte finden, als Unterbauten für alte Celtenwohnungen. Eine antiquarisch-topographische Uebersicht des ganzen Emmenthales reiht an jene Hauptdenkmäler noch eine nicht geringe Anzahl solcher, die an sich von geringerer Bedeutung, oder als zerstreute Bruchstücke den ehemaligen Zusammenhang nur von fern errathen lassen. Die Mehrzahl der anfangs besprochenen Gegenstände fällt in die vorgeschichtliche Zeit und bildet gewissermaſsen die Mitte zwischen den See- und den späteren Gräberfunden, oder deckt jene geheimniſsvollen Zeitalter von einer Seite auf, von welcher sie bis jetzt nur selten zugänglich geworden. Bei der reichen Ausbeute, welche schon ein so engbegrenzter Landestheil gewährt, bleibt es kaum zweifelhaft, daſs auch andere, noch nicht untersuchte Gegenden der Schweiz für die Forschung gleich ergiebig sich zeigen werden, und wir können zu dem regen Eifer, der im verwandten Nachbarlande die ununterbrochene Fortsetzung der Arbeit verbürgt, nur auch uns Glück wünschen.

7) /Mittelalterliches Hausbuch/. Bilderhandschrift des 15. Jahrhunderts mit vollständigem Text und facsimilirten Abbildungen. Herausgegeben vom /Germanischen Museum/. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1866. Fol.

8) /Kulturgeschichtliche Briefe/ (über ein mittelalterliches Hausbuch des 15. Jahrh. aus der fürstlich Waldburg-Wolfegg’schen Sammlung) nebst Anhang (Auszug aus Grünenberg’s Wappenbuche) von R. v. /Retberg/, Ehrenmitgliede der histor. Vereine von Ober- und Niederbayern u. s. w. Leipzig, Verlag von Rudolph Weigel. 1865. 8. 340 Stn.

Die merkwürdige Bilderhandschrift, auf welche die beiden oben genannten, unabhängig neben einander stehenden Veröffentlichungen sich beziehen, war bereits im J. 1854 vom Oberstudienrath Haſsler zu Ulm der öffentlichen Aufmerksamkeit zugeführt und fand seitdem wiederholte, zum Theil so eingehende Besprechungen (s. u. a. Naumanns Archiv VI, L. 1), daſs wir bei einem groſsen Theile des gelehrten Publikums Bekanntschaft mit derselben voraussetzen können. Für Leser, welchen jene Mittheilungen entgangen sein sollten, lassen wir eine kurze Beschreibung folgen. Das Original der Handschrift, nach dem darin wiederholt vorkommenden Wappen zu schlieſsen, ursprünglich im Besitz der Familie Goldast zu Konstanz, gegenwärtig des Fürsten Friedrich von Waldburg-Wolfegg-Waldsee befindlich, gehört der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts an und besteht aus 66 Pergamentblättern in Fol., auf welchen 59 Seiten mit Bildern, 43 mit Schrift versehen, die übrigen, ohne Zweifel für weitere gelegentliche Ausführung, leer gelassen sind. Der Inhalt besteht, wie von Retberg ihn charakterisiert, aus allerlei Gegenständen, wie sie dem Besitzer eines Hauses oder auch namentlich einer Burg wichtig oder ergötzlich scheinen mochten, woher auch das Buch, dem selbst der Titel fehlt, in der angeführten Weise gewiſs am passendsten benannt worden ist. Wir haben da Bemerkungen zur Gedächtniſskunst, Haus- und Heilmittel, Beiträge zum Münz-, Berg- und Hüttenwesen, eine Büchsenmeisterei u. a. Weit wichtiger aber als der Text sind die davon zum Theil ganz unabhängigen Abbildungen, welche, zwar von ungleichen Händen herrührend, doch der Mehrzahl nach nicht nur von trefflicher Künstlerschaft zeugen, sondern namentlich, was das Buch zu einer wahren Fundgrube der Wissenschaft macht, von den verschiedensten, in jener Zeit sonst kaum zur Darstellung gelangten Gebieten des Lebens mannigfaltige Bilder in unmittelbarster Naturwahrheit und mit sprechendstem Humor vor die Anschauung führen. Insbesondere ist es eine Reihenfolge der Planeten, welche zur Bezeichnung des je von ihnen auf das Thun und Leiden der Menschen ausgeübten Einflusses ein buntes Gemenge von Scenen in sinniger Zusammenstellung unter sich vereinigen. In mittelalterliche Tracht und Waffen gekleidet, sehen wir die heidnischen Repräsentanten derselben, von den Thierkreiszeichen begleitet, hoch zu Roſs über den von ihnen beherrschten Theil der lebendigen Welt dahinziehen. So entfaltet sich unter dem Planeten Saturn das alte Gerichtswesen in verschiedenen Stadien seines Verlaufes und Grades, von dem in einen Block geschlossenen Diebe bis zu dem in Begleitung von Richter und Henker zum Galgen geführten Verbrecher, woran das Leben der armen und unehrlichen Leute, von der blinden, am Krückstock einherschleichenden Bettlerin bis zum mühsam arbeitenden Landmann und dem Abdecker, in innerlichem Zusammenhange sich schlieſst. Der als Junker gekleidete Jupiter beherrscht die glänzendere Seite der bürgerlichen Gesellschaft, in welcher zwar der arme Bauer dem Wucherer gegenüber noch vor Gericht geschleppt wird, doch auch der Gelehrte ein ruhiges Plätzchen zum Studium und der endlichen besseren Austheilung der gemeinsamen Rechte findet, während drauſsen mit Jagd, Falkenbeize und Bolzenschieſsen sich einstweilen diejenigen vergnügen, die in glücklichem Besitze sind. Mars verbreitet unter sich Scenen des Schreckens und der Noth. Raubritter überfallen ein Dorf, brennen und plündern; Diebe bestehlen den Wechsler, ein Mörder tödtet sogar den Pilger. Der Sonnengott eröffnet mit seinem erwärmenden Strahle das Leben von innen und nach auſsen. Wie Früchte des Herzens, füllen Gebete der Andächtigen die offenstehende Kapelle, flieſsen Almosen in die Hand des Bettlers. Musik erhöht in unmittelbarer Nachbarschaft den Genuſs der Tafelfreuden und den Verkehr liebender Paare. Ringer und Wettkämpfer mancherlei Art beleben im Mittelgrunde das offene Feld, während die Stadt mit ihren beengenden Mauern und Thürmen hinter den Hügeln der Ferne zurücktritt. Das Liebeleben, von neuem mit Spiel, Musik und Schmauserei verbunden, entfaltet sich unter dem Banner der Venus in allen Arten und Graden seines Genusses. Unter Merkur, dem Beschützer von Kunst und Gewerbe, sehen wir einen Maler vor der Staffelei, einen Orgelbauer mit dem Stimmen seines Instrumentes beschäftigt, einen Uhrmacher, der die Polhöhe sucht, einen Schulmeister, der eben die Verantwortung seines Berufes executierend zur Würde des Richteramts erhebt; ferner im Vordergrund einen bildschnitzenden Gesellen, der eine Figur der Eva auf den Block gespannt hat, während neben ihm das meisterliche Ehepaar an reichbedeckter Tafel die Früchte des Fleiſses genieſst; einen alten Goldschmied, der unter gewaltiger Brille einen Becher zur Vollendung führt, während seine bejahrte Ehehälfte neben ihm in beſster Eintracht den Blasbalg zieht. Luna vereinigt unter ihrem Scheine, was des reellen oder ideellen Zwielichtes sich freut: Gaukler und Quacksalber, Vogelfänger, Fischer und Jäger, Badende, bewaffnete Boten u. s. w. Auſserdem haben wir, und zwar meistens in Darstellungen von doppelter oder vierfacher Blattgröſse, unabhängige Kriegs- und Jagdbilder, Beschäftigungen und Vergnügungen des Landlebens, Gegenstände aus dem Bereiche der Gewerke, der Belagerungskunst u. s. w. -- Wie aus gemachten Anfängen ersichtlich, waren die Abbildungen, frei und leicht mit der Feder hingeworfene Skizzen, ursprünglich für die Ausmalung bestimmt, zu deren Durchführung es jedoch glücklicher Weise nicht gekommen ist; denn ohne Zweifel würde durch sie gerade der feinste Geist des Künstlers verdeckt worden sein, der uns nicht nur verräth, unter welchen Formen, sondern auch in welchem Sinne, mit welchen geheimen Prozessen des Bewuſstseins sich die Entwicklung jener wichtigen Uebergangsperiode vollzog. -- Welche Wichtigkeit dieses Werk für die Geschichte der Trachten, der Sitten, Gebräuche und aller anderen Beziehungen haben muſs, die man gewöhnlich unter dem Begriff der Kulturgeschichte vereinigt, darf nur angedeutet werden. Zugleich hat dasselbe aber auch für die Kunstgeschichte Interesse, indem mit groſser Wahrscheinlichkeit dargethan ist, daſs die Mehrzahl der Zeichnungen von dem bedeutenden schwäbischen Maler Bartholomäus Zeitblom herrührt und, indem sie ergänzend zu den Kupferstichen desselben hinzutreten, ihn von einer bisher nicht in Betracht gezogenen Seite darstellen. -- Das germanische Museum hat sich begnügt, die Handschrift in möglichst treuer Nachbildung wiederzugeben; die Zeichnungen in Kupferstich, und zwar, soweit sie künstlerischen Werth besitzen, in originalgroſsen Facsimiles, soweit das nicht der Fall, wie bei den dargestellten Maschinen, Kriegswerkzeugen u. s. w., in genauen Verkleinerungen. Der in alterthümlicher Schrift und unter Einhaltung der Seitenzahl abgedruckte Text ist mit einem erklärenden Glossar versehen. Für die bildlichen Darstellungen tritt das zweite Werk ergänzend hinzu, welches dieses mit einer fortlaufenden Beschreibung versieht und davon ausgehend die kulturgeschichtlichen Verhältnisse der in Rede stehenden Zeit einer allgemeineren Betrachtung unterwirft.

Aufsätze in Zeitschriften.

/The Art-Journal:/ Nr. L, S. 46 ff. Ancient brooches and dress fastenings. In three chapters. With illustrations by the author.

(F. W. Fairholt.) -- S. 57. Glass: its manufacture and examples. Part II. Saxon, arabic, persian, and early venetian glass. (William Chaffers.)

/Ausland:/ Nr. 6. Die Urbevölkerung der britischen Inseln. -- Nr. 10. Ein ortskundlicher Streifzug durch die Urkantone der Schweiz.

/Biene:/ Nr. 6 ff. Die Buchdruckerkunst in ihrer welthistorischen Bedeutung von den Tagen der Erfindung bis zur Gegenwart. In kurzen Umrissen geschildert.

/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 5. Bilder aus dem deutschen Mittelalter. 12. Der deutsche Ritter. (Thaddäus Lau.)

/Chilianeum:/ Nr. 3. 4. Kleine Beiträge zur Culturgeschichte der Grafschaft Wertheim. (Dr. Alex. Kaufmann.)

/Daheim:/ Nr. 22. Der Münster von Freiburg. -- Nr. 23. Die Kinderkreuzzüge im Mittelalter. (Dr. Wald.) -- Nr. 25. Die Arzneimittel vor fast 200 Jahren.

/Europa:/ Nr. 9. Das Deutschthum in Böhmen. -- Ostern und Pfingsten in Natur und Haus.

/Familien-Journal:/ Nr. 9. (639): Die Monstranz in der Kirche zu Zizelitz. Böhmische Volkssage. (Ernst. Halma.) -- Nr. 11. (641.) Das Täubchen von Amsterdam. Charakterbild (Otto von Tschocher)

/Grenzboten:/ Nr. 10, S. 385. Alte Fastnachtspiele. Vortrag am 7. Febr. 1866 im Leipziger Professorenverein. (Prof. Eckstein.)

/Hausblätter:/ 4. Heft, S. 305. Volkssagen. 8. 9. (Fr. Schultheis.) -- 5. Heft, S. 396 u. 6. H., S 459. Sagen aus dem Spessart. 8-14. (Adalbert v. Herrlein.) -- S. 474. Ueber den Gebrauch der Ringe, Brautringe, Brautkränze. (Fr. Grebel.)

/Der Hausfreund:/ Nr. 11. Ein Besuch Karl’s XII. in Dresden. Historische Skizze. (Ferd. Pflug.)

/Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland:/ Nr. 4. Wahrheit und Dichtung in den ältesten Papstbriefen. Vortrag. (P. Hinschius.)

/Korrespondent v. u. f. D.:/ Nr. 99. Allerheiligen (Klosterruinen im Schwarzwald). -- Nr. 114 ff. Die Walkyren. Vortrag. (W. Hertz.)

/Deutsche Kunst-Zeitung/ (Dioskuren): Nr. 8. Ueber die nationale Herkunft der Steinmetzfamilie Arler, genannt „Prager Jungherrn.“

/Magazin f. d. Literatur des Ausl.:/ Nr. 7. Deutsche Einflüsse auf das polnische Volksthum. I. Bis zur Reformation. -- Nr. 10. Die Pfahlbauten des Garda-Sees. (Franz Maurer.)

/Protestantische Monatsblätter für innere Geschichte:/ Decbr. 1865. Die anabaptistischen Tendenzen in ihrer Bedeutung für das Verständniſs der Reformationszeit. (Fr. Nippold.)

/Illustr. deutsche Monatshefte:/ Nr. 18 (114), S. 640. Frauenlob. (J. Bamberger.)

/Schles. Provinzialblätter:/ Jan. u. Febr. Beiträge zur Kultur-Geschichte Oberschlesiens. Aus Hippel’s handschriftlichem Nachlasse. (Dr. Th. Bach.) -- Schlesisches Gerümpel und Gerölle (Aberglaube, Sitten und Bräuche). (H. Strusche.) -- Die Begründung der kaufmännischen Corporation und die Reichskramer-Societät zu Breslau. Mit der Stiftungsurkunde. (Jul. Neugebauer.) -- Oeffentliche Aufzüge und Hahnenkämpfe in Schlesien. (R. S.) -- Rechtspflege der Vorzeit. (Beydelt.) -- Eine Teufelssage aus dem Trebnitzer Gebirge. (A. T.) -- Helden- und Loblied etc., gesungen in Reich-Hennersdorf z. Z. des bair. Erbfolgekrieges. (Lehrer Menzel.) Beitrag zur Geschichte der Begründung der Steindruckerei in Schlesien. Von C. Krone. -- Das ehemalige Postwesen Schlesiens. Von A. Weltzel. -- Ein Beitrag zu den Ringwällen, Steinwällen und Heidenkirchhöfen in Schlesien. Von Robert Schlich. -- Zur Geschichte der Stadt Krenzburg O./S. -- Die Belagerungen von Schweidnitz in d. J. 1757 u. 58, in einer mundartlichen poetischen Schilderung. Mitgetheilt von Oberlehrer H. Palm.

/Bremer Sonntagsblatt:/ Nr. 7. Ueber historische Sagen und Anekdoten. (Georg Heinrich.) -- Nr. 9. Neue hansische Geschichts- etc. Bilder. II. Kaiser Karl IV. in Lübeck. (Heinr. Asmus.)

/Volksblatt f. Stadt u. Land:/ Nr. 9. Der Zigeunerkönig. (Pfarrer Baist.) -- Nr. 11. Ueber Luther’s Auffassung der Empfängniſs Mariä.

/Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg:/ Nr. 8 f. Das Bisthum Schleswig, von der Entstehung desselben im Jahre 943 bis zur Ernennung des ersten lutherischen Bischofs im Jahre 1541.

/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 60. Germanistische Funde in Italien. (Dr. Franz Pfeiffer.) -- Nr. 64. Eine Spur vom Grabe Karl’s des Groſsen.

/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 49 f. Ein bayerisches Grafenschloſs zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts. -- Nr. 52. Kunstwerke aus dem Mittelalter. -- Nr. 60 ff. Zur Charakteristik oberbayer. und verwandter Dialect-Poesie. (Fr. v. Kobell.) -- Nr. 67. Woher kommt „Schnadahüpfln“? (A. Birlinger.) -- Nr. 73. Die Klosterkirche Gnadenberg bei Neumarkt in der Oberpfalz.

/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1183. Die Krämerbrücke in Erfurt.

Vermischte Nachrichten.

~Die archäologische Ausstellung in Paris im Jahre 1867.~

23) Bekanntlich wird mit der groſsen Industrieausstellung in Paris im Jahre 1867 auch eine internationale archäologische Ausstellung verbunden und ist eine Gallerie des Ausstellungsgebäudes dafür reserviert, wo sie unter dem Titel „Histoire du travail“ figurieren wird. Die französische Commission, bestehend aus den Herren Graf von Nieuwerkerke, Graf von Laborde, von Longpérier, de Sommerord, Lartet, Alphons von Rothschild und Alfred Darcel, hat nun das Programm veröffentlicht und ein Circular an die Besitzer erlassen, welche Objekte haben, die zur Ausstellung kommen sollen. Wir finden uns rücksichtlich des Programms zu einigen Bemerkungen veranlaſst.

Ein Passus heiſst: „Jede Nation wird über einen bestimmten Antheil der Gallerie verfügen, um hier die Gegenstände aufzustellen, welche sich auf die Industrie ihrer Gegend beziehen. Die Gegenstände werden hier so aufgestellt, daſs sie die verschiedenen Epochen der Geschichte der Arbeit erkennen lassen.“

Wir können uns nun durchaus nicht damit einverstanden erklären, daſs in einer Ausstellung, die bestimmt ist, die künstlerische und gewerbliche Thätigkeit der gesammten Menschheit von den ältesten Zeiten an vor Augen zu führen, die fast zufällige heutige Staateneintheilung zu Grunde gelegt wird, und daſs der Raum dafür nach dem Raum bemessen wird, den die heutige Industrie jener Länder einnimmt. Zudem werden durch diese Eintheilung zusammengehörige Gruppen getrennt und weniger Zusammengehöriges vereinigt. Welche Industrie hat heute Aegypten? Wie klein soll also der Raum für die in der Geschichte der Menschheit so unendlich wichtige ägyptische Kunst ausfallen? Welche Rolle spielt Griechenland unter den Industriestaaten? Welcher Raum wird also nach diesem Maſsstab der vollendeten Kunstblüthe Griechenlands zugewiesen? Welche Nation wird uns die Kultur des assyrischen und babylonischen Reiches, die Kultur der Phönizier vor Augen führen? Wie wird die über alle Welttheile zerstreute Kunst und Gewerbthätigkeit der Römer in allen verschiedenen Abtheilungen zerstreut sein? Stehen sich nicht bei aller nationalen Verschiedenheit die Werke des Mittelalters der Franzosen, Engländer und Deutschen, selbst der Italiener näher, als sie den römischen Werken stehen, die zufällig in diesen Ländern gefunden wurden?

Ist es gerechtfertigt, die Erzeugnisse Deutschlands gerade in die drei Gruppen Oesterreich, Preuſsen und das übrige Deutschland zu trennen? Wäre es nicht, wenn eine Untertheilung statt haben soll, natürlich, den alten Gaugrenzen zu folgen, die Theilung nach den verschiedenartigen Schulen vorzunehmen, von Oesterreich und Preuſsen die den übrigen deutschen Schulen verwandten Gegenstände diesen anzuschlieſsen, die Kunst des ehemals mächtigen Polenreiches nicht unter drei jetzt bestehende Länder zu trennen.

Eine archäologische Ausstellung soll nicht Spielerei sein; sie soll der Wissenschaft nützen, sie soll die Kunstforschung fördern. Das kann nur durch ein dem Ganzen zu Grunde liegendes, groſses, gemeinsames System geschehen, das auf wissenschaftliche Grundlage basiert ist, und das uns gestattet, die verwandten und zusammengehörigen Objekte, welche die Zeit weit auseinander geworfen hat, hier neben einander stellen und mit einander vergleichen zu können. Eine solche Ausstellung muſs eine anschauliche Uebersicht über die Entwickelung der ganzen menschlichen Kultur geben. Nur dann hat sie Werth.

Nur dann aber auch ist sie der Kosten werth, die dafür verausgabt werden. Wer muſs diese Kosten tragen? Der einzelne Aussteller kann das nicht; es ist also Sache der Regierungen. Da sind nun diejenigen sicher übel daran, die etwa kolossale Objekte aus groſser Ferne zu transportieren haben. Wird das Interesse, welches sie an der Ausstellung haben, diese Kosten aufwägen? Ich glaube kaum. Ist es etwa gerechtfertigt, wenn blos das neben einander stehen soll, was zu Hause auch nebeneinander steht, es nach Paris zu senden? Ist es gerechtfertigt, die kostbarsten Objekte aus den Museen, aus den Kirchen, aus dem Leben nach Paris zu schaffen, wenn sie doch nicht neben die verwandten Objekte gestellt werden und so der Wissenschaft wirklich nützlich sind?

Unserer Anschauung nach müſste eine internationale Commission aus hervorragenden Gelehrten zusammengesetzt werden, welche die Auswahl aus den allerorts zerstreuten Objekten trifft, welche einen groſsen Gesammtplan entwirft und die Ausstellung so anordnet, daſs sie in /einer/ Serie den Entwickelungsgang der ganzen Kultur verfolgen läſst. Darin liegt für die Wissenschaft wie für das Publikum ein Gewinn, der wohl werth ist, daſs die einzelnen Regierungen in einem der Gröſse und dem Reichthum der Länder angemessenen Theile die Kosten tragen.

Wird eine derartige Einheit nicht in die Sache gebracht, so wird die Ausstellung eine lückenhafte, verfehlte Spielerei sein. Man wird freilich Manches beisammen sehen können, was man sonst nur an verschiedenen Orten sieht; allein es wird sich die Frage stellen lassen, ob die Regierungen es Befürworten sollen, daſs man ohne wissenschaftlichen Zweck blos dahin arbeiten solle, daſs eine Anzahl Reisende, die sonst in’s Land kämen, fern bleiben, da sie ihre Neugier in Paris befriedigen können.

A. E.

24) Einige höchst interessante /Alterthümer/, welche in der Gegend von /Merseburg/ schon vor längerer Zeit gefunden, bisher in Privatbesitz waren, jetzt aber durch das Antiquitätengeschäft von /Zschiesche/ und /Köder/ in /Leipzig/ erworben worden sind, dürften, nun zugänglich gemacht und zum Verkaufe ausgestellt, wohl geeignet sein, die Aufmerksamkeit der Sammler und Kenner auf sich zu ziehen. Nach einer älteren schriftlichen Aufzeichnung wurden sämmtliche noch zu besprechende Stücke bei dem Dorfe /Leuna/, 1/2 Stunde südlich von Merseburg, beim Ausgraben von grobem Kies, in einer Tiefe von 5-6 Fuſs gefunden. Gedachtem Berichte nach stieſs man zunächst auf das Skelett eines nach ärztlichem Urtheile ungefähr 30 Jahre alten Menschen, wovon aber gegenwärtig nur noch ein Stück der obern Hirnschale and ein solches des Unterkiefers vorhanden ist, indem schon beim Ausgraben der gröſste Theil desselben zu Grunde gieng. In geringer Entfernung soll das Skelett mit 6 Gefäſsen umstellt gewesen sein, die, mit Kies angefüllt, mehrere Gerätschaften enthielten. Drei dieser Gefäſse sind Urnen von gebranntem Thon, wie sie häufig in jener Gegend an Begräbniſsplätzen gefunden werden, wenn auch von ungemein zierlicher Arbeit und nicht gewöhnlicher Gestalt, die eine 8″ hoch und 3½″ im stärksten Durchmesser, die andere 5½″ hoch und 3¼″ im Durchmesser, die dritte 5¾″ hoch und 6½″ im Durchmesser. Das vierte Gefäſs ist eine sogenannte etrurische Schale von höchst gefälliger Form, schöner rother Farbe mit Verzierungen und von hellem Klange, 4¾″ in der Höhe und 9″ im obern Durchmesser. Die interessantesten Stücke aber sind zwei starke /Glasschalen/, von welchen die eine 5½″ oberen Durchmesser und 3½″ Höhe, die andere 9″ Durchmesser und 4″ Höhe hat, beide durchsichtig und opalisiert. Im Innern sind diese Schalen ganz glatt, auf der äuſsern Fläche aber verziert, und zwar ist auf der kleineren Schale die Scene eingeschnitten, wie Aktäon die Artemis im Bade überrascht und, von dieser in einen Hirsch verwandelt, von seinen eignen Hunden angefallen wird. Die beiden Namen ΑΡΤΕΜΙΣ und ΑΚΤΑΙΩΝ sind in die Masse einpunktiert. So unvollkommen auch das Eingeschnittene erscheint, so erhält es doch, vom Innern der Schale aus betrachtet, Rundung und gefällige Formen. Die gröſsere Schale zeigt nur eingegrabene Verzierungen. Unter den Geräthschaften befindet sich ein trefflich erhaltenes bronzenes Sieb nebst gleich groſsem Kessel, die zusammengehört zu haben scheinen. Auch ein defectes hölzernes Gefäſs mit Metallbeschläge, zu dem noch zwei einzelne Reifenstücke gehören, läſst sich in Zusammenhang mit letztgedachten Gegenständen bringen. Da der Boden des Fundorts aus grobem Kies bestand und bei gehörigem Abfluſs des Wassers von der schiefen Oberfläche immer trocken erhalten wurde, ist sowohl die Erhaltung eines Restes des hölzernen Gefäſses als auch des Skelettes erklärlich. Nächstdem befinden sich noch unter den Geräthen 2 silberne Sporen mit kurzem, geradem Stachel (ungarisch) und 2 angeblich silberne Pfeilspitzen, eine kleine silberne Zange, mehrere Spangen, eine Gürtelschnalle und metallene Ringe. Gehören auch die gefundenen Gegenstände augenfällig verschiedenen Zeiten und Völkern an, so ist doch ein Auffinden derselben an einem und demselben Orte deshalb noch nicht zu bezweifeln, auch die Identität der Stücke verbürgt. Sehr zu bedauern wäre es, wenn diese seltsame Ausbeute vaterländischen Bodens deutschen Landen entführt und in die Fremde wandern sollte. Möchten Museen, denen Mittel zur Seite stehen, die Dinge prüfen und zu erhalten suchen.

25) Die treffliche /Sammlung norddeutscher/ und insbesondere in

/Pommern gefundener Alterthümer/ in Stein und Bronze, welche der im vergangenen Herbste zu Greifswald verstorbene Dr. Friedrich v. /Hagenow/ während eines Zeitraumes von mehr denn 40 Jahren mit Eifer und Glück zusammengebracht hat, ist in ihrer Gesammtheit dem Vaterlande und deutscher Wissenschaft erhalten worden. Es hat nämlich das junge /Provinzialmuseum/ zu /Stralsund/ diese Sammlung um den Preis von c. 1600 Thalern angekauft, im Vertrauen, durch Freunde heimischer Alterthumskunde den in drei Raten abzuführenden Kaufpreis sich geboten zu sehen. Die gehoffte Hülfe wird dem anerkennenswerthen und mit Freuden zu begrüſsenden Unternehmen auch sicher nicht ausbleiben. Schon sind von Privaten Beiträge von 100, 30, 10 Thlr. u. s. w. geleistet worden. Der literar.-gesellige Verein zu Stralsund (auch an der Förderung des german. Nationalmuseums zu Nürnberg in sehr löblicher Weise betheiligt) hat die Summe von 100 Thlr. bewilligt, und weitere und noch gröſsere Beiträge stehen von den Landständen und von der Stadt Stralsund zu hoffen, die dem jungen, durch Erwerbung der Hagenow’schen Sammlung so schnell zu Bedeutung gelangten Provinzialmuseum im oberen Stockwerke ihres stattlichen Rathhauses ein mit groſser Liberalität ausgestattetes Asyl geboten hat.

26) Die fortgesetzten /Nachgrabungen auf dem Leichenfelde von Schleitheim/ bei Schaffhausen haben schon mehr als 100 Gräber bloſsgelegt, und noch wird kaum die Hälfte dieses Begräbniſsplatzes aufgedeckt sein. An den gemachten Fundstücken läſst sich der Einfluſs der römischen Kultur nicht verkennen. Daſs dieselben aber nicht das Werk römischer Hände sind, beweist die Art der Bestattung der Todten und die Menge hausräthlicher Gegenstände, welche auf ein anderes Volk als die Römer hindeuten. Hinwieder enthalten diese Todtenkammern so viel Produkte einer vorgeschrittenen Kunstfertigkeit, daſs sie auch den Alemannen nicht zugeschrieben werden können. Es ist also wol anzunehmen, daſs diese Gräber, welche in das 4. oder 3. Jahrhundert vor Chr. gehören, ein Werk keltischer Ansiedler sind.

(Ill. Ztg.)

27) Im Hannover’schen Amte /Osten/, in dem zwischen Minstedt und dem rechten Osteufer belegenen Moore ist eine sehr alte /Pfahlbrücke entdeckt/ worden, deren Spuren bis auf eine Länge von 2500 Schritt verfolgt wurden. Mit Beginn der günstigeren Jahreszeit sollen genauere Nachforschungen angestellt werden.

(Dies.)

28) Auſserhalb der Nikolauskapelle der Münsterkirche in /Aachen/, nahe der aufgefundenen Apsis, ist in einer Tiefe von fast 9 Zoll ein /Deckstein eines ehemaligen Kanals gefunden/ worden, welcher 14 Zoll hoch, 7½ Zoll dick und im Durchschnitt 18 Zoll dick ist und in Schriftzügen des Mittelalters die Inschrift trägt:

IN H(o)C SEP(ulchro sunt) TUMUL(ata) OS(s)A CA(r)OL(i) (M)AGNI DEO IN AET(e)R(n)O GRAN(i)S.

Bei weitern Nachgrabungen in der Allerseelenkapelle des Münsters ist man auch auf /Mauerwerk aus der Zeit der Karolinger/ gestoſsen, und man hegt die auf historische Momente ältester Zeit gestützte Vermuthung, daſs sich die Gruft Karl’s des Groſsen hier befunden habe.

(Versch. Bll.)

29) Die /Burgruine Habsburg/ im Canton /Aargau/, welche in letzter Zeit dem Verfall sehr entgegengegangen ist, soll auf Kosten der Kantonsregierung =repariert= werden. Es ist zu diesem Zwecke bereits eine Summe ausgesetzt.

(Ill. Ztg.)

30) Das für die /Restauration des St. Stephansdomes in Wien/ eingesetzte Dombaucomité hat beschlossen, im laufenden Jahre die Restauration des hohen Thurmes zum Abschluſs zu bringen, den Bau einer neuen Sakristei in Angriff zu nehmen und die Wiederherstellung des Innern des linksseitigen Chors zu vollenden.

(Dies.)

31) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien am 21. Februar überreichte Regierungsrath Dr. Joseph Diemer als Fortsetzung seiner „Beiträge zur ältern deutschen Sprache und Literatur“ eine /neue Ausgabe des Liedes von den Wundern Christi/. Dasselbe wurde im Jahre 1065 bei Gelegenheit einer groſsen Pilgerfahrt nach Jerusalem, an der über 7000 Menschen Theil nahmen, von Ezzo, Scholasticus in Bamberg, verfaſst und gehört zu den ältesten und schönsten Dichtungen des Mittelalters. Es befindet sich nur in der vom Herausgeber entdeckten Vorauer Handschrift XI aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, aber leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern durch den spätern Bearbeiter oder Schreiber mehrfach verändert. Das Lied, wenigstens dem Sinn und Inhalte nach, in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen, ist der Zweck der vorgelegten Ausgabe.

32) Kaum gibt es einen Namen in der deutschen Kunstgeschichte, der die Forscher so vielfach beschäftigt und so oft irre geführt hat, als der des /Van der Weyden/. Kannte man früher nur einen Roger van der Weyden, der die Kreuzabnahme in Berlin von 1488 gemalt, und nach van Mander 1529 gestorben war, so kam darauf der Roger von Brügge als Roger van der Weyden der Aeltere zu Tage, und jener erste und einzige erhielt den Beinamen „der Jüngere.“ Durch andauerndes Forschen und Vergleichen ist es gelungen, eine namhafte Zahl von Gemälden als Arbeiten des ältern Roger festzustellen, durch die er als einer der bedeutendsten Meister der altflandrischen Schule dasteht. Als die herrlichsten Werke seiner Hand wurden verschiedene Tafeln in den kgl. Sammlungen zu München und Berlin anerkannt; zu diesen kamen dann später noch die „Sacramente“ in Antwerpen und das „Jüngste Gericht“ in Beaune, aus welchem seine Urheberschaft des „Danziger Bildes“ klar zu Tage trat. -- Gehen auch in diesen Dingen die Meinungen noch etwas auseinander, so ist doch eine Uebereinstimmung nicht unglaublich, da überall Momente der Verständigung vorliegen. Aber eine groſse Schwierigkeit bietet die Kreuzabnahme des s. g. jüngern Roger. Zunächst ist zu bemerken, daſs derselbe seine Existenz einer als irrig dargethanen Nachricht van Mander’s verdankt. Roger’s Sohn hieſs Peter, dessen Sohn Goswin, und erst dessen Sohn wieder Roger; und dieser jüngere Roger, weit entfernt 1529 zu sterben, war noch gegen 1540 in voller künstlerischer Thätigkeit, die er erst 1528 begonnen. (S. die archivalischen Untersuchungen bei Chev. Leon de Burbure, documens biographiques etc. Bruxelles, 1865.)

Nun ist die Kreuzabnahme in Berlin, die, mit 1488 bezeichnet, dem jüngern Roger zugeschrieben wird, eine Copie, deren Original einst in einer Marien-Kirche auſserhalb der Stadt Löwen war, und in so hohem Grade das Wohlgefallen der Statthalterin der Niederlande, Maria von Ungarn, Schwester Carl’s V., erregte, daſs sie nicht ruhte, bis sie es in ihren Besitz bekam (um 1530). Durch sie ist es nach Spanien gekommen und durch eine Copie von M. Coxcie ersetzt worden. Jetzt aber ist das Bild zweimal in Spanien, einmal im kgl. Museo, das andere Mal in der Sacristei der Laurentius-Kirche des Escorial, ohne daſs man mit Sicherheit zu sagen weiſs, welches das Original sei? Noch weniger ist sicher gestellt, wann und durch wen es gemalt worden?

Sehr vieles spricht für Roger; und doch sind Formen in dem Bilde, die mit ihrer Fülle und Rundung auf eine spätere Zeit weisen, als die Roger’s, der 1465 aus dem Leben geschieden. Nun tritt ein neuer Umstand hinzu, der -- wie dunkel er noch ist -- doch einiges Licht verspricht. In der Kirche S. Domenico zu Neapel, in der Capella del Crocifisso (d. i. des Crucifixes, das einst mit Thomas von Aquino gesprochen hat) ist eine Kreuzabnahme, die man dort dem neapolitanischen Maler Zingaro zuschreibt, die ich aber sogleich als deutsche Arbeit und bei näherer Betrachtung unter Anwendung von Kerzenlicht, da der Ort sehr dunkel ist, als ein Werk Roger’s oder eines seiner Zeitgenossen erkannte. Ungeachtet der Verschiedenheit des Formates ist die Composition in allen Motiven (soweit ich sie verfolgen konnte) dieselbe, wie die obengenannten in Madrid und Berlin; aber Zeichnung und Technik scheinen mir älter zu sein. Daſs Roger in Italien war (um 1450) ist vielfältig sicher gestellt. Sollte das Bild in Neapel mit seinem Aufenthalt in Italien in Verbindung stehen?

Soviel vorläufig, um zu weitern Nachforschungen zu reizen.

/München/, 15. März 1866.

/Dr. Ernst Förster./

Inserate und Bekanntmachungen.

8) In dem Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1866, S. 24, findet sich die noch unerklärte Inschrift auf einem Tische aus dem 15. Jahrh. Der Einsender derselben hält solche für einen /Zauber- und Segenspruch/. Der Unterzeichnete glaubt darüber andere Auskunft geben zu können. Auf der hiesigen Stadtbibliothek findet sich ein solcher Tisch mit der Bezeichnung der ehemaligen lüneburgischen Münzen: Mark, Schilling und Pfennig in den allbekannten Abkürzungen. Dieser Tisch diente einem Rechnungsbeamten, der mit Kreide die eingehenden oder auszugebenden Summen neben diesen Zeichen bemerkte und darnach in seine Rechnung eintrug. Ein solcher Tisch war offenbar auch der im Museum zu Freising befindliche; nur ist die Bezeichnung etwas anderer Art. Das M bedeutet tausend, das C hundert, X zehn, das folgende Zeichen [*Pfund] die Einheiten nach Pfunden. Die folgenden Zeichen, wahrscheinlich die Bezeichnung der Unterabtheilung (in Norddeutschland Schillinge [ß] und Pfennige [Denare ₰]) wird ein der älteren Münzverhältnisse Bayerns Kundiger darnach leicht enträthseln. Das X und V sind offenbar die Zahlzeichen zehn und fünf. An jeder Seite des Tisches hatte ein Rechnungsführer seinen Platz und die Reihe der Zeichen zu seiner linken Hand. Daher die doppelte Reihe.

/Lüneburg./ /Dr. Volger/, Director der Realschule des Johanneums.

9) Das /Minutoli/’sche Institut für Kunst und Gewerbe wird um Mitte April d. J., wie im Jahre 1857, in den Räumen des königl. Schlosses zu Liegnitz eine groſse Ausstellung seiner sämmtlichen Muster-Sammlungen veranstalten.

10) =Die altpreuſsische Monatsschrift=

zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst, Wissenschaft und Industrie herausgegeben von

=R. Reicke= und =E. Wichert=

erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet ihren Lesern in reicher Abwechselung: ~Belletristisches~, ~Abhandlungen~ aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, ~Kritiken~ und ~Referate~, überall mit besonderer Beziehung auf Altpreuſsen, sei es, daſs die Verfasser daselbst heimisch, sei es, daſs die behandelten Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart oder Vergangenheit entnommen sind, endlich ~Mittheilungen~ von mehr als gewöhnlichem Tagesinteresse, ~Correspondenzen~ aus den gröſsern Städten, ~Universitäts-~ und ~Schul-Chronik~ und ~Bibliographie~.

Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr.

/Inserate/ werden die Petit-Zeile mit 2½ Sgr. berechnet.

Bestellungen auf die /Altpreuſsische Monatsschrift/, deren dritter /Jahrgang/ mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden ersten Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preuſsischen Postanstalten an. Durch den Buchhandel, wie durch die Expedition (Brodbänkenstraſse Nr. 1) sind auch noch complette Exemplare des ersten und zweiten Jahrgangs zu beziehen.

Königsberg i. Pr., 1866.

~Druck und Verlag von Albert Rosbach.~ Den Commissions-Debit besorgt die ~J. C. Hinrichs~’sche Buchhandlung in /Leipzig/.

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 4. April.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Die Krönungsinsignien des Mittelalters.

Nach Dr. F. /Bock’s/ Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen

von A. /Essenwein/.

Unsere deutsche Literatur ist nicht eben arm an guten und interessanten Werken, und doch dürften sich darunter wenige finden, die gerade für alle die Kreise, welche das germanische Museum repräsentiert, mehr und gleichmäſsigeres Interesse finden, als das groſse Prachtwerk des Canonicus Dr. F. Bock, Mitgliedes unseres Gelehrtenauschusses. Ist ja sein Inhalt so enge verwachsen mit der Geschichte des deutschen Volkes und behandelt er doch gerade die sprechendsten Zeugen oder Zeichen deutscher Herrlichkeit! Aber nicht blos für den Patrioten, nicht blos für den Forscher auf dem Gebiete der Geschichte, auch für die Kunstforschung ist das Werk ein hochwichtiges, da es derselben neue und höchst werthvolle Materialien zuführt. Es ist für den Künstler von höchster Wichtigkeit, denn wie oft bildet der Maler den deutschen Kaiser ab! welche Fülle von Ornamenten findet der Goldschmied, der Seidenwirker, der Sticker in den Tafeln des Werkes! So allseitig auch das Interesse daran sein mag, so Wenige werden leider in der Lage sein, das Werk selbst zu sehen, da es zu jenen theuern Prachtwerken gehört, die nur Wenigen zugänglich sind. Wir glauben daher eine Pflicht zu erfüllen, wenn wir die Leser des Anzeigers nicht blos obenhin damit bekannt machen und von dessen Existenz einige Worte sprechen, sondern näher auf den Inhalt selbst eingehen, da wir aus dem angeführten Grund eben die Leser nicht auf das Werk selbst verweisen können. Wenn wir daher die vorliegende Besprechung nicht in die Beilage des Anzeigers unter die literarischen Notizen stellen, so mag der Umfang derselben, die Wichtigkeit des Gegenstandes, und die Unzugänglichkeit des Originalwerkes dies rechtfertigen. So ist es uns auch möglich, in der Reihenfolge der zu behandelnden Gegenstände einigermaſsen von der durch das Entstehen des Werkes selbst bedingten zufälligen Reihenfolge abzuweichen.

Das Werk behandelt nicht blos die eigentlichen deutschen Reichskleinodien, sondern auch alle formverwandten Parallelen, d. h. so zu sagen alles, was von königlichen Insignien aus dem Mittelalter heute noch erhalten und bekannt ist; wir finden darin eine Serie von Goldschmiedearbeiten, die ihren Ausgangspunkt noch unter den altgermanischen Stämmen nimmt und durch das ganze Mittelalter sich bis in’s 17. Jahrh. verfolgen läſst; wir finden alle Entwicklungsphasen vertreten, welche die Form der Krone durchgemacht hat. Wir finden Reichsäpfel, Scepter und Schwerter vertreten; wir finden eine prachtvolle Serie von Pluvialen, Dalmatiken, Alben und Tunicellen, die fürstlichen Personen gedient haben, so daſs auch hier sich interessante kunstgeschichtliche Parallelen aufstellen lassen. Auſserdem finden wir aber auch den ganzen Apparat, der in der Krönungskirche bei der feierlichen Gelegenheit einer Krönung gebraucht wurde, und die Behandlung der Feierlichkeit selbst.

Wir zerlegen daher den Aufsatz in drei Theile, in deren erstem wir das besprechen, was sich auf die Krönung der Kaiser bezieht, im zweiten werden wir die einzelnen Theile des Krönungsornates in Besprechung ziehen, im dritten aber die kunstgeschichtliche Bedeutung der einzelnen Parallelen und den Entwickelungsgang der Formen der einzelnen Zeichen königlicher Machtvollkommenheit zu zeigen versuchen. Wir hoffen so unserem gelehrten Freunde und Mitarbeiter des Museums gerecht zu werden wie dem Interesse der Wissenschaft.

I.

Die Einleitung des Bock’schen Buches beschäftigt sich mit der Krönung, und zwar vorzugsweise mit der Art und Weise, wie und in welcher Reihenfolge die einzelnen Stücke angelegt wurden. Bekanntlich wurden die Reichskleinodien zu Nürnberg in einer Truhe aufbewahrt, die jetzt im germanischen Museum steht, ehemals aber in der heil. Geistkirche oben am Gewölbe hieng. Von Nürnberg aus wurden die Kleinodien zu jeder Krönung in die Krönungstadt (Rom, Aachen, später Frankfurt) gebracht, und zwar durch Abgesandte des Rathes. Es existieren noch Berichte der mit dieser Sendung beauftragten Rathsherren. Der Verfasser concentriert seine Bemerkungen zunächst auf die zu Aachen 1520 stattgefundene Krönung Karl’s V. Wir bemerken, daſs sich im königlichen Archiv zu Nürnberg ein Bericht von den damals mit der Mission der Ueberbringung der Kleinodien betrauten Nürnbergern befindet[A]. Am 22. October hatte die feierliche Einholung des Königs stattgefunden, am folgenden Tage versammelten sich die drei geistlichen Kurfürsten mit ihrer Klerisei in der Nicolaikapelle des Domes, wo der König mit glanzvoller Umgebung in fürstlichen Gewändern mit goldenem Oberkleide erschien. Der Erzbischof von Köln beräucherte ihn, worauf er das Kreuz und Evangelienbuch küſste und, von den drei Erzbischöfen und vom Clerus geleitet, in die Kirche eingeführt wurde, während der Chor die Antiphon anstimmte: Ecce ego mittam angelum meum. Vor dem Altar lieſs sich der König auf goldenem Teppich nieder, worauf der Erzbischof von Köln, der die Krönung vollzog, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten begann. Von den Erzbischöfen zu Mainz und Trier wurde Karl sodann zur Sella aurea geführt. Darauf begann die Krönungsmesse, wobei der Chor den Introitus vom Feste Epiphanias anstimmte: Ecce advenit dominator dominus. Die Epistel begann mit den Worten: Surge illuminare Jerusalem. Während der König sich sodann wieder vor den Stufen des Altars niedergelassen hatte und der ganze Clerus kniete, sang man die Liturgie aller Heiligen; darauf legte der Consecrator, angethan mit der Mitra und dem Stabe in der Hand, dem Coronandus die üblichen Fragen vor, nach deren Beantwortung er sich an die versammelten Fürsten wandte: Vultis tali principi et rectori vos subjicere ipsiusque regnum firmare fide Stabilire atque jussionibus illius obtemperare juxta Apostolum: Omnis anima potestatibus sublimioribus subdita sit sive regi tanquam praecellenti...? Nach dreimaligem „fiat“ wendete sich der Abt von Prüm an das Volk, dem er die Frage deutsch vorlegte. Abermals kniete Karl am Altar nieder und der Erzbischof sprach eine längere Segnung, worauf er Handschuhe und Ring ablegte und Karln salbte, der hierauf von den Erzbischöfen von Mainz und Trier in die Sakristei geleitet wurde, wo die Kapläne die gesalbten Körpertheile abtrockneten. Die Gewänder, die der Gesalbte bis dahin getragen, wurden nun abgelegt und fielen dem Krönungsstifte zu. Da Karl aber mit den vom Nürnberger Rathe gesendeten Gewändern (Sant Keysser Karl’s claidung) in der Sakristei bekleidet werden sollte, entstand eine Verwirrung, da man die Reihenfolge der Anlegung nicht genau kannte und auch befürchtete, die Kleider möchten Schaden leiden. Karl wurde daher mit andern analogen, dem Münster gehörigen Pontificalien bekleidet. Nach dem Ritus hätten zuerst die seidenen Strümpfe und Schuhe, sodann das seidene Humerale angelegt werden sollen, hierauf die dunkle tunica talaris, den priesterlichen Talaren entsprechend, die, nach Bock, mit einem Gürtel geschürzt wurden. (Wir glauben hier bemerken zu müssen, daſs das Gewand so zugeschnitten war, daſs eine Schürzung nicht nothwendig war, daſs es aber auch nur eine gröſste Länge von 4′ 7½″ hat, daſs also, da es bis zu den Füſsen reichen sollte, die Schürzung bei groſsen Personen nicht nothwendig war.) Darüber hätte nun von der Nürnberger Krongesandtschaft und den Hofkaplänen die kaiserliche Albe gelegt werden sollen, statt der Karl „mit einer schlechten weiſsen Alm“ bekleidet wurde. Diese Albe ist sehr lang, muſste also auch bei den gröſsten Personen mit einem Gürtel aufgeschürzt werden. Darauf war die groſse, breite kaiserliche Stola anzulegen, die, da sie 18′ lang ist, mehrfältig zusammengelegt und geschürzt werden muſste, was bei ihrer groſsen Breite immer gewisse Schwierigkeiten machte. Unter den von Nürnberg mitgebrachten Kleidungsstücken befand sich auch die sogenannte „Adlerdalmatika“, die indessen nicht blos hier nicht gebraucht wurde, sondern die wohl überhaupt von jeher ein Profangewand war, zu dem auch die nun verloren gegangene Gugel gehörte, und das etwa gebraucht wurde, wenn sich der Kaiser im Festzuge aus dem Palaste zur Krönungskirche begab. Eine wirkliche Dalmatika jedoch, die sich noch zu St. Peter in Rom befindet, stand zur Krönung in Beziehung, indem sie der zu krönende Kaiser trug, wenn er in der Krönungsmesse das Evangelium sang.

An den Altar zurückgekehrt, empfieng Karl vom Krönenden das aus der Scheide gezogene Schwert, das sodann in die Scheide gelassen und dem Coronandus umgegürtet wurde. Hierauf wurde ihm ein Ring an den Finger gesteckt, der jedoch, obwohl bei jeder Krönung nothwendig, nicht zu den Kleinodien gehörte, bei denen schon im Beginn des 15. Jahrh. sich keine Ringe mehr befunden zu haben scheinen. Unmittelbar nachher dürfte der zu Krönende die Handschuhe angezogen haben. Die damals noch bei den Kleinodien befindlichen zwei romanischen Armspangen mit Darstellungen der Geburt Christi und der Opferung in Email wurden damals schon nicht mehr gebraucht und an ihrer Stelle dem Coronandus die Insignien des goldnen Flieſses umgehängt. Zugleich damit wurde demselben der Mantel angelegt, der nach dem Ritus erst später hätte gegeben werden sollen, wenn er bereits Scepter und Reichsapfel hatte, die von den Assistenten dem Consecrator übergeben wurden, der nun das Scepter in die Rechte, den Reichsapfel in die Linke des zu Krönenden legte, wobei er das vorgeschriebene Gebet verrichtete.

Sodann nahmen die drei Erzbischöfe die goldene Krone und setzten sie dem neuen König unter vorgeschriebenen Gebeten auf, der nun zum Altar schritt und auf das Evangelium den Eid ablegte. Hierauf begab sich der König, geführt von den Erzbischöfen, über eine Wendeltreppe auf die Empore des karolingischen Octogons, wo der König vom marmornen Stuhle Karl’s d. Gr. Besitz nahm. Der Erzbischof von Mainz sprach nun Worte der Begrüſsung an den Neugekrönten, worauf Propst und Canoniker des Krönungsstiftes nahten und nach vollzogener Begrüſsung den König in die Reihe der Canoniker aufnahmen, wobei er den vorgeschriebenen Eid leistete, worauf er Einigen den Ritterschlag ertheilte. Nach Noppius stand es frei, ob der König dies mit dem Schwerte „derer von Nürnberg, so etwas schwer sei“, oder mit dem Karl’s d. Gr. von Aachen thun wolle. Der Chor sang das Te Deum. Nachdem sich der König sodann wieder in die Kirche zum Altar begeben hatte, wurde das Meſsopfer fortgesetzt. Ein Canoniker des Stiftes sang das Evangelium der Epiphania: Cum natus esset Jesus in Bethlehem Juda. Nachdem der Chor den Gesang des Symbolums beendet hatte, wurde die Sequenz Reges Tharsis angestimmt. Der König legte nun das Schwert ab, überreichte es dem Erzmarschall, den Reichsapfel dem Pfalzgrafen bei Rhein; das Scepter in der Rechten haltend, trat er sodann zum Altar und brachte ein Geldstück zum Opfer, hierauf schritten die Kurfürsten und Canoniker des Krönungsstiftes zum Opfer und wurde ihnen vom Celebrans das Sacrum zum Kusse gereicht. Beim Agnus Dei kniete der Bischof von Lüttich am Altar nieder und empfieng das osculum pacis; derselbe nahm sodann das Sacrum und reichte es dem Bischof von Mainz, der es dem König zur Verehrung darbot. Nach der Communion des Celebrans empfieng der König solche an den Stufen des Altars.

Nach der letzten Collecte begab sich der Erzbischof in die Sakristei, während der König, vor dem Altar sitzend, abermals Mehreren den Ritterschlag ertheilte, und die drei Kurfürsten die Pontificalien mit dem kurfürstlichen Purpur vertauschten. Auf einer eigens dazu erbauten Brücke, die mit Tuch belegt war, begab sich sodann der König mit dem Gefolge im Zuge unmittelbar zum Rathhaussaale, wo das Krönungsmahl statthatte.

Das Ceremoniale stimmt, wie wir hier nebenbei bemerken wollen, im Wesentlichen mit dem anderer Königskrönungen überein, so mit dem der polnischen Krönungen, das wir in unserm Buche „Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau“ angeführt haben.

In einem Theile des Anhanges führt nun Bock noch einige kostbare Prachtstücke auf, die zum Schmucke des Altares der Krönungskirche dienten. An der Spitze das Frontale zur Bekleidung der Altarmensa, aus Gold getrieben, das nicht mehr im Ganzen besteht, dessen einzelne Theile aber noch sämmtlich erhalten sind. In der Mitte ist die Majestas Domini, daneben St. Michael, Patron Deutschlands, und die heilige Jungfrau. Die Symbole der Evangelisten umgeben den Mitteltheil, darum zehn Scenen aus dem Leiden Christi vom Einzuge in Jerusalem bis zur Auferstehung.

Noch erhalten sind die zwei kostbaren Reliquienschreine, von denen einer die Gebeine Karl’s d. Gr. umschlieſst, die hinter der Mensa des Hochaltares erhöht aufgestellt wurden. Sie finden ausführliche Beschreibung, wie auch der Ambo Heinrich’s II. und der Kronleuchter Friedrich Barbarossa’s, das Kreuz Lothar’s, das Evangelienbuch Heinrich’s II., eine Kleinodientruhe, von Richard von Cornwallis herrührend, ein Aquamanile in Gestalt eines Bacchuskopfes, 2 silberne Meſskännchen in Gestalt von Engeln, das Weihwassergefäſs aus Elfenbein Otto’s III., endlich die beiden Reliquiarien in Form eines Brustbildes uud eines Armes, in denen das Cranium und der Armknochen Karl d. Gr. aufbewahrt werden. Auf dem Kopfe dieses Brustbildes ruht die Corona argentea.

Ein anderer Abschnitt des Anhanges beschäftigt sich mit den zu den deutschen Reichskleinodien gehörigen Reichsreliquien und der von 1425-1523 jährlich stattfindenden öffentlichen Vorzeigung der Kleinodien und Reliquien, die zu Nürnberg am zweiten Freitag nach Ostern geschah und als Festum de lancea et clavis domini in Deutschland und Italien gefeiert wurde, ein Festtag, der sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat.

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Abgedruckt mit einem zweiten Berichte über den Einritt des Kaisers in Aachen, der sich handschriftlich in der Bibliothek des germanischen Museums befindet, von Dr. Cornel. Will, Archivsekretär des german. Museums, im Chilianeum IV, 334 ff. Dieser Abdruck hat neben Hartmannus Maurus der Darstellung Bock’s zu Grunde gelegen. Ein Bericht des Ritters Ludwig von Eyb über Maximilan’s Krönung zu Aachen 1486, mitgetheilt von Jos. Baader, bietet nach mancher Seite hin gröſsere Anschaulichkeit (Annalen des histor. Vereins f. den Niederrhein, XV. Heft. 1864).]

Die Juden zu Naumburg an der Saale.

Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.

(Fortsetzung.)

Im J. 1402 verehrten die Juden dem Rathe eine Lamprete. Es muſs aber in jener Zeit ein groſser Fisch diesen Namen geführt oder das /eine/ nur die Art bezeichnet haben, weil es heiſst: „mit den guten Freunden verzehrt Woche Exaudi.“[22]

Das Ereigniſs blieb unermittelt, durch welches in anderthalb Decennien eine ungemeine Verminderung der Juden zu Naumburg stattfand, und ist eine partielle Vertreibung am wahrscheinlichsten.

Im J. 1410 fand ein Vergleich der drei Räthe mit der Judenschaft statt -- mit /allen dreien/, weil sonst das, was der regierende (sitzende) Rath beschlossen hatte, von dem folgenden über den Haufen geworfen werden konnte. Ein solches Abwechseln, welches die Freiheit schützen und das Parteigetreibe unschädlich machen sollte, fand sich in vielen Städten, z. B. in Mühlhausen.

Zu dem Vertrage waren „vnsern mit Rathmanne vnnd geschworene kumpane“ gezogen worden, unter denen einige Edelleute. Die Zahl der Juden wurde auf 22 festgesetzt, und war dieses die im Hause C wohnende Familie[22b] des Rabbi /Abraham/. Verringerte sich diese, so konnte jene durch Zuziehende voll gemacht werden. Die Juden gelobten, jährlich 40 gute rheinische Gulden schwerer Münze, in zwei Terminen (Michaelis und Walpurgis) zu zahlen, und zwar für Synagoge, Schule und ein Wohnhaus, „sampt dem minderen flecke, das ist in dem sagkvit“.

Sollten aber mehr Juden in die Stadt kommen, als oben festgesetzt, stets nur mit Wissen des sitzenden Rathes, so ist die Besteuerung dieselbe, als die der angesessenen Juden, und blieb es gleich, ob jene dauernd, oder nur zeitweise weilten. Man wollte den Angesessenen das Vertrauen schenken, die Steuer von den Zugezogenen einzuziehen und auf das Rathhaus zu bringen. Ein abziehender Jude muſste zuvor die rückständige (vorsessen) Steuer entrichten. Verminderte sich die obige Zahl der Juden ohne Wiedervollmachung, so sollten die vorhandenen dennoch die ganze Steuerquote aufbringen. Die Schule sammt dem Vorhause wurde den Juden erblich übergeben; sie waren aber von der Entrichtung des Wachgeldes frei und brauchten für die innehabenden Grundstücke keine „Thormtage“ zu thun. Sollte jene Schule abbrennen, so wollte sie der Rath wieder aufbauen; kam aber das Feuer durch die Juden aus, so waren diese, nach ihrem feierlichen Gelöbnisse, zum Wiederbaue verpflichtet.

Am Schlusse heiſst es (im heutigen Deutsch): „Auch haben wir obengenannte drei Räthe von Naumburg den vorerwähnten Juden und ihren Erben gelobt und geloben ihnen mittelst dieses Briefes, daſs wir sie vertheidigen, beschützen und beschirmen wollen, mit Ausnahme (gegen) unseres Herrn (des Bischofs), und ihnen zu allen Rechten verhelfen, gleich unseren Mitbürgern, so wir auf das Beste können und mögen, ohne Arglist.“

Beide Theile schworen sich das Halten des Vertrages zu, der am Sonnabend nach St. Veronika abgeschlossen worden ist. Es ist bemerkenswerth, daſs von einem Eigenthumsrechte des Bischofs an den Juden keine Rede ist[23].

In demselben Jahre 1410 wurde zu Naumburg ein Jude getauft, was sich im J. 1411 mehrfach wiederholte. Von den früheren Glaubensgenossen des Convertiten heiſst es: „wie noch gehabt eine sondirliche geſslein, die Judengasse genannt“[24].

Im J. 1442 finden wir wenigstens die Juden genannt; Kaiser /Friedrich/ III. machte den Versuch, aus dem obersächsischen Kreise das Opfergeld von Israel zu erlangen, und da werden namentlich die Juden zu Naumburg, Querfurt u. s. w. erwähnt.

Im J. 1446 traten bischöfliche Beamte mit dem Rathe von Naumburg wegen des von den Juden getriebenen Wuchers zusammen. Die Namhaftmachung ist nicht ohne Interesse: Der gestrenge /Hans von Selfchicz/, der Hauptmann /Gerhard/, der Rath /Hans von Nixte/, der geschworene Richter zu Naumburg /Nikolaus von Höndorff/; ferner, mit Vollmacht (volborte) der drei Räthe: die Burgermeister /Hans von Glogau/ und /Thomas Hildebrand/, der Kämmerer /Konrad/, der Schützenmeister /Paulick/ etc.; dann von den Juden: /Leser/, /Meyer/, /Muschel/, /Jakob/, /Gatheus/, /Abraham/ und /Yusche/.

Die Räthe hatten erkannt, daſs die Stadt schwer gelitten habe und leider durch den von den Juden getriebenen Wucher, auch in anderer Weise. Die Bitte um Abhülfe war dem Bischof /Peter/ vorgetragen und von diesem eine Teyding befohlen worden. Fortan durfte von Bürgern, ihren Frauen und Kindern wöchentlich vom Gulden oder Schock nur zwei Pfennige Zins genommen werden (eyne halli. guldin adir eynen ort). Es wurde untersagt, Zins zum Kapital zu schlagen (folgin hyndir sich zu rechin), vor Ablauf eines Jahres von einem Naumburger Bürger Zahlung zu fordern; fürchtete aber der Jude, daſs das Pfand nicht mehr Kapital (houbit -- Hauptgut) und Zins (wuchir) decke, so muſste er die Sache vor den bischöflichen Richter und den sitzenden Rath bringen.

Es sollte Geld auf Schein oder Pfand von den Juden, Jüdinnen, Angehörigen nicht an Bürger, Bürgerinnen, Bürgerskinder geliehen werden, die unter Vormundschaft standen, und zwar bei Verlust des Betrages. Der Erlaſs wurde jedes Jahr in der Kirche veröffentlicht, auch ein Verzeichniſs der unter Vormundschaft Stehenden dem Vorstande der Juden zu weiterer Verbreitung mitgetheilt. Wer sich von den letzteren dem Vorstehenden nicht fügte, der sollte nicht in Naumburg aufgenommen oder daselbst geduldet werden[25].

In den Jahren 1478 und 1479 hatten Juden Häuser, was die Erklärung wohl darin findet, daſs solche durch den Bischof /Dieterich/ auf 4 Jahre zugetheilt worden waren, also in der Georgen-Freiheit lagen.

Wir geben wörtlich die folgende Notiz (im heutigen Deutsch[26]: „/Dieterich von Erdmannsdorff/ bringt an Ihren Gnaden (den Bischof) ein Credenz-Schreiben, an Rath wegen /Meyer’s/ des Juden. Zu Nacht darauf er auch diese (diesen) gefangen, seine Güther verzeichnet und theils beigelegt worden.“

Beim J. 1489 heiſst es, „/Kunz Berold’s/ Haus ist gekauft und daraus Judenhäuser gebaut worden. Andere Wohnungen der Israeliten wurden, ebenso die Synagoge, ausgebessert[27]. Von diesen gemietheten Baulichkeiten zahlten die Juden 1491 jährlich 40 Gulden an den Rath[28].“

Am Montage nach Vocem jucunditatis 1494 erlieſs Bischof /Johannes/ III. einen Brief, wo einleitend das fürstliche Streben hervorgehoben wird, den Unterthanen zu nützen, Schaden von ihnen zu wenden. Rath, Räthe, Handwerker, Kassenmeister hätten mannichfache Klagen gegen die Juden erhoben, gegen diese Feinde des Kreuzes Christi, Lästerer seiner werthen Mutter, Verspotter des christlichen Glaubens. In Betracht der starken Vermehrung und des den Einwohnern zugefügten Schadens will der Bischof die Juden „vrlauben“ und aus allen Gebieten und Gerichten ziehen lassen, womit sich Dechant, Senior und Domkapitel einverstanden erklärt haben. Jener verpflichtete sich und seine Nachkommen (sic) auf ewige Zeiten, keine Juden aufzunehmen oder wissentlich zu dulden, welchen Handel diese trieben. Geschähe solches in benachbarten Gebieten, so soll doch kein Israelit des Handels wegen in Naumburg, in die Vorstädte oder in die Freiheit eingelassen werden. Treibt ein solcher mit den Unterthanen Geschäfte, so soll ihm Rechtsbeistand versagt werden.

Obgleich die Synagoge früher dem Stifte zuständig war, will sie dennoch der Bischof der Stadt zu gemeinem Nutzen überlassen. Dagegen hat sich der Rath durch besondere Verschreibung zu verpflichten, anstatt der bedeutenden (?) Einnahmen, die der Bischof von den Juden gezogen, jährlich 60 rheinische Gulden in halbjährigen Terminen zu zahlen. Dieser Zins kann aber von der Stadt mit 1200 vollwichtigen und landesüblichen (lantwerigen) rheinischen Gulden abgezahlt werden, bei vierteljähriger Kündigung, an die Kammer zu Zeitz. Schlieſslich bekennen Prälaten und Domkapitel ihre Zustimmung, und sind die groſsen Siegel des Bischofs und des Stiftes der Urkunde angehängt[29].

Die Synagoge wurde im J. 1496 abgerissen und heiſst es beim J. 1498: „Diſs Jahr ist das Judengeld Ihrer Fürstlichen Gnaden Kammer zum ersten mahl als 60 fl. gegeben worden“[30].

Die obige rückkäufliche Zinszahlung erfolgte durch vier Jahrhunderte mit jährlich 52½ Thaler, und hatte man die Herstammung längst vergessen. Im J. 1812 verzichtete die Stiftsregierung auf die Rente, wogegen die Stadt den Leibzoll fallen lieſs, den sie von den die Naumburger Messe besuchenden Juden erhob[31].

FUSSNOTEN:

[Fußnote 22: A. N., S. 129; M. N., S. 1b.]

[Fußnote 22b: familia, wie im Alterthum, einschlieſslich Seitenverwandte und Dienstboten.]

[Fußnote 23: C., S. 45 f. Vgl. unten Urkunde A.]

[Fußnote 24: A. N., S. 142; M. N., S. 1 b; N. R., S. 113.]

[Fußnote 25: O., Nr. 26. Vgl. unten Urkunde B.]

[Fußnote 26: M. N., S. 11 b.]

[Fußnote 27: A. N., S. 195, 197 b; N. B. 364; 559; M. N., S. 14 a.]

[Fußnote 28: A. N., S. 195; N. R., S. 559.]

[Fußnote 29: C., S. 49; A. N., S. 140. Vgl. unten Urkunde C.]

[Fußnote 30: M. N., S. 15 b.]

[Fußnote 31: Kämmerei-Sachen. Act. XVII, 1, S. 77 f.]

Anhang.

Drei bisher ungedruckte Urkunden.

=A. 1410.= Judenn was die ethwann vor gerechtkeyt jn der stade gehabt.

Joh. Hermann Schleif Claus Matstede Bürgermeister, hanns Hiltebrant Vrise Gibüthe, kammerer, andrer vnsern mit Rathmanne vnnd geschworne kumpanne, hanns Posenhayn, hanns von Grbyg, Cunrat vonn Hondorff, Albrecht von Vitzthumm, hanns Schwabesdorff, heinnrich thann, hanns kimschewitz, Nicol Werker inn dem erstenn Rathe, hanns Rogehansing, Johannes Matsfeder, Burgemeister Otto Simeke, Nickol von Kircke Chammrer, Andrer vnnssrer Mitrathmannen vnnd geschworene kumpane zu andren Rath, Heinicke vonn Ogrer, krestian von Igener, Bürgermeister, Conrad hillebrannt Hans Brauhopf Chammerer, andere vnsere mitrathmanne vnnd geschworene kumpane zum dritt. Rathe der Stadt Naumburgk bekennen offentlichenn jnn dissenn briue, vnnd thunn kunt allenn denenn die jnn sehenn oder hoernn lesenn, das wir vns mit Vorrathe vnnd mit gütl. wyllen vnd wissenn dryer Rethe vnd aller der die vnssre vorgenanntenn Stadt bürgerrecht habenn, gentzlichenn vnd eintrechtiglichenn vereiniget habenn mit vnssrenn Judenn dy do wonhaft vnnd behauset sein in vnnsre stade Naumburgk, idoch so sollen der Juden die in der zal gehoren zween vnd zwantzigk seien, Nemlich Meister abraham vonn haus C mit jren (?) kinndern vnd allenn jrenn erbenn, Vnd wo sie ire zal volkomlich nicht habenn, so sollen sie ire zal vol machenn, wann sie das ann andrenn Judenn gehabenn mugen, ane argelist.

Dorumb sie vnns gelobet haben vnnd geloben samptlichenn jnn diesen briue vnns alle Jhar vonn der sinagogenn, vonn der Schule, in den furdern hause, das ist in dem Sagkwit, sollenn vnnd wollenn gebenn, zu geschos vnd zu zinssenn vierzigk guthe Rheinische guldenn schwer gemünzt, ann gelte darprenge vnd gebd.[A] sein, jeglicher gulden zu (unleserlich), jn dem Jhar halb auff Sannct Michahelistags negst zukünftiges, das andere halbteyl auf Sannct Walpurgentags negst noch volgennt, Vnnd also sollen sie alle jhar jerlichenn, dieweil die obgenanntenn Jüdenn mit irenn rechtenn erbenn, besessen vnd behauset sein inn vnnsre Stad Naumburgk, -- Were auch das obgenannter Jüdenn einer wegk ginge oder züge, so sollen die Hierbliebenenn in der Stade mehrere wiedernehmenn zu hülffe das ire zall vol sei, ann denn ehegenannthenn schosse vnnd zinnsse, also ihrer vorgenhannt haben die wegk zügen, -- Die Jüdenn sollenn dann desselbigen gleichen es genissenn als die vorgenanntenn Jüden genossenn habenn.

Kommen aber mehr Jüden vber die vorgenannte zal jnn vnnssre Stadt, zu rastenn oder zu wohnenn, die sollenn thun nah jre manzzall ooprennder[B] Stadt mit wissen des raths, der zu den gezeiten ist, mit geschosse vnnd mit zinnse gleicher wis als die ehegenannthenn ersteren Jüdenn thunn vnnd gethann habenn.

Des sollen wir den vorgenannthenn Jüden glauben, die dahie gebhorenn seint oder werden gebhorenn, das vnns denn zinns vnd geschoss vonn denn vbeirleychen Jüden getrülichen insammelenn, nehmenn, vnd brengenn auf vnser Rathhaws mit jrem geldt auf die vorgenantenn tagezite, als sich vonn rechte gebürt, -- Noch ist mehr gered vnnd gelobbt vonn denn vorgenannthen Jüden, die da inn dem obgenannten gelde stehen, ob irgend einer wegkzihenn oder geenn wolde, der sol des eher denn zins vnd geschos abelegen, den er des Jhars vorsessenn hat, ooprenn (?) seine genossenn denselben, denn sollenn wir vnd wollenn inn nicht hindernn, sondre wyr wollen inn zihenn lassen, wo hinn er wyl, ane ansprach vnd alleini hindernus vnnd ane gefherdt. -- -- Were es auch das die ehegenannthenn Jüdenn eins zyts wegk zügen oder kgaten, oder das sie ann der zal minder würde, so sollenn doch die andrenn, die hier seinn vnnd bleibenn, vnnd ihre wie viel der ist, das vorgenannte geschoss vnd zinsse zumal genntzlich leisten vnd bezalenn auf die vorgenannthenn tagezyten ane allerley widerspruch hindernus vnd gefherde, -- Alss haben wir den obgenannthenn Jüden, Jüd(innen) vnd irenn rechtenn erbenn, die schule vorerbt vnd gelassenn zu einem rechtenn erbe, mit dem Vorhowse das dahin gehoert, mit sampt dem hinderteyl das inn sayk trit, vnd sollen umb der vorgenanntenn jerlichen zinsse vnd gulde, frei vnd loss seinn, Wachegelds -- -- -- -- Thormtage keines mehr vonn der vorgenannthenn schule vnd haeuser zu thün vnnd zu geben,

Were es auch das die obgenannte schule abeginge wegen (feuer) oder Brandis noth, da got vor sei, so sollenn vnd wollen wir die schule selber wider bauenn vnd machen nach ire macht vnd vermügen,

Kehme aber ein feuer oder ein brant aus vonn denn Jüdenn, so habenn vnns die Jüdenn geredt vnnd gelobtt, gereden vnnd geloben, semptlich inn disem briue, das sie sollenn vnnd wollenn, haus vnnd Schuel wider bauen, als es vor gewessenn ist, so sie beste mügt, mit jre selbst kost vnnd geld,

Auch habenn wir obgenannthe drei Rethe zu Naumburgk, denn vorgenannthe Jüdenn vnnd irenn erbenn gelobtt vnnd gelobenn wir inn diesenn briue, das wir sie wollen vorteidingen vorschützen vnd beschirmen, sonder[C] vor vnssern herrn, zu allenn iren rechten gleicher weis, als vnsser mitbürger, so wir aufs best konnen oder mügen, ane allerlei argelist,

Alle disse vorgeschriebene redestück vnnd Artikel dis briues, gelobenn wir vorgenannthe rathsgeschworene, den mehr genanntenn Jüden vund sie vnns wider gleicher weise ganntz stethe vnnd oner benachlichung[D] zu haltenn, ane alle gefherde vnnd argelist -- Vnnd habenn das zu vrkunde vnnd einem warenn bekentnus wissentlichenn vnnssrer stade Naumburgk gross Insigel ann disenn offnenn brief gehanngenn Der gegeben ist nah gottes gottes gebürt virzehennhundert Jhare, danach in dem zehenndem Jhare am negstenn Sonnabend nach S. Veronikstage.

Copieen aller gemeiner stadt Naumburg privilegien Wilkoren Erkauftenn Gerechtigkeiten vnnd vortregen etc. 1540.

Bibliothek des Magistrats zu Naumburg. Manuskripte. (Fol. 45 f.)

Das Vorstehende ist eine Abschrift in der Sprache des 16. Jahrhunderts.

(Schluſs folgt.)

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: gebende.]

[Fußnote B:? -- ooprennder Stadt, d. i. opren (opfern, offere) der St. -- Vergleiche: „Opferpfennig, tributum, quod Judae olim solvere tenebantur Imperatori.“ Scherz. -- /D. Red./]

[Fußnote C: Mit Ausnahme, ausgenommen.]

[Fußnote D: Etwa: unerweglichen? /D. Red./]

Zur Miniaturmalerei des 14. Jahrhunderts.

Von Dr. A. /von Eye/.

(Hierzu eine Beilage.)

Bekannt ist das Miſsverhältniſs, in welchem, im Gegensatze zur neueren Zeit und in Bezug auf die Wissenschaft, im Mittelalter Kunst und Künstler zu einander stehen. Auf der einen Seite, aus Bürger-Gildenbüchern und anderen Urkunden entnommen, zahlreiche Namen ohne eine einzige Leistung, welche mit Sicherheit diesem oder jenem zuzuschreiben wäre; auf der anderen noch mehr Werke, von denen wir kaum genau wissen, in welche Gegend sie zu versetzen sind. Im groſsen Ganzen der mittelalterlichen Kunst die tiefste Innerlichkeit, reinster Erguſs des verborgenen Seelenlebens, vollkommenste Verkörperung des allgemeinen Zeitgeistes im anschmiegenden Wesen der Persönlichkeit und doch wieder zur Erklärung all der so geheimniſsvollen wie bedeutsamen Erscheinungen nichts als den Geist der Zeit im Allgemeinen, kaum irgendwo die Kenntniſs engerer Verhältnisse, die damals die künstlerische Entwicklung fördern und richten halfen. Weniger glücklich als die Geschichte unserer Literatur, die längst begonnen hat, dem Verhältnisse des Dichters zum Dichtwerke die feinsten Reflexe abzugewinnen und diese zur Beleuchtung beider, wie ihrer Epoche, zu verstärken, muſs sich die ältere Kunstgeschichte mit wenigen Ausnahmen noch darauf beschränken, Stoff zusammenzutragen, dem Gebiet der Forschung die äuſseren Grenzen zu bestimmen und oberflächliche Eintheilungen zu machen.

Daſs diesem Sachverhalte gegenüber auch der kleinste Beitrag der Specialforschung nicht zurückzuweisen ist, dürfte einleuchtend sein. Auch auf das Gebiet der Miniaturmalerei sich zu begeben, hat jene gewiſs das Recht, seitdem erwiesen ist, daſs die groſse Epoche der van Eyk kaum etwas Anderes als letztere zum Ausgangspunkte gehabt. -- Schon im ersten Bande des Anzeigers gaben wir über einen Augsburger Miniaturmaler v. J. 1487 Bericht, dem wir hier nachträglich anfügen, daſs der dort noch Joh. Gutlinger entzifferte Name, mit mehr Wahrscheinlichkeit /Giltlinger/ zu lesen ist, welche Lesung durch die Schrift selbst nicht ausgeschlossen wird, so daſs der Maler einer auch sonst in Augsburg vorkommenden Künstlerfamilie sich einreiht. Diesmal weisen wir auf zwei benannte Miniaturmaler aus dem 14. Jahrhundert, von deren Hand sich Arbeiten ebenfalls in der Sammlung des germanischen Museums befinden.

Nicht nur den Namen, sondern auch das Bild des Einen finden wir auf dem Groſsfolioblatte eines Plenariums, welches das Officium der heil. Agnes enthält. Auf dem mittleren Stabe des verzierten Initials M, mit welchem dasselbe beginnt, hat der Schreiber die Heilige selbst und daneben sich in anbetender Stellung dargestellt. Ein von seinen zusammengelegten Händen ausgehendes fliegendes Band nennt ihn: /frater mathyas minor dictus stamler/. -- Da die beiliegende Durchzeichnung das Bild nur in schwarzen Umrissen wiedergibt, die Farbe aber einen um so wesentlicheren Bestandtheil desselben bildet, je mehr der ornamentale Charakter darin vorherrscht, lassen wir eine kurze Beschreibung desselben folgen.

In den zu ziemlich breiten Feldern erweiterten Grundstrichen des groſsen Buchstaben ist der mittlere Raum zur Aufnahme einer Verzierung von Gold herausgenommen, während eine Randleiste von der Dicke der schmaleren Linien übrig bleibt, die, wie letztere, mit über Eck gestellten Farben roth und blau coloriert ist. Abwechselnde kleine, goldene Schilde und schwarze Ringe nebst einem Spiele von weiſs aufgesetzten Lichtern beleben diese Farbenzusammenstellung, in welcher, was nicht unbemerkt zu lassen sein dürfte, wir genau dieselbe wiederfinden, die bis zum Ausgang des Mittelalters bei Bemalung des ornamentalen Theiles plastischer Kunstwerke vorherrschend in Anwendung gebracht wurde. Die im Innern ausgeschiedenen Felder sind mit Beibehaltung einer heraldischen Stellung der Farben roth und grün getheilt; die darauf angebrachten Ornamente aus abenteuerlichen Thier- und Blattformen zusammengesetzt. Der Raum innerhalb des geschlossenen Initials, der, in vier Felder geschieden, ganz mit geschupptem und in Schneckenwindungen sich an einander schlieſsendem Riemenwerk ausgefüllt ist, bietet auf den abwechselnd roth und violett tingierten Flächen den Platz für vier Medaillons, von welchen eines eine rothe Rose, zwei goldene Bestiarien aufweisen und deren viertes dem anbetenden Franziskanerbruder die Stelle eingeräumt hat. Vier ähnliche, an der Auſsenseite des Buchstabens angebrachte Medaillons ergänzen dessen Rundung zu einem Quadrat, während zur Füllung der übrig bleibenden Lücken das Riemenwerk des inneren Raumes hervorgenommen worden, das indeſs hier seine Gestalt mannigfach wandelt oder zu Schreiberzügen sich löst. -- Die heil. Agnes, vor dem mittleren Stabe des Initials dargestellt, trägt ein blaſsrothes Kleid unter hochrothem, hermelingefüttertem Mantel, eine goldene Krone auf hellgelbem Haare und das Lamm in einer Art Nimbus auf dem linken Arme, während sie die Rechte mit vorgestrecktem Zeigefinger zu dem Betenden neigt. Der Heiligenschein ist, ohne Zweifel, um nicht Gold neben Gold zu stellen, purpurfarben gehalten und trägt eingezeichnete Ornamente. Der verehrende Künstler ist mit dem aschfarbenen Gewande und dem Knotenstrick seines Ordens angethan. Ob die auffallende Erscheinung, daſs das Ornament des Hintergrundes, welches an die Umrisse der Figur der Heiligen überall genau sich anschlieſst, von der seinigen rund umher durch eine weiſse Zwischenfläche geschieden ist, eine Bedeutung habe, ob vielleicht, wenn der klösterliche Zeichner dieser Verzierung die Bedeutung des alten Goldgrundes und des himmlischen Glanzes beilegte, der durch die vornehme heraldische Theilung seiner Felder etwa noch erhöht erscheinen sollte, derselbe demüthig sich einstweilen davon als ausgeschlossen betrachtet zu wissen wünschte, wollen wir dahingestellt sein lassen.

Die Schrift des ganzen Blattes umgiebt eine schmale Leiste, in Bezug auf welche wir unserer Abbildung nur anfügen, daſs in ihr die oben angegebenen Grundfarben abwechselnd sich wiederholen, wie daſs ihre vier Ecken durch gröſsere, mit Bestiarien ausgestattete Medaillons, die Seiten durch kleinere Rosetten unterbrochen sind.

Neben dem besprochenen liegen zwei andere Blätter, von welchen das eine, mit dem Officium des heil. Johannes des Evangelisten angefüllt, durch den Inhalt, wie durch ganz gleiche Schrift und groſse Ähnlichkeit der bildlichen Darstellung als demselben Werke entnommen sich ausweist. Das andere Blatt scheint zwar von anderer Hand geschrieben, zeigt jedoch in seiner ornamentalen Ausstattung, einem groſsen Initial-A und einer reicheren Randleiste, so viel Verwandtschaft mit dem beschriebenen, daſs wir kaum an einen anderen Verfertiger denken können.

Was nun die Künstlerschaft des letzteren betrifft, die wir nachzuweisen hoffen, obwohl wir denselben anfangs nur als Schreiber eingeführt haben, so ist zunächst festzuhalten, daſs sie allerdings sich nur aus der Schreibekunst entwickelt hat, daſs der Bruder Matthias vom Schrift- zum Figurenzeichner fortgeschritten ist -- eine Wahrnehmung, welche zwar in der älteren Kunst als ganz allgemeine sich wiederholt, die aber um so mehr Bedeutung gewinnt, je klarer aus dem einzelnen Falle hervorgeht, wie -- im Gegensatze zur Neuzeit, welche die in Jedermanns Gebrauch befindliche Fertigkeit kaum noch als Handwerk gelten läſst -- in jenen Zeiten der beginnenden Entwicklung die seltene und geheimniſsvolle Kunst des Schreibens nicht nur bereits den Boden gewährte, auf welchem auch die bildende Kunst, mit der Zeichensprache des Ornaments und des Symbols beginnend, sich weiter entfaltete, sondern auch einem reizbaren Gemüthe den Anstoſs zu geben vermochte, der es durch die verschiedenen Stadien des vermittelnden Verständnisses zur letzten Abfindung mit der Welt des Geistes und Heiles, soweit sie im Bereich der Kunst beschlossen liegen, antreibt. -- Daſs in unserem Falle Zeichner und Schreiber in derselben Person vereinigt waren, geht unzweifelhaft aus dem vorliegenden Documente selbst hervor. An einigen Stellen bedeckt die Schrift die Malerei; an anderen ist diese über jene hinweggeführt, und beide zeugen von solcher Gleichzeitigkeit, daſs darin kaum das Wechseln des Platzes Raum finden würde. Der unmittelbare Uebergang von dem gemalten Initial zur vergoldeten und reich mit Zügen ausgestatteten Schrift, welche in unserer Abbildung durch Schraffierung angedeutet ist, dürfte in dieser Beziehung einen weiteren Anhaltspunkt bieten. -- Aber der Schreiber trug unbewuſst ein künstlerisches Talent in sich; die Schriftzüge gestalten sich unter seiner Hand unwillkürlich zu Kunstwerken. Aus dem einfachsten Elemente seiner Verzierung, den Linien, Ranken und Riemen, gestalten sich ohne Ende Figuren mannigfaltigster Art, abenteuerliche und natürliche Wesen, die, wenn auch ganz auf dem Boden der Ueberlieferung erwachsen, doch so viel eigenthümliche Erfindung und individuelles Leben offenbaren, daſs sie eine Schätzung auch auſserhalb des allgemeinen, durch die Zeit gebotenen Maſses zulassen. -- Andrerseits stehen dem Künstler zur Umreiſsung seiner Figuren auch kaum mehr als Schreiberzüge zu Gebote. Zwar sind diese im Originale gewandter und mit mehr Feinheit durchgeführt, als wir sie in unserem Versuche des Ueberdrucks haben wiedergeben können, doch entbehren sie fast überall des nöthigen Formenverständnisses, das ja auch von der strengsten Handhabung des Stiles nicht ausgeschlossen ist. Wenn gleichwohl der klösterliche Zeichner den Bedingungen des Stils, der eben zu seiner Zeit in deutschen Landen die schönste Ausbildung gewonnen, in edler Haltung der Figuren, sanftem Schwunge der Falten und allen den anderen bekannten Merkmalen vollkommen entspricht, wenn er sogar trotz der mangelhaften Zeichnung in den Umrissen im Ganzen seinen Gestalten wohlgebildete Verhältnisse, seinen Gewandungen, trotz mangelnder Durchführung der einzelnen Motive, eine künstlerische Anordnung zu geben weiſs, so sind diese Vorzüge aber als Ausfluſs seiner begabten Naturanlage zu schätzen.

Charakteristischer noch, als die von uns wiedergegebene Abbildung, ist die figürliche Darstellung auf dem zweiten angeführten Blatte. Wir sehen da innerhalb eines dreitheiligen, mit phantastisch geschmückten Giebeln überdachten Gebäudes zunächst den Evangelisten Johannes nackt im Kübel mit siedendem Oele stehen, die Hand segnend über den ihm vorgehaltenen vergifteten Kelch erhebend, aus welchem die Schlange hervorschlüpft. In der zweiten, der Hauptabteilung, sitzt Christus thronend, und vor ihm der Jünger, als der besonders geliebte, das Haupt in seinen Schooſs legend. In der dritten steht der gealterte Evangelist im priesterlichen Gewande, aus dem selbst bereiteten Grabe zum Herrn betend, der oberhalb des abgeschlossenen Hintergrundes mit den übrigen Aposteln erscheint. Eine aus mehrfachen Friesverzierungen zusammengesetzte Basis schlieſst das Gebäude nach unten ab. Eine ähnliche Bandleiste, wie auf dem mitgetheilten Blatte, Medaillons mit denselben Bestiarien u. s. w. umgeben die Schrift, die, wie bemerkt, das Pergamentblatt demselben Werke zuweiset, dem auch das andere entnommen. Wollten wir aber wegen einiger vorkommenden Abweichungen die Zeichnung einer anderen Hand, etwa einem zweiten kunstsinnigen Klosterbruder zuschreiben, so träte bei der vorwiegenden Uebereinstimmung statt der Individualität eines einzelnen Mannes die eines Klosters hervor, die nach damaligen Verhältnissen ja nicht weniger bestimmt sich auszuprägen vermochte, und die wir, da vom Bruder Matthias Stammler schwerlich etwas Weiteres wird in Erfahrung gebracht werden, wenn nicht einmal ein altes Todtenregister den Ort anzeigen wird, wo er gelebt und frei von Ehrgeiz seine Kunst geübt hat, zu unserm Zweck uns wohl gefallen lassen können.

Auch in der letztgenannten, ziemlich umfangreichen Darstellung sind die Figuren von zarter Auffassung, edler Haltung und sinniger Zusammenstellung. Die Gewandung trägt, obwohl sie hier weniger zur Geltung kommt, den anmuthenden Charakter der Epoche; die ornamentale Ausstattung zeugt von origineller Erfindung. -- Das Initial des dritten Blattes trägt auf der linken Seite eine weibliche, auf der rechten eine männliche gekrönte Schlange, beide grün schattiert auf goldenem und blauem Grunde, mit übereck gestellten Farben. Die innere Füllung, wie die Ränder, sind genau behandelt, wie bei dem Initial M, mit Wiederholung der Medaillons, ohne figürliche Darstellung. Der interessanteste Theil dieses bemalten Blattes ist aber die äuſsere Bandverzierung, in welcher die Leiste selbst aus halben, mit Blau und Roth abwechselnden Linien zusammen gesetzt ist und einen ganzen Wald eigenthümlich behandelten Laubwerks von sich abzweigt, das wiederum von einer Schaar jener seltsamen, mit bestimmtem Charakter versehenen und doch für den sprachlichen Ausdruck kaum faſsbaren Phantasiewesen belebt ist.

Was die Technik unseres Künstlers betrifft, möge dessen Eigenthümlichkeit sich nur in einer einzigen Person oder in der enggeschlossenen Gesammtheit eines Klosters concentrieren, so ist dieselbe noch sehr einfach. Alle Zeichnung ist mit schwarzen Linien umrissen, der innere Raum mit einem gleichmäſsigen Farbtone ausgefüllt und der Schatten, meistens im Anschluſs an die Umrisse, mit einem dunkleren Tone nachgetragen. Auch das angewandte Glanzgold ist noch schwarz umzogen, und mit der Feder hineingezeichnet. Bei den häufig vorkommenden Medaillons und Rosetten macht sich indeſs bereits das Bestreben bemerkbar, in denselben Tiefen und Höhen plastisch hervorzuheben: Bemerkt dürfte noch werden, daſs die damals blühende Wappenmalerei unserm Künstler ersichtlich mit als Schule diente. Nicht nur an den beschriebenen Hintergründen, noch mehr fällt dieses auf am erwähnten Hermelinbesatz des Mantels der Heiligen, der ebenfalls ganz in Weise der Heraldik behandelt ist.

Der zweite Name, der hier mitzutheilen, findet sich auf dem ersten, leider vereinzelten Pergamentblatte einer städtischen Wahlordnung, das auf der Vorderseite, über dem Beginn der Schrift, in goldenem, fast die ganze Breite des Kleinfolioblattes einnehmendem Initial-E als bildliche Füllung das jüngste Gericht darstellt -- ohne Zweifel in Beziehung auf den folgenden Inhalt des Schriftstückes. Der groſse Buchstabe ist, wie gesagt, einfach mit Glanzgold belegt; der innere Grund, zur Bezeichnung des Himmels, blau; der äuſsere roth, ziemlich kunstlos mit gelben Ranken und blauen Blumen überzogen. In der Mitte, auf dreifachem Regenbogen, thront Christus als Weltrichter, nur mit goldgesäumtem Purpurmantel bekleidet, die Wundenmale zeigend, während zwei rothe Schwerter von seinem Munde ausgehen. In den beiden oberen Ecken blasen zwei Engel aus Wolken heraus die Posaune; unten öffnen sich zwei steinerne Sarkophage, aus deren jedem zwei lebendige Leiber sich erheben. Auf den zur Seite liegenden Deckplatten hat der Maler seinen Namen: /Linhart Frater/ und die Jahreszahl 1322 angebracht.

Die Kunst des Letzteren steht, wenn sie der Epoche nach auch schon vorangeschritten ist, doch der des Bruders Matthias nach. Während dieser noch mit Form und Vortrag ringt, im geistigen Bemühen die Darstellung bereichert und zu edlem Stile erhebt, ist Bruder Linhart mit jenen beiden fertig und sucht bereits das äuſsere Aussehen auf Kosten des inneren Gehaltes auszubeuten. Er hat eine Schule durchgemacht und, überzeugt von der Wirksamkeit dessen, was er dort gelernt, enthält er sich, irgendwo die Probe zu machen, vergnügt sich vielmehr, von seiner eigenen Erfindung hinzuzuthun, und verfällt bereits in ein entschieden naturalistisches Streben. Wir würden das Blatt, wenn es keine Jahreszahl trüge und diese durch die Schrift durchaus bestätigt würde, in eine spätere Zeit versetzen. Es zeigt aber, daſs von der Miniaturmalerei im Verhältniſs zur Wand- und Tafelmalerei gilt, was etwa von der Goldschmiedekunst im Verhältniſs zur Architektur: die kleineren Künste eilten in Aus- und Ueberbildung der Formen und theilweise selbst der Technik den gröſseren voraus. -- Auf dem in Rede stehenden Blatte ist in den nackten Theilen ein kräftiger Lokalton als Unterlage gegeben; die Muskulatur ist mit einem bräunlichen Schattentone conventionell eingezeichnet; das Licht weiſs, mit feiner Schraffirung und berechneter Strichlage aufgesetzt. An der Figur Christi ist bereits entschieden die Wirkung des Reflexes vom rothen Mantel mit in’s Auge gefaſst; Alles aber handwerksmäſsig behandelt. Die Falten des Mantels weisen zwar im Allgemeinen noch den geschmeidigen Fluſs auf, der im 14. Jahrhundert die Draperie charakterisirt, aber manche wulstige Lage drängt sich mit ein, die, um einen Schritt weiter geführt, den knitterigen Bruch der folgenden Periode an’s Licht stellt. Das Interessanteste an dieser ganzen Malerei ist jedenfalls, daſs sie die Phase ihrer Entwicklung an einen so genau bestimmten Zeitpunkt knüpft und dadurch zum Anhaltspunkt für andere wird.

/Literärische Forschungen./

Von Subrektor /Franck/ zu Annweiler.

(Schluſs.)

9. Discessus /Friderici Henrici/ Auriaci Principis, a fratre Mauritio (qui munitionem Mondorfii supra Colonia medio Rheno excitarat, quae a forma clericalis galeri /Pfaffenmüz/ dicta) cum firma equitum manu et Anglis aliquot equitibus Vnioni subsidio missus, postquam dominari Spinolam et Palatinus Weterauiaeque nullo impediente potiri videt, taedio verum cum Batauis suis in Belgium revertit (1620) ansamque prouerbio dedit: /Er gehet durch wie ein Holländer/. I, 75.

Vergl. /Imm. Weberi/ specimen Paroem. historic. Gissae 1718. 4. S. 5-16.

Ita famosa illa vnio... austro blandientium persuasionum grauida cum equabus Hispaniae ventos vanitatis peperit.

Der vnirten Trew ging gantz verlorn Kroch endlich in ein Jägerhorn: Der Jäger blies sie in den Wind Das macht das man sie nicht mehr find. I, 75.

Vergl. /Weller/ Ann. I, S. 125-126.

10. Fama est hoc tempore [1619-1621] Hispanos aureis et argenteis hastis pugnasse cum Vnionum exercitu in Palatinatu, pluraque tam auro quàm ferro administrata esse: Vnde tum prouerbium ortum: /Hispanicos dublones/ (Dublonen) /facere duplices nebulones/. I, 75.

11. /Das dich der Limbach schlage./

Paulo ante hanc pugnam (ad Lanam fluvium ann. 1625) Tillius Nienburgum quoque obsidere tentarat, vbi autem infelicem successum habuit; fortiter illam vrbem defendente strenuo gubernatore /Limbachio/... cujusque virtus etiam apud hostes admirationem habuit. Nam recedentes Nienburgo Caesariani, maledicentes alicui familiari hoc dicterio sunt vsi: /Das dich der Limbach schlage/. I, 92.

12. Post proelium Lutteranam [1626] Daniae Rex cum magna suorum parte Lutterâ vsque Stadam profugere coactus fuit, indèque vulgatum dicterium ortum:

/Von Lutter bis hin nach Stade, War das nicht eine braue retirade?/ I, 95.

Vgl. /Imm. Weberi/ spec. a. a. O. S. 21-22.

13. Fama est Wallensteinium Consuli Stralsundensi, quem datâ securitate in castra euocauit, pro imperio iniunxisse, vt urbem dederet, se enim non prius recessurum, donec voti (er wolte Stralsund sich bemeystern, wē es auch mit ketten an den Himmel geschlossen were) compos esset redditus. Ad quae quum Consul mascula verba reponeret, jurasse Fridlandum: Er Wolte, so bald er Stralsund gewonnen, ihn im Thor vffhencken lassen: Consulemque appositè regessisse: /Er solte nicht ehe Hering ruffen, bis er ihn beim Schwantz hette/. I, 98.

14. In obsidione Noviomagēsi Hispani milites è muris feles suspendebant, addito hoc dicterio: /Alſs dese Katten sollen konnen spinnen, Sall Graf Mauriz Nimwegen Winnen/. Quae conuiciandi libido illis malè cessit vrbe Mauritio Nassouio expugnata. I, 98.

15. Inter Gustaui Adolphi anno 1630. Imperium petentis tribunos fuere /Achatius Tod/ et /Maximilian Teuffel/, unde: /Der König were mit Teuffel vnd Todt in Teutschland/. I, 108.

16. De vrbe Ingolstadio totius Bavariae munitissimo propognaculo Maximilian. Bauariae Dux dicere solitus est:

/München sol mich ernehren:/ /Zu Ingolstat wil ich mich wehren./

Vergl. /Pistorius/ a. a. O. VI, 545.

17. Ingolstadii in excelsa turri ad D. Mariae reponitur aliquod tormentum quod die Feige appellant. Quum autem rex Sueciae in tricennali bello propugnaculum hoc tentaret, globus tormento isto emissus, ipsum, cui iusidebat, prostravit equum, Vnde prouerbium adhuc in Bavaria frequens, ipsemet aliquoties Ingolstadij audiui: /Zu Ingolstat weiset man einem die Feige/. I, 121.

Vergl. /Pistorius/ a. a. O., I, 65.

18. Constantiam suam Landgrauius /Wilhelmus Hassiae/ [in foedere Heilbrunnensi] illustrem reddidit cuso peculiari nummo hac inscriptione:

Lieber Land vnd Leute verlohren Als einen falschen Eyd geschworen. I, 131.

19. Tempore Wilhelmi II. quum quidam pinnam arboris nauticae (des Prinzen Flagge) inuerteret ac ima summis mutaret, ortum est prouerbium in Belgio minore latum: /Die Holänder hengen den Prinzen bey den Füssen auff/. Quod dictum tamen licentiam exlegem redolet. I, 254.

20. Regula non ficta nequam Moguntia dicta I, 282.

Der üble Ruf der Mainzer (vgl. /Maſsmann/, Eraclius, 431) geht durch das ganze Mittelalter. Schon /Fredegar/ (cap. 87) sagt vom Zuge Sigebert’s III. nach Thüringen i. J. 640, wo er von Rudolf geschlagen wurde: Magaezenses in hoc proelio non fuerunt /fideles/. Alle Verräther des karolingischen Sagenkreises (Genelun, Duolo, Reimund u. a.) sind von Mainz gebürtig, nicht minder /Pilatus/. Daſs die Brücke bei Mainz im Rhein versunken sei, das sei, sagt die /Kaiserchronik/ im Eingange, gekommen „von der Sünde

daz die megenzaere nie neheinen ir hêrren mit ganzen triuwen wonten mite: /noch halten si den alten site/.“

Nach Crusius schwäb. Chronik (von Moser; Frankf. 1733, fol. I, S. 601, b) gab um 1156 der mainzische Erzbischof Arnold denen, welche ihn vor einem baldigen Aufruhre seiner Bürger warnten, zur Antwort: „Die Mayntzischen Hunde sind nur gewohnt zu bellen aber nicht zu beiſsen“, und /Hutten/ sagt 1519 im Vadiscus (ed. Münch I, 167): „Es ist ein alt Sprichwort: Maintz von anbeginne schalckhafftig“.

Vergl. auch Wartburgkrieg, Nîthart, Ottocar etc. /Imm. Weberi/ Spec. prov. hist. (Paroem. I., Moguntia ab antiquo nequam: Mayntz ist ein Schalck voll alter List, S. 1-11) Gissae, 1716. 4.; /Pistorius/ a. a. O., VI, 434; /Guden/, Codex diplom. I, 117; /Leibnitz/, Script. rer. Brunsvic. II, 1137; Hessische Denkwürdigk. II, 393; Rhein. Antiqu. (1739. 8), 395.

21. Nobilis quidam Germanus interrogatus: Ecquando Germani pacem sint habituri perpetuam? egregiè respondit: /Wan alle Vhren im Römischen Reich Zugleich eins schlagen werden/. I, 308.

22. Militum solenne carmen est: /Vnfried in aller Welt: so gelten die Soldaten das meiste Gelt/. I, 312.

23.

Seit die Ritterschafft Thurnieren vermeidt, Vnd die Priesterschafft im Harnisch reit, Vnd Weltliche Mönche Geistliche Pfarr regiren, So müssen Wir Land vnd Leut verlieren. Et alius dicit: quicquid agit mundus, Monachus vult esse secundus. I, 342.

„Es ist kein spil gantz (nach dem Sprichwort) es sey dañ ein Münch oder Pfaff darbey“ versichert /Seb. Franck/ im Weltbuch 1533. Fol. CXXVIII, b.

24. Fratres ordinis Teutonici hodie in suis Commendis luxum et otium ut plurium sequntur. Vnde rythmi:

Kleider aus Kleider an, Eſsen, trincken, schlaffen gahn, Ist die arbeit so die Teutschen Herren han. I, 349.

So schon bei /Seb. Franck/ Zeytbuch vnd Geschychtbibel. Ssraſsb. 1531. Fol. III, CXCI, b, und kurz vorher: „Wer ein schön Weib hat, wa Teutsch Herren sind, ein Metzen korn, vnd ein Hinderthür, der hat ein jar daran zu essen.“ CXC, b.

„Bey den Teutsch Herren geht die Armut auff Bantoffeln vnd tregt Sperber auff den händen. Ebendas. CXC, b. -- Vgl. auch /Pistorius/ a. a. O. X, 1029.“

25. Rythmi, quamuis non adeò venusti, rei veritatem tamen exprimentes, quos de rusticorum querela /Weinheimi/ in Palatinatu legi, hi sunt:

Der Kaiser wil haben sein Trew vnd Pflicht: Der Pastor will haben sein frey Quit; Der Edelman spricht ich bin frey; Der Jud treibt seine wucherey; Der Soldat spricht ich gebe nichts; Der Bettelmann spricht ich hab nichts; Da spricht der Baur, das muſs Gott walten, Muſs ich diese alle erhalten, So geb ich mich gedultig darein, Vnd wollens also zufriden sein. I, 419.

26. Spinolano-Hispani /Euangelium quintum/ de Cruce et afflictione adeò acerbe praedicarunt, vt Palatinatus, hortus ille Germaniae, breui ad sterilitatem fuerit redactus. I, 436.

27. Anno 1462. Cal. Jul. /Friedericus Victoriosus/ (vulgo der böse Fritz) felicissime hostes fudit am Frohnholtz bey Seckenheym zwischen Heidelberg vnd Manheim. Zur gedechtnis dieses Siegs seyn diese alte Teutsche reymen:

Als ein a mit einem i geziert, Vier Huefeisen werden formirt, Ein Axt vnd der Apostel zahl, Geschah die Schlacht am Neckarthal: Do fienge ein iunger Pfältzer Ein Bader, ein Laeger und ein Sältzer. I, 441.

28. Ferendum esse Politici consulunt, quod mutari non potest: Man müsse dem weiter seinen lauff lassen, /vnd gedencken wie die Bürger zu Calis/ [Calais?], welche das Donnern, wetter-leuchten, vnd Platz-regen in Gottes nahmen geschehen lassen. II, 22.

„Mər lossən·s gä^{~}h, sâ^{~}g·n d· Leinsweil·r.“ -- /Leinsweiler/ ist ein kleines Dorf in der Nähe von Annweiler. Daselbst soll einmal ein von der Würde seines Amtes tief durchdrungener Schulze bei einer kleinen Reise, welche er im Begriffe war anzutreten, den Büttel beauftragt haben, dem Gemeinderathe zu verkünden: „Wenn es während seiner Abwesenheit regnen wolle, so sollten sie es gehen lassen.“ Seitdem müssen sie die Begrüſsung dulden: Mər lossən·s gä^{~}h, sâ^{~}g·n d· Leinsweil·r.

29. Commune est publicissimum prouerbium: /Ein ieder Fürst ist Kayser in seinem Lande/. Idem me olim docuit D. Conringius in praelectionibus ad Lampadium. II, 46.

Vergl. /Huld. Eyben/, dissert. de orig. brocard. Ein jeder ist Kaiser in seinem Land. 1661. 4. /Hillebrand/, deutsche Rechtsprichwörter, 1858. Nr. 363. /Graf/ und /Dietherr/, deutsche Rechtssprichw. 1864. S. 487.

30. Germanorum prouerbium et vulgaris versiculus jam Ludouici Bauari aetate fuit:

Curia Romana Non pascit ovem sine lanâ. II, 75.

31. /Das Cammergericht das Jammergericht./ II, 208.

32. Vulgatum est veriverbium: /Vbel gesprochen ist wol appellirt/. Ni hoc salutare remedium iura indulsissent, Deus bone! quantis iniquitatibus, et grauaminibus inferendis fenestra tum in inferioribus iudiciis aperta fuisset. II, 224.

33.

Da Demuth weint vnd Hochmut lacht, Da ward der Schweitzer Bund gemacht.

Rythmi quos Bernensi armamentario inscriptos legi. II, 237.

Vergl. M. /Stettler/, Annales. Bern, 1627. Fol. I, 29, b. /Kirchhofer/, schweizer. Sprichw. Zürich, 1824. S. 113.

34. Potentissimus pagus est /Bernensis/, qui ingruente vi externa, accenso in proximo ad Bernam monte igne, intra spatium 14. horarum 400000 hominum colligere potest. Vnde apud Bernenses prouerbio circumfertur: /Berna et Bernenses tantum possunt, quantum Mediolanum et Mediolanenses/. II, 237.

35. De rege Bohemiae Electorum excellentissimo vulgati rythmi sunt:

Ich bin der Chürfürsten Oberman, Wen man nicht wol eins werden kan, Wem ich dan gebe die Stimme mein, Das der allein mus Kaiser sein. II, 323.

Vergl. /Pistornis/ a. a. O.: „Böhmen ist der Churfürsten Obermann.“ I, 365.

36. Wilhelmus iunior Brunsvic. Dux duos habuit filios... /Henrico/ sorte Brunswicensis siue Guelpherbytana, /Erico/ Goettingensis Ditiones obvenere. Ericus, quum sorte ipsi obtigisset illa portio (referente Letzneri) fertur hunc rhythmum protulisse: /Das Land Zwischen Diester und Leine: Das ist es das ich meine./ III, 123.

Vergl. /Pistorius/ a. a. O. VII, 652. A. v. /Colenfeld/, Zwischen Deister und Leine, im illustr. Familien-Journal 1864, Nr. 46.

37. Henrici Senioris filius /Henricus Junior/ dux Bellicosus ann. 1519. cum Joāne Episcopo Hildesiensi bellum gessit. Joannes ille, à Caesare Carolo V. proscriptus, in contemptum Imperialis Banni dixisse fertur: /Acht hin, Acht her, Acht vnd Aber Acht sein Sechszehen./ Excutio banni à Caesare commissa est ducibus Brunsvicensibus Henrico atque Erico, qui Episcopum in tantas redegerunt angustias, vt ipsi praeter Vrbem Hildesheim, Peina, Steuerwalt et Marienburg nihil manserit reliquum: In hoc bello aliquoties arx Peinensis frustra fuit a Ducibus expugnata, vnde rythmi:

Peine Ward gemacht so veste, Das die Eule blieb im neste. III, 123-124.

Vergl. /Anzeiger/ 1834, 21.

Die schöne Maria.

Die Geschichte mit den Wunderzeichen der schönen Maria zu Regensburg hat 1519 einiges Aufsehen gemacht. Ihr zu Ehren sollte eine neue Kirche gebaut werden, die jetzige protestantische Neu-Pfarr-Kirche, deren Entwurf Michael Ostndorffer[A] im Voraus auf einer noch jetzt im Nationalmuseum zu München aufbewahrten und zu neuen Abzügen verwandten Holztafel sorgfältig ausführte. Alte und neue Exemplare besitzt Herr Graf Hugo von Walderdorff, welcher die Güte hatte, vorstehende Notizen zu meiner Kenntniſs zu bringen. Die „Contrafactur der Kirchen zu Regensburg... 1610“ (Ex. in Erlangen und im german. Museum) kann nicht, wie es geschehen, als spätere Ausgabe bezeichnet werden. Auch der Text ist ein anderer, in Prosa und offenbar 1610 erst hinzugefügt, obgleich der Schnitt selbst von Ostndorffer herzurühren scheint. Von dieser „Contrafactur“ gibt es drei Ausgaben; die eine von Passavant beschriebene hat den Druckfehler 1516, statt 1519. Den Text druckte Hormayr im Taschenbuch 1843, S. 176, ab. Auch diese Holztafel besitzt das Nationalmuseum, und wurden neuere Abzüge davon angefertigt.

Des Naglers Hier. Ell Lied von der schönen Maria kenne ich blos aus einem undatierten Nachdruck, Folioblatt mit Holzschnitt-Randeinfassung ohne Bildniſs, welcher die offenbar getreue Orthographie zu meiner Nr. 1205 (Repert. typogr.) geliefert; und den ich vor zwei Jahren bei Hrn. Antiquar Butsch in Augsburg gesehen. Derselbe erschien 1610-1619, wahrscheinlich zum hundertjährigen Gedächtniſs. Graf von Walderdorff hat einen nach 1747 besorgten Abdruck des Liedes, Folioblatt mit Kupfer, oft gesehen und selbst in Besitz. Auf diesem Blatte erscheint unter dem Regensburger Stadtwappen, den Schlüsseln, der heil. Cassianus; die Andacht zur schönen Maria wurde aber erst nach 1747 in der Cassianskirche erneuert. Der Orignaldruck von 1519 ist bisher nirgends zum Vorschein gekommen, also wahrscheinlich verloren.

Zu den beiden 1519 entstandenen Gedichten, Nr. 1303 und Nr. 1304 meines Repert. typogr. wäre nichts zu bemerken, als daſs auf beiden Titeln dieselben Distichen stehen und daſs Nr. 1303 sich auch in der Regensburger Kreisbibliothek befindet.

Das letzte Gedicht von 1522 ist noch heute in vielen Exemplaren verbreitet, weil in jenem Jahre das Interesse an der Sache erkaltet, nicht mehr viele Leser erweckte, der Verbrauch daher schwächer geworden war. Ich habe es vielfach gesehen; unter Anderem existiert es im german. Museum, in München, Berlin, bei Hrn. v. Walderdorff u. s. w. Die Wunderzeichen, wie sie das Gedicht erzählt, gehen von Montag nach Sebastiani 1521 bis Mittwoch nach Annuntiationis 1522. Vergl. Panzer’s deutsche Annalen Nr. 1551. Laut der vorhandenen Kirchenrechnung hat es Paul Kohl gedruckt.

In das Jahr 1519 schlägt ein der Regensburger Kreisbibliothek gehöriges Folioblatt mit einer Copie der Dürer’schen Maria (mit dem Jesuskinde auf einem Halbmond stehend) und 40 lateinische Distichen und 12 Hexametern, kein Regensburger Druck, mit dem Titel:

Ad formosam Virginem Mariam | Rastisponae in area Judaeorum expulsorum gratiose residen | tem et Grandibus miraculis coruscantem | Jacobi Locher Philomusi | elegia votiva.

Ein Jahrhundert später wird das von Gumpelzhaimer beschriebene Bild der schönen Maria, ein Folioblatt mit Kupfer, entstanden sein, welches den Titel führt: „Gründliche Nachricht von der schönen Maria in Regenspurg u. s. w.“ Demselben sind mit alten Typen Titel und Distichen der Nr. 1303 vorangedruckt.

Ein Kupferstich mit 4 Zeilen erklärenden Textes und der Ueberschrift: „Wahre Abbildung der so genañten Regenspurgischen Capelle zur schönen Maria“ in Hochquart, aus dem vorigen Jahrhundert, ist im Besitz des Grafen von Walderdorff.

Am häufigsten gedruckt wurde das Prosabüchlein, meine Nummern 1339 und 1340, dessen Original-Manuscript Herr v. Walderdorff besitzt. Verfasser war der 9 Jahre später zum Feuertod verurtheilte Dr. Balthasar Hubmör. Zu den von mir beschriebenen zwei Ausgaben kommen noch zwei andere hinzu, die ich hier zum Schluſs aufführen will:

In disem biechlin sind begriffen, die | wunderbarlichen zaichen beschen zu Regenspurg zu der | schönen Maria der muetter gottes. | (Holzschnitt) | Regenspurg. /Am Schlusse/: Ist allhye | zu Regenspurg gewest, auff montag nach Michaelis. Lob sey got, | vnd der schönen Marie.

o. J. (1520). 12 Bl. 4. (letztes leer). Die 4. Titelzeile im Holzschnitt. -- Im Besitz des Hrn. Grafen Hugo von Walderdorff.

In dysem buchlein seindt begrif | fen die wunderbarlichen zaychen, beschehen zu Regen- | purg zu der schönen Maria der mutter gottes. | (Holzschnitt) | Regenspurg.

o. J. (1520). 48 Bl. 4. -- In Regensburg (wo nur 11 Bl. vorhanden).

Meine Nr. 1339 ist demnach nicht in Regensburg.

/Emil Weller./

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Wenn Passavant T. III, p. 304 und 315, das Blatt dem Altdorfer zuschreibt, so ist dies ein Märchen, das auf einer Tintenfälschung des Monogramms bei dem Exemplar der Albertinischen Sammlung in Wien beruht, wo indeſs das Ostndorffer’sche Zeichen trotz der Correctur noch deutlich erkennbar ist.]

Wann kamen die Wörter „Soldat“ und „Princessin“ in den deutschen Sprachgebrauch?

Ich weiſs zwar nicht, ob das Wort „Soldat“ nicht schon früher in der deutschen Sprache eingebürgert war; aber mir begegnete es in der Bedeutung, wie es etwa jetzt verstanden wird, zum ersten Male im Jahre 1551. Damals wurde das spanische Kriegsvolk, das bisher in Schweinfurt gelegen, nach Windsheim verlegt. Der dortige Rath ersuchte die Stadt Nürnberg, ihm Jemand zu schicken, der der spanischen Sprache kundig wäre, wo möglich, den Michel Stresenreuter. Darauf antwortete Nürnberg unterm 7. März, Stresenreuter sei nie in der Stadt Nürnberg Diener, wohl aber „vnser Soldaten einer“ gewesen. Vor zwei Jahren habe er seinen Abschied genommen, und jetzt halte er sich in der Gegend von Weiſsenburg auf. Dagegen könne man Windsheim den Hanns Kleindienst überlassen, der auch der spanischen Sprache kundig und mit dem Kriegsvolk und seinen Obersten wohl bekannt sei.

Dasselbe dürfte mit dem Worte „Princessin“ der Fall sein. Es ist mir nie vorgekommen, daſs die Töchter deutscher Fürsten vor der Mitte des 16. Jahrhunderts mit diesem Worte bezeichnet wurden. Zum ersten Male fand ich es in einem Schreiben des Raths zu Nürnberg an seinen Syndicus Dr. Christoph Gugel, der im März 1550 wegen Erwerbung des Schlosses Hartenstein an den churfürstlichen Hof zu Heidelberg abgesendet worden und den Auftrag erhalten, behufs Beschleunigung dieses Geschäftes die „Princessin“ mit 500 oder 1000 fl. zu verehren.

„Soldat“[A] und „Princessin“ haben sich meiner Ansicht nach unter Carl V. und Ferdinand I. aus dem Spanischen in’s Deutsche eingebürgert, -- jedoch Alles salvo meliori.

/Nürnberg./ /Baader./

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Vgl. Du Cange, glossarium etc., ed. Henschel, tom. VI, p. 288b.]

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 4. April.

Chronik des germanischen Museums.

Zu unserer innigsten Freude sind wir auch diesmal in der angenehmen Lage, unsern Monatsbericht mit einer Reihe der erfreulichsten Nachrichten zu eröffnen.

Selbst jenseits der dermaligen Grenzen unseres Vaterlandes, an die wir uns übrigens mit unseren der Erforschung und Veranschaulichung /germanischer/ Vorzeit, /germanischer/ Sitte und Gebräuche gewidmeten Sammlungen und Arbeiten unserer Anstalt ohnehin nicht binden können, der Unterstützung gewürdigt zu werden, ist für unser nationales Werk gewiſs ein höchst ehrenvolles Zeugniſs. Es wird deshalb allen unsern Gönnern und Freunden in hohem Grade erfreulich sein, heute zunächst zu hören, daſs der von des höchstseligen Königs der Belgier, Königs Leopold’s I. Majestät dem germanischen Museum als Schriftenabonnement seit Jahren gewährte Zuschuſs von jährlich 50 Franken, von dessen königlichem Nachfolger, /König Leopold’s/ II. Majestät unserm Institute auch für die Zukunft in huldvollster Weise belassen worden ist.

Nächstdem haben wir unserer neulichen Mittheilung bez. der vom Stadtrathe zu Leipzig zum Zwecke des Ankaufes der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen uns gewordenen reichen Beihülfe heute die angenehme Nachricht folgen zu lassen, daſs zu eben gedachtem Zwecke auch von /Dresden/ aus, der /Geburtsstätte des germanischen Museums/ -- denn dort gelangte am 17. August 1852 in der unter Vorsitz Seiner Majestät des jetzt regierenden Königs Johann von Sachsen tagenden Versammlung deutscher Geschichts- und Alterthumsforscher, die von Seite des Freiherrn Hans v. u. z. Aufseſs Jahre lang unablässig verfolgte Idee der Gründung eines deutschen Nationalmuseums zu ihrer Verwirklichung -- ein gleicher Beitrag uns zugeflossen ist, indem der Rath genannter kgl. Residenz- und Hauptstadt, in erfreulichstem Einverständnisse mit dem Collegium der dasigen Stadtverordneten, zur Minderung der unserer Anstalt durch den Ankauf jener Sammlungen erwachsenen Schuld die Summe von /200/ fl. in wohlgeneigtester Weise und unter der ermuthigenden Zusage uns zur Verfügung gestellt hat, auch in Zukunft gern jede Gelegenheit ergreifen zu wollen, die patriotischen Zwecke unserer Anstalt nach Kräften fördern zu helfen.

Möge das von den Städten /Dresden/, /Leipzig/ und /Heilbronn/, die zum Ankaufe der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen zusammen die Summe von /500/ fl. beisteuerten, gegebene Beispiel patriotischer Liberalität und deutschen Gemeinsinnes Seitens anderer Gemeindevertretungen des Vaterlandes durch recht vielfache Nachahmung die verdiente, die gebührende Anerkennung finden, dann wird die Schuld, deren Minderung eine Sache der Pietät für uns und deren Abtragung eine Ehrensache für die deutsche Nation ist, bald gänzlich ihre gewünschte Bereinigung gefunden haben.

Und wie von Dresdens Rath und Bürgerschaft in vorgedachter Beziehung uns treffliche Unterstützung geworden ist, so hat in dieser lieben Stadt auch eine andere, in diesem Blatte schon mehrfach zur Sprache gekommene Angelegenheit neuerdings wieder anerkennenswertheste Förderung gefunden, nämlich die von unserm 1. Sekretär, Dr. /Erbstein/, der nationalen Anstalt zugedachte unentgeltliche Ueberweisung der von ihm s. Z. dahier erstandenen Sammlung von Modellen ehemals reichsstädtisch nürnbergischer Kriegswerkszeuge. Wie wir sehr dankbar erkennen, ist dem Ankaufe dieser in mehrfacher Beziehung interessanten Collection zum ehrenden Gedächtniſs des verstorbenen, durch seine kunsthistorischen Sammlungen in weiten Kreisen bekannten und auch um unser nationales Institut verdienten kgl. preuſs. Generalmajors /Freiherrn Carl Rolas du Rosey/ von dessen Tochter Freifräulein /Clara Rolas du Rosey/ in Dresden der Betrag von /110/ fl. gewidmet worden. Möge die neue, reiche Förderung, die hiemit einem zur Ausschmückung unseres nationalen Werkes begonnenen Unternehmen sich zugewendet, demselben noch weitere Betheiligung zuführen und somit die Hoffnung und der Wunsch, die Seitens des Deponenten jener Sammlung an deren Uebertragung in die Hallen unseres Nationalmuseums geknüpft wurden, in vollstem Maſse sich verwirklichen.

Bezüglich einer andern sehr erfreulichen Nachricht, die vom Vorsitzenden des unseren freundlichen Lesern bereits rühmlichst bekannten Mannheimer Hülfsvereins unseres Institutes, dem um unsere Anstalt schon hochverdienten und mit seltenem Glücke für uns wirkenden Herrn Prof. Dr. C. B. A. /Fickler/, uns neuerdings geworden ist, behalten wir uns vor, unseren Gönnern und Freunden in unserm nächsten Monatsberichte Mittheilung zu machen.

Von unseren Sammlungen hatten sich im letzten Monate hervorragender Zugänge die /Bibliothek/ und das /Antiquarium/ zu erfreuen. Ersterer giengen als Geschenk Sr. Excellenz des Herrn Generallieutenants Freiherrn /Seutter v. Lötzen/, Gouverneurs der deutschen Bundesfestung Rastatt, eine bedeutende Anzahl ihr noch fehlender Schriften zu; letzteres wurde auf Vermittlung des Herrn Rittmeisters v. /Humbert/ in Aschersleben vom dortigen Hrn. Buchbindermeister Dahle mit einer Anzahl wohlerhaltener, bei dem Dorfe Frohse in Anhalt gefundener Urnen beschenkt.

Tiefbetrübt hat uns die Nachricht von dem am 18. März d. J. erfolgten Tode des kgl. pr. Archivrathes Dr. /Lacomblet/ in Düsseldorf, um so mehr, als der Verstorbene, seit Januar 1859 Mitglied unseres Gelehrtenausschusses, an der Förderung unseres nationalen Institutes in wesentlicher Weise Antheil genommen hat.

In Schriftentausch mit uns ist neuerdings getreten:

der /naturwissenschaftliche Verein für Steiermark zu Graz/.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Waldenburg/ in Sachsen und zu /Krumbach/ in Bayern.

An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch folgende:

Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Vom Magistrate zu /Kissingen/ 5 fl.; ferner vom Gewerbevereine zu /Kirchheim/ a. T. 1 fl. 45 kr., und als Reinertrag einer vom Herrn Stadtverordneten G. L. Göldner, Pfleger unseres Institutes für /Laucha/ (Preuſsen), veranstalteten Abendunterhaltung 15 fl.

Von =Privaten=: /Elbogen/: R. Aichhorn, pens. k. k. Postoffizial, 1 fl. 10 kr., Franz Heisinger, Professor, 2 fl. 20 kr., Ferdinand Schwaab, k. k. Steuereinnehmer, 1 fl. 10 kr., Dr. jur. Heinr. Stradal 2 fl. 20 kr., Job. Tuzina, Professor, 1 fl. 10 kr.; /Freiberg:/ Robert Friedrich Hirt, Fabrikbesitzer, 1 fl. 45 kr.; /Freudenstadt/ (Württemberg): Dr. med. Wiedersheim 1 fl.; /Germersheim:/ Stadtvikar Heman 1 fl., Kitzing, k. Major, 1 fl. 45 kr., Pfarrer Maurer in Bellheim 1 fl. 45 kr., Bezirksarzt Dr. Schmauſs 1 fl. 45 kr.; /Kissingen:/ J. Bergmann, Kaufmann, 1 fl., Dr. K. Boxberger, prakt. Arzt, 1 fl., Ph. Heuſslein Freiherr von Euſsenheim 3 fl., Oberstaatsanwalt Wagner in Lörrach, 2 fl.; /Mindelheim/ (Bayern): v. Ammon, k. Landrichter, 1 fl., Karl Rosenberg, k. Notar, 1 fl.; /Naila:/ Friedrich Borger, Fabrikant, 1 fl. 12 kr., Ludwig Borger, Fabrikant, 1 fl 12 kr., Phil. Dittmar, Hammergutsbesitzer, in Oberklingensporn 1 fl. 12 kr., Eichenmüller, k. Landgerichts-Assessor, 1 fl. 10 kr., Gustav Lintl, k. Bezirks-Amtmann, 1 fl. 12 kr., Pinkas Skutsch, Notar, 1 fl. 12 kr., Sondermann, k. Landrichter, 1 fl. 10 kr., Ottm. Thiroff, Kaufmann, in Culmitz, 1 fl. 12 kr.; /Nürnberg:/ Gg. Möſsel, Akademiker, 1 fl, K. Gilbert Wheeler, Consul d. V. St. v. Nordamerika, 1 fl.; /Osnabrück:/ Dr. phil. Esch 1 fl. lO kr.; /Pesth:/ Friedr. Kirchhof, Gastwirth, 1 fl. 10 kr., Joh. Temple, Ingenieur und Strecken-Chef der k. k. privil. Staatsbahn-Gesellschaft in Waitzen, 1 fl. 10 kr.; /Ulm:/ Rechts-Consulent Dietrich 1 fl., Jos. Steiner, Fabrikant in Laupheim, 1 fl.; /Waldmohr/ (Pfalz): Friedr. Butenschön, k. Gerichtsschreiber, 1 fl., Friedr. Cuny, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Jakob Eberhard, k. Gerichtsvollzieher, 1 fl., Karl Kampf, kgl. Landrichter, 1 fl., Eduard Ney, Reviergehilfe, 1 fl., Ritter, Rechts-Candidat, in Hochspeyer 1 fl., Friedr. Scherer, Bürgermeister, 1 fl., Christian Schlemmer, Gastwirth, 1 fl.; /Zwenkau/ (Sachsen): C. B. Schaarschmidt, Commissär zu Rittergut Imnitz und Kötzchbar 3 fl. 30 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:

I. Für das Archiv.

=Dr. Mooren=, Pastor, in Wachtendonk:

3336. Akten über die Einführung der Augsburger Confession in Dortmund. Anfang des 17. Jahrhunderts. Pap.

=J. Liebermann=, Restaurateur, in Nürnberg:

3337. Copie eines Schreibens des Markgrafen Georg Albrecht von Brandenburg an den Bischof von Bamberg, eine Zehentsache der Imhof zu Nürnberg betr. 1661. Pap.

II. Für die Bibliothek.

=Anton Kutschera= in Weitz (Steiermark):

19,173. Ders., Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; 3 Bogen. 8.

=Anton Emmert= in Riva:

19,174. Il Commercio di Riva antico e moderno. 1844. 8.

=Antiquarisch-historischer Verein für Nahe und Hunsrücken= in Kreuznach:

19,175. Ders., sechster Bericht. 1865. 2. Nebst: Vierter Bericht über die Sammlung des Vereins. 1861. 4.

=J. J. Trost=, k. k. akadem. Rath, Professor und Bibliothekar, in Wien:

19,176. Ders., Proportionslehre, mit einem Kanon der Längen-, Breiten-, und Profilmaase aller Theile des menschlichen Körpers. 1866. 4.

=Jos. Ant. Finsterlin=, Buchhandl., in München:

19,177. Bayerischer National Kalender f. d. J. 1865, 1866. 4.

=Schweighauser=’sche Verlagsbandl. in Basel:

19,178. Stockmeyer u. Reber, Beiträge zur Basler Buchdruckergeschichte. 1840. 4.

=Franckh=’sche Verlagshandlung in Stuttgart:

19,179. Hagen, zur politischen Geschichte Deutschlands. 1842. 8.

19,180. Ders., Fragen der Zeit. 2 Bde. 1845. 8.

19,181. Scherr, allgem. Geschichte der Literatur; 2. Aufl. 1861. 8.

19,182. Flegler u. Rückert, allgem. Weltgeschichte. 8.

=Franzen & Grosse=, Buchhandl., in Stendal:

19,183. Götze, Geschichte des Gymnasiums zu Stendal. 1865. 8.

=Ed. Schmid=, Pfarrer, in Pfiffelbach b. Apolda:

19,184. Bote des Gustav-Adolf-Vereins aus Thüringen. 18. Jhrg. 1865. 8.

=Dr. Wilh. Stricker= in Frankfurt a. M.:

19,185. Ders., d. deutsch-wälsche Sprachgrenze in der Schweiz und Italien vor 300 Jahren. 8.

19,186. Ders., zwei ungedruckte Briefe Göthe’s. 8.

=Comité der Tiedge-Stiftung= in Dresden:

19,187. Ders., Mittheilung über die Tiedge-Stiftung. 1865. 4.

=K. Gesellschaft der Wissenschaften= in Göttingen:

19,188. Dies., Göttingische gelehrte Anzeigen; 1865, Bd. I. u. II. 1865. 8.

19,189. Dies., Nachrichten von der k. Gesellschaft der Wissenschaften und d. Georg-Augusts-Universität aus d. J. 1865. 8.

=Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde= in Leiden:

19,190. Dies., Handelingen en Mededeelingen. 1865. 8.

19,191. Dies., Levensberichten der afgestorvene Medeleden; 1865. 8.

=Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften= in Görlitz:

19,192. Dies., neues Lausitzisches Magazin; 42. Bd. 1865. 8.

19,193. Dies., dem Herrn Karl Wilh. Dornick etc. 1865. 4.

19,194. Dies., dem Rector u. Lehrer-Collegium des Gymnasiums zu Görlitz. 1865. gr. 2.

=Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde= in Brünn:

19,195. Dies., Mittheilungen etc. 1865. 4.

=Statistisches Bureau des k. sächs. Ministeriums des Innern= in Dresden:

19,196. Dass., Zeitschrift etc., 11. Jhrg. 1865. 4.

=K. Universität= zu Greifswald:

19,197. Dies., index scholarum etc. 1866. 4.

19,198. Dies., Verzeichniſs der Vorlesungen etc. 1866. 4.

=Dr. Heinr. Schreiber=, Professor, in Freiburg:

19,199. Ders., der deutsche Bauernkrieg; 3 Thle. 1863-66. 8.

19,200. Ders., zur Geschichte der Baukunst u. Baumeister in Freiburg. 1866. 8.

=Dr. Fr. v. Kobell=, Universitäts-Professor, in München:

19,201. Ders., zur Charakteristik oberbayerischer und verwandter Dialect-Poesie. 1866. 8.

=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:

19,202. Ders., fliegende Blätter; XXIII-XXVII. 8.

19,203. Xenophontis gnomologiae etc. 1558. kl. 8.

=Dr. H. C. von der Gabelentz=, w. geh. Rath u. Staatsminister a. D., in Altenburg:

19,204. Ders., die ausgestorbenen Adelsfamilien des Osterlandes. 8. Sonderabdr.

=Geschichts- u. Alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes= in Altenburg:

19,205. Dies., Mittheilungen etc. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8.

=Société des bibliothèques oommunales du Haut-Rhin= in Colmar:

19,206. Dies., II. séance de la 2de. année; I. séance de la 3me. année. 1865. 1866. 8.

=Dr. v. Falkenstein=, k. sächs. Staatsminister, Excellenz, in Dresden:

19,207. Archiv für die sächs. Geschichte, herausg. v. K. v. Weber. 4. Band. 1865. 8.

=K. b. Akademie der Wissenschaften= in München:

19,208. Dies., Sitzungsberichte; 1865, II. Heft 3 u. 4. 1865. 8.

=Dr. A. Birlinger= in München:

19,209. Ders., alemannisches Büchlein von guter Speise. (1865.) 8. Sonderabzug.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

19,210. Ders., das Princip d. Vorkragung u. d. verschied. Anwendungen u. Formen in d. mittelalterl. Baukunst. 1861. 4. Sonderabdr.

19,211. Ders., d. innere Ausschmückung der Kirche Groſs-St.-Martin in Köln. 1866. 8.

19,212. Sulzer, Octavius L. L. Trophimvs V̅I̅ vir sibi et secvndae vxori etc. 1861. 8. Sonderabdr.

19,213. Didron, société d’Arundel pour la propagation des oeuvres d’art. 4.

=Museum Francisco-Carolinum= in Linz:

19,214. Dass., 25. Bericht etc. 1865. 8.

=Dr. H. K. Brandes=, Gymnasial-Professor u. Rektor, in Lemgo:

19,215. Ders., d. Heiligen u. d. Teufel mit Himmel u. Hölle in den geogr. Namen. 1866. 4. Progr.

=Dr. Sachse=, Oberlehrer, in Berlin:

19,216. Ders., über Johannes den Täufer im Mittelalter. 1866. 8.

=Aug. Hopfer=, Buchhandl., in Burg:

19,217. Frick, e. Hof-Pfalz-Grafen-Diplom Joh. Rists. 1866. 4. Progr.

=H. J. Kämmel=, Direktor u. Professor des Gymnasiums u. der Realschule in Zittau:

19,218. Michael, de sequentia mediae aetatis Dies irae, dies illa dissertatio. 1866. 4. Progr.

19,219. Brösing, Nachrichten üb. d. allgem. Stadtschule in Zittau. 1866. 8. Progr.

=Chr. Winter=, Verlagshandlung, in Frankfurt a/M.:

19,220. Simrock, d. deutschen Volksbücher; 12. Bd. 1865. 8.

=Constantin Ziemſsen=, Verlagshandl., in Danzig:

19,221. Mannhardt, Roggenwolf u. Roggenhund; 2. verm. Aufl. 1866. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

19,222. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd. 1866. 8.

=Historisch-antiquar. Verein des Kantons Schaffhausen= in Schaffhausen:

19,223. Ders., Beiträge zur vaterländ. Geschichte; II. H. 1866. 8.

=Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark= in Graz:

19,224. Ders., Mittheilungen; I.-III. Heft. 1863-65. 8.

=Magyar Tudományos Akadémia= in Pest:

19,225. Hunfalvy, a magyar birodalom természeti viszonyainak leirása; III. köt. 1865. 8.

=Verlag der Frauenzeitung= in Stuttgart:

19,226. Kirchenschmuck etc.; XIX. Bd. 1. Heft. 8.

=Wilh. Hertz=, Verlagshandl., in Berlin:

19,227. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter; 2. Aufl. 1866. 8.

=Historischer Verein für das wirtembergische Franken= in Weinsberg:

19,228. Ders., Zeitschrift; VII. 1. 1865. 8.

=K. Universitäts-Bibliothek= zu Göttingen:

19,229. Die Accessionen der k. Universitäts-Bibliothek in Göttingen, 1854 u. 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63 u. 64. 8.

=Dr. L. A. Warnkönig=, geh. Hofrath, in Stuttgart:

19,230. Séances et travaux de l’académie des sciences morales et politiques; 23. et 24. année, t. 67-74. 1864-65. 8.

19,231. Messager des sciences historiques etc. de Belgique; année 1864. 8.

19,232. Zeitschrift f. exakte Philosophie, herausg. v. Allihn u. Ziller; Bd. I, 1. 8.

19,233. Alberdingk Thijm, une fête populaire en Allemagne; répresentation du mystère de la passion à Oberammergau. 1860. 8.

19,234. Die Kirchenfrage in d. württemb. Kammer. 1861. 8.

19,235. v. Ketteler, soll die Kirche allein rechtlos sein. 2. Aufl. 1861. 8.

19,236. Alberdingk Thijm, les fils ainés de l’église. 1861. 8.

19,237. Die alten und die neuen Stände. 1862. 8.

19,238. Alberdingk Thijm, Vazon, évêque de Liége, et son temps. 1862. 8.

19,239. Bormans, traduction romane d’une homélie et d’une épître de St. Grégoire-Le-Grand. 1862. 8.

19,240. Boyer, le Champ du mensonge, an 833. 1862. 8.

19,241. Lhoest, le progres au dix-neuvième siecle. 1862. 8.

19,242. Friedberg, d. Miſsbrauch der geistl. Amtsgewalt. 1863. 8. Sonderabdr.

19,243. Alvin et Chauvin, expositions dex travaux graphiques et plastiques exécutés dans les écoles de Bavière, de France et du royaume de Wurtemberg. 1863. 8.

19,244. v. Keller, altdeutsche Handschriften; 1. 2. 1864. 8.

19,245. Des abus du régime parlamentaire. 2. ed. 1864. 8.

19,246. Gratama, oratio de juris naturalis hac nostra aetate studio. 8.

19,247. Wauters, sur la carte de la Gaule sous le proconsulat de César. 8.

=Direktion des Gymnasiums= in Donaueschingen:

19,248. Programm des gr. Gymnasiums in Donaueschingen. 1865. 8.

19,249. Rapp, d. Helvetier im J. 58 v. Chr. 1865. 8.

=Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich= in Wien:

19,250. Ders., Blätter etc. 1865, I. Jhrg. Nr. 1.-6. 8.

=Freiherr v. Seutter=, Generallieutenant, Gouverneur der deutschen Bundesfestung Rastatt:

19,251. Publication der Röm. Key. May. zwischen der Oberkeit und den Kirchendienern Augsp. Conf. in der Stadt Augsburg. 1586. 4.

19,252. Müller, Augspurgische Händel so sich daselbsten wegen der Religion... zugetragen. 1586. 4.

19,253. Müller, Send- und Trostbrieff an seine liebe Landtsleut etc. 1583. 4.

19,254. Der Herren Pfleger vnd Geheimen Räth des h. Reichsstatt Augspurg warhaffter gegenbericht etc. 1587. 4.

19,255. Gegründte christl. Antwort der jetzig. Evangel. Predicanten in d. Statt Augspurg etc. 1586. 4.

19,256. Frick, templum parochiae Ulmensium, Ulmisches Münster etc. 1731. 4.

19,257. Schelhorn, kurtze Reformations-Historie d. k. fr. Reichs-Stadt Memmingen. 1730. 8.

19,258. Georgii, Nachricht v. d. Stadt u. d. Marggrafthum Ansbach. 1732. 4.

19,259. Riccius, zuverläſsiger Entwurff v. d. landsäſsigen Adel in Deutschland. 1735. 4.

19,260. Stieber, histor. u. topogr. Nachricht v. d. Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. 1761. 8.

19,261. Loy, geist- und weltliche Geschichte der des h. röm. Reichs freyen Stadt Leutkirch. 1786. 8.

19,262. Fischer, statist. u. topogr. Beschreibung des Burggraftums Nürnberg u. d. G. etc. 2 Thle. 1787. 8.

19,263. Leben u. Charaktere berühmter und edler im J. 1790 verstorbener Männer. 1792. 8.

19,264. Will, Geschichte u. Beschreibung d. Nürnb. Landstadt Altdorf. 1796. 8.

19,265. Briefe über Ansbach. 1797. 8.

19,266. Burger, histor.-statist.-topogr. Beschreibung des Dorfes Überkingen. 1809. 8.

19,267. Mayer, des Hieron. Osorius Abhandlung über den Adel im Staate. 1828. 8.

19,268. Fleischner, d. Reiche-Versammlung zu Augsburg etc. 1830. 8.

19,269. Höck, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Baiersdorf und der Ruine Scharfeneck. 1834. 8.

19,270. Grüneisen u. Mauch. Ulm’s Kunstleben im Mittelalter. 1840. 8.

19,271. Pfaff, württembergisches Heldenbuch. 1840. 8.

19,272. Sugenheim, Baierns Kirchen- und Volks-Zustände im 16. Jahrhundert. 1842. 8.

19,273. Heinzen, d. preuſsische Büreaukratie. 1845. 8.

19,274. Püttmann, Prometheus; I. u. II. 1846. 8.

19,275. v. Bose, Handbuch d. Geographie, Statistik u. Topographie d. Königr. Sachsen. 1847. 8.

19,276. Eiselein, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Konstanz. 1851. 8.

19,277. Keim, die Reformation der Reichsstadt Ulm. 1851. 8.

19,278. Geschichte u. Denkwürdigkeiten d. Stadt Schongau. 1852. 8.

19,279. Deecke, lübische Geschichten u. Sagen. 1852. 8.

19,280. Haas, d. Rangau, seine Grafen etc. 1853. 8.

19,281. de Haxthausen, les forces militaires de la Russie. 1853. 8.

19,282. Marck, H. Haas’s abenbergische Phantasieen etc. 1853. 8.

19,283. Steitz, wie beweisen die Jesuiten d. Nothwendigkeit d. Ohrenbeichte. 4. Aufl. 1853. 8.

19,284. Römer-Büchner, die Entwickelung der Stadtverfassung und der Bürgervereine der Stadt Frankfurt a. M. 1855. 8.

19,285. Galle, Katechismus der elektr. Telegraphie. 1855. 8.

19,286. Die Lage der Protestanten in d. Österreich. Monarchie einst und jetzt. 1855. 8.

19,287. Politisches Rundgemälde od. kl. Chronik d. J. 1854. 1855. 8.

19,288. Quellen und Erörterungen d. bayer. u. deutschen Geschichte. 1. Bnd. 1856. 8.

19,289. Märcker, d. Stamm-Mütter d. deutschen Herrscher-Geschlechter v. Geblüte der Hohenzollern. 1856. 4.

19,290. Ordnung der Feierlichkeiten bei der am 20. Sept. 1856 zu Berlin stattfindenden Vermählung I. K. H. Luise Marie Elisabeth Prinzessin von Preuſsen etc. 2.

19,291. Voigt, Hermann von Salza etc. 1856. 8.

19,292. Moſsdorff, Programm der höhern Töchterschule in Karlsruhe. 1857. 8.

19,293. Schick, Führer durch Bad Homburg. 2. Aufl. 1857. 8.

19,924. Lochner, die Einwohnerzahl der ehemal. Reichsstadt Nürnberg. 1857. 8.

19,295. Roth v. Schreckenstein, Herr Walther v. Geroldseck. 1857. 8.

19,296. Euler, des Canonicus Baldemar v. Peterweil Beschreibung der kais. Stadt Frankfurt a. M. 1858. 8.

19,297. Die Despoten als Revolutionäre. 1859. 8.

19,298. Der Oberfeldherr des deutschen Bundes. 1859. 8.

19,299. Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst; 1. u. 2. Bd. 1860-62. 8.

19,300. Des intérêts Européens en Italie. 1860. 8.

19,301. Mittheilungen an d. Mitglieder des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M.; I, 2-4. 1858-60. 8.

19,302. Necesssité d’une place forte fédérale pour la défense de la Suisse. 1860. 8.

19,303. Das Breslauer Rendezvous. 1860. 8.

19,304. Flugblätter des deutschen Nationalvereins; III. 1861. 8.

19,305. Garnier, Tagebuch a. d. Belagerung von Gaëta. 1861. 8.

19,306. Das preuſsische Heer. 3. Aufl. 1861. 8.

19,307. Kärcher, die Straferkenntniſs; II. Bd., 2. u. 3. Abth. 1861-62. 8.

19,308. Kein preuſsisches Kleindeutschland! 1861. 8.

19,309. Maier, d. Kampf zwischen der deutschen Fremden-Legion u. den Garibaldianern. 1861. 8.

19,310. Der wahre deutsche National-Verein. 1861. 8.

19,311. Die Überlegenheit der französ. Waffen etc. 1861. 8.

19,312. Was uns nicht retten kann. 1861. 8.

19,313. Andeutung für Hebung der Pferdezucht. 1862. 8.

19,314. Aresin, der Besitz Venetiens. 1862. 8.

19,315. Gockel, die Gelehrtenschule gegenüber den Forderungen der Zeit. 1862. 8.

19,316. Über Heerbildung. 1862. 8.

19,317. Kelchner, drei Frankfurter Schützenfeste. 1862. 8.

19,318. Groſsherzogl. Lyceum zu Rastatt; 1862-64. 8. Progr.

19,319. Oesterreichs und Preuſsens Mediatisierung. 1862. 8.

19,320. Schlegel, die neuere Romantik etc. I. u. II, 1. 2. 1862-64. 8.

19,321. Rom und die legitimen Fürsten Italiens. 1862. 8.

19,322. v. Varchmin, die Völkerschlacht bei Leipzig. 1862. 8.

19,323. Verhandlungen der 17. Jahresversammlung des badischen Hauptvereins der evangel. Gustav-Adolf-Stiftung. 1861. 8. 2 Ex.

19,324. Böhringer, über die Wolken des Aristophanes. 1863. 8.

19,325. Deutscher Bundes-Militär-Almanach. 1863. 8.

19,326. Hauser, Studien zu einer wissensch. Syntax der lateinischen Sprache; I. Th. 1864. 8.

19,327. v. Andlaw, d. badischen Wirren. 1865. 8.

19,328. Cöllen, Reisen und Dichtungen; 1865. 8.

19,329. Ditz, Geschichte der Vereinödung im Hochstift Kempten. 1865. 8.

19,330. 29. u. 30. combinirter Jahres-Bericht des histor. Kreis-Vereins im Regierungsbezirk v. Schwaben u. Neuburg. 1865. 8.

19,331. Seldner, Lüttich, die zweite burgundische Dynastie und die Markgrafen Karl und Markus v. Baden, 1455-68. 1865. 8.

19,332. Die neue Aera in Baden. 1866. 8.

19,333. Fürer’sches Stammbuch; 1739-41. Hs. qu. 8.

III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:

5024. 4 Porträts in Kupferstich und Steindruck.

5025. 4 Landschaften in Stahlstich und Steindruck.

5026. Kupferner Fingerring mit kabbalistischen Inschriften.

5027. Gypsabguſs einer Medaille auf Friedrich II. von Preuſsen, von Loos.

=Magistrat= der Stadt Reichenberg:

5028. Lackabdruck des Magistratssiegels der Stadt Reichenberg.

=G. H. Flinzberg=, Seifensieder, in Koburg:

5029. Bleimedaille auf Grundsteinlegung der Kirche zu Morizburg, 1661.

=Lutz=, Hafnermeister, in Nürnberg:

5030. Ausgegrab. Hufeisen und Steigbügel.

5031. Bruchstücke einer verzierten Fuſsplatte und einer Steinfigur vom 18. Jahrh.

=Jos. Proron=, Pfarrer, in Neutitschein:

5032. Acht Abdrücke in Gyps und Siegellack von Siegeln der Stadt Neutitschein des Bisthums Olmütz u. s. w.

=Orth=, Kaufmann und Magistratsrath, in Nürnberg:

5033. Silbermünze der Abtei St. Gallen von 1774.

=Dr. A. Heidenschreider=, prakt. Arzt, in Herrieden:

5034. Tabelle Über Morbilität, Mortalität und Meteorologie, von demselben. Farbendruck.

=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:

5035. Abbildung verschiedener Geschütze, Kupferstich von 1618.

Chronik der historischen Vereine.

/Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale./ Herausgegeben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander Freiherrn von Helfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 11. Jahrg. Januar-Februar. Wien, 1866. 4.

Die Holzkirchen im Bisthume Szathmár. I. Historischer Theil. Von Bischof Dr. Fr. Haas. (Mit 3 Holzschnitten.) II. Architektonische Bemerkungen. Von Franz Schulcz. (Mit 1 Tafel und 25 Holzschnitten.) -- Notizen zur älteren Baugeschichte der Stiftskirche und des Klosters zu Lambach. Von Pius Schmieder. (Mit 12 Holzschnitten.) -- Das goldene Psalterium der k. k. Hofbibliothek. Von Jos. Haupt. (Mit 3 Holzschnitten.) -- Kleinere Beiträge: Das Rathhaus in Bremen. Von H. A. Müller. (Mit 1 Holzschnitt.) -- Die Madonna Hans Holbein’s d. J. in der Gallerie zu Dresden. Von Dr. v. Hoffinger. -- Die vollendete Restauration des Verduner Altars zu Klosterneuburg. -- Besprechungen. -- Correspondenzen: Lambach. Grabfund zu Wolfirsch, Bezirksamt Datschitz in Mähren. -- Aus Tyrol.

/Blätter für Landeskunde von Nieder-Oesterreich./ Herausgegeben vom /Vereine für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in Wien/. I. Jahrg. 1865. Nr. 1-6. Wien. 8.

Sitten, Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oesterreich. Gesammelt und mitgetheilt von Johann Wurth. -- Die Bevölkerung von Wien. Von G. A. Schimmer. -- Zur Baugeschichte des Rathhauses der Stadt Wien. (K. Weiſs.) -- Proben eines Wörterbuches der österreichischen Volkssprache von Hugo Mareta. -- Kleinere Mittheilungen. -- Vereinsnachrichten.

/Fünfundzwanzigster Bericht über das Museum Francisco-Carolinum./ Nebst der zwanzigsten Lieferung der /Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Ens/. Linz, 1865. 8.

Jahresbericht. -- Bertholt Preuhaven, der berühmte Deutschordens-Comthur, ein Oberösterreicher aus Steyr. Von Jodok Stülz. -- Archäologische Nachlese. Von Joseph Gaisberger. II. 1. Fundorte im Kreise Ried, von Süden nach Norden. -- Museal-Notizen. Von A. F. Ritter von Schwabenau. I. Münzen der Stadt Linz. II. Denkmünze aus der Zeit der Bauernunruhen in Oesterreich ob der Ens. III. Die Familie der Grafen Waffenberg, dem Lande Oesterreich ob der Ens angehörig. -- IV. Die im Museum Francisco-Carolinum vorhandenen oberösterreichischen Taiding- und Statutar-Bücher.

/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München./ 1865. II. Heft III. IV. München, 1865. 8.

Miscellen aus den Handschriften der Münchener Hof- und Staats-Bibliothek: I. Eine Encyclica aus dem 9. Jahrhundert. II. Ein Tractat über das heilige Land und den dritten Kreuzzug. (Thomas.) -- Ein alemannisches Büchlein von guter Speise. (Birlinger.) -- Ueber einen französischen Text zur Geschichte der Herzogin Jakobäa. (C. Hofmann.) -- Altfranzösische Pastourelle aus der Berner Handschrift Nr. 389. (Ders.)

/Zeitschrift des Historischen Vereins für das wirtembergische Franken./ Siebenten Bandes erstes Heft. 1865. Mit zwei Lithografien. Weinsberg. 8.

Die älteren Verbindungen des württemb. Frankens mit dem Württembergischen Fürstenhause. Von H. Bauer. -- Lichtel und die Herren von Lihenthal. Von dems. -- Das Gaunerwesen in den 1570ger Jahren. Von D. Mayer. -- Das Rittergut Bodenhof. Von H. Bauer. Fränkische Herren bei König Rudolf in Oesterreich. Von dems. -- Die Zehen. Von dems. -- Tilly in Franken. Von D. Mayer. -- Der Hohenstaufen und die Schenken von Limburg. Von H. Bauer. -- Gemeiner Stadt Weinsberg Privilegienbuch angeblich von a. 1468. Von dems. -- Ein Duzend Urkunden-Auszüge. Von dems. -- Die Möckmühler Centordnung von 1729, mit geschichtlichen Bemerkungen über ihre Entstehung; v. Pfarrer Knödler. -- Curiosum (Teufelsverschreibung). -- Kleinodien d. deutschen Ritterordens. -- Die Klosterkirche zu Frauenthal; v. H. Bauer. -- Die Krypta in Regenbach, nach Dr. Bunz. Mit einer Lithographie. -- Die Wappensammlung im ehemaligen Ritterstifte Comburg v. R.-C. Mejer. -- Die Burg von Weinsberg v. H. B. Mit Lithografie. -- Beiträge zur Kunde der Vorzeit des Oberamtsbezirks Neckarsulm. Von O.-A.-Richter Ganzhorn. -- Ein Reihengrab bei Gundelsheim. Von dems. -- Statistisches, Topographisches, Bücheranzeigen u. s. w.

Kirchenschmuck. /Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des /christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XIX. Band, erste Hälfte. Zehnter Jahrgang. 1866. Erstes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Der Martinus-Teppich im hohen Chor des Doms zu Mainz. -- Zur Geschichte des Mantels. -- Entdeckte Wandmalerei in der Stiftskirche St. Peter und Paul zu Weiſsenburg. -- Die St. Paulskirche in Aachen. -- Zur Sprache und Sitte der Kirche. 1. Das Kirchbrot. 2. Vom Bartuche. 3. Brote und Brätzeln auf den Gräbern. -- Ausbau des Kölner Doms.

/Mittheilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes./ Sechster Band. 3. u. 4. Heft. Altenburg, 1865. 8.

Jahresbericht. -- Einige Nachrichten über das Marien-Magdalenen-Kloster in Altenburg. Von Dr. H. C. von der Gabelentz. -- Die ausgestorbenen Adelsfamilien des Osterlandes. Von dems. -- Mittheilungen über den Anfang und Fortgang der Reformation in Altenburg. II. Abtheilung. Von Dr. J. Löbe. -- Miscellen: a. Die Familie der Proprio. b. Ueber eine Urkunde der Burggrafen von Starkenberg, die Stiftung einer Messe in der Kirche zu Oberlödla betr. 1398. c. Ueber die lingua rustica u. die lingua patria in der Urkunde Bischof Udo’s I. zu Naumburg, vom J. 1140, die Gründung der Parochie Altkirchen betr. d. Ueber einige seltene Bracteaten aus einem Münzfunde bei Rehmsdorf (mit 1 Tafel Abbildungen).

/Beiträge zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom /historisch-antiquarischen Verein des Kantons Schaffhausen/. Zweites Heft. 1866. 8. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung.

Vorwort. -- Urkundliche Darstellung des Leibeigenschaftwesens im Gebiete des jetzigen Kantons Schaffhausen. (H. W. Harder). -- Die Reliquien des Klosters Allerheiligen. (Diak. J. J. Schenkel.) -- Die Kirche unserer l. Frauen auf Neunkirch. -- Joh. v. Müllers Reise in die Schweiz zum Zweck einer Vereinigung der schweizerischen Eidgenossenschaft mit dem deutschen Fürstenbund im Sommer 1787.

/Séances et travaux de l’Académie des sciences morales et politiques/ (Institut Impérial de France). Compte rendu par M. Ch. Vergé sous la direction de M. Mignet. 1864 et 1865. 23e et 24e Année. Quatrième et cinquième Série. Paris, 1864 et 1865. 8.

/Bulletin du Comité Flamand de France./ Tome IV. Nr. 1. Janvier, Février et Mars. 1866. Lilie et Dunkerque, 1865. 8.

Extrait des procès-verbaux, par l’abbé D. Carnel. -- Couvent des Pères Capucins, à Bourbourg. -- Réception de Mgr. l’Evèque d’Ypres, à Bergues, par l’abbé de Laroière.

Nachrichten.

Literatur.

Neu erschienene Werke.

9) /Ueber Diptychen, Necrologien, Martyrologien und Verbrüderungsbücher im Mittelalter/ mit besonderer Rücksicht auf die Kronländer Oesterreichs. Von /Karl Hirsch/. Programm des k. k. Gymnasiums in Graz. 1865. 39 Stn. 4.

Dieses Schriftchen behandelt eine Klasse historischer Quellen, deren ganze Bedeutung erst in neuerer Zeit gewürdigt worden ist. Während man denselben früher meist nur ein räumlich beschränktes Interesse abzugewinnen wuſste, hat die fortgeschrittene Wissenschaft auch von den spärlichsten Aufzeichnungen aus Zeiten, die an schriftlichen Denkmälern so arm sind, nützlichen Gebrauch zu machen gelernt. Es ist daher als ein verdienstvolles Unternehmen zu betrachten, daſs der Verfasser der vorliegenden Arbeit die Natur und den Werth der in der Aufschrift genannten geschichtlichen Quellen beleuchtete und so gewissermaſsen einen Commentar zu den Publikationen der bezeichneten Denkmäler gab.

Die in gedrängter Kürze gemachten Bemerkungen über die Diptychen orientieren recht gut über das Wesen und die Bedeutung dieser Aufzeichnungen, die eigentlich rein kirchlicher Natur waren, indem sie ursprünglich dazu dienten, den Christen ihre Brüder zum Einschluſs ins Gebet zu empfehlen; später wurden nur die Namen hoher geistlicher oder weltlicher Würdenträger in die Diptychen aufgenommen.

Was der Verfasser über die Necrologien sagt, läſst uns sowohl ihre ehemals practische Seite als auch ihren Werth als Geschichtsquellen erkennen. Vorzüglich wird hervorgehoben, daſs die Todtenbücher nicht nur vielfache, zum Theil höchst wichtige Personalnotizen über die verzeichneten Personen und deren Geschlechter, sondern zuweilen auch historische Nachrichten anderer Art enthalten. Wie z. B. das Klosterneuburger Todtenbuch über die Leithaschlacht im J. 1146 Mittheilungen gibt.

Auch das historische Interesse der Verbrüderungsbücher findet seine rechte Würdigung. Reichen ja doch dieselben bis in’s neunte Jahrhundert zurück, und die zahlreichen Namen derjenigen, welche in die Confraternitäten aufgenommen wurden, leisten zur Vervollständigung der Genealogien solchen Familien die besten Dienste. Und wer sollte den Nutzen nicht einsehen, der für die Sprachforschung aus der Verzeichnung von vielen tausend Vor- und Zunamen erwächst, die im Laufe der Jahrhunderte so vielfache Wandlungen erfahren!

10) /Die Sammlungen des k. k. Münz- und Antiken-Kabinets/ von /Ed. v. Sacken/ und /Friedr. Kenner/; mit einer Tafel. Wien, 1866. VII u. 495 Stn. gr. 8.

Die beiden Custoden des Wiener Münz- und Antiken-Kabinets, denen wir schon manche schöne Veröffentlichung über österreichische Alterthümer und Denkmäler verdanken, haben sich ein neues groſses Verdienst durch vorliegendes Werk erworben, indem sie ihr weltberühmtes Museum genau und ausführlich beschrieben. Wir bedauern hier nur eine kurze Andeutung von dem reichhaltigen Buche geben zu können. Zuerst steht als Einleitung eine „Geschichte der Entstehung des Kabinets“, welche bis in die Mitte des 16. Jahrh. hinaufreicht. Dann folgt die Beschreibung des Museums, wobei „die wissenschaftliche Folge der Monumente mit der gegenwärtigen Anordnung vermittelt wurde“. Zuerst stehen „die antiken Skulpturwerke in Stein“, dreihundert Denkmäler der classischen Sculptur; dann 245 inschriftliche Denkmäler von hoher Wichtigkeit für die römische Zeit. Die Verfasser haben die lateinische Paraphrase untergesetzt. Wir erlauben uns einige kleine Bemerkungen: S. 59, Nr. 14 heiſst PATR: patrono, nicht patri, da von libertis die Rede ist. S. 61, Nr. 22 ist Musa cognomen. S. 66, Nr. 84 lese ich Orcitilia. Ist in der Marmortafel Nr. 153, Zeile 3 ein Strichpunkt (;)? ich zweifele. S. 75, Nr. 195 wird LIB mit liberto zu geben sein. S. 91, Nr. 228 wird die Erklärung Betulio, die schon 1855 in der Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft gegeben wurde, richtiger sein, wenn schon die Verf. bei der frühern Deutung Betulo verblieben. S. 93 ist Valenti als Dativ zu nehmen, wie die folgenden Worte zeigen. Bei Nr. 239, wo der verstorbene Hefner Cluentius liest, war anzugeben, ob der Punkt, den die Verfasser zwischen C. L setzen, auf dem Stein steht u. s. w. Hierauf folgen die „Inschriften auf Bronzetafeln“, dann „Kararische Monumente“: griechische, römische, barbarische Thongefässe in groſser Zahl, mit genauer Beschreibung der Bildwerke, nur wenige mit Töpfernamen (welche meist bei Frochner fehlen). Geringer ist die Anzahl der „Bildwerke aus Terracotta“: Reliefs, Büsten, Figuren, Thonlampen, ebenfalls mit nur wenigen Namen (wie vorhin). Die Sammlung antiker Bronze nimmt unter den Museen in Europa eine hervorragende Stellung ein; auf die Beschreibung, welche die Verfasser hier geben, machen wir die Kunstfreunde aufmerksam, ebenso auf die weiter folgenden „toreutischen Arbeiten in Gold und Silber, classischer und barbarischer Technik“. „Von der Münzsammlung konnte bei ihrer auſserordentlichen Reichhaltigkeit nur eine berichtliche Uebersicht der ganzen und eine eingehende Besprechung der als Repräsentanten zur Schau ausgelegten Exemplare gegeben werden.“ Der griechischen Münzen sind 26,926 Stück, darunter 507 in Gold, 9381 in Silber, römische 34,875, darunter 2689 in Gold, 15,520 in Silber, der mittleren und neueren 40,249, davon 6013 in Gold, 25,780 in Silber; 512 kleine Medaillen in Gold, 2431 in Silber, neuere Thaler und Gulden 10,230 Stück, Medaillen in Gold 2526, in Silber 8084, endlich 4144 orientalische (davon 544 in Gold, 1583 in Silber) und zuletzt noch falsche Münzen 3780 Stück. Weiter wird die Sammlung „antiker geschnittener Steine“ von keiner andern übertroffen: hier sind die gröſsten Cameen, die man kennt, kostbare Werke, mit vollendeter Kunst, keine ohne Werth, wie die schöne und klare Beschreibung zeigt, kostbare Glassachen. Dann noch „Kunstwerke der Renaissance-Periode und der Neuzeit“, viele davon Nachbildungen antiker Denkmäler, namentlich geschnittener Steine, Porträts aus alter und neuer Zeit; wenige kirchliche Darstellungen. Endlich im Anhang einige asiatische, meist indische Gegenstände. Beigegeben ist ein Verzeichniſs der Fundorte. Die Tafel enthält fremdartige Schriftzeichen. Dies der Inhalt des verdienstvollen Werkes; wir wünschen, daſs über alle Museen eine so schöne, genaue und lehrreiche Beschreibung verfaſst werde, wie die beiden Wiener Gelehrten zu ihrer Ehre und zu unserm Dank hier uns vorlegten.

K.

Aufsätze in Zeitschriften.

/Ausland:/ Nr. 11. Nilssons Erwiederung auf Prof. Worsaaes Bedenken gegen seine Ansicht über das Bronzealter. -- Nr. 13. Ueber das Alter der Hufeisen. (Chamb. Journ.)

/Biene:/ Nr. 9. Essen und Trinken im deutschen Sprichworte. (J. H. Schwicker.) -- Der Jungfernsprung. Sage aus dem Kuhländchen. (Johann von Hradisch.)

/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 6, S. 162 ff. Die goldene Aue.

/Grenzboten:/ Nr. 12, S. 441. Aus der Geschichte der deutschen Hochschulen: 1. Die Universität des Mittelalters. -- Nr. 13, S. 481. 2. Die neue Zeit im Aufgang. (Mor. Busch.)

/Jahrbücher für deutsche Theologie:/ 11. Bd., 1. Hft. Ueber die Götter und den Gottesglauben der alten Deutschen nach Tacitus Germania.

/Dresdner Journal:/ Nr. 62. Regiomontan. (Auszug aus einem Vortrage von Dr. Alex. Ziegler.)

/Sächs. Kirchen- und Schulblatt:/ Nr. 12. Die Nikolaikirche von Dippoldiswalde.

/Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland:/ Nr. 5-9. Der 30jährige Krieg und der westfäl. Friede. (Vortrag von Trauttwein von Belle.)

/Korrespondent v. u. f. D.:/ Nr. 164 f. Deutsche Berge und Burgen. X. Hohenlandsberg. -- Nr. 165 f. Aventin. (Vortrag von Kluckhohn.)

/Deutsche Kunst-Zeitung/ (Dioskuren): Nr. 10. Etwas über die Künstlerfamilie der van der Weiden. (Ernst Förster.)

/Magazin f. d. Literatur des Ausl.:/ Nr 14. Zur Lorelei-Sage.

/Deutsches Museum:/ Nr. 13. Die Ahnherren des deutschen Dramas (Hans Sachs, Jak. Ayrer, Andr. Gryphius). (Rudolf Rost.)

/Sonntags-Blatt/ (von Spielhagen): Nr. 11. Hans Holbein; Skizze. (M. Bernstein.)

/Bremer Sonntagsblatt:/ Nr. 11 f. Schicksale eines gefallenen Königs (der Bär in Geschichte und Volksmeinung). (Karl Aug. Mayer.) -- Nr. 12. Das karolingische Psalterium des ehemaligen Schatzes der bremischen Kathedrale. (H. A. Schumacher.)

/Münch. Sonntagsblatt:/ Nr. 11. Sagen aus Unterfranken. -- Nr. 12. Deutsche Ostergebräuche. (Dr. L. v. Hörmann.) -- Nr. 14. Gutenberg und die Buchdruckerkunst.

/Ueber Land und Meer:/ Nr. 26. Der Kindlifresserbrunnen und das Eiertüpfen am Ostertag in Bern.

/Oesterr. Vierteljahresschrift für kathol. Theologie:/ 5. Jhrg., 1. Hft. Das Colloquium des Cochläus mit Luther zu Worms auf dem Reichstage 1521.

/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 81. Kunstgeschichtliches aus Tirol. (W. Lübke.) -- Nr. 89 f. Fragmente aus dem Bodensee. -- Nr. 93. 96. Aus dem siebenbürgischen Sachsenland. Skizzen. (W. Hausmann.) -- Nr. 96 f. Deutsche Wörterbücher.

/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 96. Einige historische Notizen über das Wildbad bei Haſsfurt a. M. (Dr. Ditterich.)

/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1186. Die Anfänge der Druckkunst. -- Nr. 1187. Christus am Kreuz. Gemälde von Albrecht Dürer. (Jul. Hübner.) -- Der Dom zu Worms.

/Mecklenburg. Zeitung:/ Nr. 34. Pfahlbau von Vimfow. (Wiechmann.)

Vermischte Nachrichten.

33) In /Ingolstadt/ hat sich unter dem Vorsitze des Rechtsrathes Fr. Ostermaier und des Stadtpfarrers Dr. Paulhuber ein /historischer Verein gebildet/, und zwar zur Sammlung von Urkunden und Denkmälern, zur Erforschung der Sprache, der Sitten, des Rechts, der Wirthschaft, Kunst und Wissenschaft, um die theils in Nebel gehüllte, theils verschwundene Geschichte dieser merkwürdigen Stadt und Umgegend wieder aufzuhellen und in erneuter Gestalt Allen zur Anschauung zu bringen.

(Mgbl. z. Bayr. Ztg.)

34) Dem auſserordentlichen Prof. Dr. phil. E. L. /Dümmler/ in Halle hat die königl. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen für seine „/Geschichte des ostfränkischen Reichs/“ den dritten der durch die Wedekind’sche Preisstiftung für deutsche Geschichte ausgesetzten, von 10 zu 10 Jahren zu vergebenden /Preis ertheilt/.

(Ill. Ztg.)

35) Ein /altes böhmisches Manuscript/ hat Prof. M. Kolař; im Rathhauskeller zu /Tabor aufgefunden/. Dasselbe stammt aus den hussitischen Zeiten, und sein vorzüglichster Werth besteht darin, daſs es 17 Pergamentblätter mit einem böhmischen Gedicht enthält, welches sich mit dem Leben der Böhmen beschäftigt. Nach dem Ausspruch des Direktors K. J. Erben soll dieses Gedicht um das Jahr 1330 entstanden sein und sich durch alterthümliche Sprachformen auszeichnen.

(Dies.)

36) Ed. His-Heusler in Basel hat /zwei Sendschreiben des Baseler Rathes/ vom 19. November 1545 /entdeckt/, welche über den Sohn des Malers Hans /Holbein/ d. J., von dem bisher nichts weiter bekannt war, Kunde geben. Er hieſs Philipp und war von seinem Vater zu Paris bei dem Goldschmied Jacob David, Bürger von Basel, in die Lehre gethan worden. Nach Ablauf der Lehrzeit will ihn sein Meister nicht entlassen und läſst ihn vom „Herrn Lütenant zu Pariſs“ in Recht nehmen; da nimmt sich der Rath von Basel des „guten frommen Jungen“ an. An einer Stelle wird als Philipp’s Vormund Frantz Schmid sein Bruder genannt, woraus hervorgeht, daſs Hans Holbein eine Wittwe geheirathet. Auch ist in den Schriftstücken von Philipp’s Vater „wylandt Hansen Holbein seligen“ die Rede, wodurch für die in England gemachte Entdeckung seines Todesjahres (1543) ein neuer Beweis der Richtigkeit gegeben ist.

(Zeitschr. f. bild. Kunst.)

37) /Sieben Passionsbilder von Hans Holbein/ dem ältern, die Haupttheile eines groſsen Altarbilderwerks, das er gegen 1500 für das Dominicanerkloster in Frankfurt a. M. gemalt hatte, sind durch das Städel’sche Kunstinstitut daselbst von dem Hofrath Schäfer in Darmstadt, in dessen Besitz sie gelangt waren, wieder /für Frankfurt erworben/ worden, nachdem sie der Stadt für eine längere Zeit verloren gewesen waren.

(Ill. Ztg.)

38) In der kleinen romanischen Kirche zu /Sluze/ bei Tongern (Prov. Limburg) sind in Folge von Restaurationsarbeiten /Wandgemälde zum Vorschein gekommen/. Man hat fünf durch eine Decoration von Laubwerk verbundene Rundbilder bloſsgelegt, von denen das mittlere und gröſsere das Gotteslamm darstellt. Die Medaillons auf den Seiten stellen die Madonna in zwei verschiedenen Positionen dar, während die kleineren Zwischenbilder Engelfiguren zu enthalten scheinen. Das Kolorit wird als klar und wohlgefällig gerühmt und soll ebenso wie die Zeichnung auf einen tüchtigen Künstler hinweisen.

(Zeitschr. f. bild. Kunst.)

39) Am /Magdalensberge/ in Kärnten hat der Besitzer der Gradischniggrube daselbst Nachforschungen an einer Stelle vornehmen lassen, welche seit lange als eine /Fundstätte römischer Alterthümer/ bekannt ist. Leider ist nicht mit der gehörigen Sachkenntniſs dabei vorgegangen worden. Es wurde ein kleines, schön gemaltes Zimmer bloſsgelegt, in welchem sich kaminartige Oeffnungen befanden, wo Flaschen von Glas und Thon mit Asche gefüllt standen. Diese letztern sind von dem Unternehmer, vermuthlich in der Hoffnung, darin Schätze zu finden, zerschlagen worden. Sehr interessant ist eine daselbst vorgefundene 1½ Zoll groſse weibliche Figur aus Bein, welche dargestellt ist, wie sie sich verzweifelnd die Haare zerrauft; darüber war eine Glasglocke gedeckt, die man ebenfalls schonungslos zerschlug. Auch einen Grabstein förderte man zu Tage, dessen Inschrift den Tod zweier Reiter, Veteranen der VIII. Legion unter Kaiser Augustus, meldet. Auſserdem wurden eine Lanzenspitze, eine kleine Pfanne, Nägel, Münzen und eine thönerne Fratze aufgefunden.

(Ill. Ztg.)

40) Dem k. /Welfenmuseum/ in /Hannover/ ist ein /alter Kahn/ von dem Herrn Weſs (?) zu Holthusen /geschenkt/ worden, welchen derselbe im vorigen Jahre aus dem Fluſsbette der Ems hatte ausgraben lassen. Der Kahn besteht aus einem Eichenstamme, welcher vermittelst Feuer und Axt recht gut ausgehöhlt, ungefähr 16 Fuſs lang, fast 5 Fuſs breit, vorn spitz, hinten aber abgerundet ist. Die Beschaffenheit des Holzes sowie die Arbeit deuten auf ein beträchtliches Alter.

(Dies.)

41) Die Cantonsregierung zu Aarau hat beschlossen, die /Ruine der Burg zu Baden/, welche auf die Ermordung Kaiser Albrecht’s II. niederblickte, /restaurieren/ zu lassen, doch so, daſs das Bauwerk verbleibt, wie es jetzt ist, und nur vor noch weiterem Verfall geschützt wird.

(Europa.)

42) In /Köln/ werden neben dem Dom auch andere /Kirchenbauten/, meist Renovierungen, von Bedeutung betrieben. Die St. Peterskirche ist vollständig malerisch decoriert worden, die Minoritenkirche ist in ornamentaler Ausschmückung der Vollendung nahe, und St. Maria vom Capitol wird, nachdem die bauliche Herstellung beinahe fertig ist, ebenfalls malerisch ausgeschmückt; die Ausmalung des Chors ist fast vollendet. Auch für St. Martin ist eine malerische Verzierung projectiert.

(Ill. Ztg.)

Inserate und Bekanntmachungen.

11) =Anfrage und Bitte.= Findet sich in irgend einer öffentlichen oder Privat-Bibliothek Deutschlands (die zu Breslau, von welcher dies bereits bekannt ist, ausgenommen) eine /Handschrift des Froissart/?

Gefällige Antworten hierauf wolle man an das germanische Museum richten, welches diese Veranlassung ergreift, um hiemit an die verehrl. Vorstände öffentlicher wie Privat-Bibliotheken im Interesse der Wissenschaft die ganz ergebenste Bitte zu richten, ihm zu möglichster Vervollständigung seines Handschriften-Repertoriums die /Verzeichnisse/ aller unter ihrer Aufsicht befindlichen /Manuscripte deutsch-geschichtlichen Inhalts/ in Abschrift oder zur Abschriftnahme geneigtest mittheilen zu wollen.

12) ~=Grosse Münzauction in Nürnberg!=~

Im Laufe der nächsten Monate (Juni) soll die bedeutende /Sammlung an Münzen und Medaillen/ des jüngst verstorbenen kgl. Advocaten /Dr. jur. Knoll/ zu /Nürnberg/ zur Versteigerung gelangen. Langjähriger, unermüdlicher Eifer des Verstorbenen, der keine der in Folge seiner Stellung und seines Domicils sich ihm vielseitig bietenden Gelegenheiten, seltene Stücke seiner Sammlung zuzuführen, unbenützt vorübergehen lieſs, brachte das Kabinet zu einer solchen Höhe und Bedeutung, daſs ihm ein sehr günstiger Ruf zur Seite steht. Das jetzt in Druck gegebene, von den DDr. jur. /Erbstein/ sorgfältig ausgearbeitete, umfangreiche Verzeichniſs faſst die Sammlung in ca. /4000 Nummern/ zusammen und zeigt eine Reichhaltigkeit an /Thalern/, /Goldstücken/ und /Medaillen/, wie sie nur selten getroffen werden wird. Es finden sich in der Sammlung /Seltenheiten ersten Ranges/; auch zeichnet sich dieselbe in Folge fast durchgängig guter Erhaltung der einzelnen Stücke vortheilhaft aus. Da die Sammlung /universell/ angelegt war, so wird jedem Sammler Gelegenheit geboten sein, Lücken auszufüllen und seine Collectionen in dieser oder jener Beziehung zu vervollständigen. -- Verhältnisse halber kann die Zeit zwischen Ausgabe des Katalogs und der Versteigerung selbst nur /eine kurze/ sein; deshalb werden alle diejenigen, die einen Katalog zu haben wünschen, schon jetzt durch J. A. Stein’s /Buchhandlung/ in /Nürnberg/ auf die Auction aufmerksam gemacht und gebeten, =schon jetzt die Bestellung des Katalogs= an dieselbe ergehen zu lassen, damit sofort nach Erscheinen desselben die Versendung bewerkstelligt werden könne. Da die Auflage des gut ausgestatteten, systematisch angelegten Katalogs eine nur geringe werden soll, so dürfte ein baldiges Verschreiben desselben den Herren Numismatikern nur anzurathen sein. Nach Beendigung der Auction wird eine Preisliste gedruckt. Man bezieht den Katalog =durch jede Buchhandlung= von J. A. Stein’s Buchhandlung in Nürnberg unter der Bezeichnung:

=DDr. Erbstein, die Knoll’sche Münzsammlung.=

13) ~=Die altpreuſsische Monatsschrift=~

zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst, Wissenschaft und Industrie herausgegeben von

=R. Reicke= und =E. Wichert=

erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet ihren Lesern in reicher Abwechselung: ~Belletristisches~, ~Abhandlungen~ aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, ~Kritiken~ und ~Referate~, überall mit besonderer Beziehung auf Altpreuſsen, sei es, daſs die Verfasser daselbst heimisch, sei es, daſs die behandelten Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart oder Vergangenheit entnommen sind, endlich ~Mittheilungen~ von mehr als gewöhnlichem Tagesinteresse, ~Correspondenzen~ aus den gröſsern Städten, ~Universitäts-~ und ~Schul-Chronik~ und ~Bibliographie~.

Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr.

/Inserate/ werden die Petit-Zeile mit 2½ Sgr. berechnet.

Bestellungen auf die /Altpreuſsische Monatsschrift/, deren dritter /Jahrgang/ mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden ersten Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preuſsischen Postanstalten an. Durch den Buchhandel, wie durch die Expedition (Brodbänkenstraſse Nr. 1) sind auch noch complette Exemplare des ersten und zweiten Jahrgangs zu beziehen.

Königsberg i. Pr., 1866.

~Druck und Verlag von Albert Rosbach.~

Den Commissions-Debit besorgt die ~J. C. Hinrichs~’sche Buchhandlung in /Leipzig/.

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen Deutschlands incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.

Für Frankreich abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für England bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für Nordamerika bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1866. Nº 5. Mai.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Die Krönungsinsignien des Mittelalters.

Nach Dr. F. /Bock’s/ Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen

von A. /Essenwein/.

(Schluſs.)

II.

Betrachten wir nun die Kleinodienstücke selbst, die zum kaiserlichen Ornate gehörten, so sind es sowohl stoffliche, als metallische. Wir fassen zuerst die stofflichen ins Auge, nämlich die Tunica, Alba und Pluviale, denen sich das Humerale, die Strümpfe, Schuhe und Handschuhe anschlieſsen. Das Humerale ist verloren gegangen; von Schuhen und Handschuhen, die früher in mehrfacher Zahl vorhanden waren, findet sich nur noch je ein Paar. An diese Stücke schlieſsen sich noch die Stola und mehrere Cingula. Bekanntlich schreibt die Volksüberlieferung den Ursprung der Gewänder, sowie der metallischen Kleinodien dem Wiedererwecker des römischen Kaiserthums, Karl d. Gr. zu. Die vorhandenen Gewandstücke entstammen jedoch dem Kunstfleiſse der Araber in Sicilien, wo sie am Schlusse des 12. Jahrhunderts angefertigt wurden und ursprünglich nicht die Bestimmung hatten, für das deutsche Reich zu dienen.

Die tunica talaris ist ein Gewand von dunkelviolettem Seidenstoff, dem dunkelsten Ton des Purpurs, der zugleich der kostbarste und theuerste war. Am unteren Rande ist er mit rothem Zendal besetzt und darauf ein goldenes Ornament gestickt. Ebenso am Rande der vorn enganschlieſsenden Aermel, wo die Stickerei mit Perlen besetzt ist und ein Rand kleiner Emailplättchen den Aermel umsäumt.

Der Schnitt ist derart, daſs das Gewand um die Taille verhältniſsmäſsig eng ist, von da aber nach unten sich schräg bedeutend erweitert. Eine einfache Goldborte umgibt den engen Halsausschnitt.

Die Alba besteht aus einem glatten, schweren, weiſsen Seidenstoff, der etwa im 16. Jahrhundert auf den älteren, gleichfalls weiſsen, ungemusterten, glatten Seidenstoff aufgenäht wurde. Sie ist am unteren Rande mit einem breiten Saume von lichtviolettem Purpur versehen, der in 3 Reihen über einander sich stets wiederholend, je 2 einander zugewendete Greife zeigt. Maurische und lateinische Inschrift desselben Inhaltes sagen, daſs Wilhelm II. von Sicilien im Jahre 1181 die Gewänder in Palermo hat anfertigen lassen.

Der Halsausschnitt ist rings um mit breiter Verzierung versehen, die, in Gold und Perlen auf rothen Grund gestickt, dem Rationale der Bischöfe entspricht.

Die Aermel haben am weiten Oberarme einen gestickten Streifen und auf violettem Grunde eine Reihe von sich wiederholenden phantastischen Thieren. Am Vorderarme sind die Aermel eng und gleichfalls mit einem gestickten Saume versehen.

Zu diesen beiden Gewändern gehört ein drittes, der eigentliche Kaisermantel, der sich gleichfalls als Arbeit arabischer Sticker zu erkennen gibt. Der Grundstoff ist rother Zendal, der genau dem entspricht, welcher die Säume der tunicella bildet. Derselbe zeigt in trefflicher Stilisierung, symmetrisch angeordnet, je eine Hälfte des Mantels füllend, auf jeder Seite einer Palme einen Löwen, der ein Kameel zu Boden geworfen hat. Den Rand füllt eine maurische Inschrift aus, die besagt, daſs der Mantel zu Palermo im Jahre 523 der Hegíra (also im Jahre 1133) angefertigt wurde. Die Gewänder wurden von Heinrich VI., als er das Erbe seiner Gemahlin Constanze, Sicilien, antrat (1195), mit einer groſsen Zahl anderer Kostbarkeiten nach Deutschland gebracht und gelangten wahrscheinlich zu den Reichskleinodien, als Friedrich II. bei dem Verluste von Vittoria auch die älteren Kleinodien verlor. Der Zeit Heinrich’s VI. gehören die Handschuhe an, die, obwohl gleichfalls saracenische Arbeit, sich doch durch den Adler in der inneren Handfläche als für Deutschland gearbeitet zu erkennen geben. Dem Schlusse des 13. Jahrhunderts gehört die Stola an und wird von Bock als norditalienisch betrachtet; die Schuhe und Strümpfe dagegen entstammen wiederum dem maurischen Sicilien. Von Gürteln sind noch 2 vorhanden: ein breiter, gröſserer, der, dem Schlusse des 12. Jahrhunderts angehörend, aus einer breiten Goldborte besteht, die einzelne Thiergestalten als Musterung zeigt, während die Ränder die lateinische Inschrift enthalten: CRISTVS RIEHGNAT CRISTVS INQPARAT DEVS. Derselbe könnte als Träger des Schwertes betrachtet werden, während der zweite, schmale, aus blauem Seidenstoff mit Filigranverzierungen besetzt, den Murr nicht gekannt und abgebildet hat, zur Schürzung der Alba gedient haben dürfte.

Unter den metallischen Kleinodien ist zunächst die Krone zu nennen, die gleichfalls nicht in die Tage Karl’s d. Gr. hinaufreicht, sondern von Bock als italienische Arbeit vom Schlusse des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts betrachtet wird. Sie besteht aus 3 Theilen: einem Streifen, der aus 8, oben halbrunden Schildchen zusammengesetzt ist, von denen 4 reich mit Edelsteinen bedeckt sind, 4 aber Emailbilder zeigen: 1. die Majestas Domini, 2. König Ezechias und den Propheten Jesaias, 3. David, 4. Salomo. Als selbständiger 2. Theil ist das reich mit Edelsteinen besetzte Kreuz zu betrachten, als 3. der Bügel mit der Inschrift: CHVONRADVS · DEI GRATIA ROMANORV̄ IMPERATOR AVG., den Bock Conrad III. zuschreibt. Wir brauchen im Uebrigen dem Verfasser nicht auf das Gebiet der Hypothesen über die Geschichte dieser Krone zu folgen.

Der Reichsapfel, aus glatten Goldblechen bestehend, wird durch einen horizontalen Streifen in 2 Halbkugeln getrennt, während 2 breitere Streifen, mit Filigran und Steinen besetzt, die Kugel senkrecht in 4 Theile zerlegen. Auf der Spitze steht das mit Filigran und Edelsteinen geschmückte Kreuz. Bock hält denselben für sicilische Arbeit des 12. Jahrhunderts.

Das Scepter gehört dem 14. Jahrhundert an und wird von Bock Karln IV. zugeschrieben.

Noch befinden sich zwei weitere einfache Reichsäpfel und ein zweites Scepter bei den Kleinodien, das wohl ehedem als Aspergill gedient hat.

Von den vorhandenen drei Schwertern stellt sich das eine, das als St. Karl’s Schwert bezeichnet ist, durch seine künstlerische Ausstattung als zu den stofflichen Ornatstücken gehörig heraus und läſst sich in den Schluſs des 12. Jahrhunderts und nach Sicilien versetzen. Die Scheide, der Haupttheil des Schwertes, ist von oben nach unten durch eine Anzahl über Eck gestellter, quadrierter, emaillierter Metallbleche besetzt, zwischen denen in den Ecken ein Filigrangrund angelegt ist. Perlenschnüre umfassen die Quadrate. Den unteren Abschluſs bildet ein halbrund geschlossenes Emailplättchen, den oberen ein Streifen. Das oberste der quadrierten Emailbleche enthält den deutschen Reichsadler; das Schwert weist also selbst darauf hin, daſs es für deutschen Gebrauch bestimmt ist (falls nicht das Plättchen erst des neueren Gebrauches wegen noch im Beginn des 13. Jahrhunderts zugefügt wurde), und auf Heinrich VI. oder Friedrich II. als diejenigen, für welche es in Sicilien angefertigt wurde. Der Griff des Schwertes stimmt mit der Scheide überein; nur der obere Knauf entstammt der Zeit Karl’s IV. und zeigt auf 3 Eckschildern einerseits den Adler, andrerseits den böhmischen Löwen. Das Schwert ist das Ceremonienschwert, womit der Ritterschlag vollzogen wurde.

Das zweite Schwert des „/heil. Mauritius/“ hat eine metallene Scheide, die mit einer Anzahl getriebener Königsfiguren geschmückt ist, zwischen denen einzelne Emailplättchen angebracht sind; die Parierstange hat dieselbe Inschrift, wie der kaiserliche Gürtel; der Knopf trägt die Umschrift: Benedictus Dominus Deus qui docet manus. Zwei herzförmige Schilde am Knauf zeigen den kaiserlichen Adler, sowie die Hälfte desselben combiniert mit den drei schreitenden Löwen, dem Abzeichen der alten Erblande des Herzogthums Schwaben.

Das dritte Schwert endlich, das früher nicht zu Nürnberg aufbewahrt wurde, sondern dem Schatze zu Aachen angehörte, ist das Karln d. Gr. zugehörige, ihm von Harun-al-Raschid übersandte, ein Werk orientalischer Kunst, von Bock als persisch bezeichnet, wenn er auch den Ursprung bei der nicht vollkommenen Kenntniſs orientalischer Kunstwerke fraglich lassen will.

Das früher ebenfalls zu Aachen aufbewahrte Evangelienbuch ist karolingisch, so daſs der Richtigkeit der Tradition, die dasselbe im Grabe des groſsen Kaisers gefunden sein läſst, kein Bedenken im Wege steht; der Einband ist spät gothisch. Eine Kapsel, gefüllt mit Erde, die mit dem Blute des Märtyrers Stephan getränkt sein soll, an der Hauptseite vollkommen mit gefaſsten, ungeschliffenen Edelsteinen besetzt, an den Seiten aber mit getriebenen Metallblechen, stammt noch aus vorkarolingischer Zeit. Die übrigen Reichsreliquien sind im Werke nur verzeichnet, ohne abgebildet und beschrieben zu sein, da Bock denselben ein eigenes Buch zu widmen beabsichtigt; dagegen sind nach Delsenbach’s mangelhaften Zeichnungen die verloren gegangenen beiden Armspangen und die Sporen nebst den schon erwähnten, nicht mehr vorhandenen Schuhen, Handschuhen und Gürteln dargestellt.

III.

Hat schon das Bock’sche Werk dadurch eine hervorragende Bedeutung, daſs es zum ersten Male mit wirklich archäologischem Verständniſs Abbildungen im groſsen Maſsstabe, soweit es thunlich in Naturgröſse, der kostbaren Kleinodienstücke gibt, so besteht ein weiteres, sehr groſses Verdienst darin, in eben solcher Weise fast alle noch vorhandenen Krönungspontifikalien anderer Völker, sowie die sonst zerstreuten Kaiserreliquien gesammelt und so Vergleiche geboten zu haben, die das Werk auch für die Geschichte der Formentwickelung wichtig machen.

Wir können hier dieselben nur reihenweise in ihrer Zusammengehörigkeit betrachten und fassen auch hier wieder zunächst die stofflichen, sodann die metallischen Objekte in’s Auge. Unter den stofflichen tritt uns zunächst ein Kaisermantel entgegen, der zu Metz aufbewahrt wird. Er ist mit 4 groſsen Adlern auf rothem Grund bestickt und hat die meiste Aehnlichkeit mit dem Kaisermantel, vielleicht um ein Geringes älter, obwohl die Meinungen gerade über dieses Gewand weit auseinander gehen, das durch die Gelehrten als persisch betrachtet und in die karolingische Zeit versetzt wurde. Höchstes Interesse erregen 3 Mäntel aus Bamberg, die der Zeit Heinrich’s zugehörten, von denen der erste mit einer höchst interessanten Darstellung des gestirnten Himmels versehen ist, in der die einzelnen hervorragenden Sternbilder charakteristisch abgebildet und mit Inschriften versehen sind. Eine Inschrift: O Decus Europae Caesar Henrice beare, Augeat imperium tibi Rex qui regnat in aevum, gibt genaue Kunde über die Zeitstellung; eine zweite Inschrift sagt: Descriptio totius orbis. Fax Ismaeli qui hoc ordinavit; bezieht sich also auf Ismael, Herzog von Apulien, † 1020 zu Bamberg.

Eine noch in ursprünglicher Gestalt erhaltene Casula zeigt auf violettem Purpurstoff, in Kreise eingeschlossen, wiederholt einen kaiserlichen Reiter, einen Falken auf der Rechten, ein Scepter in der linken Hand haltend, der über seine Feinde wegreitet und von reichem Ornament umgeben ist. Nach Bock stammt die Casel frühestens aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Er vermuthet, daſs dieselbe ehemals einem Profanzwecke diente und erst später die geschlossene jetzige Gestalt erhielt. Ein drittes abgebildetes Gewand dagegen hatte ohne Zweifel ursprünglich kirchliche Bestimmung, obwohl dasselbe den Kaisermänteln zugezählt wird. Es umfasst in einer Anzahl kleiner Kreise Darstellungen aus der heiligen Geschichte, in der Hauptdarstellung den Herrn in seiner Herrlichkeit, von der Höhe ausgehend, in die Strahlen der Sonne und des Mondes gekleidet. Egredietur Dominus de loco sancto suo, veniet ut salvet (populum suum). Diese kostbare Casula entstammt der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Dem 11. gehört jedoch der ungarische Krönungsmantel an, der, von der Hand der heiligen Gisela herrührend, als Casula für die Kirche zu Stuhlweiſsenburg gefertigt wurde und mit höchst interessanten symbolischen Darstellungen versehen ist. In der Kirche zu Martinsberg bei Raab befindet sich noch die in Naturgröſse gezeichnete Vorlage, nach der die königliche Stickerin ihre Arbeit anfertigte, die in früheren Zeiten gleichfalls als der Mantel selbst betrachtet worden war und so mannigfache Verwirrung unter älteren Gelehrten hervorgerufen hatte. Ein interessanter Kaisermantel ist der Otto’s IV. im Museum zu Braunschweig, mit einer Anzahl Löwen und Sterne und Halbmonde bestickt, in die sich an den vorderen Rändern knieende Engel mit Rauchfässern mischen, während vier einköpfige Adler eine mittlere Theilung auf dem Rücken bilden; auch ihn schreibt Bock sicilianischen Stickern zu.

Der jüngste unter den Mänteln ist die in Aachen aufbewahrte Cappa Leonis, die, der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. angehörig, von Bock als Geschenk des Königs Richard von Cornwallis betrachtet wird.

Den Mänteln schlieſst sich noch eine tunica an, die, Heinrich II. zugeschrieben und aus seinen Tagen stammend, freilich im Schnitte bedeutend modificiert, sich im königl. Nationalmuseum zu München befindet und mit Stickereien versehen ist.

Für die Geschichte der Stickerei ist also eine wesentliche Bereicherung im Bock’schen Werke gegeben. Nicht minder aber auch für die Geschichte der Weberei bietet das Werk interesssante Beiträge, indem Zeit und Herkunft einer Anzahl von Stoffen genau bestimmt sind, die, in Naturgröſse abgebildet, wieder zur Vergleichung anderer die bestimmtesten Anhaltspunkte gewähren. So sind etwa 12 verschiedene Stoffmuster theils in Holzschnitt, theils in Farbendruck naturgroſs gegeben.

Noch wichtiger erscheint das Werk für die Geschichte der Goldschmiedekunst. Da führt es uns eine Anzahl jener Kronen vor, die den vorkarolingischen Zeiten angehören; es zeigt die zu Guarazzo gefundenen Kronen des Recesvinthus und Svintilianus. Die Krone des Agilulf (gegen 600) wurde leider 1804 zu Paris gestohlen und vernichtet; die Krone der Theodolinde zu Monza dürfte aus der Zeit dieser Fürstin herrühren. Sodann folgt die eiserne Krone der Lombardei, die nach Bock ein griechisches Kunstwerk aus dem 9. Jahrhunderte ist und ursprunglich keine Königskrone war, wobei es Bock freiläſst, ob sie, wie andere Kronen, ehemals eine Votivkrone oder ein Armband gewesen, nachdem sich in Petersburg zwei mit der eisernen Krone fast identische Armbänder befinden. Die Krone ist bekanntlich nicht von Eisen, wird auch vor dem 13. Jahrhundert gar nicht als eiserne bezeichnet und hat ihren Namen von einem eisernen Ringe im Innern, der die einzelnen goldenen Theile zusammenhält und der Tradition nach aus einem Nagel vom Kreuze Christi gefertigt sein soll. Die eine der zu München aufbewahrten Kronen, die aus Bamberg stammen, schreibt Bock der heiligen Kunigunde zu, deren Cranium sie Jahrhunderte lang bedeckt hatte. Dieselbe ist mit einer zweiten Krone heutzutage verbunden, die in der chronologischen Reihenfolge einen spätern Platz einzunehmen hat. Eine Krone griechischen Ursprunges, mit der deutschen Kaiserkrone in der Hauptform verwandt, ist die des Constantin Monomachos, von der sich in dem Museum zu Pesth Bruchstücke befinden, zwischen 1042 und 1050 entstanden, vielleicht ein Geschenk an einen ungarischen oder serbischen König.

Die ungarische Krone besteht aus zwei wesentlich verschiedenen Bestandteilen; der erste ist der Stirnreif, mit den an der Vorderseite befindlichen zackenartigen Aufsätzen, in dem durch angebrachte Bilder die Geschichte des Reifs illustriert wird, und der sich demgemäſs als Geschenk des Kaisers Michael um 1075 an Geisa, Herzog und später König von Ungarn, erweist. In der Krone befindet sich ein kreuzförmig das Haupt überspannender, breiter Doppelbügel, der nach Bock aus den Zeiten des heiligen Stephan herrühren könnte, dem die Tradition die ganze Krone zuschreibt; sie stammt somit aus dem Jahre 1000, wo Papst Silvester II. diesem König eine Krone sendete.

Hier fügt sich nun die deutsche Kaiserkrone in die Serie ein, die ehemals ebenfalls oben einen flachen, kreuzförmigen Bügel hatte, wie noch die Ansätze an den einzelnen Theilen erkennen lassen, an deren Stelle nun nur der eine schmale, hohe Bügel Kaiser Konrad’s getreten ist.

Höchst einfach sind zwei Kronen, die König Bela von Ungarn und seine Gemahlin mit in’s Grab genommen haben. Sie sind offenbar blos zu diesem Zwecke angefertigt und bestehen aus einem Stirnreif mit 4 Kreuzen.[A]

Den Arbeiten der deutschen Reichskleinodien, wie sie am Ceremonienschwerte, an den Handschuhen u. s. w. sich zeigen, ist die Arbeit an der Krone der Constanze zu Palermo, die aus dem Grab erhoben wurde, anzufügen. Sie besteht aus einem Häubchen, das mit einem Stirnreife und ebenfalls mit gekreuzten Bügeln besetzt ist. Der Grund des Häubchens zeigt ganz die gleiche Arbeit, wie der Grund der Schwertscheide, und die Emails gleichen wieder genau jenen.

Arbeit eines abendländischen Künstlers vom Beginne des 13. Jahrhunderts ist die Krone Philipp’s des Guten von Namur, auch als Krone Balduin’s von Jerusalem bezeichnet, die stets eine Reliquienkrone gewesen zu sein scheint.

Die deutsche Königskrone in Aachen, die corona argentea, die jetzt auf dem Haupte Karl’s d. Gr. ruht, ist eine Lilienkrone von sehr eleganter, schöner Form mit einem Bügel, der über das Haupt von vorn nach rückwärts reicht. Sie gehört der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an, also der Zeit des Interregnums und dürfte von Richard von Cornwallis herrühren. Der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehört die Lilienkrone an, die jetzt mit der Krone der heiligen Kunigunde verbunden ist; der Mitte des 14. Jahrhunderts die schwerfällige, mit gewaltigen Edelsteinen besetzte Krone Böhmens, die unter Karl IV. angefertigt wurde; dem Schlusse des 14. eine äuſserst elegante Krone, die in einem Grabe auf der Margaretheninsel in Pesth gefunden wurde und einer Königin aus der Regierungsperiode der Anjou’s zugehören dürfte. Die jüngsten dieser Kronen dürften die eine sein, die, in München aufbewahrt, gleichfalls der heiligen Kunigunde zugeschrieben wird, die aber auf der Grenzscheide des 14. und 15. Jahrhunderts steht, und die Krone der Margaretha zu York, Gemahlin Karl’s des Kühnen.

Auſser den Kronen sind andere Goldschmiedearbeiten aus sehr alter Periode abgebildet, ein Kreuz des Kaisers Justinian in St. Peter zu Rom, eine Anzahl Kreuze von Votivkronen zu Guarazzo, das Kreuz des Agilulf, das des Adoloald, des Berengar, das der Theodolinde. Die Waffenstücke Theodorich’s und Childerichs (jetzt in Troyes und Paris), der Kamm der Theodolinde, der höchst interessante, mit Filigran bedeckte ungarische Scepter, der Scepter im Schatze zu Aachen sind kostbare Werke, die über die Goldschmiedekunst ihrer Zeit überraschende Aufschlüsse geben. Nicht minderes Interesse gewährt der Helm des heil. Wenzeslaus und das Schwert des heil. Stephan, das Kreuz des Kaisers Lothar, die Kreuze zu Gran, die schon erwähnten Kostbarkeiten aus Aachen, der im Stile der Renaissance gearbeitete Scepter und Reichsapfel Böhmens, mehrere weitere Schwerter und verschiedene Reliquiarien, sodann der Fächer der Theodolinde, das Weihwasserbecken zu Mailand u. s. w.

Besonderes Augenmerk möchten wir noch auf einige Kleinodientruhen werfen, die abgebildet sind und dem 13. Jahrh. angehören, so die zu Aachen, die mit einer Anzahl emaillierter Medaillons besetzt sind, welche sich auf rothgefärbtem Holze aufgelegt fanden. Sie war von Richard von Cornwallis hergestellt; ihr ganz ähnlich ist die Casette des St. Louis, die jetzt sich im Musée des Souverains zu Paris befindet, jedoch geringere Ausdehnung hat, als die groſse Kleinodienkiste. Aehnliche emaillierte Medaillons befinden sich im Museum zu Pesth, die wol ehemals einer ungarischen Kleinodienkiste angehörten.

Auch eine Anzahl interessanter Lederkapseln für verschiedene Kronen, sind abgebildet, von denen die älteste die sein dürfte, welche ehemals Schwedens Krone umschloſs und sich nun im Besitze des Senators Culemann in Hannover befindet. Höchst interessant sind die Büchsen, die Karl IV. für die deutsche und für die böhmische Krone hatte anfertigen lassen; ferner die Kapsel für die Brautkrone der Margarethe von York zu Aachen; die Kapsel für die Krone Philipps von Namur, dem 13. Jahrh. angehörig, hat wieder Verwandtschaft mit den Kleinodientruhen; sie ist mit glattem, ungefärbtem Leder überzogen, auf dem emaillierte Medaillons befestigt und metallene Nägel mit runden Köpfen zur Verzierung eingeschlagen sind.

Wir können zum Schlusse dieser Beschreibung die Klage nicht unterdrücken, daſs das Werk, seinem kostbaren Inhalte angemessen, so theuer ist, daſs es kaum zugänglich wird; sprechen jedoch die Hoffnung aus, daſs unser gelehrter Freund bemüht sein werde, den Inhalt auf anderem Wege zum Gemeingut zu machen, wozu ihm mit Vergnügen diese Blätter zur Verfügung gestellt würden.

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Bock vergiſst hier anzugeben, welchem Bela die Leiche angehörte, ob Bela I. (1061-63), Bela II. (1131-41), Bela III. (1174-96). Dem IV. dürfte sie wohl schwerlich zugehört haben, der 1235-70 regierte.]

Die Juden zu Naumburg an der Saale.

Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.

(Schluſs.)

=B. 1446.=

Nach Cristi geburt Tusent vier hundert jn dem Sechss vnde vierzigsten Jar Am Fritage nach Judica habin geteydinget Die Gestrengen hans von solschicz houbitman Gerhard selbueldige Rath hans vom Vixte auch gesworene Nicklaus von hoendorff Richter zu Nuemborg alle amptlute vnsers gnedigen hern von Nuemborg alzo mit volborte dryer Reihe vnde der gantzen gemeyne wegin der Stad zu Nuemborg uff eyn nemlich do Borgermeistr. waren hans von Glogow vnde Thomas hyldebrand Camerer Conrad schutzemeistr. pauluck von der hardt vnde andere die medt gesworne Ratheskumpan vnde von wegin der Jodisscheyt wonhafftig daselbst uff die andere sythe. Nemlich der Jod leser meyger muschel Jacob gatheus abraham vnde yusche die Itztzinne Joden zu Nuemborg sint adir jn zukunfftigen getziten hir sin werdin alzo von gebrechins vnde vorhabin der Jodin wuchirrs halbin vnde andir gebrechin mer da vone die Rethe erkanten, das die Stad Nuemborg ser beswert wart unde vordir seier beswert mochte wordin sie vnde sulche beswerunge si vordir bracht habin an vnsern gnedigen hern herren peter itzunt Bischoff zu Neuemborg das dann vordir syne gnade vorwilt vnde tzu gegebin had das die Joden inzukunfftigen gezyten fort mer so haldin sullin alzo hirnach geschriebin stehit Nemlichin das sie eynem iglichin burger burgeryn adir Burgers kynder sie sint cluch adir fryledig dy sich selbst vermelden eynen gulden adir eyn schoch nicht hocher lihen sullin dann eyne wochin umb zwene phennynge eyne halli. guldin adir eynen ort alzo noch folgin hynder sich zu rechin addir an vorschriebunge noch uff phandt vnde sulle auch nymant der eyn Burger zu Nuemborg ist vnder eyme jar zu keyner rechenunge drynge es were dann sache das er tzwifel hedte daz solche syne gute adir phande solich houbit gut vnde wuchir nicht getragen konndte, das sal der Jod brengen an unsers gnedigen hern von Nuemborg Richter vnde an eynen sitzenden Rath die sullen erkenne ob ome (ihm) rechins adir clagens not sie werdit darnach sich der Jod richtin vnde haldin sal Vortmer sulle die Joden noch die Jodynn noch die oren (Ihrigen) kheynem burger burgeryn adir burgers kynder die do vormunden habin keyn gelt lihen addir uff phandt noch ane phand bie vorlysinnige (Verlust) des geldes daz die one (ihnen) geleihin habin hynder one vormunden Ouch wullin die Rethe uff das das dy Joden wissin sullin wem sie ihr gelt lyhen werdin ob er vormunden habe adir nicht solchin vorlass (Erlass) alle jar vorkundigen lassin In der kirchin daz sich eyn Jederman dornach wisse zu richtin ob ymand zwyfel hedte das vormund er were das der syn adir dy syne gelt Juden Jodin nemen worde daz deme Rathe kunt thun die es dann von die der Joden obirsten eyme vorkundigen sullin der ok dann den andern Jodyn von der vorkundige sal sich dy Joden darnach lassin zu richtin vnde zu haldin also ob yn komt vnde geschrieben stehet wordin ouch die Joden icht vnbilliches vor addir hir nach vorkouffin vornemen daryn sal unsers gnedigen hern von Nuemborg Richter mit deme Rathe macht zu Sprechen habe dornach sich dy Joden richtin vnde haldin sullin. Sulchir eynunge sal eyn ichlicher Jode der do vort mere zu Nuemborg eyn Jode sin wil unde da wonen stetiklich (unleserlich) -- -- haldin solchir daz nicht thun wolde vnde darzu nicht gehindin sullin vnde wullin wir zu Nuemborg nicht lyden noch uffnemen czu bekenntnisze sulchir beteydingunge habe ich obgenanter nicklaus von hoendorff myn Ingesiegel budene an diesse gedele gehangen.

An der äuſsern Seite der Urkunde steht: Der Juden brieff wo so es mit dem Wucher zu nemen halden sollen.

Späterer Zusatz: Hinfurdt die Juden vom fl. oder Schock nur wöchentlich ihn 2 ₰ nehmende. 1446.

Originalien des Magistrats-Archivs zu Naumburg Nr. 26.

Das Copialbuch von 1540 enthält den Vermerk (Fol. 49): Eyn versiegelter Brief, wie der Juden vbermessiger wucher halb, die Bürger beschwerrt, ferner das sie vnmündigen kindern gelts gelihen, Das es durch vnssers g. h. ampleuthe vorhandelt, das sie christen vom gulden eine Woche nicht mehr den zween pfennige habenn nehmenn thuenn, und kindernn, so nicht vormunder gehabt, nichts leyhen thuen, anno 1446. Welcher brief als unnottigk nicht ist asservirt sondern bei die andrenn Juden Brieue gebundenn wordenn, alda er zu findenn.

=C. 1494.= Wie die Jüdenn mit sechsszigk gülden widerkawflicher zinsse mit zwölfhundert florenn abezulossenn wider aus der Stadt gawfft wordenn.

Wir Johanns von Gots gnadenn Bischof zu Naumburgk, für vnns vnnd unssre nachkommen mogen Allen disses briues ansichtigen bekennen: Nach deme wir uns aus pflicht aufgelegter wurdenn, fürstlicher wirck schuldigk erkennen, auch alle zeyt geneigedt seinn, vnnssre underthanenn nütz, vnnd disses vnnssres vormögens zu trachten, vnnd disse von zukünftige verderbliche schadenn vnnd vngedryung, durch ziemliche vnnd bequemliche Mittel, wo wir können, zuvorschonen -- Sein wir durch die ersamenn, vnnssre lieben getreuvenn Rath, Rethe, Hantwerge Ckassenmeister vnnd ganntze Gemeine vnsser Stadt Naumburgk mit manchfeldigen Clagen angesucht vnnd bericht -- Wir darinn vonn denn Juden, des Crützes Christi feindenn, seiner werdenn muttre lesterer, untz hir vonn vnnseren vorthuren zuliegenn vnnd vnns daselbst enthaldenn, sich teglich mehren, darinn vnnd iren Beywohnern mergliche verderbliche schadenn vnnd abzüge zugefugt wurdenn -- -- Vnnd darauf angeruffenn hochlichen angezogen, vnnd demütiglichen gebethenn, solche Unbeschwerung gnediglich zu hertzen zu nehmenn, vnnd obberürten Unnrath helfkenn zuvorkommen -- -- Als geben wir zuforderst gote vnnd seiner werden muttre Marien ehre vnd lob -- Durch die Vnnssren obgenannt vorderbliche zu hertzen genohmenn vnndt angesehenn, Vor vnns Alle vnnssre Nachkhomenn, mit Zulassung vnnd bewyllegung der wirdigenn vnnd achtbaren vnnssrer lieben andaechtigen Techant, Senior vnnd des ckantzenn Capittels vnnssrer kirchen zu Naumburgk, bemelten Rath, Rethen, Hantwerge, Ckassenmeisterenn, vnnd gantzer Gemeine aus gnedigen wyllenn zugesagt, vnnd vorsychert, zusagenn vnnd vorsychernn In kund mit kraft dis briues, das Wir die Judeschafft itzo zur Naumburgk zur zeitendung ires gleits vnnd vorschreibung, so sie von vnns habenn, vrlauben, die vonn dann aus all vnssrenn gebythenn vnnd gerichten daselbstenn ziehenn lassenn -- Wir vnnd vnnssre nachkommen auch zu ewigen gezeitenn keinenn mehr, was handels der sich noethe, dahinn setzenn, nehmenn, noch habenn, wissentlich leidenn oder duldenn wollen -- Vnnd ob jn umbligendenn stedten, dorffernn oder vaden (?) ausserhalb vnnsser gebit vnnd obrikeyte zukunftigk vonn anndrenn herschafftenn Judenn gehaltenn würdenn, dennselben bei vns noch vnssren nachkommenn, jnn gedachter vnssrer stade noch vorstedten, auch auf der freyheit keines handels, wie der wehre, sol vorstadt oder zugelassen werden, vnnd jnn kraft disser vnssrer vorschreibung verbothenn sein, -- Vnnd ob sie darüber mit Jmandes handeltenn, sol darinn durch vnsser gericht in keiner weyse geholfenn werden, -- Sie sollenn vnnd mogenn auch die gemelte Rath vnnd Gemeine zu Naumburgk aufgedacte zeit der Juden abscheides, die Judenn schul daselbst, wiewol inenn die jnn vnssrenn nahmenn fürmalls aus kraft vnsser obrikeyt zustenndigk gewesenn ist, zu gemeiner stade Nützung nehmenn, dorann wir vnns und vnnssre nachkommenn auch in kraft ditzs briues vorfryhenn, vnnd wollenn die ewiglichenn bei gedachtenn Rathe vnnd gemeine lassenn Vnnd dieweyl wir obgenanter bischof Johans vnnd vnssere vorfahrenn einenn merglichen nütz von der Jüdheit zu Naumburgk jerlichenn jnn vnnssre Ckammer fallent gehabt, habenn sich die gedachtenn Rath, Rethe, hantwerge, Ckassenmeister und gantze gemeine vnnsrer stadt Naumburgk vmb solche vnnssre erzeigte gnade, vor sich jre nachkommen, bewylligtt, vorheischung, vnd sich gegen[A] vnns vorschriebenn jerlichen sechszigk Reinische guldenn[B] zins halb auff Walpurgis vnd halb uff Sanct Michaheli, was sie aber wider zu sich mit Zwölfhündert volwichtigenn und lantwerigenn Reinischenn guld. kauffenn mügen, wenn jnen das denkt[C]. Doch das sie vnns solchen widerkauf ein vierteil Jhares vor kundigen vor einem zinstage mit jrem briue, vnnd dornach auf demselben zinstagk vnns oder vnssren nachkhomenn genannte zwolf hündert Reinische gulden, volwichtiges lantweriges gelts, alhie zu Zeitz jn vnnsre kammer mit allen vorsessen zinnssenn vberreichen vnnd bezaln trewlich vnnd ane alle gefherde. -- Das zu vrkunde haben wir obgedachter Bischoff Johannes vnnssre grost jnnsigel aufs ennde dis briues wissenlich henngen. Vnd wir hier nach geschriebener Güntherus von Bünaw Techant, Andreas von Konritz Senior vnd das gantze Capittel der Thumskirchenn zu Naumburgk bekennenn vor vnns vnnd alle vnssre nachkomenn, das wir zu obberürte vrlaube der Judenn, vonn vnssrenn gnedigenn herrn von Naumburgk obgenant, vnd vortrage derhalbenn mit dem Rathe geschehen, wir vorberürt vnsere günst vnnd bewylligung gethan habenn auch des zu bekenntnus und ferner vrkund vnnssres grosses insigel aufs ende dis briues lassenn brengen. Da gegeben ist nach Christi vnnssres hernn geburth vierzehn hundert und darnach im vier vnnd nüntzigsten Jhare am Montage nach Vocem Jncundatis.

Copien aller etc. Fol. 49.

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Von derselben Hand am Rande: NB. Juden Zins.]

[Fußnote B: Von einer spätern Hand nochmals am Rande wiederholt.]

[Fußnote C: Von späterer Hand: Mit 1200 Reinisch gulden abzuleg. wan der Rath will.]

„Die ersten Büchsenschützen, die an der Wange abschossen.“

Aus der Mittheilung im vorigen Jahrgang des Anzeigers f. K. d. d. Vorzeit, Nr. 12, Sp. 469 geht hervor, daſs über die alten Handfeuerwaffen und deren Handhabung hier und da noch manche Irrthümer herrschen. Eine nähere Beleuchtung und Berichtigung des dort Gesagten dürfte daher vielleicht nicht ganz überflüssig sein.

Im Eingange heiſst es daselbst: „Im J. 1517 wurde das Steinfeuerschloſs zu Nürnberg erfunden. Bis dahin wurden die Büchsen, indem man sie auf ein gabelförmiges Gestell legte, vermittelst einer Lunte abgeschossen. Jene Erfindung verlieh ihnen eine viel gröſsere Treffsicherheit; denn man fieng jetzt an, sie an der Wange abzuschieſsen, was das Zielen sehr erleichterte.“ Hierin sind drei Punkte, deren Richtigkeit bestritten werden muſs, nämlich 1) daſs die Erfindung des Radschlosses im J. 1517 geschehen, 2) daſs man bis dahin die Handbüchsen auf Gabelgestellen und nur mit der -- in der rechten oder linken Hand gehaltenen -- Lunte abgefeuert, und 3) daſs man erst nachher angefangen, sie an der Wange abzuschieſsen.

Den ersten Punkt anlangend, so weist Mehreres darauf hin, daſs das /Radschloſs/ schon im ersten Jahrzehend des 16. Jahrhunderts existiert hat. Vor Allem ist hier eine Stelle im /Theurdank/ zu nennen, der bekanntlich 1517 zum ersten Male und zwar zu Nürnberg im Druck erschien. Sie lautet, nach der Frankfurter Ausgabe von 1589, Bl. 49b, folgendermaſsen:

Denn zu den Zeiten war die Sitt Bein Büchsen trug man Zündstrick mit, Mit eim Feureisen, Schwam und Stein Hielt man Feur bei Geschütz insgemein, Die schädlich Feurschloſs noch nit waren Wie jetzt gemein in selben Jahren.

Unter den /Feuerschlössern/ können nur die Radschlösser verstanden sein; denn 1. wurden im 16. Jahrh. nur diese so genannt, nicht aber die /Luntenschlösser/; 2. wurde es überhaupt erst nach Erfindung des Radschlosses üblich, den Mechanismus zum Abfeuern „Schloſs“ zu nennen (wahrscheinlich von den daran befindlichen Schnellfedern), wenigstens ist kein Beispiel bekannt, daſs der dem Radschloſs vorangegangene federnlose /Luntenhahn/, oder /Drache/ (/Serpentin/) Schloſs genannt worden wäre; 3. konnte vom Luntenhahn nicht gesagt werden, daſs er zur Zeit des Tyrocinimus Maximilans’s I. noch nicht vorhanden gewesen sei, weil derselbe um’s J. 1480 in Deutschland und den angrenzenden Ländern schon viel in Gebrauch war; 4) spricht auch die Bezeichnung „schädlich“ dafür, daſs das Radschloſs gemeint ist; denn von diesem und keinem andern wissen wir, daſs es geraume Zeit für die öffentliche Sicherheit gefährdend gehalten und deshalb das Tragen der damit versehenen Büchsen, die man anfangs /selbstzündende/ oder auch blos /zündende/, später, zumal die Pistolen, /Zündbüchsen/ nannte (Hortleder I, 1943), wiederholt verboten wurde, wie z. B. noch 1533 in Oesterreich (Buchholz, Ferdinand I., VIII, 50. Anm.). Ein solches Verbot gibt es nun auch schon aus dem J. 1506; denn die Gesetze der in diesem Jahre zu /Geislingen/ errichteten Schieſshütte bestimmen, daſs niemand einer „selbstzündenden Büchse“ sich bedienen solle (Jäger, Geschichte d. schwäb. Städtewesens, I, 422). Das Alter des Radschlosses würde hiernach also mindestens bis 1506 zurückgehen. Daſs es noch bis vor 1501 zurückgeht, läſst die Zeichnung einer Handbüchse von diesem Jahre schlieſsen, wovon weiter unten ausführlicher die Rede sein wird. Im Uebrigen ist bekannt, daſs nur die Chronik eines ungenannten Nürnbergers die Angabe enthält, das Radschloſs sei 1517 in Nürnberg erfunden, während andere Quellen, die Doppelmaier benutzte, blos sagen, in diesem Jahre habe man in Nürnberg und gleichzeitig auch in Augsburg die Radschlösser gemacht (v. Stetten, Kunst- etc. Gesch. v. Augsburg I, 201), was vielleicht so zu verstehen ist, daſs solche damals zuerst als stehender Handelsartikel von besondern Handwerkern, die unter dem Namen /Feuerschloſsmacher/ vorkommen, verfertigt wurden.

Gegen den zweiten Punkt, daſs man bis zur Erfindung des Radschlosses die Handbüchsen auf Gabelgestellen abgefeuert, ist geltend zu machen, daſs sich bis jetzt, so viel man weiſs, in den Schriften des 14. und 15. Jhdts. nicht das Geringste gefunden hat, was diese Behauptung bestätigte, wohl aber Mehreres, woraus hervorgeht, daſs man die Büchsen in der Regel frei auf der Hand, ohne sie auf eine Gabel oder andere Stütze aufzulegen, abgeschossen hat. Dahin gehört für die älteste Zeit eine Abbildung in einem Feuerwerkbuche der Münchener Bibliothek (C. g. Nr. 600, Bl. 10), dessen Entstehung aus verschiedenen innern und äuſsern Gründen zwischen 1360 und 1380 gesetzt werden muſs. Diese stellt einen Mann mit einer Handbüchse dar, die damals noch aus einer kurzen Röhre mit einem darin steckenden eisernen Stiel bestand, und die er an letzterem mit der linken Hand schief nach vorn in die Höhe gerichtet hält, während er sie mit der rechten vermittelst eines langen, unten einen Knopf, oben einen seitwärts gewendeten Zacken habenden Feuereisens, wie es scheint, durch Inbrandsetzen einer aus der Mündung heraushangenden Zündschnur abfeuert. Um besser zielen und treffen zu können, als es auf diese Art möglich war, nahm der Schütze, wenn es die Umstände erlaubten, die Büchse in beide Hände, hielt sie frei vor sich hin und lieſs sie, nachdem er darüber visiert und sie je nach der Entfernung des Ziels mit dem hintern Ende mehr oder weniger gesenkt und ihr dadurch den erforderlichen Erhöhungswinkel gegeben hatte, durch einen Gehülfen abfeuern. Dies Verfahren wird in einer Anweisung zum Schieſsen mit dem „gefaſsten“ (d. h. auf einem graden, mit der Hand zu umspannenden, Stab genannten, Holze befestigten) Handrohr, umständlich beschrieben, die in einem die Jahrzahl 1457 am Ende tragenden Kriegsbuch der Wiener Bibliothek (Nr. 221, 2952/Ph.4°202′ §. 38) sich befindet und leicht die einzige sein möchte, die uns aus der ältern Zeit bis zum 17. Jhdt. herab erhalten ist. Auf den Schieſsständen der Schützengesellschaften war im Anfange des 16. Jhdts. nicht nur jede Unterstützung der angeschlagenen Büchse, sondern selbst das Ansetzen des Kolbens an die Schulter untersagt. So heiſst es z. B. in einem 1501 von Bürgermeistern und Rath der Stadt /Kölln/ erlassenen Einladungsschreiben zu einem groſsen Festschieſsen, wovon ein gedrucktes Exemplar mit dem über der Schrift zwischen einer Armbrust und einer Handbüchse stehenden ausgemalten Stadtwappen in der städtischen Bibliothek zu Köln aufbewahrt wird: „Es sall auch eyn yecklicher schieſsen vffrecht mit fryem schwebenden Armen vnd affgesneden wammes ermell aen schnore vnd reme und auch aen scherm oder rauchpanne vnd also dat dye bosse dye assel nyet enroert vnd sunderlich vff yede bossen nyet me dan eyn slecht abesyen vnd hynden eyn lochelyn oder vffen schrentzelyn haben vnd sall geyn schutze zwey Klotz ader Kogelen ader gefedert Klotz schieſsen;“ wer dawider verfährt geht sein Schieſszeug verlustig. Man könnte nun denken, daſs man im Kriege und auf der Jagd die Büchsen auf Gabeln abgeschossen. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte man sicher auch die letzteren neben den Büchsen in den Zeughäusern und Rüstkammern vorräthig gehalten, und sie müſsten dann nothwendig in den Inventarien des Kriegs- und Jagdzeugs, deren wir mehrere sehr vollständige aus dem 15. Jhdt., und darunter auch eins von dem 1462 in Nürnberg vorhandenen Kriegsmaterial, besitzen, mitverzeichnet stehen. Wir finden jedoch nirgends eine Spur davon, selbst nicht für die Hakenbüchsen die wegen ihres Gewichts und Rückstoſses nur aufgelegt abgeschossen werden konnten. Erst gegen Ende des 15. Jhdts., als man anfieng, der Handrohre von mehr als dreilöthigem Kaliber auch im Feldkriege sich zu bedienen, kamen für die grössern derselben, die von drei Mann gehandhabt wurden, tragbare, dreibeinige Schrägen in Gebrauch (nach Beninga hatte 1501 Graf /Edsard von Ostfriesland/ deren 1000 Stück in der Schlacht bei /Dam/ gegen die Gröninger), und für die kleineren, nur einen Mann erfordernden, erst im dritten Jahrzehend des 16. Jhdts. die Gabelstützen, die, soviel man weiſs, zuerst im J. 1521 von den Spaniern in Italien bei ihren langen Musketen geführt wurden.

Zur Widerlegung des dritten Punkts, daſs man erst nach der Erfindung des Radschlosses angefangen, an der Wange abzuschieſsen, bedarf es nur der Hinweisung auf den /Lunten/hahn, der diese Art des Abschieſsens, wodurch bis dahin die Armbrust dem Feuerrohr in der Treffsicherheit beträchtlich überlegen gewesen war, zuerst ermöglichte. Derselbe bestand nur aus einer, an der rechten Seite des Schaftes hinter dem Zündloch auf einem Zapfen angebrachten Winkelhebel, dessen stehender Arm einen flachgelegenen, in eine Klemme mit Schieber auslaufenden Bügel bildete, und dessen liegender in der Mitte einen treppenförmigen Absatz hatte, wodurch seine hintere Hälfte einige Zoll tief unter den Schaft zu liegen kam. Wurde nun der liegende Arm, der durch ein quer über seinen mittleren vertikalen Theil gelegtes Blech gegen Verbiegen geschützt war, durch Heranziehen seiner hintern Hälfte an den Schaft gehoben, so senkte sich der stehende Arm mit dem in die Klemme gesteckten Stück Schwamm, Zunder oder Zachen (Lunte) auf die Zündpfanne herab. Wenn jener hierauf losgelassen wurde, gieng dieser sogleich wieder in die Höhe, weil ersterer viel länger und schwerer war. Die Zeit der Erfindung des Luntenhahns ist nicht näher bekannt, doch scheint er schon vor der Mitte des 15. Jhdts. vorhanden gewesen zu sein. Von dem, was sich dafür anführen läſst, sei hier nur der Bericht eines Augenzeugen von der Schlacht bei /St. Jakob an der Birs/ 1444 (Säkularschrift der hist. Gesellschaft zu Basel, 1844) erwähnt, worin es (S. 21) heiſst, ein Büchsenmeister und fünf andere Männer seien den Berg herabgekommen „mit angezündten geladen Büchsen vnd zunder vnd gespannen armbrosten.“ Die älteste Abbildung einer Luntenhahnbüchse, die dem Schreiber dieses zu Gesicht gekommen, ist in einem Feuerwerkbuche vom J. 1473 der Münchener Bibliothek befindlich (C. g. Nr. 599 Bl. 10). Der vorbeschriebene Mechanismus erscheint hier aber, wie die ganze Waffe, schon so sorgfältig, ja zierlich gearbeitet, daſs sich nicht annehmen läſst, er sei nur erst kurz vorher aufgekommen, zumal wir die damit versehenen Büchsen wenige Jahre später fast in allen Ländern Europas verbreitet finden, wenigstens Zeichnungen von solchen, da sie selbst keinen besondern Namen führten, auſser vielleicht allein in Holland, wo sie knipbussen heiſsen (Annal. rer. in Holl. etc. gest. beim J. 1481, in Mathaei analec. I, 398 und J. a Leydis etc. ebendas. S. 726 beim J. 1477).

Der Luntenhahn darf nicht verwechselt werden mit dem spätern /Lunten-/ oder /Schwammschloſs/. Dies unterschied sich von jenem dadurch, daſs der Hahn vor dem Zündloch stand, also zurückschlug und durch einen künstlicheren, gröſstentheils im Schaft liegenden Mechanismus in Bewegung gesetzt ward. Da nun der Hahn des Radschlosses im wesentlichen dieselbe Einrichtung hatte, und das Schwammschloss wegen seiner gröſsern Einfachheit und Sicherheit nach der Mitte des 16. Jhdts. das Radschloſs bei den zum Kriegsgebrauch bestimmten Handfeuerwaffen, mit Ausnahme der Pistolen und Reiter-Arkebusen, fast ganz verdrängte, so ist anzunehmen, daſs es spätern Ursprungs war als dieses und ihm seine Entstehung verdankte. Es findet sich aber schon an der Büchse, die auf dem früher erwähnten Einladungsschreiben der Stadt Köln vom J. 1501 abgebildet ist, ein rückwärtsschlagender Hahn, der, wie man aus seinem beträchtlichen Hervorragen über das von der linken Seite gezeichnete Rohr und aus dem Mangel des Steines zwischen seinen Lippen schlieſsen muſs, einem Luntenschloſs angehört. Hieraus folgt denn für die Erfindung des Radschlosses, daſs dieselbe noch vor 1501 fällt. Viel weiter zurück dürfte sie aber auch nicht fallen; denn in einem Feuerwerkbuche der Heidelberger Bibliothek (Nr. 126 des Wilken’schen Katalogs der von Rom zurückgekehrten Handschriften), welches 1496 von dem pfälzischen Büchsenmeister /Phil. Mönch/ verfaſst ist, sind die Handbüchsen noch mit dem Luntenhahn ganz ebenso wie in dem Manuscript vom J. 1473 abgebildet. An der Büchse auf dem Einladungsschreiben der Stadt Köln sieht man auch bereits die das Zielen erleichternde Abschrägung auf der linken Seite des Kolbens, die sogen. Backe, ein sicheres Zeichen also, daſs man 1501 an der Wange anschlug. Nicht den geringsten Zweifel aber darüber, daſs man auch schon früher die Luntenhahnbüchse so anschlug, läſst endlich die Abbildung eines zielenden Schützen, die sich in dem illustrierten Inventar befindet, welches Kaiser /Max/ I. im J. 1492 durch seinen obersten Zeugmeister /Barthol. Freysleben/ von allem in den österr. Erblanden vorhandenen Geschütz aufnehmen lieſs, und wovon ein Exemplar in der Wiener (C. Max. Nr. 10,824) und eins in der Münchener Bibliothek (C. icon. Nr. 222) vorhanden ist. Der Mann hält hier das Rohr mit der ausgestreckten Linken ungefähr in der Mitte, mit der Rechten hinter dem Zündloch gefaſst und den sehr langen, wenig zurückgebogenen Kolben gegen die rechte Schulter gestemmt.

Allein die alten Büchsen stieſsen, wie man sich denken kann, nicht wenig, und die herumsprühenden Funken des reichlich auf die Pfanne geschütteten Pulvers versengten trotz des hinter dem Zündloch befestigten Schirms von Leder oder anderem Material, dessen man sich dagegen bediente, den Schützen oft arg genug. Daher kam es denn, daſs viele beim Feuergeben die Wange nicht am Kolben lieſsen, sondern den Kopf abwandten. Besonders scheinen die Söldner diese das Treffen sehr beeinträchtigende Gewohnheit gehabt zu haben, die sie auch nach der Erfindung des Rad- und Schwammschlosses nicht ablegten, wie daraus hervorgeht, daſs noch in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. selbst von Reichs wegen darauf bezügliche Bestimmungen erlassen wurden. So schreibt z. B. die 1570 auf dem Reichstage zu /Speier/ gegebene Fuſsknechtbestallung vor: die Büchsenschützen „sollen auch monatlich geübt und ihnen am Backen anzuschlagen und abzuschieſsen eingebunden werden.“ Hiernach wird nun wohl kein Zweifel mehr sein, wie man es zu verstehen hat, wenn die 1519 zum Bundesheere wider den Herzog /Ulrich von Württemberg/ von der Stadt Nürnberg gestellten 150 Büchsenschützen als solche bezeichnet werden, die an der Wange abschieſsen konnten. Herzog Ulrich hatte übrigens Sorge getragen, daſs es seiner Mannschaft nicht an gleicher Uebung fehlte. Schon am 5. Aug. 1517 hatte er Befehl ergehen lassen, daſs die Büchsenschützen aller Aemter sich bereit halten sollten, in’s Feld zu rücken. Jeder sollte dabei, so viel möglich, eine Zielbüchse mit einem Schloſs haben und auch mit Steckzundeln und Anderm darzu gehörig verfaſst sein, auf daſs, wenn es zum Ernst käme, ein jeder mit am Backen angeschlagener Büchse desto gewisser schieſse, das sie mit guter Geschicklichkeit wohl thun und zuwege bringen mögen, damit der Schaden durch das ungewisse Schieſsen, da man nicht anschlage, verhütet bleibe. (v. Heyd, Ulrich, Herz. v. W. I, 510).

Coblenz, im März 1866.

/Toll/, Artilleriemajor a. D.

Albertus mit dem Zopfe auf einem Glasgemälde zu St. Erhard in der Breitenau in Steiermark.

(Mit einer Abbildung.)

Albertus III. von Oesterreich (reg. 1365-1395) trägt den Beinamen „mit dem Zopfe“. Diesen Beinamen verdankt er dem Umstande, daſs er eine ritterliche Gesellschaft (Orden) vom Zopf gestiftet hatte. Die eigentliche Bedeutung dieses Zopfes wird verschiedenartig angegeben. Nach einer Version soll eine schöne Dame sich ihren Zopf, oder wol einen Theil ihres Haares abgeschnitten und ihm gegeben haben; nach einer andern Version soll er selbst sich sein Haar zu einem Zopfe wachsen lassen und geflochten haben; nach einer dritten Version soll er seiner Gemahlin, als er aus dem gelobten Lande heimkam und sie im Bade antraf, ehe sie sich dessen versehen, den Zopf abgeschnitten haben.

Albert vermählte sich 1366 mit Elisabeth, Tochter Kaiser Karl’s IV., die 1373 ohne Kinder starb; er vermählte sich daher 1375 mit Beatrix, Tochter des Burggrafen von Nürnberg. 1377 unternahm der Herzog eine Preuſsenfahrt, wo er sich die Ritterwürde erwarb. Mit diesem Zuge und dem erhaltenen Ritterschlage dürfte die Stiftung der Zopfgesellschaft in einigem Zusammenhange stehen. Die Satzungen dieser Gesellschaft sind unsers Wissens bis jetzt nicht bekannt geworden. Die älteste Kunde davon scheint Georg von Ehingen gegeben zu haben, der erzählt, daſs sein 1407 gestorbener Groſsvater Burkhard von Ehingen dieser Gesellschaft angehört und sie nach Schwaben gebracht habe; daher er Burkhard mit dem Zopfe hieſs. Andere ältere Quellen sind nicht bekannt; doch befinden sich in einem Codex der k. k. Hofbibliothek zu Wien (des Rationale divinorum officiorum des Durandus), den der Herzog schreiben und illuminieren lieſs, zwei Porträte des Herzogs, auf denen er mit einem um den Hals gewundenen Zopfe erscheint. Birk, der diesen Codex und speziell die Bildnisse in dem I. Bande der Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereins[A] zu Wien beschrieben hat, glaubt daher, daſs die später vorhandenen Bildnisse, auf denen er mit einem und mit zwei Zöpfen im Nacken erscheint, nur auf den Namen hin entstanden seien. Es ist daher von hohem Interesse für die Geschichte der habsburgischen Regentenfamilie, daſs sich noch ein gleichzeitiges Denkmal erhalten hat, auf dem der Herzog in anderer Weise dargestellt ist. Es befindet sich nämlich in der Kirche St. Erhard in der Breitenau in Steiermark eine Serie von Glasgemälden des 14. Jahrh. in einem Fenster, das ganz vom Hochaltar bedeckt und so den Blicken vollständig entzogen ist.

Durch den ehemaligen Landesarchäologen von Steiermark, Herrn Carl Haas, auf dieses Fenster aufmerksam gemacht, hat Verfasser die sämmtlichen Darstellungen desselben durchgepaust, um sie einem Werke über mittelalterliche Glasgemälde einzuverleiben. Nachdem schon einige Blätter lithographiert sind, und somit das Werk selbst bald an die Oeffentlichkeit treten wird, so sei hier des Fensters nicht weiter erwähnt und nur mitgetheilt, daſs sich auf dem untersten Felde rechts der Herzog als Donator mit seinen beiden Gemahlinnen hat abbilden lassen. Diese Darstellung, die wir beifolgend in 1/3 der Naturgröſse nachgebildet haben, zeigt den Herzog knieend, hinter ihm die beiden Gemahlinnen, gleichfalls knieend. Der Herzog erscheint mit dem Panzerhemde bekleidet, das an den Beinen sichtbar wird; darüber erscheint eine Rüstung, die wir wohl bereits als eine eiserne betrachten dürfen. Der Lendner hat eine etwas abweichende Form und erinnert bereits an das Heroldenkleid, wie er auch die Wappenfarben zeigt. Auſser dem groſsen Gürtel ist der Lendner noch um die Mitte mit einem kleinen Gürtel zusammengehalten. Auf der Brust ist an dem Panzer unter dem Lendner der Dolch, das Schwert und der Helm mit Ketten befestigt. Auf dem Haupte trägt der Herzog die Stahlhaube mit der Halsbrünne; der Stechhelm erscheint auf der Schulter. Derselbe hat die rothweise Helmdecke; als Helmkleinod erscheint jedoch nicht der österreichische Pfauenbusch, sondern ein gelber Adler mit zwei blauen Flügen. Eine Fahne im Arm des Herzogs ist roth und weiſs gestreift; auch sind die zwei untern Zipfel abgeschnitten, während der oberste fliegt. Die Tracht ist eine etwas fortgeschrittene, doch noch vollständig dem 14. Jahrh. entsprechend. Als besondere Eigenthümlichkeit erscheint eine Metallbüchse, in die wol der Zopf gefaſst ist, auf dem Rücken der Herzogs, und wir können daraus nur schlieſsen, daſs der Zopf entweder am Haupte selbst wuchs, oder wenigstens am Hinterhaupte befestigt war und herabhieng. Die zwei knieenden Frauen zeigen vollständig die Tracht des 14. Jahrh.: die enganliegenden, halb auf die Hand reichenden Aermel, die gefältelte Haube; die hintere erscheint mit dem Gürtel. Der Hermelinmantel bezeichnet die Damen als Fürstinnen, ebenso die auf der Haube befestigte Krone. Zwei Wappenschilde, der eine mit dem doppelgeschwänzten Löwen, der andere schwarz und weiſs geviert, bezeichnen die Damen als die Böhmin und Hohenzollerin.

Eine Inschrift am oberen Bande des Bildes sagt: Albertus dux austrie et stirie et carinthie et ceter. et uxores ejus. Die rückwärtige der beiden Frauen hat auf der Darstellung gleichfalls einen Zopf, der jedoch ohne Kapsel, aber mit langen flatternden Bändern erscheint und sicherlich, da er ebenfalls abnorm ist, zu dem Zopfe des Gemahles in einem Bezuge steht.

Die Frage, ob wir Porträte hier vor uns haben, möchten wir um so mehr verneinen, als die Figuren im Verhältniſs zu der einfachen Technik der älteren Glasmalerei sehr klein sind und nur durch wenige starke Linien der Gesichtsausdruck gegeben ist. Das Bild erscheint jedoch sehr geeignet, auf die Zopfgesellschaft und die Frage, ob und wie Albrecht wirklich einen Zopf trug, ein neues Licht zu werfen. Es sind uns übrigens in Steiermark noch zwei andere Monumente bekannt geworden, die Licht darüber zu verbreiten scheinen, und die wir später zu besprechen hoffen, nämlich ein zweites Glasgemälde, das ein anderes Mitglied der Zopfgesellschaft in gleicher Weise darstellt, und eine derartige Kapsel aus Silber mit Vergoldung, die zur Umhüllung eines Zopfes diente.

/Essenwein./

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Bildnisse österreichischer Herzoge des 14. Jahrhunderts und ihrer Gemahlinnen, zum ersten Male herausgegeben von Ernst Birk, S. 95 ff.]

Der Niemand.

Eine der ältesten lustigen Figuren unserer Vorzeit, und wahrscheinlich eine Tradition des vorchristlichen Alterthums, ist der Niemand, dem man Alles in die Schuhe schiebt, der alle häuslichen Fatalitäten angerichtet haben, an jedem persönlichen Miſsgeschick schuld sein soll. Diesem armen Helden widerfuhr von jeher die Ehre, in Reim und Versen, nie in Prosa, verherrlicht zu werden, und seine Groſsthaten wurden nicht blos dem gröſseren Publikum, sondern auch der kleinen Familienwelt nach Gebühr in Holzschnitt wie in Kupferstich vorgezeichnet. Schon um das Jahr 1510 dichtete ein gewisser Jörg Schan, Scherer zu Straſsburg:

Niemanis hais ich, was iederman tut das zucht man mich

ein groſses Folioblatt mit coloriertem Holzschnitt und 130 dreispaltigen Verszeilen, an deren Schlusse genannt ist: „Albrecht buchdrucker zu Memmingen“, einer unserer ältesten deutschen Buchdrucker und der erste in Memmingen, Albrecht Kunne von Duderstadt. Der Anfang dieses in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek befindlichen seltenen, wahrscheinlich einzigen Blattes lautet:

Menger redt vonn mir Vnnd gesach mich doch nie Er besech mich recht yetz stand ich hie Ich bin der, den man Niemants nennet Das huſsgesind mich wol erkennet Wann mit mir beschierment sy sich.

Einen andern Bilderbogen sah ich vor zwei Jahren bei dem bekannten Antiquar Butsch in Augsburg. Er rührt von einem dortigen Holzschneider her, der ungefähr von 1577 bis 1596 arbeitete, und der mit seinen Kollegen jener Zeit tausende von ähnlichen zur Belehrung des bilderlustigen Volkes ausgehen lieſs. Die 40 Verszeilen, welche den Inhalt bilden, haben die Ueberschrift:

Der Niemandts so bin ich genandt, Mägdten und Knechten wol bekandt.

und fahren gleich so fort:

Vnd auch den mutwilligen Kinden, Die mich allzeit wissen zu finden, Was für vnrath von jn geschicht, Was man verwarlost vnd zerbricht, Das muſs ich alles haben gethan etc.

Als Adresse steht angegeben: Zu Augspurg, bey Bartholme Käppeler, Brieffmaler, im kleinen Sachssen geſslin.

Ein Gedicht von Heinrich Göttingi wurde in Casp. Dornavii Amphitheatrum sapientiae socraticae joco-seriae (Hannover, 1619) wieder abgedruckt:

Niemandt: Wie fast Jedermann an ihm wil Ritter werden. Allen Hauſsherren vnd Frawen, so stets mit Gesinde vmbgehen .. kurtzweilig zu lesen, vnd in Deutsche Reimen verfasset. Erfurt, 1585. 8. mit Holzschn. -- Ein Exemplar in der Berliner kön. Bibliothek.

Aus der Zeit von 1620 bis 1650 kenne ich drei undatierte Kupferblätter, das erste mit 30 Verszeilen auf der Erlanger Universitätbibliothek:

Der Niemantz so bin ich genant, In der gantzen Wellt seher woll bekantt,

mit folgendem Anfang:

Niemand so bin ich genanntt Maygtten vnd Knechtten woll bekantt etc.

Das zweite ehemals auf dem Antiquar Heerdegen’schen Lager zu Nürnberg, einen Mann mit einer Laterne und mit Vorlegeschloſs am Munde vorstellend und also anfangend:

Wo ist doch der Niemand nicht. Ueberall ist er anzutreffen Jedermann der will Ihm Aeffen Und mann weiſs nicht was geschicht Thut es doch der Niemand nicht etc.

Das dritte im german. Museum mit 32 Verszeilen:

Allamodischer Niemandt.

beginnt wie folgt:

Ich bin ie ein vnschuldig Mann, Noch thut man mich stets ligen an, So man thut sehen in eim Hauſs, Ein Mangel, ein fehl, ein vnd auſs, Der Niemandt sagt man hats gethon etc.

Auch die neuere Zeit hat ihren, und zwar einen politischen Niemand, von welchem die Nürnberger Stadtbibliothek ein Exemplar besitzt:

Der unschuldige Niemand, dieser ist der Urheber des französischen Krieges. -- Gedruckt in Frankfurth 1794.

Dieses zwei Quartblätter einnehmende Gedicht schlieſst mit folgenden Zeilen:

Auf den Niemand will man schieben, Was geschieht in dieser Welt. Was nur böse Leute ausüben, Hat der Niemand angestellt. Alles will man mir zuschreiben, Der ich Keinen je betrübt; Jeder will an mir sich reiben, Da man alle Schuld mir giebt. Ich muſs unterdeſs allein Der unschuldig Niemand seyn.

/Nürnberg./ /Emil Weller./

Spruch vom schönen Brunnen zu Nürnberg.

Die meisten unserer Leser werden gewiſs schon von diesem Brunnen gehört, oder eine Abbildung desselben gesehen haben. Er steht auf dem Hauptmarkt, der katholischen Pfarrkirche z. U. L. Frau schräg gegenüber, und ist eine der schönsten Zierden der alten Reichsstadt. Erbaut wurde er, wie neuere Forschungen dargethan, in den Jahren 1385-1396 durch Meister Heinrich den Palier. Er besteht aus einer 60 Schuh hohen, reich durchbrochenen und mit Bildwerken gezierten Spitzsäule, die auf achteckiger Grundfläche und in zwei verjüngten Aufsätzen sich erbaut und in eine Spitze von Knospen und Blumen ausläuft. An den Strebpfeilern und zwischen ihren reichgezierten Spitzbogengiebeln stehen in edler Haltung gar viele Standbilder, und zwar an der untersten Stufe die sieben Kurfürsten und neun Helden aus der christlichen, jüdischen und heidnischen Zeit, nämlich Gottfried von Bouillon, Klodwig von Frankreich und Karl der Groſse, dann Judas Makkabäus, Josua und David, schlieſslich Cäsar, Alexander der Groſse und Hektor von Troja[A]. Auf der zweiten Stufe sind unter Spitzbogenwölbungen Moses und die sieben Propheten angebracht. Auſser diesen Statuen befinden sich am Brunnen auch noch andere Bilder, namentlich Menschen- und Thierköpfe. Diese und die Standbilder wurden schon zur Zeit ihrer Aufstellung reich vergoldet und bemalt[B] und mögen in ihrer Farbenpracht einen herrlichen Anblick geboten haben. Jetzt sind nur noch schwache Spuren der Vergoldung sichtbar. Viele der alten Standbilder waren vor 40 Jahren dem Verfall nahe; sie wurden 1824 von kunstverständiger Hand restauriert, oder durch neue ersetzt.

Der Brunnen ist von einem künstlichen, achteckigen eisernen Gitterwerk eingefaſst. Es wurde 1587 von Meister Paul Köhn verfertigt und erregt auch jetzt noch die Bewunderung der Vorübergehenden.

In einer alten Chronik aus dem 15. Jahrh. findet sich ein Reimspruch über den schönen Brunnen, den wir hier folgen lassen:

/Vom Schönprunnen zu Nürnberg:/

Im marckt zu Nürmberg stett ein prun; Als weit als leuchten mag die sun, Findt man deſsgleichen nit von stain, Wie dann die weisen werckleuth main. Wer drey die frumsten beiden will schauen, Der findt sie an den prun gehauen, Und auch die frumsten Juden drey. Sucht man, so findt man auch darbey Drey die allerfrumsten Christen: Wer hoch zu Gott im Himel will nisten, Der leb als künig Eckhardt[C] von Franckreich, Hertzog Gottfrid von Belgier[D] ist im gleich, Der groſs kaiser Carl, dem Gott das schwert gesant, Das sint drey die frumsten christen genant. Die frumsten Juden drey in der alten ehe[E], Kunig Davit und Herzog Josue Und Judas Machabeus der dritt, Die haben sich vor der höll befridt. Kaiser Julius[F] der heid recht urteil fand, Traianus[G] sein richter die haut abschand, Hector von Troia der dritt frumst Heid ist, Als man uns in der wibel list. Das seind neun die allerfrumsten persan, Die sihet man an dem prunnen stan, Und auch die sieben curfürsten darbei. Und ander possenbilder frey, Daran sihet man das es war sey.

/Nürnberg./ /Jos. Baader./

FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Vergl. Anzeiger, 1854, Nr. 6 u. 7. /D. Red./]

[Fußnote B: Vgl. Anzeiger, 1854, Nr. 7, Sp. 164 f. /D. Red./]

[Fußnote C: Klodwig.]

[Fußnote D: Bouillon.]

[Fußnote E: Bund.]

[Fußnote F: Julius Cäsar.]

[Fußnote G: Wird hier mit Alexander dem Groſsen verwechselt.]

Die Kreuzigung Christi und der beiden Schächer, ein Holzschnitzwerk in der Michaeliskirche zu Zeitz.

Die Michaeliskirche zu Zeitz besitzt in dem über der Sakristei befindlichen Bibliothekzimmer ein Holzschnitzwerk, welches der Beachtung der Künstlerwelt in hohem Grade empfohlen zu werden verdient. Dasselbe stellt die Kreuzigung Christi und der beiden Schächer links und rechts von Christus vor, und besteht in einem durch kräftige Glieder und postamentartige Vorsprünge belebten Untersatz von ungefähr 4 Fuſs Breite, auf den Postamenten nachgeahmte Erd- oder Felsenpartieen und auf diesen die drei Kreuze in rohen, wild geästelten Baumformen, die letzteren gegen drei Fuſs hoch.

Auf die Ausarbeitung ist in jeder Hinsicht der gröſste Fleiſs von echter Künstlerhand verwendet; wenn dies schon von dem schön gegliederten Unterbau mit zierlichen Verkröpfungen, von Christo mehr als von den Verbrechern gilt, und von der Natürlichkeit des mit Gras bewachsenen Felsens, sowie von der ungezwungenen Form der zu Kreuzen hergerichteten und auf der Ueberblattung zusammengenagelten Baumstämmen, so gilt dieses vornehmlich von den drei menschlichen Figuren. Die Richtigkeit und Wahrheit der Zeichnung in den Gliedern, des Muskelwesens bei der durch die Annagelung und Aufhängung nothwendigerweise sich darstellenden Verrenkung, wobei sich die Aeuſserung des dabei empfundenen Schmerzes so herrlich ausdrückt, ist unvergleichlich schön und des Studiums wohl werth. Christus in ruhiger Ergebung, im Gebet zu Gott und um Vergebung der Sünden der Welt den himmlischen Vater anrufend; der jugendliche Schächer, Christo zur Rechten, in buſsfertiger Reue, ringend mittels des gefesselten Körpers und stöhnend um Vergebung flehend; der ältere, bärtige Schächer, Christo zur Linken, im Contraste hiergegen, zwar auch ringend, jedoch nur um sich von seiner Fesselung zu befreien, gesenkten Hauptes, mit mürrischem, verstocktem Gesicht vor sich hin starrend.

Die Figuren sind aus besonderem Holzstücke geschnitzt und mittelst kräftig gekuppten Nägeln befestigt. Jedenfalls war das Ganze ursprünglich unangestrichen, wie jeder Künstler verfahren würde; doch scheint in /späterer/ Zeit eine dem Stoff entsprechende Malerei beliebt gewesen zu sein, von welcher im Lauf der Jahre viel verblichen ist. Es wäre gut, wenn die ganze Farbe verschwunden wäre, um die der feinen Zeichnung hinderliche Dicke des Anstrichs, zumal bei Figuren in solch kleinem Maſsstabe, wieder zu entfernen; jedoch sind noch Stellen damit versehen und kleine Fleckchen ersichtlich, welche einer photographischen Abbildung nicht ohne Nachtheil sind. Nichts desto weniger lohnt die letztere und ist von dem geschickten hiesigen Photographen /Wiegand/ sehr gelungen ausgeführt worden.

Was nun den Namen des Verfertigers anlangt, so steht zwar auf dem mit Oelfarbe angestrichenen Postamente;

„Johann Opfermann -- Anno 1685.“

Doch will mir hieraus nicht unbedingt hervorgehen, daſs dieses der Name des Anfertigers und 1685 die Zeit der Entstehung sei. Indem dieses mit weiſser Oelfarbe auf grauem Oelfarbengrund nicht gerade künstlerisch geschehen und gleichzeitig etwas prahlend für den Beschauer nach vorn gerichtet ist, will mir umsomehr aus der Vorzüglichkeit der Arbeit an dem Kunstwerk der Schluſs verzeihlich erscheinen, daſs das Schnitzwerk vielleicht fast 200 Jahre früher, nämlich in der Zeit vom Jahr 1470-1540 gefertigt sein möchte[A]. Auch ist mir von einem Johann Opfermann, Anno 1685 als Bildhauer wirkend, nichts bekannt; möglich auch, daſs es der Geber war, oder der Anstreicher.

Schlieſslich bemerke ich noch zur Vervollständigung dieses Berichtes, daſs auf einem flatternden Zettel über Christi Haupt das INRI zu lesen, und am Fuſse des Mittelkreuzes ein kleiner, zierlicher Todtenkopf auf zwei Knochen liegend und mit einer Schlange, welche sich durch die Augenhöhlen windet, angebracht ist.

/Zeitz/. /Gustav Sommer/.

FUSSNOTE:

[Fußnote A: Nach der Photographie zu schlieſsen, fällt die Zeit der Entstehung des Bildwerkes mit der darauf angegebenen Jahreszahl zusammen. /Anm. d. Red./]

Alter Spruch.

Eiselein sagt, unter Berufung auf Geiler von Keisersberg, in seinen „Sprichwörtern und Sinnreden“, S. 604: „Es ist ein Sprichwort: Wer nicht trinken kann, der soll ins Bad gan; wer nicht beten, uf das Mer; wer nicht schlafen, in die Predig; (das viert’ gehört uf den Rollwagen)“. „Dieses vierte“ fügt Eiselein bei, „ist wahrscheinlich das oben S. 41, Z. 16 angeführte Sprüchlein mit einer geringen Wendung.“ Ohne dieses zu wiederholen, folge hier der ganze Spruch in Original und Uebersetzung, wie ihn eine Hand des 15. Jahrhunderts auf die innere Seite eines Bücherdeckels geschrieben hat. Es geht daraus hervor, daſs unter dem „vierten“ etwas Anderes gemeint ist, als was Eiselein vermuthet.

Qui dormire nequit sermoni intersit itemque Balnea nudus amet bibere qui nequeat Sit caput et tonsus foede tentiginis expers Non orare valens nauiget atque mare Hys quicumque cupit dictis obnoxius esse Crede mihi acquiret quatuor ista statim.

Magst nit schlaffen die predig her Kanscht nit betten far uff dem mer Magst nit trincken gang in das bad Fücht dich nit an schyr das har ab. Welcher der vier puncten kumpt nach Dem werden sy, im sey nit gach.

/Donaueschingen/. /Dr. Barack/.

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.

BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1866. Nº 5. Mai.

Chronik des germanischen Museums.

/Nürnberg/, den 15. Mai 1866.

Einer von Mannheim uns gewordenen sehr erfreulichen Botschaft konnte in unserer letzten Chronik vorläufig nur mit dem Bemerken gedacht werden, daſs Näheres bezüglich derselben in unserem nächsten Berichte zur Mittheilung kommen solle. Dies ist nun Folgendes.

Seitens des zur Förderung unseres nationalen Institutes in /Mannheim/ bestehenden /Hülfsvereines/, dem wir zu wiederholten Malen reiche Zuwendungen bereits zu danken hatten, sind aus den Ergebnissen mehrerer mit der XXIV. Philologenversammlung in Beziehung stehender Vorträge Heidelberger Gelehrten 225 fl. 54 kr. unter der Bestimmung uns übersandt worden, daſs aus dieser Summe zunächst die Anschaffung eines vollständigen Exemplars der Photographieen aus dem germanischen Museum (Preis 48 Thlr.) bewerkstelligt, der hiernach verbleibende Betrag aber, wie der Erlös, der nach erfolgter Ausstellung der gedachten Photographieen im Mannheimer Kunstvereine aus dem Verkaufe derselben erzielt werden wird, zur Förderung des weiteren Ausbaues der Karthause oder in anderer, unserer Wahl überlassener Weise zur Ausschmückung des german. Nationalmuseums verwendet werden solle. Mit innigstem Danke gegen die Stifter dieser reichen Gabe haben wir dieselbe hiernach den Fonds für den in Aussicht genommenen, in letzter Zeit mehrfach zur Sprache gebrachten Bau in der Weise überwiesen, daſs aus den vom Mannheimer Hülfsvereine uns gebotenen Mitteln die Kosten der Herstellung zweier Kreuzgangfenster, deren früher genannte Stifter leider zu streichen waren, und die Verglasung dieser als /Stiftungen des Mannheimer Hülfsvereines/ und der /Leiter der XXIV. Philologenversammlung zu Heidelberg/ zu bezeichnenden Fenster bestritten werden, etwaige Erübrigungen aber zur Minderung der unserem Institute durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen erwachsenen Schuld verwendet werden sollen. Möge das einmüthige Wirken unserer Mannheimer Freunde fort und fort von so trefflichen Erfolgen begleitet, zugleich aber auch die hier gedachte neue Bethätigung des alten Wortes „Durch Einheit stark“ anderwärts Veranlassung werden, zu ähnlichen der Förderung unseres nationalen Werkes gewidmeten Vereinen zusammenzutreten, wie solche zu Mannheim und Berlin zu Nutz und Frommen unseres Institutes schon seit Jahren bestehen!

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