Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan (part 2 of 3)
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Markt in der Chinesenstadt, Museum, Botanischer Garten, Esplanade.--2. Tag: Fahrt nach Johor.--3. Tag: Ausflug nach dem Sea View Hotel, östl. von Singapore, an der See.
=Geschichte.= Das alte Singapura soll in der 2. Hälfte des 12. Jahrh. von dem aus Sumatra eingewanderten Radschah Sang Nila Utama begründet sein; sein Nachfolger Sikander wurde von den Javanen vertrieben und gründete die Stadt Malakka, während die javanischen Herrscher zum Islam übertraten (jetzt Hauptreligion der Malaien) und das Sultanat Johor begründeten. Sir Stamford Raffles drang darauf, daß das im Anfang des 19. Jahrh. zum Seeräuberschlupf gewordene Singapore englisch werde; 1819 wurde die britische Flagge auf der Insel gehißt, entwickelte sich aber erst mit dem Aufblühen der Dampferfahrt zu einem der wichtigsten Stapelplätze und Stützpunkte für den Seeverkehr nach und von Ostasien.
Das =Klima= ist heiß, doch nicht ungesund, mit sehr gleichmäßiger Temperatur, auch für Kinder gut. Mittlere Jahrestemperatur etwa 27° C; höchste im Jahre vorkommende Temperatur durchschnittlich 38°, die niedrigste 17,5°. Stürmisches Wetter herrscht meist beim Monsunwechsel (SW.-Monsun im April bis Oktober), aber nur kurze Zeit. Die Regenmenge ist beträchtlich (2350 mm); es regnet in Schauern mindestens zweimal alle 3 Tage, am stärksten im November und Dezember. Dem Regen ist der üppige Pflanzenwuchs zu danken. Die Sonne geht stets gegen 6 Uhr auf und unter.
=Singapore= (bedeutet entweder Löwenstadt = singa puru, oder Raststadt--sing gah pura), die Hauptstadt der Straits Settlements (S. 155), liegt auf der gleichnamigen Insel unter 1° 16' nördl. Br., mithin nur 141 km vom Äquator. Die vorzügliche Lage am Hauptseeweg von Europa nach Ostasien sowie zwischen dem Golf von Bengalen und der Chinasee und in der Nähe der großen Sundainseln und der Philippinen haben die Stadt, die schon frühzeitig zum Freihandelsgebiet erklärt wurde, zu einem blühenden Stapelplatz für den Seehandel und einem wichtigen Kohlen- und Ausrüstungshafen für zahlreiche, stetig wachsende Dampferlinien im Indischen und Stillen Ozean gemacht. Für die englische Kriegsflotte ist Singapore ein wichtiger Stützpunkt außerhalb der europäischen Gewässer. Es ist seestrategisch äußerst günstig gelegen.--Die Stadt zeigt europäisches Großstadtgepräge und hat etwa 250000 Einw., davon sind 4/5 Chinesen, 1/8 Malaien, 3/80 Europäer (etwa 250 Deutsche) und Eurasier, 3/80 Indier (insgesamt 3/4 Männer, 1/4 Frauen); darunter auch Klings (Arbeiter aus Vorderindien), Araber, Armenier, Parsen, Juden, Birmanen, Siamesen etc. Die Chinesen spielen also der Zahl nach die Hauptrolle; sie leben hier nicht nur als Kulis und Kleinhändler, sondern auch ein großer Teil des Handels liegt in ihren Händen.--Der neue Hafen von Singapore ist nach S. durch die Inseln Blakan Mati und Pulubrani geschützt, mit guten Kaianlagen, Kohlenlagern und Warenschuppen reichlich versehen. --Die =Ausfuhr= umfaßt Zinn, Kautschuk, Pfeffer, Stuhlrohr, Reis, Tapioka, Kopra, Sago, Lack, Patschuli, Zitronellaöl; Einfuhr: Kohle, Petroleum, Eisenwaren, Baumwollwaren. 1908 liefen 5187 Schiffe mit 6984980 Reg.-Ton. in den Hafen ein.-- Das Stadtgebiet teilt sich in die Chinesenstadt, das Europäerviertel und das Malaienviertel. Drei Hügel, Pearls Hill (49 m), Government Hill (48 m), gekrönt vom Palast des Gouverneurs, und Mount Sophia (33 m), überragen die Stadt. Gegenüber der Reede liegen die europäischen Geschäftshäuser, einige Klubs und nahe der Johnston Pier die Börse (Pl. 17) und das Postamt (Pl. 18). Auf der Esplanade steht das Gymkhana-Klubhaus und in der Mitte ein Standbild des Sir Thomas Stamford Raffles (Pl. 10), gegenüber die St. Andrews-Kathedrale (Pl. 7). Von der Esplanade führt die High Street nw. zu dem alten Fort Canning (jetzt Signal- und Salutstation); sw. von diesem liegt am linken Ufer des Singaporeflusses der Kampong Malacca und ihm gegenüber auf einer Insel der Kampong Saigon. Die Chinesenstadt liegt südl. vom Flusse, den viele Brücken überschreiten; sie enthält viele Buddhatempel, chinesische Läden und einen großen Basar. Viele reiche Chinesen haben außerhalb der Stadt prächtige Besitzungen.
=Rundfahrt.= Morgens fahre man über die Cavenaghbrücke in die Chinesenstadt auf den *Markt am Raffles Quai oder einen andern Markt, wo seltsame Fische, andre Seetiere und Tropenfrüchte, wie Ananas, Mango, Mangustins, Rambutans, Brotfrucht, Zuckerrohr u. v. a. verkauft wird; dann nach Wahl durch einige enge Straßen der Chinesenstadt westl. zur Havelock Road, über die Brücke r. durch Kampong Saigon und Kampong Malacca, nördl. durch Mirabeau Road, Tank Road und Orchard Road, oder Tank Road über Government House Hill (nahe am Gouvernementshaus vorbei), Cavenagh Road, Bukit Timah Road (an alten Friedhöfen vorbei), Scotts Road (am Teutonia Club vorbei) und Orchard Road zum *=Botanischen Garten= (Fahrt 1 St. nnw. vom Dampfer-Anlegeplatz), der auserlesene tropische Bäume und Gewächse zeigt, z. B. Sago- und Kokospalmen, Muskatnußbäume, Kaffeebäume, Kroton- und Kakaobäume, Bananen (auch die Ravenala aus Madagaskar, Baum der Wanderer), Farne (darunter die zierlichen Baumfarne), Lianen, Orchideen, Calamus-Rotang (spanisches Rohr) etc. Nm. zwischen 4 und 5 Uhr besucht die vornehme Welt Singapores den Botanischen Garten; Rückfahrt durch Orchard Road, eine prächtige Allee, zum Raffles Museum (Pl. 9), 1887 begründet, mit naturhistorischen und ethnographischen Sammlungen und wissenschaftlicher Bibliothek. Vor Sonnenuntergang besuche man die Esplanade und Raffles Plain, den Sportplatz, wo um diese Zeit eleganter Wagenkorso stattfindet.
=Ausflüge=: 1) Nach =Sea View Hotel= 9 km östl. vom Postamt in Singapore, im Palmenwald an der See, mit Ausblick auf die östl. Einfahrt zur Reede. Man fährt dahin mit Wagen G der Straßenbahn, ab Tanjong Pagar durch die Hauptverkehrsstraße der Stadt, oder mit Automobil oder Wagen.--2) Nach =Johor=; täglich fünf Züge der »Singapore and Kranji Railway« vom Bahnhof Tank Road in etwa 1-1/4 St. nördl. nach Woodlands. Fahrplan in der Zeitung; die Bahn führt durch das nw. Villenviertel der Stadt, dann durch Malaiendörfer, Gärten, Ananasfelder und Wälder an die Nordküste der Insel Singapore; ein kleiner Dampfer fährt von da über den schmalen Wasserarm Selat Tabray in 8 Min. auf das Festland der Malakkahalbinsel und landet vor dem kleinen Orte =Johor-Bahru= (Johore Hotel, am Strande, modern, preiswürdig, elektr. Licht, gute Verpflegung; 41 Z. 2, F. 1,50, Lunch 2, Dinn. 2, Pens. $ 6-7), der neuen, mit Grün umgebenen Hauptstadt des Sultans von Johor in malerischer Lage. Mit Rikscha fährt man zu dem auf der Höhe gelegenen *Palast des Sultans (Istana), umgeben von schönem Palmenpark; er enthält nüchtern-europäisch eingerichtete Empfangsräume; sehenswert sind die wertvollen Waffen und mancherlei malaiisches Rüstzeug. Schöner Blick von der Anhöhe, auf der die große neue Moschee nahe dem Palaste steht. Im Park einige Käfige mit Raubtieren. Im Chinesenviertel des Ortes Johor ist eine *Spielbank mit kleinen Spieltischen; So. Nm. großer Betrieb (englischen Offizieren verboten!); daneben ist ein chinesisches Theater (mit lärmender Musik). Im Ort ein Postamt des Sultans mit eignen Johor-Briefmarken (für Sammler!).
9. Siam. Indochina.
Von Singapore nach Bangkok.
Vgl. die Karte bei S. 155.
=Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloyd= gehen bald nach Ankunft des Reichspostdampfers von Singapore in 4-5 Tagen nach Bangkok.
Das Schiff geht mit östlichem Kurs um die SO.-Spitze der Halbinsel Malakka ins Südchinesische Meer (S. 214), dann mit NNW.-Kurs an mehreren kleinen Küsteninseln, darunter die 1050 m hohe Insel Tioman, vorbei längs der Ostküste der Halbinsel Malakka, die zuletzt beim Kap Laboha (Labuan) auf etwa 4-1/2° nördl. Br. gesichtet wird; östl. von diesem Kap liegt die 283 m hohe Insel Teng-gol. Dann gelangt man in den Golf von Siam, dessen Ostseite die Küste von Kambodja bildet; im innern, nördlichsten Teile des Golfs passiert man r. beim Kap Liant (r.) kleine grüne Inseln, ehe das Flachland des Menamflusses in Sicht kommt. Die Menammündung ist nur für kleinere Dampfer mit etwa 4 m Tiefgang zugänglich, weil eine seichte Barre ihr vorgelagert ist; größere Schiffe müssen auf der Reede von Koh ti Chang oder Ang Hin ankern. Das Fahrwasser ist mit Seezeichen und Leuchtfeuern gut versehen, ein Feuerschiff bezeichnet die Barre. Die Flußfahrt (s. die Karte auf S. 172) dauert 3 St. und zeigt schon die Reize des seltsamen Landes; in der schönen Landschaft tauchen die weißen, sonderbaren Tempelbauten, Wat genannt, mit vergoldeten Spitzen und merkwürdigen Giebeln auf. Am linken Ufer liegt die Zollstation Paknam (PT, Zollamt, Bahnhof, Bahn nach Bangkok) mit einem Küstenfort. Auf dem Fluß ist reger Verkehr von Fischerbooten, kleinen Dampfern und Seglern. Die Ufer zeigen Reisfelder, Dörfer, Zuckerplantagen, Fischbuhnen, Fischereihallen und Festungswerke zwischen Palmen. Gegenüber von Paknam sieht man zwei Inseln mit dem Fort Sua-Son-Lek-Tin (Tiger mit verborgenen Klauen) und prächtige Tempelbauten (Wat Phra-tschedi), zu denen im Oktober beim Thot Kathin-Fest siamesische Pilger wallfahren. Weiter aufwärts liegt an einer Schleife des Flusses der Ort Paklat; man passiert erst Unter-Paklat, umfährt große Orangegärten am rechten Ufer und erreicht dann Ober-Paklat in der Nähe großer Palmenhaine. Die gute Landstraße Chareun Krung führt von Paklat nach (etwa 16 km) Bangkok. Bei der nächsten Biegung des Flusses gelangt man vorbei an Schiffswerften und Docks, an Gärten und Reismühlen im Vorort Bang Koläm, und biegt an der letzten Krümmung in das Stadtgebiet von Bangkok ein, wo die Kriegsschiffe und Königsjachten vor Anker liegen, neben zahllosen schwimmenden Häusern; dahinter moderne Fabrikschlote und siamesische Tempel.
=Siam= ist ein unabhängiges Königreich (Pufferstaat) zwischen dem englischen Birma im W. und dem französischen Indochina im O., das letzte Gebiet Hinterindiens, das noch nicht unter europäischer Herrschaft steht; es umfaßt heute nur noch das Gebiet des Menamflusses und einen Teil der Halbinsel Malakka, etwa 314000 qkm mit 6,7 Mill. Einw. Die allermeisten Reisenden werden ihren Besuch auf Bangkok nebst Umgebung und Ayuthia beschränken, d. h. auf den untersten Teil der Menamebene, die von diesem Fluß aufgebaut ist und noch jetzt alljährlich von ihm weithin überflutet wird. Der Menam hat einen viel kürzern Lauf (700-800 km) als die andern großen Flüsse Hinterindiens; er entspringt im Nordteil Siams, dem gebirgigen Laosland, das die südl. Fortsetzung der Schanstaaten Ostbirmas bildet, und durchfließt in seinen untern Teilen eine große Ebene, die ebenso ein Kulturzentrum geworden ist wie die Ebene des Irawaddyflusses, Unterbirma. Das =Klima= der Menamebene ist tropisch-warm, wenn auch nicht so gleichmäßig wie in Penang und Singapore. Die Niederschläge werden auch hier vom SW.-Monsun gebracht, der von Ende April bis September weht; bald nach seinem Beginn (im Mai) und gegen sein Ende zu (im September) sind die Regen am stärksten. Dementsprechend beginnt auch der Menam Ende Mai oder Anfang Juni zu steigen und verbreitet sich von Anfang August bis zum November weithin über die umgebende Niederung, ihr fruchtbaren Schlamm und die nötige Feuchtigkeit für die Reiskultur zuführend. Da die Niederschläge und die Überschwemmungshöhe von Jahr zu Jahr ziemlich stark schwanken, haben die Siamesen zur Regelung der Überflutungen zahlreiche Kanäle (=Klongs=) angelegt.
Das herrschende =Volk= des Landes, die Siamesen, sind ein Mischvolk wie alle Völker Hinterindiens, doch überwiegt der mongolische Einschlag bei ihnen. Sie sind klein und kräftig, aber als Buddhisten ziemlich indolent, sehr abergläubisch und vergnügungssüchtig; die Frauen sind tüchtiger als die Männer. Musik, Theater, Tierspiele und Geldspiele sind sehr beliebt, jede Gelegenheit wird benutzt, um Feste zu feiern (vgl. S. 176). Neben den Siamesen spielen im Wirtschaftsleben Siams die Chinesen eine wichtige Rolle. Während die Siamesen vor allem dem Reisbau, der in Siams Volkswirtschaft bei weitem die wichtigste Rolle spielt, obliegen, haben die Chinesen die Verarbeitung und Verwertung des Reises in Händen und sind Handwerker und Arbeiter. Auch einige 1000 Europäer leben im Land als Regierungsbeamte und Kaufleute; zum Teil sind sie mit der Ausbeutung der Teakholzwälder Nordsiams beschäftigt.
=Staatsreligion= ist der Buddhismus, der durch seine zahlreichen Priester und Mönche (jeder Siamese muß, wie der Birmane, eine Zeitlang als Mönch leben) wie durch seine prunkvollen Tempelbauten und vielen Feste und Aufzüge dem öffentlichen Leben das Hauptgepräge gibt. Die Tempel Ayuthias, der alten Hauptstadt, zeichnen sich vor denen des übrigen Indiens dadurch aus, daß sie sich nach oben hin nicht verjüngen, sondern aus einer Anzahl von Stockwerken gleichen Umfanges bestehen. Das Hauptmerkmal der religiösen Bauten Bangkoks ist die Überladenheit mit allerlei Schmuck. Der =Hauptverkehr= in der Menamebene findet trotz neuerdings angelegter Bahnen noch zu Wasser statt; der Handelsverkehr zu Lande nach den südl. Schanstaaten in Birma und nach der chinesischen Provinz Yünnan (S. 189) erfolgt durch Karawanen, die von der wichtigsten Stadt Obersiams, Chiengmai, ausgehen; diese Stadt liegt im wichtigsten Teakholzbezirk an der obern Schiffahrtsgrenze des Maping, des Hauptnebenflusses des Menam. Die jetzige Dynastie beherrscht Siam seit 1782. Der König Maha Vadjiravudh, Phra Mongkut Klao, geb. 1. Jan. 1881, in London erzogen, regiert seit 24. Okt. 1910. Das Heer ist europäisch geschult. Zur Flotte gehören 1 Kreuzer, einige Kanonenboote und Torpedofahrzeuge etc. Landesflagge ist rot mit dem =Weißen Elefanten=, dessen Heiligkeit aus der frühesten buddhistischen Geschichte stammt. (Gautama, d. i. Buddha, ging als weißer Elefant in den Leib seiner Mutter ein.) Zu den Titeln des Königs gehört auch der »Herr des Weißen Elefanten«. Wird ein »weißer« Elefant (d. h. nur heller grau als die andern) gefangen, dann wird er mit großen Festlichkeiten in den königlichen Marstall aufgenommen.
Bangkok.
Vgl. die Pläne S. 172 und S. 174 sowie die Karten S. 155 und 177.
=Ankunft zur See.= Die Dampfer ankern auf dem Menamflusse, die Landung geschieht mit Sampans am l. Ufer, wo der Hauptteil der Stadt liegt.
=Gasthöfe=: Oriental Hotel, am Flußufer, mäßig und nicht billig; schickt Motorboot zum Dampfer.--Hôtel de l'Europe, ganz mäßig.--Bristol Hotel und Restaurant (Deutscher, C. Prüfer), gelobt, sauber, preiswert, deutsches Faßbier, Pens. 6, monatl. 150 Tikals; Treffpunkt deutscher Kapitäne.-- Pension in den Gasthöfen 8-12 Tikals (Frühst. 8 Uhr, Tiffin 12 Uhr, Dinner 7 Uhr).
=Post=: Siamesisch. Briefe und Karten gebe man auf der Post ab, nicht in die Straßenbriefkasten.--=Telegraph=: Überland nach Birma, Singapore und Indochina.--=Telephon= in den Gasthöfen etc.
=Wagen=: Europäische Droschken und Rikschas (die Kutscher verstehen nicht englisch).
=Straßenbahn=: elektrisch, führt vom südlichen Vorort _Bāng Koläm_ durch die New Road bis zur Königsstadt.
=Eisenbahnen=: Von Bangkok nach (20 km) Paknam und nach (264 km) Korat mit Zweigbahn nach Paknam-Poh; über Rat-buri nach (152 km) Petscha-buri (deutsche Ingenieure); Staatsbahn nach (63 km) Patriu; Privatbahn nach (33 km) Tacheen und weiter nach (34 km) Meklong an der Westküste des Golfs von Siam. (Die deutschen Eisenbahnbaumeister kennen das Land; Auskünfte nur bei der Staatsbahn.)
=Ortszeit= von Bangkok 5 St. 42 Min. vor gegen M.E.Z.
=Dampfer=: Norddeutscher Lloyd (Agent: A. Markwald & Co., Telegr.-Adresse: »Nordlloyd, Bangkok«) etwa zweimal wöchentlich nach und von Singapore und Hongkong, mit I. Kl.-Kabinen. --Messageries fluviales de Cochinchine, alle 14 Tage über Schantabun (Siam), Samit und Pulo Condor nach (510 Seem.) Saïgon.--Auf dem =Menam=: Siam Steam Packet Co. täglich nach Ayuthia (in 8 St.) und Muong Angton; wenn der Wasserstand es zuläßt, auch bis Muong Paknam-Poh.
=Geld.= Silbermünzen: 1 Tikal (oder Bat = 15 g Silber) hat etwa 1,54 M. Wert; man rechnet 5 Tikals = 4 $ mexikanisch, 1 Tikal = 100 Satang. Auch 10-, 5- und 1-Cents-Stücke werden geprägt. Einige Banken geben Banknoten aus. Bei schwierigern Geldgeschäften wende man sich womöglich stets an das Konsulat.
=Banken=: Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; Chartered Bank of India, Australia & China, Korr. der Deutschen Bank; Banque de l'Indo-Chine; alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. Siam Commercial Bank.
=Sprache=, Tai genannt, ist einsilbig und verwandt mit dem Chinesischen, doch kommen auch mehrsilbige Wörter aus dem Sanskrit und Pali vor. Vgl. Wershoven, Lehr- und Lesebuch der siamesischen Sprache und deutsch-siamesisches Wörterbuch, Wien 1892. --=Zeitungen=: »Bangkok Daily Mail«; »Bangkok Times«; »Siam Observer«.-- =Theater=: siamesische und chinesische. --=Konsulate=: Deutsches Reich, Gesandter Frhr. v. d. Goltz; Vizekonsul Frhr. Rüdt v. Collenberg. --Österreich-Ungarn, der deutsche Vertreter. --Deutsche unterstehen in Siam deutscher Gerichtsbarkeit. Paß erforderlich. -- =Deutscher Klub.= --=Amerikanische Mission= (gibt sehr liebenswürdig Auskunft über Land und Volk). --=Polizei= gegen Fremde im allgemeinen zuvorkommend, event. rufe man sofort den Schutz des Konsulats an.
=Ärzte=: Leibarzt des Königs und die deutschen Ärzte Dr. Schäfer und Dr. Hintze.
=Geschäftsadressen=: Gute europäische und chinesische Läden in der New Road; beim Einkauf von Rubinen und Saphiren ist Vorsicht geboten; die besten Edelsteine gehen roh zum Schleifen nach Europa. Deutscher Juwelier, auch Curios: F. Grählert & Co. Auch ein deutscher =Photograph= (Rob. Lenz & Co.) sowie zwei deutsche =Apotheken=: Bangkok Dispensary (R. Schulz) und Tatten Dispensary (M. Mannsfeldt) sind in Bangkok.
=Zeitteilung.= 1. Tag: Wagen- und Bootsfahrt durch die Stadt, Märkte besuchen, Nm. New Road und Dusit-Park. --2. Tag: Vm. Tempel, Nm. Palastviertel.--3. Tag: Ausflug nach Ayuthia. Zum Kennenlernen Siams sind 14 Tage Zeit gut zu verwerten.
=Klima.= Die Gesundheitsverhältnisse sind nicht sehr gut, da die Stadt auf flachem, feuchtem Boden erbaut und von zahlreichen Kanälen durchzogen ist, die allen Unrat aufnehmen und bei niedrigem Wasserstand sehr schlimme Gerüche aussenden. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,7° (Dezember 23,8°, April 28,6°). Man unterscheidet, wie in Indien, drei Jahreszeiten: die kalte Zeit vom November bis Februar, die heiße im März und April und die Regenzeit von Ende April bis in den Oktober hinein. Die kalte Zeit mit vorwiegendem NO.-Wind bringt nach warmen Tagen recht kühle Nächte, so daß man sich vor Erkältungen sehr hüten muß, und ist fast regenlos. Die Wärme nimmt dann rasch zu und wird im April namentlich dann sehr unangenehm, wenn die Seebrise ausbleibt. Der gegen Ende April einsetzende SW.-Monsun bringt auch hier die Regenfälle, die am heftigsten zu Beginn (Mai) und gegen Ende seines Wehens (September) fallen. Die Gesamtregenmenge ist vergleichsweise gering (1500 mm), da das Gebirge Malakkas viel Feuchtigkeit abfängt.
=Geschichte.= Nach Zerstörung der alten Hauptstadt Ayuthia 1767 durch die Birmanen wurde das Dorf Bangkok Hauptstadt des chinesischen Feldherrn Phya Tak, der dort seine Dynastie begründete, aber 1782 durch den siamesischen Chan Phya Chakkri entthront wurde; amtlich heißt die Stadt deshalb noch Si Ayuthia Mahä = große, erhabene Stadt. Nach Abschluß der Handelsverträge mit England, den Vereinigten Staaten und Preußen (um 1861) entwickelte sich Bangkok zur wichtigsten Handelsstadt; ihr schnelles Aufblühen wurde durch den 1910 verstorbenen König Tschulalongkorn tatkräftig und erfolgreich gefördert. 1893 erzwangen 2 französische Kanonenboote die Durchfahrt durch die Küstenbefestigungen und bedrohten Bangkok; seitdem sichert die Eifersucht der europäischen Großmächte dem Lande vorläufig die Unabhängigkeit.
=Bangkok= (»Stadt der Obstbäume«), Hauptstadt von Siam, mit 628675 Einw. (darunter über 100000 Chinesen) und 18 km Umfang, unter 13° 45' nördl. Br., beiderseits des Menam, 33 km oberhalb dessen Mündung. Wichtiger Seehafen für Ausfuhr von Reis, Teakholz, Büffelhäuten etc.; 1908 liefen 830 Schiffe mit 774424 Reg.-Ton. ein. Die Ufer haben Landungsanlagen; die siamesische Flotte liegt beim Königspalast an Bojen, fremde Kriegsschiffe ankern gegenüber Oriental Hotel. Bangkok besteht aus einer innern, mit 10 m hoher Zinnenmauer umgebenen und einer äußern Stadt. Die Häuser liegen meist in Gärten, sind am Ufer aus Holz oder Bambus und auf Pfählen gebaut, sonst jetzt auch aus Stein erbaut, während früher Stein außer von Europäern nur zu Tempeln und Klöstern, deren Bangkok an 700 besitzt, und bei den königlichen Palästen verwendet wurde. Viele schwimmende Häuser auf Bambusflößen werden in den die Stadt durchziehenden Kanälen an Pfählen festgebunden, mit Kramläden oder Werkstätten; da viel Marktverkehr auf dem Wasser, ist der Fluß sehr belebt.
In der innern Stadt liegt der =Palast des Königs= (s. unten) hinter einer hohen Mauer von 1300 m Umfang; der Boden im Innern ist ganz mit Marmor- und Granitfliesen belegt; inmitten des Hofes erhebt sich, von einem spitzen, vergoldeten Turm überragt, der Mahāprasāt, die Halle, in der der König ausländische Gesandte empfängt; in einem weitern Saal erteilt der König Gehör.-- Der schönste Schmuck Bangkoks ist die Pagode Wat Tscheng (S. 176), die sich in Terrassen bis zu einer Kegelspitze verjüngt. Mit den Pagoden sind stets Klöster verbunden, wo oft 200-300 Mönche wohnen, außerdem Güter, Höfe, Teiche, Tempel und Kapellen, alle umschlossen von einer großen Mauer.--Besuchswert ist auch die Vajirañan-Bibliothek (Dir. Dr. O. Frankfurter), 1881 gegründet, mit wertvollen Handschriften.--Die =Bevölkerung= besteht aus Tai oder Siamesen, ferner Birmanen, Chinesen, Malaien, Leuten aus Laos, Pegu, Annam, Kambodja.--Die heimische =Industrie= ist seit Zulassung des Fremdhandels sehr gesunken, nur der Bau von Flußschiffen und Dampfern, mit Maschinen aus Europa, noch bedeutend; ferner besteht in Bangkok eine Gesellschaft für elektrische Anlagen, viele Reisschälmühlen, Dampfsägewerke. Bangkok ist Mittelpunkt des aufblühenden Außenhandels von Siam.
=Rundfahrt durch die Stadt.= Das siamesische Leben und das Treiben auf den Märkten sieht man auf Fluß- und Kanalfahrten mit Dampfbarkasse oder Sampan oder mit Wagen zunächst morgens nach dem 2 km langen Hauptbasar Talāt Noï, wo das Völkergemisch erstaunlich ist, oder nach dem kleinern Basar Talāt Vat Koh; die meisten Fremden, besonders Chinesen, trifft man auf dem Basar *=Sampeng= im SO. der Stadt, mit vielen Verkaufsstellen von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen, mit Niederlagen von Buddhafiguren und Götzenbildern; auch chinesische Spielhöllen fehlen nicht. Von den vielen, meist prächtigen Tempeln sind die schönsten im Palastviertel. (NB. Zutritt zum Palastviertel und zu dem großen Tempel sowie zum Museum ist nur gegen besondere Erlaubnis gestattet, die man durch Konsul oder Empfehlung erlangt.) Das *=Palastviertel=, wohin man durch die New Road mit Wagen fährt, besteht aus vielen großen und kleinen Gebäuden, in deren Mitte der Palast des Königs (s. oben), ein moderner Prachtbau mit siamesischem Dach, liegt. Wer gut empfohlen ist, erhält junge vornehme Siamesen (die fertig Englisch sprechen) als Führer. Es empfiehlt sich, Nm. gegen 5 Uhr zum Palast zu fahren; dann findet dort meist Promenadenkonzert statt. Hinter dem Empfangspalast liegt das Königshaus Khāng Nai, worin der König wohnt. Im Marstall werden die »weißen« Elefanten (schmutzig hellgrau oder graubraun mit weißen Flecken auf den Ohren, vgl. S. 171) gezeigt; sie nehmen mit Dankverbeugung Zuckerrohr.--Prächtig ist der Tempel *Wat Phra Käo (Tempel der Kleinodien), dessen Hauptbau Phra Ubosat verschwenderisch reich an Goldmosaik ist; sein Hauptaltar, der eine Buddhafigur aus Jaspis mit Kopf aus Smaragd trägt, ist mit Gold und Edelsteinen übersät, die Türen sind mit Perlmutter eingelegt, die Ziegeln vergoldet etc. Zahlreiche Phratschedis (kegel- und pyramidenspitze kleine Pagoden) umgeben den Haupttempel; unter ihnen ist die Si Rathana Phratschedi außen bis zur Spitze mit Goldmusiv bekleidet.-- In der Nähe liegt der Krönungstempel Putaprang Phrasat und daneben der feine Pavillon Phra Mondop.
Phantastische Figuren schmücken die Eingänge der Tempel; oft sieht man den Vogelmensch Khrut, aus Bronze, obere Hälfte Mensch, untere Vogel, mit spitzer Kopfbedeckung und Maske und grüner Fayencerüstung, daneben fast europäische Groteskfiguren, Antiken, Elefanten, Affen, Tiger, Pferde und Adler. Um die Altäre stehen Vasen mit betäubend duftenden Tempelblumen: Ylang-Ylang, Plumeria und Tuberosen, dazu Weihrauch, hell- und dunkelgelb gekleidete Priester mit Ylang-Ylangblüten in der Hand, Blumen und Reis opfernde Frauen and Kinder.
Außerhalb des Palastes liegt das Museum, eine Schatzkammer von Edelsteinen und chinesischem Porzellan. Daneben ein als Museum benutzter Tempel mit vielen Buddhafiguren.--Südl. vom Schloß sind Staats- und Wirtschaftsgebäude und Gartenanlagen mit Kiosken; am Menamufer ist ein Wasserpavillon und Anlegeplatz für Boote.--Im nördlichen Teile liegen das Ministerium des Auswärtigen, die Münze und die Druckerei. In der Nähe hat König Tschulalongkorn den schönen Dusit-Park (Paradiespark) angelegt, wo gelegentlich bei elektrischem Licht Musik spielt und Feste gefeiert werden; in der Nähe ist ein großes *siamesisches Theater, wo nur junge Mädchen meist sehr phantastische Stücke aus der indischen Göttersage spielen.--Von den vielen Tempelanlagen ist *=Wat Tscheng= mit dem 70 m hohen Phraprangturme weithin sichtbar; von der obersten Galerie prächtige Aussicht. Den Mittelbau krönen vier Türmchen, aus deren Nischen dreiköpfige Elefanten hervortreten. --Ebenfalls weithin sichtbar erhebt sich über einer Baumgruppe auf einem Hügel der Wat Saket.--Die größte Tempelanlage nahe dem Königsviertel ist der Wat Poh mit 49 m langer, schwer vergoldeter liegender Buddhafigur, auf deren mit Perlmutter eingelegten Fußsohlen die 64 Zeichen der Schönheit und Bilder aus Buddhas Leben dargestellt sind.--Noch zu erwähnen ist der Wat Radschabophit mit den Grabmälern der Königskinder; Wat Sutat mit Riesenbuddha, dem 72 überlebensgroße Jünger gegenüber sitzen; der Palast Sarānrom mit schönen Fresken.
=Siamesische Volksfeste.= Das Hauptfest Kathin (Besuch der Tempel) ist im Oktober; der König besucht am ersten Tage zu Wagen, die beiden nächsten zu Fuß oder in prächtigem vergoldeten Tragstuhl mit militärischem Aufzug die Tempel, wobei die ganze Stadt festlich geschmückt ist, an den folgenden vier Tagen in seiner 50 m langen grotesken Galeere Rüa Pratinang, von 60 Ruderern bewegt, mit etwa 40 märchenhaft ausgerüsteten Prachtbarken, worin die Prinzen und der Hofstaat folgen, mit Musik und Gesang der Ruderer die Tempel auf dem rechten Flußufer. Wenn diese Aufzüge zu Ende sind, beginnen die Volksfeste mit Illumination, Feuerwerk und phantastischen Aufzügen.--Andre Feste sind: die Zeremonie des Haarknotenabschneidens bei den Königskindern; die Verbrennung verstorbener Prinzen und Prinzessinnen, wo die Festlichkeiten: Paraden, Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theater- und Marionettenvorstellungen, meist drei Tage dauern, u. a.--Ähnlich, mit märchenhafter Illumination des Palastes, der Stadt und der Kriegsschiffe, wird der Geburts- und Krönungstag des Königs gefeiert.
=Ausflüge=: 1) Nach =Phrabāt= (oder Prabat), einem berühmten Wallfahrtsort, 16 km nördl. von Bangkok auf einem Berg. Eisenbahn (nach Lop buri) bis (102 km) Tarna, von da mit Straßenbahn noch 20 km. Phrabāt ist ein Kloster, das in vergoldetem Turm auf mit Silberplatten belegtem Fußboden hinter silbernem Gitter eine heilige Fußspur Buddhas, mit goldenem Geschmeide bedeckt, enthält; im Hintergrund eine Buddhafigur unter goldenem, mit Edelsteinen verziertem Thronhimmel.
2) Nach *=Ayuthia=, 70 km nördl., sehr lohnend, Führer und Mundvorrat mitnehmen! =Eisenbahn= von Bangkok nach Ayuthia in 2 St.; der Bahnhof in Ayuthia liegt 1/2 St. von den Ruinen und dem Elefantenkral. Empfehlenswerter ist die *Fahrt auf dem Menam mit selbstgemietetem kleinen =Dampfer= der Siam Steam Packet Co.; man muß für Verpflegung selbst sorgen. Fahrzeit zu Berg etwa 10-12 St., zu Tal 6-9 St. Auf der Flußfahrt beobachtet man siamesisches Leben auf den schwimmenden Häusern; die Ufer sind mit wohlhabenden Dörfern, Gärten und Reisfeldern bestanden. Grüne Ufer findet man beim königlichen Sommerschlosse Bang Pha-in (auch mit der Bahn zu erreichen; zum Besuch ist Erlaubniskarte erforderlich, 4-5 Tage vor dem Ausflug beim Konsulat zu bestellen), mit schönen Gärten, zierlichen Pavillons, Elefantenstall, Bädern etc., auch einen Buddhatempel in gotischem Kirchenstil! Nun teilt sich der Fluß, der östliche Arm führt zum Ort =Ayuthia=; man landet beim *Elefantenkral, Riesenzaun aus 3-4 m hohen und 1/2 m dicken Teakholzpfosten, die etwa 1/2 m voneinander in die Erde gerammt sind; mit zahmen weiblichen Elefanten werden die wilden Herden aus den Dschungeln der Umgegend in die Nähe des Krals gelockt, dann durch eine Treiberkette mit Geschrei, Tamtam, Fackeln und Schüssen in den Kral getrieben. Der König sieht dem Eintreiben auf hohem Pavillon zu. Dann besorgen zahme Elefanten das Zähmen der wilden, von denen die schönsten in den Marstall des Königs kommen (noch im Anfang des 19. Jahrh. sollen bis zu 6000 Kriegselefanten an den Schlachten in Hinterindien teilgenommen haben), die übrigen als Arbeitstiere bei den Holzfällern, an Sägemühlen und Bauunternehmer verkauft werden.--Die malerischen Ruinen der alten Hauptstadt (ihre Blüte war 1350-1767) liegen auf einer Insel von 8 km Umfang, die mit Zinnenmauer umgeben war; kleine Kanäle führten vom Fluß in die Stadt; am schönsten sind die Trümmer des alten Palastes mit *Riesenbuddha und die der königlichen Tempel. Am Südende der Stadt hatten die Niederländer eine Handelsfaktorei, gegenüber die Portugiesen und französischen Jesuiten, die eine Zeitlang sehr einflußreich waren. Von einem vierstöckigen Wachtturm guter Überblick über Alt- und Neu-Ayuthia; der neue Ort Krungkao mit etwa 20000 Einw. ist eine Pfahlbautenstadt, in der man mit Sampan in die Läden und Spielhöllen, viele in schwimmenden Hütten, fährt.--Etwa 6 km von der Stadt liegt in der Ebene die sehr hohe und daher sehr heilige Pyramide oder Phratschedi Palavi, umgeben von Sümpfen, daher nur im Sampan oder auf Elefanten zu erreichen; oben *Aussicht; im dritten Stockwerk eine riesige vergoldete Buddhafigur.
3) Nach =Lopburi=, etwa 50 km stromauf von Ayuthia am Menam, mit Dampfer; der Ausflug soll sehr anstrengend, aber auch sehr lohnend sein (Auskunft bei den deutschen Eisenbahnbaumeistern in Bangkok).
Von Singapore nach Saïgon.
Vgl. beifolgende Karte.
=Messageries Maritimes= alle 14 Tage von Singapore in 2 Tagen nach (648 Seem.) Saïgon; außerdem eine 14tägige Zweigdampferlinie zwischen Saïgon und Singapore, wo die Dampfer Anschluß haben: nach Europa mit den deutschen Reichspostdampfern oder holländischen Dampfern, nach Ostasien mit englischen Dampfern.-- Von Saïgon Anschlußdampfer alle 8 Tage über Quinhone und Tourane nach Haïphong.
Die Fahrt von Singapore geht mit NNO.-Kurs durch das Südchinesische Meer (S. 214), vorbei an der Granitinsel Pulo Condor, Strafkolonie für Anamiten und Chinesen, mit Leuchtturm. Bei Kap Saint-Jacques, dem SW.-Ende des Gebirgsbogens von Anam, kommt die Küste von Cochinchina in Sicht; das Kap ist ein oben kahler, unten dichtbewaldeter Bergrücken (mit Leuchtturm), an dessen Fuß ein Seebad mit Sanatorium für Offiziere und Beamte (Hôtel de la Plage) liegt. Auf den Höhen starke Küstenbefestigungen. (NB. Man hüte sich, diese zu photographieren, wenn man auf einem französischen Dampfer fährt!) Hübsche Spazierwege sind in der Umgebung des Seebades; in der Nähe liegt eine Pagode an einer Stelle, wo ein Walfisch gestrandet, 1848 von anamitischen Fischern erbaut. Dann fährt der Dampfer in dem schmalen und sehr gewundenen Donnaï-Fluß 60 km zwischen flachem Sumpflande, dichten Dschungeln, dann Reisfeldern, Bananen- und Palmenhainen. Bei der Einfahrt in den Saïgonfluß sieht man die roten Türme der Kathedrale der Stadt Saïgon; auf dem Fluß ist wenig Verkehr.
=Indochina.= Der östl. Teil Hinterindiens ist unter dem Gesamtnamen Indochina französisches Kolonialgebiet unter einem Generalgouverneur (in Hanoï), das sich in folgende sechs Gebiete gliedert: Cochinchina, Cambodja, Anam, Laos, Tonkin und Kwangtschou; letzteres liegt außerhalb Hinterindiens an der Ostseite der südchinesischen Halbinsel Leitschou. Cochinchina und Tonkin stehen unter unmittelbarer französischer Verwaltung, Laos und Anam haben noch einheimische Fürsten, die von französischen Oberresidenten geleitet werden. Das ganze Gebiet umfaßt etwa 800000 qkm (annähernd = Deutsches Reich und Österreich) mit 16 Mill. Einw. Es enthält im S. und im NO. zwei Ebenen, die des Mekong und des Roten Flusses (Songkoi); erstere umfaßt Cochinchina und den Hauptteil von Cambodja, letztere das Zentrum von Tonkin. Der Hauptteil des französischen Besitzes aber ist Gebirgs- und Hochland und gliedert sich in die Kordillere von Anam und die dahinterliegenden Plateaus und Stufenlandschaften von Laos.--=Klimatisch= gehört ganz Indochina dem südasiatischen Monsungebiet an, doch unterliegt der jährliche Klimaverlauf in den verschiedenen Landesteilen ziemlich starken Abweichungen, von der beständig feuchtheißen Sumpfniederung von Cochinchina bis zu dem schon viel extremern Klima Tonkins und den rauhen Hochebenen des innersten Laoslandes und von dem Sommerregen Saïgons bis zu dem Herbst- und Winterregen von Huë.--Auch die =Vegetationsverhältnisse= sind sehr verschieden, vom tropischen Regenwalde bis zur Wüstensteppe einiger trockener Kalkplateaus im Laoslande.--Die bekanntesten Vertreter der =Tierwelt= sind hier wie im übrigen Hinterindien Elefant, Tiger, Panther und der Gibbonaffe. --Die beiden Tiefebenen sind zugleich Mittelpunkte der =Kultur= und Volksverdichtung und wichtige Reisbaugebiete; Reis bildet den Hauptgegenstand der Ausfuhr, dem erst in weitem Abstande Zinn, Fische und Bodenbauprodukte folgen.--Die =Bevölkerung= teilt sich wie im übrigen Hinterindien in Halbkulturvölker, die die leichter zugänglichen Landesteile, namentlich die Küsten und Flußebenen, bewohnen, und in Gebirgsstämme, die noch nicht über das Naturvölkertum hinausgekommen sind. Körperlich und in ihrem Kulturbesitz sind alle diese Völker, wie es der von den Franzosen ihrem Kolonialbesitz gegebene Name sehr glücklich ausdrückt, sowohl von Indien wie von China her vielfältig beeinflußt worden, in diesem Teile Hinterindiens naturgemäß mehr von dem näherliegenden China aus, wie denn auch heute die Chinesen einen wichtigen Bevölkerungsteil ausmachen. Doch haben sich für den alten Einfluß der indischen Kultur auch in diesem Teile Hinterindiens glänzende Zeugen in den Ruinen von Angkor-Thom in Cambodja (S. 185) erhalten.
=Cochinchina= besteht in der Hauptsache aus dem feuchtheißen und ungesunden, aber sehr fruchtbaren und für den Reisbau vorzüglich geeigneten Delta des gewaltigen Mekongstromes, das sich rasch weiter ins Meer hinausschiebt und vom Mekong allsommerlich von neuem überschwemmt und befruchtet wird. Ein Stauwerk zur Regelung des Flutverlaufes, wie es die Engländer in Ägypten bei Assuan errichtet haben, brauchten die Franzosen nicht zu bauen, weil der Mekong ein riesiges natürliches Regulierungsbecken im Tonlé-sap, einem See, der die Mitte des Beckens von Cambodja einnimmt, besitzt. Bei der Hauptstadt von Cambodja, Pnom-Penh, beginnt das Mekongdelta mit einem zu diesem See führenden Arm, der während der sommerlichen Hochflut des Stromes der Seemulde einen bedeutenden Teil des Mekongwassers zuführt, so daß der Tonlé-sap im Sommer von 110 auf 200 km Länge, von 1 auf 12 m Tiefe und von 3000 auf 25000 qkm Fläche wächst. Im Herbst, wenn der Mekong fällt, beginnt der Tonlé-sap sich wieder zu entleeren und führt Cochinchina im Winter die nötige Feuchtigkeit zu. --Ein Netz von Kanälen regelt den Zu- und Abfluß des Wassers in der Mekongtiefebene, besonders im Delta, das, so groß wie das rechtsrheinische Bayern, flach und sumpfig, fast ganz dem Reisbau gewidmet ist.
Das nw. von Cochinchina angrenzende =Cambodja= ist in seinem Hauptteil eine Beckenlandschaft, deren Mittelpunkt der Tonlé-sap bildet. Um die Sumpflandschaften in der Umgebung dieses Flachsees, die dichte Waldungen mit vielen Kautschuk liefernden Gewächsen tragen, reihen sich fruchtbare Reisbaugebiete, die nur in der Regenzeit überschwemmt sind. Weiter nach außen folgt eine Steppenzone mit Lateritboden und endlich eine niedrige Gebirgsumrahmung, die wieder bewaldet ist; sie besteht im SW. aus dem Küstengebirge, bis 1000 m hoch, und im N. aus dem Pnom-dangrek, dem Steilabfall des nördl. gelegenen Plateaus von Nieder-Laos.
Das feuchtheiße =Klima= Cochinchinas ist als sehr wenig günstig bekannt. Man unterscheidet auch hier drei Jahreszeiten, die kühle, die heiße und die Regenzeit; letztere dauert vom Mai bis zum November, solange der SW.-Monsun weht, und erreicht ihren Höhepunkt im September; sie bringt täglich Gewitter. Gesundheitlich am gefährlichsten ist die Zeit nach der Regenzeit, bis der Boden ausgetrocknet ist. Saïgon hat eine mittlere Jahrestemperatur von 27,4°, am kühlsten ist der Dezember mit 25,4°, am wärmsten der April mit 29,3°, die Wärmeschwankung ist also sehr gering.
Cochinchina umfaßt 57000 qkm mit 2,9 Mill. Einw., Cambodja 175000 qkm mit 1,2 Mill. Einw. Seine Hauptstadt ist Pnom-Penh, wo der König Sisowath residiert. Die Hauptmasse der =Bevölkerung= Cochinchinas wird von Anamiten gebildet, die als vorzügliche Reisbauern, Handwerker und Soldaten gerühmt werden, den ganzen Handel jedoch, wie die Siamesen, den Chinesen überlassen haben.
=Reisen in Indochina.= Beste Zeit ist Dezember bis Februar. Der Sommer ist nur an der Küste und im Hochgebirge erträglich. Paß ist von Nutzen; chinesische Diener müssen mit Paß versehen sein. Für längere Reisen ins Innere sind mehrere Diener nötig, die sorgfältig ausgewählt werden müssen; Koch und Dolmetscher der Landessprache ist nötig. In Anam verschafft man sich Träger beim Ortsvorstand oder Postverwalter. Europäer finden an Orten, wo Gasthäuser fehlen, meist im Gemeindehaus Unterkunft. Bei Schwierigkeiten wende man sich an die anamitischen Behörden und, wenn nötig, an den französischen Residenten. Man reist, wo es keine Pferde gibt, meist im Tragsessel oder im Palankin; Sessel ist vorzuziehen. Zur Ausrüstung gehören Feldbett, Zelt, Moskitonetz, Medikamente gegen Malaria und giftige Stiche, Lebensmittel und Kochgeschirr. Unterwegs sind Eier und Geflügel zu haben. Man benutze nach Möglichkeit die Flußdampfer.
=Reiseliteratur=: Gräfin Montgelas, Bilder aus Südasien (München 1906); Madrolle, Indo-Chine (Paris 1902).
Saïgon.
Vgl. den Plan S. 180.
=Ankunft zur See.= Der Dampfer macht an einer Landungsbrücke fest; Zolldurchsicht ist streng. Man fährt mit Rikscha in 15 Min. zum Gasthof.
=Gasthöfe=: Grand Hôtel Continental, Rue Catinat; 100 Z. 4, F. 0,75, Déj. 2, Dîn. 3, Pens. von $ 8 an; zu empfehlen. --De l'Univers, Rue Turc; 70 Z., Dîn. $ 1,50, Pens. $ 4-9.-- Des Nations, Boulevard Charner, ganz bescheiden.--Des Colonies, Rue Nationale, nur als Restaurant zu benutzen. =Restaurants=: Grand Hôtel Restaurant de l'Hôtel de Ville, guter Mittagstisch $ 1,50.--=Cafés= sind viele vorhanden.
=Post und Telegraph=: Place de la Cathédrale.--=Telephon= im Stadtgebiet.
=Wagen=: Zweispänner und Einspänner (Malabar) nach Tarif (Fahrt nach Cholon 70 bzw. 50 c.).--=Rikschas= (Poussepousse) nach Cholon 40 c., hin und zurück mit 1 St. Aufenthalt 80 cents.-- =Sampans= (Boote) mit zwei Ruderern nach Cholon 40 cents.
=Dampfstraßenbahn=: Nach (6 km) Cholon zwei Linien, davon eine bis (5 km) Bin-dong; eine nach (18km) Hok-mon mit Zweiglinien nach Da-kao. --=Eisenbahnen=: Von Saïgon über Cholon nach Mytho 71 km; von Saïgon über Bienhoa und Giaray (79 km) nach Tanh-linh, 132 km, und nach Phanthiet soll an der Küste bis Vinh (im nördl. Anam) geführt werden (dann Anschluß bis Yünnanfu in China, S. 189).
=Automobile= werden bei den guten Straßen viel, auch zu Postfahrten (z. B. nach Tay-ninh [100 km nw.], nach [23 km] Bienhoa und [120 km] St.-Jacques) verwendet. Automobile zum Besuch der Umgebung sind zu mieten, einschl. Chauffeur $ 30 für den Tag.
=Dampferagenturen=: Messageries Maritimes: de Baillou (Tel.-Adresse: Messageries Saïgon).--Messageries fluviales de Cochinchine.--Norddeutscher Lloyd: Speidel & Co. (Tel.-Adresse: Speidel, Saïgon).
=Geld.= Amtlich französisches Geld: 1 Fr. =100 Centimes; im Landesverkehr ist die Hauptmünze der Dollar (Piastre genannt) zu 100 cents; vgl. S. 219. Ein Silberdollar etwa = 2 Fr. 15 c. = 1,80 Mk.--=Banken=: Banc de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank.--Hongkong & Shanghai Banking Corporation, beide am Kai des Arroyo chinois, beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft.--Chartered Bank of India, Australia and China.
=Sprache= der Anamiten ist einsilbig, isolierend mit sechs Tonakzenten und stark mit chinesischen Lehnwörtern durchsetzt. Grammatik von Dignet (Paris 1897) und Dirr (Wien 1894), Wörterbuch (anamitisch-französisch) von Bonet (Paris 1899-1900). In den Gasthöfen, Bahnhöfen und Agenturen wird Französisch und Englisch gesprochen.
=Theater.= Théâtre municipal, französische Truppe, Spielzeit Oktober bis April, Vorstellungen am Di. Do. Sa. So., Logenplatz $ 2, Fauteuil $ 1,50.-- Anamitische Theater, sehenswert!
=Militärkonzerte=: Mi. abds. am Boulevard Charner, So. Nm. im Jardin de Ville oder Jardin Zoologique.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul Reinsdorf.--Österreich-Ungarn, Konsul Franz Fischer.--=Deutscher Klub.=-- =Polizeiamt=: Ecke Quai du Commerce und Boulevard Charner.
=Ärzte=: französische Zivil- u. Militärärzte. Großes Militärhospital.--=Buchhandlungen=: Schneider, im Continental Hotel; Rey & Curiol; Claude, die beiden letztern Rue Catinat.--=Zeitungen=; Opinion; Courrier Saïgonnais; Nam-ky. --=Geschäfte= in der Rue Catinat.
=Zeiteinteilung=: 1. Tag: Vm. Markt, Stadt und Zoologischer Garten; Nm. nach Cholon und zurück.--2. Tag: Ausflüge in die Umgebung.--3.-10. Tag (oder länger): Reise über Pnom-penh nach Angkor-Thom.
=Geschichte.= Die anamitische Ortschaft wurde von Chinesen besiedelt; 1789-1811 war Saïgon Hauptstadt des anamitischen Kaisers Hia-long, der, durch den Taysonsaufstand aus Hué vertrieben, erst 1811 wieder sein altes Reich eroberte. Seitdem nennen die Anamiten die Stadt Gia-dinh; 1790 befestigte Oberst Ollivier, ein Franzose im Dienste Anams, die Stadt. 1859 nahm Admiral Rigault de Genouilly Saïgon, das bis 1902 Hauptstadt Indochinas blieb und wichtiger Kriegshafen wurde.
=Saïgon=, Hauptstadt von Cochinchina, liegt nahe dem Ostrande des Mekongdeltas, 55 km vom Meer entfernt, am r. Ufer des Saïgonflusses, der im Gegensatz zu den verschlammten Mündungsarmen des Mekong für Dampfer befahrbar ist, auf 10° 40' nördl. Br. und hat etwa 51000 Einw., darunter 5500 Franzosen, 300 andre Europäer und 12000 Chinesen. Die Stadt ist sorgfältig und geschmackvoll gebaut mit reinlichen Straßen, der Sumpfboden ist durch Kanäle trockengelegt. Als Hafen dient der Fluß; Warenschuppen und Kohlenlager der Messageries Maritimes (BC5) liegen am Südende, die Marinewerft mit großem Trockendock am Nordende der Stadt. An die Marinewerft grenzt der Zoologische und Botanische Garten (BC1, 2); letzterer reicht bis zu der großen Zitadelle (mit europäischen Kasernen; B2). Von der Ostseite der Zitadelle führt der breite Boulevard Norodom (AB2, 3) zu dem mitten in großem Park gelegenen Palast des Gouverneurs (A3), hinter dem sich der Volkspark (A4; Jardin de Ville) anschließt. Saïgon hat eine große Kathedrale (A3) in romanischem Stil, eine Sternwarte, mehrere Schulen und verschiedene Denkmäler. Das Klima ist für Europäer nicht gesund. Hauptausfuhr: Reis, gesalzene Fische, Baumwolle, Pfeffer, Gummi, Kopra, Häute, Felle, Hörner und Kautschuk. Einfuhr: Textilwaren, Maschinen, Chemikalien u. a. -- =Rundfahrt.= Um das Volksleben kennen zu lernen, fahre man frühmorgens auf den Markt (B4; Marché) in der Nähe des Arroyo chinois, dann durch die hübschen Anlagen des Jardin de Ville; nördl. von diesem Volkspark liegt das Collège Chasseloup-Laubat (A3), wo Eingeborne als Dolmetscher ausgebildet werden; dann nach r. um den Park des Gouverneurs herum durch den Boulevard Norodom, vorbei r. am Denkmal Gambettas (A3) und der Kathedrale, l. der Zitadelle, zum Botanischen Garten (Jardin Botanique), der reich an tropischen Zier- und Nutzpflanzen ist (mit Baumschule und botanischer Versuchsstation); im daranschließenden Zoologischen Garten (Jardin Zoologique) sind sehr große Königstiger, Leoparden, Bären, Elefanten, Pelikane sowie Schlangen. Nm. besuche man die Promenaden in der Umgebung (A1; Tour de l'Inspection), wenn man das Villenviertel und die vornehme Welt Saïgons sehen will.
=Ausflüge=: 1) Nach der Eingebornenstadt =Cholon=, 5 km sw. Dampfstraßenbahn (2 Linien) alle 20 und 30 Min. in 14 Min.; Eisenbahn in 9 Min.; oder mit Wagen auf verschiedenen Wegen. Man fährt am Arroyo chinois entlang durch die anamitischen Vororte, vorher am Hospital von Choquan über mehrere Brücken über den mit Sampans und Dschunken besetzten Arroyo (Kanal). -- Ein andrer Weg, die »Route stratégique«, führt vorbei an europäischen Gärten sowie an chinesischen und anamitischen Gemüsegärten; dann vorüber an den Trümmern einer Königspagode bei der Ferme des Mares (einem Landgut) und über die Gräberebene (Plaine des tombeaux) mit vielen Grabhügeln.
=Cholon= (Bahnwirtschaft; Café de Paris, Avenue Jaccareo.--Juweliere: Chan Binh, Rue Gia-long 78; Ngo Phuoc, Rue des Jardins 47; Taquang Thanh, Rue de Canton 80; Holzschnitzereien, Möbel mit Perlmuttereinlagen; Stickereien: Duyet-hoa Xuong, genannt O-chau, Rue de Canton 73), Stadt von 138000 Einw., die wichtigste Gewerbe- und Handelsstadt von Cochinchina und Hauptstapelplatz für den Reishandel; von Chinesen 1780 gegründet, sieht Cholon ganz chinesisch aus, mit chinesischen und anamitischen Theatern und buntem Straßenleben sowie mehreren Pagoden. Das Drachenfest wird jährlich wie in China sehr gefeiert.-- In der Nähe von Cholon liegt die Tonwarenfabrik Caï-maï.
2) =Eisenbahn= über (23 km nö.) Bienhoa (am Donnai) nach dem 800 m hohen, prächtig bewaldeten Berge =Nui-Chuachan=, mit Observatorium und landwirtschaftlicher Versuchsstation, unweit des derzeitigen Endpunktes der Bahn (Giaray). Man nehme Verpflegung mit.
3) Mit =Automobil=: a) Über Bienhoa nach den Wasserfällen des Donnai, oberhalb Trian, 48 km; Mundvorrat mitnehmen.--b) Über Bienhoa und Baria (Gasthof) nach Kap St.-Jacques (S. 177), 120 km.--c) Nach (30 km nördl.) Thudau mot (Gasthof, gute Küche) am Saïgonfluß, Hauptstadt der wegen intensiver Tropenkulturen bekannten Provinz gleichen Namens.
Seitentour: Von Saïgon über Pnom-Penh nach Angkor-Thom.
Vgl. die Karte auf S. 177.
Für Weltreisende lohnt der Besuch Saïgons nur, wenn damit eine Reise nach Cambodja (beste Zeit November, Dezember, Januar) zum Besuch der berühmten Khmer-Bauten in Angkor-Thom verbunden wird.
Die Société des Études Indochinoises, an deren Spitze gebildete Franzosen stehen, welche die Reise nach Angkor selbst gemacht haben (Adresse im Museum und in der Stadtbibliothek zu erfragen), macht sich eine Ehre daraus, den Reisenden mit Auskünften zu helfen. Die Dampfergesellschaft Messageries fluviales hat zwei Ausflüge eingerichtet (Nr. 1 für 8 Tage zu 350 Fr., Nr. 2 für 12 Tage zu 450 Fr.) nach folgender
=Zeiteinteilung=: =Ausflug für 8 Tage=: Dampferabfahrt von Saïgon Do. abds. (man kann auf eigne Kosten, I. Kl. $ 2,55, II $ 1,70, Fr. Nm. mit Bahn ab Saïgon fahren nach [71 km] =Mytho= [Hotelrestaurant Viol], wichtige Hafenstadt in der Cua Tieu-Mündung des Mekong-Deltas mit 6950 Einw.; Ausfuhr von Reis, Mais, Tabak und Kopra. In Mytho erreicht man den Dampfer);-- Sa. früh Ankunft in Pnom-Penh;-- So. früh ab Pnom-Penh;--Mo. früh an Siem-Reap-Mündung, mittags an Angkor-Wat, Tempelbesuch;--Di. früh nach Angkor-Thom, Nm. Rückkehr nach Angkor-Wat;--Mi. früh ab Angkor, nachts an Pnom-Penh;-- Do. ab Pnom-Penh Vm.;--Fr. früh an Saïgon.
=Ausflug für 12 Tage=: Fr., Sa., So. wie vorher;--Mo. Angkor-Wat; --Di. Angkor-Thom;--Mi. Preah-Khan; --Do. Ta-Prohm;--Fr. Bat Choum;--Sa. Me-Bom etc.;--So. Abfahrt und nachts an Pnom-Penh; --Mo. ab Pnom-Penh;--Di. früh an Saïgon. Die Zeiten stimmen gut mit den Dampfergelegenheiten nach und von Hongkong und Singapore.
Die =Khmervölker= bilden den östlichen Zweig der Austroasiaten, einer sehr alten Bevölkerungsschicht Südasiens, die im Gesichtstypus zwischen den Mongolen und den Malaien steht, aber mit keiner dieser beiden Völkergruppen näher verwandt ist. Die heutigen Khmer (die Cambodjaner) sind liebenswürdig, friedlich, heiter, gastlich, sehr wahrheitsliebend, mit starkem Nationalgefühl, stehen aber in ihren wirtschaftlichen Leistungen weit hinter den Anamiten zurück. Ihre Ehen meist monogamisch, die Frauen sehr frei; der Bräutigam dient um die Braut und lebt im Hause der Eltern der Frau.
Die Blütezeit ihrer =Kunst= und die Zeit ihrer politischen Vormachtstellung liegen weit zurück. Ihre Kunst blühte im 10.-14. Jahrh. und war eine Tochter der vorderindischen (neubrahmanischen) Kunst; von dieser hat sie die Grundlagen für die bauliche Anordnung ihrer Pagoden und Paläste übernommen, diese aber durchaus selbständig und glücklich weiterentwickelt, so daß Bauten entstanden sind, die sowohl durch die Großartigkeit der Gesamtanlage wie die Schönheit der Einzelteile und den reichen Schmuck an Bildwerken noch heute als Ruinen unser Staunen wachrufen und sehr vorteilhaft von der überladenen neusiamesischen Baukunst abstechen. Besonders merkwürdig ist das Durcheinander brahmanischer und buddhistischer Darstellungen und Götterbilder in diesen Tempeln, die als brahmanische Verehrungsstätten errichtet, aber später vom Buddhismus in Besitz genommen worden sind.
Das Khmer-Reich begründete in der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. der sagenhafte Held Preah Thong (lebt noch in Volksliedern), der die jungfräuliche Königin Neang heiratete.
Ende des 5. Jahrh. führte Kambu, ein indischer oder nach Indien verbannt gewesener cambodjanischer Prinz, indische Religion und Sitten ein; ihm folgten andre bedeutende Herrscher, deren Reich sich auf ganz Hinterindien bis an den Golf von Bengalen und auf die Malakkahalbinsel ausdehnte; 811 wurde die prächtige Hauptstadt Angkor-Thom eingeweiht, die nach noch vorhandenen chinesischen Schilderungen nirgends ihresgleichen gehabt hat. Die Erbauung von Angkor-Wat unter König Suryavarman II. fällt schon in den Beginn des Verfalls (12. Jahrh.); 200jährige blutige Kriege zwischen Cambodja und den Thaï (jetzigen Siamesen und Laoten) im 13.-15. Jahrh. verursachten den Zusammenbruch des Khmer-Reiches, dessen Hauptstadt Angkor-Thom 1462 nach dreimaliger Zerstörung endgültig verlassen wurde. Die zur Herrschaft gelangten Thaï, die dem Buddhismus anhingen, machten Angkor-Wat zum buddhistischen Heiligtum (ob es im Khmer-Reich nur Tempelstadt oder auch Königspalast war, ist zweifelhaft, doch wahrscheinlich). Cambodja hütet die alten Überlieferungen des Khmer-Reiches; die alte hohe Kultur ist noch überall sichtbar und unterscheidet das interessante, noch zu wenig bekannte Land sehr von allen andern hinterindischen Ländern.
Von Mytho (s. S. 183) fährt man mit Flußdampfer über Vinhlong, hübsche Niederlassung am r. Ufer, und über Sadec, den »Garten von Cochinchina«, vorbei an Ortschaften in fruchtbaren Niederungen mit bergigem Hinterland und erreicht
=Pnom-Penh= (Grand Hôtel [Unterbringung im Hotel auf Kosten der Messageries fluviales. Das Hotel gibt für den Aufenthalt in Angkor einen Boy als Koch sowie Proviant, Wein und Mineralwasser mit. Zur Stadtbesichtigung ist 1 Tag Zeit]; Banque de l'Indo-Chine, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Post und Tel.; viele französische Geschäfte; Agent des Norddeutschen Lloyd: Speidel & Co.), Hauptstadt des Königreichs Cambodja mit 46000 Einw., darunter 360 Europäer (meist Franzosen), 6800 Chinesen; einige Stadtteile haben modernen Zuschnitt, im Khmerstil gebaut. Viele Spielhöllen, von Chinesen geleitet, wo »ba-quan« gespielt wird. Eine große Allee führt parallel zum Flusse durch die Stadt zum *Königspalast, mit vielen Gebäuden mit Perlmutterornamentik, großem Thronsaal mit Deckengemälden (Nymphen und Göttinnen). Sehr sehenswert ist das Ballett der Bajaderen des Königs, mit anmutigen Körperbewegungen von klassischer Schönheit. Mitten in der Stadt liegt der *Pnom, ein Hügel mit einer 986 erbauten Pagode, umgeben von schattigem Volkspark mit Käfigen wilder Tiere und Vogelhäusern. Prächtige Steintreppe mit Löwen- und Kriegerfiguren führt zur Pagode, *Aussicht auf Fluß und Umgegend. Modern sind das Heiligtum des großen Bonzen und der Königstempel Vaht Phrakeo; auch die Leichenverbrennungsstätte ist sehenswert.
Die Fahrt geht von Pnom-Penh in den Ausfluß des Tonlé-sap (S. 179) und erreicht den großen See bei Kompong Luong, dem Landungsplatz für den 6 km westlichern alten Königssitz Ou-dong, mit seltsamen Mausoleen und einem Riesenbuddha sowie mehreren reich mit Figuren, Reliefs etc. geschmückten Pagoden. Am r. Ufer liegt flußaufwärts das Malaiendorf Lo-vek und 8 km westl. davon die Ruinen von Lo-vek, einer noch ältern Hauptstadt Cambodjas als Ou-dong. Am NW.-Ende des großen Sees liegt die Mündung des Siem-Réap; dort liegen l. Sampans bereit für Reisende und Gepäck. Man fährt etwa 4-1/2 St. mit Sampan je nach Wasserstand den kleinen Fluß hinauf, bis man die Ochsenkarren erreicht, die den Reisenden zum Rasthause (ganz neu, mit 10 Z. und 14 Betten sowie Speisesaal) bei Angkor-Wat bringt; Mitnahme von Decken für die zuweilen sehr kühlen Morgenstunden im Boot ist zu empfehlen. Nm. Besuch des wenige Schritte vom Rasthaus entfernten, noch gut erhaltenen, von Prea-ket Mealea im J. 57 n. Chr. erbauten Tempel *=Angkor-Wat=, etwa 3 km nördl. von Siem-Réap; er steht in einem Park, zeigt viele brahmanische Inschriften, Denkmäler, seltsame Tiergestalten, Säulenhallen, große Gopuratürme, prächtige Tore etc. Von da Besuch des Königspalastes von *=Angkor-Thom=, 4 km nördl. vom Rasthaus; er ist von einem Mauerviereck mit 4 km Seitenlänge umgeben, das fünf Tore mit Türmen und Terrassen hat; im Innern stehen sonderbare Zeugen der alten Khmerkunst: der Bhan-yong (Bayon), ein mehrstöckiger Hallenbau mit 14 Türen sowie andere fast rätselhafte Bauwerke, die als Paläste und Tempel dienten. Nach Angkor-Wat wallfahrten jetzt noch zahlreiche Pilger; die Tempelstätten werden von Priestern gepflegt. Die ganze Umgegend ist reich an Tempelruinen.
Die Dampfer fahren noch weiter bis Battambang am Seng-ke; die Stadt ist des Handels wegen wichtig, hat auch viele alte Tempel im Innern und in der Umgegend.
Von Pnom-penh nach =Khôn= (276 Seem.) auf dem Mekong aufwärts mit Dampfern der »Messageries fluviales« im August bis Dezember in 4 Tagen, zurück in 18 St. Auf dem obern Mekong Dampfer je nach Wasserstand bis Pak-moun, dann Bootsfahrt in 15 bis 20 Tagen bis Luang-prabang im obern Laos. Sehr interessante und landschaftlich lohnende Fahrt durch das meist ziemlich enge, stellenweise schluchtartige, tief (bis 1000 m) ins Gebirge eingesenkte, aber infolgedessen auch ziemlich heiße Mekongtal. Die Strombreite wechselt zwischen 1/2 km und 50 m; mehrfach sind Stromschnellen zu überwinden. Man treffe Vereinbarungen mit den »Messageries fluviales«.
Von Saïgon nach Haïphong und Hanoï.
=Messageries Maritimes= alle 8 Tage von Saïgon nach Tourane für I. Kl. 128, II. 89-1/2 Fr. und weiter nach Haïphong für I. 192, II. 140 Fr. Dann 101 km =Eisenbahn= von Haïphong nach Hanoï.
=Anam.= Das unter französischer Oberherrschaft stehende Königreich Anam, 160000 qkm groß mit 5,5 Mill. Einw., Hauptstadt Hué, besteht größtenteils aus Gebirgsland, das im südlichen Teil steil unmittelbar zur Küste abfällt und erst von Hué ab nordwärts einer schmalen, sehr fruchtbaren Küstenebene Raum läßt. Die etwa 1200 km lange Küste von Anam ist der Schiffahrt sehr ungünstig; häufig von Stürmen und im Herbst und Winter von starker Brandung heimgesucht, bietet sie in ihrem südlichen Teil durch Felsriffe, im nördlichen durch Sandbarren der Annäherung von Schiffen gefährliche Hindernisse, enthält aber viele gute Häfen, darunter die Bucht von Tourane; Tourane hat sich schnell zur Hafenstadt für die etwa 80 km nördl. gelegene Hauptstadt Hué entwickelt, die ihrerseits ihre Vorrangstellung der Lage am Südende der Küstenebene und am Ausgangspunkte eines bequemen Überganges über das Gebirge hinüber nach Laos (Paß von Ailao, 410 m) verdankt. Das Gebirge, die »Kordillere« von Anam, erhebt sich durchschnittlich bis 600 oder 700 m, doch mit einigen Gipfeln auf 2500 m. Es zeigt zwar eine Reihe von durch tiefe Täler getrennten Ketten, ist aber wahrscheinlich nicht, wie die Gebirgsketten des westlichen Teils von Hinterindien, ein Faltungsgebirge, sondern durch Bruchbildung entstanden; es besteht meist aus alten und widerstandsfähigen Gesteinen und ist gut bewaldet.
Nordwärts von Hué beherbergt es noch viele Naturvölker. Das =Klima= der nördlichem Küstenstrecke Anams weicht von dem Cochinchinas ziemlich stark ab; der jährliche Temperaturverlauf ist weniger gleichmäßig, der Winter kühler, die heiße Zeit um einige Monate verschoben (Hué Jahr 25,4°; Februar 19,7°, Juni und August 29,5°), die Regenzeit wird nicht vom SW.-Monsun, sondern vom NO.-Monsun gebracht und fällt in die Monate September bis Dezember, Höhepunkt im Oktober.
Die Seefahrt vom Kap Saint-Jacques (S. 177) längs der Küste von Anam bietet vom Leuchtturm des Kap Padaran (mit Blitzfeuer von 32 Seem. Sichtweite) schöne Gebirgslandschaft. Ein sehr schöner Hafen liegt in der Bucht von Cam-ranh, der als Schutz bei stürmischem Wetter dient. Manche Dampfer laufen den Hafen von Nha-Trang an, in dessen Laboratorium 1897 Dr. Yersin den Pestbazillus entdeckte. Man passiert dann Kap Varella mit Leuchtturm und gelangt nach Quinhone, Hafenplatz in einer großen geschützten Bucht; in der Ebene viele Baudenkmäler der Khmer (S. 183); 18 km nw. liegt die Zitadelle von Binh-dinh (15000 Einw.). Auf 16° 15' nördl. Breite erreicht man die schöne Bucht von
=Tourane= (Tourane Hôtel oder Hôtel Morir, 40 Z. 4, Ged. 3,50, Pens. 12 Fr.;--Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank und der Berliner Disconto-Gesellschaft); moderne Stadt (vgl. S. 185) mit 4300 Einw. (100 Europäer); Ausfuhrplatz der Kohlengruben von Nang-Son; =Eisenbahn= von hier über Hué nach Quangtri, 175 km. Im Volkspark Skulpturen von Khmerbauten. Der Hafen mit 8 m Wassertiefe liegt 3/4 St. von der Stadt. Ausflug im Palankin mit Trägern (durch die französische Residentschaft vorher zu bestellen), die alle 10 km gewechselt werden (Preis 10 c. für jeden Mann), über den 470 m hohen Bergkamm Col des Nuages bis (107 km) Hué; soll sehr lohnend sein. Schneller gelangt man mit der =Eisenbahn= (s. S. 185) nach
=Hué= (Grand Hôtel Guérin Hué), Hauptstadt des Königreichs Anam, mit 50000 Einw., auf 16° 35' nördl. Br. am l. Ufer des Huong-giang oder Huéflusses; gegenüber liegt die französische Oberresidentschaft (Résidence supérieure) und ein kleines französisches Viertel. Sehenswert sind die Königsstadt und die Königsgräber, zur Besichtigung ist Erlaubnis durch die Residentschaft zu erwirken. Der *Palast des Königs Duy-Tan ist mit hoher Mauer umgeben, viele Gebäude liegen innen in Gärten. Die Stadt umgibt die Königsstadt, hat viele Pagoden, Schulen, Zeughäuser und ist mit Festungsmauern nach Vaubans System umgeben. Gewerbe und Handel sind unbedeutend. Bahn nach Hanoï. Beim Ausflug nach den *Königsgräbern (1 Tag, Mundvorrat mitnehmen!) fährt man von Hué im Wagen bis zum Fluß und nimmt hier Sampan zum Besuch der flußaufwärts gelegenen Gräber (es ist verboten, durch die Mittelpforte der Mausoleen einzutreten, die nur für den König da ist). Man besichtigt zuerst das Mausoleum von Gia-long, dann das hervorragend schön gepflegte von *Minh-mang (mit Gärten). Dann zurück zum Wagen und Besichtigung der interessanten Totenstadt von *Tu-duc in der Nähe von Thieu-tri.
Von Tourane (s. oben) steuert der Dampfer mit NNW.-Kurs durch den Golf von Tonkin auf die kleine Insel Hon-dau mit Leuchtfeuer zu, die vor der Cua-Cam-Mündung des Roten Flusses liegt; r. läßt man die Norwayinseln mit 22 Seem. weit sichtbarem Blitzfeuer, die den großem Inseln vor der Alongbucht vorgelagert sind. Bei =Do-Son= (Grand Hôtel; Doson Hôtel, gut), 22 km so. von Haïphong, ist auf einer Halbinsel ein hübsches, vielbesuchtes Seebad mit vielen Villen angelegt. In die Mündung des Cua-Nam-trieu, dem neuen Hauptfahrwasser nach Haïphong, das durch den Dinh-Vu-Durchstich mit dem Cua-Cam (oberhalb dessen Mündung) verbunden ist, können jetzt große Dampfer bis 8,5 m Tiefgang einsteuern.
=Haïphong=, Stadt mit 27000 Einw., ist der Haupthafen von Tonkin, wie Saïgon der von Cochinchina ist, und hat in seiner Lage Ähnlichkeit mit jenem; es liegt nicht im Delta des Hauptflusses von Tonkin, des Roten Flusses, dessen Mündungsarme zum Teil wie die des Mekong verschlammt sind, sondern etwas seitlich am Zusammenfluß des Song Tam-bac mit dem Cua-Cam, 37 km vom Meere.
=Gasthöfe=: De Commerce.--De l'Univers, beide ersten Ranges; einfacher De Marseille; De l'Europe.--=Post u. Tel.=--=Telephon= nach Hanoï; Kabel nach Saïgon und Hongkong.--=Eisenbahn= nach Hanoï und weiter, vgl. unten. --=Dampfer=: Messageries Maritimes nach Saïgon und Marseille; Correspondances fluviales du Tonkin nach Hanoï zweimal wöchentl., außerdem nach vielen Plätzen in Tonkin; Norddeutscher Lloyd: Agent Speidel & Co.-- =Geld=: S. 181.--=Banken=: Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Hongkong Shanghai Banking Corporation; Chartered Bank of India, Australia and China (Agent Speidel & Co.).
=Sprache=, vgl. S. 181.--=Theater= mit französischer Truppe; Societé musicale. --=Ärzte=: Dr. Forest; Mazot.-- =Apotheken=: Brousmiche; Pharmacie Coupard.--=Buchhandlung=: Schneider. --=Zeitungen=: Courrier de Haïphong etc.--=Photographen=: _Bonal & Co._; A-kit, Rue du Commerce 3; A-dong, Rue du Commerce 59.
Die Stadt macht europäischen Eindruck; an den Flußufern liegen Warenschuppen und Schiffswerften, gute Kai-Anlagen und ein Trockendock. Haïphong ist Ein- und Ausfuhrhafen für Tonkin und die chinesische Provinz Yünnan, bis zu deren Hauptstadt eine Eisenbahn führt. Deutsche Frachtdampfer der Hamburg-Amerika Linie und der Reederei Jebsen laufen Haïphong regelmäßig an. Ausfuhr: Reis, Zinn, Farbhölzer (Gambir), Mais, Paddy (ungeschälter Reis), Maniok (Manihot), Galmei (Zinkspat), Wolfram. Außer einem Denkmal Jules Ferrys keine Sehenswürdigkeiten.
=Ausflug= in die *=Alongbucht= und den *=Faitsilong-Archipel= ist sehr lohnend, doch beschwerlich; man fährt am besten mit Küstendampfer von Haïphong bis Hongay (kleiner Gasthof) und mietet dort einen großen Sampan (mit Schlafgelegenheit); bequemer, doch teurer ist das Mieten einer Dampfbarkasse in Haïphong. Zur Fahrt ist ein ortskundiger Schiffer unentbehrlich. Thos. Cook's Office in Hongkong stellt Heckraddampfer für 2-4tägigen Ausflug von Haïphong aus; Kosten nach Zahl der Teilnehmer. Die grotesken Felseninseln der Bucht sind Naturwunder größter Sehenswürdigkeit, besonders folgende: Ile de la Surprise, Grottes des Merveilles, le Cirque, le Tunnel (2 km lange, enge Tropfsteinhöhle, durch die man hindurchfährt) und viele andre seltsam geformte, meist steile Klippen und Inseln, deren grüne Kalkfelsen mit Orchideen, Gräsern und Gebüsch prachtvoll bewachsen ist. Vor der Fahrt beschaffe man sich Seekarten der Bucht beim Hafenkapitän in Haïphong. Photographien sind in Haïphong und Hanoï zu haben.
=Eisenbahn= nach Hanoï, 101 km in 3 St. 40 Min. für I. $ 7,07, II. $ 5,05. Man fährt um Haïphong herum, dann über eine 90 m lange Drehbrücke durch die Flußniederung vorbei an der Zitadelle von (44 km) Haïduong, Stadt mit 8000 Einw., 25 m hohem Uhrturm und schönem Park; dann über (60 km) Cam-giang, (76 km) Lac-dao und (95 km) Gia-lam und über die prächtige, 1682 m lange Brücke Pont Doumer über den Roten Fluß nach
=Hanoï=, Hauptstadt Indochinas, auch Kescho(d. i. Markt) genannt.
=Gasthöfe=: Grand Hôtel Métropole, Boulevard Henri Rivière, gute Pens. 15-25 Fr. -- Hanoï-Hôtel, Rue Paul Bert. -- De la Paix, Rue Paul Bert. -- Du Lac, Rue Jules Ferry.--=Post u. Tel.=: Square Paul Bert. -- =Telephon=, auch nach Haïphong. -- =Elektrische Straßenbahn= von Place de Négrier nach Bac-moi-phuong, Village du Papier und Tan-ap; I. Kl. 5 cents. -- =Eisenbahn=: nach Haïphong; nach Lang-son und noch 465 km über die chinesische Grenze bis Yünnanfu soll zum Yangtse-Tal geführt werden (S. 189); nach Ninh-binh im Bau bis Vinh und weiter nach Anam; im Bau nach Sontay. -- =Dampfer= der Correspondances fluviales nach Haïphong, Nam-dinh und Laokay. -- =Bank=: Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. -- =Theater=: Théâtre municipal, französische Truppe am Boulevard Amiral Courbet; chinesisches Theater. -- =Konzerte=: Militärmusik Do. abds. Square Paul Bert, So. Nm. im Botanischen Garten; Société philharmonique. --=Militärhospital.= -- =Buchhandlungen=: Schneider; Crébassac, beide Rue Paul Bert. -- =Zeitungen=: Avenir du Tonkin; Indépendance tonkinoise; Indo-Chinois; Tribune; Revue indochinoise.
=Geschichte.= Hanoï wurde angeblich 767 n. Chr. von Chinesen gegründet und lag damals dem Meere ganz nahe, ist ihm aber durch Anwachsen des Flußdeltas entrückt worden. 1427 wurde Hanoï durch die Le-Dynastie Hauptstadt von Anam und Tonkin. Infolge Vertrags von 1874 wurde neben zwei andern Häfen auch Hanoï dem Fremdhandel eröffnet und ein französischer Konsul mit militärischer Bedeckung in der Stadt zugelassen, die in dem Kriege von 1882 beschossen, besetzt und mit Tonkin 1883 unter französisches Protektorat gestellt wurde.
=Tonkin.= Die Ebene des Roten Flusses oder Songkoi, dessen Mittelpunkt Hanoï bildet, ist nur so groß wie Sachsen oder Baden, aber von den Bewohnern mit chinesischem Fleiß bestellt und darum sehr volkreich. Die Reisproduktion des Songkoideltas würde freilich noch viel bedeutender sein, wenn der Songkoi nicht während seines Hochwassers, das seinen Wasserstand um 8-9 m erhöht, häufig ausbräche und sich ein neues Bett suchte; auch die Ausbildung des die Wasserverteilung im Delta regelnden Kanalnetzes ist infolge dieser Unbeständigkeit des Flusses zurückgeblieben.-- Das =Klima= Tonkins ist insofern dem Cochinchinas ähnlich, als die Regenzeit wie dort vom SW.-Monsun gebracht wird und in den Sommer fällt (Höhepunkt Juli). Dagegen macht sich die nördlichere Lage im Winter schon ziemlich bemerkbar: die Junitemperatur beträgt noch 28,7°, aber die Februartemperatur nur noch 16,5°, der mittlere jährl. Tiefstand der Temperatur 6,7°.
Die Stadt Hanoï, unter 21° 2' nördl. Br. am r. Ufer des Songkoi, 175 km von dessen Mündung, malerisch gelegen, ist terrassenförmig angelegt, mit breiten, modernen Straßen und hübschen Promenaden, hat schöne Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Villen und große moderne Magazine (Debeaux frères, Union commerciale indo-chinoise etc.) im europäischen, andre Häuser aus Stein und Ziegeln im chinesischen Stil. Hanoï ist Sitz des französischen Generalgouverneurs und Oberresidenten, mit 103188, mit Nachbarorten 150000 Einw., darunter 2000 Chinesen, 1088 Europäer (ohne Militär). Die eingeborne Industrie erzeugt Baumwollen- und Seidenstoffe, schöne Seidenstickereien, Perlmutterarbeiten (Inkrustationen), Filigranarbeiten aus Gold und Silber, lackierte Waren. Der Handel, meist in den Händen von Chinesen, neuerdings auch von Europäern, ist bedeutend; Ausfuhr: Reis, Zuckerrohr, Seide, Mais, Bohnen, Schellack, Erze. Fahrzeuge können bis Hanoï hinaufgelangen, Boote (in der guten Jahreszeit auch Dampfschaluppen) bis Laokay. Außerhalb der Stadt liegt die hohe alte, für den damaligen Herrscher von Anam nach Vaubans System durch französische Offiziere erbaute Zitadelle mit schöner Pagode, Wohnungen der Mandarinen, Kasernen, Magazinen, Arsenal, Schatzkammer etc.--=Rundfahrt.= Morgens besuche man die Markthallen in der Eingebornenstadt, in der Rue du Riz; dicht dabei, in der Rue des Voiles, ist die Pagode des Kriegsgottes Ba Mã mit *Bronzestatue auf Drachenthron. Beim Teich von Truc-bach liegt die *Pagode des Großen Buddha mit schöner Riesenbronzestatue Buddhas; auch die Pagode der beiden Schwestern Trung (Trung-Liet, zweier tonkinesischer Jungfrauen von Orléans, die Anam 38 n. Chr. vom chinesischen Joch befreiten) ist sehenswert. Im Kleinen See (Petit Lac) liegt die *Pagode de l'île de Jade (auch Ngoc Son genannt). Von da fahre man an der Kathedrale vorbei zum *Museum beim Bahnhof am Boulevard Gambetta, worin Baudenkmäler der hinterindischen Kunststile gesammelt sind; in Nebenhallen sind permanente Ausstellungen von Kunst-, Gewerbe- und Handelsgegenständen. Vor dem Museumsplatz steht am Boulevard Gambetta ein schönes Denkmal (von Rivière): »Frankreich beschützt Indochina«.--Nun zum Botanischen Garten (Jardin Botanique), in dessen Mitte der kleine Hügel Nui-sa liegt; oben *Aussicht über Stadt und Roten Fluß. Außer Pflanzensammlung findet man Käfige mit Tigern, Hirschen, Vögeln, Schlangen etc.--Neben dem Botanischen Garten liegt in schönem Park der Palast des Generalgouverneurs.--Südl. vom Botanischen Garten die Lotospagode Chua Mot-cot, aus dem 11. Jahrh.-- Die bis zur Hauptstadt der benachbarten chinesischen Provinz Yünnan seit 1910 fertiggestellte Bahn (s. unten) ermöglicht einen bequemen Besuch des südwestlichen China.
Von Hanoï nach Yünnanfu.
Vgl. die Karte bei S. 215.
=Eisenbahn=: Die Tonkin-Yünnanbahn (von der Compagnie française de chemin de fer de l'Indochine et du Yunnan erbaut und 1. April 1910 dem Verkehr übergeben) verbindet die Tiefebene von Tonkin durch das großartige Erosionstal des Songkoi (Roter Fluß) mit der südwestlichsten chinesischen Provinz Yünnan. Wegen der prächtigen Naturbilder und der zahlreichen kühnen Bauwerke dieser Gebirgsbahn ist ihre Befahrung zu empfehlen trotz zurzeit noch vorkommender Betriebsstörungen. [Hand] Über Fahrzeiten, Fahrpreise, Unterkunft etc. erkundige man sich in Hanoï oder Haïphong.
Den größern Ostteil der =chinesischen Provinz Yünnan= bildet ein im Mittel 2000 m hohes, von Gebirgszügen überragtes Kalksteinhochland, das wegen seiner Wasserarmut eine ziemlich dürftige Vegetation hat; die Bergzüge tragen jedoch vielfach Laub- und Nadelwälder. Die Talmulden sind teilweise mit rotem Ton, den Zersetzungsprodukten des Kalksteins, ausgekleidet und zuweilen von Seen eingenommen. --Das =Klima= soll für Europäer angenehm sein. --Die =Bevölkerungszahl= beträgt nur 12 Mill., darunter einige beinahe unabhängige Stämme der Ureinwohner (Lolo und Lissu). Etwa ein Drittel der Bewohner sind Mohammedaner (Panthoi oder Choitsu), die nichtchinesischer Herkunft, aber stark mit Chinesen vermischt sind. Letztere machen die Hauptmasse der Bevölkerung aus. Infolge seiner Abgelegenheit sind in Yünnan besonders häufig Aufstände gegen die Zentralregierung erfolgt, zuletzt der große Mohammedaneraufstand 1853-72.-- Der Hauptreichtum des Landes liegt in seinen =Bodenschätzen=, vor allem Zinn, Zink, Kupfer, Silber, Gold, Kohlen und Salz sowie Edel- und Halbedelsteine (Rubine, Saphire, Jade, Jadeit, Nephrit). Durch den Bau der Yünnanbahn haben sich die Franzosen die Ausbeutung dieser Erzlager gesichert (englisch-französisches Bergwerkssyndikat). Der Westteil Yünnans steht durch Tragtierkarawanen in regem Handelsverkehr mit Birma und Siam, der Nordteil mit Suifu am Yangtse (S. 254).
Von Hanoï (S. 188) über eine große Eisenbahnbrücke auf das l. Ufer des Songkoi und durch den obersten Teil der angebauten Deltaebene bis zur Austrittsstelle des Songkoi aus dem Gebirge. Das Tal des Mittellaufes des Flusses ist 1000-1200 m tief in das regenreiche Gebirgsland von Obertonkin eingeschnitten und größtenteils mit Urwald bedeckt, der zahlreiches Wild birgt; der Strom ist trotz mancher Stromschnellen in der Regenzeit (Sommer) mit großen Schiffen aufwärts bis Laokay zu befahren. Die Bahn folgt dem Songkoital bis
(296 km) =Laokay=, dem französischen Grenzort, an der Mündung des Bergflusses Namti in den Songkoi; wichtiger Handelsplatz; kleine Zitadelle, erzreiche Umgebung.--Über den Namtifluß nach dem chinesischen Grenzort Hokeon (d. h. Flußmündung). Dann beginnt der 180 km lange Aufstieg zum Hochlande von Yünnan, im Tale des Namti aufwärts, mit Hilfe von 78 Tunneln und 123 Brücken, davon 24 Tunnel und eine zwischen zwei Tunnel eingeschaltete Brücke auf einer 15 km langen Strecke (Boucle, Schleife), die zur Überwindung eines Talkessels dient, bis--(476 km) Möngtse (1370 m), Stadt mit etwa 12000 Einw., seit 1889 dem Fremdenhandel geöffnet; in der Umgebung Zinn-, Silber- und Bleibergwerke. Weiter nordwestwärts wieder über zahlreiche Brücken und Tunnel über Tschikai und die Kreishauptstadt Lin-ngan (1380 m), sodann über einen Gebirgszug ins Tal des Holiukiang, des Hauptquellflusses des Hsikiang (S. 254), und in diesem aufwärts auf die Hochfläche von Hsin-hsing (1643 m), zuletzt um den See Tienschi (1950 m) herum nach
(773 km) =Yünnanfu= (1960 m), Hauptstadt der Provinz Yünnan und Amtssitz des Generalgouverneurs von Yünkwei (Provinzen Yünnan und Kweitschou); Missionsstation, Telegraph nach Tschungking (S. 263) und weiter nach Mittelchina sowie nach Birma; berühmte Seidenstoffe und Teppiche.
10. Von Singapore nach Batavia. Die Insel Java.
Vgl. den Karton auf der Karte von »Hinterindien« bei S. 155.
=Koninklijke Paketvaart Maatschappij=: Von Singapore innerhalb 24 St. nach Ankunft des Reichspostdampfers des Norddeutschen Lloyd aus Europa nach Batavia. Außerdem wöchentlich ein Dampfer direkt von Singapore nach Batavia in 2 Tagen. Rundreisekarten Singapore-Batavia-Soerabaja-Singapore I. $ 90, II. $ 54.
=Stoomvaart Maatschappij Nederland= alle 14 Tage von Singapore nach Batavia in 2 Tagen.
=Messageries Maritimes= alle 14 Tage im Anschluß an die ostasiatische Hauptlinie von Europa, in 2 Tagen von Singapore nach Batavia.
Die Fahrt von Singapore nach Batavia führt durch die Riouwstraße zwischen den Inseln Batam r. und Bintang l., passiert dann die »Linie« (den Äquator), zuweilen durch »Linientaufe« (Fest der Schiffsbesatzung mit Begießung von Wasser äußerlich und Rum innerlich) gefeiert, und geht an bewaldeten Inseln des Riouw- und Lingga- Archipels mit südlichem Kurs meist durch die schmale Bangkastraße, zuweilen zwischen den Inseln Bangka und Billiton durch die Gasparstraße. Die Zinninsel Bangka ist flach mit etwa 700 m hohen Bergen, ihr Hauptort Muntok am Westende wird von Dampfern angelaufen. Billiton (Blitong) ist ebenfalls bergig, bis 600 m hoch und reich an Zinn und Eisen; der Hauptort Tandjong-Pandang liegt an der Westküste. Bei der Ansteuerung der Bataviabai ist der weiße Leuchtturm auf einer kleinen Insel auffällig; die Küste ist flach, die hohen Berge des Hinterlandes geben ein prächtiges Bild, sind aber häufig im Dunst verdeckt.
Die Insel Java.
Vgl. die Karte bei S. 155.
=Java=, die kleinste, aber wichtigste der Großen Sundainseln, ist der reiche und stark bevölkerte Hauptsitz des niederländisch-ostindischen Kolonialreiches, das insgesamt 1,9 Mill. qkm (das 3-1/2fache des Deutschen Reiches) umfaßt, aber nur 38 Mill. Einw. zählt. Der Besuch Javas ist äußerst lohnend wegen der reichen tropischen Pflanzen- und Tierwelt, der zahlreichen Vulkane, der interessanten, freundlichen Bevölkerung, der buddhistischen und brahmanischen Denkmäler und des Charakters der Insel als einer ungewöhnlich blühenden tropischen Pflanzungskolonie. Die gute niederländische Verwaltung hat dafür gesorgt, daß die ganze Insel bequem und gefahrlos bereist werden kann.
Die Insel erstreckt sich von der Sundastraße im W. in 1060 km Länge bei 70-200 km Breite bis zur Balistraße im O. und ist mit Nebeninseln, Madoera etc., 131500 qkm groß. Bis zur jüngern Tertiärzeit befand sich an der Stelle von Java wahrscheinlich eine Gruppe von kleinern Inseln; dann begannen an zahlreichen Stellen vulkanische Ausbrüche, deren Auswurfsmassen (meist Schlamm und Asche, wenig Lava) den Archipel zu der heutigen langgestreckten Insel zusammenschweißten. So zeigt das heutige Java ein etwa 1000 km langes Gebirgsrückgrat, dem zahlreiche Vulkankegel aufgesetzt sind; gegen die Nordküste senkt es sich zu einem hügeligen Flachlande, das sich von der Ebene Ostsumatras (S. 157) durch die geringe Ausdehnung des Sumpflandes sehr vorteilhaft unterscheidet. Der Landschaftscharakter wird, namentlich im Südteile der Insel, ganz von den =Vulkangipfeln= beherrscht; es gibt ihrer weit über 100, von denen fünf noch in jüngster Zeit tätig waren, während viele andre wohl nur scheinbar erloschen sind. Sie ordnen sich in einer Längsreihe und mehreren Querreihen an. Die Höhe der Vulkane ist sehr verschieden; 45 von ihnen sind höher als 2000 m, am höchsten ist der Semeroe mit 3680 m. Sie zeigen meist nicht Spitzkegel-, sondern mehr Flachkegelform, ihre Krateröffnungen haben teilweise mehrere Kilometer Durchmesser, und ihre Abhänge sind von regelmäßig angeordneten Regenrinnen zerfurcht und förmlich gerippt.
Das =Klima= ist entsprechend der Nähe des Äquators und der Inselnatur des Landes äußerst gleichmäßig. Die mittlere Jahrestemperatur von Batavia beträgt 26°, von der die höchste und die niedrigste durchschnittlich im Jahr vorkommende Temperatur nur um je 6,5° abweichen. Es gibt demzufolge nur zwei Jahreszeiten, die feuchte und die trockne, die auf den beiden Längsseiten der Insel entgegengesetzt sind: auf der Nordseite fällt die Regenzeit in unsern Winter (Dezember bis Februar), die Zeit des NW.-Monsuns, auf der Südseite in unsern Sommer (April bis Oktober), die Zeit des SO.-Monsuns; letzterer liefert bedeutend mehr Feuchtigkeit. Das Innere hat keine ausgeprägte Regen- und Trockenzeit. Im Hochland entsprechen die Temperaturen etwa den Mai- und Junitemperaturen in Süddeutschland: Tosari, 1780 m hoch, hat 16° Jahrestemperatur, als kältesten Monat den August mit 15°, als wärmsten den Januar mit 17° (in dieser Umkehr des jährlichen Temperaturganges offenbart sich die Lage auf der Südhalbkugel der Erde!). Das Klima des Hochlandes ist für den Europäer durchaus zuträglich, nur das des feuchtheißen, fiebergeschwängerten Küstenstrichs (also auch der Städte Soerabaja und Batavia) ist gefährlich.
Die =Pflanzendecke= ist infolge der beständigen feuchten Wärme und der Regenfälle sehr üppig und läßt sich in den Mangroven- und Sumpfgürtel der Küste, die Flachlandvegetation, in der besonders Palmen und Bambus hervortreten, den tropischen Regenwald der untern Berghänge, den tropischen Gebirgswald und die Strauchvegetation der höchsten Gipfel gliedern. Ein nicht geringer Teil des Waldgebiets wird von Savannen eingenommen, die mit mannshohem Alang-Alanggras bestanden sind. Ein großer Teil des ganzen Landes ist in Kulturland, Reisfelder der Eingebornen und Pflanzungen der Europäer, verwandelt.
Die =Tierwelt= Javas weicht von der des hinterindischen Festlandes und Sumatras schon ziemlich stark ab. Zwar beherbergt die Insel noch den Tiger, das Nashorn und den Gibbonaffen, aber der Elefant, der Tapir, der Orang-Utan und der schöne Argusfasan fehlen ihr. Trotzdem ist die Fauna noch sehr reich, besonders an Affen, Vögeln (Pfau, Nashornvögel etc.) und prächtigen Schmetterlingen. Andre bekannte Bewohner der Insel sind Fliegende Hunde, Panther, wilde Hunde (Canis rutilans), Banteng (Bos banteng), Wildschweine (Sus ritlatus und verruccosus), Hirsche, sehr viele Schlangen, darunter Pytons, Eidechsen, Leistenkrokodile und Kaimane.
Die =Bevölkerung= Javas beträgt (1905) etwa 30 Mill. (darunter 65000 Europäer und Mischlinge, 300000 Chinesen und 19000 Araber) und ist mit 229 auf 1 qkm beinahe doppelt so dicht wie im Deutschen Reiche (vgl. S. 20); dabei ist etwa ein Fünftel der Insel (Küstensümpfe, Alangsteppen, Bergwälder) noch Wildnis, und Großstädte gibt es nur drei. Die Hauptmasse der Bevölkerung besteht aus Malaien und sondert sich in zwei verschiedensprachige Hauptgruppen, die Sundanesen im W. der Insel, klein (1,57 m), untersetzt, kräftig, mit groben Gesichtszügen, und die etwas größern (1,61 m), feiner gebauten, hübschern Javaner im O., zu denen man auch die Bewohner der Nachbarinseln Madoera und Bali rechnet. Die Malaienbevölkerung Javas ist freundlich, bescheiden und unterwürfig, willig, aber nicht ausdauernd im Fleiß und für größere Anstrengungen ungeeignet und läßt sich von den eingebornen Fürsten und den Holländern völlig leiten; die natürliche Hinterlist und Rachsucht der Malaien kommt verhältnismäßig wenig zum Durchbruch. Die eigne Kultur der Malaien ist nicht gering, freilich auch von Vorderindien aus seit alters stark beeinflußt. Hausgewerbe sind Weberei und das Batiken, bei dem man weiße Arabesken und andre Muster auf farbigem Stoff dadurch erzeugt, daß man die Stellen, die weiß bleiben sollen, durch Aufgießen von Wachs vor dem Gefärbtwerden schützt. Hauptbekleidungsstück ist der Sarong, ein um den Unterkörper geschlagenes Tuch. Bei der Herstellung der auf Pfählen errichteten Häuser und der Gerätschaften finden Bambus und Rotangstricke die vielseitigste Verwendung. Unter den Vergnügungen spielen Hahnen- und andre Tierkämpfe sowie Schatten- und Puppenspiele (Wajang), in denen unter Orchesterbegleitung namentlich Szenen aus alten Heldenepen aufgeführt werden, die Hauptrolle. Hauptnahrungspflanze ist der Reis; seine Kultur erfolgt mit Hilfe des Wasserbüffels von den kleinen weilerartigen Dörfern (Kampongs) aus, die mit allerlei Fruchtbäumen (Kokos-, Areka-[Betelnuß-] und Sagopalmen) umpflanzt sind.
Unter der fremden Bevölkerung spielen außer den Europäern die Chinesen und die Araber die Hauptrollen. Erstere betätigen sich als Großkaufleute und Pflanzer, vor allem aber als Kleinhändler. Die Araber spielen als Wucherer, religiöse Fanatiker und Unruhestifter eine sehr unliebsame Rolle. Die Europäer sind als Beamte, Soldaten, Kaufleute und Pflanzer auf der Insel. Der europäische =Plantagenbau= steht in hoher Blüte und liefert für den Welthandel mannigfaltige Produkte, deren Zahl von den in Buitenzorg und Boeboelat bestehenden botanischen Gärten und Versuchsstationen noch immer zu erhöhen gesucht wird. Die Hauptkulturen liefern für den Welthandel Kaffee (besonders im trocknen Osten), Tee (viel, aber nicht gut), Kakao, Zimt, Zucker (aus den Zuckerrohrpflanzungen der östl. Ebene), Pfeffer, Reis, Kopra, Indigo, Cochenille, Tabak (in Mitteljava), Chinarinde (im feuchten Gebirgslande Westjavas) etc. Monopol der Regierung sind: Seesalzgewinnung, Sammeln der eßbaren Schwalbennester, Opiumverkauf, Pfandhäuser, dann Teakholzschläge der Tectona grandis in den Staatsforsten (Djattiwälder).
Die =Industrie= umfaßt viele Reismühlen und Zuckerfabriken, eine Chininfabrik, eine Petroleumraffinerie, Arrakbrennereien, Seifen-, Eis- und Mineralwasserfabriken und 52 Druckereien. =Eisenbahnen= sind auf Java (1909) 4200 km (einschließlich Nebenbahnen) im Betrieb.
=Verwaltung.= Die Insel Java ist in 23 Residentschaften geteilt. An der Spitze jeder Residentschaft steht ein mit großer Machtvollkommenheit ausgestatteter Resident mit Assistent-Residenten und Kontrolleuren, sämtlich Niederländer, dagegen sind die Vorsteher der Regentschaften, Distrikte und Dessa (Gemeindebezirke, aus mehreren Kampongs bestehend) angesehene Eingeborne, von denen die der beiden ersten von der Regierung ernannt, die der letzten von den Gemeinden gewählt und vom Residenten bestätigt werden.
In den beiden »Fürstenländern« Soerakarta und Djokjakarta regieren einheimische Fürsten unter Oberaufsicht des Residenten. Der Landbesitz einer Dessa ist Gesamteigentum der Gemeinde und wird jährlich neu verteilt. Jeder Grundbesitzer hat Grundsteuer zu entrichten und Frondienste zu leisten.
=Geschichte.= Java erscheint schon bei seinem ersten Auftreten in der Geschichte (um 100-200 n. Chr.) als hochkultiviertes Land. Später wanderten aus Nordindien Hindu ein, die zwar als Rasse nicht bestehen blieben, sondern in den Malaien aufgingen; aber sie beeinflußten die Kultur und besonders die religiösen Verhältnisse sehr stark und gewannen auch vielfach die politische Herrschaft. Noch heute gehören die Ruinen sowohl der buddhistischen (Boro-Boedoer; S. 206) wie der brahmanischen religiösen Bauwerke mit zu den schönsten Beispielen indischer Bauweise. Politisch zerfiel die Insel in eine Reihe von Hindureichen. Bis Ende des 15. Jahrh. war das mächtigste Reich das von Madjapahit. Um 1400 wurde von arabischen Kaufleuten der Islam eingeführt; Mohammedaner gründeten die Reiche Bantam und Mataram und eroberten Madjapahit um 1480. Bei Ankunft der Europäer auf Java bestanden hauptsächlich die Reiche Bantam, Jakatra, Tscheribon und später Mataram, das mächtigste von allen. Um 1520 hatten die Portugiesen Handelsverbindungen mit den Eingebornen angeknüpft; aber 1596 erschienen die Holländer, verdrängten die Portugiesen und siedelten sich an. Sie bemächtigten sich Jakatras, erbauten 1619 Batavia, wußten die einheimischen Fürsten durch Zwiespalt zu schwächen und zu unterwerfen und verjagten auch die Engländer, die ebenfalls Kolonisationsversuche gemacht hatten. 1684 nötigten sie den Sultan von Bantam, ihnen seine Hauptstadt einzuräumen; um 1700 wurde Tscheribon unterworfen, und 1742 ward Bantam ein Lehen der Holländisch-Ostindischen Kompanie. Vom Kaiser von Mataram gegen die Makassaren und Maduresen zu Hilfe gerufen, zwangen ihn die Holländer in ein Lehnsverhältnis. 1755 teilten sie das Reich in zwei Hälften, deren eine sie dem rechtmäßigen Erben gaben, der nun den Titel Susuhunan führte, während sie über die andre einen Seitenverwandten des Kaisers mit dem Titel Sultan setzten. Die Fürsten wurden in strengster Abhängigkeit erhalten und mußten an ihren Höfen holländische Residenten aufnehmen, auch dulden, daß die Holländer bei ihrer Residenz ein Fort besetzt hielten. 1811 kam die Insel in den Besitz der Engländer. Nach dem Pariser Frieden erhielten die Holländer 1815 Java zurück. Eine der gefährlichsten Erhebungen war die 1825 von Diepo-Negoro; 1846, 1848-49 und 1908 mußten gegen die benachbarte Insel Bali Kriegszüge unternommen werden.
=Literatur=: J. Veth, Java, geographisch, ethnologisch, historisch (Haarlem 1896-1903); J. Giesenhagen, Auf Java und Sumatra. Streifzüge und Forschungsreisen im Lande der Malaien (Leipzig 1901); Haeckel, Aus Insulinde (Leipzig 1908).
Reisen in Niederländisch-Indien.
Beste =Reisezeit= ist Mai und Juni.
=Ausrüstung.= Reiseanzug im Gebirge wie in Deutschland, da die Nächte kalt und der Witterungswechsel oft schroff ist. An der Küste und in der Ebene ist Tropenausrüstung unentbehrlich, dazu Gesichtsschleier, baumwollenes Unterzeug, reichlich Wäsche, seidene oder leinene Jackettanzüge, dazu Tropenhelm. Abends trägt man in den Klubs und ersten Hotels geschlossene weiße Anzüge; für Festlichkeiten leichter Frackanzug ohne Futtereinlagen. Pyjamas und Sarong. In den Hauptplätzen auf Java kann man jede Ausrüstung zu mäßigen Preisen beschaffen. Weiße Anzüge in Singapore $ 2-1/2, in Batavia beim europäischen Schneider 8-10 Fl., beim Chinesen 6 Fl., in 24 St. herstellbar. Verpackung der Vorräte muß gegen Feuchtigkeit und Kakerlaken schützen, also am besten in Blechbüchsen.
=Geld= wie in den Niederlanden, 1 Silbergulden (Fl.) etwa = 1,70 Mk. = 100 cents oder 10 dubbeltjes. -- =Goldmünzen=: 10-Guldenstücke. -- =Silbermünzen=: Rijksdaalder = 2-1/2 Fl., gulden = 1 Fl., halve gulden = 1/2 Fl., kwartgulden, kwartje = 1/4 Fl., dubbeltje = 1/10 Fl. -- =Kupfermünzen=: 2-1/2, 1 und 1/2 cent. -- =Banknoten= der Niederländisch-Indischen Regierung und der Javasche Bank sind vollwertig, Banknoten des Mutterlandes (Niederlande) gelten etwas geringer. Falsche Rijksdaalder, Gulden und 1/2-Guldenstücke sind häufig!
=Verkehrssprache=: Für die niederländisch-indischen Namen beachte man, daß oe = u im Deutschen, ou = au, ui = eu, ij = e-i; für Kenner des Plattdeutschen macht das Holländische keine allzu großen Schwierigkeiten; die gebildeten Holländer verstehen meist Deutsch. -- Die =javanische Sprache=, die von der Bevölkerung Mittel- und Ostjavas (im W. der Insel spricht man Sundanesisch, im O. viel Maduresisch), d. h. von etwa 18 Mill. Menschen gesprochen wird, ist ein Zweig des malaiisch-polynesischen Sprachstammes. Sie ist die Tochter der altjavanischen oder sogen. Kawisprache und enthält viele Lehnwörter aus dem Sanskrit. In der Umgangssprache ist der Unterschied zwischen der vertraulichen und der höflichen Rede ungemein scharf ausgeprägt. Die =javanische Schrift= hat sich entwickelt aus der alten Kawischrift, die einer altertümlichen indischen Schrift entstammt. Die beste Grammatik des Javanischen ist T. Roordas »Javaansche grammatika« (Amsterd. 1855), in kürzerer Fassung desselben »Beknopte javaansche grammatika« (das. 1875, 4. Aufl. 1893), Javanisch-Niederländisches Wörterbuch, ebenfalls von T. Roorda. »Praktische Grammatik der javanischen Sprache« von Bohatta (Wien). -- Im Verkehr ist die =malaiische Sprache= sehr üblich (s. unter Singapore, S. 167); ein sehr nützlicher Sprachführer ist für Deutsche: Hüttenbach, Anleitung zur Erlernung der malaiischen Sprache (Verlag von J. Haltermann, Medan-Delhi, S. 158, Sumatra), auch in Batavia zu haben, Preis 1 Fl.
=Lebensweise= vorsichtig wie in Indien (s. S. 51). Märsche, Ritte nur morgens anzuraten; in der heißesten Tageszeit bleibe man im Hause oder ruhe im Schatten. Bad morgens und nach Bedarf nachmittags.
=Gasthöfe= gibt es jetzt auch in den kleinern Städten, sie sind meist recht gut, mit luftigen Zimmern, vorzüglichen Betten, Moskitonetzen. Empfohlen wird telegraphische Bestellung der Zimmer (nach kurzem Code des Touristenbureaus). -- Die über das Land verteilten staatlichen =Rasthäuser= (ähnlich den brit.-ind. Dâk Bungalows), die sogen. Pesanggráhans, dienen nur den niederländ. Staatsbeamten und sind von Reisenden nur mit Erlaubnis der Provinzregierung zu benutzen.
=Eisenbahnen= (staatlich) sind in I. Klasse bequem und sauber, größere Bahnhöfe mit guten Wirtschaften, auf kleinern sind stets Früchte zu haben. (Man reist viel angenehmer als in Indien!) Nachts fahren keine Züge. Europäer benutzen auf Java auch die II. Klasse; in einigen Zügen Speisewagen. Freigepäck 30 kg, Handgepäck darf nur 20 kg wiegen.
=Führer= für Niederländisch-Indien: »Guide through Netherlands India of the Royal Packet Company«, herausgegeben von der Koninklijke Paketvaart Maatschappij (Amsterdam 1903).
=Touristenbureau= in Weltevreden (Batavia) und Rijswijk, Gang Pool, gibt freie Auskunft, verschafft Karten und Fahrpläne (Sprechzeit 7-1/2-1 u. 4-1/2-7-1/2 Uhr), gibt auch den Reiseführer »Trips in the Isle of Java« heraus.
=Paß.= Zum Reisen auf Java ist eine vom Residenten auszustellende »Toelatingskaart« erforderlich. Das Touristenbureau (s. oben) soll ermächtigt sein, diese Karte sofort auf Wunsch auszustellen. Für Reisen auf Sumatra, Borneo, Molukken, Celebes ist Reiseerlaubnis nötig, die vom Justizdepartement ausgestellt wird und durch das deutsche Generalkonsulat zu beschaffen ist.
Batavia.
Vgl. den Lageplan S. 196 und den beifolgenden Stadtplan.
=Ankunft zur See.= Die meisten Dampfer laufen in den durch zwei lange Molen geschützten Hafen von Tandjong-Priok ein, der etwa 9 km östl. vom alten Hafenkanal vor der Stadt Batavia liegt. Aber auch die Bai von Batavia, in der die größten Dampfer und Segler mit feuergefährlicher Ladung ankern, ist durch Riffe und Inseln gut gegen Seegang geschützt; von den Dampfern auf der Reede gelangt man mit Dampfbarkassen zum Hafen. Die Dampfer der Koninklijke Paketvaart-Maatschappij, überhaupt alle Passagierdampfer, machen stets dicht am Kai im Hafen fest. Gepäck-Kulis erhalten 10 cents für jedes Stück; zunächst etwas umständliche (aber loyale) Zolluntersuchung im Zollamt (Zoll 6 Proz. vom Wert). Zur Einfuhr von Waffen bedarf es einer vorherigen Erlaubnis des Residenten. Gezogene Gewehre unter 9-1/2 mm Kaliber und ebensolche Repetierpistolen dürfen nur mit Erlaubnis des Generalgouverneurs eingeführt werden, deshalb empfiehlt es sich, solche größern Kalibers mitzunehmen. --Der Bahnhof zur Fahrt nach Batavia liegt neben dem Zollamt. Man kann sich telephonisch Gasthofswagen zum Bahnhof Noordwijk in Weltevreden bestellen; dann nehme man Fahrkarte bis dahin; nach 20 Min. umsteigen in Stat. Batavia, in der Unterstadt. Wer in Alt-Batavia zunächst Geschäfte hat (Geldwechseln), steige schon da aus. Neuerdings ist Weltevreden direkt mit Tandjong-Priok durch Bahn verbunden; man nimmt Fahrkarten bis Stat. Kemajoran in Weltevreden.
=Gasthöfe= liegen in Weltevreden; Hôtel der Nederlanden (deutscher Bes. Merten) in Rijswijk, in bester Lage (Pl. 1, B4), empfohlen; 100 Z., Pens. 6-10 Fl.; stellt Auto.--Hôtel des Indes (Pl. 2, B4), Molenvliet; 150 Z., gut, gelobt, Pens. von 6 Fl. an.--Grand Hôtel Java (G. G. Lion), Rijswijk (Pl. 3, B4) bei Stat. Noordwijk; 70 Z., F. 1, Lunch 1,50, Din. 2, Pens. 6 Fl.--Hôtel Wisse (Pl. 4, B4), Noordwijk, Ecke Molenvliet. --Bescheidener: Hôtel Ort (Pl. 5, B4), Molenvliet; Z. 2,50-4 Fl. Überall Pension tägl. von 6 Fl. an, bei längerm Aufenthalt billiger; Deutsch wird meist gesprochen. Neben europäischem Gabelfrühstück die gute »Reistafel«, Curryreis mit vielen scharfen Zutaten: Huhn, Fisch, Gemüse, Früchte etc., sehr gesund und nahrhaft.
=Pensionen=: Tramzicht; Weltevreden; Molenvliet; alle in Molenvliet Ost.
=Restaurant=: Restaurant-Hôtel der Nederlanden in der Benedenstad.
=Post=: In der Benedenstad, nahe Stat. Batavia, in Binnen-Nieuwpoortstraat (A2); in Weltevreden, Schoolweg, neben dem Theater und auf Rijswijk, Tanah abang, nahe Klub Harmonie, geöffnet 8-6 Uhr, an Posttagen bis 8 Uhr abds. Poste restante-Briefe gehen zum Postamt Weltevreden.-- =Telegraph= im Postamt. Kabel nach Singapore, Banka und über Billiton nach Borneo.--=Telephon= in allen Gasthöfen; öffentliches Amt in Kali Besar Unterstadt.
=Wagen=: Sádo (aus: dos-à-dos); auch gedeckte Wagen (ebro und ropo), 1 St. 1 Fl.; Sänften (planki) nur in der Unterstadt. --Gasthofswagen.
=Automobile= stellen Hotel der Nederlanden, Hotel des Indes, Hotel Wisse, ferner »Het Centrum« (Noordwijk) und Fuchs (Parapatan und Tanah abang).
=Straßenbahnen=: Dampftram (trem setum) von der Unterstadt bis Meester-Cornelis alle 10 Min.--Elektrische Bahn nach Rijswijk und Tanah abang (A5) alle 10 Min.
=Eisenbahnen=: Staatsspoor (»S. S.«) nach Oberstadt (Pasar Senèn, C5), Meester-Cornelis, Bekasi, Keedoenggedeh und je eine Linie nach Tandjong-Priok und Anjer.--Nederland. Indie Spoorweg (»N. I. S.«) zur Oberstadt (Stat. Noordwijk und Koningsplein), Meester-Cornelis und nach Buitenzorg, von da Anschluß an das große staatliche javanische Bahnnetz, [Hand] Man kaufe den neuesten Fahrplan!
=Dampferagenturen=: Norddeutscher Lloyd, Behn, Meyer & Co. (Tel.-Adr.: Nordlloyd Batavia. Passagekontor Kali Besar West.--Koninklijke Paketvaart Maatschappij; Stoomvaart Mij. Nederland, beide Weltevreden, nahe Sluisbrug, auch Kali Besar Ost und Tandjong-Priok.--Rotterdamsche Lloyd: Internationale Crediet- en Handelsvereeniging »Rotterdam« in Weltevreden, nahe Sluisbrug und Kali Besar Ost.--Messageries Maritimes: Reynst & Winju (Tel.-Adr.: Messageries-Batavia), Kali Besar Ost.
=Reisebureau=: Weltevreden, Koningsplein (O5), besorgt Fahrkarten etc.; vgl. auch S. 195: »Touristenbureau«.
=Banken=: Javasche Bank (A2), gegenüber der Post in der Unterstadt.-- Nederlandsche Handel-Maatschappij, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.-- Nederlandsch-Indische Handelsbank, Unterstadt und Noordwijk.--Nederlandsch-Indische Escompto Maatschappij (Wechselstube in der Oberstadt bei Sluisbrug und in Tandjong-Priok am Landeplatz).--Chartered Bank of India, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft u. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; die beiden letzten in Kali Besar West.
=Theater= (C4) am Komedieweg.
=Konzerte= in der Harmonie und im Konzertgarten am Waterlooplein, So. 5-1/2 bis 6-1/2 Uhr Nm., auch abds. im Botanisch-Zoologischen Garten (C5).
=Konsulate=: Deutsches Reich, in Weltevreden, Koningsplein West, nahe dem Museum, Generalkonsul Dr. Lettenbauer; Sekretär Schleifenbaum. Tel.-Adr.: »Germania«.--Österreich-Ungarn, Konsul Th. Quellhorst, Noordwijk, gegenüber Java-Hôtel.--Schweiz, Konsul A. E. J. Buß (in Firma Maintz & Co.), Kali Besar West.
=Vereine=: Deutscher Turnverein.-- Vornehmster niederländischer Klub: Harmonie, Rijswijk; Militärklub Concordia, Waterlooplein (C4).
=Ärzte.=--=Apotheken.=--=Krankenhäuser=: Militärhospital am Hospitaalweg (C5); Diakonissenhaus Tjikini.
=Buchhandlungen=: G. Kolff & Co., Batavia, Benedenstad, Kali Besar 24. --In Weltevreden: Noordwijk, gegenüber dem Java-Hôtel.--H. M. van Dorp & Co., Benedenstad, gegenüber dem Bahnhof der N. I. S. (Reiseführer vorrätig).--=Zeitungen=: Het Bataviaasch Nieuwsblad; Java Bode; Het Nieuws van den Dag.
=Photographen=: Charls & van Es; Koene & Co. (beide Firmen deutsch).-- =Geschäftsadressen=: van Arcken & Co., Uhrmacher und Juwelier.--Verkaufsstelle für Kuriositäten, Landeserzeugnisse »Ost und West« (staatlich unterstützt) in Weltevreden, nahe der Harmonie.
=Zeiteinteilung für Java.= =Auf 7 Tage=: 1. Tag Batavia; 2. Tag Buitenzorg; 3. Tag Fahrt nach Garoet; 4. Tag Besteigung des Papandajan; 5. Tag Bandoeng; 6. Tag Besteigung des Tangkoeban Prahoe; 7. Tag Rückfahrt nach Batavia.--=Auf 14 Tage=: 1. Tag Batavia; 2. Tag Buitenzorg; 3. Tag Fahrt nach Maos; 4. Tag Djokjakarta; 5. Tag Ausflug nach Boro-Boedoer; 6. Tag Fahrt nach Soerabaja; 7. Tag Fahrt nach Pasoeroean und Tosari; 8. Tag Besteigung des Bromo; 9. Tag Rasttag in Tosari; 10. Tag Rückfahrt nach Soerabaja; 11. Tag Fahrt nach Maos; 12. Tag Fahrt nach Garoet; 13. Tag Besteigung des Papandajan; 14. Tag Rückfahrt nach Batavia. Andre Reisepläne im Touristenbureau in Batavia und bei den Agenturen von Thos. Cook & Son in andern Plätzen (nicht in Batavia) zu erkunden.--Wer die reizende, weiche javanische Landschaft, über die ein lichtes wunderschönes Grün gebreitet ist (daher »Smaragdinsel«), aus dem die großen vereinzelten Vulkanpyramiden aufsteigen, genießen will, mag gern einen Monat auf Java verwenden.
=Geschichte.= Der niederländische Generalgouverneur Pieter Both legte 1610 bei Jakatra eine Faktorei an, die der berühmteste seiner Nachfolger, Jan Pieterzoon Coen, anstatt Amboinas 1619 zur Residenz machte.
Von den Engländern unterstützt, versuchten 1618 die Fürsten von Bantam und Jakatra die niederländische Besatzung zu vertreiben; doch 1619 besiegte Coen den Fürsten von Jakatra und besetzte sein Reich. Ein Fort wurde zum Schutz der nun Batavia getauften Stadt angelegt, das alle Angriffe des Susuhunan von Mataram, des Herrschers über Zentral- und Ostjava, überstand und sich schnell entwickelte. Als aber infolge eines Erdbebens 1699 die Mündung des Tjiliwong verschüttet und das Uferland sumpfig wurde, verlegte 1809 der Generalgouverneur Daendels die Residenz nach der 6 km landwärts gelegenen Ebene von Weltevreden und ließ die Befestigungswerke abtragen. 1811 wurde die Stadt von den Engländern besetzt, aber 1816 an die Niederlande zurückgegeben.
=Batavia=, Hauptstadt Niederländisch-Ostindiens und der gleichnamigen Residentschaft Javas, mit (1905) 138500 Einw. (darunter über 8000 Europäer und 28000 Chinesen), liegt nahe dem Westende der Nordküste, unter 6° 7' südl. Br., an der Südseite einer geräumigen, durch 17 kleine Koralleninseln geschützten Bai und am Flüßchen Tjiliwong, inmitten ausgedehnter Reisfelder und Kokospflanzungen. Die Unter- oder Altstadt (Benedenstad, AB2) enthält das große Stadthaus, eine Kirche, die Javasche Bank, die Zollgebäude, ein für Chinesen und ein für Eingeborne bestimmtes Hospital sowie ein Gefängnis für letztere, die Magazine der Regierung und der Niederländischen Handelsgesellschaften, die Kontore und Speicher der großen Handelshäuser und der Schiffsagenturen, ist aber nur noch von Malaien, Javanen, Arabern und Mauren, Mischlingen und Chinesen (im chinesischen Kampong) bewohnt, während die Europäer ihre ehemaligen Wohnhäuser in der Unterstadt nur während der Geschäftsstunden aufsuchen, sonst aber in dem neuen Stadtteil Weltevreden (= Wohlzufrieden; C4/5) wohnen, wohin der fast 4 km lange, gleichfalls europäische Stadtteil Molenvliet (AB3) über die Stadtteile Noordwijk und Rijswijk (B4) hinüberführt. Die luftigen großen Häuser, mit Veranden, liegen getrennt zwischen Zierbäumen. In Rijswijk das großartige Harmoniegebäude, das Palais des Generalgouverneurs, südl. angrenzend der schöne Rasenplatz Koningsplein (B4, 5), der ringsum von schönen Gebäuden, darunter die armenische Kirche, das Gebäude der Naturhistorischen Vereinigung, das Museum der Gesellschaft für Künste und Wissenschaften und die Wilhelmskirche, umgeben ist. An die NO.-Ecke von Koningsplein schließt sich die Zitadelle Prinz Frederik Hendrik (B4) und das neue Gebäude der Koninklijke Paketvaart Maatschappij. Östl. vom Tjiliwong liegen um den großen Platz Waterlooplein (C4) die römisch-katholische Kirche, das Theater, die Freimaurerloge, das Gefängnis für Europäer, das Regierungsgebäude (Het Paleis), das Laboratorium, Infanterie- und Artilleriekaserne (Kavallerie im Stadtteil Rijswijk); südl. das große Militärhospital und das Arsenal (C5). Hieran schließen sich die von Eingebornen und Chinesen bewohnten Kampongs.-- Die Industrie beschränkt sich auf Kalkbrennerei, Ziegelfabrikation, Töpferei, Gerberei und Destillation von Arrak; Hausindustrie ist die Matten- und Korbflechterei, Batiken etc. Der Fluß Tjiliwong ist in ein Kanalnetz zerlegt, von dem Batavia durch- und umzogen wird. Da in der seichten innern Reede nur flachgehende Schiffe ankern können, hat man 9 km östl. bei Tandjong-Priok einen Hafen angelegt, der durch Kanal, Eisenbahn und Fahrstraße mit Batavia verbunden ist.--Ausfuhrartikel sind Kaffee, Zucker, Tabak, Gewürze, Pfeffer von Sumatra, Zinn aus Bangka und Billiton, Damaraharz, Indigo, Reis, Rotang, Gambir, Kopra, Bambushüte, Häute, Tee, Arrak, Palm- und Kajeputöl, Teakholz, Büffelhörner und Büffelhäute, Chinarinde, Kampfer, Kassia, Sandel- und Sapanholz, Tamarinden, während die Einfuhr in europäischen Manufakturen, Eisen, Luxusartikeln, Wein, Butter, Konserven besteht. Die Hälfte des Umsatzes fällt auf das Mutterland. Der Schiffsverkehr ist lebhaft.-- Zu den Bildungsanstalten gehören das Gymnasium Wilhelm III., je eine höhere Bürgerschule für Knaben und Mädchen, 13 andre Regierungsschulen, 5 Privatschulen, die Parapatan-Waisenstiftung. Für Nichteuropäer bestehen 30 Schulen, außerdem 1432 mohammedanische Schulen. Eine medizinische Bildungsanstalt für eingeborne Ärzte (Doctors Djawa) ist am Militärhospital. Weiter sind zu nennen die Batavische Gesellschaft für Künste und Wissenschaften (1778 gegründet), die Gesellschaft für indische Sprach-, Länder- und Völkerkunde, die Gesellschaft für Landbau und Industrie, die Gesellschaft für Minenwesen (mit großen mineralogischen Sammlungen).--Batavia ist Sitz des Generalgouverneurs und der höchsten Regierungs-, Gerichts- und Militärbehörden, eines katholischen Erzbischofs, einer Handelskammer.--Die Umgebung ist bedeckt mit den von Eingebornen und Chinesen bewohnten Dörfern (Kampongs) inmitten ausgedehnter Kokospflanzungen und Reisfelder.
=Rundfahrt.= Früh zwischen 6 und 9 Uhr fahre man durch die schönen Straßen von Weltevreden im Wagen (durch Tanah abang, Kebon Sirih, Tjikini, Pegangsaan, Matraman, Kramat, Waterlooplein, Koningsplein) oder um 6 Uhr mit der Dampfstraßenbahn in die Benedenstad und gehe zum Kleine Boom (A1) durch das alte Tor des Bataviakastells, wo die alte Kanone Merians besar (oder djagoer) liegt, die von der eingebornen Bevölkerung als Fruchtbarkeitsspenderin verehrt wird. Nicht weit davon ist der sehenswerte Fischmarkt Pasar Ikan; dann über eine Zugbrücke und durch Kali Besar, wo die alten holländischen Kaufhäuser stehen; zurück zur Straßenbahn durch das chinesische Viertel (A2). Dann kann man Kaufleute etc. in der Altstadt im Geschäftsviertel besuchen, hierauf fahre man zum *=Museum= (B5) am Koningsplein (8-3 Uhr geöffnet, Mi. und So. frei); es enthält eine vollständige javanische ethnographische Sammlung: Häusermodelle, Hausgerät, Waffen, interessante Musikinstrumente, besonders das Gamelang (16 Kupferplatten über zwei Bambustragbalken, in C-Dur ohne halbe Töne), große und kleine Gongs in Holzgerüsten, groteske Wajang-Puppenfiguren für das javanische Schattenspiel, kunstvolle Sarongs, bunte Stroharbeiten, Modelle von Folterwerkzeugen und Hinrichtungsarten; in einer Schatzkammer sind Schmucksachen, mit Edelsteinen besetzte Kris, ein goldener Sultansthron. Auch die Archäologische Sammlung ist sehenswert; berühmt ist die *Münzensammlung. Vor der Bibliothek (Mi. und Sa. 7-1/2-9 Uhr Vm., So. 8-11 Uhr) steht ein kleiner Bronzeelefant (Geschenk des Königs von Siam).--Nach der Reistafel, zwischen 1-5 Uhr Nm., ruhen alle Holländer der Hitze wegen, die Straßen sind leer; nach 5 Uhr unternehme man Spazierfahrten in den prächtigen Straßen Weltevredens (s. oben) zu den Plätzen, wo die Musik spielt und die vornehme Welt Batavias promeniert. Dabei sieht man die Denkmäler von Jan Pieterzoon Coen, den Begründer der Stadt, das Waterloo-Denkmal mit Löwen, ein Siegesdenkmal mit Eisernem Kreuz, das Denkmal des Generals Michiels, letztere drei auf dem Waterlooplatz.
Von Batavia nach Buitenzorg.
Eisenbahn (am besten mit Morgenschnellzug, etwa 7 Uhr) von Batavia, Stat. Noordwijk, in etwa 1-1/4-2-1/2 St., für I. Kl. 4-3/4, II. 3-1/4 Fl. Man fährt durch Reisfelder und Obstgärten, Kaffeeplantagen und üppige Wälder mit hohen Palmen, Tamarinden, Banyans, Bananen, Farnen und Bambusgebüschen. Herrliche Ausblicke auf das Bergland Javas; die Bahn steigt durch die Vorberge bis (62 km) Buitenzorg.
=Führer= für Buitenzorg: Dr. W. Burck, »Wandelingen door den Botanischen tuin«, auch in deutscher Übersetzung zu haben; »Gids van Buitenzorg en Omstreken«, Verlag von Gr. Kolff & Co. in Batavia; Führer des Touristenbureaus (S. 195).
=Buitenzorg= (spr. beutensorch, d. h. Ohnesorge = Sanssouci), 263 m ü. M. (Hôtel Bellevue, sehr gerühmt, man nehme eine »bergkamer«, Zimmer nebst Veranda, mit Aussicht aufs Gebirge [Vulkan Sálak], Pens. tägl. 6-8 Fl., Wagen am Bahnhof, man fährt 10 Min. durch die Allee Djalan besar; Hôtel du Chemin de Fer, am Bahnhof, Pens. 6 Fl., Restaurant), ist eine vornehme, entzückende Villenstadt, seit 1746 Residenz des Generalgouverneurs, mit Klubhaus, protestantischer Kirche, großem Markt, Rennplatz. Vor dem schönen Palais des Generalgouverneurs liegt eine große Wiese mit Gazellen und Hirschen. Zwischen 2 und 5 Uhr Nm. meist Gewitter mit starkem Regen in Buitenzorg, wonach man sich mit den Ausflügen einrichten muß. Mehrere Besuche erfordert die Hauptsehenswürdigkeit, der *=Botanische Garten=, der wissenschaftlich wertvollste, schönste und reichhaltigste Tropengarten der Erde, begründet 1817 von dem deutschen Botaniker Kaspar Georg Reinwardt, 1880-1909 unter Leitung des Prof. Dr. Melchior Treub, seit dessen Tod ist Dr. H. J. Wigman Direktor; ihm untersteht ein Stab von 24 meist niederländischen Naturforschern, die in Laboratorien arbeiten. Zum Garten gehören ein großartiges Herbarium, eine botanische Bibliothek von 20000 Bänden, ferner der Kulturversuchsgarten von Tjikömöh (72 ha, etwa 1/2 St. Fahrt von Buitenzorg) und der Gebirgsgarten von Tjibodas (mit Urwald 313 ha). Zum Besuch der Laboratorien und Sammlungen ist Erlaubnis im Kontor am Haupteingang einzuholen. Plan des Gartens erhält man gratis im Kontor. Der Garten ist nach wissenschaftlichen Grundsätzen geordnet, Art bei Art, bietet aber trotzdem wunderbare landschaftliche Bilder.
Durch das alte Steintor beim Chinesischen Marktplatz am Haupteingang, wo die Direktorialgebäude etc. liegen, gelangt man in eine vom Hortikulturist Teysmann 1828 angepflanzte Allee; jeder der hellen Riesenstämme trägt eine Schlingpflanze, meist Aroïdeen und Orchideen, darunter die Riesenorchidee Grammatophyllum speciosum (die bis 3000 Blüten gleichzeitig hat!) und Philodendron mit durchlöcherten Blättern. R., hinter dem Hause des Torwarts, findet man die riesige Liane (Entada scandens). In dem Fahrweg, der nach r. führt, wächst die Amherstia nobilis mit roten Blütenzweigen und großen, flachen Schoten, ferner die Saracca mit gelbem Blütenbüschel; in der Nähe Pithecolobium und ein sehr großer Schattenbaum, Schizolobium excelsum. L. vom Wege stehen Farngruppen und ein Baum mit auffällig runder Krone, Xanthophyllum vitellinum (eine Polygalee); auch die schraubenförmig gewachsenen Pandanus-Arten sind sehr bemerkenswert. In der Nähe, unter den Zykadeen, ist eine große Orchideenkultur unter schattenspendenden Bäumen, der Plumeria acutifolia, der auf javanischen Kirchhöfen vielfach angepflanzt ist.-- In der prächtigen Palmensammlung r. vom Seitenfahrwege fällt an einer Wegecke die ungewöhnlich hohe und schlanke Niboeng-Palme (Oncosperma filamentosa) auf, und weiterhin die rote Pinang (Cyrtostachys Rendah), dann die stachlige Zalacca, die aufrechtwachsende Königspalme (Oreodoxa) aus Brasilien, verschiedene Phoenix-Arten, darunter die Dattelpalme (Ph. dactylifera), viele Varietäten von Kokospalmen (Cocos nucifera), die Ölpalme (Elaeis Guinensis), Sagopalmen (Metroxylon) und die berühmte Coco-de-mer (Lodoicea Sechellarum) mit riesigen Wedeln und eigenartigen großen schwarzen Früchten. Von den Palmen l. stehen tropische Nadelbäume, Araukarien, Damara-Arten mit breiten blattartigen Wedeln u. a.--Im untern Garten, am Tjiliwong-Flusse, wachsen Mangroven (Rhizophorae), in der SO.-Ecke die Sonneratia acida, ein Sumpfriesenbaum, wie die Mangroven, mit Luftwurzeln, und der ägyptische Papyros (Cyperus papyrus).--Weiterhin am Fluß, nahe dem Badeplatz des Generalgouverneurs, stehen Myrtazeen, darunter Gewürznelkenbäume, Djamboes und Eukalyptus; gegenüber die Lontarpalme, der Eisenholzbaum und Ficus-Arten.--Am Nordende des Gartens findet man den Advokaatbaum, verschiedene Zimtbaumarten, Kroton- und Cearagummibäume, dazwischen Kassavasträucher (Manihot utilissima, »Mandiok«); in der Nähe Eisenholzbäume, der Paranußbaum (Bertholletia excelsa), blühende Barringtonia, Sandelholzbäume und verschiedene zu den Anonazeen gehörende indische Fruchtbäume sowie süßduftende Magnoliazeen. Gleichzeitig Blüten und Früchte trägt der Stelechocarpus Burahol; schönen Duft verbreitet die Myristica Horsfieldii. Zwischen den Diospyros-Arten (Ebenholzbaum, Kaki-Fruchtbaum, Styrax Benzoin und Gutta percha) und giftigen Apocyneen sieht man nahe dem Palast des Generalgouverneurs die Kigelia pinnata (mit wurstförmigen, etwa 40 cm langen und 10 cm dicken Früchten) und in einem Teich, am Nordende der alten Allee, die riesige Victoria regia, am Ufer die zierliche Urostigma Rumphii. Zwischen Sapindus Rarak (Frucht als Seife verwendbar) und andern Sapindazeen, wie das Filicium decipiens aus Ceylon, die amerikanische Cecropia; in der Nähe ein kleiner Teich mit Nymphäen, beschattet von einer riesigen Ficus elastica (mit Luftwurzeln). In der Nähe Mahagonibäume, ein Urostigma giganteum und der Cocabaum (Erythroxylon Coca).--Am untern Ende der großen Allee steht ein Baum mit Früchten wie Wachskerzen (Parmentiera cerifera).--Am Ende des großen Teiches mit schönen Lotosblumen steht der sogenannte »Baum der Reisenden«, die imposante Musazee Ravenala Madagascariensis.--Eine prächtige Livingstonia-Palmenallee führt zum Rosengarten, wo ein Denkmal Teysmanns steht. In der Nähe Rohrarten und der giftige Upasbaum nahe dem Orchideenhause; dort findet man außer zauberhaften Orchideen auch Passifloren, Maranten, Calatheen, Bromeliazeen, Dieffenbachia- und Anthurium-Arten. --(Haeckel, Haberlandt, Giesenhagen u. a. haben den Botanischen Garten ausführlich beschrieben.)
* * * * *
=Ausflug= nach =Gadok=, etwa 12 km von Buitenzorg, zu Wagen auf guter Landstraße, vorbei an malerischen malaiischen Dörfern (Kampongs) über Batoe-Toelis (Inschriftenstein) mit schönem Ausblick auf die Umgegend.
Ausflug nach Sindanglaja (S. 202), etwa 30 km von Buitenzorg, mit Wagen soll lohnend sein.
Von Buitenzorg durch die Preanger-Regentschaften nach Soerabaja.
=Eisenbahn= (vgl. S. 196) von Batavia (Weltevreden) nach Soerabaja I. Kl. 39,25, II. Kl. 25 Fl.--=Touristenkarte=: Batavia-Soerabaja-Pasoeroean-Soerabaja (60 Tage gültig) I. Kl. 55,35 Fl.--=Rundreisekarten=: Batavia-Djokjakarta-Batavia (30 Tage gültig) I. Kl. 60,95 Fl.; Batavia-Garoet-Batavia (30 Tage gültig) I. Kl. 28,20 Fl.-- =Speisewagen= in den Zügen zwischen Batavia und Soerabaja sowie im Java-Expreß Bandeng-Soerabaja; Mahlzeiten 1,50 Fl.--Da nachts keine Züge fahren, dauert die Reise bis zum Ostende der Insel 3 Tage. Man kaufe den neuesten Fahrplan.
Die Javanische Staatseisenbahn (von Buitenzorg ab) »Staatsspoor« (S. S.), die Java in der ganzen Länge durchzieht, läuft von Buitenzorg durch Hügelland über Brücken und Viadukte erst nach S., übersteigt den Paß zwischen dem Sálak-Vulkan (2215 m) und dem dreigipfeligen Gedeh-Vulkan (3023 m), wendet sich dann nach O., durchläuft Kaffee- und Teepflanzungen und Wälder mit schönem Blick auf die südlichen Vorberge (r. sitzen!) und erreicht nach 4 St. Fahrt
(60 km) =Soekaboemi= (d. h. Entzücken der Welt), 650 m ü. M. (Hotel Sela Batoe, mit Schwimmbad, Familienpavillons, Billardsaal, *Aussicht auf Baros und den Gedeh, 28 Z., F. 1, Lunch 1,50, Dîn. 2,50, Pens. 6 Fl., gelobt; Viktoria Hotel [deutscher Besitzer Lenné], in Park mit Einzelvillen, Pens. 6 Fl.; Wagen am Bahnhof). Der entzückende, als Erholungsaufenthalt beliebte Ort, zu längerm Aufenthalt geeignet, mit Rivieraklima, liegt in den Preanger-Regentschaften, der größten, reichsten und landschaftlich reizvollsten Residentschaft Javas, mit etwa 21000 qkm und 2 Mill. Einw.; Männer und Frauen haben auffallend schöne Körperformen. Das Javanische Märchentheater (vgl. S. 192) ist sehenswert. In der Nähe (10 Min.) das gute Hotel und Sanatorium Sela Batoe (1700 m).--=Ausflüge= mit Wagen (3-6 Fl.) nach dem Kratersee *Sitoe Goenoeng (1300 m); zum Wasserfall Tjibeureum von 130 m Höhe; zur Barosbrücke (Aussicht); zum schmucken Javanendorf Tjisaët u. a.
Die Bahn führt weiter durch einen Tunnel und über eine kleine Schlucht nach (100 km) Tjiandjoer (579 m; guter Gasthof), unbedeutendem Ort in einem heißen Talkessel voller Reisfelder; =Fortsetzung der Bahn= s. unten.--Von hier fährt man, ohne sich aufzuhalten, mit Sádo (4-5 Fl.) oder Wagen (11 Fl.) auf prachtvollem Bergweg nach *=Sindanglaja= (1074 m; Hotel Sindanglaja, in herrlicher Lage, Pens. 6 Fl., vorzüglich, Arzt), einer ausgezeichneten Sommerfrische. In der schönen Umgebung liegt das (20 Min.) Sommerschloß Tjipanas des Generalgouverneurs; nahebei heiße Quellen zum Baden. Vom Poentjak, dem höchsten Punkte der Landstraße nach Buitenzorg, hat man schöne *Aussicht über das Preangerland; schöner Ruheplatz etwas weiterhin am Telaga Warna (d. h. Farbe wechselnder See, 200 m Tiefe).
=Ausflüge.= Die Umgegend bietet Gelegenheit zu schönen Ausflügen: nach =Kandang-Badaq= (d. h. Nashorns Lust), eine Schutzhütte mit Ausblick in den Bergen, 2392 m ü. M., in 2-1/2 St. zu erreichen, mit Pony und Kulis als Führer und Wegbahner durchs Dickicht; von da in 1-1/2 St. auf den Gipfel des Vulkans =Pangerango= (Mandalawangi, 3022 m) oder auf den gefährlichern Kraterrand des =Gedeh= (2962 m), zu dessen Besteigung man bei Vollmond abds. von Sindanglaja aufbreche, um bei Sonnenaufgang oben anzukommen; großartige *Aussicht und seltsam geformter, riesiger Krater von 250 m Tiefe und 700 m Breite. Wegen Ausrüstung und bester Zeit zum Aufstieg hole man Rat im Hotel.--Beim Abstieg vorbei an dem Wasserfall des Koeripan-Wildbachs in tiefer Schlucht. --Von Sindanglaja aus besuche man den 14 km entfernten botanischen Berggarten =Tjibodas= (1425 m), zu Pferd oder mit Sänfte; hier ist ein herrlicher Park mit Zedern, Araukarien, Baumfarnen, Grasbäumen (Xanthorrhoea australis); dahinter ein Urwald mit drei 130 m hohen Wasserfällen, Lianen, Vogelnestfarnen, grauen Gibbonaffen und Felswänden.--Ferner Ausflüge nach Goenoeng Kasoer; nach den Wasserfällen von Tjibeureum, Tjikoendoel und vielen andern Punkten.
Von Tjiandjoer (S. 202) führt die Bahn (r. sitzen!) über einen Viadukt über den Tjisokan-Fluß, r. prachtvoller Wasserfall, dann über die Schlucht des Tjitaroem-Flusses und über den Goenoeng Mesighit an steilen Abhängen entlang in das Tal hinunter nach
(160 km) =Bandoeng= (700 m; Hotel Preanger, Pens. 6 Fl.; Hotel Homann, 50 Z., Pens. von 6 Fl. an; beide sehr gut; deutsche Zeitungen; Wagen am Bahnhof; Hotel Wilhelmina, Mitte der Stadt, Pens. 5 Fl.), Hauptstadt der Preanger-Regentschaften mit etwa 22000 Einw., breiten Straßen mit Villen, vor dem großen Platze das luftige Regierungsgebäude (Mesighit), nebst Park; in der Nähe der Markt (pasar), ein Seminar für javanische Lehrer und ein Rennplatz (Rennen im Juli), von dem aus guter Blick auf die südlichen Bergketten. Bei Bandoeng ein Sanatorium. Gute Badeanstalt mit frischem Bergwasser in Tjiampelas, etwa 3 km vom Regierungsgebäude, mit Sänfte (1/2 Fl.) in 20 Min. zu erreichen (Bad 10 cents). Fahrt in 1/2 St. (2-1/2-3 Fl.) zum Wasserfall Tjoeroeg (13 m hoch), landschaftlich schön.
Besteigung des =Tangkoeban-Prahoe= (2075 m). Aufbruch von Bandoeng abds. (oder frühmorgens) mit Wagen auf guter Kunststraße über eine Bambusbrücke bis (24 km) Lembang (Hotel Bergzicht, deutscher Besitzer, Pens. 5 Fl, bei längerm Aufenthalt billiger, ein Monat 120 Fl.); dort Reitpferd nach dem Krater für 3,50 Fl., Sänfte 5 Fl. Nun vorbei an Chinarindenbaumpflanzungen im dichten Urwald bergauf; nach 2 St. erreicht man einen 2 km langen und 1 km breiten, 200 m tiefen Krater; bald erblickt man westl. daneben noch einen kleinern Krater von etwa 100 m Tiefe. Der größere, Kawa Ratoe (2000 m), ist noch tätig, aus der braunen Schlammfüllung steigen Schwefeldämpfe auf; am Ostrande sind Solfataren mit schönen Schwefelblumen. Die Wand zwischen beiden Kraterbecken ist schmal, man hüte sich vor dem Abrutschen! Der Abstieg, auch mit Führer in den westlichen Krater, Kawa Oepas (Giftkrater), ist gefährlich und sehr ermüdend. Vom Rande des Tangkoeban-Prahoe (d. h. gekentertes Boot) *Aussicht über Krawang auf die Sunda-See vor der Nordküste Javas.
Von Bandoeng durch das malerische (200 km) Tjitjalengka, in prächtiger Gebirgslandschaft mit zahlreichen Vulkanen, noch steigend bis (220 km) Tjibatoe (850 m; umsteigen in die Zweigbahn nach Garoet). =Fortsetzung der Hauptroute= S. 204.
=Zweigbahn= (20 km) südl. nach
=Garoet= (710 m; Touristenhotel Papandajan [Bes. A. Hacks, Hamburger, steht mit Rat und Tat zur Seite, sorgt in allem für seine Gäste], vortrefflich, empfohlen, mit Badeanstalt, 20 Z., Pens. 6 Fl.; Van Horcks Hotel, Pens. 5 Fl., schöner Garten, gelobt; Klub, für Fremde zugänglich; Automobile zum Besuch der Ausflugsorte), Bergstädtchen in schönster Lage, Gelegenheit zu schönen Spaziergängen; Fahrt in 40 Min. zum malerischen See *Sitoe Bagendit, Überfahrt über den See auf bedachtem Floß nach der andern Seite, wo man einen Hügel besteigt, von dem aus Blick auf 7 große Vulkane (in der Umgebung von Garoet sind 14 Vulkane, von denen der Goenoeng-Goentoer [Donnerberg; 2244 m] der unruhigste ist. Fahrt in 1-1/2 St. (3 Fl.) zum Wasserfall Tjitis am Fuße des Goenoeng-Goentoer.
Besteigung des =Papandajan= (2600 m). Aufbruch früh 5 Uhr von Garoet mit Dreigespann-Wagen (5 Fl.) in 2-1/2 St. Trabfahrt bis zum Dorfe Tjiseroepan (1222 m), 18 km südl. von Garoet; dort (Mundvorrat mitnehmen oder Frühstück [2 Fl.] in Villa Pauline) mit vorausbestellten Pferden (3,50 Fl.), für Damen Tragsessel (Tandu, 3,50 Fl.), Führer (75 cts.) und Kuli (50 cts.) aus dem Rasthause (pesanggrâhan) an Datura-Hecken entlang und dann im dichten Urwald steil bergauf; in etwa 2-3 St. gelangt man an einen gelblichen Hang von Lavagestein und Schwefelasche, dann zu Fuß durch eine abgestürzte Kraterwand in einen dampfenden Kraterkessel, der von drei Seiten noch Wände hat; aus zahllosen Spalten dringen zischend Säulen gelblicher Schwefeldämpfe empor. Unter Vorantritt der Führer kann man den Kraterboden stellenweise betreten, aber Vorsicht! der Boden ist hohl und bricht stellenweise leicht durch, auch kann man bei umspringendem Winde von den Schwefeldämpfen stark belästigt werden. Der Kraterrand wurde abgesprengt bei einem mächtigen Ausbruch des Papandajan 1772, wobei 40 Dörfer verwüstet und 3000 Menschen umkamen. Gute Bergsteiger sollten vom Kraterbecken an der Windseite bis zum obersten Kraterrande (noch 270 m höher) steigen, wo sie vom geodätischen Signal in 2600 m Höhe prächtige *Aussicht über die Gebirgsketten haben, soweit der Schwefeldampf es zuläßt. Am Fuße des Kraters liegt das Todestal (s. unten). Auf- wie Abstieg sind wegen des lockern Lavagerölls schwierig.
Ausflug zum =Telaga Bodas=. Aufbruch früh 5 Uhr von Garoet mit Wagen (hin und zurück 3,50 Fl.) bis (11 km) Wanaradja, dort Reitpferd (4,50 Fl.), Tragsessel mit 4 Kulis (5,50 Fl.) und Führer (1 Fl.); man steigt durch Kaffeepflanzungen und Urwald bis 1724 m ü. M. und erreicht dann den von hohen Kraterwänden eingeschlossenen Weißen See (Telaga Bodas), dessen milchige, grünlichweiße Farbe durch Schwefel und Alaun erzeugt ist. Man kann in 1/2 St. um den fast runden See von 600 m Durchmesser herumgehen, der den Krater des Geloenggoeng ausfüllt, und sieht dabei einen Wasserfall, heiße Quellen und eine Solfatara. Seit 1822 hat kein Ausbruch stattgefunden. Beim Abstieg geht man durch das 150-250 m tiefere kleine Todestal (Pedjagolan) an der NW.-Seite des Berges, von Gebüsch umgeben, mit kahlem, graugelblichem Boden, auf dem giftige Gase lagern, die kleine Tiere sofort töten.
Ausflug zum =Tjangkoewang-See=. Früh 1/2-6 Uhr mit Dreispänner (10 Fl.) über (9 km) Tjiboejoetan (Badeplatz mit kaltem Wasser) und Tjitjapar (kalter Schwimmplatz) zum See von *Lèlès (Tjangkoewang): von da zurück am See Sitoe Bagandit (s. oben) vorbei und über Tjipanas (heiße Quellen) nach Garoet (Ankunft gegen 1 Uhr mittags).
Besteigung des *=Kawa Kemodjang=, eines sehr aktiven Kraters, mit prächtiger Aussicht und auf großartig schönem Weg zu erreichen. Aufbruch 1/2-5 Uhr vom Hotel mit Dreispänner (4-5 Fl.) zum Dorf Tjiparai; von da mit Reitpferd (3 Fl.) oder Tragstuhl (4 Fl.) nebst Kuli zum Tragen der Frühstückstrommel und Führer. Rückkehr nach Garoet gegen 3 Uhr Nm.
Die =Hauptbahnlinie= führt von Tjibatoe (S. 203) weiter über Tjamis bergab durch die fruchtbare Ebene von Tasik-Malaja, den üppigsten Teil des Preanger-Landes, und dann durch die Tiefebene der Residentschaft Banjoemas durch wildreiche Dschungeln und Sümpfe nach (380 km) =Maos= (guter Gasthof am Bahnhof u. a.), wo die Züge von Batavia und Soerabaja kreuzen. Der Java-Expreßzug geht von Bantoeng früh ab, kommt Nm. in Djokjakarta und abds. in Soerabaja an. [Hand] Man schütze sich in dieser Malariagegend besonders vor Moskitostichen durch Schleier und Rauchen!
=Zweigbahn= von Maos nach =Tjilatjap=, ein unbedeutender Seehafen und verrufenes Fiebernest, an der landschaftlich schönen Südküste Javas, der die lange »Blumeninsel« (Noesa Kembangan) vorgelagert ist.
Weiter über Gombong, Koboemen, Koeto Ardjo; nach 5-1/2 St. Fahrt
(560 km) =Djokjakarta= (meist kurz Djokja genannt; Hotel Toegoe [A. Herscheit], am Bahnhof, 40 Z., F. 1, Dej. 1,50, Din. 2, Pens. 5-6 Fl., gelobt; Hotel Centrum; Hotel Mataram, alle drei nahe dem Bahnhof), Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats, Sitz des Sultans und eines niederländischen Residenten mit starker Garnison im holländischen Fort Vredenburg und etwa 60000 Einw., davon 4000 Chinesen und 2000 Europäer. Der Sultanssitz, Kraton, ist ein mit 4 m hohen und 5 m breiten Mauern umgebenes Stadtviertel, in dessen Straßen 15000 zum Hofstaat des Sultans gehörige Javaner leben; mitten im Kraton, hinter zwei Toren und Gittern, ist der Palast des Sultans mit großem Harem. (Erlaubnis zum Besuch des Kraton ohne Audienz wird durch den Residenten gern erlaubt, wenn man ein kurzes Schreiben an ihn rechtzeitig einreicht; beste Besichtigungszeit Vm.; die Residentschaft stellt einen niederländischen Unterbeamten, der Deutsch spricht, zur Führung). Das Stadtleben ist sehenswert. -- =Rundfahrt.= Vom Gasthof morgens mit Wagen 3 Fl.) durch eine Allee zum *Waterkastell, die Ruine eines mit Graben umgebenen märchenhaften Lustschlosses mit Bädern, Teichen, Irrgärten, Hallen und Türmen. (Man nehme einen Jungen als Führer.) Dann weiter über den großen Paradeplatz, wo sich abends bei Militärmusik die Europäer zeigen, in den Kraton (soweit ohne Erlaubnis zugänglich), ein Labyrinth von Höfen, Gärten und Tempeln, Häusern, Leibwachträumen, Elefantenställen, Leopardenkäfigen etc. Der Platz vor dem Schloß ist schön, die Schlösser sind nicht sehenswert. Man versäume nicht, über einen Markt in der Stadt (pasar) zu fahren und das Malen der Sarongs (Batiken) vor den Hütten anzusehen.
=Ausflüge=: 1) Nach =Prambanan=; mit der Bahn (Rückfahrkarte I. 1,75, II. 1 Fl.) von Djokja in 40 Min. nach dem Dorf Prambanan, der dritten Station der Bahnlinie Djokja-Solo, dann zu Fuß oder mit Wagen in 1/4 St. zum alten *=Hindutempel von Prambanan=; beim Tempel gutes Rasthaus mit Kaffeehaus. Drei Mauern umgeben die riesige Anlage; mitten zwischen 157 kleinen Dagobas stehen auf quadratischer Terrasse acht große Tempel, gopuraartige Aufbauten mit breiten Treppen. Der größte Tempel hat noch zwei Seitentreppen, im obern Tempelraum ist eine Schiwafigur, im Nebenraum seine Gattin Durga auf getötetem Stier; die Javanen nennen das schöne Erzbild »Lora Djonggrang«, eine Märchenprinzessin, der sie Frucht- und Blumenopfer bringen. Im dritten Tempelraum ist der elefantenköpfige Sohn beider, Ganesa. In einem andern Tempel ist ein großen Reichtum spendender steinerner Zebustier. Das Schönste sind die kunstvollen, oft naiv-lustigen Steinfriese an den Außen- und Innenwänden der Haupttempel; sie stellen die brahmanische Götterlehre und das indische Epos Ramâyana dar; vorzüglich erhalten ist die Geschichte vom treuen Affen Hanumân. Der Nebentempel zeigt groteske Darstellungen zu Ehren der Göttin der Fruchtbarkeit. Die Tempelanlage gilt als Grabstätte der alten hindustanischen Kaiser von Mataram, etwa im 8. Jahrh. erbaut. -- Rückweg zum Bahnhof nehme man über die Tausend Tempel (Tjandi Sèwoe), 20 Min. nördl., mit einem großen Mitteltempel, umgeben von 240 kleinen in vier Reihen; der Haupttempel ist beim Erdbeben 1867 beschädigt, zeigt aber noch vorzügliche Götterbilder; erwähnenswert sind die schönen Frauenfiguren an den Treppenmauern der Westseite, die eine Vision Buddhas darstellen. (Beschreibung des Tempels von Dr. Groneman beim Tempelwächter zu haben.)
2) Nach *=Boro-Boedoer= (wer in Djokja mit Mittagsschnellzug ankommt, hat auf dem Bahnhof sofort Anschluß mit der Dampfstraßenbahn nach Moentilan), 32 km nw.; 2 St. Fahrt mit Automobil (stellt Hotel Toegoe für 65 Fl. für 5 Personen, hin und zurück über Magelang); oder mit Dampfstraßenbahn, vom Bahnhof Djokja abgehend, nördl. durch gut bebautes Land, meist Reisfelder, Dörfer mit Märkten, bis nach (25 km) Moentilan; von da mit Zweispänner (3,5 Fl.; Dreispänner [7 Fl.] kaum nötig, Fuhrwerk bestelle man unterwegs beim Zugführer oder beim Bahnhofsvorstand) in das Hochland von Kadoe, das »Paradies von Java«, in dessen Mitte der wunderbare Tempel von Boro-Boedoer liegt, umgeben von Bergen, darunter die Vulkane Merapi (2875 m) und Merbaboe (3145 m). Man fahre zuerst zum Vortempel Tjandi-Mendoe, mit Riesensteinbild Buddhas. Etwa 4 km weiter, nach 15 Min. Fahrt, erreicht man nach Überschreiten eines Flusses den Hügelrücken, worauf, gegenüber dem Haupttempel, das (14 km) Rasthaus (pesanggrâhan) mit Wirtschaft (gut zum Essen und Übernachten) steht. Wenn Zeit ist, übernachte man dort, weil Sonnenunter- und -aufgang in Boro-Boedoer unvergleichlich schön sind. Der Tempelwächter ist ein Deutscher.--Der große *=»Tempel« von Boro-Boedoer= ist das großartigste buddhistische Bauwerk auf Java, erbaut im 8. oder 9. Jahrh., 1907-11 durch die Regierung gut renoviert. Er ist kein eigentlicher Tempel, sondern ein kuppelförmiges Denkmal ohne Innenraum zum Andenken Buddhas (Stupa). Auf quadratischer Grundfläche von 153 m Seitenlänge erhebt sich »jenes in Terrassen aufsteigende, seltsam grandiose Bauwerk, das an Mächtigkeit alle andern buddhistischen Tempelbauten so weit überragt, wie das Land, in dem es steht, an Schönheit den Standort jener übertrifft« (Hans Meyer). Der Unterbau besteht aus fünf 20-eckigen, von 1,5 m hohen Steinmauern eingefaßten Terrassen übereinander, jede mit reichverziertem Tor in der Mitte, neben dem Treppenstufen zur höhern Terrasse hinaufführen. Alle Terrassen sind mit Buddhafiguren, Löwen und Stieren und reichen Ornamenten geschmückt. Über der obersten 20eckigen Terrasse erheben sich noch drei kreisrunde, die je 32, 24 und 16 (insgesamt 72) sitzende Buddhafiguren unter offenen (teilweise eingestürzten) Kuppeldächern (Dagobas) tragen. Als Krönung des ganzen Baues steht auf der obersten 37 m hohen Terrasse eine 6 m hohe Dagoba; sie enthielt früher einen Buddha, der jetzt vor dem Tempel steht. Leider sind viele Steinfiguren barbarisch verstümmelt; man zählt über 400 Buddhabilder. Von den 1500 Basreliefs sind fast 1000 noch gut erhalten und bilden den künstlerisch wertvollsten Teil des Ganzen; man erkennt auf ihnen Segelschiffe mit zwei Masten, prächtige Rüstungen, Speichenräder. *=Aussicht= prächtig von der Kuppel des Tempels, besonders bei Sonnenauf- und -untergang! (Beschreibung des Tempels von Dr. Groneman ist beim Tempelwächter zu haben; ausführlicher ist das Werk: »Die Buddhalegende in den Skulpturen des Tempels von Bôrô-Budur« von C. M. Pleyte, mit 120 Abbildgn., Amsterdam, Verlag de Bussy.)
Vom Tempel zurück kann man mit der Dampfstraßenbahn ab Moentilan 16 km nach =Magelang= (Hôtel Loze) fahren und von da mit Wagen in die Hochebene von Diëng (2171 m; gutes Rasthaus), die mit dem amerikanischen Yellowstone Park (II. Teil, S. 151) verglichen wird.--Sehr schön ist die Wagenfahrt (17-20 Fl.) von Magelang durch das paradiesische *Kedoetal über den Pinggit-Paß (686 m) nach (35 km) =Ambarawa= (Hotel van Rheeden, genannt di Atas, gute Verpflegung, Pens. 4 Fl.; Hotel di Bawa), einem idyllischen Landstädtchen; von dort Eisenbahn nach Samarang (s. S. 207).
Von Djokjakarta fährt die Bahn durch Reisfelder und große Dörfer am Fuße des Vulkans Merapi entlang, r. die scharfzackigen Felsen der südlichen Gebirge, nach dem Bahnknotenpunkt
(620 km) =Soerakarta= oder Solo (104 m; Hotel Slier, weit vom Bahnhof, Wagen zu haben), Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats mit 109459 Einw., darunter etwa 5000 Chinesen und 1200 Europäer, Sitz des Susuhunan (Kaisers) des ehemaligen Reiches von Mataram und des von diesem unabhängigen Prinzen Mangkoe Negoro sowie eines beide überwachenden niederländischen Residenten. Der Kraton, die Kaiserstadt, ist mit hohen Mauern umgeben; Eintrittserlaubnis erhält man durch ein Schreiben an den Residenten. Gelegenheit zur Teilnahme an Hoffesten mit interessanten, Jahrhunderte alten Hofbräuchen und schönen Tänzen der kaiserlichen Bedojohs (Tänzerinnen fürstlicher Abkunft), dazu Gamelang-(Orchester-) Spiel, »wajang-wong« (Schattenspiele; vgl. S. 192) und »topèng« (Maskentanz). Der Kaiser erscheint stets von Zwergen, Lanzen- und Schildträgern und großem Hofstaat umgeben. (Gesuche um Audienz müssen vom Generalgouverneur befürwortet sein und mindestens vier Tage voraus beim niederländischen Residenten in Soerakarta angemeldet werden.)--=Rundfahrt= durch die Stadt sehr lohnend wegen des bunten Volkslebens; morgens besuche man den Markt (pasar). Sehenswert der schöne Palast (dalem) des Prinzen Mangkoe Negoro, mehrere Tigerkäfige und der Elefantenstall des Kaisers; kleiner Zoologischer Garten mit schönen Schlangen, Affen und Tigern. Prächtige Tamarindenalleen führen zum holländischen Fort Vastenburg, in der Mitte des Europäerviertels. Auch das lebhafte Chinesenviertel ist besuchenswert.
=Von Soerakarta nach Samarang.= Von der Hauptroute zweigt eine nördliche Linie ab und führt über Goendih und Kedoengdjatti (Zweigbahn nach Ambarawa, s. oben) nach
(125 km) =Samárang=, Seehafenstadt mit 96000 Einw. (5000 Europäer).
=Gasthöfe=: Hôtel du Pavillon, am Bodjongweg, Pens. 5,5-6,5 Fl.;--Hôtel Jansen, Heerenstraat, beide gut.-- Hôtel Tjandi, für längern Aufenthalt, oberhalb der Stadt, Dampfstraßenbahn bis Djomblang, dann mit (voraus zu bestellendem) Gasthofswagen hügelaufwärts. Viele =Pensionen=; gute =Restaurants=.
=Post u. Tel.= neben dem Rathaus, =Telephon= neben dem Rathaus.--=Wagen= zu haben.--=Straßenbahnen=: vom Bahnhof zur Zentralstation und von da am Rathaus vorbei den Bodjongweg entlang zur Wohnung des Residenten; vom Bahnhof durch Oengaran-Allee südwärts bis Djomblang.-- =Eisenbahn= nach Cheribon (Anschlußstrecke nach Krawang im Bau, zur Herstellung einer direkten Linie Batavia-Samarang) und über Soerakarta nach Soerabaja.--=Dampfer= der Koninklijke Paketvaart Mij., wöchentlich in 2 Tagen nach und von Batavia und in 1 Tag nach und von Soerabaja Landung in Samarang mit Dampfbarkassen (2 Fl.) oder Segelprauen (1-1/2 Fl.). Im Westmonsun ist die Landung oft gefährlich. --=Dampferagenturen=: Norddeutscher Lloyd, C. A. Bertsch (Tel.-Adr.: Nordlloyd, Samarang); Rotterdamsche Lloyd, Internationale Credieten Handelsvereeniging »Rotterdam«; Stoomvaart Mij. Nederland und Koninklijke Paketvaart Mij.; Messageries Maritimes.
=Bank=: Javasche Bank; Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.--=Konsulat=: Deutsches Reich: Generalkonsulat in Batavia.
Die alte Stadt Samarang, nahe der Mündung des Ngaran oder Samarangflusses, war bis 1824 befestigt, wovon noch das Fort Prins van Oranje erhalten ist. Der neue Stadtteil liegt hauptsächlich an der von Kanarienbäumen und Tamarindenbäumen beschatteten Bodjong-Allee. Im Stadtgarten Mi. und So. Konzert. Eine Oberstadt liegt auf einem 100 m hohen Hügel etwa 3,5 km südl. von Samarang in Tjandi; dorthin führt die schöne Oengaran-Allee bis Djomblang, einen Teil des Chinesenviertels durchschneidend. Lohnende Wagenfahrt nach dem chinesischen Felsentempel Gedong Batoe. Am Westende der Stadt liegt das arabische und javanische Viertel, das bei Westmonsun früher oft überschwemmt wurde. Samarang bietet wenig für Vergnügungsreisende, ist aber der zweitgrößte Handelsplatz Javas; lebhafte Ausfuhr von Kaffee, Zucker, Kopra, Indigo und Büffelhäuten.
=Von Soerakarta nach Soerabaja= führt die Hauptbahnlinie durch die mitteljavanische Ebene zwischen den nördlichen Hügelketten und den südlichen Vulkangebirgen hindurch nach (95 km) Madioen (Hotel Madioen) und weiter über (175 km) Djomblang und (215 km) Modjokerto nach
(265 km) =Soerabaja= (Surabaya), Seehafenstadt mit (1905) 163611 Einw., darunter 8000 Europäer und 11200 Chinesen.
=Ankunft zur See.= Mit Dampfer der Koninklijke Paketvaart Mij. von Batavia dampft man, wenn im SO. der weiße Leuchtturm von Soerabaja in Sicht und der Lotse an Bord, durch das schwierige und sehr seichte Fahrwasser der Madoera-Straße, r. Java, l. die gebirgige, von den unzuverlässigen Maduresen bewohnte, mit üppigem Grün bewachsene Insel Madoera, vorbei an vielen ins Wasser hineingebauten Fischerdörfern, vor denen zahllose Fischerprauen segeln oder treiben, auf die mit Dampfern und Seglern meist dichtgefüllte Reede von Soerabaja, wo der Dampfer bei dem weißen Wachtschiff ankert, dicht beim Landungsplatz Oedjong, an der Mündung des Flusses Kalimas, beim Wilhelminatoren. Man landet im Tambangan (Ruderboot, wie Sampan) für 1/2 Fl. beim Zollamt (kleine Boom), wo stets, auch wenn man von Batavia kommt, Zolluntersuchung stattfindet; Einfuhr von Schußwaffen ist nur mit Erlaubnis (S. 195) gestattet. Viel Gepäck lasse man mit Boot zum Gasthof schaffen; sonst nehme man beim Zollamt einen Wagen.
=Ankunft am Bahnhof=: Man steige womöglich an Hst. Stat. Goebeng bei Simpang aus, oder an Hst. Soerabaja (Kotta), je nach Wahl des Gasthofs.
=Gasthöfe=: Oranje Hotel, am Simpangweg; 72 Z. mit Bad u. Telephon, modern, Pens. 7-12 Fl., Auto.--Hotel Embong Malang (Wijnveld), gut; 40 Z., Pens. 6 Fl., am Djalan Embong-Malang, nahe Stat. Goebeng.--Hotel Sarkies, Pens. 6 Fl.--Hotel Simpang, am Simpangweg; 40 Z., Pens. 6 Fl.--Hôtel des Indes, in der untern Stadt; 50 Z., Pens. 5 Fl.--Hotel-Pension van Vlooten, Simpang.--N. V. Hotel & Pens. v. d. Blij, Embong Malang, Pens. 5 Fl.--=Restaurants=: Restaurant Grimm und Hellendoorn, die besten Kaffeehäuser auf Java, nahe dem Stadtpark und Stat. Soerabaja (Kotta).--=Bierhaus= eines Chinesen, beim Bültzingslöwen-Denkmal, europäisches Faßbier.
=Post u. Tel.= nahe dem Stadtbahnhof. --=Telephon= ebenda.--Kabel nach Celebes, Singapore, Australien, Borneo.--=Wagen=: Zweisp. (Kosongs) sind kaum teurer als Sádos.--=Straßenbahn=: vom Hafen zum Südende der Vororte.--=Eisenbahn=: nach Batavia über Soerakarta, nach Samarang etc.
=Dampfer= der Koninklijke Paketvaart Mij. wöchentl. in 3-4 Tagen nach und von Batavia über Samarang. --=Dampferagenten=: Koninkl. Paketvaart Mij., Geschäftshaus: Willems Kade.--Norddeutscher Lloyd, Behn, Meyer & Co., Societeitstraat (Tel-Adr.: Nordlloyd, Soerabaja).-- Rotterdamsche Lloyd, Internationale Crediet-en Handelsvereeniging »Rotterdam«. --Stoomvaart Mij. Nederland. --Messageries Maritimes, Anemaet & Co.
=Banken=: Javasche Bank; Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Hongkong & Shanghai Banking Corporation; Chartered Bank of India, China & Australia; Ned. Ind. Escompto Mij., Korrespondent der Deutsch-Asiatischen Bank (Behn, Meyer & Co.).
=Theater=: Javanische und chinesische im Hafenviertel, sind nicht empfehlenswert. --=Zeitung=: »Soerabaja Handelsblad«.
=Konsulate.= Deutsches Reich: Konsul G. Rademacher.--Österreich-Ungarn: Vizekonsul Bernhard Wolf. --=Vereine=: Simpangsche Societeit (Club) und Concordia, beide international; Deutscher Verein (eignes Haus in Genteng, deutschen Reisenden sehr zu empfehlen).--=Ärzte=: Dr. Grün, Genteng; Dr. van Steden, ebenda; Dr. van Hasselt, Simpang Doekoe.--=Zahnarzt=: Dr. Schöppe, Kaliassin.--=Apotheke=: De Vriendschap, Dir. P. C. Gilde in Aloen-Aloen.--Simpangsche Apotheke, Simpang.--=Krankenhäuser=: Militärkrankenhaus, auch für Zivilisten; Zivilkrankenhaus Ngemplak.
Soerabaja ist die erste Handelsstadt Niederländisch-Indiens und liegt auf 7° 14' südl. Br. Am schönsten ist das Stadtviertel Simpang mit dem *Simpang- und Scheepsmakerspark und schönen Villen, darunter das Haus des Residenten. In der Nähe des schönen Restaurant Grimm ist ein Denkmal zu Ehren des tapfern freiwilligen Krankenträgers v. Bültzingslöwen. In der eigentlichen Stadt stehen die Häuser nahe beieinander, auch sind die Wohnungen, Geschäftsräume, Läden der Europäer kaum von denen der Eingebornen getrennt, infolgedessen die Straßen schmutzig und häßlich sind. Reger Handelsverkehr herrscht auf dem Flusse Kalimas, an dem die Warenspeicher und großen Exportgeschäfte liegen. Am Nordende der Stadt liegt das alte Fort Prins Hendrik, nördl. davon am Hafen eine große Marinewerft mit Trockendocks und vielen Werkstätten sowie dem Kasino Modderlust. Der Handelshafen wird neu ausgebaut. Für Vergnügungsreisende bietet Soerabaja nichts. Der Handel der Stadt ist sehr bedeutend, Ausfuhr umfaßt Zucker, Tabak, Kaffee, Kopra; Einfuhr europäischer Waren ist groß.--Nahe südl. von Soerabaja liegen am Strande von Kalangandjar zwei Schlammvulkan-Hügel. (Von Soerabaja beste Dampfergelegenheiten zu Ausflügen nach Borneo, Celebes und den Molukken.)
Von Soerabaja auf den Bromo.
=Eisenbahn= bis Pasoeroean; dann mit =Sádos= (Zweispänner) für 2-1/2 Fl. in 1-1/2 St. nach Pasrepan und weiter mit =Bergwagen= für 3 Fl. (2 Personen) nach Poespo. Von hier zu Fuß oder zu Pferd (auch Tragsessel für Damen) in 3 St. nach Tosari, wo man übernachtet, um am andern Morgen vor Sonnenaufgang die Besteigung (am besten zu Pferd) des Bromo unternimmt.
Man kann auch an bestimmten Tagen mit =Automobil= von Soerabaja nach Tosari fahren (Mi. und Sa. Nm. für 75 Fl., zurück Do. und Mo. früh für 60 Fl.)
[Hand] In Pasoeroean oder Soerabaja bestelle man telegraphisch Zimmer für die Nacht in Tosari, weil oben oft alles besetzt ist; der Agent in Pasoeroean besorgt auch Karten für 6 Fl. zur Fahrt nach Tosari.
Von Soerabaja mit der Bahn (Automobilverbindung s. oben) über Sidhoardjo und Bangil in etwa 3 St. nach (65 km) =Pasoeroean=, »Betelgarten« (Marine-Hotel; Hotel Morbeck), einer hübschen Hafenstadt mit 35000 Einw. (500 Europäer), Hauptstadt der gleichnamigen Residentschaft, die bei Malang den besten Kaffee und Tabak Javas sowie Zucker und Indigo liefert. Bank: Nederlandsche Handels-Maatschappij (Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft).
Von Pasoeroean im Sádos-Zweispänner (s. oben) durch schattige Alleen auf guter Straße durch das Dorf Gondang-wètan, mit lebhaftem Markt, in 1-1/2 St. nach Pasrepan am Fuße des Berges; von da mit kleinem Bergwagen (s. oben; wenig Gepäck, wollene Decke und Überzieher mitnehmen!) durch dichten tropischen Urwald steil bergauf nach Poespo (kleiner Gasthof und Sanatorium), 630 m. Nach Einnahme des Reistafelfrühstücks geht man in 3 St. hinauf bis Tosari; wem die Hitze zu groß, nehme Reitpferd (2 Fl.) nebst Saumpferd (2 Fl.) für Gepäck (größere Koffer werden von Poespo durch Kulis [je 60 cts.] hinaufgetragen), oder für Damen Tragsessel (3,60 Fl.) mit 6-8 Trägern (je 60 cts.). Ein guter Weg führt in vielen Windungen bergan durch den mit großen schwarzen und grauen Affen und überraschend buntfarbigen Vögeln belebten Urwald, zuletzt durch Felder, mit europäischen Gemüsen und Kartoffeln, Mais und Zwiebeln.
=Tosari= (1777 m; Sanatorium Tosari, 1845 begründet, Dir. und Arzt Dr. Fangmann, vorzüglich, angenehme Geselligkeit, Zimmer telegraphisch vorausbestellen, Telephon nach Pasoeroean, Pasrepan und Poespo, 104 Z., F. 2, Lunch 2, Din. 2,50, Pens. 7 Fl.; noch etwas höher das Kurhaus Tengger [1840 m], Inhaber J. Elfferich, Z. 5-6 Fl.), die höchste Sommerfrische Javas, wird wegen seines frischen und trocknen Bergklimas (Luftwärme zwischen 10 und 20° C) viel von Erholungsbedürftigen besucht. Schöner »europäischer« Garten am Kurhaus. Im April und Mai sowie Oktober und November ist Tosari am stärksten besucht. Spaziergang zum *Nymphenbad mit prächtigem Wasserfall in 40 Min.
=Besteigung des Bromo.= Von Tosari Aufstieg zum *=Bromo= (2300 m) möglichst früh vor Sonnenaufgang zu Pferde (besser als im Tragsessel); zu Fuß hin und zurück ist etwas anstrengend, da man sowieso zu Fuß klettern muß. Führer 90 cts.; Zeit zur Besteigung etwa 3-4 St. Die Gegend zeigt anfangs europäisch-alpinen Pflanzenwuchs (Wolfsmilch, Brombeeren, Kamillen, Rhododendron, Alpenveilchen, Edelweiß, Baldrian, Erdbeeren, Vergißmeinnicht etc.). Auf halber Berghöhe prächtiger Ausblick nach S., auf den höchsten Berg Javas, den Vulkan Semeroe (3676 m), dessen ovaler Riesenkrater von 9 km Durchmesser in 2125 m Höhe mit Asche ausgefüllt ist (nur der Kilaueakrater, S. 422, ist noch größer). Nach etwa 2 St. Ritt erreicht man den Moenggal-Paß (2482 m); der Weg teilt sich, l. erreicht man nach kurzer, steiler Steigung eine kleine Fläche, auf der eine Hütte steht; dort, am innern, schroffen Abhang, *Blick auf den etwa 200 m tiefer liegenden Sandsee des alten Tengger-Vulkans, dessen Riesenkrater von etwa 8 km Durchmesser mit Sand gefüllt ist; im Sandsee (Dasar) erheben sich vier kleine Vulkankegel: der Widodarèn, der Giri (von N. gesehen, hinter ersterm), der stets tätige Bromo und der alleinstehende Batok. Nun etwa 200 m mühsamer Abstieg (Pferde besser führen) zum Sandsee, dann Ritt über den Sand in 3/4 St. westl. und nw. um den Fuß des Batok zum Fuße des Bromo bis zu der neuen Steintreppe, die mit etwa 250 Stufen zum obern Kraterrand führt, wo die Pferde mit Kulis zurückbleiben. Dann Aufstieg zum obern Kraterrand des =Bromo= (2300 m). Auf 3/4-Höhe hört man schon das grollende Donnern und Dröhnen des Bromo; man glaubt, der Krustenrand zittere. Oben ist eine breite Fläche, wo man das von den Kulis heraufgebrachte Frühstück verzehrt. Ein etwa 1/2 m breiter Fußpfad (nur Schwindelfreien zu empfehlen) führt in 1 St. um den 200 m tiefen Kratertrichter herum, dessen Anblick Hans Meyer wie folgt beschreibt:
»Aus dem Boden heben sich wiederum zwei kleinere Kegel, die zurzeit von kleinen, schmutziggrünen Teichen ausgefüllt sind und bisweilen große Blasen treiben. Dicht daneben aber gähnt unter einem überhängenden Fels ein feuriger Schlund, so furchtbar großartig, daß die Phantasie eines Höllenbrueghel keinen greulichern Höllenschlund hätte ersinnen können. Daraus fährt sausend, zischend und heulend eine Glutflamme, angefacht wie von Tausenden von Hochofengebläsen und tobend, daß man mühsam seine fünf Sinne zusammenhalten muß, und hoch über uns verdichten sich die Wasserdämpfe zu jener weißen Wolke, die wir schon vom Rande des großen Kraters aus beobachtet hatten. Ich machte trotz der Einwendung meines Führers einen Versuch, in den Krater hinabzuklettern, fand aber an der abschüssigen Wand und in dem nachrutschenden Sandschlamm so wenig Halt, daß ich schleunigst umkehrte.« In der Nähe von Tosari liegt ein *Tenggeresen-Dorf, dessen Bambushütten viele kleine Kammern haben. Die Tenggeresen sind Ureinwohner, die noch der alten javanischen Naturreligion treu geblieben sind; sie sind ein sittsamer, friedlicher und fleißiger Volksstamm, deren Andachtsstätte der Bromo ist, in dessen Sandmeer sie sich an jedem zwölften Vollmond mit ihren Priestern (Dunkun's) in Festkleidern versammeln, dort Gelübde erfüllen (z. B. Tänzerinnen tanzen lassen); schließlich wird auf ein Zeichen des Oberpriesters unter Vorantritt aller Priester von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern der etwa 220 m höhere Kraterrand des Bromo erstürmt; oben werden als Opfer Früchte, Hühner, Kleider, Münzen, Kuchen niedergelegt, von den Priestern gesegnet und dann in den Krater geworfen (wobei Jungen aber im innern Kraterrand auffangen, was sie fassen können). Das Opfer gilt für die Seelen der Verstorbenen, die ein Fegfeuer im Bromokrater durchmachen müssen, ehe sie auf den Gipfel des benachbarten, 1000 m höhern Seméroe, wo ihr Gott-Vater Batoro Guru lebt (die Walhalla!), gelangen.
Wer vom Tengger-Gebirge noch mehr sehen will, kehrt nicht nach Tosari zurück, sondern reitet durch den Sandsee nach dem Passe von Ngadisari, nach etwa 200 m Aufstieg wird der Oberrand des Tenggerberges wieder erreicht, auf dessen äußerm sanften Hang das von grünen Wiesen und Bäumen umgebene höchste Tenggeresendorf =Ngadisari= liegt. Nach 1-2 St. gelangt man weiter auf landschaftlich sehr schönem Gebirgsweg (mit vielen steilen Abhängen und schwierigen Stellen) nach =Soekapoera=, wo man in dem prachtvoll gelegenen Rasthaus, pasanggrâhan, übernachtet (gute, reine Betten). Man telegraphiere schon von Tosari zum Residenten von Pasoeroean um Erlaubnis zum Übernachten im Rasthaus. In Soekapoera bestelle man telegraphisch von Probolinggo einen Wagen zum Fuß des Gebirges. --Am andern Morgen recht früh zu Wagen (6 Fl.) in etwa 6 St. nach =Probolinggo= (Hotel Egener, gut), Bahnstation und kleiner, malerischer Seehafenplatz mit 8000 Einw., an der Madoerastraße, mit schönen Tamarinden-Alleen. Von hier zurück mit der Eisenbahn (100 km) über Soerabaja (S. 208) nach Batavia (S. 195).
* * * * *
Von Tosari sind sehr viele schöne Ausflüge auf guten Pferden (Tarif im Sanatorium) zu machen; die Leitung des Sanatoriums gibt Auskünfte und besorgt alles. Man muß stets sehr früh aufbrechen, da mittags meist Nebel eintritt. Sehr schön und bequem ist der Ritt nach dem *Penandjaan (2780 m); man hat das Sandmeer tief unter sich und schaut in den Bromokrater hinein. Prächtiger Rundblick!
II. China, Philippinen, Sibirische Bahn, Korea, Japan.
11. =Südchina=: _Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila_ S. 214-240 Südchines. Meer S. 214. -- Südchina S. 215. -- Hongkong S. 220. -- Kanton S. 225. -- Macao S. 233. -- Von Hongkong nach Manila S. 234. -- Philippinen S. 235.
12. Von Hongkong nach Schanghai. Yangtse-Fahrt S. 240-265 Swatau. Amoy S. 241. -- Futschou S. 243. -- Kuschan. Jungfu. Ningpo S. 244. -- Insel Formosa S. 245. -- Ostchines. Meer. Schanghai S. 246. -- Yangtse-Fahrt Schanghai-Hankau-Itschang S. 254. -- Nanking S. 256. -- Minggrab S. 257. -- Kiukiang S. 258. -- Hankau S. 259. -- Itschang S. 262. -- Tschungking S. 263.
13. =Nordchina=: _Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking_ S. 265-280 Kiautschou S. 266. -- Tsingtau S. 267. -- Lauschangebirge S. 270. -- Tsinanfu S. 272. -- Küfu S. 273. -- Tientsin S. 275. -- Weihaiwei. Tschifu S. 278. -- Tongku S. 279.
14. Peking und Umgebung S. 280-301 Große Chinesische Mauer S. 295. -- Minggräber S. 296. -- Jehol S. 297. -- Peking-Hankau S. 299.
15. _Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn über Charbin nach Wladiwostok, Dairen u. Peking_ S. 301-329 Moskau S. 305. -- Tomsk S. 314. -- Krassnojarsk. Jenissei. Irkutsk S. 315. -- Baikalsee S. 316. -- Amurfahrt Srjetensk-Chabarowsk S. 317. -- Charbin S. 318. -- Wladiwostok S. 320. -- Chabarowsk S. 323. -- Von Charbin nach Dairen S. 323. -- Mukden S. 324. -- Chienshan. Dairen S. Port Arthur S. 327. -- Von Charbin nach Peking S. 328.
16. =Korea= S. 330-337 Von Mukden nach Söul S. 331. -- Tschimulpo S. 332. -- Söul S. 333. -- Von Söul nach Fusan und Shimonoseki S. 336.
17. =Japan.= _Von Schanghai nach Nagasaki, durch die Binnenlandsee nach Kōbe, über Osaka, Kyōtō nach Yokohama, Tōkyō und Nikkō_ S. 341-411 Ostchines. Meer S. 348. -- Nagasaki S. 349. -- Eisenbahn Nagasaki-Moji. Kagoshima. Dazaifu. Hakata S. 353. -- Von Nagasaki durch die Binnenlandsee nach Kōbe S. 354. -- Shimonoseki S. 355. -- Eisenbahn von Kōbe über Osaka und Nara nach Kyōtō S. 356. -- Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe S. 358. -- Kōbe-Hyōgo S. 361. -- Kyōtō S. 369. -- Über den Hiyei-zan zum Biwasee S. 377. -- Hozugawa S. 378. -- Momoyama. Eisenbahn von Kyōtō nach Yokohama S. 379. -- Yamada. Futami S. 382. -- Kunozan S. 383. -- Fuji-no-yama S. 384. -- Mianoshita. Über den Hakonesee und den Jikkokutoge nach Atami S. 386. -- Yokohama S. 388. -- Kamakura S. 391. -- Enoshima. Kanazawa S. 392. -- Tōkyō S. 393. -- Nikkō S. 404. -- Chuzenjisee S. 407. -- Yumotosee. Nyohō-zan S. 408. -- Ikao. Harnausee. Harunatempel S. 409. -- Asama-yama S. 411.
18. Von Yokohama über Honolulu nach San Francisco S. 411-423 Stiller Ozean S. 411. -- Haiwai- (Sandwichs- Inseln) S. 413. -- Honolulu S. 416. -- Kilauea. Mauna Kea. Mauna Loa S. 420.
Südchina.
China wird durch das Tsinlinggebirge und seine niedrigere östl. Fortsetzung, das Hwaigebirge, die sich aus Innerasien heraus bis nahe an die Meeresküste bei Nanking erstrecken, in zwei Hauptteile zerlegt, Südchina und Nordchina, die sich in den mannigfachsten Beziehungen unterscheiden.
=Südchina=, auf dessen Betrachtung wir uns zunächst beschränken, umfaßt von den 18 Provinzen, in die das eigentliche China geteilt ist, folgende zehn: Yünnan, Szetschuan und Kweitschou im SW., Kwangsi und Kwangtung im SO., Hunan, Hupeh und Kiangsi in der Mitte, Fukien, Tschekiang und den Südteil von Nganhwei im NO. Für den Weltreisenden kommen fast nur die Küstenprovinzen Kwangtung (mit Kanton und Swatau), Fukien (mit Amoy und Futschou) und Tschekiang (mit Ningpo und Hangtschou) sowie die Provinzen des untern Yangtsegebiets: Kiangsu, Nganhwei (Anhwei) und Hupeh in Betracht.
Die Küstenprovinzen Südchinas sind, abgesehen von der Delta-Ebene des Hsikiang, an der Kanton und Macao liegen, fast ganz von Gebirgsland erfüllt, das sich mit meist von SW. nach NO. streichenden Ketten hinter einer insel- und buchtenreichen, trotz Verschlammung der Buchten nicht hafenarmen Küste erhebt. Die Längstäler dieses Gebirgslandes werden von gut schiffbaren und durch niedrige Talwasserscheiden miteinander in bequemer Verbindung stehenden Flüssen durchzogen, deren bedeutendster der gegenüber Hongkong mündende Hsi-kiang ist. Die Flüsse stellen die besten Verkehrswege des Landes dar, da Eisenbahnen noch fast ganz fehlen und Landstraßen nicht vorhanden sind. Der Landverkehr ist vielmehr ausschließlich auf Saumpfade angewiesen und auf Fußwege, auf denen Menschenkraft als wichtigstes Transportmittel verwendet wird.
=Klima.= In gleicher Breite wie das nördl. Drittel Vorderindiens gelegen, hat Südchina doch ein viel rauheres Klima als dieses abnorm warme Gebiet, weil ihm die schützende nördl. Gebirgsschranke fehlt. Ganz Ostasien steht ebenso wie Südasien unter der klimatischen Wechselwirkung zwischen der großen asiatischen Landmasse, deren Inneres sich im Winter stark abkühlt und im Sommer stark erhitzt, und den viel gleichmäßiger temperierten Randmeeren; es hat also Monsunklima (vgl. S. 40). Der sommerliche SW.-Monsun, der weiter nordostwärts in S.- und SO.-Monsun übergeht, ist auch hier warm und bringt Trübung und Regen; der winterliche NW.-Monsun weht dagegen in ganz Ostasien viel stärker als der Sommerwind, ist kalt, sehr trocken und bringt heiteres Wetter. So haben nur Hongkong und Kanton noch ein einigermaßen tropisches Klima mit feuchtheißem Sommer, aber regenarmem und ziemlich rauhem Winter; weiter nordostwärts wird der Temperaturgegensatz zwischen Sommer und Winter immer stärker, die Sommerhitze erreicht überall noch tropische Höhe, während im Winter schon im Hinterland von Swatau unterm Wendekreis die Berge bis tief hinab gelegentlich in Schnee gehüllt sind.
Die =Pflanzendecke= hat gleichfalls nur im S. noch tropischen Charakter mit Palmen, Bananen, Bambus u. dgl.; weiter nordostwärts und im Gebirge spielen immergrüne, hartblätterige (subtropische) Gewächse die Hauptrolle, unter denen die Kamelien und deren Verwandter, der Teestrauch, die bekanntesten sind. Die ursprüngliche Vegetation tritt jedoch stark zurück hinter den Kulturgewächsen, denn die Küstenprovinzen sind äußerst dicht bevölkert und sogar die Berghänge bis zu 1500 m hinauf mit Hilfe von =Terrassenkultur= in Benutzung genommen. Außer Nahrungspflanzen, unter denen Reis, Mais, Hirse und andre Getreidearten, Zuckerrohr, Hülsenfrüchte und Gemüse die Hauptrolle spielen, werden besonders Baumwolle, der Teestrauch und der Maulbeerbaum (für die Seidenraupenzucht) kultiviert. Ebenso ist auch von der freilebenden höhern =Tierwelt= außer den schönen Fasanen wenig mehr zu merken.
Die =Chinesen= und ihre Werke werden daher fast überall für den Besucher Chinas im Vordergrunde des Interesses stehen. Seitdem sie seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Innerasien in ihr heutiges Land vorgedrungen sind, das (mit Ausschluß der Mandschurei, der Mongolei, Ilis und Tibets) etwa 4 Mill. qkm umfaßt (annähernd 7-1/2mal so viel wie das Deutsche Reich), haben sie dieses in ein Kulturland zu verwandeln verstanden, wie kein anderes Volk der Erde seinen Wohnsitz. Die Fruchtbarkeit und das dem Ackerbau günstige Klima sowohl des lößbedeckten Nordteils des Reiches wie des lößfreien Südteils wiesen von jeher auf den Ackerbau als die natürliche Grundlage der Volkswirtschaft hin, und die rasch zunehmende Volksverdichtung zwang zu immer weiterer Ausdehnung des Kulturlandes und zu immer sorgfältigerer Ausnutzungsweise desselben, die heute geradezu als »Gartenbau« bezeichnet werden kann. Die starke Volksvermehrung (die große Zahl der Kinder ist eine der auffälligsten Erscheinungen im menschenwimmelnden China) hat ihren Hauptgrund in der den Grundzug der chinesischen Volksreligion bildenden Ahnenverehrung, welche die Darbringung von Ahnenopfern durch männliche Nachkommen verlangt und auch die Ärmsten zu frühzeitiger Heirat zwingt. Die Gesamtbevölkerung Chinas soll nach der letzten Volkszählung (1910) reichlich 400 Mill. betragen, was einer mittlern Volksdichte von 100 entspräche (Deutsches Reich 1910: 65 Mill. auf 541000 qkm, Dichte 120). Doch ist diese Zahl wohl zu hoch angenommen. Indem so die Lebensbedingungen für den einzelnen auf dem gegebenen Raum immer knapper wurden, sind höchste Genügsamkeit und ausdauernder Fleiß (Sonntag in China unbekannt) Haupteigenschaften des Chinesen geworden; der chinesische Bauer ernährt sich und seine Familie von einem uns Europäern winzig erscheinenden Stückchen Land, der Kuli von einem lächerlich geringen Arbeitslohn. Das namentlich im N. stark kontinentale Klima mit seinen plötzlichen Witterungsschwankungen vertilgte alle weichlichen Individuen und hat die Chinesen durch natürliche Auslese gegen Witterungseinflüsse unempfindlich gemacht; sie sind das einzige Volk der Erde, das in =allen= Klimaten arbeitsfähig bleibt; daher die weite Verbreitung chinesischer Kulis. Trotzdem die Chinesen ein Ackerbauvolk sind und der Bauernstand (außer den Akademikern) als der höchste gilt, wohnen sie nur in einzelnen Landesteilen auf dem Lande verstreut; meist drängen sie sich vielmehr in großen, volkreichen Dörfern und in mauerumgürteten =Städten= zusammen, den Plätzen der großen Märkte, des Warenaustausches und des Handels, in denen der lebhafte Handelsgeist des Volkes seine Wirkungsstätten findet. Das enge Zusammenwohnen und die starke Konkurrenz in diesen Wohnplätzen hat als sehr unangenehme Eigenschaften Hinterlist und Unreinlichkeit sowie anderseits eine einseitig materielle Lebensauffassung hervorgerufen. Der maßlose nationale Hochmut des Chinesen, der ihn auch in uns Europäern nur »Barbaren« sehen läßt, und die Erstarrung ihrer Kultur, die sich erst in allerjüngster Zeit zu lösen beginnt, finden ihre Erklärung in dem Umstande, daß China, das »Reich der Mitte«, stets von kulturell tieferstehenden Völkern umgeben war und alle seine Bedürfnisse selbst erzeugte, so daß es sich Jahrtausende hindurch nach außen ganz abschließen konnte.
Die chinesische =Volksreligion= sieht, wie bereits oben erwähnt, ihren Endzweck in der Verehrung der Ahnen und des Herrschers. Ihre philosophische Weiterbildung hat sie im Konfuzianismus, der Lehre des Kungfutsze (551-478 v. Chr.), gefunden, dessen noch heute im höchsten Ansehen stehende Philosophie den einzelnen lehrt, sich nur als Glied der Gesamtheit zu betrachten und dessen Wohle sich unterzuordnen. Der Buddhismus hat in China, so weit seine Klöster dort auch verstreut sind, nie eine große Rolle zu spielen vermocht. Der Islam zählt etwa 30 Mill. Anhänger in entlegeneren Teilen des Reiches. Sehr gering sind auch die Aussichten auf Ausbreitung des Christentums unter diesem ältesten Kulturvolk Asiens; nur die Jesuiten haben einst (um 1600) große Erfolge erzielt, aber nur, weil sie dem Volke ihren Ahnenglauben und die Verehrung des Kungfutsze ließen.
Die gegenseitige Eifersucht der verschiedenen christlichen Konfessionen, Sekten und Richtungen, die heute noch alle Anstrengungen der Missionen illusorisch machen, haben schon damals das Werk der Jesuiten zerstört: gerade als der kaiserliche Hof in Peking im Begriffe stand, zum Christentum überzutreten, wurden die Jesuiten dank den Einflüsterungen der Dominikaner und Franziskaner vom Papst zurückgerufen. Heute zählt man unter den Chinesen etwa 1 Mill. katholische und 150000 protestantische Christen, die vorwiegend den untern Volksklassen angehören.
Die ganzen =staatlichen Verhältnisse= sind zurzeit in stärkster Umbildung begriffen; den Hauptanteil an dieser Umwälzung haben die Südchinesen. Das Beamtenheer der Mandarinen erfährt seine Ausbildung auf rein formalistischem Wege durch das Studium der Klassiker. Die darin erlangten Kenntnisse werden durch Prüfungen nachgewiesen, an denen jedermann teilnehmen kann. Es herrscht Ämterkauf. Die Amtssitze der höhern Beamten (die durch kleine Knöpfe auf den Mützen und Stickerei des Brustlatzes gekennzeichnet sind) tragen die Bezeichnung fu (z. B. Singanfu, Tschifu).
=Geschichte.= Ursprünglich war China von unzivilisierten Stämmen bewohnt; um 2600 v. Chr. drangen die Stammväter der heutigen Chinesen aus Zentralasien in das nordwestchinesische Lößgebiet ein. Singanfu in der heutigen Provinz Schensi wurde ihre Hauptstadt. Sie brachten aus ihren trocknen Ursitzen die Teekultur und die Berieselungskunst mit. Im Laufe langer Zeiten dehnten sie ihre Herrschaft über das ganze heutige China und noch weiter aus, wurden aber später vielfach von fremden Dynastien unterworfen, die teils von W., teils von N. kamen. Im ersten nachchristlichen Jahrtausend waren es vor allem tungusische Stämme, die aus der nördl. Mandschurei ins Liautal (um Mukden) gelangt waren und nun durch die schmale Pforte von Liauhsi (vgl. S. 329) nach Nordchina vordrangen. Am bekanntesten unter ihnen sind die Kitan geworden, die die in China von 905-1125 n. Chr. herrschende Liau-Dynastie begründeten; auf sie geht die Bezeichnung Chinas als Kitai zurück.
Zu Anfang des 13. Jahrh. wurde China ein Teil des gewaltigen Reiches der Mongolen, und Kublai Chan, der Enkel Dschingis Chans, machte Peking zu seiner Hauptstadt und begann den Bau des gewaltigen Kaiserkanals (S. 265); Marco Polo stand längere Zeit in seinen Diensten. Schon 1356 machte sich aber ein chinesischer Priester, Tschuyüentschang, zum Herrn von Nanking und begründete 1368 als Kaiser die einheimische Ming-Dynastie, die bis 1644 herrschte, dann aber dem tatkräftigen jungen Chan der gleichfalls von N., aus dem Liautal, gekommenen tungusischen Mandschu weichen mußte, der als Kaiser Schuntschi die Tsing-Dynastie begründete. 1662 wurden die Holländer aus Formosa vertrieben, das sie 1625 besetzt hatten. Im 17. und 18. Jahrh. wurden vereinzelte Niederlassungen der Russen, Franzosen und Engländer geduldet. Wichtig für die Eröffnung des Handelsverkehrs mit Europa war der Opiumkrieg 1840-42, in dem die Engländer Hongkong erwarben und die Öffnung der Häfen Kanton, Amoy, Futschou, Ningpo und Schanghai erzwangen. Ernstlich bedroht wurde die Tsing-Dynastie durch den Taiping-Aufstand, dessen Führer Hung-Siutsuen Anhang unter christenfreundlichen Chinesen fand, sechs Provinzen und 1853 die alte Hauptstadt Nanking einnahm. Bald darauf geriet die kaiserliche Regierung in Krieg mit England und Frankreich; 1860 wurde Peking besetzt, der Sommerpalast geplündert und zerstört und China zu Handelsverträgen mit allen Seemächten gezwungen. Dann unterstützten aber die Engländer und Franzosen die chinesische Regierung gegen die Taiping, deren letzte Stütze, die Stadt Nanking, 1864 genommen wurde. Im Krieg um Korea zwischen Japan und China 1894/95 verlor letzteres Formosa und die Pescadores-Inseln. 1897 nahm Deutschland als Sühne für die Ermordung zweier Missionare die Kiautschoubucht, 1898 Rußland Port Arthur und Talienwan, Frankreich Kwangtschou und England Weihaiwei und Nord-Kowloon bei Hongkong; hierdurch entstand eine fremdenfeindliche Stimmung, die zu der Boxerbewegung führte.
Nach Zerstörung der Takuforts am 17. Juni 1900, Ermordung des deutschen Gesandten (20. Juni), Befreiung des Landungskorps unter Admiral Seymour und Entsatz Tientsins wurde Peking am 14. Aug. genommen. Seit dem Ausbruch der Revolution im Herbst 1911, welche die Stürzung der monarchischen Dynastie und republikanische Verfassung anstrebt, ist das chinesische Reich in innere Wirren verwickelt; europäische Streitkräfte schützen Leben und Eigentum der fremden Staatsangehörigen.
=Reiseliteratur für China=: v. Richthofen, Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou (Berlin 1898); E. Tiessen, China (Berlin 1902); W. Grube, Religion und Kultus der Chinesen (Leipzig 1910); M. v. Brandt, 33 Jahre in Ostasien (Leipzig 1901); G. Wegener, Zur Kriegszeit durch China 1900/01 (Berlin 1902); Madrolle, Chine du Sud; Ders., Chine du Nord (Paris 1904).
Reisen in China.
Reisepaß für die chinesischen Behörden besorgt der deutsche Konsul im Ankunftshafen; man tut gut, sich mit Visitenkarten in chinesischer Schrift zu versehen (die Namen, Rang, Heimatsort und Reisezweck angeben). Das Gepäck ist zu beschränken, weil die Verkehrsverhältnisse schlecht sind. Am bequemsten reist man in Südchina auf Flußdampfern und Flußbooten (gemieteten »Hausbooten« [Sampans] oder Dschunken); letztere sind auch bei Kanalfahrten zu gebrauchen, aber die Reise geht langsam vonstatten, flußaufwärts mit Ziehleuten. Landreisen am besten zu Pferde, viel unbequemer sind die Maultiersänfte und der zweiräderige Reisekarren (ohne Federn!); letzterer ist für größeres Gepäck unentbehrlich, doch gibt es Fahrstraßen nur vereinzelt und nur in Nordchina; Südchina kennt außer den Wasserstraßen nur Saumpfade und als Transportmittel nur Menschen und Tragtiere. Wenn man die Karre mit eignen Feldbettstücken polstert, ist sie allenfalls erträglich. Reittiere kauft man am besten, Packtiere (Maultiere) mietet man. v. Richthofen empfiehlt die Benutzung von Reit- und Packtieren für alle Landesteile von Nordchina; man kann mit ihnen auf Fußwegen auch Berge übersteigen.
Gute Maultiere leisten die besten Dienste. Moskitonetz ist im Sommer unentbehrlich. Im Winter sorge man für warme Kleidung, Decken und mit Schaffell gefütterten Mantel sowie hohe, derbe Wasserstiefel. Laterne, großer Vorrat an Stearinlichten, europäisches Tischgerät, Glas und Porzellan zwischen Filzplatten verpackt, Kochgerät.
Der Diener muß europäisch kochen können, die chinesische Kost ist ungesund, nur gekochter Reis und Brot sind frisch brauchbar. Hühner, Enten und deren Eier sind billig, Rind- und Hammelfleisch nur in Städten, wo Mohammedaner wohnen und in den Städten mit größern Europäerkolonien; die Chinesen selbst verwenden das Rind nur als Zugtier. Chinesisches Schweinefleisch ist wegen großer Verbreitung der Trichinose ungenießbar. Zum Mundvorrat nehme man reichlich Fleischextrakt, gepreßte Gemüse, Kakao, Tee (schwarzen, die Chinesen trinken grünen), kondensierte Milch.
Über den Verkehr mit der Bevölkerung hole man sich vorher bei Landeskennern Rat; niemals vergesse man, daß man sich unter einem Kulturvolk befindet. In größern Orten mache man dem Gemeindevorsteher Besuch; wenn er Geschenke schickt, gebe man dem Hauptdiener etwa so viel, wie die Lebensmittel wert sind.
=Geld.= In Hongkong werden Silbermünzen zu 1 $ (Dollar), 50, 20, 10 und 5 cents geprägt; 1 Hongkong-Dollar = 100 cents = 1,78-1,95 M., je nach dem Kurs. Post und Telegraph nehmen nur Hongkong-Dollar sowie Noten der Lokalbanken, kein englisches Geld etc. Im Geschäftsverkehr ist der Tschop-Dollar (mit meist rotem chinesischen Geschäftsstempel versehener Kanton-Dollar), auch »old und new Mexican Dollar«, dem Hongkong-Dollar ungefähr gleichwertig. Höheren Wert, etwa 2-2,40 M., hat der echte Mexikanische Dollar, der überall an der chinesischen Küste vollwertig ist (man hüte sich vor falschen Dollars, die am Klang kenntlich sind!); der Hongkong-Dollar ist nur in Hongkong, Kanton, Swatau, Amoy und Singapore vollwertig, an andern chinesischen Plätzen wird er gar nicht oder nur mit Verlust genommen. Kupferstücke von 20 Käsch gelten nur im südlichen China. Auch mit dem Papiergeld ist Vorsicht geboten; manche Noten sind nur in Hongkong und dem südlichen China vollwertig, während man (selbst bei Scheinen der Hongkong-Shanghai Bank, die in Hongkong ausgestellt sind) in Schanghai 10 Proz. und mehr Verlust erleidet. Deshalb erkundige man sich vor größern Geldabhebungen bei zuverlässigen Bankgeschäften, ob das aufgenommene Geld auch im nächsten Hafen noch vollwertig ist.
Im chinesischen Reiche laufen als =Münzen= die Tungtsien, Sapeken oder Käsch um, das sind auf einer Seite bezeichnete Rundstücke aus Kupfer mit Zinn, Blei und Zink, von ungleicher Größe und Dicke mit vierkantigem Loch. Je 100 werden zu einem Mahs oder Tsiën aufgereiht und 10 Schnüre zu einem Liang oder Tael gebündelt. Diesem wurde ein Kegel fast reinen Silbers (engl. sycee) von in Schanghai 34,246 g Gewicht gleichgesetzt; aber man erhält für solches Tael 750-2000 Käsch, je nach dem Platzkurs. In Haikuan-Tael von 38,246 g oder bei vertragsmäßig 1-1/3 Unze Avoirdupois = 37,799 g werden die Zölle bezahlt. 1 Haikuan-Tael = 1-1/2 mexikan. Dollar = etwa 2,95 M. = 0,70 amerikan. Dollar. Als wirkliche Münzen, jedoch vielfach verunstaltet, benutzt man mexikanische und andre Dollars, die seit 1873 auch in Kanton geprägt werden und hier 24,494 g fein wiegen sollen; dieser Dollar von Kanton, = 4,409 M. Silber, erhielt 1890 Gültigkeit im ganzen Reiche, wird aber, wie die übrigen Edelmetallmünzen, außerhalb der Vertragshäfen in der Regel gewogen. Größere Barzahlungen erfolgen in gestempelten Silberbarren von meist 50 Tael. Außerdem zahlt man in Goldblättern, deren Feinheit der Goldschmied in chinesischer oder englischer Schrift beglaubigt. Alle diese Wertzeichen haben gegeneinander veränderlichen Kurs.
Den Geldverkehr mit Europa und Amerika vermitteln in den Vertragshäfen ansässige =Banken=. Von den chinesischen Bankgeschäften sind die wichtigsten u. sichersten die »Schansi-Banken« (Hsihao). Der Zinsfuß beträgt durchschnittlich 10-15 Proz. Die chinesischen Banken geben eigne Noten aus. Allein in Tientsin emittieren gegen 300 Banken solche. Sie haben ungefähr die Größe europäischer Banknoten, sind auf starkes, grobes Papier gedruckt und mit einer Menge Stempel versehen, um Fälschungen zu verhüten. Die Noten lauten auf 100-10000 Käsch.
=Sprache.= Mit chinesischen Dienern, Geschäftsleuten, Boys spricht man meist das Pidgin English (Geschäftssprache), ein Gemisch aus Englisch, Portugiesisch und Chinesisch, bei den europäischen Wörtern stets l statt r, also plople statt propre = rein. Beispiele: Gut so, macht nichts, genug = maskee; Art und Weise = fashion; Ort, Gegend, Haus = side; holen, kaufen, bekommen = catch; bring' mir = catch this side; holen = makee come; oben = topside; trage hinauf = catch topside; schnell = tschop; sofort = tschop-tschop; sehr gut (Nr. 1) = numbel one; haben Sie bekommen = have gott?; ich oder er kann oder darf nicht = no can do!; der Herr weiß schon = master savee; Kellner, hol' einen kräftigen Träger, der mir meine beiden Koffer sofort hier heraufbringt, hast du verstanden? = boy! makee come numbel one side kuli tschop-tschop two piecee topside must have this side! savee?; Wünscht der Herr Frühstück? = Master wantchee tschau-tschau? Ich will sofort eine Selterwasser haben = My wantchee soda, tschop-tschop!; Whisky und Soda, ich verstehe = Whisky soda! My savee!; Bring' Champagner her = champaign-lai!; das Wasser gehört nicht dem Herrn, es gehört ihm, und er will Geld dafür = Water no belong master, water belong he, he wantchee money!; Du bist ein sehr schlechter Diener = You belong very bad boy; Verstand = savee-box; es ist sehr schlecht (kaput, zerrissen, verdorben etc.) = belong bad; ich weiß nicht = my no savee; Ich bin ein Deutscher = My belong German.
Die Sprache der Chinesen ist unter allen Kultursprachen die einfachste. Sie besteht nur aus einsilbigen Wörtern. Ihr fehlen alle Beugungen, jede Unterscheidung von Haupt- und Zeitwort, jede Wortbildung überhaupt, außer Zusammensetzung der Silben. Die Bedeutung der Wörter im Satz wird durch ihre Stellung hervorgebracht. Die Umgangssprache zerfällt in zahlreiche Dialekte, die in Aussprache und Artikulation so voneinander abweichen, daß sich die Angehörigen verschiedener Provinzen oft kaum verstehen. Allgemein verbreitet ist dagegen das sogen. Kwānhoá (Hochchinesisch) als Sprache der Gebildeten und als Verkehrssprache. Die chinesische Schrift ist aus einer Bilderschrift hervorgegangen.--Über Namenschreibung vgl. S. 281.
Für Erlernung der wichtigsten hochchinesischen Worte und Redewendungen zu empfehlen: »Konversationsbuch für die Reise und den Selbstunterricht« von Hsüeh Chi Tschong.
11. Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila.
Vgl. die Karte S. 155 und die beifolgende Karte.
=Reichspostdampfer des Nordd. Lloyd= (S. 166) von Singapore alle 14 Tage Fr. oder Sa. in 5 Tagen nach (1437 Seem.) Hongkong, für I. Kl. 8 £ 16 sh., II. Kl. 6 £ 12 sh. Rückfahrkarte 1-1/2facher Preis. -- =Österreich. Lloyd= monatl. einmal von Singapore nach (1448 Seem.) Hongkong in 6 Tagen. -- =Messageries Maritimes= alle 14 Tage von Singapore über (648 Seem.) Saïgon (S. 179) in 7 Tagen nach (1582 Seem.) Hongkong. -- =Peninsular and Oriental Co.= von Singapore alle 14 Tage in 6 Tagen nach (1440 Seem.) Hongkong.
Von Singapore führt der kürzeste Seeweg mit NNO.-Kurs etwas westl. an den holländischen Anambas-Inseln vorbei, dann in Sicht der französischen Inseln Great Catwick und Cécir de Mer, weiter während des SW.-Monsuns mit nördlichem Kurs unter der Küste von Annam entlang, wobei Kap Padaran mit Leuchtfeuer eine gute Ansteuerungsmarke bildet, und westl. von den Paracel-Inseln vorbei, dann vom 17.° nördl. Br. ab mit NO.-Kurs nach Hongkong. Dieser Weg ist der beste für die Monate April bis September; trotzdem laufen viele Dampfer während des ganzen Jahres von Cécir de Mer mit nordöstl. Kurs zwischen den Paracel-Inseln und Riffen und der großen, mit gefährlichen Riffen besetzten Macclesfield-Bank hindurch, obwohl dieser mittlere Seeweg etwas länger ist. Bei starkem NO.-Monsun macht der Dampfer gewöhnlich einen östlichen Umweg, weil dann im östlichen Teile des Südchinesischen Meeres schwächerer Gegenwind als nahe vor der Küste von Annam vorgefunden wird. Bei der Annäherung an Hongkong kommen kleine Inseln, dann die schön geformte hohe Felseninsel Hongkong (S. 222) in Sicht. Von den vorgelagerten Ladronen und Kaipong-Inseln ist die 448 m hohe Große Ladronen-Insel an ihrer Bergkuppe zu erkennen; die Insel Paktsim (Kaipong-Inseln) zeigt die auffälligen Eselsohren, zwei fast senkrechte, 286 m hohe spitze Gipfel. Die vorgelagerte, 30 m hohe Gap-Klippe trägt einen weißen Leuchtturm (mit Blinkfeuer von 18 Seem. Sichtweite), von dem aus ankommende Dampfer telegraphisch nach Hongkong gemeldet werden. Bei der Annäherung an den Tschukiang (Perlfluß) oder Kantonfluß, dem die Insel Hongkong inmitten einer Gruppe kleiner Felseninseln östl. vorgelagert ist, trifft man meist auf große Flottillen kleiner Fischerdschunken. Die Gap-Klippe r. lassend, steuert der Dampfer mit nördlichem Kurs östl. von der Lingting-Insel auf die West-Lamma-Durchfahrt zu und dann r. drehend durch die Sulphur-Durchfahrt zwischen Green Island und der Insel Hongkong auf die Reede von Hongkong, die einen geschützten Hafen bildet.
Das =Südchinesische Meer= (Nanhai) erstreckt sich von der Halbinsel Malakka bis zur Formosa-Straße (vgl. beifolgende Karte). Der südliche Teil wie auch die Golfe von Siam und Tonkin haben weniger als 200 m Tiefe, während im nordöstlichen Teil, zwischen den Philippinen und Hongkong, mehr als 4000 m Wassertiefe gefunden sind. Sehr gefährliche Korallenriffe findet man an vielen Stellen, besonders ausgedehnt westl. von der Insel Palawan bis 110° östl. L. Im nördlichen Teile liegen die Paracel-Inseln, umgeben von Riffen und Bänken; östl. davon die große Macclesfield-Bank u. a. Die Strömungen im Südchinesischen Meere sind von den herrschenden Winden abhängig: während des SW.-Monsuns setzt der Strom zwischen Singapore und Hongkong sowie unter der Küste von Annam nnö., während des NO.-Monsuns ssw. Der SW.-Monsun beginnt im Golf von Tonkin Mitte April und weht im Juni, Juli und August überall zwischen Singapore und Hongkong. Der NO.-Monsun ist am stärksten und gleichmäßigsten im Januar, Februar und März. In der zweiten Hälfte des SW.-Monsuns treten vor dem Golf von Siam, der Küste von Indochina und dem Golf von Tonkin häufig heftige Gewitterböen mit dunklem Gewölk auf. Taifune kommen im Mai bis November, doch meist nur im August, September und Oktober vor; bei westlichem Sturm ist die Gefahr, in die Mitte des Taifuns zu geraten, für Schiffe, die von Singapore nach Hongkong fahren, nicht groß, weil man sich wahrscheinlich an der linken Seite der Sturmbahn befindet und nur beizudrehen braucht, bis das Wetter besser und der Wind sw. geworden ist. Wenn der Barometerstand sich wenig ändert, kann das Sturmgebiet an seiner Südseite umsteuert werden, mit südlichen und östlichen Kursen. Bei südlichem Wind kann man den Kurs beibehalten, muß sich aber hüten, der Sturmmitte zu nahe zu kommen. Am unsichersten ist die Lage des Schiffes, wenn der Sturm aus Richtungen zwischen NO. über N. bis NNW. weht. Nur wenn der Wind dann nach l. dreht, oder wenn er gleich aus NNW. beginnt, kann man mit SW.-Kurs abhaltend sicher sein, der gefährlichen Sturmmitte zu entgehen.
Hongkong.
Vgl. die beifolgenden Pläne.
=Ankunft zur See.= Der Hafen ist stark belebt mit großen Dampfern, deren täglich bis zu 60 ein- und auslaufen (vgl. S. 223). Die Hafenstadt Victoria baut sich am Fuße des Pik der Insel Hongkong stufenweise auf, ihre weißen, palastartigen Häuser liegen zwischen schönen Gärten mit grauem Felsenhintergrund. Alle großen Dampferlinien haben Festmachetonnen für Dampfer; die deutschen Reichspostdampfer legen an dem Pier von Kowloon an; Ausschiffung erfolgt mit Dampfbarkassen der Gasthöfe oder mit Sampan (1/2 St. Fahrt, 10 cents jede Person). Da Hongkong Freihafen ist, findet keine Zolluntersuchung statt.
=Gasthöfe=: Hongkong Hotel, 170 Z., Pens. $ 6-12. --Grand Hotel (deutscher Besitzer), Pens. von $ 5 an. -- King Edward Hotel, Ice House Street, sehr mäßig (indischer Manager); 85 Z., F. 1, Lunch 1,25, Dinn. 1,25, Sup. 1, Pens. $ 6-12. -- Astor House Hotel, Queen's Road Central. -- Peak Hotel, nahe dem Endpunkte der Drahtseilbahn auf dem Pik, für Fremde zu empfehlen, die Zeit haben, außerhalb der Stadt zu wohnen; Pens. von $ 5 an. -- Connaught Hotel, Main Street; 90 Z., Pens. $ 5-15, monatl. $ 90-100. -- Grand Carlton Hotel (Familienpension), Ice House Road 8 u. 10, Pens. von $ 4 an. -- Thomas Hotel. -- Kowloon Hotel. -- Privatpension Kingsclerc, Kennedy Road, gelobt (deutsche Besitzerin G. Sachse).
=Cafés= (mit kalter Küche): Weismann, Des Voeux Road. -- Wiener Café, Queen's Road.
=Post=: Queen's Road, beim Uhrturm; Briefe nach Deutschland 10 cents, Postkarten 4 cents. -- =Telegraph=: New Praya, Connaught Road. Die Preise für Telegramme schwanken nach dem Dollarkurs. -- =Kabel= nach Saïgon, Labuan, Manila, Schanghai und Macao. -- =Telephon.=
=Wagen= gibt es nicht.
=Elektr. Straßenbahn= von Westpoint bis Shankiwan am Meeresufer entlang, in 60 Min. für 40 cents, Teilstrecken 5 cents. Umsteigen bei Happy Valley.
=Tragstühle= (chair) mit 2 Trägern, nach Tarif: in der Stadt 1/2 St. 20 cents, 1 St. 30 cents, 3 St. 70 cents; für den Tag $ 1; außerhalb der Stadt mit 4 Trägern: 1 St. 60 cents, 3 St. $ 1, für den Tag $ 2. Im Bergdistrikt die Hälfte höher.
=Rikschas=: 1/4 St. 5 cents, 1/2 St. 10 cents, 1 St. 15 cents, jede Stunde mehr 10 cents. -- =Drahtseilbahn= (Peak tramway) von Garden Road zum Pik in 7 Min., einfache Fahrt 30 cents, Hin- u. Rückfahrt 50 cents; von 7-1/2 Uhr früh bis 8 Uhr abds. alle 10 u. 15 Min.; von 8-11-1/4 Uhr abds. jede 1/2 St. -- =Fahrräder=: Verleihgeschäft in Queen's Road Central, westl. von New Praya. -- =Pferde= zu mieten in Kennedy Stables.
=Flußdampfer.= 1) =Nach Kanton=: Hongkong, Canton and Macao Steamboat Co. 3mal tägl. (außer So.), 8 Uhr Vm. und 9 u. 10,30 Uhr Nm.; Fahrpreis $ 8, jede Mahlzeit $ 1-1/2, F. 9 Uhr, Tiffin 1 Uhr, Dinner 7-1/2 Uhr. Schlafkabine, wenn frei. Französische Dampfer (vorzuziehen!) jeden Abend 5-1/2 Uhr (außer So.), Fahrpreis $ 5, Mahlzeit $ 1-1/2; Schlafkabine. -- 2) =Nach Macao:= H. C. & M. S. Co. tägl. (außer So.) abds., Fahrpreis $ 4; Wing-on Steamship Co. jeden Morgen 8 Uhr, Fahrpreis $ 3; Sonntags Sonderschiffe hin und zurück $ 2, Aufenthalt ca. 4 St.
=Fährdampfer= (Ferry launch) von Hongkong, Ice House Street, nach dem nördl. gegenüberliegenden Kowloon, Godown Wharf, in 9 Min. für 15 cents; von 5-1/2 Uhr früh bis 7-3/4 Uhr abds. alle 10 Min., bis 9-1/4 Uhr jede 1/4 St., bis Mitternacht jede 1/2 St.
=Seedampfer=: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agentur: Melchers & Co., Queen's Building I., Tel.-Adresse »Nordlloyd-Hongkong«) alle 14 Tage nach Schanghai und Japan, ebenso nach Singapore und Europa; Anschlußdampfer über Manila, Angaur, Jap, Friedrich-Wilhelmshafen, Rabaul und Brisbane nach Sydney. -- Österreichischer Lloyd (Agentur: Sander, Wieler & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano Hongkong«) monatlich nach Schanghai, Yokohama, Kobe sowie über Singapore nach Europa. -- Messageries Maritimes (Agentur: de Champeaux, Tel.-Adr.: »Messagerie-Hongkong«) alle 14 Tage über Schanghai, Kobe nach Yokohama, ebenso über Saïgon, Singapore nach Europa. -- Peninsular and Oriental Co. alle 14 Tage nach Europa und über Schanghai nach Japan. -- Pacific Mail Steamship Co., Great Northern S. S. Co., Toyo Kisen Kaisha und Nippon Yusen Kaisha etwa alle 10 Tage über Japan nach San Francisco. -- Nach den Philippinen (Manila) vgl. S. 234.
=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank, Tel.-Adr. »Teutonia«, Queen's Road Central Nr. 7, Korr. sämtlicher deutschen Großbanken; -- Hongkong-Shanghai Bank und Banque de l'Indochine, beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.
=Theater=: Im Winter zuweilen eine europäische Truppe; außerdem chinesische, eins (Koshing in Queen's Road West), wo stets gespielt wird, auch Singspielhallen; mitunter Promenadenkonzerte am Drahtseilbahnhof.
=Reisebureau=: =Thos. Cook & Son=, Des Voeux Road Central 16, gibt gratis: »Information for Travellers landing at Hongkong«; liefert Fahrkarten für Führung und Fahrt nach Kanton, empfehlenswert.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul Dr. E. A. Voretzsch, Wyndham Street 8 u. 10, etwa 5 Min. von Blake Pier, mit Lesezimmer für deutsche Seeleute. -- Österreich-Ungarn, Konsul Ritter v. Wiser, Princes' Buildings. -- =Deutscher Klub= »Germania«, Kennedy Road, nahe Union Church und Drahtseilbahn; Hongkong Club (engl.), am Hafen, Connaught Road, New Praya. -- =Deutscher Gottesdienst= (deutscher Pfarrer) in der Kapelle des Berliner Findelhauses, So. 11 Uhr. -- =Deutsche Schule=, Kennedy Road, hinter Union Church.
=Polizei=: Hauptamt (Central Police Station) Old Bailey Street, südl. vom katholischen Dom.
=Deutsche Ärzte=: Dr. Müller; Dr. Justi, Mansion House; Dr. Hoch. -- =Deutsche Apotheke=: Medical Hall (Inhaber E. Niedhardt & H. Kammel), Ecke Ice House Str. u. Des Voeux Road. -- =Krankenhäuser=: Civil Hospital, Queen's Road West; _Peak Hospital_.
=Buchhandlungen=: Kelly & Walsh Ltd. -- W. Brewer & Co. -- =Presse=: Hongkong Daily Press; China Mail; Hongkong Telegraph; South China Morning Post. -- =Photographien=: Viele Geschäfte, die auch Platten und Films in gutem Tropenverschluß liefern, z. B. Long Hing & Co., Queen's Road Central. [Hand] Das Photographieren der Festungswerke und Marineanlagen ist streng verboten.
=Geschäftsadressen=: Queen's Road ist Hauptgeschäftsstraße. =Optiker=: Charles J. Gaupp & Co. (deutsch), Alexandra Building. -- N. Lazarus, im Hongkong Hotel. -- =Zigarren=, =Ansichtskarten=: Kruse & Co. (deutsch), Mansion House. -- Warenhaus Lane Crawford & Co., Ecke Ice House Street und Chater Road. -- =Kleider-= und =Wäschehändler=: Tak Cheong, Queen's Road Central; Bon Ton, D'Aguilar Street 2. -- Curios und japanische Waren: Kun & Komor, Hongkong Hotel Building (sehr gut); Loong Shing Co., Queen's Road Central 26. -- Seidenspitzen und Grasleinen: Madame Flisch & Co. -- Blackwood-Möbel: Lok-Hing; Kwong Hing. -- Porzellan: Wing Hing. -- Juwelier J. Ullmann & Co., Queen's Road Central 34, gegenüber Hauptpost. -- Silbersachen: Wang Hing; Wing Nam, sämtlich Queen's Road Central. -- Man kauft sehr preiswürdig schöne Seidenstickereien, Goldstickereien auf Seide u. Samt, Grasleinenstickereien, Blackwood-Kunstmöbel und andre Kunstschnitzarbeiten in Elfenbein, Ebenholz, Speckstein, Cloisonné-(Metallemaille-)Kunstsachen, Bronzen, Silberarbeiten verschiedenster Art, goldene Ringe etc., Eisenschmiedearbeiten, Korb- u. Strohflechtereien, mottensichere Kampferkisten, chinesische Bilder auf Reispapier und in Öl etc.
=Zeiteinteilung= auf 5 Tage. I. Tag: Hongkong, Fahrt auf den Peak; Queen's Road; Nachtfahrt nach Kanton. -- 2. Tag: Kanton. -- 3. Tag: Kanton. -- 4. Tag: Früh Rückfahrt nach Hongkong; Nm. Park und Promenade Kennedy Road oder Bowen Road (Wasserleitung). -- 5. Tag: Vm. Happy Valley, Nm. Einkäufe. -- =Auf 8 Tage=: 1.-4. Tag wie vorher. -- 5. Tag: Früh nach Macao. -- 6. Tag: Macao, Nm. Rückfahrt nach Hongkong. -- 7. Tag: Happy Valley, Nm. Einkäufe. -- 8. Tag: Fahrt auf den Peak, zu Fuß Nm. zurück.
=Hongkong=, chines. Heung Kong (»Tal der reichen Wasser«), britische Insel östl. der Einfahrt in den Kantonfluß, ist 15 km lang, 7-8 km breit, 75 qkm groß mit (1905) 377850 Einw., von denen nur 17977 Nichtchinesen (Engländer, Portugiesen, Inder, etwa 300 Deutsche etc.). Dazu kommt auf der gegenüberliegenden Halbinsel Kowloon (Kaulun) ein seit 1898 gepachtetes Gebiet von 974 qkm mit 85011 Einw. Die ganz aus Granit und Basalt bestehende Insel erhebt sich im Victoria Peak 551 m ü. M. Das Klima kann mit einer mittlern Jahrestemperatur von 22° (Februar 14,3°, Juli 27,6°) noch als tropisch bezeichnet werden, wenn auch die jährliche Temperaturschwankung schon stark (absolute Extreme etwa 35° und 2°) ist. Doch hat Hongkong unter den kalten trocknen Landwinden nicht so stark zu leiden wie das benachbarte Festland. Die Regen fallen hauptsächlich im Sommerhalbjahr. Europäern ist das Klima Hongkongs nicht sehr zuträglich; die angenehmste Zeit ist November bis Januar, August und September sind wegen der feuchten Hitze sehr ungesund. Die Pflanzenwelt war auf der Felseninsel ursprünglich dürftig, trägt aber nun in den von den Engländern geschaffenen Gartenanlagen tropischen Charakter. Auch vermag Hongkong seinen Bedarf an Gemüse sowie etwas Reis, Yams, süße Kartoffeln zu erzeugen; Mango-, Birn- und Orangenbaum sind heimisch. Von Tieren finden sich die Wildkatze, Ameisenfresser, zahlreiche Vögel, Landschildkröte, einige Schlangen (auch giftige), das Holzwerk zerstörende Termiten (»weiße Ameisen«). Taifune richten zuweilen großen Schaden an. Die Hauptstadt der Insel, =Victoria=, an der Nordküste, ist in 7 km Länge terrassenförmig am Abhang des Gebirges aufgebaut, hat einen Palast des Gouverneurs, Stadthaus, Theater, Museum, Bibliothek, Kasernen, Marinehospital, Marinedepot, Marinedock, Sternwarte, Kohlenmagazine, ist Sitz eines anglikanischen Bischofs, des Vizeadmirals der englischen Flottenstation für China (etwa 60 Schiffe), des kommandierenden Generals der Truppen (139 Offiziere, 3659 Mann), hat eine Polizeitruppe von 1018 Mann (Engländer, Sikh, Chinesen) und 83 öffentliche und mehrere private Schulen, darunter eine deutsche Vorschule der deutschen Kirchen- und Schulgemeinde. Die Stadt ist sehr reinlich und ordentlich, unregelmäßig gebaut ist nur das westliche Chinesenviertel. -- Die Industrie ist jung; Werft und Dock in Kowloon, zwei große Zuckerraffinerien, Baumwollspinnerei, Stuhl-, Hanfseil-, Zement- und Seifenfabrik; berühmt sind die Hongkongstühle aus geflochtenem Rattan (span. Rohr). Die Bedeutung der Stadt liegt in Handel und Schiffahrt; die Insel beherrscht den Zugang zur Mündung des Hsikiang, des Hauptflusses und Hauptverkehrsweges Südchinas, und hat vor Schanghai die sichere Lage voraus. Als Freihafen begünstigt, steht es mit Europa und den Seehäfen des Stillen und Indischen Ozeans in lebhaftem Verkehr. Die Einfuhr umfaßt Reis, Zucker, Baumwolle, Opium, Salz, Öl, Tee, Seide; da Hongkong Umschlagshafen ist, werden dieselben Waren auch wieder ausgeführt.
=Rundfahrt= (in den untern Straßen mit Rikscha, in den obern mit Tragstuhl). Vom Landungsplatz bei der Ice House Street in die große Geschäftsstraße Queen's Road Central, vorbei am Stadthaus (City Hall), neben dem mehrere Bankgebäude stehen, weiterhin der Uhrturm neben dem Postamt und vorbei an der Zentralmarkthalle bis zur Queen's Road West im Chinesenviertel; von da am Hafen längs Connaught Road oder durch eine der obern Straßen, z. B. Holywood Road, zurück zum Park (Public Gardens), an dessen Nordseite in schönem Garten der Palast des Gouverneurs liegt. In der Nähe ist der Bahnhof der Drahtseilbahn (S. 221), die hinaufführt nach *=Victoria Peak= (551 m); Auffahrt sehr malerisch mit prächtigen Ausblicken; vom obern Bahnhof führt eine Treppe zum Peak Hotel; der Weg r. führt an Kasernen vorbei zum Gipfel mit Signalstation (20 Min.), wo herrliche *Aussicht auf das Meer im S. mit den Inseln und auf den Hafen. Zurück gehe man die steile Peak Road bergab, oder wende sich vom obern Bahnhof nach l. um die kleine Bergkuppe nach O. und kehre auf Bowen Road zur Stadt zurück. Oder man steigt sw. hinab vorbei am Wasserbehälter und dem französischen Kloster Pok Fulum (Erholungsstation) und wendet sich um die SW.-Ecke der Insel, erreicht nach etwa 3 St. anstrengendem Marsche die Chinesenstadt und kehrt auf der Game Road oder Bonham Road zurück. Man beachte, daß alle diese Wege, da sie viele Windungen und Zickzacklinien machen, länger sind, als man sie vom Gipfel des Peak schätzen kann. Den Peak besuche man öfters, lasse sich nicht durch trübes Wetter abhalten, da man oben stets reine, frischere Luft (und gute Verpflegung im Hotel) findet. Auf allen Wegen kann man sich ohne Führer auf den Zickzackwegen leicht verlaufen und zu sehr großen Umwegen gezwungen sehen. Auch hüte man sich, einen photographischen Apparat zu zeigen. -- Schöne Spaziergänge bieten Kennedy Road und Bowen Road. -- =Ausflug= nach Happy Valley mit Rikscha oder elektrischer Straßenbahn bis Stat. »Bowen Road«, bis Robinson Road, dann l. auf der schönen Bowen Road 6 km; oder (event. im Tragstuhl) vom Uhrturm am stattlichen Army Hospital vorbei bis zum Rennplatz (Race course), an dessen Westseite nebeneinander der mohammedanische, katholische, protestantische, parsische und hindustanische Friedhof liegen. An Renntagen im Frühjahr versammelt sich ganz Hongkong auf dem Rennplatze; die Gasthöfe und Klubs haben Tribünen dort. In der Nähe liegt der Spielplatz (Recreation Ground) des Golf Club und östl. davon der hübsche East Point Hill. Rückfahrt am bequemsten durch das östliche Chinesenviertel (Wanshai), vorbei am Royal Naval Hospital, und durch die Queen's Road East, an der r. die englische Marinewerft mit Werkstätten, Vorratslagern und Trockendock liegt. -- Mit Fährdampfer (S. 221) in 9 Min. hinüber nach Kaulun (Kowloon); Rikschas sind zu haben; dort liegen die großen Waren- und Kohlenlager, Werftanlagen mit Docks und Kasernen für englisch-indische Truppen. Der Ort ist ohne Sehenswürdigkeiten, aber wichtig für den Seehandel. Etwa 3 km nördl. liegt der chinesische Fischereihafen Yaumati, wo auch Dschunken gebaut werden.
=Eisenbahn Kaulun-Kanton= (170km; I. Kl. $ 5,40, II. 2,70; Fahrzeit des Schnellzugs 5 St.). Die 1910 fertiggestellte Bahn beginnt im Nordzipfel der östl. an Kowloon grenzenden Hongham Bay. Um Raum für die Bahnhofsanlagen und Kais zu gewinnen, mußte ein Teil der Bucht zugeschüttet werden. Die vorgelagerte Bergkette durchschneidet die Bahn in dem 2198 m langen Beacon Hill-Tunnel und läuft am Tolohafen entlang in NW.-Richtung über Lofa, wo das chinesische Gebiet beginnt, und Schaklung (der einzigen Station des Schnellzugs) nach Kanton (S. 225).
1. Seitentour: Hongkong-Kanton.
=Dampfer=, s. S. 221 (die französischen Schiffe haben bessere Küche, die englischen bessere Kabinen); 90 Seem.; Fahrzeit etwa 7 St. bei Tage, 12 St. nachts. Für die Nachtfahrt Schlafkoje vorausbestellen. Eilige fahren am besten nachts nach Kanton, verbringen hier den Tag und kehren 5 Uhr abds. mit dem gleichen Dampfer nach Hongkong zurück, da Nachtlager in Kanton nicht zu empfehlen. Ankunft Mitternacht, man schlafe auf dem Dampfer bis früh. -- Cook & Son geben Fahrkarten für Kanton einschl. Dampferfahrt und Führung aus; zu empfehlen. -- =Eisenbahn= s. oben.
Die Fahrt ist landschaftlich schön; zunächst mit westl. Kurs zwischen den Inseln Mahwan und Lantao durch, dann nördl. in die 30 km breite Mündung des Kantonflusses, eigentlich eine Meeresbucht, die von W. her durch das Delta des Sikiang schon großenteils ausgefüllt ist. Man sieht anfangs nur einzelne kleine Inseln, bis die kahle Küste mit geschwungenen Berglinien näher tritt, das Wasser gelb wird und die Ufer in der Bocca Tigris zusammentreten; diese Enge wird von Inseln gebildet, auf denen chinesische Küstenwerke, meist verfallen, zu sehen sind. Durch die Enge gelangt man in den Perlfluß, dessen Ufer gut bebaut sind; man sieht in der Ebene Bananen, Obstbäume und Reisfelder. Zum Abgeben von Post und Reisenden stoppt der Dampfer bei =Whampoa= (Huangpu), chinesischer Stadt mit verfallenen Werftanlagen, Marine- und Militärakademie, Torpedo- und Seeminenabteilung; es ist der Ankerplatz für große Seeschiffe mit Ladung für Kanton. Weiter oberhalb wird das Fahrwasser flach (3,5 m Tiefe). Die Zahl der Dschunken und Sampans nimmt zu, das Getümmel und Getöse wirkt sinnverwirrend; die Dampfpfeife muß ununterbrochen heulen, um eine schmale Fahrrinne zu erzwingen. Einzelne Türme von Kanton erscheinen: etwa 100000 Kantonesen leben auf dem Wasser in Booten aller Art, in zehnfachen Reihen dicht nebeneinander. Schmutzige Holzhütten und ärmliche Steinhäuser, Speicher, Pagoden, einzelne Gärten, ein Stück Stadtmauer mit Wachttürmen, das ist der Anblick der Riesenstadt vom Fluß aus; das schönste Wahrzeichen ist der Turm der französischen Kathedrale.
Kanton.
Vgl. die Karte S. 226.
=Ankunft.= Der Dampfer legt im Stadtgebiet nicht weit von der Insel Schamien an; man gelangt mit Tragsessel oder wegen des Gepäcks mit Sampan (5-10 cents) nach dem Gasthof. Für eintägigen Aufenthalt (genügt!) vermittelt der Dampferkapitän Führer mit Tragsessel; der Dampfer gibt Tiffin mit (das man an der fünfstöckigen Pagode verzehrt), in der Stadt erhält man nichts für Europäer Eßbares.
=Gasthof=: Hotel Victoria, auf der Insel Schamien; 20 Z., Pens. $ 8-12, Ged. $ 1-1/2, Hausboot zum Dampfer 50 c.; als Nachtquartier nicht zu empfehlen. Die sogen. Blumenboote (Flower Boats), wo halb chinesische, halb europäische Gastmahle zu haben waren, sind 1909 abgebrannt und nicht erneuert worden.
[Hand] Europäer werden dringend davor gewarnt, sich ohne Begleitung bekannter Chinesen in einem Boot auf dem Fluß aufzuhalten!
=Post=: Deutsches, englisches, französisches, japanisches Postamt auf der Insel Schamien, chinesisches in der Stadt. -- =Telegraph= chinesisch auf Schamien.
=Tragsessel= (chair) mit 3 Trägern $1-1/2-2-1/4 für den Tag. -- =Sampans= (Boote) für Flußfahrten nach Zeit, etwa $ 1 stündlich.
=Dampfer= nach Hongkong: Abfahrt 8 Uhr Vm. (Fahrzeit 7 St.); 5 Uhr Nm. (Fahrzeit 7-12 St.). Fahrpreise: englische Dampfer $ 8, französische 5, chinesische 4, ohne Mahlzeiten; -- nach Macao: jeden Wochentag 8 Uhr Vm. für $ 5; -- nach den Vertragshäfen Samschui und Wutschau am Westfluß dreimal wöchentl., für $ 15, hin und zurück $ 25.
=Eisenbahn=: Kanton-Samschui in 2 St.; Kanton-Hankau im Bau, 90 km im Betrieb; Kanton-Kaulun (S. 224).
=Banken=: Hongkong & Shanghai Banking Corp.; Banque de l'Indochine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Deutsch-Asiatische Bank im Hause der Herren Arnold Karberg & Co.; Carlowitz & Co., Korr. der Deutsch-Asiatischen Bank, sämtlich auf der Fremdenniederlassung Schamien.
=Fremdenführer= sind unentbehrlich, man nehme aber nur solche mit guten Empfehlungen durch Vermittelung von Thos. Cook in Hongkong (s. S. 221), der die alte Führerfamilie Ah-Cum (John und Ah-On) als zuverlässigste empfiehlt, oder des Dampferkapitäns oder des Gasthofs; sie erhalten etwa $ 2 und einen Tragsessel für den Tag, größere Gesellschaften nach Übereinkunft; man überträgt ihnen am besten die Gestellung der Tragsessel nebst je drei Kuli (zu etwa $ 2); Besichtigungsplan verabrede man vorher mit dem Führer womöglich mit Hilfe eines ortsansässigen Europäers. Der Führer ist auch bei Einkäufen nicht gut zu entbehren, aber nicht stets zuverlässig; auch chinesische Speise- und Spielhäuser kann man mit ihm besuchen. [Hand] Wegen des oft fremdenfeindlichen Pöbels gehe man nicht ohne Führer und Tragsessel in die Stadt und meide jede Volksansammlung. Besuch öffentlicher Hinrichtungen ist des gebildeten Europäers unwürdig und ekelhaft.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul. Dr. W. Rößler, Dolmetscher Tigges.
=Klub=: Canton Club, auf Schamien, international für Europäer, Einführung durch Mitglieder.
=Krankenhaus=: Ein französisches und ein amerikanisches Hospital.
=Einkäufe=: Die Gewerbe liegen meist gassenweise zusammen. Man findet: Jade-Schmucksachen (Nephrit), Silber, alte und neue Seidenstickereien, Specksteinschnitzereien, Schwarzholz- und Elfenbeinschnitzereien u. a. Die Preise sind meist billiger als in Hongkong und Schanghai; viele der dortigen Waren werden in Kanton hergestellt, doch ist in Schanghai die Auswahl für europäischen Geschmack leichter. Für Europäergeschmack bestimmte Waren (Seide, Silber, Elfenbein) in der Sai Hing Gei (2 Minuten von der Brücke).
=Kanton=, Canton (chines. Kwang-tschou-fu), die wichtigste Handelsstadt Südchinas, zweitgrößte Stadt des chinesischen Reiches und Hauptstadt der Provinz Kwangtung, liegt unter 23° 8' nördl. Br. am l. Ufer des Perl- oder Kantonflusses, nahe dem Nordrande des Sikiangdeltas, in einem Gebiete, das noch üppige, tropenartige Vegetation besitzt, aber im Winter zuweilen schon Nachtfröste erleidet. Durch sein Straßenleben ist es die interessanteste Stadt Chinas. Die Stadt ist von der üblichen rechteckigen Backsteinmauer (nebst Graben) umgeben, die hier 10 km lang, 12 m hoch und an der Krone 7 m breit ist, und zerfällt in die dem Fluß zugekehrte Neustadt und die durch Mauer mit Graben von ihr getrennte, fünf Sechstel der Gesamtfläche einnehmende alte Tatarenstadt. Hervorzuheben sind hier die Yamen (Residenzen) des Generalgouverneurs und des Tatarengenerals, das Kungfutszekollegium und der kaiserliche Tempel, die Fünfstockpagode, 120 andre Tempel, eine Moschee, mehrere buddhistische Klöster, die Münze, der große Exerzierplatz und die französische katholische Kirche. Neu- und Weststadt sind das Geschäftsviertel. Ein interessantes Wirrwarr von Straßen, Gassen, Sackgassen und Wassergraben, 1,2-4 m breit, mit Granitquadern belegt, darunter meist Wasser- oder Schlammgräben, darüber von April bis Oktober Strohmatten oder »Himmelsfenster« (mosaikartige Schiebefenster aus Muschelschalen), darin Menschenknäuel wie in keiner andern Großstadt (vor den Essenszeiten in den Märkten!), Gewimmel, Gelärm, Geschrei, Geruch. Auf dem flachen, durch zahllose Kanäle durchkreuzten Ufer (außerhalb der Mauer), auf Pfahlbauten, sowie in den bis nahe an die Flußmitte verankerten Booten der »Wasserstadt« wohnt gleichfalls eine zahlreiche Bevölkerung. Die Fremdenniederlassung befindet sich auf der Insel Schamien, die, ehemals eine Schlammbank, 1859-61 erhöht und ummauert wurde und jetzt mit ihren breiten Banyanalleen angenehmen Eindruck macht; die Engländer erhielten 4/5, die Franzosen 1/5. Unter den erstern haben sich auch Deutsche, Amerikaner, Niederländer niedergelassen. Die Einwohnerzahl wird auf 900000 angegeben, darunter 2000 Mönche und Nonnen (9/10 buddhistische); mehr als 100000 Menschen wohnen auf etwa 84000 Fahrzeugen im Strom. -- Als Industriestadt nimmt Kanton in China den ersten Rang ein als Hauptsitz der Seidenspinnerei und -weberei und Seidenstickerei, durch Borten- und Schnurenfabrikation, Färberei, Glasbläserei, Glas- und Steinschleiferei, Lackwaren- und Papierfabrikation, Holz- und Elfenbeinschnitzerei, Möbelschreinerei; in der Umgebung beschäftigt die Seiden-, Metall- und Porzellanindustrie ganze Dörfer, zur Zeit der Zuckerernte arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in den Zuckermühlen. -- Der Handel Kantons liegt zum größten Teil in englischen und deutschen Händen. Werden die meist für Kanton bestimmten, in Kaulun und Lappa verzollten Waren eingerechnet, so beläuft sich der Gesamtwert des Handels von Kanton auf etwa 900 Mill. Mark. Hauptposten der Ausfuhr sind Tee, Rohseide und Seidenwaren (für 31,4 Mill. Taels), Matten, Zucker, Kassia, Porzellan, Feuerwerkskörper; der Einfuhr Opium (für 5,3 Mill. Taels), Baumwollenzeuge, Baumwollengarne, Wollwaren, Metalle, Petroleum, Kohlen, Erdnüsse. Der Handel wird stark durch Hongkong beeinflußt, wo der Schwerpunkt des auswärtigen Geschäfts liegt. -- Stadt und Hafen sind durch Forts und Batterien geschützt; auf den im N. der Stadt gelegenen Bergen liegen fünf kleine Forts, auf der Südseite vier, darunter Dutch Folly, jetzt Station für drahtlose Telegraphie, auf einer kleinen Felseninsel mitten im Fluß, am Westende der Insel Whampoa das Haukwa-, Napier- und Barrierenfort. Die Forts an der Bocca Tigris (S. 225), mit vielen Geschützen bewaffnet, aber ungeschickt gebaut, wurden in den Kämpfen mit England 1841, 1847 und 1857 leicht genommen.
Das =Klima= von Kanton zeigt starke Extreme, das Thermometer steigt im Sommer bis 38° C und sinkt im Winter bis 4,5°, Schnee und Eis sollen als Seltenheit vorgekommen sein (z. B. 1893).
=Rundfahrt= mit Führer (S. 227) und im Tragsessel (kaltes Frühstück sowie an Kleingeld etwa $ 2 für Priester und Händler mitnehmen, dessen Verteilung man dem Führer überlasse; Trinkgelder nur, wo Wächter Türen öffnen: im Wa Lam Tse, in der Fünfstockpagode, in Tsans Ahnenhalle, etwa 5-10 cents). Beim Gasthof über die Brücke in die engen Gassen der Chinesenstadt. Durch die Schuhmacherstraße geradeaus zum Hung Sing-Tempel, dort r. in die Ha Gao Po (Hauptstraße für chinesische Seidenstoffe, am Anfang der Straße, r., Läden mit Sänften für Hochzeiten- und Begräbnisse), dann l. durch die Sai Loi Tso Te (Schwarzholzmöbel mit Marmor- und Perlmuttereinlagen) zum *=Tempel der 500 Götzen= (Wa Lam Tse; »Tse« = buddhistische, »Kün« = taoistische Klöster). Am Eingang die sagenumsponnenen Torwächter, buntbemalte Figuren aus gebrannter Erde hinter schmutzigen Holzgittern. Erste Halle: die drei Buddha. Zweite Halle: siebenstöckige Marmorpagode, Geschenk des Kaisers Kien Lung. Dann l.: Halle der 500 »Lohan« (Schüler Buddhas): 500 lebensgroße Tonfiguren sitzen in langen Reihen an den Wänden. Dem Eingange gegenüber Kaiser Kien Lung in goldschimmerndem Gewande. Rechts von ihm zeigt der Tempelwächter »Marco Polo«. Wer will, kann sich die Priesterwohnungen ansehen. Zurück zur Ha Gao Po, durch die Ta Tung Gei (chinesische Banken, Apotheken; Seidenfaden) nach der Tsong Yün Fong (Seidenstickereien, Bilder in Schwarzholzrahmen). In Nachbarstraßen alle Arten Laternen. Die nächste Straße, Dai Sann Gei, ist eine Haupthandelsstraße (Elfenbein, Kuriositäten, Fächer; Nephrit = »Jadestone« fast nur hier echt zu haben). In der Parallelstraße Ho Bunn Gei Schwarzholzmöbel, Musikinstrumente und Felle. Durch das »Tor der Tugend« (Kwai Tak Mun) in die =Altstadt=. Am Tor viele Läden mit Käfigvögeln, Schlangen, Affen und anderm Getier. L. durch die Dai See Gei in das Mandschuviertel. Hier der »Tempel der fünf Genien« (Ng Sin Gunn). »Die fünf Genien flogen auf Rammblöcken durch die Luft nach Kanton. Die Balken wurden in Steine verwandelt und hier aufbewahrt«. Eine große Glocke (5000 kg schwer) hängt hier: »ihr Klang bringt Unglück über die Stadt«; 1857, bei der Belagerung durch Franzosen und Engländer, schlug eine Granate ein Stück aus ihr heraus und machte sie tönen. Im Tempelhof eine Fußspur Buddhas. -- Nordwestl., ganz nahe, die älteste Moschee (Wai Sing Tse) in China, um 626 gegründet; über ihr der »Nackte Turm« (Kwong Tap) als Minaret; die Moschee soll von einem Onkel Mohammeds gebaut sein, dessen Grab sich in einer andern der drei Moscheen Kantons befindet. In der Nähe der »Kwong Tap« wohnen meist Mohammedaner, deren Gesamtzahl auf 3000 angegeben wird . -- Nördl. anschließend das Reservat der Bannertruppen, auch Mandschu. Ihre Häuser sind meist klein, unordentlich, weiß gestrichen mit schwarzgemalten »Querbalken« über der Tür. Keine Läden hier, die Männer sind Soldaten, Wächter oder ohne Gewerbe. Die Mandschufrauen fallen durch lange, hellblaue Gewänder auf, während Chinesenfrauen Obergewänder, die nur bis zum Rumpfende reichen, tragen. -- Nach N., durch die Fa Tap Gei nach der *=Blumenpagode= (Fa Tap, richtiger »Geschmückter Turm«, im Gegensatz zum»Nackten Turm«, Kwong Tap), einem achtseitigen, neunstöckigen, rosaübertünchten Turm von 51 m Höhe; 505 n. Chr. erbaut; ins Innere kein Zutritt. -- Weiter nördl. bis zum großen Nordtor (Dai Pak Mun); unterwegs hübscher Blick auf das Wachthaus über dem Tor. -- Von hier besuche man ein »=Totenhaus=« (z. B. das Buddhistenkloster Sao San).
Ein hof- oder gartenartiger Raum, oft im Anschluß an ein Kloster, ist mit Längs- und Quermauern durchzogen, an jeder Wandseite liegen Zimmerfluchten; das Ganze gleicht einer Miniaturstadt aus kleinen viereckigen Grabkapellen. Gegen Eintrittsgeld und jährliche Miete lassen reiche Leute hier ihre Toten niederlegen, bis der Wahrsager Ort und Zeit für die Beerdigung bestimmt hat, was Jahrzehnte dauern kann. Die Ausstattung des Raumes ist verschieden; meist ist in der Mitte ein Altartisch, dahinter hängt ein Vorhang oder Teppich zum Verhüllen des Sarges. Auf oder neben dem Altar sind Opfergefäße, Räucherstäbchen, Speisen, große Figuren aus buntem Papier, an den Wänden Bilder, an der Decke hängen Lampen und, senkrecht oder wagerecht, gestickte oblongische Läufer. Oft ist auch ein Diener anwesend, wohnt oder schläft in einem Nebenraum der »Totenstadt« und sorgt für frisches Essen und Wasser. »Bei Kindersärgen steht Spielzeug, bei Frauensärgen Spiegel, Salbentöpfe, kostbare Kleider. Zuweilen wird der Tote betrogen und erhält Speisen aus Wachs, die haltbarer sind. In manchen Kapellen lesen in weiße Trauerkleider gehüllte Chinesen aus Folianten laut Totengebete, während ein buddhistischer Priester den Takt in Pentametern auf einer kleinen Topftrommel schlägt« (nach Hans Meyer). Die Herstellung der Papierwaren für Toten- und Opferkult (Papierblumen, -sänften, -treppen, -figuren, -tabakspfeifen, -geld, -opferschnitzel) ist eine bedeutende Industrie der Stadt.
Nahe beim Nordtor der Kun Yam-Berg, einer der heiligen Orte Kantons. Kun Yam ist die buddhistische Göttin der Barmherzigkeit (Sanskrit Avalokitêshvara) und eine der häufigsten Bildsäulen hier. 1858-62 war am Berg das Hauptquartier der Engländer und Franzosen. Unten das Taoistenkloster Sam Yün Kung, einer der saubersten und schönsten Tempel der Stadt; eine lange Flucht breiter Granitstufen führt empor zum Kun Yam-Tempel; vom Tempelhof schöner Blick über die Stadt. -- Zwei Minuten weiter die =Fünfstockpagode= (Ng Tsang Lao), keine Pagode, sondern ein mächtiger Burgturm von Hausgröße, rechteckig, fünfstöckig, aus rotem Gestein, die Simse weit vorspringend, erbaut unter dem ersten Ming-Kaiser (zwischen 1366 und 1399). Vom Obergeschoß weiter *Ausblick: Im S. die Stadt, der Perlfluß als schimmerndes Band, an seinen Ufern zwei Neunstockpagoden, in der Ferne die Sai Siu-Hügel. Im O. und W. die dörferbesäte Ebene, im N. und NO. dicht hinter der Stadtmauer die »Weißen Wolkenberge« (ein andrer heiliger Ort; hier findet der Totenkult sein letztes Ziel: vom Fuße bis zum Gipfel liegen die Hufeisengräber neben- und übereinander). Im Oberstock zwei Bildsäulen: Kun Yü und Wan Tsèng (heilig gesprochener Kultusminister aus dem 7. Jahrh.), denen die Prüflinge opfern, um gut zu bestehen. Höhe und Lage auf der schon an sich 10 m hohen Stadtmauer machen die Fünfstockpagode zu einer Landmarke. Die Chinesen sagen: Kanton gleicht einer mächtigen Dschunke, die Fünfstockpagode ist der Hintermast mit gespreiteten Segeln, die Blumenpagode der Vordermast (Zeichen des steigenden Handels und steigenden Wohlstandes der Stadt).
Auf der Stadtmauer (zu Fuß) oder durch die Stadt (in Sänfte) nach dem kleinen Nordtor (Siu Pak Mun). Geradeaus, immer nach S., bis zur Hauptstraße der Altstadt, der etwa 1 St. langen Wei Ngoi Gei (»Straße der Wohltätigkeit und Liebe«), dann r. zum »=Tempel des Schreckens=« (Sing Wong Miu, »Sing Wong« ist der Schutzgott der ummauerten Städte, deshalb findet sich sein Tempel ebenso in jeder Stadt wie der des Kungfutsze).
Der Sing Wong Miu ist ein typisch-kantonesischer Tempel: klein, neuerdings renoviert. Er wird von Frauen, Landleuten, Soldaten besucht, gleichzeitig von »Bauernfängern«; Bettler, Spieler, Wahrsager, Hausierer drängen sich hier, zumal an Festtagen. An den Wänden des Hofes werden die Strafen der buddhistischen Hölle in Bildern vorgeführt (r. und l. je fünf).
»Da wird ein Kerl lebendig in Öl gesotten, während grausige Ungeheuer die Glut des Ofens anfachen; dort wird ein armer Sünder aufgeschraubt wie ein Korkzieher, an andrer Stelle wird ein Bösewicht Zoll für Zoll zerstückelt, am dritten Ort ein andrer unter einer Riesenglocke zu Tode geläutet, und so geht es fort durch alle erdenklichen Stufen der raffiniertesten Grausamkeit« (Hans Meyer). Das Ganze erinnert an ein Panoptikum.
Dem Sing Wong-Tempel gegenüber durch die Fu Hog Tung Gei nach dem *=Kungfutsze-Tempel= (Kuong Tsao Fu Hog Kung). Kanton hat drei Kungfutsze-Tempel, dieser ist der erste. An bestimmten Tagen im Frühling und Herbst versammeln sich hier alle Zivil- und Militärbeamten, an ihrer Spitze der Generalgouverneur. Die Verehrung des großen Weisen besteht im Räuchern, Verbrennen von Kerzen, Opfern von Reis, Wein, Fleisch, Musik, Niederknien u. a. -- Nicht weit davon, in der Söng Mun Dai Gei (Hauptstraße der chinesischen Buchhändler) die *Wasseruhr. Sie besteht aus vier Kupferkübeln, die auf Stufen stehen. Das Wasser tropft von einem zum andern; im untersten schwimmt ein Anzeiger, der angibt, wie lange das Wasser fließt. Nach 12 St. wird es ins oberste Gefäß zurückgegossen. Erbaut wurde die Wasseruhr um 1320. -- Nördl. zurück zur Wei Ngoi Gei und diese entlang bis zum Westtor (Sai Mun). Auf dem Weg mehrere Yamen (Amtsgebäude). Das Schatzmeistersyamen (der Einmündungsstelle in die Wei Ngoi Gei gegenüber), dann ein wenig weiter, r., das Präfektsyamen, zuletzt das des Tatargenerals (die Straße führt durch die großen Tore des Vorhofs, l. eine Wand mit dem kaiserlichen Drachen). -- Nach Schamien zurück durch die Sap Tsat Po und Sap Bat Po (wichtige Handelsstraßen, hier auch viele europäische Waren).
=Kürzere Rundfahrt=: Wem diese Fahrt zu lang ist, gehe von der Ha Gao Po zum Westtor und hier auf die Stadtmauer: schöne Blicke auf den Tempel der fünf Genien, den »Nackten Turm«, die Blumenpagode, den Kun Yam San, die Fünfstockpagode. (Vom Nackten Turm auf der Stadtmauer zum Großen Nordtor; uralte Geschütze auf der Stadtmauer, Schweine und Hühner liegen darunter, menschliche Faulenzer schlafen darauf, daneben kochen die Wächter ihr Essen; auch l. durch die Mauerluken manch hübsches Bild; bis zum Großen Nordtor 25 Minuten zu Fuß, vom Tor aus gehe man wie bei der ersten Fahrt beschrieben.)
Zwei hervorragend schöne Gebäude erfordern weitere Ausflüge: 1) =die Ahnenhalle der Familie Tsan=. Man fahre mit der Nordbahn (7 Min.) nach der ersten Station Hgai Chim. L. vom Bahnhof die Hochschule der beiden Kuong-Provinzen (mauer- und grabenumzogenes Viereck, mit vielen Gebäuden und Baumgruppen, einer kleinen Stadt ähnlich). Mit Sänfte nach der Ahnenhalle (15 Min.), einem der schönsten Gebäude in Südchina, drei Reihen Hallen hintereinander. Überreiche Stuckarbeiten an Dach und Mauerwerk, die weiten stillen Höfe erinnern an die Alhambra; in der letzten Halle viele kleine Ahnentafeln. -- 2) =Der Kungfutsze-Tempel des Pünjü-Distrikts= (Pun Yü Hog Kung), großer Bau, prächtig gelbrotes Ziegeldach, ornamentale Drachen über dem Eingang zur Haupthalle (nur an Kungfutszes Geburtstag geöffnet, sonst Eingang durch Seitentüren), im Innern seltsame Riesenfigur des großen Philosophen. -- Daneben die Amtsgebäude des Pun Yü-Magistrat; Besuch der Gefängnisse (Erlaubnis des Beamten!) nicht uninteressant. Die Schauerszenen, früher häufig, sind jetzt unterdrückt. Am Flußufer der Richtplatz, in »Friedenszeiten« werden hier Töpfe getrocknet. Soviel Hinrichtungen am Tage stattfinden, soviel Holzkreuze werden vorher dort etwas erhöht aufgebaut; das Schauspiel (meist Kopfabschlagen) ist widerlich. -- Unter den vielen Tempeln der Stadt sind noch zu erwähnen: der Medizintempel, vor dessen Eingang eine vergoldete Holzschnitzerei hängt; im Innern schöne Reliefs und im Nebensaal 60 Götzenbilder, von denen jedes ein Jahr des Menschenlebens und der 60jährigen Kalenderperiode darstellt; vor jedem steht eine Vase zum Opfern von Räucherkerzen. Eine kreisrunde Tür führt in einen andern Saal mit zwei Altären. -- Einer der ältesten Tempel, 362 erbaut, liegt im NW. der alten Stadt, nahe der Blumenpagode, im Kloster der glänzenden Elternliebe (Kwang hiao tse); er hat zwei kleine siebenstöckige, eiserne Türme mit Inschriften aus dem 10. Jahrh. -- Bemerkenswert ist noch der Kaiser-Tempel (Wan tscheu kong) ein Staatsgotteshaus, wo die Zivil- und Militärbeamten Kantons an Kaisers Geburtstag, beim Neujahrsfest und bei Verheiratung des Kaisers Festgottesdienst abhalten. Auf dem kahlen Altar steht eine Tafel, auf der der goldene Namenszug des Kaisers auf grünem Lack angebracht ist. -- Für weitere Auskunft ist zu empfehlen: »A Guide to the city and suburbs of Canton, by Dr. Kerr« (Hongkong, Kelly and Walsh).
=Ausflug.= Kanton gegenüber, am Südufer des Perlflusses, die Vorstadt =Honam= auf gleichnamiger Insel; Bootsbauerei, Hauptsitz der Mattenindustrie, etwa 200000 Einw. Mit Sampan fährt man (nicht ohne ortskundigen Europäer!) über den Fluß. Sehenswert sind eine große Tempelanlage (Hoi tswang tse) im Kloster des Meer-Banners, zu der man durch eine lange Reihe von Toren und Holzstatuen gelangt, zwei Hauptpagoden und drei riesige Buddhafiguren; am interessantesten sind die vielen Bonzen, die man in ganzen Rotten trifft (listige Augurenphysiognomien). -- Dann fährt man flußaufwärts zur Insel =Fati=, gegenüber von Schamien, wo sehenswerte Ziergärten liegen; sie enthalten außer vielen Blütengewächsen, Palmen, Dracaenen auch absonderliche Buschpflanzen, die zu allerlei Figuren (Menschen, Drachen, Fische, Fächer u. a.) zurechtgestutzt sind, denen mit Glas und Porzellanansätzen nachgeholfen wird; sehr eigenartig sind auch die Miniaturlandschaften, meist Berge mit Häusern, Grotten, Brücken, Menschen, Bäumen. Bei der Wasserfahrt kann man gelegentlich beobachten, wie Priester auf großen Dschunken Andachten abhalten; auch das Treiben auf dem Wasser, das Familienleben in den Fahrzeugen bietet Sehenswertes. Am angenehmsten sind Fahrten mit »Hausboot« der auf Schamien ansässigen Europäer; sie sind für Ausflüge zu Wasser bestimmt.
2. Seitentour: Hongkong-Macao.
=Dampfer=, s. S. 221. 40 Seem.; Fahrzeit etwa 3-1/2 St., Ausflug auf 1 Tag (besser 2 Tage). Fahrpreis $ 4; So. Sonderschiffe hin und zurück $ 2, 6 St. Aufenthalt (genügt für Rickschafahrt, Besuch der Spielhöllen und aller Sehenswürdigkeiten). (NB. Man kann auch von Kanton direkt nach Macao in etwa 8 St. fahren [Fahrpreis $ 5], doch sind die Dampfer [S. 225] sehr klein, daher bei Seegang unbequem.)
Die Fahrt von Hongkong ostwärts, je nach dem Wetter dicht längs der Nord- oder Südküste der großen Insel Lantao, ist reizvoll; dann durch die ziemlich offene Mündung des Kantonflusses, vorbei an kleinen Inseln nach dem versandenden Hafen von Macao, der an landschaftlicher Schönheit mit Hongkong wetteifert, trotzdem die Felsenhalbinsel Macao nur 100 m hoch ist. Auf dem Fort Nossa Senhora da Guia steht der erste europäische Leuchtturm, der in China brannte; die Hügel tragen alte Festungswerke. Die kleine Stadt sieht von See mit ihren Kirchen, Terrassen, Arkaden und Balustraden malerisch aus. Im Hafen liegen meist nur Fischerfahrzeuge.
Macao (vgl. den Karton auf der Karte S. 219).
=Gasthöfe=: Hotel Boa Vista, über der Stadt in schönster Lage, Rua do Tanque do Mainato 1, gut, allein zu empfehlen; Pens. $ 8. -- Macao-Hotel an der Grande Promenade, mäßige Preise. -- =Post u. Tel.= (Kabel) portugiesisch. -- =Rikschas=: 1 St. 10 cents in der Stadt, 15 cents außerhalb. -- =Tragsessel= mit 2 Trägern ein Weg 15 cents; 6 St. 50 cents; für den Tag $ 1. -- =Dampfer=: nach Hongkong tägl. früh, Sa. und So. 2mal tägl., für $ 4-2; nach Kanton Mo. Mi. Fr. früh. -- =Sprache= portugiesisch, doch kommt man mit Englisch überall durch. -- =Geld= portugiesisch; 1 Milreis (1000 reis) etwa 4,53 M., also 100 reis = 45 Pf. Es gelten Banknoten der Hongkong-Schanghai Banking Co. und das in Hongkong umlaufende Kleingeld. Der Goldkurs schwankt täglich. -- =Spielhöllen= (mit Roulette): Fantam; Wong hang; Wong wo; Einsatz von $ 1 an, man gewinnt beim »fan tam« den vierfachen Einsatz, weniger 10 Proz.; Spielzeit den ganzen Tag, das Spiel ist primitiv (man wird enttäuscht sein).
=Macao= wurde 1517 von den Portugiesen besetzt und diente einst als alleiniger Vermittelungsplatz des europäischen Handels mit China. Seitdem aber die Fremden in Kanton selbst Zutritt gefunden, und vollends, seitdem die Engländer die Insel Hongkong und die Halbinsel Kaulun besetzt haben, ist Macao als Handelsplatz völlig bedeutungslos geworden, zumal auch der Hafen durch die Sinkstoffe des Hsikiang ganz verschlammt ist. Der Besuch des Ortes lohnt aber auch heute noch wegen seiner herrlichen, an Monte Carlo erinnernden Lage auf einer kleinen Felsenhalbinsel und wegen der zahlreichen Zeugen der einstigen portugiesischen Kolonialherrlichkeit. Es ist kein größerer Gegensatz denkbar als zwischen dem reichen Leben, das in Honkongs Straßen und Hafen pulsiert, und dem menschenleeren Macao. Die Portugiesen selbst haben hier wie überall in ihren Kolonien ihr Volkstum nicht rein erhalten, sondern sind zu einer Mischrasse herabgesunken. Der Baucharakter der Europäerstadt ist dagegen noch rein portugiesisch. -- Das =Klima= ist im Sommer weniger heiß, angenehmer und gesünder als auf Hongkong.
=Macao= (spr.-kāu) liegt 60 km westl. von Hongkong auf einer felsigen Halbinsel, die eine nur 100 m breite Landzunge mit der flachen chinesischen Insel Heongschan, des Südteils des Hsikiang-Deltas, verbindet. Die Grenzmauer, deren Tor früher chinesische Soldaten bewachten, ist jetzt verfallen. Macao hat 63991 Einw. Der Handel ist sehr im Niedergang (Waffenschmuggel) und ganz in Händen von Chinesen. -- Die Stadt Macao ist malerisch auf einer Hügelreihe erbaut, die bis 100 m vom Strand aufsteigt; die Straßen sind vielfach steil. Auf den Höhen mehrere alte Forts, die mit je einer Kompanie Festungsartillerie und Infanterie besetzt sind. Macao scheidet sich in die regelmäßig gebaute portugiesische (jetzt verödete) Stadt mit fünf Kirchen, darunter die St. Pauls-Kathedrale, zahlreichen Kapellen und (seit 1834 aufgehobenen) Klöstern, aber auch nicht minder zahlreichen Spielhöllen, und das chinesische Viertel mit großem Basar und engen, schmutzigen Gassen. Macao ist Sitz des Gouverneurs, eines Bischofs und eines chinesischen Mandarins und Hauptsitz der französischen Missionen in China. -- Der äußere Hafen ist ungenügend geschützt, zwei innere Häfen sind eng und verschlammen, daher nur für Flußdampfer und Dschunken brauchbar, während große Seeschiffe 9-10 km von Macao ankern müssen. Eingeführt wird aus China: Seide, Matten, Tee, Zucker, Schweine, Tabakblätter, Bambus; aus Hongkong: Reis, Erdnußöl, Petroleum, Kohle, Mehl. Ausgeführt werden nach China Opium, Baumwollengarn und Reis. -- Die Portugiesen erhielten bereits 1557 gegen jährliche Zahlung von 500 Taels an China das Recht zur Niederlassung; diese Summe wurde bis 1848 entrichtet. -- Seit 1845 ist Macao Freihafen, konnte sich aber neben Hongkong nicht behaupten, besonders seit 1873 der Kulihandel verboten wurde.
=Rundfahrt in der Stadt= mit Rikscha vom Gasthof Boa Vista hinunter in die Hauptstraße der Stadt, Praia Grande, wo der Palast des Gouverneurs und andre Regierungsgebäude liegen und am Nordende ein Park, in dem Nm. Musik spielt, während ganz Macao dort promeniert. -- Dann l. den Berg hinauf zur Ruine der São Paolo-Jesuitenkirche mit schönem Portal und etwas weiterhin zum Camões-Garten, wo der verbannte Dichter seine »Lusiaden« vollendet haben soll und eine Büste des Dichters steht, mit mehreren Inschriften, darunter einer sehr stimmungsvollen Widmung eines Franzosen. -- Ein guter Weg, die Avenida Vasco da Gama, führt nördl. zur chinesischen Grenze; auf einer Anhöhe sieht man einen terrassenförmigen Parsenfriedhof. -- Jenseit des kleinen Grenztores 8 km weiter liegt eine reiche chinesische Besitzung mit sehenswertem Park.--In dem fleißigen, aber häßlichen Chinesenviertel von Macao ist eine Opiumfabrik sehenswert. -- Die =Spielhöllen= (Casa do Jogo, Gambling saloon) liegen meist in der Rua da Felicidade. Macao gewährt wegen seiner idyllischen Ruhe und malerischen Umgebung genußreichen Aufenthalt für 2-8 Tage. -- 26 km von Macao liegen die heißen Quellen von Yo muh.
=3. Seitentour: Hongkong-Manila= (vgl. Karte s. 155).
=Dampfer= der China Navigation Co. und der Indo-China Steam Navigation Co. (wöchentl.), der Philippine Steamship Co. (14tägig) laufen von Hongkong nach Manila (640 Seem.) in 2-1/2 Tagen; Fahrpreise veränderlich, je nach Güte der Dampfer $ 30-50, Hin- und Rückfahrt $ 50-80. Der Norddeutsche Lloyd (Austral-Japan Linie) läuft Manila alle 28 Tage an. Es ist notwendig, einen Paß bei sich zu haben, der vom amerikanischen Konsul in Hongkong visiert ($ 1 Gold) wird. Bei der Passagebelegung in Hongkong wird von allen Dampferlinien die auf den Philippinen verlangte Immigration Tax von 8 Pesos = $ 4 Gold hinzugerechnet. Bleibt der Reisende weniger als 3 Monate auf den Philippinen, kann er diese Summe durch die Agentur der Linie, mit der er nach Manila fuhr, reklamieren. Das Beste ist, dies 14 Tage oder 3 Wochen vor der Abreise zu veranlassen, da es solange dauert, bis das Zollamt den Betrag zurückzahlt.
Die Fahrt von Hongkong (S. 220) mit südöstl. Kurs durch das Südchinesische Meer (S. 214) ist sowohl im NO.-wie im SW.-Monsun des Seeganges wegen unbequem und besonders unruhig beim Monsunwechsel. Bei Ansteuerung der Westküste von Luzon erkennt man meist zuerst den 1070 m hohen Monte Agudo auf der Halbinsel, hinter der die kleine Bucht von Subic liegt, und erst später die 1300 m hohe Sierra de Mariveles auf der großen Halbinsel, die die große Bai von Manila nach W. abschließt. Zwischen dem Kap Mariveles und der gefährlichen Klippe La Monja und der 1 km östlichern Felseninsel Corregidor (mit Leuchtturm; diese Insel und die Inseln Caballo, Carabao, Fraile in der Einfahrt sind sehr stark befestigt) hindurch steuert man in die geräumige Bucht ein, deren Küstenumfang etwa 150 km mißt. Der Leuchtturm auf der San Nicholas-Bank bleibt r., dann erscheint r. die flache Waldküste von Cavite, und voraus sieht man auf künstlichem Ufer neue große Gebäude der Manila Hotel Co., des Army und Navy Club und Elk Club, dahinter die düstern Festungsmauern, Kirchtürme und Häuser der Stadt Manila, im Hintergrunde die Höhen von San Mateo.
Die =Philippinen=, die nördlichste Inselgruppe des Indischen Archipels, im W. vom Chinesischen Südmeer, im O. vom Stillen Ozean begrenzt, besteht aus 3146 größern und kleinen Inseln, darunter die größten: Luzon, Mindanao, Samar, Negros, Palawan, Mindoro, Leyte, Cebu, Bóhol, Basilan, Panay, Masbate, mit (einschließlich der Suluinseln) 296310 (Italien 286682) qkm Gesamtfläche. Die Küsten sind meist zerrissen und von Korallenriffen umrahmt. Die Inseln werden von dichtbewaldeten Bergketten durchzogen, die, wo sie nicht von Laven, Aschen und Tuffen der Vulkane überdeckt sind, aus kristallinischen Schiefern bestehen. Die zum Teil noch tätigen Vulkane bilden zwei Reihen, eine östliche, die mit dem erloschenen Butulan (1097 m) auf Mindanao beginnt und sich über die erloschenen Vulkane Malutun (2000 m) und Apo (3200 m) bis zu der erst 1871 entstandenen, 1627 m hohen Insel Camiguin und bis zu dem Bulusan, dem 2530 m hohen, noch tätigen Mayon oder Albay in Südluzon fortsetzt, und eines westliche, die von dem Cotaboto auf Mindanao über den tätigen Canloon (2497 m) auf Negros und über den Halcon (2700 m) auf Mindoro bis zu den Vulkanen bei Manila hin und weiter nördl. sich erstreckt. Einige Vulkane sind erst in jüngster Zeit entstanden, Erdbeben sind ziemlich häufig. Der Reichtum an Metallen ist groß, aber noch wenig ausgenutzt, Gold ist auf fast allen größern Inseln nachgewiesen; einige zwanzig amerikanische Gesellschaften sind an der Arbeit. Mit Gold kommen Silber, Platin (Kizal), Eisen, Kupfer, Blei und Zink (Camarines) vor, außerdem Zinnober, Schwefel, Petroleum, Steinsalz, Kaolin u. a. Das wichtigste Fossil ist eine treffliche Braunkohle, die auf der Insel Batan gefördert und von den Küstendampfern viel benutzt wird.
Das =Klima= ist ein tropisch-insulares Monsunklima mit gleichmäßig hoher mittlerer Wärme und zwei Jahreszeiten, einer Regen- und einer Trockenzeit. Die Periode des NO.- Monsuns (Oktober bis April), der für die Nord- und Ostküsten regnerisch ist, ist die kühlere, die des SW.-Monsuns, der hauptsächlich der Westseite Regen bringt, die wärmere Jahreszeit. Die Verteilung der Regen über das Jahr ist an den einzelnen Orten je nach ihrer Lage zu den Gebirgszügen sehr verschieden; Manila hat seine Regenzeit, in der jeden Nachmittag ein starker Gewitterregen niedergeht, vom Juni bis September. Sprichwörtlich (aber übertrieben): 6 Monate Staub, 6 Monate Schlamm. Manila: Januar 25°, Mai 28,6°; mittlere Jahresextreme 36,3° und 17,1°; Regenmenge 1927 mm (davon Juni bis November 1700 mm). Der Wechsel der Monsune (Mai-Juni und September-Oktober) ist mit heftigen Wirbelstürmen verbunden. Die nördlichen Inseln sind häufiger, die südlichen seltener furchtbaren Zyklonen (Taifunen) ausgesetzt.
Die =Pflanzenwelt= ist die malaiisch-tropische der Sundainseln und besonders reich an Palmen; die Tierwelt gehört zwar ebenso der malaiischen an, doch fehlen ihr fast sämtliche, auf den übrigen Sundainseln allgemein verbreitete Großtiere; die Raubtiere sind nur durch eine Viverre und eine Marderart vertreten.
Die =Bevölkerung= zählt (1909) 8189760, davon 30000 Amerikaner, 100000 Chinesen, 650000 Negritos, d. h. Ureinwohner, die in den entlegenern Gebirgsteilen leben; die Hauptmasse der Eingebornen besteht aus (stark mit fremdem Blut gemischten) Malaien mit zahlreichen Stämmen. Eine große Rolle spielen die Mestizen (Mischlinge aus Malaien und Spaniern). Die christlichen Malaien von Luzon nennt man Tagalen. Sie haben die Niederungen und Gebirge zwischen ihren unter Kokospalmen versteckten Pfahlbaudörfern gut angebaut mit Nahrungspflanzen (vor allem Reis), Zuckerrohr, Tabak und der Bananenart Musa textilis, der Lieferantin der Manilahanffasern. Gewerbebetriebe: Schnitzarbeiten, Manilahanfverarbeitung zu Stoffen und Matten; Trepang- und Perlenfischerei, Entenzucht. Ausfuhr: Manilahanf, Kopra, Zucker, Tabak, Kaffee, Farbholz, Ilang-Ilang, Aloefaser, Gold. Der Straßenbau in den Provinzen schreitet rüstig vorwärts. Auf Luzon sind bis jetzt 600 km, auf Cebu 110 km, auf Panay 125 km Eisenbahnen im Betrieb. Unter dem Zivilgouverneur stehen das Oberhaus, bestehend aus neun von Washington aus ernannten Beamten, das Unterhaus aus 81 gewählten Abgeordneten, ferner die 40 Provinzen mit vom Volke gewählten Gouverneuren; die Städte haben Selbstverwaltung.
=Geschichtliches.= Magalhães entdeckte und besetzte die Inseln 1521 und taufte sie Inseln des heiligen Lazarus; 1543 wurde der Name nach dem Kronprinzen (spätern König Philipp II.) in »Islas Filipinas« umgeändert. 1645 erlitten die Philippinen ein schweres Erdbeben. Im 18. Jahrh. begannen die Spanier eifrige Plantagenwirtschaft und Missionstätigkeit durch geistliche Orden (Augustiner, Dominikaner und Jesuiten); die Ordensgeistlichen machten sich durch Härte verhaßt, so daß seit 1876 Aufstände unter Führung aufgeklärter Filipinos kein Ende nahmen. Nach Beendigung des spanisch-amerikanischen Kriegs 1898 trat Spanien die Philippinen an die Vereinigten Staaten ab, die aber in der kurzen seitdem verflossenen Zeit trotz großer Geldopfer die schweren, dem Wirtschaftsleben der Inseln durch die spanische Mißwirtschaft geschlagenen Wunden und das tiefgewurzelte Mißtrauen der Eingebornen gegen die weißen Beherrscher noch nicht beseitigen konnten. Die Eingebornen sind auch jetzt noch recht unruhig.
Beste =Reisezeit= Januar und Februar.
=Manila= (vgl. den Plan S. 237).
=Ankunft zur See.= Seedampfer ankern innerhalb des Wellenbrechers, Küstendampfer im Pasigfluß. Schiffe bis zu 10 m Tiefgang können Passagiere und Ladung in den beiden Landungshallen absetzen. Strenge Zolluntersuchung; Waffen werden, solange keine Erlaubnis zum Tragen eingeholt ist, zurückbehalten.
=Gasthöfe= (sehr mäßig): Delmonico Hôtel, das beste am Platz, Deutsch gesprochen; -- Hôtel Métropole, Plaza Goiti; -- Hôtel Bay View, San José, Ermita; -- Hôtel de France, Escolta, in allen Pens. 5-10 Pesos. -- Manila Hotel, modern, im Bau.--H. Wechsler, deutsche Gastwirtschaft und Bierhalle, Anloague (an der deutschen Flagge kenntlich); Mitt. $ 1 (2,10 M.).
=Post.= Brief nach Deutschland 10, Postkarte 4 centavos, über Sibirien (besonders zu vermerken) 20 u. 8 centavos.
=Telegraph=: Eastern Extension, überall hin; Pacific Cable Co. nach Manila, Schanghai und San Francisco. Sämtliche Philippinen-Inseln sind durch Kabel miteinander verbunden.
=Mietswagen= kosten für die erste St. 40 cts., jede folgende St. 30 cts. -- =Elektrische Straßenbahn= bis Malabon und Fort Mac Kinley. -- =Eisenbahn= von Manila nach Camp I und San Fernando mit Zweigbahnen, Manila-Batangas, Manila-Cavite, Manila-Antipolo, etwa 600 km.
=Dampfer=: Nach Hongkong s. S. 234; -- Great Northern Steamship Co., monatl. über Hongkong, Schanghai nach Seattle; -- Pacific Mail S. S. Co. (Agentur Castle Bros. Wolf & Sons) und Tojo Kisen Kaisha, monatl. über Hongkong, Schanghai nach San Francisco; -- Norddeutscher Lloyd (Agentur Behn, Meyer & Co., Ltd., Tel.-Adr. Nordlloyd Manila), alle 4 Wochen nach Australien und Neuguinea; -- Küstendampfer der Philippine Steamship Co. (Agentur Warner, Barnes & Co.), nach allen Inseln des Archipels. -- Außerdem Agenturen der Hamburg-Amerika Linie, Messageries Maritimes u. a.
=Geld=: 1 Peso = 1/2 $ Gold (Vereinigte Staaten, II. Teil, S. 2) = 2,10 M. -- =Banken=: Hongkong & Shanghai Banking Corporation und Chartered Bank of India, Australia & China; beide Korrespondenten der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; International Banking Corporation; Banco Español Filipino.
=Sprache.= Mit Englisch kommt man gut aus.
=Vergnügungen=: Militärkonzerte an der Luneta (Reede), Hahnenkämpfe etc.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Dr. Zitelmann, Calle Real 346, Malate etc. --Österreich-Ungarn, Konsul Peter Krafft.
=Deutscher Klub=: General Solano 402, San Miguel, im Villenviertel; von seiner Terrasse *Aussicht.
Die =Polizei= ist gut; die amerikanischen Polizisten geben höflich Auskunft und zeigen den Weg.
=Deutscher Arzt=: Dr. Bartels, Calle Marina 67, Ermita.
=Deutsche Apotheken=: Stahl & Rümcker, Escolta 83; Santos & Jährling, Plaza Goiti.
=Zeitungen.= =Englisch=: Manila Times, Abendzeitung; Cablenews American, Daily Bulletin, Morgenzeitungen. =Spanisch=: El Comercio, El Mercantil.
=Sehenswürdigkeiten=: Kathedrale und die alten Kirchen in Intramuros, Museen, alte Festungswälle in Cavite, Bilibid Prison.
=Geschäftsadressen.= Viele deutsche Kaufleute leben in Manila; man frage im Gasthof nach dem »Directory«.
=Zeiteinteilung.= Für Manila genügen einige Tage; für Ausflüge nach Baguio 4 Tage, nach den Majayjay-Fällen 3 Tage, zur Insel und dem Vulkan Taal 4 Tage, nach Sibul Springs 3 Tage, nach Los Baños 1-1/2 Tag.
=Geschichtliches.= Manila wurde 1572 begründet, 1590 als Festung ausgebaut; 1643 wurde es von den Holländern, später von asiatischen Piraten und aufständischen Eingebornen bedroht, aber nie eingenommen. Am 1. Mai 1898 erzwang der amerikanische Admiral Dewey die Einfahrt in die Bucht von Manila, zerstörte in der Bucht von Cavite das aus kleinen, alten Schiffen bestehende spanische Geschwader und blockierte Manila von der Seeseite, während die verbündeten Filipinos sie von der Landseite einschlossen, so daß die spanische Besatzung 13. Aug. 1898 kapitulieren mußte. Auch während der Kämpfe, die bald zwischen den Amerikanern und den Filipinos ausbrachen, wurde Manila wiederholt von letztern angegriffen.
=Manila=, Hauptstadt und Haupthandelshafen der Philippinen, liegt im Südteile der größten, nördlichsten Insel des Archipels, Luzon, am Ostufer der prächtigen Bai von Manila, unter 14° 35' nördl. Br., hat 234409 Einw. (Tagalen, Mestizen, Spanier und etwa 30000 Ausländer, meist Chinesen), macht den Eindruck einer südeuropäischen Stadt. Die meisten Häuser sind wegen der Erdbeben aus Holz (nur das Erdgeschoß aus Stein), aber darum den Wirkungen der Wirbelstürme preisgegeben; der letzte Zyklon (1882) verwüstete in einer Stunde die halbe Stadt. Manila besteht aus der alten, von moosbewachsenen Ringmauern umgebenen innern Stadt (Intramuros) und den durch eine Stein- und drei eiserne Brücken mit dieser verbundenen Vorstädten (Extramuros). Erstere, am l. Ufer der Pasig, hat gerade Straßen, Palast des Erzbischofs, Rathaus, 10 reichgeschmückte Kirchen, viele Klöster, Hospitäler, Kasernen, Observatorium (von dem berühmten Meteorologen und Taifunspezialisten Jesuitenpater José Algué, Verfasser des Werks »The Cyclones of the Far East«, vorzüglich geleitet). Die innere Stadt, an die sich die Vororte Ermita, Paco und Malate und das Fort Santiago eng anschließen, ist Sitz des Zivilgouverneurs und des obersten Gerichtshofs und hat nur etwa 20000 Einw.
Die Vorstädte Binondo und Santa Cruz am r. Pasigufer sind Sitze des europäischen, amerikanischen und chinesischen Handelsverkehrs, dagegen blüht in dem von Mestizen und Fremden bewohnten Tondo der Kleinhandel. Hauptindustrie ist Zigarrenfabrikation und Verarbeitung von Manilahanf; daneben Verfertigung von Nanking, Flechtarbeiten, Teppichen, Goldschmiedearbeiten und andern Metallwaren; durch europäische und amerikanische Unternehmer sind Zuckerraffinerie, Maschinenfabriken, Brennereien und Zündhölzchenfabrik entstanden. Der Handel liegt meist in den Händen von Engländern, Deutschen und Amerikanern. Die Einfuhr umfaßt Baumwollengewebe, Eisenwaren, Petroleum, Seiden- und Wollwaren, Papier, Kohlen, Kupfer, Reis, Wein, Schirme etc., Ausfuhr Zucker, Hanf, Tabak, Zigarren, Kopra, Kokosnußöl u.a. Der Handel richtet sich größtenteils nach den Vereinigten Staaten und England. Von Unterrichtsanstalten besitzt Manila eine Universität, höhere Schulen, Lehrerseminar für Eingeborne, Sternwarte, bürgerliches und militärisches Hospital. Das Klima ist trotz Feuchtigkeit gesund (Durchschnittstemperatur 27°, Januar 25°, Mai 28,6°), Cholera und Pest aber haben zahlreiche Opfer gefordert. Zyklone und Erdbeben haben die Stadt wiederholt schwer heimgesucht. --=Rundfahrt.= Man besuche die Geschäftsstraße La Escolta; sie ist Hauptsitz des Handels- und Schiffsverkehrs, lebhafter Verkehr bei Geschäftsschluß an der großen Pasigbrücke, Puente de España; von dort wandert man zum Strande. Der Bagumbayan und die Luneta, wo Militärmusik spielt, sind beliebte Spaziergänge. Auf der Plaza steht das Standbild Isabellas II., in der Nähe der alten Festung, bei der Brücke, die Magalhães-Säule und vor dem frühern erzbischöflichen Palast, jetzt Sitz des amerikanischen Truppenbefehlshabers, das Denkmal Karls IV. Sehenswert sind die Zigarrenfabriken und die Barbierläden sowie die Vororte der Eingebornen, die Tabakpflanzungen, Bambushaine und Kokospalmenhaine in der Umgebung.
=Ausflüge=: Lohnend ist ein Ausflug nach dem Kratersee Laguna encantada (bezauberter See) und nach dem Wasserfall in der prächtigen Schlucht bei Santa Cruz (bequem mit Auto, die Stunde 4-6 Pesos), ferner nach dem Kriegshafen Cavite mit Bahn in 1-3/4 St., zurück mit Fährdampfer 1 St.; mit Bahn westl. nach Laguna de Bay zum Kurort Los Baños (gutes Hotel) mit heißen Quellen; in die Berge von San Mateo, Montalbani und Antipolo. [Hand] Vor größern Ausflügen ziehe man Erkundigungen über den Reiseweg ein.
=Ausflug nach Baguio= (4 Tage erforderlich): Mit Frühzug der Dagupan Railway nordwärts Manila durch die Provinzen Rizal, Bulacan, Pampanga, Tarlac und Pangasinan, gut angebautes, ebenes Land mit Reis- und Zuckerrohrfeldern, dann durch Wälder von Nipa-Palmen und sandige Moore mit 5-8 m hohem Cogan-Gras. Hinter Dagupan steigt die Bahn etwa 100 m zum vorläufigen Endpunkt Camp One; hier beginnt das Gebirgsland der Provinz Benguet (man fährt ab Camp One mit staatlichen Gebirgsautomobilen); die Benguet-Landstraße steigt in der Talschlucht des Bued-Flusses durchschnittlich 1: 25 etwa 40 km in prächtigem Alpenpanorama empor; erste Haltestelle (20 km) Twin Peaks (Bungalow mit Erfrischungen). Von da in 2 St. auf großartigem Weg zum Gebirgskamm (eine der schönsten Landschaften der Erde); halbwegs hört die Tropenflora auf, Myrten und Nadelholz beginnen, die Luft wird kühl. Man sieht r. einen Durchhau nach Camp John Hay und erreicht 100 m weiter Hill Side (*Aussicht) und bald darauf *=Baguio= (Hotel Pines, gelobt, in prächtiger Lage), die Sommerresidenz der amerikanischen Beamten mit frischem, gesundem Bergklima, 1456 m ü. M., in schönster Landschaft gelegen, als Kurort sehr beliebt. Die höchste in 4 Jahren beobachtete Temperatur beträgt nur 26,4°, die niedrigste 6,8°, die Niederschlagsmenge aber nicht weniger als 4000 mm, der meiste Regen fällt im Mai-Oktober, Dezember-März sind ganz trocken.--Etwa 5 km weiter liegt Gibraltar und weiter l. Topside, die Residenz des Zivilgouverneurs mit Park und Sportplatz. L. vom Hotel liegt der Bezirk Brook Side.
12. Von Hongkong nach Schanghai. Die Yangtse-Fahrt.
Vgl. die Karte S. 215.
=Dampfer= (Österr. Lloyd, Messageries Maritimes und P. & O. Line) in 3-4 Tagen von Hongkong nach Schanghai, vgl. S. 221.--Die =Reichspostdampfer= (s. S. 245 B.) gehen von Hongkong in 3 Tagen nach (870 Seem.) Schanghai und laufen auf der Rückreise zur Teezeit Futschou an. Fahrpreise Hongkong-Schanghai I. Kl. $ 66, II. Kl. $ 44.--Außerdem Pacific Mail Steamship Co., Canadian Pacific Steamship Co., Toyo Kisen Kaisha und Nippon Yusen Kaisha.--Nach Formosa gehen Dampfer der Osaka Shosen Kaisha über Swatau, Amoy und Futschou nach (930 Seem.) Schanghai in 7 Tagen.-- =Küstendampfer= (s. unten A.), darunter die Deutsche Reederei M. Jebsen, die Douglas Steamship Co., die Indo-China Steam Nav. u. a., berühren Swatau, Amoy, Futschou und Ningpo. Näheres in den Tageszeitungen in Hongkong.
A. Die =Küstenfahrt= zwischen Hongkong und der Yangtse-Mündung wird nur von kleinen Dampfern ausgeführt, da der große Bogen der südchinesischen Küste zwar außerordentlich viele Buchten besitzt und zum Teil in Inselscharen aufgelöst ist, aber wenige tiefe Häfen besitzt. Die Buchten sind entstanden, indem das Land sich senkte und das Meer in die Täler des bisherigen Küstenlandes eindrang; nachträglich sind sie zum Teil durch Sinkstoffe der Flüsse wieder verschlammt worden. So bestehen auf der ganzen langen Strecke nur drei bedeutendere Hafenorte, bei denen wie bei Kanton Flußmündungen die Stelle von Häfen vertreten: Swatau, Amoy und Futschou. Sie alle haben es nicht zu größerer Bedeutung bringen können, weil ihre Hinterländer zwar sehr reich und mit guten Wasserwegen ausgestattet, aber nicht allzusehr ausgedehnt, sondern gegen das Innere durch eine höhere Gebirgsschranke abgeschlossen sind. Kleinere, dem Fremdenhandel zugängliche Häfen sind Santuao, Funing, Wentschou.--Man verläßt Hongkong durch den Lyemun-Paß, läuft zwischen den Küsteninseln und nahe unter Land bis zum Kap Gute Hoffnung (Good Hope Cape), 50 m hoch, mit kleinem weißen Leuchtturm an der Mündung des Han-Flusses; zwischen Inseln und Klippen steuert man durch das Zuckerhut-Fahrwasser (Sugarloaf Channel) über die Barre in den mit Fischerbuhnen besetzten Fluß und gelangt nach 1 St. Fahrt nach
(175 Seem.) =Swatau= (Astor House Hotel, Pens. $ 6-12; Swatow Hotel, an der Landestelle, mäßig), Scha-tou, Hafenstadt der Provinz Kwangtung, dem fremden Handel seit 1858 geöffnet, auf 23°22' nördl. Br., also etwa unterm Wendekreis gelegen, mit etwa 48000 Einw. (unter 250 Ausländern etwa 30 Deutsche), hat bedeutenden Seeverkehr, namentlich als Mittelpunkt der Rohrzuckererzeugung, und europäische Niederlassungen an beiden Ufern des Hanflusses 8 Seem. innerhalb der Mündung; deutsches Konsulat (Dr. v. Borch) und deutsches Postamt am Nordufer, größere Niederlassung auf der Insel Kakchioh am Südufer zwischen schönen tropischen Gärten und felsigen Hügeln; je ein (internationaler) Klub auf jedem Ufer (Einführung durch Mitglied). Einkäufe: Zinkteebüchsen, Zigarrenkasten, Grasleinengewebe, Fächer und Curios. Chinesische Flußdampfer fahren bis zu der volkreichen Industriestadt Tschautschoufu (Chaochowfu; bis hierher auch Eisenbahn, 48 km, täglich 3 Züge) und Kityang, dem Mittelpunkte des Zuckerrohrbaues. Auf dem Fluß im Winter Jagdgelegenheit auf Wildenten und Wildgänse etc.
Nördl. von Swatau gelangt man in die Formosastraße, die im NO.-wie SW.-Monsun meist starken Seegang hat; man fährt in Sicht der Küste an vielen Inseln vorbei und biegt, nachdem man die Nantai Wuschan-Pagode auf 524 m hohem Berggipfel erblickt hat, in eine weite Bucht; im Innern liegt
(310 Seem.) =Amoy= (Hsiamen, in der Provinz Fukiën), dem fremden Handel seit 1842 geöffnet, auf etwa 24° 30' nördl. Br., mit 114000 Einw. (30 Deutsche), Sitz eines Titu (Admirals), eines Taotai und eines Haifangting (Seepräfekt), auf der Insel Amoy, die, 15 km lang und 11 km breit, von 400000 Menschen in 136 Ortschaften bewohnt ist und an der Mündung des Drachenflusses (Kiulungkiang) liegt. Letzterer bildet eine gute Wasserstraße ins Hinterland. Die Bedeutung des Ortes als Handelsplatz ist stark zurückgegangen, seitdem Japan die gegenüberliegende große Insel Formosa besetzt hat und der Verkehr zwischen dieser und dem Festland gering geworden ist. Die Innenstadt, in der die Yamen der chinesischen Beamten liegen, ist mit Mauern umgeben. Vor dem Südtor eine alte Ehrenpforte mit Steinfiguren, die eine im 17. Jahrh. vom Vizekönig in Futschou empfangene holländische Gesandtschaft darstellen, und Inschriften, wonach den Holländern gestattet wurde, in Amoy Handel zu treiben. Reste der Mauern um die alte holländische Niederlassung hinter dem New Amoy Dock. Amoy wurde 1544 von Portugiesen besucht; später war den Spaniern dort der Verkehr gestattet.--Bei Amingkang, Dorf 1 km südl. von Amoy, liegt das Grab des Prinzen Lu Wang, der 1660 auf der Flucht vor den Mandschus in Amoy starb, daneben zwei Steinfiguren und ein steinernes Pferd, die Symbole der Abstammung vom Herrscherhaus.--An den Bergabhängen ein weißer Grabstein neben dem andern, aus der Taiping-Rebellion herrührend. --Gegenüber Amoy die alte Nan tai wu-Pagode.--Vier große Forts verteidigen die Stadt.--Im Hafen sehr lebhafter Handelsverkehr; Einfuhr hauptsächlich Opium und Baumwollwaren, Ausfuhr schwarzer Tee und Zucker. Eisenbahn nach Tschangtschoufu (Changchowfu) im Bau. Gelegenheit zu billigen Einkäufen (man muß stark handeln!) chinesischer Kuriositäten: Katzenaugen, Schnitzereien aus Pfirsichkernen, hölzerne Götzenfiguren, Speckstein. Sehenswert sind auch die Fabriken für Spitzen, künstliche Blumen, Porzellan und Seide, die Markthallen, Malerwerkstätten und der Fischmarkt, Teehandlungen. Amoy ist eine der schmutzigsten Städte Chinas, man nehme Riechsalz mit; auch herrschen Cholera und und Pest dort häufig.--Gegenüber dem Hafen von Amoy liegt =Kulangsu=, eine kleine Insel mit der sehr gesunden und malerischen internationalen Fremdenniederlassung unter eigner Verwaltung, dem Sea view Hotel und dem New Amoy Hotel, dem Amoy Club, der Masonic Hall, dem Deutschen Postamt, ferner den Banken: Hongkong & Shanghai Banking Co. (Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft) und National Bank of China/; Deutsches Konsulat (Konsul Dr. Merz). Spaziergang (2 St.) rund um die malerische Insel auf bequemem Weg, beliebte Promenade der Europäer, die auf Kulangsu international zusammenhalten und sehr gastfrei sind.
=Ausflüge= von Amoy (Überfahrt mit Sampan von Kulangsu; man nehme Führer vom Hotel mit, nach der Landungsstelle bei der Asiatic Petroleum Co.) zum =Weißen Hirsch- und Tigertempel= in schöner Landschaft, in 1 St. auf gutem Weg mit Ausblick auf Stadt und Hafen.--Unterhalb des Tigertempels lag der Wackelstein, ein schwerer, früher beweglicher (jetzt umgeworfener) Felsen.--Beim Rennplatz, vom Seeräuberkönig Koxinga (der Mitte des 17. Jahrh. die Holländer aus Formosa verdrängte) angelegt, liegt der Lamputan-Tempel. Vor dem Tempel stehen von Schildkröten getragene Grabsteine berühmter Chinesen; hinter dem Tempel ein Park mit Grotten. Im Innern des Tempels stehen in der großen Vorhalle vier riesige Holzbildwerke, r. ein Lautenspieler, daneben ein Krieger in goldenem Panzer, gegenüber zwei andre Tempelwächter, von denen einer eine Schlange erdrückt, der andre eine Pagode in der Hand hält. Im Heiligtum steigt man eine Treppe hinauf in eine Halle, wo ein milder Buddha einer goldenen Lotosblume entsteigt, ihm zur Seite betende Gestalten. An den Wänden stehen hinter Glas Götzenbilder. Auf der Bergkuppe oberhalb des Tempels *Aussicht.
Lohnend ist auch ein Ausflug etwa 20 Seem. flußaufwärts zu der 330 m langen, aus gigantischen Steinblöcken erbauten Brücke, deren Bau ein technisches Wunder darstellt. Ferner zu empfehlen eine Fahrt auf der zum Teil schon im Betriebe befindlichen Bahnlinie von Amoy nach der großen Binnenstadt Tschangtschoufu.
=Die Küstenfahrt von Amoy= nordwärts führt an der Westseite der Formosastraße (S. 245) zwischen vielen Inseln und durch die Haitanstraße (innerhalb der großen Insel Haitan) zur Mündung des Minflusses. Die Einsteuerung in den Fluß ist sehr schwierig und geht über zwei Barren zur Pagodenreede (Pagoda Anchorage), wo eine siebenstöckige Pagode auf der Insel Losing steht; am Westende der Insel chinesische Marinewerft mit Trockendock. Die Ufer sind sehr malerisch und von hohen steilen Felskuppen begleitet; hohe Berge bilden das Nordufer. Nachdem der Dampfer geankert, fahren die Reisenden mit einer Dampfbarkasse in 2 St. flußaufwärts nach
(510 Seem.) =Futschou= (Brockett's Hotel; W. Brand's Boarding House, für längern Aufenthalt zu empfehlen, in der Fremdenniederlassung auf der Insel Nantai, wo das Dampfboot anlegt; Foochow Club; Hongkong & Shanghai Bank, Chartered Bank of India [beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank in Berlin]; Deutsches Konsulat [Konsul G. Siemssen]), engl. Foochow (in der Volkssprache Hoktschiu), Hauptstadt der chines. Provinz Fokiën, am l. Ufer des schiffbaren Minflusses, 32 km von dessen Mündung, von malerischen Hügeln umgeben, in fruchtbarer Ebene, eingeschlossen von 9 m hohen, 4-7 m dicken Mauern, auf unebenem Boden unregelmäßig, aber typisch »chinesisch« erbaut, hat 630000 Einw., wovon 10000 Mandschu, die ein ummauertes Viertel bewohnen, und 200 Europäer (18 Deutsche) in der Vorstadt Nantai in schönen Villen mit Gärten auf dem r. Ufer. Die Vorstädte ziehen sich bis an den Fluß, der eng besetzt ist mit schwimmenden Wohnungen; über ihn führt eine 301 m lange Brücke (die »Brücke der 10000 Lebensalter«), die längste in China, die auf 40 Pfeilern mit bis 14 m langen Steinplatten ruht. Futschou ist Sitz des Vizekönigs von Mintsche (Fokiën und Tschekiang), des Gouverneurs von Fokiën und des Oberbefehlshabers der Mandschutruppen; es hat große Bauwerften für Dschunken, Fabriken für Seiden- und Baumwollengewebe und Papier, auch ein deutsches Dampfsägewerk, und ist seit langem nächst Hankau der erste Teemarkt Chinas für die Ausfuhr. Für Einkäufe zu beachten: Seifenstein-Kunstgewerbe, gute und sehr originelle Lacksachen, künstliche Blumen, Schnitzereien aus Teeholzwurzeln, Silbersachen. Ferner werden Papier und Holz aus-, Opium, Baumwolle, Wollwaren, Garne, Metalle, Kerosen eingeführt. Zwei Dampferlinien laufen zweimal wöchentl. nach Hongkong.-- Futschou wurde 1842 dem Fremdenhandel geöffnet; 1884 wurde hier eine Abteilung der chinesischen Flotte durch französische Kriegsschiffe vernichtet. In der Teezeit (Juni bis November) legen die von Ostasien zurückkehrenden Reichspostdampfer in Futschou an.-- =Rundgang= nur in Sänfte ausführbar (vgl. Kanton, S. 225), auch des Schmutzes wegen. Über die Brücke (auf ihr kann man den Fischereibetrieb mit Kormoranen beobachten) gelangt man durch die Südvorstadt, vorbei an den Niederlassungen der amerikanischen, Methodisten- und Dommikanermissionen, durch das Südtor in die Stadt. Dicht innerhalb des Tores liegt r. der Tempel des Kungfutsze (Tempel der Literatur), dahinter in der SO.-Ecke der Stadt das Mandschuviertel. --An der mittlern Hauptstraße, die vom Südtor zum Nordtor führt, liegen der Yamen des Vizekönigs und andre Paläste.-- Nahe dem Westtore liegt der Tempel des Kaisers, im nördl. Stadtviertel ist eine Prüfungshalle für Beamte und in deren Nähe ein Tempel der Schutzgötter der Stadtmauern. Von der nördl. Stadtmauer, nahe der siebenstöckigen roten Pagode, hat man guten Überblick über die Stadt. Interessanter *Rundgang auf der Stadtmauer um die Stadt (6-8 St.).--Der Garten des deutschen Konsulats am Siemssen-Bund mit schönen Orchideen ist Reisenden gern geöffnet. Futschou nebst Umgegend bietet vielerlei Lohnendes für eine Woche Aufenthalt. Das Klima ist gesund; Taifune sind selten.
=Ausflüge=: 1) Nach dem =Kuschan= und nach =Kuliang=, Sommerfrische der Europäer im schönsten Hochwald mit 20° C im Sommer; erfordert 1 Tag. Man fährt mit Sampan oder Hausboot flußabwärts, landet am l. Ufer und steigt auf bequemem Weg (etwa 3000 Stufen) bergan zum buddhistischen Mönchskloster (in halber Berghöhe, in 1 St. zu erreichen), das über 200 Mönche aus allen Gegenden Chinas beherbergt. Im Kloster herrscht überraschende Sauberkeit; man sieht praktisch-moderne große Speisesäle und Küchenanlagen mit Wasserleitung, Kesseln u. Backöfen. Im Haupttempel thront Fo (Buddha) auf großem Altar, umgeben von vielen Untergöttern. Tierstallungen und Fischteich liegen neben dem Kloster. (Man gebe dem führenden Mönch ein Geldgeschenk.)--Vom Kloster Aufstieg auf schmalem Fußweg auf die Höhe des Kuschan, wo die Wohnhäuser der europäischen Sommerfrischler liegen. Auf dem Bergkamm prächtige *Aussichten. Der 885 m hohe Gipfel des Kuschan hat im Februar zuweilen eine Schneekappe.-- 2) Zum =Leitschikloster= (Kloster der Lehre vom alten Stein des Westens), nahe beim Nordende der Insel Nantai, im 9. Jahrh. vom heiligen Tukma gegründet; es liegt nahe dem Minfluß in uraltem Park, umgeben von Bergen. Das Heiligtum hat sehr viele Statuen. --3) Dreitägiger Ausflug den Nebenfluß =Jungfu= aufwärts, der bei der Mitte der Südseite der Insel Nantai in den Min mündet; malerisch bewaldete Ufer mit Wasserfall, Bambuswald und heißen Quellen; man besuche das *Yungfu-(Yuenfu-)Kloster, den Bambu Creek, die Schwefelquellen (Pokau) und steige bergauf bis *Banker's Glen.--4) Lohnende Ausflüge können mit Hausbooten oder Dampfbarkassen gemacht werden, aufwärts bis Schuikou (Shuikow), Stadt 40 Seem. oberhalb Futschou am Zusammenfluß des Minkiang und Hsiangki.
Auf der =Küstenfahrt= werden nördl. von Futschou zuweilen die unbedeutenden Vertragshäfen Santuao (8000 Einw.) in der Samsabucht, 10 km östl. von der größern Stadt Ningteh, und Wentschou (Wenchowfu; 80000 Einw.) angelaufen; Wentschou am Wukiang, einem Fluß, der durch den Sanpwan-Paß zwischen Inseln angesteuert wird; die Stadt zeichnet sich durch Sauberkeit aus, ist aber geschäftlich still.--Dann steuern die Küstendampfer durch den Nimrodsund in den landschaftlich schönen Tschusanarchipel am SO.-Ende der großen Hangtschoubucht hinein, laufen zuweilen den Ankerplatz von Tinghai auf der Hauptinsel an und dampfen von da in die Mündung des Yungflusses, wo sie je nach dem Wasserstand vor der befestigten Hafenstadt Tschinhai (mit 26000 Einw.) ankern oder weiterlaufen bis zum Hafen von
=Ningpo=, Stadt mit 400000 Einw. in der Provinz Tschekiang, auf 29° 53' nördl. Br., ist Sitz eines Taotai (etwa Regierungspräsident). Die Bewohner sind fleißig, klug und friedlich, die Straßen reinlich. Zahlreiche Tempel, buddhistische Mönchs- und Nonnenklöster, Erziehungsanstalten und Versammlungshäuser. Die Chinesenstadt liegt auf der Halbinsel zwischen den Flüssen Yujao und Funghwa, die zusammen den Yung bilden. Über beide Flüsse führen Schiffbrücken. Die Fremdenniederlassung (Gasthof; Campoklub; britisches Konsulat; Dampfer nach Tschinhai, Schanghai zweimal tägl. etc.) liegt nö. von der Chinesenstadt auf der Halbinsel zwischen dem Yungfluß und dem Yujao. Ningpo war 1522-42 portugiesische Niederlassung und wurde 1842 dem Fremdhandel als erster Hafen eröffnet. Klima wie Schanghai, doch gesünder. Einfuhr: Woll- und Baumwollwaren, Opium, getrocknete Früchte; Ausfuhr: Tee, Baumwolle, Seidenwaren, Matten, Hüte, Fächer, getrocknete Fische (Tintenfische). Lebhafter Dampferverkehr.--=Rundgang.= Die 860-873 erbaute Stadtmauer ist 8 m hoch, 5 m breit und hat 8 Tore. Das älteste Bauwerk ist der im 9. Jahrh. erbaute sechseckige, siebenstöckige Himmelsturm (Tienfengta), auf dessen Plattform eine Wendeltreppe mit 150 Stufen führt. Aus dem 12. Jahrh. stammt der Tempel der Himmelskönigin (Tiengheukong), ein Heiligtum der Seefahrer; er zeigt sehr schöne Skulpturen.
Von Ningpo gehen die Küstendampfer nördl. durch die Hangtschou-Bai und folgen dem Dampferweg zur Yangtsemündung nach Wusung und (930 Seem.) Schanghai (S. 246).
* * * * *
B. Die =Reichspostdampfer= fahren von Hongkong nö. durch die =Formosa-= (oder =Fukiën-=)=Straße=, außerhalb (östl.) der Ockseuinseln und der Turnaboutinsel östl. Haitan (beide mit Leuchttürmen). Diese Gewässer sind reich an Seetieren; man kann Menschenhaie, auch Hammerhaie, Walfische und große Fliegende Fische sowie Delphine beobachten, außerdem große dunkelbraune Möwen und andre Vögel. Die See ist meist lebhaft bewegt, so daß sich bei nicht seefesten Reisenden zuweilen nochmals Seekrankheit einstellt; dann empfiehlt es sich, die frische Luft an Deck als bestes Heilmittel zu genießen, denn auf der Höhe von Swatau tritt man beim Überschreiten des Wendekreises des Krebses aus dem Tropengürtel in die gemäßigte Zone. Der NO.-Monsun bringt frischkühles Wetter.
Die Ostseite der Formosastraße bildet die Insel =Formosa=, von den Chinesen und Japanern =Taiwan= genannt, 395 km lang und etwa so groß wie Ostpreußen. Abgesehen von der kultivierten Küstenniederung im W., die von Chinesen bewohnt wird, ist die Insel noch sehr wenig bekannt. In dem gebirgigen, bis über 4000 m aufsteigenden Innern wohnen malaiische Stämme, wohl auch noch ältere Stämme bisher nicht sicher erforschter Herkunft. Seit 1895 gehört die Insel den Japanern, die Eisenbahnen, Landstraßen und Telegraphen angelegt haben. Wichtigster Seehafen ist Kiirun, am Nordende der Insel, mit vorzüglichem, von den Japanern stark befestigtem Hafen, Hauptstadt ist Taihoku mit etwa 100000 Einw.--Ein Besuch der landschaftlich sehr schönen Insel ist wohl lohnend, wird aber wohl kaum für den flüchtigen Weltreisenden in Betracht kommen, zumal die Unterkunftsverhältnisse auf der Insel noch sehr primitiv sind und der Reisende vielfach auf die Gastfreundschaft ortsansässiger Kaufleute u. a. angewiesen ist.
Vor der Westküste von Formosa liegen die basaltischen Pescadoresinseln (japanisch Hōko rettō), die auf der Insel Ponghau (Hōko tō) den vorzüglichen Schutzhafen Makung (Makyū kō oder Bakō kō) haben, der als japanischer Flottenstützpunkt ausgebaut ist; sein Besuch ist Europäern nicht erlaubt.
Nördl. von Turnabout erreicht man das =Ostchinesische Meer=, das ähnliche Windverhältnisse wie das Südchinesische Meer (S. 220) hat; doch weht der NO.-Monsun im November und Dezember als voller Sturm. Die besten Monate sind Februar, März und April mit meist heiterm Himmel. Taifune sind im Mai bis September nicht selten, Hauptzeit ist August, September und Oktober. Im Ostchinesischen Meer ist die Bahnrichtung der Taifune meist nördl. bis nö. (doch kommen auch andre Richtungen vor), deshalb sind die gefährlichen Windstriche andre als im Südchinesischen Meer, und dementsprechend ändern sich die Regeln zur Vermeidung der Sturmmitte.--Von Turnabout steuern die Postdampfer östl. der Insel Hieschan und dann zwischen den Felseninseln Tongting und Piting durch; dann wird der Leuchtturm der Steepinsel angesteuert und zwischen dieser Insel und andern durch auf die 118 m hohe südlichste Bonhaminsel (mit Leuchtturm) zugedampft. Nachdem die Bonhamstraße zwischen den Bonhaminseln und der Insel Pirie durchlaufen ist, steuert man auf die kegelförmige, etwa 80 m hohe Gützlaffinsel (mit Leuchtturm) zu, die wichtigste Ansteuerungsmarke für die Yangtsemündung; sie ist Signalmeldestelle für Schiffe, fünf Telegraphenkabel landen auf der Insel, davon laufen zwei nach Schanghai, eins nach Amoy, zwei nach Nagasaki. In der Nähe der Insel sichtet man das Tungscha-Feuerschiff, das auf der großen Yangtsebank die Einfahrt in die seichte Flußmündung bezeichnet; dort kommt der Lotse an Bord (falls er nicht schon in Hongkong sich einschiffte) und führt den Postdampfer in die an schmutziggelbem Wasser kenntliche Mündung des Riesenstroms, des Yangtsekiang, hinein, wo man anfangs nur Feuerschiffe und Seezeichen, später l. auch einen ganz flachen und öden Küstenstreifen sieht. Große Dampfer ankern bei niedrigem Wasserstand im Huangpu auf der Reede von
=Wusung= (Woosung Forts Hôtel), als Vorhafen für Schanghai wichtig, liegt an der Mündung des Huangpu in den Yangtse; die alte Stadt ist durch Überschwemmungen zerstört; jetzt sieht man nur einige Häuser und Lagerschuppen. Die 16 km lange Bahn nach Schanghai wurde 1876 erbaut, 1877 durch fanatische Chinesen zerstört (die in der Lokomotive eine Verhöhnung des Drachengottes sahen) und erst 1898 neu gebaut. Am Flusse sind Schiffbauwerften. Chinesische Kanonenboote und Zollkreuzer liegen vor Wusung.
Schanghai.
Vgl. beifolgende Pläne.
=Ankunft zur See.= Die Postdampfer laufen jetzt meist durch das ausgebaggerte Asträa-Fahrwasser bis Schanghai; müssen sie gelegentlich in Wusung ankern, so befördern sie ihre Reisenden mit Tendern (Dampfbooten) nach Schanghai; da in der Hauptreisezeit die Gasthöfe in Schanghai oft überfüllt sind, tut man gut, auf seinem Dampfer zu bleiben, wenn man erst Nm. in Wusung ankommt und nicht Zimmer telegraphisch von Hongkong vorausbestellt hat.--Die fast zweistündige Fahrt im Huangpufluß bietet wenig Sehenswertes, da die Ufer flach und eintönig sind; der Dschunkenverkehr auf dem Fluß ist sehr lebhaft. Vor Schanghai wimmelt der Fluß von Fahrzeugen und Schiffen. Am l. Ufer liegt die Stadt an der starken Krümmung des Flusses. Man passiert zuerst Schiffswerften, Petroleumniederlagen, Fabriken, besonders Baumwollspinnereien und dann das Stadtviertel Hongkiu und landet meist am Bund, gegenüber den Geschäftshäusern und Dampferagenturen an einem neuen Ponton. Zolluntersuchung findet bei der Landung statt; verboten ist Einfuhr von Waffen und Munition, Morphium, Kokain.
=Ankunft mit der Bahn= von Wusung, etwa jede 2. St. in 30 Min. für I. 60, II. 40 cents, nur bis 8 Uhr Nm.; Bahnhof in Schanghai in Hongkiu, mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn zum Gasthof in 15 Min.
=Gasthöfe=: Hotel Kalee (geleitet von Alfr. Mildner, Deutscher, sehr aufmerksam), Ecke Kiukiang Road und Kiangse Road, 130 Z. (Bad bei jedem Zim.), Pens. $ 6-10; sehr beliebt und zu empfehlen. --Astor House, Ecke Broadway, gegenüber dem deutschen Generalkonsulat, vergrößert, sehr komfortabel, I. Ranges, Pens. $ 7-10.-- Palace Hotel, am Bund, Ecke Nanking Road, besonders amerikanischer Verkehr, Pens. $ 9.--Hôtel des Colonies, im französischen Viertel, Rue du Consulat, 80 Z., Pens. $ 5-12.
=Pensionen=: Leechu (Frau A. Lührs), Quinsan Gardens 6-7; Frau H. Diederichs, North Szechuan Road 11-12; Frau M. Schütz, North Szechuan Road 15; Frau A. Schubert (Mount Pleasant), North Honan Road 24.
=Restaurants=: Rich. Neumann, Astor Road (nahe dem Astor House), Frühstücksstube (Schlächterei), vorzüglich. --Café Riche, Rue Montauban.-- Sweetmeat Castle-Konditorei, Nanking Road 36.--Social Shanghai Tea Rooms, Kiangse Road 39.--=Teehäuser=: Mandarinenteehaus in Alt-Schanghai.-- =Gartenwirtschaften=: St. Georges Farm, Ende der Bubbling Well Road. --Point-Hotel, 4 km vom Astor House.
=Post=: Deutsches Postamt, Ecke Szechuan Road und Foochow Road; außerdem englisches, französisches, amerikanisches, russisches, japanisches und chinesisches Postamt.--=Telegraph= am Bund, Deutsch-Niederländische Telegraphengesellschaft im deutschen Postamt. Landlinien nach Peking, Hankau etc.
=Wagen= jeder Art sind zu mieten; Rikschas, 1 Meile 5, 1 St. 25 cents; Sampans (Boote), 1/2 St. 25 cents.-- =Reitpferde= sind zu mieten, auch =Fahrräder= (1 St. 50 cents).--=Automobile= $ 6 je 1 St.
=Straßenbahnen=: mehrere Linien; eine französische nach Zikawei, mit Zweiglinie nach Lokawei; im Internationalen Settlement Linien nach Bubbling Well, Railway Station, Public Park und Yangtsepoo (sehr gut und regelmäßig).
=Dampfer=: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agent: Melchers & Co., Tel.-Adr.: »Nordlloyd Schanghai«), alle 14 Tage nach Europa bzw. Japan, jeder 2. Dampfer über Tsingtau.--Hamburg-Amerika Linie Schanghai-Tsingtau-Dienst (Agentur Kiukiang Road 2a), zweimal wöchentl. nach Tsingtau. Dieselben Reichspostdampfer jeden Mi. nach Chefoo-Tientsin, jeden Sa. nach Dairen-Tientsin und zurück (laufen im Winter Dairen statt Tientsin an).--Yangtse-Linie (Agenten: Melchers & Co.), wöchentl. nach Hankau, dorthin auch englische, französische, chinesische und japanische Linien, so daß fast jeden Tag ein oder mehrere Dampfer fahren.-- Österreichischer Lloyd (Agent: Sander Wieler & Co.), einmal monatl. nach Kobe und Yokohama sowie nach Europa.--Messageries Maritimes (eigne Agentur, Tel.-Adr. Messageries Schanghai), alle 14 Tage nach Kobe und Yokohama sowie nach Europa.--Peninsular & Oriental Co., alle 14 Tage nach Japan und Europa. --Pacific Mail Co. und Toyo Kisen Kaisha, etwa 10tägig nach San Francisco, Canadian Pacific Co. (gelobt), etwa alle 3 Wochen nach Vancouver (alle drei Linien über Yokohama).-- Direkte Postdampfer der South Manchurian Railway (Bureau der Nippon Yusen Kaisha oder bei Ackermann & Co.) zweimal wöchentl. nach Dairen (S. 326) zum Anschluß an die sibirische Route (kürzeste Verbindung mit Europa in 16 Tagen).--[Hand] Man beachte, daß der Überfahrtspreis nach Amerika der gleiche bleibt, wenn man erst in Yokohama an Bord geht.--Außerdem wöchentl. japanische Dampfer nach Japan und Korea.--NB. Die Zeitungen in Schanghai enthalten tägliche Listen über die Fahrzeiten und Bestimmungshäfen aller Dampferlinien, auch für die chinesischen, japanischen, englischen und französischen Flußdampfer auf dem Yangtse und die Küstendampferlinien. Bevor man aber fremde Linien benutzt, erkundige man sich bei deutschen Firmen.
=Eisenbahnen=: 1) Nach Wusung (S. 246).--2) Über Sutschou (Soochow) und Tschinkiang (Chinkiang) nach Nanking, durch an Seiden-, Reis- und Baumwollbau reiche Gegend; Schnellzug in 2 St. nach Sutschou, in 7 St. nach Nanking. Fahrgäste der Lloyddampfer nach und von Hankau dürfen die Strecke Schanghai-Nanking oder zurück mit der Bahn fahren.--3) Nach Hangtschou (Hangchow) s. S. 252.
=Geld= (s. S. 217) empfiehlt sich nur so viel zu wechseln, wie man am Platze braucht, und zwar bei einer europäischen Bank.--=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank, Bund 14 (Hauptgeschäft, mit Filialen in Berlin, Hamburg, Tsingtau, Calcutta, Hongkong, Tientsin, Peking, Singapore, Tsinanfu, Hankau, Yokohama und Kobe), Korresp. der Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; vermittelt Bankgeschäfte nach allen Plätzen der Erde. Man erbitte dort Auskunft über die Geldverhältnisse.--Hongkong & Shanghai Bank. Corp., Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft.--Chartered Bank of India, Australia & China, Korr. der Deutschen Bank in Berlin. --International Banking Corporation. --Sino Belgian Bank.--Imperial Bank of China.--Nederlandsche Handels Maatschappij.--Yokohama Specie Bank.
=Sprache=: Chinesisch, vgl. S. 218; in Gasthöfen und im Handelsverkehr wird überall Englisch, oft auch Deutsch gesprochen.
=Theater=: Im Winter spielen zuweilen durchreisende europäische Gesellschaften oder Dilettanten (Deutscher Theaterverein sowie je eine englische und französische Gesellschaft) im Theatre Lyceum (nahe dem englischen Konsulat, Soochow Road).--American Cinematograph und Victoria Hall jeden Abend Spezialitätenvorstellung. Symphoniekonzerte der vorzüglichen städtischen Kapelle (deutscher Kapellmeister Prof. Buch) in der Stadthalle, Nanking Road, So. Nm. 4-1/2-6 Uhr, Eintritt frei, nur im November bis Juni, sehr besucht!--Chinesische Theater in Canton Road, Foochow Road, Hankow Road und am chinesischen Bund. --Teehäuser mit »Singsong Girls« (chinesische Sängerinnen) in der Foochow Road, sehr interessant.
=Fremdenführer= (nötig) im Gasthof zu erhalten oder am Eingange zur Chinesenstadt (Preis nach Vereinbarung, etwa 50 cents).
=Reiseführer=: C. Fink, Führer durch Nord- und Mittelchina (sehr zu empfehlen!); The Palace Hotel: Guide to Shanghai.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Generalkonsul Wirkl. Legationsrat von Buri, Konsul Dr. Ney, vier Vizekonsuln, zwei Dolmetscher etc., Whangpoo Road 9 und 10, an der Einmündung des Soochow Creek, gegenüber Astor House. --Österreich-Ungarn, Generalkonsul Dr. Bernauer, Avenue Paul Brunat.
=Klubs=: Deutscher Klub Concordia (mit Lesezimmer und Bibliothek), am Bund, sehenswert.--Shanghai Club (international), am Bund (Pl. 13). In beiden sind für Mitglieder und eingeführte Herren sehr bequeme, modern eingerichtete Zimmer zum Wohnen zu mieten.--Shanghai Race Club; Masonic Club; Deutscher Gartenklub, Avenue Paul Brunat; englischer Country Club, Bubbling Well Road--alle mit eignen Klubhäusern.
=Polizei=: Central Police Station, Ecke Foochow Road und Honan Road.
=Deutsche Ärzte=: Dr. Krieg, Dr. v. Schab, Dr. Kurt Schultze, Dr. Gerngroß, Dr. Birt, sämtlich nahe dem deutschen Generalkonsulat und Astor House, außerdem Dr. Blumenstock, Dr. Liese. =Zahnarzt=: Dr. Mosberg, Kiukiang Road 2.--=Apotheken=: Pharmacie de l'Union (Inhaber Voelkel & Schröder, deutsch), Nanking Road 37.--Bubbling Well Dispensary (deutsch), Ecke Nanking Road und Lloyd Road.--Watson & Co.--Medical Hall, Llewellyn Co., Nanking Road 4.--=Krankenhäuser=: General Hospital, North Soochow Road.--Victoria; Nursing Home.
=Buchhandlungen=: Max Noeßler & Co., Nanking Road 38, deutsche, auch englische und französische Literatur. --Kelly & Walsh, Bund.--Öffentliche Bibliothek in der Stadthalle, Nanking Road.--=Zeitungen=: Ostasiatischer Lloyd (Chefredakteur C. Fink, Nanking Road 24a, Sprechzeit 9-12 Vm.), erscheint einmal wöchentlich, mit täglicher Ausgabe europäischer und asiatischer Depeschen. Täglich erscheinen: North China Daily News, Shanghai Times und Echo de Chine morgens. Shanghai Mercury und China Gazette abds.--- Fremde Wochenschriften: North China Herald u. a.; chinesische Zeitung: Hsieh-ho-pao etc.
=Photographien=: Mactavish & Lehmann, gegenüber Astor House; Burr Photo Co. und mehrere chinesische Firmen, von denen Ying Cheong & Co., Canton Road, als beste gilt (entwickeln Liebhaberaufnahmen).--Denniston & Sullivan (Amerikaner), Nanking Road.
=Geschäftsadressen=: Optiker, Uhrmacher und Juwelier: C. Ismer & Co. (deutsch); Hirsbrunner & Co., beide Nanking Road.--Schneidergeschäft: Wilck & Mielenhausen, Nanking Road 26.--Reiseausrüstung: Weeks & Co.; Hall & Holtz; Lane, Crawford & Co.; Whiteaway, Laidlow & Co., sämtlich Nanking Road.--Seidenhaus: Laou Kai Fook & Co., Ecke Kiukiang Road und Honan Road 8/9.--Silberwaren: Luen Wo, Nanking Road.--Japanwaren und Kuriositäten: Kuhn & Komor, Nanking Road 2, im Palace Hotel. --Holzschnitzereien: am Broadway. --Rohseide, Pongeen, Spitzen etc.: Industrial Mission Depot (Deutsch gesprochen), Nanking Road 21.--Grasleinensachen: Young La Woo, Broadway A, Nr. 1288.
=Zeiteinteilung= für Schanghai und für die Yangtsefahrt: Schanghai 2-4 Tage; Hangtschou 3 Tage; Schanghai-Nanking und zurück 2 Tage; Schanghai-Hankau und zurück 12 Tage. [Hand] Weltreisende tun gut, von Schanghai zunächst nach Tsingtau zu fahren, von da mit Bahn über Tsinanfu-Tientsin nach Peking, von da mit Bahn nach Hankau, zurück mit Yangtsedampfer bis Nanking, von da mit Bahn nach Schanghai, dann direkt nach Japan.
=Geschichtliches.= Der Hafen von Schanghai war schon im 10. Jahrh. wichtig und wurde unter den Mandschus 1292 Unterpräfektur (hien). Die Stadtmauern wurden 1522-66 erbaut. Im 17. Jahrh. gründeten die Jesuiten die Niederlassung Zikawei; der Minister Zi Kwangki, Freund des Jesuiten P. Ricci, hatte das Land geschenkt; als er mit Familie zum Christentum übertrat, wurden die Missionare vertrieben, und der Orden erhielt erst durch den Vertrag von Nanking seinen Besitz wieder. Im Opiumkrieg zerstörte die englische Flotte am 16. Juni 1842 die Wusungforts und nahm Schanghai. Durch den Vertrag von Nanking wurde Schanghai dem Fremdhandel geöffnet, und den sich ansiedelnden Engländern, Franzosen und Amerikanern wurde Landgebiet in Erbpacht zugewiesen, wofür dem Kaiser von China jährlicher Zins zu zahlen ist. Während des Taipingaufstandes, der das reiche Hinterland von Schanghai besonders hart betraf und großenteils entvölkerte, wurde die Stadt 1853 und 1861 von den Rebellen bedroht, aber durch englische und französische Truppen geschützt. Die Stadt entwickelte sich schon während des Aufstandes günstig, weil viele reiche chinesische Kaufleute in der Fremdenniederlassung Schutz fanden. Später wurden die 1843 begründete englische und die seit 1848 bestehende amerikanische Niederlassung zu einer Gemeinde (International Settlement) vereint; sie werden von einem Gemeinderat (Municipal council) geleitet, in dem die Engländer die Mehrheit haben, aber auch Deutsche und Amerikaner sitzen. Die seit 1847 bestehende französische Niederlassung (Concession française) bildet eine eigne Gemeinde. Während des Boxerkriegs waren starke englische, deutsche, französische, japanische und russische Truppen zum Schutze der reichen Handelsstadt gelandet.
=Schanghai= (d. h. »oberhalb des Meeres«), die wichtigste internationale Seehandelsstadt Ostasiens, verdankt ihre Bedeutung der Lage nächst der Mündung des Yangtse, der wichtigsten Wasserstraße Chinas. Da an den flachen Ufern der Mündungsstrecke des Riesenflusses selbst wegen der Schwankung in der Wasserführung des Stromes und des starken Unterschiedes von Ebbe und Flut keine Mündungsstadt entstehen konnte, so ist diese seitwärts 14 Seem. oberhalb der Mündung des Wusung- oder Huangpu-Flusses entstanden. Letzterer dient als einzige Ausmündung sämtlicher Kanäle und Flußläufe des flachen und tiefgelegenen, aber außerordentlich fruchtbaren und dichtbevölkerten Gebietes zwischen dem untersten Yangtse und der Hangtschoubucht, das sowohl nach dem Yangtse wie nach dem Meere zu eingedeicht ist. In den unter chinesischer Verwaltung stehenden Stadtteilen leben etwa 175000 Chinesen. In den beiden Fremdenniederlassungen wohnten 1910 zusammen 548137 Chinesen, ferner 15006 Nichtchinesen, darunter 4779 Briten, 3466 Japaner, 1088 Deutsche, 114 Österreicher und 76 Schweizer. Unmittelbar außerhalb der Fremdenniederlassungen haben sich noch etwa 5000 Japaner angesiedelt. Wirtschaftlich stehen Engländer, Deutsche und Amerikaner den andern Nationen weit voran. Die Stadt verfügt über ein gutbewaffnetes Freiwilligenkorps, eignes Polizeikorps und Feuerwehr. Die Straßen der Fremdenniederlassungen sind gut gepflegt, weitläufig und meist rechtwinklig zueinander angelegt. Am Flusse liegt eine breite Uferstraße, Bund, mit Bäumen und Rasenplätzen, wo die großen Dampferlinien eigne Landungsbrücken haben. An der Stadtseite des Bund erheben sich stattliche Gebäude: das Zollhaus am Eingang in die Hankow Road; ihm gegenüber die Deutsch-Asiatische Bank; nördl. davon der Prachtbau der Russisch-Chinesischen Bank, dann die Chartered Bank und die Yokohama Specie Bank; Ecke der Yinkee Road der Prachtbau des *Deutschen Klubs Concordia, 1906/07 im Renaissancestil erbaut, das schönste Klubhaus in Ostasien. Am Nordende des Bund liegt die Masonic Hall (Freimaurerhalle). Dazwischen südl. vom Zollamt liegen Geschäftshäuser europäischer Großkaufleute, die Hongkong & Shanghai Bank, das Telegraphenamt und der sehr schöne *Neubau des Shanghai Club im Barockstil (Pl. 13). Dahinter sowie nördl. und südl. vom Bund dehnen sich die Stadtteile der Fremdenniederlassungen aus, die sämtlich mit Kanalisierung und elektrischem Licht versehen sind. Die Stadt hat vorzügliche Schulen, darunter die 1911 errichtete deutsche Kaiser-Wilhelm-Schule an der Weihaiwei Road (Vorschule, Realgymnasium, höhere Mädchenschule), eine große englische Bürgerschule, Mittelschulen für Chinesen, eine deutsche Medizinschule (1907 von deutschem Kuratorium gegründet) zur wissenschaftlichen Ausbildung chinesischer Ärzte, große moderne Krankenhäuser für Europäer und Chinesen, unterhält Sportplätze am Beginn der Bubbling Well Road und im Hongkiu Park. Elektrische Straßenbahnen durchziehen die Hauptstraßen. Am Beginn der Bubbling Well Road liegt der Rennplatz, Eigentum des Shanghai Race Club. Im Stadtviertel Hongkiu ist eine deutsche evangelische Kirche. Im französischen Viertel ist die große katholische St. Josephskirche. Schanghai ist Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Bischofs, eines englischen Gerichtshofs Supreme Court of China (zur Schlichtung von Streitsachen, in denen Engländer die Beklagten sind) sowie eines amerikanischen Obergerichts, des Statistischen Amts der chinesischen Seezollbehörde sowie einer Abteilung der Royal Asiatic Society.--Die Chinesenstadt liegt südl. vom französischen Viertel, ist mit Mauern umgeben und hat große Vorstädte, in denen am Wasser auch Warenlager (Godowns) europäischer Kaufleute liegen. Der Handelsverkehr ist sehr lebhaft, eingeführt werden Baumwollenstoffe, Opium, Petroleum, Kohlen, Maschinen u. a., ausgeführt besonders Seide, Tee, Borsten, Federn, Hanf, Moschus, Galläpfel, Strohgeflechte, Rhabarber, Wachs, Häute und Talg. Schanghai ist der wichtigste Umschlagsplatz für alle Erzeugnisse Chinas, weil es durch den Yangtsestrom mit vielen wichtigen Provinzen gute Verkehrsverbindung hat.
=Rundfahrt= (mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn). Im Internationalen Viertel ist der Bund die besuchteste Promenade; mehrere Denkmäler stehen im nördl. Teil, eins für Sir Harry Parkes vor der Nanking Road, dann das *Iltisdenkmal (zum Andenken an die Besatzung des am 23. Juli 1896 vor Kap Schantung gestrandeten deutschen Kanonenboots) und in dem kleinen Park (Public Garden) am Nordende des Bund ein englisches Kriegerdenkmal (The ever victorious army) sowie ein Standbild von Margary; dort im Sommer Nm. oder abds. dreimal wöchentl. zuweilen Musik der 50 Mann starken Stadtkapelle (deutscher Kapellmeister, Prof. Buch).--Hauptgeschäftsstraße ist die Nanking Road mit sehenswerten Markthallen, in deren Verlängerung, Bubbling Well Road, der Rennplatz nebst andern Sportplätzen sowie eine Gartenwirtschaft (St. George's Farm) und ein europäischer Friedhof liegen.--Das Villenviertel im W. der Stadt ist neuerdings weit ausgebaut, eine Spazierfahrt durch die hübschen Alleen ist wegen des internationalen Treibens sehr interessant. --Im frühern Amerikanischen Viertel ist Broadway die Geschäftsstraße, an deren Ende Seide- und Baumwollwebereien liegen. Ein Teil von Hongkiu ist Villenviertel.--In das Französische Viertel gelangt man vom Südende des Bund auf einer Brücke über den Yangkingpang-Kanal, die Fortsetzung des Bund nach S. bildet der Quai de Wampoo, an dem dicht bei der Brücke ein Wettersignalturm steht, der die Wetterberichte und wichtigen Taifunwarnungen des vorzüglichen meteorologischen Observatoriums der Jesuiten im benachbarten Zikawei veröffentlicht; die Wetterkarten für das ostasiatische Gebiet hängen dort (täglich erneut) aus; außerdem Zeitball (Pl. 14) sowie Wetter- und Sturmwarnungssignale. Die ersten Gebäude am Quai de Wampoo sind die Banque de l'Indochine, das Geschäftshaus der deutschen Firma Melchers & Co. (Agenten des Nordd. Lloyd etc.), das Gebäude der Messageries Maritimes, das französische Konsulat und das Gebäude der französischen »Mission étrangère«. Dann gelangt man zum Quai de France, wo viele Lagerhäuser (Godowns) liegen. Hauptstraße der »Concession Française« ist die Rue du Consulat, in der das Rathaus (Hôtel de la Municipalité) mit dem Denkmal des Admirals Protet und das Hôtel des Colonies liegen. Durch die Rue du Consulat und die Avenue Paul Brunat führt die elektrische Straßenbahn nach Zikawei. Durch die neuen Stadtteile der Französischen Niederlassung führen elegante Villenstraßen, so die 11 km lange Avenue Paul Brunat, an der auch der Deutsche Gartenklub liegt. Zahlreiche Straßen vermitteln den Verkehr zwischen der Französischen und der Internationalen Niederlassung.--Die Chinesenstadt grenzt dicht an das Französische Viertel, ist mit Mauern umgeben und hat so enge (schmutzige) Straßen, daß man sie nur zu Fuß oder mit Sänfte besuchen kann (im Sommer wegen der übeln Ausdünstungen nicht zu empfehlen). Einige Tempel sind sehenswert, besonders die Kungfutsze-Pagode und der Tempel der Stadtgötter, in dessen Nähe das auf einem Teich erbaute alte Teehaus Husingting nebst Mandarinenklub steht; Marktplatz und Werkstätten, wo Schnitzereien hergestellt werden, besuche man im Vorbeigehen. Man nehme einen Führer, da es sehr schwierig ist, sich in den engen Gassen zurechtzufinden. Wenn man Kanton gesehen hat, kann man sich den Besuch der Chinesenstadt von Schanghai ersparen.
=Ausflüge=: 1) Nach *=Zikawei=, einer großartigen Niederlassung der Jesuiten, 8 km östl. von Schanghai, mit elektrischer Bahn (einsteigen bei Melchers & Co.), Einspänner ($ 3) oder Rikscha auf ebener Straße; auf den Feldern vor der Stadt viele Gräber. Man fährt dann in einen Park und durch steinernen Torbogen in den Klostergarten mit Säulenhalle. Die große Anlage von Zikawei besteht aus vielen Gebäuden, darunter das Gebäude des Bischofs von Kiangnan, ein Seminar, Jesuitenkollegium, große Bibliothek, Museum und Wetterwarte, Waisenhaus für Chinesenmädchen mit Klosterschwesternschule (sehenswert; 1000 Personen im Kloster, 35 Nonnen; Stickereien, Klöppeleien werden gefertigt und billig verkauft), Kapelle und Karmeliterkloster, ein Waisenhaus für Chinesenknaben mit Druckerei, Maler- und Bildhauerschule; die hier zum Verkauf gestellten Schnitzereien sind sehr begehrt und preiswert. In der Wetterwarte (zum Besuch ist Erlaubnis vorher einzuholen) wirken die Jesuitenväter, insbesondere der berühmte Meteorolog P. Froc zum Besten der gesamten Schiffahrt in den ostasiatischen Gewässern; ihre Taifunwarnungen, die mit auf den Beobachtungen der Observatorien von Hongkong, Manila und neuerdings Tsingtau beruhen, sind wohl die sichersten Wettervorhersagen, die überhaupt irgendwo gemacht werden. Daher hat jeder Ostasienreisende alle Ursache, diese Tätigkeit zu bewundern und den gelehrten Vätern zu danken für die Fürsorge, die jedem Weltreisenden zugute kommt, da alle Schiffe sich nach den Sturmwarnungen von Zikawei richten. Hauptklimadaten für Zikawei nach 34jährigen Beobachtungen: Mitteltemperatur des Jahres 15°, des Januar 3,1°, des Juli 26,9°. Mittlere Jahresextreme 37,2° und -7,4°. Jährliche Niederschlagshöhe 1118 mm. Die Jesuitensternwarte in Zose liegt 20 km von Zikawei auf einem 100 m hohen Hügel. Vom Turm der Wetterwarte in Zikawei hat man gute Aussicht über die Umgegend.--Auf dem Weg nach Zikawei kommt man am Lihungtschang-Tempel vorbei, in dessen Garten ein Bronzedenkmal für den chinesischen Staatsmann Lihungtschang (in Europa angefertigt) steht. In der Nähe von Zikawei (Spaziergang 1/2 St. durch saubere Dörfer) liegt hinter einem dreistöckigen Torbau mit Drachenbildern die siebenstöckige Pagode Lischuangta in Longhua nahe dem Wusungufer (vom obersten Stock *Aussicht über die Flußebene; Besteigung aber zurzeit unmöglich, da die Treppen zerfallen sind). Von dort Rückfahrt mit Wagen (den man vorher hinbestellen muß) am Kiangnin-Arsenal vorbei (Besuchserlaubnis vorher einholen!). Diese Fahrt sowie der Gang von Zikawei nach Longhua sind sehr lohnend zur Zeit der Pfirsichblüte.
2) =Hangtschou=, tägl. mit der Bahn, Mittagsschnellzug (Speisewagen) ab Schanghai in 6 St.; oder mit Dampfbarkassen, hübsche Fahrt an malerischen Ortschaften vorbei und unter gewölbten Brücken hindurch, über den Vertragshafen Sutschou (einst eine Millionenstadt, aber in der Taipingrevolution schrecklich verwüstet) oder direkt nach Kiahsing, von da auf dem Kaiserkanal nach =Hangtschou=, Hauptstadt der Provinz Tschekiang, mit etwa 350000 Einw., dem Fremdhandel seit 1896 geöffnet. Englisches Konsulat. Große Seidenwebereien und Werkstätten für kostbare Goldstickereien. Die Stadt hat 10 Tore und 35 Li (= 20 km) Umfang. Seit 1650 besteht in der NW.-Ecke der Stadt ein befestigtes Mandschuviertel. Mitten in der Stadt der Stadthügel (City Hill) mit Tempeln und schöner Rundsicht. In der Nähe liegt der große, von Bergen eingerahmte Sihu (Westsee) mit Trümmern prächtiger Bauwerke; am See auf einem Hügel liegt die alte Pagode Paoschuta, auf dem See die Insel Kuschan mit Kiosken, Tempeln und Palast. (Marco Polo hat die ganze Anlage als eine der prächtigsten in China seinerzeit beschrieben.) Viele Tempel und Klöster sind in der Umgebung des Sees, darunter die sogen. Hinduklöster. Als der Mönch Odoric im 13. Jahrh. Hangtschou besuchte, wurden hier am Fuße des Berges zahlreiche Affen mit Menschengesichtern von den Priestern gefüttert, die die Seelen edler Menschen sein sollten.-- Andre berühmte Tempelanlagen liegen im nahen Tienmuschan (»Gebirge der Himmelsaugen«).
3) *=Flutbrandung (Bore) des Tsientangkiang=, bei Voll- und Neumond, am sehenswertesten zur Tag- und Nachtgleiche (21. März, 23.-24. Sept.), eine großartige Naturerscheinung, die man am besten von der Pagode bei Haining beobachtet; man gelangt dahin von Hangtschou mit der Bahn bis Lining, von da auf bequemen Wegen mit Rikscha nach (20 km) Haining, am l. Ufer des Tsientangkiang, etwa 45 km unterhalb Hangtschou; dort besteige man die Pagode. Bei Haining tritt die Flutbrandung zwar fast mit jeder Flut ein, erreicht aber nur zur Springzeit (Voll- und Neumond) große Höhe und Geschwindigkeit; dann bildet sie eine 3-8 m hohe, steile Kaskade schäumenden Wassers in gerader, 2 km langer Linie quer über den Fluß; die gewaltige Wassermasse nähert sich mit Dampfergeschwindigkeit unter starkem Rauschen. Man beachte, daß das Phänomen zur Tag- und Nachtgleiche in Haining schon einige Stunden vor Voll- und Neumond eintritt.
4) =Saddle Islands=, eine malerische Gruppe von 25 Felseninseln und zahlreichen Klippen, ist die nördlichste Gruppe des großen Tschusan-Archipels, der beim Nimrodsund (S. 244) beginnt und der großen Bai von Hangtschou vorgelagert ist; die größten Inseln sind North Saddle, South Saddle, East Saddle, die wie auch viele kleinere von fleißigen Fischern bewohnt sind. Bäume wachsen nur an einigen geschützten Stellen, sonst sieht man nur Gestrüpp zwischen den Felsen. Während der Fischzeit (April, Mai, Juni) beleben Tausende von Fischerdschunken aus Ningpo und Wentschou und unzählige Sampans die Inselgewässer. Gefangen wird besonders Tintenfisch in riesiger Menge; der Fang wird ausgeweidet und auf den Klippen in der Sonne getrocknet, aber nur bis Mitte Juni, dann ist der durch dieses Verfahren erzeugte Gestank vorbei.
=North Saddle= wird jetzt als Seebad und Sommerfrische besucht; Dampfer laufen in 7-8 St. von Schanghai dahin (Entfernung 84 Seem.). Der höchste Gipfel (238 m) von North Saddle ist bequem zu besteigen und gewährt prächtige *Aussicht über die Inselgruppe. Drei gute Buchten ermöglichen, in ruhigem Wasser mit Sampan zu landen; sehr malerisch ist die Südostbucht. Auf dem Nordende steht ein Leuchtturm (europäische Wärter). Die Insel bietet Erholungsbedürftigen beste Gelegenheit zum Seebaden, Fischen, Segeln, Klippenklettern. Der Bau eines Sanatoriums auf North Saddle ist geplant.--Wegen Dampfergelegenheit, Unterkunft und Verpflegung erkundige man sich in Schanghai beim Coast Inspector des Kaiserl. Chinesischen Seezollamts.
5) =Sutschou= (Soochow), an der Bahnlinie Schanghai-Nanking und am Kaiserkanal, Hauptstadt der Provinz Kiangsu, seit 1896 dem Fremdhandel geöffnet, mit 500000 Einw. (vor der Taipingrevolution 1 Mill.) und lebhaftem Seidenhandel. Von Sutschou Gelegenheit mit Boot und Sänfte zu Ausflügen in die Hügel der Umgebung; gerühmt werden die Hügel Fan-fen-san mit den Gräbern der Fan-Familie, der Goldhügel, der Tien-bing-san, der Ling-gan-san (südl. vom Fan-fen-san) mit berühmter alter Pagode und Ruinen alter Paläste der Könige Wu und Yueh; ferner der Schang-fang-san (der Flutfluchthügel, wo das Volk des Königs Wu sich bei Überschwemmung gerettet haben soll), der berühmte Hung Schan, alle mit zahlreichen altchinesischen Bauwerken. Man benutze dabei die Karte »Country round Soochow«, von Thomas Ferguson, in Schanghai zu haben, und lese vorher »History of Soochow« von Dr. A. P. Parker (Schanghai).
Auf dem Yangtsekiang von Schanghai nach Hankau und Itschang.
Vgl. die Karte bei S. 215.
=Dampfer= der Deutschen Yangtselinie (etwa wöchentl. einmal), der China Merchant's Co. sowie englische, französische und japanische laufen auf dem Yangtsekiang von Schanghai nach (1085 km) Hankau, so daß jeden Tag einmal, oft zweimal, Fahrgelegenheit ist. Fast alle Dampfer sind gut eingerichtet und bieten gute Verpflegung. Die Fahrtdauer (bis Hankau etwa 4 Tage) ist vom Wasserstand im Yangtse abhängig (s. unten). Die Fahrpreise sind bei Melchers & Co. sowie den Agenturen der fremden Linien in Schanghai zu erfahren. Da die Dampferfahrkarten auch für die Bahnfahrt Schanghai-Nanking und zurück gültig sind, empfiehlt es sich, um Zeit zu gewinnen, diese (wenig lohnende) Strecke mit der Bahn, Fahrzeit 7 St., zu machen. Wegen Anordnung des Reisewegs für Weltreisende durch Nordchina vgl. S. 249; man beachte, daß die Bergfahrt nach Hankau zeitraubend ist, daher sollte man womöglich nur von Hankau zu Tal nach Schanghai fahren.
Der =Yangtsekiang=, der Hauptfluß Südchinas, ist mit einer Länge von ungefähr 5000 km (Donau 2860 km) und einem Stromgebiet von 1,9 Mill. qkm (dem 10fachen des Rheingebiets) einer der mächtigsten Ströme der Erde. Er kommt wie die Hauptzuflüsse seines Oberlaufs aus dem Hochgebirge Osttibets und fließt in seinem ganzen Oberlauf in tiefeingeschnittenem Tal ungefähr südwärts, bis er an der Nordgrenze von Yünnan ostnordöstl. Richtung annimmt, die der Mittel- u. Unterlauf durch die Provinzen Szetschuan, Hupe, Nganhwei und Kiangsu im großen ganzen beibehält. Leider erfüllt der Yangtse die Aufgabe, einen bequemen Weg durch die schwer überschreitbaren Gebirgsketten des innern Südchina zu bieten, wegen zahlreicher Stromschnellen nur während der kurzen Perioden mittlern Wasserstandes im Frühjahr und Herbst, so daß von der Austrittsstelle aus dem innern Gebirgslande bei Itschang bis zu dem äußerst fruchtbaren, dichtbesiedelten und ertragreichen »Roten Becken« der Provinz Szetschuan hinauf Dampfschiffverkehr erst seit 1909 versuchsweise hat eingerichtet werden können. Um so größere Bedeutung hat der Strom in seinem immer noch 1700 km langen (deutsche Elbstrecke 740 km) Unterlaufe von Itschang (S. 262) an, wo er zwar auch noch vielfach durch Bergland fließt, aber mit gleichmäßig geringem Gefälle. Mit seinen Nebenflüssen bildet er hier innerhalb eines der reichsten Teile Chinas ein weitverzweigtes, vortreffliches Wasserstraßennetz. Große Seeschiffe können bei Flußhochwasser im Sommer bis Hankau hinauf fahren. Eine ganze Reihe volkreicher und wichtiger Städte sind daher an seinem Unterlauf entstanden: Tschinkiang (großer Nahrungsmittelhandel), Nanking, Wuhu (Reis), Kiukiang (Tee u. Porzellan) und vor allem die Städtegruppe Hankau-Wutschang-Hanyang; weiter oben Yautschou, Tschangscha, Tschangte und Itschang. Im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze eingesetzt hat, beginnt der Strom zu steigen und erreicht seinen Höchststand, der das winterliche Niedrigwasser in eingeengten Strecken des Mittellaufs bis 30 m, bei Hankau 15 m, bei Kiukiang noch um 14 m übersteigt, erst im Juli oder August, weil ihm auch die Sommerregen viel Wasser zuführen. Da auch die Nebenflüsse im Sommer Hochwasser haben, so würde die Anschwellung im Unterlaufe des Yangtse noch stärker sein, wenn nicht zwei große Flachseen, der Poyangsee und der Tungtingsee, die Hauptwassermassen dreier großer rechtsseitiger Nebenflüsse, des Kan, des Hsiang und des Yüen, aufnähmen und nur allmählich wieder abgäben, so wie regulierende »Talsperren« größten Stiles wirkend.
Die Fahrt auf dem untern Yangtse und den angrenzenden Strecken seiner Nebenflüsse ist zwar keineswegs reizlos, doch vermag sie große landschaftliche Schönheiten nur stellenweise zu bieten; solche steigern sich erst in dem großartigen Durchbruchstale oberhalb Itschang. Die Reize einer Yangtsefahrt beruhen hauptsächlich auf dem großen Verkehr und den interessanten Städtebildern und auf den interessanten Einblicken in das Wirtschaftsleben des chinesischen Volkes.
Die Fahrt von Schanghai führt zunächst flußabwärts bis Wusung (S. 246), dann in den über 30 km breiten Mündungstrichter Yangtsekiang (die Chinesen nennen den Strom Ch'ang-chiang, spr. tscháng-djang, d. h. Langer Strom). Die ersten 160 km aufwärts von Wusung fährt man in dem Ästuar wie auf einem großen gelben See, dessen Ufer nur stellenweise sichtbar werden. Von den Häusern sieht man nur die Dächer, ihr unterer Teil ist hinter Deichen verborgen, die die Dörfer der Flußniederung gegen Überschwemmung schützen. Nur die Lotsen vermögen sich durch die vielen Bänke im Fahrwasser hindurchzufinden; die jährlichen Überschwemmungen ändern die Fahrrinnen fortwährend, schwemmen Inseln an oder reißen Uferstrecken fort. Landmarken bilden Pagoden auf Hügeln, so die Pauschanpagode nahe bei Wusung, oder Baumgruppen und Gerüstbaken, so r. auf der großen, flachen Insel Tsungming. Nach etwa 16 St. Fahrt zeigen beide Ufer Hügel. Bei den mit einer Pagode gekrönten Langschanhügeln (110 m hoch), einem besuchten Wallfahrtsort mit vielen Tempeln, wird der Strom schmäler, die Berge werden höher, beim Huangschan ist der Fluß kaum 1400 m breit, am r. Ufer liegen 6 Forts, am l. Ufer gegenüber der Stadt Kiangyin (Stadtmauer 1506 erbaut) noch drei Batterien. Hier ist der Telegraph von Schanghai nach Peking mit Kabel durch den Yangtse geführt. Oberhalb erweitert sich das Bett, der Kurs führt an Wäldern, Feldern und vielen Dörfern vorbei; der Fluß ist mit Dschunken und Dampfern reich belebt. Weithin sichtbar ist die siebenstöckige Tschusanpagode auf dem Gipfel eines hohen Berges mit Fichtenwald; am Fuße des Berges liegt eine zweite befestigte Flußsperre mit acht Batterien, Kuppelfort und kasemattiertem Erdwerk, in der Nähe ein Militärlager. Vor Tschinkiang wird die Landschaft sehr malerisch; mitten im Strom liegt die Silberinsel (Tsianschan; ähnlich der Böcklinschen Toteninsel), deren bewaldeter Hügel eine niedrige Pagode und andre Tempelanlagen trägt; auch hier Festungswerke am Südende der Insel und an beiden Ufern.
(260 km) =Tschinkiang= (chines. Chên-chiang, spr. djö́n-dyáng), seit 1861 Vertragshafen mit 184000 Einw., als Handelsstadt wichtig, weil sie an der Kreuzung des Kaiserkanals mit dem Yangtse liegt, der von Peking nach Hangtschou läuft und 1100 km lang ist (zwischen Peking und Tschinkiang 800 km); jetzt ist der Kanal allerdings stark verfallen und ohne Bedeutung für den Handelsverkehr zwischen Süd- und Nordchina. Seit 1907 ist Tschinkiang Station der Bahnlinie Schanghai-Nanking. Anlegebrücken für die Flußdampfer. Die Stadt hat eine Fremdenniederlassung (deutsches Postamt; Agentur von Melchers & Co.) oberhalb der Chinesenstadt am Hügel Yintai-schan mit gut gepflegtem Bund mit Bäumen und ist mit starken Mauern umgeben. Der Kaiserkanal (s. oben), der den Yangtse ohne Schleusen kreuzt, bildet einen Teil des Festungsgrabens. In der Umgegend Jagd auf Wildschweine und Fasanen. Der schönste Punkt der Umgebung ist die *Goldinsel (Kinschan) dicht oberhalb der Fremdenniederlassung am r. Ufer, die noch 1823 am l. Ufer und 1842 mitten im Fluß lag; an ihrem Westabhang ein großes buddhistisches Kloster mit Pagode.
Die Fahrt geht weiter an der hohen, siebenstöckigen Pagode von Yitsching (Jitschöng) am l. Ufer vorbei; die Stadt ist Hauptplatz für den Salzhandel. Dann werden die Ufer flach, am r. Ufer zeigt der Hintergrund bewaldete Berge; auf einem hohen Berge am l. Ufer steht die Ninganschan-Pagode. Die Gegend wird immer fruchtbarer. Auf dem r. Ufer hohe Zyklopenmauern über Hügeln, auch mehrere Pagoden und Schornsteine einer Marinewerft, sowie der Löwenhügel (Schetseuschan), mit modernen Batterien bewaffnet; dann erreicht man Hsiakuan (zwei europäisch geleitete Gasthöfe), die Ufervorstadt von
(330 km) =Nanking= (chines. [»Südresidenz«] Chiang-ning-fu, spr. dyáng-ning-fú), Stadt mit 267000 Einw., darunter etwa 160 Europäer (14 Deutsche), am r. Yangtseufer in hügeliger Gegend, seit 1899 dem Fremdhandel geöffnet; es war die uralte Kaiserstadt Chinas seit 200 v. Chr. bis 1404 und blühte am meisten in den ersten Zeiten der Ming-Dynastie, seitdem schwand ihre Größe; 1854 wurde sie im Taipingaufstand zerstört (wobei auch der berühmte, 165 m hohe Porzellanturm völlig zugrunde ging); heute ist sie zwar als Handelsplatz von Tschinkiang überflügelt, aber als Sitz des Generalgouverneurs der Provinz Kiangsu, Anhui und Kiangsi sehr wichtig (zurzeit Regierungssitz der Revolutionäre), hat Provinzialhochschule (Nanking ist der literarische Mittelpunkt Chinas, mit großen Büchereien und Druckereien), Militärstation, drei Militärschulen, Marineschule und Arsenal, zahlreiche Missionen. Die rege Industrie stellt aus der hier wachsenden Baumwolle den als »Nanking« bekannten Stoff her; berühmt ist der Nankinger Seidenbrokat. Eisenbahnen nach Schanghai (S. 248), Bahnhof in Hsiakuan bei der Dampferbrücke, und von Pukow (gegenüber Hsiakuan am l. Ufer) nach Tsinan am Hoangho (und weiter nach Tientsin), davon 110 km im Betrieb; die ganze Strecke soll im Herbst 1912 fertig sein. Das Fremdenviertel vor dem Nordtor der Stadt, in Hsiakuan, dient wegen ungesunder Lage fast nur als Geschäftsviertel; fast alle Fremden wohnen innerhalb der Stadtmauer. P und T in Hsiakuan und Nanking. Deutsches Konsulat (Konsul: Dr. Wendschuch) liegt 4,5 km vom Hafen, an der r. Seite der Hauptstraße in Nanking; deutscher Arzt 9 km vom Hafen, kann telephonisch gerufen werden. Nanking ist mit Mauern umgeben, die bis zu 15 m hoch und 56 km lang sind. Aus der Ufervorstadt Hsiakuan gelangt man auf einer guten Straße über eine Brücke, die über einen Kanal führt, durch das stattliche Tor Yifongmen in die Stadt Nanking; der südliche Stadtteil enthält noch Reste der Mauer, die den von den Taipings zerstörten Palast der Ming-Dynastie umgab; man benutze Wagen (am Hafenplatz zu haben, täglich $ 3-4) oder Rikscha, da die Entfernungen sehr groß sind, z. B. bis zur französischen Jesuitenmission 8,5 km vom Landungsplatz. Im SO. der Stadt liegt das moderne chinesische Geschäftsviertel, sehr belebt, mit engen Straßen. Im O. das ehemalige Mandschuviertel, weitläufig gebaut, mit dem Palast (Yamen) eines Bannergenerals, der als Stellvertreter des Kaisers sogar den Generalgouverneur überwacht. Östl. vom Mandschuviertel lag die alte »Rote verbotene Stadt«, in der die Ruinen des Palastes der Mingkaiser liegen. Im N. Gärten, Reis- und Gemüsefelder innerhalb der Stadtmauern, dazwischen überall Grabdenkmäler, auch ein öffentlicher Garten und eine Rennbahn. Die Gebäude der Ersten chinesischen allgemeinen Landesausstellung von 1910 dienen weiter einer Dauerschau für Unterrichtswesen und Industrie der Provinz Kiangsu. Gegenüber Nanking liegt Pukou (Pukotschöng), Endstation der Bahn nach Tientsin und Peking (s. oben).
=Ausflug= zum =Minggrab= (bei schlechtem Wetter nicht ratsam). Von der Mitte Nankings braucht man gut 1-1/2 St. mit Rikscha für den Hinweg, der durch das Tor Tschaoyangmen führt. Die Gräberstraße beginnt mit einem dreibogigen Tor, hinter dem eine höhere Torhalle folgt, die am Abhang eines heiligen Gräberhügels liegt, um den nun der Weg, die groteske »Geisterallee«, herumführt; paarweise stehen die steinernen Ungeheuer zu beiden Seiten des Wegs, Pferde, Löwen, Kamele, Elefanten; dann folgen die Steinbilder von Militär- und Zivilmandarinen. Dahinter liegen die Grabanlagen. Die ursprünglichen Grabanlagen sind im Taipingaufstand 1854 vernichtet worden; die jetzigen Gebäude sind nur eine notdürftige Kulisse, die der Kaiser Tsait'ien errichten ließ, um darin alljährlich den Manen des großen Gründers der Ming-Dynastie opfern zu lassen. Im zweiten Hof vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1723) verfaßte Inschriften zur Erinnerung an seinen Besuch der Stätte; der hinterste Hof mündet in einen Tunnel, der zu einer Terrasse mit roter Mauer führt. Dahinter erhebt sich ein bewaldeter Hügel, in dem der Kaiser Hungwu (1368-98) ruht.
Die Flußfahrt aufwärts führt an der Fasaneninsel vorbei, wo im Herbst gute Jagd ist, und weiterhin an der Stadt =Taiping=, am r. Ufer, schon von weitem an einer siebenstöckigen Pagode zu erkennen; die Stadt war der Herd des großen, nach ihr benannten Aufstandes (1852-64) der christenfreundlichen Chinesen gegen die Tsing-Dynastie, ihre Mauern sind 810 erbaut.--Dann folgt
(413 km) =Wuhu=, Stadt mit 129000 Einw., 1 km landeinwärts, mit Mauern umgeben, am r. Ufer des Yangtse, Vertragshafen seit 1877, als Handelsplatz wichtig, weil es durch Wasserwege mit großen Handelsstädten, besonders mit dem Teestapelplatz Taipinhsien, ferner mit den wichtigen Seidenhandelsplätzen Nanling und Kinghsien sowie mit Ningkuofu verbunden ist. Einfuhr: Opium und Baumwollwaren; Ausfuhr: Seidengewebe, Tee und Steinkohlen, vor allem aber Reis, der in riesigen Mengen verfrachtet wird. Die europäische Niederlassung liegt auf Hügeln unterhalb der Chinesenstadt, bisher nur von der amerikanischen Methodistenmission besiedelt. Agentur der deutschen Firma Arnhold, Karberg & Co. ist in Wuhu. Wuhu hat elektrische Beleuchtung. Eisenbahn von Wuhu nach Kuangtetschou ist im Bau und soll bis Hangtschou (S. 252) weitergeführt werden.
Oberhalb Wuhu wird das Flußbett enger, das l. Ufer zeigt hohe Berge. Etwa 3 km unterhalb (512 km) Tatung (Dampferstat.), Stadt am r. Ufer, steht die auffällige Pagode Kiangschanki auf 30 m hohem, überhängendem Steilufer.--Weiter oberhalb am l. Ufer (588 km) =Nganking= (Ankingfu), Hauptstadt der Provinz Anhui, von großen Mauern umgeben, mit 40000 Einw. und einer der schönsten siebenstöckigen Pagoden Chinas; obgleich nicht Vertragshafen, dürfen die Dampfer doch anlegen sowie Reisende und Güter aus- und einschiffen. --16 km nnö. von Nganking, beim Dorfe Huoschangkiao, liegt eine berühmte Pagode am Eingang einer Tropfsteinhöhle. Die Gebirge der Umgegend sind reich an landschaftlicher Schönheit, besonders im Frühjahr, wenn die Azaleen, Rhododendren und Glycinen blühen; im Herbst und Winter Jagdausflüge auf Fasanen, Enten, Gänse, Hasen, Ziegen, Füchse und Panther.--Weiter flußaufwärts zeigt die mit Mauern umgebene Stadt Tungliu am r. Ufer zwei siebenstöckige Pagoden, davon eine auf einem Hügel.--Die malerischste Stelle des untern Yangtse ist bei *=Siaukuschan= (»kleiner Waisenknabe«), einer 90 m hohen Granitinsel mit großen Tempelanlagen, Laubwald und einer Pagode auf dem Gipfel; gegenüber, am r. Ufer, liegt der 200 m hohe Kingtseschan (»Spiegelberg«), von dem ein 30 m hoher Granitfels in das Strombett vorspringt. Etwa 3 km oberhalb Siaukuschan am r. Ufer auf schroffem Felshang die befestigte Stadt Pengtse, der Stammort der Familie Lihungtschangs.--An der Mündung des Poyangsees, dessen Zuflüsse in die reiche Provinz Kiangsi führen, liegt die befestigte Stadt (714 km) Hukau mit 10000 Einw.; sw. von ihr sieht man 1400 m hohe Berge. Reis, Weizen, Seide, Baumwolle, Indigo, Tee und Zucker werden in Menge mit Dschunken aus dem Poyangsee zum Yangtse, meist nach Kiukiang, verschifft. --24 km oberhalb Hukau am r. Yangtseufer liegt
(738 km) =Kiukiang=, Stadt mit 36000 Einw., Vertragshafen seit 1862, vor dem Taipingaufstand sehr reich. Die Fremdenniederlassung mit etwa 100 Europäern (britisches Konsulat, Missionen) liegt oberhalb der Chinesenstadt, deren Mauer am Yangtseufer 0,5 km lang ist. Russische Ziegelteefabrik. In der Chinesenstadt gute Silberschmiede, die hübsche Sachen in chinesischem und europäischem Geschmack anfertigen (Adresse auf dem Flußdampfer zu erfahren). Hauptausfuhr: Porzellan der kaiserlichen Manufaktur in Tschingtetschen, Kiungtschau-Teesorten. In der Nähe liegt Kuling, eine von Missionaren gegründete europäische Sommerfrische (über 900 m hoch) mit etwa 130 Häusern und Telegraph, mit Sänften zu erreichen. Regelmäßige Verbindung mit Dampfbarkassen durch den Poyangsee und den Kankiang nach Nantschang (P und T, Missionen), der Hauptstadt der Provinz Kiangsi. Eisenbahn Kiukiang-Nantschang im Bau. Von hier wichtige Straße des Eingebornenhandels auf dem für Boote schiffbaren Kankiang aufwärts bis fast zur Quelle, über einen niedrigen Paß (Meiling; 300 m) herüber zu einem schiffbaren Nebenfluß des Peikiang und diesen abwärts nach Kanton (S. 225).--Oberhalb Kiukiang liegt am l. Ufer die Stadt (779 km) Wusüeh, Dampferstat.; etwa 13 km weiter erreicht man das Eiserne Tor des Yangtse, Pwanpienschan, wo bewaldete Berge das Strombett einengen; die Enge ist beiderseits stark befestigt.--Sehr schön ist auch die Strecke zwischen den Städten Kitschou und Schiwuiyao (Ausfuhrhafen der Eisenerze der von Deutschen angelegten Staatsbergwerke von Tiehschanpu und der Kohlengruben in Huangsanschi). --Bei der Stadt Wutschang am r. Ufer liegen die Sischanhügel, während gegenüber bis zu der mit Mauern umgebenen, an Hügeln gelegenen Stadt Huangtschoufu, Dampferstat., das Ufer flach ist. Die letzte Strecke bietet nichts Besonderes, bis viele Schornsteine und Masten die Annäherung an die drei großen Städte Hankau, Hanyang und Wutschang an der Mündung des Hanflusses in den Yangtse ankünden.--(960 km) Hankau.
Hankau.
=Ankunft auf dem Yangtse.= Man sieht zuerst am l. Ufer den Flußbahnhof, dann die Fremdenniederlassungen. Die Flußdampfer legen an Landungsbrücken an dem breiten, mit Bäumen bepflanzten Bund (Kai) an.
=Ankunft mit der Bahn= von Peking auf dem Bahnhof in der französischen Niederlassung.
=Gasthöfe=: Boemers Hotel (deutscher Wirt), neu, am Bund, 22 Z., Pens. $ 6-8, gute Verpflegung.--Terminus-Hotel, am Bahnhof, teuer.
=Post=: Deutsches Postamt, mit Telephonnetz; =Telegraph=.--=Rikschas, Wagen, Ponys= und Sänften sind zu haben.
=Eisenbahn=: Hankau-Peking ist im Betrieb (s. S. 280); die Bahnfahrt Hankau-Berlin über Peking dauert 15 Tage; die Linien Hankau-Kanton und Hankau-Tschöngtu sind im Bau und auf Teilstrecken schon im Betrieb.
=Dampfer=: Tägl. nach Schanghai, vgl. S. 247; etwa 3mal wöchentlich nach Itschang (S. 262) mit englischen, chinesischen und japanischen Dampfern; durch den Tungtingsee nach Tschangte, Tschangscha und Hsiangtan mehrmals wöchentlich japanische und chinesische Dampfer.
=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank (Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig und der Deutschen Bank; Hongkong-Shanghai-Bank; Banque de l'Indochine; Chartered Bank of India, Australia & China; alle vier Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Russisch-Chinesische Bank.
=Konsulat=: Deutsches Reich, Konsul Müller, am Bund.--=Deutscher Arzt=: Dr. Röse.--=Apotheke=: Watson.-- =Geschäftsadressen=: Deutsche Großkaufleute am Orte: Arnhold, Karberg & Co., Melchers & Co., Siemssen & Co., Carlowitz & Co., Schlichting, Schwarz Goumer & Co., Bornemann & Co., Schwartzkopff & Co., Adolf Krämer, Max Mittag, Siemens-Schuckert-Werke. Deutsche Handwerker.-- Deutsche, englische, russische, französische und japanische Niederlassungen.
=Hankau= (engl. Hankow, chines. Hàn-Kŏū;, d. h. Mündung des Han), Vertragshafen seit 1861, bildet zusammen mit Hanyang und Wutschang einen der wichtigsten Wohnplätze der Erde, dessen Gesamteinwohnerzahl auf etwa 1,5 Mill. geschätzt wird; davon entfallen auf Hankau 820000, auf Wutschang 400000, auf Hanyang 200000. Die drei Orte gruppieren sich derart um die Mündung des Hankiang in den Yangtsekiang, daß Hanyang im spitzen Winkel oberhalb der Einflußstelle, Hankau im stumpfen Winkel unterhalb der Einmündung, Wutschang aber gegenüber auf dem r. Yangtseufer liegt; Hanyang und Wutschang liegen etwas erhöht auf hügeligem Gelände, Hankau tief und flach. Nur Hanyang und Wutschang sind mauerumgürtete Städte; Hankau hat trotz seiner großen Volkszahl und Handelsbedeutung nur den Rang eines offenen Marktfleckens. Jeder der drei Orte hat seine besondere Bedeutung: Hankau ist in erster Linie Großhandelsplatz, Wutschang Lokalhandelsplatz, Hanyang als Hauptstadt der Provinz Hupe Verwaltungsplatz. Die Entwickelung einer Millionenansiedelung an dieser Stelle war dadurch bedingt, daß die Mündung des Han in den Yangtse den räumlichen Mittelpunkt und das natürliche Verkehrszentrum Mittelchinas bildet, das bisher der Knotenpunkt der großen Handelsstraßen war und künftig der großen Eisenbahnlinien sein wird; außerdem ist es der küstenfernste Punkt Chinas, der von größern Seeschiffen erreicht werden kann und daher in direktem Verkehr mit den Überseeländern steht, die mit China Handel treiben; liegen doch alljährlich während der Teeernte im Mai Dutzende großer Seedampfer und bis zu 3000 Dschunken vor Hankau. Durch den obern Yangtsekiang, der noch 800 km aufwärts für Flußdampfer, 2000 km für Boote fahrbar ist, und durch den Hankiang zieht es die Produkte von Szetschuan und Hupe, durch den Yüenkiang und Hsiangkiang die von Kweitschou und Hunan an sich und wird für die Reichtümer dieser Provinzen zum natürlichen Stapelplatz und Umschlagsort.
Die Ausfuhr umfaßt Tee, Seide, Eisenschienen, Bohnen und Bohnenkuchen, Erze, Sesamsaat, Häute, Tabak, Holzöl, Baumwolle, Talg, Wachs, Gallnüsse u. a. Die Einfuhr: Opium, Baumwoll- und Wollwaren, Kohlen, Seife, Glas, Eisenwaren, Lampen, Petroleum, Kriegsmunition u. a. Der Teehandel ist hauptsächlich in russischen Händen; im Gesamthandel Hankaus ist der deutsche Anteil bedeutender als der englische (244 Deutsche leben in Hankau). Auch als Industriestadt entwickelt sich Hankau, es besitzt Baumwollspinnereien, ein sehr leistungsfähiges modernes Eisen- und Stahlwerk, das etwa 20000 Arbeiter beschäftigt, Gewehr-, Geschütz- und Patronenfabrik in Hanyang, Streichholzfabrik, fünf russische Ziegelteefabriken, sechs Albuminfabriken (vier deutsche), zwei Münzen in Wutschang, Nagel- und Nadelfabrik, Papierfabriken, Lederfabrik, Grasleinenfabrik, Seidenweberei, Elektrizitätswerk, Getreidemühlen, Tuchfabrik, Zementfabrik, Exportschlachterei, Bauwerft für Flußdampfer (Yangtse Engeneering Work) etc. Die deutsche Niederlassung hat vorzügliche Kaianlagen.--In der Chinesenstadt ist sehenswert das Klubhaus der Schansi-Gilde, der die reichen aus der Provinz Schansi stammenden Bankiers angehören, mit dem Tempel des Kriegsgottes Kuan Ti (als »Kuan Yü« berühmter Feldherr des 2. Jahrh. v. Chr., im 12. Jahrh. selig gesprochen und 1594 vom Kaiser Wan Li als »Kuan Ti« unter die Götter versetzt; er ist Schutzpatron der Schansi-Leute), fünf großen Theaterbühnen und stattlichen Klubräumen. (Erlaubnis zur Besichtigung leicht, event. durch das Konsulat zu erhalten.) [Hand] Man vermeide es, bei Umzügen und Volksfesten in die engen Straßen der Chinesenstadt zu gehen!
=Ausflüge= (auf je 1/2 Tag): 1) Zu Boot nach dem sogen. =Joss House Hill= bei Hanyang mit Tempeln des Flußgottes und des sagenhaften Kaisers Yü (s. S. 261).--2) Zu Boot nach dem =Shêchan= (spr. schōĕ-chan), »Schlangenberg« in Wutschang, weithin kenntlich an dem seinerzeit vom Gouverneur Tuan-fang zum Empfang fremder Gäste in europäischem Stil aufgeführten (aber nie benutzten) Backsteingebäude mit Turm, das wie eine Kirche aussieht. Dahinter eine am Berg ansteigende Tempelanlage mit Kultusstätten verschiedener Gottheiten. Hindurchgehen! Oben ein Teehaus mit Terrasse und herrlicher *Aussicht über die Dreistadt Wutschang-Hanyang-Hankau. Kleine Trinkgelder öffnen alle Türen. Die obere Anlage heißt Huàng-has-lŏū, d. h. »Turm des gelben Kranichs«. Hinter dem Empfangsgebäude eine 1868 vom Generalgouverneur Kuan Wên errichtete Kopie (das Original ist bei Hèng choufou in Hunan) der berühmten Inschrifttafel des großen Yü (2207 bis 2197 v. Chr.) mit der sogen. Kaulquappenschrift, das sagenumwobene älteste Denkmal der chinesischen Literatur.
Von =Hankau nach Itschang= hat man mehrmals wöchentlich Fahrgelegenheit mit englischen, japanischen und chinesischen Dampfern (vgl. S. 259). Oberhalb Hankau fließt der Yangtse mit zahlreichen großen Windungen (zu deren Abschneidung ein Kanal von Hankau nach Schasi [Piënhokanal] besteht) teils inmitten einer großen Ebene, teils an deren Rand; auf der linken Seite ist er daher meist von einem Deich begleitet.
Die Schiffe laufen zunächst die große Handelsstadt (150 km) =Hsingti= an, dann (250 km) =Yotschau=, Stadt mit 20000 Einw., Vertragshafen seit 1898, am Einfluß des großen Tungtingsees in den Yangtse. Die Stadt ist auf Anhöhen erbaut und mit Mauern umgeben, zum Westtor führt eine Steintreppe vom Ufer. In der Hafenvorstadt südl. von Yotschau eine schlanke Pagode. Die Fremdenniederlassung, mit Seezollamt, P u. T, liegt malerisch auf einer roten Sandsteinanhöhe nördl. vom Dorfe Tschenglin (Chengling Settlement), etwa 7 km unterhalb Yotschau. Der Ort ist sehr schön, gesund und der kühlste am mittlern Yangtse. Alle Dampfer zwischen Hankau und Itschang laufen Tschenglin an, ebenso die Dampfer, die im Sommer nach Tschangscha laufen. Die Eisenbahn (im Bau) Hankau-Kanton wird Yotschau berühren.
Der =Tungtingsee= ist etwa 110 km lang und 55 km breit; er nimmt die großen r. Nebenflüsse Hsiang und Yüen auf, die im Sommer für kleine Dampfer schiffbar sind. Der See ist das obere Staubecken des Yangtse, bei den Sommerüberschwemmungen stehen viele Ortschaften unter Wasser, im Winter verliert er völlig das Aussehen eines Sees und wird zu einer welligen Schlickebene, die von einem Netz schmaler Wasserläufe durchsetzt ist. Nur der Hsiang hat ein tiefes Flußbett durch den See gegraben. Der Hsiangkiang mündet in der Südostecke des Tungtingsees; an ihm liegt etwa 210 km oberhalb Tschenglin die wichtige Handelsstadt =Tschangscha=, Hauptstadt der Provinz Hunan mit etwa 300000 Einw.; ihre Mauern haben 9 km Umfang und sieben Tore, die mit Ausnahme des Westtors bei Dunkelwerden geschlossen werden. Die Straßen sind breit und zeigen schöne Geschäfte, viele Tempel und Gildehallen. Vor der Ostmauer steht eine große Militärschule. Tschangscha ist seit 1904 Vertragshafen, Fremdenviertel soll außerhalb der Nordmauer angelegt werden. Britisches Konsulat; chinesische Gasthöfe; Missionen; gute Polizei; P u. T. Industrie: Streichholzfabriken, Bambus-, Lack- und Neusilberwaren; zwei Antimonraffinerien, Kupfer- und Silbermünze. Ausfuhr: Tee, Reis, Bauholz, Kohlen, Baumwolle. Dampfer: englische, chinesische und japanische regelmäßig nach Hankau und Hsiangtan. Die im Bau begriffene Bahnlinie Kanton-Hankau berührt Tschangscha; die erste Teilstrecke Tsaoschan-Tschütschou (Chuchow) ist seit Ende 1910 im Betrieb, die Strecke Tschangscha-Tschütschou (70 km) sollte 1911 fertig werden.
Oberhalb Yotschau (s. oben) laufen die Yangtsedampfer den Vertragshafen (450 km) =Schasi=, mit 96000 Einw., P u. T, Mittelpunkt der Webebezirke, am l. Ufer an; er ist Hafenplatz für die 10 km nw. gelegene große Stadt =Kintschau=, mit über 100000 Einw. Etwa 6 km oberhalb Schasi mündet, von S. kommend, der Taipingkanal in den Yangtse. Weiter oberhalb passiert man die große Stadt (525 km) =Tschikiang= mit rotem Sandsteinufer in gebirgiger Gegend; 17 km oberhalb liegt ebenfalls am r. Ufer die Stadt =Ituhien= an der Mündung des Tsinkiang in den Yangtse. Nun zeigen die Yangtseufer schroffe Sandsteinhänge. Ein Kloster auf 376 m hohem Berg am l. Ufer und eine siebenstöckige Pagode künden die Annäherung an
(575 km) =Itschang=, Stadt mit 70000 Einw. (80 Europäer), Vertragshafen seit 1876, am l. Ufer, mit Mauern eingefaßt. Viele europäische Firmen haben hier chinesische Agenten. Deutsches Konsulat, deutsches Postamt wird von Hankau verwaltet. Bahn von Itschang nach Wanhsien im Bau, soll bis Tschungking geführt werden.-- Man besteige den Itschang gegenüberliegenden Berg, von den Fremden »die Pyramide« genannt; schöne Aussicht über die Umgebung.-- Tagesausflng (event. im Tragstuhl) nach dem (3 St.) Höhlentempel Lungwang-tung (»Grotte des Drachenkönigs«) mit unterirdischem See.
=Von Itschang nach Tschungking= (740 km) bietet die Fahrt auf dem Yangtse (Eisenbahn, s. oben) wegen gefährlicher Stromschnellen oft große Schwierigkeiten. Nachdem frühere Versuche, eine Dampferverbindung herzustellen, fehlgeschlagen waren, hat von März bis Dezember 1910 der Flußlotse, der englische Kapitän Plant, mit dem chinesischen Dampfer Shutung (mit Prahm im Schlepp) einen etwa 14tägigen Verkehr aufrechterhalten (Fahrpreise für Bergfahrt, 6-9 Tage, I. Kl. $ 50, Talfahrt [2-4 Tage] I. Kl. $ 25). Vorausbestellung der Fahrkarten in Itschang ist zu empfehlen. Sehr lebhaft ist dagegen, weil der Yangtse die einzige Verkehrsader zwischen den östlichen Provinzen und der reichen Provinz Szetschuan (50 Mill. Einw.) bildet, der Dschunkenverkehr, der die gesamte Güterbeförderung und den größten Teil der Personenbeförderung zwischen Itschang und Tschungking besorgt; letztere erfolgt auf »Passagierbooten«, die die Strecke in der günstigsten Reisezeit (von Oktober bis Mai bei niedrigem Wasser) in 25-32 Tagen zurücklegen; Boote mittlerer Größe enthalten 3 Zimmer, Küche und Gepäckraum; der Fahrpreis beträgt 150-200 Taël. Konserven und Getränke sind aus Hankau mitzubringen, Fleisch und Gemüse ist unterwegs erhältlich. In Itschang empfiehlt sich die Mitnahme eines Rotbootes, d. h. Rettungsbootes (durch Vermittelung des Konsulats von der Ortsbehörde zu erlangen). Die Fahrt durch das tiefeingeschnittene Erosionstal ist landschaftlich äußerst lohnend; eine der von NO. nach SW. streichenden Bergketten nach der andern wird durchbrochen, ihre hohen Steilabstürze wechseln mit den flachen Einmündungen, der dazwischen liegenden Täler, Talengen mit Talweiten. Friedr. Hirth (seinerzeit Seezolldirektor in Tschungking) berichtet von seiner Reise wie folgt: »Die Reise ist im ganzen kaum gefährlicher als eine Seereise, trotz der reißenden Stromschnellen, deren man täglich mehreren begegnet. Die Landschaft ist während eines großen Teils der Reise großartig und stets interessant. Man denke sich die Sächsische Schweiz mehrfach übereinander getürmt und die Elbe um das Drei-bis Vierfache verbreitert, um sich ein Bild von den berühmten 'Gorges' von Itschang zu machen, so heißen bei den Engländern jene Engpässe, durch die sich der große Strom bis zu einigen Tagereisen oberhalb Itschang hindurchzwängt. Zwischen Itschang und Kweitschoufu überschreitet man die Grenze von Szetschuan. Die Mitte der Reise bildet die Stadt Wanhsien, ein wichtiger Knotenpunkt für den Handel in Ost-Szetschuan«, mit schönen Straßen, Läden, Tempeln und Pagoden, auf einem Hügel; Bahn nach Itschang im Bau, nach Tschungking und weiter nach Tschöngtu geplant; etwa 1000 Handwebstühle sind in der Stadt in Betrieb; in den nahen Bergen Kohlengruben. Ein Telegraph führt von Itschang über Wanhsien nach Tschungking und Tschöngtu und von dort über Ja-tschou nach Tachienlu (tibetanisches Grenzgebiet); von Tschungking nach Suifu.
(740 km) =Tschungking= (Unterkunft nur in chinesischen Gasthäusern), Stadt mit 610000 Einw., seit 1890 Vertragshafen, die Handelsmetropole der Provinz Szetschuan, liegt am l. Yangtseufer (über 2500 km oberhalb Schanghai) an der Einmündung des Kialingkiang halbinselförmig auf einer 30 m hohen Felsplatte. Die Umgebung ist sehr malerisch, im S. am r. Ufer liegt der heilige Berg Tuschan, wo der mythische Kaiser Yü seine Gattin heiratete. --=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul Weiß; ferner Großbritannien, Frankreich, Japan und Amerika.-- =Post=: Kaiserl. Chinesische Post und ein Französisches Postamt.--=Krankenhäuser=: Deutsche Poliklinik (unter Leitung eines Stabsarztes); englisches, französisches und amerikanisches Missionshospital (letzteres mit Frauenabteilung).--=Fremde Firmen=: Arnhold, Karberg & Co. und Carlowitz & Co., beide deutsch; englische: Mackenzie & Co. und British-American Tobacco Co.--=Ladengeschäfte=: ein französisches, das Konserven und Spirituosen vertreibt, ein amerikanisches, Apotheke und Gebrauchsgegenstände. --=Klub=: Seezoll-Klub mit Billardzimmer. P u. T.-- Tschungking ist der Hauptflußhafen und -handelsplatz für das »Rote Becken« von Szetschuan, ein von schiffbaren Flüssen durchzogenes, dicht besiedeltes (40 Mill. Einw., 250 auf 1 qkm) Hügelland von 800-1000 m Durchschnittshöhe, das sehr fruchtbar ist und günstiges Klima hat. Seine Hauptprodukte, die von Tschungking zur Ausfuhr kommen, sind: Seide, Häute, Moschus, Rhabarber, Opium, Wolle, Borsten, Gallnüsse, Ziegenfelle; Einfuhr: Baumwollengarn, Wollenstoffe. Etwa 1600 Dschunken verkehren jährlich in Tschungking.
Der Yangtse wird oberhalb Tschungking bis Pingshanhien (westl. von Suifu) befahren; er ist noch weiter schiffbar, aber unsicher wegen der Überfälle durch unabhängige Lolostämme. (Vgl. H. Hackmann, An den Grenzen von China und Tibet; Halle a. S. 1904.)-- Lohnend ist ein Ausflug von Tschungking nach der Provinzhauptstadt =Tschöngtu=, die auf einer der besterhaltenen Straßen Chinas in 10-12 Tagen zu erreichen ist, am besten im Tragstuhl (Tragkulis erhalten für die ganze Reise 4000 Käsch oder etwa $ 4). Die Gasthöfe sind verhältnismäßig sauber und billig, Kosten des Nachtlagers 300-1000 Käsch; Moskitonetz und Insektenpulver sind unentbehrlich. Tschöngtu, Sitz des Generalgouverneurs und der obersten Provinzialbehörden, mit etwa 600000 Einw., liegt nicht weit vom Fuße des das Rote Becken im N. begrenzenden Hochgebirges in einer sehr fruchtbaren Ebene, die etwa halb so groß ist wie die Oberrheinische Tiefebene. Es ist das »Paris Chinas« und gilt als die gebildetste, reinlichste und schönste Stadt des ganzen Reiches. Die Stadt zerfällt in die chinesische, die Tataren- und die (ehemalige) Kaiserstadt. In letzterer sind die Räume des Arbeitsamtes (einer Art Industrieschule). In der Tatarenstadt mandschurische Bevölkerung mit kleiner Mandschurengarnison. Die Zahl der Ausländer ist gering, da Tschöngtu nicht Vertragshafen. Außer drei Konsuln (deutschem, englischem und französischem) und einigen Ausländern (meist Japanern) in chinesischen Diensten wohnen dort nur Missionare. Mit den Missionen sind Hospitäler verbunden. (Vgl. A. Genschow, Unter Chinesen und Tibetanern, Rostock 1905.)
Etwa 60 km nw. von Tschöngtu, am Rande der Ebene, wo der Min aus dem Gebirge tritt, liegt =Kuanhsien=, berühmt durch das mehr als 2000 Jahre alte Bewässerungssystem, dem die Tschöngtuebene ihre Fruchtbarkeit verdankt. Von dort aus werden die unzähligen künstlichen Kanäle, die die ganze Ebene durchziehen, mit Wasser versorgt. Die Öffnung der Dämme bei Kuanhsien erfolgt im Frühjahr unter großem Zeremoniell. Dem Begründer dieser Bewässerungsanlage ist dort einer der prächtigsten Tempel Chinas errichtet worden.
Ausflug (etwa 5 Tage) nach dem heiligen Berge =Omi= (3380 m), einem der interessantesten und schönsten Punkte Westchinas.
Nordchina.
=Nordchina= unterscheidet sich in seinem ganzen Landschaftscharakter von Südchina sehr stark. Schon die Oberflächengestaltung ist ganz anders; denn während Südchina größtenteils aus Gebirgsland besteht, bildet den wichtigsten Teil Nord Chinas ein Flachland: die 300000 qkm einnehmende (Preußen 350000 qkm) Große Ebene, die das weit ins Nordchinesische Meer vorspringende, Bayern an Größe gleichende Gebirgsland von Schantung umschließt. Erst westl. der Großen Ebene beginnt zusammenhängendes Gebirgsland. Mehr noch unterscheidet sich aber der Norden des »Reiches der Mitte« vom Süden durch seine Kahlheit. Außer Nutzbäumen (Obst- und Maulbeerpflanzungen) und Gräberhainen gibt es keine holzigen Gewächse mehr, alles ist ausgerodet. Nackt steigen die Granitberge von Schantung empor, waldlos das Gebirge im N. von Peking; kahl, einförmig, im Winter geradezu trostlos ist auch die Große Ebene. Sogar die Graswurzeln rauft der Chinese mit eigens dazu hergestellten Gerätschaften aus, denn die Bevölkerung ist dicht, der Winter kalt, die Kohle teuer und das Brennmaterial rar. Eine dritte Haupteigenschaft Nordchinas, sein Reichtum an Löß, jener lehmartigen, aber ungeschichteten und kalkreichen, äußerst fruchtbaren Bodenart, die in trockenem Klima durch Verwitterung entsteht und vom Wind fortgetragen und in Tälern und an Berghängen abgelagert wird, tritt dem Weltreisenden nur in der gelben Farbe des Gelben Meeres, des Hoangho, d. h. des Gelben Flusses, und des Peiho, entgegen. Der Hoangho durchfließt vor seinem Eintritt in die Große Ebene diejenigen Gebirgsländer, die hauptsächlich von einer dicken Lößdecke verhüllt sind; er bringt daher so viel gelösten Löß in die Ebene mit hinaus, daß er nicht nur gelb aussieht und auch das Meer, in das er mündet, weithin gelb färbt, sondern daß er sein Bett immer wieder über seine Umgebung erhöht und, trotzdem er von den Chinesen in Dämme eingeschlossen wird, ständig die Neigung hat, seitwärts auszubrechen. Diese Neigung wird noch erhöht durch die starke Anschwellung, der er, wie der Yangtsekiang, allsommerlich unterliegt. So kann es nicht wundernehmen, daß der Hoangho in den letzten 2-1/2 Jahrtausenden neunmal seinen Unterlauf gewechselt hat; sein jetziges Bett, das am Gebirgslande von Schantung nördl. vorbeiführt, hat er erst seit 1852 inne; von 1280-1852 floß er südostwärts und mündete halbwegs zwischen Schanghai und Kiautschou. Solche Laufwechsel des Stromes und auch schon Dammbrüche bilden für die dicht bevölkerte Ebene natürlich immer furchtbare Ereignisse; bei dem letzten Ausbruch im Jahre 1887 wurden 22000 qkm (etwa = Westfalen oder Schlesien) überschwemmt, und 1,5 Mill. Menschen kamen ums Leben. So wertvoll also der Yangtse für China ist, so unnütz, ja verderblich ist ihm der Hoangho, um so mehr, als er wegen zu großen Gefälles auch im Unterlauf kaum schiffbar ist.
Das =Klima= Nordchinas ist wie das des übrigen Ostasien ein reines Monsunklima; im Sommer herrscht feuchtwarmer Seewind, im Winter kalter und trockner Landwind. Die Regenzeit fällt daher in den Sommer; der Winter ist, je weiter nach Norden, um so trockner. Die Temperatur bleibt im Sommer durch ganz Nordchina trotz seiner Erstreckung durch neun Breitengrade gleich hoch, nur an den Küsten wird sie durch die Seenähe etwas gemildert (Julitemperatur in Schanghai 26,9°, in Peking 26,6°, in Tsingtau aber nur 23,4°). Dagegen nimmt sie im Winter nordwärts stark ab (Januartemperatur in Schanghai 3,1°, in Peking-4,7°, in Tsingtau aber nur-0,4°, wieder wegen der Seenähe). Man sieht schon aus diesen wenigen Zahlen, daß das Klima nordwärts immer extremer, der Unterschied zwischen Sommer und Winter immer schroffer wird; unsre Kolonie Kiautschou ist klimatisch noch recht begünstigt.
=Bodenwirtschaft.= Die Große Ebene sowohl wie das gebirgige Schantung sind dicht besiedelt, denn die Ebene ist, von einigen sandigen Strichen abgesehen, fruchtbar, und die feuchtheißen Sommer gestatten meist noch den Anbau empfindlicher Pflanzen, wie des Reises und der Baumwolle; außerdem werden eine Menge andrer Nahrungspflanzen (namentlich auch Bohnen), Ölpflanzen (Erdnuß) und Obstarten gezogen; der Teestrauch kommt nur im SW. der Großen Ebene noch fort, die Seidenraupenzucht ist weit verbreitet, doch wird der gewöhnliche, auf dem Maulbeerbaum lebende Seidenspinner im Gebirgslande Schantungs durch zwei andre Arten vertreten, deren Raupen auf Eichen leben und die sogen. Schantungseide liefern. Die Berghänge Schantungs werden, soweit sie nicht nackter Felsboden sind, mit Terrassenkultur bewirtschaftet. Die einzelnen Familien besitzen, wie in Südchina, meist nur sehr kleine Grundstücke, die entsprechend intensiv ausgenutzt werden.
An guten Häfen sind auch die Küsten Nordchinas, die teils sandig und flach, teils felsig und steil sind, nicht reich, und von diesen ist wieder die Mehrzahl während einiger Wintermonate durch Eis gesperrt; »eisfrei« sind nur unsre Kiautschoubucht und das erst neuerdings benutzte Tschinwangtao am Nordostzipfel des Gelben Meeres, dem Golfe von Liautung. Der Hauptweg für den Warenverkehr zwischen Süd- und Nordchina war in frühern Zeiten der Kaiserkanal, der vom Kaiser Kublai Chan (1280-95), dem Gründer Pekings, angelegt wurde, von Hangtschou südwestl. von Schanghai bis Tientsin reicht, aber im Winter gleichfalls großenteils zufriert und stark verfallen ist. Der Landverkehr erfolgt auf schlechten Straßen mit Lasttieren (Kamelen, Maultieren, Ponys), auf zweiräderigen, ungefederten, stark gebauten Karren, und für Waren auch auf Schubkarren, die zum Teil mit Segeln versehen sind. Der Weltreisende wird von diesen unbequemen Transportmitteln aber kaum Gebrauch machen müssen, da das Eisenbahnnetz Nordchinas die wichtigsten Städte bereits sämtlich miteinander verbindet. Folgende Hauptlinien bestehen: von der Küste des Gelben Meeres (Tongku, nahe der Peihomündung) über Tientsin nach Peking; von Tongku nordostwärts über Schanhaikwan nach Mukden und den Häfen der Halbinsel Liautung; von Peking über das Nankaugebirge und Kalgan nach Suijuenwan in der Mongolei; von Peking entlang dem Westrande der Großen Ebene und zuletzt über das Waigebirge nach Hankau am Yangtse (S. 259); von Tientsin durch den Ostteil der Großen Ebene und den Westteil des Gebirgslandes von Schantung nach Pukou gegenüber Nanking (diese Strecke ist erst teilweise dem Verkehr übergeben, soll aber im Herbst 1912 fertig sein); endlich von Tsingtau nach Tsinanfu, der Hauptstadt Schantungs, die an der vorgenannten Strecke liegt.
13. Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking.
Vgl. die Karten S. 215 und 275.
=Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie= »Admiral v. Tirpitz« und »Staatssekretär Kraetke« jeden So. ab Schanghai über (390 Seem.) Tsingtau und (550 Seem.) Dairen nach (690 Seem.) Tientsin, Fahrzeit 4 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Sa. oder So.--Ferner Dampfer »Gouverneur Jaeschke« und »Sikiang« jeden Mi. von Schanghai über Tsingtau und (500 Seem.) Tschifu nach Tientsin, Fahrzeit 5 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Mi. oder Do. Im Winter (Dezember-März) ist der Hafen von Tientsin durch Eis geschlossen, dann laufen die Dampfer nach Dairen oder Tschinwangtao (von da mit Bahn nach Tientsin). Fahrpreise: von Schanghai nach Tsingtau I. Kl. $ 33, II. 20, hin und zurück $ 50 und 30; nach Tschifu I. 35, II. 20, hin und zurück 55 und 33; nach Dairen I. 45, II. 27,50, hin und zurück 67,50 und 41,25; nach Tientsin I. Kl. $ 60, II. 33, hin und zurück $ 90 und 50. (Der Wert des mexikanischen Dollars schwankt nach dem Silberkurs, z. B. Anfang 1903 = 1,66 M., Anfang 1907 = 2,40 M., zurzeit 2,35 M.).
=Eisenbahn= von Tsingtau nach Peking s. S. 271; der Landweg ist besonders im Winter zu empfehlen, wenn die Schiffahrt nach Tientsin durch Eis gesperrt ist.
Fahrt von Schanghai nach Wusung S. 246; die Yangtsemündung wird durch das nördl. Fahrwasser verlassen, das nahe an der 60 m hohen Insel Schaweischan (mit Leuchtturm) vorbeiführt. Die niedrige Küste kommt bald aus Sicht, das Wasser bleibt aber gelb gefärbt, solange der Kurs die seichten Bänke nördl. vom Yangtse kreuzt. Nach etwa 30 St. taucht das Lauschangebirge (S. 270) auf, dessen Ost- und Südseite fast unmittelbar aus dem Meere bis 700 m ansteigt; die Hauptkette hat über 1000 m Höhe, der höchste Punkt, der Lauting, 1130 m. Die Küste in der Umgebung der Kiautschoubucht ist kahl, ebenso sehen die vorgelagerten Inseln Tschalientau (Leuchtturm mit starkem Blitzfeuer) und Taikungtau aus. Später erkennt man die Einfahrt in die Kiautschoubucht zwischen dem Kap Jaeschke an der Südseite, hinter dem sich ein 166 m hoher Hügel erhebt, und der niedrigen Halbinsel Yunuisan an der Nordseite unmittelbar vor der felsigen Halbinsel, auf der die Stadt Tsingtau (S. 267) liegt, deren stattliche europäische Häuser aus großer Entfernung zu erkennen sind.
=Kiautschou.= Das am 14. November 1897 besetzte, der Verwaltung des Reichsmarineamts (Gouverneur: Kapitän z. S. Meyer-Waldeck) unterstellte deutsche Schutzgebiet umfaßt die große Kiautschoubucht bis zur Hochwassergrenze, die darin liegenden Inseln Yintau und Huangtau und die den Eingang zur Bucht bildenden Halbinseln sowie einige kleinere Inselchen; das ganze landfeste Gebiet ist nur etwa 550 qkm groß (Staat Hamburg 415 qkm). Eine 50 km breite »neutrale Zone« umgibt es. Der wichtigste Teil des Schutzgebietes ist die nördl. Halbinsel, nahe deren Spitze die Stadt Tsingtau angelegt worden ist. Die Kiautschoubucht selbst ist zwar groß u. vor Stürmen ziemlich geschützt, aber kein guter Naturhafen, da sie großenteils ganz flach ist; nur der Eingang und die diesem naheliegenden Teile sind tiefer, der Handelshafen ist auf der Innenseite der Tsingtau-Halbinsel durch Errichtung eines großen halbkreisförmigen Steindammes und Molen künstlich geschaffen. Tsingtau ist in erster Linie der politische Stützpunkt Deutschlands in Ostasien; doch hat es auch alle Aussicht, ein wichtiger Handelshafen zu werden, obgleich ihm die Wasserwege nach dem Binnenlande, die Hongkong bez. Kanton und Schanghai groß gemacht haben, fehlen; dieser Mangel wird aber zum Teil durch die Schantungeisenbahn ersetzt, die für den Zugang zum nördl. Teil der Großen Ebene eine breite, hinter der Kiautschoubucht sich öffnende Senke im Gebirgslande von Schantung benutzen konnte, und durch die Eisfreiheit des Hafens ausgeglichen. Das schon obenerwähnte, für nordchinesische Verhältnisse angenehme Sommerklima hat Tsingtau rasch zu einem beliebten Seebad für die Europäer ganz Chinas werden lassen.
In den wenigen Jahren, die seit der deutschen Besitzergreifung verflossen sind, ist unter den Gouverneuren Rosendahl, Jaeschke und Truppel an Stelle des armseligen, verseuchten Fischerdörfchens Tsingtau eine gesunde, mit allen modernen Einrichtungen versehene Europäerstadt mit zahlreichen öffentlichen Gebäuden und neben ihr, in der Nähe des Hafens, das Chinesenviertel Tapautau emporgewachsen. Die kahlen Berghöhen der Umgebung beginnen unter der Pflege der deutschen Forstverwaltung sich zu begrünen, und ein reger »Bergverein« sorgt für die touristische Erschließung des Lauschan mit dem Mecklenburghaus (S. 270).-- Vgl. Gg. Wegener, Das Kiautschougebiet (in Hans Meyer, Das Deutsche Kolonialreich, Band II).
Tsingtau.
Vgl. beifolgende Karte mit Plan.
=Ankunft zur See.= Der Dampfer steuert durch die 3 km breite Einfahrt zwischen Kap Jaeschke (l.) und Yunuisan-Leuchtturm (r.) in die Kiautschoubucht hinein, dann um die Tonne des Hufeisenriffs (r.) herum durch die Baggerrinne in den großen, neu angelegten Handelshafen, an dessen Kai festgemacht wird. Das Hafengebiet ist Freihafen; Tsingtau selbst gehört seit 1906 zum chinesischen Zollgebiet, doch ist Privatgepäck von Reisenden zollfrei. Zollabfertigung durch das chinesische Seezollamt an der Grenze des Freihafengebiets (C 2).
=Gasthöfe=: Prinz Heinrich (Pl. B5), Kaiser-Wilhelm-Ufer; 90 Z., F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 5-10, monatl. von $ 100 an.--Strandhôtel (D3), an der Auguste-Viktoria-Bucht (Kurhaus, geöffnet Mai-Oktober); 30 Z., F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 8-12, Monatspreise billiger. --Central (Pl. B5), 30 Z., Pens. $ 5-6.--Metropole, Friedrichstr. 260; 15 Z., Pens. $ 3-4.--Familienpension Luther, Hohenloheweg, Pens. $ 6. Küche gerühmt.--Pension Frau Mohrstedt; Pension Frau Röper, beide billiger und Irenestraße.
=Restaurants=: Hotel Kiautschou, Ecke Friedrich- und Prinz-Heinrich-Straße. --F. Vogt, Friedrichstr.--Zum Pschorrbräu (Dachsel), echte Biere, Küche gut, Tirpitzstr.--Haase, Friedrichstr. --Zur Börse, Schantungstr.-- Lehmann, Schantungstr.--Bahnrestaurant, Hohenzollernstr.--=Café=: Keining, Friedrichstr., auch Konditorei.
=Post, Tel. und Telephon= (Pl. B5), Albertstraße. Telegraphenkabel nach Schanghai und Tschifu.
=Wagen= liefern J. Richardt und A. W. Heinzel, Speditionsgeschäfte.-- =Reitpferde= (chines. Ponys) ebenda.-- Rikschas I. und II. Kl. sind reichlich vorhanden. Automobile sind zu mieten.
Eisenbahn (Bahnhof A5) von Tsingtau über Kiautschou und Weihsien in 11-1/2 St. nach (412 km) Tsinanfu (S. 272); Zweigbahn nach Poschan. (Direktion der Schantung-Eisenbahn in Berlin, Behrenstr. 14.) Die Strecke Tsinanfu-Tientsin (335 km) der Tientsin-Pukou-Eisenbahn ist bis auf die Hoanghobrücke fertig (vgl. S. 275 und Reichskursbuch Nr. 706).
=Dampfer= (S. 265): jeden Di. u. Sa. nach Schanghai, jeden Di. u. Fr. nach Dairen und Tientsin. Einmal monatl. direkter Reichspost-(Lloyd-)Dampfer nach und von Deutschland. Außerdem Fahrgelegenheiten mit englischen, chinesischen und japanischen Passagierdampfern (Fahrpläne in den Tageszeitungen).--Hamburg-Amerika Linie, Agentur Friedrichstr.--Norddeutscher Lloyd, Agent Melchers & Co., Kaiserstraße (Tel.-Adr.: »Nordlloyd, Tsingtau«).
=Münzwesen und Geldverhältnisse= chinesisch, vgl. S. 219; deutsche Nickelmünzen zu 5 u. 10 Cents; chinesische 5-, 10- u. 20-Centsstücke werden nur mit 10-20 Proz. Verlust genommen. Silbergeld: Mexikanische Dollars; Banknoten der Deutsch-Asiatischen Bank zu $ 50, 20, 10, 5, 1.--=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank (Pl. B5), Kaiser-Wilhelm-Ufer (Zentrale in Berlin, Behrenstr. 14); Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Agentur: Arnhold, Karberg & Co.
=Theater=: ein chinesisches.
=Klub=: Tsingtau-Club (Einführung durch Mitglied erforderlich), am Kaiser-Wilhelm-Ufer.
=Fremdenführer=: »Führer für Tsingtau und Umgebung« von Dr. Fr. Behme und Dr. M. Krieger (4. Aufl., Wolfenbüttel 1911); in den Buchhandlungen in Tsingtau und auf den deutschen Dampfern zu haben (auch eine englische Ausgabe).
=Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs= (Vorsitzender H. v. Kropff) erteilt Auskünfte und gibt den Führer des Verkehrsausschusses (Preis 30 Cents) heraus.--=Bäder=: Seebad mit Strandhotel (s. oben).--=Ärzte=: Mehrere Marineärzte; Zivilarzt Dr. Wunsch, Prinz-Heinrich-Straße; Zahnarzt Buchinger, Friedrichstraße.--=Rote Kreuz-Apotheke=, Prinz-Heinrich-Straße (Pl. B5). --=Krankenhäuser=: Vorzügliches Marinelazarett mit Frauenpavillon; Faber-Krankenhaus, für Europäer (Pl. B4); Faber-Hospital (C2), für Chinesen. =Buchhandlungen=: Paul Lindner; --E. Rose, beide Friedrichstraße.-- Deutsch-chinesische Druckerei und Verlagsanstalt Walther Schmidt, auch Buchhandlung, Friedrichstr. 410, gibt heraus die Tageszeitung: »Tsingtauer Neueste Nachrichten« nebst Wochenausgabe »Kiautschou-Post« (Redakteur H. v. Kropff).--=Photograph=: F. Takahashi, Friedrichstr.--Photographische Gebrauchsgegenstände liefert die Rote Kreuz-Apotheke, Prinz-Heinrich-Straße. --Das Photographieren von Festungswerken ist wie in Deutschland verboten.
=Geschäftsadressen.= Optiker und Uhrmacher: Fischer, Ecke Prinz-Heinrich- und Albertstr.; Kleiderhändler: Paul Heinrich, Friedrichstr.; Warenhäuser: Sietas Plambeck & Co.; Schwartzkopf & Co., Hohenzollernstr.; Baumann; Grill, beide Friedrichstr.; Konserven und Materialwaren: Boedicker & Co.; O. Linke, Prinz-Heinrich-Straße; China- und Japanwaren in Lack, Seide und Porzellan: Singtai & Co., Friedrichstr.; Cheap Jack & Söhne, chinesisches Seidenhaus, Kiautschoustraße.
=Konsulate=: Vereinigte Staaten von Amerika, Diederichsweg, Konsul Mac Nelly; England, bei Firma Cornabé, Eckford & Co., Ecke Schansi- und Tsinanstr.; Rußland, Vizekonsul Kropatschek, Bismarckstraße.
=Tsingtau= (»grüne Insel«), die Hauptstadt des deutschen Kiautschougebiets, hat (1910) 38000 Einw., darunter 1600 Europäer (ohne 2500 Mann Militär), im Landgebiet wohnen 127000 Chinesen; die Stadt liegt auf 36° 4' nördl. Br. (wie Gibraltar) zwischen Hügeln auf der Halbinsel an der Ostseite der Kiautschoubucht. Sämtliche Hafenanlagen, städtischen Anlagen, Wege und Bahn sind deutsche Arbeit, mit deutschem Gelde geschaffen. Der Handelshafen (BC1; Großer Hafen genannt, im Gegensatz zum Kleinen Hafen [B2], der dem Dschunken und Bootsverkehr dient) mit großem Schwimmdock nimmt Schiffe jeder Größe auf, seine Kaianlagen sind mit Bahngleisen, Warenschuppen und mit einer größern Reparaturwerft versehen. Die Stadt ist weitläufig und gesund angelegt; an der Tsingtaubucht liegen das deutsche Geschäftsviertel (BC2, 3) mit dem alten Yamen, Lazarett und Kasernen (C3). Nördl. davon erstreckt sich bis zum Kleinen Hafen das Chinesenviertel Tapautau (C2, 3) mit Markthalle und Missionsanstalten. Zwischen Tapautau und dem Handelshafen sind die Lagerhäuser und Bureaus der großen Exportfirmen. Östl. vom Yamen liegt das Villenviertel an der Auguste-Viktoria-Bucht (D3). In der Tsingtaubucht (BC3) sind mehrere Landungsbrücken für Boote. Die Gesundheitsverhältnisse von Tsingtau sind dank der guten hygienischen Einrichtungen die besten an der ganzen ostasiatischen Küste geworden, daher und wegen des angenehmen Sommerklimas wird die Stadt von europäischen Badegästen aus allen Häfen Ostasiens als Seebad besucht. Die Gouvernementschule (C5) ist ein Reformrealgymnasium (1910 mit 170 Schülern und 10 Lehrern) in 9 Klassen (Vorschule, Sexta bis Sekunda); Alumnat für Auswärtige bei einem Oberlehrer sowie in einzelnen Familien. Die deutsche Mädchenschule wird von Franziskanerinnen geleitet. Die Kiautschoubibliothek umfaßt bereits etwa 30000 Bände, im Lesezimmer liegen 70 deutsche und englische Zeitungen und Zeitschriften aus. Die meteorologische Station (Direktor Dr. Meyermann; ein großes Observatorium, Geschenk des Flottenvereins, ist Anfang 1912 in Benutzung genommen) auf dem Wasserberg (BC4) gibt tägliche Wetterkarten heraus. Mehrere Krankenhäuser sind von den Missionen eingerichtet.
=Rundgang.= Vom Kaiser-Wilhelm-Ufer führt in der Richtung der Tsingtau-Landungsbrücke (C3), in deren Nähe das Haus des Tsingtau-Clubs steht, die Friedrichstraße nach N.; an ihr liegt r. das 1902 eröffnete Seemannshaus (B4), zur Erholung für die Mannschaften des Kreuzergeschwaders und der Garnison bestimmt. Westl. von der Tsingtau-Landungsbrücke liegt die am 25. Okt. 1909 eröffnete *Deutsch-Chinesische Hochschule (B3), die nach Anmeldung beim Leiter, Prof. Keiper, dem frühern Dozenten an der Universität in Peking, besichtigt werden kann. Die Hochschule bezweckt, jungen Chinesen mit genügenden Vorkenntnissen ihrer Mutterschrift etc., was ein chinesischer Studieninspektor beaufsichtigt, staatswissenschaftliche, technische, medizinische oder land- und forstwissenschaftliche Ausbildung nach deutscher Lehrmethode und in deutscher Sprache zu geben. (Von 200 Angemeldeten bestanden 93 die Aufnahmeprüfung; 17 wurden dazu noch bedingt eingestellt, insgesamt 110; die Neubauten der Hochschule rechnen auf 520 Zöglinge.) Am Nordende der Friedrichstraße liegt r. die Markthalle (B4); hinter ihr beginnt das Chinesenviertel Tapautau (B4), durch das die Schantungstraße zum Kleinen Hafen (B2) führt, von dem man auf der Rechternstraße längs des Strandes zum großen Handelshafen (BC1) gelangt. Vom Bauhafen (C2) vor dem Handelshafen gelangt man auf der Westpaßstraße vorbei am Faberhospital (C2) und der evangelischen Missionsanstalt bis in die Nähe des Gouvernementslazaretts (C2), doch benutze man den Fußweg, der vorher l. nördl. von Villa Crusen auf den Diederichsberg (99 m) hinaufführt; oben bei der Signalstation (C4) *Aussicht über Stadt und Hafen. (Die Station zu betreten ist verboten!) Abstieg nach S. vorbei am Diederichsstein (mit Felsinschrift zum Andenken an die Besitznahme durch den Admiral v. Diederichs); in der Nähe das neue Gouverneurswohnhaus (D5), 1906/07 erbaut. Der Fußweg mündet unterhalb des Lazaretts, in der Nähe der neuen evangelischen Christuskirche (C5), in die Bismarckstraße, von der r. am Hohenloheweg das stattliche Gouvernementsgebäude (B5) liegt. Man folgt der Bismarckstraße, an der l. die alte Gouvernementsschule und ehemalige Kapelle, die neue Gouvernementsschule (s. oben) und unterhalb davon bei den »Fünfzehn Eichen« ein der Meeresgöttin geweihter Tempel (C5) steht, worin eine Figur dieser Göttin nebst andern Figuren und Malereien sehenswert sind. Man biegt nun l. und folgt dem Kaiser-Wilhelm-Ufer zum alten Yamen (C5), dem frühern Sitz des chinesischen, dann provisorischer Amtssitz des deutschen Gouverneurs, mit bemerkenswerter Fengschuimauer (zum Schutz gegen Wind- und Wassergeister) vor dem Eingang; auf der Innenseite ein Bild des Ungeheuers Tan. Von da fahre man mit Rikscha nach S. und längs des Auguste-Viktoria-Ufers zum Badestrand (D3), wo im Sommer wöchentl. zweimal Nachm. die Militärmusik spielt; dahinter breitet sich das Villenviertel von Tsingtau aus. Vom Seebad führt die Iltispaßstraße über den Exerzierplatz und l. vorbei am Europäerfriedhof (mit Denkmal des Gouverneurs Jaeschke und des Missionars und Sinologen E. Faber) am Fuße des Bismarckbergs (D2), dann r. an den Iltiskasernen auf guten Wegen auf den Iltisberg (E2; 4 km von Tsingtau) mit sehenswertem *Forstgarten und mehreren Aussichtspunkten sowie Granitfelsen (»Mausefalle« 2/3 km östl. von den Kasernen). Beachtenswert ist die durch die deutsche Marineverwaltung ausgeführte Aufforstung der früher kahlen Berge. Bückweg am Bismarckberg entlang, über den Europäerfriedhof und an den (r.) Bismarckkasernen (D2) vorbei durch die Ostlagerstraße zur Stadt zurück. Tsingtau, ursprünglich nur als Flottenstützpunkt gedacht, ist eine mustergültige Schöpfung der deutschen Marineverwaltung, die von deutschen Weltreisenden als »Kleinod unseres Volksgeistes« bezeichnet wird, das deutschen Baustil, deutsche Behaglichkeit, Sauberkeit und Ordnungsliebe im fernen Osten rühmlichst zur Geltung bringt. Kein Weltreisender sollte versäumen, diese zukunftsreiche deutsche Siedelung zu besuchen!
Ein =Ausflug= in den =Lauschan=, zwei Tage, zu Wagen (hin und zurück $ 12) oder zu Pferde, auf guter Fahrstraße, ist landschaftlich sehr lohnend und gewährt gute Einblicke in den Charakter des Berglandes von Schantung. Der Hauptast des Lauschan (»beschwerliches Gebirge«), der die höchsten Gipfel (Lauting, 1130m = Brockenhöhe, Steinerne Säge, Fünffingerspitze) trägt, zieht nordsüdl. an der Ostgrenze des Schutzgebietes entlang und fällt ostwärts steil zur großen Lauschanbucht ab. Westwärts sind ihm einige Seitenäste mit tiefen Tälern dazwischen vorgelagert. Trotz seiner geringen Höhe macht das Gebirge einen sehr unwirtlichen, beinahe alpinen Eindruck; steil steigen die nackten felsigen Hänge der Granitberge zu zackigen Graten auf, ihre untern Teile sind von mächtigen Trümmerhalden umhüllt. Kahl und waldlos ist alles, fast jede Vegetation ist den brennholzsuchenden Chinesen zum Opfer gefallen, nur ganz niedrige, struppige Kiefernholzschonungen bestehen hier und da. Auch in den Tälern findet man Grün nur in der Nähe der Ortschaften und um die Tempel und Klöster.
Nördl. über (4 km) Taitungtschen, durch malerische Dörfer und über Höhen nach (15 km) Litsun, großem Marktflecken mit Bezirksamt am gleichnamigen Fluß; von da östl. am r. Flußufer entlang über Tschengtan nach (21 km) Hsiaho, dann über den Bergrücken östl. weiter nach (24 km) Nanlungkou, von da östl. über (26 km) Hanho ins Lauschantal nach (28 km) Tschiuschui und dann flußaufwärts, vorbei am Tempel (30 km) Tschiuschui-an mit Bambushain bis zum (33 km) Tempelpaß (447 m), wo in prächtiger Gebirgsgegend das =Deutsche Genesungsheim= (Mecklenburghaus, zugleich Gasthof mit mäßigen Preisen) für das Kiautschougebiet liegt; Aussicht aufs Meer und ins Lauschantal. Man übernachte im Genesungsheim und gehe am nächsten Morgen 2 km bergab ins Peischahotal nach (35 km) Peitschiuschuimiau, Kloster mit schönen Kiefern- und Bambuspflanzungen; südl. vom Kloster liegen sechs Landhäuser von Europäern. Man folgt nun dem Peischahotal aufwärts bis (37 km) Schuangschywu, dann steigt l. ein Fußweg zum (39 km) Tempel Waldfrieden (Gelegenheit zum Übernachten, der Schlüssel zu den dem Bergverein Tsingtau gehörigen Räumen im Genesungsheim); von da auf bezeichnetem Fußweg zum (43 km) Kuhpaß (961 m) am deutschen Grenzstein Nr. 5, dann südl. weiter zum (47 km) Lauting (1130 m), dem höchsten Gipfel des Lauschan, schon außerhalb des Schutzgebiets; von da führt ein bezeichneter Fußweg zur (51 km) Irenenbaude, dem steinernen Haus des Bergvereins Tsingtau (bequeme Unterkunft, im Sommer geöffnet, sonst Schlüssel im Genesungsheim). Von der Irenenbaude führt ein bezeichneter Fußweg zum Genesungsheim zurück; von andern Wegen führt einer nach Schuangschywu, einer nach Schatstykou südl. durch das Prinzental und ein dritter nach Tschiu-schui über den Mattenstock. Alle Wege im Lauschan sind rot-weiß-rot und mit Nummer bezeichnet.--Für Wanderungen im Lauschan benutze man die Wegkarte des »Bergvereins«; der Gebirgswart des Vereins (zurzeit Obersekretär Bergemann) erteilt gern Auskunft.
A. Von Tsingtau über Land nach Peking.
Von Tsingtau bis (412 km) Tsinanfu mit der =Schantung-Eisenbahn= in 11-1/2 St. für I. Kl. $ 14, II. $ 7; keine Rückfahrkarten (vgl. Reichskursbuch 706). --Von Tsinanfu bis (335 km) Tientsin mit der =Tientsin-Pukou-Eisenbahn= in 10-3/4 St., tägl. in jeder Richtung ein Zug; bis Fertigstellung der Hoanghobrücke bei Tsinanfu Überfahrt über den Fluß auf Fähren (vgl. Reichskursbuch 706). Von Tientsin bis Peking s. S. 277.
Die Schantung-Eisenbahn soll für unsre Kolonie die fehlende Schiffahrtsstraße ins Hinterland ersetzen, den Ausfuhr- und Einfuhrhandel aus der Provinz Schantung und dem nördl. Teil der Großen Ebene nach Tsingtau lenken und vor allem auch die Kohlenlager von Fangtse und Poschan erschließen. Die Schantung-Eisenbahngesellschaft, die die Bahn erbaut hat und seit 1. Juni 1904 betreibt, beutet als »Schantung-Bergbaugesellschaft« auch die Kohlenfelder aus. Das Gebirgsland von Schantung öffnet sich gerade im Hintergrunde der Kiautschoubucht zu einer hügeligen Senke, die einen bequemen Zugang nach Tsinanfu, der Hauptstadt Schantungs, gewährt.
Die =Provinz Schantung=, die man durchfährt, ist, trotzdem sie großenteils gebirgig ist, außerordentlich dicht bevölkert (im Durchschnitt 258 Bewohner auf 1 qkm, in Deutschland nur 120); trotzdem sie als metallreich gilt, beruht ihr Hauptreichtum doch auf der Landwirtschaft, die außer Nahrungsmitteln auch Baumwolle und Opium hervorbringt, dem Obstbau und der Seidenzucht. Die Bevölkerung ist kräftig, intelligent und dem Fortschritt zugeneigt. Die beiden großen chinesischen Philosophen Kungfutsze und Mengtse entstammen ihr. Zahlreiche, von Karren und Schubkarren reich belebte Straßen durchziehen das Land. Die einzige Industrie ist die Strohflechterei, die auch stark exportiert.
Vom Bahnhof in Tsingtau (S. 267) an der Prinz-Heinrich-Straße (B3) fährt die Bahn um das Nordende der Stadt am Kleinen Hafen und großen Handelshafen vorbei, dann längs der Küste der Kiautschoubucht über den Haipofluß nach dem Dorf--(8 km) Syfang II; gute Gartenschänke (Paradiesgarten, Molkerei [Kusserow]), Ausflugsort der Tsingtauer; in der Nähe schöner Totenhain.--Weiter nach (18 km) Tsangkou, Dorf mit Gartenlokal (Bang), bequemem Ausflugsort, in dessen Nähe die große Seidenspinnerei der Deutsch-Chinesischen Seidenindustriegesellschaft (Kolonialgesellschaft) liegt, die jetzt außer Betrieb ist, doch neu verpachtet werden soll.--Die Bahn wendet sich dann in großem Bogen, viele reiche Dörfer berührend, westl. und erreicht nach 2-1/4 St.
(81 km) =Kiautschou=, unansehnliche Stadt mit etwa 84000 Einw., außerhalb des deutschen Schutzgebiets, aber in der neutralen Zone. Vom Bahnhof führt ein Weg zum Nordtor; innerhalb dessen l. ein Wohnhaus für die Bahnbeamten, gegenüber die evangelische Mission (Missionar Töpper), r. ein kleiner Tempel; jenseit des Bahnhofs liegt die ehemalige Kaserne der deutschen Besatzung. Vom Nordtor sw. gelangt man in einen schönen Park (Lotos, Bambus etc.), dann zum Tempel des Gottes der Reichtümer, von da zum Tempel der Himmelskönigin, ferner zum Literaturtempel und dem verwahrlosten (meist geschlossenen) Kungfutszetempel mit Drachen auf den Dachfirsten. Das Yamen des Unterpräfekten liegt nahe dem Westtor, in seiner Nähe die Prüfungshalle. Außerhalb des Osttores der Tempel des Kriegsgottes. Im NW. der Stadt die katholische Mission.
Hinter Kiautschou durchläuft die Bahn fruchtbare Gegend mit hübscher Landschaft.--(107 km) =Kaumi=, lebhafte Marktstadt, 20 Min. vom Bahnhof, mit hohen Mauern, sehenswerten Läden, Tempeln und schönem *Mandarinengrab. 15 Min. vom Gasthof liegt auf einem Hügel mit Park die Kaserne der ehemaligen deutschen Besatzung, in der jetzt ein chinesischer Hauptmann sowie die deutsche evangelische Mission (mit Schule und Krankenhaus) wohnen.--Bei (183 km) Stat. =Fangtse= liegt 20 Min. südl. das große Kohlenbergwerk nebst Wäscherei und eine Brikettfabrik der deutschen Schantung-Bergbaugesellschaft. Die Kohle eignet sich leider nur zum Hausbrand, nicht zum Verbrauch auf Schiffen.--Die Bahn führt durch das Tal des Weiho, überschreitet diesen und seinen Nebenfluß Yunho auf eisernen Brücken. Man sieht Obstpflanzungen, bewaldete Hügel und einen schönen Zypressenhain bei Nanliu; die Dörfer werden dichter, die Häuser sehen wohlhabender aus.-- (196 km) =Weihsien=, lebhafte Handelsstadt, von Mauern umgeben, mit deutschem Postamt und amerikanischer Missionsstation (Lou tao yüan); der Pailangho fließt mitten durch die Stadt. Die Gewerbe sind straßenweise geordnet.--Dann führt die Bahn über (220 km) Tschanglo nach (255 km) =Tsingtschoufu=, Stadt mit 35000 Einw., Stammsitz der Ming-Dynastie mit amerikanischer Mission. Vom Bahnhof führt eine breite Straße in die Hauptstraße der Chinesenstadt, in deren Nähe die Mandschustadt liegt. Im Kloster Tschinglungtse (4 km) eine große *Tempelanlage.--Die Bahn führt nun über (270 km) Tschotien nach (302 km) Tschangtien.
=Zweigbahn= von hier nach (43 km) =Poschan=, nach v. Richthofen der industriellsten Stadt in China in schöner Landschaft. In Poschan sind alte Kohlenbergwerke, ferner eine Glasfabrik nach europäischem Muster (gläserne Schnupftabakfläschchen von Poschan sind berühmt); auch wird dort der Schmelz für das Pekinger »Cloisonné« gewonnen. Die deutsche Schantung-Bergbaugesellschaft besitzt in Hungschan (7 km nw. von der Bahnstation Tsetschuan, 32 km von Tschangtien) einen Förderschacht für Fettkohle.
Die Hauptbahn läuft über (320 km) Tschoutsun, Haupthandelsplatz für Schantungseide, Tussah genannt, nach (406 km) Tsinanfu-Ost, dann um die Stadt herum nach (409 km) Tsinanfu-Nordwest bis zum Endpunkt der Bahn, dem (412 km) Westbahnhof von
=Tsinanfu= (Hotel Trendel, am Westbahnhof, mäßig, Pens. $ 5; Gasthaus des Schlächtermeisters Stein, nahe dem Bahnhof, bescheiden, sauber, gelobt), Hauptstadt der chinesischen Provinz Schantung und wichtige Handelsstadt der Kreuzungsstelle des Hoangho mit dem Kaiserkanal, Sitz des Gouverneurs, mit etwa 360000 Einw., Hochschule, Rechtsakademie, Lehrerseminar, Gewerbeschule (mit Ausstellung der in der Schule hergestellten Gegenstände), Polizeischule, Kadettenschule und Arsenal; die Stadt hat elektr. Licht und Telephon. Deutsches Konsulat, Konsul Dr. Betz.
=Zeitteilung=: Bei eintägigem Aufenthalt besichtige man die heißen Quellen, den Lotosteich und mache einen etwa vierstündigen Ausflug zum Tausend-Buddha-Berg.
Sehenswert sind der *=Lotosteich= (Ta ming hu) im N. der Stadt mit Tempeln und Ahnenhallen am Rand und auf den Seeinseln und hübschen Ausblicken (Bootsfahrt); die Provinzialbibliothek mit alten Relief- und Inschriftensteinen am Seeufer; das Provinziallandtagsgebäude; die *=heißen Quellen= (Pai tu tsuan), in denen das die Straßen durchfließende heiße Wasser entspringt, mit altem Quellentempel, worin ständiger Markt abgehalten wird, in der südl. Vorstadt; ganz im S. die weitläufige Anlage der Englischen Baptistenmission mit Medizinschule und Museum; vor dem neuen Westtor (Pu li men) der stattliche Neubau des Ober- und Landgerichts, dahinter das Mustergefängnis, an der zur Handelsniederlassung am Westbahnhof führenden Straße; in der Niederlassung liegen das Deutsche Konsulat (Konsul Dr. Betz), das große Verwaltungsgebäude der Tientsin-Pukou-Eisenbahn, das Sanatorium Dr. Kautzsch, Niederlassungsamt; Deutsches Postamt im Westbahnhof. Bank: Deutsch-Asiatische Bank (Korresp. der Deutschen Bank).
=Kleinere Ausflüge= in die Berge im S. zum *=Tschien fo schan= (Tausend-Buddha-Berg), buddhistischem Wallfahrtstempel über der Stadt mit hübschem Blick auf die Umgebung bis zum Hoangho; in hochromantischer Talschlucht im Gebirge; nur mit Führer zu Fuß durch die Berge in 3-1/2 St. oder zu Pferd auf Umweg um das Gebirge herum in 2-1/2 St.
=Ausflug= zur =Geburtsstadt und dem Grabe des Kungfutsze=. Von Tsinanfu mit der Südlinie der Tientsin-Pukou-Bahn in etwa 3 St. nach (etwa 70 km) Taianfu (Bahnhofshotel) mit den sehenswerten Tempeln der Pihiayüen kün und des Taimiau. Von da Besteigung des *=Taischan= (1550 m), des schönsten Punktes von Schantung, hochberühmter, alter heiliger Wallfahrtsberg, Aufstieg 4 St., Abstieg 3 St.; mit Bergsänften für Tag und Träger 1000 Käsch (etwa $ 0,40) und Trinkgeld, vier Träger erforderlich. Der Weg führt von Taianfu an der Ostmauer des Taimiau entlang nach der Stadtmauer, außerhalb nach W. durch den großen Ehrenbogen Taitsungfang (16. Jahrh.), der den Anfang des berühmten Treppenwegs (etwa 6000 Stufen) zum Gipfel bildet, dann zwischen Zypressen, Tempeln, Toren, Gedenksteinen und Raststellen bergauf; viele Ausblicke in zerklüftete Gebirgslandschaft. Der obere Teil der »Treppe zum Himmel« schmiegt sich wie eine Riesenschlange an die steile Felswand; oben hinter dem ersten Tor hält Kuanti, der Kriegsgott, die Wacht. Auf einem Sattel zwischen zwei Kuppen sind Unterkunftshütten: die Hochfläche ist übersät mit Tempeln; der schönste Tempelpalast mit hohen Toren, Trommel- und Paukenturm, Höfen und Pavillons ist der Himmelsmutter (Pihiayüen kün) geweiht: auf schwerem Sockelbau mit Freitreppe erhebt sich ein Kungfutszetempel; alle Anlagen überragt der Tempel des Edelsteinkaisers (Yühuangti) auf dem höchsten Gipfel am Nordrand des Berges. Herrlicher Blick auf den Fluß Tawönho, die Stadt Taianfu in der Ebene und das Trümmerfeld ähnliche Gebirge nach O., N. und W. vom »Lebensgipfel« aus. In der Nähe berühmte Felseninschrift aus der Zeit der Tang-Dynastie (7. Jahrh.); man kann im Gebirge in einem Kloster übernachten. Von Taianfu gelangt man weiter mit der Bahn nach (etwa 130 km) Yentschoufu, von da zu Pferd oder zu Fuß nach (18 km) *=Küfu= am Fuß des großen Schantunger Gebirgsdreiecks, wo Kungfutsze (Confucius) 551 v. Chr. geboren wurde und 478 starb; den größten Teil der Stadt nimmt die großartige Anlage des Kungfutszetempels ein. Durch fünf Vorhöfe und hallenartige Tore, mit Inschriften und Gedenksteinen geschmückt, führt der breite Weg zum Hauptheiligtum Tatschengtien (»Zur großen Harmonie«) des Kungfutszetempels mit gelb glasiertem, doppeltem Dach, auf dessen First Fabeltiere die bösen Geister fernhalten; die marmornen Monolithsäulen des Tempels (16. Jahrh.), auf denen Wasser, Berge und Wolken mit den beiden nach dem Edelstein greifenden Drachen in erhabener Arbeit gemeißelt sind, stehen auf 3 m hoher Plattform; die Tempelhalle ruht auf roten Hartholzsäulen; in der Halle stehen fünf geschnitzte Schreine mit Opfertischen, im mittlern erhebt sich die goldglänzende Statue des Kungfutsze mit kaiserlichen Insignien, am seltsamen Zeremonienhut 12 grün- und rotseidene Quasten mit Perlen, zu den Füßen die Seelentafel mit Inschrift: »Tschescheng siensche Kungtse schen-wei« (d. h. des allerheiligsten hehren Lehrers Kungtse geistiger Thron).
Im Schrein l. Jenfutse, der Neffe, und Tsesetse, der Enkel des Weisen, r. die andern Hauptschüler Tsengtse und Mengtse (Mencius). Um den Haupthof liegen mauerumzogene Unterkunftshäuser für die Kaiser und ihr Gefolge, in denen sie sich fastend auf die Opfer vorbereiteten, ferner kleine Tempel für die Eltern und Vorfahren des Weisen, Hallen für die geweihten Musikinstrumente, Übungsräume für die Musikanten etc.
Kleiner ist der Tempel des Jenfutse, hinter dem in einem noch viel kleinern Tempel der Frau des großen Schülers geopfert wird. Nahebei eine gute chinesische Herberge. In Küfu residiert das gegenwärtige Haupt der Familie, der »heilige Herzog« Kun (yen scheng kung), der 74. direkte Nachkomme des Kungfutsze. (Ausführliche Schilderungen und Abbildungen der Sehenswürdigkeiten auf dem Taischan und in Küfu in: »Studien und Schilderungen aus China«, Nr. I: Der Taischan; Nr. II: Heiligtümer des Konfuzianismus; Verlag der katholischen Mission in Yentschoufu, zu haben in den Buchhandlungen in Schanghai und Tsingtau.) Der Weg von Küfu zum einfachen und schlichten Grab des Weisen führt durch den *Geisterweg, dessen Allee aus der Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) stammen soll. Marmorbogen, mit Löwen geschmückt, überspannen den Weg, an dem Kioske mit Inschriften stehen. Man gelangt in einen urwaldähnlichen Totenhain; die spitzen Grabhügel der Verwandten des Kungtse sind dicht überwachsen. Durch einen alten Ehrenbogen und über eine spitzbogige Brücke erreicht man ein Torgebäude, hinter dem der Ehrenweg beginnt, der an den großen Steinfiguren der »hochehrwürdigen Oheime« zu seiten einer Rauchopferschale vorbei zum Grabhügel des »Allerheiligsten« führt, der, mit Gestrüpp bewachsen, einen großen, nach S. gerichteten Grabstein voll altertümlicher Schriftzeichen mit schwerem Opfertisch zeigt--das *Grab Kungfutszes, umgeben von den Gräbern seiner nächsten Verwandten.
Sehr anstrengend, aber lohnend, ist der Rückweg von Küfu in östl. Richtung über das Gebirge nach Poschan (S. 272) mit einräderigen Reisekarren (wheelbarrows, in Pidgeon: bibalos), von je zwei Kulis gezogen; drei Tagereisen bis Poschan, auf schmalen Gebirgspfaden, an Abgründen vorbei, über den Poschanpaß (mit steinerner Ehrenpforte), auf sehr schlechten, mit Steingeröll übersäten Wegen. Unterwegs viele schöne Ausblicke. In Poschan sehenswerte Glasbläsereien und Töpfereien. Rückfahrt von Poschan mit der Schantung-Bahn nach Tsingtau.
Kungfutsze, der bedeutendste Staats- und Sittenlehrer Chinas, griff, um der Zerrissenheit Chinas in viele kleine Einzelstaaten abzuhelfen, auf den altchinesischen Ahnenkultus und die alten Schriften der chinesischen Weisen zurück, erklärte als vornehmste Pflicht den unbedingten Gehorsam des Sohnes gegen den Vater, des Untertanen gegen den Kaiser als Statthalter Gottes; außerdem lehrte er die Tugenden Menschlichkeit, Rechtlichkeit, Schicklichkeit, Weisheit und Treue. Die weitgehende chinesische Elternverehrung ist durch ihn noch gefördert worden. In verschiedenen Büchern stellte er die Aussprüche der Kaiser des Altertums und ihrer Ratgeber zusammen. Trotzdem er kein Religionsstifter war, wurden nach seinem Tode ihm zahllose Tempel geweiht und Gedenkopfer dargebracht. Einer der schönsten Tempel Chinas ist in Küfuhsien ihm zu Ehren errichtet und mit Inschriften, Vasen und Schnitzereien aller Zeiten geschmückt. In der Stadt führen etwa vier Fünftel der Einwohner seinen Namen, darunter der Herzog von Kung, der sein direkter Nachkomme ist.--Mengtse (Mencius), der berühmteste aus der Schule des Kungfutsze hervorgegangene Philosoph, geb. 372 v. Chr., gest. 289, hat seine Lehren in frischer, lebendiger Form in sieben Büchern zusammengefaßt, die zu den klassischen Schriften Chinas rechnen (auch ins Englische und Französische übersetzt). Seine Nachkommen werden seit zwei Jahrtausenden in dem Nachbarorte Tschouhsien, der Heimat des Mengtse, in einem heiligen Wald von Eichen und Zypressen begraben.
=Von Tsinanfu nach Tientsin= weiter mit der Tientsin-Pukou-Bahn (S. 271), einer wichtigen Bahnlinie, die künftig Schanghai über Nanking (Überfahrt über den Yangtse mit Fährdampfer nach Pukou S. 256), Tsinanfu und Tientsin mit Peking verbindet, die Bahn ist auf der nördlichen, mit deutschem Geld und von deutschen Firmen gebauten Hauptstrecke (Tsinanfu-Tientsin) bereits im Betrieb, trotzdem die Hoangho-Brücke, deren Fundamentierung ungeheure Schwierigkeiten machte, voraussichtlich erst Ende 1912 betriebsfertig wird (Fährdampfer über den Hoangho vgl. S. 271). Die Nordstrecke zwischen Tsinanfu und Tientsin berührt keine großen Städte und führt durch den Nordteil der Großen Ebene über 30 meist kleine Stationen; etwa 120 km nördl. von Tsinanfu trifft die Bahn bei Tötschou den Kaiserkanal (Nan yün ho) und hält sich dann bis Tientsin nahe östl. von ihm.
Tientsin.
Vgl. den Plan auf beifolgender Karte.
Der =Bahnhof= liegt am l. Peihoufer nahe der eisernen Brücke, die in die Fremdenniederlassungen führt. Man beachte, daß man in Stat. Tientsin Settlement aussteigt; der zweite, nördliche Bahnhof Tientsin City liegt am Nordende der Chinesenstadt.
=Gasthöfe=: Astor House (Pl. 1; deutsche Leitung), Victoria Road, im Englischen Viertel, gegenüber dem Victoriagarten, gelobt, Pens. $ 5-10, für ein Ehepaar $ 12.--Imperial Hotel Ltd., Rue de France, 50 Z., Pens. $7.--Hôtel de la Paix (Pl. 2), Rue du Consulat, 40 Z., Pens. $ 5-8.--Queen's Hotel, Victoria Road, 20 Z., Pens. $ 4-7.
=Post=: Deutsches Postamt (Pl. 7).-- =Telegraph.=--=Wagen=, =Rikschas= und =Reitpferde= sind zu haben.--=Eisenbahnen=: Nordchinesische Bahn nach Peking, Tongku, Mukden und Yingkou (S. 328); Tientsin-Pukou-Bahn im Betrieb bis Tsinanfu (S. 272) mit Anschluß nach Tsingtau (S. 267) und bis Taianfu (S. 273).--=Dampfer= vgl. unter Tongku, S. 279. Dampfer-Agenturen: Norddeutscher Lloyd, Melchers & Co. (Telegr.-Adresse: Nordlloyd-Tientsin); Hamburg-Amerika Linie, Carlowitz & Co.
=Elektr. Straßenbahn= durch die Chinesenstadt, die österreichische, italienische, russische, französische und japanische bis zur englischen Niederlassung.
=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank (Pl. 3), Korresp. der Allg. Deutschen Credit-Anstalt in Leipzig; Hongkong & Shanghai Banking Corporation (Pl. 5), beide Korresp. der Deutschen Bank; Chartered Bank of India (Pl. 4), alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellsch.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul Legationsrat Knipping; Vizekonsul Freih. v. Grote.--Österreich-Ungarn, Konsul M. Kobr und Dr. F. Stumvoll. --=Deutscher Klub=: Concordia, in der deutschen Konzession; Tientsin Club, Victoria Road.
=Deutscher Arzt= und drei Krankenhäuser für Europäer sowie ein Lazarett des Deutschen Ostasiatischen Detachements mit Tollwut-Impfstation.-- =Deutsche Apotheke=: S. J. Betines & Co. --=Deutsche Buchhandlung=: Aug. Michels; Zeitungen: »Tageblatt für Nordchina«; »Peking and Tientsin Times«; »Courrier de Tientsin«.--=Photograph=: F. Scholz.--=Photographische Gegenstände=: in der Deutschen Apotheke. --=Geschäftsadressen=: E. Lee; Wolff & Kierulff (beide deutsch); Hall & Holtz (englisch); A. H. Jaques (engl.), alle drei Victoria Road, für allgemeine Ausrüstung.
=Geschichtliches.= Tientsin ist die Hauptstadt des Vizekönigs der Provinz Tschili; hier wurden 1858 und 1860 die ersten Handelsverträge mit europäischen Mächten abgeschlossen. Infolge chinesischen Vertragsbruchs wurde 26. Aug. 1860 die Stadt von den Engländern und Franzosen genommen. 1870 Niedermetzelung der Europäer.
Im Boxeraufstand wurden die europäischen Niederlassungen vom 17. Juni bis 13. Juli 1900 von chinesischen Truppen belagert; an den heftigen Kämpfen nahmen die Marinemannschaften der Seymour-Expedition teil, die am 10. Juni zum Entsatz der belagerten Gesandtschaften in Peking ausgezogen war, aber durch chinesische Truppen zum Rückzug nach Tientsin gezwungen wurde, wo sie am 26. Juni nach schweren Verlusten wieder eintraf. Die deutschen Streitkräfte zählten 21 Offiziere, 4 Ärzte, 757 Mann (Schiffsbesatzungsteile und 3. Seebataillon); außerdem kämpften in Tientsin 3500 Russen, 1800 Engländer, 500 Amerikaner, 300 Franzosen, 150 Japaner, 100 Italiener, 75 Österreicher. Am 11. Juli standen 12650 Mann europäische und japanische Truppen in der Stadt, denen es bald gelang, die chinesischen Belagerungstruppen zu vertreiben. Seitdem war Tientsin Hauptstützpunkt für die Unternehmungen gegen Peking und wurde erst 1902 den Chinesen zurückgegeben.
=Tientsin=, wichtigste Handelsstadt Nordchinas, seit 1860 dem Fremdhandel geöffnet, liegt auf 39° 10' nördl. Br. (etwa wie Lissabon) am Zusammenfluß des Peiho mit dem Hunho (Hsiho); von O. mündet der Lutaikanal, von W. der Kaiserkanal bei der Chinesenstadt in den Peiho, so daß Tientsin der wichtigste Stapelplatz für den Durchgangshandel aus den Provinzen Tschili, Schensi, Schansi, Kansu, Turkistan, Mongolei und einen Teil der Mandschurei ist. Das Hinterland hat die Größe Europas mit etwa 100 Mill. Einw. Tientsin hat etwa 800000 Einw. 1909 liefen 952 Schiffe mit 1159000 Reg.-Ton. den Hafen von Tientsin an. Der untere Peiho ist nur für kleine Dampfer und Dschunken befahrbar. Die Chinesenstadt (Altstadt) ist ein Rechteck, früher rings von Zinnenmauern umschlossen, die von der provisorischen Regierung (1900-02) zum Teil niedergelegt wurden, um breiten Straßen Platz zu machen. In den großen Vorstädten auf beiden Flußufern und an den Kanälen ist der Sitz des lebhaftesten Handelsverkehrs. Alle chinesischen Stadtteile sind schmutzig und ungesund, doch haben sich die hygienischen Verhältnisse seit der europäischen Verwaltung durch Anlage eines Wasserwerks etc. verbessert. Die deutschen Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie gelangen bei günstigem Wasserstand bis zu den Fremdenniederlassungen der Stadt; der Peiho, dessen Mündung bei Tongku (S. 279), der Hafenstadt von Tientsin, etwa 75 km osö. liegt, friert zwischen Ende November und Mitte März zu, als Hafen für Tientsin und Peking dient in dieser Zeit Tschinwangtau (S. 329). Der Kaiserkanal ist nur für Fahrzeuge mit 1 m Tiefgang schiffbar.-- Die Fremdenniederlassungen (Tientsin Settlement) der Deutschen, Engländer, Franzosen und Japaner liegen am r. Peihoufer, gegenüber und südl. vom Bahnhof, zu dem über den Fluß eine eiserne Brücke führt. Die Russen, Italiener, Österreicher und Belgier haben ihre Konzessionen am l. Ufer. Die 1896 begründete deutsche Niederlassung (mit Kriegerdenkmal für die im Jahre 1900 Gefallenen) ist die südlichste und hübscheste der ganzen Villenstadt, von der das englische Viertel mit Rathaus und kleinem Museum im Anglo-Chinese College hauptsächlich Geschäftsviertel ist. Die französische Niederlassung wurde während des Boxerkriegs fast ganz zerstört; in ihr liegt ein Krankenhaus und das chinesische Zollamt. Die japanische Niederlassung liegt in der südlichsten Vorstadt der chinesischen Stadt.--=Rundfahrt= durch die Chinesenstadt mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn; die Werkstätten der Handwerker, meist straßenweise dieselben Gewerke, sind vielfach sehenswert. Gelegenheit zu Einkäufen von Fellen, besonders von Tigern und Leoparden. Es ist nicht ratsam, nach Sonnenuntergang sich in der Chinesenstadt und ihren Vorstädten aufzuhalten. Sehenswert sind außer dem Yamen des Vizekönigs etwa noch der dem Gedächtnis Lihungtschangs gewidmete Tempel sowie verschiedene Theater und Versammlungshallen der großen Gilden. Vom Turm des Astor House Hotel überblickt man Stadt und Umgegend.
=Von Tientsin nach Peking= (140 km) mit der =Nordchinesischen Eisenbahn=, tägl. 3 Züge in 3 St. (Reichskursbuch Nr. 706). Der Bahnhof Tientsin Settlement liegt neben der russischen Niederlassung; jenseits liegt ein großes Gräberfeld, um das die Bahn im Bogen über die Brücke des Lutaikanals und durch den Außenwall nach Stat. Tientsin City führt. Man sieht l. das Arsenal von Hsiku (Schauplatz der Kämpfe des Seymourschen Korps am 22. Juni 1900), erreicht (11 km) Peitsang (Kämpfe am 21. Juni und 5. Aug. 1900) in öder, melancholischer Landschaft. Dicht vor (26 km) Yangtsun überschreitet die Bahn den Peiho; man sieht Dörfer, Getreide-(meist Mais-)Felder, dazwischen zahllose Erdhügel, die Gräber sind, auch strichweise Grün und gelangt über (41 km) Lofa nach (60 km) Langfang, dem äußersten Punkt, den Seymour erreichte; heftige, zwar siegreiche, aber erschöpfende Kämpfe am 14. und 18. Juni 1900, unter Beteiligung deutscher Marinetruppen (»the Germans to the front«).--Bei (95 km) Huangtsun beginnt das mit Mauern eingehegte Gebiet des kaiserlichen Wildparks Nun-yüan (»Südgarten«), volkstümlich Haitze, der reich an Hirschen und Damwild war und fast bis Peking reicht; dient als Truppenübungsplatz.-- Bei (112 km) Fêngtai zweigt nach SW. die Bahnlinie Paotingfu-Hankau ab (S. 299). Bald erblickt man l. Berge und dann l. die Mauern der Chinesenstadt, deren alter Bahnhof Machiapu vor dem Südtore nicht mehr benutzt wird, die Bahn durchbricht die Südmauer der Chinesenstadt, geht durch deren schwach bebauten östl. Teil, biegt in der NO.-Ecke der Chinesenstadt nach l. und läuft westl. außerhalb der Mauer der Mandschustadt zum Endbahnhof am Wassertor (140 km) Peking-Tschiën-mönn (S. 280) dicht beim Gesandtschaftsviertel.
B. Von Tsingtau über See nach Peking.
Der Dampfer (vgl. S. 265), von Tsingtau (S. 267) mit nö. Kurs abfahrend, umsteuert das niedrige SO.-Vorgebirge von Schantung, auf dem ein Leuchtturm vor den Riffen warnt; in der Nähe liegt der Iltisfriedhof, wo die Besatzung des in nächster Nähe im schweren Taifun 23. Juli 1896 gestrandeten deutschen Kanonenboots »Iltis« ihre Ruhestätte hat; der Friedhof hat schmiedeeisernes Gitter mit Kaiseradler, in der Mitte eine Porphyrsäule. Dann erblickt man die scharfen, zerklüfteten, bis 277 m hohen felsigen Hügel des Schantungvorgebirges (Tatschingschan) und steuert mit WNW.-Kurs in das Gelbe Meer zwischen Nordchina und Korea. Westl. vom Schantungvorgebirge liegt im Schutze einer Insel der Hafen von
=Weihaiwei= (King's Hotel, 60 Z., Pens. $ 6; Clark's Hotel), englischer Freihafen ohne Handelsbedeutung. Ursprünglich chinesischer Kriegshafen, wurde Weihaiwei im Februar 1895 vom Marschall Oyama von der Landseite erobert und blieb bis 1898 als Faustpfand in japanischem Besitz; 1898 wurde es von der chinesischen Regierung an England verpachtet, das aber seit dem Bündnis mit Japan und der Vertreibung Rußlands aus der gegenüberliegenden Halbinsel Liautung (Hafen Port Arthur) nur wenig Wert mehr auf diese Besitzung legt, um so mehr, als der Hafen selbst schlecht und die Verbindung mit dem innern China sehr mangelhaft ist. Der Ort ist aber gesund und hat angenehmes Sommerklima, er dient daher ähnlich wie Tsingtau als Erholungsort und Seebad. Die Stadt liegt auf einem Bergabhang an der Westseite der Bucht. In der Umgebung sind heiße Schwefelquellen.
Von Weihaiwei steuert man auf die Kungkungtauinseln zu, die der Reede von Tschifu vorgelagert sind; auf der größten Insel steht ein Leuchtturm. Die Schiffe ankern auf der Reede innerhalb der Inseln so nahe den Landungsbrücken, als ihr Tiefgang es gestattet; der Hafen ist durch keine Mole geschützt und das Landen bei Nordwind schwierig und oft unmöglich (der Bau eines Wellenbrechers ist begonnen).
=Tschifu= (Chefoo), chinesischer Vertragshafen in der Provinz Schantung, seit 1862 dem Fremdhandel geöffnet.
=Gasthöfe=: Astor House Hotel (österreichischer Direktor, französischer Koch), mit Terrasse am Strande, neu, empfehlenswert, Z. von $ 3,50 an.-- Beach Hotel, mit Terrasse am Strande, Pens. $ 4-8.--=Deutsches Postamt= mit =Telegraph= und Kabel nach Tsingtau, Tientsin, Schanghai etc. =Telephon= unter chinesischer Verwaltung.--=Sampan= (Boote) 10-25 c. von der Reede an Land. Die Gasthöfe schicken ihre Boote zu den Postdampfern.--=Eisenbahn= über Töngtschoufu an der Miautau-Straße nach Weihsien (S. 272) mit Anschluß an die Schantungbahn ist geplant.-- =Dampfer= nach Tsingtau, Tientsin (tägl.), Schanghai (tägl.), Korea (Tschimulpo, Fusan), Dairen, Japan und Wladiwostok. Agentur des Norddeutschen Lloyd: Anz & Co. (Tel.-Adr.: Nordlloyd-Chefoo). --Hamburg-Amerika Linie (Tel.-Adr.: Halinie-Chefoo), Agentur: H. Diederichsen & Co.; Postdampfer Schanghai-Tsingtau-Tschifu-Tientsin wöchentl.--=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank, Agentur: Anz & Co.; Russisch-Asiatische Bank, Korr. der Deutschen Bank.--=Deutscher Konsul= Dr. Lenz, 10 Min. von den Landungsbrücken auf dem Jentaihügel, nahe der Signalstelle (Sturm- und Schiffsmeldesignale). Österreichischer Vizekonsul Baron v. Babo.--Französisches =Hospital=.--Internationaler =Chefoo-Club=. Custom-Club.
Das =Klima= von Tschifu ist an sich gesund, aber Fieber und Dysenterie kommen auch unter den Europäern vor; Cholera und Pocken sind in der Chinesenstadt stets zu finden. Man meide das Brunnenwasser und das rohe Obst. Im Mai herrschen heiße Südwinde (bis 40° Wärme), Juli bis August heiße Regenzeit, im Winter häufig heftige Schneestürme, im Februar bis 10° Kälte.
Die Stadt Tschifu, sehr schön von Bergen umgeben, hat 75000 Einw., darunter 300 Europäer; das Europäerviertel liegt am Strand an und auf dem Signalhügel. Als Tschifu im Jahre 1862 dem Fremdhandel geöffnet wurde, hatte es wegen einer durch den Hoangho verursachten Überschwemmung, einer Störung im Betrieb des Kaiserkanals und des Taipingaufstandes Aussichten auf eine gute Entwickelung. Diese Hoffnungen haben sich wegen der mangelhaften Verbindungen mit dem Innern Chinas nicht erfüllt, und in neuester Zeit ist Tschifu vom günstiger gelegenen Tsingtau rasch überflügelt worden. Der Handel mit Rohseide, Seidenstoffen (Pongées), Spitzen (in Seide und Baumwolle) belief sich 1909 auf etwa 200 Mill. M. 38 Seidenspinnereien. Schule der China-Inland-Mission mit 300 Schülern. Mehrere Missionsanstalten. Berühmte Obstkulturen, Weinbau (The Chang yu Pioneer Wine Co., Leiter ein Österreicher, Baron v. Babo). Die zum Teil ummauerte Chinesenstadt ist schmutzig und wenig sehenswert. Spaziergang auf die höchste Hügelkuppe (405 m) mit kleiner Pagode bei Tschifu bietet *Aussicht über das Meer und das gebirgige Hinterland. Im Sommer wird Tschifu von europäischen Badegästen und amerikanischen, französischen und chinesischen Kriegsschiffen besucht. Tschifu ist Durchgangshafen für die nach N. fahrenden Dampfer.
=Dampferfahrt.= Aus dem Gelben Meere dampft man von Tschifu durch die mit Inseln reich besetzte Straße von Petschili in den Golf von Petschili (Tschili), dessen nördlichster Teil Liautunggolf heißt. Im Winter kann die Fahrt sehr kalt und stürmisch sein; meist benutzen die Dampfer die Tschangschan-Durchfahrt, wobei die Große Bambusinsel (Tatschuschan) etwa 4 Seem. und die Kleine Bambusinsel (Siautschuschan) r. und die Insel Tschangschan l. bleiben und dann das Blinkfeuer der Insel Hauki nahe passiert wird. Das Land an der Peihomündung ist so flach und niedrig, daß man nur die Schiffe auf der Reede, das Feuerschiff und r. den Leuchtturm auf der Insel Schaluitien sieht. Kleine Dampfer werden vom Lotsen über die Takubarre gebracht, während große auf der Reede, 8 Seem. seewärts von Taku, ankern; die Reisenden werden mit Dampfbarkassen in 1 St. an Land gesetzt. Bei der Einsteuerung in den Fluß sieht man die am 17. Juli 1900 während der Wirren eingenommenen Takuforts, bei deren Beschießung sich das deutsche Kanonenboot »Iltis« unter Korvettenkapitän Lans hervorragend auszeichnete; die durch Kapitän z. S. Pohl eroberten Forts sind jetzt gänzlich zerstört und dürfen nicht wiedererbaut werden; hinter dem alten Südfort am r. Ufer liegen die Lotsenhäuser der europäischen Takulotsen. Nach zwei scharfen Biegungen in der flachen Flußniederung des Peiho (vgl. beifolgende Karte), wo viele wagerecht drehende Windmühlen (Salzmühlen) die seichten Salzbecken mit Seewasser zur Salzgewinnung speisen, nahebei hohe Salzlager, vorbei am großen Fischerdorf Taku, erreicht man
=Tongku= (Station Hotel; Hôtel du Louvre, französische Küche, 12 Z., Pens. $ 6; Bahnwirtschaft), Hafenstadt für Tientsin und Peking, zugleich Ausgangspunkt der Bahnlinien nach Peking und Yingkou (Inkau), ein schmutziges Nest, in dem vorläufig noch deutsche, englische, japanische und französische Truppenposten stehen. Passagierdampfer landen an den Anlegebrücken nahe dem Bahnhof. Agentur des Norddeutschen Lloyd in Tongku (Taku): Melchers & Co. Außer den S. 278 angeführten deutschen Dampfern nach Tschifu, Tsingtau und Schanghai laufen japanische, englische und chinesische ebendahin und nach Nagasaki, Kobe, Dairen, Antung (am Yalu), Tschimulpo und Hongkong. Man beachte, daß die nach Japan verkehrenden Dampfer meist klein, daher bei schlechtem Wetter recht unbequem sind; Weltreisende sollten möglichst die Vorschläge S. 249 beachten, also von Berlin mit der Bahn über Peking-Hankau nach Schanghai reisen und von da mit großem Postdampfer nach Japan. Da außerdem für die Fahrt Tientsin-Japan meist wenig Kabinen I. Klasse verfügbar sind, muß man frühzeitig vorausbestellen.
=Von Tongku nach Peking= mit der =Nordchinesischen Bahn= in 1-1/2 St. für I. $ 1,6o, II. $ 1. (Die meisten Bahnbeamten sind Chinesen.) Haltestellen sind Hsinho und Künliangtschöng; nach schneller Fahrt durch die im Winter eintönige, im Sommer meist mit Kauliang, einer bis 3 m hohen Hirseart, bestandenen Ebene der Peihoniederung am l. Ufer des Flusses erreicht die Bahn (43 km) Stat. Tientsin Settlement.--Weiter nach Peking vgl. S. 277.
14. Peking und Umgebung.
Vgl. beiliegenden Plan.
=Ankunft.= Die beiden Kopfstationen der Nordchinesischen Bahn und der Peking-Hankau-Bahn liegen östl. und westl. vom Haupttor Tchiën-mönn. Vom Mukdenbahnhof erreicht man das Hôtel des Wagons-Lits zu Fuß in 3 Min. durch das »Water Gate«. Vom Hankaubahnhof fährt man in Rikscha 10 Min. zum Hotel durch das Tchiën-mönn. Hausdiener der Gasthöfe sind am Bahnhof.
=Gasthöfe=: Grand Hôtel des Wagons-Lits (deutsche Leitung), I. Haus, mit allem Komfort, 100 Z., Pens. $ 8-12, oft überfüllt, daher telegraphische Vorausbestellung (»Wagonlits-Peking«) dringend anzuraten.--Hôtel du Nord (deutscher Inhaber O. Ludwig), beim Tore Hatamönn, billiger, aber (sehr primitiv) in alten Chinesenhäusern.-- Hôtel de Pékin (italienische Leitung), am Nordglacis.--Chinesische Gasthöfe sind für europäische Reisende unbewohnbar. Chinesische Speisehäuser (stets ungemütlich und schmutzig) zeigt der Führer. Vorher zu Hause essen!
=Telegraph= in der Telegraph Lane (vgl. Plan).
=Postanstalten=, deutsche, französische, japanische, russische, im Gesandtschaftsviertel.
=Wagen= besorgen die Gasthöfe, ebenso =Rikschas=.
=Automobile= zu Fahrten zum Sommerpalast (1 St.), Zoologischen Garten (1/2 St.).
=Führer= (Erklärungen mit Vorsicht aufzunehmen) besorgen die Gasthöfe, desgleichen =Reittiere= und =Tragstühle= zu Ausflügen.
=Eisenbahnen=: Nordchinesische Bahn (Imperial Railways of North China) nach Tientsin (S. 277) und nach Mukden (S. 324) mit Anschluß an die Südmandschurische Bahn (Reichskursbuch 706) über Charbin-Irkutsk-Moskau nach Berlin (S. 301); die Mongolische Bahn (Imperial Peking-Kalgan Railway) nach Suiyüan (S. 295) und die Peking-Hankau-Bahn oder Peihan-Bahn (Reichskursbuch 706; Imperial Ching-Han Railway) nach Hankau (S. 259 u. 299).
=Geld= s. S. 219. Viel falsches Silber- und Kupfergeld ist im Umlauf.--=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank; Hongkong & Shanghai Banking Corporation; beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, erstere auch der Deutschen Bank in Berlin und der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Ferner (seit 1910) Russisch-Asiatische Bank; Yokohama Specie Bank; Banque de l'Indo Chine, sämtlich in der Gesandtschaftsstraße.
=Theater=: In der Chinesenstadt, die besten in dem 1900 niedergebrannten Stadtteil sw. vom sogen. Kaisertor in der Straße Dà-schi-laol und ihren Parallelstraßen. Theater alten Stils am Fleischmarkt Jóū-schi, sö. vom Kaisertor. Beste Plätze auf der Galerie; Mitnahme eines Führers ratsam.
=Reisebureau= der Schlafwagengesellschaft im Hôtel des Wagons-Lits.-- Führer: Boy-Ed, Peking und Umgebung, $ 2,20, und andre Führer in englischer Sprache im Hotel des Wagons-Lits käuflich.
=Gesandtschaften= (meist an der Gesandtschaftsstraße): Deutsches Reich, Gesandter Se. Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Graf v. Rex (Sommersitz in Peitaiho). --Österreich-Ungarn, Ritter v. Kuczynski.
=Deutscher Arzt=: Stabsarzt Dr. Gelinsky, deutscher Gesandtschaftsarzt.-- =Deutsches Krankenhaus= und Militärlazarett nördl. der deutschen Offiziershäuser. --=Deutsche Apotheke=: J. Betines & Co. im amerikanischen Hospital an der Hatamönnstraße, gegenüber Hôtel du Nord. Französisches Krankenhaus St.-Michel in der Gesandtschaftsstraße.
=Geschäftsadressen.= Deutscher Photograph: M. Hartung, gegenüber deutschem Offizierskasino; japanischer (gut) Yamamoto, neben Direktion der Peking-Hankau-Bahn;--Reiseausrüstung etc.: Kierulff & Co. (deutscher Inhaber Krüger), Gesandtschaftsstraße; H. Bahlke (deutsch), Hatamönnstraße, neben Hôtel du Nord; L. Wanniek (Österreicher), ebenda;-- chinesische Geschäfte in der Hatamönnstraße und in der Chinesenstadt.
=Zeiteinteilung= für 10 Tage. 1. Tag: Gesandtschaftsviertel und Abendspaziergang auf der Mauer.--2. Tag: östliche Mandschustadt bis zum Gelben Tempel.--3. Tag: westliche Mandschu- und Kaiserstadt.--4. Tag: Chinesenstadt.--5. und 6. Tag: Ausflug zum kaiserlichen Sommerpalast (geöffnet jeden 5., 15., 25. chinesischen Datums, 3 Tage vorher bei Gesandtschaft einschreiben) und in die Westberge. --7.-10. Tag: Ausflug nach der Großen Mauer und den Minggräbern. --Ganz flüchtige Reisende brauchen 2 Tage für Peking, 1 Tag Sommerpalast und 3 Tage für den Ausflug zur Großen Mauer und den Minggräbern. Vgl. auch Zeiteinteilung auf S. 294.--Zu genaueren Studium der Stadt nehme man mindestens 4 Wochen Aufenthalt.
[Hand] Für =Umschreibung der chinesischen Laute= mit lateinischen Buchstaben befolgt jeder Schriftsteller über chinesische Dinge sein eignes System. Im folgenden sind die chinesischen Worte in der praktischen Umschreibung nach dem System Sir Thomas Wade's wiedergegeben, dessen Hauptregel ist: die Vokale wie im Deutschen, die Konsonanten wie im Englischen zu sprechen. Da viele Abweichungen vorkommen, ist die Aussprachebezeichnung in eckigen Klammern [] beigefügt; man merke: alle Laute wie im Hochdeutschen mit folgenden Besonderheiten: y = j in Jahr, jung; j = französisch j in Journal, Jongleur; h = ch in Bach, Loch; ch = ch in China, Chemie; ie stets getrennt sprechen i-ĕ (nicht wie langes i), ebenso ou, das entweder ŏ-ū oder ō-ū lautet; w wie englisch w (nicht wie deutsches w).
* * * * *
=Geschichtliches.= Die ältesten Nachrichten sind vom Jahr 1121 v. Chr., als ein Nachkomme des berühmten Kaisers Huang Ti mit der Stadt Chi [Dyi] belehnt wurde. Vom 8.-3. Jahrh. v. Chr. ist Chi die Hauptstadt des Königreiches Yên [Yĕn]. Unter der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) heißt die Stadt Yu-chou [Yó-djŏu]. 936 wurde sie von den aus Liaotung hereinbrechenden Kitan-Tataren erobert, die als Liao-Dynastie über Nordchina herrschten und die Stadt im Gegensatz zu ihrer nördlichen Hauptstadt Liaoyung Nanking = »Südliche Hauptstadt« nannten. Seit jener Zeit ist Peking mit kurzen Unterbrechungen die Residenz geblieben. Als 1125 die Chin-[Dyin]-Tataren die Liao vertrieben hatten, wurde Peking unter dem Namen Chung-tu [Djúng-du] ihre Hauptstadt. 1215 vertrieb der mongolische Eroberer Djingis Khan die Chin und machte Peking zur Hauptstadt einer Provinz seines Reiches. Sein Enkel Kublai Khan verlegte 1264 die Residenz der mongolischen Kaiser von Karakorum nach Peking und erweiterte 1267 die alte Stadt, die er Ta-tu [Dá-du, »Große Hauptstadt«], mongolisch Khanbaligh, »Stadt des Khan«, nannte. Zugleich errichtete er ein System von Peking ausgehender, fester Straßen. Der Grund, einen so exzentrisch gelegenen Platz zur Hauptstadt des gewaltigen Reichs zu machen, mag in der sichern Lage der Örtlichkeit beruht haben. Vom Meere her drohten in frühern Zeiten keine Gefahren, und nach N. und W. genoß Peking schon durch die schwere Überschreitbarkeit des in diesen Richtungen liegenden Gebirgslandes einen guten natürlichen Schutz, der durch das großartige Befestigungssystem der »Großen Mauer« noch erhöht wurde. 1368 vertrieb Hung Wu, der erste Kaiser der einheimischen Ming-Dynastie, die Mongolen aus China und änderte den Namen des eroberten Peking in Pei-p'ing-fu [Bè-ping-fú], residierte aber selbst in Nanking. 1409 verlegte der dritte Mingkaiser Yung Lo die Residenz von dort nach Pei-p'ing-fu, das nun zum erstenmal den Namen Peking (chines. Pei-ching [Bé-dying]) erhielt. Dieser Name ist in Europa allgemein bekannt geworden durch die zu jener Zeit zum erstenmal eintreffenden Jesuitenmissionare, die den Namen Peking ihren Karten einverleibten. Die Chinesen selbst nennen Peking einfach Ching [Dying] = »Hauptstadt«; amtlich heißt es Shun-tien-fu, und in der gelehrten Schriftsprache hat es seinen alten Namen Yên behalten. 1644 wurde die Stadt von den Mandschu beim Sturze der Ming-Dynastie geplündert, 1662 und 1730 von Erdbeben heimgesucht. 1728 gründeten hier die Russen eine Kolonie Peking; englische Gesandte residierten hier zeitweise seit dem Opiumkrieg (S. 216), französische, italienische, deutsche folgten 1861. Am 12. Okt. 1860 wurde die Stadt nach leichten Gefechten und einem Bombardement der Nordmauer vom Gelben Tempel aus den englisch-französischen Truppen für einen Tag geöffnet. Man begnügte sich mit einem kurzen Demonstrationsmarsch durch die An-ding-mönn-Straße, zerstörte aber den Sommerpalast, um die Ermordung der englischen Parlamentäre zu rächen. Anfang Juni 1900 erreichte die Boxerbewegung Peking. Vom 12. Juni bis 14. Aug. war die Stadt von allem Verkehr mit der Kulturwelt abgeschnitten (vgl. S. 276). Nach der Einnahme blieb Peking über 1/2 Jahr von den verbündeten Truppen besetzt. Neuerdings soll der Sitz der republikanischen Regierung nach Nanking verlegt werden.
=Peking= (»nördliche Hauptstadt«), Hauptstadt des chinesischen Reiches mit 1017209 Einw., Residenz des Kaisers, unter 39° 45' nördl. Br. (etwa wie Madrid), 37 m ü. M., in der nördl. Ausbuchtung der Großen Ebene, 150 km vom Meer, nahe dem mauerartigen Abfall des Nankougebirges, zwischen den Flüssen Hunho und Peiho und von drei Bächen durchflossen, die, zum Kanal vereinigt, bei Tungtschou in den Peiho münden. Das Klima ist ziemlich stark kontinental (vgl. S. 264), der Winter so kalt wie in Ostpreußen, der Sommer so heiß wie in Konstantinopel; die Regen (633 mm im Durchschnitt) drängen sich auf die Sommermonate (namentlich Juli und August) zusammen, den größten Teil des Jahres über herrscht arger Staub, die Luft ist fast stets dunstig. Hunho und Peiho sind von Dezember bis Februar gewöhnlich zugefroren. Die Stadt, deren Mauer eine Fläche von 63,5 qkm umschließt, war nur noch ein Schatten früherer Pracht, ist aber jetzt in neuem Aufblühen begriffen, hat neben alten schlechten auch viele neue gute Straßen, dabei viele Ruinen einst bedeutender Bauwerke (meist 1900 zerstört), elende Häuser; große Flächen sind verödet oder nicht bebaut. Peking besteht aus zwei durch eine 9 m hohe und sehr breite Mauer getrennten Teilen: der von den Fremden so genannten Tataren- oder Mandschustadt und der Chinesenstadt. Als 1644 die Mandschu Peking erobert hatten, verteilten sie das Gebiet der Nordstadt unter sich und zwangen die Chinesen zur Auswanderung nach der Südstadt; heute wohnen aber viele Chinesen in der Tatarenstadt. Die Chinesen selbst nennen die erstere Nei-ch'êng [Nétschong], »Innere Stadt«, und die letztere Wai-ch'êng [Waí-tschong], »Äußere Stadt«. Die nördlichere Tataren- oder Mandschustadt bildet ein nahezu regelmäßiges Rechteck mit einer 23,6 km langen Mauer von 13 m Höhe und oben 11 m Breite, die von 9 Toren durchbrochen wird, von denen drei zur Chinesenstadt führen und über denen, wie über den vier Ecken, 30 m hohe Pavillons aufsteigen. Doch sind die meisten verfallen, ebenso wie die Wälle und der 18 m breite Graben. Die Tatarenstadt besteht aus drei Teilen: den innersten Kern bildet die Rote Verbotene Stadt (Tzĕ-chin-ch'êng [Dsè-dyin-tschong]), so genannt nach der sie umschließenden roten Mauer; es ist die Residenz des Hofes, umgeben mit breitem Wassergraben. Um die Verbotene Stadt zieht sich die gleichfalls durch eine Mauer abgeschlossene Kaiserstadt (Huang-ch'êng [Huáng-tschong]), in der sich meist Behörden und Beamtenwohnungen befinden; sie ist dem freien Verkehr eröffnet mit Ausnahme der Westseite, wo Militärposten den Eingang zu den Kaiserlichen Westgärten absperren. Im W. der Kaiserstadt liegt die neue Reichsuniversität, die aber in etwa 2 Jahren auf ein umfangreiches Gelände vor der Nordmauer der Tatarenstadt übersiedeln soll. Um die Kaiserstadt lagert sich dann als dritter Gürtel die eigentliche Innere Stadt. Hier liegen im SO., nahe der Mauer, die 1900 zum Teil zerstörten Gesandtschaftsgebäude Deutschlands, Österreich-Ungarns, Rußlands, der Vereinigten Staaten, Englands, Spaniens, Japans, Frankreichs, Italiens, der Niederlande und Belgiens; der Ketteler-Gedenkbogen (S. 284); die Sternwarte, das Waiwupu (Ministerium des Auswärtigen), das neue Parlament (an Stelle der alten Prüfungshallen; S. 289), die ungeheuern Vorratskammern für den Reis der Bannerleute, der große Lamatempel, der Tempel des Confucius, die Halle der Klassiker, der Paukenturm und Glockenturm, im W. der Tempel der Kaiser, der Tempel der weißen Pagode. Ferner der Neubau des Palais des Prinzregenten. Eine 1901 neuaufgebaute Südkathedrale Nan-tang liegt am Schun-dschĭ-mönn, eine Ostkathedrale Dung-tang nördl. vom Gesandtschaftsviertel. Die englischen und amerikanischen protestantischen Missionen haben mehrere Krankenhäuser. Nahe dem Waiwupu errichtete die chinesische Regierung 1883 die Schule der westlichen Wissenschaften (Tungwênkuan) mit europäischen Dozenten, Bibliothek und Druckerei, auch Peking-Universität genannt, die aber 1900 mit allen Bücherschätzen abbrannte. --Die Kaiserstadt umschließt mit 4-6 m hohen, oben 16 m dicken und 7 km langen Mauern mit vier Toren zwei künstliche Seen, aus deren Ausschachtungen zwei Hügel, darunter der 66 m hohe, aussichtsreiche Kohlenhügel (S. 287) gebildet sind. Hier die neue katholische Kathedrale St. Sauveur (seit 1883), der Peitang (Bétang = Nordkathedrale), Sitz des apostolischen Vikars von Peking und Nordtschili, ein Seminar, Schule, Buchdruckerei und ein Hospital der Schwestern de la Charité. Die ältern chinesischen Bauten, zum Teil 1900 zerstört, haben meist modernen Bauten, wie den Kasernen der Gardetruppen, Schulen und Regierungsgebäuden, Platz machen müssen. Die Dächer des Palastes sind gelb (die Farbe des kaiserlichen Hauses).--Die innerhalb der Kaiserstadt gelegene Rote Verbotene Stadt, benannt nach der sie umgebenden roten Ziegelmauer, hat vier reichgeschmückte Tore, vier große Repräsentationshallen für verschiedene Staatsaktionen, Privatgemächer, Paläste der Frauen und Prinzen, Wohnungen der zahlreichen Dienerschaft (ca. 3000), Kasernen der Leibgarden, Gärten, Ställe, die Bureaus des Staatsrats und des Großsekretariats etc., eine kaiserliche Bibliothek (1900 verbrannt). --An die Tatarenstadt schließt sich südl. die Chinesenstadt mit einer aus Chinesen und Mandschus gemischten Bevölkerung, wo alle Warenhäuser und Verkaufsbuden, die große Buchhändlerstraße und auch die Tempel des Himmels und des Ackerbaues liegen; der erstere gilt für den schönsten Tempel Chinas.--Die Straßen sind rechtwinklig angelegt; die schönste, jetzt modern makadamisiert, führt vom Südtor der Chinesenstadt bis zu dem der Verbotenen Stadt. Peking beginnt jetzt eine Selbstverwaltung und hat schon ein städtisches Wasserwerk; die Ordnung wird durch ein starkes Polizeikorps aufrechterhalten. Die Garnison besteht aus einem Teil der Gardedivision, deren Rest bei den Sommerpalästen liegt. Zwei Divisionen moderner Truppen stehen im Jagdpark südl. Peking und im Nordpark bei Tching-ho an der Kalganbahn. Die europäischen Gesandtschaften haben seit den Wirren 1900/01 Wachen eigner Truppen, die während der Revolution 1911/12 verstärkt wurden.--Die Industrie beschränkt sich auf Porzellan, Cloisonnée (die beste Werkstätte von Yang-Tien-Li ist in einer Nebenstraße nördl. vom Kettelerdenkmal), Edelsteinschleiferei, seit 1906 auch ein Elektrizitätswerk. Nicht unbedeutend ist der Buchhandel.
=Rundgang.= Wegen der großen Entfernungen muß man auch in der Stadt Wagen oder Rikschas benutzen. Beim Besuch der Sehenswürdigkeiten hat man mit der orientalischen Aufdringlichkeit der Chinesen gegen Fremde zu rechnen, daher tut man gut, sich eines vom Gasthof empfohlenen Führers zu bedienen; kleine Trinkgelder (10 c.) öffnen alle Türen; ob eine Sehenswürdigkeit zugänglich ist oder nicht, erfährt man im Hotel.--Vom Bahnhof gelangt man durch das Wassertor in das Gesandtschaftsviertel; geradeaus führt die Kanalstraße r. am Deutschen Postamt vorbei und r. in die Gesandtschaftsstraße (an der Ecke das Grand Hôtel des Wagons-Lits), wo man r. bald die Deutsche Gesandtschaft erreicht, in deren Garten ein Kreuz zum Andenken an den am 20. Juni 1900 ermordeten Freiherrn v. Ketteler steht. Gegenüber liegen die Japanische und Französische Gesandtschaft, beide mit Postämtern; weiter östl. an der Gesandtschaftsstraße die deutschen Offizierswohnhäuser; r. die deutsche Walderseekaserne. In der Schwarzhoffstraße (l.) das deutsche Militärlazarett. Am Ostende der Gesandtschaftsstraße liegt in der Hatamönnstraße das Hôtel du Nord und in dessen Nähe die amerikanische Mission nebst Krankenhaus. Nun biege man l. in die Hatamönnstraße ein, die in gerader Linie nach N. durch die ganze =Mandschustadt= führt; an ihr liegt r., an der Nordostecke des Gesandtschaftsviertels, der Östliche Triumphbogen (»der östliche einfache Bogen«, [Dung-dan paí-lŏū]), dann folgt 0,5 km nördl. der Ketteler-Ehrenbogen, 1903 vom chinesischen Reich zur Sühne erbaut an der Stelle, wo der deutsche Gesandte ermordet wurde; l. der Palast des Prinzen Yü, r. in einer Querstraße das Waiwupu (Auswärtiges Amt). In der Hatamönnstraße, 1,5 km nördl. weiter, liegen die vier Triumphbogen (»die vier östlichen Bogen« [Dung-ssĕ paí-lŏū]), in deren Nähe l. der 1902 abgebrannte Lamatempel Lung-fu-ssĕ (»Tempel des unendlichen Glücks«, 1451 erbaut); hier Wochenmärkte am 9., 10., 19., 20., 29. und 30. Tage jedes chines. Monats. Am Nordende der Hatamönnstraße liegt etwas westl. der =Kungfutszetempel= (Confucius, chines. Kuo-tzĕ-chien [Guò-dsĕ-dyién], »Akademie des Landesphilosophen«), einfach und vornehm gehalten, mit zahlreichen Votivtafeln.
Die alten Zypressen in den Höfen stammen noch aus den Zeiten der Yüan- und der Ming-Dynastie (1206- 1368, 1368-1644). Im Frühjahr und im Herbst wurden in der Haupthalle den Manen des alten Weisen und seiner Schüler von den höchsten Beamten Opfer dargebracht, und jeder Kaiser opfert einmal nach seinem Regierungsantritt persönlich und stiftet darauf eine aus vier goldenen Zeichen auf blauem Grunde bestehende Votivtafel. Seitdem Kungfutsze 1906 von der Kaiserinregentin Tzĕ-hsi Himmel und Erde gleichgestellt wurde, muß der Kaiser oder sein Vertreter jährlich einmal opfern. Die Votivtafeln der neun Herrscher der gegenwärtigen Dynastie hängen in der Haupthalle, in deren Mitte vor einem Opfertische die Seelentafel des Kungfutsze (chinesisch K'ung Tzĕ [Kúng Dsĕ], d. h. der Meister K'ung) steht, mit der mandschurischen und chinesischen Inschrift: »Seelentafel des allerheiligsten Vorfahren und Lehrers Kungfutsze«. Die Seelentafeln seiner vier Hauptschüler stehen paarweise davor. Tsêng tzĕ [Dsóng-dsĕ] schrieb die »Große Lehre«, das erste der vier kanonischen Bücher; Mencius (Mêng-tzĕ [Móng-dsĕ]) das nach ihm benannte vierte dieser Bücher; Tzĕ ssĕ [Dsĕ-ssĕ] verfaßte die »Lehre von der Goldenen Mitte«und Yĕn Hui (Yen-húi) die »Gespräche des Kungfutsze«. Die Seelentafeln sechs weniger berühmter Philosophen stehen auf jeder Seite, darunter die des Chu Hsi (Dju-chi), des bekannten Denkers der Sung-Dynastie im 12. Jahrh.-- Auf jeder Seite des Vorhofes liegt eine Halle mit den Seelentafeln berühmter Philosophen der Schule des Kungfutsze. Auf der Oststeite die Tafeln von 78 tugendhaften, auf der Westseite die von 54 gelehrten Männern; 86 davon waren Schüler des Meisters.
Im =Hofe= sechs viereckige rote Pavillons mit Dächern von Ziegeln im kaiserlichen Gelb und Steininschriften im Innern. Darauf berichten die großen Mandschukaiser K'ang Hsi, Yung Chêng und Ch'ien Lung ihre Eroberungen im 18. Jahrh.: 1704 K'ang Hsi: Eroberung der westlichen Mongolei; 1726: Yung Chêng: Eroberung von Kukunor; 1750 Ch'ien Lung: Eroberung des Landes der Miao in Hunan u. Kweitschou; 1760 Ch'ien Lung: Eroberung der Dsungarei; 1760 Ch'ien Lung: Eroberung von Turkestan; 1777 Ch'ien Lung: Unterwerfung der eingebornen Stämme in Szetschuan.--Im Torwege zu diesem Hofe liegen die berühmten Steintrommeln (die schwarz und unscheinbar aussehenden Originale hinter einem rot angestrichenen Holzgitter auf der Nordseite des Tores); sie werden zuerst im 7. Jahrh. erwähnt, sollen 2500 Jahre alt sein und das älteste erhaltene chinesische Schriftdenkmal darstellen. Sie enthalten in altertümlicher Schrift eine poetische Darstellung der Jagdzüge des Königs Hsüan Wang. Kaiser Ch'ien Lung hat aus weißem Marmor Nachbildungen der alten Trommeln anfertigen und südl. vom Tor aufstellen lassen.
Im =Vorhofe= wurden ehemals die alle drei Jahre wiederkehrenden höchsten literarischen Examen in Mattenzelten abgehalten. Zur Erinnerung an jedes Examen wurde eine Steintafel mit dem Namen der jeweilig Graduierten errichtet, die hier den Titel eines »chin-shih« (dyín-schĭ) erwarben. Die ältesten drei Tafeln stammen noch aus der Zeit der Yüan-Dynastie (1206- 1368). Es ist jedenfalls das älteste Doktorenalbum der Welt.
Westl. anschließend an den Kungfutszetempel liegt die von den Fremden so genannte =Klassikerhalle=, chines. Pi-yung-kung [Bi-yung-gúng], etwa »Palast der vollendeten Harmonie«, erbaut vom Kaiser Ch'ien Lung (1736-96). Am Eingang zum innern Hof ein schöner Torbogen mit farbigen glasierten Ziegeln und Kacheln. In den offenen Hallen, die den Hof umziehen, ist der authentische Text der neun Klassiker auf weißen Marmortafeln eingegraben. In dem Pavillon inmitten des Hofes pflegte der Kaiser seine eignen Gedichte und Aufsätze den höchsten Gelehrten des Landes jährlich einmal vorzulesen. Unter seinen Nachfolgern ist das Gebäude nie mehr benutzt worden. (Trinkgeld in jeder dieser Anlagen 10 c. die Person; unverschämte Mehrforderungen sind gelassen zu ignorieren). --3 Min. östl. liegt der von den Fremden so genannte =Lamatempel=, chines. Yung-ho-kung [Yùng-hōŏ-gúng], »Palast des harmonischen Friedens«, eine weitläufige, prächtige Anlage, ursprünglich das Kronprinzenpalais des spätern Kaisers Yung Chêng (1723-1736), bewohnt von etwa 400 Lamas der tibetischen Gelben Kirche, sämtlich mongolischer Abkunft (keine Chinesen!), unter der Leitung tibetischer Oberpriester. Haupt des Klosters ist ein sogen. »Lebender Buddha« (Hūo-fōŏ), d. h. die jeweilige Reinkarnation eines tibetischen Heiligen; doch residiert dieser seit Jahrzehnten in Dolonnor (acht Tagereisen von Peking) in der Mongolei und besucht nur gelegentlich im Winter die Hauptstadt. Der wirkliche Leiter des Klosters ist ein tibetischer Abt. Die Anlage enthält schöne Hallen, Pavillons mit kaiserlichen Inschriften, tibetische Gebetsmühlen, sehr schöne Altarschnitzereien und in der letzten Haupthalle ein angeblich aus einem einzigen Stück Sandelholz gefertigtes, 14 m hohes Monumentalbild des aufrechtstehenden »Bodhisattva Maitrêya«, des buddhistischen Messias, der als fünfter und vollendeter Buddha unsrer Kalpa, des gegenwärtigen Weltzeitalters, erscheinen wird, um unsre Welt zu erlösen. Da die Größe der menschlichen Natur mit wachsender Sittenreinheit zunimmt, wird der Bodhisattva erst zum Buddha werden, wenn unsre Nachkommen so groß sind wie sein Bild! Sehenswert sind die dreimal täglich stattfindenden Gebetsübungen der Mönche (Messelesen in tibetischer Sprache. Wunderbare tiefe Stimmen, tiefes d!). Nicht hineingehen und nicht stören! Bei jeder Halle die Person höchstens 10 c. Trinkgeld, Mehrforderungen ignoriert man; den Bettlern im Vorhofe nichts geben!--Nun wende man sich westl. durch eine der Querstraßen zum *=Paukenturm= (Ku-lou [Gú-lŏū]), von Kublai Khan erbaut, dann abgebrannt und in vergrößertem Maßstabe von Yung Lo aus Ziegelsteinen neu errichtet (früher nur Holzbau). Die großen Pauken wurden früher als Alarmsignale geschlagen; eine bronzene Wasseruhr ist seit 1900 verschwunden. Schöne *Aussicht über ganz Peking, doch des schlechten Abstiegs wegen nur schwindelfreien Personen zu empfehlen. -- Gleich nördl. davon der Glockenturm (Chung-lou [Djúng-lŏū]), vom Kaiser Ch'ien Lung 1740 erbaut, um eine der berühmten fünf Riesenglocken des Ming-Kaisers Yung Lo darin aufzuhängen; die Glocke wird nicht mehr geschlagen. Von der obern Terrasse gleichfalls schöne Aussicht, doch unbequemer Aufstieg. -- Nun folge man der breiten Straße, die südl. zum Tor des irdischen Friedens (Ti-an-mên [Di-an-mönn]) oder Hintertor (Hou mên [Hŏū-mönn]) der =Kaiserstadt= führt; wenn man am Ende der Straße den Ahnentempel (Pl. 1) erreicht, biege man l., vorbei an den Leichenhallen der kaiserlichen Familie (r.; Pl. 12) und der kaiserlichen Nebenfrauen (l.; Pl. 13), zur =Reichsuniversität= (chines. Ta-hsüeh-t'ang [Dà chüĕ-táng]), ein Alumnat für 500 Studenten, geleitet von einem Rektor und 7 Prorektoren für 7 Fakultäten, einige deutsche, englische, amerikanische und französische Dozenten neben vielen eingebornen Professoren, die größtenteils im Auslande studiert haben; Bibliothek, Sammlungen und Druckerei. Zur Universität gehört das Dolmetscherseminar nahe dem »Östlichen Friedenstor« (1910 eröffnet für 300 Studenten). -- Westl. von der Universität erhebt sich der =Ching-shan= (Dying-schan), »Aussichtsberg«, von den Fremden nach einer alten chinesischen Sage Kohlenhügel genannt, weil er angeblich aus Kohlen besteht, die für den Fall einer Belagerung Pekings dort aufgestapelt liegen sollen; in Wahrheit besteht er aus den Erdmassen, die bei Anlage der künstlichen Teiche in den Kaiserl. Westgärten ausgehoben worden sind. An einem inzwischen abgestorbenen Baum am Ostabhange des Hügels erhängte sich 1644 der letzte Mingkaiser Ch'ung Chêng (Tschúng-djong), als der Rebellenführer Li Tzĕ-ch'êng [Li Dsĕ-tschóng] die Westmauer der Tatarenstadt erstürmt hatte. Das Gebiet des Chingshan gehört zur Verbotenen Stadt und ist für Besucher unzugänglich. -- Sw. liegen die gleichfalls unzugänglichen =Kaiserlichen Westgärten= (Hsi yüan [Chi-yüen]) mit den Ssan-hai, oder »Drei Meeren«, d. h. drei Lotosteichen. Am Nordteich der berühmte Lamatempel (Pl. 23) mit Kolossalfigur eines tausendarmigen Bodhisattva Avalokitêsvara und eine Halbinsel mit weithin sichtbarer weißer Pagode, in deren Nähe ein Altar der Schutzgottheit des Seidenbaues errichtet ist, an dem die Kaiserin nach altem Herkommen mit den Damen des Hofstaates alljährlich einmal opfert. -- An der Südwestecke des Mittelteiches lag der seinerzeit vom Feldmarschall Grafen von Waldersee bewohnte Palast der Kaiserinregentin, der am 18. April 1901 einer Feuersbrunst zum Opfer fiel. An seiner Stelle stehen jetzt geschmacklose Gebäude, in denen die verstorbene Kaiserinregentin Tzĕ-hsi das diplomatische Korps in Audienz empfing. Inmitten des Südteiches liegt der von den Fremden so genannte Inselpalast, (Pl. 8), in dem der Kaiser Kuang Hsü 1898-1900 von der Kaiserinregentin gefangen gehalten wurde; er diente später gelegentlich zu Audienzzwecken. Die Westgärten gehören zur Verbotenen Stadt und sind nicht zugänglich. -- Zwischen Nord- und Mittelteich führt die Marmorbrücke (Pl. 9) zu einer breiten Allee, die durch das »Westliche Friedenstor« aus der Kaiserstadt in die Mandschustadt führt; an der breiten Allee, von den Franzosen 1901 angelegt und Avenue Voyron genannt, liegt r. (nördl.) *Peitang [Bétang], der Sitz des französischen Erzbischofs und der Lazaristenmission mit der Kathedrale St.-Sauveur und mehreren Klöstern und Schulen, die während der Belagerungszeit 1900 von einer Handvoll französischer und italienischer Matrosen tapfer gegen den chinesischen Pöbel verteidigt wurden.
Die =Rote Verbotene Stadt= (unzugänglich) ist mit einer 3584 m langen rotbraunen Mauer umgeben (s. oben) und durch einen 30 m breiten Wassergraben von der Kaiserstadt getrennt; nur vier Brücken, je eine von jeder Seite, führen über den Graben. Die europäischen Truppen haben 1900 arg in der Roten Stadt gehaust und viele kostbare Kunstwerke zerstört. Gebäude, Tempel und Gärten stammen meist aus der Zeit der großen Mandschukaiser (1662-1796), doch reicht die ursprüngliche Anlage bis auf Kublai Khan (1260-95) zurück; sie haben geschweifte, reichverzierte Dächer mit gelben Ziegeln, deren Giebel mit goldenen Drachen gekrönt sind.--Am Westende der Gesandtschaftsstraße gelangt man südl. zum Chêng-yang-men [Djòng-yang-mönn], dem »Tor der senkrecht gegenstehenden Sonne«, d. h. Südtor, von den Fremden =Kaisertor=, volkstümlich Tchiën-mönn, »Vorderes Tor«, genannt; die im Juni 1900 abgebrannten Turmaufbauten sind 1905/07 wiederhergestellt. Diesem mittlern Südtor der Mandschustadt liegt im N. das Haupteingangstor des Kaiserpalastes Da-Tching-mönn, d. h. »Tor der Großen Mandschu-Dynastie«, unmittelbar gegenüber. Weiter nach N. zu folgt dahinter ein langer Vorhof bis zum Südtor der Kaiserstadt, »Tor des himmlischen Friedens« genannt; von da führt noch ein weiterer Vorhof zwischen Anlagen und durch das »Tor der Erhabenheit«, neben dem l. der »Altar der Götter des Landes und der Feldfrüchte« (Pl. 3), r. der Ahnentempel des Kaisers (Pl. 2) steht, über eine reichgeschmückte Brücke und durch das Mittagstor (Wumönn) in die Rote Verbotene Stadt. Die großen Mittelplätze sind durch Tore und Hallen abgeteilt. Man gelangt durch das »Tor der Eintracht« (Taihomönn) in die »Halle der höchsten Eintracht«(T'ai-ho-tien [Taì-hōŏ-dién]), dann in die »Halle der mittlern Eintracht« (Chung-ho-tien [Djung-hōŏ-dién]) und schließlich in die »Halle der beschützten Eintracht« (Pao-ho-tien [Bào-hōŏ-dién]); diese Hallen dienen lediglich als Repräsentationsräume bei bestimmten Staatsaktionen, so der T'ai-ho-tien zur Neujahrs- und Geburtstagsgratulation vor dem Kaiser, der Chung-ho-tien zur Aufbewahrung der Staatssiegel und der Bao-ho-tien als Prüfungshalle beim Palastexamen. Vom nördl. Vorhof der letzten Halle führt das »Tor der himmlischen Reinheit« (Pl. 3) in den Palast der himmlischen Reinheit (Ch'ien-ch'ing-kung [Tchiĕn-tching-gúng]), worin in der Morgenfrühe die fünf Mitglieder des Staatsrats dem Kaiser oder dem Regenten Vortrag halten. In dieser Halle finden auch seit 1901 die großen Audienzen statt, die fürstlichen Gästen oder dem diplomatischen Korps erteilt werden. Bestimmte Wohnungen des Kaisers etc. gibt es nicht. Die ewige Attentatfurcht bewirkt, daß schon seit alten Zeiten die Mitglieder der kaiserl. Familie in den weiten Palastgründen tageweise von Haus zu Haus ziehen. Die verstorbenen Majestäten wohnten in einem der Pavillons der Westgärten oder des Sommerpalastes; östl. von den Wohnungen der Nebenfrauen des Kaisers, getrennt durch das »Tor des Kriegsgottes« (Pl. 4), liegen die Wohnungen und Paläste der kaiserlichen Frauen und südl. davon die Wohnungen der kaiserlichen Kinder. Außerdem liegen im nördl. Teile der Verbotenen Stadt die Wohnungen der Dienerinnen, Eunuchen, die Seidenlager, Pelzlager, Theatersäle, Pagoden und verschiedene andre Paläste.
*Spaziergänge auf der Südmauer der Mandschustadt sind sehr zu empfehlen; 1910 ist vom diplomatischen Korps ein Promenadenweg mit Ruhebänken zwischen Tchiën-mönn und Hada-mönn angelegt. Ein Aufgang zur Mauer liegt am Südende der Sodenstraße, die gegenüber der St.-Michelkathedrale von der Gesandtschaftsstraße südl. führt, ein zweiter westl. vom Wassertor hinter der Russisch-Asiatischen Bank. Man geht westl. auf der Mauer bis zum Wassertor und Tchiën-mönn; östl. gelangt man über das Hadamönntor auf der Mauer am deutschen Friedhof vorbei bis zum SO.-Eckturm, dann noch 3/4 km nördl. bis zur Kaiserlichen Sternwarte (Kuanhsiang t'ai [G'wàn-chiang-taí]), erbaut 1279 unter Kublai, geleitet im 14.-17. Jahrh. von arabischen Astronomenfamilien, dann von den Jesuiten, deren berühmter Astronom P. Verbiest (gest. 1688 in Peking) die alten mongolisch-arabischen Instrumente durch kunstvolle, zeitgemäßere Armillarsphären, Azimutalkreise, Sextanten und einen Himmelsglobus ersetzte. Einige dieser Instrumente wurden 1901 nach Potsdam gebracht; der Himmelsglobus ist 1905 durch eine (allerdings nur 1/3 so große) Nachbildung ersetzt worden. Die Franzosen haben die von ihnen seinerzeit fortgenommenen Instrumente 1905 zurückgegeben. (Von der frühern Existenz der in Deutschland befindlichen zeugen nur die leeren Steinsockel.)--Dicht nördl. von der Sternwarte lagen die Großen Prüfungshallen (Kung-yüan [Ging-yüan]) mit mehreren tausend Zellen, wo alle drei Jahre aus dem ganzen Reiche die bereits doppelt geprüften Anwärter ihr Staatsexamen und »den Doktor machten«, d. h. den Titel »Chü-jên« [Dyü-jön] erwarben, der Anrecht auf die Beamtenlaufbahn gab (die alten Examina sind 1905 abgeschafft worden). Das Gebäude wurde 1900 von den fremden Truppen zerstört und wird gegenwärtig zum Bauplatz für das 1912 zu eröffnende Parlament hergerichtet. Ein deutscher Architekt baut hier das Oberhaus (Schang-i-yüan) und das Unterhaus (Chia-i-yüan) des modernen China.
Zum Besuch der =Chinesenstadt= fährt man mit Rikscha durch das Tchiën-mönn südl. in die breite, gepflasterte Tchiën-mönn-Straße, an der 2,5 km vom Tor r. der von den Fremden so genannte =Ackerbautempel=, chines. Hsien-nung-t'an [Chièn-nung-tán], »Altar des ersten Ackerbauers«, d. h. des sagenhaften Kaisers Shên-nung [Schönnung] (2838-2698 v. Chr.) liegt, eine große, mit prächtigem Park und einer 3450 m langen Mauer umgebene Anlage, die vom Kaiser Chia Ch'ing [Dyiá-tching] der Ming-Dynastie (1522-67) erbaut und unter Kaiser Ch'ien Lung [Tchien-lúng] (1736-96) der regierenden Mandschudynastie erneuert wurde.
Es bestehen vier Kultusstätten: der eigentliche Altar des Shên-nung, eine Tempelhalle des Jahresgottes (Tai-sui-tien [Tai-ssōē-dién]), eine ebensolche des Planeten Jupiter (Mu-hsing-tien [Mù-ching-dién]) und die Halle Pei-tien [Bé-tièn], wo der Kaiser in jedem Frühjahr seine Kultushandlungen beginnt. Vor einer Terrasse das Feld, das der Kaiser an einem bestimmten Tag im Frühjahr mit den Prinzen des kaiserlichen Hauses, den höchsten Beamten der Stadtverwaltung und einer Anzahl der ältesten Greise Pekings eigenhändig bestellt; der Kaiser zieht mit dem Pfluge drei, die übrigen Teilnehmer an der feierlichen Handlung je eine Furche und streuen symbolisch Reis-, Weizen- und Hirsekörner darüber. Der früher benutzte kunstvolle Bronzepflug ist 1900 verschwunden und jetzt durch einen plumpen, gelb angestrichenen Holzpflug ersetzt worden. Während der Okkupation von 1900/01 diente die Tempelanlage den amerikanischen Truppen unter General Chaffee als Quartier.--Priester gibt es hier, wie in allen kaiserlichen Tempeln, nicht, da der Kaiser in diesen der einzige Priester ist. (Trinkgeld an die führenden Aufseher 10-20 c.)
Gegenüber liegt der schönste und großartigste Tempel Pekings, der von den Fremden sogen. *=Himmelstempel=, chines. T'ien-t'an [T'ien-tán], »Altar des Himmels«, eine gewaltige Anlage von einer 5750 m langen Mauer umgeben, unter der Regierung des Mingkaisers Yung Lo (1403-25) erbaut; sie diente dem Kult des Himmels und der Erde, bis Kaiser Ch'ien Lung im 18. Jahr seiner Herrschaft (1754) einen besondern »Altar der Erde« (Ti-t'an [Di-tán]) im Norden Pekings vor dem Tore An-ting-mên [An-ding-mönn] erbaute.
Durch das nördl. Tor der äußern Westmauer gelangt man durch eine Allee schöner alter Zypressen zum Tore der innern Mauer. Hinter diesem erblickt man zunächst r. ein von einem Graben umzogenes Gebäude, die Halle der Enthaltsamkeit (Chai-kung [Djaí-gung]), woselbst der Kaiser die Nacht vor dem Opfer fastet; sehenswerter Thronsessel im Hauptraume. -- Dann sö. zum großen Hauptaltar, chines. Yüan-ch'iu [Yüĕn-tchió], »Runder Hügel« oder Nán-t'an, =Südaltar= genannt, ganz aus weißem Marmor erbaut und von Marmorbogen umgeben. Hier opfert der Kaiser als »Sohn des Himmels« alljährlich zur Zeit der Wintersonnenwende als Hoherpriester seines Volkes und erfleht den Segen des Himmels für das kommende Jahr. Auf der obersten Plattform werden zur Zeit des Opfers eine Anzahl Zelte aus dunkelblauem Tuch errichtet, in die auf vergoldeten hölzernen Thronsesseln die Seelentafeln des »Allerhöchsten Himmlischen Herrschers«, des Jahres, der Gestirne, der Sonne, des Mondes und der 8 kaiserlichen Ahnen des regierenden Hauses stehen. Vor allen Tafeln stehen Opfertische mit den verschiedensten Sorten von Fleisch, Wildbret, Fischen, Sämereien, Früchten und Backwerk. Während der Kultushandlung, die die kaiserliche Kapelle auf eigenartigen, kunstvoll gearbeiteten Instrumenten mit einer uralten Sakralmusik begleitet, kniet der Kaiser allein auf der obersten Plattform, während die übrigen Terrassen und der Hof mit den Prinzen und den höchsten Würdenträgern besetzt sind. Insgesamt nehmen an dem 3/4 St. vor Sonnenaufgang beginnenden Opfer mehrere hundert Personen teil, die sich schon am vorhergehenden Tag aus der Stadt dorthin begeben und teils in den ausgedehnten Wohnhausanlagen, teils in Zelten übernachtet haben. Dieser Südaltar ist der eigentliche »Altar des Himmels« und der Hauptpunkt der ganzen Anlage. Die oft gehörte Behauptung, die Chinesen hielten ihn für den Mittelpunkt der Erde, gehört ins Gebiet der vielen Fabeln, die sich während der Okkupationszeit von 1900/01 gebildet haben. -- Am Fuße des Altars stehen neun große eiserne Becken, je eins beim ersten Opfer eines jeden Kaisers der regierenden Dynastie gestiftet, in denen grobe weiße Seidenstoffrollen verbrannt werden. -- Nahe sö. vom Altar ein aus grünglasierten Ziegeln erbauter Brandopferofen (liáo-lu), in dem jedesmal ein schwarzer Stier verbrannt wird. Die zur Tempelwirtschaft gehörende Herde schwarzer Stiere kann man oft auf den weiten Grasflächen weiden sehen. -- Wenig nördl. vom Südaltar ein Pavillon, in dem die Kultusgeräte aufbewahrt werden. (Kein Zutritt!)
Man wende sich nun nördl. Auf einer mit mächtigen Steinquadern belegten breiten Terrasse gelangt man zum *=Nordaltar=, chines. Ch'i-ku-t'an [Tchi-gu-tán], »Getreideopfer-Altar«, genannt; auf ihm erhebt sich ein stattliches rundes Gebäude, einer der schönsten Bauten Pekings, Ch'i-nien-tien [Tchi-niĕn-dién], »Jahresopfer-Halle«, genannt. Hier pflegte der Kaiser ehemals alljährlich im Frühjahr um eine glückliche Ernte zu beten. Seitdem das Gebäude aber 1852 infolge eines Blitzschlags abbrannte, ist das Ernteopfer stets gleichfalls auf dem Südaltar abgehalten und die an Stelle der alten neuerbaute Halle nie benutzt worden. Der Pavillon nördl. davon enthält die Kultusgeräte.--Bei der Besetzung im Jahre 1900 lag die britisch-indische Kavallerie des Generals Gaselee im Himmelstempel. -- (Trinkgeld an den führenden Aufseher je 10-20 c.)
Außerdem sind in der Chinesenstadt sehenswert die Hauptgeschäftsstraße Dà-schĭ-lărl, die Buchhändlerstraße Liu-li-ch'ang [Lèo-li-tscháng] mit Kuriositätenläden und sw. davon der Buddhatempel Fà-yüan-ssé, der älteste Tempel Pekings, 645 erbaut.--Nahe der Buchhändlerstraße ist eine sehenswerte Cloisonnéfabrik (S. 284).
Ausflug zu den kaiserlichen Sommerpalästen und in die Westberge.
Etwa 2-3 Tage, mit Nachtlager in den Klöstern am »Tempel der blaugrünen Wolke« und am Miaofengschan. Der alte Sommerpalast allein ist eine kleine Tagestour. Alle größern Ausflüge suche man in Gesellschaft zu machen, Herren zu Pferde (tägl. $ 2), Damen in Maultiersänfte (tägl. $ 4); oder in Tragstühlen, die der Gasthof besorgt; dazu nehme man Reitknechte nach Bedarf, einen Führer (tägl. $ 2), einen Koch (tägl. $ 0,75) sowie eine Pekingkarre (tägl. $ 2) mit Mundvorrat und Getränk sowie Matratzen und Decken mit. Die Gasthöfe besorgen die Ausrüstung. Unterwegs regelt der Führer alle Ausgaben. Chinesische Herbergen trifft man unterwegs.
Man verläßt die Mandschustadt durch das nordöstliche Tor, Andingmönn, und gelangt, den Tempel der Erde (Di-tan) r. lassend, zum *=Gelben Tempel= (Huang-ssĕ), etwa 25 Min. nördl. von der Stadtmauer, einer großen Tempelanlage mit prachtvollen Marmorbauten inmitten alter Parkanlagen, von Kaiser Ch'ien Lung zu Ehren des ihn zu seinem 70. Geburtstage 1780 besuchenden Tashi Lama erbaut; er besteht aus drei Teilen; das mittlere, arg zerfallene Gebäude in halb tibetischem Stil diente dem heiligen Mann aus Tibet, der im Rang nur dem Dalai Lama nachsteht, zur Wohnung, die östl. Tempelanlage Tung-huang-ssĕ [Dùng-huang-ssĕ] als Privatkapelle.
Als der Heilige 1781 an den Blattern starb, ließ der Kaiser seine Kleider westl. des Wohnpalastes beisetzen und darüber aus weißem Marmor eine schöne Pagode errichten, während der Leichnam in einem vergoldeten Sarge nach Tibet geschickt wurde. Pagoden sind buddhistische Grabdenkmäler, die in ihren fünf Hauptabschnitten die fünf Elemente darstellen und die Auflösung des Körpers in die fünf Elemente versinnbildlichen sollen. An der Pagode schöne Reliefs, die wunderbare Geburt des Heiligen, seine Lehrtätigkeit, Tod und Wiedergeburt als Buddha darstellend, 1900 leider von japanischen Soldaten arg verstümmelt. --Der Gelbe Tempel war 1861 das Hauptquartier Lord Elgins, als die Engländer und Franzosen das Tor An-ding-mèn bombardierten, durch das sie später einzogen.--Dicht östl. vom Gelben Tempel das von der chinesischen Regierung für den Dalai Lama gebaute Absteigequartier (Dalai-lama chĭng-yung), wo der tibetische Heilige im Jahre 1908 wohnte. Zu sehen: seine Reisewagen, sein Altar, von ihm gesegnete Gegenstände. Eintritt gegen Trinkgeld erlangbar.
10 Min. nördl. davon der kleine, unscheinbare Tempel Tsan-tan-ssĕ mit den Leichen der im Yung-ho-yung verstorbenen Mönche, die hier in viereckigen, ca. 1 qm großen Holzkisten in einer der Stellung des Embryo im Mutterleibe entsprechenden Körperhaltung (buddhistische Lehre der ewigen Wiedergeburt!) aufgestapelt und gelegentlich im Vorhofe verbrannt werden. Die Aschensäcke hängen an den Wänden der Haupthalle in groben gelben Beuteln; sie werden gelegentlich nach dem Wallfahrtsort Wu-tai-schan in der Provinz Schansi geschickt und dort beigesetzt. Nur für starke Nerven, namentlich bei warmer Witterung!
Vom Oktober bis Februar pflegen die nach Peking aus der Mongolei kommenden Tributgesandtschaften in den großen Karawansereien beim Gelben Tempel abzusteigen. Daher heißt diese ganze Gegend der =Mongolenmarkt=.
Zwischen dem Gelben Tempel und der Stadt Peking liegt der alte Exerzierplatz der mandschurischen Bannertruppen, wo die kriegerischen großen Kaiser K'ang Hsi, Yung Chêng und Ch'ien Lung von einem noch zu erkennenden Sandhügel in der Mitte Heerschau hielten. Zurzeit wird hier der Bau der neuen Reichsuniversität vorbereitet (Alumnat mit Colleges nach amerikanischem Vorbild).
Zu Pferde etwa 20 Min. wnw. weiter erreicht man den =Tempel der Großen Glocke= (Ta-chung-ssĕ [Dá-djung-ssĕ]) mit einer der 5 Riesenglocken, die der Ming-Kaiser Yung Lo (1403-25) gießen ließ, 1578 erbaut. Sie ist innen und außen mit dem Text einer Hymne auf Amitabha Buddha in chinesischen und Sanskritschriftzeichen bedeckt. Den besten Eindruck von der gewaltigen Größe der Glocke erhält man, wenn man sich unter sie stellt.
Wer den Umweg von 2-3 St. über den Gelben Tempel und den Tempel der Großen Glocke scheut, gelangt am besten zu den Sommerpalästen, wenn er Peking durch das Nordtor der Westmauer, das Hsi-dschi-mönn [Chí-dji-mönn] verläßt. [Wer Eile hat und sich mit derselben Straße zum Hin- und Rückweg begnügt, fährt im Automobil oder Wagen die neue große Chaussee über Hai-dien.]--10 Min. westl. von Hsi-dschi-mönn der 1907 eröffnete Botanische und Zoologische Garten mit europäischem Restaurant, Teehaus und einem Absteigequartier der verstorbenen Kaiserin-Regentin. (Eintritt in die botanische und zoologische Abteilung pro Person je 8 Kupfercents, Besichtigung des kaiserlichen Hauses pro Person 20 c.; auf guter Straße in Wagen, Auto oder Rikscha bequem zu erreichen.) Vor dem Tor überschreitet man die Mongolische Bahn (S. 280). L. von einer über einen Kanal führenden Steinbrücke liegen die Bootshäuser für die kaiserlichen Dschunken, in denen sich die Majestäten auf dem Kanal von einem kleinen Raddampfer zum Sommerpalast schleppen ließen. Am vielfach gewundenen Kanal entlang schöner Weg bis zu dem von einem indischen Buddhistenmissionar in hindustanischem Stil erbauten Tempel Wù-t'a-ssĕ (»Fünf-Pagoden-Tempel«), jetzt verfallen und verlassen. Nach etwa 1/2 St. neben einer Schleuse der nach 1900 wieder schön hergerichtete Tempel Wan-shou-ssĕ [Wăn-shŏū-ssĕ] mit sehenswerten Höfen und Hallen.--Unmittelbar westl. daneben das Absteigequartier der Majestäten Hsing-kung [chíng-gung], die hier auf der Fahrt nach dem Sommerpalast rasteten und der Schleuse wegen die Boote wechselten; sehenswert, da alle Wohnräume vollständig eingerichtet und die Höfe gegen Trinkgeld zugänglich sind.--Da der weitere Weg am Kanal entlang bald durch Militärposten versperrt wird, verlasse man den Kanalweg und biege durch den westl. vom kaiserlichen Absteigequartier gelegenen Torbogen nach N. ab. Bei dem Marktflecken Hai-tien [Hai-diĕn] erreicht man die von Peking zum Sommerpalast führende Straße und gelangt auf ihr, an den neuen Kasernen der Gardedivision und den Sommersitzen der Prinzen und hohen Würdenträger vorbei, zum (15 km) sogen. *=Alten Kaiser-Sommerpalast=, Yüàn-ming-yüán (»Park des Vollendeten Glanzes«), einst die Sommerresidenz des großen Ch'ien Lung (1736-96), der hier 1793 die erste englische Gesandtschaft unter Lord Macartney empfing. Der Palast wurde 1861 zur Strafe für die Gefangennahme und Ermordung der englischen Parlamentäre von den verbündeten Engländern und Franzosen gänzlich ausgeplündert (ganze Schiffsladungen von Kunstwerken gingen nach Europa) und in barbarischer Weise zerstört; die Ruinen geben nur ein schwaches Bild der vergangenen Pracht. Für den Europäer interessant sind die Überreste der von den französischen Jesuitenmissionaren nach Vorbildern von Trianon und Versailles erbauten Rokokobauten, Labyrinthe u. dergl. Der schöne Park ist »heimlich« gegen Trinkgeld von einer Seitentür an der Westmauer wieder zugänglich.-- An verschiedenen prinzlichen Sommersitzen vorbei führt die große Steinstraße weiter zum sogen. =Neuen Sommerpalast=, I-ho-yüan [I-hōă-yüán, »Park des Alterfriedens«], von den Fremden nach dem in ihm liegenden Hügel Wan-shou-shan [Wàn-schŏū-schăn, »Kaisersgeburtstagsberg«] genannt (Wan-shou heißt eigentlich »10000 [mal] hohes Alter«), weil der Begründer dieses Sommersitzes, Kaiser K'ang Hsi (1662-73), zum Andenken an den 60. Geburtstag seiner Mutter auf der Spitze des Hügels einen Tempel erbauen ließ. Auch diese Sommerresidenz wurde 1861 von den Engländern und 1900 von den verbündeten Truppen zerstört und ausgeplündert; sie ist neuerdings zum Teil aufgebaut und dient dem Hofe während der wärmern Monate zum Aufenthalt. (Besichtigung am 5., 15. und 25. jedes chinesischen Monats gestattet, man melde sich spätestens drei Tage vorher bei der Gesandtschaft an, der Eintritt nur gegen auf Namen des Inhabers lautende Karte gestattet; Trinkgeld pro Person $ 1, Kahnführer extra.)--Etwas westl. liegt der ebenfalls von Kaiser K'ang Hsi angelegte älteste der kaiserlichen Sommergärten Ching-ming-yüan [Dyìng-ming-yüăn, »Park des ungetrübten Glanzes«], gleichfalls 1861 und 1900 zerstört, mit dem Hügel Yü-ch'üan-shan [Ü-tchüen-schăn, »Berg der Nephritquelle«]. Auf der Spitze des Hügels die weithin sichtbare Pagode Yü-fîng-t'a [Ü-fong-tá], von wo man eine herrliche *=Aussicht= über die kaiserlichen Sommergärten, die Pekinger Ebene und in die nahen Westberge hat. Der Eintritt ist gegen Trinkgeld 50 c. (für 1-2 Pers.) unschwer zu erlangen und solchen zu empfehlen, denen Besuch des Sommerpalastes wegen Zeitmangel unmöglich.
Am Fuße des Hügels entspringt unterhalb eines Tempelchens die =Nephritquelle=, die die künstlichen Teiche der kaiserlichen Gärten, den nach Peking führenden Kanal und die Stadtgräben und Teiche der Hauptstadt bewässert, deren weiterer Abfluß dann der in den Peiho [Bai-hōŏ, »Weißer Fluß«] mündende T'ung-chou- [Túng-djŏū-] Kanal ist. Über der Quelle die von Kaiser K'ang Hsi verfaßte Inschrift »Erste Quelle der Welt« und ein Lobgedicht des Herrschers über die Köstlichkeit des Quellwassers. -- Südl. vom Quellteiche die noch erkennbaren Grundmauern des Sommerpalastes der Kaiser der Chin [Dyin-] Dynastie (1115-1234).
Westl. vom Yü-ch'üan-shan-Hügel erblickt man in den Schluchten der =Westberge= (Hsi-shan [Chi-schan]) zahlreiche malerisch gelegene Klöster und die bis zu den Berggipfeln laufenden Mauern des kaiserlichen =Jagdparkes Ch'ing-i-yüan= [Tching-yi-yüan, »Park des lautern Behagens«], gleichfalls 1861 und 1900 arg mitgenommen, aber mit seinen Ruinen und Gartenanlagen immer noch sehr sehenswert. Der anschließende Berg heißt =Hsiang-shan= [Chiáng-schan, »Duftberg«]; die Sage berichtet, daß auf diesem Berge Shun, der letzte Sproß der Liao-Dynastie, die 1125 von den Chin vernichtet wurde, begraben ist.--Unweit nördl. liegt das Kloster *=Pi-yün-ssĕ= [Bi-yün-ssĕ, »Kloster der nephritgrünen Wolken«], reich an herrlichen Marmorbauten; es wurde zur Zeit der mongolischen Yüan-Dynastie (1280-1364) gegründet, doch stammen die schönen Bauten meist aus dem 18. Jahrh., wo das Kloster ein Lieblingsaufenthalt der großen Mandschukaiser war. Einen sonderbaren Eindruck macht die Halle der 500 Lo-han [Lōŏ-han], das sind buddhistische Heilige; 500 überlebensgroße, aus Lehm geformte und vergoldete Figuren sitzen an den Wänden und in der Mitte einer ausgedehnten Halle. In einer Seitenhalle sind Hölle und Paradies in Tonfiguren dargestellt, die 18 Martern und 9 Belohnungen im Jenseits. Am Fuß der Berge von Pi-yün-ssĕ und Hsiang-shan ein Besichtigungsplatz der alten Mandschutruppen mit Pavillon des Kaisers, Beobachtungsterrasse der Kommandanten am Ende der Bogenschießbahn und einer Stadtmauersilhouette für Eskaladierübungen.--NW. von Pi-yün-ssĕ, von Bäumen halb verdeckt, liegt das schöne Kloster Yü-huang-t'ing.
Weiter nö. liegt in einem Seitental das =Kloster Wo-fo-ssĕ= [Wōŏ-fōŏ-ssĕ], das »Kloster des liegenden Buddha« mit der Kolossalfigur des Buddha moribundus, die den geschichtlichen Gautama Buddha Sakhyamûni in dem Augenblick seines Eingehens in das Nirwana darstellt. -- Nö. das Kloster =Yi-kuan-ssĕ= [Yi-gūăn-ssĕ], in dessen Nähe das Grab des nicht anerkannten Ming-Kaisers Ching Ti [Dyíng-di], der sich 1450-57 der Herrschaft bemächtigt hatte, nachdem sein Bruder, der Kaiser T'ien Shun [Tiĕn-schún] in der Schlacht bei T'u-mu-pu als Gefangener in die Hände der Mongolen gefallen war. -- Nw. von Yi-kuan-ssĕ in einer Schlucht das sehenswerte Kloster =Pao-tsang-ssĕ= [Bào-dsang-ssĕ], 1439 von einem Lama aus Tibet gegründet, Sommerquartier der Eunuchen des Palastes. -- Auf den anliegenden Bergabhängen fallen einige sonderbare Bauwerke in tibetischem Stil auf; sie sind von Kaiser Ch'ün Lung errichtet, bevor er die Eroberung Tibets begann, damit sich seine Gardetruppen im Erstürmen hochgelegener tibetischer Häuser üben sollen. Die Chinesen nennen diese Bauten Hsi-tsang-tien [Chi-dsung-diĕn, »Tibetische Hallen«].
Südl. von allen bisher genannten Klöstern liegt am Abhange der Westberge die Klosteranlage =Pa-ta-ch'u= [Bà-da-tschú] mit den Sommerquartieren der englischen Gesandtschaft.
Hat man mehrere Tage zur Verfügung, so empfiehlt sich auch folgende Tour:
1. Tag: Von Peking an den kaiserlichen Sommergärten vorbei über Wang-êrh-shan [Wàng-örl-schan] (schwieriger Paß! sonst Umweg um den Berg herum) nach Hei-lung-t'an [Hè-lung-t'án, »Teich des Schwarzen Drachen«] mit Tempel und hübschem Quellteich. Hier Frühstück. Dann weiter über das Kloster Wên-ch'üan-ssĕ [Wö̆n-tchüĕn-ssĕ, »Tempel der warmen Quellen«] mit heißen Schwefelquellen und primitiven Badeeinrichtungen, nach dem schönen Kloster Ta-chüeh-ssĕ [Dá-dyüĕ-ssĕ, »Tempel der großen Erleuchtung«], früher Sommerquartier der deutschen Gesandtschaft.
2. Tag: Zu Fuß mit Führer auf ziemlich beschwerlichem Bergpfad (zweimaliger Auf- und Abstieg) in etwa 4-6 St. nach dem berühmten Wallfahrtsort =Miao-fêng-shan= [Miāŏ-fong-schăn], wo man am besten übernachtet; rüstige Fußgänger können auch nach Ta-chüeh-ssĕ zurückkehren.
3. oder 4. Tag: Zurück nach Peking.
Empfehlenswert ist auch die folgende oft erprobte Tour:
1. Tag: Entweder zu Pferde von Peking über T'áng-shan (Besichtigung der Quellen, des kaiserlichen Gartens und Frühstück) nach Ch'an-p'ing-chou [Tschàng-ping-djŏū], wo leidliches chinesisches Gasthaus, oder mit der Mongolischen Bahn nach Nankou und von dort zu Fuß oder mit Esel nach Ch'ang-p'ing-chou.--2. Tag: Besichtigung der Ming-Gräber (S. 296). Frühstück am besten mitnehmen und Picknick bei den Gräbern. Dann am Fuße der Berge entlang nach Nankou (S. 295).--3. Tag: Durch den sogen. Nankou-Paß bis zur Großen Mauer (S. 296). Aufstieg auf der l. Seite, da r. die Mauer teilweise zerstört ist. Frühstück in einem der Türme, dann zurück nach (ca. 20 km) Nankou. --4. Tag: Mit der Bahn zurück nach Peking oder zu Pferde am Fuße der Westberge entlang nach dem Kloster Ta-chüeh-ssĕ (s. oben).-- 5. Tag: An den kaiserlichen Sommergärten vorbei zurück nach Peking (vgl. oben).
Ausflug nach der Großen Chinesischen Mauer und den Minggräbern.
Vgl. den Karton auf Karte S. 275.
Man rechne 2-3 Tage. 1. Tag: =Eisenbahn= (Mongolische Bahn, 1909 bis Kaigan, 1911 bis Suiyüen, 510 km von Peking, eröffnet. In Kalgan Railway Hotel wie in Nankou; Fahrzeit 11 St., Fahrpreise Peking-Kalgan: I. Klasse $ 8,10, II. Kl. $ 5,40; Bahnhof vor dem NW.-Tor Hsi-dschi-mönn, wohin mit Auto, Wagen oder Rikscha) tägl. früh etwa 8,40 Uhr (Fahrplan ändert oft!) in 3 St. bis Ching-lung-chiao (Tching-lung-tchiāo) am Fuße der Großen Mauer (der Aussicht wegen stelle man sich auf die vordere Plattform, die Lokomotive schiebt, mehrere Tunnels). Von hier geht man etwa 1/2 St. bis zum Tor der Mauer. Rückfahrt mit der Bahn 6,43 Uhr Nm. ab Ching-lung-chiao (oder auf von Nankou aus vorausgeschickton Eseln) nach (44 km von Peking) =Nankou=, wo man im Railway Hotel (gelobt, Pens. $ 6) übernachtet. -- 2. Tag: Früh 1/2-5 Uhr auf Eseln zu den Minggräbern, zum Tiffin ins Hotel zurück und 12,30 Uhr Mitt. Eisenbahn zurück nach Peking. -- Ausrüstung wie S. 291 beschrieben.
Der Ausflug führt in das nordwestl. von Peking sich hinziehende Gebirge, den Nankouschan, das infolge der rostförmigen, durch Bruchbildung entstandenen Anordnung seiner Höhen dem Verkehr und im besondern der großen Karawanenstraße, die von Peking über Kalgan durch die Gobi nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, und weiter über Kjachta nach Sibirien (und Europa) führt, große Schwierigkeiten bereitet. Auch der Bau der Bahn von Peking über den Nankoupaß nach Kalgan hat technisch große Schwierigkeiten verursacht. Anderseits besitzt Peking im Nankouschan eine starke natürliche, durch die Große Mauer noch künstlich verstärkte Sicherung. Der Warenaustausch zwischen China und der Mongolei, der früher ausschließlich und auch heute noch größtenteils durch Kamelkarawanen, erfolgt, ist sehr bedeutend; die Mongolei liefert an China vor allem die Produkte ihrer Viehzucht, China der Mongolei in erster Linie Tee. -- Bis Nankou ist die Gegend eine einförmige Ebene, dann beginnt ein landschaftlich schönes Tal. Die Berge sind baumlos.
Man verläßt die Mandschustadt durch das NW.-Tor Têschêng-mên [Dōĕ-schong-mönn, »Tor der siegreichen Tugend«], am Gelben Tempel (S. 291) und weiter nördl. am alten Mongolenwall T'u-ch'êng [Tú-tschong] des Khan Balik vorbei durch sandige Gegend über (10 km) Ching-ho [Tsching-hōŏ], nw. nach (23 km) =Sha-hô= [Schá-hōŏ, »Sandfluß«], mit chinesischer Herberge; vorher über eine schöne Marmorbrücke und hinter dem Ort eine siebenbogige Brücke. Die Straße, auf der man malerische mongolische Kamelkarawanen sieht, führt nnö. weiter, vorbei an (36 km) =Ch'ang-p'ing-chou= [Tschăng-ping-djŏū] (gute chinesische Gasthäuser), einer großen, alten, mit hohen Mauern umgebenen Kreishauptstadt.--Von hier aus kann man auf bequemem Weg (7 km nördl.) die Minggräber (S. 296) erreichen, doch empfiehlt es sich, zunächst über (44 km) Stat. =Nan-kou= [Nán-kŏū] (210 m; Quartier im neuen Railway Hotel, am Bahnhof, gelobt, Pens. $ 6) zu fahren. Die Bahn fährt weiter; nach dem ersten Drittel des Passes vorbei an der Talsperre =Chü-yung-Kuan= [Dyü-yung-gwan] (200 m); dort ein Torturm (1258 erbaut), auf dem Hindureliefs, Buddhafiguren und siebenköpfige Schlangen und zwei Inschriften von 1345 in sechs Schriften: Sanskrit, Tibetanisch, Mongolisch, Uigurisch, Nuchên und Chinesisch.--Etwa 4 km aufwärts liegt die zweite Talsperre =Shang-kuan= [Scháng-kwan] (450 m). Etwas weiter aufwärts tauchen die ersten Bruchstücke der Großen Mauer auf. Vom Bahnhof Ching-lung-chiao (s. oben) erreicht man zu Fuß in ca. 1/2 St. die Paßhöhe =Pataling= (=Nankoupaß=) [Bà-da-ling, »die acht großen Berggipfel«], 633 m ü. M., wo die Große Mauer den Paß kreuzt.
Die =Große Chinesische Mauer= (Wanlitschangtschöng = Mauer von 10000 Li, d. h. chinesischen Meilen, mongolisch Jagan Kerme = weiße Wand), das mächtigste Bauwerk der Erde, 2450 km lang, ist in drei Zeitabschnitten erbaut, zuerst zur Zeit der Punischen Kriege (von dieser Mauer sind nur Reste übrig), dann zur Zeit Karls des Großen als »äußere Mauer« von Schanhaikuan (S. 329) bis zum Hoangho, den sie auf nahezu 40° nördl. Br. an der Grenze der Mongolei erreicht, von wo sie in sehr unregelmäßiger Linie westl. läuft und jenseit Kantschou auf etwa 39° nördl. Br. und 100° östl. L. in der Provinz Kansu endet. Diese Mauer ist nw. und nördl. von Peking doppelt (die Mauer bei Pataling ist im 15. Jahrh. von den Ming gebaut), so daß man etwa 130 km nw. von Pataling bei Kalgan nochmals auf eine Mauer trifft, von der aber nur noch Ruinen der Wachttürme erhalten sind. Außerdem lief eine zur Zeit Rudolfs von Habsburg von einem Mingkaiser erbaute, jetzt gänzlich verschwundene »innere Mauer« von Schanhaikuan nö. durch die Mandschurei als Palisadenwall. Die Mauer ist überall etwa 16,5 m hoch, unten 8 m, oben 5 m und mehr breit, mit guter Straße auf ihrer Plattform, mannshoher Brüstung auf beiden Seiten und regelmäßige Zinnen, Basteien und etwa alle 100 m Wachttürme; die Mauer windet sich malerisch über Bergkämme (bis 1700 m ü. M.), durch Täler und Abgründe. Jetzt stehen die Tore der Mauern offen und unbewacht; stellenweise liegen alte Geschützrohre in den Wachttürmen. Zweck der Mauer war der Schutz gegen Einfälle der Hunnen und Mongolen.
Man besteige die Mauer westl. (l.) vom Tor, Aufstieg bei der eingestürzten Stelle, gehe dann etwa 1/2 St. bis zum höchsten Wachtturm, von dem man prächtige *Aussicht über die Mauer, den Engpaß und die Gebirge hat. Etwa 4 km nö. unterhalb der Mauer liegt die ummauerte Stadt =Ch'a-tao= [Tschá-dao] (491 m; Herberge), wo man zur Not übernachten kann.
Von da führen die Eisenbahn und eine Karawanenstraße nach =Kalgan= (Tschangkiakou; 200 km von Peking), 825 m ü. M., etwa 70000 Einw.; Kalgan ist wichtiger Handelsplatz an der äußern Doppelmauer, an der Handelsstraße nach Kjachta, dem alten Überlandweg von Europa nach Peking. Die Mongolische Bahn, die durch die Mongolei hindurch an das sibirische Eisenbahnnetz angeschlossen werden soll, war Mitte 1911 bis Suiyüen, 290 km über Kalgan hinaus, betriebsfertig.
Nach Besichtigung der Mauer kehre man nach Nankou zurück (20 km von Pataling), wie oben angegeben, übernachte hier und reite am nächsten Morgen am Fuß der Berge östl. 8 km zu den *=Minggräbern= (Mingling). Sie liegen, je etwa 1 km voneinander entfernt, in einem halbkreisförmigen Tal am Fuße der dieses einschließenden Berge. Die Straße dorthin ist prachtvoll geschmückt durch Marmortore und überlebensgroße Marmorstatuen.
Der erste *Torbogen (1541 erbaut) gilt als einer der schönsten Chinas und ist mit sehr feinen Marmorskulpturen geschmückt. Jenseits einer halbverfallenen Brücke erreicht man einen großen roten Torbogen, Ta-hung-mên [Dà-hung-mö̆nn, »Großes Rotes Tor«]. Von hier führt ein mit Steinfliesen belegter Weg (1537 angelegt) zum dritten Torbogen, der von 4 Drachensäulen getragen wird (1426 erbaut); hinter ihm beginnt eine seltsame, mit Steinbildern besetzte Straße, zwischen jedem Paare sind etwa 50 Schritt Zwischenraum; den Anfang machen 4 Löwen, 4 Einhörner, 4 Kamele, 4 Kilin (Fabeltiere) und 4 Pferde, dann folgen 12 Menschenfiguren, und zwar 4 Militärmandarine, 4 Zivilmandarine und 4 Priester. Wieder schließen sich Torbogen an; dahinter liegt mitten zwischen hohen Bäumen der große Grabtempel *=Ch'ang-ling= [Tschang-ling] des Kaisers Yung Lo [Yung Lōŏ], 1403 bis 1425, von hoher Mauer umgeben (Einlaß $ 1 dem Wächter). Zwölf andre, kleinere Kaisergräber und viele Gräber kaiserlicher Frauen, Nebenfrauen, Prinzen u. Prinzessinnen (zus. über 30) liegen, ebenfalls mit Grün geschmückt, in der Umgebung des großen Grabtempels. Der Eingang zum Tschang-ling, ein dreifaches Tor, führt in einen Vorhof, von dem Marmortreppen durch Torbogen in eine riesige Tempelhalle mit 40 rotlackierten, 10 m hohen und 1,3 m dicken Holzsäulen führen, in deren Mitte eine Ahnentafel steht. Dahinter liegt noch ein Hof mit Torbogen und Altar sowie mehreren Blumenvasen und Marmorkandelabern, an dessen Hinterwand ein viereckiger Turm vor einem runden Grabhügel steht. Das Grab liegt vermauert in einem kleinen hohen Tempel mit geschweiftem Dach; von beiden Seiten führen ansteigende Marmorgalerien empor zum ersten Stock des Tempels, der über dem Grab ein Gemach mit Riesengedächtnissäule trägt.
Rückweg nach Nankou (Rückfahrt nach Peking oder Weiterfahrt nach Chinglungchiao oder Kalgan mit Bahn) oder, falls Reittier oder Sänfte zur Verfügung, bis zum ersten Torbogen, dann südl. etwa 7 km auf bequemem Weg nach Ch'ang-ping-chou (S.295), wo man übernachten kann, falls man nicht Zeit hat, noch bis Schaho (Bahnstation 20 km südl. von den Minggräbern) zu reiten.--Lohnend ist auch am vierten Tage der Weg von Ch'ang-ping-chou sw. nach (etwa 15 km) =T'ang-shan= (»Berg der warmen Quelle«), Dorf am Fuß des gleichnamigen Berges, Quartier im Dorftempel. Dabei liegen die Gärten und Ruinen eines Palastes des Kaisers King Hsi, in denen eine heiße Schwefelquelle von mehr als 50° C entspringt; die Quelle ergießt sich in zwei mit Marmorbalustraden umgebene Becken, in denen man baden kann. In der Nähe sehenswerte Reste des Palastes. --Rückweg über Schaho (von da mit Bahn) oder direkt nach (etwa 45 km) Peking, Andingmönn (S. 291).
Ausflug nach Jehol (Tschöngtöfu).
Vgl. die Karte bei S. 271.
Man rechne etwa 10 Tage, sorge in Peking für gute Reittiere und kräftige Zugtiere für die Gepäckkarren, nehme Feldbetten, reichlich Konserven und Getränke mit; als Geld Peking-Dollars und Kleingeld.--Die Unwegsamkeit des Gebirgslandes im N. und W. von Peking tritt auf diesem Ausfluge noch weit stärker in Erscheinung als auf dem Wege nach dem Nankoupaß.
=1. Tag=: früh 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordosttor der Tatarenstadt Peking, Tungtschimönn, auf staubiger, schlechter Kunststraße in nnö. Richtung durch eintönige Gegend in 4 St. nach (14 km) Sunho (Frühstücksrast); 2 km hinter Sunho über den Fluß Wenyüho, dann r. an der ummauerten Kreisstadt (30 km) Schunyi vorbei zur Kleinstadt (37 km) Niulanschan, wo die Berge, die die Pekinger Ebene nach N. abschließen, näher an die Straße herantreten; Nachtquartier im chinesischen Gasthaus des Dorfes (48 km) Taloschan (Da-lo-schan).
=2. Tag=: 7 Uhr Aufbruch, auf schlechtem Weg, der sich den östl. Bergen nähert, zur Kreisstadt (60 km) Miyün, durch deren Osttor man weiter nach (72 km) Mengtschiaying (Mudsia-yü) gelangt (Mittagsrast bis 2 Uhr); Nm. erreicht man die Berge und passiert den ersten Rücken. Der Weg bleibt nahe westl. vom Fluß Tscháuho. Nachtquartier im chinesischen Gasthaus der ummauerten Kleinstadt (93 km) Schihsiatschĕng (158 m ü. M.).
=3. Tag=: 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordtor auf steinigem Weg; viel Geröll und sehr steile Hohlwege, so daß die Karren mit Mühe hinaufkommen; nach 3 St. Eintritt in das Gebirge Heischan, auf dessen Kamm man die Türme der =Großen Chinesischen Mauer= (S. 296) erkennt. Der Weg führt bergan durch großartige Landschaft über einen Paß (232 m), dann bergab zum Tal des Flusses Tscháuho: 15 km von Schihsiatschĕng tritt der Weg an das r. Ufer, man setzt mit Fähre über den hier 3/4 km breiten Tscháuho und erreicht nach weitern 2 km die malerisch am steilen l. Ufer gelegene ummauerte Kleinstadt (111 km) *=Kupeikou= (Gubei-kóu); hier Frühstücksrast. Unmittelbar hinter der nördl. Vorstadt von Kupeikou tritt die Große Mauer im Engpaß dicht an beide Flußufer heran; man kann ihre großartigen Windungen über den Gebirgskamm weithin überschauen, trotzdem sie teilweise stark zerfallen ist. Durch die Mauer dicht am l. Flußufer führt die Straße in die Mongolei, deren Südostzipfel staatlich zur chinesischen Provinz Tschili rechnet. Durch ein steiniges, kahles Tal, von mächtigen Bergen eingeschlossen, belebt von Kamelkarawanen, Reihern und Raubvögeln, gelangt man vorbei am zerfallenen chinesischen Schloß Lienhsienfeng nach (143 km) Schanschykoa; hier Nachtquartier in einfacher Herberge.
=4. Tag=: 6 Uhr Aufbruch, auf felsiger Straße steil (bis 30 und 35° Steigung) bergan in engem Tal; neben der Straße führt der Telegraph nach Jehol. Bei einem schwierigen Paß in der wilden Landschaft muß die Karre abgeladen, das Gepäck getragen werden; dann wird ein freundlicheres Tal durchquert und wieder ein steiler Paß in felsiger Landschaft (898 m hoch) überschritten. Weiter bergab und bergauf, an tief eingeschnittenem Flußbett entlang und durch großartige Schluchten nach der Kreisstadt (178 km) Lwanping; hier Nachtquartier im chinesischen Gasthaus. Vor der Stadt ein europäisches Steindenkmal für Missionare (1900 ermordet). Nachts hört man die Glocken durchziehender Karawanen.
=5. Tag=: 6-1/2 Uhr Aufbruch durch das Osttor; gleich hinter der Stadt überschreitet man den Fluß Lwanho auf 80 m langer, primitiver Brücke. Dann führt die in den Felsen eingeschnittene Straße in großartiger Berglandschaft sehr steil bergauf über einen Paß und ebenso steil bergab (Karrenräder feststellen!) durch Wald in ein gut bebautes Tal. Gegen 10 Uhr sichtet man den kaiserlichen Park, der Jehol krönt, nach 1 St. erreicht man (206 km) =Jehol= (Dschehol, chin. Tschöngtöfu), sehr alte Präfekturstadt mit angeblich 250000 Einw., Sitz eines Tatarengenerals und eines Futai (beiden schicke man Visitenkarte); die frühere Sommerresidenz der Mandschukaiser, ein prächtiger Palast in großem Park mit herrlichen Bäumen auf einer Anhöhe über der Stadt, ist nicht zugänglich. Sehr sehenswert ist der gut erhaltene großartige =Lamatempel=, vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1722) im Stil des Palasttempels von Potala in Lhassa (Tibet), der Residenz des Dalai Lama, erbaut; die Dächer der Tempelanlage sind teils vergoldet, teils mit kaiserlichen gelben Ziegeln gedeckt; die gut erhaltenen Wände sind mattrot. (Der Besuch dieses Tempels entschädigt reichlich für die Mühen der Reise; vgl. O. Franke, Beschreibung des Jehol-Gebiets [Leipzig 1902].)
=Rückreise=: Reittiere und Karren schickt man am besten nach Peking zurück, um selbst in offenem Boot (tägl. $ 5) mit Platz für ein Feldbett, 3 Ruderknechte und einen Diener (Boy) zurückzureisen. Das Boot mietet man in Jehol (oder 10 km sö. am Fluß Lwanho beim Ort Wang-ba-gr, an begangener Karawanenstraße). Die Bootsfahrt talwärts des Lwanho ist sehr interessant, führt anfangs durch enge Felsschluchten (ähnlich dem Yangtse oberhalb Itschang, vgl. S. 262), passiert die Große Mauer beim Dorf Pantsiakou mit starken Windungen, gelangt dann in ein breiteres Tal, vorbei an der ummauerten Stadt Tsienan; unterhalb der großen Stadt Yungpingfu treten die Berge wieder dicht an den Fluß, der bei Lwantschou die Küstenebene erreicht. Je nach Wasserstand und Stromgeschwindigkeit gelangt man in 3-6 Tagen zur Bahnstation Lwantschou (S. 329) der Nordchinesischen Bahn, von wo man in etwa 4 St. nach Tientsin (S. 275) fährt.
Von Peking nach Hankau.
(Vgl. die Karten bei S. 271 u. 215.)
Die =Peihan-Eisenbahn= (Imperial Peking Hankow Railway, auch Ching-Han Railway genannt), 1209 km, tägl. Frühzug (gegen 7 Uhr) in 12-1/4 St. bis Tschangtöfu (von da Frühzug in 10-3/4 St. bis Tschoumatien, von da wieder Frühzug in 10 St. bis Hankau, also 3 Reisetage). Jeden Di. Expreßzug mit Schlafwagen in 30 St., ab Peking früh 9,20, an Hankau Mi. 3 Uhr Nm.; Fahrpreis für den Expreßzug Peking-Hankau I. Kl. $ 65,40, II. 43,60; für gewöhnliche Züge I. Kl. $ 43,50, II. 29. Abfahrt vom Bahnhof der Ching-Han [Dying-Han], d. h. Peking-Hankau-Bahn, westl. vom Kaisertor.
Die Bahnlinie führt am Westrande der Großen Ebene entlang, nahe dem mauergleichen Randabfalle des westl. Gebirgslandes, der bis zum Hoanghodurchbruch südwärts als Taihangschan bezeichnet wird; er ist dadurch entstanden, daß der östl. Teil des einst weiter ausgedehnten Gebirgslandes in die Tiefe sank; die Große Ebene befindet sich jetzt an seiner Stelle. Der Gebirgsrand wird von den Flüssen in engen Schluchten durchbrochen und bereitet dem Verkehr zwischen dem Westen und dem Osten (auch dem Bau der Bahn nach Tayüenfu) große Schwierigkeiten; als Verkehrsweg sehr wichtig ist infolgedessen der Hoanghodurchbruch, der zwar der Schiffahrt wenig Nutzen, aber Raum für eine große Verkehrsstraße bietet und jetzt auch schon von einer Bahnlinie benutzt wird. Die Große Ebene greift hier in einem spitzen Winkel ins Gebirgsland ein. Wie die Berge waldlos und kahl, so ist auch die Ebene in ihrem nördl. Teil steppenhaft und außerhalb der zahlreichen Dörfer fast baumlos. Je weiter man aber nach S. kommt, um so freundlicher wird die Landschaft; schon in der Gegend des Austritts des Hoangho aus dem Gebirge, einer der fruchtbarsten und dichtest besiedelten in ganz China, wechseln die Felder der Chinesen vielfach mit Baumgruppen, Obstpflanzungen, Gräberhainen u. dgl., dann werden am südl. Honan die subtropischen Hartlaubpflanzen immer häufiger, Teestrauch und Bambus erscheinen, und das Landschaftsbild nähert sich dem Südchinas immer mehr. Die Bahn führt hier an den östl. Ausläufern des Tsinlingschan (S. 300) entlang und übersteigt schließlich das Hwaigebirge (Hwaijangschan), das, wie S. 215 angegeben, als Fortsetzung des Tsinlingschan das östl. Nord- und Südchina scheidet, und erreicht bald darauf Hankau.
Die Bahn tritt aus der Chinesenstadt beim Tore Hsipienmön (Chí-biĕn-mö̆nn) zwischen dem Tempel des himmlischen Friedens, T'iĕn-ning-ssĕ, (l.) mit zwölfstöckiger Pagode, der ältesten in Peking, in schönem Park, und dem taoistischen Kloster der Weißen Wolken, To-yün-kuan, (r.), fährt bei (7 km) Wanghailóŭ am Rennplatze (l.) vorbei und überschreitet auf 450 m langer, 15bogiger Brücke den Hunho; l. sieht man in 5 km Abstand die sogen. *=Marco Polo-Brücke=, von dem berühmten venezianischen Reisenden Marco Polo zuerst beschrieben (chines. Lu-kou-ch'iao [Lú-gōŭ-tschiáo, »Schiffgrabenbrücke«]), 1189-94 aus Marmor erbaut; sie hat 11 Bogen und trägt auf dem Steingeländer je 140 Säulchen mit Löwenfiguren auf jeder Seite; die Brückenköpfe bilden zwei Pavillons mit gelben Ziegeldächern, unter denen kaiserliche Inschriften auf Tafeln stehen. -- Bei (21 km) Ch'ang-hsin-tien (Tschàng-chin-diĕn) sind die Eisenbahnwerkstätten. --Von hier Ausflug auf Eseln in 3 St. zum Kloster Chich-tai-sze [Dyīĕ-tai-ssĕ], aus der Zeit der Tang-Dynastie (8. oder 9. Jahrh.), mit breiten Terrassen, alten Bäumen und interessanten Tempeln am Gebirgshang; es ist jetzt Sommerquartier der deutschen Gesandtschaftswache. (Von hier 2 St. zu Esel zum Kloster Tan-chê-sze [Tàn-djōĕ-ssĕ].) Eisenbahn weiter über (31 km) Lianghsiang-hsien [Liang-chiang-chiĕn], Kreishauptstadt, und über (64 km) Cho-chou [Djōŏ-djŏū], eine sehr alte, um 200 v. Chr. gegründete Stadt mit großen Mauern, nach (84 km) Kao-pei-tien [Gàŏ-bê-diĕn].
=Zweigbahn= von hier nach (35 km) Liang-yu-chuang ([Liàng-yō-djwáng]; bei diesem Tempel steht der Sarg des 1908 verstorbenen Kaisers Kuang Hsü bis zur endgültigen Beisetzung vorläufig aufgebahrt. Das ca. 6 km davon gelegene Mausoleum [sehr interessante Bauart!] soll in etwa 4 Jahren fertig sein); dann zu Esel etwa 1 St. nach *=Hsiling= [Chi-ling], den »Westgräbern« der herrschenden Dynastie (Besichtigung gestattet), wo man beim Kommandanten Meh-dajen gegen Gastgeschenk (Wein, Kaffee, Sekt, Zigaretten) gute, saubere Unterkunft im Fremdenzimmer findet; zum eignen Gebrauch Feldbett und in der heißen Zeit Moskitonetz mitnehmen. Wer Zeit hat, sollte im Frühling oder Herbst mehrere Tage auf den sehr lohnenden Ausflug verwenden. Dann mit Pony durch schöne Landschaft bergan zum Tze-ching-kuan [Dsĕ-dying-gwăn] mit Gasthaus und Tempel; von der Mauer des Passes (501 m) *Aussicht auf die Große Mauer (S. 296). Hier fanden am 28. und 29. Okt. 1900 Gefechte deutscher Truppen unter Major v. Förster statt. (Von Hsi-ling bis Tze-ching-kuan und zurück sind 40 km, also eine anstrengende Tagestour; nur mit Pony, den man aus Peking mitbringen muß.)
Die =Hauptlinie= läuft von Kaopeitien über (92 km) Tinghsinghsien und (122 km) An-su-hsien nach (146 km) =Paotingfu= [Báu-ding-fu], Hauptstadt der Provinz Tschili, mit 80000 Einw.; die Stadt ist seit 1402 mit Mauern umgeben und hat seit 1901 eine Universität.-- Eisenbahn weiter über (178 km) Wangtuhsien nach (262 km) =Tschöngtingfu= [Dschĕng-ding-fu], einer großen, mit Mauern umgebenen Kreisstadt, Sitz eines Bischofs der katholischen Lazaristenmission und des sehenswerten Klosters Tafouo, erbaut 586, mit großem bronzenen Buddhastandbild, einer großen Gebetmühle, sehr alten Wandgemälden und einem Standbilde der Göttin der Fruchtbarkeit.
=Zweigbahn.= Von Schikiatschwang bei Tschöngtingfu führt eine schmalspurige Gebirgsbahn (Cheng-Tai Railway) durch den Südzweig der Großen Mauer in etwa 1000 m Paßhöhe und durch die malerischen Landschaften des unwegsamen Taihangschan über Pingtingtschou (950 m) und Schouyang (1480 m) nach (243 km) =Taiyüenfu= (930 m), mit etwa 250000 Einw., am Fönnho, einem Nebenfluß des Hoangho, am Nordrand eines fruchtbaren, lößerfüllten Talbeckens, Hauptstadt der Provinz Schansi, mit berühmten Unterrichtsanstalten, Kunststickereien, Weinbau und Waffenfabriken.
Die =Provinz Schansi= enthält gewaltige Eisen- und Kohlenlager, die aber aus Mangel an Verkehrsmitteln noch fast nicht ausgebeutet werden können; auch der Ackerbau steht wegen der hohen Meereslage nicht sehr in Blüte. Trotzdem wohnen in Schansi die reichsten Leute Chinas, da seine Bewohner den Warenaustausch zwischen Südchina und der Mongolei vermitteln (eine wichtige Handelsstraße, auf der unaufhörlich Kamel- und Maultierkarawanen mit Salz, Tabak, Mehl etc. verkehren, durchzieht die Provinz von N. nach S.) und dadurch einen sehr regen Handelsgeist erworben haben; sie leben daher in ganz China als Bankiers (Angehörige der »Schansigilde«) und kehren später als reiche Leute zurück. Landschaftlich ist die Gegend von Taiyüenfu schon richtiges, gelbes Lößland.
Die =Hauptlinie= fährt von Tschöngtingfu über Schuntöfu, eine alte, mit Mauern umgebene Stadt, dann über (507 km) Tschangtöfu und Weihweifu, kreuzt bei (614 km) Hsinhsiang die Bahnlinie von Taokou nach Tsinghua, den Kohlengruben der Provinz Schansi, und erreicht nahe vor (694 km) Tschöngtschou (Chengchow) den Hoangho, der auf einer 2700 m langen Brücke überschritten wird. In Tschöngtschou kreuzt die Hauptbahn die Bahnlinie von Kaiföngfu nach Honanfu (Pienlo Railway genannt, der Anfang der großen chinesischen Mittellandbahn [Central Trunkline], die ostwärts nach Tschinkiang [S. 255], westwärts über Tschöngtu [S. 263] und Suifu [S. 263] bis Yünnan geführt werden soll).
Tschöngtschou liegt an der Stelle, wo der Hoangho, der oberhalb zwischen hohen senkrechten Lößwänden fließt, von diesen verlassen wird, wo also die untere, durch die häufigen Laufverlegungen berüchtigte Strecke des Stromes beginnt. Hier war es denn auch, wo am 28. Sept. 1887 der angeschwollene Hoangho den rechtsseitigen Deich ganz unvermutet durchbrach und sich durch die Talebene des Schaho dem Hwaiho zuwälzte, halb Honan u. Ngauhwei unter Wasser setzend.
=Abstecher nach Honan und Kaiföng.= Von Tschöngtschou auf der Piënlo-Eisenbahn =westwärts= am Nordrande des bis 2665 m hohen Gebirges Sungschan entlang über (20 km) Yungtsō und (60 km) Kunghsien nach (120 km) =Honanfu= (165 m), am Loho, dem r. Nebenfluß des Hoangho, als alte Kaiserresidenz früher Loyang genannt; in ihrer Umgebung viele prächtige Gartenanlagen und Grabmäler alter chinesischer Kaiser. -- Von Tschöngtschou =ostwärts= führt die Piënlo-Linie über (30 km) Tschungmou nach (60 km) =Kaiföng= (Piëntschöng), Hauptstadt der reichen, fruchtbaren Provinz Honan mit 160000 Einw., 15 km südl. vom Hoangho in gut bewässerter Ebene gelegen, mit Mauern von 14 km Umfang. Der 40 km lange Außendeich, der die Stadt umgibt, obgleich auch die Hoangho-Ufer eingedeicht sind, bezeugt eindringlich die stete große Gefahr, in der diese fruchtbare Gegend beständig schwebt. Im nördl. Teil der Stadt liegt ein ummauertes Mandschuviertel. Kaiföng hat zahlreiche Pagoden, sechs Moscheen und Reste einer einst blühenden (chinesisch-)jüdischen Gemeinde. Der Gouverneur von Honan und viele Provinzialbehörden residieren in Kaiföng; wichtig ist der Handel mit Getreide und Salz.
Über (901 km) Tschumatien und Hsinyangtschou (von hier Verbindungsbahn über Föngyang nach der Tientsin-Pukou-Bahn [S. 275] im Bau) tritt die Bahn in das Gebirge Hwaiyangschan, in dessen Granit sie auf 50 km Länge eingeschnitten ist; in 200 m Meereshöhe durchbricht ein 350 m langer Tunnel das Gebirge und erreicht dann bald (1209 km) =Hankau= (vgl. S. 259).
15. Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn über Charbin nach Wladiwostok, Dairen und Peking.
Vgl. die Karten bei S. 301, 215 und 271.
=Reiseweg= von Berlin über Thorn, Alexandrowo, Warschau, Moskau (oder über Wirballen, St. Petersburg, Jekaterinburg), Tscheljabinsk, Irkutsk, Mandschuria nach Charbin; von hier östl. weiter nach Wladiwostok (Dampfer nach Japan) und südl. über Mukden nach Dairen (S. 323; Dampfer nach Tsingtau und Schanghai) oder Peking (S. 328) oder Söul (S. 331).
=Fahrzeiten=: Berlin-Moskau (1949 km) 37 oder 40 St.; Moskau-Mandschuria (6532 w) 8 Tage; Mandschuria-Wladiwostok (1605 w) 1-1/2 Tag, insgesamt (401 km und 8137 w) mit Aufenthalt rund 11 Tage. Expreßzüge bis Peking in 12 Tagen von Berlin; bei günstigem Dampferanschluß in Dairen kann man die Reise Berlin-Tsingtau in etwa 13 Tagen, nach Schanghai in 14 Tagen machen.
=Fahrkarten=: Von Berlin nach Moskau Nordexpreß nur I. 130,50 M., Berlin-St. Petersburg I. 115,05 M.; von Moskau nach Irkutsk I. Kl.-Fahrkarte mit allen Gebühren 167,70 Rubel, II. Kl. 110,50 Rubel. Von Moskau bis Charbin I. 279,25, II. 182,39 Rubel; bis Wladiwostok I. 328,50, II. 213,82 Rubel. Beim Lösen der Fahrkarte ist anzugeben, ob man »Raucher«, »Nichtraucher«, »Damenabteil« und »untern Schlafplatz« oder »obern« haben will.
Die Schlafwagengesellschaft gibt folgende direkte Fahrkarten aus: Berlin-Charbin (über Moskau I. 581,20, II. 367,40 M.), Berlin-Wladiwostok (über Moskau I. 673, II. 424,75 M.), Berlin-Nagasaki (über Moskau und Wladiwostok I. 785,35, II. 537,05 M.), Berlin-Schanghai (über Moskau und Dairen I. 847,95, II. 599,75 M.). Die direkten Fahrkarten über St. Petersburg kosten I. ca. 35, II. ca. 22 M. mehr. Direkte Fahrkarten Berlin-Peking und Berlin-Tsingtau werden demnächst eingeführt.
=Nordexpreß und Schlafwagen.= Di. geht ein Nordexpreß von Berlin, Bahnhof Friedrichstr., frühmorgens nach Warschau in 10 St., bis Moskau in 37 St. Speisewagen und Schlafwagen laufen zwischen Berlin und Alexandrowo sowie Alexandrowo-Warschau und Warschau-Moskau, ferner Moskau-Irkutsk. Do. u So. je ein Nordexpreß von Berlin über Königsberg, Wirballen nach (1641 km) St. Petersburg mit Speise- und Schlafwagen in 30 St. Näheres, auch wegen Vorausbestellung der Schlafplätze und Fahrkarten, bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft in Berlin (Unter den Linden 57/58), Warschau (Wolowa-Straße 42), St. Petersburg (Newsky-Prospekt 22), Moskau (Semlianoj Val, Jakovlevsky, Periulok, Haus Roop log 4), Irkutsk (Ecke Troitzkoje-Straße und Spasso Luterianskoe), Charbin, Wladiwostok, Mukden, Peking (Grand Hôtel des Wagons-Lits), Dairen, Tschimulpo und Söul: Rondon & Co.
=Die Sibirischen Luxuszüge= (Transsibérien-Expreß) gehen Mi. und Mo. abds. ab Moskau, und zwar Mi. mit Luxuswagen der Schlafwagengesellschaft, Mo. mit guten Salonwagen der russischen Staatsbahn (Kronswagen genannt). Ankunft der Züge in Irkutsk Di. und Fr. Ein Kronszug geht Sa. Vm. ab St. Petersburg über Tscheljabinsk, an in Irkutsk Fr.
Von Irkutsk laufen wöchentl. drei Luxuszüge nach Charbin und Wladiwostok; ab Irkutsk Fr. So. Di.; in Charbin Mo. Mi. Fr.; in Dairen Di. Do. Sa.; in Peking Mi. Fr. Sa.; in Wladiwostok Mo. Mi. Fr. Ausführliche Angaben und den neuesten Fahrplan dieser Luxuszüge enthält der »Guide français et russe du Transsibérien-Express«, zu haben bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei denen man auch Plätze vorausbestellt. Im Frühling und Sommer sind die Züge so besetzt, daß man gut tut, einige Wochen vorher Plätze bei der Internationalen Schlafwagengesellschaft vorauszubestellen! Das Deutsche Reichskursbuch (Nr. 608) enthält den Fahrplan für diese Züge bis Wladiwostok, Dairen und Peking. Abfahrten von Berlin Di. früh mit Nordexpreß, Fr. abds. mit Schnellzug über Moskau, Do. abds. mit Nordexpreß über St. Petersburg.
Wer gemächlicher, interessanter und billiger (von Berlin bis Wladiwostok für ca. 200 M.) reisen und unterwegs das russisch-sibirische Volksleben kennen lernen will, benutze auf der Sibirischen Bahn den dem Lokalverkehr dienenden, aber von Tscheljabinsk bis Irkutsk durchfahrenden =Postzug= (je 1 Zug tägl.). Er bietet gleichfalls Schlafgelegenheit, und durch Verständigung mit dem Schaffner kann man es ganz bequem haben. Auf allen größern Stationen werden gute Eßwaren feilgehalten. Die Benutzung dieses Postzugs ist jedoch nur Russisch Sprechenden zu empfehlen.
=Wagenwechsel= in Alexandrowo, Warschau (Nordexpreß nicht, Bahnhofwechsel vgl. S. 304), Moskau (Bahnhofwechsel vgl. S. 305), Irkutsk; für Dairen noch in Changchun (S. 324), für Peking noch in Mukden.
=Einrichtungen der Wagen.= I. Kl. ist blau, II. gelb, III. grün. Die russischen Schlafwagen sind besser als die deutschen. Waschraum ist überall vorhanden, aber oft mangelhaft; im Speisewagen des Sibirischen Luxuszuges befindet sich auch eine Badekammer. Gummiwaschbecken, Wasserkanne, Handtuch und Seife, Wäsche, Kopfkissen, wollene Decke, zuverlässige Handlaterne halte man selbst bereit. Man tut gut, sich durch Zahlung von 1/2 Fahrkarte, 1/2 Schnellzugzuschlag und einem vollen Schlafwagenzuschuß ein kleines Abteil (nur in I. Kl.) für sich zu nehmen, was viele Vorteile hat, auch am besten gegen Diebstahl etc. sichert, da man das Abteil verschließen kann. Auf der Sibirischen Bahn wird sehr viel gestohlen; insbesondere achte man auf Brieftaschen und Pässe. Während der Mahlzeiten im Speisewagen lasse man vom Schaffner sein Abteil verschließen. Alleinreisende Damen müssen in jeder Hinsicht, auch gegen fremde Mitreisende, sehr vorsichtig sein! In der Mandschurei entferne man sich nicht zu weit vom Bahnhofe. Geld nehme man wenig mit, sondern Kreditbriefe an deutsche Firmen oder Banken, z. B. Deutsch-Asiatische Bank in Schanghai. Kunst & Albers in Wladiwostok etc. Vorausbestellung der Plätze ist anzuraten (s. oben). Die Lüftung der Wagen läßt oft viel zu wünschen übrig.
=Eisenbahnzeit= ist für die russischen Fahrpläne bis nach Wladiwostok Petersburger Zeit, d. h. 1 St. 1 Min. vor gegen M. E. Z., ebenso auf den Bahnhöfen bis Mandschuria, von da ab Charbiner Zeit, d. h. 7 St. 25 Min. vor gegen M. E. Z.
=Bahnpersonal= ist sehr höflich und auch meist zuverlässig; die Schaffner verstehen zuweilen etwas Deutsch, ebenso die Kellner des Speisewagens. Unter den mitreisenden Russen werden stets einige Deutsch verstehen und liebenswürdig Hilfe leisten bei Verständigungsversuchen. Fahrtunterbrechungen muß man sofort dem Stationsvorstand melden, außerdem vor Fortsetzung der Reise die Fahrkarte am Schalter abstempeln lassen.
=Verpflegung= soll im Speisewagen des Luxuszugs gut sein, in den Kronszügen besser (gut bürgerlich und preiswürdig), aber da die Bedienung knapp, muß man frühzeitig bestellen und doch oft länger als 1 St. warten. Wenn der Zug stark besetzt ist, wird Frühstück und Mittag in zwei Folgen gereicht; bei der Folge, mit der man anfängt, bleibt man für die ganze Reise. Auf Stationen mit größerm Aufenthalt (nur wenige) kann man in russischen Delikatessen: Kohlsuppe, Kaviar, Stör, Lachs, Sardellen etc., schwelgen. Empfehlenswert ist gelegentlich ein echter Wodka (Regierungsschnaps); unabgekochtes Wasser meide man wie Gift. Für die Fahrt durch die Mandschurei und China halte man Vorrat an Konserven, Kakes, Schokolade, Rotwein, Zitronen oder Fruchtsaft; dazu Geschirr.
Reiseapotheke ist im Speisewagen; ein Schlafwagenführer jedes Zugs ist als Krankenwärter ausgebildet. Ärztliche Hilfe telegraphisch auf großen Stationen bestellen.
=Gepäck= nehme man so wenig wie möglich mit, da die Gepäckfracht sehr teuer ist, man auch sehr viel Scherereien beim Zoll und beim Umsteigen hat; man schicke großes Gepäck 4-6 Wochen früher mit Frachtdampfer (der Hamburg-Amerika Linie oder des Norddeutschen Lloyd) voraus nach dem zweckmäßigsten ostasiatischen Hafenplatz. Gepäck aus Deutschland nach Moskau vorausschicken, ist sehr unzweckmäßig, teuer, macht auch große Zollschererei. Freigepäck 50 kg auf Fahrkarten, die außerhalb Rußlands gelöst sind, in Rußland nur 24-1/2 kg. Zuschlag für je 4 kg von Moskau nach Wladiwostok 2,69 Rubel, bis Schanghai 2,89 Rubel. Handgepäck wird viel in die russischen Schlafwagen mitgenommen.
=Zolldurchsicht= ist meist sehr streng, erfolgt auf Hinfahrt in Alexandrowo (russisch) und Mandschuria (chines.), auf Rückfahrt in Mandschuria (russisch) und Alexandrowo (deutsch). Gepäckträger besorgt das aufgegebene Gepäck an die Zollschranke, wenn man ihm den Gepäckschein gibt. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, nehme man nur bereits getragene Kleider, Wäsche, Stiefel, Handschuhe etc. mit; man meide das Mitnehmen von Zeitschriften und Zeitungen, da diese zur Zensur zurückbehalten werden; sogar zum Einwickeln benutze man kein Zeitungspapier. Zigarren (bis 100 Stück) und Tabak sind nur in angebrochener Kiste zollfrei, ebenso Mundvorrat an Wein etc. Waffenerlaubnis ist durch die Kaiserliche Botschaft in St. Petersburg mindestens einen Monat vorher einzuholen; für Fahrrad oder Automobil ist der Zoll an der Grenze zu hinterlegen, er wird bei späterm Nachweis der Wiederausfuhr zurückerstattet. Spielkarten, Schießpulver u. a. werden mit Beschlag belegt.
=Paß= muß in Deutschland vom russischen Konsul visiert sein und gilt sechs Monate. Die Paßvorschriften in Rußland sind sehr streng: an der Grenzstation Alexandrowo wird der Paß von einem Gendarmen abgenommen, nach der Zollbesichtigung des Gepäcks fordert man sich den Paß zurück. Wer keinen vorschriftsmäßigen Paß hat, muß sofort nach Deutschland zurück. Für Israeliten gelten besondere Vorschriften. In jeder Stadt, wo man sich aufhält, muß der Paß zur Polizei geschickt werden zur Anmeldung. Man trage ihn stets bei sich und fordere sofort den Beistand des deutschen Konsuls, wenn man Schwierigkeiten mit russischen Behörden hat. Für längern Aufenthalt als sechs Monate in russischem Gebiet gelten besondere Vorschriften; man reicht den Paß der Gouvernementskanzlei ein, erhält dafür einen russischen Aufenthaltsschein für ein Jahr. Auch muß der Paß durch die Polizeibehörde vor der Abreise aus russischem Gebiet mit Erlaubnisvermerk versehen sein, daß man abreisen darf; wer einen russischen Aufenthaltsschein hat, muß vor der Abreise einen Reisepaß lösen. Wer aus Deutschland nach Ostasien oder umgekehrt nur durch Rußland hindurchfährt, bedarf außer dem Eintrittsviso des russischen Konsuls (in Deutschland oder Ostasien) keiner Erlaubnis zum Verlassen Rußlands; der Vorweis einer durchgehenden Fahrkarte Berlin-Peking etc. genügt.
=Geld.= Man rechnet in ganz Rußland nach Rubel zu 100 Kopeken. 100 Rubel Papier kosten 215-216 M. Geprägte Münzen laufen um: in Gold 15, 10, 7-1/2, 5 Rubel (15 und 7-1/2 sind selten); in Silber l Rubel und 50, 25, 20, 15, 10, 5 Kopeken; in Kupfer 5, 3, 2, 1 Kopeken. Papiergeld: 500, 100, 50, 25, 5, 3 und 1 Rubel. Die Moskauer Banken zahlen auf Schecks nur nach Eingang des Avis; außerdem sind sie So. und noch in der Woche an sehr vielen russischen Feiertagen geschlossen. Wer nicht längern Aufenthalt in Moskau nimmt, lasse sich also kein Geld dahin zur Auszahlung überweisen.
=Entfernungsangaben= in Rußland nach Werst (abgekürzt »w«) = 1,067 km.
=Russische Sprache.= Die Mitnahme von Meyers Russischem Sprachführer (3 M.) ist dringend anzuraten. Da die Sprache sehr schwierig ist, tut man gut, außerdem vorher in Deutschland einige Stunden Unterricht in Lesen und Aussprache zu nehmen.
Von Berlin nach Moskau.
=Eisenbahn= von Berlin über Thorn, Alexandrowo und (627 km) Warschau nach Moskau 1949 km in 37 (Nordexpreß, s. S. 302) und 40 St.
Von Berlin nach (401 km) Alexandrowo (Bahnwirtschaft, gut), russischem Grenzplatz; Paß- und Zolldurchsicht, etwa 1-1/4 St. Aufenthalt. Nun Fahrt durch die öde Weichselebene Polens über (34 w von Alexandrowo) Wloclawek (Bahnwirtschaft), alte Stadt mit 30000 Einw., und (86 w) Kutno(Bahnwirtschaft) nach (148 w) Skierniewice, Ort der Dreikaiserzusammenkunft im Jahre 1884 im Schloß südl. der Bahn; dann
(211 w) =Warschau=, Hauptstadt Polens mit 764054 Einw.; Ankunft auf dem Wiener Bahnhof am r. Weichselufer. Nur der Nordexpreß (S. 302) wird auf Verbindungsbahn nach dem Brester (Moskauer) Bahnhof überführt; zu den Schnellzügen muß man mit Droschke (ca. 1/2 St. Fahrt) zum andern Bahnhof fahren. Das nach Moskau oder weiterhin aufgegebene Gepäck geht stets bis Moskau durch, ebenso umgekehrt.
=Gasthöfe=: Hôtel Bristol;--Hôtel de l'Europe, 235 Z. 1,50-15 R.;--Hôtel Brühl, Kotzebuestr. 12; 65 Z. 1,50-4,50, F. 0,40, Dej. 1, T.d'h. 1,25 R., und viele andre.--=Cafés=: Nitsche im Hôtel Bristol; Lourse im Hôtel de l'Europe; Jackowski im Sächsischen Garten u. a. --=Post=: Wareckiplatz; =Tel.=: Kotzebuestraße 3.--=Droschken= nach Tarif.-- =Generalkonsulate=: Deutsches Reich, Aleja Jerozolimskaja 45, Freiherr von Brück; Österreich-Ungarn, Aleja Jerozolimskaja 23, Konsul Maurig v. Sarnfeld. --=Agentur= der Schlafwagengesellschaft im Hotel Bristol.--=Sehenswert=: Königl. Schloß; Krakauer Vorstadt mit Kirche der heil. Anna, Denkmal Adam Mickiewiez'; Sächsischer Platz mit Alexander-Newskij-Kathedrale, Sächsischem Schloß, Brühlschem Palais und *Sächsischem Garten (mit Sommertheater). Das Lustschloß *Lazienki mit schönem Park und allenfalls noch das Lustschloß Belvedere.
Abfahrt von Warschau vom Brester Bahnhof durch waldige Gegend über (246 w) Nowo-Minsk, (295 w) Siedlec (Bahnwirtschaft), (321 w) Lukow (Bahnwirtschaft), nach (410 w) Brest-Litowsk (Bahnwirtschaft), Stadt mit 53300 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtiger Bahnknotenpunkt und Festung. Nun durch die Wälder »Weißrußlands« über (502 w) Beresa (Bahnwirtschaft) und (599 w) Baranowitschi nach (731 w) Minsk (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Minsk, mit 107600 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtige Handelsstadt mit Messe im März.--(807 w) Borissow (Bahnwirtschaft), längs der Rückzugstraße des französischen Heeres und jenseit der Station auf langer Brücke über die Beresina, nahe der Stelle, wo Napoleon I. auf dem Rückzug am 25.-29. Nov. 1812 mit schweren Verlusten sein Heer bei Studjenka über den Fluß setzte.--(931 w) Orscha (Bahnwirtschaft).--(1043 w) Smolensk (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Smolensk, mit 57100 Einw., in malerischer Lage am Dnjepr, die Bahnhöfe am r. Ufer; die sehr alte Stadt war Schauplatz vieler Kämpfe und zeigt noch alte Mauern.--(1101 w) Jarzewo (Bahnwirtschaft).--(1207 w) Wjasma (Bahnwirtschaft mit berühmtem Honigkuchen), Stadt mit 20000 Einw.--(1266 w) Gshatsk (Bahnwirtschaft).--(1322 w) Borodino (Bahnhofsmuseum), am Schlachtfelde vom 7. Sept. 1812, der »Schlacht an der Moskwa«.--(1332 w) Moshaisk (Bahnwirtschaft), an der Moskwa, vorbei am Ssawin-Storoschewskij-Kloster am hohen Moskwa-Ufer, dann bei Kunzewo über diesen Fluß. Nun erscheinen die Kuppeln der »heiligen Stadt«, man erreicht (1435 w) Moskau.
Moskau.
Vgl. beifolgenden Plan
=Ankunft=: Brester Bahnhof im NW. der Stadt; Omnibus der Gasthöfe zur Stelle. Nur der Nordexpreß (S. 302) wird Mi. abds. auf Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof überführt, wo der sibirische Zug bereitsteht, ebenso umgekehrt. Bei Ankunft mit Schnellzug muß man vom Brester nach dem Kursker Bahnhof fahren. Der sibirische Zug fährt vom Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof ab, etwa 5 km östl. vom Brester Bahnhof.
=Gasthöfe=: Hôtel Métropole (Pl. a), Theaterplatz.--Hôtel National (Pl. b), Ecke Twerskaja u. Mochowaja (nahe dem Kreml, für Damen am geeignetsten); 170 B. von 3 (mit Bad 6) R. an, F. 0,75, Gab.-F. 1,50, Mitt. 2,25, Omn. 1 R.: ZH.--Hôtel Berlin (Schweizer Wirt), Roschdestwenka, deutsches Familienhaus; 150 Z. 2-4,50, F. 0,60, Gab.-F. 0,75, Mitt. 1,75, Omn. 0,75 R.; ZH.-- Hôt. Billo (Pl. c), Bolschaja Lubjanka 9; II. Ranges, aber gut, deutsche Bedienung, Faßbier, deutscher Verkehr u. a. --=Restaurants=: Eremitage, Trubnajaplatz. Ferner im Hôtel Billo, Hotel Berlin, Hôtel National und Praga (Arbol). --=Café=: Filippow, Ecke Twerskaja und Glinitschtschewskij Per.
=Hauptpost=: Mjaßnitzkaja; =Telegraph= daneben.--=Wagen=: Droschken. (Iswoschtschik), zweisitzig, vom Bahnhof zur Stadt 60-80 Kop.; außerdem Lichatschi, Kaleschen, Troiken und Landauer. --=Straßenbahnen= nach allen Richtungen, jede Teilstrecke 5 Kop.
=Banken=:J. W. Junker & Co., Kusnezkij Most, für Reisende besonders empfohlen.--Nordische Bank, Iljieka, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --St. Petersburger Internationale Handelsbank, Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.
=Theater=: Die kaiserlichen Theater; das Große, Kleine und Neue, alle drei am Theaterplatz; Theater Korsch; verschiedene Varietétheater. Zirkus Salamonski, Zwetnoi-Boulevard.
=Konsulat=: Deutsches Reich, Konsul Dr. Kohlhaas, Archangelski Pereulok, Haus Konstantinow; 11-3 Uhr: Vizekonsul Dr. Hauschild.--Österreich-Ungarn, Generalkonsul Ritter v. Puscariu, Moltschowska, Serebranny Perenlok. --Schweiz, Konsul Luchsinger, Stary Gostinny Dwor.--=Polizei=: Twerskoi-Boulevard.--=Ärzte=: DDr. Rein; Taube; Goldendach; Chirurg: Dr. v. Schiemann; Augenarzt: Dr. Engelmann; Zahnarzt: Adelheim.--=Apotheke=: Ferrein, Nikolskaja.--=Krankenhaus=: Evangel. Hospital (deutsch).
=Buchhandlung=: Lang, Kusnezkij Most.--=Photographien=: Avanzo; Daziaro, beide Kusnezkij Most.--=Pelzhändler=: Ssorokoumowskij & Söhne, Iljinka; Bjelkin, Kusnezkij Most (wer im Winter durch Sibirien reist, muß mit Pelzen versehen sein!).--=Russische Holzarbeiten=: Sojus, Neglinnaja, Ecke Kusnezkij Most, Deutsch gesprochen.
=Zeiteinteilung.= 1. u. 2. Tag: Kreml, Jungfernkloster, Sperlingsberge, Neßkutschnypark; 3. Tag: Besuch der Stadt, Rumjanzewmuseum, Erlöserkirche und Tretjakowgalerie.
=Geschichtliches.= Moskau wird schon 1147 erwähnt; 1328 wurde es Hauptstadt des Großfürsten Iwan Danilowitsch Kalita, der die Stadt befestigte. 1382 verbrannte der Tatarenchan Tochtamysch die Stadt, die erst unter Iwan III. (1462-1503) zur aufblühenden Hauptstadt des Moskowiterreichs wurde, aber unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533-84), viel durch Feuer und tatarische Überfälle (letzter 1591) zu leiden hatte. Moskau blieb Hauptstadt auch unter den Romanows, bis Peter I., der Große, 1703 St. Petersburg gründete und sein Hoflager 1711 dahin verlegte. Am 14. und 15. Sept. 1812 besetzte Napoleon I. Moskau; schon am 14. steckten die Russen die Stadt in Brand, die bis zum 21. zu drei Viertel niederbrannte; am 19. Okt. mußte Napoleon aus Mangel an Lebensmitteln den Rückzug antreten.
Moskau (142 m), alte russische Hauptstadt und zweite kaiserliche Residenz, die bedeutendste Handelsstadt Rußlands und Hauptsitz der russischen Industrie, mit 1459800 Einw. (darunter über 15000 Deutsche), liegt an der Moskwa und ist Sitz eines Generalgouverneurs, zweier Korpskommandos, einer Universität und vieler andrer hoher Schulen etc. Die Mitte der Stadt bildet der Kreml (S. 307); von ihm laufen strahlenförmig die meist krummen Straßen (mit meist nur zweistöckigen Häusern) aus, die durch drei Ringstraßen verbunden werden. Nö. vom Kreml liegt das Stadtviertel Kitajgorod (d. h. Chinesenstadt), Sitz des Großhandels; Kreml und Kitajgorod bilden die innere Stadt (»Gorod« = Stadt) und sind noch mit der 1534 erbauten weißen Mauer umgeben, nach der der neue, die innere Stadt umschließende Stadtteil Bjelojgorod (d. h. Weiße Stadt) benannt ist, der vornehmste Stadtteil mit vielen öffentlichen Gebäuden und Palästen. Um die »Weiße Stadt« schließt sich der Stadtteil Semljanojgorod (d. h. Erdstadt), nach dem alten Erdwall benannt, auf dem jetzt die Sadowaja (d. h. Gartenstraße) angelegt ist, die diesen Stadtteil nach außen begrenzt. Außerhalb davon liegen die Vorstädte, in denen Fabriken, Kasernen, Bahnhöfe und die Wohnungen der ärmern Bevölkerung liegen. Moskau hat 434 Kirchen, 82 Kapellen, 14 Mönchs-, 7 Nonnenklöster und 23 Friedhöfe. Das russische Volksleben ist in Moskau viel ursprünglicher und »russischer« als in St. Petersburg, das Straßenleben ist lebhaft, der Besuch der Märkte sehr zu empfehlen.
=Rundfahrt.= Hauptziel ist der *Kreml. Man fahre vom Theaterplatz (wo das Hôtel Métropole liegt) durch die Iberische Pforte, zwei spitztürmige Torwege, zwischen denen die sehr heilige Kapelle der Iberischen Mutter Gottes mit berühmtem wundertätigen Heiligenbild steht (Vorsicht vor Taschendieben!). Innerhalb der Pforte liegt r. das Historische Museum (11-3 Uhr, außer Sa. und an Festtagen). Sö. der Kraßnaja- oder Rote Platz mit dem Denkmal Minins und Knjas Poscharskijs und der Schädelstätte (Lobnoje Mjesto), Hinrichtungs- und Empfangsplatz etc.; sö. die Basiliuskathedrale (1679 vollendet); an der Ostseite des Platzes die Handelsreihen mit etwa 1000 Geschäftsräumen. (In der Seitenstraße l., Warwarka, liegt das Haus des Bojaren Romanow, worin der erste Romanow, Zar Michail, geboren wurde.)--Von der Basiliuskathedrale südl. über den Waßiljewskajaplatz längs der Kremlmauer zur Moskwaretzkijbrücke und über diese r. auf den Sophienkai (Ssofijskaja Nabereshnaja), von beiden bester *Überblick über den Kreml. Weiter über die große Kamennijbrücke, dann r. durch den schönen Alexandergarten längs der Westseite des Kreml, an dem die riesige Stadtmanege liegt, die als Exerzierhaus, Ausstellungs- und Festraum dient; dahinter die Kaiserliche Universität (1755 begründet), mit gegen 10000 Studenten, Sternwarte, Bibliothek, Botanischem Garten und Zoologischem Museum. Dann r. um die Nordspitze des Kreml herum, am Historischen Museum vorbei, nochmals über den Roten Platz zum Haupteingang des
*=Kreml=, die Stadtburg und ältester Teil von Moskau, 43 m über dem l. Steilufer der Moskwa, umgeben von einer 1487 erbauten, 2 km langen, 20 m hohen Zinnenmauer mit 5 Toren und 18 Türmen. Es ist ein besonderer Stadtteil, »das Nationalheiligtum der Russen, dessen Gesamteindruck an Originalität die kühnsten Erwartungen übertrifft; Kirchen, Paläste und Klöster reihen sich in bunten Farben aneinander, keine Kuppel gleicht der andern; von seltener Pracht, einem kolossalen Gold- und Bilderreichtum ist das Innere der Kirchen«. (Elisabeth v. Öttingen.)
Man betritt den Kreml durch die »heilige Pforte« (Sspáßkija Woróta), auch Erlösertor genannt, über dessen Eingang als Heiligtum des Kremls ein Erlöserbild angebracht ist ([Hand] beim Durchschreiten des Tores nehme man den Hut ab!), und das auf den Zarenplatz, den Hauptplatz des Kremls, führt; hier r. die Michaelskirche, mit Relief des heil. Georg mit dem Drachen (Schutzpatron [und Wappen] von Moskau); dahinter das Wosneßenskij-Nonnenkloster (Himmelfahrtskloster), 1389 von der Großfürstin Eudoxia begründet; dann die blau gestrichene Katharinenkirche und im Klosterhof die Wosneßenskij-Kathedrale mit fünf goldenen Kuppeln (1519 erbaut), mit zahlreichen Grabmälern von Zarinnen und Großfürstinnen. Dann folgt r. das Kleine Palais, erbaut von Katharina II. L. gegenüber das große Denkmal Alexanders II. (1898), dahinter die Konstantinkirche. Westl. ans Kleine Palais schließt sich die Alexiuskirche, darin in silbernem Sarkophag die wundertätigen Gebeine des heil. Alexei; anstoßend das Tschudowkloster (Kloster der Wunder), 1358 vom Metropolitan Alexei gegründet, mit roten Mauern; und im Klosterhof die Kirche des Erzengels Michael von 1503. Am Westende des Zarenplatzes der fünfstöckige, 97 m hohe Glockenturm *Iwan Welikij mit vergoldeter Kuppel, im Erdgeschoß zwei Kirchen; Besteigung des Turms bei klarem Wetter sehr zu empfehlen (doch nicht, wenn an Feiertagen die 33 Glocken des Turms geläutet werden!); man spende 20 Kop. in die Sammelbüchse; die *=Aussicht= über ganz Moskau ist märchenhaft fremdartig. Vor dem Turm steht die Riesenglocke Zar-Kolokol, 400 Zentner schwer, 8 m hoch, mit 20 m Umfang, am Unterrand 56 cm dick (größte Glocke der Erde: vgl. S. 153); daneben das 1737 beim Absturz der Glocke herausgesprungene Stück (über 2 m hoch).
Hinter eisernem Gitter der Kathedralenplatz, dessen Hauptkirche die *Uspenskij-(Mariä Himmelfahrts-)Kathedrale, 1475-79 vom Bologneser Fioraventi erbaut, mit großer Mittelkuppel und vier kleinen Kuppeln; in ihr werden die Zaren gekrönt und die Metropoliten geweiht. Das Innere bunt und prächtig, aber geschmacklos. Südl. die Archangelskij-Kathedrale (des Erzengels Michael), mit den Grüften aller Großfürsten u. Zaren bis vor Peter d. Gr. Westl. auf der Höhe des Kremls die Blagowjeschtschenskij-(Mariä Verkündigungs-)Kathedrale, 1397 erbaut, die Tauf- und Trauungskirche der Zaren, mit dem *Großen Palast (Besichtigungserlaubnis erteilt der Polizeimeister, man nehme den Paß mit, im Notfall genügt Visitenkarte) verbunden, der, 1838-49 erbaut, drei große Paradesäle und 700 Zimmer enthält. Zum Großen Palast gehören: der Terem-(Belvedere-)Palast, 1636 erbaut; die Granowitaja Palata (Facettenpalast), 1491 erbaut, jetzt Bankettsaal bei der Kaiserkrönung; die *Schatzkammer (Oruscheinaja Palata, d. h. Rüstkammer; Mo. Mi. Fr. 10-1 Uhr) mit den Kronjuwelen, Rüstungen, Waffen etc.; im Hof die Spaßnaboru- (Erlösers am Walde-)Kirche, älteste Kirche des Kremls (13. Jahrh.). Südl. von der Schatzkammer das Borowizkija-Tor, durch das Napoleon I. 1812 einzog. Nördl. der Marstall und der grün gestrichene Potjeschnij Dworez (Vergnügungspalast), jetzt Kommandantur; gegenüber im Kavalierhaus die Kanzlei des Polizeimeisters. Dann folgt r., gegenüber dem Troizkija-Tor, die große Kremlkaserne, vor der 20 alte Kanonen stehen, darunter r. das »Einhorn«, 1670 gegossen, etwa 240 Zentner schwer, und l. die riesige »Zar-Puschka«, 1586 gegossen, 780 Zentner schwer, Kaliber ca. 1 m.
Zwischen der Kaserne und dem großen Palast liegen die Häuser der Hofgrenadiere, die Hofküche, das Offizierhaus und östl. davon das große Synodalgebäude, 1450 als Patriarchenpalast gebaut, darin (2. Stock) die Zwölf-Apostelkirche, die Apostel-Philippskirche (darin ein Stück vom Kreuz und Rock Christi) und die Bibliothek. Nördl. das Arsenal, vor dem 875 eroberte Kanonen lagern (darunter 123 preußische und 366 französische); gegenüber das Gerichtsgebäude, 1771 von Katharina II. erbaut. Davor in der Mitte des Platzes ein Denkmal für den hier 1905 ermordeten Großfürsten Sergius Alexandrowitsch. Nördl. das Nikolskija-Tor, durch das man den Kreml verläßt und wieder auf den Roten Platz gelangt.
Andre Sehenswürdigkeiten sind das *Rumjanzewmuseum (Di. bis Sa. 11-3 Uhr; 20 Kop.), sw. vom Alexandergarten, ein stattlicher Säulenbau mit der Inschrift: »Dem Wohle der Aufklärung«; enthält Bibliothek (700000 Bände), Gemäldegalerie, Münzsammlung, *Nationaltrachten, Altertümer.--Sw. die *Erlöserkirche, 1839 bis 1883 von Thon erbaut, die schönste Kirche der Stadt, mit fünf vergoldeten Kuppeln, die Hauptkuppel 102 m hoch; ein Prachtbau mit reichem und schönem Schmuck.--Von da sw. durch die Pretschistenka und die Bolschaja Zarizynskaja, in der r. das Jungfernfeld (wo angeblich dem Tatarenchan die als Tribut zu liefernden Jungfrauen vorgeführt wurden), jetzt Volksfestplatz, auf dem die großen Universitätskliniken stehen.--Am Ende der Straße das *Nowo Djewitschij-(Jungfern-)Kloster, umgeben von hoher Mauer mit Schießscharten, Zinnen und Türmen, 1524 erbaut. Peter d. Gr. sperrte hier seine herrschsüchtige Schwester Sophie ein und ließ vor ihrem Fenster 300 Strelitzen aufhängen; Napoleon I. besuchte das Kloster 1812 und wollte die Kirche sprengen lassen, in der die Grabmäler von Eudoxia, der ersten Frau Peters d. Gr., und die seiner Schwestern Sophie und Katharina sind.--Dann fahre man südl. zur Fähre an der Moskwa, setze nach dem rechten Ufer über und steige in 20 Min. auf die *Sperlingsberge (Worobjewy Gory); oben bei dem guten Gasthaus Krynkin die schönste *Aussicht über die Stadt Moskau; Napoleon I. betrachtete von hier 14. Sept. 1812 zuerst die Stadt.--Von hier (event. mit der Straßenbahn) durch die Kaluschskaja zum *Neßkutschnypark, dem schönsten Park Moskaus, in dem das kaiserliche Alexandraschloß liegt.--Weiter nö. durch die Kaluschskaja über den Kaluschskajaplatz und durch die Bolschaja Jakimanka zur Kleinen Kamennybrücke, von der r., in die Wodootwodnaja einbiegend, in der fünften Quergasse r. die berühmte *Tretjakowgalerie (10-3 Uhr, außer Mo. und an hohen Feiertagen) in der Lawruschinskijgasse liegt; sie enthält viele Bilder russischer Maler, so von W. Wereschtschagin, Schischkin, Aiwasowskij, Ssurikow (franz. Katalog 40 Kop.). Weiter östl. über die Tschugunnybrücke und Moskworezkijbrücke, dann r. durch die Moskworezkaja zum Kaiserlichen Findelhaus (Do. u. So. 1-4 Uhr), 1764 von Katharina II. erbaut, erzieht auf Dörfern etwa 30000 Kinder und nimmt selbst etwa 2500 auf.--Nun nördl. über den Warwarskaja und Iljinskajaplatz, vorbei an der Plewnakapelle und dem Polytechnischen Museum, dann über den Lubjanskajaplatz zurück zum Theaterplatz.
=Umgebung=: Zum *Petrowskijpark (5-6 km nw. vom Theaterplatz) entweder mit Straßenbahn oder zu Wagen von der Iberischen Pforte nw. durch die 3 Werst lange Twerskaja, eine Hauptgeschäftsstraße Moskaus mit schönen Läden, vorbei am Palast des Generalgouverneurs (l.); beim Twerskija-Tor l. das Puschkindenkmal und r. gegenüber das Sstrastnoi-Nonnenkloster (1654 erbaut). Weiter durch die eintorige Triumphpforte zu Ehren Alexanders I. auf der St. Peterburgskoje Chaussee, vorbei am Rennplatz (l.) und dem großen Chodynskojefeld (wo beim Volksfest der Krönung Nikolaus' II. 1400 Menschen ums Leben kamen) zum *=Petrowskijpark=; Endpunkt der Straßenbahn vor dem Petrowskijschloß, umgeben von hoher Mauer mit Schießscharten und Türmen. Der Park hat sehr besuchte Restaurants (Mauretania, gut, aber teuer, ebenso Yard, Strelna), Sommertheater, Badehäuser und Landhäuser.
Von Moskau nach Charbin.
Die =Sibirische Bahn=. Von den großen Verkehrswegen, die Europa mit Ostasien verbinden, ist der Landweg ostwärts durch den asiatischen Kontinent hindurch der bei weitem kürzeste, aber trotzdem der jüngste. Seine späte Anlage ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, als was für ein unwirtliches, wenig versprechendes Land Sibirien früher galt, und wie große Kosten der Bau einer so langen Bahnlinie, die größtenteils durch wenig kultiviertes Gebiet führte, erfordern mußte. Als sich die russische Regierung zu dem gewaltigen Werk entschloß, hatte sie zwar, außer strategischen Zwecken, die Belebung des direkten Warenverkehrs zwischen Rußland und dem »fernen Osten« viel mehr im Auge als die wirtschaftliche Hebung Sibiriens und die Schaffung einer neuen Personenverkehrslinie; aber infolge der Verschiebung der politischen Verhältnisse durch den russisch-japanischen Krieg hat die Bahn für den Warenverkehr heute nur geringe Bedeutung, um so größern Wert dagegen für die wirtschaftliche Erschließung und Besiedelung der durchfahrenen Länderstrecken und für den Personen- und Postverkehr nach China und Japan erlangt.
=Landschaftlich= bietet die Sibirische Bahn nicht allzuviel; große Strecken müssen sogar als sehr einförmig bezeichnet werden, vor allem führt fast der ganze Westteil der Bahnstrecke bis ostwärts zum Ob, abgesehen von der Durchquerung des Uralgebirges, durch einförmiges Flachland, das nur durch die von den Flüssen geschaffenen breiten Täler ein wenig gegliedert wird. Das r. Steilufer der Wolga, dem man von Sysran bis Samara nahebleibt, bildet mit seinem etwa 300 m hohen Abfall die größte Unregelmäßigkeit im Relief dieser ganzen Strecke. Die Flußsysteme konnten in diesen großen Flachländern eine ungewöhnlich mächtige Ausbildung erfahren, und so bilden die großen Ströme, die man in Rußland wie in Westsibirien mehrfach zu überschreiten hat, die wichtigste Abwechselung in dem Einerlei der Landschaft. Die Überbrückung dieser breiten Ströme wurde durch den im Frühjahr einsetzenden Eisgang, der oft ein großartiges, wildes Schauspiel bietet, ganz besonders erschwert. Der Ostteil der Sibirischen Bahn führt großenteils durch Gebirgsland, das meist Mittelgebirgscharakter hat; nur die Gebirgsumrandung des Baikalsees ist ziemlich wild.
Im größten Teil ihres Verlaufs, von Moskau bis Tschita, schwankt die =Breitenlage= der Bahn nur innerhalb enger Grenzen, die von denen Norddeutschlands kaum abweichen: der nördlichste Punkt, Atschinsk in Mittelsibirien, liegt etwas nördl. vom 56.°, der südlichste, im Chiloktal in Transbaikalien, etwas nördl. vom 51.° Erst von Tschita an wendet sich die Bahn südostwärts und erreicht schließlich südeuropäische Breite.
Trotz dieser gleichmäßigen Breitenlage ändert sich das =Klima= längs der Bahn sehr stark, was sich am besten an den Mitteltemperaturen des wärmsten und des kältesten Monats erkennen läßt. Diese betragen: in Berlin 18,1° und -0,4°, in Warschau 18,8° und -3,4°, in Moskau 18,9° und -11,0°, in Tomsk in Westsibirien (etwas nördl. von der Bahnlinie) 18,7° und -19,6°, in Irkutsk 18,4° und -20,8°, in Nertschinskij Sawod (im transbaikalischen Bergland, 660 m ü. M.) 18,5° und -29,7°. Die Sommerwärme nimmt also ostwärts eher noch zu, während die Winterkälte viel strenger wird; das Klima wird also ostwärts immer extremer, immer kontinentaler. Das sibirische Klima ist übrigens bei weitem nicht so schlimm als sein Ruf, denn die Winterkälte ist leicht zu ertragen infolge der Windstille und Trockenheit der Luft bei meist klarem, heiterm Himmel und kräftigem Sonnenschein.
Auch das =Pflanzenkleid= Sibiriens verrät wenig von den strengen Wintern, abgesehen von dem Fehlen der meisten Laubbäume. Je länger der Frost die Vegetation zur Ruhe verurteilt, um so kräftiger laufen die Lebensvorgänge im kurzen Sommer ab. Schon im Ural sind viele unsrer Wiesenpflanzen viel üppiger als bei uns entwickelt, und die Gegend von Irkutsk wie auch Transbaikalien sind berühmt wegen ihres fast die ganze warme Jahreszeit über andauernden Blütenflors. Das von der Bahn durchfahrene Gebiet eignet sich, soweit die Bodenbeschaffenheit es zuläßt, überall zum Getreidebau.
Wie schon oben erwähnt wurde, hat die Sibirische Bahn einen ungeahnten Aufschwung in der =Besiedelung= Südsibiriens hervorgerufen, das sich bei weitem wertvoller und kulturfähiger erwiesen hat, als man noch vor kurzem geglaubt hatte. Die russischen Bauern strömen, seitdem sie nicht mehr mühselig auf dem »Großen sibirischen Trakt«, der alten Straße nach Sibirien, ostwärts wandern müssen, scharenweise in Russisch-Asien ein, zurzeit vor allem in dem äußerst fruchtbaren westsibirischen Schwarzerdebezirk und in Transbaikalien; aber auch in die Küstenprovinz am Stillen Ozean sucht die Regierung recht viele Einwanderer zu ziehen. Die wirtschaftliche Entwickelung Westsibiriens hat daher jetzt einen geradezu stürmischen Charakter, was sich am besten in dem raschen Anwachsen von Orten wie Omsk und Nowo Nikolajewsk erkennen läßt. Eine starke Verschleuderung natürlicher Schätze Sibiriens und der östlichen Länder, vor allem des Waldreichtums, geht mit der raschen Besiedelung leider Hand in Hand. Auch die ursprüngliche, meist nomadische Bevölkerung Sibiriens wird immer weiter zurückgedrängt, zum Teil auch vom Russentum aufgesogen, und der eilige Reisende wird von ihr wenig mehr zu sehen bekommen als die Burjäten des Baikalgebiets, die sich am besten der neuen Kultur anpassen. Ebenso ist Sibirien lange nicht mehr in dem Maße wie früher Sträflingsland. Nicht nur treten die Deportierten an Zahl gegenüber den freien Ansiedlern immer mehr zurück, sie werden jetzt auch nach entferntern Gegenden, besonders Sachalin, verschickt. Trotzdem bilden die Gefängnisse noch heute wichtige Gebäude in den meist dorfähnlich gebauten sibirischen Städten.
=Baugeschichte.= Die Sibirische Bahn, mit 8137 Werst (8682 km) die längste, etwa ein Drittel des Erdumfangs messende Bahnlinie der Welt (die Union Pacific 5357 km), wurde von der russischen Regierung 1891 begonnen; 1892 war die Strecke Ufa-Slatoust fertiggestellt; 1894 folgte die Überführung der Bahn über den Ural bis nach Tscheljabinsk, 1897 die Fortsetzung bis Tomsk, 1899 bis Irkutsk; 1897 wurde auch die Ussuribahn zwischen Chabarowsk und Wladiwostok fertig. In der Gebirgsgegend des Baikalsees entstanden große Schwierigkeiten; man führte die Bahn zunächst von Irkutsk zum Baikalsee, baute gleichzeitig vom gegenüberliegenden Ufer bei Myssowaja die Bahn weiter bis nach Strjetensk. Nun war die erste Verbindung bis Wladiwostok fertig, die zwar überall durch russisches Gebiet führte, aber noch mehrere Dampferstrecken einschloß: der Baikalsee wurde auf Dampfern gekreuzt, von Strjetensk führten flache Flußdampfer die Schilka abwärts in den Amur und von da bis Chabarowsk, dann fuhr man mit der Ussuribahn nach Wladiwostok. Aber die Unregelmäßigkeiten im Flußwasserstand machten diese Reise sehr langwierig. Ein 1896 mit China geschlossener Vertrag ermöglichte es den Russen, die Amurfahrt auszuschalten und die Mandschurische Bahn quer durch die Mandschurei über Charbin nach Wladiwostok zu bauen, mit der Abzweigung von Charbin über Mukden und Yinkou nach Dairen; letztere Strecke wurde am 1. August 1903 eröffnet. Die 3109 Werst (3317 km) lange Strecke von Sysran bis Kraßnojarsk ist in 11 Jahren, die 4016 Werst (4284 km) lange Strecke Kraßnojarsk-Dairen in 4 Jahren erbaut worden. Die Baukosten sollen durchschnittlich 100000 Rub. für 1 Werst, in Summa über 800 Mill. Rub. betragen. Spurweite ist die russische Normalspur von 1,524 m, die Strecke ist eingleisig, mit Steigungen bis 1:17. Während des russisch-japanischen Krieges wurde die Bahn um das Südende des Baikalsees (Baikalgürtelbahn, 244 Werst) herumgeführt, um das lästige Überführen der Reisenden und der Fracht über den mehrere Monate fest gefrornen See zu vermeiden. Seit 1906 ist die Strecke wesentlich verbessert; viele Ausweichestellen sind geschaffen, ein zweites Gleis ist zwischen Ufa-Slatoust und Omsk-Irkutsk im Bau. Ferner ist im Bau die Linie Tjumen-Omsk, wodurch direkte Verbindung nach St. Petersburg geschaffen wird. Nach dem Krieg ist die Strecke Changchun-Dairen als Südmandschurische Bahn (S. 323) unabhängig von Rußland geworden und steht unter japanischer Leitung.
Der sibirische Luxuszug (S. 302) verläßt Moskau auf dem Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof (nahe dem Ostende der Ssadowaja); wegen Vorausbestellung des Platzes vgl. S. 302. Der Zug besteht nur aus einem Wagen I., zwei Wagen II. Kl. und einem Speisewagen und ist im Frühling und Herbst meist stark besetzt. -- Nach der Abfahrt sieht man r. das malerische Andronow-Mönchskloster auf dem Steilufer der Jausa, 1366 vom Metropoliten Alexei begründet, mit fünf Kirchen. Der Zug fährt durch fruchtbares Land über (93 w) Sserpuchow (Bahnwirtschaft) nach (182 w) =Tula= (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Tula, mit 132000 Einw., Silberindustrie (Tulasilber ist kaukasisch und hier weniger als in Moskau zu haben) und Fabriken für Samowars und Zuckerbrot; Gewehrfabrik; Kreml aus dem 16. Jahrh. -- Weiter (240 w) Uslowaja (Bahnwirtschaft). Die Bahn tritt in das Gebiet der südrussischen fruchtbaren »Schwarzerde«, der Wald tritt zurück. -- (380 w) Rjashsk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 5000 Einw., an der Chupta. -- An reichen Dörfern (mit berühmten Gestüten) vorüber. -- (502 w) Morschansk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 26000 Einw., an der Zna.-- Durch fruchtbares Land nach (753 w) =Pensa= (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Pensa, mit 67900 Einw., an der Mündung der Pensa in die Ssura schön gelegen; berühmt wegen der schönen Tücher aus Ziegenwolle; deutsch-luther. Kirche. -- Hinter (989 km) Sysran (Bahnwirtschaft) nähert sich die Bahn der Wolga, tritt bei (1003 w) Batraki dicht an deren r. Ufer, das sogen. Bergufer, und kreuzt 8 w weiter die Wolga auf der mächtigen, 1435 m langen Alexanderbrücke (1876-80 erbaut). Der breite Strom ist stets von Dampfern, Kähnen und großen Holzflößen belebt, die bis zum Kaspischen Meere fahren. Am Ufer sind Behälter für Petroleum und Naphtha, die Heizstoff für Dampfer und Lokomotiven abgeben. -- Auf dem flachen l., sogen. Wiesenufer weiterfahrend, erreicht man nach einigen Stunden (1120 w) =Samara= (Bahnwirtsch.; Gasthof: Bolschaja Zentrálnaja in der Dworjanskaja 125; deutscher Vizekonsul W. Koenitzer), Hauptstadt des Gouvernements Samara mit 96400 Einw., am l. Wolga- und r. Samaraufer, mit deutsch-luther. Kirche, lebhaftem Getreidehandel und berühmten Kumys-Kuranstalten auf den Hügeln in der Umgegend. -- Die Bahn führt nun durch das Tal der Samara, das r. Berge zeigt, nach (1158 w) Kinel (Bahnwirtschaft); hier Abzweigung der Bahn über Orenburg, Taschkent, Samarkand und Merw nach Kuschk an der afghanischen Grenze.--Dann an mehreren unbedeutenden Stationen vorbei durch zum Teil sandiges Steppenland, außer von Russen auch von Baschkiren, Tataren, Kalmücken und Kirgisen bewohnt, und auf 640 m langer Brücke über die Bjelaja nach (1609 w) =Ufa= (Bahnwirtschaft: Verkauf uralischer Halbedelsteine; Vorsicht vor Gesindel in der Umgegend des Bahnhofs!), Hauptstadt des Gouvernements Ufa mit 58800 Einw., im 16. Jahrh. zum Schutz gegen die Baschkiren gegründet, am r. Steilufer der Bjelaja gelegen (schöner Landschaftsblick von der steilen Höhe über dem Birkenwäldchen beim Bahnhof); dicht beim Bahnhof viele Naphthabehälter, in der Nähe Herden der Baschkirennomaden. Die hölzernen Häuser der Stadt sind wie Schwalbennester an steile Hügel gesetzt, Treppen führen von Haus zu Haus. Ufa hat 27 Kirchen, 38 Schulen, 6 Banken, 3 Zeitungen und 1 Theater. --Hinter Ufa tauchen im O. die Vorberge des Ural auf, bedeckt von Tannenwäldern mit eingesprengten Birkenhainen; je mehr man sich dem Gebirge nähert, um so wilder wird die Gegend. -- (1707 w) Ascha-Balaschewskaja (Bahnwirtschaft). -- Vorbei an vielen Eisenhütten in malerischer Gegend durch das Tal des Sanjabachs, an dem sich im Halbkreis das große Dorf Menjardi hinzieht. Wilder Hochwald mit Anemonen, Dotterblumen, Himmelsschlüsseln von in Mitteleuropa unbekannter Üppigkeit begleitet die Bahn bergaufwärts; zwischen hohen Felseinschnitten gelangt man über (1793 w) Wjasowaja (323 m; Bahnwirtschaft) auf die Höhen des Uralgebirges nach -- (1909 w) =Slatoust= (392 m; Bahnwirtschaft; mäßige Unterkunft bei Lusgin oder Frau Semjonowa, Z. 1 Rub., vorausbestellen!), hübscher Bergstadt (etwa 2 w vom Bahnhof) an dem Flüßchen Aï, das hier die Hauptkette des südl. Ural, den Taganai, durchbricht; 21000 Einw. Kaiserliche Eisen-, Gußstahl- und Waffenfabriken, von deutschen Schmiedemeistern eingerichtet. Arsenal (wochentags 9-3 Uhr Besichtigung gestattet). Deutsch-luth. Kirche.--Von Slatoust steigt die Bahn an Bergseen und schön mit Tannen bewaldeten Abhängen vorbei nach (1927 w) Urshum (564 m); etwa 1/4 w weiter steht r. der Grenzobelisk mit der Inschrift »Europa-Asia« (hier jedoch nur geographische, keine Verwaltungsgrenze!) auf dem höchsten Punkte der Bahn. Nun eilt der Zug in die westsibirische Ebene hinab, vorbei an (1970 w) Miaß am Ilmenskijsee, mit Goldgruben in der Nähe, und erreicht den eigentlichen Anfangspunkt der Sibirischen Bahn
(2060 w) =Tscheljabinsk= (232 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Eremitage), wo von l. die direkte Bahn von St. Petersburg (vgl. S. 301) über Perm und Jekaterinburg einmündet. Die Stadt, mit 39400 Einw., 4 w vom Bahnhof; am Bahnhof Auswandererbaracken für russische Bauern, die nach Sibirien übersiedeln. Viele Tataren, Sarten und Baschkiren betteln am Bahnhof. Lebhafter internationaler Verkehr; auf dem Markt (wohin man mit zweisitzigen kleinen Wagen, Tarantás, fährt) hat man Gelegenheit zum Einkaufen von Edelsteinen aus dem Ural (jedoch Vorsicht! vieles ist gefälscht); Volkstheater.
Von Tscheljabinsk fährt man zuerst durch die unwirtliche »Gorkaja«, unkultiviertes Steppenland mit Mooren und Salzseen; nach einiger Zeit beginnt aber fruchtbares, großenteils schon mit russischen Bauern besiedeltes Schwarzerdeland. Über (2177 w) Schumicha (Bahnwirtschaft) und Syrjanka, wo die Verwaltungsgrenze zwischen dem europäischen und dem asiatischen Rußland überschritten wird, nach (2301 w) Kurgan (Bahnwirtschaft), rasch aufblühender Stadt am l. Ufer des Tobol, 1-1/2 w vom Bahnhof; Kotzebues Verbannungsort 1800; lebhafter Butterhandel, von Dänen ins Leben gerufen. -- Etwa 6 w weiter auf 470 m langer Brücke über den Tobol, dann durch Sumpfgegend nach (2550 w) =Petropawlowsk= (138 m; Bahnwirtschaft), 3 w vom Bahnhof die Kreisstadt Petropawlowsk mit 37900 Einw. (viele Mohammedaner), am r. Ufer des Ischim, 1752 begründet zum Schutz gegen die Kirgiskosaken. In der Stadt ein Tauschhof mit zahlreichen kleinen Läden; lebhafter Vieh- und Fellhandel, Schlächtereien, Gerbereien, Wollwäschereien; hübscher Stadtgarten; deutscher Apotheker. Viele kirgisische Nomadenkarawanen kommen aus der Steppe nach Petropawlowsk. -- Nun folgt einförmige Steppe; (2677 w) Isil-Kul (Bahnwirtschaft). -- Weiterhin über den Irtysch (Nebenfluß des Ob) auf 685 m langer Brücke.
(2806 w) =Omsk= (87 m; Bahnwirtschaft; Zweigbahn stündl. nach der 3 w südl. gelegenen Stadt; Tarantás dahin 50 Kop., =Gasthöfe=: Hotel Rossija, Saizew, Dworzowaja; Schtschepanowskij, Nikolskajaplatz), aufblühende Stadt mit 84400 Einw., Sitz der Verwaltung des Generalgouvernements der Steppe, mit starker Garnison, hat ein ethnographisches Museum auf dem Basarplatz; deutsch-luther. Kirche; deutscher Vizekonsul Oskar Nolte, Moskauer Reihe. -- Handel mit Butter, Konserven aus Flußfischen, Getreide und Mehl. In Omsk verbüßte der Dichter Dostojewski 1849-53 seine Haft. In der Umgegend viele Kosakendörfer.
=Dampfer= von Omsk auf dem Irtysch abwärts in 4-5 Tagen nach =Tobolsk= (Gasthof Kommertscheskaja), Hauptstadt des Gouvernements Tobolsk mit 22000 Einw. und ethnographischem Museum im Jermakgarten. -- Von Omsk den Irtysch aufwärts in 4-5 Tagen nach =Semipalatinsk=, Hauptstadt der gleichnamigen Steppenprovinz mit 31800 Einw. (die Hälfte Mohammedaner) und geographischem Museum; von hier Poststraße nach Taschkent.
Die Bahn führt von Omsk durch Malariagegend (gegen Mücken und Moskitos Schutzfenster schließen, Moskitonetz beim Schlafen benutzen!). -- (2964 w) Tatarskaja (Bahnwirtschaft). -- (3109 w) Kainsk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., meist verbannten Israeliten, 12 w nördl. vom Bahnhof; Ackerbau, Viehzucht, Branntweinbrennerei und Gerberei. -- Hinter (3384 w) Kriwoschtschekowo auf 792 m langer Brücke über den Ob nach (3392 w) =Nowo-Nikolajewsk= (Bahnwirtschaft) am r. Obufer, mit angeblich über 60000 Einw., mit amerikanischer Schnelligkeit wachsender Umschlagsplatz zwischen dem Verkehr auf der Sibirischen Eisenbahn und dem Dampferverkehr auf dem Ob. Dampfer laufen von hier nach Tomsk, Barnaul (Hauptort des altaischen Minenbezirks mit 30000 Einw., zahlreichen Hüttenwerken, Oberbergamt und Bergbauschule) und Biisk. Der Ob bildet ungefähr die Ostgrenze des Steppenlandes. Die Bahn führt, zum Teil durch dichten Urwald, nach (3606 w) Tajga (257 m; Bahnwirtschaft).
=Zweigbahn= in 3-1/2 St. nach (74 w) Mescheninowka, wo man aussteigt, weil der Stadt Tomsk näher als der Bahnhof (82 w) von Tomsk.
=Tomsk= (148 m; Hôtel Rossija, empfohlen; Hôtel de l'Europe; Iswoschtschik bis 75 Kop.; Post und Tel.; Potschtamskaja; Russisch-Asiat. Bank), Hauptstadt des Deutschland an Größe gleichkommenden Gouvernements Tomsk mit ca. 100000 Einw., am r. Steilufer des Tom, die einzige Universitätsstadt Sibiriens (etwa 600 Studenten), mit tüchtigen, vielfach in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften, verschiedenen Museen, technologischem Institut und andern modernen Fachschulen; Bischofssitz mit 20 russ. Kirchen. Die Stadt ist mit amerikanischer Regelmäßigkeit gebaut, hat einige große Geschäftshäuser (darunter mehrere deutsche), jedoch großenteils dorfartiges Aussehen. Lebhafter Flußverkehr. Im nahen Kolywanschen Erzgebirge am Ob, 368 m ü. M., ein Steinschleifwerk für Porphyr, Jaspis, Marmor.
Von Tajga (s. oben) weiter durch mit Urwald (russisch »Tajgá«) bedecktes kohlenreiches (aber noch nicht ausgebeutetes) Hügelland über (3745 w) Mariinsk (Bahnwirtschaft) nach (3933 w) Atschinsk (Bahnwirtschaft), Stadt mit 7000 Einw., die nördlichste von der Sibirischen Eisenbahn erreichte Stelle (in der Breitenlage des mittlern Jütlands), am Tschulym und an der Poststraße, die südl. nach (330 w) Minussinsk (Gasthof; Mittelpunkt des Getreidegebiets und Minenbezirks des südl. Gouvernements Jenisseisk) führt.
Das Hügelland geht in Gebirgsland, die Ausläufer des Sajanischen Gebirges, über, die Fahrt wird malerischer. Die niedrige (ca. 315 m hohe) Wasserscheide zwischen Ob und Jenissei überschreitet man erst ganz kurz vor letzterm Fluß bei der Station Katscha und erreicht bald darauf
(4100 w) =Kraßnojarsk= (d. h. »Rote Klippe«; 160 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Rossija; Métropole, Familienhotel, Deutsch gesprochen; Iswoschtschik zur Stadt 40 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer (nicht russischer) Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des Gouvernements Jenisseisk am l., rotgefärbten Steilufer des Jenissei mit 30500 Einw., technische Eisenbahnschule, Stadtpark mit Wirtschaft, Museum; lutherische Kirche. Wichtiger Flußhafen für die Dampferfahrt auf dem Jenissei. Die Stadt (halbwegs zwischen Moskau und Wladiwostok) war früher großenteils mit Verbrechern besiedelt. In der Datsche Tarakanowka hat der Besitzer Judin eine Bibliothek von 100000 Bänden, insbesondere Literatur über Sibirien.
Der =Jenissei=, mit 4750 km Länge der größte Strom Sibiriens, entsteht in der nordwestlichen Mongolei und fließt als Ulukhem nw. zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nordwärts zum Eismeer wendet. Bei Kraßnojarsk ist der Jenissei durchschnittlich vom Mai bis Mitte November eisfrei. Schiffbar ist der fischreiche Strom, und mit Barken, Segelschiffen und Dampfern bis zur Mündung befahren, von Minussinsk an auf 2966 km. Die bedeutendsten Städte am Jenissei sind: Minussinsk, Kraßnojarsk, Turuchansk u. Dudinsk; der nördlichste dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, r. an der Mündung.
Von Kraßnojarsk führt eine prächtige, 925 m lange Brücke mit sechs Bogen über den Jenissei und dann durch moskitoreiche Gegend über (4327 w) Kansk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 8000 Einw. und Goldwäschereien, am Kan, und über diesen Fluß auf 255 m langer Brücke nach (4353 w) Ilanskaja (Bahnwirtschaft) und (4434 w) Kljutschinskaja (388 m), dann über die goldführende Birjussa nach (4633 w) Nishne-Udinsk (413 m; Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., mitten in den Ausläufern des Sajanischen Gebirges, an der Uda. -- Nun steigt die Bahn durch fruchtbares Land, von fleißigen buddhistischen Burjäten bevölkert, nach (4743 w) Tulun (498 m; Bahnwirtschaft), dem höchsten Punkte der Strecke Tscheljabinsk-Irkutsk. -- Hinter (4873 w) Sima auf 468 m langer Brücke über die Oka und dann durch schwarzgrünen Tannenwald mit *Ausblick r. nach S. auf die schneebedeckten Berge des Sajanischen Gebirges (Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei), über (5012 w) Polowina (538 m; Bahnwirtschaft; Kohlengebiet) ins Tal der Angara, des Ausflusses des Baikalsees, und talauf, vorbei am (r.) Wosneßenskij-Mönchskloster (1672 gegründet), nach
(5108 w) =Irkutsk= (445 m; Bahnwirtschaft; Grand Hôtel [Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft]; Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 75 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer [nicht russischer] Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, unter 52° 17' nördl. Br. (etwas südlicher als Berlin), am l. Ufer der Angara, in die hier der Irkut mündet, mit 84000 Einw. Irkutsk hat sehr rauhes Klima (bei einem Sommer wie Paris steigt die Winterkälte nicht selten bis-37°, das Jahresmittel beträgt nur-0,4°), breite Straßen, 23 griechisch-katholische (darunter schöne Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan), eine römisch-katholische und eine deutsch-lutherische Kirche, Gymnasium, 3 höhere Mädchenschulen, 2 Technische Schulen, 1 Seminar, 2 Militärschulen, Theater, 5 Zeitungen, Arbeits- und Findelhaus, Stadtkrankenhaus (mit deutschem Leiter, Dr. v. Bergmann) und bedeutenden Handel zwischen Ostasien und Rußland. Im Dezember Messe. Irkutsk, das eine Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft mit vielen Sammlungen besitzt, gilt als geistiger Mittelpunkt Sibiriens.--Der Ort wurde 1652 als Handelsposten durch Kosaken begründet, wuchs schnell, hat aber, seit die Verschiffungen von chinesischem Tee nach baltischen Häfen zunahmen, an Bedeutung verloren. Durch eine Feuersbrunst wurde Irkutsk 1879 fast zerstört, ist aber schöner wieder aufgebaut. -- Die Stadt gilt als sehr unsicher. Vom Bahnhof hat man den besten Überblick über die Stadt, zu der eine große Schwimmbrücke führt.
In Irkutsk beginnt die =Transbaikalbahn=, daher Wagenwechsel (die Strecke Irkutsk-Mandschuria ist von der Russisch-chinesischen Bahngesellschaft an die Schlafwagengesellschaft für die Expreßzüge verpachtet; auf dieser Strecke sollen häufig alte schmutzige Wagen laufen, auch Verspätungen um mehr als 6 St. bis Wladiwostok nicht selten sein.) Die Bahn bleibt jenseit Irkutsk am r. Ufer der aus dem Baikalsee kommenden Angara und erreicht bei (5170 w) Baikal den Baikalsee.
Der =Baikalsee= (russ. Swjátoje More, mongol. Dalai Nor, »heiliges Meer«), der drittgrößte Binnen- und größte Gebirgssee Asiens, 476 m ü. M., 623 km lang, 15-82 km breit, hat 34180 (Sachsen u. Württemberg zusammen 34507) qkm Fläche. Der langgestreckte, durchschnittlich 250 m tiefe See besteht aus zwei Becken, deren südlichstes bis 1430 m tief ist, so daß der Grund des Sees bis gegen 1000 m unter den Meeresspiegel hinabreicht. Der Baikalsee ist durch Einbruch entstanden; er wird von schroffen, 1400 m hohen Felswänden umrahmt, im W. vom Baikalgebirge, im O. vom 1800 m hohen Bauntigebirge, die in vielen Vorgebirgen in den See vorspringen. Von den in den See mündenden Flüssen verläßt die schiffbare untere Angara den See am SW.-Ufer wieder. Das Wasser des Sees hat im Juli in 4 m Tiefe eine Temperatur von 5°. An Fischen ist der See sehr reich, namentlich an Herbstlachsen (Salmo omul), die durch Jenissei und Angara aus dem Eismeer heraufkommen, und von denen jährlich etwa 500000 Stück gefangen werden (daher der tatarische Name Baikul, d. h. Reicher See). Von größern Wassertieren findet man eine Seehundsart (Callocephalus), deren Auftreten, 1000 km von der nächsten Meeresküste entfernt, sehr merkwürdig, aber auch heute noch nicht endgültig geklärt ist. Man neigt zu der Annahme, daß der See, der auch sonst eine sehr eigenartige Fauna beherbergt, mit dem heutigen Eismeer nicht in früherer Verbindung gestanden hat, sondern daß die Seehunde den Lachsen bis hier herauf nachgegangen sind. Der tektonische Ursprung des Sees bekundet sich durch häufige Erdbeben, so 1861 u. 1862. Die Schiffahrt wird durch heftige Winde gefährdet, doch verkehren Dampfer während der achtmonatigen eisfreien Zeit; der lebhafteste Verkehr findet aber im Winter auf der 1-1,5 m starken Eisdecke statt.
Während früher die Reisenden mit Fährdampfern (im Winter mit Schlitten) nach Myssowaja am Südufer des Sees übergesetzt wurden, führt seit 1906 die Baikalgürtelbahn um das felsige Südufer des Sees; sie ist mit großen Schwierigkeiten und sehr hohen Kosten hergestellt; allein auf der 85 km langen Strecke vom Bahnhof Baikal bis nach Kultuk sind 32 Tunnel von zusammen 6 km Länge und 210 Kunstbauten (Brücken, Durchlässe, Überführungen) errichtet. Man fährt von Baikal über (5359 w) Tanchoi (auf allen Bahnhöfen besonders dieser Strecke hüte man sich vor Diebstählen!) nach (5413 w) Myssowaja (477 m), auch Myssowsk genannt; die Bahn bleibt noch bis (5458 w) Possolskaja in der Nähe des Baikalsees und steigt dann im Tale der Selenga nach (5567 w) Werchne-Udinsk (544 m; Bahnwirtschaft; Gasthof), Kreisstadt mit 8000 Einw., mit großer Garnison und wichtiger Teemesse.
Von hier führt die alte =Poststraße= (nebst Telegraph) im Selengatal weiter aufwärts nach Troizkossawsk und (185 w) =Kjachta= (732 m), russische Grenzstadt und von 1689-1860 einziger russischer Grenzhandelsplatz, über den der Karawanentee aus der nur 200 m südlicheren chinesischen Grenzstadt =Maimatschin= geführt wurde. Die Poststraße, jetzt wenig benutzt, führt weiter über Urga (1290 m) durch die Wüste Gobi und über Kalgan (S. 296) nach Peking. Eine Bahn längs der Poststraße nach Kalgan ist geplant.
In romantischer Landschaft steigt die Bahn nun im Tale der Uda, dann südöstl. abbiegend weiter bis (5701 w) Petrowski sawod (803 m; Bahnwirtschaft), vorbei an Mongolen- und Burjätendörfern, dann im malerischen Tale des Chilok zu den sanftsteigenden Höhen des Jablonoi oder Apfelgebirges über (5840 w) Chilok (805 m; Bahnwirtschaft) und durchläuft hinter (5993 w) Sochondo (944 m) einen Tunnel, der am Westende die Inschrift: »Zum Atlantischen Ozean«, am Ostende: »Zum Großen Ozean« trägt, da der Bergkamm die Wasserscheide bildet zwischen dem Nördlichen Eismeer und dem Stillen Ozean (Jenissei und Amur). Nun senkt sich die Bahn über (6016 w) Jablonowaja (846 m; Bahnwirtschaft) durch das enge Ingodatal nach
(6086 w) =Tschita= (656 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 50 Kop.; Russisch-Asiatische Bank), 1851 gegründete Hauptstadt Transbaikaliens mit 55500 Einw., Maschinenwerkstätten und *Museum; die hübsche Umgebung erinnert an Heidelberg. -- Dann fährt man über den Fluß Tschita auf 160 m langer Brücke und im Ingodatal abwärts über (6142 w) Makkawejewo (Bahnwirtschaft) nach (6180 w) Karimskaja (605m; Bahnwirtschaft), Bahnknotenpunkt.
=Amurfahrt Strjetensk-Chabarowsk= (2116 w). Von Karimskaja führt eine ältere Bahnlinie im Ingoda- und Schilkatal abwärts über (183 w) Nertschinsk (Bahnwirtschaft), das jetzt bedeutungslose, früher aber durch seine Blei- und Silberbergwerke berühmte, als Sträflingsort berüchtigte Städtchen, nach (266 w) =Strjetensk= (Bahnwirtschaft; Gasthof Dalnij Wostok; Mikulitsch, beide nahe der Dampferlandestelle; Iswoschtschik 1 Rub.; Banken: Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Stadt mit 10000 Einw., am l. Ufer der Schilka. Von Strjetensk laufen Postdampfer auf der untern Schilka und dem Amur von Mai bis September alle 5 Tage in 6 Tagen bis =Blagowjeschtschensk= (Grand Hôtel; Banken: Kunst & Albers; Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Provinz Amur mit 57500 Einw., am l. Ufer des =Amur= an der Sejamündung; von dort mit größern, bequemen Dampfern in 5 Tagen bis Chabarowsk (S. 333). Die Fahrt stromauf von Chabarowsk bis Strjetensk dauert etwa 12-13 Tage und ist nicht zu empfehlen. Der Amur entsteht aus dem Zusammenfluß der Schilka mit dem Argun beim Fort Ustj Strjelka; er bildet streckenweise die Grenze gegen China und mündet nach 4480 km langem Lauf unterhalb Nikolajewsk, gegenüber dem Nordende der Insel Sachalin. Geplant ist der Bau einer Amurbahn von Strjetensk nach Chabarowsk.
Die Transbaikalbahn führt von Karimskaja über einen 885 m hohen Bergrücken nach (6229 w) Burjatskaja (Bahnwirtschaft), dann durch gewelltes, ödes Steppenland, den Nordzipfel der Mongolei, von Kosaken und Burjäten bewohnt, über (6274 w) Aga (Bahnwirtschaft) und an einem buddhistischen Burjätenkloster vorbei über (6319 w) Olowjannaja (Bahnwirtschaft) und (6412 w) Borsa und über die russisch-chinesische Grenze nach
(6532 w) =Mandschuria= (Mandschuli; 650 m; Bahnwirtschaft; Gasthof Zentralnaja, nahe dem Bahnhof), chinesischer Grenzstadt mit 12000 Einw. (in der Mehrzahl Russen); hier bei der Hinfahrt chinesische, bei der Rückfahrt russische Zolldurchsicht. -- Mandschuria ist der Anfang der in russischen Händen befindlichen =Ostchinesischen Bahn= (Chinese Eastern Railway), deren Gebiet die Mandschurei bis zur russischen Grenzstation Pogranitschnaja (S. 320), ferner die südliche Linie von Charbin bis Changchun (S. 324) mit Zweigbahn nach Kirin umfaßt und deren Bahnhöfe gegen die häufigen Angriffe der Chunchusen-(chinesischen Räuber-) Banden von russischen Soldaten bewacht werden und zum Teil befestigt sind. Von hier an wird nach Charbiner Zeit gerechnet, die 6 St. 24 Min. vor gegen Petersburger und 7 St. 25 Min. vor gegen M.E.Z. ist. Die Bahn führt durch gleichmäßiges Steppenland (man sieht Pferdeherden, Kamelkarawanen) über (6708 w) Chailar (Hailar; Bahnwirtschaft) und (6785 w) Jakschi, Wachtposten, allmählich das Chingangebirge, den Grenzwall zwischen der Mongolei und der Mandschurei, hinan; bei (6872 w) Irekte (875 m) wird noch eine Lokomotive vorgespannt wegen der nun starken Steigung, durch enge Täler nach (6881 w) Chingan; 4 w weiter führt ein 3 km langer Tunnel, 961 m ü. M., durch den höchsten Gebirgskamm unter dem 1060 m hohen Dschedynpaß; dann geht es steil abwärts nach (6904 w) Buchedu (Pu-ha-to; 673 m; Bahnwirtschaft), im Tale des Jali. Bevor man die Steppe wieder erreicht, noch malerische Ausblicke auf die Berge bei Barim. Dann durch größere Dörfer bei Tschalantun über (7049 w) Nin-zy-schan (264 m) und über den Nonni nach (7155 w) Stat. Zizikar (Tsitsihar oder Buchoi; Bahnwirtschaft; Gasthof) selbst, die Hauptstadt der chinesischen Außenprovinz Holungkiang, mit 80000 Einw., liegt 25 w nördl. am Nonni und ist durch Kleinbahn mit der Station verbunden. [Hier soll das chinesisch-amerikanische Bahnprojekt von Aigun (vom r. Amurufer nahe Blagowjeschtschensk in der Mandschurei) nach Kintschou (S. 318, an der Bahnlinie Mukden-Tientsin) von N. nach S. die Mandschurei durchschneiden.] -- Dann durch wildreiche, fast unbewohnte Steppe mit unbedeutenden Haltestellen, aber vor Charbin durch gut bebautes Land und schließlich auf 948 m langer Brücke mit 8 Bogen über den mächtigen, von zahlreichen Dampfern belebten (auf 1180 km Länge schiffbaren) Súngari nach
(7408 w) =Charbin= (Harbin; 152 m; gute Bahnwirtschaft; Grand Hôtel; Métropol Hôtel; Orient Hôtel, sämtlich in der Neustadt, die beiden ersten nahe dem Bahnhof; Hôtel Sibir; Hôtel de Commerce, in der Geschäftsstadt, Verpflegung überall gut, Unterkunft mäßig; Bankgeschäft von Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank [Korrespondent der Deutschen Bank]; Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft: im Grand Hôtel; Direktion der [russischen] Ostchinesischen Bahn [Präsident General Horváth], Zweigbureau der Südmandschurischen Bahn; chinesischer Zollkommissar [Watson]; deutscher Konsul: L. Heintze; Handelshäuser: Kunst & Albers; Tschurin & Co.; Samsonowitsch & Agéjeff; Kommissionsgeschäft: Comptoir belge d'importation et d'éxportation; Spediteur A. G. Roubinraut), internationale Handelsstadt in der chinesischen Mandschurei, am r. Ufer des Sungari, 1896 gegründet als Eisenbahnknotenpunkt, früher ein Dorf, jetzt eine Stadt von über 50000 Einw. (buntgemischte Bevölkerung, in der die Russen und Chinesen überwiegen). Die Stadtverwaltung liegt in den Händen der Ostchinesischen Bahn. Die vollkommen russischen Charakter tragende Stadt zerfällt in drei Teile: die Altstadt, sö. vom Bahnhof, die erste Niederlassung aus Lehmhäusern für den Bahnbau, wozu einige Handelshäuser und eine kleine Kirche kamen. Die moderne Neustadt (Nowoje Charbina), westl. vom Bahnhof, auf einer vor dem Fluß geschützten Hochfläche, noch in der Entwickelung; für die Eisenbahnverwaltung, P u. T, Hospitäler, Beamtenwohnungen, Gasthöfe etc. bestimmt. Die Straßen und die sanitären Verhältnisse sind noch sehr schlecht. In der Hafenstadt (Pristan) hinter der Eisenbahnbrücke am Fluß sind Fabriken und Werkstätten für die Eisenbahn, kaufmännische Niederlassungen, der Sitz der Polizei etc.; hier herrscht das meiste Leben. Östl. vom Pristan liegt das durch den Pestausbruch 1910 berüchtigte Chinesenviertel Fudsjadjan (Fudatien). Haupthandel und Ausfuhr in Ölbohnen. Im russisch-japanischen Krieg war Charbin Hauptstützpunkt der russischen Armee.--Dampfer verkehren auf dem Sungari von Charbin talwärts bis Chabarowsk (S. 323) und bergwärts bis Kirin (S. 324).
Von Charbin nach Wladiwostok.
Vgl. die Karte bei S. 301.
Der sibirische Luxuszug (S. 302) führt vom Hauptbahnhof (smaragdgrün in einer Art von Sezessionsstil) in Charbin-Neustadt östl. über (9 w) Hst. Alt-Charbin durch weite Strecken gut (vor allem mit Rüben) bebauten Ackerlandes über (58 w) Aschichö, mit Zuckerfabrik, dann an einem Marmorbruch vorbei, durch Sumpfstellen mit mannshohem Wollgras und durch von Fasanen bevölkerte Gehölze nach (153 w) Imjampo, beliebtem Sommeraufenthalt mit Datschen (Landhäusern), guter Brauerei und Jagdgelegenheit auf Hochwild, weiter über den Gebirgszug Tschangkwanhai nach (255 w) Chandaochezy (Bahnwirtschaft), Ort mit 10000 Einw.; dann auf 300 m langer Brücke über den Mutankiang (nicht weit südl. die chinesische Handelsstadt Ninguta mit etwa 20000 Einw.; T) und nun ansteigend in schroffen Tälern des in der Nähe der Bahn schon großenteils entwaldeten ostmandschurischen Mittelgebirges durch drei Tunnel bis 640 m ü. M., dann wieder hinab nach (402 w) Mulin (Bahnwirtschaft). Die Landschaft wird immer schöner, bis man, die Mandschurei verlassend, den russischen Grenzort (512 w) Pogranitschnaja (460 m; Bahnwirtschaft; russische Zollbesichtigung), Endpunkt der Ostchinesischen und Anfang der =Ussuribahn=, erreicht; letztere führt durch sechs Tunnel abwärts über die Grenzfestung (538 w) Grodekowo in grüner Ebene nach (628 w) Ketrizewo (Bahnwirtschaft), Knotenpunkt, wo l. die Bahn nach Chabarowsk abzweigt; in 2 w Abstand sieht man die Kuppeln der Kathedrale von =Nikolsk-Ussuriisk= (Gasthof Koslow; Russisch-Asiatische, Sibirische Handelsbank; Warenhaus von Kunst & Albers), Kreisstadt mit 23000 Einw. und stärkster Garnison des Amurgebiets, in sehr fruchtbarer Gegend, mit guter Jagd auf Wildschweine, Maralhirsche etc. Dann steigt die Bahn im Felsental des Suifun in dichtbewaldete Höhenzüge; an einer scharfen Biegung erster *=Blick auf die Amurbucht=; l. hinter Nadeschdinskaja liegen Kohlenbergwerke; dann führt die Bahn am Strande der Amurbucht entlang, l. an den Datschen (Landhäusern) der reichen Wladiwostoker vorbei und durch die Chinesenstadt zu dem ganz nahe dem Hafenkai gelegenen Hauptbahnhof von
(730 w) =Wladiwostok= (Bahnwirtschaft), am Japanischen Meer. Der Bahnhof trägt die Aufschrift: »Von St. Petersburg bis Wladiwostok 9876 Werst« (Entfernung von Moskau 8137 w).
=Ankunft zur See.= Die Postdampfer steuern die Insel Askold mit rotem Leuchtturm an, laufen dann auf den weißen Leuchtturm der Insel Skrypleff zu und steuern durch den Östlichen Bosporus zwischen Kasakewitsch (Russeninsel) und dem Murawiew-Vorgebirge hindurch, biegen dann r. in eine der Kieler Förde sehr ähnliche, durch viele Küstenbefestigungen geschützte Bucht, in deren innerstem, nach O. gekrümmtem Teil, dem Goldenen Horn, der gegen Wind und Seegang geschützte Hafen von Wladiwostok liegt. An seiner Westseite ist nahe am Bahnhof ein Kai mit Liegeplätzen für etwa acht Dampfer. Die Postdampfer der Freiwilligen Flotte haben eignen Kai. Dampfer, die keinen Platz am Kai bekommen, ankern nahe vor der Stadt, Ausschiffung der Reisenden erfolgt dann mit Booten an bequemen Landungsbrücken.
=Gasthöfe=: Hotel d'Allemagne (Deutsches Hotel), Mitte der Stadt, Ecke der Kitaiskaja- und Pekinskaja-Straße, modern eingerichtet, Pens. 8-9 Rubel, gelobt. -- Grand Hôtel, am Bahnhof. -- Goldenes Horn, Aleutskaja 45.--Zentralnaja, Swetlanskaja.--=Restaurants=: Deutsches Restaurant Müller, Swetlanskaja, gelobt. -- Unterberger; Goldenes Horn; Swetlanka, sämtlich Swetlanskaja. -- =Cafés=: Kokin. -- Jegorow, Swetlanskaja.
=Post u. Tel.= an der Swetlanskaja. Telegraphenkabel nach Nagasaki. -- =Wagen=: Iswoschtschik vom Bahnhof zur Stadt 25 Kop. (Gepäck 20 Kop.), einzelne Fahrt 25 Kop., in die Vorstadt 50 Kop.; stündl. 80 Kop. Nachts doppelte Taxe. -- =Eisenbahn= über Charbin nach Europa (S. 309): Expreßzüge: Mi. ab Wladiwostok der Transsibirien-Expreß in 9-1/2 Tagen bis Moskau, mit Anschluß an den Nordexpreß (S. 302) Moskau-Berlin (Fahrzeit 37 St.); außerdem So. ab Wladiwostok ein Zug bis Irkutsk (Wagenwechsel) mit Anschluß nach Moskau und ein Zug Fr. ab Wladiwostok wie vorher, doch mit Anschluß nach St. Petersburg; sämtlich Züge der Internationalen Schlafwagengesellschaft; nach Chabarowsk, S. 323; nach Dairen, S. 323; nach Peking, S. 328. -- =Dampfer=: Hamburg-Amerika Linie über Hongkong monatlich (Agentur: Kunst & Albers); -- Nippon Yusen Kaisha nach Nagasaki, Korea, Port Arthur und Schanghai wöchentlich; -- Russische Freiwillige Flotte Do. und Sa. in 2 Tagen nach Tsuruga (Japan); -- Sa. über Nagasaki (2 Tage) nach Schanghai in 4 Tagen; -- Osaka Shosen Kaisha Di. in 2 Tagen nach Tsuruga (Reichskursbuch 705).
=Banken=: Kunst & Albers, Swetlanskaja, Korresp. der Deutschen Bank.-- Russisch-Asiatische Bank, Aleutskaja, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--=Theater=: 3 russische und 3 chinesische; Singspielhalle im »Goldenen Horn« u. a.--Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft: Marcerou & Schreter, Swetlanskaja 60. --=Konsulate=: Deutsches Reich, Swetlanskaja, Konsul Dr. Stobbe.--Deutscher Gesangverein (es leben viele Deutsche in angesehenen Stellungen in Wladiwostok).--=Polizeiamt=: Pekinskaja. --=Zollamt=: Swetlanskaja.-- =Städtisches Krankenhaus.=--=Warenhaus= großen Stils von Kunst & Albers, liefert jegliche Reiseausrüstung u. a.
Wladiwostok (»Beherrscherin des Ostens«, früher Port May) wurde 1860 gegründet, war 1868-1901 Freihafen und hat 90162 Einw. (davon über ein Drittel Chinesen, Japaner und Koreaner). Die Stadt liegt auf 43° 7' nördl. Br. (etwas südlicher als Florenz) auf der Halbinsel zwischen der Ussuribucht und der Amurbucht in malerischer Landschaft, deren natürliche Bergumwallung sehr stark befestigt ist (1500 Geschütze, die auf 80 km verteilt sind), da die Stadt der einzige gute Seehafen und Flottenstützpunkt Rußlands in Ostasien ist, denn überall weiter nördl. bis zur entlegenen Amurmündung ist die Küste durch das mauerähnliche Sichotaalingebirge vom Binnenlande völlig abgeschlossen und fast hafenlos. Nur hier am Südende der russischen Küstenprovinz ist der Küstengebirgsbogen unterbrochen und öffnet sich das Land mit einer buchtenreichen Küste (Riasküste) frei zum Meer. Leider ist der Hafen von Wladiwostok 4 Monate durch Eis gesperrt; als Kriegs- und Handelshafen ist er gut ausgerüstet. Längs der Nordküste des Goldenen Horns zieht sich die Hauptstraße Swetlanskaja; die Häuser sind meist aus Stein, nur zum Teil noch aus Holz gebaut. Die Neubauten zeigen modernern Renaissancestil, z. B. das Admiralitätsgebäude, der Palast des Gouverneurs, das Geschäftshaus von Kunst & Albers und das reichhaltige Museum (Di. Fr. So. 10-4 Uhr geöffnet). An der Südseite der Swetlanskaja liegt in hübschem Garten das Haus des Chefs der Marinestation, weiter östl. der Marineklub, mit Bootslandungsbrücken am Hafen. In der Hauptstraße die Uspenskij-Kathedrale. Das Institut für Ostasiatische Sprachen liegt an der Puschkinskaja; ebenda die deutsch-lutherische Kirche. Bei den Landungsbrücken am Hafen steht das Denkmal des Admirals Newelskoi, der die Amurmündung am 13. Aug. 1850 auf eigne Faust besetzte, mit der Inschrift: »Wo die russische Flagge weht, da soll sie nie wieder sinken« (Ausspruch des Zaren Nikolaus I.). Gegenüber dem Warenhaus der in ganz Ostasien bekannten deutschen Firma Kunst & Albers an der Swetlanskaja liegt ein schönes Wohnhaus für den Leiter des Geschäfts, mit großem Speisezimmer für die Angestellten des Geschäfts, mit Billards etc. In der Marinevorstadt das Marinehospital, daneben die großen Trockendocks und Werftanlagen der Marine.--Die Gewerbtätigkeit beschränkt sich auf Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Maschinenwerkstätten, Brauereien. Der deutsche Einfuhrhandel ist sehr beträchtlich, es verkehren mehr deutsche als englische Schiffe im Hafen; ausgeführt werden Felle, Sauerkraut, Seekohl, Bauholz, Salzfische, Lebertran.--Das Goldene Horn ist etwa von Mitte Dezember bis Mitte April zugefroren, doch halten Eisbrecher eine Fahrrinne frei; aber außerhalb des Hafens behindern dann oft große Treibeismassen die Schiffahrt. Die Witterung entspricht etwa der von St. Petersburg, trotzdem Wladiwostok auf etwa derselben geographischen Breite wie Florenz liegt; Luftwärme im Januar-15° C, im Jahresmittel 4,3° C; im Sommer kommen etwa +30° C, im Winter etwa-30° C vor.--=Rundgang.= Man fahre durch die Swetlanskaja und besteige dann die steile Anhöhe oberhalb des Observatoriums, von wo prächtiger *Fernblick über das Goldene Horn, Stadt und Hafen; man sieht bis zur Insel Askold, die im SO. auftaucht. Dann besuche man den Wochenmarkt an der Amurbucht, am Westende der Swetlanskaja, und mache mit kleinem Hafendampfer eine Hafenrundfahrt (zweimal tägl., Fahrzeit etwa 2-1/2 St.), die bis zur Insel Kasakewitsch führt; auch lohnt eine Fahrt mit Dampfer oder Segelboot bei gutem Wetter nach der Insel Askold, wo die sibirischen Maralhirsche gehegt und gefüttert werden und Goldbergwerke im Betrieb sind.--Die Umgegend bietet Gelegenheit zu Fahrten in die landschaftlich sehr schönen Berge und Wälder; vor der Stadt ist eine gemütliche deutsche Brauerei.
=Von Wladiwostok nach Chabarowsk= führt die Ussuribahn in etwa 16 St. über (102 w) Ketrizewo (S. 320), von da nö. im Tale des Suifun, dann durch Steppenland und auf 255 m langer Brücke über den Ussuri nach (340 w) Murawjew-Amurskij (Bahnwirtschaft). Hinter der 255 m langen Imanbrücke bei (387 w) Iman (Bahnwirtschaft) tritt die Bahn in schöner Hügellandschaft dicht an die Grenze der Mandschurei und läuft im Tale des Ussuri r. über (498 w) Bikin (Bahnwirtschaft) durch Wald und über viele Brücken nach (716 w) =Chabarowsk= (96 m; Bahnwirtschaft; Gasthöfe: Deutsches Hotel und Restaurant von Peter Moller, empfohlen; Hotel Chabarowsk; Rossija; Iswoschtschik zur Stadt 60 Kop.; Banken: Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Seeprovinz des russischen Amurgebiets, mit 25000 Einw. (1/4 Chinesen), am r. Steilufer des Amur, noch 800 km oberhalb seiner Mündung, zum Teil auf Felsterrassen erbaut. Nahe dem Palais des Generalgouverneurs liegt das *Museum der Russischen Geographischen Gesellschaft (Do. So. 12-4 Uhr); nahebei im Stadtgarten das Standbild des Grafen Murawjew-Amurskij. Die Stadt hat Kadettenschule, Eisenbahnschule und treibt wichtigen Pelzhandel (besonders Zobelfelle). Warenhaus: Kunst & Albers.
=Postdampfer= von Chabarowsk Mitte Mai bis Anfang Oktober (andre Dampfer unregelmäßig): a) in 4 Tagen auf dem Amur abwärts nach (940 w) =Nikolajewsk= (Gasthof; Warenhaus: Kunst & Albers), Seehafenstadt mit 8000 Einw., nahe der Mündung des Amur in den Amurgolf; b) auf dem Amur aufwärts über Blagowjeschtschensk nach Strjetensk, vgl. S. 317.
Von Charbin nach Dairen.
Vgl. die Karten bei S. 215 u. S. 271.
Von Charbin zweigt eine Linie der =Ostchinesischen Bahn= nach S. ab (von den Russen bis Port Arthur, S. 327, gebaut, jetzt nur bis Changchun noch russisch; die Südstrecke ist im Frieden von Portsmouth 1905 an Japan abgetreten und bildet jetzt das Hauptstück der =Südmandschurischen Bahn=. Von den sibirischen Expreßzügen (S. 316) wird ein Wagen in Charbin abgezweigt und läuft durch bis Changchun; Durchreisende können in diesem Wagen in Charbin übernachten. Fahrzeit Charbin-Changchun 9 St., Changchun-Mukden 6-1/2 St., Mukden-Dairen 8 St. Über diese Strecke geht zurzeit der Hauptpersonenverkehr zwischen Europa und China (besonders nach Peking, Hankau, Schanghai, Tsingtau etc.), aber auch ein großer Teil des Verkehrs nach Japan (besonders nach Nagasaki). Über direkte Fahrkarten vgl. S. 302.
Vom Charbin-Hauptbahnhof (S. 318) führt die Bahn durch fruchtbares Land mit Weizen-, Kartoffel-, Raps- und Maisfeldern; zahlreiche Wachttürme schützen die Bahnstrecke; bei (115 w) Dalatschao führt eine 735 m lange Brücke über den Sungari. -- (152 w) Jaomönn (Bahnwirtschaft). Nahe hinter der russischen Grenzstation Kwangtschöngtse mit russischer Garnison erreicht man (222 w) =Changchun= (Tschangtschun; Yamato Hotel, komfortabel, Pens. 9-12 Yen, gegenüber Bahnhof, mit Büfett; -- Yokohama Specie Bank; -- Russisch-Asiatische Bank), Knotenpunkt der Ostchinesischen, Südmandschurischen und Kirin-Changchun-Bahn. Von Charbin kommend hier umsteigen in den bereitstehenden Expreßzug der =Südmandschurischen Bahn= (I. Kl. vorzügliche Pullman-Wagen, II. Kl. entspricht der III. Kl. in europäischen Zügen). Zeitwechsel, südmandschurische Zeit ist 23 Min. später als Charbinzeit (S. 318). Die alte Stadt mit 130000 Einw., 6 w südl. vom Bahnhof, mit lebhaftem Vieh- und Bohnenhandel. Changchun hat chinesische Garnison; die neue, von den Japanern am Bahnhof angelegte Stadt in europäischem Stil entwickelt sich schnell und hat japanische Garnison. [Zweigbahn östl. nach (120 w) Kirin, wichtigster Handelsstadt der Mandschurei für Holz, Bohnen, Tabak, mit 100000 Einw., von Mauern umgeben, am Sungari.]
Hinter Changchun treten l. die Vorberge der Ostmandschurischen Gebirge an die Bahn; bei (39 M = Miles von Changchun) Gungchuling steigt die Bahn bis 209 m ü. M., senkt sich aber wieder bei (145 M) Tiahling, Handelsstadt mit 50000 Einw., am Liauho, und erreicht
(189 M) =Mukden= (chines. Fengtien), alte Hauptstadt des frühern mandschurischen Reiches (mit etwa 175000 Einw.) und daher Stammsitz der bisher in China herrschenden Mandschudynastie, deren erste Kaiser hier noch zeitweise residierten.
=Gasthöfe=: Astor House Hotel, in der innern Stadt, deutsche Leitung, 10 Z., recht gelobt, gute Küche, Pens. $ 8.--Yamato Hotel, japanische Leitung, im japanischen Stationsgebäude, Pens. 9-12 Yen.
=Wagen=: Droschken, Rikschas, chinesische Karren.--=Pferdebahn= bis zur innern Mauer.
=Eisenbahnen=: Südmandschurische Bahn (japanisch) nach Changchun (und mit der Ostchinesischen Bahn weiter nach Charbin), nach Dairen und nach Antung (von wo weiter nach Söul, Fusan); Nordchinesische Bahn (chinesisch) nach Tientsin und Peking. Japanischer wie chinesischer Bahnhof liegen 5 km westl. von der Stadt entfernt.
=Bank=: Yokohama Specie Bank (Korrespondent der Deutschen Bank) in der innern Stadt.
=Deutsches Konsulat=, Konsul Dr. Heintges, Dolmetscher Dr. Siebert.
Mukden ist Sitz des Generalgouverneurs (Vizekönigs) der Mandschurei, der zugleich Gouverneur der Provinz Fengtien ist, und eines Bannergeneralleutnants. Starke Garnison moderner Truppen. Rings um Mukden fanden Ende Februar und Anfang März 1905 die blutigen Kämpfe statt, in denen die Russen durch die Japaner zum Rückzuge nach dem Norden gezwungen wurden. Die äußere Stadt ist von einem 18 km langen Lehmwall, die innere von einer starken Mauer, mit je 8 Toren, umgeben. In der Nähe des japanischen Bahnhofs eine der vier Eckpagoden der Stadt von indischem Charakter, -- Die größte Sehenswürdigkeit ist der *=Kaiserpalast=; er liegt in der innern Stadt, in der Nähe des Astor House Hotels. Der letzte Kaiser, der ihn zeitweilig noch bewohnt hat, war Chienlung (1736-96). Der Palast ist in den Jahren 1907-09 wieder vollständig neu aufgebaut worden. Im Thronsaal steht noch der alte, in Holz geschnitzte Thron. In einem besondern Gebäude wird die Chronik des kaiserlichen Hauses aufbewahrt, die aber unzugänglich ist; gezeigt werden einzelne Stücke aus dem kaiserlichen Schatz: Gewänder, Helme, Waffen des Kaisers Chienlung, Stickereien, Gemälde, Porzellane, Nephritsachen u. a., ferner in einer besondern Abteilung eine große Menge Porzellan des kaiserlichen Haushalts. Einlaßpässe sind durch die Konsulate zu besorgen. Östlich schließt sich an den Palast ein Pavillon, in dem die Kaiser Audienz erteilten, mit den zugehörigen Gebäuden an.
=Ausflüge=: Nach dem =nördlichen Kaisergrab Peiling=, etwa 6 km nördl. der Stadt, mit Droschke oder Rikscha, Einlaßpässe durch die Konsulate. Das Grab liegt in einem Walde, der hinter der Anlage schöne Nadelholz- und Eichenbestände hat. Durch die ziemlich verfallene äußere Tierallee zu dem meist verschlossenen Südtor, das mit seinen lebhaften Farben in der grünen Umgebung sehr malerisch wirkt. Man fährt nach l. um die Umfassungsmauer herum zum Westeingang, durch den man den von Strandkiefern gebildeten düstern *Grabhain betritt, in die innere, mit Platten belegte Tierallee, die an dem Südtor (s. oben) beginnt und von steinernen Säulen und Tierfiguren, Himmelshunden, Pferden, Kamelen und Elefanten, eingefaßt wird. Den Abschluß der Allee bildet ein Gebäude mit schöner Kassettendecke, das eine riesige, aus einem Kalkmarmorblock gehauene Schildkröte enthält, die auf ihrem Rücken einen zweiten Monolithen trägt, in den die Lebensgeschichte des hier ruhenden Kaisers Taitsung (gest. 1643), des Vaters des ersten chinesischen Kaisers aus der Mandschudynastie, in Mandschurisch, Mongolisch und Chinesisch eingehauen ist. -- Durch ein von einem turmartigen Aufbau gekröntes Tor in den innern Hof, der von einer hohen, breiten Steinmauer mit Ecktürmen umgeben ist. Die Dächer sämtlicher Gebäude sind aus den gelben Ziegeln kaiserlicher Bauten hergestellt. R. und l. auf dem innern Hof einige Gebäude für Mitglieder des kaiserlichen Hauses. In der Mitte auf erhöhter Terrasse, zu der eine Drachentreppe führt, die Ahnenhalle mit den Tafeln Taitsungs und seiner Familie.
Dahinter vor dem Eingang zum eigentlichen Grabe steht die sogen. Geistermauer mit aus Stein gefertigtem Opfergeräten; dann durch einen Gang durch die Mauer des innern Hofes zu dem vermauerten Eingang des Grabhügels. Man steigt nun auf die Mauer und gelangt zu einer Halle mit kassettierter Decke, die einen Stein mit dem Namen Taitsungs in den oben erwähnten drei Sprachen enthält. -- Nach N. hat man den mit einem Rundgang versehenen Grabhügel vor sich; er ist von einem verkrüppelten Baum gekrönt, der eine alte Familienlegende des kaiserlichen Hauses versinnbildlicht; im Hintergrund eine künstliche, mit Bäumen bepflanzte Erdhügelkette, die den Einfluß der bösen Geister des Nordens abhalten soll. -- Auf der Mauer geht man dann zum Eingang des innern Hofes zurück.
Das =Ostgrab Tungling= in der Nähe des Dorfes Tungling ist von Mukden etwa 18 km entfernt und nur sehr beschwerlich zu Pferde oder mit chinesischer Karre zu erreichen. Die Anlage ist ähnlich wie die des »Peiling«, nur wirkt die ganze Umgebung malerischer durch die Lage auf natürlichen Hügeln und durch die Nähe des Hunho (Fluß). Begraben ist dort der Vater Taitsungs, Tientsung (gest. 1636).
Die Südmandschurische Bahn führt dicht hinter Mukden auf 736 m langer Brücke über den Hunho, Nebenfluß des Liauho nach (199 M) Suchiatun [von hier Zweigbahn über Chienchinchai nach (34 M) Fushun am Hunho, wo die großen Kohlengruben der Südmandschurischen Bahn mit modernen Einrichtungen bis zu 5000 t täglich Kohlen fördern; 1/4 St. vom Bahnhof, jenseit des Hunho, liegt die alte Stadt Fushun]. Weiterhin über den Shaho, an dessen l. Ufer (205 M von Changchun) Shaho, kleine, aus dem japanisch-russischen Krieg bekannte Stadt. [Von hier Ausflug zu Fuß ostwärts 3 St. am Shaho entlang zum Besuch der Schlachtfelder vorbei am Nowgorod- und Putilow-Hügel bis an den Fuß des Taschan (Turm- oder Pagodenberg genannt), dort fahre man von Station der Kleinbahn Mukden-Antung nach Mukden zurück.] Die Bahn führt weiter über (216 M) Yentai, dessen Kohlengruben, 10 km vom Ort, von der Bahngesellschaft ausgebeutet werden, nach (230 M) Liaoyang (Bahnwirtschaft), ältester Stadt der Mandschurei mit 55000 Einw. und schönem *Lama-Turm, erbaut im 3. Jahrh. n. Chr.; 1372 wurde die Stadt mit Mauern umgeben; berühmte Branntweinbrennerei (Samschu); Hauptquartier der japanischen Bahntruppen. In der Schlacht bei Liaoyang, 30. Aug. bis 4. Sept. 1905, führte Kuropatkin seinen berühmten Rückzug aus.-- Weiter über Haicheng nach (256 M) Tangkangtzu (Stadt mit heißen Quellen; Gold Spring Hotel).
=Ausflug= (sehr lohnend) von Tangkangtzu etwa 16 km östl. von der Bahn zum Kloster *=Chienshan= (Tschienschan) mit etwa 60 sehr alten buddhistischen Tempeln auf felsigen Hügeln in sehr malerischer Landschaft; besonders sehenswert ist die Tempelanlage der Drachenquelle (Lungtschuankuan) und der Tempel der Mildtätigkeit (Wuliangkuan), beide mitten in Waldeseinsamkeit. Schon der Kaiser Taisung (627-649) der Tang-Dynastie soll die Naturschönheit des Tschienschan bewundert haben.
Weiter nach (288 M) Tashihchiao (Daschitschau; Bahnwirtschaft). Hier Zweigbahn r. nach (13-1/2 M) Yingkou (S. 328), nur bis ans l. Ufer des Liao, dort übersetzen (bei Eisgang im Winter zuweilen unmöglich) zum Anschluß an die Nordchinesische Bahn.
Die Bahn führt über (306 M) Kaiping (Kaitschou), Stadt mit wichtigem Handel in Puppen der wilden Seidenraupe und Seide, tritt nahe an die Küste des Liaotunggolfs und läuft am Westabhang der Gebirge der Liaotunghalbinsel entlang über (326 M) Hsiungyuehcheng (ganz guter japanischer Gasthof; heiße Quellen im Flußbett des Hsiungyueh), weiter, die Halbinsel schräg durchquerend, über (359 M) Teliszu (Niederlage des Generals Stackelberg 15. Juni 1904 gegen General Oku) und (371 M) Wafangtien (Bahnwirtschaft), zur unbedeutenden Hafenbucht (388 M) Pulantien (früher Port Adams) am Liaotunggolf, Grenzort des japanischen Südwestzipfels der Liaotunghalbinsel. --(414 M) Chinchou (Kintschou) an der gleichnamigen Bucht am Liaotunggolf, wo 26. Mai 1904 die erste Schlacht stattfand, die Port Arthur vom russischen Heer abschnitt, und weiter über den Isthmus, der zur Kwangtunghalbinsel führt, an der Bucht von Talienwan über (429 m) Choushuitzu, Zweigbahn nach Port Arthur (S. 327), nach
(436 M) =Dairen= (früher Dalny), wichtigem japanischen Handelshafen auf 38° 56' nördl. Br. (wie Kalabrien), an der großen Bucht Talienwan (Dairenwan) der Koreabai, mit etwa 60000 Einw. (die Hälfte Chinesen). Der Platz ist wichtig als Endpunkt der Südmandschurischen Bahn und für den Postdampferverkehr nach China und Japan im unmittelbaren Anschluß an die Expreßzüge der Sibirischen Bahn. Vgl. beifolgenden Plan.
=Gasthöfe=: Yamato Hotel der Südmandschurischen Bahn, komfortabel, sehr gelobt, Pens. 9-12 Yen; Rioto-Hotel; Iwaki-Hotel u. a.--=Post u. Telegraph.= --=Wagen=: Droschken, Hotelwagen, Rikschas.
=Straßenbahnen= (elektr.) durchziehen die ganze Stadt.
=Eisenbahnen=: Südmandschurische Bahn (S. 324) nach Mukden und Port Arthur.
=Dampfer= der Südmandschurischen Bahn (South Manchurian Railway Co. in Dairen: Tel.-Adr.: »Mantetsu-Dairen«), Anschluß an jeden Expreßzug von Moskau nach Schanghai; Osaka Shosen Kaisha und Nippon Yusen Kaisha, Anschluß nach Korea, Nordchina und Japan mehrmals wöchentlich; Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie nach Tsingtau, Schanghai und Tientsin (S. 265).
=Geld= wie in Japan s. S. 342.--=Bank=: Zentrale der Yokohama Specie Bank für die Mandschurei.
=Deutsches Konsulat= geplant.
=Klubs=: Internationaler Dairen Club; Dairen Golfing Association; Seemannsheim.
=Ärzte=, tüchtige, Deutsch sprechende japanische Ärzte im modern eingerichteten Central Railway Hospital.
Dairen, von den Russen nach großartigem Plan unter Aufwendung großer Geldmittel, aber erst in den Grundzügen angelegt, ist zwar in den letzten Jahren unter japanischer Verwaltung als Hauptausfuhrhafen für die Südmandschurei stark aufgeblüht, doch macht auch heute noch ein großer Teil des Stadtgebiets mit den breiten, nur mit vereinzelten Häusern besetzten Straßen einen recht öden Eindruck. Nur die vom Hauptplatz ausstrahlenden zehn modernen Straßen sind voll bebaut und belebt. Hauptsächlich werden Kohlen und Bohnen ausgeführt. Schon 1909 führte Dairen etwa die Hälfte der mandschurischen Bohnenernte (geschätzt auf 1 Million Tonnen) aus; die Bohnen und Bohnenkuchen gehen nach Japan, Amerika und England in solchen Mengen, daß der Weltschiffahrtsmarkt der Trampdampfer bereits stark durch die Bohnenausfuhr beeinflußt wird. In Dairen sind die Generaldirektion und Werkstätten der Südmandschurischen Bahn. Die Stadt hat elektrische und Gasbeleuchtung sowie gute Straßen. Der Hafen ist mit Trockendock und modernen Kaianlagen ausgestattet, aber den Nordwinden ausgesetzt und noch nicht genügend ausgebaggert. Zementfabrik und große Bohnenmühlen nahe Choushuitzu, auch andre Fabriken. Mehrere ausländische Firmen, auch einige deutsche, sind in Dairen ansässig. Das Klima ist gesund, im Juli bis 33°, im Januar bis -17°. Außerhalb der eigentlichen Stadt liegen das Chinesenviertel und zwei Vergnügungsplätze für japanischen Geschmack: Fushimipark und Yoshiwara. Die Umgegend von Dairen bietet Seebäder am Gelben Meer im Sommerbadeort Star Beach (Strandhotel der Südmandschurischen Bahn, billig, gelobt), mit Sommerhäusern. Etwa 5 km sö. von Dairen liegt die Sommerfrische Laohutan (Roko-tan), etwa 8 km sw. Kokusekisho (Blackstone Rock), am Fuß des Berges Dairen Fuji, an sehr schönem Strand mit phantastischen Felsformen; gute Fahrwege führen zu diesen Plätzen.
=Von Dairen nach Port Arthur= führt die Bahn über (7 M) Choushuitzu u. (15 M) Hsiachiahotzu (Kakakashi) mit sehr schönem Badestrand am Tschiligolf.
(39 M) Port Arthur (japanisch Ryōjunkō; Gasthöfe: Yamato Hotel der Südmandschurischen Bahn in der Neustadt, komfortabel, gelobt, Pens. 9-12 Yen; Astor House; Asahi Hotel; Seirinkan. --Yokohama Specie Bank; Droschken, Hotelwagen, Rikschas zu haben; japanische Dampfer nach Tschifu), starkbefestigter Kriegshafen (Photographieren und Zeichnen in der Nähe von Befestigungen ist streng verboten!) auf der Kwangtunghalbinsel, mit nur noch etwa 15000 Einw., davon 10000 Chinesen, aber fast keine Europäer, vom chinesischen Vizekönig Lihungtschang um 1880 angelegt, vom japanischen Heer unter Oyama am 24. Nov. 1894 erstürmt, dann 1895 an China zurückgegeben, 1898 von Rußland »gepachtet« und durch neue, fast sturmfreie Forts stark befestigt, im russisch-japanischen Krieg von den Japanern unter General Nogi seit 6. Juni 1904 belagert und nach schweren verlustreichen Kämpfen am 2. Jan. 1905 zur Übergabe gezwungen (General v. Stössel war der Führer, General Kondratenko [gefallen 1. Dez. 1904] die Seele der Verteidigung), wobei 546 Geschütze u. 20 Kriegsschiffe (darunter 4 Schlachtschiffe) erbeutet wurden. Jetzt ist die Stadt Sitz des japanischen Generalgouvernements und aller Militär- und Marinebehörden für das Kwangtunggebiet. Port Arthur liegt in einer tiefen Einbuchtung des Gelben Meeres mit nur 300 m breiter Einfahrt, auf 38° 48' nördl. Br. (etwa wie Lissabon). Der 4 qkm große, innere, das ganze Jahr eisfreie Hafen ist von Bergen umgeben, die nach der Seeseite starke Befestigungen tragen; er ist jetzt zum Teil als Handelshafen für Ausfuhr der Fushunkohlen (S. 325) freigegeben. Die Neustadt mit dem europäischen Stadtteil und Regierungsgebäuden liegt westl. vom Bahnhof (der dicht am Hafen liegt), ist aber jetzt fast völlig verödet, der Handel hat fast aufgehört; die Altstadt, zumeist Chinesenstadt, liegt östl. davon. In den Läden der Altstadt Kriegserinnerungen zu haben. Die Umgebung, insbesondere die Küsten, sind reich an schönen Landschaftsbildern. Die im Krieg von den Japanern erstürmten Befestigungen, besonders das Nordfort des Tungchikuanshan (Osthahnenkamm und der 203 m-Hügel sind sehr sehenswert. Nahe der Stadt ein japanisches Kriegsmuseum mit vielen Modellen und Erinnerungen; westl. davon das japanische Kriegerdenkmal, als Leuchtturm gebaut u. mit Tempel, und weiter nw. jenseit der Bahn das russische Denkmal (englischer Führer mit Karte: Descriptive and historical sketch of Port Arthur im Gasthof zu haben). Die teilweise nicht wieder aufgebaute Hauptlinie der Befestigungen wird, von Militärs aller Länder viel besucht. Nur die Seefront darf nicht besichtigt werden.
Von Charbin nach Peking.
Vgl. die Karten bei S. 215 und S. 271.
=Ostchinesische Bahn= von Charbin nach Changchun und von hier =Südmandschurische Bahn= nach Mukden, vgl. S. 324. Von Mukden nach (524 M) Peking zweigt die =Nordchinesische Eisenbahn= (Imperial Railways of North China) westwärts ab; Schnellzüge ab südmandschurischer Bahnhof in Mukden im Anschluß an die Expreßzüge von Charbin (S. 323), Fahrzeit Mukden-Peking 23 St., Fahrpreise I. $ 31,70, II. 19,85, Zuschlag für Luxusexpreß $ 7 bzw. 5. --Über direkte Fahrkarten Berlin-Peking (rund 11090 km) vgl. S. 302.
Bahnfahrt von Charbin nach Mukden vgl. S. 324. Von Mukden fährt die Nordchinesische Bahn in westl. Richtung durch die steppenartige Liaoebene, die nicht besonders fruchtbar, aber wichtig durch ihre riesigen Schweineherden ist, die bis Peking exportiert werden, und überschreitet den Liaoho. Dann südwestl. weiter in der Liaohoebene nach Koupangtze.
=Zweigbahn= südl. nach =Yingkou=, Inkau, Niutschwang (Hotel Manchuria House; 30 Z., Pens. $ 8), dem wichtigsten Handelsplatz der südl. Mandschurei, auf 40° 44' nördl. Br., etwa 26 km oberhalb der Mündung des Liaoflusses in den Golf von Liaotung in der mandschurischen Provinz Schöngking; Yingkou hat etwa 52000 Einw. und ist seit 1858 dem Fremdhandel geöffnet, aber nur für kleinere Seeschiffe erreichbar. Landungsbrücken für Seeschiffe bei der europäischen Niederlassung am l. Ufer. Der Bahnhof der chinesischen Nordbahn liegt am r. Ufer, der Bahnhof der südmandschurischen Bahn (die 30 km östl. bei Tashihchiao in die Hauptlinie Charbin-Mukden-Port Arthur [S. 326] mündet) am l. Ufer. Russisch-Asiatische Bank; Yokohama Specie Bank (Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft), beide Korrespondenten der Deutschen Bank.--Deutsches Konsulat (Vizekonsul J. Jaspersen).-- =Dampfer= der Nippon Yusen Kaisha nach Taku, Tschifu, Tschimulpo, Nagasaki, Moji etc.; China Merchants-Dampfer nach Taku, Tschifu und Schanghai wöchentlich Agenten des Norddeutschen Lloyd: Bandinel & Co. --Der Liaofluß ist für Flußfahrzeuge bis nach Mukden schiffbar. An ihm liegt 48 km stromaufwärts die alte Chinesenstadt Niutschwang (Ying-tse-kou), mit bedeutendem Handel.
Die Hauptbahn läuft von Koupangtze südwestl. weiter über Kintschou (Chinchowfu, vgl. S. 318) und Ningjuen durch die schmale, zwischen der Nordwestseite des Golfs von Liaotung und dem Gebirge sich entlangziehende hügelige Küstenebene (Liaohsi), die als einzige bequeme Verbindung zwischen der Mandschurei und der Großen Ebene eine wichtige Rolle in der Geschichte Chinas gespielt hat (vgl. unten).
(261 M) =Schanhaikuan= (Railway Hotel), nahe am Meer, stark befestigte, 1368 erbaute chinesische Grenzstadt; hier beginnt die große Chinesische Mauer (S. 296) und steigt in malerischen Zickzacklinien, mit Wachttürmen besetzt, auf die Kämme der Hügelketten im Hinterlande; Höhe der Mauer etwa 10 m, Breite oben 8 m und mehr. Die ebenfalls ummauerte Stadt liegt westl., also innerhalb der Großen Mauer. Einen bessern Schutz bieten jetzt fünf moderne Forts. Der Bahnhof liegt vor dem Südtore der Stadt und etwa 4 km vom Meer.
Mehrfach sind Völkerstämme, aus Norden und Nordosten stammend, in der =Liaoebene= zeitweise seßhaft geworden, dort erstarkt und später durch Liaohsi nach China vorgedrungen. So eroberte um 900 n. Chr. der Stamm der Kitan, tungusischer Herkunft, Nordchina und begründete dort die von 905-1125 regierende Liaodynastie, der bis 1234 die stammverwandte Kin-Dynastie folgte. Die später in China zur Herrschaft gelangten Mongolenkaiser suchten daher die schmalste Stelle von Lioahsi durch eine das Ostende der Großen Mauer bildende Befestigungsanlage, das »Große Tor« (Schanhaikuan) gegen weitere Einfälle vom Liaotale her zu schützen. Trotzdem wurde Liaohsi noch einmal die Einfallspforte für fremde Eroberer, nämlich für den jetzt noch in China herrschenden tungusischen Stamm der Mandschu, die 1584 ins Liaotal kamen, 1616 Mukden und 1644 an Stelle von Mukden Peking zu ihrer Hauptstadt machen konnten.
Bei (281 M) Stat. Tangho liegt =Tshinwangtau= (Resthouse Hotel, bequem, 9 Z., Pens. $ 5), seit 1898 dem Fremdhandel geöffneter kleiner Hafen mit guter Landungsbrücke, 5000 Einw.; im Winter (November bis März), wenn die Takubarre gefroren ist, landen hier die für Tientsin bestimmten Postdampfer.--Die Bahn entfernt sich nunmehr von der Küste und geht über Peitaiho (Seebad) und Tschangli nach =Lwantschou= (Lanchow), alter Hauptstadt der Han-Dynastie, am r. Ufer des Lwanho, an dem etwa 160 km flußauf Jehol (S. 298) liegt. [Etwa 17 km nördl. von Lwantschou liegt die alte große Stadt Yungpingfu.]--Dann folgt Kaiping und (355 M) =Tangschan=, Stadt mit 40000 Einw. und wichtigen Kohlenbergwerken der chinesischen Regierung. Nun weiter über Lutai und Peitang nach (394 M) =Tongku=. Weiterfahrt nach Peking S. 280 und 277.
16. Korea.
Vgl. die Karten bei S. 271 und 337.
Die =Halbinsel Korea=, im NW. durch das wegen seiner rostförmigen Gliederung schwer überschreitbare Gebirgsland von Liaotung und den Yalufluß, im NO. durch die bis 2450 m hohe Schranke des Tschangpaischan wirksam vom asiatischen Festland abgeschlossen, war seit alter Zeit ein Zankapfel zwischen China und Japan und zuletzt Rußland gewesen, hat sich aber meist selbständig erhalten, bis es 1910 japanische Kolonie geworden ist. Die ganze Ostseite der Halbinsel fällt steil, felsig und fast buchtenlos ins Japanische Meer ab, die Süd- und Westseite sind niedriger, offen, stark gegliedert und inselreich, aber schwer zugänglich, da alle die Felseninselchen und Buchtenränder in einen dicken Schlammantel gehüllt sind. Die Halbinsel hat drei verkehrsreiche Hafenplätze, Tschimulpo im W., Fusan im S., Gensan im O. Das Innere ist meist mit Hügel- und Gebirgsland erfüllt; von der Ostküste aus erhebt sich steil ein Gebirgszug, der nicht über 1500 m hoch ist und nach S. niedriger wird, aber wegen hoher (900-1000 m) Pässe auf große Strecken schwer überschreitbar ist. Nach W. fällt er in einem buckligen, einförmigem Berg- und Hügelland langsam ab. Größere =Flüsse= konnten sich auf der Halbinsel nicht entwickeln, und die auf der Westseite vorhandenen kommen als Wasserstraßen höchstens so weit in Betracht, als die hohen Gezeitenwellen des Gelben Meeres in ihnen aufwärtsdringen. Dazu ist ihre Wasserführung sehr schwankend, und die nördlichen frieren im Winter zu. Dies gilt auch für den Yalu, den 800 km langen Grenzfluß gegen NW., der sich an seiner Mündung auf 4 km verbreitert, aber nur auf 60 km schiffbar (auf eine viel größere Strecke allerdings flößbar) ist.
Korea liegt in der Breite Unteritaliens und Algeriens, aber der Winter ist in Mittelkorea keineswegs so mild wie in Algier oder Malta, sondern so rauh wie in Königsberg. Freilich ist er in der Mandschurei und im Liaotale noch viel strenger, die Winterkälte nimmt südwärts rasch ab (Januartemperatur in Charbin-18,7°, in Mukden -13,6°, in Tschimulpo-2,6° [Königsberg i. Pr.-2,9°], in Fusan 4,2°; dagegen in Malta und Algier 11,9°). Nordkorea ist den ganzen Winter über in Schnee gehüllt, im S. fällt Schnee nur auf den Bergen. Die Sommer sind in ganz Korea, Nordchina und der Mandschurei ungefähr gleich heiß, mit einer Mitteltemperatur des Juli oder August von etwa 24-25°, und zugleich die Zeit der Hauptniederschläge, die von Juli bis September fallen.
Das =Pflanzenkleid= der Halbinsel wechselt vom S. zum N. stark wegen der Verschiedenheit in der Strenge der Winter. Im Südteile erscheinen schon immergrüne Pflanzen, wie Kamelien und Bambus. Das Waldkleid der Berge ist aber schon sehr stark gelichtet, und im trocknen Winter sieht daher ganz Süd- und Mittelkorea steppenartig kahl aus, während der warmfeuchte Sommer eine üppige Vegetation hervorbringt. Wald- und wildreich sind noch die Gebirge des Nordteils der Halbinsel und besonders des Nordostens; sie tragen unten Laub-, oben Nadelwälder.
Die =Bevölkerung= ist, entsprechend der zentralen Lage der Halbinsel zwischen der Mandschurei, China und Japan, eine mongolische Mischrasse von sehr alter, aber stark herabgekommener Kultur. Das einst hochstehende Kunstgewerbe (Porzellan und Metall) ist ganz verschwunden. Die Kleidung der untern Stände ist weiß, die der Vornehmen farbig; die Frauen leben streng abgeschlossen. Die obern und untern Stände unterscheiden sich sehr scharf durch Typus, Kleidung und Kasten. Die Vornehmen haben schöne, feine Gesichtszüge und für Mongolen stattliche Körpergröße und tragen bunte Gewänder; die Gesichtszüge des niedern Volkes, das helle Kleider tragen muß, sind viel gröber, im N. tungusenähnlich mit flacher Nase und vorstehenden Backenknochen.
Die Koreaner haben eine eigne mehrsilbige =Sprache= mit chinesischen Lehnwörtern, aber Buchstabenschrift (vgl. Imbault-Huart: »Manuel de la langue coréenne parlée«; Paris 1889). Die Sittenlehre des Kungfutsze ist weit verbreitet, doch auch der Buddhismus hat noch Bedeutung. Viele Mönchs- und Nonnenklöster findet man in den Gebirgen. Das Unterrichtswesen gleicht dem japanischen; die Kunst des Lesens und Schreibens ist allgemein verbreitet.
Die Grundlage der koreanischen =Volkswirtschaft= bildet der Ackerbau, weniger die Viehzucht, sowie an der Küste der Fischfang. Da der Ackerbau ganz im Gegensatz zum chinesischen in sehr primitiver Weise betrieben wird, so ist die Volkszahl nicht groß; sie beträgt jetzt auf 218650 qkm 9-3/4 Mill. Menschen (davon 126168 Japaner, 12332 Chinesen, 464 Amerikaner, 153 Engländer, 87 Franzosen, 33 Deutsche, 40 andre Europäer). Angebaut werden vor allem Reis, Hülsenfrüchte und Getreide sowie im N. die vor allem in China als Allheilmittel sehr geschätzte Ginsengwurzel. Der Teestrauch wird nicht kultiviert, da die Koreaner, im Gegensatz zu den Chinesen und Japanern, keine Teetrinker sind; dagegen wird die Seidenraupe gezogen, und von Nutzpflanzen sind die Baumwolle und der Tabak im S. verbreitet.
=Geschichte.= Die Legende vom Ursprung des Königreichs Korea greift bis 2333 v. Chr. zurück; später bestanden verschiedene, sich befehdende Königreiche, bis Korea von 109 v. Chr. bis 314 n. Chr. zum erstenmal unter chinesische Gewalt fiel. Seit 37 v. Chr. bis 668 n. Chr. kämpften drei Königreiche um ihre Unabhängigkeit gegen China und Japan, später mit Japan gegen China. Von 668-935 blühte das Land geeinigt auf; von 918-1392 wurde es von der eingebornen Wang-Dynastie beherrscht, wobei die buddhistischen Priester und der Adel zu großem Einfluß gelangten, was viele Aufstände erzeugte; gleichzeitig wurden die Herrscher durch Heiraten von Mongolenprinzessinnen allmählich zu Mandschus. Kriegsschauplatz fremder Mächte war Korea zuerst 1268-1280, als Kublai Chan gegen Japan kämpfte. Seit 1392 gelangte infolge eines Palastaufstandes eine ältere Dynastie zur Herrschaft, die das Land Tschausian nannte; 1394 wurde Söul Hauptstadt. 1592-98 blutiger Krieg mit den gelandeten Japanern; 1627 und 1637 überfielen die Mandschu das Land und brachten es in Abhängigkeit zur Tsing-Dynastie. Trotzdem verstand Korea sich nach außen abzuschließen. Erst 1876 wurden für Japan einige Häfen geöffnet, 1884 auch für europäische Staaten. 1894 wurde das Land japanischer Kriegsschauplatz gegen China (wobei 1895 die Mutter des Kaisers von Korea von Japanern ermordet wurde), 1904 gegen Rußland. Seit 1910 ist Korea japanische Kolonie unter dem Namen Chosen (spr. tschosön, d. h. Land der Morgenröte). Der Generalgouverneur residiert in Söul. Die führende Aristokratie wurde dem japanischen Adel angegliedert, der Kaiser von Korea nach Japan ins Exil geführt. Der Besitz Koreas war für Japan eine Lebensfrage; es braucht das wenig bevölkerte Land als Siedelungskolonie.
Von Mukden nach Söul.
NB. Bester Weg für Japanreisende, welche die Seefahrt scheuen, vgl. S. 334.
Mit der =Südmandschurischen Bahn= (S. 324) von Mukden nach Antung, 186 M, Fahrzeit 7 St., von da mit der =Koreanischen Bahn= (Korean Railway) über die seit 1912 betriebsfertige Eisenbahndrehbrücke über den Yalu nach Söul, 312 M von Antung, Fahrzeit 12 St.
Die Strecke Mukden-Antung, während des russisch-japanischen Kriegs als Kleinbahn schnell gebaut, ist inzwischen auf normale Spurweite ausgebaut; durchgehende Züge von Mukden (wie für die Strecke nach Dairen, vgl. S. 324) sollen seit 1912 im Betrieb sein. Es wird empfohlen, sich für die Bahnfahrt mit Lebensmitteln für drei Tage und reichlich mit warmen Decken zu versehen. Sie führt durch das Gebirgsland des nördl. Liaotung, das, aus den verschiedensten Gesteinen aufgebaut, eine entsprechende Mannigfaltigkeit der Oberflächenformen zeigt und, um als landschaftlich schön bezeichnet werden zu können, nur des Waldmantels großenteils entbehrt.
Die Bahn führt von Mukden südostwärts, schneidet die Kohlenbahn nach Fushun (S. 325), dann über (47 M) Penchihu, eine ruhige Kleinstadt mit Kohlenfeldern in der Nähe, tritt ins Gebirge Föngschuiling mit sehr malerischer Landschaft zwischen (58 M) Chiaotou und (84 M) Lienshankuan; 16 km westl. davon der im Kriege hart umstrittene Paß Motienling.--In (98 M) =Tsaohokou= (Gasthöfe: Nisshin, japanisch, teuer; außerdem ein chinesischer, beide mäßig) bleibt der Zug liegen bis zum nächsten Morgen, dann über (120 M) Chiumuchuang und (136 M) Chikuanshan in steilem Gelände nach (150 M) =Fenghuangcheng=, Stadt mit 8500 Einw., in deren Landschaft man den vielgipfeligen Phönixberg (Fenghuang = Phönix) erblickt.--Bei (172 M) Wulungpei werden heiße Quellen passiert, dann erreicht man (186 M) =Shahochen=, chinesische Stadt mit 21490 Einw., und daneben, nur durch einen Graben von der alten Stadt getrennt, (189 M) =Antung= (Anju, Ngantung), die neue japanische Hafenstadt mit 5264 Einw., am r. Ufer, 8 km oberhalb der Yalu-Mündung; der Hafen wird von Dschunken und kleinen Küstendampfern viel besucht. Gasthöfe: Kikuya Hotel; Gempokan; Yokohama Specie Bank. =Konsulate=: Amerika, England und Japan sind vertreten. Chinesische Zollstation. Aus dem waldigen Hinterland werden auf dem Yalu große Mengen Holz herabgeflößt; Antung ist der Sitz der Yalu Timber Co. (japanisch-chinesischer Betrieb).--Das Flußgebiet des Yalu (Japan. Amunyoku Kan) ist mit Urwald bestanden und 90 km aufwärts von Antung bis Chanson (Changseng) für Küstendampfer, 370 km aufwärts bis Maserhshan trotz Stromschnellen für kleine Dschunken schiffbar.
=Von Antung nach Söul.= Die Koreanische Staatsbahn (Expreßzug nur an bestimmten Tagen, mit Speisewagen, Fahrpreis Antung-Söul etwa 20 Yen; koreanische Bahnzeit ist 30 Min. später als südmandschurische, vgl. S. 324), die dem japanischen Generalgouverneur in Söul unterstellt ist, führt von Antung (s. oben) über die neue Yalu-Brücke nach Shin-Gishu (New Wiju) am l. Yalu-Ufer, Stadt mit etwa 15000 Einw., davon 1/3 Japaner; Handel mit Goldsand, Fellen und Ginseng (Kraftwurzel); Hafen für Küstenfahrzeuge; in der Nähe Goldwäschereien. Bei Pingyang (Phyöngyang), Provinzialhauptstadt mit 43000 Einw., am r. Ufer des hier nur für kleine Fahrzeuge schiffbaren Taitongkang; von hier Zweigbahn nach dem Seehafen Chinampo an der wattenreichen Mündung des Taitongkang mit etwa 1000 Einw., dem Fremdhandel seit 1897 geöffnet, aber von geringer Handelsbedeutung; japanische Dampferlinien nach koreanischen, japanischen und nordchinesischen Häfen.--Die Hauptlinie führt über Kaiseng und Lungshan nach (312 M von Antung) =Söul= (S. 333).--[Hand] =Anschlußstrecke= Söul-Fusan nebst Dampferanschluß nach Shimonoseki s. S. 337.
Tschimulpo.
=Ankunft zur See.= Von Tschifu (S. 278) kommend, fährt man an Weihaiwai (S. 278) vorbei und dann auf die bis 125 m hohen Inseln zu, die der koreanischen Küste auf etwa 37-1/2° nördl. Br. vorgelagert sind; man steuert dann durch schwieriges, klippenreiches Fahrwasser zwischen vielen Inseln hindurch auf die Reede, wo die großen Dampfer etwa 4 km sw. vom Hafen ankern, während kleine im innern Hafen nicht weit von der Landungsbrücke für die Boote ankern.
Man benutzt Sampan oder Dampfboot zum Landen, Preis etwa 1 Yen. Zollamt an der Landungsbrücke.
=Gasthöfe=: Yinsen Club Hotel.--Steward Hotel.--=Post u. Tel.=--=Rikschas=, Tragstühle, Reitpferde sind zu haben. --=Eisenbahn= nach Söul, 7 Züge tägl. in 1-1/2 St.; Bahnhof im europäischen Stadtteil am Hafen. Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft für die Sibirische Bahn: L. Rondon & Co.
=Dampfer=: Hamburg-Amerika Linie nur gelegentlich.--Nippon Yusen Kaisha 14tägig über Fusan, Nagasaki nach Kobe und nach Tschifu.--Andre japanische Dampferlinien nach Japan, Tschifu, Dairen, Port Arthur.--Agentur des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika Linie im Hause Karl Wolter & Co.
=Geld= wie in Japan, vgl. S. 342.
=Banken=: Karl Wolter & Co., Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Chartered Bank of India, Austr. & China.--Hongkong & Shanghai Banking Co.--=Sprache=: s. S. 330.
Englisches Missionshospital und japanische Krankenhäuser.--Größtes Handelshaus ist die deutsche Firma Karl Wolter & Co.--Tschimulpo Club.
Tschimulpo (Japan. Chemurupo), als Seehafen für die Hauptstadt Söul die wichtigste Hafenstadt Koreas, ist seit dem russ.-japanischen Kriege bedeutend gewachsen und hat jetzt etwa 30500 Einw. (15000 Koreaner, 13100 Japaner, 2000 Chinesen, 50 Europäer), ist seit 1883 dem Fremdhandel geöffnet und war vorher ein armseliges Fischerdorf. Jetzt sind hier eine japanische, eine chinesische sowie eine internationale Niederlassung im Aufblühen. Letztere ist die größte, sie nimmt einen Teil der Wasserseite, wo der Bau eines mit Schleuse geschlossenen Hafenbeckens geplant ist, sowie das ganze Hinterland ein; hier liegt auf einem Hügel mitten in schönen Gartenanlagen das schloßartige Haus des Hrn. Wolter, Chefs des Handelshauses Karl Wolter & Co., sowie das neue stattliche Haus eines Engländers. Von der Höhe *Aussicht auf Stadt und Hafen. Die Umgebung ist gebirgig, doch gut bebaut. Die Flußfahrt nach Söul ist langwierig, doch stellenweise sehr malerisch. Etwa 10 km sö. von Tschimulpo liegt die alte Stadt Intschön, deren Mauern aus der Zeit vor Christi Geburt stammen.
=Eisenbahn Tschimulpo-Söul= (1-1/2 St. für I. 1,41, II. 0,94 Yen; Gepäck 15 sen für 20 Pfund, dann 5 sen für je 20 Pfund mehr). Abfahrt vom Hafenbahnhof in Tschimulpo; Hst. Saalij am SO.-Ende der Stadt, hinter der französischen Kirche, für das koreanische Viertel. Dann Fahrt durch die Ebene über Pup-hyöng nach (30 km) Eitoho, wo r. die Südkoreanische Bahn (S. 336) nach Fusan abzweigt. Hinter (34 km) Nodol auf einer Brücke mit 10 Bogen über den Hangangfluß. -- (37 km) Yungsan, wichtiger Flußhafen, mit katholischer Kirche; dann mehren sich die Dörfer, die Bahn läuft in die Hauptstadt. Nandaimun am Südtor und weiter zur (42 km) Endstat. Saidaimun am Westtor, dicht an der Stadtmauer von
=Söul= (sprich schaul, ssaul oder siul), d. h. Hauptstadt, japanisch Keijo, chinesisch Wangking.
=Gasthöfe=: Sontag Hotel, in der Legation Street, nahe den Konsulaten und gegenüber dem Club; 25 Z., französische Küche, Pens. 7-8 Yen. -- Astor House Hotel (früher Station Hotel), am Bahnhof; 20 Z., Pens. 6-1/2-8 Yen.
=Post u. Tel.= japanisch. --Rikschas (50 sen stündl.), Sänften, Reitpferde sind zu haben. -- =Straßenbahnen=: 1. Von der Westvorstadt durch die Hauptstraße und das Osttor zum Grabe der Kaiserin; 2. Von Tjongno nach Ryong-san. -- =Eisenbahnen=: nach Tschimulpo (s. oben); Südbahn nach Fusan 750 km; Nordbahn über Pingyang nach Antung (S. 332) mit Anschluß an die Mukden-Antung-Linie der Südmandschurischen Bahn (S. 324) und damit an die Sibirische Bahn (S. 316). Bester Reiseweg für Japanreisende, die das Seefahren nicht vertragen und auf diesem Wege, indem sie von Söul mit Bahn weiter bis Fusan (S. 336) fahren, nur die kurze Überfahrt von Fusan nach Shimonoseki, etwa 7 St. Seefahrt, durchzumachen brauchen. Im Bau Zweigbahnen nach Kunsanpo und Mokpo in Südwestkorea sowie die strategische Linie Söul-Gensan (Wönsan). Geplant ist eine Querbahn von Pingyang nach Gensan. -- =Geld= wie Japan (S. 342).--Banken: Bank von Korea, mehrere japanische. -- =Sprache=: S. 330. -- =Konsulate=: Deutsches Reich, Generalkonsul Dr. Krüger. -- Internationaler Club. -- Japanisches Krankenhaus. -- Zeitung: »Seoul Preß« (Regierungsorgan). -- Europäische Geschäfte und Agenturen.
Söul ist seit 1394 Hauptstadt und geistiger Mittelpunkt Koreas; es liegt auf etwa 37,5° nördl. Br. (wie Sevilla), etwa 4 km nördl. vom rechten Ufer des Hangang in einer kesselförmigen Mulde und ist von Bergen bis zu 800 m Höhe eingeschlossen, auf deren Abhängen sich die mächtigen steinernen Stadtmauern von mehr als 20 km Länge hinziehen. Innerhalb der Stadtmauern erhebt sich der steile, 400 m hohe Nordberg (Puksan) und der 260 m hohe, dichtbewaldete Südberg (Namsan), an dessen Fuß das japanische Stadtviertel liegt. Außerhalb der 8 Tore von Söul liegen noch große Vororte. Die Stadt ist sehr weitläufig gebaut, zwei Hauptstraßen führen von N. nach S. und von O. nach W. hindurch. Die Stadt hat 230939 Einw. (davon 35000 Japaner, 2000 Chinesen und 100 Europäer). Das Klima ist kontinental, bis 36° C im Sommer, -15° C im Winter; beste Jahreszeit zum Besuch sind Frühjahr und Herbst, da dann auch die Landschaft besonders schön und regenfrei ist.--=Rundfahrt.= Man besichtigt zunächst bei der Einfahrt vom Bahnhof die mächtige Stadtmauer nebst Torpagode des Südwesttors mit tiefer Torwölbung. Von dem Platz, auf dem der Himmelsaltar (Wenku) steht, gelangt man zum Neuen Kaiserpalast, mit Seitenflügeln, zwischen denen die Anfahrtstraße zum Haupteingang liegt; die Stirnwand hat 3 Torbogen, vor denen 2 riesige, bizarre Steinlöwen stehen; das geschwungene Dach hat dunkelgrüne Ziegel; im innern Hof l. ein Gartenpalast, r. Beamtenwohnungen (Adelsgenossenschaft).--Man fahre dann an den Häusern der fremden Gesandtschaften vorbei zum Westtor, bei dem nördl. der Maulbeerpalast (Kjenghökung) steht, 1616 erbaut, jetzt eine ausgebrannte Ruine.--Von da durch die östl. Hauptstraße zum Glockenpavillon Tjongno, dessen Glocke 1396 gegossen wurde und seitdem abends und morgens das Schließen und Öffnen der Stadttore ankündete; die Glocke hat etwa 3 m Durchmesser und 3-1/2 m Höhe. Der Glockenpavillon liegt in der Mitte der Stadt im koreanischen Geschäftsviertel; dort sind große Basare und die besten Kramläden. In der Nähe die alte weiße Marmorpagode mit 13 Stockwerken (14. Jahrh.) und im Hofe eines Hauses ein alter Grabstein auf dem Rücken einer Schildkröte.--Dann folgt man der östlichen Hauptstraße bis zum Ahnentempel Htaimyo, biegt dann l. und gelangt zum *Alten Kaiserpalast (Tschyangkekkung), dessen riesige Anlage sich bis zu den Hügeln beim Nordtor ausdehnt und viele prächtige Granitbauten in einem schönen Park enthält (zum Besuch vorher Erlaubnis durch den deutschen Konsul auswirken); der Palast ist der glänzendste Bau rein koreanischen Stils und enthält eine prachtvolle Audienzhalle, einen schönen Thronsaal und geschmackvolle Pavillons an den Lotosteichen des Parks. In dem Kiefernpark wurde auf einer Stelle, die einem Musikpavillon ähnelt, die Leiche der von den Japanern ermordeten Kaiserinmutter 1895 verbrannt.-- Nö. vom Alten Palast liegt der 1764 erbaute Tempel Kyengmokung und nördl. von diesem der aus dem 14. Jahrh. stammende Kungfutszetempel (Munmyo Munsyeng Wangmyo), mit uralten Bäumen im Hofe.--In wenigen Minuten gelangt man nun zum prächtigen Nordosttore der Stadt, vor dem in dem Bonzenheim Höngtyen in einem Nebensaale sehenswerte Gemälde der buddhistischen Hölle (myeng pu tyen) sind.--Nur wenig weiter liegt das Grabmal einer Königin, Tjöngröng, die 1396 starb und 1409 dort beerdigt wurde, ein merkwürdiger Bau in schöner Lage.--Außerhalb der Stadtmauern liegen viele Königsgräber in entzückender Landschaft. Sehr lohnend ist ein Ausflug (3 St.) auf der westwärts laufenden Südmauer der Stadt bis an ihren höchsten Punkt; dort *Aussicht über Stadt, Gebirge und bis Tschimulpo.
=Ausflüge= in die landschaftlich reizvolle Umgebung zu Pferde, besonders nach den fünf Präfekturfestungen, werden sehr empfohlen. Nach Pukhan etwa 12 km nördl. vom Westtor; nach Kwangdschu (Zitadelle von Namhan) etwa 25 km sö. vom Südosttor von Söul auf einem Berge, 1626 erbaut, mit neun Klöstern kriegerischer Bonzen, einem Königspalast, verschiedenen Yamen und Tempeln. Man braucht 2 Tage, übernachte (gegen Geldgeschenk) in einem der gastfreien Klöster.
Der Ausflug in die =*Diamantberge= erfordert etwa 8-14 Tage Zeit, Ausrüstung mit Reitpferd und etwa 2 Packpferden nebst Führer und Mundvorrat, Bettzeug etc. (Nach Fertigstellung der südl. Bahnstrecke der Linie Söul-Gensan benutze man diese bis Kimsöng.) Man reitet auf der großen Landstraße, die von Söul nordostwärts nach Gensan führt (Bahn im Bau), am 1. Tage 50 km bis Yongpöng, am 2. Tage etwa 60 km bis Kimsöng (d. h. Goldstadt), ein verfallener Ort. [Von hier 30 km wnw. lag das Goldbergwerk =Tangkukae= eines deutschen Syndikats in waldigen, wasserreichen Bergen, seit 1906 wieder aufgelassen.]--Von Kimsöng wende man sich zu Fuß östl. in die Berge über mehrere steile Pässe zum reißenden Fluß Thaetsingang, dann im Tale von dessen Nebenfluß nach NO.; bald führt ein schmaler Felspfad über eine Bergkette und wieder hinab in ein enges Tal, bis man auf dessen Paß die gewaltige Bergmasse der Diamantberge von Korea, mit dem höchsten Gipfel =Kimkangsan= (1830 m), erblickt, zu denen man auf ausgetretenen, aber doch oft schwierigen, von vielen Pilgern besuchten Felspfaden gelangt. Mehr als 100 buddhistische Tempel und Pagoden sind auf den Hängen und in den Tälern der Diamantberge, meist in sehr malerischer Lage. Die koreanischen Mönche, die dort teils als Einsiedler, meist aber in großen Klöstern hausen (sie griffen 1592 zu den Waffen und halfen die Japaner aus dem Lande schlagen), sind sehr gastfrei (aber arm und anspruchslos) und dienen gern als Führer. --Von Kimsöng bis zum Kloster =Tschanganso= (Tempel des ewigen Friedens) kann man Packpferde mitführen. Dort übernachte man und klettere am nächsten Morgen (in starken koreanischen Leinenstrümpfen mit zähen Bastschuhen und festem Bergstock) mit Führern am Bergstrom bergauf, zum Teil an fast senkrechten Felswänden empor und am Kloster Piohunsa (Tempel der Erklärung der Gebote) vorbei. An der Felswand hoch über dem Weg haust in einem Tempelchen eine alte Nonne. Nach 3 St. Steigen gelangt man zu einem Kloster im Urwald. Bei einer Lichtung sieht man eine Buddhafigur an hoher Felswand, aus dem Felsen herausgehauen. Bald erreicht man den 1340 m hohen Kamm der Kette, der 790 m über dem Kloster Tschanganso liegt; einige felsige Kuppen in der Nähe sind noch höher. Wunderbare *=Aussicht= bis zum Japanischen Meer und über die Gebirgsketten. Anstrengender Abstieg durch prächtige Eichen- und Buchenwälder, vorbei an einem buddhistischen Friedhof in einer runden Lichtung, in dessen Nähe das größte und älteste Kloster *=Yüchömsa= (Tempel der Ulmenberge) liegt, wo man übernachtet.--Am 5. Tage auf bequemem Wege zurück nach Tschanganso, am 6. nach Kimsöng, am 8. oder 9. nach Söul.--Auf Gasthofsverpflegung muß man in dieser wilden Natur verzichten. (Nach Dr. O. Franke.)
Von Söul nach Fusan und Shimonoseki.
Mit der =Südkoreanischen Bahn= (Fusanbahn) nach Fusan, 445 km, Fahrzeit etwa 10 St., Fahrpreis I. 14,70, II. 10,29 Yen, gute Expreßzüge mit Speisewagen.--Von Fusan mit =Dampfer= der japanischen Staatsbahnen nach Shimonoseki, täglich früh und abends, 122 Seem., Überfahrtszeit 7-10 St.; große, bequeme Schiffe, direkter Anschluß. --Söul-Shimonoseki, Fahrzeit 22 St.; Fahrpreis I. 26,70, II. 17,29 Yen; Söul-Kobe, Fahrzeit 37 St. für I. 32,70, II. 21,79 Yen; Söul-Tōkyō, Fahrzeit 53 St., für I. 41,98, II. 26,46 Yen. Rückfahrkarten für diese Strecken 20 % weniger als das Doppelte.
Von Söul (Saidaimun, s. S. 333) führt die Bahn über (12 km) Eitoho (Abzweigung der Linie nach Tschimulpo, s. S. 333), (50 km) Suigen, ummauerte Stadt am Fuße bewaldeter Hügel, (93 km) Seikwan, mit Schlachtfeld aus dem japanisch-chinesischen Krieg von 1894; hinter der Stadt setzt die Bahn auf 116 m langer eiserner Brücke über den Anjogawa, weiter über (211 km) Shinsen, Sommerfrische mit 72 m hohem, schmalem Wasserfall, erreicht in (243 km) Shufurei den höchsten Punkt im Gebirge, dann (323 km) =Taiku=, große ummauerte Stadt mit etwa 46000 Einw. (davon 1000 Japaner).-- Weiterhin folgt (428 km) Sanroshin.
=Zweigbahn= über den breiten Fluß Rakutōko nach (24 km) =Masanpho= (japanischer Gasthof), wichtigem, im Ausbau begriffenen japanischen Kriegshafen mit Marinewerft, Trockendocks, mit etwa 40000 Einw., in einer malerischen Förde, von Bergen umschlossen, mit vorzüglicher Reede.