Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan
WELTREISE-FÜHRER.
ERSTER TEIL.
MEYERS REISEBÜCHER
mit zahlreichen Karten, Plänen, Grundrissen und Panoramen.
=Süddeutschland, Salzkammergut, Salzburg u. Nordtirol.= 10. Aufl. Geb. 6 M.
=Rheinlande= (von Düsseldorf-Aachen bis Heidelberg). 13. Aufl. Geb. 5,50 M.
=Schwarzwald, Odenwald, Bergstraße, Heidelberg und Straßburg= (unter Mitwirkung des Schwarzwald-Vereins). 13. Aufl. Gebunden 2,50 M.
=Thüringen und Frankenwald= (unter Mitwirkung des Thüringerwald-Vereins). =Große Ausgabe.= 20. Aufl. Gebunden 2,75 M. ---- =Kleine Ausgabe.= 20. Aufl. Kartoniert 1,75 M.
=Harz= und das Kyffhäusergebirge. =Große Ausgabe.= 20. Aufl. Geb. 2,50 M. ---- =Kleine Ausgabe.= 20. Aufl. Kartoniert 1 M.
=Dresden, Sächsische Schweiz=, Böhmisches Mittelgebirge und Lausitzer Gebirge (Vereinsbuch des Gebirgsvereins). 9. Aufl. Kartoniert 2 M.
=Riesengebirge, Isergebirge und die Gebirge der Grafschaft Glatz= (unter Mitwirkung der Gebirgsvereine). 17. Aufl. Kartoniert 2 M.
=Ostseebäder und Städte der Ostseeküste.= 4. Aufl. Gebunden 4,75 M.
=Nordseebäder und Städte der Nordseeküste.= 3. Aufl. Gebunden 4,50 M.
=Norwegen, Schweden und Dänemark.= 10. Aufl. Gebunden 6,50 M.
=Österreich-Ungarn, Bosnien und Herzegowina.= 8. Aufl. Gebunden 7 M.
=Deutsche Alpen.= =Erster Teil=: Bayerisches Hochland, Algäu, Vorarlberg; Tirol: Brennerbahn, Ötztaler-, Stubaier- u. Ortlergruppe, Bozen, Schlern und Rosengarten, Meran, Brenta- und Adamellogruppe; Bergamasker Alpen, Gardasee. 11. Aufl. Gebunden 5,50 M. ---- =Zweiter Teil=: Salzburg--Berchtesgaden, Salzkammergut, Giselabahn, Hohe Tauern, Unterinntal, Zillertal, Brennerbahn, Pustertal und Dolomiten, Bozen. 10. Aufl. Gebunden 5 M. ---- =Dritter Teil=: Wien, Ober- u. Niederösterreich, Salzburg, Salzkammergut, Steiermark, Kärnten, Krain, Kroatien, Istrien. 7. Aufl. Geb. 5,50 M.
=Der Hochtourist in den Ostalpen=, von L. Purtscheller und H. Heß. =I. Band=: Bayerische und Nordtiroler, Nordrätische, Ötztaler, Ortler- und Adamello-Alpen. 4. Aufl. Gebunden 6 M. ---- =II. Band=: Kaisergebirge, Salzburg-Berchtesgadener, Oberösterreichische, Steirische und Zillertaler Alpen, Hohe und Niedere Tauern. 4. Aufl. Gebunden 4,50 M. ---- =III. Band=: Dolomiten, Südöstliche Kalkalpen. 4. Aufl. Gebunden 5,50 M.
=Schweiz= (mit den Italienischen Seen). 21. Aufl. Gebunden 7 M.
=Paris und Nordfrankreich= (nebst Brüssel). 5. Aufl. Gebunden 6 M.
=Riviera, Südfrankreich, Korsika, Algerien und Tunis.= 8. Aufl. Geb. 7,50 M.
=Oberitalien und Mittelitalien= (bis vor die Tore Roms), von Gsell Fels. 8. Aufl. Gebunden 8 M.
=Rom und die Campagna=, von Gsell Fels. 7. Aufl. Gebunden 12,50 M.
=Unteritalien und Sizilien=, von Gsell Fels. 5. Aufl. Gebunden 7 M.
=Italien in 60 Tagen= (bis einschließlich Neapel und weitere Umgebung), von Gsell Fels. 9. Aufl. Gebunden 9 M.
=Türkei, Rumänien, Serbien, Bulgarien.= 7. Aufl. Gebunden 7,50 M.
=Griechenland und Kleinasien.= 6. Aufl. Gebunden 7,50 M.
=Ägypten= (Unter- und Oberägypten, Obernubien und Sudân). 5. Aufl. Geb. 9 M.
=Palästina und Syrien.= 4. Aufl. Gebunden 7,50 M.
=Das Mittelmeer und seine Küstenstädte=, Madeira und Kanarische Inseln. 4. Aufl. Gebunden 6,50 M.
=Weltreiseführer.= 2. Aufl. 2 Bände. Gebunden, mit Schutzhülle 25 M.
MEYERS REISEBÜCHER.
WELTREISE.
ERSTER TEIL:
INDIEN, CHINA UND JAPAN.
ZWEITE AUFLAGE.
MIT 22 KARTEN, 39 PLÄNEN UND 2 TAFELN.
LEIPZIG UND WIEN.
BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT.
1912.
Alle Rechte vom Verleger vorbehalten.
Vorwort.
Die überaus günstige Aufnahme, die unsre »Weltreise« in ihrer ersten Auflage bei dem reisenden Publikum wie bei den im Ausland lebenden Deutschen gefunden hat, beweist, wie sehr die Herausgabe des »Führers« in der von uns gewählten knappen Fassung und handlichen Form dem jetzigen Bedürfnis entsprach. Wir haben daher in der nun vorliegenden zweiten Auflage die Anordnung des Stoffes nicht geändert, sondern die Grundidee des Buches, dem eiligen Reisenden auf einer Reise um die Erde einen zuverlässigen und übersichtlichen Führer an die Hand zu geben, beibehalten und uns in erster Linie auf eine gründliche Durcharbeitung des gesamten Stoffes beschränkt; nur die Routen und Ausflüge, die inzwischen durch Verbesserung der Verkehrswege mehr und mehr an Bedeutung gewonnen haben, sind neu aufgenommen worden.
Die Bearbeitung des I. Teils, der Alten Welt, lag wiederum in der bewährten Hand des Verfassers, des Herrn Admiralitätsrats Georg Wislicenus in Berlin, während den amerikanischen Teil des Buches Herr Max Wiederhold, Redakteur der »New Yorker Staatsbürgerzeitung«, übernommen hat. Beiden Herren gebührt für ihre mühevolle und sachkundige Arbeit unser wärmster Dank. Wesentlich erleichtert wurde die Herausgabe der neuen Auflage durch die wertvollen und zahlreichen Beiträge, die uns aus aller Herren Länder von ortsansässigen Deutschen zugingen, unter denen wir besonders der Herren Beamten der deutschen Konsulate sowie der Vertreter großer deutscher Handelshäuser und Schiffahrtsgesellschaften gedenken müssen; ihnen reihen sich alle die Reisenden, Touristen wie Berufsreisende, an, die uns ihre Erfahrungen zugute kommen ließen und dadurch es ermöglichten, daß der Text des Buches, auch der entlegensten Orte, bis auf den heutigen Tag richtiggestellt werden konnte. Allen diesen freundlichen Förderern des Unternehmens sei auch an dieser Stelle unser verbindlichster Dank ausgesprochen.
Ein größeres Gewicht als in der ersten Auflage des Buches haben wir diesmal auf alle =landeskundlichen= Angaben gelegt, weil wir es für überaus wichtig halten, daß der Weltreisende, der sich ja vor Antritt der Reise an der Hand ausführlicher Werke eingehend unterrichten wird, nochmals an Ort und Stelle in kurzen Zügen über die Eigenart von Land und Leuten nachlesen und sich dadurch das richtige Verständnis für die Verhältnisse des jeweilig bereisten Landes, somit den echten Genuß einer Reise verschaffen kann. Anderseits soll ebenso der weniger gut vorbereitete Tourist auf der Reise, wo ihm ausführliche Literatur selten zur Verfügung steht, in dem »Führer« auch auf dem Gebiete der Landeskunde schnell die nötigste Belehrung finden. Zu dem Zweck hat der Geograph Herr Dr. W. Gerbing in Leipzig das Buch vom geographischen Gesichtspunkt aus durchgearbeitet, indem er jedem Band einen knappen geographischen Abriß beigab oder bereits vorhandene vervollständigte sowie in den einzelnen Routen auf alle charakteristischen Erscheinungen landeskundlicher Art hinwies. Wenn dies auch, um den Umfang des »Führers« nicht zu sehr zu vergrößern, auf Kosten einiger, uns weniger wichtig erscheinender wirtschaftlicher Angaben geschehen mußte, so wird dieser Fortfall wohl weniger vermißt, als jene Bereicherung freudig begrüßt werden.
Die äußerst schwierige Frage der =Schreibweise= fremder Ortsnamen haben wir in der Weise zu lösen versucht, daß wir nach Möglichkeit die ortsübliche Schreibweise wählten, d. h. also diejenige, der der Weltreisende zunächst begegnet. In Indien ist daher durchweg die englische, in Niederländisch-Indien die holländische und in Japan die kürzlich eingeführte amtliche Namensschreibung zugrunde gelegt.--Von =neu= aufgenommenen Routen nennen wir, abgesehen von zahlreichen kleinern Ausflügen: Lahore--Karachi, von Penang über Land nach Singapore, Hanoï--Yünnanfu, Peking--Jehol, Dairen, Mukden--Söul--Fusan, ferner Chicago--Saint Orleans--New York.
Wie der Text, ist auch das gesamte =Kartenmaterial= sorgfältig revidiert sowie durch neue Karten und Pläne ersetzt und bedeutend erweitert worden. Neu sind der zweiten Auflage beigegeben worden die =Karten=: Vorderindien (nördlicher Teil und südlicher Teil), Zentral-Ceylon, Penang--Singapore, Kiautschou, Tōkyō--Fuji-no-yama, Japanische Binnenlandsee, Zeitenkarte (Vereinigte Staaten), Grand Cañon des Colorado; ferner die =Pläne= von Simla, Darjeeling, Anuradhapura, Maduratempel, Mandalay, Saïgon, Soerabaja, Hongkong, Kanton, Manila, Schanghai, Wladiwostok, Dairen (Dalny), Nagasaki, Kōbe-Hyōgo, Ōsaka, Nagoya, Yokohama, Honolulu, San Francisco, Buffalo, Niagara Falls, Milwaukee, New Orleans, Cincinnati, Boston.--Außerdem fügten wir der Flaggentafel eine neue Tafel der Hausflaggen und Schornsteinabzeichen der größern Schiffahrtsgesellschaften bei, die dem Weltreisenden auf weiter Fahrt oder im Hafen manche erwünschte Auskunft geben soll.--Sehr freudig begrüßt werden wird die aus Gründen möglichst großer Handlichkeit von uns vorgenommene Teilung des »Führers« in zwei mit gesonderten Registern versehene Bändchen: I. Teil: Indien, China, Japan; II. Teil: Vereinigte Staaten von Amerika.
An alle Benutzer des »Führers« richten wir zum Schluß die Bitte, durch Mitteilungen ihrer Reiseerfahrungen und etwaiger Berichtigungen zur weitern Vervollkommnung des Buches beitragen zu wollen. Alle derartigen an die »Redaktion von Meyers Reisebüchern in Leipzig« gerichteten Beiträge (Beschwerden möglichst unter Hinzufügung schriftlicher Belege) werden dankend entgegengenommen und bei spätern Abdrücken des Buches bestens verwertet.
=Leipzig=, März 1912.
Die Redaktion von Meyers Reisebüchern.
Inhalts-Verzeichnis des ersten Teils.
Seite
Einleitung zur Weltreise 1-20 Reisezeit. Reiseplan S. 2.--Rundreisen. Reisegesellschaft S. 3.--Gesellschaftsreisen. Reiseausrüstung S. 4. --Reisekosten S. 6.--Geldverhältnisse. Reisepaß S. 7.--Zoll. Dampfer S. 8-13.--Post u. Telegraph S. 13.--Zeitvergleichung S. 14.--Sprache. Gasthöfe S. 15.--Landesübliche Ausdrücke S. 16.--Seewesen. Signalwesen S. 17.--Statistisches S. 18-20.
I. Vorderindien und Hinterindien: Birma, Straits Settlements, Siam, Indochina, Sumatra und Java.
1. Aus Europa durch den Suezkanal nach Bombay 22-41 Von Triest, Brindisi, Genua, Neapel, Marseille nach Port Saïd S. 22-25.--Port Saïd u. Suezkanal S. 25.--Rotes Meer S. 30.--Suakin S. 33.--Djibouti S. 36.--Eisenbahn Djibouti-Addis-Harrar. Abessinien S. 37.--Aden S. 38.
=Vorderindien= 42-52
2. Bombay 53-63 Malabar Hill. Türme des Schweigens S. 60.--Byculla. Elephanta. Ellora S. 61.
3. Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares nach Calcutta 63-96 I. Von Bombay nach Delhi S. 63.--Ahmedabad S. 65. --Ajmer S. 67.--Jaipur S. 68.--Amber S. 69.--Delhi S. 70.--Kutab Minar. Delhi-Umballa-Simla S. 74.-- Delhi-Amritsar-Lahore-Peshawar S. 75.--Von Rawal Pindi nach Srinagar (Kaschmir) S. 78.--Khaiber-Paß. Lahore-Karachi S. 80.--Delhi-Agra S. 82.-- Sikandarah. Fatehpur. Sikri S. 86.--Gwalior S. 87.-- Cawnpore. Lucknow S. 88.--Allahabad S. 89.--Benares S. 90.--Buddh Gaya S. 95.
4. Von Bombay nach Madras 96-104 Mahabaleshwar S. 97.--Bijapur. Hyderabad S. 98. --Secunderabad. Golkonda S. 99.--Tirupati. Madras S. 100.
5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo. Die Insel Ceylon 104-125 A. Von Genua oder Neapel S. 104; von Marseille, von Brindisi S. 105.--Triest. Die Insel Ceylon S. 106.-- Colombo S. 110.--Mount Lavinia S. 114.--Kandy S. 115.--Peradeniya (Botanischer Garten) S. 117.-- Anuradhapura S. 119.--Adams Peak S. 121.--Nuwara Eliya S. 122.--Hakgala. Badulla. Pedrotallagalla. Bandarawela S. 123.--Küstenfahrt rund um Ceylon S. 124.--Point de Galle S. 125.
6. Von Colombo über Madras (-Ootacamund) nach Calcutta. Darjeeling 125-143 Tuticorin. Madura S. 126.--Trichinopoly. Tanjore S. 127.--Ootacamund S. 129.--Mysore. Seringapatam. Bangalore S. 131.--Puri Jagganath S. 133.--Calcutta S. 134.--Darjeeling. Tiger Hill S. 141.--Phalut S. 142.
7. Von Calcutta nach Rangoon. =Birma= 143-155 Birma S. 143.--Rangoon S. 145.--Pegu S. 150.-- Mandalay S. 151.--Von Mandalay nach Bhamo und Talfahrt auf dem Irawaddy S. 153.--Pagan S. 154.
8. Von Colombo über Penang nach Singapore. =Sumatra= 155-169 Penang (Georgetown) S. 156.--Medan S. 158.--Padang. Merapi S. 159.--Krakatau. Penang-Singapore S. 160.--Taiping S. 161.--Kuala Kubu. Kuala Lumpur S. 164.--Malacca Town S. 165.--Singapore S. 166.-- Johor Bahru S. 169.
9. =Siam=. =Indochina= 169-190 Singapore-Bangkok S. 169.--Siam S. 170.--Bangkok S. 171.--Phrabat S. 176.--Ayuthia. Singapore-Saïgon S. 177.--Indochina. Cochinchina S. 178.--Kambodja. Saïgon S. 179.--Saïgon-Angkor-Thom S. 183.-- Saïgon-Hanoï. Annam S. 185.--Hué S. 186.--Haïphong. Alongbucht S. 187.--Hanoï. Tonkin S. 188.-- Hanoï-Yünnanfu S. 189.
10. Von Singapore nach Batavia. =Java= 190-214 Java S. 191.--Batavia S. 195.--Buitenzorg S. 200.-- Sindanglaja. Pangerango S. 202.--Bandoeng. Tangkoeban-Prahoe. Garoet S. 203.--Papandajan. Telaga Bodas S. 204.--Djokjakarta. Prambanan S. 205. --Bora-Boedoer. Magelang S. 206.--Soerakarta. Samarang S. 207.--Soerabaja S. 208.--Pasoeroean S. 210.-- Tosari. Bromo S. 211.--Probolinggo S. 212.
=II. China, Philippinen, Sibirische Bahn, Korea und Japan.=
=Südchina= 214
11. Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila 214-240 Südchines. Meer S. 214.--Südchina S. 215.--Hongkong S. 220.--Kanton S. 225.--Macao S. 233.--Hongkong-Manila S. 234.--Philippinen S. 235.--Manila S. 236.-- Baguio S. 240.
12. Von Hongkong nach Schanghai. Die Yangtse-Fahrt 240-263 Swatau. Amoy S. 241.--Futschou S. 243.--Kuschan. Jungfu. Ningpo S. 244.--Insel Formosa S. 245.-- Ostchinesisches Meer. Schanghai S. 246.--Yangtse-Fahrt Schanghai-Hankau-Itschang S. 254.--Nanking S. 256.-- Minggrab S. 257.--Nganking. Kiukiang S. 258.-- Hankau S. 259.--Yangtse-Fahrt von Itschang nach Tschungking S. 262.--Tschöngtu S. 263.
=Nordchina= 264
13. Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking 265-280 Kiautschou S. 266.--Tsingtau S. 267.--Lauschangebirge S. 270.--Tsinanfu S. 272.--Taischan. Küfu S. 273.--Tientsin S. 275.--Weihaiwei. Tschifu S. 278.--Tongku S. 279.
14. Peking und Umgebung 280-301 Pi-yün-sse S. 294.--Chinesische Mauer. Minggräber S. 296.--Jehol S. 298--Peking-Hankau S. 299.-- Hsiling S. 300.
15. Von Berlin nach Moskau und auf der =Sibirischen Bahn= über Charbin nach Wladiwostok, Dairen und Peking 301-329 Moskau S. 305.--Omsk S. 313.--Kraßnojarsk. Jenissei. Irkutsk S. 315.--Baikalsee S. 316.--Kjachta. Maimatschin. Amurfahrt Strjetensk-Blagowjeschtschensk-Chabarowsk S. 317.--Mandschuria. Charbin S. 318.-- Wladiwostok S. 320.--Chabarowsk. Von Charbin nach Dairen S. 323.--Mukden S. 324.--Peiling S. 325.-- Dairen S. 326.--Port Arthur S. 327.--Von Charbin nach Peking. Yinkou S. 328.--Schanhaikwan S. 329.
16. =Korea= 330-337 Von Mukden nach Söul S. 331.--Tschimulpo S. 332.-- Söul S. 333.--Diamantberge S. 335.--Von Söul nach Fusan und Shimonoseki S. 336.
=Japan= 337
17. Von Schanghai nach Nagasaki, durch die Binnenlandsee nach Kōbe, über Ōsaka, Kyōto nach Yokohama, Tōkyō und Nikkō 347-411 Ostchinesisches Meer S. 348.--Nagasaki S. 349.-- Eisenbahn Nagasaki-Moji. Kagoschima. Dasaifu. Hakata S. 353.--Von Nagasaki durch die Binnenlandsee nach Kōbe S. 354.--Shimonoseki S. 355.--Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe S. 358.--Kōbe-Hyōgo S. 361.--Eisenbahn von Kōbe über Ōsaka und Nara nach Kyōto S. 365.--Kyōto S. 369.--Von Kyōto über den Hiyeisan zum Biwasee S. 377.--Ōtsu. Hozugawa (Katsuragawa) S. 378.--Katsura no Rikyū. Mamoyama. Eisenbahn von Kyōto über Nagoya nach Yokohama S. 379.--Yamada S. 381.--Futami S. 382.--Kunō-zan S. 383.--Fuji-no-yama S. 384.--Miyanoshita. Über den Hakonesee nach Atami S. 386.--Yokohama S. 388.--Kamakura S. 391.--Enoshima S. 392.--Tōkyō S. 393.-- Nikkō S. 404.--Chūzenjisee S. 407.--Yumotosee. Shiranezan. Kirifuri-no-taki. Nyohō-zan S. 408.--Ikao-Harunasee-Harunatempel S. 409.
18. Von Yokohama über Honolulu nach San Francisco 411-423 Stiller Ozean S. 411.--Haiwai-(Sandwich-) Inseln S. 413. --Honolulu S. 416.--Hawai S. 421.--Kilauea. Mauna Kea. Mauna Loa S. 422.
Register 424-436
* * * * *
=[Hand] Wem der Umfang des Buches zu groß sein sollte, dem ist die Möglichkeit gegeben, es in zwei selbständige Teile zu zerlegen (Einlegedecken dazu sind in den Buchhandlungen für 50 Pf. zu haben); man zerschneide zu diesem Zweck das Rückenband des Buches zwischen den Seiten 20 und 21, 212 und 213, und erhält dann die Hefte: I. Vorderindien, Hinterindien, Sumatra, Java;-- II. China, Philippinen, Sibirische Bahn, Korea, Japan.=
Verzeichnis der Karten und Pläne des ersten Teils.
Karten.
Seite
Weltreise, vor dem Titel.
Länder des Mittelmeers mit den Häfen Port Saïd und Suez 22
Rotes Meer und Suezkanal 30
Asien, Übersicht 40
Ostindien, nördlicher Teil 64 -- südlicher Teil 96
Ceylon, im Text 106
Mittel-Ceylon 114
Hinterindien mit Java 155
Penang-Singapore, im Text 162
Französisch-Indochina 177
China und Japan 215
Hongkong-Kanton-Macao 219
Länder des Gelben Meers 271
Tientsin -- Peking mit Umgebung von Peking 275
Sibirische Bahn 301
Japan 337
Japanische Binnenlandsee 356
Tōkyō -- Fuji-no-yama 384
Ikao-Haruna, im Text 410
Hawai-Archipel mit Umgebung von Honolulu, im Text 414
Weltverkehrskarte 424
Pläne.
Port Saïd, auf der Karte 22
Suez, auf der Karte 22
Aden, Lageplan, im Text 38
Bombay 53
Simla, auf der Karte 64
Darjeeling, auf der Karte 64
Delhi, im Text 71
Agra, im Text 84
Benares, im Text 91
Madras, im Text 101
Colombo, im Text 111
Anuradhapura, im Text 120
Tempel in Madura, im Text 126
Calcutta 134
Rangoon, im Text 147
Mandalay, im Text 152
Singapore, Lageplan 166
Bangkok, Lageplan, im Text 172 -- Stadtplan, im Text 174
Saïgon, im Text 180
Batavia, Stadtplan 195 -- Lageplan, im Text 196
Soerabaja, im Text 209
Macao, auf der Karte 219
Hongkong 220
Kanton 226
Manila, Lage- und Stadtplan, im Text 237 -- Plan der innern Stadt, im Text 239
Schanghai, innere Stadt 246 -- Umgebung 252
Tsingtau 267 -- Umgebung 267
Port Arthur, auf der Karte 271
Tientsin, auf der Karte 275
Peking 280
Moskau 305
Wladiwostok, im Text 321
Dairen (Dalny) 326
Nagasaki, im Text 350
Kōbe-Hyōgo, im Text 363
Ōsaka, im Text 366
Kyōto und Umgebung 369
Nagoya, im Text 381
Yokohama 388
Tōkyō 393
Nikkō und Umgebung, im Text 405
Honolulu, im Text 418
* * * * *
Flaggentafel 18
Hausflaggen und Schornsteinabzeichen 18
Abkürzungen.
abds. = abends. B. = Bedienung. bzw. = beziehungsweise. c. = Cent. d = Pence (engl.). Di. = Dienstag. Dîn., Dinn. = Hauptmahlzeit. $ = Dollar. Do. = Donnerstag. F. = Frühstück. Fr. = Franc (franz.). Fr. = Freitag. Hst. = Haltestelle. km = Kilometer. L. (l.) = links. £ = Pfund Sterling. m = Meter. Die beigefügten Zahlen (75 m) geben die Höhe über dem Meer an. M = Meile (engl., amerik.). M. = Mark. Mi. = Mittwoch. Min. = Minuten. Mitt. = Mittagessen. Mo. = Montag. m. W. = mit Wein. N. = Norden. Nm. = Nachmittag. NO. = Nordosten. nö. = nordöstlich. NW. = Nordwesten. nw. = nordwestlich. O. = Osten. Pens. = Pension (mit Zimmer). Pens. o. Z. = Pension ohne Zimmer. Pes. = Peseta. PTF = Post, Telegraph, Fernsprecher. R. = Route (Abschnitt des Buches). R. (r.) = rechts. S. = Seite. S. = Süden. Sa. = Sonnabend. Seem. = Seemeile. Sh. = Shilling (engl.). So. = Sonntag (u. Festtag). SO. = Südosten. sö. = südöstlich. St. = Stunden. Stat. = Station. SW. = Südwesten. sw. = südwestlich. T.d'h. = Table d'hôte. Tel. od. T = Telegraph. ü. M. = über dem Meer. Vm. = Vormittag. w = Werst (1,06 km). W. = Westen. Z. = Zimmer.
Eingeklammerte Buchstaben mit Zahlen, z. B. (C4), (CD5), (F2, 3), sind Verweisungen auf die Quadrate des betreffenden Stadtplans.
Die bei den Gasthöfen angegebenen Zimmerpreise verstehen sich für Ein Bett, einschließlich Licht und Bedienung, falls für letztere beide ein besonderer Preis nicht angeführt ist.
Die Angaben vor einer Ortsbezeichnung und in Klammer, z. B. (18 km) Batavia, (1-1/2 St.) Johore, bedeuten stets die Entfernung des Orts vom Ausgangspunkt der Strecke; die Angaben ohne Klammer im laufenden Text bezeichnen die Entfernung von der zunächst vorher gemachten Zeitangabe; z. B. »zuerst zum Leuchtturm 1/4 St., dann durch Wald 1/2 St. nach Gasturi und weiter in 1-1/4 St. zum (2 St.) Biwa-See.«
Einleitung zur Weltreise.
Der Pulsschlag des deutschen Volkes ist auf dem ganzen Erdenrund fühlbar. Deutscher Unternehmungsgeist betätigt sich heutzutage in den fernsten Gegenden der Erde, in den Bergwerken Sibiriens und Koreas wie auf den Zuckerpflanzungen der glücklichen Sandwichinseln mitten im Stillen Ozean. Allerwärts in der Alten wie Neuen Welt findet man angesehene Handelshäuser, große technische Unternehmungen, wissenschaftliche Anstalten, von Deutschen begründet oder von Deutschen geleitet. Nach diesen Plätzen in weiter Ferne spinnen sich unzählige Verkehrsfäden von der Heimat aus, alle sind durch feste Bande deutscher Empfindung mit dem Vaterlande verknüpft; sie sind Brennpunkte, wohin alljährlich jugendfrischer Nachwuchs hinausströmt, um die deutsche Kraft mitten im friedlichen, doch scharfen Wettbewerb zwischen den Völkern der Erde zur Geltung zu bringen und sich selbst da draußen eine Lebensstellung zu schaffen. Diesen Vorkämpfern der Ausbreitung deutschen Wesens in fernen Landen soll der »Weltreiseführer« ein treuer Begleiter und Berater sein; sie in erster Linie werden für ihre Reisen wie auch für die nähere und weitere Umgebung ihres Wirkungskreises das Sehens- und Wissenswerteste in ihm verzeichnet finden.
In unsrer Zeit, die unser seekundiger Kaiser das Zeitalter des Verkehrs getauft hat, beginnt aber auch der deutsche Vergnügungsreisende die Scheu vor langer Seefahrt mehr und mehr zu überwinden. Zahlreiche deutsche Weltreisende haben als besten Gewinn ihrer weiten Fahrten weltmännischen Blick und reifes Urteil über das Völkergetriebe unsers Planeten heimgebracht. Seitdem wächst überall in deutschen Landen die Sehnsucht, ferne Länder, Meere und Völker mit eignen Augen zu schauen, Stätten uralter oder junger, überreifer oder unreifer Kultur zu betreten, Lebensart fremder Völker kennen zu lernen, um Vorzüge und Fehler des eignen Kulturlebens an ihnen zu messen und den eignen Gesichtskreis zu erweitern. Darum ist eine Weltreise ein Vergnügen im besten, gediegensten Sinne des Wortes. Schon vor einem Vierteljahrhundert konnte ein bekannter Weltreisender aussprechen, »daß heutzutage eine Reise um die Welt ganz und gar kein Kunststück, sondern vielmehr ein köstlicher, wenn auch mitunter etwas schwer zu erringender Genuß ist«. Inzwischen ist das Reisen auf dem großen Reisewege um die Erde sehr bequem geworden, wenn man die richtigen Gelegenheiten auszunutzen versteht.--Der »Weltreiseführer« gestattet freie Wahl für den besten Weg; er führt durch den Suezkanal nach Vorderindien, Ceylon, Hinterindien, Java, China, Korea und Japan, dann über die Sandwichinseln und San Francisco auf den großen Pacificbahnen nach New York und von da nach Europa zurück; verschiedene Seitenausflüge, z. B. nach Abessinien, Sumatra, Siam und den Philippinen, sind eingeflochten; auch ist der Weg durch Rußland auf der Sibirischen Bahn mit beschrieben, den Reisende, die nur Asien besuchen wollen, zur schnellern Rückreise benutzen werden.
Ob die Weltreise ostwärts oder westwärts am zweckmäßigsten auszuführen sei, das hängt davon ab, wann die Reise begonnen wird und welchem Lande der Reisende längern Aufenthalt widmen will. Da die alte Kulturwelt Ostasiens mit ihrem Völkergemisch dem gebildeten Deutschen viel mehr Wunder zu weisen hat als das moderne Amerika, und es wohl logischer ist, mit dem Ausgang der Kultur zu beginnen und mit dem Lande der jüngsten Kulturentwickelung zu schließen, empfiehlt sich die Ostwärtsreise, wie der »Weltreiseführer« sie schildert, weil erfahrungsgemäß die meisten Reisenden gegen Ende der Reise nicht mehr den gleichen Genuß an Reiseeindrücken empfinden. Wer schnell nach Japan reisen und dort längere Zeit verweilen will, tut gut, westwärts, über Amerika, zu fahren, falls er nicht den Landweg über Sibirien vorzieht, der für Ostasien der schnellste Reiseweg ist. Reisende nach Ostindien, Insulindien und Indochina wählen stets den östlichen Reiseweg.
=Reisezeit.= Für Indien ist die beste Zeit Mitte November bis Mitte März, für die nördl. Gegenden auch etwas früher und später; unbedingt meiden sollte man den Aufenthalt im April, Mai und Juni, weil ungesund. Für Ceylon ist Mai, September, Oktober, November und für das Gebirge Januar bis März die günstigste Zeit. Für Java empfiehlt sich Mai und Juni (die Regenzeit ist November bis April); für die Philippinen Januar und Februar (Regenzeit August bis Dezember); für Indochina November bis Februar. Für China und Japan ist die beste Zeit der Frühling (in Japan die Zeit der Kirschblüte, April und Mai) und der Spätherbst von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, in China auch der Winter bis zum April.
=Reiseplan.= Um den in Ostasien meist heißen und nassen Sommer zu meiden, tut man gut, Europa im Hochsommer oder Anfang Herbst zu verlassen, wobei freilich zu beachten bleibt, daß die Fahrt durchs Rote Meer zwischen Port Saïd und Aden, d. h. etwa 5 Tage lang, im Sommer sehr heiß ist; im Golf von Aden trifft man meist frische Winde. Im Oktober, November und Dezember, der Hauptreisezeit, muß man Plätze auf den Dampfern nach Indien und Ostasien schon lange im voraus bestellen. August und September sind die Hauptzeit für Reisen von Europa nach den Vereinigten Staaten, für diese Monate ist Vorausbestellung der Plätze dringend nötig. Wer eine etwa einjährige Reise rund um die Erde machen will, verzichte darauf, alle im Reiseführer beschriebenen Länder Ostasiens zu besuchen. Er wird etwa im August von Triest nach Bombay oder von Genua nach Colombo fahren, dann quer durch Indien nach Calcutta (September und Oktober für Indien), von da über Rangoon und Singapore (November) nach Java (Dezember) und wieder über Singapore nach Saïgon und Hongkong (Januar), dann Schanghai, Tsingtau, Peking (Februar), Hankau, Yangtsefahrt (März), über Schanghai nach Nagasaki, Kobe-Kyōto-Tōkyō-Nikko (April, Mai), Honolulu (Juni), San Francisco-New York (Juli).
=Rundreise= nach dem Spezialprogramm der Weltreise 1912 des Reisebureaus der =Hamburg-Amerika Linie=: =Ostwärts= (7-1/2 Monate): Ab Berlin über Triest nach Bombay;--Vorderindien (Jaipur, Delhi, Agra, Benares, Calcutta, Darjeeling);--von Madras über Trichinopoly, Madura, Tuticorin nach Ceylon (Colombo, Kandy, Nuwara Eliya);--Singapore;--Java (Batavia, Weltevreden, Buitenzorg, Garoet, Papandajan, Djokjakarta, Soerabaja, Toesari, Bromo);--China (Saïgon, Hongkong, Canton, Schanghai, Tsingtau, Tientsin, Peking, Hankau, Schanghai);--Japan (Kobe, Osaka, Kyōto, Nara, Miyanoshita, Yokohama, Tōkyō, Nikko);--Sandwich-Inseln (Honolulu);-- Nordamerika (San Francisco, Monterey, Yosemitetal, Yellowstone Park, Salt Lake City, Manitou, Denver, Chicago, Niagara Falls, Hudson, Washington, Philadelphia, New York);--von New York nach Hamburg. Ausführliche Programme beim Reisebureau der Hamburg-Amerika Linie erhältlich.
=Reiseplan des Norddeutschen Lloyd= für 1912 (etwa 225 Tage): Ab Genua über Neapel, Port Saïd, Suez, Aden nach Colombo-Kandy-Nuwara Eliya, Colombo-Madura, Madras, Bombay, Jaipur, Delhi, Agra, Benares, Darjeeling, Calcutta, Rangoon, Penang, Singapore, Batavia, Buitenzorg, Garoet, Djokjakarta, Batavia, Singapore, Hongkong, Canton, Macao, Hongkong, Schanghai, Tsingtau, Tientsin, Peking, Nankou, Peking, Tientsin, Tschifu, Tsingtau, Schanghai, Nagasaki, Kobe, Osaka, Nara, Kyōto, Miyanoshita, Yokohama, Tōkyō, Nikko, Yokohama, Honolulu, San Francisco, Yosemitetal, Monterey, Yellowstone Park, Salt Lake City, Manitou, Denver, Chicago, Niagara Falls, Albany, New York, Washington, Philadelphia, New York, Bremerhaven, Bremen.
Wer seinen Reiseplan selbst aufstellen will, lese den »Weltreiseführer« und die unter Reiseliteratur (auch bei den einzelnen Ländern) angegebenen Reisebeschreibungen vor Aufstellung des Plans, um je nach Neigung die Länder auszuwählen, wo bei günstigster Reisezeit längerer Aufenthalt erwünscht ist. Das Reisebureau der Hamburg-Amerika Linie veranstaltet auch Reisen nach Indien, Ceylon, Java, China, Japan und zurück mit der Sibirischen Bahn nach besonderm Programm. Es ist unmöglich, alle zweckmäßigen Zusammenstellungen für die Weltreise, die in hundertfältiger Weise genußreich ausgeführt werden kann, zu beschreiben; es muß genügen, daß der »Weltreiseführer« alle Haupt- und Nebenwege zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten angibt. Mit Hilfe des »Weltreiseführers« kann der Reisende auch unterwegs nach Bedarf und Wahl seinen Plan ändern, Seitenfahrten in seltener besuchte Länder (z. B. Abessinien, Sumatra, Birma, Siam, Philippinen, Korea usw.) ausführen.
=Reisegesellschaft.= Solange die Weltreise nicht in Plätze führt, die weit abseits vom Hauptstrom des Reiseverkehrs liegen, können auch Damen unbedenklich allein reisen; besonders gilt dies für alle englischen und amerikanischen Länder wie auch für Niederländisch-Indien und Japan; fast überall reist man dort in den Gebieten des lebhaftem Europäerverkehrs so sicher wie in Deutschland. Nur Ausflüge ins Innere von Ländern wie Birma, Siam, China, Korea und die Philippinen unternimmt man besser mit einem Gefährten zusammen, zumal sich auch dadurch viele Nebenausgaben verringern.
=Gesellschaftsreisen= nach festem Plan unternehmen unter andern das Reisebureau der Hamburg-Amerika Linie (Berlin W. 64, Unter den Linden 8) jährlich auf etwa 7-1/2 Monate zum Preise von 11900 Mark (gewöhnlich Mitte Januar beginnend), oder der Norddeutsche Lloyd (Abteilung Passage), Bremen, auf etwa 7-1/2 Monate für 11600 Mark (Schiff und Bahn I. Kl., 50 kg Freigepäck), oder der Österreichische Lloyd nach Ostasien auf etwa 6 Monate für 8000 Mark (Mittelmeer- Reisebureau H. Osc. Cahn & Co. in Hamburg 36, Neuer Jungfernstieg 6, Hauptagentur des Österreichischen Lloyd übernimmt Leitung dieser Weltreisen, stellt auch kombinierte Touren für Einzelreisende zusammen).--Auch unternimmt die Hamburg-Amerika Linie jährlich zwei je viermonatliche =Vergnügungsreisen um die Welt= auf einem ihrer großen Ozeandampfer zum Preise von 2750-34000 Mark (eingeschlossen programmäßige Landausflüge und Eisenbahnfahrt zwischen San Francisco und New York); Abfahrt im November von Neapel ostwärts, im Februar von San Francisco westwärts, Anschluß zur Fahrt zwischen Hamburg und New York auf einem beliebigen Dampfer der Gesellschaft. Ausführliche Prospekte bei der Hamburg-Amerika Linie erhältlich.--Wer sich einer solchen Gesellschaftsreise anschließt, ist aller Sorgen bei den Ausflügen überhoben, muß allerdings auf freie Wahl der Orte und auf längern Aufenthalt an Orten, die ihm besonders gefallen, sowie überhaupt auf Bewegungsfreiheit, die höchste Lust des Reisephilosophen, verzichten; dafür werden ihm in kurzer Zeit viele Sehenswürdigkeiten programmgemäß vorgeführt. Da diese Reisen nur in zusammenpassender Gesellschaft erträglich sind, erkundige man sich vorher genau nach den Teilnehmern der Fahrt. In den genannten Reisebureaus erhält man auch Fahrkarten für selbständige Weltreisen und Auskunft über die neuesten Fahrpläne aller Dampferlinien und Eisenbahnen, die für die Weltreise in Betracht kommen. Die Zweigbureaus sind im Text überall genannt.--Das englische Reisebureau von Thos. Cook & Son (London, E. C. Ludgate Circus) hat Filialen in allen Hauptplätzen der Erde (sie sind im Text des Buches genannt) und unternimmt ebenfalls die Führung von Reisegesellschaften, die aber meist aus Engländern bestehen. Monatlich erscheint Cook's Ocean Sailing List mit praktischen Winken für See- und Weltreisende, deren Beschaffung vor Antritt der Reise sehr zu empfehlen ist, da sie sehr genaue Übersichten über die neuesten Fahrpläne und Fahrpreise bietet, besonders auch für Reisen um die Welt.
=Reiseausrüstung.= Je weniger Gepäck, desto besser; indessen muß man für eine Weltreise sich doch gründlicher ausrüsten als für einen Pfingstausflug. Auf Dampfern kann man meist viel Gepäck zu mäßigem Preise mitführen (vgl. S. 12). Unentbehrlich ist ein Kabinenkoffer (90 zu 60 zu 33 cm), für den Gepäckraum ein größerer (bis zu 1/2 cbm Raum); außerdem (möglichst wenig) Handgepäck, am besten feste Ledertasche und Segeltuchsack (für wollene Decke, Stiefel und schmutzige Wäsche).
Herrenkleidung: zwei bequeme Reiseanzüge aus kräftigem Wollenstoff, ein dunkler warmer, ein heller leichter; ein guter Gesellschaftsanzug aus leichtem schwarzen Kammgarn mit Gehrock, Smoking und Frack, der im Ausland unentbehrlich ist, da überall bei Besuchen, im Klub, an der Tafel auf Dampfern und in bessern Gasthöfen sehr viel mehr auf äußere Form gegeben wird, als dies in Deutschland der Fall zu sein pflegt. Ein Reitanzug aus derber Reithose mit Flanellhemd und Flanelljacke, Leder- oder Wickelgamaschen. Weiße Waschanzüge sind schon im Roten Meer unentbehrlich, daher nehme man etwa vier Paar Jackets nebst Beinkleidern aus gutem Drillichstoff schon von Hause mit; später kann man den Vorrat preiswürdig in Bombay, Colombo, Singapore oder Yokohama ergänzen. Anzüge aus Rohseide (empfehlenswert) erhält man billig in Colombo etc. Reichlichen Vorrat an Unterzeug, wollenes wie leichtes (seidenes kaufe man in China); Netzunterjacken nach Lahmann oder Schießer sind sehr zu empfehlen (sie schützen, wenn oft gewechselt, gegen den »Roten Hund«, einen lästigen, stark juckenden, durch Schweiß und Baden im Salzwasser hervorgerufenen ungefährlichen Hautausschlag, durch Frischwasserwaschung und Einfetten mit Byrolin, Mentholsalbe oder ähnlichen Hautsalben zu heilen); ferner reichlich farbige und weiße Hemdenwäsche (die überall schnell gewaschen und dabei stark verdorben wird), leichte Schlipse, wollene und leichte Strümpfe. An Schuhzeug: zwei Paar derbe, doch nicht zu schwere Reiseschnürstiefel aus braunem Leder; Lackschuhe (für den Frackanzug), weiße Segeltuchschuhe (unterwegs einkaufen); ein Paar schwarze, kräftige Stiefel mit Doppelsohlen, innere Sohle Leder, äußere Sohle Gummi, zum Gebrauch an Bord bei schlechtem Wetter. Reisehut, Klapphut, blaue und weiße Schiffsreisemütze mit Schirm oder Sportmützen (leichte und wärmere), Strohhut; Tropenhelm kauft man in Port Saïd (meist schlecht), in Bombay etc. (sehr gut) in den verschiedensten Formen. Warmer Reisemantel (»Mackintosh«) ist unentbehrlich, leichter Staub- und Regenmantel zweckmäßig; dazu Plaid oder eine seidene oder Kamelhaardecke. Sonnenschirm kaufe man unterwegs. Zwei tüchtige Leibbinden, zwei seidene Halstücher, Glacéhandschuhe (in Stanniol gewickelt oder in kleiner Blechbüchse verlötet, weil sie im feuchten Tropenklima Stockflecke bekommen); Vorrat der Lieblingszigarren (ebenfalls in Blechkasten verlöten!). Visitenkarten mit heimischer Adresse und Lebensstellung (lateinische Buchstaben). Wer einen photographischen Apparat mitnimmt, verpacke die Films oder Platten sorgfältig in Blechbüchse, mit Heftpflaster verklebt, da sie sonst durch Seeluft sehr leiden; auch lasse man nach Aufnahme bald entwickeln, was, ebenso wie das Abziehen, in allen größern Plätzen ausführbar, in China und Japan z. B. sehr gut.
Damenkleidung unterliegt verschiedeneren Ansprüchen als die Herrenkleidung. Unentbehrlich ist für Damen ein dickes englisches Reisekleid mit sehr fußfreiem Rock und Paletot, dazu passend in der Farbe Mütze und Blusen; ferner ein weißwollenes oder hell gestreiftes Kostüm mit weißseidener und Batistbluse nebst weißer Mütze für die Seefahrt; ein dunkles Foulard- oder ganz leichtes Alpakakleid für Bahnfahrten in Indien, Japan etc.; ein Nachmittagskleid und zwei Abendtoiletten, darunter eine dekolletiert; drei weiße Waschkleider, einfach gemacht und einige Blusen mehr. Ein warmer Reisemantel (Ulster) und ein gegen Regen imprägnierter Staubmantel, ferner ein leichter Schlafrock für Schiff und Nachtfahrten mit der Bahn. Unterzeugausrüstung ähnlich wie für Herren; Ergänzung für die Tropen ist sehr billig und zweckmäßig in Port Saïd bei Simon Arzt oder in Bombay im Army & Navy-Basar zu kaufen, ebenfalls Tropenhut, Schirm, Schuhe und Razais (baumwollene Steppdecken als Matratze für indische Schlafwagen). An Schuhzeug: ein Paar feste braune Lederstiefel, ein Paar weiße Segeltuchstiefel, je ein Paar braune und weiße Halbschuhe, ein Paar Gesellschaftsschuhe und ein Paar elegante Morgenschuhe (auf dem Schiff zu tragen). Strümpfe hauptsächlich dünn und hellfarbig. Leibbinden sind auch für Damen dringend zu empfehlen und von Port Saïd an zu tragen. Sehr nützlich sind etwa sechs kleine Seidenbeutel zum Anhängen, um nachts Toilettensachen, wie Haarnadeln, Schmucksachen etc. unterzubringen, weil der Raum in der Kabine beschränkt ist und beim Schlingern alles vom Tischchen fällt.
In der Toilettenreisetasche sorge man für kleines Nähzeug mit Reserve-Hemd- und Hosenknöpfen etc., für Nagelschere, Pflaster, Verbandwatte und etwas Verbandstoff sowie »russische« Choleratropfen und andre Augenblicksheilmittel in einer kleinen Reiseapotheke zusammengestellt; wobei Chinin und Rizinus nicht vergessen werden sollten. Ein Vorlegeschloß kann zuweilen nützlich sein. Ferner ein kräftiges Taschenmesser mit Kork- und Schraubenzieher nebst Dosenbrecher (für Konservenbüchsen). Revolver oder Browningpistole, in Ledertasche am Gürtel unter der Jacke zu tragen, ist nur außerhalb der Hauptverkehrsgebiete erforderlich; Büchse oder Jagdflinte ist je nach dem Zweck der Reise auszuwählen, doch ist zu beachten, daß die Einfuhr von Waffen in manchen Ländern nur mit obrigkeitlicher Erlaubnis gestattet ist, auch tragen Waffen meist hohen Einfuhrzoll (der beim Austritt nur manchmal zurückvergütet wird). Wer die Handwaffe verheimlicht, kann damit, zumal in den Vereinigten Staaten, in recht üble Lage geraten. Ein gutes Doppelfernglas und ein guter, nicht zu kleiner Kompaß sind unentbehrlich, ein (vorher geprüfter) Aneroid-Barometer (oder Hypsometer) angenehm.
=Reiseliteratur.= Für die Vorbereitung zur Reise besonders zu empfehlen: Victor Ottmann, Rund um die Welt (Berlin 1905); Julius Meurer, Weltreisebilder (Leipzig 1906); Cäcilie v. Rodt, Reise einer Schweizerin um die Welt (Neuenburg 1903); A. G. Plate, Der ferne Osten (Bremen 1907); Doflein, Ostasienfahrt (Leipzig 1906); Walter Frhr. v. Rummol, Erster Klasse und Zwischendeck (Berlin 1912); K. Günther, Einführung in die Tropenwelt (Leipzig 1911); als medizinischer Ratgeber: Kohlstock, Ratgeber für die Tropen (Stettin 1910). Spezielle Literatur ist bei den einzelnen Ländern erwähnt.
Die =Reisekosten= richten sich natürlich nach den Ansprüchen des Weltreisenden; man muß 1200-1800 M. monatlich, einschl. Fahrpreise, also für die Gesamtkosten, bei einer etwa sechsmonatigen Reise rechnen; längere Reisen sind entsprechend billiger, kürzere teurer für jeden Monat. Eine Weltreisekarte Tour 1, via Japan und China, des Norddeutschen Lloyd kostet 2695 M., 2 Jahre gültig, nicht übertragbar; mit solcher Karte würde eine dreimonatige Reise um die Erde etwa 5000 M. kosten. Die 7-1/2 monatige Gesellschaftsreise um die Erde des Reisebureaus der Hamburg-Amerika Linie kostet für 1912: 11900 M., Kosten der viermonatigen Vergnügungsreise s. S. 4.
=Reisegeld, Geldverhältnisse.= Bargeld nehme man für eine Weltreise wenig mit. Auf den Dampfern gilt das Geld der Landesflagge, also deutsches auf den deutschen Linien etc. Für den Bedarf der ersten Tage versehe man sich mit kleinen Banknoten oder etwas Gold- und Silbergeld des nächsten Hafenplatzes schon im voraus im letzten Abgangshafen oder an Bord beim Zahlmeister oder Obersteward (meist etwas teurer). Beim Geldwechseln unterrichte man sich vorher genau über den Wert des fremden Geldes, bevor man sich den in jedem Hafen an Bord kommenden Wechslern anvertraut. Im übrigen versehe man sich schon in Deutschland mit einem Weltkreditbrief der Disconto-Gesellschaft in Berlin W., Unter den Linden 35, oder einer andern größern Bank in Deutschland, der den großen Vorteil bietet, an allen größern fremden Hafenplätzen und Binnenstädten nach Bedarf Geld abzuheben; jedem Weltkreditbrief wird eine Liste von Korrespondenten (bei der Disconto-Gesellschaft am zahlreichsten, etwa 2000) beigefügt, bei denen die Weltkreditbriefe ohne vorhergehendes Avis zahlbar sind, und die auch in andern Angelegenheiten dem Reisenden Ratschläge und Auskünfte erteilen. Im »Weltreiseführer« sind für alle Plätze die Korrespondenten der Disconto-Gesellschaft in Berlin, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig unter »Banken« angeführt. Reise-Schecks des Reisebureaus der Hamburg-Amerika Linie werden in Verbindung mit der Disconto-Gesellschaft vorläufig im Werte von 50 und 100 M. sowie von $ 10, 20, 50 und 100 ausgegeben, als Zahlungsmittel auf der Weltreise. Auch der Norddeutsche Lloyd gibt derartige Schecks aus. Diesen Schecks sind die Gegenwerte der meistbesuchten Länder aufgedruckt (vgl. die Münztabelle); sie werden wie die Weltkreditbriefe an etwa 2000 Bankzahlstellen im In- und Ausland (zum Tageskurs) eingelöst. Der Käufer der Schecks erhält zugleich ein Einführungsschreiben, das er persönlich unterschreiben muß; bei Einlösung eines Schecks ist das Schreiben vorzuzeigen und gleichzeitig die eigene Unterschrift in Gegenwart des die Zahlung leistenden Bankkorrespondenten auf die Rückseite des Schecks zu setzen. Diese Reise-Schecks haben 3 Jahre Gültigkeit, werden aber nur im ersten Jahre bei allen im Einführungsbrief aufgeführten Firmen eingelöst; im zweiten und dritten Jahre können sie nur noch bei der Direktion der Disconto-Gesellschaft in Berlin eingelöst werden; später verfallen sie.
=Reisepaß= sollte jeder Weltreisende zur Legitimation bei sich führen. Für Rußland bestehen besondere Vorschriften, auch für den Durchgangsverkehr auf dem sibirischen Landweg, vgl. S. 301. Für Reisen auf Java (S. 194) ist ebenfalls ein Paß vorgeschrieben, in Indochina ist er oft nützlich. In China besorgt der deutsche Konsul des Ankunftshafens einen Reisepaß für die chinesischen Behörden, wenn man ins Innere reisen will; dazu sind auch Visitenkarten in chinesischer Schrift (mit Namen, Rang, Heimat und Reisezweck) erforderlich. Innerhalb eines Landes besorgen auch oft die Gasthöfe die Pässe.
=Zollwesen= macht in Asien weniger Schwierigkeiten als bei Reisen innerhalb der europäischen Zollvorschriften. Näheres im Texte des Buches bei den Ankunftshäfen.
=Konsulate.= Man suche nach der Ankunft sein Konsulat auf und gebe dort seine Karte ab (schon wegen dahin nachgeschickter Briefe), belästige aber die Konsulatsbeamten nicht mit Kleinigkeiten, suche nur ihre Unterstützung, wo man von fremden Behörden und deren Beamten nicht mit gebührender Achtung behandelt wird. In Ägypten, Siam und China steht der Deutsche unter deutscher Konsulargerichtsbarkeit, sonst überall unter der Gerichtsbarkeit des Landes, wo er sich aufhält.
=Eisenbahnen.= Das Reichskursbuch enthält die Fahrpläne für die Sibirische Bahn Berlin-Mandschuria-Wladiwostok, für die Nordchinesische und die Schantung-Eisenbahn. Die Fahrpläne der übrigen Bahnen etc. muß man sich an Ort und Stelle beschaffen.
=Dampferlinien.= Norddeutscher Lloyd in Bremen (Abteilung Passage, Papenstraße; Belegung von Dampferplätzen kann auch in dessen Hauptagenturen, z. B. Berlin, Unter den Linden 5/6; ferner durch Reisebureaus, wie das Weltreisebureau Union, Berlin, Unter den Linden 22; das Amtliche Bayerische Reisebureau in München, Promenadeplatz 16; Thos. Cook & Son, London, E. C. Ludgate Circus; Schenker & Co., Wien I, Schottenring, u. a. erfolgen): Reichspostdampfer alle 14 Tage nach Ostasien (abwechselnd von Hamburg und Bremerhaven) über Rotterdam (nur die Dampfer von Bremerhaven), Antwerpen, Southampton, Gibraltar, Genua, Neapel (hier können Reisende von Berlin 14 Tage nach Abfahrt des Dampfers aus Deutschland ihn mit der Bahn noch erreichen), dann über Port Saïd, Suez, Aden, Colombo, Penang, Singapore (Anschluß nach Bangkok und Batavia etc.), Hongkong (Anschluß nach Manila), Schanghai (Anschluß nach Hankau), Tsingtau (nur die Dampfer von Hamburg), Nagasaki (nur die Dampfer von Bremerhaven), Kobe, Yokohama und ebenso zurück (ohne Anlaufen von Rotterdam). Vgl. Reichskursbuch Nr. 697. Außerdem die Australlinie bis Colombo, Reichskursbuch Nr. 707a. Schnellpostdampfer zwischen Bremerhaven und New York alle 8-14 Tage, vgl. Reichskursbuch Nr. 711a in 7 Tagen.--Eine Weltfahrkarte des Norddeutschen Lloyd kostet 2695 M. I. Kl. für Tour 1 via China und Japan; die Reise kann westwärts oder ostwärts gemacht werden, die Fahrkarte ist 2 Jahre gültig und nicht übertragbar. Reiseunterbrechung ist in jedem Hafen gestattet, doch Anmeldung beim Agenten der betreffenden Gesellschaft erforderlich mit Angabe, wann die Weiterreise angetreten werden soll. Anspruch auf freien Platz auf dem Dampfer für die Weiterreise hat der Reisende nicht. Alle Kosten am Lande hat der Reisende selbst zu tragen. Verlust der Weltfahrkarte wird nicht vergütet. Die Weltfahrkarte gibt Anrecht auf einen Platz in Außenzimmern niedrigster Preislage, wenn der Platz rechtzeitig bestellt wird; bei Benutzung eines Innenzimmers tritt keine Preisermäßigung ein. Die Anweisung für die Reise über den Atlantischen Ozean kann in New York durch die Firma Oelrichs & Co. (in Bremen durch den Norddeutschen Lloyd) ohne Nachzahlung auf Wunsch des Reisenden auf eine andre atlantische Linie übertragen werden. Wenn der Weltreisende sich in Gibraltar, Genua oder Neapel ein- oder ausschifft, ermäßigt sich der Preis der Fahrkarte um 88 M. Der Preis erhöht sich um 110 M., wenn man von Port Saïd nach Bombay mit Dampfer des Österreichischen Lloyd fährt. Die Reisekosten von Bombay durch Indien bis Colombo sind in den Fahrpreis nicht mit eingeschlossen. Statt des Reichspostdampfers von Colombo nach Singapore darf man einen Dampfer der British India S. N. Co. (nicht empfehlenswert!) von Calcutta nach Singapore benutzen. Gleiches gilt für die Westwärtsreise, auf der man schon bei der Platzbelegung in Ostasien anmelden muß, falls man die Reise in Singapore, Penang oder Colombo unterbrechen will; Meldung beim Schiffszahlmeister vor Abfahrt von Colombo ist erforderlich, wenn man in Suez oder Port Saïd die Rückreise unterbrechen will. Von Japan nach San Francisco berechtigt die Weltfahrkarte zur Fahrt mit den Dampfern der Pacific Mail S. S. Co. und der Toyo Kisen Kaisha, wobei Reiseunterbrechung in Honolulu (bei den japanischen Schiffen nicht über 30 Tage) zulässig ist. Eisenbahnfahrten in Japan hat der Reisende selbst zu bestreiten. Die Weltfahrkarte gestattet auch, mit Küstendampfer des Norddeutschen Lloyd von Singapore über Bangkok (mit Fahrtunterbrechung dort) nach Hongkong ohne Mehrkosten zu reisen. Für die Bahnfahrt von San Francisco via Chicago oder via St. Louis oder via New Orleans nach New York sind die Reisenden berechtigt, sich einen der vielen auf der Fahrkarte genannten Reisewege auszuwählen; die Reise kann in weniger als fünf Tagen ausgeführt, aber auch an jedem größern Platz unterbrochen werden, wenn man dies dem Zugführer vorher anmeldet. Mahlzeiten und Schlafwagenbenutzung (s. II. Teil, S. 4) hat der Weltreisende selbst zu zahlen. Wenn die Eisenbahnfahrt von San Francisco nach New York nicht in die Weltfahrkarte eingeschlossen werden soll, ermäßigt sich deren Preis um 210 M.--Bei Einschiffung für die Reichspostdampfer in Bremen oder Hamburg müssen die Reisenden am Tage vor der Abfahrt des Dampfers in Bremen (Papenstraße 5/6) oder in Hamburg (Baumwall 3) sich zwischen 10 Uhr vormittags und 5 Uhr nachmittags melden und Verladung des Gepäcks (das vorausgesandt werden kann) veranlassen. In Rotterdam legen die Dampfer (von Bremerhaven kommend) am Rynhaven am Kai an; die Reisenden tun gut, schon am Tage vorher sich bei Wm. H. Müller & Co., Willemsplein 5, zu melden. Antwerpen verlassen die Reichspostdampfer der ostasiatischen Linie Montags, sie liegen am Quai van Dyck 20 und 21; Agentur in Antwerpen von Bary & Co., Place de Meir 23, die Reisenden müssen sich meist schon am Abend vor der Abfahrt einschiffen. Reisende, die die Seefahrt durch die nordeuropäischen Gewässer scheuen, benutzen den Lloyd-Expreßzug (täglich früh 6 Uhr 55 Min. von Altona, Hamburg über Bremen, Düsseldorf, Köln, Wiesbaden, Straßburg, Basel, Luzern etc. nach Genua in 28 Stunden, Fahrpreis Hamburg-Genua 168,40 M.). Empfehlenswert ist Platzvorausbestellung bei den Lloydagenturen, der Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei Thos. Cook, Union-Weltreisebureau oder Schenker & Co. für den Lloydexpreßzug. Das eingeschriebene Gepäck der Passagiere, die mit Lloyddampfer von Genua weiterfahren, unterliegt im Lloydexpreßzug keiner Zollrevision; man mache den den Zug begleitenden Beamten der Internationalen Schlafwagengesellschaft darauf aufmerksam. Diese Beamten übernehmen Überführung des Gepäcks von Genua-Bahnhof an Bord des Dampfers gegen 1,50 Fr. Gebühr für jedes Gepäckstück. Genua verlassen die Reichspostdampfer der Ostasiatischen Linie jeden Donnerstag Mittag 12 Uhr, 1 Stunde nach Ankunft des Lloydexpreßzugs. Wer den Lloydexpreßzug nicht benutzt, schifft sich am besten in Neapel ein; Abfahrt des Dampfers von dort Freitags um Mitternacht, 14 Tage nach Abfahrt aus Deutschland. Während der Bahnfahrt sollten diese Reisenden die Zolluntersuchung ihres Gepäcks an der italienischen Grenze selbst überwachen und sich vergewissern, daß es mit ihrem Zuge wirklich mitkommt, da sonst ihr Gepäck [Hand] trotz gegenteiliger Zusicherung der Bahnbeamten oft nicht rechtzeitig nach Neapel kommt! In Neapel melde man sich sofort bei Aselmeyer & Co., Corso Re Umberto I (Rettifilo) Nr. 6; dort erhält man eine kostenfreie Fahrkarte für den Tender, der zu jeder vollen Stunde von Land zum Dampfer fährt. (Genauere Angaben enthält das neueste »Handbuch des Norddeutschen Lloyd für die Reichspostdampferlinien nach Ostasien und Australien«.)
Hamburg-Amerika Linie (Hamburg, Ferdinandstraße 58/62 und Alsterdamm 25, Abteilung: Personenverkehr, Reisebureau in Berlin, Unter den Linden 8, s. S. 4). In Ostasien Anschlußlinie (Reichskursbuch Nr. 697) von Schanghai nach Tsingtau, Tschifu und Tongku (Tientsin) sowie nach Dairen; im Winter statt Tientsin nur Dairen (Dalny). Außerdem sind mehrere Dampfer des ostasiatischen Frachtdampferdienstes zur Aufnahme von Reisenden eingerichtet; diese Dampfer laufen von Hamburg nach Penang, Singapore, Manila, Hongkong, Schanghai, Tsingtau, Tongku (Tientsin), Yokohama und Kobe, einzelne auch bis Wladiwostok; auch die Dampfer des arabisch- persischen Dienstes, die Port Sudan, Djibouti, Aden, Maskat, Bender-Abbas, Lingah, Bahrein, Buschir, Basra, Mohammerah anlaufen, nehmen gelegentlich Reisende mit.--Schnelldampfer zwischen Hamburg und New York s. Reichskursbuch Nr. 711 a.
Österreichischer Lloyd (Triest, Kommerzielle Direktion; Berlin, Generalagentur: Unter den Linden 47) unterhält die Linien: Triest- Bombay, monatlich zwei-(Mai-August ein-) mal, in 15-16 Tagen; Triest-Calcutta (über Port Saïd, Suez, Port Sudan, Djibouti, Aden, Karachi, Colombo, Madras und Rangoon) in 40-44 Tagen, am 12. und 25. jedes Monats; Triest-Kobe (über Port Saïd, Suez, Aden, Bombay, Colombo, Penang, Singapore, Hongkong, Schanghai, Yokohama, Kobe in 70-72 Tagen) am 27. jedes Monats ab Triest (Reichskursbuch Nr. 700). Auswechselbare Rückfahrkarten mit den Messageries Maritimes. Billige Fahrpreise: nach Bombay Salonkl. 33,6 und 30 £, je nach Kabinenlage; Intermed.-Kl. 23,6 £, nach Colombo 36 £, nach Rangoon 38,10 £, nach Calcutta 40,3 £, nach Hongkong 44 £, nach Schanghai 47,6 £, nach Kobe und Yokohama 50,1 £. Rückfahrkarten für alle Plätze mit zweijähriger Gültigkeit. (Man wähle eins der neuern Schiffe.)
Messageries Maritimes (Paris, Rue Vignon 1; Berlin, Unter den Linden 17/18; Hamburg, Eug. Cellier, Dovenfleet 21) von Marseille jeden zweiten Sonntag über Port Saïd, Suez, Djibouti oder Aden, Colombo, Singapore, Saigon, Hongkong, Schanghai, Kobe nach Yokohama in 38 Tagen, mit Anschlußlinien: Singapore-Batavia in 2 Tagen und Colombo-Pondicherry-Calcutta in 5 Tagen (Reichskursbuch Nr. 699). Außerdem monatlich die Australlinie nach Bombay (Reichskursbuch Nr. 707 b).
Società Nazionale di Servizi Marittimi (Rom, Piazza Venezia 11), eine Linie ab Genua am 17. jedes Monats über Neapel, Messina, Catania, Port Saïd, Suez, Aden nach Bombay in 17 Tagen (Reichskursbuch Nr. 701); eine Linie am 18. jedes Monats von Bombay über Singapore nach Hongkong.
Ferner: Stoomvaart Maatschappij Nederland (Amsterdam, Prins Hendrikkade 159-160) und Rotterdamsche Lloyd (Rotterdam, Veerkade 8), je alle 14 Tage von Amsterdam und Rotterdam und Anschluß an die Dampfer des Österreichischen Lloyd ab Port Saïd nach Batavia, erstere über Sabang und Singapore, letztere über Padang (Reichskursbuch Nr. 699 a).--Peninsular and Oriental Steam Navigation Co. (London, E. C. 122 Leadenhall Street) von London, Marseille und Brindisi wöchentl. nach Bombay, 14tägig nach Singapore, Hongkong und Schanghai (schnellste Fahrgelegenheit Brindisi-Bombay, dann mit Sonderzug nach Calcutta); Erkundigung durch Cooks Reisebureau (Reichskursbuch Nr. 698 u. 707 c).--Für Fahrten im Roten Meer: Khedivial Mail S. S. & Graving Dock Co. (Alexandrien) von Suez über Port Sudan oder Dschidda nach Suakin und Aden (Reichskursbuch Nr. 698).--Für Fahrten nach und in Vorderindien: British India Steam Navig. Co. (Reichskursbuch Nr. 698).-- Für Fahrten von Antwerpen nach Japan, Korea, Golf von Petschili und Wladiwostok: Nippon Yusen Kaisha (Reichskursbuch Nr. 703).-- Zwischen Wladiwostok und Schanghai sowie Tsuruga: Russische Freiwillige Flotte (Reichskursbuch 705).--Pacific Mail und Toyo Kisen Kaisha von Hongkong über Schanghai oder Manila, Kobe, Nagasaki, Yokohama, Honolulu nach San Francisco (Reichskursbuch 704).-- Canadian-Pacific S. S. Line ab Vancouver, Nippon Yusen Kaisha und Great Northern S. S. Co. ab Seattle nach Yokohama, Kobe, Nagasaki, Schanghai und Hongkong (Reichskursbuch Nr. 704), die schnellste Verbindung zwischen Asien und Amerika.--Für Fahrten von New York nach Europa: s. II. Teil, S. 201 (Reichskursbuch Nr. 711 a).--Die zahlreichen Küstendampferlinien sind im Texte des »Weltreiseführers« da, wo sie in Betracht kommen, angeführt.
=Allgemeines über die Dampferfahrt.= Die Schiffe sind nicht gleichgroß und bequem; auch die Kabinen jedes Dampfers sind sehr verschieden im Wert, hinsichtlich Lüftung und Sonnenbestrahlung. Für die deutschen Reichspostdampfer sind genaue Preislisten (für jedes Zimmer verschieden) festgesetzt. Man suche stets Außenzimmer (mit Fenster nach außenbords) zu erhalten, und zwar, der Hitze wegen, auf der der Sonnenbestrahlung abgewendeten Seite des Schiffes. Man meide Zimmer in der Nähe der Maschinen und über den Kesselanlagen sowie solche im Vorschiff. Die besten Zimmer liegen in den Decksaufbauten des Mittel- und Hinterschiffs. Je länger die Seefahrt, um so sorgfältiger sei man in der Wahl des Zimmers. Auf englischen Schiffen ist es für Ausländer erfahrungsgemäß sehr schwer, im voraus ein Zimmer zu belegen; man verliert den in Aussicht gestellten guten Platz oft, wenn im letzten Augenblick noch ein englischer Fahrgast sich um denselben Platz bewirbt. Deshalb sollte man stets deutschen und österreichischen Schiffen den Vorzug geben; sogar Engländer und Amerikaner bevorzugen deutsche Schiffe. Im Fahrpreis ist die Verpflegung einbegriffen, auf einigen Linien (z. B. den französischen und italienischen) auch leichter Tischwein. Die Verpflegung ist die guter Gasthöfe (auf deutschen Schiffen sogar »Mastkur« I. Ranges); 1/2 Stunde vor den Mahlzeiten Signal zur Vorbereitung des Anzugs (Hauptmahlzeiten stets im Gesellschaftsanzug, Gehrock oder Smoking). Früh bringt der Kabinensteward Tee mit Zwieback auf Wunsch in die Kabine; dann 20 Min. Badezeit, die man mit dem Bademeister genau verabreden muß; von 8-10 Uhr Frühstück im Speisesaal (kalte und warme Fleischgerichte etc.); 11 Uhr bringen die Deckstewards Fleischbrühe mit Brötchen; um 12 oder 1 Uhr »Tiffin« (zweites Gabelfrühstück mit mehreren Gängen nach Wahl); um 4 Uhr an Deck Tee oder Limonade mit Gebäck; 7 Uhr »Dinner« (Hauptmahlzeit mit 5-10 Gängen). Auf den Reichspostdampfern vormittags und zum Dinner Konzert der Bordkapelle; abends häufig Tanz und Festlichkeiten, auch Skat mit Bier und amerik. Poker mit Whisky, bis Mitternacht. Die Trinkgelder am Ende der Fahrt sind nicht unbeträchtlich: Obersteward und Kabinensteward (etwa je 1/4), Tafelsteward, Decksteward, Bademeister oder Badefrau, Gepäckmeister und Stiefelputzer (etwa je 1/8 des Gesamttrinkgeldes, das bis Colombo etwa 40 M., bis Yokohama etwa 70 M. insgesamt ausmacht). Je nach Leistungen genügt es auch, etwa 3 M. auf den amerikanischen und 2 M. auf den asiatischen Linien an Trinkgeld für den Tag zu rechnen, wenn man keine besondern Anforderungen (durch Seekrankheit etc.) gestellt hat. Seekranke, die an Mahlzeiten nicht teilnehmen, erhalten nach Bedarf Tee und Gebäck vom Steward im Zimmer oder an Deck, ohne dafür zu zahlen. Nebenausgaben beschränken sich auf Getränke, Wäsche und Speisen außerhalb der Mahlzeiten.
Seekrankheit zeigt sich auf großen Dampfern oft nur als leichtes Unwohlsein, ähnlich wie nach zu reichlichem Genuß geistiger Getränke; sie ist bei gehöriger Willensstärke zu überwinden, wenn man ihr von vornherein geringe Bedeutung beilegt. Es empfiehlt sich, dem Magen durch Leibbinde Wärme und Halt zu geben und ihn gut zu füllen, auch zwischen den Mahlzeiten Rostbrot, Schokolade, Kakes, Rotwein zu sich zu nehmen. Andre alkoholische Getränke meide man, ebenso Kaffee, der bei Anwandlung der Krankheit unbedingt Explosionen herbeiführt; dagegen ist Tee mit Zitronenscheiben oder Zitronensaft sehr wohltätig. Man überwinde die ersten Anwandlungen des Übels in frischer Luft an Deck in bequemer Ruhelage (nach Beseitigung beengender Kleidung) in der Mitte des Schiffes; schlechte Luft, Maschinenöl- und Essengeruch werden leicht verhängnisvoll. Riechfläschchen belebt. Bei starken Schiffsbewegungen lasse man die Augen öfters an der unbeweglichen Horizontlinie Ruhe finden. Man liege flach auf dem Rücken und hebe, wenn es schlimm ist, die Beine hoch; dadurch fließt das Blut wieder in das Gehirn zurück. Sicherster Schutz für willensschwache Personen, die sich nicht zusammennehmen können, ist Ruhelage in einer längsschiffs aufgehängten Hängematte. Nahrungsverweigerung erhöht das Unbehagen bei der Seekrankheit.
=Kajütsgepäck= für die Fahrt auf Reichspostdampfern nach Ostasien muß den Namen des Reisenden, des Dampfers, des Abfahrttages und des Bestimmungsorts tragen sowie die Bezeichnung: »Kabine« oder »Gepäckraum«. Gepäckzettel mit Vordruck liefern die Agenturen des Norddeutschen Lloyd. Für Kabinengepäck und Gegenstände, die während der Reise im Verwahrsam und Gebrauch der Reisenden verbleiben, sowie für Gepäckstücke ohne vorschriftsmäßig ausgefüllten Gepäckzettel des Norddeutschen Lloyd übernimmt der Norddeutsche Lloyd keine Verantwortlichkeit. Ansprüche wegen beschädigten oder abhanden gekommenen Gepäcks müssen sogleich nach Ankunft des Dampfers am Bestimmungsorte beim Norddeutschen Lloyd oder dessen Vertreter erhoben werden, wenn der Eigentümer nicht seines Anspruchs auf Schadloshaltung verlustig gehen will. Kaufmannsgüter, Gelder, Wertpapiere, Juwelen und Kostbarkeiten dürfen sich nicht im Gepäck befinden und erklärt sich der Norddeutsche Lloyd für solche Artikel frei von jeder Verantwortlichkeit. Wertsachen sind während der Reise dem Kapitän oder Zahlmeister des Schiffes zur Aufbewahrung zu übergeben. Wein, Bier und Spirituosen dürfen von den Reisenden nicht mit an Bord gebracht werden, solche sind zu den tarifmäßigen Preisen an Bord zu kaufen. Die Mitnahme von feuergefährlichen, explosiven oder ähnlichen Gegenständen ist strengstens untersagt; Zuwiderhandelnde werden für allen Schaden haftbar gemacht und gerichtlich zur Verantwortung gezogen.
Jeder Reisende hat Anspruch auf freie Beförderung seines Handgepäcks, eines Stuhls und eines Kabinenkoffers von höchstens 1 m Länge, 0,6 m Breite und 0,4 m Höhe sowie andrer Gepäckstücke mit persönlichen Gebrauchsgegenständen, insgesamt 1 cbm Rauminhalt und 200 kg Gewicht nicht übersteigend (halbzahlende Kinder 100 kg bei 1/2 cbm Raumgehalt Freigepäck), zur Unterbringung im Gepäckraum. Für Gepäck-Überfracht im Gepäckraum wird 50 M. per cbm oder 200 kg berechnet. Mitnahme von Waren als Gepäck ist nicht gestattet. Ähnliche Bedingungen auf den andern Linien des Norddeutschen Lloyd und auf andern Dampferlinien.
[Hand] Man achte stets auf sein Handgepäck und lasse Wertsachen nie unbewacht liegen; Abfahrt und Ankunft in Häfen sind bevorzugte Stehltage für »Händler« und Gelegenheitsdiebe! Auch vor Beginn der Seekrankheit alles abschließen!
=Seereise-Unfallversicherungen= durch Weltpolicen auf Todes- und Invaliditätsfall (für Hin- und Rückreise und Aufenthalt in überseeischen Ländern), Prämie 80 M. für 1 Jahr und je 10000 M. Versicherungssumme sowie Reisegepäckversicherung (für je 1000 Seemeilen etwa 1/10 Proz. des Wertes) übernimmt die Assekuranz-Abteilung des Norddeutschen Lloyd; ähnlich auch in Cooks Reisebureau.
=Post und Telegraph.= Besondere Angaben für die einzelnen Länder findet man im Texte. Briefe und Depeschen adressiere man: Herrn N. N., an Bord des Reichspostdampfers ... N. N...., am ... (Datum) von (Neapel) nach (Colombo), Adresse Herren (Agent der Dampferlinie) in (Port Saïd). Man erhält dann die Postsachen bei Ankunft in dem Hafen. Ebenso kann man Briefe etc. an deutsche Konsulate (wo kein deutsches Postamt ist: Care of Imperial German Consulate in ...), oder an die Agenturen von Cooks Reisebureau, oder an die Dampferagenturen oder gute Gasthöfe adressieren lassen. Während Landreisen in Indien, Siam, Indochina, Java, China und Japan lasse man sich Briefe nicht direkt nachschicken, sondern beauftrage einen Agenten (z. B. Cook) im Hafenplatz, sie auf Anweisung an bestimmte Plätze nachzuschicken. Briefe im Weltpostverein kosten 20 Pf. Depeschen von Deutschland kosten: jedes Wort (bis 15 Buchstaben) nach: Indien 2,05 M., Ceylon 2,15 M., Singapore 3,60 M., Java 4,10 M., Schanghai 4,55 M., Japan 5 M., San Francisco 1,60 M., New York 1,05 M. Wer viel zu telegraphieren hat, kann viel sparen, wenn er einen Telegraphenschlüssel (z. B. den Familientelegraphenschlüssel von Carl Bödiker, Hamburg, Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin), mitnimmt. Verabredungen über den Sinn der gekürzten Depeschen sind nicht erforderlich, wohl aber empfiehlt sich vorherige Bestimmung einer abgekürzten Telegrammadresse.
Nachsendungen von Telegrammen, Geld, Paketen etc. an Weltreisende übernimmt die Firma Bödiker (s. oben; Telegrammadresse, auch für die Filialen in Tientsin und Tsingtau ist »Bödiker«); sie depeschiert mit Bödikers Familientelegraphenschlüssel, der sehr beträchtliche Ersparnisse gewährt; erteilt Auskunft, stellt Reisepläne auf, besorgt Kabinenplätze, expediert Gepäck und Mobilar etc.
=Zeitvergleichung:= a) Mitteleuropäische Zeit (M. E. Z.) in Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien; b) Osteuropäische Zeit (O. E. Z.) 1 Stunde vor gegen M. E. Z.: Ägypten (Rußland noch 1 Min. früher); c) Ostindische Eisenbahnzeit (Indian Standard Time) 4 Stunden 30 Min. vor gegen M. E. Z. (in den Städten wird nach Ortszeit gerechnet); d) Chinesische Küstenzeit 7 Stunden vor gegen M. E. Z.; e) Japanische Zeit 8 Stunden vor gegen M. E. Z; f) Pacific Time (San Francisco) 9 Stunden nach gegen M. E. Z.; g) Mountain Time (Salt Lake City) 8 Stunden nach gegen M. E. Z.; h) Central Time (New Orleans) 7 Stunden nach gegen M. E. Z.; i) Eastern Time (New York) 6 Stunden nach gegen M. E. Z.; k) Westeuropäische Zeit (W. E. Z.) in England, Frankreich, Belgien, Niederlande, Spanien und Portugal 1 Stunde nach gegen M. E. Z.--Über den Datumwechsel im Stillen Ozean s. S. 412.
Um 12 Uhr mittags Mitteleuropäischer Zeit zeigt die Uhr in:
Moskau 1 Uhr 1 Min. Nm. Port Saïd 1 - -- - - Suez 1 - -- - - Aden 2 - -- - - Bombay 3 - 51 - - Colombo 4 - 19 - - Madras 4 - 20 - - Calcutta 4 - 53 - - Rangoon 5 - 25 - - Penang 5 - 41 - - Bangkok 5 - 42 - - Singapore 5 - 55 - - Irkutsk 5 - 58 - - Saïgon 6 - -- - abds. Batavia 6 - 7 - - Peking 6 - 46 - - Hongkong 7 - -- - - Schanghai 7 - -- - - Tsingtau 7 - -- - - Manila 7 - 6 - - Charbin 7 - 25 - - Wladiwostok 7 - 48 - - Yokohama 8 - -- - - ------------------------------------- Honolulu 0 Uhr 28 Min. früh San Francisco. 3 - -- - - Salt Lake City 4 - -- - - Chicago 5 - -- - - New York 6 - -- - Vm. London 11 - -- - - Antwerpen 11 - -- - -
=Sprache.= Die vorherrschende Sprache für Weltreisende ist das Englische; =nur= französische Sprachkenntnisse genügen nicht! Verkehrssprache auf den Dampferlinien ist die des Landes ihrer Flagge (auf dem Österreichischen Lloyd ist sie italienisch). Für die fremden Sprachen leisten im Verkehr »=Meyers Sprachführer=« (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig), als Ergänzungen zu Meyers Reisebüchern, ausgezeichnete Dienste. Sie sind eine eigenartige Verschmelzung von Konversationsbuch und Taschenwörterbuch (in äußerst handlichem Format), indem jenes in dieses hineingearbeitet wurde und erst so, durch die alphabetische Anordnung des ganzen Stoffs, wirklichen Nutzen gewährt. Der Reisende findet im Nu das gewünschte Wort, daneben grammatische Anweisungen, lehrreiche Winke über Sitten und Gebräuche und unter leicht zu merkenden Stichwörtern eine Fülle zusammengehöriger Vokabeln und Redewendungen, die ihn befähigen, seine Wünsche richtig auszudrücken und über die landläufigen Themata eine jedermann verständliche Unterhaltung zu führen. Folgende Bändchen sind wichtig für die Weltreise: Englisch, geb. 2,50 M.; Französisch, geb. 2,50 M.; Portugiesisch, geb. 3,50 M.; Spanisch, geb. 3 M.; Italienisch, geb. 2,50 M.; Russisch, geb. 3 M.; Arabisch, geb. 3 M.; Türkisch, geb. 3 M.
=Gasthöfe.= Weltreisende finden in den Gasthöfen ersten Ranges aller großen Hafenplätze Asiens europäische Bequemlichkeit; im Innern der Länder darf man keine hohen Ansprüche stellen. In Indien gibt es nur in Bombay, Colombo und Kandy Gasthöfe, die allen Ansprüchen genügen; im übrigen sind sie mäßig, zuweilen schlecht nach heimischen Begriffen, aber stets den Eigentümlichkeiten des Europäerlebens in Indien angepaßt. Die Häuser sind meist einstöckig mit vielen Veranden und Hallen in tropischen Gärten. An den hellen Speisesaal stoßen die oft dunkeln Wohn- und Schlafzimmer mit Bade- und Toiletteraum nebenan; die Betten sind hart. Bedienung und Reinlichkeit lassen zu wünschen. Man zahlt fast in ganz Ostasien im Gasthof Pension für den Tag und erhält dafür gegen 9 Uhr früh Gabelfrühstück, gegen 1 Uhr Lunch (Tiffin) und gegen 7 Uhr abends Dinner; außerdem Tee mit Brot früh und nachmittags. Das Essen ist sehr gewürzt, am besten Curry mit Reis; Rindfleisch ist schlecht, Hammel und Geflügel sind in ganz Ostasien die Hauptfleischnahrung; Wild ist selten. Man speist nach gemeinsamem Speisezettel an kleinen Tischen, zum Dinner im Gesellschaftsanzug. Getränke: Whisky mit Soda am bekömmlichsten, auch für Damen, Rotweine erträglich (nirgends Weinzwang), Weißweine meist ungenießbar. In den von der indischen Regierung unterhaltenen Dâk Bungalows (Rasthäusern für reisende Europäer) findet man meist bequeme Unterkunft (Bettzeug mitbringen, wie für die Gasthöfe!), auch Baderaum und meist einfache Beköstigung nach fester Preisliste; aber man kann die Plätze in den D. B. nicht vorausbestellen; wer zuerst kommt, erhält zuerst Platz, ist aber verpflichtet, nach 24 Stunden den nächsten Bewerbern Platz zu machen; der Zimmerpreis ist mäßig. Wesentlich besser als in Britisch-Indien sind die Gasthöfe in Niederländisch-Indien, besonders auf Java; sie sind reinlich und luftig, die Verpflegung meist recht gut, Bedienung gut. Den verwöhntesten Ansprüchen genügen die (allerdings nicht billigen) ersten Hotels in Bombay, Singapore, Schanghai, Tsingtau, Peking, Yokohama, Tōkyō, Kyōto, Miyanoshita und Honolulu.--Die Wäsche wird in den Gasthöfen oder durch Vermittelung von deren Manager in ganz Ostasien schnell, gut und preiswürdig besorgt.--Über amerikanische Gasthöfe vgl. II. Teil, S. 2.
=Restaurants= findet man nur in Hafenstädten; man ist meist auf die Gasthöfe angewiesen; nach der Karte wird selten bedient.
=Bäder= sind in jedem, auch dem minderwertigsten Gasthof zu haben.
=Automobile= geben dem Reisenden beste Gelegenheit, in kurzer Zeit viel zu sehen; sie sind in ostasiatischen Städten sehr verbreitet und entweder durch die Gasthöfe oder in den »Automobile« bzw. »Motorcargarages« zu mieten.
Erklärung einiger landesüblicher Ausdrücke:
a) Für Indien und Ceylon:
Dâk Bungalow, staatliches Rasthaus für Reisende (s. oben).
Dandy, Himalaja-Sänfte.
Chota hasri, Morgentee (»kleines Frühstück«).
Bandar, Hafen.
Catamaran, Brandungsfloß.
Dagoba, buddhist. Heiligenschrein.
Dharamsala, Pilgerherberge.
Fakir, mohammedan. Bettelmönch.
Ghat, Flußtreppe, auch Bergpaß.
Gopura, Pagodentor.
Jogi, Hindu-Bettelmönch.
Maidan, Platz.
Masjid, Moschee.
Monsun, Regenzeit (Juni bis Sept.).
Náuch, ein Tanz.
Pagode, südindischer Tempel.
Palankin, Tragstuhl alter Art.
Sahib, Herr (Anrede für Europäer).
Sarai, Rasthaus für Reisende.
Kitmitgar, Diener.
Tonga, indischer Wagen.
Ekka, Einspänner, Ochsenwagen.
Tikka Gharri, Droschke.
Razai, indische Steppdecke.
Gymkhana, Spielplatz.
Eurasier, europ.-ind. Mischling.
Kummurbund, wollene Leibbinde.
Sampan, Flußboot (Indochina).
b) Für ganz Ostasien:
Bungalow, Wohnhaus.
Godown, Lagerraum.
Rikscha, von einem Mann gezogenes leichtes Wägelchen für einen Fahrgast, bei Regen geschlossen.
Tiffin, 2. Gabelfrühstück (1-2 Uhr).
Easy chair } bequemer Liegestuhl Long chair } aus Bambusgeflecht.
Sedan chair, Tragstuhl aus Bambus.
Curry, scharfe, aromatische Tunke.
Peg, Sodawasser mit Whisky.
Punkah, Zimmerdeckenfächer.
Bombay duck, getrockneter Fisch.
Chutney, scharfes Eingemachtes.
Bund, Kaistraße am Hafen.
Sarong (niederl.-ind.), Hauskleid.
Kabaja (niederl.-ind.), Morgenkleid.
Pyjama, Morgen- und Nachtkleid (Hemdhose; Kombination).
Hock, Rheinwein.
Sandwich, belegtes Butterbrot.
Lime drink, Limonade.
Sado (= dos à dos), niederländ.-ind. Droschke.
Spada (niederländ.-ind.), Diener.
Soja (Soy), japan. Pilztunke.
Curios, altertümliche Kunst- und Nippsachen etc.
Cloisonné, Schmelzfarbenkunst.
Kimono, japanischer Hausrock.
Scrupkin, Sekt auf Eis.
c) Für Japan:
Daibuts, große Buddhastatue.
Daischi, buddhistischer Heiliger.
Gohai, schintoist. Papierstreifen.
Hatoba, Bootshafen, Landungsplatz.
Kagura, schintoistischer Tanz.
Kakemono, Hängebild.
Kawa, Bach.
Kiku-no-mon, das kaiserliche Chrysanthemum-Wappen.
Kuruma = Rikscha (Djinrikscha).
Kwaisha = Gesellschaft.
Kwankoba, ein Basar.
Mitsu-aoi, die drei Blätter des Tokugawawappens.
Nippon = Japan.
Torii, schintoistisches Tempeltor.
Yama, Berg.
=Seewesen.= Als Hilfsmittel für die Schiffsführung =in der Nähe von Land= dienen Landmarken (Türme, Berggipfel, Gerüste, sogen. Baken), schwimmende Seezeichen (Tonnen verschiedener Form und Farbe) an den Kanten von Riffen, Sandbänken und »blinden« (unter Wasser liegenden) Klippen, auch Feuerschiffe. Nachts warnt die Küstenbeleuchtung auf Leuchttürmen, Feuerschiffen und Leuchttonnen (Fettgas oder elektrisch) vor Gefahren im Fahrwasser. Die Leuchtfeuer unterscheiden sich als Festfeuer (gleichmäßig leuchtend), unterbrochene Feuer (mit zeitweisen Verdunkelungen), Blinkfeuer (aufblinkend mit großen Dunkelpausen) und Blitzfeuer (mit Blitzen von weniger als 2 Sekunden Dauer), ferner als Wechselfeuer (Farbenwechsel rot, weiß oder grün); um verhängnisvolle Verwechselungen zu meiden, brennen auf benachbarten Leuchttürmen verschiedenartige Feuer. Seekarten, Seehandbücher (Beschreibungen der Küste und der Gefahren des Fahrwassers und Anweisungen für die Schiffahrt), Leuchtfeuerlisten sowie Kompaß, Lot, Logg, Sextant und Chronometer dienen dem Kapitän zur Bestimmung des Schiffsorts. Durch Peilungen (Kompaßrichtungen von Landmarken) wird der Schiffsort auf der Seekarte in Sicht von Land bestimmt; der nach dem Kompaß gesteuerte Kurs und die mit dem Logg gemessene Schiffsgeschwindigkeit geben die Versegelung vom gepeilten Abfahrtspunkt. =Auf hoher See= wird die Koppelkurs- oder Loggrechnung berichtigt durch astronomische Bestimmung des Schiffsorts, indem mit dem Sextant Sonnen- oder Gestirnshöhen gemessen, dazu die Chronometerzeiten (nach Greenwich-Zeit) beobachtet werden. Einfachste Bestimmung der geographischen Breite erfolgt durch Beobachtung der Mittagshöhe der Sonne; die geographische Länge wird aus Sonnenbeobachtungen vor- oder nachmittags gefunden, indem man den Stundenwinkel der Sonne aus den Messungen berechnet und die daraus gefundene Ortszeit mit der Greenwich-Zeit des Chronometers vergleicht; der Unterschied ist die geographische Länge. Peilungen des Sonnenauf- und -untergangs geben durch einfache Rechnung die wahre Nordrichtung; mit ihr berichtigt man die Fehlweisung des Kompasses, d. h. die örtliche magnetische Mißweisung und Ablenkung des Kompasses, verursacht durch die Stahl- und Eisenmassen des Schiffs. Das tägliche Mittagsbesteck (geographische Breite und Länge) auf hoher See wird den Reisenden bekannt gegeben.
=Signalwesen und Flaggen.= Wichtig für die Seeschiffahrt sind die Signalsysteme zur Verständigung der Schiffe untereinander auf See. Das Signalisieren mit =Flaggen=, vom englischen Kapitän Marryat 1848 eingeführt, geschieht mit Hilfe des (in allen Sprachen seefahrender Völker herausgegebenen) Internationalen Signalbuchs.
Die 26 Signalflaggen des Internationalen Signalbuchs zeigen die Farben Rot, Gelb, Blau und Weiß und sind mit Buchstaben bezeichnet. Die Flaggen können wie folgt zusammengestellt werden: 650 Signale mit je zwei Flaggen, 15600 Signale mit je drei Flaggen und 358800 Signale mit je vier Flaggen. Zum Austausch von Mitteilungen sind nur Signale mit zwei oder drei Flaggen erforderlich. Alle dringenden Mitteilungen, z. B. Gesuche um Aufmerksamkeit, Anzeigen von Gefahr oder Not, Aufforderung zur Hilfeleistung, werden nur mit zwei Signalflaggen gemacht; z. B. bedeutet
Signal NC (Flagge N, darunter Flagge C): »Bin in Not, habe unverzügliche Hilfe nötig.« Mit drei Flaggen werden ganze Sätze und Satzteile, mit vier Flaggen geographische Namen, andre (zu buchstabierende) Namen und Schiffsnamen signalisiert. Die Signalgruppen von GQBC bis GWVT sind als Unterscheidungssignale für Kriegsschiffe, die Gruppen von HBCD bis WVTS für Handelsschiffe einer Landesflagge bestimmt. Von jedem Staat werden Listen der eignen Schiffsnamensignale (Unterscheidungssignale) jährlich veröffentlicht.
Auf Entfernungen, welche die Farben nicht mehr erkennen lassen, treten an Stelle der bunten Flaggen die =Fernsignale=, für die das Signalbuch nur Körper: Ball, Kegel, Zylinder etc., eingeführt hat. Kein Fernsignal besteht aus mehr als drei Zeichen, und höchstens zwei sind von gleicher Form. Die 18 Signalbuchstaben werden durch Fernsignale wiedergegeben, die aus drei Signalzeichen bestehen. =Nachtsignale= werden auf Grund besonderer Vereinbarungen durch Zeigen weißer oder farbiger Lichter, oft auch nach dem Morsesystem durch lange und kurze Lichtblinke gegeben.
=Flaggen.= Handelsschiffe sind als solche kenntlich an ihrer (am Heck gehißten) Nationalflagge, die sie im Hafen stets, in See in der Regel nur bei Begegnung von Schiffen führen. Die Reederei erkennt man an der am Großmast gesetzten Reedereiflagge und bei Dampfern auch am Anstrich oder Abzeichen des Schornsteins.--Kriegsschiffe führen die Kriegsflagge am Heck und das Kommandozeichen (Wimpel, Stander, Admiralsflagge) am Topp.
Die beifolgenden =Flaggentafeln= geben die Handels- und Kriegsflaggen der seefahrenden Nationen sowie die Reedereiflaggen und Schornsteinabzeichen der wichtigsten Dampfergesellschaften wieder.
[Einige nützliche Angaben für Weltreisende.]
=Entfernungen in Seemeilen= (1 Seemeile = 1852 Meter).
A. =Von Hamburg nach=:
Cuxhaven 56 Helgoland 90 London 430 Dover 390 Southampton 510 Plymouth 620 Amsterdam 290 Rotterdam 320 Boulogne 420 Havre 500 Ouessant 693 Lissabon 1340 Gibraltar 1614 Marseille 2300 Genua 2469 Neapel 2589 Malta 2594 Brindisi 2926 Port Saïd 3543 Alexandrien 3420 Suez S 3630 Aden S 4929 Bombay S 6576 Colombo S 7030 Calcutta S 8243 Rangoon S 8253 Singapore S 8560 Batavia S 8834 Bangkok S 9354 Saïgon S 9204 Manila S 9883 Hongkong S 10000 Schanghai S 10800 Tsingtau S 11100 Tschifu S 11250 Wladiwostok S 11570 Yokohama S 11450 Nagasaki S 10970 Vancouver M 14673 San Francisco M 13844 New Orleans 5090 Baltimore 3910 Philadelphia 4080 New York 3610 Boston 3444 Quebec 3286 Montreal 3430
B. =Zwischen andern Häfen=:
Bremerhaven-New York 3555 Harwich-Hoek van Holland 108 Antwerpen-London 191 Calais-Dover 23 Havre-New York 3110 Cherbourg-New York 3070 Liverpool-New York 3040 Southampton-New York 3190 Bordeaux-New York 3187 Genua-New York 4040 -- -Alexandrien 1300 Brindisi-Port Saïd 934 -- -Alexandrien 840 Triest-Port Saïd 1305 New York-Hongkong S 11610 -- - K 13590 -- -Yokohama S 13040 -- - K 15020 New York-San Francisco M 13090 -- -Honolulu M 13200 Colombo-Calcutta 1254 Bombay-Madras 1480 Hongkong-Yokohama 1560 Yokohama-San Francisco 4530 Yokohama-Honolulu 3400 -- -Vancouver 4340 Honolulu-San Francisco 2100 San Francisco-Shanghai 5800
S bedeutet durch den Suezkanal, K um das Kap der Guten Hoffnung, M durch die Magalhãesstraße.--Tabelle B kann mit A zusammen benutzt werden, um noch zwischen andern Plätzen die Dampferwege zu bestimmen.
Städte über 500000 Einwohner.
New York (1910) 4766883 London (1911) 4522961 Paris (1911) 2846986 Tōkyō (1908) 2186079 Chicago (1910) 2185283 Berlin (1910) 2070695 Wien (1910) 2030850 Philadelphia (1910) 1549008 Moskau (1909) 1459800 St. Petersburg (1909) 1454700 Buenos Aires (1910) 1272124 Osaka (1908) 1226590 Konstantinopel ca. 1200000 Peking (1911) 1017209 Tschöngtu ca. 1000000 Bombay (1911) 972892 Hamburg (1910) 932166 Kanton ca. 900000 Calcutta (1910) 890493 Budapest (1910) 881601 Rio de Janeiro (1908) 858000 Hankau ca. 820000 Tientsin ca. 800000 Glasgow (1911) 783401 Warschau (1909) 764054 Liverpool (1911) 746566 Manchester (1911) 714427 St. Louis (1910) 687029 Boston (1910) 670585 Kairo (1907) 654476 Schanghai ca. 651000 Bangkok (1910) 628675 Tschungking ca. 610000 Sydney (1909) 605900 Neapel (1910) 596000 München (1910) 595053 Leipzig (1910) 587635 Mailand (1910) 584000 Rom (1909) 574666 Amsterdam (1909) 568130 Melbourne (1909) ca. 562300 Cleveland (1910) 560663 Barcelona (1910) 560080 Baltimore (1910) 558485 Madrid (1910) 549416 Dresden (1910) 546882 Pittsburg (1910) 533905 Odessa (1909) 520000 Marseille (1906) 517498 Madras (1911) 517335 Köln (1910) 516167 Breslau (1910) 511891 Sutschou ca. 500000
Vergleichung der Thermometerskalen.
============================== Celsius | Réaumur | Fahrenheit --------+---------+----------- -40 | -32 | -40 -35 | -28 | -31 -30 | -24 | -22 -25 | -20 | -13 -20 | -16 | -4 -15 | -12 | 5 -10 | -8 | 14 -5 | -4 | 23 0 | 0 | 32 5 | 4 | 41 10 | 8 | 50 15 | 12 | 59 20 | 16 | 68 25 | 20 | 77 30 | 24 | 86 35 | 28 | 95 40 | 32 | 104 45 | 36 | 113 50 | 40 | 122 55 | 44 | 131 60 | 48 | 140 65 | 52 | 149 70 | 56 | 158 75 | 60 | 167 80 | 64 | 176 90 | 72 | 194 100 | 80 | 212 ==============================
=Windstärke= (Beaufortskala): 0. Still; 1. Leiser Zug; 2. Leichter Wind; 3. Schwacher Wind; 4. Mäßiger Wind; 5. Frischer Wind; 6. u. 7. Starker Wind; 8. Stürmischer Wind; 9. Sturm; 10. u. 11. Starker Sturm; 12. Orkan.
Flächeninhalt und Bevölkerung der Staaten über 5 Mill. Einwohner.
-------------------------------+-----------+-------------------+------- | Fläche in | | Auf Staaten | qkm | Bevölkerung | 1 qkm -------------------------------+-----------+-------------------+------- Argentinien | 2806400 | 7121822[1] | 2,5 Belgien | 29456 | 7516730 (10)[1] | 255 Kongokolonie | 2382800 | 18000000[1] | -- Brasilien | 8550000 | 20515000[1] | 2,5 China | 11138880 | 426000000[1] | 30 Deutsches Reich | 540778 | 64903423 (10) | 120 Davon: | | | Preußen | 348702 | 40163333 | 115 Bayern | 75870 | 6876497 | 90 Sachsen | 14993 | 4802485 | 320 Württemberg | 19512 | 2435611 | 124 Kolonien | 2658500 | 13920000[1] | -- Frankreich | 536464 | 39252267 (06) | 73 Kolonien | 11319400 | 49286000[1] | -- Großbritannien und Irland | 314433 | 45365599 (11) | 144 Kolonien und Schutzstaaten | 30526214 | 356642113 (01) | -- Davon: Vorderindien | 4860000 | 316084000 (11) | 65 Kanada | 9700600 | 7081869 | 0,7 Australien und Südsee | 8259900 | 6235000 | 0,8 Italien | 286682 | 34686653 (11)[1] | 121 Kolonien | 484050 | 596000[1] | -- Japan | 382415 | 51591361 (11)[1] | 138 Kolonien | 291252 | 17015312 (11)[1] | 58 Mexiko | 1987201 | 15063207 (10) | 8 Niederlande | 33079 | 5857949 (09) | 180 Kolonien | 2045647 | 38101800[1] | -- Österreich-Ungarn | 676077 | 51304249 (10) | 75,9 Persien | 1645000 | 9000000[1] | 5,6 Portugal | 91943 | 5423132 (00) | 59 Kolonien | 2093000 | 8580000[1] | -- Rumänien | 131353 | 5956690 (99) | 45,3 Rußland in Europa | 5744058 | 114847043 (97) | 20 Sibirien und Mittelasien | 16061468 | 13505540 | 1,2 Schweden | 447864 | 5521943 (10) | 12 Siam | 600000 | 7000000[1] | 17 Spanien | 504530 | 19588688 (10) | 39 Kolonien | 238900 | 330000 | -- Türkisches Reich in Europa | 169300 | 6130200 | 36 Türkischer Besitz in Asien | | | und Afrika | 2817800 | 17898700[1] | -- Außerdem Ägypten ohne Sudan | 994300 | 11287359 (07) | 11 Vereinigte Staaten | 7692225 | 91927267 (10) | 11,9 Kolonien und Alaska | 1854287 | 8361963 | -- -------------------------------+-----------+-------------------+-------
I. Ostindien, Siam, Sumatra, Indochina, Java.
1. Aus Europa durch den Suezkanal nach Bombay S. 22-41 Von Triest, Brindisi, Genua, Neapel, Marseille S. 22-25. -- Suezkanal S. 26. -- Rotes Meer S. 30. -- Port Sudan S. 32. -- Suakin S. 33. -- Djibouti S. 36. -- Abessinien S. 37. -- Aden S. 38.
2. Bombay S. 53-63
3. _Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares nach S. 63-96 Calcutta_ Ahmedabad S. 65. -- Ajmer S. 67. -- Jaipur S. 68. -- Amber S. 69. -- Delhi S. 70. -- Kutab Minar. Delhi - Umballa - Simla S. 74. -- Delhi - Amritsar - Lahore - Peshawar S. 75. -- Von Rawal Pindi durch den Baramulapaß nach Srinagar (Kaschmir) S. 78. -- Khaiber Paß. Lahore - Karachi S. 80. -- Delhi - Agra S. 82. -- Sikandarah. Fatehpur Sikri S. 86. -- Gwalior S. 87. -- Cawnpore. Lucknow S. 88. -- Allahabad S. 89. -- Benares S. 90. -- Buddh Gaya S. 95.
4. Von Bombay nach Madras S. 96-104 Mahabaleshwar S. 97. -- Bijapur. Hyderabad S. 98. -- Golkonda S. 99. -- Tirupati. Madras S. 100. -- Mahabalipuram S. 104.
5. Durch den Suezkanal nach Colombo. Ceylon S. 104-125 Von Genua oder Neapel S. 104; von Marseille; von Brindisi S. 105. -- Von Triest, Ceylon S. 106. -- Colombo S. 110. -- Mount Lavinia S. 114. -- Kandy S. 115. -- Peradeniya S. 117. -- Anuradhapura S. 119. -- Adams Peak S. 121. -- Nuwara Eliya S. 122. -- Hakgala. Badulla. Pedrotallagalla. Bandarawela S. 123. -- Küstenfahrt um Ceylon S. 124. -- Point de Galle S. 125.
6. _Von Colombo über Madras (-Ootacamund) nach Calcutta. Darjeeling_ S. 125-143 Tuticorin. Madura S. 126. -- Trichinopoly. Tanjore S. 127. -- Ootacamund S. 129. -- Mysore, Seringapatam, Bangalore S. 131. -- Puri Jagganath S. 133. -- Calcutta S. 134. -- Assam S. 140. -- Darjeeling. Tiger Hill S. 141. -- Phalut S. 142.
7. Von Calcutta nach Rangoon. Birma S. 143-155 Oberbirma. Pegu S. 150. -- Mandalay S. 151. -- Von Mandalay nach Bhamo u. Talfahrt auf dem Irawaddy S. 153. -- Pagan S. 154.
8. Von Colombo nach Singapore. Sumatra S. 155-169 Penang S. 156. -- Medan S. 158. -- Padang. Merapi. Krakatau S. 160. -- Malacca S. 161. -- Singapore S. 166. -- Johore S. 169.
9. Siam. Indochina S. 169-190 Von Singapore nach Bangkok S. 169. -- Siam S. 170. -- Phrabat S. 176. -- Ajuthia. Von Singapore nach Saïgon S. 177. -- Indochina. Cochinchina S. 178. -- Cambodja. Saïgon S. 179. -- Cholon S. 182. -- Pnom-penh S. 184. -- Angkor Thom. Anam S. 185. -- Hué S. 186. -- Haiphong S. 187. -- Hanoï S. 188. -- Hanoï - Yünnanfu S. 189.
10. Von Singapore nach Batavia. Die Insel Java S. 190-212 Java S. 191. -- Batavia S. 195. -- Buitenzorg S. 200. -- Sindanglaja S. 202. -- Bandoeng. Tangkoeban. Garoet S. 203. -- Papandajan. Telaga Bodas S. 204. -- Djokjakarta. Prambanan S. 205. -- Boro-Boedoer. Magelang S. 206. -- Soerakarta. Samárang S. 207. -- Soerabaja S. 208. -- Pasoeroean S. 210. -- Bromo. Tosari S. 211. -- Probolinggo S. 212.
1. Aus Europa durch den Suezkanal nach Bombay.
Vgl. die beifolgende Karte.
A. Von Triest nach Bombay.
=Dampfer des Österreichischen Lloyd= am 1. und 16. jeden Monats (Mai bis August nur am 1.) von Triest über (1305 Seem.) Port Saïd durch den Suezkanal nach (2690 Seem.) Aden und von da nach (4340 Seem.) Bombay in 15-16 Tagen.
=Fahrpreis= Triest-Bombay: Salonklasse 33,6 und 30 £ nach Kabine; Intermediateklasse 23,6 £, Deckfahrt mit Kost 10 £. Rückfahrkarten, zwei Jahre gültig, das Anderthalbfache. Reisende, welche die Ausreise voll bezahlt haben, erhalten bei Rückreise innerhalb zwölf Monate 25 Proz. Ermäßigung auf den Fahrpreis der Rückreise. Auswechselbare Rückfahrkarten mit der Messageries Maritimes: von Triest nach Bombay und von da nach Marseille oder umgekehrt Lloyd-Salonklasse --Messageries Maritimes I. Kl. 66,12, 63,12 und 61,12 £; Lloyd-Salonklasse --Messageries Maritimes II. Kl. 53,14 und 51,14 £; Lloyd-Intermediateklasse-- Messageries Maritimes II. Kl. 49,14 £.
In =Triest= (Excelsior Palast-Hotel: De la Ville, Z. von 3,50 K an; Delorme, Z. von 3 K an; Volpich zum Schwarzen Adler, ebenso; Europa, Z. 2-6 K) legen die Schiffe des Lloyd am Kai an. Die Ausfahrt gewährt ein prachtvolles Landschaftsbild. Die Westseite des Adriatischen Meeres ist flach, einförmig und arm an Buchten und Häfen; die Ostküste ist reich gegliedert, hafenreich, felsig und umsäumt von zahllosen Kalkinseln, denn das Meer ist infolge einer Senkung des Landes zwischen die parallelen Kalkzüge eingedrungen und hat diese teils in Inseln, teils in Halbinseln verwandelt. Wohl infolge des geringen Zuflusses von Süßwasser (außer Etsch und Po nur geringe Küstenflüsse) ist der Salzgehalt der Adria sehr hoch, 3,8 Proz. (sonst Mittel 3,5 Proz.). Ebbe und Flut sind schwach, wie im Mittelmeer überhaupt (1/2-1 m); die durchschnittliche Tiefe beträgt nur 300 m, erreicht jedoch zwischen Bari und Ragusa 1030 m.
Das Schiff umfährt die Halbinsel Istrien, so daß man nach und nach die Städte Capo d'Istria, Pirano mit altem Kastell, Parenzo, Rovigno und zuletzt =Pola=, den Hauptkriegshafen der österreich.-ungarischen Marine, meist noch am Horizont auftauchen sieht. Weiter behält man l. die Küste Dalmatiens, reich an vorgelagerten Felseninseln, darunter die weit vorgeschobene bergige Insel =Lissa=, die einen der besten Häfen des Adriameers (Kriegshafen) hat und bekannt ist durch die Seeschlacht zwischen der österreichischen und italienischen Flotte am 20. Juli 1866, wo der österreich. Admiral Tegetthoff mit der Panzerfregatte Ferdinand Max das italienische Admiralschiff Re d'Italia in den Grund bohrte.--Nach etwa 24 St. Fahrt läuft der Dampfer mit SO.-Kurs durch die nur 70 km breite Meerenge von Otranto, l. die Küste Albaniens mit der Landmarke des über 2000 m hohen Kaps Linguetta, des Akrokeraunischen Vorgebirges der Alten, und gelangt aus dem Adriatischen in das Ionische Meer. Weiterhin erblickt man l. die Ionischen Inseln Korfu, Kephalonia und Zante. Das Schiff durchläuft dann den Golf von Arkadia mit den Bergen Messeniens l., passiert die Westseite der Insel Kreta (Kandia) mit großartiger Gebirgskette (bis 2498 m hoch) und durchschneidet dann, außer Sicht von Land, das Levantische Meer, um am 5. Reisetag vor (1305 Seem.) =Port Saïd= anzukommen, dessen hoher, schlanker Leuchtturm die einzige Landmarke ist. Port Saïd und Fahrt durch den Suezkanal s. S. 25.
B. Von Brindisi nach Bombay.
=Expreßdampfer der Peninsular and Oriental Steam Nav. Co.= jeden Sonntag abend, sobald die englisch-indische Post eingeschifft ist, von Brindisi nach (930 Seem.) Port Saïd, wo die Reisenden auf den über (2325 Seem.) Aden nach (3989 Seem.) Bombay bestimmten Postdampfer umsteigen. Die Expreßdampfer fahren im Anschluß an den »Brindisi-Peninsular and Oriental Limited-Express«, der als Luxuszug jeden Fr. 9 Uhr abds. von London (Charing Cross) abfährt und über Calais, Dijon, Mont Cenis, Turin, Ancona So. gegen Abend ankommt. Der Zug nimmt nur Reisende für den Expreßdampfer der P. & O.-Linie auf. Fahrpreis: London-Bombay nur I. Klasse 57 £ 10 sh. 2 d; Brindisi-Bombay I. 48 £. Näheres in Cooks Reisebureau (London: Ludgate Circus; Berlin: Weltreisebureau Union; Brindisi: Strada Marina). Die Route ist für deutsche Reisende wenig geeignet.
In =Brindisi= (Grand Hôtel International; Europa), dem alten Brundusium, dem besten und bedeutendsten Naturhafen der Ostküste Italiens, legen die Schiffe am Kai an.--Das Schiff nimmt SO.-Kurs und folgt der unter A. beschriebenen Fahrt von Triest, um am 3. Tage in (943 Seem.) =Port Saïd= (S. 25) einzutreffen. Weiterfahrt s. S. 27.
C. Von Genua und Neapel nach Bombay.
=Dampfer der Società Nazionale di Servizi Marittimi= am 17. jeden Monats von Genua über Neapel, Messina, Port Saïd, Massaua, Aden nach (4440 Seemeilen) Bombay in 18 Tagen. Fahrpreis I. Kl. 33,7 £ (Innenkabine 26,14 £), II. Kl. 23,7 £, III. Kl. 11 £; Wein bei Tisch frei. Für Rückfahrkarten und Familien Ermäßigungen.
In =Genua= (Miramare, Z. von 6 L. an; Eden Palace, ebenso; Bristol, Z. von 7 L. an; De la Ville, Z. von 4 L. an; Gr. Hôtel Savoia, ebenso; Continental, Z. 4-10 L.; Central, Z. 2-4,50 L.) gelangt man mit Boot an Bord. Die Ausfahrt gewährt prächtigen Blick auf die amphitheatralisch aufgebaute Stadt. Das Schiff läuft mit sö. Kurs durch das Ligurische Meer, l. die Insel Elba, passiert Civitavecchia, die Tibermündungen und das über 500 m hohe Vorgebirge Monte Circello (der Mythe nach Wohnsitz der Zauberin Kirke). Dann erscheint am Horizont der Vesuv und die Küste des Golfs von Neapel, in den das Schiff, unweit der (l.) Insel Ischia mit Monte Epomeo vorbeidampfend, einläuft, eins der berühmtesten Landschaftsbilder. Neben dem erdbebenreichen Ischia liegt die Insel Procida, dann folgen am Festland Bajä, Pozzuoli, mit der Vulkangruppe der Phlegräischen Felder dahinter, das Vorgebirge des Posilipp, die Stadt Neapel, beherrscht vom Castel Sant' Elmo, dann Portici, Resina, darüber der Vesuv, weiter Torre Annunziata und jenseits der Sarnoebene die Kalkberge der Halbinsel Sorrent mit den Küstenstädtchen Castellamare und Sorrent, südl. die Insel Capri. (Das Schiff wird von Führern und Händlern überschwemmt, vor denen man sich hüte.)
(340 Seem.) =Neapel= (Grand Hôtel Hauser, Z. von 6 L. an; Continental, Z. 3,50-7 L.; Haßler, Z. von 4 L. an; Café-Restaurant Gambrinus, Piazza S. Ferdinando), die reichste, belebteste und größte Stadt Italiens mit 596000 Einw. Man hat meist Zeit, eine Promenade an der Riviera di Chiaja (Villa Nazionale) und durch die Strada di Roma (Toledo) zu unternehmen und nach San Martino (10-4 Uhr 1 L., So. 9-2 Uhr frei) hinaufzusteigen (bzw. zu reiten), um die wundervolle *=Aussicht= zu genießen. (Der Norddeutsche Lloyd veranstaltet Führungen durch die Stadt.) Man benutze Taxameterdroschken.
Bei der Weiterfahrt läßt das Schiff die Insel Capri l. und steuert dann südl. Nach etwa 16 St. erscheinen die vulkanischen Liparischen Inseln, deren nördlichste, Stromboli, mit stets schwach tätigem, 920 m hohem Vulkan, man sieht. Dann taucht die Küste von Kalabrien (l.) und die von Sizilien (r.) auf, alsbald läuft das Schiff in die an ihrer schmalsten Stelle nur 3150 m breite *Straße von Messina ein, ein prachtvolles Landschaftsbild! Die Meerenge ist erst in geologisch junger Vergangenheit durch einen Einbruch entstanden, der noch jetzt fortdauert, wie die häufigen und starken Erdbeben beweisen. L. das Städtchen Scilla, das antike Scyllaeum, am Abhang des hohen Felsens Scilla, an den die Phantasie der Alten den Mythus von dem allen Schiffen Verderben bringenden Seeungeheuer Scylla knüpfte, überragt vom Granitmassiv des Aspromonte (im Montalto 1964 m), bekannt durch den Angriff der Italiener auf den Nationalhelden Garibaldi am 27. Aug. 1862. Vor Scilla, Torre di Faro und an andern Stellen der Straße liegen Stromwirbel, von denen der durch die Gezeitenströmung erzeugte Charybdis-Strudel einer der gefährlichsten für kleinere Fahrzeuge ist; auch Dampfer meiden dessen Nähe. R. das flache Capo di Faro (oder Peloro) mit Leuchtturm, die NO.-Spitze Siziliens; im Hintergrund die Trümmer des vom Erdbeben 29. Dez. 1908 zerstörten =Messina=, Provinzhauptstadt Siziliens, in reizender Lage. Gegenüber zeigt sich weiter l. =Reggio=, die Hauptstadt von Kalabrien, wie in einem großen Garten gelegen, doch von Erdbeben besonders arg heimgesucht. L. folgt Kap Pellaro, r. die Küste Siziliens, vom 3313 m hohen Ätna beherrscht; dann steuert der Dampfer östl. in die offene See, man behält noch lange den Ätna in Sicht und erblickt nach 24 St. l. die Berge der Insel Kreta, überragt vom Psiloriti (2498 m), dem Ida des Altertums. Dann nimmt das Schiff Kurs auf (1410 Seem.) Port Saïd (S. 25). Weiterfahrt s. S. 27.
D. Von Marseille nach Bombay.
=Dampfer der Peninsular and Oriental Steam Nav. Co.= jeden Fr. von Marseille über Port Saïd (Anschluß von Brindisi, S. 23) und Aden nach (4545 Seem.) Bombay. Umschiffung in Aden mit jedem 2. Dampfer, Fahrzeit etwa 16 Tage, Fahrpreis Marseille-Bombay I. 48 u. 42 £, II. 36 u. 30 £. Anschluß an den Bombay-Marseille-Expreßzug, der Do. von London (Victoria-Holborn) abfährt.
=Dampfer der Messageries Maritimes= alle 4 Wochen Mi. von Marseille über Port Saïd, Suez, Aden nach (4545 Seem.) Bombay (und weiter über Colombo nach Australien). Fahrzeit etwa 15 Tage.-- Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem Österreichischen Lloyd s. S. 22. --Direktion der Messageries Maritimes in Marseille, Quai de la Juliette 2, Bureau des Passages, Rue Cannebière 16 (Telegrammadr. »Sicorne Marseille«).
In =Marseille= (Grand Hôtel Noailles; De Russie et d'Angleterre, Z. 5-12 Fr.; De Genève, Z. 3,50-5 Fr.) legen die Schiffe am Kai an. Bald nach Ausfahrt nimmt der Dampfer SO.-Kurs, den er behält, bis nach etwa 20 St. die Inseln Korsika (l.) und Sardinien (r.) auftauchen, getrennt durch die 12 km breite, flache, klippenreiche und daher nicht ungefährliche Straße von Bonifacio, die das Schiff nun passiert. L. auf 60 m hohem Kalkfelsen, an der Südspitze von Korsika, liegt die Stadt Bonifacio, mit alten Befestigungen und Leuchtturm.--Der Dampfer nimmt dann Kurs zwischen Sardinien, dessen mäßig hohe Berge mit niedrigem Gestrüpp bewachsen sind, und kleinen Eilanden (l.): erst Isola della Maddalena, dann die kahle Felseninsel Caprera (Ziegeninsel), Wohnsitz (1854-82) Garibaldis, der auch dort begraben ist. Das weiße Haus Garibaldis ist im Hintergrund einer kleinen Bucht sichtbar. Das Schiff durchfurcht dann sö. das Tyrrhenische Meer; dabei erscheinen die vulkanischen Liparischen Inseln (S. 24). Dann taucht die Küste von Kalabrien (l.) und die von Sizilien (r.) auf, alsbald läuft das Schiff durch die *Straße von Messina (S. 24) und folgt dem S. 24 beschriebenen Kurs; nach 5 Tagen erreicht man (1516 Seem.) =Port Saïd= (s. unten). Weiterfahrt durch den Suezkanal s. S. 27.
[Hand] Wer =Ägypten=: Alexandrien, Kairo und die Pyramiden besuchen will, findet Näheres in =Meyers »Ägypten«=.
Port Saïd und der Suezkanal.
Vgl. die Kartons auf den Karten bei S. 22 und S. 28.
=Ankunft.= Die Schiffe ankern nahe am Kai; Ausbooten 1-1/2 Piaster, nachts 2-1/2 Piaster, Gepäck 1 Piaster das Stück, großer Koffer 4 Piaster; Gepäckträger zum Zollamt 2, zum Hotel 3, zum Bahnhof 4 Piaster.
=Gasthöfe:= Savoy (Pl. a), Quai François-Joseph, deutsches gutes Haus in schöner Lage; 60 Z. 22, F. 8, Lunch 20, Dîn. 25, Pens. 62 (16 Fr.) Piaster.-- The Eastern Exchange (Pl. b), Rue Sultan Hassan, 13-15 sh.--Continental (Pl. c), Mitte der Stadt, am Schnittpunkte der beiden Hauptstraßen, Faßbierausschank, 10-1/2-12 sh. tägl.--De la Poste, Rue Hassan, tägl. von 12 Fr. an.--Port Saïd Casino, in schöner Lage an der Hafeneinfahrt, Konzertrestaurant (Mai bis September geöffnet). --=Cafés chantants:= Eldorado, Rue du Commerce.--Café Khédivial, Quai François-Joseph.
=Straßenbahn= durch die Stadt, Europäern nicht zu empfehlen!
=Post:= Französische (Pl. 2);--Ägyptische (Pl. 1), beide Rue Sultan Hassan. --Das =Postwesen= in Ägypten ist gut. Briefe läßt man am besten an ein Hotel adressieren.--=Telegraph:= Englischer (für das Ausland), Quai François-Joseph (Pl. 4).--Ägyptischer, Rue du Commerce (Pl. 3).
=Konsulate:= Deutsches Reich, Rue El Nil, Gerent Rickmers; Österreich-Ungarn, Vizekonsul Probizer.
=Geld:= Ägyptisches Pfund (= 20,80 M.) zu 100 Piaster (ca. 20 Pf.) zu je 10 Millièmes (ca. 2 Pf.). Ägyptisches Gold sieht man nicht häufig. Dafür gelten englische Pfund Sterling (Gineh inglisi = 97-1/2 Piaster), Zwanzigfrankstücke (Bento [venti] = 77 Piaster) und türkisches Pfund (lira turk = 87-3/4 Piaster). Deutsches Gold ist nur beim Bankier (mit Verlust) zu wechseln, wird aber in den Hotels genommen. Von Silber- und Scheidemünzen kursieren nur ägyptische Stücke: Silbertaler (20 Pi.), 1/2 Silbertaler (10 Pi.), 1/4 Silbertaler (5 Pi.), 2 Silberpiaster, 1 Silberpiaster, 1/2 Piaster in Nickel, 8-Parastücke (ca. 4 Pf.), 4-Parastücke (2 Pf.) in Kupfer und Nickel.--=Banken:= Deutsche Orient-Bank; National Bank of Egypt; Anglo-Egyptian Bank; Bank of Egypt; Comptoir National d'Escompte de Paris.
=Sprache:= Arabisch, doch wird im Verkehr viel Englisch, Französisch und Italienisch gesprochen oder geradebrecht.
=Eisenbahn= von Port Saïd über (80 km) Ismailia, dann westl. nach (236 km) Kairo, tägl. zwei Schnellzüge
mit Speisewagen in 4 St., südl. nach (160 km) Suez in 4 St.
=Dampferagenturen:= Norddeutscher Lloyd, W. H. Müller & Co.; Hamburg-Amerika-Linie, Deutsches Kohlendepot; Deutsche Ostafrika-Linie und zahlreiche Schiffahrtsgesellschaften andrer Nationen.
=Port Saïd=, Hauptstadt des ägyptischen Gouvernements Isthmus, im O. der Nehrung, die den Mensalehsee vom Mittelmeer trennt, unter 31° 16' nördl. Br. gelegen, wurde erst im Jahre 1860 beim Bau des Suezkanals gegründet und zählte 1909: 60000 Einw., darunter 23000 Europäer (viele Griechen und Franzosen). Durch die Lage an der Mündung des Suezkanals ist das Geschäftsleben auf den Durchgangsverkehr von Fremden zugeschnitten. Die Stadt, in deren höhern Klassen das französische Element überwiegt, ist regelmäßig angelegt, die neuern Straßen sind mit Bäumen bepflanzt; 2-4stöckige Gebäude haben im europäischen Stadtteil die Holzhäuser fast ganz verdrängt. Ihren Mittelpunkt bildet die Place Lesseps mit Anlagen (zuzeiten Militärmusik). Hauptgeschäftsstraßen sind: Rue de Commerce mit Läden, Quai François-Joseph mit den Konsulaten und Dampferagenturen, Rue Osman mit Banken und Gasthäusern. Sehenswert ist der Hafen, Grand Bassin Ismaïl, 8 m tief, dessen Teile, von S. nach N. gezählt, das Bassin Chérif, das Bassin de l'Arsenal und das Bassin du Commerce bilden; weitere Hafenanlagen sind im Bau. In den Kohlenlagerplätzen hat auch das Deutsche Kohlendepot, G. m. b. H., eine große Niederlage. Am Ostufer des Kanals die Werkstätten der Kanalgesellschaft. Etwas nördl. vor der Stadt, am Kanal- und Meeresufer, der 53 m hohe Leuchtturm, mit elektrischem Blitzfeuer, 20 Seemeilen weit sichtbar; außerdem weiße Leuchtfeuer zu beiden Seiten des Kanals und Leuchtbojen mit grünem und rotem Licht. Zwei riesige Molen, die östliche 1600 m, die westliche 2250 m lang, beide aus Blöcken, die aus hydraulischem Kalk und Wüstensand bestehen, schützen die Hafeneinfahrt. Der westliche Damm soll die vom Nil ins Meer geführten Schlammmassen, die die Strömung des Mittelmeers nach O. treibt, vom Hafen fernhalten; auf ihm ein 16 m hohes Standbild Ferdinand von Lesseps' (von Frémiet), 1899 von der Kanalgesellschaft errichtet. Östl. vom Hafenkanal sind große Salinen angelegt.
Der =Suezkanal=, 1859-69 durch den französischen Ingenieur Lesseps erbaut, hat eine Länge von 160 km, die Breite ist am Wasserspiegel 100-130 m, an der Sohle 38,5 m, die Tiefe 9,50 m; durch Erweiterungsbauten soll die Sohlenbreite auf 45 m, die Tiefe auf fast 11 m gebracht werden. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 19 Mill. Pfd. Sterl., von denen 12800000 durch Aktienzeichnungen aufgebracht wurden, während den Rest der Khedive deckte. Letzterm kaufte England 1875 die übernommenen Aktien (177602 Stück im Werte von 3,5 Mill. Pfd. Sterl.) ab. Die Einnahmen der Gesellschaft ergaben 1910: 133,7 Mill. Fr., die Ausgaben nur 43,8 Mill. Fr., also Überschuß 89,9 Mill. Fr., wovon 31,6 Proz. Dividende gezahlt wurden. Es benutzten den Kanal 1910: 4533 Schiffe von 16581898 Nettotonnen, darunter 2778 englische, 635 deutsche, 259 holländische, 240 französische, 191 österreichische, 103 russische, 87 italienische, 72 japanische, 34 dänische, 26 spanische, 26 türkische, 25 schwedische, 20 norwegische, 14 griechische, 11 siamesische, 8 amerikanische, 3 ägyptische, 1 belgisches. Die Abkürzung der Entfernungen zwischen Europa und den östlichen Ländern beträgt für die Dampferfahrt nach Bombay von Brindisi und Triest etwa 37, von Genua 32, von Marseille 31, von Liverpool, London, Amsterdam oder Hamburg 24 Tage. Der Kanalzoll beträgt 7,25 Fr. für die Netto-Reg.-Tonne, so daß z. B. ein Dampfer von nur 3000 Ton. 21750 Fr. Kanalzoll zahlt. Die Taxe für Passagiere beträgt 10 Fr. Die Benutzung des Kanals, zu der alle Nationen berechtigt sind, ist Schiffen bis 8,53 m (in nächster Zeit sogar bis 9,45 m) Tiefgang mit elektrischem Leuchtapparat auch bei Nacht gestattet. Die Durchfahrtszeit beträgt 16-22 St. Die Fahrt ist landschaftlich teilweise recht interessant, besonders abends bei Mondschein.
Der Kanal durchschneidet die an ihrer schmalsten Stelle nur 112 km breite und ganz flache (in der Linie des Suezkanals nur bis zu 16 m hohe) Landenge von Suez, ein verhältnismäßig junges Gebilde, das einst eine Bucht des Mittelmeeres war, aber dann zum Teil mit den Absätzen dieses Meeres, zum Teil mit Sedimenten des Nils ausgefüllt wurde, der in alter Zeit einen Arm weit ostwärts entsandte. Der Südteil der heutigen Landenge ist aus Absätzen des Roten Meeres gebildet. Ihre landfest gewordene Oberfläche wurde darauf von den benachbarten Festlandsteilen aus mit einer Sandschicht überweht und ist heute ebenso sandig und wüstenhaft wie diese. Reste der einstigen Meeresbucht sind der Menzalehsee bei Port Saïd und die übrigen Seen, die der Kanal durchschneidet (siehe unten). Als einzige Landverbindung zwischen zwei gewaltigen Erdteilen mußte die Landenge von Suez, seitdem Menschen sich betätigen, eine sehr wichtige Völkerstraße werden. Der Zugang aus Vorderasien zu dem reichen Niltal führte über sie hinweg, und umgekehrt drangen die Ägypter oft genug über sie nach den alten Kulturländern Syriens und Mesopotamiens vor. Wie oft spielt sie in den Erzählungen der Bibel eine Rolle! Wichtige Handelsstraßen führten seit der ältesten Zeit über sie hinweg, und noch heute wird sie von einem viel benutzten Karawanen- und Pilgerweg zwischen Ägypten einerseits, Palästina und Arabiens heiligen Stätten anderseits gekreuzt. Während die Landenge von Suez so eine wichtige Landbrücke für den friedlichen und kriegerischen Verkehr darstellt, mußte sie umgekehrt schon bald als ein lästiges Hemmnis für die Schiffahrt empfunden werden, und so entstand schon vor mehr als 3000 Jahren (um 1400 v. Chr.) die erste Wasserstraße zwischen dem Mittelländischen und dem Roten Meer, die, wie die Mehrzahl ihrer Nachfolger, vom Unterlaufe des Nil nach dem Nordende des Roten Meeres lief, also weit westlich vom heutigen Kanal.
=Kanalfahrt Port Saïd-Suez.= Der Kanal geht von Port Saïd südl. und tritt bei (14km) Râs el-Esch in den fischreichen =Menzaleh-See=, einen flachen, durch eine Nehrung vom Mittelmeer getrennten Strandsee; auf den Sandbänken hausen Millionen von Sumpf- und Wasservögeln (Pelikane, Flamingos). Der Kanal durchschneidet zwischen Dämmen den See in schnurgerader Linie; die östl. Teile sind bereits trocken gelegt, gleiches wird für die westl. beabsichtigt. Am Südende des Sees folgt die Ausweichestelle (44 km) Stat. =El-Kantara= (»die Brücke«), eine niedrige Bodenschwelle, über die seit alters die Heerstraße von Ägypten nach Syrien führte, noch jetzt von Karawanen benutzt. An Stelle der alten Brücke ist jetzt eine Fähre getreten. --Dann tritt der Kanal in den kleinen Ballâh-(Dattel)-See, durch den ebenfalls Sanddämme gelegt sind. Südl. vom Ballâh-See wird bei (63 km) El-Ferdân und El-Gisr (r.) eine 14 km lange Kalk- und Sandsteinbank, die höchste, nur 16 m hohe Erhebung der Landenge, durchschnitten. Man passiert eine Moschee und eine Schwimmbrücke sowie die Kapelle der Vierge du Désert auf einer Anhöhe. Beim Eintritt in den tiefblauen =Timsâh-= (Krokodil) =See= liegt r. am Kanalufer eine Villa (Chalet) des Vizekönigs; der See war früher eine Lagune mitten in der Wüste; sein erhöhtes Ostufer heißt das Hyänenplateau. Am NW.-Ende des Sees liegt (76 km) =Ismailia= (Hôtel des Voyageurs; gute Bahnwirtschaft; PT am Bahnhof), während des Kanalbaues entstandenes, stilles, hübsches Städtchen (7000 Einw.), Zentralamt und Hauptstation der Dampfer der Kanalgesellschaft, durch Eisenbahnen mit Kairo (2-1/2 St.), Suez (2 St.) und Port Saïd (1-1/2 St.) verbunden. Hier mündet der vom Nil bei Kairo kommende Süßwasserkanal, der die Ortschaften am Suezkanal mit Trinkwasser versorgt.--Am SW.-Ufer des Timsâh-Sees der Djebel Marjam, nach arabischer Sage die Stätte, auf der Mirjam, die Schwester von Moses und Aaron, sieben Tage fern vom Lager der Israeliten zubrachte (4. Mos., Kap. 12). Bei (85 km) Tusûn (r.) ein weit sichtbares Schêchgrab. Der Kanal führt nun durch Sandsteinlagen und erreicht (bei 90 km) die Bahnstat. Serapeum (r.), kleinen, durch den Kanalbau entstandenen Flecken; westl. ein Darius-Denkmal auf einem Hügel zum Andenken an den ältesten Kanalbau. 2 km südl. durchbricht der Kanal harte Kreidefelsen und tritt dann in die blaugrünen =Bitterseen= ein, an deren Ein- und Ausgang je ein Leuchtturm steht; das Fahrwasser ist mit Leuchttonnen und Pfahlbaken bezeichnet. Vor dem Kanalbau lag die Mulde der Bitterseen trocken, am 18. März 1869 lief das Mittelmeerwasser in sie hinein, am 15. Aug. wurde der südliche Damm durchstochen und die Begegnung beider Meere hergestellt. Der Große (nördliche) Bittersee ist ca. 20 km lang; auf dieser Strecke dürfen Dampfer mit »Volldampf« laufen und sich auch überholen, da das Fahrwasser breit genug ist. Eine ausgebaggerte Fahrrinne führt vom Großen in den Kleinen Bittersee, an dessen NW.-Ufer die Ruinen eines andern Perserdenkmals liegen. Nw. sieht man die Hügel und die Bahnstat. von Geneffe. Im Kleinen Bittersee sind zwei Anlegestellen für Schiffe. Südl. von den Bitterseen ist harter Boden; bei (139 km) Stat. Schalûf (r.) führt der Kanal durch Sandstein; dann folgen Sandhügel. Der Kanal wird hier breiter, seine Dämme sind höher als vorher. Beim sogen. (150 km) Campement Madama bestehen die Ufer aus festem Mergel und weichem Ton; westl. Ruinen zweier Denksteine mit Inschrift von Darius in Hieroglyphen- und Keilschrift. Eine Wüstenstraße (Pilgerstraße nach Mekka) kreuzt hier auf einer Schwimmbrücke den Kanal. Östl. in einiger Entfernung liegen die Trümmer der alten Stadt Arsinoë. Die Ausfahrt aus dem Suezkanal ins Rote Meer mündet an der Ostseite der großen Bai von Suez; die Stadt Suez, die Hafenanlagen von Port Ibrahim, die Ausweichestelle und die Kaianlagen von Port Taufik bleiben r., ebenso die Avenue Hélène (S. 29); l. ein starker Wellenbrecher zum Schutze der Kanalmündung.--(160 km) Port Taufik (Tewfik), Ausweiche- und Anlegestelle an der Südeinfahrt des Suezkanals, ist mit Hafenanlagen ähnlich wie Port Saïd ausgerüstet; Einrichtungen zum Bekohlen von Dampfern nahe dem Gebäude der Kanalgesellschaft. Die Dampfer halten hier gewöhnlich etwa 2 St.
(160 km) =Suez= (vgl. den Karton auf der Karte »Rotes Meer«).
=Gasthöfe:= Bel Air, in Stadt Suez, Rue Colmar, am Bahnhof; 22 Z. 4 Fr., Pens. 13 Fr., gut.--Sinai, auf Port Taufik, nahe dem Landeplatz der Dampfer; 16 Z., Pens. 13 Fr.
=Bierstube:= Bayer. Bierhalle, gutes Essen u. Schlafzimmer.--=Cafés:= Paradies und Mahroussa (in beiden Konzert).
=Post= (ägyptische), Hauptamt in Port Taufik, Avenue Hélène, Nebenamt in Suez-Stadt, nahe dem Zollamt.--=Telegraph:= Ägyptischer (für Ägypten) in Port Taufik, nahe dem Bahnhof (Suez-Dock), in Suez-Stadt im Gouvernementsgebäude; --fürs Ausland: der englische Telegraph in Port Taufik, neben Hotel Savoy, in Suez-Stadt gegenüber Hotel Bel Air.
=Konsulate:= Deutsches Reich, Konsul Geo. Meinecke (zugleich Vertreter des Deutschen Kohlendepots).--Österreich-Ungarn, Vizekonsul A. Pacho.
=Banken:= Geo. Meinecke (Deutsche Orientbank, Banque Imperiale, Ottomane etc.).--Bank of Egypt Ltd.
=Eisenbahn= über Ismailia nach (247 km) Kairo in 4-1/2-5-1/2 St.
=Dampfschiffagenturen:= Norddeutscher Lloyd: W. H. Müller & Co.; Hamburg-Amerika-Linie: Geo. Meinecke (deutsches Kohlendepot) und viele andre.
Auf dem (unbedeutenden) =Basar= schöne Korallen, Muscheln etc. aus dem Roten Meer. Handeln!
Suez liegt an der Nordecke des Meerbusens von Suez, eines Busens des Roten Meers, im W. überragt vom Djebel Atakah. Die Stadt, mit etwa 18000 Einw., darunter 2774 Europäer, Sitz eines Gouverneurs, besteht aus dem arabischen Viertel östl. vom Bahnhof, mit einigen unbedeutenden Moscheen, und dem regelmäßig angelegten, sauberen europäischen Viertel westl. und nördl. vom vorigen, mit einigen großen Häusern und Warenlagern. Nw. vom europäischen Viertel die schmutzige arabische Matrosenvorstadt Arbaïn.--Im N. der Stadt liegt auf dem Hügel Kôm el-Kolzum ein verfallenes vizekönigliches Landhaus mit schönem Umblick. Von hier nö. die Mündung des Süßwasserkanals mit Schleusenwerk; der Kanal liegt hier 2 m ü. M. Etwas weiter nw. das Wasserhebewerk der Suezkanalgesellschaft; auf dem Ostufer des Süßwasserkanals der frühere Karawanenlagerplatz.--Zu den im S. der Stadt weit ins Meer hinausgebauten Hafenanlagen führt ein 3,5 km langer, 15 m breiter Damm, auf dem auch die Bahn läuft (stündl. ein Zug zum Port Taufik [»Suês-Docks«]), die den Ankerplatz der Schiffe mit Stadt und Bahnhof verbindet. Der Damm bildet einen aussichtsreichen Spazierweg; östl. sieht man die Berge der Sinaihalbinsel, westl. den Djebel Atakah. Am Ende des Dammes l. das Bassin der Kanalgesellschaft und der Port Taufik am Südausgang des Suezkanals; sodann Gebäude, die, von den Kanallotsen und -beamten bewohnt, ihre Front dem Kanal zukehren und die Avenue Hélène bilden. Am Ende dieser Avenue das von Lesseps errichtete Standbild des Leutnants Waghorn (gest. 1850), eines angeblich in Deutschland geborenen englischen Offiziers, der sein Leben erfolglos der von Lesseps mit Glück durchgeführten Idee gewidmet hatte und im Elend starb. Das Fahrwasser ist von hier nach S. noch 4 km weit durch Pfähle und Bojen bezeichnet. Westl. von der Avenue Hélène liegt das große Hafenbassin Port Ibrahîm, mit Trockendock (124 m lang), durch eine mächtige Mauer in den Kriegs- und den Handelshafen geschieden. Eine Bootfahrt im Hafen bei ruhigem Wetter ist lohnend.
Der Ausflug nach der am Ostufer des Golfs von Suez gelegenen =Mosesquelle= (Ain Musa) erfordert 1/2 Tag mit Dampfpinnasse, sonst einen Tag Zeit und ruhiges Wetter. Man macht ihn entweder zu Esel (20 Pi. sowie 20 Pi. für Überfahrt des Esels) oder fährt mit Dampfpinnasse (1-2 £) in 1 St. hin, oder Segelboot (15 Pi. finden Tag) in 3-6 St. ans Ostufer und geht 3/4 St. durch die Wüste zu den Gärten an der Quelle (nach früherer Annahme das Schilfmeer, das die Juden bei ihrem Zug durch das Rote Meer passierten). Wahrscheinlicher ist es, daß die Israeliten weiter nördlich durch die Bitterseen gewatet sind.-- Die Mosesquelle ist eine kleine Oase, mit salzigbittern Quellen (natronhaltig), die nach der Tradition von Moses durch Hineinlegen eines Baumes aus einer bittern süß gemacht wurden (2. Mos. 15, 23-25). Die Oase ist von Arabern bewohnt, die Gemüsebau treiben.
Tagesausflüge zu Kamel oder Esel ins Atâkahgebirge sind für Jäger und Naturfreunde lohnend.
Das =Rote Meer= (vgl. beifolgende Karte), ein 2250 km (entsprechend der Entfernung von Berlin bis Batum) langes, aber im Mittel nur 275 km (= Berlin-Sangerhausen) breites Meeresbecken, trennt als ein gewaltiger Graben zwei wüstenhafte Hochländer ganz ähnlichen Charakters, die Libysche Wüste und das Arabische Hochland. Im N. läuft es in die beiden schmalen Zipfel des Golfs von Suez und des Golfs von Akaba aus, im S. wird es durch die nur 26 km breite Einschnürung der Straße von Bab el-Mandeb vom Indischen Ozean geschieden. Dieser grabenartigen Umrißgestalt des Roten Meeres entspricht auch seine Entstehungsweise: es nimmt die Stelle eines in grauer Vorzeit (am Ende der sogen. Tertiärzeit) in die Tiefe gesunkenen Stücks der nordostafrikanischen Wüstentafel ein. Von der gleichen Entstehung ist auch der die SO.-Seite der Sinaihalbinsel begrenzende Golf von Akaba (s. oben), der sich als »Syrischer Graben« in dem landfest gebliebenen Wadi el Araba und dem Jordantale noch weit nordwärts fortsetzt (vgl. S. 32).
Die Küsten des Roten Meeres zeigen noch heute seine Natur als Grabenbruch: hinter einem schmalen, flachen Küstensaum (der Tihama), einer jungen Meeresanschwemmung, erheben sich sowohl auf der ägyptischen wie auf der arabischen Seite die Steilabfälle der benachbarten Hochländer, die aus flachgelagerten Schichten von Kreidekalk und tertiärem Sandstein bestehen, durch zahlreiche Trockentäler (Wadis) zerrissen sind und durchaus ein gebirgsartiges Aussehen haben. Der Gebirgscharakter der Küstenabfälle wird noch erhöht durch wirkliche Gebirgszüge aus altkristallinen Gesteinen, die sie namentlich auf der ägyptischen Seite überragen, sowie durch jungvulkanische, gleichzeitig mit dem Einbruch des Roten Meeres aufgequollene Gebirgsstöcke, vor allem in Südwestarabien; zu den erstern gehört der Sinai, zu den letztern der Djebel Schamschan, die Berge um Aden.--Aber auch unterhalb der heutigen Strandlinie setzt sich der Steilabfall noch fort, so daß das Rote Meer trotz seiner geringen Breite namentlich in seiner nördlichen Hälfte bedeutende Tiefen, bis zu 3000 m, aufweist. Größere Buchten fehlen fast ganz, dafür ragen viele kleine Felsvorsprünge ins Meer hinaus, und teilweise umsäumen zahlreiche Klippen die Küsten, die bei der Wärme des Wassers auch reich an Korallenbauten sind.--Seinen Namen trägt das Rote Meer zu Unrecht; es ist meist tiefblau und nur stellenweise durch nahe der Oberfläche in großen Massen schwebende niedere Organismen (sogen. Plankton) grünlich, gelblich oder rötlich gefärbt. Das Tierleben in dem sehr warmen (bis 34,5°) Wasser ist überhaupt reich, das Meeresleuchten oft prächtig.
Das =Klima= des Roten Meeres ist verrufen wegen seiner hohen Temperaturen. Schon Suez an seinem Nordende hat eine Jahrestemperatur von 22°, gehört also bereits der heißen Zone an, aber die südl. Küstenorte sind noch viel heißer, die Insel Perim in der Bab el-Mandeb-Straße hat mit 30° die höchste mittlere Jahrestemperatur von ganz Asien, und Massaua und Assab stehen ihr nicht nach. Als verhältnismäßig schmale Einsenkung zwischen den im Sommer gewaltig erhitzten großen Wüstenflächen Nordostafrikas und Arabiens verwandelt sich das Rote Meer, allseitig zwischen Steilabfälle eingebettet, im Sommer in einen wahren Glutkessel. Das Meerwasser selbst bringt der Luft keine Abkühlung, denn die Meeresoberfläche wird selbst sehr stark erwärmt, und durch die schmale und wenig über 300 m tiefe Bab el-Mandeb-Straße findet das kalte Tiefenwasser des Indischen Ozeans keinen Zutritt. So macht die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und die Verhinderung nächtlicher Abkühlung nur die Hitze unerträglicher, zumal auch keine stärkeren Luftströmungen herrschen. Die Dampfer sind daher gezwungen, für die Rote Meer-Fahrt arabische, somalische oder chinesische Heizer anzunehmen, und die Reisenden werden häufig von einem lästigen Hautausschlag, dem »Roten Hund«, befallen. Die beste Zeit zur Fahrt durchs Rote Meer ist deshalb der Winter. Regenfälle treten über dem Roten Meer im Sommer fast nie, im Winter selten ein; Stürme bedrohen die Schiffahrt nur selten, doch hat diese in der klippenreichen Küstenzone unter starken Strömungen zu leiden, und die Luft ist oft mit Staub erfüllt, der über den benachbarten Wüstenflächen aufgewirbelt ist.
Bei der großen Regenarmut sind die Küsten des Roten Meeres wüstenhaft und schwach besiedelt, Küstenstädte bei der Hafenarmut spärlich vorhanden und von geringer Bedeutung, da auch ihre Hinterländer arm an Menschen und an Erzeugnissen sind. Der gewaltige Verkehr dieser wichtigen Weltverkehrsstraße flutet an den Küsten des Roten Meeres nur vorbei. Dagegen bestand im Altertum ein reger Handel zwischen Südarabien und Ägypten und Palästina (Salomo bezog von der Königin von Saba Weihrauch, Myrrhen etc.). Im Mittelalter hatte Südarabien als Kaffeeproduktionsgebiet eine gewisse Bedeutung, jetzt deckt es aber kaum noch ein Hundertstel des Weltverbrauchs, und der einst wichtige Kaffeeversandhafen Mocha ist ganz vereinsamt. Auch die Küstenplätze der europäischen Kolonien, die an der dem abessinischen Hochlande benachbarten Küste entstandenen sind, vermögen wegen des Fehlens regerer Handelsbeziehungen zum Binnenland und wegen eines mörderischen Klimas vorläufig zu keiner Blüte zu gelangen. Nur das schon außerhalb des eigentlichen Roten Meeres nahe der SW.-Spitze Arabiens gelegene Aden ist als wichtiger strategischer Stützpunkt der Engländer und durch seinen guten Hafen zu größerer Bedeutung gekommen.
=Fahrt durch das Rote Meer= (Suez-Aden 1318 Seem.). Auf der Reede von Suez, außerhalb der Kanalmündung (s. S. 29) sind gute Ankerplätze für große Dampfer, doch müssen mehrere gefährliche Riffe, die aber mit Leuchtbaken bezeichnet sind, gemieden werden; das große mittlere Korallenriff Kalaa el-Kebira hat drei rote Gerüstbaken. Die Küsten an beiden Seiten der Suezbai sind kahl und öde; an der Westseite erhebt sich der auffällige Djebel Atakah zu 831 m Höhe. Die Mosesquelle (S. 30) an der Ostseite der Bai erkennt man an den Palmen, die sie umgeben, sowie an der Quarantäneanstalt für Reisende. Bei der Fahrt durch den Golf von Suez halten sich die Schiffe näher der Westküste, die Leuchttürme auf Râs Safarana, Râs Gharib, auf den Aschrafi-Riffen und auf der Schadwan-Insel hat. Das Land ist an beiden Seiten sichtbar, an der afrikanischen die gleichförmigern Steilabfälle der Wüstentafel, die stellenweise rötliche Färbung haben und im Djebel ed-Dêr 1450 m Höhe erreichen; an der Ostseite, auf der Sinaihalbinsel, erheben sich die »mächtig trotzigen, scharfzackigen Wände« des Sinai, ein schönes Alpenland zerklüfteter Felsmassen, das sich hinter wallartigen Vorbergen aufbaut und keine Spur von Pflanzenwuchs zeigt. Der Hauptgipfel, Djebel Musa (2270 m), und der etwas westlichere Gipfel Djebel Katherina (2602 m) treten für das Auge zurück gegenüber der kühnen und großartigen Gestalt des Djebel Serbâl (2050 m), der neuerdings als der Berg der mosaischen Gesetzgebung angesehen wird.
Den =Sinai= besucht man vom Hafenplatz =Tor= aus (Quarantäneplatz für heimkehrende Mekkapilger, deren 1907 dort 45000 die Quarantäne durchmachten), von wo man in 2-1/2 Tagen auf Kamelen das Kloster auf dem Sinai erreicht; der Reitweg ist aber sehr schlecht und durch Räuber gefährdet. Nach Tor laufen Postdampfer der Khedivial Mail Line der Linie Suez-Djidda wöchentlich; auch führt ein Reitweg längs der Küste nach Suez.
Vom Golf von Suez gelangt man durch die ziemlich enge, mit vielen gefährlichen Riffen an beiden Seiten besetzte Djobal-Straße in das Rote Meer; auf den Aschrafi-Riffen (r.) ein Leuchtturm. Östl. von der Djobal-Straße zweigt längs der Ostküste der Sinaihalbinsel der wenig befahrene Golf von Akaba (S. 30) ab, in dessen Fortsetzung das Jordantal mit dem Toten Meer und dem See Genezareth liegt.-- Am Roten Meer liegen auf ägyptischer Seite ein neuer Phosphathafen in der Safadjabucht sowie der nur monatlich einmal von einem Regierungsdampfer besuchte Handelsplatz =Kossêr= mit 2200 Einw. an der Mündung des Trockentals Wadi Ambagni; die Stadt ist sauber und hat eine gute Reede. Eine Karawanenstraße führt nach Kench am Nil nahe bei Karnak. Weiter südl., am Fuße der Berenice-Berge (1350 m), liegt unter dem Râs Benas der gute Ankerplatz Port Berenice dicht bei den Ruinen der altägyptischen Handelsstadt Berenike, von Ptolemäus II. Philadelphus gegründet und nach seiner Mutter benannt; eine alte Stationsstraße führte von dort nach Kench. In der Nähe Smaragdminen. Die Umgegend ist reich an Antilopen.--Einer der besten Häfen an der Küste von Nubien ist
=Port Sudan= (früher Mirsa Schêch Barud genannt) auf 19° 35' nördl. Br., der durch Eisenbahn und Telegraph mit Suakin und Berber am Nil verbunden ist und im Jahre 1906 eröffnet wurde. Die Einsteuerung in den gut geschützten Hafen ist sehr bequem. Die Hafenanlagen sind modern und mit elektrischen Kohlentransportern, Ladebrücken, Kranen, Werkstätten, Lagerhäusern etc. reich ausgestattet. Port Sudan hat sich schnell zum Haupthandelshafen für den Sudan und Nubien entwickelt; Ausfuhr umfaßt besonders Baumwolle, Gummi, Vieh und Häute. Die junge Stadt hat bereits an 5000 Einw., darunter 1000 Europäer, besitzt Elektrizitätswerk, Wasserwerk, Post und Telegraph. Zollamt und Bahnhof in der Oststadt, europäische Geschäftshäuser, Gouvernementsgebäude, Schule, Krankenhaus in der Weststadt; Garnison und Polizei. Port Sudan soll gesund sein, trotz großer Hitze im Juni-September. Die Stadt liegt auf baumloser Ebene, im Hintergrund mit malerischer Gebirgsgegend.
=Eisenbahn=: Mehrere Züge tägl. in 24 St. nach (792 km) Chartum, über (39 km) Sallom Junction, von da Anschluß nach (20 km) Suakin.
=Dampferlinien=: Wöchentlich ein Dampfer der Khedivial Mail nach Suez; außerdem laufen Dampfer der Hamburg-Amerika Linie (Vertreter Geo. Meinecke), des Norddeutschen Lloyd, der British India Steam Nav. Co. und der Società Nazionale di Servizi Marittimi Port Sudan an.
=Suakin= (Sauakin), bisher wichtigster englisch-ägyptischer Hafen, hat sehr viele Riffe und Inseln vorgelagert, die die drei Einfahrten sehr schwierig machen, so daß 1903 während des Bahnbaues hier 10 Dampfer strandeten. Die Stadt hat etwa 7000 Einw., liegt auf einer Insel mitten in vorzüglicher Hafenbucht, die während des englischen Sudanfeldzugs (1884-91) gegen den Mahdi und seinen Nachfolger als Hauptstützpunkt der kriegerischen Unternehmungen diente, aber auch von den Mahdisten mehrmals belagert und hart bedrängt wurde. Auf dem Festlande liegt die Arabervorstadt El-Kef, nach der von Suakin ein Damm führt; die Vorstadt besteht meist aus Lehmhütten, hat mehrere Moscheen aus Lehmziegeln und einen guten Basar. Die Landseite ist durch einen halbkreisförmigen Befestigungsgürtel geschützt. Die Stadt Suakin hat Post und Telegraph, zwei Krankenhäuser, katholische Missionskapelle, mehrere Moscheen. Gouverneur ist der rangälteste englisch-ägyptische Offizier der Garnison. Suakin ist in (20 km) Sallom Junction mit der Bahnlinie Port Sudan-Berber-Chartum verbunden (vgl. Meyers »Ägypten«). Dampfer der Khedivial Mail laufen wöchentlich an und gehen nach Suez, Massaua, Dschidda, Hodêda und Aden alle 14 Tage. Suakin ist wichtig als Einschiffungsplatz der sudanesischen Pilger, die von hier nach Dschidda überfahren. Die Hitze ist im Juni, Juli und August am größten, bei Sandstürmen über 40° C; Sonnenstich und Unterleibstyphus sind dann für Europäer besonders gefährlich.
An der wüstenhaften =arabischen= Küste des Roten Meeres liegen folgende Seeplätze und heilige Städte:
=Janbo el-Bahr=, auf 24° 5' nördl. Br., ist Anlegeplatz für Pilgerschiffe mit geschützter kleiner Hafenbucht. Die Stadt ist verfallen und ärmlich; das Landtor führt auf den Karawanenweg nach Medina. Die Bewohner sind Araber, Besatzung und Kaimakam (»Landrat«) sind Türken. Der Handelsverkehr nimmt etwas zu; ägyptische, britische und türkische Dampfer laufen den Hafen an.
Etwa 200 km östl. von Janbo liegt =Medina=, die Stadt des Propheten mit dem Heiligtum El-Haram, einer Moschee auf der Stelle, wo Mohammed starb. Der Zutritt zur Stadt ist Ungläubigen streng verboten, doch haben einige Europäer die Stadt verkleidet besucht und beschrieben (Burton 1852).
=Dschidda=, auf 21° 28' nördl. Br., mit etwa 20000 Einw., ist der bedeutendste Seehandelsplatz dieser Küste und Hauptlandungsplatz der zahlreichen Dampfer und Segler mit Mekkapilgern (jährlich etwa 40000). Der Ort hat seine Bedeutung wahrscheinlich durch den Umstand erlangt, daß der Wintermonsun die Segelschiffe von Südosten her gerade noch bis hierher zu treiben vermag; anderseits waren die Schiffer häufig gezwungen, hier länger liegen zu bleiben, um günstigen Wind abzuwarten, und benutzten diese unfreiwillige Muße zu einem Besuche der heiligen Stätte im Hinterlande, der Ka'aba (s. unten), die dadurch bis in weit entfernte Gegenden bekannt wurde. Von See macht die Stadt mit hohen weißen Häusern und vielen Minarets sowie den Türmen und Basteien der Stadtmauer einen großartigen Eindruck. Im Hintergrund erhebt sich hohes Gebirgsland. Dem Ankerplatze vor der Stadt sind gefährliche Riffketten vorgelagert, durch die schwierige Fahrwasser hindurchführen. Vom Seetor am Strande gelangt man durch enge, schmutzige Straßen geradeaus auf den Basar; am Ostende der Stadt liegt das Mekkator. Die Tore bleiben von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang geschlossen. Die fanatische Bevölkerung ist christenfeindlich; die Einwohner und die Beduinen aus der Umgegend gehen stets bewaffnet; außer einigen Konsuln (England, Frankreich, Rußland, Holland und Österreich) gibt es fast keine Europäer in der Stadt; außerhalb der Stadt lasse man sich nicht sehen und sei auch in der Stadt sehr vorsichtig!--Dampferlinien für den Pilgerverkehr sind die Ocean Steamship Co., die Khedivial Mail, drei britisch-indische und drei niederländische Linien. Telegraph nach Suakin, Medina, Mekka.
=Mekka=, die Geburtsstadt Mohammeds und Hauptstadt des Hedschas, liegt etwa 95 km östl. von Dschidda und 400 km südl. von Medina und hat etwa 60000 Einw. Um die Ka'aba (den heiligen schwarzen Stein) zu besuchen, der in der Mitte des Mekkatals in der SO.-Ecke des Beit Allah (Haus Gottes) eingemauert ist, strömen dort jährlich bis zu 100000 mohammedan. Pilger zusammen. Mekka ist Hauptpflegestätte der mohammedanischen Theologie.
Die Dampfer im Hauptfahrwasser des Roten Meeres steuern, nachdem sie bei der Insel Schadwan die Djobal-Straße verlassen haben (S. 32), SSO.-Kurs und sichten zunächst nach etwa 6 St. den Leuchtturm (mit neuem Blitzfeuer) der beiden Koralleninseln Die Brüder, behalten dann SSO.-Kurs 100 Seem. weiter, bis der Leuchtturm des Dädalus-Riffs in Sicht kommt. Von da 656 Seem. bis zur Insel Djebel Tair; dabei sieht man r. die 213 m hohe St. John-Insel, die Elba-Berge und andre Gipfel der ägyptischen Küste. Nur einzelne Dampfer nehmen etwa vom 18.° nördl. Br. südl. Kurs, um innerhalb der nördl. Dahlak-Inseln längs der Küste der italienischen Kolonie Eritrea nach deren Haupthafen
=Massaua= zu steuern, der, von mehreren Inseln und einer Halbinsel eingeschlossen, einen vorzüglichen Ankerplatz bildet. Die Stadt mit etwa 35000 Einw. liegt auf der gleichnamigen Insel; am Hafen liegen Kaufhäuser, Kaffeehäuser und Kolonialgebäude, Marinewerft, Vorratslager, Marinelazarett. =Bank=: Società Coloniale Italiana (Korresp. der Deutschen Bank). Aufblühender Handel, Ausfuhr von abessinischem Kaffee, Elfenbein, Gold, Gummi, Fellen, Perlen u. a. Funkentelegraphenstation, Post und Telegraph. Die Dampfer der Società Nazionale di Servizi Marittimi laufen wöchentlich an. Das Klima ist eins der heißesten auf der Erde, vom Juni bis September sinkt das Thermometer im Durchschnitt nicht unter 30° herab; im April und Mai herrscht Malaria. Der vorzügliche Hafen diente schon 1867/68 Lord Napier (of Magdala) als Landungsplatz und Hauptstützpunkt beim Feldzug gegen Abessinien, wurde später von den Engländern wieder aufgegeben und 1885 von den Italienern besetzt. Eine Eisenbahn führt von Massaua westl. über Dogali nach Sahati. Der militärische Statthalter der Kolonie Eritrea wohnt in Asmara, etwa 45 km sw. von Massaua.
Von Massaua laufen die Dampfer mit sö. Kurs längs der Eritrea-Küste nach =Assab=, dem südlichsten Hafen und Handelsplatz der italienischen Kolonie, von dem ein Karawanenweg nach Magdala in Abessinien führt. Assab liegt auf 13° nördl. Br. in einer durch Inseln und Riffe geschützten Bucht und hat 5000 Einw.; die Einfahrt ist schwierig, besonders durch das Ostfahrwasser. Die italienischen Dampfer laufen Assab an.
Schiffe, welche die Hafenplätze der Küste von Jemen besuchen, müssen schon auf dem 20.° nördl. Br. aus dem Hauptfahrwasser des Roten Meeres ostwärts auf die Stadt el-Lid zusteuern und dann das =Innere Fahrwasser= innerhalb der Korallenriffe vor der arabischen Küste benutzen. =El-Lid= liegt auf 20° 7' nördl. Br.; Dampfer des Österreichischen Lloyd besuchen etwa vierteljährlich diesen und die folgenden Hafenplätze, von denen der nächste im S., =Kunfuda=, eine befestigte türkische Stadt mit etwa 10000 Einw., auf 19° 8' nördl. Br. liegt. Beträchtlichern Handel mit Kaffee und Getreide hat die kleinere Stadt =Lohêja=, mit 2000 Einw., auf 15° 42' nördl. Br.; der Ankerplatz liegt etwa 4 Seem. von der Stadt.--Als Quarantäneplatz für indische Pilgerschiffe ist der =Kamaran-Hafen= an der Ostseite der großen Insel Kamaran wichtig. Gegenüber liegt auf dem Festland die Stadt Saliff, aus deren Steinsalzwerken viel Salz verschifft wird. Durch den Kamaran-Paß führt die Küstenfahrt dann nach dem wichtigen Handelsplatz =Hodêda= (Hodeida) auf 14° 47' nördl. Br.; die aufblühende Stadt hat etwa 45000 Einw. und regen Schiffsverkehr; Ausfuhr: Kaffee, Felle, Korn. Kleiner Schutzhafen für Sambuks und Boote ist neu gebaut. Etwa wöchentlich Dampfer der Khedivial Mail nach Suez und Aden und italienische nach Massaua. Der Telegraph ist selten gebrauchsfähig, man sendet schneller Telegramme mit Dampfer nach Aden. Cholera tritt in Hodêda häufig auf.
Der =Hauptdampferweg= führt l. an der 245 m hohen, vulkanischen Insel Djebel Tair vorbei, dann südl. und l. von den Sebajir-Inseln. Djebel Sugur und die Hanisch-Inseln werden auf der Ausreise meist r. gelassen, wobei aber die gefährliche Avocet-Klippe auf 14° 22' nördl. Br. gemieden werden muß; sie hat nur 4,6 m Wassertiefe und ist rings von tiefem Wasser umgeben, auch nicht zu erkennen, so daß schon mehrere Dampfer auf ihr Schaden erlitten haben. Die meisten Dampfer steuern durch die Abu Ail-Durchfahrt östl. von Djebel Sugur und halten dann auf Mocha zu, wobei die Hanisch-Inseln r. bleiben.--=Mocha= (Mokka) ist von Bord aus an den Minarets und Moscheen zu erkennen; im Hintergrund der Stadt erheben sich hohe Berge, an deren Abhängen der berühmte Kaffee wächst; während nämlich der Küstenstrich selbst wüst und öde ist, empfangen die terrassenförmig abfallenden Gehänge des Hochlandes von Jemen oberhalb von 800 m Meereshöhe ziemlich ergiebige Niederschläge und sind daher reich bewässert und bebaut. Die Gipfel sind meist in Dunstschleier gehüllt. Früher war Mocha wichtigste Handelsstadt von Jemen, ist aber jetzt von Hodêda weit überholt; die Stadt sieht wie ein Trümmerhaufen aus. Die Reede hat viele Riffe.-- Dampfer nach Aden steuern in Sicht von Mocha südl. längs der arabischen Küste durch die Kleine Straße Bab el-Mandeb (S. 30) und dann östl. meist in Sicht der im Djebel Churruz bis 829 m hohen Küste nach Aden (S. 38).
=Perim=, englische Insel in der Straße Bab el-Mandeb, ist kahl, felsig und vulkanischen Ursprungs; auf dem 65 m hohen Gipfel der Insel am SO.-Ende liegt eine Lloydsignalstelle, die passierende Schiffe telegraphisch nach London meldet; Telegraphenkabel führen von der Insel nach Aden, Suez, Obock, Assab, Massaua und Suakin. Der bequeme natürliche Hafen an der SW.-Seite der Insel ist an die Perim Coal Comp. verpachtet, die ein großes Lager an Kohlen zur Ausrüstung von Dampfern unterhält. Indische Mekkapilger-Schiffe müssen die Insel zur ärztlichen Untersuchung anlaufen. Perim ist strategisch als englischer Flottenstützpunkt wichtig, aber unbefestigt. Zur Brutzeit Schildkrötenfang am Hafen.
Dampfer nach Djibouti laufen westl. von Perim durch die Große Straße Bab el-Mandeb zwischen Râs Sijan, einem 135 m hohen rötlichen Küstenvorsprung, und den Sechs Brüdern (Djesiret es-Sawahib), sechs auffälligen Felseninseln, hindurch, steuern dann um Râs el-Bir herum in den Golf von Tadjura, an dessen NO.-Ecke der von Riffen eingeschlossene Hafen von Obock liegt, früher Haupthafen der französischen Somali-Küste, jetzt, weil ungesund, verlassen. Im Innern des Golfs von Tadjura liegen die unwichtigen Handelsplätze Tadjura, Ambabo, Sagallo und das schwer zugängliche Becken Ghubbet Charab. Am SO.-Ausgang des Golfs liegt die Hauptstadt der französischen Kolonie Somali.
=Djibouti=, Stadt mit ca. 16000 Einw., davon 1800 Europäer, Sitz eines Gouverneurs; zwei deutsche Firmen; Stadt mit steinernen Häusern, gut gebaut. Polizeitruppe von 500 Gallaleuten.
=Gasthöfe=: Continental (gelobt);-- Des Arcades;--De France, Pens. 10-12 Fr.--=Cafés= am Place du Port und am Place de Menelik.--=Dampfer=: Messageries Maritimes, 14tägig nach Marseille, Ostasien, Australien, Madagaskar und Mauritius; Küstendampfer der Cie. de l'Afrique Orientale nach Aden, außerdem Dampfer des Österreichischen Lloyd, der Hamburg-Amerika Linie und der Cie. Harraise etwa monatlich einmal.--=Post u. Tel.= französisch; =Telephon= nach Harrar und andern abessinischen Orten bis Addis-Abeba. --=Eisenbahn= bis Diré-Daua (vgl. S. 37), Fortsetzung bis Addis-Abeba im Bau.--=Geld= französisch: die Eingebornen nehmen auch indische Rupien und Silber-Annas in Zahlung.
=Konsulate=: Abessinischer Konsul Ato Joseph, bei dem man vorspreche vor einem Ausflug nach Abessinien zur Ausstellung eines Waffenscheins (gratis). --=Bank=: Filiale der Banque de l'Indochine.
=Geschichtliches=: Erste französische Niederlassung 1862 in Obock, gekauft vom Sultan Ibrahim Abu Bekr; Kohlenlager wurden erst 1883 dort eingerichtet; 1896 wurde Djibouti Hauptstadt der Kolonie »Côte Française des Somalis«.
An der Landungsbrücke für Leichter mit Schmalspurbahn liegen die Kohlenlager und Gebäude der Messageries Maritimes. An der kleinern südlichen Landungsbrücke, die dem Bootsverkehr zum Dampfer dient, das Regierungsgebäude. Krankenhaus für Europäer. Trotz der Hitze sind die Gesundheitsverhältnisse für Europäer gut, nur Sonnenstich kommt häufig vor. Größte Hitze im Juli, August und September. Man trage stets Tropenhelm!--Trinkwasser aus Wasserleitung ist nicht einwandfrei, Darmkatarrhe treten häufig auf. Lebhafter Handel mit Elfenbein, Kaffee, Gold und Häuten; Waffenausfuhr nach der arabischen Küste. Handelshäuser am Place du Port und Place de Menelik.
=Eisenbahn Djibouti-Diré-Daua=, 310 km in 16 St., zweimal wöchentl. Personenverkehr für I. 180, II. 62, III. (nur Eingeborne) 15,50 Fr., Rückfahrkarten mit 8 Tagen Gültigkeit I. 220, II. 75 Fr. Spurweite der Bahn 1 m. Die Bahn durchläuft die wasserarme, hügelige Küstenebene und fährt dann in Trockentälern in das innere Gebirgsland hinein. Nachdem bei (89 km) Ali Sabiet in 734 m Höhe der französische Grenzposten passiert ist, kommt man durch besonders schöne Gebirgslandschaften hindurch. In 831 m Höhe bei (106 km) Daouanlé ein Bahnhofsgasthaus. Das Gebirgsland endet bei (132 km) Adelé, die Bahn tritt auf eine unabsehbare, mit einzelnen Büschen und Bäumen besetzte Hochebene, erreicht (190 km) Col du Harr (887 m) und, zuletzt wieder durch Bergland, den vorläufigen Endpunkt in (310 km) Diré-Daua (1100 m), 1905 gegründeter Stadt mit 15000 Einw., darunter 500 Europäer. =Gasthöfe=: Continental; De France; Vigier; Hermelides; Michaelides. =Geld=: Mariatheresientaler und Meneliktaler (Bör) = 12-16 Mahalek (abessinische Silbermünze, etwa 12-13 Piaster [Girsch]). Französisches Geld wird in Zahlung genommen.
=Ausflug= von Diré-Daua nach Harar, 60 km in 1-2 Tagen auf Kamelen, Pferden, Mauleseln oder Eseln; Preis für ein Tier 3-5 Taler. Die gebahnte Straße führt am See Hiramaya (abessinisches Wirtshaus zum Übernachten) vorbei, überschreitet einen Bergpaß von 2030 m Höhe und senkt sich dann nach der Stadt =Harar= (Hôt. Universel, Pens. 15 Fr.), die 1856 m ü. M. auf einem Berge liegt und 50000 Einw. hat, davon 8-10000 Abessinier, an 7000 Galla und Somali, Rest Fremde (Araber, Türken, Armenier, Hindus und Griechen). Harar ist alte Handelsstadt, 1886 von Menelik erobert, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Sitz eines Gouverneurs. Die fünf Tore der Stadt werden bei beginnender Dunkelheit geschlossen und unter keiner Bedingung vor dem nächsten Morgen geöffnet; vor der Stadt ist keine Unterkunft, das Kampieren im Freien ist wegen des Geheuls der Hyänen und Schakale unangenehm. Die Stadt, mit Mauern umgeben, inmitten von Bananenpflanzungen und Kaffeegärten reizvoll gelegen, hat typisch orientalisches Gepräge. Sehr gesundes Klima, gute Wasserleitung. =Bank=: Bank of Abyssinia, eine Filiale der gleichnamigen Bank in Addis-Abeba. =Münzwesen= s. unter Diré-Daua; PT, Telephon nach Djibouti und Addis-Abeba. =Konsulate=: England, Italien sind vertreten. Französisches Hospital.
Lebhafter Handel, besonders in Kaffee und Häuten; der Markt wird tägl. von etwa 10000 Angehörigen der Stämme dieser Provinz besucht. Die Umgegend ist sehr fruchtbar, das Klima mild. Etwa 4 St. von Harar Jagd auf Wildschweine etc.
Das eigentliche =Abessinien= (Habesch, Äthiopien), das man bei diesem Ausfluge nicht berührt, umfaßt ein wildzerklüftetes Alpenland mit wald- und wildreichem Tafelland im Innern, mit gesundem europäischen Hochgebirgsklima, geeinigt 1889 vom Negus Negesti (König der Könige = Kaiser) Menelik, der infolge schwerer Krankheit im Jahr 1911 von der Regierung zurücktrat. Seitdem ist der (1896 geborne) Enkel Meneliks, Lidji Jeassu, König von Abessinien. Die südl. Provinzen werden künftig mit der Bahn erreichbar, die von Diré-Daua westwärts 470 km weiter bis zur Hauptstadt Meneliks, =Addis-Abeba=, im Bau ist. Addis-Abeba, etwa 2400 m ü. M. von Bergen umgeben in der Landschaft Schoa gelegen, zählt ca. 50000 Einw.; etwa 60 km westlicher liegt die zeitweilige Residenz Addis-Alam des Königs. Schoa hat in den Höhenlagen sehr gesundes Klima, doch tropische Regenzeit vom Juni bis September.
=Jagdgelegenheit= bei Addis-Abeba am Hawasch-Fluß und an den Robi-Seen auf Nilpferde, Krokodile, Warrans, Löwen, Leoparden, Büffel und Antilopen sowie auf Federwild, wie Marabus, Kuhreiher etc.; zur Jagd sind Empfehlungen und Regierungserlaubnis erforderlich.
Aden.
Vgl. den untenstehenden Lageplan.
=Ankunft.= Östl. und westl. von Aden ist die Küste niedrig und sandig, so daß sich die drei Halbinseln Râs Amran, Djebel Hassan und Aden scharf hervorheben; die Halbinsel Aden hat viel Ähnlichkeit mit Gibraltar, ihr turmartiger, 541 m hoher Gipfel Djebel Schamschan kommt bei klarem Wetter schon auf 40 Seem. Abstand in Sicht. Die aus dem Roten Meere kommenden Dampfer halten geradeswegs auf die Leuchtbake auf Elephants Back und die Leuchttonnen bei Steamer Point zu. Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd ankern meist sw. von den äußern Leuchttonnen im Außenhafen, nur während des stärksten Südwestmonsuns, im Juni, Juli und August, gehen sie des hohen Seegangs wegen in den innern Hafen (oder nehmen in Perim Kohlen). Alle übrigen (kleinern) Dampfer suchen stets den Binnenhafen auf.-- Die meisten Dampfer haben nur 3-6 St. Aufenthalt, man erkundige sich genau nach der Abfahrtszeit, ehe man an Land fährt, und bleibe bei starkem Seegang besser an Bord, weil dann die Bootfahrt nach Steamer Point zeitraubend u. schwierig und rechtzeitige Rückkehr unsicher ist. Der äußere Ankerplatz liegt etwa 2 km vom Lande, die Überfahrt kann 1 St. dauern. Am Landungsplatz hängt ein Bootstarif (in Deutsch, Englisch und Französisch) mit allen Gebühren für Personen und Gepäck. Ein Bootsinspektor ist am Landungsplatz zu finden. --Aden ist Freihafen, Waffen und Munition dürfen nicht eingeführt werden, Weine und Spirituosen zahlen hohen Zoll.
=Gasthöfe=: Grand Hôtel de l'Univers (15 Z. 6-10, F. 2, Dîn. 3 sh.);--De l'Europe (Z. 4, F. 1, Déj. 3, Dîn. 4, Pens. 10 sh.) sind die besten Gebäude am Strand von Steamer Point, gut mit Veranden geschützt und bequem eingerichtet; Pens. etwa 8 Rup. tägl.
=Post= am Strand von Steamer Point. --=Telegraph= am Landungsplatz; nur Rupies oder englisches Gold wird in Zahlung genommen. Kabel nach Perim und Suez, Bombay, Zanzibar. Funkentelegraphenstation bei Marbut Hill.
=Wagen= sind knapp, viersitzige Einspänner; Kutscher hat gedruckten Tarif; bei Zweifel wende man sich an die Polizei an der Landungsbrücke.
=Dampferagenturen:= Norddeutscher Lloyd, Hamburg-Amerika Linie, Deutsche Ostafrika-Linie und Deutsche Hansa-Linie, Agentur für alle vorgenannten die Aden Coal Co. (Tel.-Adr. »Cory«).--Österreichischer Lloyd, Cowasjee Dinshaw & Br., ferner Agenturen mehrerer nichtdeutscher Dampfschiffgesellschaften.
=Dampferlinien= nach Bombay s. S. 22 und nach Colombo S. 105; Deutsche Ostafrika-Linie viermal monatl. nach Mombasa und Daressalam; British India Co. und Messageries Maritimes monatl. nach Mombasa und Zanzibar; Küstendampfer nach Djibouti, Hodêda und Berbera wöchentl.
=Geld.= Silberwährung: 1 (indische) Rupie = 16 annas; 1 anna = 12 Pie. Es gibt Silbermünzen zu 1/8, 1/4, 1/2, 1 Rup. (15 Rup. gleich 20 Mark).-- =Bank:= National Bank of India, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.
=Sprache:= Englisch und Arabisch.
=Konsulate:= Deutsches Reich, Konsul C. E. L. Kappelhoff jun., nahe der Landungsstelle in Prince of Wales Crescent.--Österreich-Ungarn und Holland, zurzeit vom Deutschen Konsulat verwaltet.
=Krankenhaus= für Europäer in Steamer Point (European General Hospital mit europäischen Ärzten und Krankenschwestern) oberhalb der Postamtsbrücke auf einem Abhang in guter Lage.
=Kaufläden= für Straußenfedern, Felle, Geweihe, Muscheln, Korallen und arabische Kuriositäten. Vorsicht im Einkauf bei den zum Dampfer kommenden Händlern!
=Aden=, 54 qkm große, seit 1839 den Engländern gehörende Halbinsel an der Südspitze Arabiens, unter 12° 46' nördl. Br., hängt mit dem Festlande durch einen 1233 m breiten Flachlandstreifen zusammen (s. Plan). Sie besteht aus einer steilrandigen erloschenen Vulkanruine, die im Djebel Schamschan zu 531 m aufsteigt und deren nach dem Meere zu geöffneter Krater das Hafenbecken bildet. Am Ostabhang liegt, von hohen, völlig kahlen Felsmassen umgeben, die Stadt Aden, 37 m ü. M., gegenüber der befestigten Insel Sirah. Die Hafenstadt (»Steamer Point«) liegt nw. davon an der von Bergen umschlossenen Bai Tawaji (Tawahe). Aden war schon im Altertum (als Adana) und im Mittelalter ein wichtiger volkreicher Handelsplatz, geriet aber später in Verfall, so daß 1838 die Einwohnerzahl auf 600 gesunken war. Die Engländer erstürmten die Halbinsel 1839, befestigten sie stark und machten sie zu einem wichtigen Stützpunkt für den indisch-ostasiatischen Seeverkehr. Auch die Ausfuhr von Kaffee, Aloe, Harz, Federn, Perlen, Häuten und Fellen ist bedeutend (mit Perim 1904/05: 43 Mill. Rupien). Aden mit Schech Othman und Perim hat (1901) 43974 Einw., darunter 23998 Araber, 8631 Inder, 7364 Somali und 2271 Europäer, meist Engländer. Seit Eröffnung des Suezkanals hat sich die Bedeutung der Stadt als stark befestigte Flottenstation, von der aus der Eingang zum Roten Meere blockiert werden kann, ungemein gehoben. Der vollen Ausnutzung der günstigen Lage steht nur die Schwierigkeit der Süßwasserbeschaffung entgegen. Quellen fehlen, und das Trinkwasser muß durch Destillation von Seewasser beschafft werden, wenn die vermutlich schon um 1700 v. Chr. in die Felsen gehauenen, von den Engländern wiederhergestellten Zisternen versagen. Neuerdings wird geplant, eine Wasserleitung vom Festlande bei Lahadsch (Lahedj) herzuführen. Die Halbinsel Aden ist der Präsidentschaft Bombay unterstellt; der politische Resident wohnt am Nordabhang von Râs Tarschein, der Westspitze der Halbinsel. Die Stadt Aden liegt am Ostende, das Geschäftsviertel mit Warenlagern am Innenhafen.
Vom Landungsplatz Steamer Point nach Aden fährt man in etwa 3/4 St. In Steamer Point beginnt das Straßenleben der Europäer nach 5 Uhr Nm., wenn die Sonne hinter die Berge tritt; dann versammeln sich die Offiziere und Beamten nebst Familien beim Sportplatz. Die Straße nach Aden führt anfangs am Strand entlang, dann vorbei am Dorfe Malla und durch mehrere Felsentunnel und Festungstore in die Stadt Aden, die regelmäßig erbaut ist und nur wenig Grün zeigt. Der Basar ist sehenswert (Fettschwanzschafe, Kamele). Außerhalb der alten Stadt haben die Parsen einen Feuertempel und einen Turm des Schweigens (S. 60) angelegt. Die großen Zisternen liegen in einer Schlucht, wo das Regenwasser von den Bergen zusammenfließt; ihre Umgebung zeigt als einziger Punkt der Umgebung frisches Grün. Etwa 50 Zisternen sind vorhanden, doch bisher nur etwa 13 wieder instand gesetzt; sie liegen stufenförmig übereinander, am SO.-Ende der Stadt bildet ein großes Becken den untern Abschluß. Das Wasser wird auf Eseln und Kamelen zur Stadt geschafft. Die Zisternenanlage ist (auch landschaftlich) die größte Sehenswürdigkeit Adens.
Das =Klima= von Aden ist nicht ungesund, doch in der großen Hitze während des Südwestmonsuns kommen Hitzschläge häufig vor. Passagiere von Europa sollten stets mit Tropenhelm an Land gehen! In der kühlen Jahreszeit (Mitte Oktober bis Ende März) hüte man sich vor Erkältungen nach Sonnenuntergang. Gegen Sonne und Staub ist eine graue Sonnenbrille empfehlenswert. Der Regenfall beträgt im Jahresdurchschnitt 58 mm, bleibt jedoch manchmal jahrelang ganz oder fast ganz aus; die mittlere Jahreswärme ist 28° C. Bei längerm Aufenthalt wirkt das Klima sehr erschlaffend.
=Fahrt von Aden nach Bombay=, 1650 Seem., in 4-5 Tagen. Um heißes Wetter und Regenzeit zu meiden, wähle man für die Fahrt die Zeit zwischen Ende Oktober und Ende Februar. Mai und September sind heiß; zwischen Mai und September, im Südwestmonsun, steht meist hoher Seegang zwischen Aden und Bombay, dann ist die Überfahrt sehr rauh, naß und unfreundlich.
=Der Golf von Aden= und das Arabische Meer, der Nordwestteil des Indischen Ozeans, stehen wie das übrige Südasien während des ganzen Jahres unter dem Einfluß der Monsunwinde, jahreszeitlicher Luftströmungen, die durch den Temperaturgegensatz zwischen Festland und Ozean hervorgerufen werden. Das Innere der gewaltigen asiatischen Festlandsmasse erwärmt sich im Sommer viel stärker als die umgebenden Meere, kühlt sich aber auch im Winter viel stärker ab. Infolgedessen steigt im Sommer die erhitzte Luft über Innerasien in die Höhe, und die obern Luftschichten fließen gegen die kühlem Meere hin ab, während unten umgekehrt eine Strömung vom Meere zum Lande hin einsetzt. Diese äußert sich über dem Arabischen Meer als Süd- und Südwestwind, als sogen. Südwestmonsun, der als Seewind feucht ist und für den größern Teil Indiens die Regenzeit bringt. Die umgekehrte Luftzirkulation tritt im Winter ein; dann herrscht über dem Arabischen Meer der Nordostmonsun, ein trockner Landwind, der viel schwächer weht, weil die gegen 6000 m hohe Mauer des Himalaja die Luftmassen aus Innerasien nur in der Nordwestecke Vorderindiens in dieses eindringen läßt.
Schwere Wirbelstürme sind im Arabischen Meer seltener als in der Bai von Bengalen und im Chinesischen Meer, kommen aber doch, besonders in den Monaten April, Mai, Juni sowie im November, vor und bringen zuweilen sintflutartigen Regen und Gewitter. Fallen des Barometers um 7-8 mm ist ein sicheres Anzeichen für einen Wirbelsturm, dessen Zentrum meist im Winkel von etwa 6 Strich (= 68°) zur Monsunrichtung fortschreitet. Auch große Dampfer suchen dem Zentrum nach Möglichkeit auszuweichen.
Während der Fahrt bietet sich häufiger als im Roten Meere Gelegenheit, fliegende Fische, Delphine und auch Haie nahe am Bug und am Heck des Schiffes zu beobachten; gelegentlich sieht man Tintenfische und Prachtquallen (Siphonophoren), kreisrunde Scheiben von 5-6 cm Durchmesser, wie schwimmende Kokarden, gelber Fleck mit rotem Zentrum. Nach E. Haeckel zeigt das =Meerleuchten= im Arabischen Meere zweierlei Formen: zuweilen erscheinen abends Tausende von größern »Leuchtkugeln«, meist Medusen (Pelagia, Rhizostoma, Zygocannula u. a.), geisterhaft aus der dunkeln Flut auftauchend und wieder verschwindend; von weitem leuchten sie nur schwach, doch von einer Welle erfaßt, leuchten sie heller auf. Bei der zweiten Form leuchten Milliarden kleiner Krebstiere (Ruderkrebse = Copepoda und Muschelkrebse = Ostracoda, von letztern hat eine kleine eiförmige Cythere besonders starke Leuchtkraft); zwischen ihnen sind viele kleine leuchtende Radiolarien und Infusorien, Peridineen und Pyrocysten. Dieses Leuchten des Meerwassers erscheint am prächtigsten in den kämmenden Bugwellen des Schiffes und im Kielwasser oder wenn Delphine dem Schiffe folgen, auch ist es sehr schön zu beobachten, wenn man es zum Baden benutzt und den Strahl einer Pumpe im Dunkeln auf den Körper richtet; dann ist der Badende wie mit Phosphor übergossen.--Land sichtet man gewöhnlich nicht zwischen Aden und Bombay. Die entlegene, selten von Schiffen besuchte Insel Sokotra bleibt meist außer Sicht r.; sie liegt 500 Seem. östl. von Aden und 130 Seem. vor Kap Guardafui. Die über 1400 m hohen Berge der Insel sind meist in Dunst gehüllt, so daß man oft die Insel nicht sehen kann, auch wenn man ihr nahe ist. Der Lloyddampfer »Oder« strandete 1887 bei der Insel im Nebel infolge von Stromversetzung.
Etwa 700 Seem. onö. von Aden und 100 Seem. nördl. vom Dampferkurs liegen vor der arabischen Küste die fünf, ebenfalls englischen Churja-Murja-Inseln, die im Notfalle geschützte Ankerplätze bieten. --Bei der Ansteuerung Bombays erscheint die niedrige Küste der Insel, auf der die Stadt liegt; ihr höchster Punkt, Malabar Hill, ist nur 55 m ü. M. Näher kommend erkennt man die Back Bay mit der Stadt. Prächtig wird das Landschaftsbild, wenn der Prong-Leuchtturm vor Colaba Point umsteuert ist und der Dampfer in den Hafen von Bombay an der Ostseite der Stadt einläuft. Die Colaba-Kirche, das Taj Mahal Hotel und der schlanke Turm der Universität sind besonders auffällig. Im N. und O. sieht man kleine Inseln, darunter auch Elephanta. Die Festlandberge im O. erheben sich bis zu 800 m, auffällig unter ihnen ist der Funnel Hill (Karnala) wegen seiner seltsamen Form und ganz l. der Cathedral Rock (Bawa Malang), auch Mallangadh genannt, dessen Gipfel ein senkrechter Felsenabhang mit einem verfallenen Fort krönt.
Vorderindien.
Vgl. die Karten S. 64 und 96.
=Allgemeines über die Tropen.= Mit Vorderindien oder Ceylon betritt der Weltreisende, der der in unserm Führer beschriebenen Route folgt, zum erstenmal ein auch seinem äußern Ansehen nach tropisches Land. Zwar gehören, rein klimatisch betrachtet, auch das Rote und das Arabische Meer der Tropenzone an, aber die Pracht und Fülle der Pflanzenwelt, die das Wesen und den Hauptreiz der Tropen ausmacht, fehlt den öden Gestaden des Roten Meeres gänzlich.
Die Vegetation ist ihrerseits abhängig von den =Klimaverhältnissen=, in erster Linie von Temperatur und Niederschlag. Ein allen Tropengebieten der Erde gemeinsames Merkmal ist die =hohe Temperatur=, die durch den hohen Stand der Sonne hervorgerufen wird. Zugleich ist aber auch die Schwankung der Temperaturverhältnisse im Laufe des Jahres viel geringer als bei uns, denn der Sonnenstand wechselt viel weniger als in unsern Breiten, und damit bleibt ihre Strahlungskraft und auch die Tageslänge während des ganzen Jahres ziemlich gleich. Der höhere Stand, den das Tagesgestirn am Himmel erreicht, offenbart sich durch die Kleinheit der Schatten, die auch hohe Gegenstände um die Mittagszeit werfen, und vor allem in der Kürze, mit der sich der Auf- und Untergang der Sonne vollzieht. Bei der Steilheit ihres Auf- und Abstieges sind die Übergänge zwischen Tag und Nacht viel plötzlicher als bei uns, und eine eigentliche Dämmerung fehlt fast ganz. Wenn nun auch in einem großen Teile der Tropen trotz der ziemlich gleichbleibenden wärmespendenden Kraft der Sonne ein Wechsel der Jahreszeiten vorhanden ist, so ist dies auf den zweiten Hauptklimafaktor zurückzuführen, die =Niederschlagsverhältnisse=. Die Hauptjahreszeiten sind nicht wie bei uns Winter und Sommer, sondern =Regenzeit= und =Trockenzeit=. Der Regenfall aber ist wieder abhängig von den Luftströmungen im indischen Klimagebiet, also von den Monsunwinden, die schon (S. 40) erläutert worden sind. Die Niederschläge drücken die Temperaturen herab, und infolgedessen geht die größte Hitze der Regenzeit voraus, tritt also in Vorderindien im März bis Mai ein. Man unterscheidet zwar in Indien gewöhnlich drei Jahreszeiten, nämlich die kühle (während unsers Herbstes und Winters), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit; aber der Unterschied zwischen den beiden ersten ist viel geringer als der zwischen der trocknen und der Regenzeit. Innerhalb dieser Jahreszeiten ist das Wetter in den Tropen viel gleichmäßiger als in Mitteleuropa, dessen Witterung hauptsächlich durch die westöstl. wandernden Gebiete hohen und niedrigen Luftdruckes beherrscht wird. Während bei uns »gutes« und »schlechtes« Wetter so unregelmäßig aufeinanderfolgen, daß man die kommende Witterung kaum über einen Tag hinaus mit einiger Sicherheit voraussehen kann, besteht in den Tropen ein ähnlicher Wechsel nur in den Übergangszeiten zwischen den Jahreszeiten. Innerhalb der letztern aber ist der Witterungsverlauf mit seltenen Ausnahmen Tag für Tag derselbe, so daß man z. B. in Manila in der Regenzeit einen Spaziergang vor oder nach dem täglichen Nachmittagsgewitterregen zu verabreden pflegt.
Das Tropenklima bedingt nun überall da, wo zur Wärme auch die Feuchtigkeit kommt, jenes =üppige Pflanzenkleid=, das gemeinhin als Hauptcharakterzug der Tropen betrachtet wird. Dieses Pflanzenkleid ist freilich innerhalb der Tropen je nach den Niederschlagsverhältnissen wieder sehr verschieden. Dauerndes Wachstum und das ganze Jahr hindurch fortdauernder Laubschmuck ist dem Tropenwalde nur in den räumlich beschränkten Gebieten beschieden, die Regen zu allen Jahreszeiten empfangen, wie in Vorderindien z. B. am Westabfall des Dekhans und in Sikhim. Der größere Teil der Tropenwälder aber steht zur Trockenzeit ebenso entlaubt da wie unsere Laubwälder zur Winterszeit, und die Trockengebiete haben in den Tropen nicht weniger Steppen- und Wüstencharakter wie in den andern Klimagürteln der Erde auch. Den immergrünen wie den regengrünen Laubwald der Tropen unterscheidet von den Wäldern höherer Breiten vor allem die äußerste Mannigfaltigkeit der ihn bildenden Gewächse, während unsre europäischen Wälder aus nur wenigen Arten zu bestehen pflegen; zwar ist auch im gemäßigten und subtropischen O. Nordamerikas der Wald sehr mannigfaltig zusammengesetzt, aber diese Vielheit von Waldbäumen hat sich auch nur aus einer Periode mit tropischem Klima in unser Zeitalter herübergerettet.
Im Tropenwald wird das Durcheinander der Pflanzenarten wieder einigermaßen ausgeglichen durch das Einerlei der ungeteilten, glänzend lederartigen, dunkelgrünen Blätter, die den meisten Tropenbäumen eigen sind. Man bezeichnet den Tropenwald meist schlechthin als =Urwald=, und in der Tat ist eine geregelte Forstkultur auch in den unter engerer europäischer Verwaltung stehenden Tropenländern kaum in den ersten Anfängen vorhanden. Trotzdem werden die meisten Reisenden wirklich unberührten »jungfräulichen« Urwald kaum zu sehen bekommen oder wenigstens sein Inneres nicht betreten. Der ursprüngliche, geschlossene Tropenurwald ist in seinem Innern vielfach kaum schwerer zu durchwandern als etwa der Buchenhochwald in unsern Breiten; das Laubdach, gebildet durch die mächtigen Baumkronen und noch verdichtet durch üppiges Lianengewirr, ist so geschlossen, daß unter ihm tiefe Dämmerung herrscht und Unterholz aus Lichtmangel wenig aufkommt. Anders ist es freilich an den sehr zahlreichen Stellen, wo alte, morsch gewordene Bäume gestürzt sind und bei ihrem Fall die Nachbarn mit zu Boden gerissen haben; in diesen Lücken entfaltet sich am Boden sofort der üppigste Pflanzenwuchs, den man nur mit Hilfe des Buschmessers durchdringen kann, und ebenso ist es überall da, wo der Mensch in den Urwald Breschen geschlagen hat, wo er Pflanzungen angelegt und vielleicht zum Teil wieder verlassen, wo er Straßen hindurchgebaut und auf beiden Seiten noch einen Urwaldstreifen niedergeschlagen hat, kurz, an den Stellen, die der Reisende meist berühren wird. Hier und an den ursprünglichen Waldrändern, namentlich entlang den Flußläufen sowie in den niedrigen Sumpfwäldern (in Indien Dschangel genannt), sind die Hauptstandorte für die niedrigern Palmen, die Musazeen (Bananen), Bambusarten und andre Gewächse, die uns als besonders charakteristische Vertreter der Tropenflora gelten, die aber doch nur die Kulissen für den Hochwald bilden. Im Hochwald selbst kommen an Palmen nur die ganz hochstämmigen Arten und die Kletterpalmen vor, die mit Hilfe ihrer Haftorgane bis hinauf ins Licht zu gelangen verstehen. Neben deren strickförmigen, blattlosen Stämmen enthält aber der Tropenurwald in seinen untern Partien auch zahlreiche Gewächse, die das Auge erfreuen: das sind die Epiphyten, Pflanzen, die an den Stämmen und auf den Bäumen wachsen, ohne doch auf ihren Wirtspflanzen zugleich zu schmarotzen und ihnen Nährstoffe zu entziehen. Sie entsprechen also nicht unsrer einheimischen Mistel, sondern unsern Flechten. Es sind vor allem Bromeliazeen und Orchideen, letztere häufig mit prachtvollen, stark duftenden Blüten, die vielerlei interessante Anpassungen an ihre eigenartige Lebensweise zeigen. Ein besonderer Schmuck des Tropenwaldes der höhern Bergzonen sind die hochstämmigen Baumfarne, die, zierlichen Palmen vergleichbar, unter den Kronen höherer Bäume anmutige Gruppen bilden.-- Eine besondere Art des tropischen Waldes ist der Mangrovenwald, der Flachküsten und die Flußmündungen innerhalb des Bereiches von Ebbe und Flut begleitet. Er hat sich den wechselnden Wasserständen durch Stelzwurzeln angepaßt, zwischen deren Geflecht das Wasser unschädlich ein- und ausströmt.
* * * * *
=Vorderindien= zerfällt seinem Aufbau nach in drei große Gebiete, die auch in ihrem landschaftlichen Charakter stark voneinander abweichen: das Hochland des Dekhans, das aus sehr alten Gesteinen besteht und schon längst landfest war, als Hindostan und der Himalaja noch vom Meer bedeckt wurden; das Punjab und Hindostan, ein Tiefland jungen Ursprungs, in seinen oberflächlichen Schichten von den mächtigen, dem Himalaja entströmenden Flüssen aufgebaut; und endlich den Himalaja, ein gewaltiges Faltengebirge, dessen Gebiet aber ebenfalls bis ins Tertiärzeitalter hinein vom Meer bedeckt war und das sich somit erst in verhältnismäßig sehr kurz verflossener Zeit emporgerichtet hat.
Dieser Entstehungsgeschichte entspricht der allgemeine landschaftliche Charakter der drei Gebiete: Das Dekhan, in seinen obern Partien aus flach gelagerten Gesteinsschichten bestehend und seit unvordenklichen Zeiten der nivellierenden Tätigkeit von Wind und Wasser preisgegeben, hat trotz seiner ziemlich bedeutenden Erhebung über das Meeresniveau keinen Gebirgs-, sondern mehr Hochlandscharakter, und nur die Abfälle dieses Hochlandes gegen den Arabischen und den Bengalischen Meerbusen, die sogen. Ghats, erwecken den Eindruck von Gebirgen. Entlang diesen Steilrändern ist einst die Fortsetzung des Dekhans in die Tiefe gesunken. Nach N. zu fällt das Hochland langsam ab und geht schließlich ohne schroffen Abfall in die Tiefländer des Punjabs, Hindostans und Bengalens über. Ihre weiten Ebenen reichen bis an den Fuß des Himalaja im N. und des Grenzgebirges gegen Beludschistan und Afghanistan im W.
Der Himalaja zeigt alle Merkmale eines jungen Faltengebirges. Tiefeingeschnittene, steilwandige Längstäler verlaufen dem Gebirgsrande parallel ostwestl. und sind mit der Ebene durch enge, zuweilen schluchtartige Quertäler verbunden, deren schmale Sohlen fast ganz von rauschenden Flüssen eingenommen werden; Straßen wie Ortschaften sind dann auf die steilen Talflanken angewiesen. Von der Alpenlandschaft unterscheidet sich die Himalajalandschaft vor allem durch das Fehlen eiszeitlicher Spuren unterhalb 2500 m Seehöhe, wie Gebirgsseen, Kare etc. Die Bergketten steigen in so rascher Folge hintereinander bis zur Zentralkette, die die höchsten Gipfel der Erde trägt, auf, daß man vom tropischen Tieflande des östl. Gangesgebietes aus vielfach in nur 75 km Entfernung die Schneegipfel erblickt. Im Westen, z. B. in der Gegend von Simla, sind die mittelgebirgsartigen Vorketten des Himalaja breiter, und die Schneegipfelzone ist weiter zurückgerückt.
Für Vorderindien besitzt der Himalaja in zweifacher Hinsicht eine ungeheure Wichtigkeit: einmal hält er die eisigen Winterwinde Zentralasiens ab, die z. B. den in gleicher Breite gelegenen Küstenorten Chinas rauhe Winter bringen, und sodann fangen seine Südhänge gewaltige Niederschlagsmassen auf, die dem nördl. indischen Tiefland in Gestalt der Ströme des Fünfstromlandes (Punjab) sowie des Ganges und des Brahmaputra nebst ihren Nebenflüssen wieder zugute kommen und die Kultivierung weiter Flächen des an sich trocknen nordwestl. Indiens überhaupt erst ermöglichen.
=Klima.= Die beste Jahreszeit für den Besuch Indiens bildet unser Winter, etwa von Mitte November bis Mitte März (vgl. S. 2). Dann ist in der Regel nicht nur schönes, regenfreies Wetter, sondern die Temperaturen weichen auch, wie die kleine Tabelle auf S. 45 zeigt, von europäischen Verhältnissen kaum ab. Der =kühlste= Monat, im größten Teile des Landes der Januar, hat an den Küsten des Dekhans immer noch dieselbe Mitteltemperatur wie der =wärmste= Monat in Oberitalien; die Dezember- oder Januartemperatur im Dekhan und auch in Calcutta entspricht der Julitemperatur in Süddeutschland, und erst im mittlern Hindostan und östlichen Punjab sinkt die Wintertemperatur etwa auf die unseres Mai oder Juni herab. Am kühlsten wird es im nordwestl. Winkel Vorderindiens, gegen die afghanische Grenze hin. Im Sommer dagegen muß man im Himalaja schon auf 2000 m Seehöhe hinaufsteigen, um mitteleuropäische Temperaturverhältnisse anzutreffen; auch ist in dieser Jahreszeit die regelmäßige Abnahme der Temperaturen von S. nach N. und NW. nahezu aufgehoben; aus der Tabelle ist zu entnehmen, daß Agra, Peshawar und Allahabad sogar höhere Julitemperaturen aufweisen wie selbst
Bombay und Madras: die weite Entfernung vom Meer und von den Seewinden steigert im Punjab die Temperaturgegensätze zwischen Winter und Sommer in demselben Maße wie etwa in Rußlands Steppen gegenüber Nordwesteuropa. Ebenso ist an diesen Orten auch die tägliche Temperaturschwankung, also der Gegensatz zwischen Mittags- und Nachttemperatur, viel größer als an den Küsten; einer sengenden Mittagshitze steht daher im Punjab in der heißen Jahreszeit wenigstens in den allerersten Morgenstunden eine erfrischende Kühle gegenüber.
Im folgenden geben wir (im Anschluß an Jul. Hanns »Handbuch der Klimatologie«) eine kleine Liste der Mitteltemperaturen des wärmsten und des kühlsten Monats an je einem Orte der Hauptlandschaften Indiens sowie an zwei Bergorten am Abhang des Himalaja, in die man sich zurückziehen kann, wenn es im Tiefland zu heiß wird. Die dritte Spalte gibt die hygienisch besonders wichtige mittlere tägliche Schwankung an.
======================================================================== | Heißester | Kühlster | Mittlere | Monat | Monat | tägl. =Ort= | | | Schwankung -------------------------------+--------------+------------+------------ Vorderindien: | | | Bombay (Westküste) | 29,2° Mai | 23,6° Jan. | 6,1° Agra (östl. Punjab) | 34,4° - | 15,6° - | 12,8° Peshawar (Nordwestgrenze) | 32,9° Juni | 9,8° - | 14,7° Simla (2160 m; Vorberge des | | | westl. Himalaja) | 19,4° - | 3,8° - | 6,1° Srinagar (1586 m; Kaschmir) | 22,8° Juli | -0,7° - | 12,2° Allahabad (mittleres | | | Hindostan) | 33,6° Mai | 15,8° - | 13,0° Calcutta (Bengalen) | 29,8° - | 18,4° - | 8,9° Darjeeling (2255 m; Vorberge | | | des östl. Himalaja) | 16,4° Juli | 4,5° - | 6,1° Nagpur (Zentralprovinzen) | 34,7° Mai | 19,5° Dez. | 12,9° Bangalore (920 m; | | | südl. Dekhan) | 27,6° April | 19,7° - | 11,1° Madras (Ostküste) | 31,5° Mai | 24,1° Jan. | 9,1° | | | Ceylon: | | | Colombo | 27,8° - | 26,1° - | 6,4° | | | Hinterindien: | | | Rangoon (Niederbirma) | 29,4° April | 23,7° - | 9,3° Mandalay (Oberbirma) | 31,8° - | 20,4° - | 7,4° Singapore (Malakka) | 27,5° Mai | 25,7° - | -- Bangkok (Siam) | 28,6° April | 23,8° Dez. | -- -------------------------------+--------------+------------+------------
Wie schon oben (S. 40) erwähnt, wird ganz Indien samt den umgebenden Meeren von dem Wechselspiel der =Monsune= beherrscht, im Sommer vom feuchten Südwestmonsun, im Winter vom trocknen Nordostmonsun. Der Sommermonsun ist für den größten Teil Indiens der Regenbringer, wenngleich seine Spenden in den einzelnen Landesteilen sehr verschieden ausfallen; sie sind um so größer, je weniger der Monsun noch abgeregnet und je mehr er zum Aufsteigen an Gebirgen gezwungen ist. Da er nun zunächst das Dekhan von dessen Südwestseite her bis nach Assam und dem Himalaja hin überweht, durch diesen aber abgelenkt wird und nun nach NO. zum Punjab weiterzieht, so sind am regenreichsten die Südwestabdachung des Dekhans, der Himalaja und der davorliegende Landstreifen, namentlich Assam, das auch aus dem Bengalischen Meerbusen direkt die Regenwinde zugeführt erhält. Hier, in den Khasiabergen, liegt bei Cherrapunchi die regenreichste Stelle des Erdballs, die eine jährliche Regenhöhe von 12-1/2 m hat (Deutschland 1/2-1 m). Das Innere des Dekhans und sein Ostabfall sind schon viel regenärmer, und am trockensten ist der Nordwesten des Landes. Die Regenzeit beginnt in Südindien zu Ende Mai oder Anfang Juni und breitet sich im Laufe des Juni über das ganze Land hin aus; ihr Ende fällt im allgemeinen in die erste Oktoberhälfte.
Bei der großen Abhängigkeit der =Pflanzenwelt= von den Niederschlägen könnte eine Karte der Niederschlagshöhen Indiens beinahe auch zur Darstellung der wechselnden Üppigkeit des Pflanzenkleides dienen. Eigentlichen tropischen, immergrünen Regenwald tragen nur die Westghats (s. S. 42 die Bemerkungen über die Tropen). Das Innere des Dekhans und dessen Ostabfall sind schon mehr steppenartig und großenteils von lichtem Wald und von Grassavanne überzogen. Hier begegnet man Wäldern aus Teakbäumen, die in der Trockenzeit blattlos stehen, und Hainen der schönen Palmyrapalmen. Üppiger ist die Vegetation wieder in Assam und in Bengalens Niederungen, die großenteils von dichtem, teilweise sumpfigem Wald bedeckt sind, dem Jungle (Dschangel). In diesen Gebieten wuchert der Lotos in den Gewässern und wächst der Banyanfeigenbaum, der aus seinen Ästen rings Luftwurzeln zur Erde sendet und dadurch allmählich einen Säulenhain um sich herum aufbaut, sowie sein Verwandter, der Bobaum, ersterer den Brahmanen, letzterer den Buddhisten heilig. In Hindostan wird das Pflanzenkleid westwärts immer spärlicher, die laubabwerfenden Bäume nehmen immer mehr zu, und das Punjab gehört schon ganz dem vorderasiatischen Trockenraum an: Dattelpalme, Mangobaum und Gummiakazie sind seine Charakterbäume, die lange Dürrezeiten zu überstehen vermögen, in denen sonst alles oberirdische Pflanzenleben abstirbt. Nur in der Regenzeit bedeckt hier frisches Grün die weiten Ebenen, deren Kultur zum großen Teil nur durch künstliche Bewässerung möglich ist. Das untere Indusgebiet ist sogar großenteils gänzlich wüstenhaft und vegetationslos (Wüste Thar). Eigentliche Höhenzonen der Vegetation sind nur im Himalaja vorhanden, wo hinter einem Sumpfgestrüppsaum, dem Tarai, die untersten 1000 m von tropischem Regenwald bedeckt sind, der in den Flußtälern auch tief ins Gebirge eindringt. Darüber folgt bis 2500 m der schönste Teil des Himalajawaldes, ein äußerst mannigfaltig zusammengesetzter tropischer Gebirgswald, in dessen Gebiet unter anderm auch Simla und Darjeeling liegen. Ihm schließen sich bis 3700 m hinauf nichttropische Wälder an, dann die Zone der Alpenrosen (Rhododendren) und Alpenkräuter bis zur Montblanchöhe, und dann erst beginnt der ewige Schnee. Der Artenreichtum der gesamten indischen Flora wird auf etwa 20000 geschätzt.
Die hauptsächlichsten =Charaktertiere= Vorderindiens: Elefant, Tiger und Pfau, sind Bewohner der Urwälder und Dschangeln, die auch Affen, Tapir und Wildschweine, verschiedene Wildrinder, Fasanen, zahlreiche Papageienarten, in Südindien außerdem Nashornvögel und Halbaffen (Makis) beherbergen. In den Savannen und lichten Wäldern des Dekhans streifen das Nashorn, verschiedene Antilopenarten, die gestreifte Hyäne, der Lippenbär und das Schuppentier umher. In den Gewässern hausen Krokodile und Gaviale. Zahlreich sind die Schlangen, namentlich die Giftschlangen (Brillenschlange!) des Dekhans, an deren Biß jährlich etwa 12000 Menschen zugrunde gehen. Der Löwe kommt nur noch in den Gebirgen des Indusgebietes vereinzelt vor.
Die =Bevölkerung= ist so dicht wie kaum sonst in einem großen Ländergebiet der Erde, China und Westeuropa ausgenommen. 1901 lebten im eigentlichen Vorderindien auf 3,5 Mill. qkm etwa 280 Mill. Menschen, d. h. 81 auf 1 qkm (Europa ohne Rußland: 4,4 Mill. qkm, 300 Mill. Einw., etwa 70 auf 1 qkm). Die Volksverdichtung Vorderindiens würde aber viel höher sein, wenn nicht selbst jetzt noch, unter der geordneten Verwaltung der Engländer, Pest, Cholera und Hungersnöte (letztere hervorgerufen durch die namentlich im Nordwesten öfters ausbleibenden Regenzeiten und darauffolgende Mißernten) alljährlich zahlreiche Opfer forderten.
Trotz der Abgeschlossenheit der Halbinsel, die von zwei Seiten durch schwer überschreitbare Gebirgszüge, von den beiden andern durch inselarme Meere isoliert ist, ist die heutige indische Nation aus sehr mannigfachen Bestandteilen erwachsen, die größtenteils durch die einzige Zugangsstraße zu Lande, die Kabulpforte im NW., eingedrungen sind; erst seit dem 15. Jahrh. kamen sie übers Meer herüber (Portugiesen, Franzosen, Engländer).
Zu Beginn der geschichtlichen Zeit kam um 2000 v. Chr. das Viehzüchter- und Kriegervolk der Arier, die Träger der Sanskritsprache, aus Iran ins Indusgebiet, und ihnen sind im Laufe von vier Jahrtausenden noch viele Völkerwellen -- Perser, Griechen, Skythen, Araber, Afghanen, Turktataren -- gefolgt. Aber schon die Arier fanden sowohl im Indusgebiet als auch im Gangestal, in das sie vom 14. Jahrh. v. Chr. an vorrückten, zahlreiche ältere Völkerschaften vor, die sie großenteils in die Himalajawälder und ins Dekhan verdrängten. Heute ist daher die Völkergruppierung im wesentlichen die folgende: das ganze Indus- und Gangesgebiet und das nordwestliche Dekhan nehmen die Hindu ein, die im Tropenklima schlaff und weichlich gewordenen und stark mit andern Völkerstämmen vermischten Nachkommen der alten Arier. Den Südostteil der Halbinsel bewohnen die Drawida oder Südindier, häufig auch nach einem ihrer Hauptstämme Tamulen genannt; sie sind länger in Indien heimisch als die Arier. Eine noch ältere Völkerschicht stellen die Mundavölker in der Nordostecke des Dekhans und dem angrenzenden Stück des Gangestales dar, die noch heute auf ziemlich primitiver Kulturstufe leben, und einige Naturvölker Südindiens, besonders die Toda im Nilgirigebirge um Ootakamund (S. 130). Mongolische Völkerstämme, Verwandte der Tibeter, wohnen im Himalaja, sowohl im W., in Kulu und Spiti, wie namentlich im O., in Nepal, Sikhim und Bhutan. Bei einem Ausflug nach Darjeeling kann man sie kennen lernen.
Unter den außerordentlich mannigfaltigen Erscheinungsformen der indischen Halbkultur treten besonders das =Kastenwesen= und die =religiösen Verhältnisse= in den Vordergrund. Die =Kasten=, die auf die Berufsteilung und auf die Rassenunterschiede zurückgehen, sind unzählige, vom Brahmanen, dem Angehörigen der einstigen arischen Herrenschicht, bis zum verachteten Paria. Äußerlich unterscheiden sich die Kasten durch gewisse Abzeichen in der Tracht.
Viel stärker als die Kasten machen sich die religiösen Gegensätze im Volksleben wie in den Volkstrachten bemerkbar. Die =Religionsgeschichte= Indiens ist so reich, wie wohl die keines andern Landes der Erde. Am weitesten verbreitet ist heute der Brahmanismus oder richtiger der Neu-Brahmanismus (Hinduismus). Die Idee des Brahma, der Weltseele, geht auf den in den Veden niedergelegten Dämonen- und Naturgötterglauben der alten Arier zurück. Diese Vedenreligion ist einerseits zu einem hochstehenden philosophischen System weitergebildet worden, anderseits aber durch Aufnahme immer neuer Ideen aus den religiösen Vorstellungen der ältern Volksstämme Indiens, wozu namentlich der Seelenwanderungsglaube und die Verehrung von Wischnu und Schiwa und ihrer Gemahlinnen Lakschmi und Kali zu rechnen sind, zu dem heutigen Hinduismus herabgesunken, der sich scheinbar ganz in Äußerlichkeiten, Prozessionen zu den prächtigen Tempeln, religiösen Aufführungen, Bajaderentänzen, Wallfahrten zum heiligen Gangesflusse, Fakirtum, erschöpft und in zahlreiche Sekten zerfällt. Indien ist ferner um 500 v. Chr. die Geburtsstätte des Buddhismus geworden, der aber nach 1200 Jahren dem ältern Brahmanismus wieder hat weichen müssen; nur Tempel- und Klosterruinen halten die Erinnerung an seine indische Blütezeit wach. Bis heute hat sich dagegen der Islam erhalten, der in Nordwestindien über 60 Mill. Bekenner zählt, und in Bombay und Umgegend die an Mitgliederzahl (etwa 95000) kleine, aber einflußreiche Sekte der Parsen, d. h. der Anhänger der Lehren Zoroasters (vgl. S. 61). Mohammedaner wie Parsen unterscheiden sich von den Hinduisten scharf durch ihre Kopfbedeckungen, die Mohammedaner durch den Turban, die Parsen durch ihre hohen schwarzen Glanzstoffhüte.
=Wirtschaftliche Verhältnisse.= Die Nahrung der indischen Eingebornenbevölkerung ist fast ausschließlich vegetabilisch, und so ist auch der Bodenbau die Grundlage von Indiens Reichtum. Reis, Weizen, Hirse und Sorghum sind die wichtigsten angebauten Nahrungspflanzen. Davon werden die beiden letztgenannten im Lande verbraucht, während der Reis, die Hauptfrucht des östlichen, besonders des nordöstlichen Indiens (Bengalens und Assams), und der Weizen, der besonders im nw. Trockengebiet und den angrenzenden Teilen des Dekhans und des Gangestales angebaut wird, auch in großer Menge ausgeführt werden. Wichtige Zweige der Bodenkultur gelten den Genußmittel liefernden Pflanzen, nämlich dem Mohn (zur Opiumgewinnung) und dem neuerdings in Assam mit großem Erfolg eingeführten Teestrauch. Noch weit bedeutungsvoller ist aber der Anbau von Industriepflanzen, nämlich der Baumwolle in größern Teilen des Dekhans und des Indusgebiets und der Jutepflanze im untern Gangestal und einiger Ölpflanzen. Jute und Baumwolle und die daraus hergestellten Waren stehen in der Ausfuhr mit mehr als 1 Milliarde Mark Wert an erster Stelle. Ein nicht geringer Teil der Baumwolle und Jute wird nämlich im Lande selbst verarbeitet, die Baumwolle in Bombay, die Jute in und bei Calcutta; beide Industrien beschäftigen zusammen etwa 400000 Arbeiter, und wenn man von Malabar Hill auf den Fabrikteil Bombays herabblickt, kann man sich nach Manchester versetzt glauben.--Die =Tierzucht= (hauptsächlich Büffel und Buckelrind; das Schwein wird von allen Indern verabscheut) liefert große Mengen Häute sowie die berühmte Ziegenwolle aus Kaschmir.
Gegenüber den Produkten der Landwirtschaft treten die des =Mineralreiches= in bezug auf volkswirtschaftliche Bedeutung stark zurück; es werden Gold, Steinkohlen, Manganerze und Petroleum gewonnen sowie Edelsteine, während die früher beträchtliche Diamantengewinnung jetzt nur noch sehr geringfügig ist.
* * * * *
=Staatswesen.= Das =Britisch-ostindische Kaiserreich= umfaßt an unmittelbaren Besitzungen 2815743 qkm mit 232 Mill. Einw. Die einheimischen Staaten (zus. 1759556 qkm mit 62 Mill. Einw.) sind Vasallen-, Schutz- oder Bundesstaaten; die wichtigsten: Kashmir mit Baltistan, Sikhim, die Fürstentümer der Rajputen und der Mahratten, Hyderabad, Baroda, Mysore, Cochin etc. Die allgemeine Aufsicht des indobritischen Reiches führt (mit Ausnahme von Ceylon, das einen eignen Gouverneur hat) der Generalgouverneur (Vizekönig) in Delhi, dem ein Ausführender und ein Gesetzgebender Rat zur Seite stehen; die Präsidentschaften Madras, Bombay und Bengalen stehen unter selbständigen, nicht vom Vizekönig ernannten Gouverneuren mit besondern Gesetzgebenden Räten, die vereinigten Provinzen von Agra und Audh, das Punjab, Birma und die neue Provinz Behar unter stellvertretenden oder Lieutenant-Governors, endlich die Zentralprovinzen, die nw. Grenzprovinz, Assam, sowie die Andamanen und Nikobaren unter Oberkommissaren.--=Armee= 73668 Mann englische und 166090 Mann einheimische Truppen, außerdem 190000 Mann militärisch organisierte Polizei.
=Geschichtliches= (vgl. auch S. 47). Die =Europäer= begannen in Vorderindien alsbald nach Auffindung des Seewegs nach Ostindien (1498) festen Fuß zu fassen. Zahlreiche Forts und Faktoreien wurden an den Küsten Indiens durch die Portugiesen gegründet, die gegen Ende des 16. Jahrh. durch die Holländer und Engländer verdrängt wurden. Letztere stifteten 1600 die Englisch-Ostindische Kompanie und kämpften seit dem 18. Jahrh. mit den Franzosen und den einheimischen Fürsten um die Herrschaft in Ostindien. Lord Clive begründete durch den Sieg bei Plassey (26. Juni 1757) über den Nabob von Bengalen die britische Macht in Ostindien. Die englische Macht wuchs dann durch die Kämpfe mit den Mahratten (seit Ende des 18. Jahrh.), die 1818 mit deren Ruin endigten. Ende 1843 wurde auch der Maharadscha Sindiah unterworfen. Das Reich der Sikh im Punjab wurde 1845-46 erobert. Der Aufstand, der im Mai 1857 unter den Sepoys zu Meerut ausbrach und, von den Mohammedanern genährt, sich rasch verbreitete, ward nur durch die größte Energie und Grausamkeit der Engländer bewältigt. Im September wurde Delhi, im März 1858 Lucknow, im Dezember Audh wiedererobert und im Februar 1859 der Aufstand unterdrückt. Schon vorher war 1. Nov. 1858 die Ostindische Kompanie aufgelöst und Ostindien unter Verwaltung der Krone genommen worden. Der Vizekönig Lord Lytton proklamierte 1. Jan. 1877 in Delhi die Erhebung zum Kaiserreich Indien und begann 1878 Krieg mit Afghanistan, in dem ein Grenzstrich am Chaiberpaß erworben wurde. 1886 kam Birma hinzu.
=Reiseliteratur für Indien:= Katharina Zitelmann, Indien (Leipzig 1905); Dahlmann, Indische Fahrten (Freiburg 1908); Eustace Reynolds-Ball, The Tourist's India (London 1907); Murray, Handbook for Travellers in India, Burma and Ceylon (7. Aufl., London 1911); O. Kaufmann, Aus Indiens Dschungeln (Leipzig): H. Zache, Mit dem Kronprinzen durch Indien (Berlin 1911); Winternitz, Geschichte der indischen Literatur (Leipzig 1909); Fergusson, History of Indian and Eastern Architecture (London 1910); Havell, Ideals of Indian Art (London 1911).
Reisen in Indien.
Beste =Reisezeit=, s. S. 2.
=Reiseausrüstung= wie für jede Tropengegend. Vm. Leinen- oder Rohseideanzug u. Tropenhelm, nach 4 Uhr leichter wollener Jackettanzug und Strohhut, abds. Frack oder Smoking; schwarzer Rock und Zylinder sind nicht gebräuchlich. Für Winterreisen ins Innere sind dicke Überröcke nötig, dazu wasserdichte Reitmäntel. Man beachte, daß der Abendtau die Kleidung naß macht, und daß Nächte und Morgen kalt sein können, wenn auch der Tag heiß war. Im südlichen Indien und an der Küste genügt leichtere Kleidung; Anzüge erhält man billig und gut überall von tüchtigen Schneidern und in guten Geschäften für europäische Bedürfnisse. Für Gebirgsreisen ist wollenes Unterzeug und lange wollene Leibbinde (»Kummurbund«) unentbehrlich. Derbe Reithosen nicht vergessen; Tropenhelm ist überall in indischen Häfen zu haben. In Ceylon ist leichteste Kleidung erforderlich, nur in den Bergen ist es kühl. Bettzeug (ein Kopfkissen, zwei Steppdecken nebst Laken sowie einige warme Decken, das Ganze in wasserdichtem Sack verpackt) muß man stets mit sich führen, auch auf der Eisenbahn (Razais, s. S. 16) und wenn man Bekannte besucht. In den Gasthäusern und den Dâk Bungalows im Innern findet man meist gar kein oder unsauberes Bettzeug. Wegen der Feuchtigkeit schimmeln verpackte Gegenstände leicht, das gesamte Gepäck, Kleidung, Wäsche, Bettzeug, Schuhzeug, muß also oft in der Sonne an trockenen Tagen gelüftet werden, Vorräte und Medikamente etc. müssen luftdicht verpackt sein. Auch Bücher und Papiere sehe man gelegentlich nach, damit sie nicht schimmeln. Moskitonetz findet man in den meisten Hotels und Bungalows vor.
=Geld.= Goldwährung; Einheit ist die Rupie, 1,33-1,38 Mark. 15 Rupies = 1 £ = 20,40 M. 1 Rup. = 16 annas; 1 anna = 12 Pie (= 4 Pice). Silbermünzen zu 2, 4, 8 annas und 1 Rupie. Nickelmünzen zu 1 anna (etwa 8 Pf.), Kupfermünzen zu 1 Pie, 1 Pice (1/4 anna), 1/2 anna. Goldmünze (Pfund Sterling) kann nur in größern Geschäften gewechselt werden. Der Gold-Mohur (= 16 Rup.) ist nur noch im Sprachgebrauch (wie die englische Guinea) vorhanden. Banknoten zu 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Rupies gibt es von Bombay, Calcutta, Madras und Rangoon, deren Noten über 50 Rupies meist nur in der betreffenden Provinz ohne Abzug genommen werden. Man lasse sich bei größern Summen nur die jetzt für ganz Indien gültigen Banknoten mit rotem Aufdruck, payable at any office, geben!--=Kreditbriefe= (Letters of credit, circular notes), zahlbar bei Thos. Cook's Offices, sind für Reisende sehr bequem (vgl. auch S. 7); sie werden von Cook's Banking Department (London, Ludgate Circus) ausgegeben. Die Agenturen wechseln indisches Geld.
=Zoll.= Eigne Kleidung ist frei; sonst zahlt alles, auch Bettwäsche und Handtücher, photographische Geräte nebst Zubehör etc., etwa 5 Proz. vom Werte (in Bombay); Sportswaffen 10 Proz.; Tabak, Wein etc. wird ebenfalls höher verzollt; Opium 12 Rupien das Pfund.
=Eisenbahn.= Das Bahnnetz ist weit verzweigt, das Reisen trotz der großen Entfernungen bequem und billig. Man sei mindestens 10 Min. vor Abfahrt zur Stelle; auf einigen Hauptstationen sind die Schalter den ganzen Tag offen zum Verkauf von Fahrkarten und zur Gepäckaufgabe. Man benutze stets den neuesten Fahrplan, da häufig Änderungen in den Zeiten und Wegen eintreten. Am besten sind Newman's Indian Bradshaw (9 annas), erscheint monatlich neu; ferner Indian ABC-Guide und Indian Railway Traveller's Guide; sie geben auch Auskunft über Fahrposten und andre Fahrgelegenheiten sowie über Flußdampferfahrten und andres mehr.
Einen =Platz= im Zuge bestelle man sich, besonders für Nachtfahrten, schon einen Tag oder an der Abgangsstelle des Zugs mehrere Stunden vor Antritt der Reise beim Stationsvorsteher; auf Zwischenstationen so frühzeitig, daß telegraphische Bestellung bei der Abgangsstelle =vor= Abfahrt des Zugs noch möglich ist. Am Zuge weist der Stationsvorsteher (station master), nicht der Schaffner, die Plätze an. Wenn man zu viert reist oder vier Fahrkarten I. Kl. bezahlt, kann man ein Abteil für sich haben, in II. Kl. zu sechs. Die Abteile I. Kl. haben geräumige Längssitze und Liegestätten (2 obere, 2 untere), II. Kl. hat noch eine Mittelbank; Waschraum etc. ist neben jedem Abteil I. und II. Kl. Es gibt Damenabteile (Ladies only) I. und II. Kl. in allen Schnellzügen und vielen andern Zügen. In Schnellzügen dürfen Reisende I. Kl. drei eingeborne Diener, solche II. Kl. zwei Diener zum Preise III. Kl. in besondern Räumen mitführen. Alle Wagen sind hoch und luftig, mit Doppeldach und Jalousiefenstern. Für richtiges Aussteigen muß man selbst sorgen, die Stationen werden nicht ausgerufen, die Türen auch nicht überall geöffnet. Die Sicherheit des Reisenden und seines Gepäcks ist so gut wie in Deutschland.
=Eisenbahnzeit= (Indian Standard Time) geht 4-1/2 St. vor gegen mitteleuropäische Zeit, 39 Min. vor gegen Bombay-Ortszeit, 9 Min. vor gegen Madras-Ortszeit, 24 Min. nach gegen Calcutta-Ortszeit. Man achte also auf die Bahnhofsuhren! Die Eisenbahngesellschaften und ihre Fahrpläne rechnen den Tag (wie in Italien) zu 24 St., von Mitternacht zu Mitternacht gezählt (also 12 Uhr ist Mittag, 24 Uhr ist Mitternacht).
=Fahrkarten.= Gültigkeitsdauer für Strecken bis 25 M (40 km) 2 Tage, bis 300 M (483 km) 4 Tage, bis 450 M (724 km) 9 Tage, bis 600 M (966 km) 12 Tage, bis 750 M (1207 km) 15 Tage und auf größern Strecken 18 Tage. Außer den einfachen Fahrkarten gibt es zusammengestellte Fahrscheinhefte (Specimen Tours) mit zweimonatiger Gültigkeit, die Fahrtunterbrechung an allen interessanten Plätzen unterwegs gestatten. Bei gewöhnlichen Fahrkarten (single journey tickets) ist Fahrtunterbrechung nur für einen Tag für je 100 M (161 km) und auch nur an Orten, die mindestens 101 M vom Abfahrtsort entfernt sind, erlaubt; deshalb sollten sich Vergnügungsreisende stets von Cooks Reisebureau ein Fahrscheinheft (Specimen Tours) zusammenstellen lassen, weil sie dann billiger reisen, als wenn sie abschnittweise die Fahrkarten von Ort zu Ort (wo längerer Aufenthalt geplant ist) nehmen.
=Gepäck.= Jeder Reisende hat in I. Kl. 1-1/2 maund (etwa 56 kg) frei, in II. Kl. 30 seers (etwa 28 kg). Überfracht kostet zwischen Bombay und Calcutta über Delhi etwa 15 Rup. das maund (für je 37 kg), über Nagpur nur 7 Rup. 6 annas, zwischen Bombay-Delhi, Bombay-Madras, Delhi-Calcutta etwa 7-1/2 Rup. Schweres Gepäck, Deckstühle etc. übergebe man Cook zur Versendung als Frachtgut (etwa halber Preis). Gepäck, das man unterwegs nicht braucht, kann gleich bis zur Endstation aufgegeben werden und lagert dort frei, solange der Fahrschein gültig ist; später kostet Tag und Stück 4 annas Lagergeld. Gepäckaufbewahrung für kurze Zeit auf Zwischenstationen übernehmen die Stationsvorsteher gegen Gepäckschein.
=Handgepäck.= Erforderlich für längere Fahrten sind ein wasser- und staubdichter Sack mit Bettzeug (weil Nachtfahrten oft sehr kühl sind), wollene Decken, eine seidene Decke und ein »Razai« (Baumwollsteppdecke, als Matratze dienend, zu 6 Rup., einige weiße Laken und Handtücher, Kopfkissen aus Leder mit Überzug; gesamte Reisebettausrüstung ist in den größern europäischen Geschäften der Hafenstädte für 20-25 Rup. zu kaufen); sehr zu empfehlen ist die Mitnahme von Mundvorrat in geschlossenem Frühstückskorb (tiffin basket), auch Rotwein, Sodawasser, einer Flasche mit abgekochtem Wasser zum Mundspülen (in den Zügen =nicht= zu haben), Kognak und Teekocher oder kaltem Tee sowie Körbchen mit Früchten, denn nur die Schnellzüge (mail trains) haben zuweilen Speisewagen. Für alle Züge geben die Fahrpläne die Aufenthaltsorte für Frühstück und Mittagessen an, aber die Bahnhofswirtschaften (refreshment rooms) sind nur auf Hauptlinien gut, sonst oft schlecht und gesundheitsgefährlich; rohe Milch sollte man stets selbst abkochen. Mahlzeiten bestelle man in den Bahnhofswirtschaften telegraphisch (gratis) beim Zugführer, Schaffner oder Bahnhofsvorsteher voraus, da bei großem Andrang diese Wirtschaften nicht genügend vorbereitet sind; meist wird einige Stationen vorher angefragt, ob Vorausbestellung gewünscht wird.
=Gepäckträger= erhalten etwa 2 annas für nicht schweres Gepäck.
Die =Gasthöfe= sind in letzter Zeit besser geworden, auch in kleinen Orten findet man jetzt meist gute Hotels. Man erkundige sich unterwegs bei europäischen Geschäftsreisenden, die das Land öfters besuchen, welche Häuser zurzeit am besten sind. Das Reisen ist in Indien nicht unverhältnismäßig teuer, aber man braucht viel Fahrgelegenheit, weil vieles Gehen in der Hitze gesundheitsschädlich ist.
Die =Unterkunftshäuser= für Reisende (Dâk Bungalows) in den Dörfern gehören der Regierung; man erkundige sich vorher, ob sie frei sind, meist muß man nach 24 Stunden seinen Platz an Neuankommende abgeben; einzelne haben einen Wärter, der gute Verpflegung (Tee und Eier fast stets vorhanden) liefert sowie Beleuchtung, aber manche sind fast leer und ohne Bedienung.
Ein =Reisediener= (Boy) muß mit Sorgfalt, womöglich durch Vermittelung des Konsuls oder eines Reiseagenten (S. 54), am besten durch Cook oder den Hotelmanager ausgewählt werden und zuverlässige Zeugnisse beibringen; man miete nur nach genauer Prüfung des Dienstbuches, gebe außer 10 Rup. für Kleidung keinen Gehaltsvorschuß und nur Geld für kleine Auslagen, die der Boy billiger als man selbst macht. Auch als Dolmetscher muß der Boy dienen. Gute Boys, die Englisch, Singhalesisch, Tamulisch, Hindostanisch und Malaiisch sprechen, sind kaum unter 1-1/2 Rup. tägl. zu haben; es empfiehlt sich (außer wenn man besonders zufrieden ist), den jeweiligen Boy in Indien, Ceylon, Birma, Siam etc. zu entlassen, um Reisekosten (hin und zurück für den Boy) zu sparen. Der gewöhnliche Monatslohn ist 35-40 Rup., worin Selbstbeköstigung inbegriffen, dazu beim Dienstantritt 10 Rup. für »warme Kleidung«. Fahrkarte für den Boy auf den indischen Bahnen kostet ein Viertel der Fahrkarte I. Kl.; Heimreise muß ihm voll gezahlt werden. Einzelne gewandte Reisende mit nicht zu hohen Ansprüchen sehen neuerdings vom Mieten eines Boys ab; sie helfen sich für Gepäck etc. mit den in allen Hotels herumlungernden Boys, die gegen kleines Trinkgeld sehr dienstwillig sind und meist auch etwas Englisch verstehen. Nach Erfahrung einzelner Reisenden sind die Fremdenboys »eine dauernd auf den Geldbeutel ihrer Herren schielende, mit allen Hunden gehetzte Tagediebkaste«-- also ist Vorsicht mit ihnen geboten. Bei gutem Dienst verspreche man ein Extrageschenk zum Schluß. Diener aus dem Innern (Up-country servants) sind oft zuverlässiger und billiger als die der Hafenstädte; doch die Madras-Boys gelten als die besten in Indien. Hat man solchen sprachkundigen Eingebornen als Diener, kann man mit englischen Sprachkenntnissen überall auskommen. Den vollen Lohn zahle man erst bei der Entlassung.
Die =Verpflegung= ist in Indien meist nicht gut, der Genuß frischer Milch und Butter ist gefährlich, Wasser muß filtriert und abgekocht werden (Filter allein genügt nicht!). Abseits von Hauptreisewegen führe man stets gut gefüllten Eßkorb (tiffin basket, in allen Ausrüstungsgeschäften zu haben) und Sodawasser mit, vgl. oben.
Die =Lebensweise= soll in allem mäßig sein; nicht zu viel Schlaf; gymnastische Bewegungen zur Förderung des Blutumlaufs nicht versäumen, aber nur morgens vor der großen Hitze; früh aufstehen, zeitig zu Bett. Morgenspaziergänge und -ritte sind am besten, abends kann man sich im starken Tau leicht erkälten. Nach den Mahlzeiten ruhe man! Man bade täglich, aber nie mehr als zweimal. Wollene Leibbinde sollte man namentlich nachts tragen; sie schützt gegen Darmerkrankungen. Nachts schlafe man in Nachtanzug (Pyjamas) aus Rohseide oder leichtem Wollen- oder Baumwollenstoff und nie auf fremden Matratzen oder Kissen ohne reine Bezüge. Man hüte sich vor Zugwind, weil Europäer in Indien viel unter Rheumatismus zu leiden haben, und sitze nicht im Abendtau im Freien! Nicht zu schwere Fleischkost, nicht viel Bier, überhaupt wenig Alkohol. Unreife Früchte und rohe Früchte, deren Wirkung man nicht kennt, saure Weine, auch rohe indische Austern, trotzdem sie wohlschmeckend sind, sollte man stets meiden. Sehr stärkend für den Magen ist der indische Curry mit Reis, auch wenn er dem, der ihn noch nicht aß, zu scharf schmeckt. Sekt auf Ei (»Scrupkin«) wird als Mittel gegen Dysenterie empfohlen. Durchfall soll man nicht gleich stopfen, sondern nur durch Diät (nur Reis essen und gekochtes Reiswasser trinken!) mildern; wo ein Arzt ist, ziehe man ihn rechtzeitig zu Rate, weil er die klimatischen Einflüsse zu beurteilen versteht; auch Verstopfung nicht vernachlässigen! Tee genügt als Stimulans völlig.
=Landreisen= sind auf Hauptstraßen im Anschluß an die Bahn mit Postwagen (Dâk) oder andern ortsüblichen Fuhrwerken ausführbar. Die eigne Verpflegung nehme man mit, für die Eingebornen ist fast in jedem Dorfe das Nötigste zu haben. Moskitonetz; übrige Ausrüstung dem Reiseziel anpassen. Chinin ist nötig. Als Vorbeugungsmittel wird Chinin in größerer Dosis (bis zu 1 g) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen wöchentlich oder jeden fünften Tag 1/2 g zu nehmen empfohlen; kleine Dosen täglich sind unwirksam. Während Fieberanfall nehme man Phenazetin nach ärztlicher Vorschrift.--=Empfehlungsbriefe= an englische Beamte oder Klubs und an Radschas sind nützlich und bei Reisen in Birma unentbehrlich.
=Gefahren für Reisende.= =Bisse wilder Tiere= (Pariahunde, Schakale) muß man, falls Wutverdacht vorliegt, im Pasteur-Institut in Kasauli nahe bei Kalka (S. 75) und in Coonoor (Nilgiris) behandeln lassen. In Bombay wird ein Pasteur-Institut eingerichtet. --Schlangen (namentlich Cobras, Brillenschlangen) zeigen sich gelegentlich (auch noch auf Malabar Hill in Bombay), Europäer verscheuchen die Tiere aber meist durch das Geräusch ihrer Schuhe. Schlangenbisse werden ähnlich wie Kreuzotterbisse behandelt: man verhüte, daß das Gift zum Herzen gelangt, durch Abschnüren des gebissenen Gliedes; die Wunde öffnen, ausbluten lassen, auswaschen mit Lösung von übermangansaurem Kali oder (falls dies nicht zur Hand ist) mit heißem Eisen oder Pulver ausbrennen, dazu tüchtig Bewegungen machen, Alkohol trinken etc., um das Gift »auszuschwitzen«. Als Gegengift erhält man in Indien »Calmette's Antivenene Serum« oder Chlorpastillen. -- Skorpionbisse sind schmerzhaft, aber selten gefährlich; man wasche sie mit Ammoniak oder Essig aus.--Bestreichen mit Eukalyptusöl schützt vor den wegen Malaria-Ansteckung gefährlichen Moskitostichen, die man auch mit Ammoniak oder Essig behandelt.
=Krankheiten=, denen Reisende in Indien ausgesetzt sind: Cholera (Ansteckung meist durch Wasser); Verstopfung (man nehme Cascara-Tabletten); Durchfall (nie vernachlässigen); Dysenterie; Malariafieber; Augenentzündung; Typhus; Geschlechtskrankheiten. --Die Pest (engl. plague) ist fast überall in Indien heimisch, tritt unter den Eingebornen mehr oder minder stark auf, im März am schlimmsten. Europäer bleiben ziemlich verschont, wenn sie nicht in nahe Berührung mit dem Volke kommen. Die religiösen Feste der Hindus tragen viel zur Verbreitung der Pest bei.
2. Bombay
Vgl. den beifolgenden Plan.
=Ankunft zur See.= Die meisten Dampfer ankern auf der Reede; Reisende werden mit Dampfboot gelandet. Zolluntersuchung in der Halle bei der Landungsbrücke. Schußwaffen, auch gebrauchte, zahlen hohen Zoll (s. S. 49), wenn man sie nicht im selben Jahre schon in Indien verzollt hat. Der Zoll wird bei der Abreise gegen Vorzeigen der Quittung (Receipt) zurückerstattet. Meist erhält man schon auf dem Dampfer oder im Zollamt ein Formular, in das jeder Reisende Zahl der Gepäckstücke, Inhalt und Wert anzugeben hat. Wenn das schwere Gepäck innerhalb 24 St. nicht untersucht ist, wird es nach dem städtischen Zollamt (Town Custom House; C4) gebracht. 5 St., nachdem die Ankunft eines P. & O.-Dampfers signalisiert ist, gehen Schnellzüge für Durchreisende nach dem Osten ab.--Beauftragte der bessern Hotels sowie von Thos. Cook & Son kommen mit den Zollbeamten an Bord und übernehmen Aufträge zur Besorgung des Gepäcks. Falls der Dampfer nachts ankommt, bleibt man am besten bis Tagesanbruch an Bord.
[Hand]Man hüte sich vor aufdringlichen Agenten unbekannter Firmen!
=Gasthöfe:= Taj Mahal Palace Hôtel (Pl. e, C5), erstklassiges Prachthotel (meist deutscher Direktor) mit europäischer Einrichtung, der größte und schönste Gasthof in Indien, elektr. Licht, Fahrstühle etc.; 400 Z., Pens. (bei 7 Tagen Aufenthalt) von 10 Rup. an.--Majestic (Pl. e, B5), Wodehouse Road, 95 Z., Pens. 10-25 Rup., modern eingerichtet.--Great Western Hotel (Pl. b, C4), Apollostraße; bequem; Fahrstuhl, elektr. Licht.--Apollo Hotel (Pl. c, B5), Colaba Causeway, nahe dem gleichnamigen Bootshafen. --Die größern Gasthöfe haben =Bars=, an denen man Bier erhält.
=Restaurants:= Victoria Station Restaurant, im Hauptbahnhof.--W. B. Green & Co.--The Apollo Hotel Restaurant (Pyrke).--The Majestic (gegenüber Apollo Hotel).--Mongini, Church Gate Street.--Cornaglia, Konditorei, Meadow Street 83.
=Diener.= Je nach Bedürfnis nimmt man sofort nach Ankunft einen Diener (Boy), jeder Europäer in Bombay hat ihn; Gehalt vgl. S. 51. Doch können Reisende in Bombay ohne Diener durchkommen, je nach Ansprüchen auf Bequemlichkeit. Über Annahme etc. vgl. S. 51 (wichtig!).
=Post, Telegraph, Telephon= (B4) neben dem Victoria Terminus (Hauptbahnhof) und in der Esplanade Road, etwa 10 Min. sw. vom Hauptbahnhof. Ein Post Office Guide und ein Indian Telegraph Guide (zu je 4 annas) sind bei jedem Amt zu haben.
=Wagen und Droschken:= Man frage den Hotelportier, wieviel man zahlen soll, weil die Tarife zuweilen unverständlich sind. Die Autodroschken (Taxicabs) haben Fahrpreisanzeiger.
=Straßenbahnen= werden von Europäern wenig benutzt; ihre Endpunkte sind Colaba Station und Sailors Home am Südende der Stadt; sie laufen bis zum Nordende der Stadt, über Grant Road, nach Parell und nach den Docks.
=Eisenbahnen.= Zwei Hauptlinien: 1) Die Great Indian Peninsula Railway (G. I. P.) vom Hauptbahnhof Victoria Terminus (C3) für Fahrten nach Allahabad, Cawnpore, Lucknow, Agra und Delhi, Benares, Calcutta, Poona, Hyderabad, Madras und nach dem Süden. Schnellzüge nach Calcutta via Jubbulpore in 46 St., via Nagpur in 48 St.--2) Die Bombay, Baroda & Central Indian Railway (B. B. & C. I.), von Colaba Station (B5) für Fahrten nach Ahmedabad, Ajmer, Jaipur, Agra, Delhi, Lahore und nach dem Norden, hat mehrere Bahnhöfe in Bombay; Reisende, die nahe dem Fort wohnen, benutzen Church Gate Station (B4) oder Colaba Station (B5); die auf Malabar Hill oder in Byculla wohnen, benutzen Grant Road Station. Man erhält Rundreisekarten bei Thos. Cook & Son, s. S. 54.
=Dampfer:= Österreichischer Lloyd, Agentur: W. Denso (Telegrammadr.: »Lloydiano-Bombay«, Church Gate Street 50; nach Triest jeden Monat zweimal (Mai bis August nur einmal) in 16 Tagen; ferner nach Colombo, Penang, Singapore, Hongkong und Schanghai monatl.--Messageries Maritimes, alle 4 Wochen nach Marseille, Agentur: Hornby Road, Albert Buildings; beide Gesellschaften haben gemeinschaftliche Rückfahrkarten (S. 9).--Peninsular & Oriental S. N. Co. (P. & O.), Agentur: 3 Rampart Row; jeden So. nach Brindisi und London, 14tägig nach Colombo, China, Japan und Australien; ähnlich Ellerman Line und Anchor Line.--Società Nazionale di Servizi Marittimi, Agentur Hornby Road 59, nach Neapel und Genua.--British India S. N. Co., Agentur: Mackinnon, Mackenzie & Co., Ballard Road; wöchentl. nach indischen Küstenhäfen, Calcutta, Karachi, dem Persischen Golf, Birma und der Ostküste von Afrika.--Deutsche Ostafrika-Linie (Hamburg), Agentur A. Strandes, 14tägig nach Ostafrika (Daressalam etc.). --Fahrpläne geben die Tageszeitungen.
=Bankgeschäfte:= Hongkong and Shanghai Banking Corporation Ltd., Church Gate Street 40;--Chartered Bank of India Australia & China Ltd., Elphinstone Circle, gegenüber Telegraphenamt. --National Bank of India Ltd. (Korr. der Deutschen Bank und der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig), Rampart Row;--Mercantile Bank of India, Esplanade Road; alle Korr. der Berl. Disconto-Gesellschaft.
=Sprache.= Englisch wird in allen Hotels, auch in den meisten Rasthäusern (Dâk Bungalows) gesprochen. Von den vielen neuindischen Sprachen, die in den verschiedenen Gebieten Vorderindiens gesprochen werden, ist das Hindostani oder Urdu die verbreitetste; es ist ein Hindudialekt mit vielen persischen und arabischen Beimischungen, auch einigen malaiischen, portugiesischen und englischen Wörtern. Grammatik und Wörterbuch von Forbes (London 1855 und 1846) gelten noch jetzt als beste Sprachführer. Zum Gebrauch für Reisende genügt aber der »Hindustani Manual for Beginners« (Times of India-Press, Bombay), der viele Wörter und Sätze enthält; ferner: »Marlborough's Hindustani Self Taught« (2 Rup. 4 annas); »How to speak Hindustani in a Month« (1 Rup.).--Betreffs der Aussprache englisch geschriebener geographischer Namen sei bemerkt, daß u im allgemeinen wie a gesprochen wird: Kalkatta (geschrieben Calcutta), Dschamna (geschrieben Jumna), Lackno (geschrieben Lucknow) etc.
=Reisebureaus, Agenten.= Norddeutscher Lloyd: Thos. Cook & Son.--Hamburg-Amerika Linie, Volkart Brothers. --Thos. Cook & Son (B4), Esplanade Road 13 (Lesezimmer); geben »Cooks India. Information for Travellers landing at Bombay and Calcutta« mit Angaben über Reisewege und Fahrpreise heraus, ein sehr nützliches Heft. Fahrkarten sind oft für die Bahn billiger und schneller in Cooks Office zu haben als auf den Bahnhöfen. Cook gibt auch Hotelcoupons, für ganz Indien gültig, aus, seine Fahrkarten können getauscht oder zurückgegeben werden. Es empfiehlt sich, Briefe aus der Heimat an Cook schicken zu lassen, der sie dem Reisenden nach Verabredung nachschickt (Deutsch wird aber im Bureau nicht gesprochen!).--=Reiseagenten=, die Reise- und Geldgeschäfte, auch eingeborne Diener besorgen, Briefe nachsenden etc., sind: Latham & Co. (empfohlen), Apollo Street; King King & Co., Standard Buildings, Hornby Row; Grindlay, Groom & Co., Hornby Road. (Vorsicht ist bei Agenten geboten!)
=Konsulate:= Deutsches Reich (B5), Konsul Dr. Heyer.--Österreich-Ungarn (B5), Konsul Graf Thurn.
=Polizei= (Police Courts; C3) gegenüber dem Victoria-Bahnhof. Polizeiwache neben Apollo Hotel. Polizeipräsidium gegenüber Crawford Market.
=Bäder= in allen Gasthöfen. Seewasserbäder zum Schwimmen in Back Bay (B5) und Breach Candy (im NW.); Badezeit im Hotel erfragen
=Ärzte:= Dr. Alphons Mayr (Deutscher), Konsulatsarzt, Roosevelt House, Apollo Reclamation (gegenüber Taj Mahal Hotel), zu empfehlen.--Zahnärzte: Dr. Barr, Mayo Road; Dr. Davison, Landsdowne Road.
=Apotheken:= Thompson & Taylor, Esplanade Road; Kemp & Co., Elphinstone Circle (C4), Sassoon House und im Taj Mahal Hotel.
=Buchhandlungen:= Taraporevala, Meadow Street; Thacker & Co.; Esplanade Road (B4);--Combridge & Co., Esplanade Road.--Presse: The Times of India; The Bombay Gazette; Advocate of India (Abendblatt).
=Photographien:= Metzker (Deutscher, gelobt), Hornby Road, Whiteways Building.--Bourne & Shepherd, Esplanade Road 18, liefern Films und Platten jeder Art;--Clifton & Co. (Mitbesitzer: Schultz), Meadow Street, sprechen Deutsch.
=Geschäftsadressen.= =Indische Kuriositäten:= Tarachund, Meadow Street;--Ramswamy, ebenda;-- Hurjimuli und in den Läden in der Kalbadevi Road und deren Nebenstraßen. --=Reiseausrüstung:= Army & Navy Stores; Badham & Pile; Asquith & Co.; Whiteway, Laidlaw & Co.; Hoar & Co.; sämtlich Esplanade Road.
=Vergnügungen, Theater= (nur zeitweise): Royal Opera House, Queens Road; Gaiety Theatre und Novelty Theatre (BC 3), nahe Victoria-Bahnhof. --Native Theatre (A1), Grant Road.-- =Öffentliche Musik= an bestimmten Tagen im Yacht Club und am »Bandstand« (Musiktempel); Sa. in Byculla, Victoria Gardens; ebenda Botanischer und Zoologischer Garten und Museum.
=Klubs, Vereine:= Deutscher Klub, Kennedy Sea Face.--Byculla Club, Bellasis Road, Byculla, mit Schlafgelegenheit. Bombay Club, 26 Esplanade.--Yacht Club, Apollo Bandar (C5).--Bombay Gymkhana and Golf Club, Esplanade Road.--Ladies' Gymkhana, The Ridge, Malabar Hill, abds. sehr besucht.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag Vm.: Wagenfahrt Fort, Europäerstadt und Native Town (Eingebornenstadt), bequem in 4-5 St. zu durchfahren; Nm. 2 Uhr: Mit Cooks Dampfer (s. S. 61) nach Elephanta, zurück 7 Uhr;--2. Tag Vm.: Wagenfahrt nach Malabar Hill zu den Türmen des Schweigens (7-1/2-9) mit Eintrittskarte vom Hotelportier; Nm.: Native Town-Basar »shopping« und Wagenfahrt nach Victoria Gardens und Museum. Abendspaziergang zum Studium des Volkslebens gegen 6 Uhr;--3. und 4. Tag: Ausflug nach Ellora (S. 61);--5. Tag früh: Autofahrt nach Mahim und Vehar Lake. Weitere Ausflüge s. S. 62.
=Geschichtliches.= Bombay wurde 1530 vom Sultan Balladur, dem König von Gujarat, an die Portugiesen abgetreten, die dort eine befestigte Handelsfaktorei einrichteten. Bei der Heirat Karls II. von England mit der portugiesischen Infantin Katharina ging Bombay als Mitgift an die englische Krone über, wurde aber schon 1668 der Ostindischen Kompanie gegen einen Pachtschilling von 10 £ jährlich übergeben. Diese Kompanie verstand die günstige Lage des Platzes zu würdigen und auszunutzen; schon 1686 wurde der Sitz der westlichen indischen Statthalterei aus Surate nach Bombay verlegt, gleichzeitig Postamt und Münze errichtet. Durch geschickte Maßregeln, Zoll- und Religionsfreiheit für die Ansiedler, Ausbau des Hafens entwickelte sich der Platz und übertraf schließlich den alten Handelsplatz Surate bedeutend. Im 19. Jahrh. bewirkte die Steigerung der Baumwollausfuhr infolge des nordamerikanischen Sezessionskrieges schnelles Aufblühen Bombays. Seit Eröffnung des Suezkanals ist Bombay die zweite Handelsstadt Indiens geworden, hat aber seit 1896 durch Mißernten und Pest gelitten.
Das =Klima= von Bombay ist in der Trockenzeit nicht so heiß wie in andern indischen Plätzen. Der SW.-Monsun (Regenzeit) setzt etwa in der zweiten Juniwoche ein, der Regen dauert regelmäßig bis Ende September. Mai und Oktober sind die heißesten Monate, aber auch dann wird die Hitze durch kühle Seebrise gemildert, anderseits macht sie sich infolge der großen Luftfeuchtigkeit und der geringen nächtlichen Abkühlung oft fühlbarer als im Innern des Landes. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,3° C, zwischen 23,6° im Januar und 29,2° im Mai. Die mittlere jährliche Regenmenge beträgt 1880 mm, wovon 1800 mm allein in der Zeit von Juni bis Ende September fallen.
=Bombay=, nach der Göttin Mumba benannt, wichtigster Seehafen der indischen Westküste und Hauptstadt der gleichnamigen Präsidentschaft des britisch-indischen Kaiserreichs, unter 18° 55' nördl. Br., liegt auf der 55 qkm großen Insel Bombay, die durch einen schmalen Sund von den Inseln Salsette und Trombay getrennt ist; von Bombay führen zwei Eisenbahnbrücken und eine Straßenbrücke (Sion Causeway) über diesen Sund. Der Ghodbandar-Fluß trennt die Salsette-Insel vom Festlande. Die Südküste der Bombay-Insel ist tief eingebuchtet; die malerische, aber seichte Back Bay, mit gefährlichen Riffen, begrenzt die eigentliche Stadt Bombay nach W.; Malabar Hill, der SW.-Zipfel der Insel Bombay, schließt die Back Bay nach NW. ab. An der Ostseite der Stadt liegt die Reede mit Ankerplätzen für die größten Schiffe, mit Hafenanlagen, Werften und Trockendocks. Am Apollo Bandar (C5) ist das neue Europäerviertel; dort liegt der Yacht Club. Die Hauptgeschäftsstraße, Esplanade Road (B3, 4), trennt das (östliche) Geschäftsviertel, The Fort (BC3, 4) genannt, von den öffentlichen Gebäuden an der Westseite. Nördl. vom Victoria-Bahnhof (Terminus; C3) dehnt sich bis zu den Fabrikvorstädten Mazagon und Byculla, die dichtbevölkerte Eingebornenstadt (Native Town A-C1), aus. Nördl. davon liegt der Vorort Parel.--Der gesündeste und malerischste Vorort liegt auf Malabar Hill; dort ist das Villenviertel der Europäer und wohlhabender Eingeborner, in dessen Mitte die Türme des Schweigens (S. 60) liegen. Nahe der Südspitze von Malabar Hill, auf Malabar Point, steht das Haus des Statthalters (Government House) neben dem heiligen Hindutempel von Walkeshwar (S. 60).--Küstenbefestigungswerke liegen auf Elefanta, auf Oyster Rock östl. von Colaba, auf Middle Ground Shoal, auf Cross Island und auf Colaba Point; ferner im W. der Stadt bei Mahalakschmi und auf Malabar Point (man hüte sich, in der Nähe der Festungswerke zu photographieren). Nö. von Malabar Hill, auf Camballa Hill und an dessen Seeseite, Breach Candy, liegen ebenfalls Villen.
Bombay hatte 1911: 972930 Einw. (davon 20000 Europäer, 50000 Parsen, 2/3 Hindu, 1/5 Mohammedaner). Die Industrie umfaßt Baumwollfabriken, Kunstgewerbe, Holzschnitzereien. Bombay ist Ausfuhrhafen für die Präsidentschaft Bombay und für das westliche Dekhan; die Ausfuhr umfaßt Baumwolle, Getreide (besonders Weizen) und Hülsenfrüchte, Ölsamen, Opium, Schafwolle, Häute und Felle; die Einfuhr Baumwollwaren, Wollen- und Seidenstoffe, Metallwaren, Glas, Porzellan, Leder, Zucker, rohe Seide, Tee u. a. Im Jahre 1909 liefen 897 Schiffe von 1963000 Registertonnen in den Hafen von Bombay ein.
=Rundfahrt= (zu Fuß gehen ist für den Europäer gegen die Sitte und wegen der Sonnenhitze gesundheitschädlich, man benutze die billigen Droschken; nur Abendspaziergänge sind üblich und nicht nachteilig). Vor Colaba Point, der Südspitze der Halbinsel, auf der die Stadt Bombay erbaut ist, sieht man auf einem Riff den Prongs-Leuchtturm, der nachts ein weißes Blinkfeuer zeigt, das wichtigste Hafenfeuer für die Einsteuerung in den Hafen bei Nacht. Auf der äußersten Landspitze liegt der alte englische Kirchhof und nördl. von ihm ein Irrenhaus (Lunatic Asylum). Neben einem alten Leuchtturm steht östl. vom Kirchhofe das magnetische, astronomische und meteorologische Observatorium. Folgt man der Hauptstraße Colaba Road nördl., so sieht man an beiden Seiten die Kasernen (Barracks) der europäischen Besatzungstruppen mit Familienwohnhäusern, Gärten und Schießplätzen; r. liegt eine Landungsbrücke (Pilots Bandar) für Lotsenboote sowie der Schuppen für das Rettungsboot. Dicht l. an der Straße folgt dann die hübsche St. John's-Kirche (»Afghan Memorial Church of John the Evangelist«), zum Andenken an den Feldzug in Afghanistan (1838-43) erbaut; der Kirchturm ist zum Teil vom Parsen Cowasjee Jehangir 1864 gestiftet. Eine andre Stiftung der sehr wohltätigen und liberalen Parsen ist das Parsi-Sanatorium l. am schmalsten Teile der Colaba Road, dicht an der Back Bay, mit Palmen umgeben. An dieser Stelle wird die Halbinsel plötzlich breiter; l. breitet sich das neue Villenviertel Colaba Reclamation dicht am Meere aus, das durch die Brücke Wodehouse Bridge mit Queens Road verbunden ist; r. von der Straße liegt das Sassoon Dock, das älteste künstliche Hafenbecken, jetzt fast nur zum Landen von Truppen benutzt. Daneben liegen Baumwollager, in denen die Baumwolle, zur Verschiffung in feste Ballen mit hydraulischen Pressen (bis zu 800 Ton. Druck auf jeden Ballen) zugerichtet, aufgestapelt liegt. Ein Baumwollballen hat über 100 Rup. (etwa 150 M.) Wert. Andre Fabriken und Warenlager liegen in der Nähe des Colaba-Bahnhofs, dessen Gleise bis zum Hafen führen. Colaba Station (B5) ist Endpunkt der Bombay, Baroda & Central Indian Railway (S. 53). -- Nördl. von diesem Bahnhof heißt die Hauptstraße Colaba Causeway; sie führt am Schuppen der Straßenbahn vorbei, wo der sehenswerte Baumwollmarkt (jährlich über 4 Mill. Zentner) abgehalten wird. L. am Nordende des Colaba Causeway stehen das Apollo Hotel (Pl. c) und das Majestic Hotel an einem großen freien Platz mit dem neuen Museum und den Standbildern des Königs Eduard VII. (Pl. 13) und des Königs Georg IV. Unweit davon in Wodehouse Road die römisch-katholische Kathedrale und der Wohnsitz des (deutschen) Erzbischofs Dr. Juergens, S.J. -- R. das Royal Alfred Sailor's Home (BC5), Seemannsheim mit Schlafstätten, und einige noch freie Bauplätze, daran schließt sich die Marinewerft (Dockyard, C5), 1767 vom Parsen Lowji Naushir begründet; hier wurden von parsischen Schiffbaumeistern und Zimmerleuten viele vorzügliche große Segellinienschiffe aus Teakholz erbaut; jetzt enthält die Werft 6 Docks und mehrere Schiffbauhelgen. -- Eine Seitenstraße führt vom Seemannsheim sö. nach dem Apollo Bandar (C5), Bootsanlegeplatz mit Flutmesserhäuschen, vor dem das Haus des Jachtklubs (C 5) mit Signalmast steht und vor dessen Strand nur Jachten ankern dürfen; an zwei Abenden der Woche versammelt sich dort bei Musik die »Gesellschaft« Bombays. -- Vom Seemannsheim führt der Weg um den vorerwähnten Platz zur Rampart Row, an deren SO.-Ende, Ecke der Marine Street, die 1818 erbaute schottische St. Andrew's Kirk (C4) steht. Daneben der ehemalige Eiskeller aus der Zeit, als das Eis noch in Segelschiffen von Nordamerika nach Indien gebracht wurde. Gegenüber der Rampart Row liegt Sassoon's Mechanic's Institute (Pl. 14, B4), eine Gewerbeschule mit guter Bibliothek (auch für Fremde benutzbar), neben Watson's Hotel. Dicht dabei steht Elphinstone College (B4) zur höheren Bildung Eingeborner, nach dem berühmten Gouverneur Sir Mountstuart Elphinstone benannt und hauptsächlich von dem Parsen Sir Cowasjee Jehangir Readymoney gestiftet, mit Freistellen für begabte unbemittelte Schüler. Die Rundfahrt führt um das Südende des Institute of Science in die Mayo Road, wo der erste Prachtbau r. in venezianisch-gotischem Stil das =Presidential Secretariat= (B 4) ist, der Regierungspalast des Governor und der Members of Council, zugleich die Amtsräume der Finanz- und Rechtsverwaltung. Sw. davon liegt am Strande der Back Bay die Schwimmanstalt (B 5) und die Station für drahtlose Telegraphie; auf dem Platz in der Nähe ist eine Halle für die Musikkapelle, die hier abends spielt. Dahinter einige Sportklubs: Commercial Gymkhana, Princess Victoria Gymkhana, Japanese Club. -- Der nächste Prachtbau neben dem Regierungspalast ist die =Universität= (University Hall, B 4), auch von Sir Cowasjee Jehangir gestiftet; ihr prächtiger Glockenturm (oben hübsche Rundsicht über Bombay) ist gestiftet vom Parsen Premchand Raichand und zum Andenken an dessen Mutter Rajabai Tower genannt; die Halle neben dem Turm enthält die Universitätsbibliothek. Diese »Universität« ist nur eine Prüfungsanstalt; Vorlesungen werden nicht gehalten; in den hübschen Gartenanlagen zwischen ihr und Esplanade Road sollen große Prüfungshallen erbaut werden. -- Der nächste Prachtbau, in englischer Frühgotik, ist der High Court of Justice (höchster Gerichtshof, Pl. 6); hinter ihm liegt an der Esplanade Road der Bombayklub (S. 55). Der nächste Bau in Mayo Road ist das Public Works Secretariat (Pl. 7), Regierungsamt für öffentliche Arbeiten (in der Nähe Standbilder von Sir Rich. Temple [Pl. 5] und Lord Reay [Pl. 4]), dessen Vorderseite nach der Querstraße Church Gate Street zeigt, an deren Westende dicht am Strande Church Gate Station, Verwaltungsgebäude und Bahnhof der B. B. & C. I.-Bahn, B 4) liegt. Folgt man nördl. der Mayo Road, so passiert man r. das alte Postamt (Post Office, B 4) mit drei weiten Hallen in venezianisch-gotischem Stil (Hauptamt östl. vom Victoria-Bahnhof kürzlich fertiggestellt), dann folgt das modern-gotische Telegraphenamt (Telegraph Office), vor dessen Nordende ein gutes Marmorstandbild der Königin Victoria (B 3/4) von Noble steht, gestiftet von dem indischen Fürsten Khande Rao Gaekwar.--Nun fahre man die Esplanade Road südl. zurück bis zur Floral-Fontäne (Pl. 8), dann l. in die Church Gate Street bis zu dem Platz Elphinstone Circle (C 4) mit Gartenanlagen, vor der =Town Hall= (C 4), die große Versammlungsräume enthält, darunter einen für die wissenschaftliche Bombay Asiatic Society, mit großer, 10-5 Uhr auch für Fremde (mit Empfehlungen) geöffneter Bibliothek und Museum mit Gemälden und Standbildern verschiedener Governors. Die Anthropological Society und Bombay Geographical Society sind mit der Bombay Asiatic Society verbunden. Auch Konzerte finden in der Town Hall statt. -- Gegenüber der Town Hall liegt die =Kathedrale=, Cathedral of St. Thomas (Pl. 9, C 4), erbaut 1718; im Schiff historische Gedenksteine: für den Governor Duncan; für Kapitän Hardinge, der 1808 in einem siegreichen Seegefecht fiel; für Oberst Campbell, der die Festung Mangalur monatelang gegen Tippu Sahibs Übermacht hielt; für den Admiral Sir Frederic Maitland, der Napoleon I. auf dem Bellerophon nach St. Helena brachte, u. a. -- Nahebei in der Apollo Street Nr. 6 das kleine Museum der Natural History Society. Südl. neben der Town Hall das Zollamt (C 4), wohl das älteste Gebäude Bombays, das 1665 noch portugiesische Kaserne war. Dicht nördl. von der Town Hall die Münze (The Mint, C4); daneben an der Ballard Road ist das Hafenamt (Port Trust, C4) mit Signalmast und vor diesem die alte Landungsbrücke (Ballard Pier, C4); dort werden Sturmsignale und andre Hafensignale gegeben, die am Centre Dock-Signalmast am Victoria Dock wiederholt werden. Nördl. von Ballard Pier wird ein riesiges neues Hafenbecken, Alexandra Docks, ausgeschachtet. -- Vor der Münze liegt ein rundes Süßwasserbecken, südl. davon die alte Zitadelle (The Castle, C4), von der nur noch die Seeseite erhalten ist; auf dem Uhrturm fällt täglich 2 Uhr indischer Einheitszeit (Indian Standard Time) der Zeitball zum Uhrvergleich für Schiffe und Stadt. Mit dem Castle verbunden ist ein Arsenal (C4), Zeughaus mit Waffensammlung. Nun zurück durch Church Gate Street zur Floral-Fontäne, dann nördl. in die Straße r., die Hornby Row, bis zum Rathaus (Municipal Buildings, BC3) mit 76 m hohem Turm. Daneben in Cruikshank Road das Polizeigericht (Police Court), dann das Kamahospital (Stiftung von Pestonji Hormusjee Kama, für Frauen und Kinder, von weiblichen Ärzten geleitet), weiter St. Xavier's College (Pl. 1, B3), eine vorzügliche Jesuitenschule; weiterhin folgen Elphinstone High School, eine Hochschule mit 28 Klassen für den Mittelstand der Eingebornen, wo unterrichtet wird in Englisch, Guzerati, Sanskrit, Latein und Parsisch; daneben St. Xavier's High School, von deutschen Patres geleitet, an der Carnac Road. -- Weiter das Gokaldas Tejpal-Hospital (nach dem Stifter benannt), für Eingeborne bestimmt, das jährlich an 13000 Kranke behandelt. Das Eckhaus von Carnac und Hornby Road ist das Polizeipräsidium; ihm gegenüber an der Hornby Road liegt der =Crawford Market= (C2) mit Markthallen, in deren Mitte ein Brunnen, gestiftet von Sir Cowasjee Jehangir Readymoney; sehenswerte Verkaufsstände mit indischen Früchten, Blumen, Gemüsen und Fischen (den Bombay duck [gedörrter Fisch] ißt man zum Curry; sehr gut ist auch der Sargutali oder Pomfret). In derselben Straße folgen die School of Arts (C2), eine 1857 errichtete Kunst- und Kunstgewerbeschule, und daneben, gegenüber dem Victoria-Bahnhof, die Anjuman-i-Islam School (Pl. 3, C3), eine mohammedanische höhere Schule (eröffnet 1893). An der Ostseite der Hornby Road liegt *=Victoria Terminus= (C3), ein gotisch-indischer Prachtbau; er gibt ein Bild vom Reichtum der Stadt und ist einer der schönsten Bahnhöfe der Erde. Gegenüber vom Bahnhof liegt der Neubau des Hauptpostamts und weiterhin, östl. vom Bahnhof, an der Frere Road, liegt das auch für Reisende empfehlenswerte Krankenhaus St. George's General Hospital, begründet 1889. Rückfahrt über Esplanade Road zum Hotel.
=Native Town= (Black Town; A-C1), die Eingebornenstadt, dicht bevölkert, mit meist engen, oft krummen Gassen, beginnt nördl. vom Crawford Market; sehenswerte Basare, allerdings mit viel Trödel, aber mit interessantem Menschengetriebe an Indern (Hindus und Mohammedaner), Parsen, Afghanen, Arabern. Man achte auf die verschiedenen Kopfbedeckungen. Gelegenheit zur Teilnahme an parsischen Hochzeitsfesten oder hinduistischen Götterfesten (z. B. zu Ehren der Glücksspenderin Lakschmi) sollte man ausnutzen, um das Volk kennen zu lernen. Mitten im Eingebornenviertel liegt Pinjrapol (B1/2), ein Tierasyl (sehenswert, aber nichts für schwache Nerven), wo altes Rindvieh, Ziegen, Schafe, Esel, Büffel und Hunde das Gnadenbrot erhalten; als Weihgeschenke sind auch gesunde starke Tiere dort. Verschiedene Wasserbehälter mitten in der Stadt sind mit Tempeln umgeben. -- Im nördlichen Teile der Native Town liegt das Grant Medical College (C1), eine medizinische Hochschule zur Ausbildung von Indern zu Ärzten; damit verbunden ist das große Sir Jamsetjee Jeejeebhoy Hospital (für Parsen getrennt, doch auch für Brahmanen und Mohammedaner), ein Hospital für Unheilbare mit Baracken für ansteckende Krankheiten. -- An der Queen's Road, 10 Min. nördl. von Marine Lines Station, sind die Leichenverbrennungsstätten (A2, Hindu Burning Ground), längliche Höfe mit Warteräumen, in deren Mitte auf eisernen Gabelständern der Leichnam mit Holz umgeben wird (bei Reichen kostbare Hölzer!); Asche und Knochenreste werden nachher ins Meer geworfen.
=Umgebung:= 1) =Malabar Hill= (etwa 6 km von Colaba Station, zu erreichen mit Wagen vom Hotel aus, oder mit Bahn von Colaba bis Grant Road Station, wo man frühmorgens in der Bellasis Road die Araberställe und -pferde besichtige, die von Arabern nach Bombay zum Verkauf gebracht werden, dann mit Wagen) auf der Halbinsel an der Westseite der Back Bay; Fahrweg dahin sehr schön längs des Strandes. Auf der Südspitze der Halbinsel Malabar Point stehen die Villengebäude des Gouverneurs; in ihrer Nähe eine Batterie. Die Spazierfahrt längs der Westseite des Malabar-Hügels bis nach Breach Candy ist eine der schönsten von Bombay und abends von Wagen und Reitern viel besucht. Auf Malabar Hill ist das gesündeste und vornehmste Viertel mit Villen und Gärten. Dicht beim Gouvernements-Bungalow sind die malerischen Tempelanlagen von Walkeshwar, ein berühmtes Hinduheiligtum. Gibbs Road, die nördliche Fortsetzung der Ridge Road, führt nach dem Gipfel des Malabar Hill. Dort nordöstlich der Villenanlage die
*=Türme des Schweigens= (Towers of Silence), die Begräbnisstätte der Parsen, die größte Sehenswürdigkeit Bombays (Eintrittskarten zur Besichtigung [7-1/2-9, 2-1/2-4-1/2 Uhr] besorgt der Hotelportier). Der Eingang führt durch ein modernes eisernes Tor, eine steinerne Freitreppe hinauf in einen schönen Garten durch eine innere Mauer; von da nimmt ein Parsi-Priester die Führung. Bei dem steinernen Bethaus, in dem das ewige heilige Feuer brennt, hat man einen prächtigen Rundblick über ganz Bombay und die See. Der Führer zeigt ein Modell der Türme.
Es sind fünf Türme, die Hans Meyer wie folgt beschreibt: » ... sie können besser runde Terrassen genannt werden. Jeder hat nur einen Eingang, der durch einige Stufen von außen zugänglich ist. Nur den die Leiche begleitenden Trägern und Priestern ist der Zutritt zum Turm gestattet. Die innere Einrichtung ist sehr einfach. Der Turm ist in drei konzentrische Ringe geteilt, in deren jedem eine gewisse Anzahl von Mulden ausgehöhlt ist. In die Mulden des äußern Ringes werden die männlichen Leichen, in die des mittlern die weiblichen und in die des innersten die Kinderleichen gelegt. Nach dem Zentrum hin sind die Ringe etwas geneigt. Dort ist ein runder Schacht in das Mauerwerk eingelassen, in den das Regenwasser abfließt und der später die Gebeine aufnimmt.« Sobald eine Leiche in den Turm gelegt ist, fallen Scharen von Geiern über sie her und fressen in kaum einer Stunde alles Fleisch auf. Beim Ausbruch der Pest mußten mit großen Kosten mehr Geier herbeigeschafft werden. Die Knochen werden in den Schacht geworfen und zerfallen da. Das aus dem Schacht abfließende Regenwasser wird durch eine Kohlenschicht geleitet und desinfiziert, ehe es in See fließt. Der größte Turm hat etwa 7,6 m Höhe und 84 m Umfang.« -- Diese Bestattungsweise der Parsi entspricht dem Gebote des Zendavesta, der Bibel der von Zoroaster gegründeten iranischen Nationalreligion, daß die Elemente nicht durch Berührung mit Verwesungsstoffen verunreinigt werden dürfen, und daß im Tode reich und arm sich begegnen müssen.
Auf demselben Bergrücken, der die Türme des Schweigens trägt, liegt der Sportplatz Ladies' Gymkhana, mit Tennis- und andern Spielplätzen, abends sehr besucht; Ehrenmitglieder werden zugelassen. -- Nördl. von Malabar Hill liegt Camballa Hill (88 m), ebenfalls mit vielen hübschen Bungalows und Villen besetzt und nahe bei Grant Road Station. Man achte in den Gärten auf Schlangen!
2) =Byculla= (etwa 4 km mit Bahn von Victoria Stat.), an der Parel Road das Albert- und Victoria Museum, mit Standbild des Prinzgemahls, im =Victoriapark= (Victoria Gardens), einem schönen Botanischen Garten mit Tiergarten; zweimal wöchentl. Militärmusik. -- In =Parel= (4 km nördl. von Byculla, an derselben Bahn) wird der alte Gouverneurspalast als Laboratorium für Pestuntersuchungen benutzt.
3) =Elephanta= (Fahrt von Apollo Bandar mit Cooks Dampfer in 1-1/2 St., 7 Rup. die Person, meist tägl. Nm. 2 Uhr ab Taj Mahal Hotel, Rückkehr 7 Uhr), eine kleine Felseninsel, 9,5 km östl. von Bombay, ist wegen ihres alten Hinduhöhlentempels sehenswert, der aus dem 8. Jahrh. stammt. Prächtige, aber meist heiße Fahrt durch den Hafen. Vom Landungsplatz vor der Ostseite der Insel führen bequeme Steinstufen zu dem Höhlentempel, der etwa 76 m über dem Meere liegt, 43 m breit und lang sowie 4 m hoch ist; er war durch 42 aus dem Felsen gehauene Säulen gestützt, die zum Teil zerstört sind. Gegenüber dem Haupteingang ein 6 m hohes Brustbild der Dreieinigkeit Brahmas, Wischnus und Schiwas; die vielverschnörkelten Riesenreliefs sind schwülstig und ohne künstlerischen Wert, aber die Technik des Baues ist zu bewundern. Giftschlangen sollen zahlreich auf Elephanta vorkommen. Der Hinduname für Elephanta ist Gharapuri (Felsen- oder Höhlenstadt). (Andre Höhlentempel findet man in Kanhari in der Mitte der Insel Salsette; in Montpezir, Bahnstation Borivli; in Jogeshivar, Bahnstation Goregaon.)
4) *=Ellora= (Elura), ein Ausflug auf 2-3 Tage, beschwerlich, aber sehr lohnend; mit Great Indian Peninsula-Bahn von Victoria Station in etwa 9 St. zu erreichen; Fahrpreis I. 14 Rup., II. 7 Rup.; Entfernung 212 M. Erlaubnis zur Benutzung der Rasthäuser (Rest houses) in Ellora erhält man auf Antrag vom Residenten in Hyderabad. -- Die Fahrt zwischen Bombay und Igatpuri ist eine äußerst malerische Strecke und sollte bei Tage gemacht werden; man fahre mit Mittagszug bis Igatpuri dem Schnellzug, der abends fährt, voraus. Bei Riva verläßt die Bahn die Insel Bombay und führt über einen Damm (Sions Causeway) nach (10 M) Kurla mit früher berühmten Baumwollmühlen, dann an der Ostküste der Insel Salsette nach (21 M) Stat. =Thana= (Tanna; Rasthaus), einer sehr alten portugiesischen Niederlassung (1298 erwähnt schon Marco Polo den damals blühenden Handelshafen), die im 16. Jahrh. blühende Seidenindustrie hatte, jetzt von Katholiken bewohnt; viele portugiesische Nachkömmlinge. Die Bahn führt südl. von Thana über eine Brücke zum Festland und dann am l. Ufer des Usher- und Ulhasflusses nach der sehr alten Stadt (34 M) Stat. =Kalyan= (Bahnwirtschaft), wo r. die Madras-Bahnlinie (S. 96) abzweigt. Dann steigt die Bahn nö. hinan auf das Dekhan-Hochland durch den Bergpaß Thal (Thull) Ghat; bei (75 M) Stat. Kasara beginnt der Aufstieg mit Berglokomotive, Steigung von 320 m auf 9-1/2 M; er endet bei (85 M) Stat. =Igatpuri=, Sommerluftkurort für Bombay, mit Bungalows für die Bahnbeamten. Man befindet sich hier schon an der Wasserscheide der Halbinsel, die sich von hier an langsam ostwärts nach dem Golfe von Bengalen senkt. Im September ist der Pflanzenwuchs hier sehr schön. -- Dann ebene Strecke mit niedrigen Bergen bis --(117 M) Stat. =Nasik= (580 m); die hochheilige alte Hindustadt am Oberlauf des Godavery, des 1800 km (Rhein 1300 km) langen Hauptflusses des Dekhan (mit 35000 Einw., darunter 1300 Brahmanenpriester), liegt 10 km nw. vom Bahnhof (Straßenbahn dahin; Dâk Bungalow; Tongas zu mieten); sie hat viele sehenswerte Tempel, darunter der Kapáleshwar, der Sundar Narayan, Rama's Kund; die Missionsschule Sharanpur; die Lena-Höhlentempel in einem Hügel 5 M sw. von Nasik.--Dann folgt (162 M) Stat. =Manmad= (Manmar; Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow), Kreuzungspunkt, wo man in den Zug nach Aurangabad umsteigt; man fährt aber nur bis (212 M) Stat. =Daulatabad=, wo man auf dem Bahnhof speisen kann; man bestelle von Bombay aus vorher beim Stationsvorsteher telegraphisch einen Wagen (Tonga), Preis 12 Rup. Von Daulatabad 16 km Wagenfahrt nach
=Ellora= (Rasthaus, für jedermann zugänglich, Verpflegung ist mitzubringen). Die berühmten Höhlentempel von Ellora besuchte schon 1306 Aladdin; sie sind in einen halbkreisförmigen, 2,5 km langen Abhang aus dem Fels herausgearbeitet. Am Südende liegen die ältesten buddhistischen Tempel, dann folgen brahmanische, zum Schluß Dschaintempel. Am prächtigsten ist der dravidische Tempel Kailasa, aus dem 8. Jahrh.; er ist von einem 45 m breiten und 84 m tiefen Hof umgeben, der innen 32 m hoch ist. Vor dem Hof ist ein steinerner Vorhang mit Riesengestalten Schiwas und Wischnus geschmückt, mit kleinem Eingang in der Mitte. Im Hofe steht der Tempel, aus einem einzigen Felsen gehauen, umgeben von riesigen Steinbildern von Elefanten, Löwen und Greifen. -- 16 Höhlentempel liegen südl. vom Kailasa und fast ebenso viele nördl. Unter den buddhistischen sind wichtig: der Dherwara (der älteste), der Vichwakarma, der Don Tal (mit 2 Stockwerken), der Tin Tal (mit 3 Stockwerken). Eine der schönsten Hindutempelhöhlen ist der Dumar Lena (46 m lang und breit). Von diesen Tempeln führt ein Fußsteig (1,5 km) nach den Dschaintempelhöhlen Jagannath und Indra Sabhas. [Hand] Wer Ellora gesehen hat, braucht weiter keine Höhlentempel zu besuchen!
Etwa 1 km vom Ellora-Rasthaus liegt das besuchenswerte, mit Ringmauer umgebene Städtchen Roza oder Khuldabad (2200 Einw.), 600 m ü. M., Hauptwallfahrtsort für die südindischen Mohammedaner; neben der großen Moschee das unscheinbare Grab Aurangzebs, des letzten bedeutenden Großmoguls (gest. 1707), sowie die Gräber Husan Shahs, des letzten Königs von Golkonda, und Asaf Shahs, des Begründers der jetzigen Dynastie von Hyderabad. Auf dem Hin- oder Rückweg von Ellora fahre man bis zur Bergfeste Daulatabad, um den höchsten Punkt der bis 180 m aus der Hochebene aufragenden Basaltfelsen der uralten Zitadelle zu besteigen (Erlaubnis erteilt der Stationsvorsteher von Daulatabad). Dann folge man der Hauptstraße nach (25 km von Ellora) =Aurangabad= (Dâk Bungalow, gut, doch klein; 38000 Einw.), 1610 gegründet, Kaiser Aurangzebs bevorzugte Residenz, jetzt betriebsame Handelsstadt, im Dekhan mit prächtigem Mausoleum der Lieblingsgattin Rabi'a Durrani des Kaisers Aurangzeb (Nachahmung des Taj Mahal in Agra). Außerdem sehenswert der Pan Chakki, ein Schrein, die große Moschee und viele holzgeschnitzte Häuserfronten.
5) =Mahim= und =Vehar Lake=, Ausflug von Bombay mit Auto, Vm. über Queen's Road, dann quer durch die Insel Bombay und den sehr schönen *Palmenwald von Mahim in ihrer Mitte, der den Reisenden den ersten großen Eindruck der Tropenflora gibt; am Wege prachtvolle hängende Gärten. Das Dorf Mahim liegt malerisch am Nordweststrande der Insel; dort ist ein 1859 begründetes schottisches Waisenhaus (Scottish Orphanage). Mahim ist auch Station der B. B. & C. I.-Eisenbahn (14 km von Bombay). Die Landstraße führt dann über den Sion Causeway, einen Damm, auf die Insel Salsette, wo etwa 27 km von Bombay der künstlich aufgestaute See Vehar Lake mit dem großen Wasserwerk der Stadt Bombay; der Weg führt durch dichte Dschungeln, die früher reich an Tigern waren; jetzt sind diese »man eaters« (Menschenfresser) dort seltener. Auch andres Wild ist frühmorgens dort zu treffen; der See ist sehr fischreich. 3 km nördl. liegt der Stausee Tuki Lake und nochmals 3 km weiter die 109 Höhlentempel von Kanhari (weniger sehenswert als die von Ellora, S. 62).
=Andre Ausflüge= (bei längerm Aufenthalt sehr zu empfehlen!) nach *Bassein (S. 64), *Matheram (S. 96), Khandalah und Karli, Poona und *Mahabaleshwar (S. 97).
3. Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares nach Calcutta.
Vgl. die Karten bei S. 96 und 64.
=Eisenbahn von Bombay nach Calcutta.= 1) Bengal-Nagpur Railway, die kürzeste Verbindung durch die südl. Zentralprovinzen, 1221 M (1965 km), sogen. Calcutta-Mail (Schnellzug) über Bhusawal, Nagpur in 41-3/4 St., Fahrpreise: I. Kl. 91 Rup. 1 anna, II. 45 Rup. 9 annas; Rückfahrkarten I. Kl. 171 Rup. 8 annas, II. Kl. 80 Rup. 8 annas, III. Kl. 15 Rup. 10 annas. Abfahrt von Bombay, Victoria Terminus Stat. mittags, Ankunft Calcutta (Howrah) Vm.
2) Great Indian Peninsular Railway und East India Railway, 1400 M (2253 km), sogen. Midland Route durch die nördl. Zentralprovinzen über Nasik, Jubbulpore, Allahabad in 42-1/4 St.; Fahrpreise: I. Kl. 99 Rup. 1 anna; II. Kl. 45 Rup. 14 annas; III. 16 Rup. 6 annas (für Diener). Auf dieser Strecke läuft wöchentlich ein Sonderzug (Special Train) mit Speisewagen nach Ankunft des P. & O.-Dampfers in Bombay in 40 St., Fahrpreis 6 £ 12 sh, mit nur 32 Plätzen, daher Anmeldung vor Ankunft in Aden nötig.
3) Bombay, Baroda and Central Indian Railway und East Indian Railway durch Radjputana und Hindustan über Jaipur, Delhi, Lahore, Agra, Allahabad, Benares; die Radjputana-Route kombiniert mit der East India-Route. Es ist der beste Reiseweg für Weltreisende, zugleich die bestgeleitete Bahnlinie Indiens; wo die Unterkunft in den auf dieser Strecke gelegenen sehenswerten Städten zu mangelhaft ist, findet man im Stationsgebäude gute Verpflegung und bequeme Schlafräume (zuweilen etwas lärmend) mit Bädern.
Von Bombay nach Delhi.
Vgl. die Karten bei S. 96 und 64.
=Eisenbahn:= Linie 3) (s. oben). Abfahrt von Bombay von Colaba Station (am besten, um guten Platz zu bekommen, l. sitzen!). Schnellzug bis (849 M, 1367 km) Delhi mit Bombay Baroda & Central Indian-Bahn in 35 St. für I. Kl. etwa 62 Rup. 7 annas, II. Kl. 31 Rup. 4 annas, Diener 8 Rup.
Der Reisende gelangt auf dieser Linie aus dem regenreichen, von üppiger Tropenvegetation bedeckten Westküstengebiet des Dekhans, das den Regen bringenden Südwestmonsun aus erster Hand erhält, in immer trockenere Zonen; dementsprechend ändert sich auch die Vegetation, die in Radjputana schon mehr Ähnlichkeit mit der des trockenen Vorderasien hat, als mit der tropischen des südl. und östl. Vorderindien. Die Temperaturverhältnisse ändern sich im Sommer zwischen Bombay und Delhi nicht so sehr, als man es nach der etwa 10 Breitengrade betragenden Entfernung erwarten sollte; dagegen ist der Winter in Bombay ganz bedeutend wärmer als in Agra und Delhi (Januartemperatur in Bombay 23,6°, in Agra 15,6°). Die täglichen Temperaturschwankungen, die für das körperliche Befinden des Menschen besonders wichtig sind, sind in Nordwestindien viel größer als in dem beständig feucht-warmen Bombay.
Die Bahn geht von Bombay nördl. längs der Back Bay mit Blick auf Malabar Hill und die Türme des Schweigens, durchläuft die flache Insel Bombay, Dörfer mit Kokospalmen, und kreuzt bei (10 M) Mahim das seichte Meer zwischen den Inseln Bombay und Salsette auf einem Damm (von hier ab vgl. die Karte S. 96). Jenseit des Dammes (11 M) Bandra mit alten portugiesischen Kapellen, beliebtes Seebad mit frischerem Seeklima; ein Ritt längs der Westküste der Insel von Bombay nach Bandra ist sehr lohnend zum Kennenlernen tropischer Natur (s. S. 42).--Die Bahn führt nun nahe längs der Westküste der Insel Salsette nach (18 M) Goregaon, dicht am Meer; etwa 2 km nö. vom Bahnhof liegen die Tempelhöhlen von Jogeshwar aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrh.--(22 M) Borivli. Von der Stat. Borivli in 1 St. (mit Tonga) über waldige Hügel nach den interessanten Höhlen von Kanhari, 109 in Felsen gemeißelte buddhistische Mönchszellen (jetzt verlassen).--Bei (23 M) Bhayndar (Ghorbandar) überschreitet die Bahn auf 2 M langer Brücke den Basseïn Creek, einen Meeresarm, der die Insel Salsette vom Festlande trennt; jenseits liegt (29 M) Stat. Basseïn Road (Dâk Bungalow).
Von Basseïn Road mit Tonga (stets bereit) auf Landstraße südwestl. nach (8 km) *=Basseïn= (Dâk Bungalow, Frühstückskorb mitnehmen, Unterkunft beim Stationsvorstand schriftlich vorausbestellen!), als starke Seefestung 1532 von den Portugiesen angelegt, 1674 von arabischen Piraten geplündert, 1739 von den Mahratten, 1744 und 1780 von den Engländern erobert, den Mahratten aber zurückgegeben, wurde erst 1817 englisch. Das Rasthaus nahe den Ruinen hat Tische und Stühle. Man fährt durch das mächtige Seetor (aus Teakholz, gut erhalten) in das Fort; der Hauptweg führt zur Kathedrale Matriz St. Joseph mit gut erhaltenem Turm. Mitten im Fort liegt die Zitadelle, in ihr die älteste Kirche Indiens, Nossa Senhora da Vida, mit sehenswertem Kanzeldach. Im W. Hindutempel und Tank. Zwischen Tank und Municipal Road liegen Kirche und Hospital Misericordia, letzteres mit herrlichen Klosterhallen; die Kirchenfront ist das schönste Architekturstück Basseïns. Im Kloster pflegte der heilige Francis Xavier während seiner Besuche 1544 und 1548 auszuruhen. Auch das Landtor Porto da Terra ist sehenswert. (Der Besuch der Ruinen Basseïns wird von Kennern sehr empfohlen!)
Die Bahn berührt unbedeutende Stationen. Von (108 M) Stat. Daman Road (Dâk Bungalow) führt eine Landstraße westl. nach (7 M) =Daman=, einer 1531 begründeten, noch jetzt portugiesischen Niederlassung, die zu Goa gehört; kleine befestigte Seehandelsstadt an einem Flusse mit seichter Barre und schlechtem Ankerplatz für Schiffe. -- Weiter nach (115 M) Stat. Udvada mit dem ältesten parsischen Feuertempel in Indien, dessen Feuer aus Persien vor einem Jahrtausend (700 n. Chr.) mitgebracht wurde und seitdem brennt. Es folgt die kleine Stadt (149 M) Navsari, Erziehungsort für parsische Priester. -- (167 M) Stat. =Surat= (Dâk Bungalow), Stadt mit 114116 Einw., früher als Hauptort der englischen Handelskompanie im 18. Jahrh. mit über 3/4 Mill. Einw.; viele Moscheen, Hindu- und Parsitempel, große Basare (Intarsien, Sandelholzschnitzereien), Tierspital; Baumwoll- und Seidenspinnereien; da der Hafen von Surat, Siwalli, an der Tapti-Mündung eine schlechte Reede und versandete Barre hat, hat Surat seine Bedeutung als Seehandelsplatz längst verloren. -- 2 M weiter überschreitet die Bahn auf langer Brücke den Tapti. -- Vor (204 M) Stat. Broach (=von hier ab vgl. die Karte bei S. 64=) führt die Bahn auf einer schönen Brücke über den Nerbudda (spr. narbadda), den 1280 km langen Hauptfluß der Zentralprovinzen, der den Hindus nicht viel weniger heilig ist als der Ganges. Im Spätsommer, gegen Ende der Regenzeit, ist er mächtig angeschwollen. Die kleine Stadt Broach ist sehr alt, hat auch fünf »Türme des Schweigens«. 16 km östl. liegt der Hindu-Pilgerort Shukaltirth. -- (248 M) Stat. =Baroda= (gute Bahnwirtschaft mit Schlafgelegenheit), Stadt mit 99376 Einw., am Flüßchen Wiswamitri, Hauptstadt des gleichnamigen Gaekwar-(Kuhhirt-) Staates, mit starker englischer Besatzung, deren Kasernen durch einen hübschen Park von der Eingebornenstadt getrennt sind. In dem alten Nazar Bagh-Palast liegen viele Juwelen, auch zwei Feldgeschütze, deren Rohre aus massivem Gold, die Lafetten aus Silber sind. Weiße Stiere als Geschützbespannung werden nahebei gehalten.--Nw. von Baroda durchläuft die Bahn die ebene, fruchtbare, im Winter kahle und öde, in der Regenzeit aber grüne, parkähnliche Landschaft Guzerat, durch die man bei Tage fahren sollte. Besonders die Baumwolle von Guzerat ist berühmt. -- Vom Bahnhof (292 M) Mehmadabad (guter Warteraum im Bahnhof) malerischer Blick auf den Fluß; abends und morgens spielen Affenherden dicht beim Zuge; günstiger Jagdausflug auf schattiger Straße von Mehmadabad nach Kaira (11 km), einer 3-1/2 Jahrtausende alten Stadt; die Umgegend ist reich an Nilgai und andern Antilopen, Affen, wildem Geflügel (Kraniche, Papageien) und Alligatoren. -- Die weitere Bahnstrecke bis nach Delhi ist überreich an schönen Gebäuden und Ruinen. Man erreicht nun
(310 M, 496 km) Stat. *=Ahmedabad=, eine der schönsten Städte Indiens, berühmt durch ihre Denkmäler; man sollte wenigstens 24 St. Aufenthalt nehmen (5 Tage genügen kaum zu gründlichem Besuch).
=Bahnhof= der Bombay & Baroda Railway beim Kaloopur Gate an der östl. Stadtmauer. -- =Gasthöfe=: Empire Hotel, Bhadar, Pens. 10-12 Rup., in guter Lage; Grand Hotel, Mirzapur Road, Pens. 7 Rup., einfacher, gelobt. -- =Bank=: Filiale der Bank of Bombay. -- =Einkäufe=: Empfehlenswerte Schnitzereien u. Einlegearbeiten. -- =Wagen= in den Hotels; Droschken I. und II. Kl. nach Tarif.
Ahmedabad, Bezirkshauptstadt mit 215448 Einw. (2/3 Hindu, 1/5 Mohammedaner, viele Dschainas, d. h. Anhänger einer etwa gleichzeitig mit dem Buddhismus entstandenen religiösen Sekte), am l. Ufer des Sabarmatiflusses, mit alten Mauern und Türmen, ist Anfang des 15. Jahrh. von Ahmad Schah, dem zweiten mohammedanischen König von Guzerat, gegründet, war später zur Zeit des Mogulreichs eine der glänzendsten Städte des westlichen Indiens und stets berühmt durch sein Kunsthandwerk; hat bedeutendes Goldwaren-, Seiden- und Baumwollengewerbe. Die Stadt ist reich an schönen Denkmälern, Moscheen, Mausoleen, Dschain- und Hindutempeln und hat echt orientalisches Gepräge; die schmutzigen Straßen haben viele marmorne Futterstellen für Vögel, die Häuser sind reich an Holzschnitzereien. -- Bei einer Rundfahrt sind die Hauptsehenswürdigkeiten: der Hathi Sing's Tempel im Dschainstil, Prachtbau mit reichen, kunstvollen Skulpturen (1848 erbaut) aus weißem Marmor, von einem Vorhof mit 53 Pagodenkuppeln umgeben, auch im Innern (Diener liefern Leinwandüberschuhe, die man aus zeremoniellen Gründen tragen muß!) sehr sehenswert; er liegt nahe vor dem Nordtore (Delhi Gate) der Stadt, im Grünen, von Affen und Papageien umschwärmt. Östl. davon vor der Stadt die *Mata Bhawani (große Zisterne). -- Man fahre dann durch Delhi Gate südl. am Manik Burj (Rubinbastei) vorbei (l.), die über dem Grundstein der Stadt erbaut ist. -- Am Platz in der Mitte der Stadt liegen die *Gräber der Königinnen des Ahmad Schah, ein großer Bau aus schwarzem und weißem Marmor. Gegenüber, mitten auf dem Platze, die Hauptmoschee, *Jama Masjid, 1424 von Ahmad Schah erbaut; Eingang von N. auf einer Freitreppe; ihre beiden Minarets wurden im Erdbeben 16. Juni 1819 halb zerstört. -- Ebenfalls ein Prachtbau ist die *Rani Sepree's Moschee nebst Grabdenkmal der Lieblingsgattin Mahmud Bigarah's, am Ende der Straße nahe südl. von den Gräbern der Königinnen, dicht beim Astoria Gate, erbaut 1514. Dicht westl. davon liegt Dastur Khan's Moschee, erbaut 1486. -- Durch das Astoriator führt ein Weg nach (2,5 km) dem *Grabmal des Schah Alam; nahe südl. davon liegt in hübscher Umgebung ein Wasserbehälter. -- Auf der Rückfahrt besuche man östl. vom Weg den großen *Kankariya-Teich mit prächtigen Anlagen, Marmortreppen und Kuppeltoren, 1451 vom Sultan Kutab-ud-din erbaut. -- Am Fluß, mitten in der Westmauer der Stadt, liegt die alte Zitadelle *Bhadr (spr. bödder), 1411 von Ahmad Schah erbaut; an ihrer Ostseite liegt Azam Khan's Palast, jetzt Gefängnis. Sehr schön ist das Nordtor des Bhadr; in der NO.-Ecke der Zitadellenmauer liegt die *Sidi Said's Moschee mit reichen Pflanzenornamenten aus Marmor.
Etwa 3,5 km sw. der Stadt, jenseit des Flusses, liegt das Prachtmausoleum Azam and Mu'azzam Khan's Tomb, aus dem 15. Jahrh. Derselbe Weg führt nach (11 km) *=Sarkhej=, einer prächtigen Sommerpalastruine aus dem 15. Jahrh., vom Sultan Mahmud Bigarah's erbaut, gut erhalten, mit vielen prächtigen Mausoleen, Moscheen und Palästen an einem künstlichen Teich; selten besucht, aber sehr sehenswert.
Ein größerer Ausflug von Ahmedabad mit der Bahn durch die Provinz Kathiawar über Viramgam nach (165 M) Songad (bequeme Karawanserei); von da mit Fahrgelegenheit, die der Deputy Assistant Political Agent verschafft, nach dem etwa 24 km südl. von Songad gelegenen Wallfahrtsort *=Palitana=, wo die schönsten, doch selten besuchten Dschaintempel Indiens auf dem *=Satrunjaya= (Heiliger Berg) liegen, eine großartige Tempelstadt, die sich über zwei Hügel und das Tal dazwischen erstreckt. Auf Bequemlichkeit ist unterwegs nicht zu rechnen. Schließt man daran noch den weitern Ausflug nach den Tempeln von *Girnar bei der Bahnstation Junagarh (Dâk Bungalow und staatliches Logierhaus), so muß man 6 Tage für den anstrengenden, aber sehr lohnenden Ausflug rechnen.
Die Bahn kreuzt nördl. von Ahmedabad den Sabarmati (Saburmuttee) auf einer schönen Brücke und führt dann durch reich bebaute Gegenden des nordwestlichen Guzerat; die Dörfer haben elende Lehmhütten. Nach Überschreiten der Nordgrenze von Guzerat wird die Gegend wieder hügeliger.
(425 M) Abu Road Station (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow). Motorwagen (7 Sitze, 35 Rup., Fahrzeit 1-1/2 St.; ein Sitz 5 Rup., fährt nur für mindestens 4 Personen). Ponies (4 Rup.), Rikschas, Tongas, Ekka (4-1/2 Rup.) sind zu haben. Wagen 24 St. vorausbestellen!
Von hier besuche man die 30 km nw. gelegene, 1200-1700 m hohe Berggruppe des *Mount Abu. Sie ist der südl. und zugleich höchste Teil des Aravalligebirges, das in 500 km Länge die Grenze zwischen dem nordwestl. Dekhan und dem nordostindischen Wüsten- und Trockengebiet bildet; seine Hänge fangen die Regenwinde ab und haben deshalb eine viel üppigere Vegetation als die umgebenden Niederungen. Es besteht aus sehr alten Gesteinsarten und ist reich an Erzen und Edelsteinen. Guter Weg zu Wagen (Tonga 10 Rup., hin und zurück 18 Rup.), zum Schluß mit Rikscha oder zu Fuß bis zum Kamm (2-1/2 St.). Der Ort =Mount Abu= (Rajputana Hotel, gut, Pens. 7 Rup., Platz vorausbestellen!) in 1200 m Höhe ist vielbesuchter Sommeraufenthalt und Sitz der Rajputana-Regierung sowie eines militärischen Sanatoriums. In der Nähe liegen die berühmten, ganz aus Marmor bestehenden *=Dilwarratempel= (11. Jahrh.), Dschaintempel, viel von Reisenden besucht (von 12 Uhr an zu sehen), äußerst lohnend; man benutze Rikscha mit 3 Kulis für 2 Rup. hin und zurück; Paß zum Besuch vom Magistrat in Mount Abu besorgt das Hotel. Von den Dilwarratempeln gelangt man zu Fuß in 2-1/2 St. oder mit Rikscha nach Achilghar (Achalgrah- Fort) mit hochgelegenen Tempeln mit schöner Fernsicht.
Nach etwa 20 St. Fahrt von Ahmedabad erreicht man (615 M, 990 km) =Ajmer=, Adschmer (496 m ü.M.; Railway Hotel, mäßig, vorzügliche Schlafzimmer und Restaurant im Bahnhof; Dâk Bungalow; Club Kaisar Bagh; Bank: Alliance Bank of Simla; Droschken), Stadt mit 86273 Einw., mit Mauer (fünf schöne Tore) umgeben, als Handelsstadt wichtig; Bankgeschäfte für einheimische Fürsten und Baumwollmarkt; im März große Messe »Aruss-Mela«. Aufenthalt 1-2 Tage ratsam. Hauptsehenswürdigkeit ist die Dargah, ein Mausoleum aus dem 13. Jahrh., das Grab des mohammedanischen Märtyrers Khwajah Muin-ud-din Chishti (genannt Chodscha-Sahib), der allgemein als Heiliger verehrt wird; das von vielen Pilgern besuchte Grab ist ein viereckiger Bau aus weißem Marmor mit Kuppel; einer der beiden Eingänge hat einen silbernen Bogen. Christen dürfen sich dem Heiligtum nur auf 20 m nähern!--Im alten Fort ist jetzt ein Museum eingerichtet.--Der im 11. Jahrh. angelegte künstliche See Ana Saugar ist mit Marmorbauten umgeben. Auch die Moschee Arhai-din-ka-jhompra, um 1200 von Kutab-ud-din aus den Trümmern eines Dschaintempels erbaut, am Hügel außerhalb der Stadt und dicht vor dem Tore nahe der Dargah, ist sehr sehenswert.
Oberhalb von ihr vom Gipfel des =Taragarh-Hügels= (1000 m; morgens mit Sänfte oder Pony bequem in 1-1/2 St. zu erreichen) hat man bei der zerfallenen Burg prächtige *Aussicht auf die Stadt und die weite Rajputana-Ebene. --Umgegend und Stadt Ajmer sind sehr malerisch und reich an seltenen Motiven. Die alten Häuser und Straßen sind gut gepflegt, das Straßenleben viel bunter und »indischer« als in Bombay.--Ausflug nach dem heiligen Brahmanensee *Pushkar (11 km; Dâk Bungalow) mit mehreren Tempeln, sehr lohnend; wird im Oktober und November von etwa 100000 Pilgern besucht.
Seitentour nach Udaipur.
=Eisenbahn= von Ajmer mit der Bombay, Baroda and Central India Railway über (116 M) Chitorgarh nach (185 M) Udaipur in 12-1/2 St. für I. 17-1/2, II. 7-3/4 Rup. (bester Zug abds von Ajmer; man bestelle vorher beim Stationsvorsteher von Ahmedabad oder Ajmer durchgehenden Wagen (keine Nachzahlung), sonst umsteigen in Chitorgarh (Chitorgarh besuche man erst auf der Rückfahrt).
*=Udaipur= (620 m; guter Gasthof mit beschränktem Raum, deshalb Vorausbestellung zu empfehlen; Tongas zu haben; Missionsarzt der Church of Scotland am Orte), die wunderbar malerische Hauptstadt des Mewarstaats und Sitz des Maharana (Fürstentitel) Dhiraj Sir Fateh Singh, des Hauptes der ältesten indischen Adelsfamilie, gegründet 1568 von dessen Vorfahren, dem Maharana Udai Singh, hat jetzt etwa 46000 Einw. und ist mit bastionierten Mauern umgeben. Dr. J. Schmittmann nennt sie eine der schönsten Städte Indiens: »Dort verwirklichen sich die Träume, die man in Europa von der Pracht und dem Farbenreichtum Indiens träumt: das bunte Volksleben und die malerischen Marmorpaläste findet man sonst nirgendwo mehr«.--Sofort nach Ankunft bitte man den englischen Residenten um Erlaubnisschein zur Besichtigung der Paläste, um einen Reitelefanten des Maharanas und ein Boot zum Befahren des Sees; alles wird kostenlos zur Verfügung gestellt (Trinkgeld!). Nähere Auskunft gibt der Wirt des Gasthofs. Die Residency und die Missionshäuser liegen westl. vom Gasthof. Die Hauptstraße der Stadt führt vom Hathi Pol-Tor vorbei an einem Uhrturm und an dem großen *Jagannath-Tempel (1640 erbaut) zum *Palast des Maharanas, der in beherrschender Lage einen Hügel krönt. Durch das Große Tor (Bari Pol, 1600 erbaut) gelangt man in den Schloßhof, wo viele Elefanten angekettet bereitstehen. Geführt von einem Diener, durchwandert man die vielen sehenswerten Räume des Palastes; von einem Dachgarten *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Nach S. dehnen sich die Gärten des Maharanas aus, nördl. unter dem Palast breitet sich ein märchenhafter See mit kleinen Palmeninseln und Marmorkiosken aus. Zur Kahnfahrt auf dem See nehme man einen Nachmittag und beobachte von einer Insel den Sonnenuntergang.
Bei Rückfahrt gegen Mittag ab Udaipur hat man einige Stunden Zeit, die alte Ruinenstadt von *=Chitorgarh= (Dâk Bungalow 1,5 km vom Bahnhof, gut, auch gutes Essen; wegen Erlaubnis zur Besichtigung des Forts und Benutzung eines Reitelefanten schriftlich beim Hâkim, Oberbeamten des Ortes). Die Ruinen liegen auf einem steil abfallenden Hügel von 150 m Höhe (Rudyard Kipling beschreibt das Fort in »The Naulakha« und »Letters of Marque«). Ein breiter Zickzackweg führt durch mehrere Tore in die Feste hinauf. Man besteige die berühmten beiden Dschaintürme des Ruhmes und des Sieges; der siebenstöckige *Tower of Fame (Sri Allat) soll 896 erbaut sein und ist ebenso wie der 1458 bis 1468 erbaute *Tower of Victory (Jai Stambha) ganz mit interessantesten Skulpturen bedeckt.
Von Ajmer führt die Hauptbahnlinie (S. 67) weiter nach:
(699 M, 1125 km) Stat. =Jaipur=, Dschaipur, Jeypore (482 m; Jaipur Hotel [Bes. Parse], von Deutschen gelobt, Pens. 7 Rup.; Kaisar-i-Hind-Hotel, nahe dem Bahnhof, 1,5 km vor der Stadt, leidlich, Pens. 6 Rup.; Wagen, Tongas, Ponies, Elefanten besorgen die Gasthöfe), Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums und Residenz des Maharadscha, eine wunderlich malerische und gesunde Stadt mit 136491 Einw., zwischen Hügeln; viele Tempel und Moscheen, große Bankgeschäfte, Kunstgewerbe für Export und Touristenwaren (Einkäufe in der sehenswerten indischen Kunstgewerbeschule »School of Art« [feste Preise] oder in den Werkstätten von Zoroaster, sonst Vorsicht [tüchtig handeln!]: Emaillesachen, Metallvasen, Schmuckdecken, Teller, Granaten, gelbe Topase); Teppich-, Musselin- und Kattunwebereien. Aufenthalt 2-3 Tage ratsam, um auch Amber (S. 69) besuchen zu können. Eine Mauer mit hohen Türmen und sieben prächtigen Toren umgibt die Stadt. Der Maharadscha hält eignes Militär (Musik geleitet von einem deutschen Kapellmeister); Zeughaus, Geschützgießerei.--=Rundfahrt= vom Hotel 1,5 km zum Bronzetor vor der prächtigen, breiten Hauptstraße, deren Häuser, alle in gleichem Stil, rosa bemalt sind mit weißen Ornamenten; buntes Straßenleben, viele Tauben, interessanter Markt. Der *Palast des Maharadscha (Erlaubnis zum Besuch besorgt das Hotel) mit prächtigem Garten (Teich mit Krokodilen), der siebenstöckigen Chandra Mahal, das Hauptgebäude mit dem Audienzsaal Diwan-i-Khas aus weißem Marmor. Östl. davon die berühmte alte Sternwarte des Radscha Jai Singh II. (der Jaipur 1728 gründete und den Namen gab) mit seltsamen Instrumenten. Daneben der große Marstall mit 300 Pferden (viele glasäugige und Schecken, aber nur etwa 10 besserer Klasse) und einigen Elefanten; hier auch die Zenana (Harem).--Ein bizarrer Bau ist der Hawah Mahal (Palast der Winde, von Jai Singh II. erbaut), dessen Front nach der Hauptstraße liegt; Uhrturm und Zeughaus sowie eine Druckerei liegen im innern Palasthof. Östl. vom Audienzsaal ist der von Kolonnaden umgebene Exerzierplatz. Vor dem Haupteingang steht das Ushwari Minar Swarga Sul, »das Himmel durchbohrende« Minaret.--An der Stadtmauer ein schöner Park mit Tiergarten (sehr wilde Königstiger) und in der Mitte der Prachtbau Albert Hall, ein reichhaltiges =Museum= für alte und neue indische Kunst, nebst naturwissenschaftlichen Sammlungen; es ist eins der größten Museen Indiens und wird durch die Freigebigkeit des Maharadscha fortwährend bereichert.--Man besuche auch das Maharaja's College, eine Schule des Maharadscha für etwa 1500 Zöglinge aller Religionen, mit schöner Bibliothek, sowie die School of Art, eine indische Kunstgewerbeschule.-- Dicht nö. der Stadtmauer liegen die *=Gedächtnistempel= (Chhatris, Chuttries) über den Verbrennungsplätzen der Radschas; man nehme einen Führer, da der Weg durch einen verwilderten Park (Schlangen!) führt. Auf dem Hinweg zahllose Affenherden, die man füttern kann (aber Vorsicht; nicht necken oder reizen). Jai Singh's Chhatri ist der schönste.--11 km südl. von Jaipur liegt Sanganer, mit altem Palast und Krischna-Tempel.
=Ausflug nach Amber= (Alt-Jaipur), 8 km von Jaipur in den Bergen des Aravalligebirges gelegen. Erlaubnis zum Besuch erteilt der Resident (durch Vermittelung des Gasthofs); Elefanten durch den Hotelwirt für 10 Rup. (doch ist das Reiten unbequem); bis zu den Bergen fährt man im Wagen. Der Weg ist sehr schön, er führt zwischen Parks und Villen der Radschputen-Aristokratie, Palastruinen (eine mit Krokodilteich) und Kandelaberkaktusgebüschen hindurch in 1 St. bis zu einem freien Platz, wo man den Wagen mit Pferden verläßt (Ochsenwagen fahren bis Amber) und wo event. der Elefant wartet (hier Rasthaus, Essen vorausbestellen, Getränke zu haben). Von hier geht (oder reitet) man auf gutem Weg in 40 Min. bequem bis *=Amber=; oben prächtige Aussicht auf die graue Ruinenstadt von Amber in einer Talsohle und das helle Jaipur in der Ebene. Das alte Schloß ist völlig verlassen, nur einige Fakire hausen in den Ruinen; man reitet bis zum Tor, geht dann durch den großen Hof über Terrassen und Gänge, sieht prächtige Marmorbauten mit Steingitterfenstern, Kiosken, Bädern, Gärtchen in edelstem maurischen Stil.--Amber wurde 1728 wegen Wassermangel oder nach der Überlieferung infolge einer Prophezeiung von Jai Singh II. verlassen, weil die Stadt ein Jahrtausend alt sein sollte und er, um sein Herrscherhaus zu erhalten, eine neue Hauptstadt gründen müßte. In der Zenana (Harem) von Amber hielt sich der letzte mohammedanische Herrscher 928 Frauen, darunter nur 28 Ranis (Königinnen); die Fenster der Zenana sind noch dicht vergittert.--Schon Ptolemäus erwähnt die malerische Schönheit von Amber; nur in Gwalior ist noch ein indischer Palast von ähnlicher Schönheit.
=Ausflug nach Gulta.= Mit Wagen durch die Stadt zum Fuß des Berges in 3/4 St., dann 1/2 St. zu Fuß auf guter Straße hinauf und auf der andern Seite hinab 1/4 St. nach *=Gulta=; ein enges Felsental mit 1500 Jahre alten, teils verlassenen Hindutempeln in herrlicher Lage in enger Schlucht mit reizenden Tankanlagen. Zurück auf demselben Wege; für den sehr lohnenden ganzen Ausflug genügt ein Nachmittag.
Die Bahn von Jaipur nach Delhi durchläuft in 8 St. die einförmige Ebene des Bangangaflusses und sodann das fruchtbare Hügelland des Staates Alwar und berührt (792 M) Stat. =Alwar= (597 m; Dâk Bungalow), Hauptstadt (56740 Einw.) eines Radscha. Königspalast mit wertvoller Bibliothek orientalischer Manuskripte (ein »Gulistan«, von Agha Sahib [angeblich einem Deutschen] geschrieben, der 200000 Mk. wert sein soll!); ferner Zeughaus (reich), Marstall mit 500 Pferden, Mausoleum des Bakhtawar Singh, ein Elefanten-Festwagen, das Tripuliya (Grabdenkmal des Tarang Sultan, gest. 1350), mehrere Tempel. Vom Fort, 300 m über der Stadt, prachtvolle Aussicht, man nehme zum Aufstieg eine Sänfte (chair). Tigerjagd in der Umgebung.
Nach Überschreiten des Sabiflusses, der hier in der Trockenheit schon versiegt, geht es nun durch die weite Jumna-Ebene bis Delhi. Die Bahn bleibt westl. vom Kutab Minar und den Grabdenkmälern und Ruinen südl. von Delhi, dreht nahe der Stadt nach O. und läuft durch die nw. Stadtmauer beim Kabul Gate in den Hauptbahnhof von (890 M, 1432 km) Delhi ein.
Delhi.
Vgl. den Plan S. 71.
=Ankunft.= Der Hauptbahnhof vereinigt die Linien der Rajputana Malwa Railway (von Jaipur), der East Indian Railway (nach Calcutta) und der Delhi-Umballa-Kalka Railway mit einer Linie nach Lahore.
=Gasthöfe=: Hotel Cecil (Hotz, Schweizer), Civil Lines, nahe Ludlow Castle, in schöner, hoher Lage mitten in wohlgepflegten Anlagen, I. Ranges, recht gelobt, auch die Küche, Deutsch gesprochen, Pens. von 7 Rup. an.--Maidens Metropolitan Hotel, nördl. vom Bahnhof, ganz gut, Pens. von 7 Rup. an.-- Grand Hotel, Civil Lines, Pens. 5 Rup. --Woodlands Hotel, bei der St. Jameskirche, Kashmir Gate, Pens. 5-6 Rup.
=Post und Telegraph= in der Querstraße östl. vom Bahnhof.--=Droschken= I. und II. Klasse nach Tarif.
=Banken=: Bank of Bengal.--Delhi Bank, letztere Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --=Polizei= in Hamilton Road und nw. vom Kashmir Gate, nahe bei Ludlow Castle.-- Bungalow des Distriktsresidenten nahe bei Kashmir Gate.--=Zeitung=: The Morning Post.--=Apotheke=: Narain & Co., New Druggist's Hall.--Zwei =türkische Bäder= in der Stadt.--=Photograph=: Sultan Ahmad Khan, innerhalb des Delhi Gate.--=Geschäftsadressen.= Indische Kuriositäten: Imre Schweigar, Kashmir Gate, große Auswahl von Kunstschätzen; Jadu Kissen, am Kashmir Gate, Photographien von Indien; Juweliere in der Hauptstraße Chandni Chauk (besonders Goldfiligran!); ebenda Geschäfte für Emaille-Metallsachen, Elfenbeinschnitzereien (Rughnat Das, Kinari Basar) und -malereien, Seidenstickereien, gestickte Schuhe, Kleider, Decken u. dgl.--=Klub=: Delhi Club im Ludlow Castle.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Besuch des Forts und Königspalastes, der Moscheen Jama Masjid und Kalan Masjid; Nm. Rundfahrt in der Stadt, Basare in der Hauptstraße Chandni Chauk.--2. Tag: Frühzeitig Wagenfahrt nach Firozabad (Asokasäule) und Indrapat, dann zum Mausoleum Humayun's und andern Grabdenkmälern; von da zum Kutab Minar (Essen vorausbestellen!). Rückfahrt Nm. über Jai Singhs Sternwarte. Wagen zum Kutab und zurück 12-16 Rup. den Tag.
=Geschichtliches.= Delhi nimmt geschichtlich den ersten Rang unter den Städten Indiens ein; als Indraprastha (griech. Indabara) kommt es schon im »Mahȧbhârata«, dem altindischen Heldengedicht, vor. Der Name stammt von einem Fürsten Dilu, der im 1. Jahrh. v. Chr. 10 km stromabwärts einen Burgbau aufführte. Unter einheimischen Fürsten verwüstet, wurde Delhi 1011 n. Chr. von dem Ghasnawidensultan Mahmud erobert und mußte 1052 durch Anang Pal II. neu bevölkert werden. 1193 eroberte Kutab ed-din Eibek, Feldherr des Ghoriden Moizz ed-din, die Stadt. Kutab als Statthalter machte sich 1206 als Beherrscher Hindustans unabhängig und begründete damit die »Sklaven«-Dynastie (1206-90), die in ihrer Hauptstadt Delhi großen Glanz entfaltete. 1290 folgten die tatarischen Dynastien Khildschi und Tughlak, bis 1398 der Mongole Timur Delhi eroberte und niederbrannte. Als die Stadt sich wieder erholt hatte, kam sie 1451 unter die afghanische Dynastie des Bahlul Lodhi; diese stürzte 1526 ein Nachkomme Timurs, Baber, der sich zum Großmogul erklärte. 1739 plünderte Nadir Schah von Persien die Stadt. 1803 wurde Delhi an die Engländer abgetreten. Im Mai 1857 versuchten die Sepoys (eingeborne Truppen) die Herrschaft der Briten abzuwerfen und ermordeten die Europäer; aber 20. Sept. 1857 wurde die Stadt von den englischen Truppen gestürmt und der letzte Scheingroßmogul nach Rangoon verbannt. 1911 wurde anläßlich der Krönung König Georgs V. zum Kaiser von Indien bestimmt, daß der Regierungssitz des indischen Kaiserreichs von Calcutta nach Delhi verlegt werde.
Delhi (252 m), Hauptstadt der britischen Division der Provinz Punjab, demnächst Hauptstadt des indischen Kaiserreichs, mit 232859 Einw. (zur Hälfte Hindu, etwa 80000 Mohammedaner), liegt inmitten der steppenartigen Jumna-Ebene, die nur in der Regenzeit mit frischem Grün überzogen ist, am rechten, hohen und aufgemauerten Ufer des schiffbaren Flusses Jumna (Dschamna) und ist rings mit einer hohen und starken Stadtmauer umgeben (mit Graben und Glacis). Die schmutzige, enge SW.-Hälfte ist die Eingebornenstadt; in der andern Hälfte liegen prächtige Bauwerke, darunter im Fort der alte Königspalast (s. unten). Wegen seiner vielen Moscheen und Tempel wird Delhi das »Rom Asiens« genannt. Eine aus der Blütezeit Delhis stammende Wasserleitung wurde von der englischen Regierung wiederhergestellt. Delhi besitzt viele Schulen, Druckereien und Zeitungen. Die Industrie ist nicht bedeutend; berühmt sind die Gold- und Silberarbeiten, Musselin- und Schalweberei und die Schnitzerei. Die Bedeutung von Delhi beruht gegenwärtig auf der Größe des Handels (Indigo, Baumwolle, Seide, Korn, Ölsaaten, Metalle, Salz, Hörner, Häute, Tabak, Zucker, Öle, Gold- und Silberwaren). Die Umgebung ist meilenweit bedeckt mit den Ruinen des alten Delhi oder Indrapat, zwischen denen wieder eine Reihe von Dörfern entstanden ist. Unter den vielen zerstörten Palästen, Moscheen und Grabmälern ist am berühmtesten der (14 km südl.) Kutab Minar (S. 74).
=Rundgang.= Das stark befestigte =Fort= mit dem alten *=Königspalast=, 1632 von Schah Jahan aus gewaltigen Mauern von rotem Sandstein erbaut, liegt auf einer Anhöhe über dem Flußufer an der Ostseite der Stadt (Besichtigung erlaubt), Haupteingang von der Hauptstraße Chandni Chauk (Silver Street) durch das gewaltige Lahore Gate; ein Arkadengang führt geradeaus in die Musikhalle Nakkar Khana (Pl. 1), dahinter die öffentliche Audienzhalle Diwan-i-Am (Pl. 2), mit Marmorthronsockel an der Rückwand (den juwelengeschmückten Pfauenthron, der hier oder im Diwan-i-Khas stand, raubte 1739 Schah Nadir, er steht jetzt in Teheran); nun nach l. durch Quergebäude in die private Audienzhalle *Diwan-i-Khas (Pl. 3), eine offene Marmorhalle von seltenster innerer Schönheit und Pracht, mit vier vergoldeten Marmorkuppeln und Mosaiken, deren Edelsteine leider längst geraubt sind (mit der persischen Inschrift: »Und gibt es ein Eden der Wonne auf Erden---- Du findest es hier! und nur hier kann's Dir werden!«). R. von der Halle liegt der Saman Burj (Jasminturm, Pl. 4) mit märchenhaften Frauengemächern und der Rang Mahal (Pl. 5), eine gemalte Halle. Nördl., also l. vom Diwan-i-Khas, prächtige Marmorbäder (Akab Baths, Pl. 6) und westl. daneben die kleine, aber feine *Perlmoschee (Moti-Masjid, Pl. 7) aus weißem und grauem Marmor mit Bronzetor und drei Kuppeln, erbaut um 1660 von Aurangzeb, benannt nach jetzt gestohlenen Perlmuttereinlagen. Dazwischen reizende Anlagen mit Marmorterrassen. Jetzt ist der Palast teilweise in Kasernen verwandelt; seit 1904 wird auf Betreiben des damaligen Vizekönigs Lord Curzon (der die schöne Decke im Diwan-i-Khas herstellen ließ) für Erhaltung und Ausbesserung der Meisterwerke indischer und mohammedanischer Architektur von einer ständigen Kommission gesorgt. Statt der frühern Sorglosigkeit ist strenge Aufsicht eingeführt. Ein kleines Museum im Fort enthält besonders Miniaturmalereien der Schule von Delhi unter den Großmoguln. Ausgang durch das sehenswerte Delhi Gate am Südende. --Über die Torbrücke führt ein Fußweg zur Elgin Road, die man kreuzt, um geradeaus durch Khas Road auf den Platz zu gelangen, wo die großartige =Jama Masjid= (Dschama Masdschid), die größte Moschee der Erde, steht. Sie erhebt sich auf einem 9,5 m hohen, 140 m breiten und langen Viereck von roten Sandsteinquadern und ist aus weißem Marmor erbaut, der mosaikartig mit rotem Sandstein abwechselt. Den Haupteingang bildet eine prächtige Freitreppe, die Decke drei weiße Marmorkuppeln mit schwarzen Streifen, an jedem Ende der Front ein 45,6 m hohes Minaret (oben prächtiger *Rundblick). Besuch der Moschee am besten Freitag mittags, wo Tausende von Mohammedanern den Platz füllen, um zu beten und die Vorlesung aus dem Koran anzuhören.--Nun südl. nach der Schwarzen Moschee, Kalan Masjid, 1386 vom Firoz Schah Tughlak im Stil der ursprünglichen arabischen Moschee erbaut, nahe dem Turkuman Gate.--Zurück denselben Weg und am Dschaintempel (Jain Temple) nw. von Jama Masjid vorbei zur Hauptstraße =Chandni Chauk= (Silver Street), die vom Lahore Gate des Forts fast 2 km bis zum Lahore Gate der Stadtmauer westl. läuft und mit den besten indischen Kunstgewerbeläden besetzt ist; an ihrem Westende die Fatehpuri-Moschee (1650 aus rotem Sandstein erbaut). In der Mitte der Chandni Chauk ein Springbrunnen, dabei die Sonahri Masjid oder Goldene Moschee mit drei Goldkuppeln; östl. und r. davon der Moti-Basar.--Dann östl. weiter und durch die nächste Querstraße l. nach dem prächtigen Queen's Garden mit steinernem Elefanten (aus Gwalior 1645 vom Großmogul Schah Jahan hierher geschafft). An der Nordseite des Queen's Gardens läuft die Queen's Road am Bahnhof vorbei; man folge ihr östl. bis zur ersten Querstraße l., in der Post und Telegraph liegen; dann l. in die Hamilton Road, hier r. die Bibliothek, l. das Polizeiamt.
=Umgebung=: 1) Fahrt nach =Alt-Delhi= (Firozabad). Die Trümmer der alten riesigen Millionenstadt reichen fast 30 km südl. vom jetzigen Delhi; man fahre aus dem südl. Stadttore Delhi Gate südl. am Gefängnis und Irrenhaus vorbei; etwa 4 Min. östl. liegt das alte dreistöckige =Fort Firozabad= (Kotila genannt); auf seinem Dach steht die *Lat- oder Asoka-Säule, ein Monolith aus rotem Sandstein, 13 m hoch, mit Inschriften, wovon die zunächst sichtbaren, in etwa 3 m Höhe, im Nagri-Dialekt aus dem Jahre 1524, darüber aber das wichtige Edikt von Asoka, um 255 v. Chr., in den ältesten bisher in Indien bekannten Schriftzeichen abgefaßt sind. Weiter sö. (3 km südl. vom Delhi Gate) die alte Feste Purana Kila (Indrapat) mit Tor; innen die stilvolle Kila Kona-Moschee (1541 erbaut).--Etwa 1,5 km südlicher das prachtvolle *Mausoleum des Großmoguls Humayun in einem wohlgepflegten Park; Humayun, Sohn Babers, des Erneuerers der Dynastie Timurs auf dem Thron von Delhi, starb infolge Sturzes von der Treppe in Purana Kila 1556; sein Mausoleum ist eins der prächtigsten Indiens, in ihm sind 150 Mitglieder der Familie der Großmoguln beerdigt.--Nun westl. zum Grabmal des heiligen Nizam-ud-din Aulia, einem Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch die Säulenhalle Chausath Khambe, in deren Umgebung noch viele stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath Khambe das Grab des Dichters Amir Khusrau (der Papagei von Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommen Jahanara, Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das Mausoleum Safdar Jangs, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.) Jai Singh's Sternwarte liegt (1724 erbaut). Man tut gut, den Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S. 71) zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.
2) Fahrt zum *=Kutab Minar=, der größten Sehenswürdigkeit Delhis, etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch, dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa 1/2 km vom Gasthaus entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die alte Festung Tughlakabad (8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene Wasserbehälter Hauz Khas (vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl. davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal von Firoz Schah.--Das *=Kutab Minar= ist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76 m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige *Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfallene =Moschee Kuwat-ul-Islam= (Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von 7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3. Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte indische Grabmal des Altamsh (gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar liegt das Tor Alai Darwazah, daneben das Grabmal des Imam Zamin und nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt, liegt der dicke, runde, niedrige Turm Alai Minar (etwa 1312 erbaut).--Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alte Festung *Tughlakabad und südl. daneben das schöne Grabmal des Tughlak.
=Fortsetzung der Bahnfahrt= nach Calcutta (s. S. 82).
1. Seitentour: Delhi-Umballa-Simla.
219 M (352 km) =Eisenbahn=, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II. Kl. 20 Rup.--Von Delhi nach Umballa zwei Linien: Die westliche kürzere über Panipat bleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht einen Umweg über Meerut.
Man benutze den Schnellzug über (54 M) Panipat; der östlichste Teil des Punjab, den man hier durchfährt, wird von vielen kleinern, aus den Vorbergen des Himalaja kommenden Flüssen durchströmt, die sich später in der Tharwüste verlieren. Die Landschaft bleibt flach bis (123 M) =Umballa= (Ambala), Cantonment Station, Knotenpunkt mehrerer Bahnlinien (Umballa City und Civil Station liegen 9 km westl.), Distriktshauptstadt von 80082 Einw. (1/2 Hindu, 3/8 Mohammedaner); Lumley's Hotel, nahe dem Bahnhof, Pens. 4 Rup. Droschken zu haben. Bank: Alliance Bank of Simla. Viele englische Läden, Kirchen, Krankenhäuser. Hier umsteigen in den Simla-(Kalka-)Zug, wenn man in einem Lahore-Zug fährt.--Das Land steigt allmählich und trägt gegen den Himalaja hin mit der Zunahme der Seehöhe und damit auch der Niederschlagshöhe immer reichere Vegetation.--(162 M) =Kalka= (730 m; Dâk Bungalow; Lowries Hotel, daneben PT), der Endpunkt der Hauptbahn, liegt schon in den Vorhöhen des Himalaja. Von hier führt eine Bergbahn in 7 St. hinauf nach
(219 M) =Simla= (2159 m; Hotel Cecil [Hotz, Schweizer], I. Ranges, Deutsch gesprochen, vorzüglich, Pens. von 7 Rup. an; Grand [Peliti's] Hotel, gut; Lowries Hotel, ähnliche Preise; Longwood Hotel, Pens. 6 Rup.; Elysium; Metropole, Pens. von 6 Rup. an; die Preise sind hoch; Banken: Alliance Bank, Delhi & London Bank Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Klubs; PT bei der Union Church; Zeitung: Simla News; Photographen: Hotz (Deutscher), Bourne & Shepherds; europäische Schneider- und Modegeschäfte etc. vorhanden). Berühmter Himalaja-Luftkurort, Distriktshauptstadt mit 15000 (im Sommer 30000) Einw., europäisch gebauten Häusern, Palast des Vizekönigs etc. Simla ist eine großstädtisch angelegte europäische Sommerfrische, seit 1864 Sommerhauptstadt Indiens, in der der Vizekönig mit allen Regierungsbehörden sechs Monate jährlich den Amtssitz hat (im Winter in Delhi); es bietet jede Bequemlichkeit für verwöhnte Europäer auch für längern Aufenthalt; Konzerte, Theater, Bälle; Bibliothek, Schulen, auch katholische Schule und Kapelle; Sanatorien und Krankenhäuser. Mittlere Jahrestemperatur 12,8° C (Juni 19,4°, Januar 3,8°; die Jahrestemperatur von Simla entspricht also etwa der der französischen Riviera; doch sind die jährlichen und auch die täglichen Temperaturschwankungen geringer als dort. Darjeeling ist im Sommer nicht unbeträchtlich kühler als Simla). Die Regierungsgebäude liegen auf einem Bergrücken 2180-2450 m ü. M., weit verstreut inmitten des prachtvollen Pflanzenwuchses der subtropischen Bergwaldregion des Himalaja; Laub- und Nadelbäume, besonders prächtige Libanonzedern und Rosen (die noch im November blühen!). Prächtige Fernblicke auf die schneebedeckten Bergriesen des Himalaja. (Man lese Rudyard Kiplings »Under the deodars«.)
Die unvergleichliche Naturschönheit Simlas erkennt man erst voll, wenn man Fußmärsche in die Umgegend macht; einer der beschwerlichsten, aber lohnendsten führt nach =Sultanpur= (etwa 88 km in der Luftlinie nördl. Simla, Weg dahin etwa 200 km mit 11 Bungalows-Zwischenplätzen), dort guter Bungalow mit Verpflegung. Sultanpur, die alte Hauptstadt des Sultanats von Kullu, das schon großenteils Hochgebirgscharakter trägt, liegt im Kullutale; Jagdgelegenheit auf Fasanen und andres Wild, in den höhern Bergen auch auf Bären und Steinböcke.
2. Seitentour: Delhi-Umballa-Amritsar-Lahore-Peshawar.
627 M (999 km) =Eisenbahn= von Delhi nach Peshawar in 30 St. für I. Kl. 36 Rup., II. Kl. 18 Rup.
Von Delhi nach (123 M) Umballa, s. oben. Die Weiterfahrt mit der North Western Railway führt durch einen großen Teil des östl. Punjab; von den fünf Flüssen, nach denen es genannt ist, überschreitet man den Sutlej und seinen Nebenfluß Bias. Die Landschaft ist einförmig und mit Ausnahme der Regenzeit dürr, staubig und kahl; Dattelpalmen und Pappeln machen sich am meisten bemerklich.
(278 M) =Amritsar= (Bahnwirtschaft, leidlich; Hotel Cambridge [deutsche Besitzerin], Pens. 8 Rup., leidlich; Hotel Amritsar und andre dürftige, weshalb man Amritsar besser von Lahore aus besucht [1-1/2 St. Bahnfahrt] oder den Frühzug von Delhi benutzt und mittags nach Lahore weiterfährt), interessante Stadt mit 152866 Einw. (1/2 Mohammedaner, 3/8 Hindu, 1/8 Sikh; schöne Bevölkerung), in flacher, ungesunder Gegend, aber die reichste und wichtigste Handelsstadt des Punjab (die Delhi & London Bank Ltd. und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, die letztere auch der Deutschen Bank) und für den Handel mit Kaschmir, Hauptmarkt für Teppiche und Kaschmirschals (man kauft auch in Amritsar Stickereien etc. zu billigern Preisen als sonstwo in Indien, doch muß man tüchtig handeln!); zugleich religiöse und einst auch politische Hauptstadt der Sikh, der durch kriegerischen Geist ausgezeichneten Anhänger einer um 1500 entstandenen religiösen Sekte, deren Lehren zwischen denen des Brahmanismus und des Mohammedanismus zu vermitteln streben; als Volk bilden die Sikh keine Einheit, da sie zum Teil dem Volksstamme der Dschat, zum Teil den Hindu angehören. Das heilige Buch der Sikh, der Granth-Sahib, ist Mittelpunkt des Gottesdienstes und wird deshalb in dem großen *=Goldenen Tempel= Darbar-Sahib fortlaufend vorgelesen. Der Tempel liegt in der Mitte der Stadt, am »Teich der Unsterblichkeit« (= Amritsar), mit vergoldeter Kuppel und vier silbernen Türen (Eintritt für Fremde nur in Überziehschuhen durch die Nordtür) sowie schönem Glockenturm. Priester schenken Blumenketten oder Pfauenfedern oder Zuckersaft und erhalten dafür 1 Rupie; zum Dienst am Heiligtum sind mehr als 500 Priester angestellt. Jeder Sikh badet im Teiche. An der Südseite des Teiches liegt der weniger sehenswerte Darbargarten mit Fruchtbäumen und kleinen Pavillons; am Südende der malerische Turm Baba-Atal über dem Grabe des Sohnes des Apostels (Guru) Govind Singh erbaut; die Fakire im Garten werden 7 Uhr abends von den Priestern gefüttert.-- In der Stadt besichtige man die weltbekannte Teppich- und Kaschmirschalfabrik von Chamba Mal und Devi Sarai und den Kaisar Bagh, eine moderne Karawanserei, reich an Volkstypen aus Mittel- und Ostasien.
=Ausflug= von Amritsar nö. mit der »Amritsar Pathankot Railway« bis (67 M, 108 km) =Pathankot= (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow), am Gebirgsfuße; von da mit Tonga (15 Rup., ein Platz 7 Rup.) bis (34 M) Danera (Übernachten im Dâk Bungalow), dann mit Pony (5 Rup.) oder Dooly (9 Rup.) nach (22 M, 35 km) =Dalhousie= (Strawberry Bank Hotel; Springfield Hotel; Bull's Head Hotel), reizender Sommerfrische mit Sanatorium im Waldgebirge, 2350 m ü. M., mit ähnlichen Klima- u. Vegetationsverhältnissen wie Simla. Lohnender Ausflug nach (19 km) Chamba (Dâk Bungalow) in prächtiger Landschaft.
Von Amritsar südwestwärts weiter nach dem Bahnknotenpunkt
(349 M) =Lahore= (254 m; Bahnwirtschaft, gut; Nedous Hotel, Pens. 7-8 Rup., gut, sehr erweitert, gegenüber Lawrence Gardens, 3,5 km vom Bahnhof, 1,5 km von der Altstadt; Faletti's Hotel Cecil, Pens. von 7 Rup. an, gelobt, neu;--Banken: Bank of Bengal; Alliance Bank of Simla etc.--Klubs;--Droschken nach Tarif;-- Zeitungen: »Tribune«, »Civil and Military Gazette«; Photographen: Craddock; Burke; Jadukishan; mindestens 2 Tage Aufenthalt zu empfehlen), Hauptstadt der Provinz Punjab, nahe dem Raji, dem dritten Fünfstromlandfluß, mit dem östl. gelegenen Garnisonsort Meean Meer, 228318 Einw. (120000 Mohammedaner, 70000 Hindu, 7000 Sikh, 5600 Christen), im April 1905 von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Wie Amritsar durch die Sikhs, so hat Lahore durch die Herrschaft der mohammedanischen Mogulkaiser (turktatarischen Stammes) seinen Charakter aufgeprägt erhalten. Die Altstadt mit engen Straßen von Mauern umgeben, mit vielen Moscheen, Karawansereien, Pagoden, Märkten; in der NW.-Ecke der Stadt die Zitadelle (Fort; Besichtigung nur mit Paß, vom Deputy Commissioner zu bekommen) mit Werkstätten, an deren Ostende der Akbar-Palast liegt; im Fort die Perlmoschee (Moti Masjid), daneben der Spiegelpalast Shish Mahal (vom Schah Jahan und Aurangzeb erbaut); östl. davon ein kleiner Sikh-Tempel. Mitten in der Westmauer liegt der weiße Marmorpavillon *Nau Lakha. Im Zeughaus alte indische Waffen, auch Kamelgeschütze und merkwürdige Revolverkanonen. Neben dem Turme von Shish Mahal stand im Großmogulpalast noch ein größerer, der Saman Burj. Nun östl. zum Diwan-i-Khas (Marmorsäulenhalle), jetzt als Kirche benutzt; östl. davon der Hindupavillon Akbari Mahal (jetzt Apotheke) und der rote Sandsteinbau an der Nordmauer Khwabgha-i-Kalan. Mitten im Fort der Diwan-i-Am (jetzt Kaserne), östl. davon ein Hospital.--Die Bank of Bengal und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank.
=Rundfahrt=. Vom Bahnhof durch die europäische Villenstadt sö. von der Eingebornenstadt durch Empress Road über Charing Cross, vorbei am Government House (früher Mausoleum des Muhammed Kasim Khan, Vetter des Kaisers Akbar); dann westl. durch Upper Mall Road zum Lawrence Garden, Botanischem Garten mit Raubtierhaus; l. bleibt Lawrence Hall und Montgomery Hall mit Porträtsammlung; dann r. am Punjab Club und an der Kathedrale vorbei (in deren Nähe das Telegraphenamt); dann l. am Postamt und den *Museen (Punjabsammlungen verschiedener Art, besonders die reichhaltigste Sammlung von »Gandharaskulpturen«, etwa 2400 Nummern) nach den Anarkali Gardens; hier ein lange als christliche Kirche benutztes Grabmal der Anarkali (»Granatblüte«), Favoritin des Kaisers Akbar, von ihm lebendig eingemauert, weil sein Sohn Salim sie liebte; Salim (der spätere Kaiser Jahangir, dessen Lieblingsresidenz Lahore war) erbaute 1615 das Mausoleum. Sehr interessant ist der Anarkali-Basar.--Dann nördl. an den Regierungsgebäuden, Schulen, Krankenhäusern und dem protestantischen Kirchhof vorbei über die Schiffbrücke des Raviflusses nach (9 km) Shah-Dara. Man kreuzt die Bahn und sieht l. einen Kuppelbau, das Grab des Asaf Khan; dann r. in einen Park mit prächtigem Marmorpflaster zum *Grabmal des Kaisers Jahangir, einem Quadratbau mit vier 30 m hohen Minarets in den Ecken, aus weißem Marmor und rotem Sandstein 1627 erbaut; man beachte die Feinheit der Steinskulptur der weißen Marmoreinfassung des Grabmals. Rückfahrt durch das Westtor der Stadt über die Esplanade nach dem Fort (s. oben).--Sehenswerte Moscheen sind die von Wazir Khan (mit sehr schöner Kachelfassade), die Goldene Moschee Sonahri Masjid und die Hauptmoschee Jama (oder Badshahi) Masjid. In der englischen Niederlassung ist ein Schwimmbad. Die Umgebung von Lahore ist durch vom Ravi abgezweigte Kanäle bewässert.
=Ausflug= von Lahore nach den Shalimar Gardens (4 km onö. vom Hauptbahnhof) auf der »Grand Trunk Road«, l. (3 km) das Tor des Rosengartens Gulabi Bagh (von Sultan Beg, Admiral des Schahs Jahan, erbaut) und gegenüber, 1 km sö. von der Straße, das Grabmal des Baumeisters Ali Mardan Khan (der 1637 für Schah Jahan die Shalimar-Gärten anlegte). Die einst weltberühmten, leider verfallenen *=Gärten von Shalimar= haben drei Terrassen mit 450 Fontänen. In ihrer Umgebung, besonders südl. der Straße, liegen noch andre, teilweise ebenfalls sehenswerte Gärten.
Die Fahrt mit der North Western Railway von Lahore nach Peshawar (288 M in 17-1/2 St.) berührt (391 M von Delhi) Gujranwala, Geburtsort Randjit Singhs (geb. 2. Nov. 1780, Maharadscha, genannt »Löwe des Punjab«).--Bei (452 M) Jhelum (Dschilam) überschreitet die Bahn den vierten der Punjabflüsse und tritt bald darauf aus dem Tiefland in das Mittelgebirgsland, das sich in etwa 500 m durchschnittlicher Seehöhe hier in großer Breite dem Himalaja vorlegt. Man sieht im N. die bis 4730 m hohen Schneegipfel Kaschmirs.--(523 M) =Rawal Pindi= (520 m; Flashman's Hotel, gut, Pens. 8 Rup.; Limetree Hotel, am Bahnhof; Imperial Hotel, Havelock Road, Pens. 8 Rup.; Rawal Pindi Hotel; Mellors Hotel u.a. Droschken nach Tarif; Banken: Alliance Bank, Commercial Bank of India), eine junge Stadt mit 86248 Einw. (1/2 Mohammedaner), starke Festung und größte Militärstation des nördl. Indiens (6 Regimenter und 5 Batterien), liegt am r. Sohanufer; Handel mit Kaschmir.
=Von Rawal Pindi nach Srinagar in Kaschmir.=
195 M = 314 km; einer der besten Zugänge nach Kaschmir, in 3 Tagen auf guter Landstraße zurückzulegen; dreisitzige Tonga 124 Rup., ein Sitz 48 Rup. (geliefert von der Firma Dhaujibhoy & Son, Hin- und Rückfahrt 228 Rup.); die Posttonga fährt nachts nicht; Ekkas für Diener und Gepäck 22 Rup. Die Reise ist für mindestens 8tägigen Aufenthalt in Kaschmir sehr lohnend, aber sehr anstrengend; die Tonga ist ein zweiräderiger, niedriger Karren mit drei Sitzen, Gepäck kann wenig mitbefördert werden. Man muß 3 Tage lang je 10 St. mit 1/2 St. Mittagspause in schlecht gefedertem, unbequemem Wagen, der fast nur im Galopp fährt, mit häufigem Pferdewechsel, sich zusammenrütteln lassen. Der starke Staub verursacht leicht Augenentzündung. Im Winter ist die Fahrt der Kälte wegen nicht ratsam. Man kann auch in bequemern Landauern fahren, die aber sehr teuer sind und 4 Tage brauchen. Die Dâk Bungalows unterwegs sind meist gut, haben aber nur leere Bettgestelle, also Reisebettzeug mitnehmen! Ausflüge von Srinagar in das Alpenland erfordern Zelt, Feldküche, Ponies zum Reiten und Gepäcktragen; diese Ausrüstung wie auch Träger können in Srinagar durch Cockburn's Agency beschafft werden (am besten vorher briefliche Abmachungen).
Man fährt über (37 M) =Murree= (2300 m; Powell's Hotel; Rowbury's Hot.), einen Höhenluftkurort mit europäischer Temperatur, mit Sanatorien und Kasernen, hinter denen sich 2700 m hohe Berggipfel erheben; im Sommer sind viele britische Truppen hier in der Sommerfrische. Dann Abstieg in das tief eingeschnittene, enge Durchbruchstal des Jhelum (Dschilam) nach (64 M) Kohala (guter Dâk Bungalow); von hier talaufwärts (das Tal ist im Sommer so heiß, daß Dattelpalmen gedeihen, und man am besten frühmorgens oder abends fährt; im April und Mai prächtige Schneegebirgslandschaft) über eine Hängebrücke (Zoll!) über (75 M) Dulai (guter Dâk Bungalow) nach (85 M) Domel (guter Dâk Bungalow), wo das Tal eine scharfe Biegung nach SW. macht, aber immer noch eng bleibt, über (99 M) Garhi (guter Dâk Bungalow) und (108 M) Hatti in wild-schöner Landschaft nach (119-1/2 M) Chagoti (Dâk Bungalow über der Drehbrücke); dann folgt (133 M) Uri (guter Dâk Bungalow) und (146 M) Rampur (Dâk Bungalow), von da ebene Straße nach (162 M, 261 km) Baramula (guter Dâk Bungalow), kleinem Ort am untern Ende des weiten Hochgebirgsbeckens von Kaschmir, das einst von einem großen See eingenommen war; hier mieten Reisende, die längere Zeit in Kaschmir bleiben wollen, ein Hausboot (Preis je nach Größe und Einrichtung mit Bootsleuten 30-150 Rup. monatlich) zu schönen Ausflügen auf dem großen Wularsee und nach Srinagar. Von Baramula fährt man in 3 St. mit Wagen (Hausboot braucht dazu einen Tag) nach (195 M, 314 km) =Srinagar= (1600 m), d. h. heilige Stadt, auch Suradjnagar oder Kaschmir genannt, Stadt mit 126358 Einw. (5/6 Mohammedaner), Sommerresidenz des Maharadscha von Kaschmir und Jammu, im prachtvollen Kaschmirtal am Jhelumfluß gelegen. =Unterkunft=: Dâk Bungalow; Nedou's Hotel, sehr gut; viele Besucher leben in Hausbooten oder Zelten; beste Zeltplätze im Chenar Bagh für Junggesellen, im Munshi Bagh und Ram Bagh am r. Flußufer nahe der englischen Kirche; ferner am Dal-Den im Nasim Bagh. Der Agent des Maharadscha gibt Auskunft für Reisende über Unterkunft, Preise, Kulis etc.; Cockburn's Agency besorgt Boote, Zelte und jede andre Ausrüstung; englische Ärzte in den Missionen und beim Residenten, wo man auch amtliche Vorschriften für das Reisen im Lande erhält. =Bank=: Punjab Bank. =Leihbibliothek= vorhanden. =Photographen=: Millais; Jadu Kishan.--Die Stadt hat enge, oft übelriechende Straßen mit Holzhäusern, darin eine prächtige, aus Zedernholz mit reichen Schnitzereien hergestellte Hauptmoschee (Jama Masjid). Man besteige zunächst den Hügel *Takht-i-Suleiman (300 m über der Stadt), auf dem ein Tempel steht; eine gerade Pappelallee führt hinauf, oben prachtvoller Blick auf das »Glückliche Tal«. Auch der Aufstieg auf den 76 m hohen Festungsberg Hari Parbat im N. der Stadt ist sehr lohnend. =Bootsfahrt= auf dem malerischen Dal (City Lake) nö. der Stadt, vorbei an den schwimmenden Gärten (man lese Thomas Moore: »Light of the Harem« und »Lallah Rookh«) nach Nishat Bagh am Ostufer, dann nach dem vom Schah Jahangir erbauten Lustschloß Shalimar Bagh in der NO.-Ecke des Sees mit Reiherstand, von da zum »Garten des Segens« Nasim Bagh am NW.-Ufer und zurück am Dorfe Hazrat Bal vorbei, am Westufer nach S. durch den Kanal unterhalb Hari Parbat und den Nasim Bagh-Kanal nach dem Dal Gate. --=Ausflug= von Srinagar auf verschiedenen Wegen, zuerst mit Boot, dann zu Wagen nach (ca. 26 km) =Gulmarg= (Schatten der Rosen), in einem Tage, einer kühlen, etwas feuchten Sommerfrische (Nedou's Hotel, gut; Besucher wohnen auch in Holzhütten oder Zelten), 2590 m ü. M., mit Ausblick auf den 8120 m hohen Nanga-Parbat.
Die =Eisenbahn= führt von Rawal Pindi weiter, zuletzt hinab in das hier breite Industal und bei (581 M) Attock, nahe der Vereinigungsstelle des Kabulflusses mit dem Indus (Stat. Attock Bridge, Dâk Bungalow), über den 200 m breiten Indus auf einer fünfbogigen Gitterbrücke. Das starke Fort Attock beherrscht den Zugang zu Vorderindien von NW. her; alle Eroberer Indiens, so Alexander d. Gr. 326 v. Chr., Timur 1397, Schah Nadir 1738 u. a., drangen durch das Kabultal und über Attock ein, daher ist die kleine Festung noch jetzt strategisch wichtig. Die Bahn bleibt nun in der Ebene des Kabulflusses, passiert =Peshawar=, die Hauptstadt der neuen nordwestlichen Grenzprovinz und Sitz eines High Commissioner, in ungesunder Lage, mit ziemlich extremen Temperaturverhältnissen (Juni 32,9°, Januar 9,8°, gelegentlich kommen Fröste vor), 97392 Einw. (3/4 Mohammedaner), engen, gewundenen Gassen, vielen Basaren für den wichtigen Durchfuhrhandel von Kabul, Buchara und Zentralasien, dem alten Palast Bala-Hissar, mit vielen Moscheen und den Resten einer berühmten mohammedan. Akademie. Im Museum reiche archäologische Funde: »Gandharaskulpturen« aus der Umgegend, besonders aus Sari Bohlol, 40 km nö. von Peshawar.--3,5 km westl. liegt der Endpunkt der Bahn, (627 M, 999 km) Peshawar Cantonment Station (Dâk Bungalow; Flashman's Hotel, Pens. 7 Rup., nahe dem Bahnhof; Droschken nach Tarif; Bank Punjab Banking Co.--Geschäfte für mittelasiatische Waren in der Stadt: Safdar Ali; Haji Rahman); in öder Ebene das an die Stadt gelehnte englische Truppenlager (über 20000 Mann), Stützpunkt für Unternehmungen gegen Afghanistan. Peshawar verdient trotz mangelhafter Unterkunft mehrtägigen Aufenthalt schon wegen des Ausflugs zum Khaiberpaß, dessen Besuch leider seit 1910 auf einen Wochentag beschränkt ist.
=Ausflug= nach dem *=Khaiberpaß=, der südl. des unzugänglichen Durchbruchs des Kabulflusses den Safed Kuh, das Grenzgebirge zwischen Afghanistan und Indien, überschreitet und die Verbindung zwischen Afghanistan und der indischen Nordwestprovinz herstellt. Zu seinem Besuch ist eine Erlaubnis des »Political Officer in charge« in Peshawar nötig. Ausflug zu Wagen (14 Rup.) 5 St. hin und zurück, interessant sowohl landschaftlich wie wegen des regen Karawanentreibens. Man fährt auf guter Straße bis zum (17 km) Fort Jamrud (501 m; Dâk Bungalow), am Ostende des Passes, mit starker englischer Besatzung. Der nach Afghanistan führende Khaiberpaß zieht 53 km lang in Windungen bis 1011 m Höhe über das Gebirge; er ist nur Dienstags und Freitags für Karawanen geöffnet, wird dann vom Afridi-Stamm (Khaiber Rifles) bewacht, die auch die befestigten Posten (26 km) Ali Musjid (730 m) und Landi Kotal (520 m) besetzt halten. In Ali Musjid, wo die englischen Befestigungen gegen Afghanistan beginnen, muß man leider umkehren. Die Fahrt des deutschen Kronprinzen bis Landi Kotal war eine besondere Höflichkeit. Neuerdings dürfen sogar englische Offiziere nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberkommandierenden (zurzeit General James Wilcocks) bis Landi Kotal reisen. Die wilde, malerische Landschaft des Passes ist sehr sehenswert.--Eine Eisenbahn von Peshawar bis Landi Kotal ist im Bau.
3. Seitentour: Lahore--Karachi.
=Eisenbahn=: North Western Railway von Lahore über Mooltan und Hyderabad (Sindh) nach (784 M) Karachi, Schnellzug in 24 St. für I. Kl. 58 Rup. 6 annas, II. Kl. 29 Rup.
Die »Industalbahn« führt durchweg durch Gebiete, die viel mehr vorderasiatischen als indischen Charakter tragen. Die beiden großen Landschaften, die sie durchfährt, das Punjab und das Sindh, sind wirtschaftlich geeint durch den Indusstrom, klimatisch einander ähnlich als Trockengebiete, die nur spärliche und unregelmäßige Regen empfangen und großenteils geradezu wüstenhaft sind. Die von O. her ziemlich nahe an das untere Industal herantretende Wüste Thar soll streckenweise die Sahara an Öde und vollkommener Vegetationslosigkeit übertreffen. Der Indus hat für das Sindh eine ähnliche kulturelle Bedeutung wie der Nil für Unterägypten, aber es bestehen doch gewisse schwerwiegende Unterschiede: während die alljährliche Anschwellung des Nils, die auf der Regenzeit in Innerafrika beruht, regelmäßig und ruhig verläuft, nimmt die des Indus nicht selten dadurch stürmischen Charakter an, daß sich der normalen Sommerflut, die durch die Schneeschmelze im obern Einzugsgebiet des Stromes erzeugt wird und im Unterlauf ihren Höhepunkt im Juli erreicht, noch Regenwasserwellen aufsetzen, die auf den Sommerregen im Punjab beruhen. Dadurch ist der Mensch gezwungen worden, den Strom in Dämme einzuschließen. Die befruchtende und befeuchtende Wirkung der Indusfluten kann daher nur durch Vermittelung von Kanälen erfolgen, die zahlreich vom Strome abgezweigt sind. Sie ermöglichen, daß ein etwa 20 km breiter Kulturstreifen den Indus begleiten kann. Ähnlich liegen die Verhältnisse längs der Punjabströme, doch sind hier die Kulturstreifen nicht so breit, und die Hochwasserbetten sind durch breite Kies- und Schotterflächen bezeichnet. Die Erträgnisse dieser Kulturstreifen, in denen die Dattelpalme vielfach der auffallendste Baum ist, wie das Kamel das häufigste Nutztier, wo Akazien, Pappeln, Tamarisken und andre Gewächse trockner Zonen gehölzbildend auftreten, sind mannigfaltig: Baumwolle, Ölsaaten, Zucker, Indigo, namentlich aber Weizen, dessen Anbau in neuerer Zeit rasch zugenommen und das Aufblühen von Karachi, das als Ausfuhrhafen dient, verursacht hat. Als Verkehrsstraße hat der Indus trotz seines geringen Gefälles im Unterlaufe nur wenig Bedeutung, weil die Arme des Deltas, mit dem er mündet, für Schiffe unbenutzbar sind; denn auch darin ist der Indus gegen den Nil benachteiligt, daß er nicht wie letzterer in ein ruhiges Meer, sondern in ein solches mit lebhafter Gezeitenbewegung mündet. Durch die Flut werden die massenhaften Sinkstoffe immer wieder flußaufwärts getragen und verschlämmen die Mündungen. Die Dampfschiffahrt reicht daher nur von Tatta am Hauptmündungsarm bis Mooltan am Jilam. Den Hauptverkehr vermittelt die Industalbahn.
Von Lahore (S. 76) führt die Bahn über (116 M) Harapa, einen kleinen Ort, wo Alexander d. Gr. einen Sieg erfocht, nach der sehr alten Stadt (207 M) Mooltan (Erfrischungs- und Warteraum, Dâk Bungalow) mit alten Grabdenkmälern, 85708 Einw., meist Mohammedaner; wichtiger Stapelplatz für die an Bodenerzeugnissen reiche Umgebung. Ein Stück südl. davon passiert die Bahn das alte Bett des Biasflusses, der jetzt weit oben in den Sutlej mündet, früher aber diesem parallel in den Jilam floß. Weiter auf der (270 M) Adamwahanbrücke von 1287 m Länge über den Sutlejfluß nach (272 M) Bahawalpur (Dâk Bungalow), Hauptstadt eines Eingebornenstaates mit 15000 Einw. (4/5 Mohammedaner), mit sehenswertem Palast des Nawab. Bei (488 M) Rohri zweigt die Bahnlinie nach Belutschistan und Afghanistan ab; Rohri liegt malerisch am l. Ufer des Indus auf felsiger Höhe, die 4-5stöckigen Häuser haben flache Dächer mit Geländern; die große Moschee (Jama Masjid) ist ein schöner roter Ziegelbau, die drei Kuppeln mit Porzellanziegeln gedeckt. Bei Rohri sind die großen Bewässerungsschleusen des Eastern Nara-Kanals.
(674 M) =Hyderabad (Sindh)=, Haidarabad (guter Dâk Bungalow im Cantonment; Brind's Hotel; Bank of Bengal; Droschken nach Tarif), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh der Präsidentschaft Bombay, am Beginn des Indusdeltas gelegen, mit 75964 Einw. (Hindus und Mohammedanern), 6 km östl. vom Indus, wahrscheinlich von Alexander d. Gr. gegründet, hat Industrie in Seidenstickereien, Juwelier- und Lacksachen. Sehenswürdigkeiten sind das alte, sehr unregelmäßig geformte Fort mit dem alten Palast Mir Nasir Khans, jetzt Absteigequartier hoher britischer Offiziere; vom Fort über dem Torweg interessanter Ausblick auf den Basar mit buntem Völkergemisch. Auf dem Nordende des Hügels der Stadt sind die Grabmäler der Kalhoras- und Talpura-Fürstengeschlechter. Die Bahn kreuzt nun den Indus und führt nach
(784 M) =Karachi= (mehrere Bahnhöfe; wer nicht sofort an Bord des Dampfers muß, steige Station Frere Street, auch Cantonment Station genannt, aus).
=Gasthöfe=: Paul's Hotel, dicht bei Frere Street Station, gut;--The Devon Villa Hotel, gut.
=Banken=: National Bank of India; Bank of Bombay etc.
=Klubs=: Sindh Club; Gymkhana, Ladies Club; Golf Club.
=Zeitung=: »Sindh Gazette.«
=Konsulate=: Deutsches Reich: Konsul A. Thöle; Österreich-Ungarn: Konsul W. U. Nicholas, Vizekonsul _K. S. Anderson_.
=Dampfer=: Österreichischer Lloyd (Anderson & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano«), monatlich nach Triest in 20 Tagen; Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa (Bremen); British India Steam Nav. Co. (Mackinnon, Mackenzie & Co.), wöchentl. nach Europa und Bombay sowie nach dem Persischen Golf; Messageries Maritimes (H. Curjel Bombay Co.), monatl. nach Marseille; außerdem noch andre britische Linien.
=Geschäfte=: Sadar Bazaar, gut.
Karachi (Kurrachee, Karatschi), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh, mit 159270 Einw., am äußersten Nordwestende des Indusdeltas (nahe dem Fuße des Pabgebirges, des Grenzgebirges gegen Belutschistan, gelegen), ist trotz seiner Entlegenheit zum größten Teile Indiens und trotz seines steter Versandungsgefahr durch die Sinkstoffe des Indus unterliegenden Hafens der drittgrößte Seehafen Indiens geworden (1910 liefen 525 Schiffe mit 758000 Reg.-Ton. ein), weil es unter der Herrschaft der Engländer (seit 1842) als Hauptausfuhrhafen des Punjabs dient; Einfuhr von Eisenbahnmaterial, Stückgütern, Metallen, getrockneten und gesalzenen Fischen etc.; Ausfuhr von Baumwolle, Weizen, Wolle, Ölsaat, Häuten, Apothekerwaren, Pferden. Die Stadt hat Handelskammer, Baumwollpressen, Eisenwerke, Schiffswerft mit Trockendock, Kohlenlager. Der Seehafen ist durch Wellenbrecher geschützt und mit modernen Kaianlagen, Ladebrücken etc. gut versehen. Die vorgelagerte Halbinsel Manora ist durch mehrere Küstenforts verteidigt. Die Eingebornenstadt nahe am Hafen ist eng gebaut und stark bevölkert; der europäische Stadtteil weiter aufwärts am Layarifluß macht einen ganz modernen Eindruck, weitläufig und regelmäßig angelegt, mit vielen schönen Gebäuden, darunter die Frere Hall mit Bibliothek, Ball- und Versammlungssälen. Sehenswürdigkeiten enthält die Stadt nicht, doch wird sie infolge ihrer Handelsbedeutung besucht.
B. Von Delhi nach Agra.
=Eisenbahn=: East Indian Railway von Delhi über Aligarh nach Agra in 6 St. für I. Kl. etwa 11, II. Kl. 6 Rup.; --Great Indian Peninsula Railway (»Agra-Delhi Cord Line«) über Muttra in 4-1/2 St. (Speisewagen).
Die Great Indian P. R. ist die direkte Linie; sie hält sich in der Nähe des r. Jumna-Ufers, an dem sowohl Delhi wie Agra liegen. Die East Indian R. beschreibt einen Bogen durch das Gebiet zwischen Jumna und Ganges und überschreitet zweimal die Jumna. Sie durchfährt in ihrer ganzen Erstreckung die »Vereinigten Provinzen« (Agra und Audh), während die Great Indian zunächst den Südostzipfel des Punjabs durchläuft. Obgleich das Land mit Hilfe der Kanäle, die seit 100 Jahren namentlich in dem zwischen dem Ganges und der Jumna gelegenen Gebiete angelegt worden sind, reich angebaut ist, macht sich die Trockenheit des Klimas in den der Regenzeit unmittelbar vorhergehenden Monaten (Februar bis Mai) durch große Dürre und Staubplage recht bemerkbar.
Von Delhi (S. 70) führt die East Indian Railway zunächst nach
(78 M) =Aligarh= (Kellner's Refreshment and Sleeping Rooms, am Bahnhof, bequem für kurzen Aufenthalt, auch Schlafgelegenheit; guter Dâk Bungalow), Distriktshauptstadt und sehr alte Festung, die die Stadt Koil schützt; mit dieser zusammen 63715 Einw. (2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner), Sitz des Anglo-Oriental College zur Erziehung vornehmer Mohammedaner. Anfang Februar hier eine sehenswerte Messe. Beim dritten Meilensteine (5 km) südl. von Aligarh an der Straße ein riesiger heiliger Banyanfeigenbaum (Ficus religiosa), und in dessen Nähe ein Malteserkreuz zur Erinnerung an einen Überfall englischer Truppen während des Aufstandes 1857.--Bei (127 M) Tundla Junction (Bahnwirtsch.) muß man event. in den Zug nach Agra umsteigen, der in entgegengesetzter Richtung auf einer andern Linie noch 24 km westl. bis Agra läuft. Dicht vor Agra führt die Bahn auf großartiger vierbogiger Brücke über den Jumna-Fluß.
Fährt man mit der Great Indian Peninsula Railway, so empfiehlt sich der Besuch von (89 M) Muttra oder Mathura (Dâk Bungalow), uralter Stadt (schon Ptolemäus bekannt) von 60000 Einw., am r. Jumna-Ufer. Muttra wurde 1017 vom Afghanenfürsten Mahmud seiner kostbarsten Tempelschätze beraubt, ist noch heute mit der kleinern, 10 km stromauf an der Jumna gelegenen Stadt Brindaban (einem hochheiligen Wallfahrtsort der Hindus) einer der Hauptsitze der Brahmanen, mit zahlreichen Tempeln, in denen der Krischnakult gepflegt wird. Bootfahrt auf der Jumna, wo morgens Tausende vor den Tempeln baden (ein kleines Benares).
(142 M, 228 km) =Agra= (204 m), Ankunft Fort Station oder (über Muttra) auf Cantonment (Road) Station, 10 Min. von den Gasthöfen.
=Gasthöfe=: Hotel Cecil (Hotz, Schweizer), I. Ranges, Deutsch gesprochen, sehr gelobt, Pens. von 8 Rup. an. -- Laurie's Great Northern Hotel (20 Min. sw. vom Bahnhof), Pens. 7 Rup.-- Metropole. -- Savoy, Pens. 6 Rup. -- Guter Dâk Bungalow nahe dem Postamt am Drummond Road. -- Speiseräume im Bahnhof. -- =Droschken= nach Tarif. -- =Post u. Tel.= nahe beieinander, 2,5 km südl. vom Bahnhof. -- =Polizeiämter= 1 km nw. vom Bahnhof. -- =Geschäftsadressen=: Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. -- Teppichfabrik Otto Weylandt (deutscher Besitzer), nahe I'timad-ud-daulah. -- Schals, Gold- und Silberstickereien: Ganeshi Lall & Sons, Johari-Basar. -- Seifenstein und Marmormosaik: Nathoo Ram, gegenüber Agra College. -- Miniaturmaler: Badri Pershad. -- Photograph: Priya Lal.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Fort, Nm. Fahrt nach Sikandarah, abds. nach Dinner *Taj Mahal (bei Mondschein); -- 2. Tag: Vm. Taj Mahal (bei Sonnenaufgang), dann Fahrt zum I'timad-ud-daulah-Grab, zu Weylandt (Teppichfabrik) und Chinika-Roza-Grab, Nm. 2 Uhr mit Auto (Pers. 10 Rup.) in 1 St. nach Fatehpur-Sikri; -- 3. Tag: Nochmals Fort und Stadt.
=Geschichtliches.= Unter dem Lodhikönig Nizam Iskander (1488-1517) ward Agra, damals noch ein Dorf, Residenz; 1526 wurde es von Baber, dem Begründer des mohammedanischen Reiches der Großmoguln, genommen, der es jedoch wieder an die Afghanen verlor. Erst Akbar besetzte es 1559 dauernd und machte es zur Hauptstadt. Schah Jahan I. (1632-56) errichtete die Prachtbauten. Aber schon Aurangzeb (1656-1706) verlegte die Residenz nach Delhi, und nach seinem Tode wurde die Stadt von den Dschat, Persern, Afghanen etc. verwüstet, bis die Ostindische Kompanie sie den Mahratten nahm. Während des Sepoyaufstandes im Juli 1857 wurden die Engländer im Fort belagert, aber am 10. Okt. vom Oberst Greathed entsetzt.
Agra, Hauptstadt der Division Agra, hat mit der Garnison 182419 Einw. (2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, einige tausend Christen), starke Industrie in Schuhen, Pfeifen, Goldtressen und schönen Mosaikarbeiten sowie lebhaften Handel mit baumwollenen und feinen wollenen handgeknüpften Teppichen (die Fabrik des Deutschen, Herrn Otto Weylandt, ist sehr sehenswert) und bearbeiteten Steinen. Agra besitzt vier Colleges und ist Sitz der obersten Divisionsbehörden. --Die Stadt liegt in dem großen Bogen, den die schiffbare Jumna (Dschamna) hier nach O. macht; in der Tiefe des Bogens das Fort, südl. davon die Kasernen und nw. die Regierungsgebäude, dazwischen die besser als in andern indischen Städten gebauten Eingebornenviertel. Agra ist reich an Prachtbauten im reinsten maurischen Stil, die auf die Zeit zurückgehen (Mitte des 17. Jahrh.), da die Stadt die Residenz der mohammedanischen Großmoguln (turktatarischen Stammes, mit persischer Umgangssprache) war.
=Rundgang=: Das *=Fort= (zweimaliger Besuch von je 2-1/2-3-1/2 St. sehr lohnend, es ist das schönste und mannigfaltigste seiner Art in Indien), aus rotem Sandstein etwa 1568 von Akbar begonnen, von seinem Sohn Jahangir fortgesetzt (die meisten Bauten stammen vom Schah Jahan, dem kunstsinnigen Enkel des großen Kaisers), berührt mit dem Nordturm das rechte Jumna-Ufer; seine Mauern sind fast 21 m hoch; sein »Water Gate« (Pl. 2) ist geschlossen, Haupteingang von NW. durch das Delhi Gate (Pl. 1); außerdem am Südende das Amar Singh Gate (Pl. 3). Innerhalb des Delhi Gate ist noch ein zweites Tor, Elephant Gate oder Hathi Pol. Geradeaus geht man über den Mina-Basar zur *Perlmoschee (Moti Masjid, Pl. 4), der schönste weiße Marmorbau mit drei Kuppeln und prächtiger Vorhalle, in deren Mitte ein Marmorbecken.--R. von der Moschee der große Zeughausplatz, vor dessen Ostseite die große öffentliche Audienzhalle Diwan-i-Am (Pl. 5), mit Thronstufen in der Mitte. Einige Stufen führen nun in den großen =Palast Schah Jahans= (Pl. 6), der aus vielen prächtigen Einzelbauten von weißem Marmor besteht; zunächst vorbei am Machhi Bhawan zur kleinen dreikuppeligen »Edelsteinmoschee« (Naginah Masjid), für die Königinnen bestimmt; darunter lag ein Basar, wo die Hofdamen Einkäufe machten. Oberhalb nach dem Fluß auf offener Terrasse ein schwarzer Thron; südl. davon die Hausmoschee des Kaisers (Mina Masjid) und weiterhin die wunderbar schöne Privataudienzhalle Diwan-i-Khas mit Ausblick auf den Fluß und die Gärten (1637 erbaut). Im kleinsten Marmorsaal wurde der von seinem Sohn Aurangzeb entthronte Jahan 7 Jahre gefangen gehalten, gepflegt von seiner Tochter Jahanara; Jahan starb im kleinen Pavillon (mit schönen Fenstern), die Augen nach dem Taj Mahal (s. unten) gerichtet. Eine Treppe führt zum Saman Burj, eigentlich Jesamine (Yâsmin) Burj (Jasminturm, Wohnung der Favoritsultanin), mit Springbrunnen in einem schönen Pavillon; südl. daneben der »Goldene Pavillon« mit vergoldetem Dach und Frauengemächern; westl. von diesen Pavillons lagen die Marmorbäder der Prinzessinnen; von da durch den Weingarten (Anguri Bagh) gelangt man zu dem Shish Mahal (Spiegelpalast) in der NO.-Ecke des Gartens. Der alte, sehr sehenswerte, aus rotem Sandstein erbaute Jahangir Mahal (oder Akbar-Palast) am Südende der übrigen Bauten ist gut erneuert und hat prächtige Sandsteinornamente. -- Nahe vor dem Delhi Gate nw. jenseit der Bahn liegt die Hauptmoschee (Jama Masjid), erbaut 1644 vom Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara; nördl. davon die Kalan Masjid, älteste Moschee in Agra. -- Von da fahre man über die Eisenbahnbrücke nach dem prachtvollen *Mausoleum von I'timad-ud-daulah, einem reichgeschmückten weißen Marmorbau mit Mittelkuppel und vier Ecktürmen mitten in herrlichem Park; es enthält sieben Gräber, in der Mitte das des Wesirs Ghiyas Beg, Schwiegervaters Schah Jahangirs und Vaters der Nur Jahan. -- Die Hauptsehenswürdigkeit Agras (etwa 3 km sö. von den Gasthöfen) ist der **=Taj Mahal= (kurz Tadsch oder Tadschmahal = Kronpalast, eigentlich Taj bibi ka Roza = Grab der Kronendame), »ein Traum in Marmor«, am r. Ufer der Jumna; es ist das aus weißem Marmor ausgeführte und auf einer 18 m hohen Plattform ruhende Mausoleum Schah Jahans (regierte 1628-58) und seiner Lieblingsgattin Mumtaz-i-Mahal (Stolz des Palastes, gest. 1629), mit weithin sichtbarer Kuppel von 18,8 m Durchmesser, woran 20000 Arbeiter 22 Jahre unter Leitung des Baumeisters Austin von Bordeaux gearbeitet haben sollen. Der Taj ist vielleicht das schönste und stimmungsvollste Denkmal ganz Indiens und gilt für edler als die Alhambra und andre berühmte maurische Bauten. Im Innern, umschlossen von einem zart in Marmor ausgeführten Gitterwerk, stehen zwei Kenotaphe, die wie die Wände reich mit Blumen aus kostbaren Steinen und mit anmutigen Ornamenten geschmückt sind. Umgeben ist das Gebäude von einem prachtvollen Garten, in dem herrliche Zypressen und ein langes, geradliniges Wasserbecken mit vielen Springbrunnen liegen. Der Eingang zum Taj ist durch das Taj Ganj Gate, das zu dem prächtigen großen *Torweg (Great Gateway) des Gartenhofs führt (mit 26 Marmorkuppeln!); außerhalb eine schöne Karawanserei und andre Gebäude aus rotem Sandstein. Es ist dringend zu empfehlen, den Taj mehrmals, und womöglich einmal bei Mondschein, zu besuchen. NB. Die Hotels wissen die Zeiten, wann der Taj bis Mitternacht geöffnet bleibt! Im Mausoleum beten und bringen Blumen zu den Sarkophagen Vertreter aller Religionen Indiens, Hindus, Buddhisten, Mohammedaner und Parsi.
=Ausflüge=: 1) Nach =Sikandarah=, mit Wagen in 3/4 St. Man fährt durch die Eingebornenstadt, vorbei am Central Jail (Hauptgefängnis; Besichtigung der Teppichwebereien der Gefangenen empfehlenswert, man schicke seine Karte dem Inspektor), dann etwa 6 km nw. Der Weg führt an vielen Gräbern vorbei; in Sikandarah liegt das Mausoleum Begum Miriam, der angeblich christlichen Frau Maria des Kaisers Akbar, ein zweistöckiger roter, zurzeit recht verwahrloster Sandsteinbau; im Unterstock 40 Kammern, im Oberstock ein weißer Marmorkenotaph. Ein prachtvolles Tor aus rotem Sandstein, mit Einlagen von weißem Marmor führt zum *Grabe Akbars; von den Minarets zu Seiten des Tores schöne Aussicht bis nach Fatehpur-Sikri. Ein breiter Weg führt zum Mausoleum, einem vierstöckigen Pyramidenbau, die untern drei Stockwerke von rotem Sandstein, das oberste aus weißem Marmor; auf der Plattform steht der weiße Marmorkenotaph genau über der Stelle, wo unten im Kellergeschoß sein Sarkophag, umgeben von andern Gräbern, steht. Am Nordende des *Kenotaphs eine 1 m hohe *Marmorsäule, auf der lange Zeit der berühmte Diamant »Koh-i-Nur« lag, bis ihn der persische Eroberer Nadir Schah raubte (jetzt gehört er zum britischen Kronschatz). -- In einem modernen Hause in Sikandarah befindet sich ein Waisenhaus. Man tut besser, Sikandarah früher als den Taj zu besuchen.
2) Westwärts nach (38 km) *=Fatehpur-Sikri= (Dâk Bungalow, neu und groß, mit guter Verpflegung, für längern Aufenthalt eingerichtet; für kurzen Aufenthalt Frühstückskorb vom Hotel mitnehmen!) mit Wagen (25 Rup. in 3-1/2 St.) oder Automobil (45 Rup., einzelne Sitze bei Fahrten, die das Hotel unternimmt, 10 Rup., in 1 St.) auf guter, schattiger Landstraße, von Akbar d. Gr. angelegt, wie die alte verlassene Residenzstadt selbst, deren Paläste noch sehr gut erhalten sind. Durch das Agra-Tor einfahrend, sieht man r. von der Straße die alte Münze, gegenüber die Schatzkammer, dann fährt man in den Kaiserpalast hinein, vor den Diwan-i-Am; l. liegen die Räume der Sultana und daneben der Dâk Bungalow (wo man auf Wunsch meistens auch einen Führer erhält); gegenüber sind türkische Bäder. In der NO.-Ecke des Palastes ist das Haus der türkischen Königin; am Nordende des Hofs eine schöne Privataudienzhalle Diwan-i-Khas, südl. davon der Panch Mahal (ein »Damenheim« oder Zenana) und sw. von diesem das kleine Haus der Miriam (Akbars angeblich christlicher Gattin, einer Prinzessin von Jaipur) mit Garten und Bad; westl. davon das geschmackvolle Birbal's Haus. Ferner sind zu erwähnen der Turm Harem (Hiran) Minar, mit steinernen Elefantenzähnen geziert, über den Gräbern des kaiserlichen Lieblingselefanten, und die Grabmoschee (weißer Marmor in rotem Sandstein) des heil. *Salim Chistis in der Nähe des großen Siegestors und dieses selbst.
3) Südwärts nach *=Gwalior=; von Agra Road Station mit der Indian Midland Railway durch steiniges, hügeliges Gebiet, die nördl. Ausläufer des Malwaplateaus, das schon zum Dekhan gerechnet werden muß, über (35 M) Dholpur und 6 km weiter südl. über eine schöne Brücke aus rotem Sandstein über den Fluß Chambal (Chumbul) nach (76 M, 122 km) *=Gwalior= (161 m; Gwalior Hotel [von einem Parsen geführt], außerdem staatliches Fremdenhaus Musafir Khana, in dem Unterkunft nur bei Empfehlung und Vorausbestellung zu haben ist. Reitelefanten durch Hotelmanager zu bestellen, Bakschisch an den Führer. Droschken, mäßig, zu haben [im Notfall Sänfte nehmen]), Hauptstadt des Vasallenstaats der Mahratten, hat mit der neuen Garnisonstadt Lashkar 89154 Einw. (5/6 Hindu, 1/6 Mohammedaner), liegt in einer Flußebene zwischen den Ausläufern des Malwaplateaus und hat schmutzige Häuser. Vor den Toren der alten Stadt steht die schöne Hauptmoschee Jama Masjid; in der Stadt der prachtvolle *Palast des Maharadschah (einer der schönsten in Indien) sowie mehrere Dschaintempel. Die berühmte *=Festung Gwalior= erhebt sich auf einem 110 m hohen senkrechten Sandsteinfelsen (oben 1900 m lang und 600 m breit) an der Westseite der Stadt; sie ist noch jetzt eine der stärksten Indiens. Am NO.-Ende die sechstürmige Zitadelle. Im Innern der Festung sind Acker und Wasserbecken, für 15000 Mann Besatzung ausreichend. Wahrscheinlich wurde sie 275 n. Chr. gegründet von Suraj Sen, der den Sonnentempel baute; jahrhundertelang war die Feste Herrschersitz, viel bestürmt und selten erobert. Englische Truppen nahmen die Festung 1803, 1844 und 1858; 1886 wurde sie an den Maharadschah übergeben. Zum Besuch der Feste ist keine Erlaubnis erforderlich, man schreibt sich ins Fremdenbuch am Eingang ein; der Leiter (»Keeper«) des Fremdenhauses (Musafir Khana) sorgt für Bereitstellung des Elefanten, falls der Maharadschah geneigt ist, solchen für Besucher zur Verfügung zu stellen. Vom Fremdenhaus fährt man bis zum Fuße der Feste, dort wartet dann der Elefant für den steilen Aufstieg. Ein steiler Weg führt durch folgende sechs Tore in die Feste: Alamgiri Gate (das nördlichste Tor, 1660 erbaut), *Badalgarh (oder Hindola) Gate, ein schöner Hindubau; r. steht dicht unter dem Felsen der Festung der Gujari Mahal, Schloß der Königin von Man Sing, schon sehr verfallen; Bhairon (oder Bansur) Gate, 1485 erbaut; dann das Ganesh Gate mit dem Taubenhaus (Kabutarkhana) davor und einem Hindutempel daneben; nun vorbei an dem Felsentempel Chatar-bhuj-mandir (erbaut 876), ein Wischnuheiligtum mit Wasserteich (in dessen Nähe sehr alte Skulpturen), durch das Lakhshman Gate weiter hinauf längs der Ostseite der Paläste zum »Elefantentor« Hathiya Pol (Paur), neben dem das Hawa Gate in den Man Singh Mandir führt, der, 1486-1516 erbaut, bunte Mosaikwände hat. Nördl. schließen sich noch vier Paläste an: Vikram Mandir, Karan Mandir, Jahangiri Mahal und Shah Jahan Mahal am Nordende der Feste. Von den elf Hindutempeln der Feste ist der mittelste, Teli-ka-Mandir (Anfang des 12. Jahrh.), der sehenswerteste; er ist dem Schiwakult gewidmet, auf höchster Berghöhe mit prächtiger *Aussicht erbaut und um 1880 wiederhergestellt. -- Die Felsenskulpturen an den Abhängen der Feste, besonders die südwestl. Gruppe in der Schlucht Urwahi, sind ebenfalls sehr sehenswert, weil einzig in ihrer Art in ganz Nordindien; die meisten Skulpturen, im 13. Jahrh. hergestellt (laut Inschrift aus den Jahren 1440, 1453, 1497 etc.), wurden unter dem ersten Großmogul Babar zum Teil stark beschädigt. Es sind fünf Gruppen. Das durchfahrene Gebiet gehört zu den reichsten Kulturgebieten Indiens; Audh, der Ostteil der »Vereinigten Provinzen«, ist schon so weit in Kultur genommen, daß die Wälder großenteils (außer im nördl. Randgebiet gegen den Himalajastaat Nepal hin) verschwunden sind und mit ihnen auch viele wilde Tiere, wie der Tiger. Dabei hat das Land, das großenteils von Natur genügend befeuchtet ist (der künstlich bewässerte Anteil des Kulturlandes wird, je weiter ostwärts, um so kleiner), schon ganz tropischen Charakter.
C. Von Agra über Cawnpore, Lucknow und Allahabad nach Benares.
=Eisenbahn=: Agra-Cawnpore in 5-1/2 St.; Cawnpore-Lucknow in 2 St.; Lucknow-Allahabad in 5-1/2 St.; Allahabad-Benares in 3-1/2 St.; Agra-Allahabad in 9 St.
Von Agra Fort Station (S. 83) mit der East Indian Railway (am besten mit Nachtzug, der etwa 3/4-12 Uhr abfährt) über die prächtige Jumna-Brücke mit 16 Bogen nach (15 M) Tundla; dort meist umsteigen in den von Delhi kommenden Zug, dann östl. weiter über Ferozabad nach (72 M) Stat. =Etawah=, Itawah (Bahnwirtschaft mit Gastzimmer; Dâk Bungalow, 1 km vom Bahnhof), Stadt mit 40000 Einw. in malerischer Lage zwischen Schluchten und Abhängen am Nordufer der Jumna, mit schöner Hauptmoschee; *Aussicht vom teilweise zerstörten Fort auf dem Hügel über der Stadt; unterhalb vom *Fort Bathing Gats am Flußufer. -- Die Bahn erreicht im weitern Verlaufe das rechte Gangesufer bei
(158 M, 254 km) Stat. =Cawnpore=, Khanpur (Bahnwirtsch., gut; Civil and Military Hotel, gut; Empress Hotel, Pens. 7-9 Rup.; Victoria Hotel; die Bank of Bengal und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank; Droschken nach Tarif), Knotenpunkt von fünf Bahnlinien und an der untern Einmündungsstelle des östl. Gangeskanals in den Ganges gelegen, mit enger, schmutziger Eingebornenstadt von 197170 Einw. (1/4 Mohammedaner), wo auf den Basaren gute Früchte, Leder- und Juwelierarbeiten feilgehalten werden und interessantes Leben und Treiben herrscht. Die Stadt ist ohne andre Sehenswürdigkeiten als solche, die an den Aufstand erinnern; in Cawnpore ließ Nana-Sahib im Mai und Juni 1857: 446 englische Soldaten, Frauen und Kinder hinmorden, wofür die Engländer im November weit blutigere Rache nahmen. Wo General Wheeler sich gegen Nana-Sahib verschanzt hatte, steht die Memorial Church; etwa 3 km nördl. liegt nahe dem Gangesufer der Memorial Garden mit Gedächtnisbrunnen, in dessen Mitte ein Friedensengel (von Marochetti) aus Marmor.
=Seitentour.= Von Cawnpore mit der Indian Midland Railway oder mit einer Zweiglinie der Oudh and Rohilkhand Railway über die Ganges-Eisenbahnbrücke durch die reichbebaute Ebene von Audh nach (44 M, 71 km) Stat. =Lucknow= oder =Lakhnau= (122 m; Bahnwirtschaft; Wutzler's Royal Hotel [Bes. Deutscher], eins der besten in Indien, 2-1/4 km vom Bahnhof; Savoy and Imperial Hotel, Abbott Road, Pens. 7 Rup.; Civil and Military Hotel; Prince of Wales Hotel; mehrere Klubs; Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Droschken nach Tarif), Knotenpunkt von 6 Bahnlinien, Stadt mit 264049 Einw. (1/3 Mohammedaner), am Gumti, einem schiffbaren l. Nebenflusse des Ganges; großstädtisches Leben, aber weniger sehenswert als Delhi und Agra. Auch die großen Prachtbauten von Lucknow sind architektonisch dürftig; von Engländern ebenso wie Cawnpore nur wegen der Ruinen und Gedächtnisstellen aus der Aufstandszeit (es wurden hier 2000 Engländer getötet) besucht. -- =Rundfahrt=: Nw. von der Residency, den Regierungsgebäuden, liegt im Machhi Bhawan Fort die interessante große Halle Great Imambarah in altem Palast, jetzt Zeughaus; man gelangt dann über die Iron Bridge zum Lichttempel Hussainabad, der nur von außen sehenswert ist. In der Nähe der interessante Kaisar Bagh (Kaisergarten mit Palästen). In der Stadt sind die Basare, besonders der Nakhkhas oder Vogelbasar, sehenswert. Filigran- und Goldschmiedearbeiten, Pfeifenmacher, Tonfiguren. Auch die Elefantenställe der Regierung sind sehenswert sowie das Museum (bis 3-1/2 Uhr offen; Fr. geschlossen) mit buddhistischen Reliquien aus Muttra (S. 83) etc., und viele schöne Gärten.
Von Cawnpore weiter mit der »East Indian Railway« sö. nach (277 M, 445 km) =Allahabad= (61 m; Kellner's Rooms, am Bahnhof, mit guter Schlafgelegenheit, Chota-hazri im Zimmer, andre Mahlzeiten in der Bahnwirtsch.; Laurie's Great Northern Hotel, Pens. 6 Rup.; Central Hotel; Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Droschken nach Tarif; die Zeitung »Pioneer« ist eine der wichtigsten in Indien, »Pioneer Mail« Wochenausgabe für Europa). Besuch von Allahabad ist nur bei reichlicher Zeit zu empfehlen; Benares, Agra und Delhi bieten weit mehr indische Kulturbilder.
=Geschichtliches.= Allahabad kommt um 250 v. Chr. unter dem Namen Prayâga (»Opferstätte«) vor. Akbar baute 1572 hier sein Fort Ilâhabâs, das Schah Jahan I. (1632-56) dann Allahabad (»Stadt Gottes«) nannte. Die Stadt gehörte zum Reiche des Großmoguls, bis sie 1753 durch den Wesir Safter Jang von Audh erobert ward. Aber schon 1765 wurde sie von den Briten besetzt und dem Großmogul Schah Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 Allahabad verlassen hatte, überließen es die Engländer durch den Vertrag vom Jahre 1773 dem Naib von Audh, der es endlich an die Ostindische Kompanie abtrat.
Die Stadt Allahabad, Hauptstadt der Nordwestprovinzen, mit 172032 Einw. (etwa 2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, 6000 Christen), liegt auf der Landzunge an der Mündung der Jumna in den Ganges, an deren Spitze das große, von Akbar erbaute, von den Briten umgestaltete Fort liegt (Besichtigung nur mit Erlaubnis der Militärbehörde; längere Wagenfahrt dazu erforderlich); es umschließt Kasernen, Pulvermagazin, Arsenal für 30000 Mann, die berühmte Säule des Asoka (240 v. Chr.), einen unterirdischen Tempel mit dem ewigen Feigen- oder Banyanbaum. Allahabad besteht aus dem engen Eingebornenviertel mit ärmlichen Lehmhütten neben prächtigen Palästen und dem schönen, gartenreichen europäischen Viertel. Hervorragende Bauten hat die Stadt wenige, z. B. den Palast des Gouverneurs, Kasernen, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude, die Große Moschee, das Serail von Khusru zur unentgeltlichen Aufnahme von Reisenden, den Khusru Bagh (mit malerischem, hohem Festungstor, durch das man in die gepflegten Gärten mit drei Mausoleen gelangt), katholische und anglikanische Kirche, Bibliothek und Museum, Stadthaus, das Muir Central College, das große Zentralgefängnis zu Náini. Allahabad ist berühmter Wallfahrtsort, wo sich, um im Ganges zu baden, im Dezember und Januar 250000, alle 12 Jahre aber eine Million Pilger versammeln. Dann wird hier die Magh Mela, eine religiöse uralte Messe, abgehalten.
Mit der Bahn über (363 M) Mughalo Sarai Junction Station (Speiseraum im Bahnhof), hier umsteigen! Dann über die fast 1,5 km lange Stahlbrücke über den Ganges nach (373 M, 560 km) Benares (82 m).
Benares.
Vgl. den Plan S. 91.
=Ankunft= auf Cantonment Station der Oudh and Rohilkhand Railway; auch direkt von Lucknow (S. 88) über (88 M) Fyzabad und (118 M) Jampur nach (199 M, 320 km) Benares; letztere Strecke ist etwa 88 km kürzer.
=Gasthöfe= (beide liegen 4,5 km landeinwärts vom Ganges und von der Eingebornenstadt): Clark's Hotel, 25 Z., Pens. von 7 Rup. an, gelobt; Hôtel de Paris, 60 Z., gelobt; beide Hotels mit Garten.--=Bank=: Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --=Führer= zum Besuch der Eingebornenstadt und Basare sind unentbehrlich wegen der engen, wirren Straßen.--=Wagen= besorgt das Hotel, Zweispänner 8 Rup. für 1, 4 Rup. für 1/2 Tag; Droschken nach Tarif; empfohlenen Fremden stellt zuweilen der Maharadschah von Vijayanagrum seinen Staatswagen.--=Kuriositäten=: Seidenstickereien, Schals, Messinggefäße, indische Nippsachen, Malereien, Goldschmiedearbeiten in den Basaren der Eingebornenstadt.
=Geschichtliches.= Benares war schon im 6. Jahrh. v. Chr. der Mittelpunkt der Religion des Buddha, der hier zuerst »das Rad seiner Lehre drehte«, was durch eine riesige Stûpa (Reliquienbehälter) 5 km nördl. von Benares der Nachwelt überliefert wurde. Später, nach dem Untergang des indischen Buddhismus, war es einer der Hauptsitze des Brahmanismus und wurde dann nach seiner Einnahme durch die Mogulkaiser (1194) 600 Jahre lang von Mohammedanern beherrscht. Diese vermochten den Brahmanismus nicht ganz zu unterdrücken, der sich seit dem 18. Jahrhundert, nach dem Sturz der Herrschaft der Großmoguln, rasch von neuem erhob und heute in Benares wieder eine der Hauptpflegestätten brahmanischer Philosophie verehrt. So ist Benares durch die Mannigfaltigkeit der in seinen Mauern gepflegten Religionen wie seiner Denkmäler religiöser Baukunst eine der merkwürdigsten Städte der Erde geworden: Buddhismus, Brahmanismus und Islam haben ihre Andachtsstätten hier errichtet, Brahmanismus (Hindu-Religion) und Islam blühen noch heute, dazu der Schiwa-Kult, der in ziemlich starkem Gegensatze zum Brahmanismus steht, da seine Anhänger (die Lingaiten, nach dem Symbol des Schiwa, dem Lingam, genannt) die Vorrechte der Brahmanen verwerfen, und schließlich die Sekte der Dschain, die ebenso alt wie der Buddhismus ist und diesem in mancher Hinsicht ähnelt.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vor Sonnenaufgang Stromfahrt auf dem Ganges vom Dasaswamedh Ghat aufwärts mit Besichtigung der Leichenverbrennungsstätte Manikarnika Ghat, der Aurangzeb-Moschee und des nur vom Boot aus besuchbaren Nepalese-Tempels (Boot für 2 St. 3 Rup.--Frühstück mitnehmen). Nach Frühstück mit Boot zum Affentempel, Goldenen Tempel, kleine Aurangzeb-Moschee, andere Tempel, den Brass Market (Messingarbeiten sind Spezialität von Benares). Dann Lunch im Hotel; nachher Fahrt nach Sarnath (Museum).--2. Tag: Droschkenfahrt zum Kuhtempel Annapurna, dann verschiedene Tempel, Brunnen des Wissens, Anand-Bagh-Garten, Annie Besant's Hindu College (theosophische Gesellschaft), Basare in der Eingebornenstadt.--Nm. Fahrt nach Belipur, Spazierfahrt im englischen Viertel.
Benares (82 m), Banaras, Warânasi (»im Besitz des besten Wassers«, früher auch Kasi genannt), Bezirkshauptstadt mit 209331 Einw. (vorwiegend Hindu), ist seit 2-1/2 Jahrtausenden Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und als heiligste Stadt der Hindu der besuchteste indische Wallfahrtsort. Viele reiche Hindu haben sich hier Paläste erbaut, wo sie ihre letzten Tage hinbringen; wer in der heiligen Stadt in der Gunst der Brahmanen stirbt, ist sicher, unmittelbar in den Schoß der Gottheit aufgenommen zu werden. Täglich pilgern Tausende, an Festtagen Hunderttausende hierher, um im Ganges Gebete und Waschungen zu verrichten oder Krüge mit dem Wasser des heiligen Stromes zu füllen, das bis zur Südspitze Indiens getragen wird; seine Versendung ist ein wichtiger Industriezweig. Kranke lassen sich hierhertragen, um angesichts des heiligen Stromes zu sterben. Benares hat 1454 meist kleine Hindutempel, 272 Moscheen, mehrere Dschaintempel, einen buddhistischen Tempel. NB. Eintritt in alle Tempel, außer Affentempel und Kuhtempel, ist Europäern verboten! Die prächtigste Ansicht gewährt die Stadt von dem 540-780 m breiten Ganges aus, an dessen weitem Bogen sie sich hinzieht. Alle andern Gebäude überragt die Moschee Aurangzebs mit ihren schlanken, 35 m hohen Minarets. Ein mächtiger Bau ist auch die 1693 errichtete Sternwarte (s. unten). Zwischen Paläste und Tempel drängen sich elende Hütten, das Innere der Stadt ist ein Gewirr enger, schmutziger Gassen. Das saubere englische Viertel (Sikraul) enthält eine Kirche, ein Hospital, Kasernen, 3 höhere Schulen, 3 englische Missionsanstalten, eine Bank. Die durch den Fremdenverkehr geförderte Industrie erzeugt Seidenstoffe, Schals, Gold- und Silberstickereien, Juwelierwaren, Messinggefäße (berühmt auf dem Messingmarkt, Brass market), Lackwaren. Der Handel, unterstützt durch Dampfschiffahrt auf dem Ganges und die Bahnen, vertreibt heimischen Zucker, Indigo, Salpeter und führt europäische Waren ein. Benares enthält eine höhere Hindu- und eine höhere Sanskritschule, das Benaresinstitut, eine Gesellschaft meist eingeborner Männer, und die Carmichael-Bibliothek.
Die Stadt zeigt das indische Leben unverfälscht; Hans Meyer sagt von Benares: »Da ist der unfaßbare Wust bizarrer Häuser und Häuschen. Da sind die Hunderte und aber Hunderte von wunderlichen Tempeln mit Kuppeln, Pagoden, Götzenfratzen, Rüsselschnörkeleien, mit farbigen, silbernen, kupfernen und goldenen Anhängseln und Bedachungen. Da sind die massiven, aus dem Strom aufsteigenden Paläste der einheimischen Prinzen und Radschas, da tobt und windet sich die endlose Menschenmenge aus dem Gewühl enger Gassen nach dem heiligen Fluß und zurück ... --Heilige Stiere wandeln an den Häuserreihen entlang und setzen die Gemüsekrämer in Schrecken, Affen sitzen auf den Sonnenzelten u. Dachgesimsen, schreiend, fressend oder spielend, unter Tamburin- und Schellenbegleitung werden Götzen auf Tragbahren herumgeschleppt, feierlichen Aufzügen begegnet man in jeder Straße.« An Festtagen ist das Menschengewühl beängstigend: trotz der Scheu der Hindu vor Europäern empfiehlt es sich, einen indischen Schutzmann (gegen guten Bakschisch) zur Begleitung mitzunehmen und keine Innenräume der Tempel zu betreten.
=Rundfahrt= durch die Eingebornenstadt, 3 km vom englischen Viertel. Man kann über Belipur fahren und dort den Palast des Maharadschah von Vijayanagrum besichtigen, falls Erlaubnis erteilt wird; *Aussicht vom Terrassendach des Palastes über den Ganges; man sieht Aurangzebs Moschee und den Goldenen Tempel. Dicht beim Palast liegen Dschain-Tempel.--Etwa 1 km südl. vom Palast liegt der Durga-Tempel, der finstern Gattin Schiwas geweiht, die täglich blutige Opfer (früher Menschen, jetzt Ziegen) fordert, *=Affentempel= genannt, weil darin die heiligen Hum-man (Semnopithecus entellus) zu Hunderten hausen; der Tempel aus rotem Stein mit gelben Ornamenten ist umgeben von hohen Mauern; im Haupteingang ein Raum mit Musikinstrumenten: Glocken, Trommeln, Tamtams u. a.; neben dem Tempel ein schöner Wasserbehälter.-- Man fahre bis zum Dasaswamedh Ghat, eine der heiligsten Pilgerstätten von Benares (»Ghât« sind die mit Tempeln, Palästen, Pavillons und Badeplätzen eingefaßten langen Badetreppen, die zum Gangesufer führen), wo Brahma zehn Pferde geopfert haben soll.-- In der Nähe die =Sternwarte=, ein schöner Bau mit seltsamen Instrumenten (darunter ein Mauerquadrant Bhittiyantra, zwei große Steinkreise, zwei Samrat Yantra zur Bestimmung der Polhöhe, ein Chakrayantra zur Bestimmung der Deklination, ein Digamsayantra zur Azimutbestimmung).--Auf dem Wege zum Dasaswamedh Ghat liegt der Tempel des Regengottes Dalbhyeswar, dessen Abbild in einen Wasserbehälter versenkt wird, solange der Gott seine Pflicht versäumt; seine Gefährtin Sitala heilt die Blattern.--Am bequemsten steigt man vom Dasaswamedh Ghat in ein Boot (flacher Prahm mit Stühlen, von etwa sechs Mann gerudert) und läßt sich zunächst eine Strecke stromauf rudern, um die etwa zwei Dutzend Ghats oberhalb von Dasaswamedh Ghat vom Strom aus zu betrachten; unter ihnen gehört das Asi Ghat (das äußerste stromaufwärts, 1. von oben) ebenfalls zu einer der fünf heiligsten Pilgerstätten in Benares. Eins der schönsten und besuchtesten ist das Shivala Ghat (6. von oben); viele Yogin (Dschogin), d. h. brahmanische Büßer (meist mit den Fakiren, den indisch-mohammedanischen Büßern verwechselt), sieht man auf den Badetreppen, deren Bußübungen schon in den Sanskritwerken beschrieben und angeordnet sind. Beim Machan Ghat (9. von oben) ist eine Leichenverbrennungsstätte, die aber weniger berühmt als die unten beschriebene beim Manikarnika Ghat ist.--Beim Kedar Ghat (11. von oben) liegt der Kedarnath-Tempel mit vielen Heiligtümern, dem Brunnen Gauri Kund und dem Mansarovar-Wasserbehälter, umgeben von 60 Heiligenschreinen. Beim Chauki Ghat (12. von oben) werden unter einem Pippalbaum Schlangen verehrt; viele Schlangenbilder ringsum.--Die Stufen des (13. von oben) Chatr Ghat oder Rajah Ghat führen zu einem großen Rasthause für Fremde, vom Rajah Amrita Rao erbaut.--Beim Komeshwar Ghat (14. von oben) steht der Mondtempel, der jede Krankheit heilt. Eine der ältesten Badetreppen ist Chausathi Ghat (20. von oben); die malerischste ist das Munshi Ghat (22. von oben) mit schönem Bau am obern Ende. Dasaswamedh Ghat (s. oben) ist das 25. von oben, stromabwärts daneben liegt Man Nandat Ghat. Wenn Zeit, oder bei zweiter Fahrt fahre man stromabwärts längs der untern Hälfte der Ghats bis zur Schiffbrücke.
[Hand]=Zur Beachtung=: Unmittelbar vor Sonnenaufgang ist die Stromfahrt am lohnendsten, weil dann das Baden und Beten der Büßer und Pilger am lebhaftesten ist, während Vm. die Ghats von Händlern mit Blumen, Obst, Futter (für die heiligen Kühe) etc. besetzt sind. Bei Sonnenaufgang steigen zahllose Brahmanenpriester ins Wasser, dann folgen die Pilger und daran schließen sich Andachten vor den Priestern an; alles feierlich und schön, auch das züchtige Baden der Hindumädchen.
Beim Bachhraj Ghat (27. von oben) ist ein Shivala-Götzenbild, daneben ein Hundebild; ein Brahmane mit Pfauenwedel beschützt durch sein Wedeln die Besucher vor bösen Geistern und fordert dafür Opfergeld. In der Nähe werden täglich Hunde gefüttert, an Festtagen mit Butterkuchen und Zucker. Vom Mir Ghat (28. von oben) aus kann man nur zu Boot den Nepalese-Tempel besuchen; malerisch, aber mit sehr derb-naturalistischen Schnitzereien; viel von Frauen besucht, um Nachkommenschaft zu erbitten. Hinter dem Tempel eine sehenswerte Ringkämpferschule.--Zwischen Lalita Ghat und Jal Sain Ghat (31. von oben) liegt der berühmte =Goldene Tempel=, dem Bisheshwar (Bisheshwar = Herr der Welt) geweiht, einer der ältesten und wichtigsten Tempel für den Lingam-(= Phallus-)Kult zur Ehre Schiwas, dessen Kuppeln mit dünnem Goldblech gedeckt sind, der aber leider in Gassen und Mauern eingebaut ist. Gegenüber dem Eingang verkauft ein Priester Opferblumen; man gebe Bakschisch, wenn er Blumen oder andres als Geschenk überreicht. Der Bisheshwar-Tempel gilt als der heiligste Hindutempel in Indien, weil er an der Stelle steht, wo das Gangeswasser am heiligsten ist.--Neben dem goldenen Turme des Bisheshwar-Tempels steht der rote, kegelspitze Mahadeo-Tempel, umgeben von zahlreichen kleinen Spitzkuppeln, Sikras oder Vimanas genannt, wie sie bei Hindutempeln häufig sind. Zwischen beiden Tempeln hängen neun prächtige Glocken an steinernem Rahmenwerk. Im Hofe auf einer Plattform stehen aufrechte, ziemlich formlose Steinklötze (Lingam), uralte Gegenstände der Anbetung. --Im Viereck zwischen dem Goldenen Tempel und der schönen *=Aurangzeb-Moschee= (*Aussicht von den Minarets, eine steile Mitteltreppe führt bis zum Dache) liegt auch die kleine Aurangzeb-Moschee und der *Brunnen des Wissens, Gyan Kup, in dem Schiwa sitzen soll; ein Götzenbild soll von einem Priester hineingeworfen sein, daher riesiger Pilgerzustrom zu dem stinkigen Wasser; man hüte sich, in das Gedränge von Pilgern, Frauen und Kühen auf der Plattform des Brunnens zu kommen. Interessante Pilgerbräuche sind beim Brunnen zu beobachten. Der Blick in den Brunnen ist nur Hindu erlaubt, und nur barfuß.-- Dicht außerhalb des Goldenen Tempels ist der Sanichar-Schrein und einige Schritte weiter der Tempel der Nahrung spendenden Göttin Annapurna, bei dem sich viele lästige Bettler aufhalten; je ein Schrein des Tempels ist der Sonne, dem Elefanten- und Glücksgotte Ganesh, dem Gauri Shankar und dem Affengotte Hanuman geweiht. --Zwischen diesem Tempel und dem Weissagungstempel, Sakhi Vinayak, ist ein seltsames rotes Standbild von Ganesh mit silbernen Händen und Rüssel auf einer Plattform.--Eins der fünf größten Heiligtümer von Benares, von Hindupilgern stets besucht (am stärksten im November), ist das *=Manikarnika Ghat= (33. von oben); über seiner Treppenflucht steht der Manikarnika-Brunnen, voll fauliger Blumenopfer zum Himmel stinkend, aber von Millionen Pilgern jährlich besucht.--Daneben steht der Tarkeshwara-Tempel und an dessen Wasserseite die größte Leichenverbrennungsstätte von Benares (Anblick und Geruch für schwache Nerven nicht zu empfehlen!), wo ohne Feierlichkeit die Leichen zunächst ans Ufer mit den Füßen ins Wasser gelegt werden, dann von den Angehörigen der (oft nur kleine) Scheiterhaufen errichtet wird.
Sechs Mann der untersten Kaste (Domra, die aber reich werden wegen ihres Monopols des Scheiterhaufenansteckens, wofür sie bis 1000 Rup. Abgabe erhalten) heben auf Bambusstangen den Toten aus dem Fluß, einer flößt ihm den letzten Trunk Gangeswasser ein, dann wird er auf den Scheiterhaufen gelegt und dieser angezündet. Während das Feuer brennt, werden die Körperteile nach Bedarf mit Bambusstangen ins Feuer gestoßen; schließlich wird die Asche, oft auch nur halbverkohlte Stücke, in den Fluß geworfen. Totenkult kennt der Brahmane nicht, die Leiche ist ihm nur unreiner Stoff, der zur Läuterung der Seele von den Elementen vernichtet werden muß. Trotz der Leichenwäsche baden und trinken die Hindu unmittelbar stromabwärts davon im Fluß, weil die Stelle als besonders heilig gilt.
Weiter stromabwärts liegt das allmählich sinkende Sindhia's Ghat (34. von oben); groß und schön ist Ghosla Ghat (37. von oben).-- Oberhalb Panchganga Ghat (39. von oben) erhebt sich die stolze Aurangzeb-Moschee (S. 94), mit zwei Minarets.--Viele heilige Kühe benutzen das Gai Ghat (42. von oben), wo auch ein steinernes Kuhstandbild steht.--Nebenan das Trilochana Ghat soll zwischen seinen Türmchen besonders heiliges Wasser haben.--Das unterste (47.) ist das Raj Ghat, neben der Schiffbrücke.--Von da kann man zu Wagen noch den Palast Nandeshwar Kothi des Maharadschah von Benares (mit hübschem Garten) auf der Rückfahrt durch Grand Trunk Road sehen (historisch merkwürdig).
Vom Affentempel (S. 92) fahre man, falls Zeit genug, in den =Anand-Bagh-Garten=, wo im 19. Jahrh. der Heilige von Benares, Swami Saraswati, lebte, dessen Schüler, gelehrte Panditen, die zu seinen Ehren errichtete Sanskritschule leiten.--Das =Hindu College=, wo Frau Annie Besant ihre Theosophie unter jungen Hindu-Mystikern verbreitete, ist des Besuchs wert; es ist in einem Palast des Maharadschah von Benares.--Auch das christliche Missionswaisenhaus (von einer Deutschen geleitet) wird manchem sehenswert sein.
=Ausflüge=: 1) Nach =Sarnath=, 6,5 km nördl. von Benares, der Stätte, wo die alte Stadt Benares stand und Buddha lehrte; der Weg führt über die Barnabrücke und längs der Ghazipur Road bis zum 3. Meilenstein, dann l.; bald kommen zwei Türme, einer auf einem Hügel, in Sicht. Ein Turm (39 m hoch) liegt in einem frühern Wildpark, wo Buddha mit seinen fünf Jüngern im Beginn seiner Lehrtätigkeit lebte und später (im 11. Jahrh.) ein großes buddhistisches Kloster stand; er ist von Asoka als Tope oder Dhamek Stûpa erbaut und enthält im Innern Buddhabilder und Reliquien; er gilt als besterhaltener Tope in Bengalen. Nicht weit davon ein zweiter Turm (33 m hoch), ebenfalls eine ehemalige Stûpa.--Westl. von Dhamek Stûpa liegt ein Dschaintempel, bei dessen Ostende der Torso eines Buddhagötzen; in der Nähe ein Brunnen, Ranis Bad. In Sarnath finden jetzt Ausgrabungen statt, ein archäologisches Museum ist im Entstehen. --2) Nach =Ramnagar= (dazu vorher Erlaubnis beim Sekretär des Maharadschah einholen) am Gangesufer; beim Ramnagar Ghat Überfahrt über den Strom; vom Palast *Blick auf Benares. Ein Wasserbehälter liegt 2 km nö. vom Palast, daneben ein Tempel.
D. Eisenbahn von Benares nach Calcutta.
487 M (784 km) =East Indian Railway= von Benares bis Calcutta Schnellzug in 14-1/2 St. für I. Kl. etwa 36, II. Kl. 18 Rup.--Die Fahrt geht durch die regenreichen, echt tropischen, äußerst fruchtbaren (vor allem Reis-, Mohn-, Indigo- und Jute-Anbau) und dicht besiedelten, aber auch cholera- und fiebergefährlichen Ebenen Bengalens bis an den Westrand des ausgedehnten Gangesdeltas.
Von Benares, Cantonment Stat., über die prächtige, fast 1,5 km lange stählerne Brücke nach (10 M) Mughal Sarai (Bahnwirtschaft; man erkundige sich, ob Umsteigen nötig); von da nach (149 M) =Bankipur= (52 m; Bahnwirtschaft; guter Dâk Bungalow, nahe Bahnhof), am rechten Gangesufer, mit dem Grab Schah Arganis (wo bei dem Maharremfest 100000 Menschen zusammenströmen); es ist westliche Vorstadt und Sitz der Behörden der großen Handelsstadt =Patna= (53 m; Dâk Bungalow) mit 136470 Einw.; Patna hat neun Geschäftsviertel mit vielen Basaren; Handel mit Opium, Indigo, Töpfer- und Baumwollwaren. Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft in Bankipur. Patna war 450 v. Chr. die wichtigste Stadt Indiens, jetzt schmutzig und eng, ohne Sehenswürdigkeiten.
=Seitentour= nach *=Buddh Gaya=. Mit der Patna Gaya Railway von Bankipur südl. nach (57 M, 92 km) Stat. =Gaya= (Dâk Bungalow, fast 2 km vom Bahnhof, Wagen 2-1/2 Rup. für 1/2 Tag), Stadt mit 71288 Einw.; 5 km östl. vom Bahnhof liegt ein Hindutempel und 2,5 km von diesem der Tempel Bishn Pad (Wischnus Fußtritt) in der alten Stadt. Hauptziel für Buddhaforscher und Archäologen ist der =Tempel von Buddh Gaya= (11 km südl. von der Stadt Gaya), eine neunstöckige Pagode (nahebei ein Dâk Bungalow. Betten, Essen und Sodawasser mitbringen!); er ist 543 v. Chr. erbaut und ist als Wiege des Buddhismus die heiligste Stätte für einen großen Teil der Menschheit; von Pilgern viel besucht. Der Tempel ist voll von Überlieferungen aus dem Leben Buddhas. Man fährt in 2 St. bis vor den Tempel, meist durch schattige Straße; zur Besichtigung etwa 1-1/2 St. erforderlich. Asoka umgab den Tempel mit prächtiger Pfeilermauer (älteste indische Skulpturen: Kentauren, Lotosornamentik, Seejungfrauen, märchenhafte Krokodile mit Elefantenohren, Pferdekopfmenschen). Hinter dem Tempel auf einer Plattform der heilige Bo- oder Pippalbaum (Ficus religiosa). In der Nähe der Palast eines Maharadschah, wo Fremde um 4 Uhr empfangen werden.--Nw. ein kleiner, sehr alter Tempel mit stehendem Buddhastandbild.
Von Bankipur sö. weiter nach (305 M, 490 km) Stat. Madhupur.
Ausflüge von hier ins Parasnath-Gebirge auf tempelreicher Pilgerstraße bis 1365 m ü. M. in malerischer Landschaft mit vielen Aussichtspunkten; Eisenbahn (24 M, 39 km) bis Giridh, dann guter Fahrweg 29 km bis zum Fuß der Berge; Träger zum Aufstieg (2-3/4 St.) sind in Madhuban zu haben.
Dann über (366 M) Stat. Raniganj, am Ostende der großen Kohlenfelder von Bengalen (viele Fossilien, besonders Farren, ähnlich denen in den australischen und englischen Kohlenflözen, sind dort gefunden). --Bei (463 M) Hooghly Junction Station überschreitet die Eastern Bengal Railway auf schöner Brücke den Hooghly-Fluß, während unsre East Indian Railway auf dem rechten Ufer bleibt und über (466 M) Chandernagore (S. 139) und Serampore die Endstation (487 M, 784 km) =Calcutta=, Howrah Terminus (S. 135), erreicht.
4. Von Bombay nach Madras.
Vgl. die Karte S. 96.
=Eisenbahn= von Bombay nach (793 M, 1278 km) Madras: Great Indian Peninsula Railway und Madras and Southern Mahratta Railway nächster Weg; Schnellzüge (mail trains) mit durchgehenden Wagen I. und II. Kl. in 32 St. für I. Kl. etwa 59, II. Kl. 29-1/2 Rup.
Die Bahnstrecke führt in sö. Richtung quer durch das südl. Dekhan, dessen Aufbau man gut verfolgen kann: die schmale westl. Küstenebene, den hohen gebirgsartigen Westrand, das langsam gegen O. sich senkende Hochland, das keinen eigentlichen Gebirgscharakter trägt, und den im Verhältnis zu den Westghats niedrigen Ostrand, dem aber eine breite Küstenebene vorgelagert ist.--Der Einfluß der wechselnden Niederschlagshöhen macht sich in der Vegetation geltend, die am üppigsten an den feuchten Westghats, auf dem Hochland aber streckenweise beinahe steppenartig ist.
Von Bombay (S. 53), Victoria Stat., bis (34 M) Kalyan s. S. 61; hier zweigt die Madraslinie sö. ab, erreicht (54 M) Neral (gute Bahnwirtschaft mit Bädern etc.).
=Kleinbahn= von Neral in 2 St. nach (13 M) *=Matheran= (Gasthöfe: Rugby Hotel, in freier Lage; Gymkhana Hotel, mit schöner Aussicht; Granville Hotel; Reitpferde zu haben), 800-1100 m ü. M.; sehr lohnender und beliebter Ausflug von Bombay, vgl. S. 63 (im Sommer Sa. bis Mo. stark besucht), bewaldetes Hochland mit prachtvollen Ausblicken auf wilde Felspartien, in die Ebene und bis zum Meer. Schönste Punkte: *Panorama Point im N., *Chaux Point im S.; außerdem lohnend zu besuchen: Louisa Point und Alexandra Point.
Nun steigt die Bahn nach Maschinenwechsel bei (62 M) Karjat das Bore Ghat (550 m; Wasserscheide) steil (1:42 bis 1:37) hinauf durch schöne Gebirgslandschaft (bei Tage fahren!). Bei 410 m ü. M. hält der Zug, um die Maschine ans andre Ende zu setzen, und erreicht dann (78 M) Stat. =Khandala= (550 m; Dâk Bungalow am Rande der Schlucht; Glendale Hotel, gut; Khandala Hotel; Convalescent Hospital der All Saints-Schwestern), schöne Sommerfrische (Wasserfall von 90 m Höhe, sehr schön in der Regenzeit) der reichen Bewohner Bombays. Nahebei liegt (80 M) =Lonauli= (Lanauli oder Lonavla; Bahnwirtschaft; zwei Gasthöfe 5 Min. vom Bahnhof), der Platz, von wo man nach dem Höhlentempel von Karli in Tonga fährt.
Der *=Höhlentempel (Karli Cave)=, einer der größten und besterhaltenen Indiens, ist in eine fast senkrechte, über 250 m hohe Felswand 38 m tief hineingearbeitet; er liegt etwa 3,5 km nw. vom Dâk Bungalow und 11 km vom Bahnhof Karli (ebenso weit vom Bahnhof Lonauli). Der Bau erinnert sehr an frühchristliche Kirchen mit Chor etc.; er ist wahrscheinlich um 200 v. Chr. errichtet und künstlerisch ausgeschmückt.-- 5 km südl. vom Karli-Bahnhof liegen die alten Hügelfestungen Lohogarh und Visapur.--Andre sehr alte Höhlentempel liegen 3 km südl. von Karli in Bhaja und in Bedsa, 9 km östl. von Bhaja.
Von Lonauli mit der Hauptbahnlinie über (85 M) Karli (Dâk Bungalow) durch malerische Landschaft mit blühenden Dörfern.-- (119 M) =Poona=, Puna (554 m; Connaught Hotel, bestes; Royal Family Hotel; Napier Hotel und Poona Hotel; Bombay Bank; Droschken nach Tarif; Automobile nach Mahabaleshwar der West India Motor Co., 3 Pers. 75 Rup., 6 Pers. 120 Rup.; Zeitung: »Deccan Herald«; Photographen: Metzker, Stewart; europäische Geschäfte; Western India Club u. a.), ein Hauptsitz der Brahmanenkaste, mit Angehörigen über ein Drittel der einheimischen Bevölkerung), alte Mahrattenhauptstadt, jetzt Residenz des Gouverneurs von Bombay während der Regenzeit und das größte Militärkantonnement für die Bombay-Armee, seitdem die Pest in Bombay herrscht (ist aber auch nicht pestfrei), hat 157666 Einw., berühmte Gold- und Silberarbeiten; auch Fächer und Tonfiguren sind zu kaufen.
=Ausflüge=: 1) Mit Wagen (sehr anstrengend) nach (24 km sw.) =Sinhgarh=, einer berühmten Hügelfeste in schöner Landschaft.--2) Nach *=Mahabaleshwar=. Mit Auto (s. unter Poona) oder der »Southern Mahratta Railway«, die bei Poona abzweigt, bis (109 km) Stat. Wathar (Bahnwirtsch., Mittagessen vorausbestellen!); von da mit vorausbestelltem Wagen (beim Postagenten in Mahabaleshwar für 20-30 Rup.) in 5 St., schöner, doch sehr anstrengender Bergweg; durch (29 km) Wai (guter Dâk Bungalow), schönes Landstädtchen mit riesigem Banyanbaum in 13 km Entfernung am Fuße des Hügels Wairatgarh (der 30 Ar Schatten wirft); dann ins Gebirge steigend durch das große, von Europäern viel bewohnte Dorf Panchganni nach (64 km) *=Mahabaleshwar= (1438 m; Race View Hotel, Pens. 7 Rup.; Fountain Hotel, ebenso, beide gut, *Aussicht; Mahabaleshwar Hotel; Ripon Hotel; Klub mit Schlafgelegenheit; Postagent [Mail Contractor] Ardeshir Framjee, in Poona Civil Lines), eine gesunde und regenreiche Sommerfrische; in der Nähe die Yena-Wasserfälle und die *Aussichtspunkte Lodwick Point und Elphinstone Point. An letzterm stürzt der Felsen etwa 600 m sehr steil zum Tiefland ab. Prachtvoller Ausblick gegen Sonnenuntergang auf die wilde Felslandschaft und das Meer.
Ausflug von Mahabaleshwar nach Pratabgarh; hübsche Fahrt 10 km zum Fuß des Felsenhügels, dann steiler und schwieriger Aufstieg zu der malerischen Burg des Mahrattenkönigs Shivaji; Pratabgarh ist um 1656 erbaut.
Von Poona führt die Eisenbahn weiter durch bergige Gegend über (283 M) Stat. =Sholapur= (483 m; Dâk Bungalow), Stadt mit 55212 Einw., nach (292 M) Hotgi Junction Station.
=Seitentour= mit der »Southern Mahratta Railway« nach (59 M, 95 km) Stat. *=Bijapur=, Vidjajapura im Sanskrit = Siegesstadt (510 m; Dâk Bungalow, in der Stadt; Bahnwirtsch.; Tongas 2 Rup. für 1 Tag), Distriktshauptort mit 17000 Einw. Bijapur, eine uralte Siedelung, gelangte erst unter den Fürsten der Adil Shahi-Dynastie (1489-1686) zu hoher Blüte als Millionenhauptstadt, die in ihren hohen Steinmauern einst 1600 Moscheen und viele prächtige Paläste einschloß; begründet 1489 vom Adil Shah Jusaf Khan, verlor sie die Selbständigkeit durch den Mogulkaiser Aurangzeb. Sehenswert der runde Dom Gol Gumbaz dicht beim Bahnhof (innerhalb der Stadtmauer; seine Grundfläche ist größer als die des Pantheon in Rom); die Hauptmoschee Jama Masjid; ferner das Schloß Gagan Mahal und das Mausoleum (Ibrahim Roza) von Ibrahim II. Adil Shah nebst Königin Taj Sultana, ein großes Fort mit 109 Türmen innerhalb der Ringmauer, u. a. Die Umgebung der Stadt ist sehenswert.
Hinter Hotgi tritt die Bahn in das Gebiet des größten Vasallenstaats des britisch-indischen Kaiserreichs, in das Reich des Nizam von Hyderabad (11-1/2 Mill. Einw., 82000 engl. QM.; die Dynastie regiert seit 1740), und führt durch gutbewässerte Ebenen über die Stadt (353 M) Gulbarga (Dâk Bungalow) nach (376 M) Wadi Junction Station (427 m; Bahnwirtsch.); Umsteigen in die »Nizam's State Railway« und über (420 M) Stat. Tandur (Bahnwirtsch.) nach (491 M) =Hyderabad=, Haidarabad (620 m; Bahnwirtsch.; Montgomery Hotel, gegenüber dem Bahnhof, gut, Pens. 7 Rup.; Brind's Hotel, Pens. 7 Rup.; wegen Hotelwagen vorher vereinbaren; Droschken nach Secunderabad I. Kl. 1 Rup. die Stunde, 9 Rup. den Tag, II. Kl. 4-1/2 Rup. den Tag), Hauptstadt des Nizam mit 499840 Einw. sehr verschiedener Völkerschaften (Hauptsprachen: Telugu und Mahratti, außerdem hört man Kanaresisch, Hindustani, Hindi, Marwori, Gondi u. a.) und dem buntesten *Straßenleben von malerischstem Reiz, mit beachtenswerten *Basaren (Bidriwork, d. h. Silbereinlegearbeit aus Bidri). Die Bevölkerung trägt noch Waffen. Die Stadt liegt am Musi-Flusse zwischen Gärten und ist mit einer bastionierten Mauer umgeben. Im Herbst 1908 wurde die Stadt durch Überschwemmung des Flusses infolge von Dammbrüchen der oberhalb gelegenen Stauseen schwer geschädigt. Baumwoll- und Papierfabrikation bedeutend. Bank of Bengal (Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft).--=Rundfahrt.= Zum Besuche der Sehenswürdigkeiten in Hyderabad und Golkonda hole man (vor der Rundfahrt morgens im gewöhnlichen Anzug) bei der Palastwache am Palast des Nizam einen Erlaubnisschein der Adjutantur Sr. Hoheit des Nizam; der Besuch gilt dem Flügeladjutanten (Empfehlungen sind wertvoll); gewöhnlich schickt der Adjutant den Paß durch einen Soldaten; man kann auch durch die Hotels Erlaubnisscheine auswirken. Die englische Residency liegt außerhalb der Stadtmauern in Chadar Ghat; zwischen ihr und der Stadt ist eine 180 m lange Granitbrücke, die Oliphant Bridge. Man kreuze den Fluß über die nächste nach W., die Afzal Ganj Bridge, dann gelangt man durch das Afzal Ganj Gate in eine breite Straße, die fast durch die ganze Stadt führt. In der Nähe des Tores liegt die Afzal Ganj-Moschee mit vier Minarets neben dem städtischen Hospital; etwa 100 m innerhalb des Tores ist der Palast des berühmten Ministers Sir Salar Jang Bahadur (gest. 1883), der dem Lande viel genützt hat.--Weiter in der Hauptstraße trifft man an einer Straßenkreuzung, wo jede Straße mit einem 15 m hohen Bogen überwölbt ist, auf den Char Minar, eine alte Gelehrtenschule mit vier schlanken Minarets, 1591 erbaut.--Östl. davon liegt die Mecca-Moschee, groß und finster, mit vier Minarets und sechs Bogen.--Der Nizam's Palast liegt westl. vom Char Minar; er ist modern eingerichtet und reichlich mit unzugänglichen, durch sechsfache konzentrische Einfriedigung von der Stadt getrennten Harems versehen, und noch reichlicher mit Dienerschaft. Man besuche den Elefantenhof, wo meist etwa 60 Elefanten angefesselt stehen. Am 5. Muharreni (erster Monat des mohammedanischen Jahres) findet der Langar, ein Umzug der gesamten Truppen des Nizam um den Palast, statt (der Nizam und gegen 100000 Einw. der Hauptstadt sind Mohammedaner). --Sehenswerter ist der Felikan-Palast (Falak Numa), 1 km südl. von der Stadt, mit reizendem Terrassengarten, auf einem Hügel mit *Aussicht; es ist ein moderner Prunkbau zur Aufnahme fürstlicher Besucher (im Innern ein Saal mit Lachspiegeln).--Öffentlicher Garten mit kleinem Zoologischen Garten (Fr. Abend Konzert).
10 km nördl. von Hyderabad (Bahn dahin) liegt =Secunderabad=, Sikanderabad (Montgomery Hotel, sehr gut, Pens. 7 Rup.; Brind's Parade Hotel; Wagen 10 Rup. für 1 Tag, nach Golkonda und zurück 12 Rup.), das stärkste Militärlager der Engländer im mittlern Indien, weitläufig auf 50 qkm angelegt; mehrere Kantonnements sind in der Nähe in Bolaram und Trimalgiri (mit befestigtem Rückzugslager). Hier stehen etwa 10000 Mann englische Truppen. Der Parade Ground liegt südl. vom Bahnhof.
=Ausflug= nach =Golkonda=, 11 km nw. von Hyderabad. (Man besorge sich vorher Erlaubnisschein, s. oben.) Von Secunderabad 1-1/2 St. Wagenfahrt durch eine Gegend voller einzelner, oft seltsam geformter Granitblöcke. Ein Granithügel trägt das alte Königsschloß von Golkonda, durch eine 4850 m lange Mauer mit über 80 Basteien aus Granitblöcken und 2, früher 8 Toren, von breitem Graben umschlossen. Im Granittor prüft die Wache den Erlaubnisschein, dann führt eine steile, zum Teil zerfallene Treppe zwischen Ruinen von Palästen und Moscheen zum 130 m hohen Gipfel, auf dem der Königspalast mit flachem Dach (Aussicht) liegt.--In der Ebene nördl. und östl. vom Schloß liegen 18 gut erhaltene, granitene Mausoleen der Kutab Shahi-Dynastie mit stattlichen Kuppeln; eins der höchsten ist das der Sultanin Haiyat Baksh Begum (gest. 1617). Schöner ist das Grab ihres Mannes, des Sultans Muhammad Kuli Kutab Shah (gest. 1612).
Von Hyderabad Rückfahrt mit »Nizam's State Railway« nach (121 M) Wadi (S. 98), dort umsteigen in den Madraszug der »Great Indian Peninsula Railway«. Man fährt dann durch eine weite Ebene mit Granitblöcken über (385 M von Bombay) Nalwar und auf 1170 m langer Brücke über den Fluß Kistna, südl. von (427 M) Krishna, nach (443 M) Raichur (400 m; Bahnwirtsch., Dâk Bungalow), Stadt aus dem 14. Jahrh., mit sehenswertem Nord- und Westtor; von der hohen Zitadelle *Aussicht. Hier beginnt die »Madras Railway«; sie führt über (486 M) Stat. Adoni, uralte Stadt aus dem 10. Jahrh. v. Chr., mit dem größten Baumwollenmarkt im Dekhan, und über den wichtigen Bahnknotenpunkt (518 M) Guntakal (Bahnwirtschaft), dann vorbei an der Hügelfestung südl. (r.) von (536 M) Gooty (Bahnwirtschaft), ferner über die Stationen (566 M) Tadpatri und (632 M) Cuddapah (beide mit Bahnwirtschaft) nach
(710 M) Renigunta (im Bahnhof Wirtschaft und Schlafzimmer, vorher brieflich beim Station-Master anzumelden!).
=Kleinbahn= von Renigunta nach (13 km) =Tirupati= (Dâk Bungalow), Stadt mit 14000 Einw., stets mit Pilgern gefüllt. Etwa 13 km vom Bahnhof steht auf dem siebengipfeligen heiligen Hügel Tirumala (760 m) eine sehr alte Pagode (die heiligste Hügelpagode in Südindien). Der Aufstieg ist schwierig. Der Nordaufstieg führt vom Dorfe Balapilli durch dicke Dschungeln und über Hügel, wo Tiger und Panther vorkommen sollen. Auf dem 7. Gipfel, Sri Venkataramanachellam, erhebt sich die Pagode zwischen Mango-, Tamarinden- und Sandelholzbäumen (Eintritt ist für Europäer nicht erlaubt). Hier auch ein Bungalow für europäische Besucher.
Von Renigunta führt die »Madras Railway« über den Knotenpunkt (751 M) Arkonam (Bahnwirtschaft) nach (793 M, 1278 km) Madras.
Madras.
Vgl. den Plan S. 101.
=Ankunft zur See.= Der auch beim besten Wetter stark brandende flache Strand ist eingefaßt mit europäischen Häusern, die sich vom Grün der Gummibäume, Bananen, Palmen, Banyanbäume malerisch abheben. Die Dampfer ankern im Hafen; die Landung geschieht in flachen Booten, sogen. Masulas; Taxe 2-1/2 Rup., für Jollen 1 Rup. Die Boote landen an der Landungsbrücke. Hafengeld für Gepäck 1 Rup. pro Tonne, mindestens 4 annas, Tragelohn für jeden Kuli 2-4 annas. Zollabfertigung im Zollamt am Hafen.
=Ankunft am Bahnhof.= Von Colombo über Tuticorin kommend, steigt man am Hauptbahnhof der South Indian Railway, Egmore Stat., aus, Bahnwirtschaft; von Bombay kommend, steigt man an der Central Station der Madras and Southern Mahratta Railway aus; beide Bahnhöfe liegen 1,5 km voneinander. Von Calcutta Ankunft auf der Central Station.
=Gasthöfe=: Hôtel d'Angelis, Mount Road; 40 Z., Pens. 10 Rup., gut, neu eingerichtet, beste Küche.--South Indian Railway Hotel, mit dem Bahnhof verbunden; 80 Z.--Spencer's Hotel, Mount Road; Pens. 10 Rup.-- Connemara, mäßig.--Prince of Wales, Pens. 6 Rup., in guter Lage dicht an der Mount Road.--Victoria, Pens. 6 Rup.--Elphinstone Hotel.--Elphinstone Branch Hotel (Egmore) u. v. a.-- NB. Die Häuser am Hafen in der »George Town« sind nicht zu empfehlen! Tägl. Pens. 5-10 Rup.--=Restaurant=: D'Angelis, Mount Road, gute Küche, auch Zimmer.
=Post.= Hauptamt (General Post Office) in George Town, nahe dem Hafen; ein andres Amt etwa 1/2 km westl. vom Connemara Hotel. NB. Man gebe Briefe eigenhändig am Postamt auf. --=Wagen.= Wegen der großen Entfernungen auch innerhalb der Stadt miete man für den ganzen Tag.-- =Straßenbahnen= (elektrische) zwischen den Vorstädten und den Hauptpunkten der alten Stadt.
=Eisenbahnen=: South Indian Railway (Egmore Station) nach Tuticorin (und Colombo); Madras and Southern Mahratta Railway (Central Station u. a.) nach Bangalore, Goa, Poona, Hyderabad, Bombay (S. 100-96); nach Calcutta (S. 135).
=Dampfer=: Österreichischer Lloyd, monatl. nach Colombo und Calcutta; Agentur: Volkart Brothers; auch für Messageries Maritimes;--nach Colombo und Calcutta: British India Steam Nav. Co., wöchentl., Agentur: Binny & Co.; nach Rangoon und Singapore dieselbe wöchentl.;--nach Penang und Singapore: British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage.--Agent des Norddeutschen Lloyd: Carl Simon Söhne.
=Banken=: National Bank of India Ltd., I. Line Beach, Korr. der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--Chartered Bank of India, Australia & China, Esplanade.--Mercantile Bank of India Ltd., Armenian Street. Alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.-- =Reisebureau=: Binny & Co.--=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul M. Miersch.--Österreich-Ungarn, Konsul E. Steiner.--=Polizei=: Egmore Police Court, Pantheon Road.
=Ärzte=: Dr. Niblock; Dr. Giffard; Dr. Robertson.--=Zahnärzte=: Badcock; P. Furnival.--=Apotheken=: Smith & Co., Mount Road und Esplanade; Maclure, Mount Road, u. a.--=Krankenhaus=: General Hospital, nahe Central Station.
=Buchhandlungen=: Higgenbotham & Co.; Combridge & Co., beide Mount Road.--=Photographien=: Wiele & Klein; Del Tufo, beide Mount Road.
=Geschäftsadressen=: Optiker: W. E. Smith & Co.; Lawrence & Mayo, beide Mount Road.--Kleidermacher: Moses & Co.; Smith & André; Oakes & Co., sämtlich Mount Road.--Reiseartikel: Spencer & Co.--Juweliere: Orr & Sons; T. R. Tawker & Sons, beide Mount Road.--=Zeitungen=: Madras Mail; Madras Times; Hindu; Madras Standard.
=Zeiteinteilung.= Für die Stadt Madras, Museum, Botanischer Garten und Marina genügt 1-1-1/2 Tag. Madras ist aber ein guter Platz, um die südindischen Tempelanlagen in Trivalur, Conjeeveram, Mahabalipuram, Tanjore (S. 127) sowie die Nilgiri-Berge (S. 128) zu besuchen.
=Geschichte.= Fort St. George in Madras wurde 1639 von den Engländern erbaut; die Agentur der Englisch-Ostindischen Kompanie wurde 1653 Präsidentschaft; die Stadt hatte Anfang des 18. Jahrh. schon etwa 300000 Einw., wurde 1746 von La Bourdonnais erobert, fiel aber im Aachener Frieden 1748 wieder an England zurück. In den Kriegen gegen Haidar Ali wurde Madras hart bedrängt, entwickelte sich später aber zur dritten Handelsstadt Ostindiens.
=Klima.= Im Sommer heiß und trocken, aber ungefährlich, im Winter gesund. März bis Oktober, wo der SW.-Monsun weht, sind heiß und trocken, Regenzeit im NO.-Monsun, Oktober bis Dezember. Das Einsetzen des NO.-Monsuns Mitte Oktober ist meist von heftigen Stürmen begleitet. Heißeste Monate sind Mai und Juni (Mitteltemperatur etwa 31,5° C), kühlste (aber nicht kalt) Dezember bis Februar (Mitteltemperatur etwa 24,3° C). [Hand] Man trinke kein Leitungswasser, sondern nur Sodawasser!
=Madras= (Madrissa, d. h. Hochschule, oder Mandar-raj, von den Eingebornen Chennapatnam genannt), Hauptstadt der Presidency of Madras (of Fort St. George), wichtigster Platz an der Koromandelküste und drittgrößte Seestadt Indiens, hat 517335 Einw. und ist Sitz des Gouverneurs. Die Stadt zieht sich 15 km am flachen Strande hin und ist mit den Vorstädten 6 km breit. In der Mitte des Strandes liegt das alte Fort St. George (auch White Town genannt), worin das Grand Arsenal mit historischer Waffensammlung, ferner die Kasernen der europäischen Truppen, die St. Mary's Church und die Regierungsgebäude. Die Esplanade trennt das Fort von der George Town, dem Eingebornenviertel und Geschäftsviertel mit engen, schmutzigen Straßen; davor am Strande liegt der durch zwei Wellenbrecher gebildete Hafen mit Zollamt, Hafenamt, Postamt, Bank of Madras, Geschäfts- und Warenhäusern. Auch größere Schiffe können jetzt nach Umbau des Hafens in diesem ankern.--Südl. vom Fort zieht längs des Strandes die Hauptpromenade, The Marina, hin, die auf der Napier's Bridge über den Cooum-Fluß führt; hinter der Marina liegt etwa 1 km sw. vom Fort das Government House (Palast des Gouverneurs) mit Park und südl. davon der Chepauk Park, mit dem alten Palast der Nabob von Karnatik, jetzt Board of Revenue.--Westl. vom Fort liegen das Pacheappah's College, eine Stiftung des reichen Hindu Pacheappah Mudelliar, ferner das General Hospital.--Westl. von der Central Railway Station ist der schöne öffentliche People's Park, ein Volkspark mit Musikpavillon, Tennisplätzen und Tierkäfigen.--Vom Government House führt die 11 km lange Mount Road, die Hauptstraße für europäische Geschäfte, sw. nach St. George Cathedral, neben der der kleine, aber schöne *Botanische Garten liegt, und weiter nach Little Mount, wo der heilige Thomas den Märtyrertod erlitten haben soll, und schließlich nach dem etwas größern Hügel St. Thomas Mount oder Great Mount, auf dessen etwa 90 m hohem Gipfel eine alte, jetzt armenische Kirche (1547 von Portugiesen erbaut) steht; in ihr ein 1111 Jahre altes nestorianisches Kreuz mit Inschrift von 801.--In der katholischen Kathedrale St. Thomé am Südende der Marina sollen die Gebeine des heiligen Thomas ruhen.--In der Pantheon Road liegt das Museum, daneben das Victoria Technical Institute (s. unten); 1,5 km westl. davon das 1792 gegründete Madras Observatory (Sternwarte), wo der Nullpunkt der trigonometrischen Aufnahme Indiens ist, und wo die Standard Time (die indische Ortszeit) bestimmt wird.
=Rundfahrt=. Morgens zunächst durch das Fort St. George, dessen Waffensammlung im Grand Arsenal nur für Kenner Interesse bietet, über die Esplanade nach dem Hafen (sehenswerte Landungsbrücke), von da nach dem People's Park, wo man die Tigerkäfige und Markthalle besichtigt. Dann nach der Pantheon Road zum *=Government Central Museum=, tägl. geöffnet 6-1/2 Uhr früh bis 5 Uhr abds. (der erste So.-Nm. im Monat nur für eingeborne Frauen!); es enthält unter anderm eine gute Sammlung von Rohstoffen und fertigen Erzeugnissen des Chinin sowie von südindischen Pflanzenfarbstoffen; ferner südindische ethnographische Altertümer; große Sammlung von Gipsmasken indischer Rassen und naturhistorische Sammlung. Dann in das *=Victoria Technical Institute=, einen schönen mohammedanischen Bau, tägl. geöffnet von 7-1/2 früh bis 6 Uhr abds. (außer Di.), staatliche Verkaufsstätte für alle Kunstprodukte Südindiens, auch für gute und preiswerte Antiquitäten. Dann durch Harris Road und über Harris Bridge zur Mount Road, an deren Ecke in prächtigem Park (mit Rudeln halbzahmer Gazellenantilopen) das Government House liegt; nun sw. durch den mit europäischen Geschäften besetzten Teil der Mount Road, vorbei an der Statue des Generals Neil vor dem Eingang zum Klub, an der St. George Cathedral (l.) vorüber zum *=Botanischen Garten=, neben der Kathedrale, nicht sehr groß, aber recht geschmackvoll angelegt, mit von Schlingpflanzen umrankten Lusthäuschen und schilfumsponnenen Teichen, auf denen prächtige Lotos und Victoria Regia blühen. Viele seltene Prachtbäume, Hibiscus tiliaceus, Pompelmus, Teakbaum u. v. a.--Wenn Zeit vorhanden, fahre man über Little Mount bis Great Mount (s. oben) und durch den Ort Mailapur (St. Thomé), mit vielen indischen Tempeln und nur von Brahmanenpriestern und ihren Familien bewohnt, richte sich aber so ein, daß man vor 1/2-5 Uhr Nm. bei der St. Thomé Cathedral am Strand ist, um von da nordwärts auf die zwischen 5 und 6 Uhr abds. belebte Promenade am Meer, die *Marina, zu fahren und dabei auch den an Gazellen reichen Chepauk Park zu besichtigen. Man kann auch vom Botanischen Garten direkt durch die Cathedral Road nach der Marina gelangen. An der Marina liegt auch ein kleines, aber sehenswertes Aquarium mit farbenprächtigen und merkwürdigen Fischen.
=Ausflüge= (alle landschaftlich wenig lohnend, aber zu interessanten Kunstdenkmälern führend): 1) Nach =Trivalur= (Trivellore) mit »Madras and Southern Mahratta Railway« (26 M in 1-1/2 St.) zum Besuch einer großen Tempelanlage mit 5 äußern und 2 innern Gopuras, einer unvollendeten 1000-Säulenhalle (688 stehen noch) und vielen sehenswerten Heiligtümern.
2) Nach =Conjeeveram= (das südindische Benares) mit derselben Bahnlinie (in 3 St. über Arkonam), eine der 7 heiligen Städte, mit 40000 Einw.; 3 km vom Bahnhof liegt der Ekambarah Swami geweihte große Saiva-Tempel, an dessen Südseite eine 57 m hohe zehnstöckige Gopura, durch die man eintritt; innen l. eine 1000-Säulenhalle (nur noch 540). Außerhalb der Umfassungsmauer nach O. ist ein hoher kunstvoller Wagen mit schweren Holzrädern. In das Allerheiligste (Vimanah) darf kein Europäer, kann sich aber an den Naúch-Tänzerinnen in nächster Nähe ergötzen. Etwa 3 km weiter liegt der Wischnutempel in Little Conjeeveram, in dem man die kostbarsten Geschmeide und mit Edelsteinen besetzte Goldketten der Statuen der Gottheiten besichtigen kann. (Wer Madura und Trichinopoly gesehen, kann sich diese beiden Ausflüge sparen.)
3) Nach *=Mahabalipuram=, sehr lohnend; man lasse durch den Hotelbesitzer die Fahrt sowie Ausrüstung mit Lebensmitteln gut vorbereiten. Mahabalipuram (guter Dâk Bungalow) liegt am Meeresstrande, etwa 56 km südl. von Madras. Man fährt (NB. mit gut gefülltem Frühstückskorb!) zunächst mit Wagen bis (9 km) Guindy Bridge, nahe Little Mount; von dort fährt man in Booten (jedes Boot etwa 10 Rup., trägt 2 Reisende ohne Diener) auf dem Buckingham Canal 12-14 St., am besten nachts, bis gegenüber vom Dorfe Balipitham. Man kann auch von Madras (Egmore Station) mit der South Indian Railway nach (35 M) Chingleput (guter Dâk Bungalow) fahren, vorher den Station-Master benachrichtigen, der das Nötige bestellt; man fährt von Chingleput mit Tonga (2-1/2 Rup.) über Tirukalikundrum zum Kanal und von da mit Boot weiter. Man steigt an der Ostseite des Kanals aus, wo sich aus dem flachen Strandgürtel ein niedriger Rücken Gneisfelsen erhebt. Dort liegen, aus dem Stein gehauen, die berühmten *=Sieben Pagoden= (Seven Pagodas), teils sehr alte Nischentempel, reich mit Skulpturen geschmückt, dann auch freistehende Pagoden und kolossale Skulpturmonumente (Elefanten, Affen und andre Tiere). Hier ist die ganze Brahminenlehre in Stein dargestellt, zum Teil in weit über ein Jahrtausend alten Denkmälern. Die ganze Anlage war eine uralte Brahminen-Freistätte, wie sie (nach W. Gallenkamp) rätselhafter und weniger bekannt nirgends in Indien anzutreffen ist. Bootsrückfahrt am besten wieder nachts, wobei man sich gegen Moskitos mit Netz und Rauch schütze.
4) Nach =Ootacamund= (sehr lohnend), s. S. 128.
5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo.
Die Insel Ceylon.
Vgl. die Karte S. 107.
A. Von Genua oder Neapel nach Colombo.
=Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd= (abwechselnd von Bremerhaven oder Hamburg ausgehend, über Rotterdam, Antwerpen, Southampton, Gibraltar in 14 Tagen nach Genua) gehen jeden zweiten Do. von =Genua= (Lloyd-Expreß, s. S. 9), dann über (336 Seem.) Neapel, (1446 Seem.) Port Saïd und den Suezkanal in 17 Tagen (von Neapel) nach (4934 Seem.)
=Colombo= (Ankunft So. oder Sa.). Die Schiffe gehen weiter nach Singapore, Hongkong, Schanghai, Nagasaki oder Tsingtau, Kobe und Yokohama. Fahrpreis von Bremen oder Hamburg nach Colombo I. Kl. 1170 M., II. 765, III. 405 M. (hin und zurück I. Kl. 1760 M., II. 1145, III. 605 M.); von Genua oder Neapel I. Kl. 1080 M., II. 720, III. 360 M. (hin und zurück I. Kl. 1625 M., II. 1080, III. 540 M.; Näheres s. neuestes Handbuch der Reichspostdampferlinien des Norddeutschen Lloyd, erscheint zweimal jährlich).
Die Reichspostdampfer laufen von Neapel (S. 23) in 4 Tagen nach (1110 Seem. von Neapel) Port Saïd (S. 25), dann durch den Suezkanal über (1197 Seem.) Suez und durch das Rote Meer, wie S. 31 u. 36 beschrieben, nach (2505 Seem.) Aden (S. 38); von da mit östl. Kurs durch den Golf von Aden; die Reichspostdampfer nehmen dann den stets sichern Weg nördl. um die Insel Sokotra (S. 41), die nicht immer in Sicht kommt (sie hat keine Leuchtfeuer), während einzelne andre Dampfer Kap Guardafui (Râs Assir), dessen Abhänge von O. gesehen einem schlafenden Löwen gleichen, ansteuern und dann südl. von den kleinen Inseln und Sokotra auf die Südspitze Vorderindiens, Kap Comorin, zusteuern. Die Reichspostdampfer laufen mit OSO.-Kurs meist durch den Neungrad-Kanal nahe nördl. an der Koralleninsel Minikoi vorbei, deren Leuchtturm eine gute Landmarke ist; oder auch durch den Achtgrad-Kanal südl. von Minikoi (vgl. die Karte bei S. 96). Nachts sind nahe über dem südl. Horizont die schönen Sternbilder des Südlichen Kreuzes sowie des Schiffs zu sehen. Dann südl. vom Kap Comorin entlang. Bei der Annäherung an Colombo begegnet man zuweilen schon den einfachen Fischerbooten mit viereckigen Segeln und Ausliegern, ehe die schönen Berglinien der Küste von Ceylon auftauchen; später sieht man dunkleres Vorland. Die große Hafenstadt erkennt man früher an den vielen Schiffsmasten und Schornsteinen als an den Häusern, die größtenteils zwischen üppigem Pflanzenwuchs (namentlich Kokospalmen) verborgen liegen. Der hohe Leuchtturm und der Palast des Gouverneurs südl. davon sind deutlich zu erkennen. Charakteristisch ist schon von weitem der 2241 m hohe Adamspik östl. von Colombo.--(4934 Seem. von Genua, 7570 Seem. von Bremerhaven) Colombo; Ankunft s. S. 110.
B. Von Marseille nach Colombo.
=Messageries Maritimes=, jeden 2. So. von Marseille (S. 24) über (1510 Seem.) Port Saïd und (1597 Seem.) Suez, abwechselnd über (2881 Seem.) Djibouti (S. 36) oder über Aden nach (5098 Seem.) Colombo in 16 Tagen. Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem Österreichischen Lloyd s. S. 22. (Die Dampfer gehen weiter nach Singapore, Hongkong, Schanghai, Yokohama.)
=Peninsular and Oriental Co.=, von Marseille jeden 2. Fr. über Port Saïd und Aden nach Colombo in 15 (von Brindisi in 13) Tagen; Fahrpreis ab Brindisi I. Kl. 48 £. (Die Schiffe gehen weiter nach Australien.)
=Orient Line= jeden zweiten Do. von Marseille über Neapel, Port Saïd, Suez nach Colombo in 17 Tagen. Fahrpreis ab Neapel I. Kl. 34-48 £ (weiter nach Australien).
C. Von Brindisi nach Colombo.
=Expreßdampfer der Peninsular and Oriental Co.= (vgl. S. 23) haben in Port Saïd Anschluß an die von Marseille (s. oben B.) kommenden Dampfer derselben Gesellschaft, mit denen Colombo in 13 Tagen erreicht wird.
D. Von Triest nach Colombo.
=Österreichischer Lloyd= (vgl. S. 22), am 12. und 25. jedes Monats über (1305 Seem.) Port Saïd, Suez (2700 Seem.), Aden, dann abwechselnd über Karachi oder Bombay in etwa 30 Tagen nach Colombo. Fahrpreis: Salonklasse 36 oder 32 £, Intermediate Kl. 26 £. Umtauschbare Rückfahrkarten mit den Messageries Maritimes (S. 22) mit 24 Monaten Gültigkeit.--Diese Lloyddampfer gehen weiter abwechselnd über Madras, Rangoon nach Calcutta oder über Penang, Singapore nach Hongkong, Schanghai, Yokohama, Kobe.
Die Insel Ceylon.
=Ceylon= (im Sanskrit Singhala [»Löwenwohnort«], bei den Eingebornen Lankadiva, arabisch Serendib), britische Insel im Indischen Ozean, an der Südspitze von Vorderindien, von dem sie durch den Golf von Manár und die 93 km breite Palkstraße getrennt wird, ist von N. nach S. 445 km (München-Magdeburg) lang, bis 235 km (Ulm-Passau = 250 km) breit und 66000 qkm (Bayern 76000 qkm) groß. Ceylon besteht in seinem südl. Hochland aus denselben alten Gesteinen wie das Dekhan und bildete wohl, bevor das dazwischenliegende Landstück in die Tiefe sank, einen Teil des Kontinents, nach dem jetzt wieder im NW. der Insel die sogen. Adamsbrücke (S. 124), ein junges Gebilde aus verkittetem Meeressand, hinzieht. Fast das ganze nördliche Drittel der Insel ist eine prächtig bewaldete Ebene; ein breiter Gürtel von Tiefland umgibt auch das Bergland des südl. Teils, das im Durchschnitt 650 m hoch ist. Auf der innern Hochebene Nuwara Elya erheben sich zahlreiche Einzelgipfel, darunter der 2241 m hohe Adam's Peak (S. 121), der Pedrotallagalla (2538 m), der Kirigalpolla (2387 m), der Totapolla (2353 m). Zwischen den Bergen dehnen sich schöne und fruchtbare Täler aus. Die Nordküste und die mit Kokospalmen bedeckte Westküste sind flach, die Süd- und Ostküste steil und felsig; hier bietet der vorzügliche Hafen von Trincomalí Raum und Schutz für die größte Flotte. Die Flüsse sind nur zur Regenzeit wasserreich, der bedeutendste ist der Mahawelli Ganga, 330 km lang und zur Hälfte schiffbar. Ceylon besteht in seiner Hauptmasse aus archäischen Gesteinen, nur in den ausgedehnten flachen Landstrichen im N. herrschen junge quartäre Bildungen (Meeressand, Madreporenkalk etc.) vor. Berühmt sind die Lager von Edelsteinen (Saphir, Rubin, Zirkon, Spinell, Granat, Turmalin, Katzenaugen etc.), die aus den alten Gesteinen des Berglandes ausgewaschen sind und nun im Schwemmlande der Flüsse gefunden werden. --Die =Bevölkerung= beträgt (1911) 4,1 Mill. Seelen, darunter 2,7 Mill. Singhalesen und 1 Mill. Tamulen. Daneben zählte man 1904 224719 Mauren (d. h. Indo-Araber), 23312 Eurasier oder Burghers (Mischlinge von Europäern und Singhalesinnen), 11207 Malaien, 9583 Europäer und 21115 Araber, Afghanen etc., dazu wenige Tausend Weddas (S. 108). Die Herkunft der Singhalesen ist noch ganz unsicher; meist nimmt man an, daß sie arischen Ursprungs, also Verwandte der Hindu und unter Umgehung der ganz Südindien erfüllenden Drawida (Tamulen) auf dem Seewege von Nordwestindien her nach der Insel gekommen seien.
Sie sind mittelgroß, mit feinen, regelmäßigen Zügen und hübsch gebaut, namentlich die Frauen oft überraschend schön. Die Hautfarbe wechselt von Hellbraun oder Olivenfarbe bis ins Schwarze; die Augen sind bisweilen lichtbraun, das Haar (in dem auch die Männer stets Kämme tragen) meist schwarz (selten blond), lang und seidig. Polygamie ist selten. Einfache Kleidung, fast nur vegetabilische Nahrung, Wohnung in Hütten (oft hoch auf Bäumen). Die Toten werden beerdigt. Das Kastenwesen ist hier nie in der Weise wie auf dem Festlande ausgebildet gewesen; an Stelle der dortigen, auf Rassenunterschiede zurückgehenden Kasten bestehen Berufskasten, von den vornehmen Goiwansa bis herab zu den aus jeder sonstigen Gemeinschaft ausgeschlossenen Rodiya. Die Singhalesen haben wohl einst die ganze Insel besessen, sind aber dann von den vom Festlande nachdrängenden südindischen Drawidas (Tamulen) auf den größern Südwestteil beschränkt worden. Der älteste und interessanteste Bevölkerungsteil der Insel sind die Weddas; sie sind noch kleiner als die Singhalesen, doch schlank, haben es nie über einen sehr geringen Grad materieller Kultur hinaus gebracht (sehr geringe Kleidung, mit Bogen und Pfeil bewaffnete Sammler und Jäger), doch haben sie eine verhältnismäßig hochentwickelte Sprache und ein strenges Sittengesetz. Heute sind sie auf wenige tausend Seelen zusammengeschmolzen und von der Regierung in einigen Dörfern im SO. der Insel fest angesiedelt. Herrschende =Religion= ist der Buddhismus, dem eine glanzvolle Priesterschaft vorsteht; doch ist auch hier die ursprüngliche Lehre Buddhas verloren gegangen. Die Tamulen sind meist Verehrer Schiwas, die Mauren Mohammedaner. 1891 zählte man 1877043 Buddhisten, 615932 Schiwaanbeter, 211995 Mohammedaner, 302127 Christen.
Das =Klima= Ceylons ist rein tropisch, d. h. gleichmäßig feuchtheiß; nur mit der Erhebung über den Meeresspiegel nimmt die Temperatur ab (Jahrestemperatur von Colombo an der Küste 26,7°, von Kandy in 500 m Seehöhe 24,2°, von Nuwara Eliya in 1900 m Höhe 14,1°). Der kühlste und der wärmste Monat weichen in Colombo nur um je 1,1° bis 1,2° von jener Mitteltemperatur ab. Die =Niederschläge= sind auf der ganzen Insel nicht gering, da auch der Nordostmonsun, der auf dem Festlande trocken ist, sich vor dem Eintreffen auf der Insel über dem Golf von Bengalen mit Feuchtigkeit beladen hat. Jedoch ist die Westseite der Insel regenreicher als die Ostseite, und erstere empfängt merkwürdigerweise in der Zeit des Nordostmonsuns (Winter) mehr Niederschläge als zur Zeit des Südwestmonsuns (Sommer), den sie doch aus erster Hand erhält. Colombo hat zwei Regenzeiten, eine im Frühjahr (Höhepunkt Mai) und eine im Herbst (Höhepunkt Oktober). Die trockensten Monate (Januar, Februar und August) empfangen immer noch so viel Niederschläge wie deutsche Orte in den Sommermonaten. Die Ostküste hat vorwiegend Winterregen (Höhepunkt Dezember) und einen relativ trocknen Sommer (April bis September). Zeiten fast ununterbrochenen Regens und stürmischen, gewitterreichen Wetters sind die ersten Wochen nach dem Ausbruche des neuen Monsuns, also durchschnittlich Mai und Oktober; in den Zwischenzeiten ist das Wetter besser. Für die Westküste ist die Zeit des Nordostmonsuns, der als Landwind nach Colombo kommt und Krankheitserreger aus dem Innern der Insel mitbringt, gesundheitsgefährlich; man tut in dieser Zeit gut, möglichst rasch das Bergland des Innern aufzusuchen.--
Dank dem feuchtheißen Klima ist das =Pflanzenkleid= Ceylons von einer solchen Üppigkeit, daß die Insel mit Recht immer wieder als das Urbild tropischer Landschaft gepriesen und geschildert wird (vgl. K. Günther, Einführung in die Tropenwelt. Leipzig 1911. Mit einer Karte von Ceylon. Auch als Führer bei einem Aufenthalt auf der Insel zu empfehlen). Freilich ist nur der West- und Südteil der Insel ursprüngliches Regenwaldland, der Ostteil aber mehr von parkartigem, lichterem Trockenwald bestanden. Zum großen Teil hat außerdem der Wald den Kulturen weichen müssen, denn Ceylon ist etwa ebenso dicht bevölkert wie das gleichgroße Ost- und Westpreußen. Doch bietet gerade die vorgeschrittene Kultivierung der Insel bequeme und gefahrlose Gelegenheit zum Studium der Tropennatur, der Botanische Garten von Peradeniya (S. 117) eine Zusammenstellung von Tropenpflanzen, wie sie sonst nur in Java (S. 200) wiederzufinden ist.--=Ackerbau= ist Hauptbeschäftigung; Reis, Früchte, Fisch und Gemüse sind die Hauptnahrung der Eingebornen. Die Insel ist die Heimat der Zimtbäume (Cinnamomum ceylanicum), der Piper-Arten (Chavica Roxburghii) und vieler Kukurbitazeen, während zahlreiche Kulturgewächse andrer Länder zugleich eine fruchtbare Stätte gefunden haben.--Früher wurde viel Kaffee gebaut; seitdem aber dessen Pflanzungen durch den Pilz Hemileia vastatrix vernichtet worden sind, sind die Teeplantagen an deren Stelle getreten; Tee ist jetzt der wichtigste Ausfuhrartikel der Insel. Außerdem sind wichtig: Kakao, Tabak, Zimt (Regierungsmonopol), Kautschuk, Baumwolle, Kokosöl. Die Viehzucht ist beträchtlich. --Die Landstraßen sind für Automobilfahrten geeignet.--=Tierwelt:= Der in Indien weitverbreitete Tiger fehlt (wahrscheinlich ausgerottet), während der Panther noch vorkommt. Der Lippenbär (Ursus labiatus) ist ein Charaktertier Ceylons. Der Elefant ist wild und gezähmt vorhanden und spielt als Last- und Reittier eine wichtige Rolle. An Reptilien ist die Familie der Schildschwänze (Uropeltidae), von Amphibien die interessante Blindwühle (Ichthyophis glutinosus) zu nennen.
Die Küsten werden manchmal von der indischen Seekuh (Halicore) besucht, im Golf von Manár wird Perlenfischerei (stark zurückgegangen) ausgeübt.
=Geschichtliches=: Schon die Griechen und Römer kannten das an Edelsteinen und Gewürzen reiche, von ihnen Taprobane genannte Ceylon. Die Insel wurde seit 543 v. Chr. von Fürsten beherrscht, die aus Nordindien stammten, und von denen bis 1815 im ganzen 165 herrschten. 245 v. Chr. wurde die Lehre des Buddha in Ceylon eingeführt. Im 8. Jahrh. ließen sich mohammedanische Araber auf Ceylon nieder. Seit 1505 begannen die Portugiesen regelmäßigen Verkehr mit Ceylon, machten sich aber so verhaßt, daß der König die Holländer zu Hilfe rief. Die Portugiesen wurden 1632-58 verdrängt, und die Holländer besetzten das Küstenland. Im Kriege zwischen England und Holland wurde Ceylon von den Engländern besetzt und 1802 förmlich an sie abgetreten; 1815 wurde die Insel nach Beseitigung des eingebornen Fürsten englische Kronkolonie; ihre Verwaltung ist durchaus unabhängig von der des festländischen Vorderindien.
=Reisepläne für Ceylon.= Auf 3 =Tage=. 1. u. 2. Tag: Colombo und Fahrt nach Peradeniya und Kandy. 3. Tag: Colombo, Kelanitempel, Museum, Mount Lavinia.--=Auf 5 Tage.= 1. Tag: Peradeniya und Kandy. 2. u. 3. Tag: Nuwara Eliya mit Pedrotallagalla. 4. Tag: Rückfahrt über Kandy nach Colombo. 5. Tag: Colombo mit Mount Lavinia.--=Auf 10 Tage.= 1. Tag: Colombo. 2. Tag: Peradeniya und Kandy. 3. Tag: Kandy, Zahntempel, Lady Horton's Walk. Nm. Fahrt nach Matale, dort über Nacht. 4. Tag: Post über Dambulla nach Anuradhapura. 5. Tag: Anuradhapura. 6. Tag: Rückfahrt über Dambulla und Matale nach Kandy. 7. Tag: Fahrt nach Nuwara Eliya. 8. Tag: Nuwara Eliya, Besteigung des Pedrotallagalla. 9. Tag: Rückfahrt über Kandy nach Colombo. 10. Tag: Colombo.--=Auf 14 Tage.= 1. Tag: Colombo. 2. Tag: Fahrt nach Nuwara Eliya. 3. Tag: Nuwara Eliya. 4. Tag: Besteigung des Pedrotallagalla. 5. Tag: Fahrt nach Kandy und Peradeniya. 6. Tag: Kandy. 7. Tag: Fahrt nach Matale. 8. Tag: Fahrt nach Dambulla, Felsentempel. 9. Tag: Fahrt nach Anuradhapura. 10. u. 11. Tag: Anuradhapura. 12. Tag: Rückfahrt mit Bahn nach Colombo. 13. Tag: Bahnfahrt nach Point de Galle und zurück. 14. Tag: Colombo.
[Hand] Wer die Kosten nicht scheut, mache die Reise durch Ceylon (oder einen Teil derselben) mit =Automobil=, durch Cook & Son oder die Hotels in Colombo (s. unten) zu beschaffen, womöglich schon von Aden aus telegraphisch zu bestellen; man benutze möglichst leichte Wagen mit besten Reifen. Benzin ist in jedem größern Ort zu haben.
Colombo.
Vgl. den Plan S. 111.
=Ankunft zur See.= Die Postdampfer machen an den Tonnen im Hafen von Colombo fest, der durch Wellenbrecher gut geschützt ist. Boote mit Händlern, Zauberern umschwärmen sofort das Schiff und kommen an Bord (Kabine abschließen, da die Tamulen tüchtig stehlen!). Die Landung geschieht mit Tendern der Dampfergesellschaften (frei) oder mit kleinen Booten; man achte auf sein Gepäck und weise die unverschämten Forderungen der Bootsführer zurück. 10 Min. Fahrt bis zur Landungsbrücke am Südende des Hafens kostet 1/4 Rup. = 25 cents, nach 7 Uhr Nm. 40 cents; dort liegt das Zollamt; Zolluntersuchung für Vergnügungsreisende meist ohne Schwierigkeit, die Zollbeamten sind höflich und gefällig. Beim Zollamt nehme man eine Rikscha zur Fahrt nach dem Gasthof.
=Gasthöfe=: Galle Face Hotel (deutscher Direktor: G. Peters), an der Galle Face Esplanade, etwa 2 km vom Landungsplatz, in schöner, ruhiger Lage am Meer, mit Garten und Seeterrasse, für längern Aufenthalt geeignet, gut geleitet; 250 Z., Pens. 10-15 Rup. (Pens. vorher vereinbaren!), Z. 4, Tiffin 1-1/2 Uhr 2,50 Rup., Dinner 7-1/2 Uhr 4 Rup.; Schwimmbad.--Grand Oriental Hotel, beim Zollamt an der Landungsbrücke bequem gelegen, Küche gerühmt; 154 Z. 4-6, Lunch 2-1/2, Dinner 4, Pens. 10 Rup.--Bristol Hotel.-- British India Hotel, schöne Lage am Meer neben dem Fort, II. Ranges, aber von einzelnen Herren viel besucht, Pens. 5 Rup.--Mount Lavinia Grand Hotel, s. S. 114. Man beachte, daß alle Gasthöfe auf Ceylon zeitweise stark überfüllt sind, z. B. bei Rennen und Sportwochen in Nuwara Eliya (S. 122), bei Besuch größerer Reisegesellschaften etc., daher ist stets Voraussicherung der Unterkunft im Innern Ceylons sehr zu empfehlen!
=Post u. Tel.=: Queen's Street, 5 Min. vom Landungsplatze.--=Telephon= in allen Gasthöfen und Geschäften.
=Wagen= und =Rikschas= nach Tarif (s. unten).
=Straßenbahnen=: Zwei Linien; eine führt vom Landungsplatz nach Kelani, die andre südl. nach Borella. Beide werden fast nur von Eingebornen und Mischlingen benutzt; Fahrpreis I. Kl. 10 cents die engl. Meile.
=Kraftwagen= (für 2-6 Reisende) zu Ausflügen ins Innere sind durch Cook's Office oder die Hotels und bei Walker Sons & Co., Fort, zu mieten; bei andern Unternehmern sollen die Preise sehr willkürlich sein (man kann ungefähr 1-1/4 Rup. für jede engl. Meile rechnen).--=Postautomobilverbindungen= (vgl. die Karte S. 107), meist recht gut, bestehen auf der Insel Ceylon bereits viele Linien und werden fortwährend vermehrt; man erkundige sich bei der Postverwaltung.
=Eisenbahnen.= Hauptbahnhof (Maradana Junction) der Linie nach Kandy sowie über Anuradhapura nach Jaffna, etwa 2 km osö. von der Landungsbrücke.-- Fort Station, am Hafen, dient der Linie über Mount Lavinia nach Point de Galle und Matara.--=Eisenbahnzeit= wie in Indien, S. 50. Fahrpläne (Fare tables) auf allen Stationen für 10 cents, enthalten auch Tarife für Wagen und Rikschas für alle Orte. Europäer fahren stets nur I. Kl. So. weniger Züge als wochentags.
=Dampfer=: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agentur Freudenberg & Co., Tel.-Adresse: Nordlloyd-Colombo) alle 2 Wochen nach Ostasien über Penang und Singapore bzw. nach Europa, alle 4 Wochen nach Australien.--Österreichischer Lloyd (Agentur Darley, Butler & Co.), nach Bombay, Calcutta, Ostasien und Europa. --Messageries Maritimes (Agent P. de Bure, Telegrammadresse: Messageries-Colombo), nach Indochina, Ostasien, Australien, Europa; Zweiglinie nach Pondichéry und Calcutta.--Außerdem zahlreiche englische Linien (Peninsular & Oriental Co., Orient Line, British India Line, Bibby Line etc.) nach allen europäischen, indischen und ostasiatischen Häfen. Fahrpreise und Fahrpläne sind häufig Änderungen unterworfen.
=Geld.= Landesmünze für Ceylon ist die Rupie (S. 49), geteilt in 100 cents. Im Umlauf sind folgende Geldstücke: Pfund Sterling englisch in Gold = 15 Rup.; Silbermünzen zu 1 Rup., 50, 25 und 10 cts.; Nickel zu 5 cts.; Kupfer zu 1, 1/2 und 1/4 cts. Papiergeld: 1000, 100, 50, 10 und 5 Rup.-Scheine. Schecks werden nur solche auf Ceylon-Bankhäuser in Zahlung genommen. =Kreditbriefe=, vgl. S. 7. Indisches Papiergeld ist nur mit Verlust anzubringen, dagegen wird indisches Silbergeld genommen, nur nicht die Zwei-Annasmünzen.
=Banken=: Freudenberg & Co., Korr. der Deutschen Bank, Dresdner Bank, Disconto-Gesellschaft und Deutsch-Asiatischen Bank;--National Bank of India, Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig;--Chartered Bank of India, Australia & China; --Hongkong & Shanghai Bank;-- Mercantile Bank of India Ltd.; sämtlich Korrespondenten der Berliner Disconto-Gesellschaft.--Größere Beträge lasse man sich hauptsächlich in 50 und 100 Rup.-Scheinen, nicht nur kleinen (5 und 10), zahlen.
=Sprache.= Das Singhalesische (Elu) ist mit Indisch durchsetzt, daneben ist auch das Tamul (Sprache der Tamulen) vorherrschend, außerdem Hindostani. Die Nachkommen der Portugiesen sprechen verdorbenes Portugiesisch, die Mauren verdorbenes Arabisch. Die kirchlichen und philosophischen Schriften der (buddhistischen) Singhalesen sind in Pâlisprache abgefaßt.
=Tempelgelder.= In buddhistischen Klöstern und Tempeln liegt meist ein Fremdenbuch aus; man trage sich ein und gebe dabei (für 1-2 Personen) 1 Rup., weise dann andre Gabenforderungen ab.
=Reisebureau=: Thos. Cook & Son, 1 Victoria Arcades, York Street; besorgt auch Automobile (womöglich schon von Aden aus telegraphisch zu bestellen); hier sind Reisehandbücher (Cook's Handbook Ceylon) zu haben.-- =Führer= tragen dunkelblaue Röcke mit grünen Aufschlägen und müssen Zeugnis und Tarif (pocket register) vorzeigen; Lohn für die erste Stunde 50 cts., jede Stunde mehr 25 cts. Man sehe sich vor bei der Wahl des Führers.
=Literatur=: Henry W. Cave, The Book of Ceylon, reich illustriert (Lond. 1908); Norddeutscher Lloyd, Automobiltouren auf Ceylon (Bremen 1910).
=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul Reinhart Freudenberg.--Österreich-Ungarn, beauftragter Konsul R. Freudenberg.
=Polizeiamt=: Belästigungen und unverschämte Forderungen von Kutschern, Kulis etc. melde man sofort dem nächsten Polizisten; die Polizei ist streng und gefürchtet.
=Ärzte=: Prof. Castellani u. Dr. Gordon im Galle Face Hotel; Llewellyn Thomas; Jas. Craik; J. Rockwood; Zahnarzt Dr. Sidney Same.--=Apotheke= im Warenhaus Cargill's & Apothecaries Co.
=Buchhandlungen=: H. W. Cave & Co. (Reisehandbücher für Ceylon) und im Warenhaus Apothecaries Co.
=Photographien=: Plate (Deutscher), hat hübscheste Ansichten, verkauft Films etc. und entwickelt; Colonial Photographic Co., Victoria Arcade, Fort (gegenüber Grand Oriental Hotel), auch Films und Platten etc.--Colombo Apothecaries Co., neben Grand Oriental Hotel; stellen Reisenden Dunkelkammer frei und haben Ansichten, Volkstypenbilder etc.--Skeen & Co., Chatham Street.
=Geschäftsadressen=: In der Geschäftsstraße an der Landungsbrücke Basare mit Teppichen, Ebenholzschnitzereien, Sandelholzsachen, Gold- und Silbersachen, geschliffene Steine; beim Einkauf besonders von Steinen ist Vorsicht geboten, da vieles unecht ist, und man stets stark herunterhandeln muß. Schildpattschmucksachen, Mondsteine, Katzenaugen, Kuriositäten, Ebenholzsachen etc. bei D. F. de Silva, Chatham Street 7, und Don Theodori & Co., Chatham Street 40. Steine gut und reell (aber handeln!) bei Caffoore im Bristol Hotel.
=Vereine=: Deutscher Verein.--Colombo Club, Galle Face Esplanade.-- Golf Club.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Fahrt durch die Stadt nach Kelani; Nm. nach Mount Lavinia.--2. Tag: Victoria Park und Museum. Längern Aufenthalt benutze man zum Ausflug ins Gebirge.
=Geschichtliches.= Colombo wurde 1505 von den Portugiesen zur Handelsniederlassung gemacht, dann 1518 befestigt. Nach langer Belagerung eroberten die Holländer 1658 den Platz und befestigten ihn stark. 1796 bemächtigten sich die Engländer des guten Seehafens, der erst seit den 70er Jahren des 19. Jahrh. an Stelle von Point de Galle zu Bedeutung gelangte.
=Klima= (vgl. S. 108). Die Sonnenwärme in der freien Sonne ist in Colombo fast stets so groß, daß Europäer sich durch Tropenhelm und Tropenkleidung, Sonnenschirm und Sonnenbrille etc. dagegen schützen müssen. Man meide es, ohne dringende Ursache zwischen 10 Uhr Vm. und 4 Uhr Nm. auszugehen! Sonnenstich und andre Schäden sind besonders bei frisch aus Europa gekommenen Fremden nicht selten; Alkoholgenuß ist vor Sonnenuntergang zu meiden. Man richte sich bei längerm Aufenthalt nach der Lebensweise gebildeter, am Orte akklimatisierter Europäer!
=Colombo=, von den Engländern zur Hauptstadt Ceylons gemacht, hat etwa 180000 Einw., meist Singhalesen (S. 106), dann Tamulen (von der Malabarküste), die kräftiger und arbeitsamer sind, und Mauren; ferner Parsen, Juden, Malaien und Mischlinge. Das Volksleben ist bunt und sehr interessant.--Die Stadt liegt unter 6° 56' nördl. Br. an einer Bucht, die durch einen 1,5 km langen Hafendamm nach W. und einen Wellenbrecher nach N. gegen Seegang geschützt wird. Ein großes Trockendock sowie andre Einrichtungen zur Ausbesserung von Seeschiffen sind vorhanden. Nördl. von der Hafenbucht mündet der Fluß Kelani (Kelaniya Ganga). Das europäische Viertel am SW.-Ende des Hafens hat ein Fort, neben dem der hohe Leuchtturm, zugleich Uhrturm, steht; dicht dabei die Zeitsignalstation und südl. davon ein freier Platz, die Esplanade, an der die Residenz des Gouverneurs, Queen's House (Pl. 1), mit der Vorderseite nach See liegt. Kasernen liegen südl. vom Palast. Colombo besitzt mehrere Kirchen, Buddha- und Schiwatempel, ein Museum, zwei Bibliotheken und große Wasserwerke, die das Wasser 48 km weit herleiten. Die Eingebornenstadt Pettah mit engen Straßen liegt nö. vom Europäerviertel längs der Ostküste des Hafens.--Der Handel von Colombo ist sehr bedeutend, da fast die ganze Einfuhr (Reis, Kohlen, Baumwollwaren, gesalzene Fische etc.) sowie die Ausfuhr (Tee, Zimt, Kokosöl, Kokosnüsse, Kaffee, Graphit, Chinarinde, Kopra, Kautschuk etc.) für Ceylon über Colombo geht. Er befindet sich fast ganz in englischen Händen.
=Rundfahrt= (mit Rikscha) durch die Stadt kann fast planlos geschehen, weil Colombo reich an malerischen Wegen ist; man beachte, daß das Geschäftsleben sich nahe dem Hafen abspielt. Von der Landungsbrücke der Boote gelangt man in die York Street; l. Marmorstandbild der Königin Viktoria, r. Grand Oriental Hotel und l. Victoria Arcades. Dann am Postamt (Pl. 2) vorbei über die Esplanade zum Galle Face Hotel. Weiter am Strand entlang an den Kasernen vorbei zum Standbild von Sir E. Barnes, dann r. an einem alten holländischen Glockenturm (Pl. 4) vorbei über den Marktplatz mit dem Rathaus (Town Hall, Pl. 5). Dort führt l. die Sea Street zu zwei malerischen kleinen Hindutempeln, während nach r. die Wolfendahl Street zu der alten hochgelegenen holländischen Wolfendahl-Kirche führt (*Aussicht auf Stadt und Hafen). Dann nö. weiter nach der katholischen Kathedrale St. Lucia und an andern Kirchen vorbei zu dem (r.) schönen Hause Uplands und weiter durch die malerische Fischervorstadt Mutwal bis zum Fluß und zurück durch Grand Pass Road bis Skinners Road, nun l. diese Allee entlang bis zum Maradanabahnhof; von hier westl. bis zum Süßwassersee und an diesem entlang zum Gasthof zurück.--Ein andrer Rundweg führt vom Galle Face Hotel über die Brücke, dicht hinter dem Hotel, nach Slave Island und dann am Rande des malerischen Sees vorbei an dem hübschen Wohnsitz des kommandierenden Generals für Ceylon in den Victoria Park. Man beachte vorher den kleinen malerischen Buddhatempel über dem See, ungefähr gegenüber vom Generalshaus. Der Park liegt auf dem Platz alter Zimtgärten (Cinnamon Gardens) und ist reich ausgeschmückt. Im Park das *Museum (1877 erbaut), das wertvolle historische, kultur- und naturhistorische Sammlungen für Ceylon und eine Bibliothek enthält; originelle Sammlung Kandy-pottery (wunderliche Tonfiguren), ferner Teufelstänzermasken gegen jede Krankheit; Inschriftensteine aus Anuradhapura (von den deutschen Gelehrten Dr. Goldschmidt und Dr. Müller entziffert); ein Buddhazahn. Auf dem Flur ein Riesenlöwe aus Pollonarua, der als Königsthron diente, und ein *Fenster aus den Ruinen von Yapahoo. Vor dem Museum ein Standbild des Gouverneurs Gregory.
=Ausflüge=: 1) =Kelaniya=. Wagenfahrt (etwa 1 St. hin) zunächst durch die enge, heiße und staubige Eingebornenstadt Pettah (etwa 6 km), dann über den Kelanifluß und durch Kokospalmenpflanzungen bis (10 km) zu einem alten Buddhatempel (1240 erbaut über einem 306 v. Chr. errichteten Reliquienschrein des Prinzen Yatalatissa) mit im Nirwana weltfernen Buddha, dem die weißen Blüten des Sakakibaums dargebracht werden. Beim Maivollmond hier großes Tempelfest. Auf der Rückfahrt kann man gegen SO. einen Umweg machen (2 St. Fahrt).
2) *=Mount Lavinia= mit der Sea Coast Railway, deren sechs Bahnhöfe in Colombo sind: Pettah, The Fort (beim Hafen), Slave Island (etwa 1/2 km vom Galle Face Hotel), Kollapitiya, Bambalapitya und Wellawatta; die Bahn fährt teils durch Palmenwald, teils am Strand nach (11 km) *=Mount Lavinia= (Grand Hotel, Z. von 3 R. an, Tiffin 2-1/2, Dinn. 3, Pens. von 7 Rup. an), in entzückender Lage am Meer auf malerischem Vorgebirge. In der Nähe ein Buddhatempel. Sehr beliebter Ausflugsort, auch für längern Aufenthalt. Die Fahrt dahin im Wagen (Einsp. 10 Rup.) vom Galle Face Hotel an der Kollapitiya (Colpatty) Road entlang durch reizende Eingebornenvororte und Palmenhaine, fortgesetzt im Schatten, ist sehr lohnend.--Die Bahnlinie führt weiter über Point de Galle (S. 125) nach Matara.
3) *=Negombo=, 37 km nördl. von Colombo, lohnender Automobilausflug (Eisenbahn von Colombo über Ragama, außerdem zweimal tägl. Coach service (Autobus), etwa früh 7 Uhr und 2 Uhr Nm. ab Colombo, Fahrzeit 3-1/2 St., ab Negombo etwa früh 7 Uhr und 3-3/4 Uhr Nm. Fahrpreis 3 Rup.) an der Westküste Ceylons durch malerische Dörfer, Kokospalmenwälder und Zimtgärten, für Künstler und Liebhaberphotographen eine Fülle landschaftlicher Schönheit bietend; die kleine Hafenstadt Negombo mit vorzüglichem Rasthaus hat 20000 Einw.; sie liegt zwischen Meer und Lagune, zeigt altholländischen Charakter mit Kanälen und verschiedenen Bauten (altes Tor, sehr malerisch).
Von Colombo nach Kandy.
=Colombo-Kandy Railway= vom Hauptbahnhof; Morgenschnellzug bis (75 M = 121 km) Kandy 3-3/4 St., I. Kl. hin und zurück 9 Rup., Abfahrt von Kandy Nm., Ankunft in Colombo gegen Abend. Cooks Reisebureau gibt Rückfahrkarten I. Kl. 15 Rup. einschließlich 1. und 2. Frühstück im Speisewagen und Wagenfahrt in Kandy.
Für eine kurz dauernde Inselreise nehme man Rückfahrkarte Colombo-Kandy, fahre mit Morgenzug, steige in Peradeninya aus, mit nächstem Zug weiter; von Kandy Rückfahrkarte nach Nurelia, auch Rückfahrt mit beiden Karten bis Polgahawela, dort Fahrt unterbrechen (Bescheinigung nötig), dann mit Rückfahrkarte Polgahawela-Anuradhapura und schließlich zurück nach Colombo. Man achte darauf, daß von Nurelia das Gepäck richtig bis Anuradhapura aufgegeben wird (sagen, daß man Fahrkarte in Polgahawela nachkauft).
Die Bahnfahrt in die kühle Gebirgsgegend ist allen zu empfehlen, die unter der Tropenhitze gelitten haben; wer von Kandy weiter ins Gebirge hinauf will, nehme warme Kleidung und wollene Decken mit! Wer Zeit hat, widme mindestens eine Woche dem tropischen Berglande. Die genußreiche Fahrt führt zunächst über den Kelanifluß und weiter durch herrliche Tropenlandschaften mit vielen Palmenarten und Riesenblumen (Talipot), Brotfruchtbäumen, Jak, Frangipani etc. über (9 M) Ragama (von hier Zweigbahn nach Negombo, s. S. 114) und Mahara (mit Steinbrüchen für den Hafenbau) nach (16 M) Henaratgoda; 1,5 km vom Bahnhof sind die Government Tropical Gardens (für Botaniker wichtig!) für tropische Pflanzen. Dann fährt die Bahn etwa 26 km durch dichten Kokospalmenbestand nach (34 M) Ambepussa, schon im Hügelland in ungesunder Sumpfgegend gelegen, wo dichte Dschungeln die Bahn umgeben. Dann folgen angebaute Flächen, Kokospalmen und Teepflanzungen. --(45 M) Polgahawela (Bahnwirtschaft und gutes Rasthaus; 74 m); hier zweigt l. die Northern Railway nach Anuradhapura (S. 119) ab. Unsre Bahn führt weiter nach (52 M) Rambukkana, wo der Aufstieg ins Gebirge beginnt. Die Bahn steigt nun 22 km lang mit 1:45 Steigung bis zu 517 m Höhe. Prächtiger Pflanzenwuchs und überraschende Ausblicke (Sensation Rock) an jeder Biegung der Bahn; viele Tunnels und senkrechte Felswände, an denen die Bahn entlang führt. Zuweilen Blick auf das Tiefland von Colombo, dann über zerklüftete Täler. Bei (65 M) Kadugannawa ist die Höhe des Ghats erreicht, die Luft wird schon kühler. Jenseit des Bahnhofs sieht man den Belungalahügel (775 m), der früher als Wachtposten diente. Nun senkt sich die Bahn wieder 40 m bis nach (71 M) Peradeniya, mit den berühmten *Royal Botanic Gardens (S. 117); hier teilt sich die Bahn, die Hauptlinie läuft südl. ins Gebirge, eine Zweiglinie nördl. über Kandy nach Matale.--Die Bahn fährt am Botanischen Garten vorbei nach
(75 M) =Kandy= (512 m; Queen's Hotel, gut, 112 Z. von 3 Rup. an, Lunch 2-1/2, Dinn. 4, Pens. 8-25 Rup.; The Firs Hotel, am See reizend gelegen, Pens. 7-15 Rup.; Florence Villas Hotel, klein, aber bequem, Pens. 5 Rup.; Wagen in den Hotels, eine Fahrt Vm. oder Nm. 4-1/2-6 Rup.; Klub, am See; =Banken=: Mercantile Bank of India Ltd. und National Bank of India Ltd. [beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank]; Reisebedarf bei Miller & Co.; Cargills; photographische Artikel bei Apothecaries & Co. und Skeen & Co.; Ärzte: Dr. Hay, Dr. Anderson Smith), die alte singhalesische Hauptstadt von Ceylon, mit 26519 Einw., darunter viele Europäer, malerisch an einem kleinen, vom Gebirge halbumschlossenen See gelegen; hat einen 1600 erbauten, jetzt halbverfallenen großen Königspalast, 4 Hindutempel, 12 Buddhatempel, darunter den sehr heiligen mit dem Zahn Buddhas (Dalaba). Abgesehen vom Eingebornenviertel ist Kandy modern angelegt; während die Eingebornenhäuser dicht beieinander auf der Talsohle stehen, sind die Bungalows der Europäer rings an den Berghängen im Grünen versteckt. Vor Queen's Hotel breitet sich der malerische See von Kandy aus. Das Klima von Kandy ist erfrischend, obgleich bei Tage die Hitze noch empfindlich wird; Abende und Nächte sind kühl; Zimmertemperatur im Dezember 20-25° C.--Der Zahntempel zu Kandy, *=Dalaba Maligawa=, ist eins der großen buddhistischen Heiligtümer; durch eine zinnengekrönte Umfassungsmauer mit Graben gelangt man in eine große Vorhalle und von da in den innern Hof, wo auf niedrigem Unterbau der eigentliche Tempel, die Vihara, steht (zudringliche Priester und Bettler, man gebe einmal eine Kleinigkeit; vgl. Tempelgelder S. 112).
Man steigt auf enger Treppe ins Allerheiligste, wo die Reliquie auf silbernem Tischchen unter glockenförmigem, goldenem Behälter, der mit Diamanten und Perlen besetzt ist und auf goldener Lotosblume ruht. (Der »Zahn Buddhas« soll so groß wie ein Krokodils-, Ochsen- oder gar Elefantenzahn sein; über seine Echtheit bestehen um so mehr Zweifel, als die Reliquie 1560 in portugiesische Gewalt fiel und vom Erzbischof von Goa feierlich verbrannt wurde, trotzdem der König von Pegu 20 Mill. Francs Lösegeld geboten haben soll; König Wikrama Bahu von Ceylon ließ aber bald darauf durch Priester verkünden, der echte Zahn sei gerettet, die Portugiesen hätten einen falschen verbrannt.) Die Reliquie wird selten gezeigt.--Die bunten Fresken im Tempel stellen die Höllenstrafen, besonders für die Untugenden des weiblichen Geschlechts, dar.-- Sehenswert sind die kostbar gebundenen heiligen Schriften auf präparierten Talipotpalmblättern in einem achteckigen Pavillon des Tempels (man gebe dem Priester 1 Rup. für die von ihm überreichten Buddhasprüche auf solchem Palmenblatt).--In der Nähe ist in kleiner Kapelle ein großer Buddha zu sehen. Neben dem Tempel steht der renovierte Königspalast (jetzt Besitz des Gouvernements, von dem Gouvernementagenten bewohnt; sehenswert ist die alte Audienzhalle mit herrlich geschnitzten Säulen, jetzt Gerichtssaal, ferner ein Museum mit altsinghalesischer Kunst (dort wird vor den Besuchern gewebt, geschnitzt etc.).
Spazierfahrt über Lady Horton's Walk und Lady Gordon's Walk ist gegen Abend sehr lohnend; der Weg führt rings um den See und den Talkessel an den Höhen hinauf mit vielen prächtigen Ausblicken auf Kandy und das Tal des Mahawelli Ganga. Gregory Road führt durch herrlichen Wald mit Ausblicken auf den See. Lady Black's Walk führt nach Peradeniya.--Eine Rikschafahrt gegen Abend bis zum Flusse nach dem Elefantenkral bietet Gelegenheit, (zahme) Elefanten baden zu sehen; dann fahre man über die Mahawelli Ganga-Brücke bis zu dem interessanten Dorfe Katugastota. In einem Park in Kandy liegt der schöne Wohnsitz (King's Pavillon) des Gouverneurs von Ceylon. [Hand] Schlangen kommen in der Umgegend von Kandy vor, besonders Cobra und Carawilla, auch Blutegel und Skorpione, die sich im Unterzeug festsetzen, weshalb man nach Spaziergang auf Rasen oder in weglosem Wald und Garten nachsehen sollte. Solange man auf Kieswegen und Straßen bleibt, besteht keine Gefahr!
=Ausflug= nach (5 km) *=Peradeniya= (gutes Rasthaus mit Betten), mit Bahn in 10 Min. zu erreichen, am besten mit Wagen (1/2 St.) durch eine hübsche Vorstadt von Kandy, wo jedes Haus von Palmen, Brotfruchtbäumen und Kaffeebüschen umgeben ist und auf den Dächern Ananas wachsen. Am Bahnhofswege liegen die Bungalows der am Botanischen Garten angestellten Naturforscher. Die *=Royal Botanic Gardens in Peradeniya=, gegründet 1819, sind 60 ha groß und enthalten eine nahezu vollständige Sammlung aller wichtigen Tropenpflanzen der Erde. (Ein guter Plan des Gartens nebst Führer ist am Eingang zu 25 cts. zu bekommen.) Der Garten enthält Denkmäler der verdienten Direktoren Dr. Gardiner und Dr. Thwaites. Einzelne Singhalesengärtner sind gute Führer für den Park.--Den Eingang bildet ein großer Dom alter Gummibäume (Ficus elastica) mit wirren, freiliegenden Wurzeln. Vor dem Portal stehen drei Baumriesen: ein Mahagonibaum, ein südamerikanischer Fruchtbaum (Chrysophyllum) und ein Nutzholzbaum (Pterocarpus indicus) aus Birma. Man fahre nun langsam durch den Garten und steige gelegentlich aus, um kleine Ausflüge zu Fuß auf den Promenadenwegen seitlich von den Fahrwegen zu machen. Zu beiden Seiten der Einfahrt stehen zwei mächtige westafrikanische Ölpalmen (Elaeis guineensis), dicht dabei eine Gruppe einheimischer und fremder Palmen: die Kokospalme (Cocos nucifera); Areca Catechu: die kubanische Königspalme (Oreodoxa regia); die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) aus Nordafrika; Areca concinna; Loxococcus rupicola und die wundervolle Coco de mer (Lodoicea sechellarum) von den Seychellen, deren Frucht früher als heilkräftig galt. Der Mahawelli Ganga umgibt mit einer starken Windung den Park von drei Seiten. Eine lange, gerade Allee von hohen, schattigen Bäumen mit vielen Zierblumen dazwischen führt quer durch den größten Teil des Parks; von ihm zweigt sich ein andrer Fahrweg ab, der zur Wohnung des Direktors, auf kleiner Anhöhe gelegen, führt; dieser Bungalow ist von den seltensten Pflanzen mit den farbenprächtigsten Blüten umgeben. Sehr sehenswert ist der *Farngarten an einem Bach im Schatten großer Bäume mit den seltsamsten kleinen und Riesenfarnen; ferner die Orchideen, blühenden Schlingpflanzen, Lianen, Trompetenblumen, Ipomoeen (Trichterwinden), die Bauhinia scandens und racemosa (wie ein Ankerkabel aussehend). Am Ufer des Mahawelli Ganga stehen hohe Bambusgebüsche, darunter der bis 40 m hohe birmanische Riesenbambus (Dendrocalamus giganteus), dessen Wurzelschößlinge nach der Regenzeit (im Juni) austreiben und in 2-3 Monaten diese enorme Höhe erreichen. In der Nähe ist eine prachtvolle Oreodoxa-Palmenallee. In einem Teich wachsen Lotosblumen, Wasserrosen und andre Nymphäen sowie die mächtige Victoria regia; in der Nähe Nutzpflanzen: Kakao-, Kaffee- und Gewürznelkensträucher, Zimtbäume, Vanille, Erythroxylon coca (Kokain), Manihot (Tapioka), Pfeffer, Sagopalmen, Indigo- und Jutepflanzen, Citronellagras u. a.; ferner eine Muskatnußbaumallee. Auch die tropischen Giftbäume sind vertreten; der javanische Upas (Antiaris toxicaria), der Pfeilgiftbaum (unter den man sich nicht stellen soll) u. a., ferner verschiedene Gattungen von Kautschuk- und Guttaperchabäumen (Castilloa elastica, Hevea brasiliensis); außerdem prächtige Gruppen von Agaven, Cycas, Eucalyptus und (am Ende des Gartens) seltsamen Pandanusarten. Von merkwürdigen Pflanzen seien noch erwähnt: die Mimosa pudica, die insektenfressenden Nepenthes-Arten mit riesigen kannenähnlichen Blättern, der nachts seine Blätter schließende südamerikanische Regenbaum (Pithecolobium Saman), der Sandbüchsenbaum (Hura crepitans), dessen Früchte mit lautem Knall platzen, der Kanonenkugelbaum (Couroupita guianensis). Von den zahllosen Palmenarten ist eine der schönsten die in mehreren Alleen angepflanzte, in Ceylon heimische Talipotpalme (Corypha umbraculifera); ihr kerzengerader weißer Stamm wird mehr als 30 m hoch, ihre Gipfelkrone entwickelt riesige Blattfächer; im Alter zwischen 50 und 80 Jahren blüht die Palme ein einziges Mal und stirbt dann ab. Sehr interessant ist der sogen. »Baum der Reisenden« (Ravenala madagascariensis), eine prächtige Musazee, die in ihren Blattscheiden schmackhaftes, kühles Wasser ansammelt. Der Garten ist voll tropischer Vögel, Eichhörnchen und Fliegender Hunde.
Im Garten ist ein sehenswertes *Museum (tropische Hölzerarten, Pflanzenfasern, Drogen, getrocknete Früchte u. a.) und daneben eine botanische Versuchsstation (sehenswert, mit riesigem Garten für sich, Direktorwohnung und Wirtschaftsgebäuden) für landwirtschaftliche, chemische und zoologische Untersuchungen (auch für Mikroskopie und Photographie), dessen Benutzung auf Antrag beim Direktor des Gartens (J. C. Willis) auch fremden Forschern gestattet wird. Man fährt vom Hauptgarten in kleinem Boot über den Fluß und meldet sich im Kontor des Direktors, nachdem man sich an der Landungsstelle in ein Buch eingeschrieben hat.
Gegenüber vom Bahnhof eine Teepflanzung nebst Fabrik und in der Nähe die Kakaopflanzung Gangaruva.
=Ausflug= nach =Lanka Telika=. Die Umgebung von Kandy bietet Gelegenheit zu lohnenden Ausflügen, worüber »Burrow's local guide to Kandy« Auskunft gibt. Rikschafahrt (etwa 1-1/2 Rup.) zum Mahawelli Ganga, dann mit Fähre übersetzen und 20 Min. zu Fuß zum Felsentempel (Rock temple), wo in Granithöhle ein 10 m langer schlafender Buddha aus dem Felsen gehauen, grell bemalt.--Drei ganz verschiedene Buddhatempel kann man besuchen, indem man von Kandy zunächst 8 km auf der Straße nach Kadugannawa zu fährt, dann auf schmalem Pfad reitet, zunächst zu dem neuen, aber schön zwischen Felsenhängen gelegenen Tempel von Gadaladenya, dann zu dem alten, halbverfallenen Tempel von Galangolla und schließlich zu dem architektonisch seltsamen, auf dem Gipfel eines Felsens erbauten Tempel von Lanka Telika. Den Wagen trifft man auf Verabredung wieder 14 km von Kandy auf der Straße nach Gampola.
Von Kandy nach Anuradhapura.
=Northern Railway= von Kandy über Polgahawela nach (111 M) Anuradhapura in 5-1/2 St. Von Colombo direkt in 5-3/4 St.
Von Kandy nach (30 M) Polgahawela s. S. 115. Von hier geht die Northern Railway nördl. über (43 M) =Kurunegala= (Rasthaus), der Hauptstadt der NW.-Provinz, die auf einem vereinzelten, über 300 m hohen Felsen mitten in der Ebene liegt (*Aussicht).--Nicht weit nö. das alte Buddhistenkloster Ridi Vihare, sehr malerisch auf einer Anhöhe.--Weiter führt die Bahn über (70 M) Maho (von hier Ausflug nach [7 km, davon etwa 2 km Fußweg durch Dschungeln] =Yapahu=, wo einer der malerischsten alten Tempel, der Malagawa, früher Aufenthalt des heiligen Zahns von Buddha, liegt; der Tempel hat prächtige Treppenanlagen und seltsame Fenster mit reichem Bildhauerschmuck; man bitte den Station Master der Abfahrtstation in Maho-Station einen Wagen [Bullock car] telegraphisch vorauszubestellen).--Die »Northern Railway« führt weiter nach (111 M) Anuradhapura (s. unten) und über den Elephant Pass (Meerenge) nach (230 M) Jaffna (S. 124) an der Nordspitze Ceylons sowie bis zur Hafenstadt (241 M) Kankesanturai (s. 124); Fahrzeit von Colombo bis Jaffna 12-1/2 St., bis Kankesanturai 13 St.
Um das Innere Ceylons kennen zu lernen, fährt man von Kandy am besten, wenn man die Kosten nicht scheut, mit Privatautomobil (s. S. 110), eine herrliche Fahrt, bis Anuradhapura auf guter Fahrstraße; oder zunächst mit der Bahn nach (26 km) Matale (Rasthaus gut, Ankunft vorausmelden; Verpflegung zu haben), einem blühenden Dorf mitten in Teepflanzungen. Von Matale nach Dambulla fährt täglich ein Postautomobil (etwa 10 Uhr Vm. ab) in 4-1/2 St., Fahrpreis 6 Rup., von da weiter nach Trincomali in 18 St., Fahrpreis 15 Rup. Der Weg führt bald hinter Matale an dem sehenswerten Buddhatempel Alu Vihara vorbei, dessen Kloster über der Straße malerisch zwischen Felswänden liegt. Kurzer Aufenthalt in (48 km) Nalande (Rasthaus gut, mit Verpflegung, liegt unter einem riesigen Tamarindenbaum versteckt); dann folgt schöne Berglandschaft, bis (72 km) Dambulla (Rasthaus so gut wie ein Gasthof), großem Dorf am Abhang eines dunkeln Felsens mit Höhlentempel. (Ausflug mit Automobil oder Bullockcar nach (24 km) *=Sigiri=, senkrechter Felsen mit herrlichen Ruinen aus der Ebene aufsteigend, einst starke Feste, aus dem 5. Jahrh., mitten im Wald; nach Sigiri floh König Kasyapa, nachdem er seinen Vater Dhatu Sena ermordet hatte. Der Rasthauswart von Dambulla hilft bei Anordnungen für den Ausflug; in Sigiri ist auch ein Rasthaus.) Dann mit Privat-Bullockcar (beim Rasthauswart in Dambulla vorausbestellen) weiter auf hoher Brücke über den Mirisgoni Oya nach (93 km) Kekerawa (gutes Rasthaus); von hier kann man auf gutem Fahrweg (13 km) den großen Wasserbehälter von Kalawewa besuchen (Staudamm erbaut im Jahre 460 vom König Dhatu Sena), der mehr als 100 Dörfer und die Stadt Anuradhapura mit Wasser versorgt. Von Kekerawa durch einförmigen Wald über (113 km) Tirapane (Rasthaus) nach
(135 km) =Anuradhapura= (Hotel Anuradhapura, gut, Pens. 10 Rup.; Führer und Auskunft zu haben; in der Nähe wohnt der englische Government Agent; Postautomobil tägl. nach Trincomali, gegen 2 Uhr mitt. vom Hotel, Fahrpreis etwa 30 Rup.; man erkundige sich vorher, vgl. S. 110), jetzt großes Dorf, ehemals Hauptstadt von Ceylon, wurde um 500 v. Chr. vom König Anurado erbaut (von Ptolemäus Annurogrammum genannt) und war dann viele Jahrhunderte die prächtigste Kultusstätte des Buddhismus.
Der chinesische Pilger Fa Hiam schilderte 412 n. Chr. seinen Besuch der Stadt; er staunte über »die Pracht der Bauwerke, den Reichtum der edelsteinbesetzten Statuen, die überwältigende Größe der Dagobas, die Zahl der Priester, die in der Stadt mehr als 5000, im Kloster zu Mihintale an 2000 betrug«. Etwa 2 Jahrhunderte später schreibt das singhalesische Buch Lankawistariyaye: »Die Entfernung vom Haupttor zum Südtor beträgt 4 Stundenmärsche, ebenso vom Nord- zum Südtor. Hauptstraßen sind die Mondstraße, die König Hingururek-Straße und die Mahawellastraße, deren erstere an 11000 Häuser zählt, viele davon zwei Stockwerke hoch. Kleinere Straßen gibt es unzählige. Der Palast hat lange Reihen von Gebäuden, manche 2-3 Stockwerke hoch, und seine unterirdischen Gänge sind von großer Ausdehnung« (nach Hans Meyer). Mit den Einfällen der Tamulen und Malabaren verschwand die Stadt aus der Geschichte und wurde von Urwald überwachsen; seit 1872 hat der Gouverneur Gregory das Dickicht lichten und die wichtigsten Ruinen freilegen lassen.
=Rundfahrten= am besten mit Wagen (Bullockcar) 1) im Innern der Ruinen (inner circle), 2) im »Außenring« (outer circle), 3) nach Mihintale; nach Bedarf aussteigen. Zuerst besuche man die Palastruine Lowamahapaya (»Brazen Palace«, d. h. Bronzepalast [Pl. 1], genannt), ein Wald von etwa 1000 monolithischen vierkantigen Pfeilern in Reihen von 40 zu 40 (mit 9 Stockwerken und 1000 Klausen vor 2000 Jahren vom König Datagamana für die Priester erbaut). Dahinter steht eins der größten buddhistischen Heiligtümer, der Riesenbaum (umgeben von einer Mauer) Siri-maha Bodhin Wahanse, der heilige Bo-Baum (Pl. 2), ein Abkömmling des Baumes, unter dem Gautama erleuchtet (d. h. Buddha) wurde; der Baum stammt aus Buddh Gaya (S. 95), wurde 245 v. Chr. vom König Dewananpiya Tissa gepflanzt, ist also der älteste historische Baum auf der Erde; Priester beschützen ihn und verschenken (Gegengeschenk angebracht) seine Blätter. Der Weg führt dann zurück vorbei an umgestürzten Buddhabildern, Wischnustieren etc. nach den sieben Dagobas (erbaut vom 4. Jahrh. vor bis zum 3. Jahrh. nach Chr.), die im Umkreis von 2 St. über das alte Stadtgebiet verstreut sind; sie heißen nach der Größe Abhayagiriya (Pl. 3; jetzt nur noch 100 m, früher 123 m hoch), Jaytawanarama (Pl. 8), Ruwanwella (Ruanwelli; Pl. 6), Miriswetiya (Pl. 7), Thuparama (Pl. 4), Lankarama (Pl. 9) und Kujjatissamara (Pl. 5). Die Thuparama, die älteste, ist mit drei Reihen geschmückter Säulen umgeben, enthält das rechte Schulterblatt Buddhas als Reliquie. Die Ruwanwella-Dagoba (140 v. Chr. erbaut) hat noch künstlerischen Wert, ihre Terrasse ist mit Altären, Götterbildern und Säulen wie der Vorhof eines klassischen Tempels bestellt; darunter sind zwei männliche, zurzeit infolge Einsturzes der Seitenwand verschüttete Statuen den ältesten Erzeugnissen griechischer Kunst zur Seite zu stellen. Stellenweise stört ungeschickte Ausbesserung (nach Hans Meyer).--Auch die großen alten Badebecken in der Umgebung der Stadt, die zur Wasserversorgung und als königliche Bäder dienten, Pokunas genannt, sind sehenswert, namentlich die großen von Tissawewa (Pl. 10), Nuwerawawa und Basawakulam (Pl. 11); in der Nähe des erstern ist der kleine Felsentempel Isuruminiya. Sehenswert sind auch eine Buddhastatue, der Pfauenpalast, die Mondsteine etc. (vgl. »Baudenkmäler aus ältester Zeit in Ceylon«, nach dem Englischen des Henry W. Cave, deutsch von Anna, Gräfin von Zech, Berlin 1901).
13 km östl. von Anuradhapura liegt der heilige Felsenhügel *=Mihintale= (Rasthaus), gekrönt von zwei sehr alten Dagobas und völlig bedeckt mit Ruinen von Tempeln, Klöstern und Einsiedeleien. Die Chaussee dahin führt durch Dschungeln; man sieht im Walde Dschungelhühner, Nashornvögel, Pfefferfresser, Papageien, Affen. Rasthaus am Fuße des Hügels. Eine riesige Freitreppe von fast 2000 Stufen führt in drei Fluchten zum Gipfel, vorbei an der kleinen seltsamen Ambastalawa-Dagoba, welche die Asche des Buddhaapostels Mahindo, 3. Jahrh. v. Chr., enthält, von 50 Säulen mit dem Bilde der heiligen Gans umgeben (man besichtige auch das aus dem Felsen gehauene schöne Badebecken Naka Pokuna und die Felsenzelle, Mahindos Bett genannt, wo der Apostel schlief) und zur Mahaseya-Dagoba (vom König Bhatiya Tissa über einem Schrein erbaut, der ein Haar von Buddhas Stirn enthält). Ein Pfad führt um die Dagoba, der prächtigen *Ausblick auf den Wald, die Dagoba von Anuradhapura und die fernen Berge von Matale gewährt.
=Rückfahrt= von Anuradhapura am besten mit der Northern Railway (S. 118) direkt nach Colombo oder Kandy; man kann aber auch von Anuradhapura mit Postautomobil (s. oben) über (53 km) Horawapotana (Rasthaus) und (80 km) Pankulam (Rasthaus), mit den heiligen heißen Quellen von Chimpiddi, nach (105 km) Trincomali (S. 124) durch wilde Tropenlandschaft fahren, von da zurück nach Colombo (S. 110).
Von Kandy nach Nuwara Eliya.
=Eisenbahn= von Kandy in 6 St. nach Nuwara Eliya; Speisewagen im Zug. In der Reisezeit im Oktober bis Februar Zimmer vorausbestellen! Man versehe sich mit warmer Kleidung und wollenen Decken; die Zimmer werden geheizt. --Die Gebirgsfahrt ist sehr reizvoll; man beobachtet die Änderung des Pflanzenwuchses innerhalb kurzer Strecken: Tropenwald, Teepflanzungen, angepflanzte Eucalyptus, Grevillea, Casuarina; in feuchten Tälern Baumfarne, Moose, Flechten; in 2000 m Meereshöhe weite Strecken mit niedrigem Rhododendron, einzelne hohe Farnbäume, hochstämmiger Laubwald und hohe pinienähnliche Keenabäume (Calophyllum tomentosum), Aloen, auch noch Tee- und Chinchonapflanzungen sowie Reisfelder.
Die Bahn führt von Kandy (S. 115) über Peradeniya (S. 117) nach (34 M) =Hatton= (Hatton Hotel; Adams Peak Hotel, Pens. 8 Rup.; Arzt Dr. Thomas in [7 km] Norwood; Hatton Bank; Wagen und Reitpferde zu haben), 1263 m ü. M.; nahebei große Teepflanzungen in den Tälern von Dickoya, Dimbula (wo bis 1870 reiche Kaffeepflanzungen lagen, die durch einen Pilz, Hemileia vastatrix, zerstört wurden) sowie in Maskeliya.
=Besteigung= des =Adam's Peak= (2262 m) von Hatton aus (32 km) am bequemsten, auch schon von Damen ausgeführt, obgleich nicht ungefährlich. Besteigung ist nur lohnend, wenn der Himmel ganz wolkenfrei ist, also meist im Februar und März. Der zuckerhutförmige Gipfel ist allen Religionen heilig (vgl. Haeckels »Indische Reisebriefe«); auf ihm wölbt sich ein kleiner Tempel über der Sripada (heiligen Fußstapfe). Die Pilger verehren hierin je nach ihrem Bekenntnis die Fußspur Adams, Schiwas, Buddhas oder des heiligen Apostels Thomas; es herrscht dabei erstaunliche Eintracht zwischen allen Bekennern. Nach arabischer (mohammedanischer) Sage soll Ceylon das Paradies gewesen sein, aus dem Adam vom Engel auf den Berg getrieben wurde, wo Adam so lange stand, bis sein Fuß sich in den Gneisfelsen bohrte; seine Tränen flossen zu einem kleinen See zusammen, dessen Wasser noch heute als wundertätig und heilwirkend gilt. Ehe Buddha in den Himmel zurückkehrte, berührte sein Fuß zum letzten Male den Gipfel des Samanala (so wird der Adam's Pik von den Buddhisten genannt). Ähnliches erzählen die Tamulen und Malabaren von Schiwa, die Christen vom heiligen Thomas. Die erste Beschreibung einer Besteigung des Piks stammt vom arabischen Arzt Ibn Batuta (1340); schon damals führten zwei Pilgerwege hinauf: der rauhe beschwerliche Baba- (Adams-) Weg und der bequemere Mama-(Evas-) Weg; ersterer führt zuletzt auf eingehauenen Stufen eine steile Felswand hinauf, für die fromme Pilger Festhalteketten gestiftet haben; die letzte ist die »Kette der Erkenntnis«, weil sie plötzlich einen Ausblick in einen Abgrund gewährt (nach Cäcilie von Rodt, »Reise einer Schweizerin um die Welt«).
Wenn man von Kandy Wagen, Träger und Führer vorausbestellt, kann man die Besteigung von Hatton in einem Tag ausführen; doch übernachtet man gewöhnlich in einer Hütte auf dem Gipfel, um den Sonnenaufgang und dabei den merkwürdigen Schatten des Piks zu sehen. Proviant mitnehmen! Der Aufstieg wird jährlich von Tausenden von Pilgern jedes Alters und Geschlechts ausgeführt, ist aber für Personen, die an Schwindel leiden, nicht völlig sicher! Man fährt mit Wagen von Hatton bis (22 km) Laxapana (guter Gasthof); dann ist noch Reitweg etwa 5 km (Pferde mitnehmen von Hatton). Tragsessel sollen in Laxapana zu haben sein. Der steile Aufstieg von etwa 460 m führt anfangs noch durch Teepflanzungen auf ausgetretenen Wegen zum Tempelchen auf dem Gipfel.
Von Hatton führt die Bahn zunächst etwas bergab nach (41 M) Talawakele und steigt von da gleichmäßig nach (54 M) Nanuoya (1613 m), dann umsteigen und auf Zweiglinie mit weiterer Steigung von 280 m in zahlreichen Windungen bis zur Endstation
(61 M, 98 km) =Nuwara Eliya=, englisch abgekürzt Nurelia (1893 m; wegen Vorausbestellung der Unterkunft vgl. S. 110! Grand Hôtel [deutscher Manager P. Werner], 122 Z. von 3-1/2 Rup. an, Lunch 2, Dinner 3, Supp. 1-1/2, Pens. [wenigstens 3 Tage] von 11 Rup. an, gut; St. Andrews Hotel [deutscher Besitzer Humbert], Pens 8-10 Rup., einfacher, aber gut und in bester Lage; New Keena House, kleines Familienhaus, zum Grand Hôtel gehörig, Pens. 12 Rup., 18 Z.; außerdem Pensionshäuser und Klubhaus; National Bank of India Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank), auf einer Hochebene gelegen, besteht aus vielen, zum Teil im Wald oder Garten versteckten Bungalows, darunter der Sommersitz des Gouverneurs. Von November bis April ist es von den Europäern auf Ceylon sehr besucht; in dieser Zeit heiße Tage, aber kalte Nächte. Von Mitte Mai bis Mitte September im SW.-Monsun nasses und kaltes Wetter; Mitte Oktober bei Eintritt des NO.-Monsuns Regen und Sturm. Das Klima ist sehr feucht, aber im Gegensatz zum Tropenklima sehr gesund und erfrischend, die Gegend fieberfrei; Luftwärme im Jahresmittel 14,1° C, im Januar 13,1°, im Mai 15,5°, im Juli 13,8°, im Oktober 14,4°; gelegentlich tritt Frost auf, aber die Sonnenwirkung ist doch stets kräftig. 202 Regentage im Jahre.--Nahe bei Nurelia eine Teefaktorei (Naseby Estate), wo man die Bearbeitung des Tees beobachten kann (interessant).
Längerer Aufenthalt in Nuwara Eliya bietet Ausflüge zu Pferde oder im Wagen auf der Hochebene nach dem Rambodapaß (hin und zurück 10 km; jenseit des Passes Teefaktoreien, Betrieb gern gezeigt); um den See (10 km); um die Moon Plains (15 km); 2 Tage fordert ein Ausflug zu Pferd nach den Horton Plains (großes Rasthaus, sehr gut, Platz vorausbestellen), 45 km von Nuwara Eliya, in wilder Gebirgsgegend an schroffen Abhängen. Herrlicher *Blick in der SW.-Ecke (2100 m) von Horton Plains, bei »World's End«, senkrecht 1500 m hinab ins Tiefland. Man hüte sich vor dem weichen Moorgrund, der bei Nuwara Eliya häufig vorkommt. (Horton Plains und Elk Plains sind Eldorados für Jäger: Hirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen, Fasanen, sogar Leoparden.)--Vom Grand Hôtel 3/4 St. bequemer Weg auf den Single Tree Hill, herrliche Rundschau (man nehme einen Jungen zur Führung mit, um sich nicht zu verlaufen).--Von Nuwara Eliya mit der Bahn 3/4 St. (zu Wagen 1 St.) nach =Randapola= (2070 m), herrlicher Blick ins Tiefland.
=Ausflug= nach =Hakgala=, 10 km sö., mit Wagen (Zweisp. 6 Rup. hin und zurück; Rikscha 3,30 Rup.) am malerischen See entlang nach dem kleinen Botanischen Garten von =Hakgala=, der sehr malerische Ausblicke auf die Hakgala-Berge bietet. Von den Terrassen sieht man hinter einem tiefen Tale den Mamuna-Pik.--Von Hakgala östl. guter Fahrweg über (21 km) Wilson's Bungalow (gutes Rasthaus) durch tiefe Täler über (42 km) Etampitiya (gutes Rasthaus) nach (60 km) =Badulla= (gutes Rasthaus), der Hauptstadt der Provinz Uva, einer der ältesten und malerischsten Städte Ceylons, mitten zwischen Teepflanzungen.
=Besteigung= des *=Pedrotallagalla= (engl. Pidauru Talagala; 2538 m), des höchsten Berges auf Ceylon, nicht zu versäumen; von Nuwara Eliya aus sehr bequem zu Fuß (auch für Damen) in 2 St. auszuführen. Der sehr gute Promenadenweg führt am Keena House vorüber durch hochstämmigen Rhododendronwald mit Keenabäumen zwischen dichtem Gestrüpp von wilden Rosen und Farnen über verschiedene Bäche durch Dschungeln. Oft trifft man Scharen schwarzer Affen.
»Die Spitze trägt eine kreisrunde Steinmauer mit einem trigonometrischen Signalkreuz. Die *Aussicht trifft ringsum auf Bergland; von unten blinkt der See von Nuwara Eliya herauf, um den sich die Häuschen als dunkle Punkte gruppieren; die Straßen winden sich wie Schlangen in die Berge« (Hans Meyer). Auch der Adam's Peak und das Meer sind bei klarem Wetter zu sehen. Da der Berg Wetterscheide ist, trifft man oben meist sehr kalten Wind (also zuletzt langsam steigen und oben Decke oder Mantel benutzen!). Achtung beim Abstieg, der lehmige, feuchte Boden ist oft sehr schlüpfrig.
=Ausflug= nach =Bandarawela=: Mit der Bahn von Nuwara Eliya über (16 km) Nanuoya (S. 122) und weiter über (49 km) Haputale (Rasthaus) und den höchsten Punkt der Bahn (1896 m) nach (71 km) =Bandarawela= (guter Gasthof), einer aufblühenden Sommerfrische, einfacher als Nuwara Eliya, aber mit dem angenehmsten Klima; von hier mit Postwagen über (23 km) Dikwella nach (etwa 30 km) Badulla (s. vorher).
Von Bandarawela sehr schöne =Autofahrt= (s. S. 110) über Haputale (s. oben) nach (24 km) Haldamulla (Rasthaus)--von hier Seitenweg nach Koslande (Rasthaus), am sehr schönen Naulawasserfall vorbei in das Jagdgebiet von Wellawaya (Rasthaus), dann zurück nach Haldamulla und auf der Hauptchaussee weiter über (37 km) Beliholoya (Rasthaus) in romantischer Landschaft nach (56 km) Balangoda (Rasthaus); von da durch prächtige, abwechselungsreiche Tropenflora nach (102 km) *=Ratnapura= (gutes Rasthaus), Provinzhauptstadt mit berühmter Edelsteingewinnung (Katzenaugen, Rubine, Türkisen, Opale, Saphire, Topase) durch Auswaschung des Lehmbodens; schönste Landschaftsbilder bieten Blicke vom Gipfel des Forts, von der Hängebrücke und der Circular Road; nahebei auf dem Saumpfad, der von der Brücke nach Gilimale führt, prächtiger *Ausblick auf den Adam's Peak (S. 121), der auch von Ratnapura aus bestiegen werden kann: Man reitet bis (11 km) Gilimale, einem großen Dorf, wandert von da zu Fuß über (8 km) Palabaddala, Pilgerhaltestelle, steigt dann steil nach (21 km von Gilimale) Heramitipana (großer Pilgerbungalow) am Fuß des Peaks und hat dann noch 5 km steilen Aufstieg zum Gipfel (S. 121).
Von Ratnapura Rückfahrt über Pussella, Avisawella, Hanwella und Kaduwella (Orte mit Rasthäusern) nach Colombo.
Die =Rückfahrt= von Nuwara Eliya nach Kandy über (64 km) Gampola (Rasthaus), Wagenfahrt auf guter Straße meist bergab, bietet bessere Gelegenheit als die Bahnfahrt, die Veränderungen des Pflanzenwuchses nach der Höhenlage zu beobachten. Etwa halbwegs in Ramboda (gutes Rasthaus mit Verpflegung) liegt etwa ein Dutzend schöner Wasserfälle nahe beieinander. Von Gampola mit der =Bahn= zurück nach Kandy.
Nach Lanka Telika s. S. 118.
Küstenfahrt rund um Ceylon.
=Dampfer= der Ceylon Steamship Co. (Agent Walker, Sons & Co., Colombo) von Colombo jeden zweiten Mi. u. Fr. Nm. abwechselnd nach Norden oder nach Süden; Fahrzeit etwa 8 Tage; Fahrpreis 125 Rup.
Die Nordrundfahrt führt zunächst nach =Pambam= auf dem Westende der Insel Rameswaram, am Westende der Adamsbrücke, einer 23 km langen Kette kleiner Inseln und großer Riffe zwischen der Westspitze der Insel Manár und der Ostspitze der flachen, sandigen Insel Rameswaram (Eisenbahnüberbrückung nach Indien im Bau). Nach mohammedanischem Glauben soll Adam über die Adamsbrücke aus dem Paradiese (Ceylon) vertrieben sein. Pambam liegt an der einzigen Durchfahrt (Pambam Passage) zwischen dem Golf von Manár und der Palkstraße.
*=Rameswaram= (Ramisseram), Überfahrt von Mandapam (Endpunkt der Zweigbahn von Madura, S. 126) mit Dampfboot, hat den schönsten drawidischen *Tempel Indiens mit berühmten Heiligtümern, die von großen Pilgerscharen besucht werden. Der große Tempel steht im nördl. Teil der Insel, südl. von ihm liegt ein Frischwassersee; besonders schön sind die fast 120 m langen Tempelhallen.
Von Pambam nordwärts dampfend, erreicht man am nächsten Morgen Kankesanturai, den Hafen von =Jaffna= (Rasthaus), einer blühenden Stadt mit alten holländischen Forts und Kirchen, Sitz amerikanischer Missionsgesellschaften. Jaffna hat sehenswerte Hindutempel sowie schöne Umgebung. =Eisenbahn= von Jaffna über Pallai nach Anuradhapura (S. 119).--Point Pedro, der nächste Anlegeplatz des Dampfers, bietet nichts.--Dann steuert der Dampfer sö.
=Trincomali= (Rasthaus); Postautomobile nach Anuradhapura (S. 119) und Dambulla (S. 119), wichtiger Kriegshafen in der Geschichte der Seekriege des 17. und 18. Jahrhunderts, wurde 1622 den Malabaren von den Portugiesen entrissen, 1639 von den Holländern erobert, 1673 den Franzosen, 1674 den Holländern, 1782 den Franzosen, 1783 den Holländern und schließlich von den Engländern seit 1795 behauptet. Im innern Hafen eine Marinewerft; der Ort ist stark befestigt und hat etwa 10000 Einw. Guter Fahrweg nach (92 km) Anuradhapura (S. 119).--In der nächsten Nacht läuft der Dampfer nach
=Batticaloa= oder Baticalia (Rasthaus), Hauptstadt der Ostprovinz Ceylons, mit berühmten Webereien, auf einer Insel in einem tief einschneidenden Meeresarm; im Gewässer nahe der Stadt leben die berühmten =singenden Fische= (Cerithium palustre), eine Art Muschelfisch, deren volle, sonore Töne man in den Nächten vor und nach Vollmond im Boot belauschen kann (sehr wirkungsvoll, wenn man das Ohr durch einen Stock oder Zweig mit dem Wasser verbindet).-- Der Dampfer fährt weiter nach =Hambantota= (Rasthaus), einem kleinen, schlechten Hafen; in dessen Nähe an der Küste nö. liegt (34 km) =Kirinde= (Rasthaus), von wo ein Weg nach (13 km) Tissamaharama, einer der ältesten verlassenen Königsstädte von Ceylon mit sehr alten, sehenswerten Ruinen, führt.
13 km nö. von Kirinde liegt =Palutupane= (Rasthaus), ein vorzüglicher Platz zur Jagd auf Elefanten, Büffel, Bären, Leoparden, Rehwild und Fasanen; in den Dschungeln trifft man viele sehr alte Ruinen. Von Palutupane guter Reitweg nach (209 km) Batticaloa (s. oben). Das Waldgebiet des Flusses Yala ist besonders schön.--Von Hambantota läuft der Dampfer nach =Matara= (Gasthof und bequemes Rasthaus), einer großen blühenden Stadt, Endpunkt der Küstenbahn nach Colombo.--Nach kurzer Dampferfahrt erreicht man =Point de Galle= (Oriental Hotel), meist nur Galle genannt, sehr alte Seefestung mit 30000 Einw., aber schlechter Reede, daher seit dem Hafenbau von Colombo nicht mehr Dampferknotenpunkt. Die Umgebung ist sehr schön, der Palmenbestand wird als schönster auf Ceylon gerühmt. Landungsplatz an der Nordseite des Hafens. Mehrere Buddhistenklöster sind sehenswert.-- Rückfahrt von Galle nach Colombo mit Dampfer oder mit Bahn (119 km) über Bentota, Kalutara und Mount Lavinia.
6. Von Colombo über Madras(-Ootacamund) nach Calcutta. Darjeeling.
Vgl. die Karten bei S. 96 und 64.
=Dampfer= der British India Steam Nav. Co. meist mangelhaft, Verpflegung etc. mäßig. Von =Colombo= nach (180 Seem.) =Tuticorin= in 13 St., dann =South Indian Railway= nach (443 M, 713 km) =Madras= in 22 St. Abfahrt von Colombo gegen Abend, Ankunft in Tuticorin etwa 7 Uhr Vm.; Ankunft in Madras (Egmore) am nächsten Morgen; Fahrpreis Tuticorin-Madras I. Kl. etwa 28, II. 14 Rup. Zusammengestellte Fahrscheine, 2 Monate gültig, sind nur in Cook's Office zu haben, desgleichen solche für 2 Monate, mit Erlaubnis, überall die Reise zu unterbrechen, für die Fahrt von Colombo über Madras nach Calcutta. Fahrzeit Madras-Calcutta 43 St. auf der neuen Ostküstenroute (New East Coast Route). Eisenbahnzeit (Standard Time) ist 9 Min. früher als Madras-Ortszeit. (Über indische Bahnverhältnisse s. S. 49.) In allen Schnellzügen ist bei Tage Eis und Selterwasser zu bekommen. Die Bahnwirtschaften der South Indian Railway sind meist gut.
[Eisenbahn nach Indien über die Adamsbrücke ist im Bau (vgl. S. 124); die neue Linie wird über Anuradhapura (S. 119) führen und bei Medawachehiya nach Manár abzweigen, dann über Rameswaram nach Mandapam und Madura; dort Anschluß an die South Indian Railway, die über Döndigul und Trichinopoly nach Madras führt. Die Linie soll in einigen Jahren in Betrieb kommen.]
=Dampfer Colombo-Madras=: British India Steam Nav. Co. wöchentlich, wobei sie Küstenhäfen anlaufen.
=Österreichischer Lloyd= monatl. von Colombo über Madras (3 Tage) und Rangoon (8 Tage, 2 Tage Aufenthalt) nach Calcutta in 14 Tagen.
=Dampfer Colombo-Calcutta=: wie nach Madras; außerdem: Messageries Maritimes, monatliche Zwischendampfer laufen Pondichéry an;--Peninsular & Oriental Co. Zwischendampfer alle 14 Tage.
=Geographisches.= Die Ostküste der vorderindischen Halbinsel, die Koromandelküste, ist ganz flach, sandig, teilweise mit Dünenzügen besetzt, von Nehrungen begleitet und ohne alle natürlichen Häfen. Die Flüsse des Dekhans schütten vor ihr meist Deltas auf, ein Zeichen dafür, daß die Küste in langsamer Hebung begriffen ist. Hinter ihr breitet sich bis zum Abfalle der Ostghats eine durchschnittlich 100 km breite, sandige Küstenebene aus, die außerhalb der Regenzeit meist dürr und gelb aussieht und zum Teil nur mit Hilfe künstlicher Bewässerung bebaut werden kann. Sie ist reizlos und ungesund. Landschaftliche Schönheiten bieten sich dem Reisenden erst wieder dar, wenn er die Nilgiriberge (S. 128) aufsucht.
Auf der Überfahrt von Colombo in NW.-Richtung über den Golf von Manár hat man meist bewegte See; man sieht christliche Fischerboote mit rotem Kreuz im Segel und mit Ausliegern. Die Dampfer ankern in Tuticorin 8 km außerhalb vom Lande, die Landung geschieht auf kleiner Dampfbarkasse, die bei bewegter See 3/4 St. bis zum Landungsplatze fährt. In Tuticorin =Zolluntersuchung= (S. 49); für Waffen jeder Art, auch Jagdgewehre, ist Zoll zahlbar und Passierschein erforderlich.
=Tuticorin= (Robert's Hotel, gut; Royal Hôtel; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; wenn der Dampfer verspätet eintrifft, wird Frühstück im Zuge angerichtet), Stadt mit 28000 Einw., Baumwollpressen und Spinnerei; National Bank of India Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank. Die frühere Perlfischerei ist jetzt nur noch unbedeutend (die Perlen haben keine gute Farbe). In der Nähe der Stadt große Salzfaktorei.--Hier beginnt die South Indian Railway (die Wagen stehen auf der Landungsbrücke); sie fährt über (19 M) Maniyachi in 5 St. durch die sandige Küstenebene nach (99 M) *=Madura= (148 m; Bahnwirtschaft mit 9 Betten, gut; guter Dâk Bungalow, am Bahnhof; Bank of Madras. Fahrgelegenheiten knapp, zeitig bestellen; Einkäufe: Messingsachen und Gewebe in Seide und Wollmusseline, tüchtig handeln), Distriktshauptstadt mit 105984 Einw., einst Hauptstadt des Königreichs Karnatak. Madura, das »Athen« Südindiens, mit großartigen Trümmern und gut erhaltenen Tempeln, gilt als sehenswerteste Stadt Indiens nächst Benares (S. 90). Der *=große Tempel Meenachi= (1,5 km westl. vom Bahnhof) ist das größte religiöse Bauwerk der Erde und bildet eine kleine Stadt für sich; er ist von neun »Gopuras« (reich mit Bildsäulen geschmückte pyramidale Turmbauten, Eingangstore für die Gottheiten) umgeben, deren höchste 46 m hoch ist. Am Nordende liegt die berühmte Halle der 1000 Säulen (Sahasrastambha Mandapam), von denen nur drei fehlen. Hunderte von Priestern halten sich in den vielen großen Räumen ständig auf. Die westl. Anlage ist Schiwa geweiht, hier Sundareshwar genannt; die östl. der Minakshi, der fischäugigen Gattin Schiwas. Innerhalb des letztern Tempeltores liegt der gemalte Säulengang der Ashta Lakshmi, nach acht Statuen dieser Göttin benannt, die das Dach stützen. In der Nähe der Wasserbehälter (Teppa Kulam) »Tank der goldenen Lilien« (Swarna pushpakarini), umgeben von einem Säulengang. Es ist schwierig, sich im Tempel zurechtzufinden, man nehme einen Führer und besuche die Anlage zweimal, wenn Zeit vorhanden, womöglich einmal abends, bei wunderbarer Beleuchtung durch Tausende von Öllämpchen, besonders bei hohen Festtagen (z. B. Anfang Dezember); auch kann man sich den Juwelenschatz zeigen lassen (Auslegung kostet bei Vorausbestellung 15 Rup.), ziemlich sehenswert. Prächtig ist die neue Halle Tirumala's Choultry östl. vom Tempel.--Der stilvolle königliche Palast von Tirumala Nayak (2 km westl. vom Bahnhof) dient als englisches Regierungsgebäude.--Nördl. von der Stadt liegt jenseit des Vaigai-Flusses das Tamkam, eine Arena für Kämpfe mit wilden Tieren, auch vom König Tirumala erbaut, jetzt Steueramt.-- 5 km östl. vom Bahnhof und nördl. vom Fluß ist ein Teppa Kulam (heiliger Wasserbehälter), in dessen Mitte eine Insel mit Tempelanlage; schöne Fahrstraße führt durch prächtige Banyanallee dahin. Der größte dieser Banyanbäume (Ficus indica) beschattet eine Fläche von 55 m Durchmesser.
Die Bahn führt von Madura über (138 M) Dindigul (Bahnwirtschaft), Stadt mit Tabakmanufaktur und alter Felsenfestung, nach (184 M) Trichinopoly Junction Station (Bahnwirtschaft).
=Zweigbahn= (nach Erode) nach (3 M) =Trichinopoly=, Tritschinapalli (66 m; Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, 1,5 km vom Bahnhof; Robert's Hotel in Cantonment; Spencer & Co.'s Erfrischungsräume, gut; Schlafgelegenheit im Bahnh.), Stadt von 104721 Einw., aus 17 Dörfern bestehend; Gold- u. Silberarbeiten, Webereien, Tabakmanufaktur. Nahe dem Bahnhof, im Fort am Nordende der Stadt, erhebt sich ein schroffer, 83 m hoher Felsen, Zugang zur Treppe von der Südseite, am Eingange steinerne Elefanten und Säulen; 290 weiße, steile Stufen führen hinauf; oben ein kleiner Tempel mit prächtiger *Aussicht auf Stadt, Tempel, Palmenhaine, im Hintergrund Gebirge. Adler und Geier umstreichen den Felsen.--=Ausflug= mit Wagen nach (3 km) Sri Rangam über die Brücke des Coleroon (Cauvery); etwa 1,5 km nw. von der Brücke liegt der große Tempel von Sri Rangam mit schöner Umgebung, ähnlich der Tempelanlage in Madura. Eine der Hallen ist mit Edelsteinen geschmückt. Ein schöner, kleinerer Tempel des Jambukeshwar liegt noch 1,5 km weiter. --Sehenswert sind auch die Anikuts, Dämme im Coleroon zur Bewässerung, etwa 15 km westl. und östl. von Trichinopoly. --Seitentour von Trichinopoly nach Ootacamund s. S. 128.
Von Trichinopoly Junction fährt der Schnellzug in 1-1/4 St. nach
(226 M) *=Tanjore=, Tandschur (111 m; Bahnwirtschaft mit Schlafgelegenheit für 10-12 Pers.; unbequemer Dâk Bungalow am Bahnhof, östl. vom Kleinen Fort, wo Ponys und Bullockwagen zu haben), Stadt mit 58000 Einw., Kunstgewerbe in Gold und Silber, Kupfer, Teppichen, Seide, an der Wurzel des Cauvery-(Coleroon-)Deltas gelegen. Der Palast der Prinzessin von Tanjore im Großen Fort ist etwa 1550 erbaut; im dritten Hof ein achtstöckiger Bau, früher Waffenkammer; im Versammlungsraum (Teluga Durbar) ein Standbild des letzten Radschah und eine Sanskritbibliothek von 18000 Handschriften, davon 8000 auf Palmblättern.--Der Große Tempel von Tanjore im Kleinen Fort ist der älteste und schönste Bau dieser Art, er stammt zum Teil aus dem 11. Jahrh., ist später erneuert und aus einem Wischnuheiligtum in einen Schiwatempel verwandelt worden; in der NW.-Ecke der äußern Umfassungsmauer ist der prächtige Schrein (Subrahmanya Kovil) des Karttikeya, des Kriegsgottes und Sohnes von Schiwa, des Schutzheiligen der Brahmanen; Pilger trinken das über die Statue des Gottes gegossene Wasser. Im Tempel zahllose Lingam, auf dem Vorhof ein *Riesenbulle.--Die Schwartz's Church ist zum Andenken an einen alten dänischen Missionar erbaut; daneben der Shivaganga Tank mit kleinem Park.
Von Tanjore über (250 M) =Kumbakonam= (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow); Stadt mit 60000 Einw. und großer elfstöckiger Pagode, in deren Nähe der Mahamokam Tank, umgeben von 16 kleinen malerischen Pagoden, liegt, der nach dem Volksglauben alle 12 Jahre vom Ganges Wasser bekommt.--Dann über (290 M) Chidambaram (Dâk Bungalow, 2,5 km vom Bahnhof), Stadt mit den ältesten südindischen Tempeln und Pagoden, nach (299 M) Porto Novo, der ersten portugiesischen Niederlassung an der Koromandelküste; die Bahn läuft längs des Strandes bis (316 M) =Cuddalore=, Stadt mit 52000 Einw., Indigo- und Zuckerfabrikation, Handel mit Reis und Zucker; der südliche Bahnhof, Old Town Station, hat Bahnwirtschaft, die 3 km nördlichere New Town Station ist näher dem Dâk Bungalow und den Behörden. Dampferstation der British India Steam Nav. Co. Für Weltreisende ist der Ort ohne Belang.--Bei (345 M) Villupuram (Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft) Zweigbahn westl. (24 M) nach der französischen Stadt Pondichéry, deren Besuch nicht lohnt; dann über (409 M) Chingleput (Zweigbahn nach Conjeeveram, S. 104) nach (443 M) =Madras= (Egmore Station), S. 100. =Fortsetzung der Bahn= vgl. S. 132.
Seitentour nach Ootacamund.
Vgl. die Karte bei S. 96.
A. =Eisenbahn= von =Madras= mit der South Indian Railway über (302 M) Podanur, dann mit Zweigbahn nach Mettupalaium und mit Gebirgsbahn (Nilgiri Mountain Railway) über Coonoor nach Ootacamund (29 M von Mettupalaium) in 18-1/2 St. (336 M), ungefährer Fahrpreis I. Kl. 31, II. 16 Rup. --B. =Eisenbahn= von =Trichinopoly= über Erode Junction (umsteigen!) und Podanur über Coonoor nach (198 M) Ootacamund, in etwa 17 St. für etwa I. Kl. 22, II. 11 Rup.--Zusammenstellbare Fahrscheine besorgt Th. Cook's Office.
Die Nilgiriberge, durch eine breite Senke von dem südlichern Kardamumgebirge getrennt, aber nordwärts mit dem Dekhan (Staat Mysore) unmittelbar zusammenhängend, sind der südl. Eckpfeiler des gebirgigen Westrandes (Westghats) des Dekhans. Sie bilden einen Gebirgshorst, dessen allseitig steil abfallende bewaldete Flanken von schluchtartigen Erosionstälern zerfurcht sind, während sich oben ein verhältnismäßig wenig zerschnittenes Hochplateau ausdehnt, mit breiten, flachen Tälern und parkartiger Vegetation.
Von Trichinopoly (S. 127) schmalspurige Eisenbahn bis (88 M; 243 M von Madras) Erode Junction (165 m; Bahnwirtschaft; gute Schlafgelegenheit im Bahnhof); umsteigen auf die Hauptlinie der South Indian Railway (Madras-Calicut-Mangalore); die folgenden Entfernungen sind von Madras gerechnet. In (302 M) Podanur zweigt unsre Linie nach den Nilgiribergen r. ab (man frage, ob Umsteigen nötig!) und erreicht, allmählich durch prächtige Gegend ansteigend, über (305 M) Coimbatore (436 m), Stadt mit 40000 Einw., in der Nähe die schöne Pagode von Perur, den Endpunkt der Hauptbahn (327 M) Mettupalaium (Matipolliam; Bahnwirtschaft), 451 m ü. M. Von hier führt eine schmalspurige Zahnradbahn (Nilgiri Mountain Railway), l. sitzen!, durch herrliche Gebirgslandschaft mit wilden Bächen und Wasserfällen, Ausblick auf blaue Berge und dichtbewaldete Hügel, nach (344 M) =Coonoor= (1860 m; Bahnwirtschaft; Glenview Hotel [deutscher Besitzer Wutzler], Pens. von 6 Rup. an; Gray's Hotel; Hill Grove Hotel; sämtlich gut; Pasteursches Institut für Südindien), eine besuchte, windgeschützte Sommerfrische mit etwa 18° C mittlerer Jahreswärme und 1400 mm Regenmenge im Jahr; Sim's Park und Umgegend sehr schön, besonders der etwa 11 km entfernte, 90 m hohe Kartairi-Wasserfall.--Von Coonoor fährt die Zahnradbahn über Wellington (Militärlager 5 km von Coonoor) und mehrere kleine Haltestellen durch prächtige Berglandschaft aufwärts in 1-1/2 St. nach
(356 M) Ootacamund, Utakamand, kurz Ooty oder Uti genannt, der besten Sommerfrische Südindiens, 2390 m ü. M., mit 13,5° C mittlerer Jahreswärme (Januar 11,6°, April 16,1°).
=Gasthöfe=: Sylk's Hotel, Inhaber G. D'Angelis & Son, Madras.--Rosemount Hotel.--Shoreham House, empfohlen, Pens. 5 Rup. im Vorfrühling.-- Farrington; Fir Crove; Centre Hotel. --=Post= u. =Tel.= nahe der St. Stephanskirche und dem NO.-Ende des Sees.-- =Wagen= (Tongas) für Ausflüge; Ponys zum Reiten.--=Bank=: Bank of Madras. --=Sanatorium= ist während des Sommers im Betrieb, dann sind auch =Ärzte= anwesend.--=Buchhandlung= und Geschäfte für europäische Bedürfnisse; =Photograph=: Wiele & Kleine.
Ootacamund ist die Hauptgesundheitsstation der Präsidentschaft Madras; im Sommer haben der Gouverneur und der Höchstkommandierende ihre Amtssitze hier. Die Bungalows des Ortes liegen weit verstreut in einem von Bergen umgebenen flachen Tale, der größte Teil von Ooty liegt nördl. und nö. von dem schönen (künstlichen) See (2201 m), der 2,5 km lang ist. Ortsvorsteher (Municipal Office), Postamt, Buchhandlung und europäische Läden liegen nö. vom Basar der Eingebornen, etwa 1 km nördl. vom NO.-Ende des Sees. Etwa 3 km südl. vom See liegt Lawrence Asylum, eine Knabenschule mit Turm. Das Regierungsgebäude (Government House) liegt etwa 1 km nö. vom Postamt; dicht dabei der prachtvolle *Botanische Garten, der in einer Reihe Terrassen ansteigt und neben der indischen auch die europäische und australische Flora berücksichtigt; Heliotrope erreichen hier 3 m Höhe und 9 m Umfang, eine Verbena-Art wird 6 m hoch. Am obern Hang des Talkessels ist eine Chinchonapflanzung (Chinarindenbaum, Lieferant des Chinins); auch Tee-, Eukalyptus- und Lorbeerpflanzungen finden sich in der Umgebung von Ooty, die sich durch wundervollen, parkartigen Pflanzenwuchs auszeichnet.
=Ausflüge= (stets Mundvorrat mitnehmen!) mit Tonga und zu Fuß sind sehr lohnend; der höchste Gipfel Südindiens, der 2628 m hohe Dodabeta, liegt etwa 4 km östlich vom See von Ooty: oben meteorolog. Observatorium: *Aussicht. --Um den merkwürdigen, aussterbenden Stamm der =Todas=, der hellfarbigen, großen, kräftigen Ureinwohner der Berge mit kühner Adlernase und fast europäischen Gesichtszügen, kennen zu lernen, muß man ihre Ansiedelungen, Mands, etwa 4 halbrunde Hütten, aufsuchen oder ihren heiligen Mand, die pyramidenförmige Strohhütte, Tiriri genannt, in der nur der Priester (Pālāl) mit seinem die heilige Büffelherde bewachenden und die Butter bereitenden Diener (Kawilāl) haust. Im Tiriri wird die heilige Büffelschelle aufbewahrt, als Sinnbild der Hauptgottheit, des Hiriadewa; dieser bringen die Priester Gebete (wobei sie den rechten Daumen auf die Nasenspitze halten und mit den übrigen gespreizten Fingern die Stirn berühren). Die Todas sind dem Christentum völlig unzugänglich. Man ist jetzt geneigt, sie für einen Zweig der drawidischen Völkergruppe zu halten, der sich hier in abgeschiedener Bergeinsamkeit besonders rein erhalten konnte, also das Urdrawidatum repräsentiert. Auf verschiedenen Hügeln, besonders auf dem Karoni Hill, 5 km südlich von Ooty, findet man die sonderbaren Steinkreise der Todas, Phins genannt, die Reliquien, Urnen und hübsche goldene Ornamente enthalten. Ein heiliger Ort der Todas ist der Murkurti Peak (2560 m), etwa 32 km westl. von Ooty, wovon aber nur 13 km im Wagen zurückgelegt werden können, den Rest muß man reiten (man nehme reichlich Lebensmittel und Jagdgewehr mit). Der Weg folgt den Windungen des Pavakflusses bis zur Gabelung mit dem Paikari-(Pykara-)Fluß; man folgt dann letzterm bis zu seiner Quelle, die nur 2,5 km vom Gipfel liegt. Die Westseite des Gipfels fällt schroff etwa 2000 m tief ab. (Vorsicht, da der Boden am Rande sehr locker und unsicher ist!) Oben *Aussicht auf den Kundah (2240 m) und den Avalanche Hill (2590 m). (Andre lohnende Ausflüge nach dem Ranga Swami-Tempel, den Wasserfällen auf dem Sigur Ghat und bei U-Yal-Hatti.)
Den Rückweg von Ootacamund nimmt man am bequemsten über Coonoor nach Madras, s. S. 100.
=Von Ootacamund durch das Nilgirigebirge und das südliche Dekhan über Mysore und Bangalore nach Madras;= für Jagdfreunde und kräftige Wanderer sehr lohnend, aber anstrengend. Man miete in Ooty einen Bullockcar (etwa 40-45 Rup.) und lasse sich vom »Transitman«, dem Fuhrunternehmer, schriftlich die Bezahlung, auch für den Ochsenwechsel unterwegs, quittieren, versehe sich mit reichlichen Lebensmitteln (Konserven), Getränk und Jagdgewehr, Matratze und Decken und fahre nur in den kühlern Morgen- und Abendstunden. Diese Fahrt fordert von Ooty nordwärts etwa 80 km bis Nanjangud 3 Tage; etwa alle 8 km werden die Ochsen gewechselt, in elenden Dörfchen; zwischen 10 und 4 Uhr Rast im Schatten. Die 1. Tagereise führt durch Hochland mit Tiroler Landschaftsbildern, sodann senkt sich die Straße am Nordabfall des Nilgirigebirges in Zickzacklinien bis zum einsamen Bungalow von Sigur, wo man übernachtet.--Die 2. Tagereise führt durch die Vorberge des Nilgirigebirges durch fast unbewohnte Gegend; gute Jagd auf Dschungelhühner, Holztauben, Falken, zuweilen auch auf große schwarze Adler und Eulen; ferner auf Antilopen, Sambarhirsche, Wildschweine, Stachelschweine (sehr wohlschmeckend!), Hasen, Steinböcke (sehr scheu!), Marder, Schakale, zuweilen auch auf schwarze Bären und Panther. Zwischen dem mannshohen Gras und in den Dschungeln trifft man auch nicht selten auf Königstiger. Übernachtung im Bungalow von Goondloped.--Die 3. Tagereise führt wiederum durch gutes Jagdgebiet, abends erreicht man
=Nanjangud= (Nandschangad), Stadt mit sehr heiligem Tempel, wo im März dreitägiges Wagenfest stattfindet; Endpunkt der Madras and Southern Mahratta Railway; man benutze womöglich noch den Abendzug nach
(15 M) =Mysore=, Maisur (770 m; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; Gordon Hotel, gut; Royal Hotel), Hauptstadt des gleichnamigen Staates, mit 68111 Einw., am Fuße des Chamundihügels, auf dem ein Tempel steht, wo bis zur Zeit von Haidar Ali Menschen geopfert wurden; auf dem Wege zum Gipfel steht ein riesiger Nandi (heiliger Stier des Schiwa). Alter und neuer Palast des Radschah. Marstall, Zoologischer Garten.
Ausflug nach =Seringapatam= (wo keine Schlafgelegenheit für Europäer und [Hand] der großen Fiebergefahr wegen dringend vor Übernachten dort gewarnt wird) mache man mit Wagen von Mysore. Seringapatam (Srirangapattan), die alte Hauptstadt des Staates Mysore, liegt auf einer Insel des Flusses Cauvery (Kaveri), hat nur noch 2000 Einw., zur Zeit Tippu Sahibs aber 150000. Im Mausoleum ruhen Haidar Ali und sein Sohn Tippu Sahib. Die Stadt ist nach dem sehr alten Tempel Vishnu Sri Rangam genannt. Der Besuch der engen, ungesunden Stadt hat geschichtliches Interesse.
Die Madras and Southern Mahratta Railway führt über
(54 M) =Maddur= (Bahnwirtschaft), unbedeutende Stadt mit zwei großen Wischnutempeln, Narasinh Swami und Varada Raja. Von hier Ausflug mit Tonga (10 Rup., 24 St., Vorausbestellung nötig) nach den Cauvery-Wasserfällen (lohnend in der Regenzeit; elektrische Kraftstation für das Kolargoldfeld), südlich nach (27 km) Malvalli (Dâk Bungalow), dann 20 km nach dem »See von Siva«. Die Wasserfälle sind bei der Insel Sivasamudram während der Regenzeit eine 1 km breite Wasserfläche; Höhe der Fälle etwa 90 m.
Von Maddur fährt die Bahn in 3 St. durch welliges Gelände mit bizarren Felsbrocken, Maisfeldern und Palmenwäldern nach
(102 M, 164 km) =Bangalore= (916 m; City Station mit Bahnwirtschaft; West End Hotel, 45 Z., Pens. 6-8 Rup.; Cubbon Hotel, 36 Z., Pens. 5 Rup.; Bowring Hotel; Cunningham Hotel; Droschken nach Tarif; Motorwagen der Indian Cycle & General Engineering Co., Stafford House, und des Motor House, South Parade; Bank of Madras), Hauptstadt des Vasallenstaates Mysore, mit 159046 Einw.; stark besetzte Militärstation und wichtiger Handelsplatz für Getreide, Baumwolle und Teppiche. Bangalores dichtbevölkerte Altstadt (Petta) hat enge, krumme Straßen, viele Moscheen und Hindutempel, in einem eine berühmte Statue der Göttin der Schönheit; südl. davon liegt das alte Fort mit dem Arsenal, im NO. das englische Viertel mit vielen Kirchen, der Wohnung des britischen Residenten für Maisur, Regierungsgebäude, Central College, Zentralgefängnis. Außerhalb der Stadt liegt der neue Palast des Maharadschah und der schöne Park Lal Bagh mit Botanischem Garten. Bedeutend ist die Teppichweberei, Anfertigung von goldenen und silbernen Tressen, Gerberei. Die Stadt liegt im Grünen, das aber weniger tropisch als in Madras ist; man sieht Ahorn und Pappeln. Bangalore ist als gesunde Stadt mit angenehmem Klima beliebter Ruhesitz für englisch-indische Pensionäre.
1) =Ausflug nach den Cauvery-Wasserfällen= mit Motorwagen von Bangalore (s. oben) teurer, aber schneller und bequemer als von Maddur mit Tonga (s. unter Maddur).
2) =Ausflug nach den *Gersoppa-Fällen= von Bangalore mit der Bahn (Poona-Linie) über (131 M) Birur (umsteigen; in 9 St., Rückfahrkarten I. Kl. 24, II. 12 Rup.) nach (169 M) =Shimoga= (Dâk Bungalow), Distriktshauptstadt mit 8000 Einw., am l. Ufer der Tunga; Manganeisengruben in der Nähe; von da mit Motorwagen (in Bangalore vereinbaren und Platz bestellen bei der Indian Cycle etc. Co.; 4 Personen je 38, 3 je 50, 2 je 75 Rup.; die Gesellschaft trifft auf Bestellung auch Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung, Tag 10 Rup.). Der Ausflug dauert von Shimoga je einen Tag hin und zurück mit Automobil; für Reisende mit Bullock-Tonga sind Rasthäuser in (24 km) Ayanur, (48 km) Anantpur, (74 km) Sagar, (88 km) Talgappe und (104 km) *Gersoppa-Fälle (auch Gairsoppa oder Jog Falls genannt); die vier Wasserfälle des Sharasvati-Flusses sollen zu den schönsten der Erde rechnen, der erste (Radschah genannt) fällt 240 m fast senkrecht hinab, der zweite (Roarer) hat zwei Stufen, der dritte (Rocket) besteht aus vielen kleinen Fällen, der vierte (Dame Blanche) aus einer Reihe von Strudeln. Das Landschaftsbild mit dem Felsenbett und Uferdschungeln ist großartig; die malerische Wirkung wechselt mit dem Sonnenstand; Felsentauben umflattern die Fälle, Regenbogen überspannen das Flußtal. Dicht bei den Fällen sind zwei Bungalows für Fremde, deren Wächter auch einfache Nahrung kochen: doch nehme man reichlich Lebensmittel und Getränk mit.
Zur Fahrt nach Madras in Bangalore City Stat. umsteigen, dann über (145 M) Bowringpet Junction (Zweigbahn [10 M] nach Marikuppam, mit Goldminen des Kolargoldfeldes) nach (189 M) Jalarpat Junction (Bahnwirtschaft; umsteigen in den Zug nach Madras, dann über (241 M) Katpadi (Bahnwirtschaft; 6 km südl. die Tempel von Vellore, an einer Zweigbahn, die auch nach Villupuram, S. 128, führt); ferner über (256 M) Ranipet (Stat. für die [8 km südl.] geschichtlich interessante Stadt Arcot, die schon Ptolemäus erwähnt) und über (279 M) Arkonam nach (321 M) Madras (S. 100).
Von Madras nach Calcutta.
=Madras and Southern Mahratta Railway= vom Zentralbahnhof in =Madras=, Schnellzug Vm. mit durchgehenden Wagen bis (1032 M, 1661 km) =Calcutta= (Howrah Stat.) in 43 St. für I. Kl. 91, II. 44 Rup. 4 annas; Gepäcküberfracht (S. 50) pro maund 6 Rup. 4 annas. (Wegen Änderungen des Abfahrtbahnhofs erkundige man sich vorher.)
=Geographisches.= Die Bahnfahrt längs der flachen Ostküste des Dekhans bietet landschaftlich wenig, ist aber doch weniger einförmig als die durch die Gangesebene. Der östliche Küstenstreifen der vorderindischen Halbinsel ist gut angebaut; da die natürliche Feuchtigkeit dazu vielfach nicht ausreichte, sind zahlreiche Kanäle angelegt, die das Flußwasser überallhin verteilen. Der Bahnbau hat zahlreiche Brücken nötig gemacht; denn das Dekhan dacht sich nach O. hin ab, und die Zahl der in die Bai von Bengalen mündenden Wasserläufe ist deshalb sehr groß. Meist sind es kleinere Flüsse, die von den Ostghats, dem östl. Randgebirge des Dekhans, herabkommen, aber dazwischen auch einige große, nahe der Westküste der Halbinsel entspringende Ströme: Kistna, Godavery, Mahanadi. Der größte von ihnen ist der Godavery, 150 km länger als der Rhein und mit einem Einzugsgebiet von der Größe Preußens. Die Verkehrsbedeutung aller dieser Flüsse ist gering. Die großen Ströme laufen in Deltas aus, die besonders fruchtbar sind, aber von der Bahn umgangen werden müssen. Der Küstenstrich selbst ist hafenlos, sandig, vielfach mit Dünen besetzt, aber mit Kokos- und Palmyrapalmen bewachsen. Mehrfach sind große Haffe entstanden, so nahe nördlich von Madras, und der Chilkasee (S. 133). Küstenstädte von Bedeutung fehlen.
Von Madras fährt man über (23 M) Ponneri (Bahnwirtschaft) nach (85 M) Gudur (Bahnwirtschaft) und (110 M) Nellore (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, gut), in dessen Hindutempel römische Münzen aus dem 2. Jahrh. gefunden wurden, Stadt von 30000 Einw., am Pennar-Fluß, Missionsquartier; dann über (130 M) Bitragunta (Bahnwirtschaft) und (182 M) Ongole (Bahnwirtschaft) über den breiten Kistna-(Krischna-)Fluß nach (268 M) Bezwada Junction (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow), Stadt mit 12000 Einw., Bahnknotenpunkt für Hyderabad (S. 98) und Bellary; in der Nähe der Höhlentempel Undavilli und der Amararshnaraswami-Tempel, 1361 erbaut, und andre Sehenswürdigkeiten für Reisende, die noch nicht tempelmüde sind.--Bei (305 M) Ellore (Bahnwirtschaft), mit Teppichwebereien, ist der Vereinigungspunkt der Kistna- und Godaverykanäle; die Bahn überschreitet später auf großer Brücke den 3,5 km breiten Godaveryfluß und erreicht gleich darauf die alte Orissa-Königsstadt (361 M) Rajahmundry (Radschamandry; Bahnwirtschaft); etwa 40 km flußaufwärts durchbricht der Godavery die Ostghats in landschaftlich schönen Schluchten.--Bei (392 M) Samalkot Junction führt r. eine Zweigbahn (8 M) nach der kleinen Hafenstadt Cocanada (Hotel Viktoria) mit Reede für Küstendampfer. --Der Schnellzug fährt über (426 M) Tuni (Bahnwirtschaft) nach (485 M) Waltair (Bahnwirtschaft; von hier Zweigbahn [3 km] nach dem kleinen, geschützten Hafenplatz Vizagapatam [Dâk Bungalow], mit 41000 Einw., in hübscher Lage).--Dann über (522 M) Vizianagram (Bahnwirtschaft), Hauptstadt eines der größten Zanindari-Staaten mit schönem Palast des Maharadschah, und (656 M) Berhampore (Bahnwirtschaft) nach (686 M) Rambha, am Südende des schönen Chilkasees, eines Haffes, an dessen Ufern man vielerlei Wild, in der kühlen Jahreszeit viele Arten Wasserhühner sieht.
(749 M) Khurda Road (Bahnwirtsch.), Bahnknotenpunkt.
=Zweigbahn= von Khurda Road nach (28 M) *=Puri Jagganath= (Hotel Seaside, gelobt, 10 Z., Pens. 6 Rup., 2 Pers. 10 Rup.; Dâk Bungalow), Küstenstadt von 20000 Einw., berühmt wegen des Krischna-Heiligtums, zu dem im Juni, bei dem großen Wagenfeste (Rath Dschatra), Hunderttausende von Pilgern aus ganz Indien wallfahren. Am Südende der Stadt, deren Hauptstraße fast nur aus heiligen Bauten besteht, liegt der große Haupttempel, der dem Wischnu-Krischna als Dschaganath (Weltherr) geweiht ist, und dessen Inneres nur von Hindu betreten werden darf; man besichtige den Tempel vom Dach eines Gasthauses (für Eingeborene) gegen Trinkgeld; drei hölzerne Blöcke mit verzerrten Gesichtern bedeuten Krischna, seinen Bruder Balabhadra und seine Schwester Subhadra; für diese drei Götzen sind 14 m hohe Wagen mit 16 Rädern von 2 m Durchmesser vorhanden, auf denen sie beim Fest von den Pilgern zum Gartenhaus gezogen werden.--Der Haupttempel ist von etwa 120 kleinen Tempeln für alle indischen Gottheiten umgeben, die mit einer hohlen innern und einer großen, mit vier Gopuratoren versehenen hohen äußern Mauer umgeben sind, wovon letztere ein Quadrat von 225 m Seitenlänge umschließt. 18 Feste werden im Tempel abgehalten, davon ist das Wagenfest das 10. im Jahre. Vor dem östl. oder Löwentor steht eine prächtige Säule mit Statue des Aruna. Am Strandstreifen Swarga Dwara (Himmelstor) baden die Pilger.
Die Bahn fährt von Khurda Road über (760 M) Bhubaneswar (mit vielen alten Tempeln, mehr als 500 Heiligenschreinen und Höhlentempeln in der Umgegend) und über (778 M) Cuttack (Bahnwirtsch.; Dâk Bungalow), Hauptstadt von Orissa, am obern Ende des Mahanadideltas, dann weiter über die Flüsse Mahanadi und Brahmani nach (850 M) Bhadrak (Bahnwirtsch.), (888 M) Balasore (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow) und (960 M) Kharagpur (Bahnwirtsch.) nach (1032 M, 1661 km) =Calcutta=, Howrah Stat.
Calcutta.
Vgl. den beifolgenden Plan.
=Ankunft zur See.= Calcutta liegt am linken Ufer des Hooghly (Hugli), des westlichsten Seitenarms des Gangesdeltas, und zwar 130 km oberhalb des Golfes von Bengalen, 83 Seem. oberhalb der untersten Deltainsel Saugor (berüchtigt wegen ihres Tigerreichtums, es sollen hier jährlich an 2000 Eingeborne von Tigern getötet werden). Die Einsteuerung ist besonders bei Nebel sehr schwierig. In der Nähe des Pilot's Ridge-Feuerschiffs kommt der Lotse an Bord. Große Dampfer können nur bei Hochwasser über die Barren im Flusse einlaufen. Das Wasser ist schmutziggelb. Die Ufer zeigen niedriges, schlammbedecktes Gebüsch, Dschungeln und Grasflächen; den Fluß beleben Möwen, Seeschwalben, später auch Weihen, Sumpf- und Landvögel. Etwa 34 Seem. flußaufwärts von Saugor liegt am l. Ufer (r.) Diamond Harbour, das Cuxhaven Calcuttas. Von hier führt die »Eastern Bengal State Railway« von Diamond Head in etwa 2 1/2 St. nach (38 M) Beliaghatta Stat. in Calcutta.--Etwa 10 Seem. oberhalb Diamond Head liegt am rechten Ufer (l.) die uralte kleine Stadt Tamluk, im 5. Jahrh. ein wichtiger Seehafen. Etwas oberhalb liegt die gefährlichste Barre, die »James and Mary-Bank« (mit nur etwa 3 m Tiefe bei Niedrigwasser). Weiter stromaufwärts wird der Pflanzenwuchs an den Ufern immer üppiger; man sieht Dörfer, Pagoden und Tempel, Anlegeplätze für Flußboote mit hohen Treppenterrassen, und hinter der scharfen Krümmung bei Hangman Point erblickt man aus 11 km Abstand die Häuser von Calcutta. Nun erscheint l. der prächtige Botanische Garten, r. Garden Reach (A 6), die großen Kidderpur-Docks (B 6), in denen die Frachtdampfer neben den Warenspeichern liegen. Auch der Fluß dient als Hafen und ist oft mit Schiffen stark gefüllt. Der Hafenmeister bestimmt den Liegeplatz für die Schiffe; wenn kein Kai frei, muß man vom Strom im Boot fahren und landet am besten am Chandpal Ghat, an der NW.-Seite vom Fort William; dort Zollabfertigung, falls nicht schon vorher an Bord erledigt, was meist der Fall sein wird (vgl. S. 49). Jeder Reisende erhält vom Zollbeamten einen Paß, ohne den er sein Gepäck keinem Wagen übergeben darf. Zollpflichtige Güter werden ins Zollamt (Custom House; Pl. 4, C 3) nahe der Hooghlybrücke geschafft.
=Ankunft am Bahnhof=: Von Bombay (S. 53), Benares oder Madras (S. 100) kommend, in Howrah Station (C 3) am r. Hooghlyufer, dicht bei der Schiffbrücke; von Darjeeling oder aus Assam kommend, in Sealdah Station (E 4) an der Ostseite der Stadt, nahe Bow Bazar Street; von Diamond Head in Beliaghatta (Mutla) Stat., unmittelbar südl. von Sealdah Stat.
=Gasthöfe=: Continental (Italiener F. A. Boscolo), Chowringhee Road 9/12 am Maidan (D 4).--Great Eastern, Old Court House Str. 1/3 (D 4); größtes Haus, renoviert, Essen gut.-- Grand Hotel (Frau Mack, österreich. Manager Mayer), Chowringhee Road, 150 Z., Pens. von 10 Rup. an; von Deutschen besucht.--De Paris, 27 Dhurrumtollah (D 4).--Spence's Hotel, 4 Wellesley Place (CD 4). Pension in allen je nach Jahreszeit und Zimmer 8-20 Rup.--[Hand] Man beachte, daß die Reisezeit von Mitte Dezember bis März zusammenfällt mit der Heimreisezeit der in Indien ansässigen Europäer und mit der Hauptfestzeit an Bällen, Wettrennen etc. in Calcutta, daher sollte man beizeiten Zimmer vorausbestellen.
=Boarding Houses= gibt es viele, allerdings wenig gute; zu empfehlen das von Mrs. Monk (Middleton Row 11); Mrs. Walter's (Russel Street 6-9) und Mrs. Pell's (Camac Street 1). Man zahlt meist 175 Rup. für den Monat oder 7 Rup. für den Tag Pension, doch in der Reisezeit bis 10 Rup. und mehr, dann ist Vorausbestellung zu empfehlen.
=Restaurant= und =Konditorei=: Peliti, Esplanade, East 10. -- Bristol Hotel, Chowringhee Road, gute Billards; weniger für Damen.
=Post u. Tel.=: Post Office (Pl. 2, C4), Ecke Dalhousie Square und Koila Ghat Street. --Telegraph Office (Pl. 3, D4), Ecke von Dalhousie Square South und Old Court House Street.
=Wagen=: Carriages (Landauer), Einspänner (billig) und Ticca gharis (Droschken) nach Tarif.
=Automobile= für Tage, Wochen oder Monate stellt die French Motor Car & Electric Co., Bentinck Street 55.
=Straßenbahnen=, elektrische mit vielen Linien, billig und bequem.
=Eisenbahnen=: 1) Von Howrah Station (Pl. 10, C3) geht die East Indian Railway nach Benares und bis Peshawar (S. 80); nach Bombay via Jubbulpore (S. 63) od. via Nagpur (S. 63); die Madras and Southern Mahratta Railway nach Madras und Tuticorin (S. 126).--2) Von Sealdah Station (E4) die Eastern Bengal State Railway nach Darjeeling (S. 141) und Assam (S. 140) sowie von Beliaghatta (Mutla) Station nach Diamond Head.
=Dampfer=: Norddeutscher Lloyd (Agent: Schröder, Smidt & Co.), Old Court House Str. 6/7 (Pl. 30, D4), mit fremdem Zwischendampfer oder Bahn bis Colombo, von da mit Reichspostdampfer nach Europa; mit Zwischendampfer bis Singapore, von da mit Reichspostdampfer nach Ostasien.-- Österreichischer Lloyd (Agent: R. de Calò) zweimal monatlich über Madras, Colombo, Bombay, Aden, Suez nach Triest in 31 Tagen.--Messageries Maritimes (Agent: Grézoux, Hare Street 5-6), Zwischendampfer alle 4 Wochen über Pondichéry nach Colombo.-- Peninsular & Oriental Steam Nav. Co. (Agent: R. A. A. Jenkins, Strand 19) alle 14 Tage über Colombo nach Europa; ebenso über Singapore nach Ostasien.--British India Steam Nav. Co. (Agent: Mackinnon, Mackenzie & Co., Strand 16) wöchentlich nach allen indischen Häfen und Colombo; dreimal wöchentlich nach Rangoon.-- River Steam Nav. Co. (Agent: Mac Neill & Co., Clive Ghat Street 2), Flußdampfer nach Assam etc.
=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank, 32 Dalhousie Square (Pl. 31, C4).-- National Bank of India Ltd., Clive Str. Beide Korr. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; ferner Chartered Bank of India, Australia and China, Council House Street 5.--Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Dalhousie Square 31, beide mit Zweigstellen in Hamburg.--Für Reisende besorgt auch Cook's Office (s. unten) Bankgeschäfte, Kreditbriefe etc.
=Reisebureaus=: Thos. Cook & Son (Pl. 3, C4), Old Court House Street 11, gegenüber dem Telegraphenamt.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Auckland Place 3 (Pl. 28, E5), Generalkonsul Prinz Heinrich XXXI. Reuß j. L., Durchl., Vizekonsul Dr. Remy; deutsches Konsulat (Pl. 28a, CD3), Clive Row 9, Konsul Hans R. Schuler.-- Österreich-Ungarn, Generalkonsulat, Theatre Road 36 (Pl. 29, E5), Generalkonsul Dr. Ferd. Freyesleben, Vizekonsul W. R. Czerwenka.--=Deutscher Klub= (Pl. 32, D5), Elysium Row 13, einer der schönsten im Osten. Besuch 6-8 Nm.--=Polizeiamt= (Pl. 9, D3), Bow Bazar Street.
=Ärzte=: Dr. H. Finck, 19 Camac Str., der einzige deutsche Arzt.--Dr. A. Caddy, Harrington Str. 2.--Frauenärzte: Dr. Peck, Harrington Str. 6.-- Miß Baumler, Chowringhee Road 15.-- =Zahnärzte=: Miller, Chowringhee Road 35.--Woods, Chowringhee Road 25. --=Apotheken=: Bathgate & Co., Old Court House Street.--R. Scott Thomson & Co., Government Place 15.-- Smith, Stanistreet & Co., Dalhousie Square, u. a.--=Krankenhäuser=: Presidency General Hospital (D6); Eden Hospital (D3) u. a.
=Buchhandlungen=: Thacker, Spink & Co., Government Place (CD4).-- W. Newman & Co., Dalhousie Square. --=Zeitungen=: »Englishman«; »Statesman«; »Indian Daily News« u. a.-- =Photographien=: John Blees (Kodaks, frische Films etc.), Chowringhee Road, neben Grand Hotel.--Johnston & Hoffmann, Chowringhee Road 22 (D4/5).--Bourne & Shepherd, Chowringhee Road 8.
=Theater=: Theatre Royal (Pl. 14, D4), Chowringhee Road, zum Grand Hotel gehörig.--Opera House (Pl. 15, D4), Lindsay Street.--Indische Theater meist in Beadon Street.
=Geschäftsadressen=: Optiker: Lawrence & Mayo; Solomons & Co.; Lazarus. --Kleiderhändler: Ranken & Co., H. Clark & Co., Old Court House Street 5, und andre Firmen, sämtlich Old Court House Street.--Reiseartikel: Whiteaway, Laidlaw & Co., Esplanade, East 7.--Jagdgewehre etc.: Manton & Co., Old Court House Street 13 und Mangoe Lane 1.--F. Schonert & Co. (Deutsche), Konserven, Wein, Zigarren; besorgen Ausrüstung für Jagd- und Bergausflüge (gleich als Trägerlasten verpackt).--Indische Juweliere: Esoofally, Hiptoolla & Co., Chowringhee Road 6-2 und Radha Bazar 9-10; Hamilton & Co., Old Court House Street; Boseck & Co., Wellesley Place.--Hindubuchhändler: Shambhu Chandra Addy, Wellington Street.
=Zeiteinteilung=: 1. Tag: Botanischer Garten, Museum, Eden-Garten.--2. Tag: Basare, Zoologischer Garten, Kidderpur Docks.--Zum Ausflug nach Darjeeling rechne man mindestens 4, besser 10-14 Tage. Ausflüge nach Assam fordern mehrere Wochen.-- Nach Puri Jagganath, vgl. S. 133, mindestens 2 Tage.
=Geschichte.= Calcutta wurde 1686 durch englische Kaufleute, die der Mogulstatthalter von Bengalen aus ihrer Faktorei Hugli vertrieben hatte, im Dorfe Tschatanati gegründet, das mit Kali Ghat (daher der Name) die Stelle der heutigen Stadt einnahm. Am 20. Juni 1756 wurde der Ort durch Suradsch ed Daulah eingenommen, wobei 146 englische Gefangene in das »Black Hole« eingesperrt wurden, in dessen engem Raum 123 während der Nacht umkamen. Nachdem aber Clive 2. Jan. 1757 die Stadt zurückerobert hatte, hob sich Calcutta rasch wieder. 1772-1911 war es Sitz der britisch-ind. Regierung.
=Klima.= Die Lage Calcuttas im feuchtheißen, von dichter Vegetation bedeckten Gangesdelta, nur 6 m über dem Meeresspiegel, ist gesundheitlich wenig günstig. Cholera und Fieber sind endemisch, doch ist in der Europäerstadt an sanitären Einrichtungen das Mögliche geleistet. Man unterscheidet drei Jahreszeiten: die heiße von Mitte März bis Mitte Juni, die Regenzeit bis Ende September und die kühle Jahreszeit von November bis Anfang März. Der Sommer ist wegen seiner feuchten Hitze sehr ungesund, deshalb leben alle wohlhabenden Europäer, soweit es die Geschäfte erlauben, von Ende März bis Oktober in der Sommerfrische in Darjeeling (S. 141) oder Simla (S. 75), wo dann auch der Vizekönig residiert. Als höchste Temperatur wurde 42,3°, als niedrigste 6,8° gemessen, als Durchschnitt im heißesten Monat (Mai) 30°, im kältesten (Januar) 18°. Sehr stark ist der Regenfall; Zyklone (Wirbelstürme), die gewaltige Sturmfluten im Hooghly hervorrufen, richten durch Windwirkung und Überschwemmung gelegentlich große Verheerungen an; neben Cholera und Malaria (s. oben) ist in Calcutta seit 1902 auch die Pest stark aufgetreten.
=Calcutta= (spr. kalkatta; der Name bedeutet: Flußtreppe [Ghat] der Kali, einer Göttin) ist im Gegensatz zu den zahlreichen uralten indischen Kulturstädten eine Gründung der Europäer und in einer von Natur sehr ungünstigen Umgebung (nahe dem Westrande des sumpfigen, ungesunden Gangesdeltas am Hooghlyufer, weit über 100 km vom Meer entfernt) erst emporgeblüht, nachdem 1772 der unbedeutende Ort zum Sitze des Generalgouverneurs erhoben worden war. Seitdem hat die vortreffliche strategische und kommerzielle Lage der Stadt ihre Wirkung entfaltet, und heute ist Calcutta, das »Hamburg« Indiens, der Hauptausfuhrhafen des Landes und eine wichtige Industriestadt geworden, deren weitere Entwickelung auch durch die 1911 beschlossene Verlegung der Zentralregierung nach Delhi nicht sehr wesentlich beeinflußt werden wird. Es besteht aus drei Hauptteilen: die White town, die Europäerwohnstadt, vom Charakter einer europäischen Großstadt, und die Black town, die schmutzige Eingebornenstadt, liegen auf dem l. Hooghlyufer. Ihnen gegenüber zieht sich die Fabrikstadt Howrah hin. Die eigentliche Stadt, vom Fluß und der Circular Road eingeschlossen, enthält die Esplanade, den Maidan (CD5), an dem das =Fort William=, 1773 erbaut, einen Raum von 3 km Umfang einnimmt, mit großem Arsenal, 619 Geschützen und 25000 Mann. Im N. des Maidan der Palast des Vizekönigs und das Rathaus. Die Stadt hat 27 protestantische (St. Paulskathedrale), 8 katholische Kirchen, ein theistisches Gotteshaus der Brahma Samaj-Sekte, aber keine orthodoxen Hindutempel; ferner zahlreiche Denkmäler. Die Bevölkerung beträgt: 890493 (mit Vorstädten 1216514) Köpfe (davon ca. 2/3 Hindu, ca. 30 Proz. Mohammedaner und etwa 6000 Europäer). Die Industrie ist auf Howrah (B2, 3) konzentriert. Mit diesem hatte Calcutta 1902: 26 Jutefabriken (die Hauptindustrie) mit 15132 Webstühlen und 80000 Arbeitern, 8 Baumwollspinnereien mit 324038 Spindeln, Papierfabriken, Zuckerfabriken, Indigofabriken etc. Der Staat besitzt eine große Geschützgießerei in Kosipur. Großartig ist der Handel, er wertete 1906/07: 1300 Mill. Rupien. Aus Deutschland kam 1902 für 11159460, dorthin ging für 82683580 Mark Ware. Die wichtigsten Ausfuhrartikel sind Jute und Jutesäcke, Opium, Tee, Reis, dann Häute, Baumwolle, Ölsaaten, Indigo, Rohseide, Gummi. Kohle wird aus Calcutta stark ausgeführt (1905: 7 Mill. Ton.). Der Hafen für sehr große, schwerbeladene Schiffe ist Diamond Harbour (S. 134); die meisten Schiffe können bis zur Stadt gelangen, deren Hafen sich 16 km lang am Ufer hinzieht. Die über den Hooghly nach Howrah führende Schiffbrücke wird zu bestimmten Stunden geöffnet. Es liefen 1910: 539 Schiffe mit 1550000 Reg.-Ton. ein. Die Stadt besitzt zahlreiche Bildungsanstalten, darunter das Hindu College, Sanskrit College, Medical College, die berühmte La Martinière (Stiftung eines französischen Abenteurers, der 1808 als Millionär starb), einen prächtigen Botanischen und Zoologischen Garten, ist Sitz der Asiatic Society of Bengal (Park Street 57, gegründet 1784, mit Bibliothek von 15000 Bänden, Münz-, Gemälde- und Büstensammlung), des Lieutenant-Governors von Bengalen, vieler Verwaltungsbehörden, eines katholischen Erzbischofs, eines anglikanischen Bischofs und andrer Behörden.
=Rundfahrt.= Man beginne morgens mit der Chowringhee Road (D4/5), wo gute Geschäfte sind und am Nordende der Dhurrumtola-Basar (Pl. 16, D4) liegt. Nun zur *=Esplanade= (CD5), dem Maidan, Exerzierplatz und Promenade der eleganten Welt; an dessen Nordseite vorbei, r. zwischen dem Palast des Vizekönigs (CD4; Government House, erbaut 1804) und dem Rathaus (Town Hall; Pl. 1, C4) über den Dalhousie Square (CD4) und durch die Eingebornenstadt zur Hooghly- (Schiff-)Brücke (C3), von deren Mitte prächtiger Blick über die Ufer, belebt mit Schiffen und Booten sowie mit Badenden auf den Treppen der Ghats; auf dem rechten Ufer sieht man Howrah (B2, 3) mit Bahnhof, Werften, Docks und Fabriken. Von der Brücke zurück und nach Süden am linken Ufer entlang; r. Anlegebrücken der Seedampfer (Export and Import Jettis), l. vorbei am Zollamt (Custom House; Pl. 4, C3), dem Generalpostamt (Pl. 2, C4), der Bank of Bengal (Pl. 8, C4), dann l. der sehenswerte *=Eden-Garten= (C4), ein hübscher kleiner Park, von den Misses Eden, den Schwestern Lord Aucklands, angelegt und 1856 mit einer birmanischen Pagode aus Prome geschmückt, am besten abds. (6-7 Uhr Militärmusik) zu besuchen. Der weitere Weg, The Strand (C4), führt dann westl. am großen Fort William (S. 136, nichts Sehenswertes) vorbei, läßt Prinsep's Ghat r., dann über Hastings Bridge auf die Garden Reach Road (BC6), die am Nordende des Kidderpur-Docks Nr. 1 (B6) vorbeiführt; man fahre nun nach l. längs der Westseite dieses Docks, besichtige dort das Löschen und Laden der zahlreichen Frachtdampfer (sehenswert!) und fahre über die Brücke zwischen Dock Nr. 1 und 2 zurück durch Kidderpur zum Zoologischen Garten (C6) mit Prachtexemplaren von Königstigern, Orang-Utans, schwarzen Panthern, Fasanen etc., der auch als Picknickplatz beliebt ist (Konzerte So., Eintr. 1 Rup.).--Sw. liegt das Meteorologische Observatorium, südl. von ihm der Palast Belvedere (C6) des Lieutenant-Governors mit schönem Park und nahe sö. davon die Agri-Horticultural Gardens. Vom Zoologischen Garten fährt man auf der Zeerut Bridge (CD6) über den Tolly Nullah-Kanal (CD6), dann r. vorbei am Rennplatz (Race Course; C5/6), wo das ganze Jahr Wettrennen stattfinden, dann schräg über den Maidan, vorbei an der Victoria Memorial Hall und den Standbildern von Lord Dufferin (Pl. 21) und Outram (Pl. 26), zum =Imperial Indian Museum= (Pl. 6, D4; Chowringhee Road 27 und 28; guter Katalog am Eingang zu haben; geöffnet 10-4 bzw. 5 Uhr), 1866 erbaut; es enthält wertvolle Fossilien- und Mineraliensammlungen (darin prächtige Edelsteine aus dem Bundelkund und Südindien), ferner eine Antiquitätensammlung, besonders buddhistische Altertümer aus der Tope von Bharhut, aus Muttra und Gandhara (Punjab), die zum Teil griechisch-klassische Schönheit erreichen. In einem Anbau, vom ersten Stock des Museums zu erreichen, eine sehenswerte kunstgewerbliche Sammlung. In der Fossiliensammlung beachte man den Hyänenbär (Hyänoarktos), den Amphikyon, den Machairodos (Säbelzahntiger mit 18 cm langen Zähnen), die Siwalikkatze (so groß wie ein Tiger), den Megaloscelornis (ein Siwalikstrauß); ferner Knochen vom Dinormis, den Kolossochelys (eine Siwalik-Riesenschildkröte) und viele andre Seltenheiten.-- Zum =Botanischen Garten= (11 km sw., Wagenfahrt in 1-1/2 St. hin, auch den ganzen Garten besichtigt man im Wagen, insgesamt 1/2 Tag Zeit nötig, 9 Rup.) fährt man über die Hooghlybrücke, am Bahnhof Howrah vorbei, dann l. südl. am r. Flußufer auf dem Grand Trunk Road durch die Vororte Howrah, Ramkrishnapur (B4) und Sibpur nach den *=Government Botanical Gardens= (A5, 6), die am rechten Hooghlyufer gegenüber dem Garden Reach (A6) liegen. Es sind herrliche Parkanlagen mit tropischen Bäumen, Blumenparketts, Sträuchern, Wiesenflächen, Teichen und Bewässerungskanälen. Breite Fahrstraßen durchkreuzen den Park. Am NW.-Eingang stehen drei Prachtbäume, ein Banyanbaum in der Mitte, je ein Bobaum (Ficus religiosa, unter dem Buddhas Erleuchtung stattfand) an jeder Seite; ersterer ist den Brahmanen, letztere sind den Buddhisten heilig! Eine Palmyrapalmenallee führt nach r., eine Mahagonibaumallee nach l.; man bleibe auf der mittlern Fahrstraße, die durch Kasuarinenbäume mit Kletterpalmen darauf in die Palmenpflanzung führt. Dann gelangt man über eine Brücke r. in den Blumengarten mit Orchideenhäusern etc. Ein breiter Weg führt dann zum Flußufer, das man l. läßt, um auf den *großen Banyanbaum (Ficus indica) zuzufahren, der mit mehreren hundert stammartigen Luftwurzeln eine Fläche von 80 qm mit etwa 300 m Umfang bedeckt; man geht unter dem Baum, der von weitem wie ein dichtbewaldeter Hügel aussieht, wie in einem Gehölz spazieren. Westl. vom Botanical Garden Ghat (A5), wo man mit Boot über den Hooghly nach Garden Reach ans linke Ufer sich übersetzen und von da mit Wagen über Kidderpur-Docks (S. 138) zurückfahren läßt, liegt das Direktorgebäude (Superintendent House) am Fluß, und in seiner Nähe das berühmte große Herbarium mit etwa 40000 Pflanzen (vom Direktor Dr. Wallich um 1829 angelegt) nebst Bibliothek. Dem Botanischen Garten ist unter anderm die Akklimatisation und Kultur der Teepflanze im Himalaja und in Assam zu danken.
Ausflug auf der Bahn nach =Chandernagore= (Hôtel de France, gute Weine), einer 30 km nördl. von Calcutta gelegenen kleinen französischen Kolonie.
Von Calcutta nach Darjeeling
Vgl. die Karte bei S. 64
=Eisenbahn= von =Calcutta= nach (379 M) Darjeeling in 19-1/2 St. für I. Kl. 49 Rup. 12-1/2 annas; II. Kl. 24 Rup. 14-1/4 annas; Rückfahrkarten mit 14 Tagen Gültigkeit I. Kl. 66 Rup. 6 annas, II. Kl. 33 Rup. 3 annas. Schnellzug: ab Calcutta Nm.; an Darjeeling Mitt.; Bettzeug, wollene Decken und warme Kleidung, auch Schleier oder Rauchbrille mitnehmen. Schlafplätze für den Nachtzug von Sara Ghat aus am besten bei Cook & Son vorausbestellen oder telegraphisch von Calcutta aus.--Die Bahnwirtschaften sind verhältnismäßig gut; bei der Rückfahrt Dinner in Siliguri. --Bei der Ankunft in Siliguri (auf der Bergfahrt) sichere man sich sofort einen Platz in der Kleinbahn, ehe man zum Morgenkaffee in den Wartesaal geht.
=Geographisches.= Durch die heißen, ziemlich einförmigen und kahlen, aber vortrefflich angebauten Ebenen Unterbengalens, die von dem gewaltigen, in seiner Breite fast unüberschaubaren Ganges durchflossen werden, geht es bis an den Fuß des Himalaja. Ein Saum von dicht verfilztem, ziemlich niedrigem Sumpfwald (Tarai) umkleidet ihn und leitet bald in üppigen tropischen Regenwald über, der die untern Berghänge verhüllt. Bei etwa 1000 m Seehöhe beginnt der prächtige subtropische Bergwald mit seiner mannigfaltigen Zusammensetzung (die aber von der des östl. Himalaja in der Gegend von Simla ziemlich stark abweicht) aus mancherlei Laubbäumen, Palmen, Bambus etc., zu denen weiter oberhalb noch die schönen Baumfarne treten. Darjeeling selbst bietet gute Gelegenheit zum Studium dieses Waldes wie der mongolischen Bevölkerung des indisch-tibetischen Grenzgebietes (eine große Straße führt von hier nach Tibet hinein) und des Aufbaues des Himalaja aus einer Reihe schmaler paralleler Gebirgsketten (vgl. S. 44).
Von Sealdah Stat. im O. von Calcutta mit der »Eastern Bengal State Railway« vorbei am Vororte (5 M) Dum-Dum (spr. damdam), bekannt durch seine Gewehrmunitionsfabrik, in der zuerst die berüchtigten Dum-Dum-Geschosse mit Sprengwirkung angefertigt wurden; dann über (14 M) Barrackpur, mit Landsitz des Vizekönigs und alten Kasernen, nach (46 M) Ranaghat Junction (Bahnwirtsch.) und über (58 M) Bogoola (Bahnwirtsch., 10 Min. Aufenthalt zum Nachmittagstee) nach (103 M) Poradaha Junction (von hier Zweigbahn [47 M] nach Goalanda Ghat, nahe der Vereinigung des Ganges mit dem Brahmaputra, dann mit Flußdampfer und Bahn über Dacca, die alte Hauptstadt Bengalens, nach dem Seehafen Chittagong).--Die Bahn erreicht den Ganges bei (120 M) Damukdia Ghat; hier umsteigen auf die Dampffähre, die in 25 Min. über den sehr breiten Gangeshauptstrom setzt; währenddessen Abendessen an Bord. Die Dampffähre landet bei (132 M) Sara Ghat gegen 21 Uhr; man beachte an den Wagentüren des Zugs die Zettel mit Namen, wenn man telegraphisch Schlafplatz bestellt hat. Dann mit der »Northern Bengal State Railway« in kleinen Wagen von 1 m Spurweite über (156 M) Nattore (bei Rückfahrt wird hier stark geläutet zum Wecken der Fahrgäste, ehe sie zur Fähre kommen) nach
(244 M) Parbatipur (Bahnwirtschaft).
=Abstecher nach Assam=; Zweigbahn von Parbatipur nach (90 M) Dhubri Ghat, dann Dampferfahrt (wegen Anschluß vorher bei Cook erkundigen!) auf dem =Brahmaputra=, dem »indischen Rhein«, in 4 Tagen nach =Dibrugarh= (123 m; Dâk Bungalow), das schon nicht mehr allzu weit von der Austrittsstelle des Brahmaputra aus dem Himalaja entfernt liegt. Der Brahmaputra, ein gewaltiger Strom, fließt durch Assam in einem weiten bewaldeten Tale, meist in zahlreiche Arme aufgelöst. Bei Gauhati (s. unten), wo er nicht geteilt ist, ist er 1-1/2 km breit. Sein Hochwasser, gespeist aus der Schneeschmelze im fernen Tibet und aus den gewaltigen Regenmengen, die im Sommer über Assam niedergehen, reicht von Mitte März bis in den September. Nahe seinem l. (südl.) Ufer beginnen die Vorhügel der Khasiaberge, eines schönen, niederschlagsreichen u. gut bewaldeten Gebirges mit reichen Teepflanzungen. An der Südseite, südl. von Shillong, liegt Cherra Punji, der regenreichste Ort der Erde (jährlicher Niederschlag 11600 mm).
Die Brahmaputrafahrt gibt Gelegenheit zu Ausflügen nach Shillong, Hauptquartier der Regierung von Assam, 1200 m ü. M., und in die prächtigen Waldberge des Khasiagebirges; sie sind aber beschwerlich, langwierig und teuer; nähere Auskunft gibt Cook's Office in Calcutta.
Von Parbatipur weiter über (305 M) Jalpaiguri nach (328 M) =Siliguri= (Bahnwirtsch., gut; Dâk Bungalow). Hier beginnt die Darjeeling-Himalayan Railway, eine kleine Gebirgsbahn von 60 cm Spurweite, sehr schmale Wagen, I. und II. Klasse geschlossen oder offen. Rauchbrille oder Schleier zum Schutz gegen den Rauch der Lokomotive sowie warme Decken sind erforderlich. L. sitzen, ein Eckplatz im offenen Wagen gewährt beste Aussicht, man schwebt aber zuweilen über Abgründen; der Mittelplatz ist weniger zugig. Der Temperaturwechsel macht sich stark fühlbar, je höher die Bahn steigt; die Fahrt (51 M) dauert 6 St., anfangs durch Flachland mit Feldern, bald aber Aufstieg in dichtem Urwald (der sogen. »Tarai«) meist längs der alten Fahrstraße; in den Dschungeln hausen Tiger, Elefanten, Rhinozerosse, Leoparden und andres Wild. An Waldlichtungen sieht man auch zuweilen Holz schleppende gezähmte Elefanten. Man übersieht Schluchten mit Himalajazedern (Cedrus Deodara), Palmenwäldern, Feigen- und Mandelbäumen und riesigen Rhododendronbüschen. Bei scharfen Kurven sind Schleifen (loops) angelegt, an andern Stellen Kopfstationen (Spitzkehren), wo die Lokomotive an das Ende des Zugs gesetzt wird. In größerer Höhe werden die Zedern und Eichen seltener, häufiger die Baumfarne (Ferntree, bis 10 m hoch, wie Palmen aussehend).--In (360 M) =Kurseong= (Bahnwirtsch., gut; Clarendon Hotel; Dâk Bungalow), einem Hauptplatz der Teeplantagen, etwa 1500 m ü. M., ist 19 Min. Aufenthalt zum Frühstück. Der Wald macht Teepflanzungen Platz. (Auf der Rückfahrt kann man von Kurseong einen Teil des Abstieges auf einem Richtweg zu Fuß machen, sehr lohnend; man erkundige sich beim Station Master in Kurseong.)--Auf dem weitern Anstieg wird es kühl. Bald hinter Kurseong erster Blick auf den Kanchanjanga (8582 m), dann noch einmal kurz vor Ghoom.--In (376 M) Ghoom, 2600 m ü. M., erreicht die Bahn den höchsten Punkt; gelegentlich Ausblicke auf die Himalaja-Bergkette, dann bergab nach
(379 M) =Darjeeling= (2184 m), tibetan. Dar-rgjas-glin (d. h. Land des diamantenen Donnerkeils des Lamas), Stadt mit 13000 Einw., Endstation der Bahn.
=Gasthöfe=: Woodland's Hotel, gut. --Woodland's Annex Hotel, sehr gut, Pens. 8-15 Rup., 2 Pers. 14-18 Rup., Abfahrt 24 St. vorher anmelden.-- Boscolo's Hotel Oakfield (neu), am Chaurasta; Central Hotel (neu), Post Office Road, gut, Pens. von 5 Rup. an. --Drum Druid Hotel.--Grand Hotel Rockville, das ganze Jahr geöffnet; 44 Z., Pens. von 8 Rup. an.--Jones Hotel und Restaurant.--Boardinghouses Ada Villa; Bellevue; Himalaya Cottage.--=Droschken= nach Tarif.-- =Photographen=: Baar, Deutsch-Österreicher; Burlington Smith.--=Bank.=-- =Apotheken.=--=Antiquitäten= bei verschiedenen Firmen.--=Skating Rink=, bei der Kirche, gegen Abend Konzert.
Darjeeling, Hauptstadt des gleichnamigen britisch-indischen Distrikts, an der Grenze von Sikhim, zwischen Nepal und Bhutan, liegt auf den Vorbergen des Himalaja, ist Sommersitz des Lieutenant-Governors von Bengalen, vielbesuchte Sommerfrische (für Reisende, die in Benares oder Calcutta einen Malariaanfall erleiden, ist schleunigste Reise nach Darjeeling die beste und schnellste Kur) mit dem vorzüglichen Eden-Sanatorium, mehreren Schulen und einem Pensionat zur Ausbildung von Forschungsreisenden und Dolmetschern. Mittlere Jahrestemperatur 11,5° C (Januar 4,5°, Juli 16,4°), größte Kälte-6,7°, größte Wärme etwa 27° C. Das Klima ist regenreich (3200 mm, etwa das Fünffache wie in Deutschland); die Regenzeit beginnt Anfang Juni. Die Hauptstraße The Mall mit Musikhalle (April bis November spielt Mi. und Sa. Musik) führt zum Observatory Hill; dort *Aussicht über die Bergketten von Sikhim hinweg auf den Kanchanjanga (8582 m) und andre Gipfel des Himalaja (großartigste Hochgebirgslandschaft der Erde). In den Basaren und auf dem Markt *Sonntag früh interessantes Volksleben (Mongolen, Tibetaner, Bhutias, Leptschas, Lopos, Nepalesen neben Hindu, Parsen u. a.). Da die Gebirge bei Tage häufig durch Nebel verdeckt sind, suche man die Aussichtspunkte bei Sonnenauf- oder -Untergang auf.--Etwa 1,5 km östl. und 300 m steil bergab liegt das malerische Dorf Bhutia Busti mit tibetanischem Tempel, vor dem mannsgroße bunte Gebetsmühlen stehen (auf den Papierstreifen der Mühlen steht das Gebet: »Om mani padme hum' = O, du Kleinod im Lotos, Amen!«; jede Umdrehung rechnet als ein Gebet!). Auf dem Rückwege sieht man eine Stûpa (oder Dagoba = Grabhügel), umgeben von weißer Mauer.-- Der Botanische Garten unterhalb des Eden-Sanatoriums enthält eine Sammlung von Himalajapflanzen, auch schöne Sammlung von Himalajaschmetterlingen, -vögeln und Eiern.
=Ausflüge=: 1) Nach *=Tiger Hill= (2600 m), 10 km vor Darjeeling, 500 m Steigung auf Reit- oder Fußwegen, mit Führer in 2 St.; am besten zu Pferde (im Gasthof bestellen, hin und zurück etwa 5 Rup.), Damen im Tragstuhl. Äußerst lohnend! Um den Sonnenaufgang zu beobachten, ist Aufbruch mit Laternen früh 4 Uhr nötig. Man nehme Feldstecher mit! Bei günstigem Wetter (früh am wenigsten Wolken oder Nebel) ist der Sonnenauf- oder -Untergang unvergleichlich großartig; man übersieht die Hochgipfelkette des Himalaja vom Mount Everest (8750 m) im NW. in riesigem Bogen über den Kanchanjanga (8582 m) und Donkia Ri (7051 m) bis im O. an die Grenze von Bhutan und Tibet; überraschend ist die Schärfe der Umrisse wie das wunderbare Farbenspiel auf den Schneeflächen. Die Schneegrenze liegt bei 4500 m. Der *Blick auf den Himalaja ist das wunderbarste Hochgebirgsbild der Erde.
2) Nach =Phalut= (3600 m), 82 km nördl. von Darjeeling, quer durch Sikhim; beschwerlich, da der Weg quer zu den ostwestl. laufenden Bergketten verläuft, aber sehr lohnend für Alpentouristen zu Fuß, mit Führer, der, zugleich Koch und Dolmetscher, tägl. 2 Rup. erhält, und mindestens 10 Kulis zum Proviant- und Gepäcktragen, für Tag und Mann 12 annas; man kann auch Saumpfade benutzen, dazu ein Pony (mit Wechsel) 4 Rup. tägl. oder für Damen eine Dandy, Tragstuhl mit stellbarem Wachstuchdach nebst 8 Kulis zum Tragen; in dieser Art kostet der Ausflug, in 6-7 Tagen mit dem empfehlenswerten Führer Nadar Sirdar und 27 Kulis gemacht, für ein Ehepaar etwa 250 Rup. mit Trinkgeldern etc. Wenn man von Phalut über Rinchinpong durch Sikhim zurückkehrt, dauert der Ausflug 10 Tage: Woodlands Hotel übernimmt die Ausrüstung, Stellung der Pferde etc. für zwei Personen für 440 Rup.; mit Trinkgeldern und Getränken kann man dann 500 Rup. rechnen. Proviant besorgt F. Schonert & Co. in Calcutta, Anwerbung der Pferde und Kulis der zuvorkommende Manager des Woodland-Hotels. Wer selbst die Ausrüstung übernehmen will, nehme einen Führer an (zu empfehlen auch Keschur Sing Markar), der auch Pferde etc. stellt. Ohne Führer kann man weder mit den Pferden (die im Gebirge leicht erkranken) noch mit den Kulis fertig werden, die Sprachkundige zur Beaufsichtigung erfordern.
--Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows muß vorher in Darjeeling beim Deputy Commissioner eingeholt werden, und zwar je ein Paß für Ausreise und Rückreise für jeden Bungalow, den man besuchen will. Man tut gut, die Kulis mit den Lebensmitteln einen Tag vorauszuschicken. Mitnahme von Verbandstoffen und einer Hausapotheke sowie Jagdgewehren ist zu empfehlen. Die erste Tagereise führt durch einsame Täler und über größere Höhen als Darjeeling bis zum Dâk Bungalow von (37 km) Tanglu (3070 m; jede Person über Nacht 1 Rup. und 2 annas für Brennholz), auf einem schroffen Bergvorsprung mit *Aussicht mitten im Wald. Zweite Tagereise durch wunderbare Gebirgslandschaft über Berg und Tal nach dem Dâk Bungalow von (61 km) Sandakphu (Sindukphu), 3630 m, mit prachtvollem *Ausblick auf Mount Everest und Kanchanjanga. Dritte Tagereise über stellenweise schmalen Berggrad zum Dâk Bungalow von (82 km) Phalut (3600 m). Vor Sonnenunter- und -Aufgang besteige man den höchsten Vorsprung des Bergrückens (etwa 3660 m), wo fünf spitze Steinhaufen mit tibetanischen Inschriften stehen. Die Bergriesen erglühen rosig (Alpenglühen); man befindet sich nur noch einen Tagesmarsch vom Kanchanjanga entfernt, sieht diesen Bergriesen dicht vor sich, dazwischen ein Labyrinth von Tälern unter gigantischen Abhängen, tief unten Dschungeln; *=Blick auf Mount Everest.= Wer weiter in die Gletscherwelt des Himalaja eindringen will, studiere vorher die Reiseberichte von Freshfield im »Alpine Journal« und von Dr. K. Boek in dessen Werk »Indische Gletscherfahrten«; sie rüsteten ihre großen Gebirgsreisen in Darjeeling aus.--Rückreise von Phalut: 1. Tag nach Sandakphu, 2. Tag bis Tanglu, 3. Tag Ankunft in Darjeeling. Viel schöner ist die Rückreise durch das Land Sikhim in 5 Tagen: 1. Tag von Phalut über den Dâk Bungalow von (10 km) Chiabhanjon (3150 m) nach dem Dâk Bungalow von (21 km) Dentam (2000 m); 2. Tag bis Dâk Bungalow von (40 km) Pamiongchi (1500 m); 3. Tag bis Dâk Bungalow von (56 km) Rinchinpong (1520 m); 4. Tag bis Dâk Bungalow von (75 km) Chakang (1550 m); 5. Tag zurück nach (107 km) Darjeeling (2180 m).
3) Nach =Teesta Bridge=, 2 Tage zu Pferd, etwas anstrengend (Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows vorher in Darjeeling beim Deputy Commissioner und beim Executive Engineer einholen), am 1. Tag zum Bungalow von (12 km) Badatam (760 m), dort übernachten, dann durch das Teesta-Tal über Teesta Bridge (Dâk Bungalow; 210 m) und (27 km) Pashoke (Dâk Bungalow; 1000 m), zurück nach Darjeeling. Man kann auch von Darjeeling über Pashoke ins Teesta-Tal hinabreiten, dann über Teesta Bridge (dort im Bungalow übernachten) nach Riang (Dâk Bungalow) und (51 km) Kalithora (Dâk Bungalow; 170 m) nach Siliguri (S. 140) reiten und von da mit der Bahn nach Darjeeling oder Calcutta zurück. (Näheres siehe »Meine indische Reise« von Eugenie Schaeuffelen, Berlin 1906.)
7. Von Calcutta nach Rangoon. Birma.
Vgl. Karte S. 155.
=Dampfer Calcutta-Rangoon=, 787 Seem.: British India Steam Nav. Co. (Agent Mackinnon, Mackenzie & Co., Calcutta, Strand 16), dreimal wöchentlich, So. Di. Fr., in 50 St. für I. Kl. 75, II. Kl. 37-1/2 Rup. Fahrkarte Calcutta-Singapore mit 4 Wochen Unterbrechung in Rangoon I. Kl. 150, II. Kl. 75 Rup. Verpflegung und Platzbesorgung für deutsche Reisende lassen zu wünschen; man bestelle durch Cook Plätze voraus.
Von Calcutta fährt man den Hooghly abwärts (S. 134), durchquert den innersten Teil des Golfs von Bengalen mit SO.-Kurs bis zum Kap Negrais, dann mit östlichem Kurs an den Mündungen des Irawaddy (spr. iráwadi) entlang, die sich durch lehmfarbige Trübung des Seewassers ebenso wie die Gangesmündungen weit außerhalb der Küste kenntlich machen. Schließlich steuert man mit NO.-Kurs in den Golf von Martaban bis zur Mündung des Rangoonflusses, auf dem das Schiff aufwärts nach (787 Seem.) Rangoon (S. 145) fährt.
=Birma= (oder Barma, engl. Burma) erstreckt sich zwischen 27° und 10° nördl. Br. von der Ostküste des Golfs von Bengalen aus nordwärts in die hinterindische Halbinsel hinein. Niederbirma (Lower Burma) ist seit 1826 und 1852, Oberbirma (Upper Burma) erst seit 1886 englisch. Zu letzterm rechnen noch Luschai- und Katschinland sowie die Schanstaaten, so daß die gesamte jetzige Provinz Burma, die einen Teil des Kaiserreichs Indien bildet, etwa 613000 qkm (Deutsches Reich 540778 qkm) mit 10500000 Einw. umfaßt. Oberbirma und auch die Gebirgszüge Unterbirmas sind noch wenig erforscht, so daß Touristenreisen im Lande sich auf die wenigen unten beschriebenen Linien beschränken müssen. Das ganze Land gliedert sich in nordsüdlich verlaufende Gebirgsketten und dazwischen eingesenkte Täler, von denen nur eins, das untere Irawaddytal, eine große Ebene bildet, die sich südwärts durch die Deltabildung des Flusses noch ständig vergrößert. Der zweite große Strom des Landes, der Salween, der wie der Irawaddy fern im N. im Grenzgebirge Tibets seinen Ursprung hat, durchfließt bis zu seiner Mündung ein verhältnismäßig schmales Gebirgstal.
Das =Klima= weicht von dem Vorderindiens wenig ab. Wie dort unterscheidet man drei Jahreszeiten: die kühle (Mitte November bis Anfang März), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit. Das Küstengebiet wird von Ende Mai bis Anfang Oktober durch den Südwestmonsun mit großen Regenmengen überschüttet. Landeinwärts läßt die Regenfülle, abgesehen von den Gebirgen, rasch nach, da ein küstennaher Gebirgszug einen großen Teil der Feuchtigkeit abfängt. Die =Temperatur= nimmt in der kühlen Jahreszeit landeinwärts ab (Rangoon Januar 23,7°, Mandalay 20,4°), in der heißen aber zu (Rangoon April 29,4°, Mandalay 31,8°). Die =Vegetation= des Küstengebiets ist sehr üppig; die Inseln des Irawaddydeltas sind großenteils von Sumpfwald und Röhricht bedeckt, die Berge von tropischem Regenwald. Die dichten Wälder, die einen großen Teil des Innern bedecken, bestehen vielfach aus Teakbäumen, die weniger Regen bedürfen; ihr Holz bildet einen Hauptausfuhrgegenstand; daneben gibt es Feigen- und Magnolienbäume sowie Brotfruchtbäume. =Tierwelt= wie in Ostindien, dazu vier Arten Nashörner. Vögel und Reptilien sind sehr farbenprächtig.
=Bevölkerung.= Das herrschende Halbkulturvolk der Birmanen ist wohl ein Mischvolk aus mongolischen, vorderindischen und malaiischen Elementen. Sie sind klein, hellbraun, wohlgestaltet, sehr lebhaft und geschäftlich rührig, gegen Fremde meist höflich und gastfrei, aber unzuverlässig und verschlagen. Männer und Frauen sind sehr putz- und vergnügungssüchtig und in ihrem Leben und Gebräuchen wesentlich von den Hindu verschieden. Die =Kultur= ist vom benachbarten Vorderindien aus stärker beeinflußt als von China her. Aus Vorderindien ist sowohl der Brahmanismus gekommen, der zahlreiche schöne Tempelbauten, namentlich in Oberbirma, hinterlassen hat, wie auch der heute herrschende Buddhismus, der übrigens mit brahmanischen Ideen ganz durchsetzt ist. Jeder Mann muß eine Zeitlang als Mönch leben; Klöster, Phoongyi-Kyaung, findet man in jeder Stadt und jedem Dorf, ältere sind oft prächtig aus Teakholz geschnitzt und mit Spitztürmen, Pyathats, geziert. Die Priester, kahlgeschoren und mit gelben Seidengewändern, sind hochangesehen, worauf der Reisende stets Bedacht nehmen muß, um sich vor Unannehmlichkeiten zu bewahren. Der Oberpriester, P'ha-T'hena-Baing, ein hoher Reichswürdenträger, hat seinen Sitz in Mandalay. Die Tempel, Phra, sind Prachtbauten, die Pagoden stets pyramidenförmig. Die Priester sind gegen höfliche Fremde sehr artig und zeigen alles gern. Öffentliche Theateraufführungen (Pwe), die abds. 8 Uhr im Freien beginnen und oft über Nacht dauern, sind sehenswerte Volksfeste.
Den kulturellen Mittelpunkt des Landes bildet das =Irawaddytal=, in dessen Ebenen große Mengen von Reis, Baumwolle, in viel geringerm Umfang auch Erdnüsse, Tabak, Zuckerrohr und Sesam gebaut werden; die Ausfuhr von Reis (nach China) ist sehr stark. Im nördl. Gebiet kultiviert man Mais, Weizen, Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaat; im Gebirge auch Tee, der teils als Gemüse gegessen, teils eingesalzen zur Getränkbereitung benutzt wird. Viehzucht ist unbedeutend, man hält nur Zug- und Lasttiere: Pferde, Büffel, Elefanten, Rinder. Wichtig ist der =Bergbau= auf Edelsteine (besonders Rubine und Saphire), Petroleum und Kohle.
Der =Handelsverkehr= findet vorwiegend auf den schiffbaren Flüssen statt, auf dem Irawaddy mit Dampfern der Irawaddy Flotilla Co. bis Bhamo, 1180 km von der Mündung, und auf dem Chindwin. Außerdem mehrere Bahnlinien, s. S. 145 und 150.
Der Ostteil Oberbirmas wird von dem wilden Gebirgslande der sogen. Schanstaaten eingenommen, die erst in ihrem Nordteil durch die bis nahe an die Grenze der chinesischen Provinz Yünnan führende Eisenbahn ein wenig erschlossen, im ganzen aber noch ziemlich unerforscht sind. Die Staaten der Schanvölker, die dieses Gebiet hauptsächlich bewohnen, stehen zu England im Verhältnis von Schutzstaaten. Die Schan sind ein Naturvolk, aber mit einer nicht ganz geringen Kultur, und leisten im Ackerbau (Tee und Baumwolle) und Viehzucht Tüchtiges. Sie sind mongolischen Ursprungs, also Verwandte der Chinesen.
Beste Reisezeit nach der Regenzeit, etwa von Mitte November bis Ende Februar; aber auch der März ist oft noch angenehm kühl und sehr geeignet für Ausflüge.
Die Hauptreize einer Reise ins Innere Birmas bestehen in der Fahrt auf dem majestätischen Irawaddystrom, die den Genuß der Tropennatur unter den angenehmsten Verhältnissen ermöglicht, und im Studium der äußerst liebenswürdigen Bewohner und ihrer Kultur, besonders ihrer religiösen Bauwerke.
Rangoon.
Vgl. den Plan S. 147.
=Ankunft zur See.= Bei China Bakir kommt der Lotse an Bord, dann dampft man auf dem Rangoonfluß (dem östlichsten Mündungsarm des Irawaddy) aufwärts und ankert nach etwa 2 St. Fahrt vor der Stadt, 24 Seem. oberhalb der Mündung. Beide Flußufer zeigen reichen Pflanzenwuchs; von weitem sieht man Schornsteine und die goldglitzernde Dachspitze der Shwe Dagon-Pagode, später erkennt man Warenschuppen und Holzlager und Häuser der Stadt. Landung erfolgt mit Dampfbarkassen der betr. Dampfergesellschaft oder mit Booten der Eingebornen (»sampans«; 4 annas für 10 Min. Fahrt). Bei hohem Wasserstand legt der Dampfer am Ufer vor der Mitte der Stadt an. Zolluntersuchung wie in Indien (S. 49); von indischen Häfen kommende Reisende haben keinen Zoll zu zahlen.
=Gasthöfe=: Minto Mansions Hotel, im Cantonment nahe Gymkhana; 80 Z., neu und besteingerichtet, gute Verpflegung, Din. 3 Rup., Pens. 9-15 Rup., Oktober bis April 15-17 Rup.--Strand Hotel (Pl. a), in schöner Lage, empfohlen. --Royal (Pl. b), Pens. von 10 Rup. an.--Criterion Hotel.--Viele =Boarding Houses=: Allendale, im Cantonment, Aberdeen House u. a.; Pens. 5-11 Rup. Vorausbestellung von Zimmern ist zweckmäßig. Man kann auch auf den Irawaddy-Dampfern gut übernachten. --=Restaurants= in den großen Gasthöfen; ferner Chiesa, italienische Konditorei; Vienna Bakery, Fytche Square.
=Post u. Tel.= in Strand Road.
=Wagen=: Ticca gharries nach Tarif. Man beachte, daß die Kutscher meist »Madrassis« sind, die Hindostanisch verstehen, aber weder Straßen-noch Geschäftsnamen kennen! Man nehme den Stadtplan mit!
=Straßenbahnen= (elektr. Bahn mit 2 Klassen). Eine Linie von Strand Road zur großen Shwe Dagon-Pagode; eine andre zum Dalhousie Park, eine dritte Linie nach Pazundaung.
=Eisenbahnen=: Burma Railway, Hauptlinie nach Mandalay und Myitkyina mit Zweiglinien nach Moulmein, Myingyan, Alon, Lashio und Katha; außerdem Linie Rangoon-Prome mit Zweiglinie nach Bassein (vgl. Karte »China und Japan« und die bei S. 155). Der Hauptbahnhof (Terminus) liegt Ecke Phayre Street und Montgomery Street; die Prome-Linie hat noch Nebenstationen bei Godwin Road, Prome Road und Alon sowie eine große Station im Vorort Kemmendine; die Mandalay-Linie hat den Bahnhof Pazundaung.--Lokalverkehr besteht zwischen Rangoon-Hauptbahnhof-Pagoda Road-Lanmadaw-Cantonment-Gymkhana-Mission Road-Kemmendine-Kamayut-Okkyin-Tamaing-Gyogon und Insein und zurück.
=Dampfer=: British India Steam Nav. Co. (Agent Bulloch Bros., Strand Road), nach Calcutta 3mal wöchentl.; nach Madras (Fahrzeit 4 Tage), nach Tavoy und Mergui, nach Penang und Singapore wöchentl. -- Norddeutscher Lloyd (Agent: Krüger & Co., Ltd., Tel.-Adr. »Nordlloyd, Rangoon«), durch Zweiglinie der British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Penang (Fahrzeit 3 Tage, Aufenthalt in Penang etwa 3 Tage), dort Anschluß an die aus- und heimreisenden Reichspostdampfer. -- Bibby Line, nach Colombo alle 14 Tage (Fahrzeit 4 Tage).--Österreichischer Lloyd (Agent Società an. Coloniale di Trieste, Tel.-Adr.: »Lloydiano-Rangoon«), einmal monatl. nach Calcutta (von Colombo und Madras kommend) und von da nach Triest.--Henderson Line, 14tägig über Port Said nach London.
=Geld= wie in Indien, s. S. 49; aber indisches Papiergeld muß in Birma mit Verlust gewechselt werden; Banknoten des Rangoon Treasury gelten in ganz Birma. 1 £ = 15 Rup. -- =Banken=: Bank of Bengal, Strand Road. --Hongkong and Shanghai Banking Corporation; Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. -- National Bank of India, Phayre Street; Korr. der Deutschen Bank; alle drei der Berl. Disconto-Gesellschaft. -- Nederlandsche Handels Maatschappij. -- Cook's Office (s. unten) besorgt ebenfalls Bankgeschäfte.
Die =Sprache= der Birmanen ist ein Glied der indochinesischen Sprachfamilie. Man beachte Judson, »Grammar of the Burmese language« und dessen »Dictionary«. Englisch wird jedoch in den Gasthöfen und auf den Eisenbahnen gesprochen.
=Theater=: Reisende europäische Gesellschaften geben zuweilen in der Jubilee Hall in Pagoda Road Vorstellungen. -- Nationale Vergnügungen (Pwes) suche man zu erkunden: Zat Pwe ist Vorstellung mit Gesang, Tanz und Ulk; Yokthwe Pwe ein Marionettentheater; Yein Pwe, Ballettänze mit Musik und Gesang, finden nur bei besondern Festlichkeiten statt, sind frei (werden vom Veranstalter des Festes bezahlt) im Freien von 8 Uhr abds. die Nacht hindurch.
=Reisebureau.= Thos. Cook & Son, östl. Ecke der Phayre Street und Merchant Street (Tel.-Adresse: »Coupon, Rangoon«), besorgt zusammenstellbare Fahrscheine für alle Ausflüge mit Bahn oder Flußdampfer und erledigt auch alle Geldgeschäfte. (Nützlich ist Cook's Handbook Burma.) -- Scott & Co., Merchant Street.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Konsul C. Kauffeld. -- Österreich-Ungarn, Konsul Michael Sevastopulo. -- =Deutscher Klub= in Commissioners Road.
=Polizeiamt= in der Pagoda Road beim Bahnübergang und an andern Plätzen.
=Ärzte=: Die Zivilärzte im Cantonment; Dr. de Souza, Dalhousie Street; Dr. Pearse, Dr. Pedley, beide Signal Pagoda Road. Die Ärzte haben Sprechstunden in den Apotheken.--=Zahnärzte=: Dr. Panhans (deutsch), Solay Pagoda Road; Osborn (Amerikaner), Phayre Street.--=Apotheken=: De Souza & Co., Dalhousie Street 215.--Rangoon Medical Hall, Merchant Street 72. --=Krankenhaus=: General Hospital in der Commissioners Road; Ärzte: Major Barry, Major Röst.
=Buchhandlung=: Myles Standish & Co., Merchant Street 75.--=Zeitungen=: Rangoon Gazette; Rangoon Times; Burma Herald.--=Photographien=: P. Klier & Co., Signal Pagoda Road 3 und Merchant Str., Ecke der Phayre Street. --D. A. Ahuja (für photographische Artikel), Sule Pagoda Road.
=Geschäftsadressen.= Reiseartikel und europäische Bedürfnisse: Laidlaw & Whiteway.--Rowe & Co., Fytche Square.--Watson, Allen & Roberts, Merchant Street 73.--W. Macfie & Co., Merchant Street 16.--Kuriositäten, Ebenholzschnitzereien, Elfenbein-, Gold- und Silberwaren: Klier & Co., Merchant Str., Ecke der Phayre Street.--Goldschmiede und Holzschnitzer in Godwin Road; gute Schnitzarbeiten liefert auch das Hauptgefängnis (Central Jail), Old South Boundary Road; Buddhafiguren in Bronze und Alabaster und andre Spezialitäten im Vorort Kemendine.--=Basare=: Suratee Bazaar in China Street.--Rangoon Bazaar gegenüber; außerdem öffentliche Märkte (Municipal Bazaars), Strand Road u. in Kemendine.
=Zeiteinteilung für Birma.= a) =Für 10 Tage= (die gewöhnliche Zwischenzeit zwischen zwei Dampferabfahrten): Ankunftstag früh Stadt Rangoon, Nm. Bahnfahrt nach Katha, von da am 3. Tag früh mit Dampfer nach Bhamo;-- 4. Tag Bhamo;--mit demselben Expreßdampfer am 5. Tag früh zurück, Nm. an Katha, mit Bahn von da nach Mandalay;--6. Tag: Mandalay;--7. Tag: früh ab nach Gokteik Gorge, Nm. dort an;--8. Tag: Vm. ab Gokteik Gorge nach Rangoon;--9. Tag: abds. Ankunft Rangoon;--10. Tag: Vm. Rangoon, mitt. Abfahrt mit Dampfer.
b) =Bei längerm Aufenthalt:= 1. Tag: Rangoon;--2. Tag: Bahnfahrt nach Mandalay;--3. u. 4. Tag: Mandalay; --5. Tag: Amarapura und Ava; --6. u. 7. Tag: Gokteik Gorge;-- 8. Tag: Bahnfahrt nach Katha;--9. Tag: Dampferfahrt nach Bhamo;-- 10. Tag: Bhamo;--11. bis etwa 20. Tag: Dampferfahrt Bhamo-Mandalay-Prome-Rangoon. Der Reiseplan ist abhängig vom Fahrplan der Irawaddy Flotilla Co.
=Geschichte.= Der Platz, wo Rangoon steht, ist seit alters heilig durch die Shwe Dagon-Pagode. In den Kämpfen zwischen den Ländern Ama und Pegu vertrieb der Bauer Alompra die Bewohner Pegus und machte 1753 Rangoon zur Hauptstadt der letzten Königsdynastie von Birma. Der Übermut des Königs Phagyidan führte zum Kriege mit England, Rangoon wurde 1824 von den Engländern erobert, aber erst 1852 zur Hauptstadt von Britisch-Birma gemacht. Seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen Ausfuhrhafen für Reis und Teakholz entwickelt.
Rangoon, Hauptstadt von Britisch-Birma und Sitz des Lieutenant Governor's, mit 234881 Einw., liegt auf 16° 47' nördl. Br. am Ostrande des Irawaddydeltas, am linken Ufer des Rangoonflusses (Hlaing), des östlichsten Mündungsarmes des Irawaddy, dicht oberhalb der Einmündung des Peguflusses und nach O. begrenzt von dem schmalen Wasserarm Pazundaung Creek (an dessen Ufern die meisten Reismühlen liegen). Die Stadt ist weitläufig gebaut mit regelmäßigen Straßen. Im W. liegt das Chinesenviertel, im NW. das Cantonment, zugleich Europäerviertel, mit breiten Straßen und schönen Gärten sowie vielen Kasernen. Im nördlichen Teile dieses Viertels liegt die große Tempelanlage der *Shwe Dagon-Pagode (s. unten) und östl. davon der prächtige *Dalhousie Park mit den *Royal Lakes. Südl. angrenzend der *Victoria Park, in dem sich die Agri-Horticultural Gardens, das kleine Phayre Museum und der Zoologische Garten befinden. Erwähnenswerte Gebäude sind das Seemannsheim (Sailor's Home) und der Chinesische Tempel in Strand Road, das Sekretariat in der Dalhousie Street, das General Hospital in Commissioners Road, das Gouvernment House in Kemmendine Road, die Kathedrale und das Rangoon College mit Bibliothek, alten Pali- und Birmahandschriften auf Palmenblättern in China Street. Nicht alle Straßen haben Namen und Hausnummern, was das Zurechtfinden in der Stadt erschwert. Die Sägewerke für Teakholz (in denen Elefanten zum Lastentragen verwendet werden) liegen meist in Aloon, am Westende der Strand Road. Man versäume nicht, die arbeitenden Elefanten (wood piling elephants) am Fluß anzusehen, früh 6-9, dann 3 Uhr bis abends.
=Rundfahrt.= Morgens 1/2-8 Uhr beginne man mit den Basaren (S. 146), insbesondere dem Suratee Bazaar in der China Street und dem Municipal Bazaar am Strand; dann ist die beste Zeit, um die Tätigkeit der sehr geschäftsgewandten, Riesenzigarren rauchenden interessanten Birmaninnen zu bewundern; die Basare werden viel besucht, nur um Erkundigungen einzuziehen, zu schwatzen und zu flirten. Dann fahre man durch China Street bis zur Commissioners Road, in diese l. zum sehenswerten neuen General Hospital, gegenüber das Rangoon College und der Deutsche Klub; von da weiter zum Central Jail (eins der größten Zuchthäuser im britischen Reich), das Verkaufsräume der Sträflingsarbeiten (meist schöne Holzschnitzereien) hat und auch innen sehenswert sein soll; Erlaubnis zur Besichtigung beim Superintendent im Gefängnis.--Dann durch Dalhousie Street bis zum Fytche Square, wo die achteckige Sule-(Solay-)Pagode steht; ihr äußerer Bau ist kaum 70 Jahre alt, aber die Stûpa im Innern soll aus dem 1. Jahrh. stammen und schließt noch eine kleinere Stûpa von der Königin Schinsobu ein. Auf der Terrasse der Pagode interessante Reliquienschreine und Statuen.--Die Hauptsehenswürdigkeit Rangoons, die =*Shwe Dagon-Pagode=, besichtigt man am besten 4 Uhr Nm. Man fährt vom Strand durch China Street und Pagoda Road bis vor ihren nach S. gelegenen Haupteingang. Sie ist der heiligste Buddhatempel in ganz Hinterindien, wahrscheinlich fast 2-1/2 Jahrtausende alt (588 v. Chr. erbaut) und steht mitten auf befestigten Terrassen auf einem Hügel des Pegu Jomagebirges. Eine schöne Allee führt von der Stadt zum Haupteingang mit reich verziertem, von fabelhaften Ungetümen aus weißem Stuck bewachtem Tor, zu dem man auf breiter Freitreppe hinansteigt. Auf der Treppe Verkäufer aller Art; Gebetfähnchen, Opferkerzen, Puppen, Tempelblumen, Gongs und Glocken, Eßwaren, dazu Führer und Bettler in Menge. Innerhalb des Tores öffnet sich der farbenprächtige Tempelplatz, in dessen Mitte die große, im untern Teil mit Blattgold, im obern Teil mit Goldplatten bedeckte Pagode über achteckiger Grundfläche von 413 m Umfang sich in vielen Abstufungen flaschenförmig 98 m hoch erhebt. Ihre Spitze trägt als Herrscherzeichen ein goldenes Schirmgestell, reich mit Edelsteinen, besonders den prächtigen birmanischen Rubinen, verziert und mit goldenen und silbernen Glöckchen behängt, und »Ti« genannt; der letzte Ti von 14 m Höhe und 4 m Durchmesser und 1,2 Mill. Mk. Wert wurde 1871 vom König Mindun Min von Oberbirma gestiftet. Acht Haupthaare Gautamas (Buddhas) im Innern der Pagode werden von unzähligen Pilgern jährlich verehrt.
Die Vergoldung der Pagode ist verschwenderisch dick, die Edelsteine, mit denen die Pagode und ihre zahlreichen Buddhastatuen und andern Figuren u. Tempel früher geschmückt waren, sind seit Besitznahme des Landes durch die Engländer fast sämtlich verschwunden. Die Pagode (auf deren Sockel noch im Jahre 1903 ein wilder Tiger, der sich zur Stadt verlaufen hatte, geschossen wurde) ist rings umgeben von kleinern Tempeln und Altären mit Buddhastatuen aus Teakholz geschnitzt oder aus Stuck oder Marmor; dazwischen stehen Elefanten, Löwen und phantastische Manotthika-Figuren aus Stein und reichem Holzschnitzwerk, ferner heilige Pfosten, wie Flaggenstangen mit langen Eisenbändern, und gekrönt mit dem Adler Wischnus, Karaweik; dazwischen wachsen heilige Bo-Bäume und Palmyra-Palmen.--Diese seltsame Tempelanlage wird von Priestern und Mönchen, Bettlern, Musikanten, Wahrsagerinnen, hübschen, aber geschwätzigen Weibern, Krähen und Hunden bevölkert, während stets zahllose Glöckchen läuten. Man besuche dieses »Märchenbild« öfters und zu verschiedenen Tages- und Abendstunden und wird stets neue Reize entdecken.--Am Osteingang steht die fast 40 Tonnen schwere Glocke, die in den Fluß fiel, als die Engländer sie als Beute mitnehmen wollten, später aber wieder von den Birmanen gefischt und zum Tempel gebracht wurde.
Noch vor Sonnenuntergang sollte man eine Spazierfahrt durch den künstlerisch angelegten =*Victoria Park= mit Zoologischem Garten und Agri-Hortikultur-Garten, dann durch den schönen Dalhousie-Park um den Royal Lake herum machen, der durch Bougainvillea-Hecken eingerahmt ist und kaum 1 km östl. von der großen Pagode liegt; die goldene Pagodenspitze ist im Hintergrund des Parks zu sehen.--Um birmanische Klöster kennen zu lernen, wende man sich an den liebenswürdigen alten Mönch Uthilawuntha, der dicht beim Bahnhof Pazundaung eine gute Schule leitet und gern europäische Besucher empfängt. Dort ist man in der Nähe der Reismühlen, deren Besichtigung zu empfehlen ist; Erlaubnis wird meist gern gegeben.
=Ausflüge:= 1) Nach dem =Victoria-See=, etwa 13 km nördl. der Stadt, an der Landstraße (in der trocknen Jahreszeit sehr staubig) nach Prome; die Landschaft ist hübsch, man fährt durch große, schattige Ananasgärten zurück auf der Kokine-Straße, insgesamt 24 km in etwa 4 St.--2) Nach =Syriam=, wo die Raffinerien der Burma Oil Co. liegen, mit Dampfbarkasse, von der Landungsbrücke beim Zollamt, Strand Road, etwa 5,5 km östl. zum l. Peguufer, wo eine Landungsbrücke ist; das jetzige Dorf war die erste portugiesische Ansiedelung in Birma, später holländische Faktorei (1631-77); Ruinen dieser Niederlassung sind noch zu sehen.
--10 km von Syriam steht eine große Pagode auf einem Hügel.--3) Nach Pegu (sehr lohnend) s. unten.
Von Rangoon nach Oberbirma.
Zusammenstellung von Fahrscheinheften besorgt Cook's Office in Rangoon (S. 146); z. B. die Tour Nr. 5 für 10 Tage: Bahnfahrt Rangoon-Mandalay-Katha; Dampferfahrt Katha-Bhamo-Mandalay-Prome; Bahnfahrt Prome-Rangoon; Fahrpreis I. Kl. 157-3/4, II. Kl. 83 Rup.
=Burma Railway=, Expreßzug von Rangoon (ab 11 Uhr Vm.) nach (386 M, 620 km) Mandalay (an früh) in 20 St., für I. Kl. 30 Rup. 3 annas, II. Kl. 18 Rup. 1-1/2 annas. (Man achte auf sein Gepäck und verriegele das Abteil, wenn man schläft, es wird viel gestohlen!)-- Die Bahn läuft nicht in der Irawaddy-Ebene aufwärts, sondern wendet sich über die südl. Ausläufer des die Irawaddy-Ebene ostwärts begrenzenden Pegu-Yoma-Gebirges dem zwischen diesem und dem ostbirmanischen Gebirgslande verlaufenden breiten Talzuge zu. Dieser wird in seinem größern Südteile (von Yamethin ab) durch den Sittangfluß südwärts zum Golf von Martaban entwässert, im Nordteil aber nordwärts durch den Isamonfluss, der bei Ava (S. 153) in den Irawaddy mündet.
Abfahrt in Rangoon vom Terminus (Phayre Street) über (1 M) Pazundaung Stat. durch wasserreiches, gut bebautes Flachland, aus dessen üppigem Pflanzenwuchs viele Pagoden aufragen.
(47 M) =Pegu= (Bahnwirtsch.; Wagen zu haben), Stadt von 14000 Einw., angeblich 573 begründet, war im 16. Jahrh. eine blühende Großstadt, wovon noch sehenswerte Spuren vorhanden. Vom Bahnhof sieht man an der Westseite die ruhende Riesenfigur Buddhas, den Shwethayaung (55 m lang, 15 m hoch) und nahebei die 1476 erbaute Ordinationshalle für Mönche, Kalyanisima, mit Pali- und Talainginschriften, sowie die Kyaikpun-Pagode mit vier Buddhafiguren, 27 m hoch, mit den Rücken gegeneinander sitzend. Größtes Heiligtum ist die Shwemodo-Pagode, auf einem Hügel malerisch gelegen und von 128 kleinen Pagoden umgeben. In der SO.-Ecke der Stadtmauer steht die Shweaungyo-Pagode, *Aussicht über Pegu und Vorstädte. --Etwa 1,5 km westl. liegt die Shweguzale-Pagode mit 64 Buddhafiguren, 1588 erbaut. (Zur Besichtigung von Pegu fahre man mit dem Frühzug von Rangoon ab, dann hat man bis zur Ankunft des Expreßzugs etwa 4 St. Zeit.)
Der Expreßzug fährt dann über (88 M) Pyuntaza, (166 M) Toungoo, (226 M) Pyinmana, (275 M) Yamethin, (306 M) Thazi Junction (Zweigbahn nach Myingyan am Irawaddy), (359 M) Kyaukse, sämtlich mit Bahnwirtschaften, nach (383 M) Myohaung Junction (Zweigbahn nach Amarapura, S. 153).
=Zweigbahn= von hier nö. nach (181 M) =Lashio=, Hauptstadt der nördl. Schanstaaten, und Kung-Lon am Salween, nahe der Grenze der chinesischen Provinz Yünnan. Ein sehr empfehlenswerter 1-1/2tägiger Ausflug von Mandalay (s. unten) führt auf dieser Zweigbahn mit Kehren durch sehr schöne Gebirge (ähnlich Darjeeling, S. 141) bis (83 M) =**Gokteik Gorge= (Rasthaus der Bahngesellschaft auf vorherige Anmeldung beim Station Master der Abfahrtstation verfügbar, doch nehme man Lebensmittel mit), einer großen Schlucht in wunderbarer Landschaft, überbrückt von einem der höchsten Bahnviadukte der Erde, einem Meisterwerk der Technik, etwa 700 m lang, 100 m hoch, auf etwa 15 schlanken Pfeilern. Darunter eine herrliche Schlucht, worin der Fluß die Felswand in einer Höhle mit zahllosen Stalaktiten und Stalagmiten durchbricht; man steigt steil etwa 300 m zur Höhle hinab, deren Ein- und Ausgang man sieht; sie ist etwa 1200 m lang, 100 m hoch und 60 m breit. Fahrzeit von Myohaung bis Gokteik Viaduct etwa 8 St., bis Lashio etwa 23 St., weil der Zug in (124 M) Hsipaw übernachtet, auch auf der Rückfahrt von Lashio.
Der Expreßzug von Rangoon erreicht nach 20 St. (386 M) Mandalay.
Mandalay.
=Gasthöfe:= Salween House Hotel, Pens. 12 Rup.--Gale's Hotel, neben dem Postamt, beide mäßig.--Schlafgelegenheit auch im Dâk Bungalow, gut, gegenüber dem Bahnhof (nur mit Erlaubnis des Distriktskommissars), und im Upper Burma Club im Palastviertel, wenn man Empfehlung hat (auch Damen können eingeführt werden). Wer mit Dampfer weiterfährt, kann sofort auf dem Dampfer (sehr gut) wohnen.
=Wagen:= Minderwertige Ticca gharries zu festen Preisen.--=Dampfer= der Irawaddy Flotilla Co. zweimal in der Woche flußaufwärts bis Bhamo, flußabwärts bis Rangoon.--=Bank:= National Bank of India, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank in Berlin.--=Theater:= Gelegentlich sehenswerte Yein Pwes (S. 146).--=Ärzte:= mehrere englische.-- Apotheken: Burma Medical Hall; Mandalay Medical Hall.--=Zeitungen:= Mandalay Herald; Mandalay Times.-- =Photograph:= Johannes & Co.
=Geschäftsadressen:= Reiseartikel und europäische Bedürfnisse: Moses & Friends; E. Solomon & Co.; Rowe & Co. Kunstsachen: Samuels. Seidenstoffe (feinste, handgewebte Seide der Erde): Makkim.
Die Stadt Mandalay (Pattaniapura), 96 m, hat 183816 Einw. und war 1857-85 Hauptstadt des Königreichs Birma; die Stadt besteht aus drei ineinandergeschobenen Vierecken, von denen die innern noch mit Mauern umgeben sind. Stark befestigt und bewacht ist das englische Cantonment, *Fort Dufferin genannt, das alte Palastviertel, von den Birmanen »Mitte des Weltalls« genannt, vom König Mindon Min 1857 erbaut; die alten Paläste des Königs, der Königinnen, die geheime Ratskammer, das Königskloster, die Audienzhallen sind mit reich vergoldeten Schnitzereien geziert und werden von den Engländern als Regierungsgebäude und Kasernen benutzt. Das Government House liegt im großen Wachtturm auf der Mauer des Palastviertels. Eine 2,5 km lange, 9 m hohe weiße Zinnenmauer umgibt die Königsstadt, über den sie umschließenden Graben führen fünf Brücken, davon die nördliche, die »Brücke des Todes«, nur für Leichenzüge. Im breiten Wassergraben wachsen rote Lotosblumen. Schöne Reste von Ziergärten. Von einem runden Aussichtsturm überblickt man das Palastviertel.--Vom *Mandalayhügel prachtvoller Überblick über die *450 Pagoden (jetzt 729 kleine weiße Pavillonpagoden, die am Fuße des Hügels einen großen Mitteltempel umgeben); man sieht bis Amarapura (S. 153); in der Nähe das Glasskloster.--Nahe dem Bahnhof das schönste und größte Kloster von Birma, das *Goldene Kloster der Königin (mit unzähligen Tis, phantastischen Figuren, Balkonen und Säulenpfosten, ein Musterwerk birmanischer Holzschneidekunst), Priester dienen gern als Führer. In derselben 85. Straße liegt die Saik Yah Theehahpagode mit großer Marmorfigur Buddhas.--Der *Basar ist wegen seiner Volkstypen sehenswert, und weil man sehr gute Seidenstoffe und gelegentlich auch Antiquitäten preiswert kauft; Gelegenheit zu photographischen Aufnahmen des Volkslebens.--
Die =*Arrakanpagode= (Maha Myat Muni) ist nächst der Shwe Dagon in Rangoon (S. 148) die heiligste und größte in Birma; ihr sehr schönes, berühmtes bronzenes Buddhastandbild soll nach der Legende von Buddha selbst zusammengefügt sein; es ist 1784 von Akyab über die Berge nach Mandalay geschafft. (Sehr besuchter Wallfahrtsort.)--Außerdem enthält Mandalay noch viele Sehenswürdigkeiten, deshalb ist mehrtägiger Aufenthalt für Reisende, die birmanisches Leben kennen lernen wollen, sehr empfehlenswert.
Rundfahrt: Bei wenig Zeit beginne man mit der Arrakanpagode, dann zum Goldenen Kloster der Königin, dann Saik Yah Theehahpagode, Fort Dufferin und Mandalayhügel mit den 729 Pagoden und dem Glasskloster. Man beachte, daß der Basar gegen 1/2-5 Uhr Nm. schließt.
=Ausflüge:= 1) Nach den Hügeln von =Yankintaung=, zu Pferde (weil schlechter Weg für Wagen), etwa 8 km östl. von Mandalay; man sieht viele Klöster und Pagoden und ein Buddhastandbild in einem tiefen Bodenspalt.--2) Nach den Hügeln von =Maymyo=, zunächst mit der Bahn bis (31 M) Thondaung an der Lashiozweigbahn, dann mit Reitgelegenheit in die Berge, zurück über Stat. Maymyo (42 M von Mandalay) mit der Bahn.--3) Nach =**Gokteik Gorge= vgl. S. 150.--4) Nach =*Amarapura= (mit Bahn über Myohaung [S. 150], 10 km von Mandalay, Stationsvorsteher von Amarapura besorgt ortskundigen Führer); diese alte Hauptstadt von Birma ist voll malerischer Ruinen von Königspalästen und Pagoden, unter letztern die Shinbinkugyi-Pagode und die schöne Patawdawgyipagode auf fünf Terrassen, mit teilweise humoristischen und grotesken Marmorreliefs. Südl. vom Taungthamansee ist ein riesiger sitzender Buddha, der Mahasakyavansa.-- 5) Nach =Ava=, 6,5 km sw. von Amarapura, am Zusammenfluß des Irawaddy mit dem Bergfluß Mjitnge, älteste Hauptstadt von Birma, mit vielen Pagoden, aber wenig alten Ruinen.-- 6) Nach =*Mingoon= (10 km oberhalb Mandalay) mit Lokaldampfer, am r. Irawaddy-Ufer stromaufwärts. In Mingoon eine unvollendete Riesenpagode mit der größten (nicht gesprungenen) Glocke der Erde, von 81 Ton. Gewicht; sie ist 4 m hoch und hat unten 5 m Durchmesser; die Glocke ist in einem Pavillon nahe über dem Erdboden aufgehängt und muß mit schweren Balken durch neun Mann geläutet werden.
Von Mandalay nach Bhamo und zurück nach Rangoon.
[Hand]Abfahrtstag ist abhängig vom Dampferfahrplan!--=Burma Railway= über (3 M) Myohaung Junction und (6 M) Amarapura nach (9 M) Amarapura Shore Stat., Überfahrt auf Fährdampfer über den Irawaddy nach (13 M) Sagaing, Distriktshauptstadt mit vielen sehenswerten Pagoden (Erlaubnis zum Besuch erteilt der Deputy Commissioner in Sagaing), am r. Irawaddy-Ufer. --Dann mit der Bahn durch Prärien und Dschungeln, an Hügeln vorbei über (66 M) Shwebo, (112 M) Kanbalu und (166 M) Wuntho, sämtlich mit Bahnwirtschaft, und durch die malerische Schlucht zwischen (181 M) Nankan und (197 M) Meza nach (212 M) Naba Junction (Bahnwirtschaft); von hier Zweigbahn nach (227 M) =Katha=, am rechten Irawaddy-Ufer in schöner Landschaft.
[Die Hauptbahnlinie führt nördl. weiter bis (344 M) =Myitkyina=, einem wichtigen Ort für den Karawanenverkehr mit Tibet und China, am r. Irawaddy-Ufer, von wo bei günstigem Flußwasserstand ein kleiner Dampfer durch prächtige Landschaft und die »Erste Stromenge« (First Defile) abwärts nach Bhamo läuft.]
Von Katha mit Dampfer der Irawaddy Flotilla Co. (I. Kl. sehr gute Verpflegung und gute Kammern) flußaufwärts durch die »Zweite Stromenge« (Second Defile), eine schmale Felsenstraße, nach =Bhamo= (107 m) am l. Ufer des Irawaddy (1180 M oberhalb seiner Mündung), einem von verfallenen Palisaden umgebenen Handelsplatz mit 14000 Einw., an der Karawanenstraße nach der chinesischen Provinz Yünnan, deren Grenze 50 km östl. liegt; auf dem Basar verkehren die Bergvölker der Schanstaaten und aus Katschin. Sehenswert ist die Theindawgyi-Pagode (spr. tenndotschi) und das reichgezierte chinesische Joß-Haus am Nordende der Hauptstraße. Ein schöner Weg (1-1/4 St. zu Fuß) führt auf der Landstraße nach China durch Dschungeln zu den Sojima-Pagoden; unterwegs begegnet man vielen Karawanenzügen und Schan- und Katschin-Leuten. Man übernachtet und ißt auf dem =Dampfer=, der nach Einnahme der chinesischen Ladung seine =*Talfahrt auf dem Irawaddy= beginnt, die in 1-1/2-2-1/2 Tagen nach Mandalay führt, wenn niedriger Wasserstand nicht unvorhergesehenen Aufenthalt verursacht. Unter den Ortschaften, die der Dampfer anläuft, ist am l. Ufer =Thabeitkyin= (guter Dâk Bungalow), der Hafen für die Rubinengruben in Mogok, etwa 80 km östl. Früh gegen 6 Uhr geht ein Motoromnibus (Fahrpreis I. Kl. 30, II. 15 Rup., Europäer können II. Kl. fahren, da für Eingeborne noch III. Kl. da ist) in 6 St. nach Mogok (guter Dâk Bungalow). Besichtigung der Rubinenminen erfordert einen Tag. Meist kann man mit dem nächsten Dampfer weiter fahren.
Wer Zeit hat, kann die Irawaddyfahrt von Mandalay nach Bhamo auf Frachtdampfer machen, Verpflegung und Unterkunft ist gut; diese Dampfer halten längere Zeit an vielen Plätzen, haben auch Basar an Bord, der von den Eingebornen überall zu Einkäufen viel besucht wird. Rückfahrt wie oben mit Expreßdampfer.
In Mandalay (S. 151) haben auch die Expreßdampfer meist einen Tag Aufenthalt; dann Weiterfahrt auf dem Irawaddy, vorbei an den Pagoden und Ruinen von Amarapura (S. 153) und Ava (S. 153) l. und Sagaing (S. 153) r.--Erste Anlegestelle ist l. in =Myingyan= (74 m), einer großen Baumwollenhandelsstadt, die durch Zweigbahn mit der Hauptlinie Rangoon-Mandalay verbunden ist. Zwischen Myingyan und Nyaungu mündet von r. der Chindwin, der größte Nebenfluß, der ebenfalls für Dampfer schiffbar ist. In Nyaungu (Regierungs-Bungalow) schiffen sich die Reisenden für Pagan aus.
=*Pagan=, am l. Ufer des Irawaddy, alte heilige Hauptstadt von Birma vom 5.-13. Jahrh., mit vielen Tempelruinen, deren jetzt noch etwa tausend vorhanden sind, darunter das älteste Denkmal indischen Stils, die *Kyaukku Onhmiu-Pagode, mit reicher und sehr grotesker Ausschmückung und fast arischem Buddhabildnis. Ebenfalls aus grünlichem Sandstein ist der Maunha-Palast erbaut, der im Thronsaal feine Schnitzereien zeigt. Die zahlreichen Pagoden in Pagan weisen andre Bauart auf als in Niederbirma; sehenswert sind die *Ananda-, Sinbinthayaung-, Gaudapallin- und Thapinyu-Pagoden aus dem 11. und 12. Jahrh. Man besteige die Terrasse einer der höchsten Pagoden, um die Trümmerstadt Pagan zu überblicken. (NB. Zur Besichtigung von Pagan und Benutzung des Regierungs-Bungalows in Nyaungu ist die Erlaubnis des Deputy Commissioner in Myingyan erforderlich!)-- Ungefähr 50 km wsw. von Pagan erhebt sich der Vulkan Popa etwa 1400 m über die Irawaddy-Ebene.
Beim Anlegeplatz Yenangyaung (l. Ufer) sind die wichtigen Petroleumquellen der Burma Oil Co.; das Petroleum wird durch eine Röhrenleitung direkt in die Schiffe geführt. Die Flußufer zeigen auffällige fossile Baumstämme am Grund. In hübscher Landschaft die Stadt Minbu (r.); einige Minuten vom Landungsplatz liegen Schlammvulkane. Dann folgt r. Minhla, alte befestigte Grenzstadt; von hier bis etwa 160 km weiter abwärts durchläuft der Irawaddy dicht bewaldetes Hügelland, das stellenweise an die Rheinufer erinnert. In schönster Landschaft liegt am l. Ufer, am Fuße schöner Hügel.
=Prome=, schon vor Christi Geburt Hauptstadt eines großen Königreichs, mit etwa 27000 Einw.; Eisenbahn nach Rangoon. Die größte Pagode in Prome, die Shwe Sando, erhebt sich auf einem Hügel etwa 300 m sw. vom Bahnhof; sie ist völlig vergoldet und etwa 55 m hoch und umgeben von 83 kleinen vergoldeten Tempeln; am Eingang zwei Löwenungeheuer. Ebenfalls sehenswert sind die Shwe Mokto- und Shwe Bongan-Pagode, letztere am rechten Ufer. Etwa 10 km östl. von Prome die Ruinen der alten Stadt Sirikhetra, jetzt Yathemyo genannt, und etwa 25 km südl. von Prome die Shwe Nattaung-Pagode auf einer Anhöhe. --Flußabwärts von Prome bei Thomboo ein hoher, senkrechter Uferfelsen, der reich mit Buddhabildern in Nischen versehen und von einer Pagode gekrönt ist.--Der Dampfer passiert die Städte Myanoung, Henzada, Donabew; bei Yandoon beginnt das Delta des Irawaddy, die Gegend ist ganz flach und reich bebaut; reichster Ort ist Maubin. In der Mündung des To-Flusses (oder China Bakir) biegt der Dampfer in Sicht der offenen See scharf nach l. in den Bassein Creek, durch den man nach kurzer Fahrt in den Rangoon-Fluß und zur Mandalay Wharf in Rangoon gelangt.
=Eisenbahn Prome-Rangoon= (259 km, in 10 St. für I. Kl. 12 Rup. 9 annas, II. 7 Rup. 8-3/4 annas) Schnellzug ab Prome abds. über (84 M) Letpadan Junction, Bahnwirtschaft [Zweigbahn r. nach (115 M) =Bassein=, wichtiger Seehafen für die Reisausfuhr, in ungesunder Lage am Bassein-Flusse, mit 30000 Einw.; deutsches Konsulat; sehr alte Shwe Mudo-Pagode] nach (161 M) =Rangoon= (S. 145).
8. Von Colombo über Penang nach Singapore. Sumatra.
Vgl. beifolgende Karte »Hinterindien«.
=Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd= alle 14 Tage von Colombo in 6 Tagen über Penang (etwa 5 St. Aufenthalt) nach Singapore. Fahrpreise: Colombo-Penang I. Kl. 214-1/2, II. 165 Rup., Colombo-Singapore I. Kl. 274-1/2, II. 181-1/2 Rup. Rückfahrkarte 1-1/2facher Preis.--=Österreichischer Lloyd= einmal monatl. von Colombo über Penang in 8 Tagen nach Singapore. Fahrpreise: Colombo-Penang Salonklasse 110 Rup., Colombo-Singapore Salonklasse 132 Rup.--=Messageries Maritimes= alle 14 Tage von Colombo direkt nach Singapore; =Peninsular and Oriental Steam Nav. Co.=, ebenso. =Stoomvaart-Maatschappij Nederland= alle 14 Tage von Suez (in 14 Tagen) über Sabang (in 3 Tagen) nach Singapore (in 17 Tagen von Suez).-- =British India Steam Nav. Co.= von Calcutta (S. 134), Madras (S. 100) und Rangoon (S. 145) über Penang nach Singapore.
Von Colombo (S. 110) geht der Dampfer zunächst an der Südküste von Ceylon entlang, nahe an Point de Galle (S. 125) vorbei, läuft dann an der Südseite des Golfs von Bengalen, auf 6° nördl. Br. entlang, östl. auf Atchin Head (seemännischer Name der Nordspitze der Insel Sumatra) zu, wobei auch die südlichste Insel der Nikobaren, Groß-Nikobar, meist nicht in Sicht kommt. Auf der kleinen Insel Poeloe Weh, die einen guten Leuchtturm trägt und dichtbewaldete Hügel zeigt, liegt mitten in tropischem Urwald der wichtige niederländische Kohlenhafen =Sabang= (S. 158), der von mehreren niederländischen Dampferlinien regelmäßig besucht wird; in der Nähe sind noch mehrere kleinere Inseln dem gebirgigen Nordende Sumatras vorgelagert, dessen 1726 m hoher kegelförmiger Goldberg (Seulawai Agam) weithin sichtbar ist.--Der Kurs bleibt auch weiterhin östl., bis die Insel Penang in Sicht kommt, die auf etwa 5-1/2° nördl. Br. 5 km vor der Küste der Halbinsel Malakka liegt und den Nordeingang in die Malakkastraße bezeichnet; sie liegt 1268 Seem. von Colombo, 360 Seem. von Singapore.
=Straits Settlements= sind die englischen Niederlassungen an der Straße von Malakka, die eine Kronkolonie mit etwa 1 Mill. Einw. bilden; es sind: Penang mit Wellesley, Dindings, Malacca und Singapore; dazu eine Anzahl malaiische Schutzstaaten (the Federated Malay States), nämlich Pérak, Selángor, Negri Sembilan und Pahang, deren Sultane durch englische Residenten überwacht werden, sowie fünf andre Malaienstaaten: Kedah, Kelantan, Trengganu, Johor und Perlis, deren Sultane durch englische Ratgeber (Adviser) beeinflußt werden. Sehr viele Chinesen wandern in die »Straits« ein, um sich als fleißige Arbeiter und tüchtige Geschäftsleute meist schnell zu bereichern. Gewonnen wird Kaffee, Zucker, Pfeffer, Zinn und Zinnerz, Bauholz, Tapioka, Sago, Rohgummi, Kopra, Gold etc., Gesamthandel 1909: 14,3 Mill. £. Regierungseinnahmen 2,9 Mill. £
Penang (Georgetown).
=Ankunft zur See.= Die schöne, mit Wald und Palmen bewachsene, bis 834 m hohe =Insel Penang= (Prince of Wales Island) umsteuert der Dampfer, um zwischen der Insel und dem Festland auf der Reede zu ankern oder, während der Sumatra-Tabakernte (Dezember bis März), am Kai festzumachen. An der Malakkaküste ist flacher Strand mit Palmenwald, dahinter erheben sich mehrere Bergketten, darunter der Kedah Peak; dieses Gebiet ist die ebenfalls englische Provinz Wellesley und der Malaienstaat Kedah. Die Dampfer halten meist nur 5 St., im Dezember bis März länger (bis 12); man erkundige sich genau nach der Abfahrtszeit, ehe man mit dem Tender des Nordd. Lloyd (Überfahrt frei) oder mit Sampan an Land fährt (einfache Fahrt 10 cents). Penang ist Freihafen, daher keine Zollbelästigung; Spirituosen einzuführen ist verboten.
=Gasthöfe:= Eastern and Oriental Hotel, in guter Lage am Strande, Farqhar Street 10. -- Raffles Hotel, mit Restaurant; -- Crag Hotel; -- Sea View Hotel; -- Hôtel de l'Europe; -- Runnymede Hotel; in allen Pens. von 8 Rup. an. -- =Post u. Tel.= -- Kabel nach Medan, Madras, Bangkok und Singapore. -- =Wagen:= Tikka gharries oder Hackney Carriages. -- =Rikschas.= -- =Elektrische Straßenbahn.=
=Dampfer= (vgl. S. 155): Norddeutscher Lloyd (Agent: Behn, Meyer & Co. Ltd., Tel.-Adresse: Nordlloyd Penang). -- Österreichischer Lloyd (Agent: Schmidt, Küstermann & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano Penang«). -- Stoomvaart Mij. Nederland und Koninkl. Paketvaart Mij. (Agent: Hüttenbach, Liebert & Co.); Messageries Maritimes (Agent: Boustead & Co.); Peninsular & Oriental Co. (Agent: Gilfillan, Wood & Co.); British India Steam Nav. Co. (Agent: Hüttenbach, Liebert & Co.). -- =Ortszeit.= Penang rechnet nach der Zeit von Singapore.
=Eisenbahn= s. S. 161.
=Geld:= vgl. S. 167. -- =Banken:= Hongkong & Shanghai Banking Corporation; -- Nederlandsche Handels-Maatschappij. Beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. -- Chartered Bank of India, Australia & China. Beide letztere Korrespondenten der Deutschen Bank. -- =Sprache:= vgl. S. 167. -- =Konsulate:= Deutsches Reich, Vizekonsulat (Behn, Meyer & Co.) in der Office des Nordd. Lloyd. -- =Zeitungen:= »Pinang Gazette«; »Straits Echo«.
Das =Klima= ist tropisch heiß, im Mittel etwa 27° C, doch bis 33° und mehr, morgens kühl bis 16°; auf den Bergen im Mittel 21° C. Der Niederschlag ist groß, Dezember bis März sind verhältnismäßig trocken, im Sommer zwei Regenzeiten, die kleinere im Mai, die Hauptregenzeit von August bis Oktober.
=Penang= (Pulu Pinang = Insel der Betelpalme), von den Engländern Georgetown getauft, Stadt mit etwa 150000 Einw. (meist Chinesen, Klings [Arbeiter aus Vorderindien] und Malaien), gehört seit 1785 den Engländern, liegt auf 5° 25' nördl. Br., hat saubere Straßen, auch im Chinesenviertel, und ein feines europäisches Villenviertel mit prächtigen Gärten am Race Course und am Hafen; dort liegt das Postamt mit großer Halle sowie das alte Fort mit Signalstation. Sehenswert sind die Markthallen und Beach Street; in Chulia Street und Campbell Street sind Teehäuser und ein chinesisches Theater. Penang hat lebhaften Handel und starke Zinn- und Sago-Ausfuhr. 1910 liefen 2355 Schiffe mit 2956000 Reg.-Ton. in den Hafen ein. -- =Rundfahrt= nach dem =*Botanischen Garten= mit Wagen von Downing Street l. an der Schule vorbei durch schattige Straßen des Villenviertels zur Northam Road, dann am Rennplatz vorbei, durch M'calister Road, Sepoy Lines zum Eingang des Gartens, der zwar klein, aber vorzüglich gepflegt und mit seltenen, üppigen Pflanzen bestellt ist. Er liegt etwa 5 km vom Hafen in einem von hohen Felsen umgebenen Talkessel; ein hoher Wasserfall bewässert ihn. In reizvollen Gruppen findet man zahlreiche seltene Tropenpflanzen, insbesondere prächtige Orchideen, Gewürznelkenbäume (Caryophyllus aromaticus), Farne, Ravenala (Baum der Reisenden aus Madagaskar) u. a. -- Neben dem Eingange zum Garten führt ein teilweise steiler Weg auf den =*Crag Hill=, von dessen Gipfel (834 m) =*Aussicht= über die Insel, den Hafen und das Meer; der Weg ist bis zum Fuße des Hügels 5 km, der Aufstieg 7 km lang; Tragstühle erhält man am Fuß des Hügels; Auf- und Abstieg im Tragstuhl 4 St. (eine Bahn hinauf ist im Bau). Auf dem Gipfel das Crag Sanitarium (Hotel; kleine Zimmer, gute Verpflegung). Man sollte den Aufstieg, wenn man irgend Zeit hat, nicht unterlassen. -- Auch ein Besuch des =*Großen chinesischen Tempels= in Ayer Itam (am Endpunkte der elektrischen Straßenbahn) ist sehr zu empfehlen; Führung durch den Priester, der auch Erfrischungen anbietet; man gebe Tempelspende (1 $). Ein längerer Aufenthalt (etwa eine Woche) auf der landschaftlich sehr schönen Insel Penang, die etwa halb so groß ist wie der Bodensee, ist sehr genußreich. -- =Fortsetzung der Route= s. S. 160.
Seitentour Penang-Sumatra.
1) =Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloyd= von Penang dreimal in 14 Tagen, sw. die Malakkastraße querend, nach Belawan (Deli) in 16 St. -- Außerdem =Dampfer= der Koninklijke Paketvaart Maatschappij (Fahrpläne veränderlich).
=Sumatra= ist die zweitgrößte der Sundainseln. Bei einer Längserstreckung von 1650 km (= Kopenhagen-Neapel) ist es mit den benachbarten kleinern Inseln etwa so groß wie die vier deutschen Königreiche zusammengenommen. Den Westteil der Insel durchzieht ein landschaftlich schönes Gebirge, das als die Fortsetzung des westbirmanischen Küstengebirges und des Inselbogens der Andamanen und Nikobaren gilt und von einer Anzahl zum Teil noch tätiger Vulkankegel überragt wird. Der Ostteil der Insel wird von einem vielfach sumpfigen und ungesunden Flachland eingenommen. -- Das =Klima= ist rein tropisch (der Äquator durchschneidet die Mitte der Insel), die Temperatur äußerst gleichmäßig, die Westseite noch bedeutend regenreicher als die Ostseite. Keine Jahreszeit kann als trocken bezeichnet werden, doch hat die Nord- und Ostküste vorwiegend Herbst- und Winterregen, während an der Westküste Höhepunkte des Niederschlags auf den April und den Oktober bis November fallen; Februar und Juli sind auf der ganzen Insel relativ trocken. -- Die =Vegetation= ist von echt tropischer Üppigkeit, doch ist das Waldkleid des Gebirges bei weitem nicht so lückenlos, wie man es bei den hohen Niederschlägen erwarten sollte; große Flächen sind von Savannen eingenommen, die zum Teil vielleicht erst dem Menschen, der den Urwald rodete, ihre Entstehung verdanken. Das östl. Tiefland ist dagegen, soweit nicht sumpfig, großenteils von Urwald eingenommen, da das ungesunde Klima eine stärkere Besiedelung nicht gestattet. -- Die =Tierwelt= ist sehr reich und der des hinterindischen Festlands so nahe verwandt, daß die Abtrennung von ihm erst in ganz junger geologischer Vergangenheit erfolgt sein kann. Nashorn, Elefant und Tiger sind vorhanden, dazu der Orang-Utan und zwei andre große Affenarten (Gibbons), Halbaffen (Makis), Tapir, Argusfasan und viele andre, weniger hervortretende. --=Bewohner= der Insel sind die Malaien, deren auf Pfählen errichtete Dörfer (Kampongs) überall zwischen Reis- und Baumwollfeldern sich verstecken. Daneben gibt es noch Reste älterer Bevölkerungsschichten, wie die Bataker, die noch ein reines Naturvolk sind. -- Die wichtigsten =Welthandelsprodukte= sind Tabak und Kaffee, von denen der erstere im östl. Flachlande, der letztere im westl. Gebirgsland am besten gedeiht. Die beiden unten beschriebenen Routen führen nach dem Bezirke des besten Tabaks (Delideckblattabak) und des besten Kaffees (um Medan in den Padangschen Hochlanden). Daneben liefert die Insel noch zahlreiche wertvolle Wald- und Bodenprodukte, vor allem Kohle und Petroleum. Sumatra beginnt erst seit kurzer Zeit einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung zu nehmen, da die Holländer, denen es gehört, lange Zeit ihre Haupttätigkeit dem benachbarten Java zuwandten und bis in die letzte Zeit hinein sich mit den ungebärdigen Gebirgsstämmen des Nordteils der Insel, des Malaienstaates Atjeh, in blutigen und kostspieligen Guerillakämpfen herumschlagen mußten. Nachdem Atjeh jetzt unterworfen ist, wird es rasch ein wertvolles Plantagengebiet werden, doch ist die Insel dem Touristenverkehr noch fast nicht erschlossen.
[Hand]Für Reisen auf Sumatra ist Erlaubniskarte nötig, die vom Justizdepartement ausgestellt wird und durch das deutsche Konsulat zu beschaffen ist.
=Belawan-Deli=, der Hafen von Deli, liegt Penang gegenüber an der flachen Nordküste Sumatras, an der Mündung des Koeala Belawan, dessen Ufer mit Mangroven bewachsen sind. Nur kleine Dampfer können über die Barre und ankern dicht beim Bahnhof der Delibahn; Zollamt auf der Landungsbrücke. Übernachten in Belawan ist wegen Malariagefahr ungesund; man fahre 1/2 St. mit der Bahn nach Kampong Besar, wo der Agent des Norddeutschen Lloyd zuvorkommend für Unterkunft sorgt. Die Europäer wohnen meist in Laboean Deli und Medan. Der Zug fährt bald nach Ankunft des Dampfers in etwa 2 St. über die 380 m lange Brücke über den Fluß und durch Tabakfelder hindurch nach (etwa 20 km)
=Medan= (Orange Hotel; Medan Hotel; PT; Klub: De Witte Sociëteit), Hauptstadt des Residenten der Ostküste von Sumatra und eines eingebornen Sultans, mit etwa 15000 Einw. Große chinesische und andre Geschäfte, Hauptort der Tabakausfuhr. Bank: Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Deutschen Bank und der Berliner Disconto-Gesellschaft. Deutsches Konsulat (Konsul Karl Hick). Mehrere Bahnlinien führen ins Innere des Ostküstengebiets von Sumatra. Sehenswert ist der Palast des Sultans und der chinesische Tempel. Die sehenswerten Tabakpflanzungen der Deli-Maatschappij werden meist mit chinesischen Kulis bearbeitet. Die Tabakblätter erfahren eine außerordentlich umständliche und sorgfältige Behandlung, bis aus ihnen die vortrefflichen Delideckblätter entstanden sind. Im Gebirge kann man die Batak-Stämme (s. oben) kennen lernen und hat Gelegenheit zu Jagden auf Elefanten, Tiger etc.
2) =Dampfer des Rotterdamsche Lloyd= fahren alle 14 Tage über Marseille, Port Said, Suez in 20 Tagen direkt nach Padang. -- Die =Stoomvaart Maatschappij Nederland= alle 14 Tage von Genua in 20 Tagen direkt nach Sabang, Singapore, Batavia. In Sabang direkter Anschluß an die =Dampfer der Koninklijke Paketvaart Maatschappij=, die alle 14 Tage im Anschluß an die Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd von Penang über Sabang nach Padang in 7 Tagen fahren.
Der Dampfer fährt von Sabang (S. 155) längs der gebirgigen, landschaftlich sehr schönen Westküste Sumatras, läuft unterwegs mehrere unbedeutende Hafenplätze an, passiert nun den Äquator (S. 191) und steuert dann in die von felsigen Hügeln umgebene Koninginnen-Bai (unter etwa 1° südl. Breite), deren Ufer dicht bewaldet sind und malerische Dörfer (Kampongs) zeigen. Dann legt der Dampfer an den schönen Kais im Emmahaven dicht am Bahnhof (mit Bahnwirtschaft) an; alle 2 St. fährt ein Zug in 17 Min. für 1/4 Fl. auf 100 m langer Brücke über den Padangfluß nach
=Padang= (Oranje Hotel, Pens. 5-6 Fl.), Hauptstadt des niederländischen Gouvernements Westküste von Sumatra, in flacher Gegend an der Mündung des Padangflusses. Diese älteste Niederlassung der Niederländer auf der Insel (seit 1666) ist Sitz der obersten Zivil- und Militärbehörden, eines deutschen Konsuls (Joh. Schild) und vornehmster Ausfuhrplatz für die reichen Produkte (Kaffee, Stuhlrohr, Zimt, Muskatnüsse, Gummi, Benzoe, Häute, Kopra, Tabak, Gambir) der Westhälfte von Sumatra, mit 47607 Einw., darunter 5103 Chinesen, 1784 Europäer. Bank: Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank. Padang ist mit den Hafenplätzen Emmahaven und Pulu Ajer sowie mit dem Hochlande durch Staatsbahn verbunden. Das Europäerviertel ist eine ruhige, anmutige Gartenstadt mit angenehmem Klubleben (zwei Sociëteiten). Die Besteigung des nahen Affenbergs (Goenoeng' Monjet) bietet schöne *Aussicht auf die Stadt und das Meer.
=Ausflug= ins =Padangsche Oberland= mit dem »Staats Spoorweg« (teilweise Zahnradbahn) zunächst durch reich mit Reisfeldern, Bananenpflanzungen und Kokospalmen bebaute Ebene (zuletzt ansteigend) bis Kajoe-Tanam (143 m), von da (mit Zahnradhilfe) durch die prachtvolle Schlucht Anei-Kloof von 15 km Länge (das tropische Gegenstück zur Gotthardstraße von Göschenen nach Andermatt!); l. Ausblick auf die Vulkanriesen Tandikat (2438 m) und Singgalang (2877 m), r. auf den Ambatjang (959 m); l. der 25 m hohe Ajer-Mantjoer-Wasserfall. Auf dem Hochland sieht man den Merapi (s. unten) vor sich; vorbei an vielen Kampongs, mit zierlichen Reisscheunen (rankiang) seltsamer Bauart, gelangt man nach 4 St. Fahrt nach =Padang-Pandjang= (Hotel Merapi, klein, aber gut) am Knotenpunkt der Bahn (man lasse sich in den sehr angenehmen Militärklub einführen).
Von Padang-Pandjang führt die Zahnradbahn, 19 km, in 1-1/4 St. am Vulkan Merapi (s. unten) vorbei nach =Fort de Kock= (921 m; Sawah-Hotel, 2 Min. vom Bahnhof), Hauptort des Padangschen Oberlands; von hier beste Gelegenheit zu vielen lohnenden Ausflügen: zum interessanten Malaiendorf Kota-Gedang; zum Wasserfall von Soengei-Poear, am Hange des Merapi; zu den Grotten von Kamang, 12 km vom Fort de Kock; mit Karre nach dem frischen Schwimmbad (4-1/2 km) Soengei Tanang.--*Schöner Tagesausflug vom Fort de Kock über Simpang nach (18 km) Matoer (Rasthaus), von da mit Karre nach =Padang-Galanggang=, hier prächtiger Ausblick auf den *Manindjau-See. Zurück durch das seltsame =*Karbouwengat= nach (15 km) Fort de Kock.--Zur Besteigung des noch tätigen Vulkans =*Merapi= (2891 m) fährt man mit Karre (bendy) am besten von Fort de Kock 1 Uhr Nm. in 4 St. über Soengei-Poear zum Rasthaus Pagolèan (1800 m), dort übernachten. Früh 5 Uhr Aufstieg steil in 2-1/2 St. zum Krater (Kapoendan). Oben kalter Wind! Prächtige =*Aussicht= frühmorgens, sonst meist bewölkt.
Von Fort de Kock mit der Bahn oder durch schönere Landschaft mit Karre (7 Fl.) nach Paja-Kombo (kleiner, guter Gasthof, Ankunft telephonisch von Fort de Kock melden!); der *Markt hier So. früh ist berühmt (malaiische Waffen, Kleider, Schmucksachen), noch berühmter die Schönheit der Frauen des Ortes. Von hier mit Karre für 3 Fl. in etwa 2 St. zu dem riesigen Wasserfall *Batang-Harau. Schöne Wege auch nach Fort van der Capellen.
Von Padang-Pandjang (s. oben) führt die Bahn längs des Nordufers des 21 km langen, schönen Bergsees Singkarah in etwa 4 St. nach =Solok= (387 m; einfacher Gasthof); von hier durch abwechselungsreiche prächtige Berglandschaft in das Tal von Sawah-Loentoe, Bahnfahrt etwa 1-1/2 St.; Besichtigung der mit javanischen und malaiischen Kulis und Sträflingen betriebenen Oembilin-Kohlengruben, wo täglich bis 1000 Ton. gefördert werden. Alle Ausflüge in das kühle Hochland von Padang sind von unvergleichlichem Reiz.
Von Padang nach Batavia.
Mit Dampfern des »Rotterdamsche Lloyd« und der »Koninklijke Paketvaart Mij.« über Benkoelen und vorbei an der vulkanischen Insel =Krakatau= (Poeloe Rakata), die bei einem Ausbruch durch eine gewaltige Explosion am 27. Aug. 1883 zum größern Teil vernichtet wurde, während durch die Auswurfmassen die umliegenden Küsten und Fahrwasser verändert, durch eine gewaltige Flutwelle etwa 40000 Menschen getötet, Schiffe hoch ins Land hinein geworfen wurden etc.
Die Explosion war das in seinen Wirkungen am weitesten reichende vulkanische Ereignis, das jemals bekannt geworden ist. Sie wurde wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, daß Meerwasser in das Innere des durch vorhergehende Eruptionen teilweise ausgeräumten Magmaherdes Zutritt fand und sich durch die hier herrschende hohe Temperatur in Dampf verwandelte. Die Wirkungen waren furchtbar. Eine in der nähern Umgebung der Explosionsstelle bis zu 30 m hohe Meeresflutwelle verwüstete die Küsten der umliegenden Inseln, namentlich Javas und Sumatras, wurde aber an allen Küsten des Indischen Ozeans und sogar noch an der Westküste Nordamerikas (San Francisco) und stellenweise am Atlantischen Ozean wahrgenommen. Der Schall der Explosion drang bis nach Ceylon, Saigon, Neuguinea und Australien. Ungeheure Massen von Asche (zerstäubte Lava) und Bimsstein wurden ausgeworfen und bedeckten nach dem Niederfallen eine Fläche größer als das Deutsche Reich; die feinsten Staubteilchen wurden bis zu 60 km Höhe emporgeschleudert und von Luftströmungen um die ganze Erde herumgeführt, überall Monate hindurch merkwürdige optische Erscheinungen-- Blaufärbung der Sonne, den »Bishopschen Ring« um diese und prachtvolle Dämmerungserscheinungen--hervorrufend. Die durch die Explosion erzeugten Luftwellen umkreisten mehrmals die ganze Erde, wozu sie jedesmal etwa 36 St. brauchten. Jetzt sieht die zersprengte Kraterinsel wie eine Haifischflosse aus, schroff abstürzend nach einer Seite und hier einen prächtigen Durchschnitt durch einen Vulkanberg zeigend, soweit nicht die Vegetation schon wieder davon Besitz genommen hat.
Nach Passieren der Insel Krakatau läuft der Dampfer nun durch die Sundastraße nahe an der Insel Dwars in den Weg vorbei um die NW.-Ecke Javas, die Sankt Nikolaas-Huk, ostwärts längs der Küste und an kleinen grünen Inseln vorbei nach =Batavia= (S. 195).
Von Penang nach Singapore.
A. Über See.
Der Dampfer (S. 155) fährt in Sicht der Küste von Malakka anfangs mit südlichem, dann südöstlichem Kurs vorbei an den kleinen Häfen Port Weld (S. 163), Telok Anson (S. 164), Port Swettenham (S. 165), Port Dickson (S. 165) und Malacca Town (S. 165), die alle Bahnanschluß nach dem Innern haben, zur Verschiffung von Gummi und Zinn.--Die Fahrt durch den südlichen, engsten Teil der Malakkastraße, The Straits, führt zwischen Korallenriffen und Koralleninseln vorbei am Kap Tanjong Bulus, dem südlichsten Punkte des asiatischen Festlandes, und nördl. von den größern, zum Teil vulkanischen Riouw-Inseln nach =Singapore= (S. 166).
B. =Über Land= (vgl. die Karte S. 162).
=Eisenbahn.= Mit der Federated Malay States Railway tägl. 8 Uhr früh von Penang in 23 St. für I. Kl. $29,83 nach (465 M) Singapore; Schlaf- und Speisewagen (F. 75 c., Tiffin 1, Dinn. $1,50) im Zuge; Freigepäck 133 Pfund engl.; man achte auf richtige Abfertigung des Gepäcks.
Die Bahnfahrt gibt Gelegenheit, die landschaftlich sehr schöne, noch wenig bereiste Halbinsel Malakka mit ihren großartigen Zinngruben und Gummiplantagen kennen zu lernen. Man sollte 10-14 Tage für die lohnende und interessante Tour verwenden. Moskitonetz mitnehmen!
Der Westteil der =Malaiischen Halbinsel= (Malakka) ist der Typus eines Tropenlandes, reich befeuchtet durch den Südwestmonsun, mit hoher, äußerst gleichmäßiger Temperatur und entsprechend üppigem Pflanzenkleid. Ein dichtbewaldetes Gebirge mit nordsüdl. verlaufenden Bergketten durchzieht die Halbinsel, erreicht aber nicht sehr große Höhen. Als höchste Erhebung gilt der 2172 m hohe Kerbau, den man am 2. Tage der unten beschriebenen Fahrt durch die Halbinsel etwa 50 km östl. läßt. Das Gebirge enthält mit die größten Zinnlagerstätten der Erde. Zinnerz bildet denn auch den Hauptausfuhrgegenstand der Halbinsel, daneben Waldprodukte, vor allem Guttapercha (auch schon aus Pflanzungen gewonnen) und Kopal, sowie Gewürze. -- Die =Bevölkerung= ist, wie in ganz Hinterindien, stark gemischt, doch überwiegt in den heutigen Bewohnern der niedrigem Landesteile der malaiische Einschlag bei weitem, während in den entlegenem Gebirgsgegenden noch Naturvölker hausen, wie vor allem der Stamm der blasrohrbewaffneten Sakei (S. 164). Die Städte bergen noch zahlreiche Bauwerke, die unter dem Einfluß altindischer, brahmanischer Kultur entstanden sind; umgekehrt findet jetzt in immer stärkerm Maße chinesische Einwanderung statt. -- In den unten angeführten malaiischen Ortsnamen bedeutet Bukit Berg, Gunong Gebirge, Kuala Mündung, Pulo Insel.
=Zeiteinteilung für 9 Tage=: 1. Tag: früh ab Penang, Fahrt unterbrechen (3 St.) in Taiping, dann nach Kuala Kangsar;--2. Tag: nach Ipoh; --3. Tag: nach Kuala Kubu;--4. Tag: nach Kuala Lipis;--5. Tag: nach Kuala Lumpur;--6. Tag: Kuala Lumpur;--7. Tag: über Seremban nach Kuala Pilah und zurück nach Seremban;--8. Tag: nach Port Dickson, zurück über Seremban nach Malacca Town;--9. Tag: nach Singapore.
Von Station Penang (S. 156) fährt eine Dampfbarkasse der Bahngesellschaft von der Fahrkartenausgabe am Hafen (wo auch Gepäckannahme) in 1/2 St. zur Festlandstation Prai. Von hier geht nun die Bahn durch Reisfelder, Zuckerpflanzungen etc. über die englische Grenzstation (25 M) Parit Buntar (Rasthaus, tägl. $1,50, Verpflegung $2,50), durch die künstlich bewässerte, fruchtbare Ebene des Krian-Distrikts im Staat Perak bis (34 M) Bagan Serai (Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), hier Oktober bis März früh und abends Gelegenheit zur Schnepfenjagd; weiter über Bukit Merah, wo die Bahn durch einen Hügel schneidet und ein Bewässerungs-Staubecken kreuzt, durch hügeliges Land vorbei an den größten (von über 4000 Chinesen bedienten) offenen Zinngruben der Erde, zwischen Krian Road Station und (53 M) Kamunting nach (56 M) =Taiping= (Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), einer der malerischsten Malaienstädte, mit schattigen Straßen voller gelb blühender Angsena-Bäume (Pterocarpus indicus), einem englischen und einem chinesischen Viertel. Auf einem Hügel das Haus des britischen Residenten für Perak, oberhalb der roten Gebäude des Staatsgefängnisses und nicht weit von dem weißen *Museum (Perak State Museum) mit sehenswerten zoologischen, geologischen und ethnographischen Sammlungen der Malaiischen Halbinsel. Nahe dem Sportplatz (Recreation Ground) mit zwei Klubhäusern (Perak Club und New Club) liegt ein sehr schöner öffentlicher Garten mit See, in der Nähe ein schöner Wasserfall. Vom Schießplatz der malaiischen Garnison führt ein guter Weg am Teegarten-Bungalow vorbei durch Dschungeln auf den *Larut-Hügel, mit schönen Ausblicken auf die Perak-Landschaft; auf dem Gipfel sieben Bungalows. -- Schwierig und unsicher ist von da der Aufstieg zum Gunong Hijan (1448 m), der weite Aussicht bieten soll (man erkundige sich vorher und nehme Führer mit). Für Ärzte ist das Eingebornen- Krankenhaus beim Bahnhof sehenswert.
=Zweigbahn= von Taiping über (7 M) Matang Fort, das im britischen Perak- Feldzug 1876 Hauptstützpunkt war, nach (11 M) =Port Weld=, Seehafen für kleine Dampfer am Sungi Sengar Besar, wo Zinn aus- und Reis eingeführt wird; tägl. Dampfer nach Penang.
Die Hauptlinie führt von Taiping durch schöne Hügellandschaft über Bukit Gantang mit Fortruine (Umgegend reich an Tigern), steigt dann durch mehrere Tunnels auf die Höhe eines Passes und über eine eiserne Brücke mit schönem Ausblick auf die hohen Felsen von Gunong Pontok, deren Höhlen die schwarze Ziegenantilope bewohnt, über (71 M) Padang Rengas nach
(79 M) =Kuala Kangsar= (Rasthaus $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), Hauptstadt und Residenz des Sultans Idris von Perak (ein hochgebildeter Mohammedaner, ausgezeichneter Herrscher und Vater seines Landes) und des britischen High Commissioner der Verbündeten Malaienstaaten, am r. Ufer des Perak-Flusses, der die untere Stadt öfters überschwemmt; höher liegen die drei Paläste des Sultans, Regierungsgebäude und die Häuser der britischen Beamten sowie die malaiische Hochschule Malay College, nach dem Muster der Eton-Schule; ferner eine *Kunstschule (wo schöne Silberarbeiten etc. zu kaufen sind).
Empfehlenswerte Erfrischung ist ein Elefantenritt auf gutem Weg (5 km) nach einem flachen Wasserfall, wo man baden und dabei den Fall hinabgleiten kann. Menggelunchor nennen die Malaien diesen Sport (man bade nicht ohne Badehose oder ähnliches).--Beliebt sind Ausflüge mit Hausbooten von Kuala Kangsar auf dem Perak-Flusse stromab bis Telok Anson (S. 164); sie fordern aber mindestens 3-4 Tage (Hausbootmiete nach Übereinkunft, mit Hilfe des Distriktsoffiziers, sieben Mann Besatzung erhalten je 50 c. tägl., man gibt etwas Vorschuß zum Einkauf von Nahrung; ein Steuermann nach Übereinkunft; für Damen ist ein richtiges, geschlossenes Hausboot erforderlich). Moskitonetze u. Verpflegung, auch Getränke und Jagdgewehre sind mitzunehmen. Wegen der Krokodile sei man sehr vorsichtig beim Baden, befolge genau den Rat des malaiischen Steuermanns. Nachts ankert man meist mitten im Strom, um die Malariastechmücken (Anopheles) zu meiden. Unterwegs ist reichlich Jagdgelegenheit auf Schnepfen, Enten, Krokodile etc., am besten bei Parit, Bota und Pulau Tiga; Fischen mit malaiischen Netzen. Rückkehr von Telok Anson s. S. 164.
Die Bahn führt von Kuala Kangsar bei (83 M) Enggor zur Pontonbrücke über den Perak-Fluß, dann über (93 M) Sungei Siput und (101 M) Chemor nach
(111 M) =Ipoh= (Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50, und ein Gasthof), aufblühende Handelsstadt im Kinta-Tal, gesund gelegen, Mittelpunkt der Zinngruben, deren Besichtigung sehenswert ist, da nach allen Systemen mit chinesischen Kulis und elektrischen Maschinen dort gearbeitet wird.--In der Umgebung, bei Gunong Rapat und Sungei Raia, schöne Kalksteinfelsen mit sehenswerten chinesischen Felsentempeln. In Ipoh originelle *malaiische, tamilische und chinesische Theater.--Im Kinta-Distrikt leben an den Abhängen des 2172 m hohen Gunong Kerbau, etwa 35 M östl. von Ipoh, die Sakei, ein Stamm scheuer Ureinwohner hellerer Hautfarbe, die noch lange Blasrohre (sumpit) mit vergifteten Bolzen benutzen und nackt in offenen Pfahlhütten leben.
Die Bahn führt von Ipoh über mehrere kleine Stationen nach (149 M) Tapah Road (Rasthaus); Zweigbahn nach (35 M) =Telok Anson=, einem Hafen für Zinnausfuhr am Perak-Fluß mit Küstendampferverkehr nach Penang und Singapore; Telegraph. Durch reich angebautes Plantagenland, dann durch dichte Dschungeln und Wälder mit tropischen Nutzhölzern über unbedeutende Stationen nach
(221 M) =Kuala Kubu=, kleiner, hübsch gelegener Malaienstadt im Staate Selangor.
=Ausflug= von hier mit Motoromnibus der Bahngesellschaft (vorausbestellen) auf guter Landstraße durch das malerische Gebirge und durch wilde Dschungeln über (44 M) Raub (Rasthaus) nach (ca. 60 M) =Kuala Lipis= (gutes Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 2,50), Hauptstadt des Staates Pahang am Jelai, Nebenfluß des Pahang-Flusses. Der Sultan residiert in Pekan (Rasthaus) an der Mündung des Pahang, wohin man von Kuala Lipis mit malaiischem Hausboot in etwa einer Woche gelangen kann. (Dieser ganze wilde und romantische Ausflug von Kuala Kubu quer durch die Halbinsel Malakka bis zum Südchinesischen Meer ist anstrengend und nicht ohne Gefahren, daher nicht für jeden Weltreisenden zu empfehlen! Er bietet aber Naturschönheiten und große Jagdgelegenheit seltener Art.)--Von Pekan ist zuweilen Gelegenheit, mit Küstendampfer nach Singapore zu gelangen, aber die Einschiffung ist bei Nordostmonsun (Oktober bis März) oft wegen hohen Seegangs auf der Barre der Flußmündung unmöglich; Rückkehr von Pekan über Land oder auf dem Fluß sehr langwierig; vielleicht kann man im Notfall über Kuantan (Rasthaus; Hafen im Bau) Dampfer erreichen oder mit Automobil auf der (zum Teil 1911 noch im Bau begriffenen) Straße nach Benta an der Straße Kuala Lipis-Kuala Kubu zurückkehren. (Man ziehe vor solchem Ausflug Erkundigung bei den englischen Behörden in Kuala Kangsar und Kuala Lipis ein.) Von Kuala Lipis mit Motoromnibus zurück nach Kuala Kubu.
Von Kuala Kubu führt die Bahn über (235 M) Serendah, (241 M) Rawang, Bahnhof für den Ort Bandar Baharu, und (254 M) Batu, lauter Minenstädte, nach
(259 M) *=Kuala Lumpur= (Station Hotel, neu, am Bahnhof, Pens. von $ 6 an, mit Restaurant; Empire Hotel und ein Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), Hauptstadt der Malaiischen Bundesstaaten mit etwa 35000 Einw., in schöner Lage, mit prächtigen Gärten im europäischen Viertel und verhältnismäßig kühlem Klima. Residenz des britischen »Resident General« der Malaiischen Bundesstaaten. Vor einem schönen öffentlichen Park mit See das Museum mit reichen zoologischen (besonders Vögel und Fische) und ethnographischen (besonders Tonwaren und Matten) Sammlungen. Kuala Lumpur ist für längern Erholungsaufenthalt geeignet, hat gute Basare, Hospital etc.--=Ausflüge= nach (26 km) Dusun Tua, einem Bungalow mit heißer Quelle in malerischer Landschaft an einem Fluß, wo man tropisches Tierleben beobachten kann (fliegende Eidechsen, fliegende Hunde, Affen etc.).
=Zweigbahn= von Kuala Lumpur durch den mit Gummiplantagen bestandenen Klang-Distrikt nach (etwa 18 M) Klang (Rasthaus beim Bahnhof), Residenzstadt des Sultans von Selangor, Mittelpunkt des Gummihandels, durch ein Hügelfort mit britischer Garnison beherrscht, und von da nach (etwa 6 M) =Port Swettenham= (Rasthaus, Post und Tel.), dem modern ausgebauten wichtigsten Hafen für Küstendampfer zwischen Penang und Singapore, mit beträchtlichem Seeverkehr; Dampfer nach Penang und Singapore.
Von Kuala Lumpur weiter durch Gummiplantagen über (274 M) Kajang (Rasthaus), einem hübschen Dorf mit Zinngruben, nach (302 M) =Seremban= (Rasthaus), Hauptstadt des Malaienstaates Negri Sembilan, in ähnlich schöner Lage wie Kuala Lumpur, auch mit britischem Viertel.
=Ausflug= von Seremban mit Motoromnibus auf malerischem Weg über das Gebirge nach (24 M) =Kuala Pilah= (Rasthaus), Residenz des Yam Tuan von Sri Menanti, dessen *Palast (Astana) in einem prächtigen Seitental 8 km von Kuala Pilah liegt. Die Stadt Kuala Pilah liegt am Muar-Fluß und an einer Zweigbahn nach Gemas (S. 166); auf dem höchsten Hügel (*Aussicht) in der Stadt ist das Amtsgebäude des britischen Residenten; in der Hauptstraße der Stadt ein Standbild des ersten britischen Residenten, Martin Lister, von Chinesen gestiftet. Zurück mit Motoromnibus nach Seremban oder mit Wagen (Gharries) auf ebenfalls schönem Gebirgsweg nach Tampin (s. unten).
=Zweigbahn= von Seremban in 1-1/2 St. nach (etwa 22 M) =Port Dickson= (Rasthaus), auch Arang Arang genannt, Hafen für Küstendampfer, mit guter Seebadegelegenheit, beste Badezeit 5-1/4--6-1/4 Uhr Nm.; man übernachte im Port Dickson Sanitarium (Platz vorausbestellen), dicht am Badestrand.
Die Bahn führt von Seremban weiter durch gut bebaute Obstgärten und Reisfelder und stark bevölkerte, wohlhabende Malaiendörfer über Pedas, Rembau und Chengkau nach (334 M) Tampin (Rasthaus). =Fortsetzung der Route= S. 166.
Von hier Zweigbahn (22 M) nach
=Malacca Town= (Rasthaus am Bahnhof, dem Seebad am nächsten; andres Rasthaus an der Seeseite der Stadt), wichtiger Seestadt und Hauptausfuhrhafen der Malaienstaaten, mit etwa 95000 Einw. Malacca Town liegt auf 2° nördl. Br. und ist die älteste europäische Niederlassung auf der Halbinsel, 1511 von den Portugiesen unter Albuquerque begründet und zu einem wichtigen Gewürzhandelsplatz gemacht, 1641 von den Niederländern und 1795 von den Engländern erobert, dann 1818 zurückgegeben, aber 1824 gegen Benkoelen von den Niederländern wieder eingetauscht. Man trifft noch Nachkommen der Portugiesen sowie die portugiesische Kirche Nossa Senhora do Monte auf dem Gipfel des St. Pauls-Hügels, neben dem Leuchtturm am l. Ufer der Mündung des Malacca-Flusses. Der Hügel ist mit alten Festungswerken umgeben. Mehrere Brücken führen über den Fluß zu dem Stadtteil des r. Ufers. Malacca Town ist Sitz der Regierung des britischen Malacca-Territoriums (Teil der Kolonie Straits Settlements, vgl. S. 155). Am Fuß des St. Pauls-Hügels liegen Schulen (darunter die sehenswerte Chinesenhochschule des Dr. Morrison), Post und Telegraph, Gericht, Krankenhäuser etc.; sehenswert ist an der Seeseite Albuquerques Tor. Die Stadt ist ziemlich gesund, obgleich etwas wärmer als Singapore. --Etwa 8 km westl. von Malacca Town liegt der hübsche Badeort *Tanjong Kling (Regierungsbungalow, Erlaubnis zur Benutzung für Seebadezwecke erteilt die Public Works Office in Malacca Town). Malacca Town hat durch Inseln geschützte Reede; lebhafter Verkehr von Küstendampfern nach Penang, Port Swettenham, Port Dickson und Singapore.
=Fortsetzung der Hauptroute.= Von Tampin (S. 165) führt die Bahn über einige unbedeutende Stationen nach (364 M) Gemas, Grenzstation des Staates Negri Sembilan (Zweigbahn von Gemas im Betrieb über Rompin nach [22 M] Bahau, von da im Bau nach Temerloh im Staat Pahang; Zweigbahn von Bahau nach [12 M] Kuala Pilah [S. 165] im Betrieb), und durch Urwald und Dschungeln des Staates Johor über mehrere kleine Ortschaften nach (450 M) Johor Bharu (S. 169); von da Fährdampfer nach Woodlands (s. unten) und Bahn nach (465 M) Singapore.
Singapore.
Vgl. beifolgenden Plan.
=Ankunft.= Die Ansteuerung des Hafens ist wegen vieler gefährlicher Riffe und Bänke vor der Hafeneinfahrt schwierig; Handelsdampfer laufen zum Teil, die Reichspostdampfer stets in den engen Hafen innerhalb der Inseln und machen meist am Tanjong Pagar-Kai dicht am Lande fest. Am Landungsplatze stehen europäische und malaiische Diener von allen Gasthöfen sowie reichliche Fahrgelegenheiten (Wagen und Rikschas, auch elektr. Straßenbahn). Fahrt bis zur Stadt etwa 20 Min. Keine Zolluntersuchung, aber Waffen dürfen ohne Polizei-Erlaubnis nicht eingeführt werden!
=Gasthöfe=: Raffles' Hotel, Beach Road 2, nahe der Esplanade, 130 Z. --Hôtel de l'Europe (Pl. 13), an der Esplanade, in besserer Lage. Küche in beiden mäßig, Pens. etwa $ 8.-- Hotel Adelphi, Colman Street, 100 Z., Pens. von $ 5 an.--Hôtel de la Paix, Colman Street 3, 40 Z. $ 2-3, Tiffin 1-1/4, Dinn. 1-1/2, Pens. $ 6-8.--Hotel van Wijk Co. Ltd., Stamford Road 2, 80 Z. 2, F. 1, Lunch 1, Dinn. 1,50, Supp. 2, Pens. $ 5-6, Küche gelobt. --Die meisten Gasthöfe sind zugleich =Restaurants=.
=Post= (Pl. 18), an der Südseite der Cavanagh-Brücke neben der Börse. --=Telegraph=, Robinson Quai. Kabel führen nach Penang, Saigon, Labuan, Soerabaya und Batavia.--=Wagen=: Tikka gharries oder Hackney Carriages nach gedrucktem Tarif.--=Rikschas= ebenfalls mit fester Taxe.--=Reitpferde= zu haben.--=Straßenbahnlinien= (s. den Plan), auch von Europäern benutzt.--
=Eisenbahn=: Singapore & Kranji Railway (Bahnhof Tank Road), vom Landungsplatz der Postdampfer in 25 Min. mit Straßenbahn zum Bahnhof, von da in 1-1/4 St. bis zur Endstat. Woodlands (von wo Fährboot nach Johor mit Anschluß an die Federated Malay States Railway, S. 161).
=Dampfer=: Norddeutscher Lloyd (Agent: Behn, Meyer u. Co., Tel.-Adr. »Nordlloyd Singapore«): Reichspostdampfer alle 14 Tage nach Ostasien und Europa; Anschlußdampfer nach Bangkok und Deli sowie nach Britisch-Nordborneo, Makassar, Menado (auf Celebes), Süd-Philippinen und Neuguinea (über Batavia)--Koninklijke Paketvaart Maatschappij (Agent: J. Deandels & Co.): Anschlußdampfer an die deutschen Reichspostdampfer nach u. von Batavia, Samarang und Soerabaya. --Stoomvaart Maatschappij Nederland (Agent: J. Daendels & Co.) alle 14 Tage nach Batavia und nach Europa über Sabang.--Österreichischer Lloyd (Agent: Rautenberg, Schmidt & Co.), monatlich einmal nach Ostasien und Europa.--Messageries Maritimes (Agent: C. Tournaire; Telegrammadresse: »Messageries Singapore«) alle 14 Tage über Saigon nach Ostasien und über Colombo nach Europa; Anschlußdampfer nach Batavia. --Peninsular & Oriental Co. alle 14 Tage nach Ostasien und Europa, mit Anschlußlinien nach Java, Sumatra, Celebes u. a.--British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Vorderindien.
=Geld.= Einheitsmünze ist der Straits-Dollar ($) = 2,40 Mark oder 2 sh. 4 d.; Silbermünzen außerdem zu 50, 20, 10, 5 cents. 1 $ = 100 cents. Außerdem Kupfergeld.--=Banken=: Deutsch-Asiatische Bank, Korr. sämtlicher deutschen Großbanken.--Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.--Chartered Bank of India, Australia & China.-- Nederlandsche Handels-Maatschappij. Beide letztere Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.
=Sprache= ist malaiisch, die allgemeine Verkehrssprache Hinter- und Insulindiens.
=Theater=, malaiische sind besuchenswert.
=Konsulate=: Deutsches Reich, Generalkonsul Feindel, Vizekonsul Dr. Saunier. --Österreich-Ungarn, Dr. Erwin Ritter von Zach.--=Deutscher Klub=, sehr schön gelegen.
=Polizeiamt=: South Bridge Road und North Bridge Road, letzeres nahe dem Hôtel de l'Europe.--=Ärzte=: an 30; deutsche Ärzte Dr. Werner, Medical Hall; Dr. Wertheim.--=Zahnarzt.=-- =Deutsche Apotheken.=--=Krankenhaus=: General Hospital.--=Buchhandlungen=: Kelly & Walsh, Raffles Place.--Fraser & Neave.--=Zeitungen=: Straits Times; Government Gazette; Singapore Free Press; Colonial Press. Einige malaiische, tamulische und chinesische Zeitungen.
=Photographieren= von Festungswerken (die oft nicht zu erkennen sind) ist streng verboten und wird mit 1 Jahr Zuchthaus bestraft, da Singapore Kriegshafen ist. (Deutsche Liebhaberphotographen werden mit Vorliebe böser Absichten verdächtigt!)
=Einkäufe=: Korallen, Muscheln, Korbstühle, Ananas frisch und konserviert (sehr billig).