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Unser Familien-Arzt (part 2 of 3)

Part 2 of 3 · Stout, H. R. (Henry Rice) · Public domain text

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Contents (3)

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Unser Familien-Arzt (part 2 of 3)

~Phosphorus.~ -- Wenn die Engbrüstigkeit sich Abends oder während sich der Patient Bewegung macht, verschlimmert; Blutandrang in der Brust, mit Stechen, Vollheit oder Hitze im Halse und Herzklopfen.

~Tartar emetic.~ -- Für ältere Personen und Kinder, namentlich wenn Abends fürchterliche Erstickungsanfälle mit Röcheln und Keuchen in der Brust eintreten. Kann abwechselnd auf ~Phosphorus~ gegeben werden.

~Belladonna.~ -- Blutandrang in den Lungen, Stiche unter dem Brustbein, Vollheit in der Brust, nächtlicher trockener Husten; manchmal tiefes und dann wieder schnelles, kurzes Athmen, Erstickungsgefühl mit Verlieren des Bewußtseins.

~Aconitum.~ -- Für leicht erregbare, empfindsame Personen, und wenn das Asthma leicht durch geistige Erregung verursacht wird.

~Bryonia.~ -- Wenn das Uebel durch Bewegung und des Nachts schlimmer wird; Schmerzen in der Brust. Mag auf ~Ipecac~ folgen.

~Coffea.~ -- Wenn durch plötzliche Freude hervorgerufen; kurzer, trockener Husten.

~Opium.~ -- Erstickungshusten mit blaurothem Gesicht, tiefes, röchelndes Athmen; namentlich wenn durch Furcht verursacht.

~Ignatia.~ -- Wenn durch Furcht oder Entrüstung verursacht; namentlich für Frauenzimmer; Mangel an Luft beim Gehen, beim Ruhen, Husten.

~Spongia.~ -- Mangel an Luft, Erstickungsanfälle auf jegliche Bewegung, Hitze im Gesicht, Blutandrang nach Brust und Gesicht.

~Veratrum.~ -- Erstickungsanfälle beim Aufstehen und während des Gehens; mag ~Ipecac~, ~Arsenicum~ oder ~China~ folgen.

Andere Heilmittel sind ~Cocculus~, ~Chamomilla~, ~Cuprum~, ~Lachesis~ und ~Silicea~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen der gewählten Arznei in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle halbe, alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, je nach der Heftigkeit der Symptome. Bei chronischen Fällen gebe einen Theelöffel voll zweimal des Tages, bis Besserung erfolgt. Mittelst nasser Tücher und Binden mag man auf Brust und den Unterleib während der Nacht Wasser appliziren. Hierdurch wird manchmal dem Anfall vorgebeugt. Der Kranke sollte sich öfters in kaltem Wasser waschen und sich Bewegung in frischer Luft machen.

+Kost.+ Personen, die mit Asthma behaftet sind, dürfen weder Kaffee, noch Fleisch, noch fettige Speisen genießen, sondern müssen leichte aber nahrhafte Nahrungsmittel wählen.

=Allöopathisch.= Das folgende ist empfohlen:

Jod (~Iodine~) 6 Grane. Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) 12 „ Brechwurz-Tinktur (~Tincture of Ipecac~) 1 „ Tolubalsam-Tinktur (~Tincture of Balsam of Tolu~) 6 Drachmen. Aetherische Schierling-Tinktur (~Ethereal tincture of conium~) 1½ „ Alcohol ½ Pint.

Mische es. Dosis: ein bis zwei Theelöffel voll alle 10 oder 15 Minuten in etwa einem Gill heißen Wasser einzuathmen. Zur selben Zeit gebrauche das folgende:

Jod-Kalium (~Iodide of Potassium~) 1 Drachme. Sarsaparillasyrup 4 Unzen.

Mische es. Dosis: zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.

Das folgende ist manchmal ausgezeichnet:

Lobelia-Tinktur und Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~), eine halbe Unze von jedem.

Mische es. Dosis: einen halben Theelöffel voll jede halbe Stunde, bis Uebelkeit und Auswurf erfolgt.

Tabakrauchen oder das Rauchen der Stechapfelblätter wird in manchen Fällen ganz besonders empfohlen, sowie das Einathmen der Luft, in welcher Papier verbrannt wurde, das in Salpeterauflösung getaucht worden.

Brustwassersucht (~Dropsy of the Chest -- Hydrothorax~).

Brustwassersucht wird durch Wasseransammlung in der Brust gekennzeichnet. Die Krankheit mag allein oder in Verbindung mit Wassersucht überhaupt vorkommen. Sie wird gewöhnlich durch irgendwelche vorhergehende Störung in den Lungen, im Herzen oder im Brustfell, oder der das Herz umgebenden Haut verursacht. Diese Krankheit sollte von einem tüchtigen Arzte behandelt werden.

+Symptome.+ Große Schwierigkeit beim Athmen, was bei Anstrengung oder während der Nacht sich noch verschlimmert. Der Patient kann nicht auf der von der Krankheit noch nicht erfaßten Seite liegen; schmerzhafter Druck in der Brust, bleiches, manchmal purpurrothes Gesicht, öfters Frösteln, kurzer, trockener Husten, Schwere in der Magengrube, Herzklopfen, unruhige Träume, von welchen der Kranke mit einem Gefühl, als müßte er ersticken, aufwacht. Manchmal findet sich in beiden Armen eine Art Gefühllosigkeit; die Augen sind starr, die unteren Augenlider sind häufig geschwollen, der Hals ist trocken. Mit der Vermehrung des Wassers verschlimmern sich die Symptome, und der Patient muß endlich in aufrechter Stellung verbleiben; die Hände, Arme und Füße schwellen an und werden kalt, Schläfrigkeit und Delirium treten ein und der Tod mag, verursacht durch einen Schlaganfall, plötzlich erfolgen; oder der Kranke mag nach und nach an Erstickung sterben.

+Ursachen.+ Erkältung, Verletzungen, Herz-, Leber- oder Magenkrankheiten, unmäßiger Genuß geistiger Getränke &c.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Blasse, kränkliche Gesichtsfarbe, Wangen, Lippen und Augenlider schlaff und aufgedunsen, trockener Mund und Zunge, Herzklopfen, Ohnmacht, Schwerathmen während des Gehens und nach dem Niederlegen, beängstigender Druck in der Brust, Brennen und Summen in den Ohren und im Kopfe, Appetitlosigkeit, Träume, Störung im Schlaf, Frösteln.

~Apis Mellifica.~ -- Schwieriges und ängstliches Athmen, Schmerz und Empfindsamkeit im Unterleib, welcher durch Druck heftiger wird, die Symptome verschlimmern sich, wenn der Patient niederliegt. Dies ist ein sehr werthvolles Mittel gegen diese Krankheit.

~Digitalis.~ -- Zu gebrauchen, wenn Brustwassersucht von Herzkrankheit herrührt.

Andere Mittel sind: ~Bryonia~, ~China~, ~Hellebore~, ~Asparagus~, ~Cantharides~, ~Mercurius~, ~Apocynum~ und ~Cannabis~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, je nach den Symptomen.

=Allöopathisch.= Man sollte die Brust mit Jod-Tinktur (~Tincture of iodine~) überstreichen und die Wundheit zu erhalten suchen.

Das folgende Abführungsmittel möge verordnet werden:

Pulverisirter Gummi Cambaja (~Pulv. gamboge~) 12 Grane. Elaterium 2 „ Castoröl 8 Tropfen. Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.

Mische und bereite 12 Pillen. Dosis: eine Pille alle Stunde, bis die Arznei wirkt.

Oder dieses:

Pulverisirte Jalappe (~Powdered jalap~) 12 Grane. Cremor Tartari 2 Drachmen.

Mische es. Auf einmal in Syrup oder Molasses zu nehmen.

Zu gleicher Zeit nehme das folgende:

Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~) 4 Unzen. Essigsaures Kali (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmetwasser 1½ Unzen.

Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei oder vier Stunden.

Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in folgender Weise verordnet, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Jod-Kalium 1 Unze. Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 2 Unzen. Wasser ½ Pint.

Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden.

Jod-Kalium kann auch allein in Dosen von fünf oder sechs Granen verordnet werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn (~Dandelion~) wird gegen diese Krankheit empfohlen, und sollte dieses Mittel folgendermaßen zubereitet werden:

Man wasche die Wurzeln, schleiße so viele derselben als man in beide Hände nehmen kann und koche sie zwei oder drei Stunden in siedendem Wasser. Während des Tages sollten zwei oder drei Tassen voll der Abkochung getrunken werden. Auch der Ginster (~Broom~) ist ein werthvolles Heilmittel. Man gebraucht die grünen Enden der Pflanze, indem man eine Hand voll derselben mit einem Pint kochenden Wasser überschüttet und das betreffende Gefäß mehrere Stunden lang nahe bei dem Feuer stehen läßt. Dosis: Eine Theetasse voll zweimal des Tages. Hie und da sollte, um den Stuhlgang in Ordnung zu halten, eine Dosis Bittersalz oder Cremor Tartari verordnet werden. Das Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in Dosen von fünf oder sechs Granen wird sehr empfohlen. Ebenfalls wird gesagt, daß die Rinde der Weinrebe wunderbare Kuren bewirkt habe. Die Rinde wird zu Asche verbrannt und ein Theelöffel voll derselben in einem Weinglas voll oder mehr Catawbawein dreimal des Tages gegeben. Die Dosen sollten je nach Umständen vermindert oder vermehrt werden. Einen vom Patienten beständig zu gebrauchenden Trank bereitet man wie folgt:

~Hair-cap moss~ 2 Unzen. Zwerg-Flieder Rinde (~Dwarf elder bark~) 1 Unze. Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „

Bereite einen starken Aufguß und nehme ein halbes bis ein Weinglas voll alle Stunden, oder wenn immer der Kranke durstig ist.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Rezept:

Senf ½ Unze. Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „ Rosenrothe Apocynum-Wurzel (~Milkweed root~) 1 „ Meerrettig (~Horse-radish root~) 1 „ Schwarze Flieder-Rinde (~Black elder bark~) 1 „ Alraun- (auch Schlafapfel-) Wurzel (~Mandrake root~) 1 „ Zwerg-Flieder Wurzel oder Rinde (~Dwarf elder root or bark~) 1 „ Bittersüßwurzel-Rinde (~Bitter sweet bark from the root~) 1 „

Presse dieses und füge eine Gallone gegohrenen Cider hinzu. Dosis: Ein Weinglas voll dreimal des Tages vor dem Essen.

Auszehrung (~Consumption, Phthisis Pulmonalis~).

Unter Auszehrung versteht man im Allgemeinen die Abnahme des Körpers aus irgend einer Ursache; gewöhnlich aber gebraucht man den Namen nur mit Hinsicht auf die Lungenauszehrung, die durch die Erkrankung der Lungen verursacht wird.

+Symptome.+ -- Die gewöhnlichen Symptome sind Husten, Brustschmerzen, Fieber, heiße Hände, Füße und Wangen, Veränderung der Stimme, gekrümmte Nägel, Ausfallen des Haares &c.

Anfänglich ist der Husten trocken und leicht und tritt öfters nur des Morgens nach dem Aufstehen oder bei irgend einer Anstrengung ein; Schwerathmen, dünner oder schaumiger, dem Schleim ähnlicher Auswurf. Mit dem Fortschritt der Krankheit verursacht das Athmen mehr Schwierigkeit und der Husten wird heftiger und schmerzhafter, die Haut ist roth und heiß, in dem Innern der Hand und öfters auch auf den Fußsohlen, verspürt der Patient ein brennendes Gefühl, der Appetit ist verschieden und der Patient in dieser Hinsicht launisch, der Stuhlgang unregelmäßig. Bei noch weiterem Fortschritt der Krankheit wird der Husten immer heftiger und das Athemholen schwieriger; gegen Abend tritt öfters Frösteln ein, während bei Nacht die Haut heiß ist und sich gegen Morgen Schweiß zeigt, das Gesicht ist gegen Abend bedeutend geröthet, der Appetit verliert sich, die Gesichtszüge sind scharf, in der Brust fühlt der Kranke eine Zusammenziehung und Druck und öfters auf beiden Seiten Schmerz. In diesem Stadium tritt häufig Lungenbluten ein, oft auch hartnäckige Diarrhöe und der Kranke leidet von Schmerz in den Gedärmen, hektischem Fieber und Durst. Je mehr sich die Krankheit entwickelt, desto mehr verschlimmern sich die Symptome. Der Husten hört beinahe nie auf und ist sehr schmerzhaft, die Gesichtszüge werden sehr scharf, die Augen sind eingesunken, das Haar fällt aus, die Nägel stehen einwärts gebogen, die Stimme wird schwach und heiser, Füße und Aenkeln schwellen an und der Patient stirbt allmählig an Erschöpfung, oder an plötzlichem Blutandrang in den Lungen, oder am Lungenbluten, oder aus anderen Ursachen.

+Ursachen.+ -- Diese Krankheit ist gewöhnlich erblich. Andere Ursachen -- alles was überhaupt den Körper schwächt und einen geschwächten Zustand des Organismus hervorruft, z. B. große Aengstlichkeit, Trauer, Enttäuschung, übermäßige Anstrengung, Befriedigung der Leidenschaften, zu frühe Geistesanstrengung, Wohnen in feuchten, nicht gelüfteten Zimmern, festes Schnüren und Gebrauch ungeeigneter Medizinen.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Kost muß bei der Behandlung bedeutende Berücksichtigung finden und sollte die Nahrung kräftig und leicht verdaulich sein. Ochsenfleisch sollte allen anderen Fleischspeisen vorgezogen und halb gar (~rare~) genossen werden; auch sind Hammelfleisch, junges Geflügel, mürbes Wildpret, weichgekochte Eier, Milch, Bier und Fisch zulässig. Leichte Mahlzeiten sind jederzeit besser, als wenn der Patient zu viel ißt. Als Getränk mag Milch, Wasser, Thee oder Cocoa gebraucht werden. Der Kranke sollte sich oft Bewegung im Freien machen, wozu das Reiten sehr dienlich ist; jedoch darf er bei dieser Bewegung nie erschöpft werden. Sehr dienlich ist es, wenn man Brust und Schultern täglich mit Essig und Wasser wäscht oder besprengt, wobei die Flüssigkeit anfänglich warm zu machen ist, nach und nach gebraucht man sie etwas kälter, bis sie endlich ganz kalt in Anwendung kommen kann. Das Schlafzimmer sollte groß und gut ausgelüftet sein. Der Kranke darf weder der Kälte noch plötzlichem Witterungswechsel bloßgestellt werden. Auf der Brust sollte er Baumwollen- oder Wollenstoffe oder Pelzwerk tragen. Der Aufenthalt in mildem Klima ist dem in irgend einem andern vorzuziehen. Man sagt, daß New Mexiko oder das nördliche Texas den Auszehrenden am besten zusagt; sowie auch Minnesota, Florida und Cuba. In Europa suchen die Auszehrenden Pau und Biarritz in Frankreich, oder Malaga, Malta, Sorrento, Palermo, Algier und Madeira auf.

=Allöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) ist bei der Behandlung der Auszehrung sehr werthvoll, und manchmal wird der Patient, wenn er dieses Mittel im ersten Stadium der Krankheit nimmt, kurirt, während es in den folgenden Stadien Linderung verschafft. Es hilft der Verdauung nach und verschafft dadurch dem Kranken Körperkraft und Muskelzulage; es mildert den Husten, sowie alle die gewöhnlichen Symptome. Ein Theelöffel voll Oel dreimal des Tages ist eine Dosis. Das folgende ist eine der Art und Weisen, wie man dieses Mittel verordnen kann:

Leberthran (~Cod liver oil~) 2 Unzen. Ingwer-Syrup 2 „ Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of gum arabic~) 2 „ Nelkenöl (~Oil of cloves~) 6 Tropfen.

Mische.

Oder:

Citronensaures Ammoniak (~Citrate of ammonia~) 10 Grane. Eisen 10 „ Chinin (~Quinine~) 10 „ Leberthran 2 Unzen. Glycerin 2 „

Mische.

Dieses kann in Porter- oder Ale-Schaum oder nachdem man den Mund mit Brandy ausgespült hat, was auch nach dem Einnehmen der Dosis geschehen kann, genommen werden. Manchen schmeckt diese Arznei angenehmer, wenn man sie salzt.

Mit diesem Heilmittel sollte man mehrere Monate oder selbst Jahre lang fortfahren, wenn die Krankheit nicht vorher überwunden wird. Alkohol enthaltende Getränke, Ale und Lagerbier werden empfohlen. Diese Stimulanten sollten in kleinen Quantitäten genossen werden, etwa zwei oder drei Löffel voll Branntwein oder ein halbes Glas voll oder weniger Wein, oder ein halbes Glas voll Ale oder Bier. Man trinke diese Quantität zwei- oder dreimal des Tages.

Kleien- oder Senfaufschläge werden die Schmerzen in der Brust lindern. Dr. Ira Warren von Boston empfiehlt gegen den Husten das “~Pulmonic Cherry Cordial~,” welches große Dienste leisten soll und folgendermaßen zubereitet wird:

Gemahlene wilde Kirschenrinde 10 Pfund. Brechwurz (~Ipecac root~) 20 Unzen. Blutwurz (~Blood root~) 24 „ Meerzwiebel (~Squill root, bruised~) 12 „ Pulverisirte Lakritzenwurzel (~Pulverized liquorice root~) 5 „ Kochenille (~Cochineal, bruised~) 2 „ Anissamen 32 „ Fenchelsamen (~Fennel seed~) 8 „ Orangenschale 16 „ Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) 12 Drachmen. Alkohol 8 Gallonen. Wasser 8 „ Pulv. weißer Zucker 40 Pfund. Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 1 Unze.

Mahle alle diese Artikel zu einem groben Pulver; mit Ausnahme derer, bei welchen angegeben ist, daß sie pulverisirt oder zerquetscht (~bruised~) werden sollen, und bringe alle in den Alcohol, ausgenommen die wilde Kirschenrinde, das Wasser, den Zucker und die Schwefelsäure. Lasse die Masse eine Woche lang stehen und rühre tüchtig zweimal des Tages. Nachdem die Rinde von dem wilden Kirschbaum zwei Tage lang in einem bedeckten Gefäß mit genug Wasser, um dieselbe zu durchfeuchten, gestanden hat, so bringe man sie in ein Sieb und schütte durch dasselbe acht Gallonen Wasser, füge den Alkohol und andere Bestandtheile bei und lasse das Ganze noch weitere drei Tage stehen, indem man jeden Tag zweimal rührt und nachher die Flüssigkeit filtrirt und den Zucker und zuletzt die Schwefelsäure beifügt. Dieser Anweisung nach werden 16 Gallonen bereitet, doch kann die Quantität leicht durch Berechnung vermindert werden. Dosis: 1 bis 2 Theelöffel voll. Ist eine beruhigende Wirkung wünschenswerth oder nöthig, so füge man ein wenig Morphium (~Morphine~) zu dem Präparat.

Das folgende wird gegen den Husten sehr dienlich sein:

Wilder Kirschensyrup 2 Unzen. Lattichbitter (~Lactucarium~) 2 „

Mische dieses. Dosis: 1 oder 2 Theelöffel voll des Abends und Morgens.

Oder:

Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~) 1 Unze. Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) ½ „ Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) 2 Drachmen. Paregoricum (~Paregoric~) 3 „ Gummi Arabicum Schleim ½ Drachme.

Mische dieses. Dosis: zeitweilig einen halben Theelöffel voll.

Eisen-Iodide-Tinktur (~Liquor of iodide of iron~), in Dosen von 12 zu 20 Tropfen in Wasser, dreimal des Tages verordnet, mag in manchen Fällen von guter Wirkung sein, wenn der Patient nämlich sehr schwach ist. Gegen die Nachtschweiße verordne man folgendes:

Aufguß von Peruvianischer oder Cascarilla-Rinde 4 Unzen. Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) 1 Drachme. Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 „

Mische dieses. Dosis: einen Eß-Löffel voll dreimal des Tages.

Oder dieses:

Zink-Oxid (~Oxide of zinc~) 1 Drachme. Schierling-Extrakt (~Extract of Conium~) ½ „

Bereite hieraus 20 Pillen und nehme eine derselben jeden Abend.

Sind die Schweiße sehr bedeutend, so wasche man den Körper mit Brandy, Whiskey oder Alaun. Gegen die Diarrhöe kann dreifach schwefelsaurer Wismuth (~Tris-nitrate of bismuth~), in Dosen von 30 Granen, entweder vor oder nach jeder Mahlzeit zu nehmen, verordnet werden. Ist der Magen in Unordnung, so wird das Ansetzen zweier oder dreier Blutegel auf die Magengrube, worauf man einen Kleieumschlag auf die betreffende Stelle legt, gute Dienste leisten. Gegen das hektische Fieber ist schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ein ausgezeichnetes Mittel, wenn dasselbe in der Zwischenzeit in Dosen von 10 zu 12 Granen gegeben wird. Manchmal mag auch mit Wasser verdünnter und versüßter Essig in Dosen von einem zu zwei Theelöffeln voll mit guter Wirkung gegeben werden. Auch ist das Abwaschen oder Besprengen der Haut mit warmem Essig oder Spirituosen öfters sehr wirksam.

=Eclectische und Kräuterkur.= Phosphorsaurer Kalk (~phosphate of lime~), in Dosen von 10 Granen dreimal des Tages gegeben, wird sehr empfohlen. Auch wird die salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of iron~), 5 Tropfen in einem Weinglas voll Wasser alle 3 bis 4 Stunden, in manchen Fällen sehr wirksam sein. Das folgende wird empfohlen:

Blutwurz-Tinktur (~Tincture of blood root~) 1 Drachme. Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract of wild cherry~) 3 Drachmen. Lakritzenaufguß (~Infusion of Liquorice~) ½ Pint. Salz-Ammoniak (~Muriate of ammonia~) 1 Drachme.

Mische dieses. Dosis: einen Eßlöffel voll alle zwei Stunden.

Manchmal wird eine Einathmung von folgenden Substanzen guten Erfolg bezwecken:

Schwefelsäure (~Nitric acid~) 25 Tropfen. Kampher 4 Drachmen. Gerbersäure (~Tannic acid~) 4 „ Reiner geruchloser Alcohol (~Pure deodorized alcohol~) 6 Unzen.

Mische dieses. Man befeuchtet mit einem oder zwei Theelöffel voll dieser Mischung einen Schwamm, bringt diesen in ein Glas, hält dasselbe vor die Nase des Patienten, läßt ihn den Dunst 10 oder 15 Minuten lang einathmen und wiederholt dies mehrere Mal des Tages. Auch ist das Einathmen des durch geschmolzenes Harz (~Rosin~) entstandenen Dunstes ein werthvolles Mittel. Gegen den Husten gebrauche folgendes:

Andorn (~Hoarhound~) 1 Unze. Wallwurz (~Comfrey~) 1 „ Nardensalbe (~Spikenard~) 1 „ Wasser 1 Gallone.

Koche dieses, bis noch 1 Quart der Mischung vorhanden, und füge ein Pint Honig hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages oder so oft als der Husten beunruhigt.

Oder dieses:

Flüssiger Schlangenwurzel-Extrakt (~Fluid extract of black cohosh~) 1 Unze. Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract of wild cherry~) 1 „ Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) 1 „ Schwefelsaure Morphin-Tinktur (~Tincture of sulphate of morphine~) 2 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages, oder wenn immer der Husten heftig ist.

Oder dieses:

Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract of wild cherry~) 1½ Unzen. Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~) 1½ „ Balsamtolu-Syrup (~Syrup of balsam of tolu~) 1 Unze. Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of Hyosciamus~) 1 „

Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll, wenn immer der Husten heftig ist.

Manchmal thut eine mäßige Chloroform-Einathmung gute Dienste. Die Nachtschweiße mögen mittelst 10 oder 12 Tropfen Vitriol-Elixir, welche in einem Weinglas voll Wasser vor dem Schlafengehen zu nehmen sind, gemildert werden. Es wird von guter Wirkung sein, wenn man den Körper mit einer aus Alcohol und Wasser bereiteten Mischung, wozu Zimmetöl und Gerbersäure (~Tannic acid~) gefügt wird, mittelst eines Schwammes abwäscht. Der Diarrhöe mag durch einen Brombeerwurzel- (~Blackberry root~) Aufguß Einhalt gethan werden. Auch kann man zu diesem Zwecke Paregoricum (~Paregoric~) und Catechugummi-Tinktur (~Tincture of catechu~) gebrauchen. Tritt Lungenbluten ein, so sollte der Patient viel von einem aus gleichen Theilen kurzblättrigen Dreiblatts (~Beth root~) und virginischen Wolfsfußes (~Bugle weed~) bereiteten Aufguß trinken; oder hie und da wird ein wenig Salz und Wasser dem Bluten Einhalt thun. Die folgenden Recepte werden unter „Auszehrung“ gegen Husten gefunden:

Ein aus weißem Andorn (~White hoarhound~) und mit Honig versüßter Thee ist eine treffliche Hustenmedizin. Ebenso wird Thee, aus Quittensamen (~Quince seed~), Flachssamen (~Flax seed~), Eibisch (~Marshmallow~) oder Ulmenrinde (~Slippery elm~) bereitet, den Husten lindern. Auch kann Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~), Lobelia-Tinktur, Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) und Paregoricum (~Paregoric~), von jedem eine Unze, gebraucht werden. Mische dieses. Dosis: einen Eßlöffel voll drei- bis viermal des Tages.

=Homöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) wird auch bei der homöopathischen Behandlung mit Nutzen angewendet. Man mag dieses Mittel in Dosen von einem Eßlöffelvoll dreimal des Tages verordnen.

~Calcarea Carbonica.~ -- Wird gebraucht, wenn folgende Symptome vorhanden sind: Blasse Gesichtsfarbe mit schwermüthigem Gesichtsausdruck; aufgedunsene Wangen, Launenhaftigkeit bezüglich des Appetits, eher Neigung zur Hartleibigkeit als zur Diarrhöe, aber manchmal unregelmäßiger Stuhlgang; leichter doch bestimmt sich ausdrückender Husten; Schwerathmen, namentlich beim Treppensteigen, oder wenn der Patient schneller geht als gewöhnlich; weiche, schlotterige Muskeln; langsame Blutcirkulation; Schwäche. Bei mehr vorgerücktem Stadium der Krankheit wird ~Lycopodium~ oder ~Nitric Acid~ nützlicher sein als ~Calcarea~.

~Sulphur~ -- wurde von Hahnemann als ein Hauptmittel gegen diese Krankheit bezeichnet. Man verwende dasselbe, wenn sich folgende Symptome zeigen: Skrophulöser Ausschlag, Neigung, sich schnell eine Erkältung dadurch zuzuziehen, wenn der Patient an die frische Luft kommt; rheumatische Schmerzen in den Gliedmaßen ohne Anschwellung; wankender Gang und Zittern der Hände; Gefühllosigkeit verschiedener Körpertheile; die Schmerzen sind bei Nacht heftiger und werden durch äußerliche Wärme gelindert; Schläfrigkeit; gestörter Schlaf; Gesicht blaß, kränklich und schlaff; blaue Ringe um die Augen, trockene Zunge und trockner Hals; weher Hals und Druck in demselben, als ob Klumpen vorhanden wären; Magensäure; der Magen gegen Druck sehr empfindlich; Uebelkeit nach dem Essen; Schmerz im Unterleib; schneidende Schmerzen und Uebelkeit, worauf Diarrhöe folgt; Heiserkeit oder Stimmverlust; trockner, kurzer Husten.

~Phosphorus.~ -- Für leichtgebaute Personen mit heller Gesichtsfarbe gegen kurzen, trocknen Husten, Kurzathmigkeit, große Abzehrung, Diarrhöe und Schweiß zu gebrauchen.

Andere Heilmittel sind: ~Ferrum~, ~Silicea~, ~Phosphoric Acid~, ~Lobelia~, ~Nitric Acid~, ~Iodine~, ~Belladonna~, ~Hamamelis~ und ~China~. Diese Heilmittel sollten unter Anordnung eines tüchtigen Arztes gebraucht werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme von dem gewählten Heilmittel eine Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages, oder wenn die Symptome dazu veranlassen, eine Dosis alle eine, zwei oder drei Stunden.

Brustquetschung (~Contusion of the Chest~).

Wird die Brust durch einen Schlag oder Fall beschädigt, so gebrauche man Arnica-Tinktur äußerlich. Wenn aber aus Veranlassung der Beschädigung Bronchitis oder Brustentzündung oder andere Krankheiten entstehen sollten, so behandle man dieselben nach Anweisung im betreffenden Kapitel.

Fremde Körper in der Luftröhre.

Man kann fremde Körper, die sich in der Luftröhre festgesetzt haben, erreichen, indem man die Zunge hinabdrückt und den Daumen und einen Finger so weit als möglich hinabschiebt. Kann der Gegenstand nicht mit den Fingern gefaßt werden, so ist eine Chirurgenzange (~Forceps~) zu gebrauchen. Auch kann man die betreffende Person an einer Stange in den Knieegelenken, mit dem Kopf abwärts hängen lassen und ihr schnelle Schläge zwischen die Schultern versetzen, wodurch gewöhnlich geholfen wird. Kann aber der Gegenstand durch keines dieser Mittel entfernt werden, so sollte man einen Wundarzt zu Hülfe rufen.

Zwölftes Kapitel.

Krankheiten des Magens und der Eingeweide.

Mangel an Appetit (~Anorexia~). Heißhunger (~Bulemia~).

Mangel an Appetit und krankhafte Eßlust wird bei vielen Krankheiten gefunden, ersterer besonders bei Krankheiten der Eingeweide oder Lungen, sowie auch bei anderen acuten Krankheiten, Unordnung des Magens u.s.w. Letzteres ist zuweilen eine Folge von Wurmleiden oder Verlust der Kräfte, Verdauungsschwäche u.s.w. Die Behandlung dieser Krankheiten findet man unter der Rubrik „Dyspepsie.“

Dyspepsie oder schwacher Magen.

Dyspepsie ist eine der gewöhnlichsten Krankheiten, welchen der Arzt begegnet. Sie wird überall, unter allen Klassen und häufiger bei Personen von mittlerem Alter gefunden. Solche, welche eine sitzende Lebensweise führen, keine Gelegenheit haben Bewegung zu machen, sowie auch jene, die Spirituosen und dem Tabak ergeben sind, sind mehr als Andere dazu geneigt.

+Symptome.+ Die Dyspepsie kann vorübergehend sein oder sich einwurzeln. Unter vorübergehend verstehen wir einen leichten Anfall von Unverdaulichkeit, welcher von Ueberessen oder von unzulänglichen Nahrungsmitteln herrührt. Unter eingewurzelt verstehen wir solche Fälle, welche eine lange Zeit -- Monate, ja sogar Jahre lang, anhalten. Bei dieser Krankheit verliert der Magen seine Kräfte zu verdauen und der Kranke ist nur dann fähig etwas zu essen, wenn er immer Spirituosen, Pillen und andere Arzneimittel zu sich nimmt. Ein vorübergehender Anfall von Unverdaulichkeit macht sich durch ein Gefühl von Ausdehnung des Magens, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Widerwille gegen Speisen, zuweilen durch Uebelkeit und Erbrechen kenntlich. Bei der eingewurzelten oder chronischen Form ist der Appetit veränderlich, zuweilen gänzlich verloren, steigert er sich dann wieder bis zur Gefräßigkeit. Nimmt der Patient eine volle kräftige Mahlzeit, wird er niedergeschlagen, Schmerz und eine Schwere im Magen stellen sich ein; ein Verlangen nach Essen, das nach dem ersten Mund voll befriedigt, ist vorhanden; die Zunge ist blaß, welk, schleimig, oder wird trocken, klebrig, oder dick belegt, besonders am Morgen beim Aufstehen; ein beständiges unbehagliches Gefühl von Schwere im Magen, ebenso saures oder unangenehmes Aufstoßen, bei Säure im Magen und einem Gefühl von Sinken und Flattern in der Magengrube; Empfindlichkeit gegen Druck, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Mattigkeit und große Niedergeschlagenheit, Todesfurcht und Befürchtungen vor der Zukunft, Herzklopfen oder ein starkes Schlagen in der Gegend des Magens, Verstopfung, unangenehmer Geschmack im Munde, besonders des Morgens beim Erwachen; das Gedächtniß ist vermindert; die Stimmung ist veränderlich und die Laune reizbar; Tiefsinn, Gedanken- und Ideenverwirrung; Schwindel; Schwachsichtigkeit, Flecken schimmern vor den Augen; das Gesicht ist blaß und hat einen ängstlichen Ausdruck, die Haut ist trocken und gerunzelt, Alpdrücken ist eine gewöhnliche Erscheinung, Kneipen oder krampfartige Thätigkeit der Muskeln; abwechselnd Hitze und Kälte; ziehende Schmerzen im Rücken und in den Schultern; häufiges Seufzen; ein Gefühl von Beklemmung in der Gegend des Herzens; Geräusch oder Singen in den Ohren.

+Ursachen.+ Eine von den häufigsten Ursachen von Verdauungsschwäche ist hastiges unzulängliches Kauen der Speisen, Mangel an Bewegung und Ruhe des Geistes, unpassende Nahrung, wie zu kräftige, reizende Speisen, Spirituosen, zu häufiger Genuß von warmen Flüssigkeiten und Tabak, spätes Aufbleiben, stark gewürzte Gerichte, übermäßig starke Entleerungen, sitzende Lebensweise, langes angespanntes geistiges Arbeiten, Trägheit, zu langes Schlafen, das Athmen unreiner Luft, geschlechtliche Ausschweifungen; Leute, welche sehr schnell essen und dazu übermäßig viel Wasser, Thee oder Kaffee trinken, sind diesem mehr ausgesetzt als andere; auch Essen, unmittelbar nach starker körperlicher oder geistiger Arbeit ist sehr schädlich; starke Bewegung nach der Mahlzeit oder kurz vor dem Schlafengehen, Aerger, Eifersucht, große Freude, nächtliches Wachen sind hervorragende Ursachen. Der Mißbrauch von Abführmitteln, der die Eingeweide träge macht, ist äußerst schädlich.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Gutes Kochen ist ein wichtiger Theil der Behandlung bei der Verdauung; die Speisen sollten gut, aber nicht übermäßig gekocht werden; halb gar gekochtes Fleisch ist bei Dyspepsie das Beste. Leute, die an Dyspepsie leiden, sollten alle eingemachten Fleischarten, wie Schinken, Zunge, geräucherte oder gesalzene Fleischsorten, Würste u.s.w., sowie auch rohes Gemüse, Pickles, Salat u.s.w. vermeiden. Die Nahrung muß, ehe sie in den Magen geht, langsam und gehörig gekaut werden, jeder Mundvoll muß so gekaut sein, bis er von selbst in die Speiseröhre tritt, denn Speisen, die gehörig gekaut sind, folgen ihrer eigenen Bestimmung. Verschiedene Sorten von Pasteten, heißes Brod, heißer Zwieback, Eier, Suppen, stark gewürzte Gerichte, Puddings u.s.w. müssen vermieden werden.

Fische sind am meisten verdaulich, wenn gekocht, weniger wenn gebraten und am wenigsten wenn gebacken. Die meisten Sorten von wildem Geflügel können erlaubt werden, auch Hammelfleisch, Wild, Hühner und Turkeyfleisch, rohe Austern, geröstetes, gebackenes oder gekochtes Obst, Schwarz- oder Weizenbrod, Kartoffeln sind für die Kost zulässig. Thee, Kaffee und alle berauschenden Getränke müssen vermieden werden, der beste Trunk bleibt immer Wasser oder Milch, wenn eins oder das andere ohne unangenehme Symptome genommen werden kann. Während des Essens sollten nicht zu viele Flüssigkeiten genommen werden, und es wird besser sein, wenn der Patient damit bis nach der Mahlzeit wartet. Wenigstens sechs Stunden sollten immer von einer zur andern Mahlzeit verstreichen, während bei einem gesunden Magen drei bis vier Stunden hinreichen. Niemals sollte Jemand eine Reise oder einen Ausflug weder mit zu vollem noch mit ganz leerem Magen antreten. Das Trinken geschieht für den Magen vortheilhafter vermittelst Schlürfens oder indem man jedesmal einen Mund voll nimmt, als durch das Trinken in langen Zügen. Nach Bewegung von irgend welcher Art, wie Reiten, Gehen u.s.w. sollte man sich stets vorher eine halbe Stunde ausruhen, ehe man eine Mahlzeit zu sich nimmt, und ebenso sollte nach der Mahlzeit ein solcher Zeitraum verstreichen, ehe irgend eine Bewegung gemacht wird. Gehen, Laufen, Springen, Tanzen, Holzsägen oder das Rudern eines Bootes sollte jeden Tag regelmäßig geübt werden. Folgende Kosteintheilung ist mit geringer Veränderung von Dr. Leared.

+Leicht verdaulich.+ Hammelfleisch, Wild, Hase, süßes Brod, junge Tauben, Feldhuhn, Fasanen, Birkhuhn, Rind- und Hammelfleisch, Milch, Steinbutte (~turbot~), Schellfisch, Butten (~flounders~), Zunge (~sole~, eine Fischart), Fische im Allgemeinen, geröstete Austern, altbackenes Brod, Reis, Tapioca, Sago, Pfeilwurz (~arrow root~), Spargel (~asparagus~), Meerkohl, französische Bohnen, Blumenkohl (~cauliflower~), gebackene Aepfel, Orangen, Weintrauben, Erdbeeren, Pfirsiche, Zwiebackwasser (~toast water~), schwarzer Thee, Sherry, Claret.

+Mäßig verdaulich.+ Rind- und Lammfleisch, Kaninchen, Turkey, Ente, wildes Geflügel, Schnepfe, Suppen, Eier nicht hart gekocht, Butter. Schildkröte, Stockfisch, Hecht, Forelle, rohe oder gedämpfte (~stewed~) Austern, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Spinat, Artischocken, Salat, Sellerie, Aprikosen, Korinthen, Himbeeren, Brod, Mehlpuddings, Gelee, Marmalade, Rhabarber, gekochte Früchte, Cocoa, Kaffee, Malzgetränke, Portwein.

+Hart verdaulich.+ Schweinefleisch, Kalbfleisch, Gansleber, Herz, Gehirn, Salzfleisch, Wurst, Hechte und gedämpfte (~stewed~) Fleische, Makrele, Aal, Lachs, Häring, Hellbutte, Salzfisch, Hummer, Krebse, Seegarnelen, Muscheln, Oel, zerlassene Butter, hartgesottene Eier, Käse, frisches Brod, Kuchen, in Butter gebackener Zwieback, Pasteten, Rahmtörtchen, Nüsse, Erbsen, Pflaumen, Kirschen, gedörrte Früchte, Gurken, Zwiebeln, Möhren, Pastinaken (~parsnips~), rothe Rüben (~beets~), Bohnen, Pilze, Pickles, Chocolade, Champagner, Liqueurs.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Säure und heißes Aufstoßen nehme ein Brechmittel von fünf bis zehn oder zwanzig Granen Brechwurz (~Ipecac~) in einem Theetassenkopf voll warmen Kamillen- oder anderen Thee; diese Dosis wird wiederholt, wenn die erste nicht Erbrechen verursacht. Nachdem der Magen beruhigt ist, gebe man ein Seidlitzpulver. Die Anwendung von Einspritzungen ist in strengen Fällen oder bei Personen von zartem Körperbau viel besser zur Bewegung der Eingeweide, als Gaben von Abführmitteln und mag zu diesem Behufe Molasses und warmes Wasser, oder warmes Wasser und ein wenig Salz angewendet werden. Bei Fällen, die dann erst eingetreten sind, wo leichte Verstopfung und Magensäure vorhanden sind, nehme man Folgendes:

Gagel in Pulvern (~Bayberry bark in powders~) 1 Unze. Stachliche Eschenrinde in Pulver (~Prickly ash bark in powders~) 1 „ Gelbwurz-Pulver (~Golden seal powder~) 1 „ Bitterwurz in Pulver (~Bitter root in powder~) 1 „ Doppeltkohlensaure Soda oder Potasche (~Bi-carbonate of soda, or potash~) 1 „

Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Bei chronischen Fällen oder hartnäckiger Verstopfung nehme Folgendes:

Kalmus in Pulver (~Blue flag in powder~) 1 Unze. Alraun in Pulver (~Mandrake in powder~) 1 „ Bitterwurzel in Pulver (~Bitter root in powder~) 1 „ Pulverisirte Blutwurzel (~Pulv. blood root~) ½ „ Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 2 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: Dreimal des Tages einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll.

Ist Säure im Magen vorhanden, so füge doppeltkohlensaure Soda oder Potasche (~Bi-carbonate of soda or potash~) eine Unze hinzu. Säure kann zuweilen durch ein Seidlitzpulver, ein- oder zweimal des Tages genommen, verbessert werden und gegen Wind im Magen ein warmer Trank von grünem Münz- oder Pfeffermünz- (~Spearmint or Peppermint~) Thee. Ist Kolik vorhanden, so nehme man einen Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) in ein wenig heißes Wasser. Bei beständiger Verstopfung der Eingeweide wird das nachstehende sehr empfohlen:

Wismuth-Oxyd (~Oxide of Bismuth~) 12 Grane. Aloe (~Aloes~) 24 „

Mache mit Molasses oder einer Auflösung von Gummi Arabicum 12 Pillen daraus. Dosis: Jeden Abend beim zu Bett Gehen vier Pillen, bis der Magen wieder gestärkt ist. Wismuth kann auch da, wo ein tägliches Abführmittel nicht erforderlich ist, allein in Pulvern von fünf Granen auf eine Dosis gegeben werden. Es kann mit Honig oder Molasses oder mit irgend einer anderen derartigen Zuthat genommen werden.

Weißer Senfsamen ist ein altes und viel gebrauchtes Mittel. Eine Dosis sollte davon jeden Tag durch drei oder vier Wochen hindurch genommen werden. Man nehme einen halben bis ganzen Eßlöffel voll und verschlucke den Samen ganz mit kaltem Wasser. Sodbrennen wird zuweilen durch einen Theelöffel voll überkohlensaure Soda (~Super-carbonate of soda~) in ein wenig Wasser oder einen halben Theelöffel voll Saleratus in einem halben Tassenkopf voll Wasser sofort gelindert. Magnesia in zwei bis drei Theelöffeln voll in einem Bierglas voll Wasser genommen, hat sich als ein ausgezeichnetes Mittel bewährt.

Pyrosis oder Sodbrennen kann durch Nachstehendes gelindert werden:

Sennesblätter (~Senna leaves~) 1 Unze. Pulverisirte Jalappenwurzel (~Jalap, powdered~) ½ „ Pulverisirte Gelbwurz (~Golden seal, powdered~) ½ „ Pulverisirter Fenchelsamen (~Fennel seed, powdered~) ½ „ Aloe 2 Drachmen. Tolu-Balsam 1 Unze.

Gieße ein halbes Pint kochendes Wasser darüber und rühre es um. Wenn kalt gieße es in eine Quartflasche und fülle dieselbe mit gutem Branntwein oder Whisky. Nachdem es zwei Stunden gestanden hat, wird es fertig sein zum Gebrauch. Dosis: Alle Morgen vor dem Frühstück einen Eßlöffel voll.

Folgendes kann zuweilen angewendet werden:

Dreifachsalpetersaures Wismuth (~Tris nitrate of Bismuth~) 5 Grane. Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 1-10 Grane.

Mische es zu einer Dosis.

Präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~) kann in Dosen von einem Theelöffel voll dreimal des Tages in einigen Fällen gegeben werden.

Folgendes ist bei Dyspepsie ein sehr schätzbares Mittel:

Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 Unze. Enzianwurzel (~Gentian root~) 1 „ Orangenschale ½ „ Koriandersamen (~Coriander seed~) ½ „

Stoße diese vier Artikel in einem Mörser oder in einem anderen Gefäße, lege sie in ein Quart französischen Branntwein (~French brandy~) und lasse das Ganze vier bis fünf Tage vor dem Gebrauche stehen. Dosis: Ein halber bis ganzer Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser ungefähr eine oder zwei Stunden vor den Mahlzeiten.

Blähungen und Kolik können durch einen bis zwei Tropfen von Cajeputöl (~Cajupet~) auf Zucker, oder doppeltschwefelsaure Soda (~Bi-sulphate of soda~), eine bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten genommen, entfernt werden.

Die folgenden sind einige von den Mitteln, die sich bei Behandlung der Dyspepsie sehr zuträglich erwiesen haben:

Pulverisirter türkischer Rhabarber (~Powd. turkey rhubarb~) 2 Drachmen. Kohlensaure Soda (~Carbonate of Soda~) 48 Grane. Einfacher Syrup 1 Unze. Quellwasser ½ Pint.

Dosis: Dreimal des Tages vor dem Essen einen Eßlöffel voll.

Rosenwasser (~Rose water~) 1 Pint. Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 6 Drachmen. Cascarilla-Tinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Drei Eßlöffel voll zweimal des Tages.

Die folgenden Pillen werden empfohlen:

Aloe 3 Grane. Rhabarber (~Rhubarb~) 3 „ Spanische Seife (~Castile soap~) 3 „ Gelbwurz (~Golden seal~) 60 „ Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 20 „ Pulverisirter Lobelia-Samen 20 „

Theile es in 60 Pillen mit Enzian-Extrakt. Dosis: Jeden Abend eine beim zu Bett Gehen.

Ein anderes:

Wismuth-Oxyd (~Oxide of bismuth~) 4 Drachmen. Rhabarber (~Rhubarb~) 2 „ Aloe 1 Drachme. Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 1 „ Brechwurz (~Ipecac~) 30 Grane.

Mische es gehörig und mache mit Gummi Arabicumschleim 120 Pillen daraus. Dosis: Vor jeder Mahlzeit eine Pille.

=Homöopathisch.= Um die Wahl der Heilmittel zu erleichtern, ist die Krankheit in Klassen mit den zu jeder derselben erforderlichen Heilmitteln eingetheilt. Ehe man daher eines der Mittel wählt, sehe man zuerst die untenstehenden Einzelnheiten durch.

Gegen Dyspepsie bei Erwachsenen: ~Aconitum~, ~Antimonium~, ~Arnica~, ~Belladonna~, ~Bryonia~, ~Calcarea Carbonica~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Chamomilla~, ~China~, ~Hepar Sulphuris~, ~Ipecacuanha~, ~Mercurius~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~, ~Phosphorus~, ~Sepia~, ~Sulphur~, ~Veratrum~.

Bei Kindern: ~Aconitum~, ~Bryonia~, ~Calcarea Carbonica~, ~Chamomilla~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~.

Wenn langes Wachen die Ursache der Dyspepsie ist: ~Nux Vomica~, ~Arnica~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~, ~Carbo Vegetabilis~.

Durch übermäßige geistige Anstrengung: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Lachesis~, ~Calcarea Carbonica~.

Wenn die Folge von übermäßigem Genuß von Spirituosen: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Lachesis~, ~Arsenicum~, ~Carbo Vegetabilis~.

Ebenso vom Kaffee: ~Nux Vomica~, ~Ignatia~.

In Folge des Tabaks: ~Nux Vomica~, ~Hepar Sulphuris~, ~Cocculus~, ~Staphysagria~.

Bei Verschlimmerung nach Trinken von kaltem Wasser: ~Arsenicum~, ~China~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~.

Nach Biertrinken: ~Arsenicum~, ~Calcarea Carbonica~, ~Rhus Toxicodendron~, ~Sepia~, ~Sulphur~.

Nach Milchtrinken: ~Bryonia~, ~Nux Vomica~, ~Calcarea~, ~Sulphur~.

Nach Säuren: ~Nux Vomica~, ~Sepia~, ~Sulphur~, ~Arsenicum~, ~Lachesis~.

Nach Brod: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Pulsatilla~, ~Bryonia~, ~Mercurius~.

Nach festen Speisen: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Carbo Vegetabilis~.

Wenn gleichzeitig mit Dyspepsie Verstopfung vorhanden ist: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Bryonia~, ~Lachesis~.

Wenn mit Diarrhöe verbunden: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Acidum phosphoricum~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Mercurius~, ~Arsenicum~, ~Veratrum~.

Gleichzeitig mit saurem Magen: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Calcarea Carbonica~.

Oder mit Geschwüren: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Sepia~.

~Aconitum.~ -- Wenn beim Beginne des Anfalles beträchtliches Fieber mit Durst und Uebelkeit, auch wenn Röthe und Wehsein des Mundes und Halses vorhanden sind.

~Arnica.~ -- Wenn ein Fall oder ein Schlag auf dem Magen die Ursache, mit Schmerz und einem Gefühl, als wenn das Rückgrat gebrochen wäre, Zunge dick, gelblich belegt, Uebelkeit mit Neigung zum Erbrechen, öfteres Aufstoßen mit fauligem bitterem Geschmack, nervöse Aufregung, Schwere in den Gliedern.

~Nux Vomica.~ -- Passend bei den meisten Fällen von Dyspepsie zu Anfange, besonders bei Verstopfung und einer Neigung zu Beulen, saurer, bitterer Geschmack im Munde; wenn die Nahrung, besonders Brod, sauer oder bitter oder geschmacklos ist; der Kranke hat nicht viel Appetit, aber ein Verlangen nach Bier, Wein oder Spirituosen; von der Nahrung leicht befriedigt, nach dem Essen mit Uebelkeit belästigt, Erbrechen der Speisen, Schwindel, Schwere, Schläfrigkeit, Vollsein, Ausdehnung des Magens, empfindlich gegen Berührung, Taumeln, Eingenommenheit des Kopfes, Kopfschmerz durch geistige Anstrengung erhöht, Klingen in den Ohren, Zunge weiß belegt, metallartiger, bitterer, saurer oder fauliger Geschmack im Munde des Morgens oder nach dem Essen, Sodbrennen, Windkolik, Gefühl von Beengung durch die Kleider um die Taille, saurer Magen, erfolgloses Stuhldrängen, harter, schwerer, mit Blut gestreifter Stuhl. Am besten paßt ~Sulphur~ nach diesem.

~Sulphur.~ -- Besonders bei lang anhaltenden Fällen, oder wenn kein Appetit nach Fleisch und Brod vorhanden, sondern ein Verlangen nach Wein und Säuren, Schwierigkeit des Athmens, Uebelkeit nach dem Essen, Aufstoßen und Erbrechen der Speisen; Frösteln, Säure und Sodbrennen, saurer Magen, geistiger Druck, unzufrieden mit Allem und Jedermann. Darauf paßt ~Calcarea Carbonica~ am besten.

~Pulsatilla~. -- Ein wichtiges Mittel bei Dyspepsie, besonders bei frischen Fällen, die durch Ueberessen verursacht sind, durch den Genuß von Schweinefleisch, Hammelfleisch, Butter oder irgend einer fettigen Substanz, der Geschmack der Speise kommt wieder heraus in den Mund, Neigung zum Erbrechen, besonders nach Essen und Trinken, Geschmack schal oder faulig, ähnlich dem von schlechtem Fleisch oder Talg, Druck in der Magengrube, besonders nach dem Essen, der Kranke fröstelt, ist schwach, eigensinnig und melancholisch.

~Antimonium Crudum.~ -- Besonders nützlich, wenn die Störung vom Ueberessen herrührt und folgende Symptome gegenwärtig sind: Der Geschmack der zuletzt eingenommenen Speise kommt wieder in den Mund und stößt bald nach dem Essen Theile unverdauter Speisen in die Höhe, die Zunge ist mit einem weißen oder gelblichen Schleim belegt, der Magen ist empfindlich gegen Berührung und ausgedehnt.

~Belladonna.~ -- Wenn ein schmerzhaftes Ausdehnen des Unterleibes stattfindet, bei einem Zusammendrücken, als wenn die Eingeweide festgehalten würden, Schlucken, Uebelkeit oder eine Abneigung gegen die Speise, Erbrechen von Galle oder Wasser, auch bei Eingenommenheit des Kopfes oder Blutandrang nach dem Kopfe.

~Arsenicum.~ -- Besonders nützlich bei chronischen Fällen, bei Zusammenfallen des Gesichts, kalten Endgliedern, dunklen Ringen um die Augen, zugespitzte Nase, Zunge weiß oder bräunlich, auch bei Magenkrämpfen, bei einem Gefühl von Kälte oder Hitze, alles, was in den Magen geht, wird wieder erbrochen, die Haut ist heiß und trocken. Wenn ~Arsenicum~ von keinem guten Erfolge ist, gebe man ~Lachesis~.

~Bryonia.~ -- Ein wichtiges Mittel gegen Dyspepsie, besonders wenn dieselbe im Sommer eintritt, auch wenn sie von Frostschauer, Kopfschmerz und Schmerz in den Gliedern und dem Rückgrat begleitet ist, ebenso bei den folgenden Symptomen: Zunge mit einem gelblichen Schleim belegt, heiß und trocken, Appetitlosigkeit, bittern Geschmack, große Abneigung gegen Speise, zuweilen ein großes Verlangen nach Speise und Getränken, Gefühl von Vollsein und Brennen im Magen nach den Mahlzeiten, viel Durst, Aufstoßen einzelner Theile von Speise nach jeder Mahlzeit, Sodbrennen, Verstopfung der Eingeweide, Uebelkeit des Morgens, Brennen im Magen, Laune reizbar und halsstarrig. Sollte ~Bryonia~ wenig oder gar keine Besserung gewähren, so gebe man ~Rhus~.

~China.~ -- Dyspepsie in Folge von Blutverlust oder anderen Entleerungen, wenn unreine Luft die Ursache und bei folgenden Symptomen: Druck im Magen, als ob von einer Last herrührend, Gleichgültigkeit gegen Essen und Trinken, Verlangen nach Wein oder Säuren, schaler oder bitterer Geschmack im Munde, Wunsch nach verschiedenen Leckerbissen, ohne eigentlich zu wissen nach welchen, krankhafter Appetit nach etwas Starkem, Scharfem oder Saurem, Schwäche und Ermüdung, der Kranke dehnt und streckt seine Glieder in Folge eines Gefühls von Müdigkeit.

~Cepa.~ -- Kein Hunger, aber beträchtlicher Durst, Eingenommenheit des Kopfes, Schmerz in den Eingeweiden in Folge von Winden.

~Carbo Vegetabilis.~ -- Appetitlosigkeit, bittrer Geschmack im Munde, bloßes Aufstoßen von Luft, Geschmack der Speise, nachdem man sie bereits zu sich genommen, Sodbrennen während der Nacht, Windkolik, Rasseln im Unterleib.

~Calcarea Carbonica.~ -- Besonders bei Kindern, welche eine Neigung zu Skropheln haben, Säure des Magens, häufiges Aufstoßen von Wind, Gefühl von Vollsein im Kopfe bei einer Neigung zu krampfhaftem Kopfweh, Vollsein und Anschwellen in der Gegend des Magens, bei Empfindlichkeit gegen Berührung, nagende oder kneipende Schmerzen.

~Chamomilla.~ -- Besonders bei einem Anfall von Zorn oder durch Stehen in der Zugluft, während man schwitzt, Aufstoßen der Speise, Uebelkeit, Erbrechen von Speisen und grünem Schleim oder Galle, Magenkrämpfe, Kopfschmerz, Vollsein, Schwindel, gestörter Schlaf und Herumwerfen, Gesicht roth und heiß.

~Hepar Sulphuris.~ -- Gegen Dyspepsie, wenn dieselbe durch das Nehmen von blauen Pillen oder anderen Quecksilber-Präparaten verursacht wurde, ein heftiges Verlangen nach reizenden Stoffen, Weinen oder Säuren, der Magen scheint äußerst empfindlich zu sein und geräth leicht in Unordnung, obgleich der Patient gesund sein mag, Uebelkeit am Morgen, bei Erbrechen einer sauren, galligen oder schleimigen Masse. Kann abwechselnd mit ~Nux vomica~, wenn harter, leicht gefärbter Stuhl vorhanden ist, oder mit ~Mercurius~, bei einer weißlichen Diarrhöe, gegeben werden.

~Ipecacuanha.~ -- Besonders passend für Kinder, wenn sie Speisen, Getränke oder Galle erbrechen, Erbrechen mit Kälte des Gesichts und der Endglieder, Zunge weiß, gelblich belegt, Erbrechen mit Diarrhöe, Abneigung gegen Speise, besonders fette und reiche Kost, oder wenn die Verdauungsschwäche vom Essen des Turkey oder von Pasteten u. s. w. veranlaßt wurde.

~Mercurius.~ -- Aufstoßen eines sauren und bitteren Stoffes, fauliger, süßlicher oder bitterer Geschmack des Morgens, Neigung zur Diarrhöe, bei Durchfall oder Schweiß, schwache Verdauung bei beständigem Hunger, Druck in der Magengrube nach dem Essen. Ist vor oder nach ~Lachesis~ zweckmäßig zu geben.

~Phosphorus.~ -- Bloßes Aufstoßen, besonders nach dem Essen, Erbrechen nach dem Essen, Brennen im Magen.

~Sepia.~ -- Bei chronischer Dyspepsie mit oder ohne krankhaftes Kopfweh, Aufstoßen oder Schmecken von saurer oder fauliger Speise, Anschwellen des Unterleibes mit einem Drucke, wie von einem Stein herrührend, Uebelkeit vor dem Frühstück, ebenso nach dem Essen, Uebelkeit von schwangeren Frauen.

~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Appetit, ein Widerwillen gegen Brod, bei einem Verlangen nach Wein und Milch, häufige Uebelkeit, Erbrechen der Speisen, Verstopfung, Unbehaglichkeit, Trägheit, Schwere. Ist passend vor oder nach ~Mercurius~.

~Veratrum~. -- Wenn sich ~Ipecacuanha~ als unzureichend erwiesen hat oder wo nach Anwendung von ~Ipecacuanha~ noch Diarrhöe mit kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden vorhanden ist, bei großem Durst, Kälte der Hände und einem Schauer über den ganzen Körper.

Andere Heilmittel wie ~Rhus~, ~Acidum Phosphoricum~, ~Cocculus~, ~Ignatia~, ~Staphysagria~ sind zuweilen, aber nicht oft anwendbar.

+Verordnung der Heilmittel.+ Bei frischen Anfällen, und wenn viel Magenschmerz und krankhafter Reiz desselben vorhanden, nehme von dem gewählten Heilmittel alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden eine Dosis. Sobald die Strenge der Symptome nachzulassen beginnt, sollten die Zwischenräume verlängert werden. Bei chronischen Fällen ist das Mittel dreimal des Tages zu wiederholen. Bei Anwendung der Kügelchen gebe einem Erwachsenen zehn.

=Allöopathisch.= Wenn Mangel an Appetit ein Symptom ist und es ist keine erklärliche Ursache dafür vorhanden, nehme folgendes:

Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~) 6 Unzen. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 8 Grane. Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) ½ Drachme. ~Compound tincture of bark~ ½ Unze. Orangenschalen-Syrup 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Wenn es von einem Schmerz in der Magengrube begleitet ist, nehme das folgende:

Dreifach salpetersaurer Wismuth 10 Grane. Gummi Arabicumschleim (~Mucilage of gum arabic~) ½ Drachme. Syrup ½ „ Hopfen-Tinktur (~Tincture of hops~) ½ bis 1 „ Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) ½ bis 1 „ Wasser 1 Unze.

Mische es und nimm zwei- bis dreimal des Tages eine Dosis.

Beim Beginn der Dyspepsie ist in der Regel eine Störung der Leber vorhanden. In diesem Falle möge folgende Pille gegeben werden:

Enzian-Extrakt (~Extract of gentian~) ½ Drachme. Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) ½ „ ~Blue Mass~ 4 Grane.

Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine Pille eine Woche lang.

Salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~), in Dosen von 3 bis 4 Tropfen wirkt als ein mildes stärkendes Mittel und kann den obigen Pillen folgen. Wo Nervenschwäche vorwiegend ist, und besonders bei chronischen Fällen, wird folgendes vorzüglich gefunden werden:

Pillen von kohlensaurem Eisen (~Pill of carbonate of iron~) 2 Skrupel. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 „ Alkohol-Extrakt von ~Nux vomica~ 5 Grane.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine Pille.

Ist Mangel an Appetit und Niedergeschlagenheit vorhanden, nehme man folgendes:

Enzian-Aufguß (~Infusion of gentian~) 5½ Unzen. Anderthalb kohlensaures Ammoniak (~Sesqui-carbonate of ammonia~) ½ Drachme. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tincture of cardamons~) ½ Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.

Gleichzeitig nehme man folgende Pillen:

Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) ½ Drachme. Spanische Seife (~Castile soap~) 1 Skrupel. Pulverisirter Ingwer (~Powdered ginger~) 12 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Nimm jeden Abend oder einen Abend um den andern zwei Pillen.

Gegen Verstopfung ist das unter ~Mettauer’s Aperient~ bekannte Mittel sehr zu empfehlen. Es besteht aus folgendem:

Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~) 1½ Unzen. Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 4 „ Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus 2 „ Wasser 2 Quart.

Gieße das Ganze in einen Krug und lasse die Mischung 14 Tage lang stehen, schüttle es einmal des Tages gehörig um und gieße dann den Bodensatz weg. Es verbessert sich mit der Zeit.

Dosis: einen Theelöffel voll sogleich nach der Mahlzeit. Dies Mittel wird besonders gut bei galliger Dyspepsie gefunden werden, da es auf die Leber wirkt. In solchen Fällen nehme man einige Tropfen salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~) vor der Mahlzeit und das vorhergehende Mittel nach dem Essen, was von außerordentlichem Erfolg begleitet sein wird.

Andere Mittel gegen Verstopfung sind folgende:

Pulverisirter Rhabarber (~Pulverized Rhubarb~) 2 Unzen. Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) 1 Unze.

Mische es. Dosis: hinreichend um eine Bewegung der Eingeweide jeden Tag hervorzurufen.

Oder auch:

Rhabarber (~Rhubarb~) 2 Skrupel. Aloe 1 „ Nux Vomica-Extrakt 4 Grane.

Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis zwei oder drei Pillen jeden Tag so oft als erforderlich.

Oder:

Rhabarber (~Rhubarb~) ½ Drachme. Zusammengesetzter Koloquinthen-Extrakt (~Compound extract of colocynth~) ½ Drachme.

Mische und theile es in 20 Pillen. Nimm eine oder zwei, je nach Bedarf.

Gegen Magensäure gebe man präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~), in Dosen von einem Theelöffel voll, oder kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~), oder dreifach salpetersauren Wismuth (~Tris-nitrate of Bismuth~), eine Priese doppelt kohlensaurer Soda (~Bi-carbonate of soda~) oder einen kleinen Eßlöffel voll Kalkwasser.

Gegen Sodbrennen -- einen Theelöffel voll Magnesia oder Kreide in einem Glas kalten oder warmen Wassers. Kalkwasser oder flüssige Magnesia wird in denselben Fällen zuträglich gefunden werden.

~Pyrosis~ (Sodbrennen mit starkem Wasserzusammenlaufen im Munde) wird durch 10 oder 15 Tropfen Ammoniak in einem halben oder ganzen Glas voll Wasser erleichtert werden.

Zur Bewirkung einer vollständigen Kur der Dyspepsie ist dreifach salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of Bismuth~), in Dosen von 20 bis 30 Granen dreimal des Tages bei jeder Mahlzeit. Ist viel Schmerz vorhanden, so gebe man folgendes:

Dreifach salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of Bismuth~) von 2 Skrupel bis zu 1 Drachme. Magnesia von 2 Skrupel bis zu 1 „ Aloe-Tinktur ½ Unze. Hopfen-Tinktur ½ „ Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder auch:

Eisensaurer Ammoniak Alaun (~Ammonio-ferric alum~) 2 Skrupel. Zimmetwasser 4 Unzen.

Mische und löse es auf. Dosis: Alle zwei bis drei Stunden einen Eßlöffel voll.

Gegen Magenschmerz oder Krampf lindert zuweilen folgende Einspritzung augenblicklich:

Castoröl 2 Unzen. Stachlige Eschenrinden-Tinktur (~Tincture of prickly ash bark~) ½ Unze. Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tinct. of Virginia snake root~) 2 Drachmen. Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint. Sennesblätter ½ „

Mische und gebrauche es als Einspritzung.

Cajeput- (~Cajeput~) Oel in Dosen von 4 Tropfen auf ein Stück Zucker ist ein ausgezeichnetes Mittel. Kampher-Spiritus, Ingwer- (~Ginger~) Essenz und zusammengesetzter Lavendel- (~Lavender~) Spiritus sind allgemein bekannte und gebrauchte Linderungsmittel. Ein Senfpflaster auf dem Magen lindert oft augenblicklich.

Uebelkeit und Erbrechen.

Dem Erbrechen geht in der Regel ein eigenthümlicher Zustand, genannt Uebelkeit oder krankhafter Zustand des Magens, voraus. Dies Gefühl ohne Schmerz ist von Mattigkeit und großer Schwäche, blasser, kühler, feuchter Haut, eingefallenem Gesicht u. s. w. begleitet. Nachdem dieser Zustand eine geraume Zeit angehalten hat, tritt Erbrechen ein. Erbrechen wird gewöhnlich als Symptom einer Krankheit angesehen, tritt aber zuweilen auch selbstständig auf, d. h. ohne mit einer andern Krankheit verbunden zu sein.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Wenn das Erbrechen durch Ueberessen hervorgerufen wurde, so ist es als wohlthuend zu betrachten, und man sollte häufig Getränke von warmem Wasser zu sich nehmen, um vermittelst dessen den Magen zu reinigen.

Folgendes sind Mittel, welche bei den verschiedenen Arten des Erbrechens genommen werden mögen:

~Ipecacuanha.~ -- Dies ist das Hauptmittel und wird in der Regel alles sein, was erforderlich ist. Wenn das Erbrechen durch Ueberladen des Magens hervorgerufen wurde: ~Pulsatilla~, ~Antimonium~, ~Crudum~, ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Rhus~, ~Bryonia~, ~Sulphur~.

Bei Erbrechen von schwangern Frauen: ~Nux Vomica~, ~Ipecacuanha~, ~Arsenicum~, ~Veratrum~.

Wenn Würmer die Ursache sind: ~Cina~, ~Aconitum~, ~Ipecacuanha~, ~Nux Vomica~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Lachesis~.

Wenn in Folge von Trinken: ~Arsenicum~, ~Ferrum~, ~China~, ~Bryonia~, ~Chamomilla~, ~Aconitum~, ~Silicea~, ~Arnica~.

Stellt es sich nach dem Essen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Bryonia~, ~Arsenicum~, ~Ferrum~.

Bei Erbrechen am Morgen: ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Veratrum~, ~Lycopodium~, ~Drosera~.

Bei Erbrechen am Abend oder des Nachts: ~China~, ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Veratrum~, ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel voll bis Besserung eintritt. Wird die Medizin trocken gegeben, so gebe man drei bis sechs Kügelchen auf eine Dosis. Wenn nach drei oder vier Dosen keine Besserung eintritt, greife zu einem anderen Mittel.

=Allöopathisch.= Gewöhnlich wird eine Dosis von grüner Münze- (~Spearmint~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Ingwer- (~Ginger~) Thee sofortige Erleichterung verschaffen. Zuweilen wird Branntwein, Ingwer- (~Ginger~) Tinktur oder Paregoricum diesem Zwecke entsprechen.

Wird es durch einen Reiz des Magens verursacht, so gebe man folgendes:

Belladonna-Extrakt 6 Grane. Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~) 10 „ Rosen-Zucker (~Confection of roses~) 2 „

Mische es und mache 30 Pillen daraus. Dosis: Zweimal des Tages eine Pille. Bei hartnäckigen Fällen kann ½ oder ¼ Gran Morphium gegeben werden. Ein Senfpflaster auf den Magen wird zuweilen sofortige Linderung hervorrufen. Eine Einspritzung von 30 bis 60 Tropfen Laudanum mit 2 Unzen dünner Stärke wird sich bei einzelnen Fällen als ein ausgezeichnetes Mittel bewähren. Flanell mit einer Abkochung von Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) in Spiritus oder Terpentin- (~Turpentine~) Oel befeuchtet, kann auch angewendet werden. Kalk- (~Lime~) Wasser und Milch in Dosen von einem Theelöffel voll von jedem alle halbe oder alle zwei Stunden, wird in Fällen, wo keine starke Aufregung vorhanden, und besonders bei Magensäure, entsprechen. Kreosot in Dosen von einem Tropfen, so oft als erforderlich wiederholt, hat zuweilen ausgezeichneten Erfolg.

=Eclectische und Kräuterkur.= Bei Reizbarkeit des Magens mögen gleiche heile von Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz, Laudanum und Kampher-Tinktur in Dosen von einem halben Theelöffel voll in einem Aufguß von grüner Münze (~Spearmint~) gegeben werden. Zuweilen wird auch ein starker Aufguß von Nelken (~Cloves~), oder Ingwer (~Ginger~) und Nelken alle 5 bis 10 Minuten gegeben. Wenn gleichzeitig Schmerz in dem Magen vorhanden ist, füge 8 bis 10 Tropfen Laudanum zu jeder Dosis. Dreifachsalpetersaurer Wismuth in Dosen von 5 bis 10 Granen mit einem ½ Gran schwefelsaurem Morphium (~Sulphate of morphine~) wird sofortige Linderung verschaffen. Ein Aufguß von geröstetem Korn, oder ein Kuchen aus Hafermehl mit Wasser gebacken und dann wie Kaffee gebrannt wird das Erbrechen einstellen.

Seekrankheit.

Dies ist eine besondere Gattung von Erbrechen, welches sowohl durch Rückwärtsfahren, Schaukeln oder Drehen als auch durch das Fahren auf einem Schiffe verursacht wird. Personen, die davon befallen werden, sollten sich sogleich niederlegen und zwar, wenn möglich, in der frischen Luft. Seeleute rathen zu einem Drucke auf den Unterleib vermittelst eines engen Gürtels. Rohe, gesalzene Austern sind in der Regel bei diesem Zustand des Magens am leichtesten verdaulich.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein oder zwei Schluck Aepfelwein mit zehn oder zwölf Tropfen Laudanum wird häufig Linderung verschaffen; ebenso Branntwein, Spiritus oder Champagner.

=Homöopathisch.= Schottisches Ale, Häringe und Citronen werden in der Regel von Seekranken verlangt. Heilmittel sind folgende:

~Cocculus.~ -- Schwindel, Kopfschmerz, Uebelkeit. Dem Patienten wird besser, wenn er sich niederlegt.

~Nux Vomica.~ -- Ebenso wie ~Cocculus~. Dem Patienten wird besser, wenn er nicht in der freien Luft ist.

~Pulsatilla.~ -- Dem Patienten ist in der freien Luft wohler.

~Hyosciamus~ -- ist ein wichtiges Mittel, besonders bei Schwindel des Kopfes.

~Colchicum~ -- kann nach Pulsatilla gegeben werden.

~Arsenicum.~ -- Wenn der Patient sehr schwach wird und sich häufig erbricht.

~Petroleum~ -- kann in Fällen von sehr großer Schwäche gegeben werden. Gegen Verstopfung während einer Reise gebe man ~Opium~, ~Nux Vomica~, ~Cocculus~, ~Lachesis~, ~Sulphur~. Wenn gleichzeitig bei Verstopfung ein Verlangen nach Säuren vorhanden ist, gebe man ~Sepia~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Ebenso wie bei Uebelkeit und Erbrechen.

Magenneuralgie, Magenkrampf (+Gastralgia+).

Diese Krankheit wird von einem heftigen Schmerz begleitet, ähnlich dem des Sodbrennens, aber er ist stärker und gewöhnlich von kürzerer Dauer. Der Schmerz tritt ganz unregelmäßig auf, zuweilen verläßt er den Kranken für eine Zeit ganz und in einigen Fällen wird er durch Druck gelindert, was aber eben nicht immer der Fall ist. Gleichzeitig kann Schwierigkeit des Athmens, Unruhe und Herzklopfen vorhanden sein. Heiße und reizende Getränke lindern in der Regel den Schmerz. Schmerzen und Krämpfe werden in der Magengrube gefühlt, zuweilen leicht, dann wieder von großer Heftigkeit und erstrecken sich bis zur Brust und zum Rücken. Gewöhnlich findet ein Aufstoßen von einer großen Menge Luft statt, was dem Kranken für eine kurze Zeit Erleichterung verschafft.

+Ursachen.+ -- Können aus Krankheiten des Rückgrats oder irgend einer Störung der Nerven des Magens entspringen, ebenso aus einer Krankheit der Milz, der Leber oder anderer Organe, durch das übermäßige Trinken starker Spirituosen, Kaffee und Thee, durch unverdauliche Speisen, Angst und heftige Bewegungen. Das weibliche Geschlecht ist dieser Krankheit besonders ausgesetzt und wird gewöhnlich bei Störung der monatlichen Reinigung gefunden.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst einer milden Einspritzung, wie warmes Wasser geleert und warme Bähungen von Hopfen, Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~) und andere Kräuter auf die Gegend des Magens gebracht werden, dem man einen Senfumschlag folgen läßt. In Zwischenräumen gebe man die zusammengesetzte Brechwurz- (~Ipecac~) und Opium-Tinktur so oft als nothwendig, oder in einigen Fällen zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Capsicum~). Einreiben der Gegend über dem Magen mit einer Salbe, zusammengesetzt aus gleichen Theilen Laudanum, Kampher- (~Camphor~) Tinktur, Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz und Amberöl wird zuträglich gefunden werden.

=Homöopathisch.= Bei Magenkrampf in Folge zu vielen Kaffeetrinkens gebe man ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Cocculus~, ~Chamomilla~.

In Folge unmäßigen Genusses von Spirituosen: ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Lachesis~.

Wenn Unverdaulichkeit die Ursache: ~Pulsatilla~, ~Antimonium~, ~Crudum~, ~Bryonia~, ~China~, ~Nux Vomica~.

In Folge von geistiger Erregung, wie Zorn, Freude &c.: ~Chamomilla~, ~Colocynthis~, ~Nux Vomica~.

In Folge Säfte-Verlustes, wie durch Stillen, Schweiß, Blutungen &c.: ~China~, ~Acidum Phosphoricum~, ~Cocculus~, ~Nux Vomica~.

In Folge von Rheumatismus oder Gicht: ~Ipecacuanha~, ~Bryonia~, ~Nux Vomica~, ~Belladonna~, ~Calcarea~, ~Sulphur~, ~Rhus~.

Sind die monatlichen Reinigungen zu spärlich: ~Pulsatilla~, ~Cocculus~. Sind sie zu stark: ~China~, ~Belladonna~, ~Calcarea Carbonica~, ~Platina~.

Einzelnheiten der Symptome.

~Nux Vomica.~ -- Das wichtigste Mittel gegen Magenkrampf bei folgenden Symptomen: Zusammenziehender, drückender und krampfartiger Schmerz mit einem Gefühl von Ziehen oder Kneipen im Magen, bei Beklemmung der Brust, gleichsam als wenn dieselbe mit einem Bande zusammengeschnürt wäre. Der Schmerz erstreckt sich bis zum Rücken und den Lenden. Erbrechen einer flüssigen oder sauren Masse während des Schmerzes, schlimmer nach einer Mahlzeit oder nach Genuß von Kaffee und starken Spirituosen. Wird durch ~Nux Vomica~ keine Linderung hervorgerufen, so gebe man ~Chamomilla~ oder ~Cocculus~ abwechselnd damit alle halbe Stunde.

~Chamomilla.~ -- Druck im Magen, wie von einem Steine herrührend, Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung, Schmerzen, schlimmer des Nachts, bei großer Angst, Herumwerfen, zuweilen Linderung nach Trinken, der Kranke ist empfindlich und reizbar. Dies kann abwechselnd mit ~Coffea~ gegeben werden, wenn es allein gegeben keine Linderung verschafft.

~Cocculus.~ -- Besonders wenn ~Nux Vomica~ oder ~Chamomilla~ nur vorübergehend Linderung gewährt; wenn die Krämpfe durch Aufstoßen vermindert werden.

~Belladonna~ -- kann gegeben werden, wenn ~Chamomilla~ angezeigt erscheint und dennoch keine Linderung gewährt, oder wenn der Magenkrampf gerade während übermäßig starker Reinigung eintritt. Dasselbe mag abwechselnd mit ~Coffea~ gegeben werden, wenn die Kranke unruhig ist und keinen Schlaf finden kann.

~Pulsatilla.~ -- Besonders dienlich bei Personen von mildem und traurigem Gemüthe, da wo die monatliche Reinigung nur langsam vor sich geht; die Schmerzen sind schießend und schlimmer beim Gehen, Schmerzen im Magen, durch Fasten oder Ueberladen des Magens verursacht, Uebelkeit und Erbrechen der Speisen, nicht viel Durst, Schmerzen schlimmer am Abend mit einem Gefühl von Frost.

~China.~ -- Besonders dienlich nach Säfte-Verlust, wie Blutlassen, Diarrhöe &c. Anschwellen des Magens mit einem schmerzhaften Druck und einem Rasseln durch Wind verursacht.

~Ignatia.~ -- Paßt besonders nach ~Pulsatilla~, wenn drückende Schmerzen, wie von einem Stein herrührend, nach der Mahlzeit oder des Nachts vorhanden sind; Brennen und Ziehen in der Magengrube, empfindlich gegen Berührung, Abneigung gegen Speise und Trank, ebenso Verdauungs-Beschwerden, Furcht u.s.w.

~Carbo Vegetabilis.~ -- Mag gegeben werden, wenn Krämpfe durch verdorbene Nahrungsmittel verursacht werden, auch bei Anfällen, welche bei feuchtem, nassem Wetter eintreten, besonders wenn ein schmerzhafter, brennender Druck, schlimmer bei Berührung, zur Nachtzeit vorhanden ist. Krampfhafte Zusammenziehung, der Kranke krümmt sich vor Schmerz, Zittern, schlimmer beim Niederlegen, Sodbrennen. Schon der Gedanke an Speise erregt Uebelkeit.

~Lachesis.~ -- Drückender Schmerz, besser bald nach einer Mahlzeit, kehrt aber in kurzer Zeit zurück bei Verstopfung und Verdauungsschwäche.

~Arsenicum.~ -- Passend bei Krampf, wenn die Schmerzen außerordentlich stark sind, Schmerz brennend, als ob von heißen Kohlen herrührend, kneipend oder schneidend. Aeußerliche Kalte, heftiger Durst, der aber ohne den Schmerz zu erhöhen, nur mit einer kleinen Menge einer Flüssigkeit gestillt werden kann, Magen erweitert und ausgespannt, die Schmerzen erstrecken sich bis auf den Rücken oder bis in den Unterleib, Empfindlichkeit gegen Druck, Erbrechen einer dicken, gelblichgrünen Masse.

~Sulphur.~ -- Drückende Schmerzen, wie von einem Steine herrührend, in der Regel nach einer Mahlzeit Uebelkeit, Erbrechen, saures Aufstoßen von Speisen.

~Bryonia.~ -- Druck in der Gegend des Magens beim Essen oder nach einer Mahlzeit mit einem Gefühl von Anschwellen in der Magengrube, Zusammenlaufen von Wasser im Munde, Kopfschmerz, Schwindel, Verstopfung. Kann, wenn der Druck im Magen sehr stark und das Athmen schwierig ist, besonders nach dem Genuß von kalten Getränken, abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.

~Staphysagria.~ -- Besonders passend gegen Magenkrämpfe, die durch Aerger oder andere geistige Erregungen verursacht werden.

~Calcarea Carbonica.~ -- Passend bei Personen mit vollem rothem Gesicht oder bei Frauenzimmern, welche ihre monatliche Reinigung zu stark haben, besonders nachdem Belladonna theilweise Linderung gewährt.

~Colocynthis.~ -- Der Krampf beginnt zwei oder drei Stunden oder mehr nach einer Mahlzeit, besonders wenn eine große Menge von süßem Fleisch gegessen worden ist.

=Allöopathisch.= Folgende Einspritzung kann zuweilen mit gutem Erfolge angewendet werden:

Castoröl 2 Unzen. Stachlige Eschenrinde-Tinktur (~Tincture of prickly ash bark~) ½ Unze. Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzeltinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) 2 Drachmen. Aufguß von Wasserdost (~Boneset~) und Sennesblättern (~Senna~) zu gleichen Theilen ½ Pint.

Mische es und gebe es als eine Einspritzung.

Ein gutes Heilmittel ist Cajeputöl (~Cajeput~) in Dosen von 4 Tropfen auf ein Stück Zucker, ebenso Kampher-Spiritus, Ingwer- (~Ginger~) Essenz und zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tincture of cardamons~).

Folgendes wird sehr zuträglich gefunden werden:

Süße Rhabarber-Tinktur (~Sweet tincture of rhubarb~) 4 Unzen. Doppeltkohlensaures Soda (~Bi-carbonate of soda~) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel bis einen Eßlöffel voll so oft als erforderlich. In einigen Fällen wird es von Erfolg sein, wenn einige Tropfen Cayennepfeffer- (~Cayenne~) Tinktur zu dieser Mischung hinzugefügt werden. Zuweilen verschafft auch ein Senfpflaster über den Magen Linderung.

Magenweh oder Magenkolik (~Griping Colic, Enteralgia~).

Der Ausdruck Kolik wird für einen heftigen Schmerz in den Eingeweiden gebraucht. Ein ganz eigenthümliches schlingendes oder spannendes Gefühl hinter dem Nabel ist vorhanden, begleitet von Verstopfung der Eingeweide, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, der Schmerz läßt beim Druck nach, mit Zwischenräumen von Erleichterung, der Bauch ist hart, in Stücke oder Knoten zusammengezogen und von Wind aufgetrieben. Sie kann von einer Entzündung der Eingeweide dadurch unterschieden werden, daß der Druck Linderung verschafft, daß kein Fieber dabei vorhanden ist und der Schmerz von Zeit zu Zeit verschwindet. Drei Gattungen von Kolik werden in der Regel unterschieden, nämlich gewöhnliche oder Windkolik, Gallenkolik und Malers Kolik.

Die Symptome der Windkolik bestehen in häufigem Aufstoßen von Wind ohne Linderung, einem heftigen Schmerz mit einem Gefühl von ineinander Schlingen oder Kneipen in der Gegend des Nabels, der Schmerz nimmt beim Druck nicht zu, verschwindet von Zeit zu Zeit und kehrt ebenso wieder, Gefühl von Vollsein mit Verstopfung, Kollern, Uebelkeit, kaltes Gefühl des Magens.

+Ursachen.+ Unverdauliche Nahrung, Wind, übermäßige Ausdehnung des Magens durch Nahrungsmittel, welche Gase erzeugen, Verstopfung, das sich Aussetzen der Kälte &c.

Gallenkolik wird zuweilen mit Windkolik verwechselt, aber ist eine heftigere und beunruhigendere Krankheit. Der Kranke klagt in der Regel vor einem Anfall über Störungen im Magen und Eingeweiden, Verstopfung, Appetitlosigkeit, belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde, Uebelkeit und Erbrechen, so wie die Krankheit fortschreitet, ein schneidender und schraubender Schmerz tritt ein, zuweilen beginnt er in der Gegend des Magens und dehnt sich bis zum Rücken aus, oder in anderen Fällen erfaßt er die Eingeweide und schlingt sie in der Nabelgegend in einander, gerade wie bei der Windkolik. Der Schmerz wird anfänglich durch Druck gelindert, später werden die Eingeweide gegen denselben empfindlich, die Endglieder kalt, die Haut und das Weiße im Auge nehmen eine gelbliche Farbe an, Unruhe ist vorhanden.

+Ursachen.+ Gallenkolik kann durch ein Nervenleiden des Magens, durch Erkältung, das Fallen des Rheumatismus oder Nervenschmerz (~Neuralgia~) auf den Magen oder die Eingeweide, Verstopfung &c. hervorgerufen werden.

Maler’s oder Bleikolik ist eine Krankheit, die durch Blei verursacht und unter jenen, die mit Blei zu thun haben, wie Maler, Bleiarbeiter, Bergleuten, Schriftgießer &c. gefunden wird. Die Kolik kommt allmählig an, eine Verstimmung und Kleinmuth, ziehende Schmerzen in den Eingeweiden und Endgliedern, Schwere in den Gliedern, Störung im Magen und den Eingeweiden, Frösteln, Niedergeschlagenheit, unbehagliches Gefühl in der Magengrube; dieses Gefühl steigert sich bis zur Marter, erstreckt sich auf die Eingeweide, ist außerordentlich heftig, Uebelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerz, großer Durst, Schmerz in den Gelenken und Knöcheln, der Schmerz wird nicht durch Druck erhöht, die Muskeln des Unterleibes sind gegen Berührung empfindlich, zuweilen so sehr, daß der Kranke das Gewicht der Bettdecke nicht zu ertragen vermag; hin und wieder treten Schlaganfälle, besonders der Muskeln des Vorderarms, ein.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Der Patient sollte in ein warmes Bad gebracht, in ein Faß gesetzt und so mit einer Decke umhüllt werden, daß der heiße Dampf nicht verfliegt. Nach Verlauf von ungefähr 10 Minuten sollte er, ohne abgetrocknet zu sein, in die Decken gehüllt werden, gut zugedeckt und noch mit Ziegelsteinen oder Flaschen mit heißem Wasser, besonders in der Gegend, wo der Schmerz am heftigsten ist, erwärmt werden. Sobald der Schweiß eintritt, wird der Kranke Linderung verspüren. Die Medizinen sind bei Beginn des Anfalles zu geben. Die verschiedenen Formen von Kolik und den dagegen erforderlichen Mitteln folgen hier:

Gallenkolik: ~Nux Vomica~, ~Colocynth~, ~Chamomilla~, ~Bryonia~.

Gewöhnliche oder Windkolik: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Cocculus~, ~Nux Vomica~, ~Colocynth~, ~Sulphur~, ~Carbo Vegetabilis~.

Malers- oder Bleikolik: ~Opium~, ~Platina~, ~Belladonna~.

Kolik in Folge von Würmern: ~Mercurius~, ~Cina~, ~Sulphur~.

Kolik in Folge von Unverdaulichkeit: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Bryonia~, ~Belladonna~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Nux Vomica~.

Kolik nach Frost: ~Aconitum~, ~Colocynth~, ~Mercurius~, ~Nux Vomica~, ~Chamomilla~.

Kolik bei hartnäckiger Verstopfung: ~Nux Vomica~, ~Opium~.

Kolik in Folge von Baden: ~Nux Vomica~.

Kolik in Folge von kaltem, feuchtem Wetter: ~Pulsatilla~, ~Rhus~, ~Bryonia~.

Kolik bei kleinen Kindern: ~Chamomilla~, ~Rheum~, ~Coffea~, ~Belladonna~ und ~Aconitum~.

Kolik bei schwangeren Frauen: ~Nux Vomica~, ~Bryonia~, ~Pulsatilla~, ~Sepia~, ~Chamomilla~.

Kolik bei hysterischen Frauen: ~Ignatia~, ~Nux Vomica~, ~Cocculus~.

Einzelheiten der Symptome.

~Colocynth.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen alle Arten von Kolik. Die Schmerzen sind schneidend und kneipend, oder als ob die Eingeweide mit Messern geschnitten würden. Krämpfe in den Gliedern, Frostschauer, Unterleib geschwollen, sehr leer und empfindlich, wie in Folge einer Quetschung. ~Mercurius~, ~Chamomilla~ und ~Belladonna~ können hierauf gegeben werden.

~Nux vomica.~ -- Verstopfung bei einem Druck im Unterleib, der Schmerz ist kneipend und ziehend, Druck in der Magengrube, Anschwellen und Empfindlichkeit des Unterleibes gegen Berührung, kalte Hände und Füße.

~Belladonna.~ -- Schmerz als ob die Eingeweide mit den Fingernägeln gezwickt würden, gelindert durch einen Druck auf die Eingeweide, oder auf Krümmung ein Gefühl von Schwere im untern Theile, als ob etwas herausfallen wolle, Kopf und Gesicht heiß und roth, starke Schmerzen im Kopfe, welche durch Bewegung verschlimmert werden, Hals trocken. Man lasse diesem ~Mercurius~ oder ~Hyosciamus~ folgen.

~China.~ -- Außergewöhnliches Anschwellen des Unterleibes bei Vollsein und Druck, wie von harten Körpern herrührend, Schmerz mit Verstopfung, schlimmer des Nachts.

~Pulsatilla.~ -- Schießende, beißende Schmerzen in der Magengrube, ein Gefühl von Schwere und Vollsein im Unterleib mit Empfindlichkeit und Schmerz, wie von einer Quetschung, Kolik in Folge von Unverdaulichkeit, schlimmer beim Sitzen oder Liegen, oder am Abend, bei Schauer; der Kranke fühlt sich wohler im Freien, hat Diarrhöe und blasse Gesichtsfarbe. Man lasse ~China~, ~Mercurius~, ~Lycopodium~ folgen.

~Cocculus.~ -- Besonders dienlich bei allgemeiner oder blähender Kolik und bei Kolik des weiblichen Geschlechts vor und zur Zeit der monatlichen Reinigung, die Schmerzen sind krampfartig und zusammenziehend, bei Uebelkeit, Schwierigkeit des Athmens, vollem, ausgespanntem Magen, oder einem Gefühle von Leere des Unterleibes, drückender und reißender Schmerz im Magen.

~Coffea.~ -- Großer Schmerz, bei Zusammenschlagen der Zähne, Kälte der Glieder.

~Ignatia.~ -- Kolik des Nachts, schießende Schmerzen in der Seite und Brust, durch Windentleerungen gelindert, passend bei nervösen und zarten Frauen.

~Bryonia.~ -- Vollsein und Druck im Unterleib nach dem Essen, schneidende Schmerzen in den Eingeweiden, besonders nach dem Trinken warmer Milch, Kolik mit Diarrhöe, nach Erkältung oder in der Sonnenhitze.

~Chamomilla.~ -- Rasender Schmerz bei großer Unruhe, bitteres Erbrechen, Vollsein in der Magengrube, eine Wange roth, die andere blaß, die Kolik stellt sich in der Regel des Nachts oder nach einer Mahlzeit ein.

~Rhus.~ -- Druck in der Magengrube, Schmerz im Unterleib des Nachts, Diarrhöe einer schleimigen, wässerigen Masse.

~Carbo vegetabilis.~ -- Anschwellen und Vollsein des Unterleibes, Aufstoßen von Wind, Kolik nach Fahren in einem Wagen, sowie ein Rasseln in den Eingeweiden, Windentleerung mit einem fauligen Geruch.

~Arsenicum.~ -- Großer Schmerz mit unbehaglich brennendem Gefühle, Empfindung von Kälte im Unterleib, Schmerzen schlimmer des Nachts, sowie auch nach Essen oder Trinken, Erbrechen einer galligen, wässerigen Masse, Diarrhöe mit Durst, Frostschauer und große Schwäche.

~Veratrum.~ -- Schmerz, als wenn mit Messern im Unterleib geschnitten würde, Brennen daselbst, Rasseln von Wind. Kann bei strengen Fällen abwechselnd mit ~Arsenicum~ gegeben werden.

~Opium.~ -- Unterleib hart und geschwollen, Verstopfung mit Erbrechen einer Masse aus den Eingeweiden.

~Lachesis.~ -- Bei krampfartiger Kolik, besonders wenn ~Colocynthis~, ~Belladonna~, ~Nux Vomica~ und ~Chamomilla~ ohne Erfolg gegeben worden sind.

~Lycopodium.~ -- Anschwellen und Vollsein des Magens mit Schmerz, Rasseln von Wind. Kann ~Pulsatilla~ oder ~Lachesis~ folgen.

~Platina.~ -- Wenn Kolik die Folge von Furcht oder Zorn, oder wenn durch Blei verursacht; der Kranke zu sterben befürchtet, zusammenziehende Schmerzen im Unterleib, Druck im Magen nach dem Essen, die Kolik verschwindet, wenn Niedergeschlagenheit eintritt, oder die Niedergeschlagenheit hört auf, sobald die Kolik beginnt.

~Aconitum.~ -- Große Empfindlichkeit des Unterleibes, Unruhe, die Eingeweide scheinen sich zurückzuschieben, Verlangen, den Urin abzulassen, aber ohne Erfolg.

~Arnica.~ -- Ein quetschender Schmerz in den Seiten des Unterleibes, Vollsein des Magens, als wenn man zu viel gegessen hätte, Stiche in der Magengrube, Brustbeklemmung, schlimmer nach Essen und Trinken, oder bei Berührung. Anschwellen und Härte des Unterleibes.

~Cina.~ -- Kolik in Folge von Würmern, der Schmerz besonders um den Nabel herum.

~Mercurius.~ -- Schießende, heftige Schmerzen in der Magengrube, bei Uebelkeit, häufigem Verlangen nach Stuhl, bei großer Menge Speichel im Munde, Unterleib empfindlich gegen Berührung, Schauern mit Hitze, besonders im Gesicht, Schmerz schlimmer des Nachts.

~Rheum.~ -- Gegen Kolik, besonders bei Kindern, wenn von Diarrhöe mit saurem Geruche begleitet, oder bei Erwachsenen, wenn die Schmerzen schneidend sind und der Kranke sich in Folge dessen krümmen muß, Schmerz schlimmer beim Aufstehen.

~Sepia.~ -- Kolik bei schwangeren Frauen, schneidende Schmerzen nach Bewegung, Brennen und Stechen im Unterleib, welcher hart und geschlossen ist, Gefühl von Schwere im Unterleib mit Druck.

~Calcarea carbonica.~ -- Kneipende oder schneidende Schmerzen im Unterleib, unbehagliches Rasseln in den Eingeweiden mit Windverstopfung, Säure im Magen, Erbrechen der Speisen, Diarrhöe von einer hellen Farbe.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle 10, 15, 20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Jedes Mittel sollte drei- bis viermal wiederholt werden, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Die Zwischenräume werden nach und nach verlängert, je nachdem der Kranke sich bessert.

Personen, welche Neigung zur Kolik haben, sollten bezüglich der Kost sehr sorgfältig sein, alle grünen Gemüse, säuerlichen Getränke u.s.w. müssen vermieden werden. Während eines Anfalles sollte man nur die leichtesten Nahrungsmittel, wie Zwieback- (~toast~) Wasser, Haferschleim u.s.w. zu sich nehmen. Die Füße sind warm und trocken zu halten.

=Allöopathisch.= Bei gewöhnlicher oder Windkolik sollte zuerst ein Brechmittel gegeben werden, ein Eßlöffel voll Senf oder ein Theelöffel voll Salz in einem Theebecher voll Wasser, was, wenn nöthig, alle 10 Minuten wiederholt wird. Gewährt dies keine Linderung, so lasse eine Dosis Salz, oder Salz und Sennesblätter (~Senna~), oder Magnesia folgen. Bei irgend einer krankhaften Reizbarkeit des Magens hilft zuweilen ein wenig Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz oder grüne Münze (~Spearmint~) in heißem Wasser oder Branntwein, oder Branntwein, Wachholderbranntwein (~gin~), auch Whisky in heißem Wasser. Sind die Eingeweide hartnäckig verstopft und tritt keine Linderung ein, so sollte eine Einspritzung von Castoröl, Salz und Molasses, oder Seife und warmem Wasser gegeben werden. Senfpflaster in der Gegend aufgelegt, wo sich der Schmerz befindet, ist zuweilen von Erfolg.

Bei hartnäckigen Fällen kann das folgende angewendet werden:

Chloroform 1 Unze. Kampher- (~Camphor~)Wasser 1 „ Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 1 „ Gummi Arabicum Schleim 1 „

Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll. Diese Medizin sollte vorsichtig gegeben werden.

Bei Gallenkolik ist nachstehende Einspritzung sogleich zu verordnen:

~Eupatorium perfoliatum~ (~Thoroughwort~) 1 Unze. Sennesblätter (~Senna~) 1 „ Lobelia ½ Drachme. Cayennepfeffer (~Cayenne~) 10 Grane. Bittersalz (~Epsom salts~) 1 Theelöffel voll. Molasses ½ Pint. Kochendes Wasser 1 „

Mache eine starke Abkochung aus den Kräutern, dann füge das Salz und den Molasses hinzu. Gebe es mit einer Einspritzung.

Oder auch:

Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) 1 Unze. Terpentinspiritus (~Spirits of turpentine~) 1 „ Castoröl 1 „ Molasses ½ Pint. Warmes Wasser ½ „

Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.

Wenn es der Magen verträgt, können die Eingeweide mit etwas Castoröl geöffnet werden. Ein Eßlöffel voll Oel sollte mit zwei Eßlöffel voll Rhabarbersyrup (~Syrup of rhubarb~) gehörig gemischt werden. Der Kranke sollte ferner ein warmes Wasserbad nehmen und ein warmes Senfpflaster über den ganzen Bauch legen.

Eine Abkochung von Wilder Brodwurzel (~Yam root~) nach Belieben getrunken, wird sehr empfohlen. Ein Tropfen Crotonöl auf ein Stückchen Brod öffnet zuweilen die Eingeweide sogleich.

Ist Kolik der Unthätigkeit der Leber zuzuschreiben, gebe man folgendes:

Kalomel 6 Grane. Opium 6 „

Mische es und mache 12 Pillen daraus und nimm eine alle 2, 3 oder 4 Stunden. Personen, welche Anlage zu dieser Krankheit haben, sollten folgende Pillen nehmen:

Hohe Preiselbeerrinde-Extrakt (~Extract of high cranberry bark~) 1 Skrupel. Cypripedin 1 „ Aletridin 1 „ Pulverisirter Cayennepfeffer 1 „

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine Pille eine Stunde nach jeder Mahlzeit. Diese Pillen sollten mehrere Monate genommen werden.

Folgendes wird von Dr. Henry Hartshorn von Philadelphia als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Kolikanfälle und krampfhaftes Kopfweh empfohlen:

~Blue Mass~ 5 Grane. Pulverisirte Rhabarber- (~Rhubarb~) Wurzel ½ Drachme. Enzian- (~Gentian~) Extrakt ½ „ Gewürznelkenöl (~Oil of caryophylli~) 4 Tropfen.

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Bei dem ersten Zeichen eines Anfalles gebe eine Pille, und wenn erforderlich, dreimal des Tages eine durch mehrere Tage hindurch.

Bei Malers- oder Bleikolik ist die Behandlung beinahe ganz dieselbe wie bei der Gallenkolik.

Alaun ist ein wichtiges Mittel bei dieser Krankheit. Es wird wie folgt verwendet:

Alaun (~Alum~) 15 Grane. Aloe (~Aloes~) 2 „ Jalappenwurzel (~Jalap~) 2 „ Doverische Pulver (~Dovers powder~) 4 „

Mische und nimm es als eine Dosis zwei- oder dreimal des Tages.

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet, besonders wenn die Kolik ganz plötzlich eintritt.

Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric acid~), als ein Trank in Dosen von 15 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser gebraucht, wird empfohlen.

Dr. Eberle empfiehlt Alaun (~Alum~) und Opium in Dosen von 20 Granen Alaun auf 1 Gran Opium alle 3 Stunden.

Essig mit Wasser verdünnt und als Trank genommen soll in einigen Fällen Linderung verschaffen.

Gegen Schlag oder Gliederlähmung in Folge von Blei wird Potaschen-Jodid wie folgt gegeben, empfohlen:

Flüssiger Sarsaparillen-Extrakt (~Fluid extract of sarsaparilla~) 4 Unzen. Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 1 Unze. Wasser 1 Quart. Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 2 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Schwefelgetränkte Potasche (~Sulphurate of potassa~) im Verhältniß von einer Unze auf ein Quart Wasser und in Dosen von einem Theelöffel voll dreimal des Tages genommen, wird auch empfohlen.

Um einen Anfall von Bleikolik oder Gliederlähmung zu verhindern, sollten Personen, welche mit Blei zu thun haben, ihr Haar mit einem sehr feinen Kamm kämmen und die Hände, sowie den ganzen Körper, öfters waschen; auch beim Verlassen der Arbeit die Kleider wechseln. Sorgfältig sollte beobachtet werden, daß man mit den von Blei beschmutzten Händen dem Munde nicht zu nahe kommt. Ebenso sollte auch das Waschen des Körpers mit Saleratuswasser einmal des Tages angewendet werden. Die Speisen der Arbeiter sollten nicht mit in die Arbeitsstätten genommen werden, wo sie den Gasen und dem Bleistaub ausgesetzt sind.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Windkolik bade Hände und Füße in warmem Wasser, oder lege Senfpflaster, oder auch Umschläge mit heißem Salz über den Magen und die Eingeweide. Die Eingeweide öffne man mit einer Dosis Castoröl, Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Ingwer- (~Ginger~) Thee sollten daneben öfters getrunken werden. Bei starkem Schmerz gebe man 30 bis 60 Tropfen Paregoricum (~Paregoric~) in heißem Wasser, oder 25 bis 30 Tropfen Laudanum. Bei strengen Fällen kann eine Mischung, zu gleichen Theilen, von Laudanum, Kampher-Tinktur und Pfeffermünz-Essenz in Theelöffeldosen gegeben werden. Oeffnet Castoröl die Eingeweide nicht, so sollte eine Einspritzung von warmem Wasser, dem ein Theelöffel voll Salz und ebenso viel Fett beigefügt ist, gemacht werden.

Das Thompson’sche Mittel, genannt Nr. 6, das in jeder Apotheke zu haben ist, wird sehr dienlich sein. Ein Theelöffel voll Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit einem Theelöffel voll Castoröl wird zuweilen sofortige Linderung verschaffen.

Gegen Gallenkolik sollte folgende Einspritzung gebraucht werden:

Wasserdost (~Boneset~) 2 Unzen. Sennesblätter (~Senna~) 1 Unze. Wasser 1 Pint.

Mische und koche es gehörig. Zu einem Pint dieser Abkochung füge einen halben Eßlöffel voll Salz, ein halbes Pint Molasses und einen Eßlöffel voll zusammengesetzte Lobelia- und Spanische Pfeffer- (~Capsicum~) Tinktur hinzu. Gib das Ganze warm als eine Einspritzung und wiederhole es alle 10 bis 15 Minuten, bis die Eingeweide geöffnet sind.

Bähungen von Hopfen, Stechapfelblätter (~Stramonium~), oder Hopfen und Lobelia, oder Wermuth (~Warmwood~), Wasserdost (~Boneset~) können warm über den ganzen Magen und die Eingeweide angewendet werden.

So lange der Magen Medizinen annimmt, gebe folgendes:

Bittersalz (~Epsom salts~) 8 Unzen. Salzsäure (~Muriatic acid~) 2 Drachmen. Kochendes Wasser 1 Pint.

Nachdem es abgekühlt ist, füge eine Unze Pfeffermünz- oder Anis-Essenz hinzu.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll, bis es wirkt.

Eine starke Abkochung, zu gleichen Theilen, von Schildkraut (~Scull-cap~) und hoher Preiselbeerrinde (~High cranberry bark~), dem ein Eßlöffel der zusammengesetzten virginischen Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) beigefügt ist, wird mit gutem Erfolg gegeben werden.

Ein ausgezeichnetes Mittel gegen Gallenkolik besteht in gestoßenen Wallnüssen, denen so viel Whiskey oder verdünnter Alcohol als nothwendig ist um dieselben zu bedecken, hinzugefügt wird; man lasse die Mischung eins bis zwei Wochen lang stehen. Dosis: Alle halbe Stunde einen Eßlöffel voll, bis Linderung eintritt.

Folgende Pillen werden zuweilen einen Anfall verhindern oder auch eine Anlage zu dieser Krankheit für immer entfernen:

Hoher Preiselbeerrinden-Extrakt (~Extract of high cranberry bark~) 1 Unze. Aletridin 1 „ Dioscorein 1 „ Spanischer Pfeffer (Capsicum) 1 „

Mische es gehörig und mache Pillen, eine jede zu vier Granen, daraus. Dosis: Jeden Tag ungefähr eine Stunde nach dem Essen eine.

Gegen Bleikolik wird folgendes sehr empfohlen:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) ½ Pfund. Pulverisirter Alaun (~Powdered alum~) 1 Unze. Schwefelsäure 1½ Drachmen. Kochendes Wasser 1½ Pint.

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll in einem Weinglas Wasser; wiederhole es alle Stunden, bis es auf die Eingeweide wirkt. Säure in Folge schadhafter Zähne möge vermittelst eines Federkiels oder einer Glasröhre aufgesaugt werden. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind, sollte die Medizin Wochen oder Monate lang fortgebraucht werden und zwar in hinreichenden Dosen, um innerhalb 24 Stunden je zwei Stühle hervorzurufen. Die Schwefelsäure mit Bleioxyd im Organismus vereinigt bildet schwefelsaures Blei, welches ein unschädliches Salz ist.

Bilsenkraut-Extrakt in Pillen jede zu 6 Granen alle 2 Stunden wiederholt, wird empfohlen.

Krotonöl in Dosen von 3 oder 4 Tropfen in einem Eßlöffel voll Castoröl oder Milch alle zwei Stunden wiederholt wird in einigen Fällen auf die Eingeweide wirken. Hin und wieder thut ein warmes Bad von einer halben Stunde oder länger gut. Die Behandlung ist fast ganz dieselbe, wie bei Gallenkolik.

Alaun, gegeben wie folgt, wird empfohlen:

Pulverisirter Alaun (~Powdered alum~) 15 Grane. Guajacum 10 „ Aloe 3 „

Mische es zu einer Dosis und wiederhole es alle 2 oder 3 Stunden.

Folgendes wird Personen, die dem schädlichen Einfluß des Bleis ausgesetzt sind, empfohlen:

Vitriol-Elixir ½ Unze. Stachliche Eschbeeren-Tinktur (~Tincture of prickly ash bark~) 1 „

Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Gill Wasser und drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.

Magenentzündung (~Gastritis~)

ist eine Entzündung der Schleimhaut des Magens und kann sowohl acut als auch chronisch sein. Die acute Form ist aber eine seltene Krankheit und wird in der Regel durch Säure und verdorbene Substanzen in den Magen genommen, wie Arsenik, Corrosives Sublimat, Salpetersäure und der gewohnheitsmäßige Genuß von Spirituosen erzeugt. Schläge in der Gegend des Magens und plötzliche Unterdrückung des Schweißes können auch zur Ursache werden.

+Symptome.+ Bei strengen Fällen ist ein brennender Schmerz im Magen mit Durst, Unruhe, beständiger Uebelkeit und Erbrechen, großes Verlangen nach kalten Getränken, Angst, Hinfälligkeit, durch Druck und Speisen in dem Magen wird der Schmerz erhöht, der Durst ist stark und quälend, denn Flüssigkeiten, wenn sie nicht in sehr kleinen Quantitäten genommen werden, werden sofort wieder erbrochen, zuweilen ist ein starker, sehr lästiger Husten vorhanden, die Zunge ist entweder roth an der Spitze und den Rändern und weißlich in der Mitte, oder sie ist ganz roth; die Eingeweide sind verstopft, wenn sich die Entzündung nicht auf dieselben erstreckt, in welchem Falle Diarrhöe vorhanden ist. Nimmt die Krankheit an Heftigkeit zu, so tritt Schwierigkeit des Athmens und ein Schmerz, welcher durch Athmen wächst, ein; großer Verlust der Kräfte, kalter klebriger Schleim, Schlucken, die Haut wird blaß und kühl, die Zunge glänzt, ist roth und trocken, Erbrechen einer dunklen Masse, Delirium, Betäubung oder Verzuckungen und Tod.

Chronische Magenentzündung ist eine ganz gewöhnliche und wird häufig irrthümlich für Dyspepsie gehalten. Sie kann aus der acuten Form entspringen, aber ist häufiger die Folge von Fieber, wie Scharlachfieber, Pocken &c.

Es ist ein Schmerz im Magen, der durch das Vorhandensein von Speisen oder durch Druck erhöht wird; der Appetit ist unregelmäßig und eigenthümlich, die Nahrung wird unvollkommen verdaut und ein Gas, welches außerordentlich widerwärtig ist, strömt aus dem Munde; der Appetit wird zuweilen sehr heftig, aber wenn der Kranke etwas zu sich nimmt, ist er bald befriedigt oder wird in Folge dessen unwohl. Zu andern Zeiten ist der Appetit wieder ganz verloren, die Zunge ist weiß in der Mitte und roth an der Spitze und den Seiten, zuweilen ganz und gar glänzend und roth, wie Rindfleisch. Dehnt sich die Entzündung auf die Eingeweide aus, so tritt Diarrhöe ein; in einigen Fällen ist Husten vorhanden, und wird die Krankheit nicht eingehalten, so erscheinen alle Symptome der Auszehrung. Wird die Krankheit nicht gut behandelt, so tritt eine Eiterung der Magenhülle ein und wird den Tod nach sich ziehen.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Wenn die Krankheit durch Gifte entsteht, sollten zuerst die unter den Gegengiften (~Antidotes~) angegebenen Mittel angewendet werden. Nachdem das Gift entfernt oder unschädlich gemacht worden ist, sollten Blutegel in der Gegend des Magens gesetzt werden, aber es ist hierbei darauf Acht zu geben, daß nicht zuviel Blut entzogen wird. Senfpflaster auf die Füße, längs des Rückgrats und über der Magengrube, dem man Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern oder Hopfen folgen läßt, sollten so oft als nothwendig wiederholt werden. Brechmittel sind nicht geeignet, dagegen mag die folgende Einspritzung gegeben werden:

Leinsamenthee (~Flax seed tea~) ½ Pint. Laudanum 40 Tropfen.

Gebrauche es als eine Einspritzung. Oder auch:

Castoröl 2 Unzen. Stachlige Eschenrinde-Tinktur (~Tincture of prickly ash bark~) ½ Unze. Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel- Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) 2 Drachmen. Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint. Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ „

Mische und gebe es als eine Einspritzung.

Kaltes Wasser, Eiswasser und Aufguß von schlüpferiger Ulmenrinde kann als Trank gebraucht werden. Stückchen von Eis können im Mund gehalten oder verschluckt werden. Während der Wiedergenesung sollte der Patient eine Ueberladung des Magens sorgfältig vermeiden. Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago und Milch lasse man zuerst nehmen, dann kann Rindsbrühe, Hühnerbrühe, weich gekochte Eier u.s.w. folgen.

Bei chronischer Entzündung des Magens ist es vorteilhaft, Blutegel über den Magen anzusetzen. Ist aber ein wenig Empfindlichkeit vorhanden, so mögen Senfpflaster aufgelegt oder ein wenig Krotonöl in der Gegend des Magens eingerieben werden. Die Kost ist sorgfältig zu überwachen, nur die einfachsten und am wenigsten reizenden Speisen, und zwar in ganz kleiner Menge, sollte man zu sich nehmen. Gummi Arabicumwasser, Reiswasser, Thee, sowie Zwieback ohne Butter, Gerstenwasser, Kalkwasser und Milch, Tapioca, Gelee’s, Sago, Pfeilwurzschleim (~Arrow root~) oder Crackers in Eiswasser getränkt, wird alles sein, was nöthig ist, bis der Kranke wieder besser wird.

Zum innerlichen Gebrauche diene folgendes:

Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 5 Grane. Opium 2½ „

Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: eine Pille dreimal des Tages. Folgendes wird sehr empfohlen:

Wismuthweiß (~Sub-nitrate of bismuth~) 1 bis 3 Drachmen. Mache 12 Pulver daraus. Dosis: ein Pulver in Wasser, drei- oder viermal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wurde die Entzündung durch Gifte veranlaßt, so sollte das Gegengift angewendet werden, dem man Mittel zur Unterdrückung der Entzündung dieses Organs folgen läßt, Senfpflaster sollte auf die Füße, längs des Rückgrats und über die Magengrube gelegt, und sobald dadurch eine starke Röthe erzeugt worden ist, heiße Bähungen von Hopfen- und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern an Stelle des ersteren angewendet werden. Dies sollte, so oft es nothwendig erscheint, wiederholt werden. Ferner wasche man die Oberfläche des Körpers mehrere Male des Tages mit einem schwachen Saleratuswasser. Die Eingeweide mögen vermittelst gleicher Theile von Castoröl und süßem Oel (~sweet oil~), mit einer Portion Magnesia geöffnet werden, und zwar in Dosen von einem Theelöffel voll alle Stunden, bis Wirkung eintritt. Ein Aufguß von schlüpferiger Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Eibischwurzel (~Marshmallow root~) oder Ulmenrinde (~Elm bark~) und Pfirsichblättern mag als Getränk dienen.

Bei der chronischen Form der Krankheit sollte dieselbe Kost, wie unter allöopathischer Behandlung angegeben, empfohlen werden. Senfpflaster oder andere Gegenreizmittel sollten in die Gegend über den Magen gelegt und so lange wiederholt werden, bis die Empfindlichkeit gegen den Druck entfernt ist. Folgende Mischung wird von Dr. John King empfohlen:

Flüssiger Cubeben-Extrakt (~Fluid extract of cubebs~) 1 Unze. Gummi Arabicumschleim (~Mucilage of gum Arabic~) 2 Unzen. Citronen- (~Lemon~) Essenz 1 Drachme. Hopfenmehl (~Lupulin~) 8 Skrupel. Dreifach salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of Bismuth~) 8 Skrupel.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages. Die Mischung sollte jedesmal vor Einnehmen gehörig umgeschüttelt werden. Gleichzeitig nehme man einen Aufguß aus gleichen Theilen von Gelbwurz (~Golden seal~) und Solomon’s Siegel (~Solomon’s seal~), bestehend in Dosen von einem Eßlöffel voll alle Stunde oder auch alle zwei Stunden. Bei hartnäckiger Verstopfung kann Rhabarber (~Rhubarb~) in Dosen von drei bis zehn Granen gegeben werden. Wird der Kranke von Winden im Magen belästigt, so können dieselben durch die Anwendung von Pfeffermünz- oder Anis-Essenz u.s.w. in kleinen Dosen in versüßtem Wasser entfernt werden.

=Homöopathisch.= Das Hauptmittel bei dieser Krankheit ist ~Arsenicum~, welches besonders bei Anwesenheit der folgenden Symptome zu geben ist: Das Gesicht eingefallen und zusammengezogen, Magen heiß und geschwollen, der Kranke liegt auf dem Rücken, Athmen kurz, rasend schnell und schwierig, Zunge roth und rein, oder roth an den Seiten, mit einem schmutzigen Schleim in der Mitte, Stimme heiser und gedämpft, Haut heiß und trocken, brennender oder stechender Schmerz im Magen, kneipender und brennender Schmerz im Hals, großes Verlangen nach kalten Getränken, hartnäckige Uebelkeit und Erbrechen, große Empfindlichkeit bei Druck in der Gegend über dem Magen. Kann abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.

~Aconitum.~ -- Besonders wenn die Schmerzen stark sind und die Hitze im Magen groß ist, oder wenn die Krankheit durch kalte Getränke, die in einem erhitzten Zustand genommen wurden, verursacht worden ist.

~Veratrum.~ -- Gesichtsfarbe blaß und eingesunken, Nase gespitzt, Lippen trocken und bläulich, Zunge an der Spitze und an den Rändern roth, mit einem dunklen, trocknen Schleim in der Mitte, Puls schnell und schwach, die Endglieder kalt, Schlucker, große Erschöpfung, brennender Schmerz im Magen, kurzer und beschwerlicher Husten.

~Ipecacuanha.~ -- Kann nach ~Aconitum~ gegeben werden, wenn das Erbrechen sehr stark ist und von Unverdaulichkeit herrührt.

~Pulsatilla.~ -- Kann nach ~Ipecacuanha~ gegeben werden, wenn die Krankheit Folge von Unverdaulichkeit ist oder ein Frösteln im Magen in Folge von Eis.

~Belladonna~ und ~Hyosciamus~. -- Kann abwechselnd gegeben werden, wenn der Kranke nervös ist, bei Schläfrigkeit, Delirium und Bewußtlosigkeit.

~Nux Vomica~ und ~Lachesis~. -- Kann abwechselnd oder jedes für sich gegeben werden, wenn die Krankheit von dem Genusse von Spirituosen, Kaffee, Wein oder reizender Speisen herrührt.

~Opium~ und ~Camphor~. -- Können abwechselnd gegeben werden, wenn die obigen Mittel keine Erleichterung gewähren und Schläfrigkeit sowie Betäubung vorhanden sind.

~Cantharis.~ -- Bei heftigen Fällen, besonders wenn der brennende Schmerz unerträglich ist.

Gegen chronischen Magenkrampf mögen die folgenden Mittel angewendet werden: ~Bismuth~, ~Bryonia~, ~Cuprum Metallicum~, ~Digitalis~, ~Hyosciamus~, ~Phosphorus~, ~Mercury~, ~Ignatia~, ~Tartar Emetic~. Die Kost sollte dieselbe sein wie jene unter allöopathischer Behandlung angegebene.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden einen Theelöffel voll bis es besser wird. Wenn sich aber die Symptome nach einigen Dosen nicht verbessern, dann wähle sogleich ein anderes Mittel und gebe es in derselben Weise. Bei der chronischen Form können die Mittel zwei- bis dreimal des Tages gegeben werden.

Gedärm-Entzündung (~Enteritis~).

Dies ist eine der gefährlichsten und schmerzhaftesten Krankheiten, deren Behandlung stets einem Arzte überlassen bleiben sollte. Sie besteht in einer Entzündung der Schleimhaut der kleinen Därme. Entzündung der großen Därme wird Ruhr (~Dysentery~) genannt.

+Symptome.+ Die Krankheit beginnt mit einem leichten Frost, bei heißer Haut und mehr oder weniger kneipendem Schmerz in der Nähe der Eingeweide, welcher allmählig zunimmt und einen stark brennenden Charakter annimmt. Der Schmerz wird durch den Druck erhöht, und zwar so sehr, daß der Kranke die Bettdecke nicht mehr ertragen kann, er liegt gewöhnlich auf dem Rücken und hat die Beine gegen den Unterleib gezogen. Zuweilen tritt der Schmerz mit Zwischenräumen der Linderung ein, Uebelkeit und Erbrechen sind vorhanden, bei Fieber, belegter und roter Zunge, Durst, Verstopfung, schwieriges und schmerzhaftes Uriniren, so heftiges Erbrechen, daß der Inhalt der Gedärme ausgeworfen wird, in einzelnen Fällen ist statt Verstopfung Diarrhöe vorhanden, der Stuhl ist entweder wässrig oder schleimig, mit Blut und Galle gemischt. Bei schlimmen Fällen, wenn die Krankheit fortschreitet, schwillt der Leib an, der Schmerz vermehrt sich, der Puls wird schwach und unruhig, Schlucker tritt ein, die Glieder werden kalt, die Gesichtszüge sind verzogen und scharf, der Schmerz hört auf, ein schwarzer, übelriechender, flüssiger Stuhl findet statt und bald darauf folgt der Tod an kaltem Brande.

Gedärm-Entzündung kann mit Kolik oder mit Entzündung des Bauchfells verwechselt werden. Sie unterscheidet sich von Kolik durch die Fiebersymptome und den Schmerz beim Druck, welche beide bei Kolik nicht gefunden werden. Von der Bauchfell-Entzündung durch Diarrhöe, die selten bei Bauchfell-Entzündung vorkommt, und durch das Anschwellen des Unterleibes mit großer Empfindlichkeit beim Druck, die bei der Bauchfell-Entzündung stets vorhanden ist.

+Ursachen.+ Reizende und unverdauliche Speisen, Kolik, eingeklemmter Bauch; auch kann das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, oder Unterdrückung gewohnheitsmäßiger Entleerungen die Veranlassung zu dieser Krankheit werden.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Die Füße sollten in warmem schwachem Laugenwasser gebadet und Flanelltücher, in Laugenwasser getaucht, über den Unterleib gelegt werden, oder man kann statt dessen Senfpflaster auf den Unterleib, die Fußsohlen und längs des Rückgrats legen. Bei Gebrauch der Senfpflaster ist zu beobachten, daß dieselben, nachdem sie eine beträchtliche Röthe hervorgerufen haben, entfernt werden müssen; dann sollten heiße Bähungen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~), oder Hopfen und Stechapfelblättern (~Stramonium leaves~) angewandt werden, alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge des Schmerzes angemessen, zu wechseln. Gleichzeitig ist es gut, zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) in Dosen von einem Theelöffel voll warmem Balsam- oder Katzenmünze-Thee zu geben und jede Stunde oder alle zwei Stunden zu wiederholen. Die Anwendung dessen sollte so lange fortgesetzt werden, bis der Kranke in einen starken Schweiß geräth, welcher zwei bis drei Stunden erhalten werden muß.

Rührt die Krankheit von der Anwesenheit saurer Bestandtheile in den Eingeweiden her, so gebe man einen großen Eßlöffel Castoröl mit einem Theelöffel Olivenöl und einem halben Theelöffel Terpentin-Spiritus. Alle zwei Stunden zu wiederholen, bis es auf die Eingeweide wirkt. Die Wirkung dieses Mittels wird durch eine Einspritzung von ein wenig warmer Milch und Molasses mit einem Theelöffel voll Salz erhöht. Rührt die Krankheit von Erkältung her, möge folgendes angewendet werden:

Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen. Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of aconite root~) 10-20 Tropfen.

Mische es. Dosis: Alle 15 oder 20 Minuten einen halben Theelöffel voll, bis Wirkung eintritt, worauf dann die Zwischenräume verlängert werden. Gleichzeitig gebrauche man Senfpflaster &c.

=Homöopathisch.= Die Behandlung dieser Krankheit ist ähnlich jener bei Magenentzündung. ~Aconitum~ sollte zuerst gegeben und damit fortgefahren werden, so lange das Fieber stark und die Haut heiß ist. Hierauf lasse man ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ abwechselnd folgen. Bei heftigem und beharrlichem Erbrechen gebe man, nachdem diese Mittel eine Zeitlang gebraucht worden sind, ~Ipecacuanha~. In einigen Fällen kann ~Belladonna~ und ~Mercurius~ abwechselnd gegeben werden, nachdem das Fieber zuvor durch ~Aconitum~ geschwächt wurde, aber noch großer Schmerz des Unterleibs und starker Durst vorhanden ist. Wenn das Erbrechen so stark ist, daß der Inhalt der Eingeweide ausgeworfen wird, muß ~Opium~ gegeben werden, und verschafft dies innerhalb 8 bis 10 Stunden keine Linderung, so gebe man ~Plumbum~. In diesem Stadium gewähren zuweilen auch schwache Einspritzungen eines Aufgusses von Tabak Erleichterung. Ebenso kann ein warmes Bad mit Erfolg verordnet werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde, oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Die Kost muß von der leichtesten Art sein, wie Schleim aus Reis oder Mehl, Milch und Wasser, Milchzwieback (~Milk toast~) und Gummi Arabicum Wasser.

=Allöopathisch.= Blutegel sollten in gehöriger Anzahl über den Eingeweiden angesetzt oder es sollte Blut am Arm entzogen werden. Dann lasse Umschläge von Leinsamen und Mehl, oder Kornmehl und Senf folgen und öffne vermittelst eines gelinden Abführmittels wie Castoröl oder Bittersalz (~Epsom salts~) im Verhältniß von zwei Drachmen auf eine Unze Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser, die Eingeweide, was alle 4 Stunden zu wiederholen ist. Zur Erreichung des letzteren werden zuweilen auch alle 2 bis 3 Stunden Einspritzungen von warmem Wasser gemacht. Nießwurz- (~Veratrum Viride~) Tinktur wird in Dosen von 3 bis 4 Tropfen in ein wenig versüßtem Wasser jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben, und zwar so lange, bis gehöriger Schweiß eintritt, zu welcher Zeit dann die Zwischenräume der Dosen verlängert werden sollten.

Leberentzündung (~Hepatitis~).

Entzündung der Leber kann sich auf die Schleimhaut, welche die Leber bedeckt, beschränken, oder ergreift die Lebermasse selbst, oder sie dehnt sich auf beide aus. Sie tritt eben sowohl acut als chronisch auf und wird häufiger im heißen Klima gefunden.

+Symptome.+ Der Anfall beginnt mit den Kennzeichen einer Entzündung und Frösteln, denen mehr oder weniger Fieber folgt, mit einem Gefühl von Stechen in der rechten Seite und einem heftigen, spießenden Schmerz in der Gegend der Leber, oder dumpfer Schmerz, wenn die Entzündung die Lebermasse allein erfaßt hat. Der Schmerz mag auch bis zur rechten Schulter schießen und sich über die Brust ausdehnen, wird durch einen Druck über den angegriffenen Theil erhöht, ebenso durch Husten oder wenn sich der Kranke auf die linke Seite legt, die Zunge ist gelblich oder dunkelbraun, zuweilen auch schwarz belegt, die Ränder derselben sind häufig sehr roth und im Munde ist ein fauliger, unangenehmer Geschmack, hin und wieder wird das Weiße im Auge und die Haut ganz gelb gefärbt.

Die Symptome der chronischen Entzündung der Leber sind verschieden. In der Regel hat der Kranke ein Gefühl von Schwere und Vollsein in der rechten Seite, mit einem dumpfen Schmerz, der sich bis zu den Schulterblättern und der Magengrube erstreckt; gewöhnlich ist auch große Empfindlichkeit in der Gegend über der Leber vorhanden, der Kranke kann nicht ohne Schmerz auf der linken Seite liegen, die Haut, Augen und der Urin sind gelb, die Eingeweide nicht in Ordnung, zuweilen ein trockener, hackender Husten, Appetitlosigkeit, Zunge braun, gelb oder weißlich belegt, in dem Munde ein bitterer und unangenehmer Geschmack, der Kranke ist niedergeschlagen, kleinmüthig, oder reizbar und empfindlich.

+Ursachen+ der Leberentzündung sind Erkältung, Beschädigung oder Schläge über der Leber, Unmäßigkeit, sehr starke Hitze, heftige geistige Erregungen, üppige Lebensart.

Chronische Leberentzündung kann aus der acuten Form entspringen, oder durch Erkältung, den Genuß von Spirituosen, unpassende Kost, Ausschweifungen aller Art und den Mißbrauch des Quecksilbers hervorgerufen werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- bei der acuten Form: Stechen in der Gegend der Leber, großer Schmerz, starkes Fieber, Herumwerfen, Angst, Todesfurcht.

~Belladonna.~ -- Drückende Schmerzen in der Brust und in den Schultern Vollsein im Magen, Ziehen in der Gegend des Magens, Schwindel mit Anwandlung von Ohnmachten, Schwierigkeit des Athmens; großer Durst; kann nach Aconitum und abwechselnd mit ~Mercurius~ und ~Lachesis~ gegeben werden.

~Bryonia.~ -- Heftiger Schmerz mit Vollsein in der rechten Seite, Zunge gelb belegt, starke Brustbeklemmung, sehr schnelles und ängstliches Athmen, Verstopfung. Passend nach ~Aconitum~ oder abwechselnd mit ~Mercurius~.

~Mercurius.~ -- Der Patient kann nicht auf der rechten Seite liegen, bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Durst, Frostschauer.

~Chamomilla.~ -- Wenn die Krankheit von Erkältung oder heftigem Aerger herrührt; dumpfer, drückender Schmerz in der Gegend der Leber, welcher durch Druck, Bewegung oder Athmen erhöht wird, Beklemmung der Brust, Gelbheit der Haut, bitterer Geschmack im Munde.

~China.~ -- Ist Malaria (Sumpfluft) die Ursache; die Krankheit ist immer den zweiten Tag schlimmer, heftige stechende Schmerzen, Kopfschmerz, bitterer Geschmack im Munde, Zunge gelblich belegt.

~Lachesis.~ -- Wenn durch Unmäßigkeit hervorgerufen. Kann nach ~Aconitum~ gebraucht werden, wenn sich ~Mercurius~ und ~Belladonna~ unzureichend erwiesen haben.

~Nux Vomica.~ -- Stechende oder beißende Schmerzen mit großer Empfindlichkeit gegen Berührung in der Gegend der Leber, Uebelkeit, saurer, bitterer Geschmack im Munde, Durst, Kopfschmerz.

~Pulsatilla.~ -- Wenn eine gehinderte Verdauung Ursache der Krankheit ist, und mag abwechselnd mit ~China~ gegeben werden; Diarrhöe, grünlicher, schleimiger Stuhl; Brustbeklemmung.

~Podophyllin.~ -- Heißhunger, Diarrhöe sogleich nach Essen oder Trinken, saurer Magen, Uebelkeit, Vollsein des Kopfes, Sodbrennen, Zusammenfließen des Wassers im Munde, Hitze des Magens, Schwere, ziehender Schmerz in den Eingeweiden, gelindert durch Wärme und Vorwärtsbeugen des Körpers, Verstopfung mit Kopfschmerz, Stuhl hart und trocken oder Kalk ähnelnd und höchst widerwärtig.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke, so werden dann die Zwischenräume verlängert.

Bei chronischer Leberentzündung mag Morgens und Abends eine Dosis gegeben werden. Die obigen Mittel sind passend für die chronische Form.

Die Kost sollte sehr einfach sein. Fleisch und Fleischsuppen dürfen nicht gegessen werden. Reis und Haferschleim, Limonade, kalte und warme Früchte, gebackene Aepfel, Zwieback (~Toast~), Brod- und Zwiebackwasser können genossen werden.

=Allöopathisch.= Blutegel oder Schröpfköpfe sollten in der Gegend über die Leber reichlich angesetzt werden. Oeffne die Eingeweide mit folgendem:

Pulverisirter Gummi Gutti (~Pulv. gamboge~) 12 Grane. Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammonium~) 12 „ Springgurke (~Elaterium~) 2 „ Crotonöl 8 Tropfen. Stechapfel-Extrakt 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunde eine Pille, bis die Wirkung eintritt. Oder:

Sennesblätter (~Senna leaves~) 2 Drachmen. Wasser 1 Pint.

Lasse die Sennesblätter in dem Wasser erweichen und füge dann eine Unze Bittersalz (~Epsom salts~) hinzu und seihe es durch. Dosis: Ein Viertel der Mischung. Hierauf mache ein Senfpflaster über die rechte Seite und ebenso über das Rückgrat.

Salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro-muriatic acid~) mit Wasser verdünnt, bis es ungefähr die Stärke von scharfem Essig hat, mag in der Gegend über dem Magen eingerieben werden und wird gute Dienste leisten. Vermittelst Nießwurz- (~Veratrum Viride~) Tinktur, in Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle Stunden, rufe Schweiß hervor. Bei der Wiedergenesung des Kranken sollten stärkere Mittel, wie folgt, gegeben werden:

Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~) ½ Unze. Kaltes Wasser 1 Pint.

Lasse die Mischung ein bis zwei Stunden lang stehen und seihe sie dann durch. Dosis: ein Weinglas voll mehrere Male des Tages. Oder:

Verdünnte Salpetersäure (~Nitric acid, diluted~) 2 Drachmen. Verdünnte Salzsäure (~Muriatic acid, diluted~) 2 „ Orangenschalen-Syrup 2 „ Orangenschalen-Tinktur 2 „

Hinreichend Wasser, um ein Pint daraus zu machen. Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Bei chronischer Entzündung der Leber gebe man Pillen von Entenfuß (~Podophyllin~) oder folgendes:

Leptandrin 1 Drachme. Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Skrupel. Hundskohl (~Apocynin~) 1 „ Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt 6 Grane. Spanische Seife (~Castile soap~) 1 Drachme.

Mache 30 Pillen daraus. Dosis: jeden Abend eine Pille. Wenn Quecksilber (~Mercury~) gebraucht wird, gebe man folgendes:

Quecksilberpillen (~Mercurial Pill~) 2½ Grane. Pulverisirte Brechwurz (~Ipecac powdered~) ½ Gran.

Hinlänglich Opium-Zucker (~Confection of Opium~), um daraus eine Pille zu machen. Nehme es als eine Dosis Abends oder jeden zweiten Abend.

Ein tägliches schwaches Laugenbad sollte genommen werden, dem man ein starkes Laugenbad folgen läßt. Bewegung im Freien ist möglichst oft zu machen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen bringe den Kranken in ein warmes Bad, darauf ins Bett und gebe ihm warme Getränke, um einen starken Schweiß hervorzurufen. Ist aber der Anfall heftig, so gebe das zusammengesetzte Pulver der Lobelia (~Compound powder of Lobelia~), bis ungehindertes Erbrechen eintritt. Zur Entfernung der Verstopfung der Eingeweide gebe man eine Einspritzung von einem Pint warmen Wasser, einen Eßlöffel voll Salz und einen Eßlöffel voll Fett und nehme folgende Pillen beim Zubettegehen:

Entenfuß (~Podophyllin~) 60 Grane. Leptandrin 30 „ Blutwurzel (~Sanguinarin~) 30 „ Brechwurz (~Ipecac~) 30 „ Cayennepfeffer (~Cayenne~) 30 „

Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 60 Pillen daraus. Dosis: zwei bis vier Pillen, wenn es als Abführmittel gebraucht wird, und zur Wirkung auf die Leber gebe man einmal des Tages oder jeden zweiten Tag eine Pille. Ist es wünschenswerth, den Schweiß zu erhalten, so lege man zu diesem Behufe heiße Ziegelsteine oder Flaschen mit heißem Wasser rings um den Körper des Kranken und gebe folgendes:

Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel in Pulvern 4 Unzen. Wasserdost (~Boneset~) in Pulvern 4 „ Blutwurzel (~Blood root~) 3 Drachmen. Salpeter 3 „

Mische es. Dosis: 10 bis 15 Grane alle drei Stunden.

Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt wird als ein schätzenswertes Mittel bei dieser Krankheit empfohlen. Mache Pillen daraus, füge jeder einen Gran Leptandrin bei und nehme jeden Abend eine. Bei chronischer Leberentzündung ist es ein besonders empfehlenswertes Mittel. Bei der letzteren Form der Leberentzündung gebrauche man die bei der Behandlung der acuten Form angegebenen Pillen. Dieselben sollten oft genug genommen werden, die Eingeweide in Ordnung zu halten, um wenigstens einen Stuhl innerhalb 24 Stunden zu bewirken.

Folgendes wird als Alterativ vorzüglich gefunden werden:

Zusammengesetzter Talgbaum-Syrup (~Compound syrup of stillingia~) 1 Pint. Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) 2 Unzen. Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 4 Drachmen.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser.

Gelbsucht (~Icterus~).

Gelbsucht wird an der gelben Farbe der Haut und Augen, einem bitteren Geschmack im Munde, Schmerz oder Unbehaglichkeit in der rechten Seite erkannt, der Urin ist gelblich oder safranfarbig, der Stuhl weißlich oder lehmartig, in der Regel geht oder begleitet sie Verdrossenheit, Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, Diarrhöe oder Verstopfung, Schmerz in der Magengrube, der sich nach den Mahlzeiten verstärkt.

+Ursachen.+ Gelbsucht kann durch Gallensteine hervorgerufen werden, durch Verstopfung des Gallenflusses in die Eingeweide, in Folge dessen derselbe in den Kreislauf des Blutes tritt, Krankheit der Leber, Herzkrankheit, durch den Druck von Geschwulsten auf die Leber, Krampf der Gallenausfuhr.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Bei starker Uebelkeit gebe man folgendes Brechmittel:

Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran. Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~) 1 Skrupel. Syrup 1 Drachme. Quellwasser (~Mint water~) 10 Drachmen.

Mische es und nimm es als eine Dosis.

Oder:

Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran. Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~) 1 Skrupel.

Mische es und nimm es als eine Dosis in einem Weinglas voll versüßtem Wasser. Zuweilen ist es gut, eine Dosis Calomel von 5 bis 10 Granen beim zu Bettegehen und eine Unze Castoröl des Morgens zu nehmen. Dies sollte so lange wiederholt werden, bis sich eine ungestörte Thätigkeit der Eingeweide zeigt. Doppelt kohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~), vor den Mahlzeiten genommen, wird in einzelnen Fällen von gutem Erfolge sein, ebenso da, wo die Genesung langsam vor sich geht, salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~), in Dosen von 3 bis 4 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages genommen. Walddost (~Thoroughwort~) als Aufguß öfters des Tages getrunken, wird sehr empfohlen.

Wenn die Gelbsucht durch Gallensteine verursacht wird, so ist großer Schmerz vorhanden, gleichsam als ob die Masse von der Größe einer Wallnuß durch eine Röhre von dem Umfang eines Federkieles gedrängt würde. In diesem Falle sollte der Kranke recht oft heißes Wasser trinken, in dem zuvor 2 Drachmen doppelt kohlensaures Soda (~Bi-carbonate of soda~) und Potasche aufgelöst wurden. Opium kann in Dosen von einem Gran alle 3 oder 4 Stunden, bis der Schmerz nachläßt, gegeben werden. Senfpflaster oder andere warme Umschläge sollten über den Sitz des Schmerzes gelegt und ein warmes Bad zu nehmen versucht werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Es ist gut, jeden Tag, eine oder zwei Wochen lang, ein Brechmittel zu geben. Zuerst gebe man 20 bis 30 Grane Brechwurz (~Ipecac~) in warmem Wasser, dem man 4 oder 5 von den unter Leberentzündung angeführten Leberpillen, zusammengesetzt aus Entenfuß, Leptandrin, Brechwurz (~Ipecac~) &c. folgen läßt. Ein Aufguß von Walddost (~Thoroughwort~), zwei Theetassenkopf voll auf einmal getrunken und alle Tage eine oder zwei Wochen lang wiederholt, empfohlen. Während dieser Zeit braucht keine andere Medizin genommen zu werden. Die innere Rinde der Berberitze (~Barberry~) in Cider erweicht, wird zuträglich gefunden werden. Ebenso wird folgendes empfohlen:

Wilde Kirschbaumrinde, in grobem Pulver (~Wild cherry bark~) 1 Unze. Schaflorbeerblätter (~Sheep laurel leaves~) in grobem Pulver 1 „ Berberitzrinde (~Barberry bark~) in grobem Pulver 1 „ Bitterwurzel (~Bitter root~) in grobem Pulver 1 „ Reiner Cider 4 Pints.

Mische und lasse es mehrere Stunden lang stehen. Dosis: einen Eßlöffel voll drei- oder viermal des Tages. Cider mehrere Male des Tages getrunken, wird in einzelnen Fällen zuträglich gefunden werden, ebenso das Essen von rohen Eiern an jedem Morgen. Die Rinde der Wurzel des Pfirsich- und wilden Kirschbaums mit Whiskey oder Wachholderbranntwein (~Gin~) in einen bitteren Branntwein verwandelt, wovon drei- bis viermal des Tages stark getrunken wird, wird nicht ohne Erfolg angewendet werden, auch ein starker Thee von Pfirsichbaumblättern bis zu einem halben Pint des Tags genommen, hat sich als gut bewährt.

=Homöopathisch.= Der Kranke sollte im Bette in einem warmen Zimmer warm gehalten werden und für die ersten vier oder fünf Tage ~Mercurius~, dreimal des Tages eine Dosis nehmen. Tritt keine Besserung nach dieser Zeit ein, so gebe man ~Hepar Sulphuris~ oder ~Hepar Sulphuris~ und ~Chelidonium~. Bei hartnäckigen Fällen gebe man ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~ oder ~Sulphur~.

Bei Gelbsucht, die in Folge eines leidenschaftlichen Ausbruchs oder durch Enttäuschung hervorgerufen wurde, gebe man ~Chamomilla~, ~China~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~.

Rührt es von Mißbrauch des ~Mercurius~ und ~Calomel~ her, so verordne man ~China~, ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Nitric Acid~, ~Sulphur~.

Hat Jemand Anlage zur Gelbsucht, so daß sie aus sehr leichten Ursachen entspringt, so gebe man ~Lachesis~ und ~Sulphur~, jede Woche abwechselnd eine Dosis.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis (4 Kügelchen) von dem gewählten Mittel dreimal des Tages. Werden zwei Heilmittel gegeben, so gebe man alle vier Stunden abwechselnd, oder wechsle einen um den andern Tag. Warme Bäder werden zuträglich sein und Verstopfung kann durch Einspritzungen von warmem und kaltem Wasser gelindert werden.

Milz-Entzündung (~Splenitis~).

Dies ist eine Krankheit, die nicht häufig gefunden wird und dann in der Regel in Begleitung von anderen Krankheiten.

+Symptome.+ Sie beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen Kennzeichen des Fiebers, wie Frost, dem Hitze folgt, Durst, Schmerz in der linken Seite, in der Gegend der Milz, mit Empfindlichkeit gegen Druck, zuweilen beträchtlich anschwellend. Der Schmerz mag dumpf oder stark und schneidend sein, sich über den ganzen Unterleib erstrecken und bis in die linke Schulter schießen; die Haut ist trocken und heiß, krankhafter Magen und Erbrechen. Der Urin ist spärlich, stark gefärbt und kann nur mit Schwierigkeit gelassen werden.

Chronische Entzündung der Milz ist ein sehr gewöhnliches Leiden, besonders in Gegenden, wo beständig Fieber herrschen.

+Symptome.+ Ein Gefühl von Schwere, Beengung und Schmerz in der linken Seite, zuweilen wird der Schmerz ohne einen Druck auf die Gegend über diesem Organe nicht wahrgenommen; in der Regel ist hartnäckige Verstopfung, Gefühl von Frost vorhanden, zuweilen schwillt die Milz so stark an, daß sie mit der Hand gefühlt werden kann. Oefters begleitet sie Betäubung, schwieriges Athmen, Herzklopfen, Schwäche der unteren Glieder, Alpdrücken, Gefühl von Beengung über der Brust, Unmöglichkeit sich viel zu bewegen, Erbrechen der Speisen, trockene Haut, Niedergeschlagenheit. In einigen Fällen tritt Wassersucht hinzu.

+Ursachen.+ Aeußerliche Verletzung, Unterdrückung gewöhnter Entleerungen, Trinken von kaltem Wasser, wenn der Körper erhitzt ist, der unmäßige Genuß von Spirituosen, heftige geistige Erregungen, lang anhaltendes Fieber.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Die Behandlung sollte mit folgendem Abführmittel begonnen werden:

Pulverisirte Jalappenwurzel (~Pulv. jalap~) 4 Unzen. „ Sennesblätter (~Pulv. senna~) 8 „ „ Gewürznelken (~Pulv. cloves~) 1 Unze.

Mische es und siebe es durch ein feines Sieb. Dosis: Einen Eßlöffel voll in ein wenig warmem Wasser, oder ein wenig Branntwein mit Wasser.

Bei der chronischen Form möge ein Pflaster, aus Eidotter und Salz bestehend, auf die Gegend über die Milz gelegt werden. Gewöhnliches Salz, in Dosen von einer Drachme dreimal des Tages genommen, hat sich in einigen Fällen bewährt. Die innere Rinde von weißer Esche (~White ash~), in weißem Wein gekocht und in Dosen von einem Weinglas voll dreimal des Tages genommen, hat gleichfalls Heilung bewirkt. Die Behandlung dieser Krankheit ist fast ganz dieselbe, wie die der Leberentzündung.

=Homöopathisch.= Bei der acuten Form gebe man ~Aconitum~, ~Bryonia~, ~China~, wie bei Leberentzündung vorgeschrieben.

Bei der chronischen Form gebe ~Sulphur~, ~Calcarea~, ~Ferrum~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Lycopodium~. Verwende dieselben in derselben Weise wie bei chronischer Leberentzündung vorgeschrieben.

=Allöopathisch.= Die Behandlung ist jener der chronischen und acuten Leberentzündung ähnlich. Bei der chronischen Form gebrauche man Senfpflaster, Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) oder Crotonöl in der Gegend über der Milz.

Folgendes wird empfohlen:

Pulverisirte Chinarinde (~Pulv. Peruvian bark~) 1 Unze. Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) ½ Drachme. Pulverisirtes salzsaures Ammoniak (~Pulv. muriate of ammonia~) 1 Drachme.

Mische es und mache 8 Pulver daraus. Dosis: Ein Pulver dreimal des Tages.

Um die Eingeweide in Ordnung zu bringen, halte sie gehörig offen und nehme folgendes:

Entenfuß (~Podophyllin~) 4 Grane. Leptandrin 8 „ Chinin (~Quinine~) 8 „ Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt 2 „

Mische es und mache 16 Pillen daraus. Dosis: Zwei oder drei Pillen beim Schlafengehen.

Würmer.

Es gibt drei Hauptgattungen von Würmern, denen der Mensch ausgesetzt ist. Die Ascariden, Spring- und Madenwürmer; sie sind sehr klein und ähneln einem weißen Faden von einem halben bis ganzen Zoll der Länge nach. Die Zahl derselben ist zuweilen sehr groß und sie bilden sich zu Rollen und Ballen in den Eingeweiden. Sie kriechen hin und wieder in die Scheide oder Harnröhre und verursachen ein höchst lästiges Jucken.

Eine andere Gattung sind die Spulwürmer oder ~Ascarides lumbricoides~, welche sehr lang und rund sind, ungefähr ⅛ Zoll dick und 3 bis 12 Zoll lang. Sie ähneln dem gewöhnlichen Regenwurm sehr und werden vorzugsweise in den großen Därmen und zuweilen im Magen gefunden; auch erscheinen sie nicht selten im Halse.

Die dritte Gattung ist der Bandwurm (~Taenia solium~); er besteht aus einer Menge an einander gereihter Glieder und ist in seiner Länge von einigen bis mehreren hundert Fuß verschieden. Er hält sich in den kleinen Eingeweiden auf und zehrt von dem Nahrungssaft, d. h. von jener Masse der Nahrung, welche bleibt, nachdem die Speisen den Magen verlassen haben, und verursacht in Folge dessen große Zehrung, Erschöpfung und Abnahme des Fleisches.

+Symptome.+ Die Kennzeichen der Anwesenheit von Würmern sind sehr undeutlich, und es ist zuweilen unmöglich, sie zu hemmen, bevor nicht welche abgegangen sind.

Die Anwesenheit des Springwurms mag erkannt werden an dem unerträglichen Jucken im After oder ~Anus~. Bei Kindern kündigen sich die Würmer durch Blässe, Jucken in der Nase und Knirschen der Zähne an; Auffahren aus dem Schlafe, unregelmäßigen Appetit, üblen Athem, geschwollenen Unterleib, starkes Anschwellen der Oberlippe, eine von den Wangen mehr oder weniger geröthet.

Der Bandwurm wird erkannt an einem nagenden Schmerz im Magen, unregelmäßigem, in der Regel aber sehr starkem Appetit; die Menge der zu sich genommenen Speisen entspricht der daraus erwachsenden Nahrung nicht, der Kranke magert ab und öfters ist ein harter Husten anwesend; ein Gefühl, als ob irgend etwas von der linken Seite plötzlich in den Hals hinaufstiege und wieder zurückfiele, Schwindel, besonders des Morgens vor dem Essen.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Zu geben beim Anfang der Behandlung gegen nervöse Reizbarkeit, welche in der Regel anwesend ist. Einige Dosen mögen gegeben und alle 2 Stunden wiederholt werden. Wirkt dies nicht, so gebe man ~Ignatia~ in derselben Weise.

~Cina.~ -- Dies ist das Hauptmittel, besonders bei Anwesenheit folgender Symptome: Bohren mit den Fingern in der Nase, das Kind ist nervös, schreit des Nachts im Schlafe, hat starke Anfälle von Kolik, Zupfen an den Lippen, Gesicht zuweilen blaß und kalt, dann wieder roth und heiß, sonderlicher Appetit, wunderlich und furchtsam, Gesicht aufgedunsen, Anschwellen und Schmerz im Unterleib, Verstopfung oder Diarrhöe, Knirschen mit den Zähnen.

~Nux Vomica.~ -- Wenn mit den andern Symptomen Verstopfung verbunden ist, starkes Jucken, brennendes und stechendes Gefühl im After.

~Spigelia.~ -- Bei strengen Fällen von Wurmkolik, wenn Fieber und Diarrhöe vorhanden sind, Heißhunger und Frösteln.

~Silicea.~ -- Besonders bei Kindern, die skrophulös sind.

~Belladonna.~ -- Kolik, welche durch Liegen auf dem Bauche gelindert wird. Auffahren aus dem Schlaf, Kopfweh.

~Lycopodium.~ -- Besonders bei starkem Jucken im After.

~Teucrium~ -- empfohlen von Freligh gegen den Reiz und das Jucken, welches von Würmern verursacht wird.

~Santonin~ -- ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen die verschiedenen Gattungen von Würmern.

Gegen den Bandwurm Kürbiskörner (~Pumpkin seeds~) wie untenstehend gegeben, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Man nehme 8 Unzen von den Körnern und esse davon zur Mahlzeit 4 Unzen bei leerem Magen, erweiche dann die übrigen 4 Unzen in heißem Wasser und trinke den Aufguß am Morgen. Bis Mittag sollte nichts gegessen werden. Dies wird gewöhnlich hinreichen, den Wurm abzutreiben; ist dies aber nicht der Fall, so wiederhole es die nächste Nacht.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Mittel dreimal des Tages eine Dosis, wenn die Symptome nicht anders nothwendig machen, in welchem Falle dann alle zwei oder drei Stunden eine Dosis gegeben werden muß.

Bei chronischen Fällen sollten die Mittel durch eine lange Zeit hindurch einmal des Tages gegeben werden.

+Kost.+ Der Kranke sollte alle schweren Nahrungsmittel vermeiden, wie gekochtes Gemüse, reiche Puddings und Kuchen; mag sich vielmehr mit Fleischsuppen, gebratenem oder gekochtem Fleisch und Milch begnügen.

Gegen sehr starkes Jucken, das bei einigen Fällen vorhanden ist, werden Einspritzungen von kaltem Wasser oder Wasser, dem ein wenig Salz oder Essig beigefügt ist, zuweilen von gutem Erfolg gefunden werden. Süßes Oel (~Sweet oil~) entspricht hin und wieder demselben Zwecke.

=Allöopathisch.= Folgendes ist ein gutes Mittel:

Spigelien-Wurzel (~Pink root~) ½ Unze. Sennesblätter (~Senna~) ½ „ Doppeltweinsteinsaure Potasche (~Bi-tartrate of potassa~) 1 Drachme. Pulverisirte Jalappenwurzel (~Pulv. jalap~) ½ „ Kardamon- (~Cardamon~) Samen ½ „ Lakritzen- (~Liquorice~) Extrakt 2 Drachmen.

Mische es, füge ein halbes Pint kochendes Wasser hinzu und lasse das Ganze eine Stunde durchweichen. Dosis: Ein oder zwei Eßlöffel voll gelegentlich bis die Würmer abgetrieben sind.

Eine Einspritzung von gewöhnlichem süßem Oel ist zuweilen hinreichend, um die Springwürmer abzutreiben. Das folgende kann zu demselben Zwecke gegeben werden:

Aloe (~Aloes~) 2 Skrupel. Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~) 15 Grane. Gersten- (~Barley~) Abkochung ½ Pint.

Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.

Ein Aufguß von je einer Unze Sennesblätter (~Senna~), Spigelia (~Spigelia~) auf ein Pint Wasser kann in einigen Fällen angewendet werden. Erwachsenen gebe jeden Morgen vor dem Frühstück ein Weinglas voll.

Wurmsamenbitter (~Santonin~) ist ein ausgezeichnetes Mittel, aber es sollte vorsichtig angewendet werden. Bei Erwachsenen eine Dosis von 3 bis 6 Granen. Bei Kindern einen halben Gran ein- oder zweimal des Tages.

Gegen Bandwurm hat sich Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus vorzüglich bewährt. Man gebe ihn in Dosen von einer halben Unze und lasse dieselbe Menge Castoröl folgen oder beides zu gleicher Zeit nehmen. Eine Abkochung von Kohlpalmenrinde (~Cabbage tree bark~) sowie auch Kürbißkörner (~Pumpkin seed~) wird gegen Bandwurm sehr empfohlen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wurmsamen mit Molasses gemischt mag Erwachsenen in Dosen von 1½ Theelöffel voll und Kindern in Dosen von 1 Theelöffel voll gegeben werden.

Walddost- (~Thoroughwort~) Thee oder Rainfarn- (~Tansy~) Thee ist auch gut; Kermesbeer (~Poke root~) und Sennesblätter (~Senna~) sind ein wirksames Mittel. Eine Unze von jedem sollte in heißem Wasser erweicht und ein Eßlöffel voll einmal des Tages gegeben werden. Folgendes ist bei manchen Fällen zu empfehlen:

Castoröl 1 Unze. Wurmsamen- (~Worm seed~) Oel 1 „ Terpentin- (~Turpentine~) Oel ½ „ Anisöl ½ „

Dosis: Für ein Kind von 2 oder 3 Jahren 10 bis 20 Tropfen alle 3 oder 4 Stunden. Das folgende wird empfohlen:

Wurmsamenöl ½ Unze. Rainfarn- (~Tansy~) Oel ½ „ Terpentin- (~Turpentine~) Oel ½ „ Crotonöl 2 Drachmen. Castoröl 4 Unzen.

Mische es. Dosis: Für ein Kind von 1 bis 2 Jahren einen halben Theelöffel voll in ein wenig warmer Milch drei Tage hindurch. Dann sollte dasselbe drei Tage ausgesetzt und für die nächstfolgenden drei Tage wieder angewendet werden.

Gegen Bandwurm wird der Saft von blauem Kalmus (~Blue flag~) empfohlen, ebenso starke Portionen von Knoblauch (~Garlic~) mit Salz, und einen Tag um den andern ein Abführmittel von Alraunwurzel (~Mandrake root~). Wurzel von männlichem Farn (~Root of male fern~) ist erfolgreich zur Entfernung des Bandwurms angewendet worden.

Hartleibigkeit.

Dies ist eine der gewöhnlichsten Störungen, denen die Menschheit unterworfen ist. Unter Hartleibigkeit verstehen wir einen trägen Zustand der Eingeweide, durch welche der Koth eine längere Zeit zurückgehalten wird, als es die Erhaltung der Gesundheit bedingt. Stuhl ist seltener als in gesundem Zustande, hart und trocken, in kleinen Quantitäten und die Entleerung geht mit Schwierigkeit vor sich.

+Symptome.+ Kopfschmerz, Schwindel, Mangel an Appetit, zuweilen Uebelkeit und Fiebersymptome, Schwere längs des unteren Theiles des Bauches.

+Ursachen.+ Sitzende Lebensweise, besonders während der Geist beständig auf irgend einen Gegenstand gerichtet ist, zusammenziehende Medizinen, nervöse Krankheiten, Unachtsamkeit auf das Verlangen nach Entleerung der Eingeweide.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Kost sollte dieser Krankheit genau angemessen sein, alles von bindender Natur ist zu vermeiden, wie thierische Kost, besonders eingesalzene Fleische, Käse, reizende Getränke, Pasteten, stark gewürzte Speisen &c. Dagegen kann der Patient alle Sorten von Früchten, Gemüse, grobes Brod und Suppen essen. Gestoßener Weizen wird die Heilung der Hartleibigkeit befördern. Einspritzungen von kaltem Wasser, sowie starkes Trinken von kaltem Wasser, sollte angewendet werden. Jedermann muß den Mahnungen der Natur sofort und regelmäßig Folge leisten. Die beste Zeit diesem nachzukommen ist vielleicht am Morgen unmittelbar. Wenn man diesem Umstande zu einer gewissen Stunde des Tages Aufmerksamkeit schenkt, so wird dies mehr als irgend etwas anderes dazu beitragen, dieses zur Gewohnheit zu machen und die Eingeweide in Ordnung zu halten.

=Allöopathisch.= Eine Pille von Rhabarber (~Rhubarb~) und spanische Seife (~Castile soap~) von jedem ½ Gran sollen angewendet und davon des Abends 2 Pillen gegeben werden.

Zuweilen bewährt sich folgendes:

Entenfuß-Harz (~Rosin of podophyllin~) 2 Grane. Flüssiger Rhabarber-Extrakt (~Fluid extract of rhubarb~) 1 Unze. Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract of senna~) 1 „ Ingwer-Syrup (~Syrup of ginger~) ½ Unze. Gewürznelkenöl 4 Tropfen.

Gummi Arabicum Schleim hinlänglich, um daraus 4 Unzen zu machen. Dosis: Für Erwachsene einen Eßlöffel voll und so oft zu wiederholen als erforderlich, um die Eingeweide zu öffnen.

Eine Abkochung von Walddost (~Thoroughwort~) täglich kalt getrunken war in einigen Fällen von gutem Erfolg. Einspritzungen von warmem oder kaltem Wasser sollten angewendet werden, da dieselben in der Regel hinreichen, ohne weitere abführende Medizinen, Abhülfe zu verschaffen. Eine Dosis von einem Aufguß von Sennesblättern mag sich hin und wieder bewähren.

Folgendes, unter „~Mottauer’s Aperient~“ bekannt, wird sehr empfohlen:

Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~) 1½ Unzen. Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 4 „ Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of lavender~) 2 „ Wasser 2 Quarts.

Mische es in einem Kruge, lasse es 2 Wochen lang stehen und schüttle es jeden Tag gehörig um, dann sollte die Mischung vom Bodensatze abgegossen werden. Dosis: ein halbes Weinglas voll ein- oder zweimal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Eine gelegentliche Dosis von Rhabarber (~Rhubarb~) oder ein Seidlitz Pulver wird zuweilen alles sein, was nothwendig ist, um Abhülfe zu verschaffen; gleichzeitig ist der Kost Aufmerksamkeit zu widmen.

Eine Mischung von Rhabarber (~Rhubarb~) zwei Theile und doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) einen Theil in Dosen von 6 Granen dreimal des Tages in ein wenig warmem Wasser, ungefähr eine Stunde vor jeder Mahlzeit genommen, wird empfohlen. Die Dosis sollte nicht mehr als zwei Stühle des Tages bewirken und es wird gut sein, wenn nicht mehr als einer darauf erfolgt. Auch das folgende ist empfehlenswerth:

Aletridin 20 Grane. Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt 1½ „ Entenfuß (~Podophyllin~) 5 „

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine oder zwei jeden Abend. Eine Einspritzung von einem Aufguß Wasserdost (~Boneset~) mit ein wenig Molasses, ist zuweilen erfolgreich.

=Homöopathisch.= Das wichtigste Mittel ist ~Nux Vomica~, wenn häufiger und erfolgloser Drang nach Stuhl vorhanden ist oder ein Gefühl, als ob der After geschlossen wäre; unangenehmer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes. Wenn ~Nux Vomica~ unzureichend ist, gebe eine gelegentliche Dosis von ~Bryonia~, besonders wenn die Störung in warmem Wetter eintritt.

~Opium.~ -- Mag zuweilen abwechselnd mit ~Nux Vomica~ gegeben werden, besonders wenn große Trägheit der Eingeweide ohne irgend ein Verlangen nach Stuhl, Röthe des Gesichts, Schießen des Blutes nach dem Kopfe, Kopfschmerz vorhanden sind.

~Platina.~ -- Wenn der Koth in kleinen harten Stücken mit viel Schwierigkeit entleert wird, Schaudern, Gefühl von Schwäche im Unterleib.

~Lycopodium.~ -- Bei starkem Drängen mit starkem Druck nach unten, aber Unfähigkeit, die Eingeweide zu entleeren.

~Antimonium Crudum.~ -- Bei Fällen, wo Verstopfung und Diarrhöe abwechseln.

~Sulphur.~ -- Bei lang anhaltender Verstopfung, besonders, wenn der Patient mit Geschwüren belästigt ist. Auch wenn öfters Verlangen nach Stuhl ohne irgend welchen Erfolg vorhanden ist.

~Plumbum.~ -- Bei hartnäckiger Verstopfung, der Stuhlgang ist hart und Schwierig und der Koth geht in harten Stücken oder Bällen weg.

Bei Verstopfung von schwangeren Frauen gebe man ~Nux Vomica~, ~Opium~, ~Sepia~. Frauen im Kindbett ~Bryonia~, ~Nux Vomica~, ~Opium~, ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Alle 2, 3 oder 4 Stunden gebe man eine Dosis von dem gewählten Mittel. Werden die Heilmittel trocken gegeben, so gebe man 3 bis 6 Pillen als eine Dosis. Wenn in Wasser gegeben, löse 6 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll. Einspritzungen von und Baden im kalten Wasser wird sehr zuträglich gefunden werden.

Diarrhöe oder Durchfall.

Diese Krankheit kommt sehr häufig vor, besonders in den heißen Monaten des Jahres. Die Symptome bestehen in mehr oder weniger flüssigen öfteren Entleerungen der Eingeweide, und jeder Entleerung folgt ein kollerndes Geräusch in den Eingeweiden, verbunden mit einem Gefühle von Schwere oder Gewicht, gewöhnlich auch stärkerem oder schwächerem Kneipen und zuweilen Uebelkeit und Erbrechen; finden die Entleerungen oft oder sehr stark statt, so tritt in Folge dessen nach kurzer Zeit große Schwäche ein.

+Ursachen.+ Der Einfluß außergewöhnlicher Hitze und Kälte, Genuß von Säuren, unverdauliche oder reizende Nahrungsmittel, Ueberladen des Magens mit Speisen, heftige, geistige Erregung, wie Furcht, Zorn u. s. w. Es kann auch durch fortwährenden Aufenthalt in schlecht ventilirten Wohnungen, und bei Kindern durch das Zahnen verursacht werden.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Der Genuß von allen Speisen, die nicht ganz leicht verdaulich sind, ist zu untersagen, ebenso Säuren, Kaffee, stark gewürztes Gemüse, Früchte, frische Fleischsorten und Suppen aller Art. Die Kost des Patienten mag bestehen in Zwieback, Reis, gekochter Milch, Hafermehl, geschältes Korn, Pfeilwurz (~Arrow root~), Gerstenwasser, Sago, Tapioca, Gummi Arabicum Schleim, gekochtem Reis mit Zimmet gewürzt.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird die Thätigkeit der Leber wieder herstellen und Alles auf die Eingeweide reizbare entfernen:

Zusammengesetzter Syrup aus Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and Potassa~) 4 Unzen. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz 1 Drachme. Paregoricum (~Paregoric~) 4 Drachmen.

Mische es. Dosis: alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Bevor dies indessen genommen wird, ist es gut, ein Brechmittel aus gleichen Theilen von pulverisirter Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~) zu geben.

Folgender Syrup wird ausgezeichnet gefunden werden:

Brombeerwurzel (~Black berry root~) fein geschnitten und gestoßen 8 Unzen. Gägel- (~Bay berry~) Rinde 4 „ Storchschnabel (~Cranes Bill~) 2 „ Myrrhenharz (~Gum myrrh~) 1 „ Zimmetrinde (~Cinnamon bark~) 2 „ Fenchelsamen (~Fennel seed~) ½ Unze. Gewürznelken (~Cloves~) 1 „

Zerstoße es gehörig, gebe es in 6 Quart Wasser und lasse es 6 bis 8 Stunden langsam über dem Feuer bis zur Hälfte einkochen, dann seihe es durch und lasse es zu zwei Pint einkochen. Während es noch heiß ist, füge ein Pfund weißen Zucker bei und ist es abgekühlt noch ein Pint französischen Branntwein hinzu. Dosis für Erwachsene einen Eßlöffel voll. Dies wirkt als ein ausgezeichnetes Mittel gegen alle Arten Diarrhöe, Cholera und Cholera-Morbus. Eine Abkochung von je einer Handvoll Brombeerenwurzel (~Black berry root~) und weiße Eschenrinde (~White oak bark~) mit je einer halben Unze Gewürznelken (~Cloves~), Zimmet (~Cinnamon~) und ~Allspice~ mit Stückzucker oder Kandiszucker (~Rock candy~) versüßt, wird in einigen Fällen gut gefunden werden. Dosis: Mehrere Male des Tages einen Eßlöffel voll.

Bei Uebelkeit und Erbrechen kann ein Senfpflaster über den Magen gelegt werden. Auch ein Aufguß von Hafermehl-Kaffee mag zuweilen zuträglich gefunden werden. Das Hafermehl sollte mit Wasser vermischt, gebacken und mit Kaffee gebräunt werden, dann pulverisire man es und mache einen Aufguß daraus. Gegen den Schmerz oder das Kneipen wende man eine Einspritzung an, die wie folgt zusammengesetzt wird:

Castoröl 1 Gill. Molasses ½ Pint. Warmes Wasser ½ Pint. Laudanum 20-60 Tropfen.

Folgendes wird als ein ausgezeichnetes Mittel empfohlen:

Röste ein halbes Pfund Reis, bis es braun ist, dann koche es und esse es langsam.

Pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) zu Holzkohle gebrannt und pulverisirt, wird empfohlen. Ungefähr einen halben Theelöffel voll dreimal des Tages. Der Rhabarber mag in einem eisernen Gefäße zu schwarzer Asche verbrannt werden.

Chronische Diarrhöe wird in einigen Fällen durch einfaches Essen von Gummi Arabicum oder das öftere Trinken des Schleimes von Gummi Arabicum geheilt. Folgende Pillen werden gegen chronische Diarrhöe empfohlen:

Leptandrin 20 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 20 „ Entenfuß (~Podophyllin~) 5 „ Pulverisirtes Opium 8 „

Mische es und mache 40 Pillen mit ein wenig Löwenzahn- (~Dandelion-~) Extrakt daraus. Dosis: Früh und Abends eine Pille. Während diese Pillen genommen werden, ist es gut, die ganze Oberfläche des Körpers einmal des Tages mit warmem Saleratuswasser zu waschen. Folgendes Mittel soll bei einigen der schlimmsten Falle geholfen haben:

Man nehme ein Stück gut geräucherten alten Speck, schneide ihn in Stücke und brate ein Pint Schmeer aus; während des Ausbratens schneide mehrere große Zwiebeln hinein. Gieße darauf die Flüssigkeit ab und nimm einen Theelöffel voll davon einmal des Tages.

Folgendes wird in einigen Fällen gut gefunden werden:

Pulverisirter Alaun (~Alum~) 2 Grane. Pulverisirte Galläpfel (~Galls~) 2 „ Pulverisirter Kampher (~Camphor~) 1 Gran.

Mische und nimm es auf einmal. Nach jeder Mahlzeit zu wiederholen. Eine Abkochung von Kampescheholz (~Logwood~) ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen diese Krankheit. Ein halber Theebecher voll sollte davon dreimal des Tages genommen werden.

=Homöopathisch.= ~Dulcamara.~ -- Gegen Diarrhöe, die von Erkältung herrührt, wenn die Stuhlgänge wässerig, grünlich oder gelblich und bei leichtem Schmerz schlimmer des Nachts sind. Man lasse ~Bryonia~ folgen.

~Aloes.~ -- Heftiger Stuhlgang, der ganze Körper wird während desselben heiß, bei einem Gefühl von Magenschwäche oder Schmerz in der Gegend der Leber; der Stuhl hat einen höchst fauligen Geruch und ist nicht übermäßig stark oder wässerig.

~Ipecacuanha.~ -- Stuhlgang von dünnem Schleim, oder schaumig, gegohren oder gelb, bei beträchtlichem Schmerz im Mastdarm, die Entleerungen sind mit einer weißen Substanz gemischt, Blässe des Gesichts, große Hinfälligkeit.

~Chamomilla.~ -- Gallige, wässerige oder schleimige Diarrhöe, der Stuhl ähnelt geschnittenem Stroh und riecht wie faule Eier, belegte Zunge, Anschwellen der Eingeweide, bitterer Geschmack im Munde. Besonders anwendbar gegen Diarrhöe in Folge von Erkältung, Furcht oder Zorn, und bei Kindern, wenn sie die Beine in die Höhe werfen, sich ärgern, quälen und getragen sein wollen.

~Rheum.~ -- Sauer riechender Stuhl bei krampfartiger Kolik in den Eingeweiden. Ein Schauder während des Stuhlganges; Diarrhöe in Folge von Magensäure; saurer Geruch, der von dem Kinde ausströmt und auch nicht durch Waschen gehoben wird. Besonders anwendbar bei Diarrhöe von Kindern und Frauen im Wochenbett. Wenn ~Rheum~ keine Linderung verschafft, so gebe man ~Chamomilla~.

~Mercurius.~ -- Bei fast jeder Art von Diarrhöe anwendbar, besonders wenn mit Kneipen vor und Brennen im After nach dem Stuhlgange verbunden; große Hinfälligkeit, Zittern, Entleerungen gallig, schleimig, schaumig oder mit Blut gemischt, heftige Kolik, schlechter Athem. ~Nux Vomica~ wird zuweilen Linderung geben, wenn ~Mercurius~ angezeigt zu sein scheint, aber nicht den gewünschten Erfolg hat.

~Colocynthis.~ -- Gallige oder wässerige Diarrhöe mit starken krampfartigen Schmerzen.

~Podophyllin.~ -- Diarrhöe mit krampfartigen Schmerzen in den Eingeweiden, leicht gefärbtem widerwärtigem Stuhl, Entleerungen schaumig und schleimig.

~Pulsatilla.~ -- Diarrhöe in Folge von Unverdaulichkeit, bei wässerigen, widerwärtigen Entleerungen, besonders des Abends, bitterer Geschmack im Munde, faulige Zunge.

~Bryonia.~ -- Diarrhöe in Folge der Sonnenhitze.

~Arsenicum.~ -- Diarrhöe brennend, mit starken Kolikschmerzen. Mag abwechselnd mit ~Veratrum~ oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~ gegeben werden, wenn die Diarrhöe faulig ist und aus unverdauten Nahrungsmitteln besteht, oder bei wässerigem, schleimigem, brennendem Stuhl.

~Magnesia.~ -- Aehnlich dem Schaum eines Froschteiches, grün und schaumig.

~Nux Vomica.~ -- Wenn häufige und spärliche Stuhlgänge einer wässerigen und grünlichen Masse erfolgen und Drängen und drückender Schmerz. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze, 2 oder 3 Stunden, der Strenge des Schmerzes und der Häufigkeit der Stuhlgänge angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die Pillen gebraucht, so gebe man 3 bis 4 als eine Dosis. Bei chronischen Fällen gebe man jeden Morgen und Abend eine Dosis.

=Allöopathisch.= Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche mag in Dosen von einem Eß-Löffel alle Stunden gegeben werden, bis die Magensäure bewältigt und der Reiz vermindert ist. Pfeffermünz- (~Peppermint~) und grüne Münze- (~Spearmint~) Essenz kann hin und wieder mit gutem Erfolg hinzugefügt werden. Bei Uebelkeit und Erbrechen mache Senfpflaster auf den Magen und gebe einige Tropfen Laudanum. Folgendes wird bei leichten Anfällen entsprechend gefunden werden:

Gewürzter Rhabarber-Syrup (~Spiced syrup of rhubarb~) ½ Unze. Magnesia 15 Grane. Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 2 Drachmen. Kampherwasser 2 „

Mische es und nimm die Hälfte der Mischung als eine Dosis und wiederhole dies alle drei Stunden.

Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 50 Tropfen. Laudanum 15 Tropfen. Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 3 Unzen.

Dosis: Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll.

Bei heftigem, kneipendem Schmerz gebe folgende Einspritzung:

Castoröl 2 Unzen. Tinktur von stachliger Eschenrinde (~Tinct. of prickly ash bark~) ½ Unze. Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel- Tinktur (~Comp. tincture of Virginia snake root~) 2 Drachmen. Laudanum 20 Tropfen. Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint. Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Pint.

Mische und gib es als eine Einspritzung.

Aehnelt die Diarrhöe der Ruhr (~Dysentery~), so sollten Einspritzungen von Stärke angewendet und gleichzeitig folgende Pillen gegeben werden:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 1 Gran. Opium ½ „

Mache eine Pille daraus und wiederhole diese alle 3 oder 4 Stunden.

Bei chronischer Diarrhöe wird zuweilen ein Theelöffel voll Branntwein in ein wenig versüßtem Wasser mehrere Male des Tages gegeben, heilen. Es wird sehr zuträglich sein, bei Behandlung eines chronischen Falles von Diarrhöe ausgenommen Milch und Kalk- (~Lime~) Wasser, so wenig als möglich Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Bei beträchtlicher Schwäche mögen folgende Pillen gegeben werden.

Chinin (~Quinine~) ½ Drachme. Pulverisirte Catechu 1 „ Pulverisirtes Opium 15 Grane.

Mische es und mache 32 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages 1 Pille.

Ruhr (~Dysentery -- Bloody Flux~).

Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut der großen Eingeweide.

+Symptome.+ Die Krankheit beginnt in der Regel mit Appetitlosigkeit, Verstopfung, Frösteln, Hitze der Haut, außerordentlichem Durst &c. Hin und wieder beginnt sie mit Diarrhöe, die Stuhlgänge sind unbedeutend und häufig, sie sind mit Schleim vermischt und mit Blut gestreift, beständiges Dringen und Verlangen nach Stuhl, starkem Schmerz vor und nach jedem Stuhlgang, schmerzhaftes Grimmen des Afters, auch ~Tenesmus~ genannt.

+Ursachen.+ Plötzlicher Wechsel von heißer zu kalter Witterung, unreife oder saure Früchte, verdorbenes Gemüse oder Fleisch, das Trinken von kaltem Wasser, wenn man erhitzt ist.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Es sollte dem Patienten nicht erlaubt sein, aufzubleiben, er muß sich vielmehr sehr ruhig verhalten. Als Nahrung nehme man Mehlsuppe, gehörig gekocht, Reiswasser, Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago. Bei Besserwerden möge ein wenig Schöpsenfleischbrühe erlaubt werden.

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schmerz in den Eingeweiden, gallige oder dünne, wässrige Entleerungen mit Schleim gemischt und zuweilen mit Blut gestreift, Schmerzen im Kopf, Nacken und Schultern, Puls stark und schnell.

~Arsenicum.~ -- Passend bei Fällen, wo die Stuhlgänge unfreiwillig erfolgen und einen fauligen Geruch haben, da, wo der Kranke sehr schwach ist, brennende Schmerzen in den Eingeweiden, Athem kalt. Kann allein oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~ gegeben werden.

~Belladonna.~ -- Wenn ~Aconitum~ keine Minderung gewährt und wenn Trockenheit im Munde und Hals vorhanden ist, Empfindlichkeit der Eingeweide, Zunge belegt und an der Spitze roth.

~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei Ruhr und ist in allen Stadien anwendbar, besonders wenn ein Drängen, als ob die Eingeweide herauskommen wollten, vor und nach dem Stuhle, vorhanden ist, eine Entleerung von hellem Blute, zuweilen mit Schleim gestreift oder von einer grünlichen Masse nach starkem Drängen, hin und wieder gleicht der Stuhl aufgeschlagenen Eiern, heftige Kolik, Uebelkeit, Frösteln, Erschöpfung, Zittern, kalter Schweiß auf dem Gesichte, Verschlimmerung des Schmerzes zur Nachtzeit. Kann abwechselnd mit ~Colocynth~ gegeben werden, wenn starke kneipende Kolik-Schmerzen vorhanden sind, oder abwechselnd mit ~Aconitum~ oder ~Belladonna~, wenn Fieber damit verbunden ist.

~Chamomilla.~ -- Zuweilen nach ~Aconitum~ entsprechend, wenn noch Fieber mit Kopfschmerz, Uebelkeit und Durst vorhanden sind. Besonders nützlich, wenn der Anfall durch plötzliche Schweißunterdrückung verursacht wurde.

~Colocynthis.~ -- Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden und die Entleerungen mit einer grünen Masse gemischt, oder sie sind mit Schleim und Blut gemischt. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben werden.

~Podophyllin.~ -- Krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Entleerungen hell gefärbt und höchst widrig, oder schaumig und schleimig.

~Ipecacuanha.~ -- Besonders zuträglich bei Eintreten der Krankheit im Herbste, oder wenn der Schleim oder schleimige Stuhlgänge später mit Blut gestreift sind. Mag mit Vortheil abwechselnd mit ~Petroleum~ gegeben werden.

~Nux Vomica.~ -- Schwache und häufige Entleerungen von blutigem Schleim, starke Hitze, großer Durst, brennender, schneidender Schmerz in der Gegend des Nabels. Kann abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden.

~Sulphur.~ -- Vortheilhaft gegen hartnäckige Fälle, gelegentlich eine Dosis.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke, so gebe man die Dosen in größeren Zwischenräumen. Bei chronischer Ruhr ist eine Dosis des betreffenden Mittels dreimal des Tages hinreichend.

=Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen gebe man einen Theelöffel voll Castoröl und zwei Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) einmal des Tages; oder eine Dosis Castoröl mit 10 oder 15 Tropfen Laudanum, wenn das Mittel zu Anfang gegeben wird. Leinsamen oder schlüpfriger Ulmen- (~Slippery elm~) Thee kann als Getränk verwendet werden. Bei Schmerz in den Eingeweiden gebe ein Senfpflaster. Einspritzungen von Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum werden außerordentlich wohlthätig gefunden werden. Der zusammengesetzte Spiritus von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) ist in einigen Fällen anwendbar und in Dosen von einem Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden zu geben. Folgendes möge in dem ersten Stadium gegeben werden:

~Blue Mass~ 18 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 6 „ Kampher (~Camphor~) 12 „

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier Stunden eine Pille. Oder:

Kampher (~Camphor~) 18 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 6 „ Opium 3 bis 6 „

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier Stunden eine Pille.

Bei chronischer Ruhr gebe man folgendes:

Orangenschalen-Syrup 1 Unze. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphia~) 2 Grane. Zimmet- (~Cinnamon~) Tinktur 6 Drachmen. Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur 2 „

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Bei chronischen Fällen von Ruhr von langer Dauer, wird folgende Einspritzung zuträglich gefunden werden:

Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 10 Grane. Laudanum 40 Tropfen. Leinsamenthee 4 Unzen.

Ein Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) oder die Tinktur von stachligen Eschenbeeren (~Prickly ash berries~) werden als Einspritzungen gut gefunden werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen wird der unter Diarrhöe empfohlene pulverisirte gebrannte Rhabarber (~Rhubarb~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages gegeben, gut gefunden werden. Gebrannter Branntwein wird in einigen Fällen sofortige Linderung verschaffen. Ein Theelöffel voll Castoröl und ein und einen halben Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) gemischt und einmal des Tages genommen, reicht zuweilen hin. Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden mögen heiße Bähungen von Hopfen, oder von Hopfen und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern über den schmerzhaften Theil gemacht werden. Sind die Entleerungen häufig und schmerzhaft, so wende man Einspritzungen an von 3 Theilen Stärkewasser und einem Theil zusammengesetzter Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) an; ungefähr eine halbe Unze sollte eingespritzt und nach jedem Stuhlgang wiederholt werden; der Patient halte es so lange als möglich zurück. Kann man die Tinktur nicht erhalten, so nehme man 10 bis 20 Tropfen Laudanum. Folgendes wird empfohlen:

Türkischer Rhabarber, gestoßen (~Turkey rhubarb, bruised~) 1 Unze. Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~) 2 Unzen. Ueber-kohlensaure Soda (~Super-carbonate of soda~) 1 Unze. Zimmet- (~Cinnamon~) Rinde 1 „ Weißer Zucker ½ Pfund.

Lasse das Ganze eine Stunde lang in ein und einem halben Pint kochendem Wasser, dann seihe und drücke es aus. Dosis: einen Eßlöffel voll oder weniger, dem Alter angemessen, alle halbe, ganze oder zwei Stunden, im Verhältniß zu den Symptomen.

Folgendes wird bei einigen Fällen ausgezeichnet gefunden werden:

Reife Brombeeren (~Ripe blackberries~) 2 Quarts. Stückzucker 1 Pint. Cayennepfeffer (~Cayenne~) ½ Unze. Zimmet ½ „ Gewürznelken (~Cloves~) ½ „ Allspice ½ „

Koche alles zusammen eine kurze Zeitlang; wenn kalt, seihe es durch und füge ein Pint von ~fourth proof Brandy~ hinzu. Dosis: dem Alter angemessen, ein Eßlöffel bis ein Weinglas voll. Zuweilen ist es gut, durch gehöriges Zudecken des Kranken im Bette und die Darreichung von warmen Getränken, bestehend in Leinsamen-, Balsam-, Salbei- (~Sage~) oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee Schweiß hervorzurufen.

Folgendes soll beim Beginn der Ruhr helfen:

Leptandrin 10 Grane. Morphium (~Morphia~) 1 Gran.

Mische es und mache mit Gummi Arabicum Schleim 3 Pillen daraus und gebe alle 6 bis 12 Stunden, den Symptomen angemessen, eine Pille.

Nachstehendes ist eine gute Einspritzung, welche, nachdem die Krankheit mehrere Tage angehalten hat, angewendet werden kann.

Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) 1 Unze. Laudanum 10 bis 20 Tropfen.

Gebrauche es als eine Einspritzung.

Innerlich zu geben wird empfohlen:

Guajak (~Guaiacum~), fein pulverisirt 5 Drachmen. Gummi Arabicum Schleim 3 Unzen. Gewöhnlicher Syrup 3 „ Wasser 8 „

Mische es. Dosis: alle 4 Stunden ½ Weinglas voll.

Gegen chronische Ruhr gebrauche man folgendes:

Rhabarber (~Rhubarb~) 4 Unzen. Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 2 „ Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~) 2 „ Storchschnabel (~Geranium~) 2 „

Mische es und gieße auf diese Bestandtheile 2 Pint Branntwein und 2 Pint Wasser. Lasse die Mischung 5 bis 6 Tage stehen, schüttle es häufig um und seihe es dann ab. Füge 4 Pint Wasser zu dem Bodensatze, koche es bis zu 2 Pint ein, seihe es ab, füge dies der bereits früher abgeseihten Tinktur bei und versüße das Ganze mit Stückzucker. Dosis: jede Stunde oder alle 2 bis 3 Stunden einen Eßlöffel voll.

Cholera Morbus (Brechdurchfall).

Dies ist eine Krankheit, die gewöhnlich in den wärmeren Gegenden vorkommt und sich durch Erbrechen, Abführen, heftiges Kneipen, Kälte und Krämpfe der Endglieder kennzeichnet.

+Symptome.+ Der Anfall tritt ganz plötzlich mit Erbrechen und Abführen ein, wird von starken, kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden und im Magen begleitet, dem große Angst folgt. Die Entleerungen der Eingeweide bestehen in Koth und später aus einer wässerigen, galligen Masse; jeder Entleerung gehen heftig kneipende und schneidende kolikartige Schmerzen, besonders in der Nabelgegend voraus und begleiten dieselbe; in den Zwischenräumen der Entleerungen ist Uebelkeit und Unbehagen des Magens und in der Regel großer Durst vorhanden; Flüssigkeiten, sobald sie der Patient zu sich genommen hat, werden wieder erbrochen. Wird der Krankheit nicht rechtzeitig Einhalt gethan, so dehnen sich die Krämpfe auf Arme und Hände aus, die Endglieder werden kalt, der Puls wird schwach, die Gesichtsfarbe bleich, die Augen fallen ein, kalter klebriger Schweiß bricht aus und der Tod tritt ein.

+Ursachen.+ Sonnenhitze, besonders wenn die Tage heiß und die Abende kühl sind, plötzlicher Wechsel der Luft, ungehörige Substanzen im Magen, wie unreife Früchte, Säuren, Hummern (~Lobsters~), Melonen, Gurken, Jähzorn.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Man mache ein großes Senfpflaster über der Gegend des Magens und der Leber und gebrauche gleichzeitig folgende Mischung:

Ammoniak (~Ammonia~) 1 Drachme. Magnesia 1 „ Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 4 Unzen.

Wenn die Diarrhöe sehr stark ist oder der Zustand hat schon eine Zeitlang angehalten, füge dem Obigen noch zwei Drachmen Paregoricum (~Paregoric~) bei. Dosis: Alle 20 Minuten einen Theelöffel voll; bei jedesmaligem Einnehmen schüttele man die Mischung gehörig um.

Flanelle, in einer heißen Abkochung von Mohnköpfen (~Poppies~) und Kamillenblüthen (~Chamomile flowers~) getränkt und über den Magen und die Eingeweide gelegt, wird in einigen Fällen entsprechen.

Das aus Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) zusammengesetzte Pulver kann in Dosen von einem Theelöffel voll alle halbe Stunden, bis sich Uebelkeit und Erbrechen einstellen, gegeben werden; ist es nothwendig, füge jeder Dosis noch 5 bis 10 Tropfen Laudanum bei. Der Patient sollte viel und öfters warmes Wasser und Leinsamenthee trinken, was den Magen und die Eingeweide gehörig auswäscht. Ein Umschlag aus Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet, von jedem einen Theelöffel voll, Mehl mit Branntwein angefeuchtet, einen Eßlöffel voll, bestehend, wird in einigen Fällen dienlich gefunden werden.

Auch entspricht zuweilen folgendes:

Morphium (~Morphine~) 1 Gran. Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 30 Grane. Versüßte Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein gutes Mittel, sowohl den Magen in Ordnung zu bringen als auch den Durchfall einzuhalten, besteht in

Gemahlenem schwarzem Pfeffer (~Ground black pepper~) 1 Eßlöffel voll. Tischsalz 1 „ Warmem Wasser ½ Bierglas voll. Cideressig ½ „

Dosis: Nimm nach einigen Minuten einen Eßlöffel voll. Rühre es um und mische es gehörig, bis das Ganze genommen ist.

Warme Thees von Katzenmünze (~Catnip~), oder Wasserdost (~Boneset~) mögen hin und wieder angewendet werden, um Erbrechen hervorzubringen; nachdem das Erbrechen eine Zeitlang angehalten hat, lege man ein großes Senfpflaster über den Magen und die Eingeweide und gebe den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) alle halbe Stunden in Dosen von einem Eßlöffel voll. Hierauf mag in einigen Fällen Paregoricum (~Paregoric~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz und Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~), von jedem einen Eßlöffel voll, Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur ein halbes Pint, angewendet werden. Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll bis Erbrechen und Durchfall aufgehört haben. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Thee mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus wird den Magen hin und wieder beruhigen.

Füße und Arme sollten in warmem Saleratuswasser gebadet und eine warme Bähung von Hopfen und Essig auf die Eingeweide gemacht werden. Nachdem die Kraft der Symptome gebrochen, mag eine starke Abkochung von gebranntem Korn mit Vortheil verwendet werden. Ebenso ist auch eine starke Abkochung von Brombeerwurzel (~Black berry root~) mit Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet (~Cinnamon~) gut. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theetassenkopf voll. Auch gebrannter Rhabarber ist ein ausgezeichnetes Mittel.

=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Besonders bei heftigem Erbrechen kann zu Anfang eines Anfalles abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden. Wenn bei heftigem Schmerz in den Eingeweiden häufige und schwache Entleerungen mit Drängen nach Unten stattfinden, gebe man ~Nux Vomica~ abwechselnd mit ~Ipecacuanha~.

~Arsenicum.~ -- Heftige Diarrhöe einer wässerigen, galligen, schleimigen, grünlichen oder schwärzlichen Masse, große Hinfälligkeit, kalte Endglieder, heftiger Durst; Zunge und Lippen trocken, aufgesprungen, bräunlich; ein brennendes Gefühl in der Magengrube. Kann abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.

~Veratrum.~ -- Bei denselben Symptome wie ~Arsenicum~, verbunden mit Wadenkrämpfen, blasse Gesichtsfarbe, große Hinfälligkeit, Zusammenschrumpfen der Haut.

~Colocynthis.~ -- Heftige Kolik, gleichsam als ob die Eingeweide zwischen zwei Steine eingeklemmt wären, Erbrechen einer grünlichen Masse, krampfartiger Schmerz, Zusammenziehen der Eingeweide mit schneidenden Schmerzen, wie von einem Messer herrührend.

~Cuprum.~ -- Wenn starke Gliederkrämpfe, Krämpfe in den Fingern und Zehen vorhanden sind.

~China.~ -- Wenn der Anfall die Folge von Unverdaulichkeit; ebenso gegen die Schwäche nach einem starken Anfall.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 30 Minuten, der Strenge des Anfalles angemessen, einen Theelöffel voll. Wenn nach mehreren Dosen noch keine Linderung verspürt wird, wähle man ein anderes Heilmittel. Die Zwischenräume zwischen den Dosen sollten mit dem Besserwerden des Kranken verlängert werden. Die Kost möge aus Stoffen wie Haferschleim bestehen und kaltes Wasser verwende man zum Trinken. Vorsichtig müssen alle Gemüse sowie alle Stoffe, die nicht mit dem Zustande des Magens übereinstimmen, vermieden werden.

Asiatische Cholera (~Cholera Asiatica~)

ist eine der gefährlichsten Krankheiten.

+Symptome.+ Erstes Stadium. In den ersten Anfällen treten in der Regel Verdauungsstörungen, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz im Kopf, den Knien und Gelenken, Durst und leichte Diarrhöe ein. Diese Symptome können sich mehrere Stunden oder auch einige Tage hinziehen; häufig tritt sie aber auch urplötzlich ohne irgend welche Vorzeichen ein.

Zweites Stadium. Dieses Stadium kennzeichnet sich mehr oder weniger durch ein beständiges Erbrechen und Abführen einer dünnen, farblosen, dem Reiswasser ähnelnden Flüssigkeit, Krämpfe in den Beinen, die sich bald auf den Magen und die Eingeweide erstrecken; sie sind heftig und äußerst schmerzhaft, ziehen die Muskeln in feste Knoten zusammen und dehnen sich schließlich auf alle Muskeln des Körpers aus. Schreitet dieses Stadium vor, so wird die Zunge blaß und feucht, der Puls schwach, der Athem fliegend, Beängstigung im Herzen, ein Gefühl von innerlicher Wärme, das Leiden spiegelt sich auf dem Gesicht, großer Durst ist vorhanden.

Das dritte Stadium oder der Höhepunkt der Krankheit kennzeichnet sich durch große Hinfälligkeit, der Puls wird kaum fühlbar, die Haut kalt und klebrig, das Gesicht nimmt eine tiefblaue und purpurne Farbe an, die Augen fallen ein, Hände und Füße färben sich dunkel, ähnlich den Händen einer Waschfrau, und haben ein teigiges, todtenartiges Gefühl, die Stimme ist schwach, trocken und beinahe ganz verloren, Athem kurz und mühsam, der Kranke schreit unaufhörlich nach Luft, kaltem Wasser oder Eis, oder er liegt in einer Erstarrung, der Koth kann entweder aufhören oder er geht ohne Wissen des Kranken ab. Der Patient mag sich in einem solchen Zustande 1 oder 2 bis 24 Stunden befinden, aber die Genesung eines Falles in diesem Stadium zählt zu den Seltenheiten.

+Ursachen.+ Die Ursache der Cholera ist noch immer unbekannt, wir wissen, daß sie von einem besonderen Zustande der Luft abhängt, welcher Zustand es aber ist, ist noch nicht ermittelt. Uebervölkerte Plätze, niedrige, feuchte Wohnungen werden von der Seuche besonders heimgesucht, und Personen, welche durch Unmäßigkeit oder andere Krankheiten geschwächt sind, sowie Unreinliche und ärmlich Genährte sind derselben vor allen Andern ausgesetzt. Das Zusichnehmen ungehöriger Nahrung, berauschende Getränke, kalte, feuchte oder Nachtluft, spätes Aufbleiben und Furcht mögen zu den Ursachen gezählt werden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen, der tausende von Menschenleben zum Opfer gefallen sind.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Stellen sich die Anzeichen ein, so sollte sich der Kranke sofort zu Bett begeben, gehörig zudecken und vollkommen ruhig verhalten. Kampher ist hierbei das wichtigste Mittel und wird in folgender Weise angewendet:

Einen Tropfen Kampher-Tinktur auf ein kleines Stück Zucker alle 2, 3 oder 5 Minuten, auch, wenn der Magen etwas annimmt, alle 15 bis 20 Minuten etwas Branntwein mit Wasser. Sobald der Kranke zu schwitzen beginnt, verlängere man die Zwischenräume zwischen den Dosen und lasse ihn 8 bis 10 Stunden im Schweiße. Tritt aber die Krankheit in das zweite Stadium, stellen sich Krämpfe ein, so sollte ~Veratrum~ und ~Cuprum~ abwechselnd wie folgt gegeben werden:

Man löse 12 oder 15 Kügelchen von jedem Mittel in 4 Eßlöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten einen Theelöffel voll; sobald sich die Symptome bessern, verlängere man die Zwischenräume.

~Arsenicum.~ -- Bei heftig brennenden Schmerzen im Magen und den Eingeweiden, schlimmer nach Erbrechen mit krampfartigem Schmerz im Unterleib, heftiger Durst, schwieriges Athem, Heiserkeit, schwacher, unregelmäßiger Puls, kalte, klebrige Haut, Blausein des Gesichts und der Lippen, Erbrechen und Abführen unmittelbar nach Essen und Trinken sogar des Geringfügigsten. ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ können abwechselnd mit Erfolg gegeben werden.

~Cuprum~ -- sollte gegeben werden, wenn Erbrechen und reiswasserartige Entleerungen stattfinden, Haut kalt und schwarzgelb, Kolik, Augen eingefallen, Haut eingeschrumpft, Krämpfe in den Waden, Stimmlosigkeit, kalte, klebrige Schweiße. Bei heftigem Stechen in der Seite, großer Angst und Furcht gebe ~Cuprum~ und ~Acidum hydrocyanicum~ abwechselnd, alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.

Tritt die Krankheit in das dritte Stadium, so gebe man ~Carbo vegetabilis~, einen Theelöffel voll alle halbe oder ganze Stunden. Verbleibt noch ein heftiges Brennen im Magen, so gebe man ~Arsenicum~ abwechselnd mit ~Carbo vegetabilis~.

~Secale Cornutum.~ -- Besonders bei alten Personen, wenn außerordentliche Hinfälligkeit eintritt, heftiger Durst, Zunge kalt und trocken, eingeschrumpfte Haut.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse 12 oder 15 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 15, 20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis; je nach Besserwerden vermindere die Zahl der Dosen. Die Hitze des Körpers sollte durch heiße Ziegelsteine oder Flaschen mit heißem Wasser um den Körper des Kranken gelegt, erhalten werden. Reiben mit der Hand oder mit einem Stück Flanell wird die Wärme wieder herstellen und zugleich die Krämpfe in den Muskeln lindern. Kleine Stücke Eis oder Eiswasser mögen zur Stillung des starken Durstes gegeben werden. Einspritzung von kaltem Wasser lindert zuweilen die Kolik und die Krämpfe in den Eingeweiden.

Schutzmittel.

Als ein solches mag Kampher-Tinktur ein- oder zweimal innerhalb 24 Stunden in Tropfen-Dosen gegeben werden. Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt ~Sulphur~, und zwar in der Weise, daß man einen halben Theelöffel voll Schwefelblüthe (~Flowers of sulphur~) in jeden Strumpf schüttet und es so beständig trägt.

=Allöopathisch.= Im ersten Stadium gebe man 5 bis 10 Tropfen Laudanum alle 3 Stunden, bis die Diarrhöe eingestellt wird. Dr. Henry Hartshorn empfiehlt folgendes:

Chloroform ½ Drachme. Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~) ½ „ Kampher-Spiritus (~Spirits of Camphor~) ½ „ Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) ½ „ Kreosot (~Creosote~) 3 Tropfen. Zimmetöl (~Oil of cinnamon~) 8 „ ~Spirits of Gallic wine~ 2 Drachmen.

Mische und löse einen Theelöffel voll davon in einem Weinglas voll Eiswasser auf und gebe von der Mischung alle fünf Minuten zwei Eßlöffel voll und lasse jedesmal ein Stück Eis folgen. Ein Eßlöffel voll Branntwein sollte jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben werden.

Im zweiten Stadium möge folgendes zur Stärkung der sinkenden Kräfte gegeben werden:

Kampher (~Camphor~) 2 Drachmen. Chloroform 1 Drachme. Ein Eidotter.

Mische und reibe es in einander, dann füge hinzu:

Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~) 1 Unze. Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) 1 „

Mische es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll bis Besserung eintritt.

Im dritten Stadium empfiehlt Professor Chapman von Philadelphia die Anwendung des Eises in Säckchen längs des Rückgrats, beharrlich fortgesetzt. Die obige Behandlung sollte in diesem Stadium mit mehr Kraft angewendet werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Im ersten Stadium wird von Dr. John King folgendes empfohlen:

Zusammengesetzter Spiritus von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) 4 Unzen. Stachlige Eschenbeeren-Tinktur (~Tinct. of prickly ash berries~) 1 Unze. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz 1 Drachme. Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir 4 Drachmen.

Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll, bis es auf die Eingeweide wirkt, dann gebe drei- oder viermal täglich einen Eßlöffel voll.

Folgendes wird empfohlen, wenn das vorhergehende die Diarrhöe nicht einstellt:

Guajacaharz (~Gum Guajacum~) ¼ Unze. Gemahlene Nelken (~Ground cloves~) ¼ „ Gemahlener Zimmet (~Ground cinnamon~) ¼ „ Branntwein 1 Pint.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle halbe Stunden, bis die Diarrhöe aufhört.

Um das Erbrechen zu verhindern, gebe man im zweiten Stadium folgendes:

Kampher- (~Camphor~) Wasser 1 Unze. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 1 „ Grüne Münz- (~Spearmint~) Wasser 1 „ Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle 5, 10 oder 15 Minuten. Stopft dies das Erbrechen nicht, so gebe:

Salz 1 Drachme. Schwarzer Pfeffer 1 „ Essig 5 Drachmen. Heißes Wasser 4 Unzen.

Um die Entleerungen einzuhalten, möge Folgendes gegeben werden:

Kampher (~Camphor~) 1 Gran. Kino-Gummi (~Kino~) 1 „ Gerbersäure (~Tannic acid~) 1 „ Opium ½ „

Gieb es als eine Dosis alle halbe Stunden und verlängere die Zwischenräume, nachdem der Patient besser wird. Finden häufige Entleerungen statt so sollte die Medizin nach einer jeden gegeben werden.

Um den Krampf der Glieder zu unterdrücken, sollten dieselben heftig mit der Hand und warmem Flanell gerieben werden. Die spanische Pfeffertinktur (~Tincture of capsicum~) mag längs des Rückgrats eingerieben werden, worauf ein Senfpflaster ausgelegt werden sollte.

Im dritten Stadium hülle man den Kranken in Decken, mit heißem Wasser getränkt, ein und gebe gleichzeitig einen Theil Kampher-Tinktur (~Tincture of camphor~) und drei Theile von der stachligen Eschenbeere (~Prickly ash berries~).

Dosis: alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel bis zu einem Eßlöffel voll in Wasser. Dosen von Branntwein sind von gutem Erfolg.

Folgendes ist die berühmte Behandlung von Rev. Dr. Hamlin, eines Missionärs in der Türkei:

Man nehme gleiche Theile von Laudanum, Kampher-Spiritus und Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur, mische es und gebe 30 Tropfen auf einem Stückchen Zucker, was gewöhnlich die Diarrhöe stopft. Deren Rückkehr zu verhindern, sollten alle 4 Stunden Dosen von 10 bis 20 Tropfen gegeben werden. Wirkt die erste Dosis von 30 Tropfen nicht, so erhöhe man dieselbe auf 40, 45 bis 60 Tropfen bei jeder Bewegung der Eingeweide. Sobald aber die Diarrhöe aufhört, müssen die Dosen verringert werden. Bei fortschreitender Diarrhöe sollte eine Einspritzung von gekochter Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum gegeben werden. Bei jeder Bewegung der Eingeweide verordne man ein Drittel.

Zu gleicher Zeit wendet er präparirte Kreide (~prepared chalk~) in Dosen von 10 Granen, mit ein paar Tropfen von Laudanum und Kampher auf je eine Dosis, an. Senfpflaster sollten über die Magengrube gelegt werden. Wenn das Erbrechen und Abführen sehr stark, sowie Krämpfe und Kolikschmerzen vorhanden sind, mögen gleiche Theile von Laudanum, spanische Pfeffer- (~Capsicum~) Tinktur, Ingwer- (~Ginger~) Tinktur, Kardamonsamen- (~Cardamon seeds~) Tinktur angewendet werden. Dosis: 30 bis 40 Tropfen oder einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser und mehr, der Strenge des Falles angemessen. Wenn die erste Dosis erbrochen wurde, so sollte gleich nach dem Erbrechen die zweite gegeben werden.

Im dritten Stadium füge man der zweiten Mischung noch halbstündliche Dosen von einem Eßlöffel voll Branntwein hinzu, erwärme den Kranken vermittelst Flaschen mit heißem Wasser und reibe Glieder und Körper gehörig.

Hämorrhoiden (~Piles~),

ein sehr verbreitetes Leiden, besteht in Vollblütigkeit und einem matten Blutumlauf in dem unteren Theile des Mastdarms. Sie werden äußerliche Hämorrhoiden genannt, wenn sie äußerlich erscheinen, und innerliche, wenn sie innerhalb der Eingeweide bleiben, fließende bei Blutentleerungen und blinde da, wo keine Blutentleerung stattfindet.

+Symptome.+ Dem Anfalle geht in der Regel ein Gefühl von Schwere in dem unteren Theile des Unterleibes mit einem schmerzhaften Jucken am After oder der Oeffnung voraus. Beim Stuhlgang wird ein starker stechender oder brennender Schmerz gefühlt und mehr oder weniger Drängen oder nach Untenziehen ist vorhanden. Bei Blutflüssen ist der Schmerz weniger heftig als da, wo dieselben fehlen.

+Ursachen.+ Alles, was die Unterleibseingeweide reizt, verursacht eine Zusammenziehung des Blutes dort; lang anhaltende Verstopfung, Stuhlzwang, Reiten, üppige Lebensweise, stark gewürzte Speisen, beengende Kleidung, sitzende Lebensweise. Das weibliche Geschlecht ist während der Schwangerschaft durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern des Beckens besonders dazu geneigt.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Gehöriger Stuhlgang ist nothwendig und zu diesem Behufe wende man folgendes an:

Sennesblätter-Zucker (~Confection of senna~) 2 Unzen. Cremor Tartari (~Cream of Tartar~) 1 „ Schwefel (~Sulphur~) 1 „

Hinreichend Ingwer- (~Ginger~) Syrup, um eine steife Paste zu machen.

Mische es. Dosis: ein Stück von der Größe einer Muskatnuß reicht hin, um täglich einen Stuhlgang hervorzubringen. Ein Umschlag von Fett, Talg oder kalter Sahne auf die Hämorrhoiden mildert zuweilen den Reiz. Folgendes ist eine gute Salbe:

Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~) 1 Unze. Salbe von Rosenwasser oder Glycerin 1 „ Opium 10 Grane.

Mische und wende es so oft als erforderlich an.

Oder auch:

Belladonna-Extrakt 1 Drachme. Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~) 1 Unze.

Mische es. Anwendbar gegen schmerzhafte Hämorrhoiden.

Waschen mit kaltem Wasser oder ein kühles Sitzbad lindern sie zuweilen.

Ist der Blutfluß stark, so mögen Einspritzungen von kaltem Wasser oder eine schwache Auflösung von Alaun gemacht werden. Eine Salbe zusammengesetzt aus

Fett 2 Unzen. Schwefel 1 Drachme.

Gemischt und zwischen zwei Bleitellern, bis es gehörig schwarz geworden ist, gerieben, soll sich sowohl gegen die fließenden als auch blinden Hämorrhoiden bewährt haben. Bei starker Entzündung kann ein Umschlag, zusammengesetzt aus Schwefel (~Sulphur~), schlüpfriger Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern gemacht werden.

Die Kost sollte einfach sein, wie Kornbrod, reife Früchte, Brod aus ungesiebtem Weizenmehl, Brühen &c.

=Eclectische und Kräuterkur.= Cremor Tartari (~Cream of tartar~) in Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup genommen, ist ein ausgezeichnetes Mittel. Gleiche Theile von Schwefelblüthe (~Flowers of sulphur~) und Cremor Tartari in Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup gegeben, ist in einigen Fällen von Erfolg. Gleichzeitig sollte der Patient einen Thee aus gleichen Theilen von Flieder (~Elder~) und Wollkraut (~Mullen~) trinken. Bei blinden Hämorrhoiden, wenn beträchtliche Entzündung vorhanden ist, wird ein Umschlag von Kermesbeer- (~Poke~) Blättern als sehr wirksam empfohlen; oder gleiche Theile von Ulmenrinde (~Elm bark~) und Lobeliablättern. Zuweilen wird eine Bähung vermittelst einer Abkochung von bitteren Kräutern wie Rainfarn (~Tansy~), Hopfen und Kermesbeer- (~Poke~) Blättern sehr zuträglich gefunden werden. Folgendes wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet:

Man nehme ein halb Dutzend ~Buckeyes~ oder wilde Kastanien (~Horse chestnuts~) wenn frisch, schäle und schneide sie fein, lege sie in einen Blechnapf mit hinreichend Fett, um sie zu bedecken, lasse sie eine Stunde lang am Feuer stehen und seihe dann das Fett durch. Wenn kalt, ist es anwendbar. Schmiere damit die Geschwulst zweimal des Tages. Frische Butter, Salz, Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~), im Verhältniß von einem Theelöffel des Vorhergehenden auf zwei Theelöffel des Letzteren zusammen gemischt und damit mehrere Male des Tages sowohl Innen als Außen den After eingeschmiert, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Dr. Bodenhammer’s Salbe wird aus gestoßenen Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern oder Jamestown Unkraut zubereitet, welches man in frischer Butter oder Schweinefett, dem ein wenig Laudanum beigefügt ist, langsam kochen läßt. Es sollten dann öfters Umschlage auf die angegriffenen Theile gemacht werden.

=Homöopathisch.= Das Hauptmittel ist ~Nux vomica~, das bei allen Arten dieser Krankheit anwendbar ist. Abwechselnd mit ~Sulphur~, besonders bei chronischen Fällen zu geben. Eine Dosis des Nachts von ~Nux Vomica~, des Morgens von ~Sulphur~. Entsprechen diese Mittel nicht, so gebe man ~Ignatia~, ~Sepia~, ~Belladonna~, ~Colocynthis~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~. Jedes mag mehrere Tage gegeben werden, bevor zu einem anderen gegriffen wird, weil das vorhergehende keinen Erfolg hatte.

~Hamamelis~ -- ist mit Erfolg bei dieser Krankheit angewendet worden; man gebe entweder die Tinktur oder Ponds Extrakt und zwar 6 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser. Alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Gleichzeitig gebrauche das Mittel, mit einer gleichen Menge Wasser verdünnt, äußerlich. Die Anwendung des Wassers ist sehr zuträglich.

Der Patient sollte häufig kalte Sitzbäder nehmen und Einspritzungen von kaltem Wasser machen.

Mastdarmvorfall (~Prolapsus Ani~)

ist ein Leiden, bei welchem der Mastdarm aus dem After tritt, und wird häufiger bei Kindern und alten Leuten gefunden.

+Ursachen.+ Stuhlzwang, heftiges Husten, der Gebrauch von starken Abführmitteln, Würmer, Hämorrhoiden, Diarrhöe &c.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Trifft das Leiden ein kleines Kind, so sollte dasselbe auf den Rücken, mit den Hüften erhöht, gelegt werden, und die Wärterin mag mit eingeölten Fingern sorgfältig und allmählig den Darm zurückdrängen. Wenn nothwendig, mache man eine Binde aus mehrfach zusammengelegtem Muslin, und zwar in der Form von einem ~T~, was dadurch geschieht, daß man eine Binde über den Hüften ringsum den Leib legt und eine andere zwischen den Beinen durchlaufend vorn und hinten an der Gürtelbinde befestigt.

=Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Abkochung von Eichenrinde (~Oak bark~), oder eine Abkochung aus gleichen Theilen von Solomons Siegel (~Solomon’s seal~) und Gelbwurz (~Golden seal~) mag eingespritzt und so lange als möglich angehalten werden. Irgend eine gute Hämorrhoiden-Salbe, der eine Drachme ~Tannin~ beigefügt wurde, kann mit Vortheil verwendet werden. Folgende Einspritzung ist bei einigen Fällen empfehlenswerth:

Stachelige Eschenbeeren-Tinktur (~Tincture of prickly ash bark~) 4 Unzen. Nux Vomica-Tinktur 3 Drachmen.

Spritze einen Theelöffel voll in den Mastdarm und halte es so lange als möglich zurück. Drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.

=Homöopathisch.= ~Ignatia~ -- ist das Hauptmittel. Es mag einmal alle 24 Stunden, eine Woche hindurch oder länger, gegeben werden; dann setze einige Tage aus und gebe eine Woche lang jeden zweiten Abend eine Dosis ~Sulphur~.

~Nux Vomica.~ -- Bei beträchtlichem Schmerz und Stuhlzwang, besonders bei kleinen Kindern.

~Mercurius.~ -- In einigen Fallen anwendbar, besonders wenn der heraustretende Darm angeschwollen oder bläulich ist und beim Stuhlgang blutet.

~Calcarea.~ -- Vorzugsweise gut bei hartnäckigen chronischen Fällen, wo andere Mittel erfolglos blieben. Häufige Waschungen mit kaltem Wasser werden zuträglich gefunden werden. Obige Mittel sind wie ~Ignatia~ zu geben.

=Allöopathisch.= Folgendes mag zu einer örtlichen Waschung dienen:

Weiße Eichenrinde (~White oak bark~) 1 Unze. Wasser 1 Pint.

Siede es zu einem Viertel ein, seihe es durch, füge ein Skrupel Alaun (~Alum~) hinzu und trage es vermittelst eines weichen Schwammes auf.

Reife Früchte, in Molasses gedämpft, oder ~Hasty puddings~ und Molasses mögen als Kost dienen; es wirkt dies stärkend auf die Eingeweide.

Brüche (~Hernia~).

Unter Bruch ist ein Hervortreten der Eingeweide aus deren Höhlen zu verstehen und wird häufig bei Arbeitern gefunden, die sich dieselben durch starkes Heben oder Pressen zuziehen. Auch Reiten oder irgend etwas, was die Leistengegend schwächt, kann die Veranlassung dazu werden.

Die Brüche werden ihrer Oertlichkeit gemäß in verschiedene Arten getheilt.

Nabelbruch ist das Hervortreten der Eingeweide in der Gegend des Nabels und tritt häufig bei Kindern bald nach der Geburt ein.

Leistenbruch -- befindet sich am Schambug.

Hodensackbruch. -- Wenn der Darm in den Hodensack sinkt.

Bauchbruch. -- Wenn der Bruch sich an irgend einem Theile des Körpers einstellt, wo keine andere Form vorkommt.

Schenkelbruch -- befindet sich in dem oberen vorderen Theile der Lenden.

Der Bruch kann zurückführbar, unzurückführbar und eingeklemmt sein. Er ist zurückführbar, wenn er in die Höhle, aus welcher er getreten ist, zurückgedrängt werden kann. Unzurückführbar, wenn der Darm nicht in den Bauch zurückgedrängt werden kann. Eingeklemmt, wenn der Darm an dem Punkte, wo er aus dem Unterleib tritt, so gepreßt ist, daß der Inhalt nicht durchdringen kann.

+Symptome.+ Ein Anschwellen oder eine weiche Geschwulst zeigt sich an irgend einer Stelle des Bauches, nimmt an Größe zu, wenn der Patient aufrecht steht, und nimmt ab, sobald er sich niederlegt.

+Behandlung.+

Wenn Jemand eine Anschwellung an irgend einem der erwähnten Theile entdeckt, wende er sich sogleich an einen Chirurgen. Ein gut passendes Bruchband sollte Tag und Nacht getragen werden; unter keinen Umständen sollte dies der Patient unterlassen, besonders wenn er aufrecht steht. Beharrliches, monatelanges Tragen eines Bruchbandes mag eine Heilung bewirken, besonders wenn der Patient noch jung ist. Personen, die damit behaftet sind, sollten sehr vorsichtig sein und nicht hartleibig werden, sie sollten dem Rufe der Natur regelmäßig Folge leisten.

Gegen Nabelbruch bei Säuglingen wird ein Mittel von Dr. H. R. Stout in Chicago angewendet, erfolgreich gefunden werden.

Lege auf den Bruch, nachdem der Darm zurückgedrängt worden ist, ein Kupferstück hinreichend groß, um denselben zu bedecken, ziehe von beiden Seiten die Haut über dasselbe und verbinde diese durch Heftpflasterstreifen. Es ist dem Kinde unmöglich, diesen Verband zu entfernen, und eine Heilung muß daher schneller und erfolgreicher sein. Es sollte getragen werden, bis die Kur beendet ist.

Ist der Bruch eingeklemmt, so sollte der Kranke in ein warmes Bad gebracht und Anstrengungen gemacht werden, denselben zurückzubringen. Solche Fälle sollten aber nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden.

Personen, die ein Bruchband tragen, sollten immer zwei von derselben Sorte haben, so daß, wenn eins in Unordnung geräth, das andere, während das erstere reparirt wird, getragen werden kann; denn der Schaden, der dem Patienten daraus erwächst, wenn er das Bruchband auch nur für eine Stunde ablegt, kann vielleicht erst nach Monaten, ja nach Jahren, wieder gut gemacht werden.

Unterleibswassersucht (~Ascites~).

Dies ist eine Ansammlung von Wasser in der Höhle des Unterleibes.

+Symptome.+ Eine Anschwellung des Unterleibes mit einem Gefühl von Spannung und Schwere, begleitet von Appetitlosigkeit, Brustbeklemmung und Verstopfung, tritt ein. Ist die Ansammlung des Wassers bedeutend, so wird das Athmen kurz und schwierig. Das Vorhandensein der Flüssigkeit kann erkannt werden, wenn man die Hand an die eine Seite des Unterleibs legt und an die andere Seite schlägt, wodurch das Wasser nach der ruhenden Hand fließt und so gefühlt wird.

+Ursachen.+ Die Wassersucht kann durch Krankheiten der Leber oder Milz, Krankheiten des Herzens und ebenso chronische Entzündung der Schleimhaut des Unterleibes oder Brustfelles hervorgerufen werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Apis Mellifica~ -- hat wunderbare Kuren bewirkt und ist besonders gut, wenn folgende Symptome anwesend sind: Ein Gefühl von Vollsein, oder Erstickung in der Brust, schwieriges Athmen, Schmerz und Empfindlichkeit des Unterleibes.

~Arsenicum.~ -- Gesichtsfarbe bleich und wachsartig, Wangen, Lippen und Augenlider bläulich und geschwulstig, Mund und Zunge trocken, Urin spärlich, dunkel und trübe oder schleimig, große Hinfälligkeit, Ohnmacht, Herzklopfen, schwieriges Athmen, Appetitlosigkeit, Schwere und Steifheit der Glieder und des Körpers.

~Digitalis.~ -- Besonders wenn die Wassersucht durch Herzkrankheit verursacht wird, auch bei Gesichtsblässe, Anschwellen der Augenlider, Unregelmäßigkeit der Eingeweide, scharfes Stechen in der Gegend des Herzens.

~Apocynum~ -- ist bei allen Formen der Wassersucht ein außerordentlich schätzbares Mittel.

Andere Heilmittel sind: ~Asparagus~, ~Cantharides~, ~Mercurius~, ~Cannabis Indica~, ~China~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe bei harten Fällen alle 3 oder 4 Stunden eine Dosis von dem gewählten Mittel; bei chronischen Fällen nur ein- bis zweimal des Tages. Werden die Kügelchen gebraucht, so gebe man 6 auf eine Dosis. Bei Anwendung der Auflösung löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Folgendes kann mit großem Vortheil angewendet werden:

Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen. Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 1½ Unzen.

Mische es. Dosis: Alle 4 bis 5 Stunden einen Eßlöffel voll.

Als Trank kann man einen Aufguß aus 2 Theilen Haarmoos (~Haircap moss~) und je einen Theil Wachholderbeeren (~Juniper berries~) und Attichrinde (~Dwarf elder bark~) nehmen.

Folgendes ist sehr empfohlen:

Pulverisirtes Gummi (~Pulv. gamboge~) 12 Grane. Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammony~) 12 „ Springgurke (~Elaterium~) 2 „ Krotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen. Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden, bis es wirkt, eine Pille.

Schwefelsaure Potasche wird in Dosen von einer Drachme in einem Aufguß von geschabtem Meerrettig (~Horse-radish~), Wachholderbeeren (~Juniper berries~), und Senfkörnern (~Mustard seed~), gestoßen, eine halbe Unze von jedem in 1½ Pint kochenden Wassers empfohlen. Die Mischung sollte 2 Stunden lang stehen und dann abgeseiht werden. Ein Viertel davon als eine Dosis zu nehmen.

Einreiben des Unterleibes mit der Salbe von Potaschen-Iodide (~Ointment of Iodide of potassium~) wird empfohlen, während des Tages nehme man folgende Mischung:

Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesqui-carbonate of ammonia~) ½ Drachme. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze. Fingerhut-Tinktur (~Tincture of digitalis~) ½ Drachme.

Kampher-Mischung hinreichend, um 6 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Cremor Tartari (~Cream of tartar~) täglich in großen Dosen genommen, wird zuweilen wohlthätig sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn- (~Dandelion~) Thee wird bei diesem Leiden sehr empfohlen. Er kann folgendermaßen zubereitet werden:

Man schneide die Wurzel in Stücke, gieße kochendes Wasser darüber und lasse es eine bis zwei Stunden am Feuer ziehen. Man nehme 2 oder 3 Becher voll während des Tages.

Ein Aufguß von Petersilie (~Parsley~) mag zuweilen mit gutem Erfolge angewendet werden.

Es ist gut, zwei- oder dreimal des Tages die Eingeweide mit der Hand zu reiben und zu kneten; bleibt irgend welche Empfindlichkeit nach dem Reiben zurück, so gebrauche folgende Salbe vor der Wirkung:

Wachholderöl (~Oil of juniper~), Sassafrasöl (~Oil of sassafras~), Cajeputöl (~Oil of cajeput~), grünes Münzöl (~Oil of spearmint~), von jedem eine halbe Unze. Mische es.

Dr. Gunn empfiehlt die Rinde von gewöhnlichen Weintrauben. Sie sollte zu Asche gebrannt und in Dosen von einem Theelöffel bis zu einem halben Eßlöffel voll in einem Glas Catawbawein dreimal des Tages gegeben werden. Gehöriger Stuhlgang sollte stets durch Salz, das zusammengesetzte Pulver von Jalappenwurzel oder irgend ein anderes mildes Abführmittel erhalten werden.

Dreizehntes Kapitel.

Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechtsorgane.

Nierenentzündung (~Inflammation of the Kidneys -- Nephritis~).

Diese Krankheit ist eine Entzündung sowohl der Nierenmasse als auch der sie einfassenden Schleimhaut, und wird gewöhnlich in Begleitung von Krankheiten der Blase und Urin-Werkzeuge gefunden.

+Symptome.+ Der Krankheit gehen in der Regel die gewöhnlichen Symptome des Fiebers, wie Frost, besonders im Rücken und den Lenden, voraus, dem Fieber folgt. Darauf folgt ein tiefsitzender Schmerz in den Lenden, der sich bis zur Blase erstreckt und durch den Druck und bei Bewegung erhöht wird; gewöhnlich ist Uebelkeit und zuweilen Erbrechen vorhanden, ebenso eine Erstarrung des Schenkels der angegriffenen Seite, der Schmerz zieht sich bis zur Schamleiste, die Hode auf der kranken Seite wird nicht selten in die Höhe gezogen, der Urin ist spärlich, stark gefärbt und öfters blutig beim Beginne der Krankheit und kann nur tropfenweise abgelassen werden. Sind beide Nieren angegriffen, so kann der Urin ganz unterdrückt werden, Betäubung stellt sich ein und der Tod folgt sehr schnell; die Eingeweide sind verstopft.

Nierenkrankheit kann vom Hüftweh (~Lumbago~) dadurch unterschieden werden, daß sich der Schmerz auf eine Seite beschränkt und durch die Bewegung der Glieder erhöht wird und ebenso dadurch, daß bei Hüftweh kein Schmerz im Hodensack, kein Fieber und keine Erstarrung des Schenkels vorhanden ist.

+Ursachen.+ Erkältung, Anwendung von spanischen Fliegen (~Cantharides~), Terpentinöl und andern harntreibenden Mitteln (~Diuretics~), heftige Bewegung, das Uebertragen von Rheumatismus oder der Gicht, Bildung von Gries in den Nieren oder dem Harnweg (die Röhren, welche von den Nieren nach der Blase führen).

Bei chronischer Entzündung der Nieren ist in der Regel in der Nachbarschaft der Nieren ein dumpfer schwerer Schmerz und eine Schwäche im Rückgrat vorhanden. Der Urin geht öfters spärlich ab und ist zuweilen weiß und milchig.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Camphor~ -- sollte gegeben werden, wenn die Krankheit die Folge der Anwendung der spanischen Fliegen (~Cantharides~), oder wenn der Urin nur spärlich fließt, bei Brennen in der Blase und ~Penis~, oder bei Unterdrückung des Urin. Man gebe einen oder zwei Tropfen ~Camphor~ auf einem Stück Zucker alle Stunde oder alle zwei Stunden, bis es besser wird.

~Aconitum~ -- sollte zuerst entweder allein oder abwechselnd mit anderen Mitteln gegeben werden. Heilt zuweilen ohne irgend eine andere Medizin.

~Cantharis~ -- ist das Hauptmittel bei schießenden, rasenden, schneidenden Schmerzen, der Urin geht langsam, tropfenweise ab; großer Schmerz ist vorhanden; der Urin ist zuweilen mit Blut gemischt.

~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen zuweilen schlimmer sind und von den Nieren hinab in die Blase schießen, bei Kolikschmerzen. ~Hepar Sulphuris~ kann ~Belladonna~ folgen.

~Pulsatilla.~ -- Bei zarten Frauen, wo sich die monatliche Reinigung eingestellt hat oder sehr spärlich ist, oder wenig Urin abgelassen wird.

~Nux Vomica.~ -- Bei Spannung, Druck und Gewicht in der Leber, Congestion des Unterleibes; oder da, wo die Krankheit von der Unterdrückung der Hämorrhoiden herrührt.

~Arnica~ -- sollte gegeben und äußerlich angewendet werden, wenn äußerliche Verletzungen die Krankheit herbeiführten.

Man lasse die obigen Mittel ~Arnica~ folgen, wenn sie angezeigt erscheinen.

Andere Mittel sind: ~Cannabis~, ~Terebinth~, ~Balsamus Copaivae~.

Wurde die Entzündung durch das Passiren der Steine durch den Harngang verursacht, so mache man warme Bähungen von Hopfen mit Tabaksblättern gemischt über den Sitz der Krankheit und gebe die oben erwähnten Heilmittel.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Ein Sitzbad von lauwarmem Wasser, häufig wiederholt, wird wohlthun.

=Allöopathisch.= Es sollte ein heißes Senffußbad gemacht oder Senfpflaster auf die Füße und das Rückgrat gelegt werden, dem man heiße Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern und Hopfen, oder Stechapfel und Wermuth (~Wormwood~) oder Rainfarn (~Tansy~) folgen läßt. Hin und wieder, wenn Reizbarkeit des Magens vorhanden und der Schmerz sehr heftig ist, ist es gut, Kalomel und Opium, im Verhältniß von drei oder vier Granen Kalomel auf ein Gran Opium, alle zwei Stunden, bis drei Dosen genommen sind, zu geben, wenn der Kranke sich nicht früher bessert. Kann im Magen nichts zurückbehalten werden, so werden Getränke von Gummi Arabicum Wasser, Flachssamen-Thee oder Gerstenwasser u. s. w. von wohlthuendem Einflusse sein, dadurch, daß sie den Urin verdünnen und dessen Reizbarkeit vermindern. Es ist gut, den Kranken in Schweiß zu bringen, was durch Dosen von 5 bis 10 Tropfen Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur oder durch die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~) in halbstündlichen Dosen von einem Theelöffel voll geschehen kann. Bei Verstopfung gebe man Bittersalz (~Epsom salts~), Cremor Tartari (~Cream of tartar~) oder Einspritzungen von warmem Wasser.

Ist der Gries die Ursache der Krankheit, so wird öfteres Trinken von Leinsamen- oder Hochland Preiselbeer- (~Upland cranberry~) Thee mit 20 Tropfen Potaschen-Liquor (~Liquor of potassa~) empfohlen.

Gegen chronische Entzündung der Nieren kann mit Vortheil ein Aufguß von ~Pipsissewa~, Bärentraube (~Uva Ursi~), Grundstrauch (~Trailing Arbutus~), Buchublättern, wilden Mohrrüben (~Wild carrot~), Fingerhut (~Fox glove~) angewendet werden.

In einigen Fällen werden Senfpflaster zwei- oder dreimal in der Woche oder Einreiben mit einigen Tropfen von Krotonöl hinreichen, um einen Ausschlag hervorzurufen, zuträglich gefunden werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ein Brechmittel von Lobelia, dann wende man heiße Bähungen von Hopfen, Wermuth (~Wormwood~) und Rainfarn (~Tansy~), mit Essig und Wasser gemischt, in der Gegend über der Leber an. Folgendes gebe man gleichzeitig:

Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen. Süßes Mandelöl (~Oil of sweet almonds~) 2 „ Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) 1 Unze.

Mische es und gebe davon alle drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll in warmem grünem Münzthee (~Spearmint tea~). Der Kranke trinke öfters und viel Thee von Eibisch- und Wollkraut- (~Mullen~) Blättern, oder Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) oder Haarmoos (~Haircap moss~). Bei starkem Schmerz gebe Eisenhut- (~Aconite~) Wurzel-Tinktur in Dosen von zwei bis fünf Tropfen mit Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelsemium~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll alle halbe Stunden. Die Eisenhut-Tinktur kann mit der Jasmin-Tinktur gemischt werden.

Bei chronischer Entzündung der Nieren sollten die Eingeweide durch ein gelindes Abführmittel, wie zwei Theile pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) und ein Theil doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) offen gehalten werden, man gebe davon 3 bis 10 Grane, so oft als zu diesem Zwecke nothwendig.

Acute Nierenentzündung sollte stets nur von einem Arzte, wenn ein solcher zu haben ist, behandelt werden.

Blasenentzündung (~Inflammation of the Bladder -- Cystitis~).

Diese Krankheit befällt die Schleimhaut der Blase, zuweilen auf deren Muskel-Substanz, oder sie kann auch verschiedene Theile der Blase befallen. Entweder ist sie acut oder chronisch.

+Symptome.+ Brennender, durchdringender Schmerz in der Gegend der Blase, welcher durch einen örtlichen Druck erhöht wird. Der Schmerz zieht sich bis zwischen die Beine hinab, zuweilen bis zu den Hoden und Schenkeln, bei beständigem Verlangen zum Urinablassen, der Urin geht mit großer Schwierigkeit und starkem Schmerze ab, zuweilen nur tropfenweise, oder er stellt sich ganz ein, wodurch ein Anschwellen der Blase und große Noth verursacht wird. Der Urin enthält hin und wieder Schleim, auch Uebelkeit und Erbrechen, Verstopfung, großer Durst und heiße, trockene Haut sind vorhanden.

Chronische Blasenentzündung

kann allmählig eintreten und in der Regel ist das erste Symptom Schleim im Urin, welcher erst, nachdem der Urin eine Zeit lang gestanden hat, bemerkt wird; ein leichter Schmerz, mit einem Gefühl von Hitze in der Blase, Empfindlichkeit zwischen den Beinen und häufiges Verlangen, das Wasser abzulassen, sind vorhanden. Der Appetit ist gestört und in einigen Fällen ist ein leichtes Fieber, belegte Zunge, Unruhe u.s.w. vorhanden.

+Ursachen.+ Blasenentzündung kann verursacht werden durch die Anwendung von spanischen Fliegen (~Cantharides~) und Terpentin, durch säuerliche Substanzen, vermittelst einer Spritze in die Blase gebracht, Steine in der Blase, äußerliche Verletzungen, Reiten, Tripper, Erkältung der Füße.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Wird der Urin zurückgehalten, so muß er so bald als möglich vermittelst eines Katheters abgelassen werden, was aber nur von einem Arzte gethan werden sollte. Man setze über den unteren Theil der Eingeweide und zwischen die Beine Blutegel an und mache, nachdem dieselben entfernt sind, warme Umschläge. Einspritzungen von warmem Wasser, mit einigen Tropfen von Arnica-Tinktur, sind in einzelnen Fällen sehr zuträglich. Durch Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur, in Dosen von 5 bis 10 Tropfen, oder die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~) rufe man Schweiß hervor. Getränke von Leinsamenthee oder Eibisch- (~Marsh mallow~) und Pfirsichblättern mögen genommen werden.

Gegen die chronische Blasenentzündung gebe man jeden Abend ein Senfpflaster oder Krotonöl. Zu Getränken diene Aufguß von Buchu, Grundstrauch (~Trailing arbutus~), Bärentraube (~Uva Ursi~).

Folgendes mag in einigen Fällen gut sein:

Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Skrupel. Wasser 2 Unzen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze. Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll.

Einspritzungen von Kalkwasser und Glycerin oder einer schwachen Auslösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) mag in einigen Fällen gut sein.

=Homöopathisch.= Die unter Nierenentzündung empfohlenen Heilmittel mögen auch gegen dieses Leiden angewendet werden. Ferner kann auch folgendes gegeben werden: ~Hyosciamus~, bei Krämpfen im Blasenhalse. Wenn ~Cantharides~ das Brennen während des Urinablasses nicht mindert, gebe man ~Arsenicum~ und ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd. ~Sulphur~ und ~Calcarea~ mögen bei der chronischen Form gegeben werden.

Wegen Verordnung der Heilmittel siehe Nierenentzündung.

Harnverhaltung (~Retention of Urine -- Ischuria~).

Bei dieser Krankheit wird der Harn in Folge der Unfähigkeit, denselben abzulassen, in der Blase zurückgehalten, in der Regel bei Vollsein des unteren Theiles des Unterleibes, welcher schmerzhaft beim Druck ist; der Schmerz erstreckt sich bis zu den Lenden und Schenkeln und die Blase fühlt sich hart und angeschwollen an, zuweilen, nach heftigem Drängen zum Wasserablassen, werden nur einige Tropfen abgehen. Schreitet die Krankheit vor, so werden die Eingeweide hart, das Gesicht geröthet und die Haut heiß. Kann keine Linderung verschafft werden, so ist Gefahr vorhanden, daß die Blase springt oder Entzündung des Bauchfelles eintritt.

+Ursachen+ -- mögen eine Lähmung der Blase, Verletzungen derselben, Entzündung des Blasenhalses, Drüsenanschwellung zuzuschreiben sein.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll in den meisten Fällen wirksam sein:

Man mache ein Pint starken grünen Münz- (~Spearmint~) Thee, füge eine halbe Gill holländischen Wachholder-Branntwein (~Holland gin~) und eine Unze Salpeter-Spiritus (~Spirits of nitre~) hinzu. Der Kranke sollte das Ganze innerhalb einer Stunde auf verschiedene Male trinken. Ist die erste Dosis nicht hinreichend, so sollte es innerhalb der nächsten 2 Stunden wiederholt werden.

Wenn die Harnverhaltung der Entzündung des Blasenhalses zuzuschreiben ist, so bringe man den Kranken in ein warmes Bad, lasse ihn dort 15 bis 20 Minuten verbleiben und wende nach diesem eine Bähung von gleichen Theilen von Hopfen- und Lobelia-Blättern zwischen den Beinen an.

Ein Thee von Wassermelonen- oder Kürbis- und Gurkenkörnern öfters getrunken ist hin und wieder zuträglich. Bei starkem Schmerz gebe man alle halbe Stunden 20 Tropfen Laudanum.

Ist eine Blasenlähmung Ursache der Harnverhaltung, so wende man folgendes an:

Strychnin 1/16 Gran. Spanische Fliegen (~Cantharides~) ⅛ „ Pulverisirte Arnicablätter (~Powdered arnica leaves~) 3 bis 5 Grane.

Mische es zu einer Dosis. Drei von diesen Pulvern gebe man im Verlauf von 24 Stunden.

Uebt das Strychnin eine unangenehme Wirkung auf den Patienten aus, so sollte diese Medizin eingestellt werden.

Wenn kein anderes Mittel erfolgreich ist, so muß der Urin vermittelst des Katheters entzogen werden. Man lasse den Fall nicht lange anstehen, ehe dieses gethan wird.

=Homöopathisch.= Ist der Gebrauch von spanischen Fliegen (~Cantharides~) Ursache der Harnverhaltung, so gebe man ~Camphor~, ~Pulsatilla~, ~Apis~ und ~Aconitum~.

Wenn durch Erkältung zugezogen: ~Nux Vomica~, ~Mercurius~, ~Dulcamara~, ~Pulsatilla~, ~Belladonna~, ~Apis~.

Wenn die Folge von Schreck: ~Aconitum~.

Nach einem Fall oder Schlag: ~Arnica~.

Bei krampfartiger Harnverhaltung: ~Chamomilla~, ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Opium~, ~Hyosciamus~.

Gegen Blasenlähmung: ~Agnus Castus~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~, ~Arsenicum~, ~Dulcamara~.

Wenn in Folge von Blasenentzündung: ~Aconitum~, ~Cantharides~, ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~. (Siehe Blasenentzündung.)

Tritt sie bei schwangeren Frauen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Cocculus~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Dieselbe wie bei Nierenentzündung.

Das Trinken von vielem kalten Wasser oder Gummi Arabicum Wasser, ebenso Bäder von warmem oder kaltem Wasser wird zuträglich gefunden werden.

Der Harnfluß (=~Incontinence of Urine~ -- ~Enuresis~=)

wird meistens bei Kindern gefunden und besteht in einem Unvermögen, den Harn zu halten, der in der Regel während der Nacht im Bette abfließt. Auch bei alten Leuten wird dieser Zustand häufig gefunden.

+Ursachen.+ Lähmung der Blase, Verletzung der Rückgratsnerven, welche mit der Blase in Verbindung stehen, Schwäche des Nervensystems, Würmer, Hämorrhoiden, Gries oder Steine in der Blase.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Von ~Silicea~ kann jeden Abend eine Dosis gegeben werden. Wenn innerhalb zwei Wochen nicht besser, gebe ~Sepia~ in derselben Weise.

~Sulphur~, ~Arsenicum~ und ~Carbo Vegetabilis~ können abwechselnd gegeben werden, wenn die obigen Mittel nicht anschlagen.

Andere Heilmittel sind: ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Cantharides~, ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Rhus~, ~Mercurius~, ~Cina~.

Ist die Entzündung Folge der Lähmung: ~Cantharides~, ~Nux Vomica~, ~Rhus~, ~Uva Ursi~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe Morgens und Abends eine Dosis. Werden die Kügelchen gebraucht, gebe 4 bis 6 auf eine Dosis.

=Allöopathisch.= Man gestatte dem Kind das Wassertrinken vor dem zu Bett Gehen nicht, und nehme es des Nachts mehrere Male auf, damit es den Urin abläßt.

Folgendes kann mit Vortheil angewendet werden:

Benzoesäure (~Benzoic acid~) 2 Drachmen. Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann mit gutem Erfolg angewendet werden:

Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze. Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) ½ „

Mische es und gib dem Kinde drei Tropfen für jedes Jahr seines Alters dreimal des Tages.

Man lasse öfters und viel kalten Thee von Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~) oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Wurzel trinken.

Folgendes mag angewendet und wird bei Kindern von Erfolg gefunden werden:

Man nehme Hausenblase (~Isinglass~) eine Rolle, koche sie in einem Pint Wasser, bis sie aufgelöst ist, füge ein Pint süße Milch hinzu, stelle es zum Feuer bis es leicht kocht, versüße es dann mit Stückzucker und reibe Muskatnuß (~Nutmeg~) darauf. Wenn es ordentlich gemacht ist, ähnelt es Eierrahm (~Custard~). Einem Erwachsenen mag dreimal täglich ein Bierglas voll gegeben werden, Kindern weniger. Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur gebe man einem Erwachsenen zweimal täglich in Dosen von 15 Tropfen; Kindern verhältnißmäßig weniger.

Harnträufeln, auch Harnruhr (~Diabetes~)

ist eine Krankheit, bei welcher große Quantitäten von Urin abgehen, zuweilen bis zu mehreren Gallonen innerhalb 24 Stunden.

+Symptome.+ Der Appetit ist außerordentlich stark, bei großem Durst, trockener Haut, Verdauung gestört, Zahnfleisch geschwollen und entzündet, trockener und aufgesprungener Mund, Abzehren des Fleisches, Hinfälligkeit, Schmerz und Schwäche in den Lenden, ohne allen Geschlechtstrieb, häufige Anfälle von Schwindel und Schmerz im Kopfe, der Urin enthält eine große Masse Zuckerstoff, was mehrfach bestätigt worden ist.

+Ursachen.+ Dieselben mögen in irgend etwas bestehen, was die Verdauung stört, Unmäßigkeit, große Ermüdung, beständiger Gebrauch von säuerlichen Getränken, Anwendung des Quecksilbers (~Mercury~), Erkältung.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Alaun (~Alum~) in Dosen von 3 Granen dreimal täglich wird zuträglich gefunden werden, ebenso Kreosot in Dosen von 1 bis 2 Tropfen dreimal täglich.

Auch spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) kann angewendet werden. Folgendes wird für einige Fälle empfohlen:

Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 Skrupel. Wilde Preiselbeerblätter (~Wild cranberry bark~) 1 „ Opium ½ Gran.

Mische und nimm es dreimal des Tages.

Man lasse den Patienten nichts essen, was Zucker- oder Stärkestoff enthält, wie Kartoffeln, rothe Rüben (~Beets~), Pastinaken (~Parsnips~) und anderes Gemüse.

=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst kleinen Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) dreimal des Tages oder durch andere gelinde Abführmittel in Ordnung gehalten werden.

Ein Aufguß aus gleichen Theilen von ~Unicorn root~ und Wasserandorn (~Bugle weed~) mag öfters und viel getrunken von gutem Erfolg sein. Folgende Zusammensetzung kann als ein stärkendes Mittel angewendet werden:

Kurzblätteriges Dreiblatt (~Beth root~) 4 Unzen. Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 4 „ Storchschnabel- (~Geranium-~) Wurzel 4 „ Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~) 4 „

Pulverisire das Ganze und mische es; nehme dann eine halbe Unze der Mischung und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, wenn kalt trinke das Ganze und wiederhole es mehrere Male während des Tages.

Folgende Pillen wirken auf die Leber und Absonderungen:

Entenfuß (~Podophyllin~) 10 Grane. Blutwurzel (~Sanguinarin~) 10 „ Cayennepfeffer (~Cayenne~) 40 „ Brechwurz (~Ipecac~) 20 „

Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 40 Pillen daraus und nimm Morgens und Abends eine.

=Homöopathisch.= Die Hauptmittel sind: ~Acidum Phosphoricum~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Conium~, ~Acidum Muriaticum~, ~Mercurius~, ~Belladonna~, ~Rhus~, ~Opium~.

Werden ~Mercurius~ und ~Sulphur~ gegeben, so gebe man sie abwechselnd.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von den gewählten Heilmitteln gebe man Morgens und Abends eine Dosis und fahre damit eine Woche lang fort, bevor zu einem anderen Heilmittel gegriffen wird.

Werden die Kügelchen angewendet, so gebe man 6 auf eine Dosis. Oefteres Waschen des Körpers mit kaltem oder lauwarmem Wasser wird zuträglich gefunden werden.

Blasenpolyp, auch Blasenstein (~Gravel, or Stone in the Bladder -- Calculus~).

Diese Krankheit wird durch eine Ansammlung von Sand, sowie die Bildung von Gries oder Stein in den Nieren oder der Blase verursacht.

+Symptome.+ Plötzliche Anfälle von Schmerz von acuter und heftiger Natur in der Gegend der Nieren, derselbe zieht sich in die Schenkel hinab und verursacht eine Erstarrung der angegriffenen Seite, ein in die Höheziehen der Hode, häufiges Verlangen zum Urin lassen; befindet sich der Stein in der Blase, so ist ein Schmerz am Ende des Penis vorhanden, begleitet von mehr oder weniger Entzündung und Schwierigkeit des Harnlassens, während des Letzteren wird dasselbe plötzlich abbrechen und ein heftiger Schmerz wird gefühlt werden, der durch den Stein, welcher sich über den Blasenmund geschoben hat, hervorgerufen wird; ein Wechsel der Stellung verschafft zuweilen Linderung.

+Behandlung.+

Diese Krankheit ist zu wichtig und zu gefährlich, als daß sie nach einem Buche behandelt werden könnte, der Fall sollte dahingegen in die Hände eines geschickten Arztes gelegt werden.

Sarsaparilla in Dosen von einem Tropfen auf ein Stück Zucker alle Abend wird zuweilen Anfälle lindern.

Blutharnen (~Blood with the Urine -- Hæmaturia~)

meint einen Blutfluß oder eine Blutung aus der Harnröhre, ob nun aus der Blase, den Nieren, dem Harnweg oder der Harnröhre.

+Symptome.+ Dem Blutfluß geht gewöhnlich Schmerz in der Blase oder den Nieren und Schwäche voraus, in der Regel große Empfindlichkeit gegen Druck auf die Gegend über den Nieren oder der Blase; kommt das Blut aus den Nieren, so ähnelt der Urin Blutwasser oder dunklem Biere; kommt es aus dem Harnweg (dem Canal, welcher von den Nieren nach der Blase führt), so wird beträchtlicher Schmerz vorhanden sein; der abgehende Urin wird jenem von der Blase ähneln, nur werden die Fasern länger sein; kommt es aus der Blase, so ist es nicht mit dem Urin gemischt, sondern in der Form von kleinen, faserartigen Klümpchen; fließt es aus der Harnröhre (der Ausgang, welcher von der Blase führt), so kommt es tropfenweise und mischt sich nicht mit dem Urin; zuweilen wird Eiter oder eine faulige Masse im Urin gefunden, was den Beweis liefert, daß irgendwo eine Eiterung stattfindet.

+Ursachen.+ Verletzungen in Folge von Fallen, Schlägen, Heben oder Springen, auch kann es durch Steine in der Blase oder Entzündung dieses Organs, sowie die Anwendung von Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus oder spanische Fliegen (~Cantharides~) verursacht werden.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse den Kranken öfters und viel von einer Eibisch- (~Marsh mallow~) Abkochung, oder auch von gleichen Theilen ~Queen of the meadow~ und Pfirsichblättern trinken. Ist der Schmerz heftig, so mache man eine Bähung von Hopfen oder Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern über den Sitz der Krankheit; ein Aufguß von Grundstrauch (~Trailing arbutus~) mag zuweilen mit Vortheil angewendet werden.

=Homöopathisch.= ~Arsenicum~ ist in einigen Fällen zuträglich, besonders wenn Symptome von Wassersucht vorhanden sind.

Andere Heilmittel sind ~China~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~, ~Arnica~, ~Lycopodium~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle Stunde, alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis (6 Kügelchen).

=Allöopathisch.= Blutegel mögen in der Gegend über dem Magen mit Vortheil angesetzt werden.

Folgendes wird als äußerst zuträglich empfohlen:

Bleizucker (~Sugar of lead~) 24 Grane. Essig 1 Drachme. Mohnsyrup (~Syrup of poppies~) 1 Unze. Rosenwasser 3 Unzen. Weiches Wasser 4 „

Mische es. Dosis: alle 2 Stunden, bis 5 oder 6 Dosen genommen sind, ein bis zwei Eß-Löffel voll. Galläpfel-Säure (~Gallic acid~) soll bei dieser Krankheit eine große Kraft besitzen. Sie kann in Dosen von 5 Granen mit 10 Tropfen Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~) in einem Theelöffel voll Gummi Arabicum Schleim gegeben werden.

Selbstbefleckung, Onanie (~Masturbation -- Onanism~).

Dies ist eine sehr erniedrigende und schädliche Gewohnheit, welcher sich die Jugend beiderlei Geschlechts ergiebt. Es giebt wohl kaum ein Laster, welches für Geist und Körper schädlicher ist und gefährlichere Folgen hat, als dieses. Gewöhnlich wird damit sehr frühzeitig begonnen, ehe noch dessen übler Einfluß wahrgenommen wird, und ist schließlich so eingewurzelt, daß der Betreffende nur mit großer Schwierigkeit mit dieser Gewohnheit brechen kann.

+Symptome+, welche dieses Laster zeigen, sind zahlreich. Beginnt die Gewohnheit in der frühen Jugend, so wird dadurch das Wachsthum verzögert, die geistigen Fähigkeiten vermindert und das Opfer verfällt in einen beklagenswerthen Zustand. Die damit gequälte Person sucht die Einsamkeit und wünscht nicht an der Gesellschaft seiner Freunde Theil zu nehmen, ist mit Kopfschmerzen geplagt, Schlaflosigkeit und Unruhe des Nachts, Schmerz in verschiedenen Theilen des Körpers, Trägheit, Tiefsinn, Verlust des Gedächtnisses, Schwäche im Kreuz und den Geschlechtsorganen, veränderlicher Appetit, Feigheit, Unfähigkeit Jemandem ins Gesicht zu schauen, Mangel an Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten.

Wird das Laster mehrere Jahre hindurch getrieben, so tritt ein reizbarer Zustand des Organismus ein, Hitze fliegt plötzlich über das Gesicht, das Gesicht wird blaß und klebrig, der Blick ist stumpf und blöde, das Haar wird locker und spaltet sich an den Enden; zuweilen tritt Schmerz in der Gegend des Herzens ein, Kurzathmigkeit, Herzklopfen, Symptome von Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) zeigen sich, der Schlaf wird unruhig, Verstopfung, Husten, Halsentzündung sind vorhanden, bis schließlich der Mensch physisch, moralisch und geistig als Wrack dasteht.

Einige von den Folgen der Selbstbefleckung sind Epilepsie, Schlagfluß, Lähmung, frühzeitiges Altern, unfreiwillige Samenentleerungen, welche in der Regel währen des Schlafens oder nach dem Urinablassen, auch während des Stuhlganges stattfinden. Bei dem weiblichen Geschlechte finden wir außerdem in Folge dessen noch Hysterie, Starrsucht, Störung der monatlichen Reinigung und starke nervöse Symptome.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Zuerst muß die Gewohnheit aufgegeben werden, denn ohne dies kann nichts gethan werden, ohne dies bleibt jede andere Behandlung erfolglos. Alles muß geschehen, um das sittliche Gefühl des Kranken zu stärken und die Selbstachtung zu heben. Er sollte die Gesellschaft tugendhafter und geistreicher Frauen aufsuchen und alles von schlüpferigem Charakter vermeiden. Sein Geist sollte einer Beschäftigung oder Unterhaltung, die seine ganze Aufmerksamkeit ohne Ermüdung in Anspruch nimmt, zugewandt werden, die Einsamkeit ist zu vermeiden und der Patient ist nicht mehr als eben unbedingt nothwendig allein zu lassen, und vor allem lasse man ihn nicht allein schlafen. Eine Matratze, mit leichter Decke zum Zudecken, ist am geeignetsten. Häufige Bäder und Waschungen der Geschlechtstheile, ebensowohl Sitzbäder als Baden des ganzen Körpers sind sehr zuträglich. Die Behandlung sollte nur von einem geschickten Arzt geleitet werden.

=Homöopathisch.= ~Mercurius~, ~Phosphorus~, ~Aurum~, ~Nux vomica~, ~Cuprum~, ~Cantharides~, ~Conium~, ~Cannabis~ sind Hauptmittel gegen dieses Leiden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen).

=Allöopathisch.= Stärkende Mittel sind anzuwenden und wird zu diesem Behufe folgendes empfohlen:

Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~) 4 Drachmen. Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~) 4 „ Orangenschalen-Syrup 1 Drachme. Wasser 1½ Unzen.

Mische es. Dosis einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser vor jeder Mahlzeit.

Oder auch:

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 15 Grane. Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 15 Tropfen. Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound tinct. of cardamon~) 3 Drachmen. Hopfen-Tinktur (~Tinct. of hops~) 3 „ Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion of roses~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

Oder:

Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze. Rosen-Wasser 6 Unzen. Orangenschalen-Syrup 1 Unze.

Mische es. Dosis: für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser nach jeder Mahlzeit.

Hypophosphites-Syrup wird empfohlen und sollte eine beträchtliche Zeit genommen werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes stärkende Mittel mag, wenn nur wenig Schwäche vorhanden ist, genommen werden:

Rothe Chinarinde (~Red peruvian bark~) 2 Unzen. Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~) 1 Unze. Portwein 1 Quart.

Mische und lasse es, bei öfterem Umschütteln einige Tage stehen. Dosis: drei- oder viermal des Tages ein Weinglas voll.

Bei Hinfälligkeit, Nervenschwäche, Verstopfung, Niedergeschlagenheit möge folgendes gegeben werden:

Chloroform ½ Unze. Ingwer- (~Ginger~) Tinktur ½ „ Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: 25 Tropfen in einem Weinglas mit Milch dreimal des Tages.

Bei Spermatorrhöa oder Samenfluß werden folgende Pillen gut gefunden werden:

Kampher (~Camphor~) 24 Grane. Belladonna-Extrakt 4 „ Cubeben- (~Cubebs~) Oel 20 Tropfen.

Mische es in eine Masse von gleichen Theilen Magnesia und Gummi Arabicum und theile es in 24 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine Pille.

Lustseuche, Venerie (~Pox -- Syphilis~).

Dies ist eine lästige Krankheit und entsteht in Folge unreinen geschlechtlichen Verkehrs. Sie kennzeichnet sich durch das Erscheinen von einer Finne, von einer leichten Entzündung eingefaßt, und die Bildung eines Eiters oder des Schankers. Die Eiterung tritt in der Regel nach dem fünften bis vierzehnten Tage nach der Ansteckung ein.

Es giebt verschiedene Gattungen von Schanker, die sehr störend auf den Organismus einwirken, gewöhnlich begleitet ihn ein Anschwellen -- ~Bubo~ genannt -- in den Lenden, welcher einige Tage nach den Eiterbeulen eintreten und fortdauern kann, bis sich Eiter bildet und derselbe aufbricht oder geöffnet werden muß.

Greift die Syphilis den Organismus an, so wird sie secundäre genannt, und tertiäre, wenn sich Ausschläge, böser Hals und Eiterbeulen an verschiedenen Stellen des Körpers bilden.

Der Ausschlag erscheint gewöhnlich auf der Stirn, dem Rücken, den Beinen und Armen, er ist kupferfarben und von leichtem Jucken begleitet, auch füllt sich die Pustel zuweilen mit einer blassen Flüssigkeit. Sind Mund und Hals angegriffen, so schwellen sie an, werden böse, roth und mit einer weißen Schleimhaut bedeckt, auch kann ein blaßgelber Eiter des Halses oder der Mandeln oder auch ein schwarzgelber und morastartiger Eiter vorhanden sein, welcher sich auf verschiedene Stellen des Halses und der Nase erstreckt und die Knochen des Gesichts zerstört.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Sobald sich Eiter am Penis zeigt, sollte derselbe sogleich aufgeätzt werden. Zu diesem Behufe bediene man sich des schwefelsauren Silbers (~Nitrate of silver~), Salpetersäure (~Nitric acid~), Aetz-Potasche (~Caustic potassa~), Zink-Chlorid (~Chloride of zinc~). Schwefelsaures Silber (~Nitrate of silver~) wird in der Regel angewandt und die Finne sollte damit gehörig gebrannt werden. Nachdem das Geschwür weggebeizt ist, befeuchte man Charpie in einer Auflösung von Opium, im Verhältniß von einer Drachme Opium auf 4 Unzen Wasser, lege es auf, wickle den Penis in ein Stück Leinwand und bedecke ihn mit eingeölter Seide.

Anstatt des Opiums kann auch folgende Auflösung angewendet werden:

Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) 1 Gran. Wasser 1 Unze.

Dies sollte öfters angewendet und die Theile zweimal des Tages mit spanischer Seife (~Castile soap~) und Wasser gewaschen werden.

Folgendes ist für den innerlichen Gebrauch:

~Protiodide of mercury~ 12 Grane. Rosenkonserve (~Conserve of roses~) 1 Skrupel.

Theile es in 12 oder 24 Pillen und nimm zweimal des Tages eine.

Folgendes wird in einigen Fällen von gutem Erfolg sein:

Blaue Pillen (~Blue pill~) ½ Drachme. Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of henbane~) 1 Skrupel.

Mache 10 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille des Nachts. Oder:

Aetzsublimate (~Corrosive sublimate~) 4 Grane. Opium-Extrakt (~Extract of opium~) 5 „

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: Morgens und Abends eine Pille.

Diese Quecksilber-Präparate sollten nicht länger als fünf Tage hinter einander gebraucht werden, da Gefahr vorhanden ist, dadurch Speichelfluß hervorzurufen. Ist das letztere der Fall, gebrauche man folgendes:

Chlorinirte Soda (~Chlorinated soda~) 1 Unze. Wasser 2 Unzen.

Mische es. Der Mund sollte damit mehrere Male des Tages ausgespült werden, aber man vermeide vorsichtig etwas davon zu verschlucken.

Ricord empfiehlt im Verhältniß von einem Theile weinsteinsaure Eisen-Potasche (~Potassio-tartrate of iron~) auf sechs Theile Wasser. Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages zu geben. Dasselbe Präparat ist auch gegen das Geschwür angewendet worden. Der ~Bubo~, die Anschwellung in der Lende, sollte mit einem Verbande versehen werden. Wenn sich aber Eiter bildet, so sollte das Geschwür geöffnet und Umschläge gemacht werden. Im Falle eines Ausschlags auf der Haut, oder wenn sich die Krankheit im Halse oder an irgend einem anderen Theile des Körpers zeigt, mag Potaschen-Jodid wie folgt gegeben werden:

Zusammengesetzter Sassaparillen-Aufguß (~Compound Infusion of sarsaparilla~) 1 Pint. Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) ½ Unze.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.

Das Präparat, unter „~Donovan’s solution~“ bekannt, mag dazwischen in Dosen von 3 bis 5 Tropfen gegeben werden.

Die Kost muß genau geordnet werden, der Patient darf weder reizende Nahrungsmittel zu sich nehmen, noch Spirituosen trinken.

=Eclectische und Kräuterkur.= Das Geschwür sollte mit salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) oder einigen Tropfen von Salpeter- oder Salzsäure betupft werden. Darauf kann man vermittelst Charpies salzsaures Eisen (~Muriate of iron~) auflegen. Behufs Erhaltung eines gehörigen Stuhlgangs diene folgendes:

~Blue Mass~ 60 Grane. Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „

Mache 20 Pillen daraus und nimm Morgens und Abends eine. Zeigt sich die Wirkung auf die Eingeweide, so nimm jeden Tag eine.

Erscheint ein ~Bubo~, so verbinde ihn mit Tüchern, welche mit folgendem angefeuchtet sind:

Jod (~Iodine~) 1 Skrupel. Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 2 „ Wasser 1 Unze.

Zweimal täglich anzuwenden. Kermesbeer- (~Poke root~) Umschläge sollten gleichzeitig angewendet werden, indem man die frische Wurzel in heißer Asche erweicht und dann zerdrückt. Bildet sich Eiter, so ist es am besten, den ~Bubo~ durch Aetzmittel zu öffnen, da es weit besser heilt, als wenn derselbe vermittelst eines Messers geöffnet wurde. Reinige ihn einmal des Tages mit spanischem Seifenwasser (~Castile soap suts~) und spritze ihn ebenso damit aus.

Dr. King empfiehlt folgendes als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Syphilis in allen Formen:

Zusammengesetzter Stillingia-Syrup (~Compound syrup of stillingia~) 4 Unzen. Saturirte Kermesbeer-Tinktur (~Saturated tincture of poke root~) 4 „ Saturirte Schafampfer-Tinktur (~Saturated tincture of sheep sorrel~) 4 „

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel bis einen halben Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Gegen constitutionelle Syphilis bei Eiterungen im Halse mag eine starke Abkochung von Weißeichenrinde (~White oak bark~) mit ein wenig Borax und Alaun (~Alum~) gegeben werden; bei innerem Gebrauche gebe man dasselbe ohne Borax zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Wenn Hautausschläge vorhanden sind, so sollte der Körper ein- oder zweimal des Tages mit einer Mischung von Salpeter- oder Salzsäure, je ein Theelöffel voll auf zwei Quart warmes Wasser, gewaschen werden. Folgendes möge als Thee dienen:

Entenfußwurzel (~May apple~), Kalmuswurzel (~Blue flag root~), Kermesbeere (~Poke root~), Ampferwurzel (~Yellow dock root~), Sassafras, Stillingia, Sassaparilla, Bitterwurzel (~Bitter root~). Eine Abkochung kann von einem oder dem andern hiervon oder von allen gemacht werden, und zu jedem Pint einer solchen Abkochung füge man eine Drachme Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~) hinzu. Der zusammengesetzte Stillingia-Spiritus mag in einigen Fällen angewendet werden.

Die Eiterbeulen, welche sich an dem Körper zeigen, mögen mit der salzsauren Eisentinktur (~Tincture of the muriate of iron~) und Umschlägen von pulverisirtem Alaun (~Powdered alum~) und Kermesbeere (~Poke root~), während des Nachts ausgelegt, behandelt werden.

Schmerzen in den Knochen mögen durch die folgenden Pillen gelindert werden:

Inspissirter Brechwurz-Saft (~Inspissated juice of Ipecac~) 1 oder 2 Drachmen. Stechapfel- (~Stramonium~) Extrakt ¼ oder ½ Gran.

Man mache daraus eine Pille und wiederhole es zwei- bis dreimal des Tages.

Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) diene zu Waschungen des Halses. 30 Grane Kupfer kommen auf eine bis zwei Unzen Wasser; wasche damit vermittelst eines Stückchen Schwammes zwei- oder dreimal des Tages den Hals.

=Homöopathisch.= Sobald das Geschwür erscheint, ätze man es mit salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), Salpetersäure (~Nitric acid~), oder rothem Präcipitat (~Red precipitate~). Innerlich gebe man: ~Mercurius~, ~Hydriodate of Potassa~, ~Mercur. precipit. ruber~, ~Sulphur~, ~Silicea~, ~Aurum~, ~Mezerium~.

Bei sekundärer Syphilis, wo Schmerzhaftigkeit und Eiterung des Halses vorhanden ist, möge vermittelst eines Kameelhaarpinsels Benzoe-Tinktur immer nach einigen Tagen angewendet werden. Die Mittel, welche zu geben sind, sind ~Biniodide of Mercury~, ~Kali Hydriodicum~. Eine Woche kann ~Mercurius~ und die nächste Woche ~Kali~ -- und so abwechselnd fort -- gegeben werden.

Andere Mittel sind: ~Acidum Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Phosphorus~, ~Hepar Sulphuris~, ~Borax~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Dosis. Ist das Mittel in Kügelchen, gebe 6 auf eine Dosis, wenn in Pulvern, 2 Grane. Bei constitutioneller Syphilis gebe dreimal des Tages eine Dosis.

Samenfluß, Tripper (~Gonorrhœa -- Clap or Gleet~)

ist eine Entzündung der Schleimhaut des Harnwegs, begleitet von einem Ausfluß und rührt von unreinem geschlechtlichem Verkehr her.

+Symptome.+ Der Tripper stellt sich in der Regel am dritten oder achten Tag nach der Ansteckung ein. Er beginnt mit einem unangenehmen Gefühle am Ende des Penis und ist gewöhnlich von etwas Röthe und Schwierigkeit des Wasserablassens begleitet; nach ein oder zwei Tagen nimmt der Ausfluß von Eiter zu, wird dünner und von einer grünlichen oder gelblichen Farbe, zuweilen mit Blut gestreift. Die Eichel ist roth und entzündet und der Urin verursacht einen brennenden Schmerz. Dehnt sich die Entzündung auf die Blase aus, so tritt ein quälendes Verlangen, das Wasser abzulassen, mit einem beständigen, unangenehmen Gefühle in der Gegend der Hoden und zwischen den Beinen, ein. Wenn die Entzündung stark ist, so tritt die sogenannte ~chorda venerea~, während welcher der Penis steif und nach unten gekrümmt ist, hinzu, verursacht heftigen Schmerz und befällt den Patienten in der Regel im warmen Bette. In Folge der Entzündung kann ~Phimosis~ entstehen, bei welcher die Vorhaut hart und geschwollen ist und nicht zurückgezogen werden kann; oder wenn die Anschwellung hinter der Eichel eintritt, kann sie nicht vorgezogen werden und wird ~paraphimosis~ genannt. Die Drüsen der Lenden und ebenso die Hoden schwellen an und entzünden sich zuweilen.

Tripper ist die Folge der ~Gonorrhœa~ und nimmt eine chronische Form an, nachdem die Entzündung nachgelassen hat. Hin und wieder ist er sehr hartnäckig. Eine andere Folge des Trippers sind Stricturen, welche die Harnröhre oder den von der Blase führenden Harnweg theilweise schließen, was an dem platten oder gedrehten Wasserstrahl, ähnlich einem Bohrer, oder gabelförmig, erkannt werden kann.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Der Patient sollte sich der Reinlichkeit befleißigen und die Theile öfters waschen. Die Kost muß einfach und nahrhaft sein und Spirituosen, fettes Fleisch, Pasteten &c. müssen vermieden werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn zu Anfang genommen, mag die Krankheit kurz abgeschnitten werden, indem 20 Grane salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) in einer Unze Wasser und davon 2 Theelöffel voll in den Penis eingespritzt und dort ungefähr eine halbe Minute zurückgehalten wird, was zwei- oder dreimal des Tages zu wiederholen ist. Hierzu bediene man sich einer sogenannten ~P. P.~ Spritze (~Syringe~). Gleichzeitig nehme man 3 bis 4 Grane Entenfuß (~Podophyllin~) mit einem Theelöffel voll Cremor Tartari (~Cream of tartar~) oder eine Dosis Salz. Eine andere Einspritzung ist folgende:

Zinkchlorid (~Chloride of zinc~) 1 bis 3 Grane. Destillirtes Wasser (~Distilled water~) 1 Unze.

Mische es und spritze davon alle 6 bis 8 Stunden einen Theelöffel voll ein.

Oder:

Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden seal~) 1 Unze. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 3 Grane.

Mische und gebrauche wie das vorhergehende.

Die Einspritzungen sollten stets nach dem Uriniren gegeben werden und der Patient sollte nicht vor wenigstens einer halben Stunde darauf den Urin ablassen.

Bei dem weiblichen Geschlechte muß die Scheide mit einem von den obigen Präparaten drei- oder viermal des Tages gebadet und Einspritzungen von demselben gemacht werden.

Folgendes wird mit ausgezeichnetem Erfolge innerlich angewendet:

Canadischer Balsam (~Canada balsam~) 1 Unze. Süßer Salpeter-Spiritus (~Spirits of sweet nitre~) 4 Unzen. Terpentinöl (~Oil of turpentine~) 2 Drachmen. Pulverisirter Kampher (~Powdered camphor~) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Wenn die Entzündung nachgelassen, so füge dem obigen noch eine Drachme pulverisirten Kino bei. Gleichzeitig mag der Patient einen Aufguß von Eibisch (~Marshmallow~) und Klette (~Burdock root~) trinken.

Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

Cubebenöl (~Oil of Cubebs~) 1 Unze. Anisöl (~Oil of anise~) 1 „ Copaiva-Balsam (~Balsam of copaiva~) 1 „ Laudanum 1 „ Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tinct. of muriate of iron~) 1 „

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Bei Eintreten der ~Chorda venerea~ des Nachts nehme 30 oder 40 Tropfen Laudanum beim Zubettgehen oder folgendes:

Pulverisirtes Opium (~Powdered opium~) 1½ Grane. Kampher (~Camphor~) 10 „

Mische und nimm es als eine Dosis.

Wird die Krankheit chronisch oder nimmt sie die Form eines Samenflusses an, so bediene man sich einer Einspritzung von gewöhnlichem grünem Thee mit je 5 oder 6 Tropfen Bleizucker (~Sugar of lead~) und schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~) auf jede Einspritzung. Gleichzeitig nehme man folgendes:

Gehärteter Copaiva-Balsam (~Solidified balsam of copaiva~) 1 Drachme. Venetianischer Terpentin (~Venice turpentine~) 30 Grane. Entenfuß (~Podophyllin~) 10 „

Mische es, bringe soviel als möglich pulverisirten Rhabarber (~Pulverized rhubarb~) hinein und theile es in 30 Pillen. Dosis: zwei oder drei Pillen zweimal des Tages, bis sie auf die Eingeweide wirken, dann täglich zweimal eine Pille.

=Homöopathisch.= Während des ersten Stadiums wird salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von zwei oder drei Granen auf eine Unze Wasser, oder schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~), im Verhältniß von vier Granen auf eine Unze Wasser, als Einspritzung gebraucht, einen Anfall kurz abschneiden. Der Patient muß während dieser Zeit große Mäßigkeit beobachten und Ruhe pflegen. ~Aconitum~ kann zu derselben Zeit, alle zwei oder drei Stunden eine Dosis, gegeben werden.

~Cantharides~ oder ~Cannabis~ gebe man abwechselnd mit ~Aconitum~.

Aufguß von ~Hydrastis Canadensis~ wird als Einspritzung empfohlen und zwar im Verhältniß von einer Unze der pulverisirten Wurzel auf ein Pint Wasser. Sollte jeden Abend in die Harnröhre gespritzt werden.

~Cantharis~ mag gegeben werden, wenn sich die Entzündung auf die Blase ausdehnt und ein Brennen längs der Harnröhre, sowie ein häufiges Drängen zum Urinlassen vorhanden ist. Kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) wird als Einspritzung empfohlen. Löse eine Drachme in einer Unze Wasser und gebe während 12 Stunden jede Stunde eine Einspritzung. Dies wird in den meisten Fällen erfolgreich sein.

Andere innerliche Mittel sind: ~Mercurius~, ~Nux Vomica~, ~Cubebae~, ~Pulsatilla~, ~Copaiva~, ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6 Kügelchen.

=Allöopathisch.= Zu Anfang der Krankheit gebe man eine Einspritzung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von 5 bis 10 Granen auf eine Unze Wasser. Dies wird gewöhnlich hinreichen. Zur Erhaltung eines gehörigen Stuhlganges sollte Bittersalz (~Epsom salts~) genommen und Leinsamenthee getrunken werden. Wenn die Krankheit dennoch weiterschreitet, möge folgendes angewendet werden:

Balsam Copaiva 1 Unze. Cubebenöl (~Oil of cubebs~) 2 Drachmen. Laudanum 1 Drachme. Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum Arabic~) 2 Unzen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze. Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of lavender~) 3 Drachmen. Kampherwasser 4 Unzen. Weißer Zucker 2 Drachmen. Mitchellöl (~Oil of partridge berry~) 5 Tropfen.

Mische es. Dosis: drei- oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.

Die folgende Einspritzung ist gut:

Balsam Copaiva 5 Drachmen. Gummi-Extrakt von Opium (~Gum of ext. of opium~) 1 Gran. Wasser 7 Unzen. Ein Eidotter.

Mische und wende es mehrere Male des Tages an.

Gegen die ~Chorda venerea~ nehme beim Zubettgehen eine Pille von Kampher und Belladonna, im Verhältniß von 5 Granen des ersteren auf ein Gran des letzteren.

Bei Samenfluß bediene man sich folgender Einspritzung:

Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 1 bis 4 Grane. Wasser 1 Unze. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 8 Grane. Gerbersäure (~Tannin~) 1 Skrupel. Wasser 5 Unzen.

Mische es.

Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.

Erstes Kapitel.

Menstruation oder monatliche Reinigung.

Ehe wir darüber reden, auf welche Weise Störungen in der Menstruation zu behandeln seien, sollten wir uns klar darüber werden. 1) Was man unter Menstruation versteht. 2) Durch welche Ursachen dieselbe erzeugt wird. 3) Welchen Zweck sie im weiblichen Organismus hat. Vielleicht wird keine körperliche Funktion von den Frauen weniger verstanden als diese. Sie können zwar angeben, wie oft die Menstruation eintritt und wie lange sie währt, aber über die Ursache sind die meisten im Unklaren, worüber man sich nicht zu wundern hat, wenn man bedenkt, daß selbst die Aerzte darüber in früherer Zeit im Dunkeln waren und erst neuerdings zum vollen Verständniß kamen. Seit Alters bis auf unsere Tage wurden zahllose Theorien aufgestellt; jede derselben aber mußte der in ihr enthaltenen Widersprüche wegen wieder aufgegeben werden; bis man zuletzt zu einer klaren, unzweifelhaften Anschauung gekommen ist. Unter den Alten herrschte bezüglich der Menstruation viel Aberglauben. Weil sie regelmäßig jeden Monat eintritt, so nahm man an, daß der Einfluß des Mondes dieselbe regulire. Daß diese Behauptung durchaus nicht stichhaltig ist, liegt auf der Hand, denn wäre auch nur einige Wahrheit daran, so müßten alle Frauen eines Erdtheils wenigstens zugleich menstruiren. Professor E. G. Meigs von Philadelphia hat sich um die Darstellung der Ursachen dieser eigenthümlichen Funktion große Verdienste erworben, und ihm sind wir für die in diesem Artikel niedergelegten Thatsachen und Beobachtungen zum Dank verpflichtet.

„~Omne vivum ex ovo~,“ (alles Lebendige entspringt aus einem Ei oder Keim), dies ist das allgemein gültige Zeugungsgesetz, welches sich sowohl in der Pflanzen- als Thierwelt bewährt. Die stämmige Eiche, die der Eichel entsprost, das Welschkorn, das aus dem Korn hervorwächst, das Rothkehlchen und der Elephant -- alle entstehen aus Keimen und beweisen die Wahrheit des obigen Satzes. Jeder Same und jedes Ei enthält einen Keim, welcher, wenn auf die rechte Weise beeinflußt, seinesgleichen erzeugen wird. So klar diese Thatsache ist, frägt es sich nun, wo diese Keime ihren Ursprung haben. Es steht fest, daß jedes Thier und jede Pflanze mit einem Organ zur Erzeugung und Abwerfung dieser Zellen und Keime versehen ist. Dieses Organ ist bei den Frauen das Ovarium (Eierstock) und zwar gibt es derselben zwei. Es sind kleine, länglich-runde Körper, etwa einen Zoll lang, ein wenig über einen halben Zoll breit und einen drittel Zoll dick. Manchmal mag die Größe der Ovarien von der hier angegebenen abweichen, wird aber meistens zutreffen. Jeder dieser Eierstöcke ist etwa einen Zoll vom oberen Theil der Gebärmutter mittelst eines Bandes befestigt und die physiologische Funktion derselben ist, das Ei zu „reifen“ und alle achtundzwanzig Tage abzusondern, und zwar geschieht dies vom fünfzehnten bis fünfundvierzigsten Jahre und wird nur während der Schwangerschaft und des Säugens, und oft auch dann nicht, unterbrochen; denn in vielen Fällen haben Frauen, während sie schwanger waren, regelmäßig menstruirt, und bei einer großen Anzahl derselben wird durch Säugung die Menstruation gar nicht gestört. Während der Zeitigung oder dem Reifwerden des Eis bis zur Absonderung desselben in die Scheide (~Tube~), durch welche es in die Gebärmutter gelangt, sind die Geschlechtsorgane mehr oder weniger angeschwollen (~congested~) und haben das Ansehen, als ob sie entzündet seien. Diese Anhäufung (~Congestion~) wird endlich so bedeutend, daß ein Blutausfluß aus den Zeugungstheilen (~Genitalia~) dadurch entsteht. Sobald der Ausfluß beginnt, läßt die Hitze und das Jucken in der Nähe der Eierstöcke und das schwere Gefühl nach und verschwindet allmählig. Somit ist die Menstruation nichts anderes als die Zeitigung und Absonderung des Ei’s, welches, wenn es nicht geschwängert wird, durch den von den Gefäßen der Gebärmutter herrührenden Blutausfluß abgeführt wird. Hieraus geht auch hervor, daß eine Frau nur während oder nahe zur Zeit der Menstruation schwanger werden kann. Die Regelmäßigkeit, mit der diese Funktion vor sich geht, war immer Veranlassung zur Verwunderung. Aber weshalb? Um uns blickend gewahren wir, daß die Pflanzen- und Thierwelt festgesetzte Zeiten zur Keimerzeugung hat. Dies ist ein Naturgesetz, und weshalb sollte nicht auch das Weib dasselbe auszuführen haben? Da wir nun gezeigt haben, daß die Menstruation in der Zeitigung und Absonderung eines Eis besteht, wovon der Blutausfluß nur das äußerliche Zeichen ist, so ist es möglich, daß eine Frau regelmäßig jeden Monat menstruiren kann, ohne diese Kundgebung, nämlich den Blutausfluß. Dieses zu beweisen, können viele Fälle angeführt werden, wo Frauen geheirathet haben und schwanger wurden, ohne daß das geringste Zeichen des Blutausflusses sich bei ihnen gezeigt hätte; aber ihre Schwangerschaft wäre ohne Menstruation nicht möglich geworden. So mag eine sonst regelmäßig menstruirende Frau mehrere Kinder bekommen, ohne daß sich in der Zwischenzeit die monatliche Reinigung zeigt; was man dahin erklären kann, daß sie während der Säugung ihres ersten Kindes schwanger und nach der Geburt des zweiten wieder Mutter wurde, und so fort, bis sie nicht mehr geschwängert von nun an regelmäßig menstruirt. Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein, dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die „Monatsregel“ viel bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit gewohnt sind. Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr, so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann. Wenn die Monatsreinigung zum erstenmal eintritt, so zeigt sich dies gewöhnlich durch folgende Symptome an: Kopfweh, Gefühl von Schwere, Mattigkeit, Schmerz im Rücken und den Lenden und Unlust zur Arbeit. Die Hautfarbe ist eigenthümlich dunkel, namentlich unter den Augen, und zeitweilig verspürt die Betreffende ein Gefühl der Unruhe und des Verstopftseins im Halse. Die Ausdünstung hat einen kränkelnden Geruch und der Geruch des Athems ist eigenthümlich. Die Brüste sind erweitert, weich und empfindsam. Bezüglich der Speisen ist die Betreffende wählerisch und launig und die Verdauung ist gestört. Diese Symptome währen einen, zwei, drei Tage und verschwinden mit dem Eintreten der Menstruation. Die Monatsreinigung dauert drei, fünf oder sieben Tage, je nach der Körperorganisation der Frau. Ebenso ist die Quantität des ausgesonderten Blutes verschieden bei verschiedenen Frauen. Im Alter von etwa fünfundvierzig Jahren hört die Menstruation auf, und dies ist die Periode, vor welcher sich die Frauen gewöhnlich fürchten. Manchmal hält man die alsdann eintretenden Symptome, als da sind: Uebelkeit, launiger Appetit, Anschwellen und Schmerzen in den Brüsten für Anzeichen der Schwangerschaft. Die Veränderung tritt allmählig ein. Der Blutausfluß mag sich alle zwei bis drei Wochen einstellen, sodann zwei oder mehr Monate ausbleiben, darnach mehrere Monate so regelmäßig als je wiederkehren und endlich ganz aufhören. Während der Menstruation ist der Organismus, namentlich der jüngeren Personen, geistigen und physischen Einflüssen mehr zugänglich als sonst. Auf die regelmäßige und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich, und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch Vorfall der Gebärmutter. Patentmedizinen und Geheimmittel, die gegen Frauenkrankheiten empfohlen werden, Abführungs- und Brechmittel, sowie Liquöre mögen den Ausfluß vermehren oder demselben Einhalt thun. Ebenso schädlich sind während der „Periode“ kalte und warme Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein „Hüftbad“ nimmt, begeht eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen! Behandlung ist während der Monatsreinigung nicht nöthig, es seien denn gewisse Störungen eingetreten, worüber wir uns in dem Folgenden aussprechen werden.

Zweites Kapitel.

Störungen der Menstruation.

Verzögerte und unterdrückte Menstruation.

Wenn die Monatsreinigung nicht zu rechter Zeit eintritt, so heißt man dies verzögerte oder unterdrückte Menstruation. Man hat jedoch die Entwicklung des betreffenden Mädchens in Anschlag zu bringen, auch wenn sie das Alter erreicht hat, wo das Auftreten dieser Funktion erwartet werden kann, denn die Körperentwicklung ist eine Bedingung der Monatsperiode. So lange das Mädchen nicht körperlich zugenommen hat, wenn sie über die Hüfte nicht weiter geworden, wenn ihre Brüste nicht weiter geworden, und sie keine dieser Periode vorangehenden Veränderungen wahrgenommen hat, wird es nur schädlich wirken, wenn man der Natur Gewalt anthut. In solchem Falle ist eine „allgemeine“ Behandlung nöthig. Man lasse die Betreffende sich viel in freier Luft bewegen, sie gehe frühzeitig zu Bett und stehe Morgens frühe auf. Geht sie noch zur Schule, so sollte man sie während der Zeit nicht in dieselbe senden. Ihre Kost muß nahrhaft aber nicht reich sein, sonst werden Magenstörungen entstehen. Ist sie jedoch vollkommen entwickelt, und leidet zeitweilig an Blutandrang im Kopf, in der Brust, oder im Unterleib, dann wird das Einschreiten nöthig. Folgende Symptome werden sich gewöhnlich in diesen Fällen einstellen.

+Symptome.+ Kopfweh, Schwere, Vollheit, Pulsiren in der Mitte der Hirnschale und im Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte Füße und Hände, die zuweilen sehr heiß werden, trockene, rauhe Haut, langsamer Puls und nicht selten Fallsucht (Epilepsie).

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Einige Tage vor der Periode sollte die Patientin ein warmes Hüften- oder Fußbad nehmen, zweimal des Tages und Abends beim zu Bett Gehen mit warmem Wasser benetzte Tücher auf den Unterleib legen.

Ein sehr gutes Rezept wird von Prof. Cooke vom Hahnemannischen medizinischen Collegium in Chicago empfohlen, nämlich: Etwa zwei Wochen vor der Periode nehme eine Dosis ~Gelseminum~ jeden Abend, und eine Dose ~Belladonna~ jeden Morgen. Kurz vor Eintritt der Menstruation nehme diese zwei Heilmittel abwechselnd alle zwei oder vier Stunden.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Patientin melancholisch und traurig und zum Weinen geneigt ist; Blässe mit abwechselnder Hitze, Appetitlosigkeit mit Lust für saure Speisen, Uebelsein und Erbrechen.

~Bryonia.~ -- Blutandrang im Kopf, geröthetes Gesicht, häufiges Nasenbluten, Hartleibigkeit, Herzklopfen.

~Lycopodium.~ -- Anwendbar bei ähnlichen Symptomen.

~Phosphorus.~ -- Wenn die Patientin zu Lungenkrankheiten geneigt ist, schwache Brust, Husten, Brustschmerzen, Blutspeien.

~Arsenicum.~ -- Wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen oder der Füße oder anderer Gliedmaßen, blasse Gesichtsfarbe, gelbsüchtig.

~Sulphur.~ -- Wenn obige Heilmittel nicht wirken.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen von irgend einem dieser Mittel eine Woche oder zehn Tage lang. Wird die Patientin besser, so setze vier Tage lang aus und gebe eine Woche lang jeden Morgen ~Sulphur~.

=Allöopathisch.= Hier wie in der homöopathischen Behandlung wird das Wasser in gleicher Weise gebraucht. Der Stuhlgang sollte durch ein mildes Reinigungsmittel, z. B. Castoröl und Aloepillen (~Pill of aloes~), regelmäßig erhalten werden. Fühlt die Patientin während oder vor dem Blutausflusse Schmerz und Vollheit im Kopfe, so gebrauche man folgendes:

Eisenhut- (Sturmhut) Blätter-Tinktur (~Tincture of aconite leaves~) 2 Drachmen. Belladonna-Tinktur 1 Drachme. Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur 1 „ Morphium 3 Grane. Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Wenn die Schmerzen heftig sind, so mag alle zwei Stunden eine Dosis genommen werden.

Ist der Körper geschwächt, so mag zwischen den Perioden folgendes gebraucht werden:

Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (~Precip. carbonate of iron~) 5 Drachmen. Sturmhut- (Eisenhut) Extrakt (~Extract of conium~) 2 „ Peru-Balsam 1 Drachme. Alcohol 4 Unzen. Wintergrünöl (~Oil wintergreen~) 20 Tropfen. Syrup 8 Unzen.

Dosis: Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

Oder:

Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 1 Unze. Rosenwasser 7 Unzen. Salzsaure Eisentinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in ½ Glas voll Wasser dreimal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Patientin robust ist, so gebe zeitweilige Dosen von zusammengesetztem Leptandrin-Pulver (~Compound powder of leptandrin~). Ist sie jedoch schwach und nervös, so erhalte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem:

Pulverisirter Rhabarber 1½ Unze. Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potassa~) 1 „

Hiervon gebe man eine kleine Dosis dreimal des Tages, genügend um regelmäßige Oeffnung zu erhalten. Als ein Stärkemittel gebrauche man zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~). Zur selben Zeit verordne, wenn Kopfweh und Schmerzen im Kreuz und den Lenden vorhanden sind, warme Am. Ysop- (~Penny royal~), Rainfarn- (~Tansy~), schwarzen Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) oder Raute- (~Rue~) Thee. Manchmal mildert ein warmer, aus Hopfen und Rainfarn zubereiteter und auf den Unterleib gelegter Umschlag die Schmerzen. Wenn, obgleich die Gesundheit durch obige Mittel besser geworden, die Menstruation noch nicht eingetreten ist, so verordne man:

Wiesenrauten-Stammblatt (~Caulophyllin~) 10 Grane. ~Aletridin~ 8 „ Belladonna-Extrakt 1 Gran.

Mische dieses und bereite zehn Pillen daraus, von welchen eine dreimal des Tages zu nehmen ist.

Oder:

Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 7 Grane. ~Cimicifugin~ 3 „ Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Gran.

Genügend weißen Terpentin, um aus dieser Masse Pillen zu bereiten. Man mache 4 Pillen und nehme eine dreimal des Tages.

Mit gutem Erfolg mag Sabenbaumöl (~Oils of savin~) und Rainfarn (~Tansy~), gleiche Theile von jedem, angewandt werden. Man gebe 5 oder 10 Tropfen der Mischung zweimal des Tages, und beginne damit eine Woche, ehe die Menstruation eintreten soll.

Die Bleichsucht (~Chlorosis or Green Sickness~).

Junge, unverheirathete, schwächliche Frauenzimmer sind es gewöhnlich, die von dieser Krankheit zu leiden haben. Sie stellt sich gewöhnlich zur Zeit der Mannbarkeit (~Puberty~) ein und äußert sich durch Appetitlosigkeit und Unverdaulichkeit. Die Menstruations-Blutung ist entweder gar nicht vorhanden, oder sehr gering.

+Ursachen.+ Alles, was die Lebensfunktionen stört, z. B. unnahrhafte Speisen und Aufenthalt in feuchten, schlechtgelüfteten Zimmern; die Krankheit kann sich auch vererben, so daß alle Frauenzimmer derselben Familie damit behaftet sind. Diejenigen, die viel Thee, Kaffee, verdünnte Säuren und schlechte Weine trinken und sich sehr fest schnüren, sind dieser Krankheit leicht ausgesetzt. Unter anderen veranlassenden Ursachen mögen genannt werden: Störende Gemüthsbewegungen, unerwiederte Liebe, Heimweh, Trübsinn &c.

+Symptome.+ Die Symptome, welche diese Krankheit kennzeichnen, äußern sich nicht alle zugleich, sondern treten nach und nach auf, so daß sich die Kranke deren kaum bewußt wird. Sie klagt gewöhnlich erst über Ermüdung und Widerwillen gegen geistige und körperliche Anstrengung. Die Hautfarbe ist eigenthümlich, nicht besonders weiß, aber blaß mit gelben und grünlichen Streifen. Die Lippen sind manchmal beinahe ganz weiß, die Augenlider bleifarbig und angeschwollen. Die Haut ist kalt. Der Gaumen wird weiß und die Haut ist gewöhnlich mit einer weißen Masse bedeckt und des Morgens fühlt die Kranke ein klebriges Gefühl im Munde. Der Athem ist übelriechend. Die Patientin ist sehr schwach und ermüdet bei jeder kleinen Anstrengung. Sie athmet schnell, nicht weil die Lungen krank sind, sondern weil sie nicht Kraft genug hat, die Brust gehörig zu erheben. Der Schlaf wird oft gestört und ist nicht stärkend. Hartleibigkeit ist vorhanden und zuweilen auch Uebelsein und Erbrechen. Der Puls ist schwach und schnell. Die Kranke ist traurig, weint oft plötzlich und ist gerne allein. Der Appetit ist verringert und dyspeptische Symptome, z. B. Sodbrennen, saurer Magen, Schmerz in demselben mit Nausea, zeigen sich. Sie begehrt unverdauliche Substanzen, wie Griffel, Kreide, Holzkohle &c. Auf außerordentliche Hartleibigkeit folgt Diarrhöe schlecht verdauter Substanzen. Mit dem Fortschreiten der Krankheit schwellen die untern Gliedmaßen an, hektischer Husten tritt ein, welcher manchmal von Blutspeien begleitet ist. Der Unterleib wird fest und schwillt und zwar oft so stark, daß man die Kranke für schwanger hält. Die Menstruations-Blutung, wenn sie überhaupt eingetreten, wird sehr schwach und schmerzhaft, hält nur kurze Zeit an, ist blaß, wässerig und hört endlich ganz auf. Manchmal fühlt die Kranke heftige Schmerzen in der linken Brust. In manchen Fällen äußern sich nervöse Symptome, z. B. hysterische Anfälle, Krämpfe &c. Man mag die Bleichsucht für Herzkrankheit oder Auszehrung halten, und ich habe deshalb eine genaue Beschreibung derselben gegeben, damit man sie gleich von Anfang an zu erkennen vermag. Jedoch treten an ein und derselben Person nicht alle hier angegebenen Symptome auf; jedoch wird man immer die Mehrzahl derselben finden.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Thatsache in Betracht ziehend, daß die Ursache „Blutverarmung“ ist, wird die Behandlung verhältnißmäßig nicht sehr schwierig werden. Die Kranke bewege sich viel in der frischen Luft, verwahre den Körper gegen Kälte vermittelst warmer Kleidung und halte sich in einem gut gelüfteten Zimmer auf. Die Kost sollte nahrhaft, nicht aber stimulirend sein. Regelmäßige Gewohnheiten in jeder Beziehung und Herbeiführung heiterer Gemüthsstimmung durch Gesellschaft und unschuldige Vergnügungen -- dies ist bei der Behandlung sehr wichtig. Ehe man der Kranken Arznei giebt, müssen die veranlassenden Ursachen entfernt werden. Die Lebensweise der Patientin muß total verändert werden. Ging sie beständig zur Schule, so muß sie nun aus derselben bleiben, ist sie geneigt, immer zu Hause zu sein, so sende man sie aufs Land. Man stelle ihr die Gefahr vor, der sie sich aussetzt, wenn sie sich nicht im Freien bewegt, und verschaffe ihr alle mögliche Bewegung. Die Entfernung der sittlichen und geistigen Ursachen ist die schwierigste Aufgabe; aber auch in dieser Beziehung werden Luft- und Scenerieveränderung, neue Freundschaften u.s.w. eine gute Wirkung ausüben. Diejenigen, die in Fabriken arbeiten oder in ruhiger Körperstellung irgend einem Berufe nachgehen, müssen andere Beschäftigung aufsuchen. Ein lauwarmes Morgenbad, nach welchem der Körper tüchtig gerieben wird, ist von guten Diensten, ebenso das „Sitzbad“ oder das Abwaschen und Baden mittelst des Schwammes am Abend. Vor und nach dem Baden sollte die Patientin spaziren gehen oder sich mit Arbeit Bewegung verschaffen. Während der Menstruation muß alle Behandlung mittelst des Wassers eingestellt werden.

=Allöopathisch.= Die folgende Vorschrift wird von Dr. Pancoast von Philadelphia empfohlen. Man wechselt mit den Mischungen jeden Tag ab; das heißt, man nimmt No. 1 den einen und No. 2 den nächsten Tag u.s.w.

No. 1. -- Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (~Precip. carbonate of iron~) 5 Drachmen. Sturmhut- (~Conium~) Extrakt 2 „ Peru Balsam 1 Drachme. Zimmetöl 20 Tropfen. Syrup 8 Unzen. Pulverisirter Gummi Arabicum 2 Drachmen.

Mische. Dosis: 2 Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag nach den Mahlzeiten. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

No. 2. -- Brechnuß-Tinktur (~Tinct. of Nux Vomica~) 1 Drachme. Eisen-Iodide-Syrup (~Syrup iodide of iron~) 1 Unze. Syrup 4 Unzen.

Mische dieses. Dosis: ein Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag in Wasser nach den Mahlzeiten. Eine andere Behandlung:

Man reinige die Eingeweide mit der folgenden Mischung:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Salpetersaures Kali (~Nitrate of potash~) 10 Grane. Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~) 1 Skrupel. Zusammengesetzter Senna-Aufguß (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen. Jalappen-Tinktur (~Tinct. of jalap~) 3 Drachmen. Flüchtiger Salzgeist (~Spirits of sal volatile~) 1 Drachme.

Mische dieses. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll zu einer Zeit, mit Zwischenräumen von zwei Stunden, bis die Wirkung eintritt.

Auf dieses verordne man schwefelsaures Eisen 5 Grane, Enzian- (~Gentian~) Extrakt 10 Grane.

Bereite hieraus 3 Pillen und nehme 1 Pille zweimal des Tages mit zusammengesetzten Aloe- oder Rhabarber-Pillen jeden Abend.

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Frauen mit mildem, ruhigem Temperament, welche oft traurig sind und viel weinen, oder wenn Erkältung und Bloßstellung in der Witterung die Krankheit verursachten. Die folgenden Symptome deuten auf die Verordnung dieser Arznei hin: Fahle Farbe mit Röthe und Hitze abwechselnd, Herzklopfen, kalte Hände und Füße, Schwerathmen, mit einem Erstickungsgefühl nach jeder Anstrengung, öfterer Stuhlgang und Weichheit desselben, Uebelkeit und Erbrechen, Anschwellen der Füße, Frösteln, Ohrensausen und Gesichts-Neuralgie.

~Bryonia.~ -- Mag abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden, wenn Blutanhäufungen in der Brust vorkommen, Hartleibigkeit, Nasenbluten, Hitze abwechselnd mit Frösteln, Husten, wobei Klumpen schwarzen Blutes abgehen, Schmerzen im Kreuz.

~Ferrum.~ -- Bei großer Schwäche, Appetitlosigkeit, Uebelsein und hektischem Husten, wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen, Fahlheit der Haut, die Lippen sind beinahe blutlos, Schwierigkeit beim Athmen, Mangel an Lebenswärme.

~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, namentlich wenn die obigen Heilmittel nicht wirkten. Klopfende Schmerzen im Kopf, Ohrensausen, saures Aufstoßen vom Magen, Hartleibigkeit mit harten Stuhlabgängen, große Bedrückung nach dem Sprechen, Schwierigkeit beim Athmen mit Druck in der Brust.

~Calcarea Carbonica.~ -- Kann nach ~Sulphur~ gebraucht werden, namentlich wenn die Abzehrung sehr bedeutend ist und die Patientin Schwierigkeit beim Athmen hat.

~China~ und ~Carbo Vegetabilis~. -- Eine Dosis abwechselnd jeden Abend 5 oder 6 Wochen lang, wenn das Uebel nach einer heftigen Krankheit oder nach Hämorrhoiden eingetreten ist.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man verordne vom gewählten Heilmittel 5 oder 6 Kügelchen -- trocken -- einmal in 4 Stunden. Sobald Besserung eintritt, so gebe man die Arznei alle 12 Stunden oder alle 2 oder 3 Tage.

+Kost.+ Diese sollte ganz einfach, aber nahrhaft sein. Man vermeide alle Stimulanten und hochreifen Früchte &c. Kaffee, grüner Thee und Liquöre dürfen nicht genossen werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Um den Stuhlgang regelmäßig zu erhalten, gebrauche man zusammengesetzte Leptandrin-Pillen (~Compound pill of leptandrin~), jeden Abend zu nehmen. Wirkt diese Dosis nicht, so füge zu jeder Pille 1/20 Gran Brechnuß (~Nux Vomica~) hinzu. Ist der Magen sauer, so gebe kohlensaures Natron (~Carbonate of soda~), oder kohlensaures Kali (~Carbonate of potash~), oder kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~), mit Gelbwurz- oder Quassia-Thee. Zur Verbesserung des Blutes brauche folgendes:

Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 5 Drachmen. Assafötida 3½ Skrupel. Entenfuß (~Podophyllin~) 8 Grane.

Mische dieses und bereite 24 Pulver daraus und verordne 1 Pulver dreimal des Tages.

Oder dieses:

Myrrhen-Tinktur, Aloe-Tinktur, von jedem 1½ Unzen, Blutwurzel- (~Blood root~) Tinktur, salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct. of iron~), von jedem eine Unze. Mische dieses und verordne einen Theelöffel dreimal des Tages.

Oder die folgenden Pillen:

Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~), zu pulverisiren und an die Luft zu setzen, bis es trocken und weiß wird 1 Drachme. Chinin (~Quinine~) 30 Grane. Myrrhen (~Gum Myrrh~) 30 „ Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „

Hiervon bereite man 60 Pillen mit Enzian-Extrakt (~Extract of gentian~) und nehme eine Pille Abends und Morgens.

Die zusammengesetzten Pillen von blausaurem Eisen (~Compound pills of ferrocyanuret of iron~) werden ebenfalls empfohlen. Man nehme dieselben Morgens und Abends. Man sollte eines dieser Präparate mehrere Wochen lang hinter einander nehmen und alsdann ein anderes.

Uebermäßige Menstruation (~Profuse Menstruation -- Menorrhagia~).

Dies ist, wie der Name angiebt, ein übermäßiger Blutfluß während der Menstruation. Die Quantität Blut, die während der Monatsperiode ausfließt, ist bei verschiedenen Frauen verschieden, beträgt aber gewöhnlich zwischen vier und acht Unzen. Die Quantität mag an der Zahl der gebrauchten Tücher (~Napkins~) geschätzt werden. Jedes derselben enthält etwa ½ Unze oder einen Theelöffel voll, so daß 8 Napkins 4 Unzen enthalten würden, 20 zehn Unzen u.s.w. Bei manchen Frauen mag der Blutausfluß sehr reichlich sein, ohne daß dadurch die Gesundheit beeinträchtigt würde.

+Ursachen.+ Dieses Uebel mag durch einen schwachen Zustand der Gebärmutter, durch vieles Kinderzeugen, Frühgeburten, üppiges Leben und zu langes und zu vieles Säugen, oder durch Gemüthsbewegungen, übermäßige Anstrengung, Tanzen, Fälle, schweres Heben, Erkältungen und geistige Aufregung erzeugt werden.

+Symptome.+ Erschöpfung der Körperkräfte, Schwäche und Schmerz im Rücken, der sich bis zu den Hüften und über die Lenden zieht, fahles, eingesunkenes Gesicht, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen, Schmerz in der linken Seite, im Magen und in den Gedärmen, manchmal Diarrhöe mit großer Nervenschwäche.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Patientin muß sich auf ein hartes Lager niederlegen und keinerlei stimulirende Speisen und Getränke genießen. Das Zimmer sollte kühl und sie sollte mit leichten Decken bedeckt sein. Man bade die Füße in warmem Wasser, und wenn der Ausfluß sehr stark ist, so lege Tücher, gut mit Essig und Wasser getränkt, auf den Unterleib. Die Hüften müssen höher zu liegen kommen als der Kopf, und nur in den äußersten Fällen sollte man zum Verstopfen greifen. Muß es aber geschehen, so nehme man ein etwa 4 Zoll im Quadrat großes Stück Linnenzeug und bringe dasselbe in die Scheide, so daß diese angefüllt wird, worauf man eine Binde zwischen den Beinen befestigt. Kalte Hüftenbäder, sowie das Einspritzen von kaltem Wasser in die Scheide werden, falls die Blutung nicht heftig ist, dienlich sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Man nehme gleiche Theile pulverisirten Alaun, Geranium und Holzkohle, mische dieses und gebe davon 15 Grane alle 10-20 Minuten; oder je einen Theelöffel voll Salpeter und Alaun; mische dieses und vertheile die Masse in 6 Pulvern, von welchen eins alle 2-4 Stunden zu geben ist. Ein aus ganzem Zimmet (~Cinnamon bark~), oder ganzem Zimmet und den Blättern der rothen Himbeerstaude bereiteter Thee wird wohlthätig wirken, wenn die Patientin viel davon trinkt. Auch wird ein aus gleichen Theilen kurzblätterigem Dreiblattklee (~Beth root~), blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh~) und mehliger Aletris bereiteter Thee, von welchem je eine halbe Unze mit einem Pint kochenden Wasser vermischt wird, sehr empfohlen. Hiervon mag während eines Tages ein Pint getrunken werden. Zur selben Zeit nehme man alle Stunde oder 2 Stunden ein aus 5 Granen span. Pfeffer (~Cayenne~), ½ Gran Opium und 1 Gran Ipecacuanha (~Ipecac~) zusammengesetztes Pulver. Sind bedeutende Schmerzen vorhanden, so kann das folgende alle zwei oder drei Stunden verordnet werden: ½ Gran Morphium, 4 Grane spanischen Pfeffer, 4 Grane Harz (~Rosin~) in Brombeerensyrup zu geben. In manchen Fällen wird salzsaure Eisentinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen von 15 Tropfen alle halbe Stunde oder mehr, je nach Heftigkeit der Symptome, gute Dienste leisten. Zwischen den „Perioden“ gebe man zur Verhütung der Ueberblutung zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~) ein- oder zweimal des Tages und lasse die Patientin viel Thee von Brombeerwurzel oder kurzblätterigem Dreiblattklee trinken.

=Homöopathisch.= ~Ipecac.~ -- Wenn der Ausfluß hellroth und die Menstruation zu oft eintritt. Man mag ~Sabina~ darauf folgen lassen.

~Belladonna.~ -- Wenn die Menstruation zu frühe wieder eintritt und die Patientin drückende Schmerzen mit heftigem Kopfweh empfindet, geröthetes Gesicht und kalte Gliedmaßen.

~Orocus.~ -- Ist ein wichtiges Heilmittel und ist zu gebrauchen, wenn der Ausfluß aus dunkeln Klumpen besteht.

~Chamomilla.~ -- Wenn der Ausfluß dunkelroth und verbunden ist mit kolikartigen Schmerzen, die den Wehen ähnlich sind, heftiger Durst, Kopfweh, mit geschwächtem Augenlicht und Ohrensausen.

~Nux Vomica.~ -- Wenn der Ausfluß plötzlich heftig ausströmt, eine Zeitlang aufhört und dann wieder beginnt. Unterleibskrämpfe, Uebelkeit, Erbrechen, Ohnmachten; ein Gefühl der Schwere und des Wundseins, als ob dasselbe von einer Quetschung herrühre.

~Calcarea Carbonica~ -- ist gegen hartnäckige Fälle sehr gut, wo der Ausfluß lange Zeit stattgefunden und bedeutende Störungen im Organismus veranlaßt hat. Geeignet für Personen mit schwachen, schlaffen Muskeln und skrophulösem Organismus.

~Secale.~ -- Bei sehr starkem Ausfluß mit heftigem Krampf, krampfhaftem Jucken in den Füßen und Kälte der äußeren Gliedmaßen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Heilmittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle halbe Stunde, oder jede Stunde oder zwei Stunden einen Theelöffel voll, je nach der Heftigkeit der Symptome.

=Allöopathisch.=

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 10 Grane. Pulverisirtes Opium 6 „

Bereite hieraus 10 Pillen und nehme eine Pille alle eine oder zwei Stunden, bis sich der Ausfluß vermindert. Das folgende wird sich als sehr wirksames Mittel erweisen:

Zimmetöl (~Oil cinnamon~) 2 Drachmen. Berufskraut- (Can. Flöhkraut) Oel (~Oil erigeron~) 2 „ Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Drachme. Wasser 4 Unzen.

Dosis: Einen oder zwei Theelöffel voll alle 1, 2 oder 3 Stunden in versüßtem Wasser.

Wenn die Patienten robust und alle anderen Funktionen in Ordnung sind, so werden Blutungen an den Lenden mittelst Blutegel gute Dienste leisten, dabei verordne das Folgende:

Galläpfel-Säure (~Gallic acid~) 20 Grane. Rother Mohnsamen-Syrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen. Gummi Arabicum-Schleim (~Mucilage of gum arab.~) 2 „ Wasser 3½ Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

Zwischen den Monatsperioden muß man den Körper durch ein Eisenpräparat zu stärken suchen; eines der besten ist das folgende:

Kohlensaurer Eisenniederschlag (~Prec. carb. of iron~) 5 Drachmen. Eisenhut-Extrakt (~Extract conium~) 2 „ Peruanischer Balsam (~Balsam Peru~) 1 Drachme. Zimmetöl (~Oil cinnamon~) 20 Tropfen. Syrup 8 Unzen. Pulverisirtes Gummi Arabicum 2 Drachmen.

Dosis: Zwei Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages in Wasser. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

Das folgende wird sehr geschätzt:

Ammoniakcitronensaures Eisen (~Ammonia citrate of iron~) 2 Drachmen. Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound tincture of cardamons~) 2 „ Chirayta-Aufguß (~Infusion of chiretta~) 5½ Unzen.

Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Eine andere erfolgreiche Arznei wird von Prof. Meigs in Philadelphia empfohlen:

Pulverisirter Alaun (~Pulv. Alum~) 5 bis 20 Grane. Geriebene Muskatnuß (~Grated nutmeg~) 2 „

Bereite hieraus ein Pulver und gebe dasselbe in aus weißem Zucker, den man kochen läßt, bereitetem Syrup alle Stunden.

Schwere Menstruation (~Menstrual Colic, Painful Menstruation -- Dysmenorrhœa~).

Dieses Uebel ist durch den Namen gekennzeichnet, welcher eine mit Schwierigkeiten verknüpfte Monatsperiode bedeutet, mit vorhergehenden heftigen Schmerzen im Rücken und dem Unterleib.

+Ursachen.+ Erkältungen, die sich Frauen während der Menstruation zuziehen, Erschrecken, heftige Geisteserregungen, hartnäckige Hartleibigkeit, sitzende Lebensweise, kleiner Mund und Hals der Gebärmutter. Frauen, welche mit diesem Uebel behaftet sind, werden gewöhnlich von demselben durch Heirath befreit.

+Symptome.+ Heftige, drückende Schmerzen in der Gegend der Gebärmutter, wehenartige Schmerzen, Ruhelosigkeit, Frösteln abwechselnd mit Hitze, Kopfweh, Schmerz im Kreuz (~Small Back~) im Unterleib und den Lenden. Der Ausfluß ist gering und enthält Fasern und Blutklumpen.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Patientin sollte sogleich ins Bett gehen und sich warm zudecken. Sie darf keine stimulirenden Speisen und Getränke gebrauchen; soll aber warme Fußbäder, Sitzbäder und Aufschläge von Hopfen oder Tüchern, die in warmes Wasser getaucht wurden, anwenden.

=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen im Unterleib derart sind, als ob die dortigen Theile fest umspannt wären, heftige Schmerzen im Rücken, drückende Schmerzen, als ob die Theile herausfallen wollten. Die Schmerzen treten vor dem Blutausfluß ein und sind mit Blutandrang nach dem Kopf und Kopfweh begleitet; erschreckende Visionen, rothes, aufgedunsenes Gesicht und heftiger Durst.

~Pulsatilla.~ -- Unterleibskrämpfe mit Abgang von Klumpen dunkeln oder blassen Blutes, drückende Schmerzen im Unterleib, im Kreuz und in den Seiten, Uebelkeit und Erbrechen, häufige Neigung zum Stuhlgang und Urinmachen.

~Coffea.~ -- Große Nervenaufregung, Zähneknirschen, Schreien, Kolik, Vollheit und Druck im Unterleib, Kälte des Körpers. Mag abwechselnd mit ~Pulsatilla~ verordnet werden.

~Chamomilla.~ -- Wehenartige Schmerzen, Menstruation zu stark, zu frühe und mit heftigen Unterleibskrämpfen verbunden.

~Nux Vomica.~ -- Gebärmutterkrämpfe, zerrende Schmerzen im Unterleib und Schmerzen im Rücken, als ob dieser gebrochen wäre, Uebelkeit und Neigung zum Urinmachen.

~Secale Cornutum.~ -- Schneidende, reißende Kolik mit starkem, lang anhaltendem Ausfluß, blasses Gesicht, kalte Gliedmaßen und kalter Schweiß.

~Veratrum.~ -- Kolik mit Uebelsein und Erbrechen, nervöses Kopfweh, Kälte der Füße, Nase und Hände, Ohnmachtanfälle.

=Allöopathisch.= Das folgende wird sehr empfohlen:

Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of aconite leaves~) 2 Drachmen. Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze. Morphium 3 Grane. Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll alle halbe Stunde, bis Linderung eintritt.

Oder „Dover’s Pulver,“ 10 oder 15 Grane auf einmal zu geben und 5 Grane in einer Pille alle 3 bis 4 Stunden; nach jeder Pille gebe man eine Dosis der folgenden Mischung:

Essigsaure Ammoniak-Auflösung (~Solution of acetate of ammonia~) 1½ Unze. Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen. Syrup 2 „ Kampher-Mischung (~Camphor mixture~) 4 Unzen.

Mische dies. Dosis: Den vierten Theil.

Zwischen den Perioden hat sich die Patientin viel Bewegung zu machen; ein warmes Hüftbad drei Abende in der Woche zu nehmen, wobei Wasser tief in die Scheide einzuspritzen ist. Man halte den Stuhlgang mit Aloe- oder Myrrhen-Pillen regelmäßig und nehme einen kleinen Theelöffel voll flüchtige Guajack-Tinktur (~Volatile tincture of guaicum~) dreimal des Tages in Wasser. Kurz vor der Zeit, da die Periode eintritt, nehme man folgendes am Abend:

Calomel (geläutertes Quecksilber) 3 Grane. Opium 1 Gran.

Morgens nehme man eine Dosis Castoröl und beim Eintritt der Periode Dover’s Pulver und Mischung, wie oben angegeben. Diese Behandlung ist jedesmal zwischen den Perioden zu wiederholen, bis Besserung eintritt.

Das folgende sollte nach der Empfehlung von Prof. Meigs einige Tage vor dem Eintritt der Menstruation verordnet werden:

Säuerliche Zeitlosen-Tinktur (~Acetous tincture of colchicum~) 3 Drachmen. Magnesia 1 Drachme. Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 3 Drachmen. Distillirtes Münz- oder Zimmet-Wasser 4 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Ein kleines Weinglas voll alle zwei oder drei Stunden, bis die Medizin wirkt. Ehe man dieses Mittel einnimmt, sollte den Abend zuvor eine kleine Dosis Blaupillen (~Blue pills~) verordnet werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Schaffe Stuhlgang-Oeffnung durch folgendes:

Pulverisirte Aloe 30 Grane. Gummigutt (~Gamboge~) 30 „ Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „ Spanischer Pfeffer (~Cayenne~) 10 „

Bereite daraus mittelst Gummi Arabicum Schleim 30 Pillen, nehme 3 Pillen für eine Dosis alle 4-6 Stunden, bis sie wirken. Ein heißer Hopfen-, Rainfarn- (~Tansy~) oder Wasserdost- (~Boneset~) Umschlag mag auf den Unterleib gelegt werden. Zu gleicher Zeit nehme das folgende:

Pulverisirter Kampher } je 25 Grane. Macrotin } Brechwurz } Spanischer Pfeffer } je 12 „ Opium }

Bereite hieraus 25 Pillen mittelst Bilsenkraut- (~Hyosciamus~) Extrakt und nehme alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Pille, je nach den Symptomen. Ein Dunstbad (~Spirits vapor bath~) leistet in manchen Fällen ausgezeichnete Dienste. Auch wird Gelsamin-Tinktur (~Tinct. of Gelseminum~) in Dosen von ½ Theelöffel voll alle Stunden oder öfters zu nehmen, empfohlen. Sind die Schmerzen sehr heftig, so füge man 5 Tropfen Sturmhut-Tinktur (~Tinct. of Aconite~) zu jeder Dosis. Zwischen den Perioden gebrauche folgendes:

Kampher 1½ Skrupel. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 35 Grane. Stechapfel-Extrakt (~Extract of Stramonium~) 20 „

Bereite hieraus mittelst Aletridin 80 Pillen und nehme 1 Pille alle 4-5 Stunden.

Der zusammengesetzte Syrup der Mitchella (~Partridge berry~) wird für hartnäckige Fälle sehr empfohlen und muß lange Zeit damit fortgefahren werden.

Unterdrückte Menstruation (~Supression of the Menses -- Amenorrhœa~).

Hierunter versteht man ein Ausbleiben der Monatsperiode, nachdem dieselbe bereits eingetreten, und mag dieses Uebel entweder acut oder chronisch sein.

+Ursachen.+ Erkältungen, die sich die Betreffende während des Blutausflusses durch nasse Füße &c. zugezogen hat, Furcht, Erschrecken, Gemütsbewegungen, Angst, Fieber und andere acute Krankheiten. Chronische unterdrückte Menstruation kann entweder durch die acute herbeigeführt, oder durch geschwächten Körperzustand und Krankheiten des Eierstocks und der Gebärmutter verursacht werden. Auch mag dieses Uebel durch ein verschlossenes Hymen entstehen, in welchem Falle es von einem Arzte aufgeschnitten werden muß.

+Symptome.+ Folgende Symptome zeigen sich bei solchen Frauen, deren Körper und Geschlechtsorgane vollkommen entwickelt sind: Kopfweh, Fieber, heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schwere, Vollheit und Pochen im Mittel- und Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte Füße und Hände. Frauen, die nervös und von zartem Körperbau sind, haben hysterische Anfälle und selbst Epilepsie. Die Symptome der chronischen Periodenunterdrückung sind: Abnahme der Gesundheit, Appetitlosigkeit, Fahlheit der Haut, Schmerzen im Rücken und den Seiten, Hartleibigkeit und Kopfweh.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Ist die Periodenunterdrückung durch eine Krankheit verursacht, so muß diese gehoben werden, ehe die Menstruation wieder eintreten kann. Gegen plötzliche Unterdrückung gebrauche man warme Sitz- oder Fußbäder. Auf den Unterleib lege man in warmes Wasser getauchte Tücher und trinke viel warmes Wasser. Ist die Unterdrückung chronisch und die Patientin von zartem Körperbau, so gebrauche man zwischen den Perioden das Sturzbad oder den Badzuber (~full bath~) und verwende dazu kaltes oder lauwarmes Wasser und reibe den Körper mittelst eines rauhen Handtuchs tüchtig ab, namentlich am Unterleib, den Lenden und den Geschlechtstheilen.

=Allöopathisch.= Ein warmes Hüftbad wird den Blutausfluß gewöhnlich herbeiführen. Ist die Gebärmutter entzündet, so verordne das folgende:

Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of Aconite leaves~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze. Syrup 3 Unzen.

Dosis: einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.

Kann der Ausfluß nicht herbeigeführt werden, so warte, bis die Zeit kommt, wo die nächste Periode eintreten sollte. Einige Tage vor derselben sollten die Eingeweide vollkommen geöffnet werden und in diesem losen Zustand bis zur Zeit bleiben, wo der Ausfluß beginnen sollte. Die Aloe- und Eisen- (~Aloes and Iron~) Pillen vom Vereinigten Staaten Dispensatorium sind hierfür eines der besten Mittel. Man verwende von 1 zu 3 Pillen täglich. Wenn keine Ursache für die Unterdrückung der Monatsregel -- z. B. Schwangerschaft, Entzündung des Mutterhalses, und die Frau leidet durch die Unterdrückung, so verordne das folgende:

Caulophyllin (Wiesenrautenstammblatt) 1 Drachme. Sturmhut-Extrakt 8 Grane. Aloe 10 „ Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~) 10 „

Hieraus bereite 40 Pillen. Dosis: 2 oder 3 Pillen Morgens und Abends.

Oder dies:

Aloe 1 Drachme. Myrrhen 1 „ Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of Iron~) 1 „ Schwarzer Nieswurz-Extrakt (~Extract black hellebore~) 1 „ Sabinöl (~Oil of savine~) 1 „

Mache 30 Pillen daraus. Dosis: 1 Pille drei- bis sechsmal täglich.

Diese Mittel sollten immer einige Tage vor der Zeit, wo die Periode eintreten sollte, genommen werden. Ist die chronische Unterdrückung die Folge irgend einer acuten Krankheit, so muß immer die Gesundheit zuerst wieder hergestellt werden, denn bei geschwächtem, kränklichem Körperzustand die Menstruation mit Gewalt herbeizuführen, ist schädlich. Ist die Gesundheit wieder fest, so nehme man unmittelbar vor der Rückkehr der Periode ein warmes Hüftbad alle Abend, sechs Abende hinter einander, und eine der folgenden Pillen dreimal des Tages:

Frisch pulverisirtes Roggenmutterkorn (~Fresh powd. ergot of rye~) 50 Grane. Barbadös Aloe 12 „ Wesentliches Wachholderbeerenöl (~Essential oil of juniper~) 12 Tropfen.

Mache mittelst Schleim oder Syrup hieraus 12 Pillen und verschlucke jede mit einer Theetasse voll am. Ysop-Thee (~Pennyroyal~).

=Eclectische und Kräuterkur.= Ist die Patientin hartleibig, so gebrauche das Jalappenpulver (~Powder of jalap~). Lege auf den Unterleib Umschläge von Hopfen oder Rainfarn (~Tansy~). Amerikanischer Ysop-, Rainfarn-, Ingwer- (~Ginger~) oder Mutterkraut- (~Motherwort~) Thee kann oft getrunken werden. Auch mag in kurzen Zwischenräumen die zusammengesetzte Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) gegeben werden. Gegen Hartleibigkeit mögen die bei schwerer Menstruation empfohlenen Pillen aus Aloe, Gummigutt und Entenfuß gegeben werden. Einige Tage vor der Zeit der Periode ist dreimal des Tages eine halbe Theetasse voll Thee aus Eisenhand (auch Eisenkraut, englisch ~Vervine~) zu trinken. Dies wird sehr empfohlen.

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn die Unterdrückung durch Schreck oder Erkältung herbeigeführt worden, mit Blutandrang im Kopf und der Brust, geröthetes Gesicht, Uebelsein, Ohnmachtanfälle, Schwindel. Dies Mittel mag abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden. Bewirken die Arzneien nur theilweisen Erfolg, so gebe man ~Opium~.

~Belladonna.~ -- Für robuste Patientinnen, bei denen alle andern Funktionen in Richtigkeit sind. Kopfweh und Pulsiren im Kopfe, geröthetes Gesicht, Blutandrang im Kopf und der Brust, großer Durst.

~Bryonia.~ -- Kopfweh und Schwindel, welche durch Bewegung, und wenn die Patientin mit der Bewegung aufhört, vermehrt werden, Schmerz im Magen, saures Aufstoßen, Hartleibigkeit, Nasenbluten.

~Pulsatilla.~ -- Dies ist gegen die Krankheit das wichtigste Heilmittel und wird angewandt, wenn die Unterdrückung durch Erkältung verursacht ist, heftiges Kopfweh, namentlich an einer oder der andern Seite des Kopfes, mit schießenden Schmerzen, die sich ins Gesicht, zu den Ohren und Zähnen ziehen; Schwindel mit Ohrensausen, Herzklopfen, kalte Hände und Füße, Hitze, Uebelsein und Erbrechen, Druck im Unterleib, Erstickungsgefühl bei der geringsten Anstrengung, häufige Neigung zum Urinlassen, weißer Fluß, Traurigkeit.

~Sepia.~ -- Nervöses Kopfweh mit abwechselndem Frösteln und Hitze, Kolik und Schmerzen in den Seiten, blasse Hautfarbe oder gelbe Flecken im Gesicht, Weinen, hysterische Störungen; namentlich dann anzuwenden, wenn weißer Fluß vorhanden ist.

~Veratrum.~ -- Nervöses Kopfweh, Uebelsein und Erbrechen, kalte Hände und Füße, Schwäche und Ohnmachtanfälle.

~Sulphur.~ -- Kopfweh, namentlich im Hinterkopf, Gefühl der Schwere und des Vollseins im Kopf, Pulsiren, fahle Gesichtsfarbe mit rothen Flecken im Gesicht, saurer Magen, Druck im Unterleib, Hartleibigkeit, unerfolgreiche Anstrengungen zum Stuhlgang, oder Diarrhöe mit schleimigem Abgang, Hämorrhoiden, weißer Fluß mit Jucken an den Geschlechtstheilen, Schmerzen in den Lenden, Schwerathmen, aufgeregter Gemüthszustand und Traurigkeit. Bei chronischen Fällen, wenn die Patientin sehr schwach ist, gebe entweder ~China~, ~Graphites~, ~Arsenicum~ oder ~Natrum Muriaticum~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe 1 Theelöffel voll alle 1 oder 2 Stunden, je nach den Symptomen. Wenn der Ausfluß sich nicht einstellt, wohl aber die Symptome gehoben sind, so höre mit der Medizin auf und beginne wieder einige Tage vor der nächsten Periode.

Aufhören der Menstruation oder Uebergangszeit (~Cessation of the Menses -- Change of Life~).

Unter dem Ausdruck „Uebergangszeit oder kritische Periode“ versteht man das Aufhören der Menstruation. Dieses tritt gewöhnlich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahre ein, obgleich es in einigen Fällen auch schon in den dreißiger und in anderen erst mit den sechziger Lebensjahren stattfinden mag. Gewöhnlich aber zeigt sich die Lebensveränderung um das 45. Lebensjahr. Die Symptome sind je nach der Körperorganisation der betreffenden Frau verschieden. Bei manchen äußert sich das Aufhören der Menstruation durch verringerte Menge des Blutausflusses, bei andern dadurch, daß es länger als gewöhnlich ansteht, bis die Periode wieder eintritt. Eine Frau mag in dieser Zeit weiter nichts fühlen als einen zeitweiligen Blutandrang nach dem Kopfe und Kopfweh. Bei andern aber zeigen sich ernstliche Symptome, welche die Behandlung eines geschickten Arztes erfordern. Den in dieser Lebensperiode sich äußernden körperlichen Uebelständen sollte gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden, und man darf sich nicht damit beruhigen, daß dieselben eben vom Aufhören der Menstruation herrühren und von selbst gehoben würden, sobald der kritische Zeitpunkt überstanden sei; denn in dieser Zeit mögen bedeutende Krankheiten verursacht werden, welche der Frau das Leben zur Zeit der Qual machen, während sie andernfalls sich eines glücklichen Alters hätte erfreuen können. Während der Uebergangszeit wird die Gesundheit der meisten Frauen mehr oder weniger gestört sein; aber zu sagen, was und wo das vorhandene Uebel sei, dies ist manchmal unmöglich, und man gewahrt eben nur Unwohlsein. Folgendes sind die Symptome, die zu Tage treten mögen:

+Symptome.+ Kopfweh, Schwindel, Gallsucht, saurer Magen, Unverdaulichkeit, Diarrhöe, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Jucken der Geschlechtsteile, Krämpfe und Kolik im Unterleib, Herzklopfen, Anschwellen der Gliedmaßen und des Unterleibes, Schmerz im Rücken, den Lenden, Blässe und Schwäche.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Man sei im Essen und Trinken mäßig und schlafe in geräumigen, gut ausgelüfteten Zimmern, genieße keine Stimulanten, bewege sich täglich in der frischen Luft, entweder durch Gehen oder Reiten, vermeide heftige Gemüthsbewegung und das sich nasser und stürmischer Witterung Aussetzen, nasse Füsse &c.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Schwindel und Kopfschmerz gebe das zusammengesetzte Jalappen-Pulver (~Compound powder of jalap~) oder das zusammengesetzte Leptandrin-Pulver (~Compound powder of leptandrin~).

=Homöopathisch.= Die am meisten zu benützenden Mittel sind ~Pulsatilla~, ~Lachesis~, ~Bryonia~, ~Cocculus~, ~Ignatia~ und ~Sulphur~. Gewöhnlich kann die Behandlung mit ~Pulsatilla~ und ~Lachesis~ begonnen werden. Man verordne 1 Dosis (6 Kügelchen) von ~Pulsatilla~ vier Tage lang; sodann höre mit Medizingeben vier Tage lang auf und darnach gebe ~Lachesis~ in derselben Weise. Werden die Symptome schwächer, so gebe keine Medizin, so lange sich die Patientin auf der Besserung befindet. ~Bryonia~ giebt man, wenn Blutandrang nach dem Kopf, Schwindel &c. vorhanden sind, und ~Ignatia~, wenn die Patientin erregt und nervös ist.

=Allöopathisch.= Halte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem offen:

Mercurial-Pillen 1 Gran. Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~) ½ „ Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound rhubarb pill~) 3 Grane.

Mische dieses und bereite eine Pille daraus und nimm solche jeden Abend.

Oder eine Unze ~Hicra Picra~, oder pulverisirte Aloe und Castella mit einem Pint Wachholderbeeren-Branntwein (~Gin~) vermischt. Die Mischung sollte von 4 zu 5 Tagen stehen bleiben, worauf ein Eß-Löffel voll in ein Glas Wasser jeden Morgen oder alle andern Morgen, je nachdem, zu nehmen ist.

Ist die Patientin korpulent, feist und robust, so wird das folgende empfohlen:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen. Zusammengesetzter Rosenaufguß 5 „ Zimmetwasser 1 Unze.

Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll einmal täglich.

Sind nervöse Symptome vorhanden, so gebe:

Baldriansaures Zink (~Valerianate of zinc~) 8 Grane. Baldrian-Tinktur (~Tincture of Valerian~) 2 Drachmen. Orangenblumen-Wasser 3½ Unzen. Rother Mohn-Syrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: ein Eßlöffel voll alle 6 Stunden.

Drittes Kapitel.

Vorfall der Gebärmutter (~Falling of the Womb -- Prolapsus Uteri~).

Zum besseren Verständniß dieser Krankheit ist einige Kenntniß von dem Bau dieses Organs nöthig. Die Gebärmutter hat die Form einer Birne und ist zwei und einen halben bis drei Zoll lang, einen und dreiviertel Zoll weit und endigt nach unten in den Muttermund, oder Mutterhals, welcher etwa einen halben Zoll weit ist. Das Gewicht der Gebärmutter beträgt ungefähr 1½ Unze. Dieselbe liegt im unteren Theile des Unterleibs, im sogenannten Becken zwischen der Blase und dem Mastdarm. Gehalten wird die Gebärmutter theils dadurch, daß sie auf dem oberen Ende der Scheide ruht und nebstdem an vier Bändern befestigt ist. Die Bänder sind etwa 2½ Zoll lang und sie sind dazu vorhanden, um dieses Organ in richtiger Lage zu erhalten. Vorfall der Gebärmutter ist ein Sinken derselben und kann dieses so gering sein, daß es gar nicht bemerkt wird, oder so stark, daß sich das Organ durch die Oeffnung der Scheide zwischen die Beine drängt.

+Ursachen.+ Es ist dies nicht sowohl eine Krankheit der Gebärmutter selbst, als vielmehr eine Krankheit der Theile, die sie zu stützen und in Lage zu erhalten haben. So lang als die Scheide ihre natürliche Größe beibehält und die Bänder nur 2½ Zoll lang sind, wird dieses Organ nicht aus seiner Lage verrückt werden. Alles, wodurch der Körperorganismus geschwächt und schlaff wird, mag dieses Uebel herbeiführen. Wenn z. B. die Muskeln des Unterleibs, welche die Eingeweide halten und stützen, aus irgend welcher Ursache erschlaffen, so werden die Eingeweide auf die Gebärmutter und deren Bänder Druck ausüben, welcher endlich ein Nachgeben derselben veranlaßt. Eine andere Ursache ist in zu früher Leibesbewegung nach dem Kindbett zu suchen. Ebenso wird starker Blutabfluß oder weißer Fluß, wenn diesen Uebeln kein Einhalt gethan wird, diese Krankheit erzeugen. Beständiges Stiegenauf- und absteigen von Seiten zartgebauter Frauen, enges Schnüren, Tanzen, Hüpfen und Springen, namentlich während der Monats-Periode, wo die Gebärmutter schwerer ist als sonst, weil sie mehr Blut enthält, sowie der Gebrauch solcher Medizinen, welche den „Stuhlgang öffnen“ und die von Vielen angewandt werden, sind die veranlassenden Ursachen von Gebärmutter-Vorfall.

+Symptome.+ Die Symptome sind, je nachdem das Organ mehr oder weniger aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs nöthig hätten. Diese Träger (~Supporters~) richten jedoch viel Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt, vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig, die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument -- Mutterkranz (engl. ~Pessary~, lat. ~Pessarium~) genannt. Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer Spritze (~Syringe~) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht stimulirend sein.

=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Kranke im Unterleib ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte, Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib, große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke Menstrualblutung.

~Sepia.~ -- Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem, röthlichem oder fauligem Ausfluß.

~Nux Vomica.~ -- Druck abwärts, namentlich während oder nach dem Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.

~Calcarea Carbonica.~ -- Ausgezeichnet für Personen mit schwachem Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.

Man beginne die Behandlung mit einer Dosis ~Nux Vomica~ alle 4 Stunden und fahre damit eine Woche lang fort. Die folgende Woche setze aus und die dritte verordne eine Dosis ~Sepia~ Morgens und Abends. Deuten die Symptome auf den Gebrauch von ~Belladonna~ hin, so verordne dieses anstatt ~Nux Vomica~.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gebrauche einen Aufguß von Weißeichenrinde oder Geranium, oder eine Dosis Alaunauflösung im Verhältniß von einer Unze zu einem Pint Wasser. Die Entzündung der Gebärmutter muß geheilt werden, wenn diese Krankheit vorhanden ist, ehe der Mutterkranz angewandt werden kann. Man gebe Sturmhut-Tinktur (~Tincture of aconite~), zusammengesetzte Pulver von Brechwurz und Opium (~Compound powder of Ipecac and Opium~) mit Einspritzung von Lobelia- und Hopfen- oder von Belladonna-Aufguß.

Ein ausgezeichnetes Einspritzmittel läßt sich aus gleichen Theilen Pfirsichblätter, Smilacine (~Solomon’s seal~) und Hopfen bereiten. Ist Hitze und Schwierigkeit beim Urinlassen vorhanden, so trinke man einen aus Eibisch (~Marsh mallow~) und Münze (~Spearmint~) bereiteten Aufguß. Ist die Patientin schwach, so verordne man ein Eisenpräparat, z. B. citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) und Chinin (~Quinine~), oder den zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~).

=Allöopathisch.= Gebrauche das folgende Stärkemittel (~Tonic~):

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate quinine~) 25 Grane. Citronensaures Eisen (~Citrate of iron--soluble~) 35 „

Bereite hieraus 24 Pulver und nehme eins derselben dreimal täglich nach jeder Mahlzeit in süßem Wein, oder gebrauche das schwefelsaure Eisenniederschlag-Präparat, welches unter „übermäßiger Menstruation“ angegeben ist.

Der weiße Fluß (~Whites -- Flour Albus -- Leucorrhœa~).

Der Name dieser Krankheit in den verschiedenen hier angegebenen Sprachen bezeichnet dieselbe. Sie besteht aus einem Ausfluß aus den Geschlechtsorganen, der manchmal weiß, gelb, hellgrün, hellroth oder auch bräunlich ist, und öfters dünnem Wasser ähnlich aber öfters auch dick und zäh ist. Manchmal ist die Quantität der Aussonderung nicht größer, als die bei gesunder Menstruation, oft aber auch vermehrt sie sich auf mehrere Unzen in 24 Stunden. Der weiße Fluß tritt gewöhnlich zwischen dem fünfzehnten und fünfundvierzigsten Jahre, selten aber in der Kindheit oder im Alter auf. Wenn junge, unentwickelte Mädchen davon befallen werden, so sind die Ursache nicht selten kleine Würmer, die vom Mastdarm in die Scheide gelangen, welche mittelst eines Stück Zeugs entfernt werden können.

Diese Krankheit kann acut oder chronisch auftreten. Die acute Form ist gewöhnlich die Folge einer Erkältung und nichts anderes als eine catarrhalische Entzündung der Scheideschleimhaut. Die chronische Form ist eine Fortsetzung der acuten und wird durch Vernachlässigung oder schlechte Behandlung des acuten weißen Flusses veranlaßt. Manchmal tritt Eiterung des Mutterhalses ein. Es gibt zwei Arten Leucorrhöa -- die Scheide-Leucorrhöa, wenn der Ausfluß von der Scheide herrührt, und Mutterhals- (cervicale) Leucorrhöa, wenn der Abgang von dem Hals der Gebärmutter kommt.

+Ursachen.+ Erkältungen, durch Sitzen auf kaltem Boden oder Bloßstellung des Nackens und der Schultern herbeigezogen, übermäßige geschlechtliche Aufregung und Geschlechtsgenuß, enges Schnüren, Hämorrhoiden, Fehlgeburten und Frühgeburten, Verrückung der Gebärmutter, Purganzen, untaugliche Kost, warme Einspritzungen oder Einspritzungen irgend welcher Art, spätes zu Bett Gehen u.s.w. Dieses Uebel kann sich auch vererben.

+Symptome.+ Wo nur eine durch Erkältung herbeigeführte catarrhalische Entzündung ist, werden die Theile heiß und wund sein, mit einem Gefühl der Schwere oder abwärts drückenden Schmerzen und Ermüdung. Auch wird die Patientin leichtes Frösteln, Rückenschmerz und Durst verspüren. Der Puls ist schnell, der Urin dunkel. In diesem Stadium der Krankheit wird die Kur derselben wenig Schwierigkeit machen, wenn man eine zweckmäßige Behandlung einschlägt. Rührt der Ausfluß von der Gebärmutter her, so ist derselbe dick, ätzend, brennend und stinkend, und hat eine bräunliche oder grünliche Farbe und macht die Lippen der Scheide und die umliegende Haut wund. Die Verdauung wird geschwächt werden und die Kranke fühlt Uebelsein, Kopfweh, Schwindel, Schwäche und beständigen Rückenschmerz, der sich herunter bis zwischen die Lenden zieht, und ist appetitlos. Das Gesicht magert ab und ist blaß, die Augen sind eingesunken und mit dunklen Ringen umgeben.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Soll die Behandlung eine erfolgreiche sein, so muß man alles entfernen, was die Krankheit befördern könnte, z. B. unregelmäßige Lebensweise, späte Abendmahlzeiten u.s.w. Die Kost muß einfach und nahrhaft, aber nicht stimulirend sein und sollte ganz regelmäßig genossen werden. Bewegung, aber nicht bis zur Erschöpfung, wird sehr gute Dienste leisten. Die Kleider sollten warm sein und lose, namentlich um die Hüften herum getragen werden. Das Wasser ist gegen dieses Uebel von großer Wichtigkeit. Man mag das Sitzbad täglich gebrauchen und Einspritzungen von kaltem oder warmem Wasser sollten je nach der Heftigkeit des Anfalles drei- oder viermal des Tages vorgenommen werden. Gegen milde Anfälle wird eine Einspritzung mit grünem Thee, oder süßem Cider, oder einer schwachen Alaunauflösung gute Dienste leisten.

=Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird sich als werthvoll erweisen, falls der Ausfluß und der Schmerz brennend sind:

Copaiva-Balsam 1 Unze. Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen. Süßes Mandelöl (~Sweet almond oil~) 2 „ Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) 1 „ Pulverisirter Kampher 1 Skrupel.

Mische dieses in einem Achtel-Unzen Bottel. Dosis: Einen Theelöffel voll in einer halben Theetasse voll Ulmenthee (~Slippery elm~) drei- oder viermal täglich. Eines der besten Stärkemittel ist die salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~), von welcher 20 bis 25 Tropfen in einem halben Glas voll Wasser drei- oder viermal des Tages zu nehmen sind. Ein gutes Einspritzungsmittel wird von einem Pint Mohnsamenthee (~Tea of poppy heads~), wozu 1½ Unzen pulverisirter Borax beigefügt wird, bereitet. Ebenfalls sind 3 Drachmen Gerbersäure (~Tannic acid~) und 1 Unze Alaun (~Alum~), in einem Quart Wasser aufgelöst, ein treffliches Einspritzmittel. Man spritze ein Drittel dieser Mischung dreimal täglich ein. Die Stuhlöffnung sollte mittelst Rochelle- oder Bittersalz oder Seidlitzpulver regelmäßig erhalten werden. Sind die Organe sehr schwach, oder ist die Krankheit durch Erkältung, Schwangerschaft oder Frühgeburt u.s.w. entstanden, so wird sich das folgende als sehr wirksam beweisen:

Aloe-Tinktur 2 Unzen. Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~) 4 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen in Wasser dreimal täglich. Zur selben Zeit gebrauche das folgende Einspritzmittel:

Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc -- White vitriol~) 2 Drachmen. Bleizucker (~Sugar of lead~) 2 „

Mische dieses in einem Quart Wasser und gebrauche ¼ der Mischung für eine Einspritzung.

In manchen Fällen wird das folgende gute Dienste leisten:

Sokotara Aloe-Tinktur (~Tincture of socotrine aloes~) 4 Unzen. Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of iron~) 1 „

Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen dreimal täglich in Wasser. Zur selben Zeit gebrauche die obige Einspritzung.

Ein anderes ausgezeichnetes Einspritzmittel wird aus einer schwarzen Schlangenwurzel- (~Black cohosh root~) Abkochung, wozu Gerbersäure (~Tannic acid~) beigefügt wird, bereitet. Als innerliches Heilmittel mag das folgende manchmal verordnet werden: Gleiche Theile geriebene Muskatnuß (~Grated nutmeg~) und pulverisirten Alaun (~Powd. alum~). Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Molasses.

=Allöopathisch.= Das folgende Stärkemittel (~Tonic~) wird sehr empfohlen:

Schierling-Tinktur (~Tincture conium~) 1 Unze. Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~) 3 Drachmen. Ammoniak-eisensaurer Alaun (~Ammoniated iron alum~) 3 „ Syrup 8 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Wasser nach den Mahlzeiten. Kommt der weiße Fluß vom Gebärmutterhals oder der Gebärmutter her, so wird das folgende erfolgreich wirken:

Gerbersäure (~Tannic acid~) 1 Drachme. Pulverisirter Alaun (~Powd. alum~) ½ Unze. Wasser 1 Quart.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends in die Scheide ein.

Oder:

Alaun 1 Drachme. Rosenhonig (~Honey of roses~) 1 Unze. Wasser 3 Unzen.

Spritze einen Eßlöffel voll der Mischung mit einer Tasse voll Wasser vermischt zweimal des Tages ein.

Hat die Kranke heftige Schmerzen, so wird das folgende gute Dienste leisten:

Laudanum 2 Drachmen. Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate of lead~) 1 Drachme. Wasser 1 Pint.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.

Rührt der weiße Fluß von der Scheide her, so werden kalte Wassereinspritzungen große Dienste leisten, namentlich wenn Vorfall der Gebärmutter vorhanden ist. Ebenso die folgende Einspritzung:

Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) ½ Unze. Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) ½ „ Wasser 1 Quart.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein. Oder:

Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate~ ~of lead~) 2 Drachmen. Wasser 1 Quart.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.

Bringen diese Einspritzungen nicht die gewünschte Wirkung hervor, so gebrauche man die folgende innerliche Arznei:

Fowler’s Auflösung (~Fowler’s solution~) 2 Drachmen. Schierling-Tinktur (~Tincture conium~) ½ Unze. Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~) 2 Drachmen. Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich jeden andern Tag.

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß dünn und scharf ist, so daß die Theile wund werden, mit geschwollener Vulva, oder wenn der Ausfluß rahmartig ist und die Ausscheidung desselben schneidende Schmerzen im Unterleib verursacht. ~Pulsatilla~ paßt am besten für Frauen mit sanftem Gemüthe und zartem Muskelbau, hellen Haaren und blasser Farbe.

~Sepia.~ -- Geeignet für empfindsame, zarte Frauen. Der Ausfluß ist gelblich oder grünlich, manchmal mit Materie und Blut vermischt, brennende Schmerzen in der Scheide und den andern Geschlechtstheilen, Gebärmuttervorfall.

~Alumina.~ -- Wenn der weiße Fluß nach der Menstruation eintritt, bedeutender Schleimabgang während des Tages, der Ausfluß ist so dick und zäh, daß er die Wäsche „steift,“ Brennen und Hitze, Wundheit und Jucken der Geschlechtstheile.

~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der weiße Fluß vor der Menstruation eintritt, mit Jucken, Brennen, in Zwischenräumen oder beim Urinlassen. Geeignet für Frauen von heller Hautfarbe, leichtem Muskelbau und träger Blutcirkulation.

~Nitric Acid.~ -- Gegen stinkenden, bräunlichen, grünlichen oder fleischfarbenen Ausfluß.

~Mercurius.~ -- Eiteriger Ausfluß mit Brennen.

~Cocculus.~ -- Wässeriger, blutiger Ausfluß während der Schwangerschaft. Geringe Menstrual-Blutungen mit Leucorrhöa zwischen den Perioden.

~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, schleimige oder gelbliche, schmerzende und aufschärfende Leucorrhöa, welcher Kolik vorangeht.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Heilmittel 6 Pillen Morgens und Abends 5 Tage lang. Wird die Patientin nicht besser, so gebe man eine Dosis Sulphur und setze 4 Tage lang aus, worauf mit dem vorhergehenden Heilmittel wie zuvor fortzusetzen ist. Tritt hierauf keine Besserung ein, so muß man eine andere Arznei wählen.

Viertes Kapitel.

Schwangerschaft.

Schwangerschaft ist derjenige Zustand, welcher mit der Empfängniß eintritt und bis zur Entbindung dauert. Sie kann erst nach dem ersten Auftreten der monatlichen Reinigung eintreten und hört auf mit dem Wechsel des Lebens, oder wenn das Weib aufhört zu menstruiren.

Während dieser Zeit müssen mancherlei Dinge, welche, wenn sie nicht gehörig überwacht werden, einen schädlichen Einfluß auf den Sprößling ausüben, im Auge behalten werden. Eine ruhige Gemüths-Stimmung ist von wesentlichem Einfluß, denn Jähzorn, Eifersucht und Schreck haben fast immer üble Folgen, und durch heftige geistige Erregungen wird nicht selten eine Fehlgeburt (~Abortus~) veranlaßt. Eine Frau von übler Laune, leidenschaftlichem Charakter und reizbarem Gemüthe kann kaum erwarten, daß sie einem Kinde von sanftem und gütigem Charakter das Leben schenken wird. Wir wissen alle, wie sehr sich die Sinnesart der Eltern auf die Kinder vererbt, und von welch’ großem Einfluß ist es dann, daß die Mutter ein sanftes und liebreiches Herz, eine gütige und nachsichtige Denkart pflegt, damit ihre Kinder zu ihrer Ehre und nicht zu einer Quelle des Unglückes und Elendes für sie heranwachsen. Die Gebärmutter hat einen bedeutenden Einfluß auf das Nervensystem des ganzen Körpers, so daß also, wenn sie den Keim eines menschlichen Wesens enthält, mehr oder weniger der gesammte Organismus des Weibes dadurch berührt werden muß. Die hierdurch verursachten Symptome sind die Zeichen der Schwangerschaft. Es gibt aber viele von jenen Merkmalen, welche auch bei anderen Zuständen gefunden werden, so daß keines dieser Zeichen verläßlich ist, und andererseits gibt es Frauen, deren Organismus nur wenig durch die Schwangerschaft gestört wird. Die erste Folge der Schwangerschaft ist gewöhnlich vermehrte Aufregung und Fieberhaftigkeit. Der Puls schlägt stärker und schneller, der Appetit wird gestört und die Haut ist bleich und öfters entfärbt. Die folgenden Kennzeichen sind die meist verläßlichen:

+Zeichen der Schwangerschaft.+ Das erste Zeichen ist das Aufhören der monatlichen Reinigung. Dies kann aber auch von anderen Ursachen herrühren, so daß es an und für sich nicht als ein sicheres Zeichen betrachtet werden kann; wenn aber der Gesundheitszustand keine andere denkbare Ursache dafür gibt, mag es für ein starkes Anzeichen gehalten werden.

+Uebelsein am Morgen.+ Dies -- in Verbindung mit anderen Merkmalen -- ist ein beachtenswerthes Symptom. In der Regel ist der Magen reizbar und die Frauen leiden an Uebelsein und Erbrechen, die sich besonders des Morgens einstellen. Es stellt sich bald nach der Empfängniß ein und hört nach dem dritten Monat wieder auf.

+Anschwellen der Brüste.+ Ungefähr nach zwei Monaten wird die Aufmerksamkeit des Weibes auf den Zustand der Brüste gelenkt. Sie empfindet einen unbehaglichen Eindruck des Vollseins mit einem prickelnden und stechenden Schmerz im Innern und an den Warzen. Sie nehmen an Größe und Festigkeit zu und fühlen sich eigenthümlich und drüsenartig an. Die ~Areola~ oder Warzenring (ein gefärbter Kreis um die Warze) verdunkelt sich und nach einiger Zeit wird Milch abgesondert. Aber es muß erinnert werden, daß das Anschwellen der Brüste auch anderen Ursachen zugeschrieben werden kann; bei einigen Frauen ereignet es sich, daß sich bei jedesmaliger monatlichen Reinigung, wenn deren Verlauf unterbrochen oder sie sich ganz einstellt, zu solchen Zeiten eine milchige Flüssigkeit absondert (~Churchill~).

+Anschwellen des Unterleibes.+ Dieses Kennzeichen, mit anderen vereinigt, befähigt uns, mit annähernder Sicherheit die Dauer der Schwangerschaft zur Zeit, wo wir diese Wahrnehmung machen, zu bestimmen. Während der ersten vier Monate bleibt die Gebärmutter in der Höhle des Beckens oder im tieferen Theile des Unterleibs, wird aber bald nachher über dem Schambein -- am Rande des Beckens gefühlt. Im fünften Monat steigt sie in den Raum zwischen Schambein und Nabel bis zur Hälfte, im sechsten gleitet sie bis zum Nabel hinauf, den sie hervordrängt. Während des siebenten und achten Monats füllt sie den ganzen Unterleib bis zum Magen. Die Eingeweide sind über und hinter sie gedrängt.

+Bewegungen des Kindes.+ Ungefähr gegen den fünften Monat nach der Empfängniß fühlt die Mutter die erste Regung des Kindes im Leibe. Einige fühlen es früher; Andere wieder nicht vor dem sechsten oder siebenten Monat. Manche meinen, daß das Kind bis zu dieser Zeit nicht am Leben sei, was aber eine ganz irrige Annahme ist, denn von dem Augenblick der Empfängniß ist es gerade ebenso ein lebendes Wesen, wie zu irgend einer Zeit nachher. Tritt diese Bewegung plötzlich ein, so sind die Schwangeren sehr zum Erbrechen geneigt, zuweilen Ohnmachten unterworfen. Die Lebens-Empfindung ist zuerst eine leichte, nimmt aber allmählig zu, bis die Bewegungen an den verschiedenen äußeren Theilen gefühlt werden können.

Es gibt noch manche andere Zeichen, welche den einzelnen Frauen eigenthümlich sind, und durch welche, in Verbindung mit anderen Zeichen, diese nach dem ersten Kindbett im Stande sind zu sagen, ob sie schwanger sind oder nicht. Hierher gehören die sogenannten Gerstenkörner an den Augenlidern, Zahnschmerzen, schwarze Flecken -- gleich Sommersprossen -- im Gesicht und Nacken, starke, hartnäckige Speichelabsonderung, ähnlich jener, die durch das Merkur (Quecksilber) hervorgerufen wird, nur mit dem Unterschied, daß hier die Schleimhäute vollkommen gesund sind. Es sind dies aber zufällige Zeichen, welche eben nur in vereinzelten Fällen gefunden werden.

Die Erhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft.

Die alten Römer hatten ein Gesetz, zufolge dessen alle schwangere Frauen weite, lose Kleider tragen mußten. Würde heutzutage ein derartiges Gesetz bestehen, es würden weit weniger Frühgeburten, Gebärmutter-Vorfall, wunde Brüste und andere derartige Krankheiten vorkommen. Kleider sollten warm, lose, leicht und in keinem Theile beengend sein. Schnürleiber müssen ganz bei Seite gelegt werden, und sogar der Gebrauch der Strumpfbänder sollte unterbleiben. Die Kleider müssen so zugerichtet sein, daß sie frei von den Schultern herabfallen, ohne daß sie um die Taille gebunden werden. Das Blut muß einen ungehinderten Umlauf haben, sonst werden sich früher oder später während der Schwangerschaft nachtheilige Folgen einstellen. Große Sorgfalt muß beobachtet werden, daß das Kleid um die Brüste lose sitzt, denn es kann sich leicht zutragen, daß die Brüste, wenn das Kind geboren wird, so flach werden, daß die Warzen nicht gefunden werden können. Pflegte die Schwangere vor der Empfängniß kalte oder warme Bäder zu nehmen, so mag sie dieselben fortsetzen, wenn nicht ein fühlbarer Nachtheil wahrgenommen wird.

+Bewegung+ ist für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Einige sind der Ansicht, daß sich schwangere Frauen keine Bewegung machen sollen, aber das ist ein Irrthum. Gerade dadurch bewahrt sie ihre Gesundheit und Stärke und erhält damit den gesunden Zustand des Kindes. Bewegung -- sogar bis zur Ermüdung -- kann viel leichter als geistige Aufregungen ertragen werden, und letztere sollten, da sie so sehr nachtheilig sind, so viel als möglich vermieden werden. Die Schwangere sollte täglich Bewegung haben, und zwar körperliche; sie muß gehen, nicht fahren, denn Fahren ist nicht hinlänglich. Die beste Bewegung ist die Verrichtung ihrer Haushaltungsgeschäfte, und sie sollte damit, so lange als sie fähig ist, fortfahren. Fühlt sie sich nicht wohl, oder steht eine Fehlgeburt zu befürchten, so muß sie alle Thätigkeit einstellen. Ueberhaupt müssen schnelle und heftige Bewegungen, wie das Heben schwerer Gegenstände, plötzliches Anspannen der Muskeln, Springen, Tanzen, sich Strecken, um einen entfernter liegenden Gegenstand zu erfassen, vermieden werden.

+Die Nahrung.+ Die Kost sollte einfach und nahrhaft sein. Nicht selten stellt sich ein Verlangen nach Speisen ein, die nicht nur der Mutter, sondern auch dem Kinde schädlich sind. Die Frau muß am besten wissen, was sie essen kann, und es können durchaus keine besonderen Vorschriften zur Regelung der Kost gegeben werden. Stark gewürzte Speisen, Spirituosen, starker Thee und Kaffee sollten aber immer vermieden werden.

Krankheiten während der Schwangerschaft.

+Uebelsein am Morgen.+ Dies ist ein sehr lästiges Unwohlsein und schwer einzuschränken. Es stellt sich in der Regel gleich bei Beginn der Schwangerschaft ein, und dauert bis zum dritten Monat. Die Anfälle kommen des Morgens und dauern nur eine kurze Zeit.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Es kann zuweilen dadurch vermieden werden, daß die Patientin im Bett, bevor sie des Morgens aufsteht, eine Tasse Kaffee und eine kleine geröstete Brodschnitte zu sich nimmt. Starkes Trinken von Champagner soll hin und wieder von wohlthätiger Wirkung sein. Ale, Limonade, Sardinen und geräucherte Häringe werden hie und da Erleichterung verschaffen.

=Allöopathisch.= Die folgende Mischung wird sehr wohlthuend wirken:

Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) 2 Drachmen. Gewöhnlicher Syrup 2 „ Destillirtes Wasser 6 Unzen.

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll, und zu jedem derselben einen Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronensäure beigegeben, nachdem es in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst worden. Muß während des Aufbrausens getrunken werden.

Wenn keine Diarrhöe vorhanden, kann auch das Folgende mit Vortheil angewendet werden:

Schwefelsaures Magnesium (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Kohlensaures Magnesium (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme. Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 4 Unzen. Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion of gentian~) 4 „

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.

=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Galliges Erbrechen; Uebelsein und Erbrechen mit Magenbeschwerden; Erbrechen unverdauter Speisen; schlaffe Eingeweide.

~Tabacum.~ -- Ein erfolgreiches Mittel, wo das Uebelsein mit Ohnmacht und tödtlicher Blässe des Gesichts verbunden ist; der Aufenthalt in frischer Luft zu empfehlen; Erbrechen von Wasser oder saurer Flüssigkeit und Schleim.

~Arsenicum.~ -- Außergewöhnliches Erbrechen nach dem Essen und Trinken, bei Ohnmacht und großen Schmerzen.

~Nux Vomica.~ -- Uebelsein und Erbrechen des Morgens; ein säuerlich bitterer Geschmack im Halse; Sodbrennen; Verstopfung.

~Sepia.~ -- Wenn das Uebelsein eine Zeitlang gedauert und in der Regel des Morgens erscheint, und wenn des Abends ein schmerzhaftes Gefühl von Leere im Magen mit Brennen und Stechen in der Herzgegend sich kund gibt.

~Camphor.~ -- Wenn ein kalter Schweiß bei heißem Kopf und kalten Füßen vorhanden.

~Pulsatilla.~ -- Falls ~Ipecacuanha~ und ~Nux Vomica~ sich unzureichend erwiesen haben, und besonders wenn sich Erbrechen am Abend oder in der Nacht einstellt; verdorbener Appetit; Sehnsucht nach Bier, Säuren, Wein &c.; Durchfall abwechselnd mit Verstopfung.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Thee von hellrothem Hartriegel (engl.: ~Red rose willow bark~, ~rose willow~; lat.: ~Cornus sericea~) verschafft zuweilen Erleichterung, oder eine Tasse Kamillen- oder Pfeffermünzthee, ungefähr eine Stunde vor Aufstehen des Morgens genossen. Wiederholen sich jene Uebelkeiten in Zwischenräumen am Tage, so sollte der folgende Trank mehrere Male des Tages genommen werden:

Calcinirtes (verkalktes) Magnesium 1 Drachme. Aromatische Ratanhia-Tinktur (~Aromatic tincture of rhatany~) 1 Unze. Reines Ammoniakwasser (~Water of pure ammonia~) 2 Drachmen. Distillirtes Wasser 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll.

Schamjucken (~Pruritis -- Itching of the Private Parts~).

Dies ist ein sehr peinliches Gefühl. In einigen Fällen tritt es so heftig auf, daß es alle Ruhe und Schlaf stört und geradezu unerträglich wird. Es ist sehr zweifelhaft, welcher Ursache es zuzuschreiben ist, möglicherweise einem ungesunden Ausfluß aus der Scheide, oder, wenn es von Hitze des Kopfes, Röthe, Trockenheit und Geschwulst begleitet ist, einer Art Ausschlag wie das Mundschwämmchen bei Neugeborenen. Die Theile müssen vollkommen rein gehalten werden, wozu warmes Wasser am besten zu verwenden ist.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Das beste Mittel ist ~Conium~, von welchem eine Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages zu nehmen ist. Bleibt dies ohne Wirkung, so wende man eines der folgenden Mittel an (Dosis wie oben): ~Arsenicum~, ~Bryonia~, ~Rhus~, ~Silicea~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~, ~Lycopodium~ oder ~Graphitis~. Als Umschlag benutze man eine Unze Borax in einem Pint Rosen- oder Regenwasser aufgelöst. Erstreckt sich der Kitzel bis in die Scheide, spritze ein wenig von der Auslösung ein. Ein schwacher Aufguß von grünem Thee, oder eine schwache Lösung von Alaun wird zuweilen von wohlthuendem Einfluß sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird empfohlen:

Pulverisirter Borax (~Powd. borax~) 2 Drachmen. Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 3 Grane. Eine Abkochung der Gelbwurz (~Golden seal~) 4 Unzen.

Das Pulver soll in der Abkochung aufgelöst mehrere Male des Tages angewendet werden.

=Allöopathisch.=

Pulverisirter Borax ½ Unze. Schwefelsaures Morphium 6 Grane. Destillirtes Rosenwasser 6 Unzen.

Mische es. Mehrere Male des Tages anzuwenden.

Oder:

Bleiauflösung (~Diacetate of lead -- Goulard’s Extract~) 2 Drachmen. Wein-Spiritus 2 „ Mit so viel Wasser, daß das Ganze ein Pint macht.

Mische es.

Krampf-varicöse (unnatürlich erweiterte) Adern (~Varicose Veins~).

Verursacht durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern im Unterleib, wodurch eine freie Rückkehr des Blutes zum Herzen verhindert wird. Das Anschwellen beginnt in der Regel am Knöchel und geht bis zum Schenkel aufwärts; hin und wieder geht es aber nicht über das Knie hinaus. Die Geschwulst verringert sich, sobald sich die Kranke niederlegt. Dieses Leiden verschwindet nach der Entbindung.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Ein freier Gebrauch des kalten Wassers oder verdünnter Alcohol verschafft beim Beginn Erleichterung. Werden die Adern groß und schmerzhaft, so muß ein Verband, an den Zehen beginnend, sorgfältig angelegt werden, oder es sollte ein Schnürstrumpf getragen werden. Der Verband muß von einem geschickten Arzte angelegt werden.

=Allöopathisch.= Klette- (~Burdock~) und Wegerich- (~Plantain~) Blätter um das Bein gebunden, leisten gute Dienste, sowie Blei- oder Alaunwasser und ein Aufguß von Weißeichenrinde.

=Homöopathisch.= Eine schwache Arnica- und Hamamelis-Auflösung wird gute Dienste thun, wenn man vor dem Schlafengehen die Beine von unten nach oben, immer aufwärts reibend, einreibt.

~Nux Vomica.~ -- Wenn nebst dieser Krankheit auch Hämorrhoiden vorhanden sind, Hartleibigkeit, häufige drückende Schmerzen und reizbare Gemüthsstimmung.

~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel, namentlich wenn die Adern und die Beine bedeutend geschwollen und Schmerzen sowie Entzündung vorhanden sind.

~Arsenicum.~ -- Wenn die Anschwellung schwärzlich ist und bedeutende brennende Schmerzen verursacht. Wirkt dieses nicht, so gebe ~Carbo Vegetabilis~.

Hämorrhoiden oder Goldader (~Piles, or Hemorrhoids~).

Dieser Krankheit sind schwangere Frauen vielfach ausgesetzt, und zwar wird dieselbe gewöhnlich durch Hartleibigkeit verursacht, weshalb es sehr wichtig ist, daß eine schwangere Frau ihren Stuhlgang regelmäßig erhält, so daß weder Hartleibigkeit noch Diarrhöe eintritt und gegen alle Störungen in dieser Hinsicht sogleich einschreitet.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die oftmalige Anwendung des kalten Wassers wird sehr gute Dienste leisten, wenn es sogleich zu Anfang gebraucht wird. Es mag mittelst Sitzbäder, kalter Umschläge oder Einspritzungen in Anwendung kommen. Wenn die Hämorrhoiden bluten oder zu bluten aufhörten und sehr schmerzen, gebrauche warmes Wasser. Die Kost muß sorgsam regulirt werden und man darf nur sehr wenig Fleisch genießen. Wenn nach dem Stuhlgang der Darm oder eine kleine Beule zu Tage tritt, so müssen diese Theile wieder mit dem Finger eingedrückt werden. Viele Arznei einzunehmen, ist nicht rathsam, sondern man lebe in allen Stücken regelmäßig und schaffe sich regelmäßige Bewegung. Die Stuhlgangöffnung kann regelmäßig erhalten werden durch den Genuß von Roggenbrod, Roggenmehl und Molasses, Kartoffeln, reife Früchte, gekochte Pfirsiche und Pflaumen &c.

=Homöopathisch.= ~Nux Vomica~ und ~Sulphur~ sind die hauptsächlichsten Mittel. ~Nux Vomica~, namentlich wenn nach jedem Stuhlgang helles Blut ausfließt und eine beständige Neigung zum Stuhlgang vorherrscht. Man gebe ~Nux Vomica~ Abends (eine Dosis) und ~Sulphur~ Morgens (eine Dosis). Tritt hierauf nach einigen Tage nicht Besserung ein, so kann man ~Ignatia~ geben, namentlich wenn heftige stechende Schmerzen vorhanden sind, oder nach jedem Stuhlgang schmerzliche Zusammenziehung und Wundheit eintritt. Ist die Hartleibigkeit sehr hartnäckig, so verordne ~Ignatia~ und ~Opium~ alle 2 oder 3 Stunden abwechselnd. Andere zu gebrauchende Heilmittel sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~, ~Hamamelis~, ~Virginica~.

=Eclectische und Kräuterkur.= Um der Hartleibigkeit vorzubeugen, gebe einen Theelöffel voll Cremor Tartari mit Wasser oder Molasses vermischt, oder die zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound rhubarb pill~). Schmerzen die Knoten und sind diese entzündet, so wird ein Ulmenrinde- (~Slippery elm bark~) und Milch- oder Wasser-Umschlag gute Dienste leisten. Zu derselben Zeit gebrauche die folgende Salbe zum einreiben: Zwei Eßlöffel voll frische, ungesalzene Butter und vier Eßlöffel voll Terpentingeist (~Spirits of turpentine~). Dieses ist gut zu mischen und damit die betreffenden Theile zwei- oder dreimal täglich einzureiben. Auch das folgende wird gute Dienste leisten:

Stechapfel-Salbe (~Stramonium ointment~) 1 Unze. Pulv. Alaun (~Powd. alum~) 2 Drachmen. Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 2 „

Mische dieses und reibe die Knoten (~Tumors~) mittelst eines Stücks Baumwollenzeug ein.

=Allöopathisch.= Ist Arznei nothwendig, so kann ein Theelöffel voll verzuckerte Senna (~Confection of senna~) oder eine kleine Dosis Castoröl manchmal eingenommen werden, oder das folgende:

Schwefel (~Sulphur~) ½ Unze. Magnesia 2 Drachmen. Cremor Tartari 2 „

Mische dieses. Gabe: einen Theelöffel voll in ein Glas voll Wasser. Siehe „Hämorrhoiden,“ 12. Kapitel, erster Theil.

Anschwellen der Füße und Beine (~Swelling of the Feet and Limbs~).

Dieses wird durch den Druck der größer gewordenen Gebärmutter, den diese auf die lymphatischen Gefäße ausübt, verursacht.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Bryonia~ und ~Opium~ -- kann abwechselnd alle zwei Stunden gegeben werden. Dosis: 6 Kügelchen.

Findet sich ziemlich viel Fieber vor, so gebe ~Aconitum~ und ~Bryonia~ abwechselnd. Dosis: 6 Kügelchen.

=Allöopathisch.= Die Beine sollten mit einem in Wasser und Essig getauchten Schwamm tüchtig abgewaschen und das folgende kann mit Erfolg gegeben werden:

Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~) 4 Unzen. Essigsaures Kali (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmet-Wasser (~Cinnamon water~) 1½ Unzen.

Mische dieses. Dosis: 1 Eßlöffel voll alle vier oder fünf Stunden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wasserdost- auch Wiesenkönigin- (~Queen of the meadow~) und ~Haircap moss~- oder Eibisch- (~Marshmallow~) Aufguß mag reichlich gebraucht werden.

Hartleibigkeit während der Schwangerschaft.

Einer der während der Schwangerschaft eintretenden unangenehmen Zustände ist die Unthätigkeit der Gedärme, was durch mancherlei Umstände herbeigeführt werden mag und wogegen man sich sorgsam verwahren muß. Gewöhnlich wird es nützlich sein, eine Diätveränderung vorzunehmen. Esse viel reise, süße Früchte, z. B. Aepfel, Pflaumen, Pfirsiche u.s.w. Man meide aber Kaffee und alle Stimulanten. Auch ist es nicht rathsam, heftig wirkende Abführmittel zu geben, da hierdurch leicht Fehlgeburt herbeigeführt werden kann.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein aus folgenden Substanzen bereitetes Einspritzmittel wird gut wirken: Bereite einen aus drei Theilen Wasserdost (~Boneset~) und zwei Theilen Senna bestehenden Aufguß. Zu einem Pint und einem halben dieses Aufgusses füge ein halbes Weinglas voll Castoröl. Die Hälfte dieser Mischung gebrauche man als Einspritzungsmittel, und wenn nöthig, so wiederhole dasselbe in etwa 25 bis 30 Minuten. Man wiederhole das Klystier so oft als es zur regelmäßigen Stuhlgangöffnung nöthig ist. Ist ein Abführmittel nothwendig, so gebe folgendes:

Pulverisirter Rhabarber 4 Unzen. Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potassa~) 2 „

Mische dieses und gebe eine kleine Dosis (1 Theelöffel voll) dreimal täglich.

=Allöopathisch.= Das folgende ist ein sehr angenehmes Mittel zur Erhaltung der Stuhlgangöffnung: Koche 1 Unze Senna-Extrakt in ein Pint Wasser zwei Stunden lang. Sodann seihe die Flüssigkeit, füge ein Pfund Pflaumen und eine Handvoll Stückzucker bei, bringe das ganze in eine Pfanne und lasse es kochen, bis die Pflaumen gut gekocht und weich sind. Esse täglich sechs oder acht Pflaumen.

Das folgende wird sehr gute Dienste leisten:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen. Zusammengesetzter Rosenaufguß 5 „ Zimmetwasser 1 Unze.

Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.

Oder:

Zusammengesetzter Coloquinthen-Extrakt (~Compound ext. of colocynth~) 2 Skrupel. Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of Henbane~) 1 „

Mische dieses, bereite 12 Pillen daraus und nehme eine Pille Morgens und Abends.

=Homöopathisch.= Nehme eine Dosis ~Nux Vomica~ jeden Abend und Morgen. Dieses Heilmittel mag abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden, wenn ~Nux Vomica~ nicht die gewünschte Wirkung erzeugt. Sind diese beiden Mittel erfolglos und hat die Hartleibigkeit schon lange gewährt, so mag ~Lycopodium~ oder ~Sulphur~ verordnet werden. Hat die Patientin Schmerzen im Unterleib so wird ~Bryonia~ und ~Ignatia~ oft gut wirken.

Siehe „Hartleibigkeit,“ 12. Kapitel, erster Theil.

Diarrhöe während der Schwangerschaft

wird weniger häufig gefunden als Verstopfung, ist aber bei weitem gefährlicher, da sie ungemein schwächt, wenn sie nicht rechtzeitig eingehalten wird. Zuweilen ist es nur ein lockerer Stuhlgang, bei dem die Bewegungen häufiger als gewöhnlich gefühlt werden, allein der Appetit bleibt gut und der allgemeine Gesundheitszustand wird dadurch nicht berührt. In solchen Fällen kann durch eine einfache Regelung der Kost abgeholfen werden. Jene Diarrhöe, welche zu fürchten ist, ist die, bei welchen die Entleerungen dunkel gefärbt, schwarzgelb und höchst widrig sind; der Athem ist verdorben und der Geschmack unangenehm, bei wenig oder gar keinem Appetit.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Kost sollte sorgfältig geregelt werden und mag bestehen in Gerstenwasser, Gummi Arabicum-Wasser, Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago, Tapioca, Isländischem oder Irischem Moose, Zwieback- (~Toast~) Wasser, gekochten Reis mit pulverisirtem Zimmet schmackhaft gemacht.

=Allöopathisch.= Folgendes mag mit gutem Erfolg angewendet werden:

Kreidemischung (~Chalk mixture~) 5½ Unzen. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tinct. of Cardamons~) 3 Drachmen. Katechu-Tinktur (~Tincture of Catechu~) 3 „ Laudanum 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: alle 4 Stunden zwei oder drei Eßlöffel voll.

Folgende Salbe möge vermittelst warmen Flanells über den Magen und die Eingeweide gebracht werden:

Seifensalbe (~Soap liniment~) 6 Drachmen. Zusammengesetzte Kamphersalbe (~Compound camphor liniment~) 6 „ Laudanum 4 „

Mische es.

=Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Gegen heftige Kolik, gelblichem oder grünlichem Stuhl, oder ausgeschlagenen Eiern ähnelnd, Kollern in den Eingeweiden.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Stühle wässerig oder grünlich sind und Kolik mit schleimigem, bitterem Geschmack im Munde, Uebelkeit und Erbrechen vorhergeht.

~Dulcamara.~ -- Bei Diarrhöe in Folge von Erkältung, schlimmer des Nachts.

~Nux Vomica.~ -- Häufige Entleerungen, aber spärlich mit starkem, drängendem und nach unten ziehendem Schmerz im After.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird gut gefunden werden:

Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) 4 Unzen. Pfeffermünz-Essenz (~Essence of peppermint~) 1½ Drachmen. Paregoricum (~Paregoric~) 4 „

Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis sich das Aussehen des Stuhles ändert und dann alle 2, 3 oder 4 Stunden.

Ist Schmerz und Kneipen vorhanden, möge eine Einspritzung, bestehend aus zwei Eßlöffel voll Castoröl, Molasses und Wasser, von jedem einen Theetassenkopf voll, und 20 bis 60 Tropfen Laudanum angewendet werden. Mische und wiederhole es so oft als erforderlich.

Siehe den Abschnitt über Diarrhöe, Kapitel 12.

Zahnschmerz.

Wegen dessen Behandlung suche man das 9. Kapitel auf.

Speichelfluß

tritt häufig ein und ist ein sehr lästiges Leiden.

=Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das Hauptmittel, wenn nicht ~Mercurius~ die Ursache des Leidens ist; auch ~Lachesis~, ~Acidum nitri~, ~Hepar Sulphuris~, ~Pulsatilla~.

Von dem gewählten Mittel nimm jeden Abend eine Dosis (6 Kügelchen), bis Besserung eintritt.

Dyspepsie, Sodbrennen, saurer Magen.

Ein häufiges und belästigendes Symptom, gegen das Magnesia, Kreide oder Pfirsichkörner angewendet werden mögen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Der zusammengesetzte Syrup von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) wird sehr zuträglich gefunden werden.

=Homöopathisch.= ~Nux Vomica~ und ~Pulsatilla~ sind die Hauptmittel. Sie mögen entweder allein oder abwechselnd gegeben werden. Zuweilen wird ein Stück gezuckerte Citrone im Mund gehalten, oder ein Tropfen ~Acidum Sulphuricum~ in einem Glas voll Wasser Linderung verschaffen.

Hysterische Anfälle.

Das weibliche Geschlecht wird während der Schwangerschaft häufig von Gemütsbewegungen und hysterischen Anfällen heimgesucht.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Siehe die Behandlung der Hysterie in Kapitel 3, erster Theil.

=Homöopathisch.= Die Kranke sollte in die frische Luft gebracht und das Gesicht mit kaltem Wasser besprengt werden; Ammoniak halte man unter die Nase. Ist der Anfall vorüber, so gebe man eine Dosis ~Coffea~ oder ~Chamomilla~. Rührt der Anfall von gestörter Verdauung her, so gebe man ~Nux Vomica~ oder ~Pulsatilla~. Ist Aerger die Ursache: ~Chamomilla~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe 6 Kügelchen auf eine Dosis und wiederhole diese alle 2, 3 oder 4 Stunden.

Herzklopfen.

Dies mag besonders für zarte Frauen sehr quälend werden.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes mag mit gutem Erfolg angewendet werden:

Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) 2 Unzen. Schildkraut-Tinktur (~Tincture of skull cap~) 2 „

Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Zuweilen mögen stärkende Mittel wie das folgende gegeben werden:

Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct. of iron~) 1 Unze. Orangenschalen-Syrup 1 „ Rosenwasser 6 Unzen.

Mische es. Einen Theelöffel voll in einem Bierglas voll Wasser nach jeder Mahlzeit.

=Homöopathisch.= Wenn in Folge von Aerger: ~Chamomilla~; in Folge von Furcht: ~Veratrum~; in Folge von Freude: ~Coffea~; in Folge von plötzlichem Schreck: ~Opium~.

Bei nervösen Personen: ~Ignatia~, ~Coffea~, ~Chamomilla~.

Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Nux Moshata~, ~Pulsatilla~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Heilmittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nimm alle Stunde, auch öfter, wenn es die Strenge des Falles erfordert, einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Theelöffel voll Castoröl-Tinktur (~Tincture of castor oil~) oder Stinkasant (~Asafœtida~) und zusammengesetztem Lavendel-Spiritus (~Spirits of lavender~) mit ein wenig Wasser wird selten verfehlen, zu lindern.

Kopfweh

ist etwas Gewöhnliches bei Schwangeren und eine beträchtliche nervöse Reizbarkeit ist in der Regel vorhanden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Mittel dagegen sind: ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Opium~, ~Pulsatilla~, ~Platina~.

Bei Schlaflosigkeit: ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~, ~Opium~.

Bei Schlafsucht: ~Opium~, ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Crocus~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Schildkraut (~Skull cap~), oder Baldrian (~Valerian~) mag mit gutem Erfolg angewendet werden.

Auch die folgenden Pillen werden wohlthuend wirken:

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 6 Grane. Belladonna-Extrakt (~Extract of Belladonna~) 1½ „ Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (~Alcoholic extract of black cohosh~) 18 „

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.

=Allöopathisch.= Gebrauche folgendes:

Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane. Potaschen-Cyanit (~Cyanide of potassium~) 4 „ Baldrian-Extrakt (~Extract of valerian~) 4 „

Mache 24 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.

Oder auch:

Chloroform 2 Unzen. Zusammengesetzter Schwefeläther (~Compound sulphuric ether~) 2 „ Laudanum 2 „ Cayennepfeffer-Tinktur (~Tincture of cayenne~) 1½ „ Verdünnte Hydrociansäure (~Hydrocianic acid, diluted~) ½ Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll, bis wirklicher Erfolg wahrgenommen wird.

Husten

kann zuweilen recht beschwerlich werden.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Je zwei Theile von der Tinktur von Schildkraut (~Skull cap~) und Hopfenmehl (~Lupuline~) mit einem Theil Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) mag in Dosen von einem Theelöffel voll gegeben werden, wenn immer der Husten lästig wird.

=Allöopathisch.= Folgendes kann mit Erfolg genommen werden:

Blausäure (~Hydrocyanic acid~) 6 Minims. Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~) 60 „ Mandelkühltrank (~Almond emulsion~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Krämpfe

stellen sich häufig in den Waden, Hüften, Kreuz oder Unterleib ein und sind sehr lästig.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Erstrecken sie sich auf den Magen, so nehme man folgendes:

Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tinct. of cardamon~) 2 Unzen. Zusammengesetzte Lavendel-Tinktur (~Compound tinct. of lavender~) 2 „ Zusammengesetzte Enzian-Tinktur (~Compound tinct. of gentian~) 2 „

Mische es. Dosis: So oft als erforderlich einen Theelöffel voll.

=Homöopathisch.= Gegen Krämpfe in den Gliedern: ~Veratrum~, ~Nux Vomica~, ~Colocynthis~, ~Chamomilla~.

Gegen Krämpfe im Unterleib und Magen: ~Nux Vomica~, ~Colocynthis~, ~Pulsatilla~, ~Belladonna~.

Gegen Krämpfe im Kreuz: ~Ignatia~, ~Rhus~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll oder 6 Kügelchen als Dosis.

=Eclectische und Kräuterkur.= Reiben der Beine oder der davon befallenen Theile mit Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) oder heißem Whiskey und Salz wird zuweilen sofortige Linderung verschaffen. Auch Opodeldoc (~Opodildoc~) ist gut.

Harnfluß (~Incontinence of Urine -- Enuresis~)

besteht in einer theilweisen oder gänzlichen Unfähigkeit den Urin zu halten und ist eine große Plage.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Die Hauptmittel dagegen sind: ~Pulsatilla~, ~Sepia~, ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Causticum~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6 Pillen einmal in 3 oder 4 Stunden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse viel und oft Thee von Eibisch (~Marsh mallow~), Kürbiß, Wassermelonen-Körner oder Klebekraut (~Cleavers~) trinken.

Harnzwang (~Difficult Urination -- Stranguria~).

Dies ist außerordentlich lästig und wird durch den Druck der Gebärmutter auf die Blase verursacht.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Eibischwurzel (~Marsh mallow root~) und Grundstrauch (~Trailing arbutus~) oder ein Aufguß von Eibisch- und Pfirsichblättern mögen genommen werden. Zehn oder zwanzig Tropfen von süßem Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) können auch mit gutem Erfolg dem Aufguß beigefügt werden.

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ ist das Hauptmittel. Gewährt dies keine Linderung, so gebe man ~Nux Vomica~.

Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Cantharides~, ~Cocculus~, ~Acidum Phosphoricum~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man alle 2 Stunden 6 Kügelchen.

Uebermäßiger Geburtsfluß oder Lochien (~Flooding, Hemorrhage~).

Wegen dessen Behandlung siehe Kapitel 5.

Fehlgeburt oder Abortus (~Miscarriage or Abortion~).

Unter Fehlgeburt oder Abortus verstehen wir die Ausstoßung der Frucht zu irgend einer Zeit vor dem sechsten Monat. Tritt dies während dem siebenten oder achten Monat ein, so wird es mit einer Frühgeburt bezeichnet und das Kind kann erhalten werden, während es, wenn die Geburt vor dem siebenten Monat erfolgt, nicht lebensfähig ist. Abortus tritt wahrscheinlicher vor dem dritten Monat und zur Zeit der monatlichen Reinigung ein und eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt erfahren hat, ist der Wiederholung derselben mehr ausgesetzt als eine andere, bei der dies noch nicht der Fall war. Fehlgeburten erfolgen meistens zu derselben Zeit als früher stattgefundene, und eine Schwangere sollte daher um diese Zeit besonders achtsam sein. Sie muß zu weite Spaziergänge, Heben von schweren Gegenständen, Treppenauf- und Absteigen, spätes Aufbleiben und starke geistige Erregungen vermeiden. Ich spreche hier nur von dem zufälligen Abortus und setze voraus, daß diejenigen, die diese Zeilen lesen, sich nicht des schändlichen Verbrechens einer Abtreibung der Frucht schuldig gemacht haben, -- eines Verbrechens, für das keine Entschuldigung gefunden werden kann und das nicht nur einem menschlichen Wesen das Leben nimmt, sondern auch den Gesundheitszustand der Mutter untergräbt, denn irgend eine Medizin, welche stark genug ist, einen Abortus herbeizuführen, muß den Organismus so vergiften, daß die Folgen davon nie wieder geheilt werden können.

+Ursachen.+ Zu den gewöhnlichen Ursachen des Abortus gehören Schläge, wenn auch nur leicht, auf den Unterleib, heftige Erschütterungen, Fallen, Pressen, Heben von schweren Gegenständen, Auf- und Absteigen von Treppen, Reiten, Fahren über eine holperige Straße, starkes Husten, Aerger, Freude, Furcht, Tanzen, außergewöhnliche und plötzliche Anstrengungen, die Wirkung von Arzneimitteln, welche einige Frauen beständig nehmen, wie Brechmittel, Abführmittel und zwar solche, wie Aloe, Sennesblätter u.s.w., Kräuter-Thees, Patent-Medizinen, der Gebrauch von Blasen- und Senfpflaster u.s.w.

+Symptome.+ Die ersten Symptome bestehen in der Regel in einem Gefühl von Müdigkeit und Unbehaglichkeit, mit Kreuzweh und nach unten ziehenden Schmerzen, die sich allmählig zu Geburtswehen steigern, Schneiden und Ziehen in den Lenden und in dem Unterleib, ein Ausfluß von rothem oder hellem Blute, mehr oder weniger stark.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit, darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird. Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback- oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht, daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden, so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide, oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.

=Homöopathisch.= ~Arnica.~ -- Wenn durch einen Fall, Schlag, Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große körperliche Anstrengung verursacht.

~Cinnamonium.~ -- Wenn Arnica nicht den gewünschten Erfolg hat.

~Secale.~ -- Besonders wenn schon Fehlgeburten stattgefunden haben, oder bei schwacher Constitution und großer Erschöpfung, auch bei dunklem Ausfluß, schwarzgelbem Blut und leichten Schmerzen.

~China.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~, wenn der Blutfluß beträchtlich ist und Schwache und Erschöpfung zunehmen, ein nach unten ziehendes Gefühl, Summen in den Ohren, Verdunkelung des Blickes, Ohnmachtsanwandlung bei Erheben von dem Kissen.

~Hyosciamus.~ -- Bei Krämpfen oder Verzuckungen des ganzen Körpers.

~Ipecacuanha.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~ bei Magenschwäche, Krämpfen, Ausfluß eines hellrothen Blutes, Ohnmachten.

~Belladonna.~ -- Abwechselnd mit ~Platina~ bei starken Schmerzen in den Lenden und im Unterleib, starkem Drängen nach unten, gleichsam als ob die Eingeweide herausgepreßt würden, Schmerz im Kreuz, als ob dasselbe gebrochen wäre, Ausfluß von dickem, dunklem, geronnenem Blute.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe bei strengen Fällen alle 15 oder 20 Minuten und bei milderen jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb zwei oder drei Stunden keine Linderung ein, greife man zu einem anderen Mittel.

=Eclectische und Kräuterkur.= Sind Symptome eines annähernden Abortus vorhanden, so gebe man jede Stunde oder alle zwei Stunden 2 oder 3 Grane von dem zusammengesetzten Brechwurz- und Opiumpulver (~Compound powder of Ipecac and Opium~). Nehmen die Symptome dennoch zu, so lege man ein Senfpflaster auf den unteren Theil des Rückens. Bei beträchtlichem Ausfluß gebe man 10 oder 15 Tropfen Vitriol-Elixir in einem Weinglas voll Wasser alle 2 oder 3 Stunden und mache gleichzeitig Umschläge von Tüchern, mit Eiswasser getränkt, auf den unteren Theil des Unterleibes. Flöhkrautöl (~Oil of fleabane~) oder ~Oil of fireweed~ mag, wenn erforderlich, alle 10 bis 20 Minuten in Dosen von 5 bis 6 Tropfen auf Zucker gegeben werden. Ist der Fluß sehr stark, so gebe man 1½ Grane Bleizucker (~Sugar of lead~) in etwas Essig und Wasser. Wenn viel Schmerz vorhanden ist, gebe man 5 oder 6 Tropfen Laudanum. Die Scheide oder die Geburtsstätte mag mit Tüchern, in einer starken Alaun- (~Alum~) Auflösung oder einer Abkochung von Weißeichenrinde (~Decoction of white oak bark~) getränkt, verstopft werden.

=Allöopathisch.= Ist die Kranke vollblütig und es stellt sich ein Gefühl von Vollsein ein, so sollten 10 bis 12 Blutegel an den unteren Theil des Unterleibes und Rückens angesetzt und folgende Mischung gegeben werden:

Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme. Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) 4 Skrupel. Salpeter (~Nitre~) 2 „ Zimmetwasser 2 Unzen. Wasser 4 „

Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden ein Viertel davon. Oder:

Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) 2 Drachmen. Gewöhnlicher Syrup 2 „ Destillirtes Wasser (~Distilled water~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll; jeder Dosis füge einen Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronen-Säure (~Citric acid~), zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst, bei. Während des Aufschäumens zu trinken. Wenn die Eingeweide verstopft sind, ist das folgende zu empfehlen:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen. Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion of roses~) 5 „ Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll.

Es ist besser, Blutentziehung und das Darreichen obiger Mischungen zu vermeiden und, wenn diese nicht angewendet werden, gebe man 35 bis 40 Tropfen Laudanum und wiederhole dies in Zwischenräumen in kleineren Dosen.

Wenn der Ausfluß sehr stark ist, müssen die folgenden Pillen gegeben werden:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane. Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „

Mache es zu einer Pille, welche alle 3 oder 4 Stunden zu nehmen ist; oder mische 5 Grane pulverisirten Alaun (~Alum~) mit 3 Granen geriebener Muskatnuß (~Nutmeg~), in Honig oder Syrup gemischt, und gebe es alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge der Symptome angemessen. Dies wird von Dr. C. D. Meigs in Philadelphia empfohlen.

+Bemerkung.+ Kann der Abortus nicht verhindert werden, so muß man wie bei einer natürlichen Geburt vorgehen.

Falsche Wehen (~False Pains~).

Häufig einige Wochen oder Monate vor der Entbindung wird die Schwangere von sogenannten falschen Wehen belästigt. Diese ähneln den ächten Wehen sehr und verursachen häufig nutzlose Beunruhigung. Sie mögen daran erkannt werden, daß sie unregelmäßig in ihren Wiederholungen sind und sich gewöhnlich auf die Muskeln des Rückens und Unterleibs beschränken, sowie vom Rücken nach den Seiten ziehen.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Eingeweide verstopft sind, gebe man folgende Einspritzung:

Warmes Wasser 1 Pint. Salz 2 Theelöffel voll. Gewöhnlicher Molasses 2 Eßlöffel voll.

Nachdem Stuhlgang vorhanden ist, gebe man einen kleinen Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) und wiederhole dies alle zwei Stunden, wenn nicht früher Linderung eintritt.

=Allöopathisch.= Folgendes ist eine gute Salbe, welche über dem Sitz des Schmerzes eingerieben werden mag:

Ammoniak (~Ammonia~) 2 Unzen. Opium-Tinktur (~Tincture of opium~) 2 „ Seifen-Salbe (~Soap liniment~) 1 Unze.

Schüttele es vor dem Gebrauch um.

=Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Wenn der Schmerz ziehend und sich in dem Unterleib und den Lenden befindet.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen ähnlich den vorhergehenden, mit einem Gefühl von Steifheit oder Lahmsein verbunden sind.

~Nux Vomica.~ -- Wenn in der Gegend der Blase ein Schmerz, wie von einer Quetschung herrührend, und wenn die Wehen Folge von Verstopfung sind.

~Aconitum.~ -- Besonders bei vollblütigen Frauen; heißer Kopf, trockene Haut. ~Belladonna~ kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Behandlung der Brüste (~Preparation of the Breasts~).

Nicht selten finden junge Mütter in Folge früherer Vernachlässigung beim Stillen ihrer Kinder Schwierigkeiten wegen der durch den Druck von zu engen Kleidern, Schnürbrüsten u.s.w. fast ganz verschwundenen Warzen. Die Brüste schwangerer Frauen sollten sorgfältig gegen Druck geschützt werden, da dies leicht üble Folgen nach sich ziehen kann. Wenn aber die Warzen nicht weit genug herausgezogen sind, so daß sie von dem Kinde mit Leichtigkeit gefaßt werden können, so mag dies vermittelst einer gewöhnlichen Brustpumpe geschehen, und nachdem die Pumpe entfernt ist, lege rings um die Warzen einen Ring von Bienenwachs oder einen Warzenschild (~Nipple shield~). Dies sollte beständig getragen werden. Wenn aber das Ausziehen der Brustwarzen einen Schmerz im Unterleib verursacht, so muß es eingestellt werden, da Abortus folgen kann.

Dr. Tracy empfiehlt folgendes zur Erhaltung der einmal herausgezogenen Warzen:

Jede Warze sollte mit einem Stück von einem wollenen Faden oder Garn an der Wurzel zwei- bis dreimal umwunden und mäßig fest gebunden werden, jedoch nicht so fest, daß dadurch der Blutumlauf gehemmt wird.

Die Warzen springen während oder nach der Schwangerschaft leicht auf und entzünden sich, was besonders, nachdem das Kind zu saugen beginnt, eintritt; daher sollten die Brüste mehrere Wochen vor der Entbindung in kaltem Wasser gebadet und mit groben Handtüchern abgerieben werden. Zuweilen ist auch das Baden der Brustwarzen mit Brandy zweimal des Tages mehrere Wochen hindurch vor der Entbindung sehr zuträglich gefunden worden. Ebenso die Anwendung einer Abkochung von grünem Thee, oder Eichenrinde, oder auch von Granatäpfeln (~Pomegranate~). Bei großer Empfindlichkeit oder Schmerzhaftigkeit bade die Warzen und Brüste häufig in einer scharfen Auflösung von Arnica.

Fünftes Kapitel.

Entbindung oder Kindbett.

Geburtswehen (~Labor~).

Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher oder später ein.

+Symptome.+ Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim, „Blutanbrechen“ (~show~) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den Unterleib sind vorhanden.

Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig, lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.

Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des Kindes bereit gehalten werden.

Schmerzen bei den Geburtswehen (~Labor Pains~).

Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird. Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.

Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind mehr nach unten drängend.

Entbindung.

Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist, schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches Athmen, was auf folgende Weise geschieht:

Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt, ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit kaltem Wasser dasselbe erwecken.

Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt und die Nachgeburt oder ~Placenta~ kommt. Starkes Ziehen sollte zur Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige Wehen hin, dieselbe auszustoßen.

Behandlung nach der Entbindung.

Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist, wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.

Verbinden des Nabels (~Dressing the Navel~).

Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug, daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.

Licht, Temperatur und Lüftung.

Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig, die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.

Nachwehen.

Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf, obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern länger als es wünschenswerth ist.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:

Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 30 Tropfen. Kampherwasser (~Camphor water~) 1 Unze. Laudanum 1 Drachme. Gewöhnlicher Syrup 1 Unze.

Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wassers.

=Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden bei Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf ~Nux Vomica~ folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.

~Coffea~ und ~Aconitum~. -- Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.

~Pulsatilla~ -- möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.

~Secale.~ -- Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren haben.

~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang, Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit ~Opium~ bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem begleitet.

=Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge einer Abbrühung von gleichen Theilen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mit ein wenig Whiskey oder anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden. Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.

Blutfluß (~Flooding -- Hæmorrhage~).

Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.

Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden, bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:

~Belladonna.~ -- Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl, als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.

~Chamomilla.~ -- Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche Schmerzen vorhanden sind.

~China.~ -- Kann abwechselnd mit ~Ipecacuanha~, wenn Schwindel und Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten Fällen entsprechen.

~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse ~Crocus~ oder ~Sabina~ folgen.

Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes Wasser trinken.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt, verlängere die Zwischenräume.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn sich der Blutfluß vor der Entfernung der Nachgeburt einstellt, sollten Mittel dagegen gegeben und um die Gebärmutter zur Zusammenziehung anzureizen, sollte fest über derselben gedrückt werden. Kaltwasser-Umschläge mache man äußerlich über den betreffenden Theil. Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) gebe man in Dosen von einem Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wasser alle 5 bis 15 Minuten oder in längeren Zwischenräumen. Auch kann eine Mischung von gleichen Theilen von Ratanhia (~Rhatany~), Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) und Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit Erfolg angewendet werden.

=Allöopathisch.= Folgende Pillen mögen genommen werden:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane. Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „

Mache eine Pille daraus, wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden und lasse gleichzeitig Essig mit Wasser trinken.

Dauer des Kindbetts.

Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis fünfzehnten Tag zu gehen.

Diät und Regeln während des Kindbetts.

Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen. Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird; jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser, entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten Trank.

Lochien oder Geburtsblutfluß.

Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind; in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.

Unterdrückung der Lochien.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Man öffne die Eingeweide vermittelst eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz (~Epsom salts~), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut (~Motherwort~) so heiß als möglich und öfters wiederholt trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme Umschläge von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) auf den Unterleib und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) und einem Theil Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tincture of aconite root~), 8 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei Stunden zu wiederholen.

=Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Kann gegeben werden bei Vollsein und Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz, Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien vorhanden sind, gebe man ~Aconitum~ und ~Belladonna~ abwechselnd.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Unterdrückung von geistigen Erregungen oder Erkältung herrührt, besonders bei Kopfschmerz, Fieber, Kälte der Füße und häufigem Verlangen zum Uriniren.

~Dulcamara~ und ~Pulsatilla~. -- Abwechselnd wenn die Unterdrückung die Folge des Aussetzens der Feuchtigkeit und Kälte sein sollte.

~Coffea~ und ~Chamomilla~ -- gebe man abwechselnd, wenn die Patientin sehr erregt, unruhig und nervös ist, und es ist Diarrhöe und Kolik vorhanden. Warme Wasserumschläge sollten auf den Unterleib gemacht und warme Fuß- und Hüftenbäder genommen werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle Stunde, oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Uebermäßige und lange anhaltende Lochien.

Wenn die Lochien übermäßig stark sind oder zu lange anhalten, so wird die Kranke sehr leicht dadurch geschwächt.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Crocus.~ -- Wenn der Ausfluß dunkel gefärbt, schwarz und klebrig ist, mit einem Gefühl im Unterleib, als ob dort etwas Lebendiges wäre.

~China~ und ~Ipecacuanha~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn der Ausfluß bei Krampfanfällen, Schwindel, Uebelkeit, Ohnmacht, Kälte der Endglieder, Blässe des Gesichts und Hinfälligkeit stattfindet.

~Aconitum.~ -- Wenn der Ausfluß von einer dunkelrothen Farbe ist. Zeigt sich ~Aconitum~ unzureichend, so gebe man ~Calcarea carbonica~.

~Rhus.~ -- In Fällen, wo die Lochien zurückkehren, nachdem sie bereits aufgehört hatten.

~Silicea.~ -- Wenn sich die Lochien jedesmal dann einstellen, wenn das Kind an die Brust gelegt wird.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6 Kügelchen, alle 4 Stunden, bis es besser wird.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Weißeichen-Rinde, Storchschnabel (~Geranium~) und Rüster-Rinde (~Witch hazel bark~) kann angewendet werden, wovon die Kranke oft und viel trinken sollte. Eine Mischung von Caulophyllin und Geranium, je ein Skrupel, mag alle Stunden in Dosen von 2 Granen gegeben werden. Bade die Theile oft in kühlem Wasser.

Milchfieber.

Ungefähr den dritten oder vierten Tag nach der Entbindung füllen sich die Brüste mit Milch und gleichzeitig stellt sich Frost ein, dem ein starkes Fieber und Kopfschmerz folgt, und dies wird das Milchfieber genannt. In der Regel wird das Fieber dadurch, daß man das Kind sobald als möglich an die Brust legt, verhindert. Sollte aber aus irgend einer Ursache das Fieber zunehmen und starker Kopfschmerz, Durst, schneller Puls und Klopfen der Schläfe vorhanden sein, so sollte etwas dagegen gethan werden.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Man verschaffe vermittelst des folgenden Stuhlgang:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 10 Grane. Lakritzen-Extrakt (~Ext. of Liquorice~) 1 Skrupel. Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen. Sennesblätter- und Jalappenwurzel-Tinktur (~Tinct. of senna and jalap~) 3 Drachmen. Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of Sal volatile~) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll, so oft als erforderlich.

Nachher gebe das folgende:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of acetate of Ammonia~) 3 Unzen. Wasser 3 „ Laudanum ½ Drachme.

Mische es. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe zur Erhaltung des Stuhlganges Seidlitz-Pulver und mache warme Umschläge über die Brüste. In einigen Fällen kann das zusammengesetzte Pulver von Brechwurz (~Ipecac~) und Opium gegeben werden.

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, heißer Haut, Durst, Brust hart und knotig, Angst, Unruhe.

~Bryonia.~ -- Wenn die Symptome theilweise von ~Aconitum~ gelindert wurden, oder die Brüste von Milch angeschwollen sind; schmerzhafte Brust, Beklemmung.

~Belladonna.~ -- Kann nach ~Aconitum~ oder abwechselnd mit diesem oder ~Bryonia~ gegeben werden, wenn die Hauptsymptome, wie betäubender Kopfschmerz, funkelnde Augen, Delirium sehr heftig sind. Sind die Brüste gegen Berührung empfindlich und es ist Unruhe und Aufregung vorhanden, so gebe man ~Coffea~ und ~Chamomilla~ abwechselnd.

~Pulsatilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Brüste stark angeschwollen sind, bei Wehsein und Schmerzen, die sich auf die Muskeln der Brust und Schultern erstrecken. Baden der Brüste in heißem Fett, dem ein wenig Arnika-Tinktur beigefügt wurde, wird in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Ausbleiben der Milch.

Die Absonderung der Milch kann sich aus verschiedenen Ursachen, wie durch das Aussetzen der Kälte und Feuchtigkeit, geistige Erregung, Diätfehler, plötzlich einstellen. Die Folgen einer solchen Unterdrückung können sehr ernst werden, und es ist daher gut, dieselbe, wenn irgend möglich, zu verhüten.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- wird in der Regel hinreichen, den Milchfluß wieder herzustellen, besonders wenn die Unterdrückung die Folge von Erkältung ist.

~Belladonna~ und ~Bryonia~ -- mag abwechselnd bei Blutandrang nach dem Kopf oder Lungen, Fieber und Gliederschmerzen gegeben werden.

Bei Unruhe, Fieber, Hitze, trockener Haut und Durst gebe man abwechselnd ~Aconitum~ und ~Coffea~, besonders wenn geistige Erregungen Ursache der Unterdrückung waren.

~Calcarea Carbonica.~ -- Ist ein ausgezeichnetes Mittel, wenn leichte Veranlassungen die Unterdrückung herbeiführten.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle zwei oder vier Stunden zwei Theelöffel voll.

Uebermäßige Ansammlung der Milch.

Zuweilen tritt eine übermäßige Milchabsonderung ein, welche ein Anschwellen und eine Entzündung der Brüste verursacht; auch findet ein unfreiwilliges Abfließen der Milch statt, dem Schwäche, Kopfschmerz und andere Störungen des Nervensystems folgen.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Calcarea Carbonica~ oder ~Phosphorus~ -- wird gewöhnlich Linderung gewähren.

~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- werden zuträglich gefunden werden, wenn Fieber oder Kopfschmerz, sowie andere Symptome von Blutandrang vorhanden sind.

~China.~ -- Bei unfreiwilligem Abfließen der Milch, oder wenn die Betreffende durch den Milchverlust geschwächt wird.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen von dem gewählten Mittel in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Die äußerliche Anwendung von Baumwolle (~Cotton batting~) ist sehr zu empfehlen.

Wunde Brustwarzen

kommen häufig vor und werden zu einer Plage, die durch eine gehörige Pflege der Brüste vor der Entbindung vermieden werden mag; in einigen Fällen aber wird dies von der geringfügigsten Ursache herbeigeführt. Häufiges Baden in kaltem Wasser, sowohl einfach als auch mit einigen Tropfen Arnica-Tinktur oder Branntwein gemischt, wird die Zartheit der Haut heben und dieselbe kräftigen. Dies sollte jedesmal, nachdem das Kind gesaugt hat, wiederholt werden. Ein Warzenschild wird häufig diese Beschwerde verhindern oder entfernen.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung beträchtlich ist, mache man Umschläge von Ulmenrinde (~Elm bark~) oder Ulmen und Hopfen. Zuweilen mag eine Auflösung von vier bis fünf Granen salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) auf eine Unze Wasser mit Vortheil angewendet werden. Nachdem die starke Entzündung nachgelassen hat, gebrauche man folgendes:

Schöpsenfett (~Mutton tallow~) ½ Unze. Peruvianischer Balsam (~Balsam of peru~) ½ Drachme. Glycerin ½ „ Honig ½ „

Zerlasse das Fett, seihe es durch und mische es dann mit den übrigen Bestandtheilen. Mache davon vier- bis fünfmal des Tages Umschläge auf die Brustwarzen.

=Homöopathisch.= In allen Fällen sollten die Warzen, nachdem das Kind die Brust verlassen hat, mit kaltem Wasser, dem einige Tropfen Arnica-Tinktur beigefügt sind, gewaschen, dann gehörig abgetrocknet, die Milch aus denselben gedrückt und mit pulverisirter Stärke bedeckt werden.

Dr. H. R. Stout von Chicago spricht günstig von pulverisirtem Gummi-Arabicum, der auf die wehe Warze nach jedesmaligem Stillen gestreut wird, ebenso von Benzoe- (~Benzoin~) oder Benjamin-Tinktur vermittelst eines Kameelhaarpinsels aufgetragen.

Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt pulverisirten weißen Zucker als ein ausgezeichnetes Mittel. Borax in dem Schleim der schlüpferigen Ulme (~Slippery elm~) aufgelöst ist eine vorzügliche Waschung. Töpferthon (~Potters clay~) auf die Warzen gestreut, wird öfters zuträglich gefunden werden. Innerliche Heilmittel sind folgende:

~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Warzen geschwollen und entzündet sind. Gewährt dies keine Linderung, gebe folgende Mittel der Reihe nach, jeden Tag eine Dosis und zwar eine Woche hindurch:

~Nux vomica, Mercurius, Sulphur, Silicea, Lycopodium, Graphites, Sepia, Calcarea Carbonica.~ Von ~Chamomilla~ mag alle vier oder sechs Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) gegeben werden.

=Allöopathisch.= Folgende Waschungen werden zuträglich gefunden werden:

Löse entweder Alaun (~Alum~), Borax, schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) oder Kupfer in Rosenwasser auf, im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze, und mache davon Umschläge auf die Warze. Auch eine Auflösung von Gerbersäure (~Tannic acid~) wird zuträglich gefunden werden.

Folgendes ist ein vortrefflicher Umschlag:

Glycerin 1 Drachme. Tannin 1 „

Mische es.

Aufgebrochene Brüste (~Broken Breast -- Mastitis~).

Entzündung der Brust wird häufig bei stillenden Müttern gefunden und wird in der Regel durch Erkältung oder auch zu starkes Ansammeln der Milch in den Brüsten, sowie durch Druck auf dieselben, örtliche Verletzungen u.s.w. verursacht.

+Symptome.+ Gewöhnlich stellt sich anfänglich Frost ein, dem mehr oder weniger Fieber folgt, und leichte, spießende Schmerzen, die beim Druck zunehmen, werden gefühlt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz bis zur Achselgrube aus, und wenn die Entzündung fortschreitet, schwillt die Brust an, wird hart, knotig und uneben, bis schließlich die Haut eine dunkle Farbe annimmt und sich Eiter bildet, die Kranke schwach und reizbar wird und abmagert. Zuweilen ist dies sehr hartnäckig.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Das erste, was zu geschehen hat, ist das Ausziehen der Milch, was das Anschwellen vermindern und die Entzündung verhindern wird. Umschläge von Brod und Milch oder schlüpferiger Ulme sollten gemacht werden, was die Wärme erhält und dadurch das Anschwellen der Milchröhren vermindert. Ein Umschlag von gelben Rüben (~Carrots~) wird in allen Stadien dieser Krankheit gut gefunden werden. Flanelltücher, in heißem Branntwein ausgerungen, werden sich zuweilen zuträglich erweisen. Wenn die Brust anschwillt oder empfindlich wird, so sollte ~Belladonna~ und ~Bryonia~ entweder allein oder abwechselnd gegeben werden, besonders bei schießendem, zerreißendem Schmerz und beträchtlichem Kopfschmerz. Wenn, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, noch Härte vorhanden ist, gebe man alle 6 Stunden eine Dosis ~Mercurius~. Bleiben Knoten in der Brust zurück, so wird ein Pflaster von Bienenwachs und süßem Oel zuträglich gefunden werden. Wenn sich Eiter bildet, was an dem klopfenden Schmerz in der Brust erkannt werden kann, sollte ~Hepar sulphuris~ gegeben, bis er herausbricht, und Umschläge von Leinsamen gemacht werden. Bei Vorhandensein eines übermäßig starken Ausflusses von Eiter nehme man ~Phosphorus~ allein oder abwechselnd mit ~Hepar sulphuris~. ~Silicea~ mag gegeben werden, wenn der Ausfluß wässerig ist, aus mehreren Oeffnungen herausbricht und langsam heilt.

~Graphites~ oder ~Calcarea Carbonica~ kann besonders bei hartnäckigen Fällen angewendet werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Zu Anfang, wenn ~Belladonna~ und ~Bryonia~ genommen werden, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle Stunde einen Theelöffel voll.

Andere Heilmittel nehme man alle 3 oder 6 Stunden.

Werden ~Sulphur~ oder ~Calcarea~ angewendet, so ist Morgens und Abends eine Dosis hinreichend.

=Allöopathisch.= Man halte die Brüste von Milch frei, entweder durch Anlegen des Kindes oder durch Anwendung der Brustpumpe. Folgendes mag zur äußerlichen Anwendung dienen:

Belladonna-Tinktur (~Tinct. of belladonna~) 1 Unze. Kampher-Tinktur (~Tinct. of camphor~) 1 „

Mische es und befeuchte damit drei- oder viermal des Tages die Brust.

Weicht die Anschwellung nach diesem Mittel nicht, so möge man warmen Essig gebrauchen. Blutegel können unter die Brust gesetzt werden und zwar so, daß dadurch nicht die Anwendung des warmen Essigs verhindert wird. Dauert die Anschwellung und der Schmerz dennoch fort, so mache man warme Umschläge von Hopfen und nehme innerlich folgendes:

Eisenhut-Tinktur (~Tinct. of aconitum~) 2 Drachmen. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) 2 Grane. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze. Wasser 3 Unzen.

Mische es. Dosis: alle Stunde einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt, dann alle 2 oder 3 Stunden. Die Brüste sollten durch Streifen von Heftpflaster unterhalb und ringsherum gestützt werden.

Kommt die Patientin von Kräften, so mag ihr Bier, Porter und Wein gegeben werden. Wenn sie skrophulös ist, gebrauche man folgendes:

Zusammengesetzter Talgbaum- (~Stillingia~) Syrup 8 Unzen. Potaschen Jodid (~Iodide of potash~) 2 Drachmen. Fowler’s Solution 1½ „

Mische es. Dosis: 2 Theelöffel voll in Wasser dreimal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= In den ersten drei oder vier Tagen wasche die Brust dreimal des Tages mit einer Salbe, bestehend aus je einer Unze Kampher (~Camphor~), Sassafrasöl und Cajeput- (~Cajeput~) Oel. Nach jeder Waschung gebrauche folgendes:

Feingeschnittene spanische Seife (~Castille soap~) 1½ Unze. Gelbes Bienenwachs ½ „ Schweinefett 1 „

Bei mäßigem Feuer geschmolzen, und wenn fast erkaltet, füge allmählig acht Drachmen Jamaica-Spiritus (~Jamaica spirits~), in dem zuvor 30 Grane Kampher aufgelöst waren, hinzu. Schneide ein Stück Leinen von der Größe der Brust, lasse in der Mitte für die Brustwarze ein Loch, streiche die Salbe auf und lege es so warm als es ertragen werden kann auf die Brust. Alle 4 bis 6 Stunden nehme man es herunter, wärme es von neuem, und nachdem man die genannte Waschung angewendet, lege man es wieder auf. Bildet sich Eiter, so mache man einen Umschlag von schlüpferiger Ulme (~Slippery elm~) oder von Brod und Milch. Frische Kermesbeere (~Poke root~) in Asche weich geröstet und zerdrückt, mit einer gleichen Menge pulverisirter Lobelia und heißem Wasser gemischt, wird zuträglich gefunden werden.

Verstopfung und Diarrhöe.

Diese können sehr gefährlich werden, besonders Diarrhöe, und sind einer gehörigen Behandlung zu unterziehen. Wegen deren Behandlung siehe Kapitel 12, erster Theil.

Kindbettfieber (~Childbed Fever -- Puerperal Peritonitis~).

Dies ist eine sehr gefährliche Krankheit, die nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden sollte. Sie besteht in einer Entzündung des Bauchfelles oder der Schleimhaut, welche den Magen einfaßt und die Eingeweide bedeckt.

+Symptome.+ Wie bei den meisten Fiebern, geht Frösteln, Uebelkeit oder Erbrechen und Schmerz im Bauche voraus; letzterer ist zuweilen sehr ausgebreitet oder beschränkt sich auf einen Fleck; der Unterleib wird ebenso groß als vor der Entbindung und so empfindlich, daß kaum das Gewicht der Betttücher ertragen werden kann; die Schmerzen sind unerträglich, der Puls ist häufig klein und scharf, die Haut heiß, Zunge weiß und belegt oder rein, die Kranke ist durstig, erbricht sich öfters, Milch und Lochien sind zuweilen unterdrückt, das Athmen ist schwierig, zuweilen stellt sich Husten ein, die Eingeweide sind verstopft oder es ist Diarrhöe vorhanden. Nimmt die Krankheit eine schlimme Wendung, so nimmt das Anschwellen und die Ausdehnung des Bauches zu, das Erbrechen dauert fort, der Puls ist schnell und unregelmäßig, die Glieder werden kalt und plötzlich hört der Schmerz auf, was ein Zeichen des Endes ist.

+Ursachen.+ Gewaltthätigkeit während der Entbindung, Erkältung, Diarrhöe, Unterdrückung der Milchabsonderung, heftige, geistige Erregungen.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Der Kranken sollte beim Beginn zur Ader gelassen werden oder es sollten Blutegel an den Unterleib gesetzt werden; geschieht das Letztere, so sollte ein Umschlag von Leinsamen oder Indischem Mehl (~Indian meal~) folgen, werden keine Blutegel gesetzt, so lege man Flanell, in Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) getränkt, über den Bauch. Kleine Dosen von Lobelia oder Brechwurz (~Ipecac~), hinreichend, Uebelkeit und eine Feuchtigkeit auf der Haut hervorzurufen, mögen zuerst gegeben werden, oder die Tinktur von Nießwurz (~Veratrum Viride~), in Dosen von 5 bis 10 Tropfen jede Stunde, was die Kranke häufig in einen starken Schweiß bringen wird. Der Stuhlgang sollte durch Einspritzungen von warmem Wasser oder durch andere gelinde Mittel hergestellt werden. Opium und Kalomel, im Verhältniß von einem halben Gran des Ersteren auf ein Gran des Letzteren, sollte alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, gegeben werden. Wird die Kranke schwach, so sollte man Chinin und Opium und ebenso Rindsthee, Wein, Branntwein oder Whiskey geben.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Krankheit mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt, gebe man ein Brechmittel und lasse ein Abführmittel, wie nachstehendes, folgen:

Entenfuß (~Podophyllin~) 2 Grane. Leptandrin 4 „ Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 10 „

Eine Einspritzung von einem halben Eßlöffel voll der zusammengesetzten Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Tinct. of Lobelia and Capsicum~) in einer oder zwei Unzen warmem Wasserdost (~Boneset~), Sennesblätter oder Lobeliathee kann gegeben werden; auch wasche man den Unterleib häufig mit warmem Saleratus-Wasser. Nachdem das Abführmittel gewirkt hat, lasse man die Kranke viel und oft von einem Thee der Roßmünze-Tinktur (~Tincture of horsemint~), der Kamillenblüthen oder Hunde-Manilla (~May weed~) hinzugefügt sind, trinken. Die zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) mag gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Dosis: jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in einem warmen Balsam-, Katzenmünze- (~Catnip~) oder Pleuresiewurzel-Thee. Nachdem sich der Schweiß eingestellt hat, sollte die Tinktur in kleineren Dosen und in längeren Zwischenräumen gegeben werden. In einigen Fällen werden sich 15 oder 20 Tropfen einer Mischung aus gleichen Theilen von Fingerhut (~Digitalis~) und Stechapfel (~Stramonium~) jede Stunde oder alle zwei Stunden zuträglich erweisen. Heiße Bähungen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mögen auf den Unterleib gemacht werden, die öfters zu erneuern sind. Stechapfel- (~Stramonium~) Blätter sind zu einem Umschlag auf den Unterleib sehr zu empfehlen; sie sollten zerquetscht, warm gemacht und als Bähungen verwendet werden. Ist die Zunge stark belegt und das Fieber hält an, so gebe man gleiche Theile von pulverisirter Blutwurzel (~Blood root~), Kalmus (~Blue flag root~) und Salpeter (~Nitre~) in Dosen von 15 Granen alle drei Stunden. Senfpflaster lege auf den Nacken, die Füße und auf die innere Seite der Lenden.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- ist das erste Mittel, besonders wenn die Krankheit mit Frost beginnt, dem eine trockene, heiße Haut folgt, bei schnellem Puls.

~Belladonna.~ -- Bei sehr scharfen Schmerzen im Unterleibe, ziehendem Gefühl, klopfenden Schmerzen im Kopfe, geröthetem Gesicht, glasigem Blick, Harnverhaltung, außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes.

~Bryonia.~ -- Außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes, Verstopfung, schießenden Schmerzen im Unterleib. Kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

~Pulsatilla.~ -- Wo der Anfall gelinde auftritt; großer Druck nach unten, häufiges Verlangen nach Urinlassen.

Andere Mittel sind: ~Apis~, ~Arnica~, ~Arsenicum~, ~Hyosciamus~, ~Chamomilla~, ~Rhus~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Im Anfange ist es das beste, ~Aconitum~ und ~Belladonna~ abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12 Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu geben.

Die weiße Schenkelgeschwulst (~Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens~).

Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht möglich ist.

+Symptome.+ Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt; zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten mit dem zusammengesetzten Pulver der Jalappenwurzel (~Compound powder of jalap~), jede Dosis 10 oder 15 Grane Cremor Tartari beigefügt, gereinigt werden. Dies sollte alle zwei oder drei Tage während der Entzündung wiederholt werden. Das Bein wasche man mit einer Lösung von Salz, Essig und Wasser und gelegentlich mit einem Aufguß von Bitterkräutern wie Wasserdost (~Boneset~), Hopfen und Rainfarn (~Tansy~). Folgende Salbe mag mit Erfolg angewendet werden:

Süßes Oel 2 Unzen. Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 2 „ Kreosot 1 Unze. Laudanum 1 „

Mische es und mache zweimal des Tages einen Umschlag. Ein Aufguß von Hopfen und Essig kann als ein anderes Mittel in derselben Weise angewendet werden.

Thee von Flöhkraut (~Smart weed~) und Hundekamille (~May weed~) mag oft und viel getrunken werden, um dadurch Schweiß hervorzurufen. Wird die Krankheit chronisch, so sollte das Bein täglich mit einer Abkochung von Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~) und Hopfen gebäht (~steamed~) und die erstgenannte Salbe angewendet werden.

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, brennenden Schmerzen und Hitze.

~Belladonna~ -- ist für den Anfang in den meisten Fällen vielleicht das beste Mittel, besonders wenn die Schmerzen scharf und stechend sind, bei Schwere in den Lenden und in dem unteren Theile des Unterleibes, bei heftigem Fieber mit brennendem Durst.

~Bryonia.~ -- Wenn schießende und scharfe Schmerzen von der Hüfte nach dem Fuße zu vorhanden sind, bei Schwitzen, außerordentlicher Empfindlichkeit gegen Berührung oder Bewegung. Kann auch abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.

~Pulsatilla.~ -- Wenn nach ~Belladonna~ oder ~Bryonia~ keine Besserung eintritt.

Andere Mittel sind: ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Nux Vomica~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe 6 Kügelchen einmal in 2 Stunden.

=Allöopathisch.= Flanell in heißes Wasser und Essig getaucht sollte auf das Bein gelegt und öfters wiederholt werden.

Oertliche Waschungen mit einer Mischung von warmem süßen Oel, zwei Theile und Laudanum, einen Theil, dann mit Flanell bedeckt werden gut gefunden werden. Der Umschlag von heißem Wasser und Essig, sowie heißem Oel und Laudanum sollte alle 5 oder 6 Stunden abgewechselt werden. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man folgendes:

Pulverisirte Sennesblätter (~Powd. Senna~) ½ Drachme. „ Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~) 10 Grane. „ Gewürznelken (~Powd. Cloves~) 10 „

Mische und nimm es als eine Dosis in versüßtem Wasser. Folgendes wird zuträglich sein:

Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen. Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1½ Unze.

Mische es. Dosis: Alle 4 oder 5 Stunden einen Eß-Löffel voll.

Nießwurz-Tinktur (~Tincture of veratrum viride~) in Dosen, welche hinreichen, einen mäßigen Schweiß hervorzurufen, sollte während der Entzündung gegeben werden.

Der wunde Mund der Stillenden.

Stillende Mütter leiden hieran zuweilen sehr. Der ganze innere Mund wird sehr roth und so empfindlich, daß es der Leidenden Schwierigkeit macht, irgend welche feste Speise zu sich zu nehmen.

Ist das Leiden hartnäckig und die Patientin kommt dabei von Kräften, so wird es nothwendig, das Kind zu entwöhnen, zu welcher Zeit dann die Krankheit verschwindet.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das wichtigste Mittel und mag abwechselnd mit ~Nux Vomica~ oder ~China~, besonders mit ~China~ wenn große Schwäche und Erschöpfung vorhanden ist, gegeben werden.

~Acidum Nitre~ -- kann gegeben werden, wenn ~Mercurius~ keine Linderung gewährt. ~Borax~ und ~Sulphur~ sind auch vortreffliche Mittel dagegen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme alle 6 oder 8 Stunden oder auch öfter, wenn der Fall heftig ist, einmal 6 Kügelchen. Bei ~Sulphur~ wird eine Dosis Morgens und Abends hinreichen.

=Allöopathisch.= Die Verstopfung der Eingeweide zu beseitigen, nehme man folgendes:

Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract of senna~) 2 Drachmen. Flüssiger Jalappenwurzel-Extrakt (~Fluid extract of jalap~) 2 „ Aufguß von Gewürznelken (~Infusion of cloves~) 2 Unzen.

Mische und nimm es als eine Dosis.

In einigen Fällen wird folgendes stärkende Mittel dienlich sein:

Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 40 Grane. Wasser 2 Unzen. Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.

Mische es. Dosis: Zwanzig bis vierzig Tropfen alle drei Stunden.

Zum Gurgeln bediene man sich des folgenden:

Abkochung von Chinarinde (~Decoction of Peruvian bark~) 3 Unzen. Orangenschalen-Syrup 1 Unze. Chlorsaure Soda (~Chloride of soda~) 1 „

Mische es. Oder auch:

Chlorsaures Eisen (~Chloride of iron~) ¼ Unze. Starke Hydrochlorsäure (~Strong hydrochloric acid~) 40 Tropfen. Wasser 1 Pint.

Mische es.

=Eclectische und Kräuterkur.= Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~) ist ein ausgezeichnetes Mittel:

Man löse 2 Drachmen in 4 Unzen Wasser und nehme zweimal des Tages einen Theelöffel voll. Als Gurgelwasser wird eine Abkochung von Gägelrinde (~Bay berry bark~), Gelbwurz (~Golden seal~), Sumachbeeren (~Shumac berries~) und ein wenig gebrannter Alaun (~Burned alum~) oder Borax zuträglich gefunden werden.

Dritter Theil. -- Kinderkrankheiten.

Kleidung des Kindes.

Die Kleidung der Säuglinge sollte die freie Bewegung der Glieder gestatten, dick genug sein, sie zu beschützen und warm zu halten. Flanell ist aus mehreren Gründen der geeignetste Stoff zu Unterkleidern der Säuglinge, denn erstens ist er kein Wärmeleiter, indem er das zu schnelle Verfliegen der animalischen Wärme des Körpers verhindert, und zweitens verursacht er eine sehr zuträgliche Anreizung, vermittelst welcher eine unbemerkbare Ausdünstung hervorgerufen wird. Die Bekleidung muß leicht sein, damit das Kind dadurch nicht belästigt wird, einfach, damit das An- und Ausziehen leicht vor sich geht und weit genug, damit das Wachsthum und die Ausdehnung der Formen nicht beeinträchtigt wird.

Bezüglich der Kleidung sagt Dr. Tarry in seinem: “~Mother and her offspring~”:

„Ich will den Geschmack durchaus nicht weiter beeinflussen als nothwendig ist, um dem Kinde eine warme, leichte und bequeme Bekleidung zu sichern. Es muß wohl sogleich in die Augen fallen, daß kurze Aermel und um den Hals tief ausgeschnittene Kleider nicht passend für Kinder sind.“

Der dazu verwandte Flanell muß weiß und fein sein und öfters gewechselt werden, damit der Körper beständig rein gehalten wird.

Scheintod (~Apparent Death -- Asphyxia~).

Zuweilen trägt es sich zu, daß, wenn die Wehen lang und stark waren, das Kind scheinbar todt ist und sofortige Behandlung verlangt. Man bringe das Kind sofort in eine Lage, welche einen ungestörten Blutumlauf durch die Nabelschnur gestattet; reinige den Mund vom Schleim und hülle den Körper in weiche, warme Flanelle ein, auch reibe Füße, Hände und das Rückgrat mit der flachen Hand. Diese Mittel reichen in der Regel hin, den Blutumlauf herzustellen, Pulsiren in der Nabelschnur wird wahrgenommen, dem bald darauf Athmen folgt, worauf die Schnur gebunden und abgeschnitten werden kann. Nachdem 5 oder 10 Minuten verstrichen sind, innerhalb welcher das Kind kein Lebenszeichen von sich gegeben hat, muß die Nabelschnur abgeschnitten und gebunden und das Kind in ein warmes Bett gebracht werden. Das Reiben der Füße, Hände und des Rückgrats setze man fort und tauche die Hand in kaltes Nasser oder Spiritus und reibe damit die Brust oder gieße zwei oder drei Fuß hoch aus einer Theekanne einen Strom kalten Wassers auf die Brust. Bleibt dies alles ohne Erfolg, so fülle man die Lungen künstlich mit Luft. Dies mag geschehen, indem man ein seidenes Taschentuch lose über den Mund legt, um dadurch die Kraft des Athems zu brechen, und durch dasselbe sanft Athem in den Mund einbläßt; gleichzeitig schließe man die Nase des Kindes mit dem Daumen und dem Zeigefinger, wodurch der Luft der Ausgang versperrt wird. Wenn so die Lungen mit Luft gefüllt sind, treibe man die Luft durch einen sanften Druck auf die Brust wieder aus und fahre so eine Zeitlang fort. Leichte elektrische Schläge mögen zuträglich sein; man setze zu diesem Behufe einen Pol an den oberen Theil des Rückgrats und den andern auf die Brust.

Diät der Neugeborenen.

Die geeignetste Kost für den Säugling ist natürlich die Muttermilch und darauf sollte das Kind beschränkt bleiben, bis wenigstens ein Theil der Zähne durchgebrochen ist.

Sogleich nach der Geburt lasse man es an der Seite der Mutter sechs bis acht Stunden schlafen, dann lege man das Kind an die Brust, auch wenn keine Milch vorhanden sein sollte. Wenn die Milchabsonderung noch nicht begonnen hat, füttere man es inzwischen mit gleichen Theilen von Milch und Wasser, durch Stückzucker oder ein wenig Molasses mit Wasser versüßt. Der Säugling sollte während des Tages alle drei Stunden und während der Nacht alle sechs oder acht Stunden an die Brust gelegt werden. Eine gewisse Regelmäßigkeit ist in der Darreichung der Nahrung zu beobachten. Es wird gut sein, den Mund nach jeder Speisung auszuwaschen, da dies das Entstehen der Schwämmchen verhindern wird.

Anschwellen und Verlängerung des Kopfes

tritt sehr häufig besonders nach starken und längeren Geburtswehen ein, so daß das geborene Kind mißgestaltet erscheint, was die Umgebung beunruhigen, aber in ein oder zwei Tagen verschwinden wird. Waschung des Kopfes mit einer schwachen Lösung der Arnica-Tinktur wird gewöhnlich dessen Veränderung beschleunigen.

Anschwellen der Brüste.

In einzelnen Fällen sind die Brüste des Kindes bei der Geburt oder bald darauf geschwollen oder entzündet; dies kann gewöhnlich durch Auflegen von Charpie oder ein Stück weiches Linnen, in süßes Oel getaucht, vermindert werden. Unter keinen Umständen sollten die Brüste in der Einbildung, daß sich in denselben Milch oder eine andere Flüssigkeit befände, was herauszubringen sei, gedrückt werden, denn gerade dies kann eine heftige Entzündung zur Folge haben.

Das Kindspech (~Meconium~).

Dies besteht in einer dunkeln grünen Masse, welche sich in den Eingeweiden des Kindes vor der Geburt ansammelt. Es sollte sobald als möglich nach der Geburt entfernt werden, und die beste Medizin dagegen ist die Muttermilch. Wenn es aber nach Verlauf eines Tages nicht abgegangen sein sollte, so mag eine schwache Dosis von Castoröl gegeben werden.

Der Einfluß von Gemütsbewegungen auf die Milch.

Die stillende Mutter muß dem Zustande ihres Geistes dieselbe Aufmerksamkeit als dem körperlichen Wohlbefinden widmen, denn geistige Erregungen irgend einer Art werden sehr schädlich auf die Milch wirken. Alle aufregenden Unterhaltungen, Romane lesen, Theater gehen oder irgend Etwas, was die Einbildung anregt, sollte vermieden werden. Gram, der zuweilen unvermeidlich ist, kann einen solchen Einfluß auf die Mutter ausüben, daß eine gänzliche Unterdrückung der Milch folgt. Daher sollten Mütter, die sich Kinder von heiterer und guter Gemüthsart wünschen, dieselbe Gemüthsart besitzen. Sir Astley Cooper sagt: „Die Absonderung der Milch geht am besten in einem ruhigen Geisteszustande und bei einem heiteren Temperament vor sich, dann ist gewöhnlich Milch in Fülle vorhanden, welche dem Kind am besten zusagt. Dagegen vermindert eine ärgerliche Gemüthsstimmung die Menge der Milch und macht sie dünn und molkigt, was wiederum Fieber in den Eingeweiden des Kindes und starkes Kneipen zur Folge hat.“ Eine Mutter sollte nie ihr Kind nach einem Schrecken, Zorn oder einer anderen Aufregung stillen, sie muß vielmehr warten, bis sie wieder vollkommen beruhigt ist.

Abgewöhnung.

Die Zeit des Abgewöhnens ist für die Mutter immerhin eine, in der sie aufmerksam sein muß. Ist ihr Gesundheitszustand derart, daß sie das Kind nicht stillen kann, so sollte dasselbe einer Amme übergeben werden, bis die Zeit zur Entwöhnung gekommen ist. Diese mag beginnen, sobald die ersten zwei Zähne erscheinen, oder zwischen dem siebten und achten Monat. Das Kind sollte allmählig an den Wechsel der Nahrung gewöhnt werden, daß es bis zum zwölften oder achtzehnten Monat vollständig entwöhnt ist. Die günstigste Jahreszeit hierzu ist das Frühjahr und der Herbst.

Kost statt des Säugens (~Supplementary Diet of Infants~).

In einigen Fällen, wo die Mutter ihr Kind zwar stillen möchte, aber nicht die hinreichende Menge Milch zu dessen Nahrung besitzt, wird es nothwendig, für ein Ersatzmittel Sorge zu tragen. Es muß dagegen ernstlich gewarnt werden, da, wo es nicht unbedingt nothwendig ist, irgend ein Ersatzmittel für die Muttermilch zu bieten, denn es ist als Thatsache bekannt, daß die Sterblichkeit unter diesen so aufgebrachten Kindern viel größer ist als unter jenen, die ihre natürliche Nahrung haben. Dr. Tracy schreibt über diesen Gegenstand wie folgt: „Die Nahrung, welche ich empfehlen möchte und die in den meisten Fällen zu haben ist, besteht in frischer Sahne von der Milch einer Kuh, die ein junges Kalb hat, mit ein wenig Milch von oben. Eine junge gesunde Kuh sollte zu diesem Behufe gewählt werden, welche reichlich Milch giebt, die nach dem Abrahmen nicht bläulich aussieht, und nur die Milch derselben sollte verwendet werden. Zuerst, nachdem das Kindspech aufgehört hat, im Stuhle zu erscheinen, nehme man einen Eßlöffel voll dieser Sahne, füge die doppelte Menge weiches, warmes Wasser hinzu und versüße es mit Stückzucker, so daß es der Süße der Muttermilch gleichkommt. Dies wird sehr zuträglich sein und mag dem Kinde in einer Quantität gereicht werden, welche erforderlich ist, dem natürlichen Verlangen des Kindes nach Nahrung zu entsprechen. Wird das Kind älter, so nehme man eine größere Portion der Sahne, sowie der Milch mit der Sahne von oben. Dies ist ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel für Kinder, und viele werden dabei ohne irgend welche Muttermilch recht hübsch gedeihen.“ Nicht immer aber ist es möglich, Sahne oder wenigstens reine Milch zu erlangen, und in solchen Fällen müssen wir eben das beste, was wir thun können, statt dessen wählen. Wenn wir jederzeit die Milch von einer Kuh nehmen, sie mit zweimal so viel Wasser verdünnen und mit Stückzucker versüßen, so wird das Kind wahrscheinlich hübsch dabei zunehmen. Die ähnlichste Nachahmung der Muttermilch erhalten wir, wenn wir einen Eßlöffel voll Milchzucker in drei Tassenkopf voll Wasser auflösen, bis zu zwei Tassenkopf voll einkochen und einen Tassenkopf voll frische Milch hinzufügen. In jenen Fällen, wo die Mutter nicht hinreichend genug Milch hat, wird fein gemahlener Reis oder Gerstenmehl eine vorzügliche Kost bilden. Bei einem neugeborenen Kinde nehme man einen Eßlöffel voll -- bei einem älteren Kinde natürlich mehr -- und feuchte es mit +kaltem Wasser+ an, sei aber achtsam beim Umrühren, daß keine Stücke zurückbleiben; dann füge ein wenig Salz und hinreichend heißes Wasser hinzu, koche es zehn Minuten lang, während dessen es sorgfältig umgerührt werden sollte, um das Anbrennen zu verhindern. Nachdem es vom Feuer genommen ist, versüße man es mit Stückzucker, so daß es an Süße der Muttermilch gleich kommt. Die Menge des Wassers richtet sich natürlich nach der Dicke, welche gewünscht wird. Wenn es aus einer Saugflasche gegeben wird, sollte es ganz dünn sein. Gerstenmehl eignet sich am besten für Kinder, die zu Verstopfung geneigt sind, und Reismehl bei solchen, wo der Stuhlgang locker ist. Mütter müssen sorgfältig sein, den Kindern nicht zu viel zu essen zu geben, denn es ist nachtheiliger, den Kindern zu viel als zu wenig zu geben. Weil es schreit oder ein wenig quält, bilde man sich nicht ein, daß es hungert und vollgestopft werden müsse. Als eine allgemeine Regel gilt für ein gesundes Kind von ein bis drei Wochen alt täglich ein Pint Muttermilch oder anderer gleich nahrhafter Stoff. Am Ende des ersten und im Verlaufe des zweiten Monats erhöhe man des Kindes Nahrung allmählig auf ungefähr anderthalb Pint. Wenn eine Saugflasche gebraucht wird, so wasche man dieselbe sorgfältig jeden Morgen und Abend mit +heißem+ Wasser aus, denn sie muß süß gehalten werden, wenn die Milch nicht sauer in des Kindes Magen werden soll. Dr. Tracy sagt: „Wenn das Kind seine Nahrung nimmt, sei es an der Brust, aus der Flasche oder vermittelst des Löffels, so sollte es durch eine halb sitzende Stellung auf dem Arme oder in dem Schoße der es fütternden Person unterstützt und wenigstens 40 Minuten lang, nachdem es die Nahrung empfangen hat, ganz ruhig gehalten werden.“ Der Verdauungsprozeß ist sehr geneigt, durch irgend welche starke geistige oder körperliche Bewegung unterbrochen zu werden, und das Kind sollte daher nach der Mahlzeit nicht geschüttelt oder geschaukelt werden. Dr. Meigs empfiehlt für Kinder, deren Verdauungsorgane schwach und reizbar sind, sowie für solche, wo keine reine Milch zu erlangen ist, folgendes Mittel: Man löse eine kleine Quantität präparirte Gelatine (~prepared Gelatine~) oder russische Hausenblase (~Russian isinglass~) in Wasser, dem ein wenig Milch, Sahne und ein wenig Pfeilwurz (~Arrow root~) oder irgend eine andere mehlige Masse, welche vorgezogen wird, beigefügt ist. Die Art und Weise der Zubereitung und das Verhältniß derselben ist folgendes: ein Skrupel Gelatine -- oder ein Stück von zwei Zoll im Geviert von dem flachen Kuchen, in denen es verkauft wird -- wird eine kurze Zeit in kaltem Wasser erweicht, bis es sich löst, ungefähr 10 oder 15 Minuten, dann wird (unter beständigem Umrühren bis zum Siedepunkt) Milch und Pfeilwurz hinzugefügt; letzteres ist zuvor mit ein wenig kaltem Wasser zu einem Teig zu machen. Nach Hinzufügung der Milch und Pfeilwurz und unmittelbar vor der Wegnahme vom Feuer wird Sahne eingegossen und eine mäßige Quantität von Stückzucker hinzugefügt. Die Menge der Milch, Sahne und Pfeilwurz hängt von dem Alter und der Verdauungskraft des Kindes ab. Einem gesunden Kinde unter einem Monat alt gebe man 3 bis 4 Unzen Milch, eine halbe Unze Sahne und einen Theelöffel voll Pfeilwurz auf ein Pint Wasser. (Zwei Theelöffel voll sind gleich einer Unze.) Bei älteren Kindern sollte die Quantität von Milch und Sahne allmählig auf ein halb bis zwei Dritttheile Milch und von ein bis auf zwei Unzen Sahne erhöht werden. Im Falle das kranke Kind schwächer werden sollte, gebe man eine Zeitlang die erst angegebene Menge.

Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder

können in Folge von Krämpfen, Kolik u.s.w. eintreten. Wegen Behandlung der verschiedenen Formen, welche die Störung verursachen, siehe die betreffenden Kapitel.

Folgendes sind die homöopathischen Heilmittel:

Wenn das Kind ohne irgend eine scheinbare Ursache unruhig und verdrießlich ist, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~, entweder jedes allein oder abwechselnd. Bleibt dies ohne den gewünschten Erfolg, so gebe man ~Chamomilla~, besonders bei Kolik, kneipenden Schmerzen, das Kind zieht die Füße an und krümmt den Körper; Röthe einer Wange.

~Pulsatilla~ oder ~Ipecacuanha~. -- Wenn die Unruhe die Folge eines überladenen Magens ist. ~Opium~ mag gegeben werden, wenn ~Coffea~ und ~Belladonna~ ohne Wirkung bleiben.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe oder ganze Stunden einen Theelöffel voll oder gebe 12 Kügelchen auf eine Dosis.

Durchscheuern und Wundheit der Haut.

Die Haut von Säuglingen ist sehr zum Wundwerden geneigt, besonders bei fleischigen Kindern zwischen den Beinen, unter den Armen und rings herum um den Hals. Die betreffenden Stellen sollten trocken gehalten, mit feiner Stärke bestreut oder mit einer sehr schwachen Lösung Arnica-Tinktur eingerieben werden.

Gelbsucht (~Jaundice -- Icterus~).

Dies ist ein Leiden, welches eine kurze Zeit nach der Geburt des Kindes eintritt und in einer gelblichen Färbung besteht, die sich zuweilen über den ganzen Körper erstreckt und gewöhnlich einer Erstarrung der Leber zuzuschreiben ist.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ mögen abwechselnd zwei- oder dreimal des Tages und ein oder zwei Pillen auf jede Dosis gegeben werden. Leidet das Kind an Verstopfung und ist unruhig, so gebe man ~Nux Vomica~. ~China~ mag gegeben werden, wenn nach ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ keine Besserung eintritt.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Katzenmünze (~Catnip~) und Saffran (~Saffron~) mag mit Vortheil angewendet werden. Ein wenig Rhabarber (~Rhubarb~) und Castoröl mag den Stuhlgang befördern. Einige Theelöffel voll Walddost- (~Thoroughwort~) Thee, täglich durch zwei oder drei Tage hindurch gegeben, wird zuweilen die Krankheit entfernen.

Convulsionen, Krämpfe, Gicht (~Convulsions -- Spasms -- Fits~)

sind ein Leiden, das wahrscheinlich Mütter und Ammen mehr erschreckt, als irgend Jemand anders, wegen des schrecklichen Anblickes, den das leidende Kind bietet, und wegen der unerwarteten Anfälle von Krämpfen. Unter dem Wort Convulsion verstehen wir ein unfreiwilliges Zusammenziehen der Muskeln des ganzen oder eines Theiles des Körpers, und wird durch ein Leiden der Rückenmarks-Nerven verursacht. Nicht alle Krämpfe sind gefährlich, obgleich einige sehr gefährlich sind und eine schlimme Wendung nehmen können. Diejenigen, welche am meisten zu fürchten sind, sind jene, welche in Folge eingetretener Gehirnwassersucht stattfinden, nach starken Fällen oder Quetschungen oder nach irgend einem heftigen Anfalle von Gehirn- oder Gedärm-Krankheiten eintreten. Sie zeigen sich wahrscheinlicher vor dem siebenten, besonders während der ersten drei Lebensjahre. Das Gehirn von kleinen Kindern ist sehr empfindlich und in Folge dessen plötzlichem Blutandrang unterworfen, dem es nicht so gut widerstehen kann, wie das eines Erwachsenen.

+Ursachen.+ Kinder eines empfänglichen, reizbaren Temperaments oder Gemüthes sind denselben mehr als andere ausgesetzt. Die gewöhnlichsten Ursachen sind: Reiz der Eingeweide in Folge unverdaulicher Nahrung, schwieriges Zahnen, Würmer, übermäßiges Schreien und Schmerzen, Aerger und Freude. Eine gefährliche Form bildet sich in Folge von Ueberladung des Magens mit unverdaulichen Speisen, wie Nüsse, Aepfel u. s. w. Ausschlagsfieber, wie Scharlach, Pocken und Masern werden häufig von Krämpfen angemeldet, welche aber schnell bei Erscheinen des Ausschlages verschwinden und nicht für gefährlich gehalten werden. Wenn sie aber während des Verlaufs der Krankheit eintreten, so sind sie sehr zu fürchten. Krämpfe werden auch dadurch hervorgerufen, daß die Milch der Mutter durch große geistige Erregung, wie Zorn, vergiftet wurde, ebenso durch das Stillen des Kindes, wenn übermäßig erhitzt.

+Symptome.+ Der Anfall zeigt sich in der Regel beim Anfange in den Augen, welche starr auf einen Punkt gerichtet sind, sich aber bei weiterem Vorschreiten des Falles bewegen und unter das obere Augenlid drehen und nur das Weiße sichtbar lassen; die Augenlider sind zuweilen offen und hin und wieder geschlossen, die Augen selbst kreuzen sich häufig und die Pupille mag sich erweitern oder zusammenziehen. Die Muskeln des Gesichts werden zunächst angegriffen und die Zusammenziehungen verursachen zu Zeiten schreckhafte Verzerrungen; der Mund wird in verschiedenen Arten verdreht. Bei heftigen Anfällen, wenn sich die Krämpfe über den ganzen Körper erstrecken, geräth derselbe in Verzuckungen; der Kopf wird nach rückwärts oder nach einer oder der andern Seite gezogen; der Körper kann steif oder verschiedenartig verzerrt werden; die Finger sind eingekniffen, die Arme rück- oder vorwärts gezogen oder gestoßen und in alle nur denkbare Stellungen gekrümmt. Die unteren Glieder werden ebenfalls angegriffen, aber in der Regel weniger heftig. Ein Anfall kann nur einige Minuten dauern oder auch mehrere Stunden anhalten. Ein Kind mag zuweilen mehrere Anfälle während des Tages haben, aber es wird immer zwischen jedem Krampf ein Zwischenraum sein.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Das erste, was geschehen muß, ist, ein warmes Bad zuzubereiten, in das das Kind sobald als möglich zu legen ist. Wo nur eine leichte Verzuckung stattfindet, wird ein Fußbad mit ein wenig Senf im Wasser hinreichen, in anderen Fällen aber muß der ganze Körper gebadet werden. Während sich das Kind im Bade befindet, gieße beständig kaltes Wasser auf den Kopf und halte damit an, so lange der Kopf noch ganz heiß oder so lange bis die Anfälle vergehen. Wenn aus dem Bad genommen, hülle man es in einen warmen Flanell oder in eine wollene Decke und halte sich nicht einmal mit Abtrocknen auf. Es muß 10 bis 20 Minuten, oder bis die Convulsion aufhört, im Wasser gehalten werden. Wenn sich der Patient in Folge dessen nicht bessert, gebe man eine Einspritzung von lauwarmem Wasser, das mit einem Eßlöffel voll süßen Oels und ein wenig spanischen Seifen- (~Castile soap~) Wassers vermischt werden mag, und wiederhole es so oft als erforderlich, um eine Entleerung der Eingeweide hervorzurufen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Bringe den Patienten in ein warmes Bad. Man gebe die zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Compound tincture of lobelia and capsicum~) in Dosen von 15 bis 20 Tropfen. Nachdem die Verzuckung aufgehört hat, gebe man als ein Abführmittel Enterozoa-Pulver (~Enterozoic powder~), besonders wenn Würmer vorhanden sind. Ist das Zahnfleisch die Ursache, so schneide man es auf. Nach dem Anfall wird das folgende als ein gutes stärkendes Mittel gefunden werden. Man nehme Enzian (~Gentian~), Gelbwurz (~Golden seal~), Balsam (~Balmony~), je 1½ Drachme in Pulvern; Kardamon- (~Cardamon~) Samen, Sassafrasrinde, stachliche Eschbeeren (~Prickly ash bark~), je eine Drachme, gemahlen; guten Branntwein, ein halbes Pint. Mische und lasse es einige Tage stehen. Dosis: Dreimal des Tages einen halben oder ganzen Theelöffel voll in versüßtem Wasser. Wenn die Convulsionen Folge von Würmern sind, gebe man Salz mit Wasser und folgende Einspritzung: Balsam (~Balmony~) eine Unze, Alraun (~Mandrake~) drei Drachmen, Wasser ein halbes Pint; koche und seihe es durch und füge dann hinzu: Stinkasant-Tinktur (~Tincture of asafetida~) 5 Drachmen, Molasses 4 Unzen, Salz 3 Drachmen. Rührt die Convulsion von überladenem Magen her, so gebe man die zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Compound tincture of lobelia and capsicum~) mit folgender Einspritzung:

Wasserdost (~Boneset~) und Sennesblätter (~Senna~) zu gleichen Theilen und hinreichend Wasser, um davon eine starke Abkochung zu machen; zu jedem Pint der Abkochung füge man drei Drachmen Salz und je eine Drachme Gagelrinde (~Bay berry bark~) und Lobelia hinzu. Gib alle 10 oder 15 Minuten eine Einspritzung.

=Allöopathisch.= Bringe das Kind in ein warmes Bad. Wenn die Convulsionen Folge von Ueberladung des Magens oder der Eingeweide sind, gebe man ein schwaches Brechmittel, entweder Brechwurz-Syrup (~Syrup of ipecac~) oder Antimonwein (~Antimonial wine~). Lege Senfpflaster auf die Arme und Beine und gieb eine milde Einspritzung, wie warmes Wasser. Stuhlgang verschaffe man vermittelst kleiner Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) oder Magnesia. Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) wird, wenn gleich beim Erscheinen der Symptome in Dosen von 8 oder 10 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde gegeben, das Eintreten zuweilen verhindern.

=Homöopathisch.= Bringe das Kind in ein warmes Bad. Wenn die Convulsion Folge überladenen Magens ist, gebe man sogleich ein Brechmittel von lauwarmem Wasser, dessen Wirkung durch das Kitzeln des Halses mit der Fahne eines Federkiels beschleunigt werden mag. Die Heilmittel, welche zu geben sind, sind folgende:

~Nux Vomica.~ -- Wenn Verstopfung vorhanden war, die Krämpfe heftig sind und von Schreien, Rückwärtswerfen des Kopfes verbunden und die Augen verdreht sind. ~Pulsatilla~ mag abwechselnd gegeben werden.

~Veratrum.~ -- Wenn das Kind blaß und kalt ist und der Schweiß auf der Stirne steht.

~Ipecacuanha.~ -- Wenn Anstrengungen zum Erbrechen gemacht werden.

Wenn die Krämpfe durch Zahnen verursacht werden und das Zahnfleisch roth und geschwollen ist, so schneide es mit einem scharfen Federmesser auf. ~Belladonna~ und ~Coffea~ mögen alle 10 oder 15 Minuten abwechselnd gegeben werden. Bei starkem Fieber gebe man ~Aconitum~, besonders wenn große Unruhe, Schreien und Auffahren damit verbunden sind. Zucken die Muskeln der Augen und des Gesichts convulsivisch, bei Drehen des Kopfes von einer Seite zur anderen, eine Wange roth und die andere blaß, gebe man ~Chamomilla~ und, wenn dies allein nicht wirkt, abwechselnd damit ~Belladonna~.

~Cina~ -- Wenn die Convulsionen von Würmern verursacht werden, die Krämpfe sich auf die Brust erstrecken und der ganze Körper steif wird. Man möge ~Mercurius~ folgen lassen oder es abwechselnd damit geben.

~Ignatia.~ -- Wenn der Patient plötzlich mit einem heftigen Schrei aus dem Schlafe auffährt.

~Hyosciamus.~ -- Bei plötzlichen Anfällen nach dem Essen, das Kind schreit auf und wird unempfindlich, Zucken der Gesichtsmuskeln, Schaum vor dem Munde und große Wildheit.

Wenn die Convulsionen beim Beginne von Ausschlagfiebern, wie Masern, Scharlachfieber oder Pocken erscheinen, gebe man ~Coffea~ und ~Aconitum~. Darauf ~Bryonia~ und ~Belladonna~, die in der Regel den Ausschlag zum Durchbruch bringen.

Erscheint die Convulsion im Verlauf eines Fiebers, so gebe man bei Scharlachfieber ~Belladonna~ und bei Masern ~Bryonia~. Gewähren diese keine Linderung, so gebe man ~Cuprum~ abwechselnd mit ~Belladonna~. Tritt innerhalb zwei Stunden keine Besserung ein, so gebe man ~Stramonium~ und ~Cuprum~. Convulsionen in Folge von Schreck erfordern ~Opium~, besonders wenn ein Zittern des ganzen Körpers stattfindet, das Kind daliegt, als ob es betäubt wäre, schwer und schnarchend athmet und das Gesicht fast blau ist. Hilft ~Opium~ nicht, so gebe man ~Stramonium~ oder ~Ignatia~. ~Hyosciamus~ bei Schaum vor dem Munde, Zucken der Gesichtsmuskeln. Treten Convulsionen in Folge von Schlägen oder Fallen aus den Kopf ein, so gebe man ~Arnica~.

Zuweilen treten Convulsionen ein, wenn eine Erkältung sich von den Lungen nach dem Kopfe zieht. In solch einem Falle bringe das Kind in ein warmes Bad, mache Kaltwasser-Umschläge auf den Kopf und beharre in dessen Anwendung, bis die Ursache nach den Lungen zurückkehrt, was an dem schwierigen Athmen, Rasseln &c. erkannt werden kann. Innerlich gebe man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd; später ~Opium~ und ~Camphor~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Verlängere die Zwischenräume mit dem Besserwerden des Kindes.

Zahnen (~Teething -- Dentition~).

Das Zahnen ist mit beträchtlicher Gefahr für das Kind verbunden und das Durchbrechen der Zähne beginnt in der Regel in einem Alter von 5 bis 7 Monaten. Es kündigt sich durch Röthe, Hitze und Empfindlichkeit des Zahnfleisches, sowie durch den Speichelfluß an. Zuweilen ist damit Thränen der Augen, Fieber, Verdrießlichkeit, gestörter Schlaf verbunden. Häufige Entleerungen der Eingeweide finden statt.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wenn das Zahnfleisch heiß und geschwollen ist und besonders wenn ein Blutandrang nach dem Kopfe bei Zucken der Muskeln stattfindet, sollte das Zahnfleisch sogleich über dem Zahn geöffnet werden, was in der Regel sofortige Linderung verschaffen wird. Auch mag man das Kind auf einen harten Gegenstand, wie einen Elfenbeinring, beißen lassen.

=Allöopathisch.= Bei Diarrhöe, wässerigem Stuhlgang und Grimmen gebe man das Folgende:

Bleizucker (~Sugar of lead~) 8 Grane. Essig 8 Tropfen. Weißer Zucker 1 Drachme. Weiches Wasser 1 Unze.

Mische es. Dosis: Drei- oder viermal des Tages einen Theelöffel voll.

Oder auch:

Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) ½ Gran. Wasser 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Alle eine oder zwei Stunden einen Theelöffel voll, bis die Diarrhöe theilweise gestopft ist. Wenn der Stuhlgang hartnäckig ist, mag auch ein kleines Pflaster hinter dem Ohre Linderung gewähren. Wird das Kind schläfrig, schreckt aus dem Schlafe auf und hat Hitze bei Röthe des Gesichts, so sollten 3 oder 4 Blutegel hinter die Ohren gesetzt und Kaltwasser-Umschläge auf den Kopf gemacht werden. Gleichzeitig gebe man zur Beförderung des Stuhlganges folgendes:

Castoröl 1 Dessert- löffel voll. Hundekamille (~Mayweed~) 1 „

Reibe beides zu einem Teig und gib es als eine Dosis.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- kann bei starkem Fieber, Unruhe und wenn das Kind aufschreckt und schreit, gegeben werden.

~Belladonna.~ -- Besonders wenn das Kind nervös ist, der Kopf heiß, das Gesicht geröthet, das Zahnfleisch geschwollen und roth, die Pupillen erweitert und der Körper steif wird.

~Chamomilla.~ -- Vorzugsweise gut, wenn das Kind des Nachts verdrießlich und unruhig ist, bei dem geringsten Geräusch auffährt, im Schlaf zusammenzuckt und sich herumwirft, Röthe einer Wange, ächzt und stöhnt, bei Diarrhöe einer wässerigen, grünlichen Masse. ~Chamomilla~ kann abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden.

~Coffea.~ -- Wenn das Kind unruhig ist und nicht schlafen kann und etwas Fieber hat. Kann abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden.

~Ignatia.~ -- Bei fliegender Hitze, plötzlichem Auffahren aus dem Schlafe und durchdringendem Schreien. Wenn die Diarrhöe gelblich, bald darauf weißlich schleimig wird und gerinnt, gebe man ~Coffea~, ~Ipecacuanha~, oder ~Calcarea Carbonica~. Wenn sie grünlich ist, ~Mercurius~, ~Magnesia~, ~Chamomilla~ und ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 6 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, dem Falle angemessen, als Dosis einen Theelöffel voll von der Lösung.

Verstopfte Nase oder Schnupfen (~Snuffles -- Cold in the Head~).

Dies ist ein gewöhnliches Leiden bei Kindern und ist die Folge einer Entzündung der Schleimhaut, welche die Nasenhöhle einfaßt und durch Erkältung hervorgerufen wird.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Schmiere die Nasenhöhle mit Fett, süßem Oel oder Schöpsentalg ein und befördere den Stuhlgang vermittelst ein wenig Castoröl und Molasses, was gewöhnlich hinreichen wird, oder gebe dem Kinde eine Dosis Katzenmünz- (~Catnip~), Isop- (~Penny royal~), Salbei- (~Sage~) oder Balsam- (~Balm~) Thee. Kampher-Olivenöl (~Camphorated olive oil~) auf der Oberfläche der Nase eingerieben, wird zuweilen Linderung verschaffen.

=Homöopathisch.= ~Camphor~ -- ist das beste Mittel bei den ersten Symptomen. Kann man nichts anderes als den gewöhnlichen Kampher-Spiritus bekommen, so gebe man ein bis zwei Tropfen auf ein Stück Zucker, löse dasselbe in einem halben Bierglas voll Wasser und gebe alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.

~Arsenicum.~ -- Wenn ~Camphor~ nicht hilft und besonders wenn folgende Symptome vorhanden sind: Verstopfung der Nase, Ausfluß eines wässerigen ätzenden Schleimes, welcher Röthe und Anschwellen der betreffenden Theile verursacht. Gewährt dies keine Linderung, so gebe man ~Ipecacuanha~.

~Nux Vomica.~ -- Besonders wenn die Nase nur wenig läuft, auch bei Hitze im Gesicht und Verstopfung.

~Chamomilla.~ -- Wenn das Leiden Folge unterdrückten Schweißes, bei Röthe und Entzündung der Augen, Anschwellen des Gesichts, und wenn das Kind wunderlich und verdrießlich ist.

Ist die Krankheit hartnäckig, so gebe man eines der folgenden Mittel: ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Hepar Sulphuris~, ~Pulsatilla~, ~Euphrasia~, ~Silicea~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Strenge der Symptome angemessen, alle eine, zwei, drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll.

Mundschwamm (~Thrush or Apthæ~).

Dies ist eine Krankheit, zu der kleine Kinder innerhalb des ersten und zweiten Monats oder auch des ersten Jahres nach der Geburt besonders geneigt sind. Es besteht in einem eiternden wehen Munde, und zeigt sich zuerst durch eine Röthe auf der Oberfläche der Zunge und rings am Zahnfleische, sowie auch durch eine starke Trockenheit des Mundes. Bald erscheinen weißliche Flecke, die sich bald auf die ganze Oberfläche des Mundes ausdehnen. Hält dieser Zustand eine längere Zeit an, so wird der allgemeine Gesundheitszustand angegriffen, die Krankheit dehnt sich auf den Magen und die Eingeweide aus und hat Diarrhöe, Fieberhaftigkeit und Abmagerung zur Folge.

+Ursachen.+ Mangel an Reinlichkeit ist gewöhnlich die Veranlassung zu dieser Krankheit. Der Mund des Kindes sollte nach jeder Mahlzeit, besonders wenn es aus der Flasche genährt wird, mit einem nassen Läppchen gereinigt werden. Nähren des Kindes mit Zucker und Molasses, oder das Saugenlassen von Zucker und Brod aus kleinen Beutelchen sind andere Ursachen.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Das wichtigste ist, den Mund des Kindes rein zu halten. Einige Grane Borax in einem Theetassenkopf voll Wasser aufgelöst und als Waschung verwendet, wird sich gewöhnlich als erfolgreich bewähren. Ein gutes Mittel besteht auch in einer halben Drachme aufgelösten Borax, einer Drachme Glycerin und einer Unze Wasser. Dies mag bei gelinden Fällen angewendet werden.

=Allöopathisch.= Man gebe einen oder zwei Grane pulverisirten Rhabarber (~Rhubarb~) und 5 Grane Magnesia in etwas Dille oder anderem aromatischem Wasser täglich, um den Säurezustand des Magens, der vorhanden ist, zu bewältigen. Bei Diarrhöe, einem wässerigen Stuhlgang und Grimmen gebe man folgendes:

Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 1 Skrupel. Leptandrin 10 Grane. Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 2 Skrupel. Pulverisirter Zimmet (~Pulv. Cinnamon~) 10 Grane.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane. Bei Hinfälligkeit und großem Kraftverlust gebe man folgendes:

Aufguß von Calumba oder Cascarilla 5½ Unzen. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tincture of cardamons~) ½ Unze. Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~) 1½ Drachme.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

=Homöopathisch.= ~Borax~ in der Form von Pillen gegeben ist das beste Mittel; man löse davon 12 in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Eine Auflösung von Borax -- einige Grane auf einen Theetassenkopf voll Wasser -- möge als Gurgelung verwendet werden, in welchem Falle es nicht nothwendig ist, dasselbe noch in irgend einer anderen Form zu geben.

~Mercurius.~ -- Bei Speichelfluß und Neigung zur Eiterung. Hilft dies nicht, so lasse ~Sulphur~ folgen.

~Arsenicum.~ -- Wenn Mund und Hals zu eitern anfangen, der Eiter von einer schwarzgelben Farbe und Diarrhöe bei großer Schwäche vorhanden ist. Entspricht dies nicht, so gebe man ~Acidum Nitri~.

~Coffea~ und ~Chamomilla~. -- Entweder allein oder abwechselnd, wenn der Mund trocken, heiß und sehr roth ist.

Wenn Verstopfung folgt, gebe dreimal des Tages ~Nux Vomica~. Die anderen Heilmittel müssen ebenso wie ~Borax~ gegeben werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Tritt eine Störung in den Eingeweiden ein, so gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Dosis: Alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll. Wasche den Mund mit einem starken Aufguß von blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh root~) und Gelbwurz; versüße ihn mit ein wenig Zucker oder Honig und füge etwas Alaun (~Alum~) hinzu. Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~), einige Grane in ein wenig Wasser aufgelöst, wird empfohlen, den Säurezustand der Eingeweide zu bewältigen; oder bei lockerem Zustande gebe man präparirte Kreide (~Prepared chalk~) und lasse beiden einen Tag um den andern eine gelinde Dosis Castoröl folgen. Ein schwacher Aufguß von Anissamen (~Anise seed~), oder Katzenmünze (~Catnip~), dem eine kleine Quantität minderkohlensaure Soda (Sodasalz -- ~Subcarbonate of soda~ -- ~Sal Soda~) und ein oder zwei Tropfen Paregoricum (~Paregoric~) beigefügt ist, wird dienlich gefunden werden, das Kind zu beruhigen und die Entleerungen zu reguliren. Das folgende ist ein gutes Gurgelwasser für den Mund des Kindes: Man nehme Salbei (~Sage~), Isop (~Hyssop~) und Sumachbeeren (~Sumach berries~) zu gleichen Theilen und mache eine starke Abkochung davon, versüße es mit Honig oder Zucker und gebe zu einem halben Pint einen halben Theelöffel voll pulverisirten Borax. Wasche den Mund häufig damit. Auch Abkochungen von Salbei (~Sage~), Krätzwurzel (~Gold thread~), Brombeerwurzel (~Black berry root~), rothe Himbeerblätter (~Red raspberry leaves~) werden zuträglich gefunden werden.

Verstopfung und Diarrhöe.

Bei Verstopfung der kleinen Kinder ist es nicht rathsam, Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz (~Epsom salts~) &c. zu geben, statt deren bediene man sich einfacher Einspritzungen von warmem oder kaltem Wasser. Diese wirken milder und mehr naturgemäß. Diarrhöe ist eine nicht seltene Plage der Kinder und wird in der Regel durch übermäßiges Füttern, Erkältung, ungesunde Kost, Zahnen &c. verursacht. Sorge sollte getragen werden, daß die Diarrhöe nicht zu plötzlich gestopft wird, besonders wenn stark wirkende Medizinen angewendet werden.

Wegen der Behandlung dieser Zustände siehe Abtheilung ~I~, Kapitel 12.

Kopfwassersucht (~Hydrocephalus~).

Dies ist eine Ansammlung von Wasser im Schädel und befällt Kinder sehr häufig.

+Symptome.+ Eine Entzündung, welche Wassersucht hervorruft, geht in der Regel sehr langsam und allmählig vor sich und es treten daher keine sehr heftigen Symptome ein. Eines der gewöhnlichsten Symptome ist Schläfrigkeit; der Patient legt seine Hände auf das Haupt und gibt so augenscheinliche Zeichen des Leidens und Schmerzes; die Zunge ist mit einem weißen Schleim bedeckt, der Kopf ungewöhnlich heiß, das Athmen schwierig und mühsam, die Augen stumpf und schwer, der Puls ist schwach, während die Adern des Nackens und der Schläfe heftig schlagen, der Kopf vergrößert sich allmählig, die Eingeweide sind verstopft, der Appetit verschwindet. Schreitet die Krankheit vor, so ist das Kind geneigt, fortwährend zu schlafen.

+Ursachen.+ In einigen Familien scheint eine Anlage hierzu vorhanden zu sein. Unter den hervorragendsten Ursachen mögen Zahnen, Diarrhöe, Schläge, Fallen, Erkältung, chronische Entzündung des Gehirns gezählt werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Bryonia~ und ~Helleborus~ -- sind die Hauptmittel, besonders wenn das Kind schläferig ist, der Kopf heiß, die Füße kalt, bei Schlafen mit halboffenen Augen.

Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn dies nicht innerhalb einer kurzen Zeit hilft, so gebe man ~Opium~ und ~Sulphur~ in derselben Weise. Nachher ~Belladonna~ und ~Helleborus~ in derselben Weise.

Dr. Pulte in Cincinnati empfiehlt, daß, wenn das Kind schläfrig wird oder heißer Kopf, halb offene Augen und andere Symptome erscheinen, Eiswasser in einem kleinen aber beständigen Strom aus den Kopf gegossen werden sollte, bis das Kind erwacht oder in einen sanften Schlaf verfällt. Innerlich giebt er ~Bryonia~ und ~Helleborus~ abwechselnd; alle halbe Stunden einen halben Theelöffel voll und verlängert allmählig die Zwischenräume. Diese Behandlung sollte nothwendig 24 Stunden fortgesetzt werden, bis das Kind außer Gefahr ist. Es ist wichtig, daß das Wasser fortwährend erneuert und der Strom ununterbrochen erhalten wird. Ist der Stuhlgang locker, gebe man ~China~ und ~Acidum phosphoricum~ allein oder abwechselnd, alle zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll von der Lösung.

=Allöopathisch.= Aeußerlich wende folgende Salbe an:

Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Schweinefett 2 Unzen.

Mische es und reibe damit jeden Abend die Kopfhaut ein.

Den Stuhlgang erhalte man vermittelst des folgenden:

Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. Scammony~) 6 Grane. Crotonöl 4 Tropfen. Pulverisirter Stückzucker 16 Theelöffel voll.

Mische es in einem Mörser. Alle ein oder zwei Stunden gebe einem Kinde bis zu sieben Jahren einen Theelöffel voll.

Gleichzeitig nehme man folgendes:

Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Wasser ½ Unze.

Mische es. Dosis: für ein Kind bis zu sieben Jahren alle Stunden 30 Tropfen.

Oder auch:

Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 1½ Unzen. Schwefelsaure Potasche (~Sulphate of potassa~) ½ Unze. Pulverisirte Meerzwiebel (~Pulv. squills~) 2 Drachmen. Brechweinstein (~Tartar emetic~) 2 Grane.

Mische es. Dosis: vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Senfpflaster sollten über die Eingeweide, in den Nacken, auf die Handgelenke und die Knöchel gelegt und kalte Wasserumschläge auf den Kopf gemacht werden. Behufs gehörigen Stuhlganges gebe man ein Gran Fußblatt (~Podophyllin~) und einen Theelöffel voll Cremor Tartari, was alle drei Stunden wiederholt wird, bis sich die Wirkung zeigt. In einigen Fällen ist folgendes dienlich:

Elaterium 4 Grane. Salpetersäure (~Nitric Acid~) 6 Tropfen. Alcohol 1 Unze.

Mische es. Dosis: 5 bis 10 Tropfen in Wasser für ein Kind von zwei Jahren. Wiederhole es so oft als erforderlich.

Die Behandlung dieser Krankheit sollte einem geschickten Arzte überlassen werden.

Remittirendes Fieber der Kinder.

Zu Anfang ist gewöhnlich große Mattigkeit durch mehrere Tage hindurch, Reizbarkeit, Uebelkeit, trockne, aufgesprungene Lippen, Auffahren aus dem Schlafe, Schläferigkeit und Betäubung vorhanden. Diese Symptome nehmen zu, das Fieber tritt ein, sehr schneller Puls, belegte Zunge, trocken und roth an den Rändern, kalte Endglieder, Stöhnen, Knirschen mit den Zähnen, Zupfen an der Nase, dem Munde oder den Augen, sind vorhanden, der Unterleib schwillt an, Verstopfung oder Diarrhöe von Schleim, stinkender Substanzen, der Urin sieht aus, als ob er mit Milch gemischt wäre.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Anwendung des kalten Wassers wird bei dieser Krankheit zuträglich gefunden werden. Während des Fiebers hülle das Kind in ein nasses Tuch und halte es gehörig zugedeckt, bis es schwitzt, dann nehme es heraus und wasche es mit lauwarmem Wasser ab. Wenn der Kopf heiß ist, so lege Tücher, in kaltem Wasser getränkt und gehörig ausgerungen, auf denselben und wechsele sie häufig.

=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha~ -- mag zuerst gegeben werden, und zwar alle 3 oder 4 Stunden durch einen Tag hindurch ein Kügelchen, dann ~Bryonia~ und ~Rhus~ abwechselnd alle 3 Stunden durch zwei Tage hindurch, halte hierauf einen Tag lang mit der Medizin ein; wird der Patient besser, so gebe ~Sulphur~. Wo die Hauptsymptome vorhanden sind, gebe man ~Belladonna~ oder ~Opium~ alle 3 oder 4 Stunden ein Kügelchen. Bei beträchtlichem Fieber, trockener, heißer Haut, gelbe, schleimige oder grüne Diarrhöe, Schmerz im Magen oder den Eingeweiden bei Druck gebe man ~Chamomilla~ oder ~Ipecacuanha~. Wenn die Verstopfung hartnäckig ist, eine brennende Hitze über den ganzen Körper zieht, gelegentlich Krämpfe und sichtbare Zeichen von Leber- oder Magenbeschwerden eintreten, gebe man ~Nux vomica~. Wird ein Leiden der Lungen durch trockenen, hackenden Husten, schmerzhaftes, ängstliches und beschleunigtes Athmen, heiße Haut, Durst, Stiche in der Seite, nächtliches Delirium bemerkbar, gebe man ~Bryonia~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle 2 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Reinigungsmittel von Rhabarber (~Rhubarb~) und Magnesia mag gegeben, und Senf-, Knoblauch- oder Zwiebelpflaster auf die Füße, sowie ein Umschlag zu gleichen Theilen von Essig und Wasser auf den Kopf gelegt werden. Gegen Störung der Eingeweide gebe man das zusammengesetzte Rhabarber- (~Rhubarb~) Pulver, einen kleinen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Wenn das Fieber ankommt, gebe man reichlich einen warmen Aufguß von Katzenmünze (~Catnip~), Balsam (~Balm~) oder Flieder (~Elder flowers~). Ist das Fieber vorüber, so gebe man: Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~), Schlangenwurzel (~Black cohosh root~), Salomons Siegelwurzel (~Solomon’s seal root~), in Pulvern, je ein Eßlöffel voll und ein Quart kochendes Wasser. Lasse es in einem bedeckten Gefäße 4 Stunden lang ziehen, und wenn kalt, seihe es durch und versüße es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Rufe eine Thätigkeit der Eingeweide vermittelst 2 oder 3 Grane Kalomel, dem man 8 bis 10 Grane der zusammengesetzten Jalappenwurzel- (~Compound Jalap~) oder Windenharz- (~Scammony~) Pulver folgen läßt, hervor. Gegen die Fieber-Symptome gebe man folgendes:

Citronensäure (~Citric acid~) 1 Drachme. Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) 4 Skrupel. Salpeter (~Nitre~) 2 „ Zimmetwasser 2 Unzen. Destillirtes Wasser 4 „

Mische es. Dosis: alle 4 bis 6 Stunden einen Eßlöffel voll. Wenn die Hauptsymptome besonders hervortreten, gebe man:

Auflösung von Essigsaurer Ammonia (~Solution of acetate of ammonia~) 3 Drachmen. Antimon-Wein (~Antimonial wine~) ½ Drachme. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ „ Opium-Kampher Tinktur (~Camphorated tincture of Opium~) 1 „

Hinreichend Wasser, um 2 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Wenn die Diarrhöe von blasser oder lehmiger Farbe, gebe ein oder zwei Grane des ~Gray powder~ (Merkur mit Kreide) jeden Abend. Bei großer Hitze der Haut verbinde mit dem ~Gray powder~ ein Drittel oder ein halbes Gran Brechwurz- (~Ipecac~) Pulver und dieselbe Quantität von zusammengesetztem Jalappenwurzel-Pulver (~Compound jalap powder~). Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man jeden Morgen eine kleine Dosis Castoröl. Haben die Entleerungen ihren widerwärtigen Geruch verloren und sehen mehr natürlich aus, so gebe folgendes:

Aufguß von Columba oder Cascarilla 5½ Unzen. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tinct. of cardamons~) ½ Unze. Verdünnte Salpetersäure (~Dilute nitric acid~) 1½ Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll. Die Kost sollte bei dieser Krankheit von der leichtesten Art sein, wie Haferschleim, geröstetes Brod in Milch oder Wasser getaucht, Pfeilwurz (~Arrow root~), Tapioca oder Sago Gelee. Bessert sich das Kind, so gestatte man Brühen von Hühner-, Kalb- oder Hammelfleisch.

Cholera Infantum.

Dies ist eine der gefährlichsten Krankheiten der Kindheit und tritt in der Regel während des ersten und zweiten Sommers ein. Die Zeit während des Zahnens ist besonders geneigt dazu, da der Organismus ungewöhnlich aufgeregt ist. Geringfügige Ursachen, wie Diätfehler, das Aussetzen der Nachtluft, Ermüdung, welche zu anderen Zeiten ohne alle Folgen bleiben, werden zu dieser Zeit verhängnißvoll. Die Hauptursache besteht in Diätfehlern. Es ist sehr gefährlich, während des Zahnens die Kost zu wechseln, das Kind zu entwöhnen und dagegen künstliche Nahrungsmittel zu geben. Dies sollte nur im äußersten Nothfalle geschehen.

+Symptome.+ Die Krankheit kann plötzlich oder allmählig eintreten. Das Kind wird plötzlich von heftigem Erbrechen und Abführen befallen oder kann auch nur durch mehrere Tage hindurch eine leichte Diarrhöe gehabt haben. Der Magen wird so reizbar, daß er durchaus nichts annimmt. Die erbrochene Substanz besteht aus dem Inhalt des Magens, unverdauter Nahrung, mit Schleim und galligem Eiter gemischt, wenn alles ausgebrochen ist, wird sich ein starkes Würgen und erfolglose Anstrengung zum Erbrechen einstellen. Dies mag jedesmal nach dem Genuß von Nahrungsmitteln, oder auch nur zwei- oder dreimal des Tages eintreten. Diarrhöe ist eines der wichtigsten Symptome und die Entleerungen bestehen zuerst in unverdauter Nahrung und werden grünlich gestreift; zuweilen gleichen sie gehacktem Gemüse. Sie können gelblich, sehr wässerig sein und der Geruch ist schlecht und äußerst widerwärtig. Auch mögen starke Schmerzen, wie bei der Ruhr, vorhanden sein, und die Entleerungen können Blut und Schleim enthalten. Beträchtliches Fieber ist vorhanden, ebenso schneller Puls, Mund heiß und trocken, großer Durst, Zunge schmutzigweiß oder gelblichweiß belegt, ausgenommen an den Rändern, welche roth sind, Endglieder kalt, Kopf heiß, Augen eingesunken, Nase zugespitzt, das Gesicht eingeschrumpft und vertrocknet wie bei alten Leuten, der Bauch geschwollen und zuweilen empfindlich gegen Berührung; das Fieber ist gewöhnlich während des Nachmittags und Abends schlimmer.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Da die Krankheit gewöhnlich während des Zahnens eintritt, so sollte stets vor allem nach dem Zahnfleisch gesehen werden. Ist es geschwollen, heiß, hart und roth, so schneide man es auf, was ebensowohl vermittelst eines scharfen Federmessers als mit der Lanzette geschehen kann. Da bei der Behandlung dieser Krankheit viel von der Diät abhängt, so sollte dieselbe sorgfältig geordnet werden. Womöglich sollte das Kind nicht vor dem zweiten Sommer entwöhnt werden, wenn es aber geschehen ist, so möge dann die Diät der Natur jedes einzelnen Kindes angemessen sein. Da in der Regel großer Durst vorhanden ist, so lasse man das Kind so viel Wasser, als es wünscht, haben. Frische Kuhmilch ist unzweifelhaft das beste, was gegeben werden kann. Folgendes Mittel wird vortrefflich gefunden werden: Löse einen Theelöffel voll Milchzucker in drei Tassenkopf Wasser, koche es auf zwei Tassenkopf ein, füge einen Tassenkopf frische Milch hinzu und lasse es das Kind, während es noch warm ist, essen. Wenn Milchzucker nicht zu haben ist, gebrauche man Stückzucker, der erstere ist jedoch bei Weitem besser. Reismehlschleim gibt eine gute Kost. Bereite es wie folgt zu: Man nehme je einen Theelöffel voll Reismehl und Milch, rühre es in einander, füge ein wenig Salz und nahezu ein Pint warmes Wasser hinzu, mische es gehörig und koche es 15 Minuten lang; wenn kalt hat es ungefähr die Dicke von Stärke und muß mit ein wenig Zucker versüßt werden. Ist der Magen sehr schwach, nehme man einen Theil Sahne auf fünf Theile Wasser und füge ein wenig Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago oder Tapioca hinzu. Unter „Kost statt des Säugens“ befindet sich ein von Dr. Meigs empfohlenes Rezept, welches besser ist. Eine andere Sache von Wichtigkeit ist, daß das Kind möglichst viel frische Lust haben sollte. Wenn möglich, schaffe es auf das Land, und wenn dies nicht geschehen kann, lasse es in dem Hofraum, in Parkanlagen oder auf den Straßen herumtragen. Ist das Kind zu krank, trage es aus einem Kissen in ein geräumiges, gut ventilirtes Zimmer. Ein lauwarmes Bad, gelegentlich gegeben, wird zuträglich gefunden werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Das Hauptmittel bei dieser Krankheit ist der zusammengesetzte Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) oder die Neutralizing mixture. Man gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel voll, bis es auf die Eingeweide wirkt, sodann mögen die Zwischenräume auf drei bis vier Stunden verlängert werden. Es wird gut sein, hieraus einen oder zwei Tage später einen von den nachstehenden Thees folgen zu lassen, nämlich von Brombeerwurzel (~Black berry root~), Erdbeerblätter und Wurzel (~Strawberry leaves and root~), Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~), eine kleine Quantität Zimmet (~Cinnamon~) und Nelken (~Cloves~), mit weißem Zucker versüßt. Wenn das Erbrechen stark ist, gebe ein Senfpflaster auf das Rückgrat und über die Gegend des Magens. Bei starkem Erbrechen, Schmerz in den Eingeweiden, Durchfall und Kneipen, wird sich folgende Einspritzung wirksam erweisen: Schlüpfriges Ulmen- (~Slippery elm~) oder Stärkewasser eine flüssige Unze, zusammengesetzte Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~), fünf bis zehn Tropfen stachlige Eschbeeren-Tinktur (~Tincture of prickly ash berries~) zwei flüssige Drachmen. Nehme davon die Hälfte zu einer Einspritzung. Ist die Krankheit besonders hartnäckig und hält eine lange Zeit an, so nehme man Columbawurzel (~Colombo~), Stachlige Eschbeeren (~Prickly ash bark~), ~Swamp mill weed~, von jedem, zerstoßen, eine halbe Unze, zwei Pints Branntwein; lasse es ungefähr 10 Tage stehen. Gebe alle 3 oder 4 Stunden einen halben Theelöffel voll in ein wenig versüßtem Wasser. Sind die Entleerungen mehr oder weniger mit Blut gemischt und sind nur schwach bei öfterer Wiederholung, so gebe man folgendes:

Entenfuß (~Podophyllin~) 2 Grane. Leptandrin 3 „ Brechwurz (~Ipecac~) 3 „ Weißer Zucker 1 Skrupel.

Stoße alles zusammen in einem Mörser und mache 8 Pulver daraus, wovon alle 3 oder 4 Stunden eines zu geben ist. Nachdem diese auf die Eingeweide gewirkt haben, gebe man eine gelegentliche Dosis des zusammengesetzten Syrups von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Sicherlich bade das Kind ein- oder zweimal in warmem Saleratuswasser und trockne es mittelst einer sanften Reibung ab. Folgendes wird bei hartnäckigen Fällen empfohlen:

Ammoniak-Opium-Tinktur (~Ammoniated tincture of opium~) 2 Drachmen. Extrakt von Blauholz (~Extract of logwood~) 3 „ Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of lavender~) 1 „ Catechu-Tinktur (~Tincture of catechu~) 2 „ Gewöhnlicher Syrup 4 Unzen. Kochendes Wasser 4 „

Löse den Extrakt von Blauholz (~Extract of logwood~) in dem Wasser und füge dann die anderen Artikel hinzu. Gebe alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Als Trank gebe man Gummi Arabicum, oder schlüpfriges Ulmen- (~Slippery elm~) Wasser.

=Allöopathisch.= Wenn das Erbrechen stark und hartnäckig ist, gebe man folgendes:

Kampher (~Camphor~) 1 Drachme. Schwefel-Aether (~Sulphuric ether~) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden 10 Tropfen.

Wenn dies nicht einhält, gebe:

Bleizucker (~Sugar of lead~) 4 Grane. Essig 6 Tropfen. Stückzucker 4 Drachmen. Weiches Wasser 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle ein oder zwei Stunden einen Theelöffel voll.

Zuweilen wird ein Gewürz- (~Spice~) Pflaster, auf den ganzen Unterleib gelegt, sofortige Linderung verschaffen.

Gegen die Diarrhöe gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Wenn die Stühle sauer, dunkelgefärbt und höchst widrig sind, gebe man:

Pulverisirte Holzkohle (~Powd. charcoal~) 1½ Drachmen. „ Rhabarber (~Powd. rhubarb~) 35 Grane. „ Brechwurz (~Powd. ipecac~) 6 „ Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 10 „

Mische es, mache 12 Pulver daraus und gebe alle drei oder vier Stunden eins.

Oder:

Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 35 Grane. Weiches Wasser 2 Unzen. Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 20 bis 40 Tropfen. Diese zwei Mischungen mögen alle drei Stunden abwechselnd gegeben werden, wenn eins allein nicht den gewünschten Erfolg hat. Zuweilen wird Nachstehendes mit Erfolg angewandt:

Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 20 Grane. Leptandrin 10 „ Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 35 „ Pulverisirter Zimmet (~Pulv. cinnamon~) 10 „

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane.

=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha~ -- ist gewöhnlich das wichtigste Mittel, und wird bei Uebelkeit, Erbrechen, Diarrhöe, grünen oder gegohrenen Stühlen mit weißen Flecken, belegte Zunge und großem Durst gegeben.

~Veratrum.~ -- Wo die Anfälle heftig waren, sowie bei großer Erschöpfung nach dem Erbrechen, oder wenn das Erbrechen krampfartig wird und nach der geringsten Bewegung eintritt; bräunliche oder wässerige Entleerungen, Kälte der Endglieder, blasses Gesicht, eingefallene Augen, großer Durst.

~Chamomilla.~ -- Schleimiges oder saures Erbrechen, die Entleerungen sehen aus wie ausgeschlagene Eier, oder sind grün oder schleimig mit kolikartigen Schmerzen, Fieber des Nachts. Angenehmer für Kinder, wenn sie in Folge des Zahnens wunderlich oder verdrießlich sind.

~Mercurius.~ -- Die Stühle sind von Kolik und Anstrengung begleitet; die Entleerungen grün, sauer und zuweilen mit Blut gemischt; das Kind riecht sauer. ~Rheum~ ist ebenfalls gut bei denselben Symptomen.

~Podophyllum.~ -- Krampfartige Schmerzen, Stühle schaumig, schleimig und höchst widrig; das Kind stöhnt im Schlafe und wirft den Kopf hin und her.

~Carbo Vegetabilis.~ -- Die Stühle haben einen fauligen Geruch sind sehr dünn und werden von einem brennenden Schmerz begleitet.

~Arsenicum.~ -- Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche, Uebelkeit, Alles wird wieder erbrochen, Stühle braun, grün oder gelblich und höchst widrig, Haut trocken, oder kalt und klebrig; Lippen und Zunge schwarz und aufgesprungen, Stöhnen während des Schlafs, Unterleib hart und geschwollen.

~Calcarea.~ -- Bei Fällen von langer Dauer, bei großer Abmagerung und Schwäche, Unterleib hart und geschwollen; Stühle mollig und lehmfarben; Haut zusammengeschrumpft und trocken.

~Sulphur.~ -- Dieses Mittel ist ungefähr bei denselben Symptomen wie bei ~Calcarea~ angezeigt. Wenn die Krankheit den Kopf anzugreifen scheint: ~Aconitum~, ~Helleborns~, ~Belladonna~ oder ~Bryonia~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Wo der Anfall plötzlich eintritt, löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten oder halbe Stunden, bis das Kind besser wird, einen Theelöffel voll. Wo der Fall längere Zeit anhält, gebe alle 2 oder 4 Stunden eine Dosis.

Häutige Bräune (~Croup -- Cynanche Trachealis~).

Man theilt die Bräune in zwei Formen, die krampfartige und die häutige. Die erstere wird zuweilen auch die falsche und die letztere die wahre Bräune genannt. Kinder unter 5 Jahren haben mehr Neigung dazu als andere, obgleich auch ältere Personen, sogar Leute von 70 Jahren Anfälle gehabt haben. Sie ist wegen des plötzlichen Eintrittes und der Geschwindigkeit, mit der sie einen tödtlichen Verlauf nimmt, äußerst beunruhigend.

+Ursachen.+ Sie ist am häufigsten in kalten, feuchten Gegenden und wird gewöhnlich durch plötzlichen und öfteren Witterungswechsel hervorgerufen. Von Einigen wird angenommen, daß sie erblich ist, Und sie scheint auch so zu sein, denn es ist eine Thatsache, daß die Kinder einiger Familien bei der geringsten Blosstellung dazu geneigt sind.

+Symptome.+ In der Regel beginnt die Bräune mit Symptomen von Katarrh oder Schnupfen, trocknem Husten, heißer Haut, schnellem Puls, Durst, Rasseln im Hals und großer Unruhe des Nachts; das bestimmteste Symptom ist die Heiserkeit, da der Patient seine Stimme fast ganz verliert. Der Husten ist trocken und kurz. Diese Symptome mögen ein oder zwei Tage lang anhalten, dann ungefähr um Mitternacht wird das Kind durch einen heftigen Anfall von Husten erwachen, der Husten ist heiser und bellend, und wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nimmer wieder vergessen. Das Athmen wird beschleunigt und zischend, das Gesicht geröthet, die Haut heiß und dichter Schweiß bricht aus, das Kind wirft sich wild von einer Seite auf die andere, die Hände sind eingekniffen und die Augäpfel treten hervor. Bei Annäherung des Morgens nehmen die Symptome ab und das Kind verfällt in Schlaf und scheint während des Tages, mit Ausnahme der Heiserkeit und etwas Fieber, wohl zu sein. Gegen Abend aber nimmt die Heiserkeit zu und der Patient fährt mit einem heftigeren Krampfanfall als an dem Abend zuvor aus dem Schlafe auf. Der Husten wird würgender und schwieriger, die Störung in der Luftröhre wächst, das Gesicht nimmt eine dunkle, bleierne Farbe an, der Puls ist schwach, die Stimme gebrochen und unterdrückt, der Kopf wird zurückgezogen, um das Athmen zu ermöglichen, und das Gesicht ist geschwollen. Die Muskeln des Nackens, der Brust und des Unterleibes sind außerordentlich thätig und das Athmen ist laut und zischend; das Kind wirft sich auf dem Bette herum und sucht vergeblich nach Linderung, sein ganzes Aussehen bekundet ungemeine Angst und Leiden, es greift nach dem Hals, als ob es dort die Ursache seiner Schmerzen entfernen könnte, Schläferigkeit tritt nach und nach ein, das Athmen wird unterbrochen, das Kind keucht convulsivisch und der Tod macht der fürchterlichen Scene ein Ende. Bräune oder Croup kann aber auch ganz plötzlich eintreten, das Kind geht ganz wohl zu Bette und wird des Nachts davon befallen. Diese Form ist, wenn nicht vernachlässigt, ohne Anstrengungen, sie einzuhalten, weniger gefährlich. Auch hier mag das Kind einen heiseren, croupartigen Husten durch mehrere Tage hindurch haben, und gerade zu einer Zeit, wo es die Eltern am wenigsten erwarten, stellt sich eine heftiger Anfall ein, der eine schlimme Wendung nehmen mag. Ein Anfall von Bräune kann 24 Stunden bis 15 Tage dauern. Wenn sie mit Luftröhrenentzündung oder Brustentzündung verbunden ist oder tritt sie nach Scharlachfieber, Masern oder Halsentzündung ein, so ist sie bei weitem gefährlicher.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wenn bei dem Kinde Husten mit Heiserkeit und Stimmlosigkeit eintritt, so werden prompte Maßregeln den Anfall in diesem Stadium verhindern. Reinige die Eingeweide mit einer kleinen Dosis Kalomel und nach einer Stunde gebe eine Lösung von einem Gran Brechweinstein (~Tartar emetic~) in einer Unze Wasser, von welcher alle 15 Minuten ein Theelöffel voll gegeben werden sollte, bis Erbrechen eintritt. Senfpflaster oder heiße Kleie- (~Bran~) Umschläge sollten in den Nacken gelegt werden. Auch wird empfohlen, einen ziemlich großen Schwamm in Wasser getränkt, so heiß es ertragen werden kann, auf den Hals zu legen und dies, so bald der Schwamm kühl wird, zu erneuern. Fahre damit fort, bis die Haut sehr roth aussieht oder das Kind besser ist. Diese Mittel können aber nur beim Anfang der Krankheit angewendet werden. Schlägt es nicht an, so gebe man folgendes:

Dover’sche Pulver (~Dover’s powder~) 15 Grane. Kalomel 5 „

Mische es. Mache 10 Pulver daraus und gebe alle 3 Stunden eines.

Der Hals mag mit kaltem Wasser gewaschen und folgende Salbe eingerieben werden:

Olivenöl 1 Unze. Auflösung von Potasche (~Solution of potassa~) 2 Drachmen. Merkurial-Salbe (~Mercurial ointment~) 1 Drachme.

Ein Brechmittel von Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) kann in Dosen von einem Theelöffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt. Der Dampf von heißem Wasser und Wollkrautblättern (~Mullein leaves~), von dem Kinde eingeathmet, wird gleichfalls gut sein.

=Homöopathisch.= Wenn die ersten Symptome, wie heiserer Husten mit Fieber erscheinen, gebe man alle Stunden abwechselnd ~Aconitum~ und ~Spongia~. Wenn aber das Kind mit jenem bellenden Crouphusten aus dem Schlafe erwacht, gebe man alle 10 oder 15 Minuten ~Tartarus emeticus~ und ~Spongia~. Wenn die Symptome heftig sind, so wird ein warmes Bad sehr zuträglich sein. Es sollte dies zuerst ungefähr 96 Grad sein und allmählig durch Hinzufügen von heißem Wasser warm gemacht werden. Aus dem Bade genommen, trockne man das Kind schnell und hülle es gut ein. Tücher in kaltem Wasser getränkt, auf den Hals gelegt und mit Flanell bedeckt, werden von gutem Erfolg sein. Gegen den bellenden, feuchten und lockeren Husten, welcher zurückbleibt, nachdem die Heftigkeit des Anfalles nachgelassen hat, gebe man ~Spongia~ und ~Hepar~ alle Stunden abwechselnd.

Wenn der Husten locker ist und es befindet sich ein Rasseln von Schleim im Hals und in der Brust und ein dicker Schleim wird ausgespuckt, so gebe man ~Tartarus emeticus~ mit ~Hepar Sulphuris~ abwechselnd eine halbe Stunde oder eine Stunde für sich. Gegen die nach einem Anfall zurückbleibende Heiserkeit, und um eine Wiederkehr für die nächste Nacht zu verhindern, gebe man ~Phosphorus~ oder ~Hepar Sulphuris~, alle 2 oder 4 Stunden eine Dosis. Nachdem der Anfall sehr heftig geworden und die Bildung einer falschen Schleimhaut augenscheinlich ist, das Kind von Erstickung bedroht wird, gebe man ~Kali Bichromacum~. Ein kleines Pulver sollte alle 3 oder 5 Minuten gegeben werden. Gewährt dies keine Linderung, so gebe ~Arsenicum~ und mache heiße Umschläge um den Hals. Ist das Athmen sehr mühsam, keuchend, rauher Husten, Schnappen nach Luft, bei großer Gefahr von Erstickung, so gebe man ~Bromine~. ~Phosphorus~ allein oder abwechselnd mit ~Lachesis~ ist bei strengen Formen ein sehr schätzbares Mittel.

+Verordnung der Heilmittel.+ Ist das Mittel in Kügelchen, so löse 12 in 12 Theelöffel voll Wasser, ist es in Pulvern, so gebe eine Portion von der Größe einer kleinen Erbse.

+Die Kost+ -- sollte in Hafermehlschleim, Gerstenwasser, Zwiebackwasser oder Milch bestehen.

=Eclectisch.= Das erste, was geschehen muß, ist, ein Brechmittel zu verordnen. Die Lobelia-Tinktur dürfte das beste sein. Man gebe davon alle 10 Minuten einen Theelöffel voll, bis Erbrechen eintritt. Ein anderes wirksames Mittel ist pulverisirter Alaun (~Alum~) in Molasses oder Honig alle 10 Minuten gegeben. Ein Thee aus Seneca- oder Blutwurzel (~Seneca root~, ~Blood root~) ist ein gutes Mittel, die sich im Halse bildende Schleimhaut zu lösen. Sobald das Brechmittel zu wirken beginnt, gebe man einen starken Thee von Sumach und Gagel (~Bayberry~). Da, wo die Eingeweide verstopft sind, gebe gleiche Theile von Meerzwiebeln (~Squills~) und Castoröl alle Stunden in Theelöffeldosen, bis sie auf die Eingeweide wirken. Dies sollte nicht, während das Brechmittel gegeben wird, genommen werden. Geröstete Zwiebeln, geröstete Aepfel und Preiselbeeren (~Cranberries~) sind zu Umschlägen für den Hals empfohlen worden, das beste aber ist ein Pflaster aus Schnupftabak und Fett. Man mische einen Theelöffel voll Schnupftabak mit ein wenig Fett, streiche es auf ein Tuch und lege es auf Hals und Brust. Bienensyrup (~Hive syrup~) ist ein gutes Mittel und sollte immer vorräthig gehalten werden. Man gebe ihn alle 10 Minuten in Dosen von einem Theelöffel voll, bis das Erbrechen eintritt.

Bei Beginn der Krankheit wird sich Watte in gleiche Theile von Kampher und Essig oder Whiskey getränkt, warm gemacht und um den Hals gebunden, zuträglich erweisen. Wenn die Krankheit hartnäckig ist, so wird ein Umschlag um den Hals und auf die Brust von rothem Pfeffer (~Red pepper~), schlüpferiger Ulme (~slippery Elm~) und Lobelia, jedes pulverisirt, mit heißem Wasser, gewöhnlich Linderung verschaffen. Diese Umschläge sollten, sobald sie kühl sind, gewechselt werden. Eine Salbe, zusammengesetzt aus Hirschhorn-Spiritus (~Hartshorn spirits~) ½ Unze, Laudanum ¼ Unze, Terpentin (~Turpentine~) ½ Unze; süßes Oel ½ Unze. Mische es und mache einen Umschlag auf Hals und Brust. Bei kleinen Kindern wird ein Umschlag von Hopfen, in heißem Wasser gekocht, vorzüglich gefunden werden. Während des Tages, wenn die Symptome besser sind, sollte durch einen Aufguß von 3 Theilen Lobelia und einem Theil Blutwurzel (~Blood root~), einem Aufguß von Meerrettig in Essig, kleine Dosen von Brechwurzwein (~Wine of ipecac~) der Auswurf befördert werden.

Keuch- oder Stickhusten (~Whooping Cough -- Pertussis~).

Diese ansteckende Krankheit trifft ein und dieselbe Person gewöhnlich nur einmal im Leben. Sie beginnt mit Heiserkeit, Schneuzen und anderen Erkältungssymptomen und ist durch krampfhafte Hustenanfälle gekennzeichnet, während welchen ein Röcheln in der Luftröhre vernommen wird und das Athemholen von einem zischenden Geräusch begleitet ist, bis ein dicker, klebriger Schleim entleert wird, worauf das Athemholen wieder freier von Statten geht. Während der Hustenanfälle ist das Gesicht des Kindes geröthet, der Kopf schwitzt und der ganze Körper ist aufgeregt; manchmal tritt Nasenbluten ein, der Urin oder die Gedärme entleeren sich, ohne daß dies das Kind verhindern könnte.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Das folgende mag bei heftigeren Anfällen gebraucht werden:

Kampherwasser (~Camphor water~) 2 Unzen. Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) 1 Drachme. Verdünnte Hydrocian-Säure (~Diluted hydrocyanic acid~) 5 Tropfen.

Dosis für ein Kind von drei bis sechs Jahren: Einen Theelöffel voll dreimal täglich.

Die folgende Arznei ist eine ausgezeichnete:

Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. ipecac~) 3 Grane. Schwefelniederschlag (~Precip. Sulphur~) 2 Skrupel. Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 6 Grane.

Mische dieses und bereite 12 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille alle 3 oder 4 Stunden.

Sind Luftröhre und die Lungen ziemlich affizirt, so wird das folgende Mittel sich als sehr wirksam erweisen:

Sturmhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme. Bilsamkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) 1 „ Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran. Morphium 1 „ Syrup 4 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Für ein Kind von 3 bis 6 Jahren 1 Theelöffel voll drei- bis viermal des Tages. Diese Medizin mag gebraucht werden, nachdem die Krampfanfälle aufgehört haben, der Husten aber immer noch sehr lästig ist.

Das folgende Einreibmittel wird, wenn man den Rückgrat damit einreibt, in manchen Fällen gute Dienste leisten:

Laudanum 1 Unze. Amberöl (~Oil of amber~) 1 „ Alcohol 2 Unzen. Salatöl 2 „

Mische dies.

Das folgende wird empfohlen:

Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~) ½ Unze. Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) ½ „

Mische dieses. Dosis: Für ein zweijähriges Kind 20 Tropfen vier- oder fünfmal täglich.

=Eclectische und Kräuterkur.= Dr. F. Cook von Philadelphia empfiehlt gesättigte schwarze Schlangenwurzel-Tinktur (~Saturated tincture of black cohosh~). Einem einjährigen Kinde gebe von 15 bis 20 Tropfen vier- bis fünfmal täglich.

Auch das folgende ist ein werthvolles Heilmittel:

Belladonna-Extrakt 10 Grane. Alcohol ½ Unze.

Mische dieses gut und füge 4 Unzen Syrup und 1 Drachme pulverisirten Alaun (~Powdered alum~) bei. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3, 4 oder 5 Stunden.

Ein Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) ist sehr wirksam, wenn der Patient viel davon trinkt.

Die folgende Arznei wurde mit gutem Erfolge gebraucht:

Verdünnte Salpeter-Säure (~Dilute nitric acid~) 1 Drachme. Syrup 3 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3, 4 oder 5 Stunden.

=Homöopathisch.= ~Mephitis Putorius~ -- ist ein sehr werthvolles Heilmittel, und mag man alle 4 Stunden eine Dosis davon geben. ~Drosera~ ist ein anderes werthvolles Heilmittel, namentlich wenn sich folgende Symptome zeigen: Trockener, krampfhafter Husten, der sich bei Nacht verschlimmert; wenn das Kind hustet, preßt es die Hand auf die Magengegend; ein heftiger Hustenanfall folgt dem anderen und ist mit Blutabgang aus Mund und Nase begleitet; der Husten wird durch Sprechen oder Lachen gereizt; der Schleim ist dick und zäh.

~Corallia.~ -- Mag in manchen Fällen mit sehr guter Wirkung gegeben werden.

~Aconitum.~ -- Bei ziemlich viel Fieber mit kurzem, trockenem Husten und Schmerz in der Brust. Dieses Heilmittel mag abwechselnd mit ~Bryonia~ oder ~Phosphorus~ gegeben werden, namentlich wenn Lungenentzündung im Anzuge ist.

~Tartar Emetic.~ -- Wenn zu Anfang ein heftiger erstickender Husten vorhanden ist und wenn man ein zischendes, vom Schleim herrührendes Geräusch in der Luftröhre und Brust wahrnimmt und der Patient von Erstickung bedroht ist; kurze Hustenanfälle folgen in kurzer Aufeinanderfolge. ~Ipecac~ thut bei diesen Symptomen ebenfalls gute Dienste.

~Chamomilla.~ -- Keuchen und Zischen bei jedem Athemzug, der Husten wird durch die geringste Störung in der Luftröhre herbeigeführt, das Kind erschrickt sehr leicht und ist verdrießlich.

~Cuprum.~ -- Häufige Hustenanfälle mit Steifheit im ganzen Körper, Keuchen und Pfeifen in der Luftröhre, große Erschöpfung nach den Hustenanfällen.

Andere Heilmittel sind: ~Carbo Vegetabilis~, ~Dulcamara~, ~Cina~, ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Opium~, ~Hellebore~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Pillen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle 2, 3 oder 6 Stunden.

Kolik.

Dies ist eine sehr häufige und lästige Kinderkrankheit, die öfters durch Erkältung oder irgend welche die Milch der Mutter affizirende Gemüthsbewegung erzeugt wird. Das Kind schreit, stoßt und zieht die Beine hinauf. Häufig findet auch kein Urinabgang statt.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Frauen- oder Pfeffermünz- (~Spearmint or peppermint~) Thee mit ein wenig Zucker- und Saleratuswasser wird gewöhnlich Linderung verschaffen. Paregoricum mag in Dosen von 10 Tropfen zu einem Theelöffel voll gegeben werden. Ein Salz- und Wasser-Klystier schafft oft augenblickliche Linderung. Ein halber Theelöffel voll Castoröl und ein halber Theelöffel voll Paregoricum zusammen gemischt ist ein gutes Mittel. Ingwer- (~Ginger~) oder Anissamen-Thee mag mit guter Wirkung gebraucht werden. Heiß gemachte Stücke Flanellzeug oder Flanellkleider sollten auf den Magen und ein mit heißem Wasser gefüllter Krug an die Füße gelegt werden.

=Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag namentlich dann gegeben werden, wenn der Mastdarm angeschwollen ist; das Kind schreit, zieht den Körper zusammen und die Füße hinauf; die äußeren Gliedmaßen sind kalt. Wenn nebst diesen Symptomen Uebelkeit, Erbrechen und Diarrhöe, ein Rumpeln in den Gedärmen und Frösteln sich vorfinden, so gebe ~Pulsatilla~.

Ist Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ~Nux Vomica~. Sind die Stuhlgänge gährend und haben sie einen fauligen Geruch, so gebe ~Ipecac~; riechen sie sauer, ~Rheum~. Ist die Kolik von Würmern verursacht, so gebe ~Cina~, ~Sulphur~, ~Mercurius~. Ist der Patient schlaf- und ruhelos, hat er Fieberhitze und schreit er viel, so gebe ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd. Oefters werden die Schmerzen durch ein laues Bad gelindert.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe 2 oder 3 Kügelchen trocken, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll für eine Dosis, welche alle 15 Minuten, halbe Stunde oder Stunde wiederholt wird.

=Allöopathisch.= Ist Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ein Klystier von einem Theelöffel voll Castoröl und eine Unze warmen Pfeffermünz- oder Frauenmünz- (~Peppermint or spearmint~) Aufguß. Ein Aufguß von Pfeffermünz oder Fenchelsamen (~Fennel~) ist gewöhnlich zur Beseitigung eines Anfalles genügend.

Rührt das Uebel von Würmern her, so gebe folgendes:

Stinkharz (~Asafœtida~) 1 Drachme. Wasser 4 Unzen.

Schüttle dies zusammen, bis die Masse gut gemischt ist, sodann füge 2 Unzen Ingwer-Syrup (~Syrup of ginger~) hinzu. Dosis: Einen Theelöffel voll. Auf die Stuhlgangöffnung mag man mit Rhabarber-Syrup oder süßer Rhabarber-Tinktur (~Syrup of rhubarb or sweet tincture of rhubarb~) mit ein wenig beigefügter Soda einwirken.

Würmer.

Siehe für Behandlung erster Theil, das zwölfte Kapitel.

Gehirnentzündung (~Inflammation of the brain~).

Für Behandlung dieser Krankheit siehe erster Theil, zweites Kapitel.

Kehlsucht, auch Ziegenpeter (~Mumps -- Parotitis~).

Diese Krankheit ist eine Entzündung der Ohrendrüse, welche unter dem Ohr liegt und mit der unter dem Kinnbacken und der unter der Zunge liegenden Drüse den Speichel absondert. Kinder über sieben Jahren sind der Kehlsucht viel eher ausgesetzt als jüngere; auch ist dieselbe ansteckend, so daß, wenn ein Kind einer Familie oder Schule davon befallen wird, alle andern die Krankheit bekommen. Zum zweitenmal bekommt ein Kind den Ziegenpeter selten.

+Symptome.+ Die Krankheit fängt gewöhnlich mit leichtem Fieber und Catarrh-Symptomen an. Der Hals wird steif und das Bewegen des Kinnbackens, um zu sprechen oder zu essen, ist schmerzhaft. Nach etwa 24 Stunden zeigt sich am unteren Kinnbacken eine Geschwulst, die sehr schnell größer wird; dieselbe ist heiß, trocken und gegen den Druck sehr empfindlich. Die Hautfarbe ist unverändert, es sei denn, die Drüsen an beiden Seiten seien geschwollen und drücken auf die anderen ein, wodurch der Blutumlauf vom Herzen zum Kopf gestört wird. Gefährlich ist die Krankheit nicht, außer wenn sich das Uebel durch Erkältung oder andere Ursachen beim männlichen Patienten in die Hoden, beim weiblichen in die Brüste zieht. Manchmal zieht sich das Uebel auch ins Gehirn. Dies sind aber sehr seltene Fälle. Die Entzündung erreicht am dritten oder vierten Tag ihren höchsten Grad und verschwindet endlich nach etwa zehn Tagen oder zwei Wochen wieder.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Das Hauptmittel ist ~Mercurius~, wovon eine Dosis (4 Kügelchen) dreimal des Tages genommen werden mag.

~Belladonna.~ -- Wenn die Geschwulst heiß und trocken ist oder wenn sie das Gehirn affizirt und Delirium und Bewußtlosigkeit verursacht. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll jede Stunde. Lindert dieses Mittel nicht in einigen Stunden, so gebe ~Hyosciamus~ in derselben Weise.

Zieht sich die Anschwellung nach den Hoden, so gebe ~Pulsatilla~ und ~Nux Vomica~, eine Dosis (4 Kügelchen) alle zwei oder drei Stunden. Warme Flanelltücher, die man um den Hals bindet, thun gute Dienste.

+Kost.+ Die Kost muß leicht sein; z. B. gebackene Aepfel, gekochte Zwetschen, geröstetes Brot (~toast~) und schwarzer Thee, Cacao u.s.w. Man halte den Patienten warm, und wenn er Fieber hat, muß er im Bett bleiben.

=Eclectische und Kräuterkur.= Schmerzt die Anschwellung, so bringe man Schweiß hervor, indem man die Füße des Kindes in heißem Wasser badet und ihm Balsam-, Katzenmünze-, Frauenmünze- oder Ysop-Thee (~Balm, Catnip, Spearmint or Pennyroyal~) zu trinken, nebst einer Dosis Paregoricum giebt. Sind die Symptome heftig, so gebe Brechwurzpulver und Opium (~Powder of Ipecac and Opium~). Der Stuhlgang ist mittelst Castoröl und Bittersalz in Ordnung zu halten. Das folgende Einreibmittel leistet gute Dienste: Spanische Seife, Kampfergummi, Sassafrasöl, Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) und Terpentingeist, von jedem eine Unze, Alcohol 2 Unzen. Mische dieses.

Hat sich die Geschwulst nach den Hoden oder den Brüsten gezogen, so lege man ein Pflaster hinter die Ohren, um sie wieder auf den ursprünglichen Platz zurückzubringen. Verordne die zusammengesetzte Virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~), um Schweiß zu erzeugen. Hopfen- und Stechapfelblätter-Umschläge, gleiche Theile von jedem und mit heißem Wasser zubereitet, sollten auf die Theile gelegt werden.

=Allöopathisch.= Man verordne das folgende:

Rochelle Salz 1 Unze. Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme. Münz- oder Pfeffermünzwasser (~Mint or peppermint water~) 6 Unzen.

Mische dieses und gebe den vierten Theil für eine Dosis ein- oder zweimal des Tages.

Oder dieses:

Saure Ammoniak-Auflösung (~Solution of acetate of ammonia~) 1½ Unzen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen. Syrup 2 „ Kampfermischung (~Camphor mixture~) 4 Unzen.

Mische dieses. Dosis: den vierten Theil alle 3 oder 4 Stunden.

Sind die Symptome sehr heftig, so gebe 4 oder 6 Grane von Dover’s Pulver; ist Hartleibigkeit vorhanden, das zusammengesetzte Jalappenpulver (~Compound powder of Jalap~). Sind die Hoden oder Brüste geschwollen, so müssen Blutegel angesetzt und Abführungsmittel öfters gebraucht werden. Bringe Schweiß hervor mittelst der zusammengesetzten Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) oder eines Dampfbades.

Vierter Theil. -- Verschiedene Krankheiten.

Erstes Kapitel.

Rheumatismus.

Rheumatismus ist eine durch eine im Blut befindliche giftige Substanz verursachte Entzündung. Man unterscheidet zwischen der acuten und chronischen Form.

+Symptome des acuten Rheumatismus.+ Dem acuten Rheumatismus geht gewöhnlich Mattigkeit, Frösteln, Hitze, voller, schlagender Puls und viel Schweiß, der sauer riecht, voraus. Diesen Symptomen folgt bald Steifheit in den Muskeln und Wundheit, nebst außerordentlichen Schmerzen in den verschiedenen Körpergelenken, hauptsächlich in denen der Zehen, Aenkel, der Schultern, der Ellenbogen, der Kniee und der Hand; die Schmerzen ziehen sich von einem Gelenk nach dem andern; die betreffenden Theile schwellen an und sind roth, sowie gegen Druck sehr empfindlich. Der Anfall beschränkt sich öfters nur auf ein Gelenk, zieht aber noch öfters von einem zum andern. Häufig wird das Herz oder die dasselbe umgebenden Theile vom Rheumatismus erfaßt und ist die Krankheit in diesem Fall besonders gefährlich. Auch die Lungen, die Leber, der Magen und die Gedärme sind rheumatischen Anfällen ausgesetzt.

Der acute Rheumatismus wird oft mit Gicht verwechselt; diese beschränkt sich jedoch gewöhnlich nur auf einen Theil des Körpers, und hauptsächlich sind die kleineren Gelenke, namentlich die Zehen, Gichtanfällen ausgesetzt, welchen dyspeptische Symptome vorangehen; das Fieber und der Schmerz in der Nacht sind nicht so heftig als bei Rheumatismus. Chronischer Rheumatismus mag aus der acuten Form der Krankheit entspringen, findet sich jedoch häufiger, ohne daß eine vorhergehende Entzündung eingetreten wäre, und ist selten mit stark hervortretendem Fieber begleitet. Es ist dies ein sehr hartnäckiges Uebel, das aber bei zeitiger und angemessener Behandlung gehoben werden mag.

+Die Symptome+ bestehen in Schmerzen, Lahmheit und Steifheit der verschiedenen Gelenke und anderer Körpertheile. Die Schmerzen verschlimmern sich des Nachts; die Gelenke sind oft angeschwollen, jedoch nicht in dem Grade als bei der acuten Form. Ruht der Patient eine Zeit lang, so wird der affizirte Theil schmerzen und steif sein, was sich aber wieder hebt, nachdem der Kranke sich eine Zeit lang bewegt hat.

+Ursachen.+ Der acute Rheumatismus wird gewöhnlich dadurch herbeigeführt, wenn man sich feuchter und kalter Witterung aussetzt oder feuchte Kleider trägt, in feuchten Betten schläft u.s.w.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Bei der Behandlung des acuten Rheumatismus kommt es vor allem darauf an, reichlichen Schweiß zu erzeugen. Zu diesem Zwecke mag entweder ein warmes Dampfbad benützt werden, oder man bringt den Kranken in ein gut durchwärmtes Bett und legt mit heißem Wasser gefüllte Krüge oder gekochte Welschkornähren um ihn her. Dabei sollte er viel warme Getränke, z. B. Ysop- (~Pennyroyal~), Katzenmünze- (~Catnip~) und Flachssamen-Thee trinken. Ein Mittel, das gewöhnlich Schweiß erzeugt, kann aus der zusammengesetzten Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tinct. of Virginia snake root~), welche in einem warmen Aufguß von Pleuresiewurzel (~Pleurisy root~) gegeben wird, bereitet werden. Wenn die Krankheit mit Störungen in der Leber auftritt, so ist ein Brechmittel, worauf man ein Abführmittel, z. B. Bittersalz oder Catarrh-Pillen (~cathartic pills~) folgen läßt, sehr nützlich. Auf die schmerzenden und geschwollenen Gelenke lege man warme oder kalte Hopfen- und Lobeliaumschläge, wozu auch Hopfen- und Stechapfelblätter (~Stramonium leaves~) oder Flachssamenmehl oder Kleie und Roggenmehl brauchbar sind. Manchmal wird der Schmerz gemildert, indem man die schmerzenden Gelenke mit gleichen Theilen von Essig und Whisky einreibt. Das beste Mittel sind jedoch frische Stechapfelblätter, die man zerquetscht, mit ein wenig Wasser anfeuchtet und über die betreffenden Theile legt, indem man dies täglich drei- bis viermal erneuert. Nachdem die warmen Umschläge entfernt sind, sollten die betreffenden Theile mit Baumwollenwatte, die etwa ein Viertel Zoll dick aufzulegen ist und worüber man ein Stück Flanell legt, damit die Wärme und Feuchtigkeit nicht wegzieht, bedeckt werden. Innerlich verwende man eine Mischung von gleichen Theilen von schwarzer Schlangenwurzel-Tinktur (~Tinct. of black cohosh~) und Zeitlosensamen-Tinktur (~Tinct. of Colchicum seeds~), in Dosen von 10 zu 60 Tropfen, je nach Umständen alle Stunde, 2 oder 3 Stunden. Während die Symptome und das Fieber sehr heftig sind, füge man jeder Dosis von 3 zu 8 Tropfen Sturmhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of Aconite root~) bei. Mit diesem sollte man jedoch Morgens, wo die Anfälle gewöhnlich nachlassen, aussetzen, und statt dessen ein oder zwei Grane Opium jeder Dosis beifügen.

Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist das folgende:

Gesättigte Wurzelsumach-Tinktur (~Saturated tinct. of Rhus Toxicodendron~) ½ Unze. Sturmhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of aconite root~) 2 Drachmen. Flüchtige Guajak-Tinktur (~Volatile tincture of Guaiacum~) 2 „

Mische dieses. Dosis: 30 bis 40 Tropfen alle 2 bis 3 Stunden.

Sehr wirksam werden sich Citronensaft oder warme Limonade, ein Eßlöffel voll alle 2 oder 3 Stunden, erweisen.

Ist eines der inneren Organe, z. B. das Herz, der Magen oder die Leber, vom Rheumatismus befallen, so verordne die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel in Dosen von einem Theelöffel voll alle 10 oder 15 Minuten, bis reichlicher Schweiß eintritt.

Bei chronischem Rheumatismus muß die Stuhlöffnung erhalten werden, indem man eine Mischung von zwei Theilen Rhabarber und einem Theil doppeltkohlensaurem Kali (~Bi-carbonate of potassa~) in Dosen von 3 bis 12 Granen giebt, oder so viel, um einen Stuhlgang täglich zu bewirken.

Das folgende wird zur Kur der Krankheit empfohlen:

Schwarze Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 1 Unze. Stachelesch-Beeren (~Prickly ash berries~) 1 „ Pepsin (~Pepsissewa~) 1 „ Sassafrasrinde 1 „ Guter Brandy 4 Pint.

Man lasse die Medizinmittel in dem Branntwein 4 Wochen lang stehen. Dosis: einen Eßlöffel voll in ein Weinglas voll versüßten Wassers dreimal des Tages.

Das folgende ist ein gutes Mittel gegen dieses Uebel:

Magnesia 1 Theelöffel voll. Zeitlosen-Wein (~Wine of colchicum~) 1 „ Wasser 1 Weinglas voll.

Man nehme dies auf einmal und wiederhole die Dosis drei- bis viermal täglich.

Dr. Cook empfiehlt gleiche Theile von Copaiva- und Hemlock- (canadische Edeltanne) Balsam, gut gemischt und in Dosen von einem Theelöffel voll mit Zucker genommen.

Als Einreibmittel mag das folgende gebraucht werden:

Cayenne ¼ Pfund. Alcohol 1 Pint.

Man lasse den Pfeffer zehn Tage lang in dem Alcohol stehen und seihe dann die Masse durch.

Das folgende wird sehr gut empfohlen:

Kampher-Spiritus 1 Unze. Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) 1 „ Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) 1 „ Nro. 6 oder heiße Tropfen (~Hot drops~) 1 „ Laudanum 1 Theelöffel voll. Rindsklauen- oder Rindsfußöl (~Neatsfoot oil~) ½ Pint. ~One beefs gall.~

Die ~Beefs gall~ sollte geschnitten und die grüne Substanz in derselben sollte in das Gefäß gebracht werden, wo die anderen Artikel sind. Mische die Masse gut, pfropfe die Flasche fest zu und wende die Mischung dreimal täglich an.

Das folgende ist ein anderes ausgezeichnetes Einreibmittel:

Laudanum 1½ Unze. Kampherspiritus 1½ „ Chloroform 1½ „ Salatöl ½ „

Mische dieses.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte zu Anfang, wenn das Fieber sehr stark ist, gegeben werden. Heiße, trockene Haut, schießende, reißende Schmerzen, die sich bei Nacht verschlimmern. Man mag dieses Mittel und ~Bryonia~ abwechselnd geben, wenn die Schmerzen bei Bewegung oder des Nachts sich verschlimmern und wenn Kopfweh und Anschwellen der Gelenke vorhanden ist.

~Belladonna.~ -- Wird gegeben, wenn ~Bryonia~ nicht wirkt, oder wenn die betretenden Theile geschwollen, sehr roth und glänzend sind. Schlaflosigkeit des Patienten bei Nacht und Klagen über Trockenheit im Munde und Halse; Blutandrang nach dem Kopfe. ~Belladonna~ und ~Bryonia~ kann manchmal mit gutem Erfolge abwechselnd gegeben werden.

~Rhus Tox.~ -- Schmerzen, während der Patient ruht, stärker, die Theile sind geschwollen, roth und der Kranke fühlt Reißen in denselben. Lahmheit und Schwäche der in der Nähe der affizirten Theile liegenden Muskeln, Vermehrung des Fiebers und der Schmerzen während der Nacht, Schweiß, namentlich bei heftigen Schmerzen.

~Arnica.~ -- Ein Gefühl des Zerquetscht- oder Verrenktseins in den Hand- und Fußgelenken und dem Kreuz mit harten, rothen und glänzenden Anschwellungen, Erstarrungsgefühl in den affizirten Theilen, Schmerzen verschlimmert während der Bewegung. Mag abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen schnell von einem Theil zum andern ziehen und der Patient ein Gefühl der Erstarrung und Lähmung spürt und sein Zustand sich in der kalten Luft verbessert.

~Colchicum.~ -- Bei stechenden, zerrenden Schmerzen, die sich bei Nacht und bei Bewegung verschlimmern.

~Mercurius.~ -- Wenn die Schmerzen durch Bettwärme oder gegen Morgen erhöht werden und der Patient reichlich schwitzt, ohne dadurch Linderung zu erhalten. Mit diesem mag auch ~Lachesis~ gegeben werden.

~Dulcamara.~ -- Wenn der Rheumatismus dadurch erzeugt wurde, daß sich die betreffende Person der kalten Witterung aussetzte, und die Schmerzen sich bei Nacht mit leichtem Fieber einstellen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle eine, zwei oder drei Stunden, indem man die Zwischenräume verlängert, wenn der Patient besser wird.

Wasser leistet gegen diese Krankheit sehr gute Dienste. Es mögen kalte Umschläge, die oft gewechselt werden müssen, auf die affizirten Theile gelegt werden, während welcher Zeit der Patient im Bett wohl zugedeckt bleiben und reichlich Wasser trinken sollte. Nachdem Schweiß erzeugt worden, muß der Kranke von einer bis zwei Stunden im Schweiße erhalten und alsdann mit einem feuchten Handtuch abgewaschen und trocken gerieben werden. Sodann mag er ein warmes Sitzbad nehmen, bis er vollkommen abgekühlt ist.

+Kost.+ Der Patient darf kein Fleisch noch Suppen genießen, selbst nicht lange Zeit nach der Genesung. Seine Nahrung soll aus Hafermehlschleim (~Gruel~), Reis &c. bestehen, wozu Toast- und kaltes Wasser, warme oder kalte Limonade getrunken und Orangen gegessen werden mögen. Der Schmerz wird oft schnell gemildert, wenn man die angeschwollenen Gelenke und affizirten Theile mit loser Wolle oder Baumwollenwatte bedeckt, worauf geöltes Seidenzeug (~Oiled silk~) gelegt wird.

Gegen chronischen Rheumatismus mögen außer den oben genannten Heilmitteln die folgenden gebraucht werden:

~Ignatia.~ -- Schmerzen als ob das Fleisch von den Knochen los wäre und heftiger bei Nacht.

~China.~ -- Wenn sich die Schmerzen beim leichtesten Druck verschlimmern, mit leicht erzeugtem Schweiß und wenn die betreffenden Theile sehr schwach sind.

~Arsenicum.~ -- Bei brennenden, reißenden Schmerzen, die bei Nacht und in der Kälte sich verschlimmern und durch äußere Wärme gelindert werden.

~Phosphorus.~ -- Reißende Schmerzen, durch das geringste Frösteln veranlaßt, Schwindel, Druck in der Brust.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) zwei- oder dreimal den Tag. Erfolgt in 10 oder 14 Tagen keine Besserung, so nehme ein anderes Heilmittel.

=Allöopathisch.= Bei acutem Rheumatismus muß Stuhlgang geschafft werden und zwar mit dem zusammengesetzten Pulver von Leptandrin oder dem zusammengesetzten (~compound~) Jalappenpulver. Sodann erzeuge man mittelst der folgenden Arznei Schweiß:

Grüne Nießwurz-Tinktur (~Tincture of veratrum viride~) 1 Drachme. Schwarze Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) 2 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 1, 2 oder 3 Stunden, bis reichlicher Schweiß erzeugt ist.

Das folgende mag mit guter Wirkung gegeben werden:

Kohlensaures Kali (~Carbonate of potassa~) 2½ Drachmen. Schwefelsaures Kali (~Nitrate of potassa~) 2½ „ Wasser 8 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Einen Eß-Löffel voll dreimal täglich.

Ein anderes werthvolles Heilmittel ist: Zwei Theile Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) und einen Theil Zeitlosenwurzel-Tinktur (~Colchicum root tincture~). Zu geben in Dosen von 40 Tropfen.

Zu Umschlägen mag Laudanum, oder Hopfen, oder Stechapfelblätter gebraucht werden.

Gegen chronischen Rheumatismus ist Guajak-Tinktur (~Tincture of guaiacum~) sehr werthvoll. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich. Auch wird das folgende sehr empfohlen:

Pulverisirter Kampher 2 Grane. Pulverisirtes schwefelsaures Kali (~Nitrate of potash~) 2 „ Pulverisirtes Opium 1 Gran.

Mische dieses und bereite zwei Pulver daraus, von welchen eines Morgens und eines Abends zu nehmen ist.

Das folgende Einreibmittel wird von guter Wirkung sein:

Salatöl 1 Unze. Starker Ammoniak (~Strong ammonia~) 1 „

Mische und reibe die betreffenden Theile damit mittelst eines Flanellzeugstücks.

Oder dieses:

Hemlocköl 2 Drachmen. Majoranöl (~Oil of origanum~) 1 Drachme. Kampher 1 „ Opium 1 „ Alcohol 4 Unzen.

Mische dieses.

Oft wird Linderung bezweckt, wenn man das betreffende Gelenk gut mit Salatöl abwäscht und darauf in Baumwollenwatte einwickelt.

Gicht, Podagra (~Gout~).

Gicht ist dem Rheumatismus sehr ähnlich. Diejenigen, die sehr üppig leben, wenig arbeiten, viel reiche Saucen, starke Weine, Fleischspeisen u. s. w. genießen, sind derselben mehr ausgesetzt als andere.

+Symptome.+ Der Anfall tritt manchmal plötzlich ein, häufig gehen demselben jedoch auch Symptome von Dyspepsie, Kopfweh, Uebelkeit, Kälte in den Füßen und Gliedmaßen, Erstarrungs- oder Kitzelgefühl in den Gliedmaßen und Hartleibigkeit voran. Der Anfall tritt gewöhnlich bei Nacht ein. Der Patient erwacht an einem brennenden Schmerz im Ballen der großen Zehe oder eines kleineren Gelenkes. Der Schmerz wird immer heftiger, oder läßt auch nach 24 Stunden nach. Der Anfall mag sich jede Nacht wiederholen. Wer schon längere Zeit von Gichtanfällen heimgesucht ist, dessen Gelenke werden steif und schwellen an, und um dieselben herum entstehen Gichtknoten (~Chalk stones~). Manchmal zieht sich die Gicht plötzlich von den Gelenken auf ein inneres Organ -- z. B. Magen, Herz und Lungen und alsdann ist die Krankheit außerordentlich gefährlich.

Die Gicht unterscheidet sich dadurch vom Rheumatismus, daß dieser gewöhnlich die größeren Gelenke befällt und von einem Theile zum andern zieht, während die Gicht die kleineren Gelenke affizirt, gewöhnlich die der Hände und der Füße und nicht so leicht sich auf andere Theile zieht. Sodann gehen dem Rheumatismus selten Dyspepsie-Symptome voran, was bei der Gicht beinahe ohne Ausnahme stattfindet.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Gegen diese Krankheit sind dieselben Heilmittel nützlich, die gegen Rheumatismus gebraucht werden, und außer jenen mag genannt werden: ~Antimonium Crudum~, wenn der Anfall mit Uebelkeit begleitet ist; der Schmerz nach dem Essen stärker, sowie in der Nacht, nachdem der Kranke Wein getrunken hat.

Andere Heilmittel sind: ~Ledum~, ~Sabine~, ~Cantharides~.

Gegen chronische Gicht: ~Calcarea~, ~Phosphoric Acid~, ~Aurum Muriaticum~, ~Phosphorus~, ~Iodina~, ~Hepar Sulphur~, ~Sepia~.

=Allöopathisch.= Man gebe einen Theelöffel voll Zeitlosenwein (~Wine of colchicum~) zwei- oder dreimal täglich. Dies ist wahrscheinlich das beste Mittel gegen dieses Uebel. Nachdem Linderung eingetreten, sollten Dosen von 10 Tropfen einige Tage lang gegeben werden, um einen Rückfall zu vermeiden.

Das folgende wird sich als ausgezeichnetes Mittel erweisen:

Zeitlosenwurzel-Wein (~Wine of colchicum root~) 1 Drachme. Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potassa~) 2½ Drachmen. Rochellesalz 2½ „ Pfeffermünzwasser 4 Unzen.

Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal täglich.

Es wird gesagt, daß der reichliche Genuß des Kaffees sehr gut wirke. Man sollte nie kalte Umschläge anwenden, da dadurch die Krankheit sich auf einen anderen Theil des Körpers ziehen mag; jedoch mag man die entzündeten Gelenke mit einer Auslösung von doppeltkohlensaurem Natron (~Bi-carbonate of soda~), worunter warmes Wasser zu mengen ist, waschen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Bade den betreffenden Fuß in warmem, schwachem Saleratuswasser etwa 15 oder 20 Minuten lang und lege sodann einen Umschlag von Stechapfelblättern (~Stramonium leaves~) auf, wodurch gewöhnlich Linderung geschafft wird. Auch wird ein aus schwacher Lauge und Kleie bereiteter und warm aufgelegter Umschlag manchmal gute Wirkung erzeugen.

Ebenso mag das folgende Liniment gute Dienste leisten:

Laudanum 1 Unze. Lobeliaöl ½ „ Rindsklauen- oder Rindsfußöl (~Neatsfoot oil~) 2 Unzen. Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) 1 Unze.

Mische dies.

Der Stuhl sollte geöffnet werden mit je einem Theelöffel voll von pulverisirter Entenfußwurzel (~Powd. mayapple root~) und Cremor Tartari oder anderen Abführmitteln. Hierauf gebrauche folgendes:

Zeitlosensamen-Tinktur (~Tincture of colchicum seed~) 1 Unze. Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Destillirtes Wasser 2 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.

Um dem Patienten Ruhe und Linderung der Schmerzen zu verschaffen, gebe man schwefelsaures oder essigsaures Morphium (~Sulphate or acetate of morphine~). Dosis: ¼ oder ½ Gran alle 1, 2 oder 3 Stunden.

Der Kranke darf durchaus nicht unmäßig essen und trinken, sondern muß in jeder Beziehung sehr mäßig leben, sollte sich viel in freier Luft bewegen und Abends bald zu Bett gehen.

Skropheln (~Scrofula, King’s Evil~).

Der Name dieser Krankheit kommt von dem lateinischen ~scrofa~, das Schwein, und wurde deshalb gewählt, weil dieses Thier diesem Uebel besonders ausgesetzt ist.

Es treten bei verschiedenen Krankheiten skrophulöse Symptome auf; z. B. bei Auszehrung, bei Hüftschmerzen, Kropf, Entzündung des Kniegelenks u. s. w., und die Krankheit wird allgemein als eine Anschwellung der Drüsen am Hals oder an anderen Körpertheilen bezeichnet.

+Symptome.+ Das erste Symptom ist gewöhnlich eine Drüsenanschwellung, namentlich am Halse. Diese Anschwellungen mögen eine lange Zeit vorhanden sein, ohne wund zu werden oder Unbequemlichkeit zu verursachen. In sechs Monaten oder einem Jahr mögen sie so groß werden als ein Hühnerei. Nach und nach spitzen sie sich zu, brechen auf, entzünden sich und entleeren eine wässerige Flüssigkeit, die aussieht wie Molkenwasser und Käsequark. Manchmal fließt diese Materie aus mehreren Oeffnungen. Heilen die Beulen zu, so entstehen häßliche Schmarren und oft setzten sich wieder andere Geschwüre an. Manchmal werden Knochen und Augen durch die Skropheln affizirt. Weiße, zarte Haut, helles Haar, dicke Lippen und ein zarter Körperbau deuten darauf hin, daß der Organismus zu Skropheln geneigt ist.

+Ursachen.+ Die Krankheit vererbt sich gewöhnlich, mag aber auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden, z. B. Aufenthalt in feuchten, schlecht gelüfteten Wohnungen, ungenügende Nahrung, Schmutz, übermäßiger Genuß des Schweinefleischs, Mangel an Bewegung, Masern, Scharlachfieber, Blattern &c.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Der Patient sollte Seebäder gebrauchen und sich am Meeresufer aufhalten, um die Seeluft einzuathmen, muß sich viel Bewegung verschaffen und nahrhafte Kost genießen.

=Homöopathisch.= Die Hauptmittel sind: ~Sulphur~, ~Mercurius~, ~Iodine~, ~Hepar Sulphuris~, ~Baryta~, ~Conium~, ~Belladonna~, ~Lycopodium~, ~Sepia~, ~Calcarea~, ~Rhus Tox~, ~Aurum~, ~China~.

~Sulphur.~ -- Geschwüre an verschiedenen Körpertheilen, Entleerungen aus den Ohren, chronische Anschwellungen der Mandeln; Anschwellen der Drüsen am unteren Kinnbacken, der Armhöhle, am Schamleisten und am Hals, Husten mit Schmerzen in der Brust, keine Lebhaftigkeit und große Empfindsamkeit gegen Kälte.

~Iodine.~ -- Schwindel des Morgens, Ohrensausen, Schmerz im Auge, Heißhunger, Sodbrennen, Speichelfluß, Anschwellen des Halses, Starrheit der Finger, Nachtschweiße.

~Rhus Tox.~ -- Weiche Hautgeschwüre, Entzündung der Augen mit Ausschlag um dieselben herum, chronische Anschwellung der Drüsen, trockener, skrophulöser Ausschlag an verschiedenen Körpertheilen, Steifheit und Lahmheit der Gliedmaßen.

~Belladonna.~ -- Eiternde Drüsenanschwellung, Entzündung und Anschwellen der Knochen, Schmerz im Augapfel mit Hitze und Röthe, Ohrensummen, schmerzende Hautgeschwüre.

~Calcarea.~ -- Geeignet für Fälle, wo die Monatsregel zu früh eintritt und der Blutausfluß zu stark ist. Auch ist es werthvoll für Kinder, die zu Skropheln geneigt sind. Leberthran (~Cod liver oil~) ist ebenfalls ein werthvolles Heilmittel.

+Verordnung der Heilmittel.+ Nehme von dem betreffenden Mittel eine Dosis (4 Kügelchen) alle Abend und gebrauche ein und dasselbe Heilmittel, so lange Besserung dadurch erzielt wird.

=Allöopathisch.= Das folgende wird sehr empfohlen: Jod (~Iodine~) 6 Drachmen, Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1½ Unze (Troy-Gewicht -- 1½ ~Troy ounces~), destillirtes Wasser 1 Pint. Löse die Substanzen auf. Dosis: 5 oder 6 Tropfen in Wasser zweimal täglich.

Ist der Patient bedeutend schwach, so wird Eisen-Iodide (~Iodide of iron~) in Dosen von 25 Tropfen in Wasser, dreimal täglich genommen, treffliche Dienste leisten.

Ehe die Schwären wund werden, wasche man dieselben einigemal täglich mit einer salzsauren Kalkauflösung (~Solution of muriate of lime~), indem man 2 Drachmen aus 1 Unze Wasser nimmt. Sind die Geschwüre entzündet, so lege Umschläge von pulverisirter Ulmenrinde (~Powd. slippery elm~) und Gagel (~Bay berry~), von jedem gleiche Theile, oder Flachssamen, oder Brod und Milch darauf.

Auch wird Ammoniak-Iodide in Dosen von 3 Granen zwei- oder dreimal täglich empfohlen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Man empfiehlt die Jod-Tinktur (~Tincture of iodine~) in Dosen von 20 Tropfen zweimal des Tages in einer Thee-Tasse voll einer Sarsaparilla- oder Eibischwurzel- (~Marsh mallow root~) Abkochung. Die Hauptmittel sind der zusammengesetzte Ampfer-Syrup (~Compound syrup of yellow dock~) und der zusammengesetzte Syrup von Stillingia. Man thut wohl, den einen Syrup einige Wochen zu gebrauchen, sodann den andern und so abwechselnd fortzufahren.

Wenn die Beulen wund sind, so gebrauche das folgende: Salzsaurer Ammoniak 2 Drachmen, destillirtes Wasser 1 Unze; löse den Ammoniak in Wasser auf und füge 1 Unze Sturmhut-Tinktur (~Tincture of conium~) bei. Bringe diese Mischung mittelst eines Stücks Baumwollen- oder Linnenzeugs auf das Geschwür und halte den Lappen mit der Auflösung stets feucht. Auch wird hierzu das zusammengesetzte Belladonna-Pflaster (~Compound plaster of Belladonna~) sehr empfohlen.

Wenn sich Eiterschwären ansetzen, die aufbrechen, so sollten dieselben täglich mit einer Mischung von spanischem Seifenwasser, Alcohol und Wasser ausgespritzt werden, worauf man dieselben mit einem vegetabilischen Aetzmittel (~vegetable caustic~) auswäscht. Nach diesem mag Gagelsalbe (~Ointment of bay berry~), das auf Linnen aufgetragen wird, gebraucht werden. Wenn bedeutende Entzündung vorhanden ist, so lege Nachts einen Ulmenrinde- (~Slippery elm~) oder Gagelumschlag auf.

Hüftentzündung (~Hip Disease, Coxalgia~).

Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut und des Kapselbands des Hüftgelenks, welche oft in Eiterung und Zerstörung der oberen Theile des Hüftknochens endigt. Es ist der Kniegelenk-Entzündung (~white swelling~) sehr ähnlich.

+Symptome.+ Voller Schamleisten, Schmerzen, die stärker werden, wenn der Fuß abwärts hängt, ohne den Boden zu berühren; der Schmerz wird mehr im Knie als in der Hüfte gefühlt und schießt im Bein abwärts bis zum Fuß, das Bein hat das Aussehen als wäre es kürzer als das andere.

Die Behandlung dieser Krankheit sollte einem tüchtigen Arzte übergeben werden.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Der Stuhlgang sollte mittelst Senna oder doppeltkohlensaurem Kali (~Bi-carbonate of potash~) in Ordnung gehalten werden. Die affizirten Theile reibe man mit folgendem Präparat ein:

Pulverisirte Blutwurzel (~Pulv. blood root~) ½ bis 1 Unze. Chlorsaures Zink (~Chloride of zinc~) ½ bis 2 Unzen. Wasser 2 „

Füge genug Waizenmehl bei, um einen dicken Brei bereiten zu können.

Oder dies:

Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) ½ Drachme. Kampherwasser 1 Unze.

Mische dies.

Das folgende Präparat mag eingenommen werden:

Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion of gentian~) 4 Unzen. Kalium-Iodide ½ Unze.

Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gleich nachdem die Krankheit angesetzt hat, lege einen Umschlag von Hopfen, Rainfarn (~Tansy~), Katzenmünze (~Catnip~), Hundskamille (~Mayweed~) oder andern bittern Kräutern auf.

Nachdem der Schmerz durch die Umschläge gelindert ist, mag das folgende gebraucht werden:

Alcohol 1 Pint. Kamphergummi (~Gum camphor~) 1 Unze.

Löse den Kampher auf und füge bei:

Hemlocköl 1 Unze. Sassafrasöl 1 „ Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~) 1 „ Laudanum 1 „

Mische dies und wasche die betreffenden Theile dreimal täglich damit. Zur selben Zeit lege einen Umschlag von Weizen, Kleie, Essig und starker Lauge mit ein oder zwei Löffel voll Salz auf. Tritt Eiterung ein, so lege einen Flachssamen- und Ulmenrinde- (~Slippery elm~) Umschlag auf. Entleert sich der Eiter, so spritze die Höhlungen mit spanischem Seifenwasser (~Castile soap-suds~) und darnach mit einer Auflösung von Holzkohle und schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~) oder mit einem vegetabilischen Arzneimittel aus.

Wird der Kranke schwach, so muß man Stärkemittel (~Tonics~) gebrauchen z. B. folgende:

Gelbwurzel (~Golden seal~) ½ Unze. Enzian (~Gentian~) ½ „ Kamillen-Blume (~Chamomile flowers~) ½ „ Peruvianische Rinde 1½ Unzen. Portwein 1 Pint.

Dosis: von 1 zu 2 Eßlöffel voll zwei- oder dreimal täglich.

=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn sich die Schmerzen bei der geringsten Bewegung vermehren, die Haut roth und glänzend und der Hals trocken ist, und der Kranke brennendes Fieber hat. Man kann ~Mercurius~ darauf folgen lassen.

~Colocynth.~ -- Ist das Hauptmittel gegen diese Krankheit, namentlich wenn der Patient ein Gefühl hat, als wenn ein Band enge um die Hüften und das Kreuz gelegt wäre, und die Schmerzen sich durch den Schamleisten in das Bein ziehen, und die Schmerzen heftiger sind, wenn man auf dem Rücken liegt und der Patient hinkt.

~Mercurius.~ -- Scharfe, schneidende, brennende Schmerzen, die sich bei Nacht oder während der Bewegung verschlimmern, starker Schweiß ohne dadurch Linderung zu erhalten. Es mag ~Belladonna~ darnach gegeben werden. Auch ~Hepar~ kann auf ~Mercurius~ folgen.

~Lachesis.~ -- Abzehrung mit reißenden Schmerzen in dem Gelenk. Ansetzung und Entleerung von Eiterschwären; mag abwechselnd mit ~Silicea~ gegeben werden.

~Silicea.~ -- Wenn die Krankheit eine chronische Form annimmt. Ist Abzehrung eingetreten, so kann diese Arznei abwechselnd mit ~Arsenicum~ und ~Iodine~ verordnet werden.

~Sulphur.~ -- In Fällen wo andere Mittel nicht völlig gewirkt haben.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem betreffenden Mittel eine Dosis (6 Kügelchen) jeden Morgen und Abend. Bei acuten Fällen verordne eine Dosis alle 3 oder 4 Stunden.

Krämpfe.

Unter Krampf versteht man eine plötzliche Zusammenziehung einer oder mehrerer Muskeln, und wird derselbe meistens im Bein verspürt, obgleich manchmal auch Magen und Brust davon befallen werden können.

+Ursachen.+ Wenn man sich plötzlich der Kälte oder feuchter Luft aussetzt, Trinken von kaltem Wasser während man erhitzt ist oder schwitzt, unverdauliche Nahrung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, übermäßige Anstrengung der Muskeln.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Ist das Bein von einem Anfall befallen, so wird gewöhnlich dadurch geholfen, wenn eine Schnur oder ein Sacktuch fest über den affizirten Theil gebunden wird. Auch dadurch, daß man den Fuß zum Schienbein heraufzieht und so fest als möglich gegen dasselbe andrückt, bis der Krampf vorbei ist, wird Linderung verschafft.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Magen vom Krampf befallen, so lege einen Umschlag von gleichen Theilen Laudanum, Kampher, Pfeffermünz-Essenz (~Essence of peppermint~) und Amberöl. Hat der Krampf sich im Bein oder Hals festgesetzt, so kann rother Pfeffer und Whiskey gebraucht werden.

Als ein innerliches Mittel gegen Magenkrampf gebrauche zusammengesetzte Lobelia- und spanische Pfeffer-Tinktur (~Compound tincture of lobelia and capsicum~).

=Homöopathisch.= ~Colocynth~ -- mildert gewöhnlich den in der Nacht eintretenden Krampf. Treten Krämpfe bei Tag ein, so gebe ~Rhus~.

~Veratrum.~ -- Mag jeden Abend gegeben werden, wenn der Anfall häufig eintritt.

~Sulphur~, ~Bryonia~ und ~Sepia~. -- Wird gebraucht, um das Wiederkehren der Krämpfe zu vermeiden.

Befällt der Krampf den Magen, so siehe „Magenweh,“ Theil I, Kapitel 12.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe von der betreffenden Arznei eine Dosis Morgens und Abends.

=Allöopathisch.= Wenn der Magen vom Krampf befallen ist, so lege warme Hopfen-, Rainfarn- (~Tansy~) oder Senfumschläge auf. Gewöhnlich wird durch Morphium, das in Dosen von ¼ Gran gegeben wird, Linderung beschafft.

Kropf (~Goitre -- Derbyshire Neck~)

ist eine Anschwellung der Schilddrüse, welche vornen am Hals ihren Sitz hat. Der Fortschritt des Uebels ist ein sehr langsamer, verursacht keine Schmerzen, und es kommt gewöhnlich in den Gegenden vor, wo Schneewasser, oder stark kalkhaltiges oder erdhaltiges Wasser getrunken wird. Man trifft dasselbe namentlich in Nottinghamshire, Derbyshire und in den Alpen.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Spongia~ -- ist das Hauptmittel gegen diese Krankheit. Dosis: 6 Kügelchen jeden Abend. Von sehr guter Wirkung ist das Abwaschen mit einer Auflösung von Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) in Alcohol verdünnt.

Andere Mittel sind: ~Calcarea~, ~Iodine~, ~Arsenic~, ~Sepia~, ~Silicea~, ~Conium~. Diese Arzneien mögen nach einander gebraucht werden, jedoch sollte man nur eine Dosis täglich verordnen.

=Allöopathisch.= Das folgende wird von guter Wirkung sein:

Zusammengesetzter Sarsaparilla-Aufguß (~Compound Infusion of sarsaparilla~) 1 Pint. Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) ½ Unze.

Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.

Zur selben Zeit gebrauche man das folgende Einreibmittel:

Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Schweinefett 2 Unzen.

Mische dieses.

=Eclectische und Kräuterkur.= Man empfiehlt das folgende:

Jod ½ Gran. Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) ⅛ „ ~Burnt sponge~ 1 „

So viel Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~), um aus der Mischung eine Pillenmasse bereiten zu können. Man gebe dies in einer Dosis und wiederhole zwei- oder dreimal täglich.

Zu gleicher Zeit kann die folgende Salbe gebraucht werden:

Kalium-Iodide (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Jod (~Iodine~) 10 Grane. Schweinefett 1½ Unzen.

Mische dieses, reibe die Anschwellung ein- oder zweimal täglich ein und trage Flanell um den Hals.

Schlaflosigkeit.

Dies ist, wie das Wort andeutet, ein Unvermögen zu schlafen, ohne daß hierfür eine Ursache angegeben werden könnte. Namentlich leiden Säuglinge daran.

++Behandlung.++

=Homöopathisch.= ~Coffea~ und ~Belladonna~ -- Entweder einzeln oder abwechselnd. Eine Dosis (4 Kügelchen) jede Stunde werden gewöhnlich hinreichen, das Nervensystem zu beruhigen.

~Ignatia.~ -- Wenn durch Schmerz oder Unverdaulichkeit erzeugt.

~Hyosciamus.~ -- Namentlich nach einer heftigen Krankheit.

~Opium.~ -- Wenn durch Schrecken oder Furcht hervorgerufen und wenn der Betreffende durch Visionen geängstigt wird.

~Pulsatilla.~ -- Wenn durch Unmäßigkeit im Essen verursacht.

~Aconitum.~ -- Wenn durch Sorge und Aufregung hervorgerufen.

~Nux Vomica.~ -- Wenn durch Studiren oder Kaffeetrinken erzeugt.

Lähmung (~Palsy -- Paralysis~).

Lähmung ist der Verlust der Bewegungskraft und tritt manchmal nach und nach, öfters aber plötzlich ein. Wenn es sich auf ein Glied oder gewisse Körpermuskeln beschränkt, so heißt man die Krankheit „lokale“ Lähmung. Befällt die Lähmung eine Körperseite von Kopf bis zu Fuß, so heißt man dies „halbe Lähmung“ (Hemiplegia). Betrifft sie aber eine Seite des Körpers von den Hüften an abwärts, so wird die Krankheit „Gliederlähmung“ (Paraplegia) genannt. Zittert der Kranke beständig, so heißt man dies „Zitter-Lähmung“ oder „Lähmung durch Schwäche“ (Shaking palsy).

+Symptome.+ Der Anfall tritt gewöhnlich plötzlich ein. Manchmal sind jedoch vorangehende Symptome wahrzunehmen; z. B. Kälte der betreffenden Theile mit mehr oder weniger Erstarrung und leichtem Zucken in den Muskeln.

+Ursachen.+ Lähmung mag durch irgend welche das Gehirn affizirende Ursachen eintreten; z. B. Schlagfluß, der Druck, den Beulen auf gewisse Körpertheile ausüben, Zurücktreten eines Ausschlags, Beschädigungen, Unmäßigkeit, Beschädigungen des Rückgrats.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Ein plötzlicher Anfall muß wie Schlagfluß behandelt werden. Ist die Krankheit chronisch geworden, so sollte man Einreibungen, Pflaster, stimulirende Bäder und Liniments anwenden. Man kann Strychnin mit gutem Erfolg wie folgt anwenden:

Strychnin 2 Grane. Belladonna-Extrakt 5 „ Alcoholischer Extrakt der schwarzen Schlangenwurzel (~Alcoholic extract of black cohosh~) 2 Skrupel.

Mische dieses und bereite 40 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille viermal täglich.

Auch kann das folgende mit Vortheil gebraucht werden:

Brechnuß-Tinktur (~Tincture of nux vomica~) ½ Unze. Sturmhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 2 Drachmen. Flüchtige Guajak-Tinktur (~Volatile tincture of guaiacum~) 2 „

Mische dies. Dosis: 30 Tropfen alle 3 Stunden.

Als Liniment gebrauche man das folgende:

Terpentinöl 2 Theelöffel voll. Kampher-Spiritus 2 „ Ammoniak-Wasser (~Water of ammonia~) 2 „ Olivenöl 2 „

Mische dieses.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gegen einen plötzlichen Anfall schlage die bei Schlagfluß angedeutete Behandlung ein. Nachdem die heftigsten Symptome nachgelassen, gebe eine Dosis irgend welchen Abführmittels, z. B. Senna und Bittersalz, oder ein Klystier von Castoröl, oder Salatöl und warmes Wasser. Der Stuhlgang muß durch Entenfuß (~Podophyllin~) und Ehrenpreis (~Leptandrin~) mit Einspritzungen offen gehalten werden. Zu gleicher Zeit nehme der Patient die folgenden Pillen ein:

Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 40 Grane. Sturmhut-Extrakt (~Extract of aconite~) 20 „ Macrotin 20 „

Bereite hievon 20 Pillen. Dosis: 1 Pille Morgens und Abends.

Oder dies:

Alkoholischer Brechnuß-Extrakt (~Alcoholic Extract of nux vomica~) 8 Grane. Eisen-Oxyd (~Protoxide of iron~) 1 „

Mische dies und theile die Masse in 24 Pillen. Dosis: 2 Pillen zweimal täglich.

Indianischer Hanf ist ein ausgezeichnetes Heilmittel und mag in Aufgußform gebraucht werden. Auch wird es sich als sehr erfolgreich erweisen, wenn der Patient viel vom Aufguß des Mutterkrautes (~Feverfew~) trinkt. Die affizirten Theile sollten täglich mit kaltem Wasser, in welchem Salz aufgelöst ist, gerieben werden.

=Homöopathisch.= ~Rhus tox.~ und ~causticum~ sind werthvolle Arzneien.

Wenn die Lähmung durch Saftverlust hervorgerufen wurde, so gebe ~China~, ~Ferrum~, ~Sulphur~.

Wenn durch Zurücktreten eines Ausschlags oder gewöhnliche Aussonderungen, so gebe ~Lachesis~, ~Causticum~, ~Sulphur~.

Wenn durch Schlagfluß -- ~Ipecac~, ~Lycopodium~, ~Lachesis~.

Wenn die Gesichtsmuskeln gelähmt sind -- ~Belladonna~, ~Causticum~, ~Graphites~.

Sind die Zungenmuskeln gelähmt -- ~Belladonna~, ~Stramonium~, ~Hyosciamus~, ~Opium~, ~Lachesis~.

Wenn die Armmuskeln -- ~Belladonna~, ~Nux vomica~, ~Opium~, ~Lycopodium~, ~Lachesis~.

Wenn die Muskeln der untern Gliedmaßen -- ~Cocculus~, ~Nux vomica~, ~Opium~, ~Stannum~, ~Silicea~.

In der Behandlung dieser Krankheit können Elektrizität und Galvanismus mit sehr gutem Erfolg in Anwendung kommen. Der Patient sollte viel in kaltem Wasser baden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Nehme von dem betreffenden Heilmittel 1 Dosis (4 Kügelchen) zwei- oder dreimal täglich.

+Bemerkung.+ Diese Krankheit sollte von einem Arzt behandelt werden.

Säuferwahnsinn (~Delirium Tremens -- Mania a Potu.~)

Diese Krankheit betrifft namentlich die Trunkenbolde.

+Symptome.+ Sie beginnt gewöhnlich mit Uebelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, worauf bald unablässiges Geschwätz, Zittern der Gliedmaßen, Ruhelosigkeit und Toben eintritt. Der Puls ist schnell und die Symptome verschlimmern sich mit dem Fortschritte der Krankheit; der Kranke schwatzt in einem fort, macht sich fortwährend mit dem Bett zu schaffen, stellt sich vor, Personen, Schlangen, Hexen, Käfer, Insekten &c. zu sehen. Er lacht und weint gleich darauf, und hat schreckliche Visionen; seine Augen sind blutunterlaufen und haben einen eigenthümlichen Ausdruck; das Gesicht ist blaß, abgehärmt und entstellt. Er mag am Schlagfluß sterben oder aus Schwäche oder nach und nach dem Tod entgegen gehen.

+Ursachen.+ Die gewöhnliche Ursache ist die, wenn einer, der gewohnt war, viel geistige Getränke zu genießen, plötzlich davon absteht; auch trifft den Trunkenbold diese Krankheit manchmal mitten in seinem liederlichen Leben. Gewöhnlich tritt das Delirium 4 bis 5 Tage, nachdem die durch das Getränk erzeugte Aufregung vorbei ist, ein.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Dr. John King empfiehlt das folgende Mittel:

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 8 Grane. „ Morphium (~Sulphate of Morphine~) 1 Gran.

Mische dieses und bereite vier Pulver daraus. Dosis: 1 Pulver jede Stunde, oder bei sehr heftigen Anfällen alle halbe Stunde für die ersten zwei oder drei Tage. Nachdem man mit diesem Pulver eine Zeitlang fortgesetzt hat, sollten die Zwischenräume verlängert werden, damit das Morphium den Organismus nicht zu sehr affizirt. Bald nach dem Einnehmen der ersten Dosis gebe man dem Patienten einen Eßlöffel voll Brandy mit ein wenig Wasser und Zucker, was so oft als nöthig wiederholt werden sollte. Auch mag Opium in Dosen von 3 Gran, was alle Stunde für 3 oder 4 Stunden lang wiederholt wird, gegeben werden. Anstatt Opium kann man auch Laudanum brauchen in Dosen von 60 Tropfen oder einem kleinen Theelöffel voll in ein wenig Branntwein, was alle 1, 2 oder 3 Stunden wiederholt wird. Wenn der Patient sich von dem Anfall erholt, gebe man ein Brechmittel von gleichen Theilen Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~). Man sollte dem Kranken den Genuß kleiner Quantitäten Brandy oder anderer Spirituosen gestatten.

=Homöopathisch.= Opium ist das Hauptmittel. Man gebe 1 oder 2 Tropfen der verdünnten Tinktur alle 1 oder 2 Stunden wenigstens während 24 Stunden. Andere Heilmittel, die nach diesem gebraucht werden können, sind: ~Belladonna~, ~Nux vomica~, ~Hyosciamus~, ~Stramonium~, ~Digitalis~. Jede Arznei sollte wenigstens 24 Stunden lang eingenommen werden. Dosis: 6 Kügelchen alle 3 bis 4 Stunden.

Wenn der Patient in wachendem oder schlafendem Zustande schreckhafte Visionen hat und oft aufschreit, so gebe ~Calcarea carbonica~.

Wenn durch nichts anderes Schlaf hervorgebracht werden kann, so verordne Arsenik und Lobelia, abwechselnd zu nehmen; eine Dosis alle 1 oder 2 Stunden

=Allöopathisch.= Gebe ½ Gran Morphium. Hat diese Dosis nicht den Erfolg, den Patienten zu beruhigen, so verordne 30 Tropfen Laudanum, alle 2 bis 3 Stunden, bis Schlaf eintritt. Der Kranke kann reichlich Hopfenthee trinken und man gebe ihm 1 Gran Opium alle 3 oder 4 Stunden. Auch ist ihm der Genuß von Ale oder Porter zu gestatten, oder Brandy in kleinen Quantitäten. Manchmal erweist sich ein warmes Bad, in welchem der Kranke mehrere Stunden lang bleibt, sowie kalte Umschläge um den Kopf sehr erfolgreich.

Fallsucht (~Epilepsy~).

Es sind die Kinder, die oft von der Fallsucht oder fallenden Krankheit befallen werden. Dieselbe ist gekennzeichnet durch plötzliche Bewußtlosigkeit und Zuckungen. Die Krankheit ist chronisch und endet häufig im Wahnsinn.

+Symptome.+ Der Anfall tritt plötzlich ein, wobei der Kranke laut aufschreit, niederfällt und bewußtlos wird. Er schlägt um sich, schäumt am Munde, sein Gesicht färbt sich, er athmet sehr heftig und sein Kopf wird von einer Seite auf die andere gezerrt. Die Augen öffnen sich oft, stieren in die Welt hinaus und schließen sich plötzlich wieder; die Zähne sind fest gegen einander gedrückt, wodurch Knirschen entsteht. Manchmal geht dem Anfall ein sonderbares Gefühl voraus, das von einem kühlen Wind oder kriechenden Insekt herzurühren scheint und welches von den Gliedmaßen oder einem andern Körpertheil nach dem Kopf zieht, und wenn es hier gefühlt wird, so tritt der Anfall ein. Dieses Gefühl heißt man ~aura epileptica~. In manchen Fällen sind die Symptome jedoch durchaus nicht so heftig und der Patient wird bloß für einen Augenblick bewußtlos.

+Ursachen.+ Manchmal vererbt sich diese Krankheit, sie wird aber auch durch Würmer, unverdauliche Speisen, Zahnen, geschlechtliche Ausschweifungen, Selbstbefleckung, Störungen der Mutter, Hirn- oder Rückgratskrankheiten, Nierenstein, Furcht, Leidenschaft und geistige Leiden verursacht.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Man hat zu verhüten, daß sich der Patient nicht selbst beschädige. Die Kleider sollten an dem ganzen Körper geöffnet und ein Kork oder irgend ein anderer weicher Gegenstand zwischen die Zähne gebracht werden, um die Verwundung der Lippen und Zunge verhüten. Während des Anfalls wende man nur soviel Gewalt an, als nöthig ist, um den Kranken abzuhalten, sich wehe zu thun.

Das erste zu gebrauchende Mittel ist ~Belladonna~.

Ist das Gesicht dunkel und geschwollen, der Athem schwer und schnarrend, so gebe ~Opium~, ~Stramonium~, ~Ignatia~, ~Hyosciamus~. Auch kann ~Coffea~ verordnet werden, namentlich wenn der Anfall durch Furcht, große Demüthigung oder andere Gemütsbewegungen herbeigeführt wurde.

Wenn zahnende Kinder die Fallsucht bekommen, so verordne ~Chamomilla~, ~Coffea~, ~Hyosciamus~.

Wenn die Augen blutunterlaufen sind, der Mund schäumt und Gesicht wie Glieder verzerrt sind, ~Cicuta~ und ~Stramonium~.

Wurde der Anfall durch große Aufregung, Würmer oder große Hitze herbeigeführt und schreit der Kranke, indem er heftige Zuckungen hat, mit den Zähnen knirscht und schäumt, so gebe ~Hyosciamus~, ~Ignatia~ und ~Cocculus~.

Ist der Anfall durch Unmäßigkeit im Trinken, oder geschlechtlichen Genuß oder verdorbenen Magen verursacht, so verordne ~Nux vomica~.

Wenn Trunkenbolde von Epilepsie angefallen werden, ~Nux Vomica~.

Wenn entstanden durch Rücktritt eines Ausschlags, ~Ipecac~, ~Belladonna~ oder ~Cuprum~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe von der betreffenden Arznei eine Dosis (6 Kügelchen) ein- oder zweimal täglich.

=Allöopathisch.= Während der Anfälle befolge man die bei der homöopathischen Behandlung gegebene Weisung.

Der Stuhlgang muß in Ordnung gehalten werden, auch lege man Senfpflaster längs des Rückgrats hinab. Baldriansaures Zink (~Valerianate of zinc~) wird empfohlen. Man gibt anfänglich 1 Gran zweimal täglich und vermehrt die Dosis allmählig zu 3 bis 4 Granen. Auch wird Bromsaures Kalium (~Bromide of potassium~) empfohlen. Dosis: Von 10 bis 20 Granen zwei- oder dreimal täglich und damit eine sehr lange Zeit fortzufahren.

Die folgende Arznei ist werthvoll:

Citronensaures Eisen und Strychnin (~Citrate of iron and strychnine~) 1 Drachme. Orangenschalen-Syrup 2 Unzen. Weiches Wasser ½ Pint.

Mische dieses und gebe einen Theelöffel voll dreimal täglich. Diese Arznei stärkt das Nervensystem.

Man sagt, daß, wenn man ein schwarzseidenes Sacktuch über das Angesicht des von der Fallsucht betroffenen werfe, derselbe sogleich von dem Anfall befreit werde.

=Eclectische und Kräuterkur.= Während der Anfälle befolge man die bei der homöopathischen Behandlung gegebene Anweisung:

Die folgenden Pillen werden sehr empfohlen:

Jod (~Iodine~) 24 Grane. Belladonna-Extrakt 6 „ Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 4½ „

Genug Syrup, um eine Pillenmasse zu bereiten. Reibe die Arzneien zu einem feinen Pulver und füge alsdann den Syrup hinzu. Bereite 48 Pillen; Dosis: Eine Pille eine Stunde nach jeder Mahlzeit.

Zur selben Zeit gebrauche folgende Pillen:

Blausaures Eisen (~Prussiate of iron~) 4 Skrupel. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 4 „ Schwarzer Schlangenwurzel-Extrakt (~Extract of black cohosh~) 4 „

Mische die Pulver gut, füge alsdann den Extrakt bei und bereite eine Pillenmasse und aus derselben 48 Pillen, von welchen eine Stunde vor jeder Mahlzeit eine zu geben ist.

Ein aus folgenden Substanzen zusammengesetztes Liniment wird gute Dienste leisten:

Majoranöl (~Oil of origanum~) } Pfeffermünzöl (~Oil of peppermint~) } Amberöl } Gleiche Theile. Kampher } Stechapfelsamen-Tinktur (~Tinct. of Stram. seeds~) }

Mische dieses und reibe damit jeden Abend den Rückgrat ein.

In manchen Fällen wird der folgende Aufguß sehr gut wirken:

Schildkraut-Aufguß (~Infusion of scullcap~) 1 Unze. Pfingstrosen-Aufguß (~Infusion of peony root~) 1 „ Baldrian-Aufguß (~Infusion of valerian~) 1 „ Pfirsichblätter-Aufguß 1 „ Sassafras-Aufguß 3 Unzen.

Von dieser Mischung hat der Kranke einen Theelöffel voll in einem halben Pint kochendem, versüßtem Wasser öfters zu trinken.

Veitstanz (~St. Vitus’ Dance -- Chorea~).

Diese Krankheit kommt namentlich unter Kindern vor.

+Symptome.+ Die Krankheit affizirt die Muskeln der Gliedmaßen, des Gesichts und anderer Körpertheile, und manchmal werden die Muskeln dermaßen verzerrt, daß dadurch der Gang, das Sprechen oder das Essen gestört werden.

+Ursachen.+ Würmer, starke Gemüths-Bewegungen, Schrecken, Fälle, übermäßiger Geschlechtsgenuß, Selbstbefleckung und andere Ursachen, die Schwäche des Nervensystems zur Folge haben.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Alle Veranlassungen zur Aufregung müssen entfernt und vermieden werden. Der Patient muß sich viel in freier Luft bewegen, gute Kost genießen und oft in kaltem Wasser baden.

=Allöopathisch.= Der Stuhlgang sollte mittelst eines milden Abführmittels regulirt werden, und wenn das Nervensystem sehr geschwächt ist, so gebe man das folgende:

Zink-Oxyd (~Oxide of zinc~) 2 Drachmen. Schierling-Extrakt (~Extract of cicuta~) 2 Skrupel.

Mische und bereite 48 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille dreimal täglich.

Neuerdings hat man die Calabarbohne empfohlen. Dosis: Eine halbe Drachme der Tinktur oder von 1 zu 6 Granen des Pulvers dreimal täglich.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Schildkraut- (~Scullcap~) Aufguß wird sich als sehr wohlthätig wirkend erweisen. Der Patient sollte täglich von ½ Pint bis ein Pint trinken. Auch der Mutterkraut-Aufguß (~Infusion of feverfew~) ist werthvoll.

Ein Mittel zur Stärkung des Nervensystems ist das folgende:

Beinewurz (~Comfrey root~) 1 Unze. Nardenwurzel (~Spikenard root~) 1 „ Columbowurzel ½ „ Enzianwurzel (~Gentian root~) ½ „ Kamillenblumen (~Chamomile flowers~) ½ „

Quetsche die Wurzeln und gieße ein Pint kochendes Wasser daran. Ist die Masse kalt, so füge ein Quart Madeirawein bei. Dosis: ½ Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.

Ohnmacht (~Fainting -- Syncope~).

Der Ohnmacht geht ein Schmerz in der Herzgegend, Schwindel im Kopf, Verwirrung der Gedanken, kalte Hände und Füße, Dunkelheit der Augen und Schwächerwerden des Pulses voraus. Das Gesicht wird todesblaß, die Person wird mehr oder weniger bewußtlos.

+Ursachen.+ Was immer Schwäche, namentlich des Nervensystems, erzeugt, plötzliche Ueberraschungen und Gemütsbewegungen, bedeutende Schmerzen, große Hitze, gewisse Ausdünstungen &c.

+Behandlung.+

Man lege den Patienten auf den Rücken, lasse frische Luft zutreten, spritze sein Gesicht mit frischem Wasser oder Ammoniakwasser und reibe Arme und Beine. Unter die Nase kann man Kampheräther oder Essig halten. Sobald der Kranke schlingen kann, gebe man einen Theelöffel voll des zusammengesetzten Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of lavender~) mit 10 oder 12 Tropfen beigefügtem Ammoniak.

Personen, die Ohnmachtsanfällen ausgesetzt sind, sollten stark besuchte Versammlungen, wo die Luft schlecht wird, meiden, keine Cravatten, noch enge Kleider tragen.

=Homöopathisch.= Gegen die schlimmen Folgen, die ein Anfall namentlich auf das Nervensystem haben mag, verordne:

Wenn der Anfall durch Schrecken verursacht: ~Aconite~, ~Opium~, ~Veratrum~, ~Staphysagria~.

Durch große Freude: ~Coffea~, ~Opium~, ~Aconite~.

Durch Zorn: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Chamomilla~.

Durch große Schmerzen: ~Veratrum~, ~Aconite~, ~Chamomilla~.

Durch geringe Schmerzen: ~Hepar~, ~Sulphur~.

Durch Trauer oder Demüthigung: ~Ignatia~, ~Colocynth~, ~Phosphoric Acid~, ~Mercury~, ~Staphysagria~.

Durch Furcht: ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~, ~Opium~.

Durch Blutverlust &c.: ~China~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Veratrum~. Auch kann man ein wenig Brandy in Wasser geben.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in einem halben Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle 5 oder 10 Minuten.

Tritt nach einer halben Stunde keine Besserung ein, so bereite ein anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise.

Scheintod durch Hunger (~Apparent Death from Hunger~).

Hat eine Person durch Hunger bedeutend gelitten, so darf man ihr anfänglich nicht zu viel Nahrung reichen, was tödtlichen Erfolg haben könnte. Man spritze ihr vielmehr ein wenig Milch, Rind- oder Hammelfleischbrühe ein. Sobald sie schlingen kann, gebe man warme Milch, Tropfen nach Tropfen; nach und nach vermehre die Quantität, bis der Patient einen Theelöffel voll zu nehmen im Stande ist. Darauf kann man einige Tropfen Wein oder Brandy folgen lassen. Reis-, Gersten- und Toastwasser kann auch gebraucht werden. Alle 10 oder 15 Minuten reiche man Nahrung, und wenn der Patient besser fühlt, kann man Fleischthee oder Fleischbrühe in kleinen Quantitäten reichen.

Scheintod durch Ertrinken (~Apparent Death from Drowning~).

Die folgende Methode wird von Marschall Hall angewendet:

1. Bringe den Patienten sogleich in freier Luft unter Behandlung, indem man Gesicht, Hals und Brust dem Luftzug, außer in kalter Witterung, aussetzt.

2. Um den Hals von Wasser &c. zu reinigen, lege den Betreffenden sachte auf das Gesicht, indem das eine Handgelenk unter seine Stirne zu liegen kommt, damit alle Flüssigkeiten sich aussondern und selbst die Zunge aus dem Halse hängt, auf daß die Luft freien Zugang zur Luftröhre habe.

3. Um das Athmen wieder zu bewerkstelligen, drehe den Kranken ein wenig auf die Seite und bringe reizende Stimulanten unter seine Nase, z. B. verdünnten Ammoniak (~Ammonia~), Kampher &c.

4. Wärme das Gesicht durch tüchtiges Reiben und dann bespritze es mit kaltem Wasser.

5. Ist die Behandlung bis hierher nicht erfolgreich, so verliere man keine Zeit. Lege den Patienten auf das Gesicht und drehe den Körper vorsichtig aber gänzlich auf die Seite und dann wieder aufs Gesicht, und so abwechselnd. Wiederhole dies ruhig und nachhaltig, fünfzehnmal in der Minute. Liegt der Patient auf dem Gesicht, so wird die Brust durch das Gewicht des Körpers gedrückt, wodurch das Ausathmen befördert wird, dreht man ihn auf die Seite, so wird dieser Druck dadurch entfernt, was das Einathmen beschleunigt.

6. So lange der Patient auf dem Gesicht liegt, so drücke längs des Rückgrats mit der Hand stetig aber fest und lasse damit nach, unmittelbar ehe er wieder auf die Seite gedreht wird. Der Druck beschleunigt die Ausathmung, das Drehen die Einathmung.

7. Reibe die Gliedmaßen tüchtig mit Ausübung eines festen Drucks und mit Energie sowohl vorwärts als rückwärts, um den Blutlauf in den Adern zum Herzen zu befördern.

8. Ziehe die nassen Kleider des Patienten aus und bekleide ihn womöglich mit trockenen, wie sie eben beschafft werden können. Jeder der Umstehenden liefere einen Rock, Mantel u. s. w. dazu. Während dieser Zeit spritze man dem Kranken, um die Einathmung anzuregen, kaltes Wasser mit der Hand ins Gesicht.

9. Reibe den Körper tüchtig, bis er warm und trocken ist, sodann spritze kaltes Wasser darüber und beginne aufs neue zu reiben.

Scheintod durch Erfrieren (~Apparent Death from Freezing~).

Der Patient sollte sorgsam entkleidet und ganz mit Schnee überdeckt werden, so daß blos Mund und Nase frei sind; sowie der Schnee schmilzt, muß anderer aufgeschaufelt werden. Ist kein Schnee zu haben, so bringe die betreffende Person in ein eiskaltes Bad und lasse sie 10 oder 15 Minuten in demselben. Sodann bringe sie heraus und bedecke sie mit Säcken, die mit Eisstücken gefüllt sind. Sobald die Steifheit der Muskeln etwas nachgelassen, trockne den Körper sorgsam ab und bringe ihn in ein in einem kalten Zimmer stehendes kaltes Bett und reibe den Körper unter den Bettdecken mit den warmen Händen. Hiermit muß man stundenlang fortfahren. Sobald sich Lebenszeichen kund geben, so spritze man ein kleines Kampher- und Wasser-Klystier ein, und lasse zu gleicher Zeit einen Tropfen von Zeit zu Zeit auf die Zunge träufeln. Aeußern sich noch mehr Lebenszeichen, so gebe ein kleines Klystier von schwarzem Kaffee und Milch und flöße ihm das Gleiche in kleinen Quantitäten durch den Mund ein.

Dieselben Mittel, die gegen Scheintod durch Ertrinken angegeben wurden, mögen angewandt werden.

Scheintod durch Erhängen (~Apparent Death from Hanging~).

Die Person sollte sogleich vom Strick losgeschnitten und gänzlich entkleidet werden, worauf man die Anweisung, die unter Scheintod durch Ertrinken angegeben ist, befolgt.

Scheintod durch Blitzschlag (~Apparent Death from Lightning~).

Bringe den Körper in die frische Luft, gieße kaltes Wasser über denselben und bedecke ihn, wenn möglich, mit Ausnahme des Gesichts mit frischer Erde. Erholt sich der Patient, so bringe man ihn in ein helles, sonniges Zimmer, wo er sich längere Zeit ruhig halten sollte.

Scheintod durch schädliche Dünste (~Apparent Death from Noxious Vapors~).

Bringe den Körper in die frische Luft und begieße das Gesicht, den Kopf und den ganzen Körper mit kaltem Wasser. Unter die Nase mag man starken Essig halten. Die unter Scheintod durch Ertrinken gegebene Anweisung sollte befolgt werden.

Scheintod durch einen Fall oder Schläge (~Apparent Death from Falls or Blows~).

Mische 5 Tropfen Wolverlei-Tinktur (~Tincture of arnica~) mit einem Trinkglas voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Minuten, bis mehrere Dosen eingenommen sind. Die durch den Fall oder Schlag beschädigten Theile sollten mit einer Mischung von Arnica-Tinktur und kaltem Wasser gewaschen werden. Auch mögen Einspritzungen von derselben Mischung gebraucht werden.

Scheintod durch heftige Aufregung (~Apparent Death from Violent Mental Emotions~).

Siehe Ohnmacht.

Zweites Kapitel.

Das Krankenzimmer.

Die Krankenpflege.

Das Krankenzimmer sollte groß und luftig sein und womöglich mit den Fenstern nach dem Norden liegen; dabei sollten die Fenster so eingerichtet sein, daß sie von oben herunter gezogen werden können. Ein Kamin (nicht ein Ofen) im Zimmer ist vorzuziehen, da dies den Wechsel der Luft befördert. Alle unnöthigen Möbel mögen entfernt werden und womöglich wähle zwei neben einander liegende Zimmer mit einem Bett in jedem, damit der Patient jeden Morgen und Abend von einem Bett in das andere gebracht werden kann. Die Betttücher müssen sogleich umgewendet und gehörig gelüftet werden. Auch die Matratze sollte öfters gelüftet werden. Wichtig ist es auch, die Temperatur auszugleichen, dieselbe sollte nie über 65 oder unter 55 Grad Fahrenheit sein und der Kranke darf nie von einem Frostschauer überfallen werden. Ordnung und Reinlichkeit müssen in einem Krankenzimmer streng beobachtet werden; viele Dinge, welche zu anderen Zeiten unbeachtet bleiben, machen auf den Patienten einen sehr üblen Eindruck. Die Stühle müssen sogleich nach der Entleerung entfernt werden und das Bettzeug sollte alle zwei oder drei Tage gewechselt werden. Die reine Bettwäsche lüfte und trockne man gehörig, bevor man sie in Gebrauch nimmt. Bei Krankheiten von langer Dauer und bei solchen von ansteckendem Charakter wechsele man das ganze Bett und dessen Inhalt ein- oder zweimal während der Krankheit.

Das Kochen in dem Krankenzimmer ist ganz unpassend und ebensowenig sollte irgend eine Speise in einem Krankenzimmer oder in dessen unmittelbarer Nähe aufbewahrt werden. Wenn es nicht unangenehm für die Kranken, gestatte man dem Lichte freien Zutritt. Das Krankenbett sollte in einer Matratze bestehen oder gehörig mit angefüllt sein; unter keinen Umständen sollte man sich der Federn bedienen. Räucherungen und Desinficiren sind in einem Krankenzimmer nicht statthaft. Es ist eine allgemeine Regel, das, was immer die Luft vergiften könnte, wie die Entleerung des Kranken, sogleich hinaus zu schaffen, und damit fällt die Nothwendigkeit zur Räucherung hinweg.

Ferner ist es von Belang, Ruhestörungen zu meiden. Eine kranke Person wird allenfalls das Geräusch auf der Straße und in der Nähe des Hauses ertragen, während ein bloßes Flüstern im eigenen Zimmer störend, vielleicht sehr schädlich einwirken kann. Lasse den Wärter keine knarrenden Schuhe tragen und gestatte dem Kinde keinen Zutritt in das Zimmer, noch den Aufenthalt in dessen Nähe. Alle Besuche oder Unterredungen, die den Kranken aufregen oder ermüden, sind sehr nachtheilig. Nie lasse man den Kranken aus dem Schlafe stören.

Die Wärterin sollte stets ruhig, kalt und gelassen und muß im Stande sein, alle unangenehmen Gefühle zu unterdrücken und Güte den Patienten gegenüber an den Tag zu legen. Zeigen sich gefährliche Symptome, so ist die Selbstbeherrschung von größter Wichtigkeit. Nothwendig ist es, daß dieselbe hinreichende Kraft besitzt, den Kranken in und aus dem Bette zu bringen und ihn, je nachdem es nothwendig ist, zurecht zu legen. Sie muß gesund und keinen plötzlichen Krankheitsfällen unterworfen sein. Ferner ist es wichtig, daß sie freundlich, mitleidig und gutmüthig ist.

Viel tragen solche Eigenschaften einer Wärterin zur Beschleunigung einer Wiedergenesung bei. Vor Allem muß sie genau der Anweisung des Arztes Folge leisten und darf es nicht unternehmen, selbst andere Mittel zu verschreiben, oder andere Anweisungen zu geben, wenn solche nicht ihrem eigenen Ermessen nach unbedingt nothwendig werden. Veränderungen in der Behandlung werden zuweilen während der Abwesenheit des Arztes nothwendig, aber der Wechsel muß mit Umsicht geschehen, und sie darf dem Arzte irgend welche Veränderungen, die während seiner Abwesenheit vorgenommen worden sind, nicht verheimlichen.

Zubereitung der Speisen für Kranke und Wiedergenesende.

Es ist sehr genau zu bestimmen, welche Kost Kranken zu reichen ist; häufig kann ein leichter Diätfehler sehr schlimme Folgen nach sich ziehen. Nicht selten wünscht der Kranke gerade das, was ihm am meisten schädlich ist. Je weniger Nahrungsmittel bei starkem Fieber oder Entzündung genommen werden, desto besser wird es sein, und erst nachdem das Fieber nachgelassen hat, ist eine leichte Kost statthaft.

Verursacht irgend ein Nahrungsmittel eine erhöhte Thätigkeit des Herzens, des Pulses, Kopfschmerz, oder Schmerzen in dem Magen oder in den Eingeweiden, so ist dies ein Anzeichen, daß dasselbe schädlich ist. Der Kranke sollte nie zum Essen genöthigt werden; er kann besser, als irgend Jemand anders sagen, was er wünscht. Hat er ein besonderes Verlangen nach irgend etwas, so wird im Allgemeinen angenommen, daß ihm dies gut thun wird.

Wenn sich der Patient nach einer Krankheit wieder bessert, aber noch schwach ist, obgleich er allmählig wieder an Kraft zunimmt, so muß der Kost große Aufmerksamkeit geschenkt werden. In Bezug auf die Speisen, welche zu gestatten sind, muß erinnert werden, daß dieselben vor Allem leicht und nahrhaft sein müssen. Milch ist ebenso leicht, als irgend etwas Anderes, verdaulich und kann jederzeit während der Krankheit oder Wiedergenesung ohne Nachtheil gegeben werden; nur sollte sie stets unmittelbar von der Kuh weg gebraucht werden, denn nachdem sich Sahne gebildet hat, ist sie unverdaulich. Eier, in heißes Wasser geschlagen und leicht gekocht, können ebenfalls gestattet werden. Gekochter Reis ist leicht verdaulich, und während der Wiedergenesung sind Rindfleisch-Thee, Hammelfleisch-Brühe und Hühner zuträglich. Früchte sind zuweilen sehr empfehlenswerth und zu andern Zeiten höchst schädlich. Bei Fieber wird der Saft reifer Orangen sehr erquicken; der fleischige Theil sollte aber stets entfernt werden. Weintrauben mögen gestattet werden, aber man vermeide sorgfältig das Verschlucken der Körner oder Schalen. Ferner gestatte man Citronensaft, Limonade, den aus den Erdbeeren gepreßten und durchgeseiheten Saft. Heißes Wasser über zerquetschte Datteln (~tamarinds~), Pfirsiche &c., welches man abkühlen läßt, wird zuträglich sein. Thee, Kaffee, Cacao und Chocolate gestatte man weder Kranken noch Wiedergenesenden. Zwieback-Wasser möge als Getränk dienen. Kaltes Wasser kann zu allen Zeiten, wenn es nicht unangenehme Symptome nach sich zieht, mit Vortheil gegeben werden. Reis-, Gerste- und Apfelwasser sind gute Getränke. Gekochter Fisch ist gewöhnlich leicht verdaulich, ebenso Austernbrühe, Schellfisch sollte dagegen verboten werden. Gemüse, wie gekochte Kartoffeln, gekochte rothe Rüben und gekochte Zwiebeln können ohne Nachtheil gegessen, sollten aber in zwei Wassern, bis sie ganz weich sind, gekocht werden.

Brauchbare Anweisungen.

+Haferschleim+ (~Gruel~) &c. zuzubereiten, ist folgendes ein ausgezeichnetes Recept:

Gieße ein Quart heißes Wasser in ein reines irdenes oder Blechgefäß über einem lebhaften Feuer; kocht es, so füge zwei große Eßlöffel voll Korn- oder Hafermehl hinzu, mische es mit gerade Wasser genug, um es zu verdicken, gebe ein Stück Butter in das Wasser, und wenn zerschmolzen, füge das Mehl hinzu und rühre es ungefähr eine halbe Stunde lang um; dann gebe einen Theetassenkopf voll süße Milch hinzu, und wenn es wieder kocht, werfe die obere Rinde von hartgebackenem Brode, in kleine Stücke geschnitten, hinein, lasse es einige Zeit kochen und füge schließlich noch ein wenig schwarzen Pfeffer, ein wenig Salz, eine Prise geriebene Muscatnuß, noch ein wenig Butter und einen Theelöffel voll französischen Branntwein (~French Brandy~) bei. Butter, Gewürz und Branntwein müssen ausgelassen werden, sobald der Fall ein bedenklicher ist.

+Rindfleisch-Thee+ (~Beef Tea~). Man nehme ein Pfund mageres Rindfleisch, schneide es fein, thue es in eine gut verschlossene Flasche und lege dieselbe in einen Kessel warmen Wassers; lasse das Wasser eine geraume Zeit kochen, dann sollte die Flasche herausgenommen und deren Inhalt ausgegossen werden. Man salze den Thee ein wenig und gebe jedesmal einen Theelöffel voll.

Eine andere Weise, denselben zuzubereiten, ist folgende:

Man nehme eine dicke Fleischschnitte (~steak~), röste sie leicht auf einem Bratrost und drücke sie dann gehörig mit einer Citronenpresse aus. Der Saft, welcher auf diese Weise herausgepreßt wird, wird sehr nahrhaft sein.

+Zwieback+- (~Toast~)+Wasser.+ Röste ein Stück Brod leicht, füge kochendes Wasser hinzu und, wenn vorgezogen, versüße es. Es mag mit Orangenschale schmackhaft gemacht werden.

+Leinsamen-Thee.+ Man nehme eine Unze Leinsamen, ein wenig gestoßene Lackritzenwürzelchen, und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, stelle das Gefäß 4 Stunden lang an’s Feuer und seihe es dann durch ein leinenes oder baumwollenes Tuch.

+Gerstenkaffee.+ Röste Gerste hübsch braun und koche einen Eßlöffel voll davon in einem Pint Wasser 5 Minuten lang, seihe es durch und füge, wenn gewünscht, ein wenig Zucker hinzu. Ein nahrhafter Trank bei Abnahme von Fieber und während der Wiedergenesung.

+Hafermehlkaffee.+ Mische gewöhnliches Hafermehl mit Wasser, um einen Kuchen daraus zu machen, backe es braun, pulverisire es und koche dasselbe 5 Minuten lang in Wasser; gut zur Einhaltung hartnäckigen Erbrechens, besonders bei ~Cholera morbus~.

+Eierbranntwein.+ Nimm das Gelbe von zwei Eiern, schlage es gehörig, füge eine halbe Unze weißen Zucker und ein wenig Zimmetwasser oder zwei Tropfen Zimmetöl hinzu. Mische es gehörig und füge ein Weinglas französischen Branntwein (~French Brandy~) hinzu.

+Milchpunsch.+ Ein Theelöffel voll Zucker und hinlänglich Wasser, um denselben aufzulösen; gieße zwei Gills oder Theebecher voll Milch hinein, und es beständig umrührend, füge nach und nach ein oder zwei Theelöffel voll Branntwein oder Rum bei.

/Egg nog/ (deutsch: Eierpunsch). Ein Theelöffel voll Zucker gehörig mit einem Ei vermischt und dem eine Gill oder ein Theetassenkopf voll Milch und ein oder zwei Theelöffel voll guter französischer Branntwein hinzugefügt wird. Würze es mit geriebener Muskatnuß.

+Salbeithee.+ Trockene Salbei- (~Sage~) Blätter eine halbe Unze, kochendes Wasser ein Quart; lasse es eine halbe Stunde lang ziehen, seihe es durch und füge Zucker und Limonadensaft, sowie es eben vom Kranken gefordert wird, bei. Balsam- und andere Thees werden in derselben Weise gemacht.

+Reiswasser.+ Reis zwei Unzen, Wasser zwei Quart; koche es ungefähr eine Stunde lang und füge Zucker und Muskatnuß hinzu.

+Ein erfrischender Trank bei Fiebern.+ Lege ein wenig Salbei (~Sage~), zwei Sprossen Balsam und ein wenig Sauerampfer (~Sorrel~) in einen steinernen Krug, schäle eine kleine Citrone, zerschneide sie in Stücke und lege sie mit ein wenig Schale hinein, dann gieße es in 3 Pints kochendes Wasser, versüße und verschließe es dicht.

+Ein anderes.+ Man nehme eine halbe Unze Pflaumen, eine Unze Preiselbeeren (~cranberry~), eine halbe Unze Rosinen ohne Körner und ein Quart Wasser, koche es auf ein Pint ein, seihe es durch und würze es mit Citronenschale oder Limonaden-Essenz. Halte es wohl zugedeckt.

+Ein anderes.+ Nimm je eine Unze Korinthen (~currants~), Rosinen und Tamarinden oder Pflaumen und koche es in einem Quart Wasser zu einem Pint ein. Würze es mit Citronenschale oder Citronen-Essenz.

+Korinthen-Gelee+ (~Currant jelly~), Preiselbeeren und Pflaumen geben erfrischende Getränke, wenn Wasser beigefügt und dem Geschmacke des Kranken angemessen versüßt werden.

+Wasser-Gruel+ (~Water Gruel~). Korn- oder Hafermehl zwei Theelöffel voll, Wasser ein Quart, zehn oder fünfzehn Minuten gekocht und Zucker oder Salz nach Wunsch des Kranken hinzugefügt.

+Reis-Gruel+ (~Rice Gruel~). Gemahlener Reis einen gehäuften Eßlöffel voll, gestoßener Zimmet, einen halben Eßlöffel voll, Wasser ein Quart, 10 oder 15 Minuten langsam gekocht, Zimmet kurz vor dem Kochen beigefügt, durchgeseiht und versüßt.

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