The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) (part 4 of 4)
Da dörf Marten nicht vor schrömen[1132], em schall van dem düvel drömen, 20 keem he em tor havestee[1133]; wo schall he dat fell em rüken[1134] un den langen galgen[1135] striken, dat he heid un weid vul dee.
Schustu weten, wat vör linnen, wat vör kopper, wat vör tinnen, wat vör ingoet[1136], dat he het: Balljen[1137], tönnen, nie scheepels[1138], veer un twintich holten leepels, borsten, kann un mangelbret.
Telsche Krei[1139] kann he wol wunnen, mar so hat he’n daler[1140] funnen! solk een gröne, snatje[1141] tev[1142]! is ja först van veertein jahren, 10 dar schall he ie wol me fahren, nümmermehr, so lank ik lev!
Se weet nicht een kohl to kaken nicht een kunkelpip[1143] to maken, nicht een fladen, nicht een ei: Schöttel mit der tungen waschen un ut beeden schrappen[1144] naschen, dat’s een doen vör Telsche Krei.
Darum Harke, lat Di raden, to Din vordeel, nicht to quaden[1145], 20 kombt eens Marten wedder her, so mustu den schalk wat deken[1146], dinen betern pels[1147] antreken un em doen de grötste eer.
Eerst mustu Di flechten letten un din ninen peel[1148] upsetten, denn dorna tor dören stan; seggen: ‘Marten, west willkamen! ei, dorch Gott, lat uns tosamen, lat uns in der dörnse[1149] gan!
Ei, kambt an, min goede Marten, up een spilken in de karten um een söslink int gelach, edder ok na juw bedünken 10 um een krosken[1150] uttodrinken, is it doch nu hilge dach[1151].’
Dann dorna lat mi man snaken, ik will Di wol wider baken[1152]! O! dat is min eerste nit. Eer he’t waer wart, will’k em krigen, wenn de moet begunt to stigen un dat hart im munde sit.
Wenn dar is to diske dragen, so mustu em flitich kragen[1153]: 20 ‘Ei nu, Marten, goede frünt, ei, dorch Gott, neemt van dem schinken! dar lüst juw eens up to drinken. neemt! it is juw vul wol günnt.’
Kombt he up Geert Lümmels köste[1154], dat he Di eens gröten müste mit een krosken edder kann, so sprik: ‘ik heb wol vernamen! juw drunk is mi sehr willkamen! Marten, stöt juw nawer[1155] an!’
Wo lank wiltu noch so leven un de schüfel alltit geven[1156]? entlik mustu doch darbi! Dörtich jahr sünt all verflaten, 10 dat ik Di heb kersten[1157] laten, weer it nicht eens tit mit Di?
Ok heb ik van dinen saken all mit Hebke Fei gespraken: eer dünkt, dat wol wesen mach. Hebke Fei holt veel van Marten: darum rad ik Di van harten: set em neenen langen dach[1158]!
‘K weet neen beter tit to ramen[1159]: umb den Silmaent[1160] lat em kamen, dat’s noch seven weken lank; länger deent it nicht to töven[1161], eer he mocht uns noch bedröven un gan eenen andern gank.
Man dat segg ik Di to vören: lat neen jawort van Di hören, eer Du Dinen Markbref[1162] hest. dar kannt Du den schalk me dwingen, 10 dat he nicht moet höher springen, as Du em den tögel[1163] lest.
Harke see: de goede Marten, de liggt mi so deep in harten, dat ik alltit süchten[1164] moet. wor ik bin, dat geit he schnüffeln, wat schall ik em länger schüfeln? -- Neen -- ik -- summe[1165] Got -- ik doet!
FRIEDRICH VON LOGAU.
[Scherer D. 365, E. 369.]
Geboren 1604 in Schlesien. Er war Rath des Herzogs von Brieg und Liegnitz und Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft. Er starb 1655 zu Liegnitz. Ein Jahr vor seinem Tode veröffentlichte er seine ‘Sinngedichte,’ eine Sammlung von mehr als 3000 grossentheils kurzen Gedichten. Herausgegeben von Eitner (Tübingen 1872); Auswahl von demselben (Leipzig 1870).
1.
VON MEINEN REIMEN.
Sind meine Reime gleich nicht alle gut und richtig, So sind die Leser auch nicht alle gleich und tüchtig.
2.
AN MEIN VÄTERLICH GUT, SO ICH DREY JAHR NICHT GESEHEN.
Glück zu, du ödes Feld! Glück zu, ihr wüsten Auen! Die ich, wann ich euch seh, mit Threnen muss betauen, Weil ihr nicht mehr seyd ihr: so gar hat euren Stand Der freche Mord-Gott Mars grund auss herum gewand. Seyd aber doch gegrüst, seyd dennoch fürgesetzet Dem allem, was die Stat für schön und köstlich schätzet. Ihr wart mir lieb; ihr seyd, ihr bleibt mir lieb und werth; Ich bin, ob ihr verkehrt, noch dennoch nicht verkehrt. 10 Ich bin, der ich war vor. Ob ihr seyd sehr vernichtet, So bleib ich dennoch euch zu voller Gunst verpflichtet, So lang ich ich kan seyn. Wann dann mein seyn vergeht, Kans seyn, dass Musa wo an meiner Stelle steht. Gehab dich wol, O Stadt! die du in deinen Zinnen Hast meinen Leib gehabt, nicht aber meine Sinnen. Gehab dich wol! mein Leib ist nun vom Kerker los; Ich darff nun nicht mehr seyn, wo mich zu seyn verdross. Ich habe dich, du mich, du süsse Vater-Erde! Mein Feuer gläntzt nunmehr auff meinem eignen Herde. 20 Ich geh, ich steh, ich sitz, ich schlaf, ich wach umbsonst; Was theuer mir dort war, das hab ich hier aus Gunst Des Herren der Natur um Habe-Dank[1166] zu nissen Und um gesunden Schweiss; darff nichts hingegen wissen Von Vortel[1167] und Betrug, von Hinterlist und Neid, Und wo man sonst sich durch schickt etwan in die Zeit[1168]. Ich ess’ ein selig Brot, mit Schweiss zwar eingeteiget[1169], Doch dass durch Beckers Kunst und Hefen hoch nicht steiget, Das zwar Gesichte nicht, den Magen aber füllt Und dient mehr, dass es nährt, als dass es Heller gilt. Mein Trinken ist nicht falsch, ich darf mir nicht gedenken; Es sei gebrauen zwier[1170], vom Bräuer und vom Schenken. Mir schmeckt der klare Safft; mir schmeckt das reine Nass, Das ohne Keller frisch, das gut bleibt ohne Vass, Drum nicht die Nymphen erst mit Ceres dürffen kämpffen, Wer Meister drüber sei, das nichts bedarff zum dämpffen, Weils keinen Schweffelrauch noch sonsten Einschlag hat, Das ohne Geld steht feil, das keine frevle That 10 Hat den iemals gelehrt, der dran ihm liess genügen. Der Krämer fruchtbar Schwur und ihr genisslich[1171] Lügen Hat nimmer Ernt’ um mich[1172]; der viel-geplagte Lein Der muss, der kan mir auch anstat der Seiden seyn. Bewegung ist mein Artzt. Die kräuterreichen Wälde Sind Apotheks genug. Geld, Gold, wächst auch im Felde; Was mangelt alsdann mehr? Wer Gott zum Freunde hat, Und hat ein eignes Feld, fragt wenig nach der Stat, Der vortelhafften Stat, da Nahrung zu gewinnen, Fast ieder muss auff List, auff Tück’, auff Ränke sinnen. 20 Drum hab dich wol, o Stat! Wenn ich dich habe, Feld, So hab ich Haus und Kost, Kleid, Ruh, Gesundheit, Geld.
3.
VOM OPITIO.
Im Latein sind viel Poeten, immer aber ein Virgil; Deutsche haben einen Opitz, Tichter sonsten eben viel.
4.
HOFFNUNG.
Auff was gutes ist gut warten, Und der Tag kommt nie zu spat, Der was gutes in sich hat; Schnelles Glück hat schnelle Fahrten.
5.
DAS HÖCHSTE GUT.
Zum höchsten Gut in dieser Welt Wehlt jeder, was ihm selbst gefällt. Gar im Schoss sitzt der dem Glücke, Dem gegeben sind vier Stücke: Ein gütig GOTT, Ein liebes Weib, Ein frischer Leib, Ein selig Tod.
6.
WELT-GUNST.
Die Welt-Gunst ist ein See, Darinnen untergeh, 10 Was wichtig ist und schwer: Das leichte schwimmt daher.
7.
DAS BESTE DER WELT.
Weistu, was in dieser Welt Mir am meisten wolgefällt? Dass die Zeit sich selbst verzehret, Vnd die Welt nicht ewig währet.
8.
LEBENS-SATZUNG.
Leb ich, so leb ich! Dem Herren hertzlich; Dem Fürsten treulich, Dem Nechsten redlich. 20 Sterb ich, so sterb ich!
9.
BITTRE LIEBE.
Lieben ist ein süsses Leiden, Wenns nicht bitter wird durch scheiden. Bittres wil ich dennoch leiden, Dass ich Süsses nicht darff meiden.
10.
FREUNDSCHAFFT MITT GOTT.
Wenn ein Mensch mit GOTT gut steht, Der steht wol, wenns übel geht, Denn er kan die höchsten Gaben, Vater, Bruder, Tröster haben.
11.
WIEDERVERGELTUNG.
Für gut nicht gutes geben, ist eine böse That; Für böses böses geben, ist ein verkehrter Rath; 10 Für gutes böses geben, ist schändlicher Beginn; Für gutes gutes geben, gebühret fromem Sinn; Für böses gutes geben, ist recht und wol gethan; Dann dran wird so erkennet ein rechter Christen-Mann.
12.
FREMDE TRACHT.
Alamode-Kleider, Alamode-Sinnen; Wie sichs wandelt aussen, wandelt sichs auch innen.
13.
DER DEUTSCHE FRIEDE.
Was kostet unser Fried? O wie viel Zeit und Jahre! Was kostet unser Fried? O wie viel graue Haare! Was kostet unser Fried? O wie viel Ströme Blut! Was kostet unser Fried? O wie viel Tonnen Gut! Ergetzt er auch dafür und lohnt so viel veröden? Ja, wem? Frag Echo drum! Wem meint sie wol? (Echo:) Den Schweden.
14-16.
DIE DEUTSCHE SPRACHE.
Deutsche mühen sich ietzt hoch, deutsch zu reden fein und rein; Wer von Hertzen redet deutsch, wird der beste Deutsche seyn.
* * * * *
Ist die deutsche Sprache rauh? Wie dass so kein Volk sonst nicht Von dem liebsten Thun der Welt, von der Liebe, lieblich spricht?
* * * * *
Kan die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen, Kan sie doch auch spielen, schertzen, liebeln, gütteln, kürmeln[1173], lachen. 10
CHRISTIAN WEISE.
[Scherer D. 366, E. 370.]
Geboren 1642 zu Zittau, studierte in Leipzig, wirkte als Professor in Weissenfels und als Rector in Zittau verdienstlich. Er führte das Studium der deutschen Sprache und Dichtung auf der Schule ein. Starb 1708. Als Dichter vertrat er die Gegenrichtung von dem Lohensteinschen Schwulst. Er wollte nicht ‘den Namen eines wolsetzenden, eines hochbegeisterten, sondern eines einfältigen und deutlichen Concipienten verdienen’. Seine Theaterstücke sind sehr zahlreich. Herausgegeben von Fulda ‘Die Gegner der zweiten schlesischen Schule.’ (Stuttgart, o. J.)
AUS DEN ÜBERFLÜSSIGEN GEDANCKEN DER GRÜNENDEN JUGEND.
DU liebstes vaterland! vergönne deinem sohne, Dass er sein eitles thun der welt zu schauen giebt, Ich sehne mich darbey nach keinem andern lohne, Als wann die hohe gunst den guten willen liebt. Ich muss es zwar gestehn, es sind geringe sachen, Daraus ein blosser schertz, und sonsten nichts entspringt, Jedoch, ein kurtzes lied kan sich belieblich machen, Wann nur die rechte Zeit es auf die Bahne bringt: Ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister, Und sein berühmter thon reist durch das sternen-dach, Hingegen fliegen sonst die lobens-werthen geister Kaum auf den halben weg mit schwachen federn nach. Wiewohl ich darff mich nicht in die gesellschafft mengen, Die durch den lorber-zweig das haar um sich verbindt, 10 Mein glücke führt mich sonst auf kunst-beliebten gängen, Da dieses neben-werck gar wenig stunden findt. Doch liebstes Vaterland, ich werde dir gefallen, Dass ich im schreiben nicht ein sprach-tyranne bin, Ich folge deiner zier, und richte mich in allen Auff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin, Ich bin so eckel nicht, ich lasse mir belieben, Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht, Hätt unser alterthum nicht so und so geschrieben, So hätt es dieser kiel auch anders nachgemacht. 20 Und weil die Teutschen viel aus andern sprachen borgen, So muss ich ebenfalls mich auch darzu verstehn: Ein ander, dens verdreust, mag sich zu tode sorgen, Gnug, dass die Verse gut, die Lieder lieblich gehn. Ist diss nicht puppenwerck, wer etwas grosses heissen, Und seinen lorbeer-krantz mit golde zieren will, Der muss das ABC aus seiner ordnung schmeissen, Bald hat er nicht genug, bald hat er gar zu viel, Da ist ein wort nicht recht, has haben die Lateiner, Gelehnt und nicht geschenckt; das kommt aus Griechenland, 30 Da wird der thon zu lang, da wird die sylbe kleiner, Die sprache die wird nur nicht gäntzlich vmbgewandt. Der arme Zizero ist auch ins Z gerathen, Der sonst fast oben an, in seiner reihe steht, Vielleicht weil ein gemüth, in diesen helden-thaten, Gar langsam auf den glantz der redens-künstler geht. Sanct Felten ist hinauff biss an das F gestiegen, Und er verdient fürwahr die ehr-bezeugung nicht: Der Kwarck muss in das K aus seinem Neste fliegen, Ob gleich die gantze welt den händeln widerspricht, Der Käyser soll bey uns nicht weiter Käysser heissen, Er soll dafür ein Ertz- und grosser König seyn, Wer uns diss tapffre wort will aus der zunge reissen, Raubt uns der völcker ruhm, mit unsers landes schein, Ein solcher klügling hat gewiss nicht viel gelesen, Und hat ers ja gethan, so möcht er in sich gehn, Dass unsre Deutschen auch nicht narren sind gewesen, 10 Und dass man alles kan ohn diesen tand verstehn. Ein ander mag sich mehr mit diesen Leuten zancken, Mein ungebundner fuss geht in der einfalt fort, Und mein erregter sinn verwickelt die gedancken, Mehr in der sachen selbst, als in ein kahles wort. Hier hab ich nur geschertzt, doch wird man leicht gedencken, Dass, wie ich meiner lust allhier genug gethan, Ich, wann ich künfftig will die augen höher lencken, Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan. Ich bin auch nicht so kühn, den Momus zu verfluchen, 20 Weil er den höhnschen mund nur an die Götter setzt. Solt er diss schlechte werck zu seiner rache suchen? Nein, er ist viel zu stoltz, wann er die zähne wetzt. Drum bin ich auch vergnügt, und lege diese lieder, Halb furchtsam und darbey halb trotzig vor die welt. Es falle wie es will, so komm ich doch nicht wieder, Der himmel hat den fleiss mir sonst wohin bestellt.
FRIEDRICH RUDOLPH LUDWIG FREIHERR VON CANITZ.
[Scherer D. 368, E. 372.]
Geboren 1654 in Berlin, studierte in Leiden und Leipzig, reiste in Italien, Frankreich und Holland, trat in den preussischen Staatsdienst und starb 1699 als Geheimer Staatsrath. Er hielt sich wie Weise von dem Schwulst fern und nahm die Franzosen, besonders Boileau, zu seinem Muster. Herausg. von König (Leipzig 1727).
VON DER POESIE.
Auf! säume nicht, mein Sinn, ein gutes Werck zu wagen, Und aller Tichterey auf ewig abzusagen; 30 Gieb weiter kein Gehör, wenn die Syrene singt, Und such ein ander Spiel, das bessern Nutzen bringt. Wie? sprichst du, soll ich schon den Zeitvertreib verschwören, Dadurch ich bin gewohnt die Grillen abzukehren, Der mir, in Sicherheit, bisher die Stunden kürtzt? An statt, dass mancher sich, aus Lust, in Unlust stürtzt, Und, weil ein schwartzer Punct im Würffeln ausgeblieben, Zuletzt aus dem Besitz der Güter wird getrieben. Ich thu mir schon Gewalt, wenn ich viel Thorheit seh, Die ich bescheidentlich mit Schweigen übergeh; 10 Das aber ding ich aus, nicht zu des Nechsten Schaden, Nein, sondern nur mein Hertz der Bürde zu entladen, Dass ich durch einen Reim, was ich den gantzen Tag Geduldig angemerckt, mir selbst vertrauen mag. Da schenck ichs keinem nicht, kein Ort ist, den ich schone, Von schlechten Hütten an, biss zu des Königs Throne. Ein bärtiger Heyduck, der, wie ein Cherubim, Die Streit-Axt in der Hand, die Augen voller Grimm, Der Auserwehlten Sitz verschleusst für meines gleichen, Muss, wie ein schüchtern Reh, von seiner Wacht entweichen, 20 Wenn mein gerechter Zorn erst an zu brennen fängt, Und sich bis in den Schoos des blinden Glückes drängt, Die Larve vom Gesicht des Lasters weg zu reissen. Weh dem, der thöricht ist, und dennoch klug will heissen! Denn wo sein Nahme nur sich in die Verse schickt, So wird er alsofort dem Mayer beygerückt. In meinem Schüler-Stand, auf den bestaubten Bäncken Hub sich die Kurtzweil an. Solt ich auf Sprüche dencken, Die man gezwungen lernt, und länger nicht bewahrt, Als biss der kluge Sohn, nach Papageyen-Art, 30 Sie zu der Eltern Trost, dem Lehrer nachgesprochen, So ward mir aller Fleiss durch Reimen unterbrochen, Da mahlt ich ungeübt, in meiner Einfalt, ab, Wenn Meister und Gesell mir was zu lachen gab; Biss, nach und nach, die Zeit den Vorhang weggeschoben, Und mir, was scheltens-werth, hingegen was zu loben, Was Hof und Kirch und Land, und Stadt für Wunder hegt Und was mir selber fehlt, getreulich ausgelegt. Das mach ich mir zu nutz, und durch des Himmels Güte, Werd ich ie mehr und mehr bestärckt, dass ein Gemüthe, Wenn es der Tyranney des Wahnes obgesiegt, Und seine Freyheit kennt, gantz Peru überwiegt: Das ists, was offt mein Kiel schreibt in gebundnen Sätzen. Was mich nun dergestalt in Unschuld kan ergetzen, Wozu mich die Natur ... Halt ein, verführter Sinn, Drum eben straf ich dich, weil ich besorget bin, Es möchte, was itzund noch leicht ist zu verstöhren, 10 Sich endlich, unvermerckt, in die Natur verkehren. Wo hat Justinian das strenge Recht erdacht, Durch welches ein Phantast wird Vogel-frey gemacht? Und, da ein weiser Mann diss für was grosses schätzet, Dass man noch keinen Zoll auf die Gedancken setzet, Ist wohl der beste Rath, man seh und schweige still, Und stelle jedem frey, zu schwärmen, wie er will; Indem es fast so schwer, die rohe Welt zu zwingen, Als mancher Priesterschafft das Beicht-Geld abzubringen. Ein Spiegel weiset uns der Narben Hesslichkeit, 20 Doch wird er offtermahls deswegen angespeyt. Du meinst zwar, was du schreibst, soll nie das Licht erblicken, Wie bald kan aber diss auch dir eins missgelücken? Von deinem schönen Zeug entdeck ich, wie mich deucht, Schon manch geheimes Blatt, das durch die Zechen fleucht; So wirst du ein Poet, wie sehr du es verneinest; Wer weiss, ob du nicht bald in offnem Druck erscheinest? Vielleicht wird dein Gedicht, des Müssigganges Frucht, Noch bey der späten Welt einmahl hervor gesucht, Und mit dem Juvenal in einem Pack gefunden, 30 Wenn man ihn ohngefehr in Löschpapier gewunden.
CHRISTIAN WERNICKE.
[Scherer D. 367, E. 372.]
Dichtete Epigramme gegen die Lohenstein’sche Schule und wurde hauptsächlich durch den Streit bekannt, in den er deswegen mit Christian Heinrich Postel († 1705) und Christian Friedrich Hunold († 1721) gerieth. Gestorben nach 1710.
1.
BESCHAFFENHEIT DER ÜBERSCHRIFFTE.
DEnn[1174] lässt die Überschrift kein Leser aus der Acht’, Wenn in der Kürtz’ ihr Leib, die Seel’ in Witz bestehet; Wenn Sie nicht allzutieff mit ihrem Stachel gehet, Und einen Abriss nur von einer Wunde macht: Wenn Thränen sie allein den Lachenden auspresst, Und dem der’s nöthig hat zur Ader kitzlend lässt.
2.
HELDEN-GEDICHTE UND ÜBERSCHRIFFTE.
Ein Heldenmässiges Gedicht Ist gleich der steten Glut, die aus dem Etna bricht: 10 Die Überschriffte sind hergegen[1175] Wie Funcken, die aus stahl zerstreut zu springen pflegen.
3.
AUFF EINEN EXEMPLARISCHEN THUM-HERRN[1176].
Obgleich Cratinus nie als wenn er voll ist singt, Nie beth, als wenn er will an seine Taffel tretten; So ist es dennoch wahr, dass er die Zeit verbringt Der Geistligkeit gemäss, mit Singen und mit Bethen.
4.
CORNELIUS TACITUS.
Wir deuten jedes Wort mit viel Verstand und Müh’; Die Leser machen ihn gelehrter, als er Sie. 20
5.
AUFF DEN TRIUMVIRAT DES AUGUSTUS, ANTONIUS UND LEPIDUS.
Drey theilen unter sich, was Rom nicht ohne Blut, Und nicht ohn’ Unrecht konnt’ in langer Zeit erwerben; Das Sprichwort schwächt ihr Glück’: Unrecht erworben Gut Kommt auff den Dritten nicht; wol aber auff drey Erben.
6.
AUFF DIE MÄSSIGKEIT.
Der seiner vollen Krüge schonet, Ist mässig, und nicht der, der Durst gezwungen leidt; In einem leeren Fasse wohnet Der Durst, und nicht die Mässigkeit. 10
7.
DIE TUGEND BEY EINEM LORBER-BAUM.
Bey einem Lorberbaum sah’ ich die Tugend stehen, Und beyd’ ohn’ anzusehn das Volck vorüber gehen; Grün’ edles Paar, sagt’ ich, ob schon Man keinen sieht dir Ehr’ erzeigen! Bist du nicht dein selbsteigner Lohn? Krönst du dich nicht mit eignen Zweigen?
8.
ALLMOSEN.
Allmosen giebt man zwar den Armen, Doch mehr aus Hoffarth, als Erbarmen, 20 Und drum erreichet hier kein Reicher Ziel und Zweck; Am besten geben die, die selbst im Elend wandern: Ein Reicher wirfft die Gabe weg, Ein Armer lehnet[1177] sie dem andern.
9.
ÜBER GEWISSE GEDICHTE.
Der Abschnitt[1178]? gut. Der Vers? fliesst woll. Der Reim? geschickt. Die Wort? in Ordnung. Nichts, als der Verstand verrückt.
JOHANN CHRISTIAN GÜNTHER.
[Scherer D. 369, E. 373.]
Geboren 1695 zu Striegau in Schlesien, sollte nach dem Willen seines Vaters und gegen seine eigne Neigung in Wittenberg Medizin studieren, gieng früh (1723) in wildem Leben zu Grunde. Er war eine bedeutende dichterische Natur und brachte Selbsterlebtes und Selbstempfundenes zur Darstellung. Eine Auswahl seiner Gedichte wurde herausgegeben von Tittmann (Leipzig 1874); Litzmann (Leipzig, Reclamsche Universalbibliothek Nr. 1295, 96).
1.
BUSSGEDANKEN.
Mein Gott! wo ist denn schon der Lenz von meinen Jahren So still, so unvermerkt, so zeitig hingefahren? So schnell fleugt nimmermehr ein Segel durch das Meer, So flüchtig dringt wol kaum ein heisses Blei zum Ziele; Es dünkt mich ja noch gut der ersten Kinderspiele: Wo kommt denn aber schon des Körpers Schwachheit her? 10
Mein Alter ist ja erst der Anfang, recht zu leben, Indem mir Raum und Zeit noch manchen Schertz kann geben. Wie? überspringt dies nun die Staffeln der Natur, Mein Geist, der wie die Glut in fetten Cedern brannte, Verdruss und Traurigkeit aus allen Winkeln bannte, Und wie der Blitz bei Nacht aus Mund und Antlitz fuhr?
Ich hatte von Geburt viel Ansehn auf der Erden, Nach meiner Väter Art ein starker Geist zu werden; Der Eltern kluge Gunst erzog Gemüth und Leib Durch Übung, Schweiss und Kunst zu wichtigen Geschäften; Was andern sauer ward, das war schon meinen Kräften Ein lustiges Bemühn und froher Zeitvertreib.
Kein Ekel, keine Furcht, kein abergläubig Schrecken Vermochte mir das Herz mit Unruh anzustecken, Die Glieder fluchten nicht auf Hitze, Frost und Stein; Verfolgung, Mangel, Hass, Neid, Lügen, Schimpf und Zanken Erstickten mir keinmal den Ehrgeiz der Gedanken, Der Welt durch Wissenschaft ein nützlich Glied zu sein.
Ich sah mich als ein Kind den Wahrheitstrieb schon leiten, 10 Ich schwatzte durch die Nacht bei Schriften alter Zeiten, Die Musen nahmen mich der Mutter von der Hand; Ich lernte nach und nach den Werth des Maro schätzen Und frass fast vor Begier, was Wolff und Leibnitz setzen, Bei welchen ich den Kern der frommen Weisheit fand.
Dabei verschmäht’ ich auch kein äusserlich Vergnügen, Die Liebe wusste mich recht künstlich zu besiegen, So bald Anacreon in meinen Zunder blies; Ich dacht’, es zöge mich nur blos ein nettes Singen, Und war doch in der That ein zärtliches Bezwingen 20 Der süssen Eitelkeit, die ihre Macht bewies.
Bei vielem Ärgerniss und unter allen Sorgen, Die mir noch ziemlich jung den Abend wie den Morgen Mit Drohung und Gefahr empfindlich zugesatzt, Verdarb ich gleichwol nicht Gesellschaft, Scherz und Küssen; Und manch’ vertrauter Freund wird oft noch sagen müssen, Wie freudig ihm mein Trost die Grillen ausgeschwatzt.
Allein es ändert sich die Scene meines Lebens. Ach Gott! wie ist es jetzt mit mir so gar vergebens! Was seh’ ich zwischen mir und mir für Unterscheid! 30 Mein junges Feldgeschrei bringt stumme Klagelieder, Es keimt, es gährt bereits durch alle meine Glieder Der Same und das Gift geerbter Sterblichkeit.
Die Geister sind verraucht, die Nerven leer und trocken, Die Luft will in der Brust, das Blut in Adern stocken, Das Auge thränt und zieht die scharfen Strahlen ein. Das Ohr klingt fort und für und läutet mir zu Grabe, Und da ich überall viel Todeszeichen habe, So zagt dabei mein Herz in ungemeiner Pein.
Nicht etwan, dass mein Fleisch, die abgelegte Bürde, Aus Abscheu vor der Gruft zuletzt noch weibisch würde: Dies hab ich mir vorlängst bekannt und leicht gemacht; Nur darum, dass mein Fleisch sich in der Blüte neiget, Und nicht der Welt vorher durch seine Früchte zeiget, Zu was mich die Natur an dieses Licht gebracht.
Allein wer hat hier Schuld? Ich, leider, wol am meisten, 10 Ich, welchen Glück und Wahn mit süssen Träumen speisten, Als würd’ es stets so sein und niemals anders gehn; Ich, der ich so viel Zeit nicht klüger angewendet, Gesundheit, Stärk’ und Kraft so liederlich verschwendet. Ach GOtt, verzeih’ es doch dem redlichen Gestehn!
Nun ist auch dies wol wahr, der Himmel wird es zeugen, Dass Neid und Unglück oft die besten Köpfe beugen, Und dass ich wider mich gar viel aus Noth gethan. O, hätte mich die Pflicht des Nächsten oft gerettet, Und mancher Blutsfreund selbst mir nicht den Fall gebettet, 20 Vielleicht--jedoch genug! Ich klage niemand an.
Ich klage niemand an aus redlichem Gemüthe, Ich wünsche mir vielmehr nach angebohrner Güte Nur so viel Glück und Zeit, den Freunden Gut’ zu thun; Und da es in der Welt nicht weiter möglich scheinet, So thu’ es der für mich, vor dem mein Herze weinet, Und lasse Neid und Groll mit mir im Grabe ruhn!
Nur mich verklag’ ich selbst vor dir, gerechter Richter. So viel mein Scheitel Haar, so viel der Milchweg Lichter, So viel die Erde Gras, das Weltmeer Schuppen trägt, 30 So zahlreich und so gross ist auch der Sünden Menge, Die mich durch mich erdrückt, und immer in die Länge Mehr Holz und Unterhalt zum letzten Feuer legt.
Das Ärgste wäre noch, mich hier vor dir zu schämen: Hier steh’ ich, grosser Gott! du magst die Rechnung nehmen. Ich hör’, obgleich bestürtzt, das Urtheil mit Geduld. Wie hab’ ich nicht in mich so lang und grob gestürmet Und Fluch auf Fluch gehäuft und Last auf Last gethürmet! Schlag, wirf mich, tödte mich! Es ist verdiente Schuld.
Dein Zorn brennt nicht so sehr die bösen Sodomskinder, Die Hölle scheint noch kalt und plaget viel gelinder, Als mich die Qual und Reu, die in der Seelen schmerzt. Ist’s möglich, ach, so gib, du ewiges Geschicke, Mir auch jetzund für Blut ein Theil der Zeit zurücke, Mit der sein Selbstbetrug sein zeitlich Wohl verscherzt!
Wie besser wollt’ ich jetzt das theure Kleinod schätzen! 10 Wie ruhig sollte sich hernach mein Alter setzen Und, wenn denn meine Pflicht der Welt genug gedient, Mit Fried’ und Freudigkeit und als im Rosengarten, Den Tod und auf den Tod den Nachruf still erwarten: Ich sei als wie ein Baum nach vieler Frucht vergrünt.
Mein Gott, es ist geschehn, mehr kann ich nun nicht sagen, Stimmt deine Vorsicht bei, so setze meinen Tagen (Hiskias weint in mir) nur wenig Stufen zu. Ich will den kurzen Rest in tausend Sorgen theilen, Durch That und Besserung das Zeugniss zu ereilen, 20 Dass ich anjetzo nicht mit Heucheln Busse thu’.
Der Ernst macht alles gut; was hin ist, sei vergessen, Kein Kraut ist ja so welk, man weiss noch Saft zu pressen, Der, kommt gleich jenes um, den Kranken Heil gewährt. Manasses mehrt zuletzt die Anzahl frommer Fürsten, Und Saul kan nicht so stark nach Blut und Unschuld dürsten, Als eifrig und geschickt hernach sein Geist bekehrt.
Ist deiner Ordnung ja mein längres Ziel zuwider, So rette, treuer Gott, doch alle meine Brüder, Die voller Irrthum sind und noch an Jahren blühn, 30 Und lass sich ihren Geist an meinen Thränen spiegeln, Eh’ Ohnmacht, Schwäch’ und Zeit die Gnadenthür verriegeln, Damit sie mehr Gewinn von ihrem Pfunde ziehn.
Von nun an will ich mich dir gänzlich überlassen Und um den letzten Sturm den stärksten Anker fassen Den uns auf Golgatha der Christen Hoffnung reicht. Dein Wort, dein Sohn, dein Geist befriedigt mein Gewissen Und lehrt mich hier getrost der Jugend Fehler büssen, Bis ihrer Strafen Schmerz mit Wärm, und Athem weicht.
Komm nun und wie du willst, die Erbschuld abzufodern; Der Leib, das schwere Kleid, mag reissen und vermodern, Weil dies Verwesen ihn mit neuer Klarheit schmückt. Ich will ihm zum Voraus mit freudenreichem Sehnen Auf Gräbern nach und nach den Schimmer angewöhnen, In welchem ihn hinfort kein eitler Traum mehr drückt.
O sanfte Lagerstatt, o seliges Gefilde! 10 Du trägst, du zeigest mir das Paradies im Bilde, Ich steh’ ich weiss nicht wie, recht innerlich gerührt. Wie sanfte wird sich hier Neid, Gram und Angst verschlafen, Bis einst der grosse Tag die Böcke von den Schafen, Die in die Marter jagt, und die zur Freude führt.
Mein Schatz, Immanuel, mein Heiland, meine Liebe! Verleih’, doch, dass ich mich in deinem Wandel übe, Verdirb mir alle Kost, die nach der Erde schmeckt; Verbittre mir die Welt durch deines Kreuzes Frieden, Vertreib, was mich und dich durch mein Versehn geschieden, 20 Und hüll’ in dein Verdienst, was Zorn und Rache weckt.
Soll ja mein jäher Fall den Körper niederstürzen, So lass mir Zeit und Schmerz auf deiner Brust verkürzen Und nimm den freien Geist mit Arm und Mitleid auf! Wem irgend noch von mir ein Ärgerniss geblieben, Dem sei der Spruch ans Herz wie mir an Sarg, geschrieben: Oft ist ein guter Tod der beste Lebenslauf.
2.
STUDENTENLIED.
Brüder, lasst uns lustig sein, Weil der Frühling währet, Und der Jugend Sonnenschein 30 Unser Laub verkläret; Grab und Bahre warten nicht: Wer die Rosen jetzo bricht, Dem ist der Kranz bescheret.
Unsers Leben schnelle Flucht Leidet keinen Zügel, Und des Schicksals Eifersucht Macht ihr stetig Flügel; Zeit und Jahre fliehn davon, Und vielleichte schnitzt man schon An unsers Grabes Riegel. 10
Wo sind diese? Sagt es mir, Die vor wenig Jahren Eben also, gleich wie wir, Jung und fröhlich waren? Ihre Leiber deckt der Sand, Sie sind in ein ander Land Aus dieser Welt gefahren.
Wer nach unsern Vätern forscht, Mag den Kirchhof fragen; Ihr Gebein, so längst vermorscht, 20 Wird ihm Antwort sagen. Kann uns doch der Himmel bald, Eh die Morgenglocke schallt, In unsre Gräber tragen.
Unterdessen seid vergnügt, Lasst den Himmel walten, Trinkt, bis euch das Bier besiegt, Nach Manier der Alten. Fort! Mir wässert schon das Maul, Und, ihr andern, seid nicht faul, 30 Die Mode zu erhalten.
Dieses Gläschen bring ich dir, Dass die Liebste lebe Und der Nachwelt bald von dir Einen Abriss gebe! Setzt ihr andern gleichfalls an, Und wenn dieses ist gethan, So lebt der edle Rebe!
JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED.
[Scherer D. 371, E. 374.]
Geboren 1700 zu Judithenkirch bei Königsberg, und daselbst erzogen, flüchtete er später nach Leipzig, wo er seit 1730 Professor extraordinarius, seit 1734 Ordinarius war. Starb 1766. Er stiftete die deutsche Gesellschaft, gab die Zeitschrift ‘Die vernünftigen Tadlerinnen’ heraus (1725), die er seit 1727 unter dem Titel ‘Der Biedermann’ fortsetzte. Er bekämpfte den Lohensteinischen Geschmack und vertrat den ‘französischen Classicismus’. Sein bedeutendstes theoretisches Werk ist der ‘Versuch einer kritischen Dichtkunst’ 1730. Er setzte sich mit der Schauspielertruppe der Frau Neuber in Verbindung, liess durch sie 1737 den Harlekin von der Bühne vertreiben, sorgte durch zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen für ein neues Bühnenrepertoire: seine ‘Deutsche Schaubühne’ erschien 1740-1745. Von seinen eigenen Dichtungen ist hauptsächlich das Trauerspiel ‘Der sterbende Cato’ (1732) zu nennen. Ferner schrieb er eine ‘Redekunst’ (1728); eine ‘Deutsche Sprachkunst’ (1748), ein ‘Handlexicon der schönen Wissenschaften und freien Künste’ (1760). Gottsched übte hauptsächlich in den Jahren 1730-1740 eine Art literarischer Dictatur aus. 1739 überwarf er sich mit seiner ‘Deutschen Gesellschaft,’ 1740 begann der Streit mit den Zürichern, namentlich Bodmer und Breitinger. 1741 wurde er von der Neuberin unter dem Namen ‘Tadler’ auf die Bühne gebracht. Seitdem verfiel er immer mehr dem Spott des Publicums und wurde eine lächerliche Persönlichkeit.
1.
AUS DEM TRAUERSPIELE: CATO.
Der dritte Auftritt.
Cato. Cæsar.
Cäsar.
Nun Cato, endlich ist der Wunsch mir eingetroffen, Dass ich einmal mit dir vertraulich sprechen kann. 10 Ich biethe Welschland[1179] itzt in dir den Frieden an. Komm, schleuss ihn selbst mit mir, und mach der Noth ein Ende! Das hartbedrängte Rom sieht bloss auf unsre Hände; Versammle deinen Rath, und schaff auf diesen Tag, Dass jedermann die Frucht der Eintracht erndten mag. Die ganze Bürgerschaft verbanne Hass und Rache; Indem ich dich, nebst mir, zum Bürgermeister mache.
Cato.
Wie frech und unverschämt trägst du mir solches an, Da mir nur Volk und Rath die Würde geben kann? Denkst du die Tugend denn mit Lastern zu ermüden? 10 Wir suchen bloss nach Recht und Billigkeit den Frieden! Regiert ein einzig Haupt das grosse Rom allein, So wollen wir mit Ernst daraus verbannet seyn. Ja, Cæsar, weg von hier mit Königen und Ketten! Der Römer Überrest will noch die Freyheit retten; Und lässt sich das nicht thun, so sind wir doch nicht dein. Der Africanersand soll unsre Freystadt seyn: Hier hab ich selber schon ein Grab für mich erlesen. Drum, Cäsar, lass uns Rom, wie es vorhin gewesen! Komm ohne Kriegesvolk, komm ohne Waffen hin, 20 Komm so, wie ich mich da zu zeigen Willens bin: Alsdann so wird man sehn, wer endlich von uns beyden Noch den Triumph erlangt, und welcher Rom muss meiden.
Cäsar.
Was hab ich denn gethan? Der Deutschen tapfres Blut Verehrt durch meinen Dienst der Römer Heldenmuth. Die Meere waren mir kein Hinderniss im Siegen, Ich bin den Ocean der Britten überstiegen; Und doch versaget mir der ungerechte Rath, Weil mich Pompejus hasst, ein schlechtes Consulat? 30 Man will mein tapfres Schwerdt im Frieden kraftlos machen, Man giebt mir Aufruhr schuld; und was mein Schweiss, mein Wachen, Mein eignes Blut verdient, das Bürgermeisteramt, Fällt meinen Feinden zu? Das, das hat mich entflammt! Halb rasend fieng ich an der Römer Feind zu werden, Vergebens waffnet sich der ganze Kreis der Erden; Ich schlug ihn doch, und nahm den Rest zu Gnaden an, Nachdem ich ihn besiegt: was hab ich nun gethan?
Cato.
Aus Rachgier, Cäsar, ward das Schwerdt von dir gezücket, Da nun Pompejens Fall den Zorn bereits ersticket: Warum behältst du noch die oberste Gewalt? Daraus erhällt ja klar, dass man dich billig schalt. Tyrannen schmücken stets ihr Thun mit List und Ränken: 10 Die Worte sind oft gut; die That lehrt was sie denken. Man gab dir mit Bedacht kein römisch Consulat; Du warest viel zu gross und mächtig für den Staat. Und wozu war dir wohl das Vaterland verbunden? Du hattest als ein Held viel Länder überwunden; Rom hatte triumphirt: Doch das war deine Pflicht. Ein Bürger dient dem Staat, der Staat dem Bürger nicht. Die Schuld ist offenbar; der Vorwand ist vergebens. Den Grachus, wie du weist, beraubte man des Lebens; Du hast noch mehr verwirkt!
Cäsar.
Wo will der Eifer hin? 20 Vergesst ihr denn, dass ich ein Überwinder bin, Und dass die Römer mich um Gnade bitten müssen?
Cato.
Wer voller Unschuld ist, will nichts von Gnade wissen. Denk, Cäsar, denk einmal an deine Grausamkeit. Und wünsche dir vielmehr, dass die Vergessenheit Den unerhörten Stolz, der dich bethört, begrabe. Auch Sylla, den ich oft darum gepriesen habe, Entsagte von sich selbst der Herrschaft und Gewalt, Und fand auch in der That der Römer Gnade bald. 30 Dem Beyspiel folge nach. So wird dir dein Verbrechen Vielleicht auch noch geschenkt. Ich selbst will für dich sprechen! Wie nun? Du schweigest hier? O Rom! O Vaterland! Hast du dem Barbar nicht viel gutes zugewandt? Und er bestimmt dir stets ein grösser Ungelücke. Die Götter zeigen uns viel Zorn erfüllte Blicke; Rom streitet mit sich selbst: die Mutter hasst den Sohn, Der Legionen Zahl spricht ihren Brüdern Hohn, Man sieht der Römer Blut auf Römer Hände spritzen, Die Helden, welche sonst Gesetz und Rechte schützen, Ersticken die Natur, und schänden ihr Gebot: Die Väter streben nur nach ihrer Kinder Tod, 10 Die Kinder suchen nichts als ihrer Väter Leichen, Die Mütter sind bemüht dem Jammer zu entweichen, Und stürzen sich zuvor in beyder blosses Schwerdt. Die Herrschaft, Cäsar, ists, was deine Brust begehrt!
2.
ÜBER DEN HANSWURST IN DER KOMÖDIE.
Kleine Geister, die keine Einsicht in die Moral besitzen und das ungereimte Wesen in den menschlichen Handlungen weder wahrnehmen noch satyrisch vorstellen können, haben, anstatt das Lächerliche in den Sachen zu suchen, dasselbe in närrischen Kleidungen, {20} Worten und Gebärden zu finden gemeinet. Daher haben Harlekin und Skaramutz die Hauptpersonen ihrer Lustspiele werden müssen. Diese müssen durch bunte Wämser, wunderliche Posituren und garstige Fratzen den Pöbel zum Gelächter reizen. Von diesem allem haben die Alten nichts gewusst; und es gehört mit unter die phantastischen Erfindungen der Italiener, die jemand in der Vorrede zu einer französischen Komödie: ‘Harlequin aux Champs Elisées’ verspottet hat. Terenz hat seine Komödien ohne eine lustige Person lächerlich genug zu machen gewusst: das neue französische Theater hat gleichfalls bisher keinen Harlekin nöthig {30} gehabt, die Zuschauer zu belustigen; obgleich Molière darin ein böses Exempel gegeben hatte. Destouches und einige andere nämlich haben sich gar wohl ohne diese phantastische Person behelfen können; und ein Poet setzt sich wirklich in Verdacht, als verstände er sein Handwerk, d. i. die Satire, nicht, wenn er ohne die Beihilfe eines unflätigen Possenreissers nichts Lustiges auf die Schaubühne bringen kann. Boileau hat diese schmutzigen Zoten seinen Schülern ernstlich untersagt und den Molière selbst nicht geschont, der sich auch oft dem Pöbel in diesem Stücke bequemt hatte.
Hieraus ist nun leicht zu schliessen, was von dem Théatre italien und Théatre de la Foire, wo lauter abgeschmacktes Zeug vorkömmt, für ein Werks zu machen sei, darüber ein Kluger entweder gar nicht lacht, oder sich doch schämt, gelacht zu haben; {10} ingleichen was von allen deutschen Narren zu halten sei, sie mögen nun von alter Erfindung sein, wie Hanswurst oder Pickelhering, dessen sich Weise noch immer bedient hat, oder auch von neuer Art, wie der sogenannte Peter, oder Crispin, oder wie sie sonst heissen mögen. Eben die Gründe, die wider jene streiten, sind auch allen diesen Geschöpfen einer unordentlichen Einbildungskraft zuwider, die kein Muster in der Natur haben.
ALBRECHT VON HALLER.
[Scherer D. 372, E. 377.]
Geboren 1708 zu Bern, studierte in Tübingen und Leyden Naturwissenschaften, reiste dann in Deutschland, England und Frankreich und ward 1729 practischer Arzt in Bern. 1736 gieng er als Professor nach Göttingen, und 1753 als Amman nach Bern zurück. Er starb 1777. Als Gelehrter, Kritiker und Dichter gleich angesehen. Seine wichtigsten Gedichte fallen in die Jahre 1725-1736; die erste Sammlung ‘Versuch schweizerischer Gedichte’ erschien 1732. Seine Gedichte wurden herausgegeben von Hirzel (Frauenfeld 1882) und die Tagebücher seiner Reisen von demselben (Leipzig 1883). Im Alter verfasste er politische Romane.
1.
TRAUER-ODE, BEIM ABSTERBEN SEINER GELIEBTEN MARIANE.
Soll ich von deinem Tode singen? O Mariane! welch ein Lied, Wann Seufzer mit den Worten ringen 20 Und ein Begriff den andern flieht! Die Lust, die ich an dir empfunden, Vergrössert jetzund meine Noth; Ich öffne meines Herzens Wunden Und fühle nochmals deinen Tod.
Doch meine Liebe war zu heftig, Und du verdienst sie allzuwohl, Dein Bild bleibt in mir viel zu kräftig, Als dass ich von dir schweigen soll. Es wird, im Ausdruck meiner Liebe, Mir etwas meines Glückes neu, 10 Als wann von dir mir etwas bliebe, Ein zärtlich Abbild unsrer Treu!
Nicht Reden, die der Witz gebieret, Nicht Dichter-Klagen fang ich an; Nur Seufzer, die ein Herz verlieret, Wann es sein Leid nicht fassen kann. Ja, meine Seele will ich schildern, Von Lieb und Traurigkeit verwirrt, Wie sie, ergötzt an Trauer-Bildern, In Kummer-Labyrinthen irrt! 20
Ich seh dich noch, wie du erblasstest, Wie ich verzweiflend zu dir trat, Wie du die letzten Kräfte fasstest, Um noch ein Wort, das ich erbat. O Seele, voll der reinsten Triebe, Wie ängstig warst du für mein Leid! Dein letztes Wort war Huld und Liebe, Dein letztes thun Gelassenheit.
Wo flieh ich hin? in diesen Thoren Hat jeder Ort, was mich erschreckt! 30 Das Haus hier, wo ich dich verloren; Der Tempel dort, der dich bedeckt; Hier Kinder -- ach! mein Blut muss lodern Beim zarten Abdruck deiner Zier, Wann sie dich stammelnd von mir fodern; Wo flieh ich hin? ach! gern zu dir!
O soll mein Herz nicht um dich weinen? Hier ist kein Freund dir nah als ich. Wer riss dich aus dem Schooss der deinen? Du liessest sie und wähltest mich. Dein Vaterland, dein Recht zum Glücke, Das dein Verdienst und Blut dir gab, Die sinds, wovon ich dich entrücke; Wohin zu eilen? in dein Grab!
Dort in den bittern Abschieds-Stunden, Wie deine Schwester an dir hieng, 10 Wie, mit dem Land gemach verschwunden, Sie unserm letzten Blick entgieng; Sprachst du zu mir mit holder Güte, Die mit gelassner Wehmuth stritt: ‘Ich geh mit ruhigem Gemüthe, Was fehlt mir? Haller kömmt ja mit.’
Wie kann ich ohne Thränen denken An jenen Tag, der dich mir gab! Noch jetzt mischt Lust sich mit dem kränken, Entzückung löst mit Wehmuth ab. 20 Wie zärtlich war dein Herz im lieben, Das Schönheit, Stand und Gut vergass, Und mich allein nach meinen Trieben Und nicht nach meinem Glücke mass.
Wie bald verliessest du die Jugend Und flohst die Welt, um mein zu sein; Du miedst den Weg gemeiner Tugend Und warest schön für mich allein. Dein Herz hieng ganz an meinem Herzen Und sorgte nicht für dein Geschick; 30 Voll Angst bei meinem kleinsten Schmerzen, Entzückt auf einen frohen Blick.
Ein nie am eiteln fester Wille, Der sich nach Gottes Fügung bog; Vergnüglichkeit und sanfte Stille, Die weder Glück noch Leid bewog; Ein Vorbild kluger Zucht an Kindern, Ein ohne Blindheit zartes Herz; Ein Herz, gemacht mein Leid zu mindern, War meine Lust und ist mein Schmerz.
Ach! herzlich hab ich dich geliebet, Weit mehr als ich dir kund gemacht, Mehr als die Welt mir Glauben giebet, Mehr als ich selbst vorhin gedacht. Wie oft, wann ich dich innigst küsste, Erzitterte mein Herz und sprach: 10 ‘Wie? wann ich sie verlassen müsste!’ Und heimlich folgten Thränen nach.
Ja, mein Betrübniss soll noch währen, Wann schon die Zeit die Thränen hemmt; Das Herz kennt andre Arten Zähren, Als die die Wangen überschwemmt. Die erste Liebe meiner Jugend, Ein innig Denkmal deiner Huld, Und die Verehrung deiner Tugend Sind meines Herzens stäte Schuld. 20
Im dicksten Wald, bei finstern Buchen, Wo niemand meine Klagen hört, Will ich dein holdes Bildniss suchen, Wo niemand mein Gedächtniss stört. Ich will dich sehen, wie du giengest, Wie traurig, wann ich Abschied nahm! Wie zärtlich, wann du mich umfiengest, Wie freudig, wann ich wiederkam!
Auch in des Himmels tiefer Ferne Will ich im dunkeln nach dir sehn 30 Und forschen, weiter als die Sterne, Die unter deinen Füssen drehn. Dort wird an dir die Unschuld glänzen Vom Licht verklärter Wissenschaft; Dort schwingt sich aus den alten Gränzen Der Seele neu entbundne Kraft!
Dort lernst du Gottes Licht gewöhnen, Sein Rath wird Seligkeit für dich; Du mischest mit der Engel Tönen Dein Lied und ein Gebet für mich. Du lernst den Nutzen meines leidens, Gott schlägt des Schicksals Buch dir auf; Dort steht die Absicht unsers scheidens Und mein bestimmter Lebenslauf.
Vollkommenste! die ich auf Erden So stark und doch nicht gnug geliebt! 10 Wie liebens-würdig wirst du werden, Nun dich ein himmlisch Licht umgiebt. Mich überfällt ein brünstigs hoffen, O! sprich zu meinem Wunsch nicht nein! O! halt die Arme für mich offen! Ich eile, ewig dein zu sein!
2.
AUS DEN ALPEN.
Wenn Titans erster Strahl der Gipfel Schnee vergüldet Und sein verklärter Blick die Nebel unterdrückt, So wird, was die Natur am prächtigsten gebildet, 20 Mit immer neuer Lust von einem Berg erblickt; Durch den zerfahrnen Dunst von einer dünnen Wolke Eröffnet sich zugleich der Schauplatz einer Welt, Ein weiter Aufenthalt von mehr als einem Volke Zeigt alles auf einmal, was sein Bezirk enthält; Ein sanfter Schwindel schliesst die allzuschwachen Augen, Die den zu breiten Kreis nicht durchzustrahlen taugen.
Ein angenehm Gemisch von Bergen, Fels und Seen Fällt nach und nach erbleicht, doch deutlich, ins Gesicht, Die blaue Ferne schliesst ein Kranz beglänzter Höhen, 30 Worauf ein schwarzer Wald die letzten Strahlen bricht; Bald zeigt ein nah Gebürg die sanft erhobnen Hügel, Wovon ein laut Geblöck im Thale widerhallt; Bald scheint ein breiter See ein Meilen langer Spiegel, Auf dessen glatter Flut ein zitternd Feuer wallt; Bald aber öffnet sich ein Strich von grünen Thälern, Die, hin und her gekrümmt, sich im entfernen schmälern.
Dort senkt ein kahler Berg die glatten Wände nieder, Den ein verjährtes Eis dem Himmel gleich gethürmt, Sein frostiger Krystall schickt alle Strahlen wieder, Den die gestiegne Hitz im Krebs umsonst bestürmt. Nicht fern vom Eise streckt, voll Futter-reicher Weide, 10 Ein fruchtbares Gebürg den breiten Rücken her; Sein sanfter Abhang glänzt von reifendem Getreide, Und seine Hügel sind von hundert Heerden schwer. Den nahen Gegenstand von unterschiednen Zonen Trennt nur ein enges Thal, wo kühle Schatten wohnen.
Hier zeigt ein steiler Berg die Mauer-gleichen Spitzen, Ein Wald-Strom eilt hindurch und stürzet Fall auf Fall. Der dick beschäumte Fluss dringt durch der Felsen Ritzen Und schiesst mit gäher Kraft weit über ihren Wall. Das dünne Wasser theilt des tiefen Falles Eile, 20 In der verdickten Luft schwebt ein bewegtes Grau, Ein Regenbogen strahlt durch die zerstäubten Theile Und das entfernte Thal trinkt ein beständigs Thau. Ein Wandrer sieht erstaunt im Himmel Ströme fliessen, Die aus den Wolken fliehn und sich in Wolken giessen.
Doch wer den edlern Sinn, den Kunst und Weisheit schärfen, Durchs weite Reich der Welt empor zur Wahrheit schwingt, Der wird an keinen Ort gelehrte Blicke werfen, Wo nicht ein Wunder ihn zum stehn und forschen zwingt. Macht durch der Weisheit Licht die Gruft der Erde heiter, 30 Die Silber-Blumen trägt und Gold den Bächen schenkt; Durchsucht den holden Bau der buntgeschmückten Kräuter, Die ein verliebter West mit frühen Perlen tränkt: Ihr werdet alles schön und doch verschieden finden Und den zu reichen Schatz stäts graben, nie ergründen!
FRIEDRICH VON HAGEDORN.
[Scherer D. 374, E. 379.]
Geboren 1708 zu Hamburg, studierte die Rechte, gieng 1729 als Privatsecretär des dänischen Gesandten nach London und lebte später in Hamburg als Secretär beim Englischen Court. Starb 1754. Seine erste Gedichtsammlung erschien 1729; sein ‘Versuch in poetischen Fabeln und Erzählungen’ 1738. Seine sämmtlichen Werke, Lehrgedichte, Fabeln und Erzählungen, Oden und Lieder enthaltend, erschienen zuerst Hamburg, 1756. Neue Gesammtausgabe von Eschenburg (Hamburg 1800). Neudruck des ‘Versuchs einiger Gedichte’ durch Sauer (Heilbronn 1883).
1.
DER MAY.
Der Nachtigall reizende Lieder Ertönen und locken schon wieder Die fröhlichsten Stunden ins Jahr. Nun singet die steigende Lerche: Nun klappern die reisenden Störche, Nun schwatzet der gaukelnde Staar. Wie munter sind Schäfer und Heerde, Wie lieblich beblümt sich die Erde! Wie lebhaft ist itzo die Welt! 10 Die Tauben verdoppeln die Küsse, Der Entrich besuchet die Flüsse, Der lustige Sperling sein Feld. Wie gleichet doch Zephyr der Floren! Sie haben sich weislich erkohren, Sie wählten den Wechsel zur Pflicht. Er flattert um Sprossen und Garben; Sie liebet unzählige Farben; Und Eifersucht trennet sie nicht. Nun heben sich Binsen und Keime, 20 Nun kleiden die Blätter die Bäume, Nun schwindet des Winters Gestalt; Nun rauschen lebendige Quellen Und tränken mit spielenden Wellen Die Triften, den Anger, den Wald. Wie buhlerisch, wie so gelinde Erwärmen die westlichen Winde Das Ufer, den Hügel, die Gruft! Die jugendlich scherzende Liebe Empfindet die Reizung der Triebe, Empfindet die schmeichelnde Luft. Nun stellt sich die Dorfschaft in Reihen, Nun rufen euch eure Schallmeyen, Ihr stampfenden Tänzer! hervor. Ihr springet auf grünender Wiese, 10 Der Bauerknecht hebet die Liese, In hurtiger Wendung, empor. Nicht fröhlicher, weidlicher, kühner, Schwang vormals der braune Sabiner Mit männlicher Freyheit den Hut. O reizet die Städte zum Neide, Ihr Dörfer voll hüpfender Freude! Was gleichet dem Landvolk an Muth.
2.
DAS HÜHNCHEN UND DER DIAMANT.
Ein verhungert Hühnchen fand 20 Einen feinen Diamant, Und verscharrt’ ihn in den Sand. ‘Mögte doch, mich zu erfreun, Sprach es, dieser schöne Stein Nur ein Weizenkörnchen seyn!’ Unglückselger Überfluss, Wo der nöthigste Genuss Unsern Schätzen fehlen muss!
3.
JOHANN, DER MUNTERE SEIFENSIEDER.
Johann, der muntre Seifensieder, 30 Erlernte viele schöne Lieder Und sang, mit unbesorgtem Sinn, Vom Morgen bis zum Abend hin. Sein Tagwerk konnt’ ihm Nahrung bringen: Und wann er ass, so musst’ er singen; Und wann er sang, so war’s mit Lust, Aus vollem Hals’ und freier Brust. Beim Morgenbrot, beim Abendessen Blieb Ton und Triller unvergessen; Der schallte recht, und seine Kraft Durchdrang die halbe Nachbarschaft. Man horcht, man fragt: ‘Wer singt schon wieder? Wer ist’s?’ ‘Der muntre Seifensieder!’ 10
Im Lesen war er anfangs schwach; Er las nichts als den Almanach, Doch lernt’ er auch nach Jahren beten, Die Ordnung nicht zu übertreten, Und schlief, dem Nachbar gleich zu sein, Oft singend, öfter lesend, ein. Er schien fast glücklicher zu preisen, Als die berufnen sieben Weisen, Als manches Haupt gelehrter Welt, Das sich schon für den achten hält.-- 20
Es wohnte diesem in der Nähe Ein Sprössling eigennütz’ger Ehe, Der, stolz und steif und bürgerlich, Im Schmausen keinem Fürsten wich: Ein Garkoch richtender Verwandten, Der Schwäger, Vettern, Nichten, Tanten, Der stets zu halben Nächten frass Und seiner Wechsel oft vergass.
Kaum hatte mit den Morgenstunden Sein erster Schlaf sich eingefunden, 30 So liess ihm den Genuss der Ruh’ Der nahe Sänger nimmer zu. ‘Zum Henker! lärmst du dort schon wieder, Vermaledeiter Seifensieder? Ach, wäre doch, zu meinem Heil, Der Schlaf hier, wie die Austern, feil!’
Den Sänger, den er früh vernommen, Lässt er an einem Morgen kommen Und spricht: ‘Mein lustiger Johann, Wie geht es Euch? Wie fangt Ihr’s an? Es rühmt ein jeder Eure Waare, Sagt, wie viel bringt sie Euch im +Jahre+?’
‘Im +Jahre+, Herr? mir fällt nicht bei, Wie grosz im +Jahr+ mein Vortheil sei. So rechn’ ich nicht? Ein Tag bescheret, Was der, so auf ihn kommt, verzehrt. 10 Dies folgt im Jahr (ich weiss die Zahl) Dreihundertfünfundsechzigmal.’
‘Ganz recht! doch könnt Ihr mir’s nicht sagen, Was pflegt ein Tag wohl einzutragen?’ ‘Mein Herr, Ihr forschet allzu sehr: Der eine wenig, mancher mehr; So wie’s dann fällt. Mich zwingt zur Klage Nichts als die vielen Feiertage, Und wer sie alle roth gefärbt, Der hatte wohl, wie Ihr, geerbt; 20 Dem war die Arbeit sehr zuwider; Der war gewiss kein Seifensieder.’
Dies schien den Reichen zu erfreu’n. ‘Hans’, spricht er, ‘du sollst glücklich sein. Jetzt bist du nur ein schlechter Prahler, Da hast du baare funfzig Thaler, Nur unterlasse den Gesang! Das Geld hat einen bessern Klang.’
Er dankt und schleicht mit scheuem Blicke, Mit mehr als dieb’scher Furcht zurücke. 30 Er herzt den Beutel, den er hält, Und zählt, und wägt, und schwenkt das Geld, Das Geld, den Ursprung seiner Freude Und seiner Augen neue Weide.
Es wird mit stummer Lust beschaut Und einem Kasten anvertraut, Den Band und starke Schlösser hüten, Beim Einbruch Dieben Trotz zu bieten, Den auch der karge Thor bei Nacht Aus banger Vorsicht selbst bewacht. Sobald sich nur der Haushund reget, Sobald der Kater sich beweget, Durchsucht er alles, bis er glaubt, Dass ihn kein frecher Dieb beraubt, Bis, oft gestossen, oft geschmissen, Sich endlich beide packen müssen: 10 Sein Mops, der keine Kunst vergass, Und wedelnd bei dem Kessel sass; Sein Hinz, der Liebling junger Katzen, So glatt von Fell, so weich von Tatzen.
Er lernt zuletzt, je mehr er spart, Wie oft sich Sorg’ und Reichthum paart, Und manches Zärtlings dunkle Freuden Ihn ewig von der Freiheit scheiden, Die nur in reine Seelen strahlt, Und deren Glück kein Gold bezahlt. 20
Dem Nachbar, den er stets gewecket, Bis der das Geld ihm zugestecket, Dem stellt er bald, aus Lust zur Ruh’, Den vollen Beutel wieder zu, Und spricht: ‘Herr, lehrt mich bess’re Sachen, Als, statt des Singens, Geld bewachen. Nehmt immer Euren Bettel hin, Und lasst mir meinen frohen Sinn. Fahrt fort, mich heimlich zu beneiden, Ich tausche nicht mit Euren Freuden. 30 Der Himmel hat mich recht geliebt, Der mir die Stimme wiedergibt. Was ich gewesen, werd’ ich wieder: Johann, der muntre Seifensieder!’
CHRISTIAN LUDWIG LISCOW.
[Scherer D. 376, E. 381.]
Geboren 1701 zu Wittenberg in Mecklenburg, um 1730 Hauslehrer in Lübeck, später in Dresden Secretär des Ministers von Brühl, zog sich durch seine Satiren überall Feinde zu; nachdem er 1739 eine Sammlung seiner Satiren herausgegeben hatte, verstummte er und starb 1760.
AUS DER ABHANDLUNG VON DER VORTREFFLICHKEIT UND NOHTWENDIGKEIT DER ELENDEN SCRIBENTEN.
Ein sehr altes scytisches Sprichwort sagt, dass es eine grössere Kunst sey, aus einem ledigen, als aus einem vollen Glase zu trinken; und mich deucht, dass also, wenn die Vernunft zu Verfertigung einer Schrift so unumgänglich nöhtig ist, als die guten Scribenten wollen, einer, der ohne Vernunft ein Buch schreiben kann, weit vortrefflicher, und mehr zu bewundern ist, als einer, der, wenn er etwas zu Papier bringen will, allemal seine Vernunft zu Hülfe nehmen muss. Man muss nicht meynen, dass die Bücher, die ohne {10} Vernunft geschrieben werden, nicht so wohl gerahten, als diejenigen, die mit Verstand gemacht sind. Denn es giebt Bücher, die unstreitig ohne Zuthun der Vernunft verfertiget, und doch so wohl gerahten sind, dass selbst unsere Feinde darüber erstaunen. Ist es möglich, schreyen sie gemeiniglich, dass ein vernünftiger Mensch dergleichen Zeug schreiben könne? Ja, ich habe mit meinen Ohren gehöret, dass einer, dem die höchst unvernünftigen Gedanken eines gewissen elenden Scribenten, über den Spruch: Viele sind berufen etc. zu Gesichte kamen, in Beyseyn vieler Leute hoch betheuerte, es sey ihm, wann er auch Engelsverstand hätte, und {20} sein Leben damit zu retten wüsste, unmöglich, so zu schreiben. Unsere Feinde gestehen also selbst, dass einem Menschen, der seine Vernunft nicht gebrauchet, vieles möglich sey, welches ein vernünftiger Mensch nicht thun kan, und dass wir die besondere Geschicklichkeit besitzen, ohne Vernunft Thaten zu thun, wozu ein mehr als englischer Verstand erfordert wird. Sie halten dieses für etwas schweres, ja für eine Sache, die ihnen schlechterdings unmöglich ist. Ich versichere sie aber, dass es uns nicht nur möglich, sondern gar etwas leichtes ist, ohne Vernunft ganz wunderbare Bücher zu schreiben. Sollten unsere Feinde wissen, wie geschwinde wir mit unsern Schriften fertig werden, und wie wenig Mühe und Nachdenken wir darauf wenden: so würden sie erst über unsere Geschicklichkeit erstaunen; sie würden, von dem Glanze unserer Vortrefflichkeit gerühret, vor uns niederfallen, und, ohne Zeitverlust, ihre Vernunft ins Meer werfen, da es am tiefsten ist.
Denn eben diese Vernunft ist es, welche ihnen ihre Arbeit so mühsam macht. Wir zähmen sie, und legen ihr ein Gebiss ins {10} Maul, und eben darum wird uns unsere Arbeit so leichte. Unsere Feinde machen sich ein Gewissen, den Regeln der gesunden Vernunft, die doch so schwer zu beobachten sind, entgegen zu handeln. Sie können nicht schreiben, wenn sie nicht vorher denken. Sie bilden sich ein, sie müssten die Sache, wovon sie schreiben wollen, aus dem Grunde verstehen, und verderben die edle Zeit mit der unnützen und lächerlichen Überlegung, ob sie auch der Materie, welche sie abhandeln wollen, gewachsen sind, bloss darum, weil ein alter Grillenfänger, der, aus vorsetzlicher Bosheit, den Menschen das Schreiben schwer machen wollen, {10} gesaget hat:
Sumite materiam vestris, qui scribitis, æquam Viribus, et versate diu, quid ferre recusent, Quid valeant humeri .....[1180]
Von allem diesen Ungemach sind wir frey. Wir erkennen die Schädlichkeit der Vernunft, und kehren uns also wenig an ihre Regeln. Unsere Absicht ist, ein Buch zu schreiben. Diesen Zweck erreichen wir, wenn wir so viel Papier, als dazu nöhtig ist, mit Buchstaben bemahlen. Ob der Sinn, der aus diesen Buchstaben heraus kömmt, wenn man sie zusammen setzet, vernünftig {30} ist, oder nicht, daran ist uns wenig gelegen. Wollten wir alles nach der Vernunft abmessen: so müssten wir denken; und das Denken greift den Kopf an, nimmt viel Zeit weg, und nützet doch, wenn man die Wahrheit sagen soll, nichts. So oft unsere Feinde unsere Schriften lesen, sprechen sie: Der Mensch kann nicht denken; und dennoch können sie unmöglich leugnen, dass dieser Mensch, der nicht denken kann, ein Buch geschrieben habe; weil sie es in Händen haben. Sie müssen also, sie mögen wollen oder nicht, gestehen, dass man schreiben könne, ohne vorher zu denken.
Wir thun es und befinden uns wohl dabey. Es ist leichter, und natürlicher, mit den Fingern zu schreiben, als mit dem Kopfe. Wer das letzte thut, ist einem Gauckler ähnlich, der auf dem Kopfe tanzet. Dieses mögen wir nicht von uns gesaget wissen, und brauchen also unsere Finger, wenn wir schreiben, und nicht den Kopf. Wenn unsere Feinde die Gemächlichkeiten, welche diese Schreibart mit sich führet, einzusehen fähig wären: so würden sie {10} uns gewiss beneiden. Nur zweene sind, so viel mir wissend, so weit gekommen, dass sie dieses erkannt haben; und haben daher kein Bedenken getragen, uns glücklich zu preisen, und den guten Scribenten vorzuziehen. Der eine ist ein Engländer und beweiset gar gründlich, dass das Denken nichts nütze und derjenige, der sich desselben ganz und gar enthält, nohtwendig am besten schreiben müsse. Er spricht:
Here some would scratch their Heads, and try What they should write, and How, and Why. But I conceive, such Folks are quite in Mistakes in Theory of Writing. 20 If once for Principle ’tis laid, That Thought is Trouble to the Head. I argue thus: The World agrees That He writes well, who writes with Ease. Then He, by Sequal logical, Writes best, who never thinks at all[1181].
Der kratzt den Kopf, sinnt Zweifels-voll, Was, wie, warum er schreiben soll; Doch merk ich selbst aus seinem Fleiss, Dass er vom Schreiben wenig weiss. 30 Denn hält man diesen Satz bewährt, Dass Denken nur den Kopf beschwert; So folgt auch: Es gesteht die Welt, Der schreibt gut, dem’s nicht mühsam fällt. Draus macht selbst die Vernunft den Schluss, Dass der, so niemals denkt, am besten schreiben muss.
Mich deucht, dieser Beweis ist unumstösslich. Der andere ist ein Franzose, und, O bienheureux Ecrivains, rufet er aus, Mr. de Saumaise en Latin, et Mr. de Scuderi en François! J’admire vôtre facilité, et j’admire vôtre abondance. Vous pouvez écrire plus de Calepins, que moi d’Almanachs. Bienheureux, fährt er fort, les Ecrivains qui se contentent si facilement, qui ne travaillent que de la memoire et des doigts, qui sans choisir écrivent tout ce qu’ils savent[1182]. Ist es nicht ewig Schade um die ehrlichen Männer, dass sie, da sie so viele Erleuchtung hatten, sich nicht bestrebet haben, uns gleich zu werden? Sie haben übel bey sich gehandelt. Ich {10} beklage sie, und halte sie, als Zeugen der Wahrheit ungemein hoch. Sollten sie jetzund noch leben, da meine vortreffliche Schrift zum Vorschein kömmt: so würden sie unstreitig ganz umgekehret, und neue Menschen werden.
Ich kehre wieder zu meinem Zweck, und sage, dass wir, wenn wir schreiben wollen, die Prüfung unserer Kräfte, mit welcher sich unsere Feinde quälen, vor eben so unnütz halten, als Vernunft und Nachdenken. Wir brauchen so vieler Umstände nicht. Wir haben die besondere Gabe von der Natur, dass wir schreiben können, was wir nicht gelernet haben, und von Sachen urtheilen können, die wir {20} nicht verstehen. Wir schreiben ganze Bücher von der Möglichkeit einer ewigen Welt, und handeln die schwersten Fragen aus der Weltweisheit, auf eine ganz eigene Weise, ab, ob wir gleich nichts davon begreifen. Philippi kann unbesehens von den Schriften urtheilen, die für und wider die wolfische Philosophie herausgekommen sind. Sievers, der kaum seinen Catechismus weiss, ist doch geschickt, andere zu lehren, was der seligmachende Glaube sey, und Rodigast kann die ungeheuresten Werke aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzen, ob er gleich weder Latein noch Deutsch verstehet, und niemand, ja vielleicht er selbst nicht, weiss, {30} was er vor eine Sprache redet. Hätte dieses edle Kleeblat elender Scribenten sich lange besinnen, und seine Kräfte untersuchen wollen, ehe es die Feder ansetzte: so will ich wetten, wir würden noch nicht wissen, ob es in der Welt sey. Allein wir elende Scribenten sind so misstrauisch gegen uns selbst nicht; weil wir wissen, dass uns, auch bey der grössten Schwachheit, alles möglich ist.
Diese vortreffliche Eigenschaft erhebet uns unendlich über unsere Feinde. Ein guter Scribent muss seine besten Jahre mit einem verdriesslichen Lernen verderben: weil er die abergläubige Einbildung hat, man könne sonst nicht schreiben. Wir hergegen fangen ganz frühe an zu schreiben, und warten nicht, bis die bösen Tage kommen, und die Jahre herzutreten, da man sagt: Sie gefallen mir nicht. Wir können gleich, ohne alle Vorbereitung, zum Werke schreiten; und ehe ein guter Scribent mit der Einsammlung der Sachen fertig ist, die er zu seinem Zweck nöthig {10} achtet, haben wir uns zehenmal in Kupfer stechen lassen, und den besten Platz in den Buchläden eingenommen. Ein guter Scribent mag seine Zeit noch so wohl angewandt und sich zum Schreiben so geschickt gemacht haben, als er immer will: so wird er doch allezeit gestehen, dass einige Materien ihm zu hoch sind, und selbst von denen, die er verstehet, nicht ohne vorhergegangene Überlegung und mit Furcht und Zittern schreiben. Uns ist keine Materie zu hoch. Wir wissen alles, ob wir gleich nichts wissen. Wir schreiben drauf loss und kehren uns an nichts. Und daher hat die Welt von uns die besten Dienste. Wir entdecken eine {20} unsägliche Menge der gefährlichsten Irrthümer, die unsere Feinde gemeiniglich übersehen, und das in Schriften, die wir nicht gelesen haben, und die wir, wenn wir sie lesen, kaum verstehen. Wir sind die eifrigsten Vertheidiger der Wahrheit und ein Schrecken der Ketzer. Wir entdecken sie, wie sehr sie sich auch verbergen; und ob wir gleich nicht wissen, was Ketzer und Ketzerey ist: so kann uns doch keiner entwischen; weil wir wie die Hunde, die das Capitolium bewacheten, den sichersten Weg gehen, und alles, was uns verdächtig vorkömmt, anbellen. Unsere Feinde verdenken es uns, dass wir so oft einen unnützen Lerm erregen. Sie wollen, {30} dass man mit Behutsamkeit und Verstand eifere; aber eben dadurch verrahten sie ihre Schwäche, und geben uns das Zeugniss, dass wir ohne Nachdenken und Verstand eine der wichtigsten Pflichten eines Wahrheit- und Ordnung-liebenden Menschen beobachten können, welches gewiss nichts geringes ist.
CHRISTOPH VON GRIMMELSHAUSEN.
[Scherer D. 380, E. 387.]
Geboren 1625 zu Gelnhausen in Hessen, als Sohn bäurischer Eltern. Er wurde als zehnjähriger Knabe von den Hessen geraubt und musste Soldatendienste thun. Nach dem deutschen Friedensschlusse 1648 verliess er den Soldatenstand und begab sich vermuthlich auf Reisen nach Holland, Frankreich und der Schweiz. Später stand er in Diensten des Bischofs von Strassburg und war in seinen letzten Lebensjahren Schultheiss zu Renchen am Schwarzwald. Hier starb er 1676. Er schrieb unter verschiedenen anagrammatischen Namen: Samuel Greifnson vom Hirschfeldi German Schleifheim von Sulsfort u. a. Sein berühmtester Roman ist der ‘Abentheuerliche Simplicissimus Das ist: Beschreibung dess Lebens eines seltzamen Vaganten, genant Melchior Sternfels von Fuchshaim’ 1669. Herausgegeben von Keller (Stuttgart 1854-62, 4 Bde.); Kurz (Leipzig 1863, 64, 4 Bde.); Neudruck des ‘Simplicissimus’ von Kögel (Halle 1880).
AUS DEM SIMPLICIUS SIMPLICISSIMUS.
Simplicij Bäurisches Herkommen, und gleichmässige Auferziehung.
ES eröffnet sich zu dieser unsrer Zeit (von welcher man glaubet, dass es die letzte sey) unter geringen Leuten eine Sucht, in deren die Patienten, wan sie daran kranck ligen, und soviel zusammen geraspelt und erschachert haben, dass sie neben ein paar Hellern im Beutel, ein närrisches Kleid auff die neue Mode, mit tausenderley seidenen Bändern, antragen können, oder sonst {10} etwan durch Glücksfall mannhafft und bekant worden, gleich Rittermässige Herren, und Adeliche Personen von uhraltem Geschlecht, seyn wollen; da sich doch offt befindet, dass ihre Vor-Eltern, Taglöhner, Karchelzieher[1183] und Lastträger: ihre Vettern Eseltreiber: ihre Brüder Büttel und Schergen... und in Summa, ihr gantzes Geschlecht von allen 32. Anichen[1184] her, also besudelt und befleckt gewesen, als dess Zuckerbastels Zunfft zu Prag immer seyn mögen; ja sie, diese neue Nobilisten, seynd offt selbst so schwartz, als wann sie in Guinea geboren und erzogen wären worden.
Solchen närrischen Leuten nun, mag ich mich nicht gleich {20} stellen, obzwar, die Warheit zubekennen, nicht ohn ist, dass ich mir offt eingebildet, ich müsse ohnfehlbar auch von einem grossen Herrn, oder wenigst einem gemeinen Edelmann, meinen Ursprung haben, weil ich von Natur geneigt, das Junckern-Handwerck zutreiben, wann ich nur den Verlag und den Werckzeug darzu hätte; Zwar ungeschertzt, mein Herkommen und Aufferziehung läst sich noch wol mit eines Fürsten vergleichen, wan man nur den grossen Unterscheid nicht ansehen wolte, was? Mein Knän (dan also nennet man die Väter im Spessert) hatte einen eignen Pallast, sowol als ein andrer, ja so artlich, dergleichen einjeder König mit eigenen Händen zubauen nicht vermag, sondern solches {10} in Ewigkeit wol unterwegen lassen wird; er war mit Laimen gemahlet, und anstat dess unfruchtbaren Schifers, kalten Bleyes, und roten Kupffers, mit Stroh bedeckt, darauff das edel Getraid wächst; und damit er, mein Knän, mit seinem Adel und Reichthum recht prangen mögte, liess er die Maur um sein Schloss nicht mit Maursteinen, die man am Weg findet, oder an unfruchtbaren Orten auss der Erde gräbet, viel weniger mit liederlichen gebackenen Steinen, die in geringer Zeit verfertigt und gebränt werden können, wie andere grosse Herren zuthun pflegen, auffführen; sondern er nam Eichenholtz darzu, welcher nutzliche edle Baum, als worauff {20} Bratwürste und fette Schuncken wachsen, biss zu seinem vollständigen Alter über 100. Jahre erfodert: Wo ist ein Monarch, der ihm der gleichen nachthut? Seine Zimmer, Säl und Gemächer hatte er inwendig vom Rauch gantz erschwartzen lassen, nur darum, dieweil diss die beständigste Farbe von der Welt ist, und dergleichen Gemähld biss zu seiner Perfection mehr Zeit brauchet, als ein künstlicher Mahler zu seinen trefflichen Kunststücken erheischet; Die Tapezereyen waren das zärteste Geweb auff dem gantzen Erdboden, dann diejenige machte uns solche, die sich vor Alters vermass, mit der Minerva selbst um die wette zuspinnen; {30} seine Fenster waren keiner andern Ursache halber dem Sant Nitglass gewidmet, als darum, dieweil er wuste, dass ein solches vom Hanff oder Flachssamen an zurechnen, biss es zu seiner vollkommenen Verfertigung gelanget, weit mehrere Zeit und Arbeit kostet, als das beste und durchsichtigste Glas von Muran, dan sein Stand macht ihm ein Belieben zuglauben, dass alles dasjenige, was durch viel Mühe zuwege gebracht würde, auch schätzbar, und desto köstlicher sey, was aber köstlich sey, das sey auch dem Adel am anständigsten; Anstat der Pagen, Laqueyen und Stallknechte, hatte er Schaf, Böcke und Säu, jedes fein ordentlich in seine natürliche Liberey gekleidet, welche mir auch offt auff der Waid auffgewartet, biss ich sie heimgetrieben; die Rüst- oder Harnisch-Kammer war mit Pflügen, Kärsten, Äxten, Hauen, Schaufeln, Mist- und Heugabeln genugsam versehen, mit welchen Waffen er sich täglich übete; dan hacken und reuthen war seine disciplina militaris, wie bey den alten Römern zu Friedens-Zeiten, Ochsen anspannen, war sein Hauptmannschafftliches Commando, {10} Mist aussführen, sein Fortification-wesen, und Ackern sein Feldzug, Stall-aussmisten aber, seine Adeliche Kurtzweile, und Turnierspiel; Hiermit bestritte er die gantze Weltkugel, soweit er reichen konte, und jagte ihr damit alle Ernden eine reiche Beute ab. Dieses alles setze ich hindan, und überhebe mich dessen gantz nicht, damit niemand Ursache habe, mich mit andern meines gleichen neuen Nobilisten ausszulachen, dan ich schätze mich nicht besser, als mein Knän war, welcher diese seine Wohnung an einem sehr lustigen Ort, nemlich im Spessert (allwo die Wölffe einander gute Nacht geben) liegen hatte. Dass ich aber nichts aussführliches {20} von meines Knäns Geschlecht, Stamm und Namen vor dissmal docirt, beschihet um geliebter Kürtze willen, vornemlich, weil es ohn das allhier um keine Adeliche Stifftung zuthun ist, da ich soll auff schwören; genug ist es, wan man weiss, dass ich im Spessert geboren bin.
CHRISTIAN REUTER.
[Scherer D. 384, E. 390.]
Geboren 1665 in Kütten bei Halle, studierte 1688 in Leipzig, wurde mehrfach als Pasquillant incarceriert und relegiert. 1700 Secretär des Kammerherrn R. G. v. Seyfferditz zu Dresden; seitdem verschollen. Ausser seinem Reiseroman ‘Schelmuffsky’ (Neudruck durch Schullerus, Halle 1885) verfasste oder übersetzte er noch einige Lustspiele. Vgl. Zarncke ‘Christian Reuter, der Verfasser des Schelmuffsky, sein Leben und seine Werke’ (Leipzig 1884).
AUS DEM SCHELMUFFSKY.
Flugs an der St. Peters-Kirche war ein gantz enge Gässgen, durch dasselbe führte mich der Sterngucker, und immer vor biss an den Marckt. Wie wir nun an den Marckt kamen, so fragte er mich, ob ich Lust und Belieben hätte mich in eine Dreck-Schüte zu setzen, und ein wenig mit nach den Härings-Fange spatziren zu fahren? Ich sagte hierzu gleich Tob. Darauf satzten wir uns beyde in eine Dreck-Schüte, und fuhren da weil wir guten Wind hatten, immer auff der Tyber übern Marckt weg, und unten bey dem Härings-Thore zu einem Schlauchloche hindurch, und nach dem Härings-Fange zu.
Wie wir nun mit unserer Dreck-Schüte an den Härings-Fang {10} kamen, O sapperment! was war vor ein gelamentire von den Schiffleuten, welche den Härings-Fang gepachtet hatten. Da ich nun fragte, was es wäre? so erzehlten sie mir mit weinenden Augen, wie dass ihnen der See-Räuber Barth mit der stumpichten Nase grossen Abbruch an ihrer Nahrung gethan, und ihnen nur vor einer halben Viertel Stunde über 40. Tonnen frische Häringe mit etlichen Capers Schelmische Weise weggenommen hätte. O sapperment! wie lieff mir die Lauss über die Leber, als ich von Hanss Barthens stumpichter Nase hörete, da dachte ich gleich dass es derselbe Kerl seyn müste, welcher mich mit so erschrecklich {20} viel Capers weyland auff der Spanischen See ohne Raison in Arrest genommen, und dadurch dasselbe mahl zum armen Manne gemacht hatte. Ich war flugs hierauff her, und fragte die Schiff-Leute: Wo der Galgenvogel mit den Härings-Tonnen zu gemarchiret wäre? Da sie mir nun sagten, und zeigten, dass er noch auff der Tyber mit seinen Caper-Schiffe, worauff er die 40. Donnen frische Häringe gepackt hatte, zu sehen wäre, so setzte ich ihn geschwind mit etlichen Dreck-Schüten nach, und weil so vortrefflich guter Wind war, so ergatterte ich ihn noch mit dem Stern-Gucker und etlichen Schiffleuten eine halbe Meile von den Härings-Fange.
{30} O sapperment! wie fiel dem Hanss Barthe das Hertze in die Hosen, da er mich nur von ferne kommen sahe, er wurde wie ein Stück Käse so roth im Angesichte, und mochte sich wohl flugs erinnern, dass ich der und der wäre, welcher seiner Nase vormals so einen erschrecklichen Schand-Flecken angehänget hätte. Als wir nun auff unsern Dreck-Schüten Hanss Barthen mit den 40. gestohlenen Härings-Donnen einholeten, so fieng ich gleich zu ihn an: Höre doch du Kerl, wilst du die Häringe wieder hergeben, welche du den armen Schiffleuten abgenommen hast, oder wilstu haben, dass ich dir deine krumme stumffichte Habichts-Nase vollends herunter sebeln soll? Der Hanss Barth gab mir hierauff zur Antwort und sagte: Er wolte eher sein Leben nehmen lassen, ehe er in Güte einen Schwantz nur von einem Härig wieder geben. Hierauff so rückte ich mit meiner Dreck-Schüte an sein Caper-Schiff hinan, und kriegte meinem langen Stoss-Degen heraus, nun da hätte man schön fuchteln gesehen, wie ich den Hanss Barth auff sein Caper-Schiffe exercirte, Er wehrete sich zwar auch mit seinen {10} Capers, allein sie kunten mir nichts anhaben. Denn wenn sie gleich nach mir hieben oder stachen, so war ich wie ein Blitz mit meiner Dreck-Schüte auf der Seite, den Hans Barth aber jagte ich der Tebel hohl mer immer um die 40. Härings-Donnen welche er auff sein Schiff geladen hatte, herum, und hieb wie Kraut und Rüben auff ihn hinein. Endlich war ich so sehr auff den Galgenvogel erbittert, dass ich mich gantz nahe mit meiner Dreck-Schüte an sein Caper-Schiff machte, und ehe er sichs versahe, bey seinen diebischen Federn zu fassen kriegte, aus den Caperschiffe heraus zoge, und plump in die Tyber hinein tauchte. O sapperment! da {20} hätte man schön schreyen gesehen, wie der Hans Barth schrie, er bat mich fast ums Himmels willen, ich solte ihn wieder heraus helffen, dass er nicht ersoffe, er wolte den Schiffleuten ihre 40. Härings-Donnen hertzlich gerne wieder geben. Als ich dieses von Hanss Barthen hörete, so gab ich gleich den Schiffleuten Befehl das Caper-Schiff zu plündern, und hielt ihn so lange im Wasser bey den Ohren, biss sie die Härings-Donnen wieder hatten, hernach liess ich ihn mit seinen leeren Caper-Schiffe hinfahren wo er wolte, O Sapperment! was war da vor ein Jubel-Geschrey unter den Schiffleuten, welche den Häringsfang gepachtet hatten, dass sie {30} durch mich zu ihren Tonnen-Heringen wieder gekommen waren. Sie baten mich auch alle miteinander, ich solte ihr Härings-Verwahrer werden, sie wolten mir jährlich zehen tausend Pfund Sterlings geben, allein ich hatte keine Lust darzu.
Fußnoten:
[1011] schleicht hervor ans Licht.
[1012] rauschen sie.
[1013] Geplärr.
[1014] auf marmorglatten Strassen.
[1015] alle Jünglinge.
[1016] Äste.
[1017] bereichern.
[1018] lässt.
[1019] als ob er.
[1020] spatzieren gehn.
[1021] immerwährend.
[1022] so lange bis.
[1023] wahrlich.
[1024] berieselt.
[1025] Pönitenz.
[1026] Punkt.
[1027] sieht es.
[1028] genannt.
[1029] gespickte.
[1030] das sie das Volk barbieren.
[1031] Getreide.
[1032] Zwiebeln, und Jemand zwiebeln.
[1033] den Wein färben.
[1034] rädern.
[1035] was kehr ich mich.
[1036] heut Nacht.
[1037] gerade.
[1038] voraussehn.
[1039] teigig.
[1040] Weichlichkeit.
[1041] hohlen.
[1042] voll fassen.
[1043] achtzehn.
[1044] Vogt.
[1045] Nutzen.
[1046] fürchten.
[1047] tropft.
[1048] rief.
[1049] ihr habt.
[1050] kochen.
[1051] rannte.
[1052] Küche.
[1053] Töpfe.
[1054] stochern.
[1055] Erbsen.
[1056] Grütze.
[1057] Warmbier.
[1058] kratzen.
[1059] zu Haufen, zusammen.
[1060] eisernen bez. irdenen Topf.
[1061] Brei.
[1062] allzumahl.
[1063] brachte.
[1064] darauf warteten.
[1065] aber.
[1066] Kocherei.
[1067] angebrannt, widerlich.
[1068] stumpfsinnig.
[1069] entstellt aus Valentins, eines oft komisch verwendeten Heiligen.
[1070] vergiften.
[1071] wohnt.
[1072] Rohr.
[1073] frz. viédase, Taugenichts.
[1074] kleine Stadt bei Paris.
[1075] Kuppler.
[1076] euch.
[1077] vermischt.
[1078] Schwanz.
[1079] ihr rührt.
[1080] nachsinnen.
[1081] man es.
[1082] Meinung.
[1083] beworfen, besudelt.
[1084] frisch.
[1085] Gliedern.
[1086] Grossvater.
[1087] rechtschaffen.
[1088] gewaltig.
[1089] Landesfehde.
[1090] Holsteiner.
[1091] Dänen oder Teufel?
[1092] Ächzen.
[1093] abstreichen, sich davonmachen.
[1094] arten.
[1095] Schafböcken.
[1096] tüchtiger Kerl; man denke an: Daar is kien good Haar an em = er taugt nichts, oder: streitsüchtig.
[1097] verkriechen.
[1098] trampeln.
[1099] stampfen.
[1100] Abfertigende Interjection.
[1101] Hütte, Haus.
[1102] südwärts.
[1103] Viehstall.
[1104] knife.
[1105] Schnauze, Mund.
[1106] Name.
[1107] nur, aber.
[1108] vexieren.
[1109] berathen.
[1110] volksthümliche Spiele.
[1111] Beute durch.
[1112] Löffel.
[1113] Reihe.
[1114] Fastnachtshahn.
[1115] Kirchspiel.
[1116] eigenen Kopf, Willen.
[1117] Vogt.
[1118] widerlegen.
[1119] Sonntagshose.
[1120] Schulmeister.
[1121] wissen.
[1122] fette Erde, clay.
[1123] Füssen.
[1124] Bettler, prog.
[1125] Dirnen.
[1126] Hauptschwengel vor Wagen und Pflug.
[1127] grosses und kleines Vieh.
[1128] Erdkloss.
[1129] Bettelvögte.
[1130] gucken.
[1131] sich verbergen.
[1132] sich fürchten.
[1133] Hofstätte.
[1134] schütteln, zausen.
[1135] Bezeichnung des Teufels.
[1136] Eingut, Hausgeräthe.
[1137] Zuber.
[1138] Schaffe.
[1139] Name eines Mädchens.
[1140] ironisch: was Kostbares.
[1141] rotzig.
[1142] eigentlich: Hündin.
[1143] Kaldauen, umgedrehte Grützwurst.
[1144] Taschen, scrip.
[1145] zum Schlimmen, quad.
[1146] aufdecken, auftischen.
[1147] Übergewand.
[1148] Kopfschmuck der Mädchen aus vergoldetem Leder, Goldfell und vergüldeten Pfennigen, Dreilingen, Sechslingen, die darauf genäht waren.
[1149] Wohnzimmer.
[1150] Bierkrüglein, cruse.
[1151] Festtag.
[1152] rudern, treiben? von bak = Boot. oder mit Baken (Leuchtfeuern) den Weg bezeichnen.
[1153] nöthigen, crave.
[1154] Hochzeit.
[1155] Nachbar.
[1156] Schaufel, d. h. einen Korb geben.
[1157] christen, taufen.
[1158] Termin.
[1159] ins Auge fassen.
[1160] September, Grimm = ags-Solmonad, Februar, zu syllan = opfern.
[1161] warten.
[1162] Eheverschreibung betreffend den Brautschatz.
[1163] Zügel.
[1164] seufzen.
[1165] so mir.
[1166] für Dank, gratis.
[1167] Übervortheilung.
[1168] wodurch man sich in die Zeiten schickt.
[1169] eingeknetet.
[1170] zweimal.
[1171] nützlich.
[1172] gewinnt nichts von mir.
[1173] lallend reden.
[1174] dann.
[1175] hingegen.
[1176] Domherr.
[1177] leiht.
[1178] die Cäsur.
[1179] Italien.
[1180] Horatius de Arte poëtica.
[1181] Prior’s Poems, T. I. p. 12.
[1182] Balzac Liv. 23. Lett. 12.
[1183] Karrenzieher.
[1184] Ahnen.
END OF VOL I.