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Vorwort
Uie Darstellung der Ethik und Rechtsphilosophie, welche ich hiermit der Oeffentlichkeit tibergebe, bezeichnet sich als „Grundztige'^. Mein Interesse richtete sich vorzugsweise auf die Fundamentirung und die Klärung der Grundbegrijffe ; speciellerer Ausftihrungen habe ich mich der Kürze halber geflissentlich enthalten.
Sodann wollte ich an dieser Stelle noch besonders darauf aufmerksam machen, dass Ethik und Rechtsphilosophie in der folgenden Darstellung ein Ganzes sind. Die Ethik bedarf der Rechtsphilosophie zu ihrer Ergänzung und ist ohne diese Durchführung ihres Principes bis in seine letzten Konsequenzen eben um der UnvoUständigkeit willen den grössten Missverständnissen ausgesetzt. Die Rechtsphilosophie aber bedarf der Ethik als ihres Fundamentes, ohne welches ihre Begriffe in der Luft schweben und ihre Forderungen unbeweisbar sind.
Das Buch zerfällt sonach in zwei Hauptteile, die Grundlegung und die Ausführung. Letztere führt den Titel: „Die Konsequenzen aus der fundamentalen Wertschätzung" und zerfällt in zwei Abschnitte (m und IV des ganzen Buches), „die direkten Konsequenzen, welche die Ethik im engeren Sinne ausmachen", und die iv
Rechtsphilosophie, welclie in einer bestimmten Anwendung und Einschränkung jener besteht. Die Bezeichnung des dritten Abschnittes mit dem eben genannten Titel ist im Texte (S. 184) durch Versehen unterblieben.
Die Ueberschriften der Kapitel und Paragraphen nennen meist nur den Gegenstand, von welchem in ihnen die Rede ist, ohne den Gedankenzusammenhang, der seine Behandlung an dieser Stelle nötig macht, anzudeuten. Auch liess das Bedürfniss der Gliederung zuweilen Gleichartiges als ein kleineres Ganzes unter einer besonderen Ueberschrift zusammenfassen, obgleich es sich eigentlich dem Titel des vorhergehenden Kapitels oder Paragraphen als Hülfsuntersuchung oder ein Teil der Ausführung unterordnete. Die genauere Markirung dieser Verhältnisse hätte eine noch grössere Zahl von Ueber- und Untereinteilungen nötig gemacht. Ich hielt sie für überflüssig und hoffe, dass die Ueberschriften auch so dem Zwecke der leichteren Orientirung dienen werden.
„Erk. Log." bedeutet des Verfassers „Erkenntnisstheoretische Logik", Bonn bei Ed. Weber, 1878.
Greifswald.
Der Verfasser.
Inhaltsübersicht.
Seite Einleitung 1
Erster Teil.
Grundlegung.
I. Die formalen Kennzeichen des Principes der Ethik.
Der Begriff des Guten.
1. Die Quelle der "Wertbestimmungen 6
2. Abwehr von Miss Verständnissen und Einwänden 7
3. Gefühl und Wille. Grefühl nicht auf "Willen reducirbar .... 9
4. Vorbereitung. Verbindung der objektiven Erkenn tniss mit dem subjektiven Fühlen und "Wollen 11
5. Die Einheit von Gefühl und "Wollen, zuerst im Interesse und in anderen ohne bewussten Willensakt erfolgenden Handlungen — Unterschied des bewussten Willensaktes von letzteren 14
6. Aller Wille naturnotwendig abhängig von dem allein wertschätzenden Gefühl — gut = gewollt werden 16
Die Subjelctlvität des Gefühls und die Bedingungen seiner objeictiven Geltung.
7. Die Subjektivität des Gefühls im Gegensatze zur Objektivität des Gedachten und Wahrgenommenen 19
8. Der Begriff objektiv gültiger Wertschätzungen 23
Der Eudämonismus.
9. Missverständliche Auffassung der in Betracht gezogenen Tatsachen 26
10. Genauere Angabe, unter welchen Bedingungen die Gegenüberstellung der gewährten Lust und der lustgewährenden Sache, welche
an sich selbst wertlos sei, falsch ist 29
11. Der Begriff Wert und das Subjekt oder der Träger desselben . . 31
12. Zusammenhang zwischen Gefühl und seinem Objekte resp. seiner hervorbringenden Ursache 34
13. Die Gefühlswirkung gehört zum Wesen des sie hervorbringenden Dinges und dieses qhne jene ist eine reine Abstraktion, ein ßegen, der nicht nass macht — die Unmöglichkeit, die hervorbringende Ursache im Gegensatze zu der hervorgebrachten Lust als gleichgültig anzusehen 39
14. Zusammenfassung 41
VI
Der Begriff des Sollens. Seite
15. Bedeutung von Sollen 46
16. Wie kann das Sollen zum sittlichen Sollen werden? 48
Die mögliclien Konfliicte.
17. Was soll ich tun? 51
18. „Du hättest sollen" als Selbstanklage 53
19. Die dauernde Existenz eines Willens 55
20. Die gleichzeitige Existenz einander widersprechender Willen . . 58
Der Widersprucli des Könnens und zugleicli Niclitlcönnens.
21. Notwendigkeit und Möglichkeit 63
22. Fortsetzung. Die gesetzliche Notwendigkeit und die Notwendigkeit
aus der ursprünglichen Tatsache 64
23. In welchem Sinne auf dem G-ebiete der äusseren Natur Können und zugleich Nichtkönnen ausgesagt wird 67
24. Die nächsten Aufgaben. Der Begriff psychischer Individualität. Die Bedeutungen des Könnens und Nichtkönnens auf psychischem Gebiete 71
25. Auf welchen Sinn des Könnens stützt sich die Selbstanklage? Entstehung der psychischen Ereignisse, zunächst der Gefühle . . 76
26. Der Vorstellungsverlauf 82
27. Willensakte 84
28. Die Freiheit und das Können, welches von der Selbstanklage vorausgesetzt ist 90
29. Das von der Selbstanklage vorausgesetzte Können auf sittlichem Gebiete und der Begriff der Pflicht 98
II. Das Princip der Ethik.
Die unvermeidliclie oder die absolute Wertscliätzung.
30. Einleitung und Einteilung 108
Beweis, dass die Wertschätzung des Bewusstseins wiriclich unvermeidlich und absolut, oder dass das Bewusstsein wiriclich das absolut Wertvolle ist.
31. Das Zeugniss der Erfahrung 109
32. Das Leben und die einzelnen Erlebnisse 110
33. Die principale Wertschätzung durch Unglück nicht aufgehoben . 113
34. Die faktischen Ausnahmen und ihre Deutung 114
35. Die Ausnahme ein Problem 116
36. Vorbereitend das Verhaltniss zwischen Norm und Anomalie auf anderem Gebiete 118
37. Die Bejahung seiner selbst gehört zum Begriffe des bewussten Wesens 120 vn
Seite
38. Die Lust an der eigenen Existenz ist unterscheidbar und relativ
unabhängig von der Qualität der einzelnen Erlebnisse . . *. . 123
39. Lust an der eigenen Existenz gegenüber der Unlust aus einzelnen Ereignissen 125
Die unvermeidliche Wertschätzung als Princlp der Ethik. Aufhebung der Im
§ 31 Eingangs angegebenen Einschränicung und Interpretation der bewiesenen
Wertschätzung als Wertschätzung des Bewusstseins überhaupt.
40. Das Problem 129
41. Das Ganze. Der Allgemeinbegriff des Menschen resp. des Bewusstseins überhaupt im Gegensätze zum Individuum 131
42. Der Begriff des Individuums und sein Verhältniss zum Gattungsbegriffe 135
43. Folgerung aus dem Verhältnisse zwischen dem Gattungsbegriffe Mensch und dem Einzel-Ich. Die unvermeidliche "Wertschätzung
ist die des Bewusstseins überhaupt 140
Die Bewusstseinsgrade.
44. Klarheit der Vorstellungen überhaupt > 148
. 45. Anwendung des Begriffes der Klarheitsgrade auf das Bewusstsein 151
Erledigung der 3. Aufgabe (§ 30 S. 108) dieses Abschnittes. Ericlärung der tatsächlichen Verschiedenheiten und Abweichungen.
46. Einleitend Begriff der sittlichen Norm 158
47. Die Bedingungen der Entwickelung 166
Die Möglichlceit des inneren Konfliktes.
48. Neigung zum Stillstande 170
49. Die inneren Konflikte 175
50. Sittliche Erziehung 177
51. Religiöse Erziehung . 180
Zweiter Teil.
Die Konsequenzen aus der fundamentalen Wertschätzung.
IIL Die direkten Konsequenzen, welche die Ethik im engeren Sinne ausmachen.
Erste Konsequenz. Selbstbeherrschung.
52. Einleitung 184
53. Erreichung der Selbstbeherrschung. Gehorsam. Beseitigung eines Hissverständnisses 188 vin
Seite
Zweite Konsequenz. Wahrheitsliebe.
54. Erkenn tnisstheoretisch - logische Einleitung. Hochschätzung des Bewusstseins = Hochschätzung der Wahrheit 191
55. Wahrhaftigkeit 193
56. Wahrheitsliebe =;: Erkenntnisstrieb 199
57. Wahrheitsliebe in der Religiosität 201
58. Liebe zur Kunst und Arbeitsliebe überhaupt 203
59. Zusammenfassung und Schluss 205
Dritte Konsequenz. Die Nächstenliebe und die Gemeinschaft des Lebens. Die Nächstenliebe.
60. Einleitung. Die Gemeinschaft des Lebens äusserlich deducirt als Mittel zum Zwecke 207
Die Notwendigiceit der Gemeinschaft aus dem Wesen des Menschen deducirt.
61. Erkenntnisstheoretische Voraussetzung. Identität des Bewusstseins in allen Konkretis 209
62. Das Verhältniss zwischen abstrakt Allgemeinem und Einzelnem
und die Realität jenes 210-
63. Die Einheit in der Vielheit und die Vielheit in der Einheit . . 211
64. Das Verhältniss dieses einen Bewusstseins zu demjenigen, wodurch
es Vieles wird 212
65. Allgemeine Konsequenz der Nächstenliebe. Der Wille des Bewusstseins überhaupt • . . . 216
Konsequenz für die Gemeinschaft des Lebens.
66. Der Wert des bewussten Wesens wird im Nebenmenschen äusserlich anschaulich 217
67. Das Bedürfniss der Gemeinschaft specieller durch die Ergänzung begründet 220
68. Schlussfolgerungen und Zusammenfassung 226
69. Einschränkungen und Specialisirungen der allgemeinen Nächstenliebe 227
70. Specialisirung der Liebe aus der Individualität 231
71. Liebe unter Greschlechtsverschiedenen. Der Geschlechtstrieb und
die Ehe 237
72. Die Ehe 242
73. Eltern und Kinder 246
74. Konflikt der Pflicht der Nächstenliebe mit den eigenen Ansprüchen 253
75. Der Anspruch auf Ehre und Liebe . 257
76. Ehre im engeren Sinne 261
77. Die Pflicht der Selbstlosigkeit gegenüber allen eigenen Ansprüchen 264
78. Recht der Selbstaufopferung 269
79. Selbstaufopferung aus individuellem Beruf 271
Seite
IV. Grundzüge der Rechtsphilosophie.
Recht und Staat, ihr Begriff und ihre Aufgabe.
80. Einleitung. Formale Bestimmung 276
81. Die verlangten Tätigkeiten aus dem Grundprincipe der Ethik gefordert 277
82. Welches sind diese Tätigkeiten? — Abweisung einer falschen Ansicht 280
83. Unterschied von der Ethik — das Princip, aus welchem die Recht und Staat ausmachenden Tätigkeiten gefunden werden .... 282
84. Konsequenzen aus diesem Principe. Die beiden Arten von Tätigkeiten, — zwei Aufgaben, die Negation der Beeinträchtigung und
die positive Förderung 286
Das Recht im engeren Sinne.
85. Recht und Pflicht 292
86. Das Rechtssubjekt 294
Die negirten Beeinträchtigungen. Das Eigentum.
87. Einleitung. Die formale Definition 295
88. Begrijff des Gehörens 297
89. Das erste Kennzeichen. Okkupation 298
90. Specifikation. Ersitzung 300
91. Konsequenzen 302
92. Schenkung 304
93. ünwiderruflichkeit der Willenserklärung 304
94. Unter welchen Bedingungen der objektive Rechtswille die Unwiderruflichkeit einer "Willenserklärung verlangt. Die einseitige Willenserklärung 306
95. Die Verbindlichkeit des Vertrages 309
96. Erbrecht 314
Der positive Zwecic.
97. Unterscheidung des Staatswillens von dem ethischen Willen. Die Staatsaufgabe. Unmöglichkeit einer ganz scharfen Trennung . 315
98. Erster Unterschied 316
99. Zweiter Unterschied. Princip der persönlichen Freiheit . . . 318
100. Förderung in materieller Beziehung 320
101. Förderung in geistiger Beziehung 322
102. Unterricht in der Sittenlehre .* 324
103. Verhältniss des Staates zu Religion und Kirche 325
105. Erbrecht 334
X
■ Seite
Die rechtmässige Gewalt. Zwang und Strafe.
106. AUg. Einleitung. Notwehr. Zurückweisung falscher Theorien. Rückführung auf das Princip, aus welchem auch die Strafe gerechtfertigt wird 334
107. Strafe. Stellung des Problems. Vorbereitung. Die pädagogische ^trafe .339
108. Die Rechtfertigung der pädagogischen Strafe durch die Vernichtung des Nicht-sein-sollenden 341
109. Falsche Straftheorien 344
110. Unlustzufügung der natürliche Ausdruck des Missfallens . . . 347
111. Der Widerspruch, in welchem das Problem besteht und der "Weg
. zur Lösung 349
112. Lösung des Problems 354
113. Schuld lind Straffälligkeit . . . ' 361
114. Freiheit als Bedingung der Zurechnung — das Strafwürdige ist
•die Gesinnung 366
115. Verjährung und Versuch 378
Das Staatsrecht. 116 382
Anhang,
Die Unsterblichkeit der Seele und die Existenz
der Nebenmenschen. 390
Sachregister 397
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The end
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