Grundzüge der Paläontologie (Paläozoologie). 1. Abteilung: Invertebrata. (part 2 of 3)
Die ¡Cheilostomata¡ beginnen zuerst im Jura, entfalten von der oberen Kreide an einen erstaunlichen Formenreichtum und übertreffen an Mannigfaltigkeit und Artenreichtum wenigstens in der Tertiär- und Jetztzeit bei weitem die ¡Cyclostomata¡. Nicht alle ¡Cheilostomata¡ haben eine vollständig verkalkte Hülle; einige (¡Flustridae¡) bleiben hornig und sind nicht zur Fossilisation geeignet, bei anderen (¡Membraniporidae¡) ist die Vorderwand häutig, die übrige Hülle verkalkt; bei fossilen Vertretern derselben erscheinen darum die Zellen auf der Vorderseite vollständig offen. Avicularia und Vibracula kommen häufig bei Cheilostomen vor und geben sich an fossilen Formen durch Spezialporen kund. Auch Ovicellen sind öfters als bei ¡Cyclostomata¡ entwickelt. Bei der ungeschlechtlichen Vermehrung sprossen die jungen Zellen in der Regel am vorderen Ende oder zu beiden Seiten der Mutterzelle hervor und gruppieren sich zu mehr oder weniger regelmäßigen Reihen. Meistens stehen die Zellen durch zahlreiche Sprossenkanäle miteinander in Verbindung.
Die Systematik der ¡Cheilostomata¡ befindet sich in ebenso unbefriedigendem Zustand als die der ¡Cyclostomata¡.
Die Gattungen ¿Salicornaria¿ Cuv. (Fig. 454), ¿Cellularia¿ Busk und ¿Scrupocellaria¿ van Beneden gehören zur Gruppe der ¿Articulata¿, bei denen die baumförmigen Stöckchen in Segmente gegliedert sind, welche durch biegsame hornige oder verkalkte zellenfreie Zwischenglieder verbunden werden.
Unter den ¿Inarticulata¿, bei denen die Zellen alle fest verbunden sind, vertreten die kriechenden ~Hippothoiden~ (Fig. 453) die Tubuliporiden unter den ¡Cyclostomata¡.
Die inkrustierenden ¿Membraniporiden¿ sind mit ihrer Rückseite aufgewachsen, so daß sich alle Zellenöffnungen nach einer Seite richten. Bei ¿Membranipora¿ (Fig. 455) ist die Vorderseite unvollständig oder gar nicht verkalkt, bei der formenreichen Gattung ¿Lepralia¿ (Fig. 456), die von d'~Orbigny~ in eine Menge Genera zerspalten worden war, ist die Vorderwand kalkig, die Mündung häufig durch Stacheln oder Fortsätze verziert.
Die ¿Eschariden¿ bilden aufrechte blättrige oder netzförmige Stöcke, die entweder aus einer oder aus zwei mit ihrer Rückseite verwachsenen Zellenschichten bestehen. Unter den zahlreichen Gattungen dieser Familie sind besonders ¿Eschara¿ Busk (Fig. 457), ¿Retepora¿ Imperato (Fig. 458) häufig. Die Membraniporiden und Eschariden beginnen im Dogger und haben ihre Hauptverbreitung in der oberen Kreide, im Tertiär und in der Jetztzeit.
Bei den ¿Vinculariden¿ bestehen die Stöcke aus runden Stämmchen und Zweigen, die ringsum von alternierenden Zellen umgeben sind. Hierher die Gattungen ¿Vincularia¿ Defr. (Fig. 459) und ¿Myriozoum¿ Donati (Fig. 460).
Die ¿Selenariidae¿ bilden meist freie napf- oder schüsselförmige, kreisrunde Scheiben, bei denen die Zellenöffnungen alle nach einer Seite gerichtet sind. Die Gattung ¿Lunulites¿ Lamx. (Fig. 462) ist häufig in oberer Kreide und im Tertiär; ¿Selenaria¿ Busk (Fig. 434) tertiär und lebend. Die ~Celleporiden~ entsprechen den Cerioporiden unter den ¡Cyclostomata¡ und bilden wie jene knollige oder unregelmäßig ästige Stöcke, deren irregulär angehäufte Zellen häufig in vielen Lagen übereinander geschichtet sind.
¿Cellepora¿ Fabricius (Fig. 461) und ¿Cumulipora¿ Münst. (Fig. 463) gehören zu den im Tertiär sehr verbreiteten ¡Cheilostomata¡.
Zeitliche Verbreitung der Bryozoa.
Schon in paläozoischen Ablagerungen gab es eine beträchtliche Menge Bryozoen, die größtenteils zu erloschenen Gattungen gehören, eine gesonderte Stellung im System einnehmen und von ~Vine~, als besondere Unterordnung, ¡Cryptostomata¡, unterschieden wurden. Im ~Silur~ und ~Devon~ sind die ¡Ptilodictyonidae¡, ¡Rhinidictyonidae¡ und ¡Cystodictyonidae¡ und ¡Ceramoporidae¡ besonders verbreitet, während im ~Karbon~ und ~Perm~ die ¡Fenestellidae¡ und ¡Acanthocladidae¡ ihre Hauptentwicklung erreichen.
~Trias~ und ~Lias~ entfalten vorzugsweise Cerioporiden, der ~Dogger~ von Lothringen, Süddeutschland, England, Normandie zahlreiche ¡Diastoporidae¡, ¡Tubuliporidae¡, ¡Frondiporidae¡ und ¡Cerioporidae¡; dagegen ist der ~obere Jura~ verhältnismäßig arm an Bryozoen.
Im ~Neocom~ und ~Gault~ herrschen noch die ¡Cyclostomata¡ vor, erst im ~Cenoman~ nehmen die ¡Cheilostomata¡ in größerer Zahl an der Zusammensetzung der Bryozoenfauna teil, die vorzüglich reich entwickelt ist bei Le Mans, Le Havre, Essen, in Sachsen, Böhmen und Norddeutschland.
Ganz außerordentlich reich an Bryozoen ist die ~obere Kreide~, namentlich der obere Pläner in Norddeutschland, Sachsen und Böhmen, die weiße Schreibkreide, der Kreidesand von Aachen und der Kreidetuff von Mastricht. d'~Orbigny~ beschreibt nicht weniger als 547 Arten obercretaceischer ¡Cyclostomata¡ und ca. 300 ¡Cheilostomata¡.
Im ~Tertiär~ überwiegen die ¡Cheilostomata¡. Die eocänen und oligocänen Ablagerungen am Nord- und Südfuß der Alpen zeichnen sich durch Bryozoenreichtum aus (Granitmarmor von Bayern, Priabona, Mossano im Vicentinschen); auch das ~Oligocän~ von Norddeutschland, das ~Miocän~ der Touraine, des Rhônetals, von Oberschwaben und im Wiener Becken sind reich an Bryozoen. Im ~Pliocän~ von Italien, Rhodus, Cypern und im Crag von England und Belgien finden sich fast nur noch recente Gattungen und vielfach auch noch jetzt existierende Arten.
2. Klasse. #Brachiopoda.# Armkiemener.[36]
~Zweischalige, symmetrische, niemals zu Kolonien vereinigte Meeresbewohner mit zwei spiral aufgerollten, fleischigen Mundarmen, die häufig von kalkigen Gerüsten getragen werden. Schalen kalkig oder hornig-kalkig, meist ungleich, aber seitlich symmetrisch, bald aufgewachsen, bald in der Jugend, bald zeitlebens durch einen hornigen Stiel auf einer Unterlage befestigt.~
Die Brachiopoden oder Palliobranchiata sind zartgebaute, von zwei gefäßreichen Mantellappen und zwei kalkigen oder kalkig-hornigen Schalen bedeckte Tiere, welche sich nur auf geschlechtlichem Wege fortpflanzen und manchmal ansehnliche Größe erreichen. Die meist dünnen Schalen sind in der Regel ungleich groß, jedoch vollkommen symmetrisch, so daß sie durch einen Medianschnitt in zwei gleiche Hälften zerlegt werden. Zuweilen ist eine Schale (¡Crania¡, ¡Thecidium¡) direkt aufgewachsen, häufiger tritt entweder zwischen dem verschmälerten Hinterende der beiden Schalen oder durch eine Öffnung in oder unter dem Schnabel der Unterschale ein muskulöser Stiel hervor, welcher zur Befestigung des Tieres dient. Mit zunehmendem Alter schließt sich die Schnabelöffnung nicht selten, der Stiel verkümmert, und die Schalen werden frei. In seltenen Fällen (¡Glottidia¡) bleiben die Brachiopoden schon von frühester Jugend an frei.
Während des Lebens liegt die in der Regel durchbohrte, fast immer größere ~Ventralschale~ unten, die kleinere ~Dorsalschale~ oben. Bei der Beschreibung werden jedoch die Schalen stets so orientiert, daß der ~Hinterrand~ (Schloßrand) mit der Schnabelöffnung nach oben, der ~Vorderrand~ (Stirnrand) nach unten gestellt werden. Eine Linie vom Wirbel zum Stirnrand gibt die ~Länge~, eine Senkrechte darauf in der Richtung von vorne nach hinten die ~Dicke~, eine Senkrechte in der Richtung von rechts nach links die ~Breite~ der Schale. Am Hinterrand sind beide Schalen entweder nur durch Muskeln (¡Inarticulata¡) oder durch ein sogenanntes ~Schloß~ (¡Articulata¡), d. h. durch zwei zahnartige Vorsprünge (Schloßzähne) der Ventralschale, welche sich in Gruben (Zahngruben) der kleinen Schale einfügen, miteinander verbunden. Zwischen den zwei Schloßzähnen springt ein mehr oder weniger entwickelter ~Schloßfortsatz~ vor. Beide Klappen stoßen am Schloß-, Stirn- und an den Seitenrändern durch Nähte (~Kommissuren~) aneinander.
Die Schale umhüllt in geschlossenem Zustand den ~Weichkörper~ vollkommen; wenn sie sich öffnet, trennen sich die Seiten- und Stirnrand-Kommissuren, die Schloßränder dagegen bleiben fest verbunden. Unmittelbar unter jeder Schale und an diese angeheftet, liegt ein dünnes, durchscheinendes, häufig aus drei Schichten zusammengesetztes, fleischiges ~Mantelblatt~. Die innere Zellenschicht des Mantels besteht aus Wimperzellen, die mittlere ist knorpelartig, die äußere enthält Blutgefäße und Genitalorgane. Zuweilen liegen kleine, ästige Kalkkörperchen (Spiculae) oder siebartig durchlöcherte und vielfach zerschlitzte Kalkscheibchen in großer Menge in der äußeren Mantelschicht, aus welcher häufig kurze, zylindrische, blinde Röhren hervorragen, welche in feine Vertikalkanäle der Schale eindringen und bis zu deren Oberfläche gelangen. Die Schalen solcher Formen erhalten ein feinpunktiertes Aussehen. Die beiden Mantellappen entsprechen in Größe und Form genau den beiden Schalen und umschließen die Mantelhöhle, wovon die hintere, unter den Wirbeln gelegene Abteilung nach vorn von einer häutigen Membran abgeschlossen wird und die eigentlichen Eingeweide, d. h. den Nahrungskanal, die Leber, das Herz, das zentrale Nervenganglion und die Muskeln enthält. In der Mittelebene der Membran befindet sich eine zweilippige Mundöffnung, welche nach hinten in die Speiseröhre, den Magen und Darm fortsetzt. Bei den ¡Articulata¡ (¡Apygia¡) ist der von zwei großen Leberlappen umgebene Magendarm kurz und endigt blind, bei den ¡Inarticulata¡ (¡Pleuropygia¡) macht er mehrere Windungen und mündet seitlich vom Mund in die vordere Abteilung der Leibeshöhle.
Dorsal vom Darm liegt das birnförmige ~Herz~, von welchem je zwei vielfach verzweigte Gefäße in die beiden Mantellappen, zwei andere in die spiralen Mundlappen ausgehen. In die zuweilen stark erweiterten Blutgefäße der Mantellappen dringen aus der Leibeshöhle dicke, paarig entwickelte Bänder und Wülste ein, welche weibliche oder männliche Geschlechtsorgane enthalten. Deutliche Eindrücke dieser Blutgefäße und Genitalstränge beobachtet man häufig auf der Innenseite der Schale oder auf fossilen Steinkernen von Brachiopoden (Fig. 464). Das ~Nervensystem~ besteht aus einem Schlundring mit zwei Ganglienknoten, von dem feine Nervenfäden in den Mantel, die Arme, die Muskeln und den Stiel ausgehen.
Der größere Teil der von den Mantellappen umschlossenen Leibeshöhle wird von den spiralen Mundanhängen, den sogenannten ~Armen~ eingenommen. Es sind dies zwei bewegliche, spiralig gebogene oder um sich selbst zurückgekrümmte fleischige Lappen von ungemein zarter Beschaffenheit (Fig. 465. 466), welche häufig durch ein feines, kalkiges ~Armgerüst~ gestützt werden. Zahlreiche Blutgefäße durchziehen die mit einem breiten Saum beweglicher Fransen besetzten Organe, welche gleichzeitig zur Respiration und zur Herbeistrudelung von Nahrung dienen. An der Respirationstätigkeit nimmt übrigens auch der von Blutgefäßen durchzogene Mantel teil.
Das Öffnen und Schließen der Schalen, sowie die Befestigung des Stieles wird bei den Brachiopoden lediglich durch ~Muskeln~ bewirkt, deren Zahl und Anordnung bei den zwei Hauptgruppen der Brachiopoden erheblich differiert. Bei den ¿Articulata¿ sind in der Regel mehrere Muskelpaare vorhanden, wovon die Divaricatores (Diductores) das Öffnen, die Adductores das Schließen der Schalen besorgen, während die Adjustores oder Stielmuskeln zur Befestigung des Stieles dienen.
Da die Anheftungsstellen der Muskeln auf der Innenseite der Schale mehr oder weniger deutliche Eindrücke hinterlassen, welche auch an fossilen Schalen erhalten bleiben, so verdienen sie eine speziellere Beachtung. Die Adductores (Fig. 467 ¡A¡) verlaufen quer von einer Schale zur andern und hinterlassen in der Mittelebene der größeren Ventralschale (¡B¡) einen in der Mitte geteilten Eindruck (¡a¡), auf der kleineren Dorsalschale vier paarig geordnete Eindrücke (¡a¡, ¡a'¡). Die zum Öffnen dienenden zwei Paar Divaricatores (¡d¡) befestigen sich mit ihren dünnen Enden an dem vorspringenden Schloßfortsatz (¡pr¡); das Hauptmuskelpaar (divaricatores anteriores ¡d¡) heftet sich auf der Innenseite der großen Ventralschale mit seinen verbreiterten Enden beiderseits neben und vor der Basis des Schließmuskels an, während das andere, kleinere Paar (divaricatores accessorii ¡d'¡) zwei kleine Anheftstellen (¡d'¡) hinter dem Schließmuskeleindruck besitzt. Neben den Muskeln zum Öffnen und Schließen kommen noch ~Stielmuskeln~ (Adjustores, Pediculares ¡p¡) bei denjenigen Gattungen hinzu, welche ein solches Anheftungsorgan besitzen. Kleine Eindrücke (¡p'¡) dieser Muskeln sieht man in der Dorsalklappe unter dem Schloßfortsatz. In der großen Ventralklappe liegen die vorderen Eindrücke (¡p¡) zwischen den vorderen und hinteren Divaricatoren, die hinteren (¡p'¡) im Grund der Schale unter dem Schloß.
Der ganze Muskelapparat der Articulaten arbeitet mit erstaunlicher Präzision. Dadurch, daß der Schloßfortsatz der kleinen Klappe seitlich unbeweglich zwischen den Schloßzähnen eingeklemmt ist, sich aber wie eine Tür in ihren Angeln frei in der Richtung der Mittelachse der Schale auf- und abwärts bewegen kann, bedarf es nur einer schwachen Kontraktion der Divaricatoren, um den Schloßfortsatz etwas nach innen und vorne zu ziehen und dadurch die Klappen am Stirnrand und an den Seiten zu lüften.
Bei den Inarticulaten ist der Muskelapparat noch mannigfaltiger und komplizierter als bei den Articulaten. Hier (Fig. 468) liegen die den Divaricatoren entsprechenden Muskeln (¡c¡) nicht in der Mitte, sondern in der Nähe der Seitenränder und bewirken eine laterale Verschiebung der beiden Klappen. Sie heißen darum ~Gleitmuskeln~. Die Adductores (¡a¡) sind in der Ventralschale weit auseinandergerückt, und neben ihnen befinden sich die Eindrücke (¡p¡) der Stielmuskeln (Adjustores). Bei den verschiedenen Familien der Inarticulaten machen sich übrigens erhebliche Verschiedenheiten in der Anordnung und Zahl der Muskeln bemerkbar.
Die ~Schale~ der Brachiopoden besteht aus zwei, meist ungleich großen, selten gleich großen Klappen. In der Regel ist die unten liegende Ventralklappe größer als die Dorsalschale, gewölbt, am Hinterrand zu einem Schnabel oder Wirbel eingekrümmt, und der Wirbel entweder spitz oder von einem runden ~Schnabelloch~ (¡Delthyrium¡) zum Austritt des Stieles durchbohrt. Zuweilen, namentlich bei Brachiopoden mit hornig-kalkiger Schale, sind die beiden Klappen gleich groß oder nur wenig an Größe verschieden. In diesem Fall tritt der Stiel entweder zwischen den nicht eingekrümmten Wirbeln hervor, oder der Wirbel der Ventralschale besitzt einen Einschnitt oder eine Öffnung für dessen Austritt. Sehr häufig liegt die Öffnung für den Stiel auch unter der Schnabelspitze und greift zuweilen sogar auf die kleinere Dorsalschale über. Die anfänglich meist dreieckige Stielöffnung wird bei sehr vielen Brachiopoden im Lauf der Entwicklung teilweise oder auch ganz durch ein ~Deltidium~ oder ~Pseudodeltidium~ geschlossen. Das ~Deltidium~ besteht aus zwei Stücken, welche als schmale, leistenartige Kalkplättchen an beiden Seiten der Öffnung beginnen, sich allmählich vergrößern bis sie in der Mitte unter oder über dem Schnabelloch zusammenstoßen oder letzteres umfassen. Bleiben die beiden Plättchen völlig getrennt, so heißt das Deltidium ~discretum~ (Fig. 469 ¡b. c.¡), stoßen sie unter dem Schnabelloch zusammen, so heißt das Deltidium ~sectans~ (Fig. 467), wird die Stielöffnung unten und oben vom Deltidium umgeben, so ist dasselbe ~amplectans~ (Fig. 469 ¡a¡). Jedes D. sectans oder amplectans beginnt in der Jugend mit einem D. discretum. Bei vielen Orthisiden, Stringocephaliden (Fig. 469 ¡c¡) und Spiriferiden wird die dreieckige Schnabelöffnung entweder durch zwei über der Öffnung zusammenstoßende und dann immer weiter gegen den Schloßrand wachsende Plättchen oder durch eine einzige Platte (~Pseudodeltidium~) teilweise oder ganz geschlossen (Fig. 470). Mit der Vergrößerung des Pseudodeltidiums geht eine Verkümmerung des Stieles Hand in Hand, und bei vollständigem Verschluß der Öffnung verschwindet derselbe gänzlich. ~Chilidium~ nennt man eine nur bei den paläozoischen Strophomeniden vorkommende Platte, welche den Schloßfortsatz der Dorsalklappe bedeckt. Zwischen Schloßrand und Wirbel befindet sich häufig auf der ventralen oder auch auf beiden Klappen eine abgeplattete, dreieckige ~Area~ (Fig. 470) von verschiedener Höhe, die außen von den zwei Schnabelkanten begrenzt wird. Sind die Schnabelkanten gerundet, und wird der Schloßrand durch zwei winklig zusammenstoßende ~Schloßkanten~ gebildet, so entsteht eine sog. falsche Area. Bei vielen Formen mit gebogenem Schloßrand und niedrigem Deltidium fehlt die Area.
Von den Rändern, mit welchen die zwei Schalen der Brachiopoden zusammenstoßen, zeigt der hintere oder ~Schloßrand~ bei den Articulaten einen besonderen Apparat zur Befestigung der Klappen. Die größere Ventralschale (Fig. 467) besitzt neben dem Deltidium jederseits einen zapfenartigen Vorsprung (~Schloßzahn~), welcher sich in eine ~Zahngrube~ der Dorsalschale einfügt; nach innen werden die Zahngruben durch die Schloßplatten begrenzt, und letztere häufig durch vertikale oder schiefe, bis zum Grunde der Schale reichende ~Zahnplatten~ (Zahnstützen) gestützt. Auch die Schloßzähne der Ventralklappe sind häufig durch Zahnplatten verstärkt. Außer den Zahnplatten, die manchmal eine beträchtliche Stärke erlangen, kommen zuweilen noch andere Leisten oder Scheidewände im Innern der Schalen vor, die meist zur Anheftung von Muskeln oder des Brachialapparates dienen. Am häufigsten zeigt sich ein ~Medianseptum~ von verschiedener Höhe und Länge, das unter dem Wirbel beginnt und zuweilen bis zum Stirnrand verläuft. Als ~Spondylium~ wird eine im hinteren Teil der Ventralschale befindliche Querplatte bezeichnet, die häufig durch ein Medianseptum gestützt wird (¡Orthisina¡) oder zwei Septen der Zahnstützen verbindet (¡Merista¡). Andere Leisten oder Blätter sind bei einzelnen Gattungen (¡Trimerella¡, ¡Thecidium¡, ¡Megathyris¡ etc.) entwickelt und verleihen denselben ein charakteristisches Gepräge.
Von besonderer Wichtigkeit in systematischer Hinsicht sind die ~Armgerüste~ (Fig. 471), durch welche bei vielen Articulaten die fleischigen Spiralarme gestützt und getragen werden. Diese Brachialapparate sind stets am Schloßrand der kleinen Dorsalschale befestigt und haben höchst mannigfaltigen Bau; sie erhalten ihre definitive Gestalt erst, wenn die Schale vollständig ausgebildet ist, und erleiden während der Entwickelung derselben zuweilen sehr beträchtliche Veränderungen.
Das einfachste Armgerüst besteht (¡Rhynchonellidae¡) aus zwei kurzen oder etwas verlängerten, gekrümmten Fortsätzen (Crura), welche von den Schloßplättchen der Dorsalschale entspringen. Bei den ¡Helicopegmata¡ heften sich an die Crura zwei dünne, spiral gewundene Bänder, welche je nach der Art ihrer Aufrollung und nach der Zahl ihrer Umgänge sehr verschiedene hohle Spiralkegel bilden (Fig. 471 ¡b.¡ ¡c.¡ ¡d.¡). Zuweilen bestehen die spiralen Bänder aus zwei parallelen, auf- oder aneinander liegenden Blättern, wovon das eine etwas über das andere vorragt. Derartige Spiralkegel werden »~diplospir~« genannt (Fig. 471 ¡b¡). Die zwei Spiralkegel sind meist durch eine Querbrücke (jugum) miteinander verbunden. Bei den Terebratuliden bilden die an die Crura angehefteten Kalkbänder kürzere oder längere, frei in die Schale herabhängende ~Schleifen~ (Fig. 471 ¡e-g¡). Die beiden vom Schloß- gegen den Stirnrand »absteigenden« Äste oder Schenkel vereinigen sich an ihren distalen Enden entweder direkt durch eine Querbrücke oder biegen sich in einiger Entfernung vom Schloßrand um, kehren als rücklaufende Schenkel wieder nach hinten zurück und sind dann durch ein Querband miteinander verbunden. Öfters heften sich die Schleifen auch durch quere Fortsätze an das Medianseptum der kleinen Schale an. Bei den Megathyriden (Fig. 471 ¡h¡) und Stringocephaliden verlaufen die an die Crura befestigten Bänder parallel dem Außenrand der Schale und vereinigen sich in der Medianebene; zuweilen sind sie durch ein Medianseptum oder durch mehrere radiale Leisten im Innern der Dorsalschale gestützt. Die ganze Gestalt der Armgerüste ist offenbar abhängig von der Art der Einrollung der fleischigen Spiralarme. Bei der lebenden ¡Rhynchonella¡ (Fig. 471 ¡a¡) bilden die Arme spirale Hohlkegel, und denkt man sich dieselben durch ein kalkiges Band gestützt, so erhält man genau das Armgerüst von ¡Atrypa¡. Bei den Terebratuliden haben die fleischigen Arme zuerst die Gestalt einer Schleife und rollen sich erst mit ihren distalen Enden spiral ein; hier erhalten nur die Schleifen kalkige Träger, während bei den Spiriferiden auch die distalen Teile zu hohlen Spiralkegeln verkalken.
Die Veränderungen der Armgerüste während der ontogenetischen Entwicklung gewähren wichtige Anhaltspunkte über die verwandtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Gattungen. Bei den mit Kalkspiralen versehenen ¡Helicopegmata¡ nimmt die Zahl der Umgänge mit dem Alter zu. Noch auffallender sind die Armgerüstveränderungen bei den Terebratuliden. Nach ~Oehlert~ und ~Beecher~ durchläuft das Armgerüst der lebenden Gattung ¡Waldheimia¡ Stadien, welche successive dem persistenten Armgerüst von ¡Gwynia¡, ¡Cistella¡, ¡Bouchardia¡, ¡Megerlea¡, ¡Magas¡, ¡Magasella¡ und ¡Terebratella¡ entsprechen, und ~Friele~ hat gezeigt, daß Entwicklungsstadien des Gerüstes von ¡Macandrewia cranium¡ zuerst mit den Gattungen ¡Platidia¡ und ¡Centronella¡, darauf mit ¡Magas¡, ¡Megerlea¡ und ¡Terebratella¡ korrespondieren.
Die Kenntnis des Armgerüstes ist fast immer zu einer sicheren Gattungsbestimmung erforderlich. Bei fossilen Brachiopoden bietet indeß die Untersuchung des inneren Baues der Schalen meist große Schwierigkeiten, da dieselben in der Regel fest geschlossen und mit Gesteinsmasse oder Kalkspat ausgefüllt sind. An manchen Lokalitäten sind Schalen und Armgerüste verkieselt; ist die Ausfüllungsmasse solcher Schalen in verdünnter Salzsäure löslich, so erhält man mühelos vorzügliche Präparate, welche auch die feinsten Details der Armgerüste erkennen lassen. Zuweilen kommen auch hohle Schalen mit wohlerhaltenen, jedoch häufig etwas inkrustierten Armgerüsten vor, die sich durch vorsichtiges Aufschlagen freilegen lassen. Sehr oft ist man darauf angewiesen, die kleine Schale abzusprengen und mit einer scharfen Präpariernadel die Ausfüllungsmasse zu entfernen. Es erfordert diese Manipulation nicht nur große Geschicklichkeit, sondern auch günstige Erhaltungsbedingungen. Das Armgerüst muß vollständig erhalten und die Ausfüllungsmasse nicht zu hart sein. Versagen alle Mittel, so bleibt noch immer das Anschleifen auf einer mit Schmirgel bestreuten Glasplatte übrig; man schleift zuerst die kleine Schale ab, bis sich die ersten Spuren des Gerüstes zeigen, reinigt und poliert die Schliffläche und zeichnet das erhaltene Bild genau ab; darauf wird etwas weiter geschliffen, abermals gereinigt und gezeichnet und so schließlich aus einer größeren Anzahl von Parallelschliffen das Bild des ganzen Armgerüstes rekonstruiert.
Die ~äußere Form und Verzierung~ der Schale liefern ebenfalls wichtige Unterscheidungsmerkmale. Meist sind beide Klappen ungleich; die untere, größere stärker gewölbt als die kleinere Dorsalschale, die zuweilen ganz flach oder sogar konkav wird. Einer Einsenkung (sinus) in der Nähe des Stirnrandes entspricht meist eine wulstartige Erhöhung (jugum, bourrelet) auf der anderen Schale. Die Verzierung der Oberfläche besteht am häufigsten aus einfachen oder dichotom gegabelten radialen Rippen, Falten oder feinen Streifen und Linien, zuweilen auch aus Stacheln oder röhrigen Fortsätzen. Als ¿Loricatae¿ bezeichnete ~L. v. Buch~ solche Brachiopoden, bei denen radiale Falten oder Rippen regelmäßig verteilt sind und wo einer erhabenen Rippe auf dem Stirnrand der einen Schale eine vertiefte Rinne auf der anderen entspricht; bei den ¿Biplicatae¿ wird ein Medianwulst oder Sinus jederseits durch eine grobe Falte begrenzt, bei den ¿Cinctae¿ stoßen zwei Rippen oder Falten der beiden Schalen so zusammen, daß der Stirnrand nicht wie bei den Biplicaten eine wellige, sondern eine gerade Linie bildet. An jugendlichen Exemplaren sind Rippen und Falten schwächer und weniger zahlreich als an ausgewachsenen, und auch die Wülste und Buchten kaum entwickelt. Im senilen Zustand verdicken sich die Schalen und erhalten staffelförmige Zuwachsstreifen.
Spuren von ~Färbung~ (radiale Bänder oder Flecken) lassen sich zuweilen auch an fossilen Brachiopoden beobachten.
Die ~Struktur~ der Schale weicht erheblich von jener der Mollusken ab. Bei den Articulaten besteht sie im wesentlichen aus einem Kalkblatt von geringer Dicke, das aus parallelen, schief gegen die Oberfläche gerichteten Kalkspatprismen (Fig. 472) zusammengesetzt ist. Bei den Thecideiden verschmelzen die Prismen so innig miteinander, daß eine fast homogene Struktur entsteht. Sehr häufig wird die Prismenschicht von senkrechten, nach außen mehr oder weniger trompetenartig erweiterten Kanälen durchzogen, welche Fortsätze der Mantellappen enthalten. Da jedoch die Kalkschale außen von einer dichten, organischen, chitinartigen Epidermis (Periostracum) überzogen ist, so kommunizieren diese Kanäle nicht mit der Außenwelt. An fossilen und an recenten, durch Kalilauge von der Epidermis befreiten, Schalen machen sich die Kanalöffnungen als feine, mit der Lupe sichtbare Punkte der Oberfläche bemerkbar (Fig. 473). Man unterscheidet nach dem Vorhandensein oder Fehlen von solchen Kanälchen punktierte und nichtpunktierte oder faserige Schalen.
Unter den Inarticulaten besitzen die Craniiden und Trimerelliden dicke Schalen aus konzentrischen Lagen von kohlensaurem Kalk. Bei Crania dringen von innen vertikale, distal verästelte Kanäle in die homogene Kalkschicht ein, bei den Linguliden und Oboliden besteht die Schale aus abwechselnden Schichten von phosphorsaurem (mit kohlensaurem) Kalk und einer hornartigen glänzenden organischen Verbindung (Keratin). Die Kalkschichten sind prismatisch und von zahlreichen feinen Röhrchen durchbohrt (Fig. 474).
Die ~Ontogenie~ ist bis jetzt von ¡Cistella¡, ¡Terebratulina¡, ¡Terebratula¡, ¡Lacazella¡, ¡Glottidia¡ und ¡Discinisca¡ bekannt und stimmt in den ersten Entwicklungs- und Larvenstadien mit Bryozoen und Anneliden überein. Die erste Anlage der Schale, das sogenannte Protegulum, beginnt schon frühzeitig und hat nach ~Beecher~ bei allen Brachiopoden übereinstimmende Gestalt. Es besteht aus zwei halbkreisförmigen, durch einen geraden Schloßrand verbundenen Klappen, bleibt zuweilen auf den Wirbelspitzen junger, aber bereits vollständig ausgebildeter Schalen noch längere Zeit sichtbar, oder hinterläßt daselbst einen deutlichen Abdruck, wird aber in der Regel sehr bald durch das entstehende Schnabelloch und durch Abreibung zerstört. Die cambrische Gattung ¡Paterina¡ stellt nach ~Beecher~ ein persistentes Protegulum dar; bei den Linguliden tritt der Stiel noch zwischen den beiden Klappen heraus, bei ¡Obolus¡ und ¡Discina¡ sind bereits auf beiden Klappen Ausschnitte für denselben vorhanden, die sich jedoch bei weiterer Entwicklung teilweise wieder schließen. Mit der Entwicklung des Stieles finden auch Veränderungen in der Ausbildung der beiden Schalen statt; tritt der Stiel zwischen denselben heraus (¡Lingulidae¡), so behalten sie nahezu gleiche Größe und Gestalt; rückt der Stiel ganz in die Ventralschale, so gewinnt diese ansehnlichere Größe. Die Schnabelöffnung bildet sich in verschiedener Weise aus und wird später wieder durch ein Deltidium oder Pseudodeltidium eingeschränkt oder auch gänzlich geschlossen. Der Brachialapparat entwickelt sich meist erst vollständig, wenn die Schalen ihre definitive Gestalt erlangt haben.
~Lebensweise~. Sämtliche Brachiopoden sind Meeresbewohner und finden sich in allen Zonen und Tiefen, am häufigsten in größerer Tiefe, doch lieben die mit Hornschale versehenen Formen (¡Lingulidae¡, ¡Discinidae¡) seichtes Wasser und schlammigen oder sandigen Boden, während die Articulaten und Craniaden, vorzugsweise in mittleren Tiefen von 50, 100 bis 500 Faden vorkommen. Sie scheinen meist gesellig zu leben und werden in der Regel in größerer Zahl durch das Schleppnetz hervorgeholt. Man kennt etwa 130-140 lebende Arten, denen ca. 6000 fossile gegenüberstehen.
~Systematik~. Der erste Klassifikationsversuch von Leop. v. ~Buch~ berücksichtigte vorzüglich die Beschaffenheit der Schnabelregion, die Anwesenheit oder den Mangel eines Stieles und eines Deltidiums, sowie die äußere Gestalt und oberflächliche Verzierung der Schale. ~Deshayes~ teilte die Brachiopoden zuerst in die zwei Gruppen ¡Articulés¡ und ¡Libres¡ ein. Die systematische Wichtigkeit der inneren Schalenmerkmale: des Schlosses, der Muskeleindrücke, der Scheidewände und namentlich des Armgerüstes betonte zuerst ~King~ (1846); die von ~King~ vorgeschlagene Klassifikation wurde von Th. ~Davidson~ weiter ausgebaut und verbessert. Die musterhaften Monographien ~Davidsons~ bilden noch heute die Grundlage für fast alle systematischen Arbeiten über fossile und lebende Brachiopoden. Der neueste, von amerikanischen Paläontologen vielfach angenommene Klassifikationsversuch von ~Beecher~ (1889) stützt sich auf embryologische Merkmale und teilt die Brachiopoden in ¡Atremata¡, ¡Neotremata¡, ¡Protremata¡ und ¡Telotremata¡ ein. Die beiden ersten Ordnungen entsprechen den Inarticulaten, die zwei letzten den Articulaten. Bei den Atremata tritt der Stiel zwischen den beiden Klappen hervor und ist nie von Schale umgeben. (¡Obolidae¡, ¡Lingulidae¡, ¡Trimerellidae¡); bei den Neotremata ist die Stielöffnung auf die Ventralschale beschränkt und öfters durch ein Deltidium modifiziert (¡Acrotretidae¡, ¡Siphonotretidae¡, ¡Discinidae¡, ¡Craniidae¡). Auch bei den mit Schloß versehenen Protremata befindet sich die Stielöffnung lediglich in der Ventralschale und ist mit Deltidium versehen, das aus einem Prodeltidium hervorgeht; Armgerüste fehlen (¡Strophomenidae¡, ¡Thecidiidae¡, ¡Productidae¡, ¡Pentameracea¡); bei den Telotremata befindet sich die Stielöffnung in den frühesten Jugendstadien zwischen den beiden Klappen und rückt erst später in die Ventralschale, wo sie von einem Deltidium begrenzt ist. Armgerüste vorhanden (¡Rhynchonellacea¡, ¡Terebratulacea¡).
1. Ordnung. #Inarticulata.# (Desh.) Huxley.
(¡Lyopomata¡ Owen, ¡Pleuropygia¡, ¡Ecardines¡ Bronn, ¡Tretenterata¡ King.)
~Die zwei hornig kalkigen oder kalkigen Klappen ohne Schloßverbindung, lediglich durch Muskeln zusammengehalten. Magendarm neben der Mundöffnung in einer Afteröffnung endigend. Arme sehr entwickelt, fleischig. Armgerüst fehlt.~
1. Familie. #Obolidae.# King.
¡Schale kalkig-hornig, etwas ungleichklappig, rundlich oder oval, glatt; Schloßrand beiderseits verdickt, die Ventralschale am Schloßrand über die Dorsalschale vorragend, mit quergestreifter Area unter dem Wirbel und Furche zum Austritt des Stieles. Muskeleindrücke kräftig, die der seitlichen Gleitmuskeln groß, einfach.¡
Diese ausgestorbene paläozoische Familie enthält die ältesten Vertreter der Brachiopoden und ist vorzugsweise in cambrischen und silurischen Ablagerungen verbreitet.
¿Obolus¿ Eichw. (¡Ungula¡, ¡Ungulites¡ Pand., ¡Aulonotreta¡ Kutorga, ¡Acritis¡, ¡Schmidtia¡ Volborth) (Fig. 475). Schale kreisrund oder oval, mäßig gewölbt, glatt. Schloßrand verdickt, die Ventralschale mit schwachem Medianseptum. ¡O. Apollinis¡ Eichw. ungemein häufig im cambrischen »Unguliten-Sandstein« von St. Petersburg.
¿Obolella¿, ¿Kutorgina¿ Billings, ¿Paterina¿ Beecher, ¿Mikwitzia¿ Schmidt. Kambrium.
¿Lingulella¿ Salt. Schale breit, länglich vierseitig oder dreiseitig. Ventralschale zugespitzt, unter dem Wirbel eine dreieckige Area mit Stielfurche. Gleitmuskeln kleiner und weniger randständig als bei ¡Obolus¡. Kambrium bis Devon. In Europa und Nordamerika. ¡L. Davisii¡ M'Coy.
¿Lingulepis¿ Hall. Schale klein, oval dreiseitig, Ventralschale zugespitzt, mit ziemlich hoher Area und Medianseptum. Kambrium. Nordamerika. ¡L. pinnaeformis¡ Hall.
¿Leptobolus¿ Hall, ¿Paterula¿ Barr., ¿Spondylobolus¿ M'Coy (Fig. 476). Silur.
¿Neobolus¿ Waagen. Permo-Karbon. Indien.
2. Familie. #Lingulidae.# King.
¡Schale hornig-kalkig, fast gleichklappig, länglich vierseitig, oval oder subtriangulär, am Hinterrand verschmälert, winklig und etwas klaffend. Stiel lang, kräftig, zwischen den Schalen vortretend. Die fünf paarigen Muskeleindrücke klein, symmetrisch um die zentrale Region angeordnet; der unpaare Adductor in der Mitte vor dem Wirbel gelegen.¡
Hauptentwicklung im Silur und Devon, weniger häufig im Mesozoicum und in der Jetztzeit.
¿Lingula¿ Brug. (¡Glossina¡ Phill.) (Fig. 477, 478). Schale dünn, zusammengedrückt, glänzend, meist glatt oder fein konzentrisch, seltener radial gestreift, am Stirnrand breit, am Hinterrand verschmälert, die Wirbel spitz. Häufig in silurischen und devonischen (vielleicht schon in kambrischen?) Ablagerungen; seltener vom Karbon an, jedoch in allen Formationen bis zur Jetztzeit vorhanden.
¿Glottidia¿ Dall. Recent.
¿Dignomia¿ Hall. In einer oder in beiden Schalen ein starkes Medianseptum. Silur. Devon. ¡D. alveata¡ Hall.
¿Lingulops¿ Hall (Silur, Devon), ¿Lingulasma¿ Ulrich (Silur), ¿Barroisella¿, ¿Thomasina¿ Hall und Clarke (Silur).
3. Familie. #Trimerellidae.# Dav. u. King.
¡Schale kalkig, dick, ungleichklappig, von mäßiger Größe. Ventralschale mit hoher dreieckiger, quergestreifter Area und Furche zum Stielaustritt. Schloßrand dick. Beide Schalen mit einem Medianseptum, das ein ziemlich breites konkaves oder gewölbtes Kalkblatt trägt. Seitliche Gleitmuskeln lang, die mittleren Muskeleindrücke auf der zentralen Platte.¡
Im oberen Silur von Europa (Gotland, Livland, England, Nordamerika).
¿Trimerella¿ Billings (¡Gotlandia¡ Dall) (Fig. 479) Zentralplatte gewölbt und seitlich eingerollt. Ober-Silur.
¿Monomerella¿ Billings, Zentralplatten herzförmig, schwach konkav. Ob. Silur. ¡M. prista¡ Billings.
¿Dinobolus¿, ¿Rhinobolus¿ Hall. Ob. Silur. ¿Lakhmina¿ Oehlert (¡Davidsonella¡ Waagen). Kambrium.
4. Familie. #Siphonotretidae.# Kutorga.
¡Schale kalkig-hornig, ungleichklappig. Ventralschale mit quergestreifter Area, der Wirbel von einer runden Stielöffnung durchbohrt. Seitliche Muskeleindrücke fehlen.¡ Im Kambrium und Silur.
¿Siphonotreta¿ Vern. (Fig. 480). Schale länglich oval mäßig gewölbt; Oberfläche mit hohlen Stacheln bedeckt oder punktiert. Ventralschale mit dreieckiger Area. Die runde, auf der Rückseite des Wirbels befindliche Stielöffnung steht mit einer Röhre in Verbindung, die unter dem Schloßrand mündet. Unt. Silur.
¿Acrotreta¿ Kutorga. Ventralschale stark gewölbt, mit sehr hoher dreieckiger Area, darin eine seichte Medianfurche. Schnabelspitze mit runder Öffnung. Kambrium. Silur.
¿Conotreta¿ Walcott, ¿Iphidea¿ Billings. ¿Schizambonia¿ Walcott, ¿Helmersenia¿, ¿Keyserlingkia¿ Pander, ¿Acrothele¿ Linnarson. Kambrium.
5. Familie. #Discinidae.# Gray.
¡Schale dünn, hornig-kalkig, firnißglänzend, ungleichklappig, kreisrund oder oval, konvex, die Wirbel subzentral. Ventralschale mit einer schlitzförmigen oder rundlichen, hinter dem Wirbel beginnenden Stielöffnung. Muskeleindrücke kräftig.¡ Kambrium bis jetzt.
¿Trematis¿ Sharpe (¡Orbicella¡ d'Orb). Ventralschale gewölbt. Die große schlitzförmige Öffnung bis zum Schloßrand reichend. Oberfläche beider Klappen mit vertieften Grübchen bedeckt. Silur. England. Nord-Amerika.
¿Schizocrania¿ Hall und Whitf. Schale konzentrisch oder radial gestreift. Ventralklappe mit sehr großer, dreieckiger, vom Schloßrand bis zum zentralen Wirbel reichender Stielöffnung. Unt. Silur. Nord-Amerika.
¿Discina¿ Lam. (Fig. 481. 482). Schale mit fast kreisrunden, konischen, konzentrisch, seltener radial gestreiften Klappen. Ventralschale von einer schlitzförmigen oder rundlichen, am subzentralen Wirbel beginnenden, jedoch gegen den Schloßrand geschlossenen Öffnung durchbohrt. Silur bis Jetztzeit.
Die Gattung ¿Discina¿ wurde neuerdings hauptsächlich nach der Beschaffenheit der Stielöffnung in mehrere Subgenera zerlegt, wovon ¿Schizotreta¿ Kutorga, ¿Oehlertella¿, ¿Lindstroemella¿, ¿Roemerella¿ Hall kambrische, silurische und devonische Formen, ¿Orbiculoidea¿ d'Orb. die paläozoischen und mesozoischen Arten mit hochgewölbter Dorsalschale enthalten; die Namen ¿Discina¿ s. str. und ¿Discinisca¿ Dall werden auf tertiäre und recente Formen beschränkt.
6. Familie. #Craniidae.# Forbes.
¡Schale kalkig, ohne Stielöffnung, die ungleichen Klappen konisch oder abgeplattet. Ventralschale aufgewachsen, kleiner als die Oberschale. Innere Schalenränder breit, glatt oder gekörnelt. Jede Schale mit starken Muskeleindrücken, davon zwei vor dem Schloßrand, zwei in der Nähe der Schalenmitte; zwischen den zwei subzentralen Muskeleindrücken der Unterschale ein dreieckiger Vorsprung (Rostellum). Schalenstruktur dicht von distal geästelten Kanälchen durchsetzt.¡
Die vom Silur bis in die Jetztzeit fortdauernde Gattung ¿Crania¿ Retz. (Fig. 483 bis 485) wird nach der Beschaffenheit der Muskeleindrücke und des dreieckigen Vorsprungs der Ventralschale in mehrere Subgenera (¿Craniella¿ Oehlert, ¿Cardinocrania¿ Waagen, ¿Ancistrocrania¿, ¿Craniscus¿ Dall, ¿Pholidops¿ Hall, ¿Pseudocrania¿ M'Coy) zerlegt. Hauptverbreitung in der Kreide. Die vier Muskeleindrücke und der nasenförmige Vorsprung der Ventralschale erinnern an einen Totenkopf.
2. Ordnung. #Articulata.# Huxley.
(¡Arthropomata¡ Owen, ¡Apygia¡, ¡Testicardines¡ Bronn, ¡Clistenterata¡ King.)
~Beide Schalen durch Schloß verbunden, stets kalkig, mit oder ohne Armgerüst. Magendarm~ (bei den lebenden Gattungen) ~blind endigend~.
Die Articulaten zerfallen in vier Unterordnungen: ¡Aphaneropegmata¡, ¡Helicopegmata¡, ¡Ancistropegmata¡ und ¡Ancylopegmata¡.
A. Unterordnung. #Aphaneropegmata.# Waagen.
¡Armgerüst fehlt.¡
1. Familie. #Strophomenidae.# King.
¡Schale ungleichklappig. Schloßrand gerade, meist lang, darüber in jeder Schale eine dreieckige Area. Stielöffnung eine dreieckige Spalte unter dem Wirbel der Ventralschale, häufig durch ein Pseudodeltidium teilweise oder ganz geschlossen. Ventralschale mit zwei starken Schloßzähnen, welche den Schloßfortsatz der Dorsalschale umfassen. Muskeleindrücke kräftig.¡ Kambrium bis Lias. Hauptverbreitung in Silur und Devon.
¿Orthis¿ Dalm. (¡Hysterolithus¡ Aldr., ¡Orthambonites¡ Pander, Fig. 486-89). Schale vierseitig bis oval, meist radial gestreift oder gerippt. Beide Schalen entweder konvex oder die obere flach. Schloßrand gerade; Area jederseits mit offener Deltidialspalte. Die starken Schloßzähne der Ventralklappe und die Schloßplättchen der Dorsalklappe durch Zahnstützen getragen. Im Innern beider Klappen häufig ein Medianseptum vorhanden. Silur bis Perm. Im Silur allein über 400 Arten. Die Gattung ¡Orthis¡ wird von ~Hall~ und ~Clarke~ in 15 Subgenera (¡Plectorthis¡, ¡Hebertella¡, ¡Schizophoria¡, ¡Platystrophia¡, ¡Bilobites¡, ¡Dicoelosia¡, ¡Orthostrophia¡, ¡Dalmanella¡ etc.) zerlegt. Für die aus kambrischen Ablagerungen stammenden, ältesten Formen, bei denen die Deltidialspalte durch ein Pseudodeltidium geschlossen ist, werden die Gattungen ¿Billingsella¿, ¿Protorthis¿ und ¿Polytoechia¿ Hall aufgestellt.
¿Scenidium¿ Hall (¡Mystrophora¡ Kayser) Silur. Devon.
¿Orthisina¿ d'Orb. (¡Clitambonites¡, ¡Pronites¡, ¡Hemipronites¡, ¡Gonambonites¡ Pander) (Fig. 490). Beide Schalen konvex, faserig; Area der Ventralschale hoch, das Pseudodeltidium von einer runden oder ovalen Stielöffnung durchbohrt. Zahnstützen der Ventralschale verwachsen und zu einem löffelförmigen, konkaven Fortsatz (Spondylium) des Schloßfortsatzes umgestaltet, welcher zur Befestigung von Muskeln dient und durch ein Medianseptum gestützt wird. Unt. Silur.
¿Strophomena¿ (Raf.) Blainv. (¡Rafinesquina¡ Hall) (Fig. 491). Schale punktiert, konvex-konkav, quer vierseitig bis halbkreisförmig, radial gestreift. Schloßrand gerade, lang, der größten Breite der Schale entsprechend. Ventralschale schwach konvex, Dorsalschale konkav. Beide Schalen mit Area, stark genähert, so daß nur ein enger Raum für die Weichteile übrig bleibt. Wirbel der großen Schale in der Jugend durchbohrt, später geschlossen und spitz; die dreieckige Stielspalte durch ein Pseudodeltidium geschlossen, Schloßzähne divergierend und durch Zahnplatten gestützt, die zwei großen Muskeleindrücke durch ein Medianseptum getrennt. Dorsalschale mit kurzem, zweilappigem Schloßfortsatz. Blutgefäßeindrücke, zuweilen auch Eindrücke der spiral eingerollten fleischigen Arme, namentlich im Innern der Ventralschale deutlich sichtbar. Sehr verbreitet in zahlreichen Arten im Silur, Devon und Karbon; die ältesten Vertreter dieser Gattung (¿Kutorgina¿ Billings, ¿Billingsella¿ Hall und Cl.) aus dem Kambrium sind nach ~Schuchert~ Vertreter besonderer Familien.
Das Subgenus ¿Leptagonia¿ (M'Coy Fig. 492) zeichnet sich durch querrunzlige Verzierung und durch die starke Umbiegung des Randes der Ventralschale aus; bei ¿Strophodonta¿ Hall (¡Douvillina¡ Oehlert) ist der Schloßrand fein gezähnt; bei ¿Strophonella¿ Hall der Rand der Dorsalschale umgebogen und die Ventralschale konkav.
¿Leptaena¿ Dalm, emend. Davids. (¡Christiania¡ Hall, ¡Plectambonites¡ Pander) (Fig. 493) hat eine konvexe Ventral- und eine konkave Dorsalschale; der Schloßfortsatz der Oberschale ist dreilappig, die Muskeleindrücke sind tief, verlängert. Silur bis Karbon.
¿Leptella¿ Hall, ¿Leptaenisca¿ Beecher. Silur.
¿Tropidoleptus¿ Hall (Silur, Devon), ¿Vitulina¿ Hall (Devon).
¿Orthothetes¿ Fischer (¡Hipparionyx¡ Vanux.) (Fig. 494. 495). Schale bikonvex oder konvex-konkav, radial gestreift. Schloßrand sehr lang. Ventralschale etwas konkav, mit zurückgebogenem Wirbel, mäßig hoher Area und Pseudodeltidium. Dorsalschale konvex mit niedriger Area und Medianseptum. Silur bis Karbon.
Das Subgenus ¿Streptorhynchus¿ King hat eine hohe Area in der Ventralschale, dagegen kein Medianseptum; der starke Schloßfortsatz der Dorsalklappe wird von zwei Septen gestützt, welche auch die Muskeleindrücke umgeben. Perm. ¡St. pelargonatus¡ Schloth. sp.
¿Derbyia¿ Waagen (Karbon bis Perm) unterscheidet sich von ¡Streptorhynchus¡ nur durch ein Medianseptum in der Ventralschale, bei ¿Meekella¿ White und St. John (Karbon) sind die Schloßzähne der Ventralschale durch starke Zahnplatten gestützt.
¿Kayserella¿ Hall. Devon. Kleine Orthothetes ähnliche Schalen mit hoher Area. ¡K.¡ (¡Orthis¡) ¡lepida¡ Schnur.
¿Triplesia¿ Hall, ¿Mimulus¿ Barr, ¿Streptis¿ Dav. (Silur).
¿Davidsonia¿ Bouchard (Fig. 496.) Schale quer verbreitert, halbkreisförmig, beiderseits mit Area und Pseudodeltidium. Ventralschale aufgewachsen; im Innern zwei flach konische Spiraleindrücke (wahrscheinlich von fleischigen Armen) mit 5-6 Umgängen. Muskeleindrücke unmittelbar vor dem Schloß. Devon.
¿Cadomella¿ Mun.-Chalmas. Schale sehr flach oder konkav-konvex. Zwischen den zwei Stoßzähnen der Ventralschale ein napfförmiger Fortsatz zur Insertion der Divaricatoren. Ob. Lias. ¡C. Moorei¡ Davids.
2. Familie. #Productidae.# Gray.
¡Schale frei oder mit der gewölbten Unterschale festgewachsen; Dorsalschale flach oder konkav. Schloßrand gerade, lang. Oberfläche der Schale oder nur die Schnabelkanten mit hohlen Stacheln besetzt. Schloßzähne kräftig oder verkümmert; Schloßfortsatz vorragend. Muskeleindrücke mehr oder weniger tief; außerdem in der Dorsalschale zwei nierenförmige, außen durch eine erhabene Leiste begrenzte Eindrücke (Spiralarme?), denen im Innern der Ventralschale zuweilen schwache, spirale Eindrücke entsprechen.¡ Silur bis Perm.
¿Chonetes¿ Fischer (Fig. 497). Schale quer verlängert, halbkreisförmig, konkav-konvex. Beide Schalen mit Area und Pseudodeltidium. Ventralschale mit starken Schloßzähnen, die Schnabelkanten mit Röhren besetzt, welche mit dem Innern kommunizieren. Dorsalschale mit gespaltenem Schloßfortsatz und mehr oder weniger deutlichen, nierenförmigen Brachialeindrücken. Silur bis Perm.
Subgenera: ¿Chonetina¿ Krotow, ¿Anoplia¿, ¿Chonostrophia¿, ¿Chonopectus¿ Hall, ¿Chonetella¿ Waagen.
¿Productella¿ Hall. Ventralschale hoch gewölbt, Dorsalschale konkav; beide Klappen mit niedriger Area. Ventralschale mit zwei Schloßzähnen und dreieckiger Deltidialspalte. Brachialeindrücke deutlich. Devon.
¿Strophalosia¿ King (¡Orthothrix¡ Geinitz, ¡Leptaenalosia¡ King) (Fig. 498). Schale konvex-konkav, mit hohlen Stacheln bedeckt; Schloßrand mäßig lang, gerade; darüber in jeder Klappe eine Area mit Pseudodeltidium. Ventralschale mit zwei Schloßzähnen, mit dem Wirbel aufgewachsen.
¿Productus¿ Sow. (¡Marginifera¡, ¡Daviesiella¡ Waagen) (Fig. 499, 500). Schale quer verlängert, konvex-konkav, mit röhrigen Stacheln oder kurzen, hohlen Fortsätzen bedeckt. Ventralschale hoch gewölbt, mit großem, eingekrümmtem Wirbel. Area linear, ohne Deltidialöffnung. Dorsalschale konkav oder flach. Schloßzähne verkümmert, selten kräftig (¡Daviesiella¡). Muskeleindrücke dendritisch. Brachialeindrücke deutlich. Ungemein häufig im Kohlenkalk und Perm.
Bei dem Subgenus ¿Proboscidella¿ Oehlert ist die Ventralschale am Stirnrand röhrig verlängert und mit der Schnabelregion aufgewachsen; bei ¿Etheridgina¿ Oehlert ist die Ventralschale durch Stacheln auf Fremdkörpern, namentlich Crinoideenstielen, befestigt.
¿Aulosteges¿ Helmersen, ¿Aulacorhynchus¿ Dittmar. Karbon.
3. Familie. #Richthofeniidae.# Waagen.
¡Schale sehr ungleichklappig. Ventralschale verlängert kegelförmig, festgewachsen, häufig mit hohlen, röhrenartigen Fortsätzen bedeckt; der untere Teil durch ein zelliges, an die Böden der Tetrakorallen erinnerndes Kalkgewebe ausgefüllt; Schloßrand gerade, ohne Zähne. Muskeleindrücke vertieft, durch ein schwaches Septum getrennt. Oberschale deckelförmig, mit geradem Schloßrand und wohl entwickeltem Schloßfortsatz.¡
Die Gattung ¿Richthofenia¿ Waagen (Fig. 501) dieser höchst sonderbaren Familie, welche wahrscheinlich durch übermäßige Wucherung der äußeren Schalenschicht in der Ventralschale ihren korallenartigen Habitus erhalten hat, ist im oberen Karbon und Permokarbon von Ostindien, China und Sizilien verbreitet.
¿Scacchinella¿, ¿Megarhynchus¿ Gemmellaro. Permokarbon. Sizilien.
4. Familie. #Thecideidae.# Gray.
¡Meist kleine, ungleichklappige, aufgewachsene, seltener freie Schalen. Schloßrand gerade oder leicht gebogen. Ventralschale in der Regel mit dreieckiger Area und Pseudodeltidium, undurchbohrt oder mit kleinem Schnabelloch; häufig mit ganzer Fläche aufgewachsen. Die Adduktoren auf einem löffelartigen Fortsatz des Schloßrandes gelegen. Dorsalschale mit starkem Schloßfortsatz und breitem Rand, von welchem radiale Septen ausgehen; der Rand und die Septen sind entweder von einem vielfach durchbrochenen, aus ästigen Kalkstäbchen bestehenden Blatt umhüllt oder die Kalkspiculae finden sich in den Zwischenräumen der Septen angehäuft.¡ Permokarbon bis jetzt.
Die Thecideiden wurden früher mit den Megathyriden vereinigt und an die Terebratuliden angeschlossen. Sie besitzen jedoch kein Armgerüst (das Kalkblatt und die Spiculae der Dorsalschale werden vom Mantel ausgeschieden) und stehen in ihrem ganzen Bau den Strophomeniden nahe. Die Schalen bestehen aus einer dichten, von Kanälen durchbohrten Kalkschicht und einer äußeren Epidermis.
Die typische Gattung ¿Thecidea¿ Defr. (¡Thecidium¡ Sow.) (Fig. 502-505) enthält meist kleine, zuweilen winzige Formen, die in der Trias beginnen. Die zahlreichsten Arten liefert die Kreide. ~Munier-Chalmas~ zerlegt die Gattung ¡Thecidea¡ hauptsächlich nach der Beschaffenheit der Dorsalschale in die Subgenera ¿Lacazella¿, ¿Thecidiopsis¿, ¿Thecidella¿, ¿Eudesella¿ und ¿Davidsonella¿.
¿Oldhamina¿ Waagen (Fig. 506). Schloßrand kurz, gerade, ohne Area. Ventralschale groß aufgewachsen, gewölbt, mit Medianseptum und zahlreichen, vom Rand schräg nach innen gerichteten Seitensepten. Dorsalschale rudimentär, aus einem schmalen Mittelstück bestehend, von welchem zahlreiche, schmale Seitenlappen ausgehen, welche sich zwischen die Septen der Ventralschale einfügen. Permokarbon. Indien und China.
¿Lyttonia¿ Waagen. Permokarbon.
¿Pterophloios¿ Gümbel (Fig. 507). Ventralschale konzentrisch gestreift, gewölbt, aufgewachsen mit geradem Schloßrand und hoher Area. Dorsalschale flach, im Innern mit starkem, aus zwei vom Stirnrand ansteigenden Ästen zusammengesetztem Medianseptum und zahlreichen (8-10), von dem breiten Seitenrand fast rechtwinklig nach innen gerichteten Septen. Ob. Trias (Rhätische Stufe) der Alpen.
B. Unterordnung. #Helicopegmata.# Waagen.
¡Armgerüst aus zwei spiral eingerollten Kalkbändern bestehend, die meist durch eine an die Crura befestigte Schleife miteinander verbunden sind.¡
Die Helicopegmata bilden, wie bereits ~Neumayer~ betonte, keine einheitliche, natürliche Abteilung, sondern enthalten Formen, die sich an verschiedene Unterordnungen der Artikulaten anschließen, von denen sie sich hauptsächlich durch vollständigere Entwickelung der distalen Teile des Armgerüstes auszeichnen. So entsprechen die Koninckiniden den Strophomeniden und Productiden, die Atrypiden den Rhynochonelliden, die Spirigeriden den Terebratuliden.
1. Familie. #Koninckinidae.# Davidson.
¡Kleine, konvex-konkave, faserige Schalen mit geradem Schloßrand und meist niedriger Area. Wirbel der Ventralschale mit kleiner, runder Stielöffnung oder undurchbohrt. Pseudodeltidium vorhanden. Brachialgerüst aus zwei an den Cruren angehefteten und durch eine kurze Querbrücke verbundenen, diplospiren Spiralbändern bestehend, welche sich zuerst nach außen umbiegen und einen mehr oder weniger flachen, mit der Spitze gegen die Ventralschale gerichteten Hohlkegel bilden.¡ Trias und Lias; hauptsächlich im alpinen Gebiet verbreitet.
¿Koninckina¿ Suess (Fig. 508). Schloßrand lang, gerade; Area sehr niedrig, Wirbel der Ventralschale stark eingekrümmt, häufig undurchbohrt. Trias. Lias.
¿Koninckella¿ Mun.-Chalm. Schloßrand mäßig lang, Area in beiden Schalen wohl entwickelt, mit Pseudodeltidium. Wirbel der Ventralschale durchbohrt. Trias. Lias. ¡K. liasina¡ Bouch. Chant. sp.
¿Koninckodonta¿ Bittner. Trias.
¿Amphiclina¿ Laube (? ¡Amphiclinodonta¡ Bittner)(Fig. 509). Schloßrand sehr kurz. Ventralschale mit geradem, durchbohrtem Wirbel, darunter Pseudodeltidium in der Area. Seiten- und Stirnrand der dorsalen Schale mit verdicktem Saum. Trias; selten im Lias.
¿Thecospira¿ Zugmeyer (Fig. 510). Schale klein, äußerlich wie ¡Thecidea¡. Ventralschale mit mäßig hoher Area, Pseudodeltidium und geradem, undurchbohrtem Wirbel. Spiralkegel der flachen Dorsalschale mit zahlreichen Umgängen. Trias (Rhät.) der Alpen.
2. Familie. #Atrypidae.# Dall.
¡Schale faserig, bikonvex. Schloßrand gebogen, ohne Area. Ventralschale mit runder Stielöffnung, darunter Deltidium. Armgerüst aus zwei einfachen spiralen Bändern bestehend, welche sich von den Cruren zuerst nach außen biegen, dem Außenrand folgen und dann Hohlkegel bilden, deren Spitzen gegen die Mitte der Dorsalschale konvergieren.¡ Silur. Devon.
¿Atrypa¿ Dalm. (¡Spirigerina¡ d'Orb., ¡Coelospira¡ Hall) (Fig. 511). Schale radial gerippt, seltener glatt. Ventralschale mit rundem Schnabelloch. Das Verbindungsband der zwei Spiralkegel heftet sich neben den Cruren an den ersten Umgang der spiralen Schleife an und ist gegen den Stirnrand V-förmig geknickt. Zahlreiche Arten im Silur und Devon.
Subgenera: ¿Grünewaldtia¿, ¿Karpinskya¿ Tschernishew (Devon).
¿Zygospira¿ Hall (¡Anazyga¡ Davids, ¡Orthonomala¡ Hall, ¡Hallina¡ Schuchert) (Fig. 512). Wie ¡Atrypa¡, aber Spiralkegel stärker konvergierend, mit weniger Umgängen, das Verbindungsband ziemlich tief am ersten Umgang beginnend. Unt. Silur.
¿Glassia¿ Davids. (Fig. 513). Schale glatt, klein. Wirbel eingekrümmt. Ventralschale mit Medianseptum. Spitzen der Spiralkegel gegen das Centrum der Dorsalschale, ihre Basis nach außen gerichtet. Verbindungsbrücke wie bei ¡Atrypa¡. Silur.
3. Familie. #Spiriferidae.# King.
¡Schale bikonvex, faserig, seltener punktiert. Spiralkegel von innen nach außen aufgerollt; zuweilen diplospir, die Spitzen nach außen, die Basen nach innen gerichtet.¡ Silur bis Lias.
Das Armgerüst der Spiriferiden besteht jederseits aus einem an die Crura befestigten und wie bei den Terebratuliden gegen den Stirnrand absteigenden Schleifenschenkel, dessen umgebogenes, distales Ende sich in der Richtung von innen nach außen spiral aufrollt. Die beiden Hohlkegel bleiben entweder getrennt oder sind in der Regel entweder durch ein einfaches Querbändchen oder durch zwei winklig zusammenstoßende und mit Fortsätzen versehene Lamellen verbunden. Diplospire Armgerüste kommen nur bei mesozoischen Gattungen vor.
¿Spirifer¿ Sow. (¡Trigonotreta¡ Koenig, ¡Delthyris¡ Dalm.) (Fig. 514). Schale faserig, radial gefaltet oder gestreift. Ventralschale mit mäßig hoher Area, starken Zahnstützen, die Deltidialspalte nur teilweise vom Pseudodeltidium verschlossen. Die Querbrücke zwischen den zwei einfachen Spiralkegeln nicht geschlossen, sondern aus zwei kurzen, spornförmigen, sich nicht berührenden Fortsätzen der absteigenden Schenkel bestehend. Außerordentlich häufig im Silur, Devon und Karbon.
Subgenera: ¿Martinia¿ M'Coy, ¿Verneuilia¿ Hall und Cl. (Devon, Karbon), ¿Martiniopsis¿ Waagen, ¿Syringothyris¿ Winchell (Karbon), ¿Reticularia¿ M'Coy (Silur bis Karbon), ¿Suessia¿ Desl. (Lias).
¿Spiriferina¿ d'Orb. (¡Mentzelia¡ Quenst.) (Fig. 515). Schale punktiert, Ventralschale mit starken Zahnstützen und hohem Medianseptum. Spiralkegel einfach, durch einfaches Querband verbunden. Karbon bis Lias.
¿Cyrtia¿ Dalm. (Fig. 516). Wie ¡Spirifer¡, aber Area der Ventralschale ungemein hoch mit Pseudodeltidium, worin eine runde Stielöffnung. Silur.
¿Cyrtina¿ Davids. (¡Cyrtotheca¡ Bittner) (Fig. 517). Schale punktiert, äußerlich wie ¡Cyrtia¡, aber Zahnstützen der Ventralschale in einem Medianseptum vereinigt; die Spiralkegel durch eine V förmige Querbrücke verbunden, ihre Spitzen nach außen und hinten gerichtet. Silur bis Trias.
¿Uncites¿ Defr. (Fig. 518). Schale faserig, gestreift. Ventralschale mit weit vorragendem Wirbel, Schloßrand gebogen, kurz. Deltidialplatten zusammenstoßend, tief konkav. Spiralkegel durch einfache Querbrücke verbunden. Devon.
¿Daya¿ Dav. (Fig. 519). Ob. Silur.
¿Nucleospira¿ Hall (Fig. 520). Schale glatt, punktiert Schloßrand gebogen. Ventralschale mit spitzem, eingekrümmtem Wirbel, darunter die Stielöffnung; beide Schalen mit Medianseptum. Crura nach innen gebogen, die daran befestigten, absteigenden Schenkel der einfachen Spiralkegel anfänglich wieder gegen den Schloßrand zurückgekrümmt, das Verbindungsband aus zwei von den Schleifenarmen ausgehenden, gegen die Ventralschale konvergierenden und in spitzem Winkel zusammenstoßenden Armen bestehend. Silur. Devon.
¿Retzia¿ King (¡Acambona¡ White, ¡Trigeria¡ Bayle, ¡Uncinella¡ Waagen, ¡Trematospira¡, ¡Parazyga¡, ¡Rhynchospira¡, ¡Eumetria¡, ¡Hustedia¡ Hall) (Fig. 521, 522). Schale radial gerippt. Ventralschale mit vorragendem, durchbohrtem Wirbel, darunter Deltidium; Schloßrand kurz, gebogen. Spiralkegel einfach. Silur bis Trias.
Subgenera: ¿Hindella¿ Dav. (Silur). ¿Plicigera¿ Bittner (Fig. 523). Schale faserig, radial gerippt oder gefaltet. Trias.
¿Didymospira¿ Salomon (¡Pexidella¡, ¡Diplospirella¡, ¡Euractinella¡, ¡Anisactinella¡ Bittner). Wie Retzia, aber Spiralkegel diplospir. Alpine Trias.
¿Spirigera¿ d'Orb. (¡Athyris¡, ¡Seminula¡ M'Coy) (Fig. 524, 525). Schale faserig, glatt oder konzentrisch verziert. Schloßrand gebogen, ohne Area. Wirbel der Ventralschale wenig vorragend mit rundem Schnabelloch, Deltidium verkümmert. Die Schloßzähne durch Zahnplatten gestützt. Schloßplatte der Dorsalschale von einer runden Öffnung durchbohrt, Medianseptum fehlend oder schwach entwickelt. Crura nach innen konvergierend; die daran befestigten Schenkel der einfachen Spiralkegel biegen sich zuerst nach hinten und dann erst gegen den Stirnrand um. Die Verbindung beider Kegel wird durch zwei von den absteigenden Schenkeln ausgehende Fortsätze bewerkstelligt, die sich zu einer schildförmigen Medianscheibe vereinigen; von dieser entspringt ein medianer, nach hinten und gegen die Ventralschale gerichteter Stab, der zwei divergierende, anfänglich rückwärts gerichtete und dann umgebogene Äste aussendet. Silur bis Trias. Hauptverbreitung in Devon und Karbon. Jüngste Art (¡Sp. oxycolpos¡ Emmr.) im Rhät.
Subgenera: ¿Actinoconchus¿ M'Coy (Karbon), ¿Cleiothyris¿ King (Karbon, Perm), ¿Spirigerella¿ Waagen (Karbon), ¿Amphitomella¿, ¿Dioristella¿ Bittner (Trias).
¿Anoplotheca¿ Sandb. (¡Bifida¡ Dav.) Devon. ¿Charionella¿ Billings.? ¿Clorinda¿ Barr (Silur).
¿Meristina¿ Hall, (¡Whitfieldia¡ Dav.) (Fig. 526). Schale glatt, bikonvex. Schnabel in der Jugend durchbohrt, später geschlossen, stark gekrümmt. Schloßrand gebogen, ohne Area. Ventralschale mit starken, verlängerten Zahnplatten, Dorsalschale mit Medianseptum. Die Verbindung der beiden einfachen Spiralkegel wird durch zwei nach der Ventralschale gerichtete, konvergierende Stäbe hergestellt, welche nach ihrer Vereinigung jederseits ein ringförmiges, geschlossenes Band absenden. Silur.
¿Merista¿ Suess (¡Camarium¡ Hall). (Fig. 527.) Wie vorige, jedoch die verlängerten Zahnplatten der Ventralschale durch eine gewölbte Platte (Schuhheber) verbunden.
¿Meristella¿ Hall. (¡Charionella¡ Billings, ¡Gonocoelia¡ Hall) Devon.
C. Unterordnung. #Ancistropegmata.# Zitt.
(¡Campylopegmata¡ p. p. Waagen.)
¡Armgerüst aus zwei einfachen, gekrümmten Haken (Crura) bestehend.¡
1. Familie. #Porambonitidae.# Davidson.
¡Beide Schalen hochgewölbt. Schloßrand kurz, gerade, mit niedriger, dreieckiger Area. Stielöffnung eine dreieckige Deltidialspalte. Schloßzähne der ventralen und Schloßplatten der dorsalen Schale durch Zahnplatten gestützt. Crura kurz.¡ Silur bis Karbon.
¿Porambonites¿ Pand. (Fig. 528). Beide Schalen hochgewölbt, fast gleich groß, glatt; die Oberfläche mit vertieften Grübchen bedeckt. Area niedrig, Schloßrand kurz. Stielöffnung die Wirbel beider Schalen durchbohrend. Ventralklappe mit starken Schloßzähnen und zwei konvergierenden, in einem kurzen Medianseptum vereinigten Zahnplatten. Dorsalschale mit zwei getrennten Zahnplatten. Unt. Silur.
¿Enteletes¿ Fisch. (¡Syntrielasma¡ Meek). Beide Klappen radial gefaltet oder gestreift, hochgewölbt. Ventralschale mit hohem Medianseptum zwischen den beiden konvergierenden Zahnplatten. Zahnplatten der Dorsalschale divergierend. Karbon. Perm.
¿Camarella¿ Billings, ¿Parastrophia¿ Hall und Cl., ¿Noetlingia¿ Hall und Cl. Unt. Silur.
2. Familie. #Pentameridae.# M'Coy.
¡Schale faserig. Schloßrand gebogen, ohne Area. Ventralschale mit dreieckiger Deltidialspalte unter dem Wirbel. Schloßzähne der ventralen und Schloßplatten der dorsalen Klappe durch starke Zahnplatten gestützt, die der Dorsalschale zu einem hohen Medianseptum vereinigt. Crura mehr oder weniger verlängert.¡ Silur bis Perm.
¿Pentamerus¿ Sow. (Fig. 529, 530). Meist große oder mittelgroße Formen, mit hochgewölbter Ventralschale und stark eingekrümmtem, vorragendem Wirbel. Das hohe Medianseptum der Ventralschale besteht aus zwei dicht nebeneinander liegenden Blättern, die sich beim Zerschlagen der Schalen leicht voneinander ablösen. Häufig in Silur und Devon.
Subgenera: ¿Conchidium¿ Linné, ¿Pentamerella¿, ¿Gypidula¿, ¿Amphigenia¿ Hall, ¿Sieberella¿ Oehlert, ¿Stricklandinia¿ Bill. Silur. Devon.
¿Camarophoria¿ King (¡Stenoschisma¡ Dall) (Fig. 531). Wirbel der Ventralschale wenig vorragend. Die Zahnplatten in beiden Klappen konvergierend und durch Mediansepten gestützt. Crura lang, dünn. Karbon. Perm.
3. Familie. #Rhynchonellidae.# Gray.
¡Schale faserig, selten punktiert, bikonvex. Schloßrand gebogen, selten gerade. Stielöffnung unter dem spitzen Wirbel vom Deltidium umgeben oder begrenzt. Zahnstützen fehlen oder schwach entwickelt.¡ Silur bis Jetztzeit.
¿Rhynchonella¿ Fisch. (¡Hypothyris¡ Phill., ¡Cyclothyris¡ M'Coy) (Fig. 532 bis 535). Schale faserig, meist radial gerippt oder gefaltet, Stirnrand mit Wulst und Bucht. Schloßrand gebogen, ohne Area. Ventralschale mit spitzem Wirbel, die runde Stielöffnung ganz oder teilweise vom Deltidium umgeben; Schloßzähne von kurzen divergierenden Zahnplatten gestützt. Dorsalschale mit kurzen Cruren und häufig mit schwach entwickeltem Medianseptum. Silur bis Jetztzeit, gegen 600 Arten beschrieben, die meisten aus Trias, Jura und Kreide.
Diese äußerst formenreiche Gattung ist in zahlreiche Subgenera zerlegt worden, indem der Name ¿Rhynchonella¿ s. str. auf die Formen mit Deltidium amplectens, Zahnstützen in der Ventralschale und schwachem Medianseptum in der Dorsalschale beschränkt wird. Bei ¿Hemithyris¿ d'Orb. ist ein schwach entwickeltes Deltidium sectans vorhanden; ¿Acanthothyris¿ d'Orb. (Jura) hat röhrenartige Fortsätze auf der Oberfläche, ¿Rhynchopora¿ King (Perm) punktierte Schale, ¿Halorella¿ Bittner (Trias) scharfe Schnabelkanten, ¿Austriella¿ Bittner (Trias) glatte Oberfläche, kleinen Wirbel und ohrenartige Verlängerungen des Schloßrandes, ¿Norella¿ Bittner (Trias) eine Stirnbucht in der Dorsalschale. ¿Peregrinella¿ Oehlert (Neocom) ist sehr groß, ohne Stirnsinus, radial gerippt mit geradem Schloßrand und niedriger Area. Bei ¿Eatonia¿ Hall (Silur) und ¿Terebratuloidea¿ Waagen (Karbon) fehlen die Zahnplatten in der Ventralschale; die erstere hat gespaltene Crura, die zweite ein Deltidium sectans.
¿Rhynchotrema¿, ¿Rhynchotreta¿ Hall. Silur, Devon. ¿Uncinulus¿ Bayle, ¿Wilsonia¿ Kayser. Silur. Devon.
¿Rhynchonellina¿ Gemmellaro. Oberfläche fein radial gestreift, Schloßrand gerade, mit niedriger Area und Deltidium sectans. Crura ungemein lang. Medianseptum der Dorsalschale schwach. Lias. Jura.
¿Dimerella¿ Zitt. Schloßrand gerade, Area dreieckig, Deltidium sectans. Septum der Dorsalschale sehr hoch, bis zur Ventralschale reichend. Trias.
D. Unterordnung. #Ancylopegmata.# Zitt.
(¡Ancylobrachia¡ Gray, ¡Campylopegmata¡ p. p. Waagen.)
¡Armgerüst bildet eine an die Crura befestigte Schleife. Schale stets punktiert.¡
1. Familie. #Stringocephalidae.# King.
¡Schale groß, bikonvex, fast kreisförmig, glatt. Ventralschale mit spitzem, vorragendem Schnabel, darunter die vom Deltidium begrenzte Stielöffnung. Schloßrand gebogen. Ventralschale mit hohem Medianseptum. Dorsalschale mit ungewöhnlich starkem und langem Schloßfortsatz, welcher mit seinem gespaltenen distalen Ende das Ventralseptum umfaßt. Brachialschleife an lange Crura angeheftet, zuerst nach hinten gerichtet und dann dem Außenrand der Schale folgend, breit, mit radialen, nach innen gerichteten Fortsätzen.¡
Die einzige Gattung ¿Stringocephalus¿ Defr. (Fig. 536) findet sich ausschließlich im Devon.
2. Familie. #Megathyridae.# Oehlert.
¡Schale klein, mit geradem Schloßrand und dreieckiger Area in beiden Klappen. Stielöffnung groß, auf die Dorsalschale übergreifend. Deltidium discretum. Ventralschale mit hohem Medianseptum, Dorsalschale mit Medianseptum, zuweilen auch mit mehreren Radialsepten. Brachialschleife dem Außenrand der Schale folgend.¡ Jura bis Jetztzeit.
¿Megathyris¿ d'Orb. (¡Argiope¡ Desl.) (Fig. 537). Dorsalschale mit Medianseptum und jederseits zwei radialen Septen. Jura und Jetztzeit.
¿Cistella¿ Gray (Fig. 538). Dorsalschale mit einfachem Medianseptum. Kreide bis Jetztzeit.
¿Zellania¿ Moore. Lias. ¿Gwynia¿ King. Recent.
3. Familie. #Terebratulidae.# King.
¡Schale punktiert. Schloßrand gebogen, seltener gerade. Schnabel der Ventralschale mit runder Stielöffnung, darunter Deltidium sectans. Armgerüst eine gegen den Stirnrand gerichtete Schleife.¡ Silur bis jetzt.
¿Terebratula¿ Klein (¡Liothyris¡ Douvillé) (Fig. 539-544). Schale glatt, selten gerippt, am Stirnrand der Dorsalschale häufig mit einer von zwei Falten begrenzten Bucht (Biplicatae); Schnabelkanten gerundet. Brachialschleife kurz, die distalen Spitzen der Crura niemals zu einer geschlossenen Querbrücke verwachsen. Devon bis jetzt; Hauptverbreitung in Trias, Jura und Kreide.
Die außerordentlich große Menge von Arten hat auch hier Veranlassung zur Errichtung zahlreicher Subgenera gegeben. ¿Dielasma¿ King (Fig. 541) enthält die ältesten Terebrateln aus Devon, Karbon und Perm und zeichnet sich durch starke Zahnstützen in der Ventralschale und meist durch ein schwaches Medianseptum in der Dorsalschale aus; ¿Dielasmina¿ und ¿Hemiptychina¿ Waagen (Permo-Karbon) haben gefaltete Schale und Zahnstützen. ¿Rhaetina¿ Waagen (Rhät) ist biplikat, hat nur in der Dorsalschale Zahnstützen und ein schwaches dorsales Medianseptum; bei ¿Zugmeyeria¿ Waagen (Rhät) finden sich Zahnstützen in der Ventralschale. ¿Dictyothyris¿ Douv. (Fig. 544) hat radial gestreifte und mit hohlen Fortsätzen bedeckte Schale. ¿Pygope¿ Link (¡Glossothyris¡ Douvillé) (Fig. 540, 543) enthält die mit ganz kurzem Armgerüst und Stirnsinus in der dorsalen Schale versehenen Formen, die zuweilen durch Zusammenwachsen der beiden Seitenflügel von einem Loch durchbohrt sind; sie entspricht der Gruppe der Nucleaten und Diphyen Quenstedts.
¿Terebratulina¿ d'Orb. (¡Agulhasia¡ King, ¡Disculina¡ Deslongch.) (Fig. 545). Schale schwach gewölbt, fein dichotom gestreift. Dorsalschale mit zwei ohrförmigen Ausbreitungen neben dem Wirbel. Brachialschleife sehr kurz, die Cruralfortsätze zu einer hinteren Querbrücke verbunden. Jura bis jetzt.
¿Centronella¿ Bill. (Fig. 546). Schale glatt, selten gefaltet. Brachialschleife aus zwei absteigenden Bändern bestehend, welche sich distal etwas verbreitern und in einer schmalen vertikalen Medianplatte vereinigen. Devon.
¿Renssellaeria¿ Hall. Schale groß. Brachialschleife aus zwei knieförmig geknickten Bändern bestehend, die sich distal in einer langen, geraden, etwas ausgehöhlten Medianplatte vereinigen. Silur. Devon.
¿Newberria¿ Hall. Silur. Devon. ¿Juvavella¿, ¿Nucleata¿ Bittner. Trias.
¿Coenothyris¿ Douvillé (Fig. 547). Schale glatt, biplikat. Ventralschale mit Zahnplatten. Dorsalschale mit niedrigem Medianseptum. Die distalen Enden der mäßig langen Brachialschleife biegen sich rückwärts und vereinigen sich in einer freien schildförmigen Medianplatte. Trias.
¿Cryptonella¿ Hall, ¿Meganteris¿ Suess. Devon.
¿Waldheimia¿ King (¡Magellania¡ Bayle, ¡Neothyris¡ Douvillé) (Fig. 548). Schale glatt, seltener gerippt oder gefaltet. Dorsalschale mit Medianseptum. Brachialschleife lang, bis in die Nähe des Stirnrandes reichend, jederseits aus einem absteigenden und einem rücklaufenden Schenkel bestehend; die letzteren durch eine Querbrücke verbunden. Silur bis jetzt. Selten in paläozoischen, ungemein häufig in mesozoischen Ablagerungen.
Auch diese Gattung wurde zum Teil auf Grund unerheblicher Verschiedenheiten in zahlreiche Subgenera zerlegt. ¿Eudesia¿ King (Dogger) zeichnet sich durch radial gerippte Schale, großes Schnabelloch und Zahnstützen in der Ventralschale aus. Bei ¿Zeilleria¿ Bayle (Trias, Jura, Kreide) (Fig. 549) stoßen zwei oder mehr schwache Falten der beiden Schalen symmetrisch am Stirnrand zusammen; bei ¿Aulacothyris¿ Douvillé (Trias, Jura) (Fig. 550) hat die Dorsalschale einen Mediansinus, bei ¿Antiptychina¿ Zitt. (Jura, Kreide) springt in dem Stirnsinus der Dorsalschale eine Medianfalte vor. Weitere Sektionen werden als ¿Flabellothyris¿, ¿Fimbriothyris¿, ¿Microthyris¿, ¿Epicyrta¿ Deslongch., ¿Plesiothyris¿ Douvillé, ¿Camerothyris¿, ¿Cruratula¿ Bittner etc. bezeichnet.
¿Hinniphoria¿ Suess. Tithon.
¿Terebratella¿ d'Orb. (¡Ismenia¡ King, ¡Waltonia¡ Dav., ¡Magasella¡ Dall.) (Fig. 551). Schale radial gerippt oder glatt. Schloßrand gerade oder schwach gebogen mit niedriger Area. Brachialschleife wie bei ¡Waldheimia¡, jedoch die absteigenden Schenkel durch eine Querbrücke am Medianseptum befestigt. Lias bis jetzt.
¿Trigonosemus¿ König (¡Fissurirostra¡ d'Orb.) (Fig. 552). Radial gerippt. Ventralschale mit eingekrümmtem Wirbel, winzigem Schnabelloch und hoher dreieckiger Area. Brachialapparat wie bei ¡Terebratella¡. Kreide.
¿Lyra¿ Cumberl. (¡Terebrirostra¡ d'Orb.) (Fig. 553). Wie vorige, jedoch Schnabel der Ventralschale stark verlängert, innerlich durch Zahnplatten abgeteilt. Kreide.
¿Megerlea¿ King (¡Mühlfeldtia¡ Bayle) (Fig. 554, 555). Schale meist radial gestreift oder gefaltet. Schloßrand gerade, mit niedriger Area. Die absteigenden Schenkel der Brachialschleife durch eine Brücke mit dem Medianseptum verbunden, die rücklaufenden Schenkel verbreitert und mit den absteigenden verwachsen. Jura bis jetzt.
¿Kingena¿ Davids. (Fig. 557). Schale glatt oder mit Grübchen bedeckt. Schloßrand gebogen, ohne Area. Ventralschalen mit Zahnstütze. Brachialschleife wie bei ¡Megerlea¡, jedoch rücklaufende Schenkel, meist nur an ihren distalen Enden mit absteigenden verwachsen. Jura. Kreide.
¿Magas¿ Sow. (Fig. 556). Wie vorige, aber Armgerüst an einem sehr hohen, die Ventralschale erreichenden Medianseptum der Dorsalklappe befestigt. Kreide.
Subgenera: ¿Rhynchora¿ Dalm., ¿Rhynchorina¿ Oehlert,? ¿Mannia¿ Dewalque. Kreide.
Die Gattungen ¿Kraussina¿, ¿Bouchardia¿ Davids., ¿Platidia¿ Costa, ¿Dyscolia¿ Fischer existieren noch jetzt.
Zeitliche und räumliche Verbreitung der Brachiopoden.
Durch Häufigkeit, weite räumliche, lange zeitliche Verbreitung und günstige Erhaltung nehmen die Brachiopoden eine ganz hervorragende Stellung unter den fossilen Resten von Wirbellosen ein und liefern eine große Menge der wichtigsten geologischen Leitfossilien. Ihre Schalen bestehen, abgesehen von den hornig-kalkigen Formen, aus Kalkspat und widerstehen den zerstörenden Einflüssen des Fossilisationsprozesses besser als die größtenteils aus Aragonit bestehenden Schalen der Mollusken. Allerdings wird der Wert der Brachiopoden als Leitfossilien durch die große Ähnlichkeit der Arten ein und derselben Gattung, sowie durch die Schwierigkeit, manche Genera ohne Kenntnis ihres inneren Baues richtig zu bestimmen, etwas herabgedrückt.
Von den beiden großen Abteilungen sind die Inarticulaten entschieden die älteren, doch treten vereinzelte Repräsentanten der Articulaten (¡Billingsella¡, ¡Orthisina¡, ¡Camarella¡) auch schon in kambrischen Ablagerungen auf und machen es wahrscheinlich, daß die beiden Gruppen unabhängig voneinander sich weiter entwickelt haben und wenigstens nicht durch bekannte Bindeglieder miteinander zusammenhängen.
Im untersten ~Kambrium~ (Olenellus-Schichten) sind bereits zehn Brachiopoden-Genera vorhanden, die sich über Nordamerika und Europa verbreiten. Ihre Zahl steigt erheblich im oberen Kambrium, und im ~Silur~ erreichen die Brachiopoden mit ca. 2600 Arten den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Nordamerika, Europa (Böhmen, Großbritannien, Schweden, Rußland, Portugal) sind die Hauptgebiete für silurische Brachiopoden; doch liefern auch Südamerika, Australien, China und Ostsibirien zahlreiche Formen.
Das ~Devon~ bleibt an Brachiopodenreichtum nur wenig hinter dem Silur zurück, obwohl eine erhebliche Anzahl von Gattungen, namentlich aus der Gruppe der Inarticulaten, bereits verschwunden sind. Die Eifel, Rheinland-Westfalen, der Harz, Belgien, Devonshire, Boulogne sur Mer, Cabrière in den Cevennen, Asturien und der Ural sind die Hauptfundstätten in Europa, während in Asien China, in Nordamerika die nördlichen Vereinigten Staaten und Canada die größte Menge devonischer Brachiopoden liefern.
Der ~Kohlenkalk~ von Europa, Nordamerika, Ostasien und die sogenannten Permo-Karbon-Ablagerungen der Salt-Range-Kette und Armeniens sind ungemein reich an Brachiopoden, unter denen die Productiden, Strophomeniden, Spiriferiden und Rhynchonelliden vorherrschen.
Im ~Zechstein~ sinkt die Zahl der Brachiopoden in Europa auf ca. 30 Arten herab; dagegen erlangen in der alpinen ~Trias~ die Terebratuliden, Rhynchonelliden, Koninckiniden und Spiriferiden eine mächtige Entwicklung.
In ~Jura~ und ~Kreide~ herrschen Terebratuliden, Rhynchonelliden und Thecideiden fast ausschließlich, und namentlich die beiden ersten Familien sind durch eine erstaunliche Fülle von Arten vertreten; die Spiriferiden und Koninckiniden sterben im Lias aus.
Im ~Tertiär~ macht sich ein gewaltiger Rückgang bemerkbar. Die daselbst vorkommenden Arten gehören fast ausschließlich zu noch jetzt existierenden Gattungen und überragen an Zahl nur wenig die der Jetztzeit, so daß sie für den Geologen alle praktische Bedeutung verlieren.
#Zeitliche Verbreitung der Brachiopoden.#
+--------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+ | | K | S | D | K | P | T | J | K | P | N | J | | | a | i | e | a | e | r | u | r | a | e | e | | | m | l | v | r | r | i | r | e | l | o | t | | | b | u | o | b | m | a | a | i | ä | g | z | | | r | r | n | o | | s | | d | o | e | t | | | i | | | n | | | | e | g | n | z | | | u | | | | | | | | e | | e | | | m | | | | | | | | n | | i | | | | | | | | | | | | | t | +--------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+ | ¡#I. Inarticulata.#¡ | | | | | | | | | | | | | ¡1. Obolidae¡ |===|== | | | | | | | | | | | ¡2. Lingulidae¡ | |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡3. Trimerellidae¡ | ==|===| | | | | | | | | | | ¡4. Siphonotretidae¡ |===|===| | | | | | | | | | | ¡5. Discinidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡6. Craniidae¡ | |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡#II. Articulata.#¡ | | | | | | | | | | | | | ¡A.¡ ¿Aphaneropegmata¿: | | | | | | | | | | | | | ¡1. Strophomenidae¡ |===|===|===|===|===| ? |== | | | | | | ¡2. Productidae¡ | |===|===|===|===| | | | | | | | ¡3. Richthofeniidae¡ | | | | ==|===| | | | | | | | ¡4. Thecideidae¡ | | | | ==|===|===|===|===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡B.¡ ¿Helicopegmata¿: | | | | | | | | | | | | | ¡1. Koninckinidae¡ | | | | | |===|== | | | | | | ¡2. Atrypidae¡ | |===|===| | | | | | | | | | ¡3. Spiriferidae¡ | |===|===|===|===|===|== | | | | | | | | | | | | | | | | | | | ¡C.¡ ¿Ancistropegmata¿: | | | | | | | | | | | | | ¡1. Porambonitidae¡ | |===| | | | | | | | | | | ¡2. Pentameridae¡ | ==|===|===|===|===| | | | | | | | ¡3. Rhynchonellidae¡ | ==|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡D.¡ ¿Ancylopegmata¿: | | | | | | | | | | | | | ¡1. Stringocephalidae¡ | | |===| | | | | | | | | | ¡2. Megathyridae¡ | | | | | | |===|===|===|===|===| | ¡3. Terebratulidae¡ | |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| |--------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+
Fußnoten:
[35] ¡d'Orbigny, Alc.¡, Paléontologie française. Terr. crét. t. V. 1850-51. -- ¡Haime, J.¡, Description des Bryozoaires foss. de la formation jurassique. Mem. Soc. géol. Fr. 1854. 2. ser. t. V. -- ¡Hagenow, v.¡, Die Bryozoen der Mastrichter Kreidebildungen. Cassel 1851. -- ¡Busk, G.¡, Catalogue of the marine Polyzoa in the Collection of the British Museum. I. Cheilostomata. 1852. II. Cyclostomata. 1875. -- ¡Busk, G.¡, Monograph of the fossil Polyzoa of the Crag. Palaeontograph. Soc. 1857. -- ¡Reuß, F. A.¡, Denkschr. k. k. Ak. Wissensch. Wien. Ed. XXIII, XXV, XXVII, XXIX, XXXIV. -- *¡Hincks, Th.¡, History of the British marine Polyzoa. 2. vol. London 1880. -- ¡Waters, W. A.¡, Über tertiäre und recente Bryozoa in Ann. Mag. nat. hist. 1879-92. -- ¡Vine, G. R.¡, Reports on fossil Polyzoa. British Assoc. Rep. 1881-85. -- *¡Busk, G.¡, Report on the Polyzoa. Scient. Results of the Challenger Voyage. vol. X. (Cheilostomata) 1884 u. vol. XVII (Cyclostomata) 1886. -- ¡Ulrich, E. O.¡, American palaeozoic Bryozoa. Journ. Cincinnati Soc. nat. hist. vol. V. 1882-84. -- ¡Ulrich, E. O.¡, Contributions to American Palaeontology. vol. I. Cincinnati 1886. -- ¡Ulrich, E. O.¡, Lower Silurian Bryozoa (Geol. Survey of Minnesota. vol. III. 1892). -- ¡Marsson, Th.¡, Die Bryozoen der weißen Schreibkreide der Insel Rügen. Paläont. Abhandl. von Dames u. Kayser Bd. IV. I. 1887. -- ¡Pergens, E.¡, Bull. Soc. Belge de Géol. Pal. et Hydrol. 1889. III. 1891. V. 1892, VI. -- ¡Canu, M. F.¡, Revision des Bryozoaires du Cretacé figurés par d'Orbigny. Bull. Soc. géol. de France. 1900. XXVIII. S. 334. -- ¡Simpson, G. A.¡, Handbook of the Genera of the North American Palaeozoic Bryozoa. 14^{th} Annal. Rep. of the State Geologist. Albany. 1895. -- ¡Gregory, W.¡, Catalogue of the jurassic and cretaceous Bryozoa in the British Museum. London 1896 u. 1899.
[36] Literatur:
¡v. Buch, Leop.¡, Über Terebrateln. Berlin 1834. 4^o. -- ¡King, W.¡, A Monograph of Permian fossils. Palaeontographical Society 1849. -- ¡Davidson, Thom.¡, Monograph of British fossil Brachiopoda. vol. I-VI. Palaeontographical Society 1851-1886. (Davon die allgemeineren Betrachtungen in Introduction a. a. O. vol. I und in General Summary vol. V. Bibliography vol. VI). -- ¡Quenstedt, F. A.¡, Petrefaktenkunde Deutschlands. Bd. II. Brachiopoden. 1871. -- ¡Deslongchamps-Eudes, Eug.¡, Paléontologie Française. Terr. jurass. vol. IV. -- ¡Barrande, Joach.¡, Système silurien du Centre de la Bohême vol. V. 1879. -- ¡Waagen, W.¡, Salt Range fossils. vol. I. Palaeontologica Indica ser. XIII. Mem. geol. Surv. of East India. 1882-85. -- ¡Oehlert¡ in ¡Fischer¡ Manuel de Conchyliologie. Paris 1887. -- ¡Hall, J.¡, and ¡Clarke, J.¡, Palaeontology of the State of New York. vol. VIII. Introduction to the study of palaeozoic Brachiopoda. Albany 1892. -- ¡Beecher. Ch. E.¡, and ¡Clarke, J.¡, The development of some Silurian Brachiopoda. Mem. New York State Mus. vol. I. 1889. -- ¡Beecher, Ch. E.¡, Development of the Brachiopoda I. II. Amer. Journ. Sc. and Arts. 1891. vol. XLI. u. 1892. XLIV. -- ¡Bittner, Al.¡, Brachiopoden der alpinen Trias. Abh. k. k. geol. Reichs-Anst. Wien. Bd. XIV. 1891. u. Bd. XVII. 1892. -- ¡Hall, J.¡, and ¡Clarke, J. M.¡, An Introduction to the Study of the Brachiopoda. Report of the New York State Geologist I u. II. 1892 u. 1893. -- ¡Schuchert, C. A.¡, Classification of the Brachiopoda. Amer. Geologist. vol. XI. XIII. 1893, 94. Synopsis of American fossil Brachiopoda. Bull. U S. Nat. Museum. 1896.
VI. Stamm.
#Mollusca.# Weichtiere.[37]
Die Weichtiere (¡Mollusca¡, ¡Malacozoa¡) bilden eine wohlumgrenzte Gruppe von Invertebraten mit weichem, ungegliedertem Körper. Derselbe ist von einer Duplikatur der Haut (dem sogenannten Mantel) umhüllt, welcher sehr häufig eine einfache oder zweiklappige, selten eine mehrklappige Schale absondert. Neben den beschalten gibt es übrigens auch zahlreiche nackte Mollusken. Zur Respiration dienen Kiemen, zuweilen auch Lungen; ein Herz mit ein oder zwei Vorkammern treibt das Blut durch ein reich verzweigtes Gefäßsystem; Darm und Magen durchziehen den Körper und sind von Nieren, Leber und verschiedenartigen Drüsen umgeben. Das Nervensystem besteht mindestens aus drei Paar, durch Kommissuren verbundene Nervenknoten und von den reich differenzierten Generationsorganen finden sich die männlichen und weiblichen bald in getrennten Individuen, bald in hermaphroditischen Zwittern entwickelt. Die Fortpflanzung erfolgt ausschließlich auf geschlechtlichem Wege.
Die Mollusken zerfallen in fünf Klassen (¿Lamellibranchiata¿, ¿Scaphopoda¿, ¿Amphineura¿, ¿Gastropoda¿ und ¿Cephalopoda¿). Von diesen werden die Scaphopoden, Amphineuren und Gastropoden häufig unter der Bezeichnung ¿Glossophora¿ oder ¿Cephalophora¿ den Muscheln und Cephalopoden als gleichwertige Gruppe gegenübergestellt.
Die Mollusken liefern die zahlreichsten und wichtigsten Leitfossilien. Sie sind überhaupt die häufigsten Versteinerungen, namentlich in mesozoischen und känozoischen Ablagerungen, und ihr Studium wird darum von den Geologen auch besonders bevorzugt. Mit Ausnahme der zur fossilen Erhaltung wenig geeigneten Amphineuren beginnen alle Klassen bereits im Kambrium.
1. Klasse. #Lamellibranchiata.# Muscheln.[38]
(¡Bivalvia¡ Linn., ¡Conchifera¡ Lam., ¡Pelecypoda¡ Goldf.)
~Kopflose, meist seitlich symmetrische Tiere mit zweilappigem Mantel, paarig entwickelten großen Kiemenblättern und zwei durch Ligament verbundenen kalkigen Schalen.~
Die Muscheltiere sind meist symmetrisch, oval oder quer verlängert, seitlich etwas zusammengedrückt, von zwei fleischigen Mantellappen umhüllt, die ihrerseits wieder von zwei kalkigen Schalen bedeckt werden. Unter den Mantellappen befinden sich jederseits blattförmige Kiemenblätter, zwischen denen der Rumpf mit Mund, Herz, Darm, Afterröhre, Generationsorganen und meist auch ein kräftiger muskulöser Lappen, der Fuß, ihren Platz finden. Der Mund befindet sich am vorderen, der After am hinteren Ende des Tieres, die Schalen bedecken die rechte und linke Seite.
Die beiden ~Mantellappen~ sind am Oberrand miteinander verbunden, vorn, hinten und unten getrennt, oder teilweise verwachsen. Ihre Außenfläche legt sich dicht an die Innenseite der beiden Schalen an und nur ein mit Gefäßen, Drüsen, Pigment, zuweilen auch mit Tentakeln versehener Saum ragt frei vor. Die Grenze des festanliegenden Teiles des Mantels wird auf der Innenseite der Schale durch die mehr oder weniger deutlich markierte ~Mantellinie~ angedeutet. Dieselbe ist hinten und vorn von einem ~Muskeleindruck~ begrenzt.
Die ~Muskeln~ (Adductores) bestehen aus einem dicken Bündel von Fasern, die sich quer von einer Schale zur anderen erstrecken und dieselben durch ihre Kontraktion fest verschließen. In der Regel sind zwei fast gleich große Schließmuskeln vorhanden (Homomyaria oder Dimyaria), wovon der eine in der Nähe des vorderen Randes über dem Mund, der andere nahe am Hinterende des Oberrandes über dem After gelegen ist. Zuweilen ist auch nur ein einziger, sehr großer, subzentraler oder dem Hinterrand genäherter Schließmuskel vorhanden und der vordere ganz verkümmert (Monomyaria), oder der vordere ist klein, sehr schwach entwickelt, der hintere groß und häufig subzentral (Heteromyaria).
Bei verwachsenen Mantellappen ist das Tier wie in einem Sack eingeschlossen, doch gestatten mindestens zwei schlitzförmige Öffnungen den Austritt gewisser Organe und das Einströmen des Wassers. Meist beschränkt sich die Verwachsung der Mantellappen nur auf gewisse Regionen. Hinten befinden sich stets zwei Öffnungen, wovon die untere zum Einströmen von Wasser dient, während die obere die Exkremente ausführt. Sehr häufig verlängern sich die Ränder der beiden hinteren Öffnungen röhrenförmig und bilden zwei sogenannte ~Siphonen~ (Fig. 558), wovon der untere Kiemen- oder Atmungs-Sipho, der obere After-Sipho heißen. Sie bleiben entweder getrennt oder können teilweise, zuweilen auch ganz miteinander verwachsen und mehr oder weniger weit aus der Schale vorragen.
Erlangen die Siphonen ansehnliche Größe und umgeben sie sich mit einer dicken, hornigen Epidermis, so ragen sie beständig aus der hinten klaffenden Schale vor. In diesem Falle, sowie überall da, wo die Siphonen ganz oder teilweise zurückgezogen werden können, verursachen die Anheftstellen der Muskelfasern, welche die Retraktion bewirken, in der Mantellinie eine mehr oder weniger tiefe, hintere Einbuchtung (~Sinupalliata~, Fig. 559). Bildet der Manteleindruck eine einfache, ununterbrochene Linie (~Integripalliata~, Fig. 560), so fehlen entweder die Siphonen ganz, oder sie sind klein und besitzen keine Retraktormuskeln.
Am Unterrand der Vorderseite ragt zwischen den getrennten oder mit einem Schlitz versehenen (Fig. 558) Mantellappen ein seitlich zusammengedrückter, beilförmiger bis wurmförmiger muskulöser ~Fuß~ vor, der stets vollständig in die Schale zurückgezogen werden kann. Er dient zum Kriechen, Springen oder Einbohren in Sand, Schlamm, Holz oder festes Gestein und ist bei Bohrmuscheln häufig mit winzigen Kieselkörperchen bedeckt. Die zum Zurückziehen und Bewegen des Fußes dienenden Muskeln hinterlassen häufig über und neben den Schließmuskeln kleinere (accessorische) Eindrücke in der Schale. Bei vielen Muscheln besitzt der Fuß an seiner unteren Fläche eine Furche, welche mit einer hornige Fasern absondernden Drüse in Verbindung steht. Vereinigen sich diese Fäden zu einem Büschel (~Byssus~), so können sich die Tiere damit an fremde Körper anheften. Meist steht die starke Entwicklung des Byssus in umgekehrtem Verhältnis zur Stärke des Fußes; bei manchen Gattungen (¡Ostreidae¡) verkümmern Fuß und Byssus zugleich.
Die paarig entwickelten ~Kiemen~ liegen unter den Mantellappen und bestehen jederseits aus zwei dünnen, gitterartigen Blättern (¡Tetrabranchiata¡), die manchmal auch durch feine parallele Fäden ersetzt sein können. Das äußere Kiemenpaar bleibt häufig hinter dem inneren an Größe zurück und verkümmert zuweilen vollständig (¡Dibranchiata¡).
Das Blut wird den Kiemen durch ein mit zwei Ohren versehenes ~Herz~ zugetrieben, das unter dem Oberrand liegt. Vor dem Herzen befindet sich der ~Mund~, eine mit lappigen Anhängen versehene Querspalte, ohne Kiefer oder Reibplatten, die in eine kurze Speiseröhre und darauf in den ~Magen~ führt. Ein stark verlängerter, von Leber, Nieren und Geschlechtsdrüsen umlagerter Darm erstreckt sich unter mehrfachen Windungen in den Fuß, steigt darauf wieder in die Höhe, durchbohrt das Herz und endigt im oberen After-Sipho. Das ~Nervensystem~ besteht aus drei Paar Ganglienknoten (Schlund-, Fuß- und Kiemen-Ganglien), von denen ein verwickeltes System von Nervenfäden ausgeht.
Die beiden ~Schalen~ der Muscheln sind entweder gleichklappig, seltener ungleichklappig, und am oberen Rand in der Regel durch ein hornartiges elastisches ~Band~ (Ligament) miteinander verbunden. Sehr häufig besitzt der verdickte Oberrand auch einen besonderen Schloßapparat, d. h. vorspringende Zähne, welche in entsprechende Gruben der anderen Klappe passen; er heißt deshalb auch ~Schloßrand~. Über dem Schloßrand ragen die ~Wirbel~ oder ~Buckeln~ (nates, umbones) vor. Sie bezeichnen den ältesten Teil der Schale, von wo das Wachstum begann, und krümmen sich meist nach vorn (prosogyr), seltener nach hinten (opisthogyr) oder nach außen (spirogyr).
Eine vom Wirbel nach dem Unterrand gezogene Linie (Fig. 559 ¡u i¡) bezeichnet die ~Höhe~ (resp. ~Breite~), die Entfernung vom vorderen zum hinteren Rand die ~Länge~ und eine an der Stelle der stärksten Wölbung auf die Länge gezogene Senkrechte die ~Dicke~ einer Schale. Eine vom Mund nach der Afteröffnung gezogene Linie fällt in der Regel mit der Länge der Schale zusammen; bei den Anisomyariern bildet jedoch die vom Vorderrand nach dem Hinterrand gezogene Linie einen Winkel mit der oroanalen Achse des Tieres. Die vor den Wirbeln gelegene Vorderseite der Schale ist in der Regel kürzer als die Hinterseite; doch kommt ausnahmsweise auch das gegenteilige Verhältnis vor (¡Donax¡).
Bei ungleichklappigen Schalen unterscheiden sich die zwei Klappen häufig nur durch verschiedene Größe und Wölbung; zuweilen werden die Differenzen aber auch sehr beträchtlich. Eine Klappe kann kegelförmige oder zylindrische, die andere deckelförmige Gestalt annehmen (¡Rudistae¡); die Wirbel entfernen sich alsdann sehr weit vom Schloßrand und erhalten zentrale oder subzentrale Lage.
Bei gewissen Bohrmuscheln (¡Clavagellidae¡, ¡Pholadidae¡) sondern die sehr stark verlängerten Siphonen eine kalkige Röhre ab, an deren vorderem Ende die Schale entweder frei liegt (¡Fistulana¡, ¡Teredo¡) oder sie verwächst ganz oder teilweise mit derselben (¡Aspergillum¡, ¡Clavagella¡).
Das ~Band~ oder ~Ligament~[39], welches mit wenigen Ausnahmen (¡Pholadidae¡) die beiden Schalen der Muscheln verbindet, ist bald ~äußerlich~ sichtbar (Fig. 561), bald ~innerlich~ eingeschlossen in einer besonderen Grube des Schloßrandes (Fig. 560), zuweilen auch halb innerlich, halb äußerlich. Es besteht aus einer äußeren, dunkel gefärbten, in Salzsäure und Kalilauge unlöslichen, nicht elastischen Rinde und einer inneren, sehr elastischen, an feinen Kalknädelchen reichen, in Salzsäure brausenden und in Kalilauge löslichen Substanz, welche sich auszudehnen sucht und dadurch die Schalen öffnet, wenn sie nicht durch die Kontraktion der Schließmuskeln zusammengehalten werden. Bei den mit innerlichem Band versehenen Muscheln ist die äußere Schicht häufig äußerlich noch etwas sichtbar (¡Anatina¡, ¡Mya¡, ¡Mactra¡), die innere Bandmasse dagegen in einem löffelartigen Fortsatz oder in einer Grube zwischen den Schloßzähnen gelegen; sie umschließt zuweilen ein kleines Kalkstückchen (¡Anatina¡). Manchen Muscheln mit innerem Ligament (¡Spondylidae¡, ¡Nuculidae¡) fehlt die äußere Bandschicht vollständig; bei den Austern besteht der mittlere Teil des halb innerlichen, halb äußerlichen Bandes aus elastischer Masse, die seitlichen Teile aus Rindenschicht. Bei den Perniden ist das Band geteilt und in zahlreiche getrennte Gruben des Schloßrandes eingepaßt. Bei den Arciden befestigt sich das sehr dünne äußerliche Band auf einer ebenen dreieckigen Area unter den Wirbeln. Die Bandsubstanz wird durch den Fossilisationsprozeß meist zerstört und ist nur ausnahmsweise an fossilen Muscheln noch wohl erhalten.
Das innerliche Band liegt fast immer unmittelbar unter den Wirbeln und ist zuweilen vorn und hinten von Schloßzähnen umgeben (amphidet); das äußerliche beginnt in der Regel hinter den Wirbeln und liegt in einer meist kurzen Furche zwischen den beiden Klappen (opisthodet); es wird häufig durch vertikale Leisten des Schloßrandes (~Bandnymphen~ oder ~Fulcra~) gestützt. Bei den Aviculiden, Myaliniden, Ambonychiden, Mytiliden und Pinniden erstreckt sich das lineare Band über den ganzen Schloßrand.
Zur festeren Verbindung der beiden Schalen besitzen sehr viele Muscheln am Oberrand ein ~Schloß~ (cardo, charnière, hinge), das aus Zähnen und Zahngruben besteht, welche sich auf den schmäleren oder breiteren vertikalen Flächen des Oberrandes, der ~Schloßplatte~, befinden und eine Verschiebung der Klappen verhindern. Die Beschaffenheit des Schloßrandes liefert sehr wichtige systematische Merkmale. Er ist ~dysodont~ (Fig. 562), wenn Zähne vollständig fehlen und die Schalen nur durch das Band zusammengehalten werden (¡Ostreidae¡, ¡Mytilidae¡); man nennt ihn ~kryptodont~, wenn leichte Kerben und Grübchen den Beginn eines Schlosses andeuten (¡Praecardiidae¡), ~taxodont~ (Fig. 563), wenn zahlreiche schmale, gleichartige, senkrecht oder schräg zum Schloßrand gestellte Kerbzähne in entsprechende Grübchen der anderen Klappe sich einfügen (¡Nuculidae¡, ¡Arcidae¡). Sind nur wenige Zähne und Gruben ~symmetrisch~ zu beiden Seiten neben dem Rand vorhanden, so heißt das Schloß ~isodont~ (¡Spondylidae¡) (Fig. 601).
Das ~heterodonte~ Schloß (Fig. 564) besitzt in jeder Klappe eine beschränkte Anzahl leistenförmiger, konischer oder hakenförmiger Zähne, die durch Zahngruben von einander getrennt sind. Die mittleren, unter den Wirbeln stehenden und mehr oder weniger divergierenden Zähne werden als ~Schloß-~ oder ~Kardinalzähne~ von den häufig dem Schalenrand parallelen vorderen und hinteren ~Seitenzähnen~ unterschieden. Jeder Zahn eines heterodonten Schlosses füllt eine Zahngrube der Gegenklappe aus. Zuweilen spaltet sich ein dreieckiger Schloßzahn in zwei divergierende Äste (¡Trigonia¡, ¡Mactra¡) und fügt sich in eine einfache Grube der Gegenschale ein. Man nennt diese Ausbildung des Heterodontenschlosses ~schizodont~.
Das ~pachyodonte~ Schloß ist eine besondere Modifikation von Heterodontie. Es besteht aus 1-3 ~unsymmetrischen~, zapfenförmigen, plumpen Vorsprüngen, welche sich in Gruben oder scheidenartige Alveolen der Gegenklappe einfügen (¡Caprinidae¡, ¡Rudistae¡).
Bei dem ~desmodonten~ Schloß (Fig. 565) fehlen in der Regel eigentliche Schloßzähne, dagegen ragen meist dünne, blattartige Vorsprünge in vertikaler oder horizontaler Richtung unter den Wirbeln vor und nehmen das innerliche oder halbinnerliche Band zwischen sich auf. Zuweilen verdicken sich die vorderen oder hinteren Ränder dieser Ligamentträger zu einem schwachen zahnartigen Vorsprung.
Obige, von ~Neumayr~[40] aufgestellte und begründete Terminologie des Bivalvenschlosses wurde von ~Dall~[41] weiter ausgeführt und von letzterem die ¿Heterodonta¿ in die Gruppen ¡Diogenodonta¡, ¡Cyclodonta¡, ¡Teleodonta¡ zerlegt. Auch die ursprünglich aus fremdartigen Elementen zusammengesetzte Abteilung der ¿Desmodonta¿ erfuhr durch ~Bittner~, ~Dall~ u. a. mancherlei Änderung.
Um eine kurze und präzise Bezeichnung der Schloßelemente zu ermöglichen, schlugen ~Steinmann~ und ~Döderlein~ Formeln vor, worin ¡C¡ die Kardinalzähne, ¡o¡ die diesen entsprechenden Zahngruben der anderen Schale, ¡l¡ die Seitenzähne und ¡m¡ die Vertiefungen zu ihrer Aufnahme in der anderen Schale bedeuten. Mit ¡x¡ werden nicht näher bestimmbare Vorsprünge des Schloßrandes bezeichnet. ¡L¡ bedeutet die linke, ¡R¡ die rechte Klappe. Die Formel beginnt stets am hinteren Ende und endigt am vordern. Beispiel:
¡L¡ ¡m¡ ¡o¡ ¡1¡ ¡o¡ ¡1¡ ¡l¡ ¡Astarte borealis¡ ---------------------------. ¡R¡ ¡l¡ ¡1¡ ¡0¡ ¡1¡ ¡0¡ ¡m¡
Mit der Entwicklung des Schlosses haben sich besonders ~F. Bernard~[42] und ~v. Vest~[43] beschäftigt. Danach beginnt das Schloß bei den meisten Lamellibranchiaten mit einer Anzahl von Kerben, welche sich vor und hinter dem Ligament entwickeln und das sogenannte ¡Provinculum¡, ein dem kryptodonten Schloß ähnliche Bildung, hervorrufen. Unter diesem entstehen sodann vordere und hintere Leisten, welche den Schloßrand verdicken und deren innere Enden sich allmählich zu hakenförmigen Zähnen umgestalten. Die verschiedenartigen Modifikationen, aus welchen das definitive Schloß hervorgeht, sind von ~Bernard~ eingehend geschildert und darauf eine von der ~Steinmann~'schen abweichende Terminologie der einzelnen Elemente des Schlosses begründet.
Von äußerlichen Merkmalen ist die ~Verzierung~ durch konzentrische oder radiale Streifung, Berippung oder Faltung, durch Knoten oder Stacheln beachtenswert. Unverzierte Schalen zeigen stets eine feine, das periodische Zunehmen andeutende konzentrische Zuwachsstreifung. Vor den Wirbeln befindet sich zuweilen ein durch Kanten oder vertiefte Linien begrenztes Feld (~Lunula~), und ebenso verläuft von den Wirbeln nach dem unteren Hinterrand häufig eine Kante oder Furche, wodurch ein längliches, zuweilen abweichend verziertes hinteres Feld (~Area~, Schildchen) von der übrigen Schale abgetrennt wird.
Die meisten Muscheln sind äußerlich von einer meist dünnen, hornigen ~Epidermis~ bedeckt, die aber zuweilen (namentlich bei Süßwasserbewohnern) auch einen dicken bräunlichen oder grünlichen Überzug bilden kann.
Die ~Kalkschale~ selbst wird teils von der Außenfläche der Mantellappen, teils vom Mantelsaum abgesondert und besteht demgemäß aus zwei histiologisch verschiedenen Schichten. Die ~äußere~, vom Mantelsaum gebildete Schicht ist aus prismatischen Zellen zusammengesetzt, welche in der Regel vertikal gegen die Oberfläche gerichtet sind (Fig. 566) und nur bei den Rudisten dieser parallel stehen. Die Prismen variieren sehr in Stärke und Länge. Die größten sind bei ¡Inoceramus¡ und ¡Pinna¡, die feinsten bei Anatiniden und Myiden beobachtet. Bei Mytiliden und bei vielen mit porzellanartigen Schalen versehenen Heterodonten (¡Veneridae¡, ¡Cardiidae¡ etc.) fehlt die äußere Prismenschicht, bei Pectiniden und Limiden ist sie nur an jugendlichen Schalen schwach entwickelt. Die ~innere~ Schalenschicht besteht aus zahlreichen, sehr dünnen, parallel übereinander gelagerten, zuweilen etwas wellig gebogenen Blättern und zeigt entweder porzellanartige oder perlmutterartige Beschaffenheit. ~Perlen~ haben die Struktur der inneren Schalenschicht und bilden sich als Umhüllung von Fremdkörperchen auf der Innenseite der Schale oder im Mantel.
Die äußere Schalenschicht zeigt die physikalischen Merkmale von Kalkspat, die innere von Aragonit. Letztere ist leichter löslich als erstere und darum an fossilen Muscheln zuweilen zerstört, während sich die äußere Schicht noch erhalten hat.
Über die ~Entwicklungsgeschichte~ (Ontogenie) der Schalen geben die Untersuchungen von ~R. T. Jackson~[44] den besten Aufschluß. Danach bildet der Embryo schon frühzeitig einen kleinen, aus zwei dünnen ovalen oder dreieckigen glatten, leicht konzentrisch gestreiften oder gekörnelten Schalen zusammengesetzten »~Prodissoconch~« (Fig. 567). Die beiden Schalen bestehen aus homogener Kalksubstanz und sind durch einen anfänglich geraden zahnlosen oder etwas gekerbten, später gebogenen Schloßrand, sowie zwei Schließmuskeln miteinander verbunden. Die Wirbel des Prodissoconch sind bei den Anisomyarien nach hinten, bei den meisten Homomyarien nach vorn gekrümmt. Der Prodissoconch nimmt die Wirbelregion der sich später bildenden definitiven Schale ein und erhält sich als eine kleine zweischalige Kappe (Fig. 568) einige Zeit oder er wird abgerieben oder fällt frühzeitig ab. Die Übereinstimmung der Embryonalschale bei den verschiedenartigsten Gattungen der Lamellibranchiaten spricht für ihre gemeinsame Abstammung. Von Interesse ist auch der Umstand, daß zahlreiche paläozoische Muscheln aus verschiedenen Ordnungen durch ihre dünnen Schalen und zahnlosen oder nur leicht gekerbten Schloßrand an embryonale Prodissoconchen erinnern. ~Neumayr~ wollte dieselben darum als besondere Ordnung »¡Palaeoconchae¡« allen Muscheln gegenüberstellen. Die während der Entwicklung der definitiven Schalen (~Dissoconch~) eintretenden Veränderungen, namentlich die durch Festheftung einer Klappe bewirkten Modifikationen, wurden von ~Jackson~ bei den Anisomyariern eingehend untersucht und daraus wichtige Ergebnisse für die Verwandtschaft der verschiedenen Familien erzielt.
~Lebensweise.~ Die überwiegende Mehrzahl der Muscheln sind Meeresbewohner, höchstens 1/5 der lebenden Art hält sich in süßem oder brackischem Wasser auf. Die wichtigsten Vertreter der Süßwassermuscheln sind die Nayadiden und Cyreniden. Die marinen Muscheln leben in sehr verschiedener Tiefe; die dickschaligen, reich verzierten und bunt gefärbten meist in seichtem Wasser, in der Nähe der Küste und auf steinigem oder sandigem Grund. Die Tiefseeformen sind in der Regel dünnschalig, farblos, weiß oder rötlich, jedoch weit weniger zahlreich als die Seichtwasserbewohner. Die warmen Zonen beherbergen eine größere Menge von Muscheln als die gemäßigten und kalten.
~Systematik.~ Für die Unterscheidung der Hauptgruppen der Lamellibranchiaten, von denen ca. 5000 lebende und ca. 10000 fossile Arten bekannt sein mögen, hat man verschiedene Merkmale, wie Zahl und Ausbildung der Schließmuskeln, Vorhandensein oder Fehlen der Siphonen, Zahl der Kiemenblätter, Entwicklung des Schlosses, symmetrische oder unsymmetrische Ausbildung der Schalen verwertet. Die mit einem oder zwei sehr ungleichen Schließmuskeln versehenen ¿Anisomyaria¿ (= ¡Monomyaria¡ und ¡Heteromyaria¡) bilden eine natürliche Gruppe, welche den ¿Homomyaria¿ mit zwei gleichen oder doch ähnlichen Muskeln gegenüberstehen. Letztere lassen sich am besten nach der Entwicklung des Schlosses in ¿Taxodonta¿, ¿Heterodonta¿ und ¿Desmodonta¿ einteilen.
1. Ordnung. #Anisomyaria.# Neumayr.
(¡Monomyaria¡ und ¡Heteromyaria¡ auct.)
¡Hinterer Muskel kräftig, viel stärker als der häufig ganz verkümmerte vordere. Die vier Kiemenblätter gleichmäßig entwickelt. Mantellappen getrennt. Siphonen fehlen. Fuß klein oder ganz verkümmert.¡
Die Ordnung der Anisomyarier enthält alle bisher unter der Bezeichnung ¡Monomyaria¡ und ¡Heteromyaria¡ zusammengefaßten Muscheln, bei denen der hintere Muskel überwiegt und der vordere entweder gänzlich fehlt oder nur schwach entwickelt ist. Aus der Ontogenie von ¡Ostrea¡, ¡Avicula¡ und anderen Gattungen geht hervor, daß auch die ausgesprochensten Monomyarier in ihrer Jugend zwei Schließmuskeln besaßen und darum offenbar aus zweimuskeligen Urformen hervorgegangen sind. Mit dieser Auffassung stimmt auch die geologische Verbreitung überein.
Eine Verwachsung der Mantellappen nebst Ausbildung von kurzen Siphonen kommt nur bei den in brackischem und süßem Wasser lebenden Gattungen ¡Dreissensia¡ und ¡Dreissensiomya¡ vor.
1. Familie. #Aviculidae.# Lam.[45]
¡Schale ungleichklappig, innen perlmutterglänzend. Rechte Klappe meist flacher und kleiner als die linke. Schloßrand zahnlos oder mit wenigen schwachen Kerbzähnen, lang, gerade, hinten meist in einen flügelartigen, vorne in einen kurzen, ohrförmigen Fortsatz verlaufend. Band linear an der ganzen Länge des Schloßrandes in einer oder mehreren seichten Rinnen befestigt. Vorderer Muskeleindruck klein oder verkümmert.¡ Silur bis jetzt. Marin.
Die Aviculiden erreichen schon in paläozoischen Ablagerungen den Höhepunkt ihrer Entwicklung und enthalten nach ~Jackson~ die primitivsten Formen der Anisomyarier, aus welchen sich alle übrigen ableiten lassen.
¿Rhombopteria¿ Jackson (Fig. 569). Schale rhomboidisch, schief. Hinterer Flügel durch keine Einbuchtung des Hinterrandes von der übrigen Schale geschieden. Vorderes Ohr kurz. Zwei Muskeln und hintere Leistenzähnchen vorhanden. Silur.
¿Leptodesma¿ Hall. Devon.
¿Pterinea¿ Goldf. (Fig. 570). Linke Schale gewölbt, rechte flach. Schloßrand lang, breit, hinten in einen Flügel, vorn in ein kurzes Ohr ausgezogen; Band in mehreren, dem Schloßrand parallelen Furchen. Unter dem Wirbel zwei oder mehr taxodonte Schloßzähnchen, sowie einige schräg nach hinten und unten divergierende leistenartige hintere Seitenzähne. Hinterer Muskeleindruck groß, vorderer kleiner, aber kräftig entwickelt, unter dem vorderen Ohr gelegen. Silur bis Karbon. Hauptverbreitung im Devon von Europa und Nordamerika.
¿Actinodesma¿ Sandb. (¡Glyptodesma¡, ¡Ectenodesma¡ Hall, ¡Dolichopteron¡ Maurer). Wie ¡Pterinea¡, aber beide Flügel stark verlängert und in Spitzen ausgezogen. Devon.
¿Kochia¿ Frech (¡Onychia¡ Sandb., ¡Loxopteria¡ Frech) Devon.
¿Avicula¿ Brug. (¡Pteria¡ Scopoli) (Fig. 571. 572). Wie ¡Pterinea¡, jedoch Schloßrand zahnlos oder nur mit einem schwachen Schloßzähnchen. In der Regel nur der hintere Muskel entwickelt. Silur bis jetzt.
Subgenera. ¿Actinopteria¿, ¿Leiopteria¿, ¿Vertumnia¿ Hall (Devon), ¿Pteronites¿ M'Coy (Devon, Karbon),? ¿Rutotia¿ de Kon (Karbon), ¿Oxytoma¿ (Perm bis jetzt), ¿Meleagrina¿ Lam. (Jura bis jetzt).
¿Limoptera¿ Hall (¡Monopteria¡ M. W., ¡Myalinodonta¡, ¡Paropsis¡ Oehlert). Wie ¡Avicula¡, jedoch vorderer Flügel verkümmert. Hinterer Flügel groß. Devon. Karbon.
¿Pteroperna¿ Morr. und Lyc. (Dogger.)
¿Pseudomonotis¿ Beyr. (¡Eumicrotis¡ Meek) (Fig. 573). Linke Schale gewölbt, rechte flach. Vordere Ohren winzig, abgerundet oder ganz verkümmert. Devon bis Kreide. ¡Ps. Clarai¡ Wißm. Trias. ¡P. echinata¡ Sow. sp. (Dogger.)
¿Aucella¿ Keys. (Fig. 574). Schief verlängert, ungleichklappig, dünnschalig, konzentrisch verziert, Schloßrand kurz, zahnlos, gestreift. Linke Schale gewölbt mit eingekrümmtem Wirbel und dreieckigem Ausschnitt des Schloßrandes unter dem Wirbel. Rechte Schale flach, mit kleinem, löffelförmigem vorderen Ohr. Oberer Jura und unterste Kreide. Besonders häufig in Rußland und dem arktischen Polargebiet.
¿Cassianella¿ Beyr. (Fig. 575). Linke Schale hochgewölbt, mit vorragendem, eingekrümmtem Wirbel, rechte etwas gedreht, flach oder konkav, ohne Byssusausschnitt. Schloßrand mit kleinen vertikalen Schloßzähnchen und einem leistenartigen vorderen und hinteren Seitenzahn. Bandfeld breit, unter den Wirbeln eine dreieckige Bandgrube. Trias.
¿Monotis¿ Bronn (Fig. 576). Schale gleichklappig, radial gerippt. Schloßrand zahnlos. Wirbel wenig vorragend. Vorderes Ohr undeutlich, gerundet, hinteres kurz, schief abgestutzt oder ausgeschnitten. Trias.
¿Halobia¿ Bronn (¡Daonella¡ Mojs.) (Fig. 577). Gleichklappig, flach, zusammengedrückt, radial gestreift. Wirbel fast zentral. Ohren fehlen entweder ganz (¡Daonella¡), oder nur vorne ein sehr niedriges, nicht über die Schale vorragendes, langes dreieckiges glattes Feldchen vorhanden (¡Halobia¡). Häufig in der Trias.
¿Posidonomya¿ Bronn (¡Ablacomya¡ Steinm.) (Fig. 578). Schale dünn, zusammengedrückt, gleichklappig, konzentrisch gefurcht. Schloßrand gerade, ohne Ohren, zahnlos; Wirbel subzentral, kaum vorragend. Silur bis Jura; über 50 Arten beschrieben. Findet sich meist gesellig und erfüllt namentlich im Lias und Jura zuweilen ganze Schichten.
¿Aviculopecten¿ M'Coy (Fig. 579). Schale radial gerippt oder gestreift. Rechte Schale mit Byssusausschnitt. Schloßrand lang, vorne und hinten mit Seitenohren. Band in mehreren seichten, vom Wirbel nach vorn und hinten divergierenden Furchen gelegen. Silur bis Karbon.
Subgenera. ¿Pterinopecten¿ Hall, ¿Orbipecten¿ Frech (= ¡Lyriopecten¡ Hall von Conr.). Devon.
¿Crenipecten¿ Hall (¡Pernopecten¡ Winch.). Wie ¡Aviculopecten¡, aber Schloßrand mit zahlreichen Kerbzähnchen. Karbon.
2. Familie. #Ambonychiidae#. Miller.
¡Schale gewölbt, gleichklappig, schief oval. Wirbel am vorderen Ende des geraden Schloßrandes, darunter zwei oder mehr Leistenzähnchen. Band in parallelen, dem Schloßrand folgenden Furchen. Hinterseite verbreitert, zwei ungleiche Muskeln vorhanden.¡ Silur. Devon.
¿Ambonychia¿ Hall (Fig. 580). Gleichklappig, meist radial gerippt, vorn steil abfallend. Unter dem Wirbel zwei schräge, leistenartige Zähnchen, außerdem mehrere leistenförmige Seitenzähne. Silur.
~Subgenera.~ ¿Megaptera¿ Meek, ¿Anomalodonta¿ Miller (Silur).
¿Gosseletia¿ Barrois (¡Cyrtodontopsis¡ Frech). Wie ¡Ambonychia¡, aber dickschaliger, häufig konzentrisch gestreift; Schloßzähne zahlreicher und stärker. Devon.
¿Mytilarca¿ (¡Plethomytilus¡), ¿Byssopteria¿, ¿Palaeopinna¿ Hall. Devon.
¿Cyrtodonta¿ Billings (¡Cypricardites¡ Conr., ¡Palaearca¡, ¡Megalomus¡ Hall, ¡Vanuxemia¡ Billings). Quer rhomboidisch, dickschalig; Wirbel angeschwollen, eingekrümmt. Unter dem Wirbel 2-8 schiefe Zähnchen, außerdem einige lange, leistenförmige, dem Schloßrand folgende hintere Seitenzähne vorhanden. Häufig im Silur und Devon von Nordamerika und Australien.
3. Familie. #Pinnidae.# Gray.
¡Schale gleichklappig, dreieckig, mit spitzen, terminalen Wirbeln, hinten weit klaffend. Schloßrand gerade, zahnlos. Band lang, linear, halb innerlich. Hinterer Muskeleindruck groß, subzentral, vorderer sehr klein. Äußere Prismenschicht stark entwickelt, innere Perlmutterschicht sehr dünn.¡ Devon bis jetzt. Marin.
¿Aviculopinna¿ Meek. Vor den Wirbeln ragt ein ganz kurzes Flügelchen vor. Karbon und Perm.
¿Pinna¿ Lin. (Fig. 581). Schale dünn, glasig, dreieckig. Wirbel spitz, hinten weit klaffend. Devon bis jetzt.
¿Trichites¿ Plott (¡Pinnigena¡ Saussure) (Fig. 582). Schale sehr dick, groß, fast ganz aus der grobfaserigen Prismenschicht bestehend. Vorderrand klaffend. Muskeleindruck sehr groß. Jura. Kreide.
4. Familie. #Pernidae.# Zittel.
¡Schale gleichklappig oder ungleichklappig. Schloßrand gerade, hinten zuweilen flügelartig verlängert, zahnlos, gekerbt oder mit leistenartigen Zähnen. Band in eine größere Anzahl isolierter Quergruben des Schloßrandes eingefügt. Einziger Muskeleindruck subzentral, groß. Innere Schalenschicht perlmutterglänzend.¡ Perm bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide. Marin.
¿Bakewellia¿ King. Schief verlängert, klein, etwas ungleichklappig. Schloßrand hinten flügelartig, mit mehreren entfernten Bandgruben, unter dem Wirbel 3-4 Leistenzähne. Zechstein.
¿Gervillia¿ Defr. (Fig. 583). Schief verlängert, nahezu gleichklappig oder ungleichklappig. Schloßrand dick, mit undeutlichem Hinterflügel und mehreren Bandgruben. Wirbel spitz, terminal, darunter mehrere schiefe Leistenzähne. Trias bis Eocän.
Subgenera: a) ¿Hoernesia¿ Laube (Fig. 584). Schale ungleichklappig, gekrümmt. Bandgruben wenig zahlreich, unter den Wirbeln ein starker, dreieckiger, durch ein Septum gestützter Zahn und davor mehrere Kerbzähnchen. Trias.
b) ¿Odontoperna¿ Frech. Schale vierseitig, wenig schief, unter dem Wirbel 2-3 kurze Leistenzähne. Trias. ¡O.¡ (¡Perna¡) ¡Bouéi¡ Hauer.
¿Perna¿ Brug. (¡Isognomon¡ Klein, ¡Mulletia¡ Fischer). (Fig. 585). Gleichklappig, oval bis vierseitig. Innere Schalenschicht dick, blättrig, perlmutterglänzend. Wirbel spitz, terminal. Schloßrand breit, zahnlos, mit einer Reihe senkrechter Bandgruben. Vorderrand mit Byssusausschnitt. Trias bis jetzt.
¿Pernostrea¿ Mun.-Chalmas. Jura.
¿Inoceramus¿ Sow. (¡Catillus¡ Brgt., ¡Haploscapha¡ Conr., ¡Neocatillus¡ Fischer) (Fig. 586. 587). Rundlich eiförmig, mehr oder weniger ungleichklappig, konzentrisch, seltener radial verziert. Wirbel vorragend, dem Vorderende genähert. Schloßrand zahnlos, mit sehr zahlreichen, schmalen, vertikalen Bandgruben. Äußere prismatische Schalenschicht sehr dick, innere Perlmutterschicht dünn. Jura. Kreide. Hauptverbreitung in der mittleren und oberen Kreide.
~Subgenera~: ¿Actinoceramus¿ Meek (Fig. 587), ¿Volviceramus¿ Stol., ¿Anopaea¿ Eichw.
¿Crenatula¿ Lam. Dünnschalig, schief verlängert, glatt. Schloßrand mit mehreren kallösen Kerben.? Jura. Pliocän und Recent.
5. Familie. #Limidae.# d'Orb.
¡Schale schief oval, häufig etwas nach vorn verlängert, gleichklappig, am Vorderrand etwas klaffend. Schloßrand zahnlos oder mit schwachen Kerbzähnchen, vorn in ein kurzes, hinten in ein etwas längeres Ohr ausgezogen. Bandgrube dreieckig, unter den Wirbeln dreieckig, halb äußerlich, halb innerlich. Nur ein Muskeleindruck vorhanden.¡ Karbon bis jetzt. Marin.
¿Lima¿ Brug. (Fig. 588-592). Schale gewölbt, radial gerippt oder gestreift, selten glatt. Wirbel spitz, voneinander abstehend. Schloßrand zahnlos. Karbon bis jetzt. Hauptverbreitung in Trias, Jura und Kreide (über 300 Arten).
Von den zahlreichen Untergattungen enthält ¿Mysidioptera¿ Salomon triasische, gerippte oder glatte Formen mit einer dreieckigen, schief nach hinten gerichteten Bandgrube, ¿Radula¿ Klein (Fig. 588) die kräftig radial gerippten, ¿Plagiostoma¿ Sow. (Fig. 589) die glatten oder radial gestreiften, ¿Limatula¿ Wood (Fig. 590) die in der Mitte gerippten, seitlich glatten, ¿Ctenostreon¿ Eichw. (Fig. 591) die sehr dickschaligen, grob radialgefalteten Formen, ¿Limea¿ Bronn. (Fig. 592) kleine Schalen mit Kerbzähnchen vor und hinter der Bandgrube.
6. Familie. #Vulsellidae.# Stol.
¡Marine, fast gleichklappige Muscheln. Band in einer einzigen, unter den Wirbeln gelegenen Grube. Muskel subzentral.¡ Jura bis jetzt.
¿Vulsella¿ Lam. (Fig. 593). Schale höher als lang, etwas unregelmäßig. Schloßrand kurz, zahnlos, mit einer dreieckigen, vorspringenden Bandgrube unter den subzentralen Wirbeln. Eocän bis jetzt.
Weitere Gattungen ¿Eligmus¿ Desl. (Dogger), ¿Chalmasia¿ Stol. (Kreide), ¿Nayadina¿ Mun.-Chalm. (Kreide), ¿Malleus¿ Lam. Recent.
7. Familie. #Pectinidae.# Lam.
¡Schale oval oder rund, fast gleichseitig, gleich- oder ungleichklappig. Schloßrand zahnlos, gerade, vor und hinter den zentralen, wenig vorragenden Wirbeln, mit einer ohrförmigen Verlängerung. Unter dem vorderen Ohr der rechten Klappe meist ein Byssusausschnitt. Band innerlich in dreieckiger, kleiner Grube. Nur ein Muskeleindruck vorhanden.¡ Silur bis jetzt. Die lebenden Arten häufig bunt gefärbt, reich verziert und oft von ansehnlicher Größe, in allen Meeren verbreitet. Die Pectiniden sind nach ~Jackson~ Abkömmlinge der Aviculiden.
¿Pecten¿ Klein (Fig. 594-600). Schale frei, fast gleichseitig radial gerippt, gestreift oder glatt. Devon bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär.
~Subgenera.~ a) ¿Streblopteria¿ M'Coy. Karbon.
b) ¿Pleuronectites¿ Schloth. Glatt, rechte Schale gewölbt, mit tiefem Byssusausschnitt, linke Klappe flach. Trias. ¡S. laevigatus¡ Schloth.
c) ¿Camptonectes¿ Ag. (Fig. 594). Oberfläche mit feinen gekrümmten, divergierenden Radialstreifen. Jura. Kreide.
d) ¿Entolium¿ Meek (Fig. 595). Glatt, dünn, gleichklappig. Ohren gleich groß, vom Wirbel an winklig ansteigend. Byssusausschnitt fehlt. Karbon bis Kreide.
e) ¿Amussium¿ Klein (Fig. 596). Glatt oder fein radial gestreift, dünn, etwas klaffend, im Innern mit radialen Rippen. Lias bis jetzt.
f) ¿Chlamys¿ Bolten (Fig. 597. 598). Etwas ungleichklappig, radial gestreift oder gerippt; vordere Ohren größer als die hinteren. Rippen schuppig oder quergestreift. Von der Trias an.
g) ¿Pallium¿ Martini. Starke Radialrippen, kleine Ohren. Schloßrand mit undeutlichen Zahnkerben. Tertiär. Recent.
h) ¿Vola¿ Klein (¡Janira¡ Schum., ¡Neithea¡ Drouet) (Fig. 599). Schale ungleichklappig, radial gerippt, geschlossen. Rechte Klappe hoch gewölbt, linke flach oder konkav. Ohren groß. Kreide, Tertiär und lebend. Hauptverbreitung in der Kreide.
¿Hinnites¿ Defr. (Fig. 600). Radial gerippt oder blätterig. Rechte Schale in der Jugend frei, im Alter aufgewachsen. Ohren ungleich. Trias bis jetzt.
8. Familie. #Spondylidae.# Gray.
¡Rechte Schale festgewachsen. Band innerlich in einer länglichen Querfurche unter den Wirbeln. Schloßrand isodont, in jeder Klappe mit zwei Zähnen. Hinterer Muskeleindruck groß, zuweilen ein kleiner vorderer Fußmuskel vorhanden.¡ Trias bis jetzt. Marin. Nach ~Jackson~ Abkömmlinge der Pectiniden.
? ¿Pachypteria¿ de Kon. Karbon. ¡P.¡ (¡Ostrea¡) ¡nobilissima¡ de Kon.
¿Prospondylus¿ Bittner. Trias.
¿Terquemia¿ Tate (¡Carpenteria¡ Desl.). Schale am Rand gefaltet. Rechte Schale aufgewachsen, linke flach oder konkav. Trias und Lias.
¿Plicatula¿ Lam. (¡Harpax¡ Park) (Fig. 601). Schale flach oder mäßig gewölbt, häufig mit hohlen Stacheln verziert. Schloßzähne divergierend, leistenförmig. Area unter den Wirbeln klein. Trias bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide.
¿Spondylus¿ Lang (Fig. 602. 603). Schale gewölbt, radial gerippt, mit Blättern und Stacheln. Unter den Wirbeln eine ziemlich hohe, dreieckige Area. Neben dem innerlichen Band jederseits ein starker, etwas gekrümmter, hakenförmiger Schloßzahn. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung in Tertiär und Jetztzeit.
9. Familie. #Dimyidae.# Fischer.
¡Schale klein, rundlich, flach, festgewachsen. Band innerlich, unter den Wirbeln. Schloßrand in beiden Schalen mit zwei divergierenden Leisten oder zahnlos. Zwei Muskeleindrücke vorhanden, der vordere kleiner als der hintere.¡ Trias bis jetzt. Marin.
Einzige Gattung ¿Dimya¿ Rouault (= ¡Dimyodon¡ Mun.-Chalm.) (Fig. 604).
10. Familie. #Anomiidae.# Gray.
¡Schale meist dünn, innen perlmutter- oder glasglänzend, in der Jugend durch einen verkalkten, die rechte Schale durchbohrenden Byssus festgewachsen. Schloßrand zahnlos. Band innerlich. Nur ein Muskeleindruck vorhanden.¡ Devon bis jetzt. Marin.
¿Anomia¿ Lin. Schale unregelmäßig, rundlich oder länglich, dünn. Rechte Unterschale von einem großen Loch durchbohrt oder mit tiefem Ausschnitt des Schloßrandes. Linke Schale gewölbt, im Innern mit vier Muskeleindrücken, wovon drei dem Byssus angehören. Schloßrand mit querer Bandgrube. Häufig in Tertiär und Jetztzeit, seltener in Jura und Kreide.
¿Limanomia¿ Bouch. Devon.
¿Carolia¿ Cantraine (¡Hemiplacuna¡ Gray) (Fig. 605). Schale rundlich, zusammengedrückt, fein radial gestreift. Rechte Schale mit ovalem Loch, das sich an alten Exemplaren fast schließt. Band quer, in der rechten Klappe auf einer erhabenen gebogenen Leiste, in der linken in einer Furche gelegen. Eocän.
¿Placuna¿ Brug. (¡Placunema¡ Stol., ¡Pseudoplacuna¡ Mayer). Schale groß, rundlich, zusammengedrückt, dünn, fast durchscheinend. Wirbel der rechten Schale von einem winzigen Loch durchbohrt, das sich später schließt. Band innerlich auf zwei divergierenden Leisten der rechten und zwei Furchen der linken Schale. Lebend und tertiär.
¿Placunopsis¿ Morris und Lyc. Schale rundlich oder oval; größere Klappe gewölbt, kleinere flach, frei oder aufgewachsen, undurchbohrt. Jura.
¿Semiplicatula¿ Desh., ¿Saintia¿ Rainc. (Eocän.)
11. Familie. #Ostreidae.# Lam.
¡Schale ungleichklappig, dick, blätterig, mit sehr stark entwickelter Prismenschicht, mit der größeren linken (selten rechten) Klappe in der Jugend oder zeitlebens festgewachsen. Wirbel subzentral, gerade oder gekrümmt. Schloßrand zahnlos. Band in einer dreieckigen Grube unter den Wirbeln, halb innerlich. Nur ein subzentraler Muskel vorhanden.¡ Trias bis jetzt. Ungemein häufig in mesozoischen und tertiären Ablagerungen. Die Ostreiden stammen nach ~Jackson~ von ¡Perna¡ ähnlichen Muscheln ab.
¿Ostrea¿ Lin. (Fig. 606). Schale aufgewachsen, unregelmäßig, konzentrisch blätterig oder mit groben radialen Falten und Rippen. Die beiden Klappen verschieden gewölbt und meist verschieden verziert. Wirbel gerade. Bandgrube dreieckig, quergestreift. Hierher die meisten lebenden und zahlreiche fossile Arten, insbesonders aus dem Tertiär. Einzelne Formen (¡O. Virginica¡, ¡crassissima¡, ¡gigantea¡, ¡longirostris¡) erreichen beträchtliche Größe.
¿Alectryonia¿ Fischer (¡Dendrostrea¡ Swainson, ¡Actinostreon¡ Bayle) (Fig. 607). Linke Schale aufgewachsen. Beide Klappen mit kräftigen Rippen oder Falten, Schalenränder wellig oder zickzackartig gefaltet. Trias bis jetzt. Besonders häufig in Jura und Kreide.
¿Gryphaea¿ Lam. (¡Pycnodonta¡ Fisch., ¡Gryphaeostrea¡ Conrad) (Fig. 608. 609). Linke Schale hoch gewölbt, mit stark einwärts gekrümmtem Wirbel; in der Jugend mit dem Wirbel festgewachsen, später frei. Rechte Schale flach, deckelförmig. Vorzugsweise in Lias, Jura und Kreide, seltener im Tertiär und lebend.
¿Exogyra¿ Say (¡Amphidonta¡ Fischer, ¡Ceratostreon¡, ¡Aëtostreon¡, ¡Rhynchostreon¡ Bayle) (Fig. 610. 611). Frei, in der Jugend mit dem Wirbel der Unterschale festgewachsen. Beide Wirbel spiral nach der Seite gedreht. Bandgrube schmal. Unterschale gewölbt, die andere flach. Ob. Jura und Kreide.
12. Familie. #Myalinidae.# Frech.
¡Schale gleich- oder ungleichklappig, schief oval, hinten verbreitert, vorne zuweilen mit kleinem Ohr. Wirbel terminal oder weit nach vorne gerückt. Schloßrand gerade, zahnlos. Band in parallelen, dem ganzen Schloßrand folgenden Furchen. Unter den Wirbeln eine Byssusspalte. Zwei Muskeln.¡ Silur bis Jura.
¿Myalina¿ de Kon. Dickschalig, schief, oval oder dreiseitig. Schloßrand breit, lang parallel gestreift. Unter den spitzen terminalen Wirbeln befindet sich ein kräftig vertiefter, vorderer Muskeleindruck. Silur. Devon.
¿Hoplomytilus¿ Sandb., ¿Myalinoptera¿ Frech, ¿Ptychodesma¿, ¿Mytilops¿, ¿Modiella¿ Hall. Devon. ¿Leiomyalina¿ Frech, ¿Aphanaia¿, ¿Posidoniella¿ de Kon., ¿Liebea¿ Waagen, ¿Atomodesma¿ Beyr., ¿Anthracoptera¿ Salter. Karbon.
¿Pergamidia¿ Bittner. Dickschalig, gleichklappig, hoch gewölbt. Vorderes Ohr deutlich, steil abfallend. Schloßrand unter dem Wirbel mit Einschnitt. Trias (Kleinasien).
¿Mysidia¿ Bittner. Wie vorige, aber vorderes Ohr verkümmert. Trias.
13. Familie. #Modiolopsidae.# Fischer.
¡Ausgestorbene, marine, sehr ungleichseitige, vorne kurze und etwas verschmälerte, hinten mehr oder weniger verlängerte, glatte, konzentrisch, seltener fein radial gestreifte, meist ziemlich dickschalige, innen nicht perlmutterglänzende Muscheln. Wirbel dem Vorderrande genähert oder terminal. Band äußerlich, lang, hinter den Wirbeln. Schloßrand etwas verdickt, zahnlos oder mit einem schwachen leistenartigen Kardinal- und Seitenzahn, zuweilen auch unter den Wirbeln quer gestreift. Vorderer Muskeleindruck kleiner, aber tiefer als der hintere.¡ Silur bis Kreide.
Die Stellung der hierher gehörigen Muscheln ist zweifelhaft. Die kräftige Entwicklung des vorderen Muskeleindrucks unterscheidet sie von den Mytiliden und Myaliniden, mit denen die Schalen in der äußeren Form am meisten Ähnlichkeit besitzen. Sie werden von manchen Autoren zu den ¡Homomyaria¡, und zwar in die Nachbarschaft von ¡Cardita¡ gestellt, als deren Vorläufer sie wahrscheinlich auch zu betrachten sind. Ob die lebende Gattung ¿Prasina¿ Desh. hierher gerechnet werden darf, ist durchaus unsicher.
¿Modiolopsis¿ Hall (Fig. 612). Länglich oval, vorne und hinten gerundet; Wirbel subterminal. Schloß zahnlos. Kambrium (?) und Silur.
¿Modiomorpha¿ Hall. Wie vorige, aber Schloß mit einem leistenförmigen, schräg nach hinten gerichteten Zahn. Devon.
¿Megambonia¿ Hall. Aufgebläht, oval, Vorderseite kurz, durch eine Einbuchtung von der verlängerten Hinterseite geschieden. Schloßrand mit leistenartigen Seitenzähnen. Silur.
¿Nyassa¿ Hall. Ähnlich ¡Modiola¡, vorne gerundet, hinten verlängert. Schloßrand unter den Wirbeln etwas verdickt und quer gestreift, hinten mit dünnem, leistenförmigem Seitenzahn. Devon.
¿Myoconcha¿ Sow. (Fig. 613). Dickschalig, schwach gewölbt, vorne verschmälert, hinten stark verlängert. Wirbel fast terminal. Schloß zahnlos oder meist in der rechten Klappe mit einem langen leistenartigen Kardinalzahn und schwachem, langem Seitenzahn. Karbon bis Kreide.
¿Hippopodium¿ Sow. Sehr dickschalig, gewölbt, länglich eiförmig; Oberfläche konzentrisch runzelig. Schloßrand verdickt, zahnlos oder mit einem langen stumpfen und schiefen Kardinalzahn. Beide Muskeleindrücke stark vertieft. Lias und Jura.
14. Familie. #Mytilidae.# Lam. Miesmuscheln.
¡Gleichklappige, länglich eiförmige bis oval dreiseitige, meist dünne Muscheln mit dicker Epidermis, ohne Prismenschicht. Wirbel am vorderen Ende. Schloßrand in den Hinterrand verlaufend, zahnlos oder schwach gekerbt. Band lang, in seichter Rinne hinter den Wirbeln. Vorderrand mit Byssusspalte. Vorderer Muskel klein.¡ Trias bis jetzt.
Die Mehrzahl der hierher gehörigen, offenbar von den Myaliniden abstammenden Formen haben marine Lebensweise und halten sich in seichtem Wasser auf; einige (¡Dreissensia¡) finden sich auch in brackischem und süßem Wasser. Sie leben gesellig und sind mit starkem Byssus versehen.
¿Mytilus¿ Lin. (Fig. 614. 615). Schale schief, dünn, länglich, vorn zugespitzt, meist glatt; innen mit dünner Porzellanschicht. Schloßrand zahnlos. Trias bis jetzt.
¿Septifer¿ Récluz. Wie ¡Mytilus¡, aber radial gestreift, unter den spitzen Wirbeln eine kurze Platte zur Aufnahme des Fußmuskels. Tertiär. Recent.
¿Pachymytilus¿ Zitt. (Fig. 617). Schale dreieckig, sehr dick. Wirbel zugespitzt, darunter eine tiefe Einbuchtung des Vorderrandes. Ob. Jura.
¿Modiola¿ Lam. (Fig. 616). Wie ¡Mytilus¡, aber länglich oval, vorne wenig verschmälert und abgerundet. Devon bis jetzt.
¿Lithodomus¿ Cuv. (¡Lithophagus¡ Mühlf.) (Fig. 618). Fast zylindrisch, an beiden Enden abgerundet; bohren sich in Steinkorallen, Conchylien etc. ein und leben in zylindrischen oder keulenförmigen Höhlen, deren Ausfüllungen häufig fossil vorkommen.
¿Crenella¿ Brown, ¿Modiolaria¿ Lovèn. Tertiär, Recent.
¿Dreissensia¿ van Beneden (¡Tichogonia¡ Roßm.) (Fig. 619). Abgerundet dreieckig oder viereckig glatt, mit Epidermis bedeckt. Unter den terminalen Wirbeln eine Platte, worin sich der kleine, vertiefte, vordere Byssusmuskel inseriert. Rechte Schale zuweilen mit schwachem Zahn. Mantellappen verwachsen, Siphonen vorragend. Lebend in brackischen und süßen Gewässern von Europa, Asien, Südamerika, Westindien und Afrika. Eocän bis jetzt.
¿Dreissensiomya¿ Fuchs. Wie vorige, aber mit Mantelbucht. Miocän.
¿Congeria¿ Partsch (Fig. 618). Wie ¡Dreissensia¡, jedoch hinter dem vorderen Muskeleindruck ein kleiner löffelartiger Vorsprung zur Aufnahme eines zweiten Muskels. Tertiär bis lebend. Sehr häufig im Miocän und Pliocän von Osteuropa (Congerienschichten).
2. Ordnung. #Homomyaria.#
(¡Dimyaria¡ Lam., ¡Isomyaria¡ Ray Lankaster).
¡Beide Schließmuskeln von gleicher oder nahezu gleicher Größe. Vier oder zwei Kiemenblätter vorhanden. Mantellappen getrennt oder verwachsen.¡
A. Unterordnung. #Taxodonta.# Neumayr.
(¡Arcacea¡ Lam., ¡Polyodonta¡ Blv.)
¡Schale gleichklappig. Muskeln gleich. Schloßrand jederseits mit einer größeren Anzahl gleichartiger, in Reihen geordneter Zähne besetzt. Band äußerlich oder innerlich. Mantellappen meist vollständig getrennt, seltener verwachsen und zwei kurze Siphonen bildend. Fuß mit Byssus oder Längsfurche. Vier Kiemenblätter.¡ Kambrium bis jetzt.
Die Taxodonten gehören zu den primitivsten und ältesten Vertretern der Lamellibranchiaten. Sie erlangen schon im Silur eine ansehnliche Verbreitung und werden von ~Pelseneer~ für die Ahnen aller übrigen Muscheln gehalten, während ~Neumayr~ nur die Anisomyarier und Heterodonten von ihnen ableitet und sie selbst aus den Paläoconchen hervorgehen läßt. Sämtliche Taxodonten sind Meeresbewohner.
1. Familie. #Nuculidae.# Gray.
¡Schale oval oder länglich, klein, hinten meist mehr oder weniger verlängert, glatt, konzentrisch oder wellig gestreift, mit Epidermis überzogen; innen perlmutter- oder seidenglänzend. Band innerlich oder äußerlich. Schloßrand mit zwei vom Wirbel divergierenden Reihen von kammförmigen Kerbzähnchen, die häufig durch das innerliche, in einer dreieckigen Grube unter den Wirbeln gelegene Band voneinander getrennt sind. Manteleindruck ganz oder mit Bucht.¡
Die Mantellappen sind entweder völlig getrennt oder hinten verwachsen und bilden im letzteren Falle (¡Yoldia¡, ¡Leda¡) zwei kurze Siphonen. Fuß scheibenförmig, ohne Byssus; Kiemen klein, kammförmig.
Die Nuculiden gehören zu den ältesten Muscheln. Sie haben schon im Silur eine starke Verbreitung und gehen von da durch alle Formationen bis in die Jetztzeit.
¿Cucullella¿ M'Coy. Oval-elliptisch, dünnschalig. Schloßrand wenig gebogen. Im Innern eine vom Wirbel gegen den vorderen Muskeleindruck verlaufende Falte. Silur.
¿Cleidophorus¿ Hall (¡Adranaria¡ Mun.-Chalmas) (Fig. 621). Hinterseite stark verlängert und verschmälert. Im Innern eine kurze, vom Wirbel ausgehende Falte. Silur. Devon.
¿Redonia¿ Rouault, ¿Cadomia¿ Tromelin. Silur.
¿Ctenodonta¿ Salter (Fig. 622). Oval oder länglich, glatt. Schloßrand gebogen oder winklig. Keine innere Leiste vorhanden. Kambrium bis Karbon.
¿Tellinomya¿, ¿Palaeoneilo¿ Hall. Silur.
¿Lyrodesma¿ Conr. (¡Actinodonta¡ Phil.) Oval. Schloßrand mit nur 6-8 kräftigen, divergierenden und quer gestreiften Zähnen. Band äußerlich. Manteleindruck ganz. Silur.
¿Anuscula¿ Barr. (¡Babinka¡ Barr.), ¿Myoplusia¿ Neumayr. Silur.
¿Cytherodon¿ Hall. Silur. Devon.
¿Nucula¿ Lam. (Fig. 623). Dreieckig oder oval. Schloßrand winklig, mit zwei divergierenden Reihen von Kerbzähnen. Band innerlich in einer dreieckigen Grube unter den Wirbeln. Manteleindruck ganzrandig. Silur bis jetzt. Über 200 fossile und ca. 70 lebende Arten.
¿Hoferia¿ Bittner. Trias.
¿Yoldia¿ Möller (Fig. 624). Wie ¡Nucula¡, aber hinten etwas klaffend. Mantelbucht vorhanden. Kreide bis jetzt.
¿Leda¿ Schum. (Fig. 625. 626). Schale hinten geschnäbelt, verlängert und häufig gekielt. Schloß und Band wie bei ¡Nucula¡. Mantelbucht seicht. Silur bis jetzt.
¿Malletia¿ Desm., ¿Tindaria¿ Bell. Tertiär. Recent.
2. Familie. #Arcidae.# Lam.
¡Schale länglich oval bis rundlich; Band meist auf einer ebenen, gefurchten dreieckigen Area unter den Wirbeln befestigt, seltener innerlich, in einer einzigen Grube gelegen. Schloßrand gerade oder gebogen, mit zahlreichen kammförmigen, auf den Seiten häufig leistenförmigen Zähnen besetzt. Innere Schalenschicht porzellanartig. Manteleindruck einfach.¡ Silur bis jetzt.
¿Macrodon¿ Lycett (¡Parallelodon¡, ¡Grammatodon¡, Meek u. W.,) (Fig. 627). Schale verlängert, oval vielseitig. Wirbel weit vorn; Bandarea niedrig, parallel gestreift. Schloßrand gerade, lang, unter den Wirbeln mit einigen schiefen Querzähnchen, hinten mit langen, dem Schloßrand parallelen Leistenzähnen. Devon bis Tertiär. Hauptverbreitung im Kohlenkalk.
¿Arca¿ Lam. (Fig. 628. 629). Schale oval bis vierseitig, meist radial gerippt. Wirbel vor der Mitte, darunter eine dreieckige Area mit knieförmig geknickten Furchen zur Anheftung des äußerlichen Bandes. Schloßrand gerade, mit zahlreichen, gleichartigen, etwas schiefen Kerbzähnen. Silur bis jetzt. Etwa 150 lebende und über 500 fossile Arten bekannt.
~Subgenera~: ¿Byssoarca¿ Swainson, ¿Litharca¿ Gray, ¿Barbatia¿ Gray, ¿Scaphula¿ Benson, ¿Argina¿ Gray etc.
¿Carbonarca¿ Meek und Worth. Wirbel angeschwollen, gekrümmt, hinten kantig. Schloßrand gebogen, vorne mit zwei schiefen Zähnen. Karbon.
¿Cucullaea¿ Lam. (¡Idonearca¡ Conr.) (Fig. 630). Schale rhombisch bis trapezförmig, gewölbt. Bandarea mit geknickten Furchen. Schloßrand gerade, in der Mitte mit kleinen Querzähnchen, seitlich mit 2-5 etwas schiefen oder dem Schloßrand fast parallelen Leistenzähnen. Hinterer Muskeleindruck zuweilen auf einer dünnen, vorspringenden Platte. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide.
¿Isoarca¿ Münst. (Fig. 631). Schale glatt, bauchig. Wirbel angeschwollen, eingekrümmt gerundet. Bandarea sehr niedrig. Oberer Jura und untere Kreide.
¿Glyptarca¿ Hicks. Kambrium.
¿Pectunculus¿ Lam. (¡Trigonoarca¡ Conr., ¡Axinaea¡ Poli, ¡Cnisma¡ Mayer) (Fig. 632). Fast kreisförmig und nahezu gleichseitig. Rand gekerbt. Bandarea dreieckig mit geknickten Furchen. Zähne schief, in bogenförmiger Reihe. Kreide bis jetzt.
¿Limopsis¿ Sassi (Fig. 633). Klein, rundlich, wie ¿Pectunculus¿, aber Band in einer dreieckigen Grube unter den Wirbeln. Trias bis jetzt.
¿Trinacria¿ Mayer (¡Trigonocoelia¡ Desh.). Wie vorige, aber dreieckig, Hinterseite gekielt, verlängert. Eocän.
¿Nuculina¿ d'Orb. (Fig. 634). Klein, oval; Schloßrand mit queren Kerbzähnen und einem leistenartigen vorderen Seitenzahn. Band linear. Miocän und Pliocän.
B. Unterordnung. #Heterodonta.# Neumayr.
¡Schale gleich-, seltener ungleichklappig. Schloß mit einer beschränkten Anzahl leistenförmiger, konischer oder hakenförmiger Zähne, welche durch Zahngruben getrennt und häufig in Schloß- und Seitenzähne differenziert sind. Band äußerlich, selten innerlich. Siphonen selten fehlend. Manteleindruck ganzrandig oder mit Bucht.¡
Zu den Heterodonten gehört gegenwärtig etwa die Hälfte aller Muscheln. Sie beginnen im Silur, werden in Devon, Karbon und Perm etwas zahlreicher, spielen aber erst von der Trias an eine hervorragendere Rolle und befinden sich von da an in steter Zunahme. Die typischen Heterodonten besitzen kräftige Schloß- und Seitenzähne, doch gibt es eine erhebliche Anzahl von Formen aus den verschiedensten Familien (¡Najadidae¡, ¡Cardiidae¡, ¡Lucinidae¡), bei denen die Schloßzähne oder Seitenzähne, zuweilen sogar beide, verkümmern, so daß der Schloßrand durch Reduktion zahnlos wird. Eine höchst eigentümliche Modifikation des Heterodontenschlosses stellen die Pachyodonten dar, zu denen die Familien der Chamiden, Capriniden und Rudisten gehören. Neben diesen rückgebildeten Formen gibt es auch eine Anzahl meist paläozoischer Gattungen, bei denen das sehr dünne Schloß nur schwache Andeutungen von Zähnen und zwar meist nur Querkerben oder stumpfe Höcker aufweist (¡Praecardiidae¡, ¡Lunulacardiidae¡). ~Neumayr~ bildet für diese kryptodonten Formen eine selbständige Gruppe ¡Palaeoconchae¡, doch scheinen sie mit gewissen Familien der Heterodonten in naher Beziehung zu stehen und dürften als deren Vorläufer am besten bei diesen eingereiht werden.
#A. Integripalliata.#
¡Manteleindruck ganzrandig. Siphonen kurz, nicht retraktil, zuweilen fehlend.¡
1. Familie. #Anthracosiidae.# Amalitzky.
¡Ausgestorbene, meist länglich ovale bis oval dreieckige, glatte oder fein konzentrisch gestreifte Muscheln, mit vor der Mitte gelegenen Wirbeln und äußerlichem Band. Ränder glatt. Schloß sehr variabel, unvollkommen entwickelt, in der Regel jederseits mit einem stumpfen, wenig vorspringenden Schloßzahn, zuweilen auch mit einem langen hinteren Seitenzahn, fast ganz zahnlos oder mit zahlreichen, kryptodonten, irregulären, häufig gespalteten Querzähnchen. Hinter dem vorderen Muskeleindruck ein kleiner Fußmuskeleindruck.¡ In limnischen und brackischen Ablagerungen der Devon-, Steinkohlen-, Perm- und Triasformation.
¿Amnigenia¿ Hall. Devon (Old red). Nordamerika und Rheinpreußen.
¿Anthracosia¿ King. (Fig. 635). Schale dünn, meist klein, länglich oval. Schloßrand verdickt, jederseits mit einem stumpfen, länglichen Kardinalzahn und schwach entwickeltem leistenartigen hinteren Seitenzahn. In der produktiven Steinkohlenformation, im Rotliegenden und in den limnischen Permablagerungen von Rußland häufig.
¿Anthracomya¿ Salter (¡Nayadites¡ Dawson), ¿Asthenodonta¿ Whiteaves. ¿Carbonicola¿ M'Coy. Steinkohlenformation.
¿Palaeomutela¿ Amalitzky (¡Oligodon¡ Amal.). Schloßrand mit zahlreichen, unregelmäßigen Querzähnchen und Streifen bedeckt. In brackischen oder limnischen Mergeln der Permformation Rußlands.
¿Anoplophora¿ Sandb. emend. v. Koenen (¡Uniona¡ Pohlig Fig. 636). Rechte Schale mit sehr stumpfem, dickem Schloßzahn, welcher sich in eine Einsenkung des linken Schloßrandes einfügt. Linke Schale mit langem, hinterem Seitenzahn. Trias (Lettenkohle). ¡A. donacina¡ Schloth., ¡A. lettica¡ Quenst. sp.
2. Familie. #Cardiniidae.# Zitt.
¡Schale verlängert oder oval, glatt oder konzentrisch gestreift. Band äußerlich. Schloßzähne kräftig oder verkümmert. Hintere Seitenzähne lang, vordere kurz. Keine accessorischen Fußmuskeleindrücke vorhanden.¡ Nur fossil in marinen Schichten der Trias und im Lias.
¿Trigonodus¿ Sandberger (Fig. 637). Oval bis trapezoidisch, hinten verlängert. Schloßrand links mit einem starken dreieckigen, zuweilen gespaltenen Kardinalzahn, einem kurzen schrägen vorderen und zwei langen leistenartigen hinteren Schloßzähnen, rechts mit einem Schloßzahn, einem sehr kurzen schrägen vorderen und einem leistenartigen langen hinteren Seitenzahn. Trias, namentlich im Lettenkohlendolomit und in den Raibler Schichten.
¿Heminajas¿ Neumayr. Trias. ¡H.¡ (¡Myophoria¡) ¡fissidentata¡ Wöhrmann.
¿Pachycardia¿ Hauer. Länglich oval, fast dreieckig, konzentrisch gestreift oder glatt; Wirbel gekrümmt, fast terminal, sehr genähert; Vorderseite angeschwollen, steil abfallend, mit Lunula; Hinterseite verschmälert und etwas zusammengedrückt. Schloßzähne 2:2 kräftig, divergierend, der vordere rechts schwächer und fast marginal. Außerdem ein verlängerter hinterer Seitenzahn in jeder Klappe. In der alpinen Trias. ¡P. rugosa¡ Hauer.
¿Cardinia¿ Ag. (¡Thalassites¡ Quenst.) (Fig. 638). Oval oder verlängert, dick, vorne kurz, abgerundet. Schloßzähne sehr schwach oder fehlend. Vordere Seitenzähne kurz, hintere dick, leistenartig. Im unteren Lias häufig.
3. Familie. #Nayadidae.# Lam.
(¡Unionidae¡ auct.)
¡Schale ungemein vielgestaltig, meist oval oder verlängert, geschlossen, mit dicker dunkelgrüner oder schwärzlichbrauner Epidermis bedeckt, darunter eine dünne Prismenschicht, und unter dieser die innere Perlmutterschicht. Ränder glatt. Wirbel weit nach vorne gerückt, meist korrodiert. Band äußerlich. Schloßzähne, wenn vorhanden, dick, etwas unregelmäßig radial oder quer gestreift; hintere Seitenzähne lang, leistenförmig oder fehlend. Hinter dem vorderen Muskeleindruck zwei, und vor dem hinteren Muskeleindruck ein kleiner Fußmuskeleindruck.¡
Sämtliche Nayadiden leben im Süßwasser und sind in nahezu 1000 Arten fast über die ganze Erde, am zahlreichsten in Nordamerika und Südchina verbreitet. Die Tiere besitzen einen großen beilförmigen Fuß, vier Kiemenblätter und meist getrennte Mantellappen. Nur bei ¡Mutela¡, ¡Castalia¡, ¡Spatha¡ etc. verwachsen die Mantellappen hinten und bilden zwei kurze Siphonen. Fossile Formen erscheinen zuerst im Perm, gewinnen aber erst in der jüngeren Kreide und im Tertiär größere Häufigkeit.
Über die Entstehung der Nayadiden herrschen verschiedene Ansichten. ~Neumayr~[46] glaubte sie von den Trigonien, ~Pohlig~ von triasischen Vorläufern (¡Anoplophora¡), v. ~Wöhrmann~[47] von ¡Trigonodus¡ und Verwandten ableiten zu können. Eine ältere, wahrscheinlichere, schon von ~King~ und ~M'Coy~, neuerdings von ~Amalitzky~ und ~Whiteaves~ vertretene Hypothese sieht in den karbonischen Anthracosien die Ahnen unserer heutigen weit verbreiteten Süßwassermuscheln.
¿Unio¿ Philippson (Fig. 639). Schale vielgestaltig, glatt, seltener mit Höckern oder Falten verziert, meist dick. Schloß variabel, in der Regel rechte Schale mit einem plumpen oder blattartigen, radial gestreiften, und einem schwachen, vorderen Schloßzahn, sowie einem sehr langen, leistenartigen, dem Schloßrand parallelen, hinteren Seitenzahn, der sich zwischen zwei entsprechende Leistenzähne der linken Klappe einfügt; letztere besitzt außerdem unter den Wirbeln zwei gestreifte divergierende Schloßzähne. Vorderer Muskeleindruck hoch gelegen.
Die Gattung ¡Unio¡ ist von den Conchyliologen in eine große Menge von Subgenera zerlegt worden, die sich jedoch auf die fossilen Formen kaum anwenden lassen. Die ältesten echten Unionen finden sich in Süßwasserablagerungen des permischen Systems von Texas; ferner im oberen Jura (lusitanische Stufe) von Portugal; in Purbeck- und Wealdenschichten, sowie in den Atlantosaurus Beds von Colorado, Wyoming und Montana. Sie werden zahlreicher in der oberen Kreide von Europa und Nordamerika und im Eocän; erlangen aber ihre Hauptentwicklung erst in der sogen. levantinischen Stufe von Slavonien, Kroatien, Rumänien und Griechenland, wo namentlich Formen von amerikanischem und chinesischem Gepräge vorkommen.
¿Anodonta¿ Cuvier. Sehr dünnschalig. Schloßrand zahnlos. Eocän bis jetzt, weniger häufig als ¡Unio¡.
¿Spatha¿ Lea. Obere Kreide und jetzt.
Die Gattungen ¿Castalia¿ Lam., ¿Mycetopus¿ d'Orb., ¿Mutela¿ Scopoli (¡Iridina¡ Lam.), ¿Leila¿ Gray etc. sind fossil nicht nachgewiesen.
4. Familie. #Trigoniidae.# Lam.
(¡Schizodonta¡ Steinmann.)
¡Schale gleichklappig, oval dreieckig bis viereckig. Wirbel weit nach vorne gerückt, meist rückwärts gekrümmt, dahinter das kurze äußere Ligament. Oberfläche glatt oder reich verziert. Linke Schale mit einem plumpen, dreieckigen, häufig gespaltenen (schizodonten) Kardinalzahn und zwei leistenförmigen, divergierenden Seitenzähnen. Rechte Klappe mit zwei [symbol]förmig divergierenden Kardinalzähnen. Die Schloßzähne häufig seitlich quer gerieft. Muskeleindrücke kräftig. Schale innen perlmutterglänzend. Die Mantellappen getrennt. Siphonen fehlen. Fuß scheibenförmig, mit Medianfurche. Vier ungleich große Kiemenblätter.¡ Devon bis jetzt. Hauptverbreitung in mesozoischen Ablagerungen. Die ältesten Vertreter dieser Familie zeigen große Übereinstimmung mit den Astartiden.
¿Curtonotus¿ Salter (¡Kefersteinia¡ Neum.). Oval; Wirbel fast terminal. Linke Schale mit einem plumpen, dreieckigen Kardinalzahn, rechte mit zwei divergierenden Leistenzähnen. Devon.
¿Protoschizodus¿ de Kon. Karbon.
¿Schizodus¿ King (Fig. 640). Schief oval oder trapezförmig, glatt. Der große Dreieckzahn der linken Klappe tief ausgeschnitten, die Zähne seitlich nicht gerieft. Vorderer Muskeleindruck durch keine Leiste gestützt. Im Perm häufig.
¿Myophoria¿ Bronn (¡Neoschizodus¡ Gieb.) (Fig. 641. 642). Schief oval bis trapezförmig, glatt, häufiger mit einer vom Wirbel zum unteren Hinterrand verlaufenden Kante, welche eine von dem vorderen, konzentrisch oder radial gerippten Teil abweichend verzierte hintere Area begrenzt. Wirbel kaum gedreht, der Dreieckzahn der linken Schale bald gespalten, bald einfach, häufig, aber nicht immer, wie die leistenartigen Seitenzähne fein quer gestreift. Muskeleindrücke durch schwache Leisten verstärkt. Sehr häufig in der Trias.
¿Myophoriopsis¿ Wöhrm. (¡Astartopsis¡ Wöhrm.) ¿Grünewaldia¿ v. Wöhrmann, Trias. ¿Remondia¿ Gabb. Kreide.
¿Trigonia¿ Brug. (Fig. 643¡a¡-646). Oberfläche mit konzentrischen, radialen oder divergierenden Rippen oder Knotenreihen versehen; die hintere Area meist kantig begrenzt und abweichend von der übrigen Schale verziert. Wirbel fast terminal, rückwärts gekrümmt. Dreieckzahn der linken Schale tief gespalten und wie die divergierenden Seitenzähne und Schloßzähne der rechten Schale auf den Seiten quer gerieft. Muskeleindrücke tief durch Leisten gestützt. Lias bis jetzt. Sehr häufig in Jura und Kreide, äußerst selten im Tertiär. Lebend im Australischen Meer.
5. Familie. #Astartidae.# Gray.
¡Dickschalige, gleichklappige, marine Muscheln mit kräftigen Schloßzähnen (meist 2, seltener 1 bis 3 in jeder Klappe); vordere Seitenzähne fehlen, hintere leistenartig, rudimentär oder fehlend. Band äußerlich. Muskeleindrücke oval, über dem vorderen häufig ein Fußmuskeleindruck.¡ Silur bis jetzt. Hauptentwicklung in Trias, Jura und Kreide. Die paläozoischen Gattungen besitzen meist leistenartige hintere Seitenzähne.
¿? Anodontopsis¿ M'Coy (¡Pseudaxinus¡ Salter, ¡Orthodontiscus¡ Meek), ¿? Matheria¿ Billings. Silur.
¿? Pachydomus¿ Morris (¡Megadesmus¡ Sow.), ¿? Guerangeria¿ Oehlert, ¿Prosocoelus¿, ¿Mecynodon¿ Keferst., ¿Goniophora¿ Phill., ¿Cypricardinia¿ Hall, ¿Cypricardella¿ Hall (¡Microdon¡ Hall). Devon.
¿Pleurophorus¿ King (Fig. 647). Quer verlängert, vierseitig; Wirbel terminal. Oberfläche mit einigen schräg nach hinten gerichteten Radialrippen oder glatt. Schloßzähne 2:2 stark divergierend, außerdem je ein langer, leistenförmiger hinterer Seitenzahn. Devon bis Trias; Hauptverbreitung im Perm.
¿Cardita¿ Brug. Länglich vierseitig, trapezoidisch, mit stark nach vorne gerückten Wirbeln, und mit radialen, etwas schuppigen Rippen verziert, meist mit Lunula. Ränder gekerbt. Schloßzähne (2:2-3) sehr schief, fast leistenförmig. Trias bis jetzt.
~Subgenus~: ¿Palaeocardita¿ Conr. (Fig. 648). Wie vorige, aber mit hinterem Seitenzahn. Trias bis Kreide.
¿Venericardia¿ Lam. (Fig. 649). Rundlich dreieckig oder herzförmig, radial gerippt. Schloßzähne schief, leistenförmig. Seitenzähne fehlen. Kreide. Tertiär bis jetzt.
¿Astarte¿ Sow. (¡Crassina¡ Lam.) (Fig. 650). Rundlich dreieckig, kreisförmig oder oval, schwach gewölbt, dick; außen glatt, konzentrisch gestreift oder gefurcht. Unter den Wirbeln eine schwach vertiefte Lunula. Schloßzähne 2:2, der vordere der rechten Schale groß und dick. Karbon bis jetzt.
~Subgenera~: ¿Astartella¿ Hall (Karbon), ¿Coelastarte¿ Böhm, ¿Praeconia¿ Stol., ¿Crassinella¿ Bayle (Fig. 651), ¿Prorokia¿ Böhm. (Jura), ¿Eriphyla¿ Gabb. (Kreide), ¿Grotriania¿ Speyer. Tertiär.
¿Opis¿ Defr. (Fig. 652). Dreiseitig, herzförmig, glatt oder konzentrisch gefurcht. Wirbel stark vorragend, nach vorne gekrümmt. Lunula ungemein tief, kantig begrenzt. Schloßzähne (2:1) lang, leistenförmig. Trias bis Kreide.
¿Opisoma¿ Stol. (Jura), ¿Seebachia¿ Neumayr (Kreide), ¿Goodallia¿ Turton (Fig. 653), ¿Woodia¿ Desh. (Fig. 654). Tertiär und jetzt.
6. Familie. #Crassatellidae.#
¡Schale oval oder länglich. Oberfläche konzentrisch gestreift oder gefurcht. Schloßzähne 1-3 in jeder Klappe; Seitenzähne fehlen oder schwach entwickelt. Band innerlich, in einer Grube unter den Wirbeln.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
¿Crassatella¿ Lam. (Fig. 655, 656). Dickschalig, länglich oval, vorne häufig mit Lunula. Schloßzähne 2:2. Etwa 70 fossile und 36 lebende Arten. Kreide bis jetzt.
¿Triodonta¿ Koenen (Oligocän), ¿Ptychomya¿ Ag., ¿Stearnsia¿ White (Kreide).
¿Gouldia¿ Ad. Oval, klein. Schloßzähne 2:1-2. Vordere Seitenzähne leistenartig. Kreide bis jetzt.
7. Familie. #Megalodontidae.# Zitt.[48]
¡Schale gleichklappig, sehr dick, meist glatt oder fein konzentrisch gestreift. Schloßplatte breit, mit 2:2 starken, ungleichen Schloßzähnen und zuweilen einem vorderen und hinteren Seitenzahn. Band äußerlich, durch dicke Fulcra gestützt. Hinterer Muskeleindruck meist auf einer hervorragenden Leiste gelegen, vorderer klein.¡ Devon bis Jura.
Die Megalodontiden beginnen im Devon und endigen im Jura. Hauptverbreitung in der alpinen Trias. Sie stehen einerseits den Astartiden, anderseits den Pachyodonten, und zwar der Gattung ¡Diceras¡ nahe. Sie werden vielfach als Vorläufer der letzteren betrachtet. Nach G. ~Böhm~ zeigt ¡Pachyerisma¡ genetische Beziehungen zu ¡Cardium¡.
¿Megalodon¿ Sow. (¡Tauroceras¡, ¡Lycodus¡ Schafh., ¡Conchodon¡ Stoppani) (Fig. 657-659). Schale gewölbt, oval oder dreiseitig gerundet, glatt oder konzentrisch gestreift. Wirbel nach vorne gekrümmt. Schloßrand sehr breit. Rechte Klappe mit zwei ungleichen, stumpfen, länglichen, durch eine tiefe Zahngrube getrennten Schloßzähnen; unmittelbar vor dem kleineren Vorderzahn befindet sich der halbmondförmige, kleine, aber sehr stark vertiefte vordere Muskeleindruck. Linke Klappe ebenfalls mit einem großen hinteren und einem kleineren vorderen Schloßzahn. Seitenzähne fehlen. Hinterer Muskeleindruck in beiden Klappen schwach vertieft, länglich, auf einer vorragenden Leiste. Die älteste devonische Art (¡Eumegalodon cucullatus¡ Goldf. Fig. 657) hat runzelige, undeutlich geteilte Schloßzähne und glatte gerundete Schale. Die triasischen Arten erreichen zuweilen bedeutende Größe und sind meist durch eine vom Wirbel bis zum hinteren Unterrand verlaufende Kante ausgezeichnet, die Schloßzähne glatt, der hintere rechte meist durch eine Längsfurche verdoppelt (¡Neomegalodon¡ Gümb.). Sie finden sich in ungeheurer Menge hauptsächlich im sogen. Dachsteinkalk (Dachsteinbivalve) der Nordalpen und im oberen Hauptdolomit der Südalpen, sowie in Raibler und rhätischen Schichten.
¿Pachyerisma¿ Morris und Lyc. (¡Pachymegalodon¡ Gümb.). Äußere Form wie bei ¡Megalodon¡. Schloßplatte sehr breit. Vorderer Muskeleindruck halbkreisförmig, viel größer als bei ¡Megalodon¡, stark vertieft; hinterer Muskeleindruck auf einer Leiste. Neben den beiden Schloßzähnen jederseits noch ein kräftiger hinterer Seitenzahn, sowie ein rundlicher vorderer Seitenzahn. Trias bis oberer Jura.
¿Durga¿ Böhm. Wie vorige, aber ohne hintere Muskelleiste. Lias.
¿Protodiceras¿ Böhm. Lias. ¡P.¡ (¡Megalodon¡) ¡pumilus¡ Gümb.
8. Familie. #Isocardiidae.# Gray.
¡Schale porzellanartig, gleichklappig, frei, geschlossen, mit angeschwollenen, nach außen und vorne gekrümmten Wirbeln. Band äußerlich, vor den Wirbeln in zwei Äste gespalten, die in Furchen bis zu den Wirbelspitzen fortsetzen. Muskeleindrücke ziemlich stark vertieft. Schloßzähne leistenförmig, dem Schloßrand parallel. Mantellappen des Tiers geschlossen mit einer vorderen Öffnung für den Fuß und einer hinteren für den Sipho.¡ Trias bis jetzt.
¿Physocardia¿ v. Wöhrm. (¡Craspedodon¡ Bittner). Beide Schalen stark gewölbt, mit kräftigen seitlich gedrehten Wirbeln, glatt. Rechte Sch. mit einem gebogenen, leistenförmigen Schloßzahn, linke mit zwei liegenden Schloßzähnen, wovon der untere stärker als der obere. Seitenzähne fehlen. Alpine Trias (St. Cassianer und Raibler Schichten). ¡Ph. Ogilviae¡ v. Wöhrm.
¿Dicerocardium¿ Stopp. Ob. Trias. (Hauptdolomit) Alpen und Himalajah.
¿Isocardia¿ Lam. (Fig. 660, 661). Herzförmig oder oval, hochgewölbt, konzentrisch gestreift oder glatt. Wirbel stark angeschwollen. Jederseits zwei verlängerte, liegende Schloßzähne und ein hinterer leistenartiger Seitenzahn. Jura bis jetzt.
9. Familie. #Chamidae.# Lam.
(¡Pachyodonta¡ p. p. ¡Neumayr¡).
¡Schale dick, ungleichklappig mit nach vorne eingerollten Wirbeln, bald mit der linken, bald mit der rechten Klappe aufgewachsen. Die festgewachsene Schale zuweilen kegelförmig. Das Band liegt hinter den Wirbeln in einer vertieften Furche zwischen den Schalen, gabelt sich aber nach vorne und verläuft jederseits in einer Rinne bis zur Wirbelspitze. Schloß in einer Schale mit zwei stumpfen, durch eine Zahngrube getrennten Zähnen, in der andern mit einem zwischen zwei Zahngruben gelegenen Zahn. Muskeleindrücke groß, häufig auf besonderen Leisten gelegen. Mantellinie ganzrandig. Schale aus einer dünnen Prismen- und einer dicken inneren Porzellanschicht zusammengesetzt.¡ Oberer Jura bis jetzt. Marin.
Das Tier der einzigen lebenden Gattung (¡Chama¡) hat zwei Paar ungleiche Kiemenblätter, einen bogenförmigen, nicht vorstreckbaren Fuß, verwachsene Mantellappen, welche drei entfernte Öffnungen frei lassen, eine vordere für den Fuß, eine untere hintere für die Kiemen- und eine obere hintere für die Afterröhre.
Die Chamiden bilden mit den Capriniden und Rudisten die Gruppe der Pachyodonten (Neumayr) und stellen wahrscheinlich einen infolge der Befestigung einer Schale eigentümlich differenzierten Seitenzweig der Heterodonten dar. Sie haben sich möglicherweise aus den Isocardiiden entwickelt.
Die Einkrümmung der Wirbel nach vorne und die Lage des Bandes bestimmen stets mit Sicherheit rechte und linke Klappe. Die zwei Schloßzähne können jedoch bald der rechten, bald der linken Schale angehören, die andere Klappe besitzt alsdann nur einen Zahn. Bei den ~normalen~ Formen ist die linke Schale aufgewachsen, bei den ~inversen~ die rechte. Einzelne Gattungen (¡Chama¡, ¡Diceras¡) besitzen normale und inverse Arten.
¿Diceras¿ Lam. (¡Heterodiceras¡, ¡Plesiodiceras¡ Mun.-Chalmas, ¡Pseudodiceras¡ Gemmellaro) (Fig. 662. 663). Schale dick, glatt, ungleichklappig, beiderseits gewölbt, mit dem Wirbel der größeren (bald rechten, bald linken) Klappe aufgewachsen, normal oder invers. Wirbel stark vorragend, spiral nach außen und vorne gedreht. Band hinten durch starke Nymphen gestützt, vorne gespalten. Schloßplatte dick, rechte Klappe mit einem mächtigen, gebogenen, verlängerten, dem Schloßrand fast parallelen Zahn und einem schwächeren liegenden vorderen, linke mit einem einzigen großen, ohrförmigen, unten ausgebuchteten Schloßzahn, dahinter eine verlängerte Zahngrube. Der hintere Muskeleindruck auf einer vorragenden Leiste. Oberer Jura.
¿Apricardia¿ Guéranger. Cenomanien. Turonien.
¿Requienia¿ Mathéron (Fig. 664¡a¡). Sehr ungleichklappig, glatt, mit dem spiral gedrehten Wirbel der linken Klappe aufgewachsen. Rechte Klappe deckelförmig, flach, mit spiralem Wirbel. Schloßzähne sehr schwach. Hinterer Muskeleindruck auf einer Leiste. Untere Kreide, hauptsächlich im Urgonien von Süd-Europa, der Alpen und Texas verbreitet. ¡R. ammonia¡ Goldf.
~Subgenus~: ¿Toucasia¿ Mun.-Chalmas (Fig. 664 ¡b¡, ¡c¡). Wie vorige, jedoch beide Schalen mit Kiel. Urgonien. ¡T. Lonsdalei¡ Sow.
¿Matheronia¿ Mun.-Chalmas. Urgonien. Cenomanien.
¿Bayleia¿ Mun.-Chalm. Turon. ¡B. Pouechi¡ Mun.-Chalmas.
¿Monopleura¿ Mathéron (Fig. 665. 666). Sehr ungleichklappig, glatt, gestreift oder gerippt, stets invers, mit der rechten entweder spiral eingekrümmten oder kegelförmig verlängerten Schale aufgewachsen. Linke Klappe deckelförmig, konisch oder flach mit zwei kräftigen, durch eine Zahngrube getrennten Schloßzähnen. Rechte Schale mit einem schrägen, zwischen zwei Zahngruben gelegenen Zahn. Band äußerlich, jederseits in einer vom Schloßrand nach den Wirbeln verlaufenden Rinne. Hinterer Muskel auf einer Leiste. Untere Kreide (Urgonien) von Süd-Europa und Texas.
¿Himeraelites¿ di Stef. (Unt. Kreide).
¿Valletia¿ M.-Ch. (Neocom), ¿Gyropleura¿ Douvillé (Cenoman bis Senon), ¿Caprotina¿ d'Orb (Fig. 667). Neocom bis Turon.
¿Chama¿ Lin. (Fig. 668). Ungleichklappig, mit der linken, seltener mit der rechten Schale aufgewachsen. Wirbel nach vorne gekrümmt. Band in einer Rinne hinter den Wirbeln, nach vorne häufig gespalten und bis zur Wirbelspitze fortsetzend. Oberfläche mit hervorragenden konzentrischen Blättern oder Stacheln verziert. Schloßzähne stumpf, etwas gekerbt, verlängert. Muskeleindrücke groß, nicht auf Leisten gelegen. Kreide bis jetzt; hauptsächlich im Eocän.
10. Familie. #Caprinidae.# Fischer.[49]
(¡Pachyodonta¡ p. p. ¡Neumayr¡).
¡Schale sehr ungleichklappig, dick, invers. Die aufgewachsene rechte Klappe konisch oder spiral, mit einem starken, zwischen zwei Gruben gelegenen Schloßzahn; linke Schale frei, eingekrümmt oder spiral, der dicke Schloßrand mit zwei, durch eine Grube getrennten Zähnen, wovon der vordere stärkere durch ein vertikales Septum gestützt wird. Band äußerlich. Hinterer Muskeleindruck auf einer in den Schloßrand verlaufenden Leiste. Äußere Schalenschicht prismatisch, dünn, innere porzellanartig, dazwischen in einer oder in beiden Klappen eine von zahlreich parallelen Kanälen durchzogene oder mit zelligen Maschen ausgefüllte Mittelschicht.¡ Nur in der Kreide.
¿Caprina¿ d'Orb. (¡Gemmellaria¡ M.-Ch. ¡Cornucaprina¡ Futterer) (Fig. 669. 670). Sehr ungleichklappig, dickschalig, mit der Spitze der kegelförmigen, rechten Klappe aufgewachsen; linke Schale größer, spiral eingerollt. Band hinter den Wirbeln gelegen. Innere Schalenschicht der Unterschale aus konzentrischen Schichten zusammengesetzt, die zuweilen Hohlräume zwischen sich frei lassen (Fig. 669). Die Mittelschicht der freien spiralen Schale von zahlreichen einfachen, weiten Parallelkanälen vom Schloßrand bis zum Wirbel durchzogen (Fig. 670). Schloßzahn der aufgewachsenen Klappe sehr stark, zwischen dem hinteren Muskeleindruck und dem Außenrand eine Reihe von Vertiefungen. Cenoman. Die typische Art (¡C. adversa¡ d'Orb.) erlangt eine beträchtliche Größe.
¿Schiosia¿ Böhm. Wie ¡Caprina¡, aber kleine Unterschale etwas spiral und beide Schalen von einfachen Kanälen durchzogen. Cenoman. Ober-Italien.
¿Plagioptychus¿ Math. (¡Sphaerucaprina¡ Gemmellaro, ¡Orthoptychus¡ Futterer) (Fig. 671. 672). Rechte Klappe konisch oder eingerollt, mit dem Wirbel aufgewachsen, linke Klappe gewölbt, mit eingekrümmtem Wirbel. Band äußerlich in einer tiefen Rinne hinter den Wirbeln nach vorne gegabelt und jederseits in einer Furche bis zur Wirbelspitze verlängert. Schloß und Schalenstruktur ähnlich ¡Caprina¡, jedoch die freie Schale in der inneren Schalenschicht mit weiten Parallelkanälen, deren Begrenzungswände sich nach außen mehrfach verästeln und dadurch eine größere Anzahl in dreieckigen, nach innen zugespitzten Räumen verteilter, feiner peripherischer Parallelkanäle bilden. Cenoman. Turon.
¿Polyconites¿, ¿Sellaea¿ di Stef. Unt. Kreide Sicilien.
¿Caprinula¿ d'Orb. (¡Chaperia¡ Mun.-Chalmas) (Fig. 673. 674). Rechte Schale verlängert, aufgewachsen, konisch oder mit eingekrümmtem Wirbel; linke Klappe spiral eingerollt, kleiner. Beide Schalen von zahlreichen parallelen Kanälen durchzogen, wovon die peripherischen erheblich kleineren Durchmesser besitzen als die inneren. Schloß ähnlich ¡Caprina¡. Cenoman. Turon. Besonders häufig in Portugal, Sicilien und Texas.
? ¿Ichthyosarcolites¿ Desm. (¡Caprinella¡ d'Orb). Kreide. ¡I. triangularis¡ Desm.
¿Coralliochama¿ White. Rechte Schale konisch, verlängert, aufgewachsen, linke kleiner, mit eingekrümmtem Wirbel. Vorderer Schloßzahn sehr kräftig, durch ein Septum gestützt; hinterer Schloßzahn schwach. Radialkanäle wie bei ¡Plagioptychus¡, nach innen durch eine grobzellige Schalenschicht begrenzt. Unterschale mit einer dünnen äußeren Prismenschicht und einer blätterigen Innenschicht, dazwischen eine sehr dicke, aus vertikalen, polygonalen, hohlen Zellen zusammengesetzte Mittelschicht. Kreide. Californien. ¡C. Orcutti¡ White.
11. Familie. #Rudistae.# Lam.[50]
(¡Pachyodonta p. p.¡ Neumayr. ¡Hippuritidae¡ Woodw.)
¡Sehr ungleichklappige, dicke, mit der Spitze der verlängert kegelförmigen rechten Klappe aufgewachsene Schalen; linke Klappe niedrig, konisch oder flach deckelförmig. Ligament innerlich (oder fehlend). Oberschale durch mächtige, zapfenförmige Zähne in die Unterschale eingefügt und nur in vertikaler Richtung beweglich. Muskeleindrücke in der Deckelschale an vorragenden Apophysen befestigt. Marin.¡ Nur in der Kreide.
Die ~Unterschale~ besteht aus zwei Schichten; davon wird die äußere, welche meist eine beträchtliche Dicke erlangt, aus aufrechten, der Längsachse parallelen Prismen gebildet, die durch zahlreiche horizontale Böden abgeteilt sind. Auf den Querböden bemerkt man wie auf dem Oberrand radiale Gefäßeindrücke. Im Gegensatz zu der gegitterten äußeren Schalenschicht ist die innere porzellanartig und besteht aus dicht aufeinander liegenden parallelen Blättern. Bei sehr rasch wachsenden, zylindrischen Formen bleiben nicht selten zwischen den Blättern Hohlräume frei, welche den Luftkammern der Cephalopoden gleichen und den Hohlräumen im Innern großer Austern entsprechen (Fig. 681); die äußere prismatische Schicht widersteht der Verwitterung besser als die innere und ist zuweilen noch vollständig erhalten, während die innere aufgelöst und weggeführt ist. Die Steinkerne des vom Tier bewohnten Hohlraumes liegen dann, durch einen leeren Zwischenraum getrennt, frei in den Schalenhüllen.
Die ~Oberschale~ ist ebenfalls aus einer meist wenig dicken prismatischen Außenschicht und einer porzellanartigen Innenschicht zusammengesetzt. Bei ¡Hippurites¡ ist erstere von einem komplizierten Kanalsystem durchzogen.
Die Rudisten entfernen sich in ihrem ganzen Habitus und Bau am weitesten von den normalen Lamellibranchiaten. Ihre Beziehungen zu den Chamiden, und namentlich zu ¡Monopleura¡ und ¡Caprotina¡, wurden zuerst von ~Quenstedt~ erkannt und später von ~Woodward~, ~Bayle~, ~Zittel~, ~Munier-Chalmas~, ~Douvillé~ u. a. bestätigt. Ältere Autoren hatten die Rudisten bald für Vertreter einer besonderen Klasse, bald für Cephalopoden, Cirripeden, Brachiopoden, Korallen oder Anneliden gehalten. Die Mehrzahl der Rudisten lebte gesellig; sie erfüllen häufig ganze Schichten, wobei die Spitzen der Unterschalen meist nach unten gerichtet sind. Trotz ihrer Häufigkeit ist es aber ungemein schwierig, ja in vielen Fällen sogar unmöglich, die beiden Schalen voneinander zu trennen und das Innere zu präparieren. Von manchen Arten ist darum auch das Schloß erst unvollkommen bekannt.
¿Biradiolites¿ d'Orb. (¡Radiolites¡ Bayle) (Fig. 675). Schale kegelförmig, bikonisch oder zylindrisch. Unterklappe konisch, gerade, mehr oder weniger verlängert, vertikal gerippt oder aus horizontalen Blättern zusammengesetzt, häufig mit zwei glatten oder längs gestreiften, vom Oberrand bis zur Spitze verlaufenden Bändern, die nach ~Douvillé~ die Lage der After- und Atemröhre bezeichnen. Äußere Schalenschicht dick, aus polygonalen, großen vertikalen Prismen zusammengesetzt. Oberschale deckelförmig, flach oder konisch mit zentralem oder exzentrischem Wirbel. Auf der Innenseite der Deckelschale ragen zwei lange, schmale, außen längsgeriefte Zähne vor (Fig. 675 ¡c¡, ¡c'¡), die durch einen ziemlich breiten Zwischenraum getrennt sind; dieselben passen in zwei scheidenförmige, nach innen und unten offene, innen vertikal gestreifte Alveolen (¡d¡, ¡d'¡) der Unterschale, welche unmittelbar in die Wand eingefügt sind. Neben diesen Alveolen liegen jederseits die sehr großen, ungleichen, wenig vertieften Muskeleindrücke (¡a¡, ¡a¡'), welche in der Oberschale auf starken und breiten, längsgefurchten, unmittelbar neben den Schloßzähnen vorragenden Apophysen befestigt sind. Ligament unbekannt. Mittlere und obere Kreide von Europa und Texas.
Bei dem Subgenus ¿Lapeirousia¿ Bayle, (¡Rad. Jouanettia¡ Desm.) sind die beiden glatten Bänder innerlich durch zwei vorspringende Pfeiler ersetzt; bei ¿Synodontites¿ Pirona die zwei Zähne der Oberschale verwachsen. ¿Sauvagesia¿ Douvillé besitzt eine Schloßfalte.
¿Joufia¿ Böhm. Ob. Kreide. Venetien.
¿Radiolites¿ Lam. (¡Sphaerulites¡ Delamétherie ¡Birostrites¡ Lam., ¡Jodamia¡ Defr., ¡Dipilidia¡, ¡? Agria¡ Math.) (Fig. 676. 677). Äußere Form und Struktur wie ¡Biradiolites¡, jedoch mit zwei glatten oder quer gestreiften Längsbändern. Obere Schale zwischen den beiden Schloßzähnen mit einer einspringenden Falte (Schloßfalte). Unterschale ebenfalls mit einer Schloßfalte, in deren zweischneidigen Oberrand sich die Falte der Oberschale einfügt. Die Schloßzähne der Oberschale werden in der Unterklappe von zwei freistehenden vertikalen, innen gestreiften Alveolen (¡d d'¡) aufgenommen, die meist durch Quersepten mit dem Innenrand der Schloßfalte verbunden sind. Die beiden Gruben (¡x¡ u. ¡x'¡) neben der Schloßfalte werden, wie ~Pethö~ und ~Douvillé~ nachgewiesen, teilweise von einem innern Ligament ausgefüllt, das sich vor dem inneren Ende der Schloßfalte in der Oberschale befestigt. Die Muskeleindrücke (¡a'¡ und ¡a¡) sind vertikal gestreift und wie bei ¡Biradiolites¡ beschaffen. Sehr häufig in der Kreide (vom Urgon bis Senon) in Europa, Nordafrika, Kleinasien, Palästina, Indien, Nord- und Südamerika. Am verbreitetsten in der mittleren und oberen Kreide.
~Bayle~ hatte die mit Schloßfalte versehenen Formen als ¡Sphaerulites¡, die ohne Schloßfalte als ¡Radiolites¡ bezeichnet, dabei aber übersehen, daß ~Lamarck~ den Namen ¡Radiolites¡ einer Art mit Schloßfalte beigelegt hatte.
¿Bournonia¿ Fischer. Wie ¡Radiolites¡, jedoch ohne Schloßfalte und Ligament. Obere Kreide. ¡Rad. Bournoni¡ d'Orb.
Die Gattungen ¿Dipilidia¿, ¿Birostrites¿ und ¿Jodamia¿ sind auf innere Steinkerne von ¡Sphaerulites¡ basiert.
¿Hippurites¿ Lam. (Fig. 679-683). Unterschale verkehrt kegelförmig, kreiselförmig oder zylindrisch, gerade oder gebogen, zuweilen bis 1 m lang, mit der Spitze festgewachsen, der Länge nach gerippt oder glatt, mit drei vom Oberrand zur Spitze verlaufenden Längsfurchen (¡A B C¡). Oberschale deckelförmig, flach oder niedrig konisch, mit zentralem Wirbel, häufig von zwei runden oder länglichen Löchern durchbohrt, die Außenschicht mit Poren (den Mündungen von kurzen Kanälchen) bedeckt, welche in stärkere, vom Wirbel nach dem Rand ausstrahlende Radialkanäle einmünden. Die dicke Außenschicht der ~Unterschale~ ist häufig bräunlich gefärbt und besteht aus dünnen horizontalen Parallelblättern, die wieder aus vertikalen Prismen zusammengesetzt sind. Die innere weiße Schalenschicht ist porzellanartig und enthält im unteren Teil der Schale zuweilen leere Zwischenräume. Den drei Furchen der Oberfläche entsprechen im Innern drei vorspringende, durch Duplikatur beider Schalenschichten entstehende Falten, wovon die vordere (Schloßfalte ¡A¡) dünner, länger oder auch kürzer ist als die beiden hinteren Säulchen (¡B C¡), welche am Innenende verdickt und oben mit einem Knöpfchen gekrönt sind. Bei den Untergattungen ¿d'Orbignya¿ Woodw. (¡Hipp. bioculatus¡ Lam.) und ¿Batolites¿ Montf. (¡Hipp. organisans¡ Lam.) verkümmert die Schloßfalte; bei ¿Pironaia¿ Menegh. springen hinter den beiden Säulchen eine Anzahl accessorischer Falten vor. Die zwei hinteren Säulchen sind nach ~Douvillé~ den zwei glatten Bändern von ¡Radiolites¡ homolog und bezeichnen die Lage der After- und Atemröhren; ihre verdickten Köpfe passen in die beiden Löcher der Oberschale. Das vordere Säulchen ist in der Tiefe mit dem inneren Ende der Schloßfalte durch eine Querwand verbunden und von dieser geht eine zweite Querwand nach dem Rande aus, so daß zwischen Schloßfalte und vorderem Säulchen zwei Gruben (¡d''¡ und ¡d'¡) zur Aufnahme von Zähnen der Oberschale entstehen. Zwei weitere Septa beginnen am inneren Ende der Schloßfalte und richten sich divergierend nach der vorderen Wand, woselbst sich über denselben die zwei großen nahe an einander gerückten Muskeleindrücke (¡a¡ ¡a'¡) befinden. Die Grube ¡d¡ nimmt den vorderen Hauptzahn der Oberschale auf, die Grube ¡x¡ enthält nach ~Woodward~ das innere Ligament, allein ~Douvillé~ konnte Ligamentreste bis jetzt nur am inneren Ende der Schloßfalte beobachten, woselbst dasselbe ein vertikales Band zu bilden scheint. In den Alveolen der Schloßzähne zwischen der Schloßfalte und dem Pfeiler ¡A¡ sind kleine accessorische Muskeleindrücke.
Der Schloßapparat der Deckelklappe ist sehr schwierig zu präparieren und erst von wenigen Arten bekannt. Die Schloßfalte bildet einen schwachen, einspringenden Kiel. Der vordere zapfenförmige Zahn (¡c¡) besitzt in der Nähe seiner Basis zwei polsterartige Erhöhungen (¡a¡ und ¡a'¡), welche den Muskeleindrücken der Unterschale entsprechen. Hinter dem Vorderzahn ragen auf gemeinsamer hufeisenförmiger Basis zwei weitere dicht nebeneinander gelegene Zähne (¡c'¡ ¡c''¡) vor, welche sich in die Gruben ¡d'¡ und ¡d''¡ der Unterschale einfügen. Die Hippuriten sind ungemein häufig in der mittleren und oberen Kreide der Alpen und Pyrenäen, der Provence, Charente, ferner von Istrien, Dalmatien, Griechenland, Sicilien, Kleinasien, Persien und Algerien. Sie finden sich hauptsächlich in litoralen Seichtwasserbildungen. Für die Unterscheidung der Arten sind die Beschaffenheit des Schlosses der Unterschale und die Form und Verteilung der Poren auf der Deckelschale maßgebend.
¿Barrettia¿ Woodw. Kreide. Jamaica und Guatemala.
12. Familie. #Galeommidae.# Gray.
¡Kleine, dünne, mehr oder weniger klaffende Schalen. Schloß zahnlos oder mit 1-2 schwachen Kardinalzähnchen in jeder Klappe. Band innerlich.¡ Tertiär und jetzt. Marin.
¿Galeomma¿ Turton, ¿Scintilla¿ Desh. (Fig. 684), ¿Passya¿ Desh. etc.
13. Familie. #Erycinidae.# Desh.
¡Schale klein, oval oder dreieckig, dünn, gleichklappig, geschlossen, glatt oder fein gestreift. Kardinalzähne stark divergierend. Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Band innerlich, zwischen den Schloßzähnen.¡ Tertiär bis jetzt; eine einzige Art aus der Kreide.
¿Erycina¿ Lam. (Fig. 685), ¿Spaniodon¿ Reuß, ¿Kelliella¿ Sars, ¿Lasaea¿ Leach., ¿Montacuta¿ Turton, ¿Hindsiella¿ Stol., ¿Pythina¿ Hinds. Tertiär und lebend.
14. Familie. #Tancrediidae.# Fischer.
¡Schale dreieckig, gleichklappig mit äußerem Band. Rand glatt. Schloß mit ein bis zwei schwachen Kardinal- und einem leistenförmigen hinteren Seitenzahn.¡ Trias bis Kreide.
¿Tancredia¿ Lyvett (¡Hettangia¡ Terquem, ¡Palaeomya¡ Zittel und Goub.) Fig. 686 und 687. Sch. vor den Wirbeln verschmälert und meist länger als Hinterseite, zuweilen hinten etwas klaffend. Trias bis Kreide; am verbreitetsten im Jura.
15. Familie. #Lucinidae.# Desh.
¡Schale rundlich oder quer oval, geschlossen, mit Epidermis. Schloß veränderlich, in der Regel mit zwei divergierenden Kardinal- und wohlentwickelten vorderen und hinteren Seitenzähnen, zuweilen aber auch zahnlos. Band äußerlich.¡ Silur bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär und Jetztzeit. Marin.
Die typischen Lucinen haben nur zwei Kiemen, einen dünnen, wurmförmigen Fuß und zwei kurze Siphonen. Die Gattungen der Unterfamilie der Ungulinen (¡Ungulina¡, ¡Diplodonta¡ etc.) unterscheiden sich durch den Besitz von vier ungleich entwickelten Kiemenblättern.
¿Diplodonta¿ Bronn (Fig. 688). Rundlich, gewölbt, dünnschalig, konzentrisch gestreift, jederseits mit zwei divergierenden Schloßzähnen, wovon der vordere in der linken, der hintere in der rechten Schale gespalten. Muskeleindrücke gleichgroß. Tertiär und lebend.
¿Ungulina¿ Daudin. Tertiär und lebend.
¿Axinus¿ Sow. (¡Cryptodon¡ Turton) (Fig. 689). Dünnschalig, oval, konzentrisch gestreift, hinten mit einer vom Wirbel zum Hinterrand verlaufenden Furche. Lunula vorhanden. Schloß zahnlos oder rechts mit einem schwachen Kardinalzahn. Muskeleindrücke gleichartig. Eocän bis jetzt.
? ¿Paracyclas¿ Hall. Fast kreisrund, dünnschalig, konzentrisch gestreift. Wirbel wenig vorragend; Lunula fehlt. Schloß unbekannt. Silur. Devon. ¡P.¡ (¡Lucina¡) ¡proavia¡ Goldf.
¿Unicardium¿ d'Orb. (Fig. 690). Fast kreisrund, gewölbt, konzentrisch gestreift. Wirbel eingekrümmt. Schloßrand dünn, mit einem schwachen Kardinalzahn. Muskeleindrücke elliptisch. Trias bis Kreide.
¿Corbicella¿ Morris und Lycett. Jura. ¿Sportella¿ Desh. Eocän.
¿Gonodon¿ Schafh. (¡Corbis¡ p. p. auct.) (Fig. 691). Rund, gewölbt, ziemlich dickschalig, konzentrisch gestreift. Rechte Klappe mit zwei kräftigen, divergierenden Schloßzähnen, welche einen dreieckigen Schloßzahn der linken Klappe einschließen; zuweilen auch mit einem schwachen leistenartigen hinteren Seitenzahn. Muskeleindrücke oval. Trias. Jura.
¿Sphaeriola¿, ¿Mutiella¿ Stol. (Fig. 692), ¿Sphaera¿ Sow. Kreide.
¿Corbis¿ Cuv. (¡Fimbria¡ Megerle) (Fig. 693). Rundlich oder quer oval, gewölbt, dickschalig; Oberfläche mit konzentrischen Blättern oder Furchen und radialen Streifen verziert, gegittert. Schloßzähne 2:2, kurz, außerdem jederseits ein vorderer und hinterer Seitenzahn. Muskeleindrücke oval, wenig verschieden. Jura bis jetzt.
¿Lucina¿ Brug. (Fig. 694-697). Kreisförmig oder linsenförmig, häufig mit Lunula, konzentrisch, seltener radial verziert. Meist 2 Schloß- und 2 Seitenzähne in jeder Klappe, die jedoch teilweise oder ganz verkümmern können. Vorderer Muskeleindruck schmal, lang, hinterer oval, kleiner. Etwa 100 lebende und circa 300 fossile Arten von der Trias an.
~Subgenera.~ ¿Dentilucina¿ Fischer, ¿Myrtea¿ Turton, ¿Miltha¿ Ad., ¿Codakia¿ Scopoli, ¿Loripes¿ Poli, ¿Prolucina¿ Dall.
16. Familie. #Lunulicardiidae.# Fischer.
¡Meist gleichklappige, dreieckige Schalen mit terminalem Wirbel, von welchem eine scharfe Kante nach dem Unterrande verläuft, wodurch vorne eine abgeflachte Area abgegrenzt wird. Schloßrand gerade, lang. Schloß, Muskeleindrücke und Mantellinie unbekannt.¡ Silur. Devon.
¿Lunulicardium¿ Münst. Dreieckig. Vorderseite mit Byssusspalte. Ob. Silur. Devon. ¡L. semistriatum¡ Münst.
¿Patrocardium¿ Fisch. (¡Hemicardium¡ Barr.). Wie vorige, aber ohne Byssusspalte. Silur.
Weitere Gattungen ¿Amita¿ (¡Spanila¡, ¡Tetinka¡), ¿Mila¿, ¿Tenka¿, ¿Babenka¿ (¡Matercula¡) Barr. Silur.
17. Familie. #Conocardiidae.# Neumayr.
¡Schale gleichklappig, verlängert dreieckig, radial gerippt, mit gekerbtem Rand. Vorderseite abgestutzt, breit herzförmig, röhrenartig verlängert; Hinterseite geflügelt, nach unten klaffend. Schloßrand sehr lang, gerade, zahnlos oder mit einem schwachen vorderen Seitenzahn und einem Schloßzähnchen. Auf der Hinterseite eine schräge, lange innerliche Leiste.¡ Silur bis Karbon.
Die einzige Gattung ¿Conocardium¿ Bronn. (Fig. 698) (¡Pleurorhynchus¡ Phill., ¡Rhipidocardium¡ Fischer) ist nach ~Neumayr~ aus den ¡Lunulicardien¡ hervorgegangen, nimmt aber eine ganz isolierte Stellung ein. Gegen 50 Arten bekannt.
18. Familie. #Praecardiidae.# Hoernes.
¡Schale dünn, gleichklappig, gewölbt, quer eiförmig, radial, seltener konzentrisch verziert. Schloßrand zahnlos oder mit schwachen Kerbzähnchen. Muskeleindrücke schwach.¡ Silur. Devon.
¿Praecardium¿ Barr. Gewölbt, grob radial gerippt. Unter den vorragenden Wirbeln eine dreieckige Area mit einigen parallelen vertikalen Kerbzähnen. Silur. Devon.
¿Paracardium¿ Barr. Wie vorige, jedoch fein gerippt. Schloßrand winklig. Silur. Devon.
¿Panenka¿ Barr. (¡Puella¡, ¡Pentata¡ Barr., ¡Silurocardium¡ Leym.). Oval oder gerundet vierseitig, radial gerippt, vorne unter den Wirbeln meist eine kleine Lunula. Keine Area über dem geraden oder etwas winkligen, zahnlosen Schloßrand; Bandgrube linear. Silur. 236 Arten von ~Barrande~ beschrieben.
¿Regina¿ Barr. (¡Kralowna¡ Barr.), ¿Praelima¿ Barr. Silur.
¿Praelucina¿ Barr. Kreisrund, fast gleichseitig, ohne Lunula und Area. Wirbel wenig vorragend, fein radial und konzentrisch gestreift. Silur.
¿Buchiola¿ Barr. (¡Glyptocardia¡ Hall.) Devon. ¡B.¡ (¡Cardiola¡) ¡retrostriata¡ v. Buch.
¿Cardiola¿ Brod. (Fig. 699). Hochgewölbt, eiförmig; Wirbel angeschwollen und gekrümmt, mit groben, welligen, konzentrischen Rippen und radialen Streifen. Unter den Wirbeln eine dreieckige Area. Schloßrand unter den Wirbeln mit schwachen Kerbzähnchen. Silur. Devon.
¿Slava¿ Barr. (¡Gloria¡ Barr.). Silur. Devon. Böhmen.
¿Dualina¿ Barr. Rechte (selten linke) Klappe gewölbt, mit stark nach vorne gekrümmtem Wirbel; linke flacher mit kaum gekrümmtem Wirbel, radial gerippt. Ob. Silur; seltener im Devon. Böhmen.
¿Antipleura¿ Barr. Wie vorige, aber weniger ungleichklappig, die Wirbel der beiden Schalen nach entgegengesetzter Richtung gekrümmt. Silur. Böhmen.
¿Dalila¿ Barr. Schalen fast gleichseitig, rund oder elliptisch, ungleichklappig, fein radial gerippt. Die eine Klappe gewölbt, die andere flach. Wirbel wenig vorragend. Silur. Böhmen.
19. Familie. #Cardiidae.# Lam.
¡Schalen gleichklappig, herzförmig, oval, zuweilen hinten verlängert, meist radial verziert. Ränder gekerbt. Band äußerlich. Schloß in jeder Klappe mit zwei konischen, kreuzweise gestellten Schloßzähnen und einem vorderen und hinteren Seitenzahn. Bei einigen brackischen Formen verkümmern die Zähne. Muskeleindrücke oval.¡ Trias bis jetzt.
Die Tiere besitzen vier Kiemenblätter, zwei kurze Siphonen und einen langen zylindrischen oder geknickten Fuß. Der Mantel verwächst nur unter den Siphonen. Die Herzmuscheln leben gegenwärtig in großer Zahl in den Meeren aller Zonen. Im Schwarzen und Kaspischen Meere gehen einzelne Arten in das brackische und süße Wasser über, erleiden jedoch hierbei namhafte Veränderungen. Die Siphonen verlängern sich und verwachsen, es entsteht eine Mantelbucht, die Schalen klaffen hinten, das Schloß verkümmert, und der Fuß wird kürzer und breiter. Solche brackische und limnische Formen sind schon im Miocän stark verbreitet.
¿Cardium¿ Lin. (Fig. 700). Gewölbt herzförmig oder länglich oval, radial gerippt oder gestreift, meist geschlossen, Wirbel vorspringend, aber schwach gekrümmt. Ränder gekerbt. Schloß jederseits mit zwei kräftigen Schloßzähnen und vorne und hinten mit einem Seitenzahn. Etwa 200 recente und mehrere Hundert fossile Arten von der Trias an.
¿Protocardia¿ Beyr. (Fig. 701), ¿Laevicardium¿ Swains. (Fig. 702), ¿Hemicardium¿ Cuv. etc.
¿Limnocardium¿ Stol. (Fig. 703). Oval oder quer verlängert, hinten abgestutzt und meist klaffend. Schloßzähne schwach, Seitenzähne entfernt, kräftig. Manteleindruck meist mit kurzer Bucht. In brackischen Miocänablagerungen, namentlich in der sarmatischen und pontischen Stufe von Osteuropa. Lebend in brackischen Buchten des Kaspischen und Schwarzen Meeres und des Aralsees.
Subgenera. ¿Prosodacna¿ Tourn. (¡Psilodon¡ Cobalescu), ¿Didacna¿, ¿Monodacna¿ Eichw., ¿Uniocardium¿ Capellini, ¿Arcicardium¿ Fischer.
¿Adacna¿ Eichw. Länglich oval, dünn, hinten abgestutzt, vorne und hinten klaffend. Schloß- und Seitenzähne rudimentär oder fehlend. Mantelbucht tief. Siphonen sehr lang. Miocän und lebend im Kaspischen Meer.
20. Familie. #Tridacnidae.# Cuvier.
¡Schale porzellanartig, frei, ohne Epidermis, gleichklappig, radial gerippt, vor den Wirbeln mit großer Byssusöffnung und gezacktem Rand. Band äußerlich, hinter den Wirbeln. Schloß mit einem Kardinalzahn in jeder Schale, einem leistenförmigen hinteren Seitenzahn in der linken und zwei in der rechten Klappe.¡
Von den beiden recenten Gattungen ¿Tridacna¿ Brug. und ¿Hippopus¿ Lam. erreicht die erstere riesige Dimensionen, so daß die Schalen häufig als Weihwasserkessel benutzt werden.
¿Byssocardium¿ Mun.-Chalm., ¿Lithocardium¿ Woodw. Eocän.
21. Familie. #Cyrenidae.# Adams.
¡Schale oval oder herzförmig, konzentrisch gestreift, mit starker Epidermis. Schloß jederseits mit 2-3 Schloßzähnen und links mit einfachem, rechts mit doppeltem Seitenzahn vorne und hinten. Band äußerlich. Manteleindruck einfach oder mit schwacher Bucht.¡ Lias bis jetzt.
Die Cyreniden leben in brackischem oder süßem Wasser. Die Tiere haben zwei, selten nur einen Siphon, vier Kiemen und einen großen Fuß. Die lebenden Arten finden sich vorzüglich in warmen Regionen in schlammigen Ästuarien, einige fluviatile Formen rücken aber auch bis in die gemäßigten und kalten Zonen vor.
¿Cyrena¿ Lam. Rundlich, quer oval oder dreieckig, konzentrisch verziert. Schloß in jeder Klappe mit drei Schloßzähnen und kräftigen, häufig leistenförmigen Seitenzähnen. Lias bis jetzt. Hauptverbreitung in Kreide, Tertiär- und Jetztzeit. Gegen 300 Species.
Subgenus: ¿Corbicula¿ Meg. (Fig. 704, 705). Wie ¡Cyrena¡, aber die leistenförmigen Seitenzähne quer gestreift.
¿Sphaerium¿ Scopoli (¡Cyclas¡ Brug.). Dünnschalig, kreisrund, gewölbt, fast gleichseitig. Schloßzähne 2:2, schwach, Seitenzähne leistenförmig. Lebend im Süßwasser von Europa und Nordamerika. Fossil von der oberen Kreide an.
¿Pisidium¿ Pfeiffer. Wie vorige, aber länglich oval, ungleichseitig. Eocän bis jetzt.
¿Galatea¿ Brug., ¿Fischeria¿ Bernardi. Recent.
22. Familie. #Cyprinidae.# Lam.
¡Schale oval oder länglich, gewölbt. Schloß mit 2-3 Kardinalzähnen und einem hinteren Seitenzahn. Band äußerlich. Bandnymphen stark. Manteleindruck ganz, selten mit seichter Bucht.¡ Marin.
Die Siphonen der Tiere sind kurz, die Mantellappen vorne getrennt; der Fuß konisch zugespitzt. Vier Kiemenblätter. Die Schalen der Cypriniden unterscheiden sich von den Astartiden lediglich durch die wohlentwickelten hinteren Seitenzähne und meist kräftigeren Schloßzähne; sie haben wahrscheinlich dieselbe Abstammung und trennten sich erst von der Juraformation an bestimmter voneinander. Die Stellung der paläozoischen Vorläufer ist darum strittig; sie werden teils bei der einen teils bei der anderen Familie untergebracht.
¿Cypricardia¿ Lam. (¡Libitina¡ Schum.). Schale ungleichseitig, quer verlängert, trapezoidisch, konzentrisch, seltener radial verziert. Hinterseite häufig mit Kiel. Jederseits mit drei divergierenden Schloßzähnen, wovon der hintere rechts häufig gespalten, sowie einem starken hinteren Seitenzahn. Jura bis jetzt.
¿Roudairia¿ Mun.-Chalmas. Wie vorige, jedoch hinten mit scharfem Kiel und glatter Area, vorne konzentrisch gefaltet. Der vordere Schloßzahn in beiden Klappen ist leistenartig und folgt dem Schalenrand. Hinterer rechter Schloßzahn gespalten. Ob. Kreide.
¿Anisocardia¿ Mun.-Chalmas (Fig. 706). Oval oder trapezoidisch, gewölbt, glatt oder radial gestreift; Hinterseite zuweilen gekielt. Rechte Klappe mit einem starken hinteren, häufig gespaltenen und einem nach vorne divergierenden vorderen Schloßzahn, sowie einem hinteren Seitenzahn; links ein dreieckiger, nach vorne verlängerter vorderer und ein hinterer Schloßzahn, außerdem ein hinterer Seitenzahn. Jura. Tertiär.
¿Plesiocyprina¿ Munier-Chalmas. Jura. ¿Cicatrea¿ Stol. Kreide, ¿Coralliophaga¿ Blv., ¿Basterotia¿ Mayer (¡Anisodonta¡ Desh.). Tertiär und lebend.
¿Cyprina¿ Lam. (Fig. 707, 708). Rundlich oder oval, hoch gewölbt, konzentrisch gestreift. Wirbel vorragend, mäßig gekrümmt. Schloß rechts mit drei divergierenden Kardinalzähnen, wovon der hintere öfters gespalten, und einem entfernten hinteren Seitenzahn; links mit drei Schloßzähnen, wovon der mittlere am stärksten, der vordere liegend, dem Rande parallel, der hintere schwach leistenförmig. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide.
Subgenera: ¿Venilicardia¿ Stol. Kreide (Fig. 709), ¿Pygocardia¿ Mun.-Chalmas. Tertiär.
B. #Sinupalliata#.
¡Siphonen lang, ganz oder teilweise zurückziehbar. Mantelbucht mehr oder weniger tief.¡
23. Familie. #Veneridae.# Gray.
¡Schale porzellanartig, oval oder länglich, meist solid. Schloß mit 2-3 Schloßzähnen, zu denen öfters noch ein vorderer Lunularzahn, selten auch ein schwacher Seitenzahn kommt. Band äußerlich. Bandnymphen stark. Mantelbucht bald tief zungenförmig, bald kurz dreieckig, zuweilen kaum angedeutet.¡ Marin. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär und in der Jetztzeit.
Die älteren jurassischen Vertreter lassen sich nicht scharf von den Cypriniden unterscheiden, aus denen die Veneriden offenbar hervorgegangen sind.
¿Pronoë¿ Ag. Linsenförmig zusammengedrückt. Schloßzähne 3:3, divergierend, außerdem ein hinterer Seitenzahn. Mantelbucht kaum angedeutet. Jura.
¿Cyprimeria¿ Conr. (Fig. 710). Wie vorige, aber Schloß rechts nur mit zwei Zähnen, wovon der hintere gespalten. Mantelbucht sehr seicht. Kreide.
¿Dosinia¿ Scopoli (¡Artemis¡ Poli). Kreisrund, schwachgewölbt, konzentrisch gestreift oder gefurcht, mit tiefer, wohl umgrenzter Lunula. Schloßzähne 3:3. Mantelbucht tief, aufsteigend, zugespitzt. Kreide bis jetzt.
¿Cyclina¿ Desh. Kreide bis jetzt, ¿Meroë¿ Schum. (¡Sunetta¡ Link), ¿Circe¿ Schum. (Fig. 711), ¿Grateloupia¿ Desm. Tertiär bis jetzt. ¿Ptychomya¿ Ag. Kreide.
¿Venus¿ Lin. (Fig. 712). Oval, rundlich bis dreieckig oder herzförmig, dick, glatt, konzentrisch oder radial verziert. Ränder glatt oder fein gekerbt. Schloßplatte breit, jederseits mit drei einfachen divergierenden Schloßzähnen. Mantelbucht kurz, winklig. Jura bis jetzt. Etwa 200 lebende Arten und fast ebenso viele fossile. Diese höchst formenreiche Gattung wurde in zahlreiche Subgenera zerspalten (¡Mercenaria¡ Schum., ¡Chione¡ Megerle, ¡Gemma¡ Desh. etc.).
¿Cytherea¿ Lam. (Fig. 713, 714). Wie ¡Venus¡, jedoch linke Klappe außer den drei Kardinalzähnen noch mit einem vorderen liegenden Lunularzahn. Schloßzähne zuweilen gespalten. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung im Eocän. Von den zahlreichen Untergattungen sind ¿Meretrix¿ Lam., ¿Dione¿ Gray und ¿Tivela¿ Link am häufigsten.
¿Tapes¿ Megerle (¡Pullastra¡ Sow.) (Fig. 715). Quer oval, mehr oder weniger verlängert. Schloßplatte schmal, jederseits mit divergierenden oder fast parallelen, häufig gespaltenen Schloßzähnen. Mantelbucht tief. Kreide bis jetzt. Etwa 150 lebende Arten.
Von den Untergattungen zeichnen sich ¿Baroda¿ (Fig. 716) und ¿Icanotia¿ Stol. (Fig. 717) aus der Kreide durch langgestreckte Form der Schale und durch leistenartige Beschaffenheit des hinteren Schloßzahnes aus.
¿Oncophora¿ Rzehak. Wie ¡Tapes¡, jedoch Mantelbucht sehr kurz; Schloß rechts mit zwei, links mit drei ungespaltenen divergierenden Zähnen; vorderer Muskeleindruck hinten durch eine wulstige Leiste begrenzt. In miocänen Brackwasserschichten.
¿Venerupis¿ Lam. Länglich vierseitig, außen mit konzentrischen Blättern verziert. Schloßzähne 2:2-3 kräftig. Tertiär. Lebend.
Die in Felsen oder Muscheln sich einbohrende Gattung ¿Petricola¿ Lam. bildet mit einigen anderen lebenden Formen nach ~Fischer~ eine besondere, den Veneriden verwandte Familie.
24. Familie. #Donacidae.# Desh.
¡Schale quer dreieckig oder keilförmig, geschlossen, vorne verlängert. Band äußerlich, kurz. Schloßzähne 1-2 in jeder Klappe und meist auch Seitenzähne vorhanden. Mantelbucht kurz, oval.¡ Jura bis jetzt. Marin.
¿Isodonta¿ Buv. (¡Sowerbya¡ d'Orb.). Fast gleichseitig, gewölbt. Seitenzähne vorne und hinten kräftig. Mantelbucht tief. Lias. Jura.
¿Donax¿ Linn. (Fig. 718). Länglich oval, keilförmig oder dreieckig. Vorderseite länger als die abgestutzte Hinterseite. Schloßzähne 2:2-1. Seitenzähne schwach. Etwa 100 lebende und einige tertiäre Arten.
25. Familie. #Tellinidae.# Lam.
¡Schale quer verlängert, dünn, hinten etwas verschmälert oder abgestutzt und mehr oder weniger klaffend. Schloßrand schmal, mit 1-2 divergierenden Schloßzähnen in jeder Klappe; Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Band äußerlich auf erhöhten Nymphen. Mantelbucht tief und breit.¡ Jura bis jetzt, hauptsächlich tertiär und lebend.
¿Tellina¿ Linn. (Fig. 719, 720). Quer verlängert bis oval, zusammengedrückt, etwas ungleichklappig, Hinterseite mit einer vom Wirbel zum Hinterrand verlaufenden Falte. Vorderseite gerundet. Wirbel häufig subzentral, wenig vorragend. Zwei Schloßzähne und jederseits ein Seitenzahn in jeder Klappe. Jura bis jetzt.
Subgenera: ¿Macoma¿ Leach, ¿Strigilla¿ Turton, ¿Tellidora¿ Mörch, ¿Linearia¿ Conrad (¡Arcopagia¡ d'Orb.) (Fig. 721) etc.
¿Gastrana¿ Schum. (¡Fragilia¡ Desh.). Miocän und lebend.
¿Quenstedtia¿ Morris u. Lyc. Länglich oval, hinten schief abgestutzt. Wirbel wenig vorragend. Nur ein Schloßzahn vorhanden. Mantelbucht seicht. Jura.
¿Asaphis¿ Modeer, ¿Sanguinolaria¿ Lam. Tertiär. Recent.
¿Psammobia¿ Lam. (¡Gari¡ Schum.) (Fig. 722). Quer verlängert, zusammengedrückt, vorne und hinten schwach klaffend. Hinterseite abgestutzt. Schloßzähne 2:2 oder 2:1. Seitenzähne fehlen. Kreide (?), Tertiär und lebend.
26. Familie. #Solenidae.# Lam.
¡Schale scheidenförmig, stark verlängert, vorne und hinten weit klaffend. Schloßzähne 2:2, klein, die hinteren häufig gespalten. Seitenzähne fehlen. Band äußerlich.¡ Kreide bis jetzt. Marin. Die angeblich paläozoischen und triasischen Formen gehören zu den Solenopsiden.
¿Solecurtus¿ Blv. (¡Psammosolen¡ Risso) (Fig. 723). Wirbel subzentral, quer verlängert, vorne und hinten gerundet. Schloßzähne genähert. Kreide bis jetzt.
¿Pharella¿ Gray, ¿Ceratisolen¿ Forbes, ¿Siliqua¿ Megerle, ¿Cultellus¿ Schum. (Fig. 725). Tertiär und lebend.
¿Ensis¿ Schum. Stark verlängert, schwach gebogen, vorne und hinten gerundet, klaffend. Wirbel fast am Vorderende. Schloßzähne 2:1. Mantelbucht kurz. Tertiär und lebend.
¿Solen¿ Linn. (¡Vagina¡ Schum.) (Fig. 724). Scheidenförmig, gerade, vorne und hinten abgestutzt, weit klaffend. Wirbel terminal. Tertiär und lebend.
27. Familie. #Scrobiculariidae.# Adams.
¡Schale dünn, rundlich oder dreieckig, etwas klaffend, hinten öfters gebogen. Schloßzähne 1-2 klein; Seitenzähne vorhanden oder fehlend. Band innerlich, in einer schiefen Grube unter den Wirbeln gelegen. Mantelbucht tief.¡ Tertiär und lebend. Marin.
¿Syndosmya¿ Schum. (¡Abra¡ Leach) (Fig. 726). Rundlich, fast gleichseitig; Hinterseite mit schwacher Falte. Schloßzähne 2:2, außerdem vorne und hinten ein Seitenzahn. Tertiär und lebend.
¿Semele¿ Schum. (¡Amphidesma¡ Lam.), ¿Cumingia¿ Sow. Tertiär und lebend.
¿Scrobicularia¿ Schum. Oval, dünn, fast gleichseitig, zusammengedrückt. Schloßzähne 1-2 in jeder Klappe. Band in einer dreieckigen Grube, teilweise äußerlich sichtbar. Tertiär. Lebend.
28. Familie. #Mesodesmidae.# Desh.
¡Schale dick, oval, quer verlängert oder dreieckig, geschlossen. Band innerlich in dreieckiger Grube. Ein einziger (selten zwei Schloßzähne) in jeder Klappe. Mantelbucht klein.¡ Tertiär und lebend. Marin.
¿Mesodesma¿ Desh. (¡Paphia¡ Lam.), ¿Ervilia¿ Turton (Fig. 727). Tertiär und lebend.
29. Familie. #Mactridae.# Desh.
¡Schale oval, dreieckig oder quer verlängert, gleichklappig, geschlossen oder hinten und vorne klaffend. Band innerlich in einer großen dreieckigen Bandgrube, davor in der linken Klappe ein dreieckiger, [symbol]förmiger Spaltzahn, der sich in eine entsprechende Grube der rechten Klappe einfügt; Seitenzähne kräftig oder fehlend. Mantelbucht bald tief, bald seicht.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
Die Tiere haben vier Kiemenblätter, einen langen zugespitzten Fuß und vorragende verwachsene Siphonen.
~Neumayr~ stellt die Mactriden zu den Desmodonten, doch hat ~Bittner~ in überzeugender Weise ihre Verwandtschaft mit den Syndesmyiden und anderen Heterodonten nachgewiesen.
¿Mactra¿ Linn. (Fig. 728). Dreieckig oder oval, geschlossen oder hinten etwas klaffend. Die linke Schale hat vor der dreieckigen Bandgrube einen mehr oder weniger tief gespaltenen Schloßzahn, dem in der rechten eine dreieckige Grube entspricht, die vorne von einem dünnen schrägen Leistenzahn begrenzt wird. Seitenzähne sehr kräftig, stark verlängert, in der linken Schale je einer vorn und hinten, in der rechten je zwei. Außer dem inneren Band noch ein kurzes äußeres Bändchen vorhanden. Mantelbucht meist wenig tief. Kreide bis jetzt.
¿Mactrella¿, ¿Mactrinula¿, ¿Raeta¿, ¿Eastonia¿, ¿Spisula¿ Gray etc. Tertiär und lebend.
¿Lutraria¿ Lam. (Fig. 729). Stark verlängert, vierseitig, vorne und hinten klaffend. Bandgrube beiderseits in einem löffelartigen über den Schloßrand vorspringenden Fortsatz gelegen, davon in der linken Klappe ein kräftiger Spaltzahn, in der rechten ein dünner Leistenzahn. Seitenzähne fehlen. Mantelbucht tief. Tertiär und lebend.
¿Cardilia¿ Desh. Tertiär und lebend.
C. Unterordnung. #Desmodonta.# Neumayr emend. Zittel.
¡Dünnschalige, gleich- aber ungleichklappige Muscheln mit zahnlosem Schloßrand oder nur mit zahnartigen Fortsätzen unter den Wirbeln. Seitenzähne fehlen. Band äußerlich, halb oder ganz innerlich, im letzteren Fall häufig durch löffelartige Fortsätze des Schloßrandes getragen. Muskeleindrücke schwach vertieft. Manteleindruck ganzrandig oder mit Bucht.¡
~Neumayr~ faßte unter der Bezeichnung ¡Desmodonta¡ nur Formen mit ausgeprägter Mantelbucht und langen Siphonen zusammen und stellte alle mit ganzrandigem Manteleindruck versehene, meist paläozoische Genera, obwohl sie in allen sonstigen Merkmalen übereinstimmen, zu den ¡Palaeoconchae¡.
Nach Ausschluß der mit echten Schloßzähnen versehenen Mactriden, sowie nach Beifügung der paläozoischen Integripalliaten bilden die Desmodonten einen natürlichen Formenkomplex, welcher sich als selbständige Parallelreihe neben den Heterodonten entwickelt hat.
A. #Integripalliat#.
1. Familie. #Solenopsidae.# Neumayr.
¡Schale dünn, gleichklappig, langgestreckt, vierseitig, mit weit nach vorn gerückten Wirbeln. Vom Wirbel verläuft eine Kante, Rippe oder Furche nach der hinteren unteren Ecke. Schloßrand zahnlos. Band äußerlich, linear. Manteleindruck ganz.¡ Silur bis Trias. Marin.
¿Sanguinolites¿ M'Coy. Stark verlängert, Hinterrand schief abgestutzt. Wirbel schwach vorragend; von da eine diagonale Kante zur Basis des Hinterrandes. Oberfläche mit konzentrischen oder geknickten Streifen verziert. Vorderer Muskeleindruck durch eine Leiste gestützt. Karbon.
¿Promacrus¿ Meek., ¿Prothyris¿ Meek. Karbon.
¿Arcomyopsis¿ Sandb. (¡Cimitaria¡ Hall.). Stark verlängert, etwas gebogen. Wirbel vorragend. Hinterrand schief abgestutzt. Die hintere Area radial, die übrige Oberfläche konzentrisch verziert. Devon.
¿Phthonia¿, ¿Pholadella¿ Hall. Devon.
¿Orthonota¿ Conrad, ¿Orthodesma¿ Hall. Silur.
¿Solenopsis¿ M'Coy (¡Palaeosolen¡ Hall.) (Fig. 730). Stark verlängert, scheidenförmig, glatt; Vorderseite kurz, gerundet; die lange Hinterseite klaffend. Devon bis Trias.
2. Familie. #Vlastidae#. Neumayr.
¡Schale dünn, sehr ungleichklappig, mit stark vorspringendem Wirbel, glatt oder konzentrisch gestreift. Schloßränder zahnlos, bogenförmig geschweift, unter dem Wirbel in einem stumpfen einspringenden Winkel zusammenstoßend und dadurch eine klaffende Spalte bildend.¡
Hierher die zwei Gattungen ¿Vlasta¿ und ¿Dux¿ Barr. (= ¡Vevoda¡ Barr.) aus dem oberen Silur (E_{2}) von Böhmen.
3. Familie. #Grammysiidae#. Fischer.
¡Schale dünn, gleichklappig, oval oder quer verlängert, beiderseits gewölbt, meist glatt oder konzentrisch verziert. Wirbel vor der Mitte. Band äußerlich. Schloßrand zahnlos, zuweilen verdickt. Manteleindruck ganzrandig.¡ Silur bis Jetztzeit. Hauptverbreitung in Devon und Karbon.
Die zahlreichen hierher gehörigen Gattungen sind offenbar die Vorläufer und Ahnen der modernen Desmodonten ohne Zähne und Ligamentlöffel.
¿Grammysia¿ Vern. (¡Sphenomya¡ Hall.) (Fig. 731). Quer verlängert, gewölbt, konzentrisch gestreift oder gerunzelt. Wirbel am Vorderrand, eingekrümmt, darunter eine tiefe Lunula. Schloßrand gerade, verdickt, zahnlos. Vom Wirbel zum Unterrand verlaufen mehrere Furchen oder stumpfe Falten. Ob. Silur und Devon.
¿Protomya¿ Hall. Wie vorige, jedoch ohne die vom Wirbel zum Unterrand verlaufenden Furchen.
¿Elymella¿, ¿Glossites¿, ¿Euthydesma¿, ¿Palaeanatina¿,? ¿Tellinopsis¿ Hall. Devon.
¿Leptodomus¿ M'Coy. Silur.
¿Cardiomorpha¿ de Kon. Oval, herzförmig, aufgebläht, glatt oder konzentrisch gestreift. Wirbel fast terminal, stark vorragend, sehr genähert, nach vorne eingekrümmt. Schloßrand dünn, gebogen. Silur bis Karbon.
¿Isoculia¿ M'Coy. Wie vorige, aber mit groben konzentrischen Falten verziert. Karbon.
¿Broeckia¿ de Kon., ¿Chaenomya¿ Meek., ¿Sedgwickia¿ M'Coy. Karbon.
¿? Fordilla¿ Barr. Klein, oval, fein konzentrisch gestreift, schwach gewölbt. Kambrium. Vielleicht zu den Crustaceen (¡Estheria¡) gehörig?
¿Edmondia¿ de Kon. Quer oval, gewölbt, konzentrisch gestreift, vorne etwas klaffend. Schloßrand zahnlos, mit einer schmalen Leiste unter dem Wirbel. Karbon.
¿Clinopistha¿ Meek. und Worth. (¡Dystactella¡ Hall.). Devon. Karbon.
¿Solenomya¿ (¡Solemya¡) Lam. Schale scheidenförmig mit dicker glänzender Epidermis, vorne und hinten klaffend, glatt oder mit schwach vertieften radialen Streifen. Schloßrand zahnlos. Band von verdickten Leisten getragen. Karbon bis jetzt; überall selten.
B. #Sinupalliata.#
4. Familie. #Pleuromyidae.# Zitt.
¡Schale sehr dünn, gleichklappig, quer verlängert, glatt oder konzentrisch gestreift, mit winzigen Körnchenreihen bedeckt, hinten, zuweilen auch vorne etwas klaffend. Schloßrand zahnlos oder jederseits mit einem ganz schwachen Fortsatz, welcher sich über oder unter den entsprechenden Fortsatz der anderen Schale legt. Band linear, halb innerlich, zwischen den etwas übergreifenden Schalenrändern gelegen. Muskeleindrücke schwach. Mantelbucht tief.¡ Karbon bis Kreide. Hauptverbreitung im Jura.
¿Allorisma¿ King. Gleichklappig, verlängert, gewölbt, wenig klaffend. Vorderseite kurz, zuweilen mit Lunula. Schloß zahnlos. Karbon und Perm.
¿Pleuromya¿ Ag. (¡Myacites auct.¡) (Fig. 732, 733). Vorderseite kurz, gerundet oder steil abfallend; Hinterseite verlängert, etwas klaffend. Schloßrand jederseits mit einem dünnen horizontalen Vorsprung, wovon sich jener der rechten Klappe über den der linken legt. Hinter diesem Vorsprung ist jederseits ein schwacher Einschnitt. Band halb äußerlich, linear. Trias bis untere Kreide, ungemein häufig, jedoch meist schlecht in der Form von Steinkernen erhalten.
¿Gresslya¿ Ag. (Fig. 734). Wie vorige, jedoch rechte Schale am Schloßrand etwas vorragend und über die linke übergreifend. Vorderseite kurz, breit. Im Innern der rechten Klappe eine vom Wirbel etwas schräg nach hinten verlaufende schwache Schwiele, an welche sich das lineare, fast ganz verdeckte und zwischen den Schalen gelegene Band anschließt. Auf den Steinkernen bildet die Schwiele eine Furche. In Lias und Jura sehr häufig.
¿Ceromya¿ Ag. (Fig. 735). Herzförmig aufgebläht, die rechte Schale am Schloßrand etwas höher als die linke. Wirbel weit vorne, angeschwollen, ungleich, nach außen gedreht. Vorderseite kurz, breit, Hinterseite verlängert und etwas zusammengedrückt. Schloßrand zahnlos, rechts unter dem Wirbel mit einem stumpfen, länglichen Vorsprung, hinter welchem eine schräg nach hinten verlaufende innere Schwiele beginnt. Band zwischen den beiden Hinterrändern. Jura. Meist als Steinkern erhalten.
5. Familie. #Panopaeidae.# Zitt.
¡Schale gleichklappig, dünn, quer verlängert, vorne schwach, hinten stark klaffend, meist konzentrisch gestreift oder runzelig. Schloßrand zahnlos oder jederseits mit einem zahnartigen Vorsprung unter den Wirbeln. Band äußerlich, kurz, durch kräftige Nymphen getragen. Mantelbucht tief.¡ Trias bis jetzt. Marin.
Die Siphonen des Tieres sind sehr lang, retraktil und verwachsen, der Fuß sehr klein, die vier Kiemenblätter ungleich.
¿Homomya¿ Ag. (¡Myacites¡ p. p. Schloth., ¡Arcomya¡ Ag.) (Fig. 736). Dünnschalig, quer verlängert, gewölbt, glatt oder konzentrisch gefurcht, zuweilen auf der Hinterseite mit schwacher Kante; äußere Schalenschicht mit feinen Körnchenreihen. Schloßrand zahnlos. Band kurz, dick. Häufig in Trias, Jura und Kreide.
¿Goniomya¿ Ag. (¡Lysianassa¡ Mstr.) (Fig. 737). Wie vorige, aber Oberfläche mit [symbol]förmig geknickten Rippen verziert. Lias bis Kreide.
¿Machomya¿, ¿Plectomya¿ Loriol, ¿Mactromya¿ Ag. Jura. Kreide.
¿Panopaea¿ Menardi (¡Glycimeris¡ p. p. Klein) (Fig. 738). Meist große, konzentrisch gestreifte oder runzelige, vorne schwach, hinten weit klaffende Muscheln. Schloßrand jederseits mit einem zahnartigen Vorsprung, dahinter die kurzen, wulstig vorspringenden Bandnymphen. Kreide bis jetzt.
¿Cyrtodaria¿ Daudin (¡Glycimeris¡ Lam.), ¿Saxicava¿ Fleuriau (¡Hiatella¡ Daudin). Tertiär und lebend.
6. Familie. #Pholadomyidae.# Fischer.
¡Schale sehr dünn, gleichklappig, quer oval, hoch gewölbt, hinten, zuweilen auch vorne etwas klaffend: Wirbel mehr oder weniger vorragend. Vorderseite kurz, gerundet. Oberfläche mit radialen, häufig knotigen Rippen verziert, die von konzentrischen Streifen oder Runzeln gekreuzt werden. Schloß zahnlos oder jederseits mit schwachem, länglichem Vorsprung. Band dünn, äußerlich, kurz. Muskel- und Manteleindrücke schwach. Mantelbucht mäßig tief.¡ Lias bis jetzt.
Die einzige Gattung ¿Pholadomya¿ Sow. (Fig. 739-741) ist gegenwärtig noch durch eine sehr seltene Art (¡Ph. candida¡ Ag.) in den Antillen vertreten. Sie beginnt im unteren Lias und entwickelt in Jura, Kreide und im Tertiär eine große Anzahl von Arten, die meist in kalkig-tonigen, ursprünglich schlammigen Ablagerungen vorkommen.
7. Familie. #Anatinidae.# Gray.
¡Schale dünn, innen häufig perlmutterartig, gleich- oder ungleichklappig, etwas klaffend. Schloßrand dünn, jederseits mit einem löffelartigen Fortsatz zur Aufnahme des innerlichen Bandes, das häufig ein bewegliches Kalkstück (Knöchelchen) umschließt. Das Band verlängert sich nicht selten nach hinten und ist äußerlich teilweise sichtbar.¡ Trias bis jetzt.
Die Mantellappen des Tieres sind fast ganz verwachsen und lassen nur vorne eine Öffnung für den kleinen Fuß und hinten eine zweite für die zwei langen, dünnen Siphonen frei. Die meisten Gattungen gehören der Jetztzeit an.
¿Anatina¿ Lam. (¡Platymya¡, ¡Cercomya¡ Ag., ¡Plicomya¡ Stol.) (Fig. 742). Schale sehr dünn, fast gleichklappig, konzentrisch gestreift oder gerunzelt, quer verlängert. Hinterseite verschmälert, klaffend, meist kürzer als die Vorderseite. Schloßrand jederseits mit einem nach innen gerichteten, ausgehöhlten, löffelartigen Fortsatz für das innerliche Band, welcher hinten durch eine vom Wirbel schräg nach unten verlaufende Leiste gestützt wird. Mantelbucht tief. Jura bis jetzt.
¿Thracia¿ Leach (¡Corimya¡ Ag.) (Fig. 743). Ungleichklappig, oval, zusammengedrückt, hinten verschmälert, abgestutzt. Schloßrand unter den Wirbeln etwas ausgeschnitten, dahinter verdickt und jederseits mit einem schwachen horizontalen Vorsprung zur Aufnahme des größtenteils äußerlich sichtbaren und nach hinten verlängerten Bandes. Trias bis jetzt.
¿Liopistha¿ Meek. (¡Cymella¡, ¡Psilomya¡ Meek.) (Fig. 744). Gleichklappig, oval, bauchig, konzentrisch oder radial gestreift, hinten zusammengedrückt, klaffend. Wirbel stark vorragend, eingekrümmt. Schloßrand jederseits mit einem horizontalen Bandfortsatz und einem zahnartigen Vorsprung; das Band nach hinten verlängert und teilweise äußerlich. Kreide.
¿Neaera¿ Gray (¡Cuspidaria¡ Nardo) (Fig. 745). Quer oval, etwas ungleichklappig, hinten stark verschmälert, geschnäbelt und klaffend. Schloßrand jederseits mit einem kleinen löffelartigen Fortsatz für das innere Band, welches ein Knöchelchen umschließt. Rechter Schloßrand hinten mit vorragender Bandnymphe. Mantelbucht seicht. Trias bis jetzt.
¿Corburella¿ Lycett. Dogger, ¿Spheniopsis¿ Sandb. Tertiär.
Die Gattungen ¿Periploma¿ Schum., ¿Lyonsia¿ Turton, ¿Poromya¿ Forbes, ¿Pandora¿ Brug. finden sich tertiär und lebend, zahlreiche andere nur in den heutigen Meeren.
8. Familie. #Myidae.# Desh.
¡Schale gleich- oder ungleichklappig, ziemlich dick, porzellanartig, mit starker Epidermis. Band innerlich, durch einen spatelförmigen horizontalen Fortsatz der linken Klappe getragen. Mantelbucht bald tief, bald seicht.¡ Marin oder brackisch. Trias bis jetzt.
¿Corbula¿ Brug. (Fig. 746. 747). Meist klein, oval, geschlossen, sehr ungleichklappig. Rechte Klappe viel größer als linke, hoch gewölbt mit vorragendem Wirbel, einem starken Schloßzahn und dahinter eine tiefe Grube, in welche sich der abgeplattete, spatelförmige Bandfortsatz der kleineren linken Klappe einfügt. Mantelbucht schwach. Trias bis jetzt, in marinen und brackischen Gewässern.
¿Potamomya¿ Hinds, ¿Corbulomya¿ Nyst, ¿Anisothyris¿ Conrad (¡Pachyodon¡ Gabb.), ¿Sphenia¿ Turton. ¿Tugonia¿ Gray. Tertiär und lebend.
¿Mya¿ Linn. (¡Platyodon¡, ¡Cryptomya¡ Conrad) (Fig. 748). Quer eiförmig, fast gleichklappig, vorne und hinten klaffend. Linke Schale unter dem Wirbel mit großem, abgeplattetem, spatelförmigem, horizontalem Bandfortsatz, welcher sich in eine Grube unter dem Wirbel der rechten Klappe einfügt, woselbst der Bandlöffel an die Schale angeheftet ist. Muskeleindrücke klein. Mantelbucht tief. Tertiär und lebend.
9. Familie. #Gastrochaenidae.# Gray.
¡Schale dünn, gleichklappig, vorne und unten sehr weit klaffend, entweder frei oder in einer kalkigen Röhre oder in Bohrlöchern liegend. Band äußerlich, kurz. Schloßrand zahnlos.¡ Karbon bis jetzt. Marin.
Von den zwei hierher gehörigen Gattungen bohrt sich ¿Gastrochaena¿ Spengler (¡Rocellaria¡ Fleuriau, ¡Rupellaria¡ Ag.) (Fig. 749, 750) birnförmige oder zylindrische Höhlungen in Steine, Muscheln oder Korallen, während ¿Fistulana¿ Brug. lange glatte Kalkröhren absondert, die aufrecht im Sand oder Schlamm stecken.
10. Familie. #Clavagellidae.# Fischer.
¡Schale aus zwei dünnen kleinen Klappen und einer hinten offenen Röhre bestehend. Von den zwei Schalen sind entweder beide oder nur eine mit der Röhre verwachsen.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
¿Clavagella¿ Lam. (¡Bryopa¡ Gray, ¡Stirpulina¡ Hol.) (Fig. 751). Von den zwei ovalen Klappen ist die linke mit der kalkigen, keulenförmigen oder zylindrischen Röhre verwachsen. Das Vorderende wird durch eine Wand abgeschlossen, die mit einer Spalte und am Rand häufig mit einem Kranz von Stacheln versehen ist. Kreide bis jetzt. Selten.
¿Aspergillum¿ Lam. (¡Brechites¡ Guettard). Beide Schalen mit der langen zylindrischen, vorne siebförmig durchlöcherten und mit Spalte versehenen Röhre verwachsen. Pliocän und lebend.
11. Familie. #Pholadidae.# Leach.
¡Die vorne weit klaffenden, gleichklappigen, ovalen, verlängerten oder kugeligen Schalen haben einen zahnlosen Schloßrand. Ein Band fehlt, dagegen sind die Wirbel mit accessorischen Kalkplatten bedeckt.¡
Die Pholaden sind Bohrmuscheln, welche sich in Holz, Stein oder sonstige Körper eingraben und ihre geraden oder gebogenen Bohrlöcher häufig mit kalkigen Wandungen auskleiden, die mit den Schalen verwachsen können. Das Bohren wird entweder durch eine drehende Bewegung der mit Stacheln und Rauhigkeiten versehenen Schale, teils des mit Kieselkörnchen besetzten Fußes bewerkstelligt. Jura bis jetzt. Marin.
¿Pholas¿ Linn. (Fig. 752). Schale quer verlängert, vorne und hinten klaffend, rauh verziert. Schloßrand mit einem löffelartigen Fortsatz unter den Wirbeln zur Aufnahme des Fußmuskels. Wirbel durch 1-3 accessorische Platten bedeckt. Jura bis jetzt. Die Pholaden bohren sich mit Vorliebe in Steine ein.
¿Jouanettia¿ Desm., ¿Martesia¿ Leach (Fig. 753), ¿Turnus¿ Gabb. (Fig. 754).
¿Teredo¿ Linn. (Fig. 755). Schale klein, dreilappig, vorne und hinten weit klaffend. Im Innern jederseits eine lange vom Wirbel gegen den Unterrand verlaufende Leiste zur Anheftung des Fußmuskels. Die Schalen liegen in kalkigen, vorne geschlossenen, subzylindrischen Röhren. Die Siphonen sind hinten mit pfeilspitzartigen Anhängen besetzt.
Die ¡Teredo¡ (»Schiffsbohrwürmer«) bohren sich Höhlen in Holz und richten oft großen Schaden in Häfen an. Fossil findet man meist nur die mit Gestein ausgefüllten Röhren, welche am häufigsten in fossilem Holz vorkommen. Jura bis jetzt.
¿Teredina¿ Lam. Wie ¡Teredo¡, jedoch die Schalen vollständig mit einer dicken Kalkröhre verwachsen. Eocän.
Zeitliche Verbreitung der Lamellibranchiata.
Die ältesten Muscheln finden sich, allerdings noch überaus sparsam, im ~Kambrium~. Kleine, länglich ovale Schälchen von ¡Fordilla¡ Barr. wurden zuerst aus dem Potsdam-Sandstein von Troy im Staate New-York beschrieben, doch ist es zweifelhaft, ob diese Gattung zu den Muschelkrebsen oder zu den Grammysiiden gehört. Auch aus kambrischem Schiefer von Thüringen, aus der Olenellus-Zone von Nordamerika und aus den oberkambrischen Tremadoc-Schiefern von Wales sind schlecht erhaltene Abdrücke von ¡Modiolopsis¡, ¡Ctenodonta¡, ¡Palaearca¡ und ¡Glyptarca¡ bekannt.
Im ~Silur~ gewinnen die Taxodonten, einige Familien der ¡Anisomyaria¡ (¡Aviculidae¡, ¡Ambonychiidae¡, ¡Myalinidae¡, ¡Modiolopsidae¡ und ¡Pectinidae¡), heterodonte Astartiden, Lunulicardiiden, Conocardiiden, Präcardiiden und die desmodonten Solenopsiden, Vlastiden und Grammysiiden bereits eine starke Verbreitung. Die meisten silurischen ¡Heterodonta¡ und ¡Desmodonta¡ zeichnen sich durch sehr dünne Schale, zahnlosen oder nur schwach gekerbten Schloßrand und den Mangel einer Mantelbucht aus. ~Neumayr~ wollte sie darum zu einer Unterordnung (¡Palaeoconchae¡) vereinigen und daraus die jüngeren Desmodonten und einen Teil der Heterodonten ableiten; allein die verschiedenen Familien der Palaeoconchen lassen sich meist mit ganz bestimmten Gruppen von Heterodonten oder Desmodonten in so nahe Beziehungen bringen, daß deren Vereinigung keine systematischen Vorteile gewährt.
Im ~Devon~ treten nur wenige neue Familien den schon im Silur vorhandenen bei, dagegen gewinnen im Karbon die brackischen Anthracosiiden eine ansehnliche Verbreitung, die Trigoniiden, Astartiden, Luciniden, ferner die Pinniden, Pectiniden und Limiden nehmen an Formenreichtum zu, und unter den Desmodonten erscheinen die ersten Sinupalliaten (¡Allorisma¡).
Die ~Permische~ Formation enthält nur eine verarmte Karbonfauna, dagegen beginnt in der ~Trias~ eine auffallende Umgestaltung der Lamellibranchiaten. Viele alte Gattungen verschwinden oder werden durch andere ersetzt; neue Familien (¡Ostreidae¡, ¡Spondylidae¡, ¡Dimyidae¡, ¡Mytilidae¡, ¡Cardiniidae¡, ¡Panopaeidae¡, ¡Pholadomyidae¡; ¡Myidae¡) treten auf, und gewisse Gruppen der Anisomyarier und Heterodonten (¡Pernidae¡, ¡Megalodontidae¡, ¡Astartidae¡, ¡Trigoniidae¡) zeichnen sich durch großen Formenreichtum aus.
Im ~Jura~ spielen die Ostreiden, Pectiniden, Limiden, Perniden, Mytiliden unter den Anisomyariern, die Trigoniiden und integripalliaten Heterodonten, unter den Desmodonten die Pleuromyiden, Panopaeiden, Pholadomyiden, Anatiniden und Myiden eine hervorragende Rolle.
Der Charakter der ~Kreide~fauna wird in erster Linie durch das massenhafte Auftreten von Pachyodonten (¡Chamidae¡, ¡Caprinidae¡ und ¡Rudistae¡) beeinflußt, in den übrigen Abteilungen bildet die Kreide nur eine Fortsetzung des Jura; doch nehmen unter den Heterodonten die Sinupalliaten erheblich zu. Sehr bezeichnende Kreidemuscheln sind die Gattungen ¡Inoceramus¡ und ¡Vola¡.
Im ~Tertiär~ findet eine allmähliche Annäherung an die Jetztzeit statt. Die Capriniden und Rudisten sind verschwunden, die Anisomyarier stark im Rückgang. Unter den Heterodonten überwiegen die Sinupalliaten, bei den Desmodonten treten die stark differenzierten Myiden, Anatiniden, Gastrochaeniden, Clavagelliden und Pholadiden mehr in Vordergrund.
Ob die Lamellibranchiaten aus Würmern hervorgegangen sind, wie vielfach angenommen wird, läßt sich auf paläontologischer Grundlage nicht entscheiden, dagegen dürften die Aviculiden die Ahnen der Anisomyarier enthalten und ihrerseits vielleicht aus Taxodonten hervorgegangen sein, die in ihrem anatomischen Bau und im Schloß die primitivsten Merkmale bewahrt haben. Auch die Heterodonten und Desmodonten besitzen bereits im Silur Vorfahren, welche zwar noch an ¡Taxodonta¡ erinnern, aber doch schon eine selbstständige Differenzierung erlangt haben. Über die speziellere Verteilung der fossilen Lamellibranchiaten gibt die beifolgende Tabelle Aufschluß.
+=======================++===+===+===+===+===++===+===+===++===+===+===+ | || K | S | D | K | P || T | J | K || P | N | J | | || a | i | e | a | e || r | u | r || a | e | e | | || m | l | v | r | r || i | r | e || l | o | t | | || b | u | o | b | m || a | a | i || ä | g | z | | || r | r | n | o | || s | | d || o | e | t | | || i | | | n | || | | e || g | n | z | | || u | | | | || | | || e | | e | | || m | | | | || | | || n | | i | | || | | | | || | | || | | t | +-----------------------++---+---+---+---+---++---+---+---++---+---+---+ | #¡A. Anisomyaria.¡# || | | | | || | | || | | | | ¡1. Aviculidae¡ || |===|===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡2. Ambonychiidae¡ || |===|===| | || | | || | | | | ¡3. Pinnidae¡ || | |===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡4. Pernidae¡ || | | | |===||===|===|===||===|===|===| | ¡5. Limidae¡ || | | |===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡6. Vulsellidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡7. Pectinidae¡ || |===|===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡8. Spondylidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡9. Dimyidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡10. Anomiidae¡ || | |===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡11. Ostreidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡12. Myalinidae¡ || |===|===|===|===||===| | || | | | | ¡13. Modiolopsidae¡ || =|===|===|===|===||===|===|===|| | | | | ¡14. Mytilidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | || | | | | || | | || | | | | || | | | | || | | || | | | | #¡B. Homomyaria.¡# || | | | | || | | || | | | | || | | | | || | | || | | | | ¿I. Taxodonta¿: || | | | | || | | || | | | | ¡1. Nuculidae¡ || =|===|===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡2. Arcidae¡ || =|===|===|===|===||===|===|===||===|===|===| | || | | | | || | | || | | | | ¿II. Heterodonta¿: || | | | | || | | || | | | | ¡1. Anthracosiidae¡ || | | |===|===||===| | || | | | | ¡2. Nayadidae¡ || | | | | || | =|===||===|===|===| | ¡3. Trigoniidae¡ || | |===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡4. Cardiniidae¡ || | | | | ||===|= | || | | | | ¡5. Astartidae¡ || =|===|===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡6. Crassatellidae¡ || | | | | || | |===||===|===|===| | ¡7. Megalodontidae¡ || | |===|===|===||===|= | || | | | | ¡8. Isocardiidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡9. Chamidae¡ || | | | | || | =|===||===|===|===| | ¡10. Caprinidae¡ || | | | | || | |===|| | | | | ¡11. Rudistae¡ || | | | | || | |===|| | | | | ¡12. Galeommidae¡ || | | | | || | | ||===|===|===| | ¡13. Erycinidae¡ || | | | | || | |===||===|===|===| | ¡14. Tancrediidae¡ || | | | | ||===|===|===|| | | | | ¡15. Lucinidae¡ || |===|===|===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡16. Lunulicardiidae¡ || |===|===| | || | | || | | | | ¡17. Conocardiidae¡ || |===|===|===| || | | || | | | | ¡18. Praecardiidae¡ || |===|===| | || | | || | | | | ¡19. Cardiidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡20. Tridacnidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡21. Cyrenidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡22. Cyprinidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡23. Veneridae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡24. Donacidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡25. Tellinidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡26. Solenidae¡ || | | | | || | |===||===|===|===| | ¡27. Scrobicularidae¡ || | | | | || | | ||===|===|===| | ¡28. Mesodesmidae¡ || | | | | || | | ||===|===|===| | ¡29. Mactridae¡ || | | | | || | |===||===|===|===| | || | | | | || | | || | | | | ¿III. Desmodonta¿: || | | | | || | | || | | | | ¡1. Solenopsidae¡ || |===|===|===|===||===| | || | | | | ¡2. Vlastidae¡ || |===| | | || | | || | | | | ¡3. Grammysiidae¡ || |===|===|===|===|| | | || | | | | ¡4. Pleuromyidae¡ || | | |===|===||===|===|===|| | | | | ¡5. Panopaeidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡6. Pholadomyidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | ¡7. Anatinidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡8. Myidae¡ || | | | | ||===|===|===||===|===|===| | ¡9. Gastrochaenidae¡ || | | |===|===||===|===|===||===|===|===| | ¡10. Clavagellidae¡ || | | | | || | |===||===|===|===| | ¡11. Pholadidae¡ || | | | | || |===|===||===|===|===| | || | | | | || | | || | | |
2. Klasse. #Scaphopoda.# Grabfüßer.
~Bilateral-symmetrische Mollusken ohne Kopf, Augen und Kiemen. Mund mit Radula und fadenförmigen Anhängen. Grabfuß dreilappig, Herz rudimentär. Schale röhrenförmig, an beiden Enden offen.~
Die wenigen hierher gehörigen Gattungen erinnern durch ihre röhrenförmige Schale an Röhrenwürmer (¡Serpula¡), zu denen sie auch von ~Cuvier~ gerechnet wurden. ~Deshayes~ wies (1825) ihre Verwandtschaft mit den Schnecken nach, von denen sie jedoch so beträchtlich abweichen, daß sie ~Bronn~ als selbständige Klasse (¡Scaphopoda¡) unterschied. ~Lacaze Duthiers~ betonte die Beziehungen zu den ¡Lamellibranchiata¡ und nannte die Klasse ¡Solenoconchae¡. Der Mangel eines gesonderten Kopfes, die Form des Fußes, die Mundanhänge und das ungelappte Velum des Embryo sprechen für Verwandtschaft mit den Muscheln; die Röhrenschale, die Radula und die einfache Genitaldrüse weisen auf die Gastropoden hin. Darm, Magen und Leber sind wohl entwickelt, das Nervensystem symmetrisch. Kiemen fehlen; die Respiration wird durch die Körperoberfläche besorgt. Die lebenden Scaphopoden bewohnen die tieferen Regionen des Ozeans und bohren sich in Schlamm und Sand ein. Fossile Formen beginnen schon im Silur. (¡Laevidentalium¡ Cossm.)
Die wichtigste Gattung ¿Dentalium¿ Linn. (Fig. 756) hat verlängert röhrenförmige, gegen hinten verengte Schale und ist bald glatt, bald der Länge nach gestreift oder gerippt, seltener quer gestreift. Silur bis jetzt.
¿Antalis¿ Ad. (¿Entalis¿ Gray non Sow.) (Fig. 757) hat am hinteren Ende einen kurzen, ¿Fustiaria¿ Stol. einen langen Schlitz, bei ¿Siphonodentalium¿ Sars (Fig. 758¡a¡) ist das hintere Ende der kleinen, glatten Röhren mit mehreren kurzen, bei ¿Dischides¿ Jeffreys (Fig. 758¡b¡) mit zwei Einschnitten versehen. ¿Gadila¿ Gray (Fig. 758¡c¡) ist in der Mitte angeschwollen, an beiden Enden verengt, ¿Cadulus¿ Phil. (Fig. 758¡d¡) ebenso, aber die hintere Mündung gekerbt.
3. Klasse. #Amphineura.# Wurmmollusken.
~Wurmähnliche, bilateral-symmetrische Mollusken von gestreckter oder länglich ovaler Gestalt, mit oder ohne Sohle, nackt, mit Kalkstacheln oder gegliederter, mehrklappiger Rückenschale. Kopf undeutlich abgesetzt ohne Augen und Tentakeln. Nervensystem aus Schlundring und vier Längsstämmen bestehend. Zunge mit Radula.~
Als ¡Amphineura¡ bezeichnete ~Ihering~ dickhäutige, früher allgemein für Würmer angesehene, langgestreckte marine Weichtiere (¡Chaetoderma¡, ¡Neomenia¡ etc.), sowie die mit gegliederter Schale versehenen Chitoniden. Die ersteren bilden jetzt die Ordnung der ¿Aplacophora¿, die letzteren die Ordnung der ¿Polyplacophora¿.
Ordnung. #Polyplacophora.# Blv. Käferschnecken.
(¡Placophora¡ Ihering, ¡Loricata¡ Schum.)
~Körper länglich oval, auf dem Rücken mit acht beweglich verbundenen Kalkplatten. Fuß breit, söhlig. Kiemen zahlreich, klein, blattförmig, jederseits in einer Reihe zwischen Mantel und Fuß gelegen. Herz mit drei Kammern. Geschlechter getrennt.~
Die einzige Familie der ~Chitoniden~ unterscheidet sich von allen übrigen Mollusken durch ihre aus acht hintereinander liegenden, beweglichen Kalkplatten bestehende Schale. Die Platten sind in der Mitte gewölbt oder nach der Längsachse gekielt; die beiden terminalen halbkreisförmig, die intermediären quer vierseitig mit zwei vorspringenden Lappen am Hinterrand. Sämtliche Platten sind von einem hornigen, meist mit Stacheln besetzten, breiten Saum eingefaßt.
Die Chitoniden bewohnen die Littoral- und Laminarienzone und heften sich mit ihrem breiten Fuß an Steinen an. Sie sind in allen Meeren verbreitet, am häufigsten in den Tropen. Etwa 400 recente Arten sind bekannt, die früher alle der Gattung ¿Chiton¿ Lin. zugezählt wurden, jetzt aber in zahlreiche Genera und Subgenera zerteilt werden. Fossile Chitonen sind überall selten und meist nur durch vereinzelte Platten vertreten. Sie beginnen schon im Silur (¿Helminthochiton¿ Salter) und sind am zahlreichsten im Devon und Karbon. (¿Gryphochiton¿ Gray, ¿Rhombichiton¿, ¿Glyptochiton¿ de Kon., ¿Pterochiton¿ Carp. etc.).
4. Klasse. #Gastropoda#. Schnecken.[51]
~Weichtiere mit gesondertem Kopf, söhligem, selten flossenartigem Fuß und ungeteiltem Mantel, welcher eine einfache spiral gewundene oder napfförmige Schale absondert.~
Die Schnecken besitzen im Gegensatz zu den Muscheln einen mehr oder minder deutlich abgesonderten Kopf, welcher in der Regel Fühler, Augen und Gehörblasen trägt und das aus zwei starken Nervenknoten bestehende Cerebral- oder Schlund-Ganglion enthält. Die Unterseite des Tieres wird meist von einem breiten, söhligen Kriechfuß gebildet, der jedoch bei den Heteropoden zu einer vertikalen, seitlich zusammengepreßten Flosse umgewandelt ist und bei den Pteropoden durch zwei flügelartige Schwimmlappen neben dem Kopf ersetzt wird. Die Basis des Kriechfußes erlangt zuweilen ansehnliche Ausdehnung; bei manchen Formen (¡Strombidae¡) kann derselbe durch kräftige Kontraktion zum Springen verwendet werden.
Der ~Mantellappen~ erhebt sich wie eine Kapuze auf dem Rücken; er reicht bis zum Kopf und sondert an seiner schleimigen Oberseite meist eine Schale ab, welche den Eingeweidesack und die Atemhöhle bedeckt und häufig auch bei Kontraktion des Tieres den ganzen Körper aufnehmen kann. Die Verbindung von Tier und Schale wird durch einen ~Muskel~ bewerkstelligt, welcher sich bei spiralen Gehäusen an der Spindel, bei napfförmigen an der Innenfläche der Schale anheftet.
Das ~Nervensystem~ besteht aus zwei Cerebralganglien, aus den paarigen Pedal- und Visceralganglien, sowie aus zwei oder drei weiteren Ganglienpaaren, die alle durch Nervenstränge (Kommissuren) verbunden sind. Durch die spirale Drehung des Eingeweidesackes erleiden die Kommissuren der Visceralganglien zuweilen eine vollständige Kreuzung (¡Chiastoneura¡), während sie bei bilateral symmetrischen Formen parallel verlaufen (¡Orthoneura¡).
Eine charakteristische Eigentümlichkeit der Gastropoden bildet die Bewaffnung des ~Mundes~. Dieselbe besteht teils aus zwei kieferähnlichen hornigen Platten an der oberen Schlundwand, teils aus einer chitinösen Reibplatte, welche die ~Zunge~, einen Wulst im Boden der Mundhöhle, bekleidet. Diese Reibplatte oder ~Radula~ hat meist beträchtliche Länge und ist mit zahlreichen, in Quer- und Längsreihen geordneten Chitinzähnchen oder Häkchen besetzt. Die äußerst mannigfaltige Zusammensetzung der Radula wurde von ~Lovèn~ und ~Troschel~ in ausgiebiger Weise für die Systematik der Gastropoden verwertet.
Die Speiseröhre führt in einen mehrfach gewundenen ~Darmkanal~, der von einer sehr umfangreichen Leber, den Nieren und zahlreichen Drüsen umgeben ist und schließlich in einer dem Mund benachbarten Afteröffnung endigt.
Das ~Herz~ hat in der Regel eine (¡Monotocardia¡), seltener zwei Vorkammern (¡Diotocardia¡) und dient einem reich verzweigten Blutgefäßsystem als Zentralorgan. Liegen die Kiemen oder Lungen ~vor~ dem Herzen (¡Prosobranchia¡, ¡Pulmonata¡), so befindet sich auch der Vorhof vor dem Ventrikel; liegen sie ~hinter~ demselben (¡Opisthobranchia¡, ¡Pteropoda¡), so ist das Atrium auf der Hinterseite gelegen.
Nur wenige Schnecken atmen ohne besondere ~Respirationsorgane~ durch die Körperoberfläche; weitaus die meisten besitzen ~Kiemen~ oder ~Lungen~. Die Kiemen sind blatt- oder büschelförmige, zuweilen verzweigte oder gefiederte Hautlappen, welche meist in der Atemhöhle unter dem Mantel liegen, seltener frei auf dem Rücken oder den Seiten vorragen. Nur ausnahmsweise sind sie in größerer Zahl vorhanden und symmetrisch ausgebildet; meist verkümmert von den zwei Kiemen die linke gänzlich, und die rechte rückt infolge der Drehung des Körpers in die Mitte oder sogar nach links. Bei den luftatmenden Schnecken werden die Kiemen durch einen rechtsseitigen, hinter dem Kopf gelegenen sackförmigen Hohlraum (die ~Lunge~) ersetzt, dessen Decke von einem feinverzweigten Netzwerk von Blutgefäßen durchzogen ist. Die Ampullariiden und Siphonariiden besitzen Kiemen und Lungen zugleich. Die Atemhöhle ist bis auf eine mondförmige oder rundliche Öffnung (Spiraculum) geschlossen. Dieses Atemloch verlängert sich häufig in eine geschlossene oder gespaltene Röhre, welcher meist eine kanalartige Verlängerung oder ein Ausguß der Schalenmündung entspricht.
Eine ungewöhnliche Differenzierung zeichnet die ~Generationsorgane~ der Schnecken aus. Die Geschlechter sind bei Prosobranchiern und Heteropoden getrennt, bei Opisthobranchiern, Pteropoden und Pulmonaten vereinigt. Bei den Zwittern (Hermaphroditen) münden die Ei- und Samenleiter entweder in eine gemeinsame Geschlechtskloake, oder es haben männliche und weibliche Organe gesonderte Öffnungen.
Die ~Schale~ wird, wie bereits bemerkt, von dem Mantellappen abgesondert und in ihrer Form und Größe von dem Eingeweidesack bestimmt. Sie besteht aus kohlensaurem Kalk, selten aus einer hornartigen Substanz. Für die Systematik, namentlich für die Bestimmung von Gattungen und Arten liefern die Schalen wichtige Anhaltspunkte, dagegen versagen sie ihren Dienst für die Abgrenzung größerer Gruppen, da nicht selten Tiere von ganz abweichender Organisation ähnliche Gehäuse hervorbringen. Man unterscheidet ~symmetrische~ und ~spiral gewundene~ Schalen. Erstere haben napf- oder flachkonische Gestalt, finden sich aber nur bei wenigen Gruppen (¡Cyclobranchia¡, ¡Aspidobranchia¡, ¡Pulmonata¡) und sind durch mützen- oder kegelförmige Schalen mit schwach eingerollten Wirbeln mit den Spiralgehäusen verbunden. Bei diesen kommen ausnahmsweise unregelmäßig gewundene (¡Vermetus¡) oder in einer Ebene spiral eingerollte Röhren (¡Bellerophon¡, ¡Atlanta¡) vor; meist wickelt sich das Gehäuse in einer Schraubenspirale auf und zwar liegt sie in der Art auf dem Rücken des Tieres, daß die Spitze der Röhre nach hinten und oben, die Mündung nach vorne und unten gerichtet ist. Stellt man die Schale mit der Spitze nach oben, mit der Mündung nach unten und zwar so, daß die Mündung dem Beschauer zugekehrt ist, so heißt die Schale ~rechts gewunden~, wenn die Mündung auf der rechten, ~links gewunden~, wenn sie auf der linken Seite liegt. Weitaus die meisten Gastropoden haben rechts gewundene Schalen; einzelne Genera (¡Clausilia¡, ¡Physa¡, ¡Spirialis¡) sind normal links gewunden. Als Abnormitäten findet man zuweilen links gedrehte Individuen bei normal rechts gewundenen Arten und umgekehrt.
Beim Zeichnen und Beschreiben der Schneckenschalen wird die Spitze gewöhnlich nach oben, die Mündung nach unten dem Beschauer entgegen gerichtet, so daß rechts und links gewunden sogleich ersichtlich werden. Damit erklären sich auch die Bezeichnungen ~oben~ und ~unten~ als gleichbedeutend mit ~hinten~ und ~vorne~. Die ~Höhe~ oder ~Länge~ einer Schale wird durch eine von der Spitze (Apex) nach dem unteren Ende der Mündung gezogene Linie bestimmt.
Die mehr oder weniger rasch an Weite zunehmende Röhre, aus welcher man sich eine spiral gewundene Schneckenschale entstanden denken muß, wickelt sich entweder um eine solide ~Achse~ oder Spindel (Columella) oder um eine ideale, durch eine zentrale Röhre ersetzte Achse auf. Das ~Gewinde~ (Spira) besteht aus ~Umgängen~ (Windungen, anfractus), welche sich entweder übereinander legen und sich teilweise oder auch ganz verhüllen oder sie wickeln sich in seltenen Fällen frei in lockerer Spirale auf. Die äußerliche Berührungslinie zweier Umgänge heißt ~Naht~ (Sutura); das Gewinde ist ~eingewickelt~ (involut), wenn die jüngeren Umgänge die älteren vollständig verhüllen und nur der letzte sichtbar bleibt (¡Cypraea¡). Je nach der Art der Einrollung entstehen mützenförmige, ohrförmige, konisch-kreiselförmige, kugelige, eiförmige turmförmige, pyramidale, spindel- oder walzenförmige Gehäuse.
Die untere, zuweilen ebene Fläche des letzten Umgangs heißt ~Basis~ oder Grundfläche. Ist die Spindel durch einen zentralen, röhrenartigen Hohlraum ersetzt, so nennt man die Schale durchbohrt. Als ~Nabel~ (umbilicus) wird eine trichterförmige Vertiefung im Zentrum der Basis bezeichnet; der ~ächte~ Nabel reicht bis zur Spitze, der ~falsche~ ist auf den letzten Umgang beschränkt. Eine ~Nabelritze~ wird öfters dadurch hervorgerufen, daß der Nabel von der umgeschlagenen Innenlippe oder durch eine Schwiele (Nabelschwiele) teilweise oder fast ganz bedeckt wird.
Die ~Mündung~ (apertura) des letzten Umgangs wird vom Mundsaum (Peristoma) begrenzt, der zuweilen einen ~zusammenhängenden~, ununterbrochenen Rand bildet, in der Regel aber aus einem getrennten Außen- und Innenrand besteht. Die Form der Mündung ist sehr verschieden, am häufigsten oval oder rundlich, zuweilen aber auch mehr oder weniger verengt bis spaltförmig. Man nennt sie ~ganz~, wenn sie unten (resp. vorne) abgerundet ist (¿Holostomata¿), ~ausgeschnitten~ oder ~ausgegossen~, wenn neben der Spindel eine kurze Rinne oder Ausbuchtung für die Atemröhre vorhanden ist. Bei den ¿Siphonostomata¿ verlängert sich der Ausguß zu einem geraden, gebogenen oder rückwärts gekrümmten Kanal, dessen Länge zuweilen die Höhe der Mündung übertrifft. Der ~Außenrand~ (Außenlippe) kann ganzrandig oder eingeschnitten, scharf, verdickt, umgeschlagen, eingebogen, gezähnelt oder gekerbt, flügelartig ausgebreitet oder mit fingerförmigen Fortsätzen versehen sein. Am ~Innenrand~ unterscheidet man namentlich bei den ¡Siphonostomata¡ den hinteren (oberen) Teil als eigentliche ~Innenlippe~, den vorderen als ~Spindelrand~. Die Innenlippe wird entweder durch die Wand des vorletzten Umgangs oder durch eine besondere Kalkschwiele gebildet und kann wie die Spindel und Außenlippe Falten tragen, welche zuweilen bis zum Scheitel fortsetzen (Fig. 761).
Als äußere Verzierung der Schalen treten häufig vertiefte Linien, Furchen oder erhabene Leisten, Rippen, Falten, Knoten, Stacheln etc. auf, die als ~Längs-~ oder ~Spiralverzierungen~ bezeichnet werden, wenn sie parallel der Naht laufen, während die ~Querverzierungen~ schief- oder rechtwinklig gegen dieselbe gerichtet sind.
Sehr viele Schneckenschalen sind bunt gefärbt oder mit einer samtartigen, weichhaarigen oder hornähnlichen Epidermis überzogen. Durch den Fossilisationsprozeß wird nicht nur die Epidermis sondern auch die Färbung mehr oder weniger vollständig zerstört.
Die ~Schalen~ der Gastropoden bestehen aus Aragonit und zwar in der Regel aus einer gleichmäßigen Schicht von porzellanartiger Beschaffenheit, zu welcher bei gewissen Familien noch eine innere Perlmutterschicht hinzukommt. Letztere wird aus abwechselnden, der Innenfläche parallelen Blättern von Conchyliolin und kohlensaurem Kalk gebildet, während die Porzellanschicht meist aus drei Lagen von dünnen Blättern aufgebaut ist, wovon die innere rechtwinklig zu den beiden äußeren steht. Jedes Blatt der drei Lagen wird aus schiefen Prismen zusammengesetzt.
Die ~Entwicklung~ der Schnecken vollzieht sich in abgelegten Eiern. Der Embryo bildet schon ziemlich frühzeitig eine kleine Schale (Protoconch, Nucleus), die zuweilen aus mehreren Umgängen besteht und nicht selten in der Form von der eigentlichen Schale abweicht. Der Protoconch erhält sich mehr oder weniger lang auf dem Apex des Gewindes, häufig in Gestalt einer blasigen Anschwellung, eines kleinen glänzenden Knopfes oder eines kurzen glatten Gewindes, das zuweilen winklig von der Schale absteht oder anders gedreht (heterostroph) ist als jene. Wird der Protoconch abgeworfen, so bildet eine Kalkplatte den Abschluß des Gewindes.
Sehr viele Gastropoden besitzen einen kalkigen oder hornigen ~Deckel~ (operculum), der sehr häufig zur Unterscheidung von Gattungen oder Familien verwertet wird. Er schließt die Mündung ab, wenn sich das Tier in der Schale zurückgezogen hat und liegt während des Kriechens auf dem hinteren Teil des Fußrückens. Am häufigsten besteht der Deckel aus Hornsubstanz und ist fossil nicht erhaltungsfähig; nicht selten ist er aber auch verkalkt und erreicht zuweilen ansehnliche Dicke. Seine äußere Oberfläche kann glatt, gefurcht, körnelig oder mit Auswüchsen versehen sein. Der Nucleus, d. h. die Stelle, von welcher das Wachstum des Deckels beginnt, liegt bald zentral, bald exzentrisch, bald randständig, und ist entweder von konzentrischen Linien umgeben oder er bildet den Anfang einer aus wenigen (paucispiral) oder vielen Umgängen (multispiral) zusammengesetzten Spirale. Bei gewissen Turbiniden und Solariiden ist der Deckel hoch kegelförmig und außen mit zahlreichen spiralen Lamellen bedeckt.
~Lebensweise.~ Die meisten Gastropoden sind Wassertiere und zwar vorherrschend Meeresbewohner. Zu den Wasserbewohnern gehören alle mit Kiemen versehenen Formen, aber auch von den in der Regel auf das Festland angewiesenen Lungenschnecken halten sich einige (¡Limnaeidae¡) konstant in süßen, andere (¡Siphonariidae¡) in salzigen Gewässern auf.
Im ganzen bevorzugen die marinen Gastropoden, mit Ausnahme der freischwimmenden Heteropoden und Pteropoden, die Küstenregionen und halten sich meist in geringeren Tiefen auf, wo sie auf Steinen oder Pflanzen sitzen oder sich in Sand und Schlamm eingraben. Schon bei 70-100 m Tiefe nimmt der Reichtum an Schnecken beträchtlich ab, doch finden sich einzelne Gattungen (¡Pleurotoma¡, ¡Fusus¡, ¡Natica¡, ¡Odostomia¡, ¡Eulima¡, ¡Rissoa¡, ¡Scissurella¡, ¡Turbo¡, ¡Cylichna¡, ¡Bullina¡, ¡Actaeon¡ etc.) noch bis in Regionen von 2000 m und mehr.
Die meisten marinen Schnecken sterben, wenn man sie in süßes Wasser versetzt, nur einige Gattungen (¡Cerithium¡, ¡Littorina¡, ¡Rissoa¡, ¡Trochus¡, ¡Purpura¡) haben die Fähigkeit, in brackischem oder ausgesüßtem Wasser fortzuleben und auch von den Süßwasserschnecken können sich manche (¡Melania¡, ¡Melanopsis¡, ¡Neritina¡, ¡Ampullaria¡, ¡Limnaeus¡, ¡Planorbis¡) an brackisches oder sogar scharf gesalzenes Wasser gewöhnen.
Die Mehrzahl der Gastropoden ernährt sich von Pflanzen, einige aber auch von frischem oder faulendem Fleisch. Manche Gattungen (¡Natica¡, ¡Buccinum¡, ¡Murex¡) bohren mit ihrer Zunge andere Weichtierschalen an und saugen dieselben aus.
~Systematik.~ Zur Abgrenzung der Ordnungen wurden seit ~Cuvier~ und ~Milne Edwards~ in erster Linie die Respirationsorgane und die Beschaffenheit des Fußes (Kriechfuß, Schwimmfuß) verwendet. Nächstdem liefern die Generationsorgane, der Bau des Herzens und des Nervensystems wichtige systematische Anhaltspunkte. Zur Unterscheidung der kleineren Gruppen benutzt man teils die Merkmale der Schale oder der Radula. In der Regel werden die Gastropoden in die fünf Ordnungen ¿Prosobranchia¿, ¿Heteropoda¿, ¿Opisthobranchia¿, ¿Pteropoda¿ und ¿Pulmonata¿ eingeteilt.
A. Ordnung. #Prosobranchia.# Cuv. Vorderkiemener.
(¡Streptoneura¡ R. Lankaster, ¡Arthrocochlides¡ Ihering).
~Beschalte, meist spiralgewundene Schnecken mit einer oder zwei vor dem Herzen gelegenen Kiemen. Herz mit ein oder zwei Vorkammern. Geschlechter getrennt. Mund rüsselförmig.~
Die Prosobranchier bilden die bei weitem formenreichste Gruppe der Gastropoden und enthalten mindestens 20000 lebende und fossile Arten. Die Schale ist meist spiralgewunden, selten symmetrisch napfförmig oder konisch. Der Eingeweidesack ist von links nach rechts gedreht, so daß der After rechts in der Nähe des Kopfes mündet und die Organe der rechten Seite (Niere und Kieme) auf die linke überwandern. Meist ist nur eine blattförmige Kieme (die rechte) wohl entwickelt; zuweilen zeigen aber auch beide fast gleichmäßige Ausbildung. Die Kiemenvenen treten vorne ins Herz ein, das ein oder zwei Vorkammern besitzt.
Die große Menge der Prosobranchier wurde in verschiedener Weise in Gruppen zerlegt. ~Cuvier~ und ~Milne Edwards~ und die meisten älteren Zoologen verwerten in erster Linie Zahl und Ausbildung der Kiemen, ~Troschel~ und ~Lovèn~ die Beschaffenheit der Radula, ~Ihering~ das Nervensystem, ~Mörch~ und neuerdings ~Perrier~ und ~Bouvier~ hauptsächlich den Bau des Herzens zur Unterscheidung der verschiedenen Gruppen. Da jedoch alle diese Merkmale keinen bemerkbaren Einfluß auf die Gestaltung der Schale ausüben, so sind sie für den Paläontologen ohne praktische Bedeutung. Die drei Unterordnungen der (¡Docoglossa¡) ¡Cyclobranchina¡, ¡Aspidobranchina¡, ¡Rhipidoglossa¡ und ¡Ctenobranchina¡ bilden übrigens natürliche Gruppen, die unter verschiedenen Namen fast in gleicher Umgrenzung in allen Systemen wiederkehren.
1. Unterordnung. #Cyclobranchina.# Napfschnecken.
(¡Cyclobranchia¡ p. p. Cuvier, ¡Docoglossa¡ Troschel. ¡Heterocardia¡ Perrier.)
¡Symmetrische Tiere mit napfförmiger Schale ohne Deckel. Respirationsorgane entweder durch einen kreisförmigen Kranz von Blättchen unter dem Mantelrand ersetzt oder als rechtsseitige kammförmige Nackenkieme ausgebildet und vor dem Herzen gelegen. Zunge mit balkenartigen Zähnen besetzt. Herz mit einer Vorkammer.¡ Silur bis jetzt. Marin.
Die Cyclobranchier zerfallen nach der Ausbildung der Kiemen in die drei Familien der ¡Patellidae¡, ¡Acmaeidae¡ und ¡Lepetidae¡, deren Schalen jedoch keine nennenswerten Verschiedenheiten aufweisen und darum in fossilem Zustand nicht zu unterscheiden sind. Man kennt über 1400 lebende Napfschnecken, die sich fast ohne Ausnahme in seichtem Wasser aufhalten und von Algen ernähren. Die ältesten fossilen Formen beginnen schon im Kambrium, doch gehören fossile Cyclobranchier nicht zu den häufigen Versteinerungen.
¿Patella¿ Linn. Napfförmig, rund oder oval, niedrig kegelförmig. Wirbel subzentral. Oberfläche meist radial gerippt oder gestreift. Innen ein hufeisenförmiger Muskeleindruck. Silur bis jetzt.
¿Acmaea¿ Eschscholtz (Fig. 762). Wie ¡Patella¡, aber kleiner und dünner, glatt, fein gestreift oder radial gerippt. Wirbel vor der Mitte. Silur bis jetzt.
¿Scurria¿ Gray (Fig. 763). Hoch kegelförmig, glatt. Wirbel fast zentral. Mündung oval. Jura bis jetzt.
¿Metoptoma¿ Phil. Stumpf kegelförmig, niedrig. Wirbel subzentral. Hinterseite ausgeschnitten. Silur bis Karbon.
¿Lepetopsis¿ Whitf. Silur bis Karbon.
¿Tryblidium¿ Lindström (Fig. 764). Niedrig, sehr dickschalig, oval; außen konzentrisch blättrig verziert. Wirbel am Vorderrand. Muskeleindrücke zahlreich, hufeisenförmig aneinander gereiht. Silur.
Die Gattungen ¿Palaeacmaea¿ Hall. aus dem Silur und ¿Scenella¿ Billings aus dem Kambrium sind die ältesten Vertreter der Cyclobranchier. Die kleinen glatten oder radial verzierten, dünnen Schälchen lassen sich kaum von ¿Acmaea¿ unterscheiden.
2. Unterordnung. #Aspidobranchina.# Schweigger. Schildkiemener.
(¡Scutibranchiata¡ Cuv., ¡Rhipidoglossa¡ Troschel, ¡Zygobranchia¡ Ihering, ¡Diotocardia¡ Bouvier.)
¡Kiemen meist fiederartig, die zwei gleichgroßen oder ungleichen Blätter an der Basis verwachsen. Herz mit zwei Vorkammern. Radula mit großen Mittelplatten, Zwischenplatten und zahlreichen Seitenplatten. Schale napfförmig, ohrförmig oder spiral gewunden, häufig kreiselförmig. Deckel meist vorhanden.¡
1. Familie. #Fissurellidae.# Risso.
¡Schale symmetrisch, napf- oder mützenförmig, ohne Deckel. Wirbel nach hinten gekehrt, häufig durchbohrt. Zuweilen auch Vorderrand mit Spalt. An jugendlichen Exemplaren ist der Wirbel etwas eingekrümmt.¡ Marine Küstenbewohner. Karbon bis Jetztzeit.
¿Emarginula¿ Lam. (Fig. 765, 766). Mützenförmig oder konisch schildförmig. Wirbel nach hinten gekehrt, zuweilen spiral eingerollt. Vorderrand mit einem Schlitz. Karbon bis jetzt.
¿Rimula¿ Defr. (Fig. 767). Wie vorige, aber Schlitz unten geschlossen. Lias bis jetzt.
Subgenera: ¿Puncturella¿ Lowe, ¿Semperia¿ Crosse.
¿Fissurella¿ Lam. (¡Fissuridea¡ Swainson) (Fig. 768). Niedrig kegelförmig. Wirbel durchbohrt. Oberfläche radial verziert. Karbon bis jetzt.
¿Scutum¿ Montf. (¡Parmophorus¡ Blv.). Länglich schildförmig, niedrig. Seitenränder parallel. Wirbel undurchbohrt. Eocän bis jetzt.
2. Familie. #Haliotidae.# Flem. Seeohren.
¡Schale flach, ohrförmig mit weiter Öffnung, ohne Deckel, innen perlmutterglänzend; am linken Außenrand mit einer Reihe runder Löcher.¡ Marin.
Einzige Gattung ¿Haliotis¿ Lin. Ob. Kreide bis jetzt. Sehr selten fossil.
3. Familie. #Bellerophontidae.# M'Coy.
¡Schale symmetrisch, meist ziemlich dick, mit schwach entwickelter Perlmutterschicht; in einer Ebene spiral eingerollt. Mündung breit, oval oder schmal verlängert; Außenlippe in der Mitte mit einer Einbuchtung oder einem Schlitz, welchem häufig ein Band oder eine Reihe von Perforationen auf dem Schalenrücken entsprechen.¡ Fossil. Kambrium bis Trias.
Die Bellerophontiden wurden von ~Montfort~ zu den Cephalopoden, von ~Deshayes~ wegen der Ähnlichkeit mit ¡Atlanta¡ zu den Heteropoden, von ~de Koninck~ zu den Aspidobranchiern gestellt. Die dicken Schalen zeigen zuweilen noch Spuren der ursprünglichen Färbung. Mindestens 300 paläozoische Arten beschrieben.
¿Bellerophon¿ Montf. (¡Waagenia¡ de Kon.) (Fig. 769). Schale kugelig oder scheibenförmig; beiderseits eng genabelt, mehr oder weniger involut. Mündung gegen den Rand nicht erweitert. Außenlippe scharf, mit Ausschnitt oder tiefem Sinus. Dorsales Schlitzband entweder deutlich oder durch einen Kiel ersetzt oder fehlend. Oberfläche nur mit Zuwachsstreifen. Silur bis Perm. Hauptverbreitung im Kohlenkalk.
Subgenera: ¿Bucania¿ Hall., Silur. Devon. ¿Warthia¿, ¿Mogulia¿ Waagen. Karbon.
¿Euphemus¿ M'Coy (Fig. 770). Wie ¡Bellerophon¡, aber die inneren Umgänge und ein Teil des letzten spiral gestreift. Karbon.
¿Salpingostoma¿ Roem. Schale weit genabelt. Mündung plötzlich stark ausgebreitet. Rücken mit einem vorne und hinten geschlossenen Schlitz. Silur. Devon.
¿Trematonotus¿ Hall. Wie vorige, aber Schlitzband durch eine Reihe von Löchern ersetzt. Silur.
¿Cyrtolites¿ Conrad (Fig. 771). Schale weit genabelt, gekielt, ohne Schlitz, mit kräftigen Querrippen. Kambrium bis Karbon.
4. Familie. #Porcelliidae.# Koken.
¡Schale scheibenförmig, flach, weit genabelt, fast symmetrisch, nur die ersten Windungen schneckenförmig gewunden. Außenlippe scharf mit langem Schlitz. Schlitzband deutlich in der Mitte des Schalenrückens verlaufend.¡ Devon. Karbon.
Einzige Gattung ¿Porcellia¿ Leveillé (Fig. 772) (¡Leveilleia¡ Newton).
5. Familie. #Pleurotomariidae.# d'Orb.
¡Schale spiral-, kegel-, kreisel- bis turmförmig, innen perlmutterglänzend. Außenlippe mit Schlitz, dem ein über sämtliche Umgänge verlaufendes Schlitzband entspricht. Der Schlitz zuweilen durch eine oder mehrere Öffnungen ersetzt. Deckel hornig.¡ Kambrium bis jetzt.
¿Rhaphistoma¿ Hall. Gewinde niedrig oder ganz abgeplattet. Umgänge oben mit Kante. Nabel mäßig weit. Außenlippe mit kurzer Ausbuchtung am Kiel. Kambrium. Silur.
¿Pleurotomaria¿ Defr. (Fig. 773-777). Schale breit kegelförmig, Gewinde bald hoch, bald niedrig, genabelt oder ungenabelt. Außenlippe mit Schlitz, dem ein auf allen Umgängen sichtbares Schlitzband entspricht, nach welchem von beiden Seiten her die zurückspringenden Zuwachsstreifen konvergieren. Schale innerlich perlmutterglänzend. Den vier sehr seltenen lebenden Arten stehen mehrere hundert fossile Formen gegenüber, die sich auf alle Formationen vom Silur bis Tertiär verteilen. Im jüngeren Tertiär ist die Gattung bereits sehr selten.
Subgenera: ¿Ptychomphalus¿ Ag., ¿Mourlonia¿, ¿Worthenia¿ de Kon., ¿Gosseletina¿ Bayle, ¿Ivania¿ Bayle (¡Baylea¡ de Kon.), ¿Rhaphistomella¿ (Fig. 775), ¿Zygites¿, ¿Laubella¿, ¿Stuorella¿, ¿Schizodiscus¿ Kittl, ¿Agnesia¿ de Kon., ¿Brilonella¿ Kayser, ¿Hesperiella¿ Holzapfel, ¿Cryptaenia¿ (Fig. 777), ¿Leptomaria¿ Deslongch. (Fig. 776) etc.
¿Kokenella¿ Kittl. Sehr flache, scheibenförmige, in einer Ebene aufgerollte, jedoch etwas unsymmetrische Schalen mit breitem Schlitzband. Trias. ¡K.¡ (¡Porcellia¡) ¡Fischeri¡ Hoernes.
¿Polytremaria¿ de Kon. Schale kreiselförmig. Das Schlitzband durch eine Reihe runder Löcher ersetzt, wovon sich die hinteren successive schließen. Kohlenkalk.
¿Ditremaria¿ d'Orb. (Fig. 778). Hinter der Außenlippe zwei ovale, durch einen Spalt verbundene Löcher. Basis mit Nabelschwiele. Jura.
¿Trochotoma¿ Deslongch. Kreiselförmig, mit konkaver Basis. Hinter der Außenlippe ein beiderseits geschlossener Spalt, dem ein Schlitzband entspricht. Trias. Jura.
¿Schizogonium¿ Koken, ¿Temnotropis¿ Laube. Trias. ¿Scissurella¿ d'Orb. Kreide bis jetzt.
¿Catantostoma¿ Sandb. Devon.
¿Murchisonia¿ d'Arch. Vern. (Fig. 779). Schale turmförmig, mit zahlreichen, bald glatten, bald verzierten Umgängen. Außenlippe mit Schlitz, dem ein Schlitzband entspricht. Kambrium bis Trias. Hauptverbreitung in Devon und Karbon.
Subgenera: ¿Hormotoma¿ Salter, ¿Lophospira¿ Whitf., ¿Goniostropha¿ Oehlert, ¿Cheilotoma¿ Koken.
6. Familie. #Euomphalidae.# de Koninck.
¡Schale niedrig kegelförmig bis scheibenförmig, spiral gewunden, mehr oder weniger tief und weit genabelt, Umgänge zuweilen in aufgelöster Spirale, glatt oder kantig. Außenlippe mit seichter Einbuchtung. Die ersten Windungen häufig durch Scheidewände abgeschlossen. Deckel kalkig.¡ Kambrium bis Kreide.
Die Euomphaliden gehören vorzugsweise den paläozoischen Ablagerungen an. Sie wurden bald an die Trochiden, Turbiniden, Littoriniden oder Solariiden angeschlossen. Mit letzteren haben ihre Schalen die größte Ähnlichkeit, allein bei ¡Solarium¡ ist das Embryonalgewinde links, bei den Euomphaliden rechts gedreht. Die Deckel sind nur bei einzelnen Gattungen (¡Maclurea¡) sicher bekannt, ~de Koninck~ vermutet, daß die ursprünglich als ¡Calceola Dumontiana¡ beschriebenen pantoffelartigen und tief ausgehöhlten Deckel aus dem Kohlenkalk zu ¡Euomphalus¡ gehören.
¿Straparollina¿ Billings (Kambrium), ¿Ophileta¿ Vanuxem (Kambrium, Silur), ¿Maclurea¿ Lesueur (Silur).
¿Platyschisma¿ M'Coy. Dünnschalig, niedrig konisch, glatt. Nabel verhältnismäßig eng. Außenlippe mit breiter Einbuchtung. Silur bis Karbon. ¡P. helicoides¡ Sow. Karbon.
¿Straparollus¿ Montf. (Fig. 780). Kreisel- bis scheibenförmig, weitgenabelt. Umgänge glatt oder fein quergestreift. Silur bis Jura; besonders häufig in Devon und Kohlenkalk.
¿Phanerotinus¿ Sow. Wie ¡Straparollus¡, aber Gewinde eine offene Spirale bildend. Karbon.
¿Euomphalus¿ Sow. (¡Schizostoma¡ Bronn.) (Fig. 781). Niedrig konisch bis scheibenförmig, weit genabelt. Gewinde abgeplattet oder sogar vertieft. Umgänge kantig, die Kanten zuweilen mit Knoten besetzt (¡Phymatifer¡ de Kon.). Außenlippe an der oberen Kante mit Ausschnitt. Silur bis Trias. Hauptverbreitung im Kohlenkalk.
Subgenera: ¿Omphalocirrus¿. Devon. Karbon. ¿Coelocentrus¿ Zitt. Trias.
¿Discohelix¿ Dunk. (Fig. 782). Flach scheibenförmig. Oberseite eben oder schwach konkav, Unterseite weit genabelt. Umgänge vierseitig, kantig. Trias bis untere Kreide.
7. Familie. #Stomatiidae.# Gray.
¡Schale niedrig, aus wenigen sehr rasch anwachsenden Umgängen bestehend, innen perlmutterglänzend. Mündung groß.¡
Mit Ausnahme von ¿Stomatia¿ Gray und ¿Stomatella¿ Lam., von denen einzelne seltene Arten schon in der Kreide (vielleicht auch Jura) vorkommen, gehört diese Familie der Jetztzeit an.
8. Familie. #Turbinidae.# Adams.
¡Schale kreiselförmig, scheibenförmig bis turmförmig, innen perlmutterglänzend. Mündung rundlich oder oval. Innenlippe glatt oder mit Schwiele; Außenlippe niemals umgeschlagen. Deckel sehr dick, kalkig, innen flach, außen gewölbt.¡ Silur bis jetzt.
Die ungemein zahlreichen recenten Turbiniden werden hauptsächlich nach der Beschaffenheit der Deckel unterschieden; da aber diese bei fossilen Formen nur selten bekannt sind, so bleibt deren genauere Bestimmung meist unsicher. Es werden darum die fossilen rundmündigen Kreiselschnecken, wenn sie nicht durch besondere Eigentümlichkeiten der Schale ausgezeichnet sind, meist unter der Kollektivbezeichnung ¿Turbo¿ Lin. zusammengefaßt.
¿Omphalotrochus¿ Meek. (¡Polytropis¡ de Koninck, ¡Oriostoma¡ Lindström non Mun.-Chalm.) (Fig. 783. 784). Scheibenförmig oder niedrig konisch, weit genabelt. Umgänge rund, mit erhabenen Längskielen verziert. Deckel ungemein dick, innen eben, außen konisch, mit sehr zahlreichen, spiralen Umgängen. Silur bis Karbon. Besonders häufig im oberen Silur.
¿Cyclonema¿ Hall. (Fig. 785). Kreiselförmig, mit bauchigen Umgängen, fein spiral gestreift. Mündung rundlich, die Ränder nicht zusammenhängend. Deckel konisch, innen eben, außen mit spiralen Riefen. Silur.
¿Astralium¿ Link (Fig. 787). Kreiselförmig; Windungen rauh, blättrig oder knotig, meist gekielt. Basis mehr oder weniger abgeplattet. Mundsaum nicht zusammenhängend. Mündung niedergedrückt. Deckel dick, kalkig, innen eben, spiralgewunden. Trias bis jetzt.
Subgenera. ¿Bolma¿ Risso (Fig. 786), ¿Pachypoma¿ Gray, ¿Lithopoma¿ Gray, ¿Uvanilla¿ Gray (Fig. 787), ¿Calcar¿ Montf., ¿Guilfordia¿ Gray etc.
¿Turbo¿ Lin. (Fig. 788. 789). Kreisel- bis kegelförmig. Mündung fast kreisrund. Deckel dick, kalkig, außen konvex, innen eben und spiral. Silur (?) bis jetzt.
Subgenera. ¿Sarmaticus¿ Gray, ¿Senectus¿ Humphr., ¿Batillus¿ Schum., ¿Ninella¿ (Fig. 789), ¿Collonia¿ (Fig. 788), ¿Modelia¿, ¿Callopoma¿ Gray etc.
9. Familie. #Phasianellidae.# Troschel.
¡Schale oval verlängert, dünn, glatt, glänzend, porzellanartig, innen nicht perlmutterig, ungenabelt. Letzter Umgang groß. Mündung oval. Deckel kalkig, dick, außen konvex.¡
¿Phasianella¿ Lam. (Fig. 790). Kreide bis jetzt.
10. Familie. #Delphinulidae.# Fischer.
¡Schale kreisel- oder scheibenförmig, meist dick, innen perlmutterglänzend, außen häufig mit Stacheln, Rippen oder Falten verziert. Mündung kreisrund, mit zusammenhängenden Rändern; Außenlippe meist umgeschlagen oder verdickt. Deckel hornig, häufig außen durch eine dünne Kalkschicht verstärkt.¡
¿Craspedostoma¿ Lindström. Kugelig, eng genabelt, mit kurzem Gewinde und großem quer gestreiftem oder gegittertem letztem Umgang. Mundsaum umgeschlagen, am Spindelende mit einem flügelartigen Fortsatz. Ob. Silur. ¡C. elegantulum¡ Lindstr.
¿Crossostoma¿ Morr. Lyc. (Fig. 791). Niedrig kreiselförmig, glatt, ungenabelt. Gewinde kurz. Mündung rund, durch eine Schwiele verengt, Außenlippe etwas umgeschlagen. Trias. Jura.
¿Liotia¿ Gray (Fig. 792). Niedrig kreiselförmig, mit Querwülsten verziert; Mündung durch schwieligen Wulst verdickt. Jura bis jetzt.
¿Delphinula¿ Lam. (¡Angaria¡ Ad.) (Fig. 793. 794). Niedrig kreiselförmig genabelt. Umgänge rund, schuppig, stachelig oder spiral verziert. Mündung rundlich, ohne wulstige Verdickung. Trias bis jetzt.
11. Familie. #Trochonematidae.# Zitt.
¡Ausgestorbene pyramiden-, kreisel- bis scheibenförmige, rechts oder links gewundene, meist dünnschalige Schnecken mit innerer Perlmutterschicht. Umgänge gewölbt, mit ein oder mehreren Längskielen und etwas wellig gebogenen Querstreifen oder Querrippen. Mündung rundlich, zuweilen mit schwachem Ausguß. Deckel unbekannt, wahrscheinlich hornig.¡ Kambrium bis Kreide. Marin.
Diese in paläozoischen und namentlich im Jura ungemein häufigen, meist reichverzierten Schnecken werden bald bei den Littoriniden, bald bei den Turbiniden oder Purpuriniden untergebracht. Sie bilden eine eigene Familie, die sich am besten an die Turbiniden und Trochiden anreiht.
¿Trochonema¿ Salter. Pyramiden- bis kreiselförmig, längs gekielt und quergestreift, tief genabelt. Mündung rund. Nabel von einem Kiel umgeben. Kambrium. Silur.
¿Eunema¿ Salter (Fig. 795). Pyramidenförmig, mit hohem spitzem Gewinde, ungenabelt. Umgänge mit zwei oder mehreren spiralen Kielen und kräftigen Querstreifen. Mündung oval, unten (vorne) mit schwacher Ausbuchtung. Silur.
¿Amberleya¿ Morr. Lyc. (¡Eucyclus¡ Deslongch.) (Fig. 796). Kreisel- bis pyramidenförmig, ungenabelt; Nähte tief. Spiralkiele meist knotig oder stachelig, von kräftigen Querstreifen gekreuzt, in der unteren Hälfte der Umgänge zahlreicher als in der oberen. Mündung rundlich, zuweilen mit schwachem Ausguß. Trias bis Kreide. Häufig in Lias, Dogger und Malm.
¿Oncospira¿ Zitt. Pyramidenförmig, spiral gerippt, mit 1-2 Querwülsten auf jedem Umgang, welche ununterbrochen über die Schale fortsetzen. Jura.
¿Hamusina¿ Gemm. Links gewunden, ungenabelt, mit knotigen Längskielen. Lias.
¿Platyacra¿ v. Ammon (Fig. 797). Wie vorige, aber Apex abgeplattet, die ersten Umgänge in einer Ebene. Lias.
¿Cirrus¿ Sow. (¡Scaevola¡ Gemm.) (Fig. 798). Links gewunden, kreiselförmig; tief und weit genabelt. Gewinde zugespitzt. Umgänge mit kräftigen Querrippen und spiralen Streifen, gekielt. Trias. Lias. Dogger.
12. Familie. #Trochidae.# Ad.
¡Schale kegelförmig, kreiselförmig oder pyramidal, innen mit Perlmutterschicht; Basis mehr oder weniger abgeplattet. Mündung quer vierseitig, Mundränder nicht zusammenhängend, Innenlippe häufig mit Zahn. Deckel dünn, hornig.¡ Silur bis jetzt.
Die Gattungsbestimmung der zahlreichen fossilen Trochiden ist nicht minder schwierig als bei den Turbiniden, weil sich die paläozoischen und mesozoischen Formen schwer in die recenten Genera und Subgenera einfügen lassen, vielmehr häufig Kollektivtypen mit Merkmalen mehrerer modernen Gattungen und selbst Familien darstellen. In Ermangelung charakteristischer Kennzeichen werden sie meist unter dem Sammelnamen ¡Trochus¡ zusammengefaßt.
Aus älteren Ablagerungen sind wohl die von ~Lindström~ beschriebenen ¡Trochus¡-Arten aus dem oberen Silur von Gotland, ferner ¿Flemingia¿, ¿Glyptobasis¿ de Kon., ¿Microdoma¿ M. W. (Karbon), ¿Turbina¿ und ¿Turbonellina¿ de Kon. aus Karbon, Trias und Jura als echte Trochiden zu betrachten.
¿Trochus¿ Lin. (Fig. 800-808). Kegel- oder pyramidenförmig; Umgänge schwach gewölbt oder eben, Basis außen kantig. Innenlippe vorne häufig abgestutzt, verdickt oder mit Zähnen. Silur bis jetzt.
Subgenera. ¿Tectus¿ Montf. (Fig. 800), ¿Polydonta¿ Schum., ¿Ziziphinus¿ Leach (Fig. 801, 802), ¿Eutrochus¿ Ad., ¿Elenchus¿ Swainson, ¿Turcica¿ Ad., ¿Gibbula¿ Leach (Fig. 803), ¿Oxystele¿ Phil. (Fig. 804), ¿Monodonta¿ Lam. (Fig. 805), ¿Clanculus¿ Montf., ¿Craspedotus¿ Phil. (Fig. 806), ¿Chlorostoma¿ Swainson, ¿Osilinus¿ Phil. (Fig. 807), ¿Lewisiella¿ Stol. (Fig. 808) etc.
¿Margarita¿ Leach (Fig. 799, 809) und ¿Solariella¿ Wood. (Fig. 810) gehören ebenfalls zu den Trochiden. Tertiär und lebend.
13. Familie. #Xenophoridae#. Desh.
¡Schale kreiselförmig, ohne Perlmutterschicht. Umgänge eben, häufig mit agglutinierten Fremdkörpern bedeckt. Basis konkav oder eben, am Rand mit scharfem Kiel. Mündung quer vierseitig. Deckel hornig.¡
Die Xenophoriden sind eine altertümliche Familie, deren moderne Vertreter eine hohe Differenzierung erlangt haben. Sie besitzen neben einer großen, wohlausgebildeten, nur noch eine zweite, ganz rudimentäre Kieme und werden darum meist zu den ¡Ctenobranchina¡ gestellt. Auch die Radula erinnert mehr an die von Capuliden, Littoriniden und Strombiden, als an die der Trochiden. Die bereits im Silur vorkommenden Schalen stehen jedoch ¡Trochus¡ so außerordentlich nahe, daß an einer gemeinsamen Abstammung der beiden Familien kaum gezweifelt werden kann.
¿Onustus¿ Humphrey (¡Eotrochus¡ Whitf.) (Fig. 811). Dünnschalig, kreiselförmig, weit genabelt. Umgänge eben, selten agglutinierend. Der Außenrand der konkaven Basis durch einen blattartigen zusammengedrückten Saum gebildet. Silur. (¡O.¡ [¡Trochus¡] ¡cavus¡, ¡profundus¡ Lindström) bis jetzt.
¿Omphalopterus¿ Roem. Niedrig kreiselförmig, weit genabelt. Der breite Saum an der Basis aus zwei, durch einen Schlitz getrennten Blättern bestehend. Silur. ¡O.¡ (¡Euomphalus¡) ¡alatus¡ His. sp.
¿Clisospira¿ Bill., ¿Autodetus¿ Lindstr. Silur.
¿Xenophora¿ Fischer (¡Phorus¡ Montf.) (Fig. 812). Kreiselförmig, eng genabelt. Umgänge mit agglutinierten Fremdkörpern bedeckt. Kreide bis jetzt.
14. Familie. #Umboniidae.# Ad.
¡Kleine, meist niedrig scheibenförmige, glänzende oder fein spiral gestreifte Schälchen, ohne Perlmutterschicht. Außenlippe scharf, Mundränder nicht zusammenhängend. Nabel häufig mit Schwiele bedeckt. Deckel hornig.¡ Silur bis jetzt.
An die recenten Gattungen ¿Umbonium¿ Link (¡Rotella¡ Lam.), ¿Isanda¿ Ad., ¿Camitia¿ Gray etc. schließt sich eine Anzahl fossiler Formen an, wie ¿Pycnomphalus¿ Lindstr. aus Silur und Devon, ¿Anomphalus¿ M. W., ¿Rotellina¿ de Kon. aus dem Kohlenkalk, ¿Chrysostoma¿ (Fig. 813) aus dem Jura u. a., die höchst wahrscheinlich als Vorläufer der Umboniiden zu betrachten sind.
Ob die Gattungen ¿Teinostoma¿ (Fig. 814) und ¿Vitrinella¿ Ad., auf welche auch zahlreiche fossile Formen aus Karbon, Trias, Jura, Kreide und Tertiär bezogen werden, zu dieser Familie gehören, ist zweifelhaft. ¿Helicocryptus¿ d'Orb. (Fig. 815) aus Jura und Kreide steht ¿Vitrinella¿ nahe.
Auch die kleinen, glänzenden Schälchen von ¿Cyclostrema¿ Marryat, sowie die spiral gestreiften ¿Adeorbis¿ S. Wood. (Fig. 816) haben große Ähnlichkeit mit Umboniiden, bilden nach ~Fischer~ aber besondere Familien. Von beiden kommen fossile Arten im Tertiär vor.
15. Familie. #Neritopsidae.# Fischer.
¡Schale mit kurzem, zuweilen seitwärts gedrehtem Gewinde, oval bis halbkugelig, ungenabelt, ohne Perlmutterschicht. Letzter Umgang sehr groß. Mündung oval oder halbkreisförmig. Innenlippe schwielig verdickt, gebogen, zuweilen mit Ausschnitt. Deckel kalkig, nicht spiral, mit subzentralem Nucleus, innen mit schwielig verdicktem Columellarrand, welcher in der Mitte einen breiten, eckigen oder abgerundeten Vorsprung bildet.¡
Die Neritopsiden unterscheiden sich von den nahe verwandten Neritiden hauptsächlich durch den total abweichenden, nicht spiralen Deckel, welcher unter den Namen ¿Peltarion¿, ¿Scaphanidia¿, ¿Cyclidia¿ und ¿Rhynchidia¿ beschrieben wurde. Die ersten Umgänge werden nicht wie bei den Neritiden resorbiert. Devon bis jetzt.
¿Naticopsis¿ M'Coy (¡Neritomopsis¡ Waagen) (Fig. 817-819). Glatt oder quer gestreift, oval bis kugelig: Mündung oval. Innenlippe abgeplattet, etwas schwielig, gebogen, zuweilen quer gestreift. Sehr häufig in Karbon und Trias; seltener im Devon.
¿Hologyra¿ Koken. Glatt, halbkugelig, Nähte wenig vertieft, das kurze, seitlich gelegene Gewinde innerlich nicht resorbiert. Innenlippe abgeplattet, schwielig, den Nabel bedeckend, mit scharfem Rand. Trias häufig. An manchen Arten hat sich die ursprüngliche Färbung trefflich erhalten.
¿Marmolatella¿ Kittl. Ohr- bis mützenförmig, mit sehr kurzem eingekrümmtem und fast randständigem Gewinde. Letzter Umgang sehr ausgebreitet. Innenlippe schwielig verdickt, breit, gebogen. Trias. ¡M.¡ (¡Ostrea¡) ¡stomatia¡ Stopp. sp., ¡M. Telleri¡ Kittl sp.
¿Natiria¿ de Kon. Silur bis Karbon.
¿Naticella¿ Münst. (Fig. 820.) Dünnschalig, Gewinde gerade, niedrig, letzter Umgang groß, quer gerippt. Trias.
¿Palaeonarica¿ Kittl (¡Pseudofossarus¡ Koken). Trias.
¿Platychilina¿ Koken (¡Fossariopsis¡ Laube). Gewinde niedrig, gerade. Letzter Umgang groß, Oberfläche rauh, mit Höckern bedeckt. Innenlippe eben, glatt, mit einfachem Rand. Trias. ¡P. pustulosa¡ Mstr. sp.
¿Delphinulopsis¿ Laube. Wie vorige, jedoch Gewinde aus lose verbundenen Umgängen bestehend. Naht tief. Letzter Umgang mit knotigen Längskielen. Innenlippe eben, mit scharfem Innenrand. Trias. ¡D. binodosa¡ Mst. sp.
¿Neritopsis¿ Grat. (Fig. 821. 822). Gewinde niedrig, letzter Umgang sehr groß. Oberfläche mit spiralen und queren Rippen oder Knoten, häufig gegittert. Innenlippe verdickt, mit breitem, eckigem Ausschnitt in der Mitte. Trias bis jetzt.
16. Familie. #Neritidae.# Lam.
¡Schale halbkugelig, ungenabelt, ohne Perlmutterschicht. Gewinde sehr kurz, auf die Seite gerückt, Umgänge rasch zunehmend; der letzte sehr groß, die ersten im Innern resorbiert. Mündung halbkreisförmig. Rand der abgeplatteten oder schwielig verdickten Innenlippe häufig mit Zähnen. Deckel kalkig, mit seitlichem, spiralem Nucleus und Muskelfortsatz auf der Innenseite.¡ Trias bis jetzt.
Die Neritiden sind teils Meeres-, teils Süßwasserbewohner; erstere leben meist in der Nähe der Küste, letztere häufig auch im Brackwasser. Sie resorbieren im Innern die ersten Umgänge, so daß Steinkerne nichts vom Gewinde erkennen lassen. Dieses Merkmal, sowie die Gestalt des Deckels unterscheidet sie hauptsächlich von ¡Naticopsis¡, aus denen sie wahrscheinlich, wie die terrestrischen ¡Helicinidae¡ hervorgegangen sind. An fossilen Arten erhalten sich nicht selten Reste der Färbung.
¿Neritaria¿ Koken (¡Protonerita¡ Kittl). Gewinde zugespitzt, Nähte vertieft. Oberfläche glatt. Außenlippe scharf. Innenlippe schwielig, abgeplattet. Resorption der inneren Scheidewände unvollständig. Trias.
¿Nerita¿ Lin. (Fig. 823). Dick, oval oder halbkugelig, glatt oder spiral gerippt. Innenlippe schwielig, abgeplattet, mit geradem, häufig gezähneltem Innenrand. Deckel kalkig, subspiral, mit seitlichem Nucleus. Trias (?) bis jetzt.
¿Oncochilus¿ Pethö (Fig. 824). Glatt. Innenlippe gewölbt, schwielig, am Rand mit 2-3 Zähnen oder glatt. Außenlippe scharf. Trias. Jura.
¿Lissochilus¿ Pethö (Fig. 825). Jura. ¿Neritodomus¿ Morr. Lyc. ¿Neritoma¿ Morris. Jura. ¿Otostoma¿ d'Arch. Kreide. ¿Dejanira¿ Stol. Kreide.
¿Velates¿ Montf. (Fig. 826). Niedrig kegelförmig, nur die gekrümmte Spitze des Gewindes sichtbar. Letzter Umgang sehr groß. Innenlippe konvex oder eben, mit geradem, gezahntem Innenrand. Häufig im Eocän; wird zuweilen 10-12 cm groß.
¿Neritina¿ Lam. (Fig. 827). Klein, halbkugelig, glänzend, glatt oder mit Stacheln, meist bunt gefärbt. Innenlippe abgeplattet, mit scharfem oder fein gezähntem Innenrand. Außenlippe scharf. In Brack- oder Süßwasser. Häufig im Tertiär und Jetztzeit; die angeblich mesozoischen Formen gehören meist zu ¡Nerita¡.
¿Pileolus¿ Sow. (Fig. 828). Klein, napfförmig bis niedrig kegelförmig, elliptisch oder rund. Wirbel schwach nach hinten gekrümmt. Nur letzter Umgang sichtbar. Mündung halbkreisförmig. Innenlippe breit, schwielig. Jura bis Eocän.
3. Unterordnung. #Ctenobranchina.# Schweigg. Kammkiemener.
(¡Pectinibranchia¡ Cuv., ¡Azygobranchia¡ Ihering, ¡Monotocardia¡ Bouvier.)
¡Rechte Nackenkieme kammförmig, sehr umfangreich und meist durch Drehung des Rumpfes nach links gerückt, die linke Kieme verkümmert. Herz mit einer Vorkammer. Radula schmal, sehr mannigfaltig zusammengesetzt. Schale in Schneckenspirale gewunden, selten napf- oder mützenförmig.¡
Die Ctenobranchier bilden die formenreichste Gruppe der Prosobranchier. Sie leben vorwiegend im Meer, teilweise auch im süßen Wasser oder auf dem Lande, beginnen im Silur und erlangen ihre Hauptverbreitung in mesozoischen und tertiären Ablagerungen und in der Jetztzeit. Man hat dieselben nach der Beschaffenheit der Mündung in ¡Holostomata¡ und ¡Siphonostomata¡ zerlegt, aber diese lediglich auf die Schale basierten Gruppen finden in den anatomischen Merkmalen keine Begründung. Die Einteilung nach dem Bau der Radula in ¡Ptenoglossa¡, ¡Taenioglossa¡, ¡Rachiglossa¡ und ¡Toxoglossa¡ nach ~Troschel~ oder in ¡Taenioglossa¡ und ¡Stenoglossa¡ nach ~Bouvier~ ist paläontologisch nicht verwertbar.
1. Familie. #Solariidae.# Chenu.
¡Schale niedrig kegelförmig, tief und weit genabelt, ohne Perlmutterschicht. Umgänge kantig. Deckel hornig oder kalkig, spiral. Embryonalgewinde heterostroph.¡ Kreide, tertiär und lebend. Marin.
Die ¡Solariidae¡ sind wahrscheinlich aus den Euomphaliden hervorgegangen, von denen sie sich hauptsächlich durch das heterostrophe Embryonalgewinde und den Mangel eines Ausschnittes der Außenlippe unterscheiden.
¿Solarium¿ Lam. (Fig. 829. 830). Niedrig konisch, außen kantig. Mündung viereckig. Nabel weit und tief, die Nabelkante gekerbt oder scharf. Deckel hornig. Jura bis jetzt. Ein Teil der mesozoischen Solarien dürfte zu ¡Euomphalus¡ gehören.
¿Torinia¿ Gray. Tertiär und lebend. ¿Bifrontia¿ Desh. (¡Omalaxis¡ Desh.). Eocän.
2. Familie. #Purpurinidae.# Zitt.
¡Dickschalige, ovale Schnecken mit treppenförmigem Gewinde, ohne Perlmutterschicht. Umgänge unter der Naht abgeplattet und kantig. Die Kante häufig mit Knoten besetzt; letzter Umgang groß. Mündung oval, vorne mit Ausguß, Ränder getrennt. Deckel unbekannt.¡ Silur bis Kreide.
¿Scalites¿ Conrad. Gewinde kurz, zugespitzt, treppenartig; Umgänge unter der Naht abgeplattet mit scharfem Kiel, letzter Umgang sehr groß, glatt. Mündung mit schwachem Ausguß. Silur bis Trias.
¿Trachydomia¿ M. W. Karbon. ¿Trachynerita¿ Kittl. Trias.
¿Pseudoscalites¿ Kittl, ¿Tretospira¿ Kok. Trias.
¿Purpurina¿ d'Orb. Länglich oval. Windungen oben kantig, spiral gerippt, mit queren Falten oder Rippen, reich verziert, häufig mit Nabelspalte. Mündung oval, vorne mit Ausguß. Rhät. Lias. Jura.
¿Purpuroidea¿ Lycett (Fig. 831). Oval, dickschalig. Gewinde treppenförmig, die abgeplattete Fläche unter der Naht von einer Knotenreihe begrenzt. Letzter Umgang bauchig, glatt. Außenlippe dünn. Mündung vorne mit kanalartigem Ausguß. Jura und Kreide.
¿Brachytrema¿ Morr. Lyc., ¿Tomocheilus¿ Gemm. Jura.
3. Familie. #Littorinidae.# Gray.
¡Schale kreiselförmig, ohne Perlmutterschicht, meist glatt oder spiral verziert. Mündung rundlich. Außenlippe scharf. Deckel hornig, paucispiral.¡ Silur bis jetzt. Marin.
Die Schalen der Littoriniden unterscheiden sich von den Turbiniden und Trochiden lediglich durch den Mangel einer Perlmutterschicht. Die Tiere dagegen weichen beträchtlich ab. Bei den ersteren sind zwei fast gleichmäßig entwickelte, bei den Littoriniden nur eine Kieme vorhanden; das Herz hat bei den ersteren zwei, bei den Littoriniden nur eine Vorkammer, die Radulae der Turbiniden und Trochiden sind rhipidogloß, die der Littoriniden täniogloß. Obwohl demnach die Littoriniden von den Zoologen zu den ¡Ctenobranchina¡, die Kreiselschnecken zu den ¡Aspidobranchina¡ gestellt werden, so erscheint es doch kaum zweifelhaft, daß die paläozoischen Littoriniden den Turbiniden und Trochiden sehr nahe standen und wahrscheinlich erst spät ihre heutige Differenzierung erlangten.
Die ausgestorbenen Gattungen ¿Holopea¿ Hall (Silur und Devon) ¿Turbonitella¿ de Kon. (Devon und Karbon) (Fig. 832), ¿Portlockia¿, ¿Turbinilopsis¿, ¿Rhabdopleura¿ de Kon. (Karbon) und ¿Lacunina¿ Kittl aus der Trias zeigen große Ähnlichkeit mit ¡Littorina¡, werden jedoch vielfach auch zu den Trochiden oder Turbiniden gestellt.
¿Littorina¿ Fér. (Fig. 833). Dickschalig, kreiselförmig bis kugelig, glatt oder spiral gestreift, ungenabelt. Mündung eiförmig. Jura bis jetzt.
¿Lacuna¿ Turton (Fig. 834). Wie vorige, aber Mündung vorne mit schwachem Ausguß. Tertiär und lebend.
¿Lacunella¿ Desh. (Eocän), ¿Litiope¿ Rang, ¿Planaxis¿ Lam., ¿Quoyia¿ Desh. (Tertiär und lebend) etc.
Die Gattung ¿Fossarus¿ Phil. (Fig. 835) bildet nach ~Fischer~ eine besondere Familie.
4. Familie. #Cyclostomidae.# Menke.
¡Schale sehr verschieden gestaltet, kreisel- bis scheibenförmig oder turmförmig, mit Epidermis. Mündung kreisrund, die Ränder meist zusammenhängend. Deckel hornig oder kalkig, spiral.¡ Kreide bis jetzt. Landbewohner.
Die Tiere besitzen statt der Kiemen eine seitliche Atemhöhle, wie die Lungenschnecken; in ihrer sonstigen Organisation stehen sie den Littoriniden, bei denen die Kieme ebenfalls bereits stark verkümmert ist, sehr nahe. Die Schalen sind außerordentlich variabel. Es sind über 600 lebende Arten aus allen Teilen der Erde, namentlich aus den Tropenländern, bekannt. Die fossilen Formen beginnen in der mittleren Kreide und finden sich in Süßwasserablagerungen.
¿Cyclostoma¿ Lam. (Fig. 836). Kreiselförmig, mit kalkigem, spiralem Deckel. Tertiär und lebend.
¿Otopoma¿, ¿Tudora¿ Gray. Tertiär und lebend.
¿Megalomostoma¿ Guilding. Kreisel- bis puppenförmig, meist glatt. Mundränder dick, Außenlippe umgeschlagen. Deckel hornig. Kreide bis jetzt. ¡M. mumia¡ Lam. sp.
¿Pomatias¿ Studer (Fig. 837). Turmförmig, quer gestreift. Mundränder umgeschlagen. Deckel hornig. Tertiär bis jetzt.
¿Leptopoma¿ Pfeiff., ¿Cyclophorus¿ Montf., ¿Craspedopoma¿ Pfeiff., ¿Cyclotus¿ Guilding (Fig. 838) etc. Ob. Kreide bis jetzt.
¿Strophostoma¿ Desh. (Fig. 839). Ob. Kreide bis Miocän.
5. Familie. #Capulidae.# Cuv.
¡Schale napf-, mützenförmig oder oval, unregelmäßig, mit spiral gekrümmtem Wirbel, zuweilen auch aus mehreren niedrigen Umgängen zusammengesetzt. Letzter Umgang sehr groß. Mündung weit. Deckel fehlt.¡ Kambrium bis jetzt. Marin.
Verschiedene der hierher gehörigen Gattungen bewegen sich sehr wenig und bleiben fast zeitlebens an einer Unterlage haften, der sie sich allmählich anpassen.
¿Stenotheca¿ Salter. Kleine mützenförmige, konzentrisch gestreifte oder gefurchte Schälchen mit schwach eingekrümmtem, weit nach hinten gerücktem Wirbel. Unt. Kambrium.
¿Capulus¿ Montf. (¡Pileopsis¡ Lam., ¡Brocchia¡ Bronn.) (Fig. 840. 841). Unregelmäßig konisch oder mützenförmig. Wirbel nach hinten gerückt, mehr oder weniger spiral eingerollt. Mündung weit, rundlich oder unregelmäßig. Im Innern ein hufeisenförmiger Muskeleindruck. Ungemein häufig in kambrischen, silurischen, devonischen und karbonischen Ablagerungen; spärlicher in Trias, Jura, Kreide, Tertiär und Jetztzeit.
¿Orthonychia¿ Hall (¡Igoceras¡ Hall) (Fig. 842). Schale konisch, gerade oder schwach gebogen, häufig gefaltet. Wirbel kaum spiral. Silur bis Karbon.
¿Platyceras¿ Conrad (¡Acroculia¡ Phill.) (Fig. 843). Wirbel gekrümmt und spiral eingerollt. Oberfläche glatt, gestreift, gefaltet oder mit Stacheln bedeckt. Kambrium bis Trias.
¿Platyostoma¿ Conrad (¡Strophostylus¡ Hall) (Fig. 844). Schale aus mehreren, sehr rasch anwachsenden Umgängen bestehend. Gewinde niedrig; letzter Umgang sehr groß. Innenlippe umgeschlagen und etwas verdickt. Mündung sehr groß. Silur bis Karbon.
¿Horiostoma¿ Mun.-Chalmas (Fig. 845). Dickschalig, spiral gerippt mit kurzem seitlichem Gewinde, weit genabelt. Devon.
¿Tubina¿ Barr., Silur.
¿Hipponyx¿ Defr. (¡Cochlolepas¡ Klein) (Fig. 846). Dickschalig, schief kegelförmig bis napfförmig. Wirbel gerade, selten spiral, weit nach hinten gerückt. Mündung oval oder rundlich, im Innern ein hufeisenförmiger Muskeleindruck. Der Fuß sondert häufig eine dicke, deckelartige Kalkscheibe ab. Kreide bis jetzt.
¿Rothpletzia¿ Simonelli. Tertiär.
¿Galerus¿ Gray. (¡Calyptraea¡ p. p. Lam.) (Fig. 847). Dünnschalig, konisch; Wirbel zentral, spiral. Umgänge eben, häufig stachelig. Basis horizontal. Mündung niedrig, weit. Kreide bis jetzt.
¿Crepidula¿ Lam. (Fig. 848). Länglich oval, flach oder gewölbt, pantoffelförmig. Wirbel am hinteren Ende, fast randständig, etwas gekrümmt. Mündung sehr verlängert, weit; Innenlippe durch ein dünnes horizontales Blatt gebildet. Kreide bis jetzt.
¿Crucibulum¿ Schum., ¿Calyptraea¿ Lam. Tertiär. Recent.
6. Familie. #Naticidae.# Forbes.
¡Schale mit kurzem Gewinde und großem letztem Umgang. Mündung halbkreisförmig bis oval, hinten winklig, vorne breit abgerundet. Deckel kalkig oder hornig, paucispiral.¡ Trias bis jetzt. Marin.
Die Unterscheidung fossiler Naticiden von ¡Naticopsis¡, ¡Nerita¡ und ¡Ampullaria¡ bietet große Schwierigkeiten, da öfters die Schalen fast übereinstimmende Merkmale besitzen, und nur die fossil nicht erhaltenen Deckel differieren.
¿Sigaretus¿ Lam. (Fig. 849). Schale niedergedrückt, ohrförmig, spiral gestreift oder gefurcht. Gewinde sehr niedrig, Umgänge rasch zunehmend. Mündung stark erweitert Deckel hornig. Tertiär und lebend.
¿Natica¿ Lam. (Fig. 850 bis 853). Kugelig, halbkugelig, eiförmig bis pyramidal, glatt und glänzend, selten spiral gestreift, genabelt oder ungenabelt. Nabel häufig durch eine Schwiele ganz oder teilweise ausgefüllt. Mündung halbrund oder oval. Außenlippe scharf, Innenlippe schwielig verdickt. Deckel kalkig oder hornig, mit exzentrischem Nucleus. Trias bis jetzt, ungemein häufig.
Subgenera: ¿Ampullina¿ Lam. (Fig. 849), ¿Amauropsis¿ Mörch (Fig. 850. 851), ¿Amaura¿ Möll., ¿Lunatia¿ Gray, ¿Cernina¿ Gray, ¿Neverita¿ Risso, ¿Mamilla¿ Schum. etc.
¿Deshayesia¿ Raul. (Fig. 854). Wie ¡Natica¡, aber Innenlippe mit dicker Schwiele und gezähnt. Miocän und Pliocän.
7. Familie. #Ampullariidae.# Gray.
Die Ampullarien leben in süßen oder brackischen Gewässern von Afrika, Asien und im tropischen Amerika. Ihre Schalen sind teilweise nicht von ¡Natica¡ zu unterscheiden. Die Tiere besitzen über der rechten Kieme noch eine Lungenhöhle. Fossile Ampullarien kommen in Süßwasserablagerungen der obersten Kreide von Rognac bei Marseille und im älteren Tertiär vor.
8. Familie. #Valvatidae.# Gray.
¡Schale aus wenigen Windungen zusammengesetzt, konisch oder scheibenförmig, genabelt. Mündung rund, Ränder zusammenhängend. Deckel hornig, kreisrund, multispiral.¡ Ob. Jura bis jetzt.
Die Gattung ¿Valvata¿ Müll. (Fig. 855) ist klein und meist kreisel- bis scheibenförmig. Sie enthält ca. 25 in süßen Gewässern von Europa und Nordamerika lebende Arten, beginnt fossil in Purbeckschichten, wird aber erst im Tertiär etwas häufiger.
9. Familie. #Paludinidae.# Gray.
¡Schale konisch bis turmförmig, mit dicker Epidermis, ungenabelt oder mit enger Nabelspalte. Umgänge glatt, gewölbt oder kantig. Mündung rundlich oval, hinten winklig, Ränder zusammenhängend. Deckel hornig, konzentrisch, mit etwas seitlichem Nucleus.¡ Jura bis jetzt. Häufig in süßen, sumpfigen, seltener auch in brackischen Gewässern, fast über die ganze Erde verbreitet.
¿Paludina¿ Lam. (Fig. 856) ist die einzige Gattung dieser Familie, von welcher bereits typische Arten im Wälderton auftreten. Die glatten, dünnschaligen Formen werden als ¿Vivipara¿ Lam., die nordamerikanischen dickschaligen glatten Arten mit verdickter Innenlippe als ¿Campeloma¿ Ref. (¿Melantho¿ Bowd.) unterschieden, die gegenwärtig in Nordamerika und China verbreiteten Formen mit kantigen Umgängen als ¿Tulotoma¿ Haldem. bezeichnet. Weitere Subgenera sind ¿Lioplax¿ Troschel, ¿Laguncula¿ Benson, ¿Tylopoma¿, ¿Boskovicia¿ Brusina.
Die in den pliocänen Paludinenschichten von Südungarn, Kroatien, Slavonien, Rumänien und auf der Insel Cos massenhaft vorkommenden Paludinen zeichnen sich durch außerordentliche Variabilität aus. ~Neumayr~ hat daselbst eine Anzahl Formenreihen beschrieben, welche mit glatten Viviparen beginnen und mit kantigen Tulotomen endigen.
10. Familie. #Hydrobiidae.# Fischer.
¡Schale kreisel- bis turmförmig, klein, meist dünn, glatt, quer gerippt oder gekielt. Mündung rundlich oder oval. Deckel hornig oder kalkig, spiral oder konzentrisch.¡ Süßwasser- oder Brackwasserbewohner, die zum Teil das Wasser für längere Zeit verlassen können. Die zahlreichen Gattungen dieser Familie sind schwierig zu unterscheiden und alle von geringer Größe.
¿Bythinia¿ Leach. (Fig. 857). Kreiselförmig, dünnschalig, mit Nabelspalte. Mundränder zusammenhängend, Außenlippe scharf, Deckel kalkig, konzentrisch. Wälderton. Tertiär und lebend.
¿Stalioa¿ Brusina. Außenlippe verdickt. Deckel kalkig. Kreide. Eocän und Miocän.
¿Fossarulus¿ Neumayr. Wie vorige, aber mit Spiralrippen. Ob. Miocän.
¿Nematura¿ Benson (¡Stenothyra¡ Benson) (Fig. 858). Wie Bythinia, aber Mündung verengt. Deckel kalkig, spiral. Tertiär und lebend.
¿Nystia¿ Tourn. (¡Forbesia¡ Nyst.) (Fig. 859). Außenlippe umgeschlagen. Deckel kalkig, spiral. Tertiär und lebend.
¿Assiminea¿ Leach. Tertiär und lebend.
¿Hydrobia¿ Hartm. (¡Littorinella¡ Braun, ¡Tournoueria¡ Brusina) (Fig. 860). Kegel- bis turmförmig, zugespitzt, glatt. Mündung oval. Deckel hornig, paucispiral. Kreide. Tertiär und lebend. Der untermiocäne Indusienkalk der Auvergne besteht fast ganz aus Schälchen der ¡H. Dubuissoni¡ Bouill., der gleichalterige Littorinellenkalk des Mainzer Beckens aus ¡H. acuta¡ Braun. Der Süßwasserkalk von Nördlingen enthält ganze Bänke von ¡H. trochulus¡ Sandb.; der obereocäne Mergel von St. Ouen ist erfüllt mit ¡H. pusilla¡ Prév. sp.
Subgenera: ¿Bithynella¿ Mog., ¿Amnicola¿ Gould., ¿Belgrandia¿, ¿Lartetia¿ Bourgingnat, ¿Lapparentia¿ Berthelin.
¿Pyrgula¿ Christofori u. Jan. (Fig. 861 ¡a¡). Turmförmig, Umgänge gekielt oder quer gerippt. Mundränder zusammenhängend. Tertiär und lebend.
Subgenera: ¿Micromelania¿ Brus. (Fig. 861 ¡b¡), ¿Mohrensternia¿ Stol. (Fig. 861 ¡c¡), ¿Pyrgidium¿ Tournouer, ¿Prososthenia¿ Neumayr. Tertiär.
¿Lithoglyphus¿ Ziegl. (Fig. 862). Kugelig, eiförmig, niedrig. Mündung schief oval. Innenlippe verdickt. Tertiär und lebend.
11. Familie. #Rissoidae.# Troschel.
¡Schale klein, dick, kreisel- bis turmförmig, meist gerippt oder spiral gestreift, selten glatt. Mündung oval, hinten winklig, vorne häufig mit Ausguß. Deckel hornig, paucispiral.¡ Jura bis jetzt.
¿Rissoina¿ d'Orb. (Fig. 863). Turmförmig, quer gerippt, selten glatt. Außenlippe gebogen, meist etwas verdickt. Mündung mit Ausguß. Dogger bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär.
¿Rissoa¿ Frém. (¡Alvania¡ Risso) (Fig. 864). Kreiselförmig bis turmförmig, quer gerippt oder gegittert. Mündung ohne Ausguß. Jura bis jetzt.
12. Familie. #Scalariidae.# Brod.
¡Schale turmförmig, meist eng genabelt; Umgänge gewölbt, quer gerippt oder gestreift. Mündung rund, die Mundränder zusammenhängend. Deckel hornig, paucispiral.¡ Silur bis jetzt. Marin.
¿Holopella¿ M'Coy (¡Aclisina¡ de Kon.). Schlank, turmförmig, Umgänge gewölbt, fein quergestreift, zuweilen gegittert. Mündung rund, mit zusammenhängenden Mundrändern. Silur bis Karbon.
¿Callonema¿ Hall (¡Isonema¡ M. W.). Turmförmig, oval bis kugelig; Umgänge gewölbt, mit lamellenartigen Querrippen bedeckt. Mündung kreisrund. Silur. Devon.
¿Scoliostoma¿ Braun. Devon. ¿Chilocyclus¿ Braun (¡Cochlearia¡ Braun). Trias.
¿Scalaria¿ Lam. (¡Scala¡ Klein, ¡Cirsotrema¡ Mörch.) (Fig. 865). Turmförmig, Umgänge stark gewölbt, mit Querrippen, häufig auch spiral gestreift. Mündung rund, Außenlippe zuweilen verdickt. Trias bis jetzt.
13. Familie. #Turritellidae.# Gray.
¡Schale hoch turmförmig, zugespitzt. Umgänge zahlreich, meist spiral gerippt oder gestreift. Mündung oval, rundlich bis vierseitig, vorne zuweilen mit schwachem Ausguß. Außenlippe dünn, nicht mit der Innenlippe zusammenhängend. Deckel hornig, polyspiral.¡ Trias bis jetzt. Marin.
¿Turritella¿ Lam. (Fig. 866. 867). Turmförmig, sehr lang. Mündung oval oder vierseitig, ganz, Außenlippe dünn. Trias bis jetzt. Hauptverbreitung im Tertiär. Die älteren mesozoischen Arten meist klein.
Subgenera: ¿Mesalia¿ Gray. Wie vorige, aber Mündung vorne mit seichtem Ausguß und gedrehter Innenlippe. Tertiär bis jetzt. ¿Protoma¿ Baird (¡Proto¡ p. p. Defr.). Mündung oval, vorne mit kanalartigem Ausguß, der außen von einem verdickten Wulst umgeben ist. Tertiär und lebend. ¡P. cathedralis¡ Brgt.
¿Glauconia¿ Giebel (¡Omphalia¡ Zekeli, ¡Cassiope¡ Coq.) (Fig. 868). Dickschalig, kegel- bis turmförmig, eng genabelt. Umgänge mit spiralen Rippen, selten glatt. Mündung oval, mit schwachem Ausguß. Außenlippe vorne und in der Mitte ausgebuchtet. Häufig in der Kreide.
14. Familie. #Vermetidae.# Ad.
¡Schale röhrenförmig, die ersten Umgänge spiral, die späteren unregelmäßig gewunden, frei oder festgewachsen. Mündung rund. Deckel hornig oder fehlend.¡ Karbon bis jetzt.
Fossile ¡Vermetidae¡ sind leicht mit ¡Serpula¡ zu verwechseln, unterscheiden sich jedoch durch abweichende Schalenstruktur und spirales Anfangsgewinde. Die Bestimmung der wenigen paläozoischen und mesozoischen Formen ist unsicher.
¿Vermetus¿ Ad. (Fig. 869, 870). Meist festgewachsen, unregelmäßig röhrenförmig, inwendig glasartig, öfters mit Scheidewänden. Karbon(?) bis jetzt; häufig im Tertiär.
¿Siliquaria¿ Brug. (Fig. 871). Frei, spiral gewunden, aber Umgänge lose aufgerollt. Mündung seitlich, mit Schlitz, welcher sich als feine Spalte oder Porenreihe auf der ganzen Länge der Schale fortsetzt. Kreide bis jetzt.
15. Familie. #Caecidae.# Ad.
¡Kleine, in der Jugend scheibenförmige, später röhrenförmige gebogene Schalen. Die abgeworfene Spitze durch eine Scheidewand ersetzt. Deckel rund, hornig.¡ Tertiär und lebend.
¿Caecum¿ Flem. Etwa 100 lebende und 15 tertiäre Arten bekannt.
¿Orygoceras.¿ Brusina. Parmonische Stufe.
16. Familie. #Pyramidellidae.# Gray.
¡Schale turmförmig bis länglich eiförmig. Mündung oval, vorne gerundet oder mit schwachem Ausguß, Außenlippe scharf. Deckel hornig, spiral.¡ Kambrium bis jetzt. Marin.
Das Embryonalgewinde besteht aus mehreren Umgängen und zeigt wie bei den paläozoischen und mesozoischen Gattungen gleiche Drehung wie die übrige Schale; bei den jüngeren Gattungen ist dasselbe heterostroph, deutlich von der übrigen Schale geschieden und bildet mit dieser zuweilen einen Winkel.
¿Macrocheilus¿ Phil. (¡Macrochilina¡ Bayle, ¡Strobeus¡ de Kon.) (Fig. 872). Länglich oval, ungenabelt, glatt oder mit etwas gebogenen Zuwachsstreifen. Gewinde spitz, nur mäßig hoch; letzter Umgang groß. Mündung hinten winklig, vorne zuweilen mit schwachem Ausguß. Innenlippe vorne mit stumpfer Falte. Silur bis Trias.
¿? Ptychostoma¿ Laube. Trias.
¿Loxonema¿ Phill. Turmförmig; Umgänge gewölbt, mit S-förmig gebogenen Zuwachsstreifen, Nähte vertieft. Mündung höher als breit, mit schwachem Ausguß. Silur bis Trias; besonders häufig im Kohlenkalk.
¿Zygopleura¿ Koken. Wie vorige, aber Umgänge mit scharfen, leicht gebogenen Querrippen oder quer geknotetem Kiel. Devon bis untere Kreide.
¿Bourguetia¿ Desh. (¡Pithodea¡ de Kon.). Länglich oval bis turmförmig, groß, letzter Umgang groß, bauchig. Oberfläche mit spiralen Streifen oder Furchen. Ob. Jura und Karbon.
¿Pseudomelania¿ Pictet (¡Chemnitzia¡ p. p. d'Orb.) (Fig. 873). Turmförmig, mit zahlreichen fast ebenen Umgängen und wenig vertieften Nähten, glatt oder mit feinen Zuwachsstreifen, ungenabelt, selten mit Nabelritze. Mündung vorne gerundet oder mit schwachem Ausguß. Sehr häufig in Trias, Jura, seltener in Kreide, Eocän, wahrscheinlich schon im Kohlenkalk.
Subgenera: ¿Oonia¿, ¿Microschiza¿ Gemm. Trias. Jura. ¿Coelostylina¿, ¿Eustylus¿, ¿Spirostylus¿ Kittl. Trias. ¿Hypsipleura¿, ¿Anoptychia¿ Kok. Trias. Jura. ¿Bayania¿ Mun.-Chalmas (Fig. 874) Eocän.
¿Pustularia¿ Koken. Turmförmig, Umgänge eben, mit drei oder mehr spiralen Knotenreihen. Naht rinnenförmig vertieft. Mündung mit Ausguß. Trias.
¿? Undularia¿ Koken. Trias.
¿Catosira¿ Koken. Umgänge eben, mit Querfalten, Basis mit Spiralfurchen. Mündung mit Ausguß. Trias. Jura.
¿Diastoma¿ Desh. (Fig. 875). Wie vorige, aber Mündung vom letzten Umgang losgelöst. Umgänge mit Querrippen und Spiralstreifen. Kreide. Tertiär.
¿Mathilda¿ Semper (¡Promathilda¡ Andreae). Turmförmig; Umgänge spiral und quergestreift oder berippt. Mündung mit Ausguß. Embryonalgewinde heterostroph. Jura bis jetzt.
¿Keilostoma¿ Desh. (¡Paryphostoma¡ Bayan) (Fig. 876). Turmförmig, spiral gestreift. Außenlippe äußerlich mit stark verdicktem Saum. Eocän.
¿Turbonilla¿ Risso (¡Chemnitzia¡ p. p. d'Orb.) (Fig. 877). Turmförmig, klein, mit heterostrophem Embryonalgewinde. Umgänge quer gerippt oder glatt. Innenlippe gerade, oben zuweilen mit Falte. Tertiär und lebend.
¿Odontostoma¿ Fleming (Fig. 879), ¿Pyramidella¿ Lam. (Fig. 878). Kreide. Tertiär und Recent.
¿Syrnola¿ Ad., ¿Eulimella¿ Fischer. Tertiär und lebend.
¿Eulima¿ Risso (Fig. 880). Turmförmig, glatt, glänzend, ungenabelt, klein. Embryonalgewinde heterostroph. Trias bis jetzt.
¿Niso¿ Risso (Fig. 881). Wie vorige, aber mit tiefem, bis zur Spitze reichendem Nabel. Trias bis jetzt.
¿Palaeoniso¿ Gemm. Trias. Jura.
Die Gattungen ¿Subulites¿ Conrad (= ¡? Polyphemopsis¡ Portlock) (Kambrium bis Karbon), ¿Fusispira¿ Hall (Silur) und ¿Soleniscus¿ M. W. sind durch schmale, vorne kanalartig verlängerte Mündung ausgezeichnet und bilden wahrscheinlich eine selbständige Familie, zu welcher wohl auch ¿Euchrysalis¿ Laube (Fig. 882) aus der Trias gehört.
17. Familie. #Melaniidae# (Lam.). Gray.
¡Schale turmförmig bis oval, mit dicker, dunkler Epidermis. Spitze meist abgestutzt und korrodiert. Mündung eiförmig, zuweilen mit Ausguß. Deckel hornig, spiral.¡ In süßen, seltener brackischen Gewässern von Südeuropa und den wärmeren Zonen von Afrika, Asien und Amerika. Fossil vom Jura an.
¿Melania¿ Lam. (Fig. 883). Turmförmig bis oval, glatt, spiral gestreift, quer gerippt oder mit Knoten. Mündung oval, vorne gerundet.
¿Stomatopsis¿ Stache. Umgänge treppenförmig, mit starken Querrippen. Mündung rundlich, die Mundränder zusammenhängend, verdickt und umgeschlagen. Unterstes Eocän (Cosina-Schichten) von Istrien und Dalmatien.
¿Pyrgulifera¿ Meek. (¡Paramelania¡ Smith, ¡Hantkenia¡ Mun.-Chalm.) (Fig. 884). Länglich, oval, dickschalig, mit treppenförmigen, quer gerippten und spiral gestreiften Umgängen. Mündung oval, zuweilen mit sehr schwachem Ausguß. Obere Kreide von Europa und Nordamerika und lebend im Tanganyka-See.
¿Fascinella¿ Stache, ¿Coptostylus¿ Sandb., ¿Faunus¿ Montf., ¿Hemisinus¿ Swainson. Ob. Kreide, Eocän und lebend.
¿Melanopsis¿ Fer. (Fig. 885-887). Oval bis turmförmig, glatt oder verziert. Innenlippe schwielig. Spindelende abgestutzt. Mündung mit kurzem kanalartigem Ausguß. Ob. Kreide bis jetzt. Besonders häufig im Miocän und Pliocän.
¿Pleurocera¿ Raf. (Fig. 888). Wie ¡Melania¡, aber Mündung mit kanalartigem Ausguß, Außenlippe buchtig gebogen. Wealden bis jetzt. Hauptsächlich in Nordamerika verbreitet.
¿Goniobasis¿ Lea, ¿Leptoxis¿ Raf., ¿Ptychostylus¿ Sandb. Wealden. Die zwei ersteren auch lebend und tertiär in Nordamerika.
18. Familie. #Nerineidae.# Zitt.
¡Schale turmförmig, pyramidal bis eiförmig, mit oder ohne Nabel. Mündung vorne mit kurzem Kanal oder seichtem Ausguß. Spindel und Lippen meist mit kräftigen durchlaufenden Falten. Außenlippe dünn, hinten (oben) mit spaltartigem Einschnitt, welcher auf allen Umgängen unter der Naht ein schmales Schlitzband hinterläßt.¡ Trias bis Kreide. Marin.
¿Aptyxiella¿ Fisch. (¡Aptyxis¡ Zitt. non Troschel). Turmförmig, sehr schlank, ungenabelt. Mündung viereckig. Innen- und Außenlippe ohne Falten, Spindel etwas verdickt. Trias bis oberer Jura.
¿Trochalia¿ Sharpe (¡Cryptoplocus¡ Pict. u. Camp.) (Fig. 890). Turm- bis pyramidenförmig, meist glatt und genabelt. Nur Innenlippe mit einer einfachen starken Falte. Jura und Kreide.
¿Nerinella¿ Sharpe (¡Pseudonerinea¡ Loriol). Turmförmig, ungenabelt. Außenlippe und zuweilen auch Spindel mit einer einfachen Falte. Jura.
¿Nerinea¿ Defr. (Fig. 889). Turm- oder pyramidenförmig, meist ungenabelt und verziert. Spindel immer, Innen- und Außenlippe in der Regel mit einfachen Falten. Jura und Kreide. Hauptverbreitung im Koralrag des oberen Jura.
¿Ptygmatis¿ Sharpe (Fig. 891). Wie vorige, jedoch die Falten auf Spindel, Innen- und Außenlippe durch sekundäre Einschnürungen kompliziert, verzweigt und verbreitert. Jura. Kreide.
¿Itieria¿ Math. (Fig. 892). Länglich oval, meist genabelt. Gewinde kurz, zuweilen eingesenkt. Letzter Umgang sehr groß, die vorhergehenden Windungen mehr oder weniger umfassend. Spindel, Innen- und Außenlippe mit Falten. Jura. Kreide.
19. Familie. #Cerithiidae.# Menke.
¡Schale turmförmig. Mündung länglich oval oder vierseitig, vorne mit kurzem Kanal oder Ausguß. Außenlippe häufig verdickt und umgeschlagen, oder dünn und scharf. Spindel zuweilen mit 1-2 Falten. Deckel hornig, spiral.¡ Trias bis jetzt. Marin und brackisch. Mehr als 1000 lebende und gegen 500 fossile Arten bekannt, letztere am zahlreichsten im Eocän. Die ältesten Formen sind meist klein und haben nahezu ganzrandige Mündung.
¿Cerithinella¿ Gemm. (Fig. 893). Turmförmig, schlank. Umgänge zahlreich, eben, mit spiralen Rippen oder Knötchenreihen verziert. Mündung vierseitig, mit sehr schwachem Ausguß. Lias. Jura.
¿Cryptaulax¿ Tate (¡Pseudocerithium¡ Cosmann). Klein, turmförmig. Umgänge mit spiralen Rippen oder Knotenreihen und Querfalten. Letztere setzen meist in etwas schiefer Richtung kontinuierlich von einem Umgang auf den andern fort. Mündung oval oder vierseitig, mit kaum angedeutetem Ausguß. Trias. Jura.
¿Ceritella¿ Morr. Lyc. (Fig. 894). Trias. Jura. ¿Fibula¿ Piette (Fig. 896). Trias bis Kreide. ¿Pseudalaria¿ Huddelst. Jura. ¿Ditretus¿ Piette. Jura.
¿Exelissa¿ Piette (Fig. 895). Sehr klein, turmförmig; Umgänge mit kräftigen, kontinuierlichen Querrippen und spiralen Streifen. Mündung verengt, rundlich, ohne Kanal, zuweilen etwas abgelöst, die Ränder zusammenhängend. Häufig im Jura.
¿Bittium¿ Leach. (Fig. 897). Turmförmig, mit gekörnelten Spiralrippen und zahlreichen Querrippen. Mündung mit kurzem, geradem Kanal. Außenlippe scharf. Jura bis jetzt. Häufig im Tertiär.
¿Triforis¿ Desh., ¿Cerithiopsis¿ Forb. Tertiär und lebend.
¿Eustoma¿ Piette. Turmförmig. Mündung mit langem Kanal. Innenlippe schwielig, stark ausgeschlagen. Außenlippe ausgebreitet. Kanal häufig durch die Ränder der Innen- und Außenlippe geschlossen. Jura.
¿Cerithium¿ Ad. (Fig. 898, 899). Turmförmig, ohne Epidermis. Mündung mit rückwärts gekrümmtem Kanal. Außenlippe häufig etwas umgeschlagen. Spindel zuweilen mit 1-2 Falten. Jura bis jetzt. Hauptverbreitung im Eocän, bis 1/2 Meter lang (¡C. giganteum¡ Lam.).
Subgenera: ¿Vicarya¿ d'Arch., ¿Vertagus¿ Klein, ¿Bellardia¿ Mayer etc.
¿Potamides¿ Brongt. (Fig. 900, 901). Turmförmig, mit Epidermis. Mündung mit Ausguß oder schwachem Kanal. Nur in Brackwasser oder in Flußmündungen lebend. Fossil von der Kreide an.
Subgenera: ¿Tympanotomus¿ Ad., ¿Pyrazus¿, ¿Telescopium¿ Montf., ¿Cerithidea¿ Swains, ¿Lampania¿, ¿Pyrenella¿ Gray., ¿Sandbergeria¿ Bosq.
20. Familie. #Aporrhaidae.# Phill.
¡Schale spindelförmig, turmförmig bis konisch eiförmig. Mündung vorne in einen Kanal auslaufend. Außenlippe flügelartig erweitert, gefingert oder verdickt. Deckel hornig.¡ Jura bis jetzt. Hauptverbreitung im Jura und Kreide. Marin.
¿Alaria¿ Morr. Lyc. (Fig. 902. 903). Turmförmig, Mündung mit langem oder kurzem Kanal. Außenlippe den letzten Umgang nicht überschreitend, gefingert oder geflügelt. Gewinde und letzter Umgang öfters mit Resten früherer Mundränder. Sehr häufig in Jura und Kreide.
Subgenera: ¿Dicroloma¿ Gabb., ¿Anchura¿ Conrad (Fig. 904). Jura. Kreide. ¿Diempterus¿ Piette. Jura.
¿Spinigera¿ d'Orb. (Fig. 905). Umgänge gekielt, mit zwei gegenüberstehenden Reihen von Stacheln verziert. Jura.
¿Aporrhais¿ da Costa (¡Chenopus¡ Phill.) (Fig. 906). Wie ¡Alaria¡, aber Mündung hinten in einem am Gewinde aufsteigenden oder frei vorragenden Kanal verlängert. Außenlippe ausgebreitet, gefingert oder lappig. Jura bis jetzt.
Subgenera: ¿Alipes¿ Conrad, ¿Arrhoges¿ Gabb., ¿Ceratosiphon¿ Gill, ¿Cuphosolenus¿ Piette, ¿Tessarolax¿ Gabb., ¿Lispodesthes¿ White (Fig. 907), ¿Helicaulax¿ Gabb., ¿Dimorphosoma¿ St. Gardner (Fig. 908), ¿Pterocerella¿ Meek, ¿Malaptera¿ Piette. Jura. Kreide.
21. Familie. #Strombidae.# d'Orb.
¡Schale konisch bis turm- oder spindelförmig mit zugespitztem Gewinde. Mündung mit Kanal. Außenlippe häufig ausgebreitet, vorne mit einer Ausbuchtung. Deckel hornig.¡ Jura bis jetzt.
Die Schalen dieser Familie weichen außerordentlich voneinander ab, dagegen zeigen die Tiere große Übereinstimmung.
¿Harpagodes¿ Gill. (Fig. 909). Gewinde kurz, letzter Umgang sehr groß. Kanal lang, zurückgebogen. Außenlippe mit mehreren hohlen, stachelartigen Fortsätzen, der oberste dem Gewinde aufliegend und nach der Spitze verlaufend. Jura. Kreide.
¿Pterocera¿ Lam. (¡Heptadactylus¡ Klein). Gewinde kurz, Kanal seitwärts gebogen. Außenlippe flügelartig, mit hohlen, dornförmigen Fortsätzen, unter dem vordersten eine tiefe Ausbuchtung. Nur lebend.
¿Pterodonta¿ d'Orb., ¿Thersitea¿ Coq., Kreide. ¿Pereiraea¿ Crosse. Miocän.
¿Strombus¿ Lin. (¡Oncoma¡ Meyer) (Fig. 910). Gewinde kurz, turmförmig. Letzter Umgang sehr groß. Mündung lang, schmal, mit kurzem gebogenem Kanal. Außenlippe flügelartig ausgebreitet, vorne mit Ausbuchtung. Kreide bis jetzt.
¿Pugnellus¿ Conrad. Kreide. ¿Struthiolaria¿ Lam. Tertiär und lebend.
¿Terebellum¿ Lam. (¡Seraphs¡ Montf.) (Fig. 911). Schale spindelförmig, fast zylindrisch. Gewinde sehr kurz, eingerollt. Letzter Umgang sehr groß, glatt oder gestreift. Mündung eng, Kanal kurz. Außenlippe scharf, nicht ausgebreitet, vorne ausgeschnitten. Tertiär und lebend.
¿Rostellaria¿ Lam. Gewinde hoch, Umgänge glatt. Mündung vorne mit schnabelartig verlängertem Kanal, hinten in eine aufsteigende Rinne fortsetzend. Außenlippe mit zackigen Fortsätzen, vorne mit Ausbuchtung. Neogen und lebend.
¿Hippochrenes¿ Montf. (¡Orthaulax¡, ¡Cyclomolops¡ Gabb.) (Fig. 912). Wie vorige, aber Außenlippe flügelartig ausgebreitet, ohne Fortsätze. Ob. Kreide und Eocän.
¿Rimella¿ Ag. (¡Isopleura¡ Meek) (Fig. 913). Oberfläche gegittert. Außenlippe mit verdicktem Rand, ganz oder gezackt. Ob. Kreide, tertiär und lebend.
22. Familie. #Columbellaridae.# Fischer.
¡Schale länglich oval, dick, mit kurzem konischen Gewinde und großem spiral geripptem, häufig gegittertem letzten Umgang. Mündung eng, vorne mit kurzem Kanal, hinten ebenfalls mit einem schräg nach außen gerichteten Kanal. Innenlippe schwielig, Außenlippe häufig verdickt, gezähnelt oder etwas nach außen umgeschlagen.¡ Jura. Kreide.
¿Columbellaria¿ Rolle (Fig. 914). Länglich oval, Oberfläche mit zahlreichen spiralen Querrippen, zuweilen gegittert. Mündung lang, eng, vorne etwas erweitert, Außenlippe innen gezähnt, nicht verdickt, etwas zurückgeschlagen. Vorderer und hinterer Kanal kurz. Ob. Jura.
¿Zittelia¿ Gemm. (Fig. 915). Wie vorige, aber Mündung sehr eng, spaltförmig; Außenlippe innen in der Mitte stark verdickt. Ob. Jura. Tithon.
¿Columbellina¿ d'Orb. Kreide. ¿Petersia¿ Gemm. (Fig. 916). Tithon.
23. Familie. #Cypraeidae.# Gray.
¡Schale oval, eingerollt; Gewinde kurz, im Alter zuweilen vollständig von dem sehr großen letzten Umgang umhüllt. Mündung lang, eng, vorne und hinten in einen meist kurzen Kanal verlaufend. Außenlippe einwärts gebogen. Deckel fehlt.¡
Die Porzellanschnecken sind gegenwärtig in großer Zahl (ca. 250 Arten), namentlich in den Meeren der warmen Zonen verbreitet, zeichnen sich meist durch prachtvolle Färbung aus und erlangen zuweilen ansehnliche Größe. Fossile Vertreter finden sich zuerst im obersten Jura, werden etwas häufiger im Tertiär, bleiben aber an Größe meist hinter den recenten Formen zurück.
¿Erato¿ Risso (Fig. 917). Klein, oval konisch, mit kurzem vorragendem Gewinde, Mündung eng, vorne mit kurzem Kanal. Innenlippe glatt, vorne mit Spindelfalten, Außenlippe eingebogen, gezähnelt. Kreide bis jetzt.
¿Ovula¿ Brug. Gewinde vollständig umhüllt. Schale glatt, oval oder spindelförmig. Mündung vorne und hinten in einen Kanal verlaufend. Innenlippe glatt; Außenlippe eingebogen, glatt oder gezähnelt. Tertiär und lebend.
¿Gisortia¿ Jousseaume (Fig. 918). Groß, dickschalig, eiförmig. Gewinde kurz, eingehüllt. Letzter Umgang mit stumpfer Kante. Mündung hinten und vorn mit kurzem Kanal. Eocän. ¡G.¡ (¡Strombus¡) ¡gigantea¡ Goldf. sp.
¿Cypraea¿ Lin. (Fig. 919). Eiförmig, konvex, eingerollt, glatt. Gewinde kurz, eingehüllt. Mündung lang, spaltförmig, an beiden Enden mit Ausguß; Innenlippe wie die eingerollte Außenlippe gezähnt. Jura (¡C. titonica¡ Stefani) bis jetzt.
¿Trivia¿ Gray (Fig. 920). Wie ¡Cypraea¡, aber klein, letzter Umgang mit erhabenen Querrippen oder Warzen bedeckt. Tertiär und lebend.
24. Familie. #Cassididae.# Ad.
¡Schale dick, bauchig, kugelig eiförmig, zuweilen mit Querwülsten. Gewinde kurz. Letzter Umgang sehr groß. Mündung verlängert, eng, vorne mit kurzem Kanal. Innenlippe auf ausgebreiteter Schwiele, zuweilen gekörnelt oder runzelig. Außenlippe mehr oder weniger verdickt. Deckel hornig, mit randständigem Nucleus.¡ Obere Kreide bis jetzt. Marin.
¿Cassidaria¿ Lam. (¡Morio¡ Montf., ¡Galeodea¡ Link) (Fig. 921). Kanal verlängert, seitwärts- oder zurückgebogen. Innenlippe weit ausgeschlagen, Außenlippe umgebogen. Ob. Kreide bis jetzt. Hauptverbreitung im Eocän.
Subgenus: ¿Sconsia¿ Gray (Fig. 922). Letzter Umgang mit Querwulst. Kanal kurz, gerade. Ob. Kreide bis jetzt.
¿Cassis¿ Lam. (Fig. 923). Dickschalig, bauchig. Außenlippe verdickt, umgeschlagen, meist gezähnelt, Innenlippe schwielig, ausgebreitet, gezähnelt, runzelig oder körnelig. Kanal kurz, scharf umgebogen, nach hinten aufsteigend. Tertiär bis jetzt.
¿Oniscia¿ Sow. Kreide bis jetzt.
25. Familie. #Doliidae.# Ad.
¡Schale dünn, bauchig, Gewinde sehr kurz, letzter Umgang sehr groß, längs gerippt oder gegittert. Mündung weit, oval. Kanal gedreht oder gerade. Deckel fehlt.¡ Kreide bis jetzt.
¿Dolium¿ Lam. Spiral gerippt. Mündung weit; Außenlippe innen gekerbt. Kanal kurz, schief. Kreide bis jetzt.
¿Ficula¿ Swainson (¡Pyrula¡ Lam.) (Fig. 924). Schale dünn, bauchig, spiral gerippt, gefurcht oder gegittert, Mündung sehr weit. Außenlippe scharf, Kanal lang, breit, gerade. Unt. Kreide bis jetzt, Hauptverbreitung im Tertiär.
26. Familie. #Tritoniidae.# Ad.
¡Schale dick, eiförmig bis spindelförmig, mit Epidermis. Gewinde mäßig hoch. Umgänge mit Querwülsten. Mündung mit verdickter Außenlippe und offenem, geradem oder etwas gebogenem Kanal. Deckel hornig, mit randständigem Nucleus.¡ Kreide bis jetzt.
¿Triton¿ Montf. (¡Tritonium¡ Link) (Fig. 925). Gewinde verlängert. Die Querwülste setzen nicht auf mehrere Umgänge fort. Spindel und Innenlippe schwielig oder gekörnelt; Außenlippe innen verdickt und gekerbt. Kreide bis jetzt. Häufig im Tertiär.
¿Distortrix¿ Link (¡Persona¡ Montf.). Tertiär und lebend.
¿Ranella¿ Lam. (Fig. 926). Wie ¡Triton¡, aber mit zwei gegenüberstehenden, kontinuierlich über alle Umgänge fortsetzenden Querwülsten. Tertiär und lebend.
27. Familie. #Columbellidae.# Troschel.
¡Schale klein, eiförmig bis spindelförmig, ungenabelt, mit Epidermis. Mündung eng. Kanal kurz; Außenlippe innen gezähnelt, in der Mitte verdickt.¡ Tertiär und lebend.
Die typische Gattung ¿Columbella¿ Lam. (Fig. 927) hat ihre Hauptverbreitung in der Jetztzeit und im jüngeren Tertiär. Sie zerfällt in zahlreiche Subgenera.
28. Familie. #Buccinidae.# Latreille.
¡Schale länglich oval, mit Epidermis; Mündung weit, mit kurzem Kanal, Außenlippe scharf oder verdickt. Deckel hornig.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
¿Buccinum¿ (¡Tritonidea¡ Swainson). Bauchig, glatt oder quer gefaltet, Gewinde mäßig hoch. Mündung weit, Kanal kurz, weit offen. Außenlippe scharf, dünn, Innenlippe etwas schwielig. Hauptsächlich in den Meeren der kälteren Zonen verbreitet (¡B. undatum¡ Lin.). Fossil im Krag und Glacialbildungen.
¿Cominella¿ Gray (Fig. 928). Meist längsgerippt; der letzte Umgang unter der Naht etwas eingedrückt, so daß die Mündung hinten eine kurze Rinne bildet. Außenlippe scharf oder innen gekerbt. Ob. Kreide, tertiär und lebend.
¿Pseudoliva¿ Swainson (Fig. 929). Wie vorige, jedoch Außenlippe mit einem Zähnchen oder Ausschnitt, welchem eine Furche auf dem letzten Umgang entspricht. Ob. Kreide bis jetzt.
¿Halia¿ Risso. Pliocän und lebend.
¿Pisania¿ Bivona (¡Pisanella¡ v. Koenen, ¡Taurinia¡ Bellardi). Länglich oval, Gewinde ziemlich hoch, Umgänge glatt oder spiral gestreift; Kanal kurz, Außenlippe verdickt, innen gekerbt. Tertiär und lebend.
¿Pollia¿ Gray (¡Cantharus¡ Bolten) (Fig. 930). Oval, bauchig, Gewinde und Mündung nahezu gleich lang, Oberfläche meist spiral gerippt und quer gefaltet. Spindel häufig mit schwachen Querfalten, Außenlippe verdickt, innen gekerbt. Mündung hinten mit kurzem Kanal. Tertiär und lebend.
¿Phos¿ Montf. Gewinde spitz, verlängert; Oberfläche gegittert. Spindel vorne mit Falte. Tertiär und lebend.
¿Nassa¿ Martini (Fig. 931). Oval, bauchig. Mündung mit kurzem, zurückgebogenem Kanal. Innenlippe schwielig, ausgebreitet, Außenlippe innen meist gekerbt. Über 200 lebende Arten, die in viele Subgenera verteilt werden. Fossil selten in der oberen Kreide und im Eocän, häufig im Miocän und Pliocän.
¿Eburna¿ Lam. (¡Dipsaccus¡ Klein) (Fig. 932). Wie ¡Nassa¡, aber glatt, genabelt, die Suturen der Umgänge vertieft. Außenlippe scharf. Tertiär und lebend.
¿Cyclonassa¿ Ag., ¿Arcularia¿ Link, ¿Cyllene¿ Gray, ¿Truncaria¿ Ad. etc. (¡Buccinopsis¡ Desh.). Tertiär und lebend.
29. Familie. #Purpuridae.# Gray.
¡Schale dick, meist oval, Gewinde kurz; letzter Umgang groß. Mündung weit, Innenlippe und Spindel mehr oder weniger abgeplattet, Kanal kurz, Deckel hornig.¡ Kreide. Tertiär und lebend. Marin.
¿Purpura¿ Brug. (Fig. 933). Ungenabelt. Gewinde kurz. Letzter Umgang groß, gerippt oder knotig. Mündung oval, mit kurzem Kanal; Spindel abgeplattet, glatt. Tertiär und lebend.
¿Rapana¿ Schum. (Fig. 934). Wie vorige, jedoch genabelt, die Innenlippe schwielig, ausgeschlagen. Kreide bis jetzt.
¿Lysis¿ Gabb., ¿Stenomphalus¿ Sandb. Kreide. Tertiär.
¿Ricinula¿ Lam., ¿Monoceros¿ Lam., ¿Concholepas¿ Lam., ¿Cuma¿ Ad. etc. Tertiär und lebend.
30. Familie. #Muricidae.# Tryon.
¡Schale dick, Gewinde mäßig hoch; Umgänge mit Querwülsten, Rippen, Blättern und häufig mit Stacheln bedeckt. Mündung rundlich oder oval, Kanal mehr oder weniger verlängert, ganz oder teilweise von den Lippenrändern bedeckt. Deckel hornig.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
¿Murex¿ Lin. (Fig. 935-937). Oval, bauchig. Oberfläche mit mindestens drei (häufig mehr) Querwülsten oder Querreihen von Stacheln oder Knoten. Innenlippe glatt, Außenlippe verdickt. Kanal ziemlich lang. Kreide bis jetzt.
Subgenera: ¿Haustellum¿ Klein, ¿Rhinacantha¿ Ad., ¿Chicoreus¿ Montf., ¿Phyllonotus¿ Montf., ¿Pteronotus¿ Swainson, ¿Ocinebra¿ Leach etc.
¿Typhis¿ Montf. (Fig. 938). Wie ¡Murex¡, aber mit hohlen Stacheln, Kanal vollständig bedeckt. Ob. Kreide bis jetzt.
¿Trophon¿ Montf. Gewinde hoch. Querwülste durch zahlreiche dünne Querblätter ersetzt. Kanal offen, etwas gebogen. Tertiär und lebend.
31. Familie. #Fusidae.# Tryon.
¡Schale turmförmig, spindelförmig bis oval, in der Regel ohne Querwülste. Kanal mehr oder weniger verlängert. Innenlippe glatt oder mit schwachen Spindelfalten, Außenlippe dünn. Deckel hornig.¡ Selten im oberen Jura und in der Kreide, häufig tertiär und lebend. Marin.
Die Tiere sind wenig von denen der Bucciniden und Muriciden verschieden.
¿Fusus¿ (Klein) Lam. (¡Colus¡ Humph.) (Fig. 939). Spindelförmig, Gewinde lang; Mündung oval, Kanal stark verlängert, gerade, offen. Außenlippe scharf, Innenlippe glatt. Kreide, tertiär und lebend.
¿Chrysodomus¿ Swainson (¡Neptunea¡ Bolten). Länglich oval, bauchig, zuweilen links gewunden, mit Epidermis. Kanal ziemlich kurz, etwas gezogen. Kreide bis jetzt. ¡F. contrarius¡ Lam. Krag.
¿Siphonalia¿ Ad., ¿Euthria¿ Gray, ¿Semifusus¿ Swainson (Fig. 940), ¿Metula¿ Ad., tertiär und lebend, ¿Mitraefusus¿, ¿Genea¿ Bellardi. Neogen.
¿Clavella¿ Swainson (¡Cyrtulus¡ Hinds) (Fig. 941). Dickschalig, glatt oder fein spiral gestreift; letzter Umgang vorne plötzlich verengt. Kanal sehr lang, gerade. Häufig im Eocän, selten im Neogen und lebend.
¿Leiostoma¿ Swainson (Fig. 942). Gewinde kurz, letzter Umgang bauchig, glatt, unter der Naht etwas abgeplattet. Innenlippe glatt. Kanal gerade. Häufig im Eocän, selten im Miocän.
¿Strepsidura¿ Swains. (Fig. 943). Gewinde kurz, letzter Umgang bauchig, quer gerippt. Kanal gebogen. Eocän. Miocän.
Subgenera: ¡Latyrus¡ Montf. (Fig. 944), ¿Peristernia¿ Mörch, ¿Leucozonia¿ Gray. Tertiär und lebend.
¿Turbinella¿ Lam. Tertiär u. lebend.
¿Pisanella¿ v. Koenen. Oligocän.
¿Fasciolaria¿ Lam. (Fig. 945). Wie ¡Fusus¡, meist glatt, Spindel mit zwei bis drei schiefen Falten. Kanal gebogen. Kreide bis jetzt.
¿Pyrula¿ Lam. (¡Melongena¡ Schum., ¡Myristica¡ Swainson) (Fig. 946). Birnförmig, bauchig, Gewinde kurz, letzter Umgang sehr groß, längsgestreift und mit Knoten oder Stachelreihen besetzt. Innenlippe glatt. Mündung allmählich in den kurzen, weiten Kanal übergehend. Tertiär und lebend.
¿Fulgur¿ Montf. (¡Busycon¡ Bolten). Tertiär und lebend.
¿Tudicla¿ Linck. (Fig. 947). Wie ¡Pyrula¡, aber Kanal gerade und sehr lang; Innenlippe mit einer Falte. Kreide bis jetzt.
32. Familie. #Volutidae.# Gray.
¡Schale dick, glänzend, oval bis spindelförmig. Gewinde kurz oder verlängert, letzter Umgang groß. Mündung länglich, mit kurzem Kanal oder Ausguß; Innenlippe mit Spindelfalten. Deckel fehlt in der Regel.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
¿Marginella¿ Lam. (Fig. 948). Länglich eiförmig, glatt, glänzend. Gewinde kurz. Mündung eng, verlängert, mit kurzem, breiten Ausguß. Innenlippe mit 3-4 schiefen, fast gleich starken Falten; Außenlippe verdickt. Tertiär und lebend.
¿Mitra¿ Lam. (Fig. 949). Spindelförmig bis länglich oval; Gewinde hoch, zugespitzt. Mündung eng, mit kurzem, weitem Kanal. Innenlippe mit mehreren schiefen Falten, wovon die oberste (hintere) am stärksten. Außenlippe innen glatt. Häufig tertiär und lebend.
¿Turricula¿ (Klein) Ad. Wie vorige, aber Schale mit Querrippen, Außenlippe innerlich gestreift. Kreide bis jetzt.
¿Strigatella¿ Swains. (Fig. 950). ¿Cylindromitra¿ Fischer (¡Cylindra¡ Schum.), ¿Imbricaria¿ Schum., ¿Volutomitra¿ Gray. Tertiär und lebend.
¿Lyria¿ Gray (Fig. 951). Dick, länglich oval, quer gerippt. Innenlippe vorne mit zwei kräftigen und dahinter mit zahlreichen schwachen Falten. Außenlippe verdickt. Tertiär und lebend.
¿Volutilithes¿ Swainson (Fig. 952). Gewinde verlängert, zugespitzt, mit kleinem Nucleus. Umgänge quer gerippt oder gegittert. Mündung vorne mit kurzem, weitem Kanal. Falten der Innenlippe schwach entwickelt. In Kreide. Eocän und Oligocän häufig; eine einzige lebende Art.
Subgenera: ¿Gosavia¿ Stol., ¿Leioderma¿, ¿Rostellites¿ Conrad, ¿Volutoderma¿ (Fig. 953), ¿Volutomorpha¿ Gabb. Kreide.
¿Athleta¿ Conrad. Gewinde kurz, letzter Umgang bauchig, hinten mit stacheliger Knotenreihe. Innenlippe schwielig, weit ausgeschlagen, vorne mit drei kräftigen Querfalten, auf welche einige schwächere Falten folgen. Außenlippe verdickt. Eocän. Miocän.
¿Voluta¿ Lin. (Fig. 954). Länglich oval oder spindelförmig. Nucleus groß, warzenförmig. Umgänge glatt, spiral gestreift, zuweilen mit einer Stachel- oder Knotenreihe. Innenlippe mit mehreren Querfalten, wovon die vorderen (unteren) am stärksten. Tertiär und lebend.
Subgenera: ¿Fulguraria¿ Schum., ¿Scapha¿ Gray, ¿Volutella¿ d'Orb., ¿Aurinia¿ Adams (¡Volutifusus¡ Conrad) etc.
¿Musica¿ Humphrey. Dickschalig, Nucleus klein. Gewinde kurz. Mündung eng; Innenlippe schwielig, mit mehreren Querfalten, Außenlippe verdickt. Tertiär und lebend.
¿Cymbium¿ Klein (¡Yetus¡ Adams, ¡Melo¡ Humph.). Kreide bis jetzt, selten.
33. Familie. #Harpidae.# Troschel.
¡Gewinde niedrig, letzter Umgang bauchig, mit regelmäßig voneinander abstehenden, scharfen Querrippen. Mündung weit, mit kurzem, weitem Ausguß. Innenlippe schwielig. Deckel fehlt.¡ Marin.
Die typische Gattung ¿Harpa¿ Lam. (¡Silia¡ Meyer) (Fig. 955) beginnt im Eocän und dauert bis jetzt fort.
¡Cryptochorda¡ Mörch. ¿Harpopsis¿ Mayer (Fig. 956). Länglich eiförmig, Gewinde kurz, letzter Umgang groß, glatt, glänzend. Mündung mit kurzem, zurückgebogenem Kanal. Innenlippe schwielig. Im Eocän häufig.
34. Familie. #Olividae.# d'Orb.
¡Schale länglich eiförmig bis subzylindrisch, solid, glatt und glänzend. Gewinde kurz. Letzter Umgang sehr groß. Mündung schmal, Außenlippe scharf; Spindel vorne mit einer nach außen umgeschlagenen Schwiele. Kanal sehr kurz. Kreide bis jetzt.¡ Marin.
¿Oliva¿ Brug. (Fig. 957). Schale subzylindrisch, glänzend; Naht durch eine vertiefte Rinne bezeichnet. Spindelschwiele schräg gefaltet. Kreide bis jetzt.
¿Ancillaria¿ Lam. (Fig. 958). Länglich eiförmig bis subzylindrisch. Nähte von einer glänzenden Schmelzschicht bedeckt. Mündung vorne etwas erweitert. Spindelende schwielig und etwas gedreht. Kreide bis jetzt.
35. Familie. #Cancellariidae.# Adams.
¡Schale eiförmig bis turmförmig, Gewinde zugespitzt, letzter Umgang bauchig; Oberfläche quergerippt und meist durch Spiralrippen gegittert. Mündung mit kurzem Kanal oder Ausguß. Innenlippe mit schiefen Falten, .Außenlippe innen gefurcht.¡ Ob. Kreide bis jetzt. Marin.
Die typische Gattung ¿Cancellaria¿ Lam. (Fig. 959) ist am häufigsten im jüngeren Tertiär und in der Jetztzeit.
36. Familie. #Terebridae.# Adams.
¡Schale turmförmig, schlank, zugespitzt, letzter Umgang klein. Mündung oval oder vierseitig. Kanal kurz, gebogen. Außenlippe scharf. Deckel hornig.¡
Von den beiden Gattungen ¿Terebra¿ Lam. (Fig. 960) und ¿Acus¿ Humphr. zeichnet sich erstere durch eine der Sutur parallel laufende Linie aus, welche eine schmale Nahtbinde verursacht. Tertiär und lebend.
37. Familie. #Pleurotomidae.# Stol.
¡Schale spindelförmig, mit ziemlich hohem Gewinde; Mündung länglich, vorne in einem mehr oder weniger verlängerten Kanal verlaufend. Außenlippe unter der Naht mit einem Schlitz oder einer Ausbuchtung. Deckel hornig, zuweilen fehlend.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
Gegen 700 lebende und über 900 fossile Arten beschrieben, davon ca. 20 aus der Kreide.
¿Pleurotoma¿ Lam. (Fig. 961. 962. 964. 968). Spindelförmig, Kanal gerade; Innenlippe glatt. Deckel spitz eiförmig, mit terminalem Nucleus. Kreide bis jetzt.
Subgenera: ¿Surcula¿ Ad. (Fig. 961 ¡b¡, ¡c¡), ¿Genota¿ Ad. (Fig. 962 ¡a¡), ¿Dolichotoma¿ (Fig. 964), ¿Oligotoma¿, ¿Rouaultia¿ Bellardi, ¿Cryptoconus¿ v. Koenen (Fig. 962 ¡b¡), ¿Drillia¿, ¿Bela¿ Gray, ¿Lachesis¿ Risso, ¿Pholidotoma¿ Cossm., ¿Beisselia¿ Holzapfel etc.
¿Clavatula¿ Lam. (Fig. 963). Wie vorige, aber Außenlippe mit seichter, dreieckiger Bucht. Deckel mit Nucleus in der Mitte des Vorderrandes. Kreide bis jetzt.
Subgenera: ¿Pseudotoma¿, ¿Clinura¿ Bellardi.
¿Borsonia¿ Bellardi (Fig. 965). Einschnitt der Außenlippe seicht, Spindel mit 1-2 Falten. Deckel unbekannt. Eocän bis jetzt.
¿Mangilia¿ Risso (Fig. 966). Klein, spindelförmig, Außenlippe meist etwas verdickt, hinten mit seichtem Ausschnitt, Spindel glatt. Deckel fehlt. Tertiär und lebend.
Subgenera: ¿Clathurella¿ Carp. (Fig. 967 ¡a¡), ¿Homotoma¿ (Fig. 967 ¡b¡), ¿Raphitoma¿ (Fig. 969), ¿Atoma¿ Bellardi, ¿Daphnella¿ Hinds, ¿Eucithara¿ Fischer etc.
38. Familie. #Conidae.# Adams.
¡Schale eingerollt, verkehrt kegelförmig bis subzylindrisch. Gewinde kurz, konisch; Mündung lang, schmal, vorne mit Ausguß. Außenlippe scharf, unter der Naht zuweilen mit Ausschnitt, Innenlippe glatt. Deckel hornig.¡ Kreide bis jetzt. Marin.
Die Kegelschnecken stehen gegenwärtig in höchster Blüte, sind aber auch im Tertiär ziemlich häufig. Sie resorbieren vom vorletzten Umgang an die innere Schalenschicht vollständig.
Die typische Gattung ¿Conus¿ Lin. (Fig. 970) wird von den Konchyliologen in zahlreiche Subgenera zerlegt, die jedoch durch vielfache Übergänge verbunden sind.
¿Conorbis¿ Swainson zeichnet sich durch hohes Gewinde und gebogene, hinten mit tiefem Ausschnitt versehene Außenlippe aus. Eocän und Oligocän.
B. Ordnung. #Heteropoda.# Lam. Keilschnecken.
(¡Nucleobranchiata¡ Blv.)
Zu den Heteropoden gehören nackte oder beschalte, freischwimmende und pelagische Meerschnecken mit gesondertem Kopf und hochentwickelten Sinnesorganen. Herz, Kiemen, Geschlechtsorgane und Nervensystem sind wie bei den Ctenobranchiern, die Radula wie bei den Tänioglossen beschaffen. Durch den zu einer vertikalen Flosse umgestalteten Fuß erhalten sie jedoch ein von den Prosobranchiern total abweichendes Aussehen. Sie zeigen sich meist abends in großen Schwärmen an der Oberfläche des Wassers und schwimmen sehr rasch, wobei sie den Rücken nach unten, den Flossenfuß nach oben kehren. Es sind ungemein zarte, häufig durchscheinende, bald nackte, bald mit leichten dünnen Schalen versehene Organismen.
Von den zwei auch fossil in jungtertiären Ablagerungen nachgewiesenen Gattungen hat ¿Carinaria¿ Lam. eine mützenförmige, gekielte, glasartige Schale; bei ¿Atlanta¿ Lesson (Fig. 971) ist die zarte Schale spiral in einer Ebene aufgerollt und die Mündung mit Schlitz versehen.
Die große Ähnlichkeit von ¡Atlanta¡ und ¡Oxygyrus¡ mit gewissen paläozoischen Bellerophontiden macht eine Verwandtschaft beider wahrscheinlich. Letztere unterscheiden sich nur durch massivere, dickere, zuweilen buntgefärbte Schalen von den lebenden Heteropoden.
C. Ordnung. #Opisthobranchia.# M. Edw.
~Nackte oder beschalte, hermaphroditische Schnecken, deren Kiemen hinter dem Herzen frei auf dem Rücken oder auf der Seite liegen. Herz mit einer Vorkammer.~
Die Opisthobranchier senden das venöse Blut nicht, wie die Prosobranchier, von vorne, sondern von hinten her in den Vorhof des Herzens; die Kiemen liegen weit hinten in Gestalt mehr oder weniger verästelter Blätter, entweder in zwei Reihen auf dem Rücken oder kranzförmig um den After oder in Büscheln auf der rechten Seite. Dieselben werden häufig vom Mantel bedeckt und sind zuweilen verkümmert. Die Radula erinnert an jene der Lungenschnecken. Der Körper und das Nervensystem zeigen meist bilateral symmetrischen Bau.
Den meisten Opisthobranchiern fehlt die Schale (¡Nudibranchia¡), nur bei den ¿Tectibranchina¿ ist dieselbe vorhanden und zwar bald klein und zart, bald groß und spiral gewunden. Sie bewohnen geschützte Orte an der Meeresküste und bevorzugen sandigen und schlammigen Boden.
Fossile Vertreter beginnen schon in paläozoischen Ablagerungen; in Trias, Jura und Kreide entwickeln einige ausgestorbene Genera großen Formenreichtum, im Tertiär finden sich vorzugsweise Arten von noch jetzt existierenden Gattungen.
1. Familie. #Actaeonidae.# d'Orb.
¡Schale eiförmig bis subzylindrisch; Mündung lang, schmal, vorne abgerundet, seltener mit breitem Ausguß. Innenlippe vorne häufig mit Querfalten. Deckel hornig.¡ Karbon bis jetzt.
Die lebenden Formen sind meist klein, die fossilen teilweise massiv und ziemlich groß.
¿Actaeonina¿ d'Orb. (¡Orthostoma¡ Desh.) (Fig. 972. 973). Schale oval bis spindelförmig, meist glatt, selten spiral gestreift. Gewinde konisch, letzter Umgang sehr groß, gegen unten verschmälert. Spindel gerade, ohne Falten, Außenlippe scharf. Karbon bis jetzt.
Subgenera: ¿Euconactaeon¿, ¿Conactaeon¿ Meek (Lias), ¿Douvilleia¿ Bayle (Tertiär).
¿Cylindrites¿ Fer. (Fig. 974). Zylindrisch-eiförmig mit kurzem Gewinde. Spindel vorne mit Falte. Trias bis Kreide.
¿Bullina¿ Fer. (Fig. 975). Jura bis jetzt, ¿Cylindrobullina¿ v. Ammon (Trias, Lias).
¿Etallonia¿ Desh. (Jura, Tertiär), ¿Bullinula¿ Beck etc.
¿Actaeonella¿ d'Orb. (Fig. 976. 977). Dickschalig, bauchig, glatt; Gewinde kurz; Spindel vorne verdickt mit drei scharfen Falten. Sehr häufig in der mittleren und oberen Kreide; hauptsächlich in Hippuritenkalken der Alpen verbreitet.
Subgenus: ¿Volvulina¿ Stol. (Fig. 978). Wie vorige, aber Gewinde eingesenkt. Kreide.
¿Actaeon¿ Montf. (¡Tornatella¡ Lam.) (Fig. 979). Oval, Gewinde mäßig hoch, Oberfläche spiral gestreift oder spiral punktiert. Spindel vorne mit 1-3 Querfalten. Trias bis jetzt.
¿Volvaria¿ Lam. Zylindrisch, Gewinde eingerollt, verhüllt. Oberfläche spiral gestreift; Mündung eng. Spindel vorne mit mehreren Falten. Eocän.
¿Cinulia¿ Gray (Fig. 980). Kugelig, bauchig, spiral gefurcht oder punktiert. Gewinde kurz; Mündung halbmondförmig; Außenlippe umgeschlagen und verdickt; Spindel und Innenlippe mit mehreren Querfalten. Kreide.
Subgenera: ¿Avellana¿, ¿Ringinella¿ d'Orb., ¿Eriptycha¿ Meek., ¿Fortisia¿ Bayan. Eocän.
¿Ringicula¿ Desh. (Fig. 981). Klein, oval bis kugelig, dickschalig. Gewinde kurz; letzter Umgang groß, meist glatt, Mündung mit Ausguß; Innenlippe schwielig mit 2-3 Falten, Außenlippe verdickt, umgeschlagen. Kreide bis jetzt.
2. Familie. #Bullidae.# d'Orb.
¡Schale dünn, zylindrisch bis kugelig, eingerollt, glatt oder mit punktierten Spirallinien; Gewinde kurz oder eingesenkt und verhüllt. Mündung lang, vorne abgerundet, Außenlippe scharf.¡ Trias bis jetzt. Marin.
¿Bulla¿ Klein (Fig. 982). Bauchig, glatt, Gewinde eingesenkt, Scheitel durchbohrt. Mündung vorne und hinten abgerundet. Jura bis jetzt.
¿Hydatina¿ Schum., ¿Haminea¿ Leach., ¿Atys¿ Montf.
¿Cylichna¿ Lovèn (Fig. 983). Klein, zylindrisch, solid. Gewinde eingesenkt, involut. Mündung spaltförmig, Spindel vorne verdickt mit schwacher Falte. Trias bis jetzt.
¿Acera¿ Müll. (Fig. 984). Dünnschalig, biegsam; Gewinde abgestutzt, Umgänge durch vertiefte Nähte getrennt. Außenlippe hinten von dem Gewinde abgelöst. Eocän bis jetzt.
¿Scaphander¿ Montf. (Fig. 986). Schale subzylindrisch mit Epidermis, spiral gestreift. Gewinde eingehüllt. Mündung vorne stark erweitert, hinten verengt. Kreide bis jetzt.
¿Philine¿ Ascan. (¡Bullaea¡ Lam.) (Fig. 985). Kreide bis jetzt.
Die Familien ¿Umbrellidae¿ und ¿Aplysiidae¿ sind durch seltene Arten von ¿Umbrella¿ Lam. und ¿Aplysia¿ Phil. auch im Pliocän vertreten. ¿Umbrella¿ angeblich sogar schon im Jura.
D. Ordnung. #Pteropoda.# Cuv. Flossenfüßer.[52]
~Nackte oder beschalte hermaphroditische, pelagische Mollusken ohne deutlich gesonderten Kopf, mit rudimentären Augen und statt des Fußes zwei seitliche, flügelförmige Flossen am Vorderende des Körpers. Kiemen hinter dem Herzen.~
Der Körper dieser freischwimmenden Meeresmollusken ist bald länglich gestreckt, bald hinten spiral eingerollt; zuweilen von einer dünnen durchscheinenden Schale umgeben (¡Thecosomata¡), häufiger nackt (¡Gymnosomata¡). Sie halten sich in dichten Schwärmen in der offenen See auf und kommen erst in der Dunkelheit an die Oberfläche. Ihre Schalen sind zuweilen in ungeheurer Menge auf dem Meeresgrund angehäuft und bilden daselbst Kalkabsätze von ansehnlicher Verbreitung.
~Cuvier~ hatte die Pteropoden als selbständige Klasse den Gastropoden gegenübergestellt, allein nach den Untersuchungen von ~Pelseneer~ verhalten sie sich zu den Opisthobranchiern, wie die Heteropoden zu den Prosobranchiern; es sind pelagisch gewordene Hinterkiemener, deren Fuß zu einem zweilappigen Schwimmorgan umgewandelt wurde, während gleichzeitig der Kopf verkümmerte. Die Radula ist sehr mannigfaltig ausgebildet, das Herz hat nur eine Vorkammer.
Manche beschalte Pteropoden (¡Limacidae¡) besitzen einen hornigen Deckel, bei anderen fehlt ein solcher.
Fossile, den jetzt lebenden Formen verwandte Pteropoden finden sich nicht sonderlich häufig im Tertiär und in der oberen Kreide. Im Pliocän und Oligocän sind zuweilen tonige Schichten von meist schlecht erhaltenen zusammengedrückten Cleodoren erfüllt.
In paläozoischen Ablagerungen und zwar schon im Kambrium spielen Pteropoden ähnliche Schalen (¡Conularia¡, ¡Tentaculites¡, ¡Hyolithes¡) eine wichtige Rolle. Dieselben wurden von d'~Archiac~, ~Verneuil~, G. ~Sandberger~,[53] ~Barrande~[54] und vielen anderen Autoren[55] unbedenklich den Pteropoden beigesellt. Erst ~Neumayr~ und ~Pelseneer~[56] sprechen sich neuerdings mit großer Entschiedenheit gegen ihre Vereinigung mit den Pteropoden aus, ohne denselben jedoch einen besseren Platz in dem zoologischen System anweisen zu können. ~Neumayrs~ Vorschlag, die Tentaculiten und paläozoischen Styliolen den tubicolen Anneliden zuzuweisen, wurde von ~Nicholson~ durch mikroskopische Untersuchung der Schalen widerlegt. Die schon von ~Miller~, ~Fleming~, ~Hall~ und später wieder von ~Ihering~ befürwortete Hypothese, wonach die Conularien als Verwandte der Orthoceraten zu den Cephalopoden zu stellen seien, konnte niemals ernstlich begründet werden.
Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß namentlich Conularien und Hyolithen sowohl durch ihre Größe als auch durch den Bau ihrer Schale und vermutlich auch durch ihre Lebensweise erheblich von den recenten Pteropoden abweichen; aber trotz der von ~Pelseneer~[57] so scharf betonten Differenzen, stehen sie doch unter allen beschalten Organismen den Pteropoden am nächsten und können keiner anderen Abteilung der Mollusken mit größerer Wahrscheinlichkeit angeschlossen werden.
Unterordnung. #Thecosomata.#
1. Familie. #Limacinidae.# Gray.
¡Schale dünn, spiral, linksgewunden mit glasartigem, paucispiralem Deckel.¡
Die Gattungen ¿Spirialis¿ Eyd., ¿Limacina¿ Cuv., ¿Embolus¿ Jeffreys finden sich ganz vereinzelt im Tertiär (Eocän und Pliocän). ¿Valvatina¿ Watelet ist für flache, linksgewundene Schälchen aus dem Pariser Grobkalk, ¿Planorbella¿ Gabb. für ähnliche aus dem Miocän von San Domingo errichtet.
2. Familie. #Cavoliniidae.# Fischer.
¡Schale symmetrisch dünn, glasig, bauchig, pyramidal oder konisch röhrenförmig, nicht spiral.¡
¿Cavolinia¿ Gioeni (¡Hyalaea¡ Lam., ¡Gamopleura¡ Bellardi) (Fig. 987). Schale kugelig, seitlich gekielt und geschlitzt, hinten zugespitzt, aus zwei ungleichen gewölbten Stücken zusammengesetzt, wovon eines das andere an der Mündung helmartig überragt. Recent und fossil im Miocän und Pliocän von Italien.
¿Cleodora¿ Péron u. Lesueur (Fig. 988 ¡a¡). Pyramidenförmig, dreikantig, hinten zugespitzt, vorne erweitert. Recent und tertiär. Im Pliocän des Monte Mario bei Rom, von Messina und Turin häufig. Auch im Oligocän des Mainzer Beckens und im Crag von England.
¿Balantium¿ Leach. (¡Flabellulum¡, ¡Poculina¡ Bellardi) (Fig. 988 ¡b¡). Wie vorige, aber im Querschnitt elliptisch, Oberfläche häufig von der Spitze an mit divergierenden Rippen. Lebend und fossil in Neogen und oberer Kreide (¡B. fabelliforma¡ Blanckenh.).
¿Vaginella¿ Daudin (Fig. 988 ¡c¡). Scheidenförmig bis zylindrisch, konisch, häufig zusammengedrückt, hinten zugespitzt, glatt, Querschnitt elliptisch. Obere Kreide und Tertiär.
¿Cuvieria¿ Rang, ¿Triptera¿ Quoy. (¡Fibiella¡ O. Meyer). Lebend und tertiär. ¿Euchilotheca¿ Fischer, ¿Bovicornu¿ O. Meyer. Eocän.
¿Styliola¿ Lesueur (¡Creseis¡ Rang, ¡Crisia¡ Menke) (Fig. 989). Konisch-röhrenförmig, hinten zugespitzt, vorne erweitert, im Querschnitt rund. Lebend und tertiär. Im Devon von Böhmen, Nassau, Ural, Nordamerika finden sich zuweilen in großer Menge glatte, drehrunde, längsgestreifte, konische Röhren, deren hintere Spitze zu einer kleinen Blase angeschwollen ist. Sie unterscheiden sich äußerlich nicht wesentlich von ¡Styliola¡ oder ¡Creseis¡. Ähnliche Röhren beschreibt ~Blanckenhorn~ auch aus der oberen Kreide von Syrien.
Anhang.
~Formen von zweifelhafter Stellung.~
1. Familie. #Tentaculitidae.# Walcott.
¡Dickschalige schlanke verlängert konische Röhren von rundem Querschnitt, hinten zugespitzt oder mit einer Embryonalblase beginnend; Oberfläche mit parallelen erhabenen Querringen verziert. Der hintere Teil der Schale öfters durch Kalkmasse ausgefüllt oder durch konkave Querböden abgeschlossen.¡
Die einzige Gattung ¿Tentaculites¿ Schloth. (Fig. 990) ist ungemein häufig in Silur- und Devonablagerungen und erfüllt zuweilen ganze Schichten. Die Schale besteht aus einer dichten Außenschicht und einer aus parallelen, der Oberfläche gleichlaufenden Blättern zusammengesetzten Innenschicht. Die von ~Ludwig~ und ~Blanckenhorn~ aus dem Oligocän beschriebenen angeblichen Tentaculiten sind dünnschalige, quergerippte konische Röhren, die wohl eher in die Nähe von ¡Styliola¡ und ¡Euchilotheca¡ gehören.
2. Familie. #Torellellidae.# Holm.
¡Dickschalige, glatte, quer- oder längsgestreifte, hinten zugespitzte, gerade oder gebogene Röhren ohne Deckel.¡ Kambrium. Silur.
¿Torellella¿ Holm. Stark zusammengedrückt, vorne und hinten abgeplattet, im Querschnitt elliptisch, fein quergestreift; aus bräunlichem phosphorsaurem Kalk bestehend. Kambrium, Silur (Schweden).
Hierher wohl auch ¿Hyolithellus¿, ¿Salterella¿ Billings, ¿Coleoloides¿ Walcott aus dem unteren Kambrium von Nordamerika.
3. Familie. #Hyolithidae#. Nicholson.[58]
¡Schale symmetrisch, konisch oder pyramidenförmig, gerade oder scharf gebogen, im Querschnitt dreieckig, elliptisch oder linsenförmig, eine Seite häufig abgeplattet, die andere gewölbt oder in der Mitte mit stumpfem Kiel. Oberfläche glatt oder fein quer gestreift, selten längsgestreift oder gerippt. Deckel die Mündung vollständig schließend, halbkreisförmig, dreieckig oder linsenförmig mit seitlichem Nucleus, konzentrisch gestreift.¡ Kambrium bis Perm.
Die ziemlich großen Schalen bestehen aus kohlensaurem Kalk und sind am hinteren Ende zuweilen durch Querscheidewände abgeschlossen.
Nach ~Holm~ zerfällt die typische Gattung ¿Hyolithes¿ Eichwald (¡Theca¡ Sow., ¡Pugiunculus¡ Barr.) (Fig. 991) in zwei Subgenera, wovon ¿Orthotheca¿ Novák die Formen mit gerade abgestutztem Oberende enthält, während bei ¿Hyolithes¿ der Rand der abgeplatteten Seite über den der anderen Seite vorragt. Die Gattungen ¿Cleidotheca¿, ¿Centrotheca¿ Salter, ¿Camerotheca¿, ¿Diplotheca¿ Matthew, ¿Pharetrella¿ Hall, ¿Ceratotheca¿, ¿Bactrotheca¿ Novák fallen in die Synonymik von ¡Hyolithes¡. Hauptverbreitung in kambrischen und silurischen Ablagerungen von Schweden, Nordamerika, Großbritannien, Rußland, Böhmen, seltener in Devon, Karbon und Perm.
¿Pterotheca¿ Salter, ¿Phragmotheca¿ Barr. Silur, ¿Matthewia¿ Walcott, Kambrium.
4. Familie. #Conulariidae.# Walcott.
¡Schale gerade, in der Jugend mit der Spitze festgewachsen, verkehrt pyramidal, hinten zugespitzt oder abgestutzt, im Querschnitt quadratisch bis rhombisch, meist scharfkantig. Jede der vier quergestreiften oder quergerippten Seitenflächen außen durch eine Medianfurche, welcher innen eine vertikale Leiste entspricht, in zwei Hälften geteilt. Das hintere Ende der Schale mit Scheidewänden. Mündung an gut erhaltenen Exemplaren durch vier dreieckige oder zungenförmige eingebogene Lappen des Oberrandes verengt.¡
Die einzige Gattung ¿Conularia¿ Mill. (Fig. 992, 993) erreicht zuweilen eine Länge von 20 cm. Es sind gegen 100 Arten beschrieben, welche im unteren Silur beginnen und im Lias erlöschen. Hauptverbreitung im Silur von Böhmen, Normandie, England, Schweden, Nordamerika und im Devon von Nordamerika und Bolivien. Selten im Karbon und Perm; je eine Art in Trias und Lias.
E. Ordnung. #Pulmonata.# Cuv. Lungenschnecken.
~Beschalte oder nackte hermaphroditische Schnecken mit Lunge. Herz mit einer Vorkammer hinter der Lunge. Fuß breit, söhlig. Deckel fehlt. Meist Land- oder Süßwasserbewohner.~
Neben den Prosobranchiern bilden die Lungenschnecken die formenreichste Gruppe der Gastropoden. Man kennt gegen 6000 lebende und ca. 700 fossile Arten. Die wichtigsten und artenreichsten Gattungen (¡Helix¡, ¡Bulimus¡, ¡Clausilia¡) leben auf dem Land, andere (¡Planorbis¡, ¡Limnaeus¡, ¡Physa¡) ausschließlich im süßen Wasser. In anatomischer Hinsicht stehen die Pulmonaten zwischen den Opisthobranchiern und Prosobranchiern. Die Kiemen sind durch eine sackförmige Höhle auf der rechten Seite hinter dem Kopf ersetzt, deren Decke mit einem feinverzweigten Netz von Blutgefäßen eingenommen ist, und welcher eine verschließbare Öffnung (¡Spiraculum¡) die Luft zuführt.
Die Süßwasserschnecken kommen zum Atmen entweder an die Oberfläche des Wassers oder sie benutzen ihre Lunge zur Wasseratmung. Ein eigentlicher Deckel fehlt, doch sperren viele Landschnecken während des Winterschlafes ihre Mündung durch ein Kalkblatt (Epiphragma) ab, das im Frühjahr wieder abfällt. Die ältesten Landpulmonaten beginnen vereinzelt in der Steinkohlenformation; sie finden sich nur spärlich in Jura und Kreide, werden in der Tertiärzeit häufiger, erreichen aber erst in der Jetztzeit ihre höchste Formenentwicklung.
Die Thalassophilen und Auriculiden kommen stets in marinen, die übrigen Pulmonaten fast ausschließlich in Süßwasserablagerungen vor; sie sind meist mit anderen Süßwasserorganismen vermengt und in der Regel durch Regen oder fließendes Wasser in ehemalige Sümpfe oder Ästuarien verschwemmt.
1. Unterordnung. #Thalassophila.# Gray.
¡Schale napf- oder niedrig kegelförmig, ohne Gewinde, etwas unsymmetrisch. Tiere außer der Lungenhöhle noch mit einer Kieme versehen. Tentakeln mit dem scheibenförmigen Kopf verschmolzen. Augen sitzend.¡
Die Thalassophilen bewohnen die Littoralzone der Ozeane oder brackische Ästuarien. Fossil vom Devon an. Die beiden Familien der ~Siphonariiden~ und ~Gadiniiden~ sind durch ihre Schalen allein nicht voneinander zu unterscheiden.
¿Siphonaria¿ Blainv. (Fig. 994). Schale meist radial gerippt. Wirbel nach hinten oder links gebogen, im Innern zwei ungleiche Muskeleindrücke, welche rechts vorne durch eine breite Furche unterbrochen sind. Tertiär und lebend.
¿Hercynella¿ Kayser (Fig. 995) Devon, ¿Anisomyon¿ Meek und Hayden. Jura. Kreide.
¿Valenciennesia¿ Rousseau. Sehr dünnschalig, breit schüsselförmig, konzentrisch gerippt. Wirbel dem Hinterrand genähert. Rechte Seite mit einer breiten Falte für die Atemröhre. In brackischen Congerienschichten von Ungarn, Rumänien und Südrußland.
2. Unterordnung. #Basommatophora.# A. Schmidt.
¡Augen am Grunde der beiden Fühler gelegen; stets beschalt. Wasserbewohner.¡
1. Familie. #Auriculidae.# Blainv.
¡Schale dick, eiförmig, Gewinde kurz, letzter Umgang sehr groß. Innenlippe oder Spindel mit Falten.¡ Kreide bis jetzt. Bewohnen Meeresküsten und salzige Sümpfe.
¿Auricula¿ Lam. (Fig. 996). Länglich oval mit Epidermis; Mündung schmal, unten gerundet, Innenlippe mit 2-3 Falten, Außenlippe innerlich verdickt, zuweilen mit Zähnen. Jura bis jetzt.
Subgenera: ¿Cassidula¿ Fér., ¿Plecotrema¿ Ad., ¿Alexia¿ Leach (Fig. 997), ¿Pythiopsis¿ Sandb. (Fig. 998).
¿Carychium¿ Mke. (Fig. 999). Klein, glatt, glänzend. Innenlippe mit 1-2 Falten, Außenlippe verdickt, zuweilen mit Zahn. Jura, tertiär und lebend.
¿Scarabus¿ Montf. (¡Polyodonta¡ Fischer und Waldh.), ¿Melampus¿ Montf., ¿Leuconia¿ Gray, ¿Blauneria¿ Shuttlew. etc. Tertiär und lebend.
2. Familie. #Limnaeidae.# Keferstein.
¡Schale dünn, oval, turm-, scheiben- bis napfförmig.¡ Lias bis jetzt. Süßwasserbewohner. Häufig im Tertiär.
¿Limnaeus¿ (Cuv.) Drap. (¡Lymnaea¡ Lam.) (Fig. 1000). Schale dünn, durchscheinend mit sehr großer Schlußwindung und spitzem, mäßig hohem Gewinde. Mündung weit, eiförmig. Außenlippe scharf. Lebend in allen Zonen, fossil vom oberen Jura (Purbeck-Schichten) an. Hauptverbreitung im Tertiär.
¿Physa¿ Drap. (Fig. 1001). Wie ¡Limnaeus¡, aber linksgewunden. Ob. Jura bis jetzt.
¿Planorbis¿ Guettard (Fig. 1002. 1003). Scheibenförmig; selten turmförmig mit zahlreichen Umgängen. Mündung oval bis halbmondförmig. Außenlippe scharf. Lias bis jetzt. Sehr häufig im Tertiär. Von besonderem Interesse wegen seiner außerordentlichen Variabilität ist ¡Pl. multiformis¡ Bronn sp. (Fig. 1003) aus dem mittleren Miocän von Steinheim in Württemberg. Die Mutationen desselben finden sich meist in verschiedenen Schichten des dortigen Süßwasserkalkes und stellen nach ~Hilgendorf~ und ~Hyatt~ eine ausgezeichnete genealogische Reihe dar.
¿Ancylus¿ Geoffroy (Fig. 1004). Schale napfförmig, mit schwach eingekrümmter, dem Hinterrand genäherter Spitze. Tertiär und lebend.
¿Chilina¿ Gray. Lebend und fossil (tertiär) in Südamerika.
3. Unterordnung. #Stylommatophora.# A. Schmidt.
¡Augen an den Enden von zwei einstülpbaren Fühlern, vor denen meist noch zwei kürzere Labialfühler stehen. Nackte oder beschalte Landschnecken.¡
1. Familie. #Limacidae.# Lam.
¡Nacktschnecken mit winzigem, im Mantel verborgenem Schalenrudiment.¡
Kleine schildförmige Schälchen von ¿Limax¿ und ¿Amalia¿ sind aus Tertiär und Diluvium bekannt.
2. Familie. #Testacellidae.# Gray.
¡Fleischfressende Landschnecken mit spiraler, bald sehr kleiner, bald großer zur Aufnahme des Tieres geeigneter Schale.¡
¿Testacella¿ Cuv. (Fig. 1005). Schale klein, ohrförmig, am Hinterende des Tieres gelegen. Tertiär und lebend.
¿Parmacellina¿ Sandb. Eocän. ¿Daudebardia¿ Hartm. (¡Helicophanta¡ Fér.). Recent und Diluvium.
¿Glandina¿ Schum. (Fig. 1006). Schale länglich oval mit verlängertem Gewinde. Mündung vorne mit Ausguß, Spindel abgestutzt. Obere Kreide, tertiär und lebend.
¿Cylindrella¿ Pfeiff. Eine einzige fossile Art im Pariser Eocän. Gegenwärtig in Westindien, Zentralamerika und auf den Philippinen verbreitet.
3. Familie. #Helicidae.# Keferstein.
¡Landschnecken mit sehr mannigfaltiger spiraler, zur Aufnahme des ganzen Körpers geeigneter Schale.¡
Gegen 5000 lebende und ca. 500 fossile Arten.
¿Vitrina¿ Drap. Schale klein, durchsichtig, mit kurzem Gewinde und sehr großem letztem Umgang. Lebend und tertiär.
¿Archaeozonites¿ Sandb. (Fig. 1007). Dickschalig, kugelig mit ziemlich hohem Gewinde, tief genabelt. Außenlippe scharf. Oligocän und Miocän. Hierher die älteste Helixform aus der produktiven Steinkohlenformation von Neu-Schottland.
¿Zonites¿ Montf. Wie vorige, nur dünnschaliger, unten glatt, oben gekörnt. Tertiär und lebend.
¿Hyalina¿ Gray (Fig. 1008), ¿Omphalosagda¿ Sandb., ¿Trochomorpha¿ Martens. Lebend und tertiär.
¿Lychnus¿ Montf. (Fig. 1009). Letzter Umgang groß, anfänglich aufsteigend, dann abwärts gebogen, so daß die Mundränder in der Ebene der Grundfläche liegen. Ob. Kreide der Provence und Spaniens.
¿Helix¿ Lin. (Fig. 1010). Schale halbkugelig, kegelförmig bis scheibenförmig, höchst verschiedenartig gestaltet. Mündung schief, halbmondförmig oder rundlich. Mundränder getrennt. Sehr häufig tertiär und lebend; Hauptverbreitung im Miocän. Man unterscheidet über hundert Subgenera und mehr als 2000 Species.
¿Bulimus¿ Brug. Schale länglich eiförmig bis turmförmig. Mündung länger als breit. Außenlippe häufig verdickt und umgeschlagen. Gegen 1000 lebende und zahlreiche fossile Arten von der oberen Kreide an.
¿Buliminus¿ Ehrbg. (Fig. 1011), ¿Cionella¿ Jeffreys, ¿Azeca¿ Leach, ¿Caecilianella¿ Bourg. etc. Tertiär und lebend.
¿Megaspira¿ Lea (Fig. 1012). Turmförmig, schlank, sehr lang. Spindel mit Querfalten. Ob. Kreide bis jetzt.
¿Clausilia¿ Drap. (Fig. 1013). Turm- bis spindelförmig, schlank, linksgewunden. Mündung birnförmig, meist mit zusammenhängenden Rändern; Innenlippe mit zwei Falten, Außenlippe etwas zurückgeschlagen. Mündung durch ein bewegliches Kalkstückchen verschließbar. Fossil nicht häufig, vom Eocän an; ca. 400 lebende Arten.
¿Pupa¿ Lam. (Fig. 1014 ¡b¡). Klein, zylindrisch eiförmig. Mündung halbrund, meist durch Zähne auf Spindel, Innenlippe und Außenlippe verengt. Außenlippe zurückgeschlagen. Tertiär und lebend.
¿Dendropupa¿ Dawson (Fig. 1014 ¡a¡). Wie ¡Pupa¡, aber Mündung ohne Zähne. Steinkohlenformation von Neu-Schottland.
¿Anthracopupa¿ Whitf. Steinkohlenformation. Nordamerika.
¿Vertigo¿ Müller. Tertiär und lebend.
¿Succinea¿ Pfeiffer (Fig. 1015). Schale dünn, eiförmig, bernsteinfarben, durchscheinend, mit kurzer Spira und großem eiförmigem letztem Umgang. Außenlippe scharf. Tertiär und lebend; häufig im Löß.
#Zeitliche Verbreitung der Gastropoden.#
Unter den Mollusken überragen die Gastropoden alle übrigen Klassen an Formenreichtum. Sie beginnen im Kambrium und entfalten, indem sie succesive an Verbreitung und Mannigfaltigkeit zunehmen, ihre höchste Blüte in der Jetztzeit. Mehr als 15000 Spezies dürften gegenwärtig verbreitet sein, wovon etwa 3/5 den Prosobranchiern, 2/5 den Pulmonaten angehören.
Im untersten ~Kambrium~ (Olenellus-Schichten) treten von Prosobranchiern die Gattungen ¡Scenella¡, ¡Stenotheca¡, ¡Platyceras¡, ¡Raphistoma¡, ¡Pleurotomaria¡ und eine Anzahl problematischer Pteropoden (¡Hyolithes¡, ¡Hyolithellus¡, ¡Salterella¡, ¡Torellella¡ etc.) auf und zeigen, daß unter den Prosobranchiern den Cyclobranchinen, Aspidobranchinen und Capuliden das altertümlichste Gepräge anhaftet. Auch in den jüngeren kambrischen Ablagerungen herrschen neben den angeblichen Pteropoden Aspidobranchier aus den Familien der Pleurotomariiden, Euomphaliden und Bellerophontiden vor; zu ihnen kommen Capuliden und einige Gattungen, die nach ihren Schalen ebenso gut zu den Turbiniden, wie Littoriniden gehören können. Bemerkenswert ist die Gattung ¡Subulites¡, welche sich vielleicht den Pyramidelliden anschließt, aber bereits einen deutlichen Ausguß neben dem Spindelende besitzt.
Leider gewähren die meist schlecht erhaltenen Schalen der kambrischen Gastropoden keine sicheren Anhaltspunkte über die Anatomie der Weichteile, allein mancherlei Gründe sprechen doch für die Annahme, daß Aspidobranchier und Ctenobranchier ursprünglich noch nicht so streng geschieden waren wie heutzutage.
Im ~Silur~ nehmen die Gastropoden an Artenzahl erheblich zu, es tauchen auch einige neue Familien (¡Scalaridae¡, ¡Purpurinidae¡, ¡Turbinidae¡, ¡Trochidae¡, ¡Xenophoridae¡) auf, aber im ganzen bleibt der Charakter der Gastropodenfauna noch derselbe wie im Kambrium, und auch ~Devon~, ~Karbon~ und ~Perm~ bringen keine wesentlichen Veränderungen.
Pteropoden, Aspidobranchier, einige Cyclobranchier und Opisthobranchier, sowie wenige Familien der Ctenobranchier (¡Capulidae¡, ¡Pyramidellidae¡, ¡Littorinidae¡) drücken der paläozoischen Schneckenfauna ihr ziemlich einförmiges Gepräge auf.
In ~Trias~ und ~Jura~ sterben die großen dickschaligen Pteropoden (¡Conularia¡) aus; verschiedene Familien der Aspidobranchier (¡Pleurotomariidae¡, ¡Turbinidae¡, ¡Neritopsidae¡, ¡Neritidae¡) erreichen den Höhepunkt ihrer Entwicklung, und unter den Ctenobranchiern entfalten die Pyramidelliden, Nerineiden, Purpuriniden, Turritelliden und Aporrhaiden einen beträchtlichen Formenreichtum.
In der ~Kreide~ nehmen die siphonostomen Ctenobranchier einen beträchtlichen Aufschwung, und im Tertiär beherrschen sie bereits entschieden das Feld, indem sie an Formenreichtum alle übrigen Familien überholen und sich mehr und mehr den noch jetzt existierenden Gattungen und Arten nähern. Die Nerineiden, Pyramidelliden und Aporrhaiden, welche im Mesozoikum neben den Aspidobranchiern eine so hervorragende Stellung eingenommen hatten, sind teils ausgestorben, teils stark im Rückgang. Im Eocän und Oligocän finden sich schon überwiegend noch jetzt lebende Genera, allein die Arten sind ausnahmslos erloschen. Im Miocän tauchen vereinzelt noch gegenwärtig existierende Spezies auf, deren Zahl im jüngeren Pliocän bis auf 80 und 95% steigt.
Bemerkenswert ist die zeitliche Verbreitung der Pulmonaten. Während thalassophile Siphonariiden schon vereinzelt in Devon vorkommen, erscheinen Landschnecken (¡Archaeozonites¡, ¡Dendropupa¡) in sehr spärlicher Zahl zuerst in der produktiven Steinkohlenformation und Süßwasserschnecken zuerst an der Grenze von Jura und Kreide (Purbeckschichten). In der Wälderstufe und der Kreide nehmen Land- und Süßwasserschnecken an Formenreichtum zu und erlangen in der Tertiärzeit eine noch größere Verbreitung und Mannigfaltigkeit, ohne jedoch die erstaunliche Differenzierung der jetzt lebenden Binnenconchylien zu erreichen.
Die successive Annäherung an die Jetztzeit beschränkt sich nicht allein auf die Produktion von Formen, welche den heute lebenden mehr und mehr nahe kommen, sondern auch auf die Anbahnung der jetzigen geographischen Verbreitungsbezirke. Die mesozoischen Gastropoden tragen noch einen zu fremdartigen Charakter, um sich mit irgend einer modernen Conchylienfauna näher vergleichen zu lassen; aber schon die eocänen Formen haben ein modernes Gepräge und lassen bereits einige Beziehungen zu den in den benachbarten wärmeren Zonen verbreiteten Schnecken erkennen.
Die ganze eocäne Conchylienfauna von Europa, Nordamerika, Asien und Nordafrika hat viele gemeinsame Gattungen und zahlreiche stellvertretende Arten, die dafür sprechen, daß dieselben in ein und demselben Ozean gelebt haben. Einen wesentlich anderen Charakter zeigen die eocänen Conchylien von Australien, Neu-Seeland und Südamerika. Sie erweisen sich als Vorläufer der heutigen Bewohner der südlichen Regionen des Pazifischen und Atlantischen Ozeans.
Noch bestimmter deuten die Land- und Süßwasserschnecken auf ihre Nachfolger in den betreffenden Kontinenten hin, nur besitzen die mesozoischen, eocänen und miocänen Faunen noch ein entschieden tropisches Gepräge. Die europäischen und amerikanischen Binnenconchylien der Miocänzeit erinnern darum weit mehr an die jetzigen Bewohner der Azoren und von West-Indien, als an die gegenwärtig offenbar in kühlerem Klima gedeihenden Land- und Süßwasserschnecken von Europa und Nordasien. Erst im Pliocän und Pleistocän erlangt jeder Weltteil seine eigentümliche, der jetzt existierenden nahekommende Schneckenfauna.
Die zeitliche Verbreitung der Gastropoden ergibt sich aus nachfolgender Tabelle.
+--------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+ | | K | S | D | K | P | T | J | K | P | N | J | | | a | i | e | a | e | r | u | r | a | e | e | | | m | l | v | r | r | i | r | e | l | o | t | | | b | u | o | b | m | a | a | i | ä | g | z | | | r | r | n | o | | s | | d | o | e | t | | | i | | | n | | | | e | g | n | z | | | u | | | | | | | | e | | e | | | m | | | | | | | | n | | i | | | | | | | | | | | | | t | +--------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+ | ¡#A. Prosobranchia#¡ | | | | | | | | | | | | | ¡1.¡ ¿Cyclobranchina¿ |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡2.¡ ¿Aspidobranchina¿ | | | | | | | | | | | | | ¡1. Fissurellidae¡ | | | |===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡2. Haliotidae¡ | | | | | | | | ==|===|===|===| | ¡3. Bellerophontidae¡ |===|===|===|===|===|===| | | | | | | ¡4. Porcelliidae¡ | | |===|===| | | | | | | | | ¡5. Pleurotomariidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡6. Euomphalidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|== | | | | | ¡7. Stomatiidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡8. Turbinidae¡ | ==|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡9. Phasianellidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡10. Delphinulidae¡ | ==|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡11. Trochonematidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|===| | | | | ¡12. Trochidae¡ | |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡13. Xenophoridae¡ | |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡14. Umboniidae¡ | | ? | ? |===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡15. Neritopsidae¡ | | |===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡16. Neritidae¡ | | | | | |===|===|===|===|===|===| | ¡17. Helicinidae¡ | | | | | | | | | | |===| | | | | | | | | | | | | | | ¡3.¡ ¿Ctenobranchina¿: | | | | | | | | | | | | | ¡1. Solariidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡2. Purpurinidae¡ | |===|===|===|===|===|===|== | | | | | ¡3. Littorinidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡4. Cyclostomidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡5. Capulidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡6. Naticidae¡ | | | | | |===|===|===|===|===|===| | ¡7. Ampullariidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡8. Valvatidae¡ } | | | | | | | | | | | | | ¡9. Paludinidae¡ } | | | | | | | ==|===|===|===|===| | ¡10. Hydrobiidae¡ } | | | | | | | | | | | | | ¡11. Rissoidae¡ | | | | | | |===|===|===|===|===| | ¡12. Scalaridae¡ | |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡13. Turritellidae¡ | | | | | |===|===|===|===|===|===| | ¡14. Vermetidae¡ | | |===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡15. Caecidae¡ | | | | | | | | |===|===|===| | ¡16. Pyramidellidae¡ |===|===|===|===|===|===|===|===|===|===|===| | ¡17. Melaniidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡18. Nerineidae¡ | | | | | |===|===|===| | | | | ¡19. Cerithiidae¡ | | | | | |===|===|===|===|===|===| | ¡20. Aporrhaidae¡ | | | | | | |===|===|===|===|===| | ¡21. Strombidae¡ | | | | | | |===|===|===|===|===| | ¡22. Columbellaridae¡ | | | | | | | ==|===| | | | | ¡23. Cypraeidae¡ | | | | | | | ==|===|===|===|===| | ¡24. Cassididae¡ | | | | | | | | ==|===|===|===| | ¡25. Doliidae¡ | | | | | | | | ==|===|===|===| | ¡26. Tritoniidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡27. Columbellidae¡ | | | | | | | | |===|===|===| | ¡28. Buccinidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡29. Purpuridae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡30. Muricidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡31. Fusidae¡ | | | | | | |===|===|===|===|===| | ¡32. Volutidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡33. Harpidae¡ | | | | | | | | |===|===|===| | ¡34. Olividae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡35. Cancellariidae¡ | | | | | | | | ==|===|===|===| | ¡36. Terebridae¡ | | | | | | | | ==|===|===|===| | ¡37. Pleurotomidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | ¡38. Conidae¡ | | | | | | | |===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡#B. Heteropoda#¡ | | | | | | | | | | ==|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡#C. Opisthobranchia#¡ | | | |===|===|===|===|===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡#D. Pteropoda#¡ |===|===|===|===|===|===|== |===|===|===|===| | | | | | | | | | | | | | | ¡#E. Pulmonata#¡ | | |===|===| | |===|===|===|===|===| +--------------------------+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+---+
5. Klasse. #Cephalopoda.# Kopffüßer.[59]
~Kopf vom Rumpf scharf gesondert; Mund von mindestens acht oder mehr kreisförmig angeordneten fleischigen Armen oder zahlreichen Tentakeln umgeben; Fuß zu einem trichterförmigen, muskulösen Schwimmorgan umgewandelt. Mund mit Kiefern und Radula versehen. Geschlechter getrennt. Sinnesorgane hoch entwickelt~.
Die Cephalopoden unterscheiden sich von den übrigen Mollusken hauptsächlich durch den Kranz fleischiger Arme, welche den Mund umstehen, als Greif- oder Bewegungsorgane dienen und häufig mit Saugnäpfchen oder Häkchen bewehrt sind. Sie nehmen die höchste Stelle unter den Mollusken ein und erreichen zuweilen gewaltige Größe. Alle Cephalopoden atmen durch Kiemen und leben ausschließlich im Ozean. Ihr Nervensystem, ihre Muskulatur, ihre Zirkulations-, Ernährungs-, Fortpflanzungs- und Sinnesorgane zeichnen sich durch eine hohe Differenzierung aus, die fast an jene der Wirbeltiere heranreicht. Ein fleischiger freier Mantellappen umgibt die Atmungshöhle und einen Teil des Kopfes und bildet zugleich die äußere Umhüllung des Rumpfes, worin die Verdauungs- und Sekretionsorgane, das Herz und die Hauptblutgefäße ihren Sitz haben. Ein sehr starker Ganglienknoten (Cerebralganglion) liegt in der Nähe des Schlundes und wird durch einen knorpeligen Ring (~Kopfknorpel~) gestützt; von ihm gehen die prinzipalen Nervenstränge aus, die wieder zu mehreren paarigen Knoten anschwellen.
Die jetzt lebenden Cephalopoden wurden von ~Owen~ in ¿Tetrabranchiata¿ (Vierkiemener) und ¿Dibranchiata¿ (Zweikiemener) eingeteilt. Von ersteren existiert jetzt nur noch eine einzige Gattung (¡Nautilus¡), während die letzteren gegenwärtig einen beträchtlichen Formenreichtum aufweisen.
Eine ungeheure Menge fossiler Cephalopoden bevölkerte die paläozoischen und mesozoischen Meere. Ein Teil derselben schließt sich eng an die lebende Gattung ¡Nautilus¡ an, andere sind unzweifelhafte ¡Dibranchiata¡. Bei den zwei formenreichsten Gruppen (¡Ammonoidea¡ und ¡Belemnoidea¡) fehlt jeder Anhaltspunkt über die Zahl der Kiemen; da jedoch die Schalen der ersteren in allen wesentlichen Merkmalen mit ¡Nautilus¡, die der ¡Belemnoidea¡ mit gewissen Dibranchiaten übereinstimmen, so erscheint es zweckmäßig, die ~Owen~sche Einteilung auch für die fossilen Cephalopoden beizubehalten.
A. Ordnung. #Tetrabranchiata.# Vierkiemener.[60]
~Beschalte Cephalopoden mit vier baumförmigen Kiemen. Schale äußerlich, gekammert. Trichter gespalten. Tintenbeutel fehlt. Statt der Arme zahlreiche Tentakeln ohne Saugnäpfe und Häkchen.~ Kambrium bis jetzt.
Unsere ganze Kenntnis über die Organisation der Tetrabranchiaten stützt sich auf die einzige, noch jetzt existierende Gattung ¡Nautilus¡ (Fig. 1016). Das Tier liegt mit der Bauchseite nach außen gekehrt in der vordersten Kammer (Wohnkammer) der Schale. Der Körper ist kurz und dick, der Kopf durch eine Einschnürung vom Rumpf getrennt. Um den Mund herum stehen etwa 90 fadenförmige, in fleischigen Scheiden steckende ~Tentakeln~, die in drei Reihen angeordnet und durch einen dicken, muskulösen Lappen (~Kopfkappe~) in zwei symmetrische Gruppen geteilt sind. Dieser Lappen verschließt die Mündung der Schale, wenn sich das Tier in die Wohnkammer zurückgezogen hat.
Hinter dem Kopf auf der Außenseite befindet sich ein sehr dickes, muskulöses, zusammengerolltes Blatt (¡d¡), dessen äußere Ränder übereinandergeschlagen sind und das sich nach vorne verengt, nach hinten erweitert. Dieser sogenannte ~Trichter~ liegt unter der Atemhöhle und entspricht dem Fuße der Gastropoden. Er dient zum Ausstoßen von Wasser und treibt dadurch das schwimmende Tier von der Stelle. An der Basis der seitlichen Tentakeln befindet sich jederseits ein großes, kurzgestieltes Auge, und inmitten der Tentakelkränze die Mundhöhle mit fleischiger Zunge, deren Radula mehrere Reihen von Platten und Häkchen besitzt. Die ungewöhnlich kräftigen ~Kiefer~ (Fig. 1017, 1018) bestehen im wesentlichen aus dunkler Hornsubstanz, nur die Spitzen sind verkalkt. Solche verkalkte Kieferspitzen finden sich nicht selten fossil in Trias, Jura und Kreideablagerungen, bald noch innerhalb oder neben Nautilus-Schalen, bald auch isoliert. Die des triasischen ¡Temnocheilus bidorsatus¡ wurden unter der Bezeichnung ¿Rhyncholithes¿ und ¿Conchorhynchus¿ (Fig. 1019, 1020), die jurassischen und cretaceischen als ¿Rhynchoteuthis¿ (Fig. 1021) und ¿Palaeoteuthis¿ d'Orb. beschrieben.
Die großen buschförmigen ~Kiemen~ liegen in zwei Paaren an der Basis des Trichters; zwischen ihnen mündet die Afteröffnung und etwas weiter hinten befinden sich die Ausgänge der Geschlechtsorgane. Beim Weibchen sieht man im Grund der Atemhöhle eine große, dreiteilige ~Nidamentaldrüse~, die außen mit dem Mantelblatt verwächst.
Der ~Rumpf~ ist sackförmig, hinten gerundet und vom Mantel umhüllt; an seinem Hinterende tritt ein mit Blutgefäßen ausgestatteter, häutiger hohler Strang (~Sipho~) durch eine runde Öffnung der letzten Scheidewand in den gekammmerten Teil der Schale und verläuft bis in die Anfangskammer.
Zur Befestigung des Tieres in der Wohnkammer dienen zwei unter den Augen gelegene ovale Muskeln, welche sich fest an die Innenwand der Wohnkammer anlegen und daselbst schwache Eindrücke verursachen. Zwischen diesen ~Haftmuskeln~ bildet der Mantel ein schmales, anfänglich rückwärts, in der Mitte etwas nach vorne gebogenes ~Verwachsungsband~ (annulus), das gleichfalls durch einen schwachen Eindruck angedeutet wird. Sowohl die Haftmuskeln als auch das ~Verwachsungsband~ lassen sich manchmal noch an fossilen Gehäusen nachweisen.
Die ~Schale~ des lebenden ¡Nautilus¡ ist in einer Ebene spiral eingerollt, aus mehreren Umgängen zusammengesetzt, die sich entweder ganz umhüllen oder nur einen engen Nabel freilassen. Mit Ausnahme des letzten Umgangs, welcher etwa zur Hälfte dem Tier als Wohnkammer dient, wird die Schale durch parallele, nach vorne konkave, in regelmäßigen Abständen aufeinanderfolgende Scheidewände in zahlreiche Kammern abgeteilt. Diese Kammern sind mit Luft gefüllt und vom Sipho durchzogen.
Die Schale selbst ist aus zwei Schichten zusammengesetzt: einer äußeren porzellanartigen, deren weiße Oberfläche mit roten oder braunen, flammenartigen Radialbändern verziert ist, und einer inneren perlmutterglänzenden, aus dünnen, parallelen Blättern aufgebauten, welche von rechtwinklig gestellten Linien gekreuzt werden.
Die Scheidewände bestehen aus der Perlmutterschicht, sind jedoch wie die Innenwände der Kammern mit einem ganz dünnen opaken Kalkhäutchen überzogen.
Mit der Nautilusschale stimmen, was Kammerung und Struktur betrifft, zahlreiche fossile Gehäuse überein, die in zwei Gruppen (¡Nautiloidea¡ und ¡Ammonoidea¡) eingeteilt werden und sich durch abweichende Anfangskammer, sowie durch graduelle Differenzen in der Beschaffenheit der Suturlinie, des Siphos, der Skulptur und der Mündung voneinander unterscheiden.
Über die ~Lebensweise~ des ¡Nautilus¡ liegen nur dürftige Beobachtungen vor.[61] Leere Schalen werden in großer Menge im Stillen und Indischen Ozean ans Ufer getrieben. Die Tiere selbst halten sich am zahlreichsten in Tiefen von 400-700 m auf, wo sie auf dem Boden zu kriechen scheinen. Seltener findet man sie auch in geringeren Tiefen oder freischwimmend. Beide Geschlechter bewohnen Schalen von übereinstimmender Größe und Form, doch sind nach B. ~Dean~ die Schalen der Weibchen häufig etwas gewölbter und bauchiger als die der Männchen. ~Willey~ hält im Gegenteil die flacheren Schalen für weibliche. Beim Schwimmen werden die Tentakeln horizontal ausgebreitet und der Kopf möglichst weit herausgestreckt; beim Kriechen sind Kopf und Tentakeln gegen den Boden gerichtet. Die Schale dient beim Schwimmen als hydrostatischer Apparat; zieht sich das Tier in die Wohnkammer zurück, so sinken beide in die Tiefe, dehnt es sich über die Wohnkammer aus und verdrängt dadurch ein größeres Volumen Wasser, so treibt die mit Luft gefüllte Schale das Tier in die Höhe. Eine Mitwirkung des Siphos findet hierbei in keiner Weise statt; die Wand desselben gestattet keine Ausdehnung, wodurch der Umfang des Siphos zwischen den Scheidewänden vergrößert würde.
Unvollständig bekannt ist die ~Fortpflanzung~ und ~Entwicklungsgeschichte~ des ¡Nautilus¡. Aus dem Bau der Schale geht aber mit großer Wahrscheinlichkeit hervor, daß das Tier anfänglich eine bis jetzt unbekannte, leicht vergängliche, wahrscheinlich häutige Embryonalschale bildete, deren Anwesenheit durch eine Narbe auf der Rückwand der ersten Luftkammer angedeutet wird. Darauf diente die erste Luftkammer als Wohnkammer; beim Weiterwachsen rückte das Tier nach vorne und sonderte wahrscheinlich in periodischen Ruhepausen am Hinterrand des Rumpfes ein Septum ab. Eine Ausstülpung des Visceralsackes blieb als Sipho in der ersten Kammer zurück. Nach und nach wandelte sich diese Ausstülpung in einen Strang von verschiedener Dicke um, welcher sämtliche Luftkammern durchbohrt und das Tier mit der ersten Kammer in Verbindung erhält. Der Sipho ist demnach weder ein Muskelstrang zum Zurückziehen des Tieres in die Schale, noch ein Haftorgan zur Befestigung des ersteren, noch ein Apparat, um Luft oder Wasser in die Kammern der Schale zu schaffen, sondern lediglich eine Verlängerung des Visceralsackes, die bei manchen fossilen Gattungen mit sehr weitem Sipho (¡Endoceras¡) wahrscheinlich auch noch Eingeweide enthielt.
1. Unterordnung. #Nautiloidea.#[62]
¡Schale gerade, gebogen, spiral eingerollt oder schneckenförmig. Mundsaum einfach oder verengt mit Ventralausschnitt. Scheidewände in der Mitte nach vorne konkav. Suturen einfach, zuweilen wellig gebogen, sehr selten zackig. Sipho häufig dick und durch innerliche Ablagerung verengt, zentral, intermediär, selten randständig. Siphonaldüten fast immer nach hinten gerichtet. Embryonalkammer bei den geraden Formen eine kalkige, sackförmige, bei den spiraleingerollten wahrscheinlich eine häutige, kugelige Blase. Erste Luftkammer auf der Hinterwand mit äußerlicher Narbe.¡ Kambrium bis jetzt.
Die Gestalt der Nautiloideenschale ist außerordentlich variabel, bald gerade, langgestreckt zylindrokonisch oder kurz kegelförmig, bald einfach gebogen, bald in offener oder geschlossener, ausnahmsweise auch in Schrauben- oder Schneckenspirale aufgerollt. Ziemlich mannigfaltig erweist sich auch die äußere Verzierung; neben glatten oder nur mit feinen Zuwachslinien versehenen Gehäusen findet man Schalen mit reicher Quer- oder Längsskulptur, zuweilen auch mit Spuren von Färbung. Im allgemeinen bleiben jedoch die erhabenen Rippen, Kiele, Knotenreihen und Blätter ziemlich einfach und zeigen niemals so große Differenzierung wie bei den Ammonoideen. Die Wohnkammer des Tieres besitzt, je nach dem Volumen der Schalenröhre verschiedene Länge; bei den spiralgewundenen Formen nimmt sie gewöhnlich die Hälfte oder zwei Dritteile des letzten Umgangs, bei den röhrenförmigen zuweilen die Hälfte, zuweilen aber auch nur den dritten, vierten, fünften Teil oder noch weniger der ganzen Schalenlänge ein.
Die Wohnkammer wird nach außen durch den ~Mundsaum~ begrenzt. Bei ¡Nautilus¡ verlaufen die Seitenränder derselben schwach konvex nach vorne und bilden außen, auf dem Externteil, einen gerundeten, buchtförmigen, die Lage des Trichters bezeichnenden Ausschnitt. Bei manchen fossilen Gattungen (¡Orthoceras¡) sind die Mundränder gerade oder schief abgestutzt (Fig. 1022), oder die Seitenränder verlängern sich in ohrenförmige Lappen (¡Lituites¡, ¡Ophidioceras¡). Den ~einfachen~ Mundrändern stehen die ~verengten~ (zusammengesetzten) Mündungen gegenüber, bei welchen sich entweder sämtliche Ränder nach innen biegen und dadurch das Lumen der Mundöffnung verengen (¡Hercoceras¡ Fig. 1054), oder bei denen nur die Seitenränder gegeneinander eingebogen sind, so daß eine spaltförmige, am Ventralteil erweiterte Öffnung entsteht (¡Phragmoceras¡ Fig. 1023). Biegt sich auch der Externrand nach innen, so kann die Ventralbucht zu einer Querspalte reduziert werden und die Mündung T-förmige Gestalt erhalten (Fig. 1024). Bei solchen Mundöffnungen entspricht die Querspalte dem Trichterausschnitt und bezeichnet somit die Ventralseite; die am entgegengesetzten Ende befindliche meist erweiterte Längsspalte gestattete wahrscheinlich den Tentakeln und dem Kopf den Austritt. Nicht selten erscheinen die Spalten einer T-förmig verengten Mündung durch Sekundärausbuchtungen mehrlappig (Fig. 1047). Bei manchen gebogenen Schalen befindet sich der Ventralausschnitt nicht auf der gewölbten äußeren, sondern auf der konkaven inneren Seite. Man unterscheidet danach ~exogastrische~ und ~endogastrische~ Schalen.
Die Innenwand der Wohnkammer zeigt bei fossilen Nautiloideen zuweilen feine Quer- oder Längslinien (Ritzstreifen), und beim lebenden ¡Nautilus¡ sondert die Kopfkappe da, wo sie dem vorhergehenden Umgang aufliegt, also unmittelbar vor der Mündung eine schwarze, aus organischer Substanz bestehende Deckschicht ab.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Beschaffenheit der inneren ~Scheidewände~ (Septa), welche im gekammerten Schalenteil die Luftkammern begrenzen. Ihre Zahl variiert außerordentlich bei den verschiedenen Gattungen und Arten, bleibt jedoch bei den Individuen ein und derselben Spezies konstant. Sie folgen in regelmäßigen, mit der zunehmenden Größe der Schale etwas wachsenden Abständen aufeinander und dienten ohne Zweifel alle der Reihe nach dem Tier während seiner Entwicklung als Wohnung. An unverletzten fossilen Schalen ist gewöhnlich nur die Wohnkammer mit Gesteinsmasse (erhärtetem Schlamm) ausgefüllt, in die Luftkammern konnte Schlamm nur durch den Sipho oder durch Beschädigung eindringen; sie bleiben jedoch selten leer, sondern sind meist mit Infiltrationskristallen von Kalkspat, seltener mit Quarz, Cölestin, Baryt oder Schwefelkies ausgefüllt.
Bei paläozoischen Nautiloideen beobachtet man zuweilen in dem Zwischenraum von zwei Septen eine weitere den Hauptsepten parallel oder auch abweichend verlaufende Zwischenwand, die aus zwei sich leicht voneinander ablösenden dünnen Kalkblättern zusammengesetzt ist (Fig. 1025). Die Entstehung dieser Pseudosepten wird durch periodische Abstoßung einer später verkalkenden Membran am Hinterrande des Körpers erklärt.
Die Anheftungslinie der Scheidewände an der Innenwand des Gehäuses heißt ~Sutur~. Dieselbe wird äußerlich nur sichtbar, wenn die Schale weggesprengt oder aufgelöst ist; an fossilen Steinkernen zeigt sie sich in großer Schärfe. Bei den Nautiloideen bildet die Sutur in der Regel eine einfache, geradlinig verlaufende oder etwas wellig gebogene Linie. Zuweilen springt sie auf den Seiten bogenförmig vor und bildet einen ~Seitensattel~, der von zwei buchtig zurückspringenden ~Seitenloben~ begrenzt wird; nicht selten entstehen auch in der Mitte der Innen- oder Außenseite Ausbuchtungen, die Intern- oder Externloben genannt werden. Die Sättel sind immer gerundet, meist wenig vorspringend; die Loben ebenfalls gerundet, höchst selten zugespitzt.
Der ~Sipho~ durchbohrt sämtliche Scheidewände in der Medianebene und hat bald zentrale, bald intermediäre Lage zwischen Mitte und Außen- oder Innenrand; in seltenen Fällen rückt er auch dicht an den Innen- oder Außenrand heran. Seine Lage gewährt keinen sicheren Anhaltspunkt über Dorsal- oder Ventralseite, doch ist er der letzteren häufiger genähert als der ersteren. Zuweilen verändert sich die Lage des Siphos in den verschiedenen Altersstadien ein und desselben Individuums; für die Gattungsunterscheidung darf darum auf die Lage des Siphos kein besonderes Gewicht gelegt werden. In der Regel erscheint der Sipho als zylindrischer Strang mit häutiger oder verkalkter Wand (Fig. 1026). Er erlangt bei paläozoischen Nautiloideen zuweilen beträchtliche Dicke und schwillt nicht selten, nachdem er eine Scheidewand passiert hat, beträchtlich an, so daß er aus perlschnurartig aneinander gereihten und durch Einschnürungen getrennten Scheiben zusammengesetzt erscheint (Fig. 1027). Hat der Sipho beträchtliche Dicke, so bleibt er selten hohl, sondern wird teils von radialen Kalkblättern (Fig. 1028), teils von dünnen, kalkigen, mit der Spitze nach hinten gerichteten und in verschiedenen Abständen voneinander entfernten Düten ausgefüllt (Fig. 1029), oder es lagern sich an der Stelle, wo der Sipho die Septa durchbricht, ringförmige Wülste aus mit organischer Substanz gemengtem kohlensaurem Kalk ab (Obstruktionsringe) und verengen das Lumen des Siphos beträchtlich (Fig. 1030. 1039). Fast überall, wo Ausfüllungsdüten oder Obstruktionsringe vorhanden sind, beobachtet man im Zentrum des Siphos ein aus zwei oder drei sehr dünnen, kalkigen Blättern bestehendes Gebilde (~Prosipho~, ~Endosipho~), das bis zum hintersten Ende des Siphos reicht.
Da, wo der Sipho eine Scheidewand durchbohrt, erfolgt eine kragenförmige Umstülpung des Septums, welche sich bei den Nautiloideen fast immer nach hinten wendet und ~Siphonaldüte~ genannt wird. Nur eine paläozoische Gattung (¡Nothoceras¡) hat nach vorne gekehrte Siphonaldüten. In der Regel besitzen diese Umstülpungen nur geringe Länge, zuweilen reichen sie aber auch von einer Scheidewand bis zur nächsten (Fig. 1031), ja in manchen Fällen (¡Endoceras¡) erstrecken sie sich sogar über den Abstand von zwei Septen hinaus. Fast immer verengen sich lange Siphonaldüten nach hinten und stecken alsdann wie Trichter ineinander.
Bei einigen paläozoischen Nautiloideen mit gerader Schale und sehr dickem Sipho (¡Endoceras¡, ¡Piloceras¡) wird das hintere Ende des Gehäuses ganz vom Sipho eingenommen, der hinter der ersten Scheidewand anschwillt und sich dann nach hinten zu einer Spitze verengt. In der Regel bildet jedoch die erste Luftkammer das Embryonalende der Schale (Fig. 1032). Sie ist bei den geraden, gestreckt konischen Formen fast immer mit dem dünnen hinteren Ende der Schale zerstört und verloren gegangen. In seltenen Fällen aber bleibt sie nebst den ersten Luftkammern erhalten und bildet eine von dünner Kalkschale umgebene sackförmige Blase, in welche der Sipho nicht eindringt. Auf die Embryonalkammer (¡Protoconch¡) folgt die erste mit Sipho versehene Luftkammer, welche auf der hinteren Wand eine äußerliche längliche Narbe aufweist. Bei den spiral eingerollten Formen hat diese Kammer konische Form, ist am hinteren Ende abgestutzt und außen ebenfalls mit einer Narbe versehen, welche vermuten läßt, daß hier eine vergängliche Embryonalblase angeheftet war. Am vorderen Ende wird die erste Luftkammer durch eine konkave Scheidewand abgeschlossen; der Sipho durchbohrt dieses Septum, dringt in die Kammer ein und erreicht beinahe die Hinterwand derselben (Fig. 1033). Bei den spiral gewundenen Schalen bleibt im Zentrum des Gewindes ein leerer Raum frei (Fig. 1034), worin ~Jaekel~ den Abdruck einer kugeligen Embryonalkammer beobachtete.
~Systematik.~ Für die Unterscheidung der verschiedenen Gattungen wurde bei den Nautiloideen von jeher besonderes Gewicht auf die Form und Involution der Schale gelegt und danach die Gattungen ¡Orthoceras¡, ¡Cyrtoceras¡, ¡Gyroceras¡, ¡Nautilus¡ etc. unterschieden. ~Barrande~ verwertete außerdem die Beschaffenheit der Mündung, die Richtung der Siphonaldüten und die Ausbildung des Siphos selbst. Die meisten Autoren folgten ~Barrande~, nur ~Hyatt~ hält die verschiedenartige Involution der Schale für ein nebensächliches Moment und basiert seine Hauptgruppen auf die Beschaffenheit der Siphonaldüten und des Sipho, die Gattungen in erster Linie auf die Verzierung der Oberfläche.
1. Familie. #Orthoceratidae.# M'Coy.
¡Schale gerade oder gebogen. Sipho zentral, intermediär oder randständig, zuweilen sehr dick und durch Obstruktionsringe oder sonstige Ausfüllungsgebilde verengt.¡ Kambrium bis Trias.
Über die Lebensweise der ¡Orthoceratiden¡ ist nichts Sicheres bekannt. Sie finden sich meist in Ablagerungen, die in der Nähe des Ufers in mäßiger Tiefe entstanden sind. Wahrscheinlich konnten sie wie die Nautilen kriechen und schwimmen, wobei die dünne gekammerte Schale als hydrostatischer Apparat diente. ~Jaekel~ stellte die Hypothese auf, die ¡Orthoceratiden¡ seien sessile Geschöpfe und das hintere Ende der Schale von einem aus ¡Conchyolin¡ bestehenden Sockel umgeben gewesen. ~Pocta~ hat diese gewagte Hypothese durch Nachweis einer sackförmigen mit Kalkschale versehenen Embryonalkammer widerlegt.
a) ~Mündung einfach:~
¿Endoceras¿ Hall. (¡Vaginati¡ Quenst., ¡Cameroceras¡, ¡Diploceras¡ Conrad, ¡Vaginoceras¡ Hyatt, ¡Nanno¡ Clarke, ¡Suecoceras¡ Holm) (Fig. 1035, 1036). Schale zylindrisch-konisch, stark verlängert, im Querschnitt rund oder elliptisch, zuweilen sehr groß. Sipho randständig, ungewöhnlich weit. Siphonaldüten mindestens von einer Scheidewand zur anderen, zuweilen sogar noch über die Hälfte der folgenden Kammer reichend, eine geschlossene, mit Einschnürungen versehene Röhre bildend. Am hinteren Teil der Schale ist der Sipho neben der ersten Luftkammer meistens stark erweitert, drängt dieselbe zur Seite, er verengt sich alsdann zuckerhutförmig und nimmt meistens die ganze erste Kammer ein. Im Sipho finden sich dütenförmige, mit der Spitze nach hinten gekehrte Scheiden, welche sich bald mehrfach und in geringen Abständen, bald nur ein- bis zweimal wiederholen. Die Intrasiphonaltrichter sind von einem aus drei verkalkten Membranen bestehenden Rohr durchzogen, das im Zentrum des Sipho verläuft und bis zum hinteren Ende desselben fortsetzt. Dieser Prosipho (Endosipho) ist nur an besonders gut erhaltenen Stücken zu beobachten. Nicht selten fällt der mit Gesteinsmasse erfüllte Sipho aus und findet sich isoliert. Die Gattung ¡Endoceras¡ ist auf das untere Silur beschränkt und findet sich ungemein häufig in Schweden, den russischen Ostseeprovinzen und Nordamerika; auf sekundärer Lagerstätte im norddeutschen Diluvium. Einzelne Arten (¡E. vaginatum¡ Schloth. sp.) erreichen eine Länge von 1-2 Metern. ¡E. duplex¡ Wahlbg., ¡E. complanatum¡ Eichw., ¡E. gladius¡ Holm., ¡E. proteiforme¡ Hall etc.
¿Cyrtocerina¿ Billings. Wie ¡Endoceras¡, aber Schale posthornförmig gekrümmt. Unt. Silur.
¿Piloceras¿ Salter. Kurz kegelförmig, schwach gebogen. Sipho randständig, sehr dick, mit ein oder mehreren dütenförmigen Scheiden, die durch einen Prosipho untereinander und mit dem hinteren Ende verbunden sind. Kambrium und unteres Silur von England und Nordamerika. Die Gattung wurde ursprünglich für einen ausgefallenen, isolierten Sipho aufgestellt; vollständige, mit Luftkammern versehene Schalen beschrieb 1886 ~Whitfield~ aus dem unteren Silur von Fort Cassin. Vermont.
¿Conoceras¿ Bronn. (¡Bathmoceras¡ Barr.) (Fig. 1037). Schale gerade, im Querschnitt elliptisch. Wohnkammer kurz; Mündung einfach. Der gekammerte Teil stets abgestutzt und nie vollkommen erhalten. Die obersten Septa häufig unvollständig ausgebildet. Sipho randständig, dick mit rückwärtsgerichteten Siphonaldüten, mit zahlreichen feinen Endosiphonallamellen und mit taschenförmigen seitlichen Ausstülpungen, welche durch sehr kräftige, blattförmige, schräg gegen vorne und innen gerichtete Verdickungen der Siphonalhülle erzeugt werden. Neben dem Sipho sind die Scheidewände nach vorne aufgebogen. Selten im unteren Silur. Böhmen, England, Schweden, Nordamerika.
¿Actinoceras¿ Bronn (¡Ormoceras¡ Stokes, ¡Nummularia¡ de Kon., ¡Sactoceras¡ Hyatt) (Fig. 1027, 1030, 1038, 1039). Schale zylindrisch-konisch, im Querschnitt rund. Siphonaldüten sehr kurz. Sipho dick, zuweilen die Hälfte des Schalendurchmessers einnehmend, zwischen den Septen angeschwollen, perlschnurförmig, mit verkalkter, jedoch sehr selten erhaltener Wand, stets durch Obstruktionsringe verengt, zwischen denen ein zentraler mit eigener Wand versehener Prosipho verläuft, von welchem zuweilen radiale Röhren ausstrahlen, welche bis zur Wand des Siphos reichen und dieselbe durchbohren. Der Sipho füllt, wie bei ¡Endoceras¡, die konische Anfangskammer des Gehäuses aus, ist aber am hintersten Ende nicht zugespitzt, sondern von einer runden Öffnung durchbohrt (~Foord~). Kambrium bis Karbon.
¿Discosorus¿ Hall. Kurz konisch, schwach gebogen. Sipho ungemein dick, aus angeschwollenen perlschnurartigen Scheiben bestehend, mit Prosipho. Der obere Teil des Sipho durch eine trichterförmige, unten zugespitzte Düte abgeschlossen. Ob. Silur. Nordamerika.
¿Huronia¿ Stokes (Fig. 1040). Wie ¡Actinoceras¡, aber die Siphosegmente oben angeschwollen, unten enger. Ob. Silur (Niagara Gr.), Nordamerika.
¿Jovellania¿ Bayle. Gerade gestreckt, im Querschnitt dreieckig, Septa enggestellt. Sipho mäßig weit, exzentrisch, durch vertikale Kalkblätter obstruiert. Silur, Devon.
¿Orthoceras¿ Breyn (Fig. 1022, 1025, 1026, 1041, 1042). Schale gerade, gestreckt-kegelförmig, im Querschnitt rund, seltener elliptisch. Septa konkav. Sipho von verschiedener Stärke, zentral oder exzentrisch ohne kalkige Ausscheidungen. Siphonaldüten kurz oder bis zur nächsten Scheidewand reichend. Wohnkammer groß, Mündung einfach. Kambrium bis Trias. Hauptverbreitung im Silur. ~Barrande~ zerlegt die Gattung ¡Orthoceras¡ in die zwei Gruppen der ¿Brevicones¿ von kurz kegelförmiger und in die der ¿Longicones¿ von zylindrisch-konischer Gestalt. Die letzteren erreichen zuweilen eine Länge von 1-2 Metern. Die äußere Schalenschicht zeigt häufig Quer- oder Längsverzierungen (Streifen, Rippen, Runzeln, Falten oder Knötchenreihen), welche von ~Hyatt~ zur Unterscheidung zahlreicher Gattungen (¡Geisonoceras¡, ¡Kyonoceras¡, ¡Spyroceras¡ etc.) verwertet wurden. Zuweilen haben sich auch Reste der ursprünglichen Färbung (Linien, Bänder, Zickzackstreifen oder Flecken) erhalten. Bei einzelnen Arten konnte auch der Eindruck des Verwachsungsbandes auf Steinkernen der Wohnkammer beobachtet werden. Als ~Normallinie~ bezeichnet man eine schwach vertiefte Längsrinne oder einen sehr feinen Längskiel auf der Innenwand der Wohnkammer (Fig. 1042). Die Septa stehen stets in regelmäßigen, bald ziemlich weiten, bald engeren Abständen. Die Siphonaldüten sind in der Regel sehr kurz; der Sipho selbst ist bald von einer häutigen, bald von einer verkalkten Wand umgeben, meist von geringer Stärke, zylindrisch, selten auf einer Seite geradlinig, auf der anderen konvex begrenzt.
Die Gattung ¿Orthoceras¿ (mit welcher ~Barrande~ auch ¡Actinoceras¡ und ¡Discosorus¡ vereinigt) enthält nach ~Barrande~ 1146 Arten, wovon 850 dem Silur-System angehören. Die ältesten Formen beginnen im obersten Kambrium (¡O. sericeum¡ Salter), die jüngsten sterben in der alpinen Trias aus.
¿Bactroceras¿ Holm. Schlank, kegelförmig mit kreisrundem Querschnitt. Sipho eng, randständig. Unt.-Silur. Schweden, Böhmen.
¿Volborthella¿ F. Schmidt. Kleine Orthocerasähnliche Schalen. Unt. Kambrium. Estland, Canada.
¿Cyrtoceras¿ Goldf. (Fig. 1043-1045). Schale gebogen, im Querschnitt elliptisch, eiförmig, seltener dreieckig, rund oder polygonal. Sipho meist der konvexen, seltener der konkaven Seite genähert, zuweilen auch zentral, zylindrisch oder perlschnurförmig, von mäßiger Stärke; zuweilen durch radiale Blätter oder Obstruktionsringe verstopft. Mündung einfach, die ventrale Ausbuchtung bald auf der konvexen (exogastrisch), bald auf der konkaven Seite (endogastrisch). Oberfläche wie bei ¡Orthoceras¡ sehr mannigfaltig verziert. Kambrium bis Perm. Circa 350 Arten bekannt. Hauptverbreitung im Silur.
Auch ¡Cyrtoceras¡ wurde von ~Hyatt~ nach der Verzierung der Oberfläche und Beschaffenheit des Sipho in zahlreiche Genera (¡Meloceras¡, ¡Ooceras¡ etc.) zerlegt.
¿Poterioceras¿ M'Coy. Schale spindelförmig, schwach gebogen, in der Mitte angeschwollen, hinten zugespitzt. Wohnkammer gegen die einfache Mündung verengt. Querschnitt rund bis elliptisch. Sipho subzentral bis rundlich, zwischen den Septen angeschwollen. Unter-Silur (¡P. constrictum¡ Hall sp.) bis Karbon (¡P. fusiforme¡ Sow. sp.).
¿Gomphoceras¿ Sow. (Fig. 1046). Gerade, kurz birnförmig, in der Mitte angeschwollen, im Querschnitt kreisrund. Mündung stark verengt, T-förmig. Die Querspalte der Mündung häufig durch eine rundliche oder mehrfach gelappte Öffnung ersetzt, und auch die Längsspalte in der Nähe des Ventralrandes mehr oder weniger erweitert. Septa genähert. Sipho zentral oder intermediär, subzylindrisch oder perlschnurförmig, zuweilen durch Obstruktionsringe oder Blätter verengt. Oberfläche glatt oder quer verziert. Silur bis Karbon.
~Hyatt~ unterscheidet nach der Zahl der Lappen in der Querspalte der Mündung die Gattungen: ¡Tetrameroceras¡, ¡Hexameroceras¡, ¡Trimeroceras¡, ¡Pentameroceras¡ und ¡Heptameroceras¡.
¿Phragmoceras¿ Broderip (Fig. 1028, 1047, 1048). Schale gebogen, rasch an Größe zunehmend, seitlich etwas zusammengedrückt, im Querschnitt oval oder elliptisch. Mündung verengt mit T-förmiger Öffnung; die Querspalte häufig 2-8 lappig. Sipho meist dem konkaven Rande genähert, subzylidrisch, zuweilen durch radiale Blätter obstruiert. Silur. 51 Arten.
2. Familie. #Ascoceratidae.# Barr.[63]
¡Schale schwach gebogen, anfänglich wie Cyrtoceras oder Orthoceras beginnend; Sipho dünn, dem konvexen Rande genähert. Später wird der einfach gekammerte Teil abgestoßen, die Septa folgen in engen Abständen aufeinander, biegen sich auf der dem Sipho gegenüberliegenden Seite aufwärts und bilden neben der Wohnkammer eigentümliche seitliche Kammerverlängerungen, welche sich an die dorsale Seite der Schale anheften. Mündung einfach oder verengt.¡ Silur.
In der Regel findet man nur Exemplare, an denen der normal gekammerte Schalenteil abgestoßen und nur die niedrigen letzten Kammern nebst ihren Seitenflügeln erhalten sind. Nicht selten kommen auch Ausgüsse der Wohnkammer allein vor.
¿Ascoceras¿ Barr. (¡Aphragmites¡ Barr.) (Fig. 1049, 1050). Die einfach gekammerte Schale lang, etwas gebogen; Septa in unregelmäßigen Abständen aufeinander folgend. Sipho dünn. Wohnkammer sack- oder flaschenförmig, zuerst angeschwollen, gegen die Mündung wieder etwas verengt. Mundränder einfach, nicht eingebogen. Silur. Böhmen, Schweden (Gotland), Norwegen, England, Nordamerika.
¿Glossoceras¿ Barr. Wie ¡Ascoceras¡, aber die Mündung am Dorsalrand mit zungenförmigem, eingebogenem Fortsatz. Ob. Silur. 3 Arten.
¿Billingsites¿ Hyatt, ¿Choanoceras¿ Lindstr. Silur.
3. Familie. #Nautilidae.# Owen.
¡Schale spiral in einer Ebene gewunden. Mündung einfach oder verengt.¡
¿Gyroceras¿ v. Meyer (Fig. 1051). Schale eine offene, aus einem oder wenigen Umgängen bestehende Spirale bildend. Oberfläche glatt, fein gestreift oder mit spiralen Rippen, zuweilen auch mit Querrippen und Knoten verziert. Querschnitt elliptisch, rund oder dreieckig. Wohnkammer ungefähr ein Drittel des letzten Umgangs einnehmend. Mündung einfach, außen, zuweilen auch auf den Seiten mit Ausschnitt. Suturen der Septa einfach. Sipho mäßig stark, meist der Konvexseite, selten der Konkavseite genähert, hin und wieder mit radialen Blättern erfüllt. Silur bis Karbon. Etwa 40 Arten bekannt.
¿Lituites¿ Breyn (Fig. 1052). Schale anfänglich in einer geschlossenen Spirale eingerollt, scheibenförmig; der letzte Umgang abgelöst und geradlinig verlängert. Mündung mit Ventralausschnitt und zwei Seitenohren. Sipho zylindrisch, subzentral oder der Innenseite genähert. Silur.
¿Ophidioceras¿ Barr. (Fig. 1053). Wie ¡Lituites¡, aber gestreckter Schalenteil kurz, Mündung verengt. Silur.
¿Trocholites¿ Conrad. Unt. Silur.
¿Hercoceras¿ Barr. (Fig. 1054). Schale in geschlossener Spirale aufgerollt. Umgänge im Querschnitt elliptisch bis vierseitig, außen mit Knotenreihe. Mündung durch die Einbiegung sämtlicher Mundränder stark verengt. Sipho submarginal, unter dem Externteil gelegen. Ob. Silur.
¿Nothoceras¿ Barr. Schale weit genabelt. Umgänge dick, außen breit, in geschlossener Spirale. Sipho dick, extern, mit radialen Obstruktionsblättern. Siphonaldüten kurz, nach vorne gerichtet. Einzige Art (N. ¡Bohemicum¡ Barr.) im Devon (Et. G.) von Böhmen.
¿Nautilus¿ Breyn (Fig. 1055-1059). Schale spiral in einer Ebene eingerollt, weit genabelt bis involut. Umgänge im Querschnitt oval, elliptisch oder kantig, die innere Seite durch den vorhergehenden Umgang ausgeschnitten. Mündung einfach mit Ventralausschnitt. Suturlinie der Septa bald einfach, bald mit schwachem Extern- und Internlobus, zuweilen auch mit wenigen seitlichen Loben und Sätteln. Sipho in der Medianebene, subzentral oder intermediär, meist dünn, zylindrisch, seltener dick, perlschnurförmig, ohne Ausfüllungsgebilde. Siphonaldüten kurz, nach hinten gerichtet. Oberfläche häufig glatt, seltener mit Längsstreifen oder Längskielen, Querfalten oder Knoten verziert. Bei den evoluten Nautilen ist das Zentrum der Schale durch einen leeren Raum hinter der abgestutzten Anfangskammer durchbohrt. Silur bis jetzt. Über 300 Arten bekannt, davon 6 lebende.
Von den zahlreichen Gattungen, Untergattungen oder Gruppen, die bei ¡Nautilus¡ unterschieden wurden, verdienen die folgenden Erwähnung:
a) ¿Temnocheilus¿ M'Coy. Weit genabelt, Zentrum durchbohrt. Externteil sehr breit, durch eine knotige oder einfache Kante von den schräg nach innen einfallenden Seiten getrennt. Suturlinie mit Externlobus. Silur bis Trias. ¡N. coronatus¡ M'Coy. Karbon.
b) ¿Discites¿ M'Coy (Fig. 1055). Wie vorige, aber flacher. Umgänge vierseitig, nach außen verschmälert, Externteil kantig begrenzt oder zugeschärft. Kohlenkalk.
c) ¿Trematodiscus¿ Meek und Worth. (¡Coelonautilus¡ Foord) (Fig. 1056). Weit genabelt; Zentrum durchbohrt. Umgänge auf den Seiten und auf dem Externteil mit erhabenen Längskielen verziert. Karbon bis Trias.
d) ¿Pleuronautilus¿ Mojs. Weit genabelt; Zentrum durchbohrt. Seiten mit kräftigen Querrippen oder Knotenreihen. Devon bis Trias.
e) ¿Pteronautilus¿ Meek. Involut. Umgänge glatt, außen gerundet, der letzte etwas abgelöst und verlängert; die seitlichen Mundränder flügelartig verlängert. Zechstein. ¡N. Seebachianus¡ Gein.
f) ¿Barrandeoceras¿ Hyatt. Weit genabelt; im Zentrum durchbohrt. Umgänge glatt oder fein quergerippt, außen gerundet. Suturlinie mit Seitenlobus. Silur.
g) ¿Nautilus¿ s. str. (Fig. 1057-1059). Eng genabelt oder involut, außen gerundet. Oberfläche glatt, quer gestreift oder mit welligen oder zickzackförmigen Querrippen bedeckt. Suturlinie einfach oder mit gerundeten, selten zackigen Seitenloben und häufig einem einspitzigen Internlobus. Karbon bis jetzt. Hauptverbreitung in Jura und Kreide.
¿Aturia¿ Bronn (Fig. 1031). Involut; Umgänge glatt, hochmündig, außen gerundet. Suturlinie auf den Seiten einen sehr tiefen, zugespitzten oder gerundeten Lobus bildend. Sipho intern, von langen, trichterförmigen Siphonaldüten umgeben, welche von einer Scheidewand bis zur andern reichen. Eocän und Miocän. ¡A. lingulata¡ v. Buch (Eocän).
4. Familie. #Trochoceratidae#. Zitt.
¡Schale schneckenförmig aufgerollt; die Spirale nicht in einer Ebene.¡
¿Trochoceras¿ Barr. (Fig. 1060). Gewinde nur aus wenigen Umgängen bestehend, locker aufgerollt, bald rechts, bald links gewunden. Mündung einfach. Sipho intermediär. Seiten meist mit Querfalten bedeckt, selten glatt. Silur. Devon.
#Zeitliche Verbreitung der Nautiloidea.#
Schon im ~Kambrium~ begegnet man allerdings nur ganz vereinzelten Vertretern der ¡Nautiloidea¡ (¡Volborthella¡, ¡Orthoceras¡, ¡Cyrtoceras¡, ¡Piloceras¡), und im unteren ~Silur~ sind bereits die meisten bekannten Gattungen durch eine beträchtliche Anzahl (ca. 500) von Arten vertreten; namentlich ¡Endoceras¡, ¡Orthoceras¡, ¡Cyrtoceras¡ und ¡Lituites¡ spielen hier eine wichtige Rolle. Im oberen Silur erlangen die ¡Nautiloidea¡ den Höhepunkt ihrer Entwicklung (ca. 1500 Species), nehmen im ~Devon~ und ~Kohlenkalk~ schon beträchtlich ab, sind im ~Perm~ auf die Gattungen ¡Nautilus¡, ¡Orthoceras¡, ¡Cyrtoceras¡ und ¡Gyroceras¡ beschränkt, wovon nur die zwei ersten auch in der ~Trias~ fortdauern.
Im ~Karbon~ fängt ¡Nautilus¡ an, eine große Menge von Arten zu bilden und dauert in nahezu gleicher Stärke in der mesozoischen Periode fort; ¡Orthoceras¡ dagegen stirbt in der alpinen Trias aus. Im ~Tertiär~ sind nur noch ¡Nautilus¡ und ¡Aturia¡ vorhanden, ersterer aber an Formenreichtum beträchtlich zurückgegangen.
Auffallend ist das Zusammenvorkommen von paläozoischen Nautiloideen mit einfacher Mündung mit Gattungen von gleicher allgemeiner Form, bei denen jedoch die Mündung in verschiedener Weise verengt ist (¡Orthoceras¡-¡Gomphoceras¡, ¡Cyrtoceras¡-¡Phragmoceras¡, ¡Ascoceras¡-¡Glossoceras¡). Ob derartige Formen sexuelle Verschiedenheiten ein und derselben Gattung darstellen, oder ob sie wesentliche Differenzen in der Organisation der Tiere andeuten, läßt sich leider nicht mit Sicherheit entscheiden.
2. Unterordnung. #Ammonoidea.#[64]
¡Schale meist in geschlossener Spirale eingerollt, seltener schneckenförmig gewunden, evolut, gebogen oder gerade. Mündung einfach, zuweilen mit Ventralausschnitt, seitlichen Ohren und ventralem Fortsatz. Suturlinie wellig, zackig oder mit zerschlitzten Loben und Sätteln. Sipho ohne innere Ablagerungen, stets randständig. Siphonaldüten meist nach vorne, seltener nach hinten gerichtet. Embryonalkammer ellipsoidisch oder eiförmig. Aptychus oder Anaptychus häufig vorhanden.¡ Devon bis obere Kreide.
Die Schalen der ¡Ammonoidea¡ unterscheiden sich von denen der ¡Nautiloidea¡ durch die ovale oder elliptische Embryonalkammer, durch meist reicher verzierte Oberfläche, durch kompliziertere Suturlinie, durch randständigen, in der Regel dünnen Sipho, durch abweichende Beschaffenheit des Mundsaumes und zuweilen durch den Besitz eines verkalkten oder hornig-kalkigen Deckels (Aptychus, Anaptychus).
Bei den jüngeren Ammoniten aus Trias, Jura und Kreide treten die Verschiedenheiten sehr auffällig zutage; dagegen stimmen die paläozoischen Goniatiten und Clymenien im allgemeinen Habitus und im ganzen Bau und der Verzierung der Schale noch so sehr mit Nautiloideen überein, daß lediglich die Embryonalkammer und bei den Goniatiten auch noch die Lage und Beschaffenheit des Siphos eine Trennung der beiden Gruppen ermöglichen.
Über die Organisation der Ammonitentiere fehlt jeder Anhaltspunkt. Man weiß darum nicht, ob sie vier, zwei oder mehr Kiemen besaßen. Aus der ungemein verschiedenen Länge der Wohnkammer geht übrigens hervor, daß einzelne Ammoniten einen langgestreckten wurmförmigen, andere einen kurzen gedrungenen Körper besaßen.
Die ~Schalen~ sind in der Regel in einer Ebene spiral aufgewunden, bald vollkommen symmetrisch, nicht selten aber auch durch schwache seitliche Verschiebung des Siphos etwas asymmetrisch. Aufgerollte, gerade, gebogene oder schraubenförmige Gehäuse, sogenannte Nebenformen, finden sich bei den Ammonoiden weniger häufig als bei den Nautiloiden, doch fehlen sie auch hier keineswegs. Die äußere Verzierung erreicht bei den jüngeren Ammoniten einen hohen Grad von Differenzierung und Mannigfaltigkeit, und namentlich erscheinen gespaltene Querrippen und Knotenreihen häufig auf den Seiten und dem Externteil.
Der ~Mundsaum~ ist bei den paläozoischen Goniatiten und Clymenien einfach; die Seitenränder biegen sich etwas nach vorne und bilden außen eine Ventralbucht, bei den mesozoischen Ammoniten findet man dagegen statt des Ventralausschnittes meist einen vorspringenden, vorne gerundeten Lappen (Fig. 1061) oder eine stielförmige Verlängerung des Externteils (Fig. 1062), selten auch ein zuerst aufwärts, dann zurückgebogenes Horn. Die Seitenränder sind häufig mit kurzen, vorspringenden, gerundeten oder auch langen, gestielten Fortsätzen (~Seitenohren~) versehen (Fig. 1063, 1064).
Sehr oft befindet sich unmittelbar hinter dem Mundsaum eine ~Einschnürung~, welcher zuweilen eine innere Verdickung der Schale entspricht. Auf dem gekammerten Teil der Schale deuten in größeren Abständen auftretende Einschnürungen oder Wülste (Varices) die Anwesenheit derartiger Mundränder an.
Die Länge der Wohnkammer schwankt sehr beträchtlich. Bei den Goniatitiden, Arcestiden, Tropitiden und bei manchen Arcestiden nimmt sie zuweilen die zwei letzten oder doch 1-1/2 Umgänge ein, bei den jüngeren Ammoniten hat sie häufig nur die Länge eines halben Umgangs. Als »anormal« bezeichnet man eine Wohnkammer, wenn sie nicht wie die übrigen inneren Umgänge bis zum Mundsaum gleichmäßig an Höhe und Breite zunimmt, sondern entweder knieförmig geknickt (Fig. 1065), oder nach vorne verengt, oder etwas abgelöst, oder stark eingeschnürt erscheint. Sie finden sich nur an vollständig ausgewachsenen Exemplaren und deuten nach ~Pompeckj~ stets ein seniles Entwickelungsstadium an.
Im Innern der Wohnkammer zeigt zuweilen eine bogenförmige, je nach den Involutionsverhältnissen auf den Flanken mehr oder weniger weit vorgezogene Linie noch den Verlauf des Verwachsungsbandes und die Lage des Haftmuskels an (Fig. 1066). Vor der Mündung ist der vorletzte Umgang zuweilen mit einer dünnen kalkigen ~Runzelschicht~ bedeckt, welche der schwarzen Ablagerung der Kopfkappe des Nautilus entspricht.
Der ~Sipho~ hat an ausgewachsenen Schalen stets randständige und zwar mit Ausnahme der Clymeniiden externe Lage. Er durchbohrt die Scheidewände unter dem Externteil und ist von meist sehr kurzen, kragenförmigen Siphonaldüten umgeben, welche sich bei den Clymeniiden und Goniatitiden nach hinten (¡Retrosiphonata¡), bei den jüngeren Ammoniten nach vorne kehren (¡Prosiphonata¡). Nach ~Branco~ richten sich übrigens bei vielen Ammoniten die Siphonaldüten in den ersten Umgängen nach hinten und wenden sich erst später, im dritten oder vierten Umgang, nach vorne (Fig. 1067). Obstruktionsringe oder sonstige Ausfüllungen kommen niemals vor; der Sipho hat in der Regel nur geringe Dicke, stellt eine zylindrische Röhre dar, die häufig von einer kalkigen Hülle umgeben ist und wird nur bei einigen Clymenien von langen, trichterförmigen, die nächste Scheidewand erreichenden, rückwärts gewendeten Siphonaldüten umgeben. Während sich ausgewachsene Ammoniten stets durch randlichen Sipho auszeichnen, schwankt dessen Lage in den ersten Windungen zwischen der Innen- und Außenseite. Bei den triasischen Tropitiden liegt er anfänglich innen und rückt allmählich nach der Mitte und schließlich nach der Außenseite (Fig. 1067). Bei den meisten jurassischen und cretaceischen Ammoniten hat der Sipho zuerst zentrale, später randständige (externe) Lage.
Der Sipho beginnt in der kugeligen Anfangskammer und zwar unmittelbar hinter der ersten Scheidewand als ein etwas angeschwollener Blindsack (Fig. 1068). Nach ~Munier-Chalmas~ heftet sich an denselben eine dünne, ausgebreitete blättrige Membran oder feine Röhre, welche bis zur entgegengesetzten Wand der Embryonalkammer reicht. Ein solcher ~Prosipho~ (Fig. 1069) wurde auch in der Schale von ¡Spirula¡ beobachtet und findet sich in ähnlicher, aber noch stärkerer Entwicklung bei gewissen Nautiloideen (¡Endoceras¡, ¡Piloceras¡).
Die inneren ~Scheidewände~ des gekammerten Schalenteiles folgen, wie bei den Nautiloideen, in regelmäßigen Abständen aufeinander; sie sind anfänglich nach vorne konkav, wölben sich aber später, bei fortschreitender Komplikation der Suturlinie in der Mitte nach vorne. Die letzten Septen vor der Wohnkammer ausgewachsener Exemplare pflegen dichter aufeinander zu folgen als die übrigen.
Die ~Suturlinie~ selbst stimmt bei einigen der ältesten Ammonoideen vollständig mit jener der Nautiloideen überein und zeigt einen einfachen wellig gebogenen Verlauf; in der Regel bildet sie jedoch Loben und Sättel, deren Zahl bei den Goniatiten noch gering ist, während bei den jüngeren Ammoniten nicht nur eine Vermehrung, sondern auch eine Komplikation der Loben und Sättel durch sekundäre Einschnitte stattfindet. Nur die im Medianschnitt gelegenen Extern- und Intern-Loben (auch Siphonal- und Antisiphonal- oder Ventral- und Dorsal-Loben genannt) sind einzählig entwickelt, alle übrigen wiederholen sich in symmetrischen Paaren auf beiden Seiten der Umgänge. Bei den Clymenien (Fig. 1070) und Goniatiten (Fig. 1071, 1072) sind sämtliche Loben und Sättel ~einfach~, d. h. vorn und hinten gerundet oder zugespitzt und an den Seiten ungezackt; bei den meisten Ceratiten (Fig. 1073) bleiben die Sättel vorne und seitlich ganzrandig und die Loben sind nur im Grunde gezähnelt. Bei den typischen Ammoniten der mesozoischen Ablagerungen (Fig. 1074) erlangen Sättel und Loben durch sekundäre Einschnitte und Zacken eine zuweilen sehr feine Zerschlitzung und bilden weit vor- und zurückspringende ästige Lappen, welche wesentlich zur Verstärkung der dünnen Schalen dienen. Die Sättel haben bald eine breite Basis und verschmälern sich nach vorn, oder sie breiten sich vorn aus, sind in der Regel in mehrere Äste zerspalten und besitzen verschmälerte Basis. Zuweilen endigen die Sättel phylloid, d. h. in einem oder mehreren abgerundeten, blattförmigen Lappen (monophyllisch, diphyllisch, triphyllisch etc.) oder sie sind an ihrem Ende fein gezackt.
Der unpaare ~Externlobus~ (Siphonallobus) wird in der Regel durch einen vorspringenden Lappen (Sekundärsattel) in zwei symmetrische Hälften zerteilt (Fig. 1074) und ist jederseits vom ~Externsattel~ (Außensattel ¡ES¡) begrenzt. Der unpaare ~Internlobus~ (Innenlobus, Antisiphonallobus ¡IL¡) ist meist schmal und tief und endigt ein- oder zweispitzig. Zwischen dem Externsattel und dem ersten ~Lateral-~ oder ~Seitensattel~ (¡LS¡) liegt der erste ~Lateral-~ oder ~Seiten-~Lobus (¡L¡), zwischen dem ersten und zweiten Seitensattel (¡LS¡^2) der zweite ~Laterallobus~ (¡l¡), alle weiteren vom zweiten Lateralsattel beginnenden Loben und Sättel bis zur Naht heißen ~Hilfs-~ oder ~Auxiliarloben~ und ~-Sättel~ (Fig. 1075). Die letzteren sind meist klein und springen öfters weit nach hinten zurück, so daß sie über der Naht einen tiefen zusammengesetzten ~Nahtlobus~ (Suspensivlobus) bilden. Zuweilen besitzt der Außensattel eine ansehnliche Breite und wird auf der äußeren Hälfte durch tiefe sekundäre Einschnitte in eine Anzahl sogenannter ~Adventivloben~ und ~Sättel~ zerlegt (¡Beloceras¡, ¡Pinacoceras¡, ¡Placenticeras¡) (Fig. 1076). Die an der Naht beginnenden und bis zum Internlobus auf dem umgeschlagenen Teil der Umgänge befindlichen, meist kleinen Loben und Sättel nennt man interne Hilfsloben und Sättel.
Zahl und Größe der Loben und Sättel unterliegen großen Schwankungen und stehen in Wechselbeziehung zur Form der Schale. Sind die Umgänge niedrig, breit und wenig umfassend, so beobachtet man meist wenige, ziemlich gleich große Loben und Sättel (Fig. 1077), bei breitem Externteil erlangen Externlobus und Externsättel ansehnliche Größe; bei hochmündigen Formen mit stark umfassenden Umgängen nimmt die Zahl der Hilfsloben und Hilfssättel in der Regel beträchtlich zu (Fig. 1075).
Die meisten älteren Goniatiten haben nur einen bis zwei einfache Seitenloben; bei den jüngeren vermehren sich Loben und Sättel zuweilen schon ganz beträchtlich; bei den mesozoischen Ammoniten sind stets zwei Lateralloben und eine wechselnde Zahl von Auxiliarloben auf den Seiten vorhanden.
~Embryologie~. Über die Entwicklung der Schale und der Suturlinie haben ~Hyatt~ und ~Branco~ eingehende und wichtige Untersuchungen veröffentlicht. Sämtliche Schalen der Ammonoiden beginnen mit einer glatten, kugeligen oder quer eiförmigen Embryonalkammer, die durch eine leichte Einschnürung von dem folgenden Teil des Gehäuses geschieden und um eine ideale Achse spiral aufgerollt ist. Nach vorn wird dieselbe von der ersten Scheidewand begrenzt, deren Sutur entweder eine einfache gerade Linie, wie bei den Nautiloideen, bildet (¡Asellati¡ Fig. 1078) oder sie springt in der Mitte in breitem Bogen nach vorne (¡Latisellati¡ Fig. 1079) oder der vorspringende Mediansattel wird jederseits durch einen Laterallobus verschmälert (¡Angustisellati¡) (Fig. 1080). Sämtliche Clymenien und die ältesten Goniatiten sind asellat, die jüngeren Goniatiten und ¡Prolecanitidae¡, ferner die ¡Cyclolobidae¡, ¡Ceratitidae¡, ¡Tropitidae¡ und ¡Arcestidae¡ latisellat, alle übrigen triasischen, jurassischen und cretaceischen Ammoniten angustisellat.
Die angustisellate Embryonalkammer deutet bereits die Art und Weise der weiteren Ausbildung der Lobenlinie an. Die beiden seitlichen Loben vertiefen sich schon in der zweiten Scheidewand, und gleichzeitig bildet sich in der Mitte des Embryonalsattels ein Externlobus. Bei fortschreitendem Wachstum schieben sich neue Sättel und Loben ein, die aber bis zur fünften oder sechsten Scheidewand keine sekundären Einschnitte aufweisen. Die Clymenien und Goniatiten kommen überhaupt nicht über diese einfache Ausbildung der Suturlinie, das sog. ~Goniatitenstadium~ hinaus (Fig. 1081¡A¡). Verfolgt man bei den eigentlichen Ammoniten die Suturentwicklung, so beginnt dieselbe genau wie bei den Goniatiten, allein bei ca. 3 mm Durchmesser zeigt sich an den äußeren Loben und Sätteln eine sekundäre Zackung, welche von außen nach innen fortschreitet und schließlich die für jede Gattung und Spezies charakteristische Zerschlitzung der Suturlinie hervorruft, welche sich lange Zeit nicht mehr erheblich ändert und nur im hohen Alter zuweilen noch senile Modifikationen erleidet. Jeder Ammonit mit zerschlitzter Suturlinie durchläuft darum, bis er seine typische Normalsutur erlangt, ein Goniatitenstadium, dagegen wird das sog. Ceratitenstadium (ganzrandige Sättel und gezackte Loben) meist übersprungen und stellt darum eine selbständige Differenzierung dar. Auffallenderweise findet man in der Kreide Ammoniten mit ceratitenartiger Sutur, welche diese Beschaffenheit offenbar durch Rückbildung erhalten haben.
In ähnlicher Weise wie die Suturlinie erleidet auch die äußere Verzierung der Schale während der Entwicklung Veränderungen, so daß die inneren Umgänge sehr häufig ganz anders verziert erscheinen als die Schalen im sogenannten ~Normalstadium~. Im hohen Alter verwischen sich häufig die charakteristischen Verzierungen, und die Oberfläche der Wohnkammer wird glatt oder doch schwächer skulpiert als die der vorhergehenden Umgänge. Zur Feststellung der Verwandtschaft gewähren darum die innersten Umgänge die besten Anhaltspunkte, zur Definition und Bestimmung einer Spezies muß dagegen stets das Normalstadium in erster Linie berücksichtigt werden.
~Geschlechtsdifferenzen~. Die Tatsache, daß häufig bei Ammoniten von übereinstimmender Gestalt, Verzierung und Suturlinie flachere und dickere oder eng und weit genabelte Exemplare vorkommen, hat die Vermutung veranlaßt, diese Erscheinungen auf sexuelle Differenz zurückzuführen. ~Munier-Chalmas~ hat sogar die Vermutung ausgesprochen, daß gewisse stets klein bleibende Ammoniten mit starken Seitenohren oder anormaler Wohnkammer die Männchen von ähnlichen, aber großen Ammoniten mit einfachem Mundsaum und normaler Wohnkammer darstellten. Bei der gänzlichen Unkenntnis über die Organisation des Ammonitentieres fehlt diesen Hypothesen vorläufig noch jede feste Basis.
¿Aptychus¿ und ¿Anaptychus¿. In der Wohnkammer von Ammoniten findet man nicht selten kalkige oder hornig kalkige Schalen, die bald glatt, bald verziert sind und entweder aus zwei symmetrischen Klappen (¡Aptychus¡) oder auch aus einem Stück (¡Anaptychus¡) (Fig. 1082) bestehen. Die zwei dreieckigen Schalen der Aptychen stoßen mit einer geraden, zahnlosen Verbindungslinie aneinander, ihr Außenrand ist gebogen, ihr Vorderrand breit und stets mehr oder weniger tief ausgeschnitten, die Außenseite gewölbt, die Innenseite schwach vertieft.
Alle Aptychen bestehen aus drei Schichten, wovon die stärkste mittlere eine grobzellige Struktur aufweist, während die innere und äußere dichte Beschaffenheit besitzen (Fig. 1088, S. 424). Bei den glatten, dickschaligen Aptychen ¿Cellulosi¿ (Fig. 1083) ist die Außenschicht mit zahlreichen runden Poren, bei den ¿Imbricati¿ (Fig. 1084) mit schrägen Falten und Furchen, bei den ¿Punctati¿ (Fig. 1088¡C¡) mit dachziegelartig übereinander liegenden Falten und Punktreihen bedeckt. Die ¿Granulosi¿ sind dünn, außen mit konzentrischen Reihen von Knötchen, Stacheln oder Falten, die ¿Rugosi¿ dickschalig, und außen mit unregelmäßig verlaufenden Körnern oder Knötchenreihen verziert. Bei den dünnschaligen ¿Nigrescentes¿ (Fig. 1085) findet sich innen ein dünner, kohliger Überzug, und bei den ¿Coalescentes¿ (Fig. 1086) sind die beiden dünnen Schalen in der Mittellinie miteinander verwachsen. Die ~Anaptychen~ (Fig. 1082) sind einschalig, dünn, hornig-kalkig, außen schwach gewölbt, am abgestutzten Rand ausgeschnitten.
Obwohl Aptychen isoliert in ungeheurer Menge in gewissen alpinen Schieferablagerungen des oberen Jura und der unteren Kreide vorkommen, so kann ihre Zugehörigkeit zu den Ammonoiden doch nicht bezweifelt werden. Gewisse Lokalitäten, wie Solnhofen, Mörnsheim, der obere Lias von Württemberg und Calvados haben zahlreiche Ammonitenschalen mit Aptychen geliefert, und zwar finden sich stets bestimmte Aptychen in den Schalen derselben Art und stimmen auch in Größe und Form ungefähr mit der Mündung der letzteren überein.
Von den vielen Hypothesen über die Aptychen und Anaptychen können diejenigen füglich übergangen werden, welche deren Beziehungen zu den Ammoniten leugnen. Welche Bedeutung diese Schalen aber für das Ammonitentier besaßen, ist noch nicht mit voller Sicherheit aufgeklärt. Manche Autoren halten sie für Stützen innerer Organe (Kopfknorpel, Trichterknorpel) oder für Deckel von Nidamentaldrüsen u. s. w. Viel wahrscheinlicher erscheint die Vermutung, daß Aptychen und Anaptychen den Deckeln der Gastropoden entsprechen und nach Rückzug des Tieres in die Wohnkammer die Schalenmündung zu schließen hatten. Für diese Hypothese sprechen Form, Größe und Verzierung der Aptychen, sowie der Umstand, daß mehrfach fossile Ammonitenschalen gefunden wurden, deren Mündung durch Aptychen geschlossen waren (Fig. 1087). Die Übereinstimmung der Größe des äußeren Umrisses von Aptychen und Anaptychen mit der Mündung der zugehörigen Ammoniten bildet wohl das beste Argument für ihre Deutung als Deckel. Gegen ein inneres Organ spricht die zuweilen stachelige Verzierung der Außenseite. ~Michael~[65] fand Aptychen schon bei ganz jugendlichen Stadien von Oppelien, welche in der Wohnkammer eines größeren Tieres lagen. Die isoliert vorkommenden Aptychen dürften aus zerstörten oder weggeschwemmten Ammonitenschalen herrühren.
¿Systematik¿. Die Ammonshörner wurden von nahezu allen älteren Autoren an die lebende Gattung ¡Nautilus¡ angeschlossen und beide von ~Owen~ unter der Bezeichnung ¡Tetrabranchiata¡ den mit zwei Kiemen versehenen ¡Dibranchiata¡ gegenüber gestellt. Erst neuerdings glaubte ~Sueß~ Beziehungen der Ammoniten zu ¡Argonauta¡ und ¡Belemnites¡ nachweisen zu können; ~Ihering~ deutete die Aptychen als verkalkte Kopfknorpel und schloß daraus, daß die Ammoniten zu den Dibranchiaten gehören; ~Munier-Chalmas~ wies bei Ammoniten und ¡Spirula¡ einen übereinstimmenden Prosipho nach und glaubt deshalb, ¡Nautiloidea¡ und ¡Ammonoidea¡ trennen zu müssen; ~Steinmann~ hält ¡Argonauta¡ für den letzten Vertreter der ¡Ammonoidea¡ und meint, die letzteren hätten im Verlaufe der Zeit ihren gekammerten Schalenteil abgestoßen und ihr Gehäuse vereinfacht.
Im Vergleich mit der auffallenden Übereinstimmung der Nautiloideen- und Ammonoideenschalen in Bezug auf äußere Form, Verzierung, Struktur, Kammerung und Beschaffenheit des Sipho und der Suturlinie erscheinen ihre Differenzen als ziemlich unerhebliche graduelle Abweichungen. Das einzige durchgreifende Merkmal zur Unterscheidung der beiden Unterordnungen liefert die Anfangskammer.
~Leopold v. Buch~ unterschied zuerst die drei Gattungen ¡Goniatites¡, ¡Ceratites¡ und ¡Ammonites¡, und teilte darauf die Gattung ¡Ammonites¡ wieder in »Familien« ein, welche mit Adjektivbezeichnung versehen wurden (¡Falciferi¡, ¡Amalthei¡, ¡Planulati¡ etc.); die Zahl dieser Familien erfuhr durch spätere Autoren eine beträchtliche Vermehrung, allein für die überwiegende Mehrzahl der fossilen Ammonshörner wurde der Kollektivname Ammonites beibehalten, und nur die sogenannten Nebenformen (¡Crioceras¡, ¡Ancyloceras¡, ¡Turrilites¡, ¡Baculites¡, ¡Rhabdoceras¡ etc.) erhielten besondere Namen.
Für die Unterscheidung der »Familien« und Gattungen waren äußere Form und Verzierung der Schale, sowie die Beschaffenheit der Suturlinie maßgebend. ~Sueß~ machte auf die systematische Bedeutung des Mundsaums und der Wohnkammerlänge aufmerksam und führte statt der bisherigen Adjektivbezeichnungen einige neue Gattungsnamen (¡Phylloceras¡ für ¡Heterophylli¡, ¡Lytoceras¡ für ¡Lineati¡, ¡Arcestes¡ für ¡Globosi¡) ein. Andere Autoren wie ~Hyatt~, ~Waagen~, ~Mojsisovics~, ~Neumayr~ etc. folgten dem von ~Sueß~ gegebenen Beispiel und errichteten für die ¡Ammonoidea¡ zahlreiche Gattungen, die wieder in verschiedene Familien gruppiert wurden. ~Branco~ teilt nach der Embryonalkammer alle ¡Ammonoidea¡ in ¡Asellati¡, ¡Latisellati¡ und ¡Angustisellati¡ ein, und ~Fischer~ unterscheidet nach der Beschaffenheit der Siphonaldüten ¿Retrosiphonata¿ und ¿Prosiphonata¿. ~Mojsisovics~ nennt die glatten oder schwachverzierten triasischen Ammoniten mit zahlreichen Seitenloben ¿Leiostraca¿, die stark skulptierten, mit normaler Lobenzahl ausgestatteten Formen ¿Trachyostraca¿. A. ~Hyatt~[66] teilt die Ammonoideen nach den Typen der Sattelbildungen in 9 Gruppen ein: ¿Gastrocampyli¿, ¿Microcampyli¿, ¿Mesocampyli¿, ¿Eurycampyli¿, ¿Glossocampyli¿, ¿Discocampyli¿, ¿Phyllocampyli¿, ¿Leptocampyli¿, ¿Pachycampyli¿. Nach der Lage des Sipho zerfallen die ¡Ammonoidea¡ in ¿Intrasiphonata¿ und ¿Extrasiphonata¿.
#A. Intrasiphonata.# Zitt.
¡Sipho auf der Internseite.¡
Familie. #Clymeniidae.# Münst.[67]
¡Schale weit genabelt, flach scheibenförmig, glatt, fein gestreift, seltener quer berippt. Suturlinie mit einfachen Loben und Sätteln. Anfangskammer asellat.¡ Devon.
Die Clymenien haben mit gewissen ¡Nautiloidea¡, zu denen sie früher allgemein gestellt wurden, die interne Lage des Sipho gemein und unterscheiden sich dadurch von allen ¡Ammonoidea¡. Ihre asellate Embryonalkammer stimmt jedoch vollständig mit jener der älteren Goniatiten überein. Auch in der Ausbildung der Suturlinie stehen sie den Goniatitiden nahe, doch vermißt man häufig wegen der internen Lage des Siphos einen Externlobus. Die Siphonaldüten richten sich konstant nach hinten und besitzen zuweilen ansehnliche Länge, so daß sie wie bei manchen Nautiliden (¡Aturia¡) trichterförmig ineinander stecken. Die Wohnkammer nimmt 1/2 bis einen Umgang ein. Die Mündung besitzt eine seichte Externbucht, selten ganz kurze Seitenohren. Die Suturlinie bildet auf den Seiten einen, selten mehrere wellig gebogene Lateralloben, unter dem Sipho einen Internlobus und auf der meist gerundeten Externseite einen konvexen Sattel, der zuweilen durch einen Sekundärlobus geteilt wird. ~Frech~ vermutet die primitive Goniatitengattung ¿Mimoceras¿ Hyatt (¡Gyroceras¡ Münst.) als Stammform der ¡Clymeniidae¡. Sämtliche ¡Clymeniidae¡ gehören ausschließlich der oberen Abteilung des Devon an. Sie finden sich häufig im Fichtelgebirge, in der Grafschaft Glatz (Ebersdorf), seltener in Westfalen, Thüringen, Belgien, England, im Ural und in Nordamerika.
Die Gattung ¿Clymenia¿ v. Münst. (¡Planulites¡ Münst.) (Fig. 1089-1092) wurde ursprünglich für sämtliche Vertreter dieser Familie aufgestellt, aber später von ~Gümbel~, ~Hyatt~ und ~Frech~ in mehrere Sektionen (Subgenera) zerlegt.
a) ¿Cyrtoclymenia¿ Gümb. (Fig. 1089). Siphonaldüten kurz. Externsattel breit, ungeteilt; nur ein breiter, gerundeter Laterallobus vorhanden. ¡C. laevigata annulata¡, ¡binodosa¡, ¡flexuosa¡ Münst.
b) ¿Oxyclymenia¿ Gümb. (Fig. 1090). Wie vorige, aber Laterallobus zugespitzt. ¡C. undulata¡, ¡striata¡ Münst.
c) ¿Cymaclymenia¿ Gümb. (Fig. 1091). Wie vorige, aber an der Naht noch ein zweiter Lobus vorhanden. ¡C. bilobata¡ Münst.
d) ¿Gonioclymenia¿ Gümb. (Fig. 1092). Siphonaldüten lang, trichterförmig, ineinander steckend. Seiten gerippt; Externteil abgeplattet. Externsattel durch einen tiefen Medianlobus und jederseits durch einen Adventivlobus geteilt. Seitenloben zackig. ¡C. speciosa¡, ¡subarmata¡ Münst.
#B. Extrasiphonata.# Zitt.
¡Sipho auf der Externseite.¡
1. Familie. #Goniatitidae.# v. Buch (emend. Zitt.).
¡Schale spiral, selten stabförmig, glatt, quer oder spiral gestreift oder gerippt, genabelt oder ungenabelt, außen meist gerundet. Loben und Sättel einfach, fast immer ungezackt; ein bis viele Lateralloben vorhanden. Wohnkammer lang (1 bis 1-1/2 Umgänge). Mündung am Externteil meistens mit Ausbuchtung, selten mit Seitenohren. Siphonaldüten nach hinten gerichtet, kurz. Embryonalkammer asellat oder latisellat.¡ Obersilur bis Perm.
Die Goniatiten sind die ältesten und primitivsten Vertreter der ¡Ammonoidea¡ und haben ihre Hauptverbreitung im Devon und älteren Karbon. Sie erreichen selten bedeutende Größe, unterscheiden sich von den Clymeniden durch den externen Sipho, von den meisten übrigen Ammoniten durch die höchst einfache Sutur und den ventralen Ausschnitt der Mündung, welcher auch durch den Verlauf der Zuwachslinien angedeutet wird. Die ältesten Formen haben nur einen, die jüngeren zwei Seitenloben.
a) Unterfamilie. #Aphyllitinae.# Frech. emend. Pompeckj.
(¡Bactritinae¡ und ¡Aphyllitinae¡ Frech.)
¡Stabförmig oder in evoluter Spirale gewachsen. Skulptur und Mundrand mit tiefem Externsinus und seitlichen Verbiegungen. Externlobus eng, ungeteilt. Der einzige Laterallobus flach bis zugespitzt.¡
¿Bactrites¿ Sandb. (Fig. 1093). Schlank kegel- bis stabförmig, gerade, im Querschnitt rund oder elliptisch. Sipho dünn, randständig. Suturlinie mit trichterförmigem Siphonallobus, seitlich sehr schwach gebogen. Anfangskammer länglich eiförmig. Devon.
¿Anarcestes¿ Mojs. (Fig. 1094, 1095). Ziemlich weit genabelt, außen gerundet. Wohnkammer lang. Externlobus trichterförmig, ungeteilt; nur ein flacher Seitenlobus vorhanden. Unteres und mittleres Devon.
¿Mimoceras¿ Hyatt (¡Gyroceras¡ Mstr. Frech.). (Fig. 1096). Scheibenförmig, weit genabelt, außen gerundet, die ersten Umgänge in offener Spirale. Einziger Seitenlobus sehr flach. Devon.
¿Aphyllites¿ Mojs. (¡Agoniatites¡ Meek) (Fig. 1097). Nabel ziemlich eng; Umgänge seitlich flach, außen abgeplattet mit zurückspringenden Zuwachsstreifen. Einziger Seitenlobus flach und breit. Obersilur (im Kellerwald), Devon. ¡A. Dannenbergi¡ Beyr., ¡A. evexus¡ v. Buch.
¿Pinacites¿ Mojs. Devon.
¿Tornoceras¿ Hyatt. (Fig. 1098). Nabel eng oder fehlend. Umgänge außen gerundet. Externlobus kurz, ungeteilt, Laterallobus tief, gerundet, seltener zugespitzt, von einem großen und breiten Externsattel begrenzt. Ob. Devon. ¡T. simplex¡ v. Buch, ¡T. sublaeve¡ Mstr.
¿Maeneceras¿ Hyatt (Fig. 1099). Involut, seitlich mit zurückgeschwungenen Linien verziert, außen gerundet. Externlobus kurz, ungeteilt. Externsattel mit Adventivlobus, Seitenlobus zugespitzt. Devon. ¡M. acuto-laterale¡ Sandb.
b) Unterfamilie. #Cheiloceratinae.# Frech.
¡Schale enggenabelt; Wohnkammer 1 Umgang und länger. Mundrand und Anwachsstreifen gerade. Steinkern häufig mit Einschnürungen. Externlobus ungeteilt, 1-2 schmale Loben auf den Seiten; Sättel breit.¡
¿Cheiloceras¿ Frech (¡Tornoceras¡ aut. e. p., ¡Parodoceras¡ Hyatt e. p.). Äußere Form wie Tornoceras, aber ohne Externsinus. Oberdevon.
¿Brancoceras¿ Hyatt (¡Prionoceras¡ Hyatt) (Fig. 1100, 1101). Schale involut, außen gerundet. Externlobus ungeteilt; Außensattel schmal, Laterallobus tief, häufig zugespitzt, Lateralsattel breit, ungeteilt. Ob. Devon, Karbon. ¡B. globosum¡ Mstr. Devon. ¡B. Belvalianum¡ de Kon. Karbon.
¿Sporadoceras¿ Hyatt (Fig. 1102). Wie vorige, jedoch die beiden Seitenloben und Sättel gleich groß; der zweite Lateralsattel breit, gerundet. Externlobus kurz. Ob. Devon. ¡S. bidens¡ Sandb.
¿Ibergiceras¿ Karp. Wie ¡Sporadoceras¡, aber Externlobus tief. Unter-Karbon. ¡I. tetragonus¡ Roem.
c) Unterfamilie. #Gephyroceratinae.# Haug, Frech.
¡Engnablig, scheibenförmig. Wohnkammer kürzer als ein Umgang. Skulptur und Mundrand mit Externsinus. Externlobus mit Mediansattel, meistens zwei Seitenloben, oft 1 Auxiliarlobus. Lateralsattel breit.¡
¿Gephyroceras¿ Hyatt (¡Manticoceras¡ Hyatt) (Fig. 1103). Schale involut oder genabelt. Externlobus tief, durch einen breiten Sekundärsattel geteilt. Laterallobus von einem breiten vorspringenden Externsattel begrenzt. Die abgeplatteten Formen werden von ~Hyatt~ als ¿Manticoceras¿, die dicken genabelten als ¿Gephyroceras¿ unterschieden. ¡G. calculiforme¡, ¡intumescens¡, ¡aequabile¡ Beyr., ¡G. complanatum¡ Sandb. Devon.
¿Timanites¿ (Mojs.) emend. Holzapfel (¡Höninghausia¡ Gürich, ¡Probeloceras¡ Clarke). Flach, mit zugeschärfter Externseite; Wohnkammer 1/2 Umgang. 1-2 Hilfsloben. Oberdevon. ¡T. acutus¡ Keys. ¡T.¡ (¡Probeloceras¡) ¡Lutheri¡ Clarke.
¿Nomismoceras¿ Hyatt. Wie vorige, aber flach scheibenförmig, weitgenabelt. Karbon. ¡N. vittatum¡, ¡spirorbis¡ Phill.
¿Dimorphoceras¿ Hyatt. Enggenabelt, hochmündig, Außenseite gerundet. Externlobus und manchmal auch der Laterallobus zweilappig. Karbon. ¡D. Gilbertsoni¡ Phill. sp.
An ¡Dimorphoceras¡ sind möglicherweise die durch gekerbte Sättel und gezackte Loben ausgezeichneten Gattungen ¡Thallassoceras¡ Gemm. (Perm) und ¡Ussuria¡ Dien. (untere Trias) anzuschließen.
d) Unterfamilie. #Prolecanitinae.# (Hyatt e. p.) Frech.
¡Ziemlich weitnablig, mit niedrigen Windungen; Externseite mit weitem, tiefem Sinus. 2 Seitenloben und ein oder mehreren Auxiliarloben; Sättel zungenförmig, Loben zugespitzt.¡
¿Prolecanites¿ Mojs. (¡Pharciceras¡ Hyatt) (Fig. 1104). Schale weitgenabelt, scheibenförmig, glatt oder quer gestreift. Externlobus ungeteilt. Sättel einfach schmal, vorne gerundet, keulenförmig, an der Basis etwas eingeschnürt. Loben zugespitzt. Ob. Devon, Karbon. ¡P. tridens¡ Sandb., ¡P. Becheri¡ Goldf. Devon. ¡P. Henslowi¡ Sow. Karbon.
? ¿Phenacoceras¿? ¡Pseudarietites¡ Frech. Oberdevon.
e) Unterfamilie. #Beloceratinae.# Frech.
¡Flachscheibenförmig, enggenabelt, hochmündig mit zugeschärfter Externseite. Loben und Sättel zugespitzt, zahlreiche Adventiv- und Auxiliarloben.¡
¿Beloceras¿ Hyatt (Fig. 1105). Devon.
f) Unterfamilie. #Glyphioceratinae.# Foord u. Crick.
¡Eng- bis weitgenabelt; Windungen meistens breit, häufig mit deutlicher Längsskulptur. Wohnkammer 1 Umgang und mehr einnehmend. Mundrand gerade oder mit Externsinus, selten mit Seitenohren. Externlobus mit großem, meist geteiltem Mediansattel. Lobenzahl schwankend, 2-7, Sättel gerundet, Loben meist zugespitzt.¡
¿Glyphioceras¿ Hyatt (¡Münsteroceras¡, ¡Homoceras¡ Hyatt) (Fig. 1106, 1107). Involute, enge oder ungenabelte, glatte oder fein gestreifte, außen gerundete Schalen. Externlobus durch Sekundärsattel geteilt. Externsattel schmal, gerundet oder zugespitzt. Laterallobus spitz, tief. Lateralsattel breit gerundet; über der Naht häufig noch ein kleiner Hilfslobus. Karbon und Permokarbon. ¡G. Oweni¡ Hall, ¡G. sphaericum¡ Martin, ¡G. crenistria¡ Phil., ¡G. diadema¡ Goldf. etc.
¿Gastrioceras¿ Hyatt (Fig. 1108). Schale genabelt, Umgänge meist spiral gestreift, häufig auch quer gerippt und mit Nabelknoten versehen; außen breit gerundet, mit Einschnürungen. Außenlobus breit und tief, durch einen Sekundärsattel geteilt; nur ein tiefer, zungenförmiger, kurz zugespitzter Laterallobus vorhanden. Karbon, Perm. ¡G. Listeri¡ Phill. ¡G. Jossae¡ M. V. K.
¿Paralegoceras¿ Hyatt.
¿Pericyclus¿ Mojs. Wie ¡Glyphioceras¡, jedoch Umgänge mit einfachen, außen zurückgebogenen Querrippen verziert. Karbon. ¡P. princeps¡ de Kon.
¿Agathiceras¿ Gemm. (¡Adrianites¡ Gemm.). Kugelig oder scheibenförmig, eng- oder weitgenabelt, außen breit gerundet, spiral oder quer verziert. Mündung etwas eingeschnürt, zu beiden Seiten des Externteils ein schmaler Vorsprung. Sättel keulenförmig, hinten etwas eingeschnürt, ungezackt. Loben nicht zerschlitzt, kurz zugespitzt. Perm. Sicilien und Ural.
¿Doryceras¿, ¿Clinolobus¿ Gemm. Perm. Sicilien.
g) Unterfamilie. #Pronoritinae.# Pompeckj.
¡Ziemlich weitgenabelt und niedermündig. Loben und Sättel zahlreich; Sättel meist gerundet, Externlobus gewöhnlich dreispitzig, erster Seitenlobus ganzrandig oder gezackt.¡
¿Sandbergeroceras¿ Hyatt (¡Triainoceras¡ Hyatt) (Fig. 1109). Scheibenförmig, weitgenabelt, Umgänge mit Querrippen, außen breit gerundet; Externlobus ungeteilt oder dreispitzig. Seitenloben gerundet. ¡S. tuberculoso-costatum¡ Sandb. Ob. Devon.
¿Pronorites¿ Mojs. (Fig. 1110). Scheibenförmig, glattgenabelt, außen gerundet oder abgeplattet, zuweilen mit schwachem Kiel. Externlobus dreispitzig; erster Seitenlobus zweispitzig, die folgenden Loben einspitzig. Karbon und Perm. ¡P. praepermicus¡ Karp.
? ¿Daraelites¿ Gemm. Mäßig weitgenabelt, außen gerundet, Seiten mit am Externteil zurückgebogenen Querstreifen. Außenlobus breit, durch einen in der Mitte tief eingeschnittenen Sekundärsattel geteilt. Außensattel viel kürzer als der erste Lateralsattel; die zwei ersten Lateralloben im Grund fein gezackt. Perm. ¡D. Meeki¡ Gemm. Sicilien.
2. Familie. #Medlicottiidae.# Karpinsky emend. Pompeckj.
¡Schale flach scheibenförmig, enggenabelt, hochmündig. Windungen seitlich komprimiert, glatt, selten mit Spirallinien. Externseite meistens gefurcht, häufig mit 2 Seitenkielen oder mit Querfurchen, seltener gerundet oder zugeschärft. Suturlinie mit zahlreichen Auxiliarloben, öfters auch mit Adventivloben. Sättel zungenförmig, vorne gerundet oder zugespitzt, meistens ganzrandig, seltener mit einzelnen seitlichen Einschnitten; Externsattel bei¡ ¿Medlicottia¿ ¡hoch mit zahlreichen seitlichen Einschnitten. Loben meistens zweispitzig. Hauptsächlich im Perm, seltener in der Trias.¡
Die ¿Medlicottiidae¿ schließen sich wahrscheinlich an die ¡Pronoritinae¡ (Goniatitidae) an.
¿Parapronorites¿ Gemm. Enggenabelt, glatt, außen gerundet. Externlobus dreizackig. Externsattel schmal und kurz, erster Laterallobus mit vier, die übrigen mit zwei Zacken. Perm. Sicilien und Artinsk. ¡P. Konincki¡ Gemm.
¿Medlicottia¿ Waagen (Fig. 1111, 1112). Hochmündig, flach scheibenförmig, enggenabelt. Externteil beiderseits mit scharfem Kiel, dazwischen Furche. Außensattel schmal, sehr hoch, vorne gerundet, auf den Seiten mit Quereinschnitten. Sämtliche Loben zweispitzig, die Lateralsättel vorne gerundet, mit einfachem oder einmal eingeschnittenem Körper. Perm. Untere Trias. Ostindien, Ural, Sicilien. ¡M. primas¡ Waagen, ¡M. Orbignyi¡ Vern.
¿Propinacoceras¿ Gemm. Ungenabelt, scheibenförmig, Seiten flach und glatt; Externteil mit Medianfurche und Quereinschnitten. Sämtliche Loben zweispitzig, die Sättel schmal, vorne gerundet oder kurz zugespitzt. Extern- und erster Laterallobus viel tiefer als die übrigen Loben; dazwischen ein sehr breiter Externsattel, der durch einen sehr kurzen und einen etwas tieferen zweispitzigen Adventivlobus zerteilt ist. Perm. Sicilien und Ural. ¡P. Beyrichi¡ Gemm.
¿Sicanites¿ Gemm. Schale flach, genabelt; Externteil schmal mit Quereinschnitten. Sämtliche Loben zweispitzig. Externsattel schmal, kürzer als der erste Lateralsattel. Perm. Sicilien.
¿Pseudosageceras¿ Dien. Flachscheibenförmig, enggenabelt, Externseite zugeschärft. Sättel schmal, oben gerundet. Hauptlobus drei- und vierspitzig, Adventiv- und Auxiliarloben zweispitzig. Untere Trias. Ostsibirien.
¿Sageceras¿ Mojs. (Fig. 1113). Flach scheibenförmig, hochmündig, Externteil kantig begrenzt. Loben und Sättel sehr zahlreich; erstere zweispitzig. Die Sättel schmal zungenförmig, vorne abgerundet, seitlich nicht eingeschnitten. Die außerhalb des tiefsten Laterallobus gelegenen Loben und Sättel sind Adventivloben und -sättel. Trias der Alpen und Californien.
3. Familie. #Ceratitidae.# v. Buch.
¡Schale genabelt, meist mit Querrippen oder Knotenreihen verziert, zuweilen schrauben- oder stabförmig. Wohnkammer kurz; Mündung normal, außen etwas vorgezogen. Suturlinie einfach oder die Loben gezackt, die Sättel vorne breit, ganzrandig oder sehr schwach gezähnelt. Seitenloben meist wenig zahlreich, Externlobus durch Sekundärsattel geteilt und häufig tiefer als der erste Laterallobus.¡ Perm und Trias.
? ¿Paraceltites¿ Gemm. (¡Paralecanites¡ Dien.). Flach scheibenförmig, weitnablig, niedermündig. Windungsquerschnitt oval, Externseite gerundet oder mit stumpfen Seitenkanten. Skulptur aus feinen Radialfältchen bestehend, auf der Externseite zurückgebogen. Loben und Sättel ganzrandig, gerundet zungenförmig, Externlobus breit, zweiteilig, erster Laterallobus tief, zweiter ganz seicht ohne Auxiliarloben. ¡P. Höferi¡ Gemm. Perm. Sicilien. ¡P. sextensis¡ Dien. Bellerophonkalk, Südtirol.
¿Lecanites¿ Mojs. Weitgenabelt, evolut. Windungen niedrig, flach mit abgeflachter Externseite, glatt oder mit zarten Sichellinien. Loben und Sättel ganzrandig, zungenförmig, ein kleiner Auxiliarlobus kann angedeutet sein. Trias. ¡L. glaucus¡ Mstr. St. Cassian.
¿Ambites¿ Waag. Unt. Trias. Indien.
¿Ophiceras¿ Griesb. (¡Gyronites¡ Waag.). Weitnablig, Windungen höher als breit, Externseite gerundet; glatt oder mit flachen Radialfalten, selten mit zarter Spiralstreifung. Wohnkammer 1/2-3/4-Windung. Mundrand einfach, mit Einschnürung. Loben fein gezähnt. Sättel lappenförmig, ganzrandig, ein Hilfslobus. Oberes Perm, untere Trias. Indien, Ostsibirien. ¡O. tibeticum¡ Griesb.
¿Prionolobus¿ Waag. (¡Meekoceras¡ Hyatt e. p.) Weitnablig, Windungen flach, glatt oder mit flachen Radialfalten. Außer 2 feingezackten Seitenloben ein vielzackiger Hilfslobus. Untere Trias. Indien.
¿Paranorites¿ Waag. Wie ¡Prionolobus¡, aber mit einem Adventivlobus. Untere Trias. Indien.
¿Flemingites¿ Waag. Weitnablig, Windungen evolut, oval; meist mit groben Radialfalten auf den Flanken, mit feiner Spiralskulptur. Loben grob gezähnt, ein Hilfslobus. Untere Trias. Indien.
¿Aspidites¿ Waag. (¡Meekoceras¡ Hyatt e. p.) Engnablig, mit flachen, hohen, glatten Windungen, Externseite schmal. Externlobus und Seitenloben grob gezähnt, zahlreiche grobe Auxiliarzacken. Untere Trias. Indien, Alpen.
¿Koninckites¿ Waag. ¿Proptychites¿ Waag.
¿Beneckeia¿ Mojs. Flach scheibenförmig, glatt, eng genabelt, hochmündig, außen zugeschärft. Loben und Sättel ganzrandig, zahlreich; Externlobus kurz. Im Röth und im untersten Muschelkalk (Wellendolomit). ¡B.¡ (¡Ceratites¡) ¡Buchi¡ Alb. sp.
¿Otoceras¿ Griesb. Engnablig, hochmündig, Windungsquerschnitt, pfeilspitzförmig, Externseite scharfkantig, selten stumpf. Nabel tief trichterförmig mit erhöhter Randkante. Loben gezähnt, erster Laterallobus tiefer als der zweispitzige Externlobus, 2 und mehr kleine Hilfsloben. Sättel breit zungenförmig, ganzrandig, erster Lateral meistens der größte. Wohnkammer länger als 1/2 Umgang. Oberes Perm, untere Trias. Armenien, Indien, Ostsibirien. ¡O. Woodwardi¡ Griesb.
¿Hungarites¿ Mojs. Oberes Perm, untere Trias.
¿Xenodiscus¿ Waagen. Hochmündig, scheibenförmig, enggenabelt, außen gerundet. Seiten glatt oder schwach gerippt. Sättel vorne gerundet, ganzrandig; Loben im Grund schwach gezackt, nur zwei Seitenloben vorhanden. Perm von Ostindien und untere Trias von Nordasien und Ostindien.
¿Celtites¿ Mojs. (¡Tropiceltites¡ Mojs.) Weit genabelt. Umgänge niedrig, rechteckig, außen gerundet, seitlich mit einfachen kräftigen, nach vorne gebogenen Querrippen. Suturlinie einfach, meistens nur zwei ungezackte Seitenloben vorhanden. ¡C. Arduini¡ Mojs.; bei ¡C. epolensis¡ Mojs., ¡C. laevidorsatus¡, ¡C. rectangularis¡ Hauer sp. sind die Seitenloben zweiteilig. Untere bis obere Trias. Indien, Alpen.
¿Sibirites¿ Mojs. Weit genabelt; Umgänge mit kräftigen Querrippen, die sich neben dem Externteil in zwei Äste spalten und über denselben fortsetzen. Loben und Sättel wenig zahlreich, ungezackt. Unt. Trias von Sibirien. ¡S.¡ (¡Ceratites¡) ¡Eichwaldi¡ Keys.; ferner im Himalajah, im Hallstadter Kalk und in Peru.
¿Stephanites¿ Waag. Unt. Trias. Indien.
¿Dinarites¿ Mojs. Genabelt, außen gerundet. Seiten glatt oder mit einfachen, geraden Rippen, die in der Regel mit einem Knoten beginnen. Seitenloben wenig zahlreich, ganzrandig oder schwach gezähnelt. Untere und mittlere Trias. Alpen, Dalmatien, Ostsibirien. ¡D. Dalmatinus¡ Hauer, ¡D. Avisianus¡ Mojs.
¿Tirolites¿ Mojs. (Fig. 1114). Weit genabelt, außen breit, Seiten mit einfachen Querrippen, die in kräftigen Randknoten endigen. Nur zwei Seitenloben vorhanden, der erste schwach gezackt; Sättel breit, ganzrandig. Unt. Trias. Alpen.
¿Balatonites¿ Mojs. Trias.
¿Proteusites¿ v. Hauer. Schale anfänglich involut, kugelig, später weit genabelt. Wohnkammer eingeschnürt. Umgänge dick, außen breit gerundet, auf den Seiten mit einfachen Querfalten. Sättel ganzrandig, selten schwach gezackt, Loben gezähnelt. Muschelkalk. Bosnien. ¡P. Kellneri¡, ¡multiplicatus¡ Hauer.
¿Ceratites¿ de Haan (¡Haaniceras¡ Bayle) (Fig. 1115, 1116). Genabelt; außen ziemlich breit, gerundet oder abgeplattet. Seiten meist mit einfachen oder gespaltenen Rippen bedeckt, welche außen zu Randknoten und an den Spaltungsstellen zu Seitenknoten anschwellen. Sättel vorne ganzrandig, Loben schwach gezähnelt. Externlobus kurz, breit. Internlobus schmal, tief, zweispitzig. Häufig und in vielen Arten verbreitet in der unteren und mittleren Trias, hauptsächlich im Muschelkalk der germanischen Provinz[68] (¡C. nodosus¡ de Haan, ¡C. semipartitus¡ v. Buch, ¡C. enodis¡ Quenst.), der Alpen (¡C. trinodosus¡ [Fig. 1116] Mojs., ¡C. binodosus¡ Hauer etc.), Ungarn, Bosnien, Spanien, Nordsibirien (¡C. Middendorfi¡ Keys.), Kirgisensteppen, Himalaja, Japan, Spitzbergen.
¿Heraclites¿, ¿Phormedites¿, ¿Thisbites¿, ¿Clionites¿, ¿Steinmannites¿, ¿Glyphidites¿, ¿Badiotites¿ (Fig. 1117), ¿Danubites¿, ¿Japonites¿ Mojs., ¿Clydonites¿ Hauer, ¿Reiflingites¿ Arth. Trias.
¿Arpadites¿ Mojs. (Fig. 1118). Wie ¡Ceratites¡, aber flach, scheibenförmig; Externteil mit Furche, meistens mit 2 Kielen. Buchensteiner, Wengener, St. Cassianer und Esino-Schichten. ¡A. Manzonii¡ Mojs.
¿Tibetites¿ Mojs. Flache, involute Formen, mit Längsfurche auf der Externseite, mit flachen Radialfalten, Seitensättel tief gespalten. Ob. Trias. Himalaja.
¿Anatibetites¿, ¿Paratibetites¿, ¿Hauerites¿ Mojs. Ob. Trias. Himalaja.
¿Helictites¿, ¿Polycyclus¿ Mojs. (Fig. 1119). Trias.
¿Choristoceras¿ Hauer (Fig. 1120). Weit genabelt, letzter Umgang teilweise von den übrigen abgelöst. Seiten mit einfachen, auf dem Externteil durch eine Furche unterbrochenen und meist mit ein oder zwei Knotenreihen versehenen Rippen. Erster Laterallobus zweispitzig, die übrigen ganzrandig. Rhät. Alpen.
¿Cochloceras¿ Hauer (Fig. 1121). Schale schraubenförmig, links gewunden. Umgänge mit Querrippen. Loben und Sättel einfach. Ob. Trias. Alpen.
¿Rhabdoceras¿ Hauer (Fig. 1122). Schale stabförmig, gerade, Oberfläche mit schrägen Rippen. Suturlinie einfach. Ob. Trias. Alpen.
4. Familie. #Ptychitidae.# Mojs. (emend. Pompeckj).
¡Schale meist eng genabelt, außen verschmälert, selten gekielt. Flanken mit sichelförmigen Falten bedeckt oder glatt. Wohnkammer kurz, höchstens 1 Umgang. Suturlinie mit zahlreichen Hilfsloben. Loben und Sättel meistens schlank und hoch, fein gezackt bis tief geschlitzt.¡ Mittlere und obere Trias.
¿Ptychites¿ Mojs. (¡Plicosi¡ Beyr., ¡Rugiferi¡ Oppel) (Fig. 1123). Schale involut, eng genabelt, dick scheibenförmig, Externseite verschmälert, gerundet, die Seiten mit flachen sichelförmigen Falten. Runzelschicht öfters vorhanden. Mundsaum außen vorgezogen, zuweilen etwas eingeschnürt. Loben und Sättel mäßig gezackt; Außenlobus seicht. Außensattel kürzer als der erste Lateralsattel. Trias, hauptsächlich im Muschelkalk. Norddeutschland (¡P. dux¡ Gieb. sp., ¡megalodiscus¡ Beyr. sp.), Alpen (¡P. Studeri¡ Hauer sp., ¡opulentus¡ Mojs.), Bakony, Bosnien, Ostindien, Spitzbergen.
¿Beyrichites¿ Waag. (¡Meekoceras¡ Mojs. e. p.). Flach scheibenförmig, engnablig, mit gerundeter, verschmälerter Externseite und flachen Falten auf den Flanken. Lobenlinie weniger geschlitzt wie bei Ptychites, die Sattelendigungen bei manchen Formen noch ganzrandig. Muschelkalk. Alpen, Ostindien. ¡B. Reuttense¡ Mojs. sp., ¡Khanikoffi¡ Opp. sp.
¿Carnites¿ Mojs. Ob. Trias. ¡C. floridus¡ Wulfen sp.
¿Sturia¿ Mojs. Scheibenförmig, eng genabelt, außen zugeschärft, mit Spiralstreifen verziert. Externlobus groß mit breitem Mediansattel, Hauptloben meist zweispitzig. Mittlere und obere Trias; Alpen, Bosnien, Indien. ¡St. Sansovini¡ Mojs.
¿Gymnites¿ Mojs. (Fig. 1124) (¡Buddhaites¡ Dien.). Weit-, seltener enggenabelt und hochmündig, innere Windungen glatt bis schwach gefaltet, die äußeren zuweilen mit sichelförmigen Faltenrippen und flachen Knoten auf der Flankenmitte. Externseite gerundet bis zugeschärft. Suturlinie der inneren Umgänge schwach, der äußeren besonders bei eng genabelten Formen aber stark zerschlitzt; Hilfsloben einen tief herabhängenden Suspensivlobus bildend. (Die Suturen der innersten Windungen erinnern an die Gattung ¡Daraelites¡ Gemm. aus dem Perm Siciliens, ob aber dadurch ein genetischer Zusammenhang beider Gattungen bedingt wird, ist unentschieden.) Trias, hauptsächlich im Muschelkalk der Alpen, Bosniens und Indiens. ¡G. incultus¡ Mojs., ¡Breuneri¡ Mojs., ¡Credneri¡ Mojs., ¡subclausus¡ Hauer.
5. Familie. #Pinacoceratidae.# Mojs. (emend. Zitt.).
¡Schale flach scheibenförmig, hochmündig, eng genabelt, meist glatt oder schwach gefaltet. Wohnkammer kurz, selten anormal verengt. Suturlinie mit sehr zahlreichen, überaus fein und tief zerschlitzten Loben und Sätteln; zwischen dem Externlobus und ersten Seitenlobus eingeschaltete Adventivloben. Embryonalkammer angustisellat.¡ Mittlere und obere Trias.
Die Pinacoceratiden besitzen unter allen Ammoniten die am feinsten zerschlitzte und komplizierteste Suturlinie, durch welche sie große Anklänge an die zeitlich nahe stehende Gattung Gymnites zeigen. Sie sind auf die Trias beschränkt.
¿Pinacoceras¿ Mojs. (¡Pompeckjites¡ Mojs.) mit scharfer Externseite (Fig. 1125, 1126) enthält lediglich triasische Arten, wovon die ältesten (¡P. Damesi¡ Mojs.) im oberen Muschelkalk beginnen. Hauptverbreitung im Hallstadter Kalk. Alpen, Himalaja. ¡P. Metternichi¡ v. Hauer sp. erreicht einen Durchmesser von 1 - 1-1/2 Meter. ¡P. rex¡, ¡P. imperator¡ v. Hauer sp.
¿Placites¿ Mojs. Flach scheibenförmig, eng genabelt; Externseite gerundet; ohne oder mit wenigen Adventivloben. Ob. Trias. Alpen, Himalaya. ¡P. platyphyllum¡ Mojs.
6. Familie. #Tropitidae.# Mojs. (emend. Zitt.).
¡Schale weit oder eng genabelt oder ungenabelt, meist reich mit Querrippen oder Knotenreihen verziert. Wohnkammer bald lang (bis 1-3/4 Umgang), bald kurz. Mündung normal oder etwas eingeschnürt. Loben und Sättel mäßig zerschlitzt; Externlobus tief, durch einen starken Sekundärsattel zweispitzig; nur zwei Lateralloben und ein, selten zwei kleinere Hilfsloben auf den Seiten vorhanden. Sättel mit breitem Stamm, vorne verschmälert. Embryonalkammer latisellat.¡ Trias.
Die Tropitiden sind die reicher verzierten und mit Ammonitenloben versehenen Nachkommen der Glyphioceratinae. Sie stehen den Ceratitiden nahe, unterscheiden sich aber von diesen durch stärker gezackte Suturlinie, vorne verschmälerte Sättel und meist geringere Zahl von Lateralloben. Trias.
¿Acrochordiceras¿ Hyatt. Eng genabelt. Seiten mit Rippen verziert, welche zu je 2 und 3 aus einem Nabelknoten entspringen und über den gerundeten Externteil verlaufen. Sättel schmal, schwach gezähnt, Loben tief gezackt. Im Muschelkalk, Alpen, Bosnien, Nordschlesien, Nevada. ¡A. Damesi¡ Nötling.
¿Tropites¿ Mojs. (Fig. 1127). Schale tief genabelt mit dicken, außen breit gerundeten und häufig gekielten Umgängen; Oberfläche gerippt, meist eine knotige Nabelkante vorhanden. Ob. Trias. Alpen.
¿Margarites¿ Mojs. (Fig. 1128). Weit genabelt; Seiten der Umgänge mit Radialrippen, die neben dem breiten Externteil zu Randknoten oder Stacheln anschwellen. Ob. Trias.
¿Eutomoceras¿ Hyatt, ¿Sibyllites¿, ¿Styrites¿ Mojs. Ob. Trias.
¿Trachyceras¿ Laube (¡Protrachyceras¡, ¡Anolcites¡ Mojs.) (Fig. 1129, 1130). Schale eng, seltener weit genabelt. Oberfläche reich verziert, mit gespaltenen Querrippen, die auf dem Externteil durch eine Furche unterbrochen und meist mit Knoten oder Dornen besetzt sind, welche spirale Reihen bilden. Wohnkammer 2/3 des letzten Umgangs. Loben und Sättel mäßig gezackt, die Sättel vorne verschmälert. Sehr häufig in der mittleren und oberen alpinen Trias, ferner in Spanien, Ungarn, Bukowina, Nevada. Die ältesten Formen in den Buchensteiner, die jüngsten in den oberen Hallstadter Schichten. Über 100 Arten. ¡T. Aon¡ Mst. (St. Cassian), ¡T. Aonoides¡ Mojs. (Karnische Stufe).
¿Halorites¿ Mojs. Schale aufgebläht, eng genabelt oder ungenabelt, außen gerundet. Wohnkammer lang. Innere Umgänge mit perlschnurartig geknoteten Querrippen; Schlußwindung etwas verengt, quer gefaltet oder gestreift, häufig mit einer externen Randknotenreihe. Ob. Trias. Salzkammergut und Himalaja.
¿Juvavites¿, ¿Isculites¿, ¿Miltites¿ Mojs. Ob. Trias. Salzkammergut.
¿Sagenites¿ Mojs. Eng genabelt, außen gerundet, zuweilen mit Medianfurche. Wohnkammer kurz. Seiten mit Querstreifen oder Falten verziert, welche von spiralen Linien oder Körnerreihen gekreuzt werden. Ob. Trias, Salzkammergut. ¡S. reticulatus¡, ¡Giebeli¡ Hauer sp.
¿Distichites¿ Mojs., ¿Drepanites¿, ¿Dionites¿, ¿Daphnites¿, ¿Cyrtopleurites¿ Mojs. ¿Sirenites¿, ¿Sandlingites¿ Mojs. Obere Trias. Salzkammergut.
7. Familie. #Cyclolobidae.# Zitt.
¡Schale meist eng genabelt oder involut, glatt, quer oder spiral gestreift. Wohnkammer lang (1 - 1-1/2 Umgänge). Einschnürungen meist vorhanden. Loben und Sättel sehr zahlreich; die Sättel schmal, vorne halbkreisförmig gerundet (monophyllisch), am Stamm meist durch Quereinschnitte gezackt, selten einfach, Loben zwei- oder mehrzackig, selten einfach zugespitzt.¡ Perm bis Trias.
Die Cyclolobiden sind wahrscheinlich aus den Goniatitiden (¡Agathiceras¡) hervorgegangen und vermutlich die Vorläufer der Arcestiden, Cladiscitiden und Phylloceratiden. Sie zeichnen sich hauptsächlich durch monophyllische Endigung der Sättel und schwache Zerschlitzung der Sättel und Loben aus.
¡? ~Lobites¿ Mojs. (¡Clydonites¡ p. p. Hauer) (Fig. 1131, 1132). Klein, involut, glatt oder quer gerippt; Wohnkammer sehr lang, etwas verengt. Mündung eingeschnürt, außen kapuzenartig vorgezogen. Loben und Sättel ungezackt; die Seitensättel ungleich hoch, die Loben gerundet oder zugespitzt. Alpine Trias. ¡L. ellipticus¡ Hauer.
¿Stacheoceras¿ Gemm. Involut, seitlich gewölbt und fein gestreift, außen gerundet, mit Einschnürungen. Sättel keulenförmig mit ungeteiltem oder nur schwach eingeschnittenem Stamm, Loben drei- bis zweispitzig. Perm. Sicilien, Ural, Ostindien. ¡St.¡ (¡Arcestes¡) ¡antiquum¡ Waagen.
¿Popanoceras¿ Hyatt. (Fig. 1133). Schale eng genabelt oder ungenabelt, seitlich abgeplattet mit S-förmig gebogenen Streifen, die sich außen stark rückwärts biegen. Einschnürungen fehlen. Sättel keulenförmig mit seitlichen Einschnitten, die zwei ersten Lateralloben zweispitzig, die folgenden einspitzig. Perm, untere Trias. Ural, Sicilien, Spitzbergen.
¿Norites¿ Mojs. (Fig. 1134). Flach scheibenförmig, eng genabelt, glatt; Externteil von zwei Kanten begrenzt. Externlobus und Externsattel sehr kurz; die Seitensättel vorne gerundet, die Loben fein gezackt. Trias. ¡N. gondola¡ Mojs.
¿Cyclolobus¿ Waagen (¡Waagenoceras¡ Gemm.) (Fig. 1135). Schale kugelig, dick, involut, eng genabelt. Umgänge außen breit gerundet mit Einschnürungen. Sättel seitlich gezackt, vorne mit breit gerundetem Kopf, Loben zwei- bis dreispitzig. Externsattel viel kürzer als der erste Lateralsattel; zuweilen tief gespalten. Perm. Ostindien, Sicilien, Texas.
¿Hyattoceras¿ Gemm. Perm. Sicilien.
¿Procladiscites¿ Mojs. Ungenabelt, seitlich abgeplattet mit Spiralstreifen, Externteil breit. Muschelkalk. Alpen, Bosnien.
¿Megaphyllites¿ Mojs. (Fig. 1136). Glatt, ungenabelt, außen gerundet, zuweilen mit Einschnürungen. Sättel schmal, monophyllisch, seitlich gezackt, Loben meist dreizackig. ¡M. Jarbas¡ Mstr. sp. Ob. Trias.
¿Monophyllites¿ Mojs. (¡Monophylli¡ Beyr., ¡Mojsvarites¡ Pomp.) (Fig. 1137). Scheibenförmig, weit genabelt, außen gerundet. Seiten glatt oder mit feinen, nach vorne geschwungenen Querstreifen verziert. Loben und Sättel in verschiedener Zahl (6-7) vorhanden. Sättel in einem großen, ungeteilten Blatt endigend, mit schmalem, tief gezacktem Stamm. Trias. Alpen, Bosnien. ¡M. sphaerophyllus¡ Hauer, ¡M. Wengensis¡ Mojs.
8. Familie. #Arcestidae.# Mojs.
¡Schale meist involut, bauchig, glatt oder mit einfachen Querrippen, fast immer mit Einschnürungen. Wohnkammer sehr lang (1-1/2 Umgänge), Mundrand verdickt, am Externteil meistens vorgezogen. Loben und Sättel zahlreich, gleichartig, fein zerschlitzt. Embryonalkammer latisellat.¡ Alpine Trias vom Buntsandstein an bis zum Rhät.
Die Arcestiden sind vielleicht aus den Cyclolobiden hervorgegangen.
¿Arcestes¿ Suess (Fig. 1140). Schale aufgeblasen, kugelig, eng oder gar nicht genabelt, Umgänge außen gerundet, die Wohnkammer außen zuweilen abgeplattet, oder zugeschärft und häufig abweichend gestaltet. Runzelschicht aus linearen Streifen bestehend. Loben und Sättel mit engen Stämmen, fein verästelt, mit parallelen Seiten, nach unten, resp. oben zugespitzt. Außenlobus zweispitzig, ebenso tief als der erste Laterallobus. Sehr häufig in der mittleren und oberen Trias der Alpen, des Bakony, Bosnien, Himalaja, Kalifornien und Spitzbergen.
¿Didymites¿ Mojs. (Fig. 1139). Wie Arcestes, aber Außensattel durch einen Sekundärlobus paarig geteilt. Trias. Alpen.
¿Sphingites¿ Mojs. Schale flach scheibenförmig, weit genabelt; Suturlinie wie bei ¡Arcestes¡. Mittlere und obere Trias der Alpen. ¡Sph. Meyeri¡ v. Klipst.
¿Joannites¿ Mojs. (Fig. 1138). Suturlinie bogenförmig, sämtliche Sättel vorne breit, paarig geteilt, fein zerschlitzt. Ob. Trias. Alpen.
9. Familie. #Cladiscitidae.# Mojs.
¡Schale ungenabelt, seitlich abgeplattet, außen fast eben; Seiten spiral gestreift oder glatt. Wohnkammer den ganzen letzten Umgang einnehmend. Mündung normal. Einschnürungen fehlen. Runzelschicht wohl entwickelt. Loben und Sättel zahlreich, in gerader Reihe angeordnet, ungemein tief und fein zerschlitzt; die Sättel mit dünnem Stamm, vorne meist tief zwei- oder viergabelig. Embryonalkammer angustisellat.¡ Trias.
Die einzige Gattung ¿Cladiscites¿ Mojs. (Fig. 1141) ist häufig in der oberen alpinen Trias.
10. Familie. #Phylloceratidae.# Zittel.
(¡Heterophylli¡ Quenst.).
¡Schale glatt, quer gestreift oder mit schwachen Falten, außen gerundet. Wohnkammer 1/2-3/4 des letzten Umgangs bildend. Mündung einfach, außen vorgezogen. Loben und Sättel zahlreich, in gerader Reihe, allmählich gegen innen an Größe abnehmend; die Sättel tief zerschlitzt, vorne mit zwei, drei oder vier blattförmigen Lappen endigend. Embryonalkammer angustisellat.¡ Trias. Lias. Jura und untere Kreide.
Die Phylloceraten sind offenbar aus gewissen triasischen Cyclolobiden (¡Monophyllites¡) entstanden. Sie entsprechen der Familie der Heterophyllen ~Quenstedt's~ und zeichnen sich besonders durch diphyllische, tri- und tetraphyllische Endigung der tief zerschlitzten Sättel, sowie durch Mangel an Knoten, Dornen und scharfen Rippen aus. Im allgemeinen zeigen die Suturen bei den älteren Arten einer Formenreihe einfacheren Bau als bei den jüngeren.
¿Phylloceras¿ Sueß (Fig. 1142-1144). Ungenabelt oder mit engem Nabel, glatt, mit feinen Querstreifen oder schwachen Querfalten. Einschnürungen nicht selten vorhanden. Loben und Sättel zahlreich, mindestens 6-9 auf den Seiten. Sehr häufig im mittleren und oberen Lias, im Dogger, Malm und der unteren Kreide aller Weltteile; namentlich in Ablagerungen von alpiner Facies verbreitet. Die ältesten Arten im untersten Lias (Planorbis-Schichten).
¿Rhacophyllites¿ Zittel (Fig. 1145, 1146). Scheibenförmig, weit genabelt. Sättel diphyllisch oder triphyllisch, weniger zahlreich als bei ¡Phylloceras¡, die Hilfsloben schräg abfallend. Ob. Trias der Alpen (¡R. neojurensis¡ Quenst. sp., ¡R. debilis¡ Hauer sp.). Lias und Jura. ¡R. Mimatensis¡, ¡R. tortisulcatus¡ d'Orb.
11. Familie. #Lytoceratidae.# Neumayr emend. Zittel.
(¡Lineati¡ Quenst., ¡Fimbriati¡ d'Orb.).
¡Schale weit genabelt, zuweilen eine aufgelöste oder schneckenförmige Spirale bildend, nicht selten auch hakenförmig. Wohnkammer 2/3-3/4 des letzten Umgangs einnehmend. Umgänge rundlich, wenig umfassend, außen niemals gekielt; meist mit einfachen oder wellig gebogenen, zuweilen knotigen Querlinien oder Rippen verziert. Suturlinie tief zerschlitzt; meist nur zwei Seitenloben und ein Hilfslobus vorhanden; der erste, häufig auch der zweite Laterallobus, sowie in der Regel auch die Sättel mehr oder weniger deutlich aus zwei symmetrischen Hälften bestehend. Embryonalkammer angustisellat.¡ Jura und Kreide.
Die Lytoceratiden beginnen im unteren Lias und sterben in der oberen Kreide aus. Bemerkenswert ist das Vorkommen von sogenannten Nebenformen, welche keine geschlossenen, in einer Ebene aufgerollten Spiralschalen, sondern stab-, haken- oder turmförmige Gehäuse bilden.
¿Lytoceras¿ Sueß (¡Thysanoceras¡ Hyatt, ¡Costidiscus¡ Uhlig) (Fig. 1147 bis 1149). Schale spiral eingerollt, weit genabelt. Mundsaum einfach oder trompetenförmig erweitert, auf der Nabelseite mit einem dem vorhergehenden Umgang aufliegenden Fortsatz. Oberfläche mit einfachen oder etwas wellig gebogenen Querstreifen, Rippen, oder vorragenden Blättern verziert, seltener glatt. Einschnürungen fehlend oder vorhanden. Häufig in Lias, Jura und untere Kreide.
¿Gaudryoceras¿ Grossouvre. Mittlere und obere Kreide. ¡G. mite¡ Hauer, ¡G. Lüneburgense¡ Schlüter sp.
¿Tetragonites¿ Kossm., ¿Pseudophyllites¿ Kossm. Kreide.
¿Ectocentrites¿ Wähner. Wie Lytoceras, aber Externseite mit Furche. Unt. und mittl. Lias.
¿Macroscaphites¿ Meek (Fig. 1150). Wie ¡Lytoceras¡, aber letzter Umgang abgelöst, geradlinig verlängert und hakenförmig umgebogen. Untere Kreide.
¿Pictetia¿ Uhlig. Wie vorige, aber ganze Spirale offen. Neocom u. Gault.
¿Hamites¿ Park (Fig. 1151-1154). Schale hakenförmig, aus parallelen Schenkeln bestehend, die einmal (¡Hamulina¡ d'Orb.) oder zweimal (¡Hamites¡ Park) umgebogen sind und entweder getrennt bleiben oder sich berühren (¡Ptychoceras¡ d'Orb.). Zahlreiche Arten in Neocom und Gault.
¿Turrilites¿ Lam. (Fig. 1155, 1156). Schale turmförmig, in schraubenförmiger Schneckenspirale aufgerollt; die stets quergerippten Umgänge berühren sich entweder alle (¡Turrilites¡ s. str.) oder die letzten lösen sich ab (¡Heteroceras¡ d'Orb.) oder sämtliche Umgänge bilden eine offene Spirale (¡Helicoceras¡ d'Orb.). Kreide.
? ¿Baculina¿ d'Orb. Schale klein, stabförmig, gerade, am dünnen Ende mit feiner Spitze beginnend. Suturlinie schwach gezackt. ¡B. acuarius¡ Quenst., Ornatenton. Württemberg.
¿Baculites¿ Lam. (Fig. 1157). In der Regel nur an beiden Enden abgebrochene gerade, zylindrische oder abgeplattete gekammerte Röhren erhalten, deren mäßig zerschlitzte Suturlinie 6 Loben und Sättel aufweist. Wohnkammer lang; Mündung mit vorspringendem Ventrallappen. Nach ~Amos Brown~ beginnt die Schale mit einem kleinen, aus zwei Umgängen bestehenden geschlossenen Spiralgewinde. ~Schlüter~ fand in einem Baculiten einen zweischaligen, außen mit gekörnelten Linien bedeckten Aptychus. Kreide; besonders häufig in der oberen Abteilung derselben in Europa, Ostindien und Nordamerika.
12. Familie. #Aegoceratidae#. Neumayr (emend. Zittel).
¡Schale scheibenförmig, meist weit genabelt. Umgänge glatt oder mit geraden Querrippen, die sich auf dem Externteil zuweilen spalten. Mündung ohne Seitenohren, außen mit vorspringendem Lappen oder Kiel. Wohnkammer 3/4 bis über einen Umgang einnehmend. Suturlinie gezackt; seitlich nur zwei Lateralloben und ein Nahtlobus vorhanden. Antisiphonallobus zweispitzig. Anaptychus häufig vorhanden.¡ Lias bis unterer Dogger.
Die Ägoceratiden dürften von ¿Phylloceras¿ abzuleiten sein, denn die ältesten hergehörenden Formen, die Psiloceraten, namentlich der alpinen Unterlias, besitzen Lobenlinien, welche vollkommen den Charakter der Phylloceraten zeigen. Sie zerfallen in mehrere eng verbundene Unterfamilien.
a) Unterfamilie. #Psiloceratinae.# Zitt. (¡Psilonoti¡ Quenst.).
¡Weit genabelt. Umgänge flach, glatt oder mit einfachen Rippen, welche den gerundeten kiellosen Externteil nicht überschreiten. Anaptychus vorhanden.¡ Unterster Lias.
Die Psiloceratinen sind die Vorläufer aller übrigen Ägoceratiden.
¿Psiloceras¿ Hyatt (Fig. 1158). Flach scheibenförmig, seitlich glatt, fein quergestreift oder mit einfachen Faltrippen (¡Caloceras¡ p. p. Hyatt). Externteil gerundet. Unterster Lias. ¡P. planorbis¡ Sow., ¡P. calliphyllum Naumanni¡ Neumayr, ¡P. Johnstoni¡ Sow., ¡P. tortile¡ d'Orb. etc. Besonders häufig im Lias der Nordalpen (Pfonsjoch, Schreinbachgraben).
b) Unterfamilie. #Arietitinae.# Zitt.
¡Flach scheibenförmig, weit genabelt. Seiten mit kräftigen einfachen Rippen; Externteil mehr oder weniger abgeplattet oder gerundet mit glattem, häufig von zwei Furchen begrenztem Kiel. Anaptychus beobachtet.¡ Unt. Lias.
¿Arietites¿ Waagen (Fig. 1159-1161). Diese Gattung entspricht genau der Familie der Arieten Leop. v. Buchs. Sie ist ausgezeichnet durch kräftige Querrippen und den meistens von zwei tiefen Furchen begrenzten Kiel. Die Suturlinie unterscheidet sich wenig von ¡Psiloceras¡ und auch in Beziehung auf Skulptur und Beschaffenheit des Externteils stimmen die inneren Windungen von ¡Arietites¡ häufig mit ¡Psiloceras¡ überein. Einzelne Arten erreichen einen Durchmesser von 1/2-1 Meter. Nur im unteren Lias jedoch über den Schichten mit ¡Psiloceras¡.
Die von ~Hyatt~ aufgestellten Genera ¿Vermiceras¿ und ¿Discoceras¿ (¡A. Conybeari¡ Sow., ¡A. spiratissimus¡ Quenst.), ¿Arnioceras¿ (¡A. ceras¡ Hauer, ¡A. geometricus¡ Oppel), ¿Coroniceras¿ (¡A. Kridion¡ Zieten, ¡A. rotiformis¡ Sow., ¡A. bisulcatus¡ Brug., ¡A. Bucklandi¡ Sow.), und ¿Asteroceras¿ Hyatt (¡A. obtusus¡, ¡stellaris¡, ¡Turneri¡ Sow.) bilden nur Formengruppen, welche untereinander so eng verbunden sind, daß eine generische Trennung von ¡Arietites¡ unzweckmäßig erscheint.
¿Ophioceras¿ Hyatt. Schale flach scheibenförmig mit langsam zunehmenden Umgängen; Externteil konvex; Kiel schwach entwickelt ohne Nebenfurchen, Seitenrippen gerade, kräftig, einfach. Unt. Lias (+b+). ¡A. raricostatus¡ Zieten, ¡A. vellicatus¡ Dumortier.
c) Unterfamilie. #Aegoceratinae.# Zitt. (¡Capricorni¡ v. Buch).
¡Weit genabelt. Umgänge mit Flankenrippen, die häufig zu Randknoten anschwellen und entweder ungeteilt oder vergabelt über den ungekielten Externteil fortsetzen. Nahtlobus zurückspringend, aus mehreren kleinen Hilfsloben gebildet.¡ Lias.
¿Schlotheimia¿ Bayle (¡Angulati¡ Quenst.) (Fig. 1162). Flach scheibenförmig; Rippen anfänglich einfach, auf den späteren Umgängen gespalten und zuletzt verwischt, außen nach vorne gebogen und auf dem Externteil durch eine Furche unterbrochen. Unterer Lias, namentlich zwischen den Psilonoten- und Arietenschichten häufig. ¡A. angulatus¡ Schloth., ¡A. marmoreus¡ Opp., ¡Sch. Panzneri¡ Wähner (Lias +a+), ¡A. lacunatus¡ Buckm. (Lias +b+).
¿Aegoceras¿ Waagen emend. Zitt. (Fig. 1163). Rippen einfach, außen verdickt und ununterbrochen oder in mehrere Äste geteilt über den breiten ungekielten Externteil fortsetzend. Anaptychus beobachtet. Lias; hauptsächlich im mittleren Lias. ¡A. bifer¡ Quenst. (Lias +b+), ¡A. planicosta¡, ¡A. lataecosta¡ Sow., ¡A. capricornus¡ Schloth. (Mittl. Lias).
Subgenera: ¿Microceras¿, ¿Platypleuroceras¿ (¡A. brevispina¡ Sow.), ¿Microderoceras¿ (¡A. Birchi¡ Sow.), ¿Deroceras¿ (¡A. Ziphus¡ Zieten), ¿Androgynoceras¿ Hyatt. Lias.
d) Unterfamilie. #Polymorphinae.# Haug.[69]
¡Form und Verzierung der Schale in verschiedenen Altersstufen sehr abweichend. Seiten glatt oder gerippt, Externteil mit glattem Kiel oder ungekielt. Suturlinie mäßig zerschlitzt. Nur ein Hilfslobus vorhanden. Anaptychus nicht beobachtet.¡ Lias.
¿Agassizeras¿ Hyatt. (¡Cymbites¡ Neumayr). Schale klein, Umgänge gerundet, außen mehr oder weniger zugeschärft. Seiten mit feinen Zuwachsstreifen, selten berippt. Mündung schwach eingeschnürt mit vorgezogenem Ventrallappen. Suturlinie schwach gezackt, Sättel breit. Ob. Abteilung des unteren Lias. ¡A. laevigatus¡ Sow., ¡A. striaries¡ Quenst., ¡A. Davidsoni¡ Dumort., ¡A. globosus¡ Opp., ¡A. miserabile¡ Quenst.
¿Liparoceras¿ Hyatt. (¡Striati¡ Quenst.). Schale ziemlich eng genabelt; Umgänge rasch an Dicke zunehmend, außen gerundet, breit, ohne Kiel. Innere Umgänge glatt; die späteren mit einfachen Flankenrippen, welche in Randknoten endigen und durch 2-4 über den breiten Externteil verlaufende Spaltrippen verbunden sind. Suturlinie anfangs schwach gezähnt, später tief zerschlitzt. Mittlerer Lias. ¡L. alterum¡ Opp., ¡L. striatum¡ Rein. sp., ¡L. Bechei¡ Sow. sp.
¿Polymorphites¿ Sutner. Weit genabelt, außen gerundet oder schwach gekielt. Seiten mit häufig knotentragenden, geraden Radialrippen, die außen nach vorne geschwungen sind und im Externkiel zusammenstoßen. Suturlinie anfangs schwach, später tief zerschlitzt. Der Hilfssattel nicht zurückspringend. Unterer und mittlerer Lias. ¡A. abnormis¡ Hauer, ¡A. polymorphus¡ Quenst., ¡A. hybridus¡ Opp., ¡A. caprarius¡ Quenst., ¡A. Bronni¡ Roem.
¿Dumortieria¿ Haug (¡Catulloceras¡ Gemm.). Wie vorige Gattung, aber der zweite Laterallobus und der Hilfslobus einen zurückspringenden Nahtlobus bildend. Mittlerer und oberer Lias und unterster Dogger. ¡A. Jamesoni¡ Sow., ¡A. Vernosae¡ Zitt., ¡A. Levesquei¡ d'Orb. (Lias), ¡A. radiosus¡ Seeb. (Opalinus-Schichten.)
¿Amphiceras¿ Gemm. Lias.
e) Unterfamilie. #Hammatoceratinae.# Buckm. (¡Falcoidei¡ Quenst.)
¡Seiten meist mit Nabelknoten, von denen ein bis drei, etwas nach vorne geschwungene Rippen ausgehen. Externteil gekielt. Kiel häufig hohl. Suturlinie tief zerschlitzt; Externlobus seicht; Hilfsloben einen zurückspringenden Nahtlobus bildend.¡ Oberer Lias. Dogger.
¿Cycloceras¿ Hyatt. (¡Tropidoceras¡ Hyatt). Weit genabelt. Rippen einfach, häufig zwei Knotenreihen bildend, nicht über den verschmälerten, gerundeten oder schwach gekielten Externteil fortsetzend. Innere Umgänge glatt. Lias. ¡A. Actaeon¡, ¡Masseanus¡ d'Orb., ¡A. binotatus¡ Opp. Mittlerer Lias.
¿Hammatoceras¿ Hyatt (¡Phymatoceras¡ Hyatt). Hochmündig, mäßig weit genabelt. Kiel in der Jugend scharf, später verschwindend. Seitenrippen kräftig, schwach gebogen, von Nabelknoten ausgehend und von Anfang an zwei- oder dreifach geteilt. Suturlinie tief zerschlitzt; erster Laterallobus viel tiefer als der zweite. Oberer Lias und unterer Dogger von Europa und Südamerika. ¡A. insigne¡ Schübler, ¡A. subinsigne¡ Opp. (Oberer Lias.)
Subgenera: a) ¿Haugia¿ Buckm. Ob Lias. ¡A. variabilis¡ Sow.
b) ¿Erycites¿ Gemm. Dogger. ¡A. gonionotus¡, ¡A. fallax¡ Benecke.
c) ¿Zurcheria¿ Douvillé. Dogger. ¡Z. Ubaldi¡ Douv.
¿Sonninia¿ Bayle (¡Waagenia¡ Bayle non Neumayr) (Fig. 1164). Wie ¡Hammatoceras¡, aber Rippen zu Seitenknoten oder Stacheln anschwellend und von diesen an nach außen gespalten. Kiel scharf, meist hohl. Dogger. ¡A. Sowerbyi¡ Mill., ¡A. adicrus¡ Waagen.
13. Familie. #Amaltheidae.# Fischer e. p.
¡Schale eng genabelt, meist hochmündig. Flanken mit leicht geschwungenen Falten oder Rippen, die auf der Außenseite vorgezogen sind, öfters mit Längsskulptur und Ritzstreifen. Externseite zugeschärft oder gekielt; der Kiel ist durch Rippen oder verdickte Anwachsstreifen gekerbt (Zopfkiel). Mündung einfach oder mit schmalem Ventralfortsatz. Suturen stark zerschlitzt. Externsattel besonders groß mit zahlreichen Sekundäreinschnitten. Externlobus tief; 2 und mehr Hilfsloben.¡ Lias, Dogger.
Die Amaltheiden dürften von den Ägoceratiden und zwar von den Arietitinae abzuleiten sein.
¿Oxynoticeras¿ Hyatt (Fig. 1165). Flach scheibenförmig, eng genabelt mit scharfem Hohlkiel, in der Jugend gerundet; außen glatt oder radial gefaltet. Suturlinie mit wenig tiefen Einschnitten. Der breite Außensattel in zwei ungleiche Lappen geteilt; 2-6 Hilfsloben vorhanden. Lias, Dogger. ¡A. Guibalianus¡ d'Orb. (unt. Lias), ¡A. serrodens¡ Quenst. (ob. Lias); ¡A. Stauffensis¡ Opp., ¡A. discus¡ Sow. (Dogger).
¿Amaltheus¿ Montf., (¡Pleuroceras¡ Hyatt, ¡Pachyceras¡ Bayle) (Fig. 1166). Eng-, seltener weitgenabelt; Kiel scharf oder geknotet, zuweilen hohl. Seiten glatt, gestreift oder mit einfachen oder stacheligen Rippen verziert. Sättel und Loben sehr tief und fein zerschlitzt. Der Externsattel in Adventivsättel und Loben zerlegt. 3 oder mehr Hilfsloben außer den zwei großen Lateralloben vorhanden. Lias. Jura. ¡A. margaritatus¡ Montf. sp., ¡A.¡ (¡Pleuroceras¡) ¡spinatus¡ Brug. (Lias),? ¡A. dorsocavatus¡ Quenst. (Dogger.)
¿Strigoceras¿ Quenst. (¡Lophoceras¡ Par. u. Bon., ¡Phlycticeras¡ Hyatt). Kiel hahnenkammartig auf- und absteigend, Flanken mit grober Spiralskulptur, bei gerippten Formen mit groben Knoten an der Stelle der Rippenteilungen. Dogger. ¡A. Truellei¡ d'Orb., ¡polygonius¡ Ziet.
14. Familie. #Harpoceratidae.# Neumayr emend. Zittel.[70]
¡Seiten mit sichelförmig gebogenen Zuwachslinien oder Rippen verziert. Externteil mit glattem oder gekörneltem Kiel. Mündung mit geschwungenem Seitenrand oder vorspringenden Seitenohren und stielförmigem oder gerundetem Ventralfortsatz. Suturlinie zerschlitzt, in gerader Linie stehend, meist mehrere Hilfsloben vorhanden. Aptychus außen gefaltet.¡ Lias bis untere Kreide.
Die Harpoceratiden sind höchst wahrscheinlich aus den Ägoceratiden und zwar aus der Gruppe der Arieten hervorgegangen; sie zeichnen sich durch ihre sichelförmigen Rippen oder Streifen auf den Seiten aus, welche vom Nabel zuerst gerade oder schräg nach vorne verlaufen, dann einen Bogen nach hinten bilden und sich außen wieder nach vorne biegen. Sie gehören ganz überwiegend dem Jura an, die ältesten beginnen im mittleren Lias; Hauptverbreitung im oberen Lias, Dogger und Malm.
a) Unterfamilie. #Harpoceratinae.# Zittel. (¡Falciferi¡ v. Buch.)
¡Kiel glatt. Mündung mit verlängertem Kiel. Suturlinie mäßig zerschlitzt. Erster Laterallobus tief. Aptychus sehr dünn; die äußere Schicht kalkig und gefaltet, die innere (ursprünglich hornige) verkohlt.¡ Mittlerer Lias bis Dogger.
Sämtliche hierher gehörige Formen wurden von ~Waagen~ als ¿Harpoceras¿ bezeichnet. Dieselben werden jetzt in zahlreiche Subgenera zerlegt.
a) ¿Arieticeras¿ Seguenza. Weit genabelt. Umgänge niedrig, vierseitig. Externteil breit, Kiel von zwei Furchen begrenzt. Seiten mit einfachen, groben, undeutlich sichelartigen Rippen. Sutur schwach gezackt. Mittlerer Lias. ¡A. Algovianus¡ Opp., ¡A. Ruthenensis¡ Reynès.
b) ¿Hildoceras¿ Hyatt. (Fig. 1167). Wie vorige, jedoch Rippen deutlich sichelförmig, an der Umbiegungsstelle durch eine Furche unterbrochen. Ob. Lias. ¡A. bifrons¡ Brug., ¡A. borealis¡ Seeb., ¡A. Levisoni¡ Dum.
c) ¿Lillia¿ Bayle. Wie ¡Arieticeras¡, jedoch Rippen anfänglich paarweise von Nabelknoten entspringend, später einfach. Ob. Lias. ¡A. Comensis¡ v. Buch., ¡A. Mercati¡ v. Buch., ¡A. Erbaensis¡, ¡Lilli¡, Hauer etc.
d) ¿Poecilomorphus¿ Buckm. ¡A. subcarinatus¡ Phill. Ob. Lias. ¡A. cycloides¡ d'Orb. Unterer Dogger.
e) ¿Grammoceras¿ Hyatt. (Fig. 1168). Meist weit genabelt. Umgänge mit einfachen oder außen fein gespaltenen S-förmig geschwungenen Sichelrippen verziert. Suturlinie wenig zerschlitzt. Mittlerer und ob. Lias. ¡A. Normannianus¡ d'Orb., ¡A. Kurrianus¡ Opp. (mittl. Lias), ¡A. radians¡ Schloth., ¡A. Thouarsensis¡ d'Orb., ¡A. Aalensis¡ Zitt. (ob. Lias) etc.
f) ¿Harpoceras¿ s. str. (¡Polyplectus¡ Buckm.). Mehr oder weniger hochmündig, scheibenförmig, mäßig weit oder eng genabelt. Seiten flach, mit ausgezeichnet geschwungenen, meist einfachen, ungeteilten Sichelrippen. Externteil zugeschärft, Kiel von zwei seichten Furchen begrenzt. Suturlinie stark zerschlitzt. Mittlerer und oberer Lias. ¡A. falcifer¡ Sow., ¡A. Boscensis¡ Reynès, ¡A. Lythense¡ Young und Bird, ¡A. elegans¡ Sow., ¡A. bicarinatus¡ Zieten, ¡A. serpentinus¡ Schloth.
g) ¿Leioceras¿ Hyatt. emend. Buckm. (Fig. 1169). Flach scheibenförmig, hochmündig, eng genabelt, außen zugeschärft. Innere Umgänge mit dichotom gespaltenen Sichelrippen, die sich auf den letzten Windungen in feine Sichelstreifen auflösen. Suturlinie mäßig gezackt. Externsattel zweiteilig. Ob. Lias und unterer Dogger. ¡A. opalinus¡ Rein., ¡A. concavus¡ Sow.
h) ¿Ludwigia¿ Bayle. Mäßig weit genabelt, außen gerundet mit schwachem Kiel. Sichelrippen geknickt, außen gegabelt, der Rippenstiel häufig zu einem Knoten verdickt. Äußere Umgänge glatt. Suturlinie schwach zerschlitzt. Unt. Dogger. ¡A. Murchisonae¡ Sow.
i) ¿Witchellia¿, k) ¿Dorsetensia¿, l) ¿Hypolioceras¿ Buckm. Dogger.
m) ¿Hecticoceras¿ Bonarelli (¡Lunuloceras¡ Bonar). Weit genabelt, Umgänge im Querschnitt oval bis vierseitig, außen gekielt. Innere Umgänge glatt, die äußeren mit groben, einfachen oder gespaltenen Rippen, die häufig auf den Seiten oder neben dem Externteil Knoten bilden. Ob. Dogger. ¡A. hecticus¡, ¡lunula¡, ¡parallelus¡ Reinecke, ¡A. punctatus¡ Stahl.
Die nahe verwandte Gruppe der ¿Trimarginati¿ Opp. unterscheidet sich durch sehr schwache Berippung und verwischte Seitenfurche. Der Kiel ist von zwei Furchen begleitet. ¡A. Arolicus¡ Opp.
b) Unterfamilie. #Oppelinae.# Haug. (¡Flexuosi¡ v. Buch.)
¡Kiel gekörnelt oder gezackt, auf der Wohnkammer verschwindend. Mündung mit vorspringendem Ventrallappen. Sichelrippen außen häufig in Randknötchen endigend, die Stiele derselben öfters verwischt. Suturlinie sehr fein zerschlitzt. Aptychus kalkig, außen gefaltet (Imbricati).¡ Dogger, Malm, unt. Kreide.
¿Oppelia¿ Waagen (Fig. 1170-1172). Eng genabelt, Wohnkammer außen gerundet. Seiten mit Sichelrippen. Sipho dick mit kalkiger Scheide. Loben unsymmetrisch zerschlitzt. Dogger bis untere Kreide. Hauptverbreitung im oberen Jura.
Die Gattung ¡Oppelia¡ zerfällt wie ¡Harpoceras¡ in mehrere Formengruppen, die als Subgenera unterschieden werden können. Die Reihe der ¡O. subradiata¡ Sow. beginnt im unteren Oolith und ist auf den Dogger beschränkt; an sie schließen sich die hochmündigen, schwach berippten, eng genabelten, außen zugeschärften Tenuilobaten aus dem weißen Jura.
Die Gruppe des ¡A. callicerus¡, ¡Hauffianus¡, ¡trachynotus¡ Opp. etc. (¡Neumayria¡ Bayle) aus dem oberen Jura zeichnet sich durch kräftige Rippen aus, welche teilweise zu Randknötchen anschwellen.
¿Ochetoceras¿ Haug (¡Canaliculati¡ Opp.). Eng genabelt, hochmündig, außen zugeschärft und gekielt. Seiten mit Sichelrippen, die durch eine Furche unterbrochen sind. Suturlinie fein zerschlitzt. Ob. Jura. ¡A. canaliculatus¡, ¡hispidus¡ Opp. etc.
¿Oecotraustes¿ Waagen (¡Creniceras¡ Mun.-Chalmas) (Fig. 1173, 1174). Kleine Formen mit gezacktem Kiel, schwachen Rippen und knieförmig geknickter anormaler Wohnkammer. Bajocien bis Tithon. ¡A. genicularis¡ Waagen, ¡A. audax¡ Opp., ¡A. dentatus¡ Rein., ¡A. collegialis¡ Opp.
¿Distichoceras¿ Mun.-Chalm. (¡Horioceras¡ Mun.-Chalm.). Kleine Formen; der Externteil jederseits von einer kräftigen Zackenreihe begrenzt. Wohnkammer zuweilen geknickt (¡Horioceras¡). Ob. Dogger. ¡A. bipartitus¡ Zieten, ¡A. Baugieri¡ d'Orb.
15. Familie. #Haploceratidae.# Zitt.
¡Seiten glatt, mit feinen Zuwachslinien bedeckt, außen gerundet, ungekielt, ohne Einschnürungen. Mündung mit Seitenohren. Suturen fein zerschlitzt. Aptychus kalkig, punktiert.¡ Dogger bis untere Kreide.
Die Haploceratiden sind offenbar ein Seitenzweig der Harpoceratiden und sehr eng mit ¡Oppelia¡ verwandt, von der sie sich nur durch den Mangel eines Kiels unterscheiden.
¿Haploceras¿ Zittel (¡Lissoceras¡ Bayle) (Fig. 1175, 1176). Schale genabelt, glatt oder mit feinen, geschwungenen Zuwachsstreifen, ohne Einschnürungen. Mündung mit stark entwickelten Seitenohren. Wohnkammer hinter der Mündung zuweilen mit Einschnitten oder Falten auf dem Externteil (¡A. carachtheis¡ Zeuschn., ¡A. verruciferus¡ Menegh.). Suturen fein zerschlitzt, 2-4 Hilfsloben vorhanden; erster Lateralsattel weit vorspringend. Dogger (¡A. oolithicus¡ d'Orb.), Malm (¡A. Erato¡ d'Orb., ¡A. nimbatus¡ Opp., ¡A. lingulatus¡ Quenst.), Tithon (¡A. Staszycii¡ Zeuschn., ¡A. elimatus¡ Opp.), Neokom (¡A. Grasianus¡ d'Orb.).
16. Familie. #Stephanoceratidae.# Neumayr emend. Zittel.
¡Rippen außen mehrfach gespalten und über den meist gerundeten Externteil fortsetzend, ohne oder mit Einschnürungen. Mündung häufig mit Seitenohren, meist eingeschnürt. Suturlinie stark zerschlitzt, außer den zwei Seitenloben ein aus zwei bis drei Hilfsloben bestehender zurückspringender Nahtlobus vorhanden. Aptychus dünn, kalkig, außen gekörnelt.¡ Lias bis untere Kreide.
Die Stephanoceratiden schließen sich eng an die Ägoceraten des Lias an, von denen sie sich hauptsächlich durch die außen regelmäßig gespaltenen Rippen unterscheiden.
¿Coeloceras¿ Hyatt (¡Peronoceras¡ Hyatt) (Fig. 1177). Weit genabelt; die Rippen anfänglich einfach, gerade, neben dem Externteil teilweise zwei- oder dreifach gespalten; die Bifurkationsstelle meist zu einem Knoten oder Stachel verdickt. Querschnitt der Umgänge ebenso hoch als breit. Einschnürungen fehlend oder vorhanden. Mündung ohne Seitenohren. Suturlinie mäßig zerschlitzt. Antisiphonallobus zweispitzig. Aptychus unbekannt. Mittlerer und oberer Lias. ¡A. pettos¡ Quenst. (mittl. Lias), ¡A. crassus¡ Phil., ¡A.¡ (¡Peronoceras¡) ¡fibulatus¡ Sow., ¡A. Raquinianus¡, ¡mucronatus¡ d'Orb. (ob. Lias).
¿Dactylioceras¿ Hyatt (Fig. 1178). Weit genabelt. Rippen anfänglich gerade, außen gespalten, ohne Knoten. Einschnürungen fehlen. Lias und unterer Dogger. ¡A. communis¡, ¡annulatus¡ Sow. (Ob. Lias.)
¿Pimelites¿, ¿Diaphorites¿ Fucini, ¿Praesphaeroceras¿ Levi. Lias.
¿Stephanoceras¿ Waagen (¡Coronarìi¡ v. Buch) (Fig. 1179, 1180). Mäßig weit genabelt; Umgänge breiter als hoch. Die Seiten mit geraden Rippen, welche gegen außen einen Knoten bilden und sich von da 2-3 mal gabeln. Suturlinie tief zerschlitzt; Antisiphonallobus einspitzig. Einschnürungen fehlen. Mündung bei den kleineren Formen (¡Normannites¡ Mun.-Chalm.) mit starken Seitenohren, bei den großen (¡Cadomites¡ Mun.-Chalm.) ohne Ohren, meist eingeschnürt, mit vorgezogenen Ventrallappen. Aptychus dünn, außen gekörnelt. Unt. Oolith bis Oxford. ¡A. Humphriesianus¡, ¡Bayleanus¡ d'Orb., ¡A. Blagdeni¡ Sow. (Bajocien), ¡A. linguiferus¡ d'Orb. (Bathonien).
¿Sphaeroceras¿ Bayle (Fig. 1181). Meist eng genabelt. Umgänge dick, breiter als hoch. Die Rippen gabeln sich schon in der Nähe des Nabels, ohne Knoten zu bilden. Wohnkammer anormal, nach vorne verengt. Mündung eingeschnürt, ohne Seitenohren. Dogger. ¡A. Brongniarti¡ Sow., ¡A. bullatus¡ d'Orb., ¡A. microstoma¡ d'Orb. (Callovien.)
¿Morphoceras¿ Douvillé. Wie ¡Sphaeroceras¡, aber mit periodischen Einschnürungen. Mundsaum zuweilen mit Ohren. Dogger.
¿Macrocephalites¿ Sutner (¡Macrocephali¡ v. Buch) (Fig. 1182). Meist große, eng genabelte Schale. Umgänge meist höher als breit, außen etwas verschmälert. Rippen in der Nähe des Nabels gegabelt, ohne Knotenbildung über den Externteil fortsetzend. Einschnürungen fehlen. Mündung ohne Seitenohren. Oberer Dogger, Oxfordien. Europa, Ostindien, Ostafrika, Südamerika, Polarregion. ¡A. macrocephalus¡ Schloth, ¡A. Herveyi¡ Sow. etc.
¿Cadoceras¿ Fischer. Eng und tief genabelt. Umgänge niedrig, außen sehr breit. Die Bifurkationsknoten der Rippen durch eine Externkante ersetzt. Callovien. ¡A. sublaevis¡ Sow., ¡A. Elatmae¡ Nikitin.
¿Quenstedtoceras¿ Hyatt. Mäßig involute, stark gerippte Formen mit zweispaltigen Sichelrippen. Externseite in der Jugend gerundet, später häufig kielförmig zugeschärft, im Alter meist ähnlich wie bei Cadoceras breit werdend. Loben und Sättel mäßig geschlitzt, zweiter Seitenlobus kurz, 2-3 kurze Hilfsloben. Callovien und unteres Oxfordien, besonders im russischen und arktischen Jura. ¡Qu. Lamberti¡ Sow., ¡Mariae¡ d'Orb.
¿Cardioceras¿ Neum.-Uhlig. Ziemlich involute Formen mit gekielter Externseite, mit scharfen Rippen bedeckt, welche gegen außen in zwei oder mehr Äste gespalten den Kiel kerben, häufig noch zahlreiche kurze Externrippen eingeschaltet; Suturen wie bei Quenstedtoceras. Oxford und Kimmeridge. ¡C. cordatum¡ Sow., ¡alternans¡ v. Buch.
¿Holcostephanus¿ Neumayr (¡Craspedites¡, ¡Polyptychites¡, ¡Simbirskites¡, ¡Astieria¡ Pavlow). Weit genabelt. Umgänge breiter als hoch; Rippen bündelweise über dem Nabel beginnend und außen häufig abermals gespalten, ununterbrochen über den breiten gerundeten Externteil fortsetzend. Mündung eingeschnürt, zuweilen mit Seitenohren. Einschnürungen vorhanden. Oberer Jura und untere Kreide. ¡A. stephanoides¡ Opp., ¡A. Portlandicus¡ Loriol (ob. Jura), ¡A. Groteanus¡ (Tithon), ¡A. Astierianus¡, ¡Jeannoti¡ (Neokom).
¿Reineckia A.¿ Bayle (Fig. 1183). Weit genabelt, Rippen anfänglich einfach, weiter außen gegabelt und an der Gabelungsstelle teilweise Knoten bildend, auf dem gerundeten Externteil durch eine Furche unterbrochen. Einschnürungen vorhanden. Mundsaum mit Seitenohren. Dogger, Oxford, bis Neokom in Europa, Ostindien und Südamerika. ¡A. anceps¡ Rein., ¡A. Greppini¡ Opp. (Callovien).
¿Oecoptychius¿ Neumayr (Fig. 1184). Klein, eng genabelt, Rippen über dem Nabel gespalten. Wohnkammer geknickt. Mundsaum mit Ohren- und ventralem kapuzenförmigem Fortsatz. Ob. Dogger. ¡A. refractus¡ de Haan.
¿Perisphinctes¿ Waagen (¡Planulati¡ v. Buch., ¡Ataxioceras¡ Font., ¡Procerites¡, ¡Choffatia¡, ¡Grossouvria¡ Siem.) (Fig. 1185-1187). Meist weit genabelt, Rippen außen zwei- oder mehrfach gegabelt und über den gerundeten Externteil fortsetzend. Mundsaum mit Einschnürung und häufig mit Seitenohren. Umgänge mit periodischen Einschnürungen, zuweilen auch mit parabolischen Anschwellungen auf dem Externteil. Suturlinien fein zerschlitzt; Hilfsloben einen tiefen Nahtlobus bildend. Aptychus außen konzentrisch gefurcht und gekörnelt. Ungemein häufig im Dogger und Malm; seltener in der untersten Kreide. Mehr als 300 Arten beschrieben. Einzelne Arten erreichen sehr bedeutende Größe (bis 1 m Durchmesser). ¡A. aurigerus¡, ¡curvicosta¡ Opp., (Dogger). ¡A. polygratus¡, ¡polyplocus¡, ¡colubrinus¡ Rein. (Malm), ¡A. Kayseri¡ Neum. und Uhlig (Neokom) etc.
¿Sutneria¿ Zitt. (Fig. 1188). Klein, eng genabelt. Innere Umgänge wie ¡Perisphinctes¡; Wohnkammer anormal, außen abgeplattet und von schwachen Randknoten begrenzt. Mündung mit Ohren. Ob. Jura.
¿Proplanulites¿ Teiss. Dogger.
17. Familie. #Aspidoceratidae.# Zitt. (¡Armati¡ v. Buch.)
¡Innere Umgänge berippt; äußere mit 1-2 Knoten- oder Stachelreihen auf den Seiten. Externteil breit, niemals gekielt. Mündung einfach, selten mit Seitenohren. Suturlinie wenig tief zerschlitzt. Sättel breit, die 1-2 Hilfsloben seicht. Aptychus sehr dick, außen glatt.¡ Dogger und Malm.
Die Aspidoceratiden sind wahrscheinlich aus ¡Perisphinctes¡ hervorgegangen.
¿Peltoceras¿ Waag. (Fig. 1189). Weit genabelt. Innere Umgänge vierseitig, mit zahlreichen kräftigen, außen meist gegabelten, seltener einfachen, über den Externteil fortsetzenden Rippen, die auf den späteren Umgängen zuerst Rand- und dann Nabelknoten bilden. Einschnürungen fehlen. Callovien bis unterer Malm. ¡A. athleta¡ Phil., ¡A. Constanti¡ d'Orb., ¡A. transversarius¡, ¡bimammatus¡ Opp.
¿Simoceras¿ Zittel (Fig. 1190). Weit genabelt, flach scheibenförmig. Innere Umgänge mit geraden einfachen, selten dichotomen Rippen, die später durch ein oder zwei Knotenreihen ersetzt werden. Einschnürungen vorhanden. Ob. Jura und Tithon.
¿Aspidoceras¿ Zittel (Fig. 1191, 1192). Umgänge dick, außen breit gerundet. Rippen nur auf den ersten Umgängen, später auf den Seiten ein oder zwei Reihen von Knoten oder Stacheln. Einschnürungen fehlen. Callovien bis unterste Kreide. Hauptverbreitung im oberen Jura. ¡A. biarmatus¡ Ziet., ¡A. acanthicus¡ Opp. etc.
¿Waagenia¿ Neumayr. Wie ¡Aspidoceras¡, jedoch flach scheibenförmig. Externteil mit Furche. Ob. Jura. ¡A. hybonotus¡ Opp.
18. Familie. #Desmoceratidae.# Zitt. (¡Ligati¡ d'Orb.)
¡Rippen einfach oder mehrfach gespalten, ununterbrochen über den gerundeten, ungekielten Externteil fortsetzend. Einschnürungen oder Querwülste in regelmäßigen Abständen vorhanden. Suturlinie fein zerschlitzt, die Hilfsloben meist geradlinig angeordnet. Aptychus unbekannt.¡ Kreide.
¿Desmoceras¿ Zitt. (¡Puzosia¡ Bayle) (Fig. 1193, 1194). Meist weit genabelt. Seiten mit geraden oder nach vorne geschwungenen Rippen oder Linien verziert, die über den gerundeten Externteil fortsetzen; außerdem mehrere Einschnürungen oder Wülste vorhanden. Suturlinie fein zerschlitzt, mehrere Hilfsloben entwickelt. Neokom bis Senom. ¡A. difficilis¡, ¡ligatus¡ d'Orb., ¡A. strettostoma¡ Uhlig, ¡A. Emerici¡ Rasp. Neokom. ¡A. Mayorianus¡ d'Orb., ¡A. planulatus¡ Sow. Gault.
¿Silesites¿ Uhlig. Neokom. ¡A. Seranonis¡ d'Orb.
¿Holcodiscus¿ Uhlig. Umgänge außen gerundet, mit zahlreichen gespaltenen Rippen bedeckt, wovon einzelne an den Bifurkationsstellen Knoten bilden. Untere Kreide. ¡A. Perezianus¡, ¡incertus¡ d'Orb. (Barrêmien.)
¿Pachydiscus¿ Zitt. (Fig. 1195, 1196). Aufgeblähte, zuweilen sehr große (1/2 - 2 m) Schalen mit dicken, außen gerundeten Umgängen. Seiten mit kräftigen einfachen oder gespaltenen, zuweilen knotigen Rippen, welche über den Externteil fortsetzen und im Alter verschwinden. Einschnürungen nur auf den inneren Windungen. Mittlere und obere Kreide von Europa, Ostindien, Nordamerika. ¡A. peramplus¡ Mant., ¡A. Wittekindi¡ Schlüt., ¡A. Galicianus¡ Favre.
¿Hauericeras¿ Grossouvre. Mittl. und ob. Kreide. ¡H. Gardeni¡ Baily.
19. Familie. #Cosmoceratidae.# Zittel.
(¡Ornati¡ und ¡Dentati¡ v. Buch.)
¡Schale durch gespaltene oder in Knotenreihen aufgelöste Rippen reich verziert. Rippen meist Nabel- und Randknoten bildend, auf dem ungekielten Externteil durch eine Furche unterbrochen, verwischt, abgeschwächt, zuweilen aber auch verdickt. Mündung öfters mit Seitenohren. Suturlinie verschieden, tief zerschlitzt. Erster Laterallobus tief, einspitzig, in der Regel nur 1-2 wenig zurückspringende Hilfsloben vorhanden. Aptychus unbekannt.¡ Dogger bis obere Kreide.
Die Cosmoceratiden bilden einen eigenartig differenzierten Seitenzweig der Stephanoceratiden. Ob die Gattung ¡Hoplites¡ als Nachkomme von ¡Cosmoceras¡, oder, wie ~Neumayr~ annimmt, von ¡Perisphinctes¡ zu betrachten ist, läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden.
¿Parkinsonia¿ Bayle (Fig. 1197). Weit genabelt, scheibenförmig. Rippen scharf, außen dichotom gespalten und am Externteil entweder durch eine Furche unterbrochen oder abgeschwächt; zuweilen neben der Externfurche und an den Bifurkationsstellen schwache Knoten. An großen Exemplaren sind die Rippen verwischt. Einschnürungen fehlen. Suturlinie stark zerschlitzt. Siphonallobus und erster Laterallobus tief; Sättel breit. Dogger. ¡A. Parkinsoni¡ Sow., ¡A. bifurcatus¡ Zieten, ¡A. Niortensis¡ d'Orb.
¿Cosmoceras¿ Waagen (Fig. 1198). Rippen zahlreich, dicht gedrängt, gegabelt; neben der Externfurche und meist auch über den Nabel und an den Bifurkationsstellen Knoten- oder Stachelreihen bildend. Einschnürungen fehlen. Siphonallobus kürzer als der erste Laterallobus. Dogger bis Neokom. ¡A. Jason¡ Rein, ¡Duncani¡ Sow., ¡A. ornatus¡ Schloth. (Ob. Dogger). ¡A. adversus¡ Opp. (Tithon).
¿Hoplites¿ Neumayr (Fig. 1199, 1200). Die Rippen bilden Rand- und Nabelknoten und sind auf der abgeplatteten Externseite meist durch eine Furche unterbrochen. Die Mehrzahl der Arten ist ziemlich eng genabelt. Einschnürungen zuweilen vorhanden. Suturlinie fein und tief zerschlitzt. Tithon und unt. Kreide. Gegen 100 Arten. ¡A. Chaperi¡ Pictet (Tithon), ¡A. radiatus¡ Brug., ¡A. splendens¡ Sow., ¡A. Deluci¡ Brongt. (Gault).
¿Aulacostephanus¿ v. Sutn. und Pompeckj. ¡A. Eudoxus¡ d'Orb. Malm.
¿Sonneratia¿ Bayle. Kreide. ¡A. Dutemplei¡ d'Orb.
¿Stoliczkaia¿ Neumayr. Rippen nur auf den inneren Umgängen auf dem Externteil unterbrochen, später verdickt und ununterbrochen. Kreide. ¡A. dispar¡ d'Orb. (Gault), ¡A. Telinga¡ Stol. (mittl. Kreide).
¿Placenticeras¿ Meek. Scheibenförmig, eng genabelt, außen zugeschärft, gekielt oder der Externteil von zwei Knotenreihen, in der Jugend von zwei Randkielen begrenzt. Loben und Sättel zahlreich, gezackt oder zerschlitzt; die Sättel mit breitem Stamm; der Externsattel mit 2 Adventivloben. Erster Laterallobus sehr tief. Neokom bis Senon. ¡A. placenta¡ de Kay (Senon); ¡A. Guadaloupae¡ Roem., ¡A. syrtalis¡ Morton (mittlere Kreide), ¡A. clypeiformis¡ d'Orb. (Barrêmien).
¿Douvilléiceras¿ Grossouvre (Fig. 1201). Rippen in Knotenreihen aufgelöst, über den Externteil fortsetzend, jedoch in der Mitte desselben meist durch eine schwache Medianfurche unterbrochen. Externsattel groß, stärker und länger als der erste Lateralsattel. Seitenloben zugespitzt. Kreide. ¡A. mammillaris¡ Schloth., ¡A. nodosocostatus¡ d'Orb. (Gault), ¡A. Martini¡ d'Orb. (Neokom).
¿Mammites¿ Laube, Turon. ¡A. nodosoides¡ Laube.
¿Acanthoceras¿ Neumayr (Fig. 1202). Rippen einfach oder dichotom gespalten, gerade, gegen außen verdickt, mit Seiten- und Marginalknoten. Externteil breit, mit medianen Knotenreihen. Suturlinie mit breiten, mäßig tief zerschlitzten Sätteln und zweispitzigen Loben. Kreide. ¡A. Lyelli¡ d'Orb. (Gault), ¡A. Rhotomagensis¡ Defr. (Cenoman).
An die Cosmoceratiden schließen sich, ähnlich wie an die Ceratitiden und Lytoceratiden, eine Anzahl sogenannter ammonitischer Nebenformen an, welche vorzugsweise in der unteren Kreide verbreitet sind und im Barrêmien den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichen. Sie beginnen schon im ob. braunen Jura.
¿Crioceras¿ Leveillé (Fig. 1203, 1204). Schale in einer Ebene aufgerollt, aus wenigen offenen, sich nicht berührenden Umgängen zusammengesetzt. Oberfläche mit einfachen, seltener gespaltenen Querrippen bedeckt, die häufig ein oder mehr Knoten oder Stacheln entwickeln. Suturlinie mit vier Hauptloben; die Sättel etwas unsymmetrisch geteilt. Untere Kreide. Europa, Ostindien, Südamerika, Südafrika.
Die Gattung ¡Crioceras¡ enthält wahrscheinlich Arten von verschiedener Abstammung. Während sich die ältesten Formen (¿Spiroceras¿ Quenst.) aus dem braunen Jura (Fig. 1203) in Skulptur und Lobenlinie eng an ¡Parkinsonia¡ anschließen, sind die großen Neokom-Arten mit tief zerschlitzter Suturlinie wahrscheinlich aus ¡Hoplites¡ hervorgegangen; die Abstammung der kleinen Arten aus der unteren Kreide mit schwach gezackter Suturlinie (¿Leptoceras¿ Uhlig) ist unsicher.
~d'Orbigny~ beschränkte den Namen ¿Crioceras¿ auf Schalen mit offener Spirale, als ¿Ancyloceras¿ d'Orb. (Fig. 1204) wurden diejenigen unterschieden, bei denen der letzte Umgang sich zuerst geradlinig verlängert und dann zu einem Haken umbiegt. ¿Toxoceras¿ d'Orb. begreift die bogenförmig gewundenen Schalen.
¿Scaphites¿ Parkinson (Fig. 1205, 1206). Schale aus einem eng genabelten, geschlossenen Gewinde und einem abgelösten, schwach verlängerten und alsdann umgebogenen letzten Umgang bestehend. Oberfläche mit gespaltenen, zuweilen knotigen oder stacheligen Rippen bedeckt. Mündung etwas eingeschnürt. Suturlinie fein zerschlitzt mit mehreren Hilfsloben. Aptychus dünn, gekörnelt. Mittl. und ob. Kreide von Europa, Ostindien und Nordamerika.
20. Familie. #Engenoceratidae.# Hyatt emend. Pompeckj.
¡Schale flach scheibenförmig, eng genabelt, hochmündig. Externseite abgeplattet oder gerundet oder zugeschärft. Flanken mit breiten, flachen Falten, die an der Externseite abbrechen und in stumpfen Randkielen endigen können; seltener mit spitzigen Knoten. Lobenlinie mit sehr zahlreichen Hilfsloben, Externsattel mit 1-4 Sekundärloben. Loben meist nur fein gezackt, Sättel wenig geschlitzt, zum Teil ceratitisch gerundet und ganzrandig.¡ Kreide.
Die ¿Engenoceratiden¿ schließen sich wahrscheinlich an die ¿Cosmoceratidae¿ der Kreide (¿Placenticeras¿) an.
¿Engenoceras¿ Neum. emend. J. Böhm. Engnablig, scheibenförmig mit abgeplatteter Externseite. Lobenlinie vom ersten Laterallobus gegen die Externseite und den Nabel aufsteigend. Sättel gerundet, ganzrandig, zum Teil mit kleinen Sekundärloben; Externsattel mit 4 Adventivloben, Loben wenig gezackt. Cenoman, Turon. Westeuropa, Nordamerika. ¡E. pedernale¡ v. Buch. sp.
¿Indoceras¿ Nötling, (¡Engenoceras¡ Neum. e. p., ¡Libycoceras¡ Hyatt). Flach scheibenförmig, hochmündig. Externseite gerundet oder gekielt, öfters durch Randknoten begrenzt. Lobenlinie schwach gebogen. Sättel ganzrandig breit gerundet; Externsattel mit einem Sekundärlobus, der dem ersten Laterallobus fast gleich kommt. Loben gezackt. Senon. Libysche Wüste, Indien. ¡I. baluchistanensis¡ Nötl.
¿Sphenodiscus¿ Meek. Sättel gekerbt bis ceratitisch gerundet; Externsattel mit 2 Sekundärloben. Turon, Senon. Indien, Westeuropa, Nordamerika. ¡S. pleurisepta¡ Conr. sp.
21. Familie. #Pulchelliidae.# Douvillé emend. Pompeckj.
¡Schale meistens eng genabelt und ziemlich hochmündig. Externseite abgeflacht, gerundet oder zugeschärft. Flanken mit flachen, nach außen verbreiterten Rippen oder glatt, seltener mit einzelnen Knoten. Lobenlinie wenig geschlitzt bis ceratiten- oder goniatitenartig. Loben und Sättel niedrig; Sättel breit, Externsattel mit 1 (bis 3) Sekundärlobus. Loben wenig gezackt oder fein gezähnt, meistens schmal, kurz; 2-3 Hilfsloben.¡ Kreide.
Die ¿Pulchelliidae¿ sind an die ¿Cosmoceratidae¿ der Kreide (¡Hopliten¡) anzuschließen.
¿Pulchellia¿ Uhlig. Eng genabelt, flach, hochmündig. Rippen kräftig, nach vorne gebogen, gegen außen verdickt und häufig am Externteil jederseits einen Randkiel oder eine Knotenreihe bildend. Suturlinie wenig tief zerschlitzt; Externsattel sehr breit mit einem Sekundärlobus, Siphonallobus kurz; Seitenloben im Grunde breit gerundet und gezähnelt. Unt. Kreide von Europa und Südamerika. ¡A. pulchellus¡, ¡provincialis¡ d'Orb. etc.
¿Buchiceras¿ Hyatt (¡Knemiceras¡ J. Böhm). Lobenlinie mit gerundeten Sätteln, zum Teil mit Sekundäreinschnitten; Externsattel mit 3 Sekundäreinschnitten. Loben ganz fein gezähnt. Kreide. Syrien, Nordamerika. ¡B.¡ (¡Ceratites¡) ¡syriacum¡ v. Buch. sp.
¿Neolobites¿ Fischer. Scheibenförmig; Externteil abgeplattet, jederseits kantig begrenzt. Loben und Sättel ganzrandig, ungezackt. ¡A. Vibrayeanus¡ d'Orb. Cenoman.
¿Tissotia¿ Douvillé (Fig. 1208). Eng genabelt, dick, mit einfachem oder in Knoten aufgelöstem Kiel. Externteil zuweilen durch zwei Knotenreihen begrenzt. Externsattel breit, unsymmetrisch zweilappig, die übrigen Sättel vorne ganzrandig oder durch einen seichten Einschnitt zweiteilig. Loben gezackt. Hilfsloben (4-5) sehr kurz. Mittlere Kreide (Cenoman u. Turon), Südeuropa und Nordafrika. ¡T. Ewaldi¡ v. Buch, ¡T. Tissoti¡ Bayle.
In die Familie der ¿Pulchelliidae¿ sind vielleicht auch einzureihen die Oxynoten der Kreide.
¿Garnieria¿ Sayn (¡Amaltheus¡ Neum. u. Uhl., ¡Oxynoticeras¡ Uhl., ¡Platylenticeras¡ Hyatt). Schale engnablig, hochmündig; Externseite gerundet oder schneidend. Flanken glatt oder mit breiten flachen Falten. Sättel breit, niedrig, fein gekerbt, Externsattel immer breiter als der erste Lateralsattel, mit einem Sekundärlobus. Loben kurz, schmal, wenig gezackt. Volga-Stufe. Untere Kreide. Rußland, Schlesien, Norddeutschland, Frankreich. ¡A. catenulatus¡ Traut., ¡heteropleurus¡ Neum. u. Uhl.
¿Lenticeras¿ Gerh. ¿Mojsisovicsia¿ Steinm.
22. Familie. #Prionotropidae.# Zitt.
¡Seiten mit kräftigen, einfachen oder dichotom gespaltenen Rippen, die auf den Seiten je eine oder mehrere, und neben dem Externteil jederseits eine Knotenreihe bilden; Externteil mit glattem, seltener in Knoten aufgelöstem Mediankiel. Suturlinie mäßig tief zerschlitzt; Extern- und erster Lateralsattel breit; Seitenloben zweispitzig, nur ein Hilfslobus vorhanden.¡ Kreide.
¿Schloenbachia¿ Neumayr (¡Cristati¡ d'Orb.) (Fig. 1209, 1210). Mehr oder weniger weit genabelt, außen breit mit glattem Mediankiel. Seiten mit vorwärts gebogenen, häufig knotigen Rippen. Stämme der Sättel breit, erster Laterallobus zugespitzt. Mündung mit glattem Kiel, der zuweilen ein anfänglich aufwärts und darauf rückwärts gekrümmtes Horn bildet. Neokom bis obere Kreide. ¡A. cultratus¡ d'Orb. (Neokom), ¡A. Delarui¡ d'Orb. (Gault), ¡A. inflatus¡, ¡varians¡ Sow. (Cenoman).
¿Barroisiceras¿ Grossouvre. Eng genabelt. Rippen meist mit Seitenknoten, von da dichotom gespalten und in Randknoten endigend. Externteil mit medianer Knotenreihe. Sättel und Loben breit, wenig tief zerschlitzt. Senon. ¡B. Haberfellneri¡ Hauer sp., ¡B. Nicklesi¡ Grossouvre.
¿Mortoniceras¿ Meek (¡Gauthiericeras¡ Grossouvre). Weit genabelt, Umgänge vierseitig, etwas höher als breit. Rippen einfach, gerade, in Randknoten endigend, zuweilen mit Seitenknoten. Externteil mit glattem oder schwach geknotetem Kiel. Sättel wenig tief eingeschnitten. Der Externsattel sehr breit, in zwei Lappen geteilt. Seitenloben zweispitzig. Senon und oberes Turon. ¡A. Texanus¡ Roem., ¡A. serrato-marginatus¡ Redtenb., ¡A. Bourgeoisi¡ d'Orb. ¡A. Margae¡ Schlüter.
¿Peroniceras¿ Grossouvre. Wie vorige, jedoch Externteil mit glattem Rand und Mediankiel. Suturlinie tief zerschlitzt. Ob. Kreide. ¡A. tricarinatus¡ d'Orb. ¡A. Westfalicus¡ Schlüt. ¡A. Czörnigi¡ Redtenb.
¿Prionotropis¿ Meek. Rippen einfach, gerade, kräftig, zu beiden Seiten des Externteils Randknoten bildend und von da zuweilen dichotom gespalten; Externteil mit medianer Knotenreihe. Turon. ¡A. Woolgari¡ Mant., ¡A. papalis¡ d'Orb.
#Zeitliche Verteilung und Stammesgeschichte der Ammonoideen.#
An Formenreichtum übertreffen die Ammonoideen die Nautiloideen um das Doppelte. Während von letzteren gegen 2500 Arten beschrieben sein dürften, erhebt sich die Zahl der Ammonoideen auf weit mehr als 5000 Species. Dieselben sind ohne Ausnahme ausgestorben und charakterisieren vorzugsweise die mesozoische Ära.
Obwohl kein Ammonit das Kreidesystem überlebt hat, so erweisen sich die Ammonoideen in ihrer Gesamtheit doch als der jüngere Zweig des Tetrabranchiatenstammes. Erst nachdem die Nautiloideen ihren Höhepunkt überschritten hatten, tauchen die Goniatiten und Clymenien als älteste Vertreter der Ammonoideen auf. Die Lebensdauer der Clymenien beschränkt sich auf einen kurzen Abschnitt der jüngeren ~Devonzeit~; die Goniatiten erscheinen in Europa schon im ~Ober-Silur~ (Kellerwald), aber erst im ~Devon~ treten sie in größerer Formenfülle auf und dauern bis zum Schluß des paläozoischen Zeitalters fort. Bis vor wenigen Jahren glaubte man, daß in paläozoischen Ablagerungen nur Goniatiten und Clymenien vorkämen. Die Entdeckung echter Ammoniten in den Productus-Kalken des Salt-Rangegebirges, im Perm des Ural, Armeniens und von Texas und in den Fusulinen-Kalken von Sicilien rückte ihre Verbreitung in die permische Zeit herab. Diese paläozoischen Ammonshörner stehen bezüglich ihrer Suturentwicklung zwischen den Goniatiten und den jüngeren Ammonoideen.
Mit Beginn der ~mesozoischen Ära~ nehmen die echten Ammoniten einen gewaltigen Aufschwung. Im mitteleuropäischen Muschelkalk konnten bis jetzt zwar nur die Gattungen ¡Ceratites¡, ¡Hungarites¡, ¡Beneckeia¡ und ¡Ptychites¡ nachgewiesen werden; dagegen liefern die Alpen, Spitzbergen, der Himalaja, die Rocky mountains und das Cascadengebirge in Nordamerika, sowie die Amurländer in Ostasien einen großen Reichtum eigentümlicher Ammoniten. Die Familien ¡Arcestidae¡, ¡Tropitidae¡, ¡Ceratitidae¡, ¡Ptychitidae¡, ¡Cladiscitidae¡ und ¡Pinacoceratidae¡ gehören ausschließlich der Trias an.
Hinsichtlich der Suturentwicklung zeigen die triasischen Ammoniten eine unerwartete Mannigfaltigkeit. Gewisse Genera (¡Sageceras¡, ¡Lecanites¡, ¡Lobites¡) kommen nicht über ein goniatitisches oder Goniatitenähnliches Stadium heraus, viele andere erreichen nur das Ceratitenstadium; bei den Cyclolobiden, Arcestiden, Tropitiden, den Cladiscitiden, Ptychitiden und Phylloceratiden dagegen sind Loben und Sättel mehr oder weniger stark zerschlitzt, ja bei ¡Pinacoceras¡ zeigt sich die feinste und komplizierteste Differenzierung der Suturlinie, die bis jetzt überhaupt bei Ammoniten wahrgenommen wurde. Neben normalen Gehäusen weist die alpine Trias auch einige sogenannte Nebenformen (¡Cochloceras¡, ¡Rhabdoceras¡, ¡Choristoceras¡) auf, welche sich stets durch einfache Suturentwicklung auszeichnen.
Mit dem ~Lias~ tritt eine fundamentale Veränderung der Ammonoideen ein. Von den zahlreichen triasischen Familien und Genera haben ~mit Ausnahme der Phylloceraten alle Triasfamilien~ ihr Ende gefunden und sind durch neue Formen ersetzt. Die Ursachen, welche während der Rhätischen Stufe der Entwicklung von Cephalopoden so überaus ungünstig waren, sind bis jetzt noch nicht ermittelt.
Im unteren Lias herrschen die Aegoceratiden fast ausschließlich; die Gattungen ¡Psiloceras¡, ¡Arietites¡ und ¡Schlotheimia¡ sind auf diese Stufe beschränkt; im mittleren und oberen Lias sind neben den Aegoceratiden die Harpoceratiden die Amaltheiden (¡Oxynoticeras¡, ¡Amaltheus¡), die Phylloceratiden (¡Phylloceras¡), Lytoceratiden (¡Lytoceras¡) und die ältesten Formen der ¡Stephanoceratidae¡ (¡Coeloceras¡, ¡Dactylioceras¡) vertreten. Bemerkenswerterweise ist der Antisiphonallobus bei den liasischen Ammoniten (Aegoceratiden und Amaltheiden) häufig zweispitzig.
Mit Ausnahme der Aegoceratiden dauern sämtliche im Lias auftauchende Familien auch im Dogger und Malm fort, doch nehmen die Harpoceratiden an Formenreichtum ab und sterben im oberen Jura aus. Neu kommen nur die Familien der Haploceratiden und Cosmoceratiden hinzu. Die im ~Dogger~ besonders verbreiteten Gattungen sind: ¡Harpoceras, Oppelia, Stephanoceras, Sphaeroceras, Morphoceras, Macrocephalites, Oecoptychius, Reineckia, Parkinsonia, Cosmoceras, Perisphinctes, Haploceras, Phylloceras, Lytoceras.¡
Im ~Malm~ oder weißen Jura begegnet man noch fast allen bereits im Dogger genannten Gattungen, allein das Zahlenverhältnis der Arten wird meist ein anderes; so gehen ¡Harpoceras¡, ¡Stephanoceras¡, ¡Reineckia¡, ¡Parkinsonia¡ und ¡Cosmoceras¡ zurück, während ¡Oppelia¡, ¡Haploceras¡, ¡Holcostephanus¡ und namentlich ¡Perisphinctes¡ an Formenreichtum zunehmen. Die dominierende Gattung des Malm ist entschieden ¡Perisphinctes¡, daneben stellen die Gattungen ¡Aspidoceras¡, ¡Simoceras¡ und ¡Peltoceras¡ eine namhafte Zahl von Arten. Aufgelöste Formen gehören im Jura zu den seltenen Erscheinungen und beschränken sich auf einige ¡Spiroceras-¡ und ¡Baculina-Arten¡.
Eine ähnliche Umprägung, wie im unteren Lias, macht sich auch nach Abschluß der Jurazeit geltend. Die Ammoniten des ~Kreidesystems~ gehören meist zu neuen Gattungen. Es ist überhaupt im Gesamthabitus der Cephalopodenfauna eine bedeutende Änderung eingetreten. Nur die ältesten Neokombildungen der Alpen enthalten einige Arten, welche schon während der Tithonzeit gelebt haben, und stellen die Kontinuität der beiden Systeme her. Die geringsten Veränderungen zeigen die Phylloceraten und Lytoceraten; an die Stelle der Harpoceratiden sind die Desmoceratiden getreten, wovon die Gattungen ¡Desmoceras¡ und ¡Silesites¡ hauptsächlich Neokom und Gault, die Gattung ¡Pachydiscus¡ die jüngeren Stufen der Kreide charakterisieren. Von den Stephanoceratiden erlöschen die aus dem Jura überlieferten Gattungen ¡Perisphinctes¡ und ¡Olcostephanus¡ schon in der unteren Kreide; an Stelle der jurassischen Cosmoceratiden treten ¡Hoplites¡, ¡Douvilléiceras¡ und ¡Acanthoceras¡. Eine eigentümliche rückschreitende Entwicklung in der Suturbildung, die Rückkehr zum Ceratitenstadium, macht sich bei zwei Familien der Kreide-Ammoniten geltend, bei den Pulchelliiden und Engenoceratiden, welche sich wahrscheinlich an die jüngeren Cosmoceraten (Hopliten) anschließen. Ein besonderes Gepräge erhält die cretaceische Ammonitenfauna durch die reiche Entwicklung der sogenannten Nebenformen, welche im oberen Neokom am reichlichsten auftreten, aber teilweise bis in die höchsten Lagen des Kreidesystems fortdauern. Die Gattungen ¡Macroscaphites¡, ¡Pictetia¡, ¡Hamites¡, ¡Anisoceras¡, ¡Turrilites¡, ¡Baculites¡, ¡Crioceras¡ und ¡Scaphites¡ gehören der Kreide ausschließlich an.
Das plötzliche Erlöschen der Ammonoideen mit Abschluß des mesozoischen Zeitalters gehört zu den auffallendsten und bis jetzt noch unerklärten Erscheinungen in der Entwicklungsgeschichte der organischen Schöpfung. Es müssen an der Grenze von Kreide und Tertiär große und durchgreifende Veränderungen in den Existenzbedingungen stattgefunden haben, um eine so blühende und hochorganisierte Gruppe von Tieren nicht nur in Europa, sondern auch in den übrigen Weltteilen der Vernichtung zuzuführen.
Die nachstehende Tabelle zeigt die zeitliche Verbreitung der ¡Ammonoidea¡.
+----------------------------++---+---+---+----++---+---+---++---+---+ | || S | D | K | P || T | J | K || T | J | | || i | e | o | e u|| r | u | r || e | e | | || l | v | h | r n|| i | r | e || r | t | | || u | o | l | m d|| a | a | i || t | z | | || r | n | e | o || s | | d || i | t | | || | | n | - P|| | | e || ä | z | | || | | k | K e|| | | || r | e | | || | | a | a r|| | | || | i | | || | | l | r m|| | | || | t | | || | | k | b || | | || | | | || | | | . || | | || | | +----------------------------++---+---+---+----++---+---+---++---+---+ | || | | | || | | || | | | #¡A. Intrasiphonata¡#: || | | | || | | || | | | ¡1. Clymeniidae¡ || | ==| | || | | || | | | || | | | || | | || | | | #¡B. Extrasiphonata¡#: || | | | || | | || | | | ¡1. Goniatitidae¡ || ==|===|===|====|| | | || | | | ¡2. Medlicottiidae¡ || | | |====||===| | || | | | ¡3. Ceratitidae¡ || | | | ==||===| | || | | | ¡4. Ptychitidae¡ || | | | || ==| | || | | | ¡5. Pinacoceratidae¡ || | | | || ==| | || | | | ¡6. Tropitidae¡ || | | | ||===| | || | | | ¡7. Cyclolobidae¡ || | | |====||===| | || | | | ¡8. Arcestidae¡ || | | | ||===| | || | | | ¡9. Cladiscitidae¡ || | | | ||===| | || | | | ¡10. Phylloceratidae¡ || | | | || ==|===|===|| | | | ¡11. Lytoceratidae¡ || | | | || |===|===|| | | | ¡12. Aegoceratidae¡ || | | | || |== | || | | | ¡13. Amaltheidae¡ || | | | || |== | || | | | ¡14. Harpoceratidae¡ || | | | || |===|== || | | | ¡15. Haploceratidae¡ || | | | || | ==|== || | | | ¡16. Stephanoceratidae¡ || | | | || | ==|== || | | | ¡17. Aspidoceratidae¡ || | | | || | ==| || | | | ¡18. Desmoceratidae¡ || | | | || | |===|| | | | ¡19. Cosmoceratidae¡ || | | | || | ==|===|| | | | ¡20. Engenoceratidae¡ || | | | || | | ==|| | | | ¡21. Pulchelliidae¡ || | | | || | |===|| | | | ¡22. Prionotropidae¡ || | | | || | |===|| | | +----------------------------++---+---+---+----++---+---+---++---+---+
Der übereinstimmende Gesamthabitus, welcher alle Ammoniten charakterisiert, hat der von ~Sueß~ und ~Hyatt~ inaugurierten neuen Nomenklatur Hindernisse bereitet; insbesondere auch darum, weil viele der in den letzten Jahren aufgestellten Genera und Familien schwer von den benachbarten zu unterscheiden sind oder ganz unbestimmte Definition erhalten haben. Augenblicklich herrscht übrigens weit mehr die Tendenz, zu zersplittern, als zusammenzufassen, und einige Autoren sind auf dem Wege, für jede ältere »gute« Art eine besondere Gattung oder Familie zu errichten.
Wenige Abteilungen des Tierreichs dürften übrigens so vollständige Spuren ihrer Entwicklung in den Erdschichten hinterlassen haben und eine größere Zahl von Tatsachen zu Gunsten der Descendenztheorie liefern als die Ammoniten, und zwar besitzen Steinkerne wegen der ungemein dünnen Beschaffenheit ihrer Schale in systematischer Hinsicht denselben Wert wie beschalte Stücke.
Den ersten Versuch, eine größere Anzahl von Ammoniten-Arten nach ihrem genetischen Zusammenhang zu prüfen, machte W. ~Waagen~ bei der Formenreihe der ¡Oppelia subradiata¡. Ähnliche Untersuchungen wurden von ~Neumayr~ über Phylloceraten, Perisphincten etc., von ~Hyatt~ über verschiedene Gruppen von Aegoceratiden und in besonders eingehender Weise von Leop. ~Würtenberger~[71] über die jurassischen Vertreter von ¡Aspidoceras¡, ¡Simoceras¡, ¡Waagenia¡, ¡Peltoceras¡, ¡Perisphinctes¡ und ¡Stephanoceras¡ angestellt. Auch ~Mojsisovics~, ~Uhlig~, ~Haug~, ~Douvillé~, ~Frech~, ~Diener~ u. a. nehmen auf die genetischen Beziehungen der verschiedenen Ammoniten-Gruppen besondere Rücksicht.
Alle diese Autoren kommen zu dem Ergebnis, daß bei den Ammonoideen zahlreiche »Formenreihen« existieren, deren Entwicklung sich Schritt für Schritt aus den in verschiedenen, aufeinander folgenden Schichten vorkommenden Arten oder Mutationen ermitteln läßt.
Trotz der großen Fortschritte, welche gerade während der letzten Jahre in Bezug auf die Kenntnis der Ammonoideenfaunen und besonders derjenigen im jüngeren Paläozoicum und in der Trias gemacht worden sind, und so viel auch bei den verschiedensten Zweigen des vielverästelten Ammonoideenstammes Anhaltspunkte zur Klärung der verwandtschaftlichen Beziehungen zahlreicher Gattungen und Familien gefunden sind, so ist es heute doch noch nicht möglich, ein für die Gesamtheit der Ammonoideen geltendes und in allen Teilen einwandfreies Bild der recht verwickelten Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnisse zu geben.
B. Ordnung. #Dibranchiata# (Zweikiemener).
~Cephalopoden mit 2 baumförmigen Kiemen in der Mantelhöhle; Trichter geschlossen, meist Tintenbeutel vorhanden. Mund von 8 oder 10 mit Saugnäpfen oder Häkchen besetzten Armen umgeben. Schale in der Regel innerlich oder ganz fehlend.~
Die als Dibranchiaten oder Tintenfische bezeichneten Tiere besitzen einen länglichen, walzen- oder sackförmigen, häufig mit zwei seitlichen flossenartigen Anhängen besetzten Körper. Am Vorderteil des Kopfes stehen 8-10 kreisförmig angeordnete, kräftige, muskulöse Arme, deren Innenseite mit Saugnäpfen oder 2 Reihen Häkchen bewaffnet ist und welche den Tieren zum Kriechen oder Schwimmen, sowie zum Festhalten ihrer Beute dienen. Sehr häufig kommen zwei stark verlängerte Arme vor, die nur an ihrem etwas verdickten Ende Saugnäpfe oder Häkchen tragen (Fig. 1211). Die Saugnäpfe (Acetabula) sind mittels kurzer Stiele an den Armen befestigt; ihre Innenseite stellt eine in der Mitte durchbohrte Scheibe dar, in welcher zahlreiche, strahlig angeordnete Muskelbündel verlaufen. Durch Aufpressen des knorpeligen Außenrandes und Zurückziehen der gefalteten Haut können die Tiere an jedem Saugnapf einen luftverdünnten Raum herstellen und so dieselben wie Schröpfköpfe verwenden. Die Kiefer haben ähnliche Form wie bei ¡Nautilus¡, sind jedoch niemals verkalkt, sondern stets hornig und darum auch nicht erhaltungsfähig. Der Kopfknorpel bildet einen geschlossenen, die Zentralteile des Nervensystems schützenden Ring. Die großen, von einer Kapsel umgebenen Augen erinnern in ihrem Bau an jene der Wirbeltiere.
Hinter dem Kopf befindet sich eine Einschnürung mit der Atemhöhle auf der Bauchseite, welche von einem vorspringenden Lappen des Mantels geschützt wird. Hier ist der ringsum geschlossene, zylindrische oder konische Trichter jederseits von einem Kiemenbaum umgeben und außerdem münden daneben After- und Geschlechtsorgane.
Der sackförmige Hinterleib enthält Darm, Magen, Leber, Drüsen, Herz, Blutgefäße, Generationsorgane und Nervenstränge, sowie den birnförmigen, ziemlich großen, mit einer intensiv schwarzbraunen Flüssigkeit erfüllten ~Tintenbeutel~, der durch einen stielförmigen Ausführungsgang neben der Afteröffnung entleert werden kann. Die Tiere hüllen sich dabei in eine dunkle Wolke und entziehen sich so der Verfolgung ihrer Feinde. Bei manchen fossilen Dibranchiaten findet man nicht nur die Eindrücke der Tintenbeutel, sondern dieselben auch noch mit einer erhärteten kohlschwarzen Masse erfüllt.
Der ganze Leib ist von dem sog. Mantel, einer dicken, muskulösen, häufig lebhaft gefärbten Haut umgeben, in welcher bei fossilen Formen nicht selten Kalksalze zur Ablagerung kamen.
Die meisten Dibranchiaten besitzen eine ~innerliche~, vom Mantel bedeckte ~Schale~; nur die Weibchen der Octopodengattung ¡Argonauta¡ besitzen eine äußere Kalkschale in Gestalt eines dünnen, einfachen Spiralgehäuses, welches jedoch keineswegs der Schale der übrigen Dibranchiaten homolog ist. Letztere sind von sehr verschiedener Beschaffenheit. Bei der Gattung ¡Spirula¡ liegt eine spirale, gekammerte, von einem Sipho durchzogene Röhre, welche in ihrer Form an ¡Gyroceras¡ erinnert, im hinteren Teil des Körpers; sie ist vom Mantel umhüllt, der in der Mittelregion so dünn wird, daß die Schale durchschimmert. Bei der ausgestorbenen Familie der Belemnitiden besteht die innerliche Schale aus einem gekammerten Kegel, welcher sich auf der Rückenseite in ein zartes, hornig-kalkiges Blatt verlängert und teilweise in einer am vorderen Teil ausgehöhlten fingerförmigen oder konischen soliden Kalkscheide steckt. Bei den eigentlichen Tintenfischen liegt eine länglich ovale, schwertförmige oder blattförmige, einfache Schale in einer geschlossenen Tasche des Mantels auf der Rückenseite des Tieres. Diese innere, zuweilen ungemein dünne Schale wird auch ~Schulp~ (¡gladius¡, ¡calamus¡) genannt und besteht entweder aus Conchyolin oder aus kohlensaurem Kalk. Bei einigen Gattungen zeigen die Schulpe an ihrem Hinterende noch Spuren von Kammerung, bei den meisten fehlt jedoch jede Andeutung eines Phragmocons. Bei den Octopoden (¡Octopus¡, ¡Eledone¡, ¡Cirroteuthis¡) kommen rudimentäre innere Schalen vor in Gestalt von stäbchen- oder plattenförmigen Chitin- (oder Conchyliolin-)Ausscheidungen, welche in einer sackartigen Partie des Mantels gebildet werden.
Die lebenden Dibranchiaten treiben teils in Schwärmen schwimmend auf hoher See umher, teils kriechen sie auf dem Grunde oder halten sich vereinzelt an felsigen Küsten auf. Es sind ungemein behende, gefräßige Raubtiere, welche unter den Mollusken, Krebsen und Fischen große Verheerungen anrichten. Einzelne Arten dienen dem Menschen als Nahrungsmittel. In der Größe variieren die Dibranchiaten außerordentlich: neben kleinen, nur 1-2 Zoll langen Formen gibt es Tiere von riesigen Dimensionen. So erreicht die Gattung ¡Architeuthis¡ eine Totallänge von 12 Meter; der Rumpf hat eine Länge von 2-1/2 Meter und einen Umfang von 2,12 Metern. Die Arme sind von der Dicke eines menschlichen Schenkels, die Saugnäpfe haben an einem im Kopenhagener Museum befindlichen Arm die Größe von Kaffeetassen.
Die Dibranchiaten zerfallen in die drei Unterordnungen: ¡Belemnoidea¡, ¡Sepioidea¡ und ¡Octopoda¡.
1. Unterordnung. #Belemnoidea.# (¡Phragmophora¡ Fischer.)[72]
¡Schale innerlich, gekammert, kegelförmig, seltener spiral, mit Sipho, hinten (mit Ausnahme von Spirula) in eine kalkige Scheide eingefügt. Die 10 Arme meist mit Häkchen besetzt.¡ Trias bis jetzt.
Mit Ausnahme einer einzigen Gattung (¡Spirula¡) sind alle hierher gehörigen Formen erloschen. Durch ihre gekammerte, mit einem Sipho versehene Schale verraten sie zwar eine Verwandtschaft mit den Tetrabranchiaten, allein die Schalen zeigen eine ganz abweichende Struktur und dienten den Tieren nicht als schützendes Gehäuse, sondern waren von den Weichteilen umschlossen und von außen nicht sichtbar. Mit den ¡Sepioidea¡ dürften die ¡Belemnoidea¡ in genetischem Zusammenhang stehen, denn besitzt die innerliche Schale der letzteren auch ganz andere Form und Struktur, so ist doch ein Rudiment des gekammerten Kegels an der hinteren Spitze der Schulpe nachweisbar, und dieses Rudiment findet sich in viel deutlicherer Entwicklung bei einer fossilen Gattung (¡Belosepia¡), welche die Kluft zwischen ¡Belemnoidea¡ und ¡Sepioidea¡ überbrückt.
1. Familie. #Belemnitidae.# Blainv.
¡Schale aus einem konischen, gekammerten Kegel (Phragmocon), einem dorsalen Blatt (Proostracum) und einer kalkigen verlängerten und soliden Scheide (Rostrum) zusammengesetzt. Tier mit 10 gleichlangen, mit Häkchen besetzten Armen. Tintenbeutel vorhanden.¡ Trias bis Eocän.
Unter den ¡Belemnoidea¡ nehmen die ¡Belemnitidae¡ durch Formenreichtum und geologische Wichtigkeit den ersten Platz ein. Ihre Schale kann als Prototyp aller Dibranchiaten-Gehäuse gelten, denn sie enthält noch sämtliche Bestandteile vollständig ausgebildet, während einzelne derselben bei den übrigen Familien verloren gingen.
Bei den Belemnitiden besteht die Schale 1. aus der soliden, kalkigen, meist stark verlängerten, zylindrisch konischen ~Scheide~ (¡rostrum¡, ¡gaine¡, ¡guard¡, ¡sheath¡), welche vorn mit einer tiefen Alveole versehen ist und in welche sich 2. der kegelförmige, gekammerte, von einem ventralen, randständigen Sipho durchzogene und mit kugeliger Embryonalkammer beginnende ~Phragmocon~ einsenkt; der dorsale Teil des Phragmocons verlängert sich 3. in das sehr dünne blattförmige, vorn gerundete ~Proostracum~, welches dem Schulp der ¡Sepiodea¡ entspricht. (Fig. 1213.)
Von diesen drei Teilen sind in der Regel nur die Scheide, seltener der Phragmocon und vom Proostracum nur Fragmente erhalten. Die ganze Schale der Belemnitiden war, wie die Gefäßeindrücke auf der Scheide beweisen, vom Mantel umhüllt. Abdrücke des Tieres im englischen Lias (Fig. 1213 ¡B¡) und in den lithographischen Schiefern Bayerns (Fig. 1214, 1215) zeigen einen lang gestreckten Körper mit Tintenbeutel, einen nach vorne verengten Rumpf und einen kleinen von 10 gleich langen mit Häkchen besetzten Armen umgebenen Kopf. Die größten Belemnitiden erreichten eine Länge von 2 - 2-1/2 Meter.
¿Aulacoceras¿ Hauer (¡Dictyoconites¡ Mojs.) (Fig. 1212). Rostrum verlängert, keulenförmig, gegen oben verschmälert, im unteren Dritteil verdickt, hinten zugespitzt, aus konzentrischen, lose übereinanderliegenden Schichten zusammengesetzt. Von der Spitze verläuft auf jeder Seite eine breite, vertiefte, meist nicht sehr scharf abgegrenzte Furche nach dem vorderen Alveolarrand. Phragmocon mindestens doppelt so lang als die Scheide, langsam an Dicke zunehmend, außen mit erhabenen Längslinien verziert, welche auf der Dorsalseite von nach vorne konvexen Querlinien gekreuzt werden; sehr ähnlich ¡Orthoceras¡. Scheidewände ziemlich entfernt. Sipho randständig, dorsal oder ventral, dünn. Proostracum unbekannt. Die Scheiden dieser Gattung sind selten; die Phragmocone ziemlich häufig, jedoch meist außer Verbindung mit dem Rostrum. Obere Trias der Alpen. ¡A. sulcatum¡ Hau.
¿Asteroconites¿ Teller. Rostrum mit groben Längsrippen. Ob. Trias, Alpen.
¿Atractites¿ Gümbel (¡Orthoceras¡ p. p. auct.). Wie ¡Aulacoceras¡, jedoch das Rostrum groß, glatt ohne Lateralfurchen; Phragmocon entweder glatt oder die Dorsalregion jederseits durch eine feine Asymptotenlinie begrenzt und mit äußerst feinen, einen flachen nach vorn gerichteten Bogen bildenden Zuwachslinien verziert. Obere Trias und Lias der Alpen. Scheiden und Phragmocone kommen fast immer isoliert vor. Letztere wurden früher allgemein zu ¡Orthoceras¡ gerechnet, wovon sie sich durch die randliche Lage des Sipho und die Streifung der Dorsalseite unterscheiden.
¿Xiphoteuthis¿ Huxley. Unt. Lias. England.
¿Belemnites¿ (Agricola) Lister (¡Acanthoteuthis¡ R. Wagn., ¡Ostracoteuthis¡ Zitt.) (Fig. 1213-1220). ~Scheide~ fingerförmig, subzylindrisch oder kegelförmig, bald kurz und dick, bald schlank und stark verlängert, gegen hinten verschmälert und zugespitzt oder stumpf abgerundet. Im vorderen Teil befindet sich eine umgekehrt kegelförmige Alveole zur Aufnahme des Phragmocons. Von der hinteren etwas exzentrischen Spitze dieser Alveole bis zum Ende der Scheide verläuft die Apical- oder Scheitellinie (Achse), von welcher radiale, die ganze Scheide zusammensetzende Kalkfasern ausstrahlen. Im Vertikalschnitt beobachtet man deutliche Zuwachslinien, welche den Jahresringen eines Baumes entsprechend die im Verlauf der Entwicklung abgesetzten Kalkschichten darstellen. Aus denselben geht hervor, daß die Kalkablagerung auf der Außenseite erfolgte, so daß die Scheide gewissermaßen aus zahlreichen ineinander steckenden Düten besteht. (Fig. 1213 ¡A¡). Da sich übrigens die neuen Schichten nicht immer ganz gleichmäßig ablagerten, so können junge Individuen ein und derselben Art zuweilen ganz erheblich von ausgewachsenen abweichen. Am auffallendsten zeigt sich diese Erscheinung bei ¡Bel. acuarius¡ Schloth., welcher anfänglich eine kurze, stumpf konische Gestalt besitzt, dann plötzlich rasch an Länge zunimmt, indem sich die neuen Kalkablagerungen am Hinterende nicht mehr dicht an die früheren anlegen, sondern einen hohlen Zwischenraum freilassen. Die Oberfläche der Scheide ist bald mit einer sehr dünnen glatten Deckschicht überzogen, bald ganz oder teilweise mit Körnchen oder feinen Runzeln, zuweilen auch mit Eindrücken von Gefäßen bedeckt, von denen die letzteren namentlich auf der Ventralseite und am vorderen Teil der Scheide deutlich ausgeprägt erscheinen. Bei vielen Arten verläuft eine mehr oder weniger tief und scharf eingeschnittene Furche vom vorderen Alveolarrand auf der Ventralseite (seltener auf der Dorsalseite), bald nur eine kurze Strecke weit, bald aber auch bis zur hinteren Spitze. Die Entstehung dieser Furche dürfte wohl durch eine Spaltung des Mantels veranlaßt sein. Andere schwächer vertiefte Furchen beginnen bei manchen Belemniten an der Spitze. Sehr häufig erscheinen 2 symmetrische Rinnen, welche sich bald verflachen und als kaum vertiefte Bänder oder Streifen etwas divergierend nach vorn verlaufen. Dieselben bezeichnen stets die Dorsalseite der Scheide. Man nennt sie Dorsolateralfurchen. Eine unpaare, meist kurze, von der Spitze ausgehende Furche zeigt sich zuweilen auf der Ventralseite.
Die Kalkfasern, welche, fast senkrecht gegen die Apicallinie gerichtet, die Scheide zusammensetzen, bestehen aus feinen Kalkspatprismen. Durch bituminöse Beimischungen erhalten dieselben eine dunkelbraune, zuweilen auch bernsteingelbe Färbung und hinterlassen beim Auflösen in Säure eine schwarze teerige Masse. Reibt man Belemnitenstücke aneinander, so entwickelt sich ein eigentümlicher bituminöser Geruch; beim Erhitzen entweicht die organische Substanz. Da die Belemniten selbst in schieferigen Gesteinen fast niemals zusammengedrückt vorkommen, so darf wohl angenommen werden, daß die Scheide schon bei den lebenden Tieren aus soliden Prismen zusammengesetzt war.
Der ~Phragmocon~ (¡alveolus¡, ¡Alveolit¡) steckt in einer kegelförmigen, nach hinten zugespitzten Alveole am vorderen Teil der Scheide (Fig. 1213 ¡C¡). Er gleicht einem ¡Orthoceras¡, ist von einer eigenen Schale (¡conotheca¡) umgeben und durch konkave, uhrglasförmige Scheidewände (¡septa¡) in zahlreiche, engstehende Kammern (¡loculi¡) geteilt, welche von einem ventralen, randständigen Sipho durchzogen sind. Der dünne zerbrechliche vordere Alveolarrand der Scheide ist selten erhalten, und auch Phragmocone, die noch in der Alveole stecken, gehören nicht zu den häufigeren Vorkommnissen, denn meist findet man die kegelförmigen Vertiefungen der Scheiden leer. Der vordere Teil des Phragmocons bildet eine ziemlich große Kammer, deren zarte Conothek sich auf der Dorsalseite in ein breites, sehr dünnes, etwas gewölbtes Blatt (¿Proostracum¿) verlängert.
Die Conothek besteht aus 3 oder mehreren übereinander liegenden dünnen Blättern, wovon das äußere eine eigentümliche Verzierung erkennen läßt, die zuerst von ~Voltz~ genau beschrieben wurde (Fig. 1216). Die Bauchseite ist äußerlich durch einfache horizontale Linien verziert; ihr gegenüber wird die Dorsalseite durch die sogenannten Asymptotenlinien begrenzt, welche von der Spitze nach oben divergierend eine Dorsalfläche (Hyperbolarfeld) umschließen, die etwa 1/4 des Umfangs einnimmt und mit bogenförmigen, nach vorn konvexen Linien verziert ist.
Über die Weichteile des Belemnitenkörpers geben Abdrücke aus dem englischen Lias (Fig. 1213 ¡B¡) und aus den lithographischen Schiefern Bayerns (Fig. 1214, 1215) einigen Aufschluß.[73] Der schlanke, mit einem Tintenbeutel versehene Belemnitenkörper ist von einem kräftigen, muskulösen Mantel umgeben; der rundliche Kopf trägt 10 etwa gleichlange Arme, welche je mit einer Doppelreihe von verschieden stark gebogenen Häkchen besetzt sind.
Man kennt ca. 350 Arten, von denen die ältesten im unteren Lias erscheinen. Die Hauptverbreitung ist im mittleren und oberen Lias, im Dogger, Malm und in der unteren Kreide. In der mittleren und oberen Kreide werden sie spärlicher und mit Ende des Kreidesystems sterben sie gänzlich aus. Die Belemniten gehören neben den Ammoniten zu den wichtigsten Leitfossilien des Jura und Kreidesystems. Man findet sie über die ganze Erdoberfläche verbreitet; am zahlreichsten in Europa, Asien und Amerika.
Als Subgenera von Belemnites werden unterschieden:
a) ¿Pachyteuthis¿ Bayle (Fig. 1218 ¡A¡). Scheide ohne alle Furchen. Nur im unteren Lias. ¡B. acutus¡ Mill.
b) ¿Megateuthis¿ Bayle (¡Dactyloteuthis¡ Bayle, ¡Paxillosi¡) (Fig. 1218 ¡B¡). Von der hinteren Spitze gehen zwei oder drei meist kurze Furchen aus. Mittlerer Lias bis untere Kreide. ¡B. paxillosus¡ Schloth., ¡B. elongatus¡ Mill., ¡B. giganteus¡ Schloth., ¡B. subquadratus¡ Röm. etc.
c) ¿Belemnopsis¿ Bayle (¡Hibolithes¡ Montf., ¡Gastrocoeli¡, ¡Canaliculati¡ und ¡Hastati¡) (Fig. 1218 ¡D¡, ¡E¡, 1214, 1215). Scheide mit tiefer und meist langer am Alveolarrand beginnender Ventralfurche, ohne oder mit Dorsolaterallinien. Dogger, Malm bis mittlere Kreide. ¡B. canaliculatus¡ Schloth., ¡B. absolutus¡ Fisch., ¡B. unicanaliculatus¡ Ziet., ¡B. minimus¡ Lister.
d) ¿Pseudobelus¿ Montf. (¡Bipartiti¡) (Fig. 1218 ¡C¡). Scheide dünn, schlank, mit sehr stark vertieften Dorsolateralfurchen, mit oder ohne Ventralfurche. Ob. Lias bis untere Kreide. ¡B. exilis¡ d'Orb., ¡B. bipartitus¡ Blv.
e) ¿Duvalia¿ Bayle (¡Notocoeli¡, ¡Conophori¡) (Fig. 1217). Scheide konisch, seitlich abgeplattet oder vierkantig, mit einer am Alveolarrand beginnenden Dorsalfurche. Tithon und untere Kreide.
f) ¿Actinocamax¿ Miller (¡Gonioteuthis¡ Bayle) (Fig. 1219). Scheide zylindrisch, hinten zugespitzt, mit kurzer, aber sehr tiefer Ventralfurche. Vorderes Ende der Scheide blättrig und leicht zerstörbar, der Phragmocon nur zum geringsten Teil von der Scheide umgeben, und meist durch einen Zwischenraum von derselben getrennt. Mittlere und obere Kreide. ¡B. subventricosus¡ Wahlbg., ¡B. quadratus¡ Blv.
g) ¿Belemnitella¿ d'Orb. (Fig. 1220). Scheide zylindrisch, mit kurzer, tiefer, das Alveolarende nicht erreichender Ventralfurche. Phragmocon von der Scheide umgeben. Gefäßeindrücke häufig sehr deutlich erhalten. Ob. Kreide.
¿Diploconus¿ Zitt. (Fig. 1221). Scheide kurz, stumpf konisch, von blättriger, nicht radial faseriger Struktur. Phragmocon fast bis zum Hinterrande der Scheide reichend. Tithon.
¿Bayanoteuthis¿ Mun.-Chalmas. Scheide lang, zylindrisch, hinten zugespitzt mit schwach vertieften Lateralfurchen. Dorsalseite rauh. Phragmocon sehr schlank und lang, im Querschnitt oval. Eocän. ¡B. rugifer¡ Schloenb. (Ronca.)
¿Vasseuria¿ Mun.-Chalmas. Scheide schlank, gestreckt konisch, mit drei von der Spitze ausgehenden Längsfurchen. Alveole mehr als die Hälfte der Scheide einnehmend. Siphonaldüten von einem Septum zum andern reichend. Eocän. (Bretagne). Sehr selten.
¿Belemnosis¿ Edw. Eocän. England, sehr selten.
¿Beloptera¿ Blv. (Fig. 1222). Scheide kurz, aus zwei konischen mit ihren Spitzen gegeneinander gerichteten Teilen bestehend, welche durch eine mediane, beiderseits flügelartig vorragende Ausbreitung verbunden sind. Vorderer Kegel mit konischer Alveole. Phragmocon unbekannt. Eocän.
¿Belopterina¿ Mun.-Chalmas. Wie vorige, aber ohne die seitlichen Flügel. Eocän.
2. Familie. #Belemnoteuthidae.# Zitt.
¡Schale aus einem konischen Phragmocon und Proostracum bestehend; Rostrum zu einem dünnen, kalkigen Überzug des Phragmocons reduziert. Die 10 fast gleichlangen Arme des Tieres mit je zwei Reihen Häkchen besetzt, Tintenbeutel vorhanden.¡ Trias bis Kreide.
¿Phragmoteuthis¿ Mojs. (Fig. 1223). Proostracum doppelt so lang als der konische, von einer braunen Deckschicht (Rostrum) umhüllte Phragmocon, aus einem durch Asymptotenlinien begrenzten Mittelfeld und zwei kürzeren Seitenfeldern zusammengesetzt, die wie ersteres vorne gerundet sind. Trias (Raibler Schichten).
¿Belemnoteuthis¿ Pearce (¡Conoteuthis¡ d'Orb.) (Fig. 1224, 1225). Klein, der gekammerte Phragmocon ohne verlängertes Proostracum. Im oberen Callovien von England und Württemberg und in der unteren Kreide (¡Conoteuthis¡).
3. Familie. #Spirulidae.# Zitt.
¡Gekammerte Schale spiral gebogen, vom Mantel umgeben und im hinteren Teil des Rumpfes gelegen. Tier mit 8 kurzen und 2 längeren Armen ohne Häkchen.¡ Pliocän und lebend.
¿Spirulirostra¿ d'Orb. (Fig. 1226). Gekammerte Schale anfänglich spiral, dann geradlinig, mit Sipho auf der konkaven Internseite. Diese Schale steckt in einer kurzen, zugespitzten, nach vorne verdickten, kalkigen Scheide (Rostrum). Ob. Miocän. Turin.
¿Spirulirostrina¿ Canavari. Wie vorige, aber das Rostrum auf zwei kleine seitliche flügelartige Anhänge reduziert. Neogen. Sardinien.
¿Spirula¿ Lam. (Fig. 1227). Rostrum fehlt. Die gekammerte Schale in einer Ebene spiral eingerollt, die Umgänge sich nicht berührend, aus Perlmuttersubstanz zusammengesetzt, mit konkaven Scheidewänden und kugeliger Anfangskammer. Sipho auf der Innenseite, randständig, vollständig von dicken Siphonaldüten umgeben, die von einem Septum zum andern reichen. Prosipho vorhanden. Lebend in den tropischen Meeren.
2. Unterordnung. #Sepioidea.# ~Tintenfische~.
¡Schale innerlich, im wesentlichen nur aus einem länglich ovalen oder schmalen verlängerten Proostracum (Schulp) bestehend, Rostrum und Phragmocon ganz oder fast ganz verkümmert. Tier mit 10 Armen, die entweder mit Saugnäpfen oder Häkchen besetzt sind. Tintenbeutel vorhanden.¡
1. Familie. #Sepiophoridae.# Fischer.
¡Schulp kalkig, länglich oval, am hinteren Ende mit einer verdickten Spitze, welche einen konischen Hohlraum umschließt.¡ Jura bis jetzt.
Die hintere verdickte Spitze entspricht wahrscheinlich dem Rostrum der ¡Belemnoidea¡, die konische Vertiefung darin der Alveole des Phragmocons, der bei ¡Belosepia¡ noch eine undeutliche Kammerung erkennen läßt, bei ¡Sepia¡ aber vollständig verloren gegangen ist.
¿Belosepia¿ Voltz (Fig. 1228). Das in der Regel allein erhaltene untere Ende des Schulps endigt in einem gebogenen Stachel, welcher sich nach oben verdickt, seitlich ausbreitet und unmittelbar in den Anfangsteil eines kalkigen, außen rauhen Proostracums übergeht. Nach innen ist die verdickte Spitze konisch ausgehöhlt und zeigt auf der Dorsalseite eine Anzahl engstehender, jedoch unvollständiger Scheidewände. An Stelle des Sipho befindet sich eine weite trichterförmige Vertiefung. Eocän. Nicht selten im Pariser Becken.
¿Sepia¿ Lam. (Fig. 1229). Schulp ebenso lang als der Mantel, länglich oval, vorne gerundet, hinten verdickt und in einem kurzen Stachel endigend. Hinterende der Schale innen mit einer konischen Vertiefung. Das Proostracum besteht außen aus zwei spröden Kalklamellen, die durch eine Hornschicht getrennt sind, innen aus einer nach vorne an Dicke zunehmenden Lage von zahlreichen äußerst feinen parallelen Kalkblättchen, welche durch senkrechte Pfeilerchen auseinander gehalten werden und dadurch ein schwammiges Gefüge erhalten. Die als »weißes Fischbein« oder ¡ossa Sepiae¡ bekannten Schulpe der lebenden ¡S. officinalis¡ Lin. finden sich in großer Menge vom Meer ausgespült an der Küste. Fossile Arten im Tertiär.
2. Familie. #Chondrophoridae.# Fischer.
¡Schulp stark verlängert, dünn, aus hornartiger Conchyliolinsubstanz oder aus abwechselnden Blättern von Kalk- und Hornsubstanz bestehend, hinten nicht verdickt und ohne konische Vertiefung.¡ Jura bis jetzt.
¿Trachyteuthis¿ H. v. Meyer (Fig. 1230). Schulp länglich oval, aus kalkigen und hornigen Blättern zusammengesetzt, hinten abgerundet mit schwach vorragender Spitze, außen rauh gekörnelt, mit nach vorne divergierenden Linien, welche in der hinteren Hälfte zwei vorragende Seitenflügel von dem verlängerten und vorne gerundeten Mittelteil abgrenzen. Abdrücke des sackförmigen Rumpfes und Kopfes zuweilen im lithographischen Schiefer des oberen Jura von Bayern erhalten. Ob. Jura.
¿Leptoteuthis¿ H. v. Meyer. Sehr große, dünne, aus mehreren Blättern von Kalk- und Hornsubstanz zusammengesetzte, hinten etwas verschmälerte und abgerundete Schulpe. Das Mittelfeld ist mit feinen, nach vorne konvexen, wellig gebogenen Querstreifen bedeckt und jederseits von einem durch divergierende Längslinien begrenzten Seitenfeld umgeben, das mit steil nach vorne und innen gerichteten Linien bedeckt ist und nach außen von Seitenflügeln eingefaßt wird, welche sich hinten etwas verbreitern. Ob. Jura von Eichstätt in Bayern und Nusplingen in Württemberg, ¡L. gigas¡ Meyer.
¿Geoteuthis¿ Münst. (Fig. 1231). Schale aus abwechselnden dünnen Lagen von Horn und Kalk bestehend, vorne breit, hinten gerundet. Das Mittelfeld durch eine mediane Längslinie halbiert, seitlich von zwei Feldern mit hyperbolarer Streifung begrenzt. Der Tintenbeutel häufig erhalten, in eine gagatartige Masse umgewandelt, die aufgelöst als Tusche benutzt werden kann. Ob. Lias von Württemberg, Franken, in England und Nord-Frankreich.
¿Beloteuthis¿ Münst. (Fig. 1232). Schale sehr dünn, länglich, hinten blattförmig, breit gerundet, vorne zugespitzt, in der Mitte mit Längskiel. Ob. Lias, Württemberg.
¿Teuthopsis¿ Desl. Lias. ¿Phylloteuthis¿ Meek und Hayden. Kreide.
¿Kelaeno¿ Münst. Ob. Jura.
¿Plesioteuthis¿ A. Wagner (Fig. 1233). Schale sehr dünn, lang, schmal, lanzettförmig, hinten zugespitzt, vorne gerundet, mit Mediankiel und nach vorne divergierenden Linien verziert. Sehr häufig im oberen Jura von Eichstätt und Solnhofen. Auch in der Kreide von Syrien und Maestricht. Im lithographischen Schiefer sind Abdrücke des Rumpfes und Kopfes nicht selten.
3. Unterordnung. #Octopoda.# ~Achtfüßer~.
¡Nackte, mit rudimentärem innerem Chitin(?)-Schulp oder mit einer sehr dünnen, spiralen, kahnförmigen, ungekammerten äußeren Kalkschale versehene Cephalopoden. Die acht kräftigen Arme mit Saugnäpfen besetzt.¡ Kreide, Tertiär und lebend.
Die Mehrzahl der hierher gehörigen Gattungen ist nackt und daher fossil nur ausnahmsweise erhaltungsfähig.
¿Calais¿ J. de C. Sow. Rumpf kurz, breit sackförmig, mit dreieckigen Seitenflossen; Kopf klein mit kräftigen, langen Armen. ¡C. Newboldi¡ Sow. (H. Woodward. Quart. Journ. Geol. Soc. London 1896. p. 229). Obere Kreide, Libanon.
Bei ¿Argonauta¿ Lin. sondern die Weibchen, welche die Männchen beträchtlich an Größe übertreffen, teils durch den Mantel, teils durch zwei verlängerte und am Ende flossenartig ausgebreitete Arme eine sehr dünne, außen und innen aus prismatischen Zellen bestehende kahnförmige, spiral eingerollte Schale ab, deren Oberfläche auf den Seiten mit Falten und Höckern verziert ist. Der Externteil wird jederseits von einem knotigen Kiel begrenzt. Lebend und fossil im obersten Tertiär.
Zeitliche Verbreitung der Dibranchiata.
Im Vergleich zu den ¡Tetrabranchiata¡ haben die Dibranchiaten eine untergeordnetere geologische Bedeutung. Sie sind nach ihrer ganzen Organisation weniger zur fossilen Erhaltung geeignet. Ein nur annähernd richtiges Bild von der Bedeutung der Dibranchiaten in den Meeren der Urzeit wird darum die Paläontologie niemals zu enthüllen im stande sein. In der Trias erscheinen die ältesten Vertreter (¡Belemnoidea¡), denen im Lias und oberen Jura auch eine Anzahl echter Tintenfische (¡Sepioidea¡) folgen. Ob und welche Vorläufer den Dibranchiaten vorausgingen, ist vorläufig nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Ihr plötzliches Auftauchen ist eine überraschende Tatsache und ebenso das rasche Aufblühen und die verhältnismäßig kurze Lebensdauer der ¡Belemnoidea¡. Die spärlichen triasischen Vorläufer werden im Lias, Jura, in der unteren Kreide durch zahlreiche und mannigfaltige Belemnitenformen ersetzt; am Ende der Kreidezeit sind nur noch ¡Belemnitella¡ und ¡Actinocamax¡ in größerer Menge verbreitet, denen im Tertiär einige verspätete Ausläufer (¡Bayanoteuthis¡, ¡Vasseuria¡, ¡Belemnosis¡, ¡Beloptera¡, ¡Spirulirostra¡) entsprechen, welche schon durch große Seltenheit ihre geringe Lebensfähigkeit bekunden. In der Jetztzeit ist ¡Spirula¡ der einzige Vertreter der ¡Belemnoidea¡.
Aus den Belemnoiden sind höchst wahrscheinlich die ¡Sepioidea¡ hervorgegangen. Bei der tertiären ¡Belosepia¡ ist der Phragmocon noch ziemlich deutlich ausgebildet, während derselbe bei ¡Sepia¡ zu einem kleinen Rudiment verkümmert ist. Die liasischen und jurassischen ¡Chondrophora¡ schließen sich eng an ihre lebenden Verwandten an. Nach den vorliegenden Überresten läßt sich vermuten, daß die fossilen Tintenfische der mesozoischen Ablagerungen in allen wesentlichen Organisationsverhältnissen den recenten ähnlich waren.
Fußnoten:
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[56] Bull. Soc. Belge de Geol., Palaeont. et Hydrol. 1889. vol. III. S. 124.
[57] Bull. Soc. Belge de Geol., Palaeont. et Hydrol. 1889. vol. III. S. 124.
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[62] Literatur (vgl. S. 398), außerdem:
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[66] cf. ¡Zittel¡, Textbook of Palaeontology S. 546, 47.
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[69] ¡Haug, E.¡, Über die ¡Polymorphidae¡ aus dem Lias. Neues Jahrb. für Mineralogie 1887. II.
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[71] ~Leop. Würtenberger~. Studien über die Stammesgeschichte der Ammoniten. Ein geologischer Beweis für die Darwinsche Theorie. Leipzig 1880.
[72] ¡Blainville, Ducrotay de¡, Mémoire sur les Bélemnites. Paris 1827. -- ¡Duval-Jouve¡, Bélemnites des terrains crétacés inférieurs des environs de Castellane. Paris 1841. 4^o. -- ¡Douvillé¡, Bull. Soc. géol. de France 1892. XX. S. XXV. -- ¡Huxley, Thom.¡, On the Structure of Belemnitidae, with a description of a more complete specimen of Belemnites than any hitherto known, and on an account of a new genus of Belemnitidae (Xiphoteuthis). Mem. geol. survey of the United Kingdom. Figures and descriptions of British organic remains. Monograph II. London 1864. -- ¡Mantell, G. A.¡, Observations on some Belemnites and other fossil remains of Cephalopoda in the Oxford-clay near Trowbridge, Wiltshire. Philos. Trans. 1848 p. 171 to 181 and Supplementary observations ibid. 1850 p. 393-398. -- ¡Mayer, Ch.¡, Liste par ordre systématique des Bélemnites des terrains jurassiques. Journ. de Conchyliologie 1863 und Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. 1883. S. 641. -- ¡Phillips, John¡, A Monograph of British Belemnitidae. Palaeontogr. Society 1865-1870. -- ¡Sueß, Ed.¡, Über die Cephalopoden-Sippe Acanthoteuthis. Sitzungsber. d. Wien. Akad. Bd. LI. 1865. -- ¡Voltz¡, Observations sur les Bélemnites. Paris 1827. -- Observations sur les Belopeltis ou lames dorsales des Belemnites. ibid. 1840. III.
[73] Die aus den lithographischen Schiefern bekannten Abdrücke, welche außer dem Weichkörper noch den Phragmocon und das Proostracum, nie aber im Zusammenhang damit das Rostrum zeigen, wurden bislang als Gattung ¿Acanthoteuthis¿ zur Familie der ¿Belemnoteuthidae¿ gestellt. ~E. Angermann~ (N. Jahrb. f. Min. Beil. Bd. XV. 1895 S. 205-230) hat kürzlich dargetan, daß die als ¿Acanthoteuthis¿ bezeichneten Stücke höchster Wahrscheinlichkeit nach Belemnitenindividuen angehörten (wohl ¡Bel. semisulcatus¡ Münst.), bei denen nach dem Tode des Tieres der Zusammenhang zwischen dem Rostrum und dem Weichkörper mit Phragmocon und Proostracum gelöst worden ist.
VII. Stamm.
#Arthropoda.# Gliedertiere.
Die Gliederung des Körpers in eine Anzahl von Segmenten (Glieder, Metameren), sowie der Besitz von gegliederten Bewegungsorganen, unterscheidet die Arthropoden von den übrigen großen Abteilungen des Tierreichs.
Jedes Segment kann auf seiner Ventralseite ein Fußpaar hervorbringen, doch ist die Zahl der letzteren in der Regel kleiner als die der Segmente. Durch die außerordentlich verschiedenartige Ausbildung der Extremitäten vermögen die Arthropoden zu schwimmen, kriechen, laufen, klettern und, wenn auch noch Flügel hinzukommen, zu fliegen. Die Funktion der Gliedmaßen verlangt feste Stützpunkte an ihrer Insertionsstelle, sowie eine kräftige Muskulatur. Die Haut ist darum bei den Arthropoden mehr oder weniger durch Aufnahme von Chitin oder Kalksalzen erhärtet und auf der Innenseite dieses gegliederten Hautskelettes heftet sich eine hoch ausgebildete Muskulatur an, welche sich in die Höhlungen der Gliedmaßen fortsetzt. Durch die Gestalt, Größe und Verteilung der Extremitäten, welche je nach ihrer Funktion ~Fühler~ (¡Antennae¡), ~Kiefer~ (¡Mandibulae¡, ¡Maxillae¡) oder ~Beine~ (¡pedes¡) genannt werden, ist die ganze Körperbildung der Arthropoden wesentlich beeinflußt. Die vorderen Körpersegmente verschmelzen miteinander und bilden den ~Kopf~. Hinter demselben folgt der ~Mittelleib~ (Brust, ¡Thorax¡), dessen Segmente gleichfalls noch ziemlich enge verbunden sind und dessen vordere Gliedmaßen häufig als Mundwerkzeuge fungieren, während die hinteren als Bewegungsorgane dienen. Sind Kopf und Mittelleib nicht scharf voneinander abgesetzt, sondern verschmolzen, so entsteht ein ¿Cephalothorax¿. Am ~Hinterleib~ (¡Abdomen¡) bleiben die Segmente fast immer gesondert und entbehren entweder der Füße, oder dieselben dienen, wenn vorhanden, teils zur Bewegung, teils als Respirations- oder Kopulationsorgane.
Das ~Nervensystem~ liegt in der Mittellinie der Bauchseite unter dem Darm und besteht aus einer von der Segmentierung beeinflußten Anzahl von Ganglienpaaren, die durch zwei dicht nebeneinander in der Richtung der Längsachse verlaufende strickleiterähnliche Nervenstränge verbunden sind. Der vordere Teil des Nervensystems schwillt zu einem ~Gehirn~ an. Von den Sinnesorganen sind die ~Augen~ in der Regel am vollkommensten ausgebildet. Sie fehlen nur bei wenigen parasitischen oder festgehefteten Arthropoden und bestehen in ihrer einfachsten Form aus einem kleinen lichtbrechenden Körper (Punktaugen, ¡Stemmata¡) oder sie sind aus einer Anzahl von kegelförmigen Stäbchen zusammengesetzt, deren Oberfläche in der Regel eine deutliche Facettierung erkennen läßt. Tast-, Geruch- und oft auch Gehörsinn liegen gewöhnlich in den vordersten Gliedmaßen (Antennen).
Die ~vegetativen~ Organe (Darm, Magen, Leber, Nieren, Harnorgane, Blutgefäße) sind wohl ausgebildet und vielfach differenziert. Die Generationsorgane finden sich mit wenigen Ausnahmen (Tardigraden, Cirripeden) auf männliche und weibliche Individuen verteilt. Die ~Fortpflanzung~ erfolgt durch Eier, welche nicht immer der Befruchtung bedürfen (Parthenogenesis). Der Embryo legt zunächst einen bauchständigen Primitivstreifen an und entwickelt sich unter mehr oder weniger komplizierter Metamorphose, wobei die Larven in der Regel mehrmals ihre Haut abstreifen.
Die ~Respiration~ kann bei den unvollkommensten und kleinsten Arthropoden durch die ganze Oberfläche des Körpers vermittelt werden; häufiger sind aber besondere Organe vorhanden und zwar bei den Wasserbewohnern schlauchartige, verästelte Anhänge der Extremitäten (~Kiemen~), bei den luftatmenden innere, mit Luft gefüllte, verästelte Röhren (~Tracheen~) oder ~Lungensäcke~ (Fächertracheen).
Nach den Respirationsorganen, nach der Körpersegmentierung und nach der Beschaffenheit der Gliedmaßen unterscheidet man bei den Arthropoden die zwei Unterstämme ¡Branchiata¡ und ¡Tracheata¡, wovon die ersteren die ¿Crustacea¿ und ¿Merostomata¿, die letzteren die drei Klassen der ¿Myriopoda¿, ¿Arachnoidea¿ und ¿Insecta¿ enthalten.
Sämtliche Klassen weisen zahlreiche fossile Vertreter auf, obgleich die Erhaltungsbedingungen für die luftlebenden Formen wenig günstig sind. Schon im paläozoischen Zeitalter waren die Klassen, Ordnungen und Familien der Arthropoden stark differenziert. Eigenartige, von den jetzt lebenden Typen stark abweichende Formen zeigen sich namentlich unter den paläozoischen Krebsen und Merostomen. Diese Klassen haben überhaupt infolge ihrer Lebensweise im Wasser verhältnismäßig zahlreiche und gut erhaltene Reste überliefert und übertreffen an geologischer Wichtigkeit alle andern.
Über die Entstehung der Arthropoden gewährt die Paläontologie keinen direkten Aufschluß. Die ganze Organisation derselben weist auf eine nahe Verwandtschaft mit den Würmern und insbesondere mit den Anneliden hin, allein die Umformung in den höheren Typus müßte jedenfalls in vorkambrischer Zeit vor sich gegangen sein, da uns schon in den ältesten fossilführenden Ablagerungen mehrere Ordnungen von Crustaceen entgegentreten, welche sich beinahe ebenso weit von einer supponierten Urform entfernt haben als viele noch jetzt existierende Vertreter derselben Klasse. Auffallenderweise treten auch die wurmähnlichsten unter allen Gliedertieren, die Myriopoden, verhältnismäßig spät und zwar gleichzeitig mit den hoch differenzierten Insekten auf. Die Vergänglichkeit des Hautskelettes und die Lebensweise der Myriopoden erklären allerdings ihre Abwesenheit in kambrischen und silurischen Schichten, allein es gibt dort auch keine andern Formen, welche sich mit einiger Wahrscheinlichkeit als Ahnen aller Arthropoden deuten ließen.
1. Unterstamm. #Branchiata.#
1. Klasse. #Crustacea.# Krebstiere.[74]
~Durch Kiemen (oder zuweilen nur durch die Haut) atmende, fast ausschließlich Wasser bewohnende Gliedertiere mit zwei Fühlerpaaren und mehreren, teilweise zu Kieferfüßen umgestalteten Beinpaaren am Thorax, häufig mit Fußpaaren am Abdomen.~
Die Segmentierung des Körpers ist nur bei den niedrigst stehenden Krebsen undeutlich und dann stets Folge einer retrograden Entwicklung. Von den drei Hauptabschnitten des Körpers verschmelzen Kopf und Brust häufig ganz oder teilweise zu einem sogenannten ~Kopfbruststück~ (¡Cephalothorax¡), ja zuweilen nehmen sogar noch die vordersten Segmente des ~Hinterleibes~ an der Zusammensetzung des ~Cephalothorax~ teil. Letzterer ist (im Gegensatz zu den Arachniden), je nach den einzelnen Ordnungen, aus einer sehr verschiedenen Zahl von Segmenten zusammengesetzt und sehr oft von einer häutigen, chitinösen oder kalkigen Schale bedeckt, die entweder aus einem einzigen Stück oder aus zwei muschelähnlichen Klappen (¡Ostracoda¡) oder sogar aus mehreren Kalkplatten (¡Cirripedia¡) besteht. Die Gesamtzahl der Körpersegmente, welche sich am sichersten durch die Fußpaare bestimmen läßt, kann beträchtlich variieren, bleibt aber bei den als ¡Malacostraca¡ zusammengefaßten Ordnungen konstant.
Niemals trägt ein Segment mehr als ein Fußpaar; letztere zeigen, je nachdem sie zur Vermittlung von Sinneseindrücken (Antennen), zur Aufnahme und Zerkleinerung der Nahrung (Kiefer), zum Greifen (Scheren), Schreiten, Schwimmen dienen, oder eine Mitwirkung bei der Begattung oder Respiration übernehmen, außerordentlich verschiedene Gestalt. Typisch besteht ein Fußpaar aus einem von zwei Gliedern gebildeten Basalabschnitt (¡Protopodit¡), von welchem zwei Äste, ein äußerer (¡Exopodit¡) und ein innerer (¡Endopodit¡) entspringen; in vielen Fällen verkümmert jedoch einer der beiden Äste oder ist stark modifiziert.
Die meisten niedrig organisierten Crustaceen durchlaufen in ihrer nachembryonalen Entwicklung ein Larvenstadium, das als ¿Nauplius¿ bezeichnet wird und durch den Besitz von nur drei Gliedmaßenpaaren ausgezeichnet ist, welche den Antennen und Mandibeln entsprechen. Bei einer zweiten, höher organisierten Gruppe von Krebsen wird das Naupliusstadium übersprungen, und als Ausgangspunkt der Metamorphosen erscheint eine mit sieben Fußpaaren und segmentiertem Hinterleib ausgestattete Larve, welche den Namen ¿Zoëa¿ trägt.
Die Crustaceen zerfallen in die 2 Unterklassen ¿Entomostraca¿ und ¿Malacostraca¿.
A. Unterklasse. #Entomostraca.# Gliederschaler.
¡Vorwiegend kleine Kruster von überaus verschiedener Körpergestalt, aus einer wechselnden Anzahl von Segmenten mit mannigfaltig gestalteten Fußpaaren zusammengesetzt. Nauplius-Entwicklung.¡
Hierher gehören die Ordnungen ¿Copepoda¿, ¿Cirripedia¿, ¿Ostracoda¿, ¿Phyllopoda¿ und ¿Trilobitae¿.
Mit Ausnahme der Copepoden haben sämtliche Ordnungen fossile Überreste hinterlassen.
2. Ordnung. #Cirripedia.# ~Rankenfüßer.~[75]
~Festsitzende, hermaphroditische, von einem häutigen, oft mit kalkigen Platten bedeckten Mantel umgebene Tiere. Körper mit dem Kopfende auf einer Unterlage angewachsen, undeutlich, zuweilen gar nicht gegliedert; Hinterleib mit sechs Paar gespaltenen Rankenfüßen, die jedoch in geringerer Zahl vorhanden sein oder selbst ganz fehlen können.~
Die typischen und von jeher am besten bekannten, mit kalkigen Schalen umhüllten Cirripeden (Lepadiden und Balaniden) unterscheiden sich durch ihre äußere Gestalt, ihre feste Kalkschale, ihre mangelhaft entwickelten Respirations- und Sinnesorgane und insbesondere durch ihren hermaphroditisch entwickelten Geschlechtsapparat so sehr von allen übrigen Crustaceen, daß sie bis zum Jahre 1830 allgemein zu den Mollusken gerechnet wurden. Erst nachdem durch ~J. V. Thompson~ und ~Burmeister~ die Entwicklung der Cirripeden aus echten Naupliuslarven nachgewiesen war, konnte über ihre Zugehörigkeit zu den Entomostraceen kein Zweifel mehr bestehen.
Nur von den beschalten Cirripeden (¡Thoracica¡) existieren fossile Überreste. Sie finden sich sparsam in paläozoischen und mesozoischen Ablagerungen und werden erst im jüngeren Tertiär (Neogen) häufig. Sämtliche Cirripeden sind Meeresbewohner; die kalkschaligen heften sich an Steinen, Holz, Muscheln, Korallen und Meerpflanzen an und bedecken oft in zahlloser Menge steinige Küsten. Einige Gattungen (¡Coronula¡, ¡Chenolobia¡) betten sich in die dicke Haut von Walfischen und Delphinen ein. Sie leben von Infusorien und Larven verschiedener Meertiere. Im allgemeinen halten sich die Cirripeden in seichtem Wasser auf, doch kommen einzelne Gattungen (¡Scalpellum¡, ¡Verruca¡) auch in großer Tiefe bis 1900 und 2800 Faden vor.
Die ¡Thoracica¡ zerfallen in die Familien der ¡Lepidocoleidae¡, ¡Turrilepadidae¡, ¡Lepadidae¡, ¡Verrucidae¡ und ¡Balanidae¡.
1. Familie. #Lepidocoleidae.# Clarke.
¡Körper mit zwei alternierenden Reihen von übergreifenden Platten bedeckt; die terminalen Platten einfach, achsial. Basalteil etwas gekrümmt.¡
¿Lepidocoleus¿ Faber. Silur bis Devon. Nordamerika.
2. Familie. #Turrilepadidae.# Clarke.
¡Schale länglich, aus 4-6 Längsreihen großer, dreieckiger, in der Mitte gekielter Platten bestehend; Schwanzplatte einfach, achsial.¡ Silur. Devon.
¿Plumulites¿ Barr. (¡Turrilepas¡ Woodw.) (Fig. 1234).
3. Familie. #Lepadidae.# ~Entenmuscheln.~
¡Schale gestielt, hauptsächlich aus den paarigen Terga und Scuta, der unpaaren Carina und einer wechselnden Zahl von kleineren Kalkplättchen gebildet, die teils den biegsamen Stiel bedecken, teils an der Zusammensetzung des Capitulum teilnehmen. Die Schalenstücke sind niemals miteinander verwachsen.¡ Jura bis Jetztzeit.
¿Archaeolepas¿ Zitt. (Fig. 1235). Stiel abgeplattet, auf den zwei Hauptseitenflächen mit 4-6, auf den schmalen Seiten mit zwei Längsreihen von kleinen Kalkschuppen bedeckt. Die eigentliche Schale (Capitulum) aus zwei dreieckigen Scuta, zwei großen trapezoidischen Terga, einer kurzen unpaaren Carina und einem winzigen Rostrum zusammengesetzt. Ob. Jura.
¿Loricula¿ Sow. (Fig. 1236). Stiel getäfelt. Capitulum mit 2 Scuta, 2 Terga, 4 Lateralplatten und einer sehr schmalen Carina. Mittlere und obere Kreide.
¿Pollicipes¿ Leach (¡Polylepas¡ Blv.) (Fig. 1237). Capitulum aus zahlreichen (18-100) Plättchen zusammengesetzt, unter denen sich die Scuta, Terga, das Rostrum und die Carina durch Größe auszeichnen. Die Lateralia stehen meist in zwei Reihen übereinander. Stiel häutig mit winzigen Schüppchen. Ob. Jura. Kreide. Tertiär und Recent.
¿Scalpellum¿ Leach. (Fig. 1238-1240). Capitulum mit 12-15 Stücken. Die Terga und Scuta viel größer als bei ¡Pollicipes¡ und von sehr charakteristischer Gestalt. Carina schmal, lang mit gewölbtem Rücken. Stiel fein beschuppt, seltener nackt. Kreide bis jetzt.
¿Lepas¿ Lin. (Fig. 1241). Stiel häutig. Capitulum nur aus zwei sehr großen, dreieckigen Scuta, zwei kleinen Terga und einer Carina bestehend. Pliocän und lebend.
¿Poecilasma¿ Darwin. Tertiär und lebend.
4. Familie. #Verrucidae.#
¡Ungestielte, aufgewachsene Schalen, aus 6 Stücken zusammengesetzt. Von den Scuta und Terga ist nur je eine Schale frei beweglich, die andere mit dem Rostrum oder der Carina verwachsen.¡
Die einzige Gattung ¿Verruca¿ Schum. findet sich in der oberen Kreide, im Tertiär und lebend.